nt.467 ♦ 40.�übrgang Ausgabe A Nr. SZZ BezngSpretS: «->m 7.— IS, Ottabtc« Million-» St voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 7—13. Ottober für Deutschland, Danzig, Saar» und Memelzebiet sowie Oesterreich u. Luxemburg«9 Million-« sür das übrige Äusland 32 Millionen Postbezugsprcis freibleibend. Der„Soraatis* mit der Sonntag«» bciloge„Volk und Keit', der Unter- baltungsbeilage„Heimwelt' und der Beilag«„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Zevlinev Volksvlstt (5000000 M.) Vlu�igev-Gnmdpreise: Di« einspaltige Ronparrwezeile «0 Marl. Reklamezeile 2000 Marl. „Kleine Anzeigen' da« fettgedruckte Wort 120 SR.(zuISsfig zwei fettgedruckt» Worte), sede» weitere Wort 80 SR. Stellengesuche da« erste Wort 00 SR. jede, weiter» Wort HO SR Bort» über IL Buchstaben zahlen für pvet Wort». Familienanzetgen fllr Abonnenten geile 40 SR Alle vrundpreis« mal Schlüsselzahl zurzeit 200000. 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Heber die Grundlagen der gesetzlichen Regelung begannen gestern abend in der Reichskanzlei Beratungen, die sich schwierig gestalteten und in später Rachtstunde noch nicht abgeschloffen waren. «- Nachdem in der Nacht vom Donnerstag mm Freitag der Versuch Stresemanns. ein Kabinett außerhalb der Per- teien zu bilden, zusammengebrochen war, setzten die Bestre- bungen des Zentrums und der Demokraten, eine Wiederherstellung der Regierimg auf alter Grundlage herbei- zuführen, verstärkt ein. Dies« Bestrebungen wurden von der sozialdemokratischen Reichstvgsfraktion nicht gerade hoffnungs- froh aufgenommen, nach dem eben Erlebten war, wie schon gestern gesagt, für die Wiederaufnahme des gescheiterten Expe- riments sehr wenig Stimmung vorhanden. Im Laufe des Tages bildete sich jedoch eine neueLage heraus. Zunächst ergab sich, daß die bürgerlichen Parteien in der Frage, an der sich der Streit entzündet hatte, zum Nach- geben bereit waren. Die sozialdemokratische Reichstags- fraktion hatte am Mittwoch in wiederholter Abstimmung be- schlössen, aus dem geplanten Ermächtigungsgesetz die Mate- rien der Sozialpolitik, insbesondere der Arbeitszeit, auszuschließen. Sie verlangte, daß diese Dinge auf dem nor- malen Weg der Gesetzgebung geregelt werden sollten. Da hierüber keine Einigung zu erzielen war. kam es zur Demission des Kabinetts. Im Laufe des gestrigen Tages nun erklärten sich die bürgerlichen Parteien zur Regelung auf dem normalen Weg der Gesetzgebung bereit. Hätten sie diese Bereitschaft schon 36 Stunden früher erklärt, so wäre die Demission nicht erfolgt. Nun verlangte der Arbettsmimster Dr. B r a n n s, daß man sich auch über die Grundlage einigen möge, auf der die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit ausgeführt werden sollte, und er schlug als solche die bekamtte Formulierung vor, die von der sozialdemokrattfchen Fraktton am Mittwoch abgelehnt worden war. Die Fraktion beschloß in ihrer gestrigen Abendsitzung, eine ander« Formulierung vorzuschlagen, sie erklärte sich außerdem, einem demokratischen Vorschlag folgend, fcerit, die Note vom 13. November v. I. zur Grundlage zu nehmen. Sodann begaben sich je ein sozialpolttischer Fachmann der dreiMittelparteien und die Genossen Wissel! und I a n s ch e k in die Reichskanzlei, um dort über die For- mulierung weite? zu verhandeln. Es war vorgesehen, daß um 11 Uhr nachts die Fraktionsvorsitzenden, für die Sozialdemo- traten Genosse Hermann Müller, hinzukommen und Mitteilung machen sollten, ob sie bereit wären, in ihren Fraktio- nen für die etwa gefundene Fassung einzutreten. Am Bor- mittag sollen dann die Fratttonen Stellung nehmen, die sozialdemokratische ist für 9 Uhr früh einberufen, gleichzeitig tritt auch der vom Parteivorstand herbeigeholte P a r t e i a u s- schuß zusammen. Parteipolitisch hat sich die Lag« folgendermaßen gestattet: Zentrum und Demokraten haben die stärkste Abneigung gegen den Plan zu erkennen gegeben, mit den Deutschnationalen zu- sammen ein Kabinett zu bilden. Diese Abneigung wird auch von einem großen Teil der Volkspartei geteilt. Die Lage in der Volkspartei ist so, daß man jeden Augenblick mit dem Eintritt einer Spaltung rechnet, der koattttonsfreund- liche Teil der Partei befindet sich in Auflehnung gegen den schrverindustriellen Flügel, dessen Intrigen er sich nicht mehr gefallen lassen will. Die Erbitterung ist noch gesteigert worden durch die Aufdeckung gewisser Pläne, die im Kreise derer um Stinnes angezettelt wurden, und die auch nicht mehr und nicht weniger als auf die Errichtung einer verfassungswidrigen „nationalen Diktatur" hinauslaufen. Erfolgt die Reinigung der Voltspartei von jenen dunklen Elementen, so wird sich «in« starke Annäherung an die vemokratische Partei voll- ziehen, man sprach sogar im Reichstag von einer bevorstehen- den Bereinigung der beiden Parteien. Gegen den Vorstoß der Sttnnesleute, hinter denen die Deutsch'nationalen und schließlich die rechtsradikalen Putschisten standen, hatte also eine lebhafte Gegenoffensive aus dem Lager der bürgerlichen Mittelparteien eingesetzt. Sie wurde zweifellos auch durch Nachrichten über gegenrevo- lutionäre Vorbereitungen beeinflußt,� die den ungeheuren Ernst der Lage erkennen lleßen. Der K ü st r i n« r Putsch war glatt erledigt, man fragt« sich aber, ob eine Re- gierung ohne Sozialdemokraten gegen ähnliche Unternshmun- gen mit der gleichen Energie und dem gleichen Erfolg würde vorgehen können. Di« Vorgänge in den bürgerlichen Parteien, besonders ihr« Bereitwilligkeit, die SrbvtszeikfWge entsprechend dem sozialdemokrattfchen Wunsch durch den Reichstag entscheiden zu lassen, waren geeignet, den Unmut der Sozialdemokraten über die Vorgänge der letzten Tage zu dämpfen. Die Partei hatte gezeigt, daß sie es den Vertretern des kapitalistischen Klassenegoismus nicht gestattet, mit den Arbeiterinteressen Schindluder zu treiben, und die bürgerlichen Parteien hatten angesichts des großen Scherbenhaufens, an dem sie raüos standen, begriffen, daß die Sozialdemokratie nicht mit sich spielen ließ. Gelang es, den schwerindustriellen Vorstoß abzufangen, so war wenigstens zunächst der Plan der Gegenrevo- lutton durchkreuzt, und die Sozialdemokratte konnte mit verstärktem Ansehen und vermehrten Einslußmögttch- ketten in die Koalitton zurückkehren. Die Hoffnung, daß die Rettung des Reichs vor der Katastrophe vielleicht doch noch möglich sei. begann wieder aufzukeimen. So kam die sozialdemotrattsche Reichskagsfrattton zu dem Entschluß, dem Wunsch der Demokraten und des Zentrums folgend, dennoch in neue Verhandlungen einzutteten. Ob sie zu einer Einigung führen werden, müssen die nächsten Stunden zeigen. Wir erwarten, daß die Partei m der Ver- ttetung der ihr anvertrauten Interessen der Arbeitnehmer s e st bleibt und daß sie sich nicht zu Zugeständnissen an den Herren- willen eines in seinen letzten Zielen enthüllten Scharsmacher- tu ms drängen läßt. Denn solche Zugeständnisse wären auch mit der bedrängten Lage des Reichs nicht zu rechtfertigen. Daß die Partei bereit ist, sachliche Fragen sachlich zu regeln und wirtschaftlichen Interessen der Allgemeinheit Rechnung zu tragen, hat sie durch ihre ganze bisherige Haltung bewiesen. Es sind Entscheidungen von geschichtlicher Trag- weite, die im Lauf des heutigen Tages fallen..,. Internationale unö Ruhrfrage. Das internattonale Sozialistische Bureau und das Bureau des Internattonalen Gewerkschaftsbundes hietten am S. und 4. Oktober im Volkshaus zu Brüssel gemeinsame Sitzungen ob, um die durch die jüngsten Ereignisse geschaffene internatto- nale Lage zu besprechen. Auf Antrag der Delegationen von Frankreich und Belgien nahm die Konferenz einstimmig die folgende Reso» lution an: 1. In ihrem beharrlichen Bestreben, einen sicheren und dauer- haften Frieden in Europa herbeizuführen, haben die gewer kschaft- Nchen Organssattonen des Proletariats sich von Anfang an bemüht, eine gerechte und wirksame Lösung des Reparationsproblems zu finden. Di« englischen, französischen und belgischen Arbeiter sind in dieser Frage zu ein« vollständigen Einigung mit den deutschen Arbeitern gelangt. Namentlich die Resolutionen von Amsterdam und Frankfurt haben dieser Verständigung eine präzis« Form gegeben und der Wert dieses Entwurfs ist erwiesen durch die Tatsache, daß sich eine immer größ«e Einstimmigkeit nicht nur unter Leuten guten Willen» aller Kreise und aller Länder, sondern auch der offiziellen Regierungen der inter- alliierten Regierungskonserenzen zugunsten aller wesentlichen Bestimmungen dieses Entwurfs kundgibt. Die Konferenz erinnert daran, daß dies« Entwurf namentlich vorsieht: a) die Berpflichttmg Deutschlands, die zerstörten Gebiete im vollen Maß« seiner Leistungsfähigkeit wie. der aufzubauen, wobei diese Leistungsfähigkeit durch eine un. parteiische Autorität zu bestimmen wäre: b) die Streichung der Lasten, die Deutschland im Widerspruch mit den gegenseitig als Grundlage des Waffen- stillstände, akzeptterten 14 Punkten des Präsidenten Wilson zur Deckung der Militärpensionen auserlegt wurden; c) die. allgemein« Streichung der interalliierten Kriegsschulden; Ra d; die Einführung de« System« der Reparattonen durch tural. und Arbeitslei st ungen innerhalb der Gren- zen seiner Leiswngemöglichkeit; e) die Emission internati vnaker Anleihen zu Zirecke der schnellen Leistung der Reparationen und der Ui ivandlung der Schuld Deusschlands gegenüber den alliierte Ländern m eine gewöhnliche Schuld ohne politische um m- alliierten Charakter. 2. Die beteiligten Staaten haben sich jedoch nicht dieser Politik des Friedens und des wahren Wiederaufbaues zugewendet. Wäh- rend die Arbeiter sich untereinander verständigten, weigerten sich die Regierungen zu einer gegenseitigen Derständigung zu ge- langen. Nicht einmal die Vertreter der alliierten Mächte können sich darüber einigen, was von Deutschland gefordert werden soll, und ihr Streit verschärft noch die ohnehin schon so gefährliche Lage Europas. Endlich sind di« Regierungen Frankreichs und Belgiens, entgegen allem Völker-■ recht, zur Anwendung der brutalen Gewalk, zu einem fön». llchen Sriegsakt geschritten, indem sie unter dem Bor wand ein« Verfehlung von unttrgeord- neter Bedeutung durch ihre Truppen das Ruhrgebiet besetzen ließen, mehr als hunderttausend Proletarier au» ihren Heimstätten vertrieben, die elementarsten Bürgerrecht« unterdrückten, Deutschland in brutaler Weise von seinem wichtigsten Wirt- schaftsgediet trennten, da» ökonomische Chaos, Elend, Not und die furchtbarste soziale Desorganisation herauf. beschworen. u 3. Di« Arbeit« Frankreichs und Belgiens haben im Emver- nehmen mit allen Vrganisattonen d« politischen und gewerkschaftlichen Internattonalen niemals aufgehört, mit all« Energie gegen diese» Attentat auf das Völkerrecht und auf die elementarsten Rechte der Arbeiterklasse zu protestieren. Sie haben nicht aufgehört. die öfsenlliche Meinung zu warnen, daß diese schlechte Tat zugleich auch ein schlechtes Geschäft fem würde. Die Resultat« zeigen, bi» zu welchem Grade sie recht hatten. Di« Polittk Poinearös, mit der die Polittk der belgischen Regierung Hand in Hand geht, hat keine Reparattonen zutage ge- fördert. Die„produktiven Pfand«' haben fich a(s unfruchtbar e» wiesen. Die Gewalt hat, wie imm«, nichts als Unglück erzeugt. Do« Elend m Deutschland hat die Möglichkeit einer Lösung in weite Ferne gerückt und verschärst in der ganzen Welt die ökonomischen Schwierigkeiten. Di« politische Krise Deutschlands und das Chaos, von dem es be- droht ist, ist eine Gefahr für ganz Europa. Noch niemals standen wir ein« so furchtbaren Krise gegenüb«. Die ganze Kultur des Westen« ist in Gefahr. 4. Die Arbeiterorganisattonen warnen das Proletariat aller Wind« vor diesen Gefahren. Sie«innern daran, daß di« Gewalt imm« wied« die Gewalt erzeugt und daß sie, wenn sie e« zu- lassen, daß dem deutschen Proletariat Gewalt angetan wird, ihrerseits Gefahr laufen, die Opfer nicht nur eines Krieges nach außen, sondern auch der brutalen Diktatur des Faschismus im Innern zu werden. Sie rufen sie auf, ihre Anstrengungen zur Sicherung des Feieden» und ein« internationalen Verständigung zu ver- doppeln und richten anAmeritaden dringenden Appell, seinen vollen Anteil zu nehmen an den versuchen d« Herstellung des Friedens und des finanziellen und ökonomischen Wiederaufbaues d« Welt. Die Arbttterorganffattonen verurteilen auf da» schärfste die Pollttk Poincare» und all« jen«, Me nach der Aufhebung des passiven Widerstandes auf dl« politische Zertrümmerung Deutschlands und seine ökonomische Vernichtung spekulieren und die Eröffnung von D«handlungen von immer neuen und immer schärferen Bedingungen abhängig zu machen. Sie rufen das Weltproletariat in diesem trittschen Moment zur höchsten Wachsamkeit und fordern es auf, ssch für folgende unmittel- bar dringende Notwendigkeiten einzusetzen: 1. Die Sicherung der Rückkehr der Ansgewiefe- neu aus der Rohr und die Amnestie für alle, die deshalb v«- nrtettl wunden, weil sie fich ge, veigerl haben, die Befehle der Be- sahungsbehörde durchzuführen. 2. Die Wiederherstellung ungehemmter Der- bin düng zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet Deutschlands. Z. DIeZnrückoahmed«den deutschen Beamten auferlegten B«pfiichlung, den Besatzungsbehörden den Treueid zu leisten— eine Berpfiichlung, gegen die die Bevölkerung der während des Krieges besetzten Gebiete den energischsten und berechligsten Pro. lest«hoben Hot. 4.. Die soforkige Aufnahme d« verhandln ngen zwischen Deutschland und den alliierlen Rtächlen ohne irgendwelche neuen Bedingungen.