Abendausgabe Nr. 53840. Jahrgang 40 Milliarden M. = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 271 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebatfion: SW. 68, Lindenstraße 3 Jernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 16. November 1923 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Generalsturm gegen Arbeiterrechte. Die Ruhrindustriellen verleugnen deutsche Gesetze. Effen( Ruhr), den 6. November 1923. Wunschgemäß übermitteln wir Ihnen nachstehend die in der gestrigen Besprechung von Herrn Generaldirektor istott vorgetragenen Gedankengänge und Vorschläge. Dortmund, 16. November.( Eigener Drahtbericht.)| find, dem gläubigen Volfe vorsetzen. In der Praris aber ver- Für die Arbeiter selbst aber ergibt sich aus den Borstößen Gestern erschien der Geschäftsführer des Verbandes der lassen sie sich auf Degoutte und seine Truppen, auf die schwin- der sozialen Reaktion die zwingende Lehre, der gewerk Eisen- und Stahlindustrie bei dem Dezernenten des dende Macht und den verschwundenen Machtwillen der Ber- fchaftlichen 3ersplitterung ein Ende zu bes Dortmunder Arbeitsamtes und erklärte ihm, daß der liner Regierung. Sie wissen, daß Stresemann und seine Partei reiten und mit geeinten Kräften daran zu arbeiten, daß die Dreischichtentag a 8 Stunden aufhöre und an Bein von ihrem Beine sind, daß diefe mit ihrem innersten Organisationen schlagkräftig erhalten und weiter ausgebauf deffen Stelle zwei Schichten a 10 Stunden verfahren Herzen ganz bei den Industriellen weilen, und daß Arbeiter- werden zu einem unwiderstehlichen Sturmbock der ganzen werden müßten. Er erklärte weiter, daß 30 Pro3. Ar- und Angestellteninteressen für sie nur zu Wahlzweden in Be- Arbeiterklasse! beiter zu viel im Ruhrgebiet weilen und ins un- tracht fommen. Das Schreiben der Ruhrindustriellen. befehle Deutschland abgeschoben werden müßten, wo fie even- Die Absichten der Industriefapitäne sind zwar seit fuell in der Landwirtschaft unterkommen fönnten. Anschließend langem bekommt, aber ihre ganze offene Durchführung Das Schreiben der Bergbauunternehmer im Ruhrgebiet an diesen Besuch erschienen ein Vertreter des Berg- haben fie fich doch aufgespart, bis sie nach dem Münchener an die Arbeitnehmergewerkschaften, auf das wir in der Abendbaues und je ein Direktor der Zechen Scharnhorst" Borstoß der Hitler, Ludendorff, Kahr und Loffor erfannt ausgabe vom Donnerstag bereits hinwiesen, hat folgenden und„ Gneisenau". Sie machten zunächst mitteilung von dem hatten, daß diese Reichsregierung nicht einmal den Willen Wortlaut: Beschluß des Zechenverbandes, fämtliche Belegschaften zum habe, die Autorität des Reiches aufrechtzuerhalten. Jetzt 1. Dezember zu fündigen und erklärten weiter, daß fie es in glauben fie pofffommen freie Bohn au haben. Zukunft ablehnen müßten, ihre Betriebe als Man darf sich nicht darüber täuschen, daß jezt der Kampf, Zahlstellen für das Arbeitsamt zur Verfügung zu der sich gegen die Arbeiter richtet, auf der ganzen stellen. Der Hinweis darauf, daß die Betriebe durch Ber- Linie entbrennt. Was sich in Berlin in den legten Tagen Die mit der Micum abzuschließenden Verträge werden ordnung des Ministers dafür bestimmt feien, wurde ereignet hat, beleuchtet mit Scheinwerfern die Situation. unter allen Umständen eine derartig starße Belastung der Ruhrkohle von den Zechenvertretern mit der Erklärung beantwortet, daß Wenn die Militärbefehlshaber den Ausnahmezustand, der ur- bringen, daß deren Preis weit über dem Weltmarft an ihrem Beschlusse nichts zu ändern fei und fprünglich gegen das auffässige Bayern geplant mar, preis fiegen würde. Eine wesentliche Ueberschreitung des Welt daß sich die Behörden mit der Tatsache abzufinden dazu benutzen, um die Gewerkschaftsführer vom marttpreises aber müßte zu Absatzmangel und Feierschichten bzw. hätten! Verhandlunastisch binmea zu verhaften, wenn Erwerbslosigkeit führen. Deshalb findet die Höhe des Kohlenpreises fie mit allen Machtmitteln Wirtschaftsfämpfe hungernder durch den Wettbewerb mit dem Auslande ihre obere Grenze. Diese Arbeiter niederzuhalten suchen, so paßt das ganz in den Plan wird so niedrig sein, daß nach Abzug der von Franzosen gejener Unternehmer, die audy die legien Spuren der durch die machten Auflagen und der fächlichen Untosten ein 2ohnbetrag Revolution gefchaffenen und durch die Beimarer Verfaffung übrigbleibt, der bei der heutigen Leistung dem Bergarbeiter ein garantierten Arbeiterrechte zu beseitigen streben. menschenwürdiges Dasein nicht gestatten würde. um tem einzelnen Arbeiter einen möglichst großen Anteil an der verfügbaren Lohnfumme zu gewähren, muß der Förderanteil umgehend gesteigert werden und zwar möglichst noch über ben. Nach den bis. 1. Die Bor? riegsarbeitszeit wird sowoh unter Tage als. über Lage wieder hergestellt. 2. Um den Gedingearbeitern einen Anreiz zu höherer Leistung zu geben, wird die Spanne zwischen Mindestlohn und Hauer durchschnittslohn vergrößert. Der Grundlohn fällt fort. Die Schwerindustriellen wittern Morgenluft. Ihre Er flärungen an das. Dortmunder Landesarbeitsamt bedeuten nichts Geringeres, als die offene Berweigerung der Anerfennung deutscher Geseke und deutscher Behörden. Was Kahr und Lossow in Bayern fertig brachten, Weder die Befehlshaber noch die Industriellen find sich das, so wollen sie befunden, sind wir Industrieherzöge an Ruhr freilich darüber im unflaren, daß diese Maßnahmen eine und Wupper noch längst imstande. Was Vaterland, was tiefe Erbitterung in der gesamten Arbeiter Deutsches Reich, was Preußen, was Boltsgemeinschaft wir fchaft ausgelöst haben. Sie wissen sicher so gut wie die Arjenigen der Vorfriegszeit hinaus. find die Herren, denn wir haben die wirtschaftliche Macht! beiter felbft, daß in Zeiten schlechter Ronjunttur die Arbeiter herigen Erfahrungen ist dies aber in mirksamer Weise nur durch Der Reichstag hat zwar in Berlin ein schönes Gebäude, er ist nicht alle ihre Machtmittel entfalten können, ohne den legten eine Berlängerung der Arbeitszeit und durch vermehrten Leistungsnach der Berfaffung der Ausdruck der Bolfssouveränität. Er eft thres organisatorischen Zusammenhaltes aufzugeben. anreiz zu erreichen. Wir schlagen Ihnen daher vor, sich mit uns über hat das Recht, Geseze und Bestimmungen zu erlassen. Aber Aber sie sollten wenigstens aus der Geschichte gelernt eine Abänderung des geltenden Tarifvertrages zunächst in folgenden ob mir uns ihnen fügen wollen, das bestimmen wir, die haben, daß solche Gewaltaktionen gegen Arbeiterrechte in der Hauptpunkten zu verständigen: Herren von Stahl und Eisen, die Junter von der Kohle! 