Nr.5634 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 281 Bezugspreis: Bom 2-8. Dezember 1 Billion oder 1 Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 2.- 8. Dezember für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, Desterreich, Litauen, Lugem burg 1,35 Goldmart, für das übrige Ausland 1,60 Goldmart. Rreuzband fendungen nur gegen wertbeständige Zahlung. Poftbezugspreis freibleibend. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit" u.„ Giedlung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialbemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpa Itige Nonpareillezeile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 3,50 Goldmark. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Colomare. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0,30 Goldmark. Eine Goldmark ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Redaktion: Dönhoff 292-295 Fernsprecher: Berlag: Douboff 2506-2507 Sonntag, den 2. Dezember 1923 Preise in Deutschland und Dänemark. Her mit dem Preisabbau! Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkajie Lindenstraße 3 Zur Kritik der Krise. Sozialdemokratie und parlamentarisches System. Das Ergebnis der Regierungstrife fann in wenigen Worten dahin zusammengefaßt werden: Der Rechten, Wenn andere vom Krieg und Zusammenbruch betroffene aus dem billigeren Ausland im Wege der Konturrenz beim Die durch ihre fortgesezten Borstöße die Große Koalition Länder die Stabilisierung ihrer Währung zwar mit hoher Absatz die deutschen Preise drücken müßte. Das ist bisher nicht sprengte und dadurch auch den Sturz des Refilabinetts Strefe Arbeitslosigkeit bezahlen müssen, aber dafür wenigstens Stabi- eingetreten, woran u. a. auch die Devisenzuteilung Schuld mann unvermeidlich machte, ist es diesmal noch nicht gelungen, lität und sogar Abbau der Preise zum Ausgleich erlangt tragen mag. Warum fommen aber nicht diejenigen Lebens die erstrebte Herrschaft im Reich und in Preußen anzutreten. haben wie die Tschechoslowakei und Deutschösterreich- fo mittel, zu deren Einkauf von der Reichsbant eigens Devisen auf der anderen Seite ist aber auch kein Machtzuwachs der hat Deutschland, ebenso dank dem frantobelgischen Ruhrein- reserviert werden, zu echten Goldmark- anstatt zu Wucherals. Sozialdemokratie zu verzeichnen. Eher ist das Gegenteil der Fall. bruch wie dank der bürgerparteilichen Ruhrfinanzpolitik der martpreisen auf den Markt? Cuno- Regierung, eine gewaltige Arbeitslosigkeit zugleich mit Als demokratische Partei kann die Sozialdemokratie Jedenfalls ist in einer Zeit der Markstabilität, ja sogar der beispiellosen Geldentwertung und Preiskletterei bekommen. der Markbesserung, der Ausgabe wertbeständigen Geldes und feinen größeren Einfluß auf die Leitung der Neichs- und Als nun endlich ein ernster Versuch der Währungsreform durch Berringerung der Papiergeldsintflut, in einer Epoche großer Staatsgeschäfte verlangen, als es der Stärke ihres Anhangs Festhaltung eines bestimmten Dollarfurses, Herausgabe der Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Massenelends der Preis- in der Bevölkerung entspricht. Sie darf sich sogar beglüc Rentenmark und Einschränkung des Papiergelddrudens ge- abbau die dringendste Aufgabe der Regierung. Kann sie ihn wünschen, wenn es ihr gelingt, ihren Einfluß auf der gleichen macht wurde, mußten wir erleben, daß zuerst unter Berufung durch Verordnungen nicht erreichen, weil der Profit auch Be- Höhe mit ihrer Stärke zu erhalten. Denn sie weiß, daß es auf den viel höheren ausländischen Devisenkurs, dann aber auch schlagnahme, Goldmart. und selbst Freiheitsstrafen in das neben der Zahl der gezählten Wahlstimmen noch andere beim Steigen der Mark, die inzwischen vom Handel will Geschäftsrisito einfaltuliert, fann sie durch gefeggeberische Kräfte gibt, die im staatlichen Leben wirksam werden, und fürlich eingeführten Goldmarkpreise immer weiter hinauf- Mittel dem vom deutschnationalen Führer We starp fest diese Kräfte find im gegebenen Augenblick auf der anderen getrieben wurden. So wurde der Abstand zwischen Einkommen gestellten Zustand nicht abhelfen, daß das deutsche Bolt bei Seite stärker als auf der ihren. Die beispiellos traurige Wirtschaftslage hat die Macht der und unvermeidlichen Ausgaben immer größer, fonnte für die vollen Scheunen hungern muß, so wird sie den Mucher auf Arbeiterklasse herabgemindert. Sie hat nicht nur die Kampf Preise im Ausland zeigen den Weg. müssen. Die billigeren Mangel und Not folgten der Einschränkung des Kulturniveaus Wo bliebe die vielgerühmte deutsche Organisation, wenn und der nackte Hunger der schon verringerten Ernährung. Das ist die Folge der ständigen Erhöhung der Goldpreise, die ein- man nicht in den vielen leeren Läden der Städte von Reichs, fach nach der lieben Händlergewohnheit von den Papierpreisen Staats und Gemeinde wegen oder unter ihrer Aufsicht solange her vorgenommen wird. Man beruft sich zur Rechtfertigung die billigeren Auslandswaren verkauft, bis enddieser Methoden darauf, daß der Martfurs im Ausland be lich auch in Deutschland der Preisabbau einsetzt? deutend niedriger sei als hier man tut das auch bei Waren, die gar nicht aus dem Ausland kommen und fährt damit fort auch in der Zeit der gegenwärtigen Marlbefferung im Ausland. 0 Das darbende Bolt hat das Recht, von der Programmrede des neuen Reichskanzlers mehr zu erwarten als die oft gehörten Worte über die Reparationsnotes erwartet die Anfündigung dessen, was die Reichsregierung für den Preisabbau tun will! Dänische Hilfe. Unternehmertums ist dementsprechend gestiegen. dern auch Organisation und Presse geschwächt. Die Macht des Solange es nicht gelingt, die Wirtschaftslage zu bessern, fann auf politischem Gebiet ein Ausgleich der Kräfte nicht leicht geschaffen werden. Immerhin bietet der Besitz der Staatsmacht oder der Anteil an ihr einen Damm gegen den totalen Einbruch der ausbeutenden und unterdrückenden Kräfte, die dem tapitalistischen System innewohnen. Das war für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ein maßgebender Gesichtspunkt, als sie sich im August d. I. zum Eintritt in Da ist es besonders verblüffend, zu sehen, daß selbst im die Große Koalition entschloß. Hochvaluta Ausland die Lebensmittel, aber auch BeNiemand konnte sich darüber täuschen, daß die Bartek fleidungsstücke bedeutend billiger sind als bei uns. Kopenhagen, 30. November.( WIB.) Wie die Dänische damit eine nur schwer zu haltende Verteidigungs Wir finden z. B. in den neuesten Nummern Kopenhagener Blätter neben Inferaten von Schuh- und Kleider Kinder hilfe mitteilt, follen im Winter außer den bereits stellung eingenommen hatte. Sie hat tatsächlich nach kurzer geschäften, die die Richtigkeit dieser Behauptung beweisen, vonhandenen noch 4000 deutsche Ferienkinder nach Beit wieder aufgegeben werden müssen. Immerhin ist es, gefolgende Anzeigen, die wir unter Weglassung der Firmen, Dänemart gebracht werden. Das Komitee erklärt sich bereit, fämt. wiß zur Befriedigung der Parteigenoffen, gelungen, bis auf für die wir nicht Reklame zu machen brauchen- nach dem Ciche Kosten für Unterbringung und Verpflegung einschließlich der weiteres die preußische Position zu halten, die von Reise von der dänischen Grenze an übernehmen zu wollen. der äußersten Rechten vergeblich berannt worden ist. Die Criginal hierher schen: Große Koalition in Preußen hat sich so bewährt, daß nicht nur die Sozialdemokratie in der Beteiligung an ihr so gut wie einig ist, sondern auch die beteiligten bürgerlichen Mittelparteien an ihr nicht zu rühren wagen. Flæsk Flæsk Flæsk Prima Flæsk 85 Oere 1 Kg. Fineste Karbonade 120 Oere 1 Kg. Skinke og Rygben 125 Oere 1, Kg. Ein Briefwechsel. Grisehoveder 30 Oere 2 Kg. Lever og Hjerter Der Chef der Heeresleitung. 1/2 friske hver Dag. NB. Unge Hoens 65 Oere 1/2 Kg. Fin velsmagende, ren Kaffe 130 Oere pr. Kilo. Kun til stærre Forbrugere on Private, der kæber mindst 12 Kio. In deutscher Uebersetzung lauten diese Anzeigen: Speck! Speck! Speck! Brima Sped 85 Dere 1, Rilo. Feinste Karbonade 120 Dere 1, Kilo. Schinken und Rauchfleisch 125 Dere 12 Kilo. Schweinstöpfe 30 Dere 1, Stilo. Leber und Herz täglich frisch. NB. Junge Hühner 65 Dere 12 Silo. Feiner, wohlschmedender, reiner Kaffee 130 Dere, Kilo. Zustellung ins Haus beim Kauf von mindestens 1/2 Kilo. Umgerechnet in Goldpfennige ergeben sich demnach folgende Breife in Kopenhagen: Sped 65, Koteletts 91, Schinken und Rauchfleisch 95, Schweinstöpfe 23, Hühner 49, Kaffee 99, alles je Pfund! General v. Seedt an den Vorwärts". Berlin, den 1. Dezember 1923. Nr. 47. 12. 23. T. 1 III. ( Bitte in der Antwort Nr. und Inhalt anzugeben.) An die Redaktion des Vorwärts", Berlin. Der Vorwärts" bringt in seiner Nr. 561 vom 1. 12. folgende Notiz: Daß Preußen nicht das Reich ist, daß hier die Bedingun gen für ein Zusammenarbeiten viel schwieriger sind, ist niemals verkannt worden. Ob der Versuch gewagt werden konnte, war eine tattische Frage, er hat zum mindesten den Vorteil gehabt, daß sein Scheitern breiten Wählerschichten über den träftig leuchten zu lassen und gegen rechts hin die Werbekraft. Charakter der Mittelparteien ein Licht aufsteckte. Dieses Licht der Partei zu entfalten, dient ihrem Interesse jedenfalls mehr, „ Das Dementi der Reichswehr. Aus Dresden wird uns gemeldet: BTB. bementiert die von als eine herunterreißende Kritit an dem Verhalten Aus Dresden wird uns gemeldet: WIB. dementiert die von uns verbreitete Meldung, der zufolge das Wehrtreistommando IV der Reichstagsfraktion. Auf keinen Fall aber geht es an, in mehrere ältere Unteroffiziere und Offiziere, die sich schwere An- den Einzelstaaten an der Koalition mit bürgerlichen Parteien griffe gegen die sächsische Bevölkerung zufchulden kommen ließen, festzuhalten, im Reich aber eine solche Koalition als Preis aus dem Heere entfernt hat. Dieses Dementi wird heute nach gabe von Grundfäßen und Arbeiterinteressen hinzustellen. mittag in einer Pressenotiz des Wehrkreiskommandos noch unterstrichen. Troßdem halten wir unsere Meldung vollinhaltlich aufredt und ergänzen fie vorläufig nur noch dahin, daß die verhafteten Offiziere unter starter Bedeckung in die Festungen Torgau und Paderborn übergeführt worden sind." Die Meldung ist vollständig unwahr. Ich ersuche Sie, mir Bergleiche jeder deutsche Konsument diese Preise die tie Unterlagen einzureichen, auf denen sie beruht, und Ihre Gedänische Krone zum amtlichen Kurs von 76 Goldpfennigen währsleute anzugeben. Wenn dies bis zum 3. 12. abents nicht gerechnet mit dem, was er zahlen muß! geschehen ist, werde ich die Mittel des Ausnahmezustandes anwenden." v. Geedt. Dabei muß Dänemark den Kaffee natürlich auch von Uebersee beziehen, es hat ebenso hohe Zölle wie Deutschland, es muß feine Kohle in England und Amerika faufen, seine Arbeitslöhne sind viermal so hoch als in Deutschland, aber die Waren aller Art sind größtenteils billiger, zum Teil um ein Bielfaches, als bei uns. Das gilt ebenso für andere geldgefündere Nachbarstaaten. Andere Auslandspreise zeigt folgende Zusammenstellung der landwirtschaftlichen Preiszentrale in Norwegen, der 4 Kilo gramm Ochsenfleisch, 2 Kilogramm Schweinefleisch, 3 Kilo gramm Butter, 40 Kilogramm Kartoffeln, 19 Kilogramm Hafer und 30 Kilogramm Gerste zugrunde liegt. Danach stieg der Ernährungsinder in den Monaten Januar, September und Oktober 1923 in Christiania von 4304 bzw. 4957 auf 4790, in London von 4896 bam. 5117 auf 5363, in der Schweiz von 5439 bzw. 6152 auf 6374, in Holland von 4404 bzw. 4670 auf 5056 und in Berlin von 2516 bzw. 3499 auf 4338. Alfo ist in Deutschland die Teuerung viel schneller als in allen anderen Ländern gestiegen. Die Ten denz der deutschen Preisbildung liegt somit über der Preisbildung der anderen Länder. Da nun die Lebensmittelzölle feit Kriegsausbruch aufgehoben sind, müßte man denken, daß eine großzügige Einfuhr ( Stempel.) Der Vorwärts" an General v. Seeckt. Berlin, 1. Dezember 1923. An den Chef der Heeresleitung, Berlin. Bu Nr. 47. 12. 23. T. 1 III. In einem Befehl des Herrn General Müller waren häufige Mißgriffe"," Fälle ganz unwürtiger Behandlung und schwerer Mißhandlung von Festgenommenen" durch Angehörige der Reichswehr festgestellt, ftrenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen angefündigt worden. Die Nachricht, daß tatsächlich Berhaftungen von Angehörigen der Reichswehr vorgenommen worden feien, hatte danach nichts unwahrscheinliches an sich. Ihre Veröffentlichung war geeignet, beruhigend zu wirken, da aus ihr zu schließen war, daß der Zivilbevölkerung gegen Ausschreitungen einzelner Angehöriger der bewaffneten Macht wirksamer Schuß gegeben sei. Aus diesem Gesichtspunkt ist die Beröffentlichung erfolgt. Die Forderung nach Angabe der Gewährsmänner lehnt die Redaktion ab, da ihre Erfüllung mit der journalistischen Berufsehre nicht vereinbar ist. Der Chefredakteur des Borwärts", Stampfer. Die Umwandlung des Reiches aus einem Rompler halb absolutistischer Staaten zu einem Syftem parlamentarisch regierter Gemeinwesen hat die Sozialdemokratie vor neue Aufgaben gestellt, die noch nicht überall richtig erkannt worden sind. Man kann nebenbei die Frage aufwerfen, ob diese Aufgaben überhaupt lösbar sind und ob nicht der Fehler im System liegt. Seit fünf Jahren wird nicht nur im Reich, sondern auch in den deutschen Einzelstaaten parlamentarisch regiert. Abgesehen von dem wirklich revolutionären Schritt, der durch die Schaffung Groß- Thüringens getan wurde, sind so ziemlich alle Königreiche, Großherzogtümer, Herzogtümer und Fürstentümer stehen geblieben, sie sind nur in parlamentarisch regierte Freistaaten verwandelt worden. Wenn man bedenkt, daß es achtzehn solcher Freistaaten gibt, in denen acht verschiedene Parteien in verschiedener Stärte gegeneinander stehen, so muß man es schon einem studierten Mathematiker überlassen zu berechnen, wieviel verschiedene Kombinationen möglich sind. Wir vermögen auch nicht in der Geschwindigkeit zu sagen, wie vielfach verschieden das Verhältnis der Sozialdemo fratie zu den verschiedenen Barteien im Reich und in den einzelnen Ländern ist. Während sich an der einen Stelle die Notwendigkeit von Bündnissen aufdrängt, herrscht an der anderen schärfster Kampf. Das ganze neunzehnfache Gefüge des parlamentarischen Regiments wirkt daher wie eine Kette von Bulkanen, von denen bald der eine, bald der andere zu fpeien anfängt, einer den anderen in Mitleidenschaft zieht, so daß eine ständige Unruhe die Folge ist. Es ist eine Aufgabe der sozialdemokratischen Bolitif, in diese Systemlosigkeit so weit wie möglich doch ein System zu bringen. Das einfachste wäre natürlich, wenn sich die Sozialdemokratie überall zu den bürgerlichen Parteien gleich feindlich oerhielte und überall in Opposition verharrt, solange sie nicht die Mehrheit errungen hat. Aber diese Methode wird nirgends in der Partei empfohlen, weil erstens einmal das Verhalten der bürgerlichen Parteien nach Zeit und Ort sehr verschieden ist und zweitens, weil die