Abendausgabe Nr. 484 ♦ 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 245 Sfjagsfiebtagungen und Anzeigenpreis« find in der Morgenausgabe angegeben BettatUon: STB. CS, Liadenstrahe 3 Zernsprecher: VSnhosf 292— 208 ZeL'tldceffc: Sojioldemoftof Berlin tw Serliner Volksblatt 25 Millionen M. Dienstag ?H. Oktober 1923 Verlag und Anzrig enabteilunx Deschäftszeit S-S Uhr verlrgrr: vorwarlo-vrrlag Smby. Berlin STB. 68, Cinöcnffcnöc 3 Zernsprecher: VSuhoss 2806.2801 Zcntralorgan der Vereinigten Sozialdemokrat! feben partei Deutfchlands Das neue Geld. Der Uebergang zur neuen Währung ist, wie wir heute I morgen bereits mitteilen konnten, vom Reichskabinett be- schloffen worden. Neben der Papiermark und unabhängig von ibrer Kursgestaltung wird einneuesZahlungsmittel, Rentenmark genannt, geschaffen, das sich von der ganz- lich ungedeckten Papiermark in einem Punkte wesentlich unter- scheidet, nämlich, daß sie durch Besitztitel gedeckt ist. Eine Rentenbank soll gegründet werden, welche auf Grund von Goldgrundschulden der Landwirtschast und entsprechenden Schuldverschreibungen der Industrie neue Zahlungsmittel herausgibt, die jederzeit in Goldrentenbriefe umgetauscht wer- den können. Das neue Geld, das geschaffen wird, ist nur als eine Zwischenlösung anzusehen. Dadurch, daß das neue Geld gedeckt ist, wird es fraglos wertbeständiger fein als es die Paviermark bisher war. Schon in der ersten Hälfte oes nächsten Monats werden die neuen Scheine in Höhe von 1, 2, 3, 5, 10, 50, 100 und 1000 Nentenmark im Verkehr erscheinen, die die Unterschrift der 14 aus Landwirtschaft, Industrie, Großbanken und Handel gestellten Verwaltungsratsmitglieder tragen. � Dieses äußere Zeichen bekundet die Solidarhaftung derErwerbsständefür das neue Geld. Es unterscheidet sich von der bisherigen Reichsbanknote überhaupt dadurch, daß es nicht mehr vom Staate ausgegeben wird, und auch nicht mehr durch neue Schulden des Staates beliebig vermehrt wer- den kann. Die Rentenbank ist dem Reiche gegenüber durch- aus selbständig bis auf einige Sicherungen, welche ihre Satzung dem Reiche läßt. Dieses kann das Recht der Renten- dank, Rentenbriefe und dementsprechend Rentenmark auszu- geben, ausheben. Es bestätigt den Präsidenten der Bank, der vom Ver'",oltungsrat vorgeschlagen wird. Im übrigen aber sind die Befugnisse der Währungsbank gegenüber dem Reiche und die des Reiches gegenüber dem neuen Geldinstitut genau iu gegrenzt und die enge Lerquickung zwischen Staatshaushalt und Geldschöpfung Hört auf. Das gilt auch für die P a p i e r m a r k. Bon dem Tage crn, an dem die Rentenbank die neuen Geldzeichen dem Ver-! kehr übergibt, darf das Reich kerne neuen Schatzwechsel mehr t ausstellen, die Reichsbant also keine neuen unge-! deckten Noten mehr drucken. Damit ist, wenn nicht un-! vorhergesehene Ereignisse eintreten, der Entwertung der Pap'.ermark ein gewisses Ziel gesetzt. Um schon in der Zwischenzeit den Bedarf der Wirtschaft an wertbeständigen Zahlungsmitteln einigermaßen zu befrie- digen, sollen kleine Goldanleihe stücke bis zum Gesamt- betrage von 200 Millionen Goldmark in den Verkehr gebracht werden. Man will auch dafür Sorge tragen, daß das um- ständliche und verlustbringende Verfahren, das heute mit dem Erwerb und der Veräußerung von Eoldanleihestücken ver» Kunden ist, vereinfacht wird. Goldanleihe soll demnächst an den Schaltern der Reichsbank zum Tageskurse angekauft und verkauft iverden, in ähnlicher Weise wie jetzt fremde Geldsorten gewechselt werden. Es wäre dringend zu wünschen, daß auch die privaten Banken sich diesem vereinfachten Verfahren an- schließen. Ueber die Aussichten des neuen Geldes und seine Wirkung auf die Wirtschaft läßt sich nicht viel Bestimmtes prophezeien. Die Währungsfragc ist ja nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtproblem der Inflationswirtschast. Die Reichsregierung scheint fest entschlossen zu sein, die Sanierung der Staats- finanzen mit größter Energie zu betreiben. Gelingt sie und gelingt die Steigerung der Produktivität der Gesamtwirtschaft, w muh sich die Tatsache, daß dos neue Geld auf dem sichersten De''tz der deutschen Wirtschaft, den Produktionsmitteln, beruht, auswirken in einer größeren Wertbeständigkeit des Geldes. Diese erhöhte Wertbeständigkeit aber müßte dazu-führen, daß die wahnsinnige Flucht aus der deutschen Währung in die Ware und in fremde Zahlungsmittel wie auch in Effekten nachläßt, daß also die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes sich verlangsamt. Tritt das aber ein, so besteht die Gefahr nicht mehr, daß die neu geschaffenen Zahlungsmittel bis zu einer Gesamthöhe von 2,4 Milliarden Gollimark eine Inflation be- wirken. Dafür bürgt bis zu einem gewissen Grade auch die Be- telligung der Industrie und Landwirtschast an der neuen Währungsbank. Wir zweifeln gor nicht daran, daß im Falle eines Interesienkonflikts in einer derartigen' Bank das Profit- interesse sehr bald den Sieg über das Gefamtinteresie davon- tragen würde, daß man also ruhig das neue Geld der Ent- wertung preisgibt, wenn der Privatwirtschaft aus einer neuen Geldentwertung ein größerer Gewinn winkt. Hier ist aber eine wirksame Hemmung eingeschaltet. Einmal kümmert sich der Staat nicht mehr darum, ob man ihn selbst in Papier- mark oder in Rentenmark bezahlt, die Steuern werden stets nach dem Goldwert erhoben. Ein gewisser Bedarf der beteiligten Kreise an Rentenmark wird in der nächsten Zeit dadurch herbeigeführt, daß die Sprvzentige Verzinsung der Grundschulden und Goldschuldverschreibungen an die Renten» dank in Rentenmark zu leisten ist. Schließlich wirkt in der Richtung der Wertbeständigkeit auch die Tatsache, daß die Rentenbriefe, gegen die die Rentenmark eingelöst werden kann, nach dem Goldwert zu verzinsen und zu tilgen sind. Auf diese Weise entsteht auf ganz bestimmten Gebieten den Sachwert- besitzern fortab bei einer Entwertung des neuen Geldes kein Gewinn mehr, und es ist das ein nicht zu unterschätzender' psychologischer Faktor, um einer neuen Geldentwertung ent- gegenzuwirken. Um so verhängnisvoller wäre es, wenn man auf dem Wege über die Reichsbank Kredite in Bodenmark vergeben und nicht wertbeständig' sichern würde. Die Er- wägungen über die Gestaltung des Kreditverkehrs mit der Privatwirtschaft sind noch im Gange, und es steht bis jetzt lediglich fest, daß die Rentenbank selbst keine Kredite an die Privatunternehmer vergibt, daß vielmehr alle Kredite bis zu 1 einer Gesomthöhe von 1200 Millionen Goldmark über die Reichsbank und über die privaten Notenbanken geleitet wer- den. Bis zu der gleichen Höhe kann das Reich seinerseits den Kredit der Rentenbank in Anspruch nehmen. Die Arbeiterschaft wird von der Rentenmark soviel zu Gesicht bekommen, als sie durch ihre gewerkschaftliche Macht durchzusetzen vermag. Gesetzliches Zahlungsmittel bleibt die Papiermark, die jetzt durch das Abstoppen der Notew uf läng hinaus eine große Rolle spielen. Es wird aver immerhin möglich fein, die Zahlung eines bestimmten Betrages oder des ganzen Lohnes in Rentenmark auszubedingen, und es wird sogar notwendig sein, wenn die Schwankungen der Papiermark anhalten sollten. Um die Milliardenrech- nungen in Papiermark, die heute infolge der Geldentwertung üblich geworden sind, zu beseitigen, ist beabsichtigt, eine Denomination vorzunehmen, sobald die Verhältnisse sich be- ruhigt haben, d. h. entsprechend dem tatsächlichen Wert der Papiermark etwa 1 Milliarde auf 1 Mark herunterzusetzen. Alles in allem trägt der Versuch, den die Reichsregierung jetzt unternimmt, immer noch viele Bedenken in sich, die auch an dieser Stelle geäußert worden sind. Ob die Absicht, zu einer größeren Wertbeständigkeit zu kommen, gelingen wird, und endlich einmal zur Rechnung in tatsächlichen festen und gesetzlich zugelasienen Werteinheiten führen wird, hängt nicht allein von teckmischen Momenten ab. Man ist sich bewußt, hier eine Zwischenlösung erreicht zu haben und damit nur eine Etap pe auf dem Wege zu dem Endziel, der wirklichen Goldwährung. Ob und wann diese durchsetz- bar ist. hängt nicht nur von der kommenden wirtschaftlichen Ge- staltung in Deutschland, sondern auch in hohem Maße von der weiteren Entwicklung der Reparationsfrage ab. Hält die Regierung ihr Versprechen, mit größter Intensität an der Gesundung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage zu arbeiten, so wird der Erfolg nicht ausbleiben und mindestens für eine Zeillang eine Beruhigung des Geldmarktes eintreten, wofern nicht diese Aufbautätigkeit wieder zerstört wird durch mutwillig herbeigeführte Konflikte zwischen dem Unternehmer- tum, das jetzt seine eigenen' Ziele zu verfolgen sucht, und der Arbeiterschaft, die bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Not und bei aller Bereitwilligkeit ihrerseits, an der Gesundung Deutschlands mitzuarbeiten, sich ihre Waffen im Kampf um die Selbsterhaltung nicht entringen lasten kann. Der Verwaltungsrat öer Rentenbank. Der Präsident der neuen Rentenbant ist noch nicht er- mannt. Ihr Verwaltungsrat besteht aus vierzehn Mitgliedern und setzt sich nach den Wirtschastsständen folgendermaßen zu- sammen: Landwirtschaft: Abg. Dr. Roesick«, Vorsitzender des Reichslandbundes: Abg. Dietrich. Vorsitzender des Generalver- band«? der deutschen Ralfseisen-G-nostenschaften: Regierungsrat Dr. Vennes, Vorstand des Reichsverbandes der deutschen landwirt- schaftlichen Genossenschaften: Dr. Crone-Münzebrock, Geschäfts- führendes Mitglied der deutschen Dauernveveine; HUger, Vor- Zurückhaltung an üer Sörfe. Dollar amtlich 4100 Millionen. Auf den Devisenvertehr blieben die heutigen Krawall« zunächst ohne merklichen Einfluß. Die Kurs« des Frühverkehrs tonnten sich halten. Di« Geschäftstätigkeit war sehr gering. Für Dollars nannte man zuerst 4 Milliarden, späterhin 4,S Milliarden. Pfunde wurden zwischen 19 und 21 Milliarden gehandelt. Dollarschätze waren eher angeboten. Der erst« Kurs war 4,1 Milliarde, später wurden 4,? geboten. Goldanleihe bewegt« sich zwischen 3,8 und 3,9 Milliarden. Effekten scheinen stärker angeboten zu sein. Ein fester Grund- z u g ist nicht zu verkennen, jedoch ist die K a u f n e i g u n g g e r i n g. Kurs« waren kaum zu hören. Denn amtlichen Verkehr hatte sich die Nachfrage nach ausländi- schen Zahlungsmitteln inzwischen beträchtlich gesteigert, so daß die Reichsbank wiedor erheblich schärfer al« an den Vortagen Repar- ti er un gen vornehmen mußt«. Amerika wurde amtlich bei SOprozentiger Zuteilung aus 4,1 Mlliardea, England bei 80prozentlger Zuteilung auf 18,5 Milliarden und cholland bei Svprozentiger Zuteilung aus 1,8 Milliarden festgesetzt. Die Reichsbank betont, daß Ihr große Mittel für die Inter- oention zur Verfügung stehen. Nach der amtlichen Kursfestsetzung kletterten Dollar aus S Milliarden und Pfunde auf 22 Milliarden. sitzender des Reichslandbundes: Dauernführer Dr. Heim und Brandes. Industrie: Abg. Sorge, Mitglied des Fried.