__. yeute Rekchstagssitzung? Filr den Fall, daß die Einigung gelingt, ist für beute 2 Uhr nachmittags eine Reichstagssitzung angesetzt. Der Reichskanzler soll seine Erklärung abgeben, die man wahrscheinlich am Sonntag besprechen wird, um dann sür einige Zeit die Plenarberatungen auszusetzen. Die Note vom 15. November 1922. Bei den Beratungen des gestrigen Tages spielte die den Achtstundentag betreffende Stelle der N o t e vom 1 3. N o- vember 1922 eine wesentliche Rolle. Es ist daher von Bedeutung, einmal den genauen Wortlaut dieses Passus, ferner aber auch die Entstehungsgeschichte dieser Note in Er- innerung zu bringen. Die damalige Reichsregierung(Wirth-Bauer) war im cherbst 1922 von der Reparationskommission in dringlichster Form aufgefordert worden, Borschläge über die Gesundung der deutschen Finanzen und der deutschen Wirtschaft zu unter- breiten. Als Ergebnis langwieriger Unterhandlungen der Reichsregierung teils mit der Reparationskommission selber — die unter Führung Barthous nach Berlin gekommen war —, teils mit internationalen Finanzsachverständigen— Keynes, Vissering, Brandt, Dubais usw.—, teils mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden, teils mit den poli- tischen Parteien, war eine Note zustandegekommen und am 13.. November nach Paris abgeschickt worden, die unter anderen Vorschlägen folgende Stelle enthielt: 10. Deutschland wird alle erforderlichen und geeigneten Maß- nahmen ergreifen, um msbesondere durch Erhöhung des Wirkungsgrades der Arbeit zu einer Steigerungder Produktion um damit zu einem Ausgleich der Handelsbilanz zu gelangen. Zu diesem Zwecke wird insbesondere eine Ikenregelung des Ar. beiiszeiirechles unter Fefthaltung des Achlflundentages als Normal. arbeiislag und unicr Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen auf tariflichem oder behördlichem Wege zur Behebung der Notlage der deutschen Wirtschaft in die Wege geleitet, alle Maßnahmen zur Heranbildung von Lualitätsarbeitern gefördert, Luxusverbrauch und Luxusewfuhr gehemmt und der Alkohvlverbrauuch beschränkt werden. Unmittelbar nach der Absendung dieser Note brach jene Regierungskrise aus, die zum Rücktritt des Kabinetts Wirth führte._ Der gesetzliche weg. Der Rcichsarbeitsmlnister Dr. B tta u n s sendet uns folgendes Schreiben: Der„Vorwärts"(Nr. 232 vom 5. Oktober 1923) nimmt in seinem Leitartikel„Das zweite Kabinett Stresemann" Bezug auf eine Mitteilung der„(Sermania", wonach„gerade in der Arbeits- zcitfrage das Zentrum den Sozialdemokraten dadurch die Situation hat erleichtern wollen, daß es der Regelung dieser Angelegenheit auf dem gesetzmäßigen Wege zustimme und fährt dann fort: „Das mag richtig sein. Aber ebenso richtig ist, daß der dem Zentrum angehörende Rcichsarbeitsminister Dr. Brauns in der Kabinetts- -J dies"I Ausweg die Zustimmung versagte und da- dura? erst die letzt« Entscheidung herbeigiführt hat." Diese Darstellung ist falsch. Ich habe in allen in Betracht kommenden Kabinettssitzungen diesem Ausweg zu- gestimmt. Bei der ersten Behandlung dieser Eventualität im Kabinett hohe ich lediglich meiner persönlichen Meinung darüber Ausdruck gegeben, daß dann aber auch die Sozialdemokratie mit den übrigen Parteien der Koalition das Gesetz zusammen machen müsse und die V e ra n t w o r t rui g sür das Gesetz nicht den übrigen Parteien allein zuschieben dürfe. Das habe ich betont gegenüber dem von sozialdemokratischer Seite aus- gesprochenen Willen, bei der Beratung des Gesetzes und im Verlauf der Abstimmung über die einzelnen Paragraphen abweichende Anträge einzubringen und für diese zu stimmen. In einer närhfolgenden Sitzung meiner Fraktion beschränkte dies« meine Stellungnahme dahin, daß es genüge, wenn die sozial- demokratische Partei in der Schlußabstimmung dem Gesetz ihre Zustimmung zu geben bereit sei. Ich Hab« mich diesem Stand- Der Kampf öer Zalter. Im Hochbahnwagen. Furchtbares Gedränge. Der berühmte Apfel hätte nicht zur Erde kommen können. Der Zug jagt« von Bahnhof zu Bahnhof. Für uns aber schlich er viel zu langsam dahin. Eine solche Fahrt ist nicht anregend. Abgesehen von etlichem Geschimpfe erlebt»man selten ötwas. Diesmal aber wurde ich zum Zeugen einer Tragödie. In einer jener Glasglocken, die die elek- frischen Lampen umhüllen, hatten sich vier Nachtfalter gefangen. Einer von ihnen lag regungslos am Boden. Die anderen reckten ihre Flügel, um der Hölle zu entrinnen. Bald war der«ine, bald der andere oben. Immer wieder fielen sie zurück. Dann begann der Kampf von neuem und immer erfolglos. Das Glas der Glocke, zu glatt und zu steil, erlaubte keinen Aufstieg. Der Luftraum, viel zu gering, machte die Arbeit der Flügel zunichte. Nur Hilfe von außen hätte den Kampf beenden, die Gefangenen retten können. „Tadellose Ungezieferfalle", sagte jemand neben mir und lachte.( „Warum lachen Sie, mein Herr? Sind wir nicht in der gleichen Lage. In Deutschland ist bald die eine, bald die ander« Partei oben und die anderen Völker sehen diesem Verzweiflungs- kämpf genau so aufmerksam zu, wie wir diesem Kampf der Falter. Niemand wird diesen Nachtschwärmern Helsen, weil«s keinen Porteil bringt, niemand wird uns helfen, weil keiner weiß, wer davon den Vorteil haben, wird. Es ist eine tzerzweiselt ähnlich? Lage. Die Menschen können nicht los von der Erde. Alle sind sie auf ihr so gefangen, wie die Falter in der Glocke. Gäbe es die Möglichkeit, eine andere und bessere Welt im All zu erreichen, strebten Millionen dorthin. Wahrscheinlich genügte es vielen auch dort nicht mehr und sie suchten wieder neue Ziele. Es gibt Menschen, die sich immer eingeengt fühlen. Wie yiel« Menschen erstreben hohe, sehr ideale Ziele I Aber alle sind sie Kinder der alten Zeit und so ihre Ee- fangenen. Sie alle sehen wie diese Falter das Licht, aber sie sind ohne Kraft, sie können nicht frei kommen."" Der Zug stand. Erlöst strömte» die Menschen dem Ausgang zu. Einer suchte vor dem anderen durch die Sperre zu dränge«. Schließ- lich kamen sie alle durch. Jemand tippte mir auf die Schulter. Es mar der Mann, der auch den Kampf der Falter betrachtet hatte. „Sehen Sie," sagte er,„wir sind aber doch freigekommen." „Ja, ja," antwortete ich,„bescheidenen Leuten mags genügen." Stieörp gegen Schillings. � Der Fall Stiedry ist in sein letztes Stadium getreten. Noch vor 14 Tagen wäre es möglich gewesen, die öfsenlliche Klage Stiedrvs abzuwehre«, indem man ihm nach der Absage Pfitzners den„Palcstrma" zu dirigieren gab. Schillings wollte nicht.- Nun muß er sich gefallen lassen, daß der künstlerisch schwer Geschädigte zum Kadi geht und dort allerhand Dinge enthüllt, die ein ganz Punkt metner Fraktion angeschlossen und in der letzte» Kabinetts- sitzung nochmals die Möglichkeit, die Arbeitszeitfrag« gesetzlich zu regeln, und zwar mit der Sozialdemokratie zusammen, betont und befürwortet."____.. Stinnes verläßt öie Volkspartei! Der Vorstoß des schwerindustriellen Flügels der Volks- Partei gegen ihren Parteiführer Ministerpräsidenten Strese- mann scheint nicht ohne Folgen zu bleiben. Wie es in der Abendpresse heißt, ist ein Ausscheiden dieses rechten Flügels aus der Volkspartei zu erwarten. In der Tat wäre es nicht zu verstehen, wenn Leute wie Stinnes, Maretzki und Ouaatz, die ihre eigene Partei aufs äußerste kom- promittiert und Deutschland eine beispiellose Krise beschert haben, noch weiter in ihrem bisherigen engen politischen Wirkungsfeld blieben. Man kann dem„8-Uhr-Abendblatt" nur recht geben, wenn es ohne derartige Veränderungen eine Gesundung der politischen Verhältnisse kaum für möglich hält. Die Empörung gegen den skrupellosen Vorstoß der Stinnes- Clique ist allgemein. Am schärfsten kennzeichnet die„Germania" dieses Treiben, indem sie schreibt: „Die Rechtsschwenkung der Volkspartei war nicht improvisiert, entsprang nicht nur der Angst dieser Partei vor dem Verlust phrasengewohnter Wähler an die Deutschnationalen. Die Rechts- schwenkung stand auf dem Programm der Leute, die in Deutsch- land mächtiger sind als Parteien, Verfassung und Reich, und deren Macht man sich gern gefallen lleße, wenn sie Deutschland aus dem Elend helfen könnte. Das kann sie aber nicht: bisher wenigstens hat diese Macht zwar jede Regierung und mit ihr das Reich hemmen und schwächen können, aber in ihrer anonymen Stärke war nichts Positives für die Gesamtheit enthalten. Weil diese Macht ein Kind der Inflation ist, der typischen Nach- kriegskrise, so wird man von ihr, einem Symptom des deutsche» Niedergangs, nicht die Beendigung des Niedergangs erwarten können. Aber es ist zu wünschen, daß die anonyme Macht, wenn sie sich heute stark genug fühlt, die bisherige staatliche Der- tretung zu beseitigen, nicht mehr durch Mittelsmänner, sondern offiziell ihre politische Arbeit leiste. Wie es dabei auch kommen mag, das eine wäre dann gewonnen: Reinlichkeit der öffentlichen Diskusston und des öffentlichen Lebens. Wenige in Deutschland haben sich für die Einzelheiten des parlamentarischen Geschiebes interessiert, das mm seit Montag dauert; noch weniger Menschen aber sahen hinein w die letzten Antriebe der Krise oder hatten das Ahnungsvermögen, um den eigentlichen Machtkampf zu erkennen, der unter der Flagg«„Produktionsstsigening" und„Gegen den Marxismus" unternommen wurde. Wenn jetzt von den Leuten der Parlamentarismus totgesagt wird, so ist das nichts anderes, als wenn ein Mörder versichert, fein Opfer werde nicht mehr lange leben." Diesen Verhältnissen gegenüber erklärt das Zentrums- organ: „Die Deutsche Voltspartet, so wie sie heute ist, ist zu jeder politischen Zlrbeit unfähig. Es wäre eine staatspolitische Tat, wenn es gelingen sollte, das vollständig auf dem Trockenen liegende Schiff der Deutschen Volkspartei wieder flottzumachen. Selbst wenn dabei einige Mann über Bord gehen, wird sich der Kapitän hoffentlich doch sagen, daß ein Schiff mit weniger, dafür aber zum einheitlichen Handeln entschlossener Mannfch�st besser ist als ein elendes Wrack, das im stürmischen Meer steuerlos dahintreibt." Die Ergebnisse des letzten Tages haben gezeigt, daß die Volkspartei nicht gewillt ist, sich vom Stinnes-Flügel das Ge- setz des Handelns diktieren zu lassen, es wird nötig sein, daß sie sich gänzlich von Einflüssen befreit, die einem gesunden Zusammenarbeiten entgegenstehen. * Die Deutfchnationale Volk« Partei, die noch vorgestern den Eintritt in ein rein bürgerliches Kabinett mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat, ist über die Wen- dung der Dinge äußerst bestürzt. So heißt es in der„K r e u z- z e i t u n g": „Herr Dr. Gustav Stresemann will also tatsächlich die alte Koa- Ntlvn wieder leimen und«in Kabinett der bisherigen Koasitions- diplomatischer Intendant nicht ohne Rot auf die Dächer der Stadt kommen läßt. Wir haben im„Vorwärts" nie ein Hehl daraus gemacht, daß unsere Snmpathie m dem entbrannten Kamps um Blechs Nach- folge Stiedry gehört«. Wir haben mehrfach den Vorschlag gemacht, dem bewährten Manne bei Kroll die gleiche Position zu sichern, die jetzt. Kleiber Unter den Linden hat. Und wenn es nieyt jegt endgültig zu spät ist, sollte als Antwort auf die Klage Stiedrys seine Berufung zum ersten Kapellmeister an das Zweig- itrstitut der'Staatsoper erfolgen. In Berlin kennt niemand Herrn Kleiber und selbst nach dem, was Eingeweihte von ihm Gutes und Zukunstsfrohes aussagen, vergäbe er sich nichts, wenn er nunmehr seine Zustimmung geben würde zu einer Koordination beider ersten Kapellmeister. Aber die Entscheidung hat immer bei Schillings gelogen, da ihm das nach allen Seiten hin ausschauende und mit hundert Möglichkeiten rechnende Ministerium freie Hand gegeben hatte bezüglich der Kapcllmeisterwahl. Kann es dem Ruf des Staatstheatcrs dienlich sein, wenn jetzt vor Gericht eine Wäsche gewaschen wird, die nicht nur zur Garderobe des Theaters, son- dern auch zu der prominenter einzelner Personen gehört? Soll auf Grund von Aussagen, Briefen, Telegrammen jeder Meinung-- Umschwung der Theaterleitung und ihres künstlerischen Personals eidlich festgelegt werden? Soll wirklich in breitester Deffentlichkeit die Jntendantenkrise noch einmal beschworen werden? Soll jeder wissen, daß neben dem allgemeinen Interesse auch klein« p e r s ö n- liche Interessen ausschlaggebend waren beim Sturz Stiedrys? Wir meinen, an dieser Mohrenwäsche kann weder dem Theater noch Herrn Kleiber etwas gelegen sein, die sich ja doch beide Sym- nathien und Erfolge in Berlin erst wieder holen müssen. Gewiß ist die Anklageschrift Stiedrys persönlich gehalten, kein Evangelium, in Einzelheiten der Sentiments vielleicht einseitig und auch einmal mehrdeutig. Aber die Tatsachen scheinen einhellig sür ihn und sein Recht zu sprechen. Die Gegenseite wird ihr Material herausgeben müssen damit ein aktenmäßiger Vergleich der Taten und Meinun- gen möglich ist. Wir haben den Eindruck, daß Stiedry, zuerst zum Generalmusikdirektor erkoren, dann zum koordinierten ersten Kapellmeister gemacht, zuletzt zum zweiten degradiert worden ist. Dies alles trotz seiner Erfolge in Berlin und trotz der fast unbe- schriebenen Kunsttonduite Kleibers. Da mußte Stiedry natürlich abspringen und zum Kläger werden. Den Schaden trägt das Theater, der Staat und das Publikum. Gibt cs wirklich keinen Vermittler mehr? K. S. Oer„Mrst Ses Humbugs". Den„Fürsten des Humbugs" hat man P. T. Bornum ge- nannt, den Schaubudenmann, der durch seine gigantische Reklame sich«inen Weltruf gemacht hat und auch noch für„ame- rikanische" Formen des Geschäfts sprichwörtlich ist. Dieser in vieler Hinsicht Interessanien Persönlichkeit ist jetzt auch die Ehr« einer Bio- graphie zuteil geworden, die M. R. Werner in London erscheinen läßt. Di« unerschöpflich« Fülle und Eigenart der Ideen, die diesen echten Pankee auszeichneten, sprudelt uns aus dem Buch entgegen, und wir erleben alle die Sensationen mit, mtt denen Varnum das parreten— yet 05 m» Orit uitöt uüw cnDtsva aJtattitCTa— raiDni. Was das bedeutet, wird klar, wenn man sich der jüngsten Vorgänge erinnert. Es muß nicht nur der Bruch zwischen Deute scher Volkspartei und Sozialdemokratie überbrückt, sondern mich der Sozialdemokratie bezüglich der Borkriegs� arbeitszeit nachgegeben werden. Die bürgerliche Ar« beitsgemeinschast— Deutsche Volksparlei, Zentrum und Demo« kratie— ist schon eifrig an der Arbeit, Ermächtigungsgesetz und