Kr. 471» 4C. Jahrgang Ausgabe A Kr. 235 Bezugspreis: Low 7.— 1Z. Ottebtt 42 Millionen M. voraus zahlbar Unter Areuzband vom 7—13. Oktober iür Deutschland, Danzig, Taar» und Memelgebiet sowie Oesterreich u. Luxemburg 6g Millionen sllr das übrige Ausland 92 Millionen Postbezugspreis freibleibend. Der„Vorwärts* mit der Sonntag» beilage„Doli und Zeit*, der Unter. haltungsbeiloge.Leimwelt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten* erscheint wocheniäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „Sozlaldcmoirat Berlin* Morgenansgabe (7000000 M.) Auzeigeu-Grundpruse: »tt einspaltige Nonparewezeile 400 Marl. Reklamczeile 2000 Marl. Kleine Anzeigen* das fettgedruckte Wort 120 M(zulässig zwei feti- gedruckte Worte), sedes weitere WM 60 M Stellengesuche das erste Wort 60 M.. jedes weitere Morl SO M. Worte über 1b Duchltaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 M. Alle Grundpreise mal Schlüsselzahl zurzeit 100 000. Anzeigen für die nächst« Nummer müsse» bis 4Vj Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Linden» straßeZ, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis b Uhr nachm. Vevlinev Volksblskt �entrawrgan Äsr Vereinigten So�ialäemokratiscken Partei veutlekianäs Keöaktion unö Verlag: SW 68, Änöenstraße Z Redaktion! Dönhoff«Sit— SS5 �erniprecyer. B p r l a g: Dönhoff 2Si>k-Ss07 Dienstag, den 9. Oktober 19AA Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EW öS, Linöenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 37» ZV— Bankkonto: Direktion der Diskouto-Gesellschaft. Depositeukaffe Lindenstrafte S Vertrauensvotum für die Regierung. „Das Volk hungert bei vollen Scheune«!" sagt Westarp. Aach zwölfsiündiger Debatte nahm der Reichstag lS Minuten nach 12 Uhr ohne namentliche Abstimmung gegen die Stimmen der äußersten Rechten und äußersten Linken ein Vertrauensvotum für die Regierung an. Das Vertrauensvolum hat folgenden Wortlaut:„Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichsregierung und spricht ihr das Vertrauen aus." Angenommen wurde ferner ein sozialdemokratischer A n t r a g. der der Rechtsaufsassung der Reichsregierung in Aragen des bayerischen Ausnahmezllsiandes, wonach der Ausnahmezustand für das Reich den bayerischen ohne weiteres oufgehoben hat, die Zustimmung erteilt und baldige Klärung verlangt. Dem Rechtsausichuß überwiesen wurde ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung des bayerischen Ausnahmezustandes. Abgelehnt wurden dentfchnationale und kommuni- fiisch-"......... Ebenso schen A Kommuni st engesetzes verlangen. Zu den beiden letzten Fällen stimmten die Sozialdemokraten mit den Kommunisten. « Die gestrige Reichstagssitzung, die um 12 Uhr mittags begann und sich bis in die Nachtstunden hinzog, brachte als erstes eine klar durchdachte und rhetorisch überaus wirkungs* volle Rede des Genossen Dr. B r e i t s ch e i d, die an manchen Stellen— über Ruhr und Rhein— im ganzen Hause, zum Schluß bei den Sozialdemokraten lebhaften Beifall fand. Großes Aufsehen eregten seine» Mitteilungen über den sozio- len Staats st reich der Unternehmer im Ruhr- gebiet, die willkürlich aus eigenem Herrenrecht verfügte Verlängerung der Arbeitszeit. Den ungeheuerlichen Vorgang, der im Hause lebhaft erörtert wurde und fast auf allen Seiten scharfe Verurteilung erfuhr, besprechen wir ausführlicher an anderer Stelle. Als Genosse Breitscheid in überzeugender Weise die Gründe darlegte, die die Sozialdemokratie zum Verbleiben in der Regierung veranlaßten, gaben die Deutschnationalen durch ihre Zwischenrufe seiner Beweisführung unfreiwillig den stärksten Nachdruck. Zweimal sprach Breitscheid die Worte: ,Mir sind in der Koalition", und zweimal rief ihm Gras Westarp zu:„Leider! Wären S i e nur schon wieder draußen!" Die Herren geben sich gar keine Mühe, ihren Unmut darüber zu verbergen, daß ihnen ihr trockener Rechtsputsch für diesmal vorbeigelungen ist. Graf Westarp hatte dann nach Breitscheid Gelegen- helt, seine Auffassungen in einer Rede auseinanderzusetzen. Sie war in der Hauptsache eine endlose Jeremiade über die „sozialdemokratische Vorherrschaft" in der Regierung. Nie» wand wird diese Worte des deutschnationalen Grafen für bare Münze nehmen, und am besten weiß die Sozialdemokratie selbst, wie weit sie davon entfernt ist, in der Regierung eine „Borherrschaft" auszuüben. Aber wenn sich der deutfchnatio- nale Schmerz über die Geltendmachung sozialdemokratischen Einflusses auf die Reichs- und Staatsgeschäfte immer wieder in langgedehntem Klagegeheul Luft macht, so denkt man un- willkürlich an den Rat Bebels, bei allem Tun darauf zu achten, wie sich der Gegner dazu stellte. Wenn sich Graf Westarp in diesem Zusammenhang mit großem Behagen über den Berliner Bezirkstag verbreitete, so sollte auch dos zu denken Anlaß geben. Im übrigen schien sich über den Saal schon jene Monotonie zu legen, die sich bei Westarpschen Reden gewohnlich einstellt, als plötzlich ein paar Sätze kamen, die die Abgeordneten scharf aufhorchen ließen und«inen Sturm der Empörung hervor» riefen. Der deutschnationale Wortführer verteidigte nämlich das Recht der Landwirte, für deutsche Papiermark keine Lebensmittel herauszugeben und sprach dabei den Satz:„Das Volk hungert bei vollen Scheu- n e n."„Wir müssen uns vor dos Portemonnaie der Besitzen- den stellen," rief einst Herr v. Heydebrand, Westarps Partei- genösse im preußischen Dreiklassenlandtag. Mit jener Rede Heydebrands kann sich die gestrige Westarps an Frivolität messen, ja sie übertrifft darin jene noch um ein Beträchtliches. Wie Herr v. Heydebrand vor das Portemonnaie der Besitzen- den, stellt sich Graf Westarp vor die Tore der vollen Scheunen und erklärt dem hungernden Volt:„Für euer Papiergeld gibt es nichts!" Nach der Red« Westarps sprang der Reichskanzler Dr. Stresemann von seinem Sitz auf. Es war für die Linke der Regierungskoalition ein Augenblick banger Spannung. Würde der Volksparteiler Stresemann auf diese Heraus- forderling der Deutschnationalen eine rechte Antwort finden? Aber an Stelle dieser Spannung trat alsbald lebhafte Zu» pimmung. Denn was Dr. Stresemann die Deutschnatwnalen hören ließ, das ist ihnen seit der berühmten Rede W i r t h» nach Rathenaus Tode vom Reichskanzlerplatz aus nicht mehr so gesagt worden! Bis zur äußersten Linken hinüber sah man zustimmendes Nicken, während sich rechts die Gesichter blaß und rot verfärbten. Arme hochfuhren und Zwischenrufe der Verlegenheit durcheinanderschwirrten.„H i l f e r d i n g hat das ja auch gesagt!" schrie Helsferich einmal über das andere. Alberne Verdrehung: Hilferding hat die„Revudiation der Mark" mit Bedauern und Verurteilung als Tatsache f e st g e- stellt. Westarp hat sie— man kann geradezu sagen mit grinsendem Behagen— gerechtfertigt. Er hat sich damit als würdiger Parteigenosse jenes Oldenburg aus I a- n u s ch a u erwiesen, der sich während der englischen Hunger- blockade rühmte, sein« Aecker unbebaut zu lassen. Die gestrige Rede des Reichskanzlers würde verdienen, öffentlich angeschlagen zu werden. Vielleicht hätte das doch einige Wirkung auf jene, die nicht alle werden und die immer noch in den deutschnationalen Reichsverderbern die Helden und Retter des Vaterlandes sehen. Gegenüber jenem demagogi- schen Phrasenpatriotismus entwickelte Stresemann Grundzüge einer wahrhaft nationalen Politik, denen wir Sozialdemo- traten unbedenklich zustimmen können. Wenn es auch nur eine selbstverständliche Pflicht der Ehrlichkeit war, die damit erfüllt wurde, so verdient doch hervorgehoben zu werden, daß der Reichskanzler der gegen die Sozialdemokratie gerichteten Verleumdung, als ob sie„antinational" wäre, mit Wärme und überzeugender Kraft entgegentrat. Di« folgenden Reden der Parteiführer— Scholz. Bell, Koch, Leicht, Remmele, Graefe— sind nicht sonderlich geeignet. die Aufmerksamkeit des Hauses zu fesieln. Um 1�10 Uhr ruft das große Glockenzeichen, das eine Ministerrede ankün- digt, in den Saal. Der Reichsinnenminister, Genosse Soll- mann, weist in würdigen, auf starkes Beweismaterial ge- stützten Erklärungen die schiefen und beleidigenden Ausfüh- rungen des französischen Ministerpräsidenten über die Düffel- dorfer Vorgänge zurück. Hier folgt Reichswehrmmister Dr. Geßler. Eine Be- merkung des völkischen Herrn v. Graefe über Küstrin hat ihn herausgelockt. Die Szene wird spannend, man wittert Ge- heimnisvolles. Reichswehr und Nationalverbände, das ist ein Kotz- und Maus-Spiel, wobei man manchmal nicht recht weiß, wer die Katze und wer die Maus ist. Diesmal aber ist ostensichtlich Geßler die Katze und Graefe die Maus, mit der er spielt. Der völkische Held wird kleiner, wie der Reichs- wehrmimster seine Behauptung von einem gewissen dunklen Vorgang, der mit Genehmigung der Behörde arrangiert ist. mit aller Bestimmtheit zurückweist. Der Minister macht dazu eine sehr wichtige Mitteilung: General S e e ck t ist im Roßbach-Prozeß von der Pflicht der Amtsverschwiegen. heit entbunden und noch eins: Die Zensurverord- n u na für Unruhemeldungen wird aufgehoben. Die Uhr hat schon 1l) geschlagen, als Ledebour das Wort ergreift. Er beschäftigt sich zunächst mit den Kommunisten, denen er ihr Techtelmechtel mit den Nationalisten vorwirst, und versucht dann die Minderheit der Sozialdemokratischen Fraktion zur Abstimmung gegen die Fraktionsmehrheit aufzu» pustchen. Nach Ledebour kommt der Kommunist Ä a r tz zu Wörde, der bis noch 12 Uhr nachts noch redete. Es dürste noch eine halbe Stunde dauern, bis der Redestrom erschöpft ist und man zur Abstimmung schreiten kann.., »» « (Schluß des Berichts aus der Abendausgabe.) Abg. vreilscheid(Soz., fortfahrend): Der Reichskanzler hat selber die immer größer werdende Arbeitslosigkeit anerkannt. Wie tonn man da für ein« Verlängerung der Arbeitszeit eintreten? Dahinter steckt nur das Verlangen noch Abbau der Löhne, um auf dem Welt- markt wieder konkurrenzfähig zu werden. Dle Gewerkschaften sind bereit, für eine Produktionserhähung. für eine Berlänncninq der Arbeitszeit da einzutreten, wo es nötig ist: den Achtstundentag lasten wir aber nicht antasten. Der Kampf um ihn wird draußen weitergeführt werden. Tariflich und gesetzlich soll dies« Frag« geregelt werden. Allerdings haben nun gestern die verqherren im Ruhrgebiet durch Anschlag bekanntgegeben, sie würden sich an den Achtstundentag nicht kehren. Was gedenkt die Reichsregierung gegen dies« offene Der- höhnung von Recht und Gesetz durch die Lergherren zu unternehmen? Die Frag« der Arbeitszeit war gegenwärtig ganz unaktuell: sie wurde nur in die Debatte geworfen, um die Sozial- demokraten aus der Regierung zu drängen. Es bildete sich ein« Interessengemeinschaft über die Grenzen einzelner Parteien hinaus, wo— in Klubräumen und Hotelsalons— man diese Pläne ausheckte. Gewiss« Hintermänner der Fraktionen, die man selten auf der Rednerrribüne sieht, zündeten hinterhältig das Feuerchen an. Sie spielten sich als Retter des Vaterlandes aus, nachdem sie es ins Unglück gestürzt hatten. Man arbeitete mit dem Schlagwort „Gegen den Marxismus", weil man glaubt«, die Arbeiter- schaft sei jetzt so schwach geworden, daß man ihr die Revolutions- errungenschaften wieder rauben könnt«. Aber sie werden sich täuschen. Außenpolitisch war der Zweck der Aktion: der Bruch mit Frankreich und alle sein« Folgen. Dazu gehört der Ver- tust des Rheinlands und die Aufbürdung der Reparationslasten auf die Schultern der Arbeiter. Schwer war die Entscheidung für die Sozialdemokratie. Ein neues Kabinett Euno mußten sie verhindern, nicht etwa aus Parteirücksichten, sondern um dos Wahl des Landes willen. Wir wollten durch unsere Beteiligung an der Regierung den Umtrieben gegen den Bestand der Republik begegnen, wir wollten den Achtstundentag schützen. wlr wollen eine auswärtige Politik verhindern, die Ruhr und Rhein vom Reiche getrennt und einen wahnsinnigen Krieg herbeigeführt hätte. Unser« Politik wird von vielen unserer Anhänger zunächst schwer verftanden werden. Die Meinungsverschiedenheiten beruhen zum Teil auf einer verfchiedenen Beurteilung der Kräfteverteilung. Die Geschichte wird uns einmal recht geben, daß in diesem Augenblick dieser Weg beschritten werden mußte. Di« Währungsfrag« muß durch Gesetz geregelt werden, nicht durch Verordnung. Wir hoffen, daß die Erklärung Stvesemanns, Stinnes habe keinen Einfluß auf die Regierungsbildung gehabt, mehr als eine bloße Feststellung war. Stresemann wird st ort sein müssen auch gegen ge- wisse Strömungen in sein er eigenen Partei. Nur der erreicht sein Ziel im Leben, der sich selber treu bleibt. Wir sind auf«inen neuen Kampf mit denen gefaßt, die uns aus der Regierung drängen wollen.(Abg. Graf Westarp, dnatl.: Sehr richtig» Wenn der Abg. Graes vom Marxismus spricht, so versteht er gar nichts von dessen Idee, denn solche Ideen gehen in so harte Schädel nicht hinein. Die Idee könnt Ihr nicht töten!(Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Bell(Ztr.): In einem Augenblick, wo der Glockenschlag der Völker- entfcheidungsstunde unmittelbar bevorstand und das ganz« deutsch« Volk, vor allen Dingen die Bevölkerung im besetzten Gebiet, mit gespannter Erwartung auf Regierung und Reichstag blickte, haben sich Erscheinungen gezeigt die tief bedauerlich sind, weil sie ge- zeigt haben, daß wir doch nicht alle die Zeichen der Zeit verstanden haben und dem Ernst der Gesaintsituation gerecht geworden sind. Sonst wäre es unmöglich gewesen, ein« solch« durch sachliche Er- wägungen wahrhaftig nicht geboten«, im Gegenteil dem Ernst der Situation nicht entsprechende Regierungskrise überhaupt heraufzu- beschwören, und es wäre möglich gewesen, sie in einer kürzeren Zeit befriedigend zu lösen. Das Bedauerlichst« bleibt aber die Tatsache, daß nunmehr diejenigen Oberwasser gewinen und die Gelegenheit zur öffentlichen Kritik nicht vorübergehen lasten, die grundsähNche Gegner des parlamentarischen Systems und der> demokratischen Republik sind. Gerade die Wirtschaftskreise sollten mit ihrer Kritik zurückhalten. Leider hat sich unser altes Erbübel, daß sich der Partei- zwist gerade in den allerschlimmsten und furchtbarsten Zeiten hervor- drängt, auch diesmal wieder gezeigt. Wenn das Haus lichterloh brennt, kann man sich nicht gegenseitig als Brandstifter bezeichnen, sondern muß löschen helfen. An der Tätigkeit der Koalitivnsregierunq müssen alle Stände mithelfen, um dem Baterlande aus der tiefen Rot zu helfen. Wir haben uns auf den Boden der Tatsachen und der Berfastung gestellt und er- warten das gleiche von allen Parteien. Bongänge in Küstrin und München, aber auch bei manchen anderen Putschversuchen sind nicht mehr zu ertragen, wenn nicht das Reich zerschlagen werden soll. Wir bedauern aufs tlestte die Notwendigkeit der Verhängung des Ausnahmezustandes, aber wir verurteilen die Borgäng«, die die Regierung dazu gezwungen haben. Es ist das unveräußerliche Naturrecht sedes Menschen, sich gegen Be- drohung von Leib und Leben zu wehren. Auch kein Kulturstaat und kein Rechtsstaat, sei er Monarchie oder Republik, kann es dulden, daß verfassungswidrig gegen ihn angestürmt und sein Boden unter- graben wird. Die Reichsregierung muhte im Interesse des ihr an- vertrauten Staatsgebäudes dieses gegen den Umsturz schützen. Es ist Aufgabe der Reichsleitung wie des Reichstags, die verfassungs- mäßig gewährleisteten Rechte zu schützen, auch den Ländern gegen- über. Wenn wir manche Vorkommnisse in Boyern aufs tiefste be- dauern, so begrüßen wir es doch im Interesse der Aufrechterhaltung der Reichseinheit, daß der Reichskanzler bei seiner Kritik der bayerischen Verhältnisse ssch weitgehende Zurückhaltung auferlegt hat. Der Sinn de« vorgelegten Ermächtigungsgesetzes ist der, daß auf Grundlage der Verfassung für eine bestimmte begrenzte Zeit an- gesichts der Notlage des Reiches der Reichstag von seinen Befugnissen soviel an die Reichsleitung abgibt, als zur Bewältigung der dringend- sten Aufgaben auf finanziellem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet erforderlich ist. Damit begibt sich der Reichstag seiner Rechte nicht. Denn die der Reichsregierung erteilte Vollmacht wird ja nur auf be- schränkte Zeit gegeben und wird genau abgegrenzt sein: jeden Augenblick ist der Reichstag in der Lage, jede von der Reichs. regierung auf Grund der Ermächtigung angeordnet« Maßnahme wieder aufzuheben. Wir dürfen erwarten, daß auch in den Kreisen der Schwerindustrie der Grundgedanke des Gemeinwohls ssch mehr, als in den letzten Tagen in die Erscheinung trat, manifestieren würde. In dieser Beziehung muß insbesondere an der katastrophalen Preisbildung der Hebel angesetzt werden. Im Gesamtverhältnis Hab« Produktion passiven SB�crssonbes wie eine Kapitulation wirken. Die Auf- gäbe des passiven Widerstandes wurde insbesondere finanziell damit begründet, dast zu seiner Weiterführung in einer Woche 8000 Billionen nötig sein würden. Wird daran aber durch die Aufgabe des Widerstandes etwas geändert werden? Die Ausgaben hören nicht auf, die Ausgewiesenen müssen weiter unterstützt werden, auch sonst sind ungeheure Aufwendungen nötig, und dazu kommt, daß die Reparationsleistungen wieder aufgenommen werden müssen. Unser« Finanzen können nur gefunden durch eine Politik der Befreiung von den Hemmnissen des Dcrfa'llcr Verirages.