Abendausgabe Nr. 504 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 254 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 500 Millionen E. Sonnabend 27. Oktober 1923 Verlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2508-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Das Urteil im Küftriner Putschprozeß. " Römische Jubelfeier. " O. L. Rom, den 22. Oftober 1923. Am 28. Oktober wird sich das ganze offizielle Italien in 10 Jahre Festungshaft für Buchrucker und Gefängnis für die Komplizen. ein viertägiges Nationalfest" stürzen, um den fofibus, 27. Oktober( BS.) 3m küftriner Butsch- würdigkeit des bewaffneten Butsches heranreicht, zu 11 Jah Marsch der Faschisten auf Rom", der vor einem Jahre stattProzeß wurde heute vormittag 11 Uhr das Urteil verkündet. ren 3uchthaus verurteilt wurde. Er hat schon ein volles fand, würdig zu feiern. Mit einer Messe fängt die Sache an, Des Hochverrats wurde nur der Hauptangeklagte Major a. D. Jahr davon hinter Buchthausmauern verbracht, ohne daß die noch dazu mit einer" Feldmesse", dann folgen Reden, OrdensCruft Buch rucker schuldig befunden und wegen dieses Bergehens bayerische Regierung ihr Versprechen eingelöst hätte, eine neue perleihungen, Musik, deftzüge. Die Schulen werden gezu zehn Jahren Festungshaft sowie zu 100 milliarden Geldstrafe verurteilt. Gegen alle übrigen Angeklagten wurde nur untersuchung des Falles einzuleiten. Fechenbach hatte beschlossen, die Häuser beflaggt und illuminiert; feit auf Beihilfe zur Amtsnötigung gemäß§ 114 StGB. kanntlich nur Artikel in der Auslandspresse veröffentlicht und Monaten arbeitet eine eigene Kommission das Programm der erlannt, so daß alle übrigen Angeklagten nicht zu Feftung, fondern wurde deshalb vom Volksgericht ins Zuchthaus geschickt. Buch- Festlichkeit aus, um, wie sich der Hohe Rat des Faschismus" zu Gefängnisstrafen verurteilt werden mußten, und zwar Major rucker und seine Landsknechte aber halten militärische Organi- bescheiden ausdrückt, das„ größte revolutionäre Ereignis" der a. D. Frizz Herzer zu 2 Jahren 6 Monaten Gefäng- fationen gebildet und die Reichswehrdienststellen in Küstrin letzten Jahre gebührend zu ehren. Von der Messe bis zur nis, Oberleutnant a. D. Peter Voigt zu 6 Monaten Ge- mit bewaffneter Macht überfallen. Dafür wird Kranzniederlegung an der Gruft des unbekannten Kriegers fängnis, Kaufmann Hans Hayn zu 8 Monaten Gefängnis, Buchruder mit der sogenannten„ Ehrenhaft" belegt, während werden alle Seiten aufgezogen, um ein Ereignis zu feiern, Zahnarzt Herbert Fliege zu 5 Monaten Gefängnis, cand. chem. Gerhard Reichel zu 5 Monaten Gefängnis, Oberleutnant a. D. Fechenbach weiter im Zuchthause verbringen muß. Ist das daß im Grunde nichts anderes war als ein auf unparlaGeorg Walter, Landwirt Eduard Stobbe, Oberleutnant Ernst Münchener Volksgerichtscrteil und seine Vollstreckung ein mentarische Weise vollzogener Ministerwechsei. Schrent, Kaufmann Willi Wojcze wsti ju je 3 Monaten offener Gewaltaft gegen einen in Bayern so verruse- Wenn die Sitte einreißen sollte, daß jedes Ministerium den Gefängnis, die Angeklagten Landwirt Hans& örige, Ingenieur nen„ Marristen", so nimmt sich das Kottbuser Urteil in seiner Sieg feines Amtsantritts durch viertägigen Festtaumel begeht, Dabkowski, Landwirt Hermann Kühn und Landwirt Georg Milde und seiner offenen Beiseite schiebung der Ausnahmever- wird das italienische Parlament schon aus SparsamkeitsrüdBurchardt wurden freigesprochen. ordnungen fast als eine Begünstigung des bewaffneten But ſichten gut tun, kein Kabinett den ersten Jahrestag seiner Befizzergreifung erleben zu lassen. Die Kosten des Verfahrens wurden, soweit Freisprechung er- sches aus. folgte, der Staatskaffe, im übrigen den Verurteilten auferlegt. Allen Berurteilten wurden 3 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Die Haftbefehle mit Ausnahme derer gegen die Majore Das Gericht Buchrucker und Herzer wurden sämtlich aufgehoben. lehnte ferner die von der Anklagevertretung gegen den deutschvölkischen Reichstagsabgeordneten v. Gräfe und zwei anderen Zeugen beantragten Ordnungsstrafen wegen Nichterscheinens ab, da die Zeugen nicht unentschuldigt weggeblieben seien. Für die Urteilsbegründung wurde auf Antrag des Anklagevertreters Die Verkündung des Urteils vollzog sich unter so ungewöhn lichen Umständen, daß von einer förmlichen Sabotage der Berichterstattung gesprochen werden muß. Die Pressever treter wurden am Gefängnistor zurückgehalten und ihnen der Weg zum Verhandlungsfaat erst dann freigegeben, als der Vorsitzende bereits die letzten Urteilssätze verkündet hatte, so daß eine halbe Minute später schon wieder die Oeffentlichkeit den Saal und das Gefängnis verlassen mußte. die Deffentlichkeit sofort wieder ausgeschlossen. Der bayerische Hochverrat. Erklärung der Reichsregierung. " Nun glaubt aber der Faschismus ganz im Ernst, daß der Marsch quf Rom" eine revolutionäre Tat war, weil innerhalb der faschistischen Partei seither vieles anders und vieles besser geworden ist. Das Volk ist vielleicht Die Erklärung der Reichsregierung gegen anderer Meinung; es erinnert sich. daß die Toten in Kahr, die gestern in später Nachtstunde beschlossen wurde seinen Reihen ein wenig zahlreicher waren als die faschistiund heute früh hier auszugsweise veröffentlicht wurde, hat schen, ohne daß man für sie eine Feldmesse hielte. Aber das folgenden Wortlaut: Länder, die auf Anregung des württembergischen Staatspräsidenten illuminieren den Dissidenten zu stehen kommt. Sicher ist, daß In der Sigung der Ministerpräsidenten und Gesandten der Bolt muß mitfeiern; nach dem Fest wird man besehen können, wie hoch das Nichtfeiern, das Nichtflaggen und NichtDr. v. Hieber vorgestern stattfand, ist der einmütige Wunsch die gewaltsamen Methoden allein feine Reder deutschen Länder zum Ausdruck gekommen, den Konvolution machen, sonst wären wir in Italien in den letzten flikt zwischen dem Reich und Bayern zu beseitigen. Der bayerische anderthalb Jahren aus der Revolution gar nicht herausGesandte Herr v. Preger hat in Vertretung der bayerischen gekommen, und sicher ist weiter, daß eine VerfassungsStaatsregierung bei diesen Berhandlungen wiederholt zu erkennen anderung nicht eingetreten ist. Berfassung und gegeben, daß der bagefischen Staatsregierung daran gelegen sei, einen annehmbaren Weg zu finden, um diesen von ihr Gesetz sind für einen Teil der Bevölkerung praktisch außer bedauerten Konflikt zu lösen. Der Reichskanzler hat sich dieser Er- raft gefeßt, bestehen aber auf dem Papier weiter. Man flärung angeschloffen und den Dank der Reichsregierung dafür zum Ausdruck gebracht, daß die Länder sich bemühen, einen Weg für diese Lösung zu finden. lebt in Italien nicht in einer revolutionären Periode, sondern einfach in einer Zeit der Nichtachtung von Recht und Gesetz. einfach in einer Beit der Nichtachtung von Recht und Gesetz. welche Nichtachtung von der Regierung und ihren Organen ausgeht. Ein folcher Zustand ist zwar nicht der eines geordneten Staatswesens, aber noch lange nicht der einer Revo lution! Die Putschisten von Küstrin haben milde Richter gefunden. Vollkommen militärisch ausgerüftet, haben sie verfucht, die militärische Gewalt in der Festung Küstrin Seute nun erläßt der bayerische Generalstaatskommissar an sich zu reißen. Zu diesem Zweck besetzten sie die Kommandantur und die innere Stadt, furz, fie machten sich p. Kahr eine Erklärung, wonad er es ablehnt, mit der bereit, von Küstrin aus dem Rechtsputsch in ganz derzeitigen Reichsregierung in Verhandlungen Das Jahr, das ins Land gegangen ist, feit der UnverDeutschland zum Siege zu verhelfen. Wenn ihnen das einzutreten. Diese Erklärung ist an sich praktisch belanglos, stand Factas und die Sorge Viktor Emanuels III. um die nicht gelang, so lag das nicht an threm guten Willen, sondern denn die Vertretung Bayerns liegt in den Händen der bayenrischen Stand Factas und die Sorge Bittor Emanuels III. um die vor allem daran, daß schon vorher ein Haftbefehl Staatsregierung und nicht bei Herrn v. Kahr, der lediglich mit der Krone den faschistischen Banden den Einzug in Rom freigegen ihren Führer Buchruder und feine Kumpane auf Grund Wahrnehmung der Funktionen vertraut ist, die sich aus der Verstellte, ist von der faschistischen Partei nicht unbenutzt gelassen des Ausnahmezustandes verhängt worden war, und daß der längerung des Ausnahmezustandes in Bayern er worden. Sie hat ihr Programm der Besizergreifung in Rüftrin fommandierende Oberst Gudovius sich durch den geben. Um so unverantwortlicher ist es, wenn Herr v. Kahr der Staatsstellen durch ihre Parteiangehöri Vorsto in seiner militärischen Kommandogewalt bedroht sich dem Wunsche der Reichsregierung, dem einmütigen Bunsche gen fast völlig verwirklicht, und hat auch schon den Kreisen fühlte. der Länder und dem durch den bayerischen Gesandten ausgesprochenen des Bank, Industrie- und Agrarfapitals, die den Faschismus Der Butsch erfolgte in der Nacht vom 30. September zum Wunsch der bayerischen Staatsregierung, die Reichseinheit zu sichern, großziehen geholfen, manchen Gegendienst erwiesen. Im ganzen durchdringt der Faschismus seine Gesetz 1. Oktober. Bier Tage vorher war die Werordnung des durch sein Verhalten faktisch widersetzt. Das tut der bayerische Reichspräsidenten über die Verhängung des Aus- Generalstaatskommissar in einer Zeit, in der die bayerische gebung mit durchaus antidemokratischem, das große Kapital nahmezustandes für das ganze Reich veröffentlicht Pfalz in Gefahr ist, in französische Abhängigkeit zu geraten, in der förderndem Geiste..Daher Be steuerung des Arbeitsworden. Im§ 4 dieser Verordnung findet sich die folgende Rhein und Ruhr von dem französischen Vernichtungswillen be- 1ohns der Arbeiter von Staats- und Gemeindebetrieben, ganz eindeutige Vorschrift: droht sind wie kaum zuvor, in der Hunger im Innern und Ver. Abschaffung