3lr.589» 40.�ohrgttng /lusgabe A Nr. 294 BezagSvrciS: ?«m IS.—??. Dezember I BiMon»der ! Eoldmark»erau» zahlbar. Unter Krenzband aam IS.—??. Dezember für Deutschland. Danztg. Saar. u. Memel- gebiet, Oesterreich, Litauen, Luxem. bürg 1,35 Saldmarl, für das übrige Ausland IjSO Soldmart. Kreuzband- scndungen nur gegen wertbeständige ?ahlung.Poslbezug»vreis freibleibend. Der„lvdimZrt»" mit der Sonntag». beiiag«„Boll und Zeit" u. �Siedlung und Kleingarten", sowie der Unter- baltungsbeilage„Hcimwelt" erscheint wochentöglich zweüual, Sonntags und Montags einmal. Delegramm�ldicssit „Sozialdemolrat Berlin" Morgenausgabe Devlinev VolksblÄtt s»«»miarilen) Anzcigenvrc.zc- Di««insvaltige Zlonporcille. teile Ü.'lS Goldmarl. Reilamczrilc 3,30 Goldmark.„Kleine Anzcigru" da« fettgedruckte Wort V.20 Gsid- marl lzulässig zwei fettgedruckte Wort«), jedes weitere Wort 0.10 Goldmark. Stellengesuche da» erste Dort O.lO Goldmark. jede» weitere Dort lllltb Doldmarl. Worte über 15 Buchstaben zöblen fflt zwei Worte, ssomilicnanzcigen illr Abonnenten Keile V.3V Goldmark. Sin« Goldmark—«i» Dollar geteilt durch 4.?». Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 41b Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 08. Linden- straft-!>. abgegeben werden. Sedffnrt oon 0 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokrati feben Partei Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Sw 68, Onöenstraße 3 SSprnihri-rfi�r« Redakti»»: Töuhoff 2i>!S— SS» ,rern,prcli,er. �,,,,,. Dö»boft ssov-sso? Dienstag, den Dezember 1AÄ3 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EW 68, Lindenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 375 31»— Bankkonto: Direktion der TiSkonto-KeseUschast. Tcpoiitenkanc Lindritstrasse 3 Der öeutsth-ftanMfthe Notenwechsel. Bor Verhandlungen über eine vorläufige Regelung. Die Verhandlungen, die jetzt zwischen Berlin und Paris-Brüstel eingeleitet worden sind, werden auch dem kühnsten Optimisten noch nicht als der Anfang jener Entwick- lung erscheinen, die jeder Friedensfreund sehnlich erwünscht. Für eine volle Verständigung zwischen den beiden Völkern ist die Zeit noch nicht reis, und die Regierungen hüben und drüben sind niüit geeignet, sie herbeizuführen. Vor allem sehlt in Frankreich einstweilen den weitesten Kreisen das Verständnis dafür, daß ein Volk den wahren Frieden noch nicht als her- gestellt empfinden kann, solange fremde Soldaten auf feinem Boden stehen. Fürs erste kann es sich nur darum handeln, in die ver- worrenen Zustände des besetzten Gebiets wieder etwas Ord- nung zu bringen. Gute Nachbarschaft kann nur herrschen, wo die'Grenzsteine feststehen. Im deutschen Westen Hausen Deutsche und Franzosen heute durcheinander, sie teilen, bildlich gesprochen, nicht nur dasselbe Haus, sondern auch die gleichen Zimmer. Dos muß immer neuen Streit geben, solange nicht die durch den tatsächlichen Zustand bedingten Macht- b e f u g n is s e klar umgrenzt sind, solange man nicht gelernt bat, sich in den gegebenen beiderseitigen Macktsphären— un- veschadet der grundsätzlichen Rechts auffafsung— zu respektieren. Haben Verhmrdwngen, die zu diesem eng umgrenzten Ziel geführt werden, einen erträglichen Erfolg, so kann dadurch zugleich auch der Boden vorbereitet werden für die a l l g c- meinen Verhandlungen, die mü der Gesamtheit der Alli- irrten zu führen sind, und es kann gelingen, schrittweise zu einer Entspannung zu kommen und der Bevölkerung der besetzten Gebiete jene Freiheit zurückzugewinnen, auf die sie nach dem Friedensvertrag Ansprach hat. Wird diese Angelegenheit von beiden Seiten mit Ernst und gutem Willen betrieben, so kann die Frage der M i l i t ä r- k o n t r o l l e dabei keine ausschlagebende Rolle spielen. Da von der allgemeinen Abrüstung, wie sie im ersten Teil des Friedensvertrags angekündigt wird, ernstlich noch nirgends die Rede ist, die erdrückende militärische Uebermacht Frankreichs und seiner Alliierten über Deutschland unzweifelhaft feststeht, bandelt es sich für Frankreich hier wirklich um eine Angelegen- heit dritten Ranges. Wollte die französische Regierung sie zum Vorwand nehmen, um Verhandlungen über brennendere Fragen zu vereiteln, so wäre das nicht zu billigen. Eine Stelle in der vorgestrigen Rede des Reichsaußenministers Dr. Stresemann konnte den Anschein erwecken, als sei dies tatsächlich der Fall. Da es aber nicht so ist, war es zweifellos ein Fehler von Herrn Stresemann, gerade diese Frage mit starkem Schwung der Rede in den Vordergrund zu rücken. Daß die deutschnationale Presse nervös tut, wenn überhaupt nur van Verhandlungen gesprochen wird, versteht sich von selbst, ist aber nichts als Schaumschlägerei. Auch eine dcutschnationale Regierung würde bei der gegenwärtigen Ver» teilung der Kräfte den WegzuVerhandlungen suchen müssen, um dem deutschen Volk eine Erleichterung seiner un- erträglichen Lage zu bringen. Die Besprechungen, die zwischen den bürgerlichen Parteiführern aus Anlaß der letzten Regierungskrise gefiihrt wurden, haben deutlich gezeigt, daß die Deutschnationalen sich dieser Erkenntnis durchaus nicht ver- schließen. Ueber das zu schimpfen, was sie selber tun würden, wenn sie an der Regierung wären, gehört zu den Hausmitteln deutschnationaler Demagogie. Es ist lächerlich, wenn die Deutschnationalen so tun, als ob sie ein Monopol darauf hätten, über die französischen Regie- rungsmetbodcn erbittert zu sein. Mit Gefühlen allein, die von allen Volksschichten und Parteien geteilt werden, macht man noch keine gute Politik, am wenigsten gute Außen- Politik. Das haben die weitesten Schichten des deutschen Volks längst begriffen, und darum wünschen sie, daß die deutsche Re- gierung in den angesponnenen Verbandlungen mit Frankreich tu«, was unter den gegebenen Verhältnissen praktisch und nützlich ist. O Die Antwort de» französischen Mtnisterpräsiden- t e n auf die ihm vom deutschen Geschäftsträger in Paris im Anschluß an die mündliche Unterhaltung überreichte Aufzeichnung ist in- zwischen in Berlin eingetroffen. Es handelt sich um zwei Schrift- stücke. Das«in« errthäit folgend« Zusammenfassung der vom deutsch?« Geschäftsträger. dem französischen ZNinIslerpräsidenteu am 15. Dezember abgegebenen Erklärungen. Die d«ut>che Regierung hat den Wunsch, sich mit dem fran- zosische« Ministerpräsident«» über d« weitere Entwicklung der Rhein- und Ruhrfrage sowie das R« p a r a t i o n sp r o- blem offe« auszufprschen. Durch den Abschluß der Verträge mit den deutschen Industriellen und durch die technische Regelung der Eisenbahnfrage in den besetzten Gebieten ist ein« neue Sachlag« geschaffen worden. Diese Tatsache wird von der französischen Regierung anerkannt, die zugesteht, daß der passive Widerstand jetzt restlos beseitigt ist. Die deutsche Regierung hofft, daß die französische Re- gierung aus dieser Tatsache auch die Konsequenzen ziehen wird. Es äst stets der Kernpunkt der Erklärungen des Herrn Ministerpräsiden- ten gewesen, daß mit der Aufgabe des passiven Widerstandes das Hindernis beseitigt sein werde, das einer großzügigen Gesamlregelung aller schwebenden Fragen entgegenstehe. Die Reparaiivnssragc ofe solch« ist allerdings in- zwischen durch die Aktion der Rcparaiionstommission in eine neu« Phase eingetreten. Deutschland muß sich zunächst mit den Entschei- düngen dieser Kommission äbfinden und ist entschlossen, seinerseits alles zu tun, um die Tätigkeit der einzusetzenden Komitees frucht- bringend zu gestalten. Die deutsche Regierung glaubt jedoch nicht, daß auf diesem Wege eine schnelle und unmittelbare Lösung der Frage erreicht werden kann. Sie glaubt nach wie vor, daß die wirtliche Lösutw nur in elner unter Beteiligung aller interessierten Mächte herbeizuführenden radikalen Neuregelung bestehen kann, die dann zugleich auch die endgükttg« Lösiwg der davon untrennbaren Rhein- und Ruhr frage ermöglichen und in sich schließen würde. Nachdem die Reparationstommission nun einmal den'Weg der Komitecberotungen. beschritten hat, ist es zweifellos nötig, zunächst den Erfolg ihres Verfahrens abzuwarten. Dos hin- dert jedoch keineswegs, jetzt schon, in einen neuen Gedankenaustausch über das G-famtproblem«inzutreten. Unterläßt man dies, so besteht die Gefahr, daß sich die Regierungen demnächst, wenn den Komitees eine wirksame Förderung des Reparationsproblems nicht geläng«, wieder in einer Sackgasse sehen und daß dann wieder kostbare Zeit nutzlos verstrichen sei. Besonders dringlich erscheint ober«in solcher Gedankenaustausch, weil es nvtwentäg ist, bis zu dem Zeitpunkt, wo es zu der endgültigen Lösung kommen wird, einen mocko» vivendl in den besehten Gebieten zu schaffen. Ein solcher modus vivendi ist die erste Doraussetzung für jede deutsche Reparationsleistung. Ohne ihn wird daher die ganz« Tätigkeit der Sochoerstöndigenkomitees, wie sie auch ver- laufen mag. vollkommen in der Luft hängen. Di« deutsche Regie- rung hat sich seinerzeit, indem sie sich von der Wichtigkeit dieser Frage Rechnung ablegt«, nach Aufgabe des passiven Widerstandes mit dem Borschlag offizieller Verhandlungen an die französisch« Re- gierung gewandt. Im gleichen Sinne hat sie sich, als die französisch« Regierung damals die deutschen Verhandlungen ablehnte, mit den lokalen Verhandlungen einverstanden erklärt, die jetzt zu den Verträgen mü den deutschen Industriellen und mit der Eisenbahn- verwaltuna geführt haben. D i e französisch« Regierung würde sich jedoch einer Täuschung hingeben, wenn sie etwa annähme, daß schon durch diese Verträge der Wiederaufbau des Wirtschaftslebens in den besetzten Gebieten gewährleistet sei, oder wenn sie glaubte, die für diesen Wiederaufbau noch notwendigen Maßnahmen könnten«inseitig von französischer Seite getroffen werden. Deutscherseits wird alles geschehen, um die Verträge loyal durchzu- führen: aber ganz abgesehen davon, daß es äußerst zweifelhaft ist, ob die deutsche Industrie in jedem Einzelfall die nötigen Kre- d I t e ün Ausland bekommen kann und ob sie die ihr auferlegten Kosten wird tragen können, bedarf noch eine Reih« anderer äußerst wichtiger Punkt« der Regelung. Hierher gehört namentlich die Frage ver Wiederherstellung der durch die Ausweisung und Verurteilung von Beamten zerstörten deutschen Verwaltung, wobei die deutsche Regierung bereit ist, sich nicht auf Personenfrogen zu versteifen, sowie ferner die Frag« des wirtschaftlichen Verkehrs zwischen den besetzten Gebieten und dem unbesetzten Deutschland. Werden diese Fragen nicht geregelt, so ist eine erträglich« Rsgetung der Verhält« hältrnsie in den besetzten Gebieten und darüber hinaus auch«in« Gesundung der Reichssinnnzen undenkbar. Wird in den besetzten Gebieten die deutsche Verwaltung nicht wiederhergestellt, insbesondere dem Reich«ine ordnungsgemäß« Steuererhebung nichl ermöglicht, wird ferner nicht der Güteraustausch zwi- schen den besetzten und unbesetzten Gebieten von allen Hemmnissen befreit, so würde die jetzt mit äußerstem Nachdruck eingeleitete Aktion zur finanziellen Gesundung vergeblich sein. Da- mit wäre die unbedingte Voraussetzung für eine gründlich« Rege- lung der Reporationsfrag« auf unabsehbar« Zelt hinaus vereitelt. Es liegt auf der Hand, daß Fragen der bezeichneten Art nur durch Verhandlungen von Regierung zu Regierung geklärt werden konben. Die deutsch« Regierung schlägt vor, solche Ver- Handlungen unverzüglich zu eröffnen, und hofft, daß di« französische Regierung sich dem jetzt nicht mehr widersetzen wird. Die Antwort des französischen Ministerpräsidenten. Paris, tS. Dezember 1922. Herr Geschäftsträger! Ich beehr« mich. Ihnen den Empfang Ihres gestrigen Schreibens zu bestätigen, mit dem Sie mir«ine Zusammenfassung Ihrer Er- klärungen von gestern morgen übermittelt haben. Ich beglückwünsche mich dazu, daß ich Sie gestern gebeten habe, mir den Standpunkt Ihrer Regierung schriftlich darzulegen: denn die Note, d!