(Sehr richkig! rechts.— Zuruf links: Wie wollen Sie das machen?) Seien Sie doch nicht fo ungeduldig, ich werde gleich darauf zu sprechen kommen!(Lachen und ironische Zurufe links.) Auch nach Wiederaufnahme der Arbeit stellen die Franzosen unerträgliche und unerhörte Forderungen� Die Folge der Aufgab« des passiven Wider- stände- ist eine groß« Erregung in allen vaterländischen Kreisen. Ich stelle fest, daß die Politik des Reichskanzlers und der Koalition einen vollen Mißerfolg gehabt hat. Der Versuch einer Verständigung mit Frankreich ist als gescheitert anzusehen, wie ja auch der Reichskanzler zugibt. Die einzige Tat der Koalition auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ist die Aufgabe des passiven Widerstandes.(Reichskanzler Dr. Skrefemann: Sie haben ja selbst erklärt, daß Sie den passiven Widerstand nicht weiterführen wollen!) Wir hätten eine ganz andere Stellungnahme des Reichskanzlers zu der Forderung des Eides der deutschen Beamten an die französische Regie gewünscht. Wir wollen den Abbruch aller Beziehungen zu Frankreich. Dir ziehen den weiteren Einmarsch der feigen Unterwerfung durch eine neue Unterschrift vor.(Iurus links: Sie wollen also den Einmarsch der Franzosen!) Wir halten ihn für unwahrscheinlich, aber mit der Möglichkeit dieses Risikos rechnen wir. Sie(nach links) sprechen mit Ihrer Anschauung dem deutschen Volke das Todesurteil. Wir wollen, daß das nicht durch eine neue deutsche Unterschrift besiegelt wird. Wir sind der Meinung von Clausewitz, daß eine Unterwerfung unter solche Bedingungen der Tropfen Gift ist, der durch Generationen Hindurch das deutsche Volk unfähig macht, sich aus eigener Kraft wucher zu erheben. Wir lehnen jede Teil- nähme an einer Unterwerfung irgendwelcher Art ad. Aus dieser unserer Haltung wird die nationale Zukunft des deutschen Volkes hervorgehen, und das deutsche Volt wird daraus einmal die Kraft und den Willen finden, aus eigener Kraft sich die Freiheit zu er- kämpfen.(Lebhafter Beifall rechts.— Anhaltender Lärm und Zischen links.) Reichskanzler Dr. Stresemann: Ich kann das Bedauern nicht unterdrücken, daß in einer solchen Zeit außenpolitischer Bedrückung und innenpolitischer schwer zu er- tragender Verhältnisse eine Rede von so starkem parteipolitischen Einschlag gehalten wird.(Lebhaste Unterbrechungen von rechts.) Westarp sogt, ihn erfüllten Scham und Empörung über die letzte Woche. Meine Herren(zur Rechten) haben Sie nicht in das Feuer hineingeblasen? (Große Erregung.) Wenn Sie Ihrerseits Scham und Empörung darüber empfinden, in dieser Zeit, in der die Entscheidung fällt, über die Richtlinien, die wir finden wollen, um eine Regie- rungskrise tunlichst zu vermeiden, dann sollten Sic durch Ihre Aktion die Parole ausgeben: Laßi die Regierung in dieser Zeit in Ruhe und macht keine Krisen! Das Zweite! Der Abg. Graf Westarp sagt, er hoffe, daß die Koalition zusammenbricht in dem Widerspruch in sich in bezug aus das Verhalten zu Frankreich. Auch dieser Standpunkt des Grafen Westarp, der politisch einseitig ist, ist etwas ganz Unmögliches. Sie müssen doch auch von Ihrem Standpunkt den Weg finden, daß das ganze deutsche Volk zusammsuhalken kann. (Lärm rechts.) Ich muß der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Koalition zusammenhält gegen Frankreich. Die. Hoffnung, daß ein Bruch erfolgen würde, gibt gerade die Möglichkeit einer neuen Krisis und einer neuen Regierungsbildung, also gerade das, was Sie scharf kritisieren, wenn Sie gegen den Parlamentarismus kämpfen. Das Dritte! Graf Westarp hat sich über den s o zi a l- demokratischen Einfluß ausgesprochen. Sie wenden sich gegen das Ermächtigungsgesetz, weil es einer bestimmten partct- politischen Konstellation gegeben wird. Auch. ich würde es viel lieber sehen, wenn ein Ermächtigungsgesetz nicht nötig würde, aber Sie selbst haben mich leider zu diesem Weg gezwungen, als Sie Plötz- lich bei der Bildung der Koalition in Opposition traten gegen die Steuern, die Si« selbst mitbewilligt hatten.(Große Unruhe rechts, lebhafte Zustimmung links.) Nun wird davon gesprochen, dieses Parlament stände unter einer Vorherrschast der Sozialdemokratie oder marxistischer Ideen Manch- mal hat man die Empfindung, als ob das deutsche Volk wirklich von einem Schlagwort zu dem anderen gehetzt wird. Wenn man doch einmal definieren wurde, was man in der Praxis meint und nicht in der Theorie. Und ob wirklich in dem, was dieses Kabinett an Entwürfen vorlegt und beabsichtigt, marxistischer Geist wäre.(Zuruf rechts: Aufhebung des Privateigentums!) Wer spricht von Aufhebung des Privateigentums?(Lachen bei den Soz.) Ich halte die Heranziehung des Priv arteigen- tu ms zur Durchführung der Staatsaufgaben allerdings für not- wendig aus innen- und außenpolitischen Gründen, aber die Aus- Hebung des Privateigentums will weder das Kabinett noch die Parteien. Im übrigen muß ich Sie doch offen fragen, ob Sie denn die Fraktionen, die diese Koalition bilden, als die Träger einer Auf- fassung ansehen, die das Privateigentum in Deutschland abschaffen will?(Heiterkeit und Zustimmung bei der Mehrheit.) Die Bor- brrrschaft des sozialdemokratischen Einflusses behauptet der Abg. Graf Westarp in demselben Moment, in welchem er dos Scheitern der Koalition deshalb voraussagt, weil schon auf dem Berliner Be- zirksparteitog der Sozialdemokratischen Partei eine ganz große Mehrheit sich gegen die Koalition ausgesprochen hätte. Wie bringen Sie das eigentlich beides zusammen? Wenn diese Borherrschast der Sozioldcmokralie bestände, dann müßte doch gerade in der Sozial- demokratie Freude herrschen.(Sehr richtig!) Nein, jede Koa- lition verlangt Dpfer von jeder beteiligten Partei, und deshalb brauchen Sie sich bei dieser Koalition auch gar nicht darüber zu wundem, daß in den beiden Flügel- Parteien, in der Sozialdemokratie und in der Deutschen Volks- parte!, der Kampf der Meinungen stark aufeinander plagt und man lebhaft die Frage erörtert, ob die Partei als solche die Belastung wird tragen können, die damit verbunden ist. Schließlich müssen die Flügelparteien, die ja dos Extrem in dieser Koalition ausmachen, am meisten von dem ausgeben, was sie in�dem Augenblick täten, wo sie die Geschick« allein in der Hand hätten. Sie müssen also die Belastung am meisten empfinde». Aber nach meiner Meinung beginnt der Gegensah zwischen Politik und Staats- kunst da. wo man auch einmal das Odinm der UnvopulantLl auf sich nimmt um des Größeren Gan en willen. lBeifoll bei der Mehrheit.) Tatsächlich ist die koaliiionspolllik die einzige Realpolitik, die In Dentlchland getrieben werden kann, solange Sie aus ver- fassimnsn'äßigen Poden in Deulschlsnd regieren wollen.(Abg. Graf Westarp[Dnat.s: Also immer mittanzen!) Ich glaube, Sie würden gern mittanzen, wenn S'e eingeladen würden! (Stürmische Heiterkeit und Zustimmung im Hause und Händeklatschen auf den Tribünen.) Der Abg. Graf Westarp hat erklärt, daß er grundsätzlich das Ermächtigungsgesetz für notwendig hielt. Gerade die deutschnationale Bolkepartei, die om stärksten gegen das Parla- ' ment eingestellt Ist, muh ja von ihrem Standpunkt aus ein derartiges Gesetz begrüßen. Wie wollen Sie denn die erforderliche Zweidrittel- mehrbeit für dieses Ge'eh überhaupt»usommenbekemmen. wenn Sie jedes Zusammenarbeiten mit den Sozialdemokraten ablehnen! Dann ist das Ermächtigungsgesetz überhaupt unmöglich, dann müssen Sie die Derfassung überhaupt aufgeben!(Abg. Gras Westarp: Den Reichstag auflösen!) Selbstverständlich müßte, wenn die Dinge parlamentarisch nicht mehr zu meistern sind, mit der Auf- lösung gerechnet werden. Aber ich glaube, daß bei all den Bs- lastungen, die wir gegenwärtig haben, nicht auch noch dieser Kampf in die besetzten Gebiete getragen werden kann. Ich bin nicht der Meinung, daß mit der Aufgab« des passiven Widerstandes der Kampf um das Rheinland aufhört. De? Kampf um das Rheinland ist auf der Höhe, er wird geführt mit äußerster Schärfe, es handelt sich darum, ob der Rhein deutsch bleibt oder nicht, und Sie werden mir zugeben, daß Sie heut« Frankreich mit Worten nicht aus dem Rheinland herausbringen. Dann bleibt Ihnen aber nichts anderes übrig als der nationale Idealismus eines qeeiniglen ieulschen Volkes (Lebhafter Beifall), und da hat auch die Sozialdemokratie des Rhein- landes immer ihrrn Mann gestanden. Sie können den Kampf nur führen mit der nationalen Volksgemeinschaft, und für diese Opfer zu bringen, ist ein« höhere nationale Pflicht als Fraktionspolitik. (Lebhafte Zustimmung.) Graf Westarp, ich bedaure ganz außerordentlich, daß Sie Worte ausgesprochen haben in bezug auf das Recht der Zurückweisung des deuischcn Papiergeldes, die geradezu katastrophal wirken können. Wir müssen vom deutschen Wolke verlangen, daß es sich mit Papier- geld bezahlen läßt, sonst haben wir dos Chaos morgen.(Sehr wahr!) Wir haben volles Verständnis dafür, daß die Landwirtschaft, die nur einmal im Jahre ihre Produkte umschlägt, Wert auf ein wertbeständiges Zahlungsmittel legt. Wie haben Sie aber das Recht, die Parole hinauszuschleudern ins Land....(Lebhafte Zurufe rechts: Oho!) Wenn Worte einen Sinn haben, so haben Sie erklärt, daß man niemandem zumukea kann, sich mit Papiergeld bezahlen zu lassen.(Widerspruch rechts. Abg. Dr. H e l f f e r i ch(Dnat.): Wir haben positive Vorschläge gemacht.) Ich habe daz niemals be- stritten, aber wir können diese Sätze des Grafen Westarp nicht un- widersprochen in das Land gehen lassen. (Schluß des Berichts in der Vellage.) Sozialüemokratische Dbänöerungsanträge. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat folgende Abänderungsanträge zum Ermächtigungs- g e s e tz eingebracht: 1. In§ 1 Absatz 1 als Satz 3 hinzuzufügen:„Die Maß- nahmen treten, soweit nicht durch Gesetz anders bestimmt wird, mit dem 1. Januar 1925 außer Kraft. 2. In Z 1 Absatz 2 hinter Kleinrentner einzufügen:„und der Leistungen aus der Erwcrbslosenversicherung". Schwerinöuftrieller Landesverrat. Ein Diktat der Zechenbarone. Die Schwerindustrie wittert Morgenluft. Nachdem sie monatelang im Ruhrrevier die Papiermarkentschädigungen vom Reich bezogen hat, hält sie den Augenblick des Ab- bruches des passiven Widerstandes für geeignet, ihr Gesicht offen zu enthüllen. Die Verggewaltigen gehen ihr voran. Am Montag morgen fanden die Bergaroeiter des Ruhrreviers in den Verrieben sämtlicher Zechenanlagen Anschläge des Zechcnvervandes, in denen den Arbeitern einfach„mitgeteilt" wird, daß von nun an die achteinhalb st ündige Ar- b e i t s z c i t statt der Siebenstundenschicht im Bergbau wieder eingeführt werde! Genau wie im Frieden sollen auch die Ein- und Ausstihrfahrzeiten nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Der Vorstand und die Bezirksleitung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands antworteten mit folgendem Ausruf: „Die Bergbauunternehmer des Ruhrgebietes haben am 6. Oktober beschlossen, ohne Rücksicht auf Gesetz und Tarifvertrag, vom 9. Oktober ab im Ruhrbergbau die V o r k r i e g? ar b e i t s z e i t ein- zuführen. Sie haben zum Ausdruck gebracht, daß das übrige Deukfch- land dem Rohrgebiet mit einer ähnlichen AcbeUszcU folgen soll. Wir haben sofort veranlaßt, daß alle in Frage kommenden Organi- sationen zu dem diktarischen Anschlag dieser Unternehmer- kreis« Stellung nehmen. Einstweilen fordern wir: Niemand füge sich einem versuchten Zwang zu längerer Schichlzell. Gesetz und Tarifvertrag gelten noch! Arbeitet weiter wie bisher, aber nicht länger! Laßt euch von keiner Seite zu Unbe- fonnenheiten hinreißen! Wartet die Weisungen der Organisa- tionen ab!" Der Versuch der Zechenherren, unter dem Schutz französischer Bajonette die Bergarbeiter wieder in die alte Fron zu zwingen, grenzt an Landesverrat. Er ist allerdings nur ein Teil aus dem großen Schlachtplan der Industrie, den sie im gemeinschaftlichen Landöund und allen reaktionären Organisationen ausgeklügelt hat. � Man glaubte die Zeit für gekommen, die gesamte sslrbeiterbewe- g u n g mit einem Schlage niederzuwerfen. Alle Borbereitungen für eine Diktatur im Reiche waren bereits ge- troffen, und wir verraten kein Geheimnis, wenn wir aus- sprechen, daß der Borstoß des ehemaligen Majors Buch- ru ck e r in Küstrin lediglich um fünf Minuten zu früh erfolgte und deshalb den strategischen Plan um eine Kleinig- keit durcheinanderbrachte. Im unbesetzten Gebiet ist es aus diesen Gründen noch nicht möglich gewesen, die Vorkriegs- arbeitszeit wieder einzuführen. Aber ini Nuhrgebiet, wo noch immer die Truppen des„Erbfeindes" stehen, glaubt man, um so ungenierter handeln zu können. Dort fällt jede Rücksicht- nähme auf„vaterländische Interessen" fort. Man will den Arbeitern augenscheinlich mit Gewalt begreiflich machen, daß der Profit höher steht als alle Landesinter- essen. Was man bisher mit schöner Geste von„Volksge- meinschaft", vom„gemeinsamen Baterland" gesprochen, das wird hier brutal zu zerreißen versucht. Dick unterstrichen wird dadurch die Tatsache, die auch in der neutralen Presse immer wieder hervorgehoben wird, daß die Arbeiterschaft auch im besetzten Gebiet die treue st e Stütze des Deutschen Reiches ist. Wer bisher noch daran gezweifelt hat, den belehren die Ver- Handlungen der Industriellen mit Degoutte und diese Anschläge des Zechenverbandes eines Besseren Die Schwerindustriellen, die mit Hilfe der Deutschen Volks- parlei die Koalitionsregierung sprengten, versuchen jetzt, nach- dem ihnen dieses Experiment nicht voll geglückt ist, es einfach mit ihrer eigenen Macht, verstärkt durch die Maschinengewehre der franko-belgischen Armee. Anstatt auf dem durch die Ver- Handlungen des Reichstages vorgesehenen Wege der t a r i f- lichen Vereinbarungen eine Mehrarbeit der Berg- leute zu erstreben, versucht man es mit dem Diktat, wie die „5)erren im Hause" es zu Wilhelms schönen Zeiten gewohnt waren. Alles, was im Laufe des Krieges und unter dem Druck der Ereignisse von 1918 an Zugeständnissen an die Ar- beiterschaft gewährt werden mußte, soll jetzt mit einem Feder- strich beseitigt werden. ' Aber mit dem Borstoß der Bergherren begnügt man sich nicht. Die rheinischen Großindustriellen haben es für gut befunden, an die R e i ch sr e g i e r u n g diese Forde- xungen zu richten und bis D i e n s t a g Antwort zu fordern: ZÄS 1« Im s«!: Sk» W. SitkNM M Sirl Ersatz der seit der Ruhrbesetzung b es-chla gnahmten Kohle, Ersatz der seit dieser Zeit zwangsweise erhobenen Kohlen- st e u e r, Beseiligung der Kohlenskeuer für das Ruhraebiet, Garantie der Vergütung für künftig zu liefernde Reporakions- kohle, Aufhebung des Kohlenkommissariats und der staatlichen Verteilungsorgane der Kohlen im besetzten Gebiet, Ermächtigung der Kommission der Industriellen. die Verhandlungen(mit Degoutte) weiterzuführen, Ermächtigung de? Kommission, mit den B e s a tz u n g s- mächten laufende Fragen zu regeln, Verlängerung der Arbcikszeit auf 8 Stunden unter Tage, aus 10 Stunden für die übrigen Arbeiter und Aushebung sämt- licher Demobilmachungsverordnungen. Diese Forderungen sind in einem Schreiben an den Reichs- kanzler im Namen der Jndustriellenkommistchn von Stinnes erhoben. Stinnes gibt bei den ganzen Verhandlungen den Ton an. Aber es ist nicht nur Stinnes, der dahinter steht. Die gesamte S ch w e r i n d u st r i e glaubt jetzt ihre Zeil für gekommen. Das wichtigste Industriegebiet Deutsch- lands von sremden Truppen besetzt und in der Gefahr Zwangs- weiser Abläsung vom Reiche, die Arbeiterschaft durch lang- jährige Unterernährung und innere Kämpfe zermürbt— das scheint ihr ein günstiger Augenblick, die alten Herren- rechte wieder aufzurichten! Der Zweck der dreisten Forderungen und des Vorstoßes der Zechenherren liegt klar zutage. Diese„Wirtschaftsführer" können nicht ertragen, daß im Reichstag ohne und gegen f i e regiert wird. Was ihnen beim erstenmal nicht geglückt ist, versuchen sie jetzt auf einem Umwege mit neuen Kräften: die Regierungskoalition zu sprengen und damit Ermächtigungs- gesetz und sonstige Vereinbarungen über den Haufen zu werfen. Das Ermächtigungsgesetz, das einer Zweidrittel- Mehrheit im Reichstage bedarf, ist bekanntlich an den Bestand der gegenwärtigen Regierungskoalition gebunden. Eine solche Bindung aber erscheint den Gewaltigen von Grube und Schlot für so gefährlich, daß sie alles daransetzen, um sie zu beseitigen. Die Sozialdemokratie ist in der Koalition ver- blieben, um die Arbeiterrechte auch p a r l a m e u- t a r i s ch nach Kräften zu verteidigen. Es wird jedoch nicht allein von ihr abhängen, ob das Ziel der rheinischen Groß- industriellen erreicht wird. Die Fraktion der Deutschen Volks- Partei, gegen die der Stoß zuerst sich richtet, trägt die Ver- antwortung dafür, ob die Interessen des Landes mit Hilfe der französischen Truppen oerraten werden dürfen. Sie wird sich in erster Linie über i h r Geschick und das des Reiches klar sein müssen. Wie wir in später Stunde erfahren, haben die Bergwerks» Unternehmer inzwischen«inen Rückzug angetreten. Als die erste Nachricht von dem Beschluß der Zechenherren, der schon am 39. September gesaßt war, hier eintraf, hat der preußische H a n d e l s m i n