der Erbschaftssteuer, Erhöhung der „ Wer den im Interesse der öffentlichen Sicherheit erlassenen gewaltigung von außen uns bedroht und in der die Reich sein Eisenbahntarife für die dritte Klasse, bei Beibehaltung der Anordnungen des Reichswehrministers oder des Militärbefehlshabers heit notwendiger ist als je. Sein Verhalten ist eine An- alten Preise für die erste, Abschaffung des Mieterschukes und zuwiderhandelt oder zu solcher Zuwiderhandlung auffordert oder maßung, die in seiner Stellung feine Begründung findet und die Aufhebung fast aller Lurussteuern usw. Aber daanreizt, wird, sofern nicht die bestehenden Gefeße eine höhere Strafe die Reichsregierung zurückweist. Sein ganzes Tun und Lassen, das mit löft er sein Problem der Behauptung der Regierung nicht; bestimmen, mit Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 15 000 Goldmart sich gegen jeden Versuch wendet, die Reichseinheit auf dem Wege eine Partei fann leben als Ausdruck der Intereffen des Großbestraft. Wer durch Zuwiderhandlung nach Abfah 1 eine gemeine des Bersehens wieder herzustellen, muß dem Urteil des de ut fapitals, aber eine Regierung in einem modernen Staate fann das nicht. Gefahr für Menschenleben herbeiführt, wird mit 3uchthaus, bei schen Boltes überlassen bleiben. mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter 6 Monaten und, wenn die Zuwiderhandlung den Tod eines Menschen verursacht, mit dem Tode, bei mildernden Umständen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Daneben fann auf Vermögenseinziehung erfannt werden." Nun ist allgemein bekannt, daß der Vorstoß der bewaffneten Garden Buchruckers nicht nur eine gemeine Gefahr für Menschenleben, sondern tatsächlich den Tod eines Menschen herbeigeführt. Nach der flaren Borschrift der Verordnung des Reichspräsidenten mußte also gegen Buchrucker die Todesstra fe oder, wenn man mildernde Umstände annahm, auf 3uch thaus nicht unter zwei Jahren erkannt werden. Durch die Erklärung des Kahr und die Antwort der Reichsregierung ist eine gewisse Klärung der Lage eingetreten. Kahr verhandelt nicht mit dieser" Reichsregierung, und diese Reichsregierung verhandelt nicht mit Kahr. Daher das Anschlußbedürfnis, nicht des Faschismus, aber der faschistischen Regierung. Dieses ist zunächst zum Ausdruck gekommen als Einverleibung der Nahestehenden, die gleichzeitig als Gegner und als Konkurrenten in Betracht kamen, nämlich der Nationalisten. Bei der Einverleibung erging es den Faschisten wie dem alten Rom bei der Unternen drückten ihren Geist den Siegern auf. Der Nationalismus, der sich aus der bürgerlichen Intelligenz des Landes rekrutiert, verleiht dem Faschismus immer mehr fein geistiges Gepräge: fein 11tramonarchismus tritt immer mehr in den Bordergrund, ebenso wie seine imperialistischen Bahnvorstel lungen. Bei dem Bündnis haben zwar die Nationalisten ihre Wer ist diese" Reichsregierung und wer ist Kahr? Diese" Reichsregierung ist eine verfassungsmäßige Regierung, die sich auf mehr als eine Zweidrittelmehrheit der gewählten werfung Griechenlands: die an Kultur reicheren Unterworfe= Volksvertretung des Reiches stüßt. Hinter ihr stehen auch die bayerischen Sozialdemokraten, die bayerischen Demokraten, die bayerischen Deutschen Volksparteiler. Bayerische Volkspartei und Bayerischer Bauernbund haben im Reichstag bis her eine entschiedene Kampfstellung nicht eingenommen. Das ist diefe Reichsregierung. Wer aber ist dieser Statt dessen hat das außerordentliche Gericht in Stottbus Kahr? Diefer Kahr ist von der bayerischen Regierung auf bewaffneten Rohorten eingebüßt, aber im Grunde haben sie den Putschisten Buchrucker zu der Ehrenstrafe von Grund einer verfassungswidrigen Ausnahmeverordnung zum den Faschismus mehr verändert als er sie. Vom Nationalismus ging dann das Ausdehnungsbedürf Festungshaft und seine Komplicen nur wegen ,, Beamten- Generalstaatskommissar ernannt. Er hat diese Stellung dazu nötigung" zu Gefängnis verurteilt. Das außerordentliche Ge- mißbraucht, das Koalitionsrecht so zu fnebeln, daß sich selbst nis des Falchismus auf die klerifalen Elemente über, richt hat also die Ausnahmeverordnung des Reichspräsidenten der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband Bayerns da- wobei Mussolini es durchsetzte, die klerikale Volkspartei( Popoganz außer Betracht gelassen. Welche Gründe es dazu veran- gegen an das Reich um Schuh wandte. Er hat den Komman- lari) in einen Gegenfag zum Vatikan zu bringen; laßt haben, tönnen wir nicht feststellen, da die Urteilsbegrün- danten der Reichswehr in Bayern, den General v. Lossow, heute stügt sich die faschistische Regierung dung unter Ausschluß der Deffentlichkeit erfolgt ist. Die zu Eid- und Treubruch verleitet und die in Bayern stehenden mehr auf den Batitan als auf den politisch organiaußerordentliche Milde aber, die den bewaffneten Scharen zu- Reichswehrkontingente in rechtswidriger Weise unter feinen fierten Kleritalismus. Die dem Vatikan gemachten Zugeständnisse sind bekanntlich sehr groß: Einführung des obliteil wurde, wird im ganzen Reiche Aufsehen erregen. Stellt Befehl gestellt. Dieser Kahr lehnit es ab, mit dieser Reichsregierung aatorischen Religionsunterrichts in den Staatsschulen, Ansie für weitere Versuche gleicher Art doch geradezu einen Freibrief aus. Man denke nur daran, welche Urteile seinerzeit zu verhandeln, und die deutschnationale Partei bringung des Kruzifires in den Schulräumen und vor allem von den außerordentlichen Gerichten wegen des mittel- leiht ihm in einem Aufruf ihre Unterstützung und stellt sich völlige Gleichstellung der Staatsschulen mit den privaten, was dem ausgedehnten Lehrapparat der verschiedenen Mönchsdeutschen Aufstandes verhängt worden sind, und man ganz auf feinen Standpuntt. und Nonnenorden einen ungeheuren Vorsprung gibt. wird den klaffenben Unterschied zwischen dem Kottbuser Urteil und jenen sofort finden. Es drängt sich auch die Erinnerung daran auf, daß der sozialistische Schriftsteller Fe chenbach in München wegen einer Handlung, die auch nicht im geringsten an die StrajGibt es einen Hochverrat gegen das Reich, wenn das feiner ist? Und was gedenkt die Reichsregierung gegen diesen Hochverrat zu tun? Dollar 65 Milliarden. Aber noch immer scheint Mussolini die Basis seiner Regierung nicht breit genug; er hat von Giolitti die Vorliebe für überwältigende Mehrheiten geerbt. Und er braucht eine umfassende Mehrheit, weil ihm die innere 3errissenheit der faschistischen Partei in verschiedener Hinsicht ge- jährlich wird. Der innere Zwist und Hader in der Partei wird immer größer. Einige Störenfriede hat Mussolini schon unschädlich gemacht, so namentlich den Rechtsanwalt De Necchi, der sich als Unterstaatssekretär für Kriegspensionen völlig unmöglich gemacht hatte. Er ist Mm Gouverneur von Somalien ernannt worden, da Italien über keine entferntere Kolonie verfügt. Auch Micheline Bianchi ist als General- sekretär der faschistischen Partei abgesägt worden; an seiner Stelle tritt ein gewisser Giunta, ein Abgeordneter, der in einer der ersten Porlamentssitzungen mit dem Revolver inder Tasche erschien und der in der Kammer erklärt hat, man werde die nächsten Kammerwahlen„mit dem Knüppel" machen. Die Uebergabe des alten„Direktoriums" an das neue ist in der faschistischen Presse als Akt„erhabener Disziplin" verherrlicht worden, obwohl wirklich nicht recht einzusehen ist, wie in einem überhaupt noch lebensfähigen Organisations- gebilde die normale Uebertragung der Funktionen verweigert werden könnte. Daß an Stelle Bianchis ein notorischer Ver- fechter der Gewaltmethoden, wie Giunta, tritt, darf aber nicht als ein Zugeständnis Mussolinis an die unruhigen Elemente in der eigenen Partei aufgefaßt werden. Das Direktorium ist heute jeden Einflusses entkleidet und kann nur noch in inneren Partsiangelegenheiten befinden. Die Diktatur innerhalb der Partei ist seit den letzten Beschlüsien Mussolinis im Hohen Rat so sehr verschärft, daß eigentlich alles vom Ministerpräsidenten abhängt. Nun ist aber der innere Zwiespalt der Partei der Regierung abträglich, infofern die Parteigrößen der Pro- vinzen bei den Methoden bleiben möchten, durch die der Faschismus zur Macht gelangt ist, bei Gewalttat und Rechtsbeugung, wäbrend man in Rom fühlt, daß da- durch auf die Dauer das Land in Mißkredit kommt und daß die praktische Aufl)ebung der Rechtsgleichheit unter den Bür- gern den Staat erschüttert. Daher die Tendenz Mussolinis, die Parteibefugnisse immer mehr einzuschränken und die Parteigewalt immer mehr in seine Hände zu bringen, wo sie mit der Regiernngsgewalt zusammenfällt. So hat der Fafchis- mus jetzt eine Abteilung für Propaganda: seine Presseabteilung macht sich wieder einmal in Bedrohungen der Iourna- listen Luft, die im Auslande den Faschismus kritisieren. Es werden also jetzt den verschiedenen Parteien Avancen gemacht, wobei es Mussolini geht, wie es Giolitti ging: ihre Menschenverachtung erweist sich als Men- schenkenntnis. Auf feine Avancen nach links hin hat sich aus der sozialistischen Bewegung ein Flügel als „Gironde" ausgeschieden, der zu jeder Dienstleistung erbötig ist: geistiger Führer dieser neuen Schattierung ist natürlich Enrice Ferri, der keine Gelegenheit ungenützt lässen will, unt allen darzutun, daß er keine politische Eigenwärme hat. Blickt man auf das verflossene Jahr zurück, so kann man sagen, daß Musiolini die Giolittkmer mit eisernem Besen aus- gekehrt hat, und jetzt nach Giolittischen Methoden zu regieren sucht. Er hat dabei die ganze Rechte auf seiner Seite, als Sachwalter der Interessen des Militarismus und des Groß- kapitals, während Giolittis Anhang mehr nach dem mittleren und kleinen Bürgertum bin gravitierte. Gefährlich ist ihm die Unbändigkeit in den eigenen Reihen, weshalb sein nächstes Ziel darauf gerichtet ist. den Faschismus immer mehr zu einem reindekorativen Elementzu