Nr.525 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 262 Bezugspreis: Bom 4-10. November 42 Milliarben Mart voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 4.- 10. November für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 53 Milliarden, für das übrige Ausland 63 Milliarden. Bost bezugspreis freibleibend. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage..Bolt und Zeit". der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage..Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 20 Milliarden M. Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareileseile 0,70 Goldmart, Reflamezelle 3,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Bort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jebes meitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen file zwei Borte. 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Hier ist heute abend die nationale Dittatur" nale Reichsregierung werde in München gegründet. Es und ihrer Gefolgschaft blöder Spießbürger und halbwüchsiger ausgerufen worden. Hitler- Banden durchziehen die Stadt, sie werde sofort eine deutsche nationale Armee errichtet. Die ei. Knaben mit ihr Schindluder getrieben wurde. haben das Telegraphenamt besetzt. Der Generalstaatsfom- tung der deutschen Politit übernehme er. Hitler, Möge ihr der Münchener 8. November endlich das Er. miffar v.& ahr ist im Bürgerbräu eingesperrt, felbst. Eg3. Ludendorff übernehme die Leltung der deutschen wachen bringen! es wird mit ihm unterhandelt. Auch der Ministerpräsident Armee, General von Cofio w werde Reichswehrminister, Oberst Knilling und der Innenminister Schweŋer find ge- von Seißer werde deutscher Reichspolizeiminister. Hitler richfangen gesetzt. fete an die Versammlung, in der zahlreiche Offiziere anwesend In der Stadt herrscht ungeheure Aufregung. Nach neuesten Nachrichten sollen die Verhandlungen mit Kahr dazu geführt haben, daß er zum Reichsverweser ausgerufen wird. Der Meuterergeneral v. Coffow hat sich mit dem Titel eines Reichswehrministers", Ludendorff mit dem eines Chefs der obersten Heeresleitung" geschmückt. Auch dem ehemaligen Polizeipräsidenten Pöhner ist eine hohe Stellung in der neuen Reichsregierung" zugedacht. waren, die Anfrage, ob sie mit diesen Vorschlägen einverstanden fei, was mit tosendem Beifall bejaht wurde. Hierauf wurden die als Mitglieder der neuen Regierung vorgeschlagenen Persönlichkeiten in den Saal geführt. Sowohl kahr wie Ludendorff und pöhner erklärten sich in furzen Ansprachen zur Uebernahme. ihrer Aemter bereit. Hierauf hielt noch Hifler ein Schlußwort, in dem er erklärte, der Tag, den er so sehnlichst seit fünf Jahren erwartet habe, fei heute gekommen. Er werde Deutschland wieder zu einem Reiche der Herrlichkeit machen. München, 8. November 11 Uhr 45 minuten abends. ( WTB.) Von privater Seite erhält das„ Süddeutsche Korre. fpondenzbureau" über Vorgänge im BürgerbräuGegenwärtig, in der elften Abendsfunde, ist der große Saal des feller folgenden Bericht: Nachdem der Generalstaats- Bürgerbräufellers noch stark besetzt und durch Militär abgeschlossen. tommiffar v. kahr seine Rede beendet hatte, fei Hitler In der zehnten Abendstunde bewegte sich vom Löwenbräufeller aus mit 600 mann in den Saal eingedrungen und habe erklärt, ein gewaltiger 3ug von Angehörigen der Kampfverbände mit Fahnen daß die jetzige Regierung beseitigt fei. Eine neue und Musik nach dem Bürgerbräufeller. Leitung fei bereits aufgestellt. General Ludendorff sei Landesbefehlshaber, Hitler politischer Berater, der frühere der " * Kabinettsrat um Mitternacht. präsidenten um 12 Uhr nachts zu einer Sihung zusammenDas Reichstabinett ist unter Vorsitz des ReichsPräsidenten um 12 Uhr nachts zu einer Sitzung zusammengetreten. Der preußische Innenminister Severing ist hinzugezogen worden. Am Vorabend der„ Diktatur". Bayerische Volksparteiler gebärden fich margiftisch. München, 8. November.( Eig. Drahtb.) Herr v. Rahr gilt nach wie vor als der Exponent der Regierung Knilling und wird als folcher getragen von der Bayerischen Baltspartei Immerhin aber sind eine Reihe von Symptomen beachtenswert, bis einen gewiffen Stimmungsumschwung zeigen. Daß die chriftlichen Gewerkschaften schon mehr als einen Proteft gegen die bekannte Streifverordnung, die die Arbeiter den Unternehmern ausliefert, erhoben haben, ist bekannt. Neu ist aber, daß eine der treuesten Stützen der Bayerischen Volkspartei, der Abg. Monsignore Wal. terbach, in einer Versammlung der chriftlichen Arbeiterschaft in Nürnberg biese Streitverordnung urter stürmischem Beifall feiner Zuhörer einer außerordentlich scharfen. Kritik unterzog. Er flagte dabei den Generalstaatskommiffar offen an, daß er die Schuld baran trage, wenn die Löhne der bayerischen Arbeiter in den letzten Wochen nicht mit der Teuerung Schritt halten fonnten und be. dauerte es lebhaft, daß Kahr und feine Berater so wenig foziales Berständnis befizen. Seine Rede schloß mit den Worten: Der Kapitalismus ist noch nicht fot, er ist lebendiger denn je. Das muß namentlich nach rechts hinüber gefagt werden. Wenn heute die Cage Deutschlands so ganz frostlos ist, dann trägt der Kapitalismus in erster Linie die Schuld daran. Denn er hat aus der bittersten not des Boltes noch private Geschäfte gemacht. Bei aller Freudigfeit, mit der wir sonst hinter Rahr stehen, stehen wir doch vor allem auf dem Boden der legalen Regierung, und diese trägt den Namen Knilling." Noch mehr Abbruch aber tut dem Generalstaatsfefretär, baß der angeblich ohne Biffen der bayerischen Regierung in Nordbayern durch die Kommissare des Herrn v. Rahr aufgerufene not polizei bereits Hunderte von Billionen zur Auszahlung gebracht wurden, die nun die Regierung bezahlen soll. Darüber ist das bayerische Kabinett außerordentlich entrüstet, und Geheimrat held, der bekannte Führer der Bayerischen Bolks. partei, protestierte dagegen in einer Bertrauensmännerversammlung der Partei mit der allergrößten Entschiedenheit. Unter stürmischem Beifall rief er aus: So tann nicht regiert werden, bel aller nafio. nalen Gesinnung können die Dinge fo nicht gemacht werden, das lehnen wir ab!" Da Held der Macher der ganzen bayerischen Regierungspolitik ist, werden sich aus dieser Einstellung gegen Kahr wohl Konsequenzen ergeben. Münchener Polizeipräsident Poehner Landesverweser und Die Nachrichten aus München sind zur Stunde-tnapp General v.