« Sie mir gestern übersandt haben, legi einige Punkte klar, auf deren Dunkel- heit ich Sie aufmerksam gemacht hatte: sie gibt in noch höheren, Maße Anlaß zu den Einwendungen, die ich schon gemod:/ habe. Da der passive Wider st and im Ruhrgebist aufgehor zu haben scheint, werde ich, wie ich Ihnen bereits gesagt hob«, imm« bereit sein, mit dem offiziellen Vertreter der deutschen Regierun alle Fragen zu diskutieren, deren Erörterung die deutsche Regierung wünscht. Ich brauche aber nicht darauf hinzuweisen, daß die fran- zösischc Regierung sich vorbehält, sich bei allen Problemen, die auch die anderen Alliierten interessieren, mit diesen ms Ein- vernehmen zu setzen, bevor Ihnen ein« Antwort zuteil.wird Ihre Note hat mir jedoch schon jetzt Anlaß zu folgenden Merklingen gegeben: Was die Reparationsfrage betrifft, so brauche ich Ihnen nicht zu wiederholen, daß die französisch« Regierung dem nicht zustimmen wird, daß die durch den Friedensvertrag eingesetz'e Reparationskommission ihrer.Befugnisse entkleidet wird, und detz sie nicht irgendein« Regelung in Erwägung ziehen wird, die nicht streng dem Friedensvertrag entsprechen würde. Die Kommission wird fortfahren, mit allen den Vollmachten zu arbeiten,'die ihr über- tragen worden sind, und zwar ohne daß ihre Recht« Deutschland gegenüber in irgendeiner Weise vermindert werden könnten. Der Gedankenaustausch, den Sie wünschen und an dem teilzunehmen die sravzöflsche Regierung sich . nicht weigert. tonn also weder als Gegenstand noch als Ergebnis irgendeine Be- einträchtigung der Dorrecht« dieser Kommission haben, und ebenso- wenig die Vorbereitung einer unmittelbaren oder mittelbaren Re- vision des Friedensoertrages in den Fragen, die das Rheinland und das Ruhrgebiet betreffen. Die französische Regierung hat ihrer Auf- sassung wiederholt Ausdruck gegeben: sie hat keine Veranlassung, daran etwas zu ändern. Sie könnt« dem nickst zustimmen, wie ich Ihnen das auch bereits mündlich dargelegt habe, daß die stanzäsisch- belgischen Behörden im Ruhrgebiet oder die Rheinlandkonnnission in den übrigen besetzten Gebieten ihrer Befugnisse entkleidet werden, wenn es sich darum handelt, einen modus vivendi in dem einen oder dem anderen dieser Gebiete herzustellen. Ich bin also,«i« ich Ihnen in meiner mündlichen Antwort bereits gesagt habe, vvä- kommen bereit, di« Dorschläge der Berliner Regie» rung anzuhören und sie nötigenfalls mit meinem Gutachten den zuständigen Behörden zu übermitteln. Insbesondere werde ich auf jede Unterhaltung eingehen, die auf di« Verlängerung der Ab- kommen mit den Industriellen oder aus die Wiederherstellung de» Wirtschaftsleben« und auf Verwaltungsfragen Bezug hat. Zste französische Regierung hält ober an ihrem absoluten Redst« fest, einer Wiedereinsetzung von ausgewiesenen Personen nur nach Prii- fung der Einzelfälle zuzustimmen. Ich füge jedoch noch hinzu, daß die Interalliierten Militärkontrollkvmmissionen ihre regelrecht« Tätigkeit noch nicht wieder haben aufnehmen können: sole-rge dies nicht ge- schehen ist, kann Deutschland, wie ich Ihnen»ererts gesagt habe, nicht behaupten, daß es den Vertrag von Versailles In loyaler Weis« ausführt. Genehmigen Sie usw. gez. Poincare.' Um üie Priorität der Lebensmittelanleihe. Deutsche Note an die Reparationskommission. Der Vorsitzende der Kriegslastenkommission, Staats- sekretär Fischer, hat am Sonnabend an die Reparationskom- Mission eine Note übergeben, in der unter Hinweis auf den äußerst kritischen Stand der deutschen Lebensmittelversorgung darum nachgesucht wird, daß man der geplanten Lebensmittel- anleihe in Höhe von 70 Millionen Dollar die Priorität vor den Reparationsverpflichtungen Deutschlands einräumen möge. Im Hinblick auf die Dringlichkeit der Angelegenheit bittet die deutsche Regierung um eine Beschleunigung der Entscheidung. Da der erwähnte Kredit im Vergleich mit den deutschen Re- parationsvcrpflichtungen recht gering ist, ist wohl zu hoffen, daß die Reparationsko geben wird. kommifsion dem deutschen Ersuchen statt- aber an dem Verfall der Finanzen ist niemand anderes als tfj e l f f e r i ch, die große Autorität und der Führer des Blocks der bürgerlichen Steuerverweigerer. Die Steuernotverorünungen. Das Reichskabinett erörterte in seiner gestrigen Sitzung die Grundlagen der 3. Steuernotverord- n un g. Die steuerlichen Vorschläge des Reichsfinanzministers wurden unter Vorbehalt der endgültigen Formulierung grundsätzlich gebilligt, lieber die Einzelheiten der Auf- wertungsfrage wurde ein Beschluß noch nicht gefaßt. Verordnungen über die Verpflichtung der Aufftellung von Goldbilanzen und über die Verlängerung von Bilanzfristen wurden genehmigt._ Steuerabzug und Fünfzehnerausschuß. Der FünfzehnerauS sckiuh deS Reichstags legte am Montag bei der Beratung der zweiten Steuernotverordnung der Regierung nabe, bei den vorgesehenen Abzügen der Steuer vom Arbeitslohn die Ermäßigung für die zur Hansbaliung des Arbeitnehmer« zählenden Familienangehörigen auf Kinder bis zu 18 statt nur bis zn 17 Jahren auszudehnen. Weiter empfahl der Ausschuß der Regierung, den Steuerabzug vom Arbeitslohn im Interesse der Bereinfachung und Verbilligung der Steuererhebung in der Weise umzugestalten, daß der Abzug von der Gesamt« summe der von den einzelnen Arbeitgebern gezahlten Löhne und Gehälter erHobe» wird, statt noch individueller Berechnung. ftas dern n i st e n beteiligen sich nicht daran. Die Abstimmung ergibt 178 Stimmen für, 38 gegen das Gesetz. Damit ist die Borlage an- genommen, die bestimmt, dah die Neuwahl der Gemeindeverlrekungen bis zum 4. Mai 1924 stattfinden muh. In der Fortsetzung der politischen Aussprache wendet sich Abg. » Dr. Meyer(Komm.) gegen die letzte Rede des Ministers Seoering. Der Vergleich mit der russischen Hungersnot sei schief, denn in Ruh- land babe das Volk zwar gehungert, ober nicht bei vollen Scheunen. Der Redner bringt dann Beschwerden vor über die Ucberführung der kommunistischen Schutzhäftling« nach dem Munsterlager und Sennelager und übe? die schlechte Versorgung und Be- handsung d«r Inhaftierten in diesen Lagern. Die Polizei und die Reichswehr hätten bei der Beschlagnahm« in kommunistischen Buchhandlungen viele Bücher bürgerlicher Schrift- steller beschlagnahmt und es sei mit vielen Schadenersatzpro, zessen zu rechnen. Die faschistischen Organisationen haben sich wiederholt an die Kommunisten mit dem Angebot gewandt, zunächst gemeinsam mit ihnen den Kampf gegen die Entente zu führen. Darauf wurde ihnen geantwortet, dah dieser Kampf nur aus dem Boden des Kommunismus zu führen Ist. General v. S e e ck t möchte zwar di« deutschen Kommunisten niederschlagen, ober gleichzeitig mit Sowjet- Ruhland, ein militärisches Bündnis machen. Er täuscht sich darin, denn Sowjet-Ruhlond wird niemals an seiner Seit« kämpfen. Die kommunistische Propaganda zum bewaffneten Aufstand gegen die Militärdiktatur hat durch das Parteiverbot nur gewonnen. Die So- zialdemokrati« wird darum nicht mehr ernst genommen, weil sie ihre wirkliche Macht niemals einsetzt und niemals die- Mass« ihrer Anhänger aufruft. Hierauf wird«in Antrag aus Schluß der Debatte angenommen. Die Abstimmung über di« kommunistischen Uranträge ergibt deren Ablehnung bis auf einen über die Unruhen In Mittel- d e u t s ch l a n d, für den auch die Sozia'demokroten stimmen. Um 149 Uhr abends vertagt sich der Landtag bis zum 29. Januar 1984, 3 Uhr nachmitags. Präsident Leinert entiähl die Abgeordneten mit dem Wunsche, das neue Jahr möge Preußen und Deusschland, vor allem ober der gequälten Bevölkerung an Ruhr und Rhein eine bessere, freiere Zukunft bringen. Seamtenabbau unö Kirche. Reich und Lände? sind dabei, noch vor Jahresschluß, sozu- sagen als Weihnachtsbescherung, einen Beamtenabbau durch- zuführen, der allgemein als ungeheure Härte empfunden wird, Dieser Abbau macht keinen Halt vor den staatlichen Einrichtungen, die Im Interesse der Gesundung des Volkes, der Erziehung des Nachwuchses, der Behauptung unserer allgemeinen deutschen Kultur. unbedingt nicht obgebmck werden dürfen, er verschont nicht di« Schulen und sonstigen Bildungsstätten, er greift ein in die sozialen Fürsorge stellen, die heutzutage dringender nötig sind denn je. Der Abbau in dieser Schroffheit, wie er gehand. habt wird, mutet um so eigentümlicher an, wenn man erfährt, dah eine Kategorie mittlerer Staatsbeamter nicht abgebaut wird: di« Pforrer und Pastoren. Pabel belasten diese nach dem Stand der heutigen Gesetzgebung z. B. die Finanzen des Staates Preußen mit rund 90 PrvZ ihrer Bezüge, während sie früher nur mit 27 Proz. der Staatskasse zur Lost fielen. Diese ver- stärkt« Beladung des verarmten Staates hat sich nicht zuletzt dadurch ergeben, daß die Kreise, die die Kirche beanspruchen, an der Spitze vo� allem die Bauern, nicht im entferntesten daran den- ken, für Ihren„Seelsorger" ein materielles Opfer zu bringen. Welches sind aber dann die Gründe für den Staat, nahezu die gesamte Last für die Geistlichkeit in dieser trostlosen Finanzlage sich aufzubürden und hier nicht abzubauen? Protest gegen üie Neichsmietsteuer. Die fünf Gewerkschaftsbünde und der Deutsche Mieter- bund haben gegen die geplante Reichsmietsteuer ge- meinsam bei der Reichsregierung durch Uebermittlung nach- stehender Erklärung Protest erhoben: „Die unterzeichneten Verbände haben Kenntnis davon erhalten, daß die Reichsregierung die Neuregelung der Mietzinsbildung in einem Sinne verfolgt, der für die von Lohn und Gehalt lebenden Volksschichten u n t r a g b a r ist. Sie sehen sich darum genötigt, die Reichsragierung nochmals und in letzter Stunde- davor zu warnen. ihre am 27. Oktober d. I. überreichten Vorschläge über die Neurege- lung der Wohnungswirtschaft unberücksichtigt zu lassen. Insbesondere weisen sie darauf hin, daß sie nicht imstande sind, die Reichsregierung in der Durchführung der geplanten Mietsteuer zu unterstützen, wenn nicht folgende Forderungen bei der Neuregelung Berück- sichtigung fanden: 1. Das reichsgesehlich« Hoheitsrecht für die Reu- regelung der Wohnungswirtschaft muh auch weiterhin aufrechterhalten bleiben. 