Nr. 465 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 232 Bezugspreis: Bom 30. Sept.- 6. Ott. 28 Millionen M voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 30. Geptbr.- 6. Ottbr. für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet sowie Desterreich u. Lugemburg 41 600 000 M., für das übrige Ausland 52 000 000 m2. Postbezugsprets freibleibend Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage..Bolt und Reit", ber Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten* erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. ags einn Telegramm- Adresse: Cozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 5000000 M. Anzeigen- Grundpreise: Die einipaltige Ronpareillegeile 400 Mart. Reklamegeile 2000 Bart. Kleine Anzeigen" das fergebructe Wort 120 2.( zulässig awet fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 60 M Stellengesuche das erste Wort 60 M., jedes weitere Wort 50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Familienanzeigen für Abonnenten geile 40 m. 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Insbesondere kommt der Stinnesdirektor, Herr minoux, deffen Name eifrig folportiert wurde, nicht in Betracht. Der Reichstanzler scheint bestrebt zu fein, möglichst viele der bisherigen Minister beizubehalten und die durch den Austritt der Sozialdemokratie freiwerdenden Plätze mit Persönlichkeiten zu befehen, die parteipolitisch nicht abgeftempeli find. dem Experiment der Regierung auf breiter Grundlage nicht| Kopf erledigt zu werden. Man könne feiner Bartet zumuten, versagte, fie hat aber auch jene Prophezeiungen widerlegt, fich derartigen Forderungen, wenn sie in ultimativer Form nach denen sie auf dem Wege sein sollte, sich zum Werkzeug gestellt werden, ohne weiteres zu beugen. Auf dieser Grundder Rapitalisten zu machen. Sie hat dadurch zweifellos lage fei eine Roalitionspolitit unmöglich. Das neues Bertrauen gewonnen eben bei den breiten Zentrum müsse sich einer Regierung verjagen, die ein 2 benMassen, die der neuen Regierung mit tiefem Mißtrauen ge- teuer darstellt oder unternimmt, und fei nach wie vor der genüberstehen. Ansicht, daß die beste Regierung die ist, die einen breiten parlamentarischen Rückhalt hat. Ueber die Berhandlungen, die dem Sturz der Regierung vorausgingen, berichtet die Germania": 11 Das Verhältnis der Sozialdemokratischen Reichstags fraktion zu dem neuen Rabinett ergibt sich daraus von selbst. mag auch Herr Stresemann versichern, daß sein Programm bas afte geblieben sei, so hat dieses Programm doch durch die Das Zentrum hat in den beiden letzten Tagen versucht, die 2ls im Amt verbleibende Minister nannte man: Greigniffe der legten Tage eine ganz neue Interpretation be- ritfige Frage auf dem Boden der großer Koalition Geßler, Brauns und Fuchs. is Landwirtschafts- tommen. Tatsachen wiegen schwerer als Worte. auszugleichen. Seine Unterhändler haben in Uebereinstimmung minister foll der Präsident der Landwirtschaftskammer von Die Sozialdemokratische Partei hat den ehrlichen Bersuch mit der fast einmütigen Auffassung der Fraktion nie einen Zweifel Brandenburg, Herr v. Oppen, in Aussicht genommen sein. unternommen, in der Koalition die Interessen des Voltes darüber gelassen, daß sie an dem Gedanken der großen Die Ernennung der neuen Minister ist im Laufe der und seiner breiten arbeitenden Massen wahrzunehmen. Dieser Roalition festhalten und daß es möglich sein müsse, hier zu einer letzten Nacht noch nicht erfolgt. Der Reichskanzler will jedoch Versuch ist an dem engstirnigen laffenegoismus der Berständigung zu fommen. Gerade in der Arbeitszeitfrage das neue Kabinett noch im Laufe des heutigen Tages zustande- 23irtschaftsfreije" gescheitert, das Reich ist mit einem hat das Zentrum den Sozialdemokrater dadurch die Situation erbringen und mit ihm vor den Reichstag treten. Rud dem Abgrund näher geschleudert worden. Jedermann Der bisherige Ernährungsminister Dr. Luther foll muß wünschen, daß die Folgen dieses Verbrechens für das leichtern wollen, daß es der Regelung dieser Angelegenheit auf dem gefeßmäßigen Bege zustimmte. deutsche Bolt weniger furchtbar fein mögen, als allgemein in der Zentrumsfrattion mit allen gegen vier Stimmen gefaßt Dieser Beschluß ist Finanzminister werden, doch sieht das noch nicht fest. vorausgefagt wurde aber an dem, was davon fommt, worden. Hätten sich alle Barteien auf diesen Beschluß geeinigt, trägt die Sozialdemokratie feine Verantwortung, kann sie dann wäre der Hauptstreitpunkt beseitigt gewesen. feine übernehmen. Zentrum und Demokraten unternahmen gestern einen lekten aussichtslofen Wiederbelebungsverfuch an der großen Roalition. Sie schickten Herrn Marg zu Dr. Scholz, um feine Unterstützung zu gewinnen, erhielten jedoch einen a b. schlägigen Bescheid. Dadurch wurde die sozialdemokra▪ tische Fraktion ber Mühe enthoben zu sagen, daß sie an den Erfahrungen, die sie in den legten Tagen machte, genug habe und danke. Die Germania" schreibt den Krisenmachern der Boltspartei bittere Wahrheiten ins Stammbuch. Der Bunft, den die Volkspartei in den Vordergrund gerückt habe, die Frage der Arbeitszeit, fei nicht erst seit gestern attuell und brauche in einer Zeit der Kurzarbeit nicht Hals über Das mag richtig sein. Aber ebenso richtig ist, daß der dem Zentrum angehörige Arbeitsminister Dr. Brauns in der Kabinettssigung diesem Ausweg die 3ustim.. mung versagte und dadurch erst die letzte Entscheidung herbeigeführt hat. Etwas sonderbar mutet es an, wenn das offizielle Organ der Boltspartei ,,, Die Zeit", Berwahrung dagegen einlegt, Die logische Konfequenz der jüngsten Entwicklung wäre es gewesen, wenn nun Herr Dr. Scholz mit der Bildung einer Regierung betraut worden wäre, die sich auf die Rechte stüßt. Herr Dr. Scholz hätte aber dafür nicht einmal die Unter ftügung der eigenen Partei gehabt, von Zentrum und Demofraten nicht zu reden. Mit der Maregly- Gruppe und den Deutschnationalen allein fann man verfassungsgemäß nicht Die Ereigniffe der letzten Tage haben offenbar gemacht, Es ist blutiger Hohn, wenn die Reaktionäre vorgeben, regieren, und der Reichspräsident fann zwar auf Wunsch einer welche Gefahren die deutsche Arbeitnehmer- diesen Kampf gegen die Arbeitnehmerschaft im Namen der Mehrheit eine Regierung ernennen, über die er sich seine ihaft bedrohen. Nicht genug, daß der unerbittliche Nation, im Intereffe der deutschen Wirtschaft zu führen. Die eigenen Gebanten macht, er fann aber nicht einer Regierung Gegner im Westen auf den Zerfall der deutschen Re- Arbeiter, Angestellten und Beamten sind in den verin den Sattel helfen, die entweder überhaupt nicht oder nur publik lauert und an den Grundrechten der Arbeiter, Ange- gangenen Jahren am Rhein wie in Bayern allen feparatiffigegen die Verfaffung regieren fann. stellten und Beamten rättelf: in Deutschland selbst er- fchen Machenschaften entgegengetreten. Sie waren und heben sich ihre erbittertsten Feinde; im eigenen Land holen find die ihre wirtschaftlichen und politischen Widersacher zum entscheidenden Schlage aus. Arbeitnehmer seid auf dem Posten! Die Wiederberufung Stresemanns war vom Bentrum und den Demofraten gewünscht worden, und da auch die Deutsche Volkspartei nach ihrem tapferen Streich sich wieder fest und treu zu dem Führer" befannt hatte, war Herr Dr. Stresemann der gegebene Mann, um die Neubildung des Kabinetts in die Hand zu nehmen. Ein Rabinett Stresemann hat noch die beste Aussicht, die Mitte für sich zu gewinnen wie aber steht es rechts und lints? Vorkämpfer des Reichsgedankens Diefelben reaktionären Kreise, die der Arbeiterbewegung in allen von Sonderbündlern und Monarchisten gefährdeten immer den klaffenkampfftandpunkt zum Vorwurf machten, Gebieten. Die Gewerkschaften haben die Rechte der Nation, die Intereffen der Allgemeinheit verteidigt, indem sie den haben jeht ihrerseits die Egoismus der Unternehmer bekämpften, um dem Staat zu geben, was dem Staat gehört. Sturmfahne des rücksichtslosesten Klaffenkampfes gegen die Arbeitnehmer entrollt. fchaft wirtschaftlich und politisch in die alte Hörigkeit zurüdzuwerfen und alle ihre Feinde gegen das Reich und gegen die Arbeitnehmer zu mobilifieren. Die Enterbten der Nation waren ihre entschloffenften Ber. feidiger, sie haben die schwersten Opfer gebracht an Gut und Blut. Nun will man fie mit Füßen treten. Die furchtbare Teuerung steigert täglich die Entbehrung und die Not in den Familien, froh der hohen Nominallöhne. Unfere wirtschaftlichen Gegner möchten diesen fargen Entgelt noch vermindern. Um die lehte Kraft aus den Arbeitern herauszuholen, wollen fie die Arbeitszeit nach eigenem Belieben ver. längern. Sie werfen die Arbeiter auf die Straße. Unabjehbare wirtschaftliche Not erwartet die Scharen der Arbeitslosen. Diesem Bunde der Arbeiterfeinde gilt es entgegenzutreten. Wohl hat der deutschnationale Herr Graef Thüringen in seiner letzten Reichstagsrede Andeutungen gemacht, aus In Bayern friumphiert die Reaktion. Die gesamten benen zu schließen ist, seine Bartei würde jebe sozialistenreine Maßnahmen des Herrn von Kahr verfolgen nur den 3wed, Regierung unterftüßen. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob das unter Schonung der arbeiterfeindlichen und antirepublikaniauch für eine neue Regierung Strefemann gilt. Herr fchen Elemente auf scheinbar legalem Wege die Arbeitnehmer. Stresemann ist für die Deutschnationalen das rote Tuch, er ift sozusagen ein Marrist", also das Schrecklichste, was sich eine blöde Spießerphantasie vorstellen fann. Herr Strese mann müßte bei der Meubildung feiner Regierung schon sehr Alle innerpolififchen Gegner der Republit, Separaweit nach rechts gehen, wenn er Aussicht haben sollte, bei den fiften, Monarchiffen und Rechtsraditale, arbeiDeutschnationalen Abfolution für frühere Sünden zu finden. ten sich in die Hand. Alle sind daran intereffiert, die Für die Sozialdemokratie aber ist die Lage flar. Autorität des Reiches zu untergraben. Herr Stresemann ist der Führer der Deutschen Bolts. partei, die unter dem Einfluß ihres schwerindustriellen Jede diefer Gruppen fucht in der Bernichtung der Republik die Arbeiter, Angestellte und Beamte! Erkennt die Gefahr. Flügels steht. Auch er ist diesem Einfluß unterlegen, denn er erwünschte Gelegenheit, ihre Sonderziele zu verwirklichen. Alle Jetzt ist nicht die Zeit, in euren eigenen Reihen politijge ist durch ihn gegen feinen Willen gezwungen worden, als glauben ihre Stunde gekommen. Soweit ihre Ziele im ein- Gegenfäße auszutragen und eure Kräfte zu zersplittern. Reichstanzler der großen Roalition zu bemissionieren und ein einen auseinandergehen, einig find fie fich in der Be- Gegen die Feinde der Arbeitnehmerschaft fozialistenreines Rabinett zu bilden. In einer Frage von tämpfung der deutschen Arbeiterbewegung. muß die geeinte Macht des deutschen Proletariats eingrundfäßlicher Bedeutung hat er sich, so schwer es ihm auch Sie sind die politischen Bundesgenossen des Unternehmertums, gefeht werden. Nur so ift der Ansturm der Gegner zu brechen. gefallen sein mag, der Rechtsgruppe feiner Partei beugen die Vorhut der wirtschaftlichen Reaffion. Die Entrechtung der Die Gewerkschaften find entschlossen, den Kampf um euer müssen. Dem Zusammenarbeiten der Sozialdemokratie mit deutschen Arbeitnehmerschaft in Staat und Wirtschaft ist ihr Recht zu führen wenn es sein muß auch mit den äußersten der Volkspartei in der Reichsregierung standen breite Schich- gemeinsames Ziel. Sie halten den Zeitpunkt für gekommen, mitteln, über deren Anwendung jedoch niemand anders als ten der Arbeiter, Angestellten und Beamten, große Teile der jetzt auch sogar die Sozialpolitit, d. h. die Regelung die zentrale Leitung der Gewerkschaften entscheiden darf. Bartel von vornherein mit Mißtrauen gegenüber, und der sozialen Rechtsverhältnisse, die staatliche Fürsorge für Arbeiter, Angestellte, Beamte! Befolgt ausschließlich die niemand wird nach den Erfahrungen der letzten Tage fagen Sozialrentner und Arbeitslose Weifung der Spikenorganisationen! Haltet Disziplin! fönnen, daß dieses Mißtrauen un berechtigt gewesen ist. Das feder Einflußnahme des Parlaments und der Nieder mit den Feinden der Arbeiterklasse! Es lebe die Experiment ist gemacht worden, es war furz, und es ist mißdeutsche Republik! Gewerkschaften zu entziehen, lungen. Mit welchen Gefühlen müssen jene Maffen einem neuen Rabinett Stresemann gegenüberstehen, das schon durch um fie nur noch in die Hand einer mit unbeschränkten Vollfeine„ Befreiung" vom sozialdemokratischen Einfluß den Sieg machten ausgestatteten Regierungsdiftatur zu legen. Bor der Schwerindustrie dokumentiert? allem foll auch die Arbeitszeit ohne das in der VerAuf der anderen Seite hat zwar die Sozialdemokratische faffung garantierte Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer Partei der Not des Landes Rechnung getragen, indem sie sich beliebig verlängert werden tönnen, Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Graßmann. AfA- Bund Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Aufhäuser. Faltenberg. daß der Rücktritt des Kabinetts Strefemann das Ende der großen Koalition bedeute. Es heißt da: ... Gewiß ist der Versuch gescheitert, aus der großen Koalition im Reich eine fest« und dauerlMfte Regierung zu schmieden. Aber damit ist der Gedanke der großen Koalition keineswegs erledigt. Dieser Gedanke beholt sein« volle Berechtigung und er behält hoffent- lich auch sein« volle Lebenstrost da, wo er sich durchgesetzt hat. Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn von der Krisis im Reiche irgendwie«in Rüikschlag auf die Regierungsverhältniss« in Preußen ausgehen sollt«. Wir hoffen bestimmt, daß das nicht der Fall sein wird. Es wäre nicht minder verhängnisvoll, wenn durch die Krisis im Reich nun in der Sozialdemokratie die Kräfte frei werden sollten, die nach einer Vereinigung mit den Komm«nisten streben, und wenn im Verlauf« einer solchen Entwicklung in Sachsen und in Thüringen«in fester Zu- sammenschluß der Linken zustande kommen sollte. Dieser Zusammen- schluß ist bisher verhindert worden. Von der Werbekraft des Ge- dankens der großen Koalition wird es abhängen, ob in der Sozialdemokratischen Partei die gemäßigt« Strömung die Oberhand behält und denjsnigen Kräften gewachsen ist, die nun den längst ersehnten Strich zwischen dem„Proletariat" und der bürgerlichen Schicht ziehen wollen. Dieser Argumentation gegenüber muß doch daran erinnert werden, daß innerhalb der VolTspartei der Flügel die Ober- Hand gewonnen hat, der den Kampf gegen den M a r x i s m u s" auf seine Fahne geschrieben hat. Die Volks- partei war es, die diesen Ruf von den Deutschnatio- n a l e n übernommen hat. Wenn die Volkspartei nachträglich Angst vor dieser Nachbarschaft bekommen haben sollte, so kom- men auch hier die Bedenken 24 Stunden zu spät. Jedenfalls kann sich das plötzlich so sehr geschätzte„Proletariat"' nicht dazu hergeben, sich für Handlangerdien st e der Volkspartei bereitzuhalten, nachdem inan ihm die Stühle vor die Tür ge- setzt hat. Die Herren, die so mutig die„roten Ketten" abge- schüttelt haben, mögen zusehen, wie sie sich mit dem deutsch- völkischen Joch abfinden. Die Sozialdemokratische Partei wird ihren Weg auch ohne die guten Ratschläge der Volkspartei finden, und wenn die „K r e u z z e i t u n g" eine Spaltung unserer Partei auf dem nächsten Bezirksparteitag voraussagt, so wird sie ihr blaues Wunder erleben. Die Sozialdemokratie wird es an der nötigen Klarheit, nach der die„Deutsche Tageszeitung" so sehr ruft und die die Volkspartei ebenso sehr fürchtet, nicht fehlen lassen. Man höre nur, was das edle Agrarierorgan ver- langt: „Rur wenn die Arbeit durch Mehrleistung dort, wo irgend die Möglichkeiten dafür vorliegen, wieder wirtschaftlich lohnend wird, und fd es zunächst auch nur unter starker Vermehrung der Arbeits- losigkeit. können wir wieder«ine im ganzen gesunde Wirtschaft auf- bauen." Man kann den Bürgerlichen und Herrn Stegerwald, dem „christlichen" Arbeiterführer, zu ihren neuen Bundesgenossen gratulieren! Hier enthüllt sich der Sinn des„Antimarxismus" in seiner reinsten Blüte. �_ Links-Koalition in Sachsen? Dresden, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In den aller- nächsten Tagen ist in Sachsen eine Entscheidung von weittragendster Bedeutung zu erwarten. Bekanntlich hat sich die KPD. angeboten, unter bestimmten Voraussetzungen in die sächsische Regierung einzu- treten. Der daraufhin eingesetzte sozialdemokratisch« Ausschuß, der die Bedingungen unserer Partei gegenüber dem kommunistischen Verlangen festsetzen und das von der KPD. veröffentlichte Notprogramm prüfen sollte, hat sich am Mittwoch und Donnerstag in längeren Sitzungen mit den schwe- b enden Fragen beschäftigt. Auch die sozialdemokratische Landtags- fraktion hat sich in mehrfachen Besprechungen sehr eingehend mit dieser Frage befaßt. In der Dcnnerstagsitzung wurden die Vor- arbeiten so weit erledigt, daß die entscheidende Besprechung des Landesarbeitsmicschuffcs und der Landtagsfraktion, in der voraus- sichtlich über die Erweiterung der Regierung abge- /�lkoholkapltal unö Tagespreise. Von Dr. med. Norbert. Diese Ausführungen sind einem im Verlag von Julius Springer 1923 erschienenen Buch«„Wirkungen der Alkoholknapp- heit während des Weltkrieges", herausgegeben von Prof. K r a e p e l i n. München, entnommen und bringen von bürgerlicher Leite zahlreiche Belege, wi« das Großkapital die Presse in seine Dienste stellt. Kraepeiin berichtet hier über seine per- sönlichen Erfahrungen bei der Bekämpfung des Alkoholismus. Er schreibt gleich zu Anfang:„Ein wesentliches Hindernis für die Be< freiung vom Alkoholelend ist die ungeheure Wirtschaft- kiche Macht des Alkoholgewerbes, die natürlich in der angenehmen Wirkung des Gifte« einen Bundesgenossen findet." Aber auch die maßgebend sein sollenden Stellen sind sich der eminenten Gefahr des Altoholismus für das Volt nicht bewußt. So erklärte doch der frühere Präsident des Kriegsernährungsamtes, Herr v. Batocki, im Reichstag, daß feit Iahren an Schnaps ge- wöhnt« Arbeiter durch ein« plötzliche Entziehung arbeitsunfähig würden. In Würzburg wurde ein Antrag, den Brautleuten eine Warnung vor dem Alkoholgenuß zu geben, im Stadtrat fast ein- stimmig abgelehnt, wobei der Bürgermeister betont«, der bayerische Volkscharakter sei nicht dazu angetan, so enthaltsam zu leben, wie das Merkblatt«s wolle. Wie stellt sich aber die Tagespresse zur Alkohotsr««? Krae- pelin berichtet darüber, daß es ihm trotz vielfacher Bemühungen im Laufe von 20 Iahren kaum jemals gelungen fei, einen Beitrag in«iner Tageszeitung zu bringen, der dem Kampf gegen den Alkohol dien«. Zu Beginn des Krieges wurde Kraepelin von der Schristleitung der Münck>en«r„Neuesten Nachrichten" ausgefordert,„einen guten kräftigen Gedanken oder einige herzhaft« Wort« für die Truppen im Felde zur Verfügung zu stellen." Kraepelin hatte erschütternde Nach- richten über alkoholisch« Ausschreitungen Im Felde und zu gleicher Zeit«ine Aufforderung zur reichlichen Entsendung von'Wein und Schnaps an die Front dekomnrcn. Er schrieb deshalb ein« kurze Mahnung über die Gefahren des Alkohols. Sie ist nie gedruckt worden, er Hot nicht einmal ein« Antwort auf die von der Schrift- leitimg erbetene Emsendung erhalten. Als die Einfühsimg des Starkbieres bevorstand, wurde von ver- schieden«« Körperschaften, darunter dem Gewerkschaftsverein und den Ehristlichen Gerverkschaften, eine Petition an den Landtag ge- richtet, die sich dagegen aussprach. Ein 69 Zeilen langer Auszug wurde an sämtliche Münchener Tageszeitungen gesandt. Nur zwei Zeitungen antworteten. Die Münchener.Neuesten Nachrichten" be- richteten in 49 Zeilen darüber und veröffentlichten im gleichen Blatt ein« Einsendung des bayerischen Brauvereins. Die ander« Zeitung wird von Kraepelin nicht genannt. Di« bayerische„Staatezeitung' stellte den Artikel zurück, da die Frage„noch nicht spruchreif" sei. In der gleichen Zeit zählt« 5�aep«lin neun Artikel mit zirka 600 Zeilen im Interesse des Alkoholkopitals. Wie skrupellos und mit welchen Verdächtigunzen da? Brau- kapital gegen politische Parteien vorgeht, zeigen folgende Aus- führungea jn einer nicht genannten bürgerlichen Zeitung:»Wenn stimmt werden wird, am Freitagmtttag stattfinden kann. Daß die Gesamtdemission der Neichsregierung auf die bevorstehende Entscheidung nicht ohne Einwirkunz bleiben wird, kann wohl als selbstverständlich betrachtet werden. Bei einer Uebereinftimmung zwischen Sozialdemokratie und Kommunisten wird der Landtag, der sonst erst am 9. d. M. zusammentreten soll, wahrscheinlich früher einberufen. Feitungsverbste in Sapern. „Völkischer Beobachter" und zum Ausgleich ztvei Links- blätter. München, 4. Oktober.(MTB.) Die Sorrejpondenz Hofsmann teilt mit: Der„Völkische Beobachter" ist am Donnerstag vom Generalstaakstommissariat bis zum 14. Oktober ein- schließlich verboten worden, weil er. und zwar trotz ausdrück- licher Verwarnung vor den: Abdruck solcher schon von ihm gebrach- ten Ausrufe, einen in seiner Wirkung an Landesverrat grenzenden Aufruf mit der lleberschrlst„Arlilteristeu, macht feucr- bereit! verSsseutlicht hat. Dieser Aufruf bedeutet eine schwere außenpolitische Gefährdung des deutschen Volkes. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut:„ArMieristeu! Macht feuerbereit! Bald wird das Kommando zur Aeoereröff- nung erschallen, dann darf keiner von euch fehlen! Durch Kampfgemeinschaft zur Volksgemeinschaft. Meldet euch zum Arfillerie- rexsiment der Sturmabteilung der Nafionalsozialistifchen Arbeiter- partei!" So ereilt nun das Münchener Schandblatt doch noch fein Schicksal, freilich gemildert durch die bayerische Diktatur gegen die Linksparteien und gegen das Reich. Bekanntlich hat Kahr das gesetzmäßige Verbot des Hitlerblattes durch den Reichs- wehrminister in verfassungswidriger Weife zunächst ver- eitelt und dem Blatt noch mehrere Tage hindurch ermög- licht, feine elende Hetzerei weiterzutreiben. Diese V e r h ö h- nung der Reichsgewalt fällt einzig und allein auf das Konto Kohrs. Wenn er den»Völkischen Beobachter", der übrigens auf Geheiß der Reichsgewalt nicht mehr von der Reichsbahn und Post befördert werden darf, jetzt f ü r e i il i g e Tage hindert, neben seinem Geschimpfe die Hilter-Luden- dorffsche Armeespielerei zu betreiben, so geschieht das wohl unier dem Einfluß der Bayerischen Volkspartei, die schon lange die Aktivität der Deutschvölkischen mit einer gewissen Beklemmung verfolgt. Für diese Partei ist jetzt offenbar das Maß voll. Zum Verbieten des geliebten oder gefürchteten Hitler- blattes mußte sich der Herr v. Kahr gewiß einen tüchtigen Stoß geben, der einen Ausgleich erfordert, wenn er das seelische Gleichgewicht wiederfinden soll. Diesen Ausgleich bilden die Verbote der sozialdemokratischen „Freien Presse" in Ingolstadt und der demokratischen „Morgenpost in Nürnberg. Kohrs Justizminister Nationalsozialist. München. 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der ehemalig« bayerische Iustizminister Dr. Roth, der sich seit langem vollständig aus Hitler eingestellt hat, es aber trotzdem damit vereinbar hielt. als deutschnationaler Abgeordneter Nutznießer des von ihm so heffig bekämpften Parlamentarismus zu fein, ist nunmehr aus der Fraktion der Bayerischen Mittelpartei ausgetreten. Vercm- lassung dazu gab Ihm ein« Vertrauenskundgebung der Partei für Kahr, gegen die Roth ein« Reih« von Einwendungen erhob, die aber unberücksichtigt blieben. Der Schritt des maßlos ehrgeizigen Ministerialrats Dr. Roth' ist sicherlich auf eine Mahnung des„Völki- schen Beobachteers" an all« Parlamentarier zurückzuführen, die dahin ging, die Herren Parlamentarier möchten sich doch im eigensten Interesse möglichst schnell auf den Boden der Tatsachen stellen, um den Anschluß an den Sieg der nationalsozialistischen Bewegung nicht zu versäumen. Dr. Roth hält sich offenbar prädestiniert zum ersten Reichsjustizminister unter dem Hakenkreuzbanner. llw Solln MSflUCS: MD SM. Bllef 476 ML M. man jedoch gegen die neudeutschen Schnaps- und Likörstuben, ein« der wenigen Errungenschaften der großen Tat der USP. vom November 1913, zu Felde ziehen wollte, so wäre das nur zu billigen. Aber das Gelichter, das diese Trinkräume besucht, ist doch, zum großen Teil im Lager der USP. und der Kommunisten." Sehr nett, bemerkt dazu Kraepeiin, ist der Versuch, dem Biertrinken den Anstrich einer vaterländischen Tat geben zu wollen. Im Juli 1920 kam aus dem Statistischen Amt ein« Arbeit „Alkoholmißbrauch und Irrsinn". Hiergegen erfolgt« eine Eni- rüstungskundgebung der Münchener Brauereien, die folgende Blüten aufweist:„Da die Bayern immer zwei- bis dreimal soviel Bi«r getrunken hätten, wie di« übrigen deutschen Stämme, müßten st« längst irrsinnig geworden sein. Eines steht jedenfalls fest, daß die bayerische Bevölkerung nicht„närrisch" wird, wenn sie künftig«in gehaltreicheres Bier trinken darf: eher aber wenn sie auch weiterhin Dünnbier trinken muß." Ganz aus dem Häuschen über diese Statistik kenn aber das Blätt- chen des„Abwehrbundes gegen die Ausschreitungen der Abstinenz". Es fei absolut unzulässig, daß«ine staatliche Anstalt, die vom Geld« der Steuerzahler und nicht nur von Abstinenten eingerichtet worden sei, einem derartigen Zweck zur Verfügung gestellt werde. Die interessierten Kreis« der Landwirtschaft und der Gärungsindustri«, beißt es weiter, sollten baldigst Stellung nehmen gegen dieses Treiben. Diese Professoren taugten absolut nicht als Lehrer an riner Hochschul«, da ihnen jede objektive Beobachtungsgabe fehle, welche di« erst« Voraussetzung für einen akademischen Lehrer bilde. Sogar der lieb« Gott wird zum Kronzeugen aufgerufen. In einer Eingabe an den frommen König Ludwig III. heißt es:„Sollte der allgütige Schöpfer die Herstellung des köstlich erquickenden Gerstensaftes nur deswegen sichtlich gefördert hoben, um das Menschengeschlecht zugrunde zu richten und auszurotten?" Zum Schluß nach«in Auszug aus einem Bericht, den der„Abstinente Arbeiter" über ein« Tagung des großen Ausschusses des Deutschen Brauverbandcs vom 14. Oktober 1921 bringt. Ein Redner empfahl dort, gegen die Nüchternheitsbewegung eine„nafionale Sicherheits- front" zu schaffen.„Wir dürfen nicht sagen, gegen die Abstinenz ankämpfen zu wollen, sonder» wir müssen das Publikum glauben machen, daß wir nur gegen die Auswüchse der Abstinenz ankämpfen." Dr. Neumann-Bern schlug vor, im Alkoholkapital stehende Wissen- schaftler für Abfassung von Berichten„in unserem Sinne" zu ge- winnen zu suchen.