3war Arbeitertlaffe nie vergessen werden. Sie sollten wissen, find da auch noch Millionen von Arbeitern, deren wir be- wie schwer gerade das staatliche Leben unter den Folgen der burften, damit unser Reichtum wüchse. Aber was fönnen diese jahrzehntelangen politischen und sozialen Unterdrückung der armen Schächer uns anhaben? Wir haben sie durch glückliche deutschen Arbeiter gelitten hat. Und wenn sie heute alles ver Spekulation und planmäßiges wirtschaftliches Denten" glüd neffen haben sollten, was man auch aus ihren Kreisen über die lich dahin gebracht, daß fie für Papiermarffezen auch nicht Opfer der Arbeiter während des Krieges und während des mehr das Notwendigste zum Leben faufen können. Sie sind Ruhrkampfes gerühmt und gepriesen hat, so sollten sie sich doch 3. Um tasselbe bei den Schichtlöhnern zu erreichen, wird für jede förperlich zermürbt, wirtschaftlich ruiniert und ihre Organi vor Augen halten, daß nach diesen Beiten des wirtschaftlichen Kategorie derselben eine obere und untere Lohngrenze fationen zurzeit geschwächt. Folglich darf man ihnen jetzt alles Niederganges auch einmal wieder die Zeiten des Aufstieges fcitgesetzt, innerhalb deren eine Entlohnung je nach der Leistung bieten. Also fort mit dem A cht stundentag, den die Re- fommen, in denen man die Arbeiterscharen nicht als läftiges von der Werksverwaltung bemessen wird. volution geboren, fort mit den 2 r beiterrechten, die uns Befindet abschieben" fann. 4. Die Lohnfpanne zwischen ungelernten und gelernten im Profitmachen hindern! Aber her mit den alten HerrenMan wird die werteschaffende Arbeit der Millionen Facharbeitern wird vergrößert. rechten, die wir vor dem Kriege befaßen, her mit dem Hände brauchen und nach ihr schreien, wie der Hirsch nach 5. Die Lohnfpanne zwischen jugendlichen und älteren Ar Behnstundentag, her wieder mit der ungehemmten Ausbeu- frischem Wasser. Man wird dann wieder reden von den Inter- beitern wird vergrößert u. a. durch Erhöhung der Abzüge für tungsfreiheit, die das monarchische System uns gewährte! effen des Baterlandes, von den Interessen des Deutschen Schlepper im Gedinge und Wiedereinführung von Abzügen für Allerdings find da noch Minister und derartige schöne Reiches, die von den Industriellen des Ruhrreviers und von Lehrhauer. Dinge in Berlin. Aber hat nicht schon der felige Dieft- Daber ihren politischen Handfangern heute preisgegeben werden. Die Einzelheiten obiger Abänderungsvorschläge müssen den den Ministern des Königs von Preußen zugerufen:" Sie Dann wird sich die Arbeiterschaft deffen entfinnen, was man fommenden Verhandlungen vorbehalten bleiben. fönnen uns sonst was!"? Und follen wir, die wir doch noch in diesen Reiten sozialer Not ihr angetan, und wird daraus Daß neben den vorgeschlagenen Abänderungen des Tarifver eine größere wirtschaftliche Macht repräsentieren, uns etwa Lehren ziehen, die nicht immer den Angelegenheiten des trages überall, wo es möglich ist, eine Berbesserung der Betriebsvon Ministern diefer Republik etwas vorschreiben lassen? Nein, Reiches förderlich zu sein brauchen. methoden in organisatorischer und technischer Beziehung einher. nicht umsonst haben wir uns durch die Regierung des Wirt- In der Gegenwart freilich werden die Arbeiter sich um fo gehen muß, ist selbstverständlich. schaftlers" Cuno die Franzosen ins Land manö fefter um ihre eigenen Draanifationen scharen müffen, je Glüd auf! prieren laffen, nicht umsonst haben wir dafür gesorgt, daß eifriger die Stöße gegen fie geführt werden. Noch immer hat durch die papierne Finanzierung des Ruhrkampfes der letzte es als taftische Regel im Streit gegolten, daß man sich den Rest deutschen Kredites in der Welt verschwunden ist. Nicht Augenblick des Kampfes nicht vom Gegner diftieren läßt. Die umsonst haben wir dafür gesorgt, daß die Autorität der Be- gewerkschaftlichen Verhände werden deshalb sich auch nicht hörden langsam aber sicher untergraben wurde. Jetzt bestim durch den Vorstoß der Industriegewaltigen verleiten lassen, das men wir! Benn die Herren in Berlin uns nicht mehr mit zu tun, was jenen jekt vielleicht angenehm wäre. Sie werden Ruschüssen die Möglichkeit geben wollen oder können, nach Be- indeffen die Augen offen halten und ihre Maßnahmen treffen, lieben Devisen einzulaufen, dann machen wir uns selb- menn fie den Augenblick zum Kampfe für gegeben erachten. tändig! Bir pfeifen auf Gefeß und Recht, denn hier Die Sozialdemokratie als politische Vertretung der Arbeit zulande hat die„ micum" und Poincaré zu befehlen. nehmerschichten wird es an Unterstükung in diesen der Arbeiter Diese haben die Maroffaner, die uns zur Seite stehen, wenn klasse aufgezwungenen Kämpfen nicht fehlen lassen. wir die überflüssigen deutschen Arbeiter ins unbe eßte Gebiet „ abschieben". Was fümmert's uns, daß das unbesetzte Gebiet Arbeitslose in ganzen Armeen aufweist. Mögen sie sehen, mie fie fertig werden! Wir haben lange genug deutsches Baterland gespielt, lange genug fo getan, als ob wir mit den Arbeitern gegen die Erbfeinde an einem Strange zögen. Jetzt ist unsere Stunde gekommen, wir machen uns frei von eine entsprechende Aufwärtsbewegung der Warenpreise hervorgeallen Berpflichtungen gegenüber dem Reich, gegenüber dem rufen. Infolgedeffen hat sich der Bedarf der Wirtschaft an ZahlungsBolt und vor allem gegenüber den Arbeitern. Diese werden, mitteln über Nacht verdoppelt. Auf der anderen Seite erfolgt mit nur als die Geduldeten im großen Tempel unserer eigenen dem Aufhören der Distontierung von Reichsschaganweisungen eine Herrlichkeit leben dürfen, wenn anders sie nicht auch abgescho- starte Einschränkung der Rotenproduktion. ben" werden wollen als lästiges Pack. 1 Dollarkurs: 2520 Milliarden. 1( plomart 600 milliarden. Die Geschäftsführung: A.: Grave Mit anderen Worten: Wir Bergbauunternehmer des Ruhrgebiets haben mit den Franzosen einen Vertrag abgeschlossen, ber euch Bergarbeiter verpflichtet, die Bedingungen anzunehmen, die wir seinerzeit der Reichsregierung anzunehmen, die wir seinerzeit der Reichsregierung Bergeblich unterbreitet haben. Die Schmerindustrie versucht also wieder einmal Reichsregierung und Arbeiterschaft vor vollendete Tatsachen zu tellen. Wenn das Parlament sich nicht gänzlich ausschalten lassen will, wird es auf das unerhörte Borgehen der Industrie, das durch die angefündigte Stillegung des weft= fälischen Industriereviers ein weiteres Schlaglicht erhält, eine Antwort erteilen müffen, die Hörner und Zähne zeigt. Die geſtrige ſcharfe Erhöhung der Devisenkurse hat naturgemäß Freilassung der BerlinerGewerkschaftsführer Das Wehrkreisfommando für Berlin erläßt hente folgende Berfüguna: „ Nachdem mir von den beteiligten Stellen versichert ist, daß der Abbruch des Streits in den lebenswichtigen Betrieben des Buchdruckergewerbes beschlossen sei, die Arbeitsaufnahme zudem in Für den heutigen amtlichen Devisenverfehr lagen be- diesen Betrieben im Gange ist, hebe ich hiermit die gegen die Bor. Das ungefähr find die Gedankengänge, die die Schwer- deutend geringere Anforderungen vor. Die amtlichen Kurje flandsmitglieder der Berliner Berbände des genannten Gewerbes industriellen an Rhein und Ruhr beherrschen. Freilich werden blieben auf der gestrigen Höhe. Es wurde auf die haupt- Otto Gloth, Otto Gäbel, Franz Lagodzinski, Robert fie nicht immer so offen und gewissermaßen brutal ihre inner liften Behlumasmittel nur 1 Prozent zuocteilt. Auch an den Braun, Polenste, Gustav Hoffmann, Rasper. Albrecht sten Ansichten an den Tag legen. Vielmehr werden sie in Er- Märkten der Goldanleihe und Dollarschazanweisungen war heute die am 14. November 1923 erlassenen Haftbefehle auf. Die Verflärungen ihrer Berbände und in Erläuterungen durch die Nachfrage, wesentlich geringer als fonft. Es zeigte sich sogar zum hafteten sind sofort