i st e r, Genosse Siering, die staatlichen Zechen im besetzten Gebiet sofort angewiesen, die Anordnung des Zechenverbandes nicht zu befolgen. Dadurch wurde die Einheit-- � front der Grubenbesitzer durchbrochen und der Rest des Zechen- Verbandes hat es jetzt vorgezogen, angesichts des einmütigen Wider- standes und ihrer Vertreter in der Reichsregierung und im Preußi- sehen Kabinett, ihre Anordnung zurückzunehmen. Was allerdings geschehen wäre, wenn nach dem Wunsch der Schwerindustrie sozialistenreine Regierungen sowohl im Reiche wie in Preußen beständen, kann sich jeder ausmalen. Ein Aufruf öer GeWerkfchaften. Bochum, 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Sämtliche Ge- werkschaftsleitungen im Ruhrgebiet mit Einschluß der Polen richten an die Arbeiterschaft folgenden Aufruf: „Unter grober Verletzung der gesetzlichen Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit, des Gesetzes über die Arbeitszeit im Verg» bau, des Betriebsrätegefstzes, des Tarifvertrages und der Arbeits- Ordnung haben die Grubenbesitzer des rheinifch-westfälischen Berg- baueo� einstimmig am 8. Oktober eine Verlängerung der Arbeitszeit diktiert. Sie befehlen einfach 6'A Stunden für den unterirdischen Betrieb, 10 bzw. t2 Stunden für die Arbeiter über Tage. Die Unternehmer begründen ihr Vorgehen mit der Notwendig- keit, die Produktion zu steigern, um die Preise für Rohstoffe ermäßigen zu können. Die Arbeitnchmerorganisationen hoben nie einen Zweifel darüber gelassen und vielfach durch die Tat bewiesen, daß sie bereit sind, volkswirtschaftliche Notroendiakeiten restlos zu tragen. Das Vorgehen der Unternehmer ist ein unerhörter, bisher noch nie dageivesener Vorgang in der Geschichte der Regelung vou Arbeitsbedingungen, soweit sie durch Gesetz und Vertrag geordnet waren. Kein Arbeiter, kein Angestelltere, keine Gewerkschaft, keine Regierung, die Ordnung im Staat und in der Wirtschast wollen, können ein derartiges diktatorisches Borgchen hinnehmen. Die unterzeichneten Organisationen fordern deshalb die Arbeiter und Angestellten des Bergbaues auf, sich nur an die gesetz- lichen Bestimmungen, die Arbeitsordnung und den Tarifvertrag, zu halten. Die Unternehmer haben kein Recht, vertragliche Arbeitsbedingungen einseitig zu ändern: jedem Versuch auf eine solche Aenderung haben Gewerkschaftsvertreter, Betriebsräte und Beleg- schaften energisch entgegenzutreten. Der brutale Rechtsbruch der Unternehmer muß von der Arbeiterschaft mit überlegener Ruhe und gestützt auf das gesetzliche und vertragliche Recht zurückgewiesen werden. Die Arbeitnehmer haben die Pflicht, weiter zu arbeiten wie bisher und sich mit Ruhe, aber entschlossen gegen die einseitige Aendc- runq der Arbeitsbedingungen zu wehren. Di« Velegsckzastsmitglieder müssen zu der gewohnten Zeit zur Arbeit oder Anfahrt erscheinen. Alle an der Seilfahrt Beteiligten haben wie bisher zur gewohnten Zeil ihre Pflicht' zu erfüllen und sämtliche Velegschaslsmikglieder müssen nach Beendigung der tariflichen Arbeitszeit die Betriebe verlassen. Die an dem Tarifvertrage für den Bergbau beteiligten Organi- sationen übernehmen die Führung in diesem gerechten Kampfe und ersuchen alle Arbeitnehmer, für Ruhe und Arbeit besorgt zu sein und sich streng an die Weisungen der Organisationen zu halten. Rur so kann dieser Kampf zu einem guten Ende geführt werden." Kommunistische Ministee. Dresden, 8. Oktober.(Eigener Drahtberichi.) Das er- wetterte sächsische Kabinett scheint gebildet zu sein. Als komniu- nistische Minister werden voraussichilich der Landlagsabgeordneke Böttcher und B r a n d l e r von der Spv.-Zeutrale in das Kabinett eialrelen. B r a n d l e r soll das Finanz-, Böttcher das Kultusministerium übernehmen. Verhandlungen, die am Sonntag in Leipzig zwischen den Ministerpräsidenten Sachsen« vnd Thüringens stattgefunden haben, sind noch nicht abgeschlossen. Die gemeinsame Sihnng der Frakkionen der SPD. und KPD., in der die gemeinsame Regierungserklärung festgestellt werden soll. dürfte am Mittwoch stattfinden. Die Erössnung des Landtages, die für Dienstag vorgesehen war. wird voraussichtlich auf Donnas- a g verschoben werden. und Koiisumtirm sich nicht einander zu befehden, sondern voneinander zu lernen und einträchtig zusammenzuarbeiten. Der Zweck aller A'vcit soll das Allgemeinwohl sein, nicht das Wohl der einzewen. Dieser Spruch sollte an den Gebäuden aller Syndikate und Konzerne sein. Die veränderten Verhältnisse v«r- langen jetzt eine verändert« Steuergesetzgebung: den Ge- meinden und de» Ländern müssen neue Steuerquellen erschlossen werden. Bei aller starten Anspannung der Steuerkrast der Besitzenden müssen Härten doch nach Möglichkeit vermieden wlldcti. Bor allem müssen auch die kinderreichen Familien mehr berücksichtigt werden. Mit der Sparsamkeit in den Reichs- betrieben, in der Verwaltung der Länder und Gemeinden müssen wir endlich Ernst machen. Eine endgültige Lösung des Währungs- Problems ist nur bei gleichzeitiger"Lösung der Wirtschaftsfragen möglich. Dies war ausschlaggebend für unser Herangehen an das Arbcitszcitproble m. Dauert die katastrophale Handels- und Zahlungsbilanz noch fort, dann kann das Problem unserer Wirtschaft nicht gelöst werden. Der Redner oerwahrt seine Partei gegen den Borwurf der Begünstigung unsozialer Maßnahmen; da- gegen spreche die ganze sozialpolitische Vergangenheit des Zentrums. Wenn nichts anderes in der letzte«„schwarzen Woche" des Reichs- tages erreicht" worden wäre, als eine Einigung über das Arbeits- zeitproblem mit Einschluß der Sozialdemokraten, so wäre das ein« Tot des'Dankes des Vaterlandes wert. Nach Aufgabe des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet verträgt unsere außenpolitische Lage keine scharfe Bctonrmg der Parteigegensätze, vor allem keine Neu- auflag« der Dolchstoßlegende. Im Interesse der historischen Wahrheit erklärt der Redner, daß es an eindringlichen Vorstellungen an die zuständigen Stellen, den Höhepunkt des passiven Widerstandes zu Verhandlungen zu benutzen, nicht gefehlt hat. Der Kanzler hat die Gründe für die schliehliche Ausgabe des passiven Widerstandes unwiderleglich dargelegt. Daß die Bevölkerung den Widerstand elf Monate lang heldenhaft aufrechterhalten hat, das bleibt ein Ruhmesblatt, ein Ehrentitel der Bevölkerung von Ruhr und Rhein.(Lebhafer Beifall.) Poincare wirft uns vor, wir Hütten unser Angebot nicht detailliert. Man lad« uns dock) an den Verhandlungstisch, dann wird sich alles weitere ergeben. Wir können nur zusammenfassend mit allen unseren Ententegegnern verhandeln. Der Redner weist den Vorwurf zurück, Deutschland sabotiere jede Erfüllungspflicht. Vor Mißerfolgen und Eni- täuschungen bei unseren Angeboten dürfen wir nicht zurückschrecken: es handelt sich um die Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Der Redner kennzeichnet als Abgeordneter des Rheinlandes und Vcr- treter der dort stärksten Partei die Leiden und Sorgen, di« Hofs- nungen und Zukunstswünsche des Rheinlandes. Das unbesetzte Gebiet erwarte unverbrüchliche Treue vom Rheinland.(Beifall.) Die Sonderbllndler haben ihren Namen als Deutsch« längst bei allen Rheinländern und allen Deutschen verwirkt. Das Rheinland hat die Feuerprobe der Treue zum deutschen Vaterland« glänzend bestanden. Wir erwarten, daß , keine Gelegenheit zu Verhandlungen mit unserem Gegner ver- säumt wird. Unsere Kulturmission besteht in einem Verständigungsausgleich zwischen zwei Völkern. Aber diese Mission kann das Rheinland nur erfüllen in engem Zufammenhanq mit dem deutschen Vater- lande. Oft hören wir den Ruf nach dem starken Mann, tfin starker Piann ist jedoch nur ein Phantom, wenn kein« Macht hinter ihm steht. Nein, die Rettung kommt nur von einem starken Volk. Wir brauchen den Mut zur Verantwortung, zur Wahrheit und zur Tattraft. Nur wenn die große Koalition diesen Mut aufbringt. kann sie als„wertbeständige" Koalition angesehen werden.(Heiterkeit.) Herr Reichskanzler, Sie werden schwere Demütigungen auf sich nehmen müssen, der Vorwurf mangelnder Vaterlandsliebe wird Ihnen nicht erspart bleiben. Aber bleiben Sie hart und bleiben Sie stark im Dienste des Vaterlandes! (Beifall.) Abg. Graf Westarp(Dnat.) erklärt, er müsse die große Koalition mit einem anderen Wort be. grüßen als der Vorredner:„Naht ihr euch wieder, schwankend« lAestalten!"(Heiterkeit.) Geradezu Hohn und Spott fordert das heraus, was wir in der letzten Woche erlebt haben(Sehr wahr! rechts), darüber hinaus aber auch Scham und Empörung. Draußen vor den Toren steht der Feind, das besetzt« Gebiet wird von den Franzosen geschändet, tausende werden ausgewiesen, aber hier verhandelt man darüber, ob eine Parteigruppierung bestehen blei- den soll oder nicht. Draußen wird über das Reparationsproblem verhandelt; in London tritt eine Reichskonferenz zusammen, welche -die englische Politik auf lange Zeit hinaus festsetzen soll. Da war es Aufgab« der Reichspolitik, dem Ausland ein Deutschland vor Augen zu führen, welches ein« Regierung hat, die noch i Neue technisthe Literatur. ' r Von Willy Mob us. Die Technik gleicht einem ungeheuren Mahlstrom. Tausende und aber Tausende zieht sie in ihren Bann. Fast alle technischen Berufe sind überfüllt. Dennoch wächst bei unserer Jugend die Sehnsucht nach deni Reich der Maschinen. Jugendliche Dorstellungs- kraft vergoldet alles, und so lockt auch die staubige, lärmerfülltc Werkstatt, ist sie doch die Geburtsstätte der blanken, vielgestaltigen Maschinen. . Wer ohne innere Berufung in di« Welt der Technik eintritt, wird alsbald enttäuscht sein. Was Phantasie so wundersam gestal- tcte, zerfliegt in der raul?en Wirklichkeit. Glücklich jeder, der rich- tige Anleitimg und freundschaftliche Unterstützung durch verständige Menschen findet, die ihm seinen Eintritt in die erhoffte Wunder- weit erleichtern. Der junge Mensch, der von der Schulbank in die Werkstatt kommt, braucht Zeit, ehe er mit all dem Reuen vertraut wird, das auf ihn einstürmt. Der Weg durch die Werkstatt kann durch sachgemäße Anleitung, wie sie in einem jetzt erschienenen Taschenbuche gegeben ist,(„D er Weg durch die Werkstatt" von Fritz Eitel, Franckhs Technischer Verlag Dieck u. Co„ Stutt- gart) wesentlich erleichtert werde». In knapper, übersichtlicher Form wird hier die Arbeit der Werkstatt behandelt. Der Lehrling— auch der„Maschinenbaupraktikant", der künftige Ingenieur gehört dazu— lernt hier die zahlroichen Werkzeuge, Maschinen und Ar- beitsverfahren kennen, die in Schlosserei und Schmiede, Dreherei, Schleiferei und Fräserei, in Modeltischlerei und Gießerei angewen- dct werden. Das ganze Arbeitsfeld der Werkstatt liegt sichtbar ausgebreitet vor dem jungen Menschen. Ein besonderer Vorzug dieses Buches, das man im Besitz jedes Lehrlings sehen mächte, ist, daß es durch Fragen zum Beobachten und Nachdenken anregt. Auch mancher tüchtige Facharbeiter, der fein Können bei der in frühe- rcn Zeilen und auch zuweilen heule noch beliebten Geheimnis- krämersi und Wichiigtuerei nur mit Mühe und durch manchen Umweg erwerben konnte, wird dieses Buch mit Freuden lesen. Na- türlich kann niemand allein vom Durcharbeiten eines solchen Buches ein tüchtiger Handwerker werden. Aber was wache Sinne einmal begriffen haben, werden geschickte Hände schnell ausführen lernen. Eine Ergänzung zu diesem Wert ist das vom gleichen Vorlag herausgebrachte ,.M a f ch i ne n t a f ch e n b u ch", das Ingenieur W. Müller unter Mitwirkung anderer Fachleute bearbeitet hat. Es soll cin Nachschlagebuch sein für jeden, der mit der Maschinen- technik zu tun hat. Auf 34(1 Seiten werden Mechanik, Hydraulik, Kraftübertragung, Maschincnclemente, Kraftmaschinen, Arbeits- Maschinen«Pumpen und Gebläse) und Elektrotechnik in gedrängter Kürze, aber doch mit hinlänglicher Ausführlichkeit behandelt. Wohl in Hinsicht auf die beabsichtigte'Allgemeinverständlichkeit sind nur die wichtigsten Formeln wiedergegeben. Sehr bemerkenswert ist, daß viele in der Technik gebräuchlichen fremdwörtlichen Fachausdrücke in gutes Deutsch übertragen wurden. Der deutsche Ausdruck vermittelt besser ein klares Verständnis der technische» Vorgänge, als es das„wissenschaftlich" klingende Fremdwort vermag. Di« Be- hauptung, daß die Technik der Fremdworte bedürfe, weil sie„inter- national" seien, kann durch Vingleichen der in den Hauxtsprachen Führer zählt. Äenn irgendwann der Parlamen. tarismus versagt hat, so hat er in der letzten Woche versagt.(Sehr wahr! rechts.) Der Reichskanzler Stresemann hat davon gesprochen, daß führende Männer des Wirtschaftslebens sich dem Staat nicht zur Verfügung gestellt hätten und nicht bereit seien, sich ihm zur Verfügung zu stellen. Dieser Vorwurf trifft nicht den Kern der Dinge. wenn jelzl die führenden Männer des Wirtschaftslebens versagt haben, so haben sie versagt gegenüber dem Herrn Stresemann als Reichskanzler, der Träger der großen Koalition ist, in der die Sozialdemokraten eine hervorragende Rolle spielen. Neben dem Versagen des Parlamentarismus war für die Ereignisse der letzten Woche charakteristisch, daß die große Koalition zusam- merrgebrochcn, geleimt, nochmals zusammengebrochen und wieder geleimt worden ist. Wir waren von Anfang an der Meinung, daß die K o a l i- tionsregierung nicht, wie man behauptete, eine breite Basis für die Führung der Geschäft« geben und daß sie ganz unter dem Einfluß der Sozialdemokratie stehen werde. Beides ist eingetroffen. Diese Koalition wird sich nicht mehr lange halten. Solch« Ereignisse, wie in der letzten Woche, bleiben nicht ohne Spuren, wie es ja auch Herr Breitscheid ausgeführt bot, und der Berliner Parteitag der Sozialdemokratie hat ja auch Zeugnis dafür abgelegt. Der Gegenstand, der zur Sprengung der Koalition sichren muß, ist überhaupt in der Krisis nicht zur Sprache ge- kommen, nämlich die Frage, wie man sich zu Frankreich verhakten und was die Grenze sein wird, an der deutsche Nachgiebigkeit aufzuhören hat. Gerade in dieser Frag« wird die groß« Koalition, das sagen wir voraus, nicht mehr zusammenhalten können.(Sehr wahr! rechts.) Die ganze Koalitionspolitik in Deutschland während der letzten fünf Jahre wurde getragen von dem Glauben, daß in Deutschland nicht gegen die Sozialdemokratie regiert werden könnte. Di« Frage, ob die Koalition lange halten werde, ist heute ja auch nicht gerade in sehr günstigem Sinn beantwortet worden, denn ich kann es nicht als besonders wirkungsvoll für das Zusammenhalten ansehen, wenn der- artige scharfe Vorwürfe von den Herren Breitscheid und Bell gegenüber der Deutschen Nolkspartei erhoben werden. Unsere Haltung in der vergangenen Woche und auch in der Zukunft ist klar und eindeutig: Wir oerlangen, wir fordern die Loslösung der Regierung von der Sozial- demokratie. Der vorherrschende Einfluß der Sozialdemokratie, den wir bis jetzt in allen Regierungen der Republik bemerkt haben, mutz gebrochen werden. Wir verlangen als Garantie die Parole:„Los vom Marxis- mu sl"(Unruhe und Zurufe b. d. Soz.) Wir haben die Ueber- zeugung, daß in Deutschland nur gegen die Sozialdemokratie eine richtige Politik geführt werden kann. In ueserem Aktionsprogramm von Ende August haben wir es für nötig erklärt, eine Regierungsstelle zu schassen, die unabhängig vom Parlament die Geschäfte des Landes führt. Der jetzigen Regierung können wir eine solche Vollmacht nicht erteilen. Wir meinen, daß jetzt dikta- torische Befugnisse einer Regierung nicht mehr zu umgehen sind und daß sie in di« Hand von Militärbehörden gelegt werden müssen. Aber die Verordnung des Reichspräsidenten über den Be- logerungszuswnd, deren Aushebung wir beantragen, entspricht unserer Forderung nicht. Unser« Bedenken richten sich auch darauf, daß die Bestimmung der Dersassung aufgehoben ist, die die U n v e r- letzlichkeit des Eigentums feststellt. Die Befugnis, über das Eigentum zur Tagesordnung überzugehen, können wir einer solchen Koalition nicht übertragen.(Lärm und Zwischenruf« links: Der Geldbeutel!) Herr Breitscheid ist nach außen Pazifist, nach innen rücksichtsloser Macht- und Gewaltpolitiker.(Lärm und Zwischenrufe links.) Er verlangt Gewaltpolitik gegen Bayern. Die lehnen wir ab. Wir haben volles Vertrauen zu dem Generalstaatskommissar v. Kohr.