Abendausgabe Nr. 560 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 282 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in ber Morgenausgabe angegeben Redafilon: S. 68, Cinbenficate 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Hoceffe: Sosialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 70 Milliarden M. Freitag 30. November 1923 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße& Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Das Marx- Kabinett. Die englischen Wahlen. Das Hauptmerkmal des letzten englischen Wahlfeldzugs Ueber die Zusammenfeßung des kommenden Kabinetts Marg, dafür forgen, daß in Preußen alles nach Wunsch geht und Breußen im November v. 3. war die Tatsache, daß damals die Libe das im Laufe des Nachmittags endgültig zustande kommen dürfte, gibt, da Sachsen und Thüringen sicher find, nahezu den Ausschlag. ralen gespalten den Kampf führten. Die„ Nationalen wurde in der Mittagsstunde folgendes mitgeteilt: Das Außenministe. Mithin fann man heute ohne Uebertreibung von einem vollen Augen-" Unabhängigen Liberalen" unter Führung von Asquith Liberalen" unter Führung von Lloyd George und die Liberalen" unter Führung von Lloyd George und die rium wird Stresemann beibehalten. Auf ihren Posien werden blidesiege der Sozialdemokratie reden... bekämpften fich wechselseitig mit der größten Erbitterung und verbleiben: Luther als Finanzminister, Geßler als Reichswehr- Aber trotz deffenso fündigt die Deutsche Beitung" wie stellten in zahlreichen Wahlkreisen ihre besonderen Kandidaten minister, Brauns als Arbeitsminister und Hoefle als Post- Kassandra an- würden die fommenden Wahlen„ troß auf. So tam es, daß in zahlreichen Bezirken vier verschiedene minister, der außerdem noch die Verwaltung des Minifteriums für Druck und Wahlmache der Regierung" über all die bisherigen Richtungen um ein Mandat rangen: die Konservativen, die die befehlen Gebiete übernehmen soll. Bizetangler wird Jarres Regierungsparteien ein vernichtendes Urteil fällen: Bir Arbeiterpartei und die beiden liberalen Flügel. Das unab werden, voraussichtlich ohne Portefeuille. Das Janere wird wahr- denken dabei nicht nur an die Sozialdemokratische wendbare Ergebnis dieser Zerrissenheit war eine vernich scheinlich der bayerische Demokrat Hamm übernehmen. Reichs- Partei, deren politische und wirtschaftliche Sünden zum Himmel tende Niederlage der Liberalen zugunsten ihrer Gegner verkehrsminister wird der Direktor der Deutschen Werte, Henrich. Schreien, und nicht nur an ihre Vorfrucht, die gänzlich von von rechts und von links. Zweifellos hat die Arbeiterpartei Landwirtschaft wurde mit dem Deutschnationalen Schiele bas 3entrum und die Deutsche Boltspartei. Die ben allergrößten Vorteil zogen aus der liberalen Spaltung die Ueber die Belegung des Ministeriums für Ernährung und Juden abhängige Demokratische Partei, sondern auch an manchen eroberten Siz diesem Umstand zu verdanken. Aber verhandelt, der persönlich zur Annahme des Amtes geneigt Mauern der Zentrumsfeste find sehr dick und start. Unüber Ronservativen, bie, begünstigt durch ein unlogisches, ungerechtes märe, aber unter dem Drud seiner Partei von der Annahme windlich sind sie aber nicht." bes Amtes Abstand nehmen mußte. Infolgedeffen dürfte auch Um ben geringsten Zweifel an ihrer Bohlanständigkeit" und längst überholtes Wahlsystem etwa achtzig Mandate über die Bayerische Volkspartei fich nicht an der Regierungsbilbung zu beseitigen, versichert die Deutsche Beitung" noch, das die absolute Mehrheit im Parlament erlangten, obwohl sie nur beteiligen. Sie hat gemiffe Bedingungen gestellt, über 3entrum rette den Genoffen Severing lediglich um ber napp ein Drittel der Gesamtstimmenzahl im Lande erzielt Die gegenwärtig noch verhandelt wird. Ob der bayerische Abgeordnetendiäten und der paar RegieDie liberale Spaltung entsprach indeffen feineswegs einem Staatsanwalt Abg. Emminger unter diesen Umständen das ungsstellen willen!" Stresemann wird als ein unJustizministerium übernehmen kann, wie beabsichtigt war, ist fähiger und unzuverlässiger Herr" bezeichnet, aber unüberbrüdbaren politischen Gegensatz, sondern weit mehr der fraglich. Wir würden diesen Herrn auf jeden Fall für eine das festhalten an ihm der Deutschen Bolkspartei eher verziehen, persönlichen Rivalität zwischen den beiden Führern sehr schmere Belastung des Kabinetts halten. Lloyd George und Asquith. Asquith war während des Krieges als ihr Versagen gegen Gerering. Diese Entrüftung über die ganz vom Judentum ab von Lloyd George in recht hinterlistiger Wei'e an die Wand hängige Demokratische Partei, das Zentrum und gedrückt und aus der Regierung ausgeschifft worden die Deutsche Boltspartei ist danach außerordentlich und empfand seitdem einen tiefen und durchaus vergroß. Sie würde aber weniger gemacht erscheinen, wenn nicht ständigen Groll gegen seinen Nachfolger im Amte. eben noch diese entrüsteten Deutschnationalen bereit gewefen Nachdem nun auch Lloyd George von den Konservativen gewären, mit den jetzt in Bausch und Bogen verurteilten Mittel- stürzt worden war, hatte diefer versucht, sich Asquith wieder zu parteien, selbst mit Stresemann und Marg, eine nähern, aber die langjährige Erbitterung der unabhängigen gemeinsame Regierung zu bilden. Jetzt flingt ihr Schelten Liberalen gegen Lloyd George fonnte nicht innerhalb weniger zu sehr nach den Klagen des Fuchses über die Trauben, die zu Tage überwunden werden, und so war man gespalten in den hoch hingen. Wahlkampf eingetreten. Enttäuschung bei den Deutschnationalen. " hatten. Weil Severings Kopf nicht geopfert wurde. In dem Augenblid, wo die Möglichkeit fich öffnet, daß eine bürgerliche Regierung auch ohne die Deutschnationalen zustande tommt, entlädt sich der ganze 3orn der Ent täuschten in Bekenntnissen schöner Seelen. Die heutigen Morgenausgaben der Berliner Rechtsblätter übertreffen sich in Ausfällen gegen die bürgerliche Mitte, weil sie nicht auf die deutschnationale Forderung eingegangen ist und neben der Regierungstrife im Reich auch noch eine solche in Breußen Vor dem englisch- französischen Kompromiß. unhe poll bie Spaltung fich für sie ausgewirkt hatte, wurde herbeiführen wollte. Die Deutsche Tageszeitung" ist der Meinung, der auf die Bildung, eines Minderheitstabinetts per Als nun die Liberalen nach den Wahlen erkannten, wie Paris, 30. November.( BIB.) Der offiziellen Sigung der der Ruf nach Einigung in den beiden Flügeln ihres mandte Etfer müffe unwillkürlich fomisch" mirten, spricht von Reparationstemmission, die heute nachmittag um 3 Uhr stattfindet Lagers immer fauter. In den letzten Monaten machte die einer„ Berlegenheitsregierung" und hofft, daß diell n m 5 g- und in der eingig und allem die Frage der Ginfegung eines Versöhnung immer größere Fortschritte im ganzen Lande, fich feiten, die bereits in der Entstehung und Zusammen. Saverständigenausschulfes zur Abschäzung der beut und ba bie beiden Gruppen in den meisten Fällen im Unter fegung der Regierung liegen, möglich st balb fo flar in schen Zahlungsleistungsfähigkeit besprochen werden foll, wird nahaus gefchloffen gegen die Konservativen vorgingen, Lonnten Erscheinung treten, baß der Weg für einen bem Boltswillen dem„ Echo de Paris" heute vormittag zwischen Barthou und sich auch die beiden Führer dieser elementaren Bewegung des entsprechenden Reichstag freigemacht wird, ehe noch mehr kompromis möglich erscheine, werde man auf franzöfifcher Seite jahr war Lloyd George, außer in feinem eigenen Lager, recht Bradbury eine Besprechung vorausgehen. Wenn danach ein liberalen Bürgertums nicht weiter verschließen. Noch im Früh Unheil geschieht". Anstrengungen machen, die beiden Thesen miteinander auszugleichen, impopulär. Seine überaus erfolgreiche Reise nach Amerita Die Kreuz- Zeitung" schimpft auf die Mittelparteien: eine entsprechende Formel scheine auf französischer Seite bereits vor im Oktober verschaffte ihm jedoch plötzlich wieder ein unge. .Der staatsmännische Anlauf, den sie genommen hatten, ftodie bereitet zu fein. Man werde einfach die Ernennung cines Sachner- heures Prestige, und es wäre von Asquith überaus unvor furz vor dem Sprung. Sie wagten nicht, auch jeht nicht, zu tun, ständigenausschusses feststellen und nicht mehr auf die Beschränkung fichtig gewesen, wenn er sich) meiter dagegen gesträubt hätte. was die Nation von ihnen forberte undretteten die Sozialdemo- felner Kompetenzen auf Grund des Versailler Vertrages zurüd in die ihm zur Versöhnung gereichte Hand Lloyd Georges fralle zum wievielten Male vor den Berlust der ihr teuer gewordenen fommen, d. h. man werde stillschweigendes Uebereinkommen über die einzuschlagen. Als schließlich der Ministerpräsident Baldwin Position, ohne die ihre Ohnmacht nur zu offenbar geworden wäre, Bollmachten des Sachverständigenausschusses als gegeben annehmen. Neuwahlen unter der Parole der Beseitigung des und ihr Einfluß die Korrektur durch ihre wahre Machtstellung ge- Benn aber ein Rompromis heute vormittag nicht als durchführbar Freihandels, alfo des traditionellen Wertes aller Libe funden hätte. Der Bürgerblock scheiterte dant dem Berhalten der angesehen werden sollte, werde man die Debatte vertagen. Nach ralen, verlangte und das Parlament auflöste, war die Wieder. Demokraten, die gestern nachmittag schon mit den Sozialdemokraten dem Matin" habe die englische Regierung nicht die Absicht, heifle vereinigung der Liberalen eine Selbstverständlichkeit. Diese Ber fonspirierten und sich die Berhaltungsmaßregeln geben ließen. Die Diskussionen vor den Wahlen hervorzurufen. föhnung ist übrigens sehr glatt vonstatten gegangen; es wurde fonnten aber nur darauf hinauslaufen: Rettet uns Severing!" ein gemeinsames Hauptquartier" gebildet, und nur in zwei von den vielen hunderten Wahlkreisen ist es nicht gelungen, eine einheitliche liberale Randidatur aufzufstellen. Am vorigen Sonnabend ist die Berbrüderung besonders feierlich in einer Bersammlung im schottischen Wahlkreis Paisley, in dem Asquith schon das legtemal nur mit fnapper Mehrheit gemählt worden ist, gefeiert worden: Dort traten