Abendausgabe Nr. 528 40. Jahrgang Ausgabe Br. 266 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in ber Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 282-295 Tel.- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin 20 Milliarden M. Sonnabend Vorwärts™ Berliner Dolksblatt 10. November 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeif 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Bering Omb). Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 250-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Ludendorff wieder entlassen! „ Auf Ehrenwort" in Sicherheit.- Die Die„ Münchener Post" demoliert. Und Herr Stresemann? Wenn er zwischen den Gegenfäßen, die sich flaffend aufgetan haben, in der Mitte zu tanzen versucht, wird er stolpern und fallen! * München, 10. November, vorm. 10 Uhr.( Eigener Draht- Lossow und Hitler Ludendorff noch am Putschtag um| Sachsenfraktion in ihrem berühmten Flugblatt fündigt bericht.) General Ludendorff, der bei der Erftürmung des 1/26 Uhr abends. Verschiedener Meinung war man nur über eft arp in Schöneberg offenen Ungehorsam gegen die Wehrkreiskommandos gestern gefangen genommen war, ist be- den Zeitpunkt des Losschlagens. Vier Stunden darauf tam Staatsgemalt an. Der Unterschied ist nur, daß die sächsischen reits am Abend gegen die Abgabe der ehrenwörf auch in diesem Bunft eine etwas plößliche Einigung zustande Sozialdemokraten daraufhin und nach dem Hamburger lichen Verpflichtung, an der Bewegung nicht durch die berühmte Bergewaltigung in einem anderen Butsch entschlossen waren, die Kommunisten hinauszuwerfen, weiter teilzunehmen, entlassen worden. Hitler, Raum". Diese Einigung wurde dann ebenso plöglich wieder während die Bolt spartei nach der Westarp- Rebe und dem der durch einen Schuß in den Oberarm verwundet ist, fonnte ent- aufgehoben. Herr v. Kahr, der bereit war, im Einverständnis Münchener Butsch der Deutschnationalen den Eintritt in fliehen. Seine Truppen haben sich in der Richtung auf Rosen- mit Hitler- Ludendorff zur rechten Zeit zu putschen, traute dem die Reichsregierung anbietet. heim zurüdgezogen. Bei den Kämpfen sind auf seiten der National- überstürzten Unternehmen nicht und ging gegen diejenigen, die fozialisten u. a. gefallen Dr. v. Scheubner- Richter, Freiherr Theodor ein paar Stunden zuvor noch seine Bundesbrüder gewesen von der Pfordten, 3ng. v. Strangfy. In Schuhhaft befinden sich waren, mit grobem Geschüß vor. der frühere Polizeidirektor von München Poehner und der Fürst Auf diese Weise wurde die Kategorie der„ Er preßten" Wrede. Die von den Nationalsozialisten feffgenommenen Stadt- geschaffen, wie z. B. Kahr, Lossom, Seißer u. a. Sie spielen Bon der Reichsregierung wird zu den Nachrichten aus räte wie der Bürgermeister Schmid befinden sich wieder in fich jeßt nicht nur als die Unschuld vom Lande auf, sondern Bayern erklärt, daß auch nach ihrer Auffaffung die Lage in Freiheit. Die Fraktion der Bayerischen Volkspartei dantfe in einer empfehlen sich sogar noch mit frecher Stirn als die Befreier Bayern noch nicht genügend geklärt fei. Die Haftentlaffung Deutschlands. Ludendorffs habe in Berlin außerordentlich überrascht und sei geftrigen Fraffionsfihung dem Generalstaatskommiffar und sprach Durch den Fall Ludendorff ist nun eine zweite ohne Fühlungnahme mit der Reichsregierung erfolgt. Die den Wunsch aus, das Generalstaatsfommiffariat Kategorie der Unschuldsengel geschaffen worden, die der Irre- Reichsregierung müsse sich deshalb zu diesem auffallenden baldigst wieder aufzuheben. Der Aelteftenausschuß des geführten". Ludendorff ist auf Ehrenwort entlassen worden, Schritt ihre eigene Stellungnahme vorbehalten, bis sie über Candtags wird schleunigft zusammentreten, um sich über den weil er von Hitler irregeführt" worden war. Ludendorff die Motive dieser Haftentlassung unterrichtet sei. Zusammentritt des Landtags fchlüssig zu werden. In unterliegt nun schon zum zweitenmal einer solchen Irrefüh München ist heute alles ruhig. Der Bölfische Beobachter" rung: einmal ist er im Rapp- Putsch irregeführt worden und und„ Heimatland" find verboten worden. das zweitemal im Hitler- Putsch. Beide Male hat er sich nämMünchen, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Eine der lich einreden laffen, die Sache würde flappen, beide Male aber ersten Taten- der fiegreichen Nationalsozialisten war ein Anschlag auf das Gebäude der Münchener Post". Dabei find Einrichtungs- ift fie schiefgegangen. Rann der arme General etwas dafür? gegenstände demoliert worden, das Erscheinen unseres Parteiorgans Mit nichten! Er und die zahlreichen anderen Irregeführten ist dadurch in Frage gestellt. find reif für die Amnestie. Unsere eigene Meldung von der Haftentlassung Ludendorffs findet ihre Bestätigung in einem WTB.- Bericht aus München, in dem es heißt: Tragödie oder Hanswurstiade? Jetzt, wo Ludendorffs Butsch gescheitert ist, wo Hitler hat entfliehen müssen, jetzt bemüht fich die ganze Berliner deutschpöltische Bresse, von der Deutschen Zeitung" bis zur Deutschen Allgemeinen Zeitung" in der Sache von LudenEinstweilen hat man ihn auf fein Ehrenmort entlassen. dorff abzurüden. Die Deutsche Allgemeine Zeitung" ist Allerdings: Herr Ludendorff hat laut amtlicher Ertlärung der am allerschlauften, indem sie heute morgen überhaupt schweigt Korrespondenz Hoffmann" noch furz vor dem Putsch in und darauf verzichtet, auch nur eine einzige redaktionelle Ueber den Aufenthalt Siflers, der eine leichte Handverlegung feierlicher Weise Loyalität zugesichert und hinzugefügt, wenn Beile ihren Drahtberichten anzufügen. Gestern morgen danongetragen haben foll, liegen noch teine bestimmten Meldungen die Wege der Herren nicht mehr zusammengehen fönnten, jo heller Jubel und freudige Begrüßung, gestern a bend ge not. Man spricht von der Möglichkeit, daß er vielleicht mit einigen würde das Loyalitätsverhältnis vorher freundschaftlich midte Feststellung, nollkommener unzulänglichkeit der Bewe hundert Nationalsozialisten in öfflicher Richtung aus München ab aufgefündigt werden". Dieses in feierlicher Weise, also auch gung, heute morgen tiefes Schweigen. Das ist die Tonleiter gezogen ist. General Ludendorff, der sich eine Zeit lang wohl mit großem Ehrenwort gegebene Bersprechen hat er nicht der Deutschen Allgemeinen Zeitung". Wir sind unbesorgt, in Gewahrsam der Polizei befand, ift feit gestern aus der Haft ganz eingehalten. Aus Understand und Tüde jagt Herr baß heute abend, fpätestens morgen früh Lubenentlassen worden, nachdem er fein Ehrenwort ge- D. Rahr in feiner gleichfalls sehr feierlichen Brotlamation. Jegt berff als Unschuldsengel geschilbert merden wird, der geben hatte, jich nicht weiter an der Sache zu be- zeigt sich, daß diese Tücke mur bie Folge von Bergeßlichkeit und nur burch Hitler, falsch informiert war. Morgen früh wird es feiligen. Bei dem Zusammenstoß erfitten auch Angehörige Irreführung war. in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" an der Zeit sein, den neuen Borstoß propagandistisch vorzubereiten. der Landespolizei schwere Berlegungen. In den späten Abendstun- Also Kahr und Genossen sind Erpreßte", Ludendorff und den wurde mitgeteilt, daß die Entwaffnung der National- Genossen sind„ Irregeführte". Wer hat erpreßt und irregeführt? fozialisten fast vollkommen durchgeführt war und Hitler! Den aber hat man noch rechtzeitig ausreißen lassen. fie die Waffen abgegeben hatten. Er hätte sonst vielleicht peinliche Einzelheiten darüber erzählen Abends wurde eine Proffamation des Generalstaatsfommiffars fönnen, wie die Bergewaltigung in einem anderen Raum" öffentlich angefolagen, die der Bevölkerung Kenntnis von der Ein- vor sich gegangen war. Er hätte sonst vielleicht in die Welt jehung von Standgerichten gab. hinousschreien fönnen:„ Sahr, 2ossow und Luden Ueber die gestrigen Borgänge wird weiter bekannt, daß Frei- dorffsind schulbiger als ich!" tag mittag Trupps in den Rathausfaal eindrangen und die Es foll hier nicht untersucht werden, ob Kahr und Lossow Siffung der schwarzweißroten Fahne verlangten, was nicht schon durch die Berleitung der bayerischen Reichswehrvon den anwesenden sozialdemokratischen und kommunistischen fontingente zum Treubruch Hoverrat begangen haben Stadträten verweigert wurde.( Siehe Kahr im Bürgerbräu.) Sie haben es zweifellos getan. Aber sicher ist und von ihnen Bewaffnete Nationalisten verhafteten daraufhin den sozialdemofra- felber wird erklärt, daß der Hitler- Butsch Hochverrat war. In tischen Bürgermeister Schmid und mehrere Stadträte der Links- diesem Fall ist jetzt schon erwiesen, daß sie sich zum min parteien, die im Auto abgeführt wurden. Die Säube desten der Begünstigung des Hochverrats schuldig gerungsaffion von feiten der Reichswehr und der Candespolizei wurde macht haben. um 11 2hr vormittags aufgenommen, wo in vollständig friegsmäßi- Ludendorff, der, um seine Haut zu retten, das Ehrenger Ausrüstung die Truppen in die innere Stadt vorrüdten. Um wort gegeben hat, sich von weiterer politischer Tätigkeit fern12% Uhr hatten diese die Ludwigstraße erreicht. Hinter einem zuhalten, Sahr, der Statthalter der Monarchie, offow, Drahtverhan hatten sich vor dem Kriegsministerium Truppen des der Meuterergeneral, alle diese Irregeführten" und" ErKampfbundes verschanzt. Während an dieser Stelle von den preßten" gehören ohne Zweifel und von Rechts wegen vor Offizieren gegenseitig vereinbart war, nicht zu bas Reichsgericht und zwar schleunigst! schießen, tam es faft zu der gleichen Zeit vor der ehemaligen Schleunigst deshalb, weil das Komplott gegen die Republik Residenzwache bei der Feldherrnhalle zu einem blutigen 3u- auch nach dem schmachvollen Ende der Münchener Hanswurst fammenstoß zwischen Nationalfozialisten und komödie weitergesponnen wird. Die Deutschnationalen streben Schuhpolizei. Dort marschierte, geführt von Hifler und nur deshalb ihren Eintritt in die Regierung an, weil General Ludendorff, ein Trupp Nationalsozialisten heran. Eine fie über die Münchener Berbrecher ihre schützenden Fittiche Absperrungskette der Landespolizei ließ den Zag nahe herantom- breiten und ihren Einfluß als Minister zur Förderung neuer men. Als Hitler den Schutzpolizisten zurief, fie follten sich ergeben, Butschpläne mißbrauchen wollen. Ganz mie die fommunistische wurde von einem Teil der Leute dieser Aufforderung Folge geleiftet, während der Rest von der Schußwaffe Gebrauch machte. In dem Augenblid stürzte die vordere Reihe des Hifler- Zuges im Feuer zufammen. Die Verwirrung wurde noch größer, als das vor der Feldherrnhalle stehende Panzerauto noch Maschinengewehrfeuer auf die Menge richtete. Als die Straße leer war, fah man erst, wie viele Opfer das Feuer gefordert hafte. Ueber das Berhalten der Hitler- Truppen wird bekannt, daß fich die Nationalsozialisten, soweit sie nicht entwaffnet wurden, gegen den Osten der Stadt zurüdziehen in Richtung Stabelheim. In verschiedenen Bororten der Stadt wurden fleinere Abteilungen von Hiffer- Ceuten entwaffnet. 