Nr.4S7 ♦ 40. Fahrgang Tiusgabe A Nr. 243 Bezugspreis: Senn U.— 20. Oktober SSO Millionen M. voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 14— 20. Oktober für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Oesterreich u. Luxemburg SOOMillionen für da» übrige Ausland 420 Millionen Postbezugspreis freibleibend. Der„Vorwärts- mit der Sonntag»» b-ilage„Voll und gelt-, der Unter» Haltungsbeilage.Leimwelt- und der Beilage„Siedlung und Kleingarten- erichcint wochentSglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegtamin. Adresse: Sozialdemokrat«er»«- Morgenausgabe Derlinev Volksblatt (svttWsnenn.) Anzeigen-Gruudpretsr: Die einspaltige Zionpareillezell« 4M Mark. ReNamezeiie 20M Marl. „Kleine Anzeige»- das settgedruikte Wort 120 M.(zulässig zwei seil» gedruckte Worte), jede» weitere Wort 00 M Stellengesuche da« erste Wort 00 M.. jede» weitere Wort 50 M. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen sür Abonnenten Zeile 40 M. All« Grundpreise mal Schlüsselzahl zurzeit 000 000. Anzeigen für die nächste»umm«, müssen bis 4)4 Ulzr nachmittag» i» Pauptgcschäft, Berlin EW. 08, Linden. straßeS, abgegeben werden. GeSffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr nachm. �entraldvgan cter Vereinigten BozialcUmokrattfchen parte» Oeutfchlanda Neöaktion und Verlag: SV) SS, Lindenstraße Z ?r-i-i-r,kt,»-«>rf,<»f- Redaktion! Tönhoff SSS— 29S »hcrnsp.crncr.« r t j a a. Dönhof» 8506-B507 Donnerstag, den 18. Oktober 19Ä3 vorwärts-verlag G.m.b.H., SM öS, Lindenstr. Z Postschelkkonto: Berlin Z?!, 3K— Bankkonta: Direktion der DiSkonto-Gesellschnst, Tepositenkasse Liiidenstrosie 3 verfthärfung des Konflitts in Sachsen. General v. Müller fordert Erklärungen.— Die Regierung verweigert sie. ?n Sachsen brennts! Warum? Der Kommunist Böttcher hat am 13. Oktober in einer Leipziger Versammlung eine Rede gehalten, von der wir ohne weiteres unterstellen, daß sie sehr töricht gewesen ist. Böttcher ist nämlich erst seit ein paar Tagen sächsischer Finanzmini st er und hat wahrscheinlich noch nicht be» griffen, daß es zweierlei ist, großartige Reden zu halten und verantwortliche Politik zu treiben. Die„Leipziger Volkszeitung" hat diese komnmnistisch« Ministcrrede offenbar richtig gewürdigt, indem sie über sie überhaupt nicht berichtete. Jedoch erhielt der in Sachsen regierende General v. Müller einen Bericht über diese Rede und war über ihn sehr aufgeregt. Was tat er? Er hätte der sächsischen Regierung im Vertrauen mitteilen können, daß er derartige Reden für schädlich halte und bitte, sie in Zukunft zu unterlassen. Hätte der General so gehandelt, so wäre das von seinem Standpunkt aus immer noch verständlich gewesen. Aber nein! Der General schickt an den Ministerpräsiden» ten einen feierlichen Schreibebrief, in dem er die sächsische Re- gierung auffordert, innerhalb einer kurzbemessenen Frist von der Rede Böttchers öffentlich abzurücken. Hat der Ge- neral geglaubt, die sächsische Regierung werde dieser Auf- forderung Folge leisten? Dann hat er von politischen Mög- lichkeiten gar keine Vorstellung, und beweist damit, daß er nicht geeignet ist, sich mit politischen Dingen zu befassen. Hat er das aber nicht geglaubt und die inzwischen erfolgte ab- lehnende Erklärung der sächsischen Negierung vorausgesehen, iwnn hat er offenbar in der Absicht gehandelt, die Sache in Sachsen„zum Klappen zu bringen". Heute läuft das Ultimatum ab. Was wird nun der Ge- neral tun? Und wird er auf eigene Faust handeln oder nach Instruktionen, die ihm von Berlin aus erteilt worden sind? Jedenfalls ist der R e i ch s w e h r m i n i sie r für die Taten des Generals verantwortlich. Der Reichswehrminister gehört iner Regierung an, in der auch Sozialdemokraten fitzen. Weiß der General in Dresden, was er tut, weiß er, >aß seine Handlungen auch die Reichspolitik in ent- scheidender Weise boeinflussen kömien? In München hat sich der Generalstaatskommissar '■>. Kahr als Monarchist, als Platzholter des bayerischen Thronprätendenten, als geschworener Gegner der Weimarer Verfassung rednerisch betätigt. Demokratie ist für ihn„Herr- schaft der Masse", die„rücksichtslos niedergekämpft" werden muß. Hat Herr v. Lossow auch an die bayerische Regierung ein befristetes Ultimatum gestellt mit der Aufforderung, von diesen rednerischen Entgleisungen des Generalstaats- kommissars öffentlich abzurücken? Die Stunde fordert eine offen- Sprache. Es ist kein Ge- deimnis, daß es in der Sozialdemokratischen Partei zweierlei Meinungen gibt, nicht nur über die Koalition mit Bürger- lichen, sondern auch über die mit Kommunisten. Aber es gibt hier nur einerlei Meinung darüber, daß es die b ü r g e r- lichen Parteien des sächsischen Landings waren, die den Kommunisten zu wachsendem Einfluß verhalfen, indem sie mit diesen im Bunde ein paar Tag« nach Beginn der Ruhr- Besetzung die Regierung Buck-Lipinski stürzten. Seit- dein haben sich die Dinge zugespitzt, sie erfuhren schließlich durch die Vorgänge in Bayern eine äußerste Ver- schärstmg. In München wurde„der Mersch nach Berlin" lmrch Thüringen und Sachsen hindurch zum geläufigen Schlagwort. Der säcksischen und thüringischen Arbeiterschaft bemächtigte sich der Gedanke, daß es ihre Aufgabe sei, gegen den angedrohten Vormarsch einen undurchdringlichen Wall zu '-lden. Die Kommunisten bekehrten sich unter dem Druck dieser Massenstimmung zum Ministerialismus, und so kam es -u ihrem Eintritt in die Regierung. Das war ein bedenkliches. aber nach Lage der Dinge kaum vermeidberes Experiment. Was Hat d a s R e i ch getan, um dieser Entwicklung vor- zubeugen? Zeigte es, daß es gegen die bayerische Gefahr ge- wappnet war, so gewann es auch in Sachsen und Thüringen Autorität. Aber in Bayern geschah nichts! In Westsachsen herrschen unerfreuliche Zustände. Unter- nehmer sind mißhandelt worden, Plünderungen sind vorge- 'ommen. Die grauenbafte Not macht solche Erscheinungen begreiflich, dennoch müssen sie bekämpft werden. Die Re- gierung Zeigner— damals noch ohne Kommunisten— ist auch gegen sie eingeschritten, es ist Blut geflossen, und die 'achlische Kommunistenpresse hat verkündet, Zeigner habe sich schützend vor die Kassenschränke der Kapitalisten gestellt. Auch die sozialdemokratisch- k o m m u n i st i s ch e Re- gierung»nuß sich»schützend vor die Kassen schränke der Ka- pttasisten stellen", wenn man den Schutz des Eigentums, das Einschreiten gegen Plünderungen und Gewasttätigkeiten so nennen will, und wir zweifeln nicht daran, daß sie diese 2luf- gäbe auch erfüllt hätte— wäre man nur klug genug gewesen, ihr dazu Zeit zu lassen. Durch den Belagerungszustand, die Unterstellung der Polizei unter die Militärregiermig hat man den Kommunisten die Pflichten des Mitregierens und der Mitverantwortung in ihrem bittersten Teil erspart. Wir wiederholen, daß in Sachen die Möglichkeiten einer Verständigung durchaus gegeben sind. Die sächsisch« Regierung erkennt grundsätzlich die Reichsautorität an. Sie leugnet nicht die Pflicht, die Verfassung zu schützen, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, sie bekennt sich vielmehr zu ihr. Das Reich muß zeizen, daß es die Verständigung will, es darf nicht einem militärischen Befehlshaber gestatten, alle Möglich- leiten zu ihr zu oerschuttem Das ganze Vorgehen gegen Sachsen trägt jedoch die Züge krampfartiger Uebereilung und leidenschaftlichen Unüberlegt» heit. Es steht damst in krassem Gegensatz zu der himmlischen Geduld, mit der man die Vorgänge in Bayern bisher behan- delt hat. Man erreicht damit, daß jene Massen, die die stärk- sten Anhänger des Reichsgedankens sind, am Reich zu verzweifeln beginnen und gegen dieses für einen Bundesstaat Partei nehmen, der nach ihrer Ueberzeugring in ungerechter und parteilicher Weise mit der Reichsexekntion bedroht wird. Und man erreicht damit noch mehr. Man erreicht damit, daß sich mit jedem Tag die Zahl der Sozialdemokra- t e n vermehrt, die sich fragen, wielange noch eine mit- verantwortliche LeteiliGtmg ihrer Partei an der Leitung der Reichsgeschäfte möglich sein wird. Zu denen, die sich in den letzten Tagen immer wieder diese Frage vorlegen, gehören nicht nur jene Parteigenossen, die von Anfang an von einem Wiedereintritt in die Regierung nichts wissen wollten, sondern auch solch«, die sich für ihn mit aller Entschiedenheit einsetzten. Nichts liegt uns ferner, als mit Gedanken zu spielen, deren Verwirklichung für unser ganzes Volk und seine arbeitenden Massen noch viel schlimmeres Unheil bringen könnte, als alles schon erlebte! Aber gerade wenn solches Unheil vermieden werden soll, ist es notwendig, mit aller Deutlichkeit auszu- sprechen, daß man der Sozialdemokratischen Partei nicht zumuten darf, sie solle Dinge decken, die sie durchaus nicht decken kann. Es ist ein niederdrückender Gedanke, daß das Schicksal des Reichs möglicherweise davon abhängt, was der General v. Müller heute tun wird... Der Smf ües Generals. Dresden, 17. Oktober.(WTB.) Das Schreiben des Befehls- Habers des Wehrkreises IV an den Ministerpräsidenten Dr. Zeigner vom 17. d. M. hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Nach der„Sächsischen Arbeiterzeitung" Nr. 234 vom 15. d. M. hat der Minister Böttcher am 13. Oktober in der von der KPD. einberufenen Versammlung im Zoologischen Garten in Leipzig Aus- führungen gemacht, die besagen, d!« Kaalitionsregicnmg Hab« ban- kerottiert. Es gebe nach dieser Entwicklung, in der wir stehen, ein« weiße oder eine rote Diktatur. Das Proletariat müsse sofort bewaffnet werden. Die Klassenorgane des Proletariats seien die Träger des proletarischen Befreiungskampfes. Die proletarischen Hundertschaften, Kontr»llausschüss«, Betriebsräte, alles das, was sich die Arbeiterklasse geschaffen und gebildet habe in langem Kampf«, da» seien Organe, mit denen das Proletariat heute seinen Kampf führen müsse. Seine Ausführungen haben folgende Resolution zur Folg« gehabt: „Die am 18. Oktober hn Zoologischen Garten versammelten SOlll) Arbeiter und Arbeiterinnen protestieren entrüstet aegm da» Verbot der Hundertschaften und Aktionsausschüsse durch den General Müller. Sie sind gewillt, nun erst recht dies« Kampf- mittel auszubauen. Gleickyettig erklären sie, mit allen Mitteln den Kampf um dt« mtt dem ErmSchiigungsgesetz geplante Diktatur Sttnnes über dt« Arbeiterklasse unmöglich zu machen und jede Maßnahm« der sächsischen Regierung, die dem Interesse de» Prole« tariats dien«, sofort durchzuführen." Damit ist durch den Minister Böttcher eine ossen« Kampfansage gegen die Mahnahmen der R«ichsregie- rung ausgesprochen und in der Resolution veranlaßt worden. Die Aufforderung zur Bewaffnung ist gleichbedeutend mit dem Aufruf zum bewaffneten Kampf. Diese Rede stellt sich als ein B« r st o ß gegen die von mir auf Grund d«r Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 26. September erlassenen Verfügungen dar. Ich Hab« bei allen meinen bisherigen Maßnahmen die Mitarbsit der sächsischen Regierung zur Voraussetzung genommen. Für ihr« Fortführung bitte ich Sie, Herr Ministerpräsident, zu den Ausführungen des Ministers Böttcher Stellung zu nehmen und mir bis zum 18. Oktober, 11 Uhr vormittags, un» zweideutig auszusprechen, ob sich das Gesamttnimsterium im Geist und dem Wortlaut nach mit den Ausführungen des Mi- nisters Böttcher einverstanden erklärt und in diesem Sinne die Re- gierung welter führen will, oder ob es entgegen den Aeußerungen des Ministers Bött6>er gewillt ist, nach meinen Weisungen zu handeln? Für den letzteren Fall muh ich, um«in klares Verhältnis zu schaffen, fordern, daß die sächsische Regierung die mir gegebene Erklärung dem Wortlaut nach in der Presse oerössentlicht. Ferner bitte ich um Angab«, welche Maßnahm« die Regierung zu ergreifen gedenkt, um einer Wiederholung derartiger Entgleisungen, wie sie die Rede des Ministers Böttcher zweifellos darstellt, für die Zukunft vorzubeugen. Mit der Versicherung der vorzüglichsten Hochachhrng , gez. Müller, Generalleutnant. Dw Debatte im Lanötag. Dresden, 17. Oktober.(Eigener Drohtbericht.) Im sächsischen Landtag wurde am Mittwoch die Debatte über die Regierung»- erklärung fortgesetzt. Diese Fortsetzung bewegte sich fast ausschließ- Nch In polemischen Bahnen und im persönlichen Kampf« gegen den Ministerpräsidenten Genessen Dr. Z c i g n« r. Im Ber- lauf der Debatte bezeichnete Zeizner die von den bürgerlichen Rednern über ihn verbreiteten Dinge als Klatsch und weist es ent- schieden zurück, daß ihn die Gegner der Unwahrheit bezichtigen. In der Regierungserklärung werde ausdrücklich festgestellt, daß die beiden kommunistischen Minister den Eid auf die Verfassung geleistet haben. Er stelle das Protokoll gern zur Verfügung. Gegenüber den Ablcugnungen einer Diktatur des Großkapitals durch bürgerliche Diskussionsredner stellt der Minister- Präsident fest, daß Stinnes 30 Unternehmungen im Ausland besitze und in weiteren 245 Unternehmungen das Uebergewicht hat. Welch imgeheuren Reichtum dieser Industriekonzern besitzt, beweist, daß er die Kosten für die gesamte illegale Reichswehr bestreitet. Wir haben heute ein« kaum noch verhüllte Diktatur des Militärs und des Großkapitals. Der sächsischen Regie- rung ist heut« ein Schreiben des Generals Müller zugegangen, in dem unter Hinw«is auf die Red« des Minister» Böttcher in Leipzig eine unzweideutig« Erklärung darüber verlangt wird, ob die Regierung mit dem Geiste und dem Wortlaut der Bättcherschen Aussühruna einverstanden ist oder ab die Regierung gewillt ist, nach feinen Weisungen zu handeln.