„Diese Artikel müssen eigens für die Zeitungen bearbeitet sein und in ihrem Ton auf den Charakter der Blätte« abgetönt werde». Sie müssen so gefärbt sein, daß nickt rinmal di« interessierten Kreis« werken, daß der Artikel im Interesse der Drau- industrie geschrieben ist." Diese Ausführungen beleuchten blitzartig die Korruption, di« sich in einem großen Teil der bürgerlichen Presse breitgemacht hat, und es ist zu ihrer Beweiskraft nichts hinzuzufügen. Ein neue? Fremd rnviertel in Jerusalem. Die Bereinigten Staaten baben der Stadt Icruialem ein größeres Terrain in dem Bikosorich-Bezirk zum Seschent gemacht, und.zwar lall dier ein neue* Biericl enlilcbcn. das ganz moderne Häuser' enthalten wird. Jährend der nächsten drei Iabrc lallen stier Bauten mit einem Kostcuauiwand von einer halben Million Dollar errichtet werden und mau will damit elucn ZüitUIpunlt für die Ansiedluug von Europäern schätzen. Kohrs Streikverorönung. München. 4. Oktober.(MTB.) In einer stark besuchten Funk- tionärversammbung der christlichen Gewerkschaften Augs- burgs nahm der dem linken Flügel der Bayerischen Dolkspartei an- gehörende Landtagsabgeordnet« Funke Stellung zur Verordnung Kohrs betr. die Verhütung von Streiks und Aussperrungen. Der Redner erklärte dabei, daß di« Verordnung nicht oder wenigstens nicht in diesem Umfang nötig gewesen wäre. Der Schutz lebens- wichtiger Betrieb« wäre völlig ausreichend gewesen. Die christliche Arbeiterschaft habe sich immer gegen wilde Streiks gewehrt, Iis wolle aber keine Zlushöhlung des Koalitionsrechtes. Die Ausführungen des Redners fanden lebhafte Z u- st i m m u n g. NieSerschö'nenfelö. Im Rechtsausschuß des Reichstages erfolgte gestern eine Be- ratung verschiedener Pelitionsbeschwerdcn politischer Strafgefangener in der bayerischen Strafanstalt Niederschönen- selb und in bayerischen Festungen. Hierzu führte di« Zlbg. Frau Pfülf(Soz.) aus, daß«in« Reil)« von Slrosgesangenen, die seinerzeit am mitteldeutschen Putsch beteiligt gewesen sei«.: und vom bayerischen Volksgericht zu F«stung2l)aft verurteilt worden seien, Anspruch dayouf erheb«», daß sie unter das Gesetz für Straf- f reihe it vom 21. Juli 1922 fielen. Das bayerisch« Oberlandes- gericht l)ab« diesen Standpunkt verworfen. Des weiteren referierte Rednerin über Beschwerden der Strafgefangenen Toller und Mühsam, deren literarisch« Arbeiten von der Gefängnis- Verwaltung beschlagnahmt worden seien. In Rücksicht darauf, daß zurzeit fast alle Fraktionen tagten und ein« ausführlickst! Aussprach« über die Besdiwerden sich wegen der Kürz« der zur Verfügung stehenden Zeit nicht bewerkstelligen ließe, vertagte sich jedoch der Ausschuß, ohne irgendwelche Beschlüsse zu fassen._ Die Unruhen in§eucht. Das Urteil des Volksgerichts. Nürnberg. 4. Oktober.(MTB.) Vor dem Volksgericht wurden in diesen Tagen die Ausschreitungen verhandelt, die sich am 2. Juni in Feucht ereignet haben. Dort war es bei einer von der Sozialdemokratischen Partei einberufenen Volksversamm- lung zu einer heftigen Auseinandersetzung mit Angehörigen der Reichsflogge gekommen. Als die herbeigeholte Landespolizci sich anschickte, das Versammlungslokal zu räumen, kam es zu den er- wähnten Ausschreitungen. Das Volksgericht verurteilt« den an- geklagten Arbeiter Gömmel zu einem Monat Gefäng- n i s, während der Mitangeklagte Löhner freigesprochen wurde. * Feucht ist fett langem eine deutschvölkische Hochburg. Die Ar- briter von Feucht hatten zwar vor dem 2. Juni unter dem Terror der Deutjchvöltischen, zu leiden. Bei der sozialdemokratischen Ver- sammlung verursachten die Mitglieder der Reichsslagge di« wider- lichsten Szenen. Landespolizri griff zugunsten der Störenftiede ein. Zwei unserer Genossen waren di« Todesopfer des Rummels. Es nimmt wohl nicht weiter Wunder, daß dies« Vorfälle den bayerischen Justizbehörden Anlaß gaben, gegen unsere Genossen vorzugehen..... 4 Der flusnahmezustanö im Westen. Münster, 4. Ottober.(WTB.) Der Befehlshaber des Wehr- k reifes VI in Münster gibt mit Zustimmung des Regicrungs- kommisiars bekannt: Ich verbiete für den Wehrkreis VI jede öffentliche Versammlung, auch in geschlossenen Räumen. Ausnahmen von diesem Verbot bedürfen in jedem Fall« meiner besonderen Genehmigung. Ferner verbiet« ich die Bildung prole- tarischer und anderer Selbstschutzhundertschafteo oder Formationen. Bereits bestehende Hundertschaften, Formationen und dergleichen sind hiennit aufgelöst. Schon früher erlassen« Der- bot« bleiben bestehen. Bei Zuwiderhandlungen gegen dies« Auord- nung nehm« ich Bezug auf di« Strafbcstimmungen nach Z 4 der Ver- ordnung des Reichspräsidenten vom 26. September 1923. Di« An- ordnung tritt sofort in Kraft. Arbeitspausen. Der Mensch ist oft mit einer Maschine oergfichen worden. Aber während in der Maschine die abgenützten Teile nach deren Still- stand durch neue ersetzt werden, kann die menschliche Maschine nicht völlig stille stehen und kann nicht abgenützt« Teile abmontieren und durch neue ersetzen. Das organische Leben bedingt«in« ständige Erneuerung allerkleinster, dem Auge unsichtbarer Stoffteilchen im menschlichen Körper.' Dieser Stoffwechsel aber ist auch nur dann ohne Störung möglich, wenn zwischen die Zeiten der Arbeit auch Zeiten der körperlichen und geistigen Ruhe eingeschaltet werden. Die Ruhe des Urlaubs, des Sonntags, der Nacht sind die großen Pausen, wo die Maschine, ohne völlig sfille zu stehen, den Ausgaben des Stoffwechsels dienstbar ist. Aber auch während der Tagesarbeit selbst sind einzelne Pausen nötig. Der Körper muß ausschnaufen, muß dem Blut freien Lauf durch die entspannten Muskeln gönnen, um die Schlacken fort- und neue Lebenskraft zuzuführen. Die Worte, die der bayerische Landes- gewerbearzt, Ministerialarzt Dr. Kölsch, in seinem Jahresbericht für 1922 schreibt, oerdienen die ernsteste Beachtung jedes Volkswirt- schaftlers: Seit Einführung des Achtstundentages hat sich immer mebr das Bestreben geltend gemacht, die Pausen möglichst zu kürzen. beziehungsweise bis aus«ine etwa halbstündige Mittagspause ganz wegfallen zu lassen. Im Interesse der Erhaltung der Arbeitskraft kann dieser Gepflogenheit nicht scharf genug entgegengetreten werden. Es ist zwar verständlich, wenn der Arbeiter troch!et, mög. lichst bald wieder aus dem Betrieb heraus- bzw. heimzukommen. Aber der arbeitende Organismus braucht nun einmal eine gewiss« Erholungszeit während der Arbeit, insbesondere nach der Nahrungs» aufnahm«: eine mindestens einstündige Mittagspause und je«ine etwa viertelstündige Pause während des Vormittags und Nachmittags(bzw. entsprechend verteilt bei anderer Schichtlag«) ist«ine naturgemäße Forderung, die un- gestraft auf die Dauer nicht mißachtet werden darf. Wenn auch in einigen Monaten oder selbst Jahren ein deutlicher ungünstiger Ein- sluß auf Gesundheit und Arbeitskrast nicht nachgewiesen werden kann, so sind die Folgen eines derartigen„Raubbaues" bestimmt im Laufe der Jahre zu erwarten. Di« richtige Regelung der Pausen bedarf daher«iner dringlichen Beachtung der Arbeiter selbst sowohl als auch der Organe des Arbeiterschutzes und der Arbeitgeber. Sticdry gegen Schillings. Kapellmeister Dr. Fritz Stiedry hat nunmehr den Rechtsanwalt Dr. Alsberg mir der Wahrung seiner Interessen gegen den Intendanten des Opernhauses betraut. Die Klage, die bei dem Lühnenschiedsgericht«in- gereicht ist, stützt sich darauf, daß die Intendantur durch die Heber- ordnung des neuberufenen Dirigenien Kleiber unter dessen gleich- zeitiger Ernennung zum Generalmusikdirektor die reritaglichen Rechte Stiedrys oerletzt hat. Die Klag« mündet in den schweren Vorwurf daß Iniendant v. Schillings durch eine Verqmckung seiner persönlichen Interessen mit denen des Opernhauses zu dem Dr. Stiedry menschlich und künstlerisch gleich schwer verletzenden Schritt gelangt sei._ Tie Schlüsselzahl deü Buchhandels beträgt von heute ab sechzig Millionen. Das Ausland und die Krise. Solche Behauptungen über die Haltung der Schwer industrie sind bisher immer entrüstet dementiert worden; es wird wohl auch diesmal geschehen. defh Wirtschaft Paris, 4. Oftober.( E.) Die Entwicklung der deutschen Krise wird von den Abendblättern aufmertfam verfolgt. Am meisten hat Ueber die in Deutschland so viel erörterte Haltung Be 1die Tatsache überrascht, daß Stresemann von neuem die Der Achtstundentag im Lichte der Statistik. Bildung der Regierung übernommen hat. Die Ausschaltung der giens zur Ruhrfrage berichtet der Brüsseler" Temps"-KorSozialdemokraten wird als beunruhigende Tatsache ange- respondent, der natürlich poincaristisch eingestellt ist, fol- Wenn jegt die Industrieunternehmer mit der anmaßenden Be sehen, und einige Blätter fprechen davon, daß Deutschland rasch und gendes: hauptung auftreten, daß nur durch eine allgemeine Berlänge. unabänderlich dem offenen Aufstand gegen den Versailier Ber- Paris, 4. Oktober.( EE.) Eine führende belgische Persönlich rung der Arbeitszeit der wirtschaftlichen und sozialen Krise trag entgegengehe. Der Temps" glaubt, daß die Sozialdemokraten feit erklärte dem Brüsseler„ Temps" Korrespondenten, man habe entgegengewirkt werden fann, so muß man demgegenüber immer. sich gewissermaßen felbst aus der Regierung ausgeschaltet hätten. den Eindruck, daß Stresemann, anstatt eine einfache Politik der wieder die Frage stellen, inwieweit die Industrie überhaupt Ihr Berjuch, Deutschland zu den Lints parteien zurückzuführen, fei unterwerfung Deutschlands unter die Berpflichtungen des heute in der Lage ist, die Mehrzahl der Arbeiterschaft auch nur vollständig mißlungen, und Deutschand gehe jett um so entschiedener Bersailler Vertrags zu verfolgen, gewisse Kniffe habe gebrauchen acht Stunden lang täglich zu beschäftigen. Bereits die Berichte der ciner Rechts politit entgegen. Die Sozialdemokraten fönnten viel= leicht als Entschuldigung entgegnen, fie feien von der jüngeren und und glauben machen wollen, als genüge die einfache zurück- Preußischen Handelskammer legten mit großer Eindringlichkeit dar, attiveren Kommunistischen Partei verdrängt worden. ziehung der Widerstandsverordnungen, um die Entente zu einer daß die Abfahtrise im Monat September große BetriebseinschränMoskau befürworte offensichtlich die Wiederherstellung der Aenderung des Charakters der Besetzung zu veranlassen. Aber fungen und Stillegungen nach sich gezogen hat. Dieses Gesamtbild deutschen Monarchie Belgien fei durch die Erfahrungen gewißigt worden. Es der deutschen Wirtschaft, das jeder Arbeiter in seiner Werkstatt beob. pergeffe nicht den früheren Reichskanzler Dr. Birth, den alle achten fanm, wird bestätigt durch die Erhebungen des Reid) s liierten zu Unrecht unterstützt(?) hätten. Daraus sei arbeitsblattes über den deutschen Arbeitsmarkt im August übrigens ein Teil der gegenwärtigen Schwierigkeiten entstanden. Belgien fordere die vollständige Unterwerfung Deutschlands unter feine Berpflichtungen. 12 unterwerfen. der nächsten 12 1923, die jetzt befannt werden. Es ist dabei zu beachten, daß die neuesten Zahlen dieser Berichte auf den Anfang September und nur vereinzelt auf die Mitte September fallen, daß sie also die Vers schlechterung des Gesamtarbeitsmarktes während des Monats Sep. tember noch nicht genügend klar spiegeln. in dem Glauben, daß dadurch ein Anlaß zu einem neuen europäischen Krieg und Gelegenheit zur Baltresolution gegeben würde. Der Generalstab der 3. Internationale täusche fich aber, rie die Ereignisse eines Tages beweisen würden. Weiter erinnert Der Temps" an einen Erlaß v. Rahrs, wonach für Unterstützung der Befagungsmächte die Todesstrafe vorgesehen sei. Die bayerische Regierung möchte dies wahrscheinlich auf die Pfalz Frankreich umb Belgien würden ihre Absichten bis zum Erfolg anwenden. Frankreich werde in dieser Beziehung gute Ord- fortsetzen. Keinem Reichskanzler würde eine andere Politik übrig nung schaffen. Es sei jetzt fein unsinniges Unternehmen mehr bleiben, als sich den Bestimmungen des Friedensvertrags zu schlechterung. Besonders start sind hiervon betroffen Metall. Der Arbeitsmarkt zeigt demnach eine ausgesprochene Bera möglich, feit Berlin und München fich offen verbrüdert Londoner Pressestimmen liegen in folgendem Aus vor allem aber wie immer in derart kritischer Zeit die Masse der industrie, Bekleidungsindustrie, Baugewerbe und Berkehrsgewerbe, haben, und mährend Frankreich die Erlangung der Reparationen zug vor: Lohnarbeit wechselnder Art verrichtender Arbeitnehmer. Schon die organisiere, werde es aber gleichzeitig auch an seine Sicherheit Frankfurt a. M., 4. Oftober.( TU.) Die Frants. 