£ of sow Wehrminifter. Daraufhin fei der Bürger- vor Mitternacht noch so verworren, daß sich ein flares Bild bräufeller von Hitler- Truppen in weitem Umkreis abgesperrt aus ihnen noch nicht gewinnen läßt. Sicher ist nur, daß die werden. Zu Zwischenfällen sei es bis 10 Uhr abends nicht nationale Revolution echt Münchnerisch vom Bürger gefommen. bräu ihren Ausgang genommen hat, und daß eine Schar Zurzeit sammeln sich die Kampftruppen Oberland und unglaublichsten Hanswürste eine neue Reichsflagge in verschiedenen Stadtteilen und befehen Reichsregierung" zu bilden versucht. Eine Boffe, wie sie, so die Plätze. Ueber die Haltung der Reichswehr und der hoffen wir, nirgends sonst in Deutschland als in der sogenann Landespolizei liegen noch feine näheren Meldungen vor. ten Ordnungszelle" und im wirklichen Narrenhaus Bayern Wie von privater Seite weiter mitgeteilt wird, foll& ahr im möglich ist. Bürgerbräufeller Berhandlungen pflegen. Einer späteren Bluttaten find bisher nicht gemeldet, leider wird man Meldung zufolge ist das Telegraphenami von der Landespolizei aber bei dem bekannten Charakter dieser Kampftruppen" fich besetzt worden; ferner feien in der Redaktion der„ Münchener über das Schicksal linksgerichteter Persönlichkeiten in München Neuesten Nachrichten" Offiziere der Hitler- Truppen erschienen. durchaus feiner beruhigenden Gewißheit hingeben dürfen. Unaufgeklärt ist die Rolle Ka hrs. Er ist, soweit sich Minchen, 8. November, 12 Uhr nachts.( Eigener Draht- aus dem Inhalt seiner Rede schließen läßt cder hat er sich bericht.) Nach der Proklamation treten an die Stelle der nur verstellt? nicht in die Verschwörung eingeweiht ge bisherigen Reichsregierung& a hr als Reichsverweser, wefen. Er scheint dann aber doch die Regierung, die ihn in Ludendorff als Chef der Heeresleitung und Hitler als sein Amt eingesetzt hat, tapfer verraten zu haben. Der Schuft Innenminifter. Die bayerische Landesregierung werde 2ossow hat seinen zweiten Treubruch verübt. Die von Kahr als Ministerpräsidenten, Pöhner als Jnnen- nilling und Schwener wurden das gehört zur minister und dem bisherigen Kommandanten der bayerischen Bosse als Margiften" und ,, Novemberverbrecher" behandelt Landespolizei, Salzer als Polizeiminister gebildet. Ka hr, und als die ersten eingesperrt. Ludendorff und Coffow ertiärfen sich zu der Natürlich ist die Frage von Wichtigkeit, wie weit die Ber Uebernahme der Aemter bereit. Ludendorff hielt bindungen Hitlers nach Norden reichen und ob die von ihm eine Ansprache, in der er sagte, er werde die schwarzweißrote begründete Reichsregierung" außerhalb Münchens von einem Kokarde wieder durch ganz Deutschland, auch über den Menschen ernst genommen werden wird. Rhein fragen. Zum Schluß ergriff noch einmal Hitler das Einstweilen können wir uns das nicht vorstellen. Hitler Wort: Fünf Jahre habe die Revolution gedauert, fie habe nun- gilt bis in die Kreise hinein, die ihm nahestehen, als ein eitler hr ihr Ende erreicht. Darauf wurde der Saal abgesperrt, Schwäger, und selbst unsere Bölkischen" dürften einige Bevie Anwesenden, die sich legitimieren fonnten, fonnten passie- denten tragen, fich ohne weiteres seiner Führung anzuver en, die anderen, darunter& nilling, Schweyer und trauen. Biele Deutschnationale sind zu preußisch, als daß sie mehrere Abgeordnete wurden verhaftet. Tele- fich ohne weiteres vom Münchener Bürgerbräuhaus regieren Die Ehrhardt- Banden bei Koburg. graphenamt und Bahnhof sind von Landespolizei besetzt. lassen wollten. Die Kreuzzeitung" unterzog unlängst die Das bekannte Dementi des Wehrtreistom6 Hier wurde das Gespräch unterbrochen. Red. d.„ B.") Persönlichkeit Hitlers einer vernichtenden Kritik. Im allge- mandos V, aus dem sich ergab, daß die Rüstungen der meinen neigen mir zu der Auffassung, daß es sich nicht um irregulären Banden an der thüringisch- bayerischen Grenze München, 8. November, 11 Uhr abends.( TU.) Der heutige eine im ganzen Reich verzweigte Verschwörung handelt, fon- taum erwähnenswert sind, hat uns veranlaßt, erneut einen Abend hat in München den Staatsum sturz gebracht. In einer bern um einen Münchener Lokalputsch, der auch dort starke Sonderforrespondenten nach Koburg zu entfenden, um dort ungeheuer überfüllten und schon um 7 Uhr polizeilich gesperrten Gegenfräfte auslösen wird. Man braucht nur an das Ver- an Ort und Stelle die tatsächlichen Verhältnisse prüfen zu Bersammlung im Saale des Bürgerbräufellers hielt der hältnis der Bayerischen Boltspartei zu Ludendorff denten, laffen. Das Ergebnis ist in nachfolgendem Bericht zusammenbisherige Generalftaatskommissar Dr. v. Kahr die angekündigte um das zu verstehen. gefaßt. Aus ihm ergibt sich, daß die vor einer Woche von uns große Rede. Che er sie aber noch zu Ende geführt hatte, wurde Meldungen über Butschversuche liegen außer aus Mün veröffentlichten Mitteilungen über die Rüstungen auch heute er plötzlich von dem im Saale anwesenden Führer der National- chen zur Mitternachtsstunde aus feinem Ort Deutschlands vor. noch zutreffend sind und das Dementi des Wehrkreiskomfozialiffen, Hitler, unterbrochen. Ein Sturmtrupp drang in den Es sind bisher auch nirgends ernste Vorbereitungen beobachtet mandos V in Stuttgart nicht den Tatsachen entspricht. Saal ein und gab eine Anzahl Schüsse gegen die Saaldede worden. Namentlich war in Berlin nicht das geringste ab. Es entstand eine ungeheure Unruhe. Hifler brach sich durch die Anzeichen eines bevorstehenden Aufstandes zu bemerken. Die illegalen Organisationen, welche sich zwischen Rhön und Frankenwald in der Linie Rodach- Koburg- BurgrubMenge Bahn und erklärte, die Regierung Anilling fei Bedenklich muß es stimmen, daß die Reichswehr, mit Kronach umhertreiben, feßen sich aus Angehörigen der Bris hiermit gestürzt und die nationale Diftatur ausgerufen. Heute der Auflösung proletarischer Hundertschaften beschäftigt, gestern gabe Ehrhardt und aus Gruppen des Kampfbundes vor 5 Jahren fei die Revolution angegangen, mit dem heutigen das vorgeschriebene Ziel an der Thüringer Grenze noch nicht und des Jungdeutschen Ordens zusammen. Führer Tage aber sei fie beendet. Das Kabinett snilling fel abgefegt. Die erreicht hatte. Denn mit dem Losbrechen Ehrhardts der Organisationen ist Ehrhardt, neben dem man auch noch Minister Knilling und Schwener, die in der Versammlung anwesend muß unter allen Umständen gerechnet werden. Hitler und den früheren Großherzog von Roburg- Gotha im waren, wurden froh ihres Protestes fofort verhaftet und vor- Selbstverständlich fordern die nächsten Tage höchste Hauptquartier Koburg gesehen hat. Ehrhardts Siz läufig eingesperrt. Außerdem wurden verschiedene andere Bereitschaft. Es muß dafür gesorgt werden, daß aus selbst ist Bamberg. Die illegalen Banden refrutieren prominente Persönlichkeiten verhaftet. Hitler teilte mit, daß der Münchener Hanswurstfomödie feine blutige Tragödie für sich meist aus sehr Jugendlichen Angehörigen, teilweise aus die neue bayerische Regierung bereits gebildet jel. Landesverweser ganz Deutschland wird. Fünf Jahre lang hat die Re- lausgesprochen verwahrloster Jugend. Dichtung und Wahrheit. vor fünf fahren. Zum S. November. Seit von der Terrasse des deutschen Reichstags aus die Zeutschs Republik ausgerufen wurde, ist erst ein halbes Jahr- Zehnt ins graste Meer der Zeiten versunken. Nur ein halb Jahrzehnt, nur winzige fünf Jahre! Aber wenn unsere Blicke aus diese kurze Zeitspanne zurückschweifen, dann finden sie eine Fülle von Hoffnungen, von Ansätzen, von Schößlingen einer - neuen Zeit, und wir finden ein Blachseld, auf dem ebenso viele erschlagene Hoffnungen und Entwürfe bleichen. Was sich am 9. November 1918 mit eruptiver Gewast durch- setzte, war