(Lebhaftes Hört, hört! links. Sehr richtiq! rechts.) Sie müssen wissen, daß die Regitrung nicht dem Milltärbefehlshaber verantwortlich ist, sondern der Militärbefehls- Haber der Regierung. Der General Müller hat eine Erklärung zur Unterschrift beigefügt des Inhalts, daß Böttchers Rede als eine Ent- gleifuvg bezeichnet wird.(Hört, hört!) Das alle« geschieht im Auf- trage eines demokratischen Ministers. Wenn die Parlamente sich solch« Dinge gefallen lassen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn man den Parlamenten in Deutschland immer mehr jede Bedeutung ab- spricht. Die Regierung ist nur dem Landtage verantwortlich. Die nächsten, die man mundtot machen wird, sind Sie, die Demo- traten, selbst. Im weiteren Verlause der Besvrechung, in der auch die Minister Graupe und H e ck e r t das Wart nahmen* erwiesen sich die Demokraten als eifrige Verfechter des Belagerungszustandes. Am Schlüsse der Sitzung gab der Ministerpräsident eine Regie- r u n g s« r k l ä r u n g ab, in der es u. a. heißt:„Das Reich war ge- zwungen, den Ausnahmezustand zu verhängen. In allen offiziösen Mitteilungen aus Berlln wurde darauf hingewiesen, daß das Reich so verfahren mußte, uin gegenüber Bauern Herr der Siination bleiben zu können. Herr o. Lossow ist nicht gegen den oerfassungs- widrigen Generalstaatskammissar eingeschritten, er ordnet sich ihm unter. Mit Behagen konstatiert die Münchener offiziöse Presse: Wir haben die größere Macht, nicht das Reich. 5)err Dr. o. Kahr aber handelt gegen das Reich, gegen Gesetz und Verfassung. Ganz Bayern ist ein Heerlager. In Bayern wird die Steuer- sabvtage organisiert. Bayern regelt die Lebensmittelversorgung selbständig und schließt sich gegenüber dem Reiche ab. Es ver- hindert die Fortführung der in Rürnbera liegenden, dem Reiche ge- hörenden Goldbestände. Bayern organisiert den Kamps gegen das Reich. Warum handelt da« Reich nicht? Wir sehen ja, daß das Reich an anderen Stellen handeln kann, hier in Sachsen und in anderen Teilen des Reiches. Die erste Verordnung des sächsischen Webrkreisbesehlshabers enthält die Erklärung, daß die Regierungen in Wirksamkeit bleiben. Schon dies« Erklärung mußte befremden. War denn der Ausnahmezustand etwa oerhängt, um Regierungen zu stürzen? Am 20. September wurde mitgeteilt, daß das Wehrkreiskommando den Reichswehrminister zum Einschreiten veranlassen wolle, falls hier im Landtag die Inter- pellativnen über die Beziehungen zwischen Reichswehr und illegalen Organisationen zur Sprache gebracht würden. In einem Schreiben vom 9. Oktober kündigt das Wehrkreiskommando an, daß es Der- ttetcr der sächsischen Regierung künftighin zu vertraulichen Be- sprechungen nicht mehr empfangen könne. Wir sind wicht dem Wehr- kreiskommandeur Rechenschaft schuldig, weder für amtliche noch für private Aeußerungen ewes unserer Mitglieder, Roch habe» wie Schließlich wurde das deutschnationale Mißtrauens. notum gegen die Regierung mit den sozialistisch- kommunistischen Stimmen gegen die bürgerlichen Parteien abgelehnt Regierung der unverbrüchlichen Treue zur Reichselnhelt zu fein. Geflüßt auf die Arbeiter und Angestellten, die Beamten und die Angehörigen der freien Berufe, der Kleinbauern und der verfintenden Mittelschichten will sie die Gefahren der groß tapitalistischen Dittatur und ihrer Handlanger bannen. Bir stehen zur deutschen Republik und werden in engster Verbindung mit Sachsen und allen anderen noch entstehen: den Arbeiterregierungen einen festen Block bilden für die Einheit des Deutschen Reiches und für die Herstellung einer Arbeiterregie rung in Deutschland. einer Der tapfere Kahr. Er kann keine Russen leiden. nicht die Militärdetatur als legale Einrichtung, noch ist Sachfen ein| Gliedstaates, in dem die Gegner der Republit fallifah die Staats gefproen, was wir zu fun gedenken. Wir müssen uns mit parlamentarisch regierter Staat. Für amtliche Aeußerungen sind gewalt bilden. Es ist kein Geheimnis, daß jene Streife sich bereits den ganzen Verhältnissen, in denen wir leben, beschäftigen, um wir Ihnen, nicht dem Generalleutnant Müller Rede und Antwort so start fühlen, den Marsch auf Berlin" anzutreten, um von die wirtschaftliche Unvernunft der Unternehmer begreifen zu schuldig. Herr Generalleutnant Müller schreibt, er habe bisher die dort aus die herrschaft des Margismus" zu brechen. Die füringische tönnen. Besonders schlecht sieht es in bezug auf BeschäftigungsMitarbeit der fächfifchen Regierung als Voraussetzung genommen, Regierung weiß, daß der Erfolg der Politit dieser Kreise den offenen möglichkeit in Deutschland aus. In allen Berufszweigen herrscht für ihre Fortführung müsse er um unzweideutige Erflärungen der blutigen Bürgerkrieg heraufbeschwören wird, der den Zerfall der große Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in grauenRegierung bis morgen früh bitten, und er fordert, daß die fächfische Reichseinheit bedeutet. Sie erklärt deshalb mit alle Bestimmtheit, haftem Umfange. Am meisten ist wohl die Textilindustrie Regierung die ihm zu gebende Erklärung im Wortlaut in der daß fie ihre weitere Aufgabe erblickt in der Erhaltung der Einheit von der Wirtschaftsmisere betroffen. Und in dieser Zeit planen unfere Unternehmer ein Bresse veröffentlicht. Er verlangt jogar Maßnahmen der Regierung des Reiches. Sie erklärt ausdrücklich, eine gegen Reden ihrer Mitglieder. Gegenüber diefen rechts- und verAttentat auf den Achtstundenfag. faffungswidrigen Drohungen des Generalleutnants Müller erfiäre Dem Ausland gegenüber hat man erklärt, daß der Achtstundentag ich für die fächsische Regierung: Wir lehnen es ab, ihm Antwert zu daran schuld fei, wenn die Produktion zurückgegangen ist. Wir geben. Wir stehen auf den Boden der Verfassung, wir werden aber wissen doch alle, daß die Produktivität gegenüber der Vorverfassungsmäßige Anordnungen einer über uns stehenden Reichs. friegszeit tro damals längerer Arbeitszeit nicht wesentlich zurüc behörde ausführen. Für den Fall aber, daß der Generalleutnant friegszeit trok damals längerer Arbeitszeit nicht wesentlich zurückgegangen ist. Die Unternehmer führen die Unrentabilität einzelner Müller diese Andeutungen wahr machen sollte, daß er die Fort Betriebe auch darauf zurück, daß sie zuviel unproduktive Kräfte führung der Mitarbeit der fächsischen Regierung nur geftatten durchhalten müßten. Besonders waren ihnen stets die Demobil werde, falls wir ihm Rede und Antwort geben, für diesen Fall ermachungsbestimmungen ein Dorn im Auge. Berwerflich fläre ich schon jetzt: Herr General Müller scheint nicht zu wissen, ist die in übergroßem Umfange erfolgte Kartellbildung. Diese Kardaß er im Begriffe steht, den Boden des Rechts und der Verfassung telle fimb für die Preisbildung tonangebend. In Deutschland zu verlassen. Wir warnen. Aber wir warnen nicht nur, wir forbern find die auch von der Reichsregierung, daß endlich gegen ein fo unwürdiges Betriebe technisch, faufmännisch und organisatorisch zurüdgeblieben. Verhalten durchgegriffen und eingeschritten wird." Münden, 17. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Eine der ersten Es ist ein Unfinn, für die traurigen Wirtschaftsverhältnisse die Amishandlungen v. Kahrs war die Entziehung der Aufenthalts- hohen" Löhne und den Achtstundentag verantwortlich zu machen. bewilligung für einige während des Sommers in Bab Kiffingen Der Arbeiter muß heute viel mehr Arbeitszeit aufwenden, um sich weilende Ruffen. Nun erfährt man, daß es sich um die Ausräuche nur einigermaßen die Dinge zu faufen, die ihm vor dem Kriege rung fogenannten Boische wistenzentrale in zu erstehen möglich waren. Heute beträgt der Lohn eines VollBayern" gehandelt hat, die u. a. in folgenden Personen ve: arbeiters in Deutschland nur noch etwa 4 Goldmart. Wenn das förpert mar: Rrestinsti, Botschafter der Sowjetregierung in Ausland mit seiner Konturrenz wieder hervortritt, dann werden Berlin, St atomiti, wirtschaftlicher Auslandsvertreter der Sowjet sowohl der Landwirtschaft wie der Industrie die Augen übergehen. regierung; Stefloff, Redakteur der„ swestija", Srutschta, Man wird dann vielleicht zu spät einsehen, wie man durch die Präsident des Reichsgerichts in Mostau, Alegander 3urupa, Bernachläffigung der Probuftionsmittel gegen das eigene Bolt ftellvertretender Präsident des Rats ber Boltstommiffare, ferner gefündigt hat. Unsere Aufgabe als Gewerkschaften wird es im ein Dr. Elzin Mostau und ein Herr Wadimir aus Chartoff. Interesse einer Gesundung sein müssen, dafür zu sorgen, daß alle Alle diese Herren hatten Diplomatenpäffe, die das diploma. Kräfte dort verwandt werden, wo sie notwendig gebraucht werden. tische Bisunt der deutschen Botschaft in Moskau und die Geneh. Stellenweise werden wir auch in unserem eigenen Interesse in eine migung der Berline: Banerischen Gesandtschaft vermehrte Arbeitsleistung einwilligen müssen. Etwas ist uns schon trugen. In gewiffen bayerischen Kreisen wird diese Handlungs geholfen, wenn erst einmal über das industrielle Herz Deutschlands, Der Ministerpräsident fuhr fort: Wenn diese Kreise sich durch weise des Gesandten Breger in Berlin als unverantwortlich über das Ruhrgebiet Klarheit fetzen, dann gehört die deutsche Republit der Geschichte an. Warum leichtfertig" fritifiert. Dieselben Kreise regen sich auf über handelt das Reich nicht? Es macht sich mitschuldig. Dem einen gewiffen Ingenieur Agelrod, der in der Schweiz weilt und Wehrfreisfommando find wir teine Rechenschaft schuldig. vor einigen Monaten als Hilfskonstrukteur in den Deutschen WerAuf die unzweifelhaft rechts und verfaffungswidrigen Drohungen fen, Filiale Ingolstadt, arbeitete. Da er ein naher Berwandter des aus der Münchener Rätezeit her bekannten Russen Arelrod ist, des Wehrkreiskommandos werden wir überhaupt feine Antwort perlangt man seine Entlassung; eine Ueberflüssigkeit, da Herr Apel geben.( Lebhafter Beifall lints.) Berfaffungsmäßige An- cod bereits vor einiger Zeit schon aus seiner Stellung in Ingolstadt ordnungen der Reichsregierung werben wir aus ausgeschieden ist. führen. Wir verlangen von der Reichsregierung, baß gegen General Müller eingeschritten wird. Wir erwarten von der Bevölkerung, daß sie sich gefchloffen hinter die Regierung Darauf wurde das deutschnationale Mißtrauensvotum gegen die Regierung Beigner mit 48 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen 46 Stimmen der Bürgerlichen abgelehnt. Wolffs Bureau meldet über die Sigung des Landtags noch folgendes: Am Schluß der Debatte fügte Ministerpräsident Dr. Beigner in einer längeren Erklärung hinzu, er habe erfahren, daß gestern der bayerische Gesandte in Berlin der Reichsregierung eine Note übermittelt habe mit dem Inhalt, der fächsische Betriebsrätefongreß, der unter dem augenscheinlichen Schuh der fächsischen Regierung stattge. funden habe, bedeute einen feindlichen Att gegen die bayerische Regierung. Sie frage an, welche Maßnahmen die Reichsregierung dagegen zu ergreifen gedenke. ftellt. * Arbeitsminister Graupe, Ginangminifter 25ttcher und Wirtschaftsminister Sedert berufen gemeinsam für Sonntag vormittag eine Konferenz der Betriebsräte, Kontrollausschüsse, Orts ausschüsse der Gewerkschaften und der Konsumvereine nach Chemnitz ein. Sie wollen, wie sie anfündigen, gemeinsam mit den Bertretern der notleidenden Schichten alle Maßnahmen zur Linderung der Not fachverständig beraten. Zum Reichszivilfommiffar für den Behrkreis IV( Sachsen) ist nunmehr der Reichstagsabgeordnete Meier, 8widau, ernannt worden. Das thüringische Regierungsprogramm. Weimar, 17. Oftober.( Eigener Drahibericht.) Namens der neugebildeten thüringischen Landesregierung gab in der Mittwochvormittagssigung des Thüringischen Landtages Staatsminister Frölich eine programmatische Erklärung folgenden Wortlauts ab: Die neugebildete thüringische Regierung ist eine Regierung der republikanischen und proletariihen Berteidi. gung. In der gemeinsamen Losung aller faschistischen Richtungen Nieder mit dem Margis mus!" ist das Signal zur endgültigen Rieberwerfung und Berstlapung aller Werftätigen bereits gegeben, die ersten Schritte zu feiner Ausführung traten in Bayern wie im Reich sichtbar hervor. Der Ausnahmezustand im Reich, der nach der Angabe der Reichsregierung gegen die monarchistisch faschistische Diktatur in Bayern gerichtet sein sollte, richtet sich in Wahrheit fast ausschließlich gegen das rote Mitteldeutschland". besteht. Der Zustand, daß der eine Teil der Bevölkerung seine Waren in Goldmart festsetzt, während der andere Teil seine einzige Ware, die Arbeitsfraft, in Papiergeld bezahlt erhält, ist unhaltbar. Der Staat muß daher eine stabile Währung schaffen. Die Goldnotenbank muß ein Anfang dazu sein. Wir werden die notwendigen Lebensmittel erst dann in die Städte bekommen, wenn bem Währungsverfall ein Damm entgegengefeßt werden fann. Mit Gewalt farm man von der Landwirtschaft nicht das Notwendige für die Städte herausbekommen. Die Lieferungsmöglichkeit der Landwirtschaft muß vielmehr ausgenüßt und garantiert werden. Dazu müssen die dazu fähigen Kreise unter Führung der Regierung heran. gezogen werden, wozu bereits früher einmal Anfäße gemacht worden sind. Gerade weil wir wollen, daß unsere Boltskraft un vermindert erhalten bleibt, müssen wir zur Reffung vor dem Verderben München, 17. Oktober.