Nr. 601 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 300 Bezugspreis: Bom 23.- 29. Dezember 1 Billion ober 1 Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband vom 23.- 29. Dezember für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memels gebiet, Defterreich, Litauen, Lugem burg 1,35 Goldmart, für das übrige Ausland 1,60 Goldmart. Kreuzbandfendungen nur gegen wertbeständige Sahlung. Bostbezugspreis freibleibend. Der ,, Borwärts" mit der Gonntags. beilage Bolt und Zeit" u. Giedlung und Kleingarten", sowie der Unter haltungsbeilage Heimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Cozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareillegeile 0.70 Goldmart. Reklamezeile 3,50 Goldmark. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( aulässig awei fettgedruckte Morte), fedes meitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche bas erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Bort 0,05 Goldmart. 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Ein Heer von bringen, die vom Abbau noch verschont blieben. auseinanderstrebenden Teile fest zusammen. AbsplitterungsArbeitskräften ist brachgelegt. Industrielle Unternehmungen Sonst wohl pflegten nach grauen Monden des Entsagens versuche murden leicht beseitigt durch die große demokratische haben zum guten Teil ihre Betriebe geschlossen, zum anderen die Weihnachtstage Stunden der Hoffnung zu umschließen. Moge, deren bewegende Kraft die deutsche Sozialdemokratie die Arbeit gestreckt" und aus den nach Beschäftigung und Dürfen wir angesichts der Not im Lande aber auch in diesem war. Unter dem außenpolitischen Druck und dem der Wirt Erwerb hungernden Bollarbeitern färglich entlohnte Kurz- Jahre frohe Erwartung hegen? Läuten uns die Glocken wirf- fchaftsnot freilich haben die partikularistischen und ſeparaarbeiter gemacht. Die öffentlichen Mittel zur Unterstützung der lich das tröstliche Friede auf Erden für alle, die guten tistischen Strönungen neue Stärke gewonnen. Was in Erwerbslosen und der Kurzarbeiter werden in einem Maße Willens find!"? Bayern getrieben wird, ist allen bekannt und doch ebenjo so dankensstrebt man eine oderung des Reichsgedankens, eine größere oder volle Selbständigkeit der Einzelländer. Von da bis zur Rückkehr der monarchischen Staatsform sind nur ben die Separatisten ihr Wesen. Französisches Geld, frannoch wenige Schritte. In der Pfalz und am Rhein treiBerfügung, um die Lande um den Rhein vom Deutschen zösische Waffen, franzöfifche Presse alles steht ihnen zur ösische Waffen, französische Presse Reiche zu trennen und einen französischen Schußftaat zu erReiche zu trennen und einen französischen Schutzstaat zu errichten. in Anspruch genommen, wie faum je zuvor. Durch Boincarés Freilich sehen wir die Wohltätigteit in der Welt unbekannt. Unter dem Schlagwort des Föderalismus" er" Santtionen" an Rhein und Ruhr sind zudem die wichtigsten sich regen für ein darbendes, unterernährtes, hungerndes Voit. und reichsten Gebiete unseres Landes fremdem Militär über- Aus Amerika, Desterreich, Dänemark, Schweden- aus vielen liefert und dadurch zu einem Spielball für separatistische Aben- anderen Ländern kommen Gaben in Menge, die die Bedürf teurer und scharfmacherische Unternehmerorganisationen ge- tigsten unter den Bedürftigen aufrichten und trösten sollen. worden. Die einen treiben offen zur Losreizung West- Volksspeisungen, Suppenfüchen, Kinderhilfe Deutschlands vom Reiche, die anderen höhlen den Bau mert sie im einzelnen sind täuschen jedoch nur zeitweilig von innen aus, indem sie im Zeichen der Krise mit Hilfe über die gewaltige geistige und physische Not hinweg, in der ihrer wirtschaftlichen Macht die sozialen Errungenschaften der sich das deutsche Volk als Ganzes befindet. Denn bei all Staatsumwälzung auszulöschen trachten. Was solcher Art die Berg- und Industriegewaltigen an werden, daß diese besondere Nöte vor allem herrühren aus Kleinsta aterei. Sie ist es auch heute, und heute um fo den Sorgen des Einzelnen darf nicht die Tatsache vergessen Die Sozialdemokratie war von je ein Gegner der der Ruhr unter dem Schutz der französisch- belgischen Bajonette den Lasten des verlorenen Krieges und dem Diktat eines un mehr, als nicht nur gleiche Sprache, gleiche Sitten, gleiche erstreben, das bildet auch das Ziel aller Wünsche der Unter- erbittlichen Siegers. Gerade weil wir der Meinung sind, daß Kultur die Stämme zur Einheit zwingen, sondern auch, die nehmerverbände im unbefeßten Deutschland. Niemals seit die deutschen Wirtschaftsfreie bisher bei weitem nicht jene Intereffen der Wirtschaft ein einheitliches Gebiet erfordert. Jahren sind die Tendenzen der Arbeitgebersonoitate so offen- Opferfreudigkeit gezeigt haben, die sie von anderen Interessen der Wirtschaft ein einheitliches Gebiet erfordert. herzig dargelegt worden, als in diefen letzten Wochen, da an fordern und die dringendites nationales Gebot war, gerade Jede Trennung wäre ein Rückschritt. Jede innigere Verschmelfast jedem Orte der gleiche Kampf geführt wird nicht nur um weil wir die Il nterlassungsfünden der wirtschaftlich zung der Glieder aber ist ein Fortschritt für die deutsche Wirtben Achtstundentag, sondern um die ganze rechtliche Herrschenden Klaffen immer wieder feststellen mußten, ist es schaft und damit für das ganze Bolt., Stellung der organisierten Arbeiterschaft. unfere Pflicht, auch zu sagen, daß der ehrliche Wille der Wahlen, die über den deutschen Reichstag und das Geschic Diese Weihnachtstage find die letzten por den großen Nachdem die Zeit der stürmischen Geldentwertung die Kaffen Sozialdemokraten und vieler gutbürgerlicher Deutschen zur der deutschen Republik entscheiden sollen. Aus der trüben der Gewerkschaften geschwächt und den einzelnen Arbeitnehmer Erfüllung der Reparationsleistungen bis an die im Stampfe ums Eristenzminimum zermürbt hatte, schien ihnen Grenze des möglichen tatsächlich fcheitern mußte Bergangenheit weißen sie deshalb in die Zukunft. Sie zeigen, der Augenblick günstig, dem Tarifgedanken in seiner Allgemeinheit den Todesstoß zu geben und an seine Stelle an der halsstarrigen Politie des französischen Bloc national Daß ein Weihnachtsfriede nicht ist ohne Kampf, ohne das ernste Ringen um bessere Weltgestaltung. Von unserem und seines Führers Poincaré! wieder das manchesterliche System des stärkeren Ellenbogens Gabentische grinst uns heute das graue Elend an, das tapiEröffnen sich jetzt beffere Aussichten, da doch neue Ber- talistisch- imperialistische Interessentämpfe geschaffen haben. zu fezzen. Die Gedankenlinie dieses neuesten Scharfmachertums liegt handlungen von Regierung zu Regierung angekündigt und mir aber blicken voraus in eine sonnigere Zeit, die nicht mehr flar erkennbar vor aller Augen. Aber nur die allgemeine zugesagt sind? Wer mag wagen, in folchem Augenblick von nur die Sorgen um das nackte Dasein fennt, die vielmehr Wirtschaftskrise, die dem Abbruch des Ruhrkampfes Hoffnungen oder Hoffnungslosigkeit zu sprechen! Wir wündas gesellschaftliche Leben auszugestalten strebt in Harmonie folgte, fonnte sie so brutal zur Wirklichkeit werden lassen. Der fchen, daß diese Verhandlungen von deutscher Seite in dem und Solidarität. Dazu bedarf es ernsten Wollens zu friedEristenzkampf der arbeitenden Schichten ist ein unerbittlich Geiste geführt werden, der eine baldige und abschließende licher Politik, zur Stärkung der Arbeiterorganisationen, zur harter und verlangt von jedem Einzelnen den Einsatz seiner Verständigung unter Wahrung der deutschen Lebensnotwen- Aufrechterhaltung des Reiches als eines unteilbaren demskravollen Persönlichkeit. Er wird freilich in der Gegenwart noch digkeiten ermöglicht. Freilich hängt bei solchen Berhandlungen tischen Ganzen. So pflanzen wir vor aller Welt sichtbar unser komplizierter durch den plöklich begonnenen Beamten das Ergebnis nicht allein von dem guten Willen der einen Signal auf für die fünftigen Wahlen: Wir sind Feinde abbau im Reich und in den Einzelländern. Eine Maß- Seite ab. Auch der Gegner muß verhandeln und nicht dit fapitalistischer Ausbeutung, mag sie sich in deutschem oder in nahme, die nur von äußerster Not des Staates diftiert wer- tieren wollen. Soll der Friedens stern in diesem Jahre franzöfifchem Gewande zeigen; wir sind Feinde derer, die den konnte, die aber gerade deshalb eine revolutionierende leuchten, während vor zwölf Monaten der Ruhrfrieg ins die schwer errungenen Arbeiterrechte beseitigen wollen; wir Birkung auslöst. Bisher galt das Beamtenrecht als eines der Land brach mit all feinen verheerenden Folgen? Poincaré find. Feinde aller, die die wirtschaftliche und fulturelle Einam sichersten verankerten Rechte, jenes System der wohl ist eine zu robuste politische Figur, als daß irgend jemand heit des Reiches zu zerreißen trachten, möoen sie sich Födeerworbenen Rechte", das unantastbar schien. Aber selbst vor in ihm einen Friedensengel vermuten könnte Und doch will ralisten, Bartikularisten, Antimarristen oder Separatisten ihm macht die Entwicklung nicht halt. Und seine Beseitigung ein Fünkchen der Hoffnung nicht verglimmen. Soll doch eine nennen! Gegenüber den Kahr- Bayern. den Frankopfälzern wird heute gerade von Angehörigen solcher Parteien betrieben, neue Sachverständigenkommission unter Teilnahme Amerikas und den Rheinfranten" sei offen gesagt: Bir deutschen die bisher in jedem Wahlkampf die Sozialdemokratie verdäch und Englands die deutsche Leistungsfähigkeit prüfen. Und Sozialdemokraten fennen nur ein Vaterland, das Deutscha tigten, sie wolle das Berufsbeamtentum abschaffen. Jetzt weist nicht auch der Wahlsieg der britischen Arbeiterpartei mit land heißt! Dieses Vaterland gleichberechtigt und geachtet zu sehen unter allen Baterländern der Welt, ihnen vorausftehen plöhlich auch diese Berufsbeamten im Kampf um ihre ihrem flaren Programm in die Ferne? Eristen, sowohl rechtlicher als materieller Art. Denn die Inzwischen aber haben wir den harten Tatsachen fühl schreitend auf den Wegen sozialer Kultur, ist das Ziel unseres durch Notverordnung verfügte Herabsehung der Ge- ins Auge zu schauen. Sie sind wirklich schwer genug: Das Strebens. Unter diesem Zeichen stehen wir heute wie je, unter hälter auf eine weit unter dem Borkriegsniveau liegende Gefüge des Reiches ist nicht mehr so fest, als es unmittelbar ihm wollen wir vom Weihnachtsfest zum Wahltag schreiten! Fort mit dem Ausnahmezustand! " Interesse der Republit, gegen diese Geheimorganisationen| 3eigner fich verleiten ließ, öffentlich in Bersammlungen gegen führte. Dieser Rampf blieb jedoch erfolglos in Anbetracht der die Reichswehr vorzugehen und daß der Gebante proletarischer AbDie militärische Gewaltherrschaft in Sachsen und Thürin- Unterstügung, die die Geheimorganisationen bei der Reichswehrorganisationen rasch in der Arbeiterklaffe Boden gewann. Will gen, die der demokratische Reichswehrminister Dr. wehr und der Reichsregierung fanden. So mußten nach dem die Reichswehr wirklich als einwandfreie Truppe der Republik Geßler trotz der dringenden Mahnungen führender demo- Rathenau- Mord eine Anzahl von Strafverfahren wegen Waf- gelten, dann muß der Reichstag nachdrücklich darauf drängen, daß fratischer Blätter noch immer nicht aufheben will, wird fenfunden eingestellt werden, weil nach dem Schutzgesetz für endlich die Beziehungen der Reichswehr zu nationalistischen Organiin der Regel damit begründet, daß die Regierungen beider der Republit mur bestraft wird, wer Waffen ohne Wissen fationen gelöst werden. Wäre dies früher eindeutig geschehen, hätte Länder die Zwangsmaßnahmen der Reichsregierung selbst der Behörde verbirgt. Die Angeschuldigten fonnten aber man tenselben Berkehr mit dem fächsischen wie mit dem bayerischen verschuldet hätten, und daß der frühere sächsische Minister- nachweisen, daß sie mit Wiffen der Reichswehr die Waffen Kabinett von der Reichsregierung gepflegt und ihren Borstellungen präsident Dr. Beigner einen persönlichen Kampf gegen verborgen hatten. Statt den Landesregierungen Kenntnis Beachtung gefchenkt, dem sächsischen und thüringischen Lande wäre Dr. Geßler geführt habe. Gegen die Auffassung wendet sich von Waffenlägern zu geben, ersuchte das Reichswehrministerium die Unbill des militärischen 3wanges erspart geblieben und Ruhe in der Leipziger Volkszeitung" Genosse R. Lipinski, der die Landesregierungen, daß Waffen beschlagnahmungen unter- und Ordnung wäre nicht gefährdet worden." bis zum Frühjahr d. I. sächsischer Minister des Innern war bleiben möchten, wenn sie nicht der Reichsanwalt anund in dieser Eigenschaft gerade das Gebiet auf das genaueste ordnet. Die Länderregierungen mußten deshalb die weiteren fennen lernte, auf dem sich jetzt der Kampf der Reichsregierung Nachforschungen nach Waffenlägern einstellen. gegen die fächsische Landesregierung abspielt. Ueberflüssig zu sagen, daß durch diese Maßnahmen der Genosse Lipinski weist mit Recht darauf hin, daß das Reichsregierung das Bertrauen zu den Landesregierungen Gerede von einem besonderen Verschulden der sächsischen Re- und der Rechtspflege auf das schwerste erschüttert wurde. Die gierung schon dadurch widerlegt wird, daß gegen Thür.in dringenden Borstellungen der sächsischen und thüringischen gen genau so vorgegangen wird wie gegen Sachfen. Die Regierung in Berlin blieben ergebnislos, und nach der EtaGründe für dieses Borgehen liegen auf militärisch- blierung der Generalsherrschaft in beiden Ländern wurden nationalistischem Gebiet. Die Ursache des Konflittes die Mißstände, gegen die bis dahin angekämpft wurde, noch t nicht die angeblich gefährdete ,, Ruhe und Ordnung" im um vieles schlimmer. Genoffe Lipinski schließt seine AnLande, sondern die Differenz in den Anschauungen über die flage mit folgenden Worten: Im Interesse des schwer gefährdeten inneren Friedens wäre es zu wünschen, daß diese Forderung, deren Verwirklichung ebenso wie die Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes Vorbedingung der Gesundung der fächsischen Verhältnisse ist, endlich durchgesetzt wird. Das politische Leben des ganzen Reiches, besonders auch Sachsens, ist in lebhafter Gärung. Was dabei an unerfreulichen Erscheinungen zutage tritt, unterliege der Kritik aus den eigenen Reihen, wie fie vom Genoffen Dittmann an anderer Stelle dieses Blattes geübt wird. In diesem Zufammenhang sei nur betont und unterstrichen, daß Methoden der Unterdrückung, wie sie in Sachsen geübt werden, Funktionen der Reichswehr und ihrem Zusammenhang mit Nur dem Umstande, daß beine direkte Einwirkung auf die niemals zum Ziel führen können. Für diejenigen, die die Ge militaristischen Geheimorganisationen. Genoffe Lipinski schil- Reichsregierung eine Loslösung der Reichswehr von nationalistischen fundung von innen versuchen, bedeuten sie das schwerste dert ausführlich den Kampf, den die sächsische Regierung, im Organisationen brachte, ist es geschuldet, daß Ministerpräsident Hemmnis. IS Neue Krise ües Kommunismus? Dis Kainmunistische Partei ist in den letzten Monaten durch das Verbot des Generals Seeckt zur illegalen Tätig- keit verurteilt. Sie bat die Auflösung ihrer Organisationen mit überraschender Gleichgültigkeit und ohne besondere> Ab- wehr hingenommen. Es scheint, als ob diese Passivität nicht nur aus wirtschaftlichen Ursachen zu erklären ist, die die Kommunisten sehr häufig in den Betrieben trotz ihrer grasten Redensarten zu äußerster Zurückhaltung bei wirklichen Auseinandersetzungen mit dem Unternehmertum veranlasste. In den eigene n Reihen wütet der innere Zwist. Die Gegensätze zwischen dem linken Flügel nnd der Zentrale, zwischen ded Ruth- F i s ch e- M a s l o w> Gruppe und L r a n d l e r auf der anderen Seite sind niemals zum Schweigen gekommen. Neuerdings scheinen sie wieder beson- dcrs heftig zu sein. Eine im allgemeinen über die inneren Verhältnisse der Kommunistischen Partei reichlich zuverlässig informierte Berliner Lotalkorrespondenz berichtet darüber: „Die Dinge sind so weit gekommen, daß jetzt das � Exekutivkomitee in Moskau eingegriffen liat, um den drohenden Parteizerfall nach Möglichkeit aufzuhallen. Moskau hat die Berireter der feind- lichen Nicht ungen augenblicklich zu einer Konforenz in den Kreml geladen, unh map hofft dort, ein Einoorständnis herbeiführen zu können. Das ist jedoch offenbar nicht geglückt. Deshalb ist das Exekutivkomitee auf den rettenden Gedanken i>skomm«p, im nach- stsn Februar in Deutschland ein« außerordentliche Parteizusammen- kunst zu veranstalten, in der die Gegensätze endgültig beseitigt wer-' den sollen. Di« Leitung dieser Tagung wird voraussichtlich einem Mitglied der Moskauer Exekutive übertragen werden." Auch diese Konferenz wird die Gegensätze im Kommunis- Mlis nicht endgültig beseitigen. Einmal befindet sich der � russische Kommunismus selber in einer so starken inneren� Zersetzung, daß schon dadurch seine Rolle als Schieds- richte? bei den deutschen Kommunisten sehr gelähmt wird, � Außerdem ist dieser Gegensatz zwischen rechts und links bei den Komniunisten ein alter und hat manche Berährungs- � punkte mit den Meinungsverschiedenheiten, die sich auch in anderen Strömungen des proletarischen Lagers bemerk- bar machen. Vor einem Jahre, beim Leipziger Parteitag, be- fand sich dis KPD. tatsächlich bereits in voller Auf»! l ö f u n g. Sie erhielt neues Leben und neuen, stellenweise ganz bedeutenden Zulauf unter den Auswirkungen der E u n o- P o l i t i k und der W ä h r u n g s k a t a- st r o p h e, die jeder wirtschaftlichen Existenz in Deutschland j den Boden zu entziehen drohte. Eine Stabilisierung der Wirt- 1 schaft bedeutet den Tod der kommunistischen Repolutions- � Propaganda und stellt der KPD. wie jeder radikalen Agita- tionsphrase die entscheidende Frage: Praktische Arbeit für die Aroeiterschaft oder nicht. An dieser Fragestellung muß und wird der Kommunismus in Deutsch-! land dann sterben, wenn die Verhältnisse sich sta-� b i l i s i e r e n. Die Gegensätze innerhalb der KPD. sind bis- her nur die Anzeichen der Bruchstellen, an denen dieser Riß sich vollziehen wird. Dieser Riß ist auf die Dauer u n- v e r m e i d l i ch, er wird und muß die KPD. wie jeden schein- radikalen Utopismus tödlich zersetzen..Gelöst wird dieses Pro- Klein freilich nicht durch Moskau und seine„gryuen Kardi- näle", gelöst wird es nur durch die©esamtentwicklung der deutschen Politik._ Gefährlichster Gegner chelsserichs war Dr. Schacht, derl Daran ist nur richtig, daß damals niemand, gm wenig- nun bekanntlich auch wirklich auf Vorschlag des Reichsrats sten ich, vom Abbau des Achtstundentages gesprochen hat. Es zum ReichsbListprästdenten ernannt worden ist. Die deutsch- handelte sich um ein« Formulierung, die hei voller Lufrechi- nationale Presssmeute warf sich also aus diesen Konkurrenten,� er Haltung des Achtstundentages, tie von mir wie von meinen dem sie nicht nur die sachliche Eignung bestritt, sondern den � mitoerhandelnden Parteisremten als außer Diskussion stehend be- sie auch durch dunkle Beschuldigungen und halbe Andeutuntzen; trachtet wurde, dh Möglichkeit von tarismäßigen und gesetzlich persönlich unmöglich zu machen versuchte. Da sich diese bestimmten Basnahmen abgrenzen sollte. Die Formulierung Beschuldigungen als haltlos erwiesen, erfolgte Schachts Cr- � war nur eine yoMufige. für die die Zustimmung sowohl der Nennung dennoch.! Fraktion als auch der Gewerkschaften ausdrückliä) vorbchalten Die..Kreuzzeitung" gibt abex das Spiel noch nicht auf. wurde. Praktische Bedeutung hat sie nie erlangt, während die Sie hofft noch immer. Schacht durch einen Skandal stürzen sonstigen Vereinbarungen für die Formulierung der bekannten No- und dadurch die Bahn für Helfserich freimachen zu können, vembernote Wirths an die Entente mitbestimmend gewejsn sind. | Sie schreibt jetzt i i Lm übrigen möchte ich bemerken, daß ich jelbstperstänistch für den Herr Dr, Schacht ist noch immer Lorsitzender des Aussichtsrats Abbau des Achtstundoutages mein« Zustimmung nichl gegeben i in her Eoaporatorgesellschast, deren Eeiuraldirettvr Litipin hätte._ H•, j heißt. Herr E t r e s e m a n n gehört allerdings auch diesem Aus- sichtsrat an, was vieles erklären dürfte, auch die Haltung der „Zeit"..,. Auf alle tziest Dings haben wir schon hingewiesen. jSie bedürfen noch näherer Beleuchtung, um das System auszudecken, mit dem unter Umgehung aller Einwände von berufener Seite, die sowohl dem Ncichsrat als auch dem Reichs- *•»!