Sozialdemokratie nicht grundsätzlich und allgemein auf einen Zlnteil an der Macht ver- ziehten kann, ohne ihre Anhänger zu enttäuschen und die ihr anvertrauten Interessen aufs schwerste zu schädigen. Die Theorie von der„einen reaktionären Masse", die von den bürgerlichen Parteien dargestellt werden soll, hat kein Ge» ringerer bekämpft als Karl Marx. Wer sich nicht auf ihren Standpunkt stellen will, kann auch nicht praktisch alle bürger- lichen Parteien über einen Kamm scheren wollen. Infolgedessen hat sich in der Partei allgemein die Erkennt- nis durchgesetzt, daß das Eingehen von Koalitionen mit bürger- lichen Parteien grundsätzlich nicht abzulehnen ist. Nicht o b Koalitionspolitik getrieben werden soll, sondern wie, wo, wann sie getrieben werden soll, ist die Frage. Es ist eine Frage der Taktik. Diese ist aber aus� den angegebenen Gründen so außerordentlich oerwickelt, daß sich nur bei ruhigster Ueberlcgung feststellen läßt, ob im einzelnen Fall falsch oder richtig gehandelt wurde, eine Uebereinstimmung der Mei- Illingen wird wahrscheinlich auch dann nur selten zu erzielen sein. Die Reichstagsfraktion kann in Fragen der Koalitions- Politik keine Entscheidung treffen, ohne auf die Situation in den einzelnen Ländern Rücksicht zu nehmen. Auf der anderen Seite müssen aber auch die L a n d t a g s f r a k t i o n e n be- denken, daß sie nicht allein auf der Welt sind und daß sich aus ihrem Verhalten schwierige Situationen für die Politik der Partei im Reich entwickeln können. Es handelt sich also darum, die Politik der Partei im Reich und in den Ländern tunlichst aufeinander abzustimmen, wobei dem Ganzen ein gewisser Vorrang vor den Teilen zuzuerkennen ist. Nur so kann sich die Arbeit der Partei gedeihlich entfalten. Sie kann es aber nicht, wenn die notwendige Gemein- schaft durch leidenschaftlich geführte Richtungskämpfe gestört wird. Sie kann es nicht, wenn zwischen Landesparteien und der Reichspartei Konflikte entstehen und durch Richtungs- kämpfe verschürft werden. Aus den bitteren Erfahrungen der letzten Jahre sollten alle Sozialdemokraten gelernt haben, daß es für die Leiden- schaff auch der bestgemeinten Kritik Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen, wenn nicht dem Ganzen der Arbeiterbewegung der schwerste Schaden zugefügt werden soll. Und es sollte später einmal unser aller Stolz sein dürfen, die Sozialdemokratische Partei als das letzte Bollwerk der Ar- beiterklasse auch in härtester Zeit vor jener Zerrüttung bewahrt zu haben, deren Wirten in unserem Lande eine Folge des verlorenen Krieges ist, die aber noch schlimmeren Schaden anrichtet als er selbst._ FehnftunSentag? Der neue Kurs des Marx-KabinettS. Der Reichsminister des Innern, Dr. I a r r e s, hat— wahrscheinlich auf seinen Vorschlag— den Auftrag erhalten, eine Verordnung vorzubereiten zur Erhöhung der A r b e i t s- zeit der Beamten einschließlich der Pausen auflv Stunden. Diese Meldung wird die ohnehin starke Erregung der Beamtenschaft noch steigern. Es ist tatsächlich eine starke Zu- mutung. nach den schematischen M asse nentl a f su n gen. ' der mehr als unzureichenden Besoldung. setzt auch noch die allgemeine zehnstündige Dienstzeit einzuführen. Zweifellos ist der Plan der Regierung der, durch den Abbau des Achtstundentages für die Beamtenschaft dem Verlan- gen der Industrie auf Mehrarbeit durch Wiedereinführung des Zehnstundentages Borschub zu leisten und die Ab- Wehrkraft der Gewerkschaften gegen das seit Monaten an sie gestellte Ansinnen zu lähmen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß der größte Teil der höheren Beamten noch nicht einmal daran denkt, auch nur eine achtstündige Arbeitszeit einzuhalten. Außerdem gibt es auch in der Beamtenlaufbahn Dienst- leistungen, bei denen eine zehnstündige Arbeitszeit einfach undurchführbar ist, weil sie nervenaufreibend wirkt. Wir er- innern nur an den Dienst auf den großen Fernsprechämtern und an den Maschinentelegraphen. Jedenfalls wird die Sozial- demokratie eine schematische Einführung des Zehnstunoen- tages für die Beamtenschaft nicht ohne weiteres hinnehmen. Zu der Meldung wird(Millich wilgetellU Es handelt sich hier nicht um einen Dorschlag des Rsichsministe- riums des Innern, sondern um einen Auftrag des Reichs» k a b i n e t t s an dieses Ministerium, Vorschläge über die Verlange- rung der Arbeitszeit der Beamten und Staatsangestellten demnächst dem Kabinett zu unterbreiten. Dabei wird nicht etwa an eine zehn- stündige Arbeitszeit ohne Pause, sondern an die S 4 stündige Arbeitswoche gedacht. Lanöwirtschast unü Steuern. Di« neue, von uns mitgeteilte Steuernotverordnung wird vor ihrer endgültigen Verabschiedung zweifellos noch heftige Kämpfe hervorrufen. Sie ist ein Produkt der Not und der Verlegenheit. Sie entsteht in einem Lande, in dem die Kreise, die es angeht, bis heute jedem noch so bescheidenden Versuch einer auch nur halbwegs ernsthaften Steuerreform zähen und immer wieder erfolgreichen Widerstand entgegengesetzt haben. Der gänzliche Mangel an Einsicht in die aus innen- und außenpolitischen Gründen unvermeidlichen Konsequenzen unserer steuerlichen und finanziellen Lage kennzeichnet die geistige Verfassung des deutschen Bürgertums. Diese Kreise haben zur Abwehr unberechtigte klassenegoistischer Forderun- gen das schöne Schlagwort„Marxismus" erfunden, well sie in dem Sinne, in dem sie dieses blöde Schlagwort prägten, selber alle miteinander die größten„Nharxisten" sind. Di« „Wirtschaft" braucht dieses und jenes, sie will regieren, be- stimmen und nicht zahlen. Am„marxistischen"— soll heißen bewußt kurzsichtig berufsegoistischen— ist die deutsche Land- Wirtschaft. Zugegeben, daß es der Landwirtschaft kurze Zeit in den letzten Monaten wegen der Währungsverhältnisse schlecht ging, dieser Zustand war vorübergehend und besagt nichts gegen die Tatsache, daß die Landwirtschaft bis zur so- genannten Landabgabe Steuern überhaupt nicht gc- k a n n t hat, trotzdem es ihr im Vergleich zu anderen Volks- schichten glänzend ging. Lächerlich und beschämend zugleich ist aber der neue Protest, der sofort— mit prompter Zuverlässigkeit— vom Reichslandbund gegen die neue Steuer- Verordnung erfolgt. In dem Protest heißt es: Diese Bestimmungen laufen darauf hinaus, daß zunächst die Zugrundelegung des Wirtschaftsjahres, welihe doch für die Landwirtschaft die allein mögliche Berechnungsgrundlage ist. aboeschofst wird. Ferner soll das Eigentum aus Land-, Garten- und Forstwirtschaft auf Grund durchschnittlicher Erträge ermittelt werden. Eine derartige Botschaft bedeutet das Ende der landwirtschaftlichen Buchführung und damit die Unmöglichkeit. Durchschnittserträge überhaupt aufzustellen. Di« Landwirtschaft soll also wehrlos und r e.ch t l o s gemacht und damit der willkürlichen Schätzung der Finanz behör- den ausgeliefert werden. Bezeichnend ist. daß für die anderen Er. werbszwcige die Einkommenstcuerberechnung sich nach den Bilanzen richten soll, für diese also Rechnungsgoundlagen zugelassen werden. Daß hierbei die Begriffe der Bermöoensbilanz und Einkommens- bilanz durcheinander geworfen werden, sei nur nebenbei erwähnt. Tatsache bleibt, daß für die Landwirtschaft wiederum«in Sonder- gesetz geschaffen werden soll. Di« Durchschniitserträge sollen«ruf der Grundlage der Preise für die Hauptstüchte aus der Ernte des Steuerjahres sowie der Preise für die Erträge aus der Wehhaltung in Goldmark festgesetzt werden, also Bruitonormolsätz«. Daß die Landwirtschaft aber auch Ausgaben hat und daß die Preisrelationen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Betriebsmittel ganz außerordenllich ungünstig sind, daß ferner die Belastungen der ein- zelnen Wirtschaften in sozialer oder sonstiger Umsicht äußerst verschieden sind, scheint dem Reichsfinanzministerium unbekannt zu sein, oder will es etwa diese Tatsachen nicht wissen? Schon vor Der Gesang öes Settiers. Bon Joseph Roth. An einer Kurfürstendammecke hörte ich einen Bettler„Deutsch. kand über alles", die«Wacht am Rhein",„�eil dir im Sisgerkranz" singen. Der Wind fegte wütend durch die Nacht, grausam stieg die Kälte von den Pflastersteinen auf. Passanten wehten, von ihr getrie» ben, vorbei und spät war es. Welchen Sinn tonnte hier, an dieser teils gemiedenen, teils eilig passierten Ecke«in Betteln haben und welchen Gewinn brachte es?— Es schien, als hätte der Bettler hier Dienst, um ihn war die Einsamkeit eines nächllichen Wachtpostens, und nur eine Disziplin, der militärlschen ähnlich und verwandt, konnte ihn hier ausharren lassen. Ja, der Bettler glich einem Soldaten, der einen undankbaren, harten und unhygienischen Dienst versieht, ohne die Gründe und den Zweck seiner Tätigkeit zu kennen. Und wie ein« Militärkapelle, die Gedanken an theldentod musikalisch zu betäuben, lustige und patriotische Märsche spielt, wenn die Sol- baten den Gistgasen und der Vernichtung entgegengehen, so sang die Kehl« dieses Bettlers heldenhafte Lieder, während seinem Magen der Hunger und seinen Lungen die tödliche Entzündung drohten. Weshalb sang er nicht, wenn er schon durchaus singen mußte, von der bitteren Not seiner Tage? Wen hoffte er mit patriotischen Ge- sängen bis zur tätigen Barmherzigkeit zu rühren? Glaubte er, die nationale Gesinnung eines Passanten wäre stärker, als Kältegefühl, Furcht vor Verkühlung und Sehnsucht nach dem warmen Bett? Wußte er nicht, daß gerade die nationalen Gesang liebenden Pa- trioten(wie die deutsche Industrie und ihr Gefolge) am kärglichsten zu spenden pflegen? Und was gingen nun ihn. den frierenden, hun- gernden, obdachlosen Bettler der Rhein und der Siegerkranz an? Wie tonnte er sein persönliches Weh so untennbar verbergen hinter dem musikalischen Ausdruck einer patriotischen Gcstnnung? Ich kann nicht annehmen, daß der herrlich« Gesang, der Schwung der Me- kodie, der mitreißende Text den Bettler seine traurige Siwation vor- gessen ließen. Ich habe patriotische Lieder schon oft gehört: Stu- deuten sangen sie, wohlgenährt« Bürger in den Dielen. Offizier« und jene ganze Klasse, deren bejonderes Borrecht der akustische Pa- tr'.Otismus ist: die singen kann, weil sie essen darf. Dieser Bettler aber sang zu Unrecht. Er hätte ungefähr singen sollen:„Wer nie sein Brot mit Tränen aß..." oder das Hunger- lied aus den Webern oder jenes Weberlied von Hüne, in dem von Alldeutschlands Leichentuch die Red« ist... Solche Lieder würden nicht nur der Situation des Bettlers entsprechen, sondern auch der Stimmung jener Straßenecke und der augenblicklich aktuellen euro- päifchen Politik. Der Bettler ist bestimmt falsch instruiert: jemand muß ihm ge. sagt haben, daß die Konjunktur nattonalen Gesang erheisch«. Das stimmt allerdings, nicht aber an den Straßenecken. Di« Konjunktur für patriotisch« Musik blüht in den Herzen der Fabri» kanten und in den Tanzdielen. Patriotischer Gesang ohne Sekt ist wie«ine Militärkapelle, hinter der keine Kompagnie marschiert. Oder sollte der B.:s. In den fruchtbaren Gefilden von Oklahoma sprossen früher die Städte wie Pilze nach dem Regen hervor, und gar manch« ist m einem Tage fertig geworden. Thomas City soll sogar in einem einzigen Nachmittag entstanden sein. Hier wurden innerhalb weniger Stunden 3000 Personen bequcm untergebracht, und sofort war auch Handel und Wandel in veger Tätigkeit,«ine Zeitung wurde gedruckt, die die Erbauung der Stadt der Nachbarschaft verkündete, und am nächsten Tage fand eine große Gründungsfeier statt. Eine andere Stadt in Oklahoma, die plötzlich wie ein Wunder dastand, heißt S n y d« r. Sie wurde an einem Freitag erbaut. Um dies inter- «ssant« Schauspiel zu genießen, wareii schon beim Morgengrauen Tausende um den abgesteckten Platz versammelt, auf dem Land- agenten, Kaufloute und Siedler geschäftig herumliefen, um sich die besten Plätze zu sichern. Bis zu Freitag morgen durfte niemand mit längerer Zeit hat ein Vertreter des Reichsfinanzmimsteriums SÄ einer Sitzung geäußert, daß die Reinertragsberechnung einge st«llt werden würde, wenn sich h erauspellt, daß die Landwirtschaft keinen Reinertrag mehr hat. Diese Ansicht ist bezeichnend. Wenn Erträge nicht mehr vorhanden sind, will also das Reichs. finanzmini st erium eine Besteuerungsart diktie- r e n, die auf die Leistungsfähigkeit der Landwirtschast über- Haupt keine Rücksicht mehr nimmt. Di« Absicht der Steuer- Notverordnung läuft also bewußt auf das sozialistische Steuerprogramm hinaus: vor allen Dingen werden die leichten Böden durch derartige Normaljätz« in schwerster Weise ge- troffen, so daß in kurzer Zeit mit einer wettgehenden Mabilisierung des landwirtschaftlichen Besitzes zu rechnen ist. Dann haben Bodenreform und Marxismus erreicht, was sie der Land- Wirtschaft gegenüber haben wollen. Wir hoffen, daß der Reichs- ernäh-ungsmimster, der für die Ernährung des deutschen Volkes in «rsdcr Linie die Derantwortung trägt, dann aber auch der Reichs- kangler, der für die Gesamtpolitik verantwortlich ist, sofort gegen die hier vom Reichsfinanzministerium beabsichtigten Maßnahmen einschreiten. Auch Herr Dr. Luther sollte daran denken, daß er einmal Reichsernährungsminister war. Das Schlagwort„Marxismus" kann man zu schön zu allen nützlichen Dingen gebrauchen. Es ist geradezu grotesk, mit welcher Frechheit hier in einem ernstzunehmenden Schrift- stück einer der größten deutschen Wirtschaftsorganisationen über das„sozialistische Steuerprogramm" nach Analphabeten- manier geurtellt wird. Di« Landwirtschaft hat im Vorkriegs- preußen überhaupt den Begriff einer Steuerverwaltung in ihrem Bereiche nie gekannt. Die größten Kämpfe im preußi» schen Landtag entstanden immer um die Erweiterung der staatlichen Steuerveranlagung. Heut« nennt man solche pein- lichen Dinge„marxistische Fesseln". Das klingt ge- lehrter, dient mehr der Volksverdummung und verspricht darum mehr Erfolg. In Wirklichkeit kann kein moderner Staat, weder Frankreich, noch England, und noch viel weniger dos besiegte Deutschland ohne eine gut ausgebaute und von den Fesseln der Berufsoertretungen freie Steuerexeku- tive auskommen. Der Widerstand der Agrarier ist auch einer der vielen Gründe, weshalb das Reich sich auf die Kraft der Reaktion um seiner selbst willen ebensowenig stützen kann. wie etwa seine Einhest mit separatistischen Parteien gesichert werden kann. Auch das Reich wird nicht leben können, wenn es auf die Unterstützung der Kräfte angewiesen sein wird, die noch n i e dem Reich geopfert haben. Der neue preffechef. Der neue Reichskanzler wird den wichtigen Posten der Presse- stelle der Reichsregierung und des Auswärtigen Amtes mit dem Direktor der..Germania", Dr. S piecker, besetzen. Mit Dr. Spiecker übernimmt ein erfahrener Journalist und Fach» mann dieses wichtige und schwierig« Amt. dessen Aufgabe es sein soll, die Politik der Reichsregierung journalistisch zu vertreten und den Niederschlag der öffentlichen Meinung in der Presse der Reichs- rsgierung zu übermitteln. Dr. Spiecker war sett 1912 Schriftleiter der„Zentrums-Parlaments-Correspondenz" und trat nach seiner Rückkehr aus dem Feld in die Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes ein. Im oberschlesischen Wsstimmungskampf. bei dem neben der Sozialdemokratte das Zentrum in erster Linie ausschlaggebend war, hatte Dr. Spiecker eine führende Rolle inne: damals wurde er in Anerkennung feiner Tätigkett zum preußischen Regierungsrat befördert. Nach Abschluß der Wahlen wurde er zum Direktor des Zentralorgans der Zentrumspartei, der„Germania", berufe». Der Reichvral trat gestern zu ein« kurzen öffentlichen Poll- sitzung zusammen. Er stimmte den Entwürfen von Verordnungen zur Äenderung der gesetzlichen Fernsprechgebühren. Tele- graphengebühren. der Fernsprechordnung und der Tele- graphenordnung, ferner einer 18. Verordnung über die Gebühren der Rechtsanwälte— es Handell sich hierbei um die Um- Wandlung der Rechtscmwattsgebühren aus der Goldgrundlage— sowie dem Gesetzentwurf über die Goldrechnung auf dem Gebiete der Iustizgesetze zu. dem Häuserbau in dem geplanten Umkreis beginnen. Snyder war nur ein Name, ein Erdflecken ohne Häuser, ohne Eisenbahn, ohne Einwohner. Aber sofort nach Sonnenaufgang war der Raum mit 10 000 Menschen angefüllt, die mtt rasender Eil« ibr« Wohnungen zu zimmern begannen. Schnell wurde ein« Eisenbahn angelegt: bald fuhren Züge hin und her: zwei Hotels, drei Banken und eine Anzahl Läden entstanden. Nicht weniger wunderbar war die Schöpfung der Stadt L a w t 0 n. SS Minuten, nachdem die Lage der Siedlung festgesetzt wurde, waren schon 8000 Bauplätze in Angriff genommen, und zwei Stunden später war die Bevölkerung der neuen Stadt auf 8000 Menschen angewachsen._ Das Wallner-Theater beglückt ein harmloses Spießerpublikum mtt einem sogenannten Schmant„Der Sprung in die Ehe", der jeides Iungfraumherz höher schlagen läßt. Ein an Schüler- Vorstellungen gewöhnter, im übrigen anspruchsloser Backsisch würde die Borstellung entzückend finden und seiner Freundin berichten: Leo Peuckert ist als zerstreuter Professor beinahe so herzig wie im Film, und dann verliebt er sich in ein iüßes Dienstmädchen. Ein Professor kann dach aber kein Dienstmädchen heirarcn. Und dent dir. in Wahrhett ist cs gar kein Dienstmädchen, sondern ein Fräulein aus der Gesellschaft und noch dazu adlig. Und dann kriegen sie sich.