Ihr. 54, Erschelnt täglich außer Maxtagz. Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.zo Mark, monatlich 1,10 MI., wöchentlich LS Pfg. frei tn's Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 3,3omt. proQuartal. Nnter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich» Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland ZMk.pr. Monat, liingetr. in der Post-Zeitungs- Preisliste für lSSö unter Nr. 71L». 12. Jahrg. Jnsertions lSebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersannnlungs- Anzeige» 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tage» bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis» Uhr Vor- mittags geöffnet. tenisptecher: Amt l, Ar. lö08. Telegramm-Adresse: »Soiialdemoiirat Kerlin!' Verttner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZiedaKtion: SW. 19, Aeutö-Strake 2. Dienstag, den 5. Marz 1893. H�peditio»: LV. 19, ZZeutk-Straße 3. Der agrarische Staatsrath. Ter S t a u t s r at h, der über Mittel und Wege be- ruthen soll, um der gegenwärtig unter ungünstigen ivirlh- schaftlichcu Verhältnissen produzirenden Landwirthschaft auf die Beine zu Helsen, ist zum 12. d. M. zusammenberufen. Seinen Berathungen soll dabei das unten abgedruckte Programm zu gründe gelegt lverden..— Daß diese Berathungcn nicht zu dem Ziele führen werden, das die reinen, unverfälschten Agrarier vom Schlage der Kunitz, Mirbach, Kardorff zc. erreicht zu sehen wünschen, nämlich zur Empfehlung des Antrages Kunitz(staatliches Getreidemonpol) und der Aushebung der Gold- Währung, darüber ist sich heute schon alle Welt klar. Auch die eingefleischten Agrarier selber. Die verschiedenen Aeußcruugen der gegenwärtig leitenden Männer der deutschen Politik, inklusive des Kaisers, haben über die ablehnende Haltung der Regierung den er- wähnten weitgehenden agrarischen Plänen gegenüber kaum noch einen Zweifel gelassen. Und daß der Staatsrath nicht anders wollen wird, wie die Regierung ivill, daran zweifelt auch niemand; dafür wird schon durch die Zu- s a m m e n s e tz u n g des„Staatsraths" gesorgt sein. Das unten abgedruckte Programm der Berathungcn ist in fünf große Gruppen eingelheilt, und zwar will die Regierung die Meinung des Staatsraths hören über: 1. die Hebung der Preise landwirthschaftlicher Produkte, wozu in erster Linie eben der Antrag Kanitz gehören würde; 2. die Währungspolitik; 3. die Verbilligung der landivirth- schastlichen Produktion und Erleichterung des Ab- satzcs; 4. die Scßhaftmachung der Landarbeiter und endlich 5. Kreditfragen. Wie man sieht, sind— um den guten Willen zu zeigen— die den„Bauern" am innigsten ans Herz gewachsenen Wünsche in dem Programm voran- gestellt, den Kreisen dieser„Bauern" auch die Referenten entnonimen; immerhin aber soll auch über eine lange Reihe solcher landwirthschaftlichen Reformen beratheu werden, die nicht dem Arsenal der Grafen Kanitz:c. entstammen und die von diesen„Bauern" daher längst als„kleine Mittel" zum alten Eisen geworfen sind. Uebrigens soll, wie man nach- träglich hört, Graf Kanitz selbst über seinen Älntrag rcfcrircn, an stelle des im Programm genannten Herrn v. Kardorff, der abgelehnt haben soll. Auch wäre zu erwähnen, daß Fürst Bismarck, der zur Theiluahme an den Staats- raths-Sitzungcn eingeladen war, ans Gesundheitsrücksichten am Erscheinen verhindert ist. Das in der„Schlesischen Zeitung" veröffentlichte Programm hat folgenden Wortlaut: I. Maßnahm«» zur Hebung der Preise land- wirthschaftlicher Produkte. I. Zur Hebung des Getreidepreises. Die Roth- läge der Landwirthschafl wird zumeist als eine Folge der imnier steigenden Uiirentabililät des Körnerbaues angesehen. Zur Hebung dieses Mivstundes sind aus den Kreisen derer, die sich Jseuillekon. fNnchdmck verbot«». j Skizzen ans dem 28 sndamerUmm scheu Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. Er hatte sogar seinen Lehrling, der sich in großer Auf- regnng befand und ans dem Zittern garnicht herauskam, in seine Hängematte geschickt und blieb so ganz allein in seinem Läden, sich nicht im geringsten ereifernd, als in der Nähe ab und zu Schüsse fielen, und als dann und wann ein Reiler in tollstem Galopp an seinem Hanse vorsprengte. „Retten Sie mich, Don Francisco", mit diesen Worten siel ihm aus einmal eine vermummte Gestalt durch die kleine Thürc in die Apotheke hinein. „Ah, Sie sind es, Herr Präsident... Wollen Sie die Güte haben, hier hinten in diese Stube hinein zu spaziren... Hier hat es keine Gefahr... ich werde, wenn Sie Furcht haben sollten, hinter Ihnen zuschließen, obwohl hier niemand herein kommen dürfte; denn ich bin ein einfacher ehrlicher Apotheker... Will Ihnen aber doch Gesellschaft leisten, soivie ich mit meiner Arbeit zu Ende bin..." Damit stieß er den flüchtigen Präsident in das Hinterzininier, schloß hinter ihm zu und beendete vor- erst niit großem Pflefjma seine Einwickelnngen, dann wusch er sich die Hände, trocknete sie langsam ab, versicherte dann sorgfältig seinen Laden mit Schloß und Riegel und tral dann selber in die Hinterstube. Der verschüchterte Präsident, der still in einer Ecke saß und jedesmal zusammenzuckte, wenn er noch einen ver- einzelten Schuß vernahm, empfing ihn voller Angst. „Ach da kommen Sie, Don Francisco.. sagen Sie mir, was wir thun sollen... Ich habe Sie heute den ganzen mit dieser Notbstandsfrage beschästigen, Vorschläge gemacht worden, die wesentlich auf dem Gedanken der Monopolisirung des Handels mit Getreide beziv. mit Brot beruhen. Folgende Vorschläge stehen jetzt im Vordergrunde der Erörterung: a) die Monopolisirung des Handels mit ausländischem Getreide in Verbindung mit einer Bestimmung der Preise sür das eingeführte ausländische Getreide nach Maß- gäbe des Preisstandes im Jnlande innerhalb der letzte» 40 Jahre; die Monopolisirung des Handels mit ausländischem und in- ländischem Getreide; die Kontingentirung der Einfuhr von ausländischem Getreide; die Besteuerung des zum Verbrauche ins Inland ein- gesührten ausländischen Getreides in Staffelform: die Einführung eines staatlichen Brotmonopols; der Ankauf von Getreide seitens des Staates und die Verarbeitung desselben zu Mehl in fiskalischen Mühlen. "ind dies, b) c) ä) e) f) Es fragt sich: Sin Endzweck zu erreichen? Sind sie praktisch durchführbar? diese Vorschriften geeignet, den erstrebte» a r dorf f zu Oels, Referenten: I. Landrath v.» 2. Kammerherr v. H e I l d o r f f aus Bedra 2. Zur Hebung d e s Z n ck e r- und Spiritus- Preises. Welche Maßregeln sind zur Bekämpfung der gegen- märtigen Krisis in der Zuckerindustrie und zur Verbesserung der Lage des Brannlwein-Vrennerei-Geiverbes zu ergreifen? Referenten bezüglich der Z n ck e r i n d u st i e: 1. Amts- rath v. Zimmer m a n n auf Benkendorf. 2. Landes-Oekonomie- rath v. K a u s in a n n zu Stenerivald; bezüglich des B r a n n t- wein-Brennerei-Gewerbes: 1. Gutsbesitzer S e y d e l auf Chelchen, 2. Graf v. Z i e t e n- S ch w e r i n auf Wustrau. II. Maßnahmen aus den, Gebiete der Währungs- Politik. Welche Folgerungen sind aus dem Ergebniß der Berathungen der„Silberkonniiission" zu ziehen? Insbesondere: Sind zur iebung und Befestigung des Silberwerlhes im gegenwärtigen eitpunkle Maßregeln zu ergreifen? Referenten: I. Generalkonsul Rüssel zu Berlin. 2. Graf v. Mirbach auf Sorquitlen. III. Maßnahmen zur Verbilligung der landwirthschaftlichen Produktion und zur Erleichterung des Absatzes der Erzeugnisse. Ist znr Verbilligung der landwirthschastlichen Produktion und zur Beförderung des Absatzes landwirthschaftlicher Erzeugnisse eine wirksame Herabsetzung der Eisenbahntarife auf weitere Enl- fernungen zu empfehlen? Sind von einer derartigen Regelung der Eisenbahntarise bc- stimmte Artikel der landwirthschaftlichen Roh- und Hilfsstoffe und der landwirthschaftlichen Erzeugnisse auszuschließe»? Liegt es im Interesse der Landwirthschaft, durch eine fach- gemäße Regelung der staatlichen Schifffahrlsgebühren(Ersatz der Unterhaltungskosten, Verzinsung und allmälige Tilgung der An- lagekosten) auf eine angemessene Festsetzung der Frachten auf den Wasserstraßen, welche vorzugsweise für die Einfuhr land- wirtdichastlichcr Erzeugnisse des Auslandes dienen, hinzuwirken? Referenten: l. Tr. Freiherr v. S ch o r l e m e r- A l st auf Alst, 2. Graf v. Kanitz auf Podangen. Tag vergeblich ans dem Regiernugsgebäude erwartet... warum sind Sie nicht gekommen...?" „Hatte absolut keine Zeit, Exzellenz; habe heute 5000 Wurnikuchen in Papier schlagen müssen... eine lang- wcilige Arbeit... konnte wirklich nicht abkommen." „Sie scherzen, Poncho," erwiderte die Exzellenz,„wie können Sie in einer solchen Lage überhaupt noch Scherze machen... hören Sie, wie die Schüsse fallen..." „Ja," entgegnete mit aller Gelassenheit der Apotheker, „ich bin der Meinung, daß die Rebellen dieses Mal gc- wonnen haben..." „Und diese verzweifelten Brasilianer... ich erwartete bestimmt, daß sie uns wieder helfen würden." „Daran habe ich nicht im geringsten gedacht; Sie wissen, daß sie von Rio de Janeiro eine furchtbare Nase bekommen haben. Sie sehen jetzt«insach zu, was Eiv. Exzellenz beschließen werden..." „Ich und beschließen," schrie die Exzellenz,„ich weiß gar nicht mehr, wo eigentlich mein Kopf steht... wer weiß, ob ich ihn morgen überhaupt noch tragen werde... diese Rebellen sind heimtückische Hallunken... rathen Sie mir endlich, Verehrtester..." „Guter Rath ist theuer... Sie müssen wissen, daß man das nicht immer so im Augenblick iveiß... Wenn Sie aber wollen, so werde ich mich über Nacht reiflich be- denken; vielleicht fällt mir etwas Passendes ein... Wer weiß aber, ob Sie in das einwilligen werden, was ich aus- Hecke..." „Ich willige in alles... und werde bei Ihnen bleiben, bis ich weiß, was Sie gefunden haben..." Man legte sich zur Ruhe, und seine Exzellenz wälzte sich, ohne rechten Schlaf zu finden, auf seiner Bettstatt. Gegen Mitternacht weckte ihn Herr Guanes und sagte ihm: „Wollen Sie ein wenig Acht haben auf die Apotheke, Exzellenz... ich habe Eile, um zu dem General Caballero zu kommen..." IV. Maßnahmen zur Seßhaftmach ung der länd- lichen Arbeiterbevölkerung, insbesondere in den ö st lichen Provinzen der Monarchie durch wirksanie Unterstützung der Rentenguisbildung durch Er- möglichung der Rentengutsbildung sür kleine Stellen(Arbeiter- stellen). Referenten: 1. Staatsminister Graf v. Zedlitz- T r ü tz s ch l e r ans Nieder-Großen-Borau, 2. Präsident Dr. v. Wittenburg in Posen. V. Maßnahmen auf dem Gebiete der Kredit- organisalion. Leistet der bisherige Zustand des Jmmobiliar- und Personal- kredilnesens den berecktiglen Anforderungen der Landwirthschaft Genüge, oder welche Aenderungen sind anzustreben? Jnsbefondc-e: l. Jstj'aS.. bestehende. Verhältniß der beiden Kreditformen ein angemessenes, oder empfiehlt es sich, den Jmmobiliar- kredil zu grinsten des Personalkredits einzuschränken, um auf diesem Wege zugleich auf eine spätere Verminderung der Gesanilnlverschnldung des Grundbesitzes hinzuwirken? 2. Ist durch Maßnahmen auf dem Gebiete des Kreditwesens eine Beseitigung der jetzt theilweise vorhandenen Ueber- schuldung zu erreichen? 3. Wird durch die bestehenden Grundkredit-Jnsiitute dem Grundbesitze ein genügend weit ausgedehnter, unkündbarer, möglichst wohlfeiler und leicht zugänglicher Kredit niit allmäliger Tilgungsverpflichtung gewährleistet? Wird von den kommunalen Sparkassen nach ihrer gegen- wärtigen Verfassung ein solcher Kredit in ausreichendem Maße gewährt oder welche Aenderungen sind in dieser Beziehung anzustreben? 4. Ist sür eine etwa als nöthig erachtete Reform die Reu- dildung großer Kreditorganisationen oder die Fortbildung der überkommenen landschaftlichen und kommunalen Kredit- iustilute ins Auge zu fassen? ö. Ist speziell den Bedürfnissen des Meliorationskredits be- reits ausreichend Rechnung getragen, oder sind auf diesem Gebiete Aenderungen anzustreben, eventuell unter Ge- Währung eines gesetzlichen Vorrechts sür Meliorations« krcdite gegenüber den bereits eingetragenen Schulden? Referenten: I.Freiherr v. Hoiningen, gen. Huene auf Groß- Mahlendorf, 2. Landesdirektor Dr. Klei» zu Düsseldorf. Zum Sittenkoder der bürgerlichen Gesellschaft. In dem Augenblick, in dem die Ordnungsmänner der Umsturzkommission sich abmühen, Religion, Sitte und Ordnung gegen die, alle diese bürgerlichen Tugenden nnter- grabende Sozialdemokratie zu schützen, ist es angebracht, ein Aktenstück auszugraben, daS vor kurzem unserem Partei- organ, dem Offenburger„Volksfrcnnd" auf den Rcdaktions- lisch flog. Es ist ein Brief einer Hebamme, die eine jener vielen Anstalten leitet, die im Deutschen Reiche aller- ivärts bestehen, um als Retter des Tugendscheincs „Sie wollen zu dem General..." „Gewiß, hier ist ein Soldat, der mir sagt, daß der General verwundet sei, und ich will deshalb hingehen, nni ihm einige Arzneimittel zu bringen... außerdem glaube ich, daß mir auf dem Wege etwas über unser beiderseitiges Geschäft einfallen wird..." Ter leicht verwundete General befand sich unterdessen nnt seinem Gencralstabe in dem eingenommenen Regierungs- gebäude. Er war an einem Beine durch einen Streifschuß leicht verletzt, saß auf einem Stuhle und hatte sein Bein auf einen anderen Stuhl gelegt. Seine Umgebung saß zechend und schwatzend um ihn herum. Ein Theil der sieg- reichen Revolutionäre bivonakirle auf dem freien Platze vor dem Gebäude und briet an großen Feuern Spießbratcn „Seht an, unser großer Freund, der Giftniischer, kommt nnt einem Berg von Binden und Flaschen an," rief heiter der General,„es ist nicht so schlinnn, Freund..." „Der katholische Balsam ist gut sür solche Sachen," meinte der Apotheker würdig,„es kommt bei seiner An- wcndung keine Entzündung und kein Brand zu den Wunden... ich glaube, es wäre am besten, wenn Sie sich hier in dieses kleine Sekretärzimmer begeben wollten, ich sehe dort ein vorzügliches Bett, und Bantista, mein ge- schätzter Freund» wird die Güte haben und mir helfen, den General zu verbinden... ich habe auch noch einige An- Weisungen zu geben, wie man die Binden erneuert... dort können wir ihn entkleiden mit aller Bequemlichkeit..." Die drei blieben recht lange in dem kleinen Zimmer. Endlich kam Guanes heraus, verabschiedete sich allerseits und schritt, von zwei Soldaten, die man ihni zum Schutze beigegeben, wieder seiner Apotheke zu. „Und Pancho, haben Sie etwas gefunden; was macht der General...?" mit diesen Worten empfing ihn der Präsident. „Er meint, daß die freundschaftlichen Bande, die ihn immer an Eure Exzellenz geknüpft, nie eine Lockerung er- den Frauen und Töchtern unserer Bourgeoisie in gewissen fatalen Lebenslagen zu dienen. Der Brief ist aber auch ein klassisches Aktenstück, das einmal wieder zeigt, wie in unserer so tugendhaften Gesell- schaft für das Wohl der Familie gesorgt wird, indem die unglückliche Frucht eines„illegitimen" Verhältnisses erbarmungslos in die fremde Welt gestoßen wird, weil Bater und Mutter den armen Wurm, aus gesellschaftlichen Rücksichten, nicht als ihr Kind anerkennen dürfen. Die Art, wie dabei den Hilfe suchenden Damen alle Vortheile, zwecks der gesellschaftlichen Todes- erklärung ihres Kindes, angepriesen werden, verräth die gerissene Geschäftsfrau, die sich aller der Verbindungen erfreut, die eine für die Tugendhaftigkeit der bürgerlichen Gesellschaft so nothwendige und nützlicheJnstitution benöthigt. Man höre: P. P. In ergebener Erwiderung Ihres geehrten Schreibens mache ich Ihnen ,m Vertrauen auf gegenseitige Diskretion die höfliche Mitlheilung, daß ich in meiner eigenen, etwa 10 Minuten außer- bald der Stadt....... auf einer prächtigen Anhöhe gelegenen Villa zur freundliche» Ausnahme der geehrten Damen, welche in diskretester Weise entbunden zu werden wünschen, jederzeit gern bereit bin. Was vor allem die Bewahrung des Geheimnisses betrifft, so kann ich Ihnen die bestimmte Versicherung geben, daß Baden in dieser Hinsicht die alleinig« Begünstigung hat, daß in solchen Fällen von der aufnehmenden Anstalt nur ein Heimalhsschein oder Reisepaß der betr. Dame am hiesigen Standesamt nieder- gelegt werden muß, keinerlei Eintrag erfolgt und weder von letzterer Behörde noch von mir ein Bericht an Ihre Heimaths- behörde oder sonst wohin zu erfolgen hat, selbst nicht bei einem eintretenden Sterbefall. Es ist dadurch die vollständige Geheim- Haltung der Namen der Damen garantirt. Um nun auch weniger bemittelten Damen eine anständige Unterkunst zu bieten, so habe ich meine sehr geräumige Villa in 3 Rlassen getheilt. wovon die 3. und billigste Klasse ebenfalls nur Damen besserer Stände, wie es im ganzen mein Prinzip ist, aufnimmt. Die monatlichen vorauszuzahlenden Pensionspreise sind� für (folgt Preisverzeichniß nebst der Bemerkung, daß als„ExtraHonorar für die Entbindung und Pflege nach derselben am ersten Tag des Niederkunftsmonats SOM. vorauszuzahlen sind"). Für Unterbringung des Kindes wird auf Wunsch von meiner Seite aus Sorge getragen. Das Kind darf jedoch nicht länger als 4 Tage in meinem Hause unter- gebracht fein. Bon da ab hat entweder die Mutter für die Verpflegung zu sorgen oder ich übernehme, nachdem das Kind in anständiger Familie Aufnahme gefunden, nach Uebereinkoinmen die Oberaufsicht. Im letzteren Falle garantire ich strengste Ge- Heinihaltung. Die Unterbringung in einer auswärtigen Familie ist 3—4 Jahre möglich, nach dieser Zeit nehme ich mich nicht mehr um das Kind an. So lange das Kind auf diese Weise untergebracht wird. ist für dasselbe außer seinem Taufschein keine andere Legitimation als diese feiner Mutter nöthig. Dabei wird das Heimathsrecht der Mutter, welches gesetzlich auch für das Kind giltig ist, dem- selben für spätere Zeiten reservirt, so daß also während der Zeit, daß das Kind unter meiner Vermittlung hier untergebracht wird, die heimathlichen Behörden der Mutter des Kindes nichts von demselben erfahren und ist daher aus diese Weise das Ge- heimniß ebenso bewahrt, wie bei dem Ausenthalt und Nieder- knnft der Mutter in meinem Hause. Von dem Tage an, an welchem ich mich meiner Ver- pflichtungen enthebe. kann die Mutter des Kindes dasselbe von einer kinderlosen Familie gesetzlich adoptiren, d. h. an Kindes- statt annehmen lassen oder aber es kann ein Pflege- vertrag abgeschlossen werden, welcher alle Vortheile eines Adoptionsvertrages für das Kind in sich schließt. Zum Schlüsse gestatte ich mir noch, Sie auf die prächtige gesunde Lag» meines Anwesens und aus die komfortable Ein- richtung desselben aufmerksam zu machen und gebe Ihnen die Versicherung der sorgsamsten Ausnahme bezw. Verpflegung in meinem Hause. Auf Wunsch gebe Ihnen noch Referenzen berühmter Aerzte hier sowohl wie in der Residenz auf. Hochachtungsvoll (folgt Name.) In Deutschland werden durchschnittlich jährlich 170 000 uneheliche Kinder geboren, ungefähr 9—10 pCt. aller Neugeborenen. Wie viel von diesen 170 000 auf „Damen besserer Stände" kommen, welche Anstalten wie die jener badischen Hebamme srequentiren, entzieht sich der Beu rtheilung. Es dürften viele Tausende sein. Allein die Thatsache, daß solche Anstalten in großer Zahl in allen Theilen Deutschlands vorhanden sind und ausgezeichnete Geschäfte machen, spricht dafür, wie es mit den bürgerlichen fahren würden und bittet um die Ehre, morgen mit Ihnen konferiren zu dürfen...". „Aber was sagen Sie, Pancho.. „Gewiß, Exzellenz, wollen Sie sich jetzt in aller Ruhe hersetzen und auf mich hören. Sie sehen selber ein, Exzellenz, daß die Rebellen uns besiegt haben... Ich wüßte sicher nirgendwo eine Hilfe gegen sie herzubekommen. Unsere Soldaten sind theils todt, theils verwundet und der Rest zersprengt und niuthlos. Wir würden also ein- fach den kürzeren ziehen, wenn wir uns zur Wehr setzen wollten... ist es nicht so.. „Gewiß, gewiß Pancho.., und was weiter... ich sehe noch immer nicht..." „Hören Sie nur woiter... Der General ist nicht ab- geneigt auf folgender Basis den Frieden zu schließen und sich selbst für die Folge zu Ihrer Verfügung zu stellen. Bantista Gill wird nach Ihrem Abtritt Präsident und einer seiner Verwandten Vizepräsideut... Sie werden dafür in bester Weise dafür eintreten, wenn die neuen Wahlen kommen... Sie zahlen in billiger Weise die Kosten, die die Unternehmung verursacht hat... ich glaube es dürfte sich das nöthige Geld unschwer auf- treiben lassen... Sie werden auch die schönen neuen Kanonen kaufen... und um der Bezahlung und der Wahl- aklion keine Hindernisse zu bereiten, könnte jetzt gleich Bantista das Finanz- und Caballero das Kriegsministerium übernehmen... ist es Ihnen so recht... das sind doch billige Vorschläge..." „Und die Uebrigen... Rivarola... Godoy... Escobar...?" „Wenn sie närrisch sein wollen, so jagt man sie zum Teufel... wenn sie vernünftig sind, wird sich etwas für sie finden lassen... da fällt mir gleich ein, daß der General Escobar gern die Theewälder am Parana haben möchte.,, ich nehme es über mich, sie ihm an- zubieten.. Der Präsident willigte in alles, und so hatte der er- findungsreiche Apotheker wieder einmal, den Staat gerettet. (Fortsetzung folgt.) Moral- und Sittenbegriffen in den Schichten aussieht, die sich als die Stützen von Staat und Gesellschaft betrachten. Und eine so durch und durch faul und wurmstichig gewordene Gesellschaft glaubt durch verschäfte Slrafgesetzparagraphen sich künstlich am Leben erhalten und über ihren inneren Zerfall hin- wegtäuschen zu können. Hier und da erhebt sich auch ans den Kreisen der Herr- schenken Klasse eine Stimme gegen all diese Heuchelei, so der Freiherr Ernst von Wolzogen in seinem in diesen Tagen erschienenen Schriftchen„Links um kehrt schwenkt— Trab!"