die Sehnsucht nach Frieden, nach Nahrung und nach Freiheit. Innen- und außenpolitisch! Was aber am gleichen Tage zusammenstürzte, war ein System, das sich selbst über- lebt hatte, das innerlich zersetzt war und nur noch durch eine glänzende Decke zusammengehalten ward, bis dievierjährige Not des Weltkriegs auch den letzten Rest des schillernden Plunders durchgefressen hatte. So versank das hohenzollernsche Kaisertum und zencs Bündel von Dynastien, auf das es auf- gepfropft war, sang- und klanglos ins Dunkel. Nicht einmal in Schönheit wußte es zu sterben. Die beiden Hohenzollern flüchteten bei Nacht und Nebe! nach Holland, Nupprecht Wittelsbach suchte Schutz in der spanischen Gesandtschast in Brüssel und dann mit Zioilistenpast den Weg in die Heimat. lind die anderen Potentaten alle nahmen den Kündigungsbrief entgegen, setzten sich in den Schmollwinkel oder ehrlich' zur Ruhe. Niemand fragte mehr nach ihnen. Es fei denn das Heer von Lakaien aller Grade, das in ihrem Gnaden- und Ordens- fegen sich gelabt.hatte. Ein System ging am 9. November 1918 zu Bruche. Es hatte in den Jahrzehnten seiner Macht und seiner prunkenden Herrlichkeit das Land in der West isoliert, es von Feinden rings umgeben lassen und nichts getan, um Land und Volk fest miteinander zu verschmelzen. Klassengegensätze sind über- all in der Welt. Aber nirgends wurden sie von den herrschen- den Schichten so brutal betont, so gewollt herausgestellt wie in dem Deutschland vor 1918. Hier herrschte das System des Stiefelabsatzes und des Stiefelküssens— wie es nachträglich von den Höflingen in dicken Erinnerungsbüchern geschildert wird. Hier herrschte eitle Phrasenhaftigkeit und geschwollene Wichtigtuerei. Hier herrschte das preußische Junkerwm, das noch bis in die Wochen der revolutionären Gärung engstirnig auf feinen dreiklassigen Privilegien beharrte. Dasselbe Junter- tum, dem die vox populi als die Stimme des Rindviehs er- schien, und dem der„Leutnant mit zehn Mann" der Inbegriff oller politischen Weisheit war. Und neben diesem Junkertum wuchs in gewaltig quellender Kraft das neue Grandengeschlecht der Schlotbarone und Industriekapitäne. Das werkende Volk aber ward als Kanaille behandelt. Um jeden Fußbreit sozialen Fortschritts und neuen politischen Rechtes mußte jahrelang erbittert gerungen werden. Was jedermann im europäischen Ausland als selbstverständlich empfand: staatsbürgerliche Gleichberechtigung und soziale Eni- wicklungsmüglichkeit— das wurde hierzulande noch ver- weigert, als schon Millionen arbeitender Volksgenossen auf den Schlachtfeldern der Welt verblutet waren. Am 9. November 1918 wurde der Schlußpunkt unter dieses System des lügnerischen Glanzes und der sozialen Unterdrückung gesetzt. Die Revolution der Soldaten und Ar- - bester war der Aufschrei eines gequälten Volkes, das jähre- lang Entbehrung, Not und Kriegsleid getragen hatte in der Hoffnung, nach dem Ende dieses blutigen Ringens dies Land auch als sein Land, diese Heimaterde auch als seine freie Heimat grüßen zu dürfen. Wenn je und irgendwo, so be- stätrgte sich in Deutschland das Wort Lassalles, daß Revo- lutionen nicht gemacht werden können, daß sie vielmehr im Schöße der Gesellschaft selbst erst gereift sein müssen, deren Umgestaltung sie im Gefolge baben. Die Revolution von 1918 war wirklich von der alten Gesellschaft großgezogen und ihr Ausbruch erfolgte mit der Gewalt eines Naturereignisses, dem kein Gebild von Menschenhand zu widerstehen vermag. �snn öas ist kein serner Klang... Zum S. November. W3r' nur einen Augenblick unser Ohr vom Lärm des Tags gereinigt, hätten wir uns schon geeinigt. und wir härten alle die Musik: ein« Harfe über unserem Leid, eine Geige über unserer Rot, und die Aufruhrtrommcl neuer Zeit, der Trompete schallendes Gebot: Heilen, was das Leid zerbiß. stärken, was die Rot zerbrach. ketten, was die Zwiekrachk riß, wecken, was da müde ward und schwach, sammeln, was sich in der Angst verlor, sammeln, was sich feig verkroch, sammeln auch den schlimmen Tor. schlotternd unkerm alten Joch. Denn das ist kein ferner klang, mein verwehter, süßer Ton: D i e Musik ersülli uns lebenslang: n eunzehnhunderlachizehn! Revolution!! D i e Musik geht vor un» her. die Musik dröhnt uns im Ohr, d> e Musik stößt wie das aufgeregte Meer » in das Land der Zukunft vor! Mär' nur einen Augenblick unser Ohr vom Lärm des Tag« gereinigt, hätten wir uns schon geeinigt, und wir hörten alle die Musik: diese Harfe über unserem Leid, dieser Geige zukunftshellen Ton. diese Ausruhrtrommel neuer Zeit: Reunzehnhunderlachlzehn! Revolution!_____ � 4S. Fahrgasg Vellage des Vorwärts Frettag, y. November 1�25 „Stark tuberkulosegefährSet... Eine erfreuliche Schule. Amerikanische Hilfe. // Drouhm, im Osten, am W«idenweg, in«wer jen«r Etratzen, m denen durch die Rudel tollender Kinder hindurch»er- härmt« Proletarierfrauen mit fast leeren Markttaschen zerfallenden »Reimen zueilen, steht eine Schule, die äußerlich ebenso trocken und nüchtern sich gibt, wie«igenllich alle Amtsgebäude zu tun pflegen. Und doch birgt diese Schule so etwas wie ein zartes Teheimnis, das . zu enthüllen Lust und Kummer zugleich bringt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Mehrzahl unter uns ausgewachsenen Sterblichen sich im allgemeinen nur wenig hingezogen fühlt zu den Stätten, in denen einstmals auch gegen uns der Vakel geschwungen ward, aber selbst ein eingefleischter Gegner dessen, was nach.Schule' riecht, wird sich belehren lassen, daß hier in der Eckertstraße cin pädagogisches Institut beheimatet ist, daß sympathisches Wohl- wollen aller verdient. Sechzeh« KochmäÜels. Vcst du zur Linken vier Stufen emporgestiegen, strömt dir ein Duft in die Nase, der dich in manchem an schönere Tage mahnt. In dieser Zeit, die so angefüllt ist mit Elend und Not wie keine seit den, Dreißigjährigen Kriege, ist es tröstlich, kräftiges Essen zu riechen, und wir, die wir fast nur noch von Erinnerungen leben, trüben und lichten zugleich, spüren in der Brust das Gefühl einer erquickenden Melancholie, wenn wir eintreten in diesen Raum, in dem die Koch- schule tagt. Sechzehn Mädels im Aller von 12 bis 14 Jahren werden hier von zwei unermüdlichen Lehrerinnen vorbereitet auf i1 0 Zutunftsmission, auch in mageren Jahren tüchtige Hausfrauen ?, fein. Die liebenswürdige Leiterin dieses heute doppelt notwen- digen Unterrichts versucht, mich, den Junggesellen, m die Geheim- nisse ihres Instituts einzuweihen. Zu vieren ist die Einteilung r, folgt. Vier Mädchen arbeiten zusammen an ein ein der vier Herde. Zu vieren marschieren die Töpfe, zu vieren die Löffel, die Kellen, die Quirle auf. Und ein« Freude ist es, dies Geschirr, diese Küchengeräte sich anzusehen, die, wiewohl sie seit Jahren schon in Gebrauch sind, vor Gmiberkett blitzen und plänzen. Und das rührt und salzt und löffeit und wäscht ob, daß r? nur so eine Lust ist! Natürlich fehlt auch der theoretisch« Ii n t e r r i ch t nicht. Was die Gewürze bedeuten, welchen Nähr- wert die einzelnen Nahrungsmittel haben, wird mit Eifer erörtert b in gutes Essen schmeckt mn so besser, je billiger es ist, also wird sclbst in dem Wust der Euno-Preise dieses ruchlosen Jahres 1923 p mau besprochen, was alles kostet und wie dieses und jenes Gericht '» verbilligen ist. Ein Kochbüchlein wird geführt, und mit berech- tigtem Stolz erzählt die Lehrerin," daß noch heute verheiratete junge Frauen, die als Mädchen am Kursus teilnahmen, zu ihr kommen und berichten, das Quartheft von«inst sei das Hauptstück ihrer l ausfraulichen Tätigkeit qebliebon.