2. Die Aufwertung der gegenwärtigen Mieten darf nur nach Maßgabe der Steigerung der Kaufkraft der Löhne und Gehälter erfolgen und hat auf den heut« nicht übersehbaren Stand der Wirtschast Rücksicht zu nehmen. 3. Nach Abdeckung der Unkosten für«ine ordnungsmäßig« Bewirsschaftung der Wohnungen ist jeder Mietmehrertrag der privaten Bereicherung zu entziehen und zugunsten der Unterstützung leistungsschwacher Mieter und der Wohnungs- bauwirtschast in die öffentliche Hand zu überführen. 4. Das Reichsmietengesetz bleibt aufrechterhalten, un- beschadet einer vereinfachten und einheitlichen Durchführung durch die Länder. S. Zur Linderung der Wohnungsnot muh aus der Wohnungs- Wirtschaft selbst schleunigst«ine ausreichend« g e m e i n w i r t- schaftlich« Kopitalquelle erschlossen werden. Schärfften Einspruch muh die Absicht des Reichsstnanzministe- riums hervorrufen, die Mieten zu einer Einnahmequell« für allge- meine Finanzbedürfniss« des Reiches, der Länder und Gemeinden zu machen. Abgesehen davon, daß wir«inen solchen Steuerweg für unsozial halten, erscheinen un» die wirtschaftlichen Verhältnisse breitester Volkskreise derart, daß die beabsichtigte Belastung ihnen nicht zugemutet werden kann. Hinzu kommt,, dah bei der Beschreitung des von der Regierung vorgesehenen Weges eine Belebung der aus allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Gründen nötigen Bau- tätigkeit nicht zu erwarten steht. Durch da» Danieder- liegen der Bautätigkeit drohen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch dem Staate, besonders im Hinblick auf die dadurch bedingte Arbeits- losigkeit, größte Schäden. I Zusammenfassend erklären die unterzeichneten Verbände, dah sie die bisher laut gewordenen Absichten der Reichsregierung nicht billigen können: si« müssen diese vielmehr im Interesse der von ihnen vertretenen Volksschichten aufs schärfste bekämpfen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Deutscher Gewerkschaftsbund. Allgemeiner freier Angeslcllkenbtmd. Gewerkschaflsrivg deutscher Arbeiter- Angestevleu- und Beamten- verbände. Allgemeiner Deutscher Beamteubuud. Deutscher ANelerkmud. Die polnische Regierungskrise. Warschau. 17. Dezember.(Eigener Drahtbericht.). Angesichts der Schwierigkeiten, die die Witospartei der Bildung eine» Ka- binetts durch Thugutt bereitet«, erklärte dieser, dah er seine Misston ws beendet betrachte. In der Beratung der Oppositions- Parteien wurde angesichts dessen beschlossen, dem Staatspräsidenten vorzuschlagen, dem zweiten Führer der radikalen Volkspartei Dombski die Bildung eines außerparlamentarischen Kabinetts an- zuvertrauen. » Aus Warschau wird uns geschrieben: Der lang erwartete Rücktritt des polnischen Kabinetts Ist er- folgt. Auch die Aufnahme der„großen Kanonen" D m o w s k i und K o r f a n t y hat nicht ändern können, daß der unnatürlich« Re- gierungsblock schließlich zerfiel, und zwar gerade über der Frage, aus der der Pakt über die Bildung dieser Reg'erung hervorgegangen war, nämlich in der Frag« der Agrarreform. Die Bauern- partei Witos hatte sich ihr Zusammengehen mit dem Rechtsblock im Frühjahr durch die bindende Versicherung der Vorlage eines Par- zellierungsgejetzes abkauen lassen. Für den Rcchtsblock, der auch die Großagrarier In seinen Reihen zählt, war es recht schwer, eine Agrarreform zu entwerfen, di« auch nur den Ansprüchen der Witos- Leute, d. h. der mittleren und großen Bouern. entsprechen könnt«. Endlich kam im Sommer das Monstrum des„Gesetzes über An- siedlung und Parzellierung" heraus. Man hatte zwar mit Geschick versucht, die ganze Last des Gesetzes, unter der in Polen üblichen großzügigen Außerachtlassung des Versailler Vertrages und des Mmderheitenschutzvertrages, auf die nationalen Minderheiten, in erster Linie auf die deutschen Grundbesitzer— die kleinsten Ansiedler eingeschlossen— abzuwälzen, aber trotzdem waren für den „nationalen" Großgrundbesitz soviel Hintertü«n geschassen, daß di« Bauern dieses Gesetz nicht annehmen tonnten. Di« linkestehende Bauernpartei Thugutt- trat sofort in schärfste Opposition zu diesem Gesetz. In der Witos-Partei gärte es. Schon vor Wochen kam es zur Abspaltung einer Gruppe unter Dombski, und die Sezession einer weiteren Truppe unter Bryl hat der Regierungsmehrheit, dem Agrargesetz, dem Kadinett und wohl auch der Witos-Partei den Rest gegeben, Die natürliche Folge des Kabinettssturzes muß der Versuch sein, ein Kabinett der Linken zu bilden. Ob das gelingt, ist fraglich, da es auf die Unterstützung der Minderheiten angewiesen wäre, di« jedem Polen, auch den linken Parteien, weniq sympathisch ist. Gelingt si« nicht, so kommt ein außerparlamentarisches Kabinett in Frage. Für die innerpositischen Verhältnisse in Polen Ist der Kabinetts- Wechsel von großer Bedeutung, denn er macht einem rücksichtslosen Willtürregiment der Reaktion zunächst ein End«. Für Deutschland und das Deutschtum in Polen ist dieser Wechsel viel weniger bedeutsam._ RusiM-türkikbe Spannung. Moskau, 16. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Das Volks- kommissarlat für auswärtig« Politik betrachtet die letzten Maß- nahmen der türkischen Regierung als Vorbereitung ernst er Er- e i g n i s s e. Im Zusammenhang mit dem Eisenbahnerstreik in der Türkei wurden über 1000 Kommunisten verhaftet. Die Regierung von Angara hat mit dem Abbruch der diplomatischen Ve- Ziehungen gedroht, falls die kommunistisch« Agitation in der Türkei fortgesetzt wird. Im Rayon der Festung Kars werden von den Türken militärische Vorbereitungen getrossöv. Die türkische Presse erklärt offen, daß der russisch« Kommunismus und der tür- klfche Nationalismus unvereinbarsiche Gegensätze seien. Di? Türkei ergreift Maßnahmen, um im Kaukasus einen Pufferstaat zu bilden, indem sie«ine unabhängige„islamische Republik der tau- kasischen Völker" zu errichten sucht. Um einen Krieg zu vermeiden, versucht die Sowjetregicrung auf diplomatischem Wege die Türkei zu veranlassen, auf weitere Operationen im Kaukasus zu verzichten. Zu dem Sleucrhtnterztehungsprozeß gegen den deulschuatlonalcn Belchslagsabg. van den Serkhoff ist die Haupiberhandluug vor drr Straikammer des Landgerickits Elberfeld aui den 16. Januar nächsten Jahres anberaumt worden. Van den Kcrkhoff ist wegen siegelbruchs und Steuerhinterziehung angeklagt. Wirtschaft Die Jehler üer Währunge- unö Jinanzpolitik. Kommerzienrat C. R a b b e t h g«. der wiederholt als Minister- kandidat genannt worden ist,- beschäftigt sich in der„Magdeburgischen Zeitung" mit den Fehlern unserer Währungs- und Finanzpolitik der letzten Zeit. Das Urteil dieses bürgerlichen Finanzmannes ist von außerordentlichem Wert, weil es in den meisten Punkten die sozialistische Kritik an der Finanzgebarung des Reiches bestätigt. Der Verfasser zählt folgend« Grundfehler auf: „1. Die Schaffung der Renten Mnk irnd Rentmmark hat die Sanierung von Währung und Wirtschast verhängnisvoll verzögert, weil man einen komplizierten, umständlichen und schlechteren Weg wählte, anstatt den ganz«infachen, natürlichen Weg zu gehen. Die Stabilisierung der Papiermark war binnen wenigen Wochen zu erreichen, wemi durch Benutzung der Goldanleih« als Zahlungsmittel für die Ausgaben des Reiches der Etat einigermaßen ins Gleichgewicht kam: denn das gewaltsam« Absinken des Papiermarkweries war in erster Linie die Folge des Um- standes, daß die Staatsousgaben nur zum kleineren Teil durch Steuern, in der Hauptsache durch Notendruck gedeckt wurden. Die Rentenmart hat kein« andere Grundlage für ihren Wert als etwa die Goldanleihc. Sie basiert auf der Steuertrast der deutschen Prioatindustrie, Man kann die Fundierung auf einfachem Wege vornehmen durch Steuern, wie dies bei der Goldanleihe der Fall ist, cd«? einen komplizierten Apparat in Gang setzen, wie bei der Rentenmark. Bei der Rentenmark werden sich vielleicht Schwierigkeiten bei der Eintragung der Hypotheken und Beschaffung der sonstigen Unterlagen ergeben. 2. Man hat die Goldanleihe zur Zeichnung aufgelegt, anstatt sie zu Zahlungen des Reiches direkt zu verwenden. In letztcrem Falle wäre die Goldanleih« mit etwa 100 Proz. verwertet Man hätte einen Monatsbedarf des Reiches mit etwa 3 00 Millionen Goldanleihe decken können, selbst in der Zeit, wäbrend welcher noch reichlich Gelder noch der Ruhr flössen. Durch den Weg der Zeichnung hat der Erlös für die Gold- anleihe zunächst bei Zeichnung selbst, wie bekannt, ein« starke Ein- büße«rkstten, ferner dadurch, daß die Papiermark, die vereinnahmt wurde, erst auf dem langen Wege über die verschiedenen Kassen zur Verwendung kam. so daß die ca. 3 0 0 Millionen Mark Gold- anleihe, die zur Zeichnung aufqelegt sind, vielleicht 20 Mil» lionen Mark dem Reich gebracht haben! Kleinere Teile sind unmittelbar zum Getreideankaus verwandt und damit voll verwertet. Die Stabilisierung der Papiermark hat bis jetzt gekostet ca. 400 Millionen Goldanleihe und ca. 4S0 Millionen Rentenmark: sie konnte erreicht werden mst etwa 300 Millionen Goldanleih«. 3. Das technische Versagen des Dru.ckes der Gold- anleihe und später der Rentenmark. Wenn irgendwelche Bedenken bezüglich der Ausgab« der Goldanleih« bestanden, di« erst durch einen gesetzgeberischen Akt beseitigt werden mußten, was tatsächlich der Fall war, so hinderte dieser Umstand die Vorbereitung und den Druck doch nicht. 4. Die ReichsbanMst bis heute noch nicht veran- laßt, ausfchließlich�Kredit« auf Gold, auf Do klar- bafis zu geben, man Hot es ferner noch nicht durchsehen können, daß n�ben den Paviermark-Kontm auch Goldanleih«- bzw. Renten- mark-Konten«ingeführt wurden. Die Ablehnung wird in der Haupisache bearündet mit der Ueberlasirng der Reichsbank! Diese Ueberlastunq läßt, sich in 48 Siundcn bcssiti"«» durch Einführung zweckmäßiger hoher Gebühren. Sobald die Reichsbant nur noch Goldkredlte gibt, hat kein Mensch mehr«in Interesse an dem Abrutschen der Papiermark. Die Wirtschaft wäre schon seit Monaten sparsam geworden, wenn sie mit bol-en Zinsen rechnen mußte, die nicht durch Markentwcrtunq ausgeglichen werden konnten. Diese Sparsamkeit ist die erste Voraussetzung zur Wiedergewinnung derCrvortfähIgkeit. 5. Fängt man jetzt erst an, die Gehälter und Löhne für Staats- beamte und Arbeiter äi'f Galdbnsis zu berechnen. Man macht dabei im übrigen noch den Fehler, daß mmi auf Rmtenmarkbasts die Rechnimg aufstellt, anstatt den allein richtigen Maßstab des a m c r i- k a n i s-h e n D o l l a r s zu wählen. 6. Ist das Steuer« ii fwertunasgesetz so kompliziert, daß Cinnabmen. die sehr schnell zum F'ießen gebracht werden konnten, noch nicht fließen. Statt des ganzen komvli'ierten Gesetzes mußt--«ine einfache Verordnung kcmmen, daß sämtliche Steuern zum Cntstehungstace in Dollar unm-rechnet werden und bei ver- l-mteter Zahlung mit 1 Proz. pro Monat Goldzins belastet werden. Die Zah'ung erfolgt in Papiermark zum Kurse des Vortages der Zahlung." Dr. Rabbethg« wendet sich dann mit großer Schärfe gegen den Versuch, Löhne und GeHölter auf Rentenmarkbasis festzulegen. Cr verlangt die klare G o l d r c ch n u n g auf der Grundlag« des amerikanischen Dollars. Er erklärt es als nicht angänglg, daß man die Löbn« jetzt auf S0 Proz. der Vorkriegszeit festsetzen will. Der Mindestsatz müsse bei 70 Proz. liegen, solange di« Mietszwongswirt- fchaft anhält.