ArbeiwzÄtgefetz so zuzurichten, daß sie der S o z i a l d e m o- kratie annehmbar erscheinen. Ob sich die Sozialdemokratie damit begnügen wird, erscheint zum mindesten zweifelhaft. Jetzt, wo Dr. Stresemann wieder zurückgekehrt ist, wird sie wohl auch «ine Art Genugtuung für das Auftreten des rechten Flügels de? Deutschen Dolkspartei fordern, der es wagte, fich gegen marxistische Theorien aufzulehnen." Diese Zeilen lassen deutlich erkennen, wie sehr die Deutsch- nationalen bei ihrem Intrigenspiel für die Faschisten- d i k t a t n r mit der Auflösung der großen Koalition gerechnet hatten. Sie wissen, daß an ein deutschnationales Knutenregi- ment nicht zu denken ist, solange die Koalition im Reich und in Preußen besteht und sehen deshalb in einer Beilegung der Krise eine verlorene Schlacht. Ein falscher Verüacht. Dr. Gestler will nicht nur parlamentarisch regiere«, Mehrere Abendblätter behaupten, das Projett eines über- parteilichen Kabinetts sei endgültig zunichte geworden durch die Stellungnahme des Reichswehrministers Dr. Gehler, der in einer Unterredung, die er mit dem Reichskanzler gestern in später Abendstunde gehabt habe, ausdrücklich den Einttttt in eine nicht auf breiter parlamentarischer Basis beruhende Regierung ab- gelehnt habe. Der Reichswehrminister Dr. Geßler halt es für nötig, durch WTB. erklären zu lassen, daß an dieser Unterstellung kein wahres Wort ist und daß er sich niemals und in keiner Weise in die Kabinettsbildung eingemischt habe. Dr. Geßlcr ist demnach sehr empfindlich, wenn er die Möglich- keit, daß er nur einer parlamentarischen Regierung angehören wolle, schon für eine Unterstellung hält, gegen die er den amtlichen Dementierapparat in Bewegung setzt. Für einen Demokaten wäre es doch eigentlich selbstverständlich, daß er nur parlamentarisch regiere. Jedoch, heute,, Ejfenbahnregie unö Dienfteiü. Amtlich wird gemeldet: Den ErttSrungen der Agentur Havas, daß von den im besetzten Gebiet wieder einzusetzenden deutschen Eisenbahnen die Ablegung eines Treueide» nicht verlangt werde, stehen die Bekanntmachungen der französischen Eisenbahnregie selbst gegenüber, die von dem deutschen Eisenbahner vor seiner Dienstaufnahm« wörtüch verlangen, daß„er sich verpslichtck und durch den Diensteid beschwört, den alliierten Zivil- und Dlililärbehörden. insbesondere der Regie, iu jeder Welse mit Eiser und Ergebenheit zu dienen." Welche der beiden Lesarten richtig ist, wird festzustellen sein. Auch wir halten eine Klarstellung der Angelegenheit für dringend erforderlich, da die Wiederaufnahme eines geordneten Eisen- bahnvrrtehrs Boraussetzung für die Produktionsregelung in dem besetzten Gebiete ist. Das Verhalten der französischen Behörden ist nur zu oft z w« i d« u t i g. Eo weigert man sich, mit den Gewerkschaften und Beamtenverbänden über die Arbeits» aufnahm« zu verhandeln und weist die Eisenbahner an, sich direkt an die Eisenbahnregie zu wenden. Derartige Bestimmungen müssen nach jeder Richtung hin verwirrend wirken. Die Deukschnakiowll« Dolkspartei veröffentlicht schon wieder einmal einen Ausruf in den üblichen Tönen:„Schluß mit de: Koalitionspolitit, grundsätzlicher Wechsel der Politik, starke Führung, Sammlung um die„nattonale Fahne" wird verlcmgt. Wir glauben, daß es von den vielen Aufrufen auch nicht besser wird. Da ist doch der Herr Kohr zu loben, der wenigstens verordnet, daß das Bier nicht teurer wird. Publikum eroberte: die ISIjährige Negerin, die„als erste dem Säugling Gearge Washington Kleider anlegte", wie Bornum anpries, den berühmten Zwerg„General" Tom Thumb, den gefeierten Elefanten Jumbo, die vielversprochene Meerjungfrau und«in ganzes Museum anderer Merkwürdigkeiten. Bornums Genitalttät, die ihm fein Bio» graph zuspricht, bestand in ferner außerordentlichen Kenntnis der menschlichen Natur. Er war nicht einmal ein guter Geschäftsmann, aber sein Instinkt für das, was Geld bringt, gab ihm über all seine Mitbewerber einen solchen Vorteil daß er auch schwere Verluste wieder auszugleichen vermochte. Dieser Meister der Reklame wuchs in Connecticut in einer Atmo- sphäre auf, in der man es in Geschäftsdingen mit der Anständigkeit nicht immer genau nahm.„B l u f f e n" galt als«in« Art Sport, und wer hereinfiel, war eben ein„Greenhorn" und mußte sein Los tragen. Mit Maßstäben der Moral darf man Barnums Lausbahn nicht messen. Aber dieser schlau« Manager, der ein ganzes Bolk her» einlegte, war selbst voll Vertrauen, ließ sich von Schurken übers Ohr hauen und mochte deswegen Bankerott. Von den Reklametricks des„Westen des Humbugs" weiß» Werner sehr viel zu erzählen.„Sag mal, Papal In welchem Käfig ist denn Bornum drinn?" sagte ein kleiner Junge ganz laut zum Gelächter aller Anwesenden bei dem ersten Besuch seiner großen Menaaen«. Der Witz flog durch alle Zeitungen. Der Junge war von Bornum gemietet. Alles wußte«r dazu auszunutzen, daß es Geld brachte, selbst die Geistlichkeit. Er schickt« Freikarten an alle Geistlich« in die Städte, in die er kam, und sicherte sich da- mit«in« kostenlos« Reklame auf den Kanzeln. Er war «in grimmiger Gegner des Alkohols. Aber auch das wußte er zu seinem Nutzen zu wenden, und wenn der Wärter bei der Vorführung dem Elefanten Jumbo die übliche Flasche Whisky verabreichte, bs- hauptete der Alkoholgegner Bornum, er habe das Tier am Wachsen verhindert. Als er England oerließ, sagte der Bischof von London zu ihm:.Leben Sie wohl, Mr. Bornum, ich hoff« Sie im Himmel wiederzusehen."„Sicherlich," sagte Varnum.„Falls Sie hinein» kommen. Die nächsten großen Sonnenfinsternisse. Am 81. September d. I. hat bekanntlich die total« Sonnenfinsternis stattgefunden, zu deren Beobachtung sich die Astronomen der ganzen Welt in Kali- fornien zusammengefunden hatten. Man erwartet von diesen Beobachtungen endlich eine Entscheidung über die Einsteinfchen Theorien, wird sich aber noch eine Weile gedulden müssen, denn der- artig« feine Untersuchungen beanspruchen natürlich langwierig« und kniffliche Messungen. Während der nächsten fünf Jahre werden wir noch' mehrer« totale Verfinsterungen der Sonne erleben, nämlich am 24. Januar 1925. am 14. Januar 1S2S, am 29. Juni 1927 und am 19. Mai 1928. Di« Finsternis von 192? wird sichtbar sein in dem östlichen Teil der Vereinigten Staaten, die von 1926 in Ostasrika sowie weiter östlich bis Sumatra und den Philippinen, die von 1927 in England und Skandinavien, die von 1928 im Südlichen Eismeer. Das' mittlere und südlich« Europa fällt dabei leider ganz aus._ TaS Schauipielertheater eröffnet seine Dinterspielzeit am 1. November im ehemaligen Friedrick-Wilhelmstädtischen Theater mtt der beutjchi» Uraufführung des Dramas„Tausa- von Et»# Weih. vor See Linkskoalition in Sachsen und Thüringen. Dresden. 5. Oklober.(Eigener Drahiberichi.) Zn der am heutigen Nachmittag stattgesundenen Sitzung des Landesarbeitsaus- schus�es und der Landtags frattion der VSsZD. wurde über die Dil- dung einer gemeinsamen Regierung mit den Sommu- nisten und das wirtfchaslliche, politische und sozialpolitische Programm eines solchen Kabinetts verhandelt. Folgendes Regierung?- Programm fand einstimmige Annahme: .Zur Verbreiterung der Basis der sächsischen Regierung tritt die SPD. in diese Regierung ein. Die staats- politische Grundlage des gemeinsamen Wirkens der VSPD. und KPD. in der Regierung bildet die Reichs- und Landesverfassung.- L Das Ziel der gemeinsamen Arbeit ist die Befestigung der Republik und die Hebung der sozialen Lage der werktätigen Bevölkerung. Innerhalb dieses Rahmens wird die Reform der Wirtschaft auf sozialistischer Grundlage erstrebt. Als Vorstufe dazu ist der planmäßig« Ausbau und die Erweiterung der Staatsbetriebe einzuleiten. Zur Erreichung dieses Zieles fordert die VSPD. die vollständige Republikanisierung der Landes- Polizei und Besetzung der leitenden Stellen durch unbedingt zuver- lässige republikanische Offizieve. Alle illegalen, antirepu- blikanischen Versammlungen sind zu oerbieten. Tie proletarischen Hundertschaften sind als Abwehr- Organisationen gegen die Feinde der Republik auszubauen, ihre Verwendung für den Schutz der Republik ist vorzubereiten. Der Staatsapparat ist von allen republikfeindlichen Elementen zu befreien. kl. Gegenwärtige Aufgabe für die Hebung der sozialen Lage der merktätigen Bevölkerung ist die energische Durchführung und Anwendung der neuen sächsischen Verordnung gegen die Stillegung von Betrieben und, soweit es im Macht- bercich des Staates liegt, die Arbeitsbeschaffung, ferner der Ausbau der produktiven Erwerbslosenfürsorge, insbesondere auf dem Ge- biete des Wohnungsbaues. Zur Bekämpfung des Wucher» sind die von der sächsischen Regierung zugelassenen Kontrollaus- schüss« im Rohmen des Reichsrechts mit allen Befugnisien auszurüsten, die eine wirksame Erfasiung des Wuchers gewährleisten. Zur Sicherstellung der Ernährung sind durchgreifende Matz- nahmen zu treffen, darunter Abkomnien mit anderen Ländern über Lieferung von Lebensmitteln. Der Besitz ist im Rahmen des Landessteuerrecht» aufs schärf st e zu besteuern. Vor allem ist ein Grundsteuerrecht nach dem gemeinen Wert zu schaffen. III. Von der Reichsregierung fordert die VSPD. durch- greifende Republikanisierung der Reichswehr, ihre Säuberung von reaktionären Offizieren sowie schärffte Anwendung der republikanischen Schutzgesetze, schärfste Besteuerung des Besitzes und Erfassung der Sachwerte; gesetzliche Festlchung des Achtstundentages, Ausbau der Befugnisse und Rechte der Betriebsräte, weggehenden Ausbau der produktiven Erwerbslosen- fürsvrge, vor allem durch die Förderung des Wohnungsbaues, aus- reichende Unterstütznug der Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner. IV. Zwischen DSPD. und KPD. wird eine parlamentarisch« Arbeitsgemeinschaft gebildet. Diese Arbeitsgemeinschaft hat alle Vorlagen und Anträge der Regierung und beider Parteien vor ihrer Erledigung im Plenum durchzuberaten. Mit den sozio- listischen Regierungen anderer Länder ist eine enge Verbindung herzustellen. V. Innerhalb dieses parlamentarischen Programms wird da» selb- ständige Handeln beider Parteien gewährleistet.- Nach Beendigung der Beratungen unserer Landesinsianzen be- gannen die Beratungen mit den Kommunisten.* Sie Kpv.-Aentrale für Eintritt in Sie Regierung. von der Zentrale der Kommanisilschen Partei ist folgender Beschluß gefaßt worden: „Angesichts der großen Gefahr, die dem deutschen Proletariat und vor allem der sächsischen und thüringischen Arbeiterschaft droht. die das erste Angriffsziel des Faschismus bildet, hat die Zentrale der SPD. beschlossen, olle Bedenken zurückzustellen und in die thüringische und sächsische Regierung einzutreten, um gemeinsam mit den thüringischen und sächsischen Sozialdemokraten die Arbeiterschaft zur Abwehr der faschisti- scheu Gefahr zusammenzuschweißen. Die Zentrale der KPD. ist da- von überzeugt, daß die gesamte Arbeiterschaft im Reich die sächsische und thüringische Regierung verteidigen und verhindern wird, daß die Faschisten die sächsische und thüringische Arbeiterschaft nieder- schlagen.-_ Kein Aivilkommiffar für Sachsen. D re» den, S. Oktober.(Eigener Drahkbericht.) Der sächsischen Regierung ist vom Wehrtreiskommando IV ein Schreiben des Relchswehrministers zugegangen, in dem die Ernennung eine Zivilkommiffar» für Sachsen abgelehnt wird. Das Interesie der Länder unter dem militärischen Ausnahmezustand werde am besten dadurch gewahrt, daß Mlitärbefehlshaber und Landesregierungen in engem unmittelbaren Einvernehmen arbeiten. Die Rkilitörbefehlshaber hätten entsprechende Anweisung. Der Regierungskommissar. der ein Organ des Reiche» fei, vertrete nirgends die Interessen eines Landes, sondern in verwaltungstechnischen Fragen die Interessen der Zivilauffosiung gegenüber dem Rkilltärbefehlshaber. Für einzelne Länder könne deshalb kein besonderer Regierungskommissar ernannt werden: dieser käme nur für das gesamte Gebiet eines ZNIlitär- befchlshabers in Betracht._ Aufruf üer bayerischen Sozialöemokraten. München, 5. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Land- tagsfraktion der VSPD. in Bayern hat sich in zweitägigen Sitzungen am Donnerstag und Freitag eingehend mit der politischen Lage beschäftigt. Als Ergebnis der Aussprache wurde folgende Kundgebung an die Partei beschlossen: «Sozialdemokraten! Die Regierung Knilling hat den Aus- nahmezustand verhängt. Die Regierung selbst verzichtete darauf, den Ausnahmezustand zu vollziehen, sie übertrug den Vollzug anderen. Der Ausnahmezustand richtet sich in erster Linie gegen Euch, gegen die Partei, gegen jeden einzelnen von uns. Eure Abwehrorgani- fationen, die nach jahrelangen unerhörten Herausforderungen von Gewalttätigkeiten jeder Art mit dem Rechte der Notwehr gegründet wurden, sind aufgelöst. Die Berbände derer, die nach ihrer Ankündigung den Bürgerkrieg heraufbeschwören und die Per- faffung offensichtlich bedrohen, bleiben bestehen. Das in der Reichsoerfassung auch für«inen Ausnahmezustand garantierte voll« Koalitionsrecht wurde durch das Streikverbot genommen. Durch ein törichtes, unverstandenes Schlagwort des Tages, von dem „Kampf gegen den Marxismus", glaubt man auf dem Wege der Diktatur eine Bewegung beseitigen zu können, die weltgeschichtlich ist und die Gewalthaber von heute um Jahrhunderte überdauern wird. Genossen! vergesiel nicht, daß der Feind noch im deutschen Lande steht. Noch hallen Eure kmneradcn in der Pfalz, am Rhein und Ruhr die Wacht. Es handelt sich heute um Größeres als um die Drangsale durch eine Diktatur. Für uns Sozialdemokraten steht über dem parteipolitischen Kamps das wohl des ganzen Vaterlandes und die Einheil des Reiches. Dies mögen diejenigen unter Euch be- sonders bedenken, die in der Aufwallung des verletzten Rechlsgefühls ungeduldig andere Maßnahmen von uns erwarten. Genossen! Unter dem schändlichen, erbärmlichen Ausnahme- gcsetz der Jahre 1878 bis 1890 sind wir stark, geworden. Denn wir kämpften auf dem Boden des Gesetzes für die Ideale der arbeitenden Massem In der Erinnerung an die Entwicklung der Partei und die Lehren der Geschichte rufen wir Euch Sozialdemokraten zu: Seid treue, mutig«, besonnen« KSmpferl Laßt Euch nicht provozieren! Die Gesetzlichkeit Eures Handelns wird Eure Gegner löten! Di« Fahne, die wir an den Gräbern August Bebels, Karl Grillenbergers und Georg von Vollmars senkten, wird Euch weiter durch Kampf zum Sieg führen." « M ü n ch e u, 5. Oktober.