— Hier glaubt man nicht in einer Schul« zu sein: Mit herzerfrischender Fröhlichkeit. mit. allseitigem Eifer, in erfreulicher Harmonie wird hier gearbeitet. Weit gefehlt aber, wer da glaubt, hier spielten achtzehn Menschen Unterricht, um nachher trotz Notzeit und Teuerung aus irgendwelchen staatlichen oder kommunalen Mitteln«in kräftiges(Essen zu ' i'nnausen. Geh ein Zimmer weiter, und du wirst sehen, für wen d e eifrige Schar so wacker mn Schaffen ist: Amerikanerinnen habe» sich verpflichtet, monatlich die nötigen Mittel zu stellen, um besonder» bedürftigen tuberkulosegesührdelen Sindern der Großstadt ein gutes Essen zu geben. Sei öen speifenüen Kinöern. Zwischen der Kochschule nebenan und diesem Raum«, in dem fünfzig Kinder gespeist werden, herrscht ein Gegensatz, der«r- schreckend ist. Gewiß, auch aus diesen Augen leuchtet Freude vorm dampfenden Töpfchen, aber Gedrücktheit, Beklommenheit überwiegen. Auf den zerfasernden Kleidchen und Röckchen dieser Jungens und Mädels liegt die beängstigend« Patina des Elends, die zuriickgechiicbenen Körper mit ihren eingedrückten Brüsten, den hohlen Manzen, den dürren Gliedern reden eine Sprache, die flehende Dille»nd furchtbare Anklage zugleich ist. Ich habe die Attest« d: r A e r z t e, die Bekundungen der Fürsorgerinnen«ingesehen, und die!« nüchternen Feststellungen haben mich mehr erschüttert, als d.i: ergreifendsten Stellen aus Hauptmanns Webern.„Besonders elendes kleines Geschöpf, Mutter tuberkulös verstorben, Vater schwer tuberkulös, 5 Kinder unter vierzehn Jahren, große Not, da Aaier arbeitsunfähig. Stark tuberkulosegefährdet. Sehr ungesunde Kellerwohnung. Alter 9% Jahre. Länge 106(normal 130,4). Gewicht lb.9 Kilogramm(normal 27,7 Kilogramm). Sehr blaß, Lid- randentzündung, Schleimhäute schiecht durchblutet, Drüsenschwellun- gen.' Entsetzliche Geißel Tuberkulose, die diese zarten Leiber veitschtl Und haßdurchsetzte Sucht überläuft einen, hierherzuführen die Menschen, die, gemästet am Elend der Zeit, in Peize und Decken gehüllt, im smarten Mercedes von der Börse zum Adlon sausen... Nur eine Kostprobe. Man sieht an der Gier, mit der zum Teil die Kleinen sich über das Essen stürzen, wie hungrig sie sind. Ich selber habe eine Kostprobe genommen, und ich, der ich aus Pensionen und Lokale an- gewiesen bin, gestehe, selten in Berlin Schmackhafteres gegessen zu haben. Uebrigens: Auch die kleinen Köchinnen erhaiten keine Portion, nur ein« Kostprobe! Behördlicherseits, das sei an- erkannt, ist dieses Mal rasch gearbeitet worden. Als Gefahr bestand, daß die Speisung infolg« der sonstigen Verpflichtungen der Koch- lehrerinnen nicht täglich würde durchgeführt werden können, hat der zuständige Schulrat zielbewußt eingegriffen, und der Rektor der Schule in der Eckertstraße hat sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sache gestellt. * Ich verabschiede mich. Doch neben der Freud«, hier«in humani- täres Werk in schöner Durchführung gesehen zu haben, bleibt bang« Sorge, ob wirklich genug geschieht, genug geschehen kann, um die zu retten� die von den endlosen Nöten der Zeit am meisten bedrückt werden. Was darf öas Srot tosten? Debatte in der Stadtverordnetenversammlung. Gestern hatte endlich auch die Vertretung der Berliner Bürgerschaft Gelegenheit, sich mit den unglaublichen Borkommnissen zu be- fassen, die seit dem letzten Sonntag die Berliner Bevölkerung auf dem Gebiete der D r otv er s o rg u ng in dauernder Aufregung er hatten. Der umfassenden Aussprache lag die Anfrage unserer Ge- nassen zugrunde:„Die Versammlung ersucht den Magistrat um Aus- kirnst, nach welchen Gesichtspunkten die Preisprüfungsstelle für diese Woche den Brotpreis auf 140 Milliarden Marl ohne jede Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung für angemessen erklärt hat.' Don den Demokraten und von den Deutsch- nationalen lagen ähnliche Anfragen vor, die Deutsche Bolkspartei hatte dazu eitlen Dringlichkeitsanttag«ingebracht. Zur Begründung der Anfrage wies Dr. W e y l auf die Em- pörung und dos Entsetzen hin, das am Montag die gesamte Be- völkerung angesichts jenes Wucherpreises, den auch die Preis- prüflmgsstelle und sogar dos Wucherdezernat anerkannt habe und der am Dienstag Berlin zum Schauplatz wüster antisemitischer Exzesse gemacht, ergriffen habe. Mitschuld an den tumultuösen Vorgängen sei di« Tatsache, daß ein solcher Wucherpreis unter Zustimmung einer städtischen amtlichen Stelle festgesetzt wurde. Am nächsten Tage sei es mit einem Male auch mit 80 Milliarden gegangen. Nach einer zu- verlässigen(auch im„Vorwärts' wwdergegebenen) Kalkulation, hinter der auch der Staatssekretär Dr. Ramm vom Landwirtschoftsministerium steht, hätte der Brotpreis am Montag nach dem Dollarstande dieses Tages nicht höher als 68 Milliarden sein dürfen. Nach einer gestrigen Mitteilimg von sehr maßgebender Stelle habe sich die Preisprüsungsstelle in vollem Gegensatz zu unserer Wucher- Polizei und zu allen Regierungsstellen befunden, di« die Preisrege- lung zu bcaufsichttgen haben. Ein engeres Zusammengehen der Stelle mtt der Wucherpolizei sei sehr notwendig, um für die Zukunft solche beschämenden Dorkommniss« zu verhüten. Daß es auch anders und billiger zu machen gehe, zeig« das Beispiel der Konsum- g e n o s s e n s ch a f t, die damals, ohne zugrunde zu gehen, ein gutes Brot für 62 Milliarden hergestellt Hab«. Wenn man nun wieder auf 10S Milliarden hinaufgegangen sei, so sei auch das noch ein wucherischer Preis; die Konsumgenossenschaft verkauf« für 93 Mil- liarden. Die Preisprüsungsstelle bedürfe einer anderen Zusammen- setzung, um eine objektivere Prüfung zu gewährleisten: jetzt gäben die Vertreter der Interessenten im Derein mit dem Stadttat Richter den Ausschlag.— Merten, der die demokratische Anfrage be- gründete, machte die fehlerhafte Organisation der Preisprüfungs- stelle für das polittsch und wirtschaftlich angerichtete große Unheil verantwortlich. Nach weiteren Ausführungen von Koch(Dnat.) und H L t t ch e n(D. Vp.) ging Stadtrat Richter als Magisttats- oertteter an den Gründen der ungeheuerlichen Preisfestsetzung vor- über und beschränkte sich vielmehr auf die Anführung, daß alles bei der Preisfestsetzung„ordnungsmäßig' zugegangen sei, und wies den Vorwurf der Leichtfertigkeit energisch zurück. Der amlliche Mehl- preis von 3,3 Billionen pro Zentner habe nicht zugrundegelegt wer- den können, weil er nicht in Goldmark bezahlt werden konnte. Die Kalkulation fei auf Grund eines Mehlpreises von 6 Billionen er- folgt. Die Senkung des Preises aus 80 Milliarden sei nur durch die Intervention des Ernährungsministeriums und nur dadurch zu erreichen gewesen, daß die Mühlen und di« Mehl- Händler veranlaßt wurden, Mehl zum amtlichen Börsenkurs« gegen Papiermark an die Bäcker abzugeben.