machen. Mufso- lini bleibt, der Faschismus kann gehen. Heute, ein Jahr nach der Besitzergreifung, ist der Faschismus innerlich zerklüftet, aber der Mussolinismus ist eine an Bedeu- tung und an sittlichem Gehalt dem Giolittismus eng ver- wandte Macht, die sich, auch gegen den faschistischen Geist, be- haupten wird. Gegen üie Reichswehr in Sachsen. Der Landesarbeitsausschuß der Bereinigt-m Sozialdemokratischen Partei Sachsen, der Bezirksausschuß Sachsen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Allgemeine freie Angestelltenbund, das Landessekretariat Sachsen und der Allgemeine Deutsche Beamtenbund, Landesausschuß Sachsen, Gespräch im Zwielicht. Von hau» fflothrnann. Ein« feindselige kühle Dämmerung wehte durch die Straßen. Kaum daß es fiins Uhr war, krochen schon ganz tief« Schatten über die Häuserfronten, deren eintöniges, schmutziges Grau nur das lichtlose, schmerzhaft« Blmzeln toter Fensterscheiben unterbrach. Zwei Arbeiter schritten fröstelnd, langsam und müde mit klappenden Schritten heimwärts. Plötzlich war die Straße phantastisch erhellt. In vier Stock- werten wird jäh«ine riesige Lichtsülle entfesselt. Brutal und aufreizend stürzte sie in das Brau der Dämmerung und zersetzt« sie mit yr«llen, zuckenden Strahlenkegeln. Vor dem gewölbten Portal ratterten ungeduldig drei Automobil«. „Die Bank macht Ueber stunden," murmelte der ein« Arbeiter und sah geblendet an dem protzige» Gebäude aufwärts. „Und wir?" .Avb«it«» von nächster Woche ab nur noch drei Stun>den am Tage." Gequält kamen die Worte. Hinter ihn«n standen dunkle Bilder von Weib und Kind, llchtloser, kalter Stube, Hunger und großer Entbehrung. Sie blieben«inen Augenblick stehen, starrten aus die eleganten Automobile und fühlte», wie der Haß nach ihrem Herzen griff. „Hier wird auf unsere Kosten, auf Volkes Rücken spekuliert und verdient." sagte der erst« und zog sein« dünne Jacke über der nackten Brust zusammen-„Mit unserem Elend, unserem Hunger, dem Siechtum unserer Kinder bezahlen wir den Ueberfluß der anderen." Der zweit« lächelt« gewaltsam, als er fühlte, wie sein« horte Faust sich krampste. „Wer kann das noch ändern? Die Partei..." d«r ander« seufzte:„ist arm." „Arm gemacht von den Dolksbetrügern, wie wir selbst. Arm und ohnmächtig gemacht, bewußt und zielsicher. Die Reaktion allein hat Geld, rüstet, baut auf. Wir bauen ab." Sie schwiegen einen Augenblick. „Endlich schrie der zweite fast:„Warum haben wir uns da- gegen nicht gewehrt, als es noch Zeit war, warum haben die G«- wertschasten gewartet, bis ihr Geld entwertet war, so daß wir kaum noch einen Streik führen können? Haben sie das Ziel der besitz- starken Reaktion nicht erkannt? Haben sie nicht gemerkt, wie sie selbst durch den Morkstnrz abgewürgt wurden, ohnmächtig gemacht, während die anderen mit jedem Auswärtsspringen des Dollar mäch- tiger und übermütiger wurden?" Der erste sann nach.„Wir hoben ja nie mehr gehabt als unsere Arbeitskraft, unsere Fäuste und die Masse der Enterbten. Damit erlassen folgenden gemeinsamen Aufruf an die werktätige Be- völkerung Deutschlands: In schicksalsschwerer Stunde wenden sich die unterzeichneten Organisationen an die werttätige Bevölkerung Deutschlands. Das proletarisch« Sachsen ist auf das Schwerste bedroht. Di« R«ichsexekutive hat, angeblich um Ruhe und Ordnung und ver- fosstmgsmäßige Zustände wieder herzustellen, nach einer anderen Begründung, um Sachsen gegen Bayern zu schützen, bisher bereits etwa 60 000 Mann Reichswehr in Sachsen einmarschieren lasten. Es hat sich aber bereits fetzt unzweideutig ergeben, daß sich der Einmarsch der Reichswehr einzig und allein gegen die sächsische Bevölkerung richtet. Mitglied«? der beiden proletarischen Parteien werden grundlos verhaftet. Ausschreitun- gen, die an Kriegszustände erinnern, werden gegenüber friedlichen Passanten verübt. In Pirna gab es Tote und Verwundete, deren Verletzungen beweisen, daß auf sie von hinten, während sie den Platz räumten, geschossen worden ist. Das ist selbst durch deck Stadtrat von Pirna, mit Einschluß seiner deutschnationalen Mitglie- der, in einem öffentlichen amtlichen Protest seftge- stellt worden. Arbeiter wurden an einzelnen Orten grundlos mit den Ge- ivehrkolben geschlagen: teilweise ist, wie in Freltol, an friedlichen Bürgern die Prügelstrafe vollzogen worden. Die Erregung der Bevölkerung ist spontan aufgeflammt. Die Arbeiter haben zum Teil demonstrativ die Arbeit niedergelegt. Die Erregung wird um so größer, als das Militär sich bereits anschickt, über die, durch die Verfassung gesicherten Rechte der ver- fastungsmäßig gebildeten Regierung des Landes, der keinerlei Der- fastungsverletzung nachgewiesen werden kann, hinwegzuschreiten. Haussuchungen bei der Dresdener Polizeidirektnrn, Aufforderungen an die vezirtsschulmpter unter Umgehung der Regierung, mißliebige L«hrer zu entfernen und zu bestrafen, die D e r h a f- tung eines Regterungskommisfars wegen amtlicher Handlungen, für die er mir der Regierung verantwortlich ist. beweisen, wohin der Kurs führt. Die Reaktion hat schon seit Monaten nach der Reichsexekutive gegen Sachsen geschrien. Beson- ders taten es die sächsischen Industriellen. Der Reaktion war es nicht möglich, durch die letzte Landtagswahl die sozialistisch« Regie- rung zu stürzen. Da dies versastungsmäßig nicht gelang, glaubt sie nun im Zeichen d«s Ausnahmezustandes ihre Ziele verwirklichen zu können. Di« Reichswehr, stark aufgefüllt durch faschistische El«- ment«, wird von der Reaktion als ein geeignetes Instrument im Kamps« gegen die sozialistische Arbeiterschaft betrachtet, obwohl diese die stärkste Stütze der Republik und der Eitiheit des Reiches ist. Bis zum Einmarsch der Reichswehr herrscht« Ruhe und Ordnung im Freistaat Sachsen. Alle entgegengesetzten Nach- richten der bürgerlichen Presse sind unwahr und verfolgen den Zweck, einen Scheingrund für den Einmarsch der bewafsneten Macht in friedliches, von einer Arbeiterregierung geleitetes Land zu schaffen. Unruhen, die im Reiche in weit größerer Zahl als in Sachsen zu verzeichnen waren, sind geboren aus der Not und Perzweisirmg des industriell stark bevölkerten Sachsens. Zu deren Behebung reichten aber die sofort eingesetzten polizeilichen Machtmittel Sachsens völlig aus. Noch allen Porgängen der letzten Tag« muß sich der Arbeit- nehmerschast die Ueberzeugung aufdrängen, daß ihr die wenigen staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Errungenschosten, die die Revolution brachte, entrissen werden sollen. Zähneknirschend hat das gutdisziplinierte sächsisch« Proletariat trotz all« Provokationen bis jetzt die Ruhe bewahrt. Die Arbeit- nehmerschast weih, daß sie die Gefahr, von der sie und die Republik bedroht ist, nicht allein abwenden kann. Genossen Deutschlands! Kommt dem sozio- listischen Sachsen zu Hilfe! Es muß schnell gehandelt werden, soll nicht das Letzte verloren gehen. Sachsen galt immer als der Hort des fortschrittlichen und frei- heitlichen Gedankens und als der Stolz der sozialistischen Arbeiter- bewegung. Laßt es nicht zum Versuchsobjekt der Reaktion werden. Genossen Deutschlands! Verhütet das! Es ist zweifellos, daß dieser Aufruf auf die Arbeiterschaft im ganzen Reich einen starken Eindruck machen wird. haben wir die Republik geschaffen, damit haben wir sie schon ver- teidigt. Damit werden wir sie schützen— auch heute und morgen." „Du Host einen guten Glauben.. spöttelte der andere. „Glauben hin— Glauben her— und wenn wir nichts, gar nichts besitzen: auf tausend Enterbt« kommt ein Besitzender und zehn seiner Söldlinge. Meinetwegen auch fünfzig oder hundert. Be- ginnt der Kampf und unsere Front ist geschlossen, so können sie nichts verrichten. Mchts, sag« ich dir!" „Die Partei ist mit dem Kapital verbündet.. Das war ein Trumpf. „Weil es um Deutschland geht.. „Was ist uns Deutschland?" „Unsere groß«, selbstgeschaffene Republik, die wir einmal wohn- lich für uns machen wollen..." „Es scheint lange zu dauern..." „Ist die Partei daran schuld? Und sollt« uns das abschrecken? haben wir keine Kinder? Unsere Arbeit war immer Zukunstsarbeit. Mit dem Kapital verbündet, das ist falsch. Mit dem Kapital tag- lich im Kampf— um ein« gerechte Verteilung der Kriegskosten, der Steuerlasten— herrscht« dos Kapital allein, so verreckten wir in endloser Arbeit unter den Lasten und wir fütterten es noch fetter mit unseren Knochen..." „... Mag sein..." „Und wenn es um di« Arbeiterschaft geht, stehen wir immer allem. Wenn wir dann nur alle einig zusammenstehen! In der Partei und in den Gewerkschaften! Wenn nur jeder ihnen opfern würde, was ihnen notwendig ist im Kampfe für uns! Schwach werden wir nicht durch Mangel an Geld ollein, vielmehr durch den Mangel an Einsicht vieler, die zu uns gehören, durch das Ueber- maß der Gleichgülttgkeit, durch die Abtrünnigen und Ueberläufer. Mögen sich unser« Kassen leeren— schlimm ist es gewiß—, aber wenn sich unsere Reihen nicht leeren, sondern immer inehr füllen, bleiben wir doch die Stärksten." Sie setzten ihren Weg fort. Das grell« Licht blieb hinter ihnen. Sie verschwanden in dem ganz schwarz gewordenen Schlund der Straße. Als sie sich nah« und schweigend ansahen, war in ihren Ge- sichtern die gleiche Entschlossenheit. Urania. Im oberen Hörsaal letzt am 29. d. M.. S Uhr, Dr. RobertPotonis seinen geologischen UurluS über die„Geschichte der Urwett- fort, am 30. b. M.. 6 Uhr, spricht Gebeimer SanitälSrat Dr. Mol! über: „Okkultismus' und am 3l. d. M., K Uhr, über die„Fixstern- >v e I t'. Am 30. d. M., abends 8 Uhr, ipricht Prof. Franz Goerke über das Thema:„In den BergenTirolS'. und am 31. d. M., abends 8 Uhr, über:„Die schöne deutsche Stadt'. TaS Blüthncr-Orchefter veranstaltet am Sonntag, den 23., abends 8 Uhr. im BIüthner-Saal einen Beethoven- Abend unter Leitung von Camilla Hildebrand. Solist des Abends ist Konzertmeister Zi i c o l a S L a m b in o n(Violine). Möge er dazu