( Eigener Drahtbericht) Bor dem Boltsgericht in Regensburg fand am 15. Oftober gegen den verantwortlichen Redakteur unferes Parteiorgans für die Oberpfalz, ber jetzt verbotenen Boliswacht", ein Strafverfahren wegen drei Berbrechen des Landesverrats und eines Bergehens gegen die bayerische Notverordnung vom Mai 1923 statt. Für die ganze Berhandlung, die vom Bormittag bis in die späten Rachtftunduen bauerte, war ein vollkommener Ausschluß der Oeffentlich zusammenstehen. Wir müssen in diefen entscheidenden Tagen weit feit verfügt. De: vom Rechtsanwalt Genossen Sänger ver- mehr als bisher das Einigende in den Bordergrund treten teibigte Redakteur Sturm wurde von sämtlichen Anflagen unter laffen. Weil wir uns in dieser schweren Zeit den Luxus der poli. der Roftenaufbil.dung auf die Etaatstaffe freigesprochen. tischen Streitigkeiten geleistet haben, darum war es den UnterInteressant ist, daß die Beschuldigung auf Landesverrat u. a. megen nehmern möglich, derartig gegen die Arbeiterschaft anzufämpfen. Veröffentlichung derfelben Mitteilung über Waffenfunde erhoben Graßmann schloß mit den Worten:„ Wir müssen bedenken, worden war, wegen der feinerzeit die Münchener Post" für was es hieße, wenn mir die Gewerkschaften in den kommenden eine ganze Woche verboten wurde. Kämpfen nicht hätten." Das Referat wurde verschiebentlich lebhaft imterbrochen. Nach einer stürmischen Debatte wurde eine Entschließung ange nommen, die für den Fall eines bewaffneten Borgehens gegen das fächsische und thüringische Proletariat die Proklamierung des Generalstreits in Aussicht stellt. Bor dem Aschaffenburger Boltsgericht stand unter Anflage der Redakteur des lokalen sozialistischen Organs, der Boltszeitung" Georg Dewald wegen verfchiedener Beröffentlichungen, in denen u. a. in Berbindung mit Mitteilungen über den Reichswehrblod Roßbach" ausgeführt war, n Hoesch bei Poincarè. daß in Bayern die Berbindung zwischen Reichswehr und Butschisten so eng ist, daß es einer besonderen Organisation Paris, 17. Oftober.( WEB.) Der deutsche Geschäftsfräger zu ihrer Pflege nicht bedarf". Ferner war folgende Stelle aus einem Auffah Bayern- Deutschlands Berhängnis" infriminiert: Boffchaftsrat von Hoesch wurde heute miltag vom MinifterAuch Franken ist heute nicht mehr die Schußgrenze der deutschen präsidenten Poincaré empfangen. Die Besprechung dauerte Republit gegen die banerische Gefahr, weil die fränkische ungefähr dreiviertel Stunden. Landespolizei zum Machtapparat ihrer nationalsozialisti schen Führer geworden ist," ferner in einem Auffah Provoka teure an der Arbeit":" In einem hiesigen Waffengeschäft, so wird uns gemeldet, erhalten die Angehörigen der sognannten Baterländischen Berbände auf Grund ihres Mitgliedsausweises af fen anstandslos ausgehändigt. Jedenfalls fpuft hier wieder die Motpolizei des Herrn Schmeyer, des beredten Schuß engels der Baterländischen", ein Beweis, wie sich die Zustände in der Ordnungszelle entwidelt haben." Ferner hatte der Angeklagte in Form von Anfragen MitteiDer erste und ausschlaggebende Schritt für eine effettive Ein- lungen über den Ausbau rechtsradikaler Organisationen gemacht. dämmung des drohenden wirtschaftlichen und finanziellen zerfalles Das Gericht lehnte eine 3eugenladung für die Urteils. ist die Erfassung der Sachwerte durch das Reich, der zweite die Schaffindung als unwesentlich ab, da es nicht auf die Wahrheit fung eines Außenhandelsmonopols nad ruffischem Muster. Für oder Huwahrheit der einzelnen Behauptungen antomme(!). fondern diese Maßnahmen wird sich die thüringische Regierung mit aller darauf, daß der Angeklagte sich bewußt fein mußte, daß die von ihm Energie einfegen. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln muß aufgestellten Behauptungen zur Renntnis des Auslandes kommen gegen unberechtigte Betriebsstillegungen eingeschritten und die Wiedereröffnung stillgelegter Betriebe ermöglicht werden. Die und abträglich wirken tönn ten". Auch fand gegen den Rechte der Kontrollausschüsse in den Streifen und Gemeinden werden Biderspruch der Berteidigung Ausschluß der Deffentlich. im Rahmen der Reichsbestimmungen durch Verordnung festgelegt. teit statt. Der Angeflage wurde zu insgesamt 7 Monaten GeMit besonderer Energie wird die thüringische Regierung in der fängnis und den Kosten des Berfahrens verurteilt. Das Urteil hat Geltendmachung ihres Einflusses auf die Reichspolidt und in ihrer weit über die Grenzen Aschaffenburgs hinaus großes Auffeher eigenen thüringischen Politit alle Maßnahmen fördern, die auf erregt und dürfte, um im bayerischen Stile zu reden, zweifellos Sicherstellung einer ausreichenden Unterstügung der Arbeits. losen und Kurzarbeiter und eine zeitgemäße Erhöhung der geeignet fein, einzelne Teile der Bevölkerung gegeneinander zu Renten der Kriegsperlegten, hinterbliebenen, Derhezzen." Sozialrentner und Kleinrentner abzieben. Die immeren Schwierigfeifen zu meistern, glaubte die Reichsregierung, den militärischen Ausnahmezustand nötig au haben. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Politik der militärischen Befehlshaber fich nicht im geringsten richtet gegen die offenen Feinde ber Republit, fondern gegen ihre treuesten Verfechter, die klassenbewußte Arbeiterschaft. Demgegenüber erklärt die thüringische Regierung ihren festen Willen, das Land Thüringen als einen Bestandteil der einheitlichen deutschen Republik Nur gegen links! München, 17. Oftober.( WTB.) Die Korrespondenz off mann meldet amtlich: Durch die Verordnung des General staatskommissariats vom 16. Oftober 1923 wird allen Perfonen, die in Bayern ihren Wohnsitz oder Aufenthalt haben, die Buge hörigkeit au einem Sicherheits- oder Selbstschutzverband oder ähnlichen Einrichtungen der vereinigten sozialdemokra tischen ober der kommunistischen Partei auch außer unter allen Umständen zu erhalten und ihre Bolitt auf die Sicher- ba15 Bayerns verboten und die Teilnahme an lebungen, stellung der Erisienz der werttätigen Bevölkerung und auf die ent- Veranstaltungen oder Zusammenfünften solcher Berbände oder schiedenste Abwehr der verfassungswidrigen mili- Einrichtungen untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit Ge tarbittatur einzustellen. Die thüringische Regierung wird das fängnis bestraft. Daneben fann auf Geldstrafe in unbeher bestrebt sein, die gekutivgewalt ben Bipilbehör den des Landes wiederum zu übertragen. In diesem schränkter Höhe erkannt werden. Bestreben weiß sich die Thüringer Arbeiterregierung eng verbunden mit der benachbarten sächsischen Arbeiterregierung. She rechnet auf die Unterstügung und opferbereite Mitarbeit aller unter ber tapita. listischen Ausbeutungspolitik leidenden Schichten in ganz Deutschland und ihrer Organisationen. Um ihren Abwehrfampf erfolgreich führen zu können, wird sie den Staatsapparat energisch fäubern und alle, die für die verfassungswidrige Diftatur des Großfapitalismus offen oder verftedt fich betätigen, und alle natio nalistischen Geheimorganisationen, unter Zuhiffenahme der staatlichen Erefutive, aufs schärffte bekämpfen. Die Polizeiorgane innerhalb des Landes werben verstaatlicht und unter die Leitung zuverlässig republikanischer Beamter gestellt. Zum Schuß der Verfassung werden die in Bildung begriffenen republikanischen Notwehren ausgebaut und neue geschaffen. Die thüringische Regierung hat aber noch eine befondere AufDer Vorstoß des Unternehmertums. Die Berliner Gewerkschaften zur Abwehr. Paris, 17. Oftober.( TU.) Die Unterredung des deutschen Geschäftsträgers v. Hoesch mit Poincaré ist als der wichtigste und bedeutungsvollste Schritt aufzufassen, der feit der Besetzung des Ruhrgebietes und wohl auch vorher zur Fühlungnahme Deutschlands mit Frankreich unternommen wurde. Die Unterredung entspann sich in der Form einer Fortführung der fürzlich stattgefundenen ersten Aussprache, wobei der deutsche Vertreter auf die Einwände Poincarés wegen der Haffung Deutschlands im Ruhrgebiet erwiderte. Er hatte aus Berlin 3nstruktionen erhalten, die eine bis ins einzelne gehende Widerlegung gewiffer franzöfifcher Beschwerden, u. a. der Beschwerde gegen die Aufhebung der Kohlenfteuer ermöglichten. Die deutsche Regierung erflärt, die Kohlenfeuer aufgehoben zu haben, um die deutsche Industrie egportfähig zu machen, nicht aber um die Einnahmen Frankreichs im befehten Gebiet zu unterbinden. Die Reichsregierung stehe auf dem Standpunkt, daß ein Zusammenarbeiten der Befahungsbehörden mit den Berliner Stellen zur vollen Wiederherstellung des Wirtschaftslebens an der Ruhr möglich und notwendig fei. Diese Darlegungen haben im wesentlichen den Inhalt der heutigen Unterredung gebildet. Ueber ihren Ausgang wird von beiden Seiten Stillschweigen bewahrt. In Brüssel. Brüffel. 17. Oktober.( Meldung der Agence belge.) Der deutsche Geschäftsträger sprach heute im Ministerium des Auswärtigen vor, wo er dem Minister des Aeußern, Jaspar, mitteille, daß die deutsche Regierung den Eisenbahnern Weisung erteilt habe, die Arbeit wieder aufzunehmen. Er fügte hinzu, die wirtschaftliche Cage Deutschlands mache die Erhebung der Kohlensteuer unmöglich, und die deutsche Regierung würde die größten Schwierigkeiten haben, den Industriellen die Kohle zu bezahlen, die sie Belgien llefern würden. Der Minister antwortete, diese Zahlung gehe die deutschen Industriellen und ihre Regierung an, und Belgien werde die ihm gelieferte Kohle auf keinen Fall bezahlen. Russisch- französische Verhandlungen. Paris, 17. Ottober.( WTB.) Die wirtschaftliche und finanzielle Ausgabe der Illustration" berichtet über die Aufgaben, die der Präsident der russischen Staatsbant, Scheinmann, in Paris durchführen soll. Scheinmann wolle ein 216kommen schließen, um durch die französische Industrie die Zuderindustrie in der Utraine wiederherzustellen. Außerdem habe er die Absicht, 20 Millionen Die Mitglieder der erweiterten Ortsverwaltungen sämtlicher Bud russischen Getreides zu verkaufen. Scheinmann suche auch eine freigewerkschaftlichen Arbeiter, Angestellten. und Beamtenorgani. Anleihe unterzubringen, die Rußland sehr notwendig habe; er fationen Groß- Berlins waren gestern abend im Saalbau Friedrichs- werde hierfür das Versprechen geben, daß gewisse rückständige hain versammelt, um zu dem Borstoß der Unternehmer gegen die Binfen der russischen Schuld bezahlt würden, die die SowjetregieArbeitnehme.schaft Stellung zu nenmen rung bereit sei, anzuerkennen. Schließlich wolle Scheinmann auch Genoffe Graßmann vom ADGB. führte als Referent etwa 22 000 Karat Juwelen in furchtbringender Weise zum Verkauf folgendes aus: Vor wenigen Stunden ist im Reichswirtschaftsrat die Kund- bringen. gebung der Spitzenverbände zu Ende gegangen, die von grundlegender politischer und wirtschaftlicher Bedeutung sein wird. In wird. gabe zu erfüllen. Thüringen ist Grenzland desjenigen deutschen der dort angenommenen Entschließung ist alles das aus Dollar in New York: Geld 5, Brief 4,7 milliarden Mart. Die Tagung öer (Tchluß des Berichts aus der Abendausgabe.) Genosse Tarnoiv schilderte die Zunahme der unproduktiven Tätigkeit. Der Handel habe im Verhältnis zur Produktion einen viel zu großen Ilmfang angenommen. Die Banken sind aufgebläht und die Behörden gebrauchen vermehrtes Personal, als Folge der ganzen Verhältnisse, die zum Leerlauf der Wirtschaft sühnen. Wieviel Marken werden heute geklebt und wieviel Zeit wird verbraucht, das Papiergeld zu zählen! Die Auf- fassung wäre jedoch falsch, wollten wir sagen, es seien noch viel weniger Arbeitskräfte in der Winschaft notwendig, noch geringere Arbeitszeit, wenn all diese unproduktive Arbeit nicht geleistet werde. Die Wirtschast soll nach den Regeln der wirtschaftlichen Ver- nunft geordnet werden. Sollen aber erst 20 090 Arbeitnehmer verhungern, damit 40 000 beschäftigt werden können, dann zum Teufel mit dieser Wirtschaft! Anstatt der Ausstoßung von Arbeitskräften müsse ihr« Umgruppie- rung erfolgen. Es gehe nicht an, diejenigen Arbeitskräfte dem Elend preiszugeben, die die Wirtschaft augenblicklich nicht zu be- nötigen glaube. Nach den Darstellungen der Unternehmer sind nur die Arbeiter in ihrer Leistungsfähigkeit zurück- gegangen und an dem Rückgang der Wirtschaft schuld. Dies« Auf- fassung muß entschieden zurückgewiesen werden. Im Rahmen des Achtstundentages sind Arbeitskraft« genug vorhanden. In der Wirt- schaft find noch zahllose produktive Kraftquellen vorhanden, die brachliegen. Bevor man die menschlich-! Arbeitskraft starker belastet, muffen diese natürlichen Kräfte in den Dienst der Produktion gestellt werden. Allein die Wiriichast verfault heute, weil«ine feste Wäh- rung fehlt. Nctwendig ist die Zerschlagung der Preiskonocnkioncn. die Beseitigung des Lebensinittelwuchers und die Wiederherstellung der Kaufkraft der breiten Massen. Bekommen wir jetzt eine neue Währung, dann muß sosort auch diePrcis- undLohn- r e g e l u n g auf eine glcichgeartet« Werlveständigkeit gebracht werden. Di« Arbeitnehmerschast ist deute nickst in der Lage, sich Brot, Kartoffeln und Kohlen zu beschaffen. Man muß eigentlich den Mut bewundern, mit dem die Regierung die Brotoersorgung aufhebt. Es kommt uns jedoch nicht darauf an, hier Vorwürfe gegen die Regierung zu erheben, aber die Frage muß denn doch beantwortet werden: Was gedenkt die Regierung zu tun? Hier liegt eine Aufgab« für sie vor, die mit Hilfe der Industrie und der Landwirtschaft gelöst werden muß. Insbesondere der Crnährungsininister(Zurufe: Unterernährungsminister!) hat hier recht viel Arbeit. Es sei zu hoffen, daß weit mehr als in der Oeffentlichkeit bekannt wird, was in seinem Nessort geschieht. Dennoch sei es gut, wenn in der Oeffentlichkeit einmal bekannt wird, was der Ernährungsminister tut, um die Ernährungsnot zu beheben. Notwendig sei jedenfalls eine größere Aktivität auf diesem Gebiete. Auch für uns. Bei alledem gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Stimmung der Masten geht dahin:„Lieber ein Ende mit Schrecken, als«in Schrecken ohne