-Krupp-Di- rettoriums: Abg. v. Siemens und Geheimntt Bücher vom Reichs- verband der deutschen Industrie. Großbanken: Urbig, Geschäftsinhaber der Disconto-Ge- sellschaft und ein Vertreter der Deutschen Dank, wahrscheinlich Di- rektor Wassermann. Groß- und Kleinhandel: Abg. ÄeinatH, Geschäftsführer des Zentral Verbandes für den deutschen Großhandel und Großkaufmann Grünfeld. Der belgische Busgleich. London, 18. Oktober.(WID.) ver belgische Außenminister Iaspar erklärte In einer Unterredung mit dem Brüsseler Berichl- erstatter der.Times" über die Prüfung des den alliierten Regie- rungen im letzten Mal unlerbrciteken belgischen technischen Planes durch die Reparationekommission, die Besetzung des Ruhrgebiets sei einfach eine INekhode gewesen, um etne» Druck ans das Deutsche Reich auszuüben, seine Reparation sverpslichtungen auszuführen. Sie habe keinen anderenZweck verfolgt. Die Operation sei erfolgreich gewesen, da der Widerstand aufgehört habe. Die britische Regierung habe vorgeschlagen, daß eine internationale Kommission gebildet wird, um die Zahlungsfähigkeit Deutschlands abzuschätzen. Frankreich und Belgien Hätten diesen Vorschlag für unannehmbar geHallen. Belgische Sachverständige hätten die Frage der Zahlungsfähigkeit des Reiches untersucht und den AMierlen einen technischen Plan unterbrcikel. Die britische Regierung habe dann vorgeschlagen, diesen PlaN an eine internationale Kam- Mission zu verweisen, indem sie dabei blieb, daß die Reparations- kommission nicht eine unparteiische Körperschaft ist. Poineare habe sich diesem Vorschlag widersetzt und darauf bestanden, daß die Re- parattonskommission allein befugt sei. sich mit dieser Frage z« be- fasten. Die britische, französische und Italienische Regierung hätten jetzt erklärt, daß die Reparationskommission dazu übergehen könne, die belgischen technische» Vorschläge zu untersuchen. Die belgische Politik der Ausgleichung habe daher zu einem Ergebnis geführt. Zn einem Leitartikel schreibt.Times", die belgische Regierang müsse beglückwünscht werden, daß sie einen lobenswerten Wunsch zeigte, die Aufmerksamkeit der Alliierten von neuem ans k o n- str aktive Vorschläge zu lenken. Selbst die am wärmsten mit Frankreich Sympathisierenden würden seiner beharrlichen negativen Haltung ein wenig müde. Deutschlands Angebot vom 7. Zum fei verworfen worden, ohne erwogen zu werden, mit der Begründung. daß der passive Widerstand von Berlin nicht abgestellt worden sei. Vor drei Wochen sei der passive Widerstand von der deutschen Regierung eingestellt worden, aber immer noch sei Poinrare der Ansicht, daß nichts von Frankreich unternommen werden solle, weil indivi- duelle Fälle des widerflandes weiterhw im Ruhrgebiet vorkämen. Sogar diese schienen jetzt verschwunden z» sein. Die Deutschen zeigten ihre vereltschasl zu arbellen. und trotzdem warte Poinrare auf Deutschland, und Eurzou warte auf Poinrare. Ans diese weise werde man überhaupt keinen Fortschritt machen. Ein erster Schritt müste getan werden. und der erste Schritt sei zweifellos, Deutschland in die Lage zu versetzen zu zahlen. Es sei daher notwendig, die Organisation der deulschen Industrie bi» zu dem Punkte wiederherzustellen, wo eine Zahlungsfähigkeit wieder mögllch gemacht wird. Die unumgängvche Vorbedingung des belgischen Planes sei daher eine Reform der deutschen Finanzen. Gedämpfter Optimismus in England.' London, 18. Oktober.(WTB.) Dem diplomattschen Bericht- erstatter des.Daily Telegraph' zufolge wird der Sieg des Reichs- kanzlers Stresemann über die extremen Elemente auf beiden Sellen des Reichstages in britischen Kreisen als ein zur Stabilität beitragendes Faktum begrüßt. Angesichts der lauwarmen Haltung der französischen Regierung gegenüber dem jetzt der Raparations- tommistion vorliegenden belgischen Reparattonsplcm fei aber in denselben britischen Kreisen der Optimismus doch ge. dämpft. Man fei der Ansicht, daß Präsident Millerands Rede- Poincares beharrliche Weigerung, ds« örtlichen Pfänder in den besetztem Gebieten zurückzugeben, bis die letzt« deutsch« Zahlung ge,' leistet ist, nur verstärkt hat. Der Berichterstatter des.Daily Telegraph" erfährt, daß es, trotzdem keine wetteren Debatten über die Außenpolitik und ins- besonder« die Reparationen in dieser Woche stattfinden werden, falsch sein würde, anzunehmen, daß die i« Frage kommende Debatte notwendigerweise bis zur letzten Woche der Konferenz verschoben werden wird. Zuvor könnten Ereignisse eintreten, die die un- verzügliche Erwägung durch die Konferenz notwendig machen würden, und die konkreten Borschläge für«ine Reichsautzenpolllik, die von den Premierministern der Dominions vorgebracht wurden, würden eine seh? eingehende Untersuchung und Erörterung notwendig machen. Milleranö melöet fich. Obwohl es in Frankreich nicht üblich ist und dem Geist der Der- fastung nicht entspricht, daß der Präsident der Republik öffentlich in die Politik eingreift, hat Mtllerand am Sonntag zwei Reden gehalten, die w d« Pariser Presse ausführlich besprochen werden: denn diese Reden gekten als Auftakt zu den allgemeinen '.Zahlen vom nächsten Frühjahr. Millerand als einer der Väter des Nationalen Blocks von 1919 wollte, offenbar die Anhänger seiner Politik mit einer großen programmatischen Rede sammeln und ihnen die Leitmotive für den kommenden Wah'lfeldzug vorsagen. Obwohl die chauptrede, die er in C v e r e u x gehalten hat, außerordentlich lang ist, scheint sie, wenigstens nach den bisher übermittelten telegraphi- sehen Auszügen zu urteilen, für deutsch« Leser recht belanglos zu sein. Außenpolitisch bekennte er sich zur Aufrechterhaltung der Bündnisse und erwähnt« er, allerdings nur in wenigen Worten, den Sieg Frankreichs an der Ruhr. Di« innere Politik scheint dagegen den Hauptteil seiner Ausführungen in Anspruch genommen zu haben: der Präsident der Republik verherrlichte das Wert des Nationalen Blocks und gab, ähnlich wie 1919, den Kampf gegen den Bolschewismus als Parole aus. Jnnerpolitisch ist Millerand jedenfalls um einige Grade reak- tionärer als Poincare. Deshalb wird sein« Rede besonders scharf in den Organen der Linken angegriffen. Cs ist hingegen bezeichnend, daß er das uneingeschränkte Lob Andre Tardieus im„Echo National" erntet, der bekanntlich in heftiger Fehde mit Poincare steht. Daß der Präsident der Republik und der Ministerpräsident in scharfem persönlichen Gegensatz zueinander stehen, ist notorisch, ob- wohl es offiziös dementiert wurde. Man geht wqhl nicht fehl in der Annahme, daß Millerand nicht zuletzt deshalb das Wort ergriffen hat, um die Redeserie Poincares zu durchbrechen und nicht ollein seine Person in empfehlende Erinnerung zu bringen, sondern auch die unbestreitbar« Tatsache, daß e r es gewesen ist, der stets zur Ruhrbesetzung gedrängt, während Poincare, der sich heut« als Triumphator verhimmeln läßt, sich nur wider Willen in dos Aben- teuer gestürzt hat. Die Kohlenlieferungsfrage. Paris, 16. Oktober.(WTB.) Di« Agence Havas verbreitet Une Meldmig aus Brüssel, worin es heißt, eine Berliner Nachricht teilt« mit, die deutsche Regierung sei nicht m der Lage, den In- dustriellen die Kohle zu bezahlen, die die Alliierten liefern. Die Zeitungen glaubten hieraus schlichen zu müssen, daß die Repara- tionskohle nunmehr von Frankreich und Belgien bezahlt werde. Das sei nicht der Fall. Nach den Uebereinkommen, die zwischen den deutschen DeHörden und den Bcsatzungsbehörden abgeschlossen worden seien, werde die Kohle Belgien und Frankreich als Repara- tion unentgeltlich geliefert. Es sei Sache der Industriellen, sich bei ihrer Regierung Zahlungen zu sichern. Anmerkung des WTB.: In der vorstehenden Havas- Meldung ist von Uebereinkommen die Rede, die zwischen den deutschen DeHörden und den Besatzungsbehör- den abgeschlossen worden seien. Solche Abkommen sind nicht abgeschlossen worden. Dies war schon aus dem Grunde nicht möglich, weil die französische und die belgische Regierung, ob- wohl die deutsche Regierung in den letzten drei Wochen wiederholt das offizielle Ersuchen an sie gerichtet hat. mit ihr über diese Fragen zu oerhandeln, es bisher stets abgelehnt haben. Im übrigen ist die Stellung der Reichsregierung zu der Frage der Finanzierung der Sachlieferungen in dem am Sonntag veröffent- lichten Schreiben des Reichskanzlers an Herrn Stinnes dargelegt. Die britische Reichskonferenz. London, 16. Oktober.