Nr.499 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 249 Bezugspreis: Bom 21.- 27. Dttbr. 1400 Miltonen M, Dorans zahlbar. Unter Kreuzband Dom 21-27. Ottober für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet somie Defterreich u. Buremburg 1470 million. fir das flbrige Ausland 1520 Millionen Boftbezugsprets freibleibend. Der Berwärts" mit der Sonntags.. beilage Boll und geit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. -Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 500 Millionen M Anzeigen- Grundpreise: Die ein spaltige Nonpareillezetle 400 Mart. Reklamezeile 2000 Mark. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 120 M.( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 60 M. Stellengesuche das erste Wort 60 M, jedes weitere Wort 50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 M. Alle Grundpreise mal Schlüffelzahl zurzeit 12 millionen. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 25. Oktober 1923 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Französische Einmischung in der Pfalz. Die Sozialdemokratie für Reichstrene. General de Mez für Autonomie. # Ablehnung des Autonomieantrages durch den Kreistag und, wie man mit Sicherheit annehmen darf, durch die überwiegende Mehrheit der pfälzischen Bevölkerung, darf jedoch nicht darüber täuschen, daß die Stimmung der pfälzischen Bevölte. ung gegen Bayern die denkbar schlechteste ist und daß, wenn die Frage so gestellt würde, ob bei einem Ausscheiden Bayerns aus dem Reich oder bei einem weiteren Vorgehen Bayerns gegen die Reichseinheit die Pfalz über ihr Schidsal zu entscheiden haben würde, diese Entscheidung zweifellos im Sinne der 3 u= gehörigkeit zum Reiche und der Ablösung von Bayern ausfallen würde." Die Vorgänge, die sich am gestrigen Tage in der Pfalz| Kreistag mit, daß sich die Parteien über die Erklärung beraten ratungen des Kreistages in eine peinliche Lage geraten ist. Die abspielten, find etwas dunkel, und gewisse Kräfte sind am Wert, wollten. Deshalb vertagte er den Kreistag auf furze Zeit. sie noch mehr zu verdunkeln. Eine wüfte Berleumdungskam- Hierauf meldete sich der Vorsitzende der sozialdemokratipagne hat eingesetzt gegen jene pfälzischen Sozialdemokraten, schen Fraktion des Kreistages, Gastwirt Ober Speyer, zum Wort die für die Bildung eines neuen deutschen Gliedstaates, los und sagte, daß der Abg. Johannes Hoffmann Raiserslautern. gelöst von Bayern, eingetreten sind und noch eintreten. Man der mit dieser Erklärung in Verbindung stünde, im Kreistag das beschuldigt sie des Landesverrats und der Ueberläuferei zu Wort ergreifen würde zur näheren Erläuterung der UmFrankreich. stände, die zu dieser Erklärung geführt haben. Der Kreistag verweigerte mit einer Mehrheit von 13 Sfimmen Hoffmann das Wort. Um 4 Uhr nachmittags, nach der Beratung der Parteien über die Erklärung, die Major Louis, der Vertreter der Rheinlandfommiffion, abgegeben hatte, trat der Kreistag wieder zufammen. Nachdem der Borsigende die Erklärung des Vertreters der Rheinlandtommission nochmals verlesen hatte, bemerkte er folgendes: In de vorliegenden Frage ist der Kreistag der Pfalz nach den geltenden reichsgefeßlichen Bestimmungen(§ 18 der Reichsverfassung) in te in er Weise zuständig. Damit ist der Antrag für uns vor läufig erledigt." # Diese Beschuldigungen sind auf alle Fälle das Gegenteil der Wahrheit. Denn Genosse Hoffmann- Kaiserslautern und die anderen in diesem Zusammenhang genannten Genossen find leidenschaftliche Vorfämpfer der Reichs einheit. lleber ihre Absicht, dem Reich gegenüber dem Borstoß des reaktionären Separatismus zu Hilfe zu tommen, fann nicht der geringste Zweifel bestehen. Es ist richtig und wir haben schon gestern darauf hingewiesen, daß die Bildung eines neuen Gliedstaats an die oraussetzungen des Artikels 18 der Reichsverfassung gebunden ist. Es bleibt ebenso richtig, daß die Pfalz an ihre Verpflich tungen Bayern gegenüber nicht mehr gebunden ist, wenn Ban seine Verpflichtungen dem Reich gegenüber nicht mehr orju. Nachdem sich niemand von den Kreistagsmitgliedern zum Worte gemeldet hatte, erklärte der Vorsitzende zum Schluß: „ Ich habe mich meiner Aufgabe entledigt. Ich bekam vorher die Mitteilung, daß in der Nacht von gestern auf heute sowohl das Sozialdemokratie und Reichseinheit. Der Parteivorstand hat sich in seiner geffrigen Sihung mit den Gefahren für die Reichseinheit beschäftigt, die im Süden und Norden in Erscheinung getreten sind. Es gab teine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die Sozialdemokratische Partei für die Einheit des Reiches tämpfen wird, wie sie es bisher stets und noch zuletzt von Aachen bis Wiesbaden im befehten Gebiet getan hat. uffiärungsbedürftig bleibt die Frage, welche Rolle die Reichskabinett wie auch die bayerische Regierung fich mit der Frage Wahnsinn der Selbstzerstörung. Um 4 Uhr finden Besprechungen von Vertretern verschiedener Rorporationen mit General de Meg statt. Gegen die kommunistische Generalftreifparole. tärischen Ausnahmezustand zu beseitigen, putschen Während sich die Sozialdemokraten bemühen, den mili die Kommunisten in Hamburg, hehen sie in ganz Deutschland zum Generalstreit, versendet ihre Sentrale Instruktionen für die geplante„ Attion". Sie machen damit alle sozialdemokratifchen Bemühungen zunichte. Nachher aber wird es heißen: " Da seht Ihr, daß die Sozialdemokraten nichts können! Nicht einmal den militärischen Ausnahmezustand können sie abschaffen." Rheinlandtommission in dieser Angelegenheit ge- eingehend beschäftigt haben. Die Reichsregierung sowohl wie spielt hat. Von hier hat es den Anschein, als ob sie sich ein- die bayerische Regierung haben bie Bildung eines neuen geschaltet hätte, um einen Plan, der von der Treue zum Staates in jeglicher Form als Landesve rrat abgelehnt." Re ich eingegeben war, in sein Gegenteil zu verdrehen. Wür-( Stürmische Zustimmung der Kreistagsmitglieder und einer großen den unsere Genossen etwas getan haben, was auch nur entfernt Anzahl der Tribünenbesucher.) den Anschein erregt, als hätten sie bei der Rheinlandfommission Anschluß gesucht, so müßten wir das als eine unbegreifliche Ungeschicklichkeit auf das entschiedenste verurteilen, München, 24. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Be-doch scheint es uns verfrüht, ein abschließendes Wort darüber wegung zur Loslösung der Pfalz von Bayern wird zu sprechen. Borsicht ist um so mehr am Blaze, als ein Teil der vor- hier folgendes mitgeteilt: Die Sozialdemokraten Hoffmann, liegenden Nachrichten offenkundig falsch ist. So soll der Kleefoot und Wagner verhandelten mit General de Met, Borsitzende des Kreistags erklärt haben, das Reichskabinett der auf ihre Pläne einging mit der Einschränkung, daß der Es ist notwendig geworden, über das kommunistische Treihabe sich in der vorvergangenen Nacht mit dem geplanten Bor- autonome Pfalz- Staat nur folange im Verbande des Deut ben ein paar offene Worte zu sagen. Bisher hatte es sich der gehen beschäftigt und dieses als„ Landesverrat" zurückgewiesen. Ichen Reiches bleiben solle, als dieses seinen Berpflichtungen gegen Borwärts" zum Prinzip gemacht, die Polemik gegen die Tatsächlich hat das Reichskabinett aber erst gestern nachmittag über Frankreich nachkomme. Nach Abschluß dieser Verhandlungen Kommunisten möglichst zu vermeiden, solange ihre Presse berief General de Metz den Kreistag der Pfalz nach Speyer ein. verboten ist. Denn es ist unsympathisch, einen Gegner von dem ganzen Vorgang etwas erfahren. Was also im einzelnen noch zu sagen sein mag, so steht Der Verlauf der Sigung ist an anderer Stelle miedergegeben. Die anzugreifen, der sich nicht mit der Waffe, die man selber verdoch eines fest: Es ist ein durchsichtiges Manöver der bayerischen Schlußzerklärung des Borfizenden Boyersdörfer wurde von fämt- wendet, der des gedruckten Wortes, wehren kann. Darum, und Reaktion und ihrer Freunde, wenn man die guten Ab- lichen Abgeordneten und dem Publikum mit großem Beifall be- weil uns jede Einschränkung der Pressefreiheit als ein zweisichten unserer Genossen verdächtigt. Sie fämpften und grüßt. Auch die Sozialdemokraten stimmten geschneibiges Mittel erscheint, begrüßten wir das Bieder= fämpfen nicht für Sonderbestrebungen, sondern für die Ein- floffen gegen die Erklärung des Majors Louis, erscheinen der„ Roten Fahne". Bir gewannen jedoch aus der heit und nicht für Frankreich, sondern für Deutschland. weil in diefer Erklärung die wahren Absichten der Fran. Nummer, die ein neues Berbot zur Folge hatte, den Ein3osen flar zutage treten. In dem Borgehen ihrer Parteifreunde druck: Diese Leute legen es geradezu darauf an, Hoffmann und Genossen erblicken sie zunächst die Absicht, eine verboten zu werden. Ludwigshafen, 24. Oftober.