- Schacht-Helfferich. Die Konkurrenz ergibt sich nicht? die falsche IremSenpolitik» Man schreibt uns: HHHRi DMMMDWMMDMMDM Schon vor dem Kriegs bestand bekanntlich in der deutschen kqnzler bekannt waren, und auf die fte vor ihrer Entscheidung aus- Landwirtschaft eine starke Nachfrage nach polnischen Landarbeitern, drücklich hingewiesen worden sind, in diesem Falle bei der Be, den sogenannten„S achs o n g ä n g« r n". Während des Krieges gehung einer der wichtigsten Positionen in Deuischland gearbeitet wurde diesem Bedürfnis in der Weise entsprochen, daß die deutschen worden ist. Noch manches andere wird dabei zur Okkupationsbehörden zahlreiche Landarbeiter aus Polen Zwangs» Sprache kommen, das die Angelegenheit Schacht w e i f e nach Deutschland abschoben. Viele von ihnen verblieben an in ganz besonderem Licht« zeige« wird.■ den Orten ihrer Beschäftigung, da die Rückreise mit Rücksicht aus die Die Bekämpfung von Korruptionserscheinungen—> wo Verkehrsschwierigkesten und die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse sie wirklich vorhanden sind— ist eine sehr wichtige Auf-. nicht bewerkstelligt werden sonnte. Durch eme Verordnung vom gäbe. Wenn sie im Interesse der Reinigung des öffentlichen 6. Dezember hat nun das mecklenburgische Ministerium verfügt, Lebens betrieben wird, verdient sie entschiedene Unterstützung, daß die ausländischen Landarbeiter spätestens bis zum IS. Dezember, Hier aber wird in der skrupellosesten Weise, die beinahe schon demnach in 9 Tagen, das Land zu verlassen haben. Die Rück- naiv anmutet, der angebliche Kampf gegen die Korruption in reis« darf erst am IS. Februar tommenden Jahres erfolgen. den Dienst eines scharf persönlich zugespitzten Machtkampfes i Durch diese Verfügung wurden IS ovo Arbeiter mit S000 Km» gestellt. Nicht weil die„Kreuzzeitung" um die Reinheit des dorn und älteren Familienmitgliedern gezwungen, ihre Heime auf. osfentlichen Lebens besorgt ist, sondern einzig zu dem Zwecke, � zukösen und totes sowie lebendes Inventar zu Schleuderpreisen zu einen Mann niederzubetzen, der ihren Aspirationen im Wege oerkaufen. Von dieser Zahl waren 95 Proz. polnische Stach sange- ist, greift sie zu dem Mittel der persönlichen Bekämpfung und � hörige, den Rest biibeten hauptsächlich deutsche Kolonisten Verdächtigung. Eine Anklägerin, die mit solcher Schamlosig-' aus WoHhyisten. keit ihre eigentlichen Absichten enthüllt, kann sich nicht wun- � Die Abschiebung der Arbeiter qn di« polnische Grenz« erfolgde derg, wenn ihre Behauptungen mit besonderer Vorsicht auf- in ebenso planloser wie rücksichtsloser Weise. Für di« Abreise genommen werden. Selbst wenn sie so richtig wären, wie sie sollte die Station Güstrow gsschlossene Trapsportzüg« bere.tstelleil. nach der Ueberzeugung des Reichskanzlers nnd des Reichs- � Bis zum 15. Dezember hatte der Stationsvorstand jedoch keincrle! rats falsch sind, würde die„Kreuzzeilimg" durch die ganze � Verständigung erhalten. Auch die Dienststelle der D-utichen Ar- Begründung ihres Vorgehens den Ruf, den ihr schon Bis- beiterzentrale in Güstrow hat vollständig versagt. ManlließHun' märet bestätigt hat, das unanständigste Blatt Deutschlands zu derte von Arbeitern mchrer» Tag« lang auf dem Bahn- sein, aufs neue begründet haben. hos liegen. Herrn Helsfcrich muß man ober zu der Art, wie der Die mecksenbursisch« Regierung hat es unterlassen, die polnischin Kamps für ihn geführt wird, gratulieren. Zwar ist bekannt, Konsulat» in Deutschland von der beabsichtigten Wasjenausweisung daß sich sein Einfluß auf die deutschnationale Partei stark vor- zu benachrichtigen. Den Arbeitern wurde keine Möglichkeit geboten, ringert hat, trotzdem würde, glauben wir. ihre Presse auf sich Grenzpossierscheine bei d°" Kansu-.aien zu bksorgon. si- muhten solche Methoden verzichten, wenn er dagegen entschiedenen also an der polnischen Grenz« wiederum liegen bleiben. Sa kam- Einspruch erhoben hätte. Wird aber dieser Kampf um seine pi-rlen an den Grenzstationen Zawisna und Kreuz ungesähr Reichsbankpräsidentschaft mit seinem Einverständnis geführt, j« tausend Arbeiter aus offener Straße. Die Arbeit- dann charakterisiert das Herrn Helfferich selbst. Es kann sich � geber hatten den Abreisenden, trotzdem sie hierzu verpflichtet waren, da leicht das alte Stichwort bestätigen:„Wer andern einen keine Reisekosten bezahlt. IN der Annahme, daß die Zwangs- — Schacht gräbt, fällt selbst hinein." wmse Abschiebung uneutgelilich ersolge. Die polnischen Konsulace Eine falstbe Sehauptung. Genosse Hilferding schreibt unp! Di«„Vossisch» Zeitung zitiert gestern«inen Artikel aus den volksparieilichen„Deutschen verfügten ebenfalls nicht über genügend« Geldmittel, so daß vie� Arbeiter von der Grenz« an nach ihren Hesmatsorten z u s u ß wandern mußten. � � � Mehrfachen Interventionen»ntsprechsnd. hat das Aus. wSrtig» Amt die mecklenburgisch- Regierung dringend ge- !■, Die Deutschnationale Partei hat in der ketzten Zeit mit ollen Mitteln das Ziel verfolgt, ihren Führer Dr. H e l f f e- r i ch in der Reichsbank beizusetzen. Damit war sie ihn erstens lo? denn Helfferich hatte bereits erklärt, er werde im Fall seiner Ernennung zum Reichsbankpräsidenten sein Mandat � niederlegen und auf jede politische Betätigung verzichten—,! zweitens aber hatte sie dann an der Spitze des wichtigsten' Wirtschäftsinststuts einen Mann, der die Interessen der hinter � ihr stehenden großgrundbesitzerlichen und großkgpitalistischen Kreise zuverlässig vertrat. I Stimmen" über die Relchskanzlerschast Dr. Str«semanns. Es wwd warnt, die Verfügung durchzuführen. Diese Warnung b.ieb darin Bezug genommen auf Verhandlungen, die während des jedoch erfolglos, da noch immer Veiter» Traneportzuz« im Kabinetts Wirth anläßlich der Anipessrcheit von Vertretern der Reparationskommission in Berlin zwischen den Parteien der bürger- lichen Arberlsgemeinschaft und der Sozialdemokratie über ein wirf- schpsts, und sozialpolitisches Programm geführt wurden, cm denen Herr v. Raumer und ich beteiligt waren. Daran wird die Behaup- tung geknüpft, aus„meiner Feder sei noch in einer Z..:, als man kaum wagen durste, vom Abbau des Achtstundentages ZU sprechen, die erst« Formulierung getroffen, die sich auf dos End« des Achtstundentage» bezog". Anrollen sind. Jetzt hat die polnische Regierung gegen diese harte Behandlung ihrer Staatsangehörigen Repressalien angekündigt. Wollte sie wirk, lich, wie behauptet wird. Deutschs m gleicher Zahl aus Polen aus- weisen, so wären die Feigen katastrophal. Jedenfalls muß einmal, und zwar so bald wie möglich, die grundsätzliche Frag« geklärt wer- den. ob«s weit«? den Ländern gestattet worden kann, durch eine verkehrte Fremdenpolltik die Interessen des Reichs auf das empfind- lichste zu schädigen. Sterne. �lon Alvxel Remisgw. tAu««man npch unnpllctiMen 5iuck>„Sst M«« s ch d l m M-nsch-n-i« Ou-ll d«- Sicht-.' P-r-chtigtc U«b«r. tragung aus txm AMfch-y von N ä t l>« A» l« a b, r z.) Da denkt man manchmal, und besonders in Augenblicken, in denen man sich mit Stacheldraht von der Welt abzäunt, oder nein, wenn man ins tiefste Dornendickicht de? Lebens hineingerät und sich ganz zerschindet und zerkratzt, da denkt man wie, wenn man alle Lächeln sammeln würde, vor denen einem das Herz hinschmilzt, alle Blicke, vor denen«s auch in der tiefsten Finsternis hell wird� wenn man das alles zusammentäte und der Welt zeigte! Wie würde dann die Welt wohl ausleben, die Erde aufleben! Das müßte für die Welt sein, wie ein wanner Regen für die Erda, nach dein es sich leichter atmen läßt. Ich habe es auch bei Großen, bei Erumckisenen schon getroffen, aber häufiger bei Kindern, irgend so eine große Freud«, die einem die ganz» Seele erfaßt, die das Herz klopfen macht, so daß ich hin. austreten möchte irgendwo auf einen weiten Platz und es allen laut znrvjen. daß ich sie gesehen hob? diese große Freude. Und alle, alle, all« ruf« ich sie zusammen, ehe«? zu spät ist. Mein Nachbar in der Trambahn war ein veiner Bub mit fdiner Wärterin, so einer streng achtsamen russischen Kindermuhme, mit«inex Schramm« auf der Stirn, und di« mit dem ganzen Herzen dabei ist. Ich sah, wie sie immerfort auf den Lungen bückte. Es war im Mnter, abends, in der erleuchteten Trambahn, ich fuhr von der Michaelsstraße durch dte Bo�iuftraße. De? kleine Bub war in einen Baschlik gewickelt, sein Gesichtchen war blaß, und feine Augen blickten zuweilen ganz wie di« Augen eine« Erwachsenen, und so groß waren sie. richtige Sterne. Ununterbrochen erzählte er seiner Kinderfrau«twas und hob immer die kleine Hand dabei feinen schwarzen Fausthandschuh mit dem großen Däumling. Aus all feinem Geplauder entnahm ich, daß er im Krankenhaus gelegen, und daß ihn jetzt die Kinderfro» nach Haus holte: er war als gesund entlassen. Ein« Mutter hat er nicht, ex lebt mit seinem Bater. aber, wie es scheint, nicht sehr pertraut. Der Bat ex tut irgendwo Dienst, ist Beamter. Der Junge wird von der Wärterin betreut. Schensa hat im Krankenhaus gelegen: er ist trank gewesen, und zwar schwer— sein Hälschen ist mit einem weißen Taschentuch per- bunden. Was er auch gehabt haben mochte, Scharlach, Diphtherie oder sonst irgend eine gesährliche Krankheit, auf jeden Fall war es ihm anzusehen, nahe hatte ihn ein früher Tod gestreift. Schenja erzählte feiner Kinderfrau, wie im Krankenhau« zu einem kleinen Mädchen die Mutter zu Besuch gekommen wäre und vielerlei verschiedene Kuchchen mitgebracht hätte----„Röllckjen". Und er häst« auch welche davon gegessen. Und es wäre sehr komisch gewesen. Schenja erzählt« so. als ob er eben, eben erst sprechen gelernt Hütt«, er beeilte sich schrecklich. Wollt« alle« berichten, was er gehört und gesehen. Und er kochte als er nämlich ansing, gesund zu werden, da war etwas furchtbar Komisches passiert!— er lacht« und erzählte. Und ich dachte, ohn» die Worte aufzufassen, nur seinem Lachen lauschend- Wie schön und gut alles für ihn ist, wie schön� und gut dieses unser ganzes Leben ist. Und spyiel hat er davon, daß er nicht' weiß, wohin damit. Wenn»r alles wegschenkte, es bliebe ihm � immer nach genug! Es bricht aus seiner Seele hervor, aus ihrer tiefsten Tiefe: und leuchtet aus feinen großen Augen— wie Stern». Und keuchtet-mir gerade in die Seele--— Und es Ist ganz und gar unwichtig, daß fein Voter irgendwelche' Groschen verdient, und daß kein« Mylier im Haus ist, und daß ihre Wohnung eng und daß es kalt ist, ganz und gar unwichtig ist das— Ihm ist di« ganze Welt im Augenblick Pollex Sterne, di« Stern« -r sind fein Haus,> Und ich hotte keine Luft auezusteigen, wäre gern immer nux sg sitzen geblieben, hätte gelauscht und geschaut. Hätte auf ihn geschaut auf sein« offenen großen, großen Stern«naugen. die zum erstenmal das Lehen evblickt hatten, auf sein Lächeln, aus sein weißes.Halstuch, GlÜKicherl Wie war e? glücklich! pnd für diese lein» glücklichen Augenblicke und füx die meinen, mein« glücklichen, segne ich unser unruhvolles, bangbsklem- mendes, trügerische« Leben, das uns unbekannt ist wi« der Tod. Das Evangelium der firmen. In den longgestreckten, waldumsäumten Tälern des Exzgebiraed, wo das deutsch« Hung«r«lend und die deutsch« Weihnachtsvoesi» da- heim sind, waren zu der Zeit, als ich Kind war, die lichtgeschwückten Tannenbaume noch nicht in Mode gekommen. In einer Eck« der niedrigen Stuben wurde der Weihnachtsiiarten angeputzt. Aus dem Wälde mar da» Moos geholt, das feinen grünen Rasen biidete. Darauf weideten di« mit der Hand au« Holz geschnitzten Schaf«, Bei ihnen standen die buntbxmalten Hirten mit ihren Hun- den. Hinter dem Garten stieg an der Wand ein Berg hinan, der war aus knorrigen Bmimwürzeln. Rinden und Moos aufgebaut. Oben auf seiner Höhe stand ein Schieß. Das war zwar nur aus Pappe, doch feine Fenster waren auzgeschniiten und mit dünnem Papier verklebt. Dahinter brannte«in Licht. So strahlte das Schiaß in die Nacht hinaus. Aus der Straße, hie vom Berg in das Tal � herabführte, kamen die Reiter de« Herodes daher. Man sah es an ihren schrecklichen Gesichtern und den vorgehaltenen Spießen, daß l mit ihnen nicht zu spaßen war. Sie suchten den neugeborenen Jesus- knaben, aber sie fanden ihn nicht. Das Kind lyg wohlgeborgen in seiner Krippe, da unten am Berg, in einer Grait«, die den Hirten als Stall diente. Di« Mutter Maria faß dabei: Vater Jsicf, der Zimmermann, hielt sich etwas im Hintergrund, wa auch sein treuer Esel stand. Von draußen kam eben Besuch herein: die Hirten und die drei Weisen waren im Anzuq. Im Stall war e? ganz hell, denn ein Licht, das den Stern von Bethlehem vorstellte, brannte gerade Über der Krippe.— Wenn ich diese Herrlichkeiten, die mein Müttcrlein mit nimmermüden Händen aufgebaut hatte, heute noch einmal vor mir sehen würde, könnte ich es vielleicht doch nicht unterlassen, ein Gleichnis daraus zu machen und zu sagen: Seht, dort oben steht das Schloß des Herrn Stinnes, der«in möchtiger Vierfürst ist Im Weltreich des Kaisers Kapitalismus: hier unten ab« wohnen die armen Leute. deren einzig« Reichtum ein Kind ist. Darum heißen si« Proletarier. Weil aber geweissagt wurde, daß durch ein Kind, das an solcher Stätte geboren würde,«in neues Reich kommen soll, sind n« dort oben ängstlich geworden um ihre Macht. Run sind die Verfolg«? unterwegs, die das Kind umbringen fallen. Aber sie reiten in der Irr« und finden es«icht. Sa viel sie aych töten und Unheil an- richten, dos neu« Reich wird dpch kommen. Es ist schon da, wenn auch in Armut und Dürftigkeit. Aber es wird wachsen und sich Über die ganze Erde ausbreiten. Keine Gewalt tan»«s daran hindern. denn«s ist stärker als alle Gewalt.... Soll ich das Gleichnis noch weiter ausdeuten? Ich gkaub«, es ist nicht nölig. Und ob ihr nun statt hes Weihnackusgarten« auch nur noch einen Weihnachtsbaum oder nur ein Zweiglein davon habt, ihr armen Kinder van heute, di« Hauptsache bleibt doch, daß etwas hoffnungsvolles Waldesgrün in die Stuben hereinkommt und«in Licht, das in die dunkle Zukunft hineinleuchtet.— Aber den Großen will ich dabei auch noch«ins verraten: der Wunherstern von Bethlehem. e? ist heut« noch zu sehen! Wenn ihr ein Kind habt lwenn ihr kein« habt, müßt Ihr es macheu wie die Hirten und Weisen, Nämlich dorthin gehe», wo Krnder sind), dann braucht ihr ihm nur in die Auge» zu schauen, sobald«s in den Lichtglanz der Weihnacht«- kerzen blickt. Auf dem Grunde solcher Kinderaugen spiegelt sich der Stern, der heute nacht wieder allem Volk oufgegangen ist, Der Alte vom Wald«, Di« ksstbarstcu Weihnachtsbäume. Wir sind an diesem Weih. nachtsfest schon froh, wenn wir ein bescheidenes Bäumchen mst Aepfeln und Nüssen und etwas buntem Flute? aufputzen können. Aber die Leute, dis„es dazu haben", begnügen sich nicht mit so schlichtem Schmuck, sondern wollen selbst bei diesem Anlaß mit ihrem Reichtum protzzn. So hören wir den» alljährlich von hächit kost, baren Ausstassierung«» de» Christbaums, und besonder, die Dollar, könige sind in dieser Hinsicht sehr erfinderisch gewesen. Oer Klon, dyker Millionär James Elemont», der ein riesiges Vermögen auf den Goldfeldern gesunden hatte, rühmt« sich, den kostbarsten Weih. i.achtsbaum besessen zu haben. Der Baum, den er für seine Fejer im Lafayette-Hoie! in New N or k aufstellen ließ, kostete ibm nickst weniger als 100000 Dollar, dein: jeder Zweig des Tannen- riefen war mit einem Gdsdtliimpllzen geschmückt: di« Lichter steckten in aus Gold gefertigten Leuchtern und der Baumständer war durch einen Berg von Zwanzigdollargoldstücken verdeckt. Einen nicht Frankreichs finanzieller Niedergang. Inflation oder Bersöhnungspolitik. untergegangen. Das Großfapital aber hat trium- lplanmäßiges 3ufammenarbeiten der feparafiftischen phiert. Wörtlich fährt Delaisi fort: Banden und der Bejahungsbehörden vorliegt, was sich insbesondere Aber alles, mas diese beiden Klaffen durch die Entwertung aus der Erklärung ergibt, die der französische Delegierte am 21. DeIn der Deutsch Franzöfifchen Wirtschaftsforrespondenz des Franfen verloren haben, ist von den Braduzenten und den Bezember gegenüber der Beamtenschaft von Cudwigshafen abgegeben zieht Francis Defaifi die Bilanz der wirtschaft fizern der Sachwerte Bauern, Fabritanten, Kaufleuten und Ber- hat, und die auf die Anerkennung der Separalisten als Julichen Kräfte Frankreichs, Bir müssen leider dar mittlern aller Art gemannen worden Sndem der Reichtum haber der Staatsgewalt hinausläuft. Schliehlich hat Dr. Strejemann auf verzichten, die interessanten Ausführungen in ihrem vollen in thre Hände überging, hat er sich verbichtet, und gleichzeitig ist die nachdrüdlichst die unverzügliche Wiederherstellung Umfange wiederzugeben und beschränken uns auf die Feststellung der wichtigsten Ergebnisse. An Hand der Produktions- Sparkraft gewachsen. Das klingt parabog. Aber wenn ein Gewinn vertragsmäßiger Zustände in der Pfalz gefordert. stellung der wichtigsten Ergebnisse. An Hand der Produktions- Don einer Million unter 1000 Menschen verteilt ist, wird er nur Die Bevölkerungsvertreter bei der Rheinlandkommission. und Außenhandelszahlen Frankreichs tommt der Verfasser zu schwache Ersparniffe im Gefolge haben, während umgefehrt diefelbe dem Schluß: Mannheim, 24. Dezember.( WTB.) Am 20. Dezember sprachen Miffion, wenn fie von 10 Personen verdient ist, reichliche Geldanlagen nach sich ziehen wird. So fann ein Land, selbst wenn es im gan- 15 Bertreter der pfälzischen Städte über 10 000 Einwohnern aan ärmer gewordert ift. feine Spartraft wassen und fämtlicher Landgemeinden sowie aller Gewerkschaften bei den fehen, wenn das Vermögen fich dort in wenigen Händen fonzentriert. englischen, französischen und belgischen Mitgliedern der RheinDas ist in Frankreich geschehen, wo die Masse der kleinen Beute fandtommiffion sowie bei dem Bertreter Italiens in Koblenz, ein mühseliges Leben führt, wo aber die Unternehmer, persönlich vor. Sie hatten ausgiebig Gelegenheit, die Herren über Bauern, Labeninhaber, Berkstätten befizer, die die durch die Separatisten herrschaft in der Pfalz gefchaffene burch die Steigerung ber Breife reich wurden, feit den ersten Kriegs. Bage mündlich zu unterrichten. Es fann danach in Roblenz fein tagen, da sie ihre Lebenshaltung nicht änderten, über immer Sweifel darüber bestehen, welcher Wert den Bogalitätserklärungen Was auch immer die amtlichen Rundgebungen befagen mögen, die franzöfifche Produktion hat, troß ihres schnellen Wiederaufbaus und troß des Gewinns eines ungeheuren Produktionsapparates in Eifah- Bothringen, noch nicht den Stand der Barkriegs Schlimmer als die Wirtschaftsbilanz ist aber die Finanzbilanz Frankreichs. zeit wieder erreicht. Der Fehlbetrag in der Handelsbilanz ift awar um 35 Bros. geringer als 1913, aber er ist sehr viel bebentlicher als damals. Bor dem Kriege wurde er leicht durch die Einfünfte aus ben im Ausland angelegten franzöfifchen Rapitalien gedeckt. Man bezifferte fie auf 40 Milliarden mit einem Jahresertrag von ungefähr 2 Milliarden, wozu noch die Ausgaben frem der Bergnügungsreisender famen, die auf mindestens 500 Millionen geschäßt wurden, So erflärt es sich, baß die franzöfifchen Wechselfurse trat einer bauernd paffivan Handelsbilanz vollkommen stabil waren. Heute aber ist der Besig an fremben Werten in Frankreich fast vollständig gefchwunden: bie in russischen, türe fifchen, baltanischen usw. Papieren angelegten Milliarden bringen nichts mehr ein. Die guten internationalen Werte find vom Staate aufgetauft worden, der sie als Eicherheit für die in Amerifa aufgenommenen Darlehen hinterlegt hat. Statt Gläubiger der gan zen Welt zu sein, ist Frankreich heute Schuldner Englands und der Vereinigten Staaten in Höhe von 35 milliarden Goldfranten. Würde es bie Zinsen davon zahlen, b. h. 1,5 Milliarden Goldfranten, so würde fein Fehlbetrag plöglich ohne jeden Ausgleich auf 2,5 milliarden steigen, und das würde den schnellen Zusammenbruch des Bapierfranten bedeuten. Delaifi verweist barauf, daß trok einer Reihe günstiger Momente der Franten heute 73 Broz feines Were tes verloren hat. Wohlstand zurückzukehren. So ertärt sich die Erbitterung, mit der unsere Staats männer die Bezahlung der deutschen Schuld fordern, und die Harts nädigkeit, mit der sie dieses Problem mit dem der interalliierten Schulden perquiden. Rus der Tiefe der Not foll bas Licht der Menschenliebe leuchten! Gedenkt zu Weihnachten der Hungernden! Reine Berfolitterung mehr! Die einheitliche Sammlung ist die Deutsche Nothilfe. Spenden nehmen an: Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe Berlin W 8, Wilhelmstraße 62 Reichsbankgirokonto und Boftschecktonto Str. 156 003. Preußischer Candesansfus der Deutschen Holhilfe einzelner Bürgermeister beizulegen ist, die übrigens größtenteils von den Gemeinderäten einstimmig widerrufen werden find. Die Zahl der aus der Pfalz von den Separatisten ausgewiefenen Personen hat nunmehr 100 überschritten. Die Ausweisungen erfolgten nach den Direktiven der Franzosen, die die Ausgewiefenen ohne Baß und Bollrevision über die Grenze transportierten. Verkehrsaufnahme Baden- Pfalz. Karlsruhe, 24. Dezember.