(EP.) Di« Reichskonferenz hielt am Man- tag nachmittag«in« Sitzung ob, die von Lord Salisbury eröffnet wurde. Der Marineminiftec Amery hielt eine Red« über die V e r- t« i d i g un g des englischen Reiches. Der Sitzung wohnten als außerordentliche Delegierte«nglischerseits der Chef des Admiral- stobes Lord Beotty, der Kriegsministor Lord Derby und der Chef de» Generalstabes, Lord Cavan, b«t Di« erwartete Red« Lord Curzons ist auf unbestimmt« Zeit oerschoben worden. Der Oeffent- lichkeit gegenüber wurden in Anbetracht des vertraulichen Charakters d«r Bersammlung keine Mitteilungen gemacht. Genosse Aufhäuser erklärt uns, daß er wegen Teilnahm« an einer unaufschiebbaren internationalen Gewerkschaftskonferenz bei der R«ichstagsabstiinmung am Sonnabend gefehlt und sich restlos ruf den Boden der Erklärung Crisplen und Genossen ge- stellt hat. Cine Srikettgesibichte. Don Fritz Müller, Chemnitz. Seit: 11. OflüBec 1958, abent» HB Uhr. i Ort: Wohnung eincS Kohlenhändlers. Personen: A. und K.— Kunden: G.--- Kohlenhändler. 81.: Wir wollen die fünf Zentner Briketts bezahlen, die wir vorgestern nachmittag geholt hatten. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir di? 1.8 Milliarden gleich an Ihre Frau bezahlt. Aber sie wollte das Geld nicht annehmen. (£.: Sie sollte Ihnen auch die Briketts nicht herausrücken. Ich härte sie Ihnen heute selbst gebracht. B.: Ja, daß sie so und so viel teurer wären! C.: Sind sie auch! Heute kostet ein Zentner 896 Millionen Mark! B.: Was?! A.: Als wir die Briketts holten, sprach Ihre Frau aber nur von 369 Millionen Mark! C.: Das war der Preis von vorgestern! Inzwischen ist der Dollar gestiegen, und da... A.: Wir wollten aber doch vorgestern bezahlen! C.: Warum haben Sie denn nicht bezahlt?! B.: Ihr« Frau hat das Geld nicht nehmen wollen! C.: Da hätten Sie wiederkommen müssen, als ich da warl— Dos hat nun alles keinen Zweck. Sie bezahlen heute: und da müssen Sie auch den heutigen Preis entrichten. Macht 4 Milliarden Mark. Weil Sie's sind, will ich auf 3 899 999 999 Mark herunter- gehen.-- A.: Wir hatten doch neulich jeder 399 Mllionen Mark angezahlt. C.: Ja, das war für Steinkohlen. B.: Wir haben aber doch, weil noch kein« Steinkohlen kamen, dafür Briketts bekommen. C.: Richtigl Also gehen 399 Millionen Mark ob, macht 3L Mil- liardcn Mark. Zl.: Was?? B.: Ich denke, bei Ihnen geht alles nach dem Dollar? CC.: Ja, aber ich verstehe Sie nicht recht! B.: Die 399 Millionen Mark haben wir— hier ist meine Ouittung— mn 3. Oktober angezahlt. Damals galt der Dollar etwa 499 Millionen Mark! C.: Das ist au«ieschlossenl A.: Nein, das ist nicht ausgeschlossen. Hier ist eine Zeitung vom 4. Oktober. Da steht: Ein Dollar— 440 000 000 ZN. 3n New Port 400 000 090 M. Das bezieht sich, wie Sie aus den nachfolgenden Devisenkursen er- sehen können, aus den 3. Oktober. C.: Donnerwetter, Sie haben recht! Aber ich verstehe ickmcr noch nicht, was das mit Ihrer Anzahlung zu tun hat. A.; Wir haben bei einem Dollarstand von etwa 499 Millionen cine Anzahlung von 399 Millionen Mark geleistet. Das waren Z Goidmark.' Geben Sie das zu? C.: Ja, aber ich... A.:.�eut« iieht der Dollar auf 6 Milliarden Mark. C.: Mit 8 Milliarden ist er nachbörslich gehandelt worden! 8� Wir wollen nur 6 Milliarden rechnen! Macht ihn persönlich hastbar! Verklagt den„(AeneralstaatSkommissar"! Der bayerische Ausnahmezustand ist nur vier Stunden lang rechtmäßig gewesen. Mit dem Augenblick der Verkündung des Reichsausnahmezustandes war er nach dem klaren Wortlaut und Geist der Verfassung glatt a u f g e h o- den. Dennoch übt Herr v. Kohr als bayerischer General- staatskommissar entgegen Recht und Verfassung welter die Gewalt auf Grund der bayerischen Ausnahmeoerordnung noch immer aus. Hätte das Reich die nötige Macht dazu— oder vielmehr nach unserer Ueberzeugung nur die nötige Entschluß- kraft,— so müßte Herr v. Kohr längst wegen Hochoer- rats eingesperrt und angeklagt sein. Es wäre indessen verfehlt, wenn man auf Grund einer tatsächlichen oder eingebildeten Machtlosigkeit des Reichs dar- aus verzichtete, alle Rechtsmittel in Anwendung zu bringen, um die Verfassungswidrigkeit der bayerischen Aus- nahmeverordnung und die Ungültigkeit ihrer Anwendung in einzelnen Fällen feststellen zu lassen. Uns liegt eine Ankün- digung unseres Regensburger Parteiorgans, des„Volksblatt" vor, wonach es auf Grund der bayerischen Verordnung vom 26. September verboten wurde. Ein ähnliches Schicksal haben sozialdemokratische, kommunistische und sogar demokratische Blätter erlitten. Wir möchten dalzer anregen, daß alle betraf- fenen Zeitungen und überhaupt alle diejenigen, die unter den rechtswidrigen Maßnahmen des Herrn v. Kahr einen mate- riellen Schaden erlitten haben, gegen den bayerischen Staat oder noch besser gegen Herrn v. Kahr persönlich auf dem Wege der Zivilklage Schadensersatzansprüche geltend machen. Es ist zwar kaum wahrscheinlich, daß sich ein bayerisches Gericht finden wird, um den Klägern zu ihrem klaren Rechte zu verhelfen. Trotzdem sollten solche Prozesse oder wenigstens ein einziger unter diesen bis zur letzten In- stanz geführt werden: denn die höchste Instanz wäre das Reichsgericht, und es kann als absolut sicher angenom- men werden, daß rechtschaffene Juristen, die nicht von sepa- ratisttscher Verblendung geleitet werden, die Rechtswidrigkett der Kahrschen Verfolgungsmaßnahmen und daher auch die Berechtigung von Schadenersatzklagen anerkennen werden. Allerdings läßt es sich voraussehen, daß man in Bayern derartige Prozesse ins Uferlose zu verschlepepn suchen wird, um eine Entscheidung des Reichsgerichts erst zu einem Zeitpunkt erfolgen zu lassen, wo, nach der Hoffnung der bayerischen Reaktion, entweder Bayern überhaupt nicht mehr zum Reiche gehören oder der Kahrsche Kurs in ganz Deutsch- land eingeführt sein würde. Deshalb genügt der hier angeregte Weg nicht. Es ist u. E. auch die P f l i ch t d e r R e i ch s- re gierung. nicht nur im Interesse der widerrechtlich Ge- schädigten, sondern überhaupt im Interesse der Reichsautori- tät, eine solche Klärung von sich aus herbeizuführen, die ganz im Sinne des von allen Koalitionsparteien im Reichstag an- genommenen sozialdemokratischen Antrags liegt. Deshalb erwarten wir vom Reichskabinett, daß es den Reichsjustizminister dazu ermächtige, unverzüglich eine E n t- scheidung des Reichsgerichts in Leipzig über die Ungültigkeit der bayerischen Ausnahmeverordnung und sämt- sicher Maßnahmen, die kraft dieser erlassen wurden, herbei- zuführen._ Sachsen unö öapern. Reaktionäre Einheitsfront gegen Sachse». Wenn es noch eines Beweises für d»e Notwendigkeit bedurft hätte, den Ausnahmezustand entweder überall anzu- wenden oder ihn aufzuheben, dann wäre er durch die Haltung der gesamten reaktionären Presse hinlänglich erbracht. Die Tatsache, daß in Sachsen«in« rein sozialistische Regierung besteht— die jetzt durch Hinzunahm« von zwei Kommunisten zu einer sozialistisch-tommu- nistischen Koalitionsregierung umgewandelt wurde—, hat schon seit Monaten«in wahres Trommelfeuer voni Tatarennachrichten aus„Sowjetsachsen" ausgelöst. Der! Zweck war mehr als durchsichtig. Man mußt« dem Spießer einen heillosen Schrecken einjagen, um dann um so ungestörSr di« Politik, A.: Auf Grund dieses Dollarstandes sind 3 Goldmark 414 Mil- liarden Mark. Soviel haben wir angezahlt. 4 Milliarden sollen die Briketts tosten. Da müssen Sie also.... C.:... ein« halbe Milliarde herauszahlen?? B.: Eigentlich! E.(bekommt einen Tobsuchisanfall)—-- A.(nachdem sich C. beruhigt hat): Herr B. hat doch nur„cigeni. sich!" gesagt. Wir wollen Ihnen einmal zeigen, wohin das führt, wenn man alles nach dem Dollorstand berechnen will! E.: Was soll denn nun werden? B.: Wieviel sollen die Briketts tosten, 1,8 oder 4 Milliarden? E.: Ich würde Sie Ihnen ja gern zum Preis« von vorgestern lassen, aber... A.: Aber wir sollen di« Anzahlung nicht nach dem Dollarstcmd berechnen? C.: Ich dachte, di« fünf Zentner Briketts sollen kosten: 369 Mil- lionen mal 5 weniger 399 Millionen, macht 114 Milliarde. B.: Damit sind wir einverstanden. A. und B.(bezahlen und verabschieden f*). C.: Den verfluchten Dollar soll doch der Teufel holen! Luftfeuchtigkeit unö Wohlbefinüen. Der Umstand, daß sie die trockene Zimmerluft als den Attnungs- organen schädlich ansehen, veranlaßt viele Menschen, auf Oesen oder Heizkörper Wasserschalen aufzustellen. Well sie leicht ein« trocken« Kehle bekommen, sobald sie sich längere Zeit im Zimmer aufgehalten haben, glauben sie, der allzu gering« Feuchtigkeitsgehalt der Luft sei hierfür verantwortlich zu machen. Indessen liegen hier ganz ander? Ursachen zugrunde. Menschen, die an einem„trockenen Gefühl" im Halse leiden, behaupten oft, daß sie die Trockenheit förmlich schmecken könnten. Diese Beobachtung führt in vielen Fällen auf den wahren Grund der Sache. Gewöhnlich handelt es sich nämlich um nichts weiteres als ein« Art von Trockendestillation der auf der Wärme- leitung befindlichen Staubteilchen. Dieser Staub, der in der Haupt- fache durch die Feiffter hereinfliegt, enthält Harnstoffe, die bereits bei ziemlich niedrigen Wärmegrad«» ausdestillier«». Die Aufstellung von fflerdunstungsschalen zur Bekämpfung des Trock«nheitsgefühls Hot, wie erwies«» ist, in den allermeisten Fällen höchstens suggestive Wirkung. Die Lust, die wir ausatmen, ist ja stets mit Feuchtigkeit gesättigt, und da Wasscrdampf leichter ist als Luft, strebt sie in die Höhe, und das um so schneller, je trockener die Luft ist. Je feuchter die Lust ist, desto schwerer entfernt sich also die ausgeatmete Luft vom Ausatmungskrets, und wenn auch diese ver- brauchte Luft an sich kein starkes Gift darstellt, so ist doch ihr« schäd- liche Wirkung aus den Körper recht bedeutend und kann in gewissen Fällen die wichtigsten Funktionen des Körpers stören. Das ist ja auch ein« wohlbekannt« Erfahrung aus allen Fabriken, wo die Arbeit bei großer Wärme und hoher Luftseuchtigkeit vor sich geht, wie bei