*'), in welchem er gegen die Umsturzvorlage sich ausspricht. Herr Ernst von Wolzogen gehört zu den Modernen,' die namentlich gegen die geschlechtliche .Anchelei unserer Gesellschaft zu Felde ziehen und so leistet er sich auf S. 35 seines Schrislchens folgende Ausführungen über die Ehe, die ihn unrettbar mit§ 130 Absatz 2 der Umsturzvorlage in Konflikt bringen würden, falls der neue Wortlaut jenes Paragraphen schon Gesetz märe. Wolzogen spricht von der neuen Aristokratie des Geistes, in welcher für Konfessionelle und Klassengegensätze kein Platz mehr sei und die daher die Umwerthung vieler alter Worte vornehmen werde; er fährt dann fort: „Unmöglich würde es z. B. werden, daß ganze große Gesellschaftsklassen den Muth zum Denken und zum über- zeugungsgemäßen Handeln für einen sittlichen Defekt ansähen. Der verdienten Lächerlichkeit anheimsallen würde die heute fast bei unserer gesammten Damenwelt und bei vielen frömmelnden Männern beliebte üble Ge- wohnheit, die Sittlichkeit eines Menschen einzig nach seinem Verhalten in geschlechtlichen Dingen zu bewerthen. U e b e r- Haupt würde gründlich aufgeräumt werden mit allerhand dummer Prüderie und ge- sellschaftlicher Heuchelei, und damit würde dem wahrhaft guten Ton im Verkehr der Menschen unter ein- ander, ganz besonders aber der„heiligen" Ehe gar sehr gedient sein, jenem st a a t l i ch und kirchlich k o n z c s s i o n i r t e n Hazardspiel, in welchem gleichzeitig der unglückliche Verlierer zu lebensläug- l i ch e m Zuchthaus v e r u r t h e i l t wird, und welches dennoch von den erleuchteten„Umsturzmännern" der Regierung, als über jeder Kritik erhaben, unter be- sonderen gesetzlichen Schutz genommen werden soll! Der Verachtung anheimfallen würden die elenden Komödianten, welche unter der Maske der Frömmigkeit und eines be- sonderen Patriotismus ihren geschäftlichen Interessen wirk- samer zu dienen suchten." Der Eingangs dieses Artikels erwähnte Brief der badischen Hebanime und die Kritik der bürgerlichen Gesell- schaft durch eine ihrer Stützen sagt mehr als wir als Sozialdemokraten zu sage» gewagt hätten. Wir haben diesem kein Wort weiter hinzuzufügen. Die Thatsachen reden. Beglaubigte Abschrist. Im Namen deZ Königs! In der Slrassache gegen den Redakteur Hugo Pötzsch zu Berlin, Bcuth- straße 2, geboren am 18. November 1863 zu Colditz, Königreich Sachsen, evangelisch, wegen Beleidigung mittels der Presse, hat die 7. Strafkammer des königlichen Landgerichts 1 z» Berlin in der Sitzung vom 1Z. Oktober 1894, an welcher theil genommen haben: I.Voigt, Landgerichtsdirektor: 2. Kannenberg, 3. Reinicke, 4. Koscky, Landgerichtsräthe; S. Busch, Landrichter, als Richter; Müller II, Staatsanwalt, als Beamter der Staatsanwaltschaft; Dr. Davidsohn, Referendar, als Gerichtsschreiber; für Recht er- kannt: Der Angeklagte Pötzsch wird wegen Beleidigung mittels der Presse zu einer Geldstrafe von 500— fünfhundert— Mark, der im Nichtbeitreibungsfalle für je 10— zehn— Mark ein Tag Gefängniß zu substUuiren und zur Tagung der Kosten des Verfahrene verurtheilt. Zugleich wird dem königlich preußischen Kriegsminister als Vertreter der Beleidigten die Befugniß zu- gesprochen, die Verurtheilung auf Kosten des Angeklagten durch einmaliges Einrücken der Urtheilsformel in die periodische Druck- schrifl„Vorwärts" an hervorragender Stelle innerhalb vier Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen llrtheils öffentlich be- kannt zu machen. Endlich wird angeordnet, daß alle vorfindliche» Exemplare der Nr. 199 des 11. Jahrgangs des„Vorwärts" vom 28'. August 1894, sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen bezüglich des Artikels beginnend mit den Worten,„die Beurlaubung von Soldaten" unbrauchbar zu machen. Für richtige Abschrist. Berlin, den 1. März 1895. Hübner. Aktuar. Abschrist. In der Strafsache gegen 1. pp. 2. den Redakteur Hugo Pötzsch zu Berlin, am 13. November 1863 zu Colditz ge- boren, evangelisch, wegen Beleidigung durch die Presse hat die ") Berlin W., Fontane u. Komp. 1895. Preis 50 Pf. Georg von GLzycki. Mit Georg von Gizycki. der gestern der tückischen Influenza erlegen ist, verliert das deutsche Volk«inen wackeren Streiter für Geiftesfreiheit, einen ehrlichen, vorurtheilslosen, aus seiner Umgebung herausragenden Mann. Wer ihn gekannt hat, wer gesehen hat. wie schwächlich sein Körper war, wie er fremder Hilfe zur Fortbewegung bedurfte, der wird über die Fülle seiner literarischen Leistungen, aber noch mehr über seinen unermüdliche» Eifer anregend zu wirken, anderen zu helfen, neues ins Leben zu rufen, erstaunt sein müssen. In seinen philosophischen Schriften, die sich zumeist auf dem Gebiete der Ethik und der Geschichte derselben bewegten, verstand er es bei aller Wissenschaftlichkeit gemeinverständlich darzustellen. Sein System beruht auf den s-ätze», daß ethisch das höchste Gut die größtmögliche Glückseligkeit sei, und daß das Streben nach diesem nie Trieb sei, der den Menschen ebenso innewohne, als der nach Selbsterhaltung. Von seinen philosophi- schen Arbeiten haben die größte Verbreitung gesunden, die in mehreren Auslagen erschienenen„Grundzüge der Moral", die bei ihrem ersten Erscheinen von dem Berliner Freidenkerverein Lessing preisgekrönt wurden. Ju weiteren Kreisen wurde er durch die Herausgabe der deutschen Ausgabe von Bellamyjs Rückblick bekannt und dann durch seinen Eiser für die Schaffung einer ethischen Bewegung nach dem Muster der amerikanischen. In der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur vertrat er ebenso wie in dem von ihm redigirten Verbandsorgane der Ge- sellschaft die äußerste Linke. War seiner milden, der Ver- söhnung zugeneigten Natur der Klassenkampf etwas un- angenehmes, das in der heutigen Gesellschaft schon über- wunden werden sollte, so war er sonst doch mit Leib und Seele den Idealen der Sozialdemokratie ergeben. Aus zahlreickpen an uns gerichteten Briefen und gelegentlichen Beiträgen wissen wir, daß er mit vollster Sympathie unseren Kämpsen folgte und daß, soweit er überhaupt ein Politiker war, er Sozialdemokrat war. Wir waren oft anderer Meinung wie er. aber stets waren wir überzeugt, daß seine Motive die lautersten, seine Absichten die besten waren. Er hatte sich im Jahre 1878 als Privatdozent an der Universität Berlin niedergelasie» nnd lehrte in den letzten 12 Jahren als Professor vor einem großen Kreise von Sludiren- den au der hiesigen Universität Ethik. Er war politisch und philosophisch der radikalste Universiläts- lehrer Deutschlands. vierte Strafkammer des königlichen Landgerichts l Berlin am 2. Oktober 1894 für Recht erkannt: daß die beiden Augeklagten Köbner und Pötzsch schuldig der Beleidigung mittels der Presse und deshalb zu bestrafen ein jeder von ihnen mit einer Geld- strafe von— 600— sechshundert Mark, der rm Nichlbeitreibungs- falle für je— 10— zehn Mark ein Tag Gefängniß zu substituiren, daß ferner dem Beleidigten. Landgerichtsdireklor Brauseivetter zu Berlin, die Befugniß zuzusprechen, den verfügenden Theil des llrtheils binnen vier Wochen nach Zustellung einer Ausfertigung des rechtskräftigen Urtheils einmal durch die„Natioual-Zeitung" und einmal durch den„Vorwärts" Berliner Volksblatt, auf Kosten der Verurtheilten öffentlich bekannt machen zu lassen, daß sämmt- liche vorfindliche Exemplare der beiden inkriminirten Nnipmern und zwar Nr. 296 der„National-Zeitung" vom 11. Mai und Nr. 103 des„Vorwärts" vom 12. Mai 1894, sowie die zu ihrer Herstellung bestimmten Platten und Formen unbrauchbar zu machen, endlich die Kosten des Verfahrens den beiden Angeklagten zur Last zu legen. Von Rechts Wegen. Volitisthe Mebevftlfct. Berlin, 4. März. f m Reichstage wurde heute die an die Rede Lieb- t' s sich anknüpfende Diskussion fortgesetzt. Die Gegner, denen Liebknecht noch in zwei kurzen Erwiderungen diente, konnten nichts Neues beibringen. Die Debatte erhob sich dann wieder auf das große Niveau der letzten Sitzung. als Bebel die Zustände im Heere einer scharfen Kritik unterzog. Weder die Ausführungen des Kriegsministers, noch die Redner der Regierungsparteien konnten den großen Eindruck der Bebel'schen Rede und seiner Repliken auf die gegnerischen Reden Abbruch thun. Wir verweisen ans unseren ausführlichen Reichstags-Bericht.— Nachwahl in Eschwcge-Schmalkalden. Eine Privat- depcsche meldet uns aus Eschwege das amtliche Resultat der Nachwahl zum Reichstage. Es lautet: Huhn(Sozialdemokrat) erhielt 5605, Jskraut (Antisemit und Bund der Landwirthe) 3826, Stengel(Frei- sinnige Volkspartei) 3495, Peters(Nationalliberal) 3106 Stimmen, als zersplittert wurden 5 Stimmen gezählt. Die Stichwahl, die für den 14. März angesetzt ist, findet demnach zwischen unserem Kandidaten und dem sattsam be- kannten Jskraut statt.— „Nur nicht objektiv" ist das Leitmotiv der„Berliner Neuesten Nachrichten", in denen wir folgenden Wuthausbruch finden: Die wiederholt zum Ausdruck gebrachten Beschwerden über den Oldenberg'schen Parlamentsberuht erhalten einen neuen Beleg durch den Bericht über die heutigen(Sonnabend) Reichs- tags-Verhandlungen. Im Manuskript nimmt der Bericht üher die heutige Sitzung zusammen 15 Seiten ein; von diesen 15 Seiten sind allein 4'/- Seiten auf- die Rede des Herrn Lieb- knecht verwandt! Daß Liebknecht's Rede mn Sonnabend die längste und bedeutungsvollste war, daß an ihr die Debatten zweier Parlamentssitzungen anknüpften, läßt es selbstverständlich erscheinen, daß das Oldcnberg'sche Bureau, das„Reichs- Anzeiger",„Nordd. Allgem. Zeitung" ebenso wie die„Voss. Zeitung" nnd den„Vorwärts" bedient, diese Rede nicht kürzt oder gar fälscht, wie es nach dem Geschmack der „Berliner Neuesten Nachrichten" wäre.— Im Abgeordnctcuhause wurde heute noch die zweite Beralhung des K u l t n s e t a t s fortgesetzt. Einige Ab« geordnete brachten Beschwerden über die mangelhafte Organisation des Medizinal- und S a n i t ä t s- wesens in Preußen vor. Auch wurde über die ungünstige Stellung der Kreisphysici gesprochen, die viel zu gering dotirt werden, als daß sie sich um die hygienischen und sanitären Verhältnisse in ihrem Gebiet viel kümmern könnten. Der Minister versprach Abhilfe. Auch die Verhältnisse der Berliner Charitee wurden berührt und mitgetheilt, daß zwar ein großartiger Umbau beabsichtigt sei, daß darüber aber noch viele Jahre vergehen können. Sollte vielleicht wieder ein kleiner Boykott beliebt werden, um die Sache etwas zu be- schleunigen? Nächste Sitzung Dienstag.— Ter Verein der deutschen Zeitungsverleger trat heute ini hiesigen Westminster-Hotel zur Generalversammlung zusammen. Es wurde beschlossen, in geeigneten Fällen(z. B. grober Unfug. Gerichtestand der Presse u. s. w.), Preßprozesse auf Vereinskosten bis zur Entscheidung des Reichsgerichts durchzuführen, gleichgiltig, ob der Verklagte Mitglied des Vereins ist oder nicht. Ein weiterer Beschluß betraf Eingabe wegen einheitlicher Regelung der Sonntagsruhe im Zeitungsgewerbe(von 6 bis 6 Uhr) nnd wegen Freigabe des Verkaufs von Zeitungen auf Sein Einfluß auf weite Kreist als Schriftsteller, Lehrer und Organisator war groß, und zwar gerade in den Kreisen, die der sozialdemokratischen Agitation nicht zugänglich waren. Alle, die ihn kannten, die sein Wirken verfolgten, werden ihm über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Ttzenkev. Neues Theater. Bernhard Baumeister, ein Mann von schauspielerischer Urkraft, seit Jahrzehnten Mitglied des Wiener Burgtheaters, weilt gegenwärtig als Gast deS Neuen Theaters in Berlin. Baumeister ist einer der wenigen Künstler, die noch von der Glanzzeit, da das Burgtheater sür das gesammte deutsche Bühnenleben als vorbildlich galt,«ine lebendige An- schauung geben. Aus Norddeutschland kam Baumeister in jungen Jahren nach Wien. Seine straffe, norddeutsche Art, die das Lebe» in seinen herberen, kantigen, festumschrieben charakterischen Aeußerungen lieber aussuchte, als in seinen weichen, schmeich- lerischen Formen, hatte viele Jahre lang um ihr künstlerisches Recht zu kämpfen. Wo man das Herz gern auf der Zunge trägt, wie in Wien, da befremdete zunächst der künst- lerische Realismus Baumeister's, der iür die Sprache der Empfindungen«inen gedänipsteren, zurückhallenden, innerlich be- ivegle» Ausdruck fand. Lange brauchte es so, bis man erkannte. daß Baumeister am Burgtheater der Künstler von ursprünglichster Bedeutung war, daß seine Darstellung des Menschen echt war und bescheiden, wie alle Natürlichkeit; aber schließlich wuchs Baumeister zum hervorragendsten Darsteller all jener Gestalten heran, die sicher auftreten in� breiter, gedrungener Kraft und in schlichtem Gemüthsleben. Goethe's„Götz von Berlichingen". der.Erbförster" von Otto Ludwig und vor allem auch Calderon's herrliche Banernfigur im Richter von Zalamea, das sind die Namen, die den Höhepunkt von Baumeister's Können bedeuten.— Heute ist Baumeister 67 Jahre all. und nothwendig wird da die geistige Spannkraft spröder. Man merkte es, als Baumeister im Neuen Theater als Falstaff in Shakespeare's Heinrich austrat. Eine feine Charaklerstudie, aber doch nicht gleichmäßig von vollgilligem Humor durchdrungen. Freier und sieghafter entfaltete sich gestern im Erbsörster Baumeister's Kunst. Das war der alte Baumeister aus seiner besten Schaffensperiode: das Kind im weißen Haar, das weltfremd und wie ein gläubiger Held das höhere, ungeschriebene Recht gegen die ge- schriebenen Satzungen durchsehen will und mit seiner Naivität ben Bahnhöfen an Sonn- und Festtagen während der ganzen Taner des Tages. Die Berathungen werden morgen forlgesetzt. Gegen die Tabaksteuer. Am 3. März hat in Mann- heim eine Versammlung von Tabakinteressenlen stattgefunden, welche von etwa 2000 Personen ans Baden, der Pfalz, Hessen und Württemberg besucht war. Am Schlüsse der Versammlung wurde folgende Resolution angenommen: �„Die heute in Mannheim versammelten Vertreter des süd« westdeutschen Tadakgewerbes aus Baden, Bayern und Würltem- berg, sowie aus den Reichslanden, erachten jede weitere Belastung des Tabaks als gefährlich für den Tabakbau, den Tabak- Handel und die Tabakindustrie. Sie erklären insbesondere, daß das System der Mehrbesteuerung mit der gedeihlichen Fort- entwickelung des Tabaksgewerbes unvereinbar sei."— Zur Flottenbetvilligung durch das Zentrum. Daß in Zentrumskreisen die reaktionäre Haltung derer um Lieber doch manche verschnupft, beweist folgende Auslassung eines der angesehensten Zentrumsblätter, des„Mainzer Journal". Es schreibt zu der neuesten Lieber'schen Heldenthat: „Die vier Kreuzer � wurden im Deutschen Reichstag in zweiter Lesung genehmigt und dafür die ersten Millionen- raten bewilligt. Das Zentrum stimmte ge- schlössen dafür. Dafür kann„der Herr der Fluthen, dem Nix und Nex sich beugt", zufrieden sein. Wir und sicherlich ein großer Theil der Zentrumswähler mit uns sind damit nicht zufrieden, weil wir schlimme Folgen für die Zentrums- fraktion befürchten, die mit vollen Segeln nun im Ne- gierungsfahrwasser fährt. Wir haben unsere Pflicht gethan und gewarnt, da wir längst der fortwährenden Erpressungen des Viilitärmolochs müde sind. Die Sozialdemokraten haben nim ein Agitationsmittel mehr, das sie bestens verwerthen werden." Stimmt! Aber daß das ultramontane Blatt nicht aus freiheitlicher Begeisterung, sondern nur aus Rücksicht und aus Furcht vor seinen Wählern so schreibt, das stimmt auch!— Propaganda für de» Antrag Kanitz in Bayern. Die verschiedenen Gruppen und Kreisverbände der bayerischen Bauernbund-Bewegung vereinigten sich in der am 2. März i» Regensburg abgehaltenen, von 08 Telcgirten besuchten Versammlung zu einem bayerischen Bauernbunde, unter dem Vorsitze des Baron Thüngen. Angenommen wurde der Antrag Kanitz, ferner die Beseitigung der Bodenzinsen, die Errichtung einer Staats-Hypothekenbank, die Herabsetzung der Zinslasten und die Ablösung der bäuerlichen Hypotheken- schulden.— Württembergischer Landtag. Nach achttägiger Pause trat am Freitag Abend 5 Uhr das Abgeordnetenhaus wieder zu- sanimen und erledigte in einstündiger Sitzung verschiedene Koni- missionswahlen. In der Petitionskominission wurde Genosse Glaser gewählt.— Am Sonnabend wurde der Gesetzentwurf. betr. die Bestellung der Ortsvorneher in größeren Städten be- rathen. Nach demselben soll die lebenslängliche Stellung der Ortsvorsteher in Städten über 10 000 Einwohner abgeschafft werden, die Wahl derselben soll aber nicht mehr durch die Bürger, sondern durch die bürgerlichen Kollegien vorgenommen werden. Der Minister des Innern, v. P i s ch e k, begründet den Entwurf, hauptsächlich die Wahl durch die bürgerlichen Kollegien damit, daß die Aufregung bei einer Wahl groß sei, daß Zer- klüstungen entstehen. Die bürgerlichen Kollegien könnten die Eigenschaften eines Bewerbers besser prüfen, als die Bürger K. (Pen Vetternwirthschafl hat der Herr Minister, wie es scheint, keine Ahnung.) Die größeren Städte sind die Sammelstätten der fluktuirenden Bevölkerung, die mit den Interessen der Städte wenig verbunden ist. Sie sind deshalb auch die Herde und Zentren der sozialistischen und monarchistischen Bewegung. Bei den letzten Gemein dewahlen in Stuttgart habe die Sozialdemo- kratie 27,6 pCt. Stimmen erhalten, in anderen württembergischen Städten bis zu 20 pCt. und daher sei die Gefahr vorhanden, daß allmälig die Sozialdemokratie bei Gemeindewahlen auch die Uederhand bekommen könne. Es sei immer noch ein Unterschied, ob ein sozialistischer Ortsvorsteher von der Gesammtheit der Ge- Nossen unter dem Parteisanatismus gewählt werde, oder durch die bürgerlichen Kollegien! Genosse Glaser blieb dem Herrn Minister die nöthige Antwort nicht schuldig und führte u. a. aus: Der Entwurf habe das Haus bitter enttäuscht, die Regie- eine Tragödie über seine Familie lädt, das war Baumeister's treuherziger Erbsörster. Nur selten offenbarte sich in dem breit angelegten Eharaktergemälde ein Zug von Müdigkeit und mit- unter nur störte eine leise Beimengung von überzärtlicher Senti- Mentalität, die etwas Wienerisch- Weichliches in Otto Ludwig's ernstblickende Tragödie brachte. K«iß mli lipfM. Um der über alle Begriffe schamloseu Ausbeutung, welche das Unternehmerchnm in der Kunst an den Schauspielern und Schauspielerinnen übt, ein wenig zu steuern, haben bekannt- lich unsere Parteigenossen Robert Schmidt und Reißhaus bei Berathung der Gewerbe-Ordnungs-Novelle einige Anträge im Reichstage eingebracht, welche namentlich das famose Kontrakt- wesen etwas menschenwürdiger gestalten sollen. Hierzu ist ihnen eine von öS Mitgliedern des Solo-Chor- und Orchesterpersonals des Wiesbadener Hoflheaters unterzeichnete Zuschrift zugegangen, die folgenden Wortlaut hat: Gestatten Sie, daß Endesunterzeichnete, welche in der Zcituna die von Ihnen im Reichstage eingebrachten Anträge gelesen baden, „die das Berhältniß der Bühuen-Anoestellten zu den Unter» nehmern regeln sollen", Ihnen für die Th-ilnahme, welche Sie dem deutschen Schauspielerstande entgegenbringen, den herzlichsten und innigsten Dank abstatten. Daß Theaterangehörige der Willkür eines oft unfähigen und mittellosen Unternehmers überlassen sind. ist eine traurige Thatsache, und sollte man glauben, daß der gesammte deutsche Schauspielerstand sich aufgerafft hätte, um eine Aenderung der Verträge durchzusetzen, die auch den Schau- spielern Rechte giebt, damit sie nicht vollkommen macht- und wehrlos, daß die kontraktlichen Rechte und Pflichten gegenseitige sind.— Aber leider sind die Schauspieler in der Well so zer- streut, auch von ihren Unternehmern derart abhängig, daß sie sich zu einem gemeinsamen Schritt nicht aufraffen konnten; denn die betreffenden, welche sich an einem derartigen Schritt betheiligen, würden dadurch nur zu leiden haben, aber garnichts ausrichten, weil ein Vorgehen„sämmtlicher" Bühnen» an gehöriger ausgeschlossen ist.— Und warum das? Weil viele auf eine Aenderung der Verhältuisse von seilen der„Genossen- schast deutscher Bühnenangehöriger" hoffen, was nie geschehen wird. Den Grund hierfür werden wir weiter untenstehend an- geben.— Durch die Nutzlosigkeit derartiger Versuche, sich von den Unternehmern zu emanzipiren und sich wenigstens einige Rechte zu sichern, hat sich der Bühnenangehörigen eine gewisse Mattigkeit und Resignation bemächtigt, daß sie ruhig zu- sehen, wie sie oft von den Direktoren ausgebeutet werden. — Jeder Jurist und jeder, der unsere Kontrakte liest, sagt:„Wie jft tS möglich, daß derartige Kontrakte über- Haupt bestehen können und dürfen?"—„Wie können Sie der- gleichen unterschreiben— Ja! Unterzeichnet Herr A. und B. den seltsamen Vertrag nicht, der üblich ist, so thut es eben ein anderer, und A. und B. sind alalt beraukgesagt brotlos, oder sie muffen Charakter Charakter sein lassen und, nachdem sie genug rung müsse während der Wahl geschlafen haben, sie müsse doch wissen, daß der Entwurf nicht angenommen werden könne, der Minister habe den rothen Lappen geschwungen, es habe aber keinen Eindruck gemacht. Eine Wahlaufrcgung schadet dem Bürger nicht, er könne in das Treiben der Regierung einen Ein- blick bekommen. Die rothe Fahne würde nach Ansicht der Re- gierung das Elend über die Gesellschaft heraufbeschwören; durch Belheiligung der Sozialdemokratie au dem öffentlichen Leben habe aber die Gesammtheit bisher nur gewonnen. Der Entwurf sei unannehmbar; der Hinweis auf die anderen Staaten sei nicht maßgebend, Württemberg habe das demokratische Wahlsystem, das wolle man nicht aufgeben. Die Regierung habe bange machen wollen, bei der Herrschaft der Sozialdemokratie werde man am Spieße gebraten werden; es sei aber niemand im Hause bei dieser Zukunflshoffnung blasser geworden. Für die Rechte des Volkes trete die Sozialdeniokratie ein, auch wenn es am Ministertisch Mißfallen errege. Nachdem verschiedene Redner das Wort ergriffen, wird der Entwurf an eine Kommission von 15 Mitgliedern verwiesen. Im Landtage von Sachseu-Weimar beantwortet« Staats- minister v. Groß heute die Jnterpellalion des Genossen Baudert, die Versammlungsverbote betreffend. Die rechtlichen Gründe für den Erlaß der Bestimmungen über die Auslösung und das Verbot von Versammlungen bei Gefahr der öffentlichen Ordnung und Sicherheit liegen in der Besugniß der Polizeibehörden an sich, welche die Aufgabe haben, für die Aufrechterhaliung der Ordnung ». s. w. zu sorgen. Insbesondere werden die Verfügungen der Polizeibehörden gestützt durch das Gesetz vom 7. Januar ISSä über das Strafaiidrohungsrecht. Ein versassungsmäßiges Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit bestehe für das Groß- Herzogthum nicht. Das Ministerium habe nur in ganz wenigen Fällen über die ergangenen Verbote auf grund von Beschwerden entscheiden können. In allen diesen Fällen der Entscheidung der erstinstanzlichen Behörden seine Zustimmung erlheilen müssen. Das Verbot gewerkschasllichcr Versammlungen betreffend, sei zu konstatiren, daß in diesen Versammlungen unter dem Schein der Erörterung gewerkschaftlicher Frage» für die Bestrebungen der Sozialdemokratie Propaganda gemacht würde; die Bestrebungen der Arbeiter seien hier mit den Bestrebungen der sozialdemokratischen Agitation ideutifizirt würden. Das Bestreben der Arbeiter, ihre Lage zu verbessern, solle nicht gehindert werden. Aber in den meisten Fällen läge gar. kein Anlaß für diese Ver- samniliingen vor, die Abhallung derselben ginge über die Wünsche der Arbeiter hinaus, gegen ihren Willen wurden sie nur für sozialdemokratische Zwecke agitatorisch ausgenutzt. Es läge deshalb auch gar kein Anlaß für die großherzogliche Staats- regierung vor, im allgemeinen eine Anweisung an die Behörden ergehen zu lassen im Sinne der Anfrage. Es sei gar kein Grund für Beschwerden vorhanden. Die Staalsregierung und die unteren Behörden hätten die Pflicht, darüber zu wachen, daß die Bevölkerung nicht durch die Agitatoren gegenseitig aufgehetzl würden.