in Freiheit zu sehen. Die Einleitung ihnen gefügige Bresse manchen falbungsvollen Satz von der ersten Mele seit langer Beit einiges Angebot an Golbanleihe des Strafverfahrens wegen Berstoßes gegen die Verord Notwendigkeit des Miederaufbaues der Wirtschaft, von zu- aus Privattreisen. Der amtliche Dollarfurs ist 2520 bei nungen vom 25. September und vom 11. November 1923 bleibt durch Idie Haftentlaffung unberührt." fünftiger deutscher Größe und was derlei schöne Sachen mehr 1 Proz. Repartierung. Sie sind alle unschuldig. Die Mohrenwäsche beendet. Man muß nur Geduld habcn, dann klärt sich alles auf. Nach- dem sich Kahr und Ludendorff tagelang beschimpft und gegenseitig die Schuld an der freilich sehr kostspieligen und nicht wieder gut- zumachenden Cselei im Bürgerbräu in die Schuhe geschoben haben, kommt jetzt der Vorstand der bayerischen Offizer- und Regimentsverein« und dekretiert: Alles war nur ein Irrtum; die Kahr, Ludendorff, Lossow und Seißer, sie sind oll« Unschuldsengel. Das Dekret steht so aus: Exzellenz v. Kahr, General v. Lossow und Oberst Seißer l)ab«i am Donnerstagabend in der klaren Vorausfetzug, daß ohne Täuschung der Hitler-Leute ein schwerer Konflikt entstehen würde, ihre Ehre und ihr Ansehen aufs Spiel gesetzt, um« t a a t und Vaterland zu erhalten und schwerste Erschütterungen zu , vermeiden. Der Vorstand ist sich darüber einig, daß«in Gelingen � des Putsches die deutsche Bewegung vernichtet hätte. Lukendorff konnte die Erklärung v. Kohrs, v. Losiows und Seißers in der Bürgerbräu-Versammlung nicht als«in Töu- schungsmanöver erkennen. Ludendorff hat sich daher in gutem Glauben der Bewegung angeschlossen, v. Kohr, o. Ljosjow und Seißer mußten daher auf Grund der Vorgänge annehmen, Ludendorsf handele im Einverständnis mit Hitler. Sie unter- ließen daher eine spätere Benachrichtigung des Generals Luden- dorff über ihre angewandte List. Daraus entstand der unheil- volle Irrtum, daß deutsche Männer und Offizier«, wie v. Kahr, v. Lossow und Seißer glaubten, daß ein Mann, der beut- scher Heersührer mar, nach einigen Stunden sein gegebenes Wort bricht und sich an einem Putsch beteiligt, den er vorher schroff verurteilt hat. So ist denn alles wieder in Butter. Kahr hat dem Vorstand der Offizicrvereine seinen Dank ausgesprochen und die„nötigen" Schritt« in der Angelegenheit Ludendorsf in Aussicht gestellt. Ludendorff selbst läßt durch TU. erklären, er denk« nicht daran die Schutzhaft anzutreten, da die Ursachen beseitigt sind. In der Tat, auf eznen Wortbruch mehr oder weni- ger kommt es bei dieser Geschichte nicht an. Di« Hauptsache bleibt, daß sich die Helden, die Sieg oder Untergang schwuren, möglichst glatt aus der Affäre herausschwindeln. Damit werden zwar die 19 Toten nicht wieder lebendig gemacht, aber was schadet das, wenn nur die Geistesheroen Ludendorff und Kahr, die m i t H i t l e r solange gemeinsame Sache machten, als es nicht ernst war, der Menschheit erhalten bleiben. Die Bayerische Bolkspartei dürfte sich bei dieser Mohrenwäsche wenig wohl fühlen. Ihr famoser Generalprokurator Kahr, der dazu ausersehen war, die längst unangenehme national- sozialistische Bewegung in Schach zu halten, rettet sich jetzt allem An- schein nach in das Lager jener, auf tue er noch vor kurzem schießen lieh. Da die Völkischen trotz ihrer sonstigen prinzipiellen Prinzipienlosigkeit an den: Prinzip„Pack schlägt sich. Pack verträgt sich" stets festgehalten haben, nimmt das nicht weiter wunder. Was aber soll die Bayerische Volkspartei tun, die plötzlich die mehr als peinliche Entdeckung macht, daß sie den Bock zum Gärtner ge- macht hat? Saperisthe Volkspartei gegen Luöenüorff. München, 16. November.(MTB.) In Erörterung der Rolle, die General Ludendorff in den letzten Tagen gespielt hat, schreibt die Korrespondenz der Bayerischen Bolkspartei n. a.: Daß der bedeutendste Heerführer, den die Geschichte des großen Krieges auf deutscher Seit« aufweist, sich dazu hergab, mit Hitler eine Revolutionstragitomödi« in den Straßen Münchens aufzuführen, das wird Deutschland dem General nicht vergessen, denn dieses Deutschland hat Anspruch darauf, daß die Männer, denen der große Krieg Lorbeeren um dos Haupt geflochten hat, ihren Ruhm nicht mitpolitifchenNarreteien verspielen, denn das geht auf Kosten des Ruhmes der deutschen Geschichte. Es ist keine antipreußische Gehässigkeit, wenn wir Bayern, die wir dem Heerführer mit Freuden«inen Ruhesitz in unserem Lande gönnen, den stillen Wunsch hegen, die Zukunft möge uns von dem .Politiker" Ludendorsf befreien. Ist öas nicht»marxistisch�! München, 16. November.(WTB.) Die feit zwei Togen erneut -elingetretsne Preissteigerung aller lebenswichtigen Bedarfsartikel hat Eine alte Irrlehre. Bon Dr. Müller. Von viel hundert Geschichtslehrern wird heute noch ein« alt« Irrlehre vorgetragen, die ein« ganz gewiss« Tendenz verfolgt und die in den Köpfen der Jugend fortzeugend falsche Ansichten gebärt. Es handelt sich um jene rührende Geschichte, die der Patrizier Menenius Agrippa erfand, um den streikenden Plebejern das Unsinnige ihrer Arbeitsverweigerung darzutun. Der Jugend aber, und zwar schon auf den Schulbänken Roms, sollte und soll dadurch immerzu der Unterschied von reich und arm, von hoch und niedrig, von Herrn und Knecht als gegebene Naturnotwendigkeit sinnfällig vor Augen geführt werden. Di« Geschichte lautet: Di« Plebejer, endlich müde der beständigen Uebervorteilungen durch die herrschende Klasse der Patrizier, wanderten eines Tages aus Rom aus. Der Patrizier Menenius Agrippa eilt« ihnen nach, überlistete sie durch Erzählung einer Fabel und bewog sie zur Rück- kehr. Cr wandte das Gleichnis an: die Gliedmaßen, empört über den anscheinend nichtstuenden Magen, beschlossen, den Magen durch ihre Arbeitseinstellung zu zwingen. Als aber dadurch der ganz« Körper abzehrte, seien die Gliedmaßen(— Plebejer) wieder zur Einsicht ge- langt und hätten ihre Arbeit für den Magen(— Patrizier) wieder aufgenommen. Einmal weiß jeder geschulte Historiker, daß durch den Brand Roms(396 v. Chr.) alle älteren Aufzeichnungen ein Raub der Flammen wurden und daß damit die geschichtliche Glaubwürdigkeit dies«r Erzählung wie der g«samten älteren römischen Geschichte er- ledigt ist. Glaubt man aber trotzdem die Fab«l als belehrend«? Schul- beispiel erzählen zu müssen, dann stelle man sie auch gefälligst richtig. , Jeder naturwissenschaftlich nur einigermaßen gebildete Laie weiß heute, daß die Funktionen der normalen körperlichen Organe weder reich noch arm, weder hoch noch niedrig, weder Herrn noch Knecht überhaupt zulassen. Das Prinzip des Ausgleichs, der Gleichberechtigung, der Gleichbewertung herrscht gerade im Körper (ich rode nur vom normalen) oder wird angestrebt. Eines der .Hauptmomente für einen gesunden Körper ist seine gleichmäßige Blutverteilung. Ganz undenkbar ist es, daß ein einzelnes Organ(normalerweise) sür sich ein Maximum reserviert, sich ein Depot aufspeichert, während andere Organe, und gerade die, denen erhöhte Arbeitsleistung zufällt, auf ein Minimum von Zufuhr ohne Schädigung gestellt würden! Schafft sich aber ein Körper in s e i n e r Gesamtheit einen Vorrat(z. B. an Fett) an, so käme dieser in erster Linie gerade dem in Höchstleistung stehenden arbeitenden Organ zugute. Das Charakteristikum für den Kapitalisten ist sein Deport, ist die Anhäufung von Materiellem. Wie furchtbar rächt es sich an einem einzelnen Organ(z. B. am Herzen), wenn es sich Vorräte (z. B. F«tt) angehäuft hat! Es geht eben zugrunde und mit ihm den Land�soorsitzenden des Deutschen Gewerkschastsbundes dar christlichnationalen Arbeitnehmer, Landtagsabgeord- neten Funke, veranlaßt, im Auftrag« des Bundes an das Gesamt- staatsministerium und den Generalstaatskommissar ein Schreiben zu richten, in dem er auf die verzweifelt« Stimmung der minderbemittelten Bevölkerung sowie der Lohn- und Gehalts- empfänger hinweist und eine dem jeweiligen Dollar st and angepaßte fcfortige Aufwertung der Renten, Löhne und Gehälter verlangt. Ein Hilferuf aus Hapern. Die sozialdemokratische Presse gefährdet. München, 16. November.