( WTV.) Wegen der Wiedere aufnahme des Personen berterawisex Baben und der Pfalz haben in den lezten Tagen Berbandtungen zwifchen ber Reichsbahndirektion Karlsruhe und der Regieettenbahnbirektion in Ludwigshafen stattgefunden. Zuf Grund des Gr gebnisses der Berhandlungen fann damit gerechnet werden, bas voraussicht'ich Ende Dezember ein befranfter Perforen augbertehr über die babisch- pfälzischen Rheinübergänge aufyve Berlin NW 40, Reichsfagsufer 3 nommen wird. Banffonto: Breußische Staatsbank Berlin 56. Stonto Sr. 101920 Maffenaburteilungen. Mainz, 24. Dezember.( W.T.B.) Wegen Nichtbefolgung bes Postschecktonto: Berlin B 7, Str. 17 955 Grlafies des Platfommandanten, wonach Ansammlungen von mehr als fünf Personen verboten sind, verurteilte das MilitärHaag, 24. Dezember.( WTB.) Die Königin hat durch Berauch ein Rechtskabinett war, dadurch gestürzt, daß die Zweite Bor mehreren Wochen wurde die holländische Regierung, die Rammer unter Leitung der Sozialdemokraten mit 51 gegen 50 Stimmen die( als Antwort auf die japanischen und englischen ländischen Ueberseebesitzungen abgelehnt hatte. Da jeboch teine Rüstungen) beantragte Flottenvermehrung für die niederBintsregierung gebildet werden konnte, ist jetzt noch längerem Hin und Her wieder der Versuch einer Rechtsregierung zur Beendigung ber Strife gemacht worden. Germaine Berthon freigesprochen. અવનવી વ 221500 Eingezwängt zwischen eine äußere Staatsschuld von 35 Mil bedeutendere Rapitalien verfügten. Nachdem sie Land Polizeigerit 93 Einwohner von Mainz und Unigegend Garden Goldfranken, auf die ihm jederzeit Jinfen in Höhe von getauft ober ihre Werkstätten ausgefchmückt hatten, wußten sie nicht au je 25 Tagen Gefängnis. Drei weitere Angeliogte er 1½ Milliarden jährlich abperlangi werden fönnen, und eine Privat mehr, was sie mit ihrem Gelde anfangen sollten, und waren schließ hielten je 5 Tage Gefängnis und je 50 Goldmark Strafe. schuld von 2% Milliarden Goldfranken, bie tie Ausländer jederzeit ich froh, es dem Staate zu 6 aber 7 Braz. zu leihen. So hat ber naturalisieren" fönnen, hat Frankreich das diefen furchtbaren Staat ohne Unterlab aus den Quellen der Boltsersparniffe in use Rechtsregierung in Holland. Berpflichtungen nichts als eine Handelsbilanz, die felbft in hähe von maße von durchschnittlich 2 Milliarden Papierfranten im Monat ge 1 Milliarde paffle ist, und die Einnahmen von den Bergnügungss föpft. Des geht nun schon 5 Jahre, reifenben gegenüberzustellen hat nur ein Mittel, tem Ruin zu Diese Entwicklung fann natürlich ebensowenig wie in mittlung der Abgeordneten Notens, Ruetgers und Stotentgehen, nämlich, die 30 miffiarben Goldfranken au Deutschland fange weitergehen. Der Wiederaufbau wird being ben remten Flügel der zweiten Sommer ersucht, die Rabinettsbildung zu übernehmen. erhalten, bie ihm Deutfcand foulbet. Die Sinsen dieser reits durch private Schuldverschreibungen finanziert. Auch Rabinettsbildung zu übernehmen. Summe würden annähernd die Binfen beden, die es feinen Gläuber Staat mußte Schuldverschreibungen ausgeben, mit Hilfe bigern zahien fall, unt es fönnte dann in verhältnismäßiger beren er jedoch nicht mehr als 6 Milliarden auftreiben fonnte, Sicherheit abwarten, daß die Wiederherstellung des geschäftlichen von denen nur 2 Milliarden neues Geld find, also ebenso wie Lebens in Europa ihm erlaubte, endlich feinen vergrößerten Birt der Fehlbetrag eines einzigen Monats. Das schaftsapparat auszunuben und auf diese Weise zu seinem alten Schazamt hat bereits in der letzten Woche zum erstenmal feit langer Zeit 400 millionen von der Bank von Frankreich in Gestalt ungebedter Papiernoten entleihen müssen. Es machen sich also diefelben se risenzeichen bemer? bar, die bei uns zum Zusammenbruch der Währung geführt haben, Frankreich steht vor der Notwendigkeit. Deutschland dazu zu verhelfen, daß es zahlen kann, mährend es bisher Deutschland als Konkurrenten zugrunde zu richten strebte. Bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Bolitie ist die In flation in Frankreich unvermeidlich, und sie würde dort noch viel schwerere Folgen auslöfen als in Deutschland, da Frankreich in viel höherem Maße Rentnerstaat ist. Unter diefem Gefichtspunkt sind auch die Winkelzüge Poincarés bei den jegigen Reparationsverhandlungen verständlich. Er will Das Urtel fann fein Erstaunen erregen bei denjenigen, die den aus Deutschland das Legte herauspreffen, um den eigenen Berlauf des Prozesses verfolgt haben und mit den Gewohnheiten Banterott möglichst lange hinauszuschieben. Aber wäre eine der Barifer Geschworenen einigermaßen vertraut sind. Die 20jähvernünftige erföhnungspolitit nicht auch für rige Anarchistin, die den Mord an Plateau begangen zu haben, voil Frankreichs Wirtschaft besser? geständig war und die vor Gericht nur ihrem Bedauern darüber Ausdruck gab, nicht Daudet selbst erreicht zu haben, hat sich mit ut und großer Schlagfertigkeit verantwortet. Noch mehr als dies mag aber auf die Geschworenen die Beweisführung der Berteidigung Einbrud gemacht haben, aus der hervorging, daß die Camelots du roi, tie französischen Fafchiften, in ihrer gitation selber vor der fchlimmsten Mordheße nicht zurückschreden. Diefe Hege hat 1914 zur Ermerbung von Jean Jaurès geführt, und das Blatt Daudets, die„ Action française", war das einzige in Frankreich, das den Ermordeten auch nach seinem Tode in der wüftesten Weise beschimpfte. wwwwwww Verhandlungen in Brüffel und Paris. Das Schlimmste aber ist, bas bie Ersparnisse des französischen Boltes den Fehlbetrag des Staatsheushaltes in Höhe von manatlich zmei Milliarden nicht mehr decken. Es gibt Durchschnittlich 51 Bapiermilliarden Fronten aus, während es nur 21 einnimmt. Ebenso wie in Deutsch land während der Inflation sind Arbeiter, Angestellte und Beamte verarmt und fönnen feine Ersparnisse mehr machen. Der Mittelstand ist durch den Banterott Rußlands, Defter reichs und der Türkei und durch die Entwertung der französi schen Kriegsanleihen start betroffen worden und schließlich minber foftbaren Weihnachtsbaum feiftete sich der New Yorker Mil. lionär Brown. Er halte zu der Feier einen Belartentreis con 100 Personen verlammett, und die Gefchente für die ganze Gefell fchaft, die aus golbenen Uhren und Retten, golbenen 3igaretten. besen, Brillantorofchen und anderem erlejenen Schmuck beitanden, Brüffel, 24. Dezember.( Meldung der Agence Belge.) Der Filbeten die Zierde des von 72 Flammen erleuchteten Baumes. Für Minister des Aeußern Jaipar empfing heute nachmittag den deultie Kinder hingen goldene und filberne Trompeten, goldene Alap- fchen Geschäftsfräger, der ihm ein ice- Memoire überreichte, das die pern usw. an den Zweigen. Der Wert der Geschenke belief fich auf Antwort auf das Schreiben ber belgischen Regierung an die deutsche 60 000 Dollar. Neben merita ist England das Land der foft. Regierung vom 17. Dezember bildes und die verschiebenen Fragen baren Weihnachtsbäume. Es werden sort aum Teil gana riefige bejeldnet, über die die deutsche Regierung die Eröffnung eines Bäume aufgeputzt, und es gibt familien im Westen Bonbons, bei meinungsaustauschs winst. Die Fragen beziehen sich ausschließlich denen der Weihnachtszauber nicht vollständig ist, wenn nicht ein Baum von 50-100 Fuß Höhe im helften Glanz erstrahlt. Schon auf das belebte Gebiet. In dem Aftenftäd werden hauptsäch der erste Weihnachtsbaum, den die Königin Bittoria schmücken ließ, ich die folgenden Punkte berührt: die wirtschaftlichen Beziehungen war ein Brachtstüd ersten Ranges. Er war 50 Fuß hoch und trug zwischen dem befehlen und unbefehten Gebiet, die beim Eintritt in Gefchente im Werte pon 16 000 Bfund Sterling. Einige Jahre das bejehle Gebiet erhabenen Abgaben, die Währungsfrage, die später stellte der Herzog von Norfait einen Riefenweihnachtsbaum Rheinlich- westfälische Bant, die Schiffahrt auf dem Rhein und der cuf, ber 70 Fuß hoch mar und mit Spielzeug fowie Schmucfachen Eisenbahnverkehr, die Frage der allgemeinen Berwaltung und der im Werte von 5000 Pfund Sterling behängt mar. inneren Gesetzgebung. Der Minister versprach, das Aide- Memoire Filmbramen in Jarenschläffern. Die russische Filmindustrie, die zu prüfen und fügte hinzu, er merde fich wegen der zu erteilenden bekanntlich verstaatlicht ist, bringt, dem Oft- Erpres zufolge, dem Antwort mit der franzöfifchen Regierung ins Einvernehmen sehen. nächst mehrere große biftorische Filmdramen heraus, die entsprechend Paris, 24. Dezember.( Eca.) Die heutige Unterredung zwi der bolfchemistischen Geschichtsauffaffung entworfen find. In einem diefer Stüde wird die Geschichte ber ruffischen Revolu- fchen Herrn v. Soef und Poincaré dauerte etwa 1 Stunde. tion im Bilde vorgeführt. 3mei andere, Palast und Herr v. Hoesch überbrachte Poincaré die Anregungen der deutschen Rerter" und" Der Untergang der Dynastie Nama. Regierung zur Herstellung eines Modus vivendi im Rheinnow" find nach Entwürfen des Hiftorifers Schijnegolem ansge- und Ruhrgebiet. Sue Unterstübung seiner Darlegungen überarbeitet und in den Bruntgemächern und Luftschlössern der Saren, teilweise aber auch in den berüchtigten Rafematten der Beter- Bauls Feftung in Petersburg aufgenommen worden. In russischen Film freijen wird immer wieder ber Mangel an guten Apparaten und technischem Zubehör beklagt und die Abhängigkeit von Lieferungen feilens der betreffenden Branchen im Auslande betont, reichte Herr v. Hoesch ein schriftliches Memorandum. Poincaré äußerte sich im Verlaufe des Gespräches nur zu einigen Banfien, war aber nicht in der Lage, auch zu den übrigen deutschen Anregungen fofort Steffung zu nehmen. Eine diretta Antwort auf die deutschen Darlegungen erfolgte nit. Poincaré erinnerte daran, daß auch in Brüffet heute eine Demarche ber deuifchen Regierung erfolgt fei Das Neujahrskonzert der Wolfsbühne. Die Voltsbühne veranstaltet am und daß er vor Erteilung einer Antwort sich mit der belgischen ReNeujahrsabenb, 7 Uhr, in der alten Garnisonfire, Neue gierung in Verbindung fehen müsse. Sobald er über die Auffaffung Friedricftr, ein Geiliges Konzert, Bei dem Rammerlänger Brof. alberi Silmer, Brof. Boligans Reimann( Orgel) und ber der belgischen Regierung unterrichtet sei, werde er Heren v. Hoesch Mabrinaimer unter Leitung von Brof. Carl Shiel ihre Mitwir eine nähere Antwort zukommen laffen. Es ist anzunehmen, daß sich fung zugejagt haben. Nuker Drgelwerfen und hören gelangen bie Brie Boincaré über die schwebenden Fragen auch mit den alllierten Be Großer Herr aus Bags Weihnachtsoratorium, Beter Car nelius Beihnachtslieber und die Seligsreifungens bärden im befehten Gebiet in Verbindung sehen wird. von gift zum Vortrag, Karten zu 20 Bf. Nachzahlung 50 f. an der Abendtaffe in ber Geschäftsstelle ber Boltsbühne, Barenhäuser Hermann Zieh, Beltsbühnen Buchhand ung, Köpenider Str. 68. 3n der Boltsbühne, Theater am Bülowplatz, wird das Märchenspiel Das tapiere Eneiberlein, von Heinrich s mer, auch am Donnerstag, ben 27., Freitag, ben 28., und Sonnabend, den 29., nachmittags 3 Uhr gegeben werden. Eine Borgenfeler berantailet bey I. Begirl, Blau Berlin. des Deutigen better.Sängerbundes am zweiten Beib, nachtsfeiertag im Saalbau kriedrichshain. Beginn vore millans 9%, Uhr. Die Männerchove Berliner Lieberfreunde, Ramenlos und Fighte- Georginia wirfen mit. von Prof, Walter ifcher findet am 27. Dezember, abende 8 Uhr, im Dom statt, einadismufit. Mitwirkende: Bret. Albert Rifcher( Day) und das Trio vom Stingler Quartett. Der Dom ist geheizt. Eintrittsprogramme an der Kaffe. Franzosen und Pfälzer Separatisten. Ein Proteft Stresemanns bei Margerie. Bertin, 24. Dezember.( WEB.) Der Reichsminiffer bes Auswärligen, Dr. Stresemann, hat am 21. d. m. den franzöfi fchen Bofflchafter, Herrn de Margerie, empfangen und dabek vornehmlich die Zustände in der Pfalz zur Sprache gebracht, die bereits Anlaß zu zahlreichen Protesten bei der franzöfifchen Re. gierung gegeben haben. Dr. Stresemann hat diese Protefle dem Botfchafter gegenüber wiederholt und als weiteres Material bem franzöfifchen Boffchafter eine umfangreiche Aufzeichnung über fandt, worin der Nachweis erbracht wird, daß in der Pfalz ein Der politische Wordprozeß von Paris. Paris, 24. Dezember,( Eca.) Nach einem fenfationellen Prozeß, der in politischen Kreifen großes Auffehen erregt hat, wurde Germaine Berthon, die Mörderin des Generalsekretärs der Camelots du roi, plateau, die eigentlich Leon Daudet emorden wollte, vom hiesigen Schwurgericht freigesprochen. Sindem die Geschworenen die Mörberin Plateaus freisprachen, fprachen sie ihr Verdammungsurteil über die französische Reaktion. Moskau, Angora und der Vorwärts". Bon ber Berliner Abteilung der Ruffischen Telegraphenagentur wird une folgendes Dementi fibermittelt, das ihr ben der Mestaurt Zentralftelle zugegangen ist: Die Borwärts" Meldung über angebliche Drobungen der Angora Regierung. deren militärische Vorbereitungen diplomatijde Schritte der Sowjetregierung zur Folge gehabt hätten, entbehrt jeder Grundlage. Zwischen der Sowjet- Union. und der Türkei find feinerlei Ronflitte ober Reibungen wegen angeblicher fommunistischer Wgitation der Sowjetregierung in der Türkei, noch aus irgend einem anderen Anlei entstanden. Zwischen der Türlei und der Föderation trane. Tautafifcher Mepublifen, die einen Teil der Eowjet- Union bilben, bestehen unveränderlich freundschaftlige Beaichungen." Wir geben lohaler Weise das offiaiöfe ruffifche Dementi wieder, müssen aber zugleich darauf hinweisen, daß es mit durchaus glaubwürdigen Melbungen aus thrlischer wie aus neutraler Quelle in schroffem Widerspruch steht. Bemerkenswert ist aber noch folgendes: Die offizielle Nachrichtenagentur der Sowjetregierung betont mit befonberem Nachdrud, daß keinerlei Reibungen alvifchen Moskau und Angora wegen angeblicher fommunistischer Agitation bestehen und daß die Cowjet- Union mit ber Türfei unverändert in freundschaftlichen Beziehungen steht. Gleichzeitig melbet Reuter aus Konstantinopel: Die türkischen Behörden haben die Auflösang per rbeiterunion angeordnet, mit der Begründung, jeglicher Bufammenfchluß von Eriverbegruppen fei unzuläffig. L Wir überlaffen es den kommunistijden Arbeitern. sich in einer Politik zurechtaufinden, die sich sonft in den heftigsten Schmähungen gegen den angeblichen Arbeiterverrat" der Sozialdemokratie ergeht, die aber wenn es ihr aus irgendwelchen. diplomatischen Gründen angebracht erscheint sich mit einer Ster gierung verbrübert, die bie folimmsten Unterdrückungsmaßnahmen gegen bie Arbeiterbewegung zur Anwendung bringt Gewerkschaftsbewegung Friede auf Erden? Schritt ihm zuftreben. Die Rämpfe find schwer, der Weg ist noch meit. Um so weniger dürfen wir verzagen und verzweifeln, um so mehr müssen wir in zäher Ausdauer einmütig unseren Weg gehen, uns nicht auf Nebenwege abdrängen lassen. Gehen wir unseren Weg, unbefümmert um alle Hemmnisse und Wirrnisse: er führt zum Ziel. Unser Kampf gilt dem Frieden, Einigkeit macht uns stark! Der Weihnachts-, Engel" im Großhandel. ,, Weihnachtsfrende für Bankbeamte. Man schreibt uns: Seit Tagen ging bei den Angestellten der Berliner Großbanken die Kunde um, daß an Stelle des verweigerten Weihnachtsgeschents wenigstens ein Borschuß bezahlt würde. Allein, die Rechnung war ohne die Unternehmer gedacht! Als gestern die Beamten der Zentrale einer D- Bant zu Hunderten vor den Türen der Direktoren stürmisch einen Vorschuß begehrten, wurde ihnen gedroht, entweder sofort auseinander zu gehen oder man würde Schupo zu Hilfe rufen. „ O du fröhliche, o du jelige...! Völkische Gemeinheit". Wieber hören bir die Botschaft, doch uns fehlt der Glaube. Wo ist Frieden? Ilen Frieden, den das Versailler Diktat zuläßt, sehen wir am Rhein, an der Ruhr und an der Saar. Das ist eine Fortsetzung der Krieges mit anderen Mitteln. Aber auch dort, wo der Arnt Poincarés nicht hinreicht, dort, wo man die alte Er ist noch einmal eingefehrt. Die unter Tarifbruch zum Ordnung fultaviert, an der Isar, ist kein Frieden. Im Gegenteil, Teil vollzogene Reduzierung der Löhne der Handels= die Kriegslust ist dort größer denn je. Die Völkischen, die der arbeiter um 10 Proz. genügt nicht. Es sollen nach einem Republi Urfehbe geschworen haben, rüsten gegen den inneren neuen Rundschreiben des Groß- Berliner Arbeitgeberverbandes des Feinb" and find im 3meifel, ob sie gleichzeitig gegen den äußeren Großhandels am tommenden Lohntag abermals zehn Beitung" in unserer Mittwoch- 2bendausgabe versehen."