— Eine Besprechung der Interpellation fand nicht statt. Daß der Minister beiläufig in dieser Weise antworten würde, konnte vorausgesehen werden. Die bürgerlichen Parteien, die die Besprechung der Jnterpellations- Beantwortung verhinderten, haben damit ihre Furcht bewiesen.— Die„National-Zeitung" und die Geschichte. Unter dem Titel„Herr Liebknecht und die Kriegsgeschichte" schreibt ein„v. B."(Bognlawski?) einen von krassester Unwissenheit strotzenden Artikel,' der— nach den einleiten- den Phrasen— sich folgenden Satz leistet: „Zuerst behauptet er(Liebknecht), das„Volksheer" Napoleons l. habe das stehende Heer aus der Zeit Friedrichs 1666 geschlagen." Welcher Gallimathias! Der„v. B." verwechselt Napoleon I. mit der französischen Revolution, 1806 mit 1792, und Jena mit V a l m y. Vielleicht studirt der„v. B." einmal G o e t h e' s„Feldzug in der Champagne". Der Rest des Artikels steht auf der Höhe obiger Stil- probe.— Für die Annexion des KougostaateS findet sich im bel- gischen Parlamente keine Mehrheit. Die in Antwerpen erscheinende „Opinion" erfährt, das Ministerium sei im Begriff, die Vorlage betreffend die Abtretung des Kongostaales zurückzuziehen. Den Kammern werde ein von einer königlichen Botschaft begleiteter vermittelnder Vorschlag unterbreitet werden, wonach dem unab- hängigen Kongostaat die nöthigen Mittel zur Fortführung seiner Aufgaben bis zum Jahre 1SV0 verfügbar gemacht werden sollen Man ersieht hieraus, daß der König von Belgien mit seiner sehr gleichmüthig aufgenommenen Drohung zurückzutreten, uichi gehungert. klein beigeben und doch das unterzeichnen, was man ihnen vorlegt, um eben nicht existenzlos zu sein. Die„Genoffeiischaft deutscher Bühiienanhöriger" genießt den Ruf einer vortrefflichen Institution und mit Recht, aber nur als Pensionsanstalt, weil die Einnahmen durch Beiträge der Pensions- berechtigten und vor allen Dingen durch die Nebeneiukünfte sehr große sind.— Nebeneinkünfte?!— Das sind die Benefize, welche die Intendanten und Direktoren zu gimsten der qu. Genossenschaft geben und diese Einnahmequelle wird vermindert oder besser gesagt, versiegen, falls die qu. Genossenschaft eben zu unseren Gunsten eintritt und durch Aenderung der Verträge und sonstige Kalamitäten unseren Stand hebt und von den großen und kleinen Uebeln, die ihn auch gesellschaftlich herabdrücken, befreit. Wir nahen lins Ihnen, Hochgeehrte Herren, heute mit dem größten Vertrauen; Sie bringen unserm Stande Sympathien entgegen; wir danken Ihnen nochmals aufs herzlichste dafür und bitten Sie, bewahren Sie uns diese Sympathien, versuchen Sie es im Reichstage durchzusetzen, daß unsere Volksvertreter unsere Kontrakte prüfen, daß Sie es hören, was wenige wissen, daß uns das Gesetz Rechte giebt. Wenn Sie irgend welches Material, d. h. Verträge, welche den Schauspielern zur Unterschrift vorgelegt, Strafen, welche ihnen auferlegt werden und die in keinem Berhältniß zu ihrem Einkommen stehen, oder Auskunst über sonstige Uiizuträglichkeiteii wünschen, so stehen wir Ihnen mit Vergnügen zur Berjügung und bedarf es nur einiger Zeilen und werden Ihnen die nöthigen Beweise sofort zugehen. Im voraus sagen wir Ihnen uusern tiefgefühltesten Dank für alle Mühe, die Sie auf sich nehmen, um uns zu helfen. In der Hoffnung, daß unserer gerechten Sache Hilfe wird, zeichnen ec.(Folgen sämmtliche Unterschristen). In einer Zuschrift, die der Schauspieler Herr Willy Martini an das hiesige„Fremdenblatt" richtet, wird noch mitgetheilt, daß eine Kopie dieser Adresse an 50 verschiedene Bühnen mit dem Ersuchen um weitere Namensunterschrifteii abgegangen ist, und daß ferner an den Reichstag eine Petition gerichict ist. deren Kopie>20 an verschiedenen Bühnen angestellte Schauspieler zu dem Zweck erhalten haben, weitere Unterschriften zu sammeln. In der Petition wird der Reichstag gebeten, den Anträgen Schmidt und Reißhaus zuzustimmen. Eine Ohrfeige dem Muckerthum. Folgender Briefwechsel wird jetzt in Braunschweig veröffentlicht:„An die Direktion deS herzoglichen Museums. In der gestern stattgehabten Sitzung des unterzeichneten Vereins wurde vorgetragen, daß unerwachsene Kinder beim Anblick der im herzoglichen Museum in den Sälen der Antike aufgestellten Kunstwerke die unzüchtigsten Reden führen. Wir bitten deshalb ganz ergebenst, jungen Leuten unter 16 Jahren den Eintritt in das Museum entweder wie in der Münchener Glyptothek überhaupt nicht oder nur in Begleitung Erwachsener zu gestatten. Braunschweig. den 20. Oktober 1894. Der Verein zur Bekämpfung der öffentlichen Sittenlosigkeit. gez. Kraus?.>>. Schriftführer."—„An den Verein zur Bc» kämpsung der öffentlichen Sittenlosigkeit, zu Händen des Echrist-i Ernst machen will und ausopserungsvoll, wie er einmal ist, noch weiter die Zivilliste, vermehrt um eine Anzahl Millionen für den Kongostaal, anzunehmen bereit ist. Der Vollständigkeit wegen geben wir noch die folgende Drahtmeldung aus Brüssel wieder: „Die Nachricht, daß die Negierung die Vorlage wegen Unterstützung von 10 Millionen an die Kongogesellschaft zurück» ziehen werde, wird von verschiedenen Blättern energisch dementirt. Man glaubt sogar zu wissen, daß die Regierung dieserhalb die Kabiiietsfrage stellen werde." Auch diese Meldung enthält kein Wort mehr von dem Rück« tritte des Königs.— Die Londoner Munizipaltvahle». Das Ergebuiß der Wahlen zum Londoner Grafschaftsrathe ist, daß 59 Ge- mäßigte und 59 Progressisten gewählt sind. Erstere ge- wannen 23 Sitzck Die endgiltige Zusammensetzung des Grasschaftsrathes hängt von der Wahl 9 neuer Aldermen ab; wahrscheinlich wird sich eine Mehrheit von 7 Fort- schrittlcrn ergeben. Wie viel Sozialdemokraten unter den Progressisten(Fortschrittlern) sind, wird leider nicht mit« getheilt.— Das geheimnißvolle Verschwinde» des Abgeordneten Alfredo Comandini aus Mailand hält, wie man uns von dort schreibt, noch immer die Gemülher in Erregung. Herr Comandini, früher radikal und republikanisch, war durch Crispi mit den bekannten Mitteln bekehrt und ministeriell geworden. Er hatte den hochwichtigen, zarten Auftrag erhalten, in Mailand für Crispi die allgemeinen Wahlen vorzubereiten. Insbesondere war er zum Chef des zu diesem Zwecke in Mailand neu ge» gründeten Crispinischen Journals„Corriere di Mattino" ernannt worden. Nachdem er sich zu Anfang Februar bei seinem Herrn und Meister in Rom nicht nur Rath, sondern, wie es allgemein beißt, aus der von Crispi gewaltsam ausgelösten Banca di Napoli eine sehr beträchtliche Summe Geldes geholt hatte, ist er seit dem 15. Februar spurlos verschwunden. Er ward zuletzt in früher Morgenstunde auf dem Zentralbahnhof in Mailand ge- sehen. � Die Crispinischeu Organe in Rom beginnen schon, von einem anarchistisch-sozialistischen Attentat zu reden.— Gestern kam die Nachricht hierher, Comandini sei in G e n f in einem öffenrlicheu Vergnügungshause— und was für ein Ver- gnügungshaus!— erblickt worden. Die Sache erhält einen beleuchtenden vorläufigen Abschluß durch die soeben veröffeutlichie Erklärung der Redaktion des neubegründelen„Cdrriere di Mattino". wonach das Blatt, aus Mangel an Mitteln und weil der Chesredakteur seit dem 15. Februar verschwunden sei, sein ferneres Erscheinen einstellen müsse. Man bewundere die Kon- sequenz der politischen Macher und Männer Italiens. Der Schüler folgt treu und folgerichtig den: Beispiel des Meisters. Das in Rom erhaltene Geld war von Crispi aus der Banca di Napoli gestohlen, darum konnte es von Comandin über die Grenze gestohlen werden.— Giolitti hat seinen Anklägern eine kleine Ueberraschung bereitet. Er hat, gestützt auf einen Artikel der Verfassung, erklärt, er werde als Abgeordneter nur dem obersten(Kasiations-) Ge- richtshose Rede stehen. Diesen obersten Gerichtshof bildet aber der Senat. Also muß der Senat, und, da dieser allein nicht tagen darf, zugleich die von Crispi so geliebte wie vertagte Kammer einberufen werden. Der„gegründete"„Tecolo". Ein Ereigniß bereitet sich in Mailand vor, das aufs grellste darthut, wie der Kapitalismus auf geistigein Gebiele alle Vernuiistbegriffe umkehrt und in den Boden stampst. Die großen öffentlichen Blätter sind im Besitz der Kapitalisten zu D e n k ni a s ch i n« n geworden und die geistigen Kulis, die an diesen Deukmaschinen arbeiten, und die gesammteii Leser des Blattes werden im Interesse der Kapitalisten, der Besitzer der Maschine, a n g e w e n.d e t und bei Gelegenheit umgewendet wie ein Handschuh. „Sie kaufen Deukmaschinen Und verkaufen sie." Wer kennt nicht den„Secolo", das verbreitetsie tägliche Blatt Italiens mit seinen 200 000 Abonnenten? Dieses bürgerlich» demokratische Blatt, das bisher der Todfeind Crispi's und seiner gesammteii Korruptions- und Schandwirthschast war und sich im Kampfe gegen ihn im letzten Jahre hervorragende Verdienste um die Freiheits-Entwickelung Italiens erworben hat dergestalt, daß noch vor wenigen Tagen der Sozialist und Abgeordneter Enrico Ferri einen Leitartikel mit seiuein Namen darin veröffentlicht, dieses selbe Blatt ist soeben, da sein Besitzer Sonzogno in Geld- noth gerieth, von einem 5kousortium nackter Geldinteressen, von Börsermännern und Kapitalisten, neu gegründet worden. Man führers Herrn Pastor Kraus Hierselbst. Die unterzeichnete Direktion erwidert auf die Eingabe vom 20. d. M., daß die Behauptung, wonach„unerwachsene Kinder beim Anblick der im herzoglichen Museum in den Sälen der Antike ausgestellten Kunstwerke die unzüchtigsten Reden führen," ohne Beweis gelassen ist und bestritten werden muß, da hier nie« mals irgend eine auch nur im geringsten unzüchtige Rede von Besuchern der Gipssammlung vernommen worden ist. Sollte aber dennoch derartiges wirklich vereinzelt vor- gekommen sein, so könnte es nur von sittlich verwahrlosten Kindern geschehen sein, denn die fraglichen Kunstwerke in ihrer hohen natürliche» Keuschheit und strengen Schönheit können nun und nimmermehr unverdorbenen Gemüthern Anreiz zu unzüchtigen Reden biete». Es liegt sonach keinerlei Anlaß vor, der gestellten Bitte zu entsprechen. Die unterzeichnete Direktion muß sich übrigens mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, daß das herzogliche Museum ein Gegenstand sei, der zu den Bestrebungen eines„Vereins zur Bekämpfung der öffentlichen Sittenlosigkeit" in irgend eine Beziehung zu bringen sein könnte. Braunschweig, den 22. Oktober 1894. Die Direktion des herzoglichen MuseumS gez. Riegel." Im letzten Sommer sind bei Wannse» interessante Versuche über elektrische Telegraphie ohne Draht.angestellt worden. Es handelte sich dabei uin die Verständigung zwischen zwei Schiffen oder eines Schiffes mit einer Station an der Küste, Von beiden Stationen aus, sowohl von der festen am Ufer, als von der beweglichen aus dem Schiffe, wurden mit den Apparaten leitend verbundene Platten in das Wasser gesenkt; als leitende Ver« bindung zwischen den beiden Stationen dient dann daS Waffer selbst. Die Verständigung gelang bis auf Strecken von 4,5 Kilometern so gut, daß man hoffen darf, diese Methode der Tele- graphie auch für weitere Strecken verwenden zu können. Ein Uebelstand ist hierbei, daß, wenn man vom Lande aus Zeichen giebt, sämmtliche Schiffe in einem gewissen Umkreis die- selben wahrnehmen würden, wodurch der Verkehr mit einem de- stimmten Schiffe erschwert wird. Doch wird sich dies vielleicht vermeiden lassen, da eZ dem einen Experimentator, Dr. Rubens, gelungen ist, einen sehr enipfindlichen Apparat zu konstruiren, welcher nur für eine be« stimmte Schwingungszahl der benutzten Wechselströme— Ströme, welche in der Sekunde mehrmals ihre Richtung wechseln— anspricht. Beilutzl man auf der zeichengebenden Station Wechsel- ströme verschiedener Schwingungszahl, während die verschiedenen Schiffe mit Apparaten ausgerüstet sind, welche nur auf bestimmte Schwingungszahlen ansprechen, so kann kein Schiff die für ein anderes bestimmten Zeichen wahrnehmen. Der Schriftsteller Sacher-Masoch ist, wie aus Lindheim in Hessen geschrieben wird, so schwer an Gehirnerweichmig er- krankt, daß man feiner Auflösung entgegensieht. Ter Bildhauer Professor v. Widemann ist am 8. März n München gestorben. tenTe, daß an der Spitze dieser Gründer und Ankäufer der Bankier Weill-Schott stehl, derselbe Millionär, der Crispi's gcstoblene Bankwcchsel in Höhe von 240 000 Franken deckte und den Ordcnsschcicher Crispi's für 50 000 Franks an de» Panama- dieb Heinrich Herz freundlich vermittelte!— Im nächsten Be- richte mehr hierüber.— Tie Nachrichten ans Ruhland lauten sehr ernst. unZ selbst sind zwar noch keine direkten Nachrichten über die jüngsten Vorkommnisse in Petersburg zugegangen, allein daß der Telegraph nach gewohnter Art u n'v e r s ch ä m t gelogen hat,— das wird jetzt indirekt durch die offiziösen Nachrichten eingestanden. Es haben ernst- hafte Zusammenstöße stattgefunden, bei denen sogar das � Militär einschreiten mußte. Dies läßt darau schließen, daß es sich um weit m e h r als eine S t u. d e n t e n- Demonstration gehandelt hat. Unzweifelhaft haben größere Volksmasscn sich betheiligt. Es hat V e r- w u n d e t e und Tobte gegeben. Und, wie der offiziöse Telegraph meldet: die Unruhen haben sich wiederholt und einen noch ernsteren Cha- rakter gehabt! Mehr Verwundete �und mehr Tobte! Das läßt auf einen förmlichen Kampf schließen. Und das Ende der Unruhen wird noch nicht gemeldet. Es scheint erst der Ansang zu sein. Wie von dort gemeldet wird, haben gestern im philologischen Institut Unruhen staltgefunden, welche das Einschreuen der be- waffneten Macht nolhwendig machten.— Eine vorgestern stattgehabte Versammlung von 1000 Studenten verlangte die Demission des Rektors. Ter Rektor ermahnte die Studenten zur Ruhe, um einen Zusammenstoß mit dem Militär zu vermeiden.— Rußland»nd Dänemark haben einen Handelsvertrag ab- geschlossen.— Parlamentstvahlen i« Griechenland. Das Dekret, be- treffend die Auflösung der Deputirtenkanuner wurde am 3. März vom König unterzeichnet. Die Neuwahlen sind auf den 28. April festgesetzt, die neue Rammer soll am 27. Mai zusammentreten.— Mit dem Aufstand in Cuba ist es diesmal ernst. Nachdem dutzende Mal ohne Grund gerufen worden war: der Wolf ist da! ist der Wolf diesmal in die Hürde ein- gebrochen. Die spanische Regierung will 20 000 Mann nach der„Perle der Antillen" schicken. Das zeigt, wie schwer die Gefahr nach Ansicht der Regierung ist. Ist aber in Cuba ein wirklicher Aufstand, das heißt nicht eine von ein paar amerikanischen Abenteurern inszenirte Aufstandskomödie, sondern eine Volks- crhebung ausgebrochen, so reichen sämmtliche spanischeil Streitkräfte zur Unterdrückung gar nicht ans. Die Ansständischen können aus den V e r- einigten Staaten nicht nur Waffen und Kriegs- Material nach Bedarf erhalte», sondern auch Freiwillige in beliebiger Zahl. Der frühere Aufstand, der nach dem amerikanischen Bürgerkrieg entbrannte, hatte nur eine Interessengruppe hinter sich, nicht die Massen, und doch beharrpteten sich die Aufständischen nlehrereJahre lang, und sie wären auch dann nicht überwunden ivorden, wenn nicht die Pereinigten Staaten die Ausfuhr von Kriegs- Material aufs strengste verboten hätte. Jetzt ist die Stim- mung in den Vereinigten Staaten eine andere. Der Aufstand in C u b a ist ernster zu nehmen, als nach den von der spanischen Regierung herrührenden Informationen zu schließen ist. Einige spanische Blätter bringen die Mittheilung, daß die Regierung die aus Euba ausgcbrochencn Unruhen vorher- gesehen habe, denn bereits vor einem Monate seien zwei Panzer- schiffe, mit zahlreichen Truppen an Bord, nach Havanna ab- gegangen. Wie wenig de» amtlichen Commumquös aus Madrid zu glauben ist, beweisen die folgenden Depeschen. Am Sonnabend relegraphirt man aus Madrid: Nach offiziellen Depeschen aus Cuba ist der Aufstand zwischen Beira und Guantanamo lokalisirt. Derselbe wird von dem Neger Guilhermon geleitet, welcher auch die Ausstände in den Jahren 1878 und 1860 hervorrief. An» gleichen Tage wird aber aus C a d i x telegraphirt: 0500 Mann, die jährliche Ersatzlruppe, wurden nach Cuba eingeschifft; die angekündigten Verstärkungen werden nach- folgen. Und am Montag wird aus Madrid telegraphirt: Der gestrige Ministerrath beschloß, einen Kredit für den Kampf gegen die Aufständischen auf Cuba zu verlangen. 20 000 Mann flehen zur Einschiffung nach Cuba bereit. Demnach dürste der Ausstand in Cuba noch größere Dimensionen annehmen.— Monarchistische Hochverräther. Aus Honolulu wird gemeldet: Verschiedene Verhastete, welche der Theilnahme an der Rebellion gegen die Republik überführt sind, wurden zu Ge- fängnißstvasen von 5 bis 35 Jahren«nd schweren Geldbußen vernrtheilt.— Japan-China.„Neuter's Bureau" meldet aus Shanghai: Die Vorbesprechungen zu den Friedensunterhandlungcn machen gute Fortschritte; dieselben bezrehen sich hauptsächlich auf den Inhalt der Beglaubigungsschreiben und Vollmachten der chinesischen Abgesandten. Es wird vorgeschlagen, daß die Ab- gesandte» sich zunächst bei Schimonoseki begegnen und daß nach Richtigbefund der Beglaubigungsschreiben die Verhandlungen in Hiroschima fortgeführt werden sollen. Eine Depesche des Kommandirenden der ersten japanischen Armee berichtet, die Japaner haben die Gegend von Saiyentai bis Tafukon vollständig besetzt. Am 28. Februar griffen die Chinesen unter General Gih in der Stärke von 15 000 Mann die Japaner an, wurden aber nach heftigem Kampfe gegen Norden zurückgedrängt. Der Verlust der Japaner betrug 03 Mann an Tobten und Verwundeten./ Die Chinesen verloren 45 Tobte. Am gleiche» Tage machten die Chinesen einen erneuten Augriff aus Haitsching, welcher alsbald zurückgeschlagen wurde. Z>svlK»nonkSLi1Äles. Die warme Abendkost für die Soldaten. Beim Reichs- tag ist folgende Resolution des Abgeordneten Dr. Schädler zur zweiten Etatsberathung eingegangen: Der Reichstag wolle de- schließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlaffen, daß die mit der Verabreichung warmer Abendkost an die Mann- schasten des aktiven Heeres angestellten Versuche fortgesetzt werden, und je nach dem Ergebniß dieser Versuche Mittel zur allgemeinen Einführnng dieser Einrichtung in den Etat 1806/97 einzustellen._ patkcinttikjvirfikcn. Zur Reichstags-Ersatzwahl im 6. sächsische» Wahl- kreise schreibt die„Sächsische Arbeiter-Zeitung": Großen Hoff- nungen scheinen sich die Konservativen diesmal hinzugeben. Das „Vaterland" sagt in einen» Artikel, daß ein entschiedener U»n- schivilng in der Sliininung der Wähler eingetreten sei, und baß sich zahlreiche frühere Antisemiten jetzt zu konservativen An- schauungen bekennten. Es fordert deshalb die Konser- vative« des Kreises auf,„unier eigener Jahne" die königs- treuen Elemente zusainmenznsassen. Das wird ihnen nur nicht viel nützen— ob unter eigener oder unter fremder Flagge— Veranlwortlicher Redakteur: I Dierl( ein Kouscrvativn geht nicht mehr als Vertreter des 6. Kreises in den Reichstag. Alich die Freisinnigen haben wieder frischen Muth bekommen und»volle» ihre 300 Wähler uuter eigener Flagge zusammen- faffen. Herrn Institutsdirektor Schmidt fordert die„Wähler des 6. Wahlkreises, die sich für die Aufstellung eines entschieden liberalen, volkssreundlichen Kandidaten interessiren", ans, ihin ihre Adressen einzusenden. Das ist ein sehr überflüssiger Luxus. Erklären kann man sich das aber— Schtvindsüchtige glauben ja bekanntlich auch nicht früher an ihren Tod, als bis sie daliegen und nicht mehr japsen können. Gönnen»vir ihnen daher das unschuldige, wenn auch elivas kostspielige Vergnügen. Kandidatur in Dresden Land Wie uns aus Dresden mitgetheilt»vird, ist die Meldung bürgerlicher Ze!t>n»gei», daß Genosse Graduauer im 0. sächsischen Wahlkreise kandidirt»verden soll, unrichtig. »» Nach den Kriegervereinen die Turnvereine. Vom Turnverein in G e r s d o r s(Kreis Magdeburg)»vurde ein Mit- glied, welches von der dortigen sozialdeinolratiichei» Wählerschaft in den Gemeinderath geivähl't wurde ausgeschlossen.— Es ist gut, daß die Gutgesinnten zur Scheidung der Geister mit beitragen. »* * Gewerbegerichtswahl in Pforzheim.