( WTB.) Die Pfälzische Stärkung des Reichsgedankens in Bayern herbeizuführen. Sie Damit erreichen sie zweierlei: Erstens erwerben sie sich Boft", das Hauptorgan der pfälzischen Sozialdemokraten, veröffent- lehnen es aber ab, durch dieses Vorgehen den Franzosen billigen Märtyrerruhm, zweitens aber schaffen sie sich damit ficht heute einen Aufruf, der betont, daß die Stunde gelommen dienst bar zu werden. Die bayrische Regierung nicht Kahr die Möglichkeit, den Streit zu verbergen, der in ihrem sei, in der die Pfalz fich von Bayern loslöfen müffe, erläßt einen Aufruf an die pfälzische Bevölkerung, in der sie von eigenen Lager tobt. Während sie fortfahren, die Zersehung nachdem die bayerische Regierung die Reichsverfassung ge- einem Hochverrat" an Bayern spricht. in das sozialdemokratische Lager zu tragen und die BSPD.brochen habe und fich in offener Rebellion gegen die deutsche Aus dieser Mesdung geht hervor, daß sich der französische Linte gegen die verräterische rechte Führerclique" aufzuheben, Republit befinde. Die Vereinigte Sozialdemokratische Partei der General in plumper und unverschämter Weise in eine inner- bleibt verborgen, was sich in ihrem eigenen Hause begibt. Pfalz habe die Initiative ergriffen zur Bildung eines felb- deutsche Angelegenheit eingemischt hat. Hoffmann will In ihrem eigenen Hause begibt sich aber dies, daß die ftändigen Staates im Verbande des Reiches, damit eine Pfalz, die fester zum Reich steht, als fie es innerhalb des verbrecherischen Elemente, die den mitteldeutschen die durch das Vorgehen der bayerischen Machthaber schwer ge- bayerischen Staatsverbandes tun tann, be met will die Aufst and anzettelten, wieder fräftig am Werte sind und fährdete Pfalz dem Deutschen Reiche erhalten bleibe. Die Partei jei autonome" Pfalz, die sich vom Reich loslöst und eine Beute denen das Leben schwer machen, die auch als Kommunisten bemüht, die anderen politischen Parteien der Pfalz zu bewegen, fich des französischen Imperialismus wird. Es ist selbstverständ- vernünftig genug sind, den Wahnsinn eines solchen Unteran der Bildung einer neuen provisorischen Regierung zu beteiligen. lich, daß die ganze deutsche Sozialdemokratie einschließlich der nehmens einzusehen. Und es begibt sich weiter dies, daß der Kreistagsfitung in Speyer. pfälzischen Genossen diesen perfiden Plan bis aufs äußerste bekämpfen wird. der Erklärung: * pentr Spener, 24. Dftober.( Mtb.) Heute vormittag 11 Uhr fand eine Speyer, 24. Oftober.( Mtb.) Ueber die Berhandlungen, die Sitzung des Kreistages der Pfalz statt. Der vertretende Borsitzende Dr. Bonersdörfer richtete zu Beginn der Sigung an zwischen dem französischen Oberdelegierten der Pfalz, General de General de Met die Bitte, daß die Gefangenen baldigst meg, und Vertretern der sozialdemokratischen Partei der Pfalz zur freigelassen werden und die Ausgewiesenen die Hei- Lösung der Pfalz von Bayern und bezüglich der Erklärung der Pfalz mat wiedersehen. Hierauf gab er dem Vertreter der als autonomen Staat geführt worden sind, teilte der Borsitzende des Rheinlandtommission, Major Louis, das Wort zu folgen- pfälzischen Kreistags in der heutigen Gigung folgendes mit: Der Beschluß der französischen Besatzungsbehörde ist in VerIn Anbetracht, daß der gegenwärtige Zustand nicht andauern handlungen zustande gekommen, welche die Herren Bürgermeister fann, ohne schließlich die allernotwendigsten moralischen und ma- leefoot- Ludwigshafen, Wagner- Ludwigshafen und hoff teriellen Interessen der Bevölkerung zu gefährden, in Anbetracht mann Raiserslautern mit General de Meh geführt haben. erner der heutigen unruhigen und gefährlichen Lage Der Borfigende schloß diese Mitteilung mit den Worten:„ Ich in Bayern, ist von heute ab die Pfalz als autonomer Staat mit glaube, daß Sie alle tief erschüttert sind von der Mitteilung, iner provisorischen Regierung bis zur weiteren Entwicklung der die hier gemacht wurde. Eine schwere not ist über uns geEreigniffe gebildet. Dieser autonome Staat verpflichtet sich neuer Fommen. Der heutige Tag wird der entscheidungsvollste ich und unbedingt gegenüber der hohen Interallierten Rheinland in der ganzen Geschichte der Pfalz sein." fommission in Gegenwart und Zukunft zu strengster Loyalität und Mitarbeit für die Erfüllung sämtlicher Ber pfichtungen, welche zur Garantie der geschuldeten Reparationen und der nötigen Sicherheit Frankreichs erforderlich sind. Nachdem Major Louis die Erklärung verlesen hatte, ver ab schiedete er sich und der Vorsitzende Dr. Boyersdörfer teilte dem Segen von Ministerportefeuilles, der in Sachsen und Thürin gen auf einige Parteihäupter niedergegangen ist, die radikale Anhängerschaft stußig gemacht hat, die ja darauf gedrillt ist, überall Arbeiterverrat" zu wittern, wo auch nur der Ansatz zu dem Verfuch fichtbar wird, vom hohlen Phrasengeklingel 34 positiver Tätigkeit im Sinne der Arbeiterinteressen überzugehen. 37 Die Ministerkommunisten Mitteldeutschlands kommen dadurch in eine fatale Lage. Sie zeigen zwei Gesichter, von denen eines notwendigerweise falsch sein muß. Das eine ist bas ministergesicht mit seinen feierlichen Falten, das fie zeigten, als sie die Verfassung beschworen und die Pflicht übernahmen, Ruhe und Ordnung zu schüßen. Das andere ist das Putschistengesicht, das sie in ihren Versammlungen zeigen müssen, wenn sie nicht in Verdacht kommen wollen, ihrem Ministersessel zuliebe Arbeiterverräter" geworden zu sein. Auf der einen Seite stehen sie zur Sozialdemokratie Mannheim, 24. Oktober.( Ecc.) Ueber die Borgänge in der Sachfens und Thüringens in einem Bertragsverhältnis, das Pfalz schreibt die demokratische Neue Badische Landeszeitung" in fie in dem Augenblick brechen, in dem sie putschistische TreibeMannheim:„ Es zeigt sich, daß die führenden Sozialdemofraten, die reien unterstüßen, auf der anderen Seite sind sie Untergebene Dölferung falsch eingeschäßt und ihren Einfluß überschätzt haben, so die Bestrebungen in die Wege geleitet haben, die Stimmung der Be- einer 3entrale, die solche Treibereien selber betreibt. Die Idioten, die den Hamburger Butsch angestiftet haben, 99 daß auch die franzöfifche Behörde durch den Ausgang der Be- gehören ins Wachsfigurentabinett. In dem Augenblic, in dcm alles darauf lmkommi, alle KrSste gegen Ke f a f ch i» st i f ch e Reaktion zu konzentrieren, die von Bayern heranrückt, juckt es sie, in Hamburg ein wenig Räterepublik zu spielen. Dem Schlagwort des Kohr vom„bolschewisierten Rorden" Schwungkraft zu verleihen, die Massen, die keine Kommunistenherrschaft wollen, ins Lager der Reaktion zu scheuchen, dazu war ein Putsch in Hamburg die vorzüglichste Gelegenheit. Hamburg hat ein sehr liberales Polizeiregiment, bot also die günstigste Gelegenheit zu dem Beweis, daß es ohne eine starke Faust nicht geht. Es ist ein großes Glück, daß es den Überfallenen! Polizeimannschaften so rasch gelang, des Angriffs Herr zu werden. Jede Minute, die das Treiben län- ger dauerte, war für Kahr und die gesamte Reaktion eine Goldmilliarde wert. In allen großen Städten gibt es heute hungernde Massen, die aus Verzweiflung bereit sind, jede Torheit mitzumachen. Nicht diese Massen klagen wir an: auch in dieser Stunde wiederholen wir, daß es nur e i n Mittel gibt, ste vor ver- hängnisvollen Einflüssen zu befreien, nämlich ihre Ernäh» rung sicherzustellen. Anklage aber erheben wir gegen gewissenlose Führer, die die Verzweiflungsstimmung dazu benützen, um jene unglücklichen Menschen nur noch tiefer ins Elend zu stoßen und die ganze Arbeiterbewegung in emen Trümmerhaufen zu verwandeln. Da ist die plan-, ziel-, sinnlose kommunistische Gene- ralstreikparole! Sie zwingt uns auszusprechen, daß die Waffe der Arbeiterbewegung, die Verweigerung der Ar- beitskraft, niemals weniger wirksam ist- als in einer Zeit, in der die Massen von Hunger und Elend erschöpft sind, Arbeits- lofigkeit und Kurzarbeit grassieren und zahllose Unternehmer nur auf eine erwünschte Gelegenheit warten, ihr« Betriebe zu schließen. Ein von kommunistischer Seite angezettelter Generalstreik muß in kürzester Zeit vollkommen zu- sammenbrechen, und er kann nur den einen Zweck haben, die letzten Kräfte nutzlos zu verzetteln, deren letztes Zu- sammenraffen in einem wirklich entscheidenden Augenblick dann schließlich mich ganz aussichtslos geworden sein wird. Zugunsten des van den Kommunisten geplanten General- streiks f'ch auf den Kapp-Streikzu berufen, ist unzulässig. Der Kapp-Streik ist von der Sozialdemokratie geführt worden, während sich die Kommunisten beiseite stellten und sich„neutral" erklärten. Er hatte das Ziel, eine gewaltsame Störung der verfassungsmäßigen Zustäribe zu beseitigen, und wurde von Massen, die politisch weit rechts von der Sozial- demokratie stehen, namentlich von der Beamtenschaft, unter- stützt. Er hatte es obendrein mit einem schwachen, tölpelhaft agierenden und innerlich zerfahrenen Gegner zu tun, und führte infolgedessen zu einem raschen Erfolg. Der Kapp-Streik und der jetzt von den Kommunisten propagierte Generalstreik sind Beispiel und Gegenbeispiel. Das eine Bild zeigt, wie man es machen muß, das andere, wie man es nicht machen darf. Der Kapp-Streik hat die Re- aktion niedergeschlagen. Der von den Kommunisten propa- gierte Generalstreik ist aber gerade das, was die Reaktion zu ihrem Sieg braucht. Wir sind uns klar darüber, daß das kommunistische Ge- st den Dhren erregter und politisch ungeschulter Massen lieblicher eingeht als der sozialdemokratische Rat, auch in den schlimmsten Situationen Ueberlegung und kaltes Blut zu be» wahren. Di« Zustände, wie sie heute herrschen, sind die här- teste Belastungsprobe für die Reife der deutschen Ar- beiterklasse. Mancher, der sich dem Wahnsinn der Selbstzerstörung entgegenstellt, mag überrannt werden, aber dann fällt er ehrenvoll als treuer Freund der leidenden Massen und als ein Verteidiger der Arbeiter- bewegung. Sie und ihre Zukunft sind es, die