Bäckereien, Waschanstalten, Baumwollwebereien, Gruben usw. In solchen Betrieben ermüden die Arbeiter sehr schnell und die Leistungs- fähigkeit ist beeinttächttgt. Welcher Feuchtigkeitsgrad vom hygieni- schen Standpunkt aus der best« ist, hängt von der Temperatur ab. In geheizten Räumen van IS bis 29 Grad Wärm« ist nach Professor der Einschüchterung der Arbeiter betreiben zu können. La« man die Schauernachrichten und die Meldungen über„Terrorakte", so mußte man zu der Ueberzeugung kommen, daß in Sachsen wirklich Wild-West etabliert worden sei. Nachdem der Boden genügend beackert war, kam der bayerische Staatsstreich, der einen Kahr zum Diktator bestellte, kam der Reichs- ausnahmezustond, der den bayerischen außer Kraft setzen sollte. Sollt«! Tatsächlich diktiert Kohr weißblau, und der Ausnahme- General v. Lossow sieht zu. Aber der General Müller in Sachsen ist aktiver. Er verbietet proletarische Hundertschaften, während in Bayern die Hitler-Banden ungestört weiterarbeiten können. Und die Reaktion jubelt. Di« Republik bietet ihr selbst dar, was sie er- strebt. Allerdings ist das Verbot der Hundertschaften ein„Schlag ins Wasser", wie die„Dresdener Lolksztg." mit Recht betont: denn eine Abwehrorganisation gegen reaktionäre Putsch- gelüste können di« Arbeiter sehr leicht bilden, wenn sie im Ziel einig sind. Man kann ihnen alles verbieten: Versammlungen, Zeitungen u. dgl., aber man kann sie nicht hindern, in der Werkstatt, auf dem Weg« zur Arbeit und von der Arbeit sich über dos zu verständigen, was ihnen am Herzen liegt. Das hat schon das Sozialistengesetz gezeigt, und das kann jeder jeden Tag neu erfahren. Worauf es aber den Treibern ankommt, die diese Verbot« fordern mid bejubeln, ist, die sozialistische Bewegung selbst zu treffen. Nicht nur ein« militärisch organisierte Nebenform. Aber der Schlag geht daneben. Er ruft nur eine Verbitterung in den Herzen derer wach, die aus Ueberzeugung für di« Republik eintreten und nun sehen müssen, daß die Repubsik ihr« staatlichen Machtmittel gegen sie selbst anwendet, ohne den bayerischen Kamps- bünden ein Haar zu triimmen. Die Bayern werden inzwischen immer kühner. Sie erteilen dem Reichswehrminister bereits Weisungen, was er mit dem General Lossow tun oder lassen darf, der in München gegen Kohr so völlig versagt«. Di«„Münchener Neuesten Nachrichten" veröffentlichen in auffallendem Fettdruck folgende, offensichtlich inspi- riert« Mitteilung: „Der Fall Lossow. Ueber die Stellung des bayerischen Wehrkreiskommandeurs, des Generals von Lossow, wird in manchen nicht bayerischen Blättern so geschrieben, als könne feine Stellung Gegenstand von Verhandlungen mit ihren möglichen Folgeerscheinungen von Zugeständnissen, Nachgiebig- ketten oder Aiiftrumpfungm sein. Ob«ine solche Auffassung in Berlin tatsächlich besteht, läßt sich hier in München schwer fest- stellen. Bei den Münchener mahcebcnden Stellen aber herrscht k e i n Z w« i f e l, daß«in W e ch s e l in der Besetzung �des Wehr- kreiskommandos nicht in Frage kommen kann." Das ist«ine so unverschämte Herausforderung, daß sie nur «i n e r Antwort würdig ist: ob diese Antwort erteilt wird, ist aller- dings bei der Haltung der Reichsregierung und ihrer Mehrheit eine andere Frage. Für uns ist die Situation aber ganz klar. Entweder kann und will das Reich in Bayern Ordnung schaffen— schön! Oder«s kann und will nicht, dann muß es den Belagerungszustand aufheben und sich nicht durch die Schwätzereien in Sachsen irritieren lassen. In Sachsen herrscht eine— was auch immer gegen sie gesagt wer- den mag!— republikanisch« Regierung, in der sogar di« Kommunisten die bestehende Verfassung durch Eid anerkennen. In Sachsen ist eine in ihrer großen Mehrheit republikanische Bevölkerung. Von ihr Gefahren für den Bestand der Repubsik zu erwarten, ist lächerlich oder verlogen! Also fort mit dem Ausnahme- zustand, wenn er nicht auch in Bayern durchgesetzt werden kann. NegiernngskrSse in Bulgarien. Die Regierung hat beschlossen, das Moratorium nicht, zu verlängern. Die Regierung steht wieder vor einer Krise, weil die Sozialdemokraten mit der ihnen angebotenen Anzahl von Mandaten nicht einverstanden sind. steine Truppenverstärkuvgen an der russischen Vestgrenze. Anläßlich der in der«stländischen Presse verbreiteten Älarmgcrüchte, wonach man in Sowjetrußland eilige Vorbereitungen für den Um- ; stürz in Deutschland treffe, erklärte der russische Botschafter in Berlin, ! Klestinski, laut„Ost-Expreß", daß diese Gerücht« völlig au» der i Luft gegriffen seien, und zwar sowohl in bezug auf dl« angeb- ! lichen russischen Truppenverstärkungen als auch hinsichtlich der j weiteren daran geknüpften Kombinationen. Rubner ein Feuchtigkeitsgehalt von 49 bis S9 Proz. wünschenswert, vorausgesetzt, daß man sich dort in leichter Kleidung und bei unbe- wegter Luft und körperlicher Ruhe aufhält. Das Trockenheitsgefühl in Räumen mit Zentralheizung ist oft nichts als ein Reizzustond der Luftwege durch den Staub, der von den Heizkörpern aus in Bs- wegung gefetzt wird. Die Verdunstungsschalen machen freilich die Lust feuchter, vermögen sie jedoch keineswegs zu oerbessern. Es ist daher das größte �Gewicht darauf zu legen, Zenttalheizkärper so staubfrei wie möglich zu hatten. Naturbilder aus China führt in Uraniavorträgen der For- schungsreisende Dr. Handel-Mazetti vor(noch am 16. und 17., abends 6 Uhr). Dr. Handel unternahm während de» Krieges zusammen mit anderen«ine Expedition im Westen und Nordwesten des himmlischen Reiches: er berührte teilweise unerforschte Gebiete. Er hat«ine reiche Ausbeute an Ausnahmen(zum Teil farbigen) mitgebracht, die eine gute Anschauung von dem Charakter des Landes, insbesondere von der Pflanzenwelt, vermitteln. Im ersten Vortrag wurde das Hochland von Pünnan und Südwest-Setschwan behandelt. Der Mittellauf des Iang-tse mit seinen parallelen Neben- flüssen durchfließt in nordiüdlicher Richtung die Provinz und bildet den Zugang zu dem 5— 6000 Meter hohen Zentralgebirge. Tier- und Pflanzenwelt sind außerordentlich reich, auch die Bevölkerung bietet viel Interessantes(wovon man gern mehr gehört hätte). Die vorgeführten Pflanzenbilder waren von«igenarttger Schönheit. Dichten nach Noten. Ein« der neuesten Errungenschaften der futtiristischen Dichtkunst in Italien ist die, daß die Bers« eines Ge- dichtes auf Notenpapier geschrieben und bald mit Noten versehen werden, um di« besonder« Tonlage der einzelnen Worte zu kenn- zeichnen. Der Futurist verbindet also auf diese Weise bereits Musik und Dichtung miteinander. Mascagni hat erklärt, daß das nichts Neues fei.„Jedesmal, wenn ich einen Text erhalte, den ich kom- panieren soll," sagte er,„sehe ich vor meinem geistigen Auge schon die Noten zu den einzelnen Worten. Ich höre bereits die Musik, die noch nicht komponiert ist. Was also d«r Komponist schon immer ganz von selbst tut, das haben jetzt die Futuristen popularisiert ,md eine neue Sensation daraus gemacht." Mascagni erzählt von semer Zusammenarbeit mit DÄnnunzio, als er dessen„Parisina" in Musik setzte. Der Komponist las dem Dichter den Text laut vor, um fest- zustellen, ob er die Verse richtig ihrem Tonwert nach behandle. Da sagte D'Annunzio eines Tages zu Mascagni:„Sie lesen ja nicht mein« Berse, sondern Sie singen sie!" Francesco Cangiullo, der Führer der neuen Bewegung, die„nach Noten dichtet", sagte darauf. hm, Mascagni sei also ein Futurist, was dieser wohl oder übel zu- geben mußte. Rrademie-Vorträge. Die Preußische tlkademl« der SBissenschaslen veram'wllet auch in vielem Winter eine Reihe öffrnllicher Vorträge. Am 27. Oktober lvricht Pros. Tb Wiegand über.Die antike Kultur W e st- Zl r a b i c n s am 17. November Prot. Hellmann über.Weit er» weisbeit de« Voltes", am 8. Dezember Prot. Dr. Erich MarckZ über.Napoleon I. und Alexander von Nunland", am IS. Januar Pros. o. NUamowitz-Moellendorss über das Thema:.Er- kenne dich( e I B(t*. Die Vorträge finden im Aestsaal der Akademie pünltlich Tl2 Uhr statt. Eintrittspreise sür 6 Vorträge IL» M., Einzel» vortrage 0,25 M., multipltziert mit der Suchhändlerschllisselzahl. „ Ohne Sachwerterfassung keine Lösung". Kinderflucht vor der Dollarfrau. Tumulte am Rathaus. 2 Billionen Schmudsachen fielen Einbrechern bei einer Witwe Löwe in der Windscheidstr. 9 in die Hände: ein goldenes Breslau, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Auf einer BeDas war heute früh zwischen 7 und 8 Uhr in der Halle des Armband mit Brillanter, eine Brosche aus Dutatengold mit einem zirkskonferenz der mittelschlesischen Sozialdemokratie referierte am Stettiner Bahnhofs. Draußen war im weißen Oftobernebel Füllhorn und einem großen Rubin, eine goldene Brosche mit einem Sonntag Reichstagsabgeordneter Dr. Kurt Geyer, der die Neu- die Stadt schon lange munter geworden, und man fah die Tapferen Saphir u. a. m. Bei Büttner in der Wilmersdorfer Straße 36 bildung der großen Koalition mit Entschiedenheit als das einzige auf den Straßen, wie sie dem täglichen Rampf wieder mutig ent- Gilberzeug und Schmuckfachen, darunter einen Granatschmud, für Mittel zur Berhütung des Bürgerkrieges und der Rechtstiftatur vergegengingen. Broschen, ein Kollier, Armbänder, Ohrringe usw. Bei einem teidigte. An der sich anschließenden gründlichen Aussprache beteiIr der falten leeren Halle verschwand fast ein Trüpplein von Schlächtermeister in der Wilmersdorfer Straße wurden aus dem ligte fich auch Reichstagspräsident Löbe, der Zweifel dahin Kindern, die freundliche Menschen in Dänemark dem deutschen Kühlraum für 2 Billionen Rollshinten usw. gestohlen. äußerte, ob die große Koalition in der Lage sein werde, die not- Hungerelend auf eine Weile entziehen wollten, ein Trüpplein fleiner Aus einem Lagerfeller aus der Friedrichstr. 