Ende. Sollen wir langsam abe� sicher verhungern oder alles zusammenschlagen, solang« wir noch die Kraft haben?" Es ist bequemer mit diesem Strome der Stimmung zu schwimmen, jedoch notwendig, sich ihm entgegen- zustellen. Solange noch ein Funk« von Hoffnung besteht, so- lange dürfen wir die Flinte nicht ins Korn werfen. Di« bisherige Aklioität der Regierung hat sich leider nach einer anderen Richtung hin entwickelt. Sie will die sozialen Arbeitsrechte beschneiden gegen das Versprechen, nun auch die besitzenden Klasten zu belasten. Aber die wertbeständigen Steuern, die jetzt die Be- sitzenden endlich leisten sollen, und die wir Lohn- und Gehalts- empfänger schon seit Iahren leisten müsten, sind wirklich kein Opfer der Besitzenden. Keine Schicht der Bevölkerung bildet eine so treue Stütz« der Republik und der Staotseinheit, als die Arbeiterschaft. Die Regieruung müßt« schon«inigen Wert darauf legen, daß ihr diese Stütze erhalten bleibt. Genosse Tarnrw erinnerte an die Sag«, die der„Vorwärts" am Montagabend in Erinnerung brachte: von der Hungersnot in einem großen Lande, der dessen Herrscher durch die Ankündigung begegnete, für jeden Armen, der im Lande verhungert, zehn von den Großen des Landes hängen zu lassen. Es muß schon->twas Positives geschehen in der Belastung des Besitzes. Darum kommen wir nicht herum. Die Regierung muß nicht erst auf Grund des Ermächtigungsgesetzes, sondern schon auf Grund der Verfassung das tun, was jetzt'zu tun notwendig ist. (Leblxiftsr Beifall.) Ueber die Finanz- und Währungsreform t sprach als zweiter Referent der Vertreter des AfA-Bundes Otto Schweitzer vom Butab. Er ging in längeren Ausführungen auf die Ursachen und Wirkungen des Währungsverfalls ein, wobei er betonte, daß die Eewertschoften sich den außenpolitischen Ein- flüssen auf den Währungsverfall nicht verschließen, daß aber vor allem auch schwer« Unterlastungssünden in der Innenpolitik zur Zerstörung der Währung beigetragen hätten. Reben der Ka< pi talflucht nach dem Auslande und auch im Inland selbst trage die Hauptschuld die Finanzpolitik der letzten Zeit, die katastrophale Auswirkung des Ruhrkonflikts. der vom ersten Tage an lediglich mit der Rotenpvcss« finanziert worden sei. Hätte man der Forderung der freien Gewerkschaften im Jahre 1921 nach Erfassung der Sachwerte stattgegeben, dann hätte der Währungsverfall niemals dieses Tempo und dieses Aus- maß erreicht. Ohne sich mit den währungstechnischen Fragen zu befasten, verlangten die Gewerkschaften von jeder Währungsreform, daß sie ein wirklich wertbeständiges Geld schaffe, dos nicht nur ftir bestimmte Kreise, sondern auch für die breiten Massen ausgegeben werde. Di« Währungsreform dürfe auch nicht zu einer neuen Ver- störkung der wirtschaftspolitischen Mackitposition der Wirtschafts- fühver gegenüber dem Staat führen. Kein Experiment könne auf die Dauer etwas nützen, wenn nicht sofort die Quelle des Währungsverfalls verstopft, näml'ch die Notenpresse still- gelegt würde. Der Besitz müst« jetzt endlich wirkliche große Opfer brinoen. An die Spitze ihrer Steuerforderungen stellten die Gewerklchasie» die Beteiligung des Reichs an den wirtschaftlichen Unternehmungen, ferner den Ausbau des Reichserbrechts und schließlich eine grundlegende Reform des Steuersystem» im Sinne einer wirksamen Quellen besteuerung. Di« Ersparnist« im Reichsetat dürften nicht aerctde im Abbau der sozialen Einrichtungen beginnen. Die Gemerksck)aft«n seien nicht grundsätzlich gegen den Plan einer Arbeitslosenversicherung, sie wehrten sich nur dagegen, daß ixrade hier zuerst mit Sparen angefangen würde. Das Gleiche gelte für den Pertonalabbou der Verwaltung. Zur Finanzreform gehöre ferner das Vorgehen geaen den Preiswucher und die Diktatur de? Kartelle und Syndikate. Der Redner schloß mit der Ausforde- rung an die Regierung, den Besitz zur Traaung der Lasten zu zwingen, die ihm zukämen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf ergriff der Inzwischen erschienene Reichsarbeiksininisker Dr. Brauns das Wort, der zunächst das Fernbleiben seiner Kollegen mit den wichtigen Beratungen über das Arbeits.zeitgesetz und die Trustgesetz- gebung entschuldigte. Er versichert« dann, daß die Reickregi-crung sich dem Ernst der Laoe nicht verschließe, ein weiteres Anwachsen des Arbeitslosenheeres würde die ganze Wirtschaft und schließlich auch das Reick, gefährden. Der Regierung fei auch das ungeheure Sinken der Löhne gegenüber der Verteuerung der Le- Spitzenverbänöe. benshalwng bekannt, gegen den Mißbrauch im Kartell- und Trust- wesen werde durch eine energische Gesetzgebung Abhilfe geschaffen werden müssen. Der Regierung liege es völlig fern, das Ermächtigungsgesetz einseitig gegen die Wünsche und Jnteresten der Arbeiterschaft zu gebrauchen, sie denke nicht daran, lediglich die Arbeitszeit neu zu regeln und die Karlelle dabei ungeschoren.zu lassen. Ein Abbau der sozialen Unjerstützungen sei nicht geplant, wenn auch die Notlage des Reiches die Erledigung aller Wünsche vcr. biete. Die sozialen Belange der Arbeiterschaft sollen soweit auf- rechterhalten werden, als cs sich irgendwie mit der Finanzlage des Reiches vereinbaren laste. Ebenso denke die Regierung nicht daran, hinsichtlich der Rechtslage der Arbeiterschaft auf den Zustand der Vorkriegszeit zurückzugehen.(Beifall.) In der Aussprache über die beiden Referate äußerte sich zunächst Chefredakteur Bernhard über die Währungsreform. Eine Gesundung könne nur die Goldwährung bringen, der nur aus den Kreisen Hinder- nisse in den Weg gelegt würden, die an der jetzigen Unklarheit der Währungsverhältnisse ein Interesse hätten. Die notwendigen Gold- Vorräte seien beinahe in demselben Umfange wie vor dem Kriege in Deutschland vorhanden, sie hätten sich nur in Devisen verwandelt. Im Augenblick, wo Anstalten zur Sck>affung einer stabilen Währung getroffen würden, kämen diese Devisen ebenso zum Vorschein wie die deutschen Guthaben im Auslande. Vor Schaffung einer neuen Währung würde auch jede Neuorganisation der Wirtschaft, jede Förderung des Exportes und der Produktion ohne Erfolg bleiben. Die neue Rentenmark stelle einen brauchbaren Ueber- gang dar, wenn sofort mit der Sanierung des Budgets ernst gemacht und möglichst bald zur Goldwährung übergegangen würde. Nur auf dies« Weise lasse sich verhindern, daß airch die Rentenmark an Wertbeständiokeit verliere. Daneben müste die Arbeitepschaft dem Widerstand der Jnteressenverbände gegen die Goldlöhnung energisch entgegentreten, sonst sei das Chaos doch unvermeidlich.(Beifall.) Staatssekretär a. D. Pros. Dr. Hirsch schloß sich diesen Aus- führungen im wesentlichen an und betonte, daß schon das Kabinett Wirlh die Einführung de? Goldwährung erwogen habe, daß dieser Blan aber von der Industrie damals sabotiert worden sei. Die frei« Wirtschaft lmbe nicht zur Freiheit der Wirtsck�iftenden, sondern zu einer eewaliigen Ueberwucherung durch die Trusts geführt. Di« Rentenmerk habe wenigstens das eine Gut«, daß sie den Versuch einer Zwangsanleih« zur Fundierung des Etats darstelle. Sie werde aber um so besser sein, je weniger von ihr auf den Markt gebracht>v«rd«. Der Borsitzends des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Geheimrat Falkenberg, forderte die Behandlung des gesamten Beamtenproblems durch die Regierung anstelle des bisherigen Systems, Einzelfragen zu erörtern. Da das Wertbeständig- ke i t sa b k om ms n bei der Gehaltszahlung von der Regierung gebrochen sei, müsse wenigstens verlangt werden, daß die unteren Beamten das Existenzminimum erreichen. Der Beamtenabbau bezwecke nichts anderes als die Beseiiigung der republikanisch gesinnten Beamten aus dem Verwaltungeapparat. Zu wünschen wäre aber gerade, daß nur republiktreu« Beamte aus verantwortliche Posten gestellt werden. Schröder vom Zentralverband der Angestellten erklärte:„Wir können kein Vertrauen mehr haben zu der Regierung, die mit Sachsen bricht und die Reaktion in Bayern wüten läßt. Als Symbol der Kampfstellung der Gewerkschaften müßte sofort der Austritt aus der Zentralarbeitegenr ein schaft erklärt und von der Regierung die Aufhebung des Belage- r u n g s z u st a n d e s»«fordert werden. Eine Verlängerung der Arbeitszeit jetzt, da Millionen verkürzt arbeiten müsten, ist«in Ver- brechen am Volk«. husewann(Bergarbeiter-Verband) sprach über die Voraussicht- liche Wirkung der Aufhebung der Kohlen st eue r.. Schon einmal hat« man die Steuer ermäßigt, und die Folg« seien nur neue Preissteigerungen gewesen. Man müsse befürchten, daß die gänzliche Aufhebung der Steuer lediglich ein Geschenk für die Industrie sei, von dem der Kleinverbraucher jedoch nichts haben werde. Der Redner verwahrte sich dagegen, daß die Bergleute mit ihren Löhnen die Goldparität überschritten hätten und erklärte, der Reichsarbeits- minister Habs im vorigen Jahre anläßlich einer Tagung in Bochum den Bergarbeitern zugesagt, daß sie mit ihren Löhnen an der Spitze der Arbeiterschaft bleiben sollten. Es gebe ein anderes Mittel, die Leistung zu heben, nämlich höhere B e- zahlung für erhöht« Leistung über den Rahmen der Tarifverträge hinaus, Dißmann(Metallarbeiter-Verband): Die Arbeiterschaft ist sozial weit hinter die Kriegszeit zurückgeschlagen worden. Man kann sich nur immer wieder wundern, daß die Arbeiter trotz all des Elends so ruhig geblieben sind. Es ist auch nicht verständlich, daß man für die H u n g e' r u n r u h e n jetzt nur ein Mittel kennt, nämlich: blaue Bohnen. Die Arbeiterschaft soll heute den verloraven Krieg, die Reparationen und den Ruhrkampf bezahlen. Der Belagerungs- zustand ist nicht gegen die von rechts gerichtet, sondern gegen das Proletariat. Wenn wir das erkennen, müssen wir diese Gefahr aber auch gemeinsam abwehren. Die' Entwicklung des Kampfes gegen die Arbeiterschaft gliedert sich in drei Etappen. Erst kam der Vorstoß Bayerns, dann das Ermächtigungsgesetz und schließlich der Entwurf des Arbeitszeitgesetzes. Dieser Entwurf muß der Regie- rung vom Proletariat vor die Füße geworfen werden. Denn man versucht hier die Ausnahme zur Regel zu machen und den Zehn- stundentag longsam zur Norm zu machen. Wenn die Arb«itersck)aft und die Gewerkschaften dagegen nicht aufstehen, wird in 6 Monaten auch von den Tarifverträgen wohl kaum noch etwas übrig sein. In den letzten Jahren ist die Arbeiterschaft dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit nur zu sehr ausgewichen. Wenn wir das Ver- trauen unserer Mitglieder nicht zurückgewinnen, wird der Winter den Gewerkschaften nicht nur weitere Verluste an Vertrauen, son- den auch an Mitgliedern bringen. Die Gewerkschaften müssen den Kampf planmäßig führen. Wir waren bisher Amboß, wir wollen jetzt Hammer sein.(Beifall.) Bezirkssekretär Meyer-Düsseldorf als Vertreter der besetzten Gebiete, erinnert« daran, daß in dem Ruhrkampf dl« Arbeiterschaft fest zum Reich gehalten und somit ein Fels gegen den Separatismus gewesen sei. Wenn man den Arbeiter jedoch nicht so bezahl«, daß er zu leben imstande sei, dann werde die separatistische Bewegung weiteren Boden gewinnen. In seiner Schlußansprache wies der Vorsitzende des AfA-Bundes, Aufhiwser. darauf hin, daß die Gewerkschaften die Nerven bisher behalten haben und in den kommenden Kämpfen behalten werden. Der Kampf, den das Unternehmertum den Arbeitern und Angestellten aufzwinge' werde nicht sprunghaft, sondern zäh und stetig geführt werden. Di« Hoffnung weitester Arbeitnel, merkreis« beruhe heute auf den Gewerkschaften, von denen man allein Hilfe erwarte. Es darf über diesen Kampf in der Arbeiterschaft keine Illusion erweckt werden. Aber ebenso gefährlich ist ein Defaitismus innerhalb der Gewerkschaftsbewegung selbst. In diesem Kampf ist Schwarzseher«! ein Schaden. Di« heutig« Tagung der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtensäulen ist eine Warnung an die Regierung und an die rechtsradikalen Kreise, die da glauben, die Republik beseitigen zu können. Wir haben keinen Anlaß, verzweifelt in die Zukunft zu sehen. Damit wurde die Tagung geschlossen und die im Abend- blatt wiedergegebene Entschließung angenommen. Vorbesprechungen über öas�rbeitszeitgesetz Zu Vorbesprechungen über das Arbeitszeit- ge-f-etz ist im Reichstag, eine freie Kommission der !ioalitionsparteien zusammengetreten, die bezweckt, etwa auf- tretende politische Schwierigkeiten � von vornherein auszuräumen, damit das Gesetz im Plenum des Reichstages eine glatte Erledigung finden kann. Die Plenarsitzung des Reichstages, die dieses Gesetz be- raten soll, wird voraussichtlich nicht vor Dienstag oder Mitt- woch der nächsten Woche stattsinden können. ver Preußische Staalsrai hielt nach längerer Pänse Mittwoch abend wieder eine Bollsitzung ab. in der nur einige kleinere Bor- lagen, die in wenigen Minuten erledigt wurden, zur Beratung standen. U. a. fand eine AusfuhrungSanweisung zum Gesetz über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst, welche die Annahme der Referendare, den Borbereitungsdienst bei den Verwaltungsbehörden und die Prüfung regelt, Zustimmung. Zum Schluß genehmigte der Staatsrat eine Verordnung über die Niederschlagung geringfügiger Geldstrafen in Ausführung des RcichSgesctzeS über Vermögensstrafen und Bußen. Ausschluß von Aozialdcmokralen aus den Sowjets. Aus den verschiedenen Städten der Ukraine kommen Nachrichten, daß wiederum Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, die in die Sowjets gewählt wurden, wie früher von der kommunistischen Mehrheit ausgeschlossen werden. Mirtfehast ver ReichsinSex> für öie Lebenshaltung. (1913/14-- 1) Durchschnitt Mol...... 38J5 Znni...... 7 650 Zuii..... 37 651 August..... 