(Privatdepesche des„Vor wärt s".) Bei der heutigen Ge werbegerichts- wähl errangen wir einen glänzenden Sieg über die Christlich. Sozialen und ihre Anhänger. Auf unsere Kandidaten fielen 1043 und auf unsere Gegner blas 100 Stimmen. ** Bei der Gewerbegerichtswahl für Chemiiitz-Land, Stollberg und Limbach»vurde die von»inserer Seite aus- gestellte Arbeitnehiner-Liste gewählt. Von ihrer Einflußlosigkeit unter den Arbeitern vollständig überzeugt, hatten die Gegner es gar nicht unternommen, uns eine Liste entgegenzustellen. Sie brachten»nr bei schtvacher Wahlbetheilignng die Arbeitgeber- Liste durch. Aber auch die Arbeiter sollen dem Chemnitzer „Beobachter" ztisolge sich viel zu gering an der Wahl betheiligt haben. Aus N e u k i r ch wird deinselben Blatt geschrieben, daß viele Arbeiter aus Furcht, die Arbeit zu verlieren, gar nicht ge- wählt haben. »« 9 Die Stegmülkereien in Sachsen. Vor einigen Tagen theilten»vir unter dieser Spitzmarke»nil, daß in mehreren sächsischen Orten die sozialdeinolratischen Stadtverordneten für die Bismarckhuldigunge» gestimmt haben. Wie sich nun Heraiis- stellt, sind diese„Auchgenoffen" nur mit auf die sozialdeino- kratische Liste gesetzt ivorden,»veil es o»> geeigneten Kandidaten fehlte, oder»veil ste als sonst„gute Menschen" bekannt»varen und man der Anschauung»var, daß es im Gemeindekollegium »veniger auf das Prinzip ankäme. Daß»vir uns dieser letzteren Auffassung nicht anschließe» könne», braucht»vohl kaum erivahnt zu»verden. Das„Sächsische Volksblatt" betaut die Nothwendigkeit, daß eine Klärung über die Art der Betheiligung an de» Gemeindeivahlen stattfindet und es wünscht, daß diese Frage ans die Tagesordnung der nächsten Landesversatnmlung gesetzt werde. Tann heißt es»veiler: Die Sozialdemokraten beiheiligen sich lau» Parleiiagsbeschluß mich an Gemeindeivahlen. Ei» Z»sa,>>me»gehen mir anders polilisch Gesinnten darf bei der Wahl nninöglich staltfinden, vor allem dürfen Leute von nicht sozialdemokratischer Gesinnung nicht als Kandidaten fungire», so„gute Menschen" es auch sonst sei» niögen. Wo Klaffenwahlen statifinden, müssen wir in jenen Wahlabtheilungei», in denen sich Sozialdemokraten als Wäblbare nicht befinden. auf die Aufstellung vo». S.-Uli»baten verzichten. Tas gilt von Stadt- und Land- gemeinde-Wahlen. Wie»veit mm» mit der„Symmetrie" kommt, Hai sich dieses Mal auch i» C>m»> tschau gezeigt. Herr Zaumsegel mag ein yuter Mensch fem, ist aber ei» schlechter Musikant in unserein Sinne. Möge die wichtige Frage über Art und Weise der Betheiligung»»serer Genossen bei Geineinderaths- Wahlen auf der Landesversauimlung ihre Regelung sindeu, damit Stegmüüereien künftig vermieden»verden. «« PolizeiUches, Ger., Etliches K. — Du„Auslösung der Vertrau ensm an« er" des deutsche» Textilarbeiter- Verbandes in der Chemnitzer Amts- bauptmanuschast ist vom höchste» sächsischen Gerichtshof, dem Oberlaudesgericht, bestätigt»vorden. Natürlich. — Gegen die Genossen Rhein und Bruhns als Redak- teure der Vre m e r„Bürger-Zeitung" und Genosse G o t t l i e b als Verleger desselben Blaltes hatte der frühere Faktor der Sahl- maiin'sche» Druckerei, Busch, eine Beleidigungsklage angestrengt. Die Klage gegen G o t t l i e b und Bruhns mußte er niaugels an Beiveise» fallen lassen und die Kosten übernehmen; Rhein »vurde schließlich zu 15 M. Geldstrafe vernrtheilt. — Wegen groben U n f u g s soll die„Leipziger Volks- leitung" verfolgt»verde» und zivar wegen einks Artikels, der in achlicher, wissenschaftlicher Weise die gefährliche Situation, in der die E i s l e b e n e r Bevölkerung sich durch die bekannten Erd- Senkungen befindet, geschildert halte. Sozisle ZUelievIlchk. Eine Majestätsbeleidigung als Mittel zum Zweck. In Köln machte sich ei» Tagelöhner einer Majestätsbeleidigung 'chuldig, um der Sorge für seine Familie enthoben zu werden. Der Mann, etiva 89 Jahre alt, erschien in dem Bureau eines Polizeikommissars und schi» pste über de» Kaiser. Er wurde dfort verhaftet und erklärte bei seiner Vernehmung, er habe keine Arbeit und für sich und seine Familie nichts zu essen; er»volle in das Amsthaus.— Ans Sachbeschädigung, sogar Diebstahl kann der Man» nicht mit derselben Sicherheit auf eine längere Versorgung im Gefängniß rechnen; deshalb mag er wohl gerade dies Delikt geivählt haben. Der Brannschweiger Bierboykott. Tas Boykottkomitee »vill sich bemühen, die Aushebung des Boykotts iin Falle der Wiedereinstellung der 21 ausgesperrten Brauerei-Arbeiter, bis zun» 0. März zu erreichen. Die Vertreter der 10 Knopffabriken von Schmölln (Sachsen-Alienburg) beschlossen in einer kürzlich abgehaltenen Konferenz, für die sämnillichen Knopsfabriken einen einheit- lichen Lohntarif festzusetzen, um so partiellen Streiks vor- zubeugcn, bei denen eine Fabrik gegen die andere ausgespielt zu werden pflege. Die Arbeiter werden dazu wohl auch ein Wort mitreden. Hierzu geht uns heute folgende Privatdepesche zu: Seit heule wegen Lohndifferenzen anläßlich der Einsührung des Einheitstarifes sind die Arbeiter von fünf Steinnußknopf- Fabriken ausständig. Weitere Ausstände sind jeden Augenblick zu erwarten. Zuzug ist fernzuhalten. Tie Arbeitslosen,»velche sich in Z ü r i ch bei der Arbeitslosenkommissio»»neideten, vertheilen sich auf folgende Berussarle»: Taglöbner und Erdarbeiter 271, Maurer 70, Stein- Hauer II, Zimmerleute 18, Schreiner 4, Maler 15, übrige Bau- arbeiter(Dachdecker. Zementec u. s. w.) 22, Metallarbeiter 33, Schneider 0, Schuhmacher 0, Tapezirer. Sattler 8, Gärtner 7, übrige Beruf«(inbegriffen auch Bureau- und Holelangestellte, Ausläufer) 73. Nach der Heimath vertheileu sie sich: Stadt- bürger 38, Kantonsbürger 107. Bürger anderer Kantone 104, Deutsche 90, Oesterreicher 32, Italiener 34. il Roland) in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Badiug i Metuevltslsiltstlicktc?. Achtung, Metalldrücker! Sämmtliche Kollegen der Firma Eckel u. G'l i n i ck e, W a s s e r t h o r st r. 50, haben am So»»»!- abend, den 2. März,»vegen»viederholter ivillkürlicher Preis- reduzirnngen einniülhig die Arbeit niedergelegt. Die von seilen des unterzeichneten Vorstandes angebahnte» Verhandlunge» scheiterten an der ablehnenden HaUling der Herren Unternehmer. Die Kollegen befinden sich dcinznfolge in» Streik, und bitten»vir so lange»in strengste Fernhallung des Zuzuges, als nicht unserer- seits der Streik als beendet erklärt»vird. Ter Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Zuzug von Schnhmacher» nach Wermelskirchen ist streng fernzuhalten. Lohudifferenzen sind ausgebrochen in der Sluhlfabrik von Essig in G e r i» g s»v a l d e. Mehrere Arbeiter, die eine Lohn- erhöhung forderten, sind entlassen»vorden. Zuzug ist seru zu halten. Wegen Lohndifferenze» in der Müller'schen Blechivaaren- fabrik ist der Zuzug von Klempnern nach Flensburg fern- zuhalte». Tas Gewerkschaftskartell von Rostock hat beschlossen, der Frage der Errichtung eines Zentralarbeitsamles für die Stadt Rostock näher zu treten. lieber den Weberstreik in Aachen erhalten wir folgenden Situationsbericht: Die Fordsrungen der Arbeiter: menschen- würdige Behandlung nnd Verkürzung der Arbeitszeit um täglich eine Stunde, sind bis jetzt von sechs Fabriken beivilligt ivorden. Infolge des Umstandes, daß z>vei Arbeiter einer»nd derselben Fabrik,»velche vor dem Geiverbegericht zu Ungunsten des Unter« nehmers ausgesagt halte», aus der Arbeit entlassen »vurde», stellten sämmtliche Arbeiter— 100 a» der Zahl— die Arbeit ein und»vollen dieselbe nicht eher wieder ausnehmen, als bis die Entlassenen»vieder eingestellt sein»verde». Diese vo» den Arbeitern getroffene Gegenmaßnahme scheint die Herren arg ver- schnupft zu haben, denn sie erlassen jetzt in ihnen zur Verfügung stehende», Blättern eine„Bekanntmachung", welche zeigt, daß sie den Kamps mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mittel» und mit der ihnen eigenen Energie fortzuführen gesonnen und gewillt sind/ Mehrere Arbeiter,»velche in den Fabriken, wo sie beschäftigt sind, für die Ausständigen sammelten, sind entlassen»vorden, wobei einem von ihnen noch der„gute Rath" ertheilt ivorden ist, sich so zu stellen, als gebe er die Arbeil f r e i»v i l l i g auf. Der Arbeiter erklärte jedoch entschieden, die Wahrheit sagen zu müssen, »vorauf seine Entlassung perjekt»vurde. Die übrigen Arbeiter jener Fabrik— 200— beantworteten diese Maßregelung mit dem Streik. Gegcmvärtig sind 350 Arbeiter zu unterstützen, von denen schon eine große Anzahl wegen des Kontraktbruchs verurtheilt »vurde». Eine Firma sucht in M.-Gladbach Weber zu werben; auch »verde» nach dem»nfernei» Viersen Weber verlangt; zweiffellos sieht man auch dort einer Weberbewegung entgegen. Vor Zuzug auch nach diesen Orten muß daher gewarnt »verden.— Unterstützungen sind zu senden an I o s e f F e i» h a l s in Aachen, Kuhgasse 15. Arbeiter und Arbeiterinnen! Unterstützt Eure kämpfenden Brüder! Der Vorstand des Zentral-Verbandes der Textil- Arbeiter nnd-Arbeiterinnen. Der Streik der Schnhmacher in Nürnberg(Firma Strunz>». Epbrindt) dauert fort. Die Finna hat nur»venige Arbeiter zur Verfügung, sodaß, wenn die Vorräthe aufgezehrt sind, die Untcriiehiner wahrscheinlich gezivungen sein werde», den Fordenlngcn der Ausständigen nachzugeben. Neber die Einführung des NeunstuudentageS haben sich die B u ch d r»> ck e r g e h r l f e n und Prinzipale in Zürich in geineinschafilich abgehaltener Konferenz verständigt, ebenso auch über eine prozentuale Erhöhung des Berechnens. Innerhalb der nächsten 4 Wochen sollen alle Prilizipale, welche ihre münd- liche Zustimmung bereits gegeben haben, zu«wem einheitlichen Vorgehen beivogen»verde». AnS Rrw-Orleans(Bereinigte Staaten)»vird telegraphirt: Eine Anzahl streikender weißer Arbeiter schoß heute auf »nehrere Neger, welche an Bord des deutschen Dampfers„Markomannia" arbeiteten. Der Steuermann des Schiffes brachte die Angelegenheit vor de» hiesigen deutschen Konsul. Gevickiks-BctUmg. Vor dem vereinigten 2.»nd 3. Senat des Reichs- gerichtö zu Leipzig begann am Montag Vormittag der Prozeß »vegen Spionage gegen den Anstreicher Friedrich Adolf Bruno Hemprich ans Zittau. Ein militärischer Sachverständrger und vier Zeugen sind geladen. Die Oeffentlichkeit wurde aus- geschlossen. Hemprich hatte Briefe seines bereits vcrnrtheilten Bruders»veilcrbesördert, in welchen dieser für Frankreich geheime Nachrichten über neue Gewehre und Geschützmunition ver- langte. Er»vurde zu 9 Monaten Gefängniß und 1 Jahr Ehr- Verlust verurtheilt. Der alö Wilderer in der ganzen Mark Brandenburg be- kannte Handelsmann Adolf Jhloff, der schon längere Gefängniß- strafe»»vegen der verschietensten Jagdvergehen zu verbüßen halte, ist gestern von der 2. Strafkamincr am Landgericht II »vieder zu 0 Monaten Gefängniß verurtheilt»vordeu. Veprefckien. Wolfs'S Telegrapheu-Bnreau. Wien, 4. März. Tie Meldung, es sei auf den Kaiser Franz Joses anläßlich dessen Reise nach Cap Mariin ein Attentat be- absichtigt gewesen und der Attentäter festgenommen worden, ist nnbegriindet. Rom, 4. März. Infolge des gegen Giolitti in der An- gelegendeit des Prozesses wegen Entwendung von Schvistfiucken der Banca Roman« erlassenen Vorladungsbefehls erschien der- selbe heule vormittag vor dem llntersuchungsrtchter des Appell- gerichtshofcs. Wie verlautet, hätte Giolitti auch diesem gegenüber unter Berufung auf die gesetzlichen Bestiminungen erklärt, daß die ordentlichen Gerichte nicht zuständig seien, über ihn Recht zu sprechen. Washington, 4. März. Der Marinesekretär Herbert be- orderte die Kreuzer„Sa» Frai-cisco" und„Marblehead", die Vereinigten Staaten bei der Eröffnung des Nordosiscekanals zu vertrete». New Nork. 4. März. Aus Panama wird gemeldet: Die kolumbischcn Regieningstruppe»» wurden in Cucuta von den Re- bellen geschlagen". Die Rebelle» beniächliglen sich der Sladt. Achthundert Mann»vurde» auf beiden Seiten getödtet. Das Pulvermagazin ist in die Lust geflogen, viele Häuser wurden vernichtet. (Teyeschen-Bureau Herold.) Brüssel, 4. März. Die Siechte der Kainmer hat den Be- schluß gefaßt, dem Präsidenten der Kammer neue verschärfte Disziplinargewall zu übertragen. Die diesbezügliche Vorlage wird baldigst ausgearbeitet»verden. Petersburg, 4. März. Tie Studenten-Demon- st r a l i o n e n dauern fort. Aus diesem Grunde wurden auch die Vorlesungen an der Petersburger Universität eingestellt. Eine größere Anzahl Studenten wurde ausgewiesen; weitere Aus- Weisungen sollen bevorstehen. Berlin L'lV.. Beuidstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Bomiirts" Berliner Volksblatt. !lr. 34. Dienstag, deu 3. Marz 1893. 12. Jahrg. Deutscher Rcichstaii. so. Sitzung vom 4. März isos, I u h r. Am Tische des Bundesrathes:Bronsart v. Schellen- vors und Kommissarien. Eingegangen ist der Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des Zollvereinigungs-Aertrages(betreffend die kommunale Wein- besteuerung). Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Berathung des Militäretats und zwar wird die Debatte über das Gebalt des Ministers und den dazu gestellten Antrag der Sozialdemokraten betreffend die Einführung einer M i l i z w e h r- Ordnung fortgeführt. Abg. Liebknecht(Soz.): Die Gegner unseres Antrages haben nicht ein Wort gesagt, welches nicht hundertmal widerlegt worden wäre. Ich soll ein Bild des Zukunftsstnatcs hier vor- geführt haben. Ich habe mich so sachlich wie möglich gehalten, und tas Wort Zukunstsstaat ist eins von jenen, auf welche das Ecethe'sche Wort paßt: denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Man hat ein- geworfen, das Volksheer oder die Volkswehr habe sich 1848/49 nicht bewährt. Dieser deutschen Volks- oder Bürger- wehr fehlte jede militärische Vor- und Ausbildung. Ma~ aber die Freischärler betrifft, so haben sie gegen die regulären Truppen gutes geleistet. Mit dem militärischen Turne» steht es eber schlimmer als besser, als ich es am Sonnabend gesagt habe Wir verlangen eine zweckmäßige Entwickelung der jugendlichen Kräfte zur Wehrhafligkeil. Herr Rickert, der am Sonnabend die Rolle eines Negierungskommissars übernommen hat, muß eine lange Zeit geschlafen haben, wenn er nicht weiß, daß seine eigenen Parteigenossen 1848/49 einstimmig dieselben Forderungen wie wir gestellt haben. Seitdem haben allerdings die liberalen Parteien ihre Forderungen von Freiheit preisgegeben Ueber die Zahlen im sranzösischen Militärbudget will ich nicht streiten, ich halte sie aufrecht. Auch über die Zahlen des schweizerischen Militärbudgets will ich mit Rickert nicht rechten Das Militärbudget der Sckweiz mag nun 25 oder 32 Millionen betragen, auf ein paar Millionen kommt es nicht au; die Hauptsache ist, daß in der Schweiz das Vollsheer die Freiheit des Bürgers bestehen läßt. Es existirl dort kein Militärsystem wie bei uns. Daß aitch in der Schweiz eine Anzahl von Reaktionären gegen den demo kralischen Geist des Milizsystems Front macheu, ist kein Wunder. Beim Anblick des zweierlei Tuches er- greift ja manche eine Art Koller, wie wir es beim weibliche» Geschlecht sehen. Dazu gehöre auch der schweizerische Major. der von den Gegnern als Autorität angeführt werde. In der Schweiz nennt man diese Herren säbelrasselnde Phrasenhelden Die Berufung auf Scharnhorst werde ebenfalls als un berccl tigt bezeichnet; es steht aber fest, daß Schorn Horst nach der Zertrümmerung des stehende» Heeres an die allgemeine Wehrpflicht und zwar nach der Art der Milizheere gedacht habe. Für die weitere Eutivickelung des Heeres bleiben nur zwei Wege offen; wir kommen entweder zum Prätorianerheer oder wir kommen zum Volksheer. Abg. C-nucccrrus(natl.) bestreitet, daß die einsacl e Multü plikation der schweizerischen Ausgaben mit 17 für Deutschland maßgebend sei. Ei» großes Heer erfordert naturgemäß gewisse Ausgaben, die ein tleines nicht erfordert. Vor allem sei aber darauf hinzuweisen, daß die schweizerische Armee nicht erprobt sei gegenüber einen, modernen großen Heere. Wenn Herr Liebknecht dem Deutschen Reiche die geschützte Lage innerhalb der Schweizer Berge und die Neutralisirung verschaffe, könnte, dann ließe sich vielleicht darüber reden, daß ivir uns zur Miliz bekehren. Ein großes stehendes Heer kann nicht zum Prätorianerthum führen; näher liegt eine solche Gefahr, wenn ein fester Stamm von 59 009 Mann vielleicht vorhanden ist. Eine solche Schaar läßt sich eher für bestimmte Zwecke organisiren und verwinden. Scharnhorst hat das gerade Gegeutheil dessen verlaugt, was Liebknecht von ihm behauptet. Auch in Nordamerika hat man der Miliz nicht ohne weiteres vertraut; man hat erst ein Jahr der Ausbildung gewidmet, um die Disziplin der Truppe zu stärken; den» man hatte theilweise sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Wir haben eine disziplinirte Armee und wollen sie den Sozialdemokraten zu Liebe nicht aufgeben. Abg. Liebknecht: Ich habe in meiner Rede am Sonnabend Scharnhorst überhaupt nicht erwähnt. Scharnhorst hat in vcr schiedenen Zeiten verschiedene Ansichten vertreten. Ursprünglich war er für die stehenden Heere. In Nordainerika waren beim Ausbruch des Krieges die Justruklionso fiziere, die hauptsächlich aus den Söhnen von Sklavenbaronen bestanden, zu den Rebellen übergetreten, und die ersten Armeen, die Amerika zusammen raffle, waren angeworbene Soldaten, die sich nicht bewährten. Abg. Gras Oriola(natl.): Wir wollen mit unsere», Heere, auf welches wir stolz sein können, nicht«xperimentiren, wir wollen es behalten, wie es war, als wir unsere Einheit damit gründeten. Daß Mängel vorhanden sind in der Armee, ist bekannt, aber der jetzige Kriegsminister, der das Vertrauen der Armee besitzt, wird auch dazukommen, diese Mängel zu beseitigen. Bezüglich des I n v a l i d e n w e s e n s ist noch nicht alles so, wie es sei» soll. Der Soldat muß das Gefühl haben, daß, wenn er nicht mehr nach Hause kehrt, das Vaterland für seine Hinterbliebenen und für ihn selbst, wenn er ein Krüppel geworden ist, sorgen wird. Es wäre erwünscht und würde zur Beruhigung im Lande dienen, wer» der Kriegsminister erkläre» wollte, ob Aussicht vorhanden ist, durch eine Novelle die Miß- stände der Jnvalidenvcrsorgung zu beseitigen. Ferner bittet Redner um eine Uebersicht über die Kasernemeuts, die brauchbar sind, die aber nicht benutzt werden; besonders wegen der Kaserne in Butzbach, die aufgegeben werde» solle, herrscht große Beunruhigung auch in den Kreise» der Landwirlhschait. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: Mann die zweite Schwadron ans Butzbach verlegt werden wird, ist noch nicht festgestellt. Es ist auch noch nicht der Befehl zur Mr- leg, na der ersten Schwadron gegeben; er kann aber vielleicht deiunKcklst erfolgen. Gcncralliculenant v. Spitz: Die anderweitige Ordnung der Jnvalidcnversorgung liegt hauptsächlich aus dem finanziellen Gebiete. Es liegen sehr viele berechtigte Forde- r u n g c n vor, und die E r f ü l l u n g e n d e r s e l b e n w ü r d e» j ährlich 209 Millionen Mark erfordern(Hört! rechts.) Man spricht dabei immer vom Jnvalidensonds. Wenn dieser jetzt das erfüllt, was gesetzlich auf ihm ruht, dann bleiben noch 3 Millionen jährlich übrig. Deshalb kann das Krieg?« Ministerium eine Antwort nicht ertheilen, bevor nicht sormulirte Anträge vorliegen. Abg. JoruS(nll.) hält es für nothwendig, daß diejenigen entschädigt werden, welche durch die Verlegung einer Garnison geschädigt werden. Tas war erst kürzlich bei der Stadl Northeim der Fall und wird nächstens bei der Stadt Eiinbeck der Fall sein. Kriegsminister Bro»sart v. Schclleudorff: Die Kriegs- Verwaltung wird gern prüfen, ob Eimbeck, wenn es seine Garnison verlieren sollte, nicht anderiveilig entschädigt werden kann. Abg. Bebel: Auch ich will die Debatte über unseren An trag nicht fortsetzen, aber nicht deshalb, weil eine weitere Ev örterung desselben sich nicht lohnte, im Gegentheil: die Frage der Miliz wird und darf nicht von der Tagesordnung ver- schwinden, denn es sind in der letzten Zeit Erscheinungen hervor getreten, bei denen man sich doch fragen muß, ob wir die Armee zu einem Werkzeug gegen das Volk, seine Rechte und Freiheiten verwendet wissen wollen. Die Staats st reich-Jdeen, die mehrfach, z. B. in der Schrift von Boguslawski, aufgetaucht sind, nlüssen den Reichstag veranlassen, zu erörtern, ob er die Armee für solche Zwecke verwenden lassen will. Vor kurzem ging durch die Presse ein bisher geheim ge haltener Erlaß des Kriegsministers, der unter Aushebung früherer Erlasse von 1878, 1579 und 1899 bestimmt, daß Arbeiter. welche für die Zwecke der Sozialdemokratie in irgend einer Weise wirken oder sozialdemokratischen Verbindungen angehören, in den Betrieben der Militärverivallmig nicht beschästigl werden dürfen solche Arbeiter sind ohne Angabe von Gründen zu entlassen oder es ist ihnen zu kündige». Liegt der Verdacht sozialdemokratischer Be strebunge» vor, so wird polizeiliche Requisition empfohlen.