„Eine entsprechende Erhöhung der Produkt'on wird sehr rasch zu erreichen sein, so daß es eine unnötige Harte be- deutet, mit Lohn- und Gehaltssätzen anzufangen, dl« der augenbiick- lichen Produktion vielleicht entsprechen." Das Ziel, das anzustreben sei, sei die Vortriegsarbcitsl« i st u n g, mit ihr die Erreichung der Vorlnegslebenshastung und der Vorkriegsgehälter und-löhn«. Daß die Vorkriegsarbeitslcistung erreicht werden muß, steht fest. Wir möchten jedoch glauben, daß si« durch eine Hungerlohnpolitik bei tchematisch und willkürlicher Verlängerung der Arbeitszeit nicht erreicht werden wird. Diese Auffassung wird von Dr. Rabbetbge zu einem wesentlichen Teil, nämlich soweit si« die Löhne betrifft, be- stätigt.'' Das Urteil deck bürgerlichen Wirtschastspolitikers und Finanz- fachmonnes über die Reichsfinanzpolitik verdient in sedem Falle zur Slbwehr tendenziöser Irreführungen anderer wirtschaftlicher Kreise festgehalten zu werden. Russische Bauernschaft und Sekreideausfuhr. Da? russische Landwirtschaftskommissariat hat ein« Vorlag« ausgearbeitet, die die Beteiligung der russischen Bauernschaft an den aus der Getreideausfuhr erzielten Gewinnen vorsieht. Man hofft, dadurch die Bauernschaft zur Erweiterung der Anbauflächen und Intensivierung der Wirtschaft anzureizen. Nach der Vorlag« sollen bis 50 Proz. der von den Getreideeinkaufsorganisotionen criieiten Ütewinne der Bauernschaft in der Form von nichtrückzahlbaren Nn!>:rstützungen für produktive Zwecke sowie in der Form von Prämien zugute kommen. Die Vorlag« ist augenblicklich den mit- interessierten Ressorts zur Begutachtung übergeben worden und ge» langt dann zu? Bestätigung an dcn Rat für Arbeit und Verteidigung. — Praktisch läuft dieser Vorschlag auf G e t r« i d e e x p o r t- Prämien hinaus, wie sie unter dem altpreußischen Agrarreglm« üblich waren. Die Zwangsarbeit öer Erwerbslosen. Stellungnahme öer erwerbslosen Sauarbeiter. Der Z S der Verordnung des Reichsarbeitsminister? vom 17. No- vember 1923. der festlegt, daß Erwerbslos« verpflichtet find, b e i Not st and s arbeiten drei Tage für die gewährt« Unterstützung zu arbeiten, war der Gegenstand lebhafter und erregter Diskussionen, die in einer Versammlung der erwerbs- losen Bauarbeiter, einberufen von der Kaugewertschoft Berlin, vor sich gingen. Krause fiihrtc eingangs seines Referats aus, daß sich fetzt Ding« innerhalb des Bauberufes ereignen, die nicht gutgeheißen werden können. Ueberall h«rrscht die Wohnungsnot und das Baugcwerb« liegt brach. Deshalb müssen wir unsere alte Forderung, daß Reich und Staat die Pflicht haben, die Bau- tätigkeit wieder zu beleben, aufs neue geltend machen. löllt doch die Bautätigkeit im Vergleich zum Vorjahre in diesem Jahr« nost beträchtlich nachgelassen. Di« Reichsbehörden stellen die Staatsbouten ein. während die amtlichen Stellen der Eiseabahnverwaltung ebenfalls � dazu übergehen, ihre Siedlungs- bauten bis zu einem gewissen Prozentsatz einzuschränken. Dies« Art von Sparmaßnahmen sind nicht dazu angetan, das schwer dar- niederliegende Wirtschaftsleben zu heben. Wenn die Reichs- und Staatsbehörden ihre Bauarbeiten einschränken, so hat es den Anschein, als ob man die Bauarbeiter zum Schlucken des Neun- und Zehnstundentages mürbe machen will. Die Organi- sation wird alles daransetzen, diesen Schachzug zu durchkreuzen. Der Redner behandelte dann die erwähnte Verordnung des Reichsar- bei ta Ministers und erklärte dazu, daß man sich derartige Maßnahmen nicht gefallen lassen werde. Im übrigen hat sich die Berliner G e w e r k s ch a s t s t o m m i s s i o n mit dieser Angelegenheit be- schäftigt und den ADGB. ersucht, beim Reichsarbeitsminister vorktclliq zp werden und die Forderung vorzutragen, daß die Bau- oibeiter tariflich zu entlohnen sind. Weiter hat die Organisation die notwendigen Schritte bei der Gemeinde, beim Staat und beim Reich unternommen. Wird nicht in Kürze W« send eingegriffen, lo nimmt die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe ratend weiter zu. Sind doch allein in der vorigen Woche un- gefabr Zstltü Bauarbeiter brotlos geworden. In der Diskussion wurde das Verhalten der Unternehmer i�nd auch die Einstellung des Reiches uich des.Staate» in scharfen Worten gegeißelt. Starte Entrüstung löste unter den Versammelten die Nachricht aus, daß der Eisenbahnpräsident van Berlin bei Einstellung der Bautätigkeit weit über da? vorgeschriebene Maß des Sparministers hinausgegangen sei. Folgende Re- ialutian wurde einstimmig angenommen: „Die am 17. Dezember 1923 im Gewerkschastshaus tagende Versammlung der erwerbslosen Bauarbeiter im Deutschen Bau- aem.-rk-bund erhebt entschieden Protest gegen die Verfügung der Reichsregierimg und die Einstellung der Behörden, betreffs Still- legung von Bauten Derartig« Sparmaßnahmen, wie Still- iegung von Reichs- und Staatsbauten, sind nicht dazu angetan, die Arbeitslosigkeit und das Wirtschaftsleben zu heben. Die Ver- sammelten fordern, daß von der Regierung und dem Finonzmimster schnellstens Mittel bereitgestellt werden, um die stillgelegten Bauten wieder iu Angriff zu nehmen. Des»»eiteren erheben die Bersam. melten schärfsten Protest gegen die Verordnung des R e i ch s ar b e i t sm i n i ster s vom 17. November l923. worin im 9 zum Ausdruck kommt, daß Erwerbslose bei Notstandsarbeiten drei Tage verpflichtet sind zum Satze der Erwerbslosenfürsorge zu arbeiten. Da«s sich bei N o tst a nd so r be i te n fast aus. schließlich um Bauarbeiten handelt, werden die Bau- arbeite? im besonderen hiervon betroffen. Sie erblicken in dieser Verordnung einen unverantwortlichen Eingriff in dos Tarif- recht. Die Versammelten fordern vom Reichsarbeitsminister schnellensts die Aushebung dieser Verordnung." der K � in öer Praxis. Der§ 9 der Verordnung über die Aufbringung der Mittel für di-e Erwerbslosenfürsorge besagt im Absatz 2: „Der Derwaltüngsausschuß des öffentlichen Arbeiisnach weises hat, soweit die Gelegenheit dazu besteht, die Unterstützung von einer Arbeitsleistung abhängig zu machen. Die Arbeiten dürfen nur gemeinnützigen Charakter tragen." Wie wird diefe Bestimmung nun ober gehandhabt? Für Berlin war beschlossen worden, daß jeder Erwerbslose zunächst 24 Stunden zu arbeiten Hobe, und Innenarbeiter von Außenarbeit möglichst verschont bleiben. In erster Linie sollten solch« Erwerbslose mit längerer Erwerbslosigkeit herangezogen werden. Seit dem Streik der Buchdrucker, denen zur Strafe die Unterstützung für vier Wochen entzogen wurde, trotz aller Proreste, werden diese namentlich im Bezirk Kreuzberg besonders be- vorzugt. Die Stempelstell« Bärwald st raße steht an erster Stelle. Obgleich di« Angehörigen des graphischen Gewerbes sämtlich Jnnenorbeiter sind, wurden di« Buchdrucker von dieser Stell« zum Schneeschippen beordert, und zwar in rücksichrsloser Weise. Eine Weigerung: Entziehung der Unterstützung! Der ß3sShrige Schriftsetzer Gustav Di tt mann, obgleich kränklich, wurde dazu angewiesen, zog sich eine Lungen- entzundung zu und verstarb nach wenigen Tagen. Diese Taffache ist ein« fürchterliche Anklage, die besonders unter- sucht werden muß. denn die Familie ist ihres Ernährers beraubt. Mit anderen Arbeitslosen wird direkt Schindluder getkie- den. Zwei andere Buchdrucker wurden am Sonnabend, den 15. Dezember, zu der Privatfirma Gebr. Heim, Tempelhofer Feld,.destellt, deren Arbeiter kurz vorher entlassen waren.' Es sollten Planierungsarbeiten vorgenommen werden. Di« Arbeiter wurden zurückgeschickt und nach stundenlangen, Harren zum gestrigen Tage wieder bestellt, mit demselben Ergebnis und der weiteren Ausserde rung, zu morgen, Mittwoch, wiederum zur Stelle zu fein. Werden diese Tage, die sie vergeblich gewartet haben, nun als„Arbeitsleistung" im Sinne des 8 9 angesehen oder ist der Arbeitslos« oerpflichtet, sich als Marionette behandeln zu lassen und einer Willkür Zeit und Geld zu opfern? Seinem eigentlichen Arbeits. Nachweis wird er dadurch entzogen. In einem anderen Fall« wurde«in Buchdrucker zum Schippen nach„Preußen" Sportplatz kommandiert, und zwar von der Stempelstelle T« m p e l h o f. Sind die genannten Arbeiten für Privatfirmen und Sportoereinigungen gemein. nütz ige oder sollen die Arbeitslosen alz Lohndrücker gebraucht werden? Der§ 9 sagt so etwas mcht. Um Antwort wird gebeten. Im Falle Dittmonn fordern wir schleunige Untersuchung. Verein der Berliner Buchdrucker und Schrisrgi eher. R. A l b r c ch t. ! di« Stttzliedervssainmlunz«r d«ms«rdev Tag«|B dertetb«« vb Äder« �Achtung, ginmurcr! Mar««», MiHwccki, witi-g 1 Ilde im Gemt&iMfi*-' hau» kGoal 4): Arbaitslos-nversammwng der Berbandstameraden Grug'Berlul». Mitaliedsduch tegittmiert. Der Bvrstaud. _»»_* Grosi-Verliner parteinacbrichtea. T. Ätei»< Eharlatteuiurgl. Morgen. Mittwoch, lg. Kwuufccr, 714 IDir: Kr�s- suuktioniirlontecenz im SchUIer.Zieolgqmnosmm. Lch-.llerUr. A.— Site a««tcn ,ic die Fiiertag-norstcllunzcn Nnd sofort beim Senoffen D-U. Zlordhaufencr Str. 10, ob/ncholen. heute. Dienstag, den lS. Dezember: Sattgtoialiste»: Gruppe SKdeu. Frkdrichshaw und Trepww: S Uhr Zun- stische Sprechstunde, Lindenstr. 3, spricht Genosse Pfarrer Franke Wer„Die versunkene Glocke" von Gerhart Hauptinann.— Gruppe Tempeshof-Marlen.- dorf: TVj Uhr im Jugendheim, Ln�eum. Germaniaftr. 4.e. Vortrag de-s Genossen Kirch Wer„Hebbel, oec Mann, und seine Werke.— Gruppe Weißensee: 7� Uhr in der Weltlichen Schule. Vorthstr. 23, Zimmer Aussprache Über„Erfahrungen und Erlebnisse". Morgen. Mittwoch, den 13. Dezember: I. Abt. k»»stw>rt»gehils«»l.?!-chmitt-g» 4 tifl Dietrich, sinicnftr. Iii. Mitgliedcroersowmlung. Xh-rnc;„Die Politik der Partel. Reseren.. Denosse Lüden, ann(M. d. L.).. :«!. Abt. Die Wcilintch:el>cschg Uhr: bei Bus». Werder- Ecke gancr.Wilhrlm. Strafte. Thema:„Wohlsahrtspflege". Referentin: Genossin W-chenhcim. Achtung.' �rciqcwerkschaftliche Betriebsräte! �, Gewerkschaftsfunktionäre! Wir machen, er.neut darauf aukmerkiam. daß. nach der. Verord- vung vom. RZ. Oktober. 1923(Reichsgeietzbloit Ar. 111. S. 1043) die neuen Arbeitsgerichte am 1. Januar I9Z4 in Kraft treten. Wir verweisen aus unsere Veröffentlichung in Ar. 526 des ..BorwärlS'' vom 9. Aöbember. 1923 lAbepbauSgabej.'' Nach dieser Verordnung ist besonders ,u beachten, daß die Ver- mhren nach Artikel!(Gesamt- und Tarifstreitigkeiten) automatisch in dem Zustand, in dem fie sich befinden, an die Schlichter und SchlichtungSauSschüffe übergehen, während die Verfahren nach Artikel II, Ein i elftreit ig ke iten, das sind Streitigkeiten ans Grund der ßZ 39 Absatz 2. 41, 43. 44 Absatz 1 und 4. Satz 2. ."2 Absatz 1. 53. 56 Abs. 2. 60, 80 AH. 2, 82-90, 93. 97 und 98 des Betriebsrätegetetzes, Z 8. 