Ur. 55. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg- frei tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. SountagS-Nummer mit illuitr. Sonmags- Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnemeut: 3,3oMl. proQuartal. Unter Sreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt, für das übrige Ausland zMt.pr.Monat. Singetr. in der Post-Zeitungs-Preislist« für isss unter Nr. 7128. 12. Jahrg. JnfertionS-Sebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Naum 10 Pfg., für Vereins- und vcrsammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr AbcndS, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Bor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. lSOS. Trirgramm- Adresse! „Koiiaidemolirat Keriiu!' Berliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. N-daKtion: SW. 19, Aeutö-Straße 2. Mittwoch, den 6. Marz 1893. KFped'ltion: SV. 19, ZZeuty-Straße 3. Vrisassiutgsrebisioiirn in der Schweiz. Zürich. 2. März. In der demokratischen Schweiz ist eine Verfassung kein Petresakt, sondern eine Einrichtung, die sich stets mit den Anschauungen und Bedürfnissen der Mehrheit des Volkes in uebereinslimmung beenden muß. Sobald die Volks- Mehrheit eine Aenderunp der Verfassung für nölhig hält. wird an eine Revision derselben geschritten, die in unserer Zeil natürlich immer dem politischen und sozialen Fort- schritt dient. So ist die von 1874 datirte Bundesverfassung in den zwei Dezennien ihres Ve staudcs wiederhol revidirt worden, theils in ab- änderndem, meist-ber in ergänzendem Sinne. Und das gleiche gilt von ds Verfassungen der Kalitone. In jüngster jeit ist im Kanton S o l o t h u r n die Verfassung revidi» worden, über die in ihrer neuen Gestall am Sonntag, de 17. März das solothurnische Volk ab- zustimmen hat. vie Neuerungen, welche die Verfassung dem Volke biet, sind die V e r f a s s u n g s- I u i- t i a t i v e, die P r o p o r t i o n a l w a h l und die Finanzrefo n. Nach den neuen Bestimmungen über die Verfassuugs Initiative haben bereits 3000 Bürger das Siecht, W Erlaß, die Aushebung oder Ab- änderung bestirnter Artikel der Verfassung zu vcr- langen und hilübcr in Form einer allgemeinen Anregung oder eines ansmrbeiteten Entwurfes eine Volksabstinlniung zu bewirken, er„Proporz" ist obligatorisch für die Wahl des Kantonsroes(Landtages) und für die Gemeiuderäthe mit wenigster sieben Mitgliedern. Unter dem gegen- wältigen„McHj"(Mehrheitssystem) haben im Jahre 1832 die Freisinnig in allen Wahlbezirken des Kautons gesiegt. Dieser Sieg ur selbst vielen Liberalen„peinlich", so daß sie die ultrar utane Petition um Einführung des Proporzes un terschriebei Wird derselbe durch die Annahme der Vcr- fassung einf'ihrt, so wird auch die sozialdemokratische Partei ein� größere Zahl Kantons- und Gemeinde- räthe erhalt* und werden diese Körperschaften eine wcscnt- lich anderestjusammensetznug erfahren, als gegenwärtig. Die Finanisorm hebt die Altivbürger-Steuer auf und bringt die stckte Staatssteuer, welche bis jetzt in diesem Kanton noiMicht besteht; sie setzt den amtlichen Gebühren- taris hcrab'ld rednzirt den Salzpreis von 14 auf 12 Cts. pro Kilogran. Das steuerfreie Existenzminimum ist für den Ledige auf 700, für den Berhcirathetcn auf 300 Frank festgesetzt, ferner kommen für jedes Kind nute 18 Jahren 100 Franks vom Einkommen in Abzug Tie Progression geht auf den doppelten Betrag. 9 Arbeiterpartei im Kanton Solothurn, welche an der Ve-ssungsrevision durch ihre Vertreter tüchtig mit- gearbeitet t und thcilwcise Erfüllung ihrer Forderungen . �'emttetou. lNachdruck BtrtoUn.) Skizzen lu:s dem stidpleeikani scheu Hinterlande. E i n Blatt üdamerikanischer Geschichte. Mndern Tage erklärte der General ganz kaltblütig, daß(pinmal seine Wunde an weiterer Theilnahme hindere, und z!" habe die Regierung sehr annehmbare Vorschläge gcma' die er zur Berücksichtigung nur anempfehlen könne Und Herr Bantista Gill war ganz derselben Aieitj- Er bat die Sache nicht zu weit zu treiben u„d 11 vaterländischen Boden nicht mit noch mehr zzju-ti tränken. Das Land bedürfe jetzt der Ruhe und« friedlichen Enlwickelung, um alle die Hilss- die ihm die Natur in so reichem Maße axg habe, zu erschließen und zum Besten der Nation zu vcsshcn. Man habe erreicht was man wollte und daß xuiie Opposition in die Regierung eintrete und mit- ar n könne am gemeinsamen Werke. Ikicht wahr, Cirilo, bist Du nicht auch unserer Wiiig..." Damit trat er an Rivarola heran, der w�s seine Rede angehört hatte und wollte ihm auf die zl klopfen. .Rühr ihn nicht an, Du Judas," schrie da auf einmal ssior Godoy, indem er zwischen beide sprang,„jetzt ischau ich das Spiel, was im Geheimen bei ihnen r'artet ward... mir sind die Betrogenen natürlich sollen einem Gill die Kastanien aus dem Feuer A... daß ich das nicht längst begriffen habe... her Thor bin ich gewesen... ich Narr ich... ver> für einen Augenblick, daß der Schurke Negerblut in -n Adern hat. Ich glaubte, Paraguayer, daß dieser erzielte, wird am Abstimmungstage für die neue Verfassung mit„Ja" eintreten. Auch im Kanton Appenzell A.-Rh. ist eine Ver- fassnugsrevision beabsichtigt und hat die Arbeiterpartei dazu bereits Stellung genommen. Sie hat ihre Forderungen in 14 Punkten formulirt, von denen wir nurerwähnen: Einführung der Proportionalwahl, gewerbliche Schiedsgerichte, staatliche unentgeltliche Bccrdignng, Territorialprinzip im Armemvesen, Arbeiterinnenschutz- Gesetz, progressive Vermögens-, Ein- kommens- und Erbschaftssteuer und Verpflichtung der Kautonsrätbe(Landtags-Abgeordneten), über obschwebende und zur Abstimnnmg gelangende Gesetze vor Volks- Versammlungen auf Verlangen zu rcferiren. Der im Gange sich befindlichen Verfassungsbewegnng im Kanton S ch a f f h a n s e n ist schon einmal Er- wähnung geschehen. Ter am 18. Februar zusammengetretene Vcrfassungsrath hat beschlossen, sich zu vertagen bis zum 31. März und zur Ermittelung der Wünsche und Forderungen des Volkes folgenden Aufruf an dasselbe zu erlassen: „Werlhe Mitbürger! Durch die Volksabstimmung vom 25, November 1894 habt Ihr bestimmt, daß die Verfassung vom 24. März 16-6 einer Nevision untersteUt werde. Der von Euch mit dieser Aufgabe betraute Verfassunasralh hat in seiner ersten Sitzung vom 18. Februar I89S beschlossen: Es sei das Volk des Kantons Schaffhansen einzuladen, seine Wunsche zu dem bevor- stehenden Verfassnngsiverke bis zum 31. März dieses Jahres dem Verfassungeralhe schriftlich einzureiche». Tie Schaffung eines neuen Grundgesetzes ist eine hochwich- tige Angelegenheit für uns alle. Es sollen nicht nur die gegen- wärtigc» Verhältnisse und Bedürsnisse ins Auge ge- saht, sondern einer künstigeu sortschrütliche» Entwicklung die Thore geöffnet werden; es ist nicht gelhan mit dem Ausbau eines idealen, wenn auch noch so schönen Ver- fassungsiverkcs. sondern es bedarf der sorgsälligste» Berück- sichtignng und Abwägung unserer speziellen Verhältnisse, An- schauungcn und finanziellen Mittel: es dedarf mit einem Worte Schaffung einer Konstitution, welche in dem V o I k s w i l l e n ihren Grund und Halt hat. Gewiß begrüßt es daher mancher, bei diesem Anlaß Gelegenheit zu finde», seine Ansichten über das Ganze oder über einzelne Fragen, welche ihn besonders be- schäsrigcn, dem Versassungsraihe kundgeben zu könne», wie es andererseits diesem nur erwünscht sein kann, über die im Volke herrschenden Anschauungen und Wünsche nach den verschiedensten Richtungen hin Auskiäruna zu erhalten. So ergeht denn die Einladung an einzelne, wie an Korporationen oder Gemeinden, dem Verfassungsralhe allsällige Begehren, Wünsche oder Anregungen bis zum 31. März I89S schristlich zuzustellen."— So werden Verfassungen in der demokratischen Republik gemacht, wo der Staat, die Gcnieiude, Regierung, Behörden und sonstige Einrichtllnge» des Volkes wegen da sind, wo des Volkes Wille das höchste Gesetz und des Volkes Wohl das Ziel der Politik ist. Das„wilde Land" von 1888 ist es ganz unzweifelhaft, das au der Spitze der Kultur, des politischen und sozialen Fortschritts marschirt! unser Aufstand, das Blut der Brüder, das wir vergosseu haben, dazu dienen würde, Freiheit und Ehrlichkeit in unserem Lande gedeihen zu lassen, daß die Zeiten des Spitzbubenregiments unmöglich fein würoen von heute ab... daß wir nicht ausgenutzt mehr werden würden von Dieben und Räubern, die ihr eigen Blut und ihr Vaterland für Geld verkaufen... ich habe mich getäuscht... das ist das Ende von Paraguay... es giebt keine Paraguayer mehr... es giebt keinen Kaziken Lambaro mehr, der eher unter den Eindringlingen, den Säbel in der Faust, fiel, ehe er sich verkaufte... Nein, Ihr verkauft einer den andern... der Bruder den Bruder... die Frau ihren Mann... und aus welchem Grunde... um Mammon zu ver- dienen... Wie viel haben sie Dir gegeben, Caballero, daß Du Dein Gewissen verschachert hast... Pfui über Euch... ich schäme mich darüber, daß ich Paraguayer heiße... Mit dem Pakt, den Ihr heute geschlossen, ist es aus mit uns... Beruhigt Euch und schaut nicht nach den Waffen.. ich werde keine Revo- lution mehr machen helfe», denn ich habe keine Hoffnung mehr, daß in diesem Lande das Blut von Brüdern Eure Sünden sühnen könnte.. ich gehe Bantista und werde nicht mehr zum Vorschein kommen.. Solltest Du mich aber eines Tages doch zu Gesicht bekommen, so will ich Dich aus andere Weise belehren, als ich es heute gethan." Damit kehrte er der Versammlung den Stücken, ging davon, schwang sich unten aus sein Pferd und ritt hinaus aus der Hauptstadt. Nicht lange daraus folgten ihm Rivarola und eine Handvoll Leute, die man einfach über- stimmt hatte. Das war das Ende der siegreichen Revolution der Rothen. Rivarola und Nicanor Godoy zogen sich nach Barrero Grande zurück und ließen sich nicht mehr sehen. Silvana half seinem Bruder beim Ackerbau und ging still und schweigsam vor sich hin. Er hatte weder Frau Eon- cepcion noch die kleine Carmen wiedergesehen. Der General Escobar war mit seinen großen Thee- wäldern am Paranä abgefunden worden. Konsumvereine nnd Sozialdemokratie.*) Aus dem Kreise der Parteigenossen geht uns die folgend» Zuschrift zu: Die„Volks-Zeitung" beschäftigt sich recht ausführlich, die „Freisinnige Zeilimg" in ihrer üblichen dennnziatorischen Manier. mit der letzten öffentlichen Versammlung der Schneider in Berlin, in der Genosse Arons einen sich zu einer Empfehlung von Konsumvereinen zuspitzenden Vortrag über das englische Genossen« schaslswesen hielt. Wenn die„Volks-Zeitung" diese Versamm- lung zum Anlaß nimmt, von eineni neuen prinzipielle» Meinungs- kämpf innerhalb der Sozialdemokratie zu sprechen und Eugen Richter's Blatt einen neuen Gegensatz in der Sozialdemokratie konstruirt. so würde mich das noch nicht veranlassen, die Frage im Zentralorgan der Partei zu beleuchten. Wenn ich dies trotz- dem unternehme, so geschieht dies, weil schon weitere Versamm- lungen mit der gleichen Tagesordnung geplant sind. Dies aber nur um der Frage willen, nicht der letzten Versammlung wegen, denn niemandem dürfte es beif allen, einer von 2U0 Personen besuchten Versammlung einer Gewerkschaft das Gewicht beizumessen, daß sie Beschlüsse fassen könnte, die irgend eine Bedeutung für die poliiische Partei haben. Auch sprach ja der Referent lediglich in feinem Namen und waren die vorgetragenen Ansichten lediglich die private und mir von wenigen, sicherlich nicht maßgebenden Personen in der Partei geiheilie Meinung des lliefereuten. Neu anftaiicheiide Projekte haben stets einen Reiz, und dies ist vollkommen begreiflich, da der Thaleniust unserer Genoffen recht enge Grenzen gezogen sind. Die staatliche Arbeiter- versichenmg, die Verlängerung der Lcgislalurperioden des Reichs- lages und die zahlreichen polizeilichen Beschränkungen haben die Thätigkeit uiisercr Parteigenossen sehr eingeengt Deshalb sind immer Leute vor Händen, die froh sind, ein neues Arbeitsfeld für ihren Thatendrang zu finden. Es mag ja sein, daß der sich verdient macht, der den Parteigenossen em neues Gebiet für ihre Thätigkeit eröffnet, aber die Empfehlung der Konsum- vereine ist nicht die Eröffnung eines neuen Arbeitsseldes, und wäre sie es, so würde es wenig verdienstvoll sein. In den Am'ängen unserer Partei war die Frage, ob den Arbcilern die Errichtung von Kousumvereine» zu empfehlen ist, eine in vielen Versammluiigeii erörterte Streitsrage, eine Frage, die Ferd. Lassalle und seine Anhänger verneinten. Würde» die Schriften Lassalle's heute in der Partei noch so, wie es ihre Bedeutung verdient, gelesen werde», so könnte einem Redner, der die Errichtung von Konsumvereinen empfiehlt, nicht Beisall gezollt werden. Leider aber hat die auch in unserer Partei überhand nehmende Schundliteratur die Verbreitung der gute» Parteischristen immer mehr eingescbränlt. Diejenigen, die sich an den„Gekrönten Hänplern" und ähnlichen traurigen Mach- werken ihre Bildung als Parteigenossen verschaffen, sind außer stände, ökonomische Fragen richtig zu beurtheilen, sie lernen das Schimvfen und Absprechen, aber nichl das ruhige sachliche Urtheile». Nun wird man ja wohl einwenden, daß trotz der Lassalle'schen Agitation zahlreiche Konsumvereine, so vor allem in Sachsen, von Parteigenossen gegründet wurden. Diese Thatsache ist zwar Wegen Raummangels einige Tage verspätet. D. Red. Der junge Advokat ÄKachain hatte sich überdrüssig der Verhältnisse von der Politik zurückgezogen und eine Schreib- stube in Äsuncion eröffnet. Ter Stest der ehrlichen Rothen gab sich aber noch nicht zufrieden. Jose Dolores Molas versuchte noch einmal Nicanor Godoy dazu zu gewinnen, mit ihm und dem alten General Serrano einen neuen Aufstand anzuzetteln. Beide begaben sich nach Barrero Grande und trafen Godoy eben an, wie er in vollem Scyivciß in der Mittagssonne seinen Maniok behackte. Er hörte sie ruhig an und fuhr dabei fort, die Reihe Maniok zu reinigen, während beide auf ihn einsprachen. Slls er damit zu,>i Ende der Reihe gekommen war, hatte Molas eben seine Rede geschlossen und Godoy sagte auf seine Hacke gestützt: „Geh hin Freund und thu, was Du nicht lassen kannst.. mich aber rufst Du da�u vergeblich.. aber wenn Du auf mich hören willst, so nimm diese Hacke und dort steht auch eine Axt.. sieh unser schönes Vaterland ist so groß und wenn es Dir hier bei mir nicht gefällt, so ist »och Raum anderwärts. Die einzige Rettung für uns ist die, daß wir jeder in redlicher Arbeit das Wohl unseres Landes suchen.. für eine Revolution opferst Du Dich vergebens. Geh hin und baue Mais und Bohnen.. lebe redlich mit Deinen» Weib und Deinen Kindern, dann wird vielleicht eine andere Re- volution kommen, die segensreicher ist für uns... Vielleicht ist auch das schon umsonst. Aber," und er schleuderte finster seine Hacke von sich,„Du wirst noch einmal von mir hören; und wenn Du dann mein Geselle sein willst, wirst Du mir willkommen sein: aber das wird eine Arbeit sein, die kein Blut kostet... Geh, Silvana und rufe die Knechte ins Haus... Die Sonne sinkt." Trotzdem versuchte der Rest der Rothen mit dem General Serrano als Anführer nochmals einen Aufstand. Sie hatten keine anderen Waffen, als ihre Buschwaffen, und es fand sich auch kein Guanes, der ihnen Geld für Kanonen richli.i, sie spricht nber keineZwegI für die Eründung von Konsumvereinen. Diese wurden zur Zeit des Sozialisten- gesetzes gegründet, als jede polilische nnd gewerkschailliche Orga- nisalion unmöglich gemacht wurde, als unsere Genossen lediglich zu dem Zwecke, um einen gesellschaftlichen Sammelpunkt z» finden, alle möglichen harmlosen Vereinchen wie Rauchklubs, Gesang- und gesellige Vereine, so auch Konsumvereine gründeten. Wenn heute die Gründung von Konsumvereinen empfohlen wird, so geschieht dies aus einem ganz anderen Jdcengange her- aus, wie zur Zeit des Sozinlistciigesehcs. Wenn wir hier diese Gründe zusammenfassen, so stützen wir unS nicht blos auf die Rede des Genossen Arons, der nur einen Theil derselben an- geführt hat, sondern auf Diskussionen mit der Partei angehörende» Anhängern und Anhängcrinnen dieser Idee. Vor allem wird den Konsumvereinen nachgerühmt, daß sie erzieherisch wirken und zwar erzieherisch in der heutigen Gesellschaft und erzieherisch für die Verwaltung in der sozialbemokralischen Gesellschaft. Gründe hierfür werden nicht angegeben und dies erschwert naturgemäß die Widerlegung. Wir können nicht ein- sehen, nach welcher Richlung die Konsumvereine erzieherisch wirken könnten. Die bessere Ordnung im Haushalle, die größere Ueber- sieht in den Ausgaben, der Zwang keine Schulden zu machen, die größere Garantie richtige» Maaßes und Gewichtes und besserer Qualität und Uuverfälschtheit der Waaren wird im allgemeinen den Konsunivereinen nachgerühmt. Ganz abgesehen von allen anderen Einwänden ist diesen Empfehlungen entgegenzuhalten, daß die Herren Stumm und Baare. diejenigen welche„Wohlfahrts- Einrichtungen" den Arbeitern empfehlen, die Konsumvereine ebenso sehr aus diesen Motiven empfehlen, wie die Max Hirsch und Schultze-Telitzsch und wie andere Vertreter der Sozial- reformen im allerkleinsten Stile. Lassen wir doch diesen Leutchen das Vergnügen, wir haben als Sozial- demokrate» damit gar nichts zu schaffen. Als Sozial- deniokraten inüssen>vir wiffen, daß die Ordnung in» Arbeiterhaushalte heute i. d. R. unmöglich ist und daß da die bestorganisirten Konsumvereine nichts helfen können; der Arbeiter in der kapitalistischen Wirthschastsordnung leider vor allem an der Unsicherheit und an der Ungleichheit seiner Einnahmen. ihm ist ein geordnetes Familienleben erschwert, eine anständige Häus- lichkeit versagt. Wem die tieferen Gründe hierfür nicht verborgen ge- blieben sind.der wird sich vor der Empfehlung so kleinlicher Palliativ- mittelchen, wie es die Konsumvereine sind, hüten. Die skonsum- vereine wegen der bei denselben erzwungenen Baarzahlung für die Waaren zu empfehlen, kann füglich blos denjenigen beifallen, die den Arbeiterhaushalt und die ihn erschütternden Revolutionen nicht kennen. Wer weiß, wie oft der ordnungsliebendste Arbeiter arbeitslos wird, der mag theoretisch ein»och so entschiedener Gegner des Schnldenmachens sein, er wird es nicht nur begreisen, er wird es auch für vernünftig halten, daß der Arbeiter dem seine Kund- schaft zuwendet, von dem er z» Zeiten der Erwerbslosigkeit auch einen kleinen Kredit eingeräumt erhält. Der Arbeiter, der in der guten Zeit im Konsumverein kaust, wird beiErschöpsung seiner Mittel in Zeiten der Arbeitslosigkeit vom Konsumverein ebenso wenig wie von einem Kaufmann Kredit erhalten. Und was endlich den Kampf um richtiges Manß und Gewicht, bessere Qualität und Unverfälschtheit der Waaren anlangt, so ist die Erzielung dieses Zweckes aus dem Wege der Konsumvereine sicherlich der lang- wierigste Weg. Um dies zu erreichen, ist strenge Nahrungs- mittel-Kontrolle, Beaufsichtigung der Händler, Einsetzung einer wirksamen Inspektion zu fordern, genau ebenso wie>vir den Achtstundenlag, das Verbot der Nachtarbeit und vor allem die Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit auf dem Wege der Gesetzgebung zu erkäinpseu suchen. Wohl stellen wir diese Forde- rungen auch im gewerkschaftlichen Kampfe auf, aber hiermit ist das Anstreben der oben genannten Ziele auch nicht zu vergleichen, den» er ist ein Weg, der weit ab vom Ziele führt. All die an- geführten Gründe für die Konsumvereine würden, wären sie stich- haltig, die Mitglieder zu den Gewohnheiten der kleine» Bour- geoisie, aber nicht zu Sozialdemokraten erziehen. Freilich wird gesagt, daß dieKonsumvereine i» England die Arbeiter zur Solidarität, der größten sozialdemokratische» Tugend erzogen haben. Ohne in die Prüfung dieses Argumentes einzugehen, können wir uns darauf beschränken zu bemerken, daß dieses Mittel uns nicht erforderlich erscheint, da die Sozialdemokratie eine weit größere und nützlichere Erziehungsanstalt des Proletariats ist, als es die Konsumvereine jemals werden könnten. Und was die Bedeutung der Konsumvereine als Mittel der Erziehung zur Verwaltung in der sozialistischen Gesellschaft anlagt. so scheint uns diese Empfehlung ein Verkennen der sozialistischen Gesellschaft ebenso wie der Konsumvereine einzuschließen. Das Kerzenzählen, Butterabwiegen, Milchfüllen, die erforderlichen Buchungen, all das, was man im Konsumvereine lernt, die gesell- schaflliche Organisation der Vertheilnug, das wird in der sozia- listischen Gesellschaft so einfach sei», daß wir wahrlich»ins darüber keine grauen Haare wachsen zu lassen und heule schon Leute für diese überaus einfachen Thüligkeiten zu erziehen brauchen. Als besonderes Argument für die Konsumvereine wird ins Feld geführt, daß durch dieselben die Frauen am besten für vorgestreckt hätte. Eine ganze Woche lang lag die kleine Schaar versteckt in der Umgebung Asnncions, nm einen günstigen Augenblick zu finden, einen Ucberfall zu machen. Die Regierung sandte eine Abtheilung Soldaten gegen sie aus unter der Jführnng des Emilio Gill, einem Bruder von Bantista. Dieser tapfere Soldat hielt es aber nicht für rathsani, die Ausständischen anzugreifen, sondern legte sich mit feiner Truppe unter einem großen Schuppen, der zu Hahneukämpsen diente, und der in der Außenstadt von Asuncion lag, auf einen ruhigen Beobachtungsposten. Es war ja auch von dieser Handvoll Leute nichts zu fürchten. So kam es, daß seine Soldaten sich eines Mittags, als die Sonne gerade sehr heiß vom Mittagshimmel herniederbrannte, sich der Siesta Hingaben, und auch ihre aus- gestellten Wachen thaten dasselbe. Da drangen plötzlich die Rothen in das Lager hinein lind hieben mit ihren Messern nieder, was sie konnten. Was von diesen fliehen konnte, that es, und ließ seine Waffen zurück; aber eine Person fiel den Eindringlingen lebendig in die Hände, das war der im Anfang erwähnte spanische Zeitungsschreiber Martinez, der die Negierungstruppen als eine Art von Berichterstatter begleitet hatte. Die entfesselte Wuth der Paraguayer fiel über ihn her. „Mit diesen Fingern hat er die Feder geführt, die uns beschimpft," schrie einer. „Haut ihm die Finger