auf dem Spiel stehen. Darum wird ein jeder, der sie nicht sehenden Auges verloren geben will, auf dem Posten bleiben und seine Pflicht tun. Neue Kammermufit. Konzertumschau von Kurt Singer. In der Kammermusik strebt das Einzelinstrument zum persön- lichsten Sprachausdruck und ordnet sich gleichzeitig seinen Kollegen unter. Es treibt also zugleich solistische Kunst und naht sich dem Musikkomplex des Orchesters, in dem jeder Teil nur dienendes Glied eines Tanzen ist. Co wird das Quartett konzentriertest« Lebensaußerung aller Musik, höchster Ausdruck klingender Com- bol«, von der Tugend des persönlichen wie des Massenspiels da» Wertvollste in sich aufnehmend. Tatsächlich sind die höchsten Tüter reiner Instrumentalmusik zu allen Zeiten in der Kammermusik auf» gehäuft worden. Und der Drang unserer jüngsten Musiker wird verständlich, auch den Geist heutiger, drängenoer, zerrissener Zeit im Ouartettsatz über das Einzelerlebnis hinaus zum Allegmeingültigen zu stempeii. So kann Musik zum politischen Bekenntnis werden, wie sie immer ein menschliches ist. Mit Gedanken über Zulammen- häng« zwischen Musik und Staatsleben, Gesellschaft, Wirtschaft, mit feiner Analysterung der jungen Musikbestrebungen leitet« Prvfesior Schünemann dos letzte Konzert der Volksbühn««in. Er erweiterte fein Thema, das der Einführung w ein neuts Kammer- werk von Philipp Ja r nach galt, durch klare Formulierung des in moderner Musik Erstrebten und dessen, was ste an die Klassikir, Romantiker, was sie an die Urmufik Bachs heute noch bindet. Do» Streichquintett Iarnachs op. 10 war ein bedeutender Beleg nicht nur für dos Wollen, auch für das Können und Wollenden eines jung-modernen Musikers. Musik ohne Borbehalt, ohne andere Ab» ficht als: Ausdruck zu sein, Inhalt und F»rm, Gestalt und Idee zu einer notwendigen musikalischen Einheit zu binden. Das ge- lingt Iarnach hier in wirklich hochwertigen Klangerlebnissen, in Variationen von spielerischem, jugesdlich-frohem oder asketisch- herbem, weis« geordnetem Dasein. Alte Formen scheinen mit neuem melodischen Geist erfüllt, und bei stupender Sicherheit in der Einzel- sührung von Instrumenten wird dennoch die Technik vor dem Gesang, die Struktur vor dem Melos zur Nebensache. Das Gefühl der bewährten Abwegigkeit wurde trotz mancher Disionanzcn- feligkeit nicht beschworen. Feierlich, wie die Schöpfungsstunde dieses Werks war die Stunde, die man den Vermittlern(H a v e- mann, Kniestädt, Mohlke, Steiner, Glaser) lauschte. Weit von dieser Gnade entfernt scheint mir das Dlasquintett von Ludwig Weber zu liegen, das die Melos-Gesellschaft urauf- führte. Auch hier zwar ist die Selbständigkeit der Stimmen bis zu Dissonanzen durchgeführr, aber im Rhythmus, im Schleichen und Verhallen der Themen ist so viel Qual, so viel Jammer, so wenig Lust und Hoffnung verborgen, daß ein Genießen nicht auskommt. Das ist weniger der Niederschlag eines musikantischen Willens, als das Vorbeireden an der Ausdruckskraft von Melodie überhaupt, das tönend« Zeichen eines bizarr abwegigen Geistes. Paul H i n d e- m i t h s Cellosonate op. 11 hallt von Kraft und Lebensmut wieder; doch fehlt auch nicht das Kraftmeierische, aar zu Selbstüberhebliche, und neben dem Sturm der Leidenschaft behauptet sich auch leere, unbedeutende Luft. Fritz D e t t m a n n zeigte sich der diffizilen pianistischen Aufgabe gewachsen, wenig« Margkit Werl«, die Euch nicht mißbrauchen! Die geplante Trauerdemonstratiou für de« Arbeiter Ttz. Ein bei den jüngsten Erwerbsiojenkrawollen in der Umgegend des Rathauses verwundeter Arbeiter namens Sy ist leider in- zwischen in der C Harste seinen Verletzungen erlegen. Von kommu- nistischer Seite wird nun versucht, die heute stattfindende Beisetzung zu einer neuen großen Erwerbslosen Demonstration zu gestalten. Die Leiche de» Verstorbenen sollte zunächst von der Eharsts nach der Brauerei Königstadt und von dort nach dem Ge- meindefriedhof in Neukölln übergeführt werden. Es wurden bereits in einzelnen Stadtteilen Berlins Aufforderungen zur Teilnahme an der Demonstration plakatiert. Ein Mi-tglied des Erwerbs- lossnrats wandte sich gestern, als di« Plakate bereits gedruckt und angebracht waren, an das Polizeipräsidium mit dem Antrag um Freigabe de» geplanten Demonstrattonszuges, weigerte sich aber, seine Auftraggeber zu nennen. Unter diesen Umständen mußt« die Genehmigung einer deson- deren Crwerbslosendemonstratton verweigert werden; denn Ausnahmen von dem generell bestehenden Demonstrationsverbot können selbstverständlich nur dann gemacht werden, wenn«ine be- stimmte und bekannt« Organisation darum ersucht und die Ga- rantie für die Aufrechterhaltung der Ordnung übernimmt. Der Polizeipasident hat daher lediglich eine Trauerfeier in Neu- kölln selbst genehmigt, di« geplant« Ueberführung nach der Brauerei Königstadt und von dort nach Neukölln sowie die beab- sichttgt« Straßendemlmstration verboten. Offenbar sollten die Berliner Arbeiter wieder einmal von anonymen Drahtziehern zu gewissen parteipolttischen Zwecken mißbraucht werden. Sie werden jedoch, gewitzigt durch die neuesten Hamburger Erfahrungen, diesen dunklen Plänen keinen Vorschub und den Aufforderungen zu Demonstrationen keine Folge leisten. Kein Generalstreik in Hamborg. Hamburg, 24. Oktober.(Eigener vrahlberlcht.) Zm Ge- genscch zu allen absichtlich verbreiteten falschen Gerüchleu erklären die Gewerkschaften:„Die Hamburger Gewerkschaften und die Ver- liner Spihenorganisationen habeu keinen Generalstreik ge- billigt. Die Gcwerkschafien stehen wegen der Wiedereröffnung geschlossener Betriebe mit dem Arbeitsamt in Verhandlungen. Ve- reit» am Dienstag haben unsere Vertreter über die Lebensmittel- Versorgung und die Herausgabe von wertbeständigen Zah- lungsmitteln verhandelt. Den Gewerkschaften sind die Zu- slcherungen gegeben, daß der Senat die wünschenswerlen Blaß- nahmen gelrosten hat. Die Bestrebungen der Verbände nach Gewährung wertbeständiger Löhne gehen weiter. Wir warnen vor weiterem eigenmächtigen Verlassen der Betriebe! wir warnen vor Teilnahme an Ansammlnngeul wir warnen vor allen Dingen aber muh vor den sich Immer wieder bemerkbar machenden Straßenreduern, die wir hier öffentlich als Agenten der Feinde der Republik und als Schädllnge an der Arbeiterklasse brandmarken! Zutritt zu den Gewerlschajis- bureaus haben nur verbandsmitglieder, die sich al» solche ausweisen. Unorganisierte werden an» dem Gewerkschaslshaus rücksichtslos ent- fernt. Zurück zur gewerkschaftlichen Diszlpuu!" Ver /lufstanü unterdrückt. Hamburg, 24. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) üu hau.- bürg ist z Urzell alle» ruhig. Barmbeck. Schlssbek und Vergedors find von der volizel wieder genommen. Die kommu- nifiilchen Hauptführer sind«ulflohen. Ueber die Zahl der Toten und Verwundeten läßt sich bestimmte» nicht sagen. Hamburg, 24. Oktober.(MTB.) Die staatliche Pressestelle teilt um 4L0 Uhr mit: Di« Widerstandskraft der Aufrührer ist durch das gestrige und heutig« Borgehen der Polizei gebrochen worden. Bei dem, was sich noch in einzelnen Stadtteilen ereignet, handelt es sich um kleinere Scharmützel, die an dieser Feststellung nichts zu ändern vermögen. Die Zahl der Gefallenen der Ordnungspolizei hat sich leider auf elf, die der Ver» mundeten auf 34 erhöht. Ein Beamter wird vermißt. Der Säuberungsaktion in Cchiffbek stellten dl« Aufrührer sehr stark« Gegenwirkungen entgegen, indem ste mit vier Ma- ober im Bolkmannschen A-Moll-Konzert neben Unebenheiten des Tons auch eine gute Fingerübung und gesunde» Temperament offenbarte. Von dem ersten Festkonzert de» Bildung»au»schusses der VSPD. erwischte ich nur noch einen kleinen Bruchteil, der den Rüdeischen Thor aus gewohnter Höh« zeigte; vom Vokalkonzert des Schubert-Chors und gemischten Chors Groß-Berlin so viel, daß man di« Notwendigkeit dieses höchst disziplinierten Ensembles ebenso herzhast bejahen, wie die Güte seines Materials loben kann. Iascha Hören st« in ist ganz der Mann, seine Truppen wie seine Hörer an OualttStsmusik zu gewähnen. Von meinem zuverlässigen Vertreter wird besonders der Dortrag eines Schubertschen Messe- sanctus wie Brahmscher a-cappeII--Chör« gepriesen. Lam b ri n o bewährte sich aufs neue als Chopin-Spieler von gutem Format. Was an Brillanz des Figurenwerks gelegentlich vermißt wurde, ersetzte seine fein und warm gelungene Kantilen«. Boris Schwor- ist ein Werdender. Im Menoelssohnschen Violinkonzert noch unfertig, spielte er Salonstücke von Withol und Spcndiarow mit bravouröser Technik und einem gesättigten Ton, der dem Ohr sinnlich schmeichelt. Henry Christoffersens Bariton hat besonderen Schmelz, sein Vortrag ist nuancenreich, fast übernuonciert. Doch schadet auch solch U ebermaß bei der klugen Derwendung seiner Mittel romantisch- schwelgenden Liedern nichts. Arno Mano H e ß ist als Dirigent von durchschnittlicher, als Komponist von mäßigster Begabung. Daß«r „Werke amerikanischer Komponisten" nur süße oder operettenhafte Mustk seiner eigenen Feber vcrfiihrt, war kein Beweis von Be- lcheidenheit. Und hoffentlich führt es nicht zu einem diplomatischen Konflikt zwischen Deutschland und Amerika. Der Dirigent Adler hinterließ als Druckner-Dirigent den Eindruck eines versierten, empfindungsstarken Musikers. Die Victoria regia blüht! Trüber Oktobernachmittag, die Luft dumpf, feucht. Au» dem schwarzen