18 und 19 der Landarbeitsordnung vom 24. Januar 1919 und Z 99 des Reichsversorgungsgesetzes vom 30. Juni 1923, die noch nicht abgeicklossen sind, innerhalb 14 Tagen als neues Verfahren bei den Arbeits» g«richten a n b ängig zu machen sind. Mit dem 1. Januar 1924 treten folgende Bestimmungen außer Kraft: Die KZ 15—30 der Tarifverordnung vom 23. Dezember 19l8 Z 62 74, 82 Abs. 2 Nr. S des GewerbeaerichtSgesetze« vom 29. 9. 1901 und§ 17 deS KaufinannSzerichiSgcsetzeS vom 6. Juli 1904, die ZZ 22-28 der Verordnung vom 12. 2. 20, die Ziffer 2 d«S§ 104 BRG. Die auf Grund des Z 3ls Nr. 2 der Gewerbeordnung errichteten SinigungSämler vo» Junungen fJ n n u n g S f ch i- d S g e r i ch t e) werden aufgehoben. � Wir bitten die Funktionäre, unbedingt den vierzehntägigen Termin inn« zu halte»:, um die Arbeitnehmerschaft vor Schaden zu bewahren. Die G e w e.r k s ch a f t S p r e s s e wird um Abdruck gebeten. Ares gewerkschaftliche B e t r i e b S r ä t e, en t r a le für den WrrtfchaftSbezirk Groß-Berlin. I. B. HildeSheim. Verteidiger der Disziplinlosigkeit. von Mitgliedern des Deuffchcn Verkehrsbundes wird uns ge- schrieben: „Ein Vertreter der„Allgemeinen Deuffchen Postgewerkschaft" las nach seinen eigenen Angaben vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz„im Namen seiner Organisation" den G.nossen Wilhelm Hoffmann(Schmargendorf) gebeten, ohne Rücksicht auf Frattionsbeschlüsse gegen das Gesetz zu stimmen. Derselbe Vertreter der ADP.-hat als Detegierter auf der Bezirksbeamtentagung der VSPD. im Namen ferner Organisation dieses disziplinlos« Verhalt«» verteidigt und durch einen Antrag die Sanktion des Beamtentages eingeholt. In der am letzten Sonntag vom Allgemeinen Deuffchen Beamtenbund einberufenen Protestnersammlung im Lehrervereinshaus fanden es wiederum Vorstandsmitglied«? der Allg«. meinen Deutschen Postgewertschaft für angebracht, durch ein« Entschließuna dem Genossen Wilhelm Hoffmann das Vertrauen dafür auszusprechen, daß er als„einziger Beartitenvertreter" den Ru t fand, die Disziplin zu brechen und gegen das Gesetz zu stimmen. Dieses Borgehen von Vorstandsmitgliedern einer gewerkschaftlichen Organffation, die dem ADV. ange- schloffen ist, muß schließlich Wirtungen auslösen, dl« nicht im In- ieresse der freiheitlichen Beamtenbewegung siegen. Freiheit bedeutet nicht Disziplinlosigkeit, und«in« Organisation, die sich in ihrer Mehrheit zum Berteidiger ein» solchen undiszipli- nierten verhallen»«uifwirst, verneint damit Ihr« eigen« Da- setnsberechtigung. Organisation bedeutet Zusammenschluß Gleichgesinnter, die sich freiwillig einordnen und di« auch nach den von der Mehrheit der Organisierten festgelegten Gesetzen bereit sind, sich unterzuordnen Wer das nicht kann oder will, muß als„Eingänger" fein« eigenen Wege wandein. Selbstver- sländlich haben Minderheiten das Recht, ihre Auffassungen zu ver- teidigen. wie es sich unter Gesinnungsgenossen geziemt, damit sie, wenn ihre Meinungen durchdringen, Mehrheiten werden können. Weser Meinungskamps muß sich aber innerhalb der Organi- sationen vollzichen. Dem Gegner gegenüber muß stet» die g e- schlofsene Front stehen. Wer im offenen Kampf zum Gegner übergeht, und ihm seine Unterstützmrg leiht, begebt Verrat an seinen bisherigen Gesinnungsgenossen und scheidet dadurch aus'dieser Kampfgemeinschaft aus. Wenn das Verhakten des Genossen Hoff- man Schule macht und wenn weiter Vertreter von g e w« r k- fchastlich:«» Organisationen dieses Verhalten verteidigen. so wird eine Entwicklung gefördert, die zur. Anarchie und damit zur Auflösung jeder Lrganffation führ«? muß. Das muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Jeder, der es ehrlich mit der beut- schen Beamienbewegung meint, hat Ursach«, derartige Strömungen schon im Keim zu unterbinden, damit die freiheitliche Veomtenbewe- gung vor großem Schaden bewahrt bleibt." Klärung in der rumänische« Gewerkschaftsbewegung. In Rumänien ist es auf dem Klausenburger Gewerkschaftskongreß im September durch die Gegensätze mit den Ko'mmu- nisten zu em«r Spaltung gekommen. Die Eisen- und Metall- arbeiter, Berg- und Hochofenorbeiter, Hafenarbeiter, graphischen Ar- bester, Bauarbeiter und Buchbinder haben sich der Amsteramer, die Holzarbeiter, Lederarbeiter. Äbkleidungsarbeiter und Beamten der Moskauer Richtung angeschlossen. Di« Lebensmittelarbeiter werden sich wahrscheinlich auch nach Moskau orientieren. Verschiedene Lokal- gruppen sind aus den Moskauer Zentralverbänden ausgetreten und haben sich der mit Amsterdam in Verbindung stehenden Landes- zentrale angeschlossen._____ ver Bundesvorstand de» AvSv. bezieht am Donnerstag sein neuerbauteS BureauhouS. Insel st raße 6.— DaS Korrespondenz« blatt de» Bunde» Erscheint von Reujahr ob in neuer Form als GewerkfchaftS-Zeitung einmal wöSentlich. Die bisherige BetriebSräte-Zeitung wird mit dem neuen Blatt verbunden. Di« Geschäfte de» bisherigen LentralarbeiteriekretariatS übernimmt die Rechtsakte ilung des BundeSbureauS. Rtchsigstellung. In unserem Bericht über die Versammlung des Gemeinde, und Staatsarbeiterverbandes heißt es u. a.:„Selbst der Oberbürgermeister erklärte den Schiedsspruch als«in« unmögliche Regelung." Diese Aeußerung beruht, wie Genosse Polenste richtig- stellt, auf einen Hörfehler des Berichterstatters. Der Oberbürgcr- meister hat n i ch t. den Schiedsspruch, sondern dievomReichvor- genommen« Gehalts- und Lohnregelung als immög- lich erklärt. Die landwirtschasMche Krankenversicherung bildete den Gegen- stand von Verhandlungen am 10. Dezember im Reichsarbeitsministe- riirni mit den beteiligten Spitzenoerbänden. Zur Erleichterung und Vereinfachung der Schwierigkeven in der landwirffchaftlicheu Krankenversicherung wurden bestimmte Vorschläge gemacht, die das Reichsarbestsministerium zurzeit aufmerksam prüft. Bei der Aus- spräche wurden di« Bestrebungen einzelner Landwirte. Gutsbesitzer, Domänenpächter usw, den Beitraos streik durchzuführen«md wild« Betriebskrankenkassen zu errichten, allgemein abge- lehnt. Das lleberfchichlabtommen im Bergbau ist setzt auch in N i e d e r- s ch l e s i« n anerkannt. Zwei Dertreterversommlungen der im Deuffchen Bergarbeiterverband organisierten Bergleute in Walden- bürg und Neurod« billigten dos Abkommen mit 29 gegen 3 bzw. mit 59 gegen 2 Stimmen. . Erfolgreicher Angestelltenstreik. Der Streik der Angestellten des Handel« und der gemisckitgewerblichen Industrie in Görlitz ist nach eintägiger Dauer beendet worden. Die wesentlichsten Fordernngen der Angestellten wurden erküllt. Deutschen Outmelslttaeitaafc. Sämtliche Betriebsneit-aneneleul« srnni« Funktionär» der Fache ruvv« Metallindustrie müssen beut« abend 7 Uhr Zur Bersammluna im Hotel„Nordischer Hof-', Znvalidenstr. 120, erscheinen. Taseoardnung: Netalltarif. VSPD.-Dreher! Heute abend 7 Uhr bei Hummel. Sonhienstr. l>: g u- sainmenkunft. Parteibuch und Gewerkschaftsbuch legitimieren. Der Derbeausfchuft. «fll.FunMsuare sMetalinbuftriesl Bensommlun« heut« abend 714 Uhr in den..M»ftkersäle-i", Naiser-Wilhelm Str. Ol, Stellungnahme zum Schieds- sprnch des Neichsaebeitsminisseriums. Deutsch«» Kolzarbeiteroerban» sZknMiuftrumeuteuarbeiter). Morgen. Mittwoch, nachmittag Z Uh?: Funktionäuersammlung im..Reichenberaer Hos". Bericht von den Sohnvrrhemdlnngen.— Für die»»«umatssche Brxnch» flndei Sterbetafel üer Groß-Serliner Partei-Grganisation 1».»bt. Am Sonnabend verstarb unser alter Parteigenoss« Willi M'ier, Badsir. 19. Beerdigung: Mittwoch, nachmittag Z Uhr, von der neuen Halle des 3lldi>ch«n Friedhofs in Weiftense« aus.„_•,.. ZV. Ubt� Unser Genosse Hepewnn Liebia ist«m Dezember gestorben. Einasckrrun�: l>eute, Dienstag, nachmittag Uhr. im Krematorium B-aum- fchulenmeg._ ?uaenüveranftaltunaen. Achtung, Abteilunaslaft lerer! Die Beitragsmarke» für di«?. Halste des Monats Deoember müssen morgen, Mittweuch. unbedingt abgeholt werden. Den Preis beträgt fiir Mitglieder bis 15 F-bren 50, 15— i 7 Hehren 100 und über 17 Jahren 150 Milliarden Mar!. Arbeitslose Genossen Wer 17 Jahr« z-bsen den«rmähigten Beitrag von 100 Milliarden Mar!. Ebenso muft die..Internationale" für Desember»um Preise von 15 G.-Pf. und di«„Arbeiter-Jugend zum Preise von 10 G.-Pf. abgeholt werden. Heule. Dienskag. den IS. Dezember, abends 714 Uhr: Bmktholz: Lakai von Rossack- Sauvtftr. 81. Vortrag:„Berliner Knmor".-- Martendorf: Dorfftraß«. Alt« Echule. Vortrag:„Literatur.— Moabit Ii: Gomeindefchn'll' am Stephan splatzi. Diskussion:„Untergang d« Abendlandes". - Renkölln M: Inaendheim. Rogatstr. A. Dartrag:„Die deutsche Iu�endJ>«?v an na".— Riederschöuuoeide: Schule. Berliner Str. 31. Vortrag:„D:e Ahnen> reihe des Menschen".— Nordost I: Schul".. EbriWuraer 7. Bortsaa:-„Unsere Stellung zur Republik".— Nordost 17: Gcku?«, Danziger Str. 2.?. Diekumon: ..Pazifismus und Klassenkampf". Prenzlauer Vorstadt: Badeanstalt, Oder- berger Str. 87. Glasbrenner-Dbend.— Romenthal: ZoM von Friey. Linden- allee. Diskussion:.allere ALbait".- Spandau: Iugendde.im._ R-uend�ri"? Straße 1�. Vortrag:„Einführung in den Gozrolismns".--- Gtrolih U Iuqend- heim. Arbrechtftr. 15. Vortrag:„Reckte und Mickten der DditgUcder"..— Südost(Görlitz» BierteN: 3. PNicktfortbildungsscku'le. Wsangelstr.*5. Zimmer 15. Vertrag:„Die Sternenwelt".- Südwesten: Jugendheim. Linenstr. 3. Vortrag:..Die politische Lage". � Wannsee: Gemeinde schule» Eharlottenitr'ße. Aelchensaall Bortr-g:..Mas trennt uns oon twr R. J.?"— SBeilen; Zug«»- beim. Bauaewerkichule, Kurfürstenstr. 146. Diskusston:„Politische und wir.- schaftliche Fragen".____________ Arbeitersport. strbeitersegler! Von vielen Arbertersportlern wird der Segelsport meist noch als„feudal" angeschen. Sie lassen sich täuschen und glauben, ein stolz dahingleitendes Segelboot kann nie Eigentum eines Prolc- tariers, oder der Segler, der es steuert, kann nie ein Gesinnung?- genösse sei». D«r Berliner W e 1 1 s e g el- V« r b o nd. gegr. 1901, vereinigt neun Berliner Arbeiterstglervereine unter seinem Stander fein roter Ball im weißen Felde), deren ältester der 1891 gegründete Segelklub Fraternitas ist, der allein schon zirka 160 Mii- glieder mit über 80 Segelbooten vereint. Er Hot sich zur Auseabe gemacht, all« di« Segler, die auf dem Boden der modernen Ar- beiterbewegung stehen, aufzurufen, und in einer üb:r ganz Deutsch- land reichenden Organisation zusammenzuschließen, um durch Aus- tausch und Verwertung von Ersahrungen, Agitation für den Ar- beiterseglersport usw. den in seiner Art von den anderen Sport- arten so grundverschiedenen Arbeitersegelsport zu heben und zu kräftigen sowie als spezielle Seglerorganisation den Kontakt nur der Zentrale der Arbeitersportbewegung herzustellen. Das wäre fürs erste der Zweck des Zusammenschlusses der freien Segler, nicht zuletzt die Loslgsung der Arbeitersportler von den bürgerlich:» Vereinen. All« freigesinnten Segler werden dringend ersucht, ihre Adresse an die Geschäftsstelle des Berliner Wetffegel-Verbandes E. Po- scharsky, Neukölln, Treptower Str. 1211, gelangen zu lassen. Av»I e g f r i eb 1 809" in Bantam-, Feder-, Leicht- nnd M>tte.I«ewicht statt. Di« namhaftesten Ninger beider Bereine, u. a. die beiden Internatio- nalen W. Paul(„Siegfried 1808") und der Sieger der Finnlandkämpse, Ernst Werth(„Lurich 1902"), nehmen an den stämvfen teil. Der Städtekampf selbst findet Mitte ffebruar im„Saalbau Friedrichshain" statt. Stadtelampf Lkipzig-Berlin. Der«rafilportverein„Adler"(Leivzig) tritt am Dienswg. 