ab..." Und so geschah es. Gliedweise schlug man ihm die Finger herunter, obwohl er flehend u»i Gnade wimmerte. „Reißt ihm die Zunge aus..." schrie ein anderer. So schlachtete man diesen Spanier stückweise, und er be- zahlte mit einem gräßlichen Tode das, was er gegen die paraguayische Nation gesündigt. Danach besetzten die Rothen den Bahnhof und wehrten sich heldenmüthig lange Zeit gegen jeden Angriff. Erst das Eingreifen der ganzen Truppenmacht der Weißen vermochte sie in die Flucht zu treiben. Dabei fiel der alte General Serrano, der mit seinem Pferde stürzte, in die Hände seiner Verfolger und der Befehlshaber Emilio Gill tödtete ihn eigenhändig, nachdem er ihn zuvor geblendet. Die Rothen waren vollständig zu Boden geschlagen. Zwar versuchte Molas noch einmal in die Jnfanteriekaserne einzudringen und die Soldaten zu einer Meuterei aufzu- fordern, aber das war auch die letzte Zuckung der rothen die Partei herangezogen werbe» können. Nun erscheint es auch uus als eine der wichtiasteu Aufgaben der Partei, die Frau in die Partei hineiilzlizieheii, sie muß aber als Staatsbürgerin und als Arbeiterin, nicht als Hausfrau geivoiineii werden. Nicht dort, wo die Frau dank ihrer traurigen wirthschastlichen Verhältnisse an» kleinlichsten»nd spießbürgerlichsten denken muß, haben wir sie zu gewinnen, sondern wo ihre Jniereffcn als Arbeiterin, als politisch entrechtetes Wesen in Frage stehen. Also auch dieses Argument fällt iveg. Ich glaube keinen, jedenfalls keinen erheblichen Grund, der für die Ko»filmvereine aiigefiibrt wird, vergessen zu haben. Ich habe aber, nachdem ich diese Gründe vom Standpunkre der Partei als nicht stichhaltig nachgewiesen haben dürste, die Gründe, die gegen die Gründung von Konsumvereinen sprechen, zu erörtern. Wenn Genoffe Arons den Berliner Arbeitern das Bild der heutigen englischen Konsumvereine in satten Farben vormalt und damit unseren Genossen nahelegt, ähnliches zu versuchen, wenn er er- zählt, wie mächtig die belgischen Konsumvereine die Partei gefördert haben, so hätte er, und dies hätte agitatorisch gewirkt, in breitester Weis« und nicht blos das Thema streifend, darlegen müsse», daß die bculsche Vereins- lind Genoffe», schastsgesetzgebimg es uns ganz unmöglich macht, Konsumvereine mit großein Vermögen aus die Dauer zu sichern und daß die Forderung der Partei aus den Erträgulssen der Konsumvereine eine platte Unmöglichkeit in Deutschland ist. Bei genauerer Kenutniß der Parteiverhältuisse in Deutschland hätte er auch herausfinden müsse», daß durch die Konsuinvereiiie zahlreiche für die Kämpfe der Partei besser verwerthbarer Per- sonen der Thätigkeit ini Interesse des Proletarials ganz entzogen würde». Schon heute ivird die Arbeitskraft der freiwillig oder gegen Bezahlung im Dienste der Partei stehenden Personen außer- ordentlich ausgenützt und vor alle», zersplittert, das würde noch ärger werde», ivenii innerhalb der Partei eine die Gründung von Konsuinvereineii erstrebende starkeSirömiingzurGelliingkäme. Frei- lich verspricht sich Genosse Arons, daß die Konsumvereine in die Lage kämen, ihrerPnrteilhätigkcit wegen gemaßregeltePersone» neue Existenzen zu verschaffe». Dies n>ag in der Theorie ganz richtig sein, in der Praxis gestalten sich die Dinge anders. Stellen in den Kollsnmvereinkn sind nicht immer frei und die geinaßregellen Personen könneii die verdicntcstcii und tüchligsten Parteigenosse» sein und könnten trotzdem in der Verwallung der Konsumvereine wegen»»aiigeluder Geschicklichkeit, Unkenntniß der Waaren zc. eher störend als fördernd wirken. Alles muß gelernt sein. Die That- fache, daß jemand gemnhrcgclt ist, ist noch lange nicht ein Be- sähigungSnachweis'zum Redakteur, Expedienten oder 5konslim- vernns-Beamteii. ES wird überhaupt nicht immer leicht falle», die geeigneten Personeu für die Verwaltung der Kousumvereine zu finden. Eine Reihe MißHelligkeiten werden entstehen, mit Dingen, die einer politischen Parle! vollständig ferne liegen, werden unsere Parteigenossen besaßt werden, ihre Ziclbewnßtheit würde leiden. Verflachung und Verwässerung könnie eintreten. So sehen wir, daß die Konsumvereinsprojekte wenig Sym- pathie verdienen. Wir können es nicht begreifen, daß man heute, wo die Partei von ihren Gegnern zu ernster Sainvilnng, zu kräftigem Ziisammeiischlusse gezwungen wird, nichts besseres vorzubringen »veiß, als die Empfehlung von— Konsumvereinen. Die deutsche Sozialdemokratie hat heute ganz andere Auf- gaben! Ich bin überzeugt, daß die übrigens sicherlich mit bester Absicht begonnene Agilalion des Genossen Arons keine praktischen Folgen zeiligen wird. Wäre es anders, es spräche nicht für diejenigen, die diese Ideen in die Wirllichkeil übersetzen wollen.— polikisckte TU-berlMit. Berlin, 5. März. Aus dem Neichstage. Bei Fortsetzung der Bc- rathung des MUitäretats kam es heute noch zu wiederholten Pläiiklergefcchtcn zwischen unseren Genossen Bebel, dein heute v. Bollmar sckundirte, und dem Kriegsminister und seinen Beamten. Neben den Soldatenmißhandlungen war es auch die Seeschlange, Militärgerichtsbarkeit, welche heute wieder zur Sprache kam. Daß der letzteren An- gelcgcnheit noch immer die„eingehendsten Studien" gcwidiiiet werden, ist aber so selbstverständlich, als es selbstverständlich ist, daß im Militärstaat Preußen kein maßgebender Faktor ernsthaft daran denkt, diese ans dem Zeitalter der Landsknechte übcrkonimene Institution zu beseitigen. Daß dem so ist, ist übrigens sogar ein Glück; denn würde es heute zu einer ernsthaften Aciideruilg unserer Militär-Gcrichtsbarkeit kommen, dann ist es sicher, daß wir zwar das geheime inquisitorische Versahren nicht, wohl aber Bewegung. MolaS entkam schwerverletzt mit genauer Roth aus der Kaserne, und man hörte nichts mehr von einer Opposition gegen die Regierung. Mittlerweile hatte Bantista Gill seine Maske vollständig fallen gelassen und Jovellanos that alles, was er versprochen. Er unterstützte aus die bekannte südamerikanische Art die Wahlen für seine Präsidentur nnd so wurde im Monat Augilst 1374 Juan Bantista Gill zum Präsidenten und sein Vetter Higinio Uricorte zum Vizepräsidenten erwählt. Herr Francisco Guanes hatte schon lange in seinem Kontobilch bei» Namen Gill gestrichen, aber er empfing noch täglich die Besuche seine» Schützlings, der jetzt sein Gönner war. Er hatte es rund abgeschlagen, sich für seine Be- mühungen mit einem Amte belohnen zu lassen; ja er erklärte sogar, als er erneut zum Teputirten erwählt werden sollte, ein solches Amt nicht wieder annehmen zu können, und selbst der neu erwählte Präsident konnte ihn nicht dazu bestimmen. „Aber Sie gestatten niir, Exzellenz," er nannte ihn schon so, obwohl dieser sein Anit noch nicht an- getreten � hatte,„daß ich Ihr Rathgeber bleibe," sagte er einmal, als ihm Bantista deswegen Vorwürfe machte. „Mit Vergnügen oder vielmehr mit großem Dank... ich weiß alleiiv was ich Ihnen und Ihre» guten Rath- schlägen verdanke..." „Dann hören Sie, ich habe einen Plan.. „Und der wäre..." „Sie treten am 25. November Ihre Regierung an... wollen Sie gleich am ersten Tage ein schönes Stück Geld verdienen.. „Warum nicht Gnanes... warum fragen Sie über- Haupt noch... ich bin schon daran gewöhnt, Ihre Pläne für baares Geld zu halten... Sie sind ein findiger und gescheidter Kopf..." (Fortsetzung folgt.) tötuß M Wißtllslljgst. Sir Henry Rnwlinson, einer der berühmtesten englischen Alteribnmsforscher, ist am Dienstag an Influenza gestorben. Er hat das Alter von 85 Jahren erreicht. Er hat sich sehr große Verdienste um die Entzifferung der Keilinschristen und um die Geschichte Assyriens, Babylomens und des alten Persien er- worden. die liberalen Einrichtungen IoS würden, die wir jetzt wenigstens in Bayern haben. Bei der Feigheit chnscrer Bourgeoisparteien und der „Schneidigkeit" unserer Mzlitärbchörden, bedeutet jede Reform auf militärischen» Gebiete, nur eine Steigerung der Militär- macht und der Reaktion. Als Zwischensälle aus der heutigen Sitzung verdienen erwähnt zu werden die öffeiitliche Bekennung unseres Ge- nosscii zu eiilem in gestriger Sitzung gesallenen Zwischenriif (Feigheit!), von dem der Herr Präsident meinte, daß wenn er ihn gehört hätte, er eine Rüge ausgesprochen hätte. Liebknecht hielt heute sein im Zwischenruf ausgedrücktes Urtheil aufrecht und gab der Uebcrzeugung Ausdruck, daß er mit seiner Bemerkung der Empfindung aller anständigen Menschen entsprochen habe. Ter zweite Zwischenfall war eine Bemerkung des Herrn Kriegsministers, der die hypothetisch gestellte Möglichkeit, daß er wegen 7000 M. einen Schlag gegen das Etatsrccht des Reichstags führen könne, mit der Erklärung zurück- wies:„um solches zu thun, sei die Summe zu klein, da müßte es sich schon um ganz andere Summen handeln." In einer Zeit, wo Geheimräthe, Hofprediger a.D. und Generäle von dem Staatsstreich als etwas selbstvcrstäiid- liches reden, braucht es nicht Wunder nehmen, daß diese gewiß interessante Acußerung des Kriegsministers im Reichstage mit unbändiger Heiterkeit aufgenommen wurde.— Ter Reichstag und der R. April. Auf eine Fcicr des 80. Geburlslagcs Bismarefs durch den Reichstag wird seitens des Präsidenten und der rechtssteheilden Parteien verzichtet. Tie Trauben sind eben sauer. Die Mehrheit des Reichstages besteht aus Gegnern Bismarck's, daher ist eine Bismarckseier in» Reichstage unmöglich.— Ter BundeSrath und daö Fesnitengesey. Die„National- liberale Correspondcnz" schreibt, daß der Bundesraih diesmal die Entscheid»-»;» über die Aufhebung des Jesnilengesetzes bereits im Monat März treffen werde. Das Organ der National- liberalen äußert die Besorgniß, daß das Niederlassungsverbot gegen die Jesuiten demnächst außer krafl treten werde. Dagegen wird von anderer Seite versickert, daß der Bundesrath de» Reichstags-Beschlnß nicht sanktionirer werde. Nun, uns Sozialdcmokralen soll es ganz gleichgiltig sein, ob wir nur von evangelischen oder auch vc» katholischen„Jesuiten"— „vernichtet" werden.— Im Abgeordnctcuhause war es heute wieder bodenlos langweilig. Abgesehen von e ligen Ausführungen über die Lage der vberschlesischen E� s e n i n d u st r i e, ivobei man auch die Arbeiterfrage kurz berührte, wurde fast die ganze Sitzung durch UiiterhaltungenZlber die Vortheile und Rachthcile der Doppelwährung ausgefüllt, zu welcher Debatte der Spezial-Abgeordnce für Silber- Währung, Herr Arendt, durch sei-e in jedem Jahre mehrmals gehaltene„Silberrede" den Anaß gab.— Nächste Sitzung Mittwoch.— Der Kaiser hat in Wien mit dem H'erzog von C u ni b e r l a n d, dem h a n n o le r s n Krön- Prätendenten, eine Unterredung gehabt. Dro destilliren die Kamicgicßcr, daß der Sohn des C>n verländers im ahre 18S8, bei Vollciiduiig seines j i. Lebensjahres, erzog von Vraunschweig werden wird.' Tir glauben die? nicht.— �> Der Oberpräsident von� Ostpeuffcn Graf v. Stollberg soll wegen seiner Erklärugcn gegenüber dem Bunde der Landwirthe in Sachen desAntrag Kanitz zur Demission veranlaßt worden sein. Fü» die Agrarier ist nach dem schönen Sonnenscheine wieder einmal April- weiter eingetreten.— Die„Weber" und der Umsturz. Eiidln ist der Nach- weis erbracht, daß Gerhard Hauptmann's Wer ein recht gefährliches, umstürzlerisches Stück sind. Währid man aber bisher immer die Gefahr des Uiiisturzes von nten in den Vordergrund stellte, ist nun das erste Opr der um- sturzlerischen Tendenz der„Weber" von„oben" g ürzt worden. Kein geringerer als der Präsident des>ber-Ver» waltungsgerichts ist zum Opfer gefallen �H e r r von Koller hat ihn ob der Aushebung des Verths der Auf- führung der„Weber" so angerüffelt und bei einc�Hosfeste hat er aus dem gleichen Grunde so wenig Freur�chkeit vom Kaiser anhören müssen, daß er sich gezwun;. sah, um seinen Abschiedeinzukommen. yi Damit das Ober- Verwaltungsgericht nicht uderum das Mißfallen des Herrn vonKLller erregt, soll Graf Brnstorff- Gcheimrath im Kultus- Ministerium, intimster Fr.nd Ehren- Slöcker's und Bruder des durch seine Liaison mi einer der Sisters Barrison aus dem.Wintergarte" bekannt gewordenen Grafen Bernstorff, zu seinem Nachfolgeruserjehen sein.— Gegen die Umsturzvorlage. Von 15 Pofessoren aller Fakultäten der Leipziger Universität, den drtor an der Spitze, und eben so vielen Leipziger Verlagsbuctzändlern ergeht eine gemeinsame Einladung zu einer Versinnilung in dem neuen Buchhändlerhause für 6. März abeni behufs Vereinbarung einer Protesterklärung nicht sowohl gen die „Umsturzvorlage" in ihrer ursprünglichen Gestalt, ct gegen die von der Kommission gefaßten Beschlüsse, durchweiche, wie es in der Einladung heißt, unter dem Einnß der Zentrumsfraktion ans einer gegen den Umsturz galanten Maßregel ein Gesetz zu werden droht, das die freiüthige Kritik von Staatscinrichtungen und gesellschaftlich Zu- ständen, das die Lehr- und Redefreiheit in reliösen, philosophischen, überhaupt wissenschaftlichen Fragen ei ngen oder unterdrücken soll.— Die Leipziger Resolution lautet: Mit wachsender Besorgniß sehen viele patriot'che Männer der Entwickelmig zu, welche die Berathung der gen. Umsturzvorlage im Reichslage nimmt. Rief schon der Entwurf dieses Gesetzes ernstere- denken wach, so sind diese erheblich vermehrt worden trch die Beschlüsse der Reichstags-Kommission.\ In den Händen der Kommission und namentlich unterem Einflnffe der Zentrnmsparlei droht aus einer gegen!en „Umsturz" geplanien Maßregel ein Gesetz zu werden, das ie sreimüthige Kritik von Staatseinrichtun�n und gesellschaftlichen Zuständen, das ie Lehr- und Redefreiheit in religiösen, phil. sophischen, überhaupt wissenschaftlichen Fr, gen einengen oder unterdrücken soll. Die Ret, der Abgeordnelen v. Stumm, Gröber, Rintelen u. a. lassen üt diese. Absichten der Mehrbeitsparteien keinen Zweifel. Mit der W i s s e n s ch a s l sieht sich der B u ch h a n d durch die dehnbare»» der juristischen DeutungSkun den weitesten Spielraum dielenden Bestimmungen bedrcht Wenn jetzt bereits Scher. 5tvrrcltoren, Mnschinennieister und Zeitungsträger nls„Mulhälcr" an Preßvergehen bestraft werden konnten, so werden Verurtheilungen von Ver- lags- und Sortiments- Buchhändlern nebst ihrem Personal wegen Verbreitung strafbarer Schriften oder wegen Bei- Hilfe daran künstig nicht fehlen. Solche Bestrafungen zu vermeiden, wird auch dem Vorsichtigen schirer werden, denn bei der Unklarheit und Dehnbarkeit der B e st i m m u n g e n wird eine allgemeine Unsicherheit eintreten über das. was erlaubt und was unerlaubt sei. Verniuihlich werden i» gleichartigen Fällen sich gegenseitig widersprechende Urtheile gefällt werden. Die Unterzeichneten halten es daher für nothwendig, daß Angehörige des Gelehrtenstandes und des Buchhandels Stellung zu diesem Gang der Dinge im Reichstage nehmen. Tie»Leipziger Volkszeitung" bemerkt zu dieser famosen Er- klärnng: Wir freuen uns. daß die Herren, denen die gesetzliche und »gesetzliche" Verfolgung der sozialdemokratischen Bestrebungen innige Zufriedenheit bereitete, nunmehr, da auch ihnen das Ge- bratenwerden droht, der Temperatur des Feuers eine passende Würdigung entgegenbringen. Die„Freiheil der Wissenschast" ist nämlich dann bedroht, wenn die Sicherheil der Professoren und die Geschäfte der Buchhändler in Gefahr kommen. Zum Falle Becker erfährt das Saatfelder„Volksblatt". daß unser Genosse vom Provinzialgefängniß in Mainz»ach dem Zellengefängniß Butzbach überführt worden ist. um die ihm zu- diktirte Gesängnißstraf«(3 Jahre) in Einzelhast zu verbüßen. Begründet wird die Maßregel damit, daß„der Strafgefangene Becker die mit ihm zusammenliegenden Gefangenen nicht mit der bestehenden Gefängnißordnung(!) unzufrieden mache!" Es genügt also nicht das höchste Strafmaß von drei Jahren. fondern unser armer Genosse muß auch noch seine Strafe in gcistlödtender Einzelhast verbringen. Denn es ist kaum an- zunehmen, daß dem Genosse» Becker entsprechende Lektüre gewährt wird.— Neber die Erweiternug der Rechte bou Fachvereinen zc. scheinen die Ansichten in den oberen Regionen noch nicht ganz geklärt zu sein. Wie der„Franks. Ztg." gemeldet wird, soll über den Vorschlag des Handele Ministers Frhrn. v. Berlepsch ans Erweiterung der Siechte der Berufsvereine vorerst»och keine Entscheidung herbeigeführt werden. Dem„Hannov. Courier" wird dagegen aus Berlin berichtet: Gutem Vernehmen nach hat in der Frage der Schaffung von Arbeitervertretungeu der Minister v. Berlepsch über den Minister v. Kölker den Sieg davon- getragen.— Nach den sonstigen„Erfolgen" des Herrn v. Köller zu sckließen, erscheint uns diese letzter« Nachricht allerdings noch sehr der Bestätigung zu bedürfen. Wozu die Arbeiter gut si»»d. Recht interessant ist die»achstehende Verfügung, die von den Erfindungen handelt, welche durch in den M i l i t ä r w e r k st ä t t e n beschäftigte Arbeiter gemacht werden. Diese neu erlassenen Bestimmungen lauten: „Der Arbeiter ist verpflichtet, auf Verbesserungen und Erfindungen, die den besonderen Zwecken der Institute oder ihrer Arbeit förderlich sein können, bedacht zu sein und solche Vorschläge der Direktion durch ihre Vorgesetzten vorzulegen. Alle Erfindungen, die von Arbeitern in Erfüllung ihrer dienst- lichen Pflichten gemacht werden, fallen dem Reichs-Militärfiskus zu. Das gilt auch von Gebrauchsmuster». Wird von einem Arbeiter die Nachsuchuug eines Patentes beabsichtigt, so hat er der Direktion durch seine Vorgesetzten Anzeige davon zu machen, und die Erklärung der Direktion darüber abzu- warten, ob im Interesse der Militärverwallung Einspruch da- gegen erhoben wird. Sobald die Erfindung eines Arbeiters oder eines andern Angestellten von der Militärverwaltung für nutzbringend erkannt und verwendet wird, so erhält der Erfinder «ine angemessene Prämie in baarem Gelde." Diese Verfügung ist namentlich dann interessant, wenn man sie mit der vor wenig Tagen bekannt gewordenen zusammenhält, nach der alle sozialistisch gesinnnten Arbeiter aus den Dtilitär-Werkstätten ohne weiteres zu entlassen sind. Also keine Rechte— nicht einmal das Recht, eine Gesinnung zn haben—, aber Pflichten haben die Arbeiter in den Wiilitär-Werkstätten. Daß sehr viele Erfindungen, die Erfindung von Verbesserungen fast ausschließlich, von Arbeitern gemacht werden, ist ja bekannt. Daß aber zur Ausnutzung dieser Erfindungen nicht der Erfinder, sondern der Unternehmer, bei dem der Arbeiter gerade angestellt ist, hier also die Militärverwaltung, berechtigt ist, das ist neu! Wie nun, wenn es dem Arbeiter durch eigene Aus- Nutzung seiner Erfindung möglich wäre, eine» höheren Gewinn zu erzielen, als ihm die nach dem Ermessen der Militärverwaltung gewährte„angemessene Prämie" bietet?— Wer dem Arbeiter gegenüber so wenig Verpflich- tnngen anerkennt, ihn auch seines politischen Rechts einer eigenen Anficht beraubt, der sollte doch auch dem Arbeiter nicht kontraktlich solche Pflichten auferlegen. Wenigstens sollte dies nicht in einem„Musterbetriebe" geschehen. Ein Bismatckdeukmal aus geflickte» Tchienen? Die Zeitungen melden: „Die Sladt Bochum will ihrem Ehrenbürger Fürst Bismarck »in Denkmal setzen. 30 OVO M. siud dafür schon gezeichnet." Ob wohl Herr Baare, der, wenn wir uns nicht irren, gleichfalls Ehrenbürger der Stadt Bochum ist, geflickte Schienen zum Dcnkmalguß liefern wird, berichtet man leider nicht. Der guten Stadt Bochum wäre das Bismarck- denkmal gegossen aus echten Baare'schcn geflickten Schienen jedenfalls würdig.- Die Umstnrzbekämpfer sind auch in Oesterreich rüstig an der Arbeit. Das neue österreichische Sirafgesey, das im Reichs- rathe beraihen wird, enthält eine lange Reihe von Bestimmungen. deren einziger Zweck die Knebelung der freien Meinungsäußerung im allgemeine» und der Sozialdemokratie im speziellen ist. Heule wird über die Debatten folgendes telegraphirt: In der fortgesetzten Berathung über den Strafgesetz- Entwurf begründete Abgeordneter Schorn seinen Antrag, nach welchem nur Schmähungen gegen gesetzlich anerkannte Kirchen oder Religionsgcnossenschaften strafbar sein sollen, mit dem Hinweis auf den wichtigen Unterschied zwischen gesetzlich anerkannten und blos tolerirten Genossenschaften und begründete dann den Antrag auf Restitution der Regierungsvorlage betr. di» geheimen Verbindungen und Bestrebungen aus Umsturz der Institutionen der Ehe, der Familie und des Eigenlhums. Wenn der Ausschuß die Bestimmungen über geheime Verbindungen beseitige, so werde der Freimanrerei Thür und Thor geöffnet; dieselbe sei das Prototyp einer staatsgefährlichcn geheime» Ver- bmdung. Tie Militürmihhandlungen sind nicht eine „deutsche Eigenthümlichkcit", sondern ein Produkt des Aiilita rismus und folgerecht kommen sie überall vor, wo der Militarismus herrscht. Es ist deshalb nicht ver- wunderlich— wenn auch ein interessantes Zusammen- treffen—, daß die Frage der Soldatenmißhandlungen im jetzigen Augenblick zwei europäische Parlamente gleichzeitig beschäftigt,— die sonst wenig mit einander gemein haben: das französische und das d e u t s ch e. In Frankreich find es die, ans dm Brief unseres Genossen Gallus be- kannten Vorkonimnisse in Tijon, Nancy u. s. w.— in Deutschland ist es die alte Liste, die wiederum eine starke Bereicherung erfahren hat. Ter französische Kriegs- minister zeigt sich den Beschwerden zugänglicher als der deutsche— das liegt aber darin, daß er vom Parlament abhängig ist rmd daß in Frankreich die öffentliche Meinung mehr Macht hat. Im wesentlichen steht die Sache jenseits der Vogesen genau ebenso, wie diesseits— die Soldatenmißhandlungen liegen im S y st e m des Militarismus, d. h. in dem System der militärischen Hierarchie, welches den Vorgesetzten ungeheuere Rechte giebt und von den Untergebenen blinden Gehorsam heischt. Und wenn der preußische Kricgsminister von der Disziplin in der Armee die allmälige Beseitigung der Soldatenmißhandlungcn erwartet, so sucht er die Hilfe gerade da, wo tharsächlich die Quelle des Uebels ist— nämlich in der dein Militarismus eigenen Disziplin des blinden Gehorsams.