Bezugspreis: Auzeigen-Grundprcise: «°m 7.— 1Z. Oktober t! Millionen R.»K einspaltige Nonp-r-m-z-il« voraus zahlbar. Unter Kreuzband jgg/mp.. VX\ tf/«0 Mar!. R-klamezeile Mvo Marl. vom 7—13. Oktober ILr Deutschland, iffllCltS'Pky?. A y Av jKs. a W»I»Kletne Bnzetgen" das fettgedruckte Danzig. Saar- und Memelgebiet sowie UM A\ HHI Wort 120 M. szulässtg zwei fett- Oesterreich m Luxemburg es Millionen> NW I�WSs<«MU gedruckt- Worte), jede» weitere Wort siir das übrige Ausland 02 MMioneu I«AU!rM WU Fx UW rWI WZ>W W�s AlM..«Dl. Stellengesuche das erste Wort Postbezugsprei» fretbllidend. MW I!Wkj HS M gSj fc Wi Mß! IM WH MÄ WI jTS MZ f 80 M., jedes wettere Wort SO M. - VrWä W M W W) M« W M WM M Lk M iBif—-ff Worte über 13 Buchstaben zählen »er„Borwärts- mit der Sonntag»«Bfi K�SS W W W W ßW Wg kW M W z!J W W»£/_ Pv M>°t Worte FamUienan, eigen beilege„Voll und st-it-, der Unter. Ii Lg«g>g W» WI agil LA HH Kmj ßM H für Abonnenten steile 40 W. Haltungsbeilage„Seimwelt� und der I|H RS BRiV SBL\.JBg�N.B»\ HB LH All« Srnndpreise mal Schlüsselzahl Beilage„Siedlung und Kleingarten' KZI I«M AM i ggi HWM�., �Ba\ BH zurzeit 100 000. erscheint oochentäglich zweimal, WA I«W SBl �3__ Sonntag, und Montag, einmal. ▼/ V � v GW). /_«Kl«neigen für die nächste Nummer - r m,. � � � müsse» bis Uhr nachmittags im Delegramm.Adrcsse: Kl� wA A A 1 Xa�-mAAA-�,1 f a.-a- lA-■_ a_ 1 T Hauptgeschäft, Berlin EW.S8, Linden- »ävää Zcntralorgan der"Vereinigten Sozlaldemokratlfcben Partei DeutPcblanda Keöaktion und Verlag: 610 68, Linöenstraße 3 i] fti.rfttlirprfii»f Redaktion: Dönhoff SSL— LS» �ernsprecyer. Verlag: Dönhoff SSVV-SS07\\ Donnerstag, den 11 Oktober INAZ vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 68, Linöenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 37ö 3K— Bankkonto: Direktion der Diskonto-Tesellschaft, Depofitenkasse Lindenstrafte 3 Reichsgewalt und Arbeitszeit. Kahrs Diktatur in Bayern, Poincar6s Weigerung, mit der deutschen Regierung über die Wiederherstellung der wirt- schaftlichen Ordnung an Ruhr und Rhein zu verhandeln, der Versuch der Bergherren, gegen Gesetz und Tarif die Arbeits- zeit selbstherrlich zu regeln, der Otto-Wolff-Vertrag, die Ver- Handlungen von Stinnes u. Co. mit Degoutte, das alles weist nach derselben Richtung hin. Die Reichsgewalt hängt zwischen Tod und Leben, sie verteidigt gegen den französischen Imperialismus, die bayerische Reaktion, das vaterlandslose Kapital die letzten kümmerlichen Reste ihrer Existenz. Und der Stand der Mark reflektiert auf Wirtschaft- lichem Gebiet die Phasen dieses Todeskampfes, in dem sich Weltgeschick und Einzelgeschick von Millionen Menschen ent- scheidet. Der Reichsausnahmezustand, das Ermächtigungsgesetz, das heute im Reichstag verabschiedet werden soll, sind letzte Versuche zur Zusammenraffung der Kräfte. Einschränkung der staatsbürgerlichen Freiheit und der Rechte des Parla- ments sind Maßregeln, zu denen man sich nur entschließen kann, wenn Letztes auf dem Spiel steht. Der Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, mit den Mitteln, die ihm verblieben sind, um seine Selbsterhaltung zu kämpfen, er tut das nicht um seinetwillen oder um der Re- gierung willen, die augenblicklich am Ruder ist, sondern um der Menschen willen, die mit ihm zugrunde gehen, wenn er zugrunde geht. Nirgends findet dieser Kampf stärkeres Verständnis als bei der deutschen Arbeiterklasse. Keine Verleum- dung kommt gegen die Tatsache auf, daß die Arbeiter in ihrer überwältigenden Mehrheit in allen Fährden und Nöten zum Reich gestanden haben, und daß sie noch zu ihm stehen. Die Arbeiterklasse fühlt instinktiv, daß ihr Schicksal mit dem des Reiches unzertrennlich verbunden ist, und soweit sie sozialistisch geschult ist, erkennt sie, daß ihr Politischer und sozialer Auf- stieg, ihr Dasein selbst in Frage gestellt ist, wenn das Reich nicht mehr besteht. Nur in seinem Zusammenhalt und in straffer Durchstaatlichung kann die dichtgedrängte Industrie- bevölkening auf dem Bbden des Reichs Erwerbsmöglichkeit und Nahrung finden. Nur eine starke Staatsgewalt bietet die' Möglichkeit zu ihrem sozialen Ausstieg. Der Kampf um die politische Macht verliert seinen Sinn, wenn sein Objekt verschwindet, wenn eine politische Macht nicht mehr besteht. In Ost und West und Süden hat es daher gegenüber aller Lostrennungsbestrebungen für die deutschen Arbeiter nur eine Parole gegeben:„Treu zum Reich!" In dieser Stimmung, dieser Erkenntnis der Arbeiter liegt die letzte Hoff- nung für die Erhaltung oder die Wiederaufrichtung Deutsch- lands. Diejenigen, die mit dem blöden Schlagwort„Marxis- mus" krebsen tzehen, sollten sich lieber ernstlich mit der Sache beschäftigen, sei es auch nur von ihrem nationalen Gesichts- punkt aus. Sie würden dann begreifen, was der Marxismus gerade für die reichserhaltenden Tendenzen in der deutschen Arbeiterschaft bedeutet. Indem die Sozialdemokratie das Reich verteidigt, ver- teidigt sie die Lebensinteressen der Arbeiterklasse. Aber das kann sie nur, wenn sie die Möglichkeit hat, i m Reich auch die besonderen Arbeiterinteressen zu oertreten. Es gibt Leute, die ganz objektiv der Meinung sind, eine Erhöhung der Pro- duktion— deren Notwendigkeit niemand verkennt— lasse sich nur durch Leistung von Mehrarbeit erzielen. Mit ihnen kann man diskutieren. Aber die Leute, die in der letzten Zeit ihren Feld zu g gegen den Achtstundentag singe- leitet haben, sind von ganz anderer Art. Sie sind Vertreter nackter Profitinteressen, denen zuliebe sie jede nationale Disziplin und jede Achtung vor der Staatsautorität ver- leugnen. Ihnen geht es nicht um die Sache der Allgemeinheit, fondern um ihr gerades Gegenteil. Und für sie sind die Pressionen, die sie ausüben, nicht nur Selbstzweck, sondern noch viel mehr Mittel zum Zweck. Sie wollen damit die So- zialdemokratie aus den Regierungen des Reichs und den Einzesstaaten hinausdrängen, sie wollen die Arbeiter jedes Einflusses auf den Staat berauben, um dann auf dem ver- bleibenoen Trümmerhaufen deutscher Reichsgewalt den Altar des goldenen Kalbes auszurichten. Man braucht noch lange kein Sozialist zu sein, um aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts soviel gelernt zu haben: Der Kapitalismus wird zum reißenden Ungeheuer, wo k e i n e Staatsgewalt ist, um ihn zu bändigen. Selbst das Kaiserreich sah sich aus Gründen der Selbsterhalümg zur Schaffung von Sozial ae setzen genötigt. Und selbst im Kaiserreich bat sich da» Schwerkapital in ständiger Fronde gegenüber dieser Sozialgesetzgebung befunden und gegenüber der Regierung, die sie ausführte. Ueber den Parteien, die sich ihm ergeben hatten, schwang es rücksichtslos die Peitsche. Daraus wird man aber auch«och etwas anderes be- greifen: Es ist sehr zweierlei, ob etwa ein Professor, dessen Sersönliche Uneigennützigkeit außer Frage steht, über die längel des„starren" Achtstundentages doziert, oder ob die Blüte des Scharfmachertums einem schwer erkämpften A r- beiterrecht den Krieg ankündigt. Man muß die Herren entweder für entsetzlich dumm hellten, indem man poincares /lnttvort. Varl». 10. Oktober.(MTV.) Zu dem Schritt, den der deutsche Gcsck)äststräger Volschaftsrat von h o e s ch heute vormittag am Quai d'Orsay unternommen hat, schreibt der„Temps": Minister- Präsident Voincare antwortet, daß die Einstellung des passiven Widerstandes einfach zu lokalen Abkommen zwischen den alliierten Behörden und den Bewohnern der besetzten Gebiete führen müsse. Es sei nicht angebracht, sie mit Verhandlungen mit der B e- giernng zu verbinden. An Ort und Stelle würde man die Einstellung des passiren Widerstandes feststellen. Diese Antwort ver- hindere keineswegs die Verhandlungen, welche später zwischen sämt- lichen Alliierten und Deutschland eröffnet werden könnten, wenn der Widerstand aufhört und die deutsche Regierung einen Zahlungs- Vorschlag gemacht habe. Weil davon entfernt, den Weg zu versperren, der zu einem Einverständnis führen könne, führe die französische Regierung Deutschland auf diesen Weg zurück. Indem sie Deutschland davon abhalte, auf den Busch zu Nopsen, wünsche sie, so führt der.Temps" ans. daß die deutsche Regierung schließlich auch die Lage begreife. Die Antwort, die Poincarö, laut„Temps", dem deutschen Geschäftsträger erteilt hat, ist nicht ganz so schroff gehalten, wie die gestern von uns glossierte Havas- Note. Dennoch trifft auf diese Antwort alles zu, was wir über die Havas-Note gesagt haben. Die deutsche Regierung hatte in Paris, wie in Brüssel, vorgeschlagen, eine französisch-. belgisch-deutsche Kommission zu bilden, die sich mit der Wieder- � auinahme der industriellen Tätigkeit im Ruhrgebiet zu be- schäftigen hätte. Poorarä antwortet darauf, daß er lokale Abkommen zwischen den alliierten Behörden und den Ve- i wohnern der besetzen Gebiete vorzieht. Das ist ein ganz unmöglicher Standpunkt, der das Chaos im Ruhr- gebiet verewigen muß. Wir sind überzeugt, daß das Ver- j halten des französischen Ministerpräsidenten in dieser Frage selbst in Frankreich keineswegs einhellig gebilligt wird, ganz abgesehen davon, daß es in Belgien und insbesondere in England starke Verstimmung auslösen muß. Von deutscher Seite kann der verhängnisvollen Politik Poin- car<5s nur dadurch entgegengewirkt werden, daß einerseits den Sonderaktionen und Sonderbestrebungen der deutschen Unter- nehmergruppen schleunigst ein Riegel vorgeschoben wird, und daß andererseits von der Regierung der auch von Poincarä gewünschte Schritt bei der Reparationskommission unter- nommen wird. Spricht man über Reparationen, so muß man auch über die Ruhr reden, beide sind nicht zu trennen. Internationale Soliüarität. In einer am 6. Oktober in London abgehaltenen Sitzung des Vereinigten Internationalen Komitees des Generalrates des Gewerkschastsbundes und des Vorstandes der Arbeiter» vartei wurde die Veröffentlichung folgender Erklärung über die internationale Lage beschlossen: „Da, Vereinigte Internationale Komitee des Generalrates des Gewerkschaftsbundes und der Arbeiterpartei drücken ihr tiefes Bedauern über die Ensscheidung der englischen Regierung au», die in den Worten von Lord Curzon ausgesprochen wurde,„die nächsten Vorschläge der französischen Regierung abzuwarten", bevor 1 aktiver« Schritte unternommen würden, um jene„ruinöse Kata- 1 strophe" zu vermeiden, die als Folge der Politik Poincaräs Europa bedroht. Die britische Rote vom 11. August, die die dringende Mahnung enthielt, daß„im Interesse der Allgemeinheit eine positive Aktion nicht länger hinausgezögert werden dürfe" und„eine gesonderte Aktion notwendig werden könnte, um eine Regelung zu beschleunigen, die nicht länger verschoben werden dürfe, falls nicht die schlimmsten Konsequenzen für den chandel und für den Frieden eintreten sollten", kündigte ein« Politik an, die zwar die Lage nicht genügend würdigte, aber immerhin eine nicht mehr rein passive bleiben sollte. Herr Poincare verkündet nun die Zerreißung des Vertrages von 191g und die Aufstellung eines neuen Abkommens durch Frank- reich allein auf der Grundlag« einer völligen Mißachtung der britischen Interessen und der Rechte und Meinungen der sonstigen Unterzeichner des Vertrages. Cr und diejenigen, für die er handelt, sind offenbar entschlossen, den Wiederaufbau der zer- störten Gebiete Frontveichs durch Deutschland und das eigene finanzielle Gleichgewicht einer Politik zu opfern, die danach strebt, das Ruhrgebiet und das Rheinland vom Deutschen Reiche loszureißen und so die wirtschoftliche Versklavung de» deutsche« Volkes und die militaristische Hegemonie Frankreichs in Europa zu sichern. Ein« britische Politik, die sich in Abhängigkeit von der französischen Initiatioe befindet, gibt erst den Franzosen die Zeit und die Mög- lichkeit zur restlosen Verwirklichung dieser Pläne. Sie bedeutet die Zustimmung Englands zu einer für die internationalen Interessen und für die Wiederherstellung des Welthandels verhängnisoollen Ent- Wicklung. Sie würde einer jeden wesentlichen Besserung in der Ar» beitslosigkeit im Wege stehen und unsere eigenen Industriebezirke in verwüstete Gebiete verwandeln. In dieser neuen Lage