(Eigener Drahtbericht.) Durch das Verbot der sozialdemokratischen Presse in Bayern sind die sozial« demokratischen P a r t e i b et r i« b e außerordentlich schwer getroffen. Größtenteils fehlen die Mittel, um die Arbeiter und Angestellten auch nur für eine einzige Woche über Wasser halten zu können. Ob die Inanspruchnahme der Erwerbslosenfür- sorge möglich ist, muß nach dem Vorkommnis in Hof bezweifelt werden. Hier wurde anläßlich eines früheren Verbotes des dortigen Parteiblattes den durch das Verbot arbeitslos gewordeneu Arbeitern und Angestellten ein Anspruch auf die Erwerbslosenunterstützung von maßgebender Stelle(Reichsarbeitsministerium? D. Red.) a b- gesprochen. Mit am stärksten betroffen ist die„M ü n ch e n« r Post", deren Inneneinrichtung zum größten Teil dem hitlerischen Vandalismus zum Opfer gefallen ist. Von den sechs gestohlenen Schreibmaschinen wurden am Dienstagabend zwei Stück wieder dem Besitzer zugestellt, und zwar durch einen Dienstmonn, dem die Ma- schinen von zwei unbekannten Männern auf der Straße ausgehändigt wurden. Um der großen Not einigermaßen abzuhelfen, erlösten Redaktion und Verlag der„Münchener Post" folgenden Aufruf an all« Republikaner und Sozialdemokraten: „In der Nacht vom 8. zum 9. November haben haßerfüllt« Banden, Angehörige„nationaler" Verbände, in den Räumen unserer„Münchener Post" wie Hunnen gehaust und in ihrer sinn- losen Wut alles kurz und klein geschlagen. Der angerichtete S a ch- schaden geht in Tausende von Billionen. Vieles ist nicht mehr beschaffbar und dauernd verloren. Gleichviel wie diese Wiedergutmachungsfrage gelöst wird, eines steht unbedingt fest: In einer Zeit, da alle rechtlichen, sittlichen und polltischen Begriffe iich in hellloser Verwirrung befinden, müsten die geistigen Waffen unserer großen Bewegung schärfer und schneidender geführt werden als je zuvor. Darum helft alle zusammen, daß die Brandstifter und Plünderer ihren Zweck der Lahmlegung der„Münchener Post" nicht erreichen. Alle uns Gutgesinnten mögen nach dem Grcjde ihrer wirtschaftlichen Leistunazfähigkeit ihr Scherflein beisteuern zur Behebung der schlimmsten Schäden. Beiträge wollen unter dem Kennwort:„Münchener-Post-Hilfe 1923" an die Firma G. Birk u. Co. m. b. H., München, Alt- Heimereck 19, Postscheckkonto München Nr. 4l99, gesandt werden. Es lebe die unerschüttert« Solidarität für die Sozialdemokratie, es leb« Treue um Treue, bekundet durch die Tat." In einer stark besuchten Versammlung nahmen die Funktionäre der freien Gewerkschaften Münchens Stellung zur gegen- wältigen politischen Lage. Der Vorsitzende, Genosse Schiefer, zeichnet« in Umrissen ein Bild der jetzigen Entwicklung, aus d«m die Funktionäre die notwcndgen Richtlinien für ihr Verhalten entnehmen konnten. Di« Versammlung, die ohne Störung verllef, erhob scharfen Einspruch gegen das Verbot der sozialistischen Zei- tung«n und endete mit einem Treuegelöbnis der München«r Gewerkschaften zur deutschen Republik. Deutschnationale Machtgelüfte. Graf Westarp über die„Regierung des Vertrauens". Di« starke Erregung innerhalb der sogenannten national«» Kreise über die Münchener Vorgänge kommt auch in den öffentlichen Versammlungen der Rechtsparteien zum Ausdruck. Di« Sympathien der Anhänger der Rechtskreife sind dabei offensichtlich viel mehr auf der Seite Hitlers und L u de n d o r f f s als auf der Seite des „ultramontanen",„von den Jesuiten gekauften"„verräterischen G«nrralstaatskommissars o. Kahr. In einer öffentlichen Versamm- lung in Tempelhof verurteilte Graf Westarp gestern das Vorgehen Hitlers und Ludendorffs als politisch unklug. Er machte dann der ganze Körper. Solche Depotanlagen in einzelnen Organen sind krankhafte Erscheinungen, sie schädigen den Gesamtorganismus. Der Mensch in seiner kurzsichtigen Selbstsucht widerstrebt diesem Naturgesetz, das ihm die Solidarität auferlegt. Ganze Volts- schichten können an Unterernährung, Tuberkulose, Skrophulos«, Racchitis in einem Staatstörper zugrunde gehen, während dem Magen anderer die ausgesuchtesten Leckerbissen zugeführt werden, während der Reiche sich s«in„Depot" anlegt, womöglich noch im Ausland.... So sieht also das Schulbeispiel, jene alt« Irrlehre, aus. Und man wird hoffenllich künftig das Beispiel meiden, um daran etwa die „gegebene Naturnotwendigkeit" der Monarchie klarzumachen. Ka- pitalismus züchtet den Imperialismus. Gerade die Naturwissen- schaften weisen auf die Republik hin, und wir wünschen, daß auch in der Geschichte mehr Licht werde!— physiologische Geschlechtsumsiimmung. Seit Jahren werden Experiment« gemacht, um das Geschlecht eines Tieres in das entgegengesetzte Geschlecht umzuwandeln. Die bisher übliche Methode des Ueberpflanzens von Keimdrüsen hat nicht zu beftiedigcnden Ergebnisien geführt; bei Insekten war auf diesem Wege eine Geschlechtsumstinnnung überhaupt nicht möglich, wie Meisenheimer, Kellog u. a. zeigten, und bei Säugetieren wurden nur Scheinerfolge erzielt. Wenn auch in den Versuchen von Stei- nach, Schultz, Sand u. a. di« Meerschweinchen- oder Rattenmännchen völlig weiblich entwickelt« Milchdrüsen und sonstige weibliche Merk- mal« aufweisen, falls ihnen an Stelle der Hoden Eierstöcke einge- pflanzt wurd«n, so waren die Tiere doch niemals imstande. Nach- kommen zur Welt zu bringen; sie waren doch nur Sch«in-Weibchen! Auf anderem Wege gelang es Prof. Harms in Königsberg, wirk- lich Männchen in Weibchen zu verwandeln. Wir wissen längst, daß die Wirbeltiere bisexuell veranlagt sind; d. h. neben dem ausg«- prägten Geschlecht ist das andere Geschlecht doch noch in versteckten Anlagen vorhanden. Die Aufgabe der Geschlechtsumftimmunq ist es nun, diese ruhenden Anlagen zur Entwicklung zu bringen. Wenn di« betrefiende Tierart labil genug ist, muß eine Umstimmung auch noch beim erwachsenen Tiere möglich sein. Eine derartig« Geschlechts- umstimmung ist Ha»ms auf phnfiologischem Wege bei dem Weibchen der Erdkröte gelungen. Das Männchen besitzt in dem sogenannten Bidderschen Organ unentwickelte Reste des Eierstockes. Die Ent- Wicklung dieser weiblichen Keimdrüse wird durch Einwirkung des Hodens unterdrückt. Wenn daher di« Hoden entfernt sind, fällt die Hemmung hinweg. Aus dem Bidderschen Organ bildet sich dann ein vollstöndia entwickelter Eierstock, und aus anderen, früher nicht weiter