586 045 „ September... 15 000 000 6. August........ 149 531 13........... 436 935 20.„........ 753 733 27........... 1 183 434 3. September...... 1 845 261 10........ 5 051 048 17........ 14 244 900 24........ 28 000 000 l. Oktober..;.... 40 400 ODO 8........ 109100 000 15........ 601 900«00 Steigerung gegen die Vorwoche 534,2 Proz. * Die Steigerung der Leb-enshaltungskosten in der letzten Woche ist selbst nach dem amtlichen Index die stärkste, die je dagewesen ist. Die Lebenshaltung hat sich demnach in einer einzigen Woche auf das Sechseinhalbfache des Standes der Vorwoche ver- teuert. Die Löhne sind dieser sich überstürzenden Teuerungswelle auch nicht annähernd gefolgt. Wenn der industriell« Absatz und damit die Beschäftigung der Industrie nicht zum Erliegen kommen sollen, muß durch eine erhebliche Erhöhung der Löhne die gewaltige Spanne zwischen Kaufkraft und Preisen ausgeglichen wer- den. Son st kann niemand mehr kaufen. Wie katastrophal sich di« Verhältniste gerade in den letzten Tagen gestaltet haben, ist in den Verhandlungen der gewerkschaftlichen Spitzenverbände eindringlich dargelegt worden. Di« Arbeiterschaft erhält ihren Lohn bis zum morgigen Freitag dort, wo Jndexlöhne vereinbart sind, nach dem Stand der vergangenen Wache. Kaufen kann sie dafür nach dem amtlichen Index bereits feit Montag noch nicht den sechsten Teil der Waren, deren Preisgestaltung bei der Lohnfestsetzung eine Rolle gespielt hatte. So geht es denen, die voll arbeiten konnten! Roch viel grauenvoller ist die Verelendung der ständig zunehmender; Kurzarbeiter und Arbeitslosen, die ihres Rechtes auf Arbeit beraubt sind. Dio Indexziffer ist so ein« amtlich« Bestätigung der traurigen Erfahrungen, di« jeder einzelne Verbraucher in den letzten Tagen gemacht hat. Di« amtlichen Stellen werden daraus di« gebotenen Konsequai'zen ziehen müssen. Auch dieser Index ist durch die tatsächliche Entwicklung bereits überholt. Die Steigerung des Dollarkurses hat die Preise vieler Lebensmittel und anderer unentbehrlicher Waren wieder automatisch in di« Höhe getrieben. Der Index, der jetzt den Lohnverhandlun- gen zugrunde gelegc.,wird, ist also bereits an dem Tag« seines Be- kaintwerdens veraltet. Die Arbeiterschaft hat alles Interesse daran, jetzt mehr als je darauf zu dringen, daß ihr in der Kauf- kraft so gesunkener Lohn wirklich wertbeständig gestaltet werde. Eine absolute Sicherheit ist dafür selbst dann nicht gegeben, wenn die neue Zwischenwährung, die Rentenmark, in Kraft tritt, auch wenn man von diesem Zahlungsmittel wenigstens für einige Zeit eins größer« Wertdeständigkeit erwarten darf. Nachdem der Staat seine Steuern nach Goldwert erhebt, nachdem die Privatindustrie seit langem Goldpreise nimmt, wird man jetzt endlich den Schritt zu Gold- löhnen machen und'deren Höhe in derselben Weise dem Dollarstvnd anpassen müsten, wie jetzt die Kosten der Lebenshaltung täglich emporschnellen. Die Teuerung im Großhandel. Das Niveau der Großhandelspreise hat sich in der Zeit vom 9. bis 16. Oktober nach den Berechnungen des Slatistischen Reichsamtc um 255,4 v. H auf das 109, 3 millionenfache des Friedensstandes gehoben. In der gleichen Zeit stieg der Dollarkurs um 241,7 v. H. auf 4,1 Milliarden Mark, so daß das Goldnioeau der Großhandelsingexziffer(1913--- 190) eine Erhöhung von 107,6 lGold) auf 111,9(Gold) erfuhr. Diese wurde vorwiegend durch den Ueberqang zur freien Brotwirtschaft herbeigeführt, w o- durch die Herabsetzung der Kohlenpreise mehr al» ausgeglichen wurde. Von den Hauptaruppen stiegen die E i n- suhrwaren um 285,2 v. H. auf das 1 525millionenfache. die In- landswaren um 247,3 v. H. auf das 1 006millian«nfache und ferner die Lebensmittel(im Großhandel) um 351,6 v. H. auf das 838millionenfache und die Industrie st off« um 192,7 v. H. auf das 1 570millione:isache des Friedensstandc?. Infolge von Fehlspekulatloaen auf eine Vestcrung der Mark ist die Firma Kochmann. Zeidler n. Co. zahlungsunfähig geworden. Ihre Bervflicbtungen werden auf nahezu 1 Million Goldmark ge« schätzt. Von den Verlusten werden auch andere Firmen getroffen. ES bandelt sich um eine jüngere Bontfirma, die ein sehr umfang- reiches Börsengeschäft betrieb. Devisenkurse. Unserer gestrigen KurStafel ist noch nachzu- tragen: 1 finnisch« Mark 146 632 500 Geld. 147 367 500 Brief; 1 japanischer Den 2718 187 500 Geld, 2731812500 Briei! 1 italie- niiche Lira 251370 000 Geld, 252 680 000 Brief; I brasilianischer MilreiS 513 700 000 Geld. 521300 000 Brief; 1 österr. Krön« 77 306 Geld. 77 694 Brief; 1 tschechische Krone 163 590 000 Geld, 164 410 000 Brief; 1 ungarische Krone 299 250 Geld. 300 750 Brief; 1 bulgarische Lewa 53 865 000 Geld, 54 135 000 Brief; 1 jugoslawische Dinar 64 887 500 Geld. 6 5 762 500 Brief. Gewerkschaftsbewegung Unsere Reallöhne". In seinem gestrigen Referat auf der gemeinsamen Tagung der Bundesausschüsse der drei gewerkschaftlichen Spitzenverbände führte Genosse Tarnow die Berliner Spigenlöhne für Fadzarbeiter auf, die in der letzten Woche gezahlt wurden und in dieser Woche zur Beschaffunug von Lebensmitteln ausreichen sollen. Die Löhne betrugen nach Abzug der Steuern und Versicherungsbeiträge in Höhe von rund 10 Broz. im Baugewerbe 4,4 milliarden, in der Schuhindustrie 3,9, im Tapezierergewerbe 3,5 und in der Holzindu strie 3 Milliarden; also im Durchschnitt noch nicht einen einzigen Dollar für die ganze Woche. ben umb ber Reglerung am Dienstag eine Berlängerung der Arbeitszeit der Beamten auf dem Verordnungswege ange tündigt worden fei. Für die Beamten sei die Einführung des Neunstundentags als Normalarbeitstag bzw. die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 56 Stunden in Aussicht genommen. Aus dem Reichsministerium des Innern erhielten wir auf Anfrage den Bescheid, daß diese Auffassung irrig, eine Berordnung nicht beabsichtigt ist. Die Regierung wartet zunächst die zugesicherte gefeßliche Regelung der Arbeitszeit ab. Führt diese Regelung zu einer allgemeinen Verlängerung der Arbeitszeit, dann werden allerdings auch die Beamten nicht davon verschont bleiben. Lediglich darauf ist bei der Besprechung mit den Beamtenvertretern hingewiesen worden. Lohntarif in der Berliner Metallindustrie. Infolge der gesteigerten Teuerung hat der Deutsche MetallWas sind das für Reallöhne?" fragte Tarnow, was fonnten arbeiterverband dem Verband Berliner Metallindustrieller den Andie Arbeiter sich dafür faufen?" Der Lohn eines qualifizierten trag unterbreitet, eine Vorschußzablung in diesen Tagen zu Facharbeiters für eine volle Arbeitswoche reichte gerade zahlen. Der Verband Berliner Metallindustrieller gibt bekannt, für einen 3entner Kartoffeln. Um den Preis für ein baß am Freitag bzw. am Sonnabend diefer Woche ein VorPfund Margarine zu zahlen, war der Lohn für 9 bis 10 fchuß gezahlt wird von 75 Broz. des in der Lohnwoche vom 8. bis Arbeitsstunden erforderlich; der Arbeitslohn für 12 Ar- 14. Oftober erzielten Nettoverdienstes. Ein weiterer Vorschuß wird beitsstunden zu einem Zentner Briketts. Um ein Pfund gezahlt am Sonnabend, den 20., bzw. Montag, den 22. Oftober, Butter zu kaufen, die die Arbeiter freilich nur noch aus früheren Heber eine weitere Regelung der Vorschußzahlungen werden am von 35 Proz. des am 19. bzw. 20. Oftober gezahlten Vorschusses. Zeiten her tennen, müßte der Lohn für 16 Arbeitsstunden geopfert Tage der Lohnverhandlungen Bereinbarungen getroffen. werden, zwei volle Arbeitstage dafür gearbeitet werden. Wer gar in die Notwendigkeit versetzt ist, sich ein neues Arbeits. hemd zu beschaffen, muß erfahren, daß sein voller Wochen. verdienst dazu nicht ausreicht. Zur Anschaffung eines Baars einfache: Straßenstiefel war bei diesen Löhnen der Arbeitsverdienst von sechs Wochen hinzugeben. Für einen An zug aber mußte bei diesen Löhnen zwanzig Wochen gearbeitet werden. Das Metallfarte II. Richtlöhne für die Hausangestellten. Zwischen den Groß- Berliner Hausfrauen- Organisationen und dem Zentralverband der Hausangeftellten Deutschlands( Bureau Bayreuther Str. 31) wurde am 15. Oftober vereinbart, daß neben den Sachbezügen, bom 1. bis 15. Oktober zahlbar fofort, folgende Löhne gelten: Jugendliche Hausangestellte unter 15 Jahren 685 Millionen, Es gibt auf der ganzen Welt feine Arbeiterfchaft, die auf dieser tiefen Stufe des Lohneinkommens und damit der Lebenshaltung unter 16 Jahren 1.220 milliarben, Alleinmädchen oder Stüße obne stomen 1,365, mit Kochen 1,710. perfette Köchin 3 Mil steht. Wenn es auch nicht immer so schlimm fei wie in der letzten liarden; Hausmädchen, einfaches, 1,365, perfektes 2,050 WilWoche, so sei dies ja auch nicht denkbar, weil das Löhne zum liarden: Wirtschafterin ohne Mädchen 2,050, mit Mädchen 8 MilBerhungern sind und nicht zum Leben. Die Lohnverhand- liarden: Kindermädchen 1,365, Kinderfräulein mit Vorbildung lungen für die Holzindustrie in der Provinz Brandenburg| 2,050 Milliarden; herrschaftlicher Diener, ledig, 3 Milliarden, ver find ergebnislos verlaufen, weil qualifizierten Facharbeitern für beiratet, nebst freier Wohnung. Heizung und Beleuchtung Mildie Lohnwoche vom 5. bis 11. Oftober ein Stundenlohn von 25 Milliarden; Aushilfen pro Tag 140 Millionen. lionen Mart geboten wurde, ein Wochenlohn von einer Die Zahlung der Beiträge für Kranken- und Invaliden Milliarde, der in dieser Woche für zwei Brote reichte. versicherung unterliegt den gesetzlichen Bestimmungen; dasselbe Wenn die Arbeiter fich an solchen Unternehmern einmal vergreifen, gilt von dem Steuerabzug. Ueber die zu zahlenden Löbne vom 15. bis 31. Ottober soll " fann man sie darum wahrlich nicht steinigen," Die Warenpreise stehen in derselben Zeit über Weltmarktparität, wo der Durchschnittslohn der Facharbeiter 2,70 Goldmark beträgt. Im Laufe der Aussprache wies Prof. Dr. Hirsch darauf hin, daß die von Tarnow angestellten Berechnungen insofern nicht ein. mal stimmten, als der Arbeiter, der Teile seines Wochenverdienstes zur Beschaffung von Kleidungsstücken zurücklegte, nie in den Besis derselben gelangt, weil sein Geld entwertet, die Preise aber höher steigen. Bei alledem flagt das Unternehmertum über die hohen Löhne, die die Wirtschaft ruiniert hätten, ihren Wiederaufbau verhinderten, erhebt den Vorwurf gegen die Arbeiter, es werde zu wenig gearbeitet, verlangt intensivere Arbeit und längere Arbeitszeit. Diesem Trauerspiel muß und wird ein Ende gemacht werden, wenn die Gewertschaftsmitglieder Bertrauen zu ihren Führern fassen und Mann für Mann geschlossen für ihre Besserstellung eintreten. Zur Arbeitszeit der Beamten. In den Kreisen der Beamten besteht die Befürchtung, daß troh der Berständigung über das Ermächtigungsgesetz, die Arbeitszeit gefeßlich zu regeln, bei der Besprechung zwischen den SpizenverbänTheater, Lichtspiele usw. Theater i. d. Volksbühne KöniggrätzerStr. 7, U.: Der abtrünniga Zar 8 Uhr. Schweiger Lessing- Th. Heute 72: Komödienhaus wie es euch gefällt 8 Uhr: Mein Vetter Eduard Freitag geschlossen Sonnabd. 7: Z 1.Male Rausch Beat. Künstler- Th. Berliner Th. Allabendl. 71/2: Der Sbd. 7 U. Premiere: Fürst v. Pappenheim DOLLY Vaudeville- Operett. Rose- Theater v. Arnold u. Bach, Gesangstexte von Rud. Bernauer Musik von 7 Uhr: Jugend Hugo Hirsch Casino- Theater Wörner, Gleichen Werner, Vesper- 8 Uhr: Die neuen Reichen mann, Junker mann, Scholz Th. im Admiralspalast Tägi 73 Uhr 27. Okt. z. 1. Male: Der Ehamann ohne Fran am 27. Dftober verbandelt werden. Ein deutscher" Lehrherr. Grundfak:„ Der Deutsche halte treu zum Deutschen und helfe thm ftets." Diefer Sag steht am Kopf der Briefbogen, die der Verlag Rarl Seblaget benutzt. Herr Sedlaget gibt u. a. die Deutsche Bacht", Rublikationsorgan der völlischen Bereine, heraus. Wie jedoch die Handlungsweise des Herrn Stadtrat Sedlaket in der Bragis aussieht, zeigt ein Schreiben an die Eltern eines weiblichen Lehrlings, der vor wenigen Wochen in den Verlag eingetreten ist. Dem Schreiben, das gleichzeitig als Lehrvertrag gedacht ist, ent nehmen wir: Berlin, den 5. Oftober 1923. S. 59, Camphaufenstr. 20. Herrn. B. Gemäß der Unterredung.. bestätige ich Ihnen die nach fbehend getroffene Bereinbarung, wonach ich Ihre Tochter ab 1. Oftober t. 3. als Lehrfräulein für Kontor und Expedition engagiert habe. Behrzeit 2 Jahre, alfo bis 30. September 1925. Sie erhält während der Lehrzeit ein monatliches Entgelt, und zwar für die ersten drei Monate, also bis 30. Dezember d. J. 15 Millionen Mart monatlich. Ab 1. Januar 1924 bis 30. September 1924 erhaLochter monatlich eine Goldmart, umgerechnet zum jeweiligen Kurs; während des zweiten Lehrjahres, also vom 1. Oktober 1924 bis 30. September 1925, gleichfalls monatlich den umgerechneten Betrag von zwei Goldmart. Sie verpflichten sich ausdrücklich, daß Ihre Tochter mindestens zwei Jahre bei mir in Stellung bleibt. Im übrigen vereinbaren wir geschäftliche Diskretion In Krankheitsfällen unterzieht sich Ihre Tochter der Untersuchung durch unseren Vertrauensarzt. Durch Ihre Unterschrift bescheinigen Sie den Inhalt dieses Bertrages und übernehmen gleichzeitig Bürgschaft für Ihre Tochter. Hochachtend geftemp. Verlag Karl Sedlaget, gez. Karl Sedlaket, Stadtrat. Herr Stadtrat Sedlaget ist der typische Vertreter aller angeblich wahrhaft national empfindenden deutschen Unternehmer. Die glänzende" Bezahlung, die er seinem Lehrmädchen geben will, wird dieses sicherlich in die Lage versehen, das Fahrgeld zu sparen. Wir empfehlen, dieses Musterexemplar von Arbeitgeber für die Folge allein mirtschaften zu lassen, bis er eingesehen hat, daß auch ein Lehrling von der Luft nicht leben kann. industrie fonnte teine Einigung erfolgen. Die Arbeitgeber Ueber die Gehälter der Angestellten in der Seifen. empfehlen ihren Mitgliedern, fofort das 2500face Juligehalt als Afonto- Zablung zur Auszahlung zu bringen. Mit den Arbeitgeberverbänden des Baugewerbes wurde ver. einbart, daß sofort ein zehn faches Septembergehalt als weitere Abschlagszahlung ver Oktober geleistet werden soll. Die Beträge sind auf volle 50 Millionen abzurunden. Im Elektrogroßhandel und im Eisen- und Stablgroßhandel der Engel- Borgmann- Gruppe wurden als Grundlage für das Oftobergehalt 60 Broz. des September- Bruttogehaltes genommen. Auf diesen Betrag kommt der Inderzuschlag jeder Oftoberwoce und zwar die am 3., 10., 17., 24. und 81. Ottober veröffentlichten Meichsteuerungszahlen.