(„ Vorw. Mit dieser Ueberschrift mußten wir eine Abwehr der Deutschen Feind rüsten oder einstweilen einen Baft mit ihm schließen sollen, Brozent, wieder während der Bertragsdotter, in Abzug gebracht Nr. 592.) Inzwischen fonnten wir feststellen, daß die ganz zuver um desto erfolgreicher zunächst den inneren Feind, das industrielle werden. Gleichzeitig sind mit demselben Rundschreiben die bereits fäffige Mindener Quelle" tie„ Mindener Zeitung" ist, die in Proletariat, niederzuringen. Ihren Hakenkreuz- Feldzug wollen sie ongedrohten rücksichtslosen Maßnahmen den Mitgliedern zur Pflicht Wirklichkeit eine sehr trübe Quelle ist. Am 19. Dezember unter der Parole fühlen:„ Gegen den Marxismus!" Einstweilen gemacht, und zwar: brachte die„ Deutsche Zeitung" ihren Anwurf gegen die Geaber haven unsere Antimarxisten noch einiges zu tun, um ihre aus-„ Es müssen alle Betriebe, in denen Kündigungsfristen mit wertschaften, worin sie sich über Korruption" sittlich entrüstete, einandergegangenen Richtungen friedlich zu vereinen. den Arbeitern bestehen, den Arbeitern das Dienstverhältnis zum weil sich fünf Gewerkschaftsangestellte in Minden gezwungen sahen, Zwecke der Abänderung der Kündigungsfrist auffündigen. Da sich in die Liste der Erwerbslosen eintragen zu lassen. Die„ Min. in den meisten Gruppen Manteltarife noch bis zum 31. Dezember bener Zeitung" hatte ihre Anwürfe schon am 22. November und am laufen, muß die Kündigung zwer sofort, aber frühestens mit 1. Dezember gemacht, und unser Mindener Parteiorgan, die Wirkung vom 31. Dezember 1923 ausgesprochen werden. Weser Warte", hat bereits am 8. Dezember die übrigen Unterstellungen zurückgewiesen. Auch auf wirtschaftlihem Gebiet ist tein Frieden. Die gemeinsame Wurzel des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Unfriedens liegt in der tapitalistischen Gesellschaftsordnung. Dieser Ordnung, die gegenwärtig auf Abbau eingestellt ist, hat zum Feste der Liebe Millionen fleißiger Arbeitshände zum Müßiga ang verurteilt, ihnen die Arbeit entzogen, auf der ihre Eistenz beruht, das Wohlergehen ihrer Familienangehörigen. Acht Stunden Arbeit sei zu wenig, deshalb müsse zunächst vollständig gefeiert oder verkürzt gearbeitet werden. Ein Teil der Arbeitnehmerschaft ist total abgebaut, aus dem unmittelbaren Rampfe ausgeschaltet, der dem übrigen Teil aufgedrängt wird, um ihn zu zwingen, um fürzeren 2ohn länger zu arbeiten. Die wenigen freien Stunden, die dem Arbeitnehmer für sich und seine Familie beim Achtstundentag bleiben, find dem Unternehmertum zuviel. Es will noch mindestens die Hälfte davon in seinem Interesse verwendet wissen, und damit der Arbeiter nicht etma glaubt, zur Fristung seiner Eristenz genüge ein Arbeitstag von acht Stunden ohne Pausen und Wege, werden die Löhne abgebaut, um ihm zu beweisen, daß er länger fronden muß, wenn er sich mit seiner Familie fcittessen will. Auch die sozialen Fürsorgemaßnahmen werden abgebaut, die auf ihren Ausbau gerichteten Entwürfe beiseite gelegt, bis sie vergessen und verstaubt oder im gegenteiligen Sinne umgefälscht find. Die Agenten der kapitalistischen Ordnung, unter der kein Frieden auf Erden fein fann, beschuldigen uns Marristen als Friedensstörer, meit wir der Zufriedenheit entgegenwirften, die flaffenden Gegenfäße aufzeigen, anstatt zuzusehen, wie sie verfleistert werden oder an ihrer„ ,, lleberbrüdung" mitzuhelfen. Mit mie wenig im Berhältnis zu dem, was die Zufriedenheit der Bes sitzenden ausmacht, wäre die große Masse des Volkes zufrieden, wenn es ihr der Kapitalismus nicht vorenthielte! Aber ihr alles zu nehmen und obendrein von ihr Zufriedenheit fordern, das führt nicht zum Frieden. Wir haben keinen Frieden! Da der Frieden auf Erden nicht Wirklichkeit, nehmen wir ihn als Verheißung für alle, die eines guten Willens find. Dann ist der Friede unser Teil. Denn wir erstreben einen gesellschaftlichen Zustand, der für Massengegenfäße feinen Raum hat. Wir sind des guten Willens zum Frieden zwischen den Völkern, zum Frieden zwischen den Menschen. Deshalb befämpfen wir die kapitalistische Wirtschaftsordnung, der das Leben des einzelnen Arbeitnehmers nichts gilt, die nur auf Profit bedacht ist und in den besitzlosen Menschen nur Arbeitshände, Arbeitswerkzeuge sieht, die ein notwendiges Uebel sind, da sie lebendig und schwerer BH dirigieren find als maschinelle Werkzeuge. Wir erstreben einen Gesellschaftszustand, in dem jeber, der nach bestem Können und besten Kräften arbeitet, in der Arbeit Bufriedenheit findet und daraus auch die Mittel gewinnt, als Mensch zu leben; nicht nur den Magen zu füllen, sondern teilzu nehmen an allem, was Natur und Kunst, was Kulturfortschritt der Menschheit an geistigen Genüffen bieten. a) Soweit eine fürzere als 14tägige Kündigungsfrist besteht, haben die Betriebe den Arbeitern sofort mit Wirkung auf den 31. Dezember zu fündigen. In einigen Verbänden waren in Minden bis zu 75 von 100 Mitgliedern teilweise und gänzlich arbeitslos. Mit Recht schrieb die Weser- Warte": n " b) Soweit eine Kündigungsfrist von 14 Tagen besteht, ist sofort mit Wirkung auf den 5. Jonuar zu fündigen. Wenn infolge der Wirtschaftskrise Handel und Industrie Ar Mit der Kündigung ist sämtlichen Arbeitern befanntzugeben, beiter und Angeftelite entlassen, wenn sogar Arbeitgeberorganisatio daß fie das Dienstverhältnis unter den bisherigen Bedingungen nen ihre Geschäftsführer entließen und sich dazu noch auflösen jedoch unter Ausschluß einer Kündigungsfrist fortfeßen tönnen. mußten, wenn fast alle Menschen, soweit sie nicht Schieber und Falls die Arbeiter sich nicht bereit erklären, muß der Betrieb Bucherer sind oder ihnen sonst eine trübe Quelle fließt, und alle mit einer Ersetzung dieser Arbeitskraft mit Ablauf der Kündigung Körperschaften und damit auch die Gewerkschaften aller Rich. rechnen. Im Falle der Weigerung von Betriebsräten ist dem tungen nicht bloß die freien unter der Ungunst der Zeit Arbeitgeberverband Mitteilung zu machen. Es wird durch ihn verhältnisse schwer leiden, so gehört ganzer Haß dazu, um ausdann das weitere veranlaßt werden. Spätestens am 6. Jonuar gerechnet über die freien Gewerffchaften die albernen, bösartigen 1924 ab dürfen sämtliche Arbeiter in den Betrieben nur noch Gloffen zu machen, wie es die Mindener Zeitung" tut. unter Ausschluß der Kündigungsfrist sein." Und siehe, ich verkünde euch frohe Botschaft. Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Wenn nun die von der vorübergehenden Arbeitslosigkeit betroffenen Gewerkschaftsangestellten anderswo nicht sofort neues Einkommen beziehen fonnten von 5 Gewertschaftsangestellten, Es ist anzunehmen, daß auch dieses für das Handelsgewerbe die Unterstützung erhielten, bezogen 2 diefe nur für wenige Tagegeradezu verhängnisvolle Vorgehen des Arbeitgeberverbandes von so fann ihnen doch ein halbwegs vernünftiger Mensch nicht das Arbeiterschaft ist jedenfalls fest entschlossen, den ihr hingeworfenen stellie, seinen Mitgliedern nur im geringen umfange befolgt wird. Die Recht absprechen, von den gefeßlichen Einrichtungen genau so Gebrauch zu machen, wie all die tausend Arbeiter, Ange. Fehdehandschuh aufzunehmen. Die Handelsarbeiter werden gemein- felbständige handwerksmeister, die ebenfalls durch die selbständige Gewerbetreibende und som mit den Angestellten zu dieser Frage Stellung nehmen und zu Ungunst der Berhältnisse dazu gezwungen wurden, infolge vorüber dem ihnen aufgezwungenen Kampf rüsten. gehender Arbeitslosigkeit Arbeitslosenunterstüßung in Anspruch zu nehmen. Scharfmacherei in der Berliner Metallindustrie. " Wenn nun wiederum die Mindener Zeitung" unter Tausenden Don Erwerbslosenunterstützung Beziehenden die wenigen GemerfDa so viele Arbeiter jetzt überflüssig sind, muß der Achtstunden schaftsangestellten herausgreift und über diese in tag beseitigt und auch sonst jede Stunde genügt werden. Wie in der niedrigsten Art schreibt, wie in ihrer Nr. 59, so be anderen Betrieben wurde auch in der NAG. Oberschöne weist das wiederum ganz flar die Absicht der vollkommenen Berweide( Automobilgesellschaft) dem Arbeiterrat 14 Tage vor Weih- leumdung. Wir erwarten von der„ Mindener Zeitung" nicht, nachten mitgeteilt, daß man beschlossen habe, der Arbeiterschaft Ge- daß sie die Wahrheit darüber fagt, weshalb tie Unterflügung an tage mettzumachen durch Leistung von freiwilligen Ueberstunden. sie ja sagen, daß 80 Broz. der Reichs- Unterstützungs- Milliarden in legenheit zu geben, den Lohnausfall durch die Feier die arme Ruhrbevölkerung eingestellt werden mußte, fonſt müßte Die tarifliche lleberstundenzulage von 25 Broz. soll jedoch sehr trübe Bäche flossen und daß die arme leidende Bevölkerung für diese freiwilligen Ueberstunden nicht gezahlt werden. Die Ar betrogen wurte, von Kreisen, die der Mindener Zeitung" näher beiterschaft lehnte deshalb die Leistung der Ueberstunden ab. stehen als den Gewerkschaften." Immerhin fanden sich 300 von den 3000 Arbeitern, die den ver= Auch wir fönnen von dem Maurenbrecher- Blatt nicht erwarten, lockenden Sirenentönen der Firma folgten. Und auch sie nur, weil daß es nunmehr über seine ganz zuverläffige Mindener Quelle", von den Borgesetzten ein sanfter Druck ausgeübt wurde. die in der Weser- Warte" eine vernichtende Charakterisierung erstundenwilligen einen Vorschuß von 10 m, die übrigen Arbeiter ganze System" und die Gewerkschaften in minten urüd. Am Sonnabend vor Weihnachten erhielten nun die Ueber- fährt, preisgibt und den Vorwurf der Korruption gegen das nichts. Einige in besonderer Not befindliche Familienväter bemühten nimmt. Dieser Borwurf, der mit auf den Borwärts" bezogen sich ebenfalls um einen Borschuß. Statt dessen bekamen fie die Ant murde, ist und bleibt jedenfalls eine„ völkische Gemeinheit mort: hätten Sie Ueberstunden gemacht, befämen Sie ebenfalls gegen uns. Nicht die einzige und nicht die letzte. Borschuß, so aber bekommen Sie nichts!" Also: Zuderbrot und Peitsche! Nun, die betreffenden Arbeiter werden auch ohne Vorschuß die Feiertage verleben. Daß aber durch solche Nadelstiche eine tiefe Berbitterung zu dem Unmut über die ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse hinzukommt, scheint den Herren nicht recht zum Bewußtsein zu kommen, da sie sich augen ändern sich. Die einzig richtige Antwort aber, die die Arbeiter schon blicklich auf dem Gipfelpunkt ihrer Macht fühlen. Nun, die Zeiten jetzt geben fönnen, ist, wieder Selbstvertrauen zu faffen, ihre Gewertschaften zu stärfen, der einheitlichen Arbeitgeberfront die geschlossene Front der Arbeiterschaft gegenüberzustellen. Fort mit dem Hader untereinander! Seid einig! Ein schlechter Troft. Wie übel wird heute den zu alt Gewordenen mitgespielt! Nachdem sie ein Menschenalter hindurch fleißig gearbeitet und ihre Kraft und Gesundheit, ihr ganzes Leben im Dienste des Kapitals verbracht haben, sind sie überflüssig. Wie unfagbar fümmerlich müssen sich unfere Alten für den Rest ihrer Tage durchs Dasein schleppen ein Spiegelbild der Zukunft der Jungen. Ihnen fehlt der größte Teil des Wenigen, dessen sie noch bedürfen, um ihren Körper aufrechtzuerhaften, so daß sie weit rascher, als es das After mit sich bringt, zu menschlichen Ruinen werden, förperlich und geistig verfallen. Und doch haben diese Alten gelebt, vielfach besser als unsere Jugend seit dem Kriege. Ist das Ordnung, ist das Frieden, daß unsere Jugend zum größten Teil unterernährt ist, daß ihr die notwendige Nahrung zum Körperaufbau fehlt? Wievielen Kindern fehlt heut am Fest der Liebe ein wenig Freude, selbst das Wenige, was ein armes Kinderherz froh machen kann? Wir verheißen auch der Jugend und dem Alter eine bessere Zukunft. Nicht weil wir sie erhoffen, weil wir sie er arbeiten. Beil uns die kapitalistische Ordnung dazu zwingt, einen Ausweg aus ihr zu finden, weil uns die Menschenliebe dazu drängt, unermüdlich im sozialistischen Sinne zu wirken in unseren Gewerkschaften, in unserer Partei. Alle Kräfte müssen sich regen, alle müssen dem gesteckten Ziele dienen, Schritt für obendrein beleidigend. Alles in allem, ein schlechter Troft. WIB. bringt folgende Empfehlung für einen Teil der Abgebauten bei der Reichsbahn: " Durch die Verminderung des Reichsbahnper fonals auf Grund der Abbauverordnung werden auch Beamte ,, Angestellte und Arbeiter betroffen, deren Leistungen durchaus befriedigten. Es entspricht daher der Billigkeit, auf diesen Umstand bei der Bewertung von Einstellungsgesuchen solcher ohne ihr Berschulden Entlassenen Rücksicht zu nehmen." In diesem Lob liegt einmal ein Efelsfußtritt für die große Mehrzahl der Abgebauten, im übrigen aber fönnen fich die für Einstellungsgesuche empfohlenen Abgebauten, selbst wenn sie hätten, daß gerade ihnen die Empfehlung ihrer bisherigen Behörde in irgendeiner Weise eine Bestätigung darüber in Händen gilt, gegenwärtig nichts damit anfangen. Diese Berlautbarung" ist also ziemlich überflüssig und in ihrer ungeschickten Form für die entlassenen Beamten, Angestellten und Arbeiter in ihrer Mehrzahl Preußische Goldschaganweisungen Diskont 5% Kurzfristige wertbeständige Rapitalsanlage. Laufzeit: 1 bis 3 Monate. Einzahlung und Rückzahlung in Papier- oder Rentenmart auf Grund der lezten amtlichen Berliner Notiz für Auszahlung New York vor dem Zahlungs- bzw. Fälligkeitstage. Stücke von 10 Goldmark bis 5000 Goldmark. 1 Goldmark- 10/ 42 Dollar. Die Schazanweisungen fönnen vom 10. Tage vor der Fälligkeit ab auf Forderungen des Preußischen Staates aus Steuern oder Verträgen, soweit diese auf Goldbasis gestellt sind, in Zahlung gegeben werden. Die Abgabe erfolgt durch die Preußische Staatsbank( Seehandlung) in Berlin W. 56, Markgrafenstr. 38, welche auch ein Merkblatt über die Schatzanweisungen, in dem alle näheren Einzelheiten aufgeführt sind, auf Wunsch tostenlos versendet. Kaufaufträge werden auch von allen übrigen deutschen Banken und Bankiers sowie von den Sparkassen entgegengenommen. Berlin, im Dezember 1923. Preußische Staatsbank Achtung! Marken- Zigaretten weit unter Tagespreis, Vertrieb von ( Seehandlung) Wir kaufen jeden Posten ausgekämmte EDER KENNER RAUCHT KRIS Frauenhaare Zigaretten, stets großes Lager, reelle Bedienung, Lager- Besuch lohnend. abak waren- Großhandlung J. Balsam, Seydelstraße 21. einwandfreie Ware zum höchsten Tagespreis. Haarverwertung A.-G., Belle- Alliance- Pl. 12% Nur allerbeste Qualitäten! Die„ Saffler-, Tapezierer- und Portefeuiller- Zelfung" gibt in ihrer feeben erschienenen Ausgabe befannt, daß sie mit Beginn des neuen Jahres wieder regelmäßig und zunächst 14tägig in einem Umfang von vier Seiten erscheint. Die bisherige Rückvergütung des Bezugsgeldes findet allerdings nicht mehr statt. Der BezugsVerbandsvorstand, daß sich dre größte Teil der Mitglieder an dem preis beträgt aber für den Monat nur 10 Bf. und erwartet der Monatsabonnement beteiligt. Bestellungen für Monat Januar find sofort bei dem zuständigen Bostamt aufzugeben. Deutscher Verkehrsbund( Transportarbeiterverband) Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Fortfegung ber verlagten Funktionärtonferenz am Sonntag, ben 30. Dezember 1923, vorm. 9½ Uhr, in den Resibenz- Festsälen, Landsberger Str. 31. Autritt erhält, wer sich durch sein Mitgliedsbne und die Funktionär farte legitimieren lann; ohne Ausweis wird Zutritt nicht gestattet. Die Ber bandsmitglieder werden ersucht, die Funktionäre ihres Betriebes auf diefe Bersammlung aufmerksam zu machen. Alle Vertrauensleute haben bestimmt au erscheinen. abkommen zwischen den beiden Organisationen burch Bezahlung von GoldBaugewerksbund, Fachgruppe Stuck und Gipsban. Nachdem das Sohnlöhnen aufgehoben, ist die Lohnzahlung nach§ 6 8iffer 3 des Tarifvertrages wieber vorzunehmen. Des weiteren machen wir die Kollegen auf die Mit. gliederversammlung am Freitag, ben 28. Dezember, abends 8% uhr, im Gewerkschaftshaus aufmerksam. Das Mitgliebsbuch legitimiert. wir ersuchen die Kollegen, unfere Mitglieder auf diese Bersammlung aufverantwortlich für Politit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Soternus; merksam zu machen. Die Gruppenleitung. Gewerffchaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Locales und Sonstiges: Frig Kerstäbt; Anzeigen: Sh. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. Hierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Flotte Formen! Ausnahmepreise für Pelz- und Plüschmäntel! 185,- 126, 658,- 498, 90,- 78, Plüschmäntel auf la Damasséfutter Pelzmäntel, sehr lang, la Felle u. la Futter 750, Echte Wollplüschmäntel, Garantie 5 Jahre Krimmermäntel beste Mohär- Qualität Ulster la, beste Ausführungen in 3 Serien 48, 36, Astrachanmäntel... 89, 36,- 24, .. 45, Ein großer Posten Strickwesten und Strickjacken für Herren u. Damen zum Aussuchen 23% 18,9% 27, 22, 15,- 9½ Wir führen keine Reklamewaren. Har allerbeste Qualitälen. Westmann 1. Geschäft: Berlin W8, Mohrenstr. 37a 2. Geschäft: Berlin NO, Gr. Frankfurter Str.115 Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Rohrleger Achtung! Mittwoch)( 2. Weihnachtsfeiertag), vorm. 10 Uhr. im Lotal von Nentw Linienstraße 195: Versammlung der Heizungsmonteure, Gas- und Wafferrohrieger, fowie Helfer, welche auf Montage arbeiten. Die Ortsverwaltung. 160/14 Algemeine Ortskrankenkaffe für Berlin Lichterfelde. Ab 1. Dezember 1923 rüdwirtend werden die Beiträge für die Hausangestellten herab gefegt in der Weife, daß die Sausange itellten nicht mehr der Gruppe 3. sondern mindestens der Gruppe 2 zugeteilt werden. Im allgemeinen werden die Beiträge ab 1. Januar 1924 auf 9 Broz. des Gundlohnes bzw. des tatsächlichen Entgelts bis auf weiteres herabgefekt. Der Höchst. grundlohn wird von sofort bis auf weiteres auf 6 600 000 000 000. herabgesezt, da burch fallen die Klassen 7 bis 10 fort. Berlin- Lichterfelde, 22. Dezember 1923. Der Vorstand 100 5 0. Gebert, 2. Borf. F. Haneberg, Schriftf. Marken- Zigaretten Tabak- Zigarren Constantin, Karmitry, Garbaty, Halpaus, Avramikos, Muratti, gibt ab u. Tagespr. TabakwarenArno Geßner, Großhandig. Werftstr. 21. Teleph. Moabit 2114. Straßenbahn- Fahrgeld- Vergütung. Nr. 601 40. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Zwischen Menschen und Häusern. Dienstag, 25. Dezember 1923 Ein Weihnachtsgang durch Berlin von Nord nach Ost, von Ost nach Süd, von Süd nach Weft. Es ist nichts Neues und bedeutet teine Offenbarung mehr, daß fich Weihnachten in unserer guten, vielbefehdeten Stadt doch ein wenig anders fenntlich macht, als es in den Hauptzentren feines Verkehrs dem unbefangenen Beobachter erscheinen mag. Stein, diese Zentren sind teine Spiegel und feine Vergrößerungsgiäfer, durch die man die Dinge, vielleicht etwas perzerrt, aber doch wieder erfennen fönnte. Das Zentrum der Promenade und des Geschäftsverkehrs ist lediglich die gute Stube, die manche Beute nur mit steifem Rücken und auf Fußspizen betreten. Die gute Stube, in der zu weilen sich jeder einmal leisten will, und das besonders in einer Zeit, wo diese Stube ein wenig festlicher als sonst geschmückt ist, einige Lichter und einigen Glanz zeigt, viel Bildhaftes und Schmückendes, das die abgerissenen Tapeten und die Löcher in der Wand verdeckt. Berlin zu Weihnachten zu sehen, es unter den Zweigen des verkrüppelten Strauchbesens zu beobachten, der aus diesen und jenen Gründen heuer bei uns den Weihnachtsbaum dar stellt, ist eine Sache, die einige Mühe und Zeit erfordert. Sie wurde an diesem Weihnachtssonntag unternommen, da heute alles darauf ankommt, falschen Bildern und verftiegenen Malereien das nadte Spiegelbild der Dinge, wie sie wirklich sind, gegenüberzustellen. Der Weg, den der Wanderer einschlug, um Berlin zu Weihnachten zu sehen, ist durch die fetten Linien auf der Karte erkenntlich. Und es ist auch zu sehen, auf welche Stadtteile sich der Weihnachtsglanz vertekt und wo die Finsternis der Not beginnt. Chauffee/ Brunnenstr. Es fror Stein und Bein, durch matte Dämmerung fraß sich der Nachmittag in den Abend hinein. leber dem Wedding lag ein schwaches Licht, ein Nebel und matter Dunft, der aus den Häufern der Not zu tommen schien sind die Luft erfüllte. Es war foniel Grau in den Straßen, daß Der schmußige Schnee, der ruß beschwert über den Dächern lag, fich schon wie das lederfte Weiß ausnahm. Immer gingen Menschen auf und ab, hastig und brängten aus den Häusern hinaus, als ob sie einem llngewiffen entfliehen wollten, das in allen Dor Kurfursten Frankfurter Allee Kottbuser Damm. " Kreuzbergviertel in der Gegent der Dordstraße ist auch verlasse unweihnachtlich. Erft an der Potsdamer Straße, am So wie man Seite für Seite eines Buches umschlägt, wieberholt Winterfeldt- und Nollendorfplat entsteht das, was fich das Bild der Kleinhändlerschar von Straße zu Straße. Nein, man in Berlin Betrieb" nennt. Die kleiftstraße ist Auftakt und das sind keine Händler, die ihren Beruf darin finden, Tag für Tag| Bustrom, bis hinter dem Wittenbergplatz fich alles zu dem Band dies und das mit Profit zu verkaufen. Es sind jene Ausgestoßenen des Glanzes vereinigt, das unter dem Namen Tauentzien. aus den Werkstätten, Fabrikfälen und Kontoren, die die Arbeitsstraße mehr in der Vorstellung als in der Wirklichkeit wirkt. Auch Tofigteit auf die Straße wirft, die gezwungen find, alles hier Händler, auch hier kleinster Laben auf fleinstem Raum, aud zu ergreifen, was auch nur die geringste Hoffnung auf einen Ber hier Leute, die sich die blaugefrorenen Hände reiben. Aber doch ein dienst übrig läßt. Sie sind es, die diesem Weihnachtsfest den wahren anderer Schlag. Die Not, die