44 Dollar amtlich 630 Milliarden. In der Deutschen Beitung" vergießt Mar Mauren. brecher patriotische Tränien über den Helden Ludendorff. der„ bei jenem Ausfall aus dem Kriegsministerium den Tod an der Spige des legten Restes feiner Ge freuen gesucht hat." Also wußte er, daß er für eine verlorene Sache stand und wollte denjenigen Abschluß finden, ben ein höherer, einst in ähnlicher Lage, nicht zu finden vermocht hatte." Troß diefer Ehrfurcht vor dem Helden, der an der Spize seiner Truppen den Tod fucht", ist heute morgen aber auch Herr Maurenbrecher der Meinung, daß dieser Münchener Butsch„ die Tat eines Berzweifelten war, der alles Augenmaß für das wirtliche Kräftever. hältnis verloren hatte." Und er versichert ausbrüd. lich, daß diese Feststellung heute, vierundzwanzig Stunden nach Eintreffen der ersten Meldung, nicht besonders betont zu wer ben braucht. Vierundzwanzig Stunden vorher herr'chte nur leider heller Jubel in den Straßen Münchens, wie in den Zei. len der Deutschen Zeitung". Man beurteilte also wohl ver vierundzwanzig Stunden diese Tat etwas anders. Und hätte sie Erfolg gehabt, dann würden vielleicht heute die Spalten der " Deutschen Zeitung" anders aussehen. Tobunglücklich ist der brave Herr Job. 3 immermann, der Sonderberichterstatter ber Scherlblätter. Er sieht schon den armen Ludendorff als Leiche, denn seine lange gefühlvole Schilderung der Revolution im Bierfeller schließt mit dem tragisch- bewegten Sazz: einsehie, werden morgen ihre Arbeit fun. Der Spruch wird einen Das Spiel ist nun aus, die Standgerichte, die Kahr soeben Mann treffen, deffen Name lange unter den besten Namen des Baterlandes genannt werden durfte." Man fühlt es aus jeder Zeile, daß ihm Ludendorff und Hitler fympathischer sind als der siegreiche Herr v. Rahr. Wenigstens schildert er ihn als eine Art von zweiten Cuna, und Cuno, der 3 auderer, mar boch bei den Deutschvolfischen eben deswegen so wenig beliebt, weil er im entscheidenden Moment nicht den Mut zur Tat und zur Befreiung" fand. Bon der Revolutionsversammlung Die rasche Erledigung des Münchener Butsches hat offenbar im In- und Auslande bas Bertrauen in die Stabilität der deutschen politischen Berhältniffe, das in den leßten Wochen start zu schwinden begann, beträchtlich gehoben. Soweit heute Meldungen von aus. ländischen Devisenbörsen vorlagen, lassen sie eher eine Steige rung des Martturies ertennen. Die einzige, fehr un angenehme Nachwirtung des Butsches besteht in ber anhaltenden im Bürgerbräufeller berichtet er: Geldknappheit. Die Säße für tägliches Geld liegen noch immer Herr v. Rahr hatte eine Bersammlung einberufen, um aus amischen 30 und 40 Broz. Am Devisenmarkte wurden heute wieber Anlaß des fünften Gebenttages der Revolution ein fäuberlich diel. Der banerische Film rollt weiter. 2ft eins: Deutschland die gestrigen amtlichen Rurse bei einer Zuteilung von 2 Broz. giertes Manifeft gegen den Margismus zu verlesen.( Ganz wie wird befreit" ist schaurig schön zu Ende gegangen. Begt folgt notiert. Die Nachfrage nach Goldanleihe ist außerordentlich start. bei Cuno, ber auch immer die Manuftriple anderer verlas Aft zwei:„ Man bringt sich in Sicherheit." Sie wurde bei einer Zuteilung von 1 Brog. mit 630 Milliarden D. Red.) Der Eaal war gebrängt voll, nichts Böfes ahnend, faßen Kahr und Lossom waren erpreßt" Sie wollten amtlich notiert. Dollarschaganweisungen gestrichen. Die allge. Die waderen Münchener vor ihren hohen Blerkrügen( Heil!) Deutschland gar nicht befreien, beziehungsweise fie mollten es meine Tendenz ist etwas fester, doch bereitet die Geld! nappheit rauchten und sparten nicht mit einer ehrlichen Ovation, als ber nicht so befreien, sondern anders. Ueber die Modalitäten geriet einer freien Entfaltung der Unternehmungsluft noch große populäre Staaistommissar, flein und breitschultrig, das Rednerpult man in brüderliche Meinungsverschiedenheiten, die man mit Schwierigkeiten. Heute verlautete an der Börje, daß schon betritt. Zwischen dem starten Rinn und der niedrigen Stirnpartic dem Schießeisen ausirug.„ Einheitlichkeit in bezug Borbereitungen getroffen werden, um eine amtliche otte unrubig fladende fleine Augen. Kein Redner, wie welland Can auf die erstrebenswerten 3iele" bestand laut amt- rung der Rentenmart in ähnlicher Weise wie der Devisen verließt er mit roenig Stimme fein Manuscript, nur baß er nicht licher Darstellung der Korrespondenz Hoffmann zwischen Rahr- und Reniennoten am 15. november in bie Wege zu beiten. jener deflamatorisch an drapieren versucht." Es ist also nicht alles ganz in Ordnung zwischen den Zeilen und hinter den Kulissen: der deutschvölkischen Presse. Wie schön wäre es gewesen, wenn Ludendorff gesiegt und Hitler nicht hätte zu fliehen brauchen. Dann wäre Ludendorff, der große Feldherr und Hitler der große Staatsmann gewesen. Jetzt ist es leider umgekehrt. Ludendorff war nur oer führt, was also selbst bei großen Feldherren vorzü- kommen scheint, der einzig böse Mann ist Hitler. Gegen ihn richten sich alle Flüche— Gott' sei dank, erhatcnt- kommen können. Herr v. Kohr ist der große Mann, wie lange? Wer weiß? Schon hat die Bayerische Volkspartci be- schlössen, das Gcneralstaatskommissariat aufzuheben. Wir foröern Klarheit! Volle sieben Wochen sind verstrichen, seitdem die Reichs- regierung die bayerische Ausnahmeverordnung außer Kraft setzte. Das war die klare Absicht und die nicht weniger klare Rechtswirk un g des in der Nacht vom 26. zum 27. Sep- tember verhängten Reichsausnahmezustandes. Volle sieben Wochen hat sich die Reichsregierung durch- geschlängelt. Sic hat eine Abfuhr nach der anderen erfahren, eine Demütigung nach der anderen eingesteckt, das Ansehen des Reiches ist von Stufe zu Stufe gesunken, die Zahl der rechts- und vetfassungsbrüchigen Maßnahmen, die vom„General- staatskommisiariat" erlassen wurden, geht schon in die Tausende. Das Resultat dieser Politik ist der Hitler-Ludeirdorff- Putsch: Eine Schmach für Bayern— aber auä) eine Schande für Deutschland. Nichts ist geschehen, um dem Reichsrecht Geltung zu ver- schaffen. Als die sozialdemokratischen Minister noch in der ersten Regierung Stresemann ein energisches Vorgehen gegen Bayern verlangten, stand von den bürgerlichen Ministern nur Geßler auf ihrer Seite. Sic wurden überstimmt. Obwohl der Reichskanzler in seiner Antrittsrede bei der Bildung seines zweiten Kabinetts erklärte, die„Rechtslage könne nicht Zweifel- Haft" sein, ist weiter nichts geschehen. Nur einmal schien das Reich ernst zu machen, als General v. Seeckt mit vollem Recht— die Absetzung des ungehor- famen General v. Lossow verlangte. Die Absetzung wurde verfügt. Mit Hilfe der bayerischen Regierung wurde der ungehor- same> General zum offenen Meuterer. Die bayerische Reichswehr wurde gegen Recht und Verfassung auf den baye- rischen Staat„verpflichtet". In einem Aufruf kenn-� zeichnete die Reichsregierung diesen Akt als„offenen Ver--, fassungsbruch" und die Truppen, die diese„Verpflichtung" ein4 gehen würden, als e i d e s b r ü ch i g. Dennoch wurde die Verpflichtung durchgeführt und Losiow verschickte Funksprüche an die gesamte Rei6)Swehr, irt denen er gegen Geßler und Seeckt polemisiert. Was geschah gegen Bayern? Nichts! Dielmehr fuhr der Arbeitsminister Brauns nach München, um zu„ver- Mitteln"! Aber gegen Sachsen, das sich keine Ver- fassungsverletzung hatte zuschulden kommen lassen, wurde die Reichsexekutive.verhängt.... In Nordbayern sammelten sich die Kampfverbände mit Wissen und Unterstützung der Kahr-Regierung. Die sozial- demokratischen Minister im Reichskabinett forderten noch ein» mal, daß endlich energisch durchgegriffen werde. Die bürger- lichen Minister lehnten dies ab. Man wollte offenbar, indem man den sozialdemokratischen Ministem das Verbleiben im Kabinett unmöglich mochte, sich München„versöhnen" unl) möglichst glimpflich vor Bayern kapitulieren. Auch darin hatte man sich getäuscht: Bayem forderte— mit Hilfe der hiesigen Deutschnationalen— die Errichtung der „nationalen Diktatur". Und als dieser Forderung nicht pkompt genug Folge geleistet wurde, erfolgte der H i t l e r- L u d e n- dorff» Putsch. So die unrühmliche Vorgeschichte des Münchener Auf- standes. Die Rolle, die Kahr und Lossow dabei gespielt haben, ist zwar noch dunkel, aber jedenfalls noch schändlicher und' kläglicher, als die ihrer unglücklichen Partner. Allem Anschein; nach haben sich die Herrschaften gegenseitig verraten. Münchener Spuk. Wie im Weg der Ruhestörung Die Verschwörung Schießend sich im Saal entfaltigh Ward derweil im Nebenzimmer Mit Gewimmer Kahr von Hitlcrn vergewaltigt. Hitler schwur:„Als Herrn im Reiche Oder Leiche Seht mich— drittes gibt es nicht." Doch er zeigte sich vergeßlich, Denn— wie gräßlich— Plötzlich ist er fluchwrpicht. Kahr jedoch, der schwer Erpreßte, Mit dem Reste Der oerbliebnen Fassung schrie: „Ich bin jetzo als Diktator — Bei©alvcior!