25. Dezember, nachmittag 5 Ilbr mit seiner bewiiheten Mannschaft gegen Sportklub„Lurich 1882" im Ringen an. Di« Kämps« umfassen alle Gewichtsklassen und finden Am Treptower Park 27 statt. Frei- Turnerschalt Groft. Berlin. Heule. Dienstags 7 Uhr Sitzung des En- geren Zechnischen Ausschusses bei Hohl, 0. 112, Weichselstr. 19.— Morgen, Mittwoch. 1 Uhr Turnratssttzung: Niederwallstrafte. Arbriter-Wanderbund„Naturfreunde"(Berlin-Noedeu). Der am Donnere- tag. 13. Dezember, ausgefallene Lichtbildervortrag findet nunmehr am Donners. tag, 17. Januar, in der Schinkel-Realfchule, Earmen-Sylva�te. zsfss(Ecke Dunckerstrafte) statt. Dir gelbsten Einlaftiaeten bleiben gültig. Sport. Die Meisseffchaflsradrennen In.Wien-Berlin" können nach wie vor einen guten Briuch verzeichnen. Ais am Sonnlag Arend, Schwab und S 1 e I l b r i n i zum 3-KiIometer-Rennen antraten, war kein Platz mehr zu haben. Der alte Wellmeister' bewies burch einen erneuten Sieg, bah er der jungen Klaffe immer noch ebenbürtig ist. Man darf deshalb gffdann! sein, wie Arend beim„Großen WeihnachtZpreiZ" obschneiden wird. Ein guter Platz ist ihm zu gönnen, besser noch der vollendete Sieg. Schwab hat sich jetzt schon gut eingefahren uno tonnte die beiden ersten Läufe ge« wwnen. Im Gesamtllaffement nabm er die letzte Stelle ein. Ruch Peter Hai sich sedr Verbeffert und konnte in einem S-Kilometer»Raffahren Wittig aus den zweiten Platz verweisen. Lewanow, der knapp Sieger wurde, war allerdings nicht zuschlagen. Habn, der im, Gräften WeibnachtSpreiS" noch weit zurückliegt, konnte zum erstenmal einen Lauf gewinnen und dabei loaar S a l d a w schlagen. Dritter wurde Göll«, der dieser Extra- klaffe doch nichi ganz gewachsen zu sein scheint. Ein P> ämlensahren holte sich S a l d o w. der Lewanow und Habn hinter fich lieft verantwortlich für Politik:«ruft Reute»! Wirtschaft:«rtur Saterun»! Geweeklchattsbeweguna: 3. Steinet; Feuilleton: Dr. John Schi«,»,«: Lokal», und Sonslige«: Fritz«arstädt: Anzriorn: Th.«loch»: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärt,- Verlag G.m.b.H. Berlin. Druck: Borwärts-BuchdruckerÄ und Berlagsonftalt Paul Singer u. Eo. Berlin SW.«8. Lindenstrafte 3. Hier,» 1 Beilage. C• f* Z I■ 1 fc■ Seilage des vorwärts dieustag, IS. Dezember I92Z Wir richten an den Herrn Reichspostminister die Anfrage, ob er] dereit ist, dafiir zzu sorgen, datz die Papierrnark auch im Post- j �ahlungSverlehr als gesetzliches Zahlungsmittel aneriaimt wird,! das sie ja doch wohl noch fein soll. --- I Vertagung im MorSprozeß Loewinsohn. Untersuchung des Angeklagten auf seinen Geisteszustand.! gm weiteren Berlauf seiner Vernehmung schilderte der An- geklagte die Borgänge des Mordlages wie folgt:„Herr Förster(der Besitzer des Kohlenplatzss) war Ansang des Monats verreist. Seit- dem konnte ich Frau Förster nichts recht machen, sie kontrollierte mich auf Schritt und Tritt. Am Ist. Juli hatte ich 12!� Kilo Eisen verkauft, aber dem Kunden, den ich kannte, nur 12 Kilo berechnet. Ich änderte die Ziffer auf dem Zettel, es handelte sich um ststst M. Als Frau Förster das sah, schrie sie, ich wollte sie betrügen. Ich antwortete, das Geld sei doch in der Kasse. Sie zählte nach und es stimmt«. Nun kündigte sie mir. Ich hielt ihr vor, daß ich doch imaier ehrlich und fleißig gearbeitet hätte. Darauf wurde sie auch ruhiger. Am anderen Abend fragte ich Frau Förster, wie es mit der Entlassung sei und sie antwortete. sie wolle ihrem Mann schreiben. Darüber war ich furchtbar aufgeregt. Am nächsten Morgen war Frau Förster auf dem Platz. Ich sprach mit ihr geschäftlich, dachte, es wäre alles wieder gut und fragte, sie nochmals, wie es mit ni einer Entlassung stehe, worauf sie«rtlarte, daß> sie ihrem Mann geschrieben habe. Da merkte ich, wie«e mir heiß über den Rücken lies. Das Blut stieg mir zu Kopf>md ich sagt«: Frau Förster, ich habe für Sic eine kleine Ueberraschung. Sie dreht« sich darauf mn und ging in die Bude. Ich ging ihr nach und— Herr Präsident— ich weiß nicht, was mit mir geschah, er- griff«in Beil und schlug auf sie los."— Landgerichts- oirektor Dr, Steinhaus befragte den Angeklagten dann weiterhin eingehend über die Vorgänge bei dem U« der fall auf das Dienstmädchen Charlotte Dobrunz. Der Angeklagte «rktärte:„Ich habe nur den einen Gedanken gehabt: Wie bekommst du den Brief in die Hände? Deshalb ging ich in die Wohnung und sagt«, ich sollte die Schlüssel holen. Das Mädchen ging in das Schlafzimmer und ich folgt« ihr. Dabei grinste sie mich wieder höhnisch an. Da packte mich die Wut von neuem: ich packte sie am Halse und würgte sie." Hierauf wird der Zeuge Förster, der Ehe- mann der Ermordeten, aufgerufen. Zeuge:„Dieser Kerl da(auf den Angeklagten zeigend) verstand es, sich bei mir beliebt zu machen, so daß er mein Vertrauen gewann. Cr war ganz ge- schäftstüchtig. Aber ein reeller Geschäftsmann war er nicht. Er hatte ein« kolossal« lleberlegung und Ruhe und geriet niemals in Wut. Alles, was er hier vorbringt, ist Theater und Schallspielerei" Vorsitzender:„Ihre Fra» soll sehr häßlich zu ihm gewesen sein," Zeuge:„Im Gegenteil, sie war zu gut zu ihm." Vorsitzender:„Es stimmt dann also mich nicht, daß Ihr« Frau Ei« gegen ihn aus- geletzt hat?" Zeuge:„Im Gegenteil. Er hat auch in der Wohnung alle Behälter nach Geld durchsucht, weil er wußte, daß ich Geld im.Hause hatte, aber er hat die Stelle, wo das Geld lag, nicht gefunden," Vorsitzender:„Sie sind ein Maubensgenofse des An- geklagten?" Zeuge:„Ja,"— Geh, Med.-Rat Dr. Hosmann:„Ich glmide, daß die Voraussetzungen des§ 51 nicht gegeben sind, aber die Anklage lautet auf lleberlegung und diese kann de- «inträchtigt sein durch Krankheit. Es ist möglich, daß epileptische Anfälle mitsprechen und da» würde die Ueber- teglma beeintröchiigm. Deshalb stelle ich aus§ 81 den Antrag, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand in einer Irrenanstalt untersuchen zu lassen." Gerichtsarzt Dr. Hirsch hat den Ange- klagten zwar bei der Urttersuchung im Gefängnis für geistig zurechnungsfähig erklärt, schließt sich aber auch dem Antrage auf Untersuchung an. Oberstaatsanwalt Tetzlaff spricht sein Erstaunen au?, daß all. diese Dinge erst heute vorgebracht werden. Er als Laie habe den Eindruck, daß kein Grund vorliege, den Angeklagten nochmals zu untersuchen, nachdem Dr. Hirsch begutachtet habe, daß kein Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit bestehe. Auch Prof. Dr. Strauch erklärt schließlich noch, sich nach den vorgebrachten Mo- menten dem Antrage aus§ 81 anzuschließen. Das Gericht beschloß darauf, die Verhandlung zu oertagen und den Angeklagten zur D o rb e r eitu n geine» Gutachten« auf sechs Wochen einer öffsntllchen Irrenanstalt zu überweisen, damit festgestellt werde, ob Anhaltspunkte für das Vorhände nfein einer Epilepsie gegeben sind. ■tf Ein juristischer Mitarbeiter schreibt uns dazu: Wie bei dem vor «inigen Togen vertagten Prozeß gegen Weiß, der wegen Er- mordung der Pletttg angeklagt war, so entsteht auch in diesem Fall« die Frag«, ob ee wirklich nicht möglich war. die Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten noch im Stadium der Voruntersuchung durchzuführe». Das psychiatrische Tatsachenmaterial, das in beiden Fällen zur Vertaounz geführt hat, dätt« ohne weiteres den Sachverständigen zur Vor- sügung gestanden, wenn Im ersten Fall« überhaupt einer hinzu- e«zogen worden wäre, und im zweiten der Gerichtsarzl es verstanden hätte, von dem Angeklagten und von seinen Verwandten dag Nötige herauszuholen. Gerade sin gegebenen Augenblick, wo die Laieviusiiz aus„Sparlamkcitsrückstchten"(wer weiß, ob nur aus diesen Grün- den!) abgebaut werden soll, wäre es um so angebrachter, daß die Untersuchungsrichter den ihnen gestellten Ausgaben die oröß«: Srr.z- sali entgegenbringen. Der kostspielige Apparat von Richtern. Ge- schwovenen, Sachverständigen und Zeugen braucht« dann nicht zweimal im Gerichtssaal zu erscheinen: einmal um einer Vertagung bei- zuwohnen und das ander« Mal, um an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen. Daß in diesen beiden Fällen der Psychiater niibt schon früher zugezogen wurde, muß um so größer« Verwunderung b-roor- rufen, als sogar den Laien ohne iveiter«» klar sein mußte, daß- im Fall« der Ermordung der Plettig,. da» Mahnwitzig« der Tat mit seinen sexuellen Nebenumständen, die Krankhaftigkeit des Täters vermuten liehen, und daß im Falle der Ermordung der Frau Förster die Geringfüigigkeit des Motivs und die Versönlickikeit des Töters in so krassem Widerspruch zur Tat selbst standen, daß rir- lln«r- suchung de» Geisteszustandes erforderlich erschien Der Uebergang zur Schule. Der Reichstag hat in seiner letzten Sitzung beschlosieu, die Reichsregierung zu ersuchen, in den Ländern, in denen die Dur.h. führung der vierjährigen Grundschulen zu Ostern 1921 Schwierigkeiten bereiten würde, dafür Sorge zu tragen, daß b e- gabten und reifen Kindern ausnahmsweise noch drei Schuljahren schon der Eintritt in die unterste Klaffe der höheren Schul« ermöglicht wird, aber unter der Bedingung, daß ahne diese Schüler die Auftechterhaltimq der öffentlichen Schul« unmöglich wird, Unvernünftige, die der vierjährigen Grundschule mit Abneigung gegenüberstehen, haben in diesem Beschluß ein« ihnen aenshrne Umgehung de» Grundschulgesetzcs gesehen. Demgegenüber muß betont werden, daß diese Ausnahme nur für solch« Fälle vorgesehen ist, in denen Schulen nur eine unterste Klaffe haben und daher bei einer nicht genügenden Füllung dieser Klaffe für die folgenden Jahr« der Bestand der Schul« gefährde! wird Das kommt natürlich für Berlin, das durchschnittlich zwei und mehr Ansängertlasseu hat. überhaupt nicht m Frage, sondern nur vorübergehend für wittler« und kleinere Städte. Ferner wird ausdrücklich eine dreijährig« Schulzeit als Bedingung gemacht und damit all« Familien- Zirkel und privaten Schulen von dieser Vergünstigung aus- geschloffen. Schillbehövden und Schulverwaltu ngeu v, erden streng darauf zu achten haben, daß mit dieser Ausnahme kein Mißbrauch getrieben wird. Ter.zweite Landsberger Raubmörder verhaftet, Von ihrem Reffen und seinein Freunde ermordek und beraubt wurde am 19. v. M. eine Witwe Auguste Hohdorf in ihrer Wob- nung zu Landsberg a. d. W. Die jugendlichen Verbrecher, die von der alten Frau viel Gute« gehabt hatten, packten ihre Beute in zwei Koffer und fuhren nach Berlin, wo üe ihnen«her bald von Gaunern abgenommen wurde. Der Neffe der ErnilNditeü'-in 18jähnger Bäcker Walter Sibwandt und ein ebenso alter Bäcker Walter Steinbock fuhren mit dem Rest ihres Geldes nach Neu- brandenburg, trieben sich eine Zeitlang auf dem Lands umher und wanderten endlich von Oranienburg au» nach Berlin zurück. Steinbock kam hier auch an und wurde vor einigen Tagen bei einer Razzia im Asyl in der Frö b eist r a ß e» e ü- genommen. Tchwaudt