See steigt immer mehr heißer Dunst. Aus feiner unHeim- lich glatten Fläche sind grüne Riesenschalen, die schwimmenden Tanz- stätten von Elfen, an dicken grünen Tauen tn der Tiefe verankert. Schweigen lauert gespenstisch. Bis der erste Mondstrahl Leben der Nacht erweckt. Inmitten der grünen Schalen steht hoch über dem Wasser auf schlanker Säule ein dunkler Kelch, fest geschlossen. Die Mondstrahlen greifen ihn, öffnen ihn. Und aus dem Kelch quillt weih, immer weißer, märchenhaft weiß überirdisches Leuchten, davor der Mond verschwindet. Di« Königin der Blumen i st erwacht. In ihrem Flammenglanze erzittern die Wasser, und die Elfen tanzen berauscht, trunken vom Licht ihren Reigen. Es ist wie wenn ein großer schöner Körper ruht und seinem Haupte strahlend ein Herr- licher Gedanke entleuchtet. Beim ersten Aufblinken des Lichts am Horizont blaßt der könig- liche Glanz, von unsichtbaren Händen scheint der Kelch geschlossen. Der jugendsrohe Tag steigt rasch empor, läßt nächtigen Traum ent- schwinden. Glutend ist der Tag, der dieser Nacht folgt. Der See raunt,«in Geheimnis hütet er, schinengewehren heftig auf die angreftenib« Ortwang- pottz«� die von der Landungsabteilung der im Hafen Legenden Reichs» marine unterstützt wurde, feuerten. Gegen 8 Uhr waren all« kommunistischen Nester ausgeräumt. Näheres über die Verluste auf beiden Seiten steht im Augenblick noch nicht fest. Zurzett ist die Säuberungsaktion in Bergedorf im Gange. Im Laufe des Lormittags bildete sich beim Gewerkschafts» hause eine größer« Ansammlung, die Einlaß oerttmgt«, um die Gewerkschaften für einen Generalstreit zu gewinnen.. Als Polizeibeamte hinzueilten, wurden die Beamten mit einigen Schüssen, die aus dem Gewerkschaftshaus« selbst abgegeben wurden� empfangen. Festnahmen Beteiligter sind erfolgt. Die Menge wurde zerstreut. Weiter versuchten heute morgen Erwerbslose auf dem Heilige- Geist-Felde eine Aktion gegen di« Passanten mck> dar Verkehr einzuleiten. Die Polizei kesselt« etwa 260 bis 300 Per» sonen«in und brachte sie zur Polizeiwoche, wo die Menge nach' Waffen durchsucht wurde. Einige Leute, bei denen Waffen ge- funden wurden, wurden festgenommen, di« übrigen entlassen. Nach einer Blättermeldung hotten sich in Schiffbek, dem Hauptsitz der Aufrührer, zirka 2000 Kommunisten verschanzt. Hamburg. 24. Ottober.(MTB.) Mitteilung der staoüichen Pressestell« von SÄ Uhr abends: Bei der Säuberung Schiffbek, und Bergedorfs sind etwa lOO Personen festgenommen worden, mit denen das Detochement zurzett auf dem Marsch« nach Hamburg ist. In dem Gehölz beim Schützenhof in Barmbeck hatte sich am Mittwoch nachmittag ein Kommunistentrupp eingenistet. Gegen ihn wurde ein Angriff eingesetzt, der unter schweren Verlusten der Aufrührer dieses Nest aushob. Die Stadt ist zurzeit völlig ruhig. An keiner Stelle wird mehr bewaffneter Widerstand geleistet. Aus aufgefundenem Material ergibt sich die umfangreiche militärisch« Vorbereitung des Putschversuche». �oßeroröentliche Gerichte. Hamburg. 24. Oktober.(MTB.) Der ReichsjusSzmtmster hat auf Anregung des Senats der Einsetzung eines außer. ordentlichen Gerichts auf Grund der Verordnung de» Reichspräsidenten über den Ausnahmezustand vom 2«. September zugestimmt. Bon diesem außerordentlichen Gericht, das in den nächsten Tagen beretts feine Tätigkett beginnt, werden sich die au den Unruhen der letzten Tage Beteiligten zu verantworten haben. Die Zahl der Gefangenen beträgt mehrer« hundert, läßt sich ober zurzeit noch nicht genau feststellen. Unruhen im Reich. Di« Teuerungsunruhen im Reich nehmen ihren Fortgang. Sie tragen im allgemeinen keinen politischen Charakter. Lediglich in der Umgegend von Hamburg, wo«» zu Plünderungen kam, übt der Kommunistcnputsch seine Rückwirkung aus. So oersuchten in H a r- bürg halbwüchsige Burschen einen Ueberfall auf das Gefängnis, der aber mißlang. In Bergedorf legten die Erwerbslosen morgens sämtliche größeren Fabriken still. Versuche, das Bergedorfer Schloß zu besetzen, wurden vereitelt. Nach Geesthacht, wo tausend Hamburger Kommunisten eingetroffen sein sollen, um die Arbeiter der dortigen Dynamitfabrik zum Anschluß zu bewegen, wurde ein Torptkxboot entsandt. In Kiel versuchten di« Kommunisten mit Gewalt Stillegungen. Es gelang ihnen nur zum geringen Teil. In der Stadt kam es zu Plünderungen. 60 Verhaftungen erfolgten. Plünderungsversuche in Allenste tn wurden verhindert. In Marienburg gelang dies zunächst. Im Braunschweigi- schen Kohlenrevier dauern die Unruhen und Plünderungen an. Di« Schupo hatte zwei Berletzte zu verzeichnen. In Braun- schweig selbst fanden größere Arbeitslosendemonstrattonen statt. 260 Personen wurden verhaftet. Bei einer Demonstration in Frankfurt a. M. wurde ein Polizeihauptmann verwundet, ein Arbeiter getötet, andere Demonstranten verletzt. Auch in Köln führten Teuerungsdemonstrationen zu Zwischenfällen mit der Polizei, bei denen zahlreiche Personen oerletzt wurden. In E l b e r- feld fanden zwar lebhaste Kundgebungen statt, jedoch ist es zu ernsten Ausschreitungen nicht gekommen. Wieder wird es Abend. Erwartungsvoller noch ist das schwei- gende Dunkel. Da, plötzlich— der Kelch erzittert, er öffnet sich, einen über- irdisch sanfttoten Schein birgt er in seiner Tiefe, der langsam chm entsteigt. Ein weites Gefäß, auf schwankender Säule, hoch über dem dunklen Wasser, entstrahlt diel« Farbe des Blutes, der Liebe, der heißesten Hingabe. Kurze Nachtstunden nur dauert das heilige Leuchten. Dann— Geisterhände schließen den Kelch, Geisterhände ziehen ihn lautlos hinab, daß er unter den schwarzen Wassern ent- schwindet. Ihr Höchstes hat ste in dieser zweiten Nacht gegeben, die Königin der Blumen hat ihr geheimnisvolle» Sein geendet. Das Kind, das in diesen Stunden gezeugt, wird im nächsten Jahr zwei Nächte lang Königin sein.-- Genossen, vergeht auf Stunden bittere Rot des Tages. Ihr wißt nicht, was brüderliche» Leben in der Natur Euch geben kann an herrlicher Erhebung, Euch nehmen kann an grauer nagender Sorge. Geht hinaus tn den Dahlemer Garten und schaut diese unsagbar schön« Blume!_ Gem. Der Schrei nach der Zensur. In einer Meinen Anftage wurde darauf hingewiesen, daß der auf dem Spielplan des Staats- t h e a t« r s stehend«„U eberteufe l" von Hermann Essig „nichts als Roheit, Gemeinheit, Perversität auf di« Bühne bringe'. Die Anfrager betonten, daß st« zwar Gegner der polizeilichen Zensur Ieien, aber di« Anficht vertreten, daß der Betättoung eines staatlichen tunsttnstituts gewisse Grenzen gezogen feien, und ftagten das Staats- Ministerium, ab es solche Grenzen anzuerkennen und für ihre Inne- Haltung Sorge zu ttagen bereit sei. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung beantwortet die Anftage folgendermaßen: „Der Betätigung eines staatlichen Theaters sind zweifellos ge- wisse Grenzen gezogen. Es ist in erster Linie Sache des In- tendanten, ver für die Gestallung des Spielplan» die alleinige künstlerische Berantwortung ttägt, dabei diese Grenzen, für die es naturgemäß keine klaren und allgemein gültigen Linien geben kann, innezuhalten. Ein Eingreifen von Aufstchts wegen wird stattzufinden haben, wo eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Moral in Frage kommen kann." Ob der Herr Minister die Anftage billigt und mit der Charakteristik des Stückes einverstanden ist, darüber erfährt man nichts. Ein Recht des Eingriffs behält er sich jedenfalls vor. Volksbühne, Tbeater am Bülowplatz. Die Erstausführung vo» .Figaro» Hochzeitt findet am Sonnabend, den 3. November, abend» 7-,, Uhr stalt. Die Konzerte deS Sixtinisch-Vatikanischen EhoreS, die demnächst in verlin stattfinden iolllen, müssen insolge der gegenwärtigen Wirt- schaltlichen Lage verschoben werden. Wenn möglich, werden sie im Frühjahr nachgeholt werden. Die Pädagogischen Hochschnlknrfe der entschiedene» Schul- reformer beginnen Donnerstag 7'/, Uhr mit einem einleitenden Vortrage von Franz Hiller über»Die Probieaiaiil der Zell und Schutt* tzohcn- ftaufenstr. 47)48, LorttagSjaal. Neuer Putsch in Aachen. Krefeld und Trier in Separatistenhand. Aachen.( Mib.) Die Sonderbündler sind wieder in die Stadt eingedrungen. Man erwartet für die Nacht fchwere Zusammenstöße. Brüssel, 24. Oftober.