gleichzeitig Lloyd George und Asquith auf, reichten fich unter frenetischem Jubel und Tränen der Rührung die Hände und lobten sich gegenfeitig über den grünen Klee. Ganz wie die Deutsche Tageszeitung" lehnt auch die Kreuz- Beitung" entrüstet den Gedanken ab, daß etwa der " Eine kommunistische Fälschung. Devisenkurse unverändert. deutschnationale Abgeordnete Schiele auf das Ersuchen von Ein großes Kulturfartell einer sogenannten Schußgemeinschaft Dr. Marg einginge und als Ernährungsminister in Deutscher Intellektueller beruft für heute abend eine Bersammlung fein Rabinett eintrete. Die Ernährung sicherzustellen und ba- ein. Unter den diesem Kulturtariell angeblich angeschloffenen Dr. mit geordnete Berhältniffe anzubahnen, daran haben die ganisationen befinden sich der Bund technischer Angestellter und Be Deutschnationalen augenscheinlich sehr wenig Intereffe. Ihnen amter, die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, der Schuß tommt es hauptsächlich auf die sogenannte Futterfrippe" perband Deutscher Schriftsteller ufw. Wie uns von diesen Organi. in Preußen an, sie wollen alle Regierungs, and fationen mitgeteilt wird, handelt es sich um einen Mißbrauch, rats und Amtsvorsteherstellen mieberhaben, den die KPD. mit den Namen diefer Organisationen, und zwar die ihnen einstmals ihren organisatorischen Rüd nicht zum ersten Male, freibt. Diese Organisationen gehören meder Das Merkwürdige an den jeßigen Wahlen ist aber, baß, halt boten. Sie können sich nicht denten, daß die Sozial- dem Kartell an, noch haben sie irgend etwas mit der Bersammlung während diesmal die Liberalen wieder geschlossen auftreten, Demokratie, die schon vor dem Kriege fast ein Drittel heute abend zu tun. Die Konservativen innerlich gespalten find. des Reichstags befeßte, ohne in Preußen auch nur einen Wohl ist organisatorisch die Einheit der Konservativen Partei einzigen Barteigenoffen als Nachtwächter, geschweige gar als gewahrt worden; fonservative Randidaten bekämpfen sich nicht Amtsvorsteher oder Landrat verzeichnen zu fönnen, au a gegenfeitig, und nach außen hin stellen sie sich geschlossen hin ohne diese Aemter eine starte Partei bleiben Heute gåb ber Börse eine feit langer Zeit nicht mehr beob. ter Baldwin. Um so mehr aber sind sie politisch zerPönnte. Nur weil sie selbst die Futtertrippenwirtschaft bis ins achtete Gelbflüffigteit bas Gepräge. Die starten Bofitionslösungen riffen, namentlich in der Hauptfrage diefes Wahlkampfes: Extrem getrieben haben, glauben die Deutschnationalen, wäre an ber vorgeftrigen Börse sowie die seit einigen Tagen zu beobachten. Schutzoll oder Freihandel? Im Gegensatz zu Baldwin, der auch die Sozialdemokratie in der gleichen Art mit den Aemtern den erheblichen Berfäufe von Devisen und das Ab. fich rückhaltlos für den Protettionismus eingesetzt hat, find verbunden. Deshalb ihr Sturmlauf gegen Gevestoßen von bedeutenden Warenbeständen im Großhandel haben innerhalb der Konservativen Partei starte Kräfte am Werke, ring, deffen zielflares; energisches und vollauf verfaffungs, wesentlich dazu beigetragen, bie bisherige Geldknappheit aufzuheben. die fich teils heimlich, teils offen zum Freihandel bekennen. mäßiges Borgehen gegen die reaktionären Bestrebungen ihnen Darüber hinaus macht sich im Zusammenhange mit der Besserung Diese Tatsache wird von den liberalen Gegnern der Regieein besonderer Dorn im Auge ist. des Martkurses an den Auslandsbörsen seit einigen Tagen eine starke rungspartei eifrig ausgeschlachtet und bedeutet eine schwere Was bei den genannten deutschnationalen Blättern nur Einschränkung sowohl der Hamsterkäufe am Warenmartte als auch Benachteiligung der fonfervativen Bropaganda. Lekten Endes angedeutet wird, drückt die„ Deutsche Zeitung" in flobiger der Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln an den Börsen ist der Kampf zwischen Protektionisten und Freihändlern nicht Offenherzigkeit aus. Wie immer, wenn diesen Pächtern des bemerfbar eine Frage der politischen Ueberzeugung, sondern des per Nationalgefühls etwas gegen den Strich geht, perbächti Bebhaft erörtert wurten die geftrigen Ausführungen des Bize fönlichen Interesses. Die meisten Industriellen gen fie die nationale 3uperläffigteit ber an präsidenten der Reidysbant über die Maßnahmen zur Stabili fühlen sich durch die Konkurrenz der Länder mit schlechter Wäh Deren. Jezt muß auch Dr. Marg daran glauben. Ihm wer fierung des Martfurfes. Da heute aus dem Auslande rung bedroht und fordern Schußzölle, wobei fie behaupten, daß ben separatistische Gelüste imputiert, damit er gleich von Martturse gemeldet wurden, die zum Teil auf der Höhe nur diese eine wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit er pornherein in den Augen der Deutschnationalen gefennzeichnet der Berliner amtlichen Devisennotierungen lagen, wurde bereits tie möglichen würden. Die Handelstreife dagegen sowie ist. Dann aber wird Marg bei feinem christlichen Ge Frage erörtert, ob die Reichsbank gegebenenfalls eine Herabfegung 3. B. auch die Schiffahrtsinteressenten, die auf freien Imvort wissen gepackt: der Devisenkurse vornehmen würde. Man ist jedoch in Finanztreifen und Export angewiesen sind, behaupten hingegen, der Pro" Diesmal wird der„ chriftliche" Herr Marg das schwere Opfer den Meinung, daß eine solche Maßnahme im je gigen Moment teftionismus würde Englands Ruin herbeiführen und die für die höchst unchriftliche Sozialdemokratie bringen, und seine uns ganz ausgeschlossen fei, da eine Herabfegung des Dollarkurses auch Arbeitslosenfrise in wichtigen Zweigen der englischen Wirtdankbare Aufgabe wird darin bestehen, Herrn Ebert und deffen ein Fallen der Rentenmart bedeuten würde, wodurch die Einführung schaft erst recht verschlimmern. Da nun auch viele Konservative Partei vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren. Da es den diefes Bahlungsmittels in den Berfehr so gut wie unmöglich gemacht Erponenten der Handels- und Schiffahrtsinteressen find, be Deutschnationalen nicht gelungen ist, ein neues preußisches Kabinett werden könnte. Man nimmt an, daß, falls feine vorhergesehenen fennen fie sich im Gegensatz zu ihrer Parteileitung und ihrem zu erzwingen, ist Herr Ebert feineswegs genötigt, die tommenden Ereignisie politischer Art eintreten, bie jetzt erreichten Devisenturse Ministerpräsidenten zum Freihandel oder, wie es bereits an Reichstagswahlen unbedingt unter einem fozialbemotratt- fidh geraume Zeit halten werden. Heute werden die Devisen vielen Stellen geschehen ist, empfehlen sie sogar die Wahl der schen Kanzler vornehmen zu lassen. Genosse Severing wird schon turfe unverändert notiert bei einer Zuteilung von 1 Broz. liberalen Kandidaten! Wie steht es nun mit der Arbeiterpartei? Die Vermutung liegt nahe, daß der plötzliche, überstürzte Beschlutz der Regierung, das Parlament aufzulösen und Wahlen binnen drei Wochen stattfinden zu lassen, der Absicht entsprang, die stnanziell geschwächte Arbeiterpartei zu überrumpeln und somit ihren gefährlichen Vormarsch auf längere Zeit zu heni- wen. Allgemeine Wahlen erfordern besonders in England ungeheure Geldsummen. Die Kassen der Gcwerk- schasten sind durch die Arbeitslosenunterstützungen arg mitge- ncmmen, eine eigentliche Arbeiterpresse gibt es nicht, mit Aus- nähme des Londoner„Daily Herald", über deren weitere finanzielle Unterstützung durch die Arbeiterpartei alle sechs Monate viel gestritten wird, weil viele Organisationen er- klären, das ständige Defizit dieses Organs nicht länger tragen zu können. Erst vor kurzem hatte die Arbeiterpartei eine starke, übrigens gut belohnte finanzielle Anstrengung bei den Gemeindewahlen unternommen, so daß die Konservativen wähl hoffen durften, daß die Sozialisten die materielle Belastung eines überraschenden Wahlkampfes nicht würden ertragen können. Indessen hat die Arbeiterpartei eine Lebensfähigkit auch nach dieser Richtung bewiesen, die ihre eigenen Anhänger nicht vermutet hatten. Die finanzielle Stärke einer Partei kommt in England in der Zahl der a u f g e st e l l t e n K a n d i- d a te n zum Ausdruck. Es hatte bereits im letzten Jahrs über- rascht, daß die Arbeiterpartei die Mittel aufbringen konnte, um etwa 409 Mandate zu oerfechten. Diesmal ist es ihr sogar gelungen, trotz der oben geschilderten Schwierigkeiten diese Zahl zu überbieten, und am 26. November, dem Tage, wo die letzten Kandidaten aufgestellt werden sollten, hatte die Arbeiterpartei 434 Namen angemeldet, nur 20 weniger als die viel wohlhabenderen vereinigten Liberalen und etwa 100 weniger als die Konservativen. Ein weiteres wichtiges Merkmal dieser Wahlen ist die große Rolle, die im Gegensatz zu den früheren Volksbefra- gungen die auswärtige Politik, insbesondere die Repa- rationsfrage in den jetzigen Kämpfen spielt. Man hat im eng- lischen Volke endlich den Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeitslosigkeit und dem Ver- sailler Gewalt frieden zu erkennen begonnen. Noch im vorigen Jahre wurde dieser Zusammenhang allein von der Arbeiterpartei hervorgehoben, von den meisten Konservativen hingegen bestritten. Heute, nach j>en Erfahrungen der fran- zösischen Ruhrpolitik können sich auch die meisten Konservativen dieser Erkenntnis nicht länger verschließen. Allerdings ist der nationalistische Flügel der Konservativen, der im Kabinett durch Männer wie Lord Derby, IohnsonHicks und Sir Ronald M a c N e i l l vertreten ist, dennoch entschlossen, mit Frankreich durch dick und dünn zu gehen, im Gegensatz zu Baldwin und Curzon, die den endgültigen Bruch mit Frankreich ernstlich erwägen. Also auch in dieser Kardinalftoge sind die Konservativen innerlich gespalten. Ueber die Aussichten der einzelnen Parteien irgend- weiche Prophezeiungen zu machen, ist in England ganz be- sonders schwer, weil das dortige Wahlsystem Tür und Tor jedem Zufall öffnet. Die bürgerlichen Blätter Englands sagen im allgemeinen einen nicht unerheblichen Zuwachs der Liberalen auf Kosten sowohl der Konservativen wie auch der Arbeiterpartei voraus. Die Arbeiterpartei dagegen äußert sich sehr zuversichtlich, obwohl sie neuerdings behauptet, daß