ausg«bildsten Organen entstehen Uterus und Eileiter, fo daß nunmehr ein funktionsfähiger weiblicher Fortpflanzungsapparat vorhanden ist. Um feine Ausbildung zu erreichen, ist es nötia. den Stoffwechsel in weiblicher Richtung durch überreichliche Ernährung mit Fetten, Lipoiden und Lezitinen umzustellen und die Hoden zu entfernen. Auch äußerlich nimmt dann das Tier weibliches Aus- sehen an, da»er Kopf breit und stumpf wird, wie bei anderen Weib- weiter interessante Mitteilungen über dt« strategischen Absichten der Rechrsputschisten: „Mit dem Streit der nationalen Elemenie untereinander ist nicht vorwärtszukommen. Unser« Parteifreunde in München und ein von Tag zu Tag wachsender Teil der dortigen vaterländischen Ver- bände steht auf dem Standvunkt, es muß bei der Diktatur Kahr bleiben. Sie wünschen nicht, daß er gestürzt wird und daß wieder durch neue planlose Erhebungen die nationale Sache gefährdet wird. Nach den persönlichen Informationen, die ich eingezogen habe, halte ich diesen Standpunkt für den richtigen. Kohr muß bleiben und die Regierung Knilling muß bleiben und sie werden bleiben, und Bayern muß we'ter die Politik treiben, daraus kommt es an, die es bisher getrieben hat, um im Reiche ander« Verhält- nisse zu schaffen." Natürlich gebraucht Westarp zu dem Zweck«ine B e s e i t i- gung der jetzig«» Reichsr«gi«rung und vor allen Dingen den Hinauswurf der Sozialdemokratie aus allen Länderregierungen. Er bedauert den Widerstand der bürgerlichen Parteien namenllich in Preußen gegen diese Forderung und formuliert demgegenüber das deutschnationale Programm folgendermaßen: „Wir verlangen im Reiche eine Regierung des nationalen Ver- irauens. Da eine Regierung nicht das Vertrauen der ganzen Raiion haben kann, verlangen wir eine Regierung, die das V e r- trauen der nationalen Kreise hat, der Berufsstände, der Landwirtschaft, Industrie und der christlich- nationalen Arbeiterschaft, der Deutschnationalen Par- tei, der vaterländischen Verbände und der alten, guten preußischen Beamten. Das parlamentarische System hat vollständig abgewirt- schaftet. Wir werden eine Regierung haben müsten, die mit diktatorischen Bollmachten unabhängig vom Reichstag« und den Parlamenten wenigstens für den Uebergang die feste, südrende Hand zeigt. Es brauchen nicht Parteimönoer aus unseren Reihen zu sein, aber Leute, die etwas von den Dingen verstehen. (Zurufs: Keine Juden und keine vom jüdischen Groghandel Ab- hängige!) Auf welchem Weg««ine solche Regierung zu bilden ist. darüber kann man in Lssenilichen Versammlungen nicht reden, dos müssen Sie schon uns Parteiführern überlassen. Wir sind durchaus erfüllt von der Notwendigkeit, stramm aktivistisch, vorwärtsdrän» gend das jetzige Regierungssystem zu beseitigen. Wir sind der An- ficht, daß man damit nicht mehr Wochen und Tage warken darf. daß das sofort geschehen muß, darr nicht in Bayern oder anders- wo«ine neue Flamme hervorbrennt." Westarp weiß natürlich sehr genau, daß diese Machtgelüste der Deutschnationalen nicht leicht durchzusetzen sind. Cr tut so— offen. bar mit Rücksicht darauf, daß«r in einer öffentlichen Versammlung spricht—, als wollten di« Deutschnationalen auf dem Umwege über ein« Reichstogsauslösung den legalen Weg beschreiten und durch Neuwahlen auf der rechten Seite die Deutschnationalen und auf der linken Seite di« Kommunisten stärken(das wäre der größte Erfolg der Reaktion!), um so die Position der Sozialdemokraten und der Mittelparteien zu schwächen. In Wirklichkeit wisten die Deutschnationalen ganz genau, daß ihre Plön« nur durch Ge- w a l t zu erreichen sind und daß ihre Regierung allerdings„nicht das Vertrauen des ganzen Bolkes" haben wird. Grotesk ist di« außenpolitische Perspektive der Herrschaften. Er spricht von dem Abbruch der Verhandlungen mit Frankreich, er sieht dabei voraus, daß„der Franzcs« weiter vorstößt gegen den Main, gegen Berlin und di« Hansastädte".„Aber," fährt er tapser fort: „wenn ich die Wahl habe zwischen«iner neuen feigen Kapi- tulation und der Möglichkeit eines solchen weiteren Vormarsches der Franzosen, so ist mir die Wahl nicht zweifelhaft, dann müßten wir eben das Risiko eines solchen Bormarsches ein- gehen.(Beifall.) Wenn durch den weiteren Vormarsch d,er Französen diese Tatsach« vor. aller Well klargestellt wird, dann wird sich auch das deutsche Volk zu mannhaftem Widerstand ermannen." Das sind die Leute, die über das wirtschaftlich« Elend jammern und dem Volke vorreden wollen, daß sie mit ihrer„Regierung des Vertrauens" imstande sein werden, das Elend zu mil- dern. Sie werden nur eins fertig bringen, die Zerfplitte- rung und den Untergang Deutschlands für Jahrzehnte zu sichern._ Der hessische Landtag hat den der Regierung vorgelegten Gesetz- entwurf über die Auflösung der Familietlfideitom, misse angenommen. che». Di« völlige Umstimmung der Männchen in Weibchen, die stets restlos gelingt, beansprucht bei erwachsenen Tieren einen Zeit- räum von 4 bis 6 Jahren._ Der irische Dichter Zeats, mit Lornamen William Butler, ist der Träger des diesjährigen literarischen Nobelpreises. Fünf ganze Tage länger, denn sonst, haben di« Herren in Stockholm nötig gehabt, um zu diesem Schiedsspruch zu kommen, der ebenso wie im vergangenen Jahr, als der weitesten Kreisen unbekannte Spanier Venadeute den Preis einheimsen konnte, einigermaßen Kopfschütteln erregen wird. Don Deutschen galt in diesem Jahr Arno Holz als der aussichtsreichste Kandidat. Er mußt« einem Iren weichen, der, ebenso wie der bekannteste Dichter seines Landes, Shaw, in Dublin geboren wurde, und zwar am 13. Juni 186S. Von seinen 1998 erschienenen gesammelten Werken, die acht Bände um- fasten, ist bisher nur ein kleines Buch„Erzählungen und Essays" in die deutsch« Sprache übersetzt(erschienen im Insel-Verlag, Leipzig). Hier ist u. a. zu lesen:„Wenn die äußere Welt nicht mehr als dos Grundmaß aller Wirklichkeit angesehen wird, dann werden wir die großen Leidenschaften als die Engel Gottes erkennen, und daß si«„ungezügelt in ihrer ewigen Glorie" zu verkörpern, selbst wenn sie den'Frieden und das Glück der Menschen bedrohen sollten, mehr ist als sich über die Ziel« unserer Zeit unterhalten oder die sozialen, humanitären oder anderen Kröft« unseres' Zeitalters beleuchten oder sogar unsere Zeit, wie die Phrase lautet„zusammenfassen": denn die Kunst ist«in« Offenbarung und nicht eine Kritik". Dieser programmatische Satz stellt Peats in bewußten Gegensatz zu seinem Landsmann Shaw, der Sozialist und Gejellschafls- kritizist ist und der es als feine Hauptaufgab« betrachtet, seiner Zeit ein Richter zu sein, stellt ihn auch in Gegensatz zu den anderen großen Iren: Swift. Goldsmith, Wellington, denen die äußere Welt wahrhaftig das Grundmaß aller Wirklichkeit war. Inzwischen hat Irland, heut« noch mehr denn je, unter der britischen Herrschaft zu ieiden, stellt Männer als Märtyrer, die nichts von Osflans kühnen Heldenträumen und den diesen Visionen folgenden dramatischen Geschichten von Neats wisten wollen, wie wir sie in seinen„Plays for an Irish Theatre" finden, von denen sich einige Stücke nicht nur die englische, sondern auch die amerikanische'Bühne eroberten. Dennoch— auch Shaw sagt:„Dos Herz eines Irländers ist seine Phantasie"— eine Behauptung, die sich bei Z)eats also darstellt, daß jener seine Mystik ganz aus der sagenraunenden Dergcmgenheit seiner grünen Heimatinfei nimmt, allwo verlassene Burgri-inen di« Schemen mutiger Recken und edler Fronen bergen. Seitsam alte Musik klingt aus den Versen des preisgekrönten Dichters auf; und einen eigenen Ton findet er eigentlich nur, wenn ihm fem Herz von Strophen der Liebe überquillt. Vorlewng. Zugunitcn der Ssterreichifchen Freunde«- b ilse veranstaltet die Zsuch- und Kunstbandlung Reichs Pollack, Meinecke- Straße 1. Freitag 8 Uhr, einen KamMertuntlabend. Felix Langer wird sgjn neuestes Drama„Der Zweikamvi' lesen. Museumaführungen. Sonntag 9'/, Ubr vorm. finden wistenickiaft- liche Führungen durch Direktorialbcamte im Alten Museum s.Täg. lichcs Leben im Altertum'— Dr. Reugebauer) und um tl Uhr vorm. Im Kaiser- Friedrich-Museum(.Vorderaste»"— Direktor Weber) statt. EintrittSlarte» am Eingang der Sias««». t Saperisth- Schlesien. Breslau, 16. November.