(Abg v. M assow: Bravo!) Daß Sie(rechts) diese Aifffassuug theilen wisien wir ja längst. Wir aber müssen der Militärverwallung wie jeder anderen Reichsverwallung das Recht bestreiten, Arbeiter wegen der Belhätignug ihrer politischen Ueberzcugung zu maß regeln, so lange sie sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen halten es sei denn, daß es mit Hilfe des Gesetzes geschieht. Bis zst diesem Augenblick sind die sozialdeniolratischen Arbeiter ebenso wie alle anderen Staatsbürger verpflichtet, Steuern zu zahlen Soldat zu werden, das Vaterland zu vertheidigen; deshalb müssen sie auch die Rechte der anderen Staatsbürger besitzen und sie dürfen nicht>v e g e n ihrer Gesinnung um Brot und Existenz gebracht werde». Was heute die Militär Verwaltung gegen die Arbeiter lhul, das that nian vor einem Jahrhundert gegen Andersgläubige. Ei» Katholik konnte in einem prolestanlischen Staat nicht zu Ehren und Würde» koinmen Er wurde zu allen Pflichten herangezogen aber von den Rechten ausgeschlossen, und in den katholischen Staaten ist es den Prolestanten genau so gegangen. Der Zustand, wie er in der Biililärverwaltung besteht, ist eines modernen Kulturlandes un würdig. Der norddeutsche Bund und später das Deutsche. Reich haben die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses und der Zustimmung ausgesprochen. und wir haben das alle als eine» großen Fortsct.rilt empiunden Soll das heule vom politischen Gebiet nicht gelten? Die nolh- wendige Folge dieser Maßregel ist die Erzichuug der Arbeiter zur Heuchelei, denn die belresscndcn Arbeiter werden ihre Ge sinnungen vor der Oeffentlichkeit zu verbergen suchen. Sie sprechen immer von christlichen Grundsätzen. In erster Liuie aber steht Recht und Gerechtigkeit. Können Sie denn die sozial- demokratischen Arbeiter aus den Staatsbetrieben ausschließen? Bei den letzten Reichstagswahlen haben die staatliche» Fabrik arbeiter in Spaudau und Erfurt, beziv. in 5liel die Marine- Arbeiter für de» sozialdemokratischen Kandidaten den Ausschlag gegeben. Solche Maßregeln können nur Erbitterung hervorrufen Ohne die Sozial! emolratie können Sie nicht existiren; Sie können ohne Sczialdeiuokratcn keinen Krieg führen. Wenn der letzte Mann zu» Kriege gebraucht wird, dann können die zwei Millionen Sozialdemokraten nicht zu Hause bleiben. Es giebl Schiffe in der Marine, wo Mann für Mann Sozialdemokrat ist, wo Mann für Mann zum sozialdemokratische» Wahlfonds beigesteuert hat. Weuu die Sozialdemokratie eine solche Macht gewonnen hat, dann habe» Sie alle Ursache sich mit ihr zu verständigen. (Heiterkeit.) Im dritten Jahrhundert zwang man die christliche» römische» Soltateu deu Göttern zu opfern Tie Soldaten rniißten ge horchen, aber siedemoustrirrm dadurch, daß sie das christliche Kreuzau ihren Helm steckte». In Teutschland habe» wir heute eine ähu liche Koustellation. Tie Behörden werden aufgefordert, Spitzel dieuste zu leisten über die poliusche Stellung der Rekruten; ein solcher El laß des Luidralhs von Waldow für Niederbarm» und ein cmdcier aus dem 5lömgreich Sachsen ist ja bek mit geworden Ein Soldat des 09. JufautericregilnenlS in Magdc bürg wurde in den Tod getrieben, weil man ihn als Sozial- demokraten verdächtigt halte, während er thatsächlich keiner war. Ein Arzt, Dr. med. Hirschfeld>» Harburg, halte sein ersies hatbcs Jahr im zweiten Garberegiment abgek ient; er wnrde mit glänzendem Zeugmß als Gefreiter entlassen mit der CUialislkaiioii als Unterarzt fiir den MobilmachungssaU nach abgelegtem Staatsexamen. Er meldete sich spater zur Ab- dieuung des zweiten Halbjahres und wurde beordert, sich beim Landmehr-Plonierbataillou in Harburg zu stellen. Plötzlich er hielt er den Bescheid, das Generalkommando des 9. Armeekorps ziehe die ertheilte Erlaubniß aus„dienstlichen Gründen" zurück. Ter Tr. Hirschseld halte sich aus Berlin einen Ersatz- mann für den Fall seiner Einberufung kommen lassen und sicki für 399 M. equipirt. Er meldete sich noch einmal und erhielt nach langem Warle» die Aufforderung, den Rest seiner Dienstzeit mit der Waffe als Gefreiter abzudienen. Cr habe, hieß es, dem seinerzeit in ihn gesetzten Vertrauen nicht entsprochen Ohne die geringste Begründung ist eine Degradation des Hirschseld eingetreten. Er ist nach der ärztlichen Untersuchung da»» als dienstuntnuglich entlasse» worden. Dieser Mann hat sich nicht das ge- ringste zu schulden komme» lassen. Ader er war Sozialdemokrat und das gcnigle. Im Falle eines Krieges wird die Heeres- verwoltnug froh sein müssen, sozialdemokratische Aerzte. wie Gemeine und Umerofsiziere, z» haben. Einem Redakteur, Wend- lnnd, wurde, weil er wegen Majestätsbeleidigung bestrast ivar, die Berechtigung zum einjährigen Dienst entzogen. Ter Mann hat sich während seiner Dienstzeit gut geführt, wurde aber plötzlich nach Ehrenbreitstein i» die Arbeits- kompagnie gebracht. Tie Privatunternehmer werden, wenn sie Beiträge mit der Heeresverwaltung atschlicßen, verpflichtet. keine Sozialdemokralen zu beschäsligen. Die Arbeiter müssen einen Revers unterschreiben, daß ste nicht sozialdemokratische', Bestrebungen huldigen, daß ste sozialdemokratische Zeitungen nicht hallen und lesen, bei Vermeidung sofortiger Arbeits- entlassung. Diese Klausel widerspricht de» Bestimmungen der Geiverbr- Ordnung(Sehr richtig! links), und es märe zu wünschen, daß die Herren,»velche solche Bcrordnnnge» erlaffe», sich wenigstens zuvor mit den süc alle Staatsbürger geltcuden gesetzlichen Bestimmungen vertraut machen.(Sehr richtig! links.) Wo sind mir am Ende des 19. Jahrhunderts bingekonmien, wenn von seilen derjenigen Behörden, welche Recht und Gesetz, Wahrheit und Gerechtigkeit in erster Linie hochhalten und wahre» sollen, einer großen Klasse von Staatsbürgern die elementarsten und natürlichsteil Staatsbürger- rechte genommen werden. Als Freiherr v. Stumm seinen Ar- heiter» die Verpflichtnug auserlegte, das Neuukirchner Tageblatt nicht zu lesen und als Krupp das Verbot der Lektüre gewisser katholischer Zeitungen erließ, erhob sich in der ganzen Presse aller Parteien ein Sturm der Entrüstnng. Die Militär- Verwaltung aber darf sich solche Verstöße gegen Gesetz und gute Sitte gestatten, ohne daß in der bürgerlichen Presse auch nur ein erheblicher Widerspruch dagegen geltend ge- macht wirb. Tas ist ein Zustand tiefer moralischer e s lui k e n h e i t. Bei de» sommerliche» Uebungen wurden den Truppen von ihren Kommandeuren Anstrengnugen zugemuthet, die über das richtige Maß hinausgingen. Zwei Fälle aus Württemberg, Mab- linge» und Wemgarten, einer aus Schleswig-Holstein, Rendsburg. liegen vor, wo die Mannschaften vor Ueberanstrengung umfielen und starben. Im Kriege wird mau allerdings nach der Hitze nicht fragen; in Ernstfällen werden die Truppen aber auch vielmehr leisten als im Frieden. In Frankreich sind Märsche bei großer Hitze am Tage verboten. Warum soll nicht in Deutschland etwas ähnliches angeordnet werden. Während der größten Kälte sind bei sußtiefem Schnee Nachtmanöver angeordnet worden, die eben- falls gesundheitliche Schädigungen der Truppen zur Folge hatten. Die Umsturzvorlage will deu Umsturz von Sitte, Ordnung und Religion bekämpfen. Wenn die Armee in diesem Kampfe das hauptsächlichste Mittel sein soll, dann müssen die E i u r i ch- tun gen der Armeen so beschaffen sein, daß sie n i ch t m i t d e r R e l i g i o n. Sitte und Ordnung im Widerspruch stehen. Das ist aber nicht der Fall. Der Gebrauch des Duells fleht mit der Religion im grellsten Widerspruch. Redner verweist auf die Verhandlungen in der Umsturzkommissiou und die vorgelegte Statistik der Duelle.(Zuruf des Grafen Mirbach: Es sind sehr wenig!) Es sind allerdings nur 68 Fälle, aber in bezug ans die Vergehen, für welche man Straf- Verschärfungen beabsichtigt, konnten nicht einnial soviel Fälle vorgeführt werden.(Sehr richtig! links.) Eigenthümlich ist es, daß gerade während der Zeit dieser Umsturzverhandlungen die Duelle sehr zahlreich waren; daran waren sogar einige Reid)Slags-Abgcord»ete betheiligt. Redner zählt die in der letzten Zeit bekannt gewordenen militärischen Duelle auf, bei denen unter Nichtachtung der Gesetze unter Billigung der vorgesetzten Behörden Gesctzesverletzungen offenkundig stattfände».(Sehr richtig! links) Auch ein Vorfall in Hamburg ist sehr lehrreich. Auf dem Hinlerperron der Pferdebahn steht ein Zivilist. Er will absteigen. Ei» Ojfizier macht ihm nicht Platz trotz böslichen Ersuchens. Der Zivilist schiebt ihn, vielleicht etwas unsanft, bei Seite. Der Offizier springt ebenfalls ab und verlangt von dem Zivilisten, daß er ihn wegen seines Benehmens um Verzeihung bitten solle. Als der Ziviltst sich dessen weigert, zieht der Offizier seinen Säbel(Pfui! bei den Sozialdemokratcu) haut ihm einen gehörige» Schlag vor de» Kopf und giebt ihm außerdem eine» Stich in die lliippen(Ruf bei den Sozialdemokraten: Feigheit!) Der Offizier erklärte, daß er in diesem Falle gar nicht anders handeln könne, das geböte ihm seine militärische Ehre.(Pfuirufe bei den Sozialdemokraten; Unruhe rechts.) Glanben Sie das nicht? Selbst Blätter wie der„Hamburger Korrespondent" haben den Vorfall so und noch in grelleren Farbe» gesdsilderl. Nach den Begriffen der militärischen Ehre mag der Osfizicr richtig gehandelt haben; denn der Klageweg ist ja nur für die Bürgerliche» vorhanden. Aus der einen Seite die furcht» barste Beslrasiiug der Soldaten bei de» geringsten Ueberlretungen oder Verletzungen der militärischen Dienstvorschriften, auf der anderen Seite eine auffallend milde Bestrafung der Offiziere. Von 199 Fällen komme» mindestens 99 Be�liadigungsfälle vor. I» Mainz erhält ein Soldat wegen eines kleinen Vergehens drei Tage Arrest. Er kommt auf die Stube und räsonnirl dort über die ihm durchaus zu Unrecht nngethane Schmach. Er wird dcnunzirl und zu 6 Monaten Gesängniß verurtheilt. Der oberste Gerichlsherr findet diese Strafe zu gering. Das Militärgericht entscheidet von neuem und erkennt auf das höchste Strafmaß von drei Jahren Gesängniß.(Hört! bei den Sozialbeniokralen.) Fast in denselben Tagen wird einem Ossizier, der seinen Gegner im Duell erschaffen hat, nachdem er einen Monat Festung ab- gesessen, der Rest der Strafe(19 Monate) in Gnaden erlassen. (Hört! bei den Sozialdeniokratcn) Drastischer kann man die Natur unseres Miliiärstaates nicht charaklerisiren. In der Bibel steht: Tu sollst nicht tödten! Aber mitten im Frieden.wird gegen dieses Verbot verstoßen. Ter bürgerliche Staat sollte sich das keinen Augenblick gefallen lassen und die ganze Volksvertretung müßte unmulhig dagegen auf das energischste Protest erheben. (Sehr richtig! links.) Offiziere, welche aus religiösen Gründen sich weigern, ein Duell anzunehnien, werde» gezwungen, den schlichte»'Abschied zu nehmen. Studenten, welchen ihre Ver- binduug die Verpflichtung auferlegt, sich der Selbsthilfe durch den Zweikampf zu entziehen, können nicht Reserve-Ofsiziere werden. Die staatliche Ordnung zu respekluen ist die erste Pflicht jedes Staatsbürgers. Hier sehe» wir mit Unterstützung der obersten Militärbehörden und des obersten Kriegs- Herrn eine Institution fortbestehen, welche mit der öffent- liehe» Ordi.ung und Eilte im schreiendsten Widerspruch steht. Es.st doppelt wichtig, das festzulegen zu einer Zeit, wo derselbe Staat und dieselbe» staatlichen Organe, in erster Linie die Mililnrverwaltung, durch die bedeutende Verschärfung der Straf- zesetze gegen die Belbälignng von Ideen ins Feld rücken. Wir lallen uns für verpflichtet, die schreienden Gegensätze, die inner- halb unserer heutigen Gesellschaft auf diesem Gebiete, wie anderen bestehen, auszudecken und wir haben die feste Ueber- Zeugung, daß die ungeheure Mehrheil des deutschen Volkes ohne Inlerschied der Parteien uns darin unterstützen wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister Brvnsart 9. Schellendorf: Mit der Miliz hat sich der Bundesrath noch nicht beschäftigt. Ich kann daher über deu Antrag keine Erklärung abgeben. Nach den Erklärungen der versd>iedene» Redner scheint es mir, als wenn der Antrag nicht zur Annahme kommen wird.(Heiterkeit.) Herr Bebel prach von den Erlassen, die in die Oeffentlichkeit gekommen sind. Einen hat er vergessen, namentlich den. daß die Zivil- Vorsitzenden der Ersatzkomnnssion verhindern sollen, daß vzialdemokroten den Berechtigungsschein zum zwei- und dreijährigen Dienst erhallen. Je mehr Sozialdemokraten in den Fabriken angestellt werden, desto mehr werde ich abhängig von ihnen, wenn sie auf Geheiß ihrer Oberen die Arbeit niedcrlcg'n, um des Alleriveltsfeiertags wegen oder wegen besserer Lohubedingungen. Das will ich nicht. Deswegen muß der Erlaß ausrecht erhalten werden und es muß vielleicht darauf gesehen werden, ihn auf andere Arbeiterkategorien auszudehnen. Daß der Erlaß, der nicht geheim, aber auch nicht iir die Oeffentlichkeit bestimmt ivnr, bekannt geworden ist, erweist, 'aß die Behörden in der Auswahl ihrer Angestellten nicht vor- '>d)tig genug gewesen sind. Bureaubeamte, welche ein Aktenstück tehle» oder unterschlagen, um damit ihre Vorgesetzten und Behörden zu bekämpfen, die sind auch jede» Anaenblick bereit, Landesverralh zu üben. Einen solchen Man» werden die Sozialbcinokraten nicht fiir sich reklamiren, aber der Mann wird ich doch an ihre Rockschöße hängen. Wie niachen Sie(zu den Sozialdemokraten) es denn mit den Leuten, welche Redaktions- geheimnisse». s. w. verrathe»? Sie lassen sie fliegen.(Heiter- keil.) Tara» lhun Sie auch vollständig recht. Ich finde es un- gerecht und unbillig, wenn mir vorgeivorse» wird, ick; wolle die Arbeiter dein Hungertode preisgeben und auf die Landstraße setzen. Ich glaube, daß wir in bezug auf die Fürsorge ür die Arbeiter das klrtheil der Allgemeinheit nicht zu scheuen brauchen.(Znstiminluig rechts.) Der Fall beim 66. Infanterie-Regiment liegt anders: Der Mann Halle sich entfernt, hat auf Posten geschlafen und war mehrfach bestraft worden, er sah einer weiteren Bestrasnng entgegen und entfernte sich wiederum; er wurde als Leiche ans dem Wasser gezogen. Der Fall Hirschfeld ist ein ähnlicher, wie im vorigen Jahre der Fall Oppenheimer. Hirschseld war in Harburg als sozialdemokratischer Agilatvr hervorgetreten. Deswegen wurde er als Vorgesetzter im Eanitälstorps für ungeeignet gehalten; er sollte ba5 zweite halte Iahe mit der Waffe diene», was ja auch eine ganz ehremverche Beschäftigung ist. Der Fall Weudland ist sehr interessant. Wendland hatte in Breslau Philologie studirl. dann war er. statt sofort sein Jahr abzudienen. Nedakleur einer Breslauer Zeitung geworden; er wurde wegen Mnjestätsbeleidigung und wegen weiterer Preßvergeheu verurtheilt zusammen zu einem Jahr und neun Monaten. Er meldete sich nicht sofort zum Dienst, sondern trieb sich ein paar Monate angeblich mittellos uniher, dann wurde er Redakteur bei der„Volksstimme". Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst wurde ihm wegen nicht rechtzeitiger Meldung entzogen und weil er sich einer Majestälsbeleidigung schuldig gemacht hatte. Es kam dabei zur Sprache, daß gegen ihn noch mehrere Untersuchungen schwebten, auf grund deren er zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Nun war der Abg. Weudland noch bei der Truppe geblieben; (Heiterkeit; Zurufe: Abgeordneter?) pardon, er wird es ja wohl noch werden!(Heiterkeit.) Er wurde in die Arbciterabtheilung versetzt, wozu die Militärverwaltung von vorne herein berechtigt gewesen wäre, weil er sich der Majestätsbeleidigung schuldig ge- macht halte. Die Nachtmanöver und Winterubungen haben sich sehr gut bewährt; der Krankenstand hat deswegen nicht zugenommen. Endlich hat Herr Bebel die Duellsrage zur Sprache ge- bracht. Ich bin nach längerer Ueberlegung zu dem Schluß gekommen, daß das Haus doch wohl nicht in eine Duell- debatte eintreten wird. Die Zahl der Duelle ist bei 30 000 Offizieren eine sehr kleine, wenn 7 oder II Fälle im Jahre vorgekommen sind. Die Armee ist nicht die Haupt- trägerin der Duelle. Da widerspricht Herr Bebel dem an- gesehensten seiner Fraktionsgenossen in Süddeutschland, Herrn v. Vollmar, der ausdrücklich anerkannt hat, daß das Duell in anderen Kreisen weit mehr vorkommt, als in der Armee. In der Armee stehen wir auf dem Standpunkte, daß der Offizier nichts besseres thun kann, als sich tödten zu lassen für König und Vaterland. Allerdings setzen wir voraus, daß man ihm mildere Umstände zubilligen muß, wenn er sich einmal für seine eigene Ehre tödten läßt. Ueber den Fall in Hamburg und über die anderen Dinge bin ich nicht genügend unterrichtet. Wenn Herr Bebel nichts weiteres vorzubringen hat, als was er heute gesagt hat, dann nehme ick die Sache nicht tragisch. Seine Rede wird im Lande keinen Widerhall finden und die Mehrzahl wird sagen, der Kriegs- minister hat doch recht.(Heiterkeit.) Abg. Pxchnicke(frs. Vg.): Die Frage, ob in den Staats- Werkstätten sozialdemokratische Arbeiter beschäftigt werden dürfen oder nicht, geht auch die anderen Parteien an. Die bürgerlichen Parteien sollten keinen Zweifel darüber lassen, daß sie einen Ausschluß von Arbeitern aus politischen G r ü n- den nicht billigen, weil dadurch nur politische Seuchelei erzielt wird; das zeigt die Abstimmung in pandau bei den Reichstagswahlen. Abg. Bebel(Soz.): Hätte ich den Erlaß an die Zivil- Vorsitzenden der Kreis-Ersatzkommission gekannt, so hätte ich ihn ebenfalls erwähnt. Ich begreife, daß man die Sozialdemokratie aus der Armee fern halten möchte. Man bereitet sich ja auch mehr vor auf einen Krieg mit der Sozialdemokratie, als auf einen Krieg mit den Franzosen oder mit den Russe», das zeigen die verschiedenen Aeußerungcn des Kriegsministers hier im Hause. Auch bei der Uebung der Sanitätsrolonne in Frankfurt a. M. sprach der Kommandeur von dem Kampf mit dem inneren Feinde. Aber die Sozialdemokraten werden sich niemals daraus einlassen, das zu thun, was die Herren wünschen.(Hört! links.) Es wäre thöricht von ihnen, Resolutionen zu machen; aber die herrschenden Klassen sollten sich hüten, den Gegensatz zwischen den Arbeitern und der Armee zu verschärfen. Das geschieht durch Verschärfung der Erlasse, die der Kriegsminister in Aussicht gestellt hat. Der Sozialdemokratie wird dadurch kein Abbruch gethan, sondern nur Agitationsmaterial zugefügt. Der Kriegsminister sprach von den schlechten Subjekten unter dem Vureaupcrsonal. Wir wissen niemals, von wem wir solche Erlasse bekommen. Aber daß wir diese Erlasse veröffentlichen, das ist doch selbstverständlich. Würden Sie es nicht mit sozialdemokratischen geheinien Erlassen ebenso machen? Würde mcht Herr v. Kölker sofort seine „Berliner Korrespondenz" dazu benutzen? Ob die betreffenden Personen auch Landesverrath treiben würden, weiß ich nicht, weil ich die betreffenden Personen nicht kenne. Diese Per- sonen haben nicht einen rothen Heller von der Sozialdemokratie erhalten.(Heiterkeit.) Bei uns sieht man nicht auf Geld, bei uns herrscht Begeisterung und Idealismus, die Ihnen allmälig abhanden gekommen sind. Die Leute, die solche Erlasse an uns gelangen lassen, sind noch lange nicht die schlechtesten. Wenn es einmal zum Kriege kommen sollte, dann werden diese Leute ihre Schuldigkeit ebenso thun wie die Sozialdemokraten. Der Fall Hirsch selb zeigt, daß einfach die Thatsache, daß jemand Sozialdemokrat sei, solche Behandlung rechtfertigt. W e n d l a n d hatte doch in seiner Vergangenheit nichts Ehrenrühriges begangen. Einem Soldaten mag allerdings eine Majestätsbeleidigung als etwas Schlechtes erscheinen. Im bürgerlichen Leben schätzt man politische Ber- urtheilungen nicht so hoch. Der Kriegsminister hat sich auf meinen Parteigenossen von Vollmar bezüglich der Duelle bezogen, der allerdings darauf hingewiesen hat, daß das Duellunwesen auch auf den Univer- fitäten vorhanden sei. Das ist kein Gegensatz zu meiner Auf- sasfung. Ich konnte doch von dem Duellunwesen auf anderem Gebiete wie beim Militäretat nicht sprechen, ohne vom Prä- sidenten zur Sache verwiesen zu werden. Auf die Zahl der Duelle kommt es dabei nicht an; worauf es ankommt, ist, daß das Duellunwesen unter höchster und allerhöchster Billigung im Widerspruch mit den bestehenden Gesetzen fortdauert; es wird nicht nur geduldet, fondern es besteht die Verpflichtung, ei» Duell eingehen zu müssen, wenn der Ehrenrath das verlangt. Das steht im Widerspruch mit Religion und den bestehenden Gesetzen; die Mitglieder nicht- schlagender Studentenverbindungen werden nicht zum Reserve- offizierexamen zugelassen. Das ganze Duellunwesen hat der Kriegs- minister gebilligt, indem er für die Offiziere mildernde Umstände verlangte. Der Reichstag mag keine Neigung haben, die Duell- frage hier zu erörtern; aber die Gründe dafür sind in der Be- völkerung nicht maßgebend; im Volke wird das Duell auf das entschiedenste vernriheilt.(Sehr richtig! links, Widerspruch rechts.) Es wäre Sache der Regierung und der Militär- Verwaltung, diesem Unwesen ein Ende zu machen. Ist der Mann schlimmer zu beurtheilen, der im Rausch oder in der Leidenschaft über jemand herfällt, oder derjenige, der mit Ueber- lcgung und nach ganz bestimmten Regeln dasselbe thut!(Wider- sprach rechts.) Kriegsminister Bronsart v. Tchellendorff: Herr v. Vollmar sagte: Es sei ein Jrrthum, daß das Duellwesen besonders im Olfizierkorps zu finden sei. Das steht direkt im Widerspruch mit den Auslassungen des Herrn Bebel.(Widerspruch Bebel's.) Verschärfen will ich die Erlasse nicht, ich habe nur gesagt, daß die Bureau-Arbeiter vielleicht in dle Erlasse einbezogen werden müssen. Das Duell ist strafbar, kein Ehrenrath hat das Recht, seine Zustimmung zu geben oder es anzuordnen. Daß für die Erlasse nichts bezahlt ist. finde ich begreiflich; Herr Bebel hat ja selbst erklärt, daß er nicht wisse, woher Sie die Erlasse bekommen; wie wollen Sie denn Ihr Geld los werden?(Heiterkeit.) Abg. Bebel(Soz.): Unser Geld werden wir schon los, aber für bessere Zwecke. Wenn die Erlasse auf die Bureauarbeiter ausgedehnt werden, so wird auch das keinen Erfolg haben. Denn trotz aller Erlasse sind die Sozialdemokraten doch in den Militär- und Marinewerkstätten vorhanden und stimmen für die sozial- demokratischen Kandidaten. Thatsache ist. daß keine Duelle statt- finden, ohne daß der Ehrenrath sich mit der Sache beschäftigt hat. Wohl niemals sind so wenig sachliche Gründe gegen meine Aus- führungen vorgebracht worden wie heute, und man wird im Lande sagen: der Kriegsminister hat unrecht. Abg. Rösicke(wild): Wenn die Militärbehörden den Unter- nehmern die Verpflichtung auferlegen, keine sozialdemokratischen Arbeiter zu beschäftigen, so würde ich das für einen Fehler halten. Denn es widerspricht der politischen Freiheit, und es züchtet politische Heuchler, oder es würden davon auch eine ganze Reihe unschuldiger Personen getroffen, wenn den Unternehmern über- Haupt die Ausführung einer solchen Bestimmung möglich wäre. Den Vortheil von solchen Vertragsbestimmungen würden leicht solche Personen haben, die sich über diese Bestimmung leichten Herzens hinweg setzen können. Kriegsmiuister v. Bronsart: Es liegt der Kriegsverwaltung fianz fern, die Arbeiter der Lieferanten auf ihre politische Ge- innung zu prüfen. Nur aus den Militärwerkstärten wollen wir die unbequemen und lästigen Sozialdemokraten entfernen. Herr Bebel bat behauptet, daß die Armee die Hauptträgerin des Duells ist, wäyrend Herr v. Vollmar, den ich für ganz kompetent halte, das Gegentheil behauptet. Abg. Bebel: Wenn das Duell in der Armee nicht möglich wäre, würde es auf den Universitäten ganz unmöglich sein. Abg. Rickert(frs. Vg.) weist daraus hin, daß die Rayonkommission der Stadtverwaltung gegenüber eine große Schärfe an den Tag ge- legt hat. Sowohl die Kommandantur wie die Kommission be- stehen auf dem Buchstaben des Gesetzes auch da, wo eine mildere Auffassung an den Tag gelegt werden könnte. Redner bittet dringend, bei den Befestigungen von Danzig die Verkehrs- Verhältnisse in betracht zu ziehen und nicht bei Lumpereien, die die Kriegstüchtigkeit der Befestigungen nicht betreffen, auf dem Buchstaben des Gesetzes zu bestehen. Kricgsminister Bronsart v. Schellendorff: Die Reichs« rayon-Kommission muß nach bestimmten gesetzlichen Vorschriften verfahren. Die Militärverwaltung hat schon seit längerer Zeit Erwägungen angestellt, ob nicht sür Festungen von geringerer Be- deutung Erleichterungen eintreten können. Ich glaube, auch für Danzig werden Erleichterungen möglich sein. Das Gehalt des 5trieasminislers wird bewilligt. Die Aus- gaben für Bestreitung der Bureaukosten werden entsprechend dem Antrage der Kommission von 200 912 auf 192 500 M. ermäßigt. Der Antrag der Sozialdemokraten wegen der Milizwehrordnung wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Ohne Debatte werden die Kapitel: Militärkassen und Mi- litärintendanturen genehmigt. Beim Kapitel: Militärgeistlichkeit tritt Abg. Lingenö(Z.) für die Parität ein; er bedauert, daß die Zusicherung der Heeresverwaltung, daß dasür gesorgt werden solle, daß die katholischen Mannschaften mindestens einmal im Monat zur Kirche geführt würden, noch nicht überall zur Wirk- lichkeit geworden sei. Abg. Schall(dk.) bedauert, daß die Beamten der Militär- Werkstätten Sonntags oft mit Arbeiten überhäuft seien, so daß sie den Gottesdienst nicht besuchen könnten, was doch im Jnler- esse des guten Beispiels sür die Arbeiter sehr wünschenswerth wäre. Eine Verletzung der Parität sei darin nicht zu finden, daß evangelische Soldaten an katholischen Gottesdiensten theil- nehmen und umgekehrt; im Kriege finde das oft statt. Die Parität solle möglichst gewahrt werden; aber die Kameradschaft solle auch fern geHallen werden von jeden konfessionellen Gegen- sähen. Das Kapitel wird genehmigt und darauf gegen ö'/e Uhr die weitere Berathung bis D i e n st a g I Uhr vertagt. Lokales. Die Vereine und Gewerkschaften werden darauf hin- gewiesen, daß auch in diesem Jahre von den sozialdemokratischen Vertrauenspersonen zum Abend des 13. März Volksversamm- lungen einberufen werden. Hierdurch ist es den Parteigenossen ermöglicht, in würdiger Weise der Bedeutung des großen Tages zu gedenken. Die betheiligten Kreise werden auf diese Bekannt- machung achten. Die Vertrauensperson. Der Arbeiterschaft Berlins»ur Nachricht, daß am 9. März ein Maskenball des Berliner Raucherbundes stattfindet und zwar in den C o n c o r d i a- S ä l e n(Carl Saeger) Audreasstr. 