der Kampf zwischen Freihandel und Schutzzoll in Wirklichkeit nur ein S ch c i n k a m p f sei, und daß es beiden bürgerlichen Parteien vor allem darauf ankomme, einen sozialistischen Sieg zu verhindern. Der.Daily Herald" wußte am Montag von einem„e r st a u n l i ch e n Komplott" zu berichten, wo- nach unter den Fittichen des Lord Rothermere, des Heraus- gebers des„Daily Mail" und der anderen ehemaligen Rorth- cliffe-Blätter, ein Teil der Konservativen sich bereits mit Lloyd George dahin verständigt hätte, daß Baldwin nach den Wah- len beseitigt und durch eine liberal-konservative Koalition unter Lloyd Georges Führung mit geschlossener Front gegen die Arbeiterpartei ersetzt werden sollte. Tatsäch- lich Hot Lord Rothermere am Sonntag im„Sunday Pictorial" einen sensationellen Artikel veröffentlicht, in dem er ausführt, Das Märchen von öer Valuta. Bon Wilhelm Lichtenberg. Es gibt überhaupt keine schlechte Valuta! Die schlechte Valuta ist die böse Hexe«nis dem Märchen, mit dem man die bösen Kinder ängstigt und schreckt. Denn: Kriegst!m für dein« schlechte Valuta was zu kaufen: Oder: Rechnen dein« Lieferanten in einer schlechten Valuta? Nein! Nur dein Gehalt, deine Rente, den Zeilenhonorar bekommst du in einer schlechten Valuta ausgezahlt. Aber auch dos ist wieder Unsinn. Denn, da du für dein Gehalt, deine Rente, dein Zeilenhonorar doch nichts'zu kaufen kriegst, so ist die schlechte Valuta überhaupt keine Valuta. Und du kriegst in Wahrheit nichts in einer schlechten Valuta, sondern nur lächerlich wenig— allerdings in guter Valuta ausgezahlt. Du«mißt nur umzurechnen verstehen.« Und umrechnen — merke wohl—, das ist der Sinn des Lebens! Du kaufit ein Pfund Zucker. Erschrickst. Was— schon so teuer? Und erfährst den letzten Kurs der Tschechenkrone. Na ja— Tropf! Meinst du, dein Kaufmann hätte in Tschechien einen Ausnahmekurs? NeinI UNd hatte er ihn gestern, was brauchte dich heute zü kümmern? Deine Hofs beginnt einem Einmeckthaler zu gleichen und dein Chef hat schon deutliche Anspielungen gemacht, daß er einen zer- lumpten Angestellten' nicht gerne in seinem Bureau sieht. Dein Schneider nennt impertinent den Preis eines neuen Anzugs. Du willst ihm an die Gurgel springen! Er aber schleudert dir den heutigen Stand der englischen Pfundnot« ins Angesicht— und du resignierst. Daß man Tuche nötiger zu hoben meint als deine Arbeit, gibt dir noch nicht das Reckst, die Valuta eine schlechte zu schimpsen. Ob du dir aus dein Brot einen Ausstrich gönnst oder ob du dir mal«inen Küse leistest, ob deine Sohle defekt ist oder ob du endlich einmal baden mußt, ob du ein Kind bekommst oder jemand zu Grab« trägst, dein Hemd waschen oder dein Rasiermesser schleifen läßt, immer, immer wieder zahlst du doch nicht in schlechter, nein— In guter, In edelster Valuta! Und doch gibt es ein dummes Schlagwort von einer schlechten Valuta. Und wir seufzen alle und sehen uns bekümmert an, wenn wir die neuesteii Preise hören: Ach Gott ja— unser« Valuta! Siehst du— dos ist Unsinn! Im Vertrauen gesagt— aber du muht dich nicht betleidigt fühlen— eine„schlechte Valuta" gibt es gar nicht! Es gibt nur Arbeit, die gut. bezahlt wird, und solche, die heutzutage wenig wert ist. Und dos Schlagwort von der schlechten Valuta ist nur eine Ausrede uns gegenüber, für deren Arbeit man keiti rechtes Interesse mehr hat. Gar so lächerlich wenig will man uns doch auch nicht auszahlen(das ist noch eine Scher: von stüher her), also gibt man uns vie.e, viele Scheine in die Hand und steckt er sei zwar im Prinzip Anhänger des Schutzzolls, aber er' trete dafür ein, daß man dem Freihandel„noch ein oder zwei Jahre seine Chance gebe". Auch ist es richtig, daß ein Teil der sonst konservativ gesinnten Blätter, namentlich der ehemalige Rorthclisfe-Konzern. auf Baldwin nicht gut zu sprechen ist. Der„Daily Herald" wußte seine Enthüllungen mit allerhand Einzelheiten über geheime Besprechungen zwi- schen Lloyd George und Chamberlain zu spicken und ihnen damit zumindest den Sckjein der Wahrscheinlichkeit zu verleihen. Trotzdem dürften die Schlußfolgerungen, die dos Arbeiter- blatt aus diesen Indizien zieht, wonach der Kampf zwischen Konservativen und Liberalen nur eine Komödie sei, viel zu weit gehen. Es ist durchaus möglich, daß der schlaue Walliser Fuchs Besprechungen mit seinen früheren konservativen Koa- litionsfrKunden über kommende Eventualitäten und Kombi- Nationen gepflogen hat. Daß aber die Liberalen eher noch für eine Koalitionsregierung mtt der Arbeiterpartei zu haben wären als für ein Zusammengehen mit den Konservativen, darf man wohl nach der Entwicklung dcr Dinge im letzten Jahre annehmen. Tatsächlich haben in vielen Kreisen Liberale zugunsten des Arbeiterparteilers auf eine Kan- didatur verzichtet und auch umgekehrt. Dieser Umstand spricht nicht gerade für ein abgekartetes Spiel zwischen Liberalen und Konservativen. Ob indessen die Arbeiterpartei überhaupt eine Koalition mit Liberalen eingehen würde, ist noch sehr fraglich. Auch in der englischen Arbeiterpartei ist die Koa- litionsfrage stark umstritten. Aber alles Rätselraten darüber vor Bekanntwerden der Wahlergebnisse ist mühig. Einstweilen muß man sich damit begnügen, die Hoffnung auszusprechen, daß unsere englischen Freunde ihren wunderbaren Bormarsch vom vorigen Jahre fortsetzen werden, und daß es ihnen ge- singen wird, den heimtückischen Zufällen des lotterisartigen englischen Wahlsystems zu entgehen. Gpferbereitfchast. Wie wir in unserer heutigen Morgenausgabe bereits mit- geteilt haben, ist gestern im Reichsarbeitsministerium zwischen den Vertretrn der Bergarbeitcrverbände und des Zechenver- bandes ein Abkommen getroffen worden, wonach die Arbeiter unter Tage, sowie die bei der Förderung direkt beteiligten Arbeiter über Tage eine Stünde Mehrarbeit leisten. Es ist weiter vorgesehen, daß ein ähnliches Abkommen für die übrige Arbeiterschaft im Bergbau in Verbindung mit der Eroßindustri-e demnächst getroffen wird. Die Bergarbeiter haben damit— und nicht zum ersten- mal— bewiesen, daß sie unter Zurückstellung aller Bedenken und selbst auf Kosten ihrer Gesundheit bereit sind, dem G e- mein wohl ein schweres Opfer zu bringen. Wir werden sehen, wie sich die Schwerindustrie selbst. wie sich die Landwirtschaft und alle S ch w e r v e r d i e n e r zu diesem Beispiel der Schwerarbeiter stellen werden. Diese Kreise haben bisher immer verlangt, daß die Arbeiter- schaft. insbesondere aber die Bergarbeiter,.zur Hebung der Wirtschast Ueberarbeit leisten sollen. Sic haben betont, daß sie nur dann„Opfer" zu bringen bereit seien, wenn die Wirt- schast durch Mehrarbeit wieder in Gang gebracht werde. Die Arbeiterschaft hat jetzt das Beispiel ihrer Opferbereitschaft gegeben. Wenn die deutsche Wäh- rung und mit ihr die Wirtschaft überhaupt wieder gesunden soll, dam» muß der Staatshaushalt ohne Verzug ins Gleich- gewicht gebracht werden. Vorbedingung aber ist, daß der Steuerdrückebergerei des Besitzes ein Ende bereitet wird. Dieses Opfer wird den Besitzenden, keinen Schweißtropfen und kerne Mehrarbeit kosten: Also heran an den Altar des Vaterlandes!__ Neuwahlen in Sraunfcbweig! Braunschweig. 30. November.(MTB) Die bürgerlichen Par- teien haben im braunschweigischen Ländtag den Antrag gestellt: 1. Di« Zahl der Abgeordneten auf 30 herabzusetzen. 2. den gegenwärtigen Landtag am 10. Januar 1924 aufzulösen und Neuwahlen für den 20. Januar 1924 anzusetzen, 3. die Zahl der Minister auf höchstens drei zu begrenzen. heuchlerisch eine traurig« Miene auf und erfindet die„schlechte Valuta". Hast du ober einmal dein Monatsgehalt«np sangen, dann pibis mit einem Schlag keine schlechte Valuta mehr. Dann kennt man allerorten nur mehr die gute. die erste Chloroformierung. Das Chloroform ist feit l83t bekannt, in welchem Jahr« ez gleichzeitig von Liebig und Soubeiran entdeckt wurde: vier Jahre später wurde feine chemische Zusammensetzung von dem französischen Chemiker Dumas bestimmt. Zum erstenmal, wurde es als Betäu- bungsmittel für Menschen von dem berühmten Frauenarzt und Ge- burtshelfer James Simpson in Edinburg benutzt Simpson hatte bei Entbindungen die Aetherbetäubung benutzt, war ober nicht damit zufrieden, besonders weil sie zu langsam wirkt«. Er erprobte nun an stch und seinen Assistenten oerschieden« andere Mittel, die er in der Apotheke erhielt. Die Versuche fanden spät abend? oder nachts statt, wenn Simpsons groß« Praxis ihm Zeit ließ. Nach mehreren Versuchen mit anderen Flüssigkeiten fand Simpson eines abends spät, am 4. November 1847, fast zufällig, eine kleine Flasche mit Chloroform, die er stüher beiseite gestellt hotte, da er sich nicht denken konnte, daß ein dickflüssiger Stoff zum Einatmen ver- wandt werden könnt«. Aber nun wollte er es doch versuchen; die Flüssigkeit wurde in einige klein« Gläser zwischen Simpson selbst und seine Assistenten verteilt, und die Einatmung begann. Zur großen Verwunderung der übrigen anwesenden Familienmitglieder. wurde die Gesellschaft plötzlich ungewöhnlich munter und schwatzte— und Simpson erinnert« sich an nichts mehr, bis er erwachte und sich selbst auf dem Fußboden fand, umgeben von der ausgeregten und voll- kommen bestürzten Famille. Neben ihm lag der eine seiner Assistenten bewußtlos und schnarchend, mit weit offenem Mund und starren Augen, und etwas weiter machte der andere verzweifelte Versuche, den Eßtisch umzuwerfen. Auch eine der anwesenden Damen, ein« Nichte Simpsons, erprobte das Chloroform am selben Abend, und die erste Frau, die der Chloroformbetäubung unterzogen wurde, fiel mit dem Ruf in Schlaf:„Ich bin«in Engel,' ach, ich bin ein Engell" Simpson begriff losort, daß dos Chloroform viel schneller wirken müsse als Aether, und bereits am folgenden Tage begann er, es in seiner Praxis anzuwenden. Es ging hier, wie es stets mit großen Erfindungen geht: es erhob sich ein starker Widerstand gegen das Chloroform. Zuerst von den Aerzten, die behauptete», das neue Mittel gebe Anlaß zu Blutungen, Lungenentzünduno Geisteskrank. hcit und Schlaganfall! Simpson antwortete sehr überlegen: Als seinerzeit die Postbeförderung zwischen