(Aha! links) Herr Strese. mann hat nicht die Absicht, mit Gewalt gegen Boyern vorzugehen, und es war auch kein besonders harmonischer Klang zwischen den Koalitionsparteien, wenn der Forderung des Herrn Breitscheidt die Aeußerung des Herrn Bell gegenüberstand, der eine Gewaltpolitik gegen Bayern ablehnt. Es kommt nicht auf das Bekenntnis zur Sparsamkeit, sondern auf Tatsachen an; die Rede des Kanzlers läßt konkrete Vorschläge oermissen. Der Entwurf zur Schaffung eines neuen Geldes liegt ja jetzt vor. Was hat die Koalition in dieser Beziehung geleistet? Man hat sieben Wochen lang über dies Projekt beraten: dann kam die Krisenwoche, und nach so langer Verschleppung legt man uns jetzt das alte Projekt mit einigen gebräuchlichen Fachausdrücke glatt widerlegt werden. Das gut ge- schriebene Buch kann bei seinem begrenzten Umfang natürlich nicht die bekannten mehrbändigen Nachschlagewerk« ersetzen. Bei der Höhe der Bücherpreife wird es jedoch als ein verhältnismäßig billi- ges und übersichtlich geordnetes Werk sehr willkommen sein. Man mag über die„Mechanisierung des Menschen" durch di« Technik klagen, dennoch wird niemand leugnen können, daß oll« Maschmen, all« Betriebs tot sind, wenn sie nicht der Mensch zum Leben erweckt. Der Mensch, der Arbeiter, ist und bleibt das Wichtigste im Betriebe. Von diesem Leitgedanken ist eine Arbeit unseres Genossen Richard W o l d t beseelt(„Ingenieur und Arbeite r", Verlag Quell« und Meyer in Leipzig). Die in einem 50 Seiten starken Heftchen niedergelegten Gedanken sind aus Vor- lestingen über gewerkschaftliches Organisationswesen herausgewachsen, dt« der Verfasser im Auftrage des preußischen Ministers mr Kunst, Wissenschaft und Volksbildung an der Technischen Hochschule in Berlin gehalten hat. Woldt zeigt hier, wie die Entwicklung selbst für den Zusammenschluß der Arbeiter zu starken Gewerkschaften gearbeitet hat, wie und warum es heute für den Betriebsleiter schwieriger ist, mit dem Arbeiter fertig zu werden, als in der Bor- kriegszeit. Er weist daraus hin, daß vom Jnteressenstandpunkt des Arbeiters aus der Widerstand der Gewerkschaften gegen die Arbeit des Ingenieurs im Betrieb« wachsen mußt«. Eindringlich mahnt er die Studierenden der Technischen Hochschule:„Den Luxus, die alte Zeit zu segnen, und der neuen Zeit zu fluchen, darf sich nur der- jenige leisten, der an dem Bau der Zukunft nicht mitarbeiten will oder nicht mitarbeiten kann." Di« Ingenieure und all«, die es werden wollen, müssen, wenn ihr« Arbeit erfolgreich sein soll, Psycho- logen werden. All« Formeln und Berechnungen finden ihr Ende an dem vom Schicksal geformten Eigenleben des Arbeiters. Der In- genieur, der bestrebt ist, den Betrieb unabhängig zu machen von den Zufälligkeiten des schaffenden Menschen, muß erkennen, daß die Grenzen dieser Bestrebungen in der Leistungsfähigkeit des Menschen liegen. Sehr beachtlich sind di« Ausführungen des Verfassers über das Tailorsystem und die Psychotechnik. Je mehr di« psychotechnischen Verfahren verfeinert werden, desto entschiedener wird der Zweifel und der Widerspruch gegen ihre Ergebnisse aus den Kreisen der Ingenieure. So kommt Richard Woldt zu dem Schluß, daß dos Leben selbst auch für den Ingenieur die beste Schul« ist. Cr soll nicht über den Arbeiter philosophieren, sondern ihn verstehen lernen. Der praktisch im Betriebe arbeitende künftige Ingenieur soll ver- suchen, sich in jeder Beziehung in die Rolle des Arbeiters hineinzu- versetzen. Er wird dann zu der Erkenntnis unseres alten I g n a z Auer kommen: den Arbeiter nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig einzuschätzen. Der Arbeiier hat«in Recht, auf Grund seiner seelischen Eindrücke, auf Grund der Umwelt, in der er lebt, richtig gesehen zu werden. Nur der Ingenieur, der das begriffen hat, wird mithelfen können, in der neuen Zeit das zu überwinden und wieder- herzustellen, was die unglücklichen Jahr« des letzten Jahrzehntes uns vernichtet und zerschlagen haben. So enthält das klein« Heft zahl- reiche Gedankengänge, die nicht nur den Ingenieur, sondern auch den Arbeiter zum Nachdenken anregen können, um so mehr als auch die Frage der Arbeitsgemeinschaften, die ja in den Kreisen der Arbeiterschaft vielfach schärfsten Widerspruch gefunden haben, ganz sachlich dargestellt wird. Aenderungen vor, die keine Derbesserungen sind, und das zu einer Zeit, wo es darauf ankommt, daß das Volk mckzt durch den Währungsverfall geradezu verhungert.(Stürmische Unterbrechung links, an- dauernde erregte Zurufe.) Wenn Sie sich beruhigt haben werden, werde ich oersuchen, Ihnen klarzumachen, was Sie immer noch nicht begriffen zu haben scheinen. Der andauernde Versall der Währung bewirkt einen immer größeren Mangel an den Geld- Mitteln, die tiotwendig sind, um den Konsumenten die Ernte zu» gänglich zu machen. Dieses Papiergeld, dos von Tag zu Tag in seinem Werke um Millionen wechselt, ist kein Zahlungsmittel mehr, dafür kann niemand mehr etwas verkaufen. Dadurch, daß aus Partei- politischen Gründen die Lösung des währnngsproblems ver- hindert worden ist, entsteht die Gefahr, daß das Volk bei vollen Scheunen verhungert. (Abermaliger stürmischer Widerspruch und andauernde Unter- brechungen.)... Natürlich können dreißig mehr Radau machen, als einer mit seiner Stimme übertönen kann.(Präsident L ö b c er» sucht wiederholt um Ruhe.) Bei diesem völligen Verfall der Währung muß das Volk verhungern, und Sie(zu der äußersten Linken) lassen das Volk verhungern bei vollen Scheuern bloß um Ihrer parteipolitischen Einstellung wegen.(Aber- malige stürmische Unterbrechung.) Seine Aeußerung über die Ar- beitszeit hat der Reichskanzler verquickt mit einer Bemerkung gegen die Preisbildung durch die Kartelle und Konventionen. Diese Aeußerung läßt doch sehr wesentliche und wichtige Fragen offen. Wie will er gegen die Konventionen und Syndikate vorgehen? Ist er sich dabei des Zusammenhanges der Syndikate mit dem k o l- lektiven Arbeitsvertrog bewußt? Will er z. B. im Ge- biete des Ernährungswesens zur Zwangswirtschaft übergehen? Wir wissen doch, daß im Preise zwischen Getreide und Mehl sich eine groß« Kluft aufgetan hat. Daß die Sozialdemokratie dem Hause schwerlich geben wird, was es be! der Regelung der Arbeitszeit braucht, geht aus ihrer grundsätzlichen Einstellung ebenso hervor, wie aus der Red- des Abg. Dr. Breitscheid und namentlich wie aus der Denkschrift der Gewerkschaften vom 2. 3ull gegen das damals vorliegende In- dustrieangebot, in welcher Denkschrift der nackte und brutale ktassen- egolsmus mit einer seltenen Offenheit zutage trat.(Stürmischer Widerspruch links, andauernde Unruhe.) In jener Denkschrift lehnen die Gewerkschaften ab, überhaupt noch Reparationen zu übernehmen. Reparationen kann Deutschland gar nicht mehr zu leisten versuchen, ohne daß dabei die Arbeiterklasse in erster Linie teilnimmt. Die Geschichte wird einmal die Art und Welse, wie die deutschen Regierungen von Schritt zu Schritt trotz aller Ablehnungen von Frankreich immer weiter nachgegeben hoben, in einer Weis« be- urteilen, die für uns beschämend sein wird.(Sehr wahr! rechts.) Die Folge der Stresemannschen Politik war, daß der Faden mit Engi.md abgerissen ist.(Ohorufe und Lachen bei der Mehrheit.) Die englisch« Regie- rung hat sich in ihrer Note vom 11. August feierlich festgelegt, sie könne nicht dle These unterschreiben, daß der passive Widerstand be- dingungslos aufgegeben werden muß. Der Reichskanzler aber hat in semer Rede direkte Verhandlungen mit England abgelehnt, Deutsch- land müsse mit der Gesamtheit der Alliierten verhandeln. Dafür fehlt mir das Verständnis. In der Rote vom II. August ist weiter in ganz feierllchcr Form gesagt, die englisch« Regierung erwäge die Möglichkeit einer separaten Aktion gesonderten Derhandelirs. Wie der Reichskanzler ein Eingehen darauf ablehnen kann, ist mir un- verständlich. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften hoben versucht, den Kampf an Rhein und Rubr zu einem reinen gewerkschastlichen Kampf zu machen. In dieser Weise geführt, hat der passive Wider- stand versagt, mußte er auf die Dauer versagen, eben wegen seiner Passivität. Wir haben deshalb immer oerlangt, daß der passive widerstand allmählich zur Aktivität übergehen sollte.(Zurufe links: Was ist denn nun aktiv?) Dos, was Sie Sabotage nennen! Diese Akte, die nicht nur berechtigte Not- wehr, sondern sogar nationale Pflicht waren.(Zustimmung rechts, große Unruhe links.) Deshalb haben wir es für einen großen und verhängnisvollen Fehler gehalten, wenn diese Handlungen beschimpft und vom Preußischen Ministerium des Innern zurück- zudrängen versticht worden sind. Das ganze Volt verlangte die aktive Abwehr. Wir haben verlangt, daß die Aufgabe des passiven Wider- stände« nicht erfolgt«, ohne daß gleichzeitig die Verhandlungen mit Frankreich und Belgien abgebrochen, die Leistungen eingestellt und ein vertragsloser Znstand geschasfen wurde.(Zuruf bei den Soz.: Und dann?) Da unser Derlangen nicht erfüllt wurde, mußte die Aufgabe des Eine„Geschichte der Technik" ist im Walter-Seifert» Verlag, Stuttgart-Heilbronn, erschienen. Marinebaumeister a. D. Neu'deck ist ihr Verfasser. Er versucht das technische Werden rein zeitlich darzustellen. So behandelt er nacheinander die Geschichte der Technik in der Urzeit, im Altertum, im Mittelalter sowie in der Neuzeit und gibt im Anschluß daran einen besonderen Abschnitt der Kriegstechnik. Bei der Behandlung der geschichtlichen Zeit tlam- wert sich der Verfasser an die Nomen der einzelnen Techniker, und so könnte man das Buch in diesen Teilen eher ein« Geschichte der Techniker nennen. Im bunten Wechsel zieht das technische Geschehen an uns vorüber, kein Fachgebiet wird gesondert behandelt, aber gerade dadurch tritt der zeitliche Zusammenhang dieser Dinge scharf hervor. Der Verfasser teilt der Technik die hohe Aufgabe zu, die Um- gebung der Menschen auf voll« Kulturhöhe zu bringen. Er wendet sich gegen die Ausnutzung der Technik zu Zerstörungszwecken: „Hätten die Mittel, welche der Weltkrieg erfordert hat, für Kultur- zwecke zur Verfügung gestanden, so würden gewaltige Fortschritte haben erzielt werden können, die durch das Fehlen der Mittel und durch die Unterbrechung der Entwicklung während des Krieges nur schwer wieder erreicht werden können. Vielleicht muß sogar wegen der Bedrückung einiger Völker durch Gewaltmaßnahmen sicher wieder mit Rückschritten gerechnet werden.... Die historische Wissenschaft hat der Menschheit bisher große Kulturideal« nicht gc- zeigt, ihre falschen Ideale des Kriegertums und der sogenannten Staatskunst sind schuld an dem vielen Unglück, das über die Welt gekommen ist. Weniger Geschichte von großen sogenannten Kriegs- Helden und mehr Kulturgeschichte tut not." Auf diesen Grundton ist das Werk gestimmt. Es tönt cin neuer Geist aus ihm heraus. Und darum möge es begrüßt fei». August Scholz, der bekannte Uebersetzer, ist am Freitag, KS Jahre alt. in Strausberg g e st o r b e n. Vor Beruf Lehrer, widmete er sich schon sehr früh der literarischen Tätigkeit und trug durch seine zahlreichen Uebersetzungcn aus dem Russischen viel dazu bei, daß die russische Literatur in Deutschland populär wurde. Ins- besondere erwarb er sich das Verdienst, Gorki, Andrejew und Tschechow der deutschen Bühne zugänglich gemacht zu haben. Aber auch die älteren russischen Dramatiker und Romanisten wie T o l st o i. Dostojewski, Gogol u. a. fanden in Scholz einen feinsinnigen, verständnisvollen Interpreten. Bolkdbühne E. V. Die nächsten bezirNichen Vortragsabende finden statt: am Ä, Okt. abends 71/, Uhr im EclangSlaal des Real- ghmnasiums Schillerftraye, Chmlottenbnrg: am 11. Ott, in der Aula der Realschule Schleswiger Ulcr 14, und im Zeichenlaal des EäcilienghumasiumS Ralhenau-Strahe, Lichtenberg, Nora Zepter und D c. Nestriep k« bringen Balladen und soziale Dichtungen zum Vortrag, Die geistige Kultur Indiens und Ostasisüs behandelt Dr. Viktor Engelhardt in einer Vortragsreihe, welche heule 6'/, Uhr abends Georgenstr. 30/31 beginnt. Der längste Tunnel der Welt gehört zur Wasscrversorgllng der Stadt N e w A o r k. Er ist"g.4 Zttlumcler lang, hat Hiifenctlcnsorm und leitet in der selunde eine Waisermengt von 26,3 Kubikmeter ab. Der Tunnel wurde mit Hilse von sieben gewaltigen Schächten angelegt, deren größter 1S2 Meter tief war. finanzpolitischem, wirtschaftftchem und sozialpolitischem Geblet laffen gegenwärtige Situation. Seit langem felen allenthalben Gewerkschaftsbewegung flar erkennen, daß es sich um ein planmäßiges Borgehen unserer nicht mehr die notwendigen Malerarbeiten ausgeführt Wie man Steuern.spart". D Gegner handelt. Die Arbeiter sollen der schrankenlofen Ausbeutung worden, so daß man leider fünftig für den Gesundheitszustand der der Unternehmer preisgegeben, ihnen jeder Schuß auf sozialpoliti Bevölkerung die größten Befürchtungen hegen müsse. Viele Kolle schem Gebiet, der Achtstundentag und jedes ernsthafte Mitbestim- gen bevölkern wegen Mangels an Beschäftigung unfreiwillig ten In der Steuersabotage find die Unternehmer stets auf der mungsrecht genommen werden. Die Reaktion soll in ihren Macht- Nachweis. Wie in anderen Gewerben, so ist auch die schlechte KonSöhe. Bor uns liegt ein Rundschreiben der Vereinigung positionen gefestigt, die Diftatur der Bourgeoisie auf allen Gebieten junttur im Malerberuf eng verknüpft mit der allgemeinen wirtdeutscher Bekleidungsindustrie Verbände gez. aufgerichtet werden. Die Arbeiter müssen die ihnen schaftlichen Lage. Diese wiederum ist erst geschaffen worden durch Brie, Berlin W 50, Tauentienstr. 7, vom 2. Dltober, betreffend drohenden Gefahren erkennen. alle die großen politischen Auswirkungen. Und gerade in Zeiten Steuerabzug vom Arbeitslohn. Es lautet: Beim Ermächtigungsgeseh, das wir nicht billigen tönnen, des Niederganges bedarf es tariflidyer Vereinbarungen und be. " Im Gegensatz zu der bisherigen Uebung werden vom 1. Dt- wollen die bürgerlichen Parteien die Arbeiterpartei für ihr gegen die onnener organisatorischer Maßnahmen der Getober ab die Ermäßigungssäge nach einer Verhältniszahl berechnet. Arbeiter gerichtetes Vorgehen mit verantwortlich machen und die werkschaften, um den Kampf gegen alle Unterdrüder zu führen und Ermäßigungsfäße sind die Beträge, um die fich der vom Rohn ein Folgen davon würden die Gewerkschaften wie die Partei aufs der Arbeiterschaft bessere Lebensmöglichkeiten für die Zukunft zu behaltene Betrag ermäßigt. Die Verhältniszahl ist ein Multi- schwerste treffen. schaffen. Allen arbeitslosen Kollegen wendet der Verband seine plikator, der jede Woche vom Finanzminister im Reichsanzeiger" ernsteste Aufmerksamkeit zu. Daß die Gewerkschaften auf dem Posten veröffentlicht werden wird. In der Woche vom 1. bis 6. Oftober sind, hat sich erst in der jüngsten Zeit darin gezeigt, daß die geplanten Maßnahmen der verschworenen Feinde der Republik vereitelt worden sind. Durch radikale Reben allein ist die Ernährungsder jetzigen Situation darf für die Arbeiterschaft nur das Gini. und Beschäftigungsmöglichkeit allerdings nicht sicherzustellen. In genbe in ten Vordergrund treten. Nur bei eiserner Disziplin wird es den Gewerkschaften möglich sein, die Arbeiterschaft vor dem Chaos zu bewahren und daran mitzuhelfen, die Berhältnisse allmählich entsprechend unseren hohen Idealen umzugestalten. ist der Multiplikator 6. Mit 6 zu multiplizieren ist die Ermäßigungszahl, die für die aweite Septemberhälfte festgesezt war. Wir geben endstehend die Berhältniszahl der zweiten Septemberhälfte für monatliche, wöchentliche und tägliche Entlobnung, die als für die erste Oktoberwoche mit 6 au multiplizieren sind. Der nach Vornahme der Ermäßigung einzubehaltene Betrag ist in vielen Fällen auf volle Hunderttausend Mark nach unten abzurunden. Ersparnisse an der Betriebssteuer. Geht die Reaktion rücksichtslos und brutal gegen die Arbeiter vor, so muß das Proletariat in einmütigem Handeln auf dem Boden des Klassentampfes feinen Widerstand organisieren und alle Kräfte des werftätigen Wolfes in dem ihm aufgezwungenen Kampfe zusammenfassen. Dieser Kampf wird ein schwerer, opferreicher sein und setzt zu seinem Erfolg ein planmäßiges, ziel bewußtes. Borgehen voraus. Sind wir entschlossen, in zähem Ringen alle zweddienlichen Kampfesmittel in Anwendung zu bringen, so muß gleichzeitig mit allem Nachdruck betont werden, daß wir nicht durch Provokationen der Gegner uns die Kampfhandlungen diftieren lassen, sondern mit ernster Ueberlegung und einheitlicher Führung der Spizenleitungen der Gewerkschaften die einzelnen Kampfesmittel anwenden müssen. Auf Grund der Neufestsetzung der Ermäßigungszahl( wie vor flehend) läßt sich eine Minderung der für die Industrie auf die Dauer unerträglichen Betriebssteuer auf folgende Weise erzielen: Bir unterstützen den ant 5. Oftober ergangenen Aufruf der Die Lohn oder Gehaltszahlung erfolgt wöchentlich und ebenso Spihenleitungen des ADGB., Af- Bundes und ADB. und unter wöchentlich der Steuerabzug vom Lohn. Die Lohn- und Gehalts streichen im besonderen die Stellen seines Aufrufes, in denen zahlung erfolgt nicht mehr Sonnabends, sondern Mones heißt: tags. Am Montag ist die Verhältniszahl der mit dem Montag Jezt ist nicht die Zeit, in euren eigenen Reihen politische beginnenden Woche maßgebend, die bei fortschreitender Teuerung Gegenfäße auszutragen und eure Kräfte zu zersplittern. höver sein wird, als die der Vorwoche. An Vorschuß wird in der Gegen die Feinde der Arbeitnehmerschaft Borwoche nicht mehr als 50 Broz. gezahlt sein dürfen. Unter dieser Voraussetzung wird der höhere für die mit nur so ist der Ansturm der Gegner zu brechen. Die Gewerkschaften muß die geeinte Macht des deutschen Proletariats eingesetzt werden. dem Montag beginnende gültige Ermäßigungsfind entschlossen, den Kampf um euer Recht zu führen jaz eine entsprechend verminderte Steuerleistung des ein muß auch mit ben äußersten Mitteln, über deren Arbeitnehmers und damit eine Ermäßigung der Betriebs- Anwendung jedoch niemand anders als die zentrale Leitung der Gefteuer herbeiführen. wertschaften entscheiden darf." Beispiel: Auszahlung am Sonnabend, den 6. Dktober 1923. Lohn eines unverheirateten Arbeiters in der 1. Oftoberwoche 10 Broz. Steuer Ermäßigung für die 1. Oktoberwoche Betriebssteuer bleibt rund 600 000 000 M. 60 000 000 PP 10 9 676 800 50 823 200. 