— Ffüv die Feier des 18. März und des I.Mai werden von den französischen Genossen bereits in Paris sowohl wie in der Provinz Vorbereitungen getroffen, um diese zwei internationalen Gedenk« und Festtage des Proletariats würdig zu begehen.— Soeben lesen wir, daß die„Kölnische Zeitung" folgen« den Unsinn kolportirt: Einige Pariser Blätter sprechen von einer zwischen deutschen und französischen Sozialisten ge- tröffe nen Vereinbarung über die allgemeine Arbeiterkundgebung, die am 1. Mai stattfinden soll. Briefe und Schriftstücke von deutschen Sozia- listen sollen in Paris aufgefangen worden sein. Hu! Hn! Das klingt ja ganz umsturzgesetzretterisch! Briefe und Schriftstücke von deutschen Sozialisten in Paris „aufgefangen"! Wie gefährlich das klingt. Und eine Ver- einbarung zwischen deutscheu und fwruzösischen Sozialisten. Riecht das nicht nach Landcsverrath? Daß an der ganzen Jagdgeschichte kein wahres Wort ist, brauchen wir nicht erst zn versichern. Eine„Ver- einbarung" bezüglich des 1. Mai braucht nicht erst getroffen zu werden sie besteht seit dem Juli 1889, also seit bereits sechst halb Jahren, wo der internationale Kongreß zu Paris die Maifeier einstimmig beschloß.— Die Sozialisten und das belgische Gemeinde- Wahlrecht. Aus Brüssel wird telegraphirt: Tie Blätter veröffentlichen den Text der Regierungsvorlage, betreffend daS Gemeinde-Wahlgesetz. Bei dieser Gelegenheit er- läßt das sozialistische Blatt„Peuple" einen Aufruf an die Arbeiterpartei, in welchem zum offenen Widerstand aufgefordert wird.— Der Papst und die soziale ftfrage. Der Papst hatte vor einigen Jahren eine Encyklika über die Arbeiterfrage veröffentlicht, deren sozialpolitische Ansichten weniger reaktionär waren, als man sie sonst aus derartigen Kreisen zu hören gewohnt ist, und aus die sich nun ein Theil der niederen katholischen Geistlichkeit in Frankreich und Belgien stützte, um im Sinne eines gewissen katholischen Sozialismus(ähnlich unserer evangelisch- sozialen Bewegung) thätig zu sein. Dieses paßte aber natürlich den Kapitalisten und den mit diesen die gleichen Interessen vertretenden und in enger gesellschaftlicher Be- ziehung stehenden hohen Geistlichkeit nicht in den Kram. So kam es denn verschiedentlich zu Reibungen zwischen der hohen und der niederen Geistlichkeit. Und dies ging soweit, daß sich gegenwärtig im Auftrage des belgischen Episkopats der Kardinal-Erzbtschof von Mecheln in Rom befindet, um dem Papste eine Be« schwerde über die zunehmende Unbotmäßigkeit des niederen,„sozialistisch" gesinnten Klerus zu überreichen. Ter Kardinal-Erzbischof sprach das Verlangen nach rascher Abhilfe aus. Bis jetzt fehlt aber noch der Beschluß des Papstes in dieser Sache. Zu derselben Angelegenheit werden der Wiener„Po- litischen Korrespondenz" aus Rom die folgenden Mit« theilungen gemacht: „Die schon vor einiger Zeit angekündigte Publikation eines päpstlichen Schreibens an den belgischen Episkopat, welches im Hinblick auf die verschiedenartigen Auslegungen der Encyklika „Do conditione opificium" neuerlich die soziale Frage behandeln soll, wird demnächst erscheinen. Man versichert, daß das Schreiben, welches an den Bischof von Lüttich gerichtet sein wird, den Tadel des Papstes bezüglich des leidenschast- lichen Auftretens und der Anöschreitlingen der christlich- demokratischen Partei in Belgien ausdrücken werde. Der gegen- wärtige Ausenlhalt des Erzbischofs von Mecheln, Kardinal Grossens, in Rom steht mit dieser Angelegenheit in Znsammen- hang. Der Kundgebung des Papstes wird in den kirchlichen Kreisen Belgiens und Frankreichs mit großer Spannung enlgegengesehen. Von durchaus verläßlicher Seite wird mit- gelheilt, daß mehrere französische und belgische B i s ch ö s e dem Vatikan Berichte zugehe» ließen, in welchen sie sich über das leidenschastliche und disziplinlose Gebahren der Christ« lich-Demokraten beklagen und ihrem Bedauern darüber Autdruck geben, daß dieser Partei Ermuthigunge» allerdings nicht direkt seitens des Papstes, jedoch seitens des Kardinals- Staatssekretärs zu theil geivorden sind, welch' letzterer keine Gelegenheit versäume, um die Christlich- Demokralen zu be- günstigen. Ter Papst bat übrigens bereils anläßlich des Empfanges des Bischofs von Nancy seiner lebhaften Mißbilligung des antihierarchischen Vorgehens und der revolutionäre» Tendenzen der christlich- demokratischen Partei ausgesprochen." Bei dem großen Einfluß, den die Aeußernngen des Papstes auch gegenwärtig noch in weiten katholischen Volkskreise» ausüben, wird es nicht ohne Interesse sein, zn erfahren, ob auch der Papst dem internationalen Kapital seine Reverenz machen oder ob er die niedere Geistlichkeit mit ihrer „christlich-deinokratischeil" Bewegung gegenüber den Bischöfen und Kardinälen schützen wird.— Wahrscheinlich wird er das erstcre wählen und seinen Frieden mit der hohen Geist- lichkeit und— dem Kapital machen. Der„gegründete"„Tecolo". Von einem genauen Kenner der Berhälluisse des„S.-colo" wird uns zu der gestrigen Notiz über die Verwandlung dieses Blattes in eine Alliengesellschajt geschrieben: „An Ihrer Notiz ist wohl richtig, daß Crispi kein größeres Interesse haben könnt«, als den„Eecolo", dieses einflußreiche und vcrbreiletste Blait Italiens, in seine Abhängigkeit zu bringen, aber dies ist ihm nicht gelungen. Bei der Gründung des„Secolo" hat sich der bisherige Verleger Sonzoguo mehr als die Halste der Aktien vorbehalten. Durch Art. 13 des Gesellschaftsvertrages wurde ausdrücklich be- stimmt, daß der„Secolo" von seiner bisherigen Haliuug absolut nicht abweichen dürfe. Vorsitzender des Verwaltungsrathes ist Ed. Sonzogno, außerdem bilden denselben der Senator Sonseverino Umercati, die Abgeordnelen Musst und Pavia, Guaslalla, der Verleger Ulrico Hoepli und der Ingenieur Eilvestri. Wie El« somit sehen, ist kein Anhänger Criöpi's im Terwaltungsraihe. Weil- Schott' hat die Gründung des„Secolo" rein als Geschäft betrieben, er ist kein Politiker und macht Geld mit und gegen Crispi. Er bat übrigens in der Leitung der Gesellschaft keine einflußreiche Stelle, auch sind blos wenige Aklien in seinem Besitze."— Costa's Freisprechung. Ans Bologna schreibt man uns unterm 28. Februar: Nach einer energischen Erklärung des Abgeordneten Genossen Costa und den glänzenden VertheidignugS- reden der Anwälte Venturini und Eoltardi sprach die hiesige Straskainmer heute Andrea Costa und den verantwortlichen Redakleur des in Jmola erscheinenden Blattes„Moto", die beide wegen eines Prcßvergehens unter Anklage standen, kostenlos frei Auf grund des italienischen Anarchistengcsctzes wurde nach einer Meldung des„Verl. Tagebl." der Millionär P e d r e t t i aus Bergamo nach einer Strafkolonie verschickt. Rußland. Das„Wolff'sche Telegraphen-Bureau" ver- breitet folgende Depesche: Petersburg, S. März. Der„Regierungsbote" theilt mit: Ter Justizminister lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Ver- hältnisse, uuier ivelchcn O l g a P a l e m, die der Ermordung des Studenten D o w n a r in der Nacht zum 19. Februar a n« geklagt war, in einer unter Zuziehung von Geschworenen abgehaltenen Verhandlung des Petersburger Bezirksgerichtes freigesprochen wurde, obgleich die Thatsache des schweren Verbrechens vorlag. Der Minister beauftragte den Proknrator. gegen das Urtheil Kaffalionsprotest beim Senate anzumelden, an den die Angelegenheit demnächst zur Revision gelangt. Die Nachricht ist sehr geheimnißvoll und dunkel. Von der Ermordung eines Studenten Downar hatten wir gar- nichts gehört. Die Meldung erinnert an Vera S.a s s u l i t s ch, die 1878 den Polizeichef Trepow nieder- schoß— aber nicht tödtete---- und von den Geschworenen freigesprochen ward. War der Student Doivnar etwa ein Polizeispitzel?— Zur Rebellion ans der spanische» Insel Cuba wird heute aus Madrid berichtet, daß die zur Ablösung nach Cuba bestimmten 3500 Mann Soldaten sich in Cadix eingeschifft haben. Ferner werden acht neue Bataillone ausgerüstet und, wenn es nöthig fein sollte, werden noch fünf andere nach Cuba gesandt.— Natürlich wird zn dieser letztenNachricht spanisch-offiziös in dieWelt telegraphirt, daß dieser Beschluß, acht Bataillone nach Cuba zu senden, nicht ans dem Grunde erfolgt sei, weil eine g e f a h r» drohende Sievolution eine solche Macht erfordert, sondern um die Unruhen im Keime zu ersticken.— Es wird sich ja bald zeigen, ob dies letztere der spanischen Regierung gelingen wird, oder ob es sich doch um eine— für die spanische Re- gicrung vielleicht sehr gefahrdrohende—„Revolution" handelt. Ferner sind folgende Depeschen eingelaufen: Madrid, S. März. Das Freiwilligen- Korps auf Cuba hat dem Generalgouverneur seine Mithilfe zur Bekämpfung der Ausständischen auf Cuba angeboten. Der Gesandte der Ver- einigten Staaten stattete dem Ministerpräsidenten Sagasta einen Besuch ab und bot demselben die bedingungslose Unterstützung seiner Regierung in betreff des Aufstandes auf Cuba an. T a m p a(Florida), 5. März. Nach einer Meldung aus Cuba ist General Lachambre, Gouverneur des östlichen Dcparte- ments der Insel Cuba, den Wunden, welche er in dem Gefechte mit den Aufständischen in der Nähe von Guantanamo erhalten hatte, erlegen. Zum japanisch-chinesischen Krieg liegt heute die folgende Mitthcilung vor: Iokohama, ö. März. Die in Wcihaiwei eroberten chinesischen Kriegsschiffe sind hier angekommen; auch die Aussichten auf Hebung der in Wcihaiwei zum Sinken ge- brachten Schiffe sind günstig. Die Japaner haben Schantung und Weihaiwei nach Zerstörung der Forts verlassen. Vsrlomsnksbeviöhke. Deutscher Reichstag. (Schluß aus der ersten Beilage.) Abg. v. Marquardsen(natl.) tritt ebenfalls für eine Reform der Militär-Strasprozeßordnuug ein. Es werde nichts verlangt, was die Armee nicht gewähren kann. Die langjährigen Er- fahrungen, welche in Bayern gemacht sind mit der Oeffcntlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens auch im Militärgericht beweisen, daß die Armee dabei bestehen kann. Abg. Bebel(Soz.): Es ist eine Thatsache, daß Soldaten, die die Beschwerde unterlassen halten, dafür bestraft worden sind. Eine Veschwerdcpflicht scheint also bestanden zu haben. Auf jeder Stube hat sich bis jetzt nicht immer eine Beschwerde- Ordnung vorgefunden; die Soldaten mußten sich ein Exemplar meist erst von einem Vorgesetzten borgen. Den Soldaten war auch verboten, sich bei dritten Personen Rath zu holen. Zwischen dem Kriegsminister und mir wird eine Verständigung schwer sein. das beruht auf unseren ganz verschiedenen Lebens- anschauungen; aber der Kriegsminister hat meine einzelnen An- führmigen nicht widerlegt. Ich habe zugegeben, daß die Vor- gesetzten bestrebt gewesen sind, die Mißhandlungen zu beseitigen, aber ich habe auch nachgewiesen, daß es nicht möglich war, die Mißhandlungen in merkbarer Weise einzuschränken. Der Kriegs- minister hat mir eine gewiffe Leichtgläubigkeit vorgeworfen. Ich habe seit sechs Sessionen solche Einzelfälle vorgebracht und nur in zwei Fällen sind mir erhebliche Unrichtigkeiten nach- gewiesen worden. Daß sich Dreijährig» Freiwillige zahlreich melden, ist kein Beweis dagegen, daß die Ausgehoben«« zum größten Theil nur mit Widerwillen dienen. Zur Zeit schlechter Erwerbsverhältnisse melden sich immer sehr viel mehr Personen zun, freiwilligen Dienst, als in guten Zeiten. Ueber Mangel a» Kapitulanten wurde geklagt zur Zeit der glänzenden »virthschaftlichcn Verhältnisse Deutschlands. Gcneralauditeur Ittenbach: Daß Bestrafungen wegen Nichteinreichung einer Beschwerde erfolgt seien, kann ich nicht glauben; Herr Bebel ist vielleicht auch da zu leichtgläubig gewesen; denn in der Beschwerde-Ordnung findet sich keine Strafe für einen solchen Fall. Die Rekruten werden in der Jnstruklion ausmerksam gemacht aus das Beschwerderecht und auf den Beschwerdeweg. Für unwahre Anzeigen ist in der Be- schwerde-Orduung keine Strafe festgesetzt; die Beschwerde-Ordnung verweist nur aus die betreffenden Bestimmungen des Strafgesetz- buches; sie konnte hieran nicht? ändern. Die Soldatenmißhand- lungen nehmen in qualitativer Beziehung ab; das ist auch schon ein großer Fortschritt, wenn die groben Mißhandlungen iinnicr mehr verschwinden. Herr Bebel hat der niilden Bestrafung wegen eines Duells eine harte Bestrafung eines Gemeinen gegenüber gestellt. Dieser Soldat war schon vor seinem Eintritt in die Armee mehrfach bestrast worden. Zu einem Dienst trat er mit der Zigarre im Munde an; er weigerte sich, die Zigarre aus dem Munde zu nehmen. Der Unterosfizier bewirkte auf drastische Weise, daß dies geschah. Er wurde deswegen mit drei Tagen Arrest bestraft. Der Mann spielte sich als Agitator auf; er sprach davon, daß jeder Mann nur«in paar Pfennige Geld erhalte, während das Ucbrige verwendet werde zu allen mög- lichen Ausgaben, auch dazu, daß die Offiziere in ihren Kasinos Feste feiern.(Hört! rechts.) In solchen Dingen verstehen die Militärbehörden keinen Spaß und gehen mit energischen Strafen vor. Haben sie darin nicht vollständig recht? Ob der Bestraste es später einmal unter seiner Würde findet, die Gnade anzurufen, muß ich dahingestellt sein lassen. Generalmajor v. Gemming: Daß die Zahl der Bestraften allgemein infolge der zweijährigen Dienstzeit zurückgegangen sei, ist nicht richtig. Ich habe nur von der Strafabtheilung beim Gardekorps gesprochen. Abg. v. Kardvrff(Np.): Sehr viel ist bei der Debatte nicht hcrausgekomnicn. Soldateniiiißhandlungen kommen schließlich onch in der Schweiz vor. Daß bei einem so großen Körper von bcv(XX> Mann wie die deutsche Armee mich Menschlichkeiten vorkomme», ist selbstverständlich. Das Bestrebe» ist vorhanden, nach Möglichkeit alle Uebelstände zn beseitigen. Herr Bebel hat auch behauptet, daß die Leute sehr ungern dienen. Wenn jemand seine Persönliche Freiheit zwei Jahre hindurch so beschränkt wird, wie beim Militär, wenn jemand im Dieusle angespannt wird, wie es bei der zweijährigen Dienstzeit nolhwcndig ist, so ist es ziemlich selbstverständlich, daß man den Miliiärrock wieder auszieht. Aber die Leute, die zurückkommen vom Dienst. sind immer noch stolz, in dem und dem Regiment gedient zu haben nnd rechnen sich das zur Ehre. Abg. Graf Roo»(dk.): Ich wollte mich in demselben Sinne aussprechen. Man kann doch nicht verlangen, daß alle Unter osfiziere milde wohlwollende Musterknaben sind. Sind denn sonst überall die jungen Leute Musterknaben? Wozu dienen die Reden, die alljährlich wiederholt werden? doch nur dazu, au diesem Wege die Disziplin der Armee zu untergrabe». Diese Versuche können uns aber nicht imponircn.(Zustimmung rechts.) Bebel: Es ist sehr leicht, die Unzufriedenheit von der Armee fern zu halten. Sie brauchen nur dafür zu sorgen, daß keine Ver- anlassung zurBeschwerde vorhanden ist. I» den Erlassen aber ist nicht von emer Abnahme, sondern von einer Zunahme der Mißhandlungen die Rede. Gras Roon mag ein sehr humaner und liebens- würdiger Vorgesetzter gewesen sein; nur dadurch wird aber das nicht widerlegt, was wir vorgebracht haben. Herr v. Kardorf � sprach von den Mißhandlungen in der Schweiz. Der Unterschied besteht nur darin, daß keine deutsche Zeitung Nachrichten über solche Mißhandlungen zu bringen wagt, weil sie zum Beweise der Wahrheit in bezng aus alle Einzelheiten gezwungen werden kann. In der Schweiz steht man in der Beziehung freier da. Herr General v. Gemming hat meine Mittheilungen über Abnahme der Bestrasten infolge der zweijährigen Dienstzeit nur bestätigt. Der Generalauditcur behauptete, ich hätte wieder mal etwas behauptet, was ich nicht beweisen könnte. Ich habe nicht behauptet, daß eine gerichtliche Verurlheilung wegen unterlassener Beschwerde erfolgt sei, sondern ich habe nur eine Bestrafung be- hauptet. Sie ist disziplinarisch erfolgt. Der vom Generalandrteur angeführte Fall von dem Soldaten, der allerdings Dumm- heiten gemacht hat, beweist nichts gegen mich. Ich habe den Fall angeführt wegen der harten Bestrafung; das Gericht hatte ihn zu ö Monaten verurtheilt; der Gerichtsherr hat das Urtheil ver- warfen, nnd es ist eine Bestrafung mit 3 Jahren erfolgt, und dem gegenüber die leichte Strafe für das Duell, welches den Tod eines Menschen zur Folge hatte! Abg. v. Kardorff: Wenn der Abg. Bebel selbst zugiebt, daß die Mißhandlungen qualitativ milder geworden sein, so hätte er angesichts des kaiserlichen Erlasses zur Verhütung derselben sich selbst sagen solle», daß es nicht nölhig war, den Reichstag zwei Tage mit diesen Dingen zu behelligen.(Zu stimmung rechts.) Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Liebknecht: Der Zuruf, der gestern bei der Darstellung des Hamburger Falles seitens des Abg. Bebel erfolgte, ist von mir ausgegangen. Ich würde es für eine große Feigheit halten, wenn ich das hier nicht offen erklärte, und wenn ich nicht weiter erklärte, daß ich glaube, mich dabei in Uebereinstimmung mit dem ganzen gebildeten Deutschland zu befinden. Präsident v. Levetzow: Herr Abg. Liebknecht! aber nicht mit der Ordnung dieses Hauses.(Zustimmung rechts.) Das Kapitel wird genehmigt; ebenso ohne Debatte das Kapitel Höhere Truppen- Befehlshaber, bei welchem nach Antrag der Budgelkommission der Betrag für Bureau- beihilfe für die Gcneralkommandantur von 21912 auf I3S00M. herabgesetzt wird. Beim Kapitel: Gouverneure, Kommandanten und Platz majore beantragt die Bndgetkommission den Wegfall der Komma» dantur in Altona und den zukünftigen Wegsall der Kommandan- turen in Frankfurt am Main und Rastatt. Kriegsminister Bronsart v. Schcllciidorff: Durch den Be schluß bezüglich der Kommandantur in Altona ist die Militär Verwaltung in große Schwierigkeiten geralhen, da der Posten durch das Entlossungsgesuch des letzten Inhabers frei wurde und der Reichsfchatzsekrelär nur sehr verklausulirt die Weiterzahlung des Gehalts bis zum I. April bewilligte. Man hat das eine» Schlag gegen das Etats- recht des Hauses bezeichnet. Dazu ist die Summe viel zu klein.(Heiterkeit.) Für 7vvt> M. thne ich daS nicht.(Große Heiterkeit.) Ich bitte Sie also, bewilligen Sie den Posten, den wir nicht entbehre» können, und fassen Sie die Sache nicht so scharf auf. ivie die Budgetkommijsion. Abg. Schädler(Z.): Hoffentlich wird der Krieg minister auch bei größeren Sun, in en das Etats- recht des Reichstages nicht verletzen. Ei» Fehler war es, daß der Kriegsminister nicht von vornherein offen erklärte, daß die Stelle schon wieder besetzt sei. Eine mala üäös(böser Wille) liegt nicht vor, das wird wohl allseitig anerkannt. Nach de» Ausführungen des Kriegs Ministers möchte ich nicht gleich die Bewilligung beantragen, sondern die Zurückverweisung der Sache betreffend Altona an die Budgetkommission. Abg. Enneccerus(ntl.) schließt sich diesem Antrage an, der auch von dem Hause angenommen wird. Im übrigen wird das Kapitel nach den Anträgen der Budgetkonimission bc willigt. Gegen öVs Uhr wird die Berathung vertagt. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Anträge wegen der Einwanderung aus- ländischer Juden.) Vavlmuenkavisrlles. Die Kommission znr Berathung der GetverbeorduungS- Novelle(Wandergewerbe«.) hielt am Dienstag eine Sitzung ab. Der Besprechung unterliegt zunächst der tz 3S, dem eine neue Bestimmung eingefügt werden soll. Tie besagt, daß nach drei Jahren die Ausübung des Gewerbebetriebes, wenn es aus grund tz 3S Absatz 1 untersagt ist, wiederum aufgenommen werden kann. Diese Bestimmung wird dahin geändert, daß der Zeilraum nach einem Antrag des Abgeordneten Schneider auf ein Jahr herabgesetzt wird. Die Debatte wendet sich nunmehr zu dem§ 42b im Anschluß mit§ 42 der Zentrumsanträge zu. Die Regierungsvorlage will den Hausir- Handel der am Orte Ansässige» von einer Erlanbniß abhängig machen, die unter bestimmten Voraussetzungen zu versagen ist Eine Anwendung dieser Bestimmung konnte bisher nur aus Beschluß der Gemeindevertretung eintreten. Jetzt soll die Ver- waltungsbehörde eigenmächtig diese Anwendung des Paragraphen verfügen. Der Zentrumsantrag bezweckt, für diese Kategorie der Hausirer die gesammten Bestimmungen über das Wandergewerbe im Titel 3 der Gewerbe-Ordnung in Anwendung zu bringen. Die Anträge, die hierzu gestellt worden, bedeuten eine nur unwesentliche Aenderung der Regierungsvorlage. Abg. Hitze(Z.) wünscht, daß die Hausirer, die ihrem Gewerbebetrieb nur an ihrem Wohnort nachgehen, auch unter die Bestimmungen des Wandergewerbes fallen. Man habe es hier sehr oft mit Leuten zu thun, die, weil sie nicht Lust zur Arbeit haben, sich auf diese Weise einem leichten Lebenserwerb, dem Hausirhandel zuwenden. Man begünstigt auf diese Art geradezu das Vagabundenthum. Man müsse dem stehenden Gewerbebetrieb diese unlautere Konkurrenz fernhalten und den Konsumenten schützen vor den aufdringlichen und schwindelhasten Anpreisungen der Hausirer. v. Land mann, bayerischer Bevollmächtigter: Die bayerische Regierung habe einen ähnlichen Antrag im Bundes- rath gestellt, wie er im Antrag der Zentrumspartei enthalten ist. Man habe auch einen Unterschied zwischen den Orts- Angesessenen und den Wandergewcrbtreibenden nicht macben wollen. Er könne erklären, daß heute noch seine Re- gierung den Standpunkt vertrete, und er ermächtigt ist, dies ausdrücklich zu konstaliren. Dr. Pachnicke(sreis.) wendet sich gegen die vorliegenden Anträge und weist auf die Petition hin. die von der Gemeinde- Verwaltung in Berlin gegen diesen Paragraphen eingereicht ist. Krüger(natl.) erklärt sich sür die Regierungsvorlage, und will, daß die Ertheilung der Erlaubniß ähnlich wie beim Wandergewerbe denjenigen'Personen vorenthalten wird, die noch nicht das 25. Lebensjahr erreicht haben. Schneider(ireis.) weist darauf hin, daß gerade, weil bisher die Gemeinden keine Anwendung von§ 42 b gemacht haben, der Beweis geliefert ist, daß kein Bedürsniß nach der Richtung vorhanden war. Die Gemeindebehörde wird man doch aber zunächst als diejenige bezeichnen nn'isse, die über die An- forderungen der Bevölkerung innerhalb ihres Bezirk orientirt ist. Um so sonderbarer ist es, wenn jetzt der Verwaltungsbehörde diese Befuguiß ertheilt werden soll. Abg. Hitze bemerkt hierauf, daß die liberale Stadt- Verwaltung in den großen Städten von ihrem politischen Ge- nchtspunkl aus gegen eine solche Aenderung ist, weshalb auch fast garnicht von dieser im Z 42b enthaltenen Bestimmung Gebrauch gemacht wurde. Abg. R e i ß h a u s(Soz.): Er könne als kleiner Geschäftsmann aus eigener Erfahrung bekunden, daß die Hausirer den Gewerbetreibenden eine schwere Konkurrenz mache». Trotzdem liegt es ihm fern, den Hausirern eine so schwere Beschränkung aufzuerlegen, wie es hier geplant ist. Tie Konkurrenz der große» Magazine werde gerade durch diese Beschränkung des Hansirhandels bestärkt, denn diese sind in der Lage, ihre reich ausgestatteten Preis kourante in taufenden von Exemplaren an die Bevölkerung zur Versendung zu bringen. Ter kleine Gcwerblreibende ist oft ge- zwungcn, seine Waare durch Teiailreisende anzubieten. Tritt hier eine Erschwerung ein, so haben die großen Geschäfte den Vortbcil. Es wird sodann der Zeniru»..''antrag abgelehnt und die Regierungsvorlage mit einer unwesentlichen Aenderung ange- nommen._ pafkcmarficirfitcu. Das Ende des Branereiboykotts in B r a u n s ch w e i g dürste nahe bevorstehen. Zwischen der Boykottkommission und dem Verein der Brauereien wurde folgender Verlrag vor einem Notar abgeschlossen: Die Mitglieder der Boykottkommission werden in einer bis zum 9. d. M. einzuberufenden Bolls» Versammlung die Aushebung des bestehenden Boykotts befnrivorlcn. Die vereinigten Brauereien werden innerhalb acht Tagen nach einem die Sperre aufhebenden Beschlüsse der Volksversannnlung die noch in Braunschweig sich aufhaltenden, im Mai v. I. cnt- lafsenen 21 arbeilslosen Brauerei- Arbeiter in hiesigen Gcschäslen oder Fabriken oder Betrieben nnterbringen.