Edinburg und London ver» bessert worden sei, so daß sich die Reisezeit von 14 aus 3 Tage ver- minderte, Hab« man auch behauptet, die Leute bekämen unterwegs Schlaganfäll« wegen der großen Geschwindigkeit! Die Wiederaufnahme der Arbeite» im Grabe Tut-ankli-Amon». Howard, der Assistent des verstorbenen. Lord Carnaroon, hat sich durch die schreckhaften Zeichen der Pharaonenrache nicht abhalten was soll öas beüeuten� Em Aufruf der deutsche» Bdelsgenosseuschaft. Das„Deutsche A d e l s b l a t t, Zeitschrift der Deutschen Adelsgenossenschaft für die Aufgaben des christlichen Adels", teilt in einem Aufruf mit, daß die Deutsche Adels- genosienschaft den Bereinigten Vaterländischen Verbänden bei- getreten ist. In dem Ausruf heißt es: „Es gilt, unzweideutig Farbe zu bekennen, sich offen denen an- zuschließen, die. den Kamps � gegen alle anti- und internationalen Richtungen aus ihre Fahnen geschrieben haben. Eine beispiellos,: Mißwirtschaft hat uns in das Chaos hincin geführt. Mit der Er- kenntnis dieser Tatsache muß auch der Wille geboren werden, dem jetzigen Sstem den Krieg zu erklären und die Männer zu be- s e i t i g e n, die sich in unverantwortlicher Verblendung angemaßt haben, uns Führer zu sein. Wie der Fluch großer Teile unseres Volkes schon jetzt auf jenen. Novembersinzen ruht, so wird die Zeit kommen, da die Verderblichkeit der Politik der jetzigen Aera vor ollcr Augen liegt. Wenn die Geschichte einst die Irrungen und Wirrun- gen dieser Tage in ihre Blätter schreibt, so soll sie dem deutschen Adel das Zeugnis ausstellen können, daß er unbestechlich und treu an Gott, seinem Kaiser und seinem großen deutschen Vaterland? festgehalten Hai." Man ist daran gewähnt, im„Deutschen Adelsblatt" bei seinem Kampf gegen Reichspräsident, Reichsregiernng und Landesregierungen eine Sprache zu finden, die es den kam- munistifchen Krakeelern würdig an die Seite stellt. Wenn aber die Adelsgenossenschaft durch ihr Publikationsorgan dazu auf- fordern läßt,„die Männer zu beseitigen, die sich in unoerant- wortlicher Verblendung angemaßt haben, uns Führer zu fein", so erinnert das an die Hetze, die zu der E r m o r d u n g E r z- bergers und Rathenaus und zu den anderen politi- schen Attentaten führte. Und das muß man sich im Interesse der ösfentlichen Ordnung'und Sicherheit verbitten. Seamtenabbau und Rechtspflege. Die Frage einer Verminderung des Richterpersonals im Nahmen des allgemeinen Beamienabbaus wird auch nach d«r vorläufigen Rücknahm« des diesbezüglichen Entwurfs einer preußischen Aus- führungsverordnung in kurzer Zeit spruchreif werden. Zu dieser Frage ist dem preußischen Staatsministerium und dem preußischen Iustizminister vom Republikanischen Richierbund die folgende Erklärung übermittelt worden: „Auch in der größten finanziellen Not des Staates muß die Un- abhängigkeit der Rechtspfleg« erhalten bleiben. Die Unabhängigkeit des Richters ist nicht ein un: seiner selbst willen ihm verliehenes Privileg, sondern«ine Grundlag« des Staates, die zu Ersparnis- zwecken nicht erschüttert werden darf. Der Richterstand darf weder der Gunst von Vorgesetzten noch irgendwelchen Auswahllnstanzcii unterworfen sein, die unkontrollierbaren Einflüssen oder einseitiger Einstellung erliegen könnten. Wirklichen Sparerfolg im Bereich der Rechtspflege verspricht nur ein« organische und rationelle Vereinfachung des deutschen Justi�efens überhaupt. Muß gleichwohl die Zahl der Richter in Preisen und in den anderen deutschen Ländern sofort mechanisch vermindert werden, so ist dos ollein geeignete Mittel, das zugleich die Unabhängigkeit der Rech.:- pflege wahrt, die durchgängige Einführung einer stark noch rnttr i gezogenen richterlichen Altersgrenze." Die Regieeungsfraqe in Thüringen. Weimar. 30. November.(WTV.) Auf der Tagesordnung der heutigen Landtazssitzung stand als einziger Beratungsgegenstand ti: Regierungsbildung. Nach scharfen Auseinandersetzung:» zwischen dem Kommunisten Tenncr und dem Staatsministcr Frölich wurde über einen Antrag der DSPD., wonach zwei bisherige Minister, nämlich Stoatsminister Frölich und Staatsminister Her- mann das freigewordene Wirtschaftsministerium bzw. das Justiz- Ministerium mitübernehmen, abgestimmt. Der Antrag wurlä mit 30 Stimmen der bürgerlichen Parteien und der Kommunist gegen 22 der VSPD. abgelehnt. Abg. Höfer(Landbund) stellt« danach fest, daß die jetzig« Regierung in ihrer Zusammen- lassen, die Ausgrabungsarbeiten in dem vielgenannten Königsgrab wieder aufzunehmen. Es bleibt noch viel zu tun in dieser pcwp- haften Wohnung des toten Königs. Der englisch« Archäologe hat seine Forschertängkeit jetzt in dem cigonüchcn Katafalkraum auf- genommen, der dem Pharao als Grabgewölbe dient. Nach den Auf- Zeichnungen eines im Turiner Museum bcsindiichen Papyrus ist es wahrscheinlich, daß dieses Ricsengrob sich aus fünf ineinandergchsn- den Räumen zusammensetzt. In die Wände eingeladene Türen. die durch in Metallringen laufende Ketten abgeschlossen werden, gestalten, aus einem Raum in den anderen zu treten und auf diesem Wege bis zum Mittelpunkt der Grabkammer zu gelangen. Bis heule hat man sich damit begnügt, die erst« Tür hall» aufzumachen, und man könnt? in dem zweiten Abschnitt durch den Türspalt hindurch hieroglyphische Aufzeichnungen und wunderbor schöne Figuren von Toteiigöttern erkennen. Rtan konnte pleichzeitig feststellen, daß in dem zwischen den beiden Paneelen befindlichen Zwischenraum«ine Menge kostbarer Gegenstands ausgespeichert ist. Man schließt daraus,. daß man auch in den anderen Räumen auf reiche Funde von gleich großer Kostbarkeit rechnen darf. In diesem Katasalkraum sah man u- a. einen großen vergoldeten und dekorierten Sargkasten, der mit wunderbaren Figuren von Totengätünnen geschmückt ist und dcr vermutlich die kostbaren Gesäße emhält, in denen die Eingeweid'? des toten Pharao aufbewahrt werden. Ein anderer Sarg birgt den Fächer des Königs, der aus Straußenfedern besteht, die an einem kunswoll ausgelegten Elfenbeinstiel befestigt sind. Wenn oll« diese Reichtümer erst zutage gefördert und die fünf Türen des fünffachen Grabraums geöffnet worden find, bleib«! noch mehrere.Holzkisten zu öffnen, die ineinandergestellt sind, bevor man die in Leinwand- binden eingehüllte, mir Goldblättsrn und Edelsteinen bedeckte Mumie des Königs zu Gesicht bekommen wird., Erst dann wird Tut-ankh- Aman, dcr Sobn ZlMenophis lll., den staunenden Augen der Men- schen seine Reichtümer und der Neugierde der Gelehrten seine letzten G-: Heimnisse enthüllen. Die Sowjet regiervng alz Verlag. Der russische Staaisverlag ha! in diesem Jahre eins sehr rührig? Tätigkeit entwickelt. Wie im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" mitgeteilt wird, wurden vom 1. Januar bis 1. Oktober 1923 im ganzen 1514 Werke in faft 21 Millionen Exemplaren herausgebracht.' Von diesen Büchern sind 36 Proz. Schulbücher und 16 Proz. behandeln soziale Fragen und Volkswirtschaft. Während die monatliche Buchproduktion durch- schnittlich etwa 30 Millionen Druckbogen umfaßte, stieg sie im August auf 42 Millionen. Im August und September bildeten die Schul. büch?r 70 Proz. der gesamten Erzeugung. DiK Zahl dcr bis zum 1. Oktober herausgebrachten Schulbücher beläuft sich auf 14 Milliun'.il Exemplar«. Die 200 nelksrrirschaft'ichen Werke sind zum größten Teil umfangreiche Bücher, darunter die Gesamtausgaben der Schriften der Marxisten. Die Bücher des Sowjetverlags werden in Moskau gedruckt, wo oll« Druckereien zu einem Trust vereinigt sind. Atoftka. Sonntaa mittag II1.', Ubr»eraustaliet die Große D o I k<. -per ein- Matinee im Tbccter des Beben».— In der I e r u! a l e m- kirche veranltaltet Prof. Bolfg. Reimann(Orgel) Sonntag, 6 Uhr, tiat geistliche Abendmujik unter Rttwirkung von Tora Busch. Eintritt st ei. Was die Vezemt „Vergoldung" durch die Erfreulich an der behördlich festgesetzten f e st e n Dezembcrmiete, die für den ganzen Monat am 1. fällig wird, ist nur der Umstand, daß sie zum erstenmal leicht zu errechnen ist. Da der Zuschlag für die Derwaltungskosten in einfachen Häusern auf die Zömilliardenfache und de? Zuschlag für die Kosten der laufenden Instandsetzungs- arbeiten durchweg auf die 7Smilliardensache Grundnnete festgesetzt worden ist, so ist in einfachen Häusern, wie mitgeteilt, genau die IvDniilliardenfache Grundmicte als feste Miete zu zahlen. Die einfache Grundmiete, die der Vermieter außerdem(als Kapatalzins) rechtmäßig zu fordern hätte, wird wegen ihrer Gering- fügigkeit nicht mehr erhoben. Bei 20 M. monatlicher Grundmieie sind also für Dezember genau 2 Billionen Papiermark zu zahlen. verwaltungs- und Betriebskosten. Haben die Mieter die gesamt« Hausreinigung über- nommen. so zahlen sie für die Verwaltung nur eine 12Lmilliarden- fache Grundmiete, also im ganzen nur eine 87Hmilliardenfachs Grund- miete: haben sie dagegen nur die Treppenreinigung über- nommen, so zahlen sie für dic Verwaltung«ine lömilliardcnfache und im ganzen eine SOmilliardenfache Grundmiete. Ist im Haufe nur«in« besondere Einrichtung im Betrieb(Sammelheizung, Warmwasserversorgung oder Fahrstuhl), so erhöht sich der Verwal- tungskostenzuschlag und damit die feste Miete um ein« Smilliardcn- fache Grundmiete: sind im Hause mehrere besondere Enirichtimgen im Betrieb oder ist das Haus auch tagsüber verschlossen, so erhöht sich die Meie um eine lOmilliardenfach« Grundmiete. Die steuerliche Zugabe. Erheblich höher als die feste Miete sind die sogenannten Betriebs- kosten, zu denen jetzt als böse Zugabe die Steuer vom Grundvermögen tritt. Dies« ist nämlich nicht, wie ihre Bezeichnung vermuten löst ein« Vermögenssteuer, die den Hausbesitzer versonlich irifst, fordern sie ist nichts anderes als knie Gr und-»nd Gebäude- st« u e r, die zu den Hausuntostcn gehört. Sie wird nach dem Wert des Grundstücks berechnet, ohne daß«in Abzug für Hypotheken- und ander« Lasten zugelassen ist: infolgedessen zahlt der völlig verschuldete Hausbesitzer genau soviel Grundvermögenssteuer wie der schulden- er-Mete bringt. Grundvermögenssteuer. freie bei gleichem Grundstückswert. Der preußische Staat erhebt seit dem 