(Eigener Drahtbericht.) Heute sind auch die sozialdemokratischen parteiblätter In Görlitz und Oels verboten worden, so datz in diesem Augenblick fast die ganze sozialdemokratische Presse Schlesiens verboten ist! Zeigners Mandat. Aus Dresden läßt sich TU. telegraphieren:„Die gestern aus Grund von Aeußerungen, die aus der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages stammten, widerrufene Meldung, daß der ehemalige Ministerpräsident Dr. Zeigner sein Landtagsmandat niedergelegt habe, ist wie folgt nichtigzustellen: Der ehemalige Ministerpräsident Dr. Zeigner ist von der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages aufgefordert worden, fein Landtagsmandat sofort nieder- zulegen. Dr. Zeigner hat die Niederlegung auch versprochen, dies Versprechen jedoch nicht eingelöst, sondern sich der Einlösung durch beschleunigten Airtritt einer Urlaubsreis« nach der Schweiz entzogst In einer heute abgehaltenen Sitzung der Fraktion ist nunmehr beschlossen worden� Herrn Zeigner e n d- gültig aufzufordern, sein Landtagsmandat ohne jedes Verzögern niederzulegen." Soweit TU. Wir müssen unser Bedauern darüber aussprechen, daß die Oeffenllichkeit auf unkontrollierbare Meldungen bürgerlicher Bureaus angewiesen ist, da ein offizieller Bericht bisher fehlt. Dabei ist die Angelegenheit so ernst, daß nur auf Grund sorgfältigster Information über sie berichtet werden dürfte. Wir können den Be- richt der TU. daher weder bestätigen noch bestreiten, sondern müssen uns auf die Bemerkung beschränken, daß es sich bei diesem Fall nicht um politische Meinungsverschiedenheiten handeln dürfte. Maeöonalös Anklage. London, 16. November.(WTB.) Dem gestern nachmittag im Unterhaus eingebrachten Mißtrauensvotum wurde vom Haufe mit großer Spannung entgegengesehen. Mac- donald, der von seiner Partei lebhaft begrüßt wurde, erklärte u. a.: Nach vierjähriger Not. für die die augenblickliche Regierung seit einem Jahre und gewisse Minister seit vier Jahren oer- antwortlich seien, sei die Regierung plötzlich zu dem Beschluß ge. kommen, daß eine ihrer alten Quacksalberbills für«ine Kur notwendig sei. Macdonald führte darüber Klage, daß der Aus- f uhrkreditplan nicht auf Rußland ausgedehnt worden fei, dessen Kredit mit der Regierung des Landes selbst sich bessern würde. Die Politik der Regierung sei keineswegs eingegeben worden durch wirtschaftliche Erwägungen, sondern durch politische Urteile. s Beifall bei der Arbeiterpartei.) Die Sonfumsähigkeik Europas sei viel zu niedrig und es könn« kein Wiederaufleben des Handels geben, bevor sie wesentlich erhöht worden sei. Seit 1921 seien die Löhn« der Arbeiterklassen um 10Z-1 Millionen Pfund wöchentlich vermindert. Die Außenpolitik der Regierung habe ge- zeigt, daß sie unfähig gewesen sei, Amerikas Angebot zur Mithilfe bei der Lösung des Reparationsproblems zu bc- nutzen und daß sie in schwächlicher Weise den französischen Vor- schlag angenommen habe der auf überhaupt keine Konferenz hin- auslief Der Vorschlag Amerikas sei ein vernünftiger, ge. rechter und gesunder Borschlag gewesen, aber Baldwin habe ihn verworfen. Die Außenpolitik der Regierung sei nervös und tölpelhast gewesen. Sie habe keinen tvkrksamen Protest dagegen zugelassen, daß das britische vorgehen von den Franzosen bei ihrer Ruhr- besehuug abgeschnitten wurde. Sie habe zugelassen, daß die britischen Märkte in Mitteleuropa zerstört wurden und daß eine Wirtschaftskombination gegen Eng. land gebildet war. Der Großbritannien von Frankreich ge- schuldete Betrag hätte wirksam in der englischen Politik eingebracht werden können und trotzdem sei Frankreich ins Ruhrgebiet einmarschiert und habe die Stellung Englands zerstört. Heute fei das groß« Problem Englands das Problem der Sicher- he it. und trotzdem schienen all die Leute, die diese Frag« stets aufgeworfen hätten, eingeschlafen. England habe kein« wirklich« Haltung gezeigt, habe die Aufrufe derjenigen unberücksichtigt ge- lassen, vi« darauf hofften, daß England irgend etwas tun werde. England sei in Europa schwächer als je gewesen und trotz- dem have lebhaftere Erwartung in den Herzen der besten Teile der europäischen Völker geherrscht, daß England mehr tun werde, als j« zuvor. Dies« hoffnungsoolleri Leute hatten den Glauben verloren, daß die großen europäischen Mächte jetzt irgend etwas zustandebringen würden und hätten, auf Eugland geblickt, bittend und betend, daß es den liberalen Geist und das gesamte liberal« Gefühl in aktive Wirksamkeit umsetzen möge. Es sei die Verzweiflung Europas, daß di« britische Regierung die europäische Lage nicht mit geschickter Hand anzufassen wisse. Mac- donald erklärte, di« Arbeiterpartei habe das Gefühl schwieriger Verpflichtungen und sie empfinde Dankbarkeit gegenüber General Smuts(Beifall) für die glänzende moralische Bot- schaft, di« er gegen die Aktion im Ruhrgebiet er- hoben habe.(Beifall bei der Opposition.) Eine Rede Lloyd Georges. Nachdem Baldwin, als Antwort! auf die Anklagerede Macdonalds, sein« bereits in der heutigen Morgenausgabe wieder- gegebene Rede gehalten hatte, ergriff Lloyd George das Wort. Er führte u. a. aus, di« Red« Baldwins mache den Beschluß der Aufwiung des Parlaments noch unbegreiflicher. In einem kritischen Augenblicke würde ein alter Streit wieder wachgerufen, ohne daß dafür neue Gründe angeführt würden. Es würde ein Wahlkampf veranstaltet werden, während Verhandlungen über die Wiederher- stellung Europas geführt würden. Die zweite Frag« die die Re- gierung aufs Tapet bringe entzweie nicht nur die Nation, sondern auch die eigene Partei des Premierministers. Lloyd George wies darauf hin, daß, wenn der Premierminister sich«in« Woche lang dem Wahlkampf widme, er feine Aufmerksamkeit nicht d«r auswärtigen Politik widmen�könnte. Man stehe in England in diesem Winter vor einer großen Arboitslosigkrit. Wenn di« Wähler dem Premier» minister die geforderte Ermächtigung geben, werde das Schutzzoll- gefetz nicht vor dem Frühjahr einaebracht werden können. Was werde bis dahm geschehen? Di« Länder, die bei Einführung eines Schutzzolles am ersten betroffen würden, könnten noch vorher die englischen Märkte mit Waren überschwemmen. Die Sch-utzzollp.'