( EP.) Nach einer Meldung aus Aachen hat Deders an die Rheinlandkommission folgenten Brief gerichtet: 3m Namen meiner provisorischen Regierung ersuche ich um Hilfe und Unterstügung. Im Hinblick auf die Tatsache, daß die Ordonnanzen der Rheinlandkommission vom rheinischen Bolt immer befolgt worden find, bitte ich die Kommission inständig, darum die Gebiete der provisorischen Regierung militärisch befehen zu wollen, um uns und unsere Arbeit Konferenz der Ministerpräsidenten. Einmütig gegen Bayern für die Reichsregierung. Der Antrag Württembergs auf Besprechung der bayerischen in dieser Richtung zu stellen, und es ist wohl möglich, daß es dabe Frage in einer Sigung der stimmführenden Mitglieder des Reichs auf die Zustimmung anderer Länder rechnen fönne. rats, die für gestern nachmittag 5 Uhr angefeßt worden war, wurde Borbedingung zu solchen Schritten sei aber die Wiederherim Laufe des Nachmittags zurücgezogen. An Stelle der geplanten ftellung verfaffungsmäßiger Zustände. Reichsratssigung fand auf Grund eines neuerlichen Antrags eine Sigung der Ministerpräsidenten und Gesandten der Länder in der Reichkanzlei statt. zur Berlesung brachte: In einer längeren Besprechung vereinbarten die Ministerpräsidenten und Gesandten bie einstimmig angenommene ErDer bayerische Gesandte von Preger legte die bayerische Auf. flärung, die der württembergische Staatspräsident Dr. v. Hieber gegen die ungeschliche Autorität der Schupo preußischen Ursprungs fassung über die Entstehungsgeschichte und Entwicklung des mit der In dem Konflikt zwischen Bayern und dem Reich stellen sich die zu beschähen. Ich ersuche um Hilfe und Unterstützung gegen diese Verhängung des bayerischen Ausnahmezustandes und der Er. Vertreter der Länder ein mütig auf den Standpunkt der urgefegliche Auferität, die in Uebereinstimmung mit den kommu- nennung des Generalstaatskommissars von Kahr begonnenen Kon- Vertreter der Länder einmütig auf den Standpunkt der nisten und Nationalisien gegen den Willen der rheinischen Bevölte. flikts zwischen Bayern und dem Reich in ausführlicher Rede dar Reichsregierung; fie hallen eine schnelle Regelung der Perrung bestimmt ist." Auf diesen Brief gefügt, haben und brachte taran anschließend zum Ausbrud, daß Bayern durch- fonalfragen für notwendig. Um ähnlichen Konflikten für die Zudie belgischen Gendarme und die belgischen aus reichstreu sei, daß es aber den Wunsch nach einer Minderung kunft vorzubeugen, verlangen die Länder einmütig die baldige Um Anterveniert. Es wurde eine Verordnung erlassen, wonach fassung habe, der der Urgrund von Konflikten schon mit verschiede kanzler halten die Vertreter der Länder es für erwünscht, daß Berin einen zivilen. Im Einverständnis mit dem Herrn Reichs. Sicherheitspolizisten am Dienstag abend in Aachen der Ueberspannung des militärischen Gedankens in der Reichsverwandlung des militärischen Ausnahmezustandes der Berkehr in den Straßen zwischen abends 7 und morgens 6 Uhr ren Reichsregierungen gewesen sei. Danach ergriff der Reichskanzler im Namen der Reichsregie. handlungen über die fernere Gestaltung des Verhältnisses von untersagt wird. rung das Wort und legte die Gründe dar, die ten Reichspräsidenten Reich und Ländern im Sinne einer größeren Selbständigkeit der Krefeld, 24. Oktober.( mtb.) Die Sonderbündler haben und die Reichsregierung veranlaßt hatten, noch am Tage der Ber. Länder zu geeigneter Zeit eingeleitet werden. heute miliag die Belagerung des Rathauses fortgesetzt. Sie errich- hängung des bayerischen Ausnahmezustandes ten Reichsausnahme. Im Anschluß hieran gab der Staatspräsident Dr. v. Hieber teten durch Auftürmung von Sandfäden Brustwehren, rissen den zustand zu erklären. Die Ernennung einer Persönlichkeit, wie die dem Wunsch Ausdruck, daß sich das Reich und Bayern ins BeBürgersteig und das Straßenpflaster auf und bewarfen das Rathaus des Herrn v. Rahr zum Generalstaatskommissar in Bayern, habe nehmen segen möchten, um schnellstens wieder normale Ber mit Handgranaten. Das Jeuer wurde von der Polizei bis die Gefahr mit sich gebracht, daß rechtsrabitale Rreise in hältnisse herbeizuführen. 2 Uhr erwidert und dann wegen Munitionsmangel ein- anderen Teilen des Reiches ihre Stunde für gekommen hielten und Der Reichstanzler erklärte die Bereitwilligkeit der Reichsgestellt. Das Rathaus hat schwer gelitten; fämtliche Fensterscheiben zu Gewaltschritten verleitet würden. Dieser Gefahr sei der Reichs- regierung, den Weg der Berständigung zu gehen und mit find zerfrümmert. Eine größere Aazahl von Perfonen wurde ver- ausnahmezustand als Vorbeugungsmitte entgegengestellt worden. Bayern die Einigung herbeizuführen. Die Reichsregierung fet wundet. Um 4 Uhr wurde das Rathaus den Sonderbändlern über- Der Reichsfanzler ging bann seinerseits ausführlich auf die Ent ferner bereit, möglichst bald in Verhandlungen mit den Bändern geben, die auf dem Gebäude die grünweißrote Fahne hißten und die wicklungsgeschichte des Konfliktes zwischen Bayern und dem Reich einzutreten, um die Frage der größeren Selbständigkeit der Länder Rheinische Republit austiefen. Die Bevölkerung ver- ein und hob bei aller Würdigung der Schwierigkeiten der bane zu erörtern, wobei selbstverständlich der verfassungsmäßige hält sich ablehnend. Eine Gewerkschaftsversammlung wurde von be- rischen Regierung hervor, daß die Reichsregierung in ihren Bestre. Weg zu gehen sei. Endlich sei die Reichsregierung gewillt, sobald waffneten Sonderbündlern gefprengt. bungen nach einer Beilegung des Konflittes bis an die Grenze des es die Verhältnisse irgend gestatten, den Reichsausnahmezustand Möglichen gegangen sei. Ebenso habe der Gesandte Bayerns den vollkommen aufzuheben oder den militärischen Ausnahmezustand in Wunsch zum Ausdrud gebracht, einen Weg zur Beilegung des einen zivilen umzuwandeln. Ronfitts zu finden, ebenso wünsche die Reichsregierung, daß es gelingen möge, einen Ausgleich zwischen Bayern und dem Reich herbeizuführen. Saarbrüden, 24. Otober. Die Saarbrüder Landeszeitung" meldet heute aus Trier: Hier hat heute nachmittag gegen 4 Uhr ein neuer Borstoß der Sonderbündler stattgefunden. Die öffentlichen Gebäude find von ihnen befehl worden. Die Druckereien der Trierischen Landeszeitung" und der ,, Bolfswach t" wurden zerstört. Bei der Bolfswacht" wurde ein junger Mann getötet. In der ganzen Stadt herrscht große Aufregung. Zurzeit- 6 Uhr abends durchziehen Spahis die Straßen, um die Ruhe wiederherzustellen. " Am Schlusse der mehrstündigen Beratungen dankte der Reichskanzler dem Staatspräsidenten v. Hieber für die Initiative zu dieser Zusammenkunft der Staats- und Ministerpräsidenten und Zu dem vom Gesandten von Breger vorgebrachten Berlangen Gesandten der Länder, für die, wie er hoffe, erfolgreiche MitBayerns nach einer Herabminderung der Ueberspannung des uni- wirfung zu der von dem deutschen Bolt ersehnten Wieberhertarischen Gedantes wies der Reichstanzler auf die von ihm wieder stellung einer völligen Einheit des Reiches und holt öffentlich betonten Absichten der Reichsregierung betreffend Er- seiner Glieder, und gab der Hoffnung Ausdrud, daß die Reichs. weiterung der Rechte und Pflichten der Länder auf finanziellem treue Bayerns und seiner Staatsmänner die notwendige baldige und steuerlichem Gebiet hin. Bayern stehe es frei, weitere Anträge Berständigung mit herbeiführen werde. Keine Finanzierung der Sachlieferungen. Note der deutschen Regierung an die Reparations. aufrechterhalten. Die Industriellen sahen fich schließlich zu der Ertommission. flärung gezwungen, daß sie sich außerftande wüßten, selbst die Am 24. Oktober ist der Reparationsfommission in Baris fol- wenigen noch arbeitenden Betriebe im Industriegebiet weiter aufgende Note der deutschen Regierung übergeben worden: rechtzuerhalten, da ihnen die Bedingungen der Franzofen jede AbDie Deutsche Regierung hat der Reparationskommission am fagmöglichkeit nahmen. Außerdem fielen noch die Schwierigkeiten 13. Januar 1923 davon Mitteilung gemacht, daß sie aus Anlaß der Beschaffung von Zahlungsmitteln ins Gewicht. Diese Erklärung der Besetzung des Ruhrreviers die Reparationslieferungen an die fei gleichbedeutend damit, daß die theinisch- westfälische an der Besetzung beteiligten Mächte eingestellt habe. Die Re. 3ndustrie in den nächsten Tagen zum Erliegen fommen parationsfommission hat diese Mitteilung mit Schreiben Dom werde. 26. Januar 1923 dahin beantwortet, daß sie die früheren Anträge der Deutschen Regierung auf eine Neuregelung der Reparations. frage als hinfällig betrachte, und daß unter diesen Umständen alle Bestimmungen des Zahlungsplanes vom 5. Mai 1921 in Kraft Die Vereinigten Staaten für eine Wirtschaftskonferenz. eblieben. Nachdem die Deutsche Regierung durch ihre Erklärung vom 26. September 1923 die Bevölkerung der besetzten Gebiete aufgefordert hat, den paffiven Widerstand aufzugeben, und nachdem sie die im Zusammenhang damit erlassenen Berordnungen und Anmeilungen aufgehoten hat, ist damit auch ihre Entschließung über die Einstellung der Reparationsleistungen an die an der Ruhrbesehung beteiligten Mächte hinfällig geworden. Die Deutsche Regierung stellt daher ausdrücklich fest, daß fie grundsäglich bereit ist, die Leistungen aus dem Bertrage von Versailles an diese mächte wieder aufzunehmen. Anderseits haben jedoch die wirtschaftlichen Verhältnisse, wie fie fich feit Januar in Deutschland entwidelt haben, der Deutschen Regierung tatsächlich die Möglichkeit genommen, jetzt die Geldmittel aufzubringen, die zur Bezahlung der Leistungen aus dem Bertrage von Bersailles erforderlich sind. Eeit den Darlegungen der Deutschen Regierung vom 14. und 27. November 1922 ist infolge der Besetzung des Ruhrreviers und der wirtschaftlichen und finanziellen Abtrennung des Rheinlandes und des Ruhrreviers von Deutschland eine grundlegende Aenderung in den Hilfsmitteln und in der Leistungsfähigkeit Deutschlands eingetreten. Die Deutsche Regie rung hat infolge der dadurch hervorgerufenen 3errüttung der Wirt schaft und der Finanzen bereits am 11. August 1923, wie der Reparationsfommiffion bekannt ist, unter grundsäglicher Anerkennung ihrer Leistungsverpflichtung ihre tatsächliche Unfähigteit erflären müssen, weitere Sachlieferungen an die übrigen Mächte zu bewirken. Aus dem gleichen Grunde ist sie auch jezt tatsächlich außerstande, die Finanzierung dieser Leistungen fortaufegen oder von neuem aufzunehmen. Amerika rührt sich. London, 24. Oktober.