1. November die Grundvermögenssteuer in Gold, und zwar sind für je 1000 M. Krundstückswert monatlich 20 Goldpfennige zu zahlen. Hierzu tritt der Genieindezuschlag, der bis zu 200 Proz. gehen kann, aber für Berlin zunächst nur auf Ms Proz. festgesetzt worden ist. Bei einem Normalhaus ohne besonder« Einrichtungen, dessen Wert genau ein« ISsoche Iahresmiete beträgt, beläuft sich die monatlich« Grundvermögenssteuer einschließlich Gemeindezuschlag genau auf 1,8 Proz. der Friedensmieie oder 6 Proz. der Grundmieie. Bei einer Grundmiete von monatlich 20 M. Hai also der Mieter für November und Dezember je 1.2 Billionen Mark Grundvermögens- staue r zu Zahlen. Kleine Abweichungen sind dabei unausbleiblich. weil das Verhältnis zwischen Grundstückswert und Iahresmiete bei den einzelnen Häusern etwas schivanki. Auf Goldrechnung. Dies« erhebliche Belastung der Mieter durch die Grundver« mögenssteuer, verstärkt durch die Nachzahlung für November, wird noch fühlbarer durch die U m st« l l u n g auch fast aller an- deren Betrieb sko st en auf die Gvldrechnung, obwohl der weitaus größten Zahl der Mieter, durchweg aber den Lohn- und Gehaltsempfängern(von der ungeheuren Zahl der Erwerbslosen, Kurzarbeiter, Sozial- und Kleinretner ganz zu schweigen) die Gold- einnahmen fehlen. Di«„Stabilisierung" beginnt eben auf der ganzen Linie am verkehrten Ende, nämlich bei den Ausgaben, denen die Einnahmen bei weitem nicht folgen, hier lieg! die Wurzel der Verelendung der breiten Massen, aus die die Belastungen nur so herniederhageln, um die öffentlichen Haushalle mit allen Mitteln ins Gleichgewicht zu bringen: nur die vielen Einzelhaushalten werden dadurch immer mehr aus dem Gleichgewicht gebracht und ihre Ba- lanzierung gelingt nur durch erzwungene Hungerkuren. Wie da die Reichsregierung ihren Plan, in Kürze die Meten wieder auf den Friedensftand zu bringen, noch aufrechterhalten kann, das wird oll denen ein Rätsel bleiben, die die Ding« nicht nur vom grünen Tisch aus sehen und nicht nur mit dem Rechenstist in der Hand Probleme lösen wollen. Schließlich kann da nichts mehr herausgeholt werden, wo nichts mehr zu holen ist. sichung dem§ 71 der Verfassung widerspreche. Staatsminister F r ö- lich erklärte, daß dies juristisch nicht feststehe. Die Sitzung wurde abgebrochen, um dem Aeltestenausschuß Gelegenheit zu geben, Stellung zur Geschäftslage zu nehmen. Da im Aeltestenausschuß eine Klärung nicht erreicht wurde, wurde die Sitzung nicht wieder <.'öffnet, sondern auf Freitag vormittag 11 Uhr zur Weiterberatung der Angelegenheit angesetzt. öas möglich? Die Freisprechung der Mörder des nissisthen Sowfetdelegierien War o w s t i in Lausanne hat in Ruhland eine Erregung hervor- gerufen, die sich in einem Entrüstungssturm der Presse äußert. Die Empörung über das Lausannsr Urteil, las den weißgardistischen Meuchelmördern einen Freibrief ausstellt, ist begreiflich. U n b«- greiflich aber erscheint es, wenn nun von Führern der russischen kommunistischen Partei und Vertretern der Sowjetregierung ein Feldzug eingeleitet wird, der darauf hinausläuft, die im vorigen Ishrs in Moskau verurteilten 12 Mitglieder des Zentralkomitees der sozialrevolutionären Partei, die von der Sowjetregiernng als Geiseln betrachtet werden, wegen des Laujanner Urteils a n d i« Wand stellen zu lassen. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat sich der Volkskommissar Stalin m einer Sitzung des Moskauer Konnnumstischen Komitees in dem Sinne geäußert, daß die Sowjet- Regierung in der Lage fei, die in ihren Händen befindlichen Sozial- revolutionäre wegen der Ermordung Worowfkis zur Verantwortung zu ziehen. Offizielle Aeuß-erungen in der Pariser„Humanite", des Zentralorgans da? französischen Kommunistischen Partei, bewegen flch in derselben Richtung. Es scheint also, daß man sich in maß- gebenden kommunistischen Kreisen mit der Absicht trägt, wegen der Freisprechung der weißgardistischen Mörder vor einem bürgerlichen Geschworenengericht an den gefangenen Führern der Sozialrevolutionären Partei, die mit der Ermordung Worowstis auch nicht das geringste zu tun haben, Rache zu nehmen. Wir sprechen dies alles nur als eine Vermutung aus. Denn obwohl wir hinsichtlich der Humanität der Moskauer Gewalthaber recht skeptisch sind, können wir nicht glauben, daß sie politisch so kurzsichtig sein würden, einen neuen Akt der Lynchjustiz an ihren politischen Gegnern zu begehen, der einen Sturm der Eni- rüstung in der ganzen Welt auslösen würde. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Sowjetregierung schleunigst von den Plänen abrückt, die hinsichtlich der Sozialrevolutionäre in der kommunistischen Presse angedevtet werden. Ein Abkommen üer chemischen Jnüustrie. Mannheim, 29. November.(WTV) Zu dem zwischen der Interalliierten Rheinlandkommission und der B a d i s ch« n Ä n i l i n. und Sodafabrik in Ludwigshafen abgegossenen Abkommen teilt letztere folgendes mit: Zwischen der Interalliierten Rheinlandkommission und der Interessengemeinschast der deutschen Farbenfabriken im besetzten Gebiet ist am 10. November 1923 mit Wissen der deutschen Regie- rung ein vorläufiges Abkommen auf die Dauer von drei Monoren geschlossen worden. Ten Anlaß zu dem Abkommen gab die Erklärung de? deutschen Regierung, daß sie finanziell außer- stände sei, die Reparationslieferungen zu erfüllen, die ihr nach dem Vertrag von Versailles und gemäß den zun scheu der Reparationskommission und der deutschen Regierung später getroffenen Berein- barungen obliegen. Aus Grund des getroffenen Abkommens über- nimmt es die Interessengemeinschaft,-die Reparationslieserungen, die nach dem Vertrag von Versailles und nach den. Vereinbarungen zur Erfüllung des Vertrages an die in Lerracht kommenden interalliier- im Mächte zu leisten sind, zu erfüllen, ohne Bezahlung dafür zu erhalten. Die von der Interalliierten Kommission In den Fabriken der Interessengemeinschaft i.c schl ag nah m r e n Produkte bleiben im Besitz der Alliierten� ohne daß Bezahlung erfolgt. Der Wert wird aber' teilweise aus die Kohlen st euer in Anrechnung gebracht, die von den der Interessengemein- schoft angehörenden Zechen geschuldet wird. Weitere Beschlagnah- mixngen von Rohstoffen und Produlten sollen nicht staiffinoen. Di« Ein. und Ausfuhr unterliegt der Bewilligung durch die alliierten Behörden, gleichpiel, ob es sich um Ausland oder unbesetztes Gebiet handelt. Di« Iiüeralliierte Kommission hat jedoch die Erteilung von Ausfuhrbewilligungen für die von der Interessengemeinschaft her- gestellten Erzeugnisse in Aussicht gestellt. Der Export ins Ausland und in dos unbesetzte Deutschland ist für die Dauer des Abkommens in gewissem Umfang kontingentiert. Für die Ausfuhr ist ein Ausfuhrobgabentarif vereinbart worden, der im allgemeinen niedriger ist als der interalliiert« Tarif. Di« Interalliierte Kommission erklärt, die Wiederzuläffung der für den Betrieb notwendigen Mitglieder des Personals in wohlwollendem Sinne zu prüfen. Zwischen der Interalliierten Rheinlandkommission und der Ba- dischen Anilin- und Sodafabrik ist am 24. November 1923 ein ähn- liebes vorläufiges Abkommen über die Lieferung von Dünge st ick st off getroffen worden. Es sieht im wesentlichen eine bestimmte prozentuale n n e n t g« l t l i ch e Abgab« von der Produktion an Düngestickstoff vor und sichert dagegen die Unter- stützung der Alliierten für die Wiederinbetricbnahme und Aufrecht- a Haltung des Betriebes in Oppau. Die beschlagnahmten Stickstoff. düngcmittel bleiben im Besitz der Alliierten, ohne bezahlt zu werden. Es ist jedoch in Aussicht genommen, sie der deutschen Regie- rung auf Reparationskonto gutzuschreiben, und zum Ausdruck gebracht worden, daß weiter« Beschlagnahmungen iveder an Roh-, noch an Betriebsmateriolien, noch an Fertigproduk- ten stattfinden sollen. Die Ausfuhr sowohl nach dem Auslande, als nach dem unbesetzten �Deutschland ist ertaubt, soweit das bstetzt» Gebiet gemigend mit Stickstoff versorgt ist. Für die Ausfuhr wird ein« Abgabe auf die einzelnen Produkt« erhoben, deren Sätze im allgemeinen niedriggehalten sind. Die Einfuhr von Rohstoffen für die Fabrikation ist allgemi» frei. Die Wiederzuläffung des für den Betrieb nötigen Personals soll wohlwollend geprüft werden. Deutschösterreichs tzilfe. Seihet gegeu de« sozialdemokratische« Antrag. Im Finanzausschuß des deutschösterreichischen Notionalrats wurde übe? den Antrag des Genossen Seitz verhandelt, aus Staatsmitteln 10 Milliarden Kronen für die Not- leidenden Deutschlands zu bewilligen. Genosse Dr. Danneberg begründete diesen Antrag, der ein Akt nationaler Solidarität sc!. Gegen den sozialdemokratischen Antrag sprach sich der Bundeskanzler Dr. Seipel aus, und zwar mit dem Hinweis darauf, daß er mit den Grundsätzen einer notwendig auf äußerst« Sparsamkeit eingestellten Staotswirtschaft nicht zu vereinbaren sei. Im Einklang mit dielen Ausführungen des Bundeskanzlers brachte der großdeutschs Abg. Waber zusammen mit dem christlich- sozialen Abg. Dr. Ohdcnal«inen Antrag ein. in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Hilfsorganisationen der Be- rölkerung zu unterstützen und ihnen Erleichterungen zu gewähren. Der Tiroler Abg. Genosse A b r o m, vertrat nochmals unter Hinwels auf die Dankesschuld der österreichischen Bevölkerung en Deutschland den sozialdemokratischen Antrag und erklärt«, die Sozialdemokraten legten Wert darauf, daß das deutsch« Volk erfahre, daß Oesterreich ihm treu zur Seite stehe. Trotz des energischen Eintretens unserer Genossen wurde ihr Antrag mit 12 gegen 10 Stimmen abgelehnt und mit derselben Stimmenzahl der Antrag der Großdeutschru und Christlichsozialen angenommen. verbrechen und Vererbung. Zum Prozeh Ztajork. Es ist stet« das gleiche trostlose Schauspiel. Sachverständige stellen im Gerichtssaal fest: die betreffenden Angeklagten konnten unter gegebenen Berhällnissen nicht anders handeln, als sie getan. Mit anderen Worten: die Veranlagung, die Erziehung, das Mllieu be- stimmen in jedem Augenblick den Willen des Menschen. Trotzdem können die Sachverständigen, gebunden durch dos unzulängliche Gesetz, die