sich hier bietet, ist nicht mehr fo Stempel ihrer Not aufdrücken. Nie zuvor hat es in Berlin ein stumm. Es ist eine winseinde Not und doch nicht halb so schlimm folches Heberangebot der unmöglichsten Dinge auf den Straßen ge- wie jene im Norden und Often. Hier wird beim Verkaufen von geben. Nie zuvor war die unausgesprochene Mahnung, um Him- der Not erzählt. Hier wird gejammert. Man will es denen, die mels willen etwas zu taufen, so furchtbar drohend und den vorübergehen, vor Augen führen, daß fie verpflichtet seien, aus ihrem Bassanten auf jeden Schritt verfolgend wie in diesem Jahre! In Mehrbefiz die anderen zu stützen. Es ist gewissermaßen die Bloßder Großen Frankfurter Straße stehen diese Gestalten stellung des Elends unter dem Tannenbaum. Bettelnde Frauen der Gorge nicht nur auf der Straßenseite des Bürgersteiges, nein, mit Kindern, Frauen, die dem Wanderer eine Streichholzschachtel auch auf der Hausseite drängen sich die Grüppchen. Hier steht das in die Tasche stecken und dazu sagen: Nicht wahr, mein Herr, Sie Allerärmste und bietet feil, was ihm von Armen, die gegenüber| fönnen doch eine Streichholzschachtel gebrauchen?" Appell an das nzalez. Chausales it Jork Schriften ckets esand brunnen hlesischen B gute Herz zur Weihnachtszeit! Unter der Voraussetzung, daß es blamabler ist, vorüberzugehen, als eine Kleinigkeit zu faufen und noch etwas dazu zu schenken. Die meisten rechnen auch gar nicht auf Käufer. Sie rechnen damit, daß man die Kärglichkeiten, die fie anbieten, bod) nicht nimmt. Es ist Bettel unter Attrappe. Gott, es schadet den Protzen und Devisenhamsterern nichts, wenn man ihnen auf diese Weise nahetommt. Aber es würdigt den anderen herab. Es ist fein sym pathisches Bild, das sich in diesem Glanz entwickelt. Der eine in Belz gehüllt, in pelzgefütterten Stiefeln, zeigt seinen Reichtum, der andere feine Armut, indem er fich schäbiger fleidet, als er es nötig hat. Er trägt einen ger riffenen Rock, von dem die Fliden hängen, aber darunter eine gute Wolljade. Er zeigt die blaugefrorenen Hände und hat die Handschuhe in der Tasche. Die Straße selbst ist bis in die späten Nachtstunden belebt und auch die Händler befolgen feine Polizeistunde. Die Häuser sind hell, aus den Lofalen dringt Musik und zwischen den Borhängen leuchten die Richter eines Weihnachtsbaumes. Es ist eine Straße, die man nicht ernst nehmen darf. Eine Straße, die teine Notwendigkeit ist und fein Bedürfnis und lediglich dem auf die Spize getriebenen Lurus zum Rahmen dient. Die Leute frieren nicht in dieser Straße, fie gehen auch nicht harmlos und schauluftig einher, wie die Passanten ter Frankfurter Allee und ber Brunnenstraße. Sie gehen, weil fie zu einem Bergnügen wollen ober von einem solchen tommen, und die Gedanken lügen ihnen Weihnachtsfreude vor. Hinier der Gedächtniskirche, mo der Kur= fürstendamm sich breit und progig entwickelt, tritt etmas Stille im Verkehr ein, um an der infeln brütete. Viele gingen ohne Mäntel, und der Frost grub ihre Hände in die Taschen, brüdte fie förmlich zusammen, daß fie kleiner schienen, als sie mirtlich waren. Aber alles mar Bewegung, alles im Begriff, aus dieser Weihnacht noch einiges herauszuholen. Manche eilten mit abgetafelten Rinderwagen, Schmach gefüllt mit einem Etwas unter grauer Dede, andere haste= ten mit Bündeln daher, Körben, Kisten. Kleine Handmagen wurden eilig gezogen, und müde Pferde waren einen Zug von mehreren. fleinen Je weiter| Kreuzung der Joachimsthaler Straße mieder neu Tafelwagen gespannt. Denen, die nebenher schritten, ging selbst handeln, zum Berkauf abgelassen wird. das Pferd nicht schnell genug, denn es mußte fig der fleine Stant man die Franffurter Allee hinaufkommt, um so mehr aufzuflammen. Etwas weiter hinauf, wo die pompösen Wohnaufgeschlagen werden, an einer bestimmten Stelle, die nach den Er nimmt das Getümmel zu und hat dort seinen Höhepunkt fraßen des Westens abbiegen, steht vor einem Borgarten gegen fahrungen der letzten Tage noch etwas versprach. Hoffnung, so gea erreicht, mo die Warschauer Straße sich zur offiziellen An- das Gitter einer, den die Not schärfer drückt. Sein Gesicht ist im wissermaßen troftlose Hoffnung( wenn es so etwas gäbe!) lag in erfennung eines Weihnachtsmarktes entwidelt. 3u Seiten diefes Dunkeln und sein Kragen hochgeschlagen. Er hat einen fleinen der Luft und wurde frisch gehalten durch die Rälte. Aber überall Treibens stehen unbefümmert und wie tot die fahlen Hausmauern, Feldstuhl vor sich stehen und darauf eine zehn bändige waren diese Wagen unterwegs, Kinder waren dazwischen und halfen aus den Fenstern dringt kaum ein Lichtschein, und wollte man Goethe- Ausgabe. Er spricht nicht und ruft nicht. Nur menn fdrieben und tragen. Ein Junge schleppte eine fleine Rifte, fein aus diesem Anblic einen Schluß ziehen, wie Weihnachten, hier ge einer ben Kopf mendet, nennt er den Preis. Aber er mag schon Mantel war noch gut, aber seine Füße steckten in den Schuhen, die feiert wird, so wäre er trostlos und verzweifelnd. Die War- lange stehen! Denn das Weihnachtsfest, das er erwartet, hängt von feitwärts den Fuß hinaustreten ließen. Keine Schuhe mehr, sondern schauer Straße entlang, wo sich dunkle Nebenstraßen stumm einem Zufall ab. Bon dem Zufall, daß einer die Not sieht, auch wenn nur noch Reste, die um den Knöchel durch etwas Leder festgehalten und verlassen öffnen, über das Gelände der Schlesischen Bahn hin- fie sich nicht laut gebärbet. Und das tommt felten vor! wurden. Die ganze fahle Reinickendorfer Straße fah meg, aus dem eine Ahnung rollender Züge Gedanken an beffere Sah nicht der Wanderer am Rottbuser Damm ein Kind, das bieje Ravalladen der fleinen Händler, die nach der Fernen bringt, über die dunkle Spree, die halb vereist das Bild der seine Buppe vertaufen wollte? Wo führt zu Weihnachten der Weg Brunnenstraße zogen. Am Beddingplay brängte sich ein Finsternis in diefer Gegend noch verstärkt, durch die Staliger Straße von der Puppe zu Goethe? Wurde nicht hier aus gleicher Not Schwarm von einigen Zwanzig um ein Etwas, das in der Mitte zum Kottbuser Tor, wo der Kottbuser Damm gewissermaßen gleiche Sorge geboren?... vor fich ging. Es famen Neue hinzu. Es wurden dreißig und einen Anlauf nimmt, um rasch in Gegenden zu gelangen, wo sich vierzig, bis endlich eine Tannenspize sich hervorhob und einer das Menschen wohlfein laffen tönnen. Auf der Rottbuser Brüde fümmerliche Abbild einer Tonne, das förmliche Gespenst einer wieder das rege Händlertreiben, wieder die kleinen Stände, die Weihnachtstanne aus seiner Hülle befreite. Er hatte ihn irgendwo Tafelwagen mit Aerfeln. Aber jetzt ist es gegen 5 Uhr, unh man her. Er hatte ihn.... Aber nun gehörte en ihm, nun wollte er schickt sich an, den Kram zusammenzupacken und die letzte Heffnung ihn verlaufen. Ja, hier waren Weihnachtsbäume rar, nirgends die auf morgen zu vertrösten. Hinter dem großen Warenhaus, das feine Spur von dem dunklen Grün, das sonst seine Wälder in Berlin Pforten schließt und gerade die letzten aus Glanz und Licht auf die cufftellte. Auf den endlosen Reihen der fahlen Ballone, die wie dunklere Straße fpeit, verfolgen einen im Vorübergehen die Augen Folterfäfige an den Mauern flebten, nirrends die Spur einer eines Kindes, das dort an der Mauer lehnt und in den Armen eine Tanne. Wo sich die Bankstraße müde in die Badftraße wirft, festlich gefleidete Buone hält. Eine feftlich netleidete Puppe! Aber leuchtete an einem Baum ein Zettel, mit Bleistift geschrieben: das Kind ist nicht feftlich und feine Augen sind so traurig, wie es Das Kind will die Buppe Billia. große Schlafpuppe zu verfcufen; 3rm bemenen, auch oft nur Kinderaunen fein können eine Rernledersohle ist zu verfoufen." Das Bild eines verkaufen. Es steht zwei Stunden da und wartet, daß ihm Hausrats fteiot auf. der nicht mehr da ist. Refte: Schlafpupve und jemand das abnimmt, was es fethit gern hat. Aber vienei ist es cin Stück Leder. Ihr Bertauf der letzte Versuch. um den Hunger hungrig. und der Hunger ist im Begriff, die Liebe zu dieser Buppe menigstens in den Weihnachtstagen noch nicht hineinzulassen. Ba d- zu ersticken. Das Kind sieht jeden an, der vorüberacht, forit aber straße, Brunnenstraße Kurfürstendamm des Nordens. nicht. Ein fleiner Spielzeughändler wird gerade einen Gegenstand Ein Händler neben dem anteren, buchstäblich einer neben dem los, für den man ihm einen größeren Geldschein zum Wechseln anderen. Stehen da. stehen da, frieren, warten. Zinoretten, gibt. Er kann ihn nicht mechseln, er hat sein Geld. Gegenfrage: 3igaretten, Schokolade, Zigaretten. Oft nur ein Tisch, manchmal haben Sie denn noch nichts verfauft?"" Doch." fagt er, ich habe ein Stuh, ganzer Restend bet eininen: breißin Schofolo entofeln, aut verkauft, hab' aber das Geld aleich Muttern nach Haus geoft noch weniger. Die Händler lesen in jedem Gesicht, manche reden schickt, die gern' nen Kuchen zum Feft backen wollte." Der Rott noch und suchen zum Kauf anzureizen. Einice reden nicht mehr. bufer Damm bränat nach House. Irrendmo steht wieder einer, der Zuweilen bricht einer oföglich feinen Mortschmall ab, als wäre ihm fümmerliche Tannen zu verkaufen hat. Eine große Anfammlung das Wort auf der Lippo erfroren. Steht tot neben dem Kram. um ihn. Man reißt sich um die förmlichten Gebild die ein afhentfieß, trabben die Frierenden in Gruppen aber für sich allein Rine Jungen behüten Stände, stehen blannefroren neben einem( oder war es nur ein Part?) unter dem Namen„ Tanne" hervorIlich, der drei Bäreften träet felbft nefertigt aus Holz. Stehen gebracht hat. Der Hermannplag nimmt auf, was dem Kott und stehen und nach Stunden find noch immer drei Mägelchen da. bufer Damm entftrömt. Manch einer bat fo armseliges Reug, daß man sich wundern würde, finde es einen Käufer. Die Bette geben vorüber und sehen, sehen Dasselbe. Meter für Meter die gleichen motten Gefichter, Ngleide Hoffnung, die foft schon feine mehr ist.„ Das ist etwas für ein fröhliches Weihnachtsfest!" ruft einer und fanvingt ein Spiel zeug. Es schnürt einem die Kehle zusammen. Wie gut tönnte der felbft ein fröhliches Weihnachtsfest gebrauchen. Gneisenaustraße Kurfürfendamm. Eine buntle, breite Straße. bie noch Borrärten zeigt, durah schnitten wird von schmalen und bunten Nebenstraßen, die in diefer Stunde als tote und verloffene Schuchien baliegen. Kaum ein Geräusch, wenig Leute, Fenster buntel oder ganz schwach erhellt. Die Belle Alliance Straße wirft etwas Leben hinein. Das Hauses " 09 J. K. Weihnachten in der Schrippenkirche. Schrippentirche" liest man in Berlin- Nord über der Tür des derstraße 52, teffen Straßenfront sich von bem Ginerlei der langen Reihe reiziofer Mietstafernen in nichts unterscheidet. Schrippenfirche" benannten vor Jahrzehnten die Obdac lofen den volkstümlichsten Zweig des Werkes vom Verein Dien an Arbeitslosen", die Bewirtung mit Kaffee unt Schrippen und die dazu gehörende morgenpredigt, die er im Winter an jedem Sonntagmorgen für die aus dem Obbad herausströmenden Nachtaäfte veranstaltet. Jene Bezeichnung na: wohl der Einfall eines Wigemachers und anfangs als Berrifung cedacht, aber der Berein hat schließlich selber den Namen„ Schripper firche" für seine Sonntagsb wirtung anerkannt und ihn seitdem amtlich geführt. Einen besonderen Ruf hat die am Sonntag vor Weihnachten in der Echrinpentirche ftattfindende Morgenando. weil sie an diesem Tage als Weihnachtsfeier gestaltet wird und s dabet statt der fahlen Schrippe eine beffer schmederde Stolle gibt. Diesmal hatte die Schrippenfirme 800 Gäste, die der im Hinterhaus des Grundstides eingerichtete schlichte Betsaal taum aufzu nehmen vermochte. Von der.Balme", dem Obdach an der Fröbet ftraße, das fie bei grimmiger Kälte in bas Dunfel des Bintermorger durch die noch einsamen Straßen der nörblichen Stadtteile noch der Schrippenfirche. In der Schor, die fich hier zusammenfand und Ginlaß begehrte, war manche flönliche Sommergeftalt. Da sah man Alter. heruntergekommene Männer in schon vorgerüftem mit gravem Haar, müde und stumpf vor sich hin bildend, in zer'umnter Sleidung, die den morfchen Körper nothürftig bedeckte, im Froit fich zusammenfrümmend. alizernden Raureif im buschigen Bart. In sehr viel prößerer Zehl waren die noch Arbeitsfähigen beteiligt, Männer mittlerer Altersklassen, aufgerichteten Hauptes und finsteren Blides, nicht wenige von Ihnen in noch leidlich erhaltener genug war fleinen Kreffe um den brennenden Weihnachtsbaum versammelt sind, umb das fefte Schilde muß in uns aufsteigen, an der eigenen Bollendung zu arbeiten, Stein auf Stein zu fügen, damit das Ideal in Erfüllung sche. So wird der Weihnachtsabend ein rechtes Fes Ein Appell der ausländischen Studenten. schulen Deutschlands haben sich in wirtschaftlicher Not zusammen Die ausländischen Studierenden der Universitäten und Hochgeschlossen, um über die Mittel und Wege zu berater, die ihnen das Beiterstudium in Deutschland ermöglichen sollen. Kleidung, Arbeiter und Angestellte, die durch Entlassung und bereitet: Die Staatsoper führte vor den 1300 Jungen und Mädeln Arbeitslosigkeit bei farger Unterstügung bald auch obbachios das Märchenspielhänsel und Gretel" von Humper geworden waren, aber noch nicht das Schlimmste des Ob- dind auf. Das ganze Theater war im Bartett und in allen dachlosenelends fennengelernt hatten. Und leider auch groß Rängen mit Kindern bricht, beren Reihen einen feffelnden Anblid die Zahl der Jugendlichen, der Türichten und boben. Der Vorsitzende des Roten Krauzes, Graf v Winterfeldt, der Liebe" sein. Trogi en die sich der Obhut des Elternhaufes entzogen hatten. in begrüßte die Zuhörerschaft mit einer Ansprache, in der er der die Fremde gegangen waren und im Obdach strandeten. Die lieben Feunde aus Amerita gedachte. Er forderte die Kinder auf, meisten aus diefer ganzen Schar, die den durchwärmten Saal rasch zum Zeichen ihres Dantes so fräftig in die Hände zu flatschen, bis auf den letzten Platz füllte, verlangten wohl sehr viel weniger daß man es bis Amerifa hören müsse. Dos ließen die Jungen nach Seelenspeise als nach dem warmen Getränk und der sättigen- und Mädel fich nicht zweimal fagen, und sie antworteten ihm mit den Stolle, und auf diese begreifliche Stimmung der Zuhörerschaft einem Beifallttatichen, das an draft und Ausbauer niche in wird bei den Sonntagsandachten der Schrippenfirche auch Rücksicht wünschen übrig fieß. Als der Borhang fi hob, folgten genommen. Nach einem liturgischen Teil gab man in fluger fieberhafter Srannung dem romantischen Märchen, fachen mit dem Befolgung der Sprichwortweisheit, daß ein hungriger Bauch feine übermütigen Gretel, entsetzten sich über die aus dem Knusper Ohren hat zunächst die Bewirtung, und dann erft folgte die Pre- häuschen heraustommende schreckliche Hege und jubelten über die bigt. Sie war Schablonenarbeit, blieb aber nicht ohne Birtung Sühne, die ihr böses Trachten fand. Unter ben Gäßen waren die auf die Empfänglicheren unter diesen Unglüdlichen, von benen Gattinnen des Reichspräsidenten und des Arczitanischen Bot mancher das Haupt sentte. Mit dem jubelnden D du felige, o bu schafters, mehrere Vertreter von Ministerien und vom Auswärtigen fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit!" fchloß die Feier und Amt, von dem Wohlfahrtsamt und dem Jugendamt der Stadt die achthundert Obdachlosen zogen aus dem warmen Betiaal hinaus Berlin. Nach der Aufführung begaben sich die Kinder in den in den falten Wintertag, hinein in ihre Weihnachtszeit, in ihr Konzertsaal, um im schimmernden Licht weier Weihnachtsbäume altes Obdachlesenelend. die Liebesgaben der amerikanischen Kinderfreunde zu empfangen. Blindenbeicherung. Der ftionsausius, ber von den ausländischen Stu dentenvereinen gewählt und bevollmächtigt wurde, um die nötigen Schritte zu unternehmen. hatte eine große öffentliche Versammlung einberufen, bie ist Schillerjaaie unter lebhafter Anteilnahme der ausländischen Studenten sowie vieler Bersönlichkeiten von deutscher Seite, Mitglieder bes Reichsiages, Bertreter der Ministerien, Professoren, Universitätsbehörden und Bertreter der Breffe stattfand. Den Borfig hatte der Bevollmächtigte des chinesischen Studentenvereins Herr Jig- 3- Bing. Der erste Referent des Dr. Boulantzes( griechischer Studentenverband), gab eine leb hafte Schilderung über den ganzen Ernst ber Lage. Nach ihm Können wir uns Beihnachten denfen ohne das berückende Bild wurde durch den zweiten Referenten bes Tages ein Memorandum des im Glanze feiner Lichter strahlenden Weihnachtsbaumes, des perlefen, das nach eingehender Begründung unter Hinweis auf bie dunklen Grüns feiner mit buntem litter und Nafchwert behängten durch die Umstellung in Golbgelb veränderten Verhältnisse die A be und dem Blindgewordenen muß die in Kinberjahre ihn zuri- für ausländische Stubierenbe und Herabsetzung auf die Zweige? Dem Blindgeborenen blieb dieser Märchenzauber versagt, schaffung der unerträglichen Auslanderzuschläge feitende Erinnerung das Auge ersehen. Midi ohne Bebrüdung für Höhe der von den beutfchen Stubenten gezahlten Gebühren nach uns Sehende war die Beihnachtsteicherung für Blinde, die im gesucht hatte. Darauf erhielten die geladenen Gäſte das Bort. Berwaltungsbezirt Friedrimshain non ter feit Genoffe Eduard Bernstein, bt, wies darauf hin, daß zur Januar 1923 bort bestehenden Blindenwohlfahrtstommiffion am Internationalität das gegenseitige Berstehen der Bölfer ges Sonntag veranstaltet wurde. Fürfaig Blindgeborene oder Blind höre. Mit warmen Worten verlangte er Berständnis für die Notgewordene und elf Kinder von Blinden fonnten mit Rieidung, lane bes deutschen Boltes. Er fente dar, welche Umstände dazu beiWäsche, Nahrungsmitteln, Startungsmitteln und Beihnachts getragen haben, daß die ausländischen Studenten das Gefühl hätten, müde wurden, all bis Gaben zu bestaunen. Die Kommission hatte feitige Verständnis könne alle diese hinderniffe aus dem Were rällo näschereien so reich beschenkt werden. baß die tastenben hände nicht man betrate fie ais unangenehme Säfte. Stur das gegen sich bemüht, private Spender zu werben, und der Erfolg men. Die Borausichunren bofür, daß die Ausfänter des billigen überiraf alle Erwartungen. An der Befcherungsfeier beteiligten fich Stublums und nicht der deutschen Kultur wegen fämen, feien jest mit den Blinden mehrere Pertreter des Bezirksamtes( an der Soite acfaffen. So schwer es den Hochschulen auch fallen würde, auf der Bezirtsbürgermeister Mielik) urb der Bezirfsverfammlung, iznendeine Einnahme zu verzichten, ftehe doch höher die Notwendig Frauen und Männer aus der Wohlfahrtspflege und im besonderen teit ber ceifiigen Berbindung mit ben anderen Bölkern, zu der die aus der Blindenvilege, bie Bileger der Blinden und die Anne atademische Jugend besonders berufen fei. Als zweiter Redner He. hörigen, die den Blinden als Führer hienen. inforaden bes Betonte Dr. Schule- Bfaelaer, daß die deutsche Kultur um girtsverordneten Reinde, leitet, und des Stabirats Genossen Mann, Konzert eines ffeinen ohne Rüdlicht auf Ration befeelt. Zwar kann Deutschland anges der die Blindenwohlfahrtsfommission ihrer felbft roillen bie Miffion erfüllen muß, daß fie bie ganze Belt Orchesters, eines Männerquartetts unb ameier Sängerinnen und fichts feiner finanziellen Bage selbstverständlich den Ausländern feine Rezilationen von Kindern hielten die Festteilnehmer lange au besonderen Bergünstigungen bieten, boch fann auf flusem, fammen Am Sonntag fand anfüßlich der Eröffnung des Schuh perständigen Willen beruhende Organisation den hier studierenden fofals Berndt, Rottbufer Damm 18, ine Beihnachts Rustenbeen die aflgemeinen Bildungsmöslichtellen zugänglich gemacht bescherung für 120 arme Rinber fiait. Jedes Kind erhielt ether merden. Rahlreiche Professoren fonnten mit Rüdicht auf die trze einem Paar warme Schuhe, Pfeffertugen und etwas Spielzeug. Reit nur ihre