50 300 000 100 600 000" Angenommen, die zweite Oftoberwoche bringt einen Multiplikator von 10 und die Lohnzahlung erfolgt am Montag, den 8. Oftober, nachdem in der ersten Oftoberwoche nicht mehr als 45:03. gezahlt sind, dann stellt sich die Rechnung folgendermaßen: Auszahlung am Montag, den 8. Oftober 1923: Lohn. 600 000 000 M. 60 000 000 16 128 000 43 872 000 M. 43 800 000 87 600 000 Ab 10 Proz. Ermäßigung bleiben rund 9 " " " " Betriebssteuer.. Eriparnis gegenüber der Sonnabend Zahlung 13 000 000 m. bei einem Arbeiter. Vorstehende Errechnung und Erwägung hat zur Bor aussepung, daß mit der Arbeitnehmerseite die Verlegung bes Lohnzahlungstages vereinbart wird. Sie stellt einen Hinweis auf die aus dem Gesetz sich ergebende Möglichkeit bar, an der Betriebssteuer zu sparen, ohne daß der Unterzeichnete eine Steuergesegumgehung damit anraten will. wenn es Haltet Disziplin und der Organisation die Treue! Führt den letzten Indifferenten in unsere Organisation! Nieder mit den Feinden der Arbeiterklasse!" Die Bekämpfung der Kriegsgefahr. Der Internationale Gewerkschaftsbund teil: mit: In einem Schreiben vom 4. September hat ter Sekretär der ITF. tie angeschlossenen Organisationen aufgefordert, ihr Mögtichftes zu tun, um den drohenden Krieg zwischen Italien und Griechenland durch die Verweigerung des Munitions- und Waffentransports zu verhüten. Die Rührigkeit der Transportarbeiter zugunsten der Aufrecht erhalung des Friedens ist wohlbefannt, und es wird sich sicher niemand finden, der den von der ITF. auf diesem Gebiete mit mehr oder weniger Erfolg unternommenen eifrigen Bestrebungen nicht den allergrößten Wert beimißt. Wir unterstützen denn auch von ganzem Herzen diesen Aufruf für den Fall, daß der Friede durch andere Regierungen bedroht wer den sollte, indem ja der drohende Konflikt zwischen Italien und Griechenland nunmehr durch das taftvolle Eingreifen des Bölkerbundes beigelegt worden ist. In dem vermeldeten Schreiben vom 4. September fommen leider ein paar Mißverständnisse vor, die berichtigt werden müssen. In dem Schreiben wird u. a. mitgeteilt, daß der Sekretär der ITF. fich an den Vorstand des JGB. gewandt hat, um in Erfahrung zu bringen, welche Maßnahmen der Vorstand angesichts des drohenden Konfliktes zu nehmen gedente, ohne jedoch eine Antwort von uns erhalten zu haben. Wir müssen hierzu bemerken, daß das genannte Schreiben uns am 1. September zuging. Am 4. September Diefe„ Griparnis" von 13 Millionen bei einem einzigen Ar- wurde geantwortet, daß Oudegeeft am 3. nach Brüffel und Paris gebeiter summiert sich allein für die Firmen der Bekleidungsindustrie fahren sei, um Besprechungen mit Mertens und Jouhaur über Lie in einer einzigen Woche ganz erheblich. Natürlich find die übrigen vorliegende Lage abzuhalten. Die Anberaumung einer BureauIndustrieverbände ebenso schlau als die Bereinigung der genannten Tigung war nicht möglich, weil gleichzeitig der englische Gewerk Industrieverbände, so daß dem Reiche unzählige Summen erspart" fchaftstongreß tagte, an dem Thomas und Fimmen teilnahmen. Es ist uns deshalb nicht ganz verständlich, wie der Sekretär der Da die biedere Landwirtschaft sich auf ihre Weise ebenfalls an ITF. am gleichen Tage, an dem er diese Nachricht erhielt, an die den Steuerersparniffen beteiligt, soll durch verlängerte unbezahlte angeschloffenen Organisationen schreiben fonnte, daß er bisher keine Arbeitszeit aus den Knochen und Hirnen der Arbeitnehmerschaft Antwort erhalten habe. bas herausgepreßt werden, was das Unternehmertum zu weiteren Ersparnissen haben möchte und schließlich auch als das, was das Reich notwendigerweise haben muß und trog aller Steuergefeße bleiben. nicht erhält. Die Arbeitnehmerschaft muß es in ihrem eigensten Interesse ablehnen, derartigen Manövern zu folgen, weil auch für sie eine„ Ersparnis" dabei herausspringt, die sie dann auf andere Weise zehnfach wieder aufbringen muß. Wie die Baterlandsliebe, der Patriotismus, die Reichstreue, die republikanische Bürgertugend und alle diese edlen Eigenschaften in der Praxis aussehen, daß es für den Kapitalismus nichts höheres gibt als den Profit, dafür bietet auch diese verhältnismäßig recht harmlose Anweisung zur Steuerersparnis" eine gute Illustration. " Entschließung des Metallarbeiterverbandes. Im Berlauf der lebhaften Aussprache fand ein Antrag, der sich allgemein gegen Zeitungsverbote wendet, die Zustim mung der Versammlung. Bei den vorgenommenen Wahlen für den Vorstand der Berfiner Filiale wurde Kloh zum 2. Borsitzenden und Bosse als Beifizer gewählt. Die Wahl der Beiratsmitglieder fiel auf Schwabe und Gehrte. In der Verwaltung sind Einschränkungen notwendig geworden infolge der schlechten, finanziellen Lage. Der Hauptgrund hierfür ist die schlechte Beschäftigungsmöglichkeit im Gewerbe. Löhne in den Metallgießereien. Für die geit vom 1. bis Klasse II' um 15 Mill., in Klaſſe Illam 14,5 Mill, so daß die 7. Oftober werden die Löhne erhöht in laffe I um 15,5 Mill., in Tariflöhne betragen 37,5 mill., 36,5 Mit, und 35,5 Mill. M. Die Affordpreise werden um 70 Proz. erhöht. Angestelltentarif der Berliner Metallindustrie. Zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und den AfA- Gewerkschaften ist gestern folgende Vereinbarung getroffen worden: Die Tarifangestellten erhalten am Donnerstag, den 11. Oftober, soweit technisch möglich, einen Borschuß in Höhe von zwei September- Brutto- Einkommen, aufgerundet auf volle Mart zehn Millionen nach oben. Kurzarbeitende Angestellte mit entsprechend verkürztem Gehalt erhalten einen entsprechend gekürzten Vorschuß. Die nächste Vorschußzahlung ist für Freitag, den 19. Oktober in Aussicht genomm. AfA- Metallfartell. Günther. Kasper. Rothe. Lohnerhöhung in der Zigarrenherstellung. Die bis zum 29. September geltenden Löhne erhöhen sich für die Woche vom 30. September bis 6. Oftober um 44 Prozent. Umgerechnet auf die Mai Junilöhne 1922 betragen die Leuerungszulagen für Attordarbeiter 143 999 900 Proz., gleich das 1440 000 fache, Beitlöhne und Stumpen 131 039 900 Broz, gleich das 1 310 400 fache. Der niedrigste Verbandsbeitrag beträgt für die Woche vom 7. Oftober ab 5 Millionen ohne Lokalzuschlag. Siemens- Blodwert! Mittwoch nachmittag 3% Uhr bei Sundheim, Nonnendamm- Allee, Ede Märkischer Steig, Bersammlung aller BSPD. Parteiausweis Arbeiter und Angestellten. Wichtige Tagesordnung. legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Osram- Fabril der Rotherstraße. Mittwoch nachmittag 4 Uhr bei Lojad, Beymeftraße, Fraktionssigung der VSPD. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Berband ber Lithographen, Steinbruder und verwandten Berufe. Allge meine Mitgliederversammlung am Donnerstag um 5% Uhr im großen Gaale Dr. Caffau: Die Arbeiterschaft und die Neumart. 2. Diskussion. 3. Die des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Arbeitslosenfrage in unserer Organisation. Es ist die Pflicht jedes Kollegen, anwesend zu sein. Der Ortsvorstand. Jugendveranstaltungen. Mitgliederversammlungen am Dienstag, den 9. Oktober, abends 7% Uhr: Abt. Abt. Buchhols. Lokal von Stoffad, Sauptstraße 51, Vortrag: ,, Entstehen und Bergehen der Welten". Abt. Kreuzberg. Restaurant Reufner, Hagel. Abt. Mariendorf. Alte Schule, Dorfstraße. berger Straße 20a. Ein zweites Mißverständnis in diesem Schreiben muß gleich- Moabit. Restaurant Berger, Lewegow-, Ede Jagomstraße. Abt. Neukölln 1. fells richtiggestellt werden. Dies ist die Behauptung, daß der Völker- Jugendheim Raiser- Friedrich- Straße 4( Schule), Bortvag: Unser Programm". Abt. Neukölln III. Jugendheim Nogatstraße 53. Abt. Ricberschöneweide. bund bisher in feinem Fall etwas unternommen hätte, um einen Schule Berliner Straße 31, Diskussion: Was wir fingen". Abt. Niebez. Krieg vorzubeugen und das deshalb von dieser Körperschaft nichts zu schönhausen. 1. Gemeindeschule, Blankenburger Straße 69-70, 8eichenfaal. Abt. Prenzlauer Borstadt. erwarten sei. Es deucht uns, daß, bevor eine so ernsthafte Organi bt. Rordring. Knabenschule Scherenbergstraße. Abt. Rosenthal. Schmidt, Lindenallee. fation wie die ITF. ein dergleiches Urteil über eine Körperschaft Oberberger Straße 57( Badeanstalt). Abt. Schöneberg I. Jugendheim Rubens-, Ede Hauptstraße, Diskussion: aussprechen kann, die in den letzten Jahren wiederholt bei drohen- Arbeit, Jugend und Republik". Abt. Steglig I. Jugendheim Albrechtden Konflikten, so auch in den jetzt beendeten Konflikt zwischen traße 46a. Abt. Südwesten. Jugendheim Lindenstraße 3, außerordentliche Mitgliederversammlung. Abt. Tegel. Jugendheim Bahnhofstraße 15, Bor Italien und Griechenland, eingegriffen hat, sie sich wohl überlegen tvag: Ferdinand Lassalle". Abt. Treptow. Jugendheim Elsenstraße 3, Bor. Abt. Weften. Baugewerkschule müßte, welche Folgen ein solches Urteil im Kampf gegen den Krieg trag: Entwicklungsgeschichte des Menschen". Rurfürstenstraße 146. Abt. Wilmersdorf. Jugendheim Hildegardstraße 4. haben könnte. Wir halten diese Bemerkungen für nötig, weil der Kampf gegen Krieg und Militarismus bisher von der ITF. mit soviel Kraft und Ausdauer und im Sinne der Beschlüsse und der Taftit des JGB. geführt worden ist, daß es zu bedauern wäre, wenn die ITF. eine Beränderung der bisherigen Kampfesweise vornehmen würde. Delegiertenversammlung der Maler. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Mitgliederversamm Tung der Gruppe Sentrum Dienstag, 9. Ottober, 28 Uhr, im Stadthaus, Republikanischer Jugendbund Schwarz- Rot- Gold". Alofterstraße. Rarl Ebert spricht über: Der Dolch stoß gegen die Republik". Gäste willkommen. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Am 6. Oftober in Stuttgart versammelt, stellt der engere Beirat des DMV. die Vorgänge der legten Tage und Wochen in den Bordergrund seiner Beratungen. Das Borgehen der Knilling, Sonntag vormittag tagte im Gewerkschaftshause die Delegierten Kahr, Hitler und Genossen in Bayern, ihm folgend der Borstoß der versammlung des Verbandes der Maler für Berlin- Brandenburg. bürgerlichen Parteien im Reichstage und die von ihnen aufgestellten Der in ter legten Delegiertenversammlung zum Beiter der Berliner und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Forderungen eines Ermächtigungsgesetzes auf währungs- und Filiale gewählte Genoffe Schiemann referierte über die Sierzu 1 Beilage. OSRAM NITRA OSRAM Gute Beleuchtung unterstützt Auge und Hand NITRA OSRAM muß auf der Glasglocke stehen Nr. 47? ♦ 4S. Jahrgang Seilage ües Vorwärts Dienstag, Oktober 192? Konzert in plöhensee. Sonntag früh, so um acht herum begann.die Reise". Bon Schöneberg nach Plötzerisee— freiwillig— dorthin zu kommen, ist nämlich unter den heutigen Berkchrsverhältnissen schon eine klein« Weltreise. Bald aber, nach dreimaligem Umsteigen, war Beußelstraß« erreicht und drüben zwischen dem Westhafcn und der Jungfernheide leuchteten die roten Häuserblocks der Etrafgefan- genenanftalt aus dem Herbstgrün der Bäume hervor. Noch wenige Schritte in der freien, frischen Luft, dann.... ?n See Anstatt. Zwischen Kirche und Straße lag das verschlossen« Tor, das die kleine Brücke zwischen Freiheit und Gefangensein bedeutet. Bor dem Tor einige Frauen und Kinder, sonntäglich gekleidet, die wohl auch in das Konzert wollten. Das Tor öffnet sich; Kontrolle; ein freundliches Willkommen; man erhält eine Nummer auf einem großen roten Karton und ist nun in der Anstalt. Das Konzert sollte bald beginnen. Bon der Orgelempore bot sich«in Blick in den Kirchsnraum. Die kleine, etwas nüchterne, kahl« Kirche, die wohl tausend Personen fassen mochte, war dicht gedrängt voll. Es saßen da unten von den 1324 Insassen der Anstalt allein fast 700 und warteten sichllich gespannt und in freudiger Erregung der Dinge— der Musik—. die ihnen ein Trost in dem grauen Alltag der Gefängnishaft sein sollte. Die oft rückwärts gewendeten Köpfe — wenig graue, viele jung«—, die weit geöffneten Augen in den zellenbleichen, manchmal pergamsntgelben Gesichtern kün- deten es, wenn sie erwartungsvoll zu den Musikern oben hinauf. sahen. Die waren am Stimmen und ließen sich noch nicht stören. Die Rücken, die unten saßen, erzählten mehr vom Leben als die Phantasie des Dichters ersinnen kann. Auf wie vielen von ihnen hatte die„Welt" ihr Brennholz z«rhackt, um es sich warm zu machen; wie viele von ihnen sind nun hier, weil man sie draußen „in der Welt" gebeugt und gebogen hatte, zur Lüg« und Heuchelei erzogen hatte, wie viele von ihnen kamen hierher, weil di« Unter- lassungssünden derer, die„draußen" sind, sie hierhin trieben. Derer, die ihnen nun oft das Härteste wünschen und nicht wissen, nicht ahnen, was ein Sonntag hinter vergitterten Fen- st e r n, vielleicht Jahre, Jahrzehnte hindurch, bedsuiet, zwischen vier kahlen Wänden, wo der Blick zum stieren Gefängnisblick wird und die Haut pergamenten vergilbt, das Leben zur tristen Einöde und das Hirn zur Oual wird; denn niemand von ihnen vergaß, daß draußen irgendwo und überall hinter den Ziegelsteinmauern das Leben lockt und lacht. Und noch eins: die fast siebenhundert Menschen unten im Sträflingsanzug redeten noch eine andere Sprache! Die der Hunderte von unglücklichen Familien! Der unten mochte wohl Ernährer fein, der Sohn, der Gatt«, der Vater! Ihr Unglück schafft draußen Unglück und von draußen bringt fast jeder Brief neues Leid hinein! Man lernt anders denken und werten, wenn man als Freier und Denkender, Fühlender und Logiker auf di« zusammengeballt« Masse von siebenhundert Men- schen sieht, die den Sträflingsanzug tragen.... Das Spiel beginnt. Das Konzert sollte beginnen. Und nun las der Leiter des Konzertes, der Anstaltsl«hrer Grabowski, das Programm vor. Es war zusammengestellt wie für Musiktenner und Musik. freunde, Qualität und Genuß! Noch eins überrascht« angenehm: die Einführung der Zuhörer in den Stoff. In einer selten klaren und doch— man möchte fast sagen„bescheidenen"— menschlichen, so gar nicht dozierenden Weise führte Grabowski feine Kunstge» meind« in die einzelnen Programmstück« ein, erläuterte sie ihnen. machte ihnen das Verstehen leicht. Seine süddeutsch anheimelnde Stimme, die«ines Musikanten, nicht eines Lehrers, half ihm. Zu- erst spielte er ihnen Bach's„Toccata" auf der Orgel, Einführung und Vorbereitung. Unten war eine Stille, einer An- dachtsstimmung vergleichbar, die sich manches„gesittete" Konzert- publikum zum Beispiel nehmen dürste. In tiefer, sichtlicher Er- griffenheit lauschten sie nun unten der süßen Melodie des Händel- schen Largos, das die Herren Fischer. Heling, Iänicke und W i l k s ch zusammen mit der Unterstützung des Streichquartetts durch Grabowski auf der Orgel in künstlerisch einwandfreier Weise zum Vortrag brachten. Wir waren inzwischen von der Empor« nach unten gestiegen, um von dort, an unbeobachteten Stellen stehend, einen Eindruck des Gehörten auf die Lauscher zu gewinnen. Schuberts„Du bist die Ruh" klang durch den Raum: nach vorne gebeugte Gestalten, vorgeschobene Köpfe, hier und da ge- schlössen« Augen, ab und zu«in Kopf, der sich in die aufgestützten Hände barg und vergessen zu haben schien. Aber auch— hier und, da sichtbar schmerzlich verzogene Münder, schmal und blutlos, tiefe| Falten zwischen den hochgezogenen Augenbrauen. Woran mochten die denken? Die Musik vermittelte ihnen den Eindruck des „draußen", vielleicht Erinnerungen an früher, an irgendeine Stunde in„Freiheit" erlebt. Auf der vierten Bank— ein blasses Gesicht hob sich hoch, atmete tief mit geschlossenen Augen, riß die Augen plötzlich auf und— senkte sich wieder mit zuckenden, zu- sammengebissenen Lippen nieder. Giorganis, Ca.ro mio den" und Bachs„Air", von dem wirklich guten Strcichtrio und einem tüchtigen Sologeiger mit Orgelbegleitung vorgetragen, waren verklungen. Selbst Bachs schweres„Air" hatte man in augenschein- sicher Andacht hingenommen. Die Zuhörer. Während des Vortrags von Bachs„Air" muhte sich ein älterer Insasse der ziemlich auf den letzten Bänken saß, schneuzen, was etwas sehr laut und störend ausfiel. Im gleichen Moment einige hundert empört zurückbückende Köpfe, ein leises„Ruhig!", wütend« Augen, die den armen Sünder suchten, der beschämt tief seinen Kopf auf die Bank bückte. Ein besseres Anzeichen der Stimmung konnte nicht gezeigt werden. Und es war unfreiwillig und ungemacht, naiv und beweiskräftig! Mit Beethovens leichtem Duett, von Bioline und Violincello vorgetragen, hoben sich die Köpfe; in manchen Augen sah man es zwinkern; um manche schmalen Münder belustigt aufzucken; da wiegte ein blonder Kopf mit himmelblauen Aujien den Takt aus feiner Anstaltshalsbinde. Viele Köpfe, di« bei Bach und Händel ztrifchen den Händen, auf die sie sich gestützt hatten, unsichtbar waren, sahen jetzt frei in die Sonnenstrahlen, die durch die Kirchenfenster brachen. Eine scharfe Brille taucht« auf; plötzlich sah man viel« Brillen, scharfe Kneifer in glatten und scharfgeschnittenen Gesichtern. Haydns Kaiser- quartett beschloß die Bortragsfolg«. Und bitter sah man manchen nun den Kopf beugen, die nächste Piec« hieß:„Gang in die Zelle!" Da hob sich vorne der