— Mehr über das Stück zu sagen, hieße der Be- langiosigkeit zu viel Ehre erweisen. CamiCla Spiro war ein fesches, in allen Sätteln gerechtes Pseudo-Dienstmädchen, und wirklich lustig wurde es, wenn Emil Sondermann Ext«m- pores aus dcm Handgelenk schüttelt«. Merkwürdigerweis« amü- sierte sich das Publikum köstlich. Dg'"- Amerika, du hast es befferi Di«„New York Times" hat dieser Tage die umfangreich st« Nummer herausgebracht, die jemals durch die Rotationsmaschinen beider Hemisphären ge- lausen ist. Die Nummer, die eine wahre Enzyklopädie darstcllt, gliedert sich in 12 Abteilungen, die 192 Seiten großen am-- rikanischen Zeitungssormats umfassen. Ss ist in einer Auflage von SLS 000 Exemplaren erschienen, die insgesamt 875 Tonnen. t>. h. 1 754 000 amerikanische Pfund wiegen. SSI Sp-lten sind Meldungen, Berichten und Aufsätzen gewidmet, während der Rest von 2S2 Spalten auf Anzeigen entfällt. VollSbühne. Prof. Egon P« t r i und Michael Z a d 0 r a werden im VI. Sonzert der VolkZbühn« am Tonntag, den S. Dc- zcmber, mittag« �12 Uhr, im Theater am Bülowplatz Werk« für zwei Klaviere von Mozart, Busoni und LifztS Ton-Juan-Fantafic zum Vortrag bringen. Muscvmsslihrmigeu. Sonntag, den S. Dezeinber, 0'/, Uhr vorm., finden wissenlchaiiliche Führungen durch Dlreltortaibeamte im Alten M u i e u m(„Antike Bildwerke Perggmon"— Dr. Schede) und im Museum für Völkerkunde(„Nord- und Miltelamerika"— Direktor Vreug) natt. EmtrittZtmten find vor Beginn der Führungen am Einganz der genannten Museen in bcschränlter Anzahl crhämtch. Sensf-Georgt bringt heute' Sonntag S Uhr im Bcethovensaal ein völlig neues lustiges Programm unter dem Moito:„Troyalle- dem und alledem..." Karlen an der Saallass« vormittags 11—1 und ab 6 Uhr. «Lrontheil!� Treiben der Stahlhelmer in Berlin. Der„Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten", macht sich trotz Küstrin und Münchener Bürgerbräu immer wieder bemerkbar. In seiner Zentrale Magdeburg hat er zwar öffentlich und privatim vor dem Regierungspräsidenten das Bekenntnis zur Republik abgelegt, als aber der Wind die chitler- Ludendorff-Aktion schon durch die Luftlöcher des Stahlhelms ankündigte, zog der Bund seine Erklärung wieder zurück und vertangle die Rechtsdiktatur. Genau wie der„Jungdeutsche Orden", der mit den Stahlhelmern in einem Schutz- und Trutz- bündnis steht. In das Treiben der Stahlhelm-Leute wirft das nachstehende Schreiben, das uns auf den Tisch wehte, ein bezeichnendes Licht: Teuber u. Brandt, Berlin W. 9. Verkaufszentrale Vereinigter Thüringer Glasfabriken. Zweiggeschäft: Dr«sden-A., Struvestr. 34. Berlin W. 9, den........... Königgrätzer Str. 24. Bankkonto: Diskonto-Gesellschaft, Berlin W. 9, Potsdamer Str. 129/130. Darmstädter u. Nattonolbank, Berlin SW. 11, Askanischer Platz. Telephon: Kurfürst 2799 Telegrammadresse: Brateuco Berka. Ä. B. C. Code 5th. Edition. Korrespondenz: Deutsch. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch. Landesverband„Mark" Stahlhelm Bund der Frontsoldaten. Berlin, den 15. November 1923. An alle Gruppenführer Groß-Verlins. Kameraden I 1. Am Totensonntag, den 25. November 1323, findet nachmittags um 3 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-GedächMiskirchs ein Hclden-Ge- dächtnis-Gottesdienst statt, zu welchem der Gau Groß-Berlin des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, vom Landesver- bände des 312)0. eingeladen ist. Falls nicht andere Anordnungen nötig werden, wird bestimmt, daß sich die Gruppen geschlossen um 2 Uhr nachmittags am Wittenbergplatz treffen. Der Gau Groß-Berlin wird geschlossen unier meiner Führung nach der Kirche marschieren und dort im Mittelschiff Platz nehmen. Es wird meine Fahnen- gruppe zusammengestellt, bestehend aus 2 Fahncnirägern und b Ossi- zieren in Uniform und Stahlhelm, dazu von jeder Gruppe 4 Mann, ebenfalls in Felduniform. Die Gruppen haben bis zum 20. November dem Gau zu melden, wie stark die Beteiligung von feiten der«in- zelnen Gruppen ist. Die befreundeten Verbände, soweit sie Frontsoldaten sind und an der Feier teilnehmen wollen, mar- schieren nicht innerhalb des Stahlhelmbundes, sondern können sich dem Stahlhelm anschließen. Alle Fragen müssen bis zum 19. November geklärt sein. Es wird gebeten, einen Kameraden mit den Borbereitungen zum Aufmarsch zu betrauen. Zch erwarte, daß die Gruppenführer ihre Gruppen fest in der Hand haben und das schönste Vorbild eines militärischen Auszuges geben. Ich erwarte serner, daß die Uhrzeit 2 Uhr unbedingt eingehalten wird. 2. Der Zungdeulsche Orden Deutschlands Hai mit dem Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten, in Magdeburg ein Schuh- und Truhbündnis geschlossen. Alle Soldatm, die nicht Frontkämpfer sind, können sich demnach dem Iungdeutschen Orden anschließen und hierdurch an der hrhen Aufgabe des Stahlhelm mitarbeiten. Ein weiteres Schreiben mit dem gleichen umfangreichen Briefkopf der gläsernen„Berkaufszentrale" trägt ein mit Schreibmaschine geschriebenes zweites Absenderzeichen und sieht mfolgedesien so am?: Erich Teuber. Oberstleutnant a. D. Berlin, Königgrätzer Str. ... Am Freitag, den 23. November, abends 8 Uhr. findet die Eröffnung unserer Ortsgruppe Kammersäle, Teltower Str., statt. Ich bitte unbedingr zu erscheinen, da neben anderen wichtigen Punkten vor allen Dingen die DarstandswaHl stattfindet. Ferner finden Sie in der Anlag« Befehl des Landesverbandes „Mark". Versammlung der Ortsgruppe„Berlin-Mitte" ist pünkt- lich 1,45 Uhr nachmittags zum Helden-Gedächtnisgottssdienft. Weitere Anordnungen erfolgen am Freitag in der Versammlung. Fronthell! gez. Erich Teuber. Die kommunistischen Hundertschaften sind verboten und, soweit sie Waffen haben, um den bewaffneten Aufstand vorzu- bereiten, mit Recht. Die..Stahchelm"-Bünde aber lassen ihre Mitglieder in Offiziers- und Frontuniform mit voller Aus- rüftung anmarschieren: glashandelnde Oberstleutnants erteilen „Befehle"— aber der Stahlhelm-Bund ist so wenig verboten. wie der„Iungdeutsche Orden", trotzdem männiglich bekannt ist, daß seine Iungmannen am Hitler-Putfch und an den Feld- zügen in Nordbayern hervorragend beteiligt waren. Den Behörden sind die Dinge sicher bekannt. Aber da außer den Behörden auch sonst noch Leute in Deutschland leben. geben wir den Inhalt der Briefe wieder, um zu zeigen, wte ungeniert militärisch organisierte Bünde in Deutschland ihr Spiel treiben können._ Kohr weist die Preußen aus! Ein neuer Bruch der Reichsverfassung. Der„Bereinsanzeiger" des Derbandes der Maler, Lackierer, An- ftreicher. Tüncher und Wcißbinder veröffentlicht in feiner Ausgabe vom 1. Dezember folgendes Dokument der Kahrsrei in Gestalt eines Ausweisungsbefehls: 1. Der preußische Staatsangehörige Zellechoff, lediger Malergehilft, geb. 7. v. 1883 zu Essen, wird aus München und Bayern ausgewiesen. 2. Gebühren bleiben außer Ansatz. 3. Die Kosten de? Verfahrens und des Dollzuges der Aus- Weisung fallen dem Ausgcw'esenen zur Last. Gründe: Z. steht in dringendem Verdacht, nur deswegen nach Bayern gekommen zu sein, um als linksraditaler Agitator die bayerisch« Arbeiterschaft gegen die bestehende Staatsform aufzuwiegeln Di« derzeitigen Verhältnisse gebieten die Fernhallung solcher Personen. Seine Ausweisung wird daher veranlaßt. Zellerhoss war Vorsitzender der Derbandsfiliale in Bad Reichenhall und zugleich Vorsitzender d«s Ortsausschusses des ADGB. Er wurde ausgewiesen, well er Kartellvorsitzender war. Nach voraufgegangener Haussuchung, die keinerlei belastendes Material gegen ihn ergab, wurde Z. nachts aus dem Bett heraus verhastet und nach achttägig« r Haft, ohne jede Vernehmung von München aus im Transportwagen, ge- meinsam mit gemeinen Verbrechern abgeschoben. Nach I4stündiger Fahrt wurde er an der sächstschcn Grenz« abgesetzt. Sein Schicksal teilte mit ihm der Schriftführer des Bad Reichen- haller Gewerkschaftskartells,«in Metallarbeiter aus Ber- l i n. Beide waren Mitglieder der Sozialdempkrati- fchsn Partei. Die Ausweisung preußischer Staatsangehöriger aus Bayern ist ein glatter Verfassungsbruch, der gerade den jetzigen Reichsjustizminister inlsressteren sollte. Denn der ist ja bayerischer Staatsanwalt und sollte als R e i ch s minister darauf achten, daß der sogenannt« Gcneralstaatstommissar nicht die Reichsverfassung und i- die Rechte der Rsichsangehörigen gröblich verletzt. Denn der§ 110 der Reichsverfassung sagt ausdrücklich: llcder Deutsche hak in jedem Laude des Reiches die gleichen Rechte und Pflichten wie die Angehörigen des Landes selbst. Und der§ III der Rcichsverfassung fügt dieser an sich schon klaren Vorschrift die weitere Erläuterung hinzu: Alls Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Reiche. Jeder hat das Recht, sich an bclicbilzem Orte des Reiches aufzuholteu und nieder, itlafftn. Grundstücke zu erwerben und jede« Zlahruugszmeig zu betreiben. Einschränkungen bedürfen eines Rsichsgesetzes. Die bayerische und die Reichsausnahmeverordnung haben aller- dings eine Reihe von Bestimmungen der Reichsverfassung außer Kraft gesetzt. Aber die ßs 110 und III der Zisichsverfassung sind nicht einmal von der bayerischen Ausnahmeverordnung— deren Rechtsungültigkeit übrigens selbst nach dem Urteil baye- rischer Staatsrechtslehrer keinem Zweifel unterliegt— vorübergehend außer Kraft gesetzt. Sie bestehen also auch dort noch zu Recht, wo sonst alles Recht auf den Kopf gestellt ist. Trotzdem läßt Kahr preußische Staatsangehörige wie Ver- brechsr verhaften und über die Grenze abschieben wie lästig« Aus- länder! Was tut dagegen die preußische Regierung, um die Rechte ihrer Staatsangehörigen zu schützen? Wenn die Machtposition Kohrs übrigens nicht stärker ist als seine„Gründe", dann hat er bald abgewirtschaftet. Denn für den Ausgewiesenen und für alle gewerkschaftlich organisierten Arbeit- nehmer in Bayern wie in den übrigen Ländern des Reiche? konnte es sich doch höchstens darum handeln, für die bestshends Staats- form einzutreten, für die Republik und für die Weimarer Ver- f a s s u n g des Deutschen Reiches. N i ch t der Ausgewiesene und sein Genosse, sondern Kahr ist es, der„gegen die be. stehend« Staatsform" aufwiegelt. Was die freigewerkschosllich organisierte Arbeitnehmerschast, was die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei van einer„Staats- form" zu erwarten hätten, wie sie von den rechtsradikalen Agitatoren und von Kahr mit den bedenklichsten Mitteln einzuführen versucht wird, das kann man sich nach solcher Ausweisung wie nach dem Vor- gehen gegen unsere Parteipresse unter der b e st e h e n d e n Staats- form ungefähr vorstellen. Amerikas Außenpolitik. Eine Rede Hughes�. Philadelphia, 1. Dezember.(BIß.) Skaakssekretär Hughes erklärte ln einer Ansprache bei Gelegenheil der Jahrhundert. seier der Alonroedokirin, die Bereln'.gten Staaten seien aus dem Kriege mit denselben Zielen hervorgegangen, mit denen sie in ihn cingelreten wären. Obwohl sie Sieger gewesen seien, hätten sie weder Gebietszuwachs noch Reparationen gesucht. Sie wüuschleu, daß Frankreich gedeihe und Sicherheilen erlange, daß seine Bunden heilten und seine gerechten Forderungen erfüllt würden. Ebenso wünschten sie ein ge einigte» und gedeihen- des Deutschland zu sehen, dos den Billen habe. Frieden zu halten und bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit Bieder. gutmachungen zv leisten und das. angemessenen Lohn für seine Arbeit und Tüchtigkeit erlange. Sie wünschteu die Feuer de» Hasse» ausgelöscht zu sehe». Die Vereiniztea Staaten seien immer noch Bündnissen abgeneigt und weigerten sich, sich von vornherein dem auszusehen, daß fle ihre Macht für unbekannte Mögllchkeiieu verwendeten. Sie behielten sich vor. zu haudelu, wie Beruunft und Pflicht es gestatteten. Sie forderten faire und gleiche Möglichkeiten lu den M a u d a t s gebieten, da die Alliierten diese mit amerikanischer Hilfe erworben hätten Sie wünschten zu einer friedlichen Regelung solcher Fragen beizutragen. wie sie es verantworten könnten. Zum Schluß kündigte Hughes an. daß die DereiniFizu Staaten bald eine Reihe von Mzistbe- günstigullgsverträgen mit den laleia-amerikanischen Rationeu ab. zuschließen suchen würden. Die Mitwirkung Amerikas. Bei der Prüfung der deutschen Finanz frage. Paris. 1. Dezember. fWTB.)