Anteilnahme an der Frage übermitteln. In einer Ref Cutis murten die Bertrouenserklärungen sämtlicher an wefenben ausländischen Stubenten für den Aftionsausschuß zujammengefaßt. Der sozialdemokratische Weihnachtsmann. Der Brauch, durch die Parteiorganisation bedürftigen Genossen oder wenigstens ihren Kindern einen Weihnachtstisch auf. zubauen, hat im Laufe der Jahre an Verbreitung gewonnen. In biesem Jahre ist die Not noch größer als fonft, noch lebhafter als sonst auch der Bunsch, zu helfen, doch nur zu oft sind ben Hilfsbereiten selber jetzt durch den Mangel die Hände gebunden. Immer hin ist es wieder in einer beträchtlichen Anzahl Abteilungen gelungen, Weihnachtsbescherungen zustande zu birngen, die teils schon am Sonnabend oder am Sonntag stattgefunden haben, zum Teil erst in diesen Weihnachtstagen stattfinden sollen. In mehreren Abteilungen übernahm die Organisation der Kinderfreunde die Weihnachtsbescherungen für die Kinder. Die meisten Abteilungen begannen schon vor mehreren Monaten mit der Einfammlung von Spenden, und umsichtige Genossen und Genoffinnen legten alles eintommende Geld wertbeständig an, indem sie ftets sofort Weihnachtsgeschente da für einfauften, die sie bis zum Bescherungstage aufstapelten. Mancher, der damals noch bereitwillig in die Tasche griff und feinen Beis trag freudig leistete, ist inzwischen arbeitslos geworben und selber schon mit den Seinen in Rot geraten. Bei den Weihnachtsbescheru gen der Abteilungen galt selbstverständlich die Hauptforge wieder den Kindern und besonders denen der Arbeitslosen, aber hier und da wurde auch arbeitslosen Erwachsenen eine Freude bereitet, soweit bie zusammengebrachten Mittel es zuließen. Die Geschenke für die Kinder sind meist Kleiber, Hemden, Strümpfe, Schuhwert und andere nützliche und notwendige Dinge. Hinzugefügt hat man ein paar bescheidene Beckerbissen, nach denen die Schnäbel der Kleinen ver langen. In manchen Abteilunren ist für jebes an der Weihnachts befcherung beteiligte Kind eine Stolle gebaden worden. Bei den arbeitslofen Erwachsenen schien es zweckmäßig, ihnen hauptsächlich bares Geld zu geben. Eine Abteilung hat für jeden arbeitslosen Genoffen 8 Goldmart gespendet, was in dieser Zeit der niedrigen Löhne Weihnachten als das Fest der Liebe gefeiert worden. Aber haben Gine fiberraschende Aufklärung fand ein Einbruch in der Willibald Alegis Str. 26. Der Biörtner dieses Hauses, Mag schon als erheblicher Betrag gilt. Für die Bescherungsfeiern wurden ihre Mahnungen etwas genugi? Wo ist der Mann, ber wie einst teils Schulfäle, teils Wirtschaften und Vereinsräume in Anspruch der heilige Martin seinen Mantel mit dem Bedürftigen teilte. Won, acigte an, daß bei ihm eingebrochen fei, während er mit feiner Frau bei den Schwiegereltern au Besuch geweilt babe. genommen. Wohl nirgends ist auf den Weihnachtsbaum verzichtet sind sie die ungenannt bleibenden Wohltä er der Menschheit, die Die Drtebesistigung lieferte ein sonderbares Bild. Die Ber worden, ohne dessen Lichterglanz den Kleinen keine Weihnachts das Leid aufsuchen und den Rummer mit den Gebrüdten teilen? brecher batten bei dem Portier felbst nur wenig genommen, befcherung vollständig ist. In Ansprachen von Genossen und Ges Ach nein, unser Menschengeschlecht ist schon seit langem egoistisch ge um jo mehr aber in einem Zweigaefeäft der Butterhandlung nofsinnen wurde den Empfindungen, die den Arbeiter und die worden, und ein jeder düntt sich schon ein Held an fitfficher Größe, Sania, in dessen Aufenthalts- und Berkaufsräume fie von der Seinen am Weihnachtstage erfüllen, Ausbrud negeben. Gesang. wenn er am Beihnachtsabend die Seinen Befchenft mit Gaben, die Bförtnertvoänung aus durch eine Wand eingebrungen waren. und Musikvereine der sozialdemokratischen Arbeiterschaft haben sich ihren geheimen oder offen ausgesprochenen Bünschen entsprechen. Hier hatten sie nicht nur Ware, sondern auch die Sachen ber zur Mitwirkung bereitgefunden, auch die musizierenden Jungen und und wäre es denn nicht ein Wunder, wenn dem so nicht wäre? In Angestellten gestohlen. Die Bolizei nabm den Biörtner ins Mädel unserer organisierten Arbeiterjugend. Zur Aufbringung der einer fapitalistisch aufgebauten Gesellschaftsordnung tann der Eine Gebet, und er mußte schließlich einräumen. dak er feinen: Schwager rfiger mit einem unbekannten Manne zu dem beträchtlichen Mittel für die Geschente wie zum Zustandekommen ein- in dem Andeven nicht den Bruder sehen, sondern nur den Mitbewer: Ginsrud eingelassen und mit seiner Frau die Schwiegereltern aufa drucksvoller Feiern haben die Genossen und Genofsinnen in echter ber in der Jagd nach dem Glüd und den Teilnehmer am Tanze um aeint Batte, um die beiden ungestört arbeiten" au laffen. Bei Klaffenfolidarität alles nur Mögliche getan.( Wegen Raummangel das goldene Kalb. Krfiger wutben noch einige geftoslene Samen gefunden, afles fönnen wir nicht Einzelberichte über alle diese Veranstaltungen andere follte der Unbekannte baben. Der Pförtner und sein bringen.) Slager wurden nach Moabit gebracht. Das Fest der Liebe. Bon, taufenden von Boeten, von den wahren Briestern ist Einbruch auf Bestellung. Und zu diesem Streit der ökonomischen Interessen freten nun noch politische Gegenfäße... wie lange hat der nicht mit Reich Eine Weihnachtsspende aus Amerika. tümern gesegnete Breuße und mochte er noch so gebildet fein Amerikanische Freunde deutscher Kinder haben auch zu der Romöbie des Dreiffaffenwahlrechts gute Miene madjen Ein Bohnungsamffeifer zn Gefängnis verurteilt. Nach fünf in diesem Jahre nicht verfäumt, durch Liebesgaben zum Beihnachts müssen, und sind nicht heute Leute mit robustem Gewissen und tägiger Verhandlung vor der Straffammer in Gleiwis wurde fest ein paar tausend Kinderherzen zu erfreuen. Der auf Berlin vollem Geldfad darauf füstern, bie durch unerhörte Opfer verdiente der Leiter des Gleiwißer Wohnungsamtes und Borfizender der entfallerde Anteil an der Spende wurde durch Bermittlung des Freiheit wieder in das Gegenteil zu verfehren? Wohnungsvergebungstommiffion Stadtrat Joief ubego wegent Roten Kreuzes gestern in der Mittagstunde im Staatlichen Opernattiver und peffiber este tng in brei gällen zu feas Erst ein wirtschaftliches Syftem, das nicht den Besih, sondern monaten Gefängnis verurteilt. Stubenfo war Mitglied der haus an 1300 Rinder verteilt, die durch Fürsorgeorganisationen die Fähigkeiten des Menschen zum Aufbau des ganzen Birtschafts: Nationalversammlung für den Wahlkreis Dupeln und zog später, eller Richtungen ausgesucht worden waren. Jedes Kind erhielt ein Batet Lebensmittel, besonders Mehl, Zuder, Fett, Rafao, gebäudes nimmt, fann hier Wantel schaffen. Wir alle wissen, daß da die Wahlen in Oberschlesien nicht stattfanden, in den Reisetag Schokolade, fondensierte Milch, im Gesamtgewicht von 11 Bfund. der Sozialismus diefen Gedanten in fich trägt und nur er allein. ein. Es war italieb des Zentrums und Hauptvertreter der christVorher wurde den Rindern noch eine besondere Weihnachtsfreude Diese Zuversicht soll uns auch dann umschweben, wenn wir im licen Getserfichaiten. 71 Copyright Georg Müller, München. Die Lofoffischer. Roman von Johan Bojer. Aber ein ehrgeiziger Junge, der Fischer wird, der hat tein Paradies vor sich, dem er zusteuern tann. Selbst wenn er eines Tages auf den Bootsführerplaz fommt, was ist denn bas? Wie die anderen im Boot muß er sich sein Leben lang mit der Armut herumschlagen. Er ist der Stlave, den Handelsmann und Banten, Auffäufer und Großhändler hier und in fremden Ländern ausschiden, um ihnen die Fische an Land zu holen. Und Banten und Handelsleute werden reich, Fisch auffäufer und Großhändler werden reich, der Plattönig ist reich, aber einer bleibt Zeit seines Lebens arm, und das ist der Fischer. Und er senft wieder den Kopf und reist in andere Zeiten und Länder, während um ihn hier die Nadeln fliegen. Aber in diesen Tagen hintte Satob umher und war so reich und mächtig, daß er sich feinen Rat wußte. Segel leisten. Er fummte vor sich hin und humpelte umher und hatte tausend neue Einfälle. Obu, Maria- ahoi! Eines Nachts bachte er sich aus, er melle fich ein schönes Haus bori in dem Heimatdorf bauen, und das solle nicht auf Wäre es nur die Hälfte gewesen, so hätte er ein paar die gewöhnliche Beise gestrichen, sondern tätowiert werden Fässer von dem allerfeuersten Branntwein getauft und ben wie die Hand eines Seemanns. Und bann wollte er ein paar ganzen Fischerplag mit Schnaps trattiert, aber dies ging Personen mieten, bie am Strande ständen und ihn willkommen zu weit, er verfor den Ueberblic, ihm sputten doch schon Gehiegen, wenn er von der Lofotreise an Land fam. banten genug im Schädel, jest irinten, nein, unmöglich! Aber dann eines Morgens geht ihm ein Licht auf. Ist Er fuhr jeden Tag wie die anderen auf See hinaus, das er erit ein reicher Mann geworden, so muß et auch mit seineswar es nicht. Er machte die Fische mit seinen Leuten zu gleichen zusammen fein. Und mum wirft er sich wieder in den fammen zurecht, folange noch ein Bauch aufzuschneiden war. Düffelrod, stedt den Ring an den Finger und macht sich auf hochmütig war er wirklich nicht. Aber fo am ganzen Leibe den Beg. Diesmal geht er in das Kontor zum Plaglönig mit Banknoten ausgepolstert au sein, das gibt Tag und Nacht selber. feinen Frieden. So war es also, ein mächtiger Mann zu sein. So, ja, aber das ärgerliche war, daß er sich genau jo fühlte wie vorher. Das turze Bein war nicht länger geworden, er sah ganz ebenso aus, wenn er sich in der See spiegelte, er fonnte nicht mehr als sich satt effen, und wenn einer fäme und ihm teure Blumen statt des Käses auf dem Boot anböte, fo fonnte er sich das wohl leisten, aber würde es schmecken? www Willst du dich darauf einlassen, Lars? Er versucht wieder zu lesen, aber diesmal ist es eine andere Geschichte, es ist nicht die Geschichte der Könige und Der Kriege und der Revolutionen, nein, er sieht seinen eigenen Stand im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende. Sobald sie von der See tamen und mit den Fischen fertig Ein Heer von Millionen verwitterter Männer zieht vorbei, fie maren, begann er sich zu putzen. Er wusch sich, rasierte fich haben Reichtümer aus dem Meere geholt, damit andere reich die Oberlippe und faufte fich neues Unterzeug. Und dann die werden können, sie felber fenterten eines Tages und waren Düffeljade und den Ring, nun ja, gut fo. Und dann stand verschwunden, oder sie bekamen den Aussah und verfaulten er da und probierte es aus. Ist es so, ein mächtiger Mann zu bei lebendigem Leibe in einer Hütte, oder schleppten sich sein? Und dann hintte er umber und zeigte fich förmlich. durch das Alter hin, frumm und schwach von Gicht nach dem Sein Geficht leuchtete, er blinzeite mit den brounen Augen jahrelangen Hundeleben auf See. Ein gutes Jahr wie jezt, und war ganz herrlich tonfus, -gut! Ein Silberstreifen in dem grauen Leben, der Fischer Branniwein, ja ja, das fonnte die Welt vergolden, des tauft sich einen Ring, er lebt ein paar Tage im Rosenland, halb ist es nicht, aber der Gebante an alles, was du dir leiften aber dann kommen die sieben mageren Jahre, und dann fannst, wenn du nur Geld genug in der Tasche hast, das hilft der gleiche Kummer längs der grauen Rüste mit den grauen bir auch, Sonne und Mond zu sehen und vor dich hinzufingen: Hütten. O du Maria, ahoi! Wie wäre es mit einer großen, frisch Das alles sieht der Knabe vor sich. Diese bärtigen gestrichenen Galeaffe, oder lieber noch mit einem Drei Männer hier in der Hütte, die waren einmal jung wie er. master? Er tann es sich jetzt vielleicht leiften, so einen zu Aber jetzt ist es ihnen vollkommen unmöglich, sich hinzusetzen, taufen. Dann müssen die Leute ihn Kapitän nennen. Wer wie er jegt tut, und davon zu träumen, zu einem anderen würde dann auf den Jakob herabfehen können. Oder einen Stand aufzufchwingen. Es ist zu später für Lars ist es großen Labespeicher wie ber Plagrönig ihn hat. Dann müssen noch früh genug. Die Leute ihn Kaufmann nennen, ja sogar Großhändler. Aber Das Buch das Buch ist die Rettung. die„ Meerblume" im Stich lassen, hm- ach nein! Nein! Leb wohl, Kaneles. Wir werden auf die Dauer doch Doch, es gibt noch einen anderen Ausweg. Du fannst bie nicht Rameraden sein, wir beide, denkt Lars. beiden Steven bes Bootes vergolden lassen und dir ein feibenes ww Der Herr mit dem roten, bartlojen Gesicht und den gelben ugen sist schreibend an feinem Buit und fieht auf. Kein Fisher darf das Kontor betreten. Alles wird im Laden erledigt. Was mill der Kerl hier? Run beginnt Safob an dem Südwester zu fingern und mit den Augen zu singeln und ist unwiderstehlich wie bamals mit dem Kommandanten. Nein, er wolle nur den Herrn Blaßeigner begrüßen, sagie er, und sich nach seinem Befinden erfundigen. Der Herr hinter dem Bult öffnete den Mund, starrte ihn an und steckte die Feder hinter das Ohr. Und dann, ob der Herr Blazeigner ihm einen Gefallen fun wolle, fuhr Jakob fort und fingerte noch ärger an dem Südwester. Denn cs fet ganz fomisch: wenn einer Glüd habe, so wolle er sich gern von einer anderen Seite zeigen als früher. Ja, wie er hier fiehe, fönne er es sich leisten, ente Gesellschaft zu geben. Oder einen Ball, wie man das nennt. Und jetzt habe er das ganze Hotel gemietet und alles, was an Eß und Trinkwaren vorhanden sei. Und nun wolle er den Herrn Blazeigner titten, doch auch zu tommen und fürlieb zu nehmen. Und wenn seine Frau mittommen wolle, dann Er wolle auch ben Doktor und den Pfarrer und den kommandanten bitten. Wer mandanten bitten. Er finde, in Zukunft müsse mehr Berkehr und Zusammenhalt zwischen denen sein, die etwas mehr be figen als den Löffel, mit dem fie effen. Der Plasfönig verwog feine Riene. Endlich sagte er: Heißen Sie nicht Jakob?" „ Das versteht sich. Jakob Aasan." ( Fortsetzung folgt) Wirtschaft Zur Wirtschaftskrise. ihrer willkürlichen Warenverteuerung abzulenten, die die Produktion erdroffelt, und will die Verantwortung dafür auf den Staat ablenten. Als ob wir nicht genug Inflation gehabt hätten! Dabei sind die Gründe der gegenwärtigen Abfahstockung dem Kalisyndikat genau bekannt. Denn in einem weiteren Teil des Berichtes heißt es: Bei der Einzahlung auf Renfenmartpoftanweisungen und Zahlfarfen werden, wie die Oberpostdirektion mitteilt, an den Postfcbaltern nur Rentenmart und Schazanweisungen bes Deutschen Reiches( sog. Goldanleihe) bis zur Rückzahlung von 21 G.M. in Zahlung genommen, also moeder Papiermart, noch Notgelb, noch wertbeständiges Notgeld. Beim Sticht viele sind heute in der Arbeiterschaft, die bas Meihnachts. Einkauf von Marken dagegen lann beliebiges Geld in Zahlung fest freudig begehen. Gemiß hat die Stabilisierung des Martfurses Zudem besteht die Befürchtung, daß auch das Frühjahrsgeschäft gegeben werden. Als Erklärung zu dieser unterschiedlichen BeHandlung von Bapiergeld und geldwertigen gablungemitteln wird manche Erleichterung und Beruhigung gebracht. Die Einführung durch die Lage der Landwirtschaft, deren Produkte zurzeit uns milgeteilt, daß das Bostichedamit verpflichtet ist, alle aus der Rentenmart hat des Sparen wleber ermöglicht. Und wenn tro erheblich unter den Friedenspreisen liegen, in Witaablungen mit Rentenmark zu leisten und infolgedeffen auch des geminderten Reallohnes die Geschäfte in den letzten Wochen leidenschaft gezogen wird." Nach dieser Meisterleistung irreführender Berichterstattung wird nur Rentenmark baw. Gasanweisungszahlungen annebmen fann. pollbejezt mit Käufern waren, so ist das nur eine Folge davon, daß Singegen werden die fog. Berliner Dollarscheine und die auch wie weite Streise der Arbeiterschaft unter Hintansetzung der Nahrungs- man den Wunsch des Kalisyndikats nach Berlängerung der goldwertigen Eisenbahnscheine zur Einzahlung auf Rentenmart jorgen jetzt, wo sich das Gelb nicht mehr von Tag zu Tag entwertet, Arbeitszett richtig würdigen können. Bergeblich erwartet man bostanweisungen und auf die an und für sich auf Rentenmarf ihre dringendsten Anschaffungen gemacht haben. Denn die non dem Bericht Mitteilungen, welche technischen und organisatoriIautenden Bostichedfonten nicht angenommen. Inflation hatte in allererster Linie die Substanz der arbeitenden schen Maßnahmen getroffen worden find, um die Preise abzubauen. Eine deutsche Goldfpende für deutsche Kinder. Eine der D. Maffen und der übrigen Papiermarkempfänger vernichtet. Was jag ber tapitalistische Willtür Dersucht statt dessen die Berliner Banten bat der Reichsregierung 30 000 Goldmark da näher, als die mühsam und souer verdienten„ wertbeständigen Deffentlichkeit glauben zu machen, der Staat und die Arbeiterschaft aur eftreitung der Reisetoften deutscher Kinder Groschen so schnell als möglich zu fleinen, lange vernachlässigten feien an einer Krise schuld, nachdem der Staat durch die Steuerscheu bis an die Landesgrenze zur Verfügung gestellt. Durch Anschaffungen zu verwenden, die man als Gefchenfe einander gab? des Befizes faft bankerott geworden ist, die Arbeiterschaft hingegen biese freundliche Spende ist es möglich, den deutschen Kindern, Aber es sind nicht viele, die das neue Geld als eine Quelle durch den jahrelangen Lohnbetrug mit Hilfe der Inflation immer der Beruhigung empfinden. Hunderttausende von Arbeitslosen tiefer in ihrer Lebenshaltung gedrückt worden ist. Gegen derartige Versuche der Irreführung muß entschieden und Millionen von Kurzarbeitern tämpfen um das Front gemacht werden. Unferes Erachtens ist es vor allem die Landnadte Leben. Die Wirtschaft, bisher nur von der Inflation genährt, macht wirtschaft, die fich gegen solche Bersuche, den Preisabbau jekt ihre Umstellung auf die Festwertrechnung durch. Der bei ihren Produktionsmitteln zu hintertreiben, zur Wehr Berlegung der Straßenbahnlinie 72. Ab 2. Januar wird die Uebertapitalismus, die Fieberblüte wildester Spefulation, bedarf fetzen sollte! ginie 72 vom Spittelmarkt zurüdgezogen und vom Alexanderplatz des Abbaus. Und das Kapital fucht die Laft und die Schwierigkeiten Wie in dem Bericht noch weiter mitgeteilt wird, mar das Ausüber Schloßplaz, Französische Straße, Bote damer Play, Lüpowder Umstellung auf dieselben Arbeitnehmer abzuwälzen, die landsgeschäft in Staff befriedigend, und der Prozentsatz des Uusplay, Zauenzienstraße, Bahnhof Zoologischer Garten, Joachims. vorher schon Objekte der Geldentwertung, Opfer des schimpflichsten landsabsages zum Inlandsabsatze ist im Jahre 1923 erheblich gea thaler Straße, Stantstraße, Bahnhof Charlottenburg bis zum Amts- und gefährlichsten Lohnbetrugs gewesen sind, den die Wirtschafts- stiegen.