— Platzhalter der Monorchie." Doch schon— o Germanentreue! Packt die Reue Ihn im nächsten Augenblick: „Alles war ein Mißverständnis. Mein Bekenntnis �, Freibleibend— zieh ich zurück.� Von so starker Staatsgesinnung Ist die Innung Der Regierung tief gerührt. Als den Held der Bojuvaren- Pveist sie Kahren.— Ehre, wem— der Strick gebührt! Mich. v»n Lindenhecke». Die vierte Tat Ües Schauspielertheaters. D-cr.„Talisma n" von N e st r o y und„Der Haupttreffer" von I u f ch k i« w i c z. Das. Schauspielertheater geht tapfer und unentwegt sei- nen Weg. Zur Mittelmäßigkeit oder, milder gesogt, zum Durchschnitt. Gewiß, es hält immer noch auf Niveau, und man kann nicht jedes- mal einen starken Abend verlangen. Aber wenn sich die Schau- spieler schon, woraus sie sich gefreut haben und worauf sie stolz sind, den Spielplan selbst aussuchen, warum groben sie sich den„T a I i s• mann" von N« st r o y aus, der. obwohl er unser« Großväter eimnÄ entzückt hat, uns nichts mehr sagen kann? Und wenn sie ihn schon aussr«chm, worum führen sie ihn so auf, d«ß alle Schwächen Daß die Lossow, Luden dorfs, Kahr, Hitler. S e i ß e r und Poehner gemeinsam koyspiriert, gemeinsam den Um stürz von Reich und Versasiung vorberestet, gemeinsam den Marsch auf Berlin geplant hatten, wird in. den einleitenden Zeilen der kahr» ofsiziösen Darstellung der„Korrespondenz Hoffmann" deutlich zugegeben. Und was geschieht setzt? Ist die Reichsregierung endlich gewillt, die Münchener Schande, die auch Deutschlands Schande ist und an der sie ihr gerüttelt Maß von Schuld durch Unter- lossungsfünde trägt, mit der ganzen Verbrcchergesellschaft aufzuräumen? Es hat diesen Anschein nicht, sondern umgekehrt: Kahr und Lossow werden gewissermaßen als die„verfafsungs- treuen" Männer angesehen, die den Putsch niedergeschlagen ; hätten. Die Partei des Kanzlers bietet den Deutschnationalen, den Bundesgenossen von Ludendorff, Kahr, Lossow und Poehner den Eintritt in die Reichsregierung an! Aber was noch toller ist: Der General Reinhard soll dem General v. Lossow durch Funk- spruch Teile der Reichswehr als VerstSrkurrg angeboten haben. Wassolldasbedeuten? Ist Lossow noch Reichs- wehrgeneral? Ist er in den Augen Stressmalms, Geßlers und Seeckts kein Meuterer mehr? Wer hat Rein- hard ermächtigt, seine Truppe dem Lossow anzubieten? Wir fordern Klarheit! Das Maß von Schande, das die verfassungstreuen deutschen Volksmassen seit sieben Wochen von den' Münchencr Hanswürsten, Verschwörern, Meuterern und Verbrechern über sich haben ergehen lassen müssen, ist voll. Es muß mit der Bande in München endlich Schluß gemacht werden! Oder ist die Reichsregierung etwa anderer Ansicht? Kahr bleich wie ein Tischtuch. Ludendorff— ein„Standbild im(Sehrock". Ein Stimmungsbild aus der Scherl-Presse über den„tollen Abend im Bürgerbräu". Ueber Kohrs Red« wird berichtet. Und dann heißt es weiter: „Schon ist er beim zweiten Drittel feiner Rede, die häufig von spontanen Beifallskurt&zebungen unterbrochen wird, als Plötz. lich am Saaleinganq ein Getümmel entsteht, ohrenbetäubender Krach. Man sieht fogle-ch. daß es sich nicht um Zwet- fchen handelt.„Laßt sie nicht rein! Laßt sie nicht rein!" kreischen erregte Stimmen. Bald darauf krachen Schüsse und wie durch ein bewegtes Meer bahnt sich ein schmaler Zug ho6> in die Lust er- hobener Pistolenläufe den Weg zu Kahr. Die Köpfe der Wafsen- träger werden sichtbar. Man sieht die Käppis der Hitler- Leute und macht sich den übrigen Vers dazu. Bleich wie ein Tischtuch ist der Genera'staatstommissar geworden. Mit beiden Händen umklammert er die Kanten des vorlragslifches. Hilter und Roßbach führen den Zug. Wilde Unruhe hindert den nationalsozialistischen Propheten am Sprechen. Cr springt auf den letzten Tisch, ballt drohend die Faust und brüllt mit Stentorstimme folgende Drohworte in den Saal: „Ruhe, zum Teufel! Sonst lasse ich ein Maschinen- gewehr auf die Galerie bringen!" Bar diesem gewichtigen Argument legt sich ein wenig der Sturm."". Kahr und Lossow werden von Hitler„abgeführt". Eine StnnfEs lang bleiben sie fort. Aber dann: „Ueber eine Stunde vergeht. Da bricht an der Saaltür namenloser Jubel aus: Ernst, ein wenig gebeugt und noch immer totenblaß, betritt Herr von Kahr wieder den Raum. Hinter ihm schreitet Hitler mit Triuwxymiene. Dann kommt eiu Stand. bild im Gehrock— General Ludendorss, dem ebenfalls begeistert zugejubelt wird. Und dieses„Standbild im Gehrock" fängt an zu sprechen. Natürlich ruft es den lieben Gott im Himmel zu Hilfe. Aber schließlich ist— immer nach dem Scherl-Reporter— das Standbild „so bewegt, daß es nicht weitersprechen kann. Tränen treten ihm in die Augen und alles wirb von brausenden Heilrufen erstickt." Am nächsten Morgen knallten nicht allein Hitler-Pistolen, son- der» auch Gewehre. Lillzendorf ist kein Standbild im Gehrock mehr, ober ob Kahr, der im anderen Raum«„vergewaltigte" deutsche Diktator, noch immer bleich wie«in Tischtuch ist, verrät uns der! Gewährsmann leider nicht..„. � des alten Volksstücks deutlich werden? Im„Talisman" geht es so: Die Darsteller stehen auf der Bühne herum und deklamieren Nestroysche Sentenzen ins Publikum hinein, plötzlich gehen sie ab, damit die nächsten Schauspieler auftreten können. Freie Bahn der weiteren Deklamation! Und die Handlung liegt uns so fern.„Rote Haare, Gott bewahre" ist der Kern der Posse. Mit roten Haaren komm man auf keinen grünen Zweig, ober mit einer schwarzen Perücke öffnet sich das Tor zum Glück. Die schwarze Perücke ist der Talisman. Nein, die Posse können wir gern entbehren. Etwas anderes ist es mit dem zweiten Stück der gestrigen Vor- stellung.„Sank in und der Haupttreffer" von I u s ch- k i e w i c z ist die Komödie von den durch die Alltagssorgen zer- mürbten Menschen, die in der Lotterie den Haupttreffer gewinnen. Wa? wir auf der Bühne, sahen, hoben wir olles schon mal selbst ettebt. Was werden wir tun, wenn unser Los herauskommt?„Ich schreie drei Tähe lang hurra," fassl Sonkin. Die Familie kommt ins Zonken, well Sonkin dos Geld mit vollen Händen hinauswirft. das er noch gar nicht hat. Nun passiert etwas, was wir leider noch nicht erlebt haben. Der Glücksfall tritt wirklich ein und Sonkin wird nicht vor Freude, sondern vor Aufregung fast verrückt. Verwandte und allerlei Gesichter tauchen auf, die sich um die Sontins noch nie gekümmert haben. Mit dem unbeirrbaren Bestreben, ihn zu neppen. Den reichgewordenen und geplagten Sonkin gab Karl Etlin» ge r. Prachtvoll in seiner durch die Armut erzeugten HUflosiqkeit: er kann nicht aus seiner Haut. Der Gewinn hat ihn überwältigt, ober nicht stark gemacht. Er ist reich und bleibt ängstlich und geduckt. Frau Sonkin, die nur noch Tee zu 10 Rubel trinken will, mar Lotte Stein. Sie ist die erste, die das neue Glück mit vollen Zügen zu schlürfen willens ist. Famos, wie sie sich aufplustert und gemacht vornehm wird. Fritz Rast, Heinrich George und Mar- gorete Albrecht schufen«in paar echte Typen und verhalfen der Vorstelluna zu dem starken Publikumserfola, wie er im Schau» spielerthcoter üblich ist._ Ernst D e g n e r. Zwei Schliffe nach öec Decke. Als Kind hatte ich da? große Zirkuserlebnis: Ein Radfahrer sprang mit seiner Maschine aus der Zirkuskuppel— platsch— in die wasscrgefüllt« Manege, allwa gerade ein Gondclfest am Hos« Ludwigs XIV. gefeiert würde. Damit aber niemandem der span» nende Moment seines Absprungs entginge, trat zuvor ein Manege» diener auf das Sprungbrett und feuerte zwei bullernde Revolver- schüfst gegen die Decke ab. Davon träumte ich die letzte Nacht. Wieder ragt« die Kuppel in unermeßliche Höhe, wieder trat der Manegediener aus das Sprungbrett und feuerte, den Absturz des Waghalsigen anzukünden, zwei Reooloerschüsse gegen die Decke.. Ich hatte kaum Zeit,, mich zu wundern, daß der Diener statt der Zirkuslwree di« Hitler- Uniform trug, denn im nächsten Moment sauft««in kolossaler Körper durch d'e Lust, um brodelnd ins Bassin zu klatschen.' Wie es aber emportauchte, da war es gar kein Rodfahrer, sondern auf dem lauen Wasser schwamm trübselig— e n preußischer General- quartiermeister in voller Uniform.... Ersoffen. Teelif Alam. Neue putsthvorbereitungen» „Einziehungen" in Berlin. Die rechlsrodlkalcv Orgauisalionev lm Reiche versenden immer noch Zustellungsbesehle an ihre Mlgiie- der. Me mir zuverlässig erfahren, sind noch am Freitag von Verlin Angehörige rechtsradikaler Organisationen nach Schneidemühl beordcrl worden. Unter ihnen befinden sich nach unseren Informationen auch Staatsangc stellte und Beamte. Auch in der Umgebung von Verlin find in den letzten-Tagen nach Vorbereitungen zum Umsturz getrosfe« worden, die im Zusammenhang mit dem Münchener Putsch durchgeführt werden sollte». E» ist empsthlenowcrt, daß die Polizei besonders dem L a st- wagenverkehr in den Vororten Berlins ihre Aufmerksamkeit schenkt. Zu den letzten Togen sollen z. V. ganze Antoladwn- g e» von Uniformen und Waffen in verschiedenen Berliner Vororten eingetroffen sein. Hitlers ungarische Sunüesgenossen. Budapest. 9. November.(WTB.) In dem amtlichen Eommu- niguö über die Verhaftung des Abgeordnettln U l a i n heißt es: Seit geraumer Zeit war die Polizeibehörde von einer Aktion unterrichtet, welche die gewaltsame Beseitigung des gegenwärtigen Regierung?