( Tarifverträge beim Zentralverband der Angestellten, Belle- Allianceftr. 7/10.) Den technischen Angestellten im Hoch-, Befon- und Tiefbaugewerbe sind als weiterer Abschlag auf das Oftobergehalt fofort soweit es technisch möglich ist und die notwendigen Zahlungsmittel vorhanden sind zehn Septembergebälter zu zahlen. Ueber weitere Abichlagszahlungen wird voraussichtlich Anfang nächster Woche verhandelt. 19. Ditober fommt auf den bestehenden Mindestlohn die Donnerstag Achtung, Tapezierer! Für die Lohnwoche vom 13. bis früh veröffentlichte Reichsinderziffer. Tarife Donnerstag von 4 bis 5 1hr im Bureau. Mit dem Verein Berliner Schilderfabrikanten ist für die Beit vom 12. bis 18. Oftober 1923 für Schildermaler und Anmacher ein Stundenlohn von 200 Millionen vereinbart worden. Jm Kohlenbecken von Dombrowo sind die Bergarbeiter in den Ausstand getreten, um eine Lohnerhöhung von 200 Prozent durchzusehen, während die Arbeitgeber nur 130 Prozent bewilligen wollen. Sattler, Tapezierer- und Bortefeuiller- Berband. Gonntag, den 21. Oktober, Wirtschaftliche und politische Lage. Referent ein Mitglied des Reichstages. Erscheinen aller unbedingt notwendig. Eintritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches oder Arbeitslosen arte. vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Quartalsversammlung. Wetter bis Freitag mittag. Bollig ohne erhebliche Niederschläge, Temperatur wenig verändert, mäßige westliche Binde. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Cotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Auzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage ,, Scimwelt". SEINE FRAU- DIE UNBEKANNTE! 合 Decla Bioscop- Film der Ula MANUSKRIPT UND REGIE: BENJAMIN CHRISTENSEN IN DER HAUPTROLLE: LIL DAGOVER ) Ufa- Lichtspiele MORGEN 7 UND 9 UHR: TAUENTZIEN- PALAST Rennen zu Karlshorst Drunter and drüber Varieté- Programm Donnerstag, d. 18. Oktober DeutschOpernhaus Rauchen gestattet! 712 Die toten Augen U.: Aktionärkart. gültig Große Volksoper im Theat d.Westens 7 U.: Julius Cäsar Intimes Theater 8 Uhr: Abendbesuch Die k. u. k. Hose etc. Th.a. Kottb. Tor Täglich 71/2 Uhr , Sonntag nachmittag 3 Uhr: ELITEnachm. 12%, Uhr. Apollo- Theater 7% Die große Revue 7 BAT Europa spricht davon! Sänger U. a. DerHaus schlüssel ReichshallenTh. Metropol Theater Täal. 7, U. 7% Casinogirls Sonnt. 3 U. Sig. 3 Uhr: Charisys Tante m. Guido Thielscher Neues a. Zoo Stettiner Sänger 200 Mitwirkende! 6 Balletts' Gastsp.Senta Söneland, Senius Hugo Flink, Ferenczi, Mathäus aw. 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Oftober 1923 den GrundAm Freitag, ben 12. Ottober, verstarb imKranPenhaus Weißensee der Tischler lohn für Versicherungspflichtige nach dem Herm. Daehnert wirtlichen Arbeitsverdienst zu bemessen Bu diesem 8mede haben die Herren Ar beitgeber bei jeder Lohnzahlung eine Lohnlifte auszufüllen und binnen drei Tagen der Raffe einzureichen. Bon dem Gesamtbetrage der Lohnlifte find als Beiträge 72 vom Hundert binnen dret Sagen einzuzahlen.. Bei späteren Bahlungen werden Entwertungszuschläge, beren Höhe fich nach der jeweiligen Inder fteigerung berechnet, erhoben, ohne daß eine Mahnung vorausgeht. Für die Lohnftufe A unb bie Versiche rungsberechtigten gelten bis auf weiteres die ab 15. Ottober 1923 befanntgegebenen Sähe. Näheres enthält das den Herren Arbeitgebern zugehende Rundschreiben. Lohnliften find im Kaffenlotal unentgeltlich zu haben. Berlin, ben 11. Oftober 1923. Der Vorstand. Otto Gronau, Borsigender. 9/9 Weißensee, Langhansftraße 137, wohnhaft. Ehre seinem Andenken! DieEinäscherung findet a. Freitag, den 19. Ottober, nachm. 22 Uhr, im Krematorium Wilmersdorfftatt KrausePianos Zur W. Sindemann, Miete Schriftführer. Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Bei dem Umtausch unserer gekündigten und noch nicht eingelösten, sowie der bisher noch nicht gekündigten Zentral- Pfandbriefe und Kommunal- Obligationen aller Jahrgänge von 1886 bis 1912 beträgt die von uns angebotene Aufwertung, entsprechend dem letzten Börsenkurse unserer neuen wertbeständigen Zentral- Roggenpfandbriefe von 6 Milliarden Mark pro Zentner das 30 000 fache des Nennwertes. Der Umtausch kann, wie wir in Erinnerung bringen, bis spätestens 15. November d. J. an unserer Kasse durch Einreichung der Pfandbriefe und Obligationen geltend gemacht werden. 139/1 Preußische Zentral- Bodenkredit- Aktiengesellschaft. Kr. 467 ❖ 40. Jahrgang Seilage Ses Vorwärts Donnerstag, 16. Oktober 1023 Mus Stoppelfahrt. Die Arbeitslosigkeit steigt von Tag zu Tag: gleich einem furcht- baren Gespenst bedroht sie die Schaffenden. Das Volk hungert bei gefüllten Scheunen! Unerschwinglich werden die Preise für die nötigsten Lebensmittel. Unsere nicht auf Dienstleistung, sondern vor allem Profit eingestellte Wirtschaft ist so verrottet, daß sie Zu- stände schafft, die die Massen zur Verzweiflung treiben müssen. Noch gehen Tausende und aber Taufende aus den großen Städten hinaus auf das Land, um in ehrlicher Arbeit eine geringe Menge von Feldfrüchten zu erwerben. Männer und Frauen verdingen sich als Kartoffelbuddler und nehmen ihren Lohn in Naturalien heim. Andere wieder gehen„stoppeln", d. h. sie halten Nachlese auf den Feldern und begnügen sich mit dem, was bei der Ernte übrig blieb. Es ist ein« furchtbare Strapaze, die diese Menschen Tag um Tag ertragen, um des nackten Lebens willen, sticht so sehr die Arbeit, als der oft stundenlang« Weg in Nüsse und Kälte, und der Hunger ist es, der dies« Art von Broterwerb so anstrengend und nieder- drückend macht. Der Weg zum kartoffelfelö. Morgens 4,51 Uhr, der erste Zug von Pankow-Schönhausen nach Bernau. Er ist gedrängt voll von Menschen, die mit Hacken und Rucksäcken bewaffnet sind: kartoffelbuddler und Sloppler. Die Trittbretter, die Bremserkästen, olles ist voll. Man ist glücklich, über- Haupt noch«inen Platz zu erwischen. Auf allen Bahnhöfen steigen noch Menschen zu, bis Buch, wo die ersten aussteigen. Der größte Teil fährt bis Bernau. Fast ebenso geht es mit den nachfolgenden Zügen bis zum Mittag, nur daß diese dann nicht ganz so voll sind. In dichten Scharen strömen die Menschen in Bernau vom Bahnhof und gehen nach allen Richtungen auseinander. Die größten Massen machen sich auf den Marsch noch den Gütern Albertshof und Börnicke. Im Eilmarsche gehts dahin, jeder will der erste auf dem Felde sein, um die größte Aussicht auf erfolgreiches Stoppeln zu haben. Wenn man Glück hat, kann das Stoppeln gleich beginnen. Größtenteils ist aber morgens noch kein Schlag"frei, und die Suche danach geht los. Die Arbeit auf öem Jelöe. Hat man nun endlich ein zum Stoppeln freigegebenes Feld gefunden, so fängt die Arbeit an. Taufende von Menschen, vom Schulkinde bis zum Greise, fallen mit ihren Lzacken über die Aecker her. Die seltsamsten Werkzeuge werden da verwandt, denn nicht jeder ist glücklicher Besitzer einer Hack«. Sie kostet einige hundert Millionen, und das ist für viele unerschwinglich. So haben manche zur Kohlenschaufel oder zum Feuerhaken gegriffen, andere wieder nehmen einen Spaten,«ine Picke, oder haben an einen Besenstiel ein Brett befestigt, durch das einige lange Nägel geschlagen sind. Jeder einzelne ist bestrebt, möglichst viel von den so kostbaren Kartoffeln zu finden. Ein« mühselig« Arbeit! Stunden. lang muh jeder hacken. Jede Kartoffel, und sei sie auch nur so groß wie ein« Murmel, die ein Bauer kaum noch für sein Vieh nimmt, wird aufgelesen, davon können doch noch Pellkartoffeln gekocht werden. In der Hitze des Gefechts kommt es oft vor, daß die Stoppler zu dicht an die Buddler herankommen. Immer wieder werden die Stoppler von ihnen zurückgedrängt, manchmal hin und her getrieben, wie das liebe Vieh. Manchem Waghalsigen ist hierbei schon die Hacke abgenommen worden.' Oft kommt es auch vor, daß einige geradezu in die Stauden gehen, um möglichst schnell ihren Sack voll zu haben. Warum aber begeben sich die armen Menschen einiger Kartoffeln wegen in Lebensgefahr? Nur die äußerste Not treibt sie dazu: denn die meisten können sich nicht genügend Brot mitnehmen, da sie arbeitslos sind: sie sind also zufrieden, wenn sie recht schnell mit Kartoffeln nach Hause kommen. Werden sie von einem Wächter gefaßt, so sind sie ihre Kartoffeln wieder los. Der Rückmarfth. In stundenlangem Marsche gehts mit der Last wieder zum Bahnhof zurück. Einer hat viel, der andere weniger. Stöhnend schleppen sich die Menschen, sogar ganz alte Leute, mit ihrer müh- selig zusammengestöppelten Last. Oft genug müssen sie am Wege absetzen und rasten. Einer hilft dem anderen wieder die Last auf. Nur wenig« sind so glücklich, auf einem kleinen, oft selbst zurecht- gebastelten Wagen ihre Last fahren zu können. Alle atmen erleichtert auf, wenn der Bahnhof erreicht ist. Nur zwei Wagen der 4. Klasse sind an den Zug gehängt, in die die Stoppler einsteigen sollen. Natürlich reichen st« bei weitem nicht aus. Die Wagen der 3. Klasse werden vorsorglich von den Bahn- beamten verschlossen, damit die Stoppler nicht mit dem anderen Publikum in Berührung kommen. Sie müssen in den zwei Wagen der 4. Klasse wie das Vieh zusammengepfercht fahren. Wenn die Vahnverwaltung venneiden will, daß die anderen Mitreisenden durch die Kartoffelsäcke beschmutzt werden, sollt« sie doch wenigstens mehr Wagen 4. Klasse anhängen und den täglichen Reibereien wäre ab- geholfen. Jeder freut sich, wenn er endlich mit seinen Kartoffeln nach den langen Strapazen auf seinem Zielbahnhof angelangt ist. Nun kann er wieder einige Tag« leben, auch wenn er beim nächsten Male mit weniger Erfolg vom Stoppeln heimkehren sollte. -» Viel« schaffen nun Tdg um Tag, von der bittersten Not ge- zwungen auf die gleiche Art. Sie sind froh, überhaupt noch einen bescheidene Verdienstmöglichkeit gefunden zu haben. Mit Grauen sehen sie dem Winter entgegen. Zahlreiche Männer meiden ihre Behausung, sie können den Anblick der Frau und der Kinder, die täglich elender werden, nicht mehr ertragen.„Die Decke fällt uns auf den Kopf", sagten sie. Sie fühlen sich verpflichtet, für ihre Lieben zu sorgen und die Möglichkeit dazu wird immer geringer. Dabei müßten eigentlich nicht genug Hände da sein, um zu schaffen, denn wir leiden in Deutschland Mangel am nötigsten. Der Bedarf der Masse ist nur„gedeckt", weil die Zahl derer, die noch kaufen können, täglich geringer wird. So sind denn die Scharen der „Kartoffelstoppler", die hinausziehen, um in der Zeit hochentwickelter Technik mit den primitivsten Hilfsmitteln kargen Lebensunterhalt zu erwerben, eine furchtbare Anklage gegen das kapitalistische Wirt- schaftssystem und alle die, denen jedes Mittel recht ist, eine Vernunft- gemäße Aenderung zu sabotieren. Die volksspeifungsaktion. Laufende Spenden sind notwendig. Vom Preußischen Pressedienst wird jetzt einiges über die Vor- bercitungen für die große Volksspeisungsaktion mitgeteilt. Danach haben die Sammlimgen im Lande bereits«in« sehr erfreuliche Höhe erreicht. Bei einer Reihe großer Zeitungen, ferner durch die Samm. langen der einzelnen Ministerien, bei den städtischen Kassen in Berlin und der Provinz sind die Eingänge im täglichen Wachsen begriffen. An den preußischen Börsen sind Zeichnung s- listen aufgelegt worden, die sehr hohe Ziffern, zumeist in Dollar- betrögen, ergeben haben. Die Anforderungen aber, die angesichts der rapide fortschreitenden Teuerung und der Arbeitslosigkeit an die Städte gestellt werden, die als ausübende Organ« des Staates die Speisung durchzuführen haben, sind in einem Maße angewachsen, daß auch die großen einmaligen Spenden natürlich nicht den dauern- den Fortgang m:d die dringend notwendige tägliche weitere Aus- gestaltung der Volksspeisung gewährleisten können. Es ergeht des- halb der dringende Ruf an die Bevölkerung in Stadt und Land, an die überall durch die Plakate mit dem Aufruf des Preußischen Staatsministeriums bekanntgegebenen Stellen, wenn irgend möglich, laufend Geld und Lebensmittelspenden zu über- weisen, auf daß der zunehmenden Verelendung und dem bitteren Hunger wachsender Teile des Volkes mit hilfreicher Hand wirksam begegnet werden kann. Im übrigen sei auch daran erinnert, daß die Preußische Staatsbank auf dem Konto„Volksspeisung" Zahlungen entgegennimmt. Die Ausgabestellen der städtischen Volksspeisung. Der Ausschuß für Voltsspeisung teilt mit: Die ungünstig« wirt- schaftliche Lage macht es notwendig, die minderbemittelte Berliner Bevölkerung auf die in Groß-Berlin bestehenden Ausgabe- stellen der städtischen Volksspeisung erneut aufmerksam zu machen. Die Ausgabe der Speisen erfolgt im allgemeinen von 11)4 Uhr vormittags bis 1)4 Uhr nachmittags. Die Speisen können sowohl in den Ausgabestellen selbst verzehrt als auch in mitgebrach- ten Gefäßen nach Hause abgeholt werden. Notwendig ist allerdings, daß die Bons zum Empfang der Speisen stets zwei Tage vor dem Speisungstage gelöst werden. Der Preis für ein« Literportion be- trägt zurzeit 11200000 Mark. Die Ausgabestellen befinden sich: Bezirksamk I— VI: Tresckowstr. 