— Die Entscheidung wird eine in den nächsten Tagen- stattfindende Versammlung treffe».'.* Tie Wahlagitation im Kreise Lennep-Mettmann ist, soweit unsere Partei in betracht kommt, in vollem Gange. Am letzten Conniage unternahmen 130 Elberselder Ge- »offen in drei Abthcilungen Agitationslouren ans das Land, versehen mit Flngschrisleu und sonstiger Lektüre. Die Ausnahme war überall eine gute. »» Zur Ncichstags- Nachwahl in Köln. Eiue Partei-Ver- sammlung in Köln stellte den Genossen Dr. L ü t g e n a u, Redakteur der„Rhein.-Wests. Arb.-Ztg." in Dortmund, als Kandidatin sür den Kölner Wahlkreis ans. *• Gelogen wie telcgraphirt möchte man angcsichts einer Hcrold-Tcpesche ausrufen, welche soeben die Runde durch die kapitalistische Presse Rheinlands und Westfalens gemacht hat. "! wurde dort von einem„hervorragenden sozialdemokratischen Agitator" G e p p c r t berichtet, der in Branbauerschaft bei Gelfenkirchen Frau und Kinder dnrch seine Brutalität in den Tod getrieben habe. Von unseren rheinisch-westfälischen Parteiblättern wird übereinstimmend berichtet, daß von einem Parteigenossen G e p p e r t ihnen nichts bekannt sei. Ter betreffende G e p p e r t, so heißt es in einer Zuschrift, die der Rhein. Zeitung" ans Essen zugebt, hat sich Mitte der 80er Jahre in dos Vertrauen der Essener Genossen einschleichen wollen. Aber dnrch sein widerwärtiges Benehme» vereitelte der Mensch seine Bemühungen. In Gelsenkirchen hat der- selbe eine zeitlang das Vertrauen der Bergleute(niemals der Sozial- demokratie) besessen, bis er 1887 als Betrüger erkannt wurde. Er wurde damals sogar tüchtig durchgebläut, wosür einer der Be- theiligten gerichtlich bestraft wurde. Bei der Behörde mag Gepperl wohl belannt sein, denn als er sich eine zeitlang ver- botene Zeitungen, z. B. den Züricher„Sozialdemokrat" und die„Freiheil" kommen ließ, wanderten diese Zeitungen von Gcppert direkt zur Polizei. Dke Gelsenkirchener Genossen haben dcnientsprechend dem Mensche» sehr mißtraut, ihn sonst aber gar nicht beachtet. Also Geppert ist kein Sozial- demokrat, geschweige denn gar„hervorragender Agitator". Er ist ein durchaus nnwisfender, roher Bursche, dessen Genossenschaft wir entschieden zurück» eisen. Unser Gewährsmann kennt alle Genossen des Reviers, die einigermaßen hervortreten, persönlich; den Gcppert kennt er nicht. Ein Blatt behauptet sogar, G. habe in der Ausstandsbewcguiifl von 1889 eine Rolle espielt. Auch das ist nicht einmal wahr, wiewohl wir als -ozialdcmokraten mit dem Bergarbeiterstreik von 1889 nicht identifizirt werden können. Ein sonderbares Licht wirft es aber ans den„Helden des Ansstandes" von 1889, daß derselbe s i ch zuletzt in lohnender und leichter Stellung aus Zeche„Bismarck" befindet. Alle Bergleute, besonders die sozialdemolratischcn, welche irgend eine Rolle in dem großen Streik gespielt, haben bis jetzt keine Arbeit. Dieser G. aber ist der besondere Liebling der Be- a m t e n. Das läßt tief blicke»! Hoffentlich beeilt sich nun das Tepeschenbureau Herold, die von ihm verbreitete i n s a m e Er« s i n d u» g zu widemisen! Polizeiliches, Gerichtliches ee. — I» Sache» des B r e s l a n e r„General-Anzeigtts" gegen den frühere» Redalteur der Brcslauer„Volkswachl" stand am 1. März vor der Berufungsinstanz Termin an. Derselbe wurde indessen auf Antrag des R.-A. Marcus?. des Verlheidigers des Genossen Schebs, verlagt, weil er auf das Zeugniß des Thcaler- direklors Witte-Wild, der dringender Geschäfte wegen verreisen mußte und deshalb zum Termine nicht erscheinen konnte, nicht verzichten wollte. — WegenVergehensgegendasVereinsgesetz war der frühere Vorsitzende d'eS Hirschberg-Schöiluucr sozialdemokratischen Wahlvrreins, Genosse Kambach aus Cunnersdorf, vom Schöffen- gericht zn Schmiedeberg zu einer Geldstrafe von 15 M. verurtheilt worden, weil er in Arnsdorf und Schmiedeberg sozial- demokratische Vereiusversammlungen abgehalten haben sollte, ohne vorher, wie es das Gesetz vorschreibt, den dortigen Polizei- Verwaltungen Statuten und Mitgliederverzeichniß des Bererns vorgclcgt zu haben. K. hat gegen das Erkenntniß Bcrusnng eingelegt, die auch, nachdem behufs Ladung neuer Zeugen bereits ein zweiter Termin angesetzt war, Erfolg hatte. Das schöffengerichtliche Urtheil wurde von der Hirschberger Straskammer dem An- trage der kgl. Staatsanwaltschaft gemäß ausgehoben und K. frei- gesprochen. Nach der Beweisanfnohme konnte eine Veranstaltung von Bereinsversammlungen nicht angenommen werden, da weder in Schmiedeberg noch in Arnsdorf Zweigvcreine des sozialdcmo- kralischeii Wahlvereins bestehen. Die Versammlunge» waren als Volksversammlungen anzusehen. — In Mühlhausen(Thüringen) sollte am 25. Februar das Stistungsiest der Filiale des Teulschen Tabakarbeiler- Verbandes stattfinden. Das Fest wurde dadurch verhindert, daß der Wirth, der mit dem Vorsitzenden der Filiale zugleich zur Polizei geladen war, wahrscheinlich aus Furcht, seinen Saal zurückzog.— Einem Gesangverein wurde ebenfalls von der Mühlhausener Polizei die Auiführnng des Thcalcrstücks„Eine lustige Flugblattvertheilung" verboten. (Bcmevstslslnstlirsleji. Au die Schmiede! Unsere Benissgenossen machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß am Donnerstag, de» 7. März, abends 8'/, Uhr bei Gründe!, Brunnenstr. 188, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen stattfindet, in der Reichslags-Abgeordneler Wurm das Referat übernoinme» hat. Es wird um recht zahlreichen Besuch gebelen. Für die Maurer findet am 10. März, vormittags 9Vs Nbr. in Geik's Bierhaus, Swinemünderstr. 20, eine wichtige Bs- sprcchung statt. Wir ersuchen unsere Berufsgeuossen, die im Norden wohnen, recht zahlreich zu erscheinen. Achtung, Tabakarbeiter! Für die Mitglieder der Zentral-Kranken lasse der Tabakarbeiter findet heute Abend SVe Uhr eine gemeinschaftliche Milgliederversanim- lung beider Filialen bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44, statt und werden die Mitglieder mit dem Bemerken hierauf aufmerksam gemacht, daß in der Aerztefrage wichtige Aenderungen beabsichtigt werden, welche geeignet sind, das Interesse der Milglieder wach- zurufen.(Näheres im Inserat der heutigen Nummer.) Schmöllu, den 5. März, 5 Uhr.(Privattelegramm des„Vor wärt s".) Bis jetzt haben sich 8vv Knopsarbeiler dem Streik angeschlossen. Man halte Zuzug fern. Gegen 200 Arbeiter, die mit Aufräuniungsarbeitcn am Schloßgrabeu in B ü ck e b u r g(Fürstenthum Lippe) beschäftigt waren, legten vor einige» Tagen die Arbeit nieder. Die Aeltcren von ihnen verlangten einen Lohn von 1,80 M. täglich; ein Theil halte rückständige Lohnforderungen, auch klagte man über im- gerechtfertigte Abzüge von Ltrankenkassenbeiträgen. Durch die Vermittelimg des Herrn Landraihs von Hinüber wurde noch an demselben Tage der Streik wieder beigelegt, und zwar zu gimsten der Arbeiter. Nach der Ansicht des Herrn Landraths sind es natürlich„auswärtige Agitatoren" gewesen, die den Geist der Nebellion unter die Schauniburg-Lippe'schen Landeskinder gesäet hatten, denn er warnte die Arbeiter, sich von denselben aufhetzen zu lassen; er forderte sie auf, sobald sie Beschiverdegruud zn haben meinten, sich an ihn oder eine andere geeignete Person- lichkeil zu wenden. Ihr Siecht werde ihnen stets werden. Wers glaubt! Die Schmiede und Stellmacher Zürichs beschlossen in einer Persamnilung, an den Forderungen des letzten Jahres: zehnstündige Arbeitszeit, 40 Centimes Mininiallohn pöo Stunde nnd Freiheit in bezng auf Kost und Logis, festzuhalten und auch dieses Frühjahr in eine Lohnbewegung einzutrelen. Ter Streik der Schneider in Pilsen(Werlställe Maj) ist zu gunsten der Arbeiier beendet. Nun sind aber die Schneider der Firma Taucher ausständig. Ter Gießerstreik bei der Firma Koch in Zürich ist nach niehrwöchentlicher Dauer zn gunsten der Arbeiter beendigt worden. Sänimlliche noch Ausständige(16) mit Einschluß der Gemaßregelten haben die Arbeit wieder ansgenominen. Er- wähnenslverth ist, daß keiner der Streikenden abtrünnig ge- worden ist. Tie Steinmetzarbcitcr der Finna Linser in Innsbruck, 24 an der Zahl, wurden am I.März ausgesperrt. Die Ursache dieser Maßregel ivar: Die Gehilfen gingen am 25. Februar abends um 6 Uhr anstatt wie bisher um 7 Uhr nach Hanse, weil sie mit Rücksicht auf die minimalen Löhne nicht gewillt waren, noch länger 13 resp. 12 Stunden pro Tag zn frohnden. Deshalb fanden sie früh die Werkstäite gesperrt und erhielten ihre Arbeitsbücher. Um den Ausgesperrten zn ihrem Rechte zu verHelsen, ist der Zuzug von Steinmetzen nach I u n s- druck abzuhalten. Die Miiucheuer Bäcker— so läßt sich die„Volks-Ztg." von dort melden, haben beschlossen, sich dem„geplanten deutschen Gcncralstreil"(wo, von wein geplant? Red. d.„Vvrw.") nicht anzuschließen und zwar aus Zweckmäßigkeitsgründen. Drohender Grubenarbeiter- Streik in England. Die Kohleugruben-Besitzer von Snd-Walcs haben ihren 100 000 Ar- beitern gekündigt. Die!küttdigll»g tritt nach eiiicm Monat in kraft. Es ist dies geschehen, damit die Arbeilgeber sich von der gleitenden Lohnskala freimachen können. Die Arbeiter wünschten kürzlich eine Erhöhung von 1'/« pCl., allein die Grubenbesitzer lehnten diese Forderung ab. Setresdjen. Wolff's Telegraphen-Bureau. Tanzig, 5. März. Ii» Belriebsamls- Bezirk Danzig silid iiisolge emgetreleiicr Schneeverwehungen die Strecken Pranst, Starlhaiis, Hohenstein, Bereut, Marieuburg, Zisivalde gesperrt. Dauer der Sperrung unbestimmt. Trirst, 4. Marz. Heute begann die Gerichtsverhandlung gegen 14 Personen wegen Tbcili ahme au den Unruhen, welche am 21. Okiober v. I. anläßlich der Anbringung zweisprachiger Straßeiitasel» in Pirano stattfanden. Hodmezö-Basarhely, 5. März. Heute begann der Straf- Prozeß gegen die Sozialisten, welche ini August v. I. das Stadt- haus stünuten, die Freilassnng ihres Führers und die Heraus- gäbe der beschlngnabnitcn Schriften forderten. Rew-Dork, 5. März. Die„World" meldet ans Colon: Die Ausständischen von Kolumbia rücken aus Colon vor, zahl- reiche unbeschäftigte Arbeiter vom Pauainakanal schließen sich ihnen an. Fünfzig gefangen geilomlnene Aujständische, darunter 16 Offiziere, wurden erschossen. Kalkutta, 4. März. Tie Paffagiere des Dampfers„Kilwa", der in Knrrachee eintraf, berichten, der Ausstand in Maskat dauere fort. Die Rebellen, 350 an der Zahl, halten die Sladt besetzt. Die Streitkräfte des Sultans, über 2500 Mann, sind noch im Besitze der Forts. Die britischen Einwohner sind nach dem britischen Residenzschastsgebäude zusannnenberufen, wo viele Iii einen, großen Kohlenschiippen untergebracht sind. Die Kriegs- schiffe„Sphinx" nnd„Bramble" sind in Maskat eingetrosscn. (Tepescheu-Burcau Herold.) Trieft, 5. März. In Dalmatien finden fortgesetzt Angriffe ans italienische Unkerthanen statt. Aus dieseni Grunde ist der italienische Generalkonsul in Wien vorstellig geworden. Warschau, 5. März. In der Nacht zim, Montag wurden hier ivicdcrum zahlreiche Haussnchuiigen bei Studenten vor- genommen. Auch Verhaftungen sind erfolgt. Brüssel, 5. März. Wie heute in den Wandelgängen der Kammer erzählt wurde, sollte heut« Vormittag der Minister des Auswärtigen seine Demission gegeben haben, die indessen vom Könige nicht angenommen worden sei.— In oppositionellen Kreisen glaubt man beftininit, daß in aller Kürze eine akute Ministerkrisis ausbrechen werde, während in Rcgicrungskreisen behauptet wird, daß das Kabinet»i« so einig gewesen sei, ,vie gerade jetzt. An eine Zurückziehung der Kougovorlage denkt man keineswegs. Brüssel, 5. März. Die liberale Partei hat die Ankündigung, daß die Rechte der Kammer gesonnen sei, die Disziplinar- gemalt des Präsidenten zu verstärken. übel aufgenommen. Die Partei droht, gegen diese Maßregel eine energische Kam- pagne zu führen. Lerantmortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin VW., Beulhstraße 2. Hierzu ztpxi Beilage«. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, den 6. Marz 1893. IS. Jahrg. Uv. 33. VmvlmttenksverWite. Deutscher Reichstag. 52. Sitzung vom 5. März 1835. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Bronsart v. Schellen- d o r f f und Kommissarien. Die zweite Bcrathung des Reichshaushalts-Etats wird fortgesetzt beim Etat der Militärverwaltung und zwar beim Kapitel: Militär-Ju st izver waltung. Kriegsminister Bronsart v. Schelleudorff: Herr Bebel hat gestern von einem Duell zwischen einem Lieutenant Ratzel und einem verabschiedeten Offizier gesprochen. Ich war gestern nicht unlerrichtet�von der Sache. Der Lieutenant Ratzel ist von dem anderen O-fizier, dem geschiedenen Mann seiner Schwester überfallen worden. Darauf hat ein Duell stattgefunden, bei welchem Lieutenant Ratzel seinen Gegner so schwer ver- n'undete, daß er verstarb. Lieutenant Ratzel wurde zu 2 Jahren Festung verurtheilt und nach 3 Monaten begnadigt. Tiefe Begnadigung ist bemängelt worden. Die Sozialdemokraten sagen: Sie wollen keine Gnade, sie wollen Recht. Das ist leicht gesagt, wenn man in salvo sitzt; wenn man vor dem Stand recht steht, so würde das Eindruck machen. Hier macht das jetzt keinen Eindruck. Der Vorfall in Hamburg ist nicht ganz so verlaufen, wie Herr Bebel eS darstellte. Der Offizier ist thätlich angegriffen morden und hat seinem Angreiser einen Denkzettel gegeben. Drei Zivilisten. Ge- schästsleute. haben sich erboten, dein Offizier auf der Polizeiwache zu bezeugen, daß er in seinem Rechte ist. Das Haus mag danach beurtheilen, ob der Offizier den Tadel des Abg. Bebel verdient. In dem Berichte des„Bor- w ä r t s" ist an der Stelle der Bebel'schen Rede, welche von dem Denkzettel für den Zivilisten handelt, verzeichnet:„Rufe bei deu Sozialdemokraten: Feigheit!" Ich habe das Wort nicht gehört und weiß auch nicht, wer es gesagt hat.(Zurufe bei den Sozial- demokraten: Wir aber haben es gehört und gesagt!) Ich bin deshalb zu meinem Bedauern nicht in der Lage gewesen, den, ab- wesenden Offizier, der sich nicht vertheidigen kann. Genugthuung zu verschaffen. Ich will aber dem betr. Herrn persönlich sagen, daß ich es für eine Feigheit halte, wenn man unter dem Sckutz der Sicdefreiheit einen Abwesenden angreift. Der Abg. Bebel sprach auch in bezug aus mich von Naivetäl; das mag für ein junges Mädchen erne schmeichelhafte Bezeichnung sein, von einem ältere» Manne aber gebraucht, wie ich bin. hat es die Bedeutung von„kindisch" oder„kindlich". Herr Bebel sprach auch davon. wie iveit wir gesunken wären, ich möchte einmal wissen, welcher Tumult sich bei den Sozialdemokraten erheben würde, wenn ich sagen würde: Wie tief sind Sie herunter gesunken! Ich möchte doch die Herren bitte», in Zukunft etwas maßvoller zu sein. Abg. Beckh(dfr. Bp.): Wir haben eine Militär- Straf prozeß-Ordnung. aber es wäre doch wobl für FriedenSzeite» nicht nothwendig, einen besonderen Militär-Straf- Prozeß zic haben; die Zivilgerichte könne» ebensogut entscheiden, wie sie alle Jagd- und Gewerbevergehen abnrtheilen. über ivelche sie sich nöthigenfalls durch Sachverständige insormircn lassen. Bei Prozesse», an denen Zivilisten und Militär gemeinsam be- theiligt sind, verhandelt erst das Militärgericht und dann das Zivilgericht. Wenn Fürst Bismarck wegen Beleidigung verklagt werden sollte, wurde der Kläger vor das Militärgericht verwiesen und dieses lehnte die Einleitung des Prozesses ab. Liedner führt noch einige Beispiele anS seiner Erfahrung a» und verlaugt die Ein- führuug eines neuen Militär- Strafgesetzbuches. Die Bayern sehen in der öffentlichen und müudlichen Verhandlung auch der Militär-Strafprozesse ein Palladium. Herr v. Marqnardsen hat deshalb im vorige» Jahre die endliche Reform des Militär- prozesseS gefordert, aber der Kriegsminister konnte eine Vorlage nicht so schnell in Aussicht stellen. Tie verbündeten Regierungen sollte» endlich versuchen, diesem Wunsche des Lieichslages zu entsprechen, um so mehr als auch die bayerische Regierung für die Oeffcntlichkeit und Mündlichkeil des Aersahrens eingetreten ist.(Zustimmung links.) Abg. Bebel: Der Kriegsminister hätte erst das Stenogramm meiner gestrige» Siede lesen sollen, ehe er mich angriff. Ich habe ganz allgemein, ohne bezug auf ihn gesagt, man sei in Deutschland bereits so weit gesunken, daß der öffentliche Geist sich gegen Vorgänge, wie ich sie erwähnt, nicht aufzulehnen wage. Der Kriegsminister hat es gewissermaßen als eine Beleidigung ausgefaßt, daß ich ihm gegenüber von Raivetät gesprochen habe. Ich habe in Anknüpfung an den Erlaß, nach welchem sozialdemo- kralische Arbeiter von den kgl.Werlstätten ausgeschlossen werden sollen, gesagt, ich wüßte nicht, ob die Militärverwaltung so naiv wäre zu glauben, daß eine derartige Maßregel die gewünschte Wirkung haben würde. Eine Spitze gegen die Person des Kriegsministers lag in dieser Bemerkung nicht. Er hat weiter gesagt, es sei sehr leicht, hier eine» Abwesenden unter dem Schutz der Redefreiheit anzugreifen. Ja, wenn wir daraus verzichten wollten'Abwesende anzugreisen, so würde jedes Mitglied des Hauses jete für das Gemeinwohl wichtige Angelegenheit hier verschweigen müssen. Wer hier öffeutilche Mißstände geißeln will, wird auch die Personen mit Ramen nennen müssen, und es fragt sich nur, ob wir in den Angriffen über das erlaubte parlamentarische Maß hinausgehe». Das ist gestern nicht geschehen, sonst würde der Präsident seines Amtes gemaltet haben. Präsident v. Levetzotv: Ich habe gestern, als der Vorgang sich ereignete, nicht präsidirl. Ich glaube aber von meinem Standpunkte aussprechen zu sollen, wie ich in solchen Sachen mich verhalten würde. Die Redefreiheit erlaubt jedem That- fachen anzuführen, aber keinem einen Abivesenden zu be- schimpfe», und wenn nun, wie ich jetzt erfahren habe, gegen eine hier namhaft gemachte Person der Ausdruck„Feigheil" gebraucht worden ist, so würde ich daS für eine Beschimpfung dieser Person gehalten und es nicht zugelassen haben. Abg. Bebel(sortfahrend): Das Wort„Feigheit" ist von mir nicht gebraucht worden. Eine Person cn Abwesenheit deswegen anzugreisen, weil sie etwas geihan Hab, was mit der öffentlichen Ordnung. Sitte und Gesetz im Widerspruch steht, ist unsere Psiickt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Meine Tarstellung des Falles Ratze! hat der Kriegsminister im großen und ganzen bestätigt. Ich hätte es begreiflich gefunden, wen» der Lieutenant Ratzel im Stande der Nolhwehr gegen den brutalen Angriff seines Schwagers sich zur Wehre gesetzt hätte. Es hat sich aber herausgestellt, daß dieser Schwager offenbar geisteskrank war, und ich habe diesen Fall verglichen mit der Bestrafung des Parteigenossen, der wegen harter Worte gegen einen Vorgesetzten zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt wurde und der diese Strast bis zum letzten Tage wird abbüßen müssen. Diesen Gegensatz zwischen der Behandlung eines Offiziers und eines Bürgerliche», eines Mannes aus dem Volke habe ich betont, und wenn der Kriegsminister gemeint hat, wir wüßten nicht, ob wir nicht selbst einmal in die Lage kämen, «in Gnadenrecht zu verlangen, so sage ich: wir sind prin- zipielle Gegner deeGnadenrechls, und wenn ein Parteigenosse sich herausnähme, diese Gnade für sich zu erbitten, so wäre er in den,. selben Augenblick aus unserer Partei ausgeschlossen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch der Fall in Hamburg hat sich so ereignet, wie ich ihn dar- gestellt habe. Der Offizier hat den Platz inne gehabt, der vor- schriftsmäßig freigehalten werden muß, damit die Passagiere aussteigen können. Der Zivilist war ein gebildeter Geschästs- mann, er hat den Offizier wicderbolt höflich ersucht, Platz zu machen und erst, als der Osfizier sich dessen weigerte. an ihm sich vorbeizudrücken versucht, woraus der Osfizier ihm nach- springt und ihm nach der Weigerung, sich zu entschuldige», mit dem Säbel über den Kopf haut. Der Kriegs- minister nennt das einen„Denkzettel", findet also alles in Ordnung. Nein, in der Ordnung ist dies noch viel weniger wie das Verfahren des Generals v. Kirchhofs. Der Offizier konnte den Namen des Zivilisten feststellen lassen und ihn vor Gericht verllagen. Statt dessen hat der Offizier jenen Mann über den Kopf geschlagen und ihm einen Stich bei- gebracht. Wenn ein solches Vorgehen von meinen Fraktionsgenossen mit dem erwähnten Zwischenruf bezeichnet worden ist, so wundere ich mich darüber nccht. Ich darf nach hier mit Recht, der Kriegsminister that es gestern mit Unrecht, auf meinen Fraklions- genossen Volkmar berufen. Er hat im