beitragen, den sächsischen Konflikt zu lösen. dessen Beendigung hier immer gefordert wurde! Die Sozialdemokratische Partei hat sich mit stärksten! Nachdruck für die Beseitigung des militärischen Belagerungszustandes eingesetzt. Auch die Kon- ferenz der Ministerpräsidenten hat die Umwandlung des miii- tärischen Ausnahmezustandes in einen zivilen gefordert. Damit würde auch der Reichswehraktion in Sachsen der Boden entzogen sein. Leider hat die Kommunistische Partei durch Entfesselung eines blutigen Aufstandes in Hamburg und durch Anschlag von Plakaten, in denen zum b e w a f f- netenAufstand auchinSachsen ausgefordert wurde, diesen Bemühungen schwere Hindernisse in den Weg gelegt. Nach neuesten Nachrichten sollen die Vertreter der KPD. in der sächsischen Regierung von diesem verbrecherischen Treiben ont- schieden abzurücken bereit sein; wir würden es begrüßen, wenn sich diese Meldungen bestätigen würden. Es ist aber unbedingt notwendig, daß über diese Dinge volle Klarheit geschaffen wird. Die KPD., die unter Mitver- antwortung unserer Genossen in zwei Einzelstaaten R c- gierungspartei geworden ist, muß Garantien dasür geben, daß sie ihre Stellung nicht zur Anzettelung blutiger Putsche mißbrauchen will. Nur wenn das geschieht, kann man der Sozialdemokrati- scheu Partei einen Vorwurf daraus machen, daß ihre Be- mühungen um die E i n st e l l u n g der überflüssigen und schädlichen Reichswehraktion in Sachsen nicht den raschen Erfolg haben, den sie selber ihnen wünsch-. Die anonpmen volksparteiier. Die dauernden Angriffe der Scherlpresse(„Lokal-Anzeiger" und„Tag") haben jetzt auch die volksparteiliche„Zeit" aus ihrer Reserve herausgelockt.„Tag" wie„Lokal-Anzeiger" bringen fortgesetzt in auffälliger Ausmachung Zuschriften, die als„Informationen aus volkspartcilichen Kreisen" bezeichnet werden. In diesen Zuschriften wird in sehr deutlichem Zu- sammenfpiel mit den Absichten des Herrn v. Kohr in Bayern und des Herrn S t i n n e s in Norddeutschland dauernd in Krisen der Koalitionsregierung ge- macht. Der Zweck der Uebung soll offenbar die Unterstützung der deutsch nationalen Angriffe gegen die Volks- partei wegen ihres Zusammengehens mit der Sozialdemo- kratie fein. Die volksparteilich-offiziöse„Zeit" erklärt jetzt gegenüber diesen Angriffen: Es beginnt also jetzt wieder dasselbe Spiel, das wir vor dem Ausbruch der letzten krisis erlebt haben, ein Spiel, das zum minde- sten den Anschein erweckt, als ob Teile der Deutschen Volkspartei sich in die Scherlpress« flüchteten, um von dort aus ein« Pressehetz« zu inszenieren, die sich letzten Endes gegen das Kabinett und gegen den Kanzler Dr. Strese- mann richtet. Daraus ergeben sich Folgen, die von der Partei ein- fach nicht ertragen werden können. In allen Kreisen der Deutscheu Volkspartei ist die Auffassung vorherrschend, daß nach dieser Rich- tung hin unbedingt Odnung geschaffen werden muß. Mögen doch die Herren, die durch die Schcrlpresse auf die Oeffenilichkeit zu wir- ken versuchen, wenigstens den Mut haben, mit ihrem Namen hervorzutreten und sich zu erkennen geben. Die Anonymität, hinter die sie sich flüchten, ist für sie wahrlich nicht ehrenvoll. Die Partei darf sich jedenfalls ein solches Treiben nicht länger gefallen lassen." Inzwischen hat der Parteivorstand der Deutschen Volks- partei getagt und eine Vertrauensresolution für Stresemann und sein Kabinett angenommen. Ob aber wirk- lich den anonymen Mitarbeitern der Scherlpresse, deren Namen der volksparteilichen Leitung natürlich sehr gut be- kannt sein müssen, der Stuhl vor die Tür gesetzt wird, bleibt abzuwarten. Auf die Dauer wird es jedenfalls unvermeidlich sein, daß die Volkspartei in ihren Rechen eine Klärung darüber herbeiführt, ob sie auf die Dauer dulden will und dulden kann, daß einflußreichste Kreise der d e u t s ch n a t i o- nalen Presse in ihren Angriffen gegen die Regierung Stresemann Unterstützung angedeihen lassen und dadurch das Reich in dauernden Krisenzustand erhalten. Oer Marxist. „Es ist," lehrt Kohr uns,„der Marxist Ein Wesen voller Trug und List. Er bietet Trotz ollen Gesetzen Und schlägt das Deutsche Reich in Fetzen: Im Heere wühlt er unablässig, Ist widerspenstig und aufsässig, Besorgt um selbstisch« Belang«, Zieht er mit Poincare am Strange, Di« deutsch« Zukunft gilt ihm nicht?. Er ist der Inbegriff des Wichts!" So höre ich und rechne nach: Wer ist's, der den Gehorsam brach? Wer sprach den Reichsgesetzet, Hohn, Trieb Lossow an zur Rebellion? Wer rüttelt an des Reiches Festen Und gab das Sturmsignal im Westen? Wer schmiedete des Rheinlands Kette, Daß er sein bayrisch Thrönlein rette?— Hingegen: Wessen Fäuste brachen Das Sonderbündlerjoch in Aachen? Ja, ein Marxist ist, das scheint klar, Einer im Reich: Und der heißt Kohr! Mich. von Lindcnhcckcn, Verwendung alier Paläste in Sowjetruhland. Die prachtvollen Paläst« und Landsitze der russischen Zaren und Magnaten sind seil der Revolution von 1917 teils von der Sowjetregierung beschlag- nahmt, teils dem Verfall preisgegeben. Neuerdings hat das Bil- dungskommissariat viele dieser Schlösser als k u l tu r g e s ch i ch t- l i ch e Museen eingerichtet und von dieser Kulturarbeit ist in der Sowjetpressc gern di« Rede. Dennoch konnte es geschehen, daß der großartige Sommerpalast an der Ochta in Petersburg so vollständig in Versall geriet, daß auch die Rote Armee ihn nicht mehr wie bisher als Kaserne benutzen wollte. Dieser von der Kaiserin Katharina II. erbaute Palast wäre wahrscheinlich völliger Verwahrlosung verfallen, wenn nicht die Gesellschaft„Alt-Peters- bürg" sich seiner angenommen hätte. Er wurde restauriert und soll nun als Konzerthaus und Erholungsklub für Ar. b e i t e r dienen. Der Palast zeichnet sich durch das schöne Einsahrts- tor und die Kolonnaden mit korinthischen Säulen aus. Die Innen- räume sind zum großen Teil in Marmor und Gold gehalten. Der Palast wurde später Potjemkin geschenkt und gehörte zuletzt der Adelsscunilie Besobrasow.__ Erstaufführungen der Woche. DicnSt. fgenaissance-Tbcatcr:„Di- Tage des LebcnS'.— TonnerSt. Schlohpark-Thentcr Steglip: „ N a ch t a.s y I'.—Freit. Friedrich-Wilheimitädlliche Z Theater(Schauspiele:- Theater):„Eduard II,'—' Eomiai). BollSbühne:„Figaros Hochzeit'.— Mout. Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater(Schauspieler- Neoter):„Slga',„Hannelei Himmelfahrt'. Die Sonderbündler in Trier. Trier, 27. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Trier ist noch immer in der Hand der Sonderbündler. Die Gewerkschaften find völlig führerlos, da die Arbeiterführer entweder a u s= gewiesen oder für vogelfrei erklärt worden sind und so Gefahr laufen, erschossen zu werden, wo sie sich sehen lassen. Der sozialdemokratische Redakteur und Beigeordnete Reese wurde auf dem Rathaus von den Sonderbündlern schwer mißhandelt. Er wie der Gewerkschaftsführer Hammel sahen sich gezwungen, das bejezte Gebiet zu verlassen, da sie beide auf der Liste der Vogelfreien stehen. Vor zwei Tagen drangen nachts um 12 Uhr zehn bewaffnete Sonderbündler in die Wohnung der Redakteurin Genoffin Reese, die sie durch Drohungen mit Erschießen an Hilferufen ver hinderten. Sie untersuchten das ganze Haus und befahlen ihr, innerhalb furzer Frist das Rheinland zu verlassen, die Möbel aber zurückzulaffen. In diesem Fall griff jedoch die Besatzungs behörde ein, so daß Frau Reese vorläufig vor weiteren Mißhandlungen, wie sie sie erfahren hat, geschützt zu sein scheint. In der Abwehr der Sonderbündler haben sich besonders die Postbeamten und Telegraphenarbeiter bewährt, gegen die die Sonderbündler deshalb besonders rücksichtslos vorgingen und sie aus dem Bostamt hinauswarfen. Auch die Buchdrucker haben jede Arbeitsleistung für die Sonderbündler abgelehnt. Nachdem die Drudereien der Volkswacht" und der Trierfchen Landeszeitung" zerstört waren, erschien am nächsten Mor gen allein das nicht zerstörte Generalanzeigerblatt, der Bolts freund" und brachte die Bekanntmachungen der vorläufigen Sonderbündlerregierung. Daraufhin weigerten sich die Buchdrucker, das Blatt noch weiterhin erscheinen zu lassen. An eine andere Druckerei war das Ansinnen gestellt worden, rheinische Franten zu drucken; auch das wurde von den Buchdruckern abgelehnt. Die Sonderbündleraftion Trier wäre schon längst zu Ende, wenn nicht die Trierer Stadtverwaltung ihren deutschen Charafter völlig verleugnet hätte. Die gesamte Berwaltung sympathifiert zum mindesten mit der Separatistenbewegung, soweit fie nicht offen übergetreten ist. Durch diese schwankende Haltung wird die Bevölkerung auf das bedenklichste beeinflußt. Die provisorische Regierung. " Gegenseitige Hilfe! Auf der Straße spricht eine blasse Frau:„ Wenn ich bis Montag feine Stelle habe, gehe ich in die Spree." Was sind Sie?" fragt jemand." Ich bin Hausangestellte. Die Fabritarbeiterinnen werden entlassen. Alle drängen in Haushaltungsposten. Das Fahrgeld ist so teuer. Läuft man vom Arbeitsnachweis zur Stelle, heißt es stets: besetzt. Meine Schwester verdient eine Milliarde die Woche, davon leben wir zwei. Wenn ich bis Montag feine Stelle befomme Wie ist zu helfen? Eile tut not!" Fräulein," sagt die anderc, „ Dersuchen Sie es doch mit jeder Arbeit. Einfach zupacken!" Eine andere Frau:„ Wenn's mir so ginge, ich würde ron Haus zu Haus laufen: Hier sind meine Zeugnisse. Ich fann arbeiten. Nehmen Sie mich und wenn's nur für ein Stüd Brot wäre. Ueber den Lohn fönnen wir später einmal sprechen. Wenn die Zeiten beffer find." Die Not wächst. Die Arbeitslosigkeit steigt von Stunde zu Stunde. Und jeder Beruf, der sonst gemieden wird, ist heute umdrängt. Nie wie jetzt haben wir die Voraussetzungen dafür verstehen können, daß die Helfer im Hause ihre Arbeit so oft mehr oder minder widerwillig taten, daß sie sich hinaussehnten in das unsichere, aber freie Leben von Arbeiterinnen, daß kein Beruf ein ähnliches Kontingent zur Prostitution stellte. Und wenn uns das Verständnis hierfür aufgeht, so ist uns damit die Möglichkeit zu einer Besserung gegeben. Wäre es nicht ein Att der Dankbarkeit und Menschlichkeit, wenn jede Hausfrau den Hausangestelltenverbänden oder den rührigen Vertreterinnen der Arbeitsnachweise Geld oder Lebensmittel für die 2ermften der stellungslosen Hausangestellten zuwiese? Oder ein Freibett für das Heim in der Jägerstr. 