fteie Willem-bestimmung nicht verneinen. Die Geschworenen sprechen die notorisch Kranken schuldig, das Gericht verurteilt sie zum Gefängnis, zum Zuchthaus. Der Bürger kann nun ruhig schlafen bis zu dem Augenblick, wo der Zuchthäusler als„geheilt" entlassen ist, um«in neues noch schwereres Verbrechen zu begehen. Im Falle Najork- Hasse findet der Widersinn dieser Ber- Hältnisse, unter denen Angeklagte, geschädigte Bürger und Staat im gleichen Maße leiden, besonders grelle Beleuchtung. Hier handelt es sich um Sprößlinge gutsituierter Kreise. Soziales Elend, die nie ver- siegende Quelle dir physischen und seelischen Entartung, spielen nicht mit. Mehr noch. Der Vater des Generalmajors war selbst Nerven- arzt. ein Schwager ist es noch heute. Die Kinder erblich schwer br- lastet väterlicher- und mütterlicherseits durch Geisteskrankheit und Trunksucht» finden trotzdem kein Verständnis für ihr« Anlage und für die durch- dieselbe notwendig gewordein: Sondererziehung. Der Staat, der dos größte Interesse an Unterbringung und Unschädlichmachung seiner geistig und moralisch minderwertigen Mitbürger hat, steht untätig dabei, anstatt mit Hilfe konsequent und rücksichtslos durchgeführter Meldepflicht und Fürsorge dem Bürger Sicherheit zu gewähren für Leben und Eigentum, dem Fiskus und Steuerzahler Geld zu ersparen und dem nicht durch eigene Schuld Minderwertigen vor nutzlos grausame Qualen zu behüten. Der Sachoerständig« Dr. Bürger sagte mit Recht: Auf der Anklagebank sitzen Staat und Fanlilie. Welcher Hohn auf Rassenhygiene (Eugenik). Der Generalmajor, selbst Sohn eines Nervenarztes, mußte als kaiserlicher Offizier wissen, daß er dem Staat gegenüber ver- pflichtet ist, aus Nachkommenschaft zu verzichten. Mit nichten: Er sieht die Verheiratung seiner Tochter mit einem anderen kaiserlichen Offizier gern entgegen, und nur dessen Lungenkrankheit schützt den Staat vor neuen hoffnungsvollen Mitbürgern. Als wäre die Nach- tommenfchaft eines Lungenkranken nickst inenigcr gefährlich als die vo» Trinkern und Geisteskranken! Di« Frage, od der Staat das Recht und die Pflicht hat, in die Fortpflanzungsfähigkeit kranker Individuen«inzugreifen oder nicht, ist nicht mehr ein rein theoretisches Problem. Und welche Ironie des Schicksals. Der Urgroßvater Najorks, Bierbrauereibesitzer, die Nachkommen trunksüchtig, der Ur- entel begeht samt seiner Frau unter dem Einfluß des Alkohols— so fehlte ihnen der Mut dazu— das Verbrechen. Der Bürger denkt nicht daran, daß der Alkohol oft fein Leben und Eigentum gefährdet. Schließlich die Tragik des persönlichen Schicksals der Angeklagten. Es hat bei allen dreien,«inschlleßlich des geiftes- kranken Paul Hasse, nicht an ehrlichen Versuchen gefehlt, sich redlich durchs Leben zu schlagen. Sie hätten nicht zu Verbrechern zu werden brauchen, wenn nicht die Unvernunft des Staates und der Familie sie dazu gemacht hätte. Die Massen vergehen in Elend. Di« Entartung nimmt erschreckend zu. Derbrechen jagen an uns vorüber, eines grausamer als das andere. Die Gerichte sind überlastet, die Geferng- niss« überfüllt. Die missenschastliche Theorie baut an der Aufwärts- bewegung des Menschengeschlechts. Der Staat aber steht untätig da- bei, als existiere der Bürger für den Staat und nicht der Staat für die Bürger.'_ Die wertbeständige« Postwertzeichen. Postsendungen, die nach der Ausgabe der neuen wert- beständigen Postwertzeichen(1. Dezember) noch mit Freimarken der bisherigen Art in Papiermarkmährung nach dem Nennwert der Marken zu den wertbeständigen Sätzen richtig frei- gemacht worden sind, werden solang« nicht beanstandet, bevor diese Marken als ungültig ertläri worden sind. Wenn die verwendeten alten Marken nicht zur vollständigen Freimachung ausreichen, hat der Empfänger bei der Aushändigung noch das Einein- Halbfach« des Fehlbetrages, unter Aufrundung auf volle 10 Rentenpfennig, zu entrichten. In der Nacht vom 30,' November zum 1. Dezember werden im allgemeinen um12UhrdieBricf- kästen außergewöhnlich geleert. Später in die Brief- kästen gelgte Sendungen unterliegen den neuen Gebührensätzen: doch werden Sendungen von Briefkasten, die nicht um Mitternacht geleert merden können, bei der ersten Leerung am 1. Dezember nicht als unzureichend fteigemoch: angesehen, wenn sie noch nach den niedri- geren Sätzen freigemacht sind. Die Gewichts und Gebührenftufen werden bei den Briefen im Orts, und Fernverkehr auf zwei(bis 20 Gramm und über 20— 500 Gramm) beschränkt. Für Werften- düngen wird die Einschreibgebühr allgemein nicht mehr erhoben. Um den Betrieb und die Gebührenerhebung zu vereinfachen, sind zahlreiche Nsbengebühren abgeschafft wordm. Ecnkung der Goldgrundprcise durch Rcntcnmark. Das steigende Vertrauen und der erfreulicherweise größer werdende Umlauf der Renienmcrk beginnen jetzt eine sehr wohltätige Wirkung auf die stark überhöhten Äoldgrundvre'.se auszuüben. Bs- kanntlich hat der Groß, und Kleinhandel bisher bei der Kalkulation der Waren ein« sehr erhebliche Risikoprämie eingestellt, die bei dem fast täglich wechselnden Stand der Papiermark nicht ganz unberech-- tigt war. Durch die Einnalzmen von Rentenmark, die in steigendem Maße der Geschäftswelt zufließt, wird es möglich, diese Risiko» Prämie in dem selb en Maße, in dem die Renton- mark dos Papiergeld ersetzt. abzubauen. Im M« h l. Handel hat sich dies« Erscheinung jetzt bereits so ausgewirkt, daß man schon in der kommenden Woche daran denken kann, für Berlin die Goldpreise für Mehl herabzusetzen, da die Land- Wirtschaft die Rentenmark gern annimmt und ihre Produkt« ent- sprechend billiger verkauft. Ein« ähnliche Erscheinung zeigt sich in der Tabakindustrie. Inländische Tabake werden gegen Renten- markzahlung fast um 40 Proz. billiger abgegeben als gegen Papier- mark, und so ist es verständlich, daß der Kleinverkauf auch hier be» strebt ist, von den Käufern Festmark zu erhalten, um so durch Herab- setzung der Verkaufspreise den Umsatz zu heben. Es wäre wünschens» wert, wenn die Rentenbank diesen sich jetzt zeigenden Erscheinungen durch verstärkte Ausgabe der Rentenmark Rechnung tragen würde. Saöismus unS Diebstahl. Die Zrau des Finanzmannes. Ein psychologisch interessanter Mebstlchlprozeß beschäftigte das Schöffengericht Berlin-Mstte. Es handell sich um die vielbesprochene Diebstahlsaffäre der Frau Lydia D i ck m a n n, der Ehefrau eines angeblichen holländischen Großkaufmannes und Tochter einer an- geblichen russischen Fürstin. Das Ehepaar Dickmann lebte feit Iahren auf Reifen und tauchte. von Zeit zu Zeit auch in Berlin auf. Dickmann galt als■ein reicher intcrnattonaler Finanzmann. Ueberall. wo Frau Dickmann ver. kehrte, emgnelcn sich Diebstähle von Brillanten und anderen wert- vollsten Dingen. Im Frühjahr dieses Jahres wohnt« das Ehe- paar wieder einmal im Zentralhvtel und hatte sich mit einem ehen- talls dort wohnenden Ehepaar S ch i n z e l angefreundet. Eine« Tages erzählte Frau D i ck m a N n, daß ihr ein wertvoller Brillant- ring im Hottl gestohlen worden sei. Frou Schinzel eilte nun auf ihr Zimmer, um nach ihren, Brillantschmuck zu sehen und fand zu ihrem Entsetzen, daß er verschwunden war. Di« benchrichttote Kriminalpolizei schöpfte gegen Frau Dickmann Verdacht und nahm sie fest. Aus dem Wege zum Polizeipräsidium beobachteten die Beamten, daß Frau Dickmann sich auffällig an ihrer Toilette zu schassen machte und dann die Hand zwischen die Polster der Auto- droschke schob. Man griff zu und fand den vermißten Schmuck der Frau Schinzel. Bei den Ermittlungen im Polizeipräsidium stellte sich die überraschende Tatsache heraus, daß die Verhaftete. eine hübsche und sehr elegani« Frau,«ine gefährliche Diebin ist, auf deren Konto viel« unaufgeklärte Diebstähle kommen. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Alsberg ist• die Angeklagt« von Professor Dr. Stauch auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Nach seiner Ansicht ist die Mjährige Angeklagte ein« sehr sensible Natur. hochgradig nervenschwach und hysterisch reizbar. Sie habe ihm gr, schildert, daß sie ein sadistisches Vergnügen empfinde, wenn'sie seh«, wie ander« Menschen sich über den ihnen zugefiigten Verlust den Kopf zerbrächen. Diebstähl« aus'sadistischen Re- g un gen feien immerhin selten, doch gehörten zu dieser Kategorie auch gewisie Warenhausdiebstähle. Nach den Aussagen der Zofen habe die Angeklagte selbst keinerlei Vorliebe für Schmuck gichabtz Es liege hier also ein psizchologisch sehr merkwürdiger Fall vor. Auch ß öl könne nicht Anwendung finden, wohl aber sei die Zu- rechnungslähigkeit stark vermindert. Das Gericht kam nach längerer Beratung zu einer Verurteilung der Angeklagten wegen. Diebstahls in drei Fällen und erkannte auf«in Jahr drei Monat« Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft._ „Volk and Zell", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflagc bei. Demonstranlen oder Gesindel. Der unter dem Namen Dr. Frosch bekannt« Mitarbeiter der„Welt am Montag" teilt uns mit, daß er das in der heutigen Morgenausgab« mitgeteilte Erlebnis mit „demonstrierenden" jungen Burschen in der Leipziger Straße nicht gehabt habe. Es könne sich nur um eine Verwechslung handeln, oder aber es müsse sich zemand fälschlich seines Namens bedient haben. In der Reichsbonk erschossen. Gestern abend hat sich infolge eigener Unachtsamkeit in der Devisenabteilung der Reichs- dank, Iägerstr. 30/34. der 23 Jahre alte Reichsbankdiätar Willy Bortawsti aus Lichtenberg erschossen. Er wollt« sein« Pistole auseinandernehmen, wob«, sich plötzlich«in Schuß löste und die Kugel ihm ins Herz drang, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Das Meer gib! seine Toten wieder. Auf der Insel P« l l w o r m sind von dem gesunkenen amerikanischen Viermast- schöner Groe« 51. Pendleton 6 Leichen, auf der Hallig Hoog« eine Leiche angetrieben worden. Zwei Tot« wurden be- erdigt, die anderen müssen noch rekognosziert werden Eine edle Tat. Am Sonntag. 