11, Schwedtcr Str. 232, Stadt- bahnbogen 100(Dirckfenstr.), Schmidftr. 36, Beuthstr. 10, Bremer Str. 13/17, Alt-Moabit 23, Steinmetzstr. 79, Eraunstr. 11, Müller- straße 158/159, Höchstestr. 34/35, Landsberger Allee 59, Langeftr. 70, Memsler Str. 24/25, Waldemarstr. 77, Alte Iokobstr. 127, M'ttcn- walder Str. 24/26. /Bezirksamt Eharlottenburg: Werner-Siemens- Str. 14/18, Kantstr. 140, Sophie-Charlotte-Str. 09/70. Bezirksamt Spandau: Friedrichftr. 2, Wilhelmstadt(Bewahranstalt), Gartenstadt, Lewaldstraße. Bezirksamt Wlmersdarf: Wilhelmsaue 2(Deutsch- Hort). Bezirksamt Schöneberg: Grunewaldftr. 30. Bezirksamt Steglitz: Friesenstr., Lichterfelde: Rathaus. Baracke, Lankwitz: Schul- straße(Gemeindeschulc). Bezirksamt Tempelhsf: Wsrderstr. 7, Mariendarf: Rathaus, Marienfelde: Dorfftr. 53, Lichtenrade: Dorf- straße(Alte Schule). Bezirksamt Neukölln: Berliner Str. 70, Kannerftr. 40. Bezirksamt Treptow: Norden: Bouchestr.(Schule), Mitte: Rathaus, Süden: Bnumschulenstr.(Lyzeum), Niederfchöne- weide: Berliner Str.(Gem.-Schule), Johannisthal: Kaiser-Wilhelm- Str. 4/5, Altglienicke: Rathaus, Adlerohof: Rathaus, Oberschöne- weide: Rathaus. Bezirksamt Köpenick: Dorotbeenschule Freiheit, Friedrichshagen: Friedrichftr. 97. Bezirksamt Lichtenberg: Möllen- dorfftr. 5/0, Holteistr. 6, Thürrfchmidtstr. 8, Friedrichsfslde: Berliner Str. 25, Kartshorst: Gundelfinger Str.(Schule). Bezirksamt Weißcnfee: Lothringer Str. 34, Langhonnsstr. 102. Bezirksamt Pankow: Floraftr. Bezirksamt Beinickendarf: Kopenhagenstr. 98, Scharnweberstr. 114, Refidenzstr. 51, Tegel: Hauptstr., Hermsdorf: Roonstr.(Turnhalle), Borsigwalde: Konradstr.(Schule), Wittenau: Rofenthaler Str. 15. Raubüberfall auf ekne Greisin. Die Tak zweier Frauen. Auf der Anklagebank vor dein Schwurgericht des Land. gerichts III erschienen zwei Frauen; die«ine, Else Tarno- o: u s, ein ISjShriges schwächliches Mädchen, die wie die Unschuld vom Lande aussieht, die ander« die 40jährige Frau Ida Siegel, der echte Typ der Kuppelmutter. Beide Frauen sind des versuchten Raubes beschuldigt. Ihr Opfer?t eine 70jährig« Witwe Rienkirchner. Else Tarnovius war schon im frühen Alter auf die ab- schüsstge Bahn geraten. Auf einem Witwenball lernte sie die Siegel kennen, die sie bei sich aufnahm, das jung« Mädchen zur Unzucht anhielt und selbst auf den Männersang st« begleitete. Else lernie auf chren nächtlichen Gängen«inen älteren Handwerker kennen, der Zuneigung zu ihr faßte und sie heiraten wollte. Seine guten Vorsätze scheiterten aber an der Berdorbenheit des Mädchens. Später for.d sie bei Frau Rienkirchner Unterkommen. Die alte Dome nahm sich des jungen Mädchens liebevoll an und behandelte sie wie ihre Tochter. Elfe aber führte Frau Siegel bei Frau Rienkirchner ein. Als die Gveisin sich über ein Stoffpaket beugte, packte die Tar- nooius sie von hinten bei der Kehl« und versuchte, ihr einen Knebel in den Mund zu stopfen. Die Siegel stand mit der Paietfchnur daneben bereit, Frau Rienkirchner zu fesseln oder auch zu erdrosseln, um sich der Wertfachen der alten Frau zu be- mächtigen. E» gelang Frau Rienkirchner jedoch, sich der Verbreche- rinnen zu«wehren und die Näubcrinnen festnehmen zu lassen. Else Tarnovius bestritt unter Tränen, daß sse die Greisin hätte ermorden wollen. Sie hätte nur einen Diebstahl beabsichtigt. Ida Siegel leugnete dagegen jede Teilnahme an dem Raubüberfall. Sie habe nicht mltm eichen wollen. Während der Staatsanwalt be- antragt«, beide Angeklagte unter Derfagung mildernder Umstände schuldig zu sprechen, machte Rechtsanwalt Dr. T h e m a l für Elfe Tarnovius die furchtbare Umgebung, in dem die Angeklagte aufge- wachsen sei, als Milderungsgrund geltsnd. Unter 13 Geschwistern lebend, um die sich der Vater wenig gekümmert habe, sei sie noch dem Tode der Mutter von ihrem eigenen Vater als 15jähriges Mädchen mißbraucht werden. Aus Rache habe sie den Dater dann bestohlen und sei auf diese Weise in üble Gesellschaft geraten. So hatte Else Tarnovius den Wag auf die Straße und zum Verbrechen gesunden. Ihr Verhängnis habe sie dann in die Arme der Siegel geführt; in dieser Hölle sei der letzte Funk« von Ehrlichkeit in ihr erstickt worden.— Rechtsnnwalt Dr. Baecker stellt« im Gegensatz dazu Frau Siegell als das verführt« Opfer der jüngeren Angeklagten dar. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten schuldig des versuchten Raubes, billigten jedoch beiden mildernde Umstände zu. Das Gericht oerurteilte Else Tarnovius, bei der ihr« Borstrafen in Betracht kamen, zu 5 Iahren 0 Monaten Gefängnis. Ida Siegel zu 3 Iahren Gefängnis. Beiden wurden die bürgerliche i« Ehrenrecht« auf drei Jahre abgesprochen. Strafver- schärfend war bei der Urieilsbemessung die Bestialität des Ueber- falles auf ein« alte wehrlose Frau. Owrlxtit Qeorg Müller, München. 1] Die Lofoifischer. Honten von Johan Dozer. 1. Das Dorf war schon in blaßblaue Dämmerung gesunken, und als die Glocke auf dem Lindenhof die Arbeiter zum Feier- abend nach Hause rief, zogen die Töne wie ein Abendlied über Fjord und Berge hin. Die Häusler auf den weiten, gelben Kornfeldern strafften den Rücken, nahmen den Eßkorb in die eine 5)and und di? Sichel in die andere, und während sie trupp- weise ihren Häusern zugingen, färbten sich ihre Gesichter rot im Widerschein der brennenden Wolkenbänke, die hinter dem Fjord im Westen über den Schneebergen emporstiegen. Wie eine alte Burg lag der Lindenhof auf einer Anhöhe. Die Fenster des großen, weißen Wohnhauses flammten zum Abendhimmel hinüber, Garten und Park erstreckten sich fast bis an die See, im Hintergründe lagen die vielen roten Wirt- schaftsgebäudc wie eine kleine Stadt für sich. Es war, als habe dieses große Gehöft die anderen Höfe an den Auhenrand des Kirchspiels gedrückt, im Osten bis an die bewaldeten Höhen, wo die kleineren Bauerngüter sich an den Hügeln fest- klammerten, und im Norden bis an die kahlen blauen Berge am Meer. Und wenn die Glocke auf dem Lindenhofe erklang, dann läutete es gleich darauf auch von den anderen Höfen im ganzen Kirchspiel. Die Häusler wohnten in den kleinen Fischerhütten, von denen jede von einem kleinen Land umgeben war. draußen an dem eisengrauen Fjord. Sie mußten viele Wochen im Jahre auf dem Haupthof Pflichtarbeit tun und besorgten ihre kleine Wirtschaft, wenn sie abends heimkamen, und doch mußten sie ihre eigentliche Nahrung auf der See suchen. Im Herbst zogen sie auf Heringsfang aus, im Winter segelten sie die Hunderte von Meilen im offenen Boot nach dem Lofot hinauf, vielleicht weil der Verdienst sie lockte, vielleicht aber auch, weil sie draußen auf dem Meere freie Männer waren. Auf einem der großen Gerstenfelder war heute abend ein Mensch zurückgeblieben. Vom Lindenhof sah er nur wie ein dunkler Punkt in all dem Gelb aus, aber es war eine Frau, die Häuslersfrau Marja Myran. Das Korn auf dem Haupt- Hof zu schneiden war Pflicht, und obwohl Maal*) Feld ein reichliches Tagewerk ist, hatte Marja heute zwei Maal ge- schnitten. Jetzt wollte sie mit dem letzten kleinen Stück noch fertig werden, ehe sie ging, aber sie scheute sich, sich aufzu- richten, denn dann würde sie vielleicht zusammenbrechen. Die Sichel blinkte und schnitt, das feuchte Korn wurde von roten, ausgeschwollenen Händen in einen Rock gesammelt, der schon längst durchnäßt war. Die schmächtige Gestalt in dem grauen Kleide hatte so weiche Bewegungen, das schwarze Kopftuch glitt immer von neuem in den Nacken hinunter, aber jedesmal schob sie es wieder� nach oben mit� derselben Hand, die die Sichel hielt. Sie hatte seit heute früh fast keinen Bisten genossen, und jetzt schmerzte nicht nur der Rücken, jetzt begann es üuch unter der Brust zu saugen und zu stechen. Ganz dicht bei ihr lag in einem Haufen Garben ein Bündel, das sich dann und wann bewegte und lallte. Zuletzt war auch ein leises Wimmern hörbar geworden, und die Schnitterin dachte: Er hat wohl Hunger, aber er muß warten. Der Junge hatte die Decken, die die Mutter über ihn ge- breitet, wcggestrampelt, und jetzt streckte er ein dralles Beinchen in die Luft und versuchte seine eigenen Zehen zu ergreifen. Darüber kann man wohl vieles sagen, und deshalb plapperte er immerfort: do, do, do, und la, la, la, ab«r weinerlich blieb er doch. Dabei entblößte er auch die dicken kleinen Schenkel und lag nun frierend da; warum sollte er da nicht brüllen, daß die Mutter ihn hören mußte? Aber die Sichel klang, klang ohne Unterlaß. Das Kind wimmerte eine Weile, sog dann wieder an seinem eigenen Finger und blickte in den Himmel hinauf. Die Wolken waren an der einen Seite viele dunkle und häßliche Männer, aber weiter hinten sahen sie so rot und sanft aus, und hoch oben war eine blaue Tiefe, in die die Augen weiter und immer weiter hineinsanken, und in dieser Tiefe begannen kleine Lichter aufzublinken. Das Kind versuchte mit diesen Lichtern zu schwatzen und sagte: la, la und ba, ba! Dann streckte es eine dralle Hand aus und versuchte eins von ihnen zu fangen, aber es konnte nicht so weit reichen. Da wollte es sich aufrichten, um näher heranzukommen, aber es sank nur tiefer in das Korn hinein, und eine Aehre legte sich quer über sein Gesicht. Die dralle Hand faßt« die Aehre und schleuderte sie beiseite, aber das *) Maal— eine Fläch« von 2500 Quadratmetern. ganze kleine Gesicht verzerrte sich vor Wut. Man kann wahr- haftig von seinem Unglück überwältigt werden, und es er- tönte ein Jammergeschrei. Die Mutter schnitt und schnitt. Es bangte ihr jetzt vor dem Fertigwerden, denn dann mußte sie sich aufrichten. Da verstummte das Kind wieder. Seine Augen waren ganz groß geworden. Es wußte nicht, daß die Sterne dort oben sich darin spiegelten. Aber über den dunklen Höhen im Osten stand jetzt ein halber Goldring. Der war so blank, so blank, und wieder streckte das Kind die Hände aus. Die kleinen Schenkel vergaßen, daß sie froren, die Beine und auch die Arme standen steif in die Luft, es war, als wolle der ganze kleine Körper sich heben und Hinaufsliegen und spielen. Schließlich bekam der goldene Ring ein Gesicht wie Groß- mutier, und als das Kind das herausgefunden hatte, begann es zu lachen. Da band die Mutter die letzte Garbe zusammen, strich sich mit der einen Hand über den Rücken und mit der anderen über die Augen und richtete sich auf, aber sie taumelte auf un- sicheren Füßen. Endlich wankte sie nach dem Garbenhaufen, wo das Kind lag, hob es auf und setzte sich, um ihm Milch zu geben. Sie sank ttefer und immer tiefer in den weichen Korn- hausen ein, die Garben gaben ihrem Rücken eine so gute Stütze. Und der Kleine vergaß Mond und Wolken und lag mst geschlossenen Augen da und sog an Mutters warmer Brust. „Armer, kleiner Kerl!" murmelte sie und versuchte ihn anzuläckeln, aber auch ihre eigenen Augen wollten fort» währeno zufallen. Der Mond über den Höhen im Osten war silberblank ge- worden, der Tau auf den Feldern glitzerte und funkelte, ein Duft von reifen Aehren und herber Ackererde stieg auf. Aber das müde Weib saß hier allein im Abend und wünschte, es käme einer und trüge sie nach Hause. Jetzt, da das Kind die Brust bekam, empfand sie den Hunger stärker, und der Rücken schmerzte, als sauge das Kind von ihrem Rückenmark. Aber sie hüllte es sorglicher in das wollene Tuch, hob die Lider und ruhte aus in dem friedlichen Bilde, das sie vor sich sah: das üppig grünende Dorf im blauen Abenddämmern, die vielen Lichter von den Höfen, das fruchtbare Feld um sie her, die dunklen Waldeshöhen, das alles war so heimisch und lieb, und ihr war es eine Wohltat, daß der Geruch und das Getöse der See nicht bis hierher drangen,(Fortsetzung folgt.) Die beraubten Pakete. Maffendiebstähle im Postamt Wilmersdorf. Sin Aufsehen erregender massendiebstahlsprozeß gegen die Diebe im Postamt Wilmersdorf wird augen blicklich verhandelt. Bei dem Hauptangeklagten Kirsten wurde bei einer Haussuchung ein richtiges Warenlager gefunden, das aus bei einer Haussuchung ein richtiges Warenlager gefunden, das aus zahlreichen Kleidungsstüden sowie aus Lebensmitteln bestand. Kirsten hatte einen besonders starten Bedarf, weil er außer seiner Frau noch seine Geliebte, die Mitangeflagie Ottilie Bertram, zu versorgen hatte. Die Angeklagten verteidigten sich zum Teil damit, daß fie die bei ihnen gefundenen Sachen von auswärts wohnenden Berwandten erhalten hätten. Sie hätten die Batete nicht geöffnet, sondern es habe sich um beschädigte Bafete gehandelt, aus denen die Sachen herausgefallen waren. Sie hätten höchstens einmal die vor handenen Risse künstlich erweitert. Ein Haupttrick der Angeklagten war es, daß sie an sich selbst Patete ab [ andten, die dann auch bei ihnen zu Hause ordnungsmäßig be. bellt wurden. Diese Batete waren mit Holzwolle oder irgendeinem wertlosen Inhalt gefüllt. Sie wurten dann jorg fältig geöffnet, die Umhüllung mit der Adresse zusammengefaltet und heimlich zum Postamt mitgenommen. Dort wurden bann neue Pafete mit wertvollem Inhalt fertiggestellt und so fiel es nicht auf, wenn sie diese neu gefüllten Batete nun wieder aus dem Bostamt mitnahmen. Großes Interesse erregte besonders bie Bernehmung des Betriebsrats Kirsten. Vors.: Wurden Sie nicht der kleine König vom Bostamt Wilmersdorf" genannt? und haben Sie nicht als Betriebsrat jeden zur Entlassung gebracht, der nicht mitstehlen wollte? Angefl.: Ich weiß nichts davon, daß ich der König vom Bostamt Wilmersdorf genannt wurde. Stirften behauptet, daß er nicht in größerem Umfange als alle ande ren gestohlen habe. Der Post direttor habe nichts gegen die Beruntreuungen veranlaßt, es sei auch teine Kontrolle vorhanden gewesen. Das Gehalt sei fo niedrig gewesen, daß die Unterbeamten damit nicht hätten ausfommen fönnen. Der Angeklagte Behrendt bestreitet jest jede Schuld. R.