72 wurden 550 Pfund nvendige Beteiligung des Reiches am Ertrag der privaten Produk Leute, das, eng an die rote Backsteinmauer gedrückt, stolz und froh amerikanisches Schweineschmalz im Werte von 1 Billion Mart ge tion durchzusehen und ferner bei dem kommenden Zusammenstoß ein Täfelchen auf der Brust zeigte, das ja eines gütigen Gastgebers ftohler und bei einem Gastwirt in der Ritterstraße für 2 Billionen von Not und Besitz die erforderliche radikale Beschlagnahme von Name und Adresse im fremden Carde trug. Gewißheit für eine Mart Reidungsstücke und Schmucksachen aus der Wohnung, während Gold, Brillanten usw. durchzuführen, und der im übrigen die jetzt furze Zukunft auf ein sauberes Bett, eine sichere Häuslichkeit, eine die Eheleute im Geschäfte waren. tommende Währungsreform nur als ganz furzfristigen Uebergang tägliche Suppe mit Fleisch und Milch und Butter. Das alles in Licht, zu einer reinen Godnotenwährung im Sinne von Dr. Schacht für viel Licht und Luft gehüllt. Kostbarkeiten, die des eigenen Landes möglich erklärte. Gegen wenige Stimmen wurde von der auch aus Bauernschaft wohl auch reichlich besitzt, aber nur den DollarOber- und Niederschlesien start beschickten Konferenz folgende Ent- gesegneten spendet. An den auswanderungsfrohen Kindlein vorbei schließung angenommen: rollt eine mit Riepen schwer beladene Frau des gefegneten deutschen " Die Bezirkskonferenz der mittelschlesischen BSPD. würdigt be Landes. Rollt, ohne Blick auf das kleine sehnsüchtige Gewürm, auf allen Bedenken die Gründe, die die Reichstagsfraktion für den der einzig schon offenen Verkaufsstand des Zeitungshändlers zu und Wiedereintritt in die Reichsregierung bestimmt haben. Die Konfragt Fragt nicht nach einer Zeitung, sondern frisch und ferenz hält die Gefchloffenheit der Partei in dem bevor munter nach dem Dollarstand: Rönnen Sie mir nicht stehenden Kampfe für die wichtigste Vorbedingung des Erfolges der fagen, wie der Dollar steht?" Fragt, früh zwischen 7 und deutschen Arbeiterklasse und ruft daher die Parteigenossen auf, jest 8 Uhr in der Halle des Stettiner Bahnhofs nach dem Dollar. unsere Machtposition inner- und außerhalb der Reichsregierung Nein, man sagt es der Guten nicht, wie der Dollar steht. Der nicht durch unfruchtbaren Streit zu schwächen, sondern die Reihen Händler antwortet etwa:„ Erstens weiß ich es nicht, zweitens würde fester gegen den Ansturm der nationalistischen, agrarischen und ich es Ihnen nicht sagen, wenn ich es wüßte, denn ich vermag nur schwerindustriellen Reaktion auf wirtschaftlichem und politischem anzunehmen, daß Sie Ihre Eier nach dem Dollar verkaufen wollen, Gebiet zu schließen. Die Konferenz verlangt von der Reichsregierung und wenn Sie das doch tun, so will ich an diefer Bereicherung fofort Sicherungsmaßnahmen zur Versorgung der wenigstens nicht schuld sein. Das nahm unsere gute Frau vom Das nahm unsere gute Frau vom Bevölkerung, vor allem mit Brot und Kartoffeln, ferner Bande mißbilligend und brummend zur Kenntnis, zog es aber doch entschiedene Maßnahmen zur Durchsetzung des Reichs- vor, hinter dem Trüpplein der verelendeten Kinder, die ihre und rechts in Bayern und die Umwandlung des militärischen in den ihrer Gesinnungsgenossen Habgier und Rafffucht ins Ausland treibt, zivilen Ausnahmezustand im ganzen Reiche. Von der zu verschwinden. Dollarfiebernd, losgelassen auf die große Währungsreform erwartet dia Konferenz nur dann Erfolg, wenn hungernde Stadt, deren Kinder gerade in die schützend offenen raditale wirtschaftliche und finanzpolitische Arme des fremden Landes fuhren Maßnahmen im Sinne unserer Forderungen sie raschestens ergänzen. Ohne eine Erfassung der Sachwerte erwartet die Konferenz teine Dauerlösung des Reparationsproblems." Kartoffeln gibt's nicht! Bir Berliner flagen, daß wir feine Kartoffeln friegen ,, während Der Reichsinnenminister in Köln. bei den großen Lardwirten die Kartoffelporräte Köln, 15. Oktober.( TU.) Der Reichsminister des Innern, aufgehäuft sind. Es ist ein bitterer Troft" für uns, daß manchSollmann, ist heute in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeord- mal auch Kleinstätter, wenn sie sich nicht selber mit Kartoffeln verforgen fonnten, von Landwirten nicht besser behandelt werden. Aus neter der besetzten Gebiete in Köln eingetroffen, um sich persönlich hinterpommern erfahren wir, daß in Tempelburg der über die Notstände des Rheinlandes zu unterrichten, die dortige Stadt- und Landbote" vor furzem diese Annonce gebracht in den letzten Tagen zu so schweren Ausbrüchen der Boltsstimmung hat: Kleinverkauf von Kartoffeln muß ich weger. der damit verin mehreren Rheinstädten geführt haben. Er erklärte einem Berbundenen Arbeits- und Gespannversäumnis bestimmt ablehnen. treter der Kölnischen Zeitung", daß die Reichsregierung die Bor- Weffel, Hohenfelde." Man berichtet uns, daß Gutsbesitzer Beffe gänge im besetzten Gebiet mit gespanntester Aufmerksamkeit ver- feine in Laufenden von Zentnern geernteten Kartoffeln waggon= folge. Leider seien durch die Kabinettstrife die notwendigen Beweise den Großhändlern liefert. Arbeiter, Angestellte, schlüsse verspätet erfolgt und die Weigerung der französi. Beamte, Kleinbürger, die Kartoffeln für den täglichen Bedarf fchen Regierung, einen Reichsfommissar für die besetzten Ge- brauchen, möger sehen, wo in dem Kartoffelland Pommern sie das unentbehrliche Nahrungsmittel friegen. Bei dem Großagrarier biete zuzulassen, habe die Schwierigkeiten gesteigert. Die Unzuläng Beffel ist es für sie um Geld und gute Worte nicht zu haben, wenn lichkeit der Arbeitslosenunterstützung für die besetzten Gebiete fei fie die feinen Mengen verlangen, die ihrem Bedarf und ihrer gezuzugeben. Am geftrigen Sonntag haben in Berlin zwischen dem ringen Rauffraft entsprechen. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der ebenfalls Rheinländer ist, und den Vertretern der Länder Besprechungen über eine Erhöhung der Erwerbslosenfäße stattgefunden. Den Erwerbslosen der besetzten Gebiete werde durch sofortige Zuschüsse geholfen werden. Die Reichsregierung werde fortfahren, direkte Verhandlungen mit Frankreich und Belgien über die Ingangsehung des wirtschaftlichen Lebens in den besetzten Gebieten anzustreben. Solange die französische Regierung sich ablehnend verhalte, müsse und werde die Reichsregierung indirekt ihren Einfluß geltend machen, damit die einst so Wirtschaft sich wieder erhole. Zurück zur Arbeit. ende Aus dem Ruhrgebiet wird mitgeteilt: Der Aufruf des Reichsverkehrsministers an die Eisenbahner in den besetzten Gebieten zeigt, daß von deutscher Seite alles getan wird, um eine Entspannung der Lage herbeizuführen. Wie aus Kreisen der Eisenbahnergewerkschaften verlautet, werden auch diese ihren ganzen Einfluß aufbieten, damit die allgemeine Arbeitsaufnahme fich möglichst schnell und reibungslos vollzieht. Eine grundlegende Aenderung der Lage fann allerdings nur dann herbeigeführt werden, wenn der Güter und Bersonenver. fehr wieder auf den Stand vom 11. Januar dieses Jahres gebracht wird. Dem Bernehmen nach beabsichtigt die Regie, einstweilen nur den Verkehr auf den großen Ost- Westftreden zu verstärken. Solche Maßnahmen allein sind nach Anficht führender Wirtschaftsfreise nicht geeignet, eine Rückkehr zu normalen Zuständen zu gewährleisten. Es ist deshalb beantragt worden, daß mit größtmöglichster Beschleunigung alle ftillge. legten Streden mieder in. Berkehr genommen und daß die Anschlüsse nach dem unbefehten Gebiet sichergestellt werden. Weiter müssen auch die Anschlußgleise der Zechen wieder freigegeben werden. Die schnelle Wiederherstellung des Eisenbahnbetriebes ist für das Ruhrgebiet vor allem deshalb außerordentlich wichtig, weil gerade in diesen Tagen die Berforgung des Gebietes mit Lebensmitteln, insbesondere Kartoffeln, für den Winter er. folgen muß. Für die Stadt Effen werden allein 5000 Waggons für den Kartoffeltransport benötigt. Derartige Transporte find nur bei weiterer Freigabe stillgelegter Strecken zu bewältigen. Eine Befferung der Gefamtlage fann aber auch nur dann eintreten, wenn die militärischen Eingriffe in die Wirtschaft ein Ende finden. Die gestern erfolgte Belegung der Bechen Graf Beust und Herkules hat neue Erregung unter der Arbeiterschaft hervorgerufen, da eine solche Befehung nach Aufgabe des paffiven Widerstandes völlig finnlos ist und sich bei gutem Willen Transport und Berlabemöglichkeiten finden werden. Beschränkung bei Grundstücksverkäufen. Die Frage der Sicherstellung von Steuern. Auf eine Kleine Anfrage über die Ausführung des Gesetzes über den Berkehr mit Grundstücken vom 10. Februar 1923 erteilt, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge, der Minister für Bolfsmohlfahrt die folgende Antwort: Eingreifen der Schutzpolizei.