— Nach dem Kommunisten Schwenk trat mit großem Wort- und Stimmenauswand der Bäcker- obermeister Grüsser von der Wirtschaftspartei für die Berechtigung des 140-Milliarden-Preises in die Schranken, indem er den amtlichen Berliner Papierknrs als „Volksbettug' charakterisierte, gegen dos Crnährungsministerium loszog und den Zwischenhandel und die Geldmächte für alles und jedes verantwortlich machte und den Artikelschreibern (auch des„Vorwärts"), die sich von der geschichtlichen Wahr» heit hinsichtlich des Böckergewerbes entfernt hätten, wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen gerichtliche Klage an» drohte, natürlich auch den Hinweis auf die Konsum- genossenschaft nicht gelten lassen wollt«. Genosse Dr. Wey! fand die Antwort des Magisttatsvertteters außerordentlich schwächlich und begrüßte es, daß dieser mit seiner Auffassung beim Magistrat keine Gegenlieb« gefunden habe. Nebenher fertigte er Herrn Grüsser und seine Anzapfung der Konsumgenossenschaft ab. Nach einer Replik des Stadttats Richter nahm die Bersamitilung den Antrag der D. Vp. an. Der Gegenstand war damit erledigt. Das Ortsgesetz zur Vorbereitung des Beamten- abbaus wurde angenommen, ebenso nach längerer lebhafter Aus- spräche, an der sich Gen. Dr. Loh mann sowie die Stadwerord- neten Schwien(D. Vp.), Dr. Michaelis(Dem.), Dr. Stei- Niger(Dnat.) und der Steuerdirektor beteiligten, die Nachträg« zur Hunde st euer-, Pferde st euer- und Motorboot»rdnung, wodurch diese Steuern auf Goldbasis gestellt werden. Zugleich beschloß man, die Steuer für den erst e n Hund auf 20 M. festzusehen. Zur Kenntnisnahm« hatte der Magisttat eine Dringlichkeitsvorlage gemacht, die an den Beschlüssen der Versammlung, betr. die Organisation der Werke Kritik übt, insbesondere di« Vertretung der Stadt in der Ge- neralversammlung durch bestimmt« Mitglieder des Magistrats(Ober- bürgermeister und Kämmerer) und durch ein drittes von der Stadtverordnetenversammlung gewähltes Magistratsmitglied als gegen die Städteordnimg verstoßend und ohne Not die Rechte des Magisttats beeinttächtigend bezeichnet. Der Magistrat hat sich in diesem Punkte für ein„Unannehmbar' entschieden, will aber gleichwohl nunmehr sofort zur Gründung der Aktiengesellschaft schreiten. In der Versammlung stieß dieses Vorgehen des Magistrats bei der Rechten, von der Fabian(Dnat.) und Hallensleben (D. Vp.) sprachen, aus entschiedenen Widerspruch. Kämmerer Dr. Karding legt« sich für die Magifttatsauffassung ein, während Prenzel(Dem.) einen vermittelnden Standpunkt einnahm. Ge- nosse Heimann stellte sich in dieser Kompetenzfrage durchaus aus den Boden der Magisttatsauffassung. Zur Annahme gelangte ein von den Dnat., der D. Vp. und der Wirtschaftsportei gestellter An- trag, für den neben der Gesamtheit der Bürgerlichen auch die Koin- munisttn stimmten; danach lehnt die Versammlung die bloße Kenn?» nisnahme ab und erwartet, daß der Magisttat mit der Gründung der Aktiengesellschaft nicht eher vorgeht, bis übereinsiimmende Be- schlüsse beider städtischen Körperschaften vorliegen. Nachdem noch einige weitere Vorlagen, n. a. die wegen Erweiterung des West- Hafens, ohne Aussprach« angenommen' worden waren, schloß der Vorsteher um �10 Uhr die öffentlich« Sitzung, an deren Anfang er des plötzlichen Hinganges der Genossin Frau Zucker in einem warm empfundenen ehrenden Nachruf gedacht hatte, Da» Sttaßenbiid Berlin» war am gestrigen Donner?tag wieder ziemlich daS alte, auch in denjenigen Stadtteilen, die der Scbau- Platz der jüngsten Tumulte waren. Der Polizeibericht verzeichnet nur noch eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Plön- derungen. So drangen gestern nachmittag etwa 200 Personen in die Bäckerei von Bumke in der Hermannstraße in Neukölln ein und plünderten den Laden aus. Die alarmierte Polizei nahm 2 Personen test. Ebenfalls in Neukölln drangen 4 mit Stöcken be- waffnete junge Burschen in das Geschäft von Willmeier, Kranold- Lopz-rlrlit Otorc Malier, Mänckern, 20} Die Oofotfischer. Roman von Zohaa Rojer. Aber die Staatsbehörden griffen eines Tages ein. und was war die Folge? Die Fischer verloren allen Respekt und legten jede Höflichkeit ab. Sie verkauften die Fische an die Hcmdelsfahrzeuge und wollten bei ihm im Laden Waren auf Pump nahmen— hehe! Und nun standen sie hier, und ihre «lugen glühten, als wollten sie sagen:„Bäh! Jetzt haben wir keine Furcht mehr vor dir. Viele Jahrhunderte hindurch haben Leute deines Schlages uns Fischer gequält, hier und aus dem ganzen Lofot! Aber jetzt geben wir dir einen Nasen» siüber. Du kannst uns den Buckel hinunterrutschen! Bäh!" Der Alte beachtete sie nicht, sondern ging wieder in sein Ltontor. Lars und Kaneles Gomon waren zusammen fortgegan- gen an die frische Luft, und sie trabten über die Klippen, beide in blauen Schirmmätzen und Friesanzügen. Sie waren un- aefähr gleich groß. Kaneles war zwölf Jahre älter, hätte er aber nicht den blonden Bort unter der Nase gehabt, dann wäre fem Gesicht ebenso kindlich gewesen wie das des anderen. Jetzt wollte er dem Knaben die Sehenswürdigkeiten des gan- zen Fischerplatzes zeigen, und als sie nun so dahinttabten. ver» suchte Lars, dem anderen nachzuahmen, indem er den Ober- körper hin und her wiegte, die Mätze schief setzte und sich das Ansehen eines Teufelskerls gab. „Haft du dir schon überlegt, wann du einen schmeißen willst?" fragte Kaneles. „Schmeißen,.... was meinst du damit?"' „Hehe... Der weiß nicht, was schmeißen ist. Weißt du, was ein Jährling ist?". „Nein, ist es ein Bogel oder ein Fisch?" „Jährling! Ja, vor allem ist es eine einjährige Möve. So eine wie die da überm Sund. Und außerdem ist es ein Gelbschnabel, der zum erstenmal.mit auf der Lofotfischerei ist." „Au, an— dann bin ich ein Jährling." „Freilich, aber ein Jährling muß eben schmeißen." „Heißt das, die Kameraden verprügeln?" Lars versuchte einen Priem zu kauen und spuckte den braunen Saft nach allen Seiten. „Hehe!" Der andere maß ihn von Kopf bis Füßen.„Ach nein, das heißt Schnaps spendieren, mein Junge! Gin Liter pro Mann ist das mindeste, was du rausrücken mußt." „Au, Donnerwetter! Aber hier im Fischerplatz kann man doch keinen Branntwein kaufen." Kaneles juchzte auf.„Hehe! komm einmal mit mir abends auf einen Handelsdampfer, dann sollst du so viele hundert Liter haben wie du haben willst." Sie gingen in eine Kneipe und Lars sah mit an, wie Kaneles mit allen Mädchen gut Freund war. Aber als sie nachher weiter über die Klippen gingen, bekam er zu hären, was er sei.„Da geht ein Jährling," sagten die Leute.