erklärt die britische Arbeiterbewegung, daß » mehr denn je für die britische Regierung notwendig ist, ei» klares Programm bezüglich der britischen Politik auf dem Kontinent zu formulieren. Wir sind der Meinung, daß die britische Regierung sofort öffent- lich verkünden sollte, daß nach ihrer Ansicht die Aufgabe des passiven Wider st andes durch die deutsche Regierung eine sofortig« Gegenlei st ung erfordert, und zwar in der Form einer schnell«« Wiederherstellung des öffentlichen und des Wirtschaft- lichen Lebens im Ruhrgebiet unter deutscher Verwaltung. Die Ge- fangenen und Ausgewiesenen mühten die Erlaubnis erhalten, zu ihrer Arbeit und ihrer Heimat zurückzukehren; die entfernten Be- amtsn müßten wiedereingesetzt werden; die Verbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland müßten wiederhergestellt werden: die Be- schlagnahm« van Gütern und Personen durch die Besatzungstruppen muhte aufhören. Es ist insbesondere dringend erforderlich, daß die britisch« R«- gierung«ine sofortige Erklärung gegen die offen« oder verschleierte Annexion deutschen Gebietes abgibt und da» französische Verlangen auf Leistung eines Eides bei der Unterwerfung unter die französische Verwaltung durch die deutschen Eisenbahner und Postbeamten nicht nur als im Widerspruch zum Versailler Ver- trag stehend, sondern auch als ein« Verletzung der Menschenrechte brandmarkt. Ein endgültiges Abkommen mit den Deutschen kann nur erreicht werden, indem man„diskutiert, überzeugt und Kompromisse ein- geht", wie es Lord Eurzon im Falle der Türkei erklärt hat. Es müssen daher allgemeine und sofortige Verhandlun» gen zwischen den Alliierten und Deutschland stattfinden, wobei das Recht des letzteren, an diesen Verhandlungen teilzunehmen, nicht länger bestritten werden darf. Die britische Regierung muß erklären, daß sie niemals ihre Zu- stimmung zu irgendwelchen Änderungen der Bedingungen des Der- sailler Vertrages geben wird, die nicht die Tatfache anerkennen würden, daß die Verwaltung und Kontrolle des Ruhrgebietes und de» Rheinlandes dem deutschen Volke zusteht und eine polltisch und wirtschaftlich unerläßlich« Vorbedingung für die Erfüllung irgend» cmes Reparationsabkommens durch die deutsche Regierung bildet. Darüber hinaus hat die britische Regierung die dringende Aufforderung an die Dereinigten Staaten zu richten, daß st« ihre« Anteil on der Sicherung des Friedens und des finanziellen und wirsschaftlichen Wiederaufbaues der Welt nehmen; ferner ist die Einberufung einer sofort abzuhaltenden Konferenz zwischen den Vereinigten Staaten und den übrigen interessierten Mächten vorzuschlagen, um zu einem Abkommen über die inter» alliierte« Schulden zu gelangen. Falls die französische Regierung sich weigern sollt«, gemein- sam mit England sofort Verhandlungen mit Deutschland«inzuleiten und die aus fortgesetzten Verletzungen des Versailler Vertrags be- stehende Politik Poincar�s einer Revision zu unterziehen, muß die britische Regierung eine Konferenz der Signatarmächte de» Versailler Vertrages einberufen, um zu der neuge- schaffen«« Lage Stellung zu nehmen." Der frattzSfische GetverkschaftSbnnd für direkte Verhnndlnngen. Varl». 10. Oktober.(SE.) Die heulige Vormitlagssihung der französischen Gewerkschafi»kommisflon beschäftigte sich mit der all- gemeinen politischen Lage und besonders mit dem Reparakionspro- blem. 3n einer einstimmig gefaßten Resolution heißt es wörtlich: Nachdem nunmehr der passive widerstand im Ruhrgebiel einge- stellt ist. sollten sofortige Verhandlunge« fiber�dte Reparationsfrage beginnen. Die französische Gewerkschasl»- kommisflon gibt der Erregung der französischen Arbeiterschaff über die Nachricht Ausdruck, daß die Besatzungsmächte mit den großen denk. scheu Unternehmern Verhandlungen eingeleitet haben, mit den Unternehmern, die die Verbündelen der Alldeutschen sind. Diese machen kein hehl daraus, daß sie unter dem Schuh des französisch- belgischen Militarismus alle Errungenschaften de» deutschen Prole- tariats, nämlich den Achtstundentag und das Mitbestlm- mnogsrecht zu oernichlen beabsichtigen. Die französische Ge- werkschaflskommission stell! fest, daß die Besatzungsmächke nicht ge- zögert haben, mit dlefer Partei in Verbindung zu treten, während sie gleichzeitig Ausflüchte suche«, um direkte Verhandlungen mit der zuständigen deutsche« Regierung nicht anzubahnen und es ablehnen, mit den deutschen Gewerkschaften Verhandlungen einzuleiten. Die neue sächsische Regierung. Dresden. 10. Oktober.(Eigener Drahlbericht.) Nach lang- wierlgen Verhandlungen ist heute abend kurz nach 9 Uhr ist« Ent- fchetdung in Sachsen gefallen. Den Kommunisten wurde da, Zinanz-, Volksbildung»-. Wirkschafts, und Arbeilsministertum zur Auswahl angeboten. Nach eingehender Beratung beanspruchte die Spv. da» Finanz» und das wirtschaflsministerinm. Sie präsentierte als Zinanzminisier den Landtagsabgeordneten Böttcher, als Wirischaftsminister heckerk. Die sozialdemo- kratischen Minister Held und Zellisch scheiden somit an» dem «abinett au». Brandler wird zum Ministerialdirektor und Leiter der Slaatskanzlei ernannt. JMisAmm: mwmmum 2 mmn meint, sie wüßten nicht, daß sie durch ihren brutalen Vorstoß das Problem der Arbeitszeit fast unlösbar machten, oder man muß annehmen, sie wüßten es und wollten es. Wir halten diese zweite Annahme für richtig. Was diese Herren wollen, ist nicht die wirtschaftliche Ord- nung, sondern der politische Kladderadatsch. Sie benützen das Arbeitszeitproblem als Swrmbock gegen die Koalitionspolitik und gegen den Einfluß der Arbeiter auf den Staat. Ihr Ziel ist nicht die gesetzgeberische Reform, sondern die Gesetz- l o s i g k e i t, die sie mit ihrem selbstherrlichen Anschlag im Ruhroebiet zu proklamieren versucht haben. Es ist doch nicht so, daß dem Achtstundentag die schlimmste Gefahr droht aus einer Gesetzgebung, an der die Sozialdemokralen und Arbeitnehmervcrtreter aus anderen Parteien beteiligt sind. Die s ch l i in tn st e G e f a h r d r o h t i h m aus der Gesetzlosigkeit. Wenn die Neichsge- walt bis auf den letzten Rest zerrüttet ist, wenn Gesetze und Verordnungen nicht mehr gelten, dann diktiert das Unter- »ehmerlum den Arbeitern seine Bedingungen auch in der Frage der Arbeitszeit. Und wenn ihm das in bestimmten Reichsgebieten gelingt, so wird sich in anderen Gebieten, wo die Arbeiter heute noch stark an der Macht zu sitzen glauben, der Achtstundentag eben auch nidst mehr halten lassen! Mögen sich die bürgerlichen Parteien davor hüten, sich in der Frage des Arbeitszeitgesetzes zu einer politischen Machtprobe gegen die Arbeiter mißbrauchen zu lassen! Das Reich verträgt solche Kraftproben nicht! Mögen sich aber auch die Arbeiter nicht einreden lassen, daß es einen sozialdemo- kratischen Abgeordneten gäbe, der bereit wäre, leichten Herzens auch nur ein Tüpfelchen an Arbeiterrechten preiszugeben. In ihrer elenden Lage von heute bedürfen die Arbeiter mehr denn je einer kräftigen und nmsifljtigen Vertretung, und nie kann es sich für uns darum handeln, o b man Arbeiter- interesien vertreten will, sondern nur darum, w i e man sie am besten verlritt. Sie werden immer nur zu vertreten sein im Kampf gegen das großkapitalistische Scharsmachertum, und so kann es sich nur darum handeln, w i e man diesen Kampf gm richtigsten führt. Es geht nicht n u r um den Achtstundentag, es geht auch um die letzten Reste der Reichsgewalt, auch um die Republik. Einst sagte man:„Kaiser und Reich sind an einem Tage geboren." 5)eute kann es heißen:„Achtstundentag und Republik sind an einem Tage geboren." Mit den Arbeiter- rechten verteidigen wir auch die Grundlagen, auf denen sie beruhen und ohne die sie in sich selbst zusammenfallen. ,3n üeutschem Geiste". Die Verhandlungen der Industriellen mit den Franzosen. Durch die Telegraphen-Union wird folgende Erklärung ver- breitet: Die Reichstagisrattion der Deutschen volkspartei beschästigte sich in ihrer Froktionssitzung mit den gegen die Abgeordneten S t i n- n es und Dr. Vögler gerichteten Angriffe. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Fraktion erklärt, gegenüber den wegen der Verhandlungen mit General Degoutte gegen die Herren Stimus und Bög'.er in der Presse erhobenen Angriffe, daß sie nach Kennt- msnahme der schriftlich niedergelegten Verhandlungen e i n st i m- m i g zu der Ueberzeugung gelangt ist, dag die Verhandlungen von Anfang an in loyalem Zusammenwirken mit der R« ich s re g i.e r.u n g geführt worden sind und daß/die Reichs- regierung über all« Phasen unterrichtet worden ist. Die VerHand- lungen waren im Interesse des besetzten Gebietes zwecks sofortiger Ausnahme der Arbeit im besetzten Gebiet dringend erforderlich. Sie sind durchaus in deutschem Ge i st e geführt worden und oer- dienen den Dank des gesamten Volkes. Di« Fraktion legt deshalb schärfste Verwahrung gegen die schwere Verletzung der vaterlän- dischen Interessen ein, die durch die entstellte Veröffentlichung des durch einen groben Derlrauensbruch erlangten Brieses des Herrn Stinnes vom 7. Oktober in einem Teil der Presse erfolgt ist, sowie gegen die daran geknüpften gehässigen Angriffe in dem Artikel der „Voss. Z t g." vom 10. Oktober. Diese Erklärung der Fraktion der Deutschen Volkspartei schweigt sich über den Inhalt der Verhandlungen der In- dustriellen aus und betont nur, daß sie im Einverständnis mit Mustk-Hauste. ..onzertuinschau von Kurl Singer. Es gibt immer noch Musik in Berlin, gut« sogar. Mit großen Opfern, denen fast nie«in Lohn an Ruhm und Karrier« entspricht, dirigieren, spielen unsere mutigen Musiker. Ein Milliardenvertust ist ihnen als einzige Sicherheit geboten, sofern sie nicht schon Matadoren-Honorare für sich wie den Agenturen in Anspruch nehirocn können. Aber auch die seufzen, und ietzt sogar einmal mit Drei- »iertelrecht. Wir können nunmehr nicht verlangen, daß uns nach vielen Proben neu einstudierte Werke vorgesetzt werden. Die Qualität d«r Ausmahl richtet sich nach Geldbeuteln, die selbst bei renommierten Musikanten in solcher Füllung selten geworden sind. Man riskiert nicht genr« mehr als einmal Kopf und Kragen. Wer es dennoch wagt, ist«in Idealist. So Klans Pringsheim, der sich mit Kraft und Inbrunst dem Lebenswerk Mahlers verschrieben hat. Die Aufführung der ü. Sinfonie wer«ine hervorragende Talentprob«: das Werk klang durchdacht und dennoch mustkgeladen, temperamentvoll und doch gehalten, klangvoll bei oller rhythmischer Scharfe. Dankenswert war auch das Konzert von Helnz U n g« r, der die kleine Cecilien-Od« Händeis mit großer Hingabe studiert hatte, an Chor und Orchester aber weniger Elastizität als Gegengabe kand. Das Wesentlich« an diesem schönen, selten gehörten Werk sind die Solo-Arien und Rezi» tatloe� die zum Lobe der Musik und ihrer Ausdrucksorgane, der In- stnimeni«, gesungen werden. Roch über den göttlichen Klang der Orgel singt Cacilia selber. Frau Lotte Leonard war wirklich Siegerin mit der zarten, stinen, glockenreinen Koloraturstimm«, die sich in den italienischen Piimadonna-Verzierungen ebenso zwanglos dem Spiel wie im bei canto dem beseelten Ausdruck hingab. George Walter überzeugt« stilistisch, nicht durch Stimmreiz. linger, der das Zeug dazu hat, sich in verschiedenste Aufgaben ein- juleben und dem«ine Position nottut, schloß mit der von ihm schon dirigierten 4. Mahle rschen Sinfonie. Bruno Walter ist nun als Liebling des alte» Rikisch-Putli- kums die größte Dirigier-Zugkraft geworden. Es rennt das Volt. Merkwürdig, daß«s sich an die männlichere Kraft Furtwängl«rs langsamer gewöhnt. Mit dem letzten Programm Walters konnten allerdings Häuser gefülli roerder-, und mit der Wiedergabe der Werk« erst recht. Statt der Jupitersinfoni« kam«ine, unbekannrek« E-Dur- Sinfonie Mozarts zu Gehör(Köchels Nr. 28) mit der bei Walter „nd den Philharmonikern schon fast üblichen Delikatesse und Fein- arbeit. Besonders Allegro und Menuett schwebten nur so dahin, während das Presto mehr zu einem Virtuosenstück wurde, Arthur Schnabel spielt« darauf das dem Mozartschen Musikgeist nahe- stehende E-Motl-Konzert Beethovens mit einer Anmut und emer festlich aelockerien Musizierfreud«, die es bedauerlich