3kg." meldet Beschäftigungsstatistik der Krantentassen zeigt, nachdem sie feit dem denten. Das„ Journal des Debats" glaubt, daß v. Rahr und aus London: Die neuesten Ereignisse in Deutschland werden Monat Mai immer gestiegen war, einen Rüdgang um 2,6 Proz. an, Stresemann das Ziel verfolgen, den Versailler Vertrag zu zer wenig tommentiert. Die Westminster Gazette" hält Frankreich während sie im Bormonat noch um 0,7 Proz. zugenommen hatte. stören. Sie feien nur in der Wahl der anzuwendenden Mittel vor, daß ein Auseinanderfallen des Reiches fein Borteil auseinandergegangen. Der paffive Widerstand sei ein versteckter wäre, weil der Reparations schuldner verloren gehe und Frank- arbeit in den deutschen Fachverbänden ergibt eine außer Die Statistik der Arbeitslosigteit und der Kurz. Aufstand gegen den Versailler Bertrag gewesen. Jekt trete Die„ Liberté schreibt, daß Strese reichs Sicherheit nicht erhöht werde, denn ein neues Reich mürbe ordentliche Verschlechterung. Nach den vorliegenden mann nach Vorbereitung eines Rapp- Butsches( 1) der Diktatur während Generation wieder zusammen Zahlen waren etwa 32,3 Pro3. der Arbeiterschaft nicht oder nur unzuentgegengehe. Es fei wenig wahrscheinlich, daß die unterernährte wach fen. Die" Times" glauben, das deutsche Bolt werde viel reichend beschäftigt. Davon entfielen 6,3 Pro3. gegen 3,5 Proz. Ende Arbeiterbevölkerung diesmal dem Butsch ebenso wirksam begegnen leicht die Reaktion als Dampfventil gegen den Friedensver Juli auf Arbeitslose, 26 Broz. auf Kurzarbeiter. Demnach war fönne wie das erstemal. trag hinnehmen, aber auf die Dauer nicht bereit sein, das Joch bereits Ende August jeder dritte Arbeiter von dem Recht, ber Junkerkafte wieder auf sich zu nehmen. täglich acht Stunden zu arbeiten, ausgeschlossen. Arbeitslos war jeder fünfzehnte Arbeiter, auf Kurzarbeit angewiesen jeder vierte Arbeiter. Wie schon betont, ist die Verschlechterung des Arbeitsmarties im Laufe des Monats September in diesen Köln, 4. Oftober.( Mtb.) Die Rheinische Zeitung" fagt über Zahlen nicht enthalten. Die Statistit der aus öffentlichen ten neuesten Meisterstreich der Deutschen Bolkspartei, daß bie maß- Mitteln unterstützten Arbeitslosen gibt für die Gestaltung des gebenden Männer dieser Deutschen Boltspartei dem Bestande Arbeitsmarktes in den letzten Wochen nur unzulängliche Anhaltsdes Rheinlandes einen viel schwereren Stoß verpunkte, weil die Unterstüßungsberechtigung erst nach einer Bartes fetzt hätten, als es die Haufen sonderbündlerischer Gruppen frist einsetzt und weil nicht alle Arbeitslosen aus öffentlichen Mitteln dem Lande tun könnten. Unsere durch nichts zu erschütternte unterstützt werden. Dagegen bestätigt die Monatsstatistik der Ueberzeugung ist, daß jede Regierung der deutschen Republit Arbeits nachweise die Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt. scheitern wird, welche Lösungsversuche ohne attive Mit- Während die Zahl der Arbeitsuchenden erheblich anschwoll, gingen perantwortung der breiten Maffen, vertreten durch das Stellenangebot und die Stellenbesetzung zurüd. Auf je 100 tie Sozialdemokratie, unternimmt oder gegen sie die Dinge offene Stellen famen im Auguft 340 männliche und 173 weibliche Arbeit. meistern will. Sie wird in fürzester Frist vor dem pofitischen und wirtschaftlichen Chaos ftehen." Mailand, 4. Oftober.( Eẞ.) Die politischen und diplomatischen Kreise in Rom sind über die Krise in Deutschland und deren Ent midlungsmöglichkeit sehr beunruhigt. Die franzosenfreundliche Bresse bezeichnet die Krise als ein Manöver der deutschen Großindustrie. Der„ Corriere d'Italia" nennt den Sturz Stresemanns einen Sieg der Rechten. Die„ Stampa" schreibt, besonders mahne die sepa ratistische und mor.archistische Bewegung in Bayern zur Aufmert famfeit, die ein tatholisches Süddeutschland anstrebe, das zugleich auf Wien und Bozen blide, und das von franzöfet fischen Nationalisten unterstützt werde. Die Erhaltung eines einheitlichen und demokratischen Deutschlands sei für Italien von Wichtigkeit und eine europäische Notwendigkeit. Ritter von der eisernen Stirn! In ihrem Bestreben, den Arbeitern eine möglichst lange Arbeitszeit aufzudrängen und dabei die Sozialdemokratie zu verfeumden, versteigt sich die Deutsche Tageszeitung" zu dieser Schamlosigkeit: Für die furchtbare Rohlennot, die angesichts des nahenden Winters unermeßliches Elend über unser Bolt bringen fann, trägt die Gozialdemokratie die Berant. wortung mit der Selbstmordpolitit, die unter ihrem Einfluß bisher getrieben wurde, muß endlich Schluß gemacht werden! Der Stoß gegen das Rheinland. Die Toten von Düsseldorf. Düffeldorf, 4. Oftober.( WTB.) Die Liste der Toten und Verwundeten, die nach den Zusammenstößen am Sonntag in die Krantenhäuser eingeliefert wurden, weist insgesamt 78 Personen auf, davon 4 Tote, 9 Schwerverletzte, 17 Mittelschwer- und 48 Leichtverlegte. suchende, während die entsprechenden Ziffern des Vormonats 212 b3m. 132 maren. Auch hier ist also eine erhebliche Steigerung ein getreten. Dagegen fant die Zahl der vermittelten Arbeitsuchenden von 39 auf 25 Broz, die der offenen Stellen von 70 auf 68 Proz. Diese Gestaltung des Arbeitsmarktes ist ein Beweis tafür, daß Mehrarbeit allein die Wirtschaft nicht gefunden lassen kann. Zahl lose Arbeitswillige sind außerstande, ihren Willen zur Arbeit zu be tätigen. Das hat seine Ursache in der unrationellen Produktion, die auf einzelnen Gebieten, wie im Rohlenbergbau, fraglos durch Das fann geschrieben werden in einer Zeit, da die Braunkohlenleberschichten wirtschaftlicher gestaltet werden kann. Die Sozial und Brifettwerfe immer weitere Betriebe wegen Abfaz- Das Schicksal der Ruhrgefangenen. demokratie hat sich aber zu der Beit, als sie das Reichswirtschaftsmangel stille gen, während die städtischen Massen feine Kohlen minifterium inne hatte, mit den Bergarbeitern über derartige Mehr. Bon zuverlässiger Seite wird aus Gelsenkirchen mitgeteilt: Burleistungen verständigen können. Auf den meisten anderen Gebieten für den Winter faufen tönnen, da die Papiermarteinnahmen zum größten Teil für die Produkte der Landwirtschaft ver- eit ist die Stimmung unter den deutschen Gefangenen sehr genügt die Verlängerung des Arbeitstages feineswegs. Man beausgabt werden müssen. Die ungeheuerliche Ausplünderung der gedrückt, da biefe über ihr Schicksal völlig im Ungewissen sind und obachte nur das Bersagen der Banken bei der Abwicklung des Geld. arbeitenden und arbeitslosen Massen durch die Erzeuger" aller Art da die Erwartungen, daß die Franzofen zum mindesten die poli- und Kreditverkehrs, während gerade in diesem Gewerbe Ueberstunden wird noch durch den Sohn verschärft, der in der verlogenen Be- tischen Gefangenen frei affen würden, sich nicht erfüllt haben. Wie in großer Zahl geleistet werden! Fraglos ist ein erheblicher Teil Hauptung liegt, die Sozialdemokratie sei am Kohlenmangel schuld. groß noch die Zahl der Gefangenen ist, geht daraus hervor, daß der Arbeitsvergeudung, welche durch die Währungsverschlechterung Eine seltsame Garde, diese Ritter von der Eisenstein! fich in achtzehn Gefängnissen des Ruhrgebietes und des herbeigeführt ist, an der Uebersteigerung der Preise schuld, welche Brüdentopfes Düsseldorf noch 15 000 Gefangene befinden. den Warenabsag erdrosselt. Aber es waren ja nicht nur Margisten", Dazu kommen noch mehrere Taufend Gefangene, die sondern in hervorragender Weise auch bürgerliche Wirtschaftskritiker 39% Billionen Defizit in 10 Tagen! fich in den Gefängnissen des altbesetzten Gebietes befinden, weiter und vor allem tapitalistische Interessentengruppen, Gleich hohe Vermehrung der schwebenden Schuld. jene Unglücklichen, die sich in Frankreich in St. Martin de Ré welche gegen das Preisdiktat der Rohstofferzeuger und über die Willkür in der Preisfestsetzung des größten Teiles der Industrie Der Ausweis der Reichshaupttaffe für die Dekade und anderen Orten, in Belgien in Berviers befinden. Im übrigen werden auch nach Einstellung des paffioen Wider scharfen Protest erhoben haben. Durch die Regierungsfrise ist die vom 21. bis 30. September weist eine Einnahme von 640 Bilstandes den Gefangenen feinerlei Erleichterungen ge Lösung der Währungsfrage wieder einmal verzögert worden. Die lionen Mark und eine Ausgabe von 40 065 Billionen Mart währt. So ist ihnen z. B. das Lesen politischer Tageszeitungen felbe Arbeiterschaft, welche jetzt unter den verheerenden Folgen der auf. Es entfällt also ungefähr auf 63 Mart Ausgabe 1 Mart immer noch verboten; die" haft ist vor allem deshalb für viele Arbeitstrife und unter dem Beschäftigungsmangel leidet, ist größter Einnahme. Die ungeheure Steigerung der Ausgaben wird gegenwärtig eine feelische Marter, weil sie über die Entwidlung Not ausgesetzt infolge der rapiden Teuerung, die mit dem sprungauf die Auszahlung der Oktobergehälter an die der Dinge im Ruhrgebiet und in Deutschland nur sehr mangelhaft haften Steigen des Dollarfuries wieder eingetreten ist. Wenn aber Reichs, Staats- und Gemeindebediensteten und das Anunterrichtet sind. Auch die Unterbringung der Gefangenen läßt nach die Interessenter selbst bestätigen, daß durch wirtschaftlichere Ge wachsen des Lebenshaltungsinder erklärt. Ferner fallen noch die Ausgaben für die belegten Gewie vor sehr zu wünschen übrig. So leiden die 170 Gefangenen, staltung der Prodution, durch Verzicht auf Uebergewinne und durch biete und die Abhebung der deutschen Reichsbahn infolge der die aus dem Werdener Zuchthaus in ein Effener Gefängnis ge- Rückkehr zu rationeller Kalkulation die Uebersteigerung der Warenbiete und die Abhebung der deutschen Reichsbahn infolge der bracht worden sind, unter der Raumnot. Ein Teil von ihnen ist preise herbeigeführt ist, so wird jede wie immer geartete Regierung Einnahmeausfälle im Besten ins Gewicht. Infolge der ungeheuren Anforderungen an die Reichstasse ver- gezwungen, auf dem Fußboden zu nächtigen. mehrte sich die schwebende Schuld, die am 20. September noch 7 342 Billionen betragen hatte, auf 46 716 Billionen. Sie hat sich also in 10 Tagen um 39 374 Billionen gesteigert. Die 3infen für die schwebende Schuld betrugen in der Berichtszeit allein 5 271 Billionen. Marokko und Ruhrgebiet. Konflikt mit den Beamten. Abbruch der Verhandlungen. In später Nachtstunde wird uns gemeldet: Obwohl die Reichsregierung nach den vom Reichstag ausdrüdlich gebilligten Juli- Abkommen verpflichtet ist, in Verhandlungen eine Anpassung ber Beamtengehälter an die Geldentwertung Die Rede des britischen Außenministers Lord Curzon porzunehmen, erklärten die Regierungsvertreter am Donnerstag auf der Reichskonferenz wird nicht veröffentlicht, und ob sie, plöglich, feine Bollmacht für eine Anpassung ab 1. Oktober zu haben. bei der beschlossenen Geheimhaltung, auf dem anderswo üb- Hierbei spielte auch der Umstand eine Rolle, daß die Regierungsver lichen Weg der Indiskretion bekannt werden wird, ist zwei- treter angeblich nicht wußten, ob die bisherigen Minister die Ge felhaft. Man kann also nicht schon sagen, daß Curzon die schäfte bis zur Bildung eines neuen Rabinetts weiterführen. Sie Bendung von der stillen Ablehnung der französischen Ruhr- erklärten schließlich, weber den Minister Dr. Hilferding noch den politik zur lauten Billigung verkündet hat, die die Pariser Staatssekretär Schröder erreichen, für ihre Person aber feine Aussprache Poincaré Baldwin gebracht haben dürfte aber Stellung nehmen zu können. Die folgende Meldung erinnert zu fehr an frühere ähnliche Angesichts dieser Lage sah sich die Achterkommission der Gefrantobritische Tauschgeschäfte auf Kosten Deutschlands, als wertschaften veranlaßt, unter Protest den Verhandlungssaal zu - daß man ihr nicht glauben sollte! Eine Londoner TU.- Meldung berichtet: Als erste Frucht der neuen englisch- französischen Anfreun dung teilt der„ Daily Telegraph" mit, es sei der französische Vertreter von Paris aus inftruiert worden, den englischen Forderungen in der Tangerfrage weitgehend entgegenzukommen. verlassen. Moskauer Hinrichtungen. Aufruhrprozeß in Warschan. Riga, 4. Oftober.( TU.) Nach hier eingegangenen Nachrichten hai die politische Hauptverwaltung( Tscheka) in Mostau von den in ten legten Tagen Verhafteten 12 Bersonen erschießen lassen. Unter den Erschossenen befinden sich feine befannten Namen. Ein ähnliches Entgegenkommen bezüglich der deutiden Frage ift bisher nicht zu bemerken, vielmehr macht die" Times" auf einen Lodz, 4. Oktober.( WTB.) Die Verhandlung gegen eine Kom. Artikel des halboffiziöfen französischen Militärtlattes Echo de munistengruppe wegen Aufwiegelung zum Aufruhr endete daRhin" aufmerksam, der in die Aufforderung an die Rheinlan.mit, daß fieben Angeklagte zu je 3 Jahren Gefängnis, zwei zu der ausklingt, eine feparate Republit zu errichten, die als. 2 Jahren Zuchthaus verurteilt, die übrigen freigesprochen wurden. bald den französischen Schuß gewinnen werde. Der Korre spondent der Times" behauptet, daß einige der größten deutschen Was die Arbeiter zu erwarten haben!" Jumufungen an die Industriellen, um ihren Reichtum zu retten und Beziehungen Arbeiter!" Mit diesen fetten Ueberschriften überschreibt die volks mit Frankreich anzufnüpfen, nunmehr den Plan einer rheinischen parteiliche Beit" die Nachricht, daß- Degoutte den Zehnstunden Republik begünstigen tog einführen will. auch hier, ja in erster Linie hier, den Hebel ansehen müssen, um die Kauftraft der Bevölkerung mit den Warenpreisen in eine gefunde Beziehung zu bringen und damit den Absatz zu beleben. Die einseitige Intereffendentaftit, mit der man den Abbau des Achtstundentages betreibt, muß also auf das schärffie zurüdgewiesen werden. 