( WTB.) Der scheibende ameritanische Botschafter Harven erklärte gestern auf einem ihm zu Ehren gegebenen Abschiedseffen, vor einem Jahr sei es anscheinend allge meine Ansicht in Europa gewesen, daß der beste Weg einer Regelung in der Festsetzung eines Reparationsbetrages bestehe, den Deutschland wirklich zu zahlen imftande sei, aber daß diese Summe wegen der streitenden interessierten Parteien nicht festgesezt werden tönne Sehr widerstrebend habe Staatssekretär Hughes vor 11 Monaten, soweit diplomatischer Brauch gestattete und sogar ohne ein formelles Ersuchen von irgendeiner Macht angeboten, eine amerifanische schiedsrichterliche Entscheidung zu fällen. Er habe dies öffentlich getan. Amerita sei an die Tür Europas gekommen, und siehe da, diese Tür sei verschlossen gewefen. Die Vereinigten Staaten seien heimgegangen, und die Berhältnisse auf dem Kontinent hätten sich während der vergangenen 11 Monate etwas perändert. Aber es bestehe teine wesentliche Aenderung in der fundamentalen Lage. Die Notwendigkeit eines finanziellen Planes zur Berhinderung der wirtschaftlichen Katastrophe in Europa sei, wie flar ersichtlich sei, nicht weniger dringend, und es sei vollkommen möglich, daß die Vorbereitung eines folchen Planes durch die Aufgabe des passiven Widerstandes seitens der deutschen Regierung durchführbarer gemacht worden sei. Harven erklärte: „ Wenn sich dies so verhält, so ist meine Regierung fraglos vollkommen bereit, an einer derartigen wirtschaftlichen Konferenz, wie fie ursprünglich vorgeschlagen wurde, teilzunehmen, wenn fie von allen Alliierten, die in erster Linie an den deutfchen Reparationen interessiert sind, darum ersucht wird. und ihren Einfluß geltend machen. Deutschland tönne nicht zahlen, solange die Ruhrbesehung andauere, und diese müßte so schnell wie möglich unsichtbar gemacht werden. Ferner müßte darauf hingewirkt werden, daß die Berbindung zwischen dem befetzten und dem unbesetzten Gebiet wiederhergestellt werde. Der General meinte dann weiter, daß der Friebensvertrag die Ruhrbesetzung nicht rechtfertige. Die Berträge zwischen General Degoutte und den Ruhrindustriellen müßten infolgedessen von der Reparationstommiffion juristisch angefochten werden. Smuts gab bann seiner Ueberzeugung Ausdrud, daß Frankreich für die bevorstehende Berstückelung Deutschlands verantwortlich zu machen 30fen hätten durch die Zerstückelung Deutschlands und ihre unerbittsei. Der Bersailler Vertrag müsse revidiert werden, denn die Franliche Politit selbst die Revision des Vertrages begonnen. Der Redner bemerkte dann weiter, Frankreich nehme Rüstungen zu Wasser und zu Lande vor, die England beunruhigen müßten, und England müßte sich, wenn dieser Zustand fortdauern sollte, endlich damit beschäftigen, sich auch für seine Verteidigung zu rüsten. Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/ 14-1) Durchschnitt Mai. " 99 6. Auguft 13. " 99 20. 27. Juni. Juli August September 3. September 10. 17. 24. " 1. Oftober 8. 15. 22. 99 3 816 : 7 650 37 651 586 045 15 000 000 149 531 436 935 753 733 I 183 434 1 845 261 5 051 046 14 244 900 28 000 000 40 400 000 · 109 100 000 691 900 000 3 045 000 000 Steigerung gegen die Vorwoche 340 Pro3. ** Das heißt in wenigen Worten, daß unser Präsident Coolidge ebenso wie unser Präsident Harding und die Bereinigten Staaten vollkommen bereit sind, in jeder durchführbaren Weise. zu helfen, die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität in der gesamten Die Steigerung der Lebenshaltungskosten blieb in der legten Die Deutsche Regierung stellt daher an die Reparationstom Welt zu fördern. Wir sind bereit, einzuspringen wie dies ge- Woche mit 340 Proz. hinter derjenigen der Borwoche mit 584 Proz. mission den Antrag, gemäß Artikel 234 des Bertrags von Ber- nannt wird- sobald wir darum gebeten werden, aber sicher fann mefentlich zurück. Tatsächlich aber ist die Teuerung gerade in failles in eine Prüfung der Hilfsmittel und der man von uns nicht erwarten, daß wir die Tür eindrücken. Nein, der legten 3eit mefentlich stärker gewesen als je und Leistungsfähigkeit Deutschlands einzutreten und Ber- die Monroe- Doktrin verbietet es." tretern der Deutschen Regierung Gelegenheit zu geben, den gegertwärtigen Stand der Hilfsmittel, und der Leistungsfähigkeit Deutschlands im einzelnen darzulegen, sowie ihre Maßnahmen zur Sanierung des Budgets und zur Stabilisierung der Währung mitzuteilen. Die Berordnung über die Errichtung der Deutschen Renten bant", durch die eine Reform der deutschen Währung Dorbereitet worden ist, beehre ich mich hiermit zur Kenntnis zu bringen. Smuts für Revision der Verträge. hat zu dem fatastrophalen Notstand geführt, unter dem die gesamte arbeitende und noch mehr die durch den Konjunkturrückgang von threm Recht auf Arbeit ganz oder teilweise beraube Bevölkerung so entsetzlich leidet. Das irrige Bild, das sich aus dem Inder ergibt, Condon, 24. Oftober.( Eca.) Der Premierminister der Süd- kommt daher, daß die Preise vom Montag noch nicht die katastrophale afrikanischen Union, General Smuts, hat gestern auf einem Bankett Geldentwertung spiegeln fönnen, die in den folgenden Tagen eine Rebe gehalten, in der er die Politit Frankreichs auf das eingetreten ist. Am Montag notierte der Dollar noch 40 Milliarden, schärfste angriff und seine Gedanken über die weitere Entwicklung die meisten berücksichtigten Preise aber bauten sich noch auf dem der Lage in Europa darlegte. Bier Jahre, so erklärte er, sind seit Dollarstand des legten Freitag von 12 Milliarden auf. Gestern aber dem Friedensvertrag verstrichen und noch immer ist kein Friebe ein- notierte der Dollar bereits 65 Milliarden und die Teuerung ist in Die Deutsche Regierung hat davon Kenntnis erhalten, daß getreten. Der Krieg dauert auf wirtschaftlichem Gebiet weiter fort, dem gleichen Verhältnis fortgeschritten, während die Löhne großen die Reparationsfommission die technischen Vorschläge der und wir sehen alle einer unvermeidlichen Niederlage entgegen. Es Teils noch auf Grund des Inder vom 15. Oftober berechnet werden. Königlich Belgischen Regierung zur Regelung der muß daher verlangt werden, daß man die bestehenden Berträge Auch dieses Ergebnis der Teuerungsstatistit zeigt also, daß der Inder Reparationen ihrer Finanzabteilung zur Prüfung und Bericht repibiert. Jegt ist die Stunde gekommen, um eine internatio.nur mit großer Vorsicht anzuwenden ist. Reinesfalls und erstattung überwiesen hat. Die Deutsche Regierung wird ihre nale Konferenz zwischen den interessierten Mächten einzu- bas fann bei derart fatastrophalen Wertschwankungen auch nicht der Bemerkungen zu den belgischen Vorschlägen der Reparationsfom. berufen. Man braucht sich weber an den Bölkerbundsrat noch an Sinn des Inder fein darf er als alleiniger Maßstab ber mission demnächst schriftlich mitteilen. Bei der Schwierigkeit der die Reparationstommiffion zu wenden. Es sind Berhand. Teuerung angesehen werden. In jedem Falle muß bei LohnfeftMaterie dürfte es zwemäßig sein, ihren Vertretern Gelegenheit Iungen im Gange, um eine berartige Ronferenz fegungen die weitere seit der Indererhebung eingetretene Teuerung zu geben, sich zu den belgischen Vorschlägen und den deutschen Be- einzuberufen. Ich glaube nicht, daß irgendeine der inter- burch besondere Zuschläge berücksichtigt werden. mertungen mündlich zu äußern. Die Verhandlungen der Ruhrindustriellen gescheitert. Düsseldorf, 24. Offober.( mtb.) Die Verhandlungen zwischen den Ruhrindustriellen und den Besagungsbehörden find gefcheitert. Die Franzosen haben ihre Forderungen vollständig effierten Mächte sich weigern werde, an einer derartigen Berhandlung teilzunehmen. Sollte jedoch wider Erwarten eine solche Weigerung einer Macht eintreten, so müßten die anderen Nationen zu fammentreten, um sich ernsthaft mit der Lage zu befaffen. Der General erklärte weiter, es sei von höchster Wichtigkeit, baß bie Bereinigten Staaten an der Ronferenz teilnehmen Die Kauffraft des Dollars, der stabilsten Valuta der Welt, bleibt hinter dem Workriegsstand gleichwohl erheblich zurück. Gemessen an den Großhandelspreisen für den Monat Juni dieses Sabres belief sie sich im Vergleich mit 1913 auf nur mehr 65 Cents. Der niedrigste Stand war mit 40 Cents im Monat Mai 1920 erreicht gewefen. wie der feinen Stüde der Golbantethe, b. b. ber mertbestän-[ auch als„ Diktator". Damals, als die Arbeitgeber in Patriotismus Gewerkschaftsbewegung digen Zahlungsmittel, ist im vollen Gange. Es hieße der Arbei- machten, war es der reiche Inhaber der Biomalzfabrit, der seinen Unmögliche Indexentlohnungen. Freigewertschaftlicher Attionsausschuß terschaft die wertbeständige Zahlung gefährden, Angestellten schon am 21. August 1914 ein von ihm unterwollte man in diesem Augenblick den Druck dieser Zahlungsmittel zeichnetes Formular zur Unterschrift vorlegen ließ, wonach fie auf verhindern. Eine solche Aktion würde sich direkt gegen die ihre gefeßlichen Rechte verzichten und sich mit täglicher KünDie Reichsinderziffer der Lebenshaltungstoften beläuft sich nach Interessen der Arbeiterschaft richten. digungsfrist einverstanden erklären sollten. Doch nicht genug Den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für Montag, den Die Buchdrucker haben mit ihrer Aktion den Beweis ihrer hiermit. Der sozial gesinnte Diktator Patermann veranlaßte be22. Oktober, auf das 3045 millionenfache