- systems in Ungern mit Benutzung bayerischer irregulärer Truppen und die Einsetzung einer neuen Regierung bezweckte. De? Entwurf de? bei Ulain gefundenen Abkommens ist von dein ma- gyorischen völkisch-nationalen Aktionsausschuß unterzeichnet. Die andere Vertragspartei sollte ein bayrisch- völkisch-nationaler Aktionsausschuß sein. Die Bil- dung der neuen Regierung in Ungarn war für Ende November in Aussicht genommen. Dem bayerischen Aktionsausschuß sollte die Versorgung Bayerns mit Lebensmitteln als Gegenlei st ung gegen militärische Hilfe zugestanden werden. Das Com- munique stellt fest, daß Ulain einen Aufruhr mit Hilfe fremder bewaffneter Truppen vorbereiten wollte, daß er dabei auf frischer Tat ertappt wurde und desholb nicht unter das Immunitätsrecht falle. Der Fall Kronprinz. Der ehemalige Kronprinz wird im Laufe des heutigen Tiaes die deutsche Grenze passieren und sich nach O e l s begeben. Die Regierung hat feine Einreist zugelassen, nachdem er das Verfprc- chen abgegeben hatte, sich nicht in die Politik einzumischen. Sie steht aus dem Standpunkt, daß ihm ebenso wenig wie einem ondc- ren deutschen Reichsangehörigen der Aufenthalt auf deutschem Boden verwehrt werden könne. Der ehemalige'Kronprinz wird im Laust des heutigen Tages festzusetzen und Landwürtschaft zu treiben. Ob mit diesem Ver- sprechen die Mietung eines Absteigequartiers am Kaiserdamm in Berlin vereinbar ist, entzieht sich unserer Nachprüfung. «in Schritt der Botschafterkonferenz. Paris, 10. November.(WTB.) Die Agentur Havas berichtet, das Sekretariat der Botschafterkonstrenz habe am Freitagabend von den Regierungen die Zustimmung zu dem am Mittwoch beschlossenen Schritt erhalten, der darin bestehe, durch eine Mitteilung an die holländische imd die deutsche Regierung die Rückkehr des deutschen Kronprinzen nach Deutschland zu verhindern. Der ftanzö- fische Gesandte im Haag werde heute der holländischen Regierung «ine Rote überreichen. Dem deutschen Geschäftsträger, Botschafis- rat v. Hoefch, sei bereits am Freitagabend von dem Vorsitzenden der Botschafterkonferenz ein« Rote zugegangen. Wie wir hierzu erfahren, ist diese Meldung insostrn zutreffend, als die Botschafterkonscrenz durch den Geschäftsträger v. Hoesch in Berlin anfragen ließ, ob die deutsche Regierung mit einer Rückkehr des Kronprinzen nach Teutschland einverstanden wäre. Eine Ant- warb auf diese Anfrage dürfte demnächst erfolgen. Segnaöigung. Der Reichspräsident hat den kommunistischen Arbeiter Tha- r e l l, der wegen semer Teilnahme an den Hamburger Putsch- kämpstn zum Tode und zu K Iahren Zuchthaus verurteilt war, zu zehn Iahren Festung begnadigt. Zunahme der Kinderluberknivst in Deutschland. Einen traurigen Einblick in dos Anwachsen der deutschen Not gewährt der soeben in der .Zeitschrist für Säuglings- und KleinKnderfchutz" erschienene Jahres- bericht des Kaiferin-Augusta-Biktoria-Hausts in Berlin, dem das Or- ganisationsamt für Säuglings- und Kieinkinderfchutz angegliedert ist. Di« Anstalt hat mit großen Schwierigkeilen zu kämpfen. Besonders bezeichnend ober sind zwei Tatsachen, die hier angeführt werden. Von den Säuglingsheimen und Krankenanstalten, die zu dieser Organi- sation gehören, mußten nach der Zählung vom Januar 1923 1 4,8 Prozent geschlossen werden: stith-er wird sich diese Zahl erheblich vermehrt hoben. Noch trauriger ist der Hinweis, daß sich vom 1. April 1922 bis 31. Mörz 1923 die Zahl der Todesfälle an Tuberkulose trotz erheblich geringerer Zlufnabmen sehr erhöht hat, daß schon in dem folgenden Vierteljahr vom April bis Juni 1323 dir Zabl der Krankheits- und Todesfälle an Tuberkuwfs großer geworden ist als im ganzen vorangegangenen Betnebsjahr. Die Tuberkulose Hot also im frühesten Kindes- alter in der letzten Zeit außerordentlich zu- genommen, Eine Eisenbahn durch die Sahara. Die f ranz o sis che Rc- gierung Hot den Bau einer großen Eiscnbohnstveck« quer durch die Mitte der Sahara beschlossen. Di« Linie soll über die Oasen des mittleren Teiles führen und Algier mit den französischen Besitzungen am oberen und mittleren Niger verbinden. Bei diesem überaus kostspieligen und kühnen Plan kommen Handelsrücksichten nicht in Frage, sondern der wahre Grund geht aus der Tatsack?« hervor, daß das K r i« g s m i n l st e r i« m auf der Eisenbahn für die Organisation des französischen Eingeborenen- Heeres besteht. Für die bereits bestehenden Kolonialtruppcn wäre die Eisenbahn überflüssig, denn während des Krieges waren die afrikanischen Truppen Frankreichs hauptsächlich aus Algier, Senegal und Tunis herangezogen worden. Keines dieser Länder ober wird durch die neue Eisenbahn berührt. Man muß also annehmen, wie der„Manchester Guardian" ausführt, daß Frankreich sein Heer durch die Eingeborenen der Länder südlich des Niger ergänzen will, die bisher zu den Kolonialtruppen noch nichts beige- steuert hatten. Nrftauffübrunaen der Weihe. Mittw. Tchaulpieler-Th. lFriedr.-ZSitbelmir. Th,):.Kein".— Sonn. Th. am Kursürsten- dämm:.Da» Brinzip». Blntbner-Qrckirster. Die nächsten ValiZkonzertc mit dem Lerlincr Smsonie-tBlüthner) Orcheber unter Leitung von Arthur Mol-nar finden am 13.(Saalbau firicdrichZhain). 14.(Orpheum, Hafenheidc) und 16. (Gerniania-Täle) statt. Beginn 8 Uhr. Der SieichSkunltwart Dr. SiedSlob ist zum Ehrenmitglied de» Oesterreichischen Werlbunde» ernannt worden. Die CEHtfeie d«S Dichter» Alfons Pehold wird von bei: Stadt Dien vom 1. Januar 1924 ab eine monatliche Ebrenvenliun von 500000 Krvnen erfialten.'Außerdem wurde ihr eine einmalig« Zuwendung von 2 Milliov-n Kronen gewährt. An Newwn» Okdächtni». Fty Jahre 1927 werden es zweihundert Jahr«, seit Isaak Newton gestorben ist. Man plant in England, da» GedächMi» de» großen Naturforschers durch Veranstaltung einer neuen GesamtauZgabe seiner Werke zu feiern. Die Sachverständigenkonferenz gescheitert. Amerika lehnt Poincarés Einschränkungen ab. Condon, 10. November.( WIB.) Reuter berichtet aus Washington, daß Präsident Coolidges Wortführer im Weißen Hause mitteilte, der Präsident fei der Ansicht, daß eine Unterfuchung, die in Uebereinstimmung mit dem französischen Vorschlag auf die Reparationsfähigkeit Deutschlands für einen begrenzten Zeitraum beschränkt sei, zmedlos und vergeblich sein würde. Der Wortführer fügte hinzu, daß die Bereinigten Staaten feinem nühlichen Zwed dienen fönnten, wenn sie an einer derartigen Untersuchung teilnehmen wür den. Aus diesem Grunde sei die Washingtoner Regierung nicht geneigt, bei der Einberufung internationaler Sachverftändiger mitzuwirken, wenn sie nicht in der Lage sein werden, einen weitreichenden und umfassenden Plan zu unterbreiten. Es sei nicht zu erwarten, daß eine derartige Beränderung in Deutschlands wirtschaftlicher Cage innerhalb von fünf Jahren eintrefen fönnte, die wesentliche Reparationszahlungen ficherstellen könnte. London, 10. November.( Eca.) Der Entschluß der Bereinigten Staaten, fich endgültig von der Sachverständigenfonferenz zurüdzuziehen, wurde in einem Kabinettsrat gefaßt, der gestern stattfand und in dem Staatssekretär Hughes eingehend über feine Unterhaltung mit dem franzöfifchen Boi schafter 3uffer and berichtete. Die lehten Borschläge Jusferands felen darauf hinausgegangen, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands bis zum Jahre 1930 durch Sachverständige prüfen zu laffen. Der Kabinettsrat hielt einstimmig eine derartige Begrenzung für ein Hindernis für jede nützliche Arbeit der Sachverständigen. Staatsfefretär Hughes wurde infolgedeffen aufgefordert, unverzüglich dem franzöfifchen Botschafter eine entsprechende Meldung zu machen. Staatsjefretär Hughes lud hierauf den französischen Botschafter Jufferand für nach mittags 4 Uhr zu einer Besprechung bei sich cin, wobei er ihm die Eröffnung machte, daß die Bereinigten Staaten auf eine Fortsetzung der Unterhaltung über die Frage der Sachverständigenkonferenz verzichtetea. Aus politischen Kreisen wird mitgeteilt, daß Präsident Coolidge fieffles. Bedauern über den Fehlschlag der Ber: handlungen empfinde. Die Haltung der Renierung wird in den Vereinigten Staaten nicht allgemein gebilligt. Man wirft dem. Präsidenten in manchen freijen vor, er habe sich allzu fehr von peffimistischen Gründen leiten laffen, und es wäre vielleicht schließlich doch möglich gewesen. bei einer Besprechung der deutschen Zahlungsmöglichkeiten für die nächsten fieben Jahre zu einem Zahlungsplan zu fommen, der gleichzeitig eine progreffive Räumung des Ruhrgebietes als Korrelat ermöglicht haben würde. zu erwidern: Die Alten auf dem Bettel. Ueber wurde ihm in der feifen Silvesternadyt zunt Berhu.gnis. Bier Gäste, die er abends wieder eingeladen hatte, fielen, nachdem man bis in die Nacht hinein etwas gezecht hatte, über ihm her und ermordeten und beraubten ihn. Drei der Beteiligten namens und festgenommen. Gegen sie wurde auch bereits vor dem SchwurStomronet, Unger und Rammik wurden nach einiger Zeit ermittelt und festgenommen. Gegen fie wurde auch bereits vor dem Schwurweil der vierte Mittäter, ein angeblicher Arbeiter Dito Deppner, noch gericht verhandelt. Die Hauptverhandlung wurde jedoch ansgesetzt, flüchtig war. Interdesen wurde festgestellt, daß der Berfolgte einen falschen Namen führte. Er reiste mit den Bapieren eines Otto Deppner, die diesem gestohlen worden waren. In seinen Kreisen fannte man den. Berfolgten mir unter dem Spiznamen„ Der Otto". Jezt ist es gelungen, auch ihn in Bremen zu er= mitteln und festzunehmen. Er wird hierher gebracht werden und das schwere Verbrechen fann jeßt seine Sühne finden. Berhaftete wirklich heißt, steht noch nicht feft. Wie der Man soll sich heutzutage über nichts mehr wundern. eines muntert man sich dennoch: wovon leben die vielen alten Leute, die uns halb zerlumpt oder in abgetragenen dünnen Fähnchen auf der Straße über den Weg humpeln? Die Invaliden- und Aitersrente reicht natürlich nicht hin und her. Wo Rente nicht gezahlt wird, tun die Berliner Wohlfahrtsämter viel, sehr viel; aber nicht alles fönnen sie tun, um den Rolleidenden völlig zu er halten. Armenunterstützung war inumer nur eine Beihilfe, viel fad der Ersatz für die Pflichtvergessenheit der Kinder gegenüber den Eltern.