(WTB.) Dem Bund.Reichsadler" wurde, wie die.Münchener Post" berichtet, gestern durch Polizei- organe mitgeteilt, daß der Bund nicht» anderes fei als ein Ersatz für die sozialdemokratische Schuhabteilung(?) und deshalb auf- gelöst werde. München, 5. Oktober.(WTB.) Die sozialdemokratische U)ber- fränkische Volkszeltung" in Hof wurde vom Generalstaaks kommisfar bis 26. Oktober verboten. München, S. Oktober.(WTB.) Der Bayerisch« Landtag dürfte zu einer neuen Tagung frühestens Ende Oktober zu- sammentretem Salüwins Angebot. Die englisch-französische Verständigung. Der Londoner Korrespondent des römischen Blattes „Stampa", der allgemein als gut informiert gilt, veröffentlicht eine Darstellung der jüngsten Verhandlungen zwischen Baldwin und Poincarch der wir, nach der„Voss. Ztg.", folgendes ent- nehmen: Während der Unterredung soll Baldwin zu Poincare folgen- des gesagt haben: Das einzige Mittel, um Unruhen in Europa vor- zubeugen, ist die Erhaltung des demokratischen R«> g i m« s in den großen Staaten und ein Uebcreinkommen zwischen uns. Ruhr- und Reparationsproblem aber stehen im Weg«. Man müsse unverzüglich diese Ursachen der Uneinigkeit beseitigen. Eng' land ist zu jedem Opfer bereit, außer dem, die Integrität des Deut schen Reiches zu vernichten. Es will die Zerstücklung Deutschlands vermeiden. Sobald Frankreich einmal auf unzweideuüge Weise bekundet hat, daß es das Rheinland nicht annektieren wolle, daß es nicht an eine dauernde Besetzung des Ruhrgebiete« denke, daß es zu keiner seporakisiischeu Bewegung am Rhein« aufhetzen wolle, sind wir bereit, ihm alle mögllchen finanziellen Erleichterungen zu ge- währen. Unser« gemeinsame Basis in territorialen und politischen Fragen ist der Bersailler Vertrag, von dem wir selbstverständlich ausdrücklich wünschen, daß auch alle anderen seine Klauseln bevb- echten werden. Verbürgt uns, daß auch für Frankreich der Ver- failler Vertrag von A bis Z volle Geltung haben muß, und wir sind ganz aufrichtig mit euch! Ein erster praktischer Schritt, den wir unternehmen werden. sobald Deutschland den Widerstand einstell« und offizielle Verhand- lungen unter uns im Gange sein werden, wird der sein, auf dem englischen und auch amerikanischen Geldmarkt eine Aktion für eine große Anleih« einzuleiten, die Frankreich die Mög- lichkeit geben soll, sofort S bis 8 Milliarden Franken zu erhalten, die ihr, wenn ihr wollt, auch sehr gut als einen Erfolg eures „Sieges an der Ruhr" bettachten könnt. Sobald ihr die erwähnten Milliarden bekommen habt, werdet ihr für die endgültige Räumung des Ruhrgebietes Sorg« tragen. Wir garan- tteren euch außerdem die Gesamtsumme von 26 Milliarden G o l d m a r k, die ihr bisher gefordert habt. Dafür werdet ihr aber die produktiven Pfänder fallen lassen. Es wird sodann ein Leichtes sein, mit Berlin ein System von politisch unschädlichen Garantien zu verabreden. Natürlich werden wir euch die Kriegsschulden nachlassen, ihr aber werdet euch verpflichten, das neue Deutschland innerhalb der Grenzen des Vertrages fortbestehen zu lassen. Die englische Regierung wäre bereit,'n diesem Sinne sofort «inen Berttag abzuschließen, wenn sie mit Sicherheit wüßte, daß e» der demokratischen Regierung Stresemnnn gelingen würde, dem heftigen Sturm, der bei der baldigen Einstellung des Abwehrkampfes bevorstehen wird, zu widerstehen. Niemand kann dies aber mit Sicherheit behaupten. Solange müssen wir diesen Vorschlag in der Schwebe lassen, bis der Sturm in Deutschland sich gelegt hat. Sowie Skresemann aber an der Macht bleibt und Deutschland sein gegenwärtiges Gepräge bewahrt, wird die englische Regierung nicht zögern. die oben erwähuien Abmachungen abzuschließen. Denn sie ist über- zeugt, daß die britische Reichs konferenz diese Vorschläge billigen wird, die dann mit um so größerer Autorität ausgeführt werden können. Die Antwort Poincarss auf den engstschen Vorschlag soll nach derselben Darstellung im wesentlichen folgendermaßen gelautet haben: i Di« französische Regierung nimmt den eng» tischen Vorschlag sofort an, wir sind also einig. Unsere neue Zusammenarbeit auf allen Gebieten kann also schon heut« be- ginnen. 2ch verbürge mich feierlich, daß meine Regierung nicht auf die Zerstückelung Deutschlands abzielt, daß sie das Rheinland nicht annektieren und den Separatismus nicht fördern will, wir werden das Ruhrgebiet räumen, sobald wir die erste größere Anleihe, die ihr uns in Aussicht stellt, al» Reparattonsanleihe erhalten haben werden. Auch werden wir in allem und jedem am Vertrag von Der- failles festhalten. Es Ist abgemacht, daß wir von den in den letzten Monaten ausgetauschten diplomatischen Noten nicht mehr sprechen werden. Auf jeden Fall: Was uns jetzt allein interessiert, ist die Einstellung des Wider stand«» an der Ruhr, die wir als„moralischen Erfolg" benötigen, in zweiter Linie müssen wir Geldmittel hereinbringen, mn die französischen Massen zu über- zeugen, daß die Ruhrbesetzung wicht unnütz war. Geldmittel, die uns gestatten sollen, unser Budget so bald als möglich ins Gleich- gewicht zu bringen. Wir wissen ganz genau, daß unsere Schwierig- leiten mit der Unterwerfung Deutschlands nicht überwunden wären, falls nicht sofort auch eine allgemeine Besserung im Lande«ntteten wütde. Bleibt diese aus, dann würde auch die Unzufriedenheit unter den stanzösischen Massen zunehmen, dann würde man aber auch der um jeden Preis die Annexion fordernde« Sttömung nicht widerstehen können. Diese Antwort Poincar�s soll noch am gleichen Abend eine Bestätigung durch M i l l e r a n d erhalten haben, der Bald- win die feierliche Versicherung Poincarös wiederholte. Nachrichten aus London, die über Vorarbeiten englischer Finanz- sachverständiger berichteten, scheinen die Richtigkeit der „Stampa"-Meldung, soweit sie die Absichten Englands be- treffen, zu bestätigen. Die Haltung jedoch, die Poincarö, auch nach seiner Unterredung mit Baldwin, Deutschland gegenüber einnimmt, läßt es berechtigt erscheinen, daß man der Meldung über seine feierlichen Zusicherungen an England zunächst noch mit einiger Skepsis gegenübersteht. Curzons Rede auf öer Reichskonferenz. London, S. Ottober.(WTB.) Lord Curzons mit größter Span- nung erwartete Rede über die auswärtige Politik der Regierung vor der britischen Reichskonferenz dauerte 2% Stunden. In dem nach Schluß der Sitzung ausgegebenen Bericht heißt es, daß Cur- zons Mitteilungen die auswärtige Lage in allen Teilen der Welt behandelten. Der größere Teil seiner Ausführungen sei notwendigerweise vertraulich, es sei jedoch beschlossen worden, daß ge- wisse Teile seiner Rede, die sich aus Fragen dringenden In» teresses und dringender Wichtigkeit bezogen, der Presse weiterzu- geben. Stellen, die sich mit der Lage im Ruhrgebiet und dem türkischen Vertrag befassen, würden demgemäß veröffentlicht werden. Di« Konferenz vertagte sich auf Montag vormittag. In seiner Rede führte Lord Curzon aus, nach englischer Auf- fasiung sei Deutschland nicht imstande, sofortige groß« Zah. lungen zu machen. Die Besetzung des Ruhrgebietes fei nicht der richtige Weg gewesen, Zahlungen zu sichern, die auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben seien. Zunehmend« Erbitterung und vielleicht innerer Zerfall in Deutschland werde die Folge fein. Nach Curzons Auffassung hätte Deutschland bereits vor drei Monaten sich ergeben sollen. Törichterweise habe es dies hinausgeschoben. Großbritannien erwarte die nächsten Vorschläge von Frankreich und sei berett, sie in freund- schaftlichem Geiste zu erörtern. Wictfäyafi Preistreiberei und Konservenfabriken. In welchem Maße die Preise für richtige gnlandwaren wie Gemüse auf Grund der Devisenhausse durch die Industrie in die Höhe getrieben werden, geht aus einer Eingabe hervor, die der Reichsverband deutscher Feinkostkaufleute in Gemeinschaft mit der Hamburger Großeinkaufsgcscllschaft deutscher Konsumvereine an den Reichswirtschafts-, den Ernährungs- und den Justizminister ge- richtet hat. In dieser Eingabe wird die Grundkalkulation der Konservcnindusttie besttitten, z. B. ist der Preis für Kaiser- schoten heut« doppelt so hoch als im Frieden, obwohl sich die Löhne weit uirtcr dem Stande der Vorkriegszeit bewegen. Zu diesen übersetzten Grundpreisen rechnet die Konservenindustrie die tägliche Geldentwertung nach dem Dollarstande, wenngleich ee sich um reine Inlandprodukt« handelt. Dagegen hall st«, wenn die Devisen schlechter werden, an den Dollarhöchstpreisen fest. Durch ein« solch« Preisberechnung kommen die Fabritanten zu Preisen, die durch nichts gerechtfertigt sind. Unter Zugrundelegung der seit dem 20. September festgestellten Index- Ziffern dürfte beispielsweise ein« Kilodose Kaiserschoten ab Fabrik nur 3S Millionen Mark kosten. Der Preis bettägt aber in Wirklich- kell 100 Millionen Mark. Das Verfahren der Konfervenindufttie ist einfach skandalös und ein Beispiel dafür, wie die Rot des Volkes ausgebeutet wird. Die Eingabe der genannten Verbände macht der Konservenindustrie weiter den Vorwurf, daß sie mit der Ware zurückhält, um möglichst hohe Preise zu erzielen. Es ist dringend erforderlich, daß der Reichswirtschaftsminister die Kalkulationsmethode der Kon- servenindustn« einer eingehenden Prüfung unterzieht. wettere Teuerung um S0.S Pro;. Die Verteuerung der Lebenshaltung stand in der Woche vom 29. September bis S. Oktober wieder stark unter dem Einfluß der Devisensteigerung. Die Teuerungsmeßziffer der„Industrie- und Handsls-Zeitung" stieg von S2 982 431 auf das S9 581 149fache. was ein« Teuerungszunahm« um 80.6 Proz. bedeutet. Dabei stiegen die Ernährüngskosten um 61,2 Proz, die Betleidungskosten um 90,9 Proz. Eine starke Teuerungszunahme weist ferner die Gruppe Heizung und Beleuchtung auf. Erhöhte Steuersätze treten ab 3. Oktober in Kraft bei der Salzsteuer, die auf 237 000 M. für daS Kilo Steingewicbt erhöht wird, und lür die Spielkartensteuer, die auf 27 Millionen Mark je Spiel festgesetzt wird. Die kohlenpreise in Goldmark bleiben unveräuderl, da in der Freitagsitzung des ReichStohlenverbandeS und des großen AuS» schuffe« de» Reichskohlenrate» die Syndikate Preisanträge nicht gestellt Hadem_ _ Kmtliche Vevifenkurfe. 1 holländ. Gulden. 1 argent.Pap.-Peso 1 belgischer Frank. 1 norweg. Krone.. 1 däniscbe Krone. 1 schwedisch« Krone l finnische Mark.. 1 japanischer Yen. l italienisch« Lira. l Piund Sterling. 1 Dollar..... 1 französisch. Franl 1 brasilian. Milrei« 1 Schweizer Frank 1 spanische Peseta. 100 österr.Kr.igcst.) 1 tschechische Krone lungarische Krone 1 bulgarische Lewa ljugoslaw. Dinar. Die Mark in New gort. Während gestern, Freitag, der Dollar in Berlin amtlich mit fast 600 Millionen Mark notiert und abends noch bedeu- tend höber gesprochen wurde, schloß die New Uorker Börse genau wie Donnerstag mit Geld S00 und Brief 476 Millionen Mark. Die Marksniwertung im Inland ist also wieder einmal über die ausländische hinaufgetrieben! VswsrMQstsSowegung S Unternehmer und Reallohn. Neuerdings wurde wieder an die Ausführungen der Groß' industriellen Dr. Euggen heimer und Dr. Kraemer erinneri, die sie über den Lohnanteil am Produkt machten, wonach bei vielen Pro- dukten die Löhne durchschnittlich nicht mehr als 5 Proz. betrugen, da den Hauptteil der Gestehungskosten die in Gold vom Ausland bezogenen Rohstoffe und sonstigen Moterialpreise bildeten. Dem Vorstandsmitglied der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Dr. Guggenhoimer, ist es nun recht peinliche an diese Ausführungen, die er vor etwa einem Jahne gemacht hat, erinnert zu werden. Die Arbeitnehmer fordern jetzt nämlich statt der schwindelnd hohen Papiermarklöhne, der sog. Nominallöhne, R e a l l ö h n«, da sie die notwendigsten Lebensmittel nur noch zu.Realpreisen", nach Dollar oder Goldmark berechnet, kaufen können. Dr. Guggenheimer setzt nun des langen und breiten auseinander, daß es damals, als er den Lohnanteil am Produkt schätzte, etwas ganz anderes war. Damals habe die Frag«,.wie hoch in der T a t der Lohnanteil sei und ob die Höh« billig oder unbillig wäre, nicht zur Erörterung" gestanden. Mit anderen Worten, damals erforderte es der Zweck der Aus- führungen, die Höhe der Gestehungskosten ins rechte Licht zu rück«». .Heute aber muß ich feststellen, daß sich gerade von der Lohn- feste her die Verhältnisse in den letzten Monaten, seitdem wir den vergeblichen Versuch machen, an Hand eines Lebensholtungsindex den Lohn ohne Produkttonssteigerung wertbeständig zu erhalten, wesentlich verschoben haben." Es fei sehr wohl möglich, daß der Lohnanteil am Preis zahlen- mäßig gesunken sei, daß er aber bei richttger Dergleichsbasis min- bestens auf Friedenshöhe, wenn nicht sogar darüber liege. Aus der Feststellung,.daß der Lohnanteil bei dem einen oder anderen Pro- dukr heute nur ein Viertel oder ein Fünftel de« Friedenscmteils dar- stellt", kSnnten nur bei oberflächlicher Betrachtung der Dinge „irgendwelche Schlüsse auf die Billigkeit oder Unbilligkeit dieses Lohnanteils und auf die Gerechtigkeit des dem Arbeiter bewilligten Lohnes" gezogen werden. Diese Ausführungen Dr. Guggenheimers, die in der.Berliner Börfenzeitung" vom 5. Oktober 1923 aus dem.Arbeitgeber" wieder- gegeben werden, entbehren insofern nicht eines gewissen Reizes, als sie davon ausgehen, daß„gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo durch die Stützungsmaßnahmen der Regierung der Dollar wieder erheblich gedrückt ist", man erneut beobachten könne, daß unsere Papiermarklöhne über den Gokdindex wie über den Lebensmittelindex