der Borkriegszeit. aktiven Solidarität erbracht. Sie haben einen vollen Erfolg gehabt. reits 14 Tage später, am 2. September 1914, die fofortige Gegenüber der Vorwoche bedeutet das eine Steigerung von 340 Damit müssen sie sich begnügen, wenn sie diesen Erfolg nicht tom- Entlassung von sieben Angestellten Wohlwollenderweise erProzent. Die am Erhebungstage eingetretene Dollarsteigerung promittieren wollen. hielten vier von den fieben Angestellten für ganze drei Tage Gehalt auf 40 Milliarden tommt in dieser Inderziffer jedoch noch nicht als Abfindung, weil sie feinen Einspruch gegen die ungültige Entzum Ausdrud. Das geht besonders deutlich hervor aus der laffung erhoben. Der Rest der Angestellten durfte, trop NiesenGroßhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamtes, die gewinne und neuerbauter Villa in Wannsee, für das halbe pom legten Dienstag datiert ist, und die gegenüber der Borkriegszeit Gebalt weiter arbeiten. eine Steigerung auf das 14,6milliardenfache, gegenüber der Borwoche Das Vorstehende dürfte für heute dem Diktator Myro Patereine Steigerung um 1237 Prozent, beträgt. Wir haben also wieder die in den letzten Wochen beobachtete Erscheinung, daß die InderUm die angesichts der gegenwärtigen fatastrophalen Lage und mann genügen. Die Arbeitnehmerschaft aber sieht wieder einmal, wie die Wirtschaftsdiktatoren, die nach Aufhebung des Achtstundensiffer der Lebenshaltungskosten, nach der die Löhne festgesetzt wer- der sich hieraus möglicherweise entwickelnden kämpfe besonders arbeitstages nicht laut genug schreien fönnen, aussehen, wenn man ben, obwohl sie teilweise nur um einen Tag früher als die Inder, notwendige sie unter der Lupe betrachtet. ziffer der Großhandelspreise ermittelt wird, immer weiter hinter der tatsächlichen Teuerung zurüdbleibt. Leiden der polnischen Arbeiter in Frankreich. Es tommt außerdem hinzu, daß zwischen der Ermittlung zu erreichen, ist aus den Ausschüssen der Berliner GewerkschaftsWie das Parteiblatt der polnischen sozialistischen Partei, der der Lebenshaltungskosten und der Auszahlung der Löhne die tommission, des Ortstartells Berlin des AfA- Bundes und des Preissteigerung sich fortsetzt, eine Preissteigerung, die während der Ortsausschusses Groß- Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamten- Warschauer Robodnik", vom 6. Ottober mitteilt, hat der Haupt Berbrauchsmode im verschärften Tempo anhält. Es ist des bundes, dem Beispiel der Spikenzentralen folgend, ein Aktions- Arbeitsministerium eine Denkschrift gerichtet, die fich mit der Lage ausschuß des Verbandes der Ge wertschaften an das polnische halb vollständig ausgeschloffen, daß nach dieser Inderziffer weiter die ausschuß gebildet worden. der polnischen Arbeiter in Frankreich befaßt. Diese Dentschrift führt Löhne festgesetzt werden. Dieser Afflonsausfchuß hat seine Arbeiten fofort aufgenommen darüber Beschwerde, daß das französisch polnische Ab. und wird die Maßnahmen, die er im Einvernehmen mit tommen über die Beschäftigung polnischer Arbeiter den Spizenzentralen durchzuführen gedenkt, so schnell Die Arbeiterschaft muß fordern, daß die Löhne fünftig nicht nur wie alle Preise in Gold berechnet, sondern daß diese Löhne auch in wertbeständigen 3ahlungsmitteln ausgezahlt werden. Durch die jüngste Berfügung des Reichsfinanzministers ist diese Möglichkeit durchaus geschaffen. Gegen Hinterlegung von Goldanleiheftüden fönnen die industriellen Werke wertbeständiges Notgeld herausgeben. Weiter wird diese Goldanleihe in einen Stüden herausgegeben, die eine Lohnzahlung in diesem provisorischen wertbeständigen Zahlungsmittel ermöglichen. Das liegt nicht nur im Interesse der Arbeiterschaft allein. Auch der Kleinhandel wie bie Gefamtwirtschaft haben ein eminentes Interesse daran, daß das Durch einander in der Berechnung und in der Zahlungsmethode endlich aufhört. Brotestaktion im graphischen Gewerbe. Einheitlichkeit der örtlichen Gewerkschaftsarbeit wie möglich bekanntgeben. Internationale Arbeitskonferenz. P " in Frankreich die Rechte der polnischen Arbeiter nicht hinreichend berücksichtige, daß es außerdem von französischer Seite nicht eingehalten werde, während es von polnischer Seite an Schuß und Hilfe fehle. Im Absatz 5 dieser Dentschrift heißt es wörtlich: Wir fordern, daß sofort bei den französischen Behörden eingeschritten wird wegen der im höchsten Grade ungerechten und Die Konferenz ernannte nach sehr langwieriger Debatte die mit den Grundsägen des Abkommens wie mit den Bestimmungen Ausschüsse für die Brüfung der Arbeiterinfpettions des Arbeitsvertrages nicht übereinstimmenden Behandlung der fragen, ohne jedoch in die fachlichen Beratungen einzutreten. andarbeiter, die gezwungen sind, bis zu 16 Stun Den Berhandlungen wird eine ausführliche Denkschrift des Ar- den täglich zu arbeiten, die elend ernährt werden, mit 28 Staaten über die Richtlinien für die Organisierung der In- ren Lohn erhalten als der Arbeitsvertrag festsegt und die endlich beitsamtes zugrundeliegen über die Meinungsäußerungen von dem Hausvieh zusammenwohnen, einen geringespektion. Der verfassungsmäßige Ausgangspunkt der Beratungen aus Frankreich ausgewiefen werden, da sie unter so unmenschift Artikel 427 des Teiles 18 des Versailler Vertrages, der die lichen Bedingungen es nicht aushalten können und ohne Rat, ohne Organisierung des Inspektionsdienstes unter inauziehung Kenntnis der franzöfifchen Sprache benachteiligt werden und den weiblicher Mitglieder zur Sicherung der Durchführung Bertrag brechen." der Arbeitergefeße und Vorschriften fordert. * Lehrlingsausbildung. Die aus politischen Gründen seit Jahresfrist betriebene Agitation, die den Strom der polnischen Wanderarbeiter statt nach Deutschland nach Frankreich lenken will, scheint also nicht ganz im Interesse der polnischen Arbeiter selbst zu liegen. Die Funktionäre der graphischen Organisationen aus den Berfiner Zeitungs- und Banknotendruckereien waren gestern vormittag vollzählig im Gewerkschaftshaus versammelt, um zu der gewaltfamen Schließung der Friedrichstadt- Druckerei Stellung zu nehmen. Die gewerkschaftlichen Vertreter des Saar R. Braun berichtete über die Schritte, die um die Wiederöffnung gebietes batten ein Unterredung mit dem Präsidenten des Der Druckerei geführt wurden. Die Organisationsleitungen haben Berwaltungsrates des Arbeitsamtes, Fontaine, der gleichzeitig sich dieserhalb an Mitglieder des Reichsfabinetts, das Wehrkreis- Präsident des Verwaltungsrates der Saargruben ist, bei dem Abschlagszahlung im Malergewerbe. In einer gestern stattfommando, Polizeipräsidium usw. gewandt. Während die Bersammite wegen der Wiedereinstellung von 128 anläßlich des legten gefundenen Berhandlung einigten fich die Parteibertreter, ber BerTuna tagte, verhandelte eine Kommission nochmals mit dem Polizei- Streits entlaffenen Arbeitern vorstellig wurden. band der Maler, Filiale Berlin, und der Verband der Malerpräsidenten, die bewirkte, daß die fofortige Freigabe der geschäfte von Berlin und Vororten, dahin, daß alle Mittel aufFriedrichstadt Druckerei erfolgte, mit dem Hinweis, gewendet werden müssen, um das Wirtschaftsleben aufrechtzuerhalten. daß verbotene Druckschriften dort nicht hergestellt werden dürfen. Zu der in der Dienstag- Abendausgabe des Vorwärts" unter Um dieses zu ermöglichen, empfehlen die Vertragsparteien, am Die Bersammlung erklärte sich jedoch mit diesem Ergebnis nicht diefer Ueberschrift wiedergegebenen Notia des Deutschen Industrie- Freitag eine Abschlagszahlung von 50 Milliarden an alle in ber zufrieden und stellte weitere Forderungen, die in der Annahme nach- und Handelstages wird vom ADGB. geschrieben:„ Die Notiz des laufenden Woche vollbeschäftigten Gehilfen, für Kurzarbeiter entfolgender Resolution gipfelten: Bild von den Beratungen entstehen, die bisher über den GesetzIndustrie- und Handelstages läßt ein völlig entstelltes sprechend weniger zu zahlen. Für die faufmännischen Angestellten im Buchhandel müssen entwurf betr. die berufliche Ausbildung Jugendlicher stattgefunden fofort weitere 20 Septembergehälter gezahlt werden. Ebenso für Haben. Die Gewerkschaften denken nicht im entferntesten daran, die faufmännischen Angestellten der Briefumschlagbrance. Für die fich gegen die Einbeziehung der jugendlichen Arbeiter in das Ge- Angestellten in der Kolonialwaren- Kleinhandelsbranche find weitere seg und gegen die Beteiligung von Berufsschullehrern, Berufs 10 Septembergehälter sofort zur Auszahlung zu bringen. Für beratern usw. an der Arbeit der zu beschaffenden paritätischen Aus- die faufmännischen Angestellten in den Wurstfabriken wurde schüsse zu wenden. Sie sehen den Entwurf als eine geeignete bor dem Demobilmachungskommiffar eine Einigung dahingehend Grundlage zur gefeglichen Regelung des Lehrlingswesens an und erzielt, daß die Angestellten für Monat September die 80fachen haben nur insofern es an einer scharfen Kritit nicht fehlen laffen, Augustgehälter erhalten. als eine Sonderbehandlung des Handwerte vorge fehen und ferner die Zulässigkeit tariflicher Regelung von Lehrlingsfragen nicht einwandfrei ausgesprochen ist. Es muß hierbei feit gestellt werden, daß alle Gewerkschaftsrichtungen in diesen Fragen übereinstimmten." 