„ Eine Mutter fann zehn Kinder ernähren, aber zehn Rinder nicht eine Mutter." Unglaublich ist es, mit welchen Finessen schon früher die Unterhaltspflicht auf die Armenverwaltungen abgewälzt wurde. Die Kinder haben für die darbenden Eltern wenig oder nichts übrig. In neuerer Zeit haben sich die Verhältnisse noch Warum es feine Kartoffeln gibt. ungünstiger verschoben. Biele, ie pflichtbewußt halfen, fönnen es nur noch ganz notdürftig oder nicht mehr, haben faum für sich selbst das versorgung der Bevölkerung sehr in Frage gestellt sein. Bei einem Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die diesjährige KartoffelBrot. Die Alter, zu jeder Arbeit zu schwach, gehen in Häusern Verfuch aus Konjumentenkreisen, größere Mtengen von Kartoffeln zu und Straßen auf den Bettel. Nie zuvor hat man in Berlin fo- beschaffen, sind folgende, fehr trübe Erfahrungen gemacht worden... viele weißhaarige Betiler gesehen. Nach dem Kriege waren es um ein wertbeständiges Zahlungsmittel in der Hand zu haben, die Schüttler und Amputierten, über die man fast stolperte; heute haben die Landwirte mehr Roggen als Kartoffeln anfind es tie sich vor dem Hungertodz fürchtenden Greise und Grei- gepflanzt, befonders auch, weil Roggen fich beffer lagert und hält. Die Folge ist eine Getreide Retardernte wie felten zuvor sinnen. Haufenweis stehen sie in Laufgegenden an den Straßeneden, vor Bohnhöfen und Hotels, vor Theatern und besonders por nen geerntet gegen 893 362 Tonnen im Jahre 1922, und an Roggewesen. An Winterweizen wurden dies Jahr 1 455 906 Tonder Börse. Drianen der wildeste Geld- und Genußteumel, draußen gen fogar 5 487 597 Tonnen gegen 3843 836 Tonnen im Jahre der in den Gedärmen freffende Hunger. In fliegender Haft stürzen 1022. Der Landmann gibt auch die Rartoffein nicht ab, weil er die Börsenleute aus dem Auto, noch ehe es hält. Jetzt ist teine fie jest fchon einmietet. Das Schlimmste aber ist das Folgende: Minute Zeit zum Hungerstillen, jetzt regiert nur das Spefulations- Wie Schreiber dieses persönlich festgestellt hat, wandern heute fieber. Erst nach Börsenschluß fallen die Brofamen. Wer von den täglich Tausende und aber Tausende 3ent2lten einen glüdlichen Blah erwischte, trägt Milliarden heim. Mil Die Eisenbahnverwaltung selbst hat zwar ein Verbot nter Don Kartoffeln in die Stärtefabriten. liarden... proziges Wort! Erst hunderte davon sichern den Befis laffen, Wagen für diesen 3wed zu stellen. eines Brotes. Täglich mehren sich die Scharen derer, die öffentlich aber Privatgesellschaften, Das hindert den Hunger zeigen. Berlin, im Auslande von Unwissenden noch priegniger Kreisbahn, nicht, täglich zum Beispiel die DftZüge von immer als reich verschrien, ist auf dem besten Wege, die Großstadt artoffeln der Stärtefabrit in Ryriß zuzuführen. der Bettler zu werden. Wie es hier ist, ist es auch an anderen Orten. Außerdem bringen tie Landleute ihre Kartoffeln per Achse zu den Stärtefabriken. So wurde dem Berfaffer von einem Landmann, der größere Flächen mit Kartoffeln bebaut und geerntet hat, auf eine Frage, ob er ihm einen Bagen Kartoffeln liefern wolle, geantwortet: Damit geben wir uns nicht ab. Wir fiefern in die Stärtefabrit, das ist für uns bequemer." Angefiechts dieser Zustände ist es doch nun endlich höchste Zeit, diese Entwidlung der Zufände zu einer Ratastrophe zu verhindern. Bon Kartoffeln, die auf den Markt kommen, fönnen die Menschen lebre, aber nicht von Stärke. Beine. wie er= Wenn Aus Der Spazierstock des Mörders. Aufklärungsdienst der Mordfommiffion in Steglitz. Der schwere Raubüberfall in Lichterfelde, über den wir berichteten und der die Einwohnerschaft des Westens in große Unruhe perfekt hat, hat jetzt dazu geführt, daß sich die Mordtommiffion des Polizeipräsidiums auf dem Polizeiamt Steglitz eingerichtet hat, um alle die Ueberfälle, die in der legten 3eit an jener Ein Schutzpolizist von einem Auto überfahren. Am Freitag Stelle, an der der Musitdirettor Gervais niedergeschossen wurde, verübt worden sind, aufzuklären. wurde der Wachtmeister Kube, der als Berkehrsposten am rivatauto überNach den eingehenden Ermittelungen der Stegliger Kriminal- Schlesischen Tor stand, von einem polizei sind in den letzten acht Tagen an der gleichen Stelle nicht fahren und schwer verletzt. Die Räder gingen ihm über beide weniger als vier Anschläge verübt worden. Die ersten Ein zufällig vorüberfahrender Kraftwagen des Staatsdrei hatten einen ungefährlicheren Ausgang. Der eine galt, wie frankenhauses nahm ihn auf und brachte ihm nach dem Staatswir schon mitteilten, einem ungarischen Studenten. Auch ihn wollte frankenhaus. Der Chauffeur des Unflüdsautos fuhr der Räuber vom Rade schießen, fehlte ihn aber zum Glück. unbefümmert um den leberfahrenen weiter, doch In den beiden anderen Fällen, die einem Arzte und einem Bärchen fonnte die Nummer des Kraftwagens festgestellt werden. galten, gebrauchte der Räuber feine Schußiraffe. Aber nach der felbst die zum Schuße des Bublifuns vorhandenen Polizeibeamten übereinstimmenden Beschreibung handelt es sich auch in diesen Fällen überfahren werben, dann hört allerdings verfehiedenes auf. um den Mörder des Muiiters. Glüdlicherweise ist in ciner jest vorliegenden Statistik der Hauptverkehrsstelle des Polizei. zwischen einer von den vier Ueberfällen, der einem Arzt galt, bereits präsidiums geht hervor, daß im 3. Quartal 1923 fi 563 Bertehrsunfälle ereignet haben, bei denen 419 Bersonen geklärt. Der Täter ist ermittelt, aber es ist nicht der Wegelagerer, teils getötet, teils verwundet wurden. Davon entfen nicht wenider ten Musikdirektor überfallen hatte. Dagegen schreibt man diesem nach wie vor auch die Ueberfälle auf ein Bärchen und den ungarischen ger als 155 Unfälle auf die Privatauto agbite. Studenten zu. Der Spazierstod, ben der Täter zurüdübrigen wurden von Fahrrädern( 106), Stratofchten( 88), gelassen hat, ist ein guter Stod aus gehärtetem rötlich gelben Beit- annmagen( 86), Kraftfahrrädern( 54), Lait- und GeschäftstraftRohr, aus einem Stüd mit gebogener Krüde. Die Hornzwinge ist( 51), Autobussen( 15) und Pferdetroschten( 8) verursant. schon femlich abgenugt. Es ist nicht anzunehmen, daß der Räuber Bon jeinem eigenen Wächter mit dem Revolver angegriffen einen so guten Stod ursprünglich selbst gefäuft und besessen hat. In der letzten Nacht wurde der Inspektor Wader vom Ber= Wahrscheinlich hat er ihn bei einem früheren Ueberfall erbeutet. liner Theater in der Charlottenstraße von seinem eigenen Für die Aufklärung liegt viel baran, zu ermitteln, Wächter mit dem Revolver angegriffen. Im Theater tam in der letzten woher der Stod stammt, wer fein Eigentümer war und wer Beit allerlei abhanden. Das veranlaßte den Inspektor, den Wächter ihn zuletzt beseffen hat. Mitteilungen nach dieser Richtung und Emit Strepfit einmal zu fontrollieren. Der Verdacht bestätigte sich. anderen zweddienlichen Angaben nehmen die Kriminalfommiffare Bader überraschte ten Wächter, als er in den Restaurationsräumen Galzow und Dr. Berndorf auf dem Polizeiant Steglitz entgegen. Sofolabe entwendete. Statt seine Berfehlungen einzugestehen, griff der Wächter zum Revolver und schoß auf den Inspettor. Die Kugel blieb jedoch in der Kleidung stecken, ohne den Getroffenen zu verwunden. Er nahm den ungetreue Wächter fest und übergab ihn der Bolizei. Die Die Militärkontrolle. Ablehnende Antwort der Neichsregierung. Bir veröffentlichten bereits in der gestrigen Abendausgabe den Wortlaut der Noten, die die Botschafter konferenz in der Frage der Biederaufnahme der interalliierten Militärtontrolle am 3. Oktober und 3. November an den deutschen Geschäftsträger in Paris gerichtet hat. Diese beiden Noten hat der beutsche Geschäftsträger cm 10. b. M. weisungsgemäß folgendermaßen beantwortet: Im Auftrage meiner Regierung beehre ich mich der Bot fchafterkonferenz auf die Nole vom 3. november folgendes ergebenft Nachdem die Botschafterkonferenz mit Note vom 3. v. Mis. anter Hinweis auf die seweren Folgen, die im Falle der Aufrechterhaltung des bisherigen Standpunties einircien fönnten, das Verlangen geftellt hatte, daß die Wiederaufnahme der Kontroll. handlungen durch die inierallierte Militärkontrollkommission alsbald ermöglicht werde, ist die Reichsregierung unverzüglich in eine eingehende und sorgfältige Prüfung der Frage eingetreten. Es liegt der Reichsregierung nach wie vor fern, die Berpflichtung en ja bestreiten, die sich für sie aus den Bestimmungen des Berjailler Die Berliner Straßenbahn wird ab Montag Bertrages ergeben. Sie ficht fich jedoch zu der Erflärung genötigt, baß fie im gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich folgende Fahrpreise nehmen: Umsteigefahrfchein 20 milliarden, nigt in der Lage ist, diesen Berpflichtungen in allen Punkten Kinderfahrschein 10 Milliarden und der Uebergangsdurch Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 12. Novemgerecht zu werden. Neue Verkehrstarife. fahrschein zur Hochbahn 35 Milliarden. Die hoch und Untergrundbahn wird folgende Fahr preise erheben: Jn der 3. Klaffe 15 und 20 Milliarden und in der 2. Klaffe 20 und 25 milliarden. Blocks zu zehn Karten 135 und 180 bzw. 180 und 225 Milliarden. Die neuen übertragbaren Wochenfarten zu 6 Logen tosten 100 und 126 Milliarden. Die Omnibusgesellschaft wird für die Teilstrecke 20 und für die ganze Strecke 25 Milliarden nehmen. Deutschland befindet sich im Augenblid in einem Zustand schwerster innerpolitischer Erschütterung. Die Beichsregierung glaubt davon absehen zu können, die Ursachen und die Gefahren dieser Krisis der Botschaftertonferenz in diesem Zujammenhang im einzelnen darzulegen. Nach den Verhältnissen, wie fie fich tatsächlich in Deutschland gestaltet haben, würde die Wiedercufnahme der Kontrollhandlungen in dem jetzigen Zeitpunkt einen. neuen konflittft off schaffen, der eine weitere innerpolififche, nächsten Sonntag ab eine neue verbesserte Wochen Wie bereits mitgeteilt, wird die Hochbahngesellschaft vom und zwar außerordentliche Belastung darstellt. Diese Belastung tarte einführen. Die bisherige war nicht übertragbar würde um so schwerer fein, als nach den übereinstimmenden Aeuße- und galt für zwölf Fahrten, von denen je zwei an jedem