24. Wir bemerken, daß Herr Saeger seine Lokalitäten der Arbeiterschaft entzogen h a t und machen daher die Genossen auf dieses am 9. d. M. stattfindende Fest besonders aufmerksam. Die Lokaltommission I. A.: Carl Scholz, Wrangelstr. 32. Zur EingemeiudungSfrage. Die Hausbesitzer des Nordens und der angrenzenden Vororte faßten in einer Versammlung vom Sonntag nach dem Referat des Stadtverordnelen Spinola nach- stehenden Beschluß:„Die Versammlung erklärt: Bei der Ein- verleibung der Berliner Vororte im größeren Stil ist dafür Sorge zu tragen, daß diese Einverleibung so geschieht, daß der jetzige Norden in keiner Weise geschädigt wird. Wenn der Norden nicht in seiner Entwickelung aus Jahrzehnte hinaus lahm gelegt werden soll, so ist unter allen Umständen erforderlich, daß nicht allein die westlichen und südwestlichen, sondern auch die nörd- lichen und nordöstlichen Vororte einverleibt werden." Natürlich benutzten die Hausbesitzer die Gelegenheit, um ihr Herz gehörig auszuschütten. Das„himmelschreiende Unrecht", das man mit der Verlegung des Viehhofes ihnen angethan, müsse der Magistrat nun wieder gut machen, umsomchr als der Norden so viele arme Leute beherberge. Ein Redner, ein recht feistes Männlein, janunerte beweglich darüber, daß das Asyl für Obdach- lose nach dem Norden verlegt werden soll; wie sehr würden dann die Miethen sinken! Das ginge nun und nimmermehr, denn schließlich habe der Norden nur noch Abdeckereien und Asyle.„Ter Abschaum" sagte ein Herr aus Reinickendorf in seiner gewählten Ausdrucksweise, kommt zu uns; wir(!) müssen ihm Schulen bauen.— Wir, v. h. die Hausbesitzer, so klang es durch alle Reden, sind die Stiefkinder des Magistrats; nicht etwa weil die Nichtbeachtung der äußeren Stadttheile die Ge- sammthcit schädigt, sondern lediglich deshalb, weil man von den armen Teufeln, welche diese Slraßenzüge bevölkern, trotz des besten Willens keine hohen Miethen herauspressen kann, muß dies und jenes geschassen werden. Agrarier bleibt Agrarier: mag er in konservativer Art über geflickte Strohdächer oder in freisinniger Manier über Berliner Micthskasernen herrschen, dreist und gottessürchtig, das ist die Parole. Herr v. Köller und die Kuust. Dies anregende Thema, das so recht zeigt, wie weil wir es im Reich der Gottesfurcht und srommcn Sitte gebracht haben, scheint nachgerade unerschöpf- lich werden zu sollen. Bekannt ist die Art. wie der gegenwärtige Polizeiminister sich über Gerhart Hauptmann's„Weder" und die Stellung, welche die Polizei im Gegensatz zu dem Ober- verwaltungsgcricht zu der Aufführung dieses Stückes einnimmt, neuerdings im Abgeordnetenhaus ausgelassen hat. Zu ahnen war auch, daß das edle Beispiel, das er„seinen" Beamten gegeben, eifrige Nachahmung finden würde. Nur zu bald sollte diese Ahnung in der rauhen Wirklichkeit ihre Bestätigung finden. Neuerdings hat sich hier eine„Versuchsbühne" konstituirt, die jungen Talente» Gelegenheit geben will, ihre Dichtungen einem abgeschlossenen Kreise vorzuführen. In der ersten Vor- üellnng dieses unter Leitung des Herrn Bruno Wille stehenden Vereins sollte am Sonntag im Zentral- Theater das Stück eines ungenannt gebliebenen Schrift- stellers„Christ» acht" aufgeführt werden. Da verbot die Polizei in letzter Minute die Vorstellung; wie es heißt, soll dies aus irgeud einem formalem Grunde geschehen sein. Ueber die näheren Umstände dieses Verbots, das namentlich in der bürgerlichen Presse das peinlichste Aussehen erregt, berichtet u. a. das hiesige„Kleine Journal": „Am Sonnabend war Generalprobe im Zentral- Theater. Bei derselben hatte sich, wie mit aller Bestimmtheit erzählt wird, ein Kriminalbeamter cinzusühren gewußt. Dieser Herr fungirte als Thealerrefcreut für den Polizeipräsidenten. Wie anders sollte auch die Behörde ani Alexanderplatz von Vorgängen unter- richtet sein, die sich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hinter ver- schlosscnen Thüren abwickelten? Vorgestern Abend schon ging das Gerücht, die Polizei würde inlerveniren, in der festen Absicht, die Vorstellung zu hintertreiben. Warum wartete man aber damit bis zum letzten Augenblick? Als gestern eben der Vorhang aufzugehen im Begriff war, erschien ein Polizeibeaniler und untersagte die Vorstellung und im Hintergrunds marschirte eine blaue Kolonne auf. um gegebenen Falls einzugreifen. In aller Ruhe entfernten sich die Theaterbesucher, die durchweg den gebildeten Gesellschaftsklassen angehörten." Wir müssen gestehen, für etwas dezenter hätten wir die Polizei auch unter dem Regiment des Herrn v. Köller gehalten. So energisch wie heutigen Tags hat man noch nie von oben herab die öffentliche Memung auch in bürgerlichen Kreisen auf- gerüttelt. Das Nrtheil eineS Fachmannes über die Unfall- stationeu. Prof. v.Bergmann hat kürzlich über die BeHand- lung in den Unfallstationen ein sehr absprechendes Urtheil gefällt. Als er in seiner Klinik einen Fall von Luxation(Ver- renkung) vorstellte, bemerkte er, nach der„Med. Reform": Der Fall stamme aus einer Unfallstation und vermehre die schlimmen Erfahrungen, die er schon mit den Unfallstationen gemacht habe, wieder um einen neuen. Hier habe ein ganzes Kollegium von Aerzten die falsche Diagnose„Fraktur"(Bruch) gestellt und dann noch einen falschen Verband an- gelegt. Das sei aber kein Wunder; denn die Herren beständen mit Ach und Krach ihr Examen und bekämen dann durch Protektion eines Stadtraths, eines Onkels, der einen großen Namen hat, ihre Stelle an der Unfallstation. Man könnte aber eigentlich doch verlangen, daß jemand, der eine so verantwortungs- volle Stelle übernehme, derselben auch gewachsen sei. Im übrigen bat Geheimrath v. Bergmann möglichst zu verbreiten, daß in seiner Klinik— wie in jedem Krankenhause— jeder Verletzte zu allen Stunden Hilfe und Ausnahme fände.— Dieses Urlheil über den Werth der mit so großer Reklame ins Leben gerufenen Unfallstationen steht bekanntlich nicht vereinzelt da. Die Juflueuza! Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I sollte heute eine neue Tagung unter dem Vorfitze des Landgerichts- direktors Roesler beginnen. Die Influenza hat das aber ver- eitelt. Von den einberufenen Geschworenen waren infolge ein- getretener Krankheit sieben nicht erschienen, und es mußten schleunigst Anstalten getroffen werden, um die nöthige Anzahl von Ersatz-Geschworenen zur Stelle zu schaffen, was aber nicht gelang. Die anstehenden Termine mußten aufgehoben werden. — Das stärkere Auftreten der Influenza ist jetzt auch aus den Tabellen des Statistischen Amts der Stadt Berlin ersichtlich. Während in der Woche vom 10.— 16. vor. Mts. nur 5 Todesfälle vorgekommen sind, wurden vom 17.— 23. vor. Mts. sür die meist lediglich aus Grippesällen bestehende Rubrik„an- dere Infektionskrankheiten" nicht weniger als 27 Sterbefäll« ärzt- lich gemeldet. Der Fernsprechbetrieb mit RegenSbnrg ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt zwei Mark. Die GitauoS. Das Passage- Panoptikum läßt es sich seit einiger Zeit angelegen sein, das Interesse des Publikums durch Vorführung fremder Völkerschaften für sich wachzuhalten. Es ist noch in aller Erinnerung, in wie hohem Maße namentlich die Dahomch-Kricgeriuuen die Schaulust und die Wißbegierde der Berliner und Berlinerinnen zu fesseln wußten; und die Erfolge,'welche die Heroinen des Königs Behanzin nach jeder Richtliiig hin hatte», mögen denn wohl der Direktion den Wink gegeben haben, auf die Suche nach etwas gleich Apartem zu gehen. Sie wandte sich wieder dem heißen Süden zu, machte aber diesmal schon in Spanien, dem schönen Land des Weins und der Gesänge, Station. Dort lebt ein Völkchen, von dem einige entartete Sprossen zur Zeil der Völkerwanderung an die Hostheater der sogenannten zivilisirten Länder verschlagen sein sollen. Ein Tänzervolk, in dem die edle Kunst Terpsichorens von Generation zu Generation sich fort- pflanzt, dic Gitanos. In Andalusiens sonnigen Gefilden be- heimalhet, schlagen sie ihre Hütte in den Städte» des alten romantischen Landes aus und genießen bei Einheimischen und Fremden wegen ihrer Kunst schrankenlose Ehrung. Und daß sie diese verdienen, zeigte sich am Sonnabend Abend, wo eine Reihe besonderer Berühmtheiten dieses eigenartigen Künstlergeschlechts sich zum ersten Male einem geladenen Publikum präsentirten. Der Gesang, die Guitarre- begleitung und das Handeklatschen, das die Künstler und Künstlerinnen akkoinpagnirt, ist etwas monoton und erinnert zum theil schon an die Geräusche, welche die afrikanischen Völker- fchaflen bei ihren Festen zum besten geben. Aber wunderbar graziös ist die Bewegung der Tanzenden selber; da athmet zarteste Poesie aus jedem Schritt, aus jeder Fingerspitze. Jeder Vergleich mit der Unnatur und Unzucht, die zur Augenweide der Parkettgreise von unseren sogenannren ersten Bühnen herabgetanzt wird, ist da ausgeschlossen; selbst dann, wenn die Kunst der Gitana die Grenzen leidenschaftlicher Wildheit erreicht, verliert sie nichts von ihrer natürlichen Dczenz und Keuschheit. Besonders wird den Zuschauer noch die naive Energie sesseln, mit der namentlich der weibliche Theil der Künstlerschaar sein Recht auf die Genüsse des Lebens beansprucht. Die Zigarette ist ihre Begleiterin selbst während des Tanzes, aber auch Konsituren, Wein und— Cognac dürfen in der Taverne, zu der die Bühne hergerichtet ist, nicht fehlen. Zweifellos wird das eigenartige Völkchen, das in der großen Zahl, in der es im Passage- Panoptikum auftritt, zum ersten Mal sein Vaterland verlassen haben soll, rasch das Interesse der Berliner erwecken. In Ben- Ali- Beh's Vorführungen der indischen und egyptrschen Magie, Unter den Linden 21, neben der Passage, er- weckte das auserlesene Sonntagsprogramm in beiden Vorstellungen das höchste Interesse des zahlreichen Publikums; dasselbe wird nun die ganze Woche hindurch von Ben-Ali-Bey und Sulamith gezeigt werden. Eine Rixdorfer Räubergeschichte, bei der einen so recht das Gruseln ankommt, weiß ein dortiges Lokalblatt in folgendem zu berichten:„Mit Wagen, Aexten und Sägen waren neulich abends zwei Berliner vor einem Lagerplatz am Maybach> Ufer angerückt, um den erst kürzlich aufgestellten Bohlenzaun im Werths von«inigen Tausend Mark zu stehlen. Nachdem bereits ein Theil des Zaunes umgelegt und zerschnitten war, erschienen plötzlich zwei Gendarme, welche sich der Holzdiebe bemächtigten und den» selben zunächst die Legitimationspapiere abforderten. Beide hatten auch solche bei sich. Während nun ein Be- amter damit beschäftigt war, das corpus Zelioti— den mit dem Holz beladenen Wagen— in Gang zn setzen, entfloh der eine Dieb und entkam, und schließlich gelang auch dem zweiten die Flucht, obwohl ein Beamter noch einen Schuß auf den Flüchtling abfeuerte. Nunmehr blieb den Beamten nichts anderes übrig, als sich vor den Wagen zu spannen und denselben nach dem Amtshause zu fahren, wo sie schweißtriefend ankamen. Hier erwartete sie schon der erste Flüchtling, der den Schuß gehört hatte und aus Angst schleunigst nach dem Amtshause gelaufen war, um sich selbst der Polizei zu stellen. Er wurde natürlich festgenommen und am nächsten Tage auch sein Kumpan. Wie sich herausstellte, hatten die Beiden dem Besitzer des Lagerplatzes bereits einen Schaden von 1500 M. zugefügt. Auch der dei den Dieben beschlagnahmte Wagen war von denselben vorher gestohlen worden. Der Mennouit. Einzig in seiner Art dürfte ein Fall da- «.ehe», den ein mennonitischer Soldat bei dem Kaiser Alexander» G.tide- Grenadier-Regiment hervorgerufen hat. Der elsässische Rekrut Tröhner wurde im Herbst v. I. bei der S. Kompagnie dcs Kaiser Alexander-Regiments eingestellt. Die Sekte der Mennoniten verwirft den Eid und den Krieg und erlangte im Jahre 1802 die Befreiung vom Soldateneid. Doch wurde die Befreiung vom Militär durch die norddeutsche Bundesverfassung im Jahre 1867 wieder aufgehoben. Bei der Vereidigung machte Tröhner schon Schwierigkeiten. Als aber den Rekruten zu ihrer Ausbildung später die Gewehre übergeben wurden, weigerte sich den Mennonit, das seinige anzunehmen, weil er den Gebrauch der Waffe als mit seiner Religion nicht vereinbar erachtet. Die natürliche Folge war, daß er wegen Gehorsamsverweigerung nach etwa vierzehntägiger Untersuchungs- bafl mit zwei Monaten Feftungsarbeit bestraft wurde. Am Sonnabend war die Zeit abgelaufen, und T. wurde wieder in den Truppentheil eingestellt. Montag Morgen um SVe Uhr wurde ein Soldat der S. Kompagnie des Regiments Kaiser Alexander von einem Unteroffizier in das Mitilärarresthaus eingeliefert. Es war wiederum der Mennonit. Als nämlich die Korporal- schaft, zu der er gehörte, angetreten war, wurde T. von dem Kompagniechef persönlich gefragt, ob er jetzt das Gewehr an- nehmen wolle. Seine Antwort lautete:„Nein, Herr Haupt- mann." Da bei aller Verehrung, welche die preußische Regierung der Religion entgegenbringt, diese für sie doch nur einen sehr problematischen Werth hat, wenn fie gegen die Gebote des Militarismus rebellirt, so wurde der Soldat wiederum in Unter- snchungshaft abgeführt, um von neuem bestraft zu werden. Für die ausgesperrten Brauer«ud Brauerei-Arbeiter sind ferner eingegangen: Matinee vom 26. Dezember v. I. 109,30 M., Arbeiter der Steve'schen Fabrik 6M. Die Kommission der Brauer und Brauerei-Hilssarbeiter. Die Inhaber von Sammelliste« für die ausgesperrten Brauerei-Arbeiter werden dringend aufgefordert, sämmtliche Listen, gleichgiltig, ob sie gezeichnet sind oder nicht, bis zum IS. März an die unterzeichnete Kommission einzusenden. Die Kommission muß zu diesem Termin im Besitz der Listen sein, weil es ihr andernfalls unmöglich ist, bis zum 1. April die Ab- rechnung fertig zu stellen. Die Kommission der Brauer- und Brauerei- Hilfsarbeiter, per Adr. I. Wiedemann, Berlin O., Blumenstr. 38. Die elektrische Eisenbahn zwischen Groß-Lichterselde und Steglitz, deren Abnahme am Donnerstag erfolgte, ist seit Montag in Betrieb gesetzt worden. Aus dem Bahnhof Friedrichstrasie ertönte in der Nacht zum Sonntag gegen 11�/4 Uhr aus einem abgelegenen Raum her ein Schuß. Man fand einen blutenden jungen Mann. Der Ver- wundete wurde in einer Droschke nach einem Krankenhause ge- bracht und hier wurde festgestellt, daß es sich um den 26 Jahre alten Sohn Ludwig des in der Neuen Grünstraße 2Sa wohnenden Fabrikanten Hartwig handelt, der in der Beuthstraße 4 belegenen väterlichen Fabrik beschäftigt ist. Er hatte sich eine Revolver- kbgel in den Unterleib gejagt. Welche Veranlassung der That z» gründe liegt, hat bei der Vernehmungsunfähigkeit des Verletzten noch nicht ermittelt werden können. Ebenso wenig sind die Folgen des Schusses bisher zu beurtheilen. Aus etwa 150 sog. Heiraths- und ähnlichen Anzeige», welche die letzte Sonntagsnummer des hiesigen„Lokal-Anzeigers" bringt, heben wir als ganz besonders charakteristisch die sol- gende hervor: Bekanntschaft schwarzhaarigen, hübschen, u n- bemittelten Mädchens unter 19 Jahren, Gegend Eharlottenburg, zwecks späterer Heirath, wünscht älterer wohlhabender C h r i st. Ausführliche Angabe»(Adressen bevorzugt) neb st freier Zeit unter F. 14, Filialexped. d. Bl. Charlottenburg. Ob dflffer Christ auch zu den Kämpfern für Ordnung, Religion und Sitte gehört und entsprechend auf den Umsturz schimpft? Von der Sittlichkeit unter den obere« Zehntausend. Einer Kupplerin T., die in den» vornehmsten Viertel Berlins unter dem Denkmantel einer Wäschefabrikantin ihr Gewerbe betreibt, soll die Polizei auf der Spur sein. Die„Lokalkorrespondenz", der wir diese ohne nähere Bezeichnung gebrachte Meldung ent- nehmen, theilt noch mit. daß die Person es vornehmlich auf junge Frauen und Mädchen aus„guter Familie" abge- sehen Halle. Bei dem Pastor der katholischen Kirche zum Herzen Jesu in Eharlottenburg haben in der Nacht zum Sonnlag ein paar Einbrecher 1000 M. gestohlen. Der Geistliche wurde während der Aus- führung des Diebstahls wach und rief durch Geschrei die Haus- hälterin herbei, und diese stimmte in seine Hilferufe mit ein. Beide Personen wagten aber nicht, die Einbrecher anzuhalten, die an der Wirthschafterin vorüber das Freie gewannen und entkamen. Die Hanshälterin meint, daß sie die beiden Diebe öfter bei dem Pfarrer in Vereinsangelegenheiten gesehen habe. Der Stadtrath Namslau hat den Rothen Adlerorden vierter Klasse erhallen. Was hat der alte Herr begangen? Ein herumziehender Artist» ein sogenannter Messerschlucker, welcher sich in einem Gasthofe, in seiner gefährlichen Kunst pro- duzirte, mußte, wie die„Rixdorfer Zeitung" meldet, sein Kunststück mit dem Leben büßen. Er steckte 7 Stück 37 Centimeler lange Zinkblechmesser in den Mund, wobei er auf einem Stuhle Kopf stehen wollte. Der Mann fiel vom Stuhle und verletzte sich derartig, daß er nach dem Krankenhause geschafft werden mußte, wo er seinen Verletzungen erlegen ist. Die Messer hatten beim Fallen die Luströhre durchstochen. Der„schwere Wagner" ist am Sonnabend gestorben. Ter Rentier Wagner, Besitzer des Hauses Behrensir. 27, war wohl allen älteren Berlinern unter der vorgenannten Bezeichnung bekannt. Er war der erste und seinerzeit der einzige Berliner Wirth, der das echte bayerische Bier hier einführte. In der Eriedrichstraße, nahe den Linden, in dem späteren Olbrich'schen okal, verzapfte er zuerst dunkles Kulmbacher Bier, von dort siedelte er nach der Charlottenstrabe, am Gendarmenmarkt, über. Die letzte Stätte, in der der„schwere Wagner" sein Domizil aufschlug, war das Haus Behrenstr. 27, das er erworben hatte. Aus grund einer Anweisung des Polizeipräsidenten werden gegenwärtig Inhaber von kleineren Geschäften, in denen eine oder zwei Verkäuferinnen thätig sind, insbesondere aber Besitze- rinnen von Weißwaaren und Posamentiergeschäften, vor zwei jugendlichen Burschen gewarnt, welche auf im Laden allein be- findliche Frauen Ueberfälle ausführen, um die Tageskasse zu rauben. Zu den zwei bereits amtlich gemeldeten derartigen Ver- brechen tritt auch noch ein dritter Ueberfall hinzu, der von den noch nicht ermittelten Burschen gegen die Frau eines Zigarren- Händlers in der Manteuffelstraße ausgeführt worden ist. Wie die kranke Proletarierin stirbt. Vom Tode jäh ereilt wurde am Sonnabend in einem Bodenversteck des Hauses Lottumslr. 25, in dem sie genächtigt hatte, die 42 Jahre alle, aus Züllichau stammende Arbeiterin Marie Pohle. Die Ver- storbene war vor einiger Zeit aus einem hiesigen Krankenhause entlassen worden und hatte seitdem eine Wohnung nicht be- sessen. Da die Todesursache nicht festgestellt werden konnte, hat die Polizei die Leiche beschlagnahmt. Der Umstand, daß er auf dem Wagen während der Fahrt eingcschlasen war, hat den Tod des 51 Jahre alten Kutschers Friedrich Pirk, der aus Warzin im Kreise Schlawe stammt und Wriezenerstraße 4 wohnte, herbeigeführt. Pirk fuhr am Freitag Stachmittag gegen ö Uhr mit einem beladene» Steinwasen die Prinzen Allee entlang und war fest einaeschlafen. Vor dem Hause Nr. 13 verlor er das Gleichgewicht�nnd fiel von seinem Sitz herunter vor die Räder des Wagens. Er zog sich so schwere innerliche Verletzungen zu, daß er nach Verlauf von einigen Stunden in seiner Wohnung starb. Bei der unerhörten Ans- deutung, der die Arbeiter im Fuhrgewcrbe unterworfen sind, ist es geradezu wunderbar, daß sich mcht öfter derartige Unglücksfälle ereignen. In der Hasenhaide erhängt hat sich der 47 Jahre alte Bauanschläger Reinhold Schr. aus der Wrangelstr. 47. Polizeibericht. Am 2. d. M. früh fiel in der Reichen» bergerstraße eine Frau auf dem glatten Bürgersteige hin und er- litt einen Bruch des rechten Knöckelgelenks.— Z.bcnds sprang von der Gitschinerftraße aus ein Mann in den Kanal und er- trank.— Ein Student erhängte sich in seiner Wohnung in der Borsigstraße.— In der Spandauerstraße wurde ein anscheinend betrunkener Mann beim Ueberschreiten des Fabrdainmes von dem Pferde eines Pserdebahnwagens umgestoßen. Er blieb bewußtlos liegen und mußte nach der nächsten Unfallstation gebracht werden. — Bei einer Schlägerei in der Reichenbergerstraße fiel ein Tischler zu Boden und erlitt einen schweren Knochenbruch am rechten Unter- schenke!.— In der Bedürfnißanstalt des Bahnhofs Friedrichstraße versuchte sich ein Mann durch einen Revolverschuß in den Unter- leib zu tödten. Er wurde noch lebend nach der Charitee ge» bracht.