„Und er müsse ans Schmeißen," sagten sie. Aber du großer Gott, wo sollte er das Geld für all den Branntwein hernehmen! In der Hütte faß Arnt Aasan allein, die Ellbogen auf den Tischrand und das Kinn auf die Hände gestützt. Er war allein. Die anderen waren aus und tummelten sich in der Lofotluft, und selbst der Knabe Lars, der ja von klein auf nur immer vom Leben der Fischer hatte erzählen hören, wußte längst mit allem an Bord wie an Land Bescheid. Aber er selber, der oben im Tal in der.'Heimat für so einen forschen Kerl galt, war bisher auf See nur zu Schimpf und Spott gewesen. Die Handgriffe lernen kannst du, und die Namen der Sachen an Bord wirst du auch behalten. Aber ein Seemnan? Wenn er nur den Mund austat, um ein Wort über Wind und Wetter zu sagen, so blinzelten die anderen sich zu und lachten. Und vor ihm la� ein ganzer Winter, den er aushalten mußte. Wenn er doch wieder daheim wäre! Er wollte sich hinsetzen und einen Brief an Gurina schreiben. Noch nie hatte er ein solches Verlangen gehabt, sie auf den Schoß zu nehmen und mit ihr zu plaudern, wie jetzt. Aber zwischen ihr und ihm lagen Hunderte von Meilen. Die Tür ging auf, Henrik Rabben kam herein und schloß die Klinke wieder, aber dann blieb er eine Weile stehen und sah Arnt lächelnd an. Die Augen waren groß und ernst und Haar und Bart frisch gekämmt. „Ja, was sitzt du hier denn so in Gedanken?" sagte er. „Was.geht das andere Leute an?" meinte Arnt bockig. „Nun, nun, komm jetzt nur mit mir, wir wollen«inen kleinen Gang machen. Ich muß dir doch die Sehenswürdig- ketten hier in dem Fischerplatz zeigen, und vielleicht kriegen wir irgendwo eine Tasse Kaffee und einen Schnaps. Komm nur!" Arnt zupfte an dem rostfarbenen Bartbüschel unter dein Kinn, stand auf und ging mit. Auf einer Brücke waren Schießbuden aufgestellt, und hier war ein großes Gedränge.„So sein Geld wegzuwerfen!" meinte Arnt. Aber Henrik fand es lustig, zuzusehen, er hätte selber auch gern geschossen, aber zufällig konnte heiite nichts droits werden. Sie gingen ig eine Kneipe und ließen sich Kaffee geben, und min kamen einige betrunkene Matrosen herein und prügelten sich. Arnt wollte sich einmischen und sie hinauswerfen, aber Henrik hinderte ihn.„Laß sie doch!" sagte er. Er selbst hatte auch so großes Verlangen nach einer tüch- tigen Prügelei, es traf sich nur so unglücklich, daß heute nichts draus wurde. Arnt starrte ihn an. Aus diesem Mann wurde er nicht klug. Im Dämmern fuhr der Kommandant in den Hafen ein mit seiner Uniformmütze und der Splittflagge auf dem Damp- fer. Und zwei von den Aussichtsbeamten des Fischerplatzes ruderten eilig an Bord, legten schon van weitem die Hand an die Polizeimütze und zitterten ein bißchen in dem Gedanken, vor das Angesicht des Allmächtigen treten zu sollen. Er stieg in ihr Boot ein und ließ sich durch den Hofen rudern. Seine Adleraugen glitten von einer Schute zur anderen.„Zum Teufel, worum liegt der Trandampfer hier?" donnerte er plötzlich.„Es war kein anderer Platz da, Herr Kommandant," wagte einer der Beamten zu sagen.„Platz hin, Platz her.— er liegt ja mitten im Fahrwasser— schafft ihn beiseite, und zwar schleunigst!" Sie ruderten durch die Sunde, und der Herr Komman- dant stand aufrecht im Boot und blickte auf die beiden langen Reihen von Fischerbooten, die längs der beiden Brücken lagen, nebeneinander wie Pferde im Stall. Das war gut. Aber das sagte er niemals. Wenn etwas in Ordnung war, so räusperte er sich mw und sagte nichts. Es wurde' ein klarer Frostabend, vom östlichen Himmel leuchtete die Mindsichel. Der Schnee knirschte unter vielen Schritten, und e? war schwarz von Menschen bei dem Hause des Platzkönigs. Man flüsterte gespannt und lachte leise. Jetzt mußte der Kommandant bald kommen, und was würde er dann mit Jakob machen? (Fortsetzung folgt.) straße 4, ein und berlangten Margarine. Eine zufällig borbei tommende Radfahrstreife nahm sie fest. Auf dem Stegliger Wochenmarkt wurde der Textilwarenstand eines Händlers ausgeraubt, 4 Plünderer konnten verhaftet werden. Gertrud Zuckers Bestattung. ent= Oeffentliche Versammlung Auguste- Viktoria- Ace 17. Bortrag des Genossen Lehrer Kunkel. Mr. 134. Abt. Buch. 8 Uhr bei Bodung, Revolutionsfeier. beiterjugend und Parteigenossen sind eingelaben. Morgen, Sonnabend, den 10. November: Stellung5. Abt. Funktionärkonferenz bei Hebler, Georgenkirchstraße 36. nahme zur Wahl des Abteilungsvorstandes und des Kreisvorstandes. 6. Abt. 7 Uhr Funktionärsgung bei Dobrohiam, Swinemünder Straße 11. 43. Abt. 7 Uhr Funktionärsihung Gemeindefdule Diefenbachstraße 60, Zimmer Mr. 16. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. 52. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärversammlung im Lokal Bade, Kaiserin- Augusta- Allee 52.( Kein Trinizwang.) 86. Abt. Mariendorf. 7% Uhr Funktionärsihung im Zimmer 26. 131. Abt. Rieberschönhausen. 8 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Kubaſch, Bernau. Gruppenkonferens 7½½ Uhr in der Turnhalle des ehemaligen SchükenUhlandstraße. Stellungnahme zur Abteilungsleitung. hauses zu Bernau, Wandlißer Straße. Thema: Der Austritt der BSPD. aus der Reichsregierung". Ref. Genossin Marie Juchacz, M. d. N. Er. scheinen sämtlicher Funktionäre und der Bernauer Mitglieder wird bestimmt erwartet. Jugendveranstaltungen. Achtung, Vorsitzende! mehr vorhanden waren. Ein Oberverwaltungsgerichtsrat ftellte 137. 6. Seinickendorf- Beft. 7% Uhr in den Räumen des Kinderheims, daraufhin gegen den Hausverwalter Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung, weil er sich durch dessen schuldhaftes Verhalten in der falten Wohnung ein rheumatisches Leiden zugezogen hatte. Der Staatsanwalt hatte zunächst die Einleitung des Verfahrens abgelehnt, auf die Beschwerde des Antragstellers war sie aber vom Generalstaatsanwalt zur Erhebung der Anklage Auf dem Berliner Gemeindefriedhof zu Friedrichsfelde wurde angewiesen worden. Das Schöffengericht Berlin- Mitte hatte auch gestern unsere Genoffin Gertrud Zucker zu Grabe getragen. Müller zu 50 000 Mart Gelb ftra fe verurteilt, indem es Das Geleit gaben ihr viele Genossen und Genoffinnen, die ihr im unterstellte, daß der Hausverwalter für den nötigen Kohlenvorrat Leben nahegestanden und mit ihnen die Vertreter der Stadtvarord zu sorgen gehabt habe. Gegen das Urteil war vom Staatsanwalt netenversammlung und des Magistrats, der Bezirksversammlung und und der Verteidigung Berufung eingelegt worden. Der Staatsdes Bezirksamts Charlottenburg, des Landesarbeitsamtes und des anwalt beantragte, die Strafe auf 100 Milliarden zu erhöhen. Der Landesberufsamts. Stadtrat Genosse Brühl, der Dezernent Berteidiger fand es geradezu unbegreiflich, daß überhaupt eine für das Landesarbeitsamt Berlin, würdigte Gertrud Buders Lätig- derartige Anflage erhoben werden konnte. Nur dem Kopfe teit auf dem wichtigen Gebiet des Arbeitsnachweises, für eines Juristen habe diese Strafanzeige das sie eine reiche Erfahrung mitgebracht hatte. Der Arbeitsnachweis Charlottenburg, den sie früher leitete und organisierte, ist vielen Großstädten ein Muster geworden. In der Berufsberatung, an deren Entwicklung sie mitarbeitete, hat Gertrud Buder sich bemüht, den Frauen neue Berufe zu erschließen. Es war ein Grundzug ihres Wesens, daß sie nicht durch Worte, sondern durch die Lat wirfen wollte und wirkte. Für die