der sechs rungen sämtlicher mit der Frage befaßten inneren Stellen das Er- Wochentage ausgeführt werden mußten. Die neue Karte ist frei scheinen der inferalliierten Sontrollorgane zurzeit 3 wischenfälle zügiger gestaltet; fie wird für die 3. wie für die 2. Klasse. zu zur unausbleiblichen Folge haben würde ,, jomit wärden zu den ermäßigten Breifen ausgegeben und jede Karte gilt für sechs Fahrten innerpolitischen sich außenpolitische Schwierigkeiten hinzugefellen. an beliebigen Tagen, auch Sonntags. An einem bestimmten InDie Reichsreglerung darf annehmen, daß auch die Botschafter- haber ist sie nicht gebunden, so daß also 3. B. alle Familienmitglieder fonferenz die Aufrechterhaltung der inneren Ruhe und die Karte abwechselnd benutzen fönnen. Die gleichzeitige Benukung durch mehrere Personen ist dagegen nicht zulässig, jedoch Ordnung in Deutjáland als Vorbetingung für die wirtschaftliche fann vom Benutzer auch bei dieser Karte ein Kind unter sechs Jahren Gesundung und als Grundlage für die fünftige Ceilungsfähigkeit frei mitgenommen werden. Auf gelöste Wochenfarten sind bei TarifDeutschlands anfieht. Die Botschaftertonferen; wird sich der Er- erhöhungen im Laufe ter betreffenden Beche feine Nachzahlungen tenntnis nicht verschließen tönnen, daß der gegenwärtige zu leiften. Die neuen Karten zu je sechs Fahrien gelten von SonnSeifpunkt nicht dazu geeignet ist, von der deutschen Re- tag bis Sonnabend und fönnen bereits Sonnabends für die nächste gierung die ftritte Durchführung der in der Note vom 3 v. 2. Woche gelöst werden. An diesem Sonnabend gelöste Wochenfarten gestellten Forderungen zu verlangen. für die ganze Strede foften 3. Klasse 75 Milliarden, 2. Klasse, Die Reichsregierung bittet daher die Botschaftertonferenz, diefe 90 Milliarden Mark. Forderungen unter den obmalfenben Umständen zurüdftellea 3u wollen." Französische Neutralitätserklärung. Jugendliche auf Plünderungsfahrten. Die Invalidenversicherungsbeiträge werden erhöht, und zwar ber 1923 ab. Es gelten von diesem Tage ab Beiträge von 19 bis 116 Milliarden wöchentlich. Bom 12. November ab werden auf den Verkaufsstellen die bisherigen Werfen nur zum Zehntausendfachen ihres Aufdrucks verkauft. Um bom Bublifum Gelegenheit zu geben, außer bei den Bostanstalten noch die Marken zum bisherigen Werie zu beziehen, wird bei der Landesversicherungsanstalt, 2m Stöllnischen Bart 4, am morgigen Sonntag von 9 bis 2 lihr eine Markenverkaufsstelle offengehalten werden. Jugend, hilf dem Alter! Der Märkische Landesverband der Aufruf: Jugend, bilf dem Alter! Wir wollen nicht länger zusehen, Jugendvereine( Geschäftsstelle Landesgemeindehaus) erläßt folgendn wie die Greise. verhungern! Wir wollen ihnen helfen! Stommt am Sonnabend, ben 10. November, abends 7% Uhr, in die Aula der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17. Mir wollen dort über Mittel und Wege berasen und die Arbeit angreifen! Theater der Woche. Bem 11. bis 19. Rovember. Boltsbühne: Figares Hochzeit. Opernhaus: 11. Die affure. 12. Rigo17. Boheme. 18. Palestrina. Shanfpietheus: 11., 14. unb 18. Minna von 12., 14., 17. und 19. Cix Boltsfeind. 15. Mathan der Meife. Druisches Rentral- heater: letto. 13. Sieffand. 14. Sinfoniekonzent 15. Schaserüber. 16. Troubadour. Barnheim. 12., 15. un 10. Teer Onnt. 15. Seuft. 15. Fiesco. 17. Käthchen von Seilbronn. Shifter Sheater: 11., 13., 16, und 18. Sumpazivagabundus. Theater: 11., 12., 14. und 15. emaliox. 15. Cefer usb Aleopatra. 16. bis 19. Mora. Rammerspiele: Die Kinder. 6 16. Friblings Ermasien. effing- heater: 11., 12., 13., 14., 15., 17., 13. uns 19. Stania). 16. Fauit I. Dent. beater in her Röriggräger Straße: Den Gil van den gelinen Hosen. sches Opernhaus: 11. Carmen. 12. Der fliegende Soländer. 13. Rigoletto. 14. Soffmanns Erzählungen. 15. Das Rheingsly. 16. Die Walfitre. 17. Solofernes. 18. liba. 19. Der Troubadour.reßes Shauspielbeus: Der Bettel. student. Große Bollespe: im Theater Ben Westens: 11. Die Fledermaus. 12. Der Barbier von Gevilla. 13. Sigoletto. 14. Die verlaufte Braut. 15. und 18. Samfon und Dalila. 16. Den Basquale. 17. Bar unb Simmermann. 18. Die Entführung aus dem Serail. Renaiffence- Theater: Chubentenliebe. Die Tribune: Fannys erstes Stid. Deutfches Rinftler- Theater: Enbbte. Romabienhaus: Mein Better Conard. Berliner Theater: Dolln. TrianonTheater: Joujou. Refibenz- Theater: Maria Magdalena. Der Revisor. Theater in der Kommandantenfraße: Charlie. Friebrich Bilhelmstättisches Theater: 11. unb 12. Couars II., 13., 10. und 18. in. Sannele. 14. und 17. Situs und der Talisman. Gemin und der Haupttreffer. Romische Opez: Die Welt she Cchleier.- Sustspielhaus: 15. um 19. Rain. Stebeneinander. Metropol- heater: Cafins- Girls. Reves Operetten Theater: Die Siegerin. Thalia- heater: Die Geibungsreife. Theater Neues Theater em See: Die Lurusfrau. Steines Theater: Cine galante Nacht. Wellner- Threter: Causa Raiser. Waela- Theater: Varieté- BorRefe- Sheetez: Am weisen Möst. Rajna- heater: Dec Chemann Sutimes Theater: bensbeinch Sie 1. u. t. Ssis. eine ohne Frau. Ayoko- telez: Guropa fpricht davon. ausgeschloffen. Blut. Fran Theater im Abmiralsvaleft: Drunter und bez. Rahmittagsspellunga. Talfsbühne: Und das Bitht scheinet in der Finsternis. Schauspielhaus: 11. ilhelm Tel Siller- Theater: 11. Flachsmann als Erzieher. Denisches Theater: 11. SIH- Seidelberg. Rammerspiele: 11. Die beutschen Aleinhebler. Leffing.Theater: Bürger Shiprel. Theater in ber Königgräger Straße: 11. Erbgeift. Grohes Deutsches Künstler. Schauspielhaus: 11. Der Widerspenstigen Zähmung. Theater: 11. Der Biberpeis. Romibienbens: 11. Mabane Pompadour. Berliner Theater: 11. Rigoletto. Trienen- Theater: 11. Rucens. Steibenz Theater: 11. Cine alüdliche The Friebrie- Wilhelmstädtiscs Theater: 17. und 18. Garspiel des Märchentheaters Buifcipal, Metropol- Theater: Rieines Theater: 11. Die Pfarrhauskemödie. Wanner- heater: 11. Die Statis Zu größeren Ansammlungen tam es am Freitag in später Nachmittagsstunde an der Einmündung der Friedrichstraße in die Straße Unter den Linden. Etwa 300 Perionen von zweifelhaftem Charakter perfuchten, in die Große Passage ein Paris, 10. November.( E.) Die Unterredung, die der engtsche Botschafter Lord Crewe am Freitagnachmittag mit Poincaré audringen und dort zu plündern. Rechtzeitig eingesetzte Schuhhatte, brehte sich nach dem„ Petit Parisien" um die separa polizei vermochte die Ansammlung zu zerstreuen und nahm einen der Burschen fest. Eine ähnliche Situation entwickelte sich in der tistische Bewegung in der Pfalz, die ber englischen Re- fünften Nachmittagsstunde in der Tauenienstraße. Bon gierung gewiffe Befürchtungen einflößt. Bei dieser Gelegenheit Wilmersdorf her waren in fleineren Trupps meist jüngere Burschen am Kurfürstendamm: 11. bis 16. Fan Warrens Gewerbe. Ab 17. Das Prinziv. habe Poincaré Lord Crewe die Zusicherung gegeben, daß nach der Tauenzienstraße gezogen und hatten sich dort zu einer etwa ben französischen Behörden der strenge Befcht erteilt worden sei, 300töpfigen Menge vereinigt. Auch hier lag die Abficht vor, Ge gegenüber den pfälzischen Sonderbündlern die strengste Neufchäftslotale zu plündern. Eine Streife der Schußpolizei. verstärkt tralität zu bewahren. durch Mannschaften eines eberfalltcmmandos, zerstreute die Menge und nahm drei Personen fest. Festnahme eines Raubmörders. stellung. Internationale Solidarität. Die Bluttat der vier offänger, die vor langer Beit Amsterdam, 9. November.( WEB.) Telegraaf zufolge ift Bei einer Zusammenfunft des 3nternationalen Gewerk. in der Helmhoißstraße zu Charlottenburg den alten Schneidermeister Albach ermordelen und beraubten, hat jest zu einer vierten schaftsbundes mit den internationalen Berufssekretariaten be- Berhaftung geführt. Der alte Albach hatte die Gepflogenheit, schtoffen worden, Maßregeln zu ergreifen, um die deutschen Ge- cute, die auf dem Hofe sengen, zu sich heraufzurufen, sie zu Handwertschaftsorganisationen aus der Kasse des Inter- fangerdiensten heranzuziehen und nach Feierabend gemein nationalen Gewerkschaftsbundes' finanziell zu unterstützen. jam mit ihnen in seiner Behausung zu singen. Das fchüler. 11. Charlens Tante. Renes Operetten- heater: 11. Die fleine Günderin. Gewerkschaftsbewegung Kein Geld für die Erwerbslosen! Die Notenbruder sollen schuld daran sein. Bor den Zahlstellen der Bezirksämter stehen die Erwerbslofen foit dem frühen Morgen und warten auf die Auszahlung ihrer Unterstützungsbeträge, um sich die wenigen Lebensmittel zu befdjaffen, tie bafür zu haben find. Zur Auszahlung ist alles vorbereitet, es fehls nur das nötige Geld. Das ist um so auffälliger, als in den letzten Tagen Zahlungsmittel genug zur Verfügung Der plötzliche Mangel an Zahlungsmitteln wird amtlich damit zu erklären versucht, daß die Geltdruder streifen. Diese Erklärung ist einfach unsinnig. Ueber der Streitbeschluß wird erst heute nachmittag entschieden werden. In der Reichsdruderei wollte allertings bereits heute früh ein Teil des Personals in den Streit eintreten, worauf die Ausfperrung erfolgte. standen. Es scheint, als gebrauche man geradezu einen Streit, um den Mangel an Zahlungsmitteln zu erklären und die Schuld an der topfloser Wirtschaft den Gelddruckern in die Schuhe zu schieben. Die Angelegenheit bedarf einer strengen Untersuchung und Klar ftellung. Jede Nachlässigkeit in der Beschaffung der Zahlungsmittel zuc Linderung der Not der Allerärmsten ist in der gegenwärtigen Zeit einfach verbrecherisch. Die Erwerbslosen werden zur hellen Ber3weiflung getrieben, wenn sie nicht einmal die paar Papieraweiflung getrieben, wenn sie nicht einmal die paar Papier scheine erhalten, mit denen fie rechnen, von deren Empfang ihre ganze Erifter.z abhängt. Buchdruckerstreik? Dienstzeit als ein Jahr, sechs Wochen zum Duardalsschluß. Jegl Den Buchbenderjpigeniohn hat ein vom Reichsarbeitsmini. greift die Reichsregierung durch die