umgerechnet zu Beträgen führen, die über dem Friedensreallohn liegen"... Ob dies«„Beobachtung" richttg war, kann dahingestellt bleiben. Heut« tvifsi sie jedenfalls nicht mehr zu— weil gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo ttotz der Sttitzungsmaß- nahmen der augenblicklich nicht vorhandenen Regierung der Dollar wieder erheblich gestiegen ist. Die bevorstehende Währungsreform werde zur entscheidenden Auseinandersetzung der Tarifparteien über den Reallohn führen. „Jeglicher Versuch, einen erträglicheren Reallohn zu schaffen, die Reallohnhöhe festzuhalten und den Lohn wertbeständiger zur Aus- Zahlung zu bringen", müsse scheitern,„wenn nicht die Gcwertschafts- feite sich endlich entschließt, gemeinsam mit der Arbeitgeberschast ein klares Produktionsprogramm aufzustellen, in dem die Aufhebung der Dem o bi lma chu n gs v« r or d n u n g vom 12. Februar 1929 an allerer st er Stelle wird stehen müssen. Eine Wirtschost, bei der der Leisttingsesfekt der Ar- bett und die Produktton dauernd sinkt und die trotzdem oerpflichtet wird, unproduktive Arbeitskräste, deren Zahl sich bei fortschreitender Wirtschaftskrisis täglich vermehren wird, zu beschäftigen� wird nie- mals einen Reallohn oder einen festen Lohnanteil am Produkt garantieren können." Die ArbeiittWIimerschoft kann also nach Auffassung der Unter- nehmer nur dann auf einen Reallohn rechnen, wenn die Unter- nchmer je nach Belieben Arbeiter entlassen können, wieder eine große industrielle Reservearmee bilden können, die durch ihr bloßes Vorhandensein die Lohn- und Arbeiisbcdü stch llnb dt« nackt« Lechev«»vgltchr«tt zu«chakwn. die Unkt nehmer aber geht» nur um den Profit. In dem notwendigen Kampf um dies« Objekt« muß ssch der Anspruch der Arbeitnehmerschaft durchsetzen, wenn sie sinrnütiz dafür«mtritt. Das Wort Reallohn ist lediglich ein besonderer Ausdruck für den Lebenswillen, die Lebensmögtichkeit. angungen auf den außer- r Arbeitnehmerschott kann >e, wo dann der andere aus den äußer- sten Tiefstand herabdrückt. Ein Teil der eventuell Reallohn bekommen. Die Frage, Teil, der heute noch in Kurzarbeit steht, wo all die Erwerbslosen, die wir dann zu verzeichnen haben, mit ihren Frauen und Kindern bleiben sollen, mag— vom Unternehmerstandpimkt aus— sehr naiv erscheinen. Selbst auf diese Gefahr hin müssen wir sse schon stellen. Es ist leicht gesagt:„sie mögen sehen, wo sie bleiben", doch damit ist ihnen nicht geholfen. Sie müssen ebenfalls leben und können es nur von der Arbeit, zu der sie bereit stehen. Es mag auch naiv klingen für Unternehmerohren, von den Ultterrnhmern zu fordern, sie selber sollen während der Krise ein- mal Opfer bringen, anstatt solche auf Kosten hungernder Arbeits- losenmassen zu fordern, auf ihre Profite einstweilen verzichten. Es erscheint uns, rein menschlich bettachtet, logischer und leichter durchführbar, als die Verurteilung Hunderttausender oder gm Millionen zum Hungertod«. Wenn die willkürliche Aus- schaltung großer Arbeitermasssn aus dein Produktionsprozeß im Programm der Unternehmer die allererste Stelle«innimmt, dann ist die Aufhebung der Erwerbslolenfürsorge als unprodukttve Belastung nicht an letzter Stelle zu suchen. Kurzum, für die Arbeitnehmerschaft dreht sichs mehr denn je Die nenen ReichsarbettersAhn«. Di« Verhandlungen im Reichsfinanzministerrmn am Donnerstag führten um Mitternacht zu der Regelung, die Lohn« für die erste Oktoberwoche um ripid 57 Proz. gegen die Vorwoche zu er- höhen. Die Meßzahl bettägt danach 63 909. die Teuerungszahl 56 168. Der Lohn und die Teuerungszulage für einen ledigen 24 Jahr« alten Arbeiter in der Ortsklasse A beziffert sich also in der Lohn- woche vom 39. September bis 6. Oktober tn Lohngruppe I auf 25,515, Lohngruppe II auf 24,948, Lohngruppe III auf 24,381, Lohngruppe IV auf 23P14, Lohngruppe V auf 23,436, Lohngruppe VI auf 23,058, Lohngruppe VII auf 22,680 Millionen Mark. Der Lohn für die 24 Jahre alte Arbeiterin bettägt 15,687 Millionen Mark. In den Orten, in denen Ortslohnzuschläge gewährt werden, ttetcn zu diesen Löhnen die Ortslohnzuschläg«. Die Spannung in den Ortsklassen bettägt für männliche Arbeiter 567 000 M. und für weibliche Arbeiter 378 000 M. Die Frauen- und Kinderzulage be- trägt je 2 394 000 M. pro Stunde und die Nachtdienstzulage wurde von 1,2 aus 2 Millionen Mark erhöht. Die Gewerkschaften nahmen unter Protest von dieser Reuregelung Kenntnis. » Di« in der Nacht zum Freitag abgebrochenen Verhandlungen über die Erhöhung der Beamtengehälter wurden gestern nachmittag aufgenommen. Ein Ergebnis lag bei Redaktionsschluß noch nicht vor._ Lohnrcgelung in der Berliner MetaNindnstrie- Die Lohnverhandlung für die Zeit vom 1.— 7. Oktober hatte nachstehendes Ergebnis: Männer über 21 Jahre 34 Millionen pro Stunde, die anderen Löhne erhöhen sich im gleichen Hundertsatz. Wo die teelmifchen Möglichkeiten bestehen, muß am Montag, den 8. Oktober, ein Vorschuß gezahlt werden. Wo diess« Möglichkeit nicht vorhanden ist, erfolgt die Vorschußzahlung am Dienstag, den 9. Oktober. Di« Höh« beträgt 59 Proz. des verdienten Nettolohnes, unter Berücksichtigimg de« tatsächlichen Wochen Verdienstes noch Ab- zag der Steuern usw. Ausführliche Tarifverträge sind ab heute mittag 12 Uhr bis 7 Uhr abends im Verbcmdshouse des DMV., Abteilung Tttpitz, bzw. Zimmer 3 snach 4 Uhr), Limenstr. 83— 83, zu kaufen. Der Hochbahnerstreik. Gestern nachmittag um 5 Uhr ttaten die Funktionäre der Hoch- bahn zusammen, um zu dem Streit des Personals der Kraftwerke und Werkstätten Stellung zu nehmen. Die Situation hatte sich in- zwischen durch die Entlassung der Streikenden verschärft. Die Funktionär« beschlossen, den Streitendon die sofortige Wieder- aufnähme der Arbeit zu empfehlen, wenn der Entlassunxsukas zurück- genommen würde. Die Direktton lehnte dies ab. Sie verbreitet eine Darstellung, wonach fi« mit dem Demobilmachungskommissar darin einig sei, die Löhne um die gleich« prozentual« Zulage zu erhöhen, wie die der Reichsarbeiter erhöht werden. Dabei handelt es sich sich jedoch nur um die Anwendung der Meßzahl, die nur 99 Proz. der Reichsarberterbezüge darstellt. Der Demobilmachungskommissar hat es abgelehnt, den Schiedsspruch für verbindtich zu erklären. Heut« früh finden erneute Verhandlungen zwischen den Parteien über die Lohnregelung statt. Inzwischen bleibt der Teilstreik beft-hen. Soll er auf dem schnell st en Wege beendet werden— er konnte wie gesagt schon beendet sein— und nicht etwa zur vollstänbigen Betrrebslahmlegung führen. dann ist in erster Lmi« notwendig, daß die Kündigung bzw. Eni- lassung der Streitenden rückgängig gemacht wird. Der Rücktritt �immens. Vom Internationalen Gewerkschaftsbund wird mitgeteilt: Im Zusammenhang mit verschiedenen in der letzten Zeit der- breiteten ZeitungSmeldungen über einen Rücktritt FimmenS erachten wir«5 als nötig, zu erklären, daß die Behauptung, der Borstand des JGB. Hab« Fimmrn feines Amtes enthoben, absolut unwahr ist. In der Anfang August abgehaltenen Vorstondsfitzung hat Fimmen den Wunsch ausgesprochen, von seinem Posten zurückzu- treten. Der Vorstand nahm hiervon Kenntnis und überließ es Fimmen. innerhalb einer gewissen Frist den genauen Zeitpunkt für keinen Rücktritt selbst zu bestimmen. Bis heute liegt dem Vorstande noch keinerlei Mitteilung über den Zeitpunkt des ZnrücktrittS vor. Die Löhne Im Sohleubergbau für die Lohnwoche vom 1. bis 8. Oktober wurden durch einen vom Reichsarbeitsministerium ein- gesetzten SchlichtungSauSschuß festgesetzt. Nach dem S ch i e d s- ipruch beträgt der Durchschnittstariflohn einschließlich des Haus- stands- und Kindergeldes für dies« Lobuwoche im rheinisch- West« sälischen Steinkohlenbergbau 458.6 Millionen, im oberschlesischen Stekkohlenbergba« 291,6 Millionen und in den Krrnredleren de» mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus 255,15 Million«» je Schicht. Tapezierer! Die Lohnverhandlunzen für die laufende Woche sind gescheiter� da die Unternehmer nur den Reichsindex von 48,3 Proz. anboten. In Anbetracht der außerordentlichen Teuerung lehnte die Kommission dieses Angebot ab, so daß der Schlich- tungSauSschuß angerufen werden mutz. Die llnteruehmer verpflichteten sich jedoch, den Index vorläufig als Vorschuß z« zahlen, so daß der Lohn eine» älteren Gehilfen vorläufig 23 Millionen Mark beträgt. Die Löhne der übrigen Gruppen entsprechend. In der Treibriemenindufttie beträgt der Lohn vom SV. September bis 6. Oktober 34 Millionen. Ortsverwaltung des SatilerverbandeS. Zu der Bilderrahmen- und Goldleisten-Judostrie erfolgte eine Lohnerhöhung um 200 bzw. 60 Proz. so daß sich folgende Löhne ergeben: bom 22 6i5 � �ept. vom 29. Sept. bis 5. Okt. männlich weiblich männlich weiblich Facharbeiter 17 499 009 12 362 000 28 000 000 19 779 000 Angelernte. 15 661 000 10 629 000 25 086 000 17 482 000 Alle übrigen Löhne erhöhen sich um 200 Proz. für die erste und um 60 Proz. für die zweite abgelaufene Woche. Die Löhne tu der Sistenbranche erhöhen sich für die Woche vom 29. September bis 5. Oktober um 60 Proz. so daß der Spitzen- lohn 28 Millionen beträgt. Kutscher erhalten 1223 600 900 M. Wochenlohn. Akkordzuschlag 147 946 700 Proz. Angestellte lm Zeitungsgewerbe. Der in dieser Woche zur Aue- zahlung kommende Betrag ist gleich einem September- geholt. Jür die kausmäunischeu Angestellten in der Lederwirtschaft find die Tarisverhandlungen für September abgeschlossen. Die Angestellten erhalten 21.5 Augustgehälter, zahlbar bis heute Sonn- abend.— Außerdem werden heute auf Konto Oktober 35 Proz. des SepteinbergehalteS ausgezahlt. Angestellte der Feinmechanik und Opsik. Die für den Monat September gültig gewesene Grundzahlentabelle zur Festsetzung des Monatsgehaltes gilt auch für den Monat Oktober. Als Multiplikator wird die Reichsteuerungszahl wiederum angewandt. Am 12. Ok- tobcr sind 40 Proz. und am 26. Oktober wettere 49 Proz. des Oktobergehaltes zu zahlen. Der Restbetrag ist am 2. November nach Erscheinen der Reichsindexzahl vom 1. November abzurechnen Die Löhne in der Süß- und Teigwarenindustrie sind durch Per- einbarung vor dem Zentral ausschuß wie folgt festgesetzt worden: für Berlin ist durch Nachzahlung von 195 Millionen Mark in der Spitze der Ausgleich bis 25. September erfolgt. Vom 26. September bis 2. Oktober bettägt der Stundenlohn in der Spitze 22 557 490 M., für den Rest der Woche vom 3. bis 6. Oktober betrögt der Stunden- lohn 32 798 199 M. Bon nächster Woche ob werden die Lohnwochen nach der Kalenderwoche berechnet. Die Berichtetstattung und Ausgabe von Tarifen erfolgt in der Versammlung am Montag. Bucht»-Acker. Heute, Sonuudend, finie» in den nachfolgenden Bo- Tageeordnung: 1. Svaition lrisversammlung. Bezirk 2 zirkln Frakticnsricrfammlungrn statt mit der�W und Gewerkschaft: SL Etelluugnahmr zur Dezirksverfammlung. bei Siimbaum, Pastianstr. 2; Bezirk 4 im Freischütz, Fruchtpr. S6»; Bezirke 5 und 10 bei Timp«, Adalbert-, Ecke Naunnnstratze: Bezirk 8 bei Gohlke, Herniannstr. ISS. Die Bersammlung im Bezirk 9 fallt umstände- bolder au». Vezinn im 5. und 10. Bezirk um 5 Uhr, tu allen anderen Bezirken um 7ZH Uhr.— Wir erwarten non allen Genossen, daß sie tn politisch hochgespannten Situation die obigen Bersaurmlungen restlo, besuchen, um gemeiirsam den Weg fruchtbarer Mitarbeit in der Gewertschaftäbewegnng zu finden. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktion« erstand. I. A.: Otto Fiedler. Achtung, Ehirurgie-M-chanikl Heut« nachmittag iV> Uhr bei Hummel. r ophienstr. S, Versammlung sämtlicher Vertrauensleute und Betriebsräte der Bvanche. Deutscher Holzardeiternerband. Heute, Sonnabend, pünktlich 3 Uhr kitzung der erwriterten Ottaverwaltuna. Stellungnahme zum Schiedsspruch.— Di« Kohlstelle in Schtzneberg, Dahnstraßc, acht«in. Achtung, Brunne nbaner! Sountaz vormittag 10 Uhr Versammlung bei «raatz. flus Oer Partei. Die deutsche Sozialdemokrake in der Tschechoslowakei hält bom 16. bis 18. Dezember ihren Parteitag in Aussig a. d. Elbe ab. Auf der Tagesordnung stehen außer den üblichen Berichten und Wehlen Referate über Wirtschaftskrise und Wirtschaftspolitik sowie über Klassenkampf und Massenschulung. Bcraniwortsich für Politik: Richard Pernflrln! «MMtir_ Wrr'kchaft: Artur Saternn,; Verlag und Verlagsonstalt Paul Singer n. Co.. Berlin EW. Hierzu 1 Beilege. Lindenftratz«». Besnebt die 10 Utar Torrn. t-I, 6 Uhr naebrn., ab 1 Uhr üBlgte« Eintrittsgeld. Uhr: Und dn» Licht scheinet In der Finsternis Theater 1. d. KönlKSrützerStr. 7 30 Uhr: Schweiger H Uhr; üeio fetter EM Lesslüg- Th. Allrncndlich 70,. Der Dnhcstechllche (Max Hallender g) Beat. KMier-Tli. Allabendl.?>/,: Der Fürst v. Pappcnhelm (Max Adalbert) Rose- Theater Z'-ft'. Dornröschen 73/4 U: E3n Mann aus dem Volk© Casino-Tbeater SU. Die SU. neuen Kelchen OeuttohOpenihaii« TV,: Rljcoletto Hllran Pnsmrr 1. 1. Crrtd tzen Cnp. 1» iticap«. C. Rob.Burg V. Staats- theat Dresden a Q. GroBe Volksaper imTheat d Westens 7'',:Schnee!l9ckchen Intimes Theator 3 Uhr: Abcndbesuch Die k. u. k. Hose etc. Lustspielhaus „Die Truppe'* 7 Uhr zum 1. Male VoraTeniel geholt Metropol-Theater 7v,: Casinogirls Neues Theat.« VI, Uhr: Die Luxusiran Zoe S Uhr: Internat. Varlet6 Sonnt. J"' z halb. Prels-d-TOll-Prog. Thalia-Theater u Mimikry Ttniv U.KomnuilniMr. läglicn 7',, Uhr: Charlie Wallner-Theater SUhr:[j||lJ| Mil >. m y?*Vv A-•.-'i>. i 5' V- ■; Ity'•$>- y, in' Äpollo-Tlieater Direktion: James Klein 7V, Allabendlich 7»/, Die sroCc Revue Europa spricht davon! üsier ISO Kihmrridd eSiMll ».«.ScnlaSSneland, Richard| Senilis, Huga Flink usw. 1 Vorverk.ablOUhrununtbr. e*h■ X:- KtidisbtllenTli. Tä?l. vi, u. u.Sonnt.SU.� Stettiner äfinger Th.a.Kottb. Tor IZzlich T'/slfti i. Somlaz«idi- Bittsj 3 Uhr; ELITE- Sänger U.a. DerHatis« schlfissel ÜQittDDgs- Marken Sri 40 Jihiei Spuiallttt Conrad Ist tiller, SchkeuJitz-LelpzI«. Die Premiere der Komischen Oper mit der größten Revue des Kontinents:„Die Welt ohne Schleier" findet erst am Dienstag, d.9.0kt., statt. Vorverk. ab 10 Uhr ununter« brochen an derTheaterkasse Marken-Zisaretteo Schweizer Stumpen und Zigarren gibt billigst ob Adolf Nagel Hermannplatz 6 fcyrop. 