„New Port Herald" will wisien, daß im Ansäzluß an das gestrige Ergebnis der Verhandlungen der Reparationskommission die Washingtoner Regierung sofort auf- gefordert werden würde, der Ernennung von mindestens zwei, l ielleicht sogar vier amerikanischen Sachverständigen durch die „Repto" zuzustimmen. Die Einladung werde durch den Beobachter der Vereinigten Staaten L o g a n erfolgen, der bereits von der Repa, ratienskommission aufgefordert worden sei. den Plan der Einsetzung eine? Sachverstöndigenkomitees seiner Regierung zu übermitteln. Zur Milderung des Militärregimcs noch weit hin. Brüssel, 1. Dezember. lWTB. Nach der„Etolle Beige" hat zwischen der französischen und belgischen Regierung ein Meinungs- austausch über die Frage des Besetzungsregimes im Ruhr- gebiet stattgefunden. Nach dem Blatt soll General Degoutte, als man ihn nach dem Abschluß des(Micum) Vsrlrags über die Möglich- keft einer Verminderung der Okku pationstruppen be- fragte, gesagt haben, eine solche wäre möglich, könnte aber nur allmählich in einem solchen Maße, daß die Sicherheit der französisch-belgischen Truppen gewahrt bliebe, erfolgen. Ausschlag. gebend werds weiter sein, die Wiederaufnahme der Arbeft und di« Art der Einhaltung des Düsseldorfer Abkommens durch dl-e Arbeit- geber und Arbeitnehmer: im übrigen würde die Verminderung nur im Einvernehmen mit den militärischen Autoritäten durchgeführt werden. An dem Tage, an dem die belgisch-sranzösi. schen technischen Kommissionen in Sicherheit würden arbnten tön- neu, werde man zu dem Reaim>e vom 11. Januar zurückkehren. Nach der„Etolle Belg«" wird übrigens binnen kurzem«ine Anzahl Ausgewiesener ins Ruhrgebiet zurückkehren können. Umschwung in Polen? Zusammenschluß der Linken und der Minderheiten. Barschau, 1. Dezember. sEigener Drahtbericht.) Nachdem in der gestrigen Sejmsttzung die Regiormig die Auslieferung von drei an den Krakauer Unruhen angeblich beteiligten s o z i a l i st i- schen Abgeordneten durchgesetzt hatte, erfolgte in gemein- samer Versammlung der Zusammenschluß der oppositio- nellen Linksparteien mit den nationalen Minder. heitern Die neue Arbeitsgemeinschaft wird unter dem Lorsitz des Präsidenten der sozialdemokratischen Fraktion, Barlicti, über ihre weltere Taktik im Sejm und Senat beraten. Der Vertreter der Deutschen, Abg. U t t a, stellte sest, daß die Rechtsregierung den Anschluß der Deutschen an die Mehrheit durch erhebliche Kon- Zessionen herbeizuführen versuchte. Es siegte jedoch die Idee der Zusammenarbeit mit der Linken. Im Namen des. jüdischen Klubs erklärte Abg. Reich, die Juden hätten stets zur Linken gravitiert. Da das Rechtskabinett bei der letzten Abstimmung nur 11 Stimmen Mehrheit erzielte, kann die neu« parlamentarische Gruppierung ernste Folgen haben. Todesurteil gegen Faschisten. Berschau, 1. Dezember. lWTB.) Oberleutnant Bagien Ski und Leiiinant W i e c z o r k i e w i c z. die der Mitwirkung an einer geheimen Organisation, unter Milbeteiligung an einer Reihe von Bombenattentaien angellagt Ware», wurden vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt. TjütftHaft Werlbestcmöige Spcandgllchkc-Isca. Der Zwang zum Sparen sst heut« größer als sc. In„, Regel kommt die Aussparung größerer Summen, um für das Wer oder für unoorhersehbar« Fälle einen Notgroschen zu haben, bei den im Verhältnis zur Teuerung viel zu geringen Löhnen kaum erulthafi in Betracht. Dagegen hat jeder Arbeitende Meidung nötig. Auch hier sind die Preise so hoch, daß sie von einer einzelnen Lohn- rate nicht bestritten werden können. Unter diesen Umständen ist es wichtig, die Möglichkeiten wertbeständigen Spörens zu kennen. Es ist volkswirtschaftlich durchaus unerwünscht, wenn die wert- beständigen Geldzeichen in den Haushaltungen oder in ber Brief- tasebe gehamstert und so dem allgemeinen Bedarf an Zahlungs- Mitteln entzogen werden. Besser ist es, wenn man sie einer öffent- lichen Kasi« übergibt, die die Gewähr bietet, daß das Ersparte wert- beständig, asso nach dem Kurswert der Anlage zurückgezahlt werden. Der Deutsche Sparkajsenverband und der Deutsch« Zentral-Giroverband veröffentlichen soeben zusammenfassend ihre Bestimmungen über die Errichtung von Rentenmarkgirokonten. Mit Hilf« dieser Konten, die übrigens auch von den meisten Banken eingerichtet worden sind, ist es möglich, Rentenmark bargeldlos an andere zu übertragen. Die Koitten. die jedermann zuganglich sind, kommen sedoch für die große Masse der Arbeitnehmer nicht in Betracht, weil sie einen Mindest- bestand von 100 Rentenmark voraussetzen. Wichtig ist die B-stim- mung, daß diese Konten auch ais Spar tonten, also ohne Usber- Weisungsmöglichkeit, aber dafür wohl auch ohne Mindesteinlaoe» benutzt werden können. In diesem Falle wird, genau wie bei andc- ren Sparkonten, ein Sparbuch ausgehändigt und jede Verfügung über den Bestand von der Einreichung dieses Sparbuches abhängig gemacht. Die Einzahlung kann dann erfolgen in Rentenmark oder-n anderen Zahlungsmitteln, umgerechnet nach dem jeweiligen amtlichen Kurs; die Auszahlung erfolgt in wertbeständigen Zah- lungsmitteln, soweit solche verfügbar sind. Die Einlagen werden verzinst. Neben dem Rentenmarkspar- und Giroverkehr bleibt der Goldsparmarkvertehr in etwas abgeänderter Form be- stehen. Eoldsparmarkkonbzn sollen an di« Stelle der alten Papier- marksxarkonten treten, aber ihre Inhaber vor der Gefahr einer Entwertung ihrer Spareinlagen bewahren. Die jetzigen Bedrngun- gen dafür lauten: Die Sparkasse nimmt Spareinlagen auf der Grundlag? der Goldsparmark entgegen. 1 Goldsparmark ist— 1/jo Dollar nach dem jeweiligen amtlichen Kurse der 6 Proz. wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches an der Berliner Börse für groß« Stücke. Es können auch Hundortstel-Goldsparmarkbeträge(Goldsxarmark- Pfennige) verrechnet und verbucht werden. Einzahlungen können im Mindestbetrage von 1 Gold- sparmark erfolgen: in Stücken der Goldanleihe oder in Teilstücken dieser Anleihe oder in Intcrimsscheinen von solchen; in wertbestän- digen Notgeldscheinen: serner in Rentenbankschei» nen zu dem von der Reicbsban? festgesetzten limredmungskurs der Rentenmark. Ist ein solcher nicht festgesetzt, so gilt der amtliche Berliner Börsenkurs der 5proz. Rentenbrief« der Deutschen Renten» baut schließlich in Papiermark nach dem Kurs der Kproz. wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches. Der Ein- Zahler hat nur Anspruch auf den Kurs, zu dem in Berlin di,? Ein- d e ck u n g erfolgt. Jedoch steht es der Sparkasse frei, nach Maß- gäbe der in ihrem Besitz befindlichen und abeabefähigen Deckung den jüngsten bekannten Kurs der llmred)nunq zugrunde zu legen. Die Rückzahlung erfolgt in gleicher Weise, also wenn mög- lich in wertbeständia>en Geldzeichen oder in Papiertnark unter Zu- grundeüegung des Kurses der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches. Der Sparer hat nur Anspruch auf den Kurs, zu dem in Berlin der Verkauf der Deckung erfolgt. IillZoch steht es auch hier der Sparkasse frei, nach Maßgabe ihres Bedarfs an Deckungs- Mitteln den jüngsten bekannten Kurs der Umrechnung zugrunde zu legen. Ter Einleger erhält ein Eoldsvarbuch, die Rückzahlung ist an Kündigungsfristen gebunden. Die Verzinsung beträgt zurzeit 8 Proz. jährlich. Eine höher verzinsliche Anlagemöglichkeft für kürzer« Zeit biete« die sog. unverzinslichen Goldschatzanweisungen Preu» ß e n s, über die wir kürzlich berichteten: man kann Stück« von 10 Goldmark an aufwärts und mft Fälligkeit in ein, zwei oder drei Monaten bei der Preußischen Staatsbank erwerben. Der Zins der vorweg vergütet wird, beträgt bis zu 5 Proz. jährlich. Erwähnt sei noch, daß auch die Konsumgenossenschaf» ten wertbeständige Spareinlagen entgegennehmen. Da diese aber nur mit längerer Kündigungsfrist abgehoben werden können, kom- men sie für das heute so notwendig« Sparen zu Anschaffungen weniger in Betracht. Vielleicht genügt dies« Anregung, um durch ein« Verkürzung der Kündigungsfrist dahin zu wirken, daß es den Genossenschaftern leichter gemacht wird, ihre flüssigen Beträge den Genossenschaftskassen zuzuführen. Die Reukenmarkausgabe. Der Rentenbank ist es gelungen, bis jetzt utjgfäbr 750 Millionen Rentenmark herzustellen. Aller- dinqs hat sich die Ueberleitung des neuen wertbeständigen Zahlungsmittels in den Kleinverkehr verzögert, well die öffentlichen Kassen gezwungen sind, für ihren Bedarf ansehnliche Summen anzusammeln. So braucht die R e i ch s b a n k allein für ihnen Giroverkehr 200 Mil- Konen und die P o st als Stock im Scheckverkehr 10 Millionen, außer- dem als Vettiebskapital 35— 43 Millionen. Die BeHorden haben bereits Löhne und Gehaltsvorschüsse bis zu 50 Proz. in Rentenmark ausbezahlt. Auch hat das Hamstern der Reittenmart erheblich nach- gelassen. Bedeutende Beträge fließen durch Käufer und Steuer- zahler an den Handel und die Behörden zurück. Die Folge dieses Vorganges Zeigt sich in der Stillegung der Notenprrsse. Ein wesent. licher Tell der Papiermartnotenprodukiion, die bis jetzt noch auf Arund der bis zum 15. November diskontierten Schatzanweisunacn Papiermark hersteitte, konnte stillgelegt werden. Man rechnet Ende der kommenden Woche mit de? völligen Stillegung der Notenpresse. der größten und ungerechtesten Steuereintreibung', die das deutsche Volk bisher erlebte. Ein neues Zulaudlager der GEG. Am 1. November wurde in Magdeburg ein weiteres Lager der Großeinkaufsgesellschaft seiner Bestimmung übergeben. In Verbindung mtt dem Einkaufs- tage der Magdeburgischen Einkaufsvereinigung fand dann am 14. Ztovember im großen, neu«ingebauten Sitzungssaale des Lager- gebäudes die Einweihung statt. Das Lager ist nur etwa fünf Minuten vom Hauptbahnhos Magdeburg entfernt. Das Haupt- g e b S u d« ist über 85 Meter lang und besitzt in jeder der vier Etagen drei nsbeneinonderliegende Böden mit je rund 4IZ0 Ouadrat- meter Fläch«, die mit je rund 280 Tonnen belastet werden können. Außerdem besitzt das Hauptgebäude sehr hohe, schön« Kellsrräum«, rund 85 Meter lang, 17 Meter tief und 331 Meter hoch. Sieben einer Mühle hat die Großsinkausegesellschaft noch«in zweites Lager- gebäude übernommen, in dem ein neuer Betrieb der Eigenproduktton entstanden ist. eine Rährmittelfabrik. Hier werden in eigenen Packunaen Puddingpulver, Backpulver, Rote Grütze. Natron, Salizylpulper, Vanillinzucker und Vanillesoßenpulver hergestellt, wo- durch einem langjährigen Vedürfniss« der Verein« entsprachen wird. Das von der Graheinkaussgesellschaft auf 15 Jahre von der Reichs- finanzverwaltung gepachtete Grundstück und die vorgenommenen Umbauten fanden allgemeine Anerkennung. Man sah, was aus ein- fachen Lagerräumen geschaffen werden kann, wenn der Wille vor- Händen ist. Heut« enthält das Hauptgebäude auch ein großes, helles Kontor und«inen Sitzungssaal für rund 100 Personen. Gewerkschaftsbewegung Berechtigte Arbeiterforderungen. Ein vernünftiger Schiedsspruch. ie schwerindustrielle Telegraphen- Union meldet aus München: Der Schlichtungsausschuß München hat am Freitag einimmig einen Schiedsspruch über feste Goldmartlöhne gefällt und dabei zum Ausdrud gebracht, daß trop gleichbleibenden Goldkurses die Grundpreise des Handels gegenüber den Friedens fäßen zum Teil um ein Bielfaches höher geworden find. Solange es nicht gelinge, hier eine Aenderung herbei zuführen, vielmehr trog gleichbleibenden Goldmarfstandes eine nicht unerhebliche Teuerung festzustellen sei, müsse bei den Lohnfestlegungen von den geltenden Preisen ausgegangen werden. Es fönne den Arbeitnehmern nicht zugemutet werden, mit den Sägen des Friedens oder dar. unter vorlieb zu nehmen, während fast sämtliche Lebenshaltungskosten außerordentlich im Preise geftiegen find. lich auszuzahlen, gegebenenfalls unter Aufwerfung. Wo die Aus.| des Wehrfreistommandos in den Streit im graphischen Gewerbe zahlung nicht spätestens am 4. Dezember erfolge tonn, ist an diesem eine Richtigstellung veröffentlicht habe, die dem Ausschuß den Vors Tage auf den Restbetrag eine Abschlagszahlung in deffen annähern, wurf macht, daß er mit seinem Namen Mißbrauch getrieben habe. der Höhe zu leisten. Die Aufwertung geschieht in der Weise, daß Von einem solchen Mißbrauch fönne teine Rede sein, denn Jäger der Papiermarkbetrag sich in gleichem Verhältnis erhöht wie der habe ebenso wie die übrigen Unterzeichner der Kundgebung einer Berliner Dollarmittelkurs vom 30. November 1923 zu dem Ber- rom Ausschuß eingesetzten fleinen Kommission Blankovollmacht erliner Dollarmittelfurs am zweiten Tage vor der Auszahlung des teilt, feinen Namen darunter zu sehen. Restgehalts. Schließlich wurde folgende Entschließung des Ausschusses der Die Parteien find sich darüber einig, daß durch die im Vor- Gewerkschaftskommission der Plenarversammlung zur Annahme emp. stehenden getroffene Regelung für November feinerlei Präjustiz geschaffen wird für den für Dezember zu vereinbarenden Festmarktarif( Gold, oder Rentenmarktarif). Einigkeit besteht ferner darüber, daß in der Woche vom 3. bis 8. Dezember noch eine Abschlagszahlung auf das Dezembergehalt in Festmark( Gold- oder Rentenmart ausgedrückt) gewährt werden soll. Ufa Metallfartell. Günther. Rasper. Rothe. 。 Aufrechterhaltung der Bildungsarbeit. Beachtenswert dabei ist, daß der Schiedsspruch einstimmig, An die Arbeiter- und Angestelltenschaft Berlins! also auch mit den Stimmen der Arbeitgeber, gefällt worden ist. In Berlin dagegen haben die Herren von der Vereinigung deutMitten im Kampf gegen Reaffion, Bruderstreit und Hungersnof geht dennoch das Sinnen des Proletariats über des Lebens Notscher Arbeitgeberverbände den traurigen Mut zu erklären, man durft hinaus. So sehen wir, wie die Not diefer Zeit nun auch dürfe die Löhne nicht höher als 20 bis 30 Pf. die Stunde festsetzen, unser geistiges Leben bedroht. Wir stehen in Gefahr, d. h. etwa 15 bis 20 Pf. Friedenslohn. Da es in Berlin unsere bedeutungsvollste Bildungseinrichtung die Frei1914 taum einen ungelernten Arbeiter gegeben hat, dessen gewerkschaftliche Betriebsräteschule Lohn weniger als 40 Pf. die Stunde betrug, während der Mindest- Tieren. John der gelernten Arbeiter etwa 55 Pf. war, in gewissen Berufen aber das Doppelte, so bedeutet das praktisch, daß der Lohn der Arbeiter auf ein Drittel des Friedenslohnes und darunter herabgedrückt werden soll. Der Schiedsspruch ist aber besonders dem Reichsarbeits. minifter zur Beachtung zu empfehlen. Dr. Brauns gibt Anweisungen, die den Unternehmerwünschen entsprechen. Und die Reichsregierung bot den Arbeitern, Beamten und Angestellten des Reiches Löhne, die auf diesem unmöglichen Hungerniveau liegen. Wir werden sehen, wie die neue" Regierung sich dazu stellen wird. Ob sie auch in der Unterbindung der Kauffraft der Massen das Mittel zur Hebung unserer Wirtschaft sieht. Ob auch fie glaubt, daß die Arbeitsleistung und die Arbeitsfreudigkeit gehoben werden, wenn die Arbeitnehmer vom Hunger entfräftet und von den Sorgen gepeinigt werden. Die Arbeiter, Beamten und Angestellten werden jedenfalls gut tun, nicht viel auf diese Regierung zu hoffen. Nur in der ge= einten Macht der gesamten Arbeiterschaft liegt unsere Hoffnung.. Wir stehen vor schweren Kämpfen. Mit den Wirtschaftstämpfen steht uns eine große, entscheidende Wahlschlacht bevor. Da gilt es jetzt schon, alle Kräfte zusammenzufassen, um die Mächte, die die deutsche Arbeiterschaft und mit ihr die deutsche Republik ins Verderben stürzen, aufs Haupt zu schlagen. Angestelltentarif der Berliner Metallindustrie! Zwischen dem Berbond Berliner Metallindustrieller und den AfA- Geertschaften ist folgende Bereinbarung getroffen worden: Gruppe A( Jugendliche) von 15-17 Jahren 11 Goldmarkt " " 17-20 20-23 Gruppe B( Lehrlinge) in der 1.