1 Die Funktionärversammlung der geaphischen Berufe in Geldund Zeitungsbetrieben fordert die fofortige Aufhebung des Be lagerungszustandes und die Freigabe der Arbeiterpreffe( Rote Fahne"). Ist diese Forderung bis morgen, den 25. Oktober, vor mittags 9 Uhr, nicht erfüllt, so treten zunächst alle Banknoten- und Zeitungsbetriebe in den Streit Die Organisationsvorstände wurden beauftragt, sofort weitere Berhandlungen zu führen, um die aufgestellten Forderungen zu er Heute vormittag 10 Uhr findet im Gewerkschaftshaus eine weitere Funktionärtonferenz der Zeitungs- und Banknotendruckereien statt, um einen Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen entgegenreichen. zunehmen. Brotgeld in der Metallindustrie. Streit in Bremen. Die Arbeiterschaft der Hansa- Lloyd- Werke hat im Laufe des heutigen Vormittags die Arbeit niedergelegt und die Betriebe verlassen. Sie zogen darauf zur Norddeutschen Waggonfabrik und versuchten dort ebenfalls die Arbeiterschaft zur Niederlegung der Arbeit au veranlassen, was ihnen aber nicht gelang. Auf der Aktiengesellschaft Wefer liegt die Arbeit ebenfalls still, doch sind die Arbeiter im Betrieb anwesend. Auf den übrigen Werfen nimmt die Arbeit bis jetzt ihren Fortgang, nur im Hafen ist ein Teil der Arbeiter im Ausstand. Bisher ist es zu feinerlei Unruhen gekommen. Die Protestattion der Buchdrucker gegen die polizeiliche AusSperrung ihrer Kollegen der Friedrichstadt- Druckerei war ein schöner Beweis proletarischer Solidarität. Diese Protestattion hat zu einem durch schlagenden Erfolg geführt. DarFür die Betriebe, die dem VBMJ. angehören, wird auf Grund über hinaus jedoch die Aktion nach kommunistischem Muster gegenseitiger Vereinbarung ab morgen, Freitag, den beschäf weitertreiben", ohne sich mit den Spikenorganisationen in tigten Arbeitern täglich ein Brotgeld in folgender Höhe Verbindung zu sehen, ohne auch nur mit den in der Gewerkschafts- ausbezahlt: Verheiratete Arbeiter mit Kindern drei Brote, VerDer Streit in Oberfchlesien. Der Ausstand der Bergwerke und Tommiffion, im AFA- Ortsfartell und im Ortsausschuß des ADB. ver- heiratete ohne Kinder zwei Brote Ledigen ein Brot, Jugendlichen einigten Gewerkschaftsorganisationen in Verbindung zu treten, heißt ein halbes Brot. Verheirateten Arbeiterinnen mit Kindern zwei Hüttenbetriebe in Deutsch- Oberschlesien, der am Dienstag mit der diefe Solidaitätsaktion zu einer jener wilden fommunisti- Brote, Arbeiterinnen von 18 Jahren ab ein Brot, Jugendlichen ein Arbeitsniederlegung in einigen Betrieben begann, ist seit gestern fchen Butschattionen degradieren, die der Arbeiterschaft halbes Brot. Am Dienstag jeder Woche wird ein von Ver- früh nahezu vollständig. Von Kohlengruben arbeitet nur noch die fo viele Opfer gekostet haben. Die Aufhebung des Belagerungszu- bandlung zu Verhandlung festgesezter Borschuß gezahlt. Die Abwehrgrube, von Sütten die Julien- Hütte, die Drahtwerke der Oberschlesischen Eisenindustrie Weichsel in Hindenburg. Die Hauptstandes, die Freigabe der Roten Fahne" find politische Forde endgültige Abrechnung erfolgt Freitags. forderung der Arbeiter ist wieder die wertbeständige 2öhrungen, die über die Kompetenz einer Berufs oder nung. Nach den gestern in Berlin für den gesamten deutschen Industriegruppe hinausgehen. Es geht nicht an, daß Bergbau abgeschlossenen Lohnverhandlungen für Oberschlesien fommt einfach irgendeine Berufsgruppe, vielleicht weil fie im Augenblic Der Berliner Lofal- Anzeiger" brachte jüngst eine große Bio- ein Schichtlohn von 7,3 Milliarden für die vorige Woche und für für besonders lebenswichtig gehalten wird, zum Tummelplah die laufende Woche das 8-4fache heraus. Es fanden gestern mittag wilder politischer Aftionen gemacht wird. Es geht nicht malzreklame mit der Ueberschrift: an, daß politische Aktionen von irgendwelchen Berufsgruppen Berhandlungen mit den Gewerkschaften statt. auf eigene Faust unternommen werden. Das muß die Aktion der Arbeiterschaft aufs schwerste gefährden. Solche Etperimente sind eben in anderen Berufsgruppen, gerade in Berlin, miederholt gemacht worden. Man erfundige sich einmal, wie es dort heute aussieht. Auf Grund des dritten Wunsches nach der Aufhebung des Politische Aktionen fönnen nur von den Gesamt organis Achtstundentages dürfte es ganz interessant sein, wenn man fich sationen beschlossen und durchgeführt werden. Wer anders den Herrn Diktator"( Befiger der Biomalzfabrit Myro Paterhandelt, versündigt sich an der Arbeiterschaft. Besonders aber mann) einmal näher ansieht. im gegenwärtigen Augenblick. Der Drud der Rentenmart Wir kennen Herrn Batermann bereits seit 1914, und zwar Theater, Lichtspiele usw. 1. Theater I. d.Th. im Admiralspalast KöniggrätzerStr. 8 Uhr: Schweiger Tägl 74 Uhr Drunter und drüber Komödienhaus 8 Uhr: DeutschOpernhaus U.: Mein Vetter Eduard, Lohengrin Berliner Theater( Aktionärkarten gültig! 7.30: Dolly Große Volksoper VINT OBRIEN Volksbühne 72 Uhr: Der Herr„ Diktator". „ Wenn ich der Herr Diktator wäre...," Als erstes Allheitmittel würde der Herr Diktator" Biomalz und als zweites Staomalt verordnen. Nach der dritten Verordnung sollte jeder ein Jahr lang täglich eine Stunde länger arbeiten. Weh' dem, der ligt! Apollo- Theater Lessing Theater 72 Uhr: Rausch Freitag 7: wie es euch gefällt Sonnab. bis Mont. 72/2: Rausch sch. Künstler- Th. Heute u.morgen7 Fürst v. Pappenheim Sonnab. 7: Z 1.Male: Tybbke( Adalbert) Rose- Theater 734 Uhr: m Theat d Westens weißen Röẞ'l 7 U.: Zar und Zimmermann Intimes Theater Casino- Theater 7 Die große Revue 72 Europa spricht davon! 6 Balletts' 200 Mitwirkende! Gastsp.Senta Söneland, Senius Hugo Flink, Ferenczi, Mathäus usw. Cafe Wielka Friedrichstr. 60 Ecke Leipzigerstr arieté Kabarett im Konzertsaal u. Margaretensaal Sehenswertes Programm. 8 Uhr: Abendbesuch 8 Uhr: Die neuen Reichen Der Ehemann ohne Frau Nachm. 41% u. abends 784 Uhr. Varieté- Programm Die k. u. k. Hose etc. 27. Okt z. 1. Male: Rauchen gestattet! Metropol- Theater Th.a. Kotib. Tor: Casinogirls Täglich 7'/ 2 Uhr u, Sonatag nach Neues Theat. a. Zoo mittag 3 Uhr: ELITE- Uhr Sänger Die Luxusirau Thalia- Theater U. a. 12: Die ScheidungsDerHausschiüssel SCALA 8 reise Theater i.d.Kommandantenstr. Täglich 72 Uhr: Charlie Wallner- Theater 8 Wohnungstausch in u. nach Berlin sowie von Berlin nach auswärts am schnellsten durch eine Anzeige im Groffer Wohnungsanzeiger Berliner als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u. Tauschwohnungen Unter der Rubrik, Möblierte Zimmer zu vermieten" werden Meldungen von Vermietern kostenlos veröffentlicht. Verbund. mit d.„ Gr.- Berliner Wohnungsanzeiger" ist der Anzeiger für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe Uhr Jnternat.hr: Causa Kaiser Bei allen Zeitungshändlern und Kiosken zu haben. Varieté Lustspielhaus ,, Die Truppe 8: Yom Teufel geholt Verlag und Hauptanzeigenannahme: Zeltungszentrale( ZZ.) Aktiengesellschaft Jerusalemer Str. 5/6: Fernsprecher: Dönhoff 3310-3312 Deutscher Holzarbeiterverband. Mufitinftrumentenbranche. Funktionärver. Für die laufmännischen Angestellten im Speditionsgewerbe! Bersammlung der Funktionäre der Spedition Freitag abend 7½ Uhr in der Schlesischen Seimat", Neue Friedrichstraße 1. fammlung heute abend 7 Uhr im Reichenberger Sof. Berantwortlich für Politik: Crust Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. DECLA- BIOSCOP- FILM DER UFA Die Austreibung NACH DEM SCHAUSPIEL von CARL HAUPTMANN. MANUSCRIPT: THEA v.HARBOU REGIE: F. W. MURNAUS Steyer. PERSONEN: ..... Eugen Klopfer Ludmilla, se twee Aud Egede Nissen Vater Steyer.. Mutter Steyer. Carl Götz Jika Grüning Anne, Steers Tode Lucie Mannheim Wilhelm Dieterle Lauer.. Jacob Tiedke Robert Leffler Rentschreiber.. Pfarrer.. Bauten: Rochus Gliese und Erich Czerwonski Photographie: Kart Freund URAUFFÜHRUNG HEUTE U.T. KURFÜRSTENDAMM Komische Oper Direktion: James Klein. 72 Die größte Revue am Kontinent 72 Die Welt ohne Schleier Uebertrifft an Ausstattung alle Bühnen Europas Auftret. d.prominentest. Darsteller d. In- u.Auslandes Elsa Berna Bruno Kastner Arnold Rieck Rosa Felsegg Madge Lessing a.London Liesl Tiersch 3 Mandleys a. Kopenhagen. ReichshallenTh. Täel. 7 U. u.Sonnt. 3U. Stettiner Sänger Paul Westermeier Ant. Herrnfeld u.Berisch Mr. Dongson a. NewYork gestiegen im Preise sind Ungeheuer alle Lebensmittel u. Bedarisartikel. Kleine Anzeigen billig! im Vorwärts sind immer noch Bekanntmachung An Notgeld der Deutschen Reichsbahn gelangen mit Buftimmung des Herrn Reichsministers der Finanzen und der Länderregierungen nunmehr auch 200 und 500- Millionen- Markscheine in den Bertehr. Sie sind auf einem seegrünen Papier mit verschränkten, doppellinigen Quebraten als Wasserzeichen, ge brudt und tragen den gleichen Wortlaut. wie die 10- Millionen gn fcheine. jedoch als Ausgabetag den 10. Oftober 1923. Die Mitte des Untergrundes ist ein Flügelrad eingearbeitet. Der 200 Millionenschein ist 75X135 mm groß, hat iris. farbenen Untergrund braun violettbraun und trägt an der linten Seite die Wertbezeichnung in braun ,, 200 000 000. Tegt, Serienbezeichnung und Nummer find schwarz gedruckt. Der 500 Millionenschein ift 75 X 145 mm groß, hat irisfarbenen Untergrund grün- grau- grün und trägt an der linken Seite in jfchwarz die Wertbezeichnung 500 000 000". Text, Serienbezeichnung und Nummer sind schwarz gedruckt. Berlin, den 22. Oftober 1923. Der Reichsverkehrsminister. Deser. [ 139/2 Nr. 499 ❖ 40. Jahrgang Seilage öes vorwärts Donnerstag, 2S.