2460fache Teuerung im September. Für den Durchschnitt des Monats September berechnet sich die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, und Bekleidung) auf das Wohnung, Heizung, Beleuchtung 15millionenfache gegenüber dem 586 000fachen im Durchschnitt des August; die Steigerung beträgt 2460 Pro3. Dem Monatsinder liegen die Erhebungen in 71 Gemeinden an den vier Stichtagen des September zugrunde; außerdem liegen noch die Inderziffern vom 27. Auguft und 1. Oftober zur Ermittlung der Teuerung in den beiden ersten und sechs legten Septembertagen entsprechende. Berücksichtigung. Die Lebenshaltungskosten ohne Bekleidung sind in Durchschnitt September auf das 13,2millionenfache, die Bekleidungsfoften auf das 26,5millionenfache der Borkriegszeit geftiegen. Goldzollaufgeid und Landabgabe. Für die Zeit vom 6. bis 9. Oftober einschließlich beträgt das Goldzollaufgeld 6 689 999 900 Prozent( eine Goldzollmark= 66900000 Papiermarf). Der Umrechnungssatz für die Abgabe der landwirtschaftlichen, forst wirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe( 2an dabgabe) beträgt für die Zeit vom 6. bis 9. Oktober einschließlich 66 900 000 für je eine Goldmart. Russische Getreidegeschäfte. In diesen Tagen hat die russische Aktiengesellschaft für Getreideausfuhr, Erport chleb, den ersten Boften Hafer der diesjährigen Ernte nach Finnland verkauft. Mit Frankreich ist ein Abkommen über die Lieferung von Türkei hat die Gesellschaft Erportchleb 2000 Tonnen Getreide ge20 000 Tonnen Weizen und Mais abgeschlossen worden. An die liefert, mit Italien ist ein Abkommen über fofortige Lieferung von 3500 Tonnen geschlossen worden. Ameritas Ausfuhr nach Deutschland belief sich nach Mitteilung des ameribanischen Handelsdepartements in den ersten 8 Monaten dieses Jahres auf 191 995 000 Dollars. Im Auguft betrug die Ausfuhr 23 260 000 gegenüber 21 301 000 Dollars im August 1913. Lohnregelung in der Berliner Metallindustrie. Der Cohn für Glaser beträgt für Dhe Sett vom 28. September Gewerkschaftsbewegungen, Der am 29. 9. von dem Reichsarbeitsministerium gefällte bis 4. Oftober 28 280 000 m., für Hilfsarbeiter für dieselbe Zeit Teuerung und Löhne. Bir haben wiederholt auf die Richtlinien hingewiesen, die zwischen den Spikenorganisationen der Arbeitgeber- und Arbeit nehmerverbände vereinbart worden sind. Es wurde darin u. a. festgelegt, daß in Zeiten starter Geltentwertung eine Borausschägung der Leuerung während der Verbrauchswoche auf Grund des Dollarfurfes und der Großhandelspreise vor genommen werden soll. Diese Borausfchäzung ist durchaus logisch, ganz abgesehen von ihrer Notwentigteit, und paßt sich dem Be fchäftsgebaren ber Unternehmer an, die ja bekanntlich gleichfalls nach dem Dollar die Preise berechnen. Schiedsspruch ist von den Arbeitgebern endlich angenommen 19 600 000 m. worden. Damit ist laut Schiedsspruch der vorherige Spruch als erledigt zu betrachten. Der Spizenlohn beträgt somit für die Beit vom 24. bis 30. 9. 20 000 000. Die Löhne im Buchdrudgewerbe. Die Lohnfommission setzte gestern für die Woche vom 6. bis 12. Oktober folgende Spihenlöhne feft: Für Gehilfen 2 500 000 000 m.( Stundenlohn 52 083 333 M.), Wo die technische Möglichkeit besteht, soll noch biefe Woche für Hilfsarbeiter 2 250 000 000 m., für Anlegerinnen 1800 000 000 die endgültige Verrechnung erfolgen. Ist diese Vorausseßung nicht Mart, für Hilfsarbeiterinnen 1620 000 000 m. Angesichts der vorhanden, so soll eine weitere Borichubzahlung am Entwidlung auf dem Lebensmittelmarkt wird dringend empfohlen, Freitag bezto Sonnabend stattfinden. Abschlagszahlungen nach der wirtschaftlichen Möglichkeit Der Wichtigkeit wegen wird erfucht, die Tarifverträge II ag ber einzelnen Betriebe am Dienstag zu leisten. Braun. Gloth. und IIa h im Verbandshaus des DMV. Abt. Tirpiz täuflich in Empfang zu nehmen. Cohnvereinbarungen in der Herrenmaßbranche. Die AkkordStundenlöhne für die jeßt laufende Lohnwoche betragen in Klaffe I Tarifverhandlungen für die Angestellten im Einzelhandel. und II: 29 000 000, 111: 28 420 000, Riaffe IV: 28 130 000 m. Der Diese Bereinbarungen sind von den Unternehmern jedoch nieZeitlohn ist in allen Klaffen gleich. Alles übrige bleibt mie bisher. Der Zentralverband der Angestellten schreibt uns: Die mals ei gehalten worden. In Zeiten vorübergehender Verhandlungen über die Feftfegung der Gebälter der Angestellten Borwoche, die in der Spitze 25 610 000 m. betragen, zur AusDer Arbeitgeberverband hat Anweisung gegeben, die Löhne der Martbefferung oder eines langsameren Absintens der Mart weigern für die erfte Dftoberwoche haben au einer Vereinbarung nicht zahlung zu bringen. Sähe, die nicht von den Firmen ausgezahlt fich die Unternehmer fogar, die Löhne dem Lebenshaltungsindeg ent- geführt, weil die Zugeftändnisse der Arbeitgeber so start unter den werden, werden eingeklagt. sprechend anzupassen und berufen sich auf den Dollar. Es ist deshalb jest doppelte Pflicht unserer Gewerkschaften, auf dem Damm Forderungen der Angestellten blieben, daß eine Einigung nicht zu erzielen war. Es ist daher der Schlichtungsausschuß angerufen Die Lohnverhandlungen für die Chirurgiemechanik haben fol zu fein und sich im Laufe dieser Woche, soweit das nicht schon geworden. Die Einzelhandelsgemeinschaft hat in Anwesenheit der gendes Ergebnis gezeitigt: Für die Woche vom 16. bis 22. Septemfchehen sein sollte, auf feinen Fall auf eine Lohnvereinbarung Vertreter der Angestellten die Anordnung getroffen, daß am Freiber werden die Löhne auf die Borwoche um 173,5 Proz. erhöht. Für einzulassen, die sich auf die Reichsindegziffer der Lebens- tag, ben 5. Dktober, spätestens Sonnabend, ben 6. Ottober, eine die Woche vom 23. bis 29. September fommt auf die Erhöhung von haltungsfoften stüßt. Nach dieser Reichsinderziffer betrug die Teuerungszahl am 1. Oftober 40 400 000 m. Am 2. Oftober betrug fontozahlung erfolgt, die sich zusammenfeßt aus der zuletzt jedoch die Teuerungszahl der Großhandelspreise bereits erfolgten Zahlung plus Inder vom 4. Oktober in Höhe von 44,8 Proz. mehr als das Doppelte, d. h. das 84,5millionenfache der Borkriegszeit. Lohnregelung im Baugewerbe. Da sich die Kleinhandelspreise jett faft unmittelbar den Großhandelspreisen anpaffen, ja anpassen müssen, die GroßhandelsDurch die Tariffommission der an dem Tarifvertrag beteiligten preise ihrerseits die Tendenz haben, sich im selben Tempo dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen find für das Berliner Dollarturs anzupassen, soweit ter Dollar steigt, muß damit ge- Hoche, Tief- und Betonbaugewerbe für die Beit vom 29. September rechnet werden, daß die Lebenshaltungskosten in der Berbrauchs. bis 5. Oftober 1923 folgende Löhne vereinbart worden: woche gegenüber der Borwoche sich nicht um 44,3, sondern um Hoch- und Betonbau: Maurer, Rementfacharbeiter, Einmindestens 200 Prozent, wahrscheinlich jedoch um mehr fchaler, Stein- und Kaltträger 36 058 000 M., Kaltichläger, Waffer als 200 Broz. erhöhen werden. Es ist deshalb unbedingt erforderträger, Rüster und gementarbeiter 35 157 000 m., geübte Baulich, daß bei allen Lohnverhandlungen, unter Bezugnahme arbeiter 84 255 000 m. pro Stunde. auf die Richtlinien, auf den Dollarkurs und auf die Großhandelspreife hingewiesen wird. Ein Lohnausgleich von 44 Broz. fäme in Wirklichkeit einer Lohnfürzung von mehr als 50 Broz. gleich. Bei den Glendslöhnen, die gegenwärtig gezahlt werden, wäre eine derartige Lohntürzung einfach nicht zu ertragen. Produktionseinschränkungen.. 173,5 Broz. eine weitere Zulage von 66,05 Proz. Für Kurzarbeiter wird, falls die Abrechnung bis Sonnabend nicht fertiggestellt werden tann, ein Vorschuß in derselben Höhe gewährt. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen von 14-18 Jahren werden nach dem BBMI. Tarif entlohnt. Für die faufmännischen Angestellten im Speditionsgemerhe wurden mit dem Lofalverein Berliner Spediteure folgende Säge vereinbart: Für die Woche vom 22. bis 29. September wird der volle Inder in Höhe von 97 Proz. gezahlt. Für die Zeit vom 30. September bis 6. Oktober wird eine Erhöhung von 50 Proz. auf die Gehälter der Vorwoche gezahlt. Für die Zeit vom 7. bis 10. Oftober ist ein Betrag von vier Siebentel diefes Betrages plus Inder der nächsten Woche zu zahlen. Für die Zeit vom 11. bis 17. Oftober wird der am 11. Oktober veröffentlichte Inder gezahlt. Für die laufmännischen Angestellten im Zeifungsgewerbe murde mit dem Arbeitgeberverband für das Berliner Zeitungsgewerbe für bie erste Woche im Oktober eine Zahlung von 100 Proz. auf die tariflichen Septembergehälter vereinbart. Tiefbau: Tiefbauarbeiter über 19 Jahre 84 222 000 2., Ständige Blazarbeiter 83 505 000 9., Maschiniften I laffe 38 180 000 m., Maschinisten II. Selaffe 86 058 000., Maschinisten III. Staffe 34 588 000 W. Schloffer, Schmiede, Monteure 86 058 000 Mart, Einsteifer und Rohrleger 35 900 000 M., Hilfsmonteure, Hilfsfchloffer, Bergießer, Berstrider, Muffenmacher 84 255 000 pro Stunde, Wächter für 7 Schichten, a 8 Stunden, 1427 000 000 m., Ungestellte der Chirurgiemechanit. Soweit möglich sind am Frei Erfaßwächter pro Stunde 82 619 000 7., Schachtmeister tag, spätestens aber bis zum Sonnabend 75 Broz. des Septemberpro Stunde 271 000 m. für Facharbeiter. 1942 000 000 M., Boliere 1 949 000 000 M., Bertzeugentschädigung gehalts als Vorschuß für die Woche vom 1. bis 6. Oftober zu zahlen. Die Borschußfrage für die nächste Woche wird noch befonders geregelt Am Freitag, den 12. Oftober, gelangt ein Borschuß von 1200000000 m. zur Auszahlung. Kurzarbeiter erhalten einen entsprechend geringeren Borschuß. Die Lüge der notwendigen Arbeitszeitverlängerung. Wie uns aus Breslau gebrahtet wird, haben die Arbeitgeber des niederfchlesischen Steinfohlenbergbanes den Schiedsspruch über die letzte ohnerhöhung wegen Abfab fchwierigteiten abgelehnt. Ste fündigen gleichzeitig, ebenso wie vor einiger Zeit bereits die sächsischen BraufohlenbergFür die Zimmerer wurde auf Grund der zentralen A5werfe, die Einlegung von Feierschichten an und wollen vor machungen von den Tarifparteien für das Lohngebiet Groß- Berlin, läufig vom Donnerstag an einen ganzen Tag wöchentlich nicht ein Potsdam, Spandau, Velten, Dranienburg und Königstonsterhausen fahren lassen. Gleichzeitig ist ein großer Teil ber verarbeiten der neue Bohn für die Lohnwoche vom 29. September bis 5. Ottober ben Industrie gerade in Schlesien nicht in der Lage, ben wie folgt berredinet: Der Stundenlohn für Bimmerer beträgt für Roblenbedarf beden und felbst die Hausbrandversorgung diefe Beit 86 058 000. und die Werkzeugentichädigung 541 000 t. zu fft her in ber nächsten Nähe eines bor größten Stohlengebiete ber pro Stunde. Die Behrlingsentschädigung ist wie folgt feftgefest: Welt fr bon ber noch olig ungesichert. Der Berzicht auf Me Ausmugung der heute bereits gefeglich geftatteten Arbeitszeit entschädigung Gruppe B burch die Arbeitgeber des Rohlenbergbaues beleuchtet die unwahr haftigkeit der Begründung für die legten Borstöße gegen den Acht. Im 1. Lehrhalbjahr 3 606 000 Stundentag. Nicht der Wunsch nach Produktionssteigerung fann diese Borstöße veranlaßt haben, da die Arbeitgeber ihrerseits jede Probuftionssteigerung durch ihre Breistaltulationen und ihre Stilllegungsmaßnahmen täglich mehr sabotieren, sondern nur der Wunsch nach Niebertnüppelung der Arbeiterorganisation nen unter Berzicht auf jede rationelle Wirtschaftsgestaltung. Und Maffenentlassungen. Aus dem Verwaltungsgebäude der Siemens- Schudert- Berte find jett 200 Angestellte wegen Berfonalberminderung" entlassen worden, denen am 15. Oftober weitere 400 Wertsangehörige und am 1. November abermals 200 zum Teil langjährige Angestellte folgen werden. Wie wir erfahren, stehen auch bei den Gaswerten in Smargenborf Waffenentlaffungen von Arbeitern unmittelbar Bebor. Theater Lichtfpiele Volksbühne 71 Uhr: Die lustig. Welber von Windsor Theater i. d. KöniggrätzerStr. 7 Uhr: Schweiger Komödienhaus #Uhr: Mein Vetter Eduard Theater Im Admiralspalast Tägl 7% Uhr Drunter and drüber DeutschOpernhaus T½ Uhr: Tosca Musik. Leitg.: GenMusikdir. Leo Blech Kammersängerin Vera Schwarz a. G. Große Volksoper im Theat d.Westens 7% Uhr: Fidelio Intimes Theater 8 Uhr: Abendbesuch Die k. u. k. Hose etc. Lustspielhaus Die Trappe" Geschloss. Morgen 7 Uhr zum 1. Male: Vom Teufel geholt Metropol- Theater T: Casinogirls Neues Theat. a. Zoo Geschloss Vorstell. Morgen 7 Uhr: Die Luxustraa Thalla- Theater PU. Mimikry Theater 1.d.Kommandantenstr. Täglich 7 Uhr: Charlie Wallner- Theater 8 Uhr: Causa Kaiser Lessing- Th. Alla endlich 7 Der Unbestechliche ( Max Pallenberg) Apollo- Theater Direktion: James Klein 7 Allabendlich 71 Die große Revue Europa spricht davon! Ueber 150 Mitwirkende! 6 Ballette t U. a. Senta Söneland, Richard Senius, Hugo Flink usw. Vorverk, ab 10Uhr ununtbr Rose Theater 78% U: Bin Mann aus dem Volke Casino- Theater 8 U. Die 8 U. nenen Reichen WIND BRIEN Varieté- Programm Rauchen gestattet! ReichshallenTh. Keuer Spielplan v. 5.- 11.10. 23. Tägl. 1, U. UFA- PALAST A. 200 Die Flamme ab Montag u.Sonnt. 3 U. Stettiner Sänger Tragödie der Liebe Lichtspielhaus U. T. KURFÜRSTEND. Tatjana ab Mittwoch Die grüne Manuela TAUENTZIENPALAST Fix a. Fax- Woche U.T.NOLLENDORFPL. Lonte aus Wärmland ab Sonnabend Die Flamme KAMMERLICHTSP U.T. WEINBERGSWEG Fridericus Rex III. und IV. U. T. FRIEDRICHSTR. Talfan U. T. ALEXANDERPL Milliardensouper U.T. SCHONEBERG Zwel Walsen im Sturm dor Zeit 1. Teil vom 5.- 8. 10. II. Teil vom 9.- 11. 10. U. T. HASENHEIDE vom 5.- 8, 10. Sodom and Gomorrha vom 9.- 11. 10. Buddenbrooks Dent. Kunstler- Th. Zable höchfte Preife! Allabendl. 7: Der Fürst v. Pappenheim für alte Auto- u. Fahrradschläuche ( Max Adalbert) Stefan 7825. Vormittags bis 12 Uhr. Berliner Bockbrauerei Belle- AllianceEcke Fidicinstraße. Anfang 1/27 Uhr Täglich 2 Vorstellungen Dienst, u. Donnerst. Programmwechsel! 