vorigen Jahre im bayerischen Landtag bei Gelegenheit des Militäreiats auch einen solchen Fall zur Sprache gebracht und dieses Verfahren des Offiziers vor vollem Hause und in Gegenwart des bayerischen Kriegsministers als Feigheit bezeichnet. Der Kriegsminister hat dagegen keine Verwahrung eingelegt, weil er selbst zugeben mußte, daß ein Osfizier, der gegen einen wehrlosen Bürger die Waffe gebraucht, diese Bezeichnung wohl verdient Ich konstatire, daß � im Widerspruch mit Gesetz und Sitte das Duell hier von der Verwaltung verlrelen und verthcidigt wird, ebenso wie der Akt der Selbsthilfe, den das bürgerliche Gesetz- buch schwer ahndet. Im vorigen Jahre haben wir hier die verbündeten Re- gierungen um Veröffentlichung einer Statt st ik über die von den Militärgerichten abgeurtheiltenStraf- fachen aufgefordert. Der Bundesrath hat in seinen Ent- schließungen gesagt, es könne der Frage erst näher getreten werden, wenn über den Entwurf einer Militär- Strafprozeßordnung end- gillige Entscheidung getroffen sein werde. Das ist die alte Ver- tröstung, an die wir seit ernem Vierteljahrhundert gewöhnt sind. Graf Roon, v. Kamccke, v. Verdy und der jetzige Kriegsminister habe» uns immer wieder darauf vertröstet, daß wir endlich ein- mal zu einer Militär-Strafprozeßordnung kommen werden. Es ist sogar der bisherige Vorsitzende der mit der Ausarbeitung jenes Entwurfs betrauten Kommisston von seiner Stellung entfernt worden, weil er in dieser Beziehung Anschauungen vertreten hat, die in allerhöchsten Kreisen nicht gefielen. Reso- lutionen genügen nicht, wir müssen sortgesetzt mit aller Energie diese Frage hier zur Sprache bringen und die Aenderung des be- stehenden Zustandes kategorisch fordern. Ter Fall des Redakteurs Wendland beweist, daß die Militär- Verwaltung es sich herausnimmt, weil über das Slrasmaß des Zivil- gerichts hinauszugehen und das Strafmaß für ein Vergehen, welches der belreffcudc Mann in seinem bürgerlichen Beruf begangen hat, zu verschärfen, obwohl der Mann sich im Dienst nichts hat zu schulden kommen lassen. D»s ist ei» unerhörter Gegensatz zivischcn Militär- und Kulturstaat. Der Reichstag wird ja dem- nächst Gelegenheit haben, sich mit dieser Frage an der Hand des nationalliberaken Antrages eingehender zu beschästigen. Die große Zahl der S o l d a t e n m i ß h a n d l u n g e n in der letzten Zeit beweist auch die Roth wendigkeit einer neuen Militär-Strafprozeßordnung. Die Klagen über Soldalenniißhandlmigen reichen bis ins vorige Jahrhunrert zurück. Schon 1775 wies Geueral- lieutcnant v. Mölln« seine Kommandeure an, gegen die Soldatenmißhandlunge» und Beschimpfungen zu wirken. Ich erinnere weiter an die Erlasse unter Friedrich Wilhelm III., an de» Erlaß des Fcldmarschalls v. Mantenffel, die Erlasse des jetzigen Kaiser?, des Herzogs von Sachsen und des bayerischen 5kriegsministers. Alle in zenen Erlassen niedergelegten schönen Gedanken und Grundsätze haben keinen prakiischen Erfolg gehabt. Ter einzige Gewinn ist der, daß nach den wiederholten strengen Erlassen der letzten Jahre nicht die früheren grausame», babarische» Mißhandlungen mehr vorgekommen, wenigstens nicht in die Oesfenllichkeit gekommen sind. Ader die Zahl der Mißhandlnnden ist nach wie vor eine ungemein starke. Schöler sagt in einer Broschüre, es gäbe in den Kompagnie» kaum einen einzigen Mann, der in seiner Rekrntenzeil nicht ge- ohrfeigt worden wäre. Hätte» wir eine militärische Jugend- erziehung wie in der Schweiz, so würde nicht der zwanzigste Theil der Militärmißhandlnngen bei uns vorkommen. Unter dem Einfluß des gegenwärtigen Mimsters, wie ich annehme, ist der Be- schwerdezwang, bezw. die Bestrafung wegen nnterlasfcner Be- schwerde ausgehoben worden. ES ist aber im vorigen Jahre ein Mann bestraft woidc», weil er die ihm widerfahrene Mißhand- lung nicht gnueldct hat. In Cchroda wurde ei» Soldat durch seinen Sergeanten mit einem Säbel so bearbeitet, daß sei» ganzer Rücken von E i l e r b e u l e n bedeckt w a r. Die Mißhandlimg wäre gar nicht bekannt geworden, wenn der Mann beim Baden nicht gezwungen worden rräre, seinen Rücken zu entblößen. Ter Sergeant wurde zu einem halben Jahr Festung verurtheilt. Gegen dieses Slraßmaß stickt sehr nnvorlheithasl ab die Strafe, welche ein Sergeant bei einein Jägerbataillon wegen einer ähnlichen Mißhandlung erhielt. Er wurde zu drei Tagen Mittelarrest verurtheilt. I» Lübeck sprang ein Soldat ans Furcht vor weiteren Mißhandlungen ins Wasser. Redner erwähnt weitere solche Fälle unter genauer Bezeichnung von Name», Wohnort und Regi- menl aus Ulm, Köln und Ostpreußen. Die Beschwerde- führ« sind keineswegs Sozialdeniokrate», sondern zum theil fromme, pietälsvolle Söhne, welche mit Freude zur Fahne geeilt sind, die aber alle durch sortgesetzte Mißhandlungen zur Ver- zweifli» g getrieben worden sind. Retner belegt dies durch aus- iührliche Vorlesung von Briefen der Soldaten an ihre Eltern. Ohrfeigen, Fan st schlage, Knieben gen mit vor- g e st r e ck l e in Gewehr sind inimer noch an der Tages- ordnung. Die Mann schasten haben aber nicht den M» l h, ihre Peiniger zu melden. I» Siuttgart erschien ei» Zeitungsberichl über Mißhandlungen von Soldaten. Der Kommandeur des Regiments �orderie die Leute auf, offen etwaige Fälle von Mißhandlunge. vorzubringen. Niemand meldeie sich, worauf der Kommandeur stl-�e gegen die Zeitung einreichte. Im Zeugenverhör bestätigten ao-r die entlassenen Reservisien den Inhalt jenes Berichts seinem vollen Inhalt nach, der Redakteur mußte freigesprochen werden und der vorgesetzte Offizier, der in gutem Glanben gebandelt halte, war schließlich der Blamirte. Solchen Vorkommniffen muß dadurch vorgebeugt werden, daß Borsorge getroffen wird, daß jeder Soidar klagen kann, ohne Gefahr, später geschädigt zu werden. Gewiß kommen auch in der schweizer Miliz Soldatenmißhand- lungen vor, aber die zitirte Schrift des schweizerischen General- stabsoffiziers spricht von einer Beschwerdesucht, und über eine solche können wir uns nicht beklagen. Sie selbst als Stützen von Staat und Gesellschaft haben das lebhafteste Interesse daran, dafür zu sorgen, daß diejenigen, welche zum Dienst in der Armee gezwungen werden, auch gern dienen. Was erleben wir aber in Teutschland. Fast kein junger Mann freut sich ans den Militärdienst(lebhafter Wiederspruch rechts). Die meisten können de» Tag nicht erwarten, wo sie wieder aus dem Verbände der Armee scheiden lönnen(erneuter Widerspruch rechts). Ich habe in der Budgetkomniission den General v. Gemmingen gefragt, welche Einwirkung die zweijährige Dienstzeit auf die Zahl der Bestrafungen ausgeübt hat. Der Herr General hat erklärt, daß darüber endgiltig zu urtheilen, zu kurze Zeit verflossen sei, daß aber die Zahl der Militärgefangenen auf den dritten Theil zurückgegangen sei. Dies würde nach meiner Meinung noch in einem weit höheren Grade der Fall sein, wenn der Geist in der Armee ein anderer würde und die Soldaten endlich als Kult ur in en scheu be« handelt würden.(Bcisall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lenzmann(dsr. Vp.): Wir könnten ja die Reform des Mililär-Sirafprozesscs erörtern bei dem Antrage des Herrn v. Marqnardsen; aber es wäre möglick, daß wir dabei die Gegen- ivart der Herren vom Bundesrathstische entbehren müßten, die wir heute hier haben. Vor Jahresfrist hat der Kriegsminister eine Antwort über die Frage gegeben, die etwas dilalorisch war. Es sollen jetzt 3 Entwürfe vorliegen; aber wenn die Vorlage noch nicht gemacht ist, so hat am Ende die Volksstimme recht, die da sagt: Die Militär- Verwaltung will sich liberal reformire», aber eine andere Stelle will das nickt. Ich inöckle den Kriegsminister um eine Antwort bilte», ob die Resorm seriig gestellt ist und ob sie liberal ist? Wird der Entwurf die Aiündlichkeit und Oeffcntlichkeit ein- führen und wird er ständige Gerichte schaffen? Wird nicht auf alle Fragen Antwort gegeben, so werden wir die Frage immer wiederholen müsse». Daß niili- lärische Geheimnisse ansgeplandert werden, ist nicht zu befürchten; denn in solchen Fällen könnte doch die Oeffentlich- keit ausgeschlossen werde». Eine Lockerung der Disziplin könnte doch nur eintrete», wenn damit Vorgänge enthüllt würden, welche den Soldaten das Vertrauen zu ihren Vorgesetzten nehmen würden. Im Zivilprozcß will man das mündliche Verfahren nicht entbehren; bei der Mililärrechtspflege will man aus Furcht vor der Gefährdung der Disziplin die Mündlichkeit nicht zulassen. Wichtiger beinahe, als die Reform der Strafprozeß- Ordnung ist die R e f o r in des Beschwerdeweges. Wenn nur der dritte Theil von dem wahr ist, was Bebel vorgetragen hat, dann liegt die Gestaltung des Besckwerderechts sehr im Argen. Aller« Vings sind dem Kaiser die Befugnisse übertragen zur Regelung der Disziplin in der Armee. Es ist kein Eingriff in die Rechte der Krone, wenn der Gesetzgeber den Beschwerdeweg reguliren will, denn die bestehenden Vorschriften betreffen nur die Dis- ziplin. Die Mißhandlungen sind keine Disziplinarstrafen, es sind Vergehen und darüber kann die Gesetzgebung Bestimmungen treffen. Warum soll nicht an stelle des Beschwerde- rechts eine Besch werdepslicht eingeführt»Verden? Wir haben in der Umsturzvorlage(Unruhe rechts)... Sie wissen ja noch garmcht, was ich sagen will(Heiter- keit)... den s 112, der die Disziplin in der Armee schützen will. Wir wollen eine sirenge Disziplin in der Armee, aber gerade deshalb wollen»vir eine richtige Rechtspflege ein» füdren. Das Gefühl Unrecht erlitten zu haben, erzeugt Un- zufriedenheit und führt zur Sozialdemokratie. Wenn es Ihnen dar»»» zu thun ist, die Liebe zur Armee zu erhalten, dann muß Recht geschaffen werden. Ich habe gesagt: Wir»vollen keine Gnade, sondern Recht. Die Gnadeninstanz ist»»nentbehrlich, aber sie soll nicht die Regel»verde». Recht»vird nur geschassen werde» in der Armee,»venu»vir uns sreimachen von jeder niiltelalterliche» Reminiszenz. Ich bitte den Minister darüber Auskunft zu gebe», ob die Wünsche aller Parteien endlich realisirt»verde». Kriegsminister Bronsart v. Tchelleudorff: Ich habe der Erklärung über die Militär-Strafprozeßordnung die ich iin vorigen Jahre abgegeben habe, nichts hinznzusügen m»d nichts abzustreichen. Wenn jemand nieine Fähigkeiten anziveifelt, das Werk zu Ende zu bringen, so»st das bedauerlich. Wenn einige Herren, auf deren Urlheil ich Werth lege, diesen Z»veifel theilen, so ist es mir sehr schmerzlich, aber ich muß es schließlich a»ich tragen. Wenn mir die Kräfte fehlen, die Straf- Prozeßordnung durchzuführen, so»verde ich S e. Majestät u»n einen Nachfolger bitten. Der Vorredner hat von einer Stelle gesproche»», die Widerstand leistet. Meint er die allerhöchste Stelle, so muß ich entschieden Protest dagegen einlegen. Die Fragen des Vorredners sind vielleicht nicht ii»diskret; aber ich»vürde indiskret sein,»venn ich mich aus nähere Angaben über die Einzelheiten einließe, jetzt,»vo die Militär-Strafprozeßordnung Gegenstand der Verhandlungen im preußischen Staats- Ministerium ist. Das Haus wird nicht erwarten, daß ich mich auf die Einzel- heiten, die Herr Bebel vorgetragen hat, einlasse und abemals die Unrichtigkeiten widerlege. So streitlustig ich a»»ch sonst bin, daL»väre nutzlos. Bezüglich des Vorivurss der Feigheit benes sich Herr Bebel aus seinen Genossen v. Vollmar. Ich habe dessen Rede gelesen; mir ist der Passus nicht erinnerlich. Ich glaube auch, Herr Bebel hat sich geirrt. Ich balle ihn sür unfähig, daß er von einen» abivesenden Offizier das Wort Feigheil gebrauchen»vird. Es»vird nicht»vider- sprochen; ich scheine recht zu haben.(Heiterkeil. Abgeordneter ».Vellmar läßt sich durch eine» Fraktionsgeiiossen in die Redner- liste eintragen.) Aus den einzelnen Erlassen hat Herr Bebel de» Schluß gezogen, daß schon seit einer Reihe von Jahren Miß- Handlungen vorgekommen sind. Ich habe das niemals bestritten, es ist wohl auch in» Hause nicht angeziveiselt»vorden. Ich habe nur immer erklärt, daß wir ernstlich bestrebt smd, dem Ucbel zu steuern. Ich habe auch die Zahlen angegeben, sodaß jeder sich überzeugen kann,»vie die Mißhandlungen geringer ge»vorden sind. Aus den Erlassen hätte Herr Bebel lieber den Scklnß ziehen sollen, daß die Vorgesetzten immer bemüht geivesen sind, dein Uebel zu steuern, daß auch die Disziplin in der Armee dafür sorgen»vird, diese Dinge ver» schivinden zu mache». Ich habe Herrn Bebel schon früher ge- beten, i» seinen Ausführungen etivas maßvoller zu sein; er beruft sich ans Briese und Zeitungsartikel. In der Presse und auf dem Papier»vird gegemvärlig»inendlich viel gelogen; es wird so viel entstellt lind übertrieben und Herr Bebel ist geradezu leichtgläubig, er nimmt das alles ruhig hin. (Heiterkeit.) Herr Bebel behauptet, daß nur eine sehr geringe Zahl von Soldaten mit Lust und Liebe dienen. Das ist durchaus unrichtig und hat auch bei der Mehrheit des Hauses keinen Beifall gefunden. Nach Einführung der zwei- jährigen Dienstzeit sollte»nan annehmen, daß die Trnppentheile, bei welchen die dreijährige Dienstzeit besteht, keine Freiwilligen niehr finden. Aber umgekehrt, d,e Zahl der Dreijährig-Frei- willigen hat sick vermedrt.(Hört, hört! rechts.) Abg. v. Vollmar(Soz.): Es ist richtig, daß Bebel meine Rede nicht ganz gegemvärtig gewesen ist. Die Aeußerung, welche ich damals im bayerischen Landtage gethan habe, hat sich nicht be- zogen auf einen bestimmten Osfizier, auch nicht auf sonst jemand, der einen Bürger allackirt hatte, sondern auf die Soldaten- Mißhandlungen im allgemeinen. Der Satz lautete, nachdem ich ausgeführt, welche Mißhandlungen mir bekannt geworden: „Die Ehre dieses Standes ist sonst ganz außerordentlich leicht verletzlich, aber einen Wehrlosen, vollständig Widerstandsunfähigen SU beleidigen i: d zu mißhandeln, d n Z scheint feinem Ehrgefühl leinen Abbruch zu t h u n und doch l n n n i ch in i r für meine Person ans der weiten Welt nichts ehr- loseres denken, n I S die bewußte Kränkung, Beleidigung lind Mißhandlung eines Menschen, der nicht im stände i sc,, i dj z u verth eidige n." Der bayerische Kriegsniinistcr v. Asch antwortete:„Ich räume eim daß in den Mißhandlungen eine Verlehung der Ehre des Osfiziers inbegriffen ist, aber", hat er hinzugefügt, meine Aus- führungen erschienen ihm nicht richtig insofern, als der gerügte Geist des Osfizierkorps in der großen Menge der Offiziere nicht vorhanden sei. Die veränderte Beschwerde-Ordnung enthält manches Gute; sie bedeutet eine wohlmeinende Erleichterung des Vcschwerdewesens Es ist zu begrüßen, daß die Bestimmungen so gcincinfaßlich und leicht verständlich abgefaßt sind, sodaß manchem Uebel vor- gebeugt werden wird. Es ist ein großer Vorzug, daß der Soldat sich direkt mit seinem Kompagnie-, Schwadrons, oder Batteriechef in Verbindung setze» kann und daß die Einwirkung auf Zurück- nähme der Beschwerde untersagt wird, wenn auch nickt zu ver- kennen ist, daß der Satz, wonach) der Vorgesetzte verpflichtet ist, den Untergebenen von den Folgen zu unterrichten, diesen Vorthcil einschränkt. Es ist auch gut, daß die Entschcidungsgründe auch der klagenden Partei selbst mitzutheilen sind. Dagegen finde ich es sehr be- dauerlich, daß die alle Bestimmung unserer Disziplinarordnung gc- blieben'ist, wonach solche Anzeigen, welche sich als unwahr heraus- gestellt haben, nicht nur dann bestraft werden, wenn offenbar die falsche Anzeige ivider besseres Wissen stattgesunden hat, sondern auch dann, n-eim sie leichtsinnig stattgefunden hatte. Ich bitte Sie, sich nur einmal in die Lage eines Soldaten zu versetzen, dem ctivas geschieht, wonach er Beschwerde erhebt. Nehmen Sie nur einmal an, daß beide Personen sich allein aus dem Platz befunden haben; nach allgemeinen militärischen Regeln wird dem Vorgesetzten mehr geglaubt als dem Untergebenen; und wo Zeugen gewesen sind, ist es außerordentlich schwer, einen Kameraden als Zeugen zu bekommen, und wenn es geschieht, dann schlagen sie vor dem Militärgericht leicht um, weil sie inzwischen beeinflußt sind. Sie werden wohl nicht annehmen, daß wir der falschen Denunziation Vorschub leisten wollen, er wird von keinem anständigen Menschen geleistet werden. Die ganzen militärischen Verhältnisse liegen so, daß Beschwerden sehr wenig eingereicht werden, auch wenn sie vollständig begründet sind. Ich habe einen Offizier und zwar keinen Subaltern offizier gekannt, der mir erklärte, daß nach seinen Erfahrungen von 100 Beschwerden kaum eine begründet sei; das kommt aber daher, daß die Folgen, auch wenn der Kläger recht hat, für ihn außerorordentlich schwere sind. Es wäre die Aufgabe der Militärverwaltung gewesen, auch diese Bestimmung zu beseitigen; wo nachweisbar eine falsche Denun- ziatiou vorliegt, haben Sie ja das Militär-Strafgesetzbuch. In der früheren Disziplinarordnung war ausdrücklich dem Soldaten verboten, sich bei einer dritten Person Raths zu holen. Diefe Bestimmung hat außerordentlich erschwerend gewirkt. Welche Vorstellung hat ein ein- fachcr Soldat von seiner Stellung und von dem, was objektiv recht ist. Ich möchte inir die Anfrage erlauben, ob die alte Bestimmung ausrecht erhalten bleibt. Ich muß zugestehen, nicht genau unterrichtet zu sein, ob in dem preußischen Heere eine Be- schwerdcpflicht bestanden hat. Sie hat aber in Bayern bestanden. Ich bezweifle nicht, daß es für einen Soldaten außerordentlich schwer sein muß, auf der einen Seite die Gefahr zu haben, wenn er nicht die Anzeige macht, bestrast zu werden, und andererseits die Beweise erbringen zu müssen. In früheren Jahren bis zu den letzten Zeiten sind die Beschwcrdevorschristen in jedem Truppcnlheil meines Wissens nur in zwei Exemplaren vorhanden gewesen, die sich entweder im Verschluß des Hauptmanns oder deS Feldwebels befunden haben. Ich möchte glauben. daß die Militärverwaltung ohne weiteres dazu übergehen wird, dafür zu sorgen, daß diese Verbesserungen nicht geheim gc- halten werden, sondern entweder in genügenden Exemplaren aus- gelegt werden oder durch Anschläge bekannt gemacht werden. > Auf die Svldatenmißhandlnugen will ich nicht eingehen, so- weit es Einzelheiten betrifft, aber ei» staar allgemeine Bemerkungen möchte ich mir erlauben. Ter Kriegsminister hat gesagt, Bebel hätte nolhwendig dazu kommen müssen, an- zuerkennen, daß die obersten Befehlshaber seil ILO Jahren fort- gesetzt dafür thälig gewesen seien, die Coldatenmißhandlunger ans der Welt zu schaffen. Bebel hat ganz dasselbe gesagt; es if auch schon in früheren Jahren geschehen; darüber ist bei»us nie ein Zweifel gewesen, namentlich nachdem die kaiserlichen Erlasse bekannt geworden sind. Nun sagt der Kriegsminister, die Mißhandlungen gehörten zu den Ereignissen, die man nur außerordentlich schwer beseitigen könnte, und daß man ihnen nicht völlig Einhalt thun könnte. Gewiß! Ii jedem Heere, auch in dem Milizheere, wird Miß- Handlung vorkommen, das Kriegshandwerk ist ein rauhes Handwerk; wo tausende von Leuten zusammenkommen, da liegen solche Tinge sehr nahe. Man kann sich aber be- schränken und zwar mehr, als das bis jetzt schon geschehen ist. Man pflegt zu sage», die Soldatcnmißhandluugen feien noth- wendige 5to»scquenzen des Militarismus; das ist bis zu einem gewissen Grade richtig, aber man könnte einwenden: Miß- Handlungen bis zu einem gewissen Grade. Es muß einen wunder- baren Eindruck machen, wenn wir unausgesetzt die Güte der Disziplin des deutschen Heeres rühmen hören, sobald der oberste Befehlshaber gesprochen hat und niemand mehr eine eigene Meinung aussprechen darf, zu sehen. daß diese vielgerühmte Disziplin uns gerade da im Stiche läßt, wo sie am alleruolhwendigsten in Friedenszeiteu wäre. Wir hören hier von Erlasse», die wir zum größleu Theil unter- schreiben können. Es wird da der xemeffeuste Austrag gegeben. die Soldaten nicht zu mißhandeln. Wie kann es in diesem so woblgegliederte» Körper möglich sein, daß trotz alledem wieder Mißhandlungen vorkommen, die zum größten Theil von Nuterossizieren ausgehen, aber keineswegs von ihnen allein! Es»väre doch eine allzu bequeme Erklärung, wenn man sagen wollte, das liegt an der Rauheit des Kriegshaudwerkes und an der allgemein menschlichen Natur. Die Gründe dafür bestehen nach meiner Ueb erzeug ung in der U eberarbeit u n g, in den außerordentlichen Anstrengungen. Jeder Vorgesetzte drückt noihirendig ans seinen Untergebenen und wünscht, daß die Cache klappt, und nun geht der Druck weiter und wird immer nachdrücklicher nach unten hin. Das ist nicht immer so in der Armee gewesen. Man wendet sich gegen die Unteroffiziere. Ich bin der letzte, der diese in Schutz niinint. Aber es ist hänsig vorgekommen, daß die Untcrosfizicre, die aestäiidig waren, gesagt baben: Ich hätte es nicht gelhan, wenn ich mich nicht hätte ver Strafe schützen wollen. Wenn man von den Unter- geben en nickt uiehr verlangen würde, als sie leisten können, so würde manches besser sein. Auch in dem kaiserlichen Erlasse ist daraus hingewiesen worden, daß bei manchem höheren Offiziere es an der nöthigen Ueberwachung fehle. Ich behaupte direkt, die allermeisten Mißhandlungen geschehen nicht auf dem Exerzierplatze, sondern ans den M a n n s ch a s t s z i m m e r n. und deshalb wird es nölyig sein, den Offizieren zu gestatten, auch zu ganz unp-'"Stznl.chen Zeiten ans den Mannschastsziniinern zu erscheinen. Ich möchte ganz nebenbei bemerken, daß ungefähr ebenso noth- wendig wie eine Abänderung des Beschwerdewesens für die Ge- meinen, die Abänderung des Beschwerdewesens für die Offiziere ist. Ein Kollege des Herrn Kriegsministers hat einmal gesagt, dieses Beschwerdewesen sei ziemlich lomplizirt und das ist ein sehr zcn.ter Ausdruck dafür.(Heiter- keil). Auch in bezug auf das Q'i a l i s i k a t i o n s w e s e n der O s f izi e r e müffen Aenderiing«n eintreten. In vielen Truppen- thcilcn ist es Brauch gewesen, daß alle J.ihre eine Qualisikalious- liste eingereicht wurde. Wenn ein Monitum darin enlhalien war, so konnte sich der Ossizicr danach richten. Das ist heute nicht der Fall. Mancher komnit heute zur Pensioniruiig, ohne zu wissen, wie. Das geschieht namentlich dann, wenn die höheren Befehlshaber wechseln. Da exisliren die merkwürdigsten Nedewendnugen für die Verabschiedungen von Osfizieren. Ein Offizier wurde verabschiedet, weil er körperlich zu klein und vor der Front zu un- ansehnlich sei. Das hatte ihn gar nicht gehindert. Major zu werden, aber zum Obeistlicutenant war er zu klein.