3arnum%8aUey Berlin SW, Belle•«Ulence- und Eck« Dretbundstrage.— Linie 0». Täglich Vi, Uhr das Seafationsprogramm! Doroertäuf wie dekennt MOB itogedeuer 3est!Cten'm Prei?esLnd alle Lebensmittel u. Bedarfsartikel. Kleine Anzeigen J yanere-Progiaii Rauchen gestattet I ha Vorwirts sind immer noch Sonnabend, 6. Oktober nachm. 1 Uhr rJBUkz örtskranksflkasik für das RasrsrBevnbs so Berlin Für die Woche vom s. die IL Oktober ISA arltrn soigrnde Lohnstusen, SrnndlSdnr und Beitrage: tz-Tlb S- Tage-orrdirnst-gL-At o 3 «ec(n vollra Millionen Mark Taus. M. I bis einschiietzL 2 % 4 5 < 7 8 9 10 SO CO ;.«• m ., 1K ;, 1«) 210 ,. 240 -70 über 270 Emil Thon», Beefitzeuder. 2« 4L 7b 1« 1W> 185 195 525 255 soo 17« seoo 8000 8403 10 800 IS SM 15800 18 000 20 400 24 000 la Jut wagzonweisen Deiieserung "linter-hJSfö. nehmen noch Aufträge entgegen korokert& Meißner Nartoffel-Drotzbandlung Berlin Bf 21, tHlfdfler Strohe 21 Tel Norden 6750 u 6751. 107/ lü Invalidenversicherung. Durch Verordnung des Rrtchearbettoministers ist die Beltregslelftung für dir Inoalidenverflcherun» oom 4. Oktober 1928 od solgcndermaßen festgesetzt! ' einem Verdienst Sohn» Hdhe der Bei monatlich w Millionen M. bi» 1200 von mehr et» 1,200 ... 11-00 ...».000 ... 8,000 ... 4.000 .., W00 ,,, 7,000 ... 10.000 ... 15.000 , 20,000 mehr ei» L300 . 2,000 8,000 4,000 . 5.000 7,000 16,000 . 15,000 . 20,000 25,000 25,000 Verdienst wöchentlich in Millionen M. bis 280 von mehr als 280. 850 : 406: 74S ::: � m..1.106 ,WS3 ...11581.2,35.! .. ,V»8 ,3-500 ., ,8,500, 4.666 ...4AM.5,883 mehr ok»..,. 5,888 88 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 M Höhe der Bei- tregsmarken tn Millionen M. 74 16,6 U» 19 25 36 52 74 94 116 Auch für Beitragszeiten esr de« 1. Oktober 1923 dürfen Beittaasmarkcn nur nach Maßgabe der»orltedenden gusammenstelluna verkeilst werden. Die Beitrags- marken mit dem alten Aufdruck werden zum zehnfachen Betrag adgegeden. FSr»eidliches häusliches Dieuftpersoual stnd dt» zu einem Darlohn von 912 Millionen M. monatlich neben freier Slaiion(Wert zurzeit 288 MiWonen M. monatlich! Beitragsmarken der Lohnklaffr 86 zu verwenden. Merkblätter mit Markenberechnungötabelle könnrn in»inigen Tagen von der Landesverficherunzsanstalt Berlin, SD>6, Am göllnischen Park 3, gegen Porto- erstalwng bezogen werden(nur oon Berkiuer Arbeitgebern). LandesvcrfichernngSanstalt Berlin Berlin, im Oktober 192«. Ter BZrstand. Sofert«ekd. R-t-rrückzahlung. durchs«ektkorke, Weinkorke kauft Brand, Pitgner, Groß« granlsurterstratze 141. �ISinienst- 201». in u.rrnah Neriin sowie»00 Nerkln noch auswärts am schnellsten durch eine Anreize Im V«luilinS§ftiiislk< am schnellsten durch eine Ar fÄer Woiinuaä?aaz€löer als einzige Spen'alzeitung(ör mäblierie Zimmer, Wohnungen u. Tauschwohnungen Unter der Rubrik,M6blierte Zimmer zu vermieten" werden Meldungen von Vermietern kostoaloa verSllenülcht Verbund, mit d.„Qr-Betllner Wohnungsanrelger" ist der AnziiM für firaoäüfiäs- mi GtsdiäMäifü Bei allen Zeliungshindlern und Kiosken zu haben. Verlag und Hauptanzeiaenannahme; Zeiiuu�tzcnttale(ZZ.) 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Weh« dem, der nicht zahlt. Er muß dann zufolge derselben famosen Logik den inzwischen ein- gctrrierun noch höheren Gaspreis bezahlen und letzten Endes wird ihm der Gasmesser abgenommen, wenn er inzwischen nicht zahm geworden ist— und zahlt. Ich kann es mir nicht denken, daß diejenigen, die diese jetzt geltende Einziehungsmethode ausgeklügelt haben, nicht gleichfalls nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, also nicht wissen, daß ihre Methode mit Recht nichts zu tun hat, und deshalb verliere ich keine Worte mit der Beweisführung. Ich rufe den maßgebenden Persönlichkeilen nur zu: Gebieten Ne Einhalt der sich rapid ver» breitenden Gaspsychose, indem Sie zu folgender, jedem Sextaner sofort einleuchtender Cm ziehungs Methode greifen: Bei zwei- wöchiger Ablesung des Gasmessers wird die verbrauchte Kubik- meteranzahl mit den seit der letzten Ablesung verflossenen Anzahl der Tage dividiert und das Ergebnis durch die Schlüsselzahl des jeweils gültig gewesenen Wochentarifes gesondert errechnet. Ihr Schaden bei dieser Methode ist nur ein scheinbarer, denn er besteht nur, wenn die Tage kürzer werden, er gleicht ssch aber wieder vollständig aus, wenn die Tage länger werden. Ich gebe zu, daß das Rechnen nach Ihrer Methode bequemer ist und vor allem dem Stadtfäckel mehr Milliarden einbringt, aber es steht Ihnen ja frei,(ich auf andere Weise schadlos zu halten, so z. B. durch Einführung einer ganz neuen Steuer. Die Anregung hierzu will ich Ihnen gerne geben: Führen Sie eine Steuer«in auf die G e- d u l d der Berliner Gas verbrauch er,— sie würde immense Summen einbringen. R— o. * lieber die Preisgestaltung des Gases brauchte kein Wort oer- loren zu werden, da bei steigendem Dollarstand auch der Preis der Zum größten Teil aus dem Auslande stammenden Gaskohle steigen muß. Wogegen sich die Verbraucher aber mit Recht wehren, sst die rücksichtslos« und bureaukratische Art, mit der die Gaswerke versuchen, unter Mißbrauch ihrer Stellung als öffentliche Betriebe die Gelder für verbrauchtes Gas einzuziehen. Es ist öffentlich bekanntgegeben worden, daß die Gasmesser statt wie bis- her in vier Wochen, all« 14 Tage abgelesen werden, um die Ver- brgucher vor dein Unglück der steigenden Zahl zu schützen. Voraus- bezahlungen werden infolge der kameralistischen Buchführung ein- fach nicht angenommen. Dafür läßt die Gasbetriebsgesell- sch aft am ersten Tage der fünften W o che die von ihr zu kon- trollierenden Zähler ablesen. Die Boten, auf die Bekanntmachungen bezüglich 14tägig«r Ablesung hingewiesen, erklären, daß sie.gehört hätten, daß in Zukunft" öfter abgelesen werden soll«. Einem Ab- nehmer, der sich am letzten Tage der vierten Woche zum Bureau der„Gasbetriebsgesellschaft", Gitschiner Straße, begibt und dort auf Grund des neuen, durch Selbstablesuna ermittelten Zählerstandes den Preis für verbrauchtes Gas bezahlen will, wird erklärt, d i e Rederc vom 14tägigen Ablesen fei Unsinn, man denke gar nicht daran; außerdem fei es nicht angängig, daß jeder seinen Zähler allein abliest. Mit Verlaub, hohe Gasbetriebsgesell- schaft, muß man, um das zu können, erst noch Prüfungen ablegen? Allwöchentlich durch Postscheck unter Mitteilung des jeweiligen Zählerstandes überwiesene Gelder in Höhe der öffentlichen De- kanntmachungen für verbrauchtes Gas, asso nicht Boraus- bezahlungen, nimmt man gnädigst als Akontozahlungen an und will sie nach vier Wochen in Höhe des ehemaligen Nennwertes verrech- nen. Es sei offen ausgesprochen, das Publikum sieht dies« Pvoktiken eines öffentlichen Zwecken dienenden Unternehmens als glatten Wucher an, der sich in der brutalsten We'se austobt. Dem Publikmn ist zu raten, den Richter anzurufen; es macht sich bezahlt. T. Die fliegenöen pfänSnngsbefehle. Anfang Juni d. I. erhielt ich eine schriftliche Aufforderung des Finanzamtes„W eddin g", Friedrichstr. 107, nachzuweisen, daß ich meine Steuemarken für 1922 abgerechnet habe. Ich nahm meine Ouitümg über die Steuermarken, die ich schon Anfang Januar in demselben Finanzamt irnd im selben Gebäude verrechnet hatte, und fuhr mit der Straßenbahn in nicht allzu rosiger Stimmung nach der Friedrichstraße. Dort legte ich dem Beamten meine Ladung mitsamt der Quittung vor. Sehr höflich und korrekt sagte man mir, die Sache sei nun erledigt. Auf meine Frage, wer mir die ent- standenen Kosten(Fohrgeld und zwei Swnden Arbeits- Verdienstverlust) bezahlt, und weshalb ich den Nachweis der Abrech- nung führen mußte, wurde mir gesagt, daß mein« Abrechnung wohl im Zimmer 186 geschehen sei. es sind zwei Beamte entlassen worden und die Eintragebücher verschwunden, nun müsse noch- mals nachgeforscht werden. Ueber die Kostenerstattung zuckte man bedauernd die Schultern. Da es mir nicht allein so ergangen ist, kann man sich mein Staunen über dies« Wirtschaft in dem Finanz- amt denken. Nun passierte mir aber am Dienstag, den 18. September 1923, folgendes: An diesem Tage ging ich frühmorgens 6% Uhr durch die Ruheplatzstroße, um zum Bahnhof Wedding zu gelangen. Da sehe ich, daß aus den Fenstern der Steuerkasse 3 L, Ruheplatzstr. 4, eine ganze Anzahl von P a p ier z e tteln in der Luft herumfliegen. Drei derselben konnte ich erwischen und sie entpuppten sich als Pfändungsprotokoll! e.(Dieselben liegen bei.) Aus diesen Protokollen war zu ersehen, daß der Boll- ziehungsbeamte zu einer alten Frau von 71 Iahren gesandt war, um 199 Mk. für Wohnungsabgabe zu pfänden. Die Pfändung konnte nicht vorgenommen werden, da die okte Frau krank zu Bett lag und kein Einkommen hatte. Im nächsten Protokoll sollt« der Boll- ziehungsbeamte bei einer Terrain-Akü-Ges. auf deren Grundstück die Gesamtsumme von 312 Mk. pfänden. Der Beamte mußt« feststellen, daß auf dem Grundstück niemand wohnt, da es unbebaut ist. Im -letzten Protokoll sollten 449 Mk. gepfändet werden; der Beamte mußte hier feststellen, daß der Betreffende von der Wohmmgsabgabe befreit ist. Diese Vorkommnisse beweisen wohl, daß in dem Finanz- amt„Wedding" und der dazu gehörenden Steuerkasse 3 B, Ruheplatzstroße 4, ganz sonderbare Zustände herrschen müssen. In der Friedrichstraße verschwinden ganze Bücher von Steuereintragungen der Steuerpflichtigen und in der Ruheplatzstroße fliegen Pfändunqs- befehle auf der Straße herum. Die Gesamtpfändungssumme beträgt 1026 Mk. Für diese Summe müssen mindestens 6 Beamte auf die Beine gebracht werden, um festzustellen, daß eine alte Frau nicht zahllen kann, das Grundstück unbebaut ist und der Letzte von der Pfändung befreit ist, dann läßt man die Pfändungs- befehle luftig im Winde ffattern. Sagte nicht letzthin ein Minister, es müsse sehr produktiv« Arbeit geleistet werden und der Achtstundentag nicht zureiche, um Deutsch- land wieder hochzubringen? Mir scheint, ol» ob Dater Staat erst mal bei ssch selbst diese Schlamperei beseitigen sollt«. O. B. Alles muß erschwert werden! In Wilmersdorf, aber wcchrfchewllch doch in ganz Berlin, war bis vor kurzem bei den An- und Abmeldescheinen für Hausang« st ellt« gleich ein Abschnitt für die Krankenkasse dran, den die Polizei behielt und weiterbeförderte. Jetzt hat das aufgehört, man muß mit einer besonderen An- und Abmeldung zur Krankenkasse gehen und zu dem Anstellen auf der Polizei kommt Nim auch noch das Anstellen auf der Krankenkasse. Offenbar finden die hochmohlweisen Behörden und Anstalten, die diese„Reform ausgeheckt haben, daß die Hausfrauen und Hausangestellten jetzt noch zu wenig Zeit beim Anstellen nach Lebensmitteln verlieren. B. So steigen die kohlenpreise. „Mutter, komm mit nach Kohlenl Wir können uns einen Zentner leisten l" Mit einem kleinen Wagen, einem Sack und 7 Millionen Papiermark gehts zum Kohlenplatz Reinickendorf, Granatenstraß«, wo wir«ingetragen sind. Nach halbstündigem Schlangestehen ist der Platz vor dem Schalter erobert. Es klingelt das Telephon und die freundliche Kassiererin verkündet:„Der Platz wird geschlossen, die anwesenden Kunden werden und der Zentner Kohlen kostet dann 47,620 Millionen."' Also 40 Millionen Mark mehr. Di« schönen hohen Kohlenberge sind nun für uns Armen nicht mehr vorhanden. Der Preis ist unerschwinglich geworden. Die draußenstekenden Männer und Frauen murren nicht mehr, sie ballen die Fäuste. Fällt dieses Geschäftsgebaren der Berliner Brennstoffgejellschaft unter den Vc- griff Wucher oder nicht?____ F. Sch. Löcknitztal-Rüüersüorf. Mtt den Zügen nach Fürstenwald« fahren wir mit der Stadt- bahn über Erkner(hier umsteigen) nach Fangschleuse. Ein« kurz« Wanderung vom Bahnhof gen Nord bringt uns zum Löcknitz- tal bei der Großen Wallbrücke. Wir überschreiten dos Fließ nicht, sondern bleiben auf seinem Südufer und wenden uns nach Ost. Die Löcknitz ist eins unserer schönsten märkischen Woldfliehe; ihr stimmungsvoller Zauber, ihr« malerischen Landschaftsbilder regten einen Meister wie Leistikow zum Schaffen seiner märtischen Gemälde an. Di« Quellen der Löcknitz liegen in dem Roten Luch westlich von Müncheberg und m sumpfigen Niederungen östlich und westtich des Luchs. Das Rote Luch ist«in« langgestreckt« Bruch- fläche, die sich in Nordost- südwestlicher Richtung hinzieht und die Grenz« zwischen dem Barnim und dem Land Lebus bildet. Don dem höchsten Punkt dieses Luches fließen die Wasser durch die Löck- nitz gen Süd zur Spree und durch die Stobberow gen Nord zur Oder. Die Grenzscheide zwischen den Stromgebieten der Elbe und Oder geht somtt durch das Rot« Luch. Die Löcknitz ist schon in ihrer Jugend«in ziemlich wasserreicher Bach Einer ihrer Ouellflüßchen treibt bereits 1600 Meter von seinem Ursprung entfernt eine Wasser- mühle; auch sonst liegen noch verschieden« Mühlen an ihrem Laus, die sie in Bewegung setzt. Mehrere Seen und Teiche durchfließt die Löcknitz, und mit einer weiteren Seen kette steht sie in Verbindung. Di« Richtung dieser Wosserrinnen ist die gleiche wie die de» Roten Luchs; sie gehören zu den Rinnen, die von den Schmelzwassern des Eises der Eiszeit ausgewaschen und zum Abfluß in das große Berliner Urstromtal benutzt wurden. Der Weg führt immer am Rande der Löcknitzmederung hin, die von prachtigem Kiefernhochwald«ingefaßt ist. Am Forsthans Schmalenberg vorüber kommen wir nach K l« i n. W a l l, einer Siedlung von einigen Gehöften und«wer Wassermühle, deren Betrieb jedoch ruht. Wir überschreiten hier die Löcknitz und wan- den, durch schönen Kiefernwold m nordwestlicher Richtung nach Alt-Buchhorst. Der Ort,«w beliebtes Ausflugsziel, zu dem auch Motorboot« von Erkner aus fahren, liegt zwischen dem Möllensee und dem Petzsee; Wir haben hier d« Seenrinne erreicht, die sich westlich der Löcknitz«rstreckt. In saß nördlicher Richtung führt die Straße durch den Kiefernwald weiter am Forschaus Rüderedorf vor- über zum alten Dorf Rüdersdorf. Durch den Ortsteil Rüdersdorf«? Grund und auf der neuen sich über den Kalkgraben spannenden Brücke kommen wir nach Kalkbevge-Rüdersdorf. Mit einem Spaziergang durch die aufgelassenen Kalkbrüch« und zu dem „Gebirgssee" beschließen wir die Wanderung. Rückfahrt vom Bahn- Hof Rüdersdorf über Fredersdvrf.