blieb unterwegs fußkrank liegen, in der Absicht nack Vrrlin nachzukommen. Jetzt taucht« er in Potsdam als Bettler auf und wurde auf Grund der verbreiteten Beschreibung von einem Polizeibeamten erkannt und festgenommeni Eisenbahnsahrkarlen zur Weihnachtszeit. Anläßlich des bevor. stehenden Weihnacht«- und Neujahrsfestes gelten die vom Sonn- abend, den 22. d. M. mittags ab gelösten Sonntagsrückjahr- karten bis zum Mittwoch, den 26. d. M. und die vom Sonn- abend, den 29, d. M. mittags ab gelösten bi» zum 1. Januar 192S. 5lr. 5S� ♦ 40. Jahrgang % Straßenbahnschmerzen. Nie schweigen die Klagen über die Straßenbahn. Die Fahrgäste find unzufrieden und schimpfen. Sie haben natürlich immer recht. Di« Verwallnug kann ftoh sein, daß sie nicht alle Schmeicheleien hört, die ihr zugedacht sind. Aber einiges erfährt sie doch, Sie prüft gewiffenhaft, verbessert, soweit es sich ermöglichen läßt, den Berkehr und untersucht auch, wie sich die Beförderung der Fahrgäste abspielt. Mit einem Male findet sie auch an den Fahrgästen allerlei auszusetzen. Zweifellos Hai sie auch recht, denn— sie schimpft nicht, sondern wendet sich freundschaftlich mahnend an die Oeffentlichkeit und versucht, den guten Willen der Fahrgäste wachzurufen, indem sie einige Ursachen mancher Mißstimmung aufdeckt. Wenn der Fahrgast an der Haltestelle«inen Wagen kommen sieht, den er benutzen kann, sagt er sich: Da mußt du mit, und wenn der Wagen, auch besetzt ist,„einer kommt immer noch herauf". Daß aber hinterher in Sichtweite ein Zug mit dem gleichen Fahrtziele kommt, den er auch benutzen kann, beachtet er nicht. Alles stürzt auf den ersten kommenden Wagen, bis er z u m Bersten voll ist. Was ist die Folge davon? Der überfüllte Wrgen hält den oanzen V e r h« h r aus, weil an den Halte- stellen«irre lange Zeit verstreicht, bis die absteigenden und zu- steigenden Fahrgäste sich heraus und hevein gepreßt haben. Der nachfolgend« Zug ist dann gewöhnlich nur schwach besetzt. Weiter r.>'>! der Straßenbahn viel Geld verloren, weil der Schaffner nicht in der Lage ist, allen Fahrgästen einen Fahrschein zu verab- folgen, wobei allerdings auch nicht verschwiegen werden oarf, daß n-rschiedenen Fahrgästen das nicht weiter unangenehm ist. Wenn man glaubt, daß in den besetzten Wagen die Fahrgäste ihrer- leits dem Schaffner das Absertigungsacschäft erleichtern würden, dann ist man im Irrtum. In dem vollbesetzten Wagen finden sich zahlreich« Leute, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, möglichst großes Geld zu geben, um Kleingeld zu erhalten, oder solche, die es für zweckmäßig balten, sich gründlich vom Kleingeld zu befreien und ihr« Tasche dadurch zu erleichtern. Wenn also das Publikum nicht einsichtig ist und sich nicht bemüht, die Straßen- Kehn zu unterstützen, dadurch, daß die Fahrgäste ruhig einmal«inen besetzten Wagen vorüberfahren lassen und den nächsten abwarten, der in den meisten Fällen noch genügend Platz bietet, und weiter dem Schaffner durch Bereithalten von abgezähltem Fahrgeld sein in Zeiten starken Verkehrs schweres Arbeiten da- durch einigermaßen erleichtert, da nützen alle Anstrengungen der Straßenbahn nichts. Es wird dann immer wieder«intreten, daß in der Oeffentlichkeft über Ueberfüllung der Wagen geklagt wird, wenn auch noch so viel« Betriebsmittel auf die Straßen gebracht werden, durch die der normal sich abwickelnd« Verkehr glatt bewältigt werden kann, » Um den starken verkehr der Weihnachtszeit zu bewältigen, hat die Straßenbahn in den letzten Tagen erheblich« Beiriebsverstärkun- gen vorgenommen, zum Teil werden weiter« Verstärkungen in den nächsten Tagen folgen. Ein« Reibe von Linien, die bisher ohne An- bänger waren, sind nzit Beiwagen zu den.Hauvtverkehrszeiten versähen worden, und es wurden außer den bereits verkehrenden Einsetzzügen auf stark benutzten Linien weiter« Einsetzzüge eingelegt. Nur einig« wesentliche Aenderungen seien hier anrefthrt: Aus Ring 1 ist nackmittags der Zugabstand auf 6%' Minuten h'rabgefetzt worden, auf Ring Z wird er nachmittags auf 10 Mi- nuten verdichtet. Weiter ist die L i n i« 54 mit Anhängern verlehen worden. Ein« E i n s e tz l i n i e 57 ll wird ab Montag nachmittag» zwischen Ringbahnhos Schönhauser Allee und Anhalter Bahnhof ge- fahren. Di« Linie 69 wird vom 15. ab bis zum Leipziger Platz verlängert. Die Linie 9t fährt während der.Hauptverkehrs- stunden mit Beiwagen, Auf der Linie 99 besteht«in Vier- M i n ii t e n- V« r k« h r, sämtliche Einsetzzüge werden bis Behren- stroße durchgeführt, ebenso ist auf den Linien 47, 74 und 76 der Ab- stand bis-ous 5 Minuten verdichtet. «inc �rage an den Herr« Reichspostminister. Der Postgeldverkebr ist jetzt wertbeständig gestattet worden. Neben der Rentenmark ist auch die Popiermark noch gesetzliche? Zahlungsmittel. Die Pott weigert sich jedock, Popiermark auf Postscheckkonto und auf Postanweiiung in Zahlung zu nehmen. Sie zwingt ihre Kunden, langwierige Wege zu machen, um ihre Popiermark in Rentenmark umzuweckseln. Wäre es nicht einfacher. wenn die Post die Popiermark nach dem Tageskurs nmrecknete und dann ihrerseits diese Summen bei der Rentenbank Weckselte? Copyright Qeorg MBlIet, JHnehe«. 6„ Die Lofolfischer. Roman von Zohan Vojer. Eine Stimme in ihm sagte mitten in seiner eifrigen Ar- l eit:„Was nützte es einem Menschen, so er die ganze Welt gewönne?" Ja, ja, das stimmte schon. Und er gelobte sich, wenn es mit Elezeus bis morgen nicht besser werde, mit ihm nach Kabelvaag zu fahren. Heute waren die Boote ruhiger geworden. Der Dampfer des Kommandanten lag immer noch da, und mehrere Auf- s-chtsschiffe waren im Fjord verankert. Es herrschte wieder Recht und Gesetz auf See, und das gab Ruhe. An diesem Tage wollte der Kommandant versuchen, aus der Tiefe einiges von all den Gerätschaften zu retten, die die Fischer verloren hatten. Er stand selber auf der Kommandobrücke des Dampfers. als der Anker in die Tiefe sank. Die Kette war lang, sie rasselte, schließlich ging er auf Grund. Der Dampfer ließ die Schraube arbeiten, so daß der Anker am Grunde entlang- gleiten und Schnüre und Netze ausfangen konnte. Rings um den Dampfer wimmelte es von Booten, und Tausende von Fischern starrten gespannt hinüber, wie dies wohl gehen werde. Vermochte der große Kommandant etwas von all den Gerätschaften zu retten, die sie verloren hatten, so war er ein noch tüchtigerer Mann, als sie geahnt hatten, Und nun wurde die Winde in Bewegung gesetzt, um tffe Kette wieder hochzuziehen. Sie schien schwer zu sein, denn die Winde kreischte. Es mußte mehr Dampf gegeben werden, sonst drohte sie stillzustehen. Der Dampfer neigte sich. Die Ankerwinde log ja ganz vorn aus dem Borderdeck, und nun begann er auch gleichsam die Nase ins Wasser zu stecken. Es schien«in gehöriges Gewicht zu haben. Die Kette kreischte und jammerte. Die Winde stöhnte. Der Dampf fauchte. Die Winde drehte sich langsamer und immer langsamer, das Schiff sank immer mehr nach vorn,— ja, es wurde schwer hinab- gezogen, aber nun— nun kam etwas Neues hinzu, eine neue Last, denn jetzt stand die Winde still. Der Dampfer blieb so liegen, den Vordersteven tief hinuntergeneigt. Mehr Dampf. Der Kommandant stand ruhig mit, zusammengekniffenem Ge- ficht da. Die Monnschasten flogen hin und her und rieten dies uftd jenes. Jetzt dreht die Winde sich wieder. Und alle ringsumher sehen zu, merken, daß etwas Schweres sich aus der Tiefe emporhebt,— es ist, als schwelle der Fjord utp sie her. Blalen steigen zur Oberfläche empor. Es ist, als mttsie jeden Augenblick«in Walfisch auftauchen. Aber wieder droht die Winde stillzustehen. Sie zieht und zieht, aber im nächsten Augenblick kann sie nicht mehr., Glti, mehr Dampf! Und end- lich bewegt sie sich wieder, aber langsam, überlastet, jeden Augenblick kann sie nachgeben oder zerbrechen. Neu« Blasen. Jetzt hebt die See sich. Was wird jetzt kommen? Es muß etwas Lebendiges sein. Da— da ist der Ankerring. Und unten im Wasier sehen sie die Haken und die hallen den Gipfel eines kleinen Berges, der lebendig ist; es sind allerhand Geräte mit Fischen daran. Es wird höher und immer höher hinausgezogen. Jetzt sieht man einen riesengroßen Klumpen von Schnüren und Netzen, die ineinander verstrickt sind und sich überallhin verzweigen. Und Fisch«. Fische, lebende und tote, eine Unmenge, eine Last von Fischen. Hundert, viele Hundert Kabeljaue, und innen im Klumpen blinkt es, und das sind Heringe. Und was ist das für ein großer, hellgrauer Körper, der so zaopelt? Das ist ein Delphin, der sich in den Netzen ver- wickell hat. Er macht wilde Sätze, um sich loszureißen. Die Winde dreht sich gerade noch so viel, daß man die Bewegung sieht. Aller Augen auf den Booten sind weit aufgerissen, als seien sie Zeugen, wie das Meer etwas von feinen Geheimnisien wieder herausgibt. Da reißt die Kette. Der Dampfer bebt sich wie mit einem Seufzer der Befreiung, und alle Gerätschaften und alle Fische sinken mit einem Glucksen wieder in die See hinunter und ver- schwinden in der Tiefe. Zurück bleiben eine Menge Kreise und Blasen an der Oberfläche. Der Kommandant steht ruhig da, mst noch verkniffenerem Gesicht. Er nimmt das Sprachrohr an den Mund und feine Stimme klingt über die Boote hin.„Verliert den Mut nicht! Das nächste Mal nehmen wir eine stärkere Kette und einen größeren Dampfer!" Die Fischer starrten noch immer hinüber, als könnten sie das. was sie mit angesehen hatten, nicht recht glauben. Es war übrigens klar, daß es so hotte gchen müsien. Ein Komm iitdant ist ichließlich auch nur ein Mensch. 25. Ale, Kristavcr am Abend die Fisch« an das Handelsfahr- zeug abgeliefert hotte irogte er den Schiffer, ob er gegen hohe Bezahlung einen Kranken mitnehmen wolle nach dem Krankenhaus m Kabelvaag. Aber der Schiffer mußte zurück nach Aalesund, lind ob Kristaoer denn glaube, jetzt sei Zeit, Kranke zu transportieren? Nein, nein. Er legte bei mehreren Handelsfahrzeugen an, aber Hohngelächter beonftvortete feine Frage. Einen Kran- kcn! Sie waren bald alle krank, so wie sie Tag und Nacht darbten und arbeiteten, und übrigens hatte wohl in solchen Zeiten jeder mit sich selbst genug zu tun.