Sozialdemokratische StadtDerordnetenfraktion sprach die Stadtverordnete Genoffin Wygod= zinski, die der Verstorbenen als Freundin besonders ne.he ge ftanden hat. In tiefer Bewegung, die sich auf die Trauergemeinde übertrug, schilderte sie. wie Gertrud Bucker als echte Frau in der Hilfe für die Bedrängten ihre Aufgabe und Pflicht gesehen hat. Genossin Zucker hat nicht nur in ihrer beruflichen Arbeit fegensreich gewirkt, sondern auch manchem aus eigenen Mitteln geholfen. Das Mutterglück war ihr versagt geblieben, aber sie wurde den Hilfsbedürftigen Mener gedachte der allgemein beliebten Kollegin, die feinen Feind hatte. Als Vertreter der freigewerkschaftlichen Mitglieder des Berwaltungsausschusses Dom Landesarbeitsamt widmete Genosse Werner der Berstorbenen einen Nachruf. Für die Sozialdemo= fratische Bezirksverordnetenfraktion Charlottenburg und im Namen springen tönnen. der Charlottenburger Genossen sprach Genosse Dr. Sußmann. Gertrud Zuckers Werf werde ihr ein dauerndes Andenten sichern. Dr. Ernst Simmel, ein Bruder der Verstorbenen, zeichnete ihr Charakterbild. Noch in der letzten Stunde vor ihrem Lode vergaß sie nicht ihre Pflicht und, an die zunehmende Not diefer Zeit den tend, rief fie angstvoll: Was wird aus den Erwerbslosen!" Das ist fennzeichnend für Gertrud Zucker. eine Mutter. Stadtverordnetenftellvertreter Im Dämmerlicht des sinkenden Novembertages wurde die Berstorbene, die der Tod fo jäh aus ihrem reichen Wirken herausgeriffen hat, zur letzten Ruhe bestattet. Auf der Straße niedergeschossen. Ein Revolverheld in Lichterfelde. In Lichterfelde fiel der 49 Jahre alte Lischler und Musiker Theodor Gervais einem Wegelagerer zum Opfer. Gervais mar als Musiker in Berlin beschäftigt und hatte in der Nacht zum Donnerstag bis 12 Uhr gespielt. Dann trat er mit seinem Zweirad den Heimweg an. An der Ecke der Schloß- und Waetzoldtstraße, einer dunklen Stelle, fand er plötzlich seinen Tod. Dienstag, den 13. November, abends 7 2hr, im großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderplatz Tagesordnung: Die Judenverfolgungen- ein Vorbote der Reaktion! Referent: Reichstagsabgeordneter Gen. Hildenbrand. Diese Versammlung gilt als Kampfruf gegen den umfichgreifenden Antisemitismus. Eintritts geld: Preis einer Straßenbahnfahrt am Dienstag. Bereinigte Sozialdemokratische Partei Berlin. Die Etraftammer war der Meinung, daß dem Angeklagten zwar der Borwurf gemacht werden müsse, daß er nicht rechtzeitig dem Kohlenmanger vorgebeugt habe. Es fonnte jedoch von ihm nicht vorausgesehen werden, daß eine erhebliche Beeinträchtigung der Gesundheit eines Mieters eintreten würde, zumal festgestellt sei, daß in jeder Wohnung ein Ofen vorhanden war, so daß jeder Mieter durch eigene Kohlenvorräte fich gegen derartige Zwischenfälle hätte schützen fönnen. Unter Aufhebung des ersten Urteils sprach daher die Straflammer den Angeklagten auf Rosten der Staatstaffe frei. Heute im Laufe des Tages wichtige Besprechung im Jugendfekretariat. Alle müssen bestimmt erscheinen! Es müssen umgehend die Mandate zur Generalversammlung abgeheit werden. Ferner fehlen noth Dezember- Programme! Achtung, Kaffierer! Es muß die Abrechnung für die erste Sälfte ber November- Beitragsmarken vorgenommen werden. November- Zeitungen foften vez Stüd 10 Milliarden. Achtung, Erwerbslose! Beteiligt euch heute nachmittag 1% Uhr an der Versammlung der Partei im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24( großer Saal). Bortrag: ,,, Die ArbeitsLegitimiert. lofen und ber 9. November". Ref. Genoffe Künstler, M. b. N. Mitgliedsbuch Heute, Freitag, den 9. November, abends 7% Uhr: Köpenid. Städtisches Jugendheim Grünauer Straße 5, Vortrag: ,, Die Entwicklung der tapitalistischen Wirtschaft". Salensee. Gemeindeschule Joachim- Friedrich- Straße 35-36, Bortrag: Die Stellung der GAS. zum Margismus". Niederschönhaufen. 1. Gemeindeschule Blantenburger Straße Nr. 69-70, Bortrag: Unsere Gegner": Rosenthal. Lokal pon Frieß, Lindenallee, Mitgliederversammlung. Rosenthaler Borstadt. Beteiligung an der der Bartei. Süboft, K.-B. Beteiligung an der Revolutionsfeier ber Bartei. Süben. Beteiligung an der Revolutionsfeier Revolutionsfeier der Partei. Werbebezirk Teltowkanal. Beteiligung der Abteilung an den Revolutionsfeiern der Partei. Abteilung Ablershof. Sotal von Riege, Bismardstraße 29, Seiterer Abend am Sonnabend, den 10. November, abends 7 Uhr. Sieder zur Baute. Mufit. Rezitationen. Hans- Sachs- Spiele. Die Preise für Gas, Wäffer und Strom sowie für die Ent- Vorträge. Vereine und Versammlungen. wässerungsgebühr bleiben unverändert. Männerchor Golidarität. Nächste Uebunasfunde findet nicht am 9., sondern am Sonnabend, den 10. November, im Schulmuseum Stallschreiber. straße ftatt. Alle Sänger müffent erscheinen. Männerchor Friedrichshain". Die Revolutionsfeier im Böhmischen Braubaus fällt aus, bafür lebungsstunde im Freischli Schlesier- Berein Rübezah!" Charlottenburg. Bersammlung Sonntag, den 11. November, Wielandstraße 4, bei Thunad. Gäste willkommen. Arbeitersport. Arbeiter Am Stovember, Rudow, Ede Chaussee Johannisthal. Dortfelbst stellen die Ortsgruppen die tanntgegeben. 3 Uhr Ende der Jagd und Gammelſtart Dorfane Selchom" findet eine Schnißeljasb des 1, Unterbezirts ſtatt. Gammelſtattunkt 12 Uhr Der Berliner Bolfschor( Dir. Dr. Zander), Berlins größter gemischter Arbeiterchor, beginnt seine diesjährigen Seurse, an denen neueintretende Mitglieder noch teilnehmen lönnen, am Freitag, den 9. November, abends 7%, Uhr, in der Aula Koppenstr. 76. Es findet ein Anfängerturius in der Notenlehre, Treff übungen und Rhythmus statt, der von Dr. Bander geleitet wird, und ein Kursus für Fortgeschrittene in Stimmbildung, Ein Schuldiener und ein Straßenbahnschaffner von dem nahe- Harmonielehre und prima- vista- Singen, den Dr. Alfred Gutt gelegenen Bahnhof hörten nur einen furzen Wortwechsel mann leiten wird. Im Anschluß an die Kurse ist jeden Freitag und zwei Schüffe. Die beiden Männer eilten hin und von 8 bis 10 Uhr Chorprobe. Die Kurse sind für Mitglieder während ein unentgeltlich. anderer Mann eiligst davonlief. Sie nahmen sich des Schwerver-" Preise und Löhne". In der Tabelle am 7. November ist bei letzten an und brachten ihn nach der Rettungswache in der Kaiser- den Maler und Metallgießerlöhnen ein Fehler unterlaufen. Der affee 105. Dort hatte er faum seinen Namen genannt, als er auch mal erlohn vom 27. Ottober bis 2. November betrug nicht schon verschied. Die Kugel war ihm in das Becken einge- wie angegeben 6440, sondern 644 Milliarden, und der Wochenlohn brungen und an den Rippen wieder ausgetreten. Soweit wie der des Metallgießers vom 29. Oftober bis 4. November nicht Schuldiener und der Straßenbahnschaffner den Täter im Schein 7774, sondern 77710 Milliarden Mark. Laterne ein von etwa 30 bis Heimaterkundung spricht Herr reihe Aus der Praxis der Boltshochschule". Starten in der Werkfreude, Magdeburger Str. 7, und im Vortragssaal. fanden Gervais bluttriefend baliegen, besten Fahrer zur Wahl der Füchse. Das zu befahrende Gebiet wird dort beaur gemeinsamen Fahrt nach Wasmannsdorf. Anschließend gemütliches Beifammensein bei Stippekohl. Die Ortsgruppen werden gebeten, sich vollzählig Start 12 Uhr Billowstraße 58. 