- Gine neue Breisfestsegung soll am 4. Januar beraten denen vom Ausland gaftfreie Aufnahme angeboten worden ist, aus im Inlande ohne Belastung der Eltern die Ausreise ins Ausland au ermöglichen. Das ist ein netter, wenn auch noch recht bescheidener Anfang, und man möchte den anderen Banken zurufen: Man foll eine fo dringend notwendige Sache nicht auf die lange Ban! fieben. gericht geführt. .3ollamt Westhafen". Am 1. Januar 1924 wird bei bem Berliner Westhafen der Zollverkehr durch das Zollamt I WestBafen eröffnet. Dem Amte sind vorläufig fämtliche Befugniffe im Begleitfcheinberlehr und Eisenbahnberlehr beigelegt. Außerdem ist die Verlegung der Rollfleischbeichbau von dem Backhof( 8ollamt Südhalle) nach dem Westhafen in Aussicht genommen. geschichte sah. 44 Die Arbeiterschaft aber benkt nicht baran, das Dittat einer schematischen Berlängerung der Arbeitszeit und den auf die Löhne ausgeübten Drud verzweifelt und mutlos hinzunehmen. Mag auch die Krise mit ihren verheerenden fozialen Folgen in monche Stellen der Arbeiterfront Lücken reißen: noch steht die Fahne, unter der das organisierte Proletariat die Gemeinwirtschaft erfämpfen wird, erfämpfen muß, wenn es sich nicht selbst aufgeben will. werden. Zunahme des Papiergeldumlaufes auch nach dem 15. November. Die Reichsbant veröffentlicht mit starter Berzögerung die beiden Ausweise vom 23. und 30. November. Obwohl die Distontierung von Reichsschatwechseln und damit der Notendruck für das Reich am 15. November eingestellt wird, ergibt sich für die beiden letzten Novemberwochen doch eine weitere Steigerung bes Noten Die Arbeitsgemeinschaft foziald. Lehrer und Lehrerinnen Denffchlands, Drisgruppe Berlin, hält in Verbindung mit der parteigenössischen Lehrerschaft Wenn jetzt schlimmer als je seit dem Kriege Unternehmerwill. umlaufs der Reichsbant um 307,4 auf 400,3 Trillionen Mart. ber Proving am 29. Dezember, vormittags 10 Ubr, im Rugendheim, eine für mit Machtansprüchen auftritt, weil man mit einer von Not und Diese Steigerung wird in der Hauptsache zurückgeführt auf die Zu rüdziehung des Notgeldes aus dem Umlauf. Das Sagung ab, auf der der Landtagsabgeordnete Genoffe Stönig, Streisschulrat in Sminemünde, über die ichulpolitische Lage referieren wird. Hunger zermürbten Masse leicht fertig zu werden hofft, so wird Schazanweisungskonto erfuhr eine Entlastung von 189,8 auf 96,9, Eine Aussprache über Deganisationsfragen foll sich anschließen. des niemand beirren, der die Dinge sieht wie sie sind. Die Ar- d. h. um 92,9 Trillionen Mart. Dieser Rückgang vollzog sich auf Boltsbildungsamt Neutölu. Mittwoch, 26. Dezbr.( 2. Feiertag), abends beiterschaft muß die wirtschaftliche Macht erst erringen, indem Grund des Umtauschs von Rentenmark gegen Papiermark durch 8 ayr, in der Aula der Walter Raibenou Schule, Boddinitraße: Beranstaltung. Sie tätig am Werden und Gestalten der Wirtschaft teilnehmen lernt Berrechnung des Erlöses auf die Schahanweisungsschuld des Reiches. 96 opi- zio. Starten zu 60 Goldpf. noch an der Kaffe zu haben. und dem Kapital am Verhandlungstisch nicht weniger als im Be- Die privaten Kredite erfuhren eine erneute Erhöhung. Die werttrieb und im Barlament als gleichwertiger Gegner mit durch- beständigen Lombardforderungen wuchsen um 7 auf 7,5, Froftes die Elbe startes Treibeis führt, haben die Elbeschiff- fich feiner entziehen darf, sichert erst den Weg zur Ausübung lungsverfehr an Stelle der langsamen Giroüberweisungen den Startes Treibeis auf der Elbe. Da infolge des ftrengen schlegenden Gründen auftreten kann. Diese tätige Mitwirkung, der die Wechselbestände um 307,8 auf 347,8 Trillionen Mart. In ber Steigerung des Diskontgeschäfts tommt zum Ausdruck, daß der Zahfahrtsunternehmungen ihren Betrieb völlig einstellen müssen. der Macht, die leichter zu erringen als im Klaffenfampf gegen den Gedvertehr bevorzugt. Diese Sheds nehmen ihren Weg Aus Seenot gerettet. Der Hamburger Dampfer.Hammer. Gegner zu erhalten ist. überwiegend zur Reichsbant. In der 4. Novemberwoche wurden die Burg". der mit einer Holzladung von Norwegen nach Holland Darum sollen diese Tage des Festes auch Tage der Samm- fchwebenden Rentenmartberechnungen für das Reich zu einem erheb unterwegs war und in der Nordsee bei einem fchweren Orfan lung sein. Gewiß, es wäre schöner, wenn man jetzt mit frommem lichen Teil bereits glatt gestellt, infolgedeffen gingen 169,7 mil. infolge Kohlenmangels und des Verlustes beider Anterfetten hilflos Augenaufschlag von weihnachtlichem Frieden reden könnte. Nein: lionen Rentenmart in die Kassenbestände der Neichsbank wurde, ist von dem Altonaer Fischbampfer am burg nach unter der Oberfläche gärt der erbitterte Kampf, der in den Unter- über. Altona eingeichleppt worden. Die Mannschaft befand sich in nehmerforderungen, in der Steuerpolitit, im Beamtenabbau mur bollkommen erfchöpftem Zustand. erste Erscheinungsformen zeitigt. Schweres fieht noch bevor, ehe die Gesundungsfrise vollendet wird. Startes Unwetter an der spanischen Küste. An der ganzen Mittelmeert üste beristen st arte Unwetter. Zahlreiche Fischerboote sind namentlich an den Küsten von Barcelona und Alicante untergegangen. Viele Schiffer find ertrunken. Groß- Berliner Parteinachrichten. In der Angelegenheit des Parteigenoffen Zahnarzt Dr. FreundNeukölln hat das am 31. Oftober 1923 zusammengetretene Barteischiedsgericht den Beschluß des Berliner Bezirtsvorstandes aufge hoben. Dr. Freund ist somit berechtigt, alle ihm von der Partei übertragenen Aemter auszuüben. gez.: Krüger, Borsitzender. gez: Fuß, Lehmann, Selfin, Waldheim, Golonska, Henfel, als Beisiger. 9. Qreis Wilmersdorf. Freitag, den 28. Desember, abends The, er meiterte Kreisvorstandsfizung bei Pieper, Solsteinische Str. 60. Die Abteilungsführer müssen für die Theatertarten abrechnen. 13. Kreis Sempelhof- Meriendorf. Donnerstag, den 27. Dezember, 7 Uhr, im Rathaus Marienberf, Rimmer 28, Kreisvorstandssitung. 20, Streis Reinidendorf. Freitag, ben 28. Dezember, 6 Uhr, im Gigungsfaal bes Rathauses Reinidenberf Sigung bes engeren Areisvorstandes. Morgen, Mittwoch, den 26. Dezember: Es geht um Arbeit und Brot. Kein Kampf der rohen Gewalt ist es, sondern ein Kampf der Geister. Nicht lange mehr bauert es, bis die Goldwährung wieder eingeführt ist der neue Reichsbank. präsident gibt dafür die Bürgschaft- und dann werden in neuer Gestalt die alten Probleme wieder auftauchen, die die Sozial. demokratie als Oppositionspartel unter dem alten Regime verfochten hat. Mancher, der sich gern von bequemen Schlagworten leiten läßt, wird denn wieder umlernen, sich auf das Neue einstellen müssen. Aufgabe in ihrer größten Schwere vor uns. Noch hungern als Aber wir haben feinen Grund, mutlos zu sein. Noch liegt die Opfer des Kampfes um den Arbeitsvertrag Hunderttausende, die die Inflation um ihr Recht auf Rahrung und Leben betrog. Noch gilt es erst, die erbitterte Auseinandersetzung durchzuführen, der Neuorganisation der Wirtschaft den Grund zu legen. Bir bouen erst ganz unten an den Pfeilern des Baues der sozialistischen Gesellschaft, deren Erreichung fo oft vielen zum Greifen nahe erschien. Aber wir bauen weiter und wir fämpfen ben umblutigen Kampf um des höheren Friedens willen, der allen Bollsgenossen bes Recht auf Brot und Arbeit gibt. Und teiner darf aus unseren 3. ht. Saut Beschluß ber legien Mitgliederversammlung fällt infolge des Reihen fernbleiben, der sich im Ziele mit uns einig weiß. Beihnachtsfestes die Abteilungsversammlung für Dezember aus. Restierende Beiträge find umgehend zu entrichten. 97. St. Steuföln. Borm. 11 Uhr Besichtigung des Säuglingsheims MarienDorfer Weg. Treffpunkt pünktlich 11 Uhr vor dem Heim. Die Bezirks abzurechnen. führer werden gebeten, bestimmt bis zum 29. b. M. beim Genossen Moll 109. bt. Friedrichshagen. Gemeinsamer Spaziergang nach Fichtenau. Treff puntt 1 Uhr am Steinplag. Für Nachzügler Gesellschaftshaus Fichtenau. Straße 170, 8 Et., adgurechnen. Die Steuern find schuld. Ein Muster tendenziöfer Berichterstattung über die Wirtschaftslage sind die Darlegungen, die in der Gesellschafterversammlung des Deutschen Ralisynbitats vom 19. Dezember über die Lage der Kaliindustrie gemacht wurden. Dort wurde ausgeführt: Landwirtschaftliche Erzeugerpreise und 3nduftrieprodukte. Der eichsernährungsminister hat auf Anfrage. mitgeteilt, daß er be müht ist, auf eine Senfung der Breise folder Waren hinzuwirken, die von der Landwirtschaft benötigt werden. Eine Reihe der artiger Industriewaren hat sich wesentlich stärker verteuert als die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für Aderprobufte. Erleichterung des Devilenverkehrs bei Zahlungen an das befette Gebiet. Da die Bevölkerung des befegten Gebietes oft au Bahlungen in franzöfifchen und belgischen Franken gezwungen ist, hat der Reichswirtschaftsminister den Devisenerwerb erleichtert, wenn er zu Bahlungen an die Befagungemächte oder zu Untera stügungen an Berfonen erfolgt, die von den Befagungemächten festDevisenbanken und Wechselstuben fremde Gelbforten bis zu 10 Goldgehalten werden, ebenso wie an Angehörige im befeßten Gebiet. Gegen einen mit Lichtbild versehenen Berfonalausweis dürfen mart für diese 8wede abg ben. Die Verfäufer fremder Zahlungs mittel find verantwortlich dafür, daß fein Mißbrauch damit geschieht. Valuta darf weiter in 3ahlung genommen werden. Von maß gebender Seite wird mitgeteilt, daß die Ermächtigung, bei Geschäften über die Lieferung von Waren und über die Bewirtung von Leistungen ausländische Zahlungsmittel in Bahlung au geben und zu nehmen, bis zum 15. Februar 1924 verlängert worden ist. Berboten bleibt, Bablung in ausländischer Währung zu fordern. Ein Erwerb ausländischer Bahlungsmittel zur Erfüllung folcher Geschäfte bleibt unzuläffig. Wo ist das Btablissement Café Zielka Varieté Kassenärzte gesucht. Kabarett Zur ärztlichen Versorgung der Kassenmitglieder suchen die unterzeichneten Verbände praktische und Während der Monat Juni d. 3. der stärkste Abfahmonat war, Fachärzte, welche die Ver21. t. 9: Gruppenfahrer mex is fpätestens 28. Dezember beim Ge xofex Mevang, Dansiger Str. 46, abgerechnet haben. Sämtliche Bezirks- den die Industrie je gefehen hat und auch im Juli die Bestellungen sicherten in ihrer Sprechstunde behandeln, ferner Aerzte, die in Bücher find miigubringen der deutschen Landwirtschaft noch in befriedigender Weise einliefen, den Behandlungsstellen der unterzeichneten Verbände die am53. Abt, Reuter. Die Bezirksführer werden ersucht, in den Sagen vam ist feit dem Monat September eine starte 2 bfa 3 ft odung im bulante Behandlung vornehmen. Nur bestvorgebildete Aerzte mit M. bis 80. Dezember has gesamte Markenmaterial in der Raiser- Friedrich- Inlande eingetreten. Diese wurde damals auf die über stürzte Erfahrungen in Kassenpraxis werden gebeten, ihre Bewerbung 139. abt. Reinidendorf- Dkt. Die Bezirksführer und Bezirkskaffierer werden Steuergefeßgebung und die Art ber Steuerein. an die unterzeichnete gemeinsame Geschäftsstelle einzureichen. gebeten, bei aken Mitgliedern bis einscht. Dezember bie Beiträge einau- ziehung zurüdgeführt und später mit dem Währungschaos be Einzelleistung nach der Gebührenordnung giehen und bis fpätestens 80. Dezember mit dem Genoffen Linte abzuHonorar: oder Pauschale mit garantiertem Fixum. nicht mit Unrecht rechnen. Die Fortsegung der Generalversammlung findet am 8. Januar gründet. Die Landwirtschaft lehnte statt. Am Sonnabend, ben 29. Dezember, findet im Jugendheim Seebad, Abgabe ihrer Produkte gegen Bapiermark ab, und das wertbeständige In den Behandlungsstellen: Vertraglich zu vereinbarendes festes Gehalt. Refiderafte. 49, eine Sigung des engeren Abteilungsvorstandes statt. Die Gelb, welches in erster Linie der Landwirtschaft gegen Ablieferung Verband der Krankenkassen: Verband der Betriebskrankenkassen: Mitglieber bes Sugenbausschusses find bazu eingelaben. Don Getreide versprochen war, drang nicht in dieselbe ein. Die Musgabe der Rentenmart und die Naturalrabatte, welche das Kalie syndikat während des Monats November gewährte, riefen eine zeitweilige Be le bung des Geschäfts hervor, die jedoch sofort wieder ins Stoden geriet, als die neuen Grundsteuergesetze bekannt wurden. Es muß leider gesagt werden, daß die kleine und mittlere Band Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 40. Abt. Unsere Genoffin Frida Meister ist verstorben. Die Beerdigung bat bereits ftattgefunden. Jugendveranstaltungen. bie Berlin, Alexanderstraße 30-40 Der Rabe wirtschaft, welche mehr als 75 Broz, des deutschen Bobens bearbeitet, als Weihnachtsmann die Düngung ihrer Weder mit fünftlichen Düngemitteln fast einQUALITATEMA RABE Wchtung, Astellungsleiter! Die Ausweise auf Fahrpreisermäßigung haben gestellt und daß auch der Großgrundbesig wesentliche Einschränkungen ist sicher willkommen, denn die Rabenspezialitäten benötigt jedermann, bis zum 81. Januar 1924 Gültigkeit. Bon unserer Weihnachtsverlofung vorgenommen hat. Somit ist zu befürchten, daß die Steuern und in Zeiten der Knappheit erfreuen praktische Geschenke doppelt, da haben nachstehende Nummern gewonnen: 4001, 06, 07, 08, 11, 12, 14, 19, mit einem starten Rüd gang der Produktion erfauft mer sie einem Ausgaben ersparen, die man sich sonst doch machen müßte, Tägliche Bedarfsgegenstände wie die beliebte, verblüffend wirkende 31, 43, 55, 57. 61, 62, 70, 80, 82, den müssen. 85, 88,$ 1, 4113, 38, 82, 83, 35. 43, 52, 60, 61. Die Ge Daß die Beweisführung des Kalisyndikats durchaus abwegig ist, winne tonnex Mittwochs und Freitags son 5-7 Uhr abgeholt werden. 20, 22, 2B, 26, erot. sabit T. II. 2. Beihnachtsfeirtag, abends 6 Uhr, Weih wachtsfeier in Deutschen Sugendwett, Rathenewer, Cde Gendligstraße. tellung Rieberföneweibe. B. Weihnachtsfeiertag, abends 7 Uhr, Weihnachtsfeier in der Aula der Knabenschule, Berliner Str. 81. Die Abteilung seranstaltet biefe Fejer mit der Absicht, allen, denen bie wirtschaftliche Rstlage ein paar Stunden der Gammlung nicht gestattet, tsften Iss diese Gelegenheit zu bieten. 83, geht schon daraus hervor, daß die Landwirtschaft nicht nur durch ZAHNPASTA NIVODONT übrigens noch immer recht gelinden Steuerbrud in dem Ralibezug bereiten heute mithin weit mehr Freude als reine Lexusartikel. Zarte behindert ist. Mit Recht können die deutschen Landwirte vielmehr Fürsorge für die im Winter stärker gefährdete Gesundheit verrät ein darauf verweisen, daß in den legten Monaten die Preise ihrer wichtigsten Produktionsmaterialien, barunter auch Kali, teurer Glas der gegen Ansteckung mit Grippe usw. schützenden find als ver bem Kriege, während die wichtigsten Bertaufs CALCIFORM- TABLETTEN waren der Landwirtschaft, insbesondere Getreide, in Gold den Friedensstand unterschritten haben. Unter diesen Umständen wäre und eine Tube der Frost, Haut- und Wundsalbe Campholint( 31,6 Proz. es Pflicht des Kalisyndikats, die reife abzubauen. Doch Cerussa, 5,2 Proz. Camphor. synth., 63,2 Proz. Adeps lanae) gegen rissige Bezirk Brenzlauer Berg, Erwerbslofe Mitglieder treffen sich am Donners- damit hat man feine Eile, obwohl Kali ein inländischer Rohstoff ,, Rapitalistische Entwidlungsformen bee Neuzeit". 5. Haut, rote Hände und Frostbeulen. sag um 3 Uhr bet Summel, Sophienſtr. 8. Hortrag des Genoffen Ras über ist und mit Löhnen gefördert wird, die weit unter den Bortriegs- Großer Preisffurz unferer Fabrikate! Geschäftliche Mitteilungen. Bach merila. Bir sesweisen aus an dieser Stelle nochmals auf sen em 26., 21., 28. und 80. Desember, abenbs 8% Uhr, in der Urania flattfindenben Diean- limootteeg des Bortzagrebners Oberingenieur Dreyer, Hannover. 12, 15, Damen- Kostfim- und Ulsterstoffe 8, 9, 10, 91 5, 7, Gabardine, Homespun, Velour de laine M. 4, 8, Beste Fabrikate. Große Auswahl. Verkauf meterweise. löhnen liegen. An der Verteuerung des Ralis ist überdies die deutsche Landwirtschaft mitschuldig, deren Bertreter im Reichstalirat wiederholt für Breiserhöhungen gestimmt haben, um damit die Mithilfe des Ralibergbaus beim Rampf um die freie Wirtschaft, die jest den Zwischenhandel reicher macht als die Landwirtschaft, zu erhalten. Jetzt versucht die Kaltindustrie die Aufmerksamkeit pon| Gegründet Koch& Seeland Gm b. H.. 1895, Gertrand astraße 20-21. Cegründet 1803 Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Deutsch. Theater 1. u. 2. Weihnachts- 17 FigarosHochzeit feiertag 7, Uhr: 2. Feierfag 7%, Uhr. Scherz, Satire, Unddas Licht scheint Ironie und tiefere in der Finsternis. Bedeutung 21 Uhr: Alt- Heidelberg Lessing- Th. Kammerspiele 2 U. zu kl. Preis.: Peer Gynt Lund 2.Weihnachts- 7 Was ihr wollt feiertag 8 Uhr: Mittw. 3 U. zu klein. Tageszeiten d. Liebe 21 Uhr: Preisen: Faust 7 U: Was ihr wollt Frühlings Erwachen Do. 7/3: Was ihr wollt Theater i. d. WalhallaThester Weinbergseg Rosenthaler Plaz Ueber 100 inter nationale Artisten renta Jöneland Deutschlands größte Humoristin. KöniggrätzorStr. Deut. Künstler- Th. Georges Groves An beid. Feiertagen 8 Uhr: Zwischen Allabendi, 7: 9 und 9 Señora Alfr. Abel, Mein. Beide Feiertage 3 U. gast, Richard, zu klein, Preis.: Der Delschaft Komödienhaus Fürst v.Pappenheim Kurt Sasse Gustav Runge als Boxer. Das Programm ist größer, die Preise sind niedriger als An beid. Feiertagen Rose- Theater In jed. and. Groß3: Mad. Pompaeour 312Christnachtglück 8U.: Mexiko- Gold 73: Die verschwunSonnabd. Premiere: denen Zwillinge Die Dame mit dem 2.Feiertag 3% u. 73/4: Scheidungsgrund Die Räuber Lusisp. v. E. Vajda Mady Christians, varieté Deutschl. -Hene Heizanlage 1Vorverk. tägl. ab 11 Uhr. 51. Dezember: Große Gg. Alexander, Hans Casino- Theater Silvesterfeier Junkermann, Eugen 8: Dienstmann Nr.7 Rex, Daisy Torrens, Bari. Volksstick in 3 Akten Olga Enel, Willy Vorher: Bunter Teil Fritsch, Wally Koch AlhambraVarieté am Moritzplat; Riesen Berliner Theater Komische Oper WeihnachtsAn beid. Feiertagen Allabendlich 7/2 7.30: Dolly Die größte Revue des Kontinents: Th.i.Admiralspalast Die Welt Allabendlich 7 U.: Branter and drüber An beid Feiertagen 3% U. bei kl. Preisen Ein Walzertraum ohne Schleier ReidishallenTh. Comedia Valetti Tägl. 7 U. Latzowstr. 76 Rarf. 6159 u.Sonnt. 3 U. Beide Feiertage 8 U. Stettiner Emigranten Sänger Schroth, Valetti, Schott, Ible, Ebser DeutschOpernhaus Heute 2: Die toten Augen 7 Uhr: AIDA Blech, Tiemer Morg. 2 Carmen Blech, Armaster, Tervani B: Günstling d.Zarin Lussmann, Perry. van Endert Th.a. Kottb. Tor Täglich 7'/ Uhr a. Sonntag nach mittag 3 Uhr: ELITESänger U. a. Weihnachten an der Ruhr Entimes Theater SCALA An beid. Feiertagen 8: Der Hinduprinz Der Schrei usw. Lustspielhaus An beid. Feiertagen 8 Uhr: Vinzenz oder de Freundin bedaut. Männer 8 Uhr: Internat. Varieté An beiden Feiertagen 2 Metropol- Theater Vorstellungen An beid. Feiertagen 7% Uhr: Marietta Operette v. Kollo 3.30 zu halb. Pr. das volle Progr. Programm! Kleine Preise 31. Dezember: Gr. Silvesterfeier WINT BRIEN Varieté- Spielplan Rauchen gestattet. Primus, Palasti Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung des Primus- Großfilms Vineta Regie: Werner Funck Beginn 7 und 9. Sonntags 5, 7 u. 9 Uhr im Neues Theat. a. Zoo Große Volksoper des Westens An beid. Feiertagen 7: Die Luxusirau 7, Uhr: Samson u. Dalila An beid. Feiertagen 2. Feiertag: 2 Barbler von Sevilla Renaissance- Theat. 8 Uhr: Die zart72: Carmen ch. Verwandten Neues Volkstheater Thalla- Theater An beid. Feiertagen 7 Uhr: Pst! Pst! Köpenicker Straße 68 Ab 1.Weihnachtsfeiertag täglich 8 Uhr: Theater i.d. Kommandantenstr. ,, Die lustige Witwe" An beid. Feiertagen 7% Uhr: Die Postmeisterin Wallner- Theater An beld. Feiertagen 8U: Sprung 1. d. Ehe mit Leo Peukert Operette in 3 Akten www Victor Léon and Leo Stein Musik von Franz Lehar 2. u. 3.Weihnachtsfeiert., nachm. 4 Uhr: 99 Rotkäppchen und der Wolf" Vorverk. 10-2 Uhr an der Theaterkasse END Ausschneiden! Aufbewahren! Besondere Vergünstigung f d. Leser d., Vorwärts CENTRAL- THEATER Alte Jakobstr. 30 Der fidele Bauer Operette v Leo Fall mit Bernh. Botel, Franz Schwalger, Hans Wallner Zimmermanns Kinder- Ballett Bei Vorlegung dieses Inserats zahlt Inhaber nur die Hälfte sämtlicher Kassenpreise, vom 3. Feiertag an nur ein Drittel des Kassenpreises URANIA Taubenstr. 58( Untergrundbahnhof Kaiserhof) FILMVORTRÄGE Obering. DREYER, Hannover Mittwoch, den 26., Donnerstag, den 27., Freltag, den 28., und Sonntag, den 30. Dezember 8.30 Uhr abends: Ozean- Film von Berlin über Bremen nach New York Sonnabend, den 29. Dezbr., 8.30 Uhr abends Ueberaus wertvolle Ergänzungen zum Ozeanfilm: Die Tücken des Meeres und ihre machtvolle Ueberwindung durch Mensch und Maschine Die Ausbildung von Offizieren n. Seelenten auf Schulschiffen des Nordd. Lloyd. Prachtvolle Filmaufnahmen auf hoher See. Seemannshumor BADEN- BADEN im Film mit Kammersänger Josef Schwarz Vorverkauf: Theaterkasse Gewerkschaftshaus Engelufer 25 Oekonom M. Schröder Engelufer 25 1. und 2. Feiertag: Gr. Künstler- Konzert Mittags v. 12-3 Uhr, abends v. 6-12 Uhr Auszug aus der Speisenkarte: 25. Dezember 26. Dezember Gedeck 1,- Gedeck 1.50 Gedeck 1,- Gedeck 1,50 Ochsenschwanzsuppe Ochsenschwanzsuppe Fleischbrüb. m.Einl. Fleischbrüh.m.Einl. Schnitzel m. Rosenk. Zander in Weißwein Wildkenle m. Gem. Zander geb. m Salat friesspadding Schnitzel in. Roseek. Rersspeise Wildkeule m. Gem. Griesspadding Reisspeise Reichhaltige Tageskarte von 60 Pfennig an Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater Chausseestr. 