Sl n st a l t s d i r e k t o r und sprach. Man spürte hier einen Menschen, der Menschentum besaß und der Menschenwürde dienen wollte im Sinne der Menschlichkeit. Es war der Anstaltsdirektor, der da zu den Gefangenen sprach und doch wieder der Mensch, der Helfer! Namentlich ein Satz aus seiner Ansprache ließ aufhorchen:„Nicht niederdrücken, sondern wieder aufrichten, das ist der moderne Strafvollzug! Wir wollen ihnen helfen und sie wieder auswärts führen!" Dorum auch das Konzert in der Anstalt, das mancher vielleicht kopfschüttelnd kritisiert hätte, wenn er nicht wüßte, welch hoher Zweck dahinter steckt! Und als der Direktor die Gefangenen bat. den Künstlern und ihrer Aufopferung den Dank zu zollen, standen einmütig, ungezwungen und aufrichtig dankend alle auf.... * Der modern« Strafvollzug, in diesem Sinn« getätigt, wird manchem den Weg ins Leben, den er früher nicht oft fand, er- leichtern. Das Nachleuchten der Augen in der langen Reihe, die aus der Kirche in die Zellen zurück an mir vorbeiglitt, bewies es mir. Aber— Hand in Hand mit diesem sozialen Strafvollzug muß gehen die Hilfe von draußen! In erster Lini« die Aenderung des Vorurteils vom„Verbrecher" und das Erkennen des„Men- schen" m jedem Menschenbruder. Und dann die andere Hilfe: Unterstützung der Strafanstalten mit Geld, Büchern, Wäsche, Klei- dung. künstlerischen Kräften. Wer so hilft, hilft sich und allen, als sozialer Mensch der Gemeinschaft! Tariferhöhung bei der Hochbahn. Wegen der ollgemeinen Preissteigerung muß auch die Hochbahn. gesellschoft ein« neue Tariferböhung vornehmen. Vom Mittwoch, den 10. Oktober, ab werden folgende Fahrpreise erhoben: 8. Klasse 6 000 000 und 0 000 000 M.. 2. Klosie g 000 000 und 12 000 000 M. Blocks zu 10 Karten kosten; 3. Kl. 52 000 000 und 73 000 000 M.. 2.kKl. 76000000 und 100000000 M. Wochenkarten zu 12Fahrten für die ganze Strecke kosten: 8. Kl. 76 000 000, 2. Kl. 100 000 000 M. Die jetzt geltenden Fabrkarten können in der Weise weiter benützt werden, daß zwei Stück derselben Sorte für eine Fahrt verwendet werden. Die Serliner Kohlenhilfe. Das Zentralwohlfahrtsamt der Stadt Berlin teilt mit: Die Berliner K o h l e n h i l f e bat in der kurzen Zeit ihrer Werbe- tätigkcit schon recht erhebliche Geldsummen aufgebracht, die mit größter Beschleunigung der städtischen Brennstoffboschasfungsgesell. schaft zugeführt werden, damit Brennstoffe gekauft werden können, soviel und sobald es möglich ist. Der Anfang ist mit 18 000 Raum- wetern Holz gemacht, die nach der Zahl der aus öffentlichen Mitteln unterstützten Personen an die 20 Bezirke der Stadt Berlin verteilt werden, damit durch dies« je Vi Raummeter Holz an die Bedürftig st en, einen eigenen 5)ausstand führenden Personen abgegeben werden.— Erfreulich ist die Hilfsbereitschaft des In- und Auslandes.— Bei den riesig gesteigerten Briketipreisen sind gewal- tige Summen erforderlich, um auch nur einen Zentner an die Not- leidenden abgeben zu können und zu verhindern, daß bei einem großen Teil unserer Mitbürger die Kälte sich zu dem Hunger gesellt. Um weitere Hilf« wird daher dringend gebeten! Spenden für die Berliner Kohlenhilfe werden unter der Bezeichnung„Berliner Kohlenhilfe" von allen Spar- und Girokassen der Stadt Berlin, von sämtlichen Steuer- und Bezirkstassen sowie von allen Stellen, in denen der Austuf der Berliner Kohlenhilfe ausliegt, entgegengenommen! oder können unter derselben Bezeichnung auf das Post- scheckkonto Nr. 34 der Sparkasse A der Stadt Berlin eingezahlt werden. Ein Zentner Briketts Zö0 Millionen. Das Kohlenamt teilt mit: Nach dem amtlichen Dollarstand vom 8. d. M. stellen sich die Brikett- und Kokspreis« ab 9. Oktober wie folgt: Briketts ab Lager 381 680 000 M., frei Keller 367 180 000 Mark; Gaskoks 902 770 000 M. bzw. 920 770 000 M. Bei fuhren- weifer Lieferung: Briketts ab Lager 381 680 M., frei Keller 364 680 000 M.; Gaskoks 902 770 000 M. bzw. 918 270 000 M. „Crst sie, Sann ich!� Ein Gattenmordprozeß vor dem Schwurgericht. Unter der Anklage der Ermordung seiner Ehefrau Hedwig wurde der Packer Adolph Soell den Geschworenen des Landgerichts II vor- geführt. Der Angeklagte hat im März d. I. feine Ehefrau Hedwig, die von ihm feit einiger Zeit getrennt lebte, mit einer Mauserpistole getötet, darauf die Schußwaffe gegen sich gerichtet und sich mehrer« Schüsse in den Kopf gejagt. Erst nach langem Siechtum ist er wiederum vollständig hergestellt worden und hdt sich nunmehr wegen Mordes zu verantworten. Der Angeklagte,«in 48jähriger Arbeiter und bisher unbestraft, bestreitet, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten. Es sei ihm nur darauf angekommen, ihr einen Denkzettel zu geben. Dann habe er selbst aus dem Leben scheiden wollen. Das habe er auch am Abend vorher in einem Abschiedsbrief cm feine Verwandten geschrieben. Der Angeklagte gab ein trübes Bild feiner Ehe. Neun Jahre, feit 1913, habe er mit seiner Frau sehr gut zusammengelebt. Vom Jahre 1914 ab sei es aber fort- während zu Zerwürfnissen gekommen. Seine Frau habe ihm die ehelichen Pflichten verweigert, so daß er sie mehrmals verprügelt habe. Er habe ober stets für sie und feine Familie auch während der Kriegszeit gut gesorgt. Seine Frau habe aber schlecht gewirtschaftet. Anfang des Jahres hatte sie ihm erklärt, daß sie ihn nicht mehr liebe, und er habe sie aus seiner Wohnung gewiesen. In seinem Abschieds- brief schreibt der Angeklagte:„Ich werde gut zielen. Er st sie und dann ich! Die Mauserpistole wird nicht versagen." Zur Verhandlung ist ein großer Zeugenopparat aufgeboten. Di« Per- wandten des Angeklagten schreiben der Frau das Zerwürfnis zu, während die Verwandten der Frau die Schuld auf feiten des Mannes finden. Der Mann, wird behauptet, habe seiner Frau un- natürliche Zumutungen gestellt, so daß diese Abneigung gegen ihn faßt«. Der Angeklagte behauptet dagegen, daß diese Art Bertehr erst auf Wunsch seiner Frau erfolgt wäre. Die Verhand- lang wird heute fortgesetzt._ Ein Billionendefraudant. Vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II hatte sich gestern der früher« Prokurist Otto Schwarz aus Groß-Lichterfelde wegen Unt«rschlagung und Betrug zu verantworten. Sch. war im Jahre 1918 bei der Kohlenfirma Berger u. Kulp als Kontorist ein- getreten und hatte es verstanden, sich das Vertrauen seines Chefs in hohem Maße zu erwerben, so daß er bald zum Platzvemaltcr und daim zum Prokuristen aufstieg. Diese Vertrauensstellung benutzte der Angeklagte, um fortgesetzt Unterschlagungen im größten Stil, die nach der Berechnung der Firma etwa 2 Billionen Mark bettagen, zu verüben. Sch. verkaufte von den ihm anvertrauten Das verbrechen öer Elise Geitler. 12] Novelle von Hermann Keffer. Trotz allem aber beugte sie sich, wie von den Geistern des merkwürdigen Trödels wider ihren Willen gelockt, noch- mals über den Tisch, und wenn sie auch schon so verängstigt war, daß sie kaum mehr aufrecht zu bleiben vermochte, machte sie sich doch noch daran,«inen verschnörkelten Brief zu ent- ziffern, der unter einem brennroten Votioherz aus Wachs heroorfah, einem schön geformten Herz mit einem edlen wäch- scrnen Leidensflämmchen darauf, wie es oft kranke und un- glückliche Menschen in Kirchen und Kapellen mit einem Ge- löbnis und einem Bittgebet am Altargitter vor der schmerz- haften Gottesmutter Maria niederlegen, wo es dann wie ein inniges Spielzeug der gläubigen und hoffenden Einfalt zu sehen ist. Gertrud wagte es nicht, an das Wachsherz zu fasien, und kam auch kaum auf den Sinn von wenigen trüben Wor- ten, in denen Elifens Mutter von der Krankheit eines kleinen und unglücklichen Kindes schrieb. Sie hörte plötzlich, wie im Erdgeschoß der Bruder ein- übers anderemal laut und froh nach ihr rief und wie er dann gleich in polternden Sätzen die Treppe heraufsprang, um sie von ihrem Suchen zu holen. Und sie flog ihm entgegen und sah, wie von einer schweren Erstarrnug erlöst, in sein lachen- des junges Gesicht. Er hatte den Schlüsiel der Truhe an einem Nagel der Küche gefunden und war seinen Aerger los. Zwei Stunden später— Elise war noch nicht heimgekom- men— fuhren die beiden, Gertrud im dunklen Mantel und lichten Schleier, auf der noch hellen und sommerfreundlichen Sttaße der Stadt und dem Bahnhöf zu. Noch nach vielen Jahren, wenn in Otto von Sohr die Schatten trauriger Begebenheiten mit den Gedanken an jenen Abend bleiern rastend und unverwischbar heraufstiegen, sah es der Bruder vor sich: wie ihm, indes der Zug in der kohligen Halle rasselnd und klirrend ins Rollen kam, die Schwester nochmals die Hand umfaßte und so auf eine Wagenlänge in ihrem Uebermut neben dem Fenster herlief, munter und gut- launig, wie es bei einem Abschied ist, von dem sich jedes ein gutes Wiedersehen erwartet; wie sie dann mit ihren flinken Händen den Schleier vom Hütchen schälte und ihn grüßend und winkend flattern ließ; wie sie allmählich in der schwärz- lichen Halle gleich einem schimmernden Licht in der Abend- dämmerung verlosch und er bald an kreisenden Feldern vor- beiraste, auf welche die Nacht ihre undurchdringlichen Wolken senkte. Gertrud aber schaute den eisernen Wagen so lange nach, bis auch her letzte Schein von dem glühenden Laternenaug« am Ende des Zuges in der dunsttgen Weite verstrahlt war und das immer ferner klingende Dröhnen von neuem frem- den Geräusch in der Halle verschlungen wurde. Dann erst wandte sie sich zum Gehen, mit einem Male fröstelnd in einem Gefühl von unbeschützter Verlassenheit, und verlegen, weil manch einer auf dem Bahnsteig ungescheut ein Auge auf sie warf, als sie hastend durch die Schar müßiger Gaffer und wartender Menschen schritt. Ohne stehen zu bleiben, schlang sie den langen Schleier, den sie noch in der Hand gehalten hatte,«ilferttg über ihren Hut und betrat den großen säulengeschützten Wandelgang, darin das Leben einer lauten Fußgängerstraße auf den Steinfließen hallte. Inmitten der Menschen nahm aber jetzt Gertrud langsamere Schritte, es kam die Lust über sie, in dem Gettiebe noch länger zu weilen, und sie zauderte, aus dem bunten Strom des unterhaltsamen Tages in die Stille des weißen Hauses zurückzukehren, wo ihre Stunden wieder im Uhrentakt gehorsamer Räder verinnen sollten, viele Wochen lang, eine wie die andere, an einer endlosen Schnur. die niemand zerschnitt. Sie war, indes sie dies mit Unlust erwog, mit ihren Gedanken noch nicht bei dem Schauspieler und dem Trost der Theatervorstellung vom kommenden Tag angelangt, als Theo Behrens, der ihr feit einer Weile ungesehen gefolgt war, noch rechtzeittg, ehe sich Gertrud einen Kutscher heranwinken konnte, aus dem Versteck einer Säule vorsprang und dem Mädchen in einer gutgespielten, atemlosen Erbostheit über sein angeb- liches Mißgeschick in den Rücken siel: daß er gerade so spät habe eintreffen müssen, um den Zug mit dem Herrn Bruder aus der Halle fahren zu sehen, ohne dem Freund noch ein Wort sagen zu können, weil ihn der Regisseur, den er wie keinen haste, über die Zeit hinaus mit einer Stellprobe ge- halten habe. So brachte er es an, und hatte es doch mit Absicht ver- mieden, dem Bruder in dieser Stunde unter die Augen zu treten, und hatte auch in einer unerklärlichen Anwandlung von Furcht den Wunsch gehabt, es möge die widrige Alte im Wandelgang stehen und Gertruds harren, und hatte selbst dann gezögert, als er sie allein und wehrlos dahingehen sah, bis feine Eifersucht merkte, daß ihr ein vornehm gekleideter Herr lauernd nachschlich. Das hatte ihn vorwärts getrieben. Jetzt hielt jener an und zeigte dem Schauspieler, als er ihn höflich empfangen sah, eine höhnische Miene. Behrens musterte ihn über Gertrud weg scharf und beinahe drohend, und der Herr verschwand mit einem Male im Gewühl. Die beiden aber gingen, wie wenn nichts selbstverständ- licher wäre wie dies, Seite an Seite unter den brennenden Straßenlaternen dahin, und der Schauspieler führte das Wort. Als sie längst und ohne daß vorher die Rede vom Wege gewesen wäre, aus dem Abendgetümmel der Altstadt und in das Bereich einer lichtspärlichen Vorstadt geraten waren, brach Gertrud endlich an einer Ecke von unansehn- lichen Häusern lächelnd in sein emsiges Sprechen: sie wären ja in die Nähe der Felder gekommen, und sie sollte doch die Straße nach Berligenfeld haben und einen Wagen dazu. So sprach sie, wie von der nächtlichen Irrfahrt belustigt, und machte den Vorschlag, ein Stück des Weges zurückzugehen. Der Schauspieler aber bestand darauf, das Fräulein möchte sich nur seiner Führung verttauen, er bringe sie über die Wiesen und auf einem Wachwog nach Haufe, hätte dies schon bedacht, während er sie hierher geleitet habe, und beschrieb nun den Weg, den Gertrud am selben Morgen mit Otto ge- gangen war. Sie widersprach nicht. So wanderten sie denn in das bläuliche Wallen des leich- ten Nebels hinein, noch ehe ein heißes Wort gesprochen war, aneinandergegeben durch die lichthelle Nacht und die stillen Hügel und die flüsternden Bäume. An dem entwölkten Himmel glitzerte Stenz an Stern aus, der mich« rotgoldene Glanz über der nächtlichen Stadt um- säumte das tiefere Land mit einem sanften und ruhigen Feuerschein. Glutheiß und schwitzend in feiner fiebernden Unsicherheit über den Ausgang des Abenteuers redete der Schauspieler un- aufhörlich auf Gertrud ein. nicht eher darüber beschwichtigt, daß er ihr nahen könne, bis sie selbst den feinen Vorhang, der immer noch zwischen ihnen hing, mit unbesonnenen Worten zerteilte.> (Fortsetzung folgt) i Beständen auf dem Kohlenpiah enorme Mengen Ware, deren Gegenwert er für sich behielt. Schließlich kam die Firma hinter seine Betrügereien und stellte Strafantrag. Sch. hatte mit dem unterschlagenen Erlös sehr glücklich spekuliert; er faufte Baustellen, die er mit großem Gewinn verwertete, schaffte sich ein Automobil an und baute Billen in Groß- Lichterfelde und Dahlem. In der Verhandlung beteuerte der Angeklagte, daß es immer sein Wille gewesen sei, den der Firma zugefügten Schaden gutzumachen, tatsächlich hat er aber frog wiederholter Aufforderungen sich ge= meigert, Schadenersatz zu leisten. Das Gericht erkannte auf ein Jahr Gefängnis unter Ablehnung der Bewährungsfrist. Aus der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraflion. Das Stadtverordnetenmandat des verstorbenen Genossen Pfannkuch ist an den Genossen Alfred Sickert übergegangen. Apothekerinder. Die Schlüsselzahl der Arzneitage für Waren und Gefäße beträgt ab 10. Ottober für das unbejezte Gebiet zwei Millionen, für das besetzte Gebiet 2,7 Millionen. GU Arbeiter- Sport Durch den Norden Berlins. & Sonntag, den Richter, NW. 21, Wiclefftvage 20. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Der Bezirk Westen turnt jest wieder jeden Mittwoch 8 Uhr abteilung, 8-10 Uhr ab heute Turnerinnen, Jugend- und Männerabteilung. Gäste willkommen; Gemeindeschule 4, Koblenzer Straße, Dienstags und Freis tags 26-28 Uhr Schillerabteilung; Oberrcalschule am Hindenburgpart, Diens Die Schönhauser Allee und angrenzenden Straßenzüge standen tags und Freitags 8-10 Uhr Leicht- und Schwerathletische und Erpanter- Abtei am Sonntag im Zeichen des Straßenlaufs der Arbeiter. lung; auf dem Vereinsturnplay, Württembergische Straße, Montags und Donnerstags Trommler und Pfeifer- Rorps, Donnerstags Fußballer, Freitags Sportler. Das Publikum brachte der Veranstaltung besonderes Sodener- Sigung, Sonnabends und Sonntags Samilien- Beisammensein mit dem Interesse entgegen. Dichte Massen umfäumten Start und Ziel, um Mandolinenchor. Sportverein Moabit. Dienstag, den 9. Oftober, 28 Uhr, bei Bilz, Rostocker Zeuge der diversen Wettläufe und des Bettgehens zu sein. Die Polizeibehörde hatte freilich den Arbeitersportlern wieder ein Straße 27( Moabit 2478), Technikerfizung. Turn- und Sportwarte, Borturner Donnerstag, Den fowie Hilfsleiter aller Abteilungen müssen erscheinen. Schnippchen geschlagen. Obgleich das Gesuch um Genehmigung des 11. Oktober, 7 Uhr, bei Pilz, außerordentliche Versammlung der FußballcbietStraßenlaufs vier Wochen vorher eingereicht war, teilte die lung. Pünktliches Erscheinen notwendig. Gonntag, den 14. Ottober, treffen Behörde erst im letzten Augenblid mit, daß der Start verlegt werden fich alle Vereinsmitglieder( Männer, Frauen, Jugend und Schüler) um ½½10 2hr vormittags auf dem Sportplag Tiergarten zum Photographieren( Sportleidung müsse, so daß ein Teil des Publikums an der in der Presse bekannt mitbringen). Daran anschließend beteiligt sich der Verein geschloffen am Waldgegebenen Stelle vergeblich auf die Straßenläufe wartete. Da die lauf des 1. Rreises in Sadowa. Im Jntereffe einer großzügigen Propaganda für den Arbeitersport milffen sich alle Bereinsmitglieder daran beteiligen. 