(Heiterkeil.) Eben- sowenig wie die Soldaten sich über ihr Beschwerderecht äußern, lhun es die Osfiziere. Warum existirt immer noch die un- erträgliche Zwitlerstelluiig der Osfiziere zur Disposition? In ß 38 des Militärgesctzes finden Sie, daß diese gar nicht zu dem Mililürdieiist gehören. Sie sind nach allgemeinen Begriffen pensionirte Offiziere.(Prä- stdent v. Lcvehow: Wir find hier bei der Jiistizvenvaluiiig.) Ich komme eben aus den Gerichtsstand dieser Offiziere zu sprechen. Sie werden Geschworene, Schöffen, und ihrerseits unterstehen die Leute der Mililär-Gerichtsbarkeit. Das ist doch clwas, was gar keinen Sinn mehr hat. Der Fall, der sich jüngst in der Berliner Hofgesellschaft abgespielt hat, hat dock deutlich bewiesen, daß mit diesem Zwilterding von militärischer und bürgerlicher Stellung ausgeräumt werden muß. 5kriegsminister Bronsart v. Schrllcndvrss: Ein Verbot, daß Soldaten sich bei anderen Personen Rath holen können, wenn sie sich beschweren wollen, besteht nicht. Auf sämmtlichen Stuben befinden sich Jiistruklionsbücher, i» denen sich die Be- schwerdc-Ordnung befindet. In bezog auf das Qualifikations- wesen hat der Vorredner andere Erfahrungen gemacht als ich. Wer sein Qualifikntionsurlheil erfahren will, dem wird es nicht vorenthalten. Es giebt eiiizeliie, die ilicmals das Bcdürsniß gehabt haben, danach zu fragen. Heber das lebhafte Jnlereffe des Vorredners für die Osfiziere freue ich mich. Ich halte es bei dem Bestrebe», alles zu verbessern, nicht für ausgeschlossen, daß auch das Beschwerderecht der Offiziere geändert wird. Bezüglich der Osfiziere zur Dis- Position kann ich nicht in Ansficht stellen, daß sie der Militär- gerichtsbarkeit entzogen werden. Der Vorredner hat einen Fall angeführt, der für mich kein besonderes Interesse hatte. Seliiai» war nur, daß er lange vor der säuern Gnrkenzeit und weit über dieselbe hinaus Zeitungen, welche ihre Leser nüt sensationellen Nachrichten zu bedienen pflegen, Stoff und Gelegenheit gegeben hat, ihre Spalten zu füllen, imd an die absurdesten Voranssetzungen noch absurdere Schlußfolgerungen zu knüpfen. (Heiterkeit.) (Schloß im Haiipiblatt.) Tolles. Parteigenosse» dos vierte« Berliner NeichZtagö-Wahl- krciseö! Wie bereits allgemein bekannt, hat die am IS. Fe- bruar d. I. stattgehable Volksversainnilniig unseres Kreises gleich- falls die Uebernahme des„Vorwärts"- Vertriebes ec. in eigene Regie beschlossen. Die zur Einleitung der hierbei in Frage kommenden geschäsllichen Funktioneii gewählte Fünfzehner- Kom- Mission ersucht daher, um allen ailderen an sie herantretenden Frage» Rechnung tragen zu können, zunächst um möglichst zahl- reiche und schnelle Eiiizeichiinng in die zu diesem Zweck von ihr ausgegebenen Liste». Parteigenossen! Folgt dem Beschluß der Versamiiilling, de»» das Interesse der Gesaniintheit, der viele» in Frage koninieiidcn Kinder und Frauen, welche unter dem alten Vcrhältniß einer rücksichtslosen Ansveutung preisgegeben find, muß alle» höher stehen, als die Jntereffen ciozelner, thut Eure Schuldigkeit! Tie?l b o n n e m e n t s- L i st e n liegen in folgenden Lokalen aus: F ü r d e n O st e n bei: F r i tz W i l k«, Andreasstr. 26.— W i e d e m a n n, Blilmenstr. 33.— E. B ü h I, Frankfurter Allee 74.— Otto Zabel, Frankfurter Allee SO.— W i l Lock, Friedrichsbergcrstr. 11.— R a t l k e, Krautfir. 43.— Z i p p k e, Grüner Weg 14.— Stabernack, Mühlensir. 49. — C h. Böhl, Nüdcrsdorfeistr. 8.— Bredschneider, Rüdersdorferftr. 46.— Köpnick, Schilliugstr. SOa.— Späth, Weinstr. 28. Für den Südosten bei: Wilhelm Erbe, Cuvry- firaße 25.— C. Trittelwitz. Falckensteinstr. 7.— L. Tolks- o o r f, Görliherflr. ö8.— Streit, Nannyiistr. 86.— Schilling, Pücklerstr. 55.— K ö p p e n, Reicheobergerstr. 118. — Schmidt, Adalberlstr. 16.— Bieberstein. Lausitzer Platz 2.— Fürstenau, Manleusielstr. 53.— Lukas, Wrangelstr. 82.— S ck a y e r, Reicheiibergerstr. 54. Die F ü n f z e h n e r- 5t o n>»> i s s i o n. Achtung V. Wahlverein, Schönhauser Vorstadt. Tie für gester» Abend irrihümllcherweise eiiibernfene Versammlung findet»un Donnerstag, den 7. März, in Schneider's Salon statt. Näheres siehe Inserat. Die Schivebebahn. Tie gemischte Deputation zur Vor- berathnng des Langen'scheii Schwcbebahn-ProjektZ trat am Mon- rag unter Vorfitz des Oberbürgernieisiers Zelle zusammen und faßte den Beschluß, an Geh. Kommerzienraih Langen die Mit- .'Heilung gelangen zu lassen, daß ein Vertrag mit ihm— ähnlich dem mit Siemens u. Halske zu schließenden Verlrage— geschlossen weiden soll, den städtischen Behörden aber vorbehalten bleiben solle, Ende 1898 Beschluß darüber zu faffen, ob, wenn die Bahn sich nicht bewährt, der Vertrag demgemäß aufzuheben und die Anlage svrlzuschaffen sei. Herr Langen soll aufgefordert werden, sich darüber zu erklären, ob er auf dieser Grundlage einen Vertrag zu schließen bereit sei. O, holde Jngeudzeit! Tie von Gustav Maier-Ermatingen herausaegebene Ethische Korrespondenz schreibt: Eine Berliner Lchreri» hatte in veigangener Woche folgendes Gespräch mit einem Schüler von 12 Jahren. Lehrerin: Tu bist so schläfrig. Wann bist Tu zu Bett gegangen? Schüler: Um 3 Uhr morgens. — Lehrerin: Warum so spät?— Schüler: Ich mußte ui» 9 Uhr abends für meinen Vater Zigaretten an eiuen Reslaurateur abtragen.— Lehrerin: Und warum bliebst Tu so lange aus?— Schüler: Vater hatte mir besohlen, nicht vbne Bezahlung heim- zukommen. Bis 11 Uhr mußte ick im Lokal warte», ehe der Besitzer Zeit hatte.— Lehrerin: War Dir das Warten nicht langweilig?— Schüler: Nein, ich trank ein Glas Bier und dann wäre» auch sehr schöne, seingeputzte Mädchen im Lokal, die Lieder sangen.— Lehrerin: Gingst Du dann sofort nach Hanse? — Schüler: Ja. um II1/* Uhr; da der Weg sehr weit ist, kam ich erst um 1 Uhr an.— Lehrerin: Aber warum gingst Du dann erst um 3 Uhr schlafen?— Schüler: Von 1—3 Uhr inorgeiis machte ich meine Schularbeiten.— Lehrerin: Warum machst Du Dein«- Schularbeiten nicht am Tage?— Schüler: Am Tagx.. muß ich Tabak schneiden und Cigaretten rollen. Mit eiserner Konsequenz sträuben Bundcsrath und Reichs- lagsmajorität sich bekanntlich gegen die sozialdemokratischen An- tröge, auch der uiinieiischlichen Ausbeutung in der Haus- Industrie durch einen kleinen Fetzen Arbeiterschutz zu wehren. Aibeiterschutz und Kinderschutz in der Hausindustrie ist nach den schamlosen Heuchelphrasen gewisser ausbeuiungslüsterner Ordnungspolitiker gleichbedeutend mit einem schnöden Angriff arlf die Heiligkeit der Familie. Und deswegen muß das heilige Recht auf Kinderblut der„Familie" und der Ausbeuterschast ungeschmälert erhalten bleiben und deswegen muß frnier die Sozialdemokratie als notorische Zerstörerin der modernen Familien- Heiligkeit mit Umstnrzgesetzen erdrosselt werden. So will es die Ordnung, Religion und Sitte des modernen Westkalmückenthums. Tie Art, wie der Magistrat seine Pflichten als Arbeit- geber ausfaßt, hat uns bekanntlich schon des öfteren Veraiilassniig zu eingehender Kritik gegeben. Heute wollen wir im»»gen Bilde die Ansbeutimg schildern, der im sogenannten Zeitalter der Sozialreform die Angestelllen der städtische» Bade-?lnftallen zum theil unterworseii sind. Die tägliche Arbeitszeit der Wärter in den Vade-Anstalten hält so ziemlich die Mitte zwischen dem absolut möglichen und der staatsnnistürzeiiden Forde- riing des Achlstuiidentages. Sie erreicht nicht ganz die Stiindenzahl, die den Tag überhaupt ansfüllt. Im Winter be- ginnt der Wärter mit 7 Uhr und im Sommer um 6 Uhr morgens sein Tagewerk, das sich ohne jegliche Pause bis abends 19 Uhr — oft noch länger— hinzieht. Tie Zeit zum Essen un Trinken ic. stiehlt er dem Magistrat; wir wissen nicht, ob mit dessen still- schweigendem Eiiivcrstäiidniß. Eine formelle Pause giebt es nicht in dieser 15- bis l7stü»digen Arbeitszeit, auch darf der Wärter sich während derselben auf keinen Fall aus der Bade- Anstalt eiilferncn. Nur der Sonntag bringt insoweit eine Liiideriing, als an diesem heiligen Tage die Arbeit etwa uiii 4 Uhr nachmittags zu Ende ist. Ebenso meuscheiiivurdig wie die Arbeitszeit ist der Lohn des Wärters. Er betrögt 95 M. im Monat; ein Betrag, der aber dadurch unter Umständen nicht nmveseiitlichcn Kürzungen unterworfen ist, daß man den An gestellten ohne weiteres verpflichtet, alle etiva in den Badcräumen abhanden gekommene Wüsche sc. ans seiner Tasche zu ersetzen. Noch schliiiimer aber, als die Wärter, sind die Heizer in den Bade-Aiistallen daran. Diese begimien ihre schwierige und verantivortuiigsvolle Verrichtung bereits um 5 resp. 6 Uhr morgens und arbeiten— ebenfalls ohne Unterbrechimg— wie die Wärter bis 16 Uhr abends! Das Essen, das nun eiiinial immer noch der Arbeiter zu sich nehmen niub, müssen sie sich von Aiigehörigen ihrer Familie in den Maschinenraum bringen lassen, da irgend eine Person, die etwa einen Gang über die Straße machen dürfte, in den Bade-Anstallen nicht vorhanden ist. Wir wissen nicht, ob für den Fall, daß unter diesem Arbeitssystcm infolge Ueberaiistreiigiiiig und Ermüdung des Angestellten ein Unglück passiren sollte, der Magistrat den'Muth haben wird, die Verant- wortung dafür dem Arbeiter aufzubürden! Tic Pfcrdebahn-Statistlk zeigt mit jedem Jahre deutlicher, wie unberechtigt, ja wie nnsiiiiiig das Sträuben der Direklion der Großen Pferdebahn- Gesellschaft gegen die Eiiisührung des Z e h n p f e n ii i g- T a r i f s ist. Der im Durchschnitt gezahlte Fahrpreis nähert sich von Jahr zu Jahr mehr dem Satze von 19 Psemiigen. Er belies sich im Jahre 1894 ans 11,15 Pf. gegen 11,27 Pf. im Vorjahre und 11,32 Pf., 11,27 Pf., 11,66 Pf., 12,94 Pf. und so fort bis 13,99 Pf. in den letzten Jahre» rück- wärts bis 1379. Tie größte Einnahme ergab sich im Jahre 1894 mir 68,86 v. H. aus den Zehnpfennig- Fahrkarten, die an 94 956167 Personen oder 79,96 v. H. der gesaniinteii Fahrgäste verkauft wurden. Strecken von 15 Pf. benutzten 17 114 274 Per- sonen oder 14.25 v. H.. die mit 18,62 v. H. zu den Einnabmen beitrugen. 29 und 25 Pf. wurden von 5 989 31 1 und 1 897 846 Personen oder 4,99 niid 1,51 v. H. bezahlt, die 3,69»nd 3,29 v. H. der Einnahmen brachten. Mehr als 39 Pf. wurde mir in 227 306 Fällen, 0,19 v. H. bezahlt, was 9,54 v.H. der Einnahme ausmachte. Fahrscheine überhaupt wurden im Jahre 1894 inS- gesamml 129 994 994 ausgegeben, 817437 mehr als im Vorjahre. Ans Zeilkarten aller Art entstclen 11795 996 Fahrgäste, 882 563 mehr als im Vorjahr. Es gehört ja überall zu den als zeit- gemäß berechtigten Eigenthümlichkeiten, sich wünschenswerlhen und notbwendigen Reforme» ohne Angabe von Gründen zuwider- setzen. Da will denn natürlich die Pferdebahn-Gesellschast keine Ausnahme von der Regel machen. Ein Verein der Pscidcbahii.Zlbonlleilttil hat sich in Berlin lonslitnirt. In einer am Montag abgehalteneii Ver- faminlniig wurde beschlossen, eine Eingabe an die Direktion der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschast zu richten, in der ersucht wird, die Zeit für de» Umlausch der Abomieuieiits durchgängig von 10—4 Uhr seslziisetze». Späterhin sollen die weitergehenden Wünsche des Publikums vorgetragen werden. Der Jahre?- beitrag ist auf 1 M. festgesetzt. Im Laufe der Debatte, in der alle'Mißstände im Berliner Pserdebahnverkehr erörtert wurden, betonte man von einer Seite, die Direktion habe sich dahin geäußert, �daß sie nicinand— s o lange er die Agitation(d. h. das Streben für Verbesserungen bei den großstädtischen Verkehrsmitteln) i n gewissen Grenzen betreibe— maßregeln wolle. Wenn das wahr ist, zeigt dieser Ausspruch mit verblüffender Teiillichkeit, ivie die Gesellschaft ihre Rolle eigenllich auffaßt. „Entweder, ihr haltet euch in gewisse» Grenzen, oder ihr bekommt künftig keine Karten." Ein Mann, der Ausrufe ziim Beitritt in den Verein vcrlheilte und vor dem Direktorgebände iu� der Friedrichstraße Poslo gefaßt hatte, soll übrigens auf Veraiilassmig der Aiigestellteu der Gesellschaft sechsmal an einem Tage zur Wache sistirt worden sein. Vielleicht erleben wir es noch, daß ein Ukas der Gesellschaft mir denen das Fahren gestattet, die in einein Revers an Eidesstatt die Verpflichtung eingehen, sich jeder sensatioiielleii Agitation zu enthalten. Nimmt man Casta» doch beim Krage«? Eine im schauerlichsleii Deutsch gehaltene Meldung in dieser Sache lautet: „Ter. in einer Unteisi-chungssache gegen den Besitzer eines hiestgeu Cchauiiellnngs-Etabliffemcnts ergangene zurückweisende Bescheid der Claatsmiwallschast des Landgerichts I ist dieser Tage von einem hiesigen Blatte niitgelbeilt und besprochen worden. Wie nun die„Post" nieldet, hat der Erste Staatsanwalt am Landgericht I, welcher nach der bestehenden Geschäfts- vertheilung die Sache nicht selbst bearbeitet, sondern von der Sachlage erst durch die Tagcspresse 5ieiint>uß erlangt hat, sofort Veranlassung genommen. iiu Aussichtswege die Wicderanf- iiabme der Uiitersuchiing nnd die Anstellung weiterer Ermittelungen behufs vollständiger Feststellung des Thatbestandes anzuordne»." Abwarte»! Ob die bürgerliche Presse, die sich zum theil mit possirlicher Aengstlichkeit hütet, de» Name» des Sittlichkeits- Verbrechers zu nennen, auch soviel Rücksicht genommen hätte. wenn ein armer Teufel beim Stehlen einiger Schrippen ertappt worden wäre? Tie Influenza. Nicht minder als in den Gerichten und Verwaltungsbureaus macht sich die tückische Krankheit auch in de» Schulen bemerkbar. In einer Anzahl Sckiilen sind ganze Klassen geschloffe» worden, weil theils die Schüler, theils die Lebrer von der Influenza ergriffen sind. In der 126. n»d 143. Geiiieiiideschule in der Kulmstraße sind jetzt zwei Klassen geschlossen. An einigen Gcmeindeschulen fehlen sechs Lehrkräfte nnd niehr. Pindtcr hält es ohne ein Organ nicht länger aus nnd will, ui» eineiii eigenen, tiefgefühlten Bedürsiiiß zu genügen, vorab ein Wochenblatt'gründen. Es soll„Deutsche SonntagSpost" heißen und bei Otto Spanier in Leipzig erscheinen. Meldungen von Ministern veifloffener, gegenwärtiger oder auch zukünftiger Kurse, die etwas Offiziöses abzulagern haben, können vorab noch ent- weder von Pindler persönlich oder auch postlagenid unter der Chiffre„Mißdusl" berücksichtigt werden. Von dem Pflichtbewnsttscin de? AgrarierthnmS in Sachen des Arbeiterschutzes zeugt folgende il Millheilung der „Not.-Ztg.":„Mit Ordmingsstrafen bis zu 399 M. bedroht der Landrath des Niederbarninier Kreises alle diejenigen, welche in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben vorgekommene Unfälle garnicht oder nickt ordnungsmäßig oder nicht rechtzeitig zur Anzeige bringen. Wie der Landrath festgestellt hat, sind in neuerer Zeit wiederholt grobe Verstöße gegen die Anzeige- Pflicht vorgekommen." Die guten, staatstreuen„Bauern"! Stadtiiltestcr Tr. Hofmann ist am Montag Hierselbst, 74 Jahre alt, an der Jnstuenza gestorben. Sehnsucht nach der Prügelstrafe giebt ein, nach seiiiem gewiindenen Teuisch zu nrtheilen. juristischer Milarbeiler der hiesigen„Baugewerks- Zeitung" zu erkennen. Man höre sein« Klage: Bedauerlichenveise hat die medizinische Missenschast alS ErfahtungSsatz ausgestellt, daß Ohrfeigen deshalb ein schädliches Zivangsmiltel seien, weil in einzelnen Fällen solche von der Wirkung begleitet waren, daß wegen Zusammentreffens un- günstiger Umstände daraus nachthcilige Folge» für die korper- liehe Unversehriheit sich herausgestellt hatten und daraufhin das Reichsgericht wiederholt auch ebenso in einem Urtheile vom u. s. w. „Bedauerlicherweise" ist manchem rohen Prügelpädagogen und solchen, die sich die Macht zu strafen anmaßten, das formale Recht abgeschnitten worden. Menschen durch Zertrümmerung des Trommelfells zeitlebens unglücklich zu machen. Ein neuer Massen-Presiprozesi? Einer Meldung zufolge will der Stadtrath von Bremerhaven alle Zeitungen ge- richtlich verfolgen lassen, welche die Mittheilung eines hiesigen Blattes weiter verbreitet haben, wonach die Stadt die Frau eines Opfers der Elbekatastrophe hohe verhungern lassen. Als Ber» breiterin dieser angeblich unrichtigen Nachricht wird eine in Bremerhaven wohnende Schauspielerin genannt. Zeugen gesucht! Die Passanten, welche am Sonntag Morgen zwischen 7— T'/e Uhr der Affäre beigewohnt haben, die sich in der Putbuserstraße zwischen Schutzleute» und Zivilisten abgespielt hat, werden dringend ersucht, ihre Adresse bei Reimann, Putbuserstr. 30 abzugeben. Münzenfund in der Mark. Ein bei Spercnberg im Kreise Teltow vor einiger Zeit ausgegrabener Fund römischer Kaisermünzen enthält Prägungen einer beinahe ununterbrochenen Reihenfolge der Kaiser von 81 bis 211 nach Chr. Geburt, nänilich: Domitian, Nervo, Trajan, Hadrian, Antonius Pius, Markus AureliuZ, Faustina(Gemahlin des letzteren), Crispina (Gemahlin von Commodus), Julia Doinna(Gemahlin von Septimnius Severus). Die Münzen sind bedeutend abgegriffen und müssen deshalb längere Zeit im Unilaus gewesen sein. Sie sind an das Märkische Museum geschenkt worden. Zum Konkurs der Uraniasänlen- Gesellschaft wird bc- richtet, daß Stadtralh Voigt beauftragt ist, mit der Konkurs- Verwaltung wegen des weiteren Betriebes der Säulen in Unter- Handlung zu treten. Eine Bombcngeschichte. Der Schauplatz der That ist die Gipsstraße. Zeit: die Dämmerstunde. Bor einem Hause hat eine größere Anzahl Menschen Posta gefaßt; der Hinzutretende erhält die Auskunft:„Drinnen liegt eine Bomb e. Ich habe das Flimmern deutlich gesehen," fügt eine Frau zähneklappernd hinzu. Die Erregung wächst; alle möglichen Ralbschläge, wie das Ding zu beseitigen sei, werden gemacht. Endlich erscheint ein Schutzmann von der Polizeiwache. Er geht an den grausigen Gegenstand heran, berührt ihn mit dem Fuß... da entpuppt sich die angeblich glimmende Bombe als ein großer Gummiball, der, durch einen klaffenden Riß untauglich geworden, von einem Knaben fortgeworfen war. Ein Pistolendnell zwischen zwei Studenten soll einem Charlottenburger Blatt zufolge am Sonntag früh im Grunewald stattgefunden haben. In der Angelegenheit der verhafteten Gräsin Perponcher hören wir, daß nunmehr jeder Zweifel über den Personenstand der Verhafteten schwinden niuß, da es feststeht, daß dieselbe in der That die rechtmäßige Gattin des ehemaligen Referendars und jetzigen Rittergutsbesitzers Grasen P. ist. Letzterer ist aus dem schnellsten Wege auS Kairo hierher geeilt und dürste baldigst vor dem Untersuchungsrichter vernommen werden. Ein recht erheblicher Dachbodenbrand hat in der Nacht zum Dienstag das Grundstück Kursürstenstr. 113 auf Charlotten- burger Gebiet betroffen; es sind von ihm die Dachböden und Tachstühle der sämmtlichen drei Unifassungsgebäude des Grund- stücks zum wesentlichsten Theile zerstört niid die Nachbarschaft auf äußerste gefährdet worden. In bedenkliche Gefahr geriethen mehrere Leute der Charlottenburger Feuerwehr, die über die mechanische Leiter in das Dachgeschoß eingedrungen waren; sie wurden durch die Flammen vollständig abgeschnitten, und nur besonders glücklichen Umständen ist es zuzuschreiben, daß sie ohne den Sprung in die Tiefe in das be- reit gehaltene Sprungtuch zu unternehmen, sich haben retten können; ein Oberseuermann hat dabei schwere Brandverlctzungen an den Händen davongetragen, er wurde von hiesigen Samaritern verbunden. Die von hier ausgerückten Löschzüge kehrten um >/sö Uhr früh in die Wachbereitschast zurück. DienstagÄorm. lO3/* Uhr ging von dem Feuermelder in der Wichmannstraße abermals das Alarmsignal ein, welches die Feuerwehr wiederum nach der Brandstätte in der Kursürstenstraße führte, wo einzelne Dach- sparren wieder in Brand gerathen waren. Tic verschtvniidene MillionärStochtcr ist wieder da. Ida hatte eine Freundin in Frankfurl a. O. ein bischen über raschen wollen und sich zu diesem Zweck auf auch ohne Papa und Mama zu instruiren. Kind glücklich wieder daheim. Ein höchst merkwürdiges Ergebnist des Bäckergesellen Markwardt gehabt haben. vor dem Backofen der Bäckerei Gäblerstr. 80 in Weißensee auf einem Stuhl sitzend todt aufgefunden wurde. Der Tod des Ge- sellcn ist durch Erstickung herbeigeführt worden. Vermuthlich die Beine gemacht, Jetzt ist das gute soll die Obduktion Der am Sonnabend hat der Wind auf den Schornstein der Backstube derartig stark gedrückt, daß die aus dem Heerde abziehenden, unverbrannten Gase keinen Ausweg fanden und aus der Feuerungsöffnung bervorströmten. M., der vor dem Backofen auf einem Stuhle saß und wohl eingeschlafen war, athmete die giftigen Dämpfe fo lange ein, bis der Tod eintrat. Der Fall steht in der Chronik der Betriebsunfälle vereinzelt da und mag für alle diejenigen Personen, denen die Verantwortung für die gute Ventilation der Heizeinrichtungen obliegt, als Warnung dienen. AIS vorsichtige Diebe haben sich die Einbrecher erwiesen, die am Sonntag Morgen der Wohnung des Pfarrers Kleineidam in Charlottenburg einen Besuch abgestattet halten und trotz der Ueberraschung entkommen waren. Zu dem erbeuteten Gelde ge- hörten zwei'Koupons über 20 bezw. 40 M. von Meininger Pfandbriefen. Diese hätten den Dieben verhängnißvoll werden können bei der Verausgabung. Deswegen entschlossen sich die Einbrecher kurzer Hand, sie dem bestohlenen Geistlichen am Mon- tag in einem Brief zurückzusenden. In hilflosem Zustande wurde am Montag Abend gegen 7 Uhr ein junger Mann vor dem Hause Potsdamerstraße 3 auf- gesunden und nach einem Krankenhause gebracht. Es ist der 13 Jahre alte Arbeitsbursche Paul Hopiemann aus der Land- wehrstraße 20, der sich eine schwere Rückgratsverletzung zu- gezogen hatte. Wie er zu der Verletzung gekommen ist, hat sich noch nicht aufklären lassen. Arbeiterrisiko. Abgestürzt ist am Montag Nachmittag gegen 2H- Uhr von einem Neubau an der Ecke des Reichstags- Users und der Neustädtischen Kirchstraße der 34 Jahre alte Maurer August Lutz. Er verlor das Gleichgewicht, siel etwa 4 Meter tief und zog sich eine so erhebliche"Fußverletzung zu, daß seine Ueberführung nach einem Krankcnhanse nothwendig war.