11 stiftete? Die Frauen müssen einsehen, daß sie heute mehr als je auf gegenseitige schwester liche Hilfe angewiesen sind. Die Stunde der Not ist da! Die Goldtarife der Werke. Gasbons oder wertbeständige Zahlungsmittel, Bon Montag fommender Bodye ab werden die städtischen Werke ihre Tarife täglich auf Grund der Kohlenpreise und der ben jezigen Tarifen zugrunde liegenden Grundzahlen festsetzen. Diese Maßnahme ist als eine Uebergangsmaßnahme zum Baris, 27. Oftober. Trotz der offensichtlichen Rückschläge der Goldtarif der Werke aufzufassen. Die Werksdeputation hat separatistischen Bewegung am Rhein fährt die Bariser Presse fort, beschlossen, spätestens am Montag in acht Tagen für die Werke der provisorischen Regierung in Coblenz", in der Goldtarife festzusetzen. Wahrscheinlich wird das Gas für das as fich der Matin" zum Hauptvorfämpfer der Bewegung entwickelt, Rubitmeter 21 Pf. 20 Dollar foften. Für den Fall, Bedeutung zuzuschreiben." Betit Parifien" gibt in einer Coblenzer daß bis zur Einführung dieser Goldtarife nicht genügend wert Meldung eine liftenmäßige Zusammensetzung der provisorischen Re: beständige Zahlungsmittel im Umlauf sein sollten, wird das System gierung. Matthes soll dem Korrespondenten des Blattes erklärt der Gasbons zur Durchführung gebracht werden. Danach wird haben, die Regierung foi nunmehr tonstruiert", jeder Konsument in der Lage sein, zu dem amtlichen Kurse des Vorund er nehme für sich den Titel eines Kommissars des Vollzugsaus- tages in einer großen Zahl von Verkaufsstellen Gasbons zu beschusses in Anspruch. Herr v. Mehen werde in Erwartung der ziehen, die bei der Begleichung der Gasrechnung als mertbeständiges Antunft Dr. Dortens das Ministerium des Aeußern" und das Zahlungsmitte in Kauf genommen werden. Die Deputation hat ..Ministerium des Handels" übernehmen. Die übrigen Porte- aber die Einführung dieses Borssystems nur für den Fall in Ausfeuilles" werden folgendermaßen verteilt: Finanzen: Dr. Wolter ficht genommen, daß tatsächlich im Laufe der nächsten Woche nicht hoff, Inneres: Liebing, Kultus und Unterricht: Dr. Kregenügend wertbeständige Zahlungsmittel in die Hände des Bublimers, Eisenbahnen: Dr. Müller, Justiz: Rechtsanwalt klefums und vor allen Dingen der Lohn- und Gehaltsempfänger ber, Aderbau und Berpflegung: Simon. Dr. Dorten ist, so tommen. Die Einführung des Bonssystems würde natürlich die wird weiter gemeldet, mit wichtigen Berhandlungen hinsichtlich der Werke mit bedeutenden Vermoltungsfoften belasten. Die vier= wirtschaftlichen Lage der neuen Republi?" beschäftigt. Der Finanz- zehn tägige Abiefung muß selbstverständlich für eine längere minister Wolterhoff hat gestern eine Art von Breffeempfang Uebergangszeit unbedingt beibehalten werden. Eine Rückkehr für die französischen Journalisten abgehalten. Alle Pariser Blätter zu der verwaltungstechnisch zweifellos besseren vierwöchentlichen Deröffentlichen heute früh ein Interview mit ihm über die in an Ablefung fann erst dann in Frage fommen, wenn wertbeständige zierung der Rheinischen Republit, wobei ausdrücklich Zahlungsmittel fich wirklich restos eingebürgert haben und auch darauf hingewiesen wird, das von den Erfolgen dieses Finanzpro- die Löhne und Gehälter sich diesen neuen Verhältnissen vollkommen gramms das Weiterbestehen der Rheinischen Republik zum großen angepaßt haben. Teil abhängig ist. " " Kreuznach, 27. Oftober.( Mtb.) Heute nadyt wurden von den Separatisten fämtliche öffentlichen Gebäude und 3eitungen beseßt. Bu Zusammenstößen ist es bis jetzt nicht gekommen. Düren, 27. Oktober.( Mtb.) Die Lage in Düren ist noch un. verändert. Die Gewalt befindet sich noch in den händen der Geparatisten, die die öffentlichen Gebäude durch Posten bemachen. Die Zeitungen sind gestern zum erstenmal wieder erschienen. Sie werden gezwungen, Berichte der Sonderbündlerregierung abzudrucken, dürfen sie jedoch als solche fennzeichnen. Ferner haben sie eine Bekanntmachung aufnehmen müssen, daß der fran zösische Oberfommissar die Republik der Sonderbündler anertannt habe. Krefeld, 27. Oktober.( Mtb.) Die Lage ist auch heute noch unverändert. Die Zeitungen haben erreicht, daß sie nicht unter Borzenfur gestellt werden. Sie dürfen aber nicht gegen die Sonderbündler schreiben. Auswärtige Blätter werden nicht nach Krefeld hineingelassen. Koblenz, 27. Oftober.( Mtb.) Der Beginn der Verkehrsperre ist seit gestern abend auf 7 Uhr abends festgesetzt worden. Ansammlungen von mehr als fünf Personen auf der Straße sind verboten. Die Höhe der Tarife in der nächsten Woche ist vorläufig noch gar nicht zu übersehen. Da die Kohlen jetzt in Gold bezahlt werden, hängen natürlich auch die Tarife vom Dollarstand ab. In vielen deutschen Städten werden heute schon Gaspreise von über 3 Milliarden bezahlt. Die Berliner Direktion rechnet bei dem Kursstand vom Donnerstag mit einem Gaspreis von 2,6 milliarden. Jedenfalls wird sich der Unterausschuß der Werksdeputation auch damit noch eingehend zu beschäftigen haben. Geraubte Dollarbriefe. Mark zu schreiben. Die Stammeinlage, die auf jedem Postschedfonto zu halten ist, wird auf 10 Millionen Mart festgesetzt werden. Bruchteile von 1 Million Mart, die über den 1. November hinaus als Guthaben auf den Postschecktonten stehen geblieben sind, werden gestrichen werden. Goldmark und Papiermark. Zunächst ein Nebeneinander der beiden Zahlungsmittel. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat am gestrigen Freitagabend eine Besprechung zwischen Vertretern des deutschen Nahrungsmittelgroßhandels Landesverband Berlin und des Verbandes der Berliner Kaufleute der Kolonialwarenbranche mit dem Leiter der Wucherabteilung Regierungsrat Hindel stattgefunden, in Der die Frage der wertbeständigen Bezahlung sehr eingehend be. sprochen wurde. Durch die Ausgabe der Rentenmark, der Goldanleihejtücke und durch die Dollarschazanweisungen auf der einen Seite, burch den umlauf des Papiergeldes auf der anderen Seite ist es notwendig, das vom Montag den 29. Oktober, ab im Lebensmittel. nung notwendig wird. Die Händler sind verpflichtet, die Preise handel doppelte Preisberechnung und Auszeich für die Waren sowohl in Papiermart als auch in Goldmart anzuzeigen. Die Rentenmark und die Goldanleihe werden also überall als Zahlungsmittel bereits Gültigkeit haben, auf der anderen Seite behält das Papiergeld bis auf weiteres wie lange, läßt sich vorläufig nicht übersehen seine Gültigkeit. gewisse Schwierigkeiten geben, die sich aber mit der Zeit beheben Bei der Umrechnung dürfte es selbstverständlich in der ersten Zeit lassen werden. Maßgebend für das Publikum ist, daß der Handel bei Dollarschazanweisungen und Goldanleihe bis zum Mittag des laufenden Tages den amtlichen Kurs vom Tage vorher anrechnen muß. In den Nachmittagsstunden ist dagegen der mittags heraustommende amtliche Kurs des laufenden Tages gültig. Die doppelte Preisberechnung greift Platz für folgende Lebensmittel: Fette, Sped, Teigwaren, Mühlenfabrikate, gebörrtes Obst, reine Kolonialwaren, mie Katao, Kaffee, Tee, Marmelade usw. Für frisches Obst, Gemüse, Kartoffeln und Eier bleibt bis auf weiteres die Bezahlung in Papiermart noch be= stehen, doch dürften schon in allernächster Zeit zwischen den maßgebenden Handelsverbänden und Regierungsrat Hindel auch hier Berhandlungen über die wertbeständige Bezahlung stattfinden. Brotpreis für möblierte Zimmer. Um die in jeder Woche erneut notwendig werdende Ausrechnung des Mietpreises für möblierte Zimmer zu vereinfachen, hat die Brei sprüfungsstelle für Potsdam ein vereinfachtes Berfahren für die Ausrechnung eingeschlagen dadurch, daß sie den jeweils am Sonnabend der Woche in der Stadt Potsdam geltenden Brotpreis für die Zimmermiete der kommenden Woche zugrunde legt. Die neuen Richtpreise für möblierte Zimmer betragen infolgedessen in Zukunft für ein einfach möbliertes Zimmer den Wert von einem Brot, für ein gut möbliertes Zimmer von 1½ Brote, für ein elegant möbliertes 3immer von zwei Broten. Es würde fich empfehlen, daß man auch in Groß- Berlin endlich zu einer Regelung der Miete für möblierte Zimmer fommt, damit die Ueberwertung auf der einen und die Unterwerfung auf der anderen Seite endlich aufhört und ein gerechter Ausgleich zwischen den Intereffen der Vermieter und Mieter stattfindet. Notversorgung der Minderbemittelten in Potsdam. Massen durchzogen am Freitag die Straßen Botsdams und die Die Lage in Potsdam ist sehr ernst geworden. Aufgeregte Bolizei nahm einige Verhaftungen vor. Inzwischen ist die Hiffs= aktion des Magistrats von großem Erfolg gewesen. Der Appell an die Gewerbetreibenden hat 50 Billionen Marf eingebracht. Sonnabend( heute) nachmittag findet die erste Brotverteilung an die noleidenden Erwerbslosen der Stadt statt. Gleichzeitig wird ein Biertelpfund Margarine pro Kopf verteilt. Der Magistrat har beschlossen, fofort wieder die Mafienipeilungen einzuführen. tum hat. „ Eine Volksbekleidungs- Affiengesellschaft". Bon der Beklei dungswerkstätte der Berliner Gemertidaften G. m. b. H. wird uns geschrieben: Der„ Bormärts" brachte unter obiger lleber. schrift die Mitteilung, daß in Berlin eine Boltsbekleidungsgesellschaft ins Leben gerufen ist, die durch wertbeständige Abzahlungsgeschäfte den Konsumenten die Anschaffung größerer Bekleidungsstücke zu Der Bosthilfsschaffner Alfred Marquardt, der im D- 3ug ermöglichen versucht. Die Firma versucht nun nach außen hin den Berlin- Hannover als Postbeamter tätig war, hat bündelweise Anschein zu erwecken, als ob diese ein von den Berliner GemertDollarbriefe gestohlen. Zunächst entwendete er ein Batet fchaften gegründetes Unternehmen ist In Mr. 83/84 des„ Ron= Amerikapost, das 30 Briefe enthielt. Diese Briefe brachte er zu einer fettionär" vom 20. d. M. wird mitgeteilt, daß im Aufsichtsrat dieses Witwe Johanna Konsolle. Hier öffnete er die Postfachen und Unternehmens Gewerkschaftler und prominente Betriebsratsmit entnahm ihnen die darin enthaltenen Dollarnoten. Bant- glieder vertreten sind. Die Gewerkschaftstommission Berlins und sheds vernichtete er zugleich mit den Briefen. Eine Zehn- umgegend legt Wert darauf festzustellen daß sie mit diesem Unter bollarnote gab er Frau Konsolfe zum Wechseln und überließ ihr nehmen, das auf fapitalistischer Grundlage aufgebaut ist, nichts zu dafür eine ansehnliche Belohnung. Nachdem die Sache ein Warenverteilungsstellen der Berliner Gewerkschaften nur an folIm Anschluß hieran sei noch erwähnt, daß sich die mal gut gegangen war, unternahm M. einen neuen Raub. genden Stellen befinden: Zimmerstr. 