- 8. Ginl.- Stufe ( ausgelernte), 4.- 5. 4.- 5 . 16 20 6 11 18 8. würde. dantens als Helfer im Klassentamps! SPADO zu vetfohlen: ,, 1. Die jetzige außergewöhnliche wirtschaftliche und politische Lage mit allen ihren Auswirkungen und Begleiterscheinungen erfordert mehr denn je eine gut organisierte disziplinierte Gewerkschaftsbewegung. Im Brennpunkt des gegenwärtigen Ningens, und Geschehens stehen die freien Gewerkschaften. Soll die Arbeiterschaft als Klasse in diesem Ringen bestehen, dann hat jeder flossenbewußte Arbeiter sein Bestes einzusehen für die gewerkschaftliche Organisation. Die freien Gewerkschaften Ber fins finden ihre Zusammenfassung und Geschlossenheit in der Berliner Gewerkschaftskommission verkörpert, deren Ausschuß die schwere Verantwortung für die Führung der Berliner Ge werffchaftsbewegung zu tragen hat. Daraus ergibt sich, daß jeder, der ein Amt in einer Körperschaft der Berliner Gewerfschaftskommission übernimmt, ein hohes Maß von Verantwor= tungsgefühl aufzubringen hat. 2. Die Mitgliedschaft in den Körperschaften der Berliner Gewerkschaftskommission hat zur Voraussetzung die Unterordnung unter die von dieser gefaßten Beschlüsse. Unvereinbar mit der Mitgliedschaft in einer solchen Körperschaft ist, wenn Mitglieder außerhalb dieser Rörperschaften eine Tätigfeit entfalten, die einer Bekämpfung der Gewerkschaften gleichfommt und auf eine Interminierung und Zerstörung der Gewerkschaften hinausläuft." Auf Antrag wurde beschlossen, von einer Diskussion über diese Entschließung, da sie nur ganz Selbstverständliches enthalte, Abstand zu nehmen. Die Annahme erfolgte mit überwältigender Majorität. Alle diejenigen, die in den Jahren des Bestehens der Schule an ihrem Unterricht teilgenommen haben, werden ermessen, was der Untergang dieser Schule für das Berliner Proletariat bedeuten Er wäre ein Zeichen für den Niederbruch des geistigen Lebens in der Arbeiterschaft; ein Zeichen für den Mangel an Opferfreudigkeit; ein Zeichen für die Mißachtung geistiger Werte; Die Hungerlöhne der Beamten. ein Zeichen für die Berkennung des Bildungsge- Bon einem Unterbeomten wird uns geschrieben: Was beabsichtigt die Regierung mit den Hungerlöhnen, die fie Soll es wirklich so weit tommen? Noch besteht die uns anzubieten wagt? Will man vielleicht die bei uns gegenüber Möglichkeit, durch das Zusammenstehen aller an ernsthafter Bildungs- Frankreich mehr vorhandenen zwanzig Millionen Menschen durch arbeit intereffierten Kräfte des Proletariats, die Betriebsräteschule Hungerto abbauen"? Soll denn der verlorene Strieg einzig und vor dem Untergang zu reffen. allein vom Mittelstand, der am Ausbruch desselben nicht die geringste Hörer der Betriebsräteschule, an die Gewerkschafts- und und die gesamte Geschäftswelt die Gewinne einfireichen? Wir wenden uns daher an die jebigen und früheren Schub trägt, bezahlt werden, während die Industrie, Landwirtschaft wie an die Intellektuellen und rufen ihnen zu: Parteimitglieder, an die Arbeiter und Angestellten sowohl Hungerlöhne der mittleren und unteren Klassen reichen bei weitem nicht aus, zurzeit die allernotwendigsten Nahrungsmittel zu be schaffen, die gegenüber der Borkriegszeit außerordentlich im Breife gestiegen sind. Wo bleibt die Kleidung, Wohnung, Heizung, Wäsche ufw.? Besucht die Kundgebung für Aufrechterhaltung der Bildungsarbeit!( Mittwoch, den 5. Dezember, abends 7 Uhr, im Sophien- Enjeum, Weinmeisterfir. 16/17.) Arbeiter! Angestellte! Zeigt der Oeffentlichkeit, daß das Proletariat Berlins für die Aufrechterhaltung feiner Bildungsarbeit einzutreten weiß! Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Gewerkschaftskommiffion Berlins und Umgegend. Die " Einschränken, einschränfen!" pratigen die Herren Regierungs vertreter am Berhandlungstisch. Wir schagen vor, die Herren Regierungsvertreter probemeise auf ein Jahr nad) Gruppe V zu be=: folden und dafür ihnen eine achtstündigle tägliche Arbeitszeit zu fordern. Wir glauben, das ist das beste Mittel, diese Herren, die unferen berechtigten Forderungen immer und immer wieder nur ein glattes„ Mein" entgegensetzen, bald auf andere, vernünftigere Ge danken zu bringen. Erkennt man denn am grünen Tisch nicht die große Gefahr, die darin besteht, die hungernden Beamten zu Unregel mäßigkeiten zu erziehen? Hunger tut weh! Lohnverhandlungen und Währungsproblem. Ueber dieses Thema referierte Genoffe Tarnow in der legien Plenarversammlung der Gewerkschaftskommis In der Lederwaren- Industrie halten die Unternehmer einen sion Berlins und Umgegend am Mittwoch, den 28. November. Nach einem furzen Rückblick auf die Geschichte und Bedeutung des Stundenlohn von 40 Pf. ausreichend. Bei Auszahlung in Papier-Währungsproblems betonte der Referent, daß wir als Arbeiter uns mart soll ein Zuschlag von 20 Proz. erfolgen. Die Verhandlungen früher mit dergleichen Dingen nicht beschäftigt hätten und es bei vor dem Schlichtungsausschuß wurden von dem Eyndilus des Ar Gruppe Ca( Angestellte, die mit niederen Dienst unferen Tagestämpfen auch nicht brauchten, heute jedoch dazu ge- beitgeberverbandes gesprengt. Mit dieser Sachlage befaßte sich eine leistungen beschäftigt find) von 14-18 Jahren radezu gezwungen seien, wenn wir den uns geftellten Aufgaben Branchenversammlung am Freitag, in der Blume berichtete. Die über 18 Jahre. 11 gewachsen sein wollen und die Interessent der Arbeiterschaft feinen Stammer des Schlichtungsausschusses habe nicht einmal den BerGruppe Cb30 Goldmart, Gruppe Cc= 35 Goldmart. Schaden erleiden sollen. In seinem inftruttiven Vortrage wies fuch gemacht, als Eriaz für einen sich als befangen erklärenden Die Angehörigen der Gruppen K 1 und T1 erhalten 30 Gold- Genosse Tarnow nach, daß, nachdem heute in Industrie und Arbeitgeberbeisiger einen Beisiger aus einer anderen Kammer matt, K 2 und T 2 40 Goldmart, K3 und T3 50 Goldmart, K4 Handel nur nach Gold gerechnet wird, auch für die Ar- heranzuziehen. Die Verschleppungstaktik der Unternehmer löste den und T4 60 Goldmart, M 1 60 Goldmart, M 2 und M 3 50 Goldmart. beitnehmerschaft Goldlöhne gefordert werden müßten. ichärfften Unwillen der Versammelten aus. Als erster Branchenleiter wurde Kollege Schüttfe, als zweiter Es sei ein Irrtum, wenn man glaube, daß bei einer Entwertung des Für weibliche Angestellte vermindern sich die Beträge um Geldes die Preise des Lebensbedarfs niedergehalten werden können. Kollege Leuschner gewählt.( S. unten). 10 Broz. Angestellte, denen Familienzulagen zustehen, erhalten Sie müssen steigen, während gleichzeitig, wenn der Lohn in ent euf jede Familienzulage 2,5 Goldmart. Die auf jeden Angestellten wertetem Papiergeld ausgezahlt wird, das Realeinkommen der hiernach entfallenden Goldmerkbeträge werden nach dem Berliner Arbeitnehmer immer tiefer finken muß. Im weiteren gab Redner Zu dem sich ergebenden Bapiermartbetrag werden die auf das No- für die fünftigen Lohnbewegungen, die, wie er betonte, unter Dollarmittelkurs vom 30. November in Papiermark umgerechnet. aus seinen reichen praktischen Erfahrungen wertvolle Fingerzeige rembereinkommen gewährten Abschlags einschließlich der Brotgeldvorschüsse, die für die Zeit vom 26. bis 30. November gezahlt find, allen Umständen auf Goldbasis geführt werden müssen, hinzugerechnet. Die sich so ergebende Gesamtsumme stellt das damit der Reallohn gehoben und den heutigen Verhältnissen antarifliche Bruttoeinkommen für den Monot November 1923 dar. gepakt wird. Bon dem jo errechneten Bruttoeinkommen ausgehend, werden der Steuerabzug fomie die sonstigen gesetzlichen Abzüge errechnet und von dem tariflichen Novemberbruttoeinkommen gekürzt. Bon dem dann verbleibenden Rest werden die im Monat November gezahlten Abschlagszahlungen einschließlich der für die Zeit vom 26. bis 30. zu verwerten. gezahlten Brotvorschüsse gekürzt. Der dann verbleibende Betrog Hierauf teilte der Vorsitzende mit, daß das Mitglied des Ausstellt die Summe dar, die als Restgehalt für den Monat November schuffes, Kollege Jäger, zu der von den örtlichen Spikenorgani- Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5.. Berlin. den Angestellten noch zusteht. Dieser Restbetrag ist sobald als mög- fationen im Borwärts" erlassenen Kundgebung gegen den Eingriff Ununterbrochen geöffnet von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends! Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Bon der Annahme einer Entschließung wurde Abstand genommen und es den in der Praxis stehenden Funktionären überlassen, die in Referat und Diskussion gegebenen Anregungen zweckentsprechend Ununterbrochen geöffnet von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends! 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Die Bertrauensmännerfizung findet am Montagabend 28 Uhr in den Oranten- Sälen, Oranienstr. 180, statt. Der wichtigen Tagesordnung entsprechend muß jebe Werkstatt vertreten fein. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger ut. Co. Berlin SW. 68. Linbenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Kauf ohne Sorge bei Korge Bei wertbeständiger Zahlung 20% Rabatt! WINTERSPORT -Bekleidung und-Geräte! Bayr. Winterledenjoppen aus grau- und Windjacken, modefai benem u. 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Die Volksbühne erfüllt deshalb in Verlin eine ganz einzigartig« große Kulturaufgabe. lieber den Aufbau, den eigentlichen Charakter und viele Arbeiisge. biet« der Volksbühne herrscht aber noch in weiten Kreisen Unklar- heit. Auch wer Mitglied der Volksbühne ist, weiß oft nicht mehr von ihr, als daß da irgendeine Organisation besteht, die auf ihren Mit- giiedskarten vorschreibt, wann das Mitglied die Vorstellungen be- suchen muß, daß dies« Organisation den Mitgliedern neben den Vorstellungen auch noch ein Nachrichtenblatt zuteil werden läßt und soft jede Woche eine Reihe von Sondervorstellungen(Konzerten, Vorträgen usw.) vermittelt, zu deren Besuch keine Verpflichtung besteht. Vom eigentlichen Wesen der Volksbühn« haben aber nur eng« Kreise eine klare Vorstellung. Was ist es nun damit? Die Sefthoffung öer Vorstellungen. Die Vorstellungen können in anderen Theatern gepachtet oder in Theatern geboten werden, die dem Verein selbst gehören bzw. von ihm ganz bewirtschaftet werden. Seit Jahren erhallen die Mit. glieder der Derflner Volksbühne sowohl Vorstellungen in„fremden" wie eigenen Theatern. Das erste Theater, das der Derein selbst in Betrieb hatte, war das alte kleine Haus in der Köpe. nicke? Straße; 1913 wurde es aufgegeben, weil der Verein da- mals sein Theater am Vülowplatz fertigstellte, das ihm ja heute noch gehört und ein schönes Denkmal seiner Bedeutung und Kraft darstellt, 1921/23 wurde das Reu« Volkstheater vorüber- gehend vom Verein wieder als zweiter Betrieb geführt, vor kurzem aber erneut aufgegebe n, um bei den schlechten Zeiten und der Gefahr eines Abfalls von Mitgliedern durch zunehmend« Arbeits- lostgkeit das Risiko zu mindern. Dafür wird ZMtie Dezember der verein den Mitgliedern täglich etwa die Hälfte der Plätze in der „Oper am KSnigsplah", der ehemaligen Sroll-Oper, dielen kännen. Dieses neue Theater wurde, gleich dem herrlichen Haus am Bülow. platz, von ihm erbaut und zunächst auch ganz aus eigenen Mitteln. Di« Ungunst der Zeit zwang dann aber, die Hilfe des Staates in Anspruch zu nehmen und diesem dabei den Besitz und die Be- wirtschaftung des Hauses zu übertragen; doch behalt der Verein für 25 Jahre den Anspruch auf wöchentlich 7300 Plätze für seine Mitglieder. Wenn der Derein nur Dorsiellungen in fremden Theatern pachtet— sei es ganz, sei es teilweise—» so ist sein Risiko natürlich geringer als wenn er ein eigenes Theater betreibt. Er kann die Zahl der gemieteten und zu bezahlenden Plötze leichter und rascher dem Bedarf anpassen. Dafür hat er ober in diesen Theatern naturgemäß auch nur wenig Einfluß aus dle Unterbringung seiner Mitglieder, die Gestaltung des Spielplane usw. Die Führung ei«n«r Theater ist besonders heute sehr kostspielig und gefährlich. Jeder Mitgliederverlust, der es nicht mehr ermög- licht, alle Plätze zu besetzen, bedeutet riesig« Defizite. „ptomoktsthast'. Die Zuweisung bestimmter Vorstellungen an Zedes Mitglied und sein« Verpflichtung, eben diese Vorstellungen zu besuchen— sofern es nicht als„Nachzügler" bei einer an- deren Vorstellung allerlei Benachteiligungen in den Kauf nehmen will—, ist keine Schikane oder Marotte. Darauf beruht vielmehr die ganze Existenz- und Wirkunysmözlichkett des Vereins. Denn einmal erlaubt dies« Einrichtung eine p l a n w i r ts ch a f tl i che Regelung des Dorstellungsbesuchs: der Verein kann genau so- viele Vorstellungen veranstalten oder pachten wie benötigt werden, um alle Mitglieder satzungsgemäß zu versorgen, und es kann zu- gleich bewirkt werden, daß zu jeder Vorstellung genau soviel« Mit- glieder erscheinen wie Plätze verfügbar sind. Das bedeutet aber eine Möglichkeit, den Vorstellungsbesuch erheblich zu verbilli- gen. Ist der Besuch nicht geregelt, so kann eine Theaterleitung I durchschnittlich nur mit einem zu zwei Dritteln besetzten Haus, � rechnen und muß die Platzpreise entsprechend kalkulieren. Die! ! Volksbühne vermag die Kosten der Vorstellung auf genau soviel«! ; Besucher umzulegen als Plätze vorhanden find. Sodann erlaubt die Desuchsverpflichtung es der Volksbühne, sich bei der Auswahl ; ihrer Stücke weit mehr von künstlerischen Gesichts- ! punkten leiten zu lassen als es sonst ein Theater kann. j Die„Geschäststh-ater" müssen„Schlager" haben, um Publikum an. ! zulocken;„Schlager" sind aber gewöhnlich rofsinierte Amüsier- und Sensationsstücke, nicht Kunstwerke. Die Volksbühne ist nicht auf „Schlager" angewiesen und kann deshalb in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen solch« Werke stellen, die mehr bieten als bloße seichte Unterbaltung. Die PolkSbllhne will eben mehr sein als nur eine Permllklerin billiger Thealerkarken. Der Verwaltungsapparat. Weniae werden sich wohl eine rechte Vorstellung von dem ge- wältigen Apparat machen, den die Arbeit der Volksbühne erfordert. Da ist einmal die Verwaltung des Vereins selbst. Reben dem V o r st a n d, der mindestens einmal wöchentlich berät, steht die von der Hauptversammlung gewählte Verwaltung, die vielleicht alle drei Wochen zusammentritt; daneben wieder der Künstle- rische Ausschuß� der etwa ebenso oft tagt; mehrere Kommst- flonen bearbeiten Einzelgebiete. Ueber 500 ehrenamtlich tätig« „Ordner" letten bei jeder Vorstellung die Auslosung der Plätze und sorgen auch sonst für die organisatorische Kleinarbeit. Di« Ein- kassierung der Mitgliederbeiträge erfolgt in etwa 120 Zahlstellen in allen Teilen der Stadt Für die laufenden Arbeiten ist außer den ehrenamtlich Tätigen aber auch ein« nicht unerheb- i liche Angestelltenschaft erforderlich: neben dem„G e- ilchäftsführer" steht hier der„Generalsekretär", der für die künstlerischen Veranstaltungen, den Verkehr mit Behörden und Presse, für die Propaganda usw. zuständig ist; mehr in der Stille wirkt der Chef der K ass« n o e r w a l t u ng, durch dessen Hände täglich etwa 500 bis 000 Billionen laufen. Unter diesen drei leitenden Angestellten arbeiten 20 Bureaubeamte, Zahl- stellenkassierer, Buchhalterinnen, Stenotypisttnnen. Adreflenschreiber usw. Unabhängig von dem verwaliungsapparat des verein» arbeitet der Betrieb des Theater» am Vülowplatz: das Theater rechnet und wirtschaftet also ganz selbständig. Das Theater erfordert Verständlicherweste nvch weit tnehr Personal als der Verein. Zur- zeit zählt das Theater mit der Direktion etwa 50 Angestellt«, die künstlerisch tätig sind. Dazu kommt ein technisches und Bureau- personal, das noch um einige Köpfe stärker ist. Insgesamt hat also das Theater mehr als 120 Angestellte zu bezahlen. Unter Sem vruck öer Zelt. Di« Rot der Zeit bedrängt auch die Volksbühne hart. Me Unkosten— sowohl die für Gehälter. Gagen und Löhn« wie die für Materialien, Mieten usw.