erscheinen lassen, daß dieser reifste aller Pianisten von Kultur schon wieder nach Amerika auswandert. Das gl-ickx Schicksal bei Carl Flesch, der siingft so spielt«, daß mit der Schönheit seines Tons nicht einmal pie Erinnerung an Bescey konkurrieren konnte. In der Phantasie der Regierung erfolgt wären, die durch den Ausbruch der Krise an der Kontrolle der Einzelheiten verhindert war. Das Wefent- liche an den Verhandlungen war aber nicht die Tatsache, daß die Industriellen verhandelten, sondern worüber und w i e sie verhandelten. Das Reich ist durch die Krise, die eben den Bestand der einzigen, überhaupt noch möglichen legalen, ver- sassungsmäßigen Regierung erschütterte, aufs äußerste gefährdet. Roch sind nicht alle Einzelheiten der Krise geklärt, aber es steht doch bereits fest, und gerade der in der„D. A. Z." veröffentlichte Artikel von. Hugo Stinnes bestätigt es, daß die g e f ch ä f t l i ch e Einstellung der Industriemagnaten zu allen politischen Fragen eine, wenn nicht die Ursache dieser Krise gewesen ist. Die Krise ist kaum vorüber, da wird die Gelegen- heit von vielleicht wegen Aufnahme. der Arbeit im Ruhrgebiet unvermeidlichen Besprechungen zu Erörterungen von inner- deutschen Problemen benutzt, die eben erst durch Verein- barungen der Parteien geregelt sind. Gleichzeitig wird die Arbeiterschaft in der provozierend st en Weise mit der— wirtschaftlich gerade in diesem Moment ganz un- verständlichen— Forderung nach sofortiger, einseitig fest- gesetzter Rückkehr zur Vorkriegsarbeit überfallen. Das ist der Tatbestand, der auch dann nicht zu erschüttern sein wird, wenn die Verhandlungsprotokolle wie das Schreiben an die Regierung der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Die Schluß- kolgerung-m, die die„Voss. Ztg." aus dem politischen Auftreten des Herrn Stinnes gezogen hat, ziehen auch andere Leute. Zu ihnen muß jeder kommen, der unvoreingenommen beobachtet, wie die Herren Industriellen unter Führung von Stinnes ihre Autorität und nicht die des Staates glauben wie einen roodor de bronce stabilisieren zu können. Die Entlastungsoffensive der Deutschen Volkspartei zu- gunften ihrer angegriffenen Mitglieder, die von der Fraktion menschlich verständlich sein mag, kann an der politischen Beur- teilung der Dinge nichts ändern. Die Induftriemagnacen haben" in Deutschland durch ihre wirtschaftliche wie� politische Haltung alles getan, um die Auflösung des Reiches wie der Staatsgewalt zu fördern. Sie haben dem Bürgertum einzureden versucht, daß dann wenigstens die Erhaltung dessen, was sie„deutsche Wirtschast" nannten, übrig bleibe, obwohl diese„deutsche Wirtschaft" nur in ihrer schrankenlosen, schwer- industriellen Vormachtstellung über die gesamte deutsche Wirt- schast bestand. Die Ereignisse der letzten Tage haben nur er- neut auch Fernerstehenden die ganze Größe der Gefahr gezeigt, die in dieser Vormachtstellung innen- und außenpolitisch liegt. Das Deutsche Reich wie das deutsche Volk wird sich nur dann zu einer besseren Zukunft emporarbeiten können, wenn diese schwerindustrielle Diktatur g e b r o ch e n' wird, wenn Staat und Volk wieder die Herrschaft über seine Gegenwart und Zu- kunft gewinnt. Dazu hat auch der Volksparteiler Kalle einiges Interessante gesagt, das man im Landtagsbericht nachlesen mag._ öeratungen im Reichskabinett. Das Reichskabinett beschäftigte sich gestern mit den zehn Forderungen der Industrie. Außerdem standen die Antworten der französischen und belgischen Re- giecung als Ergebnis der von den Geschäftsträgern in Brüssel und'Paris unternommenen Schritte zur Er- örierung. Die Geschäftsträger sollten an Frankreich und Belgien das Ersuchen um sofortige Ausnahme von Berhand- lungen zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse im Ruhrgebiet richten. Die zu diesem Zweck unternommenen Vorstellungen haben ein p o s i t i v e s E r g e b n i s nicht gehabt. Die belgische Regierung zeigt wohl einen guten Willen, aber sie scheint Frankreich gegenüber machtlos und dürfte sich deshalb auch in bezug auf direkte Verhandlungen den Bestrebungen Poincarss fügen. Unser Parteiorgan in Göltlngev, das.VolkSblati", ist wegen eines ArnkelS„Sozialistcn auf die Schanzen!" im Auftrage dcß MilitärbefehIShaber? v. L o n b e r p für fünf Tage verboten worden. Da da§ Verbot durch das Oberpräsidium Hannover weitergeleitet werden mußte, behauptet die gestern wieder erschienene, unterdessen aber bereits wieder verbotene„Note Fahne", Oberpräsident Noske habe ein sozialdemokratisches Organ verboten. Verleumdungen gehören nun einmal zum Requisit der Volksvcrhetzer. von Sut kam zudem die ganz« Brillanz seiner Bogentechnik zutage, und es zeigt« sich, daß hier einmal die Seele eines Details durch- denkenden Philologen mit der anderen Seele des Vollblutmusikers «inen festen, strahlenden Bund geschlossen haben. Efrem Kurz de- gleitete mit Sicherheit und Geschmack. Alfred Sittard aus Homburg ist nicht das, was man«inen geborenen Dirigenten nennt. Sein Organistenamt bringt ihn dazu, auch Chöre zu dirigieren. Er wt das mit akademischer Richtigkeit. äußerlich gewandt und aufmerksam aus die Tücken der Vielstimmig- keit. Bei gutem Frauenmaterial bleibt der S t.- M i ch a e l s- K i r ch e n ch or doch an Sinnlichkeit des Klangs, Präzision der Sprache, Stufung der Kontraste weit hinter den guten Berliner Chören zurück. Volkslieder in der Bearbeitung von S. Ochs wurden hübsch vorgetragen, die Ißstimmig« Hymne von R. Strauß, wohl eines der schwersten s-cappella- Stück« der Literatur, wurde knapp im Tonlichen richtig getroffen. Und die Bläsermess« Bruckners(die überhaupt nicht in den Konzertsaal paßt) konnte nur in den Allegro- Partien, kaum aber in der Darlegung des außergewöhnlich reichen Stickimungswertes sowie der reichen Kontrapunktik sSavetu,) befriedigen. Warum also die teure Reise? Sittard ist ein hervor- ragender Organist. Seiner vielseitigen Orgelkunst zu lauschen war der Gewinn der beiden Abende und wohl auch der tiefere Zweck. Wir werden ihm weiter zuhören, wenn er spielt, nicht wenn er singen läßt.__ 5reiwlllige und unfreiwillige Hnngerrekorös. Bei der gliitflichen Errettuno der 5 englischen Bergwerksarbcüer aus der überschwemmten Grube bei Falkirt hat am meisten Er- staunen erregt, daß sie 9 Tage lang nur„von Hoffnung und Wasser" lebten. Trotz des langen Fastens empfanden sie keine starken Hun- gerqefühle. Di« Wissenschaft hat aber festgestellt, daß ein neun- tägiges Fasten für einen gesunden Menschen kein« so überaus schwierige Leistung ist. Versuchspersonen, die sich freiwillig dem Hungern unterwarfen, hielten neun Tage recht gut aus. Run ist allerdings zu bedenken, daß bei der unfreiwilligen Hungerkur der Bergarbeite? di« Fastenden nicht bequem in ihren Betten lagen, sondern sich in der Dunkelheit einer überfluteten Kohlengrube be- fanden, daß sie Kälte und Angst ausgesetzt waren. Trotzdem ist ihre Lage sehr viel leichter gewesen als die mancher Schiffbrüchigen, die, wie z. B. die Mannschaften der„Treoessa", viel« Tage auch ohne frisches Wasser und in glühender Sonnenhitze aushielten. Den Rekord des unsveiwillige» Hungerns unter den Bergarbeitern hat zweifellos jener letzt« Ueberlebende bei dem Minenunglück von Courrieres 190« in Frankreich aufgestellt, der 2« Tage in der Ti«fe d«? Erde lebendig begraben war. Aber dieser Bergarbeiter hatte wenigstens für die erste Woche genügend Nahrung. Wie lange der Mensch ohne Nahrung freiwillig existieren kann, darüber sind die Ansichten der Forscher geteilt Verschiedene Hunqerkünstler, wie z. B. Tanner und Succhi, haben 40, sogar 50 Taae ohne jede Nahrungszufuhr verbracht, und in der englischen Fachzeitschrift „Lancet" wird von einem 62jährigen Mann berichtet, der vier Monate hindurch kein«'Speise zu sich nahm und mit dem Leben Die �lrbeitsfrage im Ruhrgebiet. Di« in der Press« veröffentlichten angeblichen Bedingungen der französischen Besatzungsbehörde für die Wieder- aufnähme der Arbeit hoben den Gewerkschaften des besetzten(Sc- biete? Veranlassung gegeben, den General Degoutte um ein« Be- sprechung zu ersuchen. Diese Besprechung fand am Dienstag- nachmittag mit einem Vertreter, dem General Dsmoges, statt. Es wird uns darüber berichtet, daß der französische General alle G«- rächte über di« Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit und Akkordarbeit, Abschaffung des Betriebsrätegesstzes, Aufnahme jeder zugewiesenen Arbeit, widrigenfalls die Zlusweisung erfolgt, mit der allergrößten Entschiedenheit als falsch bezeichnete. Keine fron- zäsisch« Behörde und kein fronzösisch-er Beamter, auch kein« sonstig« französische Stelle, beschästig« sich mit derartigen Plänen. Den Ge- Verkschaftsvertretern wurde anheimgegeben, in jeder beliebigen Weise von dieser Erklärung Gebrauch zu machen. Di« Franzosen würden sich nicht darum kümmern, ob die deutschen Arbeiter vier Stunden oder zwanzig Stunden arbeiten. Sie würden in die deutsche Arbeitergesetzgebung keinen Eingriff vornehmen und lehnten es ab, mit deutschen Industriellen über dies« Frage über- Haupt zu verhandeln. Alle diese Erklärungen waren so bestimmt und eindeutig und wurden so oft wiederholt, daß bei den Eewerk- schaftsoertretern kein Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung aufkommen konnte. Alle gegenteiligen Nachrichten müssen demnach als falsch angesprochen werden., Bochum, 10. Oktober.(Eigener Drahtbcricht.) Di« Verwaltung und der Betriebsrat der Zeche Recklinghausen I und II haben mit zwei Angehörigen der französischen Ingenieurkow>nission über die Wiederaufnahm« der Arbeit verhandelt. Es wurde eine Einigung auf folgender Grundlage erzielt: Die französisch« Bcsatzungsbchörd« mischt sich nicht in den Be- trieb unter Tage ein, dessen Regelung der Betriebsleitung obliegt. Dagegen behalten' sich die Franzosen die Oberleitung in den Tagesbetrieben, besonders in den Kokereien und den Anlagen für chemisch« Produtte vor. Die Kokereien müssen un- mittelbar in Betrieb gesetzt werden. Dafür ordnet die Besatzung?- behörde die Zurückziehung der französischen Posten an. Das Betriebsrätsgesetz bleibt in Kraft. Di« Betriebsräte ver- sehen sowohl unter wie über Tage ihre Funktionen. Weiter wurde der bestehend« Tarif anerkannt, auch soll das Kohlendeputat wie bis- her gehandhabt werden. Die französischen Beauftragten versprachen, sich für beschleunigte Zufuhr von Lebensmitteln und für die Rück- kehr der ausgewiesenen Beamten und Arbeiter einzusetzen. Die Verhandlungen auf der Zech? Ickern bei Rauxel haben zu keinem Ergebnis geführt, weil die Franzosen die Forderung ab- lehnten, den Ausweisungsbefehl gegen die Direktoren der Zeck)« zurückzunehmen und die Regiearbeitsr zu entlassen. Da die Unternehmer des Ruhrbergbaues entgegen einem be- sonderen Abkommen mit den Franzosen ohne Rücksicht auf di« Er- werkschasten in Verhandlungen eingetreten sind, hat der Berg- arbeiteroerband beschlossen, sich für Forderungen nach Aufhebung bestimmter Ausweisungsbefehl« wie sie in Ickern ausgestellt wurden, nicht mehr einzusetzen. Reichstag unÜ Rrbeitszeitgefetz. Der A e l t e st e n r a t de? NeichstagS hat gestern beschlossen, daß baZ Plenum nach der beute eintretenden Vertagung am Don- nerSlag nächster Woche zur Erledigung des Arbeits- ze.it gel etzeS wieder zusammentreten soll. Uebcr die späteren Dispositionen ist noch nichts bestimmt. Neues verbot öer„Roten Zahne". Der ReichZwehrminister hat verordnet: „Auf Grund des§ 1 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 26. 9. 1923 verbiete ich bis ans weiteres Herstellung und Vertrieb der» R o t e n F a h n e da sie in ihren Nummern 217 vom 9. 10. 1923 und 213 vom 10. 10. 