- Einige Verletzte. Bor dem Rathaus in der Königstraße ist es heute vormittag zu sehr bedauerlichen Tumulten gekommen. In der zehnten Bormi tagsstunde machte sich in der Umgebung. des Rathauses ein auffal lend starter Berkehr bemerkbar; aus allen Nebenstraßen strömten tonzentrisch größere und fleinere Trupps zu fammen, die sich bald zu einer großen Ansammlung vor dem Rat haus verdichteten. Die Menge, die sich größtenteils aus Erwerbs. lofen darunter auffallend viele Frauen zusammensetzte, nahm schließlich eine drohende Haltung ein und machte Miene, in das Rathaus einzudringen. Dies Vorhaben mißlang, da die Eingangstore schleunigst gefchloffen wurden. Nur eine Deputation der Erwerbslosen wurde eingelassen und an Stadtrat Brühl verwiefen. Da bie Maffen, die revolutionäre Lieder fangen und ihrer Unzu friedenheit auf jede Weise Luft machten, nicht wankten und wichen, polizei, die auf Lasttraftwagen herbeigeeilt war, ein, um die sondern noch fortwährenden Zuzug erhielten, griff die Schuh Ansammlungen aufzulösen. Durch Bildung langer Retten versuchten die Beamten, die von den Rabifalen mit Beschrei empfangen wur. den, die Maffen vom Rathaus abzudrängen. Diesem Vorhaben wurde aber fast überall entschiedener Widerstand entgegengefeßt. Es tam dabei zu tumultarischen Szenen, in deren Verlauf die Polizei sich schließlich genötigt fah, das Seitengemehr aufzupflanzen und mit gefällter Waffe die Angreifer zurückzutreiben. Es gelang, die Demonstranten in die Nebenstraßen bis zum Hohen Steinweg, zur Nikolaikirche und zum Moltenmarkt zurüdzutreiben, wobei mehrere durch Hiebe mit der blanten Waffe verlegt wurden. In dem fürchterlichen Gedränge fielen zahlreiche Frauen in Ohnmacht, bei anderen löfte sich die Erregung in Schreifrämpfen aus, viele erlitten auch im Gedränge selbst mehr oder minder leichte är perperlegungen. Gegen 12 Uhr war der Platz vor dem Rathaus gesäubert, doch hielt die Polizei noch die Umgebung mit starken Kräften besetzt, um eine Wiederholung dieser Szenen unmöglich zu machen. Inzwischen tam es auf der Straße zu erregten Szenen. Wie uns von Augenzeugen weiter berichtet wird, trat die Schupo zunächst sehr zurückhaltend auf. Erst durch das fortdauernd auf reizende Berhalten junger Burschen wurde es notwendig, den Platz zu räumen. Also doch Betriebsstillegung in Beelih! In Nr. 476 veröffentlichten wir eine uns vom Vorstand der Landesversicherung Berlin zugegangene Mitteilung. Sie verfündete wörtlich:„ Die Landesversicherungsanstalt Berlin wird auch im kommenden Winter ihr gesamtes vorbeugendes Heilverfahren bis auf eine Einschränkung der Bettenzahl in den Seilstätten bleiben im Winter mit 400 Betten belegt." Hierzu Beelizer Heilstätten voll zur Durchführung bringen. Die Beelizer schreibt uns der Zentralverband der Angestellten, Gau Brandenburg:" Die Heilstätten Beelitz find geschlossen; ledig. lich der Betrieb des Sanatoriums wird aufrechterhalten. Ein Be Gemäß§ 4 3iffer 5 des Gefeßes über den Berkehr mit Grund- meis dafür, daß die Heilstätten geschlossen sind, dürfte wohl am stüden vom 10. Februar 1923 fann die Genehmigung eines besten durch die Tatsache erbracht sein, daß zum 1. Oktober 1923 Grundstüdsgefchäfts versagt worden, wenn zu besorgen 177 Arbeiter und Arbeiterinnen, 12 Angestellte, 9 Schwestern und ist, daß die aus Anlaß der Grundstüdsveräußerung fällig werdenden auch 3 Mitglieder des Angestelltenrates gekündigt worden Reichs, Staats- und Gemeindeabgaben nicht pünktlich und voll- find." Das Schreiben der Gauleitung des Zentralverbandes meist ständig gezahlt werden. Besteht eine derartige Besorgnis, so liegt es im Interesse der an dem Grundstücksgeschäft Beteiligten, daß sie in die Lage versetzt werden, diese Besorgnis und damit die Vorausfegung für eine Bersagung der Genehmigung durch geeignete Maßnahmen- z. B. Sicherstellung zu beseitigen. Bestimmungen, die den Beteiligten die Möglichkeit verwehren, eine sonst zu erwartende Versagung ihrerseits abzuwenden, find im Gefeß nicht enthalten. Im übrigen wird auch durch den Erlaß vom 13. Juni feineswegs ausgesprochen, daß grundsäglich gegen das Verlangen der Sicherstellung von Steuern vor Erteilung der Genehmigung Bedenten zu erheben find". Ein derartiges Verlangen wird vielmehr ausdrücklich nur für zulässig erachtet, fofern im Einzelfalle die in§ 4 3iffer 5 des Gefeßes angeführte Besorgnis besteht". Berlängerung von Straßenbahnlinien. Mit dem heutigen Tage hat die Straßenbahn eine Anzahl Linien verlängert, und zwar wird die Linie 15: Augustenburger Blah( Birchow- Krankenhaus)-Hermannplay, durch die Berliner und Bergstraße bis Bahnhof Neukölln weitergeführt; Cinie 44: Görliger Bahnhof- Raiserplay, wird durch die Kaiferallee und Schloßstraße bis Bahnhof Steglig verlängert; Linie 57: Rosened bzw. Emfer Plaz- Pappelallee, wird durch die Schönhauser Allee bis Pantom, Breite Straße, geführt; Cinie 64: Hohenschönhausen- Bahnhof Heerstraße, wird im Westen bis Bahnhof 3oologischer Garten verfürst; Cinie 54: Spandau( Hatenfelde bzw. Stadtparf)-Kupfergraben, vom Knie anstatt durch den Tiergarten zum Kupfergraben über Hardenbergftraße, Kleiststraße, Nollendorfplatz, Bülowstraße, Potsdamer Straße, Straße, Potsdamer Play, Leipziger Straße bis Spittelmarti geführt und Linie 75: Bahnhof Heerstraße, Kaiserdamm, Bismard straße, Knie, Tiergarten, Brandenburger Tor, Kupfergraben, wird wieder zum Ersatz für die auf dieser Strede ausfallenden Linien 64 und 54 in Betrieb genommen. Ein verhängnisvoller Irrtum. Der Kriminalaffiftent 2. in der Dolziger Straße hat in einer Die Reichsregierung hat befondere Maßnahmen getroffen, um die schweren Folgen der neuesten Markentwertung für die besonders bedürftigen Bevölkerungsgruppen, insbesondere auch für die Er der letzten Nächte seinen eigenen Sohn, den er für einen Verbrecher werbslosen abzumindern. Dabei ist für die Erwerbslosen im besetzten Gebiet nach eingehender Erörterung mit den Vertretern hielt, angeschossen. A., dessen Frau Wäsche auf dem Boden aufgehängt der beteiligten Länder und der preußischen Regierungspräsidenten hatte, hörte in der Nacht ein verdächtiges Geräusch und ertappte einen Hausgenoffen, einen Arbeiter Ernst S. beim Diebstahl. Meh das Nachfolgende angeordnet worden: In der Woche vom 15. bis 20. Oftober sollen die Erwerbs- rere Schüffe, die er auf den Fliehenden abgab und die ihn an den losen des besetzten Gebietes neben etwaigen Schlußzahlungen, die Beinen trafen, veranlaßten feinen Sohn, ohne daß der Bater es noch für die periode vom 10. bis 16. Oktober zu leisten sind, Bor- wußte, ebenfalls nach dem Boden zu gehen. Als A. in der Dunkelschüsse auf diejenigen Unterstügungsfäße erhalten, welche vom heit in einem der Seitengänge einen zweiten Mann hörte, hielt er Reichsarbeitsministerium am 18. Ottober für die Kalenderwoche auch diesen für einen Einbrecher und schoß auch auf ihn. 3u spät vom 15. bis 20. Oktober festgesetzt werden. Diese Vorschüsse dürfen erkannte er, daß er feinen eigenen Sohn durch die folgenden Beträge nicht übersteigen, das Dreifache der Haupt. einen Bauchschuß fo fhmer verlegt hatte, bag unterstützung und das Doppelte der Familienzuschläge, wie fie in er nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden der Periode vom 10. bis 16. Oftober im unbefehlen Deutschland mußte. S. tonnte in feiner Wohnung bleiben. galten. Die Borschüsse fönnen in ihrem halben Betrag bereits in der ersten Hälfte der Woche ausgezahlt werden. Die Schlußzahlungen für die Woche vom 15. bis 20. Ottober sind mindestens am Dienstag, ben 23. Ottober, zu leisten. Von da an sind die Gemeinden bis auf Widerruf ermächtigt, in der Mitte jeder Woche einen Borschuß auf die Unterstützungsfäße dieser Woche zu leisten, der die Säße der vorhergehenden Woche nicht übersteigen darf. Die Schlußzahfung ist dann jedesmal bis zum Dienstag der folgenden Woche zu entrichten. Billioneneinbrüche und Milliardenbelohnungen. Bon Einbrechern schwer heimgesucht wurde in der Nacht zum Sonntag der Baumeister Korn in der fleinen stillen Maienstr. 5 in der Gegend des Nollendorfplates. Die Verbrecher erbeubeten u. a. ein filbernes Tablett im Gewicht von 2% Pfund, einen silbernen Wasserkessel mit Ständer, eine filberne Kaffeetanne, Teekanne. Milchtanne, Buderdose mit Zange, Brotförbe, Obstschale mit vier Säulen, innen vergoldet mit Blumenmuster. Auf die Wiederbeschaffung ist, eine Belohnung bis zu 100 Milliarden ausgesetzt. Für I darauf hin, daß der Schlichtungsausschuß in Potsdam bereits zu entscheiden gehabt hat. Er hat die Einsprüche gegen die Kündi gungen zurüdgewiesen, weil es sich um Betriebsstillegung handele. Nur die Schwestern follen unter Stredung der Arbeit weiter beschäftigt werden. Die Gauleitung fragt, ob der Schlich tungsausschuß falsch unterrichtet war oder ob die Landesversiche rungsanstalt der Bresse eine irrige Darstellung gegeben hat. Reichsbanknoten über fünfzig Milliarden Mark werden in den nächsten Tagen in den Verkehr gegeben werden. Sie sind auf weißem Papier gebrudt und 86 X 180 Millimeter groß. Das rechtsfeitig im Papier eingeformte Wasserzeichen stellt Eichenlaub mit Kreuzdorn in ornamentaler Verarbeitung dar. Die Wirkung dieses Wafferzeichens wird durch die grüne Färbung des Papierstreifens und die darin eingebetteten orangeroten Fasern erhöht. Der Schaurand ist mit der querstehenden Zierzahl 50 und dem Wort Milliarden in schwarzer Farbe überdruckt. 3- Milliarden- Scheine will die Stadt Berlin am Donnerstag ausgeben in Gesamthöhe von 100 Billionen. Die Ausgabe erfolgt wie früher auf Grund voller Deckung, die die Stadt hinterlegen muß. 3- Milliarden- Scheine find jetzt jedenfalls nur noch Kleingeld. Abwehr gegen Puffchgefahren. Eine von den Ortsgruppen der BSP. und KPD. am 12. Oftober anberaumte und start besuchte öffentliche Bersammlung in 3offen befaßte fich mit der Bildung einer geschloffenen Front zur Abwehr gegen die Butsch. gefahren. Eine Resolution, die einstimmig angenommen wurde, lautete:„ Die heute im Gemerfichaftshaus Roffen versammelten Angehörigen und Anhänger de: BSPD. und KPD. schließen sich zweds Herstellung einer gemeinsamen Abwehrfront zusammen und erflären, im Kampfe für ihre Arbeiterrechte und in Berteidigung von Recht und Ordnung wie zur Erhaltung ihrer Lebensinteressen in jeder Gefahr treu zusammenzustehen und den Kampf gegen Rapitalismus und Rechtsputschismus aufzunehmen und in Bereinigung mit ihren Klaffengenoffen zur Erreichung geordneter Zustände im Reiche mitwirten zu wollen." leber, Bahern und das Reich werden in einer Voltsversammlung in Kliems großem Festsaal, Hafenbeide 13/15, sprechen: Senatspräsident der Deutschen Liga für Menschenrechte am Mittwoch, den 17., abbs. 8 Uhr, Freymuth, Landtagsabgeordn. Otto Ruschte und der bayerische Reichstagsabgeordnete Coldmann( Bürgermeister von Schweinfurtb). Für Unloffen eine Straßenbahnfahrt; Gewerkschaftsmitglieder die Hälfte, Arbeitslose frei. Ausweis vorzeigen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ziemlich fühl bei nur teilweise bebedtem Simmel, feine erheblichen Niederschläge; schwache westliche Binde. Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Abt. Mittwoch, den 17. Ott, abends 7 Uhr, Beamtenmitgliederversammlung. Lokal: Schuchardt, Christianiaftr. 116. Alle parteigenössischen Beamten müssen erscheinen. Diese Bersammlungen finden regelmäßig feden& Mittwoch im Monat ftatt. Besondere Einladungen hierzu ergehen nicht 82. Abt., Steglit. Mittwoch, ben 17. Oft., 8 Uhr, bei Schellhafe, Ahornstraße 15, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Gen. Bruchardt- Leip atg, M. b. N., über politische Lage. Ergänzungswahlen zum Abteilungsvorstand. Die Mandate zur Kreisdelegiertenversammlung werben hierbei ausgegeben. Bezirksführer einladen. 116. Abt., Lichtenbe: g. Mittwoch, ben 17. Oft, 7 Uhr, in der Bibliothek Weichselftraße 28 Gikung der Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute. Jungsozialisten, Lichtenberg. Der für heute abend angefeßte Vortrag bes Genoffen Wilhelmi muß wegen ber Areisbelegiertenversammlung um 8 Tage ver schoben werden. Gewerkschaftsbewegung Notwendige Lohnaufwertung. Die Hungerfrawalle und Arbeitslosenbemonftrationen, die sich tall im Reiche mehren, find das deutliche äußere Anzeichen für e unerträglich gewordene wirtschaftliche Rot der breiten Maffen er städtischen Bevölkerung. Gewiß gibt es auch auf dem flachen Banbe unter der Arbeiterschaft und selbst unter den Kleinbauern, die nebenher noch beim Großgrundbefizer arbeiten müssen, Dürftig feit und Entbehrungen. Aber was jetzt die städtische Arbeiterschaft zur Berzweiflung bringt, ist nichts anderes als ber nadte Hunger. Wenn, wie es bei der Mehrzahl der Bollarbeiter in Berlin Die gegenwärtig ficher nicht die Mehrheit der Arbeiter schaft bilden der Fall ist, Löhne von weniger als drei Milliarden gezahlt wurden, mit denen sie mit ihren Familien bis zur nächsten Lohnzahlung leben sollen, dann ist dies bei den gegenwärtigen Lebensmittelpreifen gleichbedeutend mit einer Berurteilung zum Hunger. Und nun benfe man sich die Masse der Arbeitslosen, worunter fich Taufende befinden, die feinerlei Unterstügung mehr beziehen, und die der Kurzarbeiter! Wenn sich auch infolge der rafenden Geld entwertung der jüngsten Zeit vielfach der Brauch eingebürgert hat, 8 weimal wüchentlich Lohnzahlungen vorzunehmen, fo ift body bei der Niedrigkeit der Lohnfäße, die sich aufbauen auf einem bei feiner Beröffentlichung bereits überholten Inder, damit nur wenig gebessert. Gegenwärtig ist die Situation derart, daß die Löhne auf einem Inder beruhen, der feinerseits fich aus den Lebenshaltungsfoften ergibt bei einem Dollarftande von etwa 700 Millionen( offizieller Kurs am Freitag, ben 5. Oftober, 598, am Sonnabend, den 6. Oktober, mittags im Freiverfehr 750, am Montag, den 8. Dttober, bem Stichtag der letzten Reichsinderziffer, 838 Millionen), während die gegenwärtigen Bebensmittelpreise auf einem Dollarkurs von 5,5 Milliadren beruhen. Wenn auch der Dollar feitdem sich bis zum Montag um nahezu 2 Milliarden gesenkt hat, die Lebensmittelpreise find fast ausnahmslos weitergeftiegen. gab einen Bericht über die Ratifizierung des Achtstundentagsabfom-[ Die Streiflage in Ost- Oberschlesien ist im allgemeinen unver mens durch Italien. Da dem Direktor verschiedene Anfragen über ändert, die Stimmung nimmt aber sichtlich an Erregung zu. In die eventuelle Aenderung der Kattowitz durchziehen gewaltige Menschenmassen die Straßen und umlagern das Boiwodschaftsgebäude. Ein großes Truppen- und Bolizeiaufgebot fucht die Ordnung aufrechtzuerhalten. Auf das Gerücht hin, daß mit Knüppein bewaffnete Ausständige im Anmarsch auf Kattowi feien, ift das Betreten der Stadtgrenze für Trupps von mehr als drei Personen verboten worden. Ueber 31 sammenstöße liegen bisher feine Nachrichten vor. Edo Fimmen, der als Sekretär des Internationalen Gemertschaftsbundes bereits vor einiger Zeit feine Demission gegeben hat, wird am 1. November sein Amt niederlegen. Arbeitszeitregelung in Deutschland zugegangen waren, wurde der deutsche Regierungsvertreter gebeten, nähere Erklärungen barüber abzugeben. Dr. Leymann machte darauf aufmertfam, daß das Ermächtigungsgejet fich nicht auf diese Frage bezieht, sondern die Regelung der Arbeitszeit nach wie vor die in der Einleitung des Artikels 13 des Friedensvertrages festgefeht der Kompetenz über den Grundsatz der Koalitionsfreiheit untersteht, ist. Die Arbeitnehmergruppen verlangten, daß das Ar beitsamt beauftragt werde, diese Frage einer internationalen Brüfung zu unterziehen. Der Verwaltungsrat wird im Laufe dieser Tage über diesen Antrag entscheiden. Der Schluß der Sigung brachte einen Meinungsaustausch über die Bebeiligung von Vertretern des Amtes an den internationalen Bersammlungen über foziale Arbeiterfragen. 5 Neue Löhne im Konditoreigewerbe. Zentralverband der Bäder und Konditoren. Funktionärversammlung der Konditoren Donnerstag abend 7 Uhr bei Brandenburg, Stralauer Straße 3. Wirtschaft Nach erneuten Berhandlungen wurden gestern für das Kon- Danzigs Zwischenwährung. Die Einführung eines vorläufigen ditoreipersonal für die Woche vom 8. bis 13. Oftober folgende Löhne Danziger Gulbens ift gesichert. Nachdem es in den Ber festgefeßt: Gehilfen in der Badstube über 24 Jahre 7 600 000 000 m., handlungen während der letzten Tage möglich geworden ist, die bis 24 Jahre 7 300 000 000 m., bis 21 Jahre 7 000 000 000; großen technischen und finanziellen Schwierigkeiten einer Einführung Hausdiener, Hilfsarbeiter über 24 Jahre 7 000 000 000 m., bis zu beseitigen, wird der Danziger Verkehr damit rechnen tönnen, daß 24 Jahre 6 700 000 000 m., bis 19 Jahre 6 400 000 000 m.; Kutscher bereits in den ersten Tagen der nächsten Woche wertbeständige 350 000 000 m., bis 24 Jahre 5 200 000 000 m., bis 19 Jahre 50, 10, 5 und einem Danziger Pfennig in Umlauf gelegt werden 7 300 000 000 2.; Verkäuferinnen, Kassiererinnen über 24 Jahre 3ahlungsmittel in Abschnitten von einem Danziger Gulden sowie 5000 000 000 mt.: weibliche Hilfskräfte über 24 Jahre 5 000 000 000 m., tönnen. Die erforderliche Organisation, welche gegen Einbis 24 Jahre 4 850 000 000 m., bis 19 Jahre 4 700 000 000 m. Diese zahlung von englischen Pfunden die neuen Geldscheine in Berkehr Löhne find sofort auszuzahlen, da sie für die vorige Woche gelten. legt, ist in Bildung begriffen. Die Drudaufträge sind bereits erteilt. Am Freitag dieser Woche werden drei Biertel der obigen Säge als Der Senat hat den Borschlägen, die ihm gemacht worden sind, zuBcrschuß für diese Woche gezahlt, für welche erst am fommenden gestimmt und wird dem Volkstage am Dienstag einen Gefeßentwurf Freitag abend die endgültige Lohnfeftfehung erfolgt. Die Schluß vorlegen, wonach der Danziger Gulden als Rechnungseinheit anerkannt wird und die erforderlichen sonstigen gefeßlichen Bestim abrichrung erfolgt dann am fommenden Dienstag. mungen erlassen werden. Nach wie vor bleibt aber die Reichs. mart das alleinige gefehliche Zahlungsmittel in Zusammenschluß der amerikanischen Bekleidungsarbeiter. Danzig und muß es bis zur endgültigen Einführung der neuen mit insgesamt 400 000 Mitgliedern haben einen Kartellvertrag ab- Guldens muß der Verkehr sich mit Hilfe der vorhandenen Zahlungsgeschlossen, um die Solidarität, die gegenseitige Hilfe und das Bu- mittel abwideln. Eine Zurückweisung der Reichsmart widerspricht sammenarbeiten der angeschlossenen Organisationen zu fördern. Eine auch den gefehlichen Bestimmungen und gefährdet die Einführung weitere Aufgabe ist die Verleihung moralischer sowie finanzieller des wertbeständigen Geldes. Es ist vorgekommen, daß die Annahme von Reichsmart rechtswidrig verweigert worden ist. Zunächst beUnterstüßung bei Streits und Aussperrungen. im Gefolge hatte, und die seit dem 8. Ottober vorgenommenen mehr Kleidungsarbeiterverband, sind dem amerikanischen Gewerkschafts- hand, so würde das Wirtschaftsleben unmittelbar vor Einführung Drei dieser Organisationen, der Schneider, Kürschner- und Beschränkt sich diese Weigerung auf wenige Fälle, nimmt sie aber überfachen Erhöhungen der Tarife der Post, der Eisen- und Straßen- bund angeschlossen, während der Müzenarbeiterverband bem Ge- eines vorläufigen wertbeständigen Geldes neuen schweren Erschüttebahnen, die beils eine direkte, teils eine indirekte Beuteuerung der mertschaftsbund nicht angehört, jedoch seit vielen Jahren freund rungen ausgesetzt, die den Erfolg des ganzen Werkes in Frage stellen Lebenshaltungstoften nach sich gezogen haben. Während also die schaftliche Beziehungen mit den anderen Verbänden unterhalten hat. Lohn- und Unterstügungsfäße sich aufbauen auf einem Dollarstande von 700 Millionen, entsprechen die Rosten der Lebenshaltung praftisch einem Dollarftande von mehr als 5% Milliarden, b. h., daß die große Maffe der arbeitenden oder zur Arbeitslosigkeit ganz oder im 2. und 3. Jahre 2468 mill, ohne Verantwortung 2700 Mill.. teilweise verurteilten städtischen Bevölkerung gezwungen ist, mit bem achten Teil dessen auszutommen, was man bereits als Eristen3minimum anfieht. Das ist natürlich ganz und gar ausgefchloffen. Dazu kommt die Beseitigung des Martenbrotes, was einer vierzehnfachen Erhöhung dieses unentbehrlichsten aller Lebensmittel Die Notlage der städtischen Arbeiterschaft ist um so schreiender, Die Notlage der städtischen Arbeiterschaft ist um so schreiender, als die Landwirtschaft sich im wachsenden Maße weigert, gegen Papiermart Lebensmittel zu liefern und die in Aussicht gestellte Bereitstellung von Dollarschaganweisungen und Stüden