2. W 8. 4. " " 6. " Gruppe A Berkzeug 5 409 000 7212 000 10 818 000 14 424 000 18 029 000 54 100 81 100 108 200 162 300 216 400 270 400 5 409 000 7 212 000 9 015 000 12 621 000 16 227 000 19 833 000 Werkzeug entfchädigung 81 100 108 200 185 200 189 300 248 400 297 500 Am Freitag, den 12. Oftober, ist an Vollarbeiter ein Vorschuß von 1 200 000 000 M. und an Kurzarbeiter vier Fünftel ber Summe zu zahlen. Auch Lehrlinge erhalten einen ihrem Lohn entsprechen ben Borschuß. An die Angestellten Im Papier- und Pappengroßhandel gelangt für die erste Oktoberwoche ein Septembergehalt zur Auszahlung. Die taufmännischen Angestellten im Buchhandel erhalten im Laufe der Woche eine Atonto- Bahlung von 14 Augustgehältern. bindereigewerbe find für den Monat September 25 Augustgehälter Für die faufmännischen Angestellten im Buchdrud- und Buchvereinbart worden. Für die erste Oftoberwoche fommen 12 Auguft. gehaser plus Saber 4. Oftober zur Auszahlung. geher plus Saber en 4. Ottober zur Auszahlung. Werbungstoffen und Steuerabgug. Cine Reihe von Lesern hat offenbar die Werbungsfosten verwechselt mit den 10 Prozent der Steuern, die von diesen Werbungskosten nicht abgezogen werden. Dieses Mißverständnis erklärt sich daraus, daß bei der Lohnrechnung gewöhnlich der steuerfreie Betrag der Werbungskosten als„ Werbungstoften" gebucht wird. Rentralverband der Maschinisten und Seizer. Freitagabend 6 Uhr im GeBertschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal 1: Algemeine Funktionärversammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bebanntgegeben. Erscheinen aller Funktionäre ist füit. Chemische Inbustrie! Af- Funktiondaversammlung heute Freitag, abends 7% h, beim Butab, Werftstr. 7, Sof 2 Treppen. 10 Uhr im großen Gaal bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, wichtige Ber Berband der Buchbinber und Papierverarbeiter. Sonntagvormittag fammlung des gesamten in den Geldbruckereien beschäftigten Buchbinderpersonals. Das Erscheinen aller Rollegen und Rolleginnen ist unbedingte Pflicht. Reaptentaffe für Mitglieder des Deutschen Werkmeisterverbandes. E. R. Mitgliederversammlung Sonntag ben 7. Ottober, vormittags 11 Uhr, Belvedere, Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gemertfchaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret Achtung, Töpfer! Der Schiedsspruch des Schlichtungsaus. schusses Berlin lautet für die Zeit vom 23. September bis 6. Dftober auf 10 Proz. über den tarifmäßigen Maurerftundenlohn. Deman ber Jannowizbrüde. gemäß wäre zu zahlen vom 23. bis 29. September ein Stundenlohn pon 28 215 000 m., vom 30. September bis 6. Ottober ein Stunden John von 39 663 800 m. Die Affordgrundpreise erhöhen fich um das 28 215 000- bzw. 39 663 800fache, Die Erklärungsfrist über Annahme oder Ablehnung ist auf 3 Tage festgesetzt. URANIA Taubenstraße 48. 4 Wiederholungen des Ozeanfilms ( Reise von Berlin bis New York) Vortrag: Oberingenieur Dreyer Hannover Donnerstag, den 4. Oktober, 6 und 8% Uhr Freitag, den 5. Oktober, 6 Uhr und 8% Uhr Th.a. Kottb. Tor| Täglich 7'/ 2 Uhr Europ. Sonntagach Barnum& Bailey mittag 3 Uhr: ELITE- Berlin SW, Belle Alliance- und Ede Dreibundstraße. Linie 99. Täglich 7 Uhr die Sänger U. a. DerHaus schlüssel Billige Seifen weit unter Preis! Toilettenfeife 100 T. an, Haushalt 8, 12, Canolin, Dafeline 20 S., Zahnpasta 20£, Sautcrem 100 S. an fauger 40, 60, 80, 200, 800 S., Ean de Cologne la 5 u. 10 9inionen. Stoptwaffer 2 Millionen Haushalt- Toilette42 Attraktionen 42 Rinder zahlen abends halbe Breife. Rennen zu Karlshorst Freitag, den 5. Oktober nachm. 1 Uhr. und Gummi- Ketitel fehr billig. A. Maas Metallbetten & Co., Markgrafenstr. 84, an ber Lindenstraße. 10-6 Uhr. Gegründet 1890 Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. 10 Broz. Zuschlag auf alle Beelfet Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. 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Ja einer besonderen Erklärung betonte der Vorsitzende Landgerichtsdircktor Dr. Westerkamp noch folgendes:„Das Oericht hat sich in diesem Fall wicht über die Grünoe zu äußern, die zu dam Freispruch geführt haben, da es ja die Gründe nicht kennt, aus denen heraus die Geschworenen die Schuldfragen verneint Kaden. In diesem Fall hält aber der Ge- richtshof, der ja während der Verhandlung seine Stellung nicht zum Ausdruck bringen durste, für richtig zu sagen, daß nach Heber- zeugung des Gerichts die chauptverhandlung keine Spur eines begründeten Verdachtes-regen den Angeklagten v. Kähne er- geben hat. Das Verfahren ist ja einen eigentümlichen Weg ge- aonqcn. Cs ist verständlich, daß bei dem veralteten Skelettfund die Polizcibeamten zunächst keinen Anhalt zum Eingreifen fanden. Es ist nicht die Pflicht eines pflichtgetreuen Beamten, immer nur irgend etwas zu tun, etwas nachzujagen, wovon er sich unter Umständen gar keinen Erfolg verspricht. Auch als ein vom Ministerium beauftragter Beamter eingriff, konnte man keine Svur finden. Erst als die Belohnung ausgesetzt wurde, meldeten sich die ersten Zeugen. Die Aussage des Zeugen R s h f e l d führte von Anfang cm zu keinem Ergebnis, um jo vernichtender ober schien das Zeugnis B e ll i n s, und da ist«S nun merkwürdig, daß in diesem Fall vom Angeklagten nicht das geringste versucht worden ist. dieses Zeugnis zu entkräften. Es findet sich kein Antrag von ihm. der seine Unschuld nachzuweisen sucht. Die Ansage des Zeugen Bellins war aber solange vernichtend, als keine Widersprüche er- folgten und man nicht die Quelle erfahren hatte, aus der feine Be- hanptungsn stommtcn. In der Hauptverhandlung wie in dem ganzen Verfahren ist jeder Spur nachgegangen worden. Deshalb kann jetzt ruhig gesagt werden, daß sich auch nicht die geringste Spur eines begründeten Verdachtes gegen den Angeklagten ergeben hat/ Aus dem Plädoyer des Verteidigers Kahnes. Justiz- rat Josephson, ist noch folgendes nachzutragen: Unter kurzem Hinweis auf die Fälle, in denen Herr v. Kähne mit Dieben auf seinem Grund und Boden Zusammenstöße gehabt hatte, er- klärt der Verteidiger, daß man Potsdamer Richter und Staats- aniwälte in der Oeffentlichkoit beschuldigt hätte, daß sie gewalttätige Junker schützten. Bon diesem Geschrei der Straße(? D. Red.s dürften sich die Geschworenen nicht beeinflusien lassen. Kähne sei niemals ein Junker gewesen, er sei ein Bauer geblieben, wie sein bäuerlicher Ahnherr, der einst geadelt worden sei. Die Furcht vor der Straß«, die aus dem ganzen Verfahren sprälbe, bedeute die eigentliche politische Gefahr, nicht die Familie v. Kähne. Das Schwert der Gerechtigkeit würde nicht aus Herrn v. Kähne niedersausen, der völlig gereinigt von den gegen ihn erhobenen schweren Borwürfen den Gerichtssaal verläßt, sondern auf die meineidigen Schurken, die in dieser Angelegenheit ein ab- gcfeimtes und abgekartetes Spiel getrieben hätten. Der Verteidiger sprach in diesem"Zusammenhang unter Hinweis auf gewisse Ver- �"''Lsfentlichungen. Eingaben uiw. von den Hintermännern� die »e chnter Bellm, Rehfcld und Laase, gestanden, di« einen geradezu er- staunlichen Einfluß besäßen und ungestraft alle Welt verdächtigen könnten. Insofern sei hier ein ganz unwürdiges Schauspiel auf- geführt worden. In seinem Schlußwort betonte dann der Angeklagte, daß er keineswegs auf einen fremden Menschen in Petzow geschossen hätte� Seit jeher gewähre er Wandervögeln der verschiedensten politischen Richtungen, auch den Linksradikalen, bereitwilligst Quartier. Die Leute könnten sich über die Behandlung bei ihm nicht beschweren. Allerdings würde er sich von keinem Staatsanwalt das Recht nehmen lassen, sein Eigentum gegen Uebergrisse zu schützen. * Der Prozeß gegen Herrn o. Kähne auf Petzow hat mit Frei- s p r e ch u n g' geendet. Dem Potsdamer Schwurgericht hat die Be. weisführung nicht genügt, den Angeklagten der vorsätzlichen Tötung des jungen Laase schuldig zu sprechen. Auch die Eventualfrage, ob ex der Körperverletzung mit Todeserfolg schuldig sei, ist ver- neint worden. Einige WidersMüch« in den Aussagen wichtiger Zeugen dürften so schwer ins Gewicht gefallen sein, daß die Wag- schale sich zugunsten des Herrn o. Kähne neigte. Das Gericht ging sogar soweit, mit den Kosten des Verfahrens auch die dem An- geklagten entstandenen Verteidigungs- und sonstigen Kosten auf die Staatskasse zu übernehmen. Er konnte erhobenen Hauptes die Anklagebank verlassen und darf sich eine„glänzende Freisprechung" buchen. Wird nach diesem Ausgong des mit so großer Spannung er- warteten Prozesses die Dolksmeinung ihr Urteil über Herrn v. Kähne ändern? Wir vermuten, daß der Schloßherr auf Petzow selber nicht einen derartigen Erfolg zu hoffen wagt. Daß er Laase erschossen hätte, hält das Schwurgericht nicht für bewiesen. Her? v. Kähne wehrt« sich erregt auch gegen den Vorwurf, daß er überhaupt rasch zur Schußwaffe greife. De Staatsanwalt äußerte sich etwa in dem Sinne, daß auf alles, was nach Petzow kommt, geschossen wird. Darüber geriet der Angeklagte in heftig«.Er- regung, die sich in seinem Schlußwort rückhaltlos Luft machte. „Es wird," polterte er,„nur auf Halunken geschossen, wenn sie uns und unser Eigentum angreifen." Lange genug hatte er sich bezähmt— jetzt war er wieder ganz der Herr v. Kähne. Er fügte hinzu, auch dann werde noch nicht mal so geschossen, daß schlimmere Verletzungen entstehen. Seine Schilderung eines Zusammenstoßes schloß er in fast jovialem Ton:„Ich will den Bengel bloß ein bißchen flügellahm machen, dann wird er sich das merken." Daß man auch bei Angriffen auf das Eigen- tum schon schießen darf, ist also wohl Herrn o. Kahnes Ansicht? Ihm liegt anscheinend gar nichts daran, die Dolksmei- nung über ihn in diesem Punkt zu ändern. Seinen Besitz so zu verteidigen, erklärt« er für sein gutes Recht, das ihm kein Staats- cnwalt, kein Schwurgericht nehmen könne. Das sagte er den Pots- damer Geschworenen ins Gesicht hinein, in dem Augenblick, wo sie entscheiden sollten, ob er überführt sei, den jungen Laase erschossen zu haben. Es hat dem Angeklagten nicht geschadet— sie haben ihn„glänzend freigesprochen". Herr o. Kähne ist, wie im„Vorwärts" schon mitgeteilt wurde, der Nachkomme einer alten Petzower Bauernfamilie, die erst im 19. Jahrhundert geadelt wurde. Er kann also nicht den Anspruch erheben, ein„echter" Junker zu sein, den sein«„Standesgenossen" als vollwertig anerkennen müßten. Aber über sein„Recht" bei der Verteidigung seines Eigentums denkt er ganz so, wie es nur ein echter Junker konnte. An der Ehrlichkeit dieser Ueberzeugung des Herrn v. Kähne darf man nicht zweifeln. Ihn rühmte fein Verteidiger auch als einen Mann von„tiefer und echter R e l i, g i o s i t ä t". Das vervollständigt sein Charakterbild. Kähne-vemonstration in potsüam. Wie«in Lauffeuer hatte sich nachmittags die Frei. sprechung v. Kahnes in Potsdam verbreitet. Tausende und ober Tausende zogen zum Lokal von Imme, Lindenstr. 14 in Pots- dam, und versuchten dort einzudringen, um Kähne herauszuholen. Als Kähne nach einer Stunde mit seinem Wagen das Lokal ver- lassen wollte, stürzt« sich die Meng« auf ihn und ries:„Nieder mit dem Bluthund! Es leb« der Staatsanwalt! Nieder mit den Geschworenen, die diesen Bluthund freigesprochen haben!" v. Kähne mußte schleunigst umkehren. Unter Bedeckung von Schupo, gelang es endlich dem Wagen Kähnes. aus der Linden- straße in die Iunkersttaße einzubiegen. Hier verfolgte die Menge das Gefährt und bewarf den Insassen mit Glasscherben, Steinen und anderen Wurfgeschossen. Die Menge versammelte sich später vor dem Amtsgericht. 49 Milliarden statt 49 Millionen gab versehentlich ein HilfZ- Postschaffner heraus, der dadurch mit leiner Familie in große Be- drängnis geroten ist. Der Hilfsbeamte botte am Sonnabend früh auf dem Postamt in der Köpenicker Straße Militär- renten auszuzahlen. Dabei sind ihm zwei Verwechselungen vorgekommen. So zahlte er in einem Falle statt 40 Millionen, mit einem Päckchen, das 40 Milliarden enthielt. In einem anderen Falle statt 599 Millionen 5 Milliarden 69 Millionen. Die Empfänger der unrichtigen Summen werden gebeten, sich mit dem Postamt 16 in Verbindung zu setzen. 1 Das Verbrechen öer Elise Geitler. 