1923 zur Vorbereitung deS politischen Generalstreiks aufruft und die Reichs- Wehrsoldaten zur politischen Belätigung und zum Unge- h o r s o m auffordert. DaS Verbot gilt auch für jede andere Zcilung, die als Ersatz für die„Rote Fahne" neu herausgegeben oder ihren Abonnenten zugestellt wird." davon kam. Im allgemeinen kann man sagen, daß ein gesunder Mensch so lang« ohne Nahrung bleiben kann, bis er ein Drittel seines Körpergewichts verloren hat. Aber der Verlust des Gewichts vollzieht sich m sehr verschiedener Weise. Succhi z. B. verlor 34 Pfund während ein«? Fastenzeit von 40 Tagen. Der Hunger- künstler Jacques verlor nur 26 Pfund während des Hungerrekords, den er mit L0 Tagen aufstellte Man nimmt an. daß ein Mensch, der viel Fett hat, es länger ohne Nahrung aushalten kann als ein magerer, denn der dicke Mensch zehrt von seinem eigenen Fett wie der Bär im Winter. Aber nicht nur das Fett nimmt ab, sondern auch die Muskeln, ja sogar Haut und Haar verlieren an Gewicht. Der einzige Teil des Körpers, der dasselbe Gewicht behält, ist das Herz.___ Die Bolksbühnc Norden brachte„E l a v i g o" als Neueinstudie- rung heraus. Es ist bezeichnend für die seelische Einstellung der heutigen Menschen, daß dieses ganz auf Gefühl und Empfindsamkeit eingestellte Trauerspiel Goethes die Besucher völlig gefangen nahm. Dieses willige Eingehen auf di« Darstellung inneren Cr- leben?, der seelische Konflikte des ewig schwankenden Elavig» mutet an wie eine Reaktion gegen die Härte unseres eigenen Lebens, das gebunden ist an den tadellosen Gang der Technik und der Wirt- schast. Hinzu kommt noch, daß Goethes„Clavigo" aus dem eigenen Erleben des Dichters heraus entstanden, auch heute noch die innere Wahrhaftigkeit der Handlung empfinden läßt. Mir bescheidenen, aber wirksam angewandten Mitteln hat es Otto Kirchner wieder verstanden, eine Ausführung herauszubringen, die vor allem durch die hingebungsvolle Arbeit der Darsteller zu einem Erfolg wurde. Fritz D e l i u s(Clavigo) wurde erst während des Spiels warm, dann aber meisterte er seine Rolle vortrefflich. Otto Kirchner scheint für die Darstellung des Carlos wie geschaffen. Gustav F r ö h- l i ch als Beaumarchais betonte zuweilen die innere Erregung, die bei ihm zum Ausdruck kommen muß und auch soll, etwas zu stark, während Charlotte Küter Marie Beaumarchais) sich mit gutem Geschick als das liebende, unsichere, sich verlaffen fühlend« Mädchen gab. Rose B e l d t k i r ch(Sophie) war ganz Sorge um Schwester und Bruder. Die Darsteller der kleineren Rollen fügten sich trefflich in das Ganz«. W. M. Oesterreichs Hilfe. In einem Aufruf, der sich an die gesamte Oeffentlichkeit, besonders aber an die Scbriftsteller und Künstler wendet, fordert der österreichisch« Bundesminister Schürf zu Sammlungen auf, um die Rot der Schriftsteller und Künstler des Deutschen Reiches zu lindern.„Wir olle", heißt es in dem Aufruf. „sind den deutschen Schriftstellern und Künstlern verpflichtet, nicht nur durch Gefühl« d«r Dankbark«it, soird«m auch durch Derwandt- schast drs Stammes und gemeinsam« Arbeit. Jeder muß jetzt seinen Beitrag leisten, um den wertvollen geistigen Arbeitern unseres Blutes zu helfen." Vorträg«. Tie Gesellschaft für H i b l e u f e r s ch n N q ver- anfallet Freitag 7 Nhr in der Geologischen LondeSanstoil, lgiivulipnistr. 44. einen Llchlbiidcrvqrtrag des D,r. Arndt über„die Höhle» ai» L e b e n 5 r a u m d e r T i e r w e l t." Gäste wilLomote� Die Markkatastrophe. Die Katastrophe der Mark vollendet sich. Nachdem der Dollarkurs in den ersten drei Tagen dieser Woche vrn 838 auf 2975 Millionen Mark gestiegen ist, wurden gestern im freien Verkehr bereits Dollarkurse bis zu 7 Mit» liarden Mark genannt. Da Produzenten und Großhändlern, die ihre Preise in Goldmark stellen, die große Masse von Ver- brauchern gegenübersteht, welche auf die sich binnen wenigen Stunden sich entwertende Papiermark angewiesen sind, droht der ganze Apparat der Warenverteilung zusam- nt e n z u b r e ch e n. Die Nahrungsmittelvers orgunq der Groß- städtc ist bedroht. Gleichzeitig nimmt die Arbeitslosigkeit einen immer größeren Umfang an und schließt wachsende Kreise von dem Recht auf Arbeit und Arbeitslohn aus. In der Geschichte des Niederganges der deutschen Mark steht die Katastrophe der letzten Tage beispiellos da. Wenn nicht bald in der Währungssrage entscheidende Maßnahmen mit sofortiger Wirkung getroffen werden, muß die Zuspitzung der wirtschaftlichen und sozialen Krise zu chaotischen Zu- ständen führen. Wir wissen, daß es in Deutschland Kreise gibt, die an einer derartigen Entwicklung ein brennendes Interesse haben, nachdem ihre politischen Absichten durch die besonnene Haltung der deutschen Arbeiterschaft bisher ge- scheitert sind. Um so mehr ist es unser Recht und unsere Pflicht, zu fordern, daß alles geschieht, um die P a ni k z u d ä m p f e n, die vom Devisenmärkte her über das ganze Volk hereinzu- brechen droht. Es ist bezeichnend genug, daß in diesem Augenblick der Reich sausschuß der deutschen Landwirtschaft den traurigen Mut findet, sich gegen eine Sicher- stellung der Brotversorgung auszusprechen, wie sie die im Reichsrat vereinten Ländervertretungen für not- wendig erachtet haben. Obwohl die Landwirte nach diesem Gesetz den freien Marktpreis für Getreide erhalten und sogar in wertbeständigen Zahlungsmitteln, nämlich in Goldanleihe, erhebt man Protest dagegen, daß eine Brotreserve von Zy» Millionen Tonnen geschaffen werden soll, um die Bevölkerung der Jndustriereviere vor dem Schicksal zu schützen, das ein Graf Westarp ihr vorausgesagt hat: nämlich, bei vollen Scheu- nen zu hungern! Tatsächlich liegen die Dinge bereits so, daß selbst bei der Durchführung dieser Brotversocgung weite Kreise des deutschen Volkes vor Hunger nicht geschützt sind, weil die stürmische Aufwärtsbewegung der Preise den erhaltenen Papiermarklohn vernichtet. Wenn man trotzdem und trotz der außerordentlich günstigen Getreideernte dieses Jahres gegen die Schaffung einer ausreichenden Brotgetreidereserve Ein- spruch erhebt, so zeugt das nicht nur von einem Mangel an sozialem Verständnis, sondern von einer brutalen Rück- sichtslosigkeit gegen alle diejenigen, die nicht selbst Sachwerte besitzen und die ganz und gar unter das Preis- diktat der Agrarier gebracht werden sollen. Unter diesen Umständen hat die Regierung die Pflicht, aus der katastrophalen Lage die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Sie darf nicht erst warten, bis der Handel infolge des gewaltigen Entwertungsrisikos seine Tätigkeit ganz ein- stellt und die Verbraucher der schlimmsten Nahrungsmittelnot preisgibt: sie muß sobald als möglich ein w e r t b e st ä n d i- ges Zahlungsmittel schaffen. Insbesondere hat sie dafür zu sorgen, daß den imterstützungsberechtigtcn und jetzt von aller Not betroffenen Kreisen in ausreichender Menge verbilligtes Brot zur Verfügung gestellt wird. Die Landwirt- schaff selbst hat die Notwendigkeit einer solchen Sorge um die wirtschaftlich Schwächsten anerkannt, als sie die Beseitigung der Getveidezwangswirtschaft forderte. Jetzt sind nur noch weniqe Tage bis zur Aufhebung der Markenbrollieferung, und an diesem Zeitpunkte müssen ausreichende Mengen ver- billigten Brotes für die hilfsbedürftigen Erwerbslosen, Klein- rentner usw. vorhanden sein. Durch das Ermächtigungsgesetz, das heute im Reichstag zur Annahme gelangt, wird die Reichsregisrung alle Vollmachten erhalten, um hierin selb- ständig vorzugehen. Die Reichsregierung sollte aber die Vollmachten, die ihr das Varlament verleiht, auch dazu benutzen, um endlich eins Erleichterung am Devisenmarkt zu schaffen. Sie darf nicht davor zurückschrecken, auch die Auslandsguthaben der deutschen Industrie heranzuziehen, um einen Devisenfonds zu schaffen, mit dessen Hilfe sie dem gänzlichen Verfall der Papiermark entgegenzutreten vermag. Aber es ist keine Zeit mehr zu verlieren! Amerikanische Währungskreüite? Die Reichsregierung verhandelt seit einigen Tagen über eine Beteiligung amerikanischen Kapitals an der zu gründenden Währungsbank. Diese Ver- Handlungen über die Gewährung eines amerikanischen Währungskredits sind nach Mitteilungen von amt- sicher Seite inzwischen zu Ende geführt worden. Ein ent- sprechender Vertrag soll in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Der Reichstag wird heute voraussichtlich das E r m ä ch» tigungsgefetz mit Zweidrittelmehrheit verabschieden. Die Regierung hat bereits die notwendigen Vorbereitungen ge- troffen, um auf Grund dieses Gesetzes sofort die erfor- derlichen Verordnungen erlassen zu können. Auch die Gründung einer Währungsbank soll auf dem Verord- nungswege durchgeführt werden. Es ist geplant, sämtliche Der- ordnungen plakatieren zu lassen. Ein außeroröentlicher Parteitag! Vertrauensvotum für s-s Kabinett Oraun Der Landtag setzte gestern die Aussprache über die Erklärung Don den D e u t s ch n a t i o n a l e n ist die folgende Abänderung des Ministerpräsidenten fort. beantragt: 1. Den Eingang wie folgt zu fassen:„Der Preußische Abg. Dr. Salle(DVp.) erklärt im Namen seiner Fraktion die Landtag erwartet, daß trotz der Einstellung usw." 2. Den vierten volle Zustimmung zu der Erklärung des Minister- Absatz wie folgt zu fassen:„Der Landtag ist überzeugt, daß die gegen- Präsidenten.(Beifall bei der Mehrheit.) Wir stehen einmütig wärtige Staatsregierung den ihr gestellten Aufgaben nicht ge- hinter der Politik Stresemanns und find bereit, auch dem neuen wachsen ist." Kabinett zu folgen und die neue Koalition mit aller Kraft zu unter- ZNinisterpräsideut Braua ermißt positiv« Vorschläge in den Darlegungen des Abg. Bredt und �.�«" durfen»um ZlÄ gelangen� Reich braucht em fährt dann fort: Wenn zurzeit ein Wirtschaftler für die Erhöhung starkes Preußen.(Lebhafter Beifall.) Wir haben den Emdruk her Ergiebigkeit der Wirsschaft spricht, so meint er häufig die Er- Ne�nnna(eW w giebigkeit für ihn, die anderen aber meinen die Ergiebigkeit für die .fr"!- All gemeinheit.(Sehr richtig!) Hätte man schon im Kriege " mehr wirtschaftliches und politisches Verständnis gezeigt, so wären mir münden wir nicht soweit hineingekommen.(Zuruf links: Es mußte eben hell.) Es ist ein unendlicher Wahnswn, M glaubem mm könm�wße und�Ausaabe�?n �EinUma Das" am, und Wellbewegungen mit dem Schwerte in der Hand lösen. Wir müssen hn««m«»a Mr9 hi- das Geistige in den Bewegungen beachten. DerMarxismusund h»Uf 1®Dhnunp£>mobgabe— „4 b„ m>n°.ch„»16--ch,-.,.»,-»,-!.-££ Äf-' einer möchte ich sagen, daß ich in den letzten Tagen in deutsch- nationalen Reden und in ihrer Presse weiter nichts als in sich. Ich bin vor zwei Tage» mik hervorragenden Leuten der wirtschast zusammengekommen. Es wird dort immer peinlicher empfunden, wenn in den wirtschaftlichen kämpfen die Schwerindustrie immer wieder ihre persönliche Meinung allein durchsetzen will.(Lebhaftes Hört, hört!) eine groß« Schadenfre ude bemerkt habe über unsere Zu- stände.(Stürm. Unterbrechungen und Pfui!-Ruse bei den Dnat.) Wir müssen Wirsschaft und Finanzgebarung so einrichten, das wieder. mit allen Hochverrätern, mit Stinnes, Klöckner, Dögler usw., die wir, wenn wir die Macht haben, an den Galgen bringen. Die deutschnationale faschistische Diktatur ist der Bürger« krieg: der Bürgerkrieg ist unvermeidlich. Abg. Dr. Schreiber(Dem.): Der Abbruch der Beziehungen zu v"-, hole ich, um auch die berechtigten Ansprüche unserer Es ift nicht so, daß die weitesten Kreise der Wirsschaft sich nicht voll Gegnerzu befriedigen, sonst erlangen wir nie unsere Frei- bewußt wären, daß Opfer gebracht werden müssen. Ich möchte auf heit wieder. Die Volksgenossen am Rhein werden wir nie im Stiche einen Artikel der„D.A.Z." hinweisen. Es ist auf die Dauer lassen, das möchte ich dem Angriffe des Herrn v, Lindeiner gegenübci nicht tragbar, daß die Person unseres Führers S tr esem an n, nochmals erklären. M i t d e r W a f f e i n d e r H a n d können wir hinter dem weiteste Kreis« der Wirtschaft stehen, in dieser Weise an- die Problem« nicht lösen! Em solcher Versuch wäre doch einem mit gegriffen wird. Es lieat ein großes Interesse daran, die E i n i g k e i t den besten ffiriegsmitteln ausgerüsteten Gegner gegenüber heller der deutschen Wirtschaft aufrechtzuerhalten, was aber Wahnsinn! Die Behauptung, ich hätte die rechtswidrige An- dadurch außer ordentlich gesährdet wird. Dem Lande eignung von Feldftüchten gebilligt, ist völlig unzutreffend. Ich habe rufen w,r zu: Seid gewarnt! halk� Emtracht. denn die Zwietracht nur gegenüber der Behauptung des Grafen Westarp im Reichstag ist fett Jahrtausenden immer die schärsste Masse in der Hand des über das Verhungern eines Voltes bei vollen Scheuern auf die Ge- Feindes gewesen.