der Goldanleihe gegen Lieferung von Lebensmitteln noch nicht im Gange ift. Die Tarifpolitik der Reichsbahn wie der Reichspoft, die Beigerung, die Lieferung des Martenbrotes um zwei Wochen zu verlängern, und dies alles in der gegenwärtigen überaus fritischen Ueberganas. periode, zeugt von einer Verständnislosigkeit der maßgebenden Behörden in wirtschaftlichen Fragen, die erheblich das Maß des Gemöhnlichen überschreitet. Dom Löhne in der Fleischwarenindustrie. Bom 8. bis 14. Oftober für Gefellen im 1. Jahre nach der Lehre pro Woche 2314 Mill.. mit verantwortlicher Stellung 2929 Mill. Ladengesellen, die aus fchließlich im Laden beim Verkauf tätig sind 3086 Mill. Die Roft ist pro Woche mit 1351 Mill., Logis pro Woche mit 82 Mill. berechnet. Gesellen, die erst nach dem 20. Lebensjahr die Lehrzeit die Gruppe ohne Verantwortung. Gefellen außer Koft und Logis beenden, tommen nach Ablauf des ersten Gefellenjahres gleidh in erhalten in allen Gruppen einen Zuschlag von 20 Broz. Aushilfen 10 Broz. mehr. Afontozahlung für Verkäuferinnen für die Woche vom 8. bis 14. Oftober: Lehrverkäuferinnen mit Koft und Loris 62 Mill., ohne 500 mill.; im 1. Berufsjahr 300 Mill. bzw. 750 Mill. im 2. Berufsjahr 425 Mill. bzw. 875 Mill., im 3. Berufsjahr 475 mill. bzw. 925 mill.; Aushilfen 200 mill. baw. 300 mill. Die Abzüge für Steuer, Krankenkasse und Angestelltenversicherung werden am Biehagenturen in der Woche vom 6. bis 12. Oftober: Rolonnenführer pro Woche 4303 Mill., Treiber 4261 Mill., Aushilfen pro Tag 1076 mil. Monatsende verrechnet. Im so mehr ist zu verlangen, daß die Unternehmer endlich die Abmachungen ihrer Spikenorganisation Großschlächtereien: Gefellen über 20 Jahre pro Woche 4070 1. September anerkennen und die Inderlöhne nach dem Stande mill, unter 20 Jahren 3842 mill; Stutscher 3961 Mill.; Aushilfen ber Großhanbelspreise und des Dollarturses ganzen Tag 1018 Mill., halben Tag 509 Mill Wurstfabriken: Gefellen mit Berantwortung pro Stunde aufmerten; und das unverzüglich. Es hätte eigentlich längst 85 mill., ohne Berantwortung 83 mill; Maschinisten und Heizer geschehen müssen. Selbst wenn man den inzwischen eingetretenen( Hochdruck) 85 mill.,( Niederbrud) 83 Mill.; Hanbwerfer aller Art Rüdgang des Dollars berücksichtigt, bleibt es immer noch eine bare 83 mill.; Chauffeure 85 Mill.; Kutscher 83 Mill.; Arbeiter, HofUnmöglichkeit, daß die Arbeitenden wie die Arbeitslosen mit Be- arbeiter, Stalleute, Fahrstuhlführer 81 Mill.; Wächter und Portiers zügen auskommen, die nach einem Dollarftande von 700 be- 81 mill; Frauen 68 mill.; Mitfahrer, 18 bis 20 Jahre, pro Woche rechnet find. 2548 Mill. Augendliche unter 18 Jahren( m, m.) 2398 Mill.; Aus hilfen 10 Broz. mehr. Häuteverwertungen: Arbeiter pro Woche 4047 Mill., Aushilfen pro Tag 1012 Mill. Tagung des internationalen Arbeitsamts. Darmbetriebe: Erstklassige Arbeiter pro Woche 4016 Mill.; qualifizierte Arbeiter 3967 Mill.; Ungelernte nach 1 Jahr 3913 min., über 20 Jahre 3585 Milf.; Jugendliche von 16 bis 18 Jahren 2562 Mill., über 15 Jahre 2129 Mill., bis 15 Jahre 1707 Mill.; Aushilfen pro Tag 1004 Mill. In Genf wurde gestern die Herbsttagung des Verwaltungsrates ues Internationalen Arbeitsamtes eröffnet. Von der deutschen Re gierung nimmt Dr. Seymann an der Tagung beil. Der Bertreter Der deutschen Arbeitnehmerschaft Leipart ist zum allgemeinen Bebauern nicht erschienen. Der Berwaltungsrat nahm zunächst den Bericht des Direttors über die allgemeine Tätigteit des Amts in Am Dienstag, den 16. Ottober, ist ein Borschuß von 100 Proz. den letzten drei Monaten und über den Stand der Ratifitatio- der in der Borwoche vom 6. bis 12. Oftober gezahlten Löhne zu fönnten. Aus der Partei. Regine Bernstein gestorben. Mehr als Sie Unserem alten Parteigenossen Eduard Bernstein hat schweres Leid betroffen: Seine langjährige Lebensgefährtin Regine, geb. 3aded, ist in der letzten Nacht plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Die Verstorbene war in weitesten Parteischriftstellerischen und politischen Arbeiten bekannt. freijen als die unermüdliche Gehilfin ihres Gatten bei seinen 30 Jahre mit ihm verbunden, hat sie das Eril in der Schweiz und in England mit ihm geteilt, und hat, nachdem ihm der Weg zur Rüdfehr in die deutsche Heimat geöffnet wurde, auch auf deutschem Boden an allen politischen Auseinandersegungen, in dezen Mittelpunkt ihr Gatte stand, lebhaften innersten Anteil genommen. war seine Mitarbeiterin, fie schrieb vielfach seine Auffäße handschriftlich ab, wenn seine Hand erlahmte. Sie führte feine Korre fpondenz, sie half ihm bei Ueberlegungen. In dieser treuen Lebens. gemeinschaft lag ihre Stärke. Selbst ist sie in die politische Arena nicht hinabgestiegen. Aber um so schmerzlicher wird der überlebende Gatte seine Kampf- und Lebensgefährtin vermissen. Selbst schon im biblischen Alter von fajt 74 Jahren stehend, verliert er pföglich seine nur um ein Jahr jüngere Helferin, die sein zweites Ich geworden. Eine tiefe Lüde hat sich unvermutet aufgetan. Wir hoffen, daß unser Beteran den Schmerz um den Berluft, so schwer er ihn auch trifft, überwinden und mit alter Liebe sich den Rämpfen meiter widmen tann, denen er und die Verstorbene ihr bisheriges Leben geopfert haben. Die Einäscherung erfolgt Freitag, mittags 12 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Berantwortlich für Politit: Eint Renter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Chitowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Sonstiges: Friß Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Keine Geldentwertung mehr! Bei uns fauft man auf Ratenzahlung STOFFE für Herren- und DamenBekleidung wertbeständig. nen ber von den verschiedenen Arbeitskonferenzen angenommenen zahlen. Zentralverband der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin. KOCH& SEELAND G. M. B. H. internationalen Bereinbarungen entgegen. Der Vertreter Italiens Hei- Ko Tabakwarengroßhandlung SO.36, Wienerstr. 8, Moritzpl. 6317 Das Lager der großen Auswahl zu günstigst. Preisen Tabake, Zigarren, Marken- Zigaretten 97 von 4 Milliarden an Erich Fuhrmann Handelsgerichtlich eingetragene Firma kaufen Gold-, Silber-, Platin- Bruch Zahngebisse BERLIN Ungeheuer Gotzkowskystr. 13 gestiegen 1. Preise sind alle Lebensmittel und Bedarfsartikel. Kleine Anzeigen im Vorwärts sind aber immer noch J. A.: Rich. Friz. Geltungspapier Geschlechtskranke geb., kg 650000, Saus. Wein. lumpen flaschen Sobe Preife Wefer Neukölln 178 Blaggefch.ReinLaben Fernipr.: Neut. 281. Kernseife Toilettefeife, Seifenpulver, Scheuertüch. weit unter Tagespr. 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Borfigwalbe: Gebauer, Schubertftr. 32, v. 8 St. Buchholz, Blantenburg: Wa a nee. Blankenburg, Burgwall. Itraße 63. Charlottenburg I: Sefenheimer Str. 1 Charlottenburg II, Eisfelb, Tauroogener Str. 11. Charlottenburg III: Joachimi, Raiserdamm 102, Gartenhaust. Charlottenburg IV: Bufenia L Augsburger Str. 47, 1Sichtenberg IV: Seymer. Röberstr. 54. Gartenhaus. Portier. Lichterfelde Oft, Bantwig: S. Wenzel. Lantwig. 8iethen. ftraße 15. Erluer: Emil 3wang, Echarnweberfir. 11. Fichtenau: Rraeste, Bismardstr. 1. Faltenberg: Salamann, Faltenberg, Gartenstadtfte. 10. Fredersdorf- Petershagen: Otto Bilinski. Fredersdorf, Friedenau: Sibeinftr. 27, Ede Rönnebergstraße. Friedrichshagent Soffmann. Friedrichshagen. Kurse Reutölin II: Giegfriedftr. 28/29. Straße Sichterfelbe- Weft: Berndt Stegliger Str. 19. Mahlsdorf: Wilhelm Rura, Sönower Str. 177. Marienfelbe: Oreuli, Berliner Str. 143. Marienbort: Auauft eiv Chauffeeftr. 29. Neuenhagen Renate Riegelftr. 71 Reutilla I: Nectarfte. 2. Arndtstraße. allee 45. Spanbau: Brohm. Achenbachstr. 7. Staaten: Bältel. Efchenwinkel 16. Steglig: Fro ft. Dippelitt. 85. Südende: Ludwig, Salsteftr. 36. Tegel, Tegelort: Spieß, Tegel, Schlieperftr. 52. Teltow: Säfel, Ritterjte. 29. Sempelhof: Raiser Wilhelm- Str. 18. Tempelhof: Randler, Sohenzollerntorfo 5. Trebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Treptow: Weiß. Riefholzffr. 18b. Waibmennsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Weißensee: Greunte, Sedanstraße 88. Wilban- Soberlehme: Nu d. Settow. Mentölln III: winter, Sobrechtfte. 40, D. L. Neukölln- Briz: Mittag. Brig, Chauffeeftr. 82. Rieberschöneweibe: Schindler, Fennftr. 23. Rowawes: Rari Rrohnbera Etfenbahnftr. 1( Oranienburg: Seint. 2oenbarbi, Stralfunder G.. 6. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Sulae, Wilhelmshagen, Grünau: Bfügner. Röpenider Str. 105. Salensee, Grunewald, Eichlamp: Frau Road. Riost Senriettenplag. Privatwohnung: Ratharinenstr. 4. Seinersdorf: Frau Goldbach. Niederfchönhausen, SchloßHennigsbort: Frau Rorbafinfti. Rathenaufte. 3. Sermsdorf: DalIn. Steinmesite. 1. Sehenneuendorf: Wehlis, Oranienburger Str. 2. Soppegarten: Rauf. Soppegarten- Birkenstein, Barzelle Reinickendorf Oft Schönhola: bertable. Brovina Bismardite. 8. Nr. 119. Johannisthal. Alwin Gammiich Rarlshorft: Bern bt. Riost, Bahnhofplag. Staulsdorf: Boat. Breberedstraße 19. Rönigswußterhausen: E. Meyer. Botsdamer Str. 9. Rovenia, Sirschgarten: Schlag. Rieger Str. 6( Laben). Lichtenberg 1: Lichtenberg, Bartenbergstr. 1. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg. Bogbagener Str. 62. Sichtenberg III, Stiebrichsfelde: Frankfurter Allee 185, Saben, Oberschöneweibe: Robert Bau! Mathildenftr. 5. Bantom: Rikmann Mühlenstr. 70. Rahnsdorf: Teichert. Forststr. 7. ftrake 56 Paben). Reinidendorf- Weft: Geibe I. Scharnmeberstr. 11' Rofenthal:- Seinrich Gorsti, Sauptstr. 28. Rübersdorf, Rallberge, Sasborf: Abolf Goette, Ralfberge, Rhedenstraße 15. Edmargendorf: Rehab Breite Str. 3. Schöneberg: Belziger Str. 27. Wilhelmstr. 81. Wilmersdorf: Gubert. 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