-A. Bahn beantragt, den Nervenarzt Dr. LevySuhr zu vernehmen. Behrendt habe den Krieg mitgemacht und leide an Nerven- und Gedächtnisschwäche. Ich behalte mir vor, einen Antrag auf§ 51 zu stellen. Das Gericht beschloß die Ladung. Die meisten Angeklagten geben im wesentlichen zu, Batete beraubt zu haben. Es feien aber auch Bafete teilweise fünftlich beschä digt worden. Die Beweisaufnahme ergibt dann ein buntes Bild von den unglaublichen Mengen, die entwendet wor den sind. Nicht nur Lebensmittel, Schuhwaren und Bekleidungsgegenstände, sondern auch Spigenwäsche, filberne Löffel und andere Gegenstände wurden gestohlen. Mit Schuhwaren wurde geradezu ein schwunghafter Handel getrieben. In der weiteren Bernehmung suchten die Angeklagten sich zum Teil gegenseitig zu belaften. Einzelne bestreiten dagegen jede Schuld. Der Prozeß geht weiter. tet. Der gestörte Gänseschmans. Arbeiterbildungsschule. walder Straße und vor einer Schächterei in der Goldiner Straße fam es zu Ansammlungen, die die Ladeninhaber veran Heute, Donnerstag abend, beginnen folgende Kurse: Sozialwiffen- laßten, ihre Waren freiwillig zu verteilen. Beim Erfchaftliches Seminar: Redakteur Genosse Stein Arbeitsgeminfchaft, scheinen der Polizei ergriffen die Demonstranten die Flucht, von 7-9 Uhr im Warteraum der Juristischen Sprechstunde, Linden zwei Personen konnten jedoch festgenommen werden. Zu Ansammstraße 3, 1. Hof. Kultur und Arbeiterbewegung: Professor Kesten- lungen fam es in den Mittagsstunden auch in Neukölln, wo berg- Arbeitsgemeinschaft von 7-9 Uhr in der Sophienschule, sich auf dem Kranolèsplatz etwa 400 bis 500 Grwerbslose verWeninmeisterstr. 16-17. Wirtschaftsgeschichte: Genosse Bern- Mener sammelten, die gegenüber den Händlern auf dem Lebensmittelmarkt Vortragsreihe, von 7-9 Uhr in Kaulsdorf, Zeichensaal der eine ziemlich drohende Haltung einnahmen. Das Plünderungskom32. Gemeindeschule, Adolfftr. 25. Morgen, Freitag, den 19. Of mando der Polizeiinspektion Neukölln war bald zur Stelle und zertober, schließen sich an: Margsche Geschichtstheorie: Genoffe Theodor fträute die Ansammlung. Im übrigen ist der gestrige Tag ruhig Raschle Vortragsreihe, von 7%-9 Uhr in der 71. Gemeinde- verlaufen. schule, Fruchtstr. 38. Weltwirtschaftliche Fragen"; Historisch- ökono misches Seminar: Genosse Mag Grunwald Arbeitsgemeinschaft, Großfeuer bei Orenstein u. Koppel. In der Revolverdreheret von 7½- 9 Uhr, Neukölln, Mädchen- Mittelschule, Donaustraße. von Drenstein u. Koppel in Now awes brach gestern früh ein Geschichte und Theorie der deutschen Arbeiterbewgung: Genosse großes Schadenfeuer aus. Die ölgetränkten Instrumente Klühs Bortragsreihe, von 7-9 Uhr, Lichtenberg in der Biblio- ber Dreherei boten dem Umgreifen des Feuers immer größere ther Weichselstraße. Wirtschaftsfragen der Gegenwart: Genosse Dr. Nahrung. Das Gebäude der Dreherei ist vollständig zerWerner Günther Vortragsreihe, von 7-9 Uhr, Weißenfee im stört. Realgymnasium, Woeldpromenade. Genoffinnen und Genossen! Besucht eure Schule! Schmiedet Waffen und rüstet für den geistigen Berlin teilt mit: Nach dem amtlichen Dollarstand vom 17. Oftober Die Kohlenpreise ab 18. Oftober. Das Kohlenamt der Stadt Rampf! stellen sich die Verkaufspreise für Brifetts und Stols ab 18. Ditober wie folgt: Küchen- und Ofenbrand, Briketts ab Lager 1737 Millionen, frei Steller 1814 Millionen; Gastots ab Lager 4021 Millionen, frei Keller 4110 Millionen; bei fuhrenweiser Liefe rung Briketts ab Lager 1737 Millionen, frei Seller 1802 Millionen; Gastols ab Lager 4021 Millionen, frei Keller 4098 Millionen. Gleichzeitig gibt das Koblenamt bekannt: Im Hinblick auf die allgemeine wirtschaftliche Lage des Koblenmarktes wird, vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs, ab 18. Oftober Abschnitt 9 der. 5- Bentner- Kohlenfarte, und Abschnitte 8-10 der 10-70-8entner Kohlentarte mit der doppelten Menge zur Belieferung freigegeben. Die Schulen werden geheizt. Die Deputation für das Schul wefen teilt mit, daß sofort mit der Heizung der Schulräume begonnen wird. POSTABONNENTEN Der Vorwärts ist jetzt monatlich zu bestellen und zu bezahlen. Wer auch im nächsten Monat Wert auf eine regelmäßige Zustellung des Vorwärts legt und eine Unterbrechung der Zustellung vermeiden möchte, muß die Erneuerung des Postbezuges so fort bei seinem zuständigen Postamt vornehmen Vorwärts- Verlag G.m.b.H. Zum Thema Gasablesung. Proletarisches Kulturkartell Wedding. Am Donnerstag, 18. Dt., abends 4,8 Uhr, spricht im Jugendheim, Schönstedtstraße 1, 5 Treppen( Brunnenplay), Genosse Artur Krämer über das Thema: Proletarische Jugendbewegung und Freie Boltsbühne". Eintritt unentgeltlich! Jubiläum. Genosse Paul Nözel, Gleimstr. 9, begeht heute mit feiner Gattin die Silberne Hochzeit. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand! Sonnabend, den 20. Oftober, abends 6 Uhr, Sigung des Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der„ Borwärts- Redaktion, Lindenstraße 3. Stadtverordnetenfraktion! Die Mitglieder der Frattion treffen sich heute um 4% Uhr pünktfich im Rathaus zu einer wichtigen Besprechung. Alle Mitglieder der Frattion müssen anwesend sein. Ein Borwärts"-Leser, der sein Gas von der Gasbetriebsgesellschaft( Berlin, Gitschiner Straße) bezieht, schreibt uns: Wie alle Waren im Preise steigen, so erhöhen sich auch von Woche zu Woche die Preise für Gas, und die Interessenten haben, aber gegen ein Einziehungsverfahren, bei dem die Ablesung des wenn auch unwillig, bisher bezahlt. Einspruch erheben muß man Gaszählers perspätet erfolgt und erst dann ausgeführt ses stattgefunden hat. Kurz vor dem 22. September wurde der mird, wenn eine abermalige Erhöhung des Gasprei Gaspreis erhöht und nach erfolgter Erhöhung bei mir der Berbrauch des Gases festgestellt, und ich mußte den nunmehr erhöhten Preis zahlen. In der Zeit vom 22. September bis zum 15. Oftober, also in über drei Wochen, ließ sich kein Mensch sehen. Erst als ab 15. Oftober der Preis für ein Subitmeter auf 100 Millionen Mart Drei Billeneinbrecher und Geflügeldiebe wurden furz vor der in die Höhe ging, trafen an demselben Tage gegen mittag gleich Beranstaltung eines Gänseeffens in Friedrichshagen verhaf Dort und in dem benachbarten schönen Eiche wurde in der wei Beamte zusammen ein, die den Gasverbrauch feststellten und mir auch den erhöhten Preis abverlangten. Bei den größeren Ablegten Zeit fortwährend Geflügel in großer Menge ge- nehmern in demselben Hause war die Ablefung des Zählers bereits stohlen. Gänse und Hühner wurden stets an Ort und Stelle ge am 12. Oftober vomittags erfolgt, also wurden in einem und schlachtet. Dazu tamen zwei große Billeneinbrüche, bei demselben Hause von einer und derselben Gesellschaft den Abbenen den Tätern Kleider, Betten und Wäsche in die Hände fielen. nehmern 3 weierlei Preise gemacht. Wie kann sich nun der Die Ermittelungen der Kriminalpolizei lenkten den Verdacht auf Abnehmer gegen ein solches Verfahren schützen? Bezahle ich nicht, einen Mann in Friedrichshagen, der als ein 30 Jahre alter Fräser wird mir der Gasmesser abgeholt, so daß ein Druck ausgeübt wird, August Cheinowsti aus der Köpenider Straße festgestellt wie er schlimmer nicht gedacht werden fann. Der Brief fordert, daß wurde. Als die Beamten ihm einen unerwarteten Besuch machten, die in Betracht kommenden Instanzen die breiten Massen des Volkes saßen bei ihm drei junge Burschen, die eine Menge gerupfte Hühner und Gänse vor sich hatten. Einige waren bereits für die vor einer derartigen Uebervorteilung schützen. Noch niemals habe Bratpfanne fertiggemacht und sollten alsbald verspeist werden. Die es zum Guten geführt, wenn die Maffen schutzlos sich selbst überlassen sind und zur Selbsthilfe greifen müffen. Der Verfasser des ganze Gesellschaft wurde festgenommen und nach dem Polizeipräsidium Briefes will den Rest, der bis zum 15. Oktober galt, bezahlen und 121. Abt. Starlshorst. Die von her bteilung ag 8 lil, Zehrer Dr. Jägier; in Berlin gebracht. Die Verhafteten, namens Höhne, Rüb und den Rest schuldig bleiben. Er will abwarten, was die GasbetriebsBiescherner, hatten auch die Beute aus den Billeneinbrüchen noch bei fich. Alle drei find bereits wegen Eigentumsvergehens be gesellschaft dann tun wird. straft und hielten sich wohnungslos in Klein- Schönebec auf. Rüb gab sich für feinen unbestraften Bruder aus, wurde aber bald ents farvt. Biescherner hat noch zwei Jahre Gefängnis zu verbüßen. Die Kindesleiche im Hausflur. Wieder Plünderungen von Bäckerläden. Stellen der Stadt weitere Lebensmitteltramalle ereignet. In den Im Laufe des gestrigen Mittwochs haben sich an mehreren Mittagsstunden drang ein Trupp junger Burschen in die Bäderei von Neumann, Lothringer Straße 16, ergriff aber beim Erscheinen der Polizei schleunigst die Flucht. Gestohlen wurden nur 4 Brote. Dagegen wurde tie Bäderei Lefelt in der hussten. straße 39 völlig ausgeraubt. Die Täter find unerkannt entkommen. Auch vor der Filiale einer Brotfabrit in der Freien( in Millionen Mark) Talg Ein graufiger Fund wurde vorgestern abend in dem Hause Raiserstraße 14 gemacht. Sier stand auf dem Flur hinter der Tür ein unscheinbarer Spantorb. Mehrere Hausbewohner fahen ihn zwar, liegen ihn aber stehen. Als man ihn endlich ein mai öffnete, fand man darin Papier und ein Handtuch und in dieses eingewickelt die Reiche eines Sindes, dem beide Preise und Löhne. Beine abgeschnitten waren. Auch diese fanden sich noch Lebensmittelpreise in der| Margarine in der Umhüllung, wahrscheinlich hat man die Leiche zerstückelt, weil Zentralmarkthalle am 17. 10. Schmalz sie sonst in den Storb nicht hineinging und sich ihrer auf dem Hausflur entledigt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Rindfleisch Das Alier des Kindes, das wohl einige Wochen betragen mag, Kalbfleisch fann erst durch die Obduktion näher festgestellt werden. Die Nad Schweinefleisch forschungen nach der Herkunft des Korbes mit dem unheimlichen Speck Inhalt batten noch fein Ergebnis. Es handelt sich um einen Lebende Zander 55 Zentimeter bohen und 20 8entimeter breiten und tiefen Span torb von der Art, wie sie Obsthändler benuten. Bulegt scheint er Plötzen in Eis zum Tragen von Rohlen gedient au haben. Mitteilungen zur Aale in Eis. Aufklärung nimmt Kriminalkommissar Nebe beim Polizeiamt Seelachs. Mitte am Moltenmarit entgegen.. " Bleie Barsche Schellfisch . 650900 Weizenmehl 600-1200 Weißkohl 1000-1200 Wirsingkohl 1200-1400 Kartoffeln( 10 Pfund) 600-700 Mohrrüben 300-350 500 → 650-900 1100 800-900 2506. Kreis Kreuzberg. Freitag, ben 19. Oktober, pünktlich 7 Uhr, erweiterte Kreisvorstandsfizung bei Reim, Urbanstr. 29. Die Stadtverordneten miljen daran teilnehmen. 7. Kreis Charlottenburg. Donnerstag, den 18. Oktober, 7 Uhr, Areis. mitgliederversammlung in der Schulaula Schillerstr. 26. Referat des Ges noffen Lüdemann, M. d. L., über ,, Die politische Lage". 9. Kreis Wilmersdorf. Die bestellten Konzertkarten fönnen von heute ab vom Genossen Wieprecht, Achenbachstr. 5, abgeholt werden. Heute, Donnerstag, den 18. Oktober: 37. t. 7 Uhr Sigung der Rommunalen Rommission in der Rigaer Str. 103, Bimmer 39. furfe beginnen: 1. Donnerstag Uhr, 2. Bolkswirtschaft, Freitag, den 19. Oftober, 8 Uhr, im Realgymnasium, Trestowallee 44. Alle zu diesen Kursen eingetragenen Mitglieder müssen erscheinen. Weitere Anmeldungen daselbst. Jungsozialisten. Gruppe Treptow: 7 Uhr im Jugendheim, Eisenstr. 3, Bortrag über Staat und Wirtschaft". Referent Dr. Friz Schloß. Gruppe Güden: 7% Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sof links, spricht Genosse v. Riemel über Die Entstehung, Gewinnung und Berwertung der Rohle". Morgen, Freitag, den 19. Oftober: 27. 5t. Pünktlich 7 Uhr in der Schule Sonnenburger Straße wichtige Ronferenz der Parteifunktionäre, Betriebsvertrauensleute und Bezirksver ordneten. Jugendveranstaltungen. Achtung, Mitglieder! Die Nachzahlung zur Theatervorstellung am Sonntag, den 21. b. M., im Neuen Theater am 800 beträgt für Abonnenten 75 Millionen Mart, der Preis für Eingellarten, welche noch zu haben find, 100 Millionen Mark. Heute, Donnerstag, den 18. Oftober, abends 71 Uhr: Gesundbrunnen: Echule Gothenburger Str. 2. Vortrag: Erziehung zum 300 foz. Menschen". Neukölln IV: Botal um Bärwinkel", Steinbockstraße. Bor 70 85 toag: ,, Entstehung des Gozialismus". Fortsegung. Norben: Schule Butbuser Jugendrecht". 80-100 Straße 3. Vortrag: Jugendschuh Genefelder Viertel: 320-350 Badeanstalt Oderberger Str. 57. Bortrag: Das Sozialistengeset". 50-60 weften: Jugendheim Lindenstr. 3. Hermann- Löns- Abend. Wochenlöhne in Berlin 200-275 ( in Millionen Mark) 600-700 Linoleumleger v. 14. b. 20. 10. 14720 Kunstgewerbebetriebe vom 200-250 7. bis 14. 10. 250 Einladung zur außerordentlichen Deutscher Metallarbeiter- Verband Deutscher Metallarbeiter- Verband Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Generalversammlung am Freitag, ben 26. Oftober 1923, abbs. Tagesordnung: 1. Berlefung bes Brotokolls der Generalversammlung vom Bericht und Gelegenheit. Kreuzfüchse, Gilber 7406 CUS Vorträge, Vereine und Versammlungen. Arbeitsgemeinschaft für Kinderfreunde, Neukölln. Freitag abend 7% he wichtige Sigung in der Schule Leffingstraße. 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