(Weglange etwa 18 Kilometer.) Wöchentliche Ablesung öer Werktarife. Die städtische Werksdeputation hat w ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, die Direktion der städtischen Werke mtt der Durchführung der wöchentlichen Einkassierung zu beauftragen. Diese Reform wird zweifellos vom Publikum außerordentlich begrüßt werden» weil bei der Höhe der Tarife nur eine wöchentlich« Be- zahlung für die Levölkerimg überhaupt erträglich ist. Man kann damit rechnen, daß mtt der wöchentlichen Einkassierung in etwa vierzehn Tagen, spätestens Ende dieses Monats, begonnen werden kann. Um der Bevölkerung entgegenzukommen, soll außer- dem in beschränktem Umfang und unter Anwendung besonderer Borsichtsmaßregeln beim Einkassieren durch di« Ableser eine Bor- auszahlnng für etwa drei oder vier Tage der nächsten Woche zum laufenden Preis« ermöglicht werden. Hoffentlich werden die Arbeiten für die Durchführung dieser Neuerung mit größter Beschleunigung m Angriff genommen. Außerordentlich bedauerllch ist es, daß die privaten Werke m Berlin noch nicht nach dem Beispiel der städtischen Werke zu kürzeren Ablestrngsftisten ubergehen. Sie erweisen sich dadurch in ihrem Geschäftsbetrieb als bedeutend schwerfälliger und un sozialer als die Werk« der Stadt Berlin. Es muß nachdrücklichst gefordert werden, daß auch die privaten Werke endlich den Be- dürfnissen des Publikums gerecht werden. Das Verbrechen öer Elise Heikler. 10] Novelle von Hermann Keffer. Mefer llmstand und auch weil Behrens den Verwandten vttd den Zuschauern seiner Jugend als verlogen und an- mähend galt, hatte ihn um sein Ansehen gebracht, und da solche. Erinnerungen lange vorhalten, so reinigte es ihn nicht von der beharrlichen Mißachtung der Vettern, daß sein Name, künstlich verkürzt, seit einiger Zeit � meist nur an der unter- sden Stelle, wo die austretenden Diener, Gewappneten und Boten genannt waren— auf dem Theaterzettel auftauchte. Gerade um ihretwillen aber gönnte es sich der Schauspieler, daß ihn heute ein Theaterportier mit einer großen Ueber- raschung aus dem Bett geworfen hatte: er solle an Stelle eines Kollegen, der mit einem Schnupfen zu Hause sah. dessen große Liebhaberrolle in dem neuen Drama eines unbekannten Dichters übernehmen, das für den Abend des folgenden Tages angesagt war und um der Ordnung im Spielplan willen nicht mehr abgesetzt werden konnte. Wie ein Sturmwind mit schwellenden Fansarenstößen hatte ihn die Nachgeht umbraust, eine Verheißung von pras- selndem Heindeklatschen und mannshohen Lorbeerkränzen, für die er sich stolz und mit einem gütigen und doch strengen .Künstlerernst verneigen würde, ein Versprechen auf begeiste- rungstrunkens Loblieder der städtischen Zeitungen, die er wie die Selbstverständlichkeiten der tributpflichtigen Bewunderung hinnähme, und eine Ankündigung von Titeln und hohen Ge- bältern, die es ihm erlauben könnten, steche Gerichtsvollzieher, Schneider. Schuster und Gastwirte mit einem Fußtritt zur Türe hinauszuwerfen. Mehr als das. Die große Rolls war vielleicht das Sprungbrett, um mit einem Satz der Beengtheit der Stadt und den lästigen Schnüren der Geldnot und Schuldenbedräng- nis zu entkommen, und das ohne die Last und Langweile des geduldigen Wartens und Zusehens, bei dem er erfrieren und steif werden konnte vor lauter Rücksicht und Kriecherei. Ein Zweispänner mit gelben Rädern und einem Lakai und einem Kutscher mit gelben Ausschlägen auf dem Kutsch- bock fuhr in diesem Augenblick wie eine Bestätigung solcher Träume über die sonnenhelle Straße. Der Schauspieler er- kannte den Wagen, es war das Gefährt des vornehmsten Gasthofes der Stadt, in dem nur Fürsten und Millionäre ab- stiegen. In dem Wagen aber ersah er einen dicken Mann in einem alänzenden Zylinder, der seine feisten Hände im roten Handschuh an beiden Seiten auf dem Wogenschlag ruhen hatte, einen Mann mit einem fetten und vollen Gesicht ohne Bart, einem oerfalteten Mund, und einem graugrünen Kinn, wie es nur alte Komödianten hoben. Wie ein Napoleon blickte dieser Mann aus der Mächtig- kett feines Umfanges über die Straße und über die Menschen weg und es hing etwas an ihm wie an der MieNe eines Fremden, der sich in kleinen Städten als großer Gast fühlt, als er, in die Wagenpolster gegossen, seine Augen nach links und rechts drehte, immer bereit, den Pomp seiner Persönlich- fett je nach Bedürfnis zu steigern oder zu mildern. Als Theo Vehrens, der blitzhaften Eingebung einer kühnen Minute ge- horchend, dem Kutscher mit aufgehobener Hand Halt gebot und dieser, von der vollendeten Sicherheit des jungen Men- scheu bezwungen, gehorsam die Zügel zurückriß, so daß es den Pferden wie ein Ruck ins Gebiß ging; als diese Ueber- rumpelung durch den Schauspieler, einem Angriff gleich, in die Spazierfahrt des amerikanischen Theaterimprefario siel, da zerfloß die Stattlichkeit dieses Mannes m eine ärgerliche Bewegtmg, und in der Ruhe seiner Gesichtswürde blähte sich eine Bereitschaft z» kurzen und groben Worten auf. Doch wie bei der Aussicht auf einen Vorteil die durch lange Uebung und Verbrühtbeit erworbene Geschästsmasbe der Entrüstung plötzlich schwammweich wird und schmilzt, so legte sich auch der Zont des amerikanischen Impresario, als Vehrens im schützen- den Mantel einer unterwürfigen Austegung und Dringlichkeit an den Schlag getreten war und dem gewaltigen Vermittler, der ihn noch oor kurzem nach unsäglichen Bemühungen uni eine Unterredung sehr eilig und hoffnungslos abgefertigt hatte, Meldung von seiner großen Noll« machte. „Da werde ich kommen, junger Freund, und wenn es gut geht, schwimmen Sie doch noch mit mir übers Waffer!". sprach er. tippte leicht nach dem Hutrand und rollte in seinem Wagen die Sstaße hinab. Der Schauspieler aber erstand an einer Straßenecke die neueste Ausgabe der größten stadtischen Zeitung und steckte das Blatt, nachdem er dort in der Theatcrrubrik seinen Namen in gesperrter Schrift gesehen halte, zufrieden ein. Dann wandte er, nicht obne zu handeln, ein Markstück an den Kauf von drei roten Treibhausnelken, ließ sich eine davon am Knopfloch sestnadeln und überreichte nach einer Weile im Gasthof„Zu den vier Mohren", indes Wogen von blinkender Hoffnung über ihm zusammenschlugen, die beiden anderen mit dem Zeitungsblatt der lächelnden Gertrud von Sohr, die mit dem Bruder seit einer Viertelstunde gewartet hatte und ihm in ihrer blonden Anmut an diesem Mittag wie die Göttin seiner Zukunft entgegenleuchtete. Ob er darauf rechnen dürfe, die Geschwffter morgen in emer Loge als seine Gäste und Zeugen der ersten großen Rolle zu sehen? Die Frage kam ihm, noch ehe er fest aus dem Stuhl saß, und er mußte nun semen Erguß über sich und die Rolle be- enden und statt dessen ein lautes Bedauern aufpflanzen, als er von Ottos Abreise erfuhr und gar vernahm, daß der Bruder schon abends die Reise antreten werde, weil er sie dann in der Gesellschaft eines Kameraden zurücklegen könne. Denn so hatte es sich gefügt, nachdem er vor kaum einer Stunde einem Regimentsfreund begegnet war, der sich gleich ihm für die Fahrt rüsten mußte, aber ihm vorschlug, noch in der Nacht zu reisen und dafür andern Tags in einer freundlichen Stadt des Mittellcmdes zu halten. „Du aber gehst allein ins Theater und ein Wagen bringt dich nach Hause!", entschied Otto mit einem Blick auf Gertrud, und sie sah den Schauspieler an und sagte es zu. Dem kroch, als er das Mädchen bettachtete, ein Gedanke an, vor dem er beinahe in ein Zittern geriet, ein Gedanke, der ihn mit Wonne trnd Furcht ergriff, der entschlüpfte, noch ehe er fest geballt war, und wieder hervorschlich, wenn sein Blick über Gertrud hinging, zwischenhinein und im geheimen, wie er dabei ertappt werden könnt«. Wieder, wie am Abend vorher, brannte Gertrud unter seinem Wortgefunkel heiß und glühend auf, aber nicht mehr zag und beklommen, sondern in einer freiwilligen Eittzün- düng, dazu schon der Wille in ihr lebendig wurde und mit- sprach, so daß jene Schale von kühlen Gebärden mch ruhigen Slugen, die einen begehrlichen Mann in Vorsicht und Maß hält, bald von ihr abfiel und sie es mit einer freundlichen Ruh« geschehen ließ, daß sich sein Angesicht an dem ihren festsah und daß er das zarte und runde Spiel ihrer Hände und Arme genoß, während sie in eifriger Gefälligkeit an dem kleinen Tischchen die Wirtin spielte. Die Zeit verging schnell, der Bruder drängte zum Auf- bruch. Wenn es das Rollenlesen und die nachmittäglichen Proben erlaubten, so wolle er sich um sieben Uhr abends am Bahnhof einfinden, flocht der Schauspieler ein und schüttelte Otto von Sohr mit der Bitte um«inen Kartengruß aus dem Waffenfeld kräftig die Hand. Dann gingen sie nach verschie- denen Richtungen auseinander, unter einem leuchtenden Him- mel, an dem keine Wolke stand, der Schauspieler nach seiner Behausung in einem dunklen Gasienwirtshaus der Altstadt, die Geschwister nach Berligenfeld, das sie mit«wem Miet- wagen erreichten. (Fortsetzung folgt.) Ravbmorüversuch mit Morphium. Eine zweifelhaste Kaffeebekanntschaft. Eine Bluttat, die im Dezember vorigen Jahres großes Auf- scheu erregte, wird heute vor dem Schwurgericht II ihr« gericht- liehe Sühne finden. Unter der Anklage des versuchten Raubmordes und schweren Raubes haben sich der Artist Wilhelm H ö r l und der Maler Artur Krüger zu verantworten. Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Dr. Artur Brand und Walter Bahn verteidigt. Die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Herder. Die Angeklagten machten in einem Kaffee am Potsdamer Platz die Bekanntschaft einer Frau Franziska Fiedler aus der Aloens- lebsner Straße. Hört spielte den reichen Engländer, sprach ge- krochen deutsch und zeigte seine wohlgefüllte Brieftasche. Während des Gesprächs erzählte Frau Fiedler, daß sie ihr ganzes Wer- mögen in Schmucksachen angelegt habe. Di« Angeschul- digten lockten Frau Fiedler in ein anderes Kaffee, das ihnen für die Ausführung ihres mit schnellem Entschluß geplanten Raubes günstiger erschien. In einem unbewachten Augenblick schüttete Hörl Morphium in das Weinglas. Schon nach wenigen Minuten begann das Gift zu wirken, jedoch trat die von den Gaunern erwartete Betäubung nicht ein. Die Angeklagten wollten ihr Opscr nun in einem Auto nach Hause bringen. Plötzlich merkte Frau Fiedler, wie die Angeklagten sich an ihren Schmucksachen zu schassen machten. Sie wollt« aus dem Wagen springen und um Hilfe rufen. Jetzt lenkten die Verbrecher ein und verstanden es, die Frau dadurch zu beruhigen, daß Hörl sein« Zudringlichkeit mit seiner„plötzlich ermachten Liebe" entschuldigte. Es gelang ihm, das Vertrauen des Opfers derart wiederzugewinnen, daß Frau F. zu ihm bald in enger« Beziehungen trat. Eines Tages war Hörl sehr zärttich und zog Frau Fiedler zu sich auf den Schoß. In demselben Augenblick schlug Krüger der Ahnungslosm mit einer Spiralfeder über den Kopf, während er ihr gleichzeitig den Mund zuhielt. Beide Männer warfen sich dann aus die Betrogene und suchten ihr einen Knebel in den Mund zu stoßen. Krüger schlug weiter auf die am Boden liegende Frau ein, wobei ihm Hörl zurief:„Fester zuschlagen, sie ist noch nicht r o t!" Frau Fiedler wehrte sich mit allen Kräften und es gelang ihr, ihren Angreifer in den Finger zu beißen, so daß der Verbrecher sie einen Augenblick losließ. Das benutzte Frau Fiedler, um trotz ihrer schweren Verletzungen laut schreiend an das Fenster zu laufen, wo sie die Scheiben einschlug. Jetzt gaben die Räuber legenen Wohnung hinab. Da die Tücher aber nicht bis auf den Erdboden hinabreichten, mußte sie aus einer Höhe von drei Metern abspringen. Sie brach sofort zusammen und mußte mit schweren inneren Verletzungen sowie Brust- quetschungen und Rippenbrüchen nach dem Hubcrtus-Krankenhause geschafft werden._ Ein Seitenftück zum Prozeß Vojat. Schiebungen in der Mineralöl-verkriebsgefellschast. Ein großer Schiebungsprozeß, ein Seiten stück zum Fall W o j a k, beschäftigt seit mehreren Togen die 2. Strafkammer des Landgerichts II. Wegen Preistreiberei, Betrug, Urkundenfälschung und Hehlerei haben sich zu verantworten die Kaufleute Schmidt, Kassubeck, Reeden, Scharrnberg, Eisermann und Hartert, die von Justizrat Dr. Mey erst ein und den Rechts- anwälten Bahn, Gollnick und v. W r e e s« verteidigt wurden. mesen zu sein. In feiner Wut habe er auf ihn eingeschlagen und habe versehentlich Frau Fiedler gettoffen. Auf Antrag der Ver- teidigung sind zu der Verhandlung mehrere Sachverständige, u. a. Medizinalrat Dr. H o s s m a n n und Oberarzt Dr. Salinger aus der Irrenanstalt Herzberge geladen worden, die über den Geisteszustand der Angeklagten gehört werden sollen. Selbstmord des„Seemannes Krnse". Wir berichteten über die Festnahme deS.Seemannes' Kruse aus Mecklenburg, der von einem Polizeibeamten abends um >9 Uhr getroffen wurde, als er über einen Zaun der Harden'schen Villa im Grunewald sprang und sich auf der Wohnungstreppe niederließ. Man glaubte zunächst an einen Anschlag auf Haiden, und es stellte sich heraus, daß Kruse ein Verehrer Horben« war und die Absicht hatte, ihn persönlich zu sprechen. Der Mann wurde jedoch, weil er schon im Jahre 1317 in einer Irrenanstalt unter» gebracht gewesen war, zunächst in Schutzhaft behalten. In der vergangenen Nacht nun hatte er sich an einem Taschen- t u ch am Zellenfcnster erhängt. Obwohl der Vorgang beobachtet und sofort ein Arzt hinzugerusen worden war, gelang es nicht, ihn wieder ins Leben zurückzurufen. y\n unsere Zreunöe unö Leser! Die Entwertung der Mark bis zu einem Alotn ihres ehemaligen Wertes geht weiter und damit die bis ins Endlose gehende Vergrößerung der Werlbezeichnung jedes Vedarfsarlikels. Die Presse als geistige Nahrung des Volkes muh in absehbarer Zelt dieser Aus- Wirkung der Spekulation und der Inflation erllegen. Der Druck- papierpreis beträgt nach dem gestrigen Dollarkurs das Z 0 0 m! ll I o- n e n s a ch e des Friedenspreises. Der Druckpreis wird in der nächsten Woche annähernd da» lsDmillionenfache des Friedenspreises betragen. Porto und Telephon sind am 1. d. VI. verachlfachl worden und sollen in nächster Woche wieder eine mehrfache Erhöhung erfahren Alle diese Preiserhöhungen in Verbindung mit der Steigerung aller Materialien und Löhne zur Herstellung und zum Vertrieb unserer Zeitung zwingt uns, für die Woche vom 7. bis 13. d. M. den Bezugspreis aus 4 2 Millionen Mark festzusetzen. Der preis ist in den engsten Grenzen des Rotwendigen gehalten. wir bitten daher unsere Abonnenten, den Betrag bei erstmaliger Vorlegung der Quittung zu enkrichteu. Berlin, den 5. Okkober 1923. Verlag und Redaktion de»„VvrwSrts". Kriegsopfer im Frieden. Bei einem UebungSfchießen in Pillau wurden Teile eines Gcschützverschlusses abgesplittert. Von den umherfliegenden Eisenteilen wurden der Anillerieführer Oberst B o r ch er t und ein Mann getötet, zwei Mann schwer und mehrere leicht verletzt. Einige Verletzte sind iu das Lazarett nach Königsberg übergeführt worden. stampf zwischen Polizei und Zuchthäuslern in Amerika. Zwischen der Polizei und den aus dem Zuchthaus von E d d y Wille aus- gebrochenen Sträflingen ist es zu einem Kampf gekommen, wobei zahlreiche Sträflinge getötet, zum Teil schwer ver- mundet wurden. Die Sträflinge haben sich in einem Gebäude ver- barrikadiert, das von der Polizei bewacht wird. Die Polizci hat in der vergangenen Nacht tränen« riegende Bomben in das Inner« des Gebäudes werfen lassen. Groß-Oerliner parteinachrichten. Dezirksvorskand. Heule abend 6 Uhr Sitzung im Zugendheim, Linden str. 3. Weddlug. Heute, Sonnabend, den K. Oktober, abend« 7 Uhr, lula der 1«. Realschule. Lllttichcr Str. 38: B-greh»»Z»fet-r fiir «dt. in der Aula------------..