12 Uhr ist noch immer Polizeistunde. Auf Grund von Presse- Bolizeibehörde bereits wiederholt die Läufe erst ein bis zwei Tage Dienstag, den 16. Oftober, 7 Uhr, Bereinsversammlung in der Schularia Erscheinen alle Mitglieder Pflicht. nachrichten über Verhandlungen betr. Berlängerung der Polizei- vor Stattfinden genehmigt hat, so muß die genehmigende Stelle am Rostoder Straße 32. stunde in Berlin an Sonnabenden und Sonntagen, sowie die be- Alexanderplatz dringend darum gebeten werden, die Veranstaltungen 28. Oftober, Bereinspartie. Sämtliche Fußball, Hocken- und Sandball- Mannabsichtigte Zulassung eines vierten Tanztages in der Woche sind der Arbeitersportler mindestens eine Woche vorher zu genehmigen. fchaften find für diesen Sonntag spielfrei. Alles Nähere auf der Bereinsver fammlung am 16. Oktober. Hallentraining bis auf weiteres: Mittwoch und Vertreter der Hockeydie jetzt noch in Straft befindlichen Anordnungen stellenweise über- Das jeßige Verfahren erweckt den Eindrud, als wenn die ge- Freitag von 8-10 Uhr Turnhalle Kostoder Straße 32. schritten worden. Die Abteilung W des Polizeipräsidiums macht nehmigende Stelle im Polizeipräsidium die Tätigkeit des Arbeiter Abteilung: Wilh. Beniz, N. 87, Gidingenstraße 51. Vertreter der Fußball, Geschäftsstelle: Erich ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die weitergeben den sports erschweren will. Puntt 3 Uhr begannen die Frauenstafetten Abteilung: Walter Dörband, NW., Birkenstraße 12a. Vergünstigungen noch nicht durchgeführt sind und mit 6 Mannschaften der FTGB. über 8 X 100 Meter den Wett warnt daher vor leberschreitung der bisherigen Be- fampf mit Often als Sieger, gefolgt von Wedding und Süden. Bestimmungen. Es gilt borläufig noch die 12- hr- Polizeistunde und dauert wurde das Fehlen der Fichte- Turnerinnen, die bei dieser Proes sind nur drei Tanztage in der Woche zulässig. paganda für den weiblichen Arbeitersport nicht hätten fehlen dürfen. Bei den Stafetten der Jugendlichen haben sich durch den behördlichen Startwechsel leider einige Mannschaften verlaufen, was bei der guten Konkurrenz sehr zu bedauern ist. Der Einzellauf der Jugend über 3400 Meter brachte den Sieg an die Vororte Schönow, Görnsdorf und Biesdorf. Die Stafette der Männer über 5000 Meter gewann Wilmersdorf, furz gefolgt von Groß- Berlin, Norden II und Eiches Tegel. In der B- Klasse hatte Sportverein Roland die Führung ohne starte Konkurrenz. Sollte es nicht möglich sein, die Fußball- und Hockenspieler mehr als bisher für diese Wettläufe zu intereffieren? Den Einzellauf der Männer über 5000 Meter gewann mit gutem 3m Streit erschossen. Am Sonntag abend gegen 8 Uhr fam Vorsprung der bekannte Läufer Wiefe- Fichte- Weft, gefolgt von es vor dem Hause Dragonerstr. 48 aus noch nicht aufgeklärter Knospe- Moabit. Das ziemlich anstrengende Bettgehen über 5000 Veranlassung zwischen dem wohnungslosen 34 Jahre alten Meter sollte weitere Kreise für diese noch zu wenig trainierte Sport Schlächter Hans Lehmann und dem 30 Jahre alten Steinarbeiter art interessieren, arbeitet sie doch den Körper ganz besonders durch. Wilhelm Knuhr, der in der Kolonie Heimat" in der Rosenstraße Als erster ging Appel- Fichte 3 durchs iel, gefolgt von Knospe- Moabit. wohnt, zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf Knuhr den Damit hatten die„ Läufe durch den Norden" ihren Abschluß gefunden Lehmann durch einen Revolverschuß ins Herz nieder- und furze Zeit darauf boten die Straßen wieder das altgewohnte Der Täter flüchtete, wurde aber auf dem Boden des Bild. Die große Propagandawirkung des Straßenlaufs hat auch Hauses Dragonerstr. 48 gefunden und festgenommen. Die Waffe diese Veranstaltung wieder gezeigt. Gar oft sieht man wochentags hatte er während der Flucht weggeworfen. Die Leiche des Er- die Turner und Turnerinnen in leichter Sportkleidung die Turn schossenen ist dem Schauhause zugeführt worden. hallen in geschlossener Gruppe verlassen, um einige tausend Meter in Jubilare. Der städtische Botenmeister a. D. Albert Stodert frischer Abendluft durch die Straßen zu laufen. Wer Intereffe an Lichtenberg, Frankfurter Allee 265, feiert am 12. Oftober mit seiner Ghe- fyftematischer Körperkultur hat, besuche die Turner in ihren lebungs, frau das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar Helmholz, stätten und nehme teil an dem frohen Treiben. Dies gilt besonders Reutölln, Saaleſtr. 27, beging gestern das Fest der Silbernen Hochzeit. für die Jugend, die ihre Freizeit beffer ausnützen sollte, als dies zurzeit meistens der Fall ist. Ein entfehlicher Unfall, der der Aufsichtsbehörde eine sehr eindringliche Mahmung sein sollte, sich einmal mit den immer unerträglicher und immer unwürdiger werdenden Berlehrsverhältnissen auf der Hoch- und Untergrundbah 12 zu beschäftigen, ereignete sich auf dem Untergrundbahnhof Rüdesheimer Blag. Dort wurde ein Bankbeamter von den nachdrängenden Personen auf das Geleise gerade vor einen einfahrenden Zug gestoßen, der dem Unglücklichen beide Beine abfuhr. streďte. Die Frau und vier Kinder ermordet. Der Arbeiter Fischer in Herischdorf bei Hirschberg in Schlesien ermordete in der Nacht zum Sonntag aus bisher unbekannten Gründen seine Frau und feine vier Kinder im Alter von 3 bis 14 Jahren. Ein Kind von einem Jahr ließ er am Leben. Fischer hat sich dann selbst der Polizei gestellt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Heute, Dienstag, den 9. Oftober, nadh. mittags 5 Uhr, Borstandssigung im Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 St. 1. Kreis mitte. Heute, Dienstag, den 9. d. M., 7½ Uhr, bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. Sigung des erweiterten Kreisvorstandes. 7. Kreis Charlottenburg. Mittwoch, den 10. Oktober, 8 Uhr pünktlich, engere Borstandssitzung im Jugendheim. 9. Kreis Wilmersdorf. Streisausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinder schupkommission: Freitag, den 12. Oftober, 6 Uhr abends, Sigung des Vorstandes bei Stod, Wangenheimstr. 3. 17. Areis Lichtenberg. Abteilungs- Mietervertreter: Sigung Dienstag, den 9. Oftober, 7% Uhr, Bibliothek, Weichselstr. 28. Heute, Dienstag, den 9. Oktober: 51. Abt. Charlottenburg. teilungsvorstandes. 7 Uhr bei Bassenheim, Sigung des engeren 25. Jungfezialisten. Tempelhof. 7 Uhr Jugendheim Lyzeum, Tempelhof, Germaniastraße, Arbeitsgemeinschaft: Der historische Materialismus". Mitgliederversammlungen und Zahlabende am Mittwoch, den 10. Oktober: " 1. Abt. 7½ Uhr Schulaula Auguststr. 68. Bortrag des Genoffen Crispien M. d. R. 3. Abt. 7½ Uhr Sablabend Stallschreiberstr. 29, Genfch, Dresdener Str. 107/108, und Krüger, Engelufer 23. bei Schulz, 4. Abt. 7½ Uhr im Deutschen Gärtnerheim", Stralauer Str. 53, Bericht bom Bezirkstag und Stellungnahme zur Neuwahl des Bezirksvorstandes. 5. Abt. 7 Uhr Saverlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 35, Stellungnahme zu den Wahlen des Bezirksvorstandes. Die Bezirtsführer laden die Ge noisen ein. 6. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Schwebter Str. 23. 7. Abt. 7% Uhr Bablabende: Stube, Strehlizer Str. 55, Döll, Bergstr. 71, Dahms, Schlegelftr. 9, Babrau, Pflügerstr. 1, Diefe, Bovenstr. 19. 8. Abt. 7% or Schulaula, Ballasstr. 15, gemeinsamer Bahlabend. Bericht vom Bezirkstag und Stellungnahme zu den Neuwahlen. 10. Abt. abend. 11. Abt. 12. Abt. 7½ Uhr in der Gemeindeschule Alt- Moabit gemeinsamer Bahl Bezirksführer einladen. 7 Uhr bei Berger, Lebezowoftr. 21, Bericht bom Bezirtstag. 7% 11hr Schule Rostoder Str. 32. Die Bezirksführer laben ein. 14. Abt. 7% Uhr Sablabend in den bekannten Lotalen. 15. Abr. 7 Uhr Bablabend bei Obiglo, Stralsunder Str. 11 und Nitschmann, Aderstr. 122. 16. Abt. 7% Uhr Bahlabende: Carus, Boltastr. 37, Strüger, Huffitenstr. 34, und Regenberg, Gartenstr. 75. Tagesordnung:" Bezirtstag und poli tische Lage". 18. Abt. 7% Uhr Schulaula Wiesen Ede Bantstraße, Stellungnahme zur Neuwahl. 19. Abt. 7 Uhr gemeinsamer Bablabend in der Grauen Schule, Gothenburger Straße, Bericht vom Bezirtstag. Die Bezirtsführer Stunde früher. 20. Abt. 7 Uhr gemeinsamer 8ablabend bei Wende, Koloniestr. 147. 21. Abt. 7% Uhr im Schraderhaus, Malplaquetstr. 15/16, Bortrag über: Die städtischen Werke". Ref.: Gen. Brolat. 22. Abt. 7 1hr gemeinsamer Bablabend Aula Lütticher Str. 47/48, Thema: " Der Vezirletag". Beginn sehr pünktlich. 23. Abt. 7 Uhr Zablabende: Lewandowski, Geeftr. 104, Schulz, Secftr. 108, Grunewald, Kameruner Str. 19, und Taube, Müllerstr. 62a. 24. Abt. 7% Ubr Bablabende: Grubbe 1 bei Gomidt, Marienburger Str. 48, Gruppe la bei Nöfner, Immanuelfirchstr. 25, Gruppe 2 bei Winzer, Christburger Str. 9. Gruppe 3 bei Spüler, Naugarder Str. 14. 25. Abt. 7% Uhr Bablabend in den üblichen bier Lokalen, Bericht vom Bezirkslag. M 26. Abt. 7% Uhr im Musikalischen Fuchs", Jofthftr. 7, Bortrag des Gen. Dr. Went, M. d. 2., über: Die politische Lage". " 27. Abt. Bünftlich 7 Uhr Schulaula Sonnenburger Str., Tagesordnung: Bericht vom Bezirketag und Stellungnahme zu den Bezirksverordnetenwahlen. 28. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23. Bericht vom Bezirkstag. 29. Abt. 7 Uhr Aula der Schule Tenefelderfir. 6, Tagesordnung: Die polis tische Lage". Referentin: Genoffin Bohm- Schuch M. d. N. 30. st. 7 1hr Schule Bappelallee 40/41, Thema: Die Hungerkatastrophe". Referent: Gen. Dr. Moses M. d. R. 31. Abt. Abends 17 Uhr gemeinsamer 3ablabend in der Schulaula Schönfließer Straße. Bericht vom Bezirksparteitag und Stellungnahme zu den Reuwahlen des Bezirksvorstandes. Die Bezirksführer müssen dazu cinladen. 32. Abt. 7½ Uhr gemeinsamer 3ablabend bei Schmidt, Fruchtstr. 36a. Die Bezirksführer laden ein. 33. Abt. 7 1hr 3ablabende: Hoffmann, Etralauer Allee Ede Markgrafendamm, Wagner, Stralauer Allee, Ede Hohenlohestraße. Am Donnerstag jenseits der Babn: Die Bezirte Rebaler Str., Simon- Dach- Str. und die angrenzenden Straßen bei Jurede, Stopernifusstr. 21 72 Uhr. 35. Abt. 7 Uhr Zablabende: Lövver, Rigaer Str. 85, Hellriegel, RigaerStr. 54, Bombe, Boigtstr. 25, Drelse, Schreinerstr. 18. Bortolosti, Schreinerstr. 32, und Gemeindeschule, Samariterftr. 20. In allen Lo falen: Bericht von Bezirkstag" durch die Delegierten. .37. Abt. 7 Uhr gemeinsamer Bablabend Schulaula Hausburgstr. 20. Tagesordnung: Die politische Situation". 2. Aussprache. 38. Abt. Bablabend der Bezirke: 155, 156, 157 und 158 Lolal Ballschmid, Friedenftr. 96, 7% Ubr. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag. 39. Abt. 7½ Uhr Jugendheim, Lindenstr. 3, Vortrag der Genoffin Mathilde Wurm, M. d. R. und Bericht vom Bezirtstag. 40. Abt. 7 1hr bei Keusner, Hagelberger Str. 20a, Zablabend, Bericht vom Bezirtstag. 41. Abt. 8 Uhr Bahlabend in den bekannten Lokalen. 142, 2bt, Bablabe in den bekannten Lokalen. Dienstag und Donnerstag in der Turnhalle Kulmstraße. Zusammenturnen der geübteren Jugendturner des Bereins Boechstr. 17-20. Berliner Echwimmverein Freiheit. Der reservierte Badeabend findet jeden Donnerstag im Stadtbad Brenzlauer Berg statt. Schwimmvereine des Areises I. Die Vereine werden ersucht, sofort die fölln, Steglig, Nowawes, Neptun W., Neptun- 2., Tegel, Friedrichshagen und Mannschaften zu den Serienspielen zu melden. Gemeldet haben bisher: NeuBorwärts- Lichtenberg. Meldungen an Otto Friesecke, D. 112, Grünberger Str. 18. Schwimmverein Borwärts" Berlin 1897. Gruppe Norden. Gruppenver fammlung am Dienstag, den 9. Oktober, abends 7 Uhr, in der Schule Tegeler Straße 19-20. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Babeabende find Mitt wochs von 7 bis 9 Uhr und Freitags von 5 bis 7 Uhr. Mitgliedsbücher legi timieren. Die 2. Knaben- Abteilung des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Pantow turnt ab Dienstag, den 9. Ottober, nicht mehr in der Grunowſtraße, sondern Wollantstraße 181( 5. Gemeindeschule), und zwar Dienstags und Donnerstags von 7-9 Uhr abends. Wir bitten die Citern um rege Beteiligung ihrer Arbeiter- Athleten.Bund. 4. Arcis. Am Freitag, ben 12. Oktober, abends Kinder. Athletik- Sport- Club e. B. Leichtathletik Sandball Soden Rudern. 8 Uhr. Gerienkampf der B- Mannschaften der Bereine Libertas 96 gegen Adler 05. Es gehen auf die Matte: für Libertas: Tepper, Stod, Maron, Gieseler, Nudies; für Adler: Engelmann, Schön, Augustowsky, Drescher, Berg. Da beide Mannfchaften fich im legten Kampf( 19. Auguft) als völlig gleichwertig erwiesen haben, wird diesmal jeder sein bestes hergeben, um für feinen Berein den Sieg herauszuholen. Allen Interessenten des Ringtampfsportes sei der Besuch Manteuffelstraße 95 statt. diefer Veranstaltung empfohlen. Der Kampf findet im Uebungslokal Adler 05, männer, Frauen-, Jugend- Abteilung. Dienstag, den 9. Oktober, abends 7 Uhr, Babeabend in der Städtischen Badeanstalt Schillingsbrüde. Donnerstag, den 11. Ottober, abends 8 Uhr, Sallentraining der Männer- und Jugend- Abteilung in der Turnhalle der 46. Gemeindeschule, Baufizer Blck 9. Anschließend Be sprechung zum Waldlauf am 14. Oftober in Gadowa. Erscheinen unbedingt Pflicht. Schriftführer der Hockey- Abteilung: Hans Joafzat, Berlin, Caprivi Jiu- Jitsu- Kursus. Am Montag, den 15. Oftober, beginnt in der Sportftraße 4. Geschäftsführer: Alfred Behrends, Berlin NW. 87, 8inzendorfstr. 7. lichen Bereinigung Nord- Oft". Turnhalle Chriftburger Straße 7 ein neuer Rurfus im Jiu- Jitsu, regelmäßig Montags 7-9 Uhr. Vorherige Anmeldung Dienstag oder Freitags ift erforderlich. Arbeiter- Sport- Rartell Bilmersdorf. Montog, den 15. Oktober, 7 Uhr, auf träge, Winterprogramm. Resultate. 5000- Meter- Männerstafette. A.Alaffe: 1. Bilmersdorf 13 Min. 23 Get. 2. Groß- Berlin- Norden II und Gide- Tegel 13 min. 23% Get., 3. Groß dem Turnplay Württembergische Straße wichtige Startellſihung. Bericht, BelBerlin- Webbing 13 min. 50% Get. B- Alaffe: Roland 13 Min. 57% Get. 5000- Meter- Einzellauf, Männer. 1. Wiese- Fichte- Weft 16 Min. 40% Gef., 2. Knofpe- Moabit 17 Min. 47% Get., 3. Andres 17 Min. 47% Get., 4. Sage. meister- Groß- Berlin- Norden II, 5. Kaminski- Fichte- Gud, 6. Krüger- Fichte III. 5000- Meter- Gehen, Männer. 1. Appel- Fichte III 26 in. 13% Get., 2. Böh. nisch- Groß- Berlin- Süden 27 Min. 45% Get., 3. Wegmann- Groß- Berlin- Wed bing 28 Min. 20 Get., 4. Grüneberg- Groß- Berlin- Wedding, 5. Runo Schlag. Groß- Berlin- Norden II. Jugend- Einzellauf 3400 Meter. 1. Mende- Schönow 12 in. 48 Get., 2. Bendin- Görnsdorf 12 min. 50% Gel., 3. Prigel- Biesdorf 12 Min. 53% Get. Frauenstafette 800 Meter. 1. Groß- Berlin- Often 1 Min. 53 Get., 2. Groß- Berlin- Wedding I 1 Min. 54% Set., 3. Güden 1 Min. 57 Get., 4. Norden II, 5. Wedding II, 6. Norben I. An bie Bereine bes 1. Areises bes Arbeiter.Turn- und Sport- Bunbes! Die am 15. September 1923 ftattgefundene Blenarsigung des Areisvorstandes fab fich gezwungen, einen Ertrabeitrag für alle Mitglieder über 17 Jahre von einer Mil lion Mark zu beschließen. Wenn diefer Beitrag einen Sinn haben soll, dann ist die fofortige Einsendung des Betrages an den Rreistassierer eine bringende Notwendigkeit. Gleichzeitig murde der Beschluß gefaßt, die erste Rate des Festbeitrages für das Kreisfest 1924( 19. bis 21. Juli) ebenfalls in der Summe von einer Million zu erheben. Auch dieser Beitrag muß dringlich eingefandt werden, wenn er feinen 8wed nur annähernd erfüllen foll. Um zu wiffen, mer den Festbeitrag in den einzelnen Raten beigesteuert hat, ist es notwendig eine Lifte der Bahler( in zwei Exemplaren) auszufertigen. Die eine Lifte behält der Verein, die andere wird an den Rreistassierer mit eingefandt. Für die nach dem 1. Januar Eintretenden erfolgt die Nacherhebung des Festbeitrages in ent fprechenden Werten! Die Freie Turnerschaft Wilmersdorf benugt neuerdings folgende Turnhallen: Gemeindeschule 1, Gieselerstraße, Dienstags und Freitags 6-8 Uhr Schülerinnenabteilung, 8-10 Uhr Turnerinnen, Jugend- und Männerabteilung: Gemeindeschule 2( Salenfee), Joachim- Friedrich- Straße, Montags und Donnertags 6-8 Uhr Schülerabteilung, Dienstags und Freitags 6-8 Uhr Schülerinnen. 43. Abt. 7 Uhr Bablabenb in den bekannten Lokalen. Mädchenschule Dieffenbachftr. 16. Kartell für Sport- und Körperpflege. 4. Bezirk. Prenzlauer Berg. Die Berteilung ber Sportpläße Schönhaufer fee it folgendermaßen vorgenommen: Nordiska Große Spielwiese Feld 2 8-6, Bader Große Spielwiese Feld 2 8-6, Selvetia Große Spielwiese Feld 3 1-6, Arminia Große Snielwiese Feld 3 1-6, Roland Tlak 1b 2-3%. Fichte XII Plat 1b 8-9%, Fichte X Blok 1b 9-11, Fichte I Blak 16 11-12%, Fichte- Oft Plat 1b 12-2, Fichte III Blaz ID 3-5, A. G. C. Rundbahn 1-2%, nland- Frauenhoden Rundhahn 2½- 4, Freie Turnerschaft Plaz für Kleine Bellspiele 8-9%, Colidarität Plak für leine Ballspiele 9-11, Fichte Plas für fleine Bollspiele 11-1. Die Spiel plagordnung ist auf das Genaueste zu beachten. Sinüberreichen der Torstangen zieht Plagentziehung nach Fch. Den Anordnungen der Wächter, freiwilligen Selfer ift Folge su Teiften. Ab Sonntag, den 14. Oftober, richtet der P. G. D. eine ständige Sanitätswache ein. Standort Plasverwaltungsgebäude. Näite Kartelligung Mittwoch, den 17. Oftober, abends 8 Uhr, bei Werner, Sene felberftr. 32. Tagesordnung: 1. Brotokoll, 2. Regelung der Beitragsfrage, 3. Bericht von der Rartellgeneralversammlung, 4. Weihnachtsausstellung, 5. Ver. schiedenes.. Sportliche Vereinigung Roland. Geschäftsstelle N. 113. Scherenbergstraße 24. Dienstag 8 bis 10 Uhr Frauenturnen, Donnerstag 8 bis 10 Uhr Männerturnen, Sonnabend, den 13. Oftober. 8 Uhr, außerordentliche Männerfkung bei nz Stohlheimer, Ede Carmen- Enlva- Straße. Sonntag, den 14. Oftober. Hoden. Gesellschaftsspiel Roland-Fichte 10 I 9 bis 10% 1hr, Roland I- Charlottenburg I 10% bis 12 Uhr Schönhauser Allee, Blak 1b. Zur Vervollständigung un. ferer Frauenhodenabteilung können sich Genoffinnen bei der vorbezeichneten Geschäftsstelle melden. M. G. B. Frauenboden. Sämtliche angeschloffenen Bereine haben zur Sodenregelbesprechung die Teilnehmerinnen am Montag, den 15. Oftober, abends 8 Uhr. hei Werner, Senefelderftr. 