„Ihr müßt schon für euren Kranken selber sorgen, Freundchen!" Es war stilles Frvstwetter an diesem Abend, als sie in der Plankenhütie saßen und aßen. Draußen auf dem Felsen hotten sie frische Fische gekocht, denn jetzt hatten sie ja Holz bekommen. Und an beiden Ufern flammten die Feuer der Mannschaften, die endlich gekochtes Esten bekamen. Ein Lichtstumpf brannte in einem Flaschenhals, und die Männer wurden schließlich satt, wagten aber fast kein Wort zu sprechen. Sie begriffen, daß Elezeus Lungenentzündung habe, und jetzt stand es so schlecht mit ihm, daß sie sich vor der Nacht fürchteten. Er mar ihr Nachbar daheim in ihren armen Berhältnissen, und hier war er ihr Kamerad. Lars sammelte nach der Mahlzeit lautlos die Tasten zu- sammen. Die Männer blieben auf Bänken oder Kisten sitzen. Kristover hatte gesagt, wenn es morgen früh nicht anders stehe, so müßten sie auftakeln und mit Elezeus nach Kabelvaag fahren. Die anderen sagten nichts. Sie waren gesättigt von dem warmen Fisch, die Augen wollten ihnen zufallen, sie hätten sich gern hingelegt und ausgeruht, geschlafen, aber ein paar Schritte von ihnen lag der Kamerad, in Felldecken emgc- wickell, und sprach im Fieber. Dos rüttelte sie immer wieder wach, so daß ihre Augen weit offenstanden. Elezeus scholl auf die Frau, und dann wieder lachte und scherzte er mit ihr. Einen Augenblick war er böse, im nächsten aber ganz unver- gleichlich gut und milde. Unter der Felldecke sahen seine Waflerstiefel hervor. Sie waren vermutlich steifgefroren, vielleicht waren die Füße naß, aber es' würde den fieberkranken Mann docki zu sehr beun- ruhigen, woMe man ihm die schweren Stiefel ausziehen. Die kleine Tür wurde geöffnet, weißer Frostncbel drang herein. Per Suzansa trat in voller Seeausrüstung, in Süd- wester und großen Fausthandschuhen ein. Um Hals und Nacken hatte er noch immer den Verband, den der Doktor angelegt hatte, und darüber war ein breiter, roter Wollschal niehrmals herumgewickelt. _..________(Fortsetzung folgt.) Eine Stätte öer Erwerbsloses. Dis Gefchäflsstolle der Erwerbslosenfür'forge des Bezirks Prenzlauer Berg war seit vier Jahren in einer Schule in der Kastanienallee untergebracht. Die Kinder dieser Schute u.aren gezwungen, Unterricht in benachbarten Schulen in fliegenden nlcsfcn zu nehmen. Dem Bezirksamt ist es nun gelungen, in einem bisher leerstehenden Gebäude der Stadt Berlin in der B st a d e r° st r a ß e Z/-t diese Geschäftsstelle und gleichzeitig den Arbeits- Nachweis für u n g e'l« r'n t e A r b e i t c r, jdsr bis dahin in der Germannstraß« war, unterzubringeij. Am Sonnabend fand die Ii begäbe der neugeschaffenen Räume statt. Der stellvertretende .'iiirgermeister, Genosse Bauer, schiiderte den in großer Zahl Er- I h enenen die Berhällnisse im Bezirk bezüglich der Erwerbslosen. Der Bezirk, der nur zu zwei Dritteln bebaut ist, steht infolge der großen Zahl der im Asyl wohnenden Personen mit seiner Erwerbs- iosenzisser mit an der Spitze von Groß-Berlin. Für den Magistrat t>:g.uckwünschte Stadtrat Genosse Brühl den Bezirk zu dieser neuen Einrichtung. Eine Besichtigung der Räume ergab, daß mit geringen Mitteln eine technisch vorbildliche Einrichtung geschaffen worden ist. Durch ein von Erwerbslosen gestelltes Sängerquartett wurde die ~. cilichkeit eingeleitet und geschlossen. Naufhändel mit Jung-Bismarck-Biindlern. ES scheint, al« ob eS die Jung-BiSmarck-Biindler verstehen, si>h unbeliebt zu mache», denn immer wieder hört man sie in Ver- vindung mit Streit und Händeln nennen. Zu einer derart wüsten Holzerei, bei der auf beiden Seiten zwar sehr viel, ober offenbar auch reichlich vorhandenes Blut stoß, kam eS in der Nacht zum Montag in der Sophienstraße. Hier halten in einem Lokal junge BiSniarck-Pündler eine Feier. Gegen Mitternacht drangen plötzlich viele junge Burschen ein, um sie zu stören. Auf der Straße ent« ivickelte sich dann eine große Schlägerei, bei der viel Blut floß. Mir Schlagringen und anderen Werkzeugen hieb man auf- einander ein, und zwei Beamte der Schutzpolizei, die dazu kamen, mutzten nett Gummiknüppeln und Seitengewehren dazwischen kahren, um der Lage Herr zu werden. Viele Teil- flehmer erlitten blutige Verletzungen, entzogen sich aber der Fest- nähme oder Feststellung. Zwei Manu wurde» so übel zugerichtet, daß sie nicht mebr entfliehen konnten. Die Beamten brachten sie nach der Rettungsstelle. Verlegung van ZsiumzSmkern. Es sind verlegt worden: 1. Finanzamt Gesundbrunnen(XVI) von Jüdenstr. 58/60 nach Friedrrch- straße 129(Parkgebäude). 2. Finanzamt Luifenstadt(VI) und Flnanzkasse von Kaiser-Fronz-Grenodier-Plotz 11/12 nach Aerl Hedemamistr. 12. Charlottenstr. 18. Z. Finanzkasse Ost von Alexanderstr. 16/18 nach RlctXpi-vI»« In Berlin Im dtabningsmiUelKroCbandel and im Verkehr mit dem Einzelhandel In OrigloalpackunK vom 17. Dezember offiziell festgestellt durch den Landesverband Bvrlin und Brandenburg des Reichsverbandes des. Deutschen NahrungsmllteigroShandeis E V. Berlin. Die Preise verstehen sich in Gold-M. für 50 kg in Originalpackung ab Lager Berlin. Gerstengraupen, los« Gerstengrütze, lose. Haferflocken, lose.. Hafererfllze. lose... Maisgrieß........ Maiscuder, lose 22,50- 23.00 22,50— 23,00 22.85— 23 30 23.05- 23.30 20.65- 20,95 24,50- 29,75 Roegenmehl 0/1...... 16,50— 16,80 Weizengrieß........ 22,00— 22,50 Hanarieß......... 24,25— 24.10 7r.% Weizenmehl..... 17,00— 19,00 Weizen- Auszugmehl... 21,50— 22,15 Speiseetbsen, Viktoria. 58,05— 40,20 Speiseerbsen. Kleine... 31, TO— 32.85 Bohnen, weiße, Perl... 29,45— ZI,>5 Langbohnen, handvertes. 34 45— 35,13 Linsen, kleine....... 27,75— 33,95 Linsen, mittel....... 34,65— 44,40 Linsen, große....... 4455— 51,70 Kartoffelmehl....... 24,00— Makkaroni. lose...... 42,20— Schnittnudem. lose.... 32.50— Burma II unglasiert... 23,52— Slam Patna I glasiert.. 29,50— Grober Bruchreis..... 19,15— Reisgrieß u.-mehl, lose 14,25— Rlnsäpfel, amerik. extra choice........... 99,7«- Getr Aprikosen, cal.fancy 157,00— Qetr. Birnen, ca. fancy. 90,10— Getr. Pfirsiche, cal. extra choice........... 88,52— Getr. Pflaumen....... 54,45— Korinthen in Kist. choice 89,30— Rosinen in Kisten.... 70.65— Sultaninen In Kis'en.. 106,00— Mandeln, bittere Barl.. 99,50— Mandeln; süße Avola.. 160,35— Kaneel........... 190,11— Kassia Vera........ 130,18— Kümmel, holländischer. 183,30 Nelken Zanzibar..... 266,47 Schwarzer PfefferSingap. 114,19 Weißer Pfeffer....... 14t, 2t Piment Jamaica. 84,68 Kaffee Prime roh..... 200,00 Kaffee Superior......(92,00 Röstkaffee Braslt..... 260,00 Röstkaffee Zentralam... 350.(10 Malzkalfee, io°e...... 34,00 Röstgetreide. lose.... 23,00 Ersatzmischung mit 20°/» Kaffee, gepackt..... 93,00 Kakaopu IV. lose, fettarm 180,00 Tee In Kisten Souchon. 360,00 Inlandszucker basis mel. 50,73 Inlandszucker Raffinade 52,73 Zucker Würfel....... 53,73 Kunsthonig........ 53,20 Marmelade Einfr. Er Jb. 111,50 Marmelade. Vierfruclit Siedesalz in Säcken... Steinsalz In Säcken... Siedesalz in Packung.. Steinsalz in Packung.. Bratenscbinaiz in Tierces •Uratenschmaiz in Kübeln Purelard In Tierces... Purelard in Kisten... Mar arine, Handelsmark. Margarine, Speziaimarke Molkereibutter....... Corned beef 12 6 Ibs p. X. Corned beef 24 Dosen ä 2 Unzen.......... Corned beef 48 O. k 1 Unz. Speck, gesalzen, fett... Quadratkäse........ Quarkkäse......... Tilsiter Käse, volifett.. Tilsiter Käse, halbfett.. 61,00- 64,00 7,35 5,10 MO 5,70 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 7.0» 4,85— 7,70— 5.40- 02,00— 93,84— 89,68— 90,35- 59,00- 63,00 67,00- 78,00 39.00— 36,30- 36,30—, 90,07- 01.8? 80,00— 107,00— 149,00- 108,00— Abermalige Senkung des vrolprelfe». Infolge weiterer Mehl« Preissenkung wird der Einheitspreis für Brot ab Dienstag, den 18. Dezember, auf 67 Goldpfennige herabgesetzt. Die weihnachtsausstelluug Im Zugenddeim, Lindenfiraße 3, der„Sozialistischen SltBcitersitgenb* und»Kindei ireund«' ist in dieser Woche tag- I i ch von 4— 7 U b r geöfsnet. Ausgestellt weiden: Jugendschriflcr�itiib sonstige Bücher, Bilder,' Keramiken. BekleidungSgegenstände ftc Spiel, Sport und Wanderung, sowie Mustkinstrumentc, vezlrkbildungsausschuß Groß-Berllo. Am Eonnabetid, deu 22.. und Sonntag, den 23. Dezember, pünltlich nachmittags 3 Uhr, im Neuen Theater am Zoo„WeihnachtSmärchenträume' in drei Akten von Fritz Halbers. Karten für beide Vorstellungen zuin Vorzugspreise von 80 uud 50 Gold» vjennigen sind zu haben im Bureau des BezirtSbildung-ZausschusseS, Linden.- slraßc 3, 2. Hos ll. Sportliche Vereinigung„Äoland". DicuStag, den 18. Dezember: Be- sichligung der Bundesschule in Schöncberg durch die Frauenabteilung. Treffpuntt: 6 Uhr, Bahnhof Schönhauser Allee.— Die ausgegebenen Einladungen zur Weihnachtsfeier sind bis zum Donnerstag in der Turnhalle abzurechnen.— Fällig« und rückständige Beiträge sind spätestens bis zum 3t. Dezember beim Kassierer oder der GcschästSstellc, Schcrenbergstr. 21, zu begleichen.— Sonntag, den 5. Januar, nachm. 1 Uhr, im Restaurant „Berliner Jlindl" Schönhauser Allee 65; Generalversammlung. Anträge find bis zum 3t. Dezember beim Vorsitzenden einzureichen. Brand in einer Zuckerfabrik. In der Z u ck e r r a f f i n e r i e Tangermünde, der größten Anlage dieser Art auf dem europäischen Fe l't lande, brach Montag morgen um 2% Uhr Großfeuer aus. Durch den sich schnell ausbreitenden Brand wurde der Bau k, der alte Teil der Fabrik, vernichtet; dal Kesselhaus konnte gehalten werden. Nach einer Mitteilung der Direktion ist nur der Teil, der stillgelegt und ausgebaut werde» sollte, abgebrannt, es ist aber weder Roh- noch Wrißzucker verbrannt, nur einige Nachprodukte. Der Betrieb geht ununterbrochen weiter. Die Fabrik war in Gold voll versichert. lieber 200 Todesopfer des Erdbebens in Südamerika. Nach drahtlosen Nachrichten aus Südamerika sind an der Grenze zwischen Columbien und Ecuador bereits über 200 Opfer der Erdbeben- katastrophe geborgen worden. Dt« meisten Todesfälle sind in Cambal zu verzeichnen. Während des Erdbebens kamen auf chilenischem Gebiet und bei Cambal gleichzeitig zwei Vulkan« zum Ausbruch. Di« Erdstöße dauern an, jedoch mit sich vermindernder Heftigkeit. Deutsch. Theater 7'/- Uhr- NORA Kainmcraplclc 8 Uhr: Tageszeiten d. Liebe Theater 1. d. KönljcgrfitzerStr. «vnr: Donfiil von d.gr&n.Hosen �onnab. z, 1. Male: Zflsdien neun und nenn KomSdicnfi« us 811.: Mexiko-(vold Berliner Theater 7.30: Dolly SIosq-Theater TU Uhr; Apollo-Theater Allabendl. 7lA Die große Revue Europa spricht davon! um Saternat. Varletä is littisiiallenTh. Tä.'l. fr, ü u.Sor.nt. 3U Stettiner Siinger 4 GfoBeVoiksoseftewSS 7V2Uhr: Der Barbier v. Sevilla Volksbuhne Vit Uhr: Pl&nros Hochzelt M>i0| Varletä-Spielplan Rauch-n pe-tattet. Lessing-Tb. Rausch u. Mittw. 7U. Paust Sollt. Mor-T!) Allajcndl, 7»/,. S e n o ra LEOHEINAU C 19. SeydelstraBe 21, am Spittelmaikt Großhandlung in Seile». 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Vezbr�nachmlllugs S Ahe, im Aeebaudshuule(Arbeits- iosensaol). Ltniensttob« 83/35: Branchenversammlung der Sa«., Geldschrank,„.wöbelschlosser. Tagesordnung: 1. Bericht der Tarti- kommtiston. 2. Stellungnahme dazu Ohne Mitgliedsbuch t« i n Zutritt. 160-9 vi» Ovianacmaltnna. r arUen-Zigaretton-i bedeutend bei abgesetzt 1 Memphis-Stefanie o M. pro 12 Mk. Ennac, rem orient-Gold,«-,14, JhJg-Tabakt 30 1 v. 23 Pf. u. Ziitm.ZiginUailliii. [atl Saaiaas s Co.. schXT' Nähe Stettlner Bahnhof. Td.«ort. 116 21 m»» Tüchtige Vertreter gesucht»«J Verkäufe OiutlitStsteppiche, 200X300, 80 Eold- mark an, prachtvolle B-rsermuster. 9. Schulz ttörnerstr. 6(Lützowstroßefl isedeehaabwegea, Leiterwagen, Roll- karren. EinzelteU». siabrtk. Dresdener- streifte 65,• Pappenwagen» Rinderwagen, Klapp- fportwagen, RinderbvaHtbettstellen, Rin- berslühle. neue, gebrauchte. Schwaij- mann, Rotlbuserbamm 98.• | BeiclelilHBflsiUlelfe.Wlsrte bst.\ Elegante Pelzmäntel ' in, stideljad« ______ Küchse. 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