68, Kottbufer Damm 88/89, Wiederum eignete er sich ein Bündel von 30 Auslandbriefen an, Sebastianstr. 37/38 und Engeluser 30. tam aber nur dazu, vier Briefe zu öffnen, in denen er vier Dollar vorfand. Ehe er noch die anderen Briefe untersucht hatte, wurde Der Wohlfahrtsausschuß der vereinigten Kolonialmarenhändler er verhaftet und der Rest der geraubten Postsachen wurde bei von Ober- und Niederschöne weide, Johannisthal, Frau Konsolte gefunden. Marquardt hatte sich nun vor der Straf- Baumschulenweg und Karlshorst hat eine größere Hilfs fammer des Landgerichtes I. wegen 2 mtsunterschlagung aktion für die Hungernden eingeleitet. Durch freiwillige Spenden Amtlich wird mitgeteilt: Mit der Prägung der Münzen für und die Witwe Konsolle wegen Begünstigung zu verantworten. find hochwertige Lebensmittel wie Schmalz, Reis, Nudeln, Zucker das Rentengeld ist bereits begonnen worden. Es werden gefchaffen: Gegenüber den hohen Girafen, die der Staatsanwalt beantragt hatte, usw. im Werte von 4% Billionen zusammengekommen. Die 1, 2, 5, 10 und 50 Rentenpfennigstüde. Im übrigen sind bat der Verteidiger, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzu- fostenlose und unparteiische Verteilung erfolgt unter Mitwirkung alle Vorbereitungen getroffen, damit die Rentenbank ihre praktische billigen. Er machte die Notlage geltend, in der M. sich befunden des Kontrollausschusses. Andere 3meige des Kleinhandels wollen Tätigkeit demnächst aufnehmen kann. Insbesondere schreitet auch habe. Der Angeflagte sei genötigt gewesen, in Hannover und Berlin sich diesem Borgehen anschließen. Eine„ warme Stube" haben die Schwesternvereine der Oddder Druck der Rentenbankscheine, die durch Goldrentenbriefe vollu wohnen und dazu reichten seine geringen Bezüge nichts aus. gedeckt sein müssen, rüsiig vorwärts. Die Rentenmark wird bis zur verbrauch gehabt als andere Beamte. Außerdem habe er bei der Arbeit im D- Bug einen größeren Kleider Fellow- Logen, Alte Jafobftr. 128, mit Hilfe ihrer Brüder täglich für Das Gericht billigte Mar- einige Nachmittagsstunden zur Verfügung gestellt. Frauen und Ablösung durch die Goldmark das geeignete wertbeständige Bah. quardt auch mildernde Umstände zu, verurteilte ihn zu 9 Monaten Mädchen des Mittelstandes, die ohne die Zuflucht welche die lungsmittel des Berkehrs sein. Die Rentenmark ist darüber sind Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat Unter- warmen Stuben" bieten wollen in ihrem falten, schlecht erleuchfich Regierung und Wirtschaft einig ein Zwischenglied bis zur fuchungshaft und stellte ihm für den Rest der, Strafe einen teten zu Hause" bei mühevollem Sticken oder anderen Handarbeiten Schaffung der Goldmart, mit der die Rentenmark eingelöst werden Gnadenerlaß in Aussicht. Frau K. wurde freigesprochen. wird. Die Arbeiten für die Goldnotenbank werden mit großer Beschleunigung durchgeführt. In dieser Hinsicht ist auf den unmittelbar bevorstehenden Erlaß einer Verordnung zur Abänderung des Banfgefeges zu verweisen. Wertbeständige Münzen. Regierungskrise in Holland. Haag, 27. Oftober.( WTB.) Der Gefeßentwurf betr. den Bau einer Kriegsflotte für Niederländisch- Indien, der hier seit Wochen im Mittelpunkt des Interesses steht, ist gestern von der Zweiten Kammer mit 50 gegen 49 Stimmen abgelehnt worden. Berdoppelung der erhöhten Posttarife. Unter dem Zwange der Geldentwertung hat die Postverwaltung die zum 1. November soeben festgesetzten und im Vorwärts" am Freilag dieser Woche veröffentlichten Gebühren für Brieffen bungen und Patete des Inlandsverkehrs verbop= peln müssen. Der einfache Fernbrief toftet fonach vom 1. Movember ab 100 millionen Mart, die Fernpostkarte 40 Millionen Mart. Weitere voraussichtlich sehr beträchtliche Erhöhungen stehen zum 5. November bevor. ihr Augenlicht gefährden und schweren Erkältungen preisgegeben sind, werden gebeten, ihre Adressen nebst ein paar erläuternden Morten mitzuteilen an Franzista Mann, Halensee, Westfälische Straße 54 I oder an Lucy Abels, Charlottenburg, Knesebecstr. 78/79. Aufnahmen sind von der Nähe abhängig, in der die Betreffenden von einer der warmen Stuben" wohnen. Aus diesem Grunde wird nochmals dringend auf die Notwendigkeit der„ warmen. Stuben" in allen Stadtteilen hingewiesen. Eine öffentliche Mieterversammlung, veranstaltet nom Mieternerband, Gau Berlin, 6. Berwaltungsbezirt, findet morgen Sonntag, den 28. Dftober, vormittags 10 Uhr, in der„ Alhambra", Moritplat statt. Trinitatistirche Charlottenburg.( Untergrund: Bismardstraße.) Sonntag, den 28. Oftober, vorm. 10 ühr: Feierstunde. Genosse Pfarrer Bleier. Thema:" Schuld und Sühne“. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Fortdauer des trodenen, heiteren Wetters Infolge der Ablehnung ist eine politische Krisis entstanden. Millionenmarkrechnung bei Poft und Telegraphie. Ministerpräsident Ruvs de Beerenbrouck hatte gestern noch erklärt, daß im Falle der Ablehnung nicht nur das gesamte Kabinett, sonInfolge der starken Geldentwertung und der dadurch hervors der auch jeder einzelne Minister sein Los an das des Flottenge- gerufenen Aufblähung des Zahlensystems, unter deren Wirkung bei schwachen füblichen winden. Um Tage sehr milde. setzes gebunden habe. Man glaubt daher, daß nicht nur das ge- außerordentlich leidet, sieht sich die Reichspost- und Telegraphendie pünktliche Abfertigung der Bevölkerung an den Bostschaltern famte Rabinett zurücktreten wird, sondern auch, daß feiner der gegen verwaltung genötigt, ihren gesamten 8ablungs und wärtig im Amt befindlichen Minister in einem neuen Kabinett Rechnungsvertebr und das Gebührenwesen vom einen Bosten übernehmen würde. Der Ministerpräsident wurde 1. November an auf die Millionenmartrechnung ein gestern abend von der Königin empfangen. In der gefirigen Stadtverordnetenfihung ist nicht über Sportfragen", wie infolge eines Drudfehlers in der Einleitung des heute früh von uns gebrachten Sigungsberichts stand, fontern über Schulfragen verhandelt worden. auftellen. Boftanweisungen, Nachnahmen, Bostaufträge, Bertan gaben bei Bertsendungen, Zahlfarten, Boftüberweisungen, Ersatzüberweisungen, Bosticheds und Zahlungsanweisungen dürfen bom 1. November an nur über bolle Millionen Mart lauten. Bei der Angabe des Betrages in Ziffern ist dabei an Stelle der sech 8 Mullen das Wort, Millionen" au jchreiben; z. B. ist also statt 16 000 000 m. fünftig 16 Millionen " Groß- Berliner Parteinachrichten. Roffert, Rronprinsenftr. 4, Funktionärsigung. 2. Rreis Tiergarten. Morgen, Sonntag, den 28. Oftober, sormittags 9% Uhr. engere Kreisvorstandssigung beim Genoffen Trümper, Flensburger Str. 3. 141. Abt. Rofenthal. Seute, Sonnabend, abends 7 Uhr, beim Genoffen Fris Treffpunkt Sunglozialisten. Gruppe Süben: Fahrt nach dem Liepnissee. Sonntag früh 8 Uhr Stettiner Borortbahnhof. Gruppe Treptow: Morgen, Sonntag, Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Trep Gruppen Süben, Treptow und Friedrichshain: Dienstag 7½ Uhr in ber Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, gemeinfame Veranstaltung. ,, Strindberg- Abend." tom. Gewerkschaftsbewegung Produktion statt Spekulation! Fälligkeitswoche festzusehen. Wenn man das Defizit decken wolle, und im Interesse der Organisation sei das dringend notmendig, dann müsse man entweder die Unterstützungseinrichtungen gänzlich fortfallen lassen oder aber sich zu besonderen Leistungen bereit erflären. Wirtschaft Reichsbahn und Kohlenüberfluß. fohlenbergbau aus Abfazmangel Feierschichten eingelegt Zu dem Widerspruch, der darin liegt, daß im deutschen Steinwerden müssen, während die Reichsbahn ihren dringendsten Kohlenbedarf nicht aus dem Inlande decken fann und zum Bezuge ausländischer Kohle genötigt ist, wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Leider Von den meisten Rednern wurde in der Diskussion hervor Ein schlimmerer Borwurf lann gegen das deutsche Unternehmer gehoben, daß die grundfäßliche Beibehaltung der Unter tum taum erhoben werden als der, daß es sich seit geraumer Zeit fügungseinrichtungen notwendig fei, weil sie gewisser weit mehr die Spetulation angelegen fein läßt als die Produktion. maßen als das Bindeglied zwischen den Mitgliedern und der Dr Auf der Konferenz der Bundesausschüsse der drei freigewerkschaft ganisation betrachtet werden müßten. Einschränkungen hätten vor lichen Spikenorganisationen in voriger Woche im Plenarjaal des allen Dingen bei der Verwaltung zu erfolgen. Beschlossen wurde, Reichswirtschaftsrats hat der Hauptvorsitzende des Deutschen. Holz- durch Urabstimmung über die Beibehaltung der Unterstützungen Die Reichsbahn legt heute mehr als je den größten Wert dar. arbeiterverbandes, Genosse Tarnow, diesen Vorwurf öffentlich er- entscheiden zu lassen. Um aber über die Schwierigkeiten dieser auf, ihren Dienst kohlenbedarf ausschließlich; im Inlande Woche