öne der Regierung würden dann zu einer Vermehrung der Arbelislofig- keit führen. Der Plan der Regierung sei unüberlegt und eine Gefahr für das Land. Nach Lloyd George sprachen Simon und andere liberale sowie Arbeitervertreter gegen die Regierungspolitik. Die Debatte wurde durch den Präsidenten der Handelskammer Lord Greame, der nach- drücklich den Beschluß der Regierung verteidigte, geschlossen. Sie führte zu erregten Szenen, ohne daß es zu einer Störung der Sitzung kam. Ablehnung des MisttrauensantrageS. London, 16. November.(WTB.) Der Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei ist vom Unterhause mit 285 gegen 190 Stimmen abgelehnt wprden._ Der ungarische Abgeordnete Alexander Gießwein, der«in« be- deutende Roll« in den internationalen Friedensvereinigung«» und verschiedenen humanitären Institutionen spielte, ist im 67. Lebens- johr plötzlich gestorben. Die unberechtigten Die künslliche Niedrighaltimg der amtlichen Berliner Devisen- kurse, die zu einem Mißverhältnis zwischen der ausländischen und inländischen Bewertung der Mark geführt hat, wurde vom Handel allgemein mit einer Heraussetzung der Goldgrundpreise beantwortet. Auf allen Gebieten, namentlich auch auf denen des täglichen Bedarfs, sind die Goldgrundpreise in den letzten 3 bis 4 Wochen um eine ganz erhebliche Anzahl von Prozenten entsprechend der Auslandsnotierung der Mark heraufgesetzt worden. Neuerdings aber, nachdem die Re- gierung das Schädliche der künstlichen Niedrighaltung des Dollars eingesehen hat und den Kurs nach dem Weltmarktstand anzupassen sucht, erlebt man das befremdliche Schauspiel, daß ungeachtet der dem Weltmarktkurs angepaßten Goldgrundpreife jede Heroufsstzung des amtlichen Berliner Devisenkurses vom Handel entweder mit neuen Preisheraussetzungen beantwortet oder daß zum mindesten an den erhöhten Goldarundpreisen festgehalten wird. Dieses Verfahren führt natürlich zu Preissteigerungen, die weit über das erlaubte Maß hinausgehen. An zuständiger Stelle beschäftigt man sich daher ein- gehend mit dem Plan, mit ollen zu Gebote stehenden Mitteln eine Senkung der Goldgrundpreise«nt- sprechend der fortschreitenden Dollarkursanpassung an den Welt- markt herbeizuführen. Die W u ch e r p o l i z e i hat eine genaue Liste von allen Gegenständen des täglichen Bedarfs aufgestellt, bei denen die Goldgrundpreise nunmehr gesenkt werden sollen. Als Grundlage hat man dabei die Grundpreise genommen, die vor drei bis vier Wochen, also vor Einrichtung des Zwangskurses, bestanden haben. Gegenüber der Friedenszeit wird nur diejenige Verteuerung als berechtigt anerkannt, die der allgemeinen Heraufsetzung aller Weltmarktpreise ungefähr entspricht. Der Kampf gegen öen§leischwucher. Di« Einführung von K l e i n h an d el sri ch tp r« is« n im Fleischverkauf scheint sich zu bewähren, da diese Maßnahme jetzt selbst in den Kreisen der Ladenschlächter, die zuerst mit ihr ab- solut nicht einverstanden waren, als notwendig und gleichzeitig beruhigend anerkannt wird. Nach und nach soll das Verhältnis zu den Friedenspreisen aber wieder auf den berechtigten Stand, der beim Fleisch etwa 50 Proz. des Friedenspreises ausmachen würde, zurückgeführt. So sind die gestern festgesetzten Kleinhandelsricht- preise, obwohl der Dollarkurs gestern Mittag um 100 Prozent in di« Höhe ging, für den heutigen Freitag nur um 63 Prozent er- höht worden. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß viele Ladenschlächter immer nur die ober st e Grenze der festgesetzten Richtpreise, nie aber die unter« beim Fleischverkauf berücksichtigen, ganz gleich, ob es sich dabei um minder- wertiges oder erstklassiges Fleisch handelt. Ein solches Versahren Spatenarbeit. Echtes Novemberwetter ists. Graue Stimmung, trübe Tage, nachts leichter Frost— dann und wann ein Sonnentag, der die Hoffnung auf bessere Zeiten wach hält. In den letzten Iahren hatte der Winter sich schon stark im November bemerkbar gemacht; der Boden fror zu und gestattete schwer die Bearbeitung. Diesmal ist die Beackerung geradezu ideal zu nennen. Der Boden ist durch die vorhergegangene Feuchtigkeit locker geworden; das Graben geht flott oonstatten. Daher jetzt an die Spatsnarbell! Der Acker soll im Winter in rauher Scholle liegen, damit der Frost ihn gut durch- mürbt. Wer über Mist verfügt oder einen allen Kompost sein eigen nennt, tut gut daran, ihn zu streuen und unterzugraben. Das gewöhnliche Unkraut kann mit eingebuddelt werden; dagegen sollte jede Pede herausgesammell werden. Reue Samen der Erde anzu- vertrauen, ist noch zu früh; selbst der größte Fanattker des Früh. fäens nimmt jetzt noch davon Abstand. Di« Hauptsache ist, den Boden gut bere't zu hallen, dann kann je nach dem Wetter ausgangs Winters mn den ersten Kulturen: Erbsen und Mohrrüben begonnen werden. Wso fleißig den Spaten schwingen— der Lohn kommt später! * Schühk eure Gärleu vor Raupenfraß! Der Polizeipräsident macht im Interesse der Gesamlbevölkerung darauf aufmerksam, daß nach einer Polizeiverordnung vom 18. April 1591 in allen Gärten, Baumschulen, Hosräumen und Alleen b i S s p ä t e st e n S 16. März sämtliche Bäume und Sträuiber, und zwar die Bäume mindestens bis zur Höhe von 6 Meter über dem Erdboden von dem Eigentümer, Päcktter. Nutznießer und Verwalter von Raupen- nestern sowie von Schmetterlingseiern zu befreien sind. Das gleiche gilt von den Einkriedigungen bepflanzter Grundstücke lMauern, Lattenwände, Zäune, Hecken usw.). Die Raupennester. Puppen und Eier der sebädlichen SckimetterlingSarten sind durch Verbrennen oder Zerdrücken zu vernichten. Neue Verdoppelung der Postgebühren. Ab 20. November. Unter dem Zwang« der außerordentlichen Geldentwertung hat die Postverwoltung die seit dem 12. November gellenden Postge- bühren vom 2 0. November an verdoppeln müssen. Die Erhöhung erstreckt sich aus sämtliche Hauptgebühren im In- lands- und Auslandsverkehr sowie auf die Nebengebllhren(Einschreibung, Vorzeigen von Aufträgen und Nachnahmen, Eilzustellung usw). Der einfache Ferubrief kostet sonach vom 2C. November 20 Milliardeu Mark, die F e r n p o st k a r t e 10 Milliarden Mark, die Drucksache bis 25 Gramm 4 Milliarden' Mark und die Einschreibung 20 Milliarden Mark. Ausgeschlossen von der Vcr- doppelunq bleiben di« Zeitungsgebühren, die Gebühr für Blindenschriftsendungen, die Dersicherungsgebühr für Einzahlungen und Auszahlungen im Postscheckverkehr, die Postanweisungsgebühr. Der Reichspostministcr hat dem Kabinett den Entwurf zu einer Verordnung über die Umstellung oes Postscheck. Verkehrs auf Rentenmurk zugehen lassen. Zweifellos liegt es im dringenden Bedürfnis der Wirtschaft, so schnell als möglich einen wcribeständigen Ueberweisungsoerkehr einzuführen. Da es wegen der Betriebs- und Raumverhältnisse der Postscheck- ämter nicht möglich ist. neben den in Papiermark geführten Konten wertbeständige Konten in größerem Umfange zuzulassen, sieht der Verordnungsentwurf vor. den gesamten Postscheckverkehr in den ersten Tagen des Dezember auf Rentenmart umzustellen. Vom 6. Dezember ab werden die Postscheckkunden voraussichtlich über ihre Guthaben in Rentenmark verfügen können. Den Postscheckkunden geht nähere Nachricht von den Postscheck- ömtern zu. Die Ueberweisungen und Schecks wären dann auf Rentenmark auszustellen. Die Zahlkarten hätten bereits vom 3. Dezember auf Rentenmart zu lauten. Bei der Einzahlung werden neben Rentenmark bis auf weiteres auch die Anleihestücke und Zwischenfcheine bis 21 Mark(5 Dollar) der wertbeständigen Anleih« des Deutschen Reichs in Zahlung genommen werden.