— wuchsen ungeheuerlich. Das verlangte immer und immer neue Beittagsstelgerunzen. Größte Sparsamkeit bewirkt« wohl, daß die Beiträge— in Gold umgerechnet— weit unter die vor dem Frieden üblichen hinuntergedrückt werden konn- ten. Dos Mitglied bezahlt heute für ein« Abendvorstellung ganze K0 bis 75 Soldpsennige. Aber das sind nach dem heuttgen Gold- markkurs auch schon einige hundert Milliarden Mark. Für viel« Mitglieder bedeutet ihr« Zahlung«ine harte Belastung. Anderer- seits muß d-ie Bereinsleitung aufs ängstlichste lavieren, um mit den wenigen Goldpfennigen durchzukommen. Immer wieder gab es in den letzten Monaten Situattonen. wo die verfügbaren Mit. tel nicht hinreichten, um die erforderlichen Ausgaben zu decken. Rur dadurch, daß dl« Angestellten sich mehrfach mit einer verspäteten Zahlung ihrer Bezüge begnügten, daß vorübergehend Darlehen in Anspruch genommen wurden, daß mancherlei Betriebs- «inschränkungen Platz griffen, war«s angängig, drohend« Klippen zu umschiffen. Der Verein ist ja durch den Besitz seines wertvollen und sehr wenig belasteten 5>auses am Bülowplatz, durch seinen großen Fundus, durch die Gewißheit stets vollbesetzter Vorstellun- gen auf Grund seines großen Mitgliederbestandes usw. letzten Endes sicherer fundiert als die große Mehrzahl anderer Unterneh- mungen in dieser Zeit. Aber er leidet gleichwohl unter der der- zeitigen Krise schwer. Welcher Schaden erwuchs und erwächst ihm beispielsweise aus der Tatsache, daß sein großes Zahlstellensystem die Heranholung der Mitgliederbeiträge für die Zentrale so fest; erschwert und verzögert; wie werden die Beiträge durch die Geldentwertung oft öetroffen! Wer nicht„mitten drin" steht, ahnt kaum, welche Sorgen und Probleme diese letzten Wochen für die Derein sleituNg aufgeworfen haben, wie große und schwere Aufgaben zu lösen waren, um die Beiträge rascher herein- zubekommen, sie stets der Teuerung anzupassen und doch den Mit- gliedern nicht Unmögliches zuzumuten I O Erfreulich ist, daß wenigstens die Mitglieder bisher im großen ganzen dem Verein treu bleiben. Di« raschen Beitragserhöhungen, die Schwierigkeiten, die neuen Beiträg« immer rechtzeitig bekanntzugeben und dergleichen erregten mitunter Verstimmung. Kurz- arbeit und Arbeitslosigkeit machen es vielen Mitgliedern sehr schwer. dem Derein treu zu bleiben. Aber die allermeisten hielten doch durch und nicht wenig« neue Mitglieder reihten sich«in. Das ist e�ras, was immerhin in einer so überaus trüben Zeit als Lichtblick «npfunden werden kann. Die Golötanne. Di« Weihnachtswälder aus dem Harz und Thüringen sind auf Berlin zu im Anrollen. Der Lichterglanz, der kümmerlich genug ausfallen dürste, wird diesmal kaum genügen, das Dunkel dieser schweren Zeit notdürftig zu erhellen. Aus diesem und aus jenen: Grund«. Denn natürlich wird sich auch der Tannenbaum Handel„auf Goldpreis« einstellen". Wenn bereits fest Wochen«in Pfund Aepfel 1 bis im Goldmark kostet, also 1 bis im Billionen, was den Friedenspreis um das Vier« bis Sechsfache übertrifft, so werden die Baumhändler die Konjunktur sicher in gleicher Weste ausschlachten. Schon kommen die Weihnachtsbäume, nachdem im Harz starker Schnee gefallen ist, zu Tal. Die Verfrachtung erfordert große An- lagekapitalien, der weitere Lauf bis zum Kleinhandel ist ebenfalls kostspielig. Man wird also voraussichtlich nicht viele Tannenbäume im Kleinhandel sehen. Die Zeiten, in denen sogar Arbeitslos« sich hiermit einen vorübergehenden Nebenverdienst verschaffen konnten, sind vorbei. Diel weniger als eine Billion wird«in halbwegs gut- gewachsener mittelgroßer Daum nicht kosten. Sollte wieder, wie in mehreren Vorjahren, der Wucher sich breitmachen, so muß die Behörde zupacken. Ebenso ist den Tannenbaumräubereien in den um Berlin gelegenen Waldungen ein Riegel vorzuschieben. Er- fahrungsgemäß werden viele der aus den Schonungen gestohlenen Bäumchen in den Handel gebracht. Ohnedies steht es in den Groß- Berliner Wäldern infolge des Brennholzdiebstahls schon wüst genug au». Buch und Bild auf dem Weihnachtstisch. Das Bezirksjugendamt Treptow hat auch in diesem Jahre wieder ein« Ausstellung von Literatur und Wand« schmuck veranstaltet. In dem großen Sitzungssaal des Trep- tower Rathauses an der Neuen Krugalle« findet der Bs- sucher ein« Auswahl guter Bücher und auter Bilder, die sich als Weihnachtsgeschenk« tim«n. Die Bücher sind gruppiert nach Alters- klassen, wobei oll« Stufen der Jugend von den Sechsjährigen bi» zu den Schulentlassenen zu ihrem Recht kommen. Den Kampf gegen die Schundliteratur will die Ausstellung durch Darbietung besserer Iugendlektüve unterstützen. In den Büchern ist überall der Preis (in Goldmark) vermerkt, so daß der Besucher sich sogleich auch darüber Gewißheit verschaffen kann, ob ein ihm zusagendes Buch gr ihr erschwinglich ist. Geliefert sind die Bücher von der Vorwärts- uchhandlung, die auch mit sozialistischer Literatur vertreten ist, ferner vom Dürer-Haus und von der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Im Ausstellungsraum können Bücher sofort ge- kauft werden, doch besteht nicht etwa Kaufzwang. Auch Schüler- arbeiten sind ausgestellt, Zeichnungen, Klebeorbeiten, Buchbinde- arbeiten, Näh- und Sttckarbeiten. Hieron haben sich Volksschulen und höher« Schulen und auch«in« Hilfsklass« beteiligt. Die Ausstellung ist am heutigen Sonntag von 3 bis 7 Uhr und am Montag von 4 bis 7 Uhr geöffnet, ihre Dauer soll aber über Montag hinaus noch um einige Tag« verlängert werden. Heut« um 4 Uhr spricht im Ausstellimgssaal der Lehrer Furcht über �andfertigkett. Buch und Bild". Der Zutritt zur Ausstellung und zum Vortrag ist völlig unentgeltlich. Lopjrrlrlit Oeort Müller, München. 88] Die Lofotfischer. Roman von Zohan Dojer. Und weiter geht es an den Häusern vorbei, bis an den Kirchplatz. Der Platz lag vorher so weitz mit dem Schnee in der Mondnacht, da stürmte die Schar dorthin, sank bis an die Hüsten ein. der zweite Trupp, der sich auf den ersten stürzen wollte, sank ebenfalls ein— es gab einen Zusammenstoß, ein Fuchteln mit Armen und Beinen und stiebendem Schnee. Endlich prallten die bei- den Trupps aufeinander, aber der eine Häuptling, Jakob, stand ganz machtlos bis an die Arme im Schnee, schwang nur immer die leere Flasche und schrie:„Faßt sie, Jungens! Vor- roärts, Jungens!" Aber da kommt ein Bursch gelaufen, von einem anderen verfolgt, und dieser Verfolger ist Lars, der ganz wild ist und ein Messer in der Hand hat. Im nächsten Augenblick packt Henrik ihn am Arm, und als der Junge, unbezähmbar in seiner Kampstout, das Messer hebt, bekommt er eine Ohrfeige von einer flachen Hand, schwerer als die Hand des Vaters, härter. als er jemals bisher eine Hand kennengelernt hat. Kurz dar- auf betritt Henrik, den Knaben auf dem Buckel, die Hütte und wirft ihn vor den Later hin.„Da ist er!" sagte er nur. Das nächste, was der Junge empfand, war, daß des Vaters Hände sanste? waren, als sie ihn auf die Pritsche warfen. Aber Henrik mußte auch Kaneles suchen. Ja. wer konnte wissen, ob er nicht selber in eine richtige Schlägerei verwickelt werden würde. Aber nach einer Weile kam er mit einer neuen Last auf dem Rücken wieder an. Das war Kaneles. der mit einer freien Hand in der Luft fuchtelte, flucht« und fauchte. Er wurde kopfüber zu Boden geworfen, und Kristaver ver- staute ihn in seinem Bett.. Aber Henrik mußte wieder hinaus. Die Luft war so ge- sund, er sog sie cm, und dies ganze Leben war ein Fest für ihn. An den Häusern entlang schlichen einige eingeschüchterte Gestalten, gut vermummt, und starrten mit entsetzten Gesich- tern den ganzen Tumult an— ein Missionar, ein Agent, ein Uhrenjude und ein Hausierer, die Raubvögel der Fischer— jetzt aber kreisten sie im Abstand. Endlich wurde es Tag. Es war eine lebhafte Nacht ge- wefen. Dem Ranväringer hatte man«in Auge«ingeschlagen, und er war ins Krankenhaus gebracht worden. Aber als die Polizei nach den Langmoern zu suchen be- gönn, waren sie schon längst an Bord ihrer Jacht und fuhren mit dem großen weihen Segel über das Meer hin. Sie hatten vergessen, Bescheid dazulassen, wohin st« fuhren. Sie waren auf dem Lofot gewesen, hatten Salz ab» geliefert und Fische eingekauft, jetzt fuhren sie vielleicht nach einem Heringsfjord, luden Köder und kamen wieder nach dem Lofot zurück und verkauften die Köderfische an die Angler. Aber es war ja nicht gesagt, daß sie ausgerechnet an diesen Platz kamen. „Topsegel hoch!" rief der Steuermann, Henrik mit dem hellen Bart. Das©egel flog in die Höhe, und die große Jacht begann sich in den grauen Wellen zu wiegen. Die Brüder sahen sich an und lachten. Frei! Sie hatten an diesem Fischerplatz etwas zu erledigen gehabt, das war jetzt besorgt, nun fuhren sie wieder aufs Meer hinaus und waren freie Männer! 18. Nichts in der Welt laßt sich dem Gefühl vergleichen, einen Brief zu bekommen. Jeden Sonntag strömten die Männer zum Posthause und standen dort herum. Es gab ein Gedränge am Schalter, sie erwarteten Rachrichten aus ihrer Heimat, von oben im Eis- meer, in Finmarken, auf Inseln oder an Fjorden, oder von Süden her, meilenweit südlich. Dort lagen ihre Häuser, und dort sahen Mütter, Frauen oder Töchter und kritzelten die Brief« hin, die nach dem Lofot sollten. Und wenn dann der weihe Zettel den Rechten gefunden hatte und in der großen geschwollenen Seemannsfaust lag, dann sahen die Männer ganz hilflos aus. Dann gingen sie abseits und versuchten her- auszubuchstabieren, was da geschrieben stand. Lars war jeden Sonntag hierhergegangen, und immer hatten die anderen in der Hütte Briefe bekommen, aber nie- mal» er selber. Bon wem erwartete er denn einen Brief? Bon niemand und von allen möglichen. Was geschieht nicht überall in der Welt und kommt nicht alles mit der Post? Ein reicher Amerikaner ist vielleicht gestorben, und es stellt sich heraus. daß er ein Oheim von Lars ist— hier ist ein« Million. Ein Prinz dort unten in Indien braucht einen Beamten und hat erfahren, daß es einen Burschen gibt, der wie geschaffen dazu ist— hier ist«in Brief für Lars. Kommt einmal ein Aben- teuer, so wird es bestimmt mit der Post kommen. „Lars Kristoferfen Myranl" ertönte es hinter dem Schal- ter, und wer„Hier!" rief, das war Lars. Ein Brief für ihn. Und die Handschrist war so fein und hilflos. Er bekam einen roten Kopf, weil die Leute ihn so an- starrten, es war das best«, sich jetzt etwas abseits zu begeben, und so ging er den Berg hinan bis hinter die Kirche. Nichts in der Welt läßt sich dem Gefühl oergleichen, einen Brief zu bekommen. War es ein Wunder, daß gerade heut« nach der langen Zeit der Dunkelheit die Sonne wieder schien? Ein kupser- farbener Feuerschein lag über Berg und Meer. Lars fand endlich eine Kluft, wo er ganz allein sein konnte. Ueber ihm stand eine Möve hoch in der Lust, vor ihm rollte da» Meer. Lieber Freund! Ich muß jetzt die Feder in mein« Hand nehmen und sie ihren schwarzm Mund austun lassen und an dich schreiben. Ich muh dir zunächst die erfreuliche Neuigkeit erzählen, daß ich immer gesund und munter bin, und dasselbe wünsche ich dir. Hier ist nichts Neues zu berichten, abgesehen davon, daß Großmutter einen schlimmen Finger gehabt hat. und daß Stub-Lars im Glauben an seinen Erlöser, achtzig Jahr« alt, heimgegangen ist. In der Schule wird viel über Susanna Rönningen geredet, die schon zum Tanz geht, obwohl sie noch nicht konfirmiert ist, und mich necken sie immer mit einem, den ich nicht nennen will. Aber ich hoffe, daß die Klatschmäuler bald verstummen werden. Ich sitze heute nacht im Viehstall und schreib« an dich auf dem Deckel der Wassertonne, denn„Kraus- lin" hat gestern gekalbt, fo daß eines von uns im Stall blechen und wachen muH. Oben an der Schlucht fft oft gute Rodel- bahn, aber ich gehe nie hin, denn Lisbet Bruvochen hat so- viel über den Abend geklatscht, als du und ich dort waren. Uebrigens habe ich gehört, dah du längst an andere als an mich geschrieben hast, und das hatte ich auch erwartet. Lieber Lars, du mußt dich in acht nehmen und vorsichtig fein, denn hier hört man so viel erzählen von Sturm und Unglücksfällen auf See, und von Trinken und Prügeleien an Land. Ich sticke ein Paar Strumpfbänder als Julklapp zum nächsten Jahr, denn dann bin ich«ingesegnet und kann sie schenken, wem ich will, aber den, dem ich sie zugedacht habe, wM ich hier nicht nennen. Leb nun wohl, jetzt muh ich für diesmal mein armseliges Geschreibsel schließen, meine Hand wird so müde, meine Feder so schlecht, und deshalb wird kein Buchstabe mehr recht. Aben viel«, viele Grüße von mir. Ellen Olsdatter Kaya Verbrenn« diesen Brief. Bitte diesen Brief zurückzugeben. Lars faß hier am Berge in Südwester und heller Jacke, und dies war der erste Brief von einem Mädchen, und das ist kein« Kleinigkeit. Er bückte über das grau« Meer hin und vergaß eine ganze Weil«, aufzustehen.