— Am 2. d. M. wurde in der Hasenhaide, hinter den Schießständen, ein Mann erhängt vorgefunden.— In der See- straße fiel ein Mann in der Trunkenheit hin und zog sich eine bedeutende Verletzung im Gesicht zu.— Abends zerschlug ein Arbeiter in einer Wohnung in der Gerichtsstraße bei einer Schlägerei die Scheibe einer Glasthür und durchschnitt sich dabei die Pulsader.— Am 2. und 3. d. M. fanden acht Feuer statt, darunter ein erheblicheres auf dem Grundstück Rosenthaler- straße 60, wo der Inhalt eines Galanteriewaaren» Geschäfts brannte. WitternngSllberstcht vom 4. März 1893. Wetter- Prognose für Dienstag, 3. März 1893. Ruhiges, ziemlich trübes, nebeliges Wetter mit gelindem Frost und leichten Schneefällen. Berliner Wetterbureau. VertttisUzkesi Eine Depesche ans Marsala meldet, daß der Südsturm am Sonnabend den im Hafen verankerten Schiffen beträchtlichen Schaden zugesügt hat. Das Denkmal zur Erinnerung an die Landung der Tausend ist umgestürzt. Das Gebäude des Sindaco und viele andere Häuser sind beschädigt. Aus Aalesund in Norwegen wird berichtet, daß am Sonn- abend infolge des Schneesturms zwei Fischerbote gekentert sind. Zwölf Personen ertranken, nur eine Person konnte gerettet werden. Neber einen Betriebsunsall mit furchtbaren Folgen be- richten Wiener Blätter: In dem Orte Jtzkany auf rumänischem Boden fand in einer Brennerei eine Kesselexplosion statt. Die Decke des Kesselhauses barst und viele Arbeiter, welche in dem ersten Stockwerk schliefe», sielen in den brennenden Kessel. Zwölf Arbeiter wurden getödtet, mehrere andere schwer verletzt. Vriefkayen dvr Medaktton. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Äniwort ertheilt werden soll. W. H. M— r, Alexandrineustraffe. Ihrer besonderen Anregung bedarf es nicht. Unsere entschieden ablehnende Hallung gegen die Tabakfabrikations-Stener haben wir stets be- tont und eine Aenderung unserer Stellungnahme ist absolut nicht zu befürchten. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 2. März. Äprruhan». Die lustigen Weiber von Windsor. Zichaulpielhans. Faust. Deutsche» Theater. Der G'wiffens- wurm. Lesstng-Thrater. Das Examen. Krrtinrr Theater. Die große Glocke. Zirstdrnz-Thrater. Fernand's Ehe- kontrakt. Ie«»» Theater. Der Erbförster. hrater Unter de« Linde«. Ka- pitän Carricciolo. Schiller» Theater. Der Schwabenstreich. KeUeaUianre- Theater. Verliebte Mädchen. Friedrich- Milh-Imstädt. Theater. Ein armes Mädel. Adolph Ernst-Theater. Ein fideles Korps. Gesindeball. Tentral-Theater. Unsere Rentiers. National- Theater. Die lebende Brücke. Aleranderplah» Theater. Maria Stuart. K ri chohallentheater. Spezialitäten- Vorstellung. America«» Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aauklna»«'» Dariete. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo• Theater. Spezialitäten- Vorstellung. iller-Thealer. (Waliner■ Theatep.) Dienstag. 5. März, abends 8 Uhr: Der Schwabenstreich. Mittwoch, 6. März, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Gracch«», der Kolkstribun. Trauerspiel in 5 Akten von Adolf Wilbrandt. Donnerstag, 7. März, abends 6 Uhr: Der Schwabenstreich. Freitag, 3. März, abends 3 Uhr: Der zerbrochene Krug.— Franrn» Kampf. Sonnabend, 9. März, abends 8 Uhr: Grarchu», der KolKstribun. Sonntag, 10. März, nachm. 3 Uhr: Der Schwabenstreich.— Abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. MolpdLnlsM'deater Auftreten der ersten Pironette- n. Conrbette- Tänzerin Englands vomPrince of Valei-Theater in London. Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„& Gaiely Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Borher: Gepindevall. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Anfang TVs Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Kaufmann's Variete. „Station Naucke." Das neas März-Ensemble hat mit grossem Erfolg bebutirt. 100. Auftreten von Emil Naucke! Stürmischer Lacherfolg. öVa Uhr: Pauline vom Ballet. Naucke alsBallet-Parodist Imman's Doggen-Circns. Mr. Tony Nelson. EUy Carlo. Corty u. Rappo, Excentrics. Die schöne Seiltänzerin Frl. Immans Morles Spiele. Stephanien Behrens Drei Schwestern Sylviar. Vorzügl. Programm. 16 Nummern In Vorbereitung: Mneipgenies. des Konzerls 6 Uhr. f 0 der Vorsiell. 7 Uhr. Wochentags 7'/t Uhr. Centrai-Theater Alte Iakobstraße Kr. 30. M\ Thoulils a. G. Novität!«Zum 17. Male: Novität! Unsere Uentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Eiuödshofer. _ Anfang'/aS Uhr._ Passage-Panopticum. Das Riesen-Kind mit den 24 Fingern. National-Theater. Große Franksnrtersiraße 132. Direktion: Max Samst. � DST Sensationelle Novität!"96 Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calden Mit neuen Dekorationen und Kostümen. Die leknde Brücke. (The span of Life.) Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(II Bildern), nach dem Eng- lischen von Sutton Vane, übersetzt von H.Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. Elektr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Kaffenössnung 6V, Uhr. Ans. 7'/- Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. keviA-psIsst Kurgstr. 22,«eben der Körse. tone« collossal. Programm. Die 8 Grunathos. Tie«hßttiöstll Liliplltllller (darunter die kleinste Serpentin- Tänzerin der Welt). Cousin August m. seinem brasilian. IW Orang• Utang."Vi Little Ella, das Wunderkind. Mr. Paolo Tendaro. Lilly Wellini, Kostüm-Soubrette. Wilhelm FrSbel, Berlins 1. Orig.-Hunwr-Matador. Gisella-Trio. The 4 Original-DissenatoB. Brothers Ulricoa. Anfang: Wochent. 7V» Uhr. Sonn- tags: Konzert ül/e Uhr, Vorst. 7 Uhr. gebraucht, kauft Möbel- Handlung Rosenthaler« Straße 13. Bökinisckes Brauhaus Landsberger Allee. Dienstag, den 5. März: �4256. Soiröe� ier Stettiner Sangei* (Meysel, Pietro, Brittoni Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Ansang 8 Uhr._ UV Entree SO Pfg."•S Vorverkauf 40 Pf.(Siehe Plakate.) Nenes, hochamnsantes Programm! Donnerstag, de» 7. Mär? 1893: anwiderrniUch letzte Tor stellang. (Schluß der Saison.) Circus Renz Carletrasse. Dienstag, den 5. März 1895, abends 7Ve Uhr: Wiederholung der am Sonnabend, den 2. März, mit so grossem Beifall auf- genommenen Parade- Gala- Vorstellung zum Benefiz für den Dreffeur u. Schul- rciler Herrn ll. Benz und die Schul- reiterin Frau Benz-Stark. 6 Trakehner Rapphengste, vorgeführt von Herrn B. Ben«. Die doppelte hohe Schule mit den Schulpserden Liberator und Mikado, geritten von Hrn. B. Benz und Fr. Benz-Stark. Maestoso, ostpr. Sengst, in allen Gangarten der hohen chule geritten von Frau Bous-Stark. Die Post mit 12 Pferden, geritten von Herrn Gustav Benz. Austreten der weltberühmten Bonhatr-Tmppo. Tjo Ni En. Beim Jahreswechsel in Peking. DM" Neue Musik-Eiulagen. IRä Morgen Mittwoch: Vorletzte Vor- stellung. Aus vielseitiges Verlangen Wiederholung der Beiiefiz-Vorstellung von dem beliebten Clown und August Mr. Lavater Lee.— Tjo Nt En. Fr. Ren«! Kommissionsrath. Urania Anstalt für volksthümliche Naturknude. Am Landes- Aussteliungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torstellnng im wissenaohaft- liohen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Parodie-Theater Granien Straff« 52(am Meritzpl.). Madame Sans-6(hie. Vorher: Zum Schluß: Moimskh. Avis! Mittwoch, 6. März: Nach Beendigung der Vorstellung: Letzter dieasährtger BUhuen-Haskenball, veranstaltet von den Mitgliedern des Parodie- Theaters, unter Betheiligung von Kräften hiesiger Bühnen und Spezialiläten-Theater. Unter den Linden 21. am. Jeden Sonntag Nachmittag .u�Ali-ÄÄ Zauber und BGy'S Wunder. Täglich Anfang'|28 Uhr. Castan's Panoptikum. SäFSlml nie imptsni!� Di» Diesen de» dunkeln Grdtheil«: Die Dinka, 40 Männer, grauen u. Kinder. Bas scheckige Mädchen Marietta. „Präsident Fanre". Wienerbad,»ÄT«. '"anneubäder 50 u. 30 Df. »mpf-Kastenbäder 1 Mark. �.»dizinisch» Käder aller Art. Krankenkassen• Mitgliedern bestens empfehle», Sozialdemokratischer Wahlverein fnr den 4. Kerl. Deichstags-Mahlkreis. (Köpeiücker Viertel.) vian»tag, den 5. März, abends S1�(Ihr, im Lokale des Genossen Ullrich, Waldemarstr. 75: AM- Wepsammluiig« Tages-Ordnung: I. Vortrag deZ Genosse» vr. roock. Zadclr über: Vollsheilanstalt für Lungenschwindsüchtige. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegenheiten. 4. Verschiedenes. M?" Osten."MW vienstag, den S. IdSez, abends S Übe, im Lokale„Zum Freischütz", Fruchtstraße Nr. 36a: Vevssmmlung. Tages-Ordnung: Bortrag des Genosse» Fr. Berndt über: „Bildung und Umsturzbestrebungen". Diskussion und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste haben Zutritt. SSV! 16 Oer Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein fnr den 2. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. WM- Versammlung,"MlZ Mittwoch, den«. März, abends 8� Nhr, im Lokale von Möhring, Admiralstr. ISc. Tages-Ordnung: 40/2 1. Vortrag des Genossen 0. Ledebour über:„Umsturz des Rechts, der Wissenschast und der Kunst." 2. Diskussion. 3. Vcreinsangelegenheiten, event. Anträge und Fragen.- DM- Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt."Mgi 0er Vorstand._ Sozialdemokratischer Wahlverein Kr den 6. Berliner Reichstags-W ahlkreis. Versammlungen. Für die SedölldAULvr Vorstaät: Dienstag, den 5, März, abends 8% Ul,r, in Schneidens Salon, Belforter Straße Nr. RS. Für dm Gesnndbrunneu: 2S4/1S Mittwoch, de»«. März, abends 8'� Uhr, im Saale des Herrn Scholz, Stettinerstraße 57. Tagesordnung in beiden Versa mnrlungen: Diskussion über das Erfurter Programm. Vereills- angelegenheiten. Fragekastm. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für Teltow- Beeskow- Charlottenburg. Mittwoch, de« 6. Mär?, abends 8 Uhr, tat Meinen Saal de» Lokals„KisinärtUsHöHe", Mitmersdorferftr. 39: -WM" Versammlung.-WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen riemming über:„Die Arbeiterwohnungsfrage." 8. Diskusston. 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1834. 236/9 Oer Vorstand. krsuell- u. Mädchen-Bildungsverein für Berlin und Umgegend. Mittwoch, den 6. März, abends 8 Uhr, in den„Armin- hallen", Kommandautenftraße 2«(Gartensaal): WW- Nereins-Uersommlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Sohüpilin über:„Die Frau als Aschenbrüdel der kapitalistischen Gesellschaft und ihre Befreiung." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Bereinsangelegenheiteu. 126/14 Männer und Frauen als Gäste willkommen. Der Uorstand. Große öffentliche Drücker- Dersammlung am Donnerstag, den 7. März, abends 8 Nhr, in de» Arminhallen, Kommandanten- Straße Nr. 20. Tages-Ordnung: 1. Der Streik bei der Firma Bokel& Ollnicke, Lampenfabrik, Wasserthor- strahe 50. 2. Verschiedenes. Hierzu sind sämmtliche Klempner, Gürtler und Schnittarbeiter der Firma eingeladen. DM- Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt."D 67/6 Der Vertraneusmann: Panl Hetz, Etrausbergerstr. 20. Beflentl. Vortrag Ober Augen- und Ohrenieiden von Otto Grundmann, prakt. Naturheilkundiger, «M Freitas, den 8. Miir». abend» 8Ve Uhr. in vbarlottenburg, in» Fokal»„Reichokrone", Milhetmoptah. Die Entstehung und Heilung dieser Leiden werden an anatomischen Zeichnl»ngen erläutert: z. B. schwarzer, grauer, grüner Staar. Doppelsehen, Schielen. Blindheit, Augenentziindung, Schwerhörigkeit, Taubheit«. s. w. Damen und Herren sind willkommen. Enlree 20 Pf. Luxuspapierbranche Mittwoch, den 6. März 1895, abends 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung aller in der Lozus- n. Spitzenpapierbranche beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen in den Arminhallen, Kommandantenftr. 20. T a g e s- O r d»» u n g: 1. Di« MiKstände bei Kornblum, prager£ Loyda, Schäfer i Scheibe, nnd wednrch Kennen dieselben beseitigt werden? Referent: A Sailer. 2. Allgemeine Aussprache. 3. Verschiedenes. Kolleginnen nnd Kollegen! Tie Zustände in den genannten drei Fabriken sind derart traurige, daß sie der Veffentlichkelt nicht länger vor- entHallen werden sollen. Es ist deshalb nothwendig, daß alle in unserer Branche, sowie in den drei angeführten Fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen.ollzählig in dieser Versammlung erscheinen. 70/17 Der Dertranensmann. Allen Freunden und Bekannte» die freudige Nachricht, daß ineine Frau von einem gesunden Mädchen ent- Kunden ist. 2gS6b Rirdergesäst n. Frau, Grünau. Unserem Budiker Carl Meier im Friedrichstädtischen Sumpf zu seinein heuligen Wiegenfeste ein donuerndes Hoch! daß der geaichle Kopf wieder blüht! 2g48b Hast Tu'«« Pupille! k Die Pinsel-Schiiider Nr. 225. Am 2. d. M. verstarb nach kurzem Krankeiilager unser hoch- verehrter Faktor Herr Heinrich Lange in» Alter von 61 Jahren. Die Beerdigung findet am Mittwocb, den 6. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Dreisaltigkcits-Kirch- Hofs(Bergmannstraße) aus statt. Die Mitglieder 2942b der I. fterSkeS'schci« Qffizin. Todcs-Anzeige. Zeige allen Kollegen und Genossen hiermit an, daß mein geliebter Mann R. Schöneburg am Freitag Abend im Kraiileuhause Friedrichshaiu seinem Leiden erlege» ist.— Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittags 3 Uhr von dort ans nach Wilh�Imsberg statt. 2943b Ties zeigt nefbetrübt an W»ve. Schöncbnrg nebst Kindern, Vater und Geschwistern. Todcs'Anzeigc. Unser laugjähriges, treues Mitglied, der Tapezier 2344b Otto Dobitz ist am 2. März an der Proletarier. Krankheit nach langem Leiden ver- storbe». Sein Andenken ehrt Der Rauchklub„Blaue Luft". Die Beerdigung erfolgt an, 5. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Zwöls-Apostelkirch- Hofs(Scdöneberg). Todes-Anzeige. De» Mitgliedern des Sozialdemo- kratische» Wahlvereins von» 4. Berk. ReichStagswablkrcis(Osten) zur Nach- richl, daß das Mitglied, der Tischler Wiiheim Pielenz am 2. d. M. verstorben ist. 230/17 Die Beerdigung siudet Mittwoch, den 6. d. M., nachmiltags 3 Uhr, vom Krankenhause Friedrichshain aus nach Wilhelmsberg statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Borftaud. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Millheikmig, daß unser ältester, lieber Sohn, der Techniker Karl Beiilho kurz vor volleudelem 24. Lebensjahre am Sonntag früh 6�4 Uhr sanft c»tschlafen ist. Die Beerdigung siudet am Milt- »voch Nachmittag um 3 Uhr vom Paul Gerhardt-Slisr, Müllerstr. 56, aus nach dem Nazareth-Kirchhos statt. 2S33b Tief beweint von seinen Eltern, Geschwister» nud Braut. OrtT-Braakonkaaso der Steiudracker und Lithographen, Borlin. Am 2 März er. verstarb unser Mit- glied, der Lilhograpb Herr H«inrich Köhler. Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 7. März er., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Alten Jacobi-Kirchhofes, Nollkrug. Um zahlreiche Bclheiligung bittet 2340b ver Vorstand, Allen denen, die meiner lieben Frau die letzte Ehre errviese» habe», den Bekannten und den Kollegen, ins- besondere dein Gesangverein Sänger- kreis(F. u. R.) sowie dem Pflanzer- verein Süd-Ost sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. 2349b W. Zander. Für die innige Theilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Gallen, unseres Vaters und Bruders, des Malers Karl Saft sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. 2S53d Die trauernden Hinterbliebene». Danksagung. Dein Wahlverein des 6. Wahlkreises »md dem Zenlralverbaud der Maurer (Zahlstelle 1 der Putzer) uedst Gesaug- verein Gemüthlichkeit smvie allen Freunden und Bekannten, die meinen lieben Mann Cbristian Kasch zur letzten Ruhe geleitet haben, sage ich hierdurch meinen innigsten Dank. Die trauernde Wittwe 2953b nebst Kinder»- Suche einen energischen Rathgeber, nicht unentgeltlich. Angel. Allersreme Reinhold Sager. Bernstein i. Nm. Gauverein Berliner Bildhauer. Versammlutig Dienstag, den 5. März, abends SV-' Uhr, Annenstraffe 16. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn vr. �rons über:„Englisches Genossenschaftswesen." 3. Verschiedenes. 72 1l zM- Laut Versammlungsbeschluß werden die Versammlungen von jetzt ab punkt 9 Uhr eröffnet und werden die Mitglieder cifir'it, in denselben recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Dorftand. AldtlUlg! MM""WU WlNg! Donnerstag, 7. März, abends 8 Uhr, in Wilke's Lokal, Andreasstraße 26, Akitlitsie Mitglickr-KttMlolilltg des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. iso/ie Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen kiedler über:„Produktion und Konsumtion innerhalb der heutigen Gesellschaft". 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Dorlkand. Mitling? Musikinstrumenten-Arbeiter. Wiug! Sonntag, de», 10. Mär', mittags 12 Dhr, In Kaufmann'» Dariöte: Gr. Wohithätagkeits-iyiatinee zum Besten bilfsbedUritiger Kollegen, veranstaltet vom Fachvereiu der Musikinstrumenten-Arbeiter Berlins. EMF* Auftreten de» gejammten Künstle»'personals."Vß Die Kollegen werden ersucht, sich zahlreich zu betheiligen. Billets a 30 Pf. sind bei den Vorstands-Mitgliedern zu haben, an der Kasse 40 Pf.-MB 204/14 Kassenöffnnng 11 Ilhr. Anfang 12 Uhr. Der Vorstand. iililllPfcl �P�gel u. Folsterwaaren ■VB IMPdr Hji billigsten Preisen in reichster Ausi g die Fabrik Frucht liefert ' äU. _________■ Auswahl > Strasse 25, part. Wilimg! Gesauavereiu Echo II(Mitglied d. A.-S.-B.) feiert am Sonnabend, den 9. März er. sein 30jähriges Stislungs- Fest als Herren-Abend bei Mörschel, Schönhauser Allee 23, wozu ehemalige Mitglieder und Sangesbrüder ergebcnst einladet 29559 Der Verein. Kekauntmachnng. Siebenter Nachtrag zum Tillillt her Srts-Krilnktllkllise der Kiirschllkr und verm. Grmrrbe zu Kerl!»». Z 30 wird folgendermaßen abgeändert: Die wöchentliche» Kaffeubeilräge be- tragen vom 1. Oktober 1834 ab: I. für erwachsene männliche Kaffeumitglicder über 16 Jahre, ausschließlich der Lehrlinge...... für erwachsene iveibliche Kassenmitglieder über 16 Jahre........ für männliche Kassenmitglieder unter 16 Jahren und für Lehrlinge... für»veibliche Kassenmit- glieder von 14— 16 Jahren Berlin, den 17. Dezember 1334. Der Vorstand. C. Dobronz, Vorsitzeuder. 3. 4. 54 Pf. 36 Pf. 24 Pf. 18 Pf. Vorstehender Nachtrag»vird hier- durch genehmigt. Berlin, den 6. Februar 1395. Nr. 556. I,. 8. Der BezirkSausschuft. Kaiser. 155/13 Blumenhandlung P. Abromeit, Slücherftraffe 69, Berlin SW. 5547L' Kränze, Bonquets, Topfgewächse, Guirlandeu u. s. w. Billigste(Markthallen-) Preise bei ge- schmackvoller Ausführung. Krlliljbinderei u. Blüiilenhiilg. GokaH: tiffleyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häusigen Jrrthnm zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. und Genossen em- 1772L« Allen Freunden pfehle meine Krtlnzbiudtteiu-Blillüeli-GM. Kränze mit Schleifen in großer Aus- »vahl. Billigste Preise. LKIsll früher Meinelerstraße, . IVldU; jetjt: Königsbergerstr. 20, _ Ecke Gubenerstraße. Guirlanden und Blumen, empfiehlt zu den billigsten Preisen A. Retalaff, Kranzbinderei en gros, _ 80. Genchtslr. 80. 6 Pfund Albrecht's sJ'Ä.i. Bäckerei, liefert Vfrangel•Strasse 8. Langestr. 20, Falkensteinstr. 28. Gesucht: Dirigent für Gesangverein (Mittwochs 3 bis 9 abends). Kintzel, Kortbuser Ufer 57. 2947b Kflß- gtnuftri Tempelhofer Berg. 57. Bock-Saison. Militär-Konzert. Anfang 5 Uhr. Sonntag» 4 Uhr. Mit 1500 M. kann sich ein lhäliger Mann an ein Gas- und Wasser- leitungsgesckäft betheilige». Off. an F. Sucrow, Demminerslr. 61. 2946b Utrnstlle»» � und . 1 Moi kerrtgerath e, Jordan, Kleine Markusstr. 28.' einzelne, wie ganze , Sammlungen, kauft ilairn, Fricdrichstr. 236._ Ausverkauf v. Möbeln, Spiegeln u.Polstei*- waaren wegen Aufgabe des Laden- geschäfts zu herabgeseftten Ureise» » JuSius Apelt, Sebaftiaustr. 20._ von Betten, schöner Stand, sofort billig zu verk. Reichende.gerstr. 6, l links. Zwei Handwagen z. vk. Pallisaden- straße 101. 2954b Kottbuser Ufer 61 gesunde kleine Wohnungen billig. 3l7M� Görlikerftr. 4L mehrere frenndl. Hinterwobnungen, v. 204 M. an, zum 1. April 1895 zu vermiethen. Füsilierstr. 13 bill. Wohnungen 1 und 3 Tr. 2646b BereinSzimmer zu verg. Krautstr. 39. BcreinSzimmer zu 20—50 Pers. noch frei Gr. Franksurterstr. l33d, Gold. V» Liter 7. Ne Liter 13 Pf. emps. allen Frennden und Bekannten. LouiS Scheut, Oranieu- straße 14�_ 1734b Für Gesangvereine etc. Schöne Vereinszimmer mit Piano, 40 bis 60 Personen, heizbare Kegelbahn noch einige Tage frei! 1738L� Oswald Grauer, Vranienstr. 121 Bereillszimmr?u?ia"0"0-d!f-ei Naunyuftr. 86. bei Reinhold Streit, Festsälc Crnuienstr. 180. Sonnabende und Sonntags zu Ver- sammlungen und Tanz frei. 25469, C. Bolzmanu's GeselBschafts- Säle, Lichtendergerstr. 16. Sälo und Vereinszimmer von 20 bis 500 Personen. 1521h' Freunden und Genossen hierdurch die Mittheilung, daß ich am 1. März das Schankgcschäft von Eigendorf in Friedrichshagettz N>iihel»«»ktraKr Ur. 67, übernehme. kau! Spindler, früher R ei chcnverger straße 113 Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Eniil Roland) i» Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, LW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 34. Dienstag, den 3. Marz 1893. 12. Jahrg. VorlÄtnenksverichto. AbgeordneteuhauS. 84. Sitzung vom 4. M ä r z. 11 Uhr. Am Ministertische: Bosse. Die zweite Berathung des Staatshaushalts-Etats für 1895/36 wird im K u l l u s e t a t bei dem Kapitel»Kultus und Unter- richt" gemeinsam fortgesetzt. Als Zuschuß zum Pfarr-Wittwen- und Waisenfonds werden 1 974 739 M., 274 739 M. mehr als im Vorjahre, gefordert. Dieses Mehr soll zum Anschluß der evangelischen Landeskirchen der neuen Provinzen an diesen Fonds dienen, welcher durch be- sondere Kirchengesetze erfolgen soll. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Medizinalivesen" bedauert Abg. Graf(ntl.) die neuliche Bemerkung des Ministers, daß die Medizinalabtheilung des Ministeriums mit den vorhandenen vortragenden Rüthen auskomme. Es scheine danach, als ob der Minister eine umfassende orga- nische Reform unseres Medizinalwesens nicht vornehmen wolle. Es handelt sich durchaus nicht nur um eine Verbesserung der Lage der Medizinalbeamten, sondern um eine ganze organische Reform des Medizinalwesens und des Sanitätswesens. Der Einfluß der Meinzuialbeamten auf das Sanitätswese» muß verstärkr ivcrden. Das Reichsgericht hat entschieden, daß der ärztliche Beruf ein freies Gewerbe sei und ihn jeder ausüben könne, der diesen Beruf in sich fühle. Diese Entscheidung ist unhaltbar. Ministerialdirektor v. Bartsch: Wenn der Vorredner be- hauplet hat, daß der Minister endgiltig auf eine Reform des Medizinalwesens verzichtet, so weiß der Herr Minister nicht, woher er diese Unterstellung nimmt. Wir sind mitten in der Arbeit.