9] Zkovellc von Hermann Keffer. Es hätte dieses Boten, der mit seinen Totengeschenken doch wie ein dumpfer und bitterer Ton in den Morgen der tätigen Menschen gefallen war, nicht bedurft, denn Otto hielt ohnehin die Vorbereitungen der Reise für genugsam gefördert, um es nun der Alten auf die Seele zu binden, daß sie un- besorgt die Magd entlassen, das Haus versperren und auch nicht vor dem Spätabend heimkehren solle, weil er und Ger- trud bis in die Nacht hinein in der Stadt weilen würden. „Und sag es der alten Magdalene in ihre tauben Ohren, daß ich mir demnächst einmal ihre Gespenster besehe und mir auch die Karten von ihr legen lasse!" Dies rief er Elise, die nochmals glättend über ein voll- geschichtetes Kosferfach hinstrich, noch unter der Stubentüre zu, und hütete sich wohl, nach ihrer Antwort auf den ver- messenen Spott zu hören; denn eines gab es, wodurch man sich mit ihr verzanken konnte: wenn man für warnende Spin- nen und schwarze Katzen, für die Weisheit der Karten, für die Bedeutung schiefer und fallender Bilder und für polternde Geister«inen Zweifel oder ein Lächeln hatte. Aber Elise wußte an jenem Tag, der so lärmend begann, kein Wort der Entgegnung. Auf ihrem Gesicht lag eine wart- karge und niegesehcne Kümmernis: der neuen Unheilszeichen, die sie sehen nmßte, waren so viele, daß ihr jetzt nur ein Zittern über di« mürben Wangen und durch die alten Zähne ging. Sie schloß ihre Furcht und Ahnung in sich hinein, und hatte doch schon den Herzschlag des kreisenden Unheils gehört, erst noch am frühen Morgen, da sie die Teller und Gläser vom vergangenen Abend im Schrank versorgte und auf dem Kristall und Porzellan eingeritzte Unglückskreuzchen in solcher Zahl und Deutlichkeit entdeckte, daß sie sich setzen mußte, um nicht umzusinken vor Bestürzung und Angst. Trotz allem schwieg sie und nahm sich nur vor, den Bruder am Abend in einer stillen Stund« beiseite zu nehmen und ihm zu sagen, was an ihr nagte. Die Gelegenheit, glaubte sie, würde sich finden. Sie kam aber nicht mehr, und die Dienerin und der Herr sahen sich nicht eher, als bis sich das schwarze Gewinde, für das an jenem Maiabsnd kaum zwei Blättchen gepflückt waren, zu einem düsteren Kreis zusammengeschlossen hatte. I Als die Geschwister, frei und freudig ausschreitend, der Stadt nahten, war es noch zeitig, so daß es Otto erlaubt schien, statt der ebenen Straße den Umweg über eine waldige Höhe zu nehmen, von der man den Blick auf das ebene Land und den Bergsaum hatte, und die wie in Stufen zu grünen Wiesen hinunterfiel. Der Wind, der den beiden ins Gesicht blies, hatte am grauen Himmel ein blaues Fenster aufgerissen, durch das aufs neue wärmende Sonne auf alle Straßen und Hänge schien; das blaue Fenster vergrößerte sich mit jedem Schritt, den sie vorwärtsgingen, und so hatten die beiden nach dem verhängten und trüben Morgen mit einem Male ein helles Dach über sich, nahmen es als eine gut« Vorbedeutung für das, was der Tag schenken würde, und gaben sich einem Froh- mut hin, in dem Gertrud mit allen Sinnen aufging, auf nichts anderes bedacht, als daß die Sonne, der Tagesglanz und die summende Stadt alles von ihr scheuchen sollten, was sie durch» bebt und geplagt hatte. Sie sprang auf ihren hohen Beinen leichtfertta Otto voran, als der Pfad in Windungen stieg, stieß mit den Füßen dürres Laub vor sich her, das alt und feucht von der Schneeschmelze auf dem dunstenden Boden faulte, und jubelte dem Bruder, der oft weit hinter ihr blieb, durch das Gewirr der Bäume und Felsen zu, klettert« auch in ihrem Uebermut auf einen moosgrünen Steinblock und stand dann winkend und hoch über ihm, immer in einer neuen glücklichen Verwunderung über den Wald und die Felsen und die wilden verbogenen Bäume. Es war auch ein richtiger Märchenwald, ein üppiges wildes Waldstück, noch nicht von der Axt zerfetzt und noch nicht mit Wegen und Bänken bedeckt, ein reich«? und voller Wald mit verirrten Trümmern von stundenweit fernen Felsenmauern aus d«m Süden des Landes, mit Lär- chen, Buchen und Tannen und hohem Farnkraut dazwischen. „Nachts mächt' ich einmal hier fein!" entfuhr es Gertrud, als sie am Arme des Bruders die freie Höhe erreicht hatte und entschleiert, scharf und tiefblau die Berge aus den ver- stürmten Wolken heraustraten. Otto aber deutete auf den silbergrauen Strom und die Brücken und wies nach der Stadt, die mit ihren Toren und Türmen breit und schwer am Rande der Ebene lag. Es sei Zeit, meint« er und zog die Schwester einen weichen Weg über blühende Wiesen und und sprossende Kornfelder hinab, der sich mit anderen zu einem festen Pfad verband und endlich in eine Fahrstraße bog, auf der ihnen das Leben der Stadt entgegenkam, be- laden« Lastwagen mit pfeifenden Fuhrleuten, Spaziergänger, 5reitag, 5. Oktober 1623 Ein Vorstoß gegen öie Krankenkassen. Aus der gestrige» Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordnetenversammlung konnte gestern einen großen Teil der ihr vorgelegten reichlichen Tagesordnung erledigen. Brennstoffgeselljchaft, Scharfenberg-Schule, Verbot der „Roten Fahne" waren Hauptpunkt« der Erörterungen. Zu später Stunde wurde noch über einen Antrag der Deutschnatio- nalen verhandelt, die sich wieder einmal an den Kranken- lassen reiben wollten. Genosse Thurm antwortete mit«ingehenden Darlegungen über di« Lage der Krankentassen und ihr Verhältnis zu den Krankenhäusern. Die Abstimmung wurde oertagt. « Auf„Widerspruchsrecht" stieß zu Anfang der gestrigen Sitzung ein Dringlichkeitsantrag, den die Kommunisten eingebracht hatten, um den Magistrat zu oeranlassen, sich sofort über di« Gründe zu äußent, aus denen er dem Beschlüsse der Versammlung in Sachen der Abfindung der entlassenen Straßenbahner di« Zustimmung verweigert hat. Die Angelegenheit blieb somit«inst- weilen in der Schwebe.— Zu längeren Erörterungen führte die Anfrage der Deutschnationalen nach den Gründen, aus denen der Leiter der„Berliner Brennssoffgesellschast" Herr Kulssch, vom Amt« suspendiert worden ist. Namens der Interpellanten erhob Stadtv. Schöneborn schwer« Anklagen gegen den Genannten und seine Geschäftspraxis. Oberbürgermeister Vöß bedauerte, daß der Stadtbaurat Horten, der Aussschtsratsvorsttzende der Gesellschaft, nicht zugegen sei, und erklärte, daß der Magistrat endgültig noch nicht habe Stellung nehmen können. Von Ver- schleierung könne aber nicht di« Red« sein, die Suspension sei sofort verfLgt worden; der Magistrat müsse aber genügend Zeit haben, sich«in Urteil zu bilden.— In der Besprechung stellt« Genosse vrolat fest, daß ftnlisch bei aller Trefflichkeit als Geschäftsführer nicht zu halten gewesen ist: wenn er auch nicht bös- willig und nicht in der Absicht der persönlichen Bereicherung g«> handelt habe, so sei er doch fahrlässig vorgeganoen. Natürlich müsse den Kriegsinvaliden geholfen werden. Man solle aber ver- suchen, Kulisch«inen gütlichen Abgang zu verschassen.— Stadtrat Schilalng vertrat di« Auffassung, daß die Berlmer Brennstoffgesell- schaft ihren Verpflichtungen gegen die Fürsorg« berechtigten nachzu- komme» habe, auch wenn ein Eingriff in die Substanz erforderlich sei.— Damit wurde der Gegenstand für jetzt verlassen. Di« Verfassung des La n de sa r b« it so m t s Berlin wurde von der Versammlung nach den Lusschußvorschlägen ge- nehmigt. Gleichfalls in der Ausschußfassunq nahm die Aersamm- hing nach dem Reserat des venossen Dr. Äefl das Ortsgesetz über di« Regelung des H e bamme n wes en» an.— Zu einer längeren Auseinandersetzung gab sodann der vom Magistrat zur Kenntnisnahm««nd Zustimmung oorgeleat» L« r t r a g mit der Firma A. V» r s i g, S. m. b. H., in T e g« I wegen der Scharfenberg-Schule Anlaß. Der auf der Insel Scharfenberg begonnene Schuwersuch auf Grundlag« einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft während der Zeitdauer von mindestens zwei Schulbildungsgängen(gleich 12 Iahren) soll durchgeführt und die Insel der Schule für diesen Zweck über- lassen bleiben: für den landwirtschaftlichen Betrieb stellt di« Firma der Stadt Sachwerte im Betrage von 9 Millionen Mark zur Ver- fügung. Die Versammlung genehmigte schließlich den Vertrag mit der Modifikation, daß die Gesamtzahl der durch die Firma in die Schul« eintretenden Schüler 6(statt 19) nicht übersteigen soll. Der Schaffung der Stelle eines Magistratsoberbau» rats wurde zugestimmt„unter Fortfall einer Magistratsbaurat s- stelle in Gruppe XII". Die Vorlag« wegen Festsetzung von Bezügen für die nebenam!» lich tätigen Aerzte der Charlottenburger Säuglingsfürsorgestelleir wurde auf Antrag der Genossin Dr. lvygodzlnski der Ausschuß- beratung überwiesen.— Zu der Mitteilung des Magistrats, daß sich die Gasverbilligung für Kleinverbraucher aus technischen Gründen als unausführbar erwiesen habe, äußerte sich nur Herr Richard Kunze.— Die Versammlung nahm die Mitteilung des Magistrats zur Kenntnis.— Die für 7 Uhr angesetzte Ab- st i m m u n g über die Anträge Neuster(Dem.) und Reimann(Soz.) zur Wohnungsbauabgab« erübrigte ssch, da der Magisttat inzwischen die Erhebung der Abgab« eingestellt hat. Die neue G«» tränkesteu erordn unig wurde genehmigt, nachdem in namentlicher Abstimmung entgegen dem Ausschußoor- schlage mit 116 gegen 84 Stimmen beschlossen worden war, auch«ine kommunale Brannttveinbesteuerung in diese Ordnung aufzunehmen. müßige und geschäftige Menschen. Bald umfloß die beiden Geschwister die Morgenregfamkeit harter gepflasterter Straßen und Gertruds bemächtigte sich jene leichte Erregung, die all« angreist, die aus der Stille des stiedsameu Landes in den Schall und die Raschheit der großen Städte geraten, wo alles in Bewegung ist oder auf Bewegung wartet und nichts fest in sich bleiben kann, weil sich alles ringsum oerändert. Mitten auf einem Plag, über den ein Schützenreaiment im Takt der Trommeln marschiert«, mußte sie, durch den Lärm in ihrem Geplauder stumm gemacht, des Schauspielers gedenken, dem es vergönnt war, in dieser Stadt zu leben und darin groß und berühmt zu werden. Sie schalt sich, daß sie im Taumel der Nacht wie«in Kind vor sich selber erschrocken war, und schob den Entschluß, ihn nicht mehr zu sehen, wie eine feige Torheit von sich. Was tat er ihr und was sollte sie ihm? Sie hatten verschiedene Bahnen, auf denen jedes in seinen Gleisen ging. So dachte sie und überließ sich aufgeräumter als jemals den tausend Zerstreuungen ihrer Weg« und wurde davon nicht leer, wenngleich jetzt eine seltsame Unruhe hinter ihr dreinschritt und nach ihr griff, so daß sie sich fragen mußte. was sie sähe und dächte. Denn so wird ein junges Leben, das für die Lieb« auf- gesprengt ist, unablässig verfolgt: daß es halbdunkle Träume im warmen Blut trägt und doch nichts davon in das helle Bewußtsein strömt, und daß es die Wärme des Blutes in sich spürt und doch nur in Traumen erwache» läßt. Als Theo Behrens, der Schauspieler, zur Mittagszeit verstaubt und heiser das Hostheater verließ, da tönten ihm die Zwölfuhrglocken auf der rauschenden Straße wie«in zu seinen Ehren befohlenes Festgeläute ans Ohr und er würde sich nicht gewundert haben, wenn alle Leute vor ihm den Hut gezogen hätten. Es trug sich aber nichts dieser Art zu, vielmehr gin» gen die einfachen Menschen, denen er auf seinem Gang nach dem Gasthof„Zu den vier Mohren" begegnete, achtlos an ihm vorbei, und die wenigen, die ihn kannten, hatten. auf seinen Gruß nur einen flüchtigen Dank und sahen beinah« kühl und abweisend auf sein aufgedonnertes Gehaben, wie immer, seit es— ver drei Jahren-- herumgekommen war. daß er seine hinfällige Mutter durch Schuldenmachen und Tagdiebereien um ihr« letzten Pfennig« gebracht hatte und dann plötzlich aus der Stadt verschwunden war. um Schau- spieler zu werden.(Fortsetzung folgt.) Auf der Tagesordnung folgte nunmehr der Antrag der regierungsrat Weiß gab Kruse, ein sehr impulfiber temperament| ftraße 11, statt. Alle Eltern der gemeldeten Kinder nehmen felbf) Kommunisten betreffend die Mißbilligung des im April d. I. voller Mann, nochmals eine Darstellung der Borgänge und ge- verständlich daran teil! erfolgten Berbots der Roten Fahne". v. Eynern( D. Vp.) brauchte dabei, weil er sich so beffer ausdrücken fonnte, feine Medstellte den Antrag, den Gegenstand nicht zu verhandeln, da er die lenburger Mundart. Kompetenz der Versammlung überschreite. Mit 85 gegen 82 Stimden entschied die Versammlung in entgegengeseztem Sinne; bei der Mehrheit befanden sich auch einige Mitglieder der Rechten. Dörr machte in der Begründung des kommunistischen Antrags die wiederholten Verbote der„ Roten Fahne" zur Grundlage seiner Betrachtungen. Eine weitere Erörterung fand nicht statt. Für den Antrag stimmten nur die Kommunisten; der Antrag wurde abgelehnt. Gegen die Verhandlung des ferneren Antrags der Kommu nisten( vom 8. Mai d. 5.), im Staatsrat Protest gegen die Ausiließung der fommunistischen Vertreter Berlins cus dem Landtage einlegen zu lassen, sprachen Dr. Gaspari( D. Np.) und Koch( Dnat.), während Dörr die Zuständigkeit der Versammlung für einen Protest gegen diesen Bruch der Verfoffung und gegen die schwere Beeinträchtigung der Rechte der Berfiner Wählerschaft als gegeben anfah. Gen. Reimann stellte fest, daß gegenwärtig Landtagsmitglieder nicht ausgeschlossen sind, und Sprach die Hoffnung aus, daß es dazu nicht mehr fommen werde. Die Berhandlung des Gegenstandes wurde abgelehnt. Dr. Kirchner begründete hierauf einen Antrag der Deutschnationalen, betreffend Erstattung der Selbstfosten der Stadt durch die Krankenfaffen. Die tägliche Kohlenpreiserhöhung. Der Wanderzirkus Henny, der als europäischer, Barnum u. Bailey feinen Einzug in Berlin hielt, hat ein ansehnliches Zelt an der BelleAlliance- und Dreibundstraße aufgeschlagen. Der Birfus weist einen tadel losen Sierbestand auf, so u. a. eine prächtige Eisbärengruppe, die vom Das Kohlenamt teilt mit: Nach dem amtlichen Dollar. Dompteur William Walles vorgeführt wird und eine gut dressierte Meute stand vom 4. d. M. stellen sich die Brikett- und Kotspreise ab englischer For Terrier. Ferner fieht man Elefanten, Dromedare, Stiere, 5. d. M. wie folgt: Küchen- und Dfenbrand: Briketts ab Lager Brogramm den Titel Im Reiche des gehalten Sandes" trägt, ist anzu Wafferbüffel, Zebus, Steppenrinder und sogar einen Bison. Das was im 235 670 000 m., frei Keller 245 670 000 m., asiois ab Lager ertennen, um so mehr, als sich das gezeigte Pferdematerial in gutem Zu605 040 000 m., frei Steller 616 540 000. Bei fubrenweiser ftande befindet. Rechnet man dazu noch die gebotene Artistik der JonLieferung: Briketts ab Lager 235670000 M., frei Keller 244170000 gleure, Afrobaten, Seiltänzer, so ergibt sich ein Programm, das sich anch in Mart, Gastois 605 040 000 M., frei eller 615 040 000 m. Berlin sehen lassen fann. VSPD.