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.) fahren aus einer solchen Auffassung aufmerksam gemacht und er- Abg. Dr. Mener-Ostpreußm(Komm.): Wir fordern Abrechnung klärt, daß letzten Endes der Hunger auch den Polizeisäbel nicht .....--------—..... furchte. Deshalb müsse alles getan werden, zu vermeiden, daß Not- leidende auf illegalem Wege sich Mittel der Ernährung verschaffen. (Beifall bei der Mehrheit.) Ein Schlußantrag wird unter lebhaftem Widerspruch der Oppo- sition rechts und links angenommen. _______ �...........________ t_____ t_ In der Abstimmung werden die kommunistische» Anträge Frankreich und Belgien hieße Rhein und Ruhr im Stiche lassen uÄ abgelehnt.— Angenommen wird der Antrag der Koali- Smeets und Dorten in die Hände arbeiten. t i on s p a r t e i en, der die Erklärung des Staatsministeriums Abg. Dr. Brett(Wirsschaftsp.): Daß die Ruhrfrage durch Der- b i ll igt und die Ueberzeugung ausspricht, daß die Lage des beut- Handlungen mit den Franzosen gelöst werden wird, glaube ich nicht, scheu Volke? und des einigen Reiches keinen Raum zu langen par- Don links kann uns die Hilfe nicht kommen, damit gebt es nicht lamentarifchen Erörterungen und unfruchtbaren Parteikämpfen lasse, mehr: die Hilfe muß uns von rechts kommen. Lassen Sie(zu den vielmehr erfordere, daß alle Schichten des Voltes fest zusammen- Sozialdemokraten) jetzt einmal andere Leute an die Regierung(große halten und der Regierung der Republik Preußen Zeit und Raum zu Heiterkeit), und warten Sie ab, ob und wie sse sich bewähren.(Beifall tatkräftigem Handeln gebe. rechts.) Deusschnationale und Kommunisten stimmen dagegen.— Der Bon den Regierungsparteien ist ein Entschließung?- Antrag dankt weiter der Rhein- und Ruhrbevölkerung, fordert zu an trag eingegangen, der mit den Worten beginnt- Maßnahmen auf, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern, ver. „Der Preußische Landtag billigt die Erklärung des Staats- langt Steigerung der Produktion, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Ministeriums, daß trotz der unvermeidlichen Einsteuung des passiven sofortige Schaffung einer wertbeständigen Währung und spricht Widerstandes der Kampf für dos deutsche Recht an Rhein und die Erwartung aus, daß das Staatsmintsterium allen Umsturz. Ruhr mit aller Entschiedenheit fortgesetzt werden soll. Er d a n k t ver s u che n nachdrücklich entgegentritt. Für diesen der Bevölkerung an Rhein und Ruhr für die heldenhafte und opser- Ten des Antrages stimmen auch die Deutfchnationalen. willige Führung des Abwehrkampfes und spricht die feste Zuver- Aach aussprachsloser Erledigung einer Reihe von Anträgen ficht aus, daß sie auch in Zukunft in ihrer Treue zum Reich und über Nichterteilung der Genehmigung von Strafverfolgungen von Preußen nicht wankend wird. Der Landtag fordert dos Staats- Abgeordneten wird der Urantrag der Regierungspartei über die Ministerium auf, alles zu tun, um die Leiden der Bevölkerung zu weitere Ermächtigung des Finanzministers, die lindern und die lebendige Verbindung zwischen besetztem und un- Dienst- und Versorgungsbezüge der unmittelbaren Staatsbeamten besetztem Gebiet aufrechtzuerhalten, insbesondere mit ollem Nach- entsprechend der reichsgesetzlichcn Regelung zu bestimmen, in erster druck für die rascheste Freilassung der von fremden und zweiter Beratung an genommen. Kriegsgerichten Berurteilten und für die alsbaldige Rück- Die deutschnationalen Anträge auf Erhöhung von Mitteln für kehr der Ausgewiesenen einzutreten. Kleinwohnungen, insbesondere Wohnheimstätten werden auf Antrag Der Landtag fordert das Staatsministerium aus, seinen ganzen Weißermel(Dnat.) der Ausschußberatung überwiesen. Einfluß aufzubieten, um durch Steigerung der Pro- Am Schluß der Tagesordnung steht die erste und zweit« Be. duktion, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und sofortige ratung des von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetz- Schaffung einer wertbeständigen Währung eine Ge- entwurfs, durch den der für November 1323 in Aussicht genommene sundung der deutschen Wirtschaft herbeizuführen und die Ernährung Termin für die Reuwahl der Gemeindevertrekuugeu bis zum 2. Mörz des deutschen Volkes sicherzustellen. Dringend notwendig ist auch 1324 hinausgeschoben werden soll. Diesem Entwurf stehen gegen- die Gesundung der Finanzen in den Ländern und Gemeinden. über Anträge der Deutschnationalen und der Kommunisten, die Der Landtag erwartet, daß das Staatsministerium allen Wahlen am 18. November 1923 vorzunehmen. Nach einer längeren Versuchen zum gewaltsamenUm stürz und zur Störung der Aussprache werden die Anträge der Deutschnationolen und der Kam- öffentlichen Ordnung mit dem Aufgebot aller staatlichen Macht- munisten gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der von mittel nachdrücklich entgegentritt. den Regierungsparteien beantragte Gesetzentwurf gelangt w nament» Der Landtag ist überzeugt, daß die äußerst gefahrvolle Lage des sicher Abstimmung mit Ibg gegen 72 Sttmmen zur Annahme. deusschen Dolkes und seines höchsten Gutes, des einigen Nachdem ein Antrag der Kommunisten, die sofortige Aufhebung Reiches, keinen Raum zu langen parlamentarischen Erörterun- des gestern vom General v. Horn auf unbestimmte Zett»folgten gen und unfruchtbaren Parteikämpfen läßt. Die Lage erfordert, Verbots der„Roten Fahne" zu beschließen, abgelehnt worden ist, daß die Schichten des Bolkes fest zusammenhalten und der schließt die Sitzung nach S Uhr. Regierung der Republik Preußen Zeit und Raum zu tat- kräftigem Handeln geben." Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. Finanzausgleichsgefetz: Wegebaugesetz.) (Ausführungsgesetz zum gegenüber den e i g e n e n Parteigenossen zum mindesten die g l e i ch e kameradschaftliche Rücksicht walten lassen. Für«in Partei orgon ist das doch nur selbstverständliche Pflicht. » Zu dem Aufruf der Reichstagsfrattion schreibt die bürgerlich. demokratische„Berl. Volkszeitung": Es ist dringend zu hoffen, daß auf dies« Weis« die Einheit der Partei gesichert bleibt. Sie ist vorläufig das stärkste Bollwerk gegen die Reaktion, das dem deusschen Volke in dem Ringen der nächsten Zeit zur Verfügung steht. Wir brauchen nicht erst zu versichern, daß das auch unsere Auffassung ist. Abberufung Lossows! München. 13. Oftober.(Eigener Drahtbericht.) Einig« Er- regung verursacht hier die Meldung von der Absicht des Reichs- wehrminifteriums. den General v. Lossow von seinem Münchener Posten abzuberufen. Nach Erkundigung bei der zuständigen Der Bezirksvorstand für den Bezirk Zwickau-Plauen hat sich stelle ist weder bei der bayerischen Regierung noch bei dem Wehr an die übrigen Bezirksvorstände des Reiches mit dem Wunsch ge wendet, sie sollten mit ihm gemeinsam die Einberufung eines außer- ordentlichen Parteitags beantragen. Einem solchen An- trag ist stattzugeben, wenn er von mindestens 18 Bezirksvorständen gestellt wird. Der Bezirksvorstand von Zwickau-Plauen begründet seinen Antrag mit heftigen Angriffen auf die Reichstagsfraktion, denen das„Sächsische Bolksblatt" mit maßloser Schärfe sekundiert. Nachdem der P a r t e i a u s s ch u ß die Gründe gewürdigt hat, die die Neichstagsfraksion zu ihrer Haltung bestimmten, und die Reichstagsfroktion selbst in einem einstimmig beschlossenen Auf- ruf dazu aufgefordert hat, Einigkeit und Schlagkraft der Partei zu stärken, werden besonnen« Parteigenossen es sich dreimal überlegen, treiskommando VII irgendeine amtliche Mitteilung bis zur Stunde über dies« Angelegenheit eingetroffen. Man hält es aber für nicht unwahrscheinlich, daß Lossow tatsächlich von seinem Posten abberufen wird. 2n diesem Falle ist zweifellos mit einem neuen Konflikt zwischen Bayern und dem Reiche zu rechnen. Krach im„Kampfbimö". Hitler spaltet. München, 10. Oftober.(Eigener Drahtbericht.) Im„Deut- schen Kampfbund" ist«ine schwere Krise eingetreten. Sie hat Hitler veranlaßt, die ihm vor 14 Tagen übertragene politische ob sie dem Zwickauer Antrag zustimmen können. Das könnt« nur, Fühung des Bundes vorübergehend niederzulegen. Die Veranlassung den Erfolg haben, die Kräfte in der Partei gegeneinander statt mit- dazu liegt in der Haltung der Organisation„R e i ch s f l a g g e", d!« einander zu mobilisieren und die Kampfkraft der Partei durch inners in ihrer Nürnberger Tagung am Sonntag beschlossen hat, sich Auseinandersetzungen zu lähmen in einer Zeit, die täglich neue Si- Hinte r die Politik Kohrs zu stellen, während noch am tuationen bringt und stärkste Aktivität nach außen fordert. i Tage zuvor der Ersatzbeobachter, das„Heimatland", eine, offizielle Dem„Sächsischen Bolksblatt" und gleiche richteten Organen sei, Erklärung der„Reichsflagge" veröffentlichte, in der festgestellt war, ober folgendes gesagt: Wer dafür eintritt, daß den Kommunisten j daß die„Reichsflagge" ein untrennbares Glied des„Kampfbundes" gegenüber Ausschreitungen der Polemil vermieden werden, muß s sei. Inzwischen hat Hitler seinen Entschluß wieder rückgängig ge> macht. Er behält die Führung des„Kampfbundes" bei, nachdem er durchgesetzt hat, daß der hinter Kohr stehende Teil der„Reichs- flagge", die unter der Führung des berüchtigten Hauptmann Heiß stehen, aus dem„Kampfbund" ausgeschlossen worden sind. Der hitlerfreundliche Teil der„Reichsflagge" hat sich nunmehr unter Führung des Hauptmanns Roehl und unter dem Namen „Reichsflagge Süd" zu einer besonderen Organisation zu- sammengeschlossen. Kleine vorlagen im Reichstag. Auf der gestrigen Tagesordnung des Reichstags stand der vierte Nachtragsetat für 1923. Er will durch Anleihe und Reichs- fchatzanweifungen 878 416 Billionen flüssig machen, wovon 30060 Billionen zum Erwerb der notwendigen Brotgetreidevorräte bestimmt sind. Abg. hölleln(Komm.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Redner der Sozialdemokratie und des Zentrums und macht in erster Linie die. Sozialdemokraten für den finanziellen Zu- sammenbruch des Reiches verantwortlich. Der Hauptteil seiner Rede sind scharfe Angriffe gegen den„Ueberraffke" Stinnes und die Schwerindustrie. Abg. Bartz(Komm.) protestiert gegen dos Verbot der „Roten Fahne" auf unbestimmte Zeit. Der Nachtragsetat wird ohne weitere Debatte in zweiter und dritter Beratung angenommen. Der kommunistische Antrag aus Aufhebung des Verbots der „Roten Fahne" kann nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden, weil aus der Deusschen Volkspartei Widerspruch erhoben wird. Der Gesetzentwurf zur Förderung der Forst- und Weidewirtschaft wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Abg. Esser(Ztr.) begründet dann einen Antrag, wonach die Zahlungen aus öffentlichen Arbeits« und Lieferung?» vertragen unter Aufhebung entgegenstehender Vertragsbsstim- mungen m wertbeständigen Zahlungsmitteln(Goldanleihe oder Dollarschatzanweisungen) oder durch Einzahlung auf ein wert- beständiges Konto geleistet werden sollen. Der Antrag wird ohne Debatte angenommen. Der Gesetzentwurf über die Anpassung der Bermögensstrofen und -büßen an die Geldentwertung wird ohne Aussprache in zweiter Lesung angenommen. Um 5 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 10 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Ermäch» tigungsgefetz es. OeVeBschostsbewegung Oer Neichsinöex ösr Lebenshaltungskosten. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 8. Dt- tober auf da» 1 0 9, 1 m i l l i o n e n f a ck) e der Vorkriegszeit. Di« Steigerung gegenüber der Vorwoche(40,1 Millionen) beträgt somit 170,0 Proz. Dos Niveau der Großhandelspreise dagegen hat sich nach den Berechnungen de» Statistischen Reichsamts in her Zeit vom 2. bis 9. Oktober um 2C4 Proz. auf da» 3 07,4- millionenfache des Friedensstandes gehoben. Wenn man weiß, daß die Kleinhandelspreis« die Tendenz haben, sich innerhalb 24 Stunden den Großhandelspreisen anzupassen, dann muß dies« riesige Differenz zwlscl)«n den Lebenshaltungskosten und den Groß- Handelspreisen auf den ersten Blick überraschen. Di« Derbilligung der Wohnungsmieten durch die Micterfchutzgefetzgebung trägt natürlich zur Senkung der Lebenshaltungskosten bei, jedoch bei weitem nicht in dem Ausmaß«, daß sich ein« derartige Differenz ergeben könnte. Wer jedoch die Entwicklung beobachtet hat, feit die Reichsindex- ziffer der Lebenshaltungskosten zur Grundlag« der Lohn- festsetzungen genommen wird, ohne daß die Großhandels- preis« und der Dollarkurs berücksichtigt werden, wie in den Richt- linien der Spitzenorganisationen festgelegt ist, der wird hinter das Geheimnis dieser in den letzten Wochen ständig zunehmenden Differenz zwischen der Reichsindexzifser der Lebenshaltungskosten und der der Großhandclsp: eise bereits gekommen sein. Seit längerer Zeit nämlich werden die Tarife der Post, der Eisenbahn usw. nicht, wie ce logisch wäre, zu B« g i n n der Woche, sondern am Dienstag oder Mittwoch erhöht. Ihr« Wirkung kommt also noch nicht am Stichtag für die Lebenshaltungskosten, der der Montag Ist, zur Geltung. Insofern handelt es sich um einen bewußt verübten Lohnbetrug durch Reichsbehörden. Es kommt weiter hinzu, daß der Sonnabend als.Börsenruhetag" be- sonders zur Dollarhausse ausgenutzt wird. Der mit Wochenbeginn einsetzende neue Martsturz wirkt sich unmittelbar in den Preisen schon vom Dienstag ab au«. Da aber der Montag Stichtag für die Lebenshaltungskosten ist, hinkt die Reichsindexziffer den tat- sächlichen Lebenshaltungskosten ständig um eine Woche nach. Was das heute bedeutet, braucht nicht erst nachgewiesen werden. Die Großhandelspreise dagegen datieren vom Dienstag, also einen Tag später. Sie enihalten bereits di« Wirkung der neuen Tariferhöhungen wie der neuen Dollarhauss«, die st« teil- weif« vorweg nehmen. Da die Löhne, die nach d«r Reichsindex- Ziffer der Lebenshaltungkosten festgesetzt werden, frühestens am Freitag zur Auszahlung kommen und in der darauffolgenden Woche verbraucht werden, ergibt sich unvermeidlich«in« wachsend« Differenz zwischen den Löhnen und den tat- sächlichen Lebenshaltungskosten, di« sich fetzt bis zur Unerträglich- Kit gesteigert hat. Die Gewerkschaften müssen also, unter Berufung auf di« Nichilinien, fordern, daß die Löhne, genau wie die Preis« der Fabrikanten, unter Berücksichtigung des Dollarkursus fcs gefetzt werden. Die Indcxlöhne, insbe- sonder« wie sie durch die aktive oder passiv« Mitwirkung von De- Hörden zustande kommen, wachsen sich immer mehr zu einem be- trügerischen Spekula tionsobjett aus. 3. Jeder arbeitet mit stark gedrosseltem Betrieb und entläßt seine Leute nach und nach entsprechend der Demobilmachungsverordnung. 4. Nur an Lahnzahltagen werden Löhne gezahlt. Vorschüsse vorher sind abzulehnen. Die am Lohnzahltag vorhandenen Mittel sind entsprechend zu teilen, der Rest wird gestundet. S. Leuten, die am Generalstreik teilgenommen haben, sind die Streiktag« nicht etwa als Urlaub anzurechnen. 6. Urlaub ist bis auf weiteres nicht zu geben, weil kein Geld dafür vorhanden ist und der Tarif voraussichtlich bei dem allgemeinen Zusammenbruch mit zusammenbricht. 7. Für all« Angebote und Rechnungen ist künftig zu rechnen: Tariflohn 52 Proz. Unkosten wie bisher .-- 2S, BetriebSiteuer ,-J- 13. für Geldentwertung . 4- 10. für Rücklage und Risiko Nie Arbeitslosigkeit erzeugt wirb. Vom Dorftmid des Zentralrerbandes der Dachdecker wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" brachte jvor kurzem ein« sehr treffend« Dar- stellung über den Zustand der Dächer, die geradezu nach dem Dach- decke? schreien. Es wird demgegenüber di« Leser interessieren, daß trotz dieser vorhandenen Arbeit über di« Hälfte der Dach- decker ohne Arbeit sind. Zum Teil wirkt hier die Mieter- fchutzgesetzgebung mit. Bei dem heutigen System müssen die Dach- arbeiten am meisten Not leiden. Zum anderen Teil aber die Sabotage der Unternehmer. Der Dberscharfmacher im Dachdeckergewerbe, Richter- Berlin, hat als Protest gegen die Steuergesetze folgend« echt Westarpsche Parole aus- gegeben: 1. Jeder schreibt seinem Finanzamt sofort einen Brief, daß er die Steuer für Einkommen sowie Rhein- und Ruhrabgabe nicht zahlen kann. 2. Jeder erklärt sofort feinen Leuten: „Wer auf Auszahlung seines vollen Tariflohnes be- steht, kann vorher zurücktreten, Entlassung nehmen." Also Tariflohn ft-lOO Proz. 8. Zahlung vor Beginn der Arbeit, und zwar 90 Proz. der Gesamtsumme. Das hat natürlich«ingeschlagen wie«ine Bomb«, denn die Unter- nehm«r haben dieses Rezept sehr, sehr gut befolgt. So ist denn heute in der Tat damit zu rechnen, daß in kurzer Zeit nur noch 10—20 Proz. der Dachdecker beschäftigt sein werden, während Arbeit in Haufen vorhanden ist! Und was da» schlimmst« ist: die Behörden sehen solchen Dingen ruhig zu, sehen zu, wie die gesamte Wirtschaft zugrunde geht. Wenn sich die Zustände so weiter entwickeln, treiben sie die Dachdecker zur Selbsthilfe, die manchen Leuten freilich nicht angenehm sein wird. -i> Wir geben dieser Zuschrift um so lieber Raum, well st« doku- mentarisch den Hochverrat nachweist, der von dem Unternehmer- tum betrieben wird. Wenn auch nicht alle Unternehmer so schamlos und gewissenlos sind wie die Stinnes und Klöckner, die mit Hilfe des französischen Militarismus die Ruhrbergarbeiter zu entrechten versuchten und über den Kopf der Reichsregierung hinweg Berhand- lungen mit den Besatzungsbehörden anknüpften, so ist das Verhalten der Unternehmer, die unser« Produktion stillegen, um sich von der Steuer zu drücken, nichts anderes, als ein juristisch vielleicht nicht faßbarer, moralisch aber um so verwerflicherer Hoch- verrat. Was ist die Folge dieser Sabotage unserer Produktion aus Gründen der Stsuersabötage? Der Staat bekommt nicht nur weniger an Steuern, als er bekommen müßte, er muß gleich- zeitig ungeheure Summen für Erwerbslosen- und Kurzarbeiterunter st ützung ausgeben. Seine Finanz- läge verschlechtert sich, was wieder auf den Wert der Mark eine ver- hängnisvolle Wirkung hat. Durch die Ausdehnung der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit wird die bereits unterhöhlte Kaufkraft der Arbeiter- fchaft seiter geschwächt, was wieder auf weite Schichten besonders des Mittelstande« zurückwirkt. Di» erhöhten Ausgaben für Gehälter als Folg« der Geldentwertung, die verminderten Einnahmen an Steuern sowohl durch die Unternehmer wie durch die Arbeiter müssen das Leck in den Staatsfinanzen immer wieder aufreißen und vergrößern. Dieses Vorgehen der Unternehmer— und die Dachdeckermeister stehen bei weitem nicht allein— ist in der gegenwärtigen tragischen Situation Deutschlands nichts anderes als Hochverrat. Während der großen Französischen Revolution sind Stützen des ancien rigime wegen minder schändlichen Handlungen hingerichtet worden. Wir fordern keine Leibesstrafe gegen derartige Saboteure der Volkswirtschaft! wir verlangen aber, daß die Regierung ihre außer- ordentlichen Vollmachten benutzt, um mit harter Hand in das Ver- mögen dieser Stcuerdefraudonten einzugreifen und die Rädels- führer unter Straf« zu stellen. Im Baugewerbe insbesondere haben es die Behörden auch in der Hand, die Produktion dadurch in Gang zu halten, daß sie Aufträge an die Bauhütten und Bau- genossenfchaften vergeben bzw. von Privatunternehmern nicht ausgeführte Aufträg« diesen entziehen. Das Baugewerbe als Schlüsselindustrie muß in Gang erhalten werden, soll unser« Wirt- schast nicht vollends zusammenbrechen. «.Crwerbslosenfürforge". Don einem Gewerkschaftsfunktionär wird uns geschrieben: Bei der Erlangung der Erwerbslosenueitcrstützung werden den einzelnen sonderbarerweise recht große Schwierigkeiten bereitet und man muß sich fragen, wer denn darüber zu befinden hat, ob die Unterstützung gezahlt wird oder nicht. Wird die Unterstützung abgelehnt, so kann der Betreffende dagegen Beschwerde einlegen und bis zur Entscheidung hungern oder betteln gehen. Wird der Beschwerde stattgegeben, so erhält der Detreffende vom Tage der Entscheidung ab die Unterstützung, auch wenn die Abweisung zu Unrecht erfolgt ist. Hierzu ein Beispiel: Ein Arbeitsloser von 31 Iahren, der un, verheiratet ist und bei seinen Eltern wohnt, begibt sich zum Bureau der Erwerbslosenfürsorg«, Kastonienallee 81, Zimmer 24, und stellt den Antrag, ihm die Erwerbslosenunierstützung zu gewähren und legt zu diesem Zwecke die Bescheinigung über das Einkommen seines Vaters vor, das im Monat September zwei Milliarden Mark betragen hat. Darauf Ablehnuna des Gesuchs mit folgender„Be- gründung": 30 Proz. von 2 Milliarden— 1 Milliarde und 200 Millionen Mark genügen zur Beftreiwng des Haushaltes und zum Lebensunterhalt von Dater und Mutter, mithin ist«in U Uberschuß von 800 Millionen Mark über das Existenzminimum, wovon der Sohn erhalten werden muß. Die Weisheit des Beamten ist an den Mann gebracht und wohlgefällig wendet er sich den nächsten hilfesuchende« Arbeitslosen zu, ohne den Abgewiesenen zu sagen. auf wessen Geheiß er zu einem solchen salomonischen Ausspruch kommen konnte. Von den 2 Milliarden monatliches Gehalt des Vaters sind die Steuern und Kassenbeiträg« abgezogen. Am 1. Oktober mußten rund 100 Millionen Mark Miete gezahlt wer- den, so daß für drei erwachsene Personen noch zirka 06 Millionen Mark pro Tag zum Lebensunterhalt übrigbleiben. Hier muß man fragen, wie es möglich ist, damit auszukommen, wo«in Marken- brot 34 Millionen Mark, ein Pfund Schmalz 300 Millionen Mark und ein Zentner Preßkohlen 317 Millionen Mark kostet? Noch ein Wort darüber weiter zu verschwenden, halten wir für über» flüssig, doch glauben wir annehmen zu können, daß di« Beamten »er Fürsorgestellen doch keine Idioten sind, um nicht zu wissen, was heute die Lebenshaltung einer Familie kostet. Oder handeln die Beamten auf höhere Weisung? Das wäre um so verwerflicher: man sollte die Geduld des einzelnen nicht auf ein« zu harte Probe stellen._ Kamm- und Haarschmuckbraoche. Für die Zeit vom 5. bis 11. Oktober erhöben ficki die Löhne um 160 Proz. Damit beträgt der Fack>arbeiterlohn 60 008 000 M., für Hilfsarbeiter über 20 Jahre 50 992 000 M.! Falbarbeiterinnen erhalten 42 016 000 M, Hitfs- arbeiterinnen über 20 Jahre 35 724 000 M. Die Aufschläge auf die Akkordpreise betragen 268 083 175 Proz. Neuer Abschluß in der Lederwarenbranche. Auf alle zurzeit bestehenden Zeil- und Alkordiöhne erfolgt ein genereller Lohn- zuschlug für die Woche vom 5. bis 11. Oklober von 170 Proz. Der Mindestlohn beträgt somit 71004 821 M. pro Stunde. Mit dem verein Verliver Schilderfabrlkanken ist für die Zeit vom 5. bis Ii. Oktober 1923 für Schildermaler und Anmacher ein Stundenlohn von 45 000 000 M. vereinbart worden. Für die kaufmännischen Angestellten in der Zigarettenindustrle- Durch den Arbeilgcberverbnnd der Zigaretteninduslrie ist angewiesen worden, am 9. Oklober 60 Proz. des Septembergehaltes als Akonio« zahlung für Oklober zur Auszahlung zu bringen. Für die kaufmännischen Aogestellken im Sutlerkleinhandel. Der Verein der Butlerkaufieute für Groß-Berlin hat angewiesen, für die erste Oktoberwoche da» Gehalt für die Zeit vom 1. bi» 15. September und für di« zweite Oktoberwoch« das Gehalt für die Zeit vom 10. bi« 30. September zu zahleu. Endgültige Rege» lnng erfolgt noch. Mit der Eiukaufsgenossenschafl der Bäcker und kondtioreien wurde vereinbart,'Hiaß die Angestellten für die erste Olloberwoche eine Akonlozahlnng von 2'/, Milliarden und die Lehrlinge eine Akonlo-Zahiung von 500 Millionen Mark. Für die kaufmännischen Angestellten der Brauereien wurde mit dem Verein der Branerrie» von Verlin und Umgegend ver« einbart, daß s oouto für die zweite Oktoberwoche zwei Sep- tembergehälter zur Auszahlung lammen Für die tao'männijchen Angestellten im Buchhandel werden für sepiemuer 1923 ins lesaini 23 Augustgcdätter und bi»-um 12. Okiober zwer Septembergehälter a oonto Oktober gezahlt. Endgültige Verhandlungen finden am Donnerstag vor dem Deinobtl» machun S.'ommissar stait. D/,: Der FOrtt t. pappenhelm (Max Adalbert) uS, Internat. Variete M>ißl KarietHrogm Raachen icstattel! Sblb Uüli.J Volksbühne T1/,: Uid das Lidit schelrt Lessing- Tb. AMaiendiich 7V, Der Unbettechliclie (Max Pailenbetg) ISß Fnedriciistr. 60 Ecke Leipiizer Str. Varlett-KaM uAn.t'/tll., iMt. Siheiswertis Piograsisi Lisa Weise [art Kenirmaiia Th.a. Kftttb.Tar liglidi l'/sUiir ». Snilti«!