— Noch nicht ermittelt ist die Persönlichkeit eines Mannes, der in der Nacht zum 2. d. M. gegen ein Uhr auf der Treppe des Hauses Friedeustr. 73 röchelnd aufgefunden und mit Hilfe eines Schutzmannes nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht wurde. Dort ist er inzwischen gestorbe», ohne daß er zum Bewußtsein zurückgekehrt ist, und seinen Namen hat nennen können. Ten einzigen Anhalt zur Feststellung der Person bietet das mit dein Zeichen ck. B. verscheue Taschentuch. In den Landivehr- Kanal ist am Sonnabend der Schuh- macher Jakubeit, der Waterloo-Ufer 10 wohnte, gesprungen. Die Leiche ist noch nicht aufgefunden worden. Polizeibrrichk. Am 4. d. M. vormittags gingen in der Greifswalderstraße die Pferde einer ilutsche durch. Der Kutscher wurde dabei vom Bock geschleudert und anscheinend schwer verletzt.— In der Ackerstraße wurde vor der Markthalle ein Arbeiter durch eiueu übermäßig schnell fahrenden Arbeitswageu gegen einen stehenden Wagen gedrückt und dabei so schwer verletzt, daß er einige Stunden später im Krankenhause starb.— An der Ecke der Herms- dorfer- und Ackerstraße wurde eine Frau durch ein Brett getroffen, welches ein Kutscher beim Abladen seines Wagens herabwarf und schwer verletzt.— Nachmittags ging in ber Potsdamer- straße das Pferd eines Geschästswagens durch und rannte mit einer Droschke und einem Arbeitswagen zusammen. Dabei wurde ein auf dem letzteren sitzender Arbeitsbursche herab- geschleudert und innerlich anscheinend bedeutend verletzt.— In der Dresdcnerstraße wurden ein Mann durch eine Droschke, au der Ecke der Köpeuickerstraße und des Engel-Ufers ein Manu durch einen Pfcrdcbahuwagen und an der Ecke der Manteuffel- und Skalitzerstraße ein Mann durch einen Geschäftswagen über- fahren und sämnitlich schwer verletzt.— Im Laufe des Tages fanden S Brände statt. WittcriingSiibersicht vom 5. März 1895. Wetter-Prognose für Mittwoch, 6. März 1893. Lorherrschend wolliges Wetter mit schwachen südwestlichen Winden, geringen Niederschlägen und langsam steigender Temperatur. Berliner Wetterbureau. GeviÄ;kSrBeiknui|. Unter der Anklage des fahrlässigen Meineides stand gestern der Kapellmeister M e y d e r vor der 3. Strafkammer des hiesigen Landgerichts I. Meyder war im Jahre 1892 Besitzer eines Konzerthauses in Frankfurt a. M.; das zu demselben ge- hörige Restaurant wurde von seiner Frau und seinem Geschäfts- sichrer B ü n g e r verwaltet. Zwischen letzterem und ihm kam es schließlich zu geschäftlichen Zwistigkeiten, die einen so scharfen Charakter annahmen, daß Herr Meyder den Bänger wegen Unterschlagung zur Anzeige brachte. In dem diesbezüglichen Strafverfahren, welches mit der Freisprechung des Beschuldigten endete, wurde auch Herr Meyder vernommen nnd er soll bei dieser Gelegenheit sahrlässigerweise etwas beschworen haben, was den wirklichen Thaisachcn nicht entsprach. Auf grund der ein- gehende» Beweisausnahme beantragte Staatsanwalt Dr.B e n e d i x das Schuldig und 14 Tage Gefängniß, während Rechts- auwalt Dr. D a n i e l e w i c z die Freisprechung beantragte. Der Gerichtshof gewann nicht die Ueberzeugung von einem strafbaren Verschulden des Angeklagten und sprach ihn frei. In dem Kampfe, de» der ehemalige Pferdebahu- schaffuer Heiurich Verg gegen den Prediger Dr. Schwabe führt, hat sich seit einiger Zeit der Wind gedreht und an stelle der Anschuldigungen, die Berg gegen den Prediger Schwabe er- hoben hat, sind jetzt schwere Beschuldigungen gegen ihn selbst getreten. Berg hat bekanntlich im Verein mit seiner Tochter Emilie die Behauptung aufgestellt, daß Prediger Dr. Schwabe seiner Tochter die Ehe versprochen habe und der Vater eines von der Tochter geborenen Kindes sei. Dr. Schwabe hat dies eidlich in Abrede gestellt, Berg und Tochter sind aber immer wieder hartnäckig auf diese Behauptung zurück- gekommen. Jetzt wird nun behauptet, daß Berg selbst der Vater des in Frage stehenden Kindes sei. Er und seine Tochter Emilie standen deshalb gestern unter der Anklage der Blutschande vor der II. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Die Verhandlung, welche unter Ausschluß der Oeffentlchkeit stattfand, dehnte sich sehr aus und mußte gegen Mittag auf mehrere Stunden unterbrochen werden, da es darauf ankam, eine Zeugin, die für Entscheidung der Schuldsrage von Bedeutung war, zur Stelle zu schaffen. Um 7-/2 Uhr wurde das Urtheil verkündet. Der Gerichtshof hielt beide Angeklagte des Verbrechens der Blutschande für über- führt nnd verurtheilte den Angeklagten Berg zu anderthalb Jahren Zuchthaus und Zjährigem Ehrverlust, die Tochter, welche zur Zeit eine Gefäilgiiißstrafe verbüßt, zu einer Zusatz- slrase von sechs Monaten. Die letztere betheuerte unter Weh- klagen ihre Unschuld, Berg erklärte, sich bei dem Urtheil nicht beruhigen zu wollen. VevunMikes. Eisenbahnunglück. Aus Lübeck wird vom 4. März be- richtet: Der nachts von Hainburg eintreffende Schnellzug ver- uuglückte bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhof. Drei Wagen wurden umgestürzt. Von den Passagieren wurden einer schwer und drei leicht verletzt. Ueber eine Schiffskataftrophe wird ans Neapel vom Montag berichtet:-Der der Orientlinie gehörige Packeldampfer „Oroya" strandete heute Vormittag bei der Ausfahrt aus dem Hafen. Bon der aus 160 Mann bestehenden Besatzung und den 280 Passagieren konnten bis zum Abend 70 aus Boote» gelandet werde». Ein Boot schlug um, drei Matrosen des„Oroya" ertranken. Der Sturm hält an. Man hofft, das Schiff morgen wieder flott zu machen. Vvisfftslfcn der Redakkion. Wir bitlen bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unier der die Aniwori eilhetll werden soll. posks iaureatus. Gedicht an die Redaktion der„Neuen Well", Steinmetzstr. 48, geschickt. O. Schmidt. Wollen Sie näher angeben, waZ Sie ein« gesandt haben. Werder. Zu I: Die Verwandten haben ein Frage 2 ist>ii cht verständlich.— 99. Zu 1: Ja. Zu auf die Art der Schulden an.— P. B. 599, 1999. Sie in unsere Sprechstunde.— A. B. 199. Nein.— N. O. Ja.— N. Z9. Zu 1: Nein. Zu 2: Es genügt im Roth- fall, wenn Sie das Attest erst vor dem Reichs- Versicherungsamt beibringen.— Groffing. Sie wenden sich damit am besten an die Jnvaliditätsanstalt. Erbrecht. 2 kommt Kommen VviekkaPken der Expvdikimu A. I. Ä1. Sie können die Heste in unserer Buchhandlung, Benthstr. 2, haben, oder senden Sie uns den Betrag(inkl. Porto) 70 Pf. ein, worauf Znsendung erfolgt. K. 199. Sie finde» darüber etwas in„Grundsätze und Forderungen" von Kauteky und Schoenlank. Unserem Sanges- und Annonzen- bruder Mertens zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreifaches Hoch! 2967b Allegro. Uj Nachruf.|| LoMmck. WWerein für des K.Bttl.ReiAtkgs-Wchlkreis. Am Freitag, den I. März d. I. ver- starb unser langjähriges Mitglied, Genosse 284/19 rrieöried Nsder, Zeitungsspeditour, plötzlich an der Influenza. Ehre seinem Andenken. Der Vorstand. Für die Theilnahme bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage alle» Freunden und Bekannten, sowie dem Verein„Musikfreunde" memen herz- lichsten Dank. 2389b Die trauernde Wittwe Polak. Danüsagnug. Für die innige Theitnahme beim Be- gräbiijß meines lieben Mannes sage ich der freien Vereinigung der Berliner Zeitungsspediteure ünd-Verkäufer,sowie den Genossen des 8. Wahlkreises und allen übrigen Leidtragenden meinen herzlichsten Dank. 297öb Wittwe Nieder nebst Kindern. Mllvtt-Cjsr St. Wikh Da? neue Vereinslokal b. findet sich von Donnerstag ob bei Tutzaner, Admiralstraste 38.' 152/3 Sozialdemokratischer Wahwerew für den 2. Zeel. Reichstags-Wahlkreis. nrc � I u n w. w e v* s Mittwoch, den 6. März, abends 8Va Uhr, im Lokale von Rioht-ing, Admiralstr. 18c. Tages-Ordnnng: 40/2 I. Vortrag des Genossen 9. l-edsdonr über:„Umsturz des Rechts, der Wissenschaft und der Kunst." 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten, event. Anträge und Fragen. SKF* Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. 0««» Vop.tanU Sozialdemokratischer Wahlverein für den G.Berliner Reichstags-Wahlkreis. e r fa m m l u n g e n USF' für den Gesundbrunnen"WU am Mittwoch, den«. März, abends 8'/* Nhr, im Saale des Herrn Schnlz, Stettiner Straße Nr. 57, gM" für die Schönhauser Vorstadt Donnerstag, den 7. März, abends S1/- Uhr, in Schneidcr's Salon, Belforter Straße Nr. IS. 234/18 Tagesordnung in beiden Versammlungen: Diskussion Über das Erfurter Programm. Vereins- angelegenheiten. �ragekasten. vsr VorstanS. LsncsLSUschaffs- üachcrci für Barlin und Umgegend. (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Auf die am Donnerstag, den 7. März, abends 3 Uhr, in den Ärminhallen, Kommandantenstraße 20, stattfindende DM" Ausseroröentliclie General-Versamialuug werden die werthen Genossen hiermit nochmals aufmerksam gemacht. 88/18 Her Vorstand Fachverein der Tischler. Mittwoch, den 6. März, abends 81/« Uhr, bei Zubeil, Raunyustraße 8S: � M GeneraS-Me�sammlung. � Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Bericht deS Vorstandes und des Bibliothekars. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 23814 Her Vorstand. Stte(Mepjcit! ardinen- Beste! Beliebig a n s z u s u ch e»«. Nur prima Waare. a Pfund 50 PI. bis 1,00 Hark. wÄrJ. Adler, Kpaudaurrstr. 30, vis-ä-vis dem Rathhause. i MAls»-KL'Ä..-L Jordan, Kleine Markusstr. 28.' o pH aPlüsch- in glatt, gcprcht und ge- wedtrn QuitUtäte», auch echt Frisä und Moqurt, enthaltend 9 bis LA Meter, spottbillig! Muster franko! SS- aitWll#- ä. Emil Lctövre, Berlin L., Oranteustr.läS. Vereinszimmer zu verg. Krautstr. 39 77 kiiiizLnstrasse 77. Zum gemiithliche» Pikett Billiger Einkauf für Arbeiter in Herren- u. Kuabengarderobe. wenig getragen und neu. Virthshans „Zum eichenen Stab" C. Schöning, Stallsohreiberstr. 29. Weiß-, helles und echtes Bier, warme Speise» und Getränke zn jeder Tages- zeit. Vereiuszimmcr für ca. 80 Per» sonen noch mehrere Tage frei. 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Unsere Rentiers. jtationat- Sheatrr. Die lebende Brücke. Aleraudrrplah-Theater. Dorf und Stadt. Deich»halleutheater. Spezialitäten- Vorstellung. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann'» Kariöt«. Spezialitäten« Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Sehiller-Theater. (Wallc*ep> Theater.) Mittwoch, 6. März, abends 8 Uhr §u in!. Male: Gracchus, der olkvtridun. Trauerspiel in b Allen uo« Adolf Wilbrandt. Donnerstag, 7. März, abends 6 Uhr: Der Kchwadenstrcich. Freitag, 8. März, abends 3 Uhr: Der zerbrochene Krug.— Frauen- Kampf. Konnabcnd, v. März, abends 8 Uhr vrarchu», der DotKotrlbun. Konntag, tt). März, nachm. 3 Uhr: Der Kchwabenstreich.— Abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Adolph Ernst-Theater Auftreten der ersten Pironette- n. Courbette-Tänzerin Englands vom Princc of Wales-Theater in London Ein fideles Corps* Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„A Gaiety Olrl" von Jones Sidney. frei dearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: Gestndeverll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Ansang TVa Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Centrai-Theater A ite Zalrobstrahe|tr. 30. Emil Thmils a. G.- »eeität l Zum 10. Male: Novität Unsere Uentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mannstädl und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang ll2S Uhr. Morgen Donnerstag: Aheehiecks- Vorstellung. Circus Renz Carlstrasse. Mittwoch, den 6. März 1895. abends 7l/2 Uhr: Wiederholung des Programms der Revekz-VorsteUnng von dem beliebten Clown and August Kr. Lavater Lee. Grosses Amatonr-Springen zwischen Mr. Lavater Lee und einer Anzahl Dilettanten. Mr. Lavater Lee als Kiss Florida zu Pferde. Mr. Lavater Lee in seinen neuen komischen Entrees. Außerdem Austr. der hervorragendsten Künstler- Spezialitäten, Vorführen nnd Reiten bestdressirter Freiheits-, Spring- und Schulpferde.— Zum Schluß der Vorstellung: TJo Ni En. Beim Jahreswechsel in Peking. DKM" Neue Musik-Einlagen.-WS Ansstellung einer Flasche Geld im Laden des Herrn Louis Krallt, Frle driehstrasse 116. Morgen Donnerstag: Abschieds- Tersteliong: Tjo Ni En. Fr. Renz, Kommissionsrath. Steviptl-�M�Abjeilhell- ...... National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. JW" Sensationelle Novität! WS Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calder Mit neuen Dekorationen und Kostümen. Die lekmte Brücke. (The span of Life.) Großes Scnsationsschauspicl mit Musik in 4 Akten(11 Bildern), nach dem Eng- tischen von Sutten Vane, übersetzt von t. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedeche. lektr. Beleuchtungseffekle v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Kassenöfsnung 6'/, Uhr. Ans. 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Kaufmamis Variete. „Station Naucke." Das neue März-Ensemble hat mit grossem Erfolg debutirt. 100. Auftreten von Emil Naucke! Stürmischer Lachcrfvlg. 9l/2 Uhr: Pauline vom Ballet. Naucke als Ballet-Parodist. Imman's Voggen-Clrcns. Kr. Tony Nelson. Elly Carlo. Coriy u. Eappo, Exceutrics. Die schöne Seiltänzerin Frl. Immans Morles Spiele. Stephanie n Behrens Drei Schwestern Sylviar. Vorzügl. Programm. 16 Nummern In Vorbereitung: Knolpgenies. Anfnnfl des Konzerts 6 Uhr. Ansang 6ct Borstell. 7 Uhr. Wochentags 7>/s Uhr. u s I?» s AuLtalt für volkstdürnUelie Rsturliuuäe. Am Lanckss Ausstsliungspark (Lehrter Bahnhof). GvEkfnot von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Feen-Palast Snrgstr. SS, ncdcn dcr Körsc. Xeues eollo88.1I. rroxrtimm. Die 8 Grunathos. Die iiiijterioien Lilipiitner (darunter die kleinste Serpentin- Tänzerin der Welt). Cousin August m. seinem brasilian 0raug-vtang.-WT Littlo Ella, das Wunderkind. Mr. Paolo Veudaro. Lilly Wellini, Kostüm-Soubrette. Wilhelm Fröbel, Berlins I. Orig.-Humor-Matador. Gisella-Trio. The 4 Original- Dissenatos. Brothers vlrioos. Anfang: Wochent. 7t/2 Uhr, Sonn- tags: Konzert K'/eUhr, Vorst. 7 Uhr. BastAii'L Bauoptikum. MNoch nie dageniesen!� Di« Uicsen dcs dnnhrln Erblhcilo: Nie villllg, 40 Männer, Kranen u. Kinder. Bas scheolrige Mädchen Marietta. „psSZillellt ßsilte". Passage-Panopticuni. Das Riesen-Kind mit den 24 Fingern. DM-Dmimi TempelHofer Berg. 57. Bock-Saison. Militär- Konzert. Anfang S Uhr. Sonntage 4 Uhr. Untor den Linden 21. AN. Jeden Sonntag Nachmittag o,i«Wi..h.Ali-ÄÄ! Zauber und Wunder. Täglich Anfang zu halb. Preisen. Bey's 1,8 Uhr. Achtung! Achtung! Sonntag, den 10. März 1895, vormittags 10 Uhr: Motejl-Fersammlmtg gegen die Einsiilptig eines Zolles nnf Onebrncho und olle nnsländislhen Gerbstoffe in Eouis Xeiien's EestsZiion, Koppenstraße 29, für alle in der Uedev- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Lohgerber und Lederzurichter, Weißgerber und Lederfnrber, Sattler und Tapezirer, Handschuhmacher, Galauterielvaareu- und Lederarbeiter, alle in der Schuhmaareu- Fabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Stepper und Stepperinnen, Färber und Textilarbeiter, Kürschner zc. Tag es-Ordnung: i. Die Kedentmrg eines Zolles auf Anebracho und andere Gerdstoffe. Referent: Reichstags-Abgeordneter E. Viurm, 2. Diskussion. Arbeiter und Arbeiterinnen! Bei der großen Bedeutung des in Aussicht ge- nommenen Zolles für unsere gesauunten Erwerbsverhältnisse in der Lederwaaren- Industrie ist es Eure Pflicht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Anch säntmtiiche Ardeitgeder und Interessenten find hiermit zn dieser Dersammlnng eingeladen. 0. Lusse, Lobgerber und Lederzurichter. Arendt, Weißgerber, vittwer, Stepper. Volluusnn, Sattler und Tapezirer. Hin2, Handschuhmacher. Christian, Galanteriewaaren- und Lederarbeiter. Villner, Hildebrandt, German, Schuhwaareu-Fabrikation. Vier, Kürschner. Lindig, Färber. Keimann, Textilarbeiter. Der Einbertifery 2902b G. Busse, Sophienstraße 28-29. Parodie-Theater Granikn-Ktvaste 52(am Moritzpl.). Madame Sans-Gene. Vorher: Granh Cüsd llnflilietjiiliiiiii, Zum Schluß: MeuuQth. Avis! Mittwoch, 0. März: Nach Beendigung der Vorstellung: Letzter diesjähriger Bühnen-lllashenball, vsr- anstallet von den Mitglieder» des Parodie- Theaters, unter'Betheiligung uo» Kräfte» hiesiger Bühnen und Zvenalitälen-Tbeater. Louis Keller's Riesen-Festsäle.! 29, Koppanstrasae 29. Mittwoch, den 6. März: Humoristische Soiree der beliebten Norddeutschen Sänger (Dir. Steinmetz). Tleu! Hr. Alex. Hohenberg Neul 1 als Balletense u. Spitzentänzerin. l Ans. 8 Uhr. Bons giltig. Entree 30Pf l Nachdem: l-anahranachen. Louis Keller. NB. Diese Soireen finden jeden Mittwoch statt. Orts-Rranhenhasse der Möbelpolirer. General- Versammlung Sonntag, den 10. März 1895, Nachm. 2 Uhr, bei Wilke, Andreasstr. 2S. Tagesordnung: 1. Bericht des Siendanien. 2. Bericht der Revisoren, Decharge-Ertheilung. 3. Ergänznngswahl eines Vorstands- miigliedes. 4. Anträge. 201/5_ Der Vorstaub. Herrn. Ramlow's Veiss- n.Bairisch-Bierlokal. Zimmer(60—80 Person.) für Vereine u. Festlichkeiten,"d OK lOO Kchönhanser Allee AOv. Englischer Hof Urne Uoßstr. 3. FWle uiid BertiilsziUmer. Armin-Hallen Koininandanteustraße Nr. 20 Tiile m) Vereikszimiiitr SB von 20-000 Uerkone». SB Central- Kranken- und Sterbe-Kasse der Tabakarbeiter Deutschlands. GcrNiche Ucrwultung Krrlin I unb Kcrliu II. Mittwoch, den 6. März er., abends SV, Uhr, bei Neue Friedrichstraße 44 ROIIig, Mitglieder-Uevsnmmlnng. Tages-Ordnung: Der Anschluß an die Kerlincr Uerbaud«- stommissto» freier eingrl'chricbencr Kilfshassc» nnd dadurch hcdinstc Umänderung deo Aeritemefen». 24112 Die Ortsverwaltimg' Berlin I. n. Berlin II. I. 31.: Karl Butry. Verbstil!» aller in bcr Metalliiilillsirie beslbststigten Arbeiter KerNn» und Umgegend. Heute Mittwoch, de»«. März, abends 8'� Uhr BezirkS-Versstistnilststg für de» We» im Restaurant Sass, Kursürstenstr. 31. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen G. Wagner über:„Der Befähigungs- Nachweis". 2. Diskussion. 8.'Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbands- angelcgenheiten und Verschiedenes. 193/14 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Uorstand. Große öffentliche Versammlung der. M Händler u, Händlerinnen'-M am Donnerstag, den 7. März, abds. 8 Uhr, im Altra Kchutzcnhauf«, Linic-iftrastc b. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordncten Bsisshsan über:„Ist in der Heutigen Gesellschaftsordnung der Hausirhandel berechtigt"? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Eämmtliche Händler und Interessenten des Hausirhandels sind sreun blichst eingeladen. 123/17 -- Tellersammlung."MU Der Vertrauensmann: B.Sas». Tapezirer. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Tapezirergehilfen Hiittmooh, ohend. S1/2 Uhr, in den Arminhalien, Kommandantenstraße 20. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Agitationskommission. 2. Gewerkschaftliches. 233/8 I. A.: G. F r« i w a l d t. Achtung! Mkdlllvsllerg. Achtung! Donnerstag, den 7. März, abends 8� Uhr, in Schneider s Gesellschaftshans, Proskauerftr.»8: S9/1 Große ösfentliche Volksoersomlustg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:„Unsere politische Lage und die Tabaksteuer." Referent: Reichstags- Abgeordneter Prllz Zubell. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Bierboykott. jjjßF' Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Un, zahlreichen Besuch bittet vor Vertrauensmann. KUnstl. Zähne 2 M. Tollst, schmerzl. Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 U. Reparat. sofort. Theilzahlnng. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 8-7Dbr.[20116 Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SV.,«euthstraße S. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 53. Mittwoch, den 6. März 1893. 12. Jahrg. DnrlÄtnentsverrrhte. Abgeordnetenhaus. 