Hugo Stinnes gelten. Der Amerikaner Henry Ford*) faßt die Gau, so daß in der laufenden Woche insgesamt ein Beitrag ist es schon im vorigen Jahre der deutschen Steinkohlenindustrie hoben. Als Vorbild dieses spekulierenden Unternehmertums muß 1ung eines doppelten Verbandsbeitrages für den zu decken. Deshalb hat sie mit allem Nachdrud die Bestrebungen auf Hebung der heimischen Kohlenproduktion unterstützt. Aufgabe der Unternehmer anders auf. von 2 Milliarden 100 Millionen Mart zu zahlen ist. nicht aber für den Profit oder die Spekulation zu produzieren. gen ergibt. find 1 Broz. und von Bollarbeitern in zwei Wochen los zu liefern, so daß die Reichsbahn einen Teil der Kohlen aus Aufgabe des Geschäftslebens ist es, für den Konfum, Falls die Urabstimmung die Beibehaltung fämtlicher Unterstützun- trok ständiger dringender Anmahnungen nicht gelungen, die von der Reichsbahn benötigten Lokomotivfohlenmengen restDie Produktion für den Konsum beginnt, daß die Qualität des 2 Broz. des Spihenlohnes als Ertraaufwendung für den Gau zu dem Auslande beziehen mußte. Durch den Ruhreinbruch Produktionsartikels gut und der Preis gering fei- daß der be entrichten. treffende Artikel dem Volfe und nicht allein dem Pro- Nach einigen erläuternden Ausführungen von Pötsch folgte hat sich die Fehlmenge der Reichsbahn an heimischen duzenten diene. Wenn die Geldfrage aus einer falschen Per- die Versammlung dem Vorschlage des Gauvorstandes und veriagte otomotiv tohlen auf monatlich etwa 700 000 Tonnen er spektive betrachtet wird, so wird auch die Produktion gefälscht, um die Statutenänderung sowie die Neuwahl des Gauvorstandes und höht, die bisher aus dem Auslande zugekauft werden mußten. dem Produzenten( dem Unternehmer) zu dienen.. Mein Haupt- der Delegierten auf einen günstigeren Zeitpunkt. einwand gegen unfer heutiges Geldsystem ist, daß es häufig so gehandhabt wird, als wäre es um seiner selbst willen da. So hemmt es vielfach die Produktion, anstatt sie zu fördern." " " Mein Ziel war, mit einem Minimum von Verschwendung sowohl an Material wie an Menschenfraft zu produzieren und mit einem Minimum von Gewinn zu verkaufen, mobei ich mich bezüglich des Gesamtgewinns auf den Ilmfang des Absages verließ. Bei diesem Produktionsprozeß ist es gleichfalls mein Ziel, das Maximum an Löhnen, das heißt das Maximum an Kauftraft auszuteilen. Da auch dieses Verfahren zu einem Minimum der Kosten beiträgt, sind wir imstande, unser Brodukt in Einklang mit der Kaufkraft zu bringen. Das Streifverbot des Wehrtreistommandeurs für lebenswichtige Betriebe, wozu auch Banknotendruckereien zählen, rief große Erregung hervor. In einer Resolution wird schärfster Protest gegen die Militärherrschaft erhoben und ausgesprochen, daß die Buchdrucker unbefümmert um diesen Erlaß ihre Beschlüsse durchführen werden. Nach der neuen Festsetzung beträgt der Beitrag für Kurzarbeiter insgesamt 1 Milliarde 800 Millionen Mart. Mittel zur Erwerbslosenfürsorge. Der Reichsanzeiger" veröffentlichte gestern Ausführungsbe. Produzieren heißt nicht billig einfaufen und teuer vertaufen. Stimmungen zur Verordnung über die Ausbringung der Mittel für Es heißt vielmehr, die Rohstoffe zu angemessenen Breisen einkaufen die Erwerbslosenfürsorge, sowie eine Anordnung über Art, Höhe und und sie mit möglichst geringen Mehrkosten in ein gebrauchsfähiges Dauer der Unterstützung für die Erwerbslosen und Kurzarbeiter. Produkt verwandeln und an den Konsumenten verteilen. Hasar. dieren, Spekulieren und unehrlich Handeln heißt nur diesen Borgang erschweren." Als ein gutes Geschäft galt jenes, das Gelegenheit hat, große Mengen von Anteilscheinen und Obligationen zu hohen Kursen in Umlauf zu bringen. Die Aftien und Obligationen waren das Wichtige, nicht die Arbeit. Ich vermochte indes nicht einzusehen, wie ein neuer oder auch alter Geschäftsbetrieb auf seine Waren noch einen hohen Zinsfuß draufschlagen und sie trotzdem zu einem angemessenen Preis auf den Markt bringen tann. Die einzig solide Art eines Geschäftes ist die Dienstleistung gegenüber dem Publikum. Der Geldfaftor der Drang, aus einer Investierung von Kapital" Be minn zu ziehen und die daraus folgende Ber. nachlässigung oder Berfümmerung der Arbeit und folglich auch der Dienstleistung zeigte sich mir in mancherlei Gestalt. Er schien den meisten Schwierigkeiten zugrunde zu liegen. Er war die Ursache der niedrigen Löhne ohne gutgeleistete Arbeit lassen sich keine hohen Löhne erzielen. Und wenn das ganze Streben nicht auf Arbeit gerichtet ist, fann sie auch nicht gut geleistet werden. Ford fommt zu folgenden fritischen Schlußfolgerungen: 1. Die Finanzen werden der Arbeit vorausgestellt und drohen daher, die Arbeit zu erbrücken und die grundliegende Idee der Dienstleistung zu vernichten. 2. Der vorherrschende Gedante an das Geld statt an die Arbeit bringt die Furcht vor dem Mißlingen mit sich, und diese Furcht versperrt den Zugang zu den Geschäften- fie erzeugt die Angst vor der Konkurrenz, vor einem Wechsel der Methoden, vor jedem Schritt, der zu einer Aenderung der Sachlage führen tömte. 3. Der Weg ist jedem offen vorgezeichnet, der zuerst an die Dienst leistung denkt an die beste Art, seine Arbeit zu verrichten. " Bergarbeiterbewegung. Berständigung im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau Arbeit. geberverbände und Gewerkschaften des mitteldeutschen Braunkohlenreviers haben am 25. und 26. Oftober im Reichsarbeitsministerium über die bestehenden Streipunkte verhandelt. Nach vermittelndem Eingreifen des Reichsarbeitsministeriums fonnte für die strittigen Lohnfragen und den Abbruch des Streits teils durch Schiedsspruch, teils durch Vereinbarung eine Regelung getroffen werden. Die beteiligten Gewerkschaften werden in ihren Bezirksversammlungen die Wiederaufnahme der Arbeit empfehlen. Der Lohn in diesem Bergrevier beträgt in der Woche vom 22. bis 29. Oktober für den Durchschnitt der Gesamtbelegschaft einschließlich der sozialen 3u lagen je Schicht etwa 29 Milliarden Mart. Da die Arbeitgeber aber zur Frage der Wiedereinstellung erffärben, die Arbeiter nur nach Maßgabe der Verwendungsmöglichkeit einstellen zu wollen und eine geschlossene Arbeitsaufnahme ablehnten, gibt die Zentralstreitleitung in Halle jetzt die Weifung aus, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen, che nicht eine Regelung in der Wiedereinstellung erfolgt jei. Jm niederfächsischen Bergbau haben die Bergarbeiter in Barsinghausen am Deister und in Oberntirchen( Schaumburg- Lippe) die Sie wollen aber sofort Arbeit vorläufig wieder aufgenommen. wieder in den Streit treten, wenn ihnen nicht in fürzester Frist ein höherer Lohn zugebilligt wird. Die Bergarbeiter Niedersachsens lehnen in einer Entschließung jede Berlängerung der Arbeitszeit, sei es durch Gefeh oder Tarif, entschieden ab. Der Ausbrud Normalisierung" führt zu Mißständen, da er Der Streit in Deutsch- Oberschlesien hat eine wesentliche Vereine gewisse Starrheit von Konstruktion und Durchführung bedeutet, schärfung erfahren. In einer Betriebsräteversammlung in Hindenund der Fabrikant zum Schluß meistens den Artikel wählt, der am burg wurde der Generalstreit für die Reviere Hindenburg und Gleileichtesten und geminnbringendsten verkäuflich ist. Das Bublikum wig beschlossen, der denn auch in vollem Umfange einsetzte. Auch die wird weder bei der Konstruktion, noch bei der Preisfeftfeßung be- oberschlesischen Metall- und Hüttenwerke haben sich dem Streit anrücksichtigt. Hinter jeder Normalisierung steht fast immer der Ge geschlossen und es standen gestern etwa 30 000 Arbeiter im Ausstand. dante, möglichst viel Geld herauszuschlagen. Die Folge ist, daß Die Forderungen der Arbeiter gehen nach wertbeständigen die aus der Herstellung ein und desselben Artikels unvermeidlich ohnen und ausreichender Versorgung mit Lebensmitteln. Geerfolgenden Ersparnisse einen wachsenden Profit für den Fabri- rüchte, daß sich auch die Eisenbahner dem Streif anschließen wollen, fanten ergeben. Die Produktion nimmt zu- seine Mittel fönnen mehr produzieren und ehe er sichs versieht, ist der Markt mit treffen nicht zu. Neue Verhandlungen finden heute vormittag statt. Die Rotstandsarbeiten werden überall verrichtet. Im Beuthener unverfäuflicher Ware überschwemmt. Die betreffenden Waren Revier ist die Streiflage unverändert. Man rechnet mit einer Entmären verfäuflich, wenn der Produzent sich mit einem niedrigen spannung durch Ausgabe von wertbeständigem Provinzialnotgeld. Die Normalisierung( wie ich fie verstehe) bedeutet vielmehr Die AEG. hat das Kabelwerk Oberfpree gefchloffen und die Beeine tagtägliche und jahrelange Unterfudung: erstens des Artikels, legschaft entlassen. In einem Anschlag werden als Gründe für der am meisten den Wünschen und Bedürfnissen des Bublifums diese Maßnahme u. a. angeführt: passive Resistenz, Bedrohungen entspricht, und zweitens seiner Herstellungsmethoden. Die Einzel- und Gewalttaten. Die Bertsleitung hat Verhandlungen mit dem heiten des Produktionsprozesses werden sich dann ganz von selbst ergeben. Haben wir die Produktion von der Profit. basis auf die Leistungsbafis übertragen, so ist das eigentliche Geschäft gesichert und der Gewinn wird nichts zu wünschen übrig lassen. Ich begreife nicht, weshalb das ganze Geschäftsleben nicht auf eine derartige Basis gestellt ist." Breise begnügte. Ford produziert billig und gut, bei achtstündiger Arbeits. zeit und einem Mindestlohn von sechs Dollar. Unserem auf mög lichst lange Arbeitszeit, bei möglichst niedrigen Löhnen zur Be schaffung möglichst vieler Devisen bedachten Unternehmertum, das Kriegs, Reparations, Ruhr- und Spetulationsgewinne in Hülle und Fülle geschluckt hat, wäre dringend zu empfehlen, sich mit den Grundsätzen von Ford vertraut zu machen. Generalversammlung der Buchdrucker. Die Funktionäre des Berliner Gauvereins der Buchdrucker waren Donnerstag abend in den Andreas- Festfälen" versammelt, um über wichtige Vereinsangelegenheiten zu beraten. SchLeffler schilderte in eingehender Weise die schlechte finanzielle Lage des Gaues. Bor 14 Tagen habe man sich schon einmal mit der ganzen Eachlage befaßt, aber jetzt sei die Situation noch viel schwieriger. Infolge der meiteren ungeheuren Geldentwertung sei leider ein beträchtliches Defizit entstanden. Durch die große Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Beruf und die dadurch verursachten vermehrten Verwaltungsausgaben stehen eben Einnahmen und Ausgaben in feirem realen Berhältnis mehr. Als das größte Uebel bezeichnete der Redner das verspätete Eingehen der Beiträge bei der Gautasse, so daß man den Gedanken erwägen müsse, alle nicht recht zeitig eingehenden Beiträge nach dem Wert in ber *) Henry Ford: Mein Leben und Werf. Paul List Berlag, Leipzig. Alte Gebisse pro Rahn 5 bis 100 Milliarden.Gold.. Dublee, Silber. bruch tauft Zahn- Ankauf B. Zymelski, Weißenburgerstr.32 KrausPianos Erich Fuhrmann Handelsgerichtlich eingetragene Firma kaufen Gold-, Silber-, Platin- Bruch BERLIN Zahngebisse Alle Artikel zum Gotzkowskystr. 