(k- BittM 3 Uhr: ELITE- Sksger U.a. DerHaos* scblüssel Apollo-Tbeater \ Direktion: Jaraea Klein ?>/, Aliabendlich 7>/, Die groBe Revue Europa spricht davon! I IWwlSaillhilrknukl llilUttiM II. i. Scnta Sftaclaad, Richard Senilis,»uro Flink usw. Vorverk. ab lOUhrununtbr. Tb. im Idniralspalast TM gl 7»/, Uhr Orontsr DiÄr MM Operiliaas 6',: Die Meister- Singer v. NOrtibj, (Rtmilrlurlg n|6ltia II OroB« Volksopsr mTheet d Westens ''»U.: Cli nrtiahi Unat Intimst Theater „Uhr: Charlie Wailner-Theatar u'r: Eansa Kaiser Lustspielhaus „Die Trupp«»* 8: Vom Teufel tzehelt Jtose-TbeaterICasino-Theater 7«/4 Uhr 18 U. Die 8U Ein Mann ans d.Valka' neuen Reichen Bekanntmachung. -33I2 KeidisliilleiiTli. Iii J|. N/z u. u.Sonnt.3UV Stettiner Singer Kraus- Pianos sur Miete Ansbacher Str. 1, Pdn? Rnrffirsh'nstraBp 'Ndiionv Hpn il Donnerstag, d. 11. Oktober nachm. 1 Uhr. »MMwWM-WWl Bau-. Gslilsdirank- und Möbeisdiloner FraNug. 12. Odebec, nachm. 5 Ahr, im varbandohnnse(Sizungosaai), Linienstraße 88 85: Fnnktionärkonferenz. Bauanfdilögec Arellag. 12. Oflobec, abends I Ahr. im verdnndshnnse fSitzungefaal), Lmienstraß« 83/85: Branchenversammlung AHkung! WsWhjM Achtung! ___ Die Betriebsräte> Zeitschrift Nr. 20 ist sofort t« Bureau(Zimmer 12) abzuholen» Die Sitzung der mittleren Der» wattung am Arettag, 12. Dttober. sä« ans._ Arettag, den 12. Dttsber, abends T Ahr, im Verbandshanse(großer Saal, pari.), Linienstraß« 83/35: WT Konferenz TW sämtlicher NezirtSlriter, BrzirtS- kassirrer. Bezusskassierrr. Hau». kassierer, Unterkassierer und Ob- lente der Nertrauensleute. Tagesordnung: Weiche Maßnahmen sind zur finanziellen Rräftigung der Organisation durchzuführen? Das Erscheinen(»de» einzelnen In Frag« kommenden Kollegen ist unde- dingte Pfiicht. DI* OrtsnccaaKung. Heraiann Engel Landsberger Strahe 85« 86-87 Ohne ftfieksietit auf den erhöhten Dollarhnrs außergetbohnlieh hillige jlngehote in fapiertnatitpreisen leppiiSeJatöineniiiofeMe.ptlniflleiipidKiiislegeftoüetQonenSartiefl Leibwäsche, Bettwäsche, Tischwäsche, Trikotagen Schwere Wintermäntel in allen modernen Farben und Formen 14 tOt) 000 000 12 000 ooo ooo Plüschartige Mäntel................. 10500 oooooo CheViotkoftÜMedunrelblau,g-n,seMert, reine Wolle 1 8 900 000 f 00 165OO000 C00 Reinwollene Cheviotkleider........ OSOOoooooo 7200oooooo Tunkelblaue n. schwarze Kleiderröcke«ine Wolle mit Tressen, reich garniert 4500 000 000 4050 000 000 Blusen-US la Flanell............. 2 400 000 000 1200 000 ODO Wollene gestrickte Jumper........ 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Kein« Einfalt ist meit in der Welt, die Bauern stecken ganz voll Geld, st« speichern Wein und Weizen auf und andres, und erschweren den Kauf und machen es so lange teuer, bis Blitz und Donner kommt mit Feuer und ihnen abbrennt Korn und Scheuer. Sebastianus Brant(' 1438, t 1521) in seinem Spottgedicht„Das Ziarrcnfchrff". zweierlei ist zu be.achtcn, wenn man von den stöhnenden Land- Wirten sprechen will: die einen haben das Geld gehabt, haben es aber nicht mehr; die anderen haben das Geld nicht gehabt, haben es also auch jetzt nicht. Von den dritten wollen wir nicht sprechen: das sind jene, die das Geld pfundweise besitzen(„so an 18 Pfund mögen es wohl sein," sagte jenes Bäuerlein, das zur Bant kam, um es anzulegen)— die noch in verborgenen Winkeln die goldenen 2i>Markstücke versteckt haben,— die Devisen gehamstert haben, obgleich ihr« Geschäste entweder am Torweg ihres GeHöstes oder höchstens in der nächsten Kreisstadt endigten,— die ihr Geld in Aktien angelegt haben: sie alle stöhnen natürlich auch, aber man glaubt ihnen nicht— im geheimen verachtet man diese Schädlinge des deutschen Wirtschaftslebens ebenso sehr wie jene Schädlinge, die sich am Höhertreiben des Dollars aus purer Gewinnsucht be- teiligen. Die üas Geld gehabt haben... Die agrarischen Kreise hoben durchweg gute Zeiten gehabt. Nicht leicht war die Arbeit in der Kriegszeit, aber dafür der Lohn auch groß. Und nach der Rückkehr der Männer wuchs der Segen immer mehr. Die Gehöfte und Grundstücke wurden schuldenfrei und die Scheine strömten immer weiter herein. Da entstand die Anschauung, Papiergeld ist ja nur Dreck: man muß Sachwerte erwerben. So wurden Kutschwagen, Dogcarts(!) und Automobile angeschafft, Klaviere gekauft und die Aussteuer für die noch un- mündigen Kinder besorgt— ganze Garniluren von Stieseln prangten in den Kästen: es konnte ja in Ewigkeit nicht fehlen. Daß jetzt der Wind an-ders pfeift, erscheint diesen Leuten ein« Ungerechtigkeit: sie sind in ihrem Wohlleben gestört. Die anderen waren— von ihrem Standpunkt aus gewiß mit Recht— sich darüber einig, daß die Konjunktur nur dann auf die Dauer Nutzen versprach«, wenn di« hereinströmenden ZMttel zur ?nkensiv!erung der Wirtschaft verwendet würden. Es wurde mehr Biel) angeschafst, Kühe, Schaf«, Geflügel, Schweine: wurde es nicht direkt gekauft, fondern herangezogen, so fehlt« einmal der Erlös aus den sonst getätigten Verkäufen der Zungtier« und andererseits «rkordert« der Zuwachs stärkeren Verbrauch an ffutter» mittel«. Also mußt« der Acker mehr hergeben: das Mehr an Vieh ergab ja schon mehr Dung, aber daneben ging starker Antauf künstlichen Düngers— oder man kaufte Ländereien, Wiesen, sserner schaffte man Maschinen an, die di« leichtere B'wöltiaunq der Mehrarbeit gewährleisteten— kurz, es wurde die Wirtschaft ausgebaut, zum eigenen Besten des Besitzers vnd schließ. lich auch des ganrn Wirts chastskörpers. Das Geld war angelegt: gewiß strömten stärkere Einnahmen berein, aber sie konnten natür- lich nicht kapitalbchdcnd fein. Was 1322 noch als stattlich« Reserve gelten tonnte: 2, 8. 13, ja 30 Millionen, ist heute ein Papvenstiel. Diese Deute, die wirtschaftlich richtig zu handeln sich bestrebten, Hagen beute besonders und in ihren Kreisen hört man Aussprüche wie:„Dis Kühe sollen sie schon nicht aus dem Stall holen, eher schlagen wir alles kaputt." Oder:„Hätte ich mit meinen 23 MMo» nun spekuliert oder Devisen geschoben, so hätte ich jetzt 23 Milliarden und die ganzen Steuern wären eine Lappalie!" Noch zu gedenken ist der Pechvögel, die Unglück gehabt hoben; Vieh ist gefallen. Ernten sind mangelhaft gewesen. Betriebskapital festste, Krankbeit binderte an krafwoller Arbeit usw. Andererseits gibt es auch Ausnahmemenschen, die wahre„coptain, of agriculture" sind(um das Galdbergersche Wort von den amerikanischen„captam, of industry* zu variieren)— sie haben die Betriebe intensiviert und vergrößert, sie haben all« Guttaten d?'? Borkriepslebens sich auch jetzt nickt entgehen lassen; ihnen sind sfleisch. Düster und Wein keine sagenhasken Dinge gewesen und doch„schwimmen sie im Gelde." wie ist öer heutige Zustanö! Die Heuernte, auch der zweite Schnitt, ist glänzend, die Körner- ernte gut, die Kartoffeln stellenweise wohl versagend, aber doch nicht so schlecht, wie zuerst angenommen, im Gärtnerei- betrieb für Bohnen, Gurken, Tomaten— gerade drei hochbezahlt« Kulturen— fast überall ein Fiasko. Man Hilst sich nun so: Die Preise werden Höher und höher gesetzt— man denke an di« Milch, das Fleisch, das Obst, die Eier; die Preise überschreiten oft die Mark- und Psennlgpreise der Vorkriegszeit. Dann wird von der Ernte verkauft, was zu verkaufen ist: gleich gedroschenes Getreide, Früh- kartoffeln(wer reichlich erntet!). Aber es wird nicht langen, und das Finanzamt spricht es trocken aus und der Reichskanzler weiß es mundgerecht zu machen: verkauft Dermögensstücke! Zweierlei Bedenken seien genannt: wenn jeder verkauft— wer ist dann Käufer? Doch nur das Ausland. Und das zweite, stärker wiegende: ist schnelles Verkaufen möglich? Wie sind z. B. Grundstücke in wenigen Tagen zu wirtschaftlich gerechtfertigten Preisen loszu- schlagen? Sollte der Staat, zu dessen Bestehen jeder Opfer bringen soll, nicht Mittel und Wege finden, um hier dem von gutem Willen beseelten Landwirt die Last tragen zu helfen? Unter Mitwirkung einer landwirtschaftlichen Behörde(der Landbund mit seiner regierungsfeindlichen Tendenz käme natürlich nicht in Frage) könnte wohl ein Institut geschaffen werden, das hier kreditgebend sich be- tätigte.„Nehmen Sie doch Hypotheken auf?" hörte man wohl den Städter sagen: er vergißt, daß heute der Kapitalist kein Geld zur Hypothek gibt, da er befürchtet, daß sein Vermögen so ruchbar wird(o je, der Kapitalist!) und die Bankzinsen sind unerschwinglich. Unangenehm empfunden ist der Umstand, daß die Goldmark eine variable Größe ist. Wer durch Verkauf die Mittel ausbringen muß, kann schwor die Größe des Bettages vorausberechnen, den er in drei Wochen zahlen muß. Naturgemäß steigt mit dem Dollar und dem Schilling auch der Preis beim Berkauf, aber nicht jedem ist di« Preissteigerung in dem gleichen Maße möglich. Ein Aus- gleich ist in der Anlage von Kapital in der Dollaranleihe zu finden, aber nicht allzuviel« werden die doppelten Mittel haben. Und wenn die Anleihestück« nicht schnell geliefert werden? Sind doch die ver- sprochenen Stücke der Zwangsanleihe noch nicht in den Händen der Zeichner— so daß der mißttauische Bauer des Glaubens ist, daß er sie niemals erhalten wird. Zweifellos hat der einsichtige Landwirt aber jetzt ein großes Interesse an dem Rückgange d« Vollars und alle verständig Denkenden unter ihnen wünsch«, der Devisenkampagne den vollen Erfolg. Im vorstehenden wurde versucht, die Zustände so zu Wkvern, wie st« find. Die Steuern müssen aufgebracht werden, das steht außer Frag». Aber«ine ander« Frage ist, sollen die Kreise, die uns durch die Lieferung und Preisbemestung unserer Nahrung nach Delieben di« Gurgel zuschnüren können, berechtigt sein, von dieser ihrer Macht mit einem Schein von Berechtigung Gebrauch zu machen?_ Der Kurs öer Crbfen. Wer Geld hat, viel Geld hat, kann sich heute wie früher alles leisten, nicht allein einen saftigen Braten zum Mittagsmahl, son» dem auch eine Autofahrt und eine mehrwöchentliche Reis«. Auch der Durchschnittsbürger leistete sich alles dieses, wenn auch in größeren Zeitabschnitten und kleineren Roten. Ihm geht ta all«. dings heute nicht mehr so gut. Die Preise gehen ins Uferlose. Täglich fahren viel« Augen üb« die Karte im Aschinger-Restaurant und erstarren: Es reicht nicht hin, nicht her. Nur ein Gericht bleibt den Hungrigen zu» gängllch:„Erbsen mtt Speck" oder auch nur„Erbsen ohne Speck", je nachdem das Geld reicht. Diese Erbsen wurden allmählich das einzig«, das den Magen ausreichend füllte, das man sich in sein« Lage noch leisten konnte. Lange Nullen hingen sich an die Ziffern | vorn vor den Speisen, auch di« Erbsen stiegen, wie alles mit dem ! Dollar: jedoch: wenn etwas zu«schwingen war, so warm sie es nzig und allein. So sind sie das Monopolgericht vieler Menschen geworden, d« Dollar der hungernden Welt, das allein zu verwirk- Uchend« Ideal all« Idealisten. Es geht so heutzutage: Täglich liest man dm Kurz auf dem Speisezettel und erschauert oder lächelt zufrieden, je nachdem, wie ein Börsenmakler, ein Dollarinhab«. „Es reicht!" heißt in diejer Sprache nichts anderes als: Ich kann mir ein Erbsengericht leisten. Ich sehe voraus, daß der Preis für Erbsen demnächst cm der Börse notiert und amtlich festgesetzt wttd. Denn immer kleiner wird die Zahl desien, das man sich noch leisten kann. „Erbsen mit oder ohn<> Speck" wird vielleicht einmal die einzige Frage werden, die unzählige Menschen täglich an sich zu stellen haben!.., Das neue Orot. Die Bäckermeister gegen die freie Wirtschasi. Wir garantieren wir der Bevölkerung nach Abschaffung der Brotkart« das Brot? Mit diesem Thema beschäftigte sich ein« außer- ordentlich stark besuchte Versammlung, die der Zweckverband der Bäckermeister Groß-Berlins am Mittwochabend in den „Germaniasälen" einberufen hatte. Referent war G r ü ß e r vom Zweckverband, der einleitend die Wichtigkeit dieser Versammlung hervorhob, um dann di« Lohnpolitik im Bäckereigewerbe zu streifen. Di« Berechtigung dieser angeblich hohen Löhne müsse anerkannt werden, um so mehr, als ja di« Preise für alle täglichen Bedarfsartikel ins Märchenhafte gestieen sind. Der Redner behandelte daraus die Preisberechnung und stellt« fest, daß jetzt der ungeeignetste Moment sei, an Stelle der Zwangswirtschaft die freie Wirtschaft«inzuführen.