3S. Sitzung vom 5. März. II llhr. Am Ministertische: v. Berlepsch und Kommissarien. Die zweite Beralhung des Etats wird fortgesetzt mit dem Etat der Berg-, Hütten- und Salinen-Ver- w a l t u n g. Bei den Einnahmen bringt Abg. Graf Strachtvitz die schlimme Lage der oberschlesischen Eisenindustrie zur Sprache. Die Preise für Roheisen seien in den letzten Jahren rapide ge- funken und die Privalindustrie sei noch in einer größeren Roth- läge als die fiskalischen Werke. Die Eisenindustrie beschäftigte tausende von Arbeitern, der Staat habe also ein lebhaftes Interesse an ihrer Blüthe. Der Rückgang der oberschlesischen Eisenindustrie komme zur Erscheinung in der Sieduktion der Arbeitslöhne, der fiskalischen Fettkohle, aufweiche die fiskalischen Gruben gewissermaßen ein Monopol haben. In- folgedessen seien zahlreiche Oefen ausgeblasen und viele Arbeiter entlassen worden und der Absatz gehe von Jahr zu Jahr zurück. Redner bittet deshalb den Minister, die Ermäßigung der Fett- kvhlenpreise in wohlwollende Erwägung zu nehmen. Minister v. Berlepsch: Die Staatsregierung bringt dem Gedeihe» der oberschlesischen Eisenindustrie das lebhafteste Interesse entgegen. Ich möchte aber darauf verweisen, daß die fiskalischen Werke sich augenblicklich in einer recht prekären Lage befinden. Ter Fiskus hat auch die Lage der Arbeiter in seinen Kohlengruben zu berücksichtigen. Sobald wir die Preise erheblich heruntersetzen, müssen wir auch Feierschichten für die Arbeiter einfthren und diese also ebensalls schädigen, wie es bei den Eisenarbeitern der Fall ist. Es ist wünschenswerth, die Preise möglichst stabil zu erhalten. Die Lage der oberschlesischen Eisen- industrie verdient gewiß alle Rücksicht; die Preise sind aber that- sächlich nicht zu hoch. Abg. Gothein(frs. Vg.): Der Nothstand der Eisenindustrie könnte durch billigere Kvhlenpreise allein nicht gehoben werden, aber dies wäre doch wenigstens eines der Mittel dazu? Bor allem müssen auch die Eisenbahntarife ermäßigt werden, an denen auch die Bergverwaltung an sich ein großes Jnier esse hat. Minister v. Berlepsch: Ich habe als Handelsminister aller dings für die Privatindustrie Interesse. Ein Minister, der selbst große fiskalische Betriebe hat, tritt selbstverständlich für Ber billigung der Frachten ein, aber der Handelsminister hat allein nicht darüber zu entscheiden, er hat vielmehr auch aus die finanziellen Interessen des Staates Rücksicht zu nehmen. Abg. Stöyel(Z.) meint, daß sich bei anderer Betriebs eintheilung die Arbeiterentlassungen hätten vermeiden lassen, und wünscht baldige Vorlegung des Gesetzes über Arbeiterkammer» und Verufsvereine. Bei korporirten Berussvereinen sei die sozial- demokratische Gefahr nicht so sehr vorhanden, wie bei den freien Vereine». Bei der Errichtung der Gewerbcgerichte haben die evangelischen und katholischen Bergarbeitervereine großen Einfluß auf die Wahlen der Beisitzer gehabt. Der Gewerkverein der Bergarbeiter iin Rlthr gebiet nehme über- Haupt keine Sozialdemokraten auf. Uebelnehmen könne man es allerdings diesen Vereinen nicht, wenn sie nach besseren Arbeitsbedingungen streben. Abg. von Mendcl-TteinfelS: Wenn wir nicht anders angemessene Kalipreise bekommen können, so wünschten wir das Ausscheiden des Staates aus dem Syndikat im Jahre 1638. Der Staat hat aus dem Kali einen Gewinn von 30 pCt.. während die Landwirthschast, die das Kali nöthig hat, Roth leidet. Unter dem neuen Syndikatsvertrag kommt das Kali trotz der Reduktion von S pCt. der Landwirthschast noch theuerer zu stehen als früher Durch die Theilnahme an privaten Ringen bindet sich der Staat in unwirthschafllichcr Weise. Minister v. Berlepsch: Welche Stellung zu diesem Ver- trage beim Ablauf 1898 die Regierung einnehmen wird, kann ich noch nicht sagen. Die Regierung ivird ihr Eintreten in ein neues Syndikat aber von Erwägungen über ihren Einfluß auf die Gestaltung der Preise für die einheimische Landwirthschast abhängig sein lassen. Die Einnahmen aus den Bergwerken werden bcwslligt. Bei den Einnahmen aus den Hütten hält Abg. Arendt seine bekannte bimetallistische Rede. Abg. Bucck(»all.) will der Legende entgegentreten, daß in der Silberkonimission die Goldwährungsmänner in der Majorität gewesen seien, und stellt fest, daß 8 Bimelallisten und 7 Gold- Währungsmänner in der Kommission gewesen seien. Abg. v. Waldotv(f.): Wir sind der Ansicht, daß die Silber- »ntwerthung und die stelig wachsende Kaufkraft des Goldes sehr erheblich an der wirthschaftlichen Depression schuld ist, unter welcher hauptsächlich die Landwirthschast leibet. Abg. v. Tiedemann-Bomst(srk.) erklärt namens seiner Freunde, daß sie angesichts der Erklärungen des Reichskanzlers und der bevorstehenden Verhandlungen des Staatsraths eine Diskussion dieser Frage nicht für geeignet halten. Herr Arendt habe nur in seinem eigenen Namen gesprochen. Abg. v. Eyner»(natl.) meint ebenfalls, daß eine Währungs- debatte in diesem Hause jetzt keinen Zweck habe. Herr Arendt werde mit seiner be>timmten Stellungnahme seiner Sache keinen Dienst erweisen. Darauf wurde die Debatte geschlossen. Nach Uhr wurde die weitere Berathung des Etats auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. Gecirftks-Zetkung. Gewcrbegericht. D i e jetzt so viel umstrittene Kündigungs- f r i st der Heimarbeiter ist kürzlich von der Kammer 1 l unter Assessor v. Schulz in einer Entscheidung anerkannt worden, im Gegensatz zu der bekannten landgerichtlichen und vielen neueren Entscheidungen der Kammer I. Moderne Fortschritte im Postwescn. Tie Streitfrage, ob die Postbehörde oder der Adressat Eigenthümer der auf Post- Bestellscheine aufgeklebten Briefmarken ist, beschästigte gestern wieder einmal das hiesige Schöffengericht. Die Postbehörde hält es neuerdings bekanntlich mit der Praxis, diejenigen Kaufleule, die von den ihnen übermittelten Post-Packetadreffen die fremden Briefmarken ablösen, wegen Unterschlagung anzuklagen. Die Betreffenden haben bis jetzt in jedem Falle bestritten, daß die Postbchörde ein Eigenthumsrecht auf diese Marken habe, und behaupiet, daß letzlere ihr Eigenthum geworden seien und die Post nur verlangen könne, daß ihr bei der Ausfertigung der Waare auf dem Post-Zollamt die Packetadresse als Beleg zurück- gegeben werde. Die Post hat sich früher damit begnügt, daß die Adressaten an die Stelle der abgelösten Briefmarken den Vermerk setzten:„Selbst abgelöst:c." Später hat sie die Ablösung überhaupt verboten. Dies geschah auch dem Kanfmann Jaccard gegenüber, welcher mehrmals solche Marken abgelöst und für sich behalten balle. Trotz dieses Verbots hatte er eines Tages doch wieder von einer Postpacket-Adresse eine Dreisranks-Marke abgclvlt und dieselbe iurch eine Fünscentim- Marke ersetzt. Diese Umwcchse- lutg wurde jedoch an der Postzollabsertigungssielle wahr- enommen und gegen Jaccard Anklage erhoben. Dieser be- auptete, daß die Post gar kein Recht gehabt habe, ihm die Ab- losung der Marke zu untersagen. Der Gerichtshof war jedoch mit dem Staatsanwalt anderer Meinung; er erkannte dem Adressaten nur das Eigenthumsrecht ans den für Bemerkungen u. s. w. vorbebaltenen Abschnitt, das Recht auf die übrige ge- sammte Postpackeladresse, einschließlich der Briefmarken, aber der Poslbehörde zu. Der Angeklagte wurde daher wegen Unter- schlagung zu ö M. Geldbuße verurtheilt. Hoffentlich beruhigt der Mann sich nicht bei diesem eigenartigen Urlheil. Wie ist die Achnlichkeit eines Porträts zn konstatiren? Die Frau eines Berliner Industriellen, so schreibt man der „Tägl. R.", wollte mit ihrem Bildniß ihrem Mann eine Weih- »achtsfreude bereiten und ließ sich von einem jungen Maler malen. Als aber das Bild auf dem Weihnachtstisch prangte, konnte von dreißig Laien und Künstlern aus der Bekanntschaft kein einziger eine Aehnlichkeit entdecken. Der Maler versprach Aenderungen, doch führten diese nach allgemeinem Urtheil auch nicht weiter. Inzwischen kam die Fasching- und Ballzeit, der Maler brauchte Geld und sandte eine Zahlungsaufforderung durch den Rechtsanwalt. Nach allseitigen: Rothe entschloß sich die Bestellerin, das Urlheil eines gerichtlichen Sachverständigen abzu- warten. Dieses Urtheil erfolgte und lautet? dahin: Das Bild sei zwar nicht gut, doch Aehnlichkeit ließe sich ihm nicht ab- sprechen, denn ein Porträt sei ähnlich, wenn es möglich wäre, ans einer Reihe von etwa fünf Damen die gemalte zu erkennen. Nach einer so weisen Entscheidung ans dem Munde des gericht- lichen Sachverständigen, Professors der iilkavemie der Künste u.s.w. zog die Anstraggeberin es vor, keine Verurtheilung abzuwarten und zahlte. Bor dem Schwurgericht in Tarnopol begann heute die Strafverhandlung gegen 26 junge Leute, zumeist Hörer der Lehrer- Bildungsanstalt daselbst, wegen Verbrechens des Hochverraths, der öffentlichen Ruhestörung, der Majestäts- beleidigung und Geheimbündelei. Der Anklageschrift zufolge waren die Hörer der Lehrer-Bildungsanstalt Bieniccki, Krzyworaczka, Chabin, Zubczenski, sowie die Gymnasialschüler Szelay und Psützner Mitglieder einer geheimen Verbindung „Organisation" zur Wiedererlangung der staatlichen Un- abhängigkeit Polens. Das ojfiziöse Wolff'sche Telegraphen- bureau berichtet darüber: Das Ergreifen der Waffe» sollte bei diesen irredentistischen Revolutionsbestrebungen, für welche besonders das Landvolk, die Arbeiterklassen und die Jugend zu gewinnen seien, nicht ausgeschlossen sein. Der Ge- beimbund umfaßte die Stadt Lemberg, wo 1892, 1833 und 1894 Delegirtenlage stattfanden und halte Kreisfilialen in Przcmysl und Tarnopol. Gegen den Tarnopoler Katecheten Librewsii, der den Gehcimbuud aufdeckte, wurde ein Attentat geplant. Zwei aus demselben ausgetretene Studenten wurden überfallen und mißhandelt. Die Majestätsbeleibigunge» geschahen wiederholt in den Versammlungen des Bundes. In dem Hochverrathsprozeß wurden ain Montag die acht am stärksten belastelen Angeklagten, junge, ehemalige Gymnasial- schüler und Volksschullehrer-Kandidaten, verhört. Die Angeklagten leugneten, einem Geheimbunde angehört und Majestäts-Beleidi- gungen begangen zu haben. DeelmmnUmgen. Der deutsche Holzarbeiter-Verband nahm in seiner außerordentlichen Generalversammlung am 26. Februar die Wahl der Delegirten zum Verbandstag vor. Als Vertreter für die Zahlstellen wurden bestimmt die Mitglieder: Grunert, Schöpflin, Hinz, Glocke, Do st und W i e d e m a n n. Von der Verwaltung wird sodann eine Aenderung des Ver- lrauensinännersyslenis befürwortet. Es sollen nicht wie bisher aus jeder Werkstatt mehrere Vertreter zugelassen werden, sondern nur einer. Man hofft dadurch eine rückhaltlosere Aus- spräche zu ermöglichen und Maßregelungen vorzubeugen. Selbstverständlich sollen aus größeren Werkstätten wo mehrere Säle sind. auch dem entsprechend mehrere Vertreter delegirt werden. Tie Versammlung tritt diesem Vorschlag bei. Zur Verhandlung stand hierauf die Stellungnahme zur Maiseier. Die Verwaltung schlägt vor, ähnlich wie im vorigen Jahre, da wo es möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen. In der Debatte wird von eruigen Rednern der Standpunkt einer absoluten Arbeitsruhe vertreten. Dieser Aufsasjung rrat die Versammlung nicht bei, sondern stimmte mit großer Majorität dem ermähnten Vorschlage zu. Außerdem wird beschlossen, daß diejenigen, die gezwungen sind, zu arbeiten, ein Drittel des verdienten Lohnes ailiescrn sollen. Die eingehenden Gelder sollen zu einem Maifonds gesammelt werden. Die Lohndifferenzen, die in der Werkstatt von Weiß, Bülowstr. 37 ausgebrochen sind, geben zu einer längereu Debatte Anlaß. Der Fabrikant zahlt seit Woche» so niedrige Löhne, daß es den Ar- beitern unmöglich ist, weiter zu arbeiten. Es wurde deshalb den Kollegen anheim gegeben, nach Fertigstellung der Arbeil die Werk- statt zu verlassen. Die Arbeit ist von der Firma Ringer u. triedrichsen, Uorkslraße, an den genannten Fabrikanten abgegeben. ollte die Arbeit zurückkommen, so wird auch von den Kollegen bei Ringer u. Friedrichsen ein solidarisches Eintreten erwartet. gum Schluß giebt Kollege Wiedcmann bekannt, daß am dritten sterfeiertag eine Vorstellung in der Urania stattfindet. Ein Antrag des Kollegen Fritz, die Zahlung der Beiträge für die Generalkomniission' einzustellen, wurde abgelehnt. Tchöneberg. Am 24. Februar hielt hier Genosse Glocke in einer öffentlichen Geinerlschastsversammlung einen interessanten Vortrag über: Ringe, Trust und.Kartelle. Nach einer kurzen Debatte wird über die Errichtung der Gewerkschafts-Kommission verhandelt. Als Dclegirle sind gegenwärtig angemeldet: Bulry. Hausdiener; Grüble,' Arbeiter; Borgwardt, Metallarbeiter; Krause und Döring, Zimmerer. Die Form für die Ausbringung der Kosten wird den Delegirten überlassen. Hohen-Tchöuhauscn. Hier tagte am 24. Februar eine öffentliche Versammlung, die sich mit den Verhältnissen der Orts- Krankenkasse beschäftigte. Das Referat hatte Genosse Nälher übernommen, der im allgemeinen über die Krankenkassen- Gesetzgebung sprach,»nd, gestützt ans eingehende Information, die Zustände bei der hiesigen Orls-Krnnkenkasse einer eingehenden Kritik unterwarf. In der Diskussion richteten sich die Angriffe besonders gegen de» Vorsitzenden der Kaffe und die von ihm er- lasscnen Anordnungen. Um diesen wahrhast idyllischen Zuständen mit der Zeit ein Ende zu mache», wurde in der Versainmlnng auf Antrag Gau- dorser einstimmig eine fünfgliedrige Kommission gewählt, welche Aenderungen der Statuten anszuarbeiten und der nächsten Generalversammlung vorzulegen hat. Es soll dabei Rücksicht ge- nommen werden ans dce Industriearbeiter, anstatt den bisherigen gcmcinfchastlichen ortsüblichen Tagelohn von I.Sv M. soll 3 M. festgesetzt werden und Beiträge und Leistungen dementsprechend erhöht werden. In Weisteusee tagte am 25. Februar eine gut besuchte Versammlung, in der Herr W a l d e ck- M a n a s s e in einem iiilcrcssanten Vortrag über das Thenia:„Wie vereinbart sich Religion und Krieg" reserirte. In anbetracht der vorzüglichen Darstellungen des Referenten, wurde von einer Diskussion ab- gesehen. Zum Schluß bittet der Vorsitzende, das Vereinsvergnügen des Frauenvereins, welches in„Protz' Salon" stattfiiidet, doch zahlreich zu besuchen. Köpenick. Ter hiesige Arbeiterverein hatte am 26. Februar eine Versammlung einberusen, in der Genosse Witz einen bei- fällig aufgenommenen Vortrag hielt. Es wurde sodann be- fchlosien, die wöchentlichen Lese-Abende fallen zu lassen, an stelle dessen soll an jedem Dienstag nach dem ersten des Monats ein Diskutirabend stattfinden und außerdem in jedem Monat eine größere Versammlung einberufen werden. Am 13. März arrangh t der Verein einen Kommers und am ersten Osterfeiertag soll im Kaiserhof ein Theaterstück zur Aufführung gelangen. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch auf den Uraniavcsuch am 17. März ausmerlsam und bat die Mitglieder, welche Billets haben wollen, sich bis spätestens 5. März beim Vorstand zu melden. Der sozialdemokratische Wahlverein für Stralau- Rummelsbnra hielt am vergangenen Dienstag eine gulbesuchte öffentliche Versammlung ab, in ivelcher Genoffe Jahn über: „Die Entwicklung der VolkswirtHschaft", unter dem Beifall der Anwesenden referirle. Eine Diskussion über dieses Thema fand nicht stalt. Dagegen entspann sich unter„Verschiedenes" eine lebhafte Erörterung über den Austritt aus der Landeskirche, welcher vom Genossen Kaufhold angeregt und empfohlen worden war. Genosse Ritter theilte ferner mit, daß der Oekonoin der boykottirten Reischach' scheu Brauerei sich angeboten habe, das Lokal wieder zur Verfügung zu stellen. Voraussichtlich wird es Sache der Lokalkommission und einer öffentlichen Versamm- lung sein, die Entscheidung darüber zu treffen, da den Genossen in Stralau genügend andere Lokale zur Verfügung stehen. Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende, nicht nur mehr neue Mit- gliedcr für de» Verein zu werben, sondern auch die Bibliothek desselben i» ausgiebiger Weise zu benutzen. Die Ausgabe der Bücher erfolgt durch Genossen Rosenkranz, Lessingstr. 23», jeden Freitag, abends von 7Vs— 9ffz Uhr. ..Unirum". Heute Abend» Uhr bei WIersdoff, Alte Jnlobftraße 9S— 97: Sitzung. Nachdem Probe.„Ein wcifjer Stade". Achtung! Fraur». und Wädchen-Aildnngsvrrri». Heule Abend 8 Uhr Vereins-Versamm lung in den Armtnhallen, Koinmandantenstr. so. Landsmannschnft der Kchleoniig-Yolfteiiirr zu Berlin. Mittwoch, den«. iWarz, abends 8� Uhr: filrofie Versammlung mit Frauen im Vereink- iolal dos Landsinanns Saß, Markgrafensir. los. Ard-itrr- zlUdnngsschiUe. Mtliwoch, Abends Tjj— sjj Uhr: Leltüre. «x-io� Uhr: Nordschul-, Mülierilr. irsa, Nationalölonomte. Süd- o si- S ch n l e, Waldemarstr. u: iSeschichle(neueste seit ises). Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Thetlheilnehmer, Damen und Herren, Äder Zeit aufgenommen. 9 Zesr und?i«k,>tirklub». Ulittwoch. JohannJacoby, bei Fritz vietzle, Cchwedlerstraße SZ.— Sesundbrunnen, Abends 8X Uhr, bei k>aseriand. Bellermannstr.»7.— A l e t cfi h e t t. Abend» 85; Uhr bei Stramm, Nitterstraße iss.— Heine, Rtxdors Abends 8!; Uhr, Prinz-Handjsryslr. oo, parterre.— Ein ig teil, Abends ssj Uhr bei Zeige, Triftftr. l.— Theater- und Lesellub Morgenrvth, AbondS» Uhr, im Restaur. Diele, Lothringer- straße 97. Arbeiter- Klingerbnnd Kerliii«»nd Zluigegeud. Vorsitzender Adolf Neumann, Pasewallerstr. 8. Alle Aenderungen im Vereinslalender sind zu richten an Fried. Kortnm, Manleuffelstr. 49, v. 2 Tr. Mittwoch. Nebung» stunde Abends 9 Ulir, Aufnahme von Mitgliedern.— Stedesfrethett l, Andreasstr. Sö, bei Wille.— Norddeutsche Schleife, Schönleinstr. 9 bei kartz.— Unverzagt I, Mantcufselüraße 9 bei Stowack.— Freya l, (Seintschter Cbor>. Rosenihalerstraste Nr. 57 bei Wernau.— Lorbeer- kränz I, Lichtenbergersirahe Nr. Sl bei Heise.— Deutsche Eichel, Srostz Franksurlerstraste Nr. IZZ bei Bald.— Echo I. Pankow/, Wollant- strahe IIS bei Lcbmann.— Gesangverein Arion III, Rixdorf, Herrmann- und Herrfurihstraben-Ecke, bei Weiß.— F r e u n d e» t r e u e igemisch. Chor), Gr. Franlsurterstr. ISZ bei Gold.— Eiuigleit l(Hutmacher), Neue Frtedrichstr, 44 bei Siöllig.— Allegro, Wrangelstr. 141 bei 80. Schmidt. — Freiheit I. Bülowstraße«5 bei Richter.— Sieinnelte, Päse- walte rstraste 8 bei A. Neuman».— Süd-Ost, Falckenstetnstr. 7 bei Trittel- witz.— Liedeslust, Fürstenwalde an der Spree, Schloßkellerei.— Freier Männerchor Nord- West(früher Klempner) Moabit, Emdener- und Stemen.Sslrahen Ecke 14.— Kupferschmiede, Weinslraste II bei Feind— Storhe Nell-e?>, Schöneberg, Wolzstr. 43 bei Klause.— Appolonia, Nosenihalerslr. 57 bei Wernau.— Fre thcitsgruß, Creminenerstr. i bei Mathies.— Schneeglöckchen i, Stirdorf, Hermann- und KarlSgarten- straben-Ecke bei Hilpert.— Schneeglöckchen s, Poisdam, Brandenburger Kommuntlaiion i« bei Glaser.— Mat engruß 8, Friedrtchshagen, Rund- Ihctl. bei Lerche.— Unverdrossen, Lindowerslraße so bei Sachs.— Felsenburg, Krautstratze e bei Rudolph.— Rüllt, Friedenau, »n Kurbaus, Ring- und Rheinfiraßen-Ecke.— B orw ärtS 7, Rummels- bürg, Gölhe- und Kanislrabc- Ecke bei Greinen— Hoffnung s, Brandenburg n. H.,„Konkordia", Wilhelmsdorferstraße.— Freiheits- klänge l, Slallschrcibersir, ss,„Zum eichenen Stabe" bei Schöning,— Arbcilerg.snngvereiu von Britz in Britz, Bürgerstr. 4 bei Dorn.— S e c g er'scher Männerchor, Landsberger Allee 150 bei Möbel.— Glüh- l i ch t(gem. Ehor) Perlcbergersiraße ss bei Hermerschmidt.- Maieng ruß 2, Charlotten dura, Pestalozzistr. ss bei A. Sasse.— Dämmerli cht, Zorndorfer- siraße ir bei Hofsmann.— Edelweiß s, Poisdam, Brandenburger- Kom- munilaiion ic bei Glaser.— Heimathllän ge, Köpenick, Rosenstr. 101 bei Troppcns.— Männer-Gesangvcrcin Geduld, Gesundbrunnen, Bult- mannfliaßc 17 bei Mohe»,— Scsanaverein Frethettellänge II, Ehortnerslr. 55 bei Hobeck.— Männer- Gesangverein Palme, Velten tn der Mark, dct Zemlin.— Männer- Gesangverein Georg inta, Wiener- siraße IS bei Licbsch,— Myrthe, Alte Jalobstr.«8 bei Diefenbach.— Weiße Si o s e, Reinickendorf, Restdenzflr. un bei Malchin.— Männer- Gesangverein L i e d e r l u st, Admtralstraße 88 bei Tutzauer.— Sanges- l n th e n, Etralauer Platz 10— u bei Poppe.— Gleichheit, Schönhauser Allee>85 bei Ramlow. Knud der gefeUigen Arbeitervepeiiie Kerlin« und Zlmgegeii».(Zu- schrislen stnd zu richten an P. Gent, Adalbertstraße 95. Mittwoch: Hnmortstif cher Rauchklub, Wörlttzertiraße 42 bei Picht.—«e- lelltger Verein Brüderltchleti Georgentirchilrabe Nr Sö bei Spät.— Verein N h c t o i i I, Naunpnsir. 8« bei Zubeil Abend» SX Uhr.— Geselliger Derein Hoffnung, Lebuserfiraße Nr. 5 bei Nemitz lalle vierzehn Tage).— Tbcalerverein Proletariat, Naunpnsir. 88 bei Köhn.— Schafslopfllnb Sp ar- Agnes, Krautstr. 88 bei Znsinger.— Geselliger Verein Alpenrose, Britzerstraße ss bei Graf.— Privallhealer-Gesellschaft Siomelta, Plicklerstr. 2 bei Müller.(Außerdem alle 14 Tage Sonn- tags.)— Vergnügungsverein Amor s, Prinzen-Allee io bei Beraemann. Grlonv-, Sur»- und gesellig» Nrrrinr. Mittwoch. Arbeiter- Gesang- Verein Hoffnung, Fried richSberg. Uebungsslunde Abends 9 Uhr, Sstslaurani O. Cchultze, Friedrich Karlstraße St.— Privat-Theater- gesellschasi H e i m a t h l n st,» Uhr Sitzung t. Veretnslol. b. Lange, Slromstr. ss Prival-Thealcr-Gcfcllschafl Philbar Monte, Sitzung mit Damen, Abends » Uhr, Zeughofslraße 8 bei Behlendorf. Ausnahme neuer Mitglieder.— Tbeaiervcrcin U n t l u m, jeden Mittwoch AbendZ 9 Uhr bei Ruppi», Blumenstraße Sir. 49: Sitzung mil Dnmen.— Berliner T u r n- genosfenschast. Die 8. Männer- Slblheilung turnt jeden Mittwoch und Sonnabend iilbend von 5(9— 5(11 Uhr, Chorinerstr. 74,— Tourtstenverein Freiheit Mttlivoch, Abends 85( Uhr, Versammlung bei Wutlki, Bluinenstr. 54. — Geselliger Verein Unter uns, Sitzung 8 Uhr dei Fischer. Bensselstr.«o.— Musitdilettanten-Verein Prectosa Abends ssj Uhr bei Geisler, Fenn- und Tegelcrstraßen-Ecke, Uebungsstunde, Ausnahme».— Mustl-Tileliantcn- Verein Siordische Klänge. Jeden Mittwoch bei Reuter, Swinemüiiderslraße 45, Ucbungssiunde von szc bis Ii Uhr.— Echwinunverein N o r d. Jeden Pltiiwoch Abend 7 Uhr«dmiralgarlenbad, Friedrichstraßc, Uebungsstunde.— Geselliger Verein Ann n- Marie, AbendZ 9 Uhr, im Reslaurani Roll, Adalberistraße Si, Sitzung.— SlatNub Die Lustige Zwölf, Im Reslaurani Rubi-Andree, Chorinerstr. 58.— Slat- llub 59 jeden Mittwoch 8). Uhr Sitzung bei Fechner, Wienerstr. 50.— Krasl- und Arlislenllub„Eiche". Mittwochs von D— u und Sonntags von u bis 1 Uhr, bei Augustin, Kastanien-Allee Ii.— Vergnügungsvercin Fortuna. Jeden Mittwoch, abend» 8j( Uhr, Sitzung im Lokale Schulz, Weberllr. lv. Rauchliub Grüne Quaste, Mittwoch Abends»Uhr, bei Sora, Kleine MarluSstr. lo.— Rauchliub Granate, Forsterstr. 40 bei Tugnnile. — Rauchllub Slrlona, Abends 88 Uhr bei Herrn Brand, Reichen- bcrgcrslr. ISS.— Orientalischer Sia n chll» b, Abend» o Uhr, Reichen- bergerslrabe 24 bei Tauschte.— Rauchliub Frisch gewagt, Abends 9 Uhr bei F. Rockendorf, Poscnerstraße 5.— Rauchklüb Roochloch, »idmUalstr. 83 im Restaurant Abends 5(9 Uhr.— Rauchtlub M e s s a- l t n a, jeden SKUlwoch bei H. Wutlke, Graudcnzerstr. S.— Stat-Klub Treff- Franlfurier'Allee 90 bei O. Zabel.— Rauchllub Ohne Zwang, Wein- straße 28 bei Späth.— Rauchllub Die Dampfende», Langeftr. 24 bei Jeralfch.— Slauchllub Virginia. Jeden Mittwoch Abend 9 Uhr bei Echnicber, Admiralfiraße 21.— Rauchllub Humoristische Pfeifen- brüder, Mittwoch Abends 9 Uhr bei Enlzwedel, Klosterstr. KS.— Rauchllub S u in a l r a S ü d- O st Abend» sjj Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. 18.— Slauchllub G em iil hlich reit II, Sitzung jede» Miwvoch Abend 9 Uhr im Lokal Schmidt, Köpnickerjtr. 171. Freie Bereinigung der Kaufleute, jeden Mittwoch aemüthltche Zujanimcnlunft im Restaurant Specht, Martgrafcnstr.«8(Nähe Kochstraßi). — Arbeitcr-Stenographcnvercin Eintracht, Unterricht und Ucbungsslnnden abend» sj( Uhr in den Siestauranis Owczarel, Langeftr. 06 und Seidler, Sialivoiftr. 10.— Roller'schcr Stenogiaphenverein Piontr, Husstienstr. 9, Restaurant Rausch, Abends s') Uhr, Unterricht und Forlbildung.— V e r c i u ehe m. Schüler der 18. G e m e t n d e j ch u l e, jeden Mittwoch 95( Uhr Gr. Franlsuiierstr. so, Berlin. Siegfried Sabor Alteuburg. 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