Personalabbau- Berordnung vom ferium eingefegter Schlichtungsausschuß für die Woche vom 3. bis 27. Oftober in diese Berhältnisse ein und bestimmt in Artikel 15 9. November auf 3% Billionen Mart festgefeßt. Der sich hieraus § 1 Abs. 1 und 2: ergebende Restlohn ist bis Montag zur Auszahlung zu bringen. Angestellte find zu entlassen..... Die Kündigungen haben ipä- Beide Teile lehnten den Schiedsspruch ab. Neue Berhandlungen testens am ersten Werktag eines Monats zum Monatsfchluß zu erhaben heute mittag im Reichsarbeitsministerium begonnen. folgen. Entgegenstehende gefegliche oder vereinbarte Angestellten bedingungen treten mit der Maßgabe außer raft, Lohnregelung im Bergban. Die Löhne im Kohlenbergbau für daß fürzere Kündigungsfristen mirtjam bleiben.bie 28oche vom 5. bis 12. November wurden durch Schiedsspruch Bas hier gegenüber den Behördenangestellten geschieht, muß im Reichsarbeitsministerium feftgefeßt. Der Durchschnittstariflohn als ungeheuerlich bezeichnet werden. Die Reichsregierung hat in einfchließlich des Hausstands- und Kindergeldes beträgt im Ruhrgleich starfer Weise teinem anderen Stande gegenüber Recyte be- bezirk 675 Milliarden Mart, im oberschlesischen Steinkohlenbezirk feitigt. Das Reich würde gewiß feinen Schaden erleiden, wenn die 465,750 Milliarden Mark und im fächsischen Steinkohlenbezirk Reichsregierung eingegangene Beriräge auch gegenüber den Be- 424,575 Milliarden je Sit. Für den mitteldeutschen Braunhördenangestellten achten würde. Bei einer Arbeitnehmergruppe fohlenbezirk wurde eine Vereinbarung erzielt, wonach der Durch wird der Anfang mit der Beseitigung von Rechten aus dem Arbeits- fchnittslohn 400 Milliarden je Schicht beträgt. bzw. Tarifvertrag gemacht; wenn dies stillschweigend hingenommen wird, dann wird man sich nicht scheuen, in gleicher Weise auch den Arbeitnehmern bei Privatunternehmungen ihre Rechte zu beschneiden. Ein tarifuntreuer Theaterdirektor. widerung der von uns veröffentlichten Sufchrift des Deutschen Herr Hajos, Direktor des Thalia- Theaters, fchreibt uns in ErMusikerverbandes: Baut eines schriftlichen Beschlusses des Präsidenten der Reichs arbeitsverwaltung vom 5. März 1923( Aftenz. O. 61821/17) ist der am 1. März 1920 zwischen dem Deutschen Bühnenverein und dem Deutschen Mufiterverband abgefchloffene Tarifvertrag für Theatermusit nicht für allgemeinverbindlich erflärt worden. Ich habe meine Mufiber, ohne mich dafür zu intereffieren, welchem Berband oder welcher Gewerkschaft fie angehören, aus reinem fünft terifchen Standpunkt aus engagiert. Die bei mir derzeit engagierten Orchestermitglieder erhalten laut Bertrag die Mindeftgage für Schauspieler. Dieses Gehalt ist bedeutend über dem Tarifgehalt der Berliner Theatermufit- Orchestermitglieder. Schließlich muß ich noch erklären, daß ich, der ich selbst aus dem Mufiferberuf bin, die absolute untünstlerische und den Theaterbesuch zialen Grund ablehnen muß, weil er für eine Gruppe der Theater angestellten Begünstigungen zusichert, die dem übrigen künstlerischen und arbeitenden Personal nicht zustehen. Achtung, Buchbinderfunktionäre in Buchbrudereien! Morgen, Gonntag, vormittags 10 Uhr, im Goal 1 des Gewerkschaftshauses, wichtige Funktionär. versammlung der Funktionäre derjenigen Betriebe, die unter den: Bud brudertarif fallen. Achtet, Buchbinder, auf Streifarbeit! Die Branchenleitung. Wirtschaft Frankreichs wirtschaftliche Ziele am Rhein. Bas in Versailles nicht möglich war die Abreißung des Rheingebiets vom Deutschen Reich- wird jetzt unter für die Fran3ofen günftigeren Bedingungen wieder versucht. In erster Linie sind militärische Gesichtspuntie die Triebfräfte dieser Bestrebungen. Nichts. deftoweniger find es auch wirtschaftliche Herrschafts.. absichten, die gewissen Streifen in Frankreich vorschweben. Eine jüngst erschienene Studie von G. de Raulin: Frankreich am Rhein"( La France sur le Rhin) schildert die französischen Anstren gungen seit dem Krieg, um den Rhein zu einem französischen Fluß über diesen mächtigen Fluß, der den größten Berfehr unter allen europäischen Flüssen aufweist, mit allen Mitteln sichern wollen, was ihnen sowohl Deutschland wie allen übrigen Ländern gegenüber, die als Ilferstaaten oder fonft am Rheinverkehr interessiert sind, bis her fchon sehr weitgehend gelungen ist. Gleid den Bankangestellten, die Montag abend dar- schädigende Bestimmung des Tarifvertrages aus dem einfach fozu machen. Man sieht daraus, daß die Franzosen ihre Herrschaft über entscheiden, ob fie in den allgemeinen Ausstand treten, drängen aud die Geldnotenbruder am stärksten auf wertbeständige Löhne, weil sie den Dingen am nächsten stehen, die Wertlosigkeit der Bapiermarkbezahlung sich ihnen am finnfälligften zeigt. Doch nicht die Banfangestellten und die Gelbbruder allein leiten unter den Mängeln der Papiermarflöhne, sondern die gesamte Arbeit nehmerschaft. Oberflächlich betrachtet, gewinnt es den Anschein, als ob die Bankangestellten und die Geldnotendrucker der Gesamtheit der Arbeitnehmerschaft einen besonderen Dienst erweisen, wenn fie als Pioniere in tem Rampf um wertbeständige Löhne auftreten. fönnte. Bom Deutschen Mufiterverband wird uns hierzu gefchrieben: In der Zuschrift des Herrn Direktors Hajos ist nichts enthalten, Raulin macht uns mit den Tatsachen bekannt, wie auf Grund was den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Tarifuntreue abwenden des Friedensvertrages die deutschen Rheinschiffe an Frankreich überHerr Hajos beschäftigt nur Musifer, die dem Deutschen antwortet wurden, wodurch der Anteil Deutschlands am Besiz der Mufiterverband nicht als Mitglieder angehören. Herr Hajos gibt Rheinschiffe von zwei Dritteln auf die Hälfte zurückging, während Mufifer unter Umgebung der Stellenpermittlung hielten. Die übrigen Rheinschiffe befinden sich in holländisches Sießen Musikern feinen freien Tag. Herr Hajos hat die Frankreich und Belgien zwanzig Prozent des Tonnengehalts er des Deutschen Mufiterverbandes engagiert. Alles das Befiz. Des weiteren: wie in der Internationalen Rheinlands In Wirklichkeit liegen die Dinge denn doch anders. Weniger find grobe Berstöße gegen den Tarifvertrag. Daß noch ein Streit im Banfgewerbe als ein solcher im Buchdruck der Tarifvertrag für allgemein verbindlich erklärt worden sei, wonnen hat. Der Rhein ist ein internationaler Fluß, das heißt eine tommiffion in der Hauptsache Frankreich die Oberhand ges und Zeitungsgewerbe würte in Wirklichkeit diese Gesamt baben wir nicht behauptet, im Gegenteil: Wir haben darauf ver- jebe Nation kann darauf ungestört verkehren. Trotzdem tann der bewegung mehr hemmen als fördern. Ein Mangel an Zahlungs. wiesen, daß dieser Bertrag in freier Bereinbarung ge Verfasser erzählen, daß es ausschließlich die französischen mittein führt insbesondere für die Arbeitnehmerschaft zu großen tätigt wurde und als solcher ist er für die Mitglieder der Tarif Schiffe waren, die frog aller Hindernisse der legten Zeit einen Schäden. In den Streifen ter Befizenden hat man immer noch parteien durchaus verbindlich. Zahlungsmittel genügend vorrätig, um einige Tage zuzusehen. Die Pfeift auf diesen Tarifvertrag. Aus fünstlerischen" und io regen Berkehr aufrechterhalten formten. gialen" Gründen, wie er fagt. Herr Hajos hat nur Mitglieder des von der Hand in den Mund lebenden Arbeitnehmer jedoch find Vereins Berliner Mufifer" in seinem Orchester figen. In diesem einfach dem Hunger preisgageben, wenn fie fein Gelb tekommen Berein Berliner Dufiter" find die Gegner des Deutschen Mufiter und die Unternehmer mit einer gewiffen Schadenfreude darauf hin verbandes organisiert. Der Verein Berliner Mufifer ist eine Drgameisen können, daß ein Buchdruckerstreit schulb daran sei, daß die nisation, die immer dort auf dem Blan erscheint, wenn es gilt, bie Gelber zur Lohnzahlung fehlen. Interessen der Unternehmer zu fördern und damit die Interessen der Arbeitnehmer an fhäbigen. So auch im Thalia- Theater. Also nicht nur der Direktor des Thalia- Theaters, sondern auch die bort beschäftigten Mufifer verdienen die besondere Beachtung all der Kreise, an die mir uns schon in unserer ersten Notiz wandten. So wenig wir den Bucherudern das Recht bestreiten wollen, ihrem Rampf um wertbeständige Löhne den ihnen notwendig er scheinenden Nachbrud zu geben, fo wenig fönnten wir es mit Rücksicht auf die augenblicklichen Folgen für die Allgemeinheit der Arbeitnehmerschaft gutheißen, wenn bie Rolenpresse auf diese Weise früher zum Stillstand kommt, als es ohnehin geschehen muß. Die Erbitterung über die Kündigungen in den Notendruckereien dürfte nicht ausschlaggebend sein, um heute abend den allgemeinen Buchbruderstreif zu proflamieren. H Herr Direfior Hajos So sind die unter franzöfifcher Flagge transportierten Waren ohne Verspätung an ihren Bestimmungsort gelangt, während die unter anderer Flagge transportierten Waren schwere Verkehrs. störungen, ja mitunter vollständige Berkehrsstockung erleiden mußten." Ein Kapitel für sich ist die Darstellung, wie der deutsche Rheinhafen Rehl mit allen Mitteln unterdrüdt wurde, um den Hafen zu Straßburg fünstlich zu entwickeln. Für die Zukunft tommt es den Franzosen darauf an, den Rhein für die franzöfifche und belgische Wirtschaft zu erobern. Der große Blan, die französische Hafenstadt Marseille mit Straßburg durch ein Kanalsystem zu verbinden, ist in Angriff genommen, wird aber erst in einer fernen Zukunft durchgeführt. Um den Rheinverfehr bis nach 21 ntwerpen auf fürzestem Weg zu ermöglichen, foll ein Ranal von Duisburg- Ruhrort bis nach Antwerpen ausgebaut werben.