32, zu entfenden. Frenz Tefch. Berliner Arbeiter- Scham- Klub, Abt. Forben III, fpielt jeben Dienstag abend Uhr bei Burmeister, Anflamer Strake 20, vorn im Lokal. Zehrkurse füle Anfänger und Borgeschrittene finden statt. 7 Bezirke 126/127 Arille. 44. Abt. 7 Uhr Reichenberger Hof, Meichenberger Str. 147. Tagesordnung: ,, Bericht vom Bezirkstag". Die Bezirksführer werden gebeten, eine halbe Stunde früher zu erscheinen. 46. Ast. 7% Uhr Schulaula Görliger Str. 51, Vortrag: Die letzten Ereigniffe". Ref.: Gen. Stetter 47. Abt. 7% Uhr Sablabenbe: Lier, Naunhnftr. 8, Siebentopf, Mustauer Str. 35, Bflug, Mustauer Str. 1. Bei Pflug Vortrag:" Mieterfragen". Ref.: Genoffe Gerber. 48. Abt. 7% ühr bei Gliefing, Baffertorftr. 68, Bericht bom Bezirtstag. 49. Abt. Schwerhörige: Besonderer Umstände wegen fält die Versammlung am 10. Oftober aus. " Charlottenburg 51. Abt. 7% Uhr Lofal Schellbach, Königin- Elisabeth- Str., Bahlabend. Alle Mitglieder müssen erscheinen, da Bablabende in Zu 52. st. 7 Uhr bei Büttner, Saiferin funft nicht mehr stattfinden. Augusta Allee 81. Thema: Politische Tagesfragen". Referentin: Ge 53. Abt. 7 Uhr 3ahl- und Distusfions noffin Hedwig Wachenheim. abenbe 1. Bezirk bei Schweitert, 2. und 3. Bezirk bei Lut.-: 54. Abt. 8 Uhr Bahlabend 5. Gruppe Lotal Bühnemann, Helmholtfir. 39, 6. unb 7. Gruppe Jugendheim, Rosinenstr. Tagesordnung: Bericht bom Bezirkstag". 55. Abt. 7 Uhr Bablabende: 8. und 9. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, 10. Gruppe bei Bohne, Echloßftr. 45. Thema:„ Die politische Lage". 56. Abt. 7 Uhr Schulaula Pestalozzi Straße 40, Bericht vom Bezirkstag. 57. Abt. 7½ Uhr 8ahlabende: 1. Gruppe bei Arndt, Rantftr. 51, Bortrag des Genoffen Pfarrer Bleier: Gäste willkommen. " Die Zukunft des Sozialisinus". 2. Gruppe bet Thunad, Wielandftr. 4. 58. Abt. 7% 11hr bei Straube, Augsburger Ref.: Ede Ansbacher Str., Bortrag:" Wirtschaftspolitische Probleme". Genossen Koch. Bericht vom Bezirtstag. 68. Abt., Halensée. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Sandmann, West fälische Str. 42. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Bericht vom Bezirkštag. Ref.: Genoffe Bauer. Wilmersdorf 69. Abt. 7% Uhr bei Umlang. Giefeler Ede Begenerstraße, Bericht vom Bezirtstag. Berschiedenes. 70. Abt. 7% Uhr bei Bieper, Holsteinische Str. 60, Vortrag über: Die politische Lage". Ref.: Gen. Haußler. 71. unb 72. st. 7% Uhr im Beichenfaal der Gemeindefchule Roblenzer Str. Bericht vom Bezirtstag. Schöneberg 78. Abt. 8 Uhr gemeinsamer Bablabend Schulaula Geurigftr. 57, Bericht vom Bezirkstag. 79. Abt. 7% Uhr gemeinsamer Bablabend im Gesangssaal der Schule Kolonnenstr. 22/23. Gen. Künstler M. b. M. fpricht über: Die politische Lage". 7. Bezirk Bablabend Lotal Botticus, Sachfendamm, Ref.: Gen. Schulz. 8. Bezirk( Lindenhof) Lokal Fintel, Bessemerstraße. 81. Abt. Friebenau. 8 Uhr Bezirksabende: 1. bis 3. Begirl bei Alabe, Handierhstr. 60/61, Thema:„ Die politische Lage". Ref.: Gen. Buchholz. 4. bis 6. Bezirk bei Schulz, Wiesbadener Ede Raubacherstraße. Thema: Die große Koalition und die Sozialdemokratie". Ref.: Gen. Billberg. 82. Abt. Steglig. 7 Uhr Bablabend in den bekannten Lokalen. 84. Abt. Lanfwik. 7½ 11hr im Paradiesgarten außerordentliche Bersamm Mung. Bericht vom Bezirkstag. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr Bahlabende in ben bekannten Lokalen. sirtstagsbericht. 86. Abt. Be. Mariendorf. 7½ Uhr Aula Friedenstraße, Vortrag des Genoffen A. Stein über: Weltpolitische Sufammenhänge". 87. Abt. Marienfelde. 7% Uhr bei Schuster, Kirchstr. 68. SS. Abt. Lichtenrade. 7½ Uhr Schule Roonstraße. Mitgliederversammlung und Bablabend. Ref.: Gen. Hans Meher über:" Die politische Lage". Neukölln 89. Abt. 7 1hr Aula taifer- Friedrich- Str. 4. Bortrag des Gen. Buchweiz- Görlig, M. d. 2., über: Die politische Lage". 90. Abt. 96. 6t. 7% Uhr Schule Thomasstr. 20. Thema: Bolitische Ref.: Tagesfragen". Genosse Dr. Witte. 97. Abt. 7½ Uhr Bablabende: 79. 80., 90., 91. Bezirk: Kuzli, Leinestr. 1, Bericht vom Bezirtstag. Ref.: Genoffe Händel. 92., 104., 106. Bezirk: 7½ Uhr bei Nerlich, Siegfriedfir. 46, Bericht bom Bezirtstag. Ref.: Genosse Großmann. 99. Abt. Brig. 7% Uhr beaffafino, Mungiusstraße, Tagesordnung: Bericht bom Bezirtstag. 101. Abt. Treptow. 7% Uhr im Beichenfaal der Schule Wildenbruchstraße. Die Bezirksführer müssen um 6½ Uhr anwesend fein. Von 7 bis 7% Uhr Eintassierung von Beiträgen. Tagesordnung: Bericht bom Bezirtstag. 102. Abt. Baumschulenweg. 7½ Uhr Beichenfaal der Schule tiefholzftene. Bezirksführer müssen hierzu einladen. Funktionäre eine Stunde früher in Lehrerzimmer derfelben Schule. 103. Abt. Obeschöneweide. 7½ Uhr Bablabend und Mitgliederversammlung im Bereinshaus Zur Bost". Bericht vom Bezirkstag. 104. Ast. Niederschönewcide. 7½ Uhr Zeichensaal der Anabenschule Nubower Straße. Beginn pünktlich. Bericht vom Bezirkstag. 105. Abt. Adlershof. 7% Uhr bei Biege, Bismardstr. 29, Bortrag über:„ Die politische Lage". Ref.: Genosse Bienau. 106. Abt. Johannisthal. 7% Uhr Lotal Schreiner, Friedrichstr. 6. Thema: Währungspolitit". Stef. Genoffe Dr. Günther. 107. Abt. lt- Glienicke. 7½ Uhr bei Meier, Am Faltenberg. Thema:„ Die politische Lage". Ref.: Genosse Reventlow. 108. Abt. Göpenid. 7% Uhr Lofal Ruhwald, Berliner Straße. 1. Die poli tische Lage". Ref. Genosse Brinizer. 2. Neuwahlen des Borstandes. 111. Abf. Bohnsdorf. 8 Uhr bei Bierbach, Bahnhofstraße, gemeinsamer Zahl abend. Erscheinen Pflicht. 113. Abt. Schmödwig. 8 Uhr Lokal Baronski, Berliner Straße 19, 8ahlabend. Lichtenberg. 114. Abt. 7½ Uhr, 8immer 79 der Schule Scharnweberstraße 79, Bericht nom Bezirkstag. 115. Abt. Bünftlich 7% Uhr Schulaula Kronprinzenstraße 10, Bericht vom Bezirtstag. Beiträge werden daselbst kaffiert. 116. br. 7 Uhr im Gesangssaal der Knaben- Mittelschule, Marttstraße Str. 12-13, Bericht vom Bezirtstag.. 117. Abt. 7% Uhr gemeinsamer Bahlabend Schule Bildstraße 60, Bericht vom Bezirkstag. 119. t. 6% Uhr gemeinsamer 8ahlabend im Cäcilien- Enzeum, Rathausstraße 8. Bericht vom Bezirtstag und Stellungnahme zur Neuwahl des Bezirksvorstandes. 121. Abt. Karlshorft. 7% Uhr Restaurant Fürstenbad", Prinz- Adalbert- Straße, Bortrag des Genossen Bartels, M. d. 2. 122. Abt. Biesborf. 7% Uhr bei Porath, Marzahner Straße 81b, Vortrag des Genossen A. Richter, M. d. 2.:,,Der Kampf der Arbeiterklasse um Republit und Freiheit". 123. bt. Raulsborf. 7½ Uhr im Reichensaal der Echule Adolfstraße 25, Bortrag: Die wirtschaftliche und politische Lage". Ref. Gen. Fendel. 125. Abt. Weißenfee. 7% Uhr im Gesangssaal des Realgymnafiums, Woeld. Bromenade. 128. bis 130. bt. Bankow. 7½ Uhr im Jugendheim, Breite Straße 32, ge meinsamer 8ahlabend aller drei Abteilungen. Vortrag des Gen. Dr. Breitscheid, m. d. M. 131. Abt. Niederschönhausen. 7½ Uhr Sahlabend bei Schönherr, Lindenstr. 11. Wichtige Tagesordnung. 133. Abt. Buchholz. 8 Uhr Zahlabend bei Rähne, Berliner Etr. 39. Bericht vom Bezirtstag. 137. 6. Steinidendorf.Weft. 7½ Uhr Sahlabend im Boltshaus, Scharnweber. ftraße 114, Bericht vom Bezirtstag. Die Bezirksführer laden ein. 138. bt. Hermsdorf. 8 Uhr Lyzeum Humboldtstr. Thema: Partei und innere Politi?. Ref.: Genosse Lüdemann, M. d. 2. 140. bt. Borsigwalbe. 7% Uhr 8ablabend Lotal Boitschach, Crnststr. 1. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag. Die Vorstandssigung findet Dienstag, den 9. Ottober, 7% Uhr, beim Vorsigenden, Räuschstr. 5, statt. Abt. Rosenthal. 7% Uhr Lotal Waldemar Schneider, Hauptstr. 3. it. gliederversammlung und zahlabend. Thema: Die augenblidliche politische Lage. Referentin: Frau Marie Juchacz, M. d. R. Die Bezirksführer werden ersucht, hierzu einzuladen. Gäste willkommen. * 7 Uhr Schule Donaufir, 120, Bortrag über: Die bolitische Bage". Ref.: Genoffe Franken M. d. 2. 91. Abt. 7½ Uhr im Karlsgarten, Raris. 141. gartenstraße, Bortrag des Genoffen A. Hoffmann, M. d. R., über: Die politische Lage". 93. Abt. Die Abteilungsversammlung findet nicht Mittwoch, den 10. b. M.. sondern Montag, den 15. Oftober, im Gam brinns ftoit. Thema:„ Bolitische Page und Stellungnahme zu ben Wahlen des Bezirksvorstandes". 94. 6. 7 Uhr Zahlebende: 51./52. Bez. Lotal Fard, Schillerpromenade 39 65./66. Bez. Lotal Wilhelm Herr furthplay 6, 64. 67. 68. Bez. Günther, Schillerpromenade 11. 76., 77. und 78. Bez. Günther, Schillerpromenade 11. 95. Abt. 7 1hr im Tleinen Seal der Kindi- Brauerei, Bericht vom Besirtstag. Ref.: Genoffe 9. Abt. Donnerstag, den 11. Oktober, 7½ Uhr im Artushof, Perleberger Straße 29, Berichterstattung vom Bezirtstag. Beitragszahlung. 131. Abt. Niederschönhausen. 7% Uhr Zahlabend bei Schönherr, Lindenstr. 1. Wichtige Tagesordnung. Die Ausspräche im Reichstag. (Schluß aus dem chauptblatt.) Reichskanzler Dr. Slrescmcnn(fortfahrend): Graf Westarp geht von den: Gedanken aus, daß das Ziel des Kabinetts gewesen wäre, durch direkte Verhandlungen mit Frankreich eine Lösung der schwebenden Fragen herbeizuführen und daß der Wunsch nach direkten Verhandlungen mit Frankreich die Regierung veranlaßt habe, keinen Protest einzulegen gegen die Raubpolitik Frankreichs. Wir haben keine Besprechung mit Frank- reich allein im Auge gehabt. Es ist eine durchaus unrichtige Behauptung, daß wir direkte Verhandlungen mit Frankreich allein herbeiführen wollten, ohne England. Das würde auch vollkommen im Widerspruch stehen mit der Auffassung, die ich in meiner ersten Rede geäußert habe, daß wir nicht die Absicht hätten, eine Macht gegen die andere auszuspielen. Curzon erklärt in seiner letzten Rede zu der Frage, was Deutschland in bezug auf den passiven Widerstand hätte tun sollen: es sei klar geworden, daß die deutsche Regierung, selbst wenn sie wolle, nicht in der Lage sei, die Politik des passiven Widerstandes fortzusetzen, und schließ- lich habe der Reichskanzler Stresemann sich nach dieser Richtung entschieden.„Ich bin der Meinung," so fährt er fort,„daß diese Entschließung vor drei Monaten halte gefaßt werden sollen. Es war töricht und unweise, daß man solange auf dem passiven Widerstand verharrte." Deshalb bitte ich Sie. sich von dieser Illusion zu befreien, als wenn die Regierung sich dadurch englisches Wohlwollen verscherzt hätte, daß sie den passiven Wider- stand aufgegeben hat. Es liegt nicht so., Dollen Sie die Güte haben, die Dinge in der Weit mit der Realpolili! anzusehen, zu der Sie sich sonst bekennen. Die englische Einstellung ist gegeben vom englischen Weltstandpunkt aus. Wie können Sie davon sprechen, daß die Fäden hier abgerissen seien, weil wir eine Formel für die Aufgabe des passiven Wider- standes gefunden haben, die Gegenleistungen vorsah. An Rhein und Ruhr fällt die deutsche Entscheidung, und es so hinzu- stellen, als wenn die stärkste Militärmacht der Welt, die Frankreich jetzt ist, durch eine andere diplomatische Einstellung lich allein be- wegen ließe, aus der Ruhr herauszugehen, das ist falsch. Glauben Sie mir, wenn es darauf ankommt, Vroteste zu erheben, so stehen mir auch scharfe Worte zur Verfügung, aber ich meine, daß der, der an der Spitze eines politisch ohnmächtigen Staates stchl, am wenigsten starke Warle gebrauchen soll. Das ist der Unterschied zwischen dem Führer einer Partei und dem Leiter der verantwortlichen Stelle. Run sagt cherr Graf Westarp, es sei ja schließlich in meiner Rede nicht die Frage zum Ausdruck gebracht worden, ob denn der Abbruch des passiven Widerstandes— selbst wenn man i',m zu- stimmte— nicht begleitet sein sollte von dem Bruch mit Frankreich. Eine solche diplomatische Aktion würde dock) nichts helfen, die Lord Curzon nicht einmal in die Lage oersetzt hätte, diese seine Rede zu halten. Wie wäre der ganze Zusammentritt der Konferenz möglich gewesen, wie wäre es Lord Curzon möglich gewesen, seinen Protest gegen die Ruhrbesetzung vorzubringen,"die Fixierung der Summ«, die Anerkennung der Loyalität der deutschen Angebot« und daraus folgend den Wunsch zur Lösung des Problems zum Ausdruck zu bringen, wenn Deutschland setnerseits erklärt hätte, daß es auf olle Losungsmöglichkeiten verzichte und den Versailler Vertrag als nicht bestehend ansehe? And es ist ein Zrrtum, anzunehmen, daß das Losreißen von dem verkrage sofort eine Besjening der deulschen Siknaiion mit sich bringt. Welches ist denn die Differenz zwischen Valdwin und Poincare? Daß England vor der Welt erneut sagt: Mit den Bestimmungen des Vertrages ist Euer Einbruch an Ruhr und Rhein nicht vereinbar! Und schließlich die großen realen Prin- zipien der Gewalt, die die Weltpolitik beherrschen: Wenn Sie an die Zukunft denken, vergessen Sie nicht, was ein solcher moralischer Protest von alliierter Seite ausgesprochen, für die endgültige Lösung bedeutet. Wenn Sie in die Situation kommen, daß es zu so einem vertrayslosen Zustand kommt, daß wir dieses Nein aussprechen, dann schaffen Sie vorher mit die Voraussetzungen, daß dieser Zeitpunkt ein geeinigtes deutsches Volk findet.(Lebh. Veifall u. Hände- klatschen b. d. Mehrheit des Hauses u. auf den Tribünen.) Abg. Dr. Scholz(Dopt.): (Zunächst durch Unruhe des ganzen Hauses am Sprechen ver- hindert.— Präsident Lob« weist darauf hin, daß die Sitzung noch nicht geschloffen ist.(Heiterkeit.)— Zuruf links: E s hat ja schon ein Dcutschnationaler gesprochen.) Dieser Zuruf läßt es mir zur besonderen Pflicht werden, hier in aller Oeffentlichkeit folgendes zum Ausdruck zu bringen. Es hat sich in der letzten Woche in der Oeffentlichkeit der Vorwurf eines Dolch- oder Vorstoßes der Deutschen Volkspartei gebildet. Als in der vergangenen Woche vor nunmehr etwa acht Tagen der Reichskanzler die Parteiführer zusammenberief, um ihnen ein Bild der augenblicklichen Lage zu entwerfen, das alles ander««her als rosig genannt werden konnte, da habe ich in dieser ernsten Stunde«inen Ruf zur Einigung an olle Parteien gerichtet. Das ist der„Vorstoß" der Deutschen Volks- parte! gewesen. Die Haltung der Deutschnationalen erinnert an denjenigen, der mit Behagen zusieht, wie ander« für ihn die K a st a n i e n aus dem Feuer holen(Sehr gut! bei der Dvpt. und Heiterkeit), dann aber durch alle Gaffen rennt und schreit, sie hätten zu wenig herausgeholt.(Heiierkkit.) Jedenfalls zeugt diese Haltung nicht von einem starken Gefühl der Verantwortung für die Staatsgcschäfte. Der Ersolg wird zeigen, wo die Männer der praktischen Politik sitzen.— Gewiß ist die Aufgabe des passiven Widerstandes «ine schwere Belastung der deutschen Volksseele. Bittere Notwendig- keit hat das Volk und die Regierung zur Aufgabe gezwungen. Wir danken der Regierung für die Entschlossenheit, mit der sie einen unhaltbaren Zustand radikal beseitigt hat, daß sie nicht ihn allmählich in sich zusammenbrechen ließ, um das Odium von sich abzuwälzen. Daß die Wirkung des Abbruches des Ruhrkampfeck' schwerste Un- ruhen auch im unbesetzten Deutschland herbeiführen muht«, darüber war sich jedermann klar; daß in Bayern und darauf im Reich der Ausnahmezustand erklärt wurde, war eine Folge dieser Wirkung. Durch die Verhängung dieser beiden Ausnahmezustände ergab sieb allerdings eine Rechtslage, die nicht ganz leicht zu ent- scheiden ist. Di« Hauptsache ist und bleibt, dafür zu sorgen, daß beide Maßnahmen sowohl in Bayern als im Reich durchgeführt werden, und wir sind mit der Regierung der Meinung, es wäre falsch, durch diktatorisckzen Machtspruch die Verhältnisse in Bayern klären zu wollen. Das Reich und Bayern müssen gemeinsam den Zustand der Ordnung herbeizuführen suchen, den sie für nötig halten. (Lachen b. d. Komm.) Die Deutsch« Volkspartei erwartet von der Regierung, daß sie insbesondere für die Wiederherstellung der Staatsautorität in Sachsen und Thüringen sorgt.(Große Un- ruh« und stürm. Widersvruch links. Rufe: Und Bayern?) Das wirtschastliche Moment ist bisher in der öffentlichen Dis- kussion etwas zu kurz gekommen. Hier handelt es sich c-orade um eine absolute Lebensfrage des Volkes, speziell auf dem Währungs- gebiet. Die Hoffnungen in dieser Beziehung sind untrennbar von der Hoffnung auf den Wiederaufbau unserer Wirtschaft. Keine Währung läßt sich wertbeständig erhalten, wenn> einhundert Millionen Mark, erfagweise für je eine Million Mart zu einem Tage Gefängnis und in die Kosten des Berfahrens verurteilt. Erzählungen aus dem neuen Rußland! LIEBEDINSKI: Eine Woche IWANOW: Panzerzug Nr. 14-69 NIKITIN, MALYSCHKIN, SSERAFIMOWITSCH Russische Erzählungen SERGEJEW: Unteroffizier Poskakuchin Verlag Carl Hoym Nachf., Hamburg 8 39: 1 Grammophenplatten tauft Belle- Heimarbeiter oder Fabrikant für laufende Alliance- Str. 95. Herstellung patentierter Spange gesucht. Fahrradankauf, Freilaufräder, höchst. Bevorzugt Hersteller billiger Frifiertämme. zahlend. Brüdner, Gitschinerstraße 78. Offerten unter E. 1091 an Rudolf Moffe, Rosenthaler Straße 48. Fahrräder kauft Linienstraße 19. Fahrradankauf, höchsten Tageskurs. Wunsch persönliche Abholung. denerstraße 120. Morigplak 3730. 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