3. Abt.: Bird um 1 Uhr am Start Saufizer zu beteiligen. Touren für Sonntag, ben 11. November. 1. Abt.: Saveltour. Blas belannigegeben. 6. Abt.: Schulzendorf. Start 9 Uhr Kopenhagener Straße 26. 7. Abt.: Wird um 1 Uhr am Start Roloniestraße 146 bekanntgegeben. 10. Abt.: Wird um 1 hr am Gart Comeniusplat bekanntgegeben. 11. Abt.: Wird um 8 Uhr und 12 Uhr am Start Utrechter Straße 9 bekannt. 7 Uhr am Start Aleganberplay. Ortsgruppe ftrage am Ranal. 40 Jahren, etwa 1,72 Sentimeter groß und fräftig gebaut. Er hat Heber Heimatorium 9, November, abens s ubr, in der Borttags, gegeben. Jugendabteilung als bests. Start 11 Uhr Chaulleehellbraunes furz geschnittenes Haar und Bart, trug eine graue Sportmüze und einen grünlichen oder blaugrauen Ueberzieher, dazu Wickel- oder Ledergamaschen. An der Ueberfallstelle fand man das Rad, einen guten ftarten Spazier stod aus 3uder rohr mit ziemlich abgenutzter Hornzwinge und zwei Batronenhülsen einer Browningpistole, Kaliber 7,65 Millimeter. Der Täter hatte es ohne Zweifel auf einen Raub abgesehen gehabt, ist aber durch die beiden Männer, die auf die Schüsse und auf die Hilferufe des Getroffenen herbeieilten, baran verhindert worden, fein Opfer auszuplündern. Es handelt sich wahrscheinlich um denfelben Räuber, der in der Nacht zum 1. November gegen 12% Uhr an der gleichen Stelle einen Schuß auf einen ungarischen Studenten abgab, der gleichfalls zu Rad war. Der Schuß ging zum Glück fehl und der Student entfam. Damals war der Räuber mastiert. Mitteilungen zur Aufklärung der Ueberfälle, insbesondere auch über die Herkunft des Spazierftocks und der Patronenhülsen nimmt Kriminalkommissar Hasenjäger beim Bolizeiamt Steglig entgegen. Stod und Hülsen sind in der Geschäftsstelle des Stegliger Anzeigers" ausgeftellt. Der rheumatische Jurist. spricht im Rahmen des Deutschen Montſtenbundes der Direttor bes 300leber Menschenaffen und ihr Verhältnis zum Menschen" logifchen Gartens Prof. Dr. G. Sed heute Freitag, den 9. d. M., um im Berner- Siemens- Realgymnasium, Hohenstaufenstr. 47. Groß- Berliner Parteinachrichten. 8 Heute, Freitag nachmittag 1% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelujer: Berjammlung aller arbeitslosen Mitglieder der VSPD. * 4. Kreis. Prenzlauer Berg. Heute, Freitag, den 9. November, Revolu tionsfeier im Gaalbau Friedrichshain. Männerchor Ramentos". Sprech chor file die Proletarischen Feierstunden( Großstadt" von Schönlant), Solofprecher die Herren Reuß, Laubinger, Werner und Frau Else Wagner vom Staatstheater. Ansprache Genosse Altmaier. Eintrittskarten noch am Eingang. 6. Kreis. Nur die arbeitslosen Ordner melden sich heute mittag 12 Uhr im Gewerkschaftshaus. 7. Kreis. Charlottenburg. Heute, Freibag, abends 7 Uhr, erweiterte Gigung. Montag, den 12. November, 7% Uhr, öffentliche Bersammlung im Raiser- Friedrich- Belt, Berliner, Ede Brauhofftrage. An diesem Tage fallen alle anderen Parteiveranstaltungen aus. 9. Kreis. Wilmersdorf. Heute abend 8 Uhr Revolutionsfeier in der Oberrealschule, Seepark. Ansprache, Rezitationen, Klaviervorträge, Gefang Dom Schubert- Chor. Grundpreis Milliarde. Heute, Freitag, den 9. November: Die Frage, welche Verantwortung dem Hausverwalter in Häusern mit Zentralheizung bei einer Unterbrechung der Heizung infolge von Rohlenmangel trifft, hatte die 8. Straftammer des Landgerichts I zu entscheiden. Der Inspektor Ferdinand Müller war megen fahrlässiger Körperverlegung angeflagt. 114. abt. Bichtenberg. 7½ Uhr in der Bibliothek, Weichfelstraße, Borstands Er war Hausver after eines einem Ausländer gehörenden Hauses Ede v. Replomplag 2. Im Februar vorigen Jahres hatte die Be- 123. Abt. Raulsborf. 7% Uhr Revolutionsfeier 32. Gemeindeschule, Adolf. ftraße 25. Gonnabend, den 10. November, 7% Uhr, im Lehrerzimmer heizung des Hauses drei Tage lang ausgefeht, weil teine Rohlen der Schule, Funktionärversammlung. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne und FunktionärЛigung Th. im Admiralspalasi Komische Oper Reichshallenth. Tägi 7 Uhr Tägl. 7%, U. Allabendlich 7/ 2u.Sonnt. 3 U. Stettiner Sänger Drunter und drüber Die größte Revue KöniggråtzerStr.: FigarosHochzell 7%, U.: Mignon Morg. 7U. Premiere DON GIL Lessing- Th.( Aktionärk. ungült.) 7 Uhr: FAUST Große Volksoper von d. gr. Hosen Sonnab. bis Montag Im Theat d.Westens Eckersberg, Mein- 7 Uhr: Rausch 7: Samson u.Dalila gast, Karchow, Rehmann, v. Meyerinck, Behmer, Marba kopf, Haskel, Herr- Deut. Künstler- Th. Intimos Theater Allabendlich 8: 8 Uhr: Abendbesuch Die k. u. k. Hose etc. Max Lustspielhaus Komödienhaus 8 Uhr: Tybbke( Adalbert Rose- Theater Bu. Nebeneinander. U Mein Vetter Eduard 7% Uhr: Volksstück 1923 Im weißen Röß! Metropol- Theater des Kontinents: Die Welt ohne WINTBRIEN Varieté- Programm Rauchen gestattet! Ihre Eheschließung zeigen an Alfred Wildegans Else Wildegans geb. Drunsel Berlin O 17, den 9. November 1923 Hohenlohestr. 2, Portal II, 2. E. 1. Verbandsspiel Fide Dft" gegen 2. F. C. ,, Sparta" Sonntag, den 11. NoAnfang 2½ Uhr. Borher fielen, auf meinen ball at jpielen, fönnen vember, auf dem Sportplatz in Hohenschönhausen( Sommerstraße, Innenplay). fich jeden Freitag 9 Uhr bei Großmann, Birchowstraße 6( am FriedrichsFrisch- Frei II". Junge Leute, gewillt find, Fußball zu hain) zur Bervollständigung der Mannschaften melden. Hallentraining: Diensfags von 8 bis 10, Freitags von 6 bis 8 Uhr Elisabethstraße 52. Freie Schwimmer Rorben" 1893. Wie alljährlich so auch in diesem Jahr veranstaltet der Bevein ein internes Schwimmfest am Sonnabend, ben 10. November, abends 8 Uhr, im Stabtbad Wedding, Gerichtstraße 62-65. Der Eintrittspreis ist so niedrig gehalten, daß zahlreicher Befuch erwartet werden tann. 2. B. Vorwärts, Gruppe Lichtenberg. Sonnabend, den 10. November, 7 Uhr, Gruppenversammlung im Reglerheim, Jungstraße, Ede Weserstraße. Uebungsabend Dienstag 7 bis 9 Uhr im Stadtbad Friedrichshain. Arbeitez- Zuzn und Speribund, Kreis 1, Bezirk 6. Ueber die Mannschaft der Spandauer Schwimm- Union ist wegen groben Regelverstoß Stattverbot bis 31. Dezember verhängt. Technische Kommission. Lebensmittelpreise des Tages. Lebensmittelpreise Schellfisch 6 in Berlin am 8. Nov. 1923 Kabliau ( in Milliarden Mark) Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch. Schweinefleisch Lebende Hechte Schleie Hechte in Eis Plötzen in Eis 200-350 240-820 250-300 250-330 170-200 180-220 140-180 0 Margarine Butter 1 Ei Weißkohl Wirsingkohl. 70-85 90 120-160 300-330 30 10-11 12-13 Wochenlöhne in Berlin ( in Milliarden Mark) 80-90 Töpfer vom 4. bis 10. 11.. 4600 Deutscher Metallarbeiter- Verband unter Preis beffe, Bettina digtenbeton, gube une bo Autozubehör Bettwäsche, Sonderangebot! 5 Bro-| zent Rabatt und Fahrtvergütung. Ded bettbezüge 3,95, Bettlafen 1,85, Wäscheftoffe 0,65, Inlefte 1,25 Goldmart an. 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