(Bekanntlich wird ab 18. Oktober die Herstellung von Martenbrot eingestellt.) Dies« neu« Regelung, die ab Montag in Kraft tteten soll, wird schwere Folgen nach sich ziehen. Wenn heut« für ein Markenbrot 34 Millionen Mark gezahlt werden, so reoräsentieren dies« Millionen«inen Frie- denswert von nur 8 Pfennigen. Im Augenblick kostet ein Doppel- zentner Roggenmehl 13 und mehr Milliarden. Die Bevölkerung habe«in Recht darauf, an Reich und Stadt die Anfrage zu richten, wie die hohen Mehipreise zustand« kommen, die das Brot m d« nächsten Woche um ungefähr das Siebenfach« verteuern werden. Auch die Kohlenpreise tragen sehr zur Verteuerung des Brotes bei. So bettag« das Backgeld für ein Brot nicht weniger als 22 Millionen Mark. Ueb« di« Beschaffenheit des neuen Brotes führt« Grüß« ans, daß es ein Tetgaewicht von vier Pfund haben solle und daß man darauf hinziele, die Friedensqualttät wieder einzuführen. Da hierzu bei den Mühlen gewisie technisch« Umstellungen sich als nötig erweisen, wird vorläufig 70prozen» tige, Roggenmehl zur Lernrbeitung gelangen. Ein« Ein- heitlichkett de» Verkaufspreises für Brot fei unbedingt nötig. Die Bettleb«, die ihre Produkte bMger liefern, sollen auf die Gewichts- menge des Brotes scharf kontrolliert werden. Der Herstellung von Zweipfundbroten steht nicht» im Weg«. Nachdem der Redner noch ewige Ausführungen über die Tarif- pvMtk im Böcke reigewerb« gemacht hatte, erhielt zum Schluß Generaliekvetär Uhr Schule Woldenlerstraßc. Zcitunaskammission des 2. Jtrcisc». Donnerstag, den 11. Oktober, abend» Vi Uhr, im Lokal von Sachse, Lindowcr Straße 2S. Alle Abteilungen müssen vertreten sein......... «..greis,«reuzberg. Freitag, dcn 12. Oktober, 7 Uhr, erweiterte Kreisvor. ltandssstzung bei Reim. Ilrbanstraße?!>. Die Bezirkstagsdelegierten müssen daran teilnehmen.— Freitag, dcn 12. Oktaber, 7 Uhr. Sigung der Fei. tunaskommission in der Juristischen Sprechstunde, Lind'nstr. 3. 7. Arels. Sh-rlottcnbnrg. Freitag, den 12. Oktober, m Uhr, Krci-porftands. ssßuna im Jugendheim. 13.»reisi Freitag, dcn 12. Oktober, 7� II fit, Krelsinitglied-rversammlung Schulaula Mariendorf. Kurfllrstensiraßc. Erscheinen Pflicht, da Stellung- nahm: zur Neuwahl des Bezirksvorstandes. 15. greis. Freitag den 12. Oktober, 7>4 Ubr. llreisvorstandssstzung mit den Bezirksbeleaicrten in der Mädchenschule Niedcrs»Snew«ide. Berliner Str. 31. Abtcilungsmieterpertrcter. Frci'aq, den 12. Oktober, 7 Ilbr, Versammlung der Vertreter von Groß-Berlin im Saal 5 des Sewkichaktshaufes, Engel- - nfer 24. Genosse Obennciee, M, d. 31., spricht über„.Wohnungswesen". Di« Jircisobleuie laben die im Wohnungswesen ihres Bezirk, als Stadt. rate, Mitglieder der Wohnungsausschüsse, Mietcrbeisther und in den Woh- nungsSmtern tätigen Genossen besonders ein.— Mitgliedsbuch legitimiert. 13. greis. Weißensce. Di« Arbkiterbildunaslchule beginnt mit der Vortraas» reihe..Wirtschaktsfragen der Gegenwart" Freitag, den>3. Oktober. 7l4 Uhr, im Nealgnmnassum Woeick.Promenade. Ref. Gen. Nedakteur Saternus. Anmeldungen hierzu find umgehend an den Genossen Keinl. Gäblerstr. 7. zu richten. Dort sind auch noch einig« Karten für die Vorstellung im Neuen Theater am ffoo Baumeister Eolneß" von Ibsen) zu haben. Grundpreis eine halbe Million. heule, Donnerstaq, den lt. Oktober: Innoiazialisten. Gruppe Friedrichshai». 714 Ubr im Amtszimmer der Fori- bildungsschule. Lange Straße 31:..Erziehungsfraxen".— Gruppe Süden. 7V- Uhr Juristische Sprechstunde Lindenstraßc 3. Vortrag des Gen. Wil- � helmn über:.Bürgerliche �ngendbeweaung". Die Arbeiteringend ist ein.' e«laden.— Gruppe Neukölln. 7% Uhr nn Jugendheim, Nnaatstraße 53. Vortrag de? Genossen Kurt Wegner:„Da, Gebot be? Stunde". Die älteren Mitglieder der Arbeiterjugend sind dazu besonder» eingeladen. Morgen, Freilag. den 12. Oktober: 23. Abt. 7 Uhr bei Grunewald, Kameruner Straß« 13, Sitzung der Kommu- nalen Kommission. 74. Abt. ssehlenvorf. 8 Uhr bei Mieflep Vorstandsstßung. Zunesozialisten. Gruppe Norden. 8 Ubr im Ledigenheim. Schönstebtstraße 1. Vortrog de, Genossen Mitbrodt über:„Wie mächen wir die dentlche Wirt. schaft wieder wirtschaftlich?"— Gruppe Schön-berg.>43 Uhr im Kinder- bort Feniigstraße 35, Vortrag des Genossen Bobhur über:„Di- sozialen Verhältnisse im Alierwm Aegnptens". ?uaenöveranstaltunaen. Die IZciträg? für die zweite Hälfte des Monats Oktober bckraaen für Mitglieder bis 15 Zahre 6 Millionen, für Mitglieder bis 17 Jahre 10 Millionen, für Mitglieder über 17 Zahre 20 Millionen Mark. ZMlglicderversammlungen am Donnerstag, den 11. Oktober. 7� Uhr: Abt. Friedenau. Jugendheim Offcnbacher Straße 5«.— Abt. Laakwitz. l. Gemeindeschule Schulstroße.— Abt. Narjeufelde. Lokal Sofeloff, Berliner Straße 114.— Abt. Neukölln IV. Lokal„Fum Därcnwinkel", Stcinbockftraßc.— Abt. Rorde». Jugendheim Schule Putduser Straße 3. Vortrag:„Pazifismus". — Abt. Senefelbcr Viertel. Badeanstalt Oderberger Straß« SS.— Werbebezirk Neukölln. Jugendheim Münchcner Straße 53, Mädchenabend. Vortrag:„Die arbeitende Frau und der Alkohol".— Werbeb-zirl Oftbahn. Lichtenberg. Mittel. schule Marktstraße, Werbebezirksinitglieberversammlung. Dort rag:.�lugenbkar. tellc".— Werbebezirk Pankow. Jugendheim Pankow, Breite Straße 32 tEin» gang Finanzamt), Werbebezirksmitgliederversammlung. vortrage, Vereine unü Versammlungen. Deutsch« Friedensgescllschaft. Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, den 11. Ok. tober, abends 7 Ubr, Aula Dorotheenftädtifches Gpmnastum. Dorotheenstraße. Bleier- Killer:„Problem der Gewaltanwendung". lVcricht Magdeburger Tagung.) Achtung, Kriegsopfer des Internatianairn Sundes! Am Sonnabend, den 13. Oktober, abcnds 7 Uhr, findet im Gcwerlfchaftshaus«ine Sitzung sämtlicher Beiräte statt. Erscheinen ist Pflicht. Feitag, dcn 12. Oktober, abend» 7 Uhr, Fnfammenkunfl der Hinterbliebenen Leiterinnen im Gewerkfchaftshau«, Engel. nfer. Achtung! Ave Fentralnorftandsmitglieber müssen am Donnerstag abend 5 Uhr im Ganbureall zu einer wichtigen Sitzung erscheinen! Die Gaulcitung. Sriefkaften üer Neüaktion. S. R. In Berlin hat bi< Sattlcr-Innung eine ssackschule. Sin« Sattler. schule, die nicht nur für Lehrlinge bestimmt ist, gibt es in Hilbeshelm. preise uncl L-Stine. Wirsingkohl..... 14—15 Msrgarino...... 200—300 Sohmals....... 350— 380 1 Ei......... 26-28 Wochenlähne in Uerlfn (In Millionen Mark) liehstopfer vorn 7. bis ?lik»........ Karosseriebranche((Gr. I) vorn 3. bis 9. 10.... 4048 1978 Wivtfdyaft der Neichsinüex für Sie Lebenshaltung. (1S1Z/14!) Durchschnitt Mai...... 3816 Juni...... 7 650 Juli...... 37 651 „ August..... 536 045 „ September... 15 000 000 6. August........ 149 531 13........... 436 035 20. ,,........ 753 733 27...........! 133 434 3. September...... 1 845 261 10........ 5 051 046 17........ 14 244 900 24........ 28 000 000 I. Oktober....... 40 400 000 8. Oktober...... 109 10« OOO Steigerung gegen die Vorwoche 170 proz. Auch diesmal bleibt die Indexziffer hinter dem tatsächlichen Stand der Teuerung am Tag« feiner Veröffentlichung derart zurück, daß er nur mit der größten Borsicht angewandt werden kann. Am 8. Oktober stand der Dollar auf 838 Millionen, gestern dagegen amtlich auf rund 3 Milliarden, im freien Verkehr sogar noch bedeutend höher— es wurden Kurs« bis zu 7 Milliarden genannt. Da aber ein wachsender Teil der Preise auf Dollarbalis aufgebaut ist, sind die Lebenshaltungskosten bereits heute min- bestens doppelt bis dreimal so hoch wie am Montag. für den die?''derziffer gilt. Man wird bei jeder Lohnfestsetzung dieses rapide Fortschreiten der Teuerung seit dem Wochenbeginn berücksichtigen müssen, wenn nicht der Arbeitslohn gänzlich von der Geldentwertung aufgezehrt werden soll. Die Preissteigerung im Großhandel. Infolge der fortgeschrittenen Markentwertung bat sich das Niveau der Großhandelspreis« nach den Berechnungen des Statistischen Reicharnnis in der Zeil vom.?. bis 9. Oktober u m 2 3 4 P r o z. nuf dos 30?,4millionen'ochc des Friedenssiondes ge- hoben. Der Dollar wurde am?. Oktober mit 320 Millionen Mark und am 0. Oktober mit 1,2 Milliarden Mark notiert. Di« Steigerung beträgt 273 Pro;., so daß sich das Goldniveau der Groß- Handslsindexziffer 1919= 100 ron 110,8(Gold) auf 107,8(Gold) senkte. Bon den Ihauptgruppen ftieqen die E i n f u b r w a r e n»m 260.1 Proz. auf das 3 9 8,9- millionsnfach«, die Inlandswaren um 263.1 Proz. auf das 2 8 9,8- millionenfache, ferner die Lebensmittel(im Großhandel) um 256,7 Proz. auf das 185,3mlllionenfoch« des Fnedensstandes. Die Deviscngeschäsle der Bankongeflellken. Um die in leßier Zeit wiederholt in der Oeffrntlichkeit auigetauchte Belauptung. daß die Angestellten der Danken mit dem Publikum Geschäfte in aus- ländischen Zahlungsmitteln auf eigen? Rechnung wachen, nachzu- prüfen, wurden im Auftrage des Devisenkommisiars die Angestellten einer Anzahl Depositenkassen von Berliner Großbanken in dieser An- gelegenheil vernommen. Soweit die Ergebnisse dieser Unter- suchung bisher vorliegen, scheinen sich jedoch nach Mittettuna von zuständiger Stell« keine Anhaltspunkte für die Rich» tigkeit der gegen die Dankangestellten erhobenen Anschuldigungen ergeben zu haben. Schuhoerband für Zndustrieobllgalionen. Die Besitzer industrieller Obligationen setzen sich jetzt dagegen zur Wehr, daß sich die Industrie auf ihre Kosten bereichert. Die Geldentwertung hat dazu geführt, daß zahlreiche Industriegesellschaften die ihnen einst in Galdmark ge- gebenen Darlehen heute in millionenfach entwerteter Papiermark zurückzahlen. Aus Industriekreisen hat sich deshalb der Schutzvsr« band der Industrieobligationäre gebildet, um deren Rechte gegenüber den Gesellschaften im Derhandlungs- und notfalls im Prozeßwcg« wahrzunehmen und gleichzeitig wissenschaftlich zu begründen. Die wirffchaflliche Organisation hat Herr Syndikus Willner, Berlin W. 33, Potsdamer Str. 113, übernommen und wird im Einoernehmen mit den wissenschaftlichen Beratern all« Anftagen, denen Rückporto beizufügen ist beantworten, sowie die erforderlich:» Schritte für die Obligationäre tun. Don der Erhebung eines Der- bandsbeitroges ist abgesehen. Die Preissteigerung in der ftaliindustrie, die seit einiger Zeit n»r noch in Gold ihre Preise stellt, hat zu einem starken Absatzrück- g a n g in diesem Gewerbezmeig geführt. Die Sechserkommission des Reichskalirats beschloß daraufhin einstimmig die E r m ä ß i g u n g der Kalipreise für die laufende Woche von 22,7 Proz. in Gold mit Wirkung ab 9. d. M. Di« Ermäßigung ergab sich daraus, daß in der vor- gangenen Woche die Steigerung des Dollarkurses ver» hältnismäßig höher war als die Steigerung der Löhne und Gehälter. Don erheblicher Bedeutung für die Kaliindustrie ist die mit der Landwirtschaft vereinbarte Aenderung der Zahlungsbedingungen, wonach in Zukunft ähnlich wie bei der Kohlen- und anderen Industrien maßgebend für die Berechnung des zu zahlenden Betrages der Tag des Eingangs des Kalis, nicht mehr, wie bisher, der Zeitpunkt der Lieferung der Ware sein soll. Hierdurch werden in Zukunft die außerordentlichen Verluste vermieden werden, welche der Kaliindustrie durch die bisherigen Zahlungsbedingungen bei schnell fallender Mark entstanden sind. ßimnckmiAl«» Jtäe» Wort 60 M. Das fettgedruckte Wort 120 M. ul UllUpIvId.(zu lOss. 2 fette Worte). Stellengesuche das l.Won (fett) 60 M., Jedes weitere 50 M. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für zwei. Alle ll rundpreise mal Schlüsselzahl zurzeit 100000. nimumiimi« j Kleine Anzeigen Anzeigen«umm-rmL« bis 4'/, Uhr nachm. i in der Haupt-Expedition des Vorwärts, Berlin SW 68, Linden- 1 1 straße.*1, abze»eben werden. Geöffnet ton 9 Uhr früh bis S Uhr nachm. Verkäufe Klnhezwagcn, Klappsp>>rtn>a«en, neue. p-brauckte, verkaust Schwarzmann, «atthuserhamm 03.■ Schulz, Kärnerfrraßc 6, an her Lützowsiraße. Qualitaisteppiche ßar. rinh hillig, ha alle Abschlüsse.* Nähmaschinen. Gclkgenheilsläus« wenig gebrauchtir Maschinen mit Daronlie nur bei Fischer. Volshamcrftraß« 103. 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