(Widerspruch.) Das müssen wir doch besser wissen als Sie. Abg, Jerusalem(Z.) regt die Frage der Apotheken- konzessionen an. Infolge des Entwurfs des preußischen Ministers von� vorigen Jahre habe der Reichskanzler einen neuen Eiit- wurf zur Regelung des Apothekenwesens aufgestellt, über welchen jetzt die Einzelstaaten berathen. Aufsallend sei es des- halb, daß der preußische Minister selbständdig mit neuen Ver- ordnungen vorgehe. Ministerialdirektor v. Bartsch: Die Reformbedürstigkeit der Apolhekenvrdnung ist unzweifelhaft, deshalb hat der Minister einen jmien Entwurf ausgestellt aus Grundlage der Personal- konzession. Der Reichskanzler hat dieses Prinzip adoptirt. Da wir die Reichsgesetzgebung aber nicht abwarten können, hat der Minister durch Verordnung bestimmt, daß erledigte Apotheken- konzessionen zur freien Verfügung an den Staat zurücksallen. Minister Bosse: Mir liegt eine gerechte Behandlung der Apolhekensrage am Herzen. Ich will in dem unheilvollen Zu- stand des Apothekenschachers Ordnung schaffen, die Apotheker sind selbst an diesen Zuständen schuld, die den ganzen Stand be> nachtheiligen können. Abg. Langerhans(frs. Vp.) wünscht eine Vermehrung des Personals der Medizinal-Abtheilung. Wir bedürfen dringend der Medizinalreform. ES muß etwas mehr ge- schehen, namentlich auf dem Gebiet der Seuchengesetzgebung. Warum erfährt die Oeffentlichkeit nichts von den Vor- bereitungen im Ministerium? Man glaubte mit den Aeiztekainmern den Wünschen der Aerzte genug gethan zu haben. Tie große Medizinalreform wird sich gar nicht auf einmal machen lassen, man muß deshalb mit einzelnen Fragen vor- gehen. Die Kreisphysici müssen so gestellt werden. daß sie sich der öffentlichen Wohlfahrt besser widme» können. Die Aerztekammern allein können nicht genügend für Wohlsahrtseinrichtungen sorge», die Behörden müssen sie darin unterstützen. Minister Bosse: Es ist gar nicht möglich gewesen, meine Vorschläge schon zu veröffentlichen, da ja das Ministerium des Innern Abänderungen inachen könnte. Im geeigneten Stadium werden wir uns des Raths der Bctheiligten bedienen. Abg. Hausmann(ntl.) fragt an, ob eiiw Revision der Medizinaltoxen beabsichtigt sei und weist dabei hauptsächlich aus die veralteten Taxen in Hannover hin. Minist erialdirekter v. Bartsch: Der Entwurf einer neuen Medizinaltaxe ist jetzt fertig gestellt und wird den Aerztekammern und anderen Sachverständigen zur Begutachtung vorgelegt werden. Abg. Jerusalem: Ten. Apothekenschacher hätte man schon früher durch Verordnungen verhindern und ihn garnicht auf- kommen lassen sollen. In Zehlendors hat man eine Apotheke konzessionirt, die nicht lebensfähig ist, ein öffentlicher Ausruf fordert zur Unterstützung derselben auf. Abg. v. Eyuern(ntl.) fragt an, wie es um den Neubau der Cdaritee in Berlin steht, und macht darauf aufmerksam, daß in Frankreich die Städte für Universitätsbauten erhebliche Summen beisteuern. Geheimrath Althoff erwidert, daß im letzten Jahre durch die Verhandlungen zwischen den betheiligten Refforts das Resultat eines festen Planes erzielt sei. Von der Verlegung der Charitee nach auswärts ist abgesehen worden, ein durchgreifender Um- und Neubau ist als nothwendig anerkannt worden, und die Vor- bereitungen dazu sind im Gange. Aber bis alles fertig i st, vergehen n o ch I a h r e; bis dahin muß man sich mit einem Provisorium behelfen durch neue Ventilationsaulagen und Vorsorge für größere Fcuersicherheit, sowie durch Beseitigung der Ueberfüllung, die den Hanptübelstand bilde. Hierdurch gehen aber der Charitee 109 090 M. Verpflegungsgelder ver- loren. Das Provisorium wird im Laufe dieses Jahres fertig sein. In Frankreich thun allerdings die Städte sehr viel auf diesem Gebiete. Wir ersparen durch unsere Kliniken und die Eharitee der Stadt Berlin zwei oder drei Krankenhäuser, wozu noch die 109 999 M. Ausfall an Verpflegungsgeldern kommen. Das alte erworbene Recht der Stadt Berlin soll aber nicht tangirt werden. Der Rest des Ordinariums wird bewilligt. Ebenso die ein- maligen Ausgaben. Es folgt die Berathung des an die Budgetkommission zurückgewiesenen Titels aus dem Extraordinarium des l a n d- w i r l h I ch a s t l i ch e n Etats, in welchem zur Herstellung eines Verbiudungskanals von dem Süd-Nord>Kanal nach dem holländischen Hoogeveen-Kanal als erste Rate 99 999 M. gefordert werden. Nach kurzer Debatte wird der Titel bewilligt. Schluß gegen Nj4Uhr. Nächste Sitzung Dienstag II Uhr. (Etat der Berg-, Hütten- und Salineiiverwaltung; Etat sür Handel und Gewerbe.) Vevlmnttüungeu. In einer Versammlung, die im 4. Wahlkreis tagte, ist von einem Redner behauptet, daß Herr Rechtsnnwalt Freuden- thal einen Bureau-Angestellten entlassen habe, weil in dem Fach- organ»Der Bureau-Angcstellte" eine abfällige Rotiz über die Verhältnisse der bei ihm Angestellten enthalten war. Diese Dar- siellnng ist unrichtig; wie uns Herr Freudenthal mittheilt, hat der betreffende in seinem Bureau gelernt und seit geraumer Zeil die Weisung erhalten, sich nach einer anderen Stellung nmzu- sehen, die ihm ein höheres Einkommen gewährt. Sein». Be- niühungen nach der Richtung waren vergeblich und hat schließ- lich Herr Freudenthal selbst' eine andere Stellung für ihn be- sorgt. Auf diese Art wurde das Verhältniß gelöst. Eiue Mitglieder-Versammlung des Deutschen Metall- arbciter-Verbaudes(Filiale Moabit) fand am 21. v.M. bei Hcnnerschmidt, Perlebergcrstr. 28, statt, in welcher Kollege Hof- mann über die voraussici tlichc Thäligkcit der zweiten General- Versammlung unseres Verbandes referirte. Als Kandidaten zur Generalversammlung stellte man die Kollegen Hosmann, Kurgas, Beutler auf. Folgende Anträge betreffend Statulenäniernng wurden angenommen: Antrag l, K 9 Abs. 2. Bei Krank- heil, Arbeitslosigkeit oder sonstige» Nothsällen kann dem Mit- gliede auf mündliches Ersuchen von der örtlichen Verwaltung der Beitrag erlassen werden. Das Mitglied hat sich tagsüber behufs Kontrolle in festzusetzenden Zeiträumen bei einer von der ört- lichcn Verwaltung zu bestimmenden Haupt-Znhlstelle zu melden. Aulray 2. K 14, Abs. 2, sei dahin zu ändern, daß der örtlichen Verwaltung' ein Bevollmächtigter, ein Kassircr, ein Schriftführer und zwei Beisitzer als Vertreter der beiden erstgenannten an- gehören. Drei der Verwaltung beigegcbcne Revisoren haben in deren Geschäften nur bcrathende Stimme. A» stelle des arbeits- loser, bisherigen erster. Bevollmächtigten, wurde Kollege Hosmann gewählt; in die Herbergskoinmission der Kollege Hägen. Tie selbständigen Mützenmacher vollendeten in einer Versammlung am 25 Februar die in einer vorher stattgehabten Versammlung begonnene Konstituirung einer Vereinigung, die aus dem Boden der niodirnrn Arbeiterbewegung stehen soll, im Gegensatz z» der bereits bestehenden»Freien Bereinigung selbst- ständiger Mützenmacher", die mehr den Unternehmcrstandpunkt vortritt. Veranlassung zu gemeinsamem Zusammenschluß war, wie von mehreren Rednern betont wurde, die außerordentlich traurige Lage im Mützenmachergewerbe. Nur in ganz vereinzelten Fällen sind noch größere Werkstätten anzutreffen. Die ganze Mützenfabrikation liegt fast ausschließlich in der Haus- industrie. Ein Hausindustrieller beschäftigt dann wieder 3 bis 4 Hilfskräste, diesen zahlt er sür Produkte, zu denen er sämmtliche Rohstoffe vom Fabrikanten bekommt.und selbst4,59—5M. proDutzend erhält 2,75 M. Ein flotter Arbeiter mit Mamsell stellt an einem Tage bei 19— l2stündiger Arbeitszeit 2 bis 3 Dutzend fertig; die Geschäftsunkosten, die pro Dutzend 75 Pf. betragen, sowie die Kranken- und Jnvaliditätsbeiträge falle» dem Zwischen- meister zur Last. An den Löhnen der Gesellen und Mamsells ist durchaus nicht zu rütteln, es muß an die Fabrikanten heran- getreten werden. Der Vorstand des Vereins, der vorläufig noch die lokale Form annehmen wird, setzt sich zusammen aus Knapp er t ersten. Busch zweiten Vorsitzenden; Dreofs ersten, Bach zweiten Kassirer; Thomson ersten, Stein ziveiten Schriftführer. Die Parquetbodcnleger nahmen am 3. März in öffente licher Versammlung bei Deigmül ler, Alte Jakobstr. 48a. Stellung zu de» Lohnreduzirungen in der„ P a s s a u e r Stab- undParquetboden- Fsa b r i k"(Vertreter Herr B a n g e m a n n). Der Referent, Vertrauensmann der Berliner Holzarbeiter Emil Wiedemann. erwähnte zunächst, daß die Unternehnier und„Zensoren" des Säulenanschlagwesens, Nauck und H a r t>n a n n, es abgelehnt haben, Plakate mit dem Namen des Vertreters der Passauer Fabrik au ihre Säulen zu heften und er somit gezwungen war, neue Plakate ohne diese Namen anfertigen zu lassen. Er ging dann auf die Lohn- bewegung der Bodenleger im Herbst 1893»in, wo diele, den da- maligen Verhältnissen Rechnung tragend, öS zu einem Kampf mit dem Uiiternehmerrhiim kaum kommen lassen durften, aber dennoch die Festsetzung eines einheitlichen Minimaltarifs er- reichten, der dann am 1. Januar 1894 in kraft trat. Im Laufe der vorigen Woche sei ihm mitgeiheilt worden, daß durch den Vertreter der Passaner Stab- und Parquetboden-Fabrik, Herrn Bange mann Abschlüsse niii Baufirmen getroffen wurden, welche den Tarif in manchen Positionen um 25 pCt. unterbieten. Er frage, ob die Kollegen in ihrer Gesammtheit gewillt sind, sich diesen Dnrchbruch des Tarifs so ohne weiteres gefallen zu lassen?(Einstimmiges Nein!)— Karg« konstatirte, daß nicht etwa die Fabriksleitmig in Passan, sondern der wiederholt ge- nannte Vertreter der Firma, Herr Bangemann, der Urheber dieser Abzüge ist. Belitz berichtete über seine Unterredung mit B a» g e m a ii n; diesem falle cs gar nicht ein, die Mißstände wie sie bei den ihm untergebenen Zivischenmeistern, wie Stein — welcher seine Leute zwingt, die Nägel zu liefern— herrschen, zu beseitigen. Deshalb sei ein energisches Vorgehen nothwendig, da sonst sehr bald andere Firmen dem Beispiel B a n g e m an n' s solgen und ebenfalls Abzüge vornehmen würden. In der weiteren Diskussion, an der sich noch Bieske, Grahl, Karge, Witte, Simon, Heß, Vogel, Ehrenpforth, S ch m i d t s, C I e m e ii s, ein Vertreter der Firma Rosenfeld, und der Referent betheiligten, wurde wiederholt daraus hingewiesen, daß die Bodenleger infolge ihrer Uneinigkeit und Interesselosigkeit au der Organisation die Mißstände in ihrem Beruf sich selbst zuzuschreiben haben. Folgende Resolution gelangte zur Annahme und soll durch den Vertrauensmann Wiedemann Herrn Max- Leo y in Passau, von dem Karge behauptete, daß er ein füblendes Herz für die Arbeiter babe. und jedenfalls für Remednr sorgen werde, unterbreitet resp. zugesandt werden:„Die ver« sammelten Parquetbodenleger sehen ein, daß nur durch die Jiitereffelosigkeit in ihren eigenen Reihen es dem Unternehmer- thiim möglich wird, die Arbeitslöhne immer mehr herab- zudrücken. Die Bersamnilung protestirt gegen jede weitere Lohiireduziruiig und fordert mit Entschiedenheit die im „Miniinaltaris" vom 1. Januar 1894 festgesetzten Preise; sie er- klärt die Preisherabsetzung der„Passauer Stab- und Parquet« boden-Fabrik(Vertretung Herr B a n g e m a n n) als ungerecht- fertigt, weist dieselbe zurück und niacht cs jedem Bodenleger zur Pflicht, dahin zu wirken, daß sür die herabgesetzten Preise die Arbeiten der geiiaimten Firma nicht angefertigt werden. Endlich erwartet die Versammlung von jedem Bodenleger, daß er sich seiner Organisation, dem Holzarbeiter-Verband anschließt und das seinige zur Herbeiführung geregelter Lohn« und Arbeitsoer- hältnisse beiträgt." C. Jeden Dienstag von früh an: Norzügliche frisch» Klüt- u. Leberwurst. Augustin, Kastnntru-AUr» 11. Leipziger- 9 str. 132. Medac Listrac..... pr. Fl. 1,15 Cautenae....„ 1,20 Gutes de Bourg...... 1,20 Medac St. Julien...» 1,45 Chäteau Dauzac....„ 2,29 Zeltinger(Mosel)....„ 0,60 Cognac Renard Fils u. Eo.„ 2,20 Bisquit Dubouchö Ii. Co,.„ 3.99 Eiercognac(Advocal)..„ 2,69 Rum, Arac......„ 2,00 Lieferung frei Haus oder franko Bahnhof Berlin. 2941b Üjipr-Ilpl'l rtrt Max Kocl1- MMHr. IT t-V"-V'(zw. Brandenburg- u. Alexaiidrineiistr.), _____________ j* enipsiehlt sich den Genossen zur Lieferung s ä m m l l i ch e r Biere für Werlslätlen sowie den Haus bedarf. BWodvI» Kaufgelegeuheit bietet sich Brautleuten:c. im Möbel- speicher, 172lL' Rosentksle«»<» Sti-sss« 13, I. Daselbst stehen täglich zum Verkauf: neue gediegene Möbel zu außergewöhn- lich billigen Preisen, gebrauchte und verliehen gewesene Möbel zu wahr- hasten Spottpreisen. Theilzahlung ge- stattet. Kleiderschränke 15, Küchen- spinde, Kommoden 12, Sophas 15, Bettstellen mit Matratzen 13 Mark, Nu ßbaum-Kleiderschränke, Vertikows 39, ....... Herren-Schrei. tische, Schreibsekretäre. Büffets, Kou- liflentische, Spiegel, alles staunend billig. Gekaufte Möbel können auf meinem Lagerspelcher bis April k o st e n f r e i lagern und werden durch eigene Ge- spanne transportirt und aufgestellt. Vorwärts kostet n»r Vi Liter-Flasche Utk. 1.- _ MWMMKW .■Ube\vU suUaOm!'•.- WWMMK Dorwurts wird überall ansgeschänltt. DorwortS ergiebt bei'/� Vorwärts und Vs Vtaste» und etwa» Zuckier eine» ausgrieichneten Punsch. VeiukaillUimg' künstl. 2Sblle 2 M. Tollst, schmerz!. Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Reparat. sofort. Theilzahlnng. Zahnarzt Woif, Leipzigerstr. 22. Spr.8-7Bhr.[26Ub C. Böhme, f. 1669 Reiohenbergerstr. 148. emps. Rum. Glühwein, Punsch Essenzen, Crr.c.l.eoSTI.ün; Bordeaux-, Portugiasiche, Ungar- u. Rheinw., Ligaenre u. Frachtsäfte. Bum anerkannt gut. Literflasche ü 1.10. 1.60, 2,10, bei 5 Flaschen k 10 Pf. billiger. Echt Stonsdorfep Likör ä Liter 1,20, 5 Liter 5,50, 10 Liter 10,—. Jngber« Likör, mageiistärlend. Literflasche ä 1,10, 160,. Himbcer-, Kirsch-, Johannisbeersaft, vorzngl., Literflasche ü 1,30. Ungarwein, med. süß, 1/2 Ausbruch k Literflasche M. 2,10. 323M' Eugen Neumann A Co., Belle-Allianceplatz 6a, Neue Friedrichstr. 81, Oranienstr. 8, Genthinerstr. 20. Potsdam» Waisenstr..27. Nußbaum- Möbel. Verkaufe fof, vollständige Wohn- und Schlafzimuier-Einricht. spottbill., auch einzeln, sowie Siegulator, Teppiche, Bilder, Steppdecken, Plüschgarnitur (Brautleuten empfehleiiswerlh), Land wehrstraße 5/6.' Arlicitstlnziige W. Fahr, Krunnenstr. 112. Seidenstoffe Sammele, Plüsche, Velvets, Cravatten- Stoffe. Alles in größter Auswahl. Villiger als in jedem Laden. Stralauerstr. 44, I Tc.(Kein Laden!) Zur greuncjL Große Auswahl Schwarze Cachemirs, reine Wolle, doppeltbrcit, Meier 75 Ps.. 1 M.. 1 M. 25 Ps., I M, 59 Pf. und 2 M. Schwarze Diagonals, reine Wolle, doppeltbreit, Meter 05 Pf., 1 M. 25 Pf.. 1 M. 59 Pf. und 2 M. Cchwarze UdiltdjiMe, reine Wolle, doppeltbreit, Bieter 1 M.. 1 M. 25 Ps.. 1 M. 59 Pf. und 2 M. Schwarze laquets, in den Größen genau passend, ' tür Cuntirmanden, 7 M. 60 pf.. 9 und 10 M. Fortlaufend Eingang neuester Erabjahrs-KIeiderstofte. Große Auswahl moderner Regenmöntel. Sielmami& Rosenbergj Kommandantrnstrntz», Eck» Kindenstrnße. Bamen-Haslcen, privat, elegant und sauber zu verleihen Waldemarstr. 46, 2 Tr. rechts. 2516b Arbeitsiilltrtt. Musikillstttlmelttetl- Arbeiter- Streik! Die Kollegen der Piano-Fabrik von Görs& Kallmann haben infolge Maßregelungen und Lohnforderungen die Arbeit nieder- gelegt. Zuzug ist strengsten» fern- Inhalten. Gleichzeitig ist für die Branche Zu- sammensetzer der Pianofabrik Runze & Sohn, Blumen str. 70, infolge Maßregelung laut öffentlicher Versammlung vom 13. Januar er. die Sperre ver- hängt worden. 198/13 Die Lohnkommissiou. Familienwaogen! Geübler Justirer als Vorarbeiter bei guter Bezahlung bald gesucht. Heibig& Köhler. 3153)1 Döbeln i. S. Einen Dreher auf chirnrg. Spritzen verlangen 295Sb Gebrüder Montiael, _ Chauffeestr. 2, l Malerlehrlinge werden sofort eingestellt bei 2945b A. Leonhardt u. Co., Firmenschilder-Fabrik, Holzmarktstr. 1._ Kronrrnr SÄ5"-"''" sofort gesucht Stellung "!19d F. Zürn, Fürst-ustr. 5. Tüchtige Feiler und Schleifer auf Nalurstöcke verlangen 29695 W. Remmert u-(£0., Prinzensir. 36. ZVstSvenhAUS Sigm. Simonsohn, GranienftraKe 166, Z. Haus vom OranLettpitttz. Doppeltbreit schwarzer Kleiderstoff, Meter 55 Pf. f Gardinenreste, hochfeine Qualität, Meter 2s Pf. MZjjrhel" MTnHQZin Berlin HVt,, Bremepstr. 67. Otto& Slotawa, Tislhltl'ineißer. 2. Geschäft: Gotzkowskystr. 3. 1787L* UMiuwuHHBnBiBMaBHi�nBBnaBnaaBBBBi i&tsmaiin und Beerdigungs- Comtoir. Alte MMnßt 93 Wilhelm Hnrsch Alte MoWmße 93 (an htv Srydelstratze). �(au der Sevdetstrasjel. Eröffnung des Ersten Berliner Spezial- Geschäfts für fiimmttich« Artikel zurDW" Polsteret llllh Dekoration, insb-s-ndtte: Teppiche, Gardinen, Portiören, Möbelstoffe, Dolstermaterialieu etc. Einzelverkauf zu Engros-Dreisen. Bllchsöhrllllg, ji ö l l II, Saarbrückerstr. 7. 286Gb Möbel» Gelegenheitskauf zu außergewöhnlich billigen Preisen Für Vrautlente ganze Einrichtungen von 200— 1000 M. Theilzahliing ge stattet. Elegante Stußbauni-u.Mahagoni' Kleiderspinven und Vertiloivs 30 M., einfache 16 M., Sophas, Bettstellen mit Matratzen 20 M., Waschtoiletlen. Küchenspinden, Kommoden 12 M., Stühle 3 M., Sophatische 0 M., Säulen- Trnmeaux Gö M., Plü ganiitnr 00 u. 100 M., Muschelspinden <0 M., Paneelsophas SO M. Büffets, Silberschränke, Herren- Schreibtische, Schreibsekretäre, Zylinder- Bnreaux, Spiegel. Wenig gebrauchte Möbel zu halben Preisen und sollte es niemand versäumen, der gut und reell kaufen will, mein große- Lager zu besichtigen. Gekauite Möbel werden bis 1. April kostenfrei aufbewahrt, transportirl und aufgestellt. 1G34L' Schützenstr. 2, Möbelfabrik I I Cfiipm Münzstrasse 3, J'"»Prie(lric'listr.25;26| BoMll,MttMll, Conjituml. Bei Erkält., Husten rc. mache man einen Versuch in. Stnrm's?ectoral- Loodon, per PacM 20 Pf. Beßes Ptzmittel dtt Welt! rnuerei Wchels Telephon: Amt Spandan Nr. 13. Telephon: Berlin Amt VI Nr. 1116. empfiehlt ihre aus bestem Malz und Hopfen hergestellten Biere. l7ssL* Kagerbier, hell» Erportbier» dunkel, Markgrafen-Kran ach iiichcner Art. Mtrlegt: Mli«, jiöiigin-Aügeftft�c l, am Hafenplatz, Ningbahnbogen 1—8. flEF- Achtung!__ Zahnersatz, auch Theilzahl., wöchentl. 1 Mark, G n ck e l, Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. 12. Diese vllivsrsal-INotall-plltz-pomaSs ist von uns zuerst im Jahre 1876 zur Einführung gebrachr und das Fabrik- zeichen„Helm" durch gesetzliche Ein- tragung zur Schutzmarke gekennzeichnel worden. Wir stellen dieses Erzeugniß in den anerkannt hervorragenden und unübertroffenen Eigenschaften jetzt so- wohl in rother uüe in veisser Farbe her. Probe» und Preisanstellung frei und unberechnet._ Sophasfoff- in Hipe, Damast. CrSpr, Phantastc, Gobelin und pl lisch spottbillig! Proben franko!' LUsttßch Emil Leferre, ÄrÄ, -- 158. «Ott» Tabaken und UtensiBien � Cigaprcn-Fa bi* i kanten ?! billigster Einkauf!! W. Hermann Möller Berlin " Alexandersf r. 22.-HWK Streng reelle Bedienung. Jf Creditgc Währung nach Uehereinkuiiftü G. Sohannow, Uhreil- iinl) Coldumreu-Fchnk, 152 Oranien-Straße 152, a m Moritzplatz. Anerkannt beste Bezugsquelle. »jähr. Garantie. Besteht seit 1860. Besteht seil 1860. Silb. llieinontoir- Uhren mit Goldrand v. 10 M. au Golden: Damen-Remontoir-Uhren. v. 18 M. an „ Herreu-Ancre-Nemont.-Uhren v. 40M. an Regulatoren in polirlen Nußbaum- Gehäusen. I-t Tage gehend. v. 10 M. an Stutz-, Wand- und Wecker-Uhren in verschiedenen Mustern. Gold-, Silber-, Granat- und Korallen-Waaren in großer Auswahl zu den denkbar billigsten Preisen. Gewissenhasteste Aussührung von Reparaturen an Uhren und Goldsacheu bei billigster Be- rcchnung. 1472L' Das 34jährige Bestehen der Firma bürgt für die Sieelliläl diestr Offerte. Preisliste franko. Brellll- uiiii Politur-Tpiritus, Priiilä Sprit verkäu�ftru mGew-rd� treibenden zu selrr dilligenPreisen Hermann I5exei ö llie., Berlin, Brnnnenstr. 23. Große Auswahl in Nußbaum und Mahagoni zu den billigsten Preisen. > Drrvd«tt«rstraffe 116 117. Mobs! direkt aus der Fabrik. Otto Borger» Die Waarenbesftande ans der Konkursmasse Filiale H. Rosendorff jr. Fttuellideultv. 161 sMen Markthalle iinD Brallneilstrahe) bestehend aus vamsu-, Rsrren- und Kwäsrväsobö, garäinsu. feppieben, I liänfsrstoffen. Eeluen, Bstt2eu(js:c. kommen nur nn den Wochentagen von 9-1 und 3—8 Uhr zu fest taxirten Preisen zum Ausverkauf. 1 J Ulegeiiheitskillis sur Brautleute: Im Möbelspeicher Neue Königsir. 60, vorn l., sollen über t00 Wirlbschaftseinrichtnngen, kurze Zeil verliehen gewesen« u. neue Möbel spottbillig verkaufl werden. Ganze Einrichlnngc» 100. 160. 200— 1000 At. Theilrahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspinden 16, Jüchen- spindeu, Kommoden 12. Sophas 15 M., Bellstelleu mit Sprungfeder-Matratzen 18. Nußbauui Kleiderspinden 30, Stühle 3 Mark, hochfeine Muschelkeiderspinden 40, Plüschgarniniren 60 Mark, Herren- schreibtische, Damenschreibtische 30. Cylinderbiireaus, Schreibsckretäre 16 Mark, Garderobeuspinden, Paneel- sophas>6, Puffet», Trumeaus 66 M.. Betten, Coultssentische, alles spott- billig. Auch einzelne Gegenstände werden zu Engrospreisen verkaust. Empfehle allen Herrschaften, mein größtes Mibellager Berlins zu be- sichligeu u. sich von den staunend billigen Preisen zu überzeugen. Gekausle Möbel können bis April kostenfrei stehe» bleiben imb werden durch eigene Öc= spanne trausportirl und aufgestellt. Rolltabak. Vrösste lu-ivskl I Billigste Breise I U Lager in Formen, Bockfagons. g Heinrich Franck, Hr. 185» PrMnwenftruste Itr. 185. Sophabezug Reffe Tischoecten-Reste, Porlieren-Reste, Gar- dinen-Reste am billigsten l-rüner Veg 67. äSCSS Engros Ludwig Bein& Co. _ Damen�Mäntel�Fabrik Bsaam Niede�waBlstrasse 21. m wir«to.» py. Montag, d e|n 11. März �ds 0 r anienstrasse 045-146 in den früheren A. Wertheim'schen Räumen Export unseren Detail-Verkauf zu Engros-Freisen. pSp""1 Feste Preise. wmmmmmmmm*-MF' Feste Preise. Verantwortlicher Redakteur: I. Dicrl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlaa von Max Babing in Berlin, LIV. Beulbstraße 2.