(Fortsetzung folgt.) Gegen überhohe Goldmarkpreise. Rabattverpflichtung bei wertbeständiger Zahlung. Auf Grund der amtlichen Devisennotierung der letzten Woche hat sich ein Unterschied der inländischen und ausländischen Bewer tung der Mart herausgebildet, der erhebliche Steigerungen der Goldmartpreise fast aller Waren zur Folge hat. Durch die nahezu pöllige Angleichung der Berliner Depifenfurse an hie ausländische Barität ist die Ursache diefer Steigerun. gen der Grundpreise weggefallen. Nichtsdestoweniger fann bisher von einem Abbau der Goldmartpreise nicht gesprochen werden, so daß für eine Anzahl der wichtigsten Gegenstände des täglichen Bedarfs nicht nur das Bielfache der Friebens. preise gefordert wird, sondern nicht selten auch die Weltmarktpreise erheblich überschritten werden. Demgegenüber muß nachdrücklich betort werden, daß der Handel nicht mehr berech. tigt ist, ebenso hohe Golbmartgrundpreise 3 u forbern, wie er fie in der Zeit vor der tünstlichen Niedrighaltung des amtlichen Berliner Dollarkurses nehmen durfte. Die Abteilung W des Polizeipräsidiums wird, wie sie mitteilt, nunmehr gegen alle diejenigen Hersteller, Groß und Kleinhändler megen Preistreiberei Dorgehen, die in ihrer Preisfegung den Abbau, wie er durch die Angleichung des Bapier martfurses an die ausländische Bewertung ermöglicht wurde, noch nicht in genügendem Maße vorgenommen haben. Da gegenwärtig bereits eine nicht unerhebliche Menge wertbeständiger 3 ahIungsmittel im Umlauf ist, die Goldpreise aber noch nicht in dem erforderlichen Maße defenft rurden, muß von dem Handel oller Stufen auf das entschiedenste gefordert werden, daß er bei 3ahlung in mertbeständiaem Gelbe einen Rabatt in öhe der Preisaufschläge gewährt, die er zuvor für Geffentwertung und Umwechseln in feine Kalkulation eingefeßt hatte. Die Nichtgewährung eines derartigen Rabatts ist Preisfreiberei. Hilfe für die Jugend! Für die Kinder und Jugendspeifung der Ar beiterwohlfahrt gingen ein: Frieda Reichert 2 Billionen; Airichte 200 Milliarden; M. G. 10 Rentenmart; Dr. Gimmi 10 Rentenmart( übernimmt 3 Kinder für die Folgezeit); P. St. 5 Dollar; Tant 5 Rentenmark; Hirschfeld 2 Dollar( monatlich); Richard Kahn 45 Billionen( fünf Kinder jeden Monat); Sammlung Wurm 2 Dollar und 6,4 Billionen; C. B. Sch. 2, Billionen. Weitere Zuwendungen erbittet Bezirksausschus für Arbeiterwohlfahrt zu Händen Minna odenhagen, Berlin S. 68, Lindenstr. 8, II. Hof 2 Trp. Deffentliche Bolts- Bersammlung gegen den Antisemitismus rechtsradikaler Kreise im Berliner Westen am Dienstag, den 4. Dezember, abds. 8 Uhr, in Wilmersdorf, Spichern- Festfäle, Spichernstr. 3 Referent: Reichstagsabg. Gen. Adolf Hoffmann Wegen der Unkosten geringes Eintrittsgeld. Der Bezirksvorstand. Das Preußische wertbeständige Notgeld wird gemäß Verfügung des Reichsverkehrsministers und des Reichspostministers von allen Eisenbahn- und Posttassen in Zahlung genommen. Betriebseinschränkungen auf der Wilmersdorf- Dahlemer Bahu. Auf Veranlassung der Stadt Berlin und der Dahlemkommission wird vom 1. Dezember ab der Spätverkehr auf der Dahlemer Bahn in der Weife eingeschränkt, daß der lezte Zug von Thielplas nach Berlin 12,05 und von Fehrbelliner Plaz nach Dablem 12,23 Uhr fährt. Bon 8,25 ab Thielplay und 8,48 lbr ab Fehrbelliner Plazz verkehren die Züge nur in Abständen von 20 Minuten. Bu oft find derartige Attionen angekündigt worden mit dem Erfolg, baß der Berbraucher seinen Riemen enger schnürte. Es genügt feinesfalls ein so allgemein gehaltener Appell, den jeder Mengen frischer Seeftiche ein. Infolgedessen wird es möglich Preiswerte Seefische. Am Montag treffen in Berlin größere Händler und Produzent nach seinem Belieben auslegen fann. Er fein, daß am Montag auf den Wochenmärkten und in den Fiich forderlich ist vielmehr, daß man einwandfreie Richtgeichäften preiswerte Fische gekauft werden können. Der schmac preise in Gold aufftelt, die ausgehen müßten von den Aus- hafte Rotbars wird mit 400-500 Milliarden Mart pro Pfund ablandspreiser gleichartiger Waren zuzüglich der beim Import und zugeben sein. Die anderen Fischiorten werden sich in entsprechend der Verteilung entstehenden Kosten sowie einem angemessenen Ge- gleicher Preislage balten können. minn, der in Brozenten den Borfriegsgewinn nicht übersteigen barf. Bir veröffentlichen an anderer Stelle Anhaltspunkte für die Bewertung von Auslandswaren. Wenn der Verbraucher diese Richtpreise fennt, dann wird er seinerseits an der Bucherbefämp fung mitwirken können. Brot versuchsweise ohne Karte. Das Ernährungsamt teilt mit: Durch Berordnung vom 5. Nobember war angeordnet, daß Großbrot nur gegen Starte abgegeben werden darf. Durch eine Ausführungsanweisung bat das Ernährungsamt diese Verordnung versuche weise für die Woche bom 3. bis 9. Dezember außer Kraft gefeßt, so daß in dieser Woche Brot ohne Starte entnommen werden darf. Das Bublifum tirb aber ersucht, den Abschnitt G der 41. Brot. farte torgfältig aufzubewahren, da das Ernährungsamt fich die Bestimmung über die Verwendung diefes Abschnittes borbehält. Der Bevölkerung wird nochmals dringend empfohlen, die neue Protfarte bon den Ausgabestellen der Bezirkeämter schleunigst abzuholen und für fünftige Verwendung sorgfältig aufzubewahren. Kommunistisches Waffenversted in Potsdam ausgehoben. Bei der Durchinchung eines dem Maurer Fiedler gehörigen Grundstüdes fand man etwa 200 Ganbaranaten, die dazu gebörigen Bünder, Zeuchtpistolen, Munition und viel Infanterie munition. Das Ehepaar Fiebler und zwei Selfershelfer wurden feftgenommen. Als die Polizei bei der Durchsuchung war, erschien ein anderes Ehepaar mit einem fleinen agen, anf dem gleichfalls Waffen lagen, die auf dem Fiedleridhen Grundstück vergraben werden sollten. Auch dieses Ehepaar wurde festgenommen. Die neuen Fernsprech- und Telegraphengebühren. Nach Annahme der Verordnung über Erhöhung der Fernsprech und Telegraphengebühren durch den Reichsrat stellen sich die Gebühren mit Wirfung vom 1. Dezember 1923 ab folgendermaßen: Bei den Ferniprechgebühren beträgt der Grundbetrag für jebes Drtsgespräch 0,15 Goldmart, der Grundbetrag der Fernipredgebühren für ein Gespräch bis 3 Minuten Daner bei Entfernungen von 5 Kilometer einschließlich 0.15 m., bis 15 kilos meter 0,30 W., bis 25 Stilometer 0,45 m., bis 50 Kilometer 0,90 m., bis 100 ilometer 1,35 M., über 100 Kilometer für jede angefangenen weiteren 100 kilometer 0.45 M. mehr. In der Fernfprechordnung werden die Jahresgebühren durch Vierteljahresgebühren eriezt. Die Zelegrapbengebühren werden folgendermaßen feitgelegt: Bei gewöhnlichen Telegrammen im Fernvertebr beträgt die Wortgebühr 0,15 m., im Ortsverkehr 0.075 M. für Breffetelegramme 0,075 M. Für ein Telegramm find mindestens die Gebühren für acht Börter zu entrichten. Der Gesamtgrundbetrag wird eintreffen benfalls auf eine durch 5 Bf. teilbare Summe aufwärts abgerundet. Die für Sonnabend, den 8. Dezember angesagte Märchenvorstellung Der Rügenpeter im alBezirtsbildungsausschuß Groß- Berlin. halla Theater fann nicht stattfinden, die ausgegebenen Karten behalten für die Vorstellung am Sonntag, den 9. Dezember, nachmittags, Gültigkeit. Heute, pünktlich nachmittags 3 Uhr, im Neuen Theater am 300„ Der Biberpels" in vorzüglichster Besetzung. Zuschlag pro arte 50 Golbpfennige. Nächste Feierstunde am Sonntag, den 9. Dezember, im Großen Schauspielhaus, pünktlich vormittags 11 Uhr. Zur Aufführung gelangt Die Großstadt von Bruno Schönlant. Karten im Bureau, Lindenstr. 3, zum Grundpreise von 120 Milliarden- Am Sonntag, den 16. Dezember, vormittags 11 Uhr. im Großen Schauspielhaus Proletarische Feierstunde für die lungsführer werden gebeten, fofort die Anzahl der arbeitslosen Genossen erwerbslosen Mitglieder unserer Partei. Die Kreis- und Abteiin ihrem Bezirk bekanntzugeben. Et Berta Bajensti, bas 25jährige Jubiläum im Hause der Firma Jubiläum. Am 1. Dezember d. J. beging die Prokuristin, Fräulein Hermann Meyer u. Co., Wattstr. 11/12. Westen wirb am Dienstag, den 11. Dezember, in der Aula der LeibnizDie Boltstundgebung der Schulnotgemeinschaft für den Berliner realschule, Schillerstraße, wieberholt. Referent: Genosse Dr. Kawerau. Bruch einer Talsperre in den Alpen. 200 Menschen ums Leben gekommen. Bergamaster Alpen angehört, ist von einer schredlichen Katastrophe Die Bevölkerung des Hochgebirgstals Bal d'Amonica, das den heimgesucht worden. Infolge eines schweren Unwetters ist am Monte Gleno vom Hochmaffer die Staumauer eines Sam melbedens durchbrochen. Es wurden brei elektrische Be triebszentralen zerstört. Das Hochwasser stürzte auf die brei unten liegenden Dörfer Dezzo, Queggo und Levono, alles mit sich reißend. Noch den ersten noch unbestimm. ten Nachrichten hat die Ratastrophe schon über 200 Menschen das Leben getoftet. Stellenweife fließt das Waffer in dem engen Ge birgstal 10 Meter tief. Der Schaden geht in die Millionen. Das Sammelbedden hatte einen Inhalt von 4 Millionen Rubikmeter Woffer. Unterschriften wurden bei der Stadthauptkasse in Frankfurt a. M. Riefenbetrug an einer Stadthaupttaffe. Mit Hilfe gefälschter mehrere tausend Billionen erhoben. Der Betrug wurde balb entbedt, da furz darauf die richtige Anweisung vorgelegt wurde. Groß- Berliner Parteinachrichten. Werbeausschüffe der Beamten und Lehrer! Die Fortjehung des Bezirksbeamtentages vom 30. november findet Freitag, den 7. Dezember, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Engelufer 24. Saal 4, statt. halten ihre Mandate durch die Abteilungsleiter zugeftelt. Die zur Teilnahme berechtigten Werbeausschußmitglieder erDer Bezirksvorstand. 1. Areis mitte. Der Areisvertretertag findet nicht am Freitag, fondern bereits am Mittwoch, den 5. Dezember, 7 Uhr, bei Saverland, Neue Friedrichftraße, ftatt. Elternbeiräte, Mitglieder der Freien Schulgemeinde: Aus funft in allen Schulangelegenheiten erteilt Genoffe Abrnan, Röpenider Straße 147. Berlegung des Café Bauer. Das berühmte Café Bauer, das feit seinem Bestehen in den ermieteten Räumen des Hauses Unter den Linden Ede Friedrichstraße untergebracht war, wird wegen Berfaufs des Grundstüdes von der bisherigen Inhaberin, der Hotelbetriebs- Attiengesellschaft Conrad Uhls Hotel Bristol- Centralhotel in das eigene Grundstüd dieser Gesellschaft: Unter den Linden Ede Wilhelmstraße in die jetzt von dem Wäscheausstattungsgeschäft Braun innehabenden Räume in Kürze verlegt werden. Da der Auszug aus dem Grundstück Unter den Linden Ede Friedrichftraße bereits am 1. Februar 1924 erfolgen muß, wird, bis bie Berlegung des Café Bauer nach der neuen Ede Unter den Linden Rindfleisch Ede Wilhelmstraße möglich ist, das Café Bauer vorübergehend Kalbfleisch am 1. Februar nächsten Jahres in den zu diesem Zwede neu ausgebauten Räumen des Centralhotels in der Georgenstraße Lebende Schleie betrieben werden, die dem Houptbahnhof Friedrichstraße gegenüber liegen. Lebensmittelpreise in Berlin am 1. Dezember ( in Milliarden Mark) 2400-4400 Kabeljau Hammelfleisch Schweinefleisch Hechte. Schellfisch 2800-4400 Margarine 2800-8800 Schmalz 4 3800-4800 Weißkohl. 2500-3000 Wirsingkohl 2200-2500 1 Ei 1300-1400 Kartoffeln( 10 Pfd.) .1300 1200-1500 1600-1700 80-90 2. Kreis Tiergarten. Mittwoch, den 5. Dezember, 8 Uhr, bei Berger, Jegom., Ede Levegomstraße, Gigung aller in der Kommune chrenamtlich tätigen Barteimitglieder, Wohlfahrts- und Steuerkommission, Bezirks- und Stadtverordnete. Bortrag des Genossen Stadtrat Singe. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Heute nachmittag 3 Uhr Uraniavorstellung: ,, Aus der Werkstatt eines Aulturfilms". Rarten sind noch an der Raffe zu haben. 5. Areis Friedrichshain. Montag, den 3. Dezember, 7 Uhr, erweiterte Arcis vorstandssigung bei Rosin. Gubener Str. 19. 7. Kreis Charlottenburg. Bezirksverordnetenfraktion mit sämtlichen Bürger. Deputierten: Montag, ben 3. Dezember, 8 Uhr, Sigungszimmer 1. 11. Areis Schöneberg, Friedenau. Goz. Seminar: Montag, den 3. Dezember, 8 1hr, bei Rlabe, Sandjernftr. 60-61. Redner Genosse Altmaier. Sigung ber Zeitungsfommiffion Dienstag, den 4. Dezember, 7½ Uhr, in ber Spedition, Belziger Str. 27. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. Funktionärtonferenz der Arbeiterwohlfahrt Mittwoch, den 5. Dezember, 7 Uhr, bei Will, artin- Luther- Str. 69. Bortvag der Genoisin Bachenheim über Arbeit in der Wohlfahrtspflege". 14. Kreis Neukölln, Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Dienstag, den 4. Dezember 7 1hr, wichtige Sihung der Selfer und Selferinnen in der Schule Leffingstraße. Gäste willkommen. 17. Rreis Lichtenberg.. Montag, den 3. Dezember, 6 Uhr, Fraktionsfigung im Rathaus, 8immer 86. Die Kreisvorstandssigung muß der Bezirksver ordnetenverfammlung wegen von Mittwoch auf Freitag, den 7. Dezember, 7 Uhr( Bibliothet). verlegt werden. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Mittwoch, den 5. Dezent ber, 7% Uhr, im Konferenzfaal der Redaktion, Sindenstr. 3, 4. Sof lints, 4 St., Sigung des Zentralarbeitsausschusses der Kinderfreunde. Alle Ge noffen welche Interesse an einer Aussprache über die Ausgestaltung unserer Beihnachtsfeier haben, treffen sich dort fajon um 6% Uhr. Heute, Sonntag, den 2. Dezember: 11. Abt. Die Bezirksführer werden bringend gebeten, alle Adressen ber Arbeitslosen und Kurzarbeiter unferem Genoffen Herrimann, Mt- Moabit 73, 2. Bortal, 4 St., au übergeben. 33. st. Soweit die Bezirksfilhrer noch nicht im Befihe der Dezembermarken find, lönnen diefelben heute vom Genoffen Ben abgeholt werden. Theater farten find ebenfalls noch vorhanden. Morgen, Montag, den 3. Dezember: 8. Abt. Achtung, Ronsumceneffensaftsmitglieber! 7 Uhr Mitgliederren fammlung der 12., 41., 56. und 98. Berkaufsstelle in der Schulaula Feretga straße 57. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Mirus. 2. Verschie benes. Als Legitimation gilt die Einkaufstarte. 21. bt. 7 Uhr Funktionärsihung bei Hönisch, Utrechter Straße. Jeber Besos 108. Abt. Röpenid. 7 Uhr an bekannter Stelle Sigung aller Funktionäre. Er. muß vertreten fein. fcheinen Pflicht. Jungsozialistische Bereinigung. Der Untoftenaufchuß für Dezember beträgt pro Mitglied 150 Milliarden. Die Zahlungen find bis zum 15. Dezember an den Arbeitsausschuß einzusenden. Frauenveranstaltungen am Montag, den 3. Dezember: 46.- 47. abt. 7% Uhr bei Pflug. Muskauer Str. 1. Thema:„ Aus der Ge schichte der Revolutionen". Referent Genosse Dr. Deiters. 136. st. Reinickendorf- Oft. 7½ Uhr im Jugendheim, Geebab, Restbenzftr. 49, 106. Vortrag. Roonftr. 2. Uebermorgen, Dienstag, den 4. Dezember: Abt. Johannisthal. 7½ Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre bek Gobin, Frauenveranstaltung am Dienstag, den 4. Dezember: 20. Rreis Reinidendorf. 7 Uhr öffentliche Frauenversammlung in der Sugenbhalle, Geebab, Refibensfir. 49. Bortrag der Genoffin Wurm, M. d. R., über Die Frau im politischen und wittfaftlichen Kampf". Genofsinnen und Genossen, forgt für guten Besuch der Versammlung! Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation am Dienstagnachmittag 4 Uhr auf dem Garnisonfriedhof, Hasenheide, statt. 40. Abt. Unfere Genoffin Siggel ist verstorben. Die Beerdigung findet Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 2. Dezember: vormittags Ringbahnhof Friedenau- Wilmersdorf. Charlottenburg: Besichtigung des Arbeiterwohlfahrtsmuseums Charlotten. burg, 2 Uhr. Friebenau: Besuch der Nationalgalerie. Treffpunkt 9 Uhr Marienborf: Besuch des Märkischen Museums. Treffpunkt vormittaas 9 Uhr Chauffee, Ede Rurfürsten im Jugenbheim, Canner Straße. Thema: Goa. Erziehungsarbeit". Straße. Stealik: Fehrt. Treffpunkt 8 Uhr am Seim. Werbebeair! Neutöllu. Beginn des Funktionärfurfus vormittags 10 Uhr Drtsarsschuß für Sugendpflene Neukölln. Seute findet eine Führung burch die Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Charlottenbura, Fraunhoferftr. 11, ftatt. Treffpunkt hierzu normittags 94 Uhr vor der Ausstellung. Am Dienstag, den 4. Dezember, abends 7 Uhr, findet in der Rathenau- Schule, Boddinftraße, der nächste Rinoabend statt. Es gelangt zur Vorführung der Luftine Snee film: Die Meisierspringer von Rürnberg". Cintrittstarten am Saaleingang Straßenbahnfahrt. für Jugendliche zum Preise einer halben, und für Erwachsene einer vollen Abteilungsmitgliederversammlungen am Montag, den 3. Dezember, abends 71% Uhr: gugendflubzimmer der 220. Gemeindeschule, Naglerstr. 