— Ferner wird die Postverwallung vom 1. Dezember ab nebe« den auf Papiermark lautenden Postanweisungen im Jnlandsverkehr auch Postanweisungen auf Ren renmark einzuführen. Ein Ranbüberfall mit Betäubung wurde in dem Hause Fran- feckystraße 85 verübt. Gegen 10 Uhr vormittags klingelt« es bei der Mtwe Anna S a n d o w. Ms sie ahnungslos öffnete, trat ein ihr u n b« k a n n t e r M a n n ein und teilte ihr mit, daß ihr Neffe schwer erkrankt sei. Wöhrend der kurzen Unterhaltung hiell er ihr dann plötzlich«ine Flasche mit einem Betäubungs- Preissteigerungen. ist unzulässig. Für Waren minderer Qualität darf auf keinen Fall di« ober st«Grenz« des betreffenden Richtpreises in Frage kommen. Die Beamten der Polizeireviers sind angewiesen worden, sich mit diesen Vorgängen beim Fleischverkauf eingehend zu befassen und bei etwaigen Beanstandungen sofort einzu- schreiten. Die Derbraucher können die Kontrolltätigkeit der Polizei unterstützen, wenn sie selbst auf genaue Znuehallung der Richt» preisoorschristeu achten und Ueberschreitungen unverzüglich zur An- zeige bringen. Das gleiche gilt für alle Fälle, in denen die Laden- und Standinhaber aushängendes Fleisch aus dem Grunde nicht ver- kaufen wollen, weil es angeblich„schon verkaust" sei. Aufgab« der Polizei ist es dann, zu prüfen, ob es sich nicht hierbei zumeist um versuchte Warenzurückhaltung handelt. Vor allen Dingen müsse:, die Verbraucher auch darauf ihr Augenmerk richten, daß beim Äachmittagsverkauf, unbeschadet einer etwaigen Steige- rung des Dollarkurses keine höheren Fleischpreis« als am Vor- mittag desselben Tages gefordert werden dürfen. Die etwaige Geld- entwevtung soll von der Preisfestsetzungskommisston bei den Nicht- preisen für den nächsten Tag gebührend berücksichtigt werden. Der oeue Drotpreis. Vom heutigen Freitag ab kostet das graue Brat 420, das weiße 480 und die Schrippe 18 Milliarden Mark. * Die ungeheure Geldentwertung, die wieder Plündexungsge» fahren mit stch bringt, hat das Kommando der Schutzpolizei zu be- sonderen Vorsichtsmaßregeln veranlaßt. Sie hat für die Beamten die höchste Bereitschaft angeordnet. Schon gestern abend, als kurz nach dem Bekanntwerden des rapiden Marksturzes im Publikum auch noch verbreitet wurde, daß die R e n t e n m a r k wahrscheinlich erst nach 8 Togen in den Verkehr kommt, zeigte sich überall eine gewisse Erregung, die an vielen Stellen in heftige Auftritte ausartete. In verschiedenen Geschäften glaubte man, daß man jetzt schon Rentsnmark fordern dürfe und kein Papiergeld mehr zu nehmen brauch«. Weil aber die Kundschaft fast ausschließ- lich nur Papiermark hat, so kam es wiederHoll zu Zusammen- stößen, die aber immer friedlich gelöst wurden. Waren, die bisher schon über Goldpreis standen, sind abermals so emporgeschnellt, daß es vielen Leuten gar nicht mehr mog» lich ist, mit den Preisen mitzukommen. So ist nach den d«n Richt- linien für heute der Preis für«in Graubrot auf 70. Gold» Pfennig gleich 420 Milliarden Papiermark und für e i n Weißbrot auf 80 Goldpfennig gleich 480 Milliarden Papiermark festgesetzt. Dabei blüht der wilde Devisen- Handel wie nie zuvor. Trotz der vielen Razzien im neuen Scheunenoiertel in Berlin treiben die wilden Devisenhändler dort nach wie vor ihr Unwesen. Sie reißen und fallen die Personen in einer Weis« an, die man bisher noch nicht gekannt Hot. mittel unter die Ras«, so daß sie in Ohnmacht fiel. Ms sie wieder zu sich kam, war der Besucher, der di« Erkrankung des Neffen nur oorgefpiegell hatte, verschwunden. Er hatte der De- täubten zwei Ringe vom Finger gestohlen und dazu auch noch eine goldene Damenuhr geraunt. D«r eine Ring ist aus Dukatengold und H. F. gezeichnet. Der andere ist ein Siegel- ring mit rotem Stein. Di« Uhr hatte der Räuber im Küchensch rank gefunden. Er ist etwa 1,60 Meter groß, ungefähr 30 Jahre alt, und trug einen dunklen Ueberzieher und einen Schillerkragen. Wieder neue Verkehrstarife. Die Berliner Straßenbahn wird gb morgen wiederum ihren Tarif erhöhen und folgende Fahrpress« erheben: Umsteigefahr. schein 70 Milliarden, Kinderfahrschein 35 und der lieber- gangsfahrschein zur Hochbahn 120 Milliardelt Die Hoch- und Untergrundbahn nimmt folgende Fahr- preis«: In der dritten Klasse 50 und 70, in der zweiten 70 und 90 Milliarden. B l o ck s zu zehn Karten 450 und 630 bzw. 630 und 810 Milliarden. Di« Wochenkarte zu 6 Fahrten kostet 350 und 450 Milliarden. Bolksoerfall und Schulgefährdung! In einer stark besuchten. von der Weltlichen Schule des 18. Derwaltungsbezirks einberufenen öffentlichen Elternverfommlung, in welcher Genosse Professor O est reich referiert«, wurde folgende Entschließung angenommen, di« Unterlassung der falschen Sparmaßnahmen im Schulwesen oer- langt. Sie erwartet, daß die Mittel für das Erziehungswesen vom Besitz und Einkommen und durch produktive Reformen aufge- bracht werden. Jeder Versuch, den Staat zu retten, indem man die Grundsubstanz unserer Volkskrast, die Jugend, verkommen läßt, sei zu verdammen. Die Freunde und Förderer der Montefsori-Methobe tagen heute, Freitag, den 16. November, im Bürgersaale des Stadt, Hauses, Klosterstraße, Eck« Stralauer Straße. Die Taguncj beginnt pünktlich um 8 Uhr, und sie bringt vor allem einen mter- «ssanten Lichtbildervortraa:„Ein Blick in das Montessori-Kinder- Haus" und einen gedrängten Bericht der Leiterin über:„Acht Monate Arbeit und Freude im Montessori-Kinderhaus". Ferner wird über den Kursus zur Ausbildung von Lehrkräften referiert werden. Das Erscheinen aer Mitglieder der Gesellschaft der Freunde und Für- derer der Montessori-Methode ist dringend geboten. Gäste sind herzlich willkommen. Zur Nacheiserung empfohlen! Die imStrenger-Konzern, Neue Friedrichsttaße 36, zusammengeschlossenen Firmen Reich u. Alt- mann, Hans Lübeck u. Eo„ Wolfftnstein u. Co., Benno Schwab«, Dienstag u. Wolfs, Ignaz Neumann, Strenger Textil A.-G„ Szem- pm u. Alexandrowitsch haben sich durch Ueberweisung von Wäsche und Gegenständen des Hausbedarfs zu einer wert» vollen Spende für das Säuglings- und Klein- kinderheim, Landsberger Straße 50, vereinigt. Das Bezirksamt Mitte, dem diese Spende überwiesen wurde, hat den Spendern seinen wärmsten Dank ausgesprochen. Die Firma Ge» brüder©tu mach, Känigstraße 57—59, hat dem Bürgermeister Schneider des Bezirksamts Mitte für di« Erwerbslosenfürsorge des Bezirkes 50 Dutzend Socken und für das Säuglings- und Klein- kinderheim des Bezirks Berlin-Mitte«inumfangreichesPaket mit wertvoller Säuglingswäsche geschenkt. NniversitätSprofessor Genossin Dr. Anna Tiemsen-Iena spricht beule, Freitag, abends 71/, Ubr. Ziegelftr. 12, im Nahmen der Werbsveran- staltungen des Deutschen Pazifistischen StudentenbundeS:„Der Mut zum Pazifismus'. Deutscher Monistenbund, Ortsgruppe Berlin. Heute, abends 'f,8 Ubr, tn der Aula deS Werner-SIemcnS.RealgymnasiumS: Vortrag von Prof. Dr.