( Die rheinischen Separatisten hätten angeblich die Berpflichtung zum Ausbau diefes Kanals übernommen.) Dadurch Um Goldlöhne im Einzelhandel. der Ruhrbefehung außerordentlich zurückgegangen ist, weiter zuObwohl die Einzelhandelsgemeinschaft dem Arbeitsministerium ridgebrängt werden. Die großen deutschen Rheinhäfen, wie erklärt hat, daß fie bereit sei, mit dem Zentralverband der AngeMannheim, Ludwigshafen, Mainz usw., fönnen unter französischem stellten über Goldlöhne zu verhandeln, wurde am Donnerstag eine Einfluß zugunsten Straßburgs in den Hintergrund gebrängt werden. Berhandlung auf dieser Basis abgelehnt. Als vorläufige RegeDas wichtigste in diesem System wäre jedoch das Ruhrgebiet Tung waren neben den bisher ausgezahlten zweifachen Wochenin seiner Berbindung mit dem Rhein. Kann Frankreich diesen Ber gehältern in Höhe der Borwoche, d. h. die von der Einzelhandels. Im Bericht wird ferner eingegangen auf die in gewiffen Streifen tehr von dem 57 Millionen Tonnen betragenden Rheinverkehr ents gemeinschaft einseitig festgesezten Gehälter für die Beit Dom 29. Of geäußerten Befürchtungen, daß die allgemeine Durchführung fafien 22 Millionen auf Ruhrfohle, wovon 9 Millionen in übertober bis 4. November( beginnend im ersten Lehrjahr mit 40 miles Achtstundentages nachteilige moralische und freische Länder ausgeführt wurden meistern, so ist damit die deutsche liarden, endend in der Gruppe IV mit 825 Milliarden) nochmals in tulturelle Folgen zeitigen würde. Man hat die Furcht Wirtschaft auf Gnade und Ungnade ihm ausgeliefert. So nimmt fünffacher Höhe gestern bzw. heute, Sonnabend, auszuzahlen. geäußert," heißt es hierüber im Bericht, daß die Arbeiter, die nicht zum Beispiel das Ruhrgebiet 9 Millionen Tonnen überfeeische Erze In der geftrigen Berhandlung vor dem Schlichtungsausschuß über die Regelung der Oftobergehälter und gleichzeitige Festlegung der Gehälter für den Monat November auf Golbbafis wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Wie verwenden die Arbeiter ihre freie Zeit? In Berbindung mit der im Juni 1924 stattfindenden Internationalen Arbeitskonferenz hat das Internationale Arbeitsamt an die an dieser Konferenz. teilnehmenden 55 Staaten einen Fragebogen über obenstehende Frage versandt. Dem Fragebogen ist ein Bericht beigefügt, in dem einige Angaben gemacht werden über die Weise, wie die Arbeiter ihre freie Zeit verbringen. Gleichfalls werden soll das holländische Rotterdam, dessen Berfehr bereits während einige Betrachtungen angestellt über die Frage, ob die Arbeitsfonferenz sich auch mit der Aufstellung einer Entwurf- Resolution über die Anwendung der freien Zeit befaffen soll. Hierbei hat man besonders die Fassung von Bestimmungen im Auge, die die Berrich tung von Lohnarbeit außerhalb der Arbeitsgeit, auch in einem anderen Beruf, verhindern sollen. Die last Unschreiben der Einzelhandelsgemeinschaft Groß- Berlin vom 2. November 1923 für die Zeit vom 29. Oftober bis 4. November einseitig festgelegten und zur Auszahlung gebrachten Mindesteintommenfäße werben um 35 Bro3. erhöht. Für die Zeit vom 5. bis 11. November 1923 werden die für die Gehaltsmoche vom 29. Oftober bis 4. November neu festgelegten Gehaltsfäge um 620,5 Proz. erhöht, abgerundet auf 10 Milliarden nach oben. Die Auszahlung der Differenzbeträge für die Woche vom 29. Oftober bis 4. November und der Gehälter für die Zeit vom 5. bis 11. November ift abzüglich der bereits geleisteten Borabbezahlungen in der Zeit vom 5. bis 10. endgültig abgerechnet am Montag, den 12. November, zur Auszahlung zu bringen. Als Borabbezahlungen für die Woche vom 12. bis 18. November 1923 find am Montag, den 12. November 1923, und Mittwoch, den 14. Rovember 1923, je 50 Prog. der für die Woche vom 5. bis 11. November 1923 festgelegten Gehaltsfäße unter Abjegung von 10 Broz. für die gefeßlichen Abzüge zur Auszahlung zu bringen. Die Erklärungsfrist läuft bis heute, Sonnabend. an geistiger Berstreuung gewöhnt seien, nun nicht die nötige Energie aufzubringen vermochten, um sich einer rationellen Berwendung der permehrten freien Zeit anzupassen und schließlich diese nur zum Be such der Wirtshäuser verwenden würden. Im allgemeinen fann je boch festgestellt werden, daß die bisher gemachten Erfahrungen das Gegenteil beweisen." Dieses Urteil, das ja nur eine Bestätigung der in allen Ländern mit dem Achtstundentag gemachten Erfahrungen darstellt, sollten sich alle Diener der Reaktion zu Herzen nehmen. ., Einführung von Goldlöhnen". auf, die ihm durch den Rhein zugeführt werden. Durch entsprechende Einflußnahme fönnte auch diese Einfuhr in einer den fothringischen Erzbezug begünstigenden Weise umgestaltet werden. Die Verfügung über die rheinischen Eisenbahnen gehört freilich dazu, um die Herrschaft über den Rhein und damit über die wichtigste Berfehrsader Westdeutschlands zu sichern. Hängt doch der Transport am Rhein mit dem Eisenbahnverfehr des Rheinlandes und des Ruhrgebiets aufs engste zusammen. Die Goldbafis der Reichstrebite. Eine amifiche Mitteilung der In Nr. 522 des„ Vorwärts" Brachten wir den Bericht einer Kredite des Reiches auf Goldmartbasis ftellen wolle. Bisher Reichsregierung befagt, daß man die vom Barlament bewilligten Korrespondenz, wonach auf den Seeschiffswerften durch freie Ver- war es so, daß der Reichstag einen bestimmten Betrag in Papiereinbarung Goldlöhne eingeführt seien. Der Deutsche Metall martbillionen bewilligte, die aber bereits entwertet waren, arbeiterverband. Begirt Samburg, teilt uns hierzu mit, daß ehe die Kredite aufgenommen werden konnten. Die feine diesbezügliche Vereinbarung getroffen wurde. Die beiber Reichsregierung geht nun bavon aus, daß mit den Kreditbewilligun feitigen Verhandlungslommissionen haben zwar über die Eingen ihr ein bestimmter Goldbetrag zur Verfügung gestellt führung von Golblöhnen beraten, doch konnte über die Lohnböbe worden ist, der sie nun auch voll ausnüßen fann. Zuzugeben ist teine Ginigung erzielt werden. Am Dienstag, tagte ein Sonder dabei, daß die Bewilligung von Papiermarffrebiten in der Tat mehr Schlichtungs- Ausschuß der vom Reidsarbeitsministerium eingefeht und mehr zu einem wirtschaftlichen Unsinn geworden ist. Hätte war. Es tam jedoch nicht zu einem Spruch, so daß die Regelung der man jedoch das Barlament vor die Frage gestellt, ob der Kredit Löhne bei den Seeschiffswerften noch vollständig ungeflärt ift. in Bapiermart oder in Gold zu beziffern ist, so wäre fraglos baraufNichtig ist nur, daß die Seeschiffswerften bereits hin die Forderung gestellt worden, auch Goldsteuern zu es eine Berechnung nach Goldlobnen aus fio beraus heben, wenn man Goldfredite beansprucht. Das ist heute trotz der borgenommen haben. Abmachungen zwischen den Tariffontrahenten Steueraufwertungsverordnung nur in geringem Umfange und auch liegen jedoch noch nicht vor. ta noch sehr unzulänglich der Fall. Der Reichsregierung erwächft Zum Angestelltenabban bei den Behörden. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: In die vorher sehr ungeregelten Anstellungsverhältnisse der Be hördenangestellten hat der Reichstarifvertrag für die Angestellten bei Lederwarenindustrie! Der in der heutigen Morgennummer omit aus ihrem Borgehen in der Strebitfrage die Pflicht, num auch den Reichs- und den preußischen Staatsverwaltungen vom 4. Juni über einen Schiedsspruch in der Lederwarenindustrie gebrachte Be- ben Weg zu Goldsteuern auf das schnellste zu Ende zu gehen. bis 6. November 1920 Ordnung gebracht. In diesem maren folgende richt bezieht sich nicht auf diese Industrie und ist somit gegenstandslos. Berantwortlich füle Politik: Graft Reuter; Wirtschaft: getur Saternus: Kündigungsfristen vereinbart: In den ersten drei Monaten 14 Tage Für Linoleumleger veröffentlichen wir heute die Löhne. Für Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Fris Razftäbt: Anzeigen; Th. Glode; fämtlich in Berlin. zum Monatsschluß. Bei einer Dienstzeit von mehr als brei Monaten 3ette und Blane ist zu berichtigen, daß der Stundenlohn Berlag: Bormärts Berlag 3. m. b. S., Berlin, Drud: Borwürta- Buchbrucerel bis zu einem Jahr monatlich zum Monatsschluß. Bei einer längeren| 75,930 milliarden beträgt. and Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G2B. 68. Lindenstraße 8. In u. nach Berlin Berlin nach auswärts Wohnungstausch wie von Warts Großam sehnellsten durch eine Ange im Bettwäsche Berilmer Wohnungsanzeiger Wäschestoffe als einzige Spezialzeitung für möblierte Zimmer, Wohnungen u. Tauschwohnungen Unter der Rubrik Möblierte Zimmer zu vermieten" werden Meldungen von Vermietern kostenlos veröffentlicht. Verbund. mit d. Gr.- Berliner Wohnungsanzeiger" ist der Anzeiger für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe Bei allen Zeitungshändlern und Kiosken zu haben. Verlag und Hauptanzeigenannahme: Zeitungszentrale( ZZ.) Aktiengesellschaft Jerusalemer Str. 5/6: Fernsprecher: Dönhoff 3310-3312 Handtücher, Hemdentuche, Damast, Dimiti, Linon, Korb- u.Rohrmöbel Eig.Fabrik, stets hervorrag.Neuh. Gr.Auswahl. Billige Preise. Edmund YoB, Bix- Neukin Berliner Str. 14, Nähe Hermannplatz- Tel.: Neukölln 2264. Repar. sämtlich. Korbwaren Preiswertes Angebot! Engl. LederManchesterArbeitsGestreifte Hosen Arbeitsnachweisgefetz Knaben- Stoff- a. Wasch- Anzüge auch einzelne Knaben- Hosen Marken- Zigaretten München- Gladh. Hosen- Zentrale Züchen, Inletts, Marken Bettlaken usw. zu konkurrenzlos Tabak u. Zigarren Constantin, Karmitry. billigsten Preisen Wäschefabrik Einhorn Henkölln, Herrfurthstr. 31 Garbaty, Halpaus, Avramikos, Muratti, gibt ab unt. Tagespr. TabakwarenNW. 87, Beusselstr. 39, Blauer Laden, am Ringbahnhof Beusselstr Fahrgeldvergütung Arno Geßner, Groshandig. Ungeheuer liegen In Price shed all Labres ( an d. Hermannstr.) Wertisir. 21. Teleph.: Moabit 2114 unikal. Kleine Anzeigen in les billig! mittel and mil Nebenbeftimmungen erläutert von Dr. Jur. et phil. BERGER Oberregierungsrat Im Reichsarbeitsminifterium and W. DONAU Regierungsrat im Reichsamt ir Arbell.vermittlung Ein umentbehrliches Hilfsmittel für Behörden, Adelnehmer und Arbeitgeber zur praktlichen Einführung u. Anwendung des felt 1.Okt. d. J. tn Kraft getretenen Geletres. Preis- Grandzahl M. 3.25 BUCHHANDLUNG VORWARTS, BERLIN SW, LINDENSTR. 2