25. November, abends gegen 9 Uhr. sprang von der Hohenzollernbrücke in Köln ein Mädchen in ten Rhein. Ein britischer Soldat, dessen Name noch nicht feststeht, versucht« das Mädchen zu retten, wobei beide Per- so neu ertrunken sind. Gewerkschaftsbewegung Der Personalabbau im Reiche. Wie bie Expreß- Rorrespondenz erfährt, sind vom Reichsfinanzminister ben zuständigen Refforts für die Durchführung des Ber jonal und Beamtenabbaues in den Staatsbetrieben u. a. folgende Richtlinien mitgeteilt worden: Im Interesse eirer schnellen und wirksamen Durchführung des Abbaues follen zunächst moglift fämtliche per bei rateten weiblichen Beamten gefündigt werden: Nach ber Abbauverordnung fann das Dienstverhältnis verheirateter weib. ficher Beamter jederzeit am 1. Berttage eines Monats zum Monaisenbe gefünbigt werden, fofern nach dem Ermessen der Be hörde die wirtschaftliche Bersorgung des weiblichen Beamten gefichert erscheint. Bei Anwendung dieser Vorschrift soll davon ausgegangen werden, daß allen verheirateten weiblichen Beamten im allgemeinen die wirtschaftliche Eristenz durch die Heirat gesichert erscheint. Den verheirateten meib'ichen Beamten soll aber Gelegen heit gegeben werden, sich zu äußern, wenn ihrer Auffaffung nach ihre wirtschaftliche Bersorgung durch die Heirat nicht gesichert ist. Die Entlassung darf nur aus Gründen erfolgen, die ausschließlich im Abbau liegen; neue weibliche Kräfte dürfen nicht an Stelle der Entlaffenen treten. Bis auf weiteres fell die Entlaffung weiblicher Beamten an die Zustimmung des Finanzministers gefnüpft werden. neuerlichen Unterwerfung der Festmart. und organisation Betrachtet werben famn. Durd bie Ablehnung ber Rentenmarttarife unter den Lebenshaltungs- Busammenarbeit mit den Faschisten entgeht d'Aragona auch der inder voll be must find." Gefahr, mit Leuten wieder zusammenzutreffen, die einst zum revo Wenn man sich endlich am 27. November entschlossen hat, die lutionären Zeil der itatienischen Arbeiterschaft gehörten und Frage ernsthaft zu erwägen, dann eben hauptsächlich deshalb, meil von denen d'Aragona und der Vorstand des Jtalienischen Gewerk mit ber Einführung der Rentenmart eine Fortführung der Statistik ichaftsbundes als Reaktionäre bezeichnet wurden. in Bapiermark in nächster Zeit nicht mehr möglich sein wird. Sehr merkwürdig mutet jedoch der bei dieser Besprechung erhobene Einwand an, daß die verlangten oder berechneten Gold grundpreise von Ort zu Ort, son Geschäft zu Geschäft verschieden feien. Diese Tatsache trifft auch auf die Papiermartpreise zu. Nichts ist leichter, als auf Grund der letzten Dollarnotie. rung bie Goldpreise des Kleinhandels zu berechnen. Die Darstellung, aus der hervorzugehen scheint, als hätten fich die Arbeitnehmervertreter mit einer Umstellung auf Rentenmart ( ein Wunsch der Unternehmer, die mit der Rentenmart ebenso fpefulieren wollen mie mit der Papiermart) einverstanden erklärt, trifft nicht zu. Ihre Forderung auf Erhebung in Goldmart ist auf rechterhalten worden. Diese Erhebung soll auch versuchsweise erfolgen. Ueber die Veröffentlichung des Stefultats soll jedoch erst in Der nächsten Sizung Beschluß gefaßt werden. Feuerwehr und Beamtenabbau. 9 Die Löhne im Saargebiet. Die Stundenlöhne der technischen Arbeiter in Saarbrüden werden ab 1. Dezember erhöht. Der Stun denlohn beträgt dann zwischen 1,74 und 2,66 Fr. Die Sozialzulagen betragen für Frauen pro Stunde 30 Ct. und für Kinder 15 Ct. Internationale Sommerschulen Sommerschulen des 3GB. Der Inter nationale Gemertschaftsbund hat beschlossen im Jahre 1924 21. Juli bis 2. Auguft in Schloß Schönbrunn bei Wien, din 3mei internationale Sommerschulen einzurichten, die eine pont anbere vom 18. bis 30. Auguft in Rustin College Orford. Beide Schulen sind in erster Linie für junge Leute bestimmt, die in der Arbeiterbewegung attin tätig find. Meldungen werden bereits jetzt angenommen. Nähere Auskunft erteilt das Bureau des Inter nationa'en Gemertschaftsbundes, Amsterdam, Bondelstraat Es soll bereits jetzt darauf hingewiesen werden, daß es trob bes internationalen Charafters der Sommerschulen wünschenswert ist, baß diejenigen, die nach Schönbrunn gehen, einige Kenntnisse der beutschen Sprache und diejenigen, die Orford besuchen, einige Rennt nisse der englischen Sprache mitbringen. In den Bersammlungen am Dienstag und Mittwoch, den 27. Einigungsverhandlungen im Wiener Metallstreit. Auf Beran. und 28. November, haben die sozialdemokratischen Feuerwehrmänner laffung des Bundestanglers finden in Wien feit zwei Tagen Ber Mit der Entlassung der Angestellten in den öffentlichen nach eingehenden Referaten der Genossen Neumann und Ha gehandlungen im Streit in der Metallindustrie statt. Die Verhand Betrieben soll, soweit dies noch nicht geschehen ist, fofort bemann zum Beamtenabbau und zur Arbeitszeit in folgender Ent- lungen mit dem Wiener Industriellenverband und den Bertretern ber ponnen werden. Vor allem sollen die Angestellten zu entlassen sein, schließung Stellung genommen: bie durch vorhandene beamtete Rräfte erfest mer. Die am 27. und 28. November versammelten Mitglieder der Bundeskanzleramt fortgefeßt. Eine Einigung wurde bisher nicht den können. Was die Reihenfolge. in der die Entlassung zu BSPD. der Feuerwehren Groß- Berlins erheben gegen die auf Grund erzielt. Der Bundeskanzler hat jedoch nach neuerlicher Fühlung erfolgen hat, betrifft, fo folien zunäcft möglichst alle verbes Ermächtigungsgesehes erlaffene Berordnung zur Herabminderungnahme mit beiden Parteien biefe für heute vormittag abermals in beirateten meiblichen Angestellten gefündigt merden. Der Berjonalausgaben des Reichs( Personalabbau- Berordnung) vom das Bundeskanzleramt eingeladen. Zurücknahme der Kündigung in ganz besonderen Ausnahmsfäffen 27. Oftober 1923 Proteft. Diese Berordnung meist große Härten ift zufäffig, wenn nach dem Ermessen der obersten Reichsbehörde gegen die Arbeitnehmer des Reichs, der Staaten und der Gemeinden die wirtschaftliche Bersorgung des verheirateten weiblichen 2nges auf und bildet in der Hand reaktionärer Borgefeßter eine will. ftellten nicht gesichert erscheint. Im übrigen find bei der Ent fommene Waffe zur Entfernung Mihliebiger. laffung von Angestellten die Leistungen somie die mirt= fchaftlichen und Familienverhältniffe mañaebend. Angestellte, die Bersorgungsanwärter find, follen möglichst in letzter Linie zu entlassen sein. Das Gefek, das die Beschäftigung Schmerbefchähiater porfieht, soll auch für die im Reichsdienst befchäftigten Angestellten Geltung haben, und bei der Durch führung des Berfonalabbaues zur Anwendung fommen. Was bie fünftige Bersergung der zur Entfoffuma fommenden weiblichen An geftellten betrifft, fo foll der obersten Reichsbehörde die Entscheidung ühereffen merden, um cime 25 findungssumme zu gewähren. Die Gewährung einer Abfindungssumme an verheiratete meibliche Angestellte soll grundfählich nicht in Frage fommen, hoch sind auch hier Ausnahmen, die die oberste Reichsbehörde zu verfügen hat, zu gelaffen. Die Richtlinien laffen fast jebe Berücksichtigung der gegen die Abbauverordnung erhobenen Einwände unberücksichtigt. Insbeson bere hält man nach wie vor darah feft, die Angestellten ab zubauen", obwohl dieses Borgehen nicht mit den zweifellos not. wendigen Sparmaßnahmen begründet werden kann. Es wird not, mendig, daß sich der Reichstag unverzüglich mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Zur Frage des„ Goldindex". Wir erhalten vom Reichsarbeitsministerium folgende Zuschrift: Jm„ Borwärts" nom 27. November 1923 Nr. 455 wird ausgeführt, daß das Statistische Reichsamt unter Anleitung von Dr. Brauns fich bisher geweigert habe, die Lebenshaltungskosten in Goldmart zu berechnen" bzw., daß dieser Arbeitgeberminifter es per ftanben habe, die Beröffentlichung der Lebenshaltungstoften in Gold bisher zu verhindern". Dazu ist zu bemerken, daß der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns persönlich zur Frage bes Goldinder" bisher überhaupt noch nicht Stellung genommen hat. " Die Versammelten danken der Partei, daß sie durch den Antrag auf zurückziehung der Verordnung versucht, den notwendigen Ab. bau auf gefeßlichem Wege und unter Wahrung der begründeten Rechte und Interessen der Arbeitnehmer zu erreichen. Die Berfammlung erwartet, daß die Partei und die freien Gemertschaften ihre ganze Kraft für dieses Ziel einsehen. Wirtschaft Die Bildung von Bezirkswirtschaftsräten. Der Verfassungsausschuß des Borläufigen Reichswirt fchaftsrats erörterte am Donnerstag die von dem Abgeordneten Miglaff und Mag Cohen aufgestellten Richtlinien für die Bi dung von Bezirtswirtschaftsräten und des endgültigen Gegen eta beabsichtigte Dienstverlängerungen bei Reichsmirt'chaftsrates. Nach den Richtlinien, tie der Regierung als der Feuerwehr zum Zweck der Verminderung des den Feuerschus Material überwiesen wurden, solen Wirtschaftsbezirke gebildet mer ausübenden Personals erwarten die Versammelten den schärfsten den, wobei die Durchschneidung der politischen Grenzen möglichst zu Widerstand unserer Genossen in den Gemeindepartamenten und-ver- vermeiden ist. In jedem Bezirkswirtschaftsrat muß tie Gesamt waltungen. Das Bersonal der Berufsfeuerwehren ist fest entschloffen, wirtschaft des Bezirkes vertreten sein. Borgesehen find auch gegen derartige Bestrebungen alle zur Verfügung stehenden Mittel Bertreter der Gemeinden, der Kommunen, der Beamten, Genossen anzuwenden. Die Dienstzeit bei den Feuerwehren müßte bei ge- fchaften usw. Weiter sind die freien Berufe zu berücksichtigen, je rechter Würdigung der bestehenden Berhältnisse verkürzt werden, doch wird ein Bedürfnis nach Schaffung öffentlich- rechtlicher Berufs unter feinen Umständen fann an eine Berlängerung gedacht werden. vertretungen für die freien Berufe vermeint. Die Bertreter werden Die von der Regierung im Arbeitszeitgefeh vorgesehene Tren pon den einzelnen Organisationen gewählt und bezahlt und sind je nung der Arbeitszeit entspricht nicht dem Willen der unteren Be- derzeit abberufbar. Ler Bezirkswirtschaftsrat wählt einen Teil der amtenschaft. Die versammelten Beamtengenossen erblicken in dem Mitglieder des Reichswirtschaftsrates. Ein endgültiger Borhaben der Regierung keine Gewähr für die gedeihliche Entwid. Beschluß über