13 Kopp& Joseph Miete Selbstrasieren Berlin W.50 Ansbacher Str. 1, Ecke Rurfürstenstraße in vorzgl. Qualit. u. gr. Auswahl. Potsdamer Str. 122. Betriebsrat abgelehnt.. Die Pflichtgrenze für die Angestelltenversicherung ist mit mir fung ogom 1. Oftober ab im unbesetzten Gebiet auf 6,6 Billionen Mart, im alt- und neubesetzten Gebiet und in dem Gebiet, in dem besondere Vorschriften für die Erwerbslosenfürsorge gelten, auf 8,2 Billionen Mart heraufgesetzt worden. Tarifvertrag für das Steinfeggewerbe von Berlin und der Provinz Brandenburg. Der Stundenlohn beträgt ab 20. Ottober: Steinießer und Steinhauer 7 Milliarden Mart, Rammer 6965 und Silfsarbeiter 6644 Millionen Mark. Die in Tarifvertrag vom 1. Dft. 1920 enthaltenen Affordiäße für Steinhauer werden einschließlich der früheren Aufbefferungen insgesamt um 101 449 275 262 Pro. erhöht. Ferner find von den Arbeitgebern für die Kasse der Wohlfahrtzeinrichtungen durch Einkleben von Wohlfahrtsmarken in die von den Arbeitnehmern dem Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Starten 4 Broz. zu entrichten. Der Rückgang der Diensttohlenbestände müßte zum Erliegen des Eisenbahnbetriebes führen, wenn nicht für die Fehlmenge der nächsten Monate alsbald Erjag beschafft wird. Die fortdauernde Abschließung des Ruhrgebietes durch die Besakungsmächte macht es aber der Reichsbahn zunächst unmöglich, sich in ihrem Kohlenbezug auf das Inland zu beschränken. Je mehr heimische Lokomotivkohle fortüber das bisherige Maß hinaus an geliefert wird, um so geringer wird die Menge der anzukaufen. den Auslandskohlen sein. Die Reichsbahn ist also an der Steigerung der Kohlenförderung aufs erheblichste interessiert und würde es weiterhin sehr begrüßen, wenn an fie alle verfügbaren und im Lokomotivbetriebe verwendbaren Grobfohlen geliefert würden; sie ist durchaus bereit, Erleichterungen in den Sortenund Qualitätsansprüchen zu gewähren, um möglichst große Mengen zu erhalten. Die Reichsbahn hofft, daß in absehbarer Zeit die Dienstkohlenlieferung in verstärktem Umfange erfolgt, damit der heute undermeidbare Auslandsfohlenbezug im Interesse der deutschen Volks. wirtschaft vermindert werden kann. Weltpoftverkehr und Weltwirtschaft. Der Weltpostverein ver.. öffentlicht Angaben über den Auslandspostverkehr in den Jahren 1920 und 1921. Sehr aufschlußreich find die Mitteilungen über den Briefverkehr: die gesamte weltwirtschaftliche Lage[ piegelt fich darin wider. Bor dem Krieg stand Deutschland als aufstrebendes Erportland, das in allen Ländern nach Absatzmärkten suchte, an erster Stelle bei der Versendung von Auslandsbriefen. Hinter Deutschland blieb der Briefverkehr der Vereinigten Staaten um 8 Broz., der Großbritanniens um 30 Broz. zurüd. Die grundlegenden Aenderungen der wirtschaftlichen Situation kommen in den ganz veränderten Zahlen des Briefverkehrs zum Ausdruck. Deutschland hat ein gutes Teil feiner ausländischen Abjazmärkte, befonders die überfceifchen, eingebüßt, daher fant der ausländische Briefperfehr Deutschlands 1920 auf 43, 1921 durch die Belebung der Ausfuhrkonjunktur auf 55 Proz. des Vorkriegsstandes. Im übrigen ist aber der ausländische Briefverfehr sämtlicher europäischen Staaten, mit Ausnahme von Holland, in den legten Krisenjahren wesentlich zurückgegangen und ist viel nie. Dagegen erhöhte sich der Briefdriger wie vor dem Kriege. perkehr der Bereinigten Staaten und Japans, der letztere in außerordentlich hohem Maße( um 63 Pro3.). Interessant find die Richtungen des Briefverkehrs. Der deutsche Briefverfehr richtet sich zu 86 Proz. nach europäischen Staaten, er ist am umfangreichsten mit Holland und mit der Schweiz. Die belgische Auslandspost geht zu 90 Proz., die holländische zu 81 Proz. nach europäischen Staaten. Dagegen entfallen von den aus Großbritannien verschickten Briefen nur 37 Broz. auf Europa, 30 Proz auf Amerifa, das übrige auf die anderen Erdteile, was durch die besondere Stellung Englands in der Weltwirtschaft und durch sein Verhältnis zu den Kolonien begründet ist. Auch gingen nur 50 Broz. der aus Italien versandten Auslandsbriefe nach europäischen Ländern, während 38 Proz. nach Amerika bestimmt waren, was wieder eine Folge der italienischen Auswanderung ist, die sich besonders nach Südamerika richtet. Theater der Woche. Bom 28. Oktober bis 5. November. Bellsbühne: 25., 30., 1. und 2. Der abfrünnige 8ar. 29. Und das Licht fcheinet in der Finsternis. 3. bis 5. Figaros Sochzeit. Opernhaus: 28. Tosca, 29. Cleftra. 30. Falstaff. 31. Rofenfavalier. 1. Maskenball. 2. Carmen. 3. Ariadne auf Naros 4. Aida. 5. Bürger und Edelmann. Josephslegende Schauspielhaus: 28, 30., 1. und 1. Minna von Barnheater: Bygmalion. 1 Beer Gnnt. 31. Fauft. 8. Wilhelm Tell. Deutsches Kammerspiele: 28. bis 30., 1. bis 4. Die Rinder. Am 31. und 5. Cäsar unb Aleopatra. Leffing- Theater: Täglich: Rausch. Am 2. Fauft I. Theater in Schiller Theater: 28., 30., 2. und 4. der Königgräger Straße: Schweiger. sfeind. 29, 31., 1. und 5. Rabale in lib: 3. Flachmann als zieher. Großes Schauspielhaus: Der Bettelstudent. Eroße Bolksoper im Theater bes Bestens: 28. Die verlaufte Braut. 29. Tristan und folde. 30. und 5. Schneeflöckchen. 31. Rar und Zimmermann. 1. Walküre. 2. Der Barbier von Gevilla. 3. Fidelio. 4. Gamfon und Dalila. Renaissance Theater: 28. und 29. Der Weibstenfel. Ab 30. Die Tage des Lebens. Die Tribine: Deutsches Künstler- Theater: Tybbke. Romödienhaus: Trianon Theater: Jou Refidenz- Theater: Brofeffor Storiann. Rentral Theater: Der Tenor Fannns erstes Stüd. Mein Better Eduard. Berliner Theater: Dolln. 1 Sou. der Herzogin. Theater in der Rommandantenstraße: Charlie. Friedrich Wilhelmstädtisches Theater( Schauspieler.Sheater): 2., 3. und 4. Chard II. 5. Elaa. Hanneles Simmelfahrt. Komische Oper: Die Welt ohne Schleier. Buftspielhaus„ Die Truppe": Bom Teufel geholt. Metrovol- Theater: CasinoRenes Operetten- Theater: Die Siegerin. Thalia Theater: Die Girls. Scheidungsreise. Neues Theater am 800: Die Lugusfrau.- Aleines Theater: Moral. Wallner- Theater: Causa Kaiser. Balballa- Theater: Variete. Rose- Theater: Im weißen Rößl. Kasino Theater: Der Chemann ohne Frau. Theater am Kurfürstendamm: Frau Warrens Gewerbe. Schloßpart- theater Stealik: 28., 30. und 5. Charlens Tante. 29. und 31. Die Berride. 1. bis 3. Nachtafel. Intimes Theater: Abendbesuch. Die f. u. 1. Hofe. Meine Frau, Theater im Admiralspalaft: Drunter und drüber. Apollo. ausgeschlossen. Theater: Europa spricht davon. Nachmittagsvorstellungen: Bolfsbühne: 28. und 4. Die Fahrt Schauspielhaus: 4. Journalisten. Deutsches Theater: 28, und Die Arbeitnehmer erhalten für die vergangene Lohnwoche 4. Alt- Seidelberg. Rammerspiele: 28. Das Krokodil. 4. Die deutschen Klein. Städter. Lessing- Theater: 28. und 4. Bürger Schippel. Schiller- Theater: außer dem um den Inder erhöhten Lohn eine Wirtschaftsbeihilfe being Großes Schauspielhaus: 28. 11% Uhr: Samfon: 2 Uhr: Deutsches Künstler- Theater: von 3 Milliarden für die Erwachsenen, von 2½ Milliarden für die samlet. 4. Der Widerspenstigen Rähmung. Berliner Theater: 28. Rigoletto. Trianon Theater: Frauen und von 2 Milliarden für die Jugendlichen; für die 28. Der Biberpelz. Residenz- Theater: 28. Eine glückliche Ehe. Metropol- Theater: laufende Woche erhalten die Arbeiter den bisherigen Lohn verviel- 28. Jugend. 28. Charleys Tante. Theater am Rollendorfplah: Madame Pompadour. Kleines Theater: 28. Die Pfarrhauskomödie. Rose- Theater: 28, 11 Uhr: Die facht um die amtliche Inderziffer." Braut von Messina; 3½ Uhr: Jm weißen Rößl.- Schloßpark- Theater Steglig: 28. und 4. Charleys Tante. Für die Kellerarbeiter in den Weingroßhandlungen und Liför. betrieben ist am 24. Oftober vor dem Demobilmachungskommissar folgender Vergleich geschlossen worden: Lohntarife gegen Borzeigung des Mitgliedsausweises, und Erstattung der Unkosten beim Berkehrsbund, Engelufer 24/25, 3. 26. Achtung, Töpfer! Da die Unternehmer jede Verhandlung, refp. Bulage auf den zu niedrigen Lohn ablehnen, finbet morgen Sonntag, vor. mittags 10 Uhr, Landsberger Str. 31, bei Baez, eine Mitgliederver fammlung fbatt, um zu ben Lohnverhandlungen Stellung zu nehmen. LETTLANDS einzige große deutsche Morgenzeitung Rigasche Nachrichten Grgan der demokratischen Deutschbalten este's Informationsorgan übe Volkswirtschaftliche Fragen Lettlands und aller übrigen Randstaaten Allwöchentl. Sonder- Ausgabe über Rußlands Wirtschaft, Handel and Industrie Verbreitetstes Insert onsorgan Redaktion und Expedition: Kleine Königstraße 9, Riga, Latviá Anzüge Paletots Hosen fertig und nach Maß Gummimäntel Manchester- Loden nach Orplib. 1 Berantwortlich für Bolitif: Eruft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. 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