- Stadt- und Bezirksverordnete Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder Heute, den 5. Oftober, abends 6 Uhr, im Sigungsscal der Stadtverordnetenversammlung, Rathaus, Eing. Königftr.: Konferenz Tagesordnung: Unsere Stellung zu den städtischen Wirtschaftsunternehmungen. Referent: Stadtv. Reuter. Die Mitglieder des Bezirksvorstandes find hierzu eingeladen. Bezirkssekretariat. Die Kohlenbeschaffung der Kleinrentner. Koblenkarten zustehenden Kohlen zu erleichtern, kann die Be Um den Kleinrentnern die Beschaffung der ihnen nach ihren Ieinrentnerfürforgestellen erfolgen. Die dafür ver zahlung dieser Kohlen vorschußweise durch die auslagten Beträge werden den betreffenden Kleinrentnern nach und nad von den ihnen bis zum 31. Dezember 1923 zu gewährenden schüssen zur Bezahlung von Kohlen, Holz, Kote oder Torf find von Fürsorgeleistungen gekürzt. Anträge auf Gewährung von Vors Diese Selbstkosten feien soweit einzuschränken, daß das Durchhalten der Krantenhäuser den Winter über gewährleistet bleibt. Stadtmedizinalrat Rabnom betonte, daß zurzeit die Privatpatienten das gleiche zahlen wie die Kranfenfaffenmitglieder; auch eine gewiffe Staffelung bestehe bereits. Bom nächsten Montag ab betrage, der Say 120 Millionen Mart täglich. Auf möglichst billige Wirtschaftsführung sei die Verwaltung dauernd bedacht. Bon der Erhöhung der Leistung der Kassen sei geradezu das Gegenteil einer Erhöhung der Einnahmen der Krankenhäuser zu befürchten. Gen. Thurm lehnte gerade im Interesse der städtischen Krankenhäuser den Antrag in der vorliegenden Form ab. Die Kassen könnten zurzeit nur ein sehr niedriges Krankengeld zahlen; an der Notlage, in der sie sich befänden, trügen die Aerzte einen großen Teil der Schuld, weil die Kaffen etwa 1500 Aerzte mehr unterhalten müßten, als sie tatsächlich benötigen. Die Kaffen hätten andererseits bereits den Kleinrentnern an die zuständigen Kleinrentnerfürsorgestellen in einem großen Brozentjaß der Erkrankungsfälle von der Kranken- zu richten. hausbehandlung Abstand nehmen müssen. Aus finanziellen und rechtlichen Gründen müsse der erste Teil des Antrags abgelehnt werden; der zweite Teil folle dem Magiftrat als Material überwiesen werden. Nicht nur für die Erhaltung der Krantenhäuser, sondern auch für die Erhaltung der heute mehr denn je notwendigen Sozialversicherung müsse der Boltsfreund eintreten; es habe den Anschein, als sei der Antrag der Deutschnationalen auch darauf berechnet, die Attacke, die jetzt gegen die Sozialversicherung geritten werde, zu unterstüßen. An der weiteren Aussprache bebeiligten sich noch Rintorf( Rom.) ind Frau Deutsch( Dem.), die sich der Aerzteschaft annahm und das Recht der. Bersicherten wie der Patienten überhaupt auf freie Arztwahl lebhaft verteidigte. Die Abstimmung wurde verschoben und die Situng nach 10 Uhr efchloffen. Der Seemann Kruse". Feierstunde der schulentlassenen Jugend. Der Berein Sozialistische Arbeiterjugend, Abtelung Südost, veranstaltet am Sonntag, den 7. Oftober, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Filmed", Stalizer Str. 94, für die Schulentlassenen der südöstlichen Stadtteile eine Feierstunde. Zu der Beranstaltung, die rein fünstlerischen Charakter tragen wird, haben namhafte Künstler, wie Theodor Hieber von der Staatsoper und Otto Laubinger vom Staatstheater, ihre Mitwirkung zugesagt. Ferner wird der Männerchor Namenlos" unter Leitung seines Dirigenten Thilo zur Verschönerung des Festes beitragen. Ein Streichquartett von Jugendlichen sowie Harmoniumvorträge füllen das Programm aus. Eintrittsfarten sind noch zu haben bei Lier, Naunynstr. 9, Dürr, Köpenider Str. 144, Horsch, Engelufer 24/25, Schneider, Forster Str. 52, und im Jugendfefre tariat, Lindenstr. 3. Ein Starter Rüdgang des Berliner Fremdenverkehrs im September tritt im amtlichen Nachweis über die gemeldeten Fremden auffallend in die Erscheinung. Zum erstenmal feit einer Reihe von Jahren ist, wie die Zentralstelle für den Fremdenverkehr Groß Berlins" feststellt, die Gesamtziffer unter Hunderttausend gefunfen. Die Siffer beträgt gegen den August, der mit 112 286 bereits einen großen Rückschritt bedeutete, für den September nur 88 851. Besonders auffallend ist der Rückgang des Ausländer zuzugs, der auf meniger als die Hälfte fant Don 20 716 im August auf 9354 im September. An erster Stelle erscheint diesmal Amerita mit 1215 Gästen. Es folgt Schweden mit 944, Desterreich mit 870, Rußland mit 859, England mit 781, Dänemart mit 758, Holland mit 714, die Tschechoslowatei mit 622, Polen mit 569 usw. Aus Frankreich find 62, aus Belgien 50 Anfömmlinge gemeldet. Nach zehn Tagen gerettet. Fünf Ueberlebende der Grubenkatastrophe in Schoffland. Nach unfäglichen Anstrengungen ist es der Rettungsmannschaft in Falkirk( Schottland) gelungen, gestern in den frühen Morgenstunden noch 5 Ueberlebende der großen Grubenkatastrophe an das Tageslicht zu befördern, nachdem diese Bedauernswerten, 10 Tage lang ohne Speise und Trant lebendig begraben gewesen find. Kurz nach Mitternacht vernahmen die Rettungsmannschaften, die seit dem Ausbruch der Katastrophe unermüdlich ihre Tätigkeit ausgeübt haben, schwache Klopf- und Rufzeichen noch lebender Eingeschlossener. 10 Freiwillige arbeiteten fich sofort unter den erdenklichsten Mühen und Gefahren zu ihnen durch und es gelang ihnen auch, ihre Kameraden herauszuholen. Nach den Aussagen eines der Geretteten hatten sie besonders auch unter der Kälte zu leiden und saßen während der 10 schrecklichen Tage und Nächte eng zusammengefauert, um sich gegenseitig zu erwärmen. Nach ihrer Schäzung am dritten Tage ihres Abgeschlossenseins von der Außenwelt feilten sie ihre letzte Schnitte Brot unter. einander. deuteten, hatten sie feine Idee von der Zeit. Da Tag und Nacht für sie die gleiche Finsternis beTelegramm im Sturm bei Queen Stown gestrandet. Der deutsche Viermaster Gustav" ist nach einem Londoner Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Kreis Friebrichshain. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde! Freitag. ben 5. Oktober, 7% Uhr: Selferfizung. Davan anschließend Bastelturfes bei Bernotow, Libauer Straße 5. Heute, Freitag, den 5. Oktober: 47. Abt. Unsere Weihnachtsfammlung hat begonnen. Wegen Liften und Spen den wende man sich an Robinson, Mariannenplag 23, 2 Treppen. 79. Abt. Schöneberg. Abenbs 7% Uhr im Lotal Groß, Sedanstr. 17, Funt. tionärligung, wozu sämtliche Funktionäre und Funktionärinnen au er fcheinen haben. 81. Abt. Friedenau. 7% Uhr erweiterte Borstandssigung bei Rudbeck, OdenJungsozialisten Schöneberg. waldstraße 26, Aufg. 1, 2 Treppen. Besuch der Arbeiterjugend Schöneberg, Heim Rubensstraße. Treffpunkt um 48 Uhr, Kinderhort, Feurigstraße 35. Morgen, Sonnabend, den 6. Oktober: 6. bt. 7% Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Straße 11: Bichtige Funk tionärfizung. 28. Abt. 7 Uhr wichtige Konferens sämtlicher Betriebsräte, Gewerkschafts- und Barteifunktionäre sowie Ordner der Abteilung an bekannter Stelle. bt. 8 Uhr Funktionärtonferens beim Genossen Krause. 37. 52. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärßigung im Lokal Bade, Kaiserin Augusta- Allee 52. 115. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr Funktionärsihung Bibliother Weichfelste. 28. Delegierten und Gastkarten für den Bezirkstag werden dort ausgegeben. Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, den 5. Oktober: Ablershof: Vortrag: 8wed und giele ber SAJ. Brig: Mitglieder. versammlung. Buchholz: Schulentlaffungsfeier. Friedrichsfelbe: Diskussion: Die Verfassung. Landsberger Viertel: Mitgliederversammlung. Rosenthal: Bortrag: Antisemitismus und bie 63. Mitgliederversammlung. Spanban: Mitgliederversammlung. Weißenfee: Schulentlaffungsfeter ber Gruppen Südwest und Kreuzberg im Jugendheim, Sinbenstr. 3, abends 8 Uhr, mit besonderem Programm. Alle Eltern find eingeladen. Was einem Harden- Berehrer paffieren kann. Der Weg zu dem Herzen großer Männer ist heute mit einigen Schwierigkeiten gepflastert. Das lehrt folgender Fall: Die Gerüchte von einem Attentat auf Maximilian Harden waren auf Grund einer Festnahme verbreitet, die in der Villa Hardens im Grunewald vorgenommen worden war. Die Ermittelungen der Abteilung la des Bolizeipräsidiums, der der Berhaftete zugeführt wurde, haben ergeben, daß von einem Anschlag teine Rede fein fonnte. Der Betroffene ist ein in Turau gebürtiger Richard Kruse, der in Dünnerhütte im Kreife Mecklenburg- Schwerin wohnhaft und verheiratet ist. Er hat sich viele Jahre lebhaft für die Hartenfchen Arbeiten intereffiert, und als er aus dem Kriege zurüdtam, hatte er in Laufe des Jahres 1919 verschiedentlich an ihn geschrieben und daraufhin auch von Harden Kartenbriefe erhalten. Anläßlich eines Telephongespräches hat Kruse, wie er jekt angibt, von Frau Harden die Einladung erhalten, einen Besuch ab. zustatten. In seinen Briefen nannte er sich immer„ Seemann Kruse". Als er jetzt wieder nach Berlin gefommen war, wollte er Harden persönlich aufsuchen, um über die politische Lage Rücksprache mit ihm zu nehmen. Weil ihm in der Billa mitgeteilt Lebensmittelpreise in der Makrelen. worden sei, daß Herr Harden nicht zugegen wäre, habe er zunächst Zentralmarkthalle am 4. 10. draußen auf der Straße auf ihn warten wollen. Als dann ein ( in Millionen Mark) Bolizeibeamter auf einem Rade angekommen sei, fei er, um diesem Rindfleisch nicht aufzufallen, über den Zaun gesprungen und habe sich in der Hammelfleisch. Billa auf die Treppe gefeßt. Hier habe er sich ein Stück Lebende Hechte Brot abgeschnitten, um diefes zu verzehren und auf die Rückkehr Hardens zu warten. Der Beamte hatte jedoch bemerkt, wie der verdächtige Besucher über den Zaun sprang. Er forschte nach ihm, traf ihn auf der Treppe und ließ ihn festnehmen, da die vorgerückte Stunde, es war gegen 10 Uhr abends, feine Darstellung unglaubwürdig erscheinen ließ. Die von der Abteilung la angestellten Re cherchen haben jedoch ergeben, daß die Angaben des Mannes auf Wahrheit beruhen. Bei seiner Bernehmung durch den OberDie Eröffnungsfeier der Lebensgemeinschaftsschule des 19. Krelses mittags 10 Uhr, im Turnfaal der 2. Gemeindeschule, Bismard- fhendenkonferens. in Niederschönhausen findet am Sonntag, den 7. Oftober, vorWohnungstausch in u. nach Berlin sowie von Berlin nach auswärts am schnellsten durch eine Anzeige im GroßBerliner Wohnungsanzeiger als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u. Tauschwohnungen Unter der Rubrik ,, Möblierte Zimmer zu vermieten" werden Meldungen von Vermietern kostenlos veröffentlicht. Verbund. mit d. ,, Gr.- Berliner Wohnungsanzeiger" ist der Anzeiger für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe Bei allen Zeitungshändlern und Kiosken zu haben. Verlag und Hauptanzeigenannahme: Zeltungszentrale( ZZ.) Aktiengesellschaft Jerusalemer Str. 5/6: Fernsprecher: Dönhoff 3310-3312 " Schleie Aale Aale in Eis Preise und Löhne. Butter Margarine Wirsingkohl. 70-90 65-90 40-45 . 10 Pfd. Kartoffeln Zwiebeln. "> 40-58 70-80 50-60 35 Achtung Abteilungsvorfigenbe! Sonnabend, den 6. Oktober, 7 Uhr: BorArbeitersport. Berliner Schwimm- Unien 1913. Sonntag, den 7. Oftober 1923, vormittags 18-20 8 Uhr, in der Badeanstalt Bärwaldstraße, nachmittags 2 Uhr im Stadtbab 115-140 Friebrichshain( an ber Schillingsbrüde), großes lokales Jubiläumsschwimmfest. 65-90 Nächste Gigung am 11, b. M. im Vereinslotal von Tornow, 60. 16, Michael3,5-4 tirchstr. 28, abends 7 Uhr, ift Vierteljahresversammlung. Die Uebungs18-20 ftunden finden file fämtliche Abteilungen reserviert ftatt, jeden Mittwoch 4-5,5 Don 7 bis 29 ihr in der städtischen Badeanstalt Bärwaldstraße, jeben Frei tag von 47 bis 9 im Stadtbab Friedrichshain( an ber Schillingsbrilde.) Schwimm- Berein Borwärts Berlin 1897. Aan Montag, den 8. Ottober, Sigung fämtlicher Schwimmwarte des Bereins in der Schule Lange Straße 31, abends um 7 Uhr. Uebungsabend der Abtlg. Bärwaldstraße: jeben Freitag von 7-9 Uhr. Mitgliedsbuch muß art ber Raffe vorgezeigt werden. Es ergeht an alle Mitglieder der Appell, diese Uebungsstunde fleißiger zu befuchen, da gerade in ber Bärwaldstraße die Trainingsmöglichkeit eine besonders günstige Das Eintrittsgeld beträgt nur% des Kaffenpreises. Wochenlöhne in Berlin ( in Millionen Mark) 25-32 Lederwarenindustrie v. 28. 10-15 9. bis 4. 10. 1209( u. 711 000 M.) ist. 12-18 Schilderindustrie v. 28. 9. 8-9 1 bis 4. 10. 1150 Auf dem Fett- und Fleischmarkt ziehen die Preise weiter stark an. Hechte in Eis Karpfen in Eis Schellfisch Kabeljau Grüne Heringe MÖBEL Schlaf-. Herren- und Speisezimmer Küchen, Klubgarnituren, Einzelmöbel in gediegener Qualität, noch billig, gegen bar oder Tellzahlung Lothringer Mobel- BEISER Strafe 61 haus Ungeheuer gestiegen i. Preise sind alle Lebensmittel und Bedarfsartikel. Kleine Anzeigen im Vorwärts sind aber immer noch billig! Wetter bis Sonnabend mittag. Anfangs trübe und etwas regnerisch, später Aufbeiterung und Abkühlung. Kugellager, Autozubehör kauft Golu bem. Schönhauser Allee 127. 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