die Organisation ist nach Ansicht des Ausschusses erst lung der gesamten Arbeitnehmerschaft, zu der auch sie gehören und möglich, wenn die Organisation der Sonderfommern für Handel und fich fühlen, und fordern deshalb von allen Genossen in leitenden Industrie, Landwirtschaft, Hantwert usw. feststeht. Die Arbeitnehmer Stellen, im bevorstehenden Kampf um die Arbeitszeit auch unsere betonten die Notwendigkeit der Einrichtung von Bezirkswirtschafts Interessen wahrzunehmen. räten besonders deshalb, weil sie einen Einfluß auf die Handelskammern ausüben können. Die„ Goldlöhne" der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Das Lohnfartell für die Gemeindebetriebe hatte die Funtionäre gestern abend nach dem Gewerkschaftshause zusammenberufen. Der endgültige Reichswirtschaftsrat gliedert sich in drei Abteilungen. Die erste und zweite Abteilung umfassen Arbeit. geber und Arbeitnehmer, während die dritte Abteilung durch die Bertreter von Interessentengruppen gebildet wird. 3u ihr gehören auch die Bolenske vem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband be Bertreter her freien Berufe, der Genossenschaften, Beamten ulm. Die richtete zunächst über die Lohnverhandlungen mit der Reichs Wahlen haben nach Bidung der Bezirkswirtschaftsräte durch diese Die nach einem sehr flechten Berechnungsmodus in Goldmart fefte rat nur ein Biertel der Mitglieder des Reichswirtschaftsrats zu mäh regierung, die für Arbeiter und Beamte getrennt geführt wurden. und die Organisationen zu erfolgen, jedoch hat der Bezirkswirtschafts. pesetzten Jahresgehälter feien gänzlich ungeniigend, zumal in den fen. ahresgehälter feien gänzlich ungenügend, zumal in den fen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müffen gleichmäßig vertreten unteren Gruppen. Die Spanne, die schon immer zwischen den ein zeinen Gehältern ziemlich beträchtlich war, habe jetzt eine bebeutente. Die Regierung hat eine gefeglich feftgelente Zahl von Abae. ordneten zu ernennen. Die Gesamtzah der Mitglieder darf nicht ungerechte Erweiterung erfahren. Durch die Bohnnerhältnisse in der mehr als tie Hälfte der gegenwärtigen Abgeordneten betragen. Die Borwoche fei eine berechtigte Empörung hervorgerufen worden. Der Forderung, den Reichswirtschaftsrat zu einer mitbeschließenden Ge. Sachlich liegt die Angelegenheit folgendermaßen: Rebner betonte, daß die Berhandlungen der Spizenorganisationen Am abilisierung des Reichshaushalts geftanden hätten. Auch die InUm 27. November hat im Statistischen Reichsamt mit ber pari- mit der Reichsregierung feiber allzu fehr unter bem Einfluß ter fehgebungsfammer zu machen, wird nicht erhoben. tätischen Jubertommission eine Besprechung der Frage stattgefunden. buftriellen hätten ihren Einfluß geltend gemacht. Den äußerst mini Dabei hat das Statistische Reichsamt dargelegt, baß es eine Um malen Angeboten ter Regierung mußte die Zustimmung berjagt ftellung bes Inder nicht eher als in etwa zwei Wochen für möglich werden. Die Berhandlungen mit dem Berliner Magistrat hätten halte. Es wurde darauf hingewiesen, daß bei der augenblicklichen ebenfalls zu feinem pofitiven Ergebnis geführt. Auch hier fei eine Bielgestaltigkeit der umlaufenden Zahlungsmittel fich die Umrech, merträgliche Spanne zwischen den Löhnen der Handwerker, Ange mungsbasis der sogenannten„ Goldgrundpreise" von Zahlungsmittel lernten und Ungelernten vorhanden. Bolenste hält, folange wir zu Zahlungsmittel, von Ort zu Ort, von Geschäft zu Geschäft ändere. Beine effeftine Goldmährung haben, die Berechnung der Löhne und Nicht derartige Golbgrundpreife" die untereinander in feiner Gehälter nach den Lebenshaltungskosten für gerechter. Falls auch erneute Berhantlungen zu feinem anderen Resultat führen, würden Weise vergleichbar sind fönnten also die Unterlage eines Inder die Schlichtungsstellen angerufen. Gerade in der jetzigen Zeit wirtbilben, sondern nur Breise, die einheitlich die Rauftraft eines befchaftlichen Niederganges sei es notwendig, die Organisation zu stimmten Zahlungsmittels wiedergeben. Dieses Zahlungsmittel mar starter. bisher die Papiermart. Es wird in wenigen Wochen die Renten- Mit erbrüdender Mehrheit angenommen wurde die nachfolgende mart fein. Die Umstellung des Indeg auf Rentenmart muß also Resolution: 17 erfalgen, sobald die Erhebungsgemeinden in der Lage sind, die Marenpreise in Rentenmart anzugeben. Diefen Argumenten haben sich weder die Bertreter des Reichs mirtschaftsministeriums und des Reichsarbeitsministeriums( die im übrigen durch feinerlei Inftruftionen ihrer Minister gebunden waren) noch die übrigen Beteiligten entziehen tönnen, Auch die Vertreter der Arbeitnehmer, die anfänglich einen sofortigen Uebergang zu einem Goldinder" verlangt hatten, erklärten sich damit einver. standen, baß die Umstellung in den vom Statistischen Reichsamt por geschlagenen Zeitpunkt erfolgt. Ihr Wunsch, daß mit der Borbereitung diefer Umstellung fofort begonnen merben felle, ist von den Bertretern des Reichsarbeitsministeriums und des Reichswirtschaftsminifteriums nachdrücklichst unterstützt worden. Entsprechende Er. hebungen find nom Statistischen Reichsamt eingeleitet. Dazu haben mir zu bemerken, daß Dr. Brauns, wenn er zu der Frage des Goldindeg überhaupt noch nicht Stellung genommen hat". mährend diese Frage bereits seit Wochen überreif ist, damit ganz im Sinne der Arbeitgeber gehandelt hat. Schrieb doch der Syndikus ber Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, Dr. Meisinger, in der legten Nummer tes Arbeitgeber" ausdrüdlich: Funktionärtonferenz des Lohntariells der freien Gewerkschaften in " Die am 29. November 1923 im Gewerkschaftshaufe tagende den Berliner Gemeindebetrieben nimmt mit Entrüftung Kenntnis pom Ergebnis ber Lohnverhandlungen der Spizenverbände mit der Regierung. Besonders aber wird protestiert gegen bie unerträglich hohe Spanne zwifchen den einzelnen Bahngruppen. Das Lohn. fartell und tie Tariffommission merden brauftragt, alles zu unternehmen, um mit dem Magistaat zum Abschluß eines günstigeren Lohnes zu tommen. Die bösen Amsterdamer. In ber kommunistischen Internationalen Breffeforrefpondenz vom 10. November beißt es in einem Artitel über, Die Einheitsfront Amsterdam- Moskau?": Binfenwahrheit, daß lebel sich vor ihrem Ende am heftigsten aus. Der Reichsbantausweis nom 7. November beweist die alte mirten. Die gesamte Kapitalsanlage ftiea um 26,7 Trillionen auf 34.4 und der Rotenumlauf um 16,7 Trillionen auf 19,2. Zahlenmäßig ist das die größte Steigerung der Ausmeisposten, die höchstens noch von den tommenden Novemberausmeisen übertroffen werden fann. Allerdings umfaßt der Ausweis die Zeit, in der der Dollar Don 72,5 auf 630 Milliarden heraufgelegt wurde. Dos ist dem Reich für seine Kreditnahme zugute zu halten. Trotzdem kann ihm nichi der Borwurf erspart werden, durch Erhöhung der SchahTores chluß in starfstem Maße die Möglichkeit ausgenugt zu haben, wechsel um 19,5 Trillionen auf 46,1 Trillionen vor fich durch Inflation das nötige Geld zu beschaffen, während die une bebingt notwendige Anspannung der Steuerquellen vernachläffigt wurde. Intereffant ist in dem vorliegenden Bantausweis die In. auf 2.2 Trillionen stieg. Sie ist ein Beweis dafür, daß die Privat anspruchnahme der Darlehn staffen, die um 2.1 Trillionen wirtschaft rege dabei ist, die nur zum Teil wertbeständigen Kredite aus ben Darlehnskaffen zum Schaden ber Bank und des Reiches auszunutzen. Sport. Der Ringer- Weffffreit im Walhalla- Theater nahm am Dienstag feinen Fortgang. Anglio fiegte über Urbaniti. Bolen durch Schleuders griff nach 16 Minuten. Gebb artt. Reutöln fchied infolge Disqualifitation aus, als Sieger wurde stornblum Lodz nach 50 Minuten Ringzeit ertlärt. Sm zweiten Entscheidungslampi uthanen gegen willing fiegte erfterer in 42 Minuten Gesamtzeit über Billing. Mittwoch: Rananoff Rußland und Anglio rangen 25 Minuten unentschieden. „ Die Vertreter der Amsterdamer Internationale pflegen 16Minuten burch Süstenschwung. Billing Berlin warf Macdonald. Bartowiti Berlin fiegte über Siegfried II. Norddeutschland in nach wie vor eine altive Bufammenarbeit mit der internationalen Schottland nach 17 Minuten durch Armzug, auf beide Schultern. Am Bourgeoisie, wie wieder fürzlich auf der Testen internationalen Donnerstag fand der Hauptentscheidungsfamof Ra nanoff gegen Arbeitsfonferens in Genf, wo, wie man uns verfichert, d'Aragona utbanen ftatt. Beide Gegner famen auch in diesem Stampf, nach als technischer Berater des Arbeitervertreters Moffont, des heißen Bemühungen eine Entscheidung berbeizuführen, nur zu einem Generaliekretārs ber faidistischen Verbände, fungierte. Dagegen Unentschieben nach 1 Stunde 15 Minuten. Billing Berlin machte bört. man so gut wie garnichts von ihrem Willen und ihrer mit Dittmann Berlin schnelle Arbeit, nach 8 Minuten brachte er ihn Bereitschaft, mit bem revolutionären Teil der Arbeiterflaffe zubes Schotten nach 24, Minuten nach flottem Stampf burch Abfallgriff. burch leberwurf auf die Matte. Aldermann Magdeburg erledigte fich jammenzuarbeiten." Auch die Forderung der Gemerffchaften nach[ ofortiger Demgegenüber ist festzustellen, daß D'Aragona in boller Umstellung des amtlichen Lebensmittelinder Uebereinstimmung mit der Zeitung der italienischen Gemertfchaften auf Gold verdient Beachtung. Es bleibt nur zu hoffen, daß die abgelehnt hat, als technischer Berater an der Seite eines verantwortlichen Reichsbehörden sich der Tragweite einer Maunes tätig zu fein. deffen Organisation nicht als ArbeiterBettwäschel Wäschestoffe Handtücher, Hemdentuche, Damast, Dim ti, Linon, Preiswertes Angebot! Engl. LederManchesterArbeitsGestreifte Hosen Knaben- Stoff- u. Wasch- Anzüge auch einzelne Knaben- Hosen Züchen, Inletts, München- Gladb.Hosen- Zentrale Bettlaken usw. NW. 87, Beusselstr. 39, Blager Laden, am Ringbahnhof Beusscistr Fahrgeldvergütung a zu konkurrenzlos billigsten Preisen Wäschefabrik Einhorn pezial. Beukölln, Herrfurthstr. 31 ( an d. Hermannstr.) Behandl. nur für Ischias in Büften, Gesäß u. Z ähne 1 und 2 Goldmark Kronen u. 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