——... die Tchnlentlaffenen. Gesang. Ansprache, Rezitationen, Lieder ,»r Laute, Mandosinenvorträge, Reigentanze. Ein Fünfzigjähriger. Heute vollendet Genosse Max Grunwald, eines derbe- kanntesten und rührigsten Mitglieder unserer Berliner Partei- mganisation. sein fünfzigstes Lebensjahr. Seit einigen Jahren steht er zwar nicht mehr unmittelbar im Dienste der Partei, aber jahrzehntelang hat er ihr mit Eifer gedient. Schon als junger Jenaer Student schloß er flch der sozialdemokratischen Arbeitere bewegung an und redigierte darauf während zweier Jahre da« Erfurier Parteiblatt, die.Tribüne'. Nachdem er sich 1302 in Berlin niedcrgolassen hatte, wurde er zum Sekretär der sozial- demokratischen ReichStagSiraktion ernannt— ein Amt, das er bis :013 verwaltete. Zugleich war er— und ist es noch heute— als Lehrer an der Berliner ArbeiterbildungS schule tätig, unter deren wißbegierigen Schülern er sich manchen jungen, dankbaren Freund erworben hat. Daneben fungierte er auch von 1331 ab als Verwalter de« sozialdemokratischen PartciarchivS. In den letzten Jahren wurde Genosse Grunwald mehrfach von einem Herzleiden geplagt und in seiner ArbeitStätigleit gehindert, doch vermag er seinen Geburtstag in wiederhergestellter Gesundheit zu feiern. Wir wünschen ihn, noch viele Jahrzehnte frohen Wirkens. Tie täglichen Kohlenpreiserhöhungen. Nach den, amtlichen Dollarstand vom 5. d. M. stellen sich, wie das Kohlenantt mitteilt, die Brikett- und Kohlenpreise ab S. d. M. wie folgt: Küchen- und Ofenbrand. Brikett«, ab Lager, 255 7(50 000 SK., frei Keller 266 760 000 901., GaskokS, ab Lager. 6ZS 630 000 M.. frei Keller 663 830 000 M.. fuhrenweise Lieferung: Briketts, ab Lager> 2SS760 000 M.. frei Keller L6S 060 000 M., GaSkokS, ab Lager, 656 630 000 M.. frei Keller 667 630 000 M. Auf der Flucht vor dem..Gelieblea". Der 37 Jahre alte Dreher Rudolf Hintz versuchte nach einem Zerwürfnis mit seiner Braut, der 32 Jahre alten Schreiberin Mathilde Mund, in deren Wohnung im Hause Hauplstr. 88 in Lichtenberg einzudringen. Nachdem er bereit« die Türfüllung eingeschlagen hatte und durch die gewonnene Oeffnung hindurchkriechen wollte, ließ sich die Mund au« Furcht vor Hintz an zwei eiligst zusammen- geknüpften Bettüchern au« einem Fenster der im 2. Stockwerl be- Di« der Anklage zugrunde liegenden Vorgänge gehen bis zum Jahre 1319 zurück. Der Kern der Anklage geht dahin, daß die An- geschuldigten sich zusammengetan haben, um auf Grund von un- berechtigt erteilten Fr e i g a b e s ch e i n e n Benzol in riesigen Mengen zu verschieben. Insbesondere soll Schmidt, welcher Empfangsherr in der Freigabeabteilung der MBG. lMineral-Vertriebs-Gesellschaft) gewesen ist, mit den Gesuchen be- liebiger Personen Freigabescheine erwirkt haben. Die Sache kam dadurch heraus, daß dem Mitglied des Betriebsrats I a c o b s e n, der zugleich Revisor ist. aufflcl, daß soviel Freigabe- scheine erteilt wurden. Er meldete die Sache dem Direktor Wie. g an d und den vereinten Bemühungen beider gelang es, den Schiebungen auf die Spur zu kommen. Die Verhandlung gestaltete sich dadurch sehr schwierig, daß sowohl die Angeklagten, wie die Zeugen, an einer ausfallenden Gedächtnis- schwäche leiden und sich an die Vorgänge„nicht mehr erinnern' können. Großes Aufsehen erregt« in der gestrigen Verhandlung die Vernehmung des früheren LeitersderFreigabeabteilung der MVG. Reuß. Als der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Marquardt, an den Zeugen zum Schluß seiner Vernehmung die Frag« ricktfeie, ob er bei Ausübung seines Amtes von irgend- einer Seit« Vorteile angenommen hätte, oerweigerte Reuß zur allgemeinen Ueberraschung sein« Aussage. Staatsanwaltschafis- rat Müller beantragte daraufhin die Nichtvereidigung des Zeugen. Rcchtsnwalt Bahn, dem sich Rechtsanwalt v. Wrsese anschloß, er- klärte, daß die Verteidigung ebenfalls ein Interesse an der Auf- klärung der vorgekommenen Mißstände hätte und sich den Bedenken des Slaotsanwalts nicht anschließen könnte. Es sei im Interefle des Zeugen Reuß selbst besser, wenn er nicht vereidigt würde. Gemäß diesem Antrage beschloß das Gericht, den Zeugen Reuß unvereidigt zu lassen. Die Verhandlung wird heute weitergeführt und wird vorausstchtlich noch weitere Enthüllungen über die Wirksamkeit der früheren MVG., die oft bezeichnenderweise„Mineral-Verschiebungs- Gesellschaft' genannt wurde, bringen.— Die Urteilsverkündung ist auf Dienstag Mittag festgesetzt worden. Die Elsenbahnschlüsselzahl beträgt ab kommendem Mittwoch im Personenverkehr 63, im Güterverkehr 72 Millionen. Bei dieser Er- höhung ist die Geldentwertung der letzten Tag« noch nicht berück- sschtigt. Fridtjof Rauseu ist auf seiner Reise durch Deutschland im Auto am 3. Oktober abends bei Bitterfeld be stöhlen worden. Wäh- rend einer Reparatur am Auto wurde ein großer Koffer mit Kleidern, Wäsche, Schuhen usw.umtwendet. Im Gepäck befand sich auch eine flache goldene Taschenubr Nr. 61343(Fabrikat I. E. Tickerey, London) mit zwei Glückssymbolen(Hufeisen mit Perlen und ein Würfel in Gold gefaßt mit kleinen Insekten, Kleeblatt usw.) und ein Streichbolzbebälter. Die Ubr mit Kette und Anhänger sind Andenken. Für die Wiederbeschaffung wird von Nansen« Hils«- altion für Rußland, Berlin W. l0. Tiergartenstr. 4, eine hohe Belohnung gewährt. Vor Ankauf wird gewarnt. Für die Feierstunde der schulenilastenen Jugend, die am Sonn- tag, 7. Oktober, vormittag« 10 Uhr, im.Filmeck', Skalitzer Str, 34. von der Sozialistischen Arbeiterjugend, Abt. Süd- o st, veranstaltet wird, sind noch Eintrittskarten am Sonntag, ab VzIO Uhr, an der Kasse erhältlich. Die Besucher werden gebeten, pünktlich zu erscheinen, da um 10 Uhr die Türschließung stnttsindet, Invalidenversicherung. Am 1. ONobcr liefen die durch Verordnung des RclchsarbcitsminIfterS geschaffenen neuen BeilragSfätze in Kraft. Aul die Bekanntmachung der LandesvcrsicherungSanilalt Berlin im Inseratenteil dieser Nummer, in der auch noch weitere Bestimmungen erwähnt werden, weisen wir unsere Leser besonder« hin. 13. grci« Tempclhof. Mari-ndors, M-tt-aseld«, Lichtenrade. Sonntag, den 7. Oktober, vormittags 1« Uhr, Malinr- im sirjlsoal dc« Lm-um-, Marien» dorf, Ringstrche. Mitwirkende: Genosse Richard Seidel, Vorirag:.,Soz,a. listische Kulturarbeit": Herr Dr. Eornandt, Gesang: ftr. Eornaudt.Ohne- sorg, Gesang und Klavier. heute, Sonnabend, den 6. Oktober: 21.«dt.« Uhr wichtig- Vorstandssthnng bei Gurski, Oudcnarderstr.«. 26. Abt. Sämtliche B-zirk-führcr müssen sich ZU einer wichtigen Besprechung um 6 Uhr beim Genossen Walter, Meger Str. 37, einfinden, Morgen. Sonnlag, den 7. Okkober: 16».«tt. Köpenick. Abends 7 Uhr Bunter Abend der«rb-itersugrnd in der Dorolheen-Schulc. Die Genoffen werden ersucht, ihre schulentlassenen Kinder mitzubringen. Karlen am Saaleingang. ?ugenüveranfta!tungen. henke, Sonnabend, den 6. Okkober: Sitznuge»! Engerer Bezirksvorstand 5 Uhr, Bezirksvorstand 6ü Uhr. Bezirksemsschuß 6 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3(Diskutierzinnner). Alle Mil- «li-eder müssen erscheinen._ Achtung,«dtcilungsvorsißcnde! 7 Uhr Borstandsssßung, Linden- A straße 3. Tagesordnung: 1. Arbciteriugend und Gewerkschost. Referent" Mar Westphal. 2. Bericht des Bczirtsvorstandcs und Bezirksausschusses. � a 3. Pcrschiedencs. a Die Rachzahlung für die Theatervorstellung am 21. Oktober»vn:■ [Jj 5 Millionen muß unbedingt auf der Konferenz vorgenommen werden. Z Treptow. Bortrog:„Aus dem Leben Bernard Shaws'.— Wedding. Aula de» zepvelin-Realgpmnastumo, LIitticher Straße, Elternabend.— Weißens«. Lokal„Alpenrose", Berliner Allee, Ecke Lindenallee, Schulentlassungsfeier mit besonderem Programm. Wilmersdorf. Bunter Abend. Morgen, Sonnkaa, den 7. Okkober: t Köpenick. Abends 71b Uhr, in der Aula der Dorothren-Schuke, ssreiheit, Bunter Abend mit besonderem Programm. Alle Schulentlasse- ncn, Eltern und Parteigenossen sind eingeladen. Der Ingendlciterkursus beginnt nicht am 6. Oktober, sondern erst am Sonnabend, den 20. Oktober. Alle zugelassenen Bewerber erhalten noch näheren Bescheid._ Arbeitersport.' Arbeitersport-»nd Knltnrkartell, 6. Bezirk. Montag, den Z. Oktober, 8 Uhr, findet bei gier, Luisenufer, Ecke Prinzrssinnenstrahe, die Kartell fitzung statt. Sämtliche Organisationen sind verpflichtet, Vertreter zu entsenden. Tages- ordnung: Bericht von der Generalversammlung: Unsere Winterarbeit: Jugend- kartell und Verschiedenes.— Die Vertreler der Freien Turnerschaft werden hiermit besonders eingeladen. MTV., Hockey. Serienspiele am So NN lag, den 7. Oktober. Krnppe Ost: Fichte 12 I— Lichtenberg 1 I, Schönhauser Allee, 1—2 Ii Uhr, Dombach-Dunkcl: Ost I— Eharlottenburg I, Echänhauser Allee, 1014—12 Uhr, Lenz-Hebe»brock.— Gruppe West: Moabit I— Schönholz l, Hippodrom, g>,b— 11 Uhr, Jonat-Thomas; ACE. I— Lichlenberg 2 I, Stralau, 2 Vi— 4 Uhr, Engler-Dethge.— Gruppe Ro-d: Staaken I— Schönholz II, Staaken, 10V4— 12 Uhr, Bergemonn-Vieregg? Chor- lottenburg II— Lichtenberg 1 I, Westend, 2— ZV) Uhr, Wiesner-Com pagini.— Gruppe Süd: Fichte 1 II— Ost ll, Schönhauser Allre, 9— lOH Uhr, gicthen-Otto! AST. 11— Fichte 12 ll, Stralau, 1— 2V4 Uhr, Nlahn-Kroll.—«esellschastspirl: Wilmersdorf I— Fichte-West I, Wilmersdorf, 9— 1 0 V, Uhr, Scholz-Benitz(Eharlottenburg ll). Der Propaganda-Straßenlaus durch den Norden Berlins am Sonn» tag beginnt nicht am Ererzierpiotz in der Schönhauscr Allee, sondern Schön- hauser Allee. 118, wo stch Start und stiel befindet. Bereits im Vre- jähre hatte dieser leichtathletische Wettkampf das lebhafteste Interesse bei der Bevölkerung des Norden» gefunden. In diesem Jahre sind die Meldiinge» noch weit zahlreicher und auch die Qualität des Länfermaterials hat sich wesent- sich gehoben. Punkt 3 Uhr werden die Läufe ihren Anfang nehmen. Ee. meldet sind 2li Mannschaften und 30 Einzelläufer, was einer Teilnahme von etwa 300 Läufern entspricht. Altersriegrntnrner heran«! Am heutigen Sonnabend, abends 8 Uhr, sind die Altersriegenturner Eroß-Berlins wieder zu einem Propagandaturncn ver- sammelt,»nd zwar in der Turnhalle des Jahn-Gnmnastum» in Sichten- derg, Marktstr. 2—3(33 In. Rummelsburg). Die heutige Beranstaltnng soll gegenüber der vorigen, die bereits einen nnten Bestich aufzuweisen hatte, einen weiteren Fortschritt bringen, weshalb die Teilnahme aller Vereine not- wendig ist. Die ältere Arbeiterschaft Lichtenberg» ist zum Besuch dieses Tirrn- abends der Alten besonders eingeladen. Arüeltee.Rafcsahm.Bnnd„Selibotitäf, Berlin. Touren für Sonntag, den 7. Oktober. 1. Abt.: Neue Mühle, S Uhr: Eichwalde, 12 Uhr. Starts Vülvw- straße ö». 2. Abt.: Hohen Golm, ö Uhr: Morienfelde. l Uhr. Starts Dirfren- bachitr. 36. 2. Abt.: Ticfensee— Gamengrnnb. Start 7 Uhr Lousttzrr Platz. 4. Abt.: Kaulsdorf-Slid(Iägerbeini). Start IZli Uhr Wcberwlese. li. Abt.: Buch. Start 1 Uhr Landsberger Platz. 6. Abt.: Schildow. Starts 7 und 12 Uhr Kopenhagener Str. 26. 16. Abt.: Stienitzsee, 7 Uhr: Mahlsdorf(Rathaus- bären), Start 1 Uhr Comenlvsplatz. Ii. Abt. Liepnitzfee. Start 7 Uhr lltrrchter Str. S. Ortszr. Neukölln: Wustermark. Start 12 Uhr Heeßbergplatz. Ortsgr. Britz: Stafettenfahrt der Ortsgruppe. Start 1 Uhr Ebausseellr. 66. vrt,gr.«ck-önebero: Brandenburg«. d. Havel. Start 514 Uhr früh.— Achtung, Fahr warte! Freitag, den 12. Oktober, gentralslßung, Wcinincistcr- Schule. Erscheinen der Fahrwarte ist Pfiicht. Wetter bis Taiiiitcg niittng. Mild, bei mäßigen westlichen Winden, zunächst überall trocken, aber bewälkt. abends an der Küste etwas Regen. ißl'Iiniilll'aiv»-Ifles Wort 60 M.!)is fettsedmekte Wort 170 M., U) tlUaJII Clo,(zuliftS. 2 fetteWorte), Stellengesuche das I. Won (leit)60M., jedes weitere SO M. Worte mit mehr als IS Buchstaben I zählen für zwei. Alle Grundpreise mal Schlüsselzahl zurzeit 100860.| Kleine Anzeigen i il n z e i g e n bis 4'/, ühr nachm. 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