3. Karlshorft: Schule Auguste- Bittoria- Str. 34. Often( Stralaner Biertel): Rosenthaler Bor. abt: Schule Gipsſtr. 23a. Rorben: Schule Gipsstr. 23a, Bortrag: ,, Seguelle Frage", 3. Teil. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Arbeiter Abstinentenbunb. Dienstag, ben 4. Dezember, abends 7% Uhr, Referententurfus bei Schmidt, Ruglerstr. 14, 2 St. links. Berliner Echulnotgemeinschaft. 2. Bertreterversammlung am Montag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer( Sizungsjaal der Boltstunbgebungen und Berhandlungen im Unterasi berliner RehrerFreigewerkschaftlichen Betriebsräteschule im 2. Sof, 1 r.). Bericht über die ferner Maßnahmen gegen bie noch nicht erfolgte name branilation en fündigungen.( Butritt nur für Bertreter angeschloffener Organisationen.) Bund ber Kriegsverlegten, Witwen und Baisen ber tschechoslowakischen Republik, Ortsgruppe Groß- Berlin. Nächste Bersammlung am Dienstag, den 4. Dezember, abends 8 Uhr, in den Hohenstaufen- Sälen, Neutöln, Rottbuser Damm 76. Borbefpredung zur Generalversammlung. Religiöse Gesellschaft der Freunde( Dnater). Montag, den 3. Dezember, abends 7 Uhr, in der Aula bes Französischen Gymnasiums, Reichstagsufer 6, Bortrag von Gertrud Baer über Internationale Wiederaufbauarbeit". 2 Bund entschiebener Schulreformer. Dienstag, den 4. Dezember, abends 7 Uhr, im Berner- Siemens- Realgymnasium, Sohenstaufenste. 4748, Sad Zob". Rarten in bermertfrenbe". Magdeburger Str. 7, und am Gaaleingang. Schulprofeffor Dr. Theodor Leisina Sannover spricht über Die Schule als Schlefter- Berein Rübezahl", Charlottenburg. Gonntag, ben 2. Dezember, Sandsleute als Gäste willtommen. nachmittags 5 Uhr, außerordentliche Versammlung bei Ahlert, Berliner Str. 88. Mieterbund Berlin- Steglig, e. B. Dienstag, den 4. Desember, abends 8 Uhr, in der Aula ber Oberrealschule, Grifenstraße, öffentliche Mieterversamm Tung. Der Syndikus des Bereins, Rechtsanwalt Fuhrmann, spricht über Ferner über ben Gefeßentwurf, betr. Einführung der Goldmieten. Dezembermieten und unberechtigte Forderungen der Städtischen Bafferwerke. Berein sozialistischer Aerzte. Mitgliederversammlung am Montag, den 3. Dezember, abends 8 Uhr, im Bortvaasfaal bes städtischen Sauptgesundheits. amtes, Fischerstr. 39-42. Tagesordnung: Stellungnahme zu den neuen Ber ordnungen des Reiches und zum Konflikt mit den Rrankenkaffen. Referent Genoffe Dr. Stulz. Anschließend Aussprache. Gesellschaft für republikanisch- hemokratische Politit. Deffentliche BerfommTung am Mittwoch, dan 5. Dezember, abends 7 Uhr, im Gemertschaftshaus, Enoclufer 25. Justizrat Fränkt spricht über Staatsgewalt und Bolt". Dis. fuffion. Arbeitersport. 90-100 Arbeiter Sport und Ruiturfartell Neukölln. Am Montag, den 3. Dezember, 320-340 abenbs 28 Uhr, Rartellversammlung in der Klaufe, Marefchstraße. Su dieser Sigung muß jebe Sparte ihren Raffierer entfenben. Außerdem Bekanntgabe 450-500 ber Daten für die Veranstaltungen im Jahre 1924. Besonders günstige Angebote! Ulster und Schlüpfer 25.aus guten Stoffen in mod. Verarbeitung GM Paletots und schwarz Jackett- Anzüge mustert,& dunkel ge1- und II reihig, marengo a. aur gedieg. Stoffen, neueste Verarbeitg. GM 25.25.mit Verschnürungen aus Flauschstoffen GM 9.Hausjoppen allen Farben, 9. Lodenmäntel in Bozener und 13.50 Raglanform GM Knabenmäntel jeder Art, in viel. 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Bas ber amerikanische Film an glänzenden Inszenierungstünften und Liebesgeschichte der Kleinen Seiltänzerin, die unter dem Schuh des Un wundervollen Landschaftsaufnahmen und in der photographischen Technif geheuers steht und sich das Herz des Stadtschreibers erobert, sehr luftig bilbhafter Aufnahmen leisten kann, davon gewährte Anatol, ber das Leben und Treiben der Stabt felber und besonders thres BürgerFrauenretter"( Operettentheater am Nollendorfplat) ein vorzüg- meisters gezeichnet. Das Ungelim wird von Frih Roriner mit einer liches Beispiel. Schniplers morbide Genießerfigur Anatol, der mit etwas Drastit gespielt, daß man es beinahe glaubhaft findet. Entzückend ist die melancholischem Effett die Frauen studiert, ist hier von Cecil B. de Seiltänzerin Charlotte Anders. Bittor wannete und Paul mille etwas robust ins Amerikanische überscht worden. Der mehr Bildt geben ein paar interessante Typen ber Kleinstadt. traumerische und philosophische Wiener ist hier zu einem typischen Amerikaner aus der Schicht der obersten Bierhundert gemacht, und feine Erlebnisse mit den Frauen find in ein ironisches Licht gerückt. Im übrigen ist das amerikanische Lurusleben mit allem Raffinement vor Das Partei- Notopfer für Berlin Die Biston ber Straße hat schon manchen Stünfiler gelodt. In der Eat, was gibt es Reizenberes und Machtvolleres als bie Straße mit ihrem futenden, faszinierenden Beben, mit ihren Verführungen und Anreizungen in den blendend zur Schau stellenden Läden und Bergnügungsstätten. Und dann die Straße als Mittelpunkt von Massenbewegungen, bon großen politischen Demonftrationen und revolutionären Straßen tämpfen. Oder die Straße als Stätte des Berkehrs von und zur Arbeit, bes ungeheuren und modernen Rhythmus der Arbeit selbst! Die Straße ist ein Symbol unseres Lebens in mannigfachen Ausstrahlungen. Auch Sarl Grune hat die Straße gelodt, und er ift thr als Regisseur, der zu den ersten seines Faches gehört, erlegen. Sein Film Die Straße", beren Uraufführung bas u.- T.- Theater am Kurfürstendamm wird zum Kampf gegen die politischen Meuchelmörder von bot, gibt ein verführerisches Bild der Straße als Anloderin. Ihr flirrenbes, flutendes Leben, ihre flirtenden Baare und die Stätten ber rechts, wie zur Abwehr der gesamten Reaktion überhaupt, modernen Ausschweisungen haben einen braven Spießer aus seiner Bahn dringend gebraucht. Die Kaffen der Verschwörer werden geworfen, führen ihn aus der Enge seiner Wohnung und der Fürsorge aus großfapitalistischen und agrarischen Quellen reichlich geder Weinhorizontigen Frau mitten hinein in das Brausen und die Wirr fpeift.- 2nfere Kaffen müssen daher auch gestärkt werden. niffe der Großftabtstraße, die hier mit einem Zauber und einer Macht filmisch bewältigt find wie noch nie zuvor. Der Mann folgt ben Locun- Geldsendungen für den Kampffonds überweise man auf Postgen der großen Welt, bie er ähnlid) wie Kaisers Defraudant in einer schedtonto 48743 an Alex Pagels, Berlin SW 68, Lindenstr. 3. einzigen Nacht durchlebt, tostet die Sensationen einer raschen Verliebtheit, des Hasardspiels, wird in der Wohnung der Dirne in Mordverdacht gerüdi, tommt ins Gefängnis, entgeht dem Selbstmorde nur durch die rasche Ueberführung der wirklichen Mörder und lehrt am Morgen auf ber Straße, die nun ernüchtert und illusionslos geworden ist, reuevoll zu feiner Frau zurüd. Eugen Klopfer gibt den Ehemann mit einer Intensität des Ausdrucks, die zum vollen Miterleben zwingt. Er ist bewundern wert in seinem Mienenspiel und gibt der ganzen Bersönlichkeit symbolhafte Bedeutung. Die solide Frau ist Lucie öflich, die nur zu abrett aussah. Eine interessante Charakteristik verlieh Leonhard haste! dem Mann aus der Provinz, der in die gleiche Bahn gerät und schließlich von den Zuhältern ermordert wird. Das Mädchen der Niffen war reizvoll genug, hätte aber mehr Temperament entwidein können. Stari Grune hat nur einen Teil der Straße gesehen und vielleicht nicht den wichtigsten, und er hat nachher den Ausgangspunkt ganz aus bem Auge verloren und nur den Kriminalfall behandelt. Aber wie er die Straße eingefangen hat, zum Teil mit ganz neuen Tride, ist ohne gleichen und der ganze Film voll atemloser Spannung. Th. im Admiralspalast Tägi Uhr Theater, Lichtspiele usw. unter and drüber Deutsch. Theater! Volksbühne U.: E. Walzertraum 7 FigarosHochzeit Deutsch Opernhaus u. Schauspieler- Th.12: Die Fahrt nach Orplid 8 Uhr: Das Kaffeehaus 6 U: Meistersing Kammerspiele Lessing- Th. von Nürnberg tt. Schauspieler- Th. 72 8 Uhr: U.: Michael Kramer Tageszeiten d. Liebe Mont. 11: Rausch Theater i. d. Blech, Lussmann, Armster. List, Bern, Staatsoper, Wien Intimes Theater Uhr: Abendbesuch KöniggrätzerStr. Dent. Künstler- Th. Die k. u. k. Hose etc. 8 Uhr: Don Gil Allavendi, 7%. Der Metropol- Theater von d.grün.Hosen Fürst v. Pappenheim 1: Casinogirls Donnerst.u.Sonnab. Rose- Theater Neues Theat. a. Zoo SCHWEIGER Komödienhaus 8 Uhr: Mein Vetter Eduard Berliner Theater 7.30 Uhr: Dolly WINTET BRIEN Varieté Spielplan Preise 50 Pf. bis 6 M. Rauchen gestattet!! 3 Uhr: Das Gesetz Die Luxusfrau 7% Uhr: Uhr: Wenn ich dich nur bab Renaissance- Theat. Th. a. Kottb. Tor Täglich 72 Uhr 8 U. u. Sonntag nachmittag 3 Uhr: d. Die Im Schatten der Moschee." Dieser neue Hagenbed- Film hat ben Roman von Marris Mc. Dongall als Grundlage, der nur für englische Kolonialintereffen geschrieben ist. Es ist mal wieder die alte SchwarzWeiß- Kunst, und der Inhalt ist nicht wert, erzählt zu werden. Orientalen find Tiere und die Europäer Engel, namentlich wenn sie Offiziersuniform tragen oder in biplomatischer Mission reisen. Und doch ertvartet man von einem Namen wie Hagenbed eine gewiffe Verpflichtung und die Boslösung vom Alihergebrachten. Die Filmindustrie arbeitet für die Ausfuhr, fie follte ihre Arbeit benutzen, um moralische Eroberungen zu machen. Ein guter Orientfilm wirde im Often Aufsehen erregen und Anerkennung finden. Watler Richard all, ber Regisseur, hat gute Ideen, doch verwendet er sie doppelt. Stewart Rome ist ganz der energische Engländer, doch zeigt man ihn auffällig oft beim Effen, was filmisch unnötig ist. Mary Odette ist recht gefällig als Uynei. Die Bauten find großzügig, und dennoch tommen sie über die Kulissenwirkung faum hinaus. Die Photographie ist sehr gut. Sie wird mitunter noch burch prächtige Bildtönungen unterstützt. Bei der Uraufführung in der Alhambra zeigte sich das Bublifum beifallsfreudig geftimmt, beson-. bers wenn Pferde und Reiter fich als scharfe Silhouetten abhoben. Be Kopfschmerz itrovanille Frankfurt/ MS. imtlich bevorzugt Mioräna. 7 ahnerhmerz. Rheuma e. b. Erhältlich in Pulver und Oblaten. geführt. Und die Spekulation auf die unteren Klaffen, die sich daran berauschen sollen, dürfte immer noch nicht falsch sein. Unter den Darftellern, bie nach amerikanischen Begriffen alle ersten Ranges find, machten tieferen Eindruck nur Gloria Swanson und Banda Hawley. Die Schönheiten der alten deutschen Stadt man lann babei an Rothenburg benten, die behagliche Jbylle der Biedermeierzeit foftet in vollem Maße der Film ,, Ein Weib- ein Tier ein Diamant" aus, der zunächst als Feftabend für bie notleidenden deutschen Schriftsteller in ber Alhambra am Kurfürstendamm vorgeführt wurde. Der Manuskript verfasser se obes ist dieser Aufgabe völlig gewachsen gewesen, und Regie und Photographie fonnten hier ihr Bestes zeigen. Aber die Handlung felbft ist etwas breitspurig und ohne Akzente geraten, und die Phantastik, die in fie hineinragt, ist nicht ganz zwingend. Dieser Orang- UtangMensch, ber in irgendeiner Gebirgseinöbe entdeckt wird und nun au einem Bestand einer Schaubube wird und Verwirrungen genug anrichtet ( die ganze Stadtsoldaterei wird mit ihrem lächerlichen Popanz im Stil der Fliegenden Blätter" aufgeboten) überzeugt nicht. Hübsch ist bie Gegründet 1893. Gertraudtenstrasse 20-21 Gegründet 1893. 89 Dresdener Thalia- Theater Str. 72/73 Täglich 7 Täglich 7 IDer größte Lacherfolg! Pst! Pst! Operette in 3 Akten Musik von Paul Lincke Hauptdarsteller: Antoinette Burchardy Karl Platen Charlie Brock Die im Sport- Palast ausgefallenen für Herrenund DamenBekleidung Stoffens beste Fabrikate, große Auswahl, Verkauf meter weise Koch& Seeland G. m. b. H. Kleider- Vertrieb- Gesellschaft 2. Verkaufsstelle: Osten, Warschauer Str. 33 m. b. H. Hauptgeschäft: 4. Verkaufsstelle: Neukölln, Berlin.Str.47-48 3. Verkaufsstelle: Lichtenbg., Frankf.Allee 82 Kommandantenstr. 80-81 5. 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Schriftführer Allgemeine Ortskrankenkaffe Berlin- Wilmersdorf Die in der. Befanntmachung vom 23. Nov. 1923 feftgefegten Grundlöhne usw. werden ( Foweit nicht die Bestimmung zur Abführung des zehnprozentigen ArbeitsverDienstes in Frage kommt) ab 3. Dezember 1923 auf das Doppelte erhöht. Auf die erhöhten Barleistungen haben bie Bersicherten ab 17. Dezember 1923 Tutipruch. 38/9 Berlin- Bilmersdorf, 30. November 1923, R. Engelhardt, Borshender. Fr. Biemann. Schrift ührer. Deffentliche Bekanntmachung Gegen den Händler Will Bauer aus Berlin, Kopernikusstr. 11, it durch Strafbefehl vom 1. November 1923( 196. M. Arminiushalle C 508. 23) wegen Breistreiberei anstelle der verwirkten GefängnisStrafe von 14 Tagen eine Geidstrafe von 130 Milliarden und eine weitere Geldftrafe von 70 Milliarden, im Nichtbeitreibungsfalle eine Gefängnisstrafe von fieben Tagen festgefeßt und bie Einziehung des Ueberpreises von 14 Milliarden angeordnet. Der Strafbefehl ift rechtsfräftig. Berlin, ben 25. Rovember 1925. Das Amtsgericht Berlin Mitte Abt. 196 Wertbeständiges Geld wird mit 20% Rabatt in Zahlung genommen! 2 billige Tage!! Passende Weihnachtsgeschenke: Strickwesten... 22, 15, 9 G| Strickjacken Plüschmäntel la. Astrachanmäntel. Wister, mallige Imitierte Slicksjacken ... 88 . 99 Krimmermäntel Grösste Spez- Fabrik Bettwasche Ab 3. Dezember grosser Weihnachtsverkauf Zu diesem stellen wir enorme Mengen Ware aur hochwertiger Qualitäten zum Verkauf! Bevor Sie Ihre Weihnachtskäufe erledigen, überzeugen Sie sich, bitte, von der Güte und Preiswürdigkeit unserer Artikel! Sämtliche fertigen Waren werden in unserer eigenen Fabrik hergestellt. Wiz legen ganz besonderen Wert aut allerbeste Verarbeitung Unser gutes Renommee bürgt für beste Bedienung! Kanferleichterung durch Anzahlung! Bel Bezahlung in wertbeständigem Geld 20 Prozent Rabatt! Deckbettbezüge a. pa. Linon, Renforcé... 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Dezember, werden diefelben Beiträge der Borwoche erhoben, also 600, 500, 400, 250, 150, 80. 20 für Behrlinge und 5 Milliarden für Invaliden. Junttionäre und Haustaffierer! Wir machen ausbrüdlich darauf auf merksam, daß alle rädständigen Beiträge, auch wenn fie durch die Schuld des Hause taffiezers nicht beglichen worden sind, mit dem Beitrag für die laufende Woche ent Die Mitglieder richtet werben müssen. müssen einsehen, daß sie nicht mehr bee zahlen, sondern dadurch nur der Geldentwertung Rechnung getragen wird. Die Haustasfierer find nach wie vor ver pflichtet, alle 8 Tage zu taffieren und alle Marten mit Berten, die überholt find, abzurechnen. Die Ortsverwaltung. Weit unter Tagespreis fämtliche Markenzigaretten Garbaty, Maffary, Moslem, Dota usw., ganz besonders preiswert Turkema. Tabakwaren- Großvertrieb Leopold Winiski, Blumenstr. 94, nahe Jannowitzbr. Geschäftszeit 9 bis 5 Neu eröffnet! Marken- Zigaretten Garbaty, Problem, Salem, Dota, Ikris usw. weit unterm Tagespreis. 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