30( Untergrundb. Stettiner Bhf.) 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Die Unternehmer fühlen sich dadurch entrechtet und entmachtet und stehen des- halb in schroffster Opposition zur sächsischen Landesgesetz- gebung und zur sozialistischen Landesregierung, und ihnen schließt sich das Bürgertum in seiner Mehrheit an. Im Landtage stehen 40 sozialdemokratische und 10 kommunistische, also 5 0 proletarische Abgeordnete, 20 deutschnationalen, 18 volksparteilichen und 8 demokratischen, also 4 6 bürgerlichen Abgeordneten, gegenüber. Mit 4 Stimmen Mehr- heit müßte das Proletariat Parlament und Regierung sicher beherrschen. Aber diese proletarische Mehrheit ist nicht homogen. Ihr fehlt die Einheitlichkeit und Geschlossenheit. Der kommunistische Teil der proletarischen Mehrheit ist nicht dauernd zu einheitlichem und geschlossenen! Borgehen mit deni sozialistischen Teil zu bewegen. Er verfolgt Sonderintercssen und handelt nicht auf Grund der gegebenen sächsischen Ver- Hältnisse, sondern auf Befehl der Moskauer Zentrale der Kom- munistischen-Internationale. Daher taumelt das Land trotz seiner proletarischen Mehrheit von einer Regierungskrise in die andere, und das proletorisck�c Regime entbehrt der Festig- keit und Beständigkeit. Nach den letzten Landtagswahlen im November 1922 unterstützten die Kommunisten zunächst das sozialistische Min- derheitskabinctt Buck-Lipinski. Anfang 1923 stürzten sie ge- kneinsam mit den bürgerlichen Parteien bas Kabinett. Auf dem Landesparteitag iin März 1923 empfahl der Vorstand der Gesamtpartei durch mich den sächsischen Parteigenassen, aus der klassenvcrrüterischen Haltung der Komm u- n i st e n die einzig mögliche Konsequenz zu ziehen und mit den Demokraten eine Koalition zu suchen. Dieser Rat wurde mit großer Mehrheit abgelehnt und unter Opferung Lipinskis nochmals die Unterstützung der Srommunisten gesucht. Es kam das Kabinett Zcigner-Liebmann. Als im Herbst die bayerische Gefahr akut wurde, traten die Kommunisten ans direkten Bc- fehl Moskaus in die sächsische und thüringische Regierung ein, um von diesen staatlichen Machtpositionen aus den be° waffneten Aufstand zu inszenieren. Die Reichsexekutive gegen Sachsen vertrieb die Kommunisten wieder"aus der Regierung, aus der sie sonst auf die Initiative des Ministerpräsidenten Dr. Zeigncr binnen weniger Tage entfernt worden wären, weil ein gedeihliches Zusammen- arbeiten mit ihnen in der Regierung sich als unmöglich er- wiesen hatte. Mit Unterstützung der Demokraten wurde jetzt das sozialistische Min derheitskabinctt Fel- lisch gebildet, hinter dem die genaue Hälfte der Landtags- abgeordneten stand. Das Kabinett Felliich war auf Empfehlung von Wels und mir als Vertretern des Vorstandes der Gefamtpartei durch Beschluß der Landtagsfraktion mit 32 gegen 6 Stimmen ge- bildet worden. Die Vertretung der sächsischen Parciorgani- Eine alltägliche GeftlMte. Von John Galsworth y. (Eliuia berechtigte Uebertragung aus dein Englische von L. Leonhard-Schall t.) Wir fpraäien eines Morgens von ülnüsemiüsmus, als Fsrrand�j sagte:„Ja, Monsieur, viele jener Herren halten es heutzutage für eine Ehre, Christen zu sein, aber nur einmal habe ich einen Christen ge- treffen, der es für eine Ehre hielt, ein Jude zu fein. Das ist recht absonderlich— ich will es Ihnen erzählen. Es war in einem Herbst in London, und, da die Saison vor- über war. war ich natürlich wieder ein armer Teufel und mußte für vier Pcncc die Nacht in einem„Palast" in Westminster logieren. In dem Bett neben meinem schlief damals ein alter Herr, der so inagcr war, als wenn er überhaupt nur aus Luft bestände. Eng- ländcr, Schotten. Iren. Waliser— in diesen kleinen Unterschiedm eurer Nasse werd' ich mich wohl niemals auskennen— aber mir kommt doch vor, daß er Engländer war. Sehr schwach, sehr ge- brechlich, weiß wie Kalk, mit einem langen weißen Bart und hohlen Wangen: und immer sprach er so leise, als rede!« er mit einer Frau- Für inich war's ganz was Neues, so einen sansten Menschen in dem „Palast" dort zu sehen. Sei» Nachtlager und seine Suppe verdiente er sich, indem er die Schiasstcllen all der Kreaturen ausfegte, die dorr jede Nacht hinkommen. Dort verbrachte er den ganzen Tag, aing um halb els jeden Abend aus und kehrte«ine Viertelstunde vor Mitternacht zurück. Da ich nicht viel zu tun hatte, machte es mir innner Vergnügen, mit chin zu reden: denn obgleich er sicherlich „hier" nicht ganz richtig war," und'Ferrand tippte sich mit dem Finger auf die Stirn,„so war er doch ein reizender aller 5?err und" sorgre sich ebensowenig um sich selbst wie eine Fliege, die den ganzen Tag unter der Zimmerdecke tanzt. Wenn er irgend etwas für eines von diesen Exemplaren tun konnte, einen Knops annähen, eine Pfeife säubern, kleine Tiere in ihren Kleidern sangen oder dabeisitzen, daß die Kleider nicht gestohlen wurden, ja sogar seinen Platz am Kaminfeuer hergeben— das alles tat er gern und mit einem blassen, sanften Lächeln: und wenn er keine andere Arbeit hatte, las er in dem Heiligen Buch! Ich fühlte ein« Art Zuneigung zu ihm— es gibt nicht viele alle Männer, die so lieb und gütig sind, wenn sie noch dazu ein bißchen„spinnen". Mehr- mals Hab' ich ihn dabei überrascht, wie er einem von diesen dreckigen Kerlen die Füße wusch, oder einem anderen Umschläge auf ein blaues Auge machte, was häufig bei denen vorkommt— ein so zart empfindender Mensch, wie man selten einen trifft: und auch seine Kleider waren so zart und cmpsindlich, daß man manch- mal seine Haut durchscheinen sah. Obgleich er nichts Besonderes zu sagen chatte, konnte er doch zuhären wie ein Engel und sagte niemandem etwas Böses nach: aber da er nicht mehr Kraft als eine Schwalbe zu haben schien, ließ es mir keine Ruhe, warum er wohl jede Nacht und bei jedem Wetter zur selben Stunde so lange i» den Straßen herumlief. Und ivenn ich ihn danach fragte, so lächelte er bloß wie einer, der ganz wo anders weilte, und schien *) Ferrand. ein junger französischer Bagabund von Bitdung und großer Welterfahrenheit, ist eine der Lieblingsgestolten des Dichters. (Anmerkung des Uebersetzers.) sationen, der Landesarbeitsausschuß, hatte mit 13 gegen 8 Stimmen die Bildung des Kabinetts Fellisch abgelehnt und berief einen Landespartestag ein, der zwischen ihm und der Fraktion entscheiden sollte. Als der Parteitag Anfang De- zember stattfand, erklärte nunmehr auch der Landesarbeits- ausschuß und ebenso der Parteitag die sozialistische Minder- heitsregierung Fellisch für„das Gegebene'. Der Parteitag beschloß aber, falls das Kabinett zurücktreten würde, sollte zunächst wieder mit den K o nl xn u n i st e n verhandelt werden. Eine Koalition— sowohl mit den Kommunisten wie mit den Demokraten— bedürfe der Zustimmung eines neuen Landesparteitages. Als Vertreter des Parteivorstandes warnte ich vor diesen Beschlüssen, da sie dazu führen könnten, daß die Demokraten dem Kabinett Fellisch ihre Unterstützung entziehen würden, das Kabinett zurücktreten müsse, Neuwahlen notwendig würden, möglicherweise statt der proletarischen eine bürgerliche Mehrheit in den Landtag einziehe, eine bürgerliche Regierung käme und dann in kurzer Zeit die Demokratisierung der Verwaltung, unsere Arbeit von 3 Jahren, beseitigt würde. Was ich befürchtet, scheint einzutreten. Die Demokraten h a b'e n dein Jtabinett Fellisch die Unterstützung entzogen, das Kabinett ist zurückgetreten. Gemäß dein Beschluß des Landesparteitags ist erneut mit den Kommunisten verhandelt worden, und zwar mit völlig negativem Resultat. Der Lau- desarbeitsausschuß steuert jetzt direkt auf die L a n d- t a g s a u s l ö s u n g zu, die Mehrheit der Landtags- f r a k t i o n ist für eine Koalition mit den Demokraten und der Volkspartei, um eine feste parlamentarische Mehrheit und endlich stabile Regierungsverhältnisse zu bekommen. Die Landtagsfraktion verlangt die Einberufung eines neuen Landespartcitages, damit er zwischen Koalition und Auslösung entscheide. Der Landesarbeitsaus- schluß hat dies Verlangen der Fraktion zunächst abgelehnt, hat dann aber auf den 27. Dezember eine Sitzung der crwei- terten Landesinstanzcn zur Entscheidung einberufen. Zwei Tage später, am 29. Dezember, tritt bereits der Landtag zu- sammen, um die Wahl des Ministerpräsidenten vorzunehmen. Die Situation ist also kritisch und verworren. Die Haltung des Landesarbeitsausschusses, ohne Befra- gung eines Landesparteitages die Landtagsauflösung herbei- zuführen, stellt im Widerspruch mit seiner eigenen vor- wurfsvollen Feststellung gegenüber den Kommu- nisten in seiner Erklärung vom 20. Dezember: „Der sächsische Regierungsappnrat ist zum mindesten im Sinne der Verteidigung proletarischer Interessen ein wichtiger Stützpunkt. Ihn zu halten, wäre proletarische Pflicht. Dazu aber sind die Kom- munisten zurzeit nicht willens. Sie glauben, daß sie, wenn nicht zahlenmäßig, so doch moralisch gestärkt aus einem Wahikampf hervorgehen werden. Dabei ficht es sie nicht an, daß die proletarische Mehrheit in einem Wahlkampse verloren gehen kann. Auch für eine Aufschiebung der Landtagsauflösung sind die Kommunisten nicht zu haben. Sie glauben, daß ihnen jetzt die Zeit günstig sei. Nach dieser Einstellung, die als parkeiegoistisch und demagogisch bezeichnet werden muß, konnten die Verhandlungen nur ein negatives Resultat zeitigen." So der Landesarbeitsausschuß in einer Erklärung in der sächsischen Parteipresse yegen die Kommunisten. Und nun nimint er selber den gleichen von ihm bei den Kommunisten kritisierten Standpunkt ein. Jetzt spielt der Landesarbeitsaus- schuß mit der Landtagsauflösung genau so unverant- wortlich wie die Koni munisten, unbekümmert darum, ob die proletarische Landtagsmehrheit verloren geht oder nicht, als wenn der sächsische Regierungsapparat kein „wichtiger Stützpunkt zur Verteidigung proletarischer Inter- essen" wäre. Dabei ist es absolut ausgeschlossen, daß unsere Partei gegenwärtig in einem Wahlkamps die'9 Mandate dazu nicht recht zu begreifen, wovon ich eigentlich sprach. Ich sagte zu mir selber:„Da steckt etwas dahinter, wenn mich nicht alles trügt. An einem dieser Abende werde ich dein Schutzengel sein, wenn du bei Nacht ausfliegst!" Demi, wie Sie wissen, Monsieur, ich bin ein„Kenner" von merkwürdigen Dingen, obgleich Sie sich denken können: wenn einer de» ganzen Tag zwischen zwei verflixten Reklameschilderii auf der Gasse heruuispaziert, dann spürt er am Abend nicht gerade einen unüberwindlichen Hang, in den Straßen zu flanieren. Ell dien! In einer Nacht gegen Ende Oktober machte ich mich endlich auf, ihm nachzugehen. Es war nicht schwer, ihm zu folgen, denn arglos wie sin Täubchen glitt er schattenhaft vor mir her, euer» St. James-Park entlang, wo eure militärischen „Größen" mit ausgeblähter Brust einherstolzieren, damit die Kinder- mädchen sie bewundern. Ganz langsam ging er dahin und lehnte sich auf einen Stab, wie ich noch nie einen gesehen habe, fast sechs Fuß hoch, mit einem gebogenen Griff wie ein Hirtenstab oder ein Säbel, ein Ding, das wahrhaftig ein Spott für die Gassenbuben war— Hab' ich doch sogar lächeln müssen, wie ich ihn so auf den Rissenstock gestützt sah, wo es doch nicht meine Gewohnheit ist, mich über Alter und Armut lustig zu machen. Ich erinnere mich noch an jene Nacht, die sehr schön war, der Himmel von dunkler Klarheit und die Sterne so hell, wie sie nur leuchten können in den Städten unserer hohen Zivilisation, und die Schatten der Platanen- blätter in der Farbe von Trauben, so daß man nicht das Herz hatte, den Fuß darauf zu setzen. Eine jener Rächte, wo der Geist sich so frei fühlt, und der Schutzmann gutmütig vor sich hinträumt. Nun, wie ich Ihnen schon sagte, mein Alter stapfte voran wie ein Schlaf- wandlcr und sah weder rechts noch links. Er ging an jener großen Kirche vorüber, die wie alle jene Häuser unnahbar, kalt und hoch- mutig zwischen uns kleinen Menschenwesen dasteht, die sie doch gebaut haben, und betrat den Eaton-Platz, dessen Häuser wohl von sehr reichen Leuten bewohnt sein müssen. Er lehnte sich gegen das Gitter des Gartens in der Miste, sehr gelassen, die Hände,, über die sein langer weißer Bart heruntersiel, auf dem-Stab gefaltet. Worauf er wartete, konnte ich mir unmöglich vorstellen. Es war die Stunde, wo eure hohe Bourgeoisie aus dem Theater kommt in ihren Equipagen, auf denen Diener mit gekreuzten Armen thronen über Pferden, die seit wie Schnecken sind. Und durch das Fenster kann man irgendeine Dame sehen, weich gebettet, mit dem Gesicht eines Menschen, der viel ißt und wenig liebt. Und Herren gingen an mir vorüber, die gerade ein bißchen Lust schnappen wollten, ganz conirne il laut, den Zylinder ins Genick geschoben und in den Augen einen Ausdruck von— gar nichts. Ich beobachtet« meinen Alten, der regungslos sie alle an sich vorbeigehen ließ, bis plötzlich ein Wagen an einem Haus fast gegenüber hielt. Sofort ging er rasch quer über die Straße mit sejnem qroßen Stecken. Ich sah, wie der Lakai die Glocke zog, den Wagenschlaq öffnete, und drei Leute ausstiegen— ein Herr, eine Dame, ein junger Mann. Sehr hohe Bourgeoisie, ein Richter, ein Adeliger, ein Minister— was weiß ich?— mit seiner Frau und seinem Sohn, die da zum Haustor hinaufstiegen. Mein Alter stand am Fuß der Treppe und schien um etwas zu bitten, indem er sich vorbeugte. Augenblicklich wandte,, sich drei sehr erstaunte Gesichter ihm Zu. Trotzdem ich sehr neugierig war, konnte ich nicht hören, was er sag!«, denn ich fürchtete, daß er meine Spionage bemerken könnte, wenn ich noch näher käme. Nur den Ton seiner Stimme hörte ich, sonst wie immer. Und seine Hand fuhr über die Stirn, als ob er erobern kann, die sie braucht, um allein, ohne Anlehnung nach rechts oder links, regieren zu können. Günstigstenfalls kann eine Neuwahl die Mehrheit von Sozialisten und Kommunisten wiederbringen, aber die Situation ist dann für unsere Partei dieselbe wie setzt. Der LandesarbeitPusschuß stellt selber fest, daß mit den Kommunisten keine Regierung gebildet werden kann. Deshalb muß unsere Partei auch nach einer Neuwahl die Koalition mit Demokraten und Volksparteilern suchen. Gegen diese einzig noch mögliche Lösung der Krise aber sträubt sich der Landesarbeitsausschuß mit' Händen und Füßen. Er, der sofort einen Landesparteitag einberief, als die Landtags- fraktion gegen seinen Willen mit demokratischer Unterstützung das Kabinett Fellisch bildete, weigert sich jetzt, dem Antrage der Landtagsfraktion zu entsprechen, einen neuen Landesparteitag über die Frage Koalition oder Auf- löfung entscheiden zu lassen. Welche Absichten verfolgt der Landesarbeitsausschuß mit seinem Vorgehen? Will er unter Mißachtung der Parteiinter- essen einen Streich gegen die Landtagsfraktion führen? Will er die Auflösung, um bei der K a n d i d a t e n a u f- st e l l u n g, wie er es bereits offen als sein Ziel verkündet hat. sämtliche Vertreter der Fraktionsmehrheit zu beseitigen? Das wäre ein so ungeheuerliches und frevelhaftes Spiel mit den Interessen der Partei und des Pro- letariats, daß man vorläufig noch nicht daran glauben mächte. Wer die inneren Parteiverhältnisse in Sachsen näher kennt, kann aber leider eine solche Absicht nicht für unmöglich halten. Die Partei hat in Sachsen die meisten geschulten und er- fahrenen Parteigenossen in Staats- und Gemeindestellungen abgeben müssen. An ihre Stelle sind in den Organisationen und in der Presse jetzt vielfach junge, unerfahrene Leute getreten. Ein halbes Dutzend solcher jungen Redakteure und ein halbes Dutzend Schullchrer beherrschen heute Presse und Organisation unserer Partei in Sachsen, sie beherrschen den Landesarboitöiiusschuß, sie beherrschten auch den letzten Landes- Parteitag. Sie geben offen die Parole aus, daß' der Partei- vorstand, die Mehrheit der Reichstagsfraktion und der sächsischen Landtagsfraktion von ihren Posten entfernt werden müssen. Liest man ihre Artikel und hört man ihre Reden, so gibt es nichts in Politik und Wirtschaft, wofür diese Körperschaften nicht verantwortlich sind. Vor den gröbsten Entstellungen und wissentlichen Unwahrheiten scheuen sie dabei nicht zurück. Wer z. B. das Zwickauer oder auch das Plauener Parteiblatt liest, glaubt ein kommunistisches Revolverblatt vor sich zu haben. so sind diese Parteizeitungen angefüllt mit Beschimpfungen und Verunglimpfungen von Vertretern und Instanzen der eigenen Partei. Als die Regierung Fellisch gebildet worden war, beschul- digte das„Zwickauer Volksblatt Genossen Wels und mich, im Bunde mit der Reichswehr den Dolchstoß gegen die proleta- rische Einheitsfront geführt zu haben. Die Landtagsfraktion wurde beschuldigt, sie habe die Parteigenossenschaft verraten: von den Kommunisten im Landtage aber, die die Vereidigung von F e l l i s ch ermöglichten, wurde lobend erklärt:„Sie haben recht gehandelt." Ihre Qualisikation zu der von ihnen er- strebten Führung der Partei bewiesen die Eiferer gegen die" jetzige Führung dadurch, daß sie ganz nach kommunistischem�': Vorbild gegen die Reichsexekutive von Parteivorstand und Allgemeinem Gewerkschaftsbund den Generalstreik für ganz Deutschland forderten zu einer Zeit, in der in Bayern die Kahr-Diktatur, im Rheinland der Besatzungs- terror und im ganzen Reich Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit auf dem Proletariat lasteten. Ganz Schlaue wollten sogar Sachsen und Thüringen vom Generalstreik ausgenommen wissen. Den eine schwere Last von weit her getragen hätte. Dann sprach die Dame zu ihrem Gatten und ging ins" Haus, und der junge Sohn folgte, indem er sich eine Zigarette anzündete. Es blieb nur noch der gute Familienvater zurück mit seinen grauen Koteletts und der leicht gebogenen Nase, mit einem Gesicht, als ob mein Alter ihn zum Narren hielte. Cr machte eine rasche Bewegung, als hätte er jagen wollen:„Geh!" Dann verschwand auch er lautlos. Die Tür schlug zu. Sosort stieg der Lakai auf, die Equipage rollte davon, und alles war, als wäre es nie gewesen, nur daß mein Alier dort stand, ganz regungslos. Bald aber machte er sich auf den Heimweg und trug seinen Stab wie eine Bürde. In einer Toreinfahrt ver- borgen, sah ich sein Gesicht, als er vorüberging, voll Schmerz und wie überwältigt von Müdigkeit und Kummer, so daß mir das Herz weh tat. Ich will es nur gestehen, MoMeur, daß ich mich wenig betroffen fühlte, das alte heilige Väterchen, wie es schieß um Almosen bitten zu sehen. Das ist etwas, was ich niemals getan habe, nicht einmal in der größten Armut— wir sind nicht so wie eure„Gcntlemen" wir leisten immer irgendeine kleine Arbeit für das Geld, das wir bekommen, und wenn man auch nur einen Betrunkenen nach Hause führt. Und auf dem Heimweg war ich in Gedanken versunken über diese Frage— ein Fall, über den die Engel nachdenken sollten. Da ich wußte, um welche Zeit mein Alter zurückkam, beeilte ich mich, vor ihm im Bett zu sein. Er kam herein wie alle Tage, leise auftretend, um die anderen nicht zu wecken, und auf seinem Gesicht, das ein wenig das eines ver- träumte« Narren war. lag wieder die heitere Gelassenheit. Die Sie schon bemerkt haben werden, Monsieur, ghöre ich zu den Individuen, die alles ganz genau, inwendig und auswendig, untersuchen müssen. Für mich ist es das größte Vergnügen, dem Leben unter die Röcke zu gucken und aufzudecken, was unter der Oberfläche der Dinge liegt, die nicht immer das sind, was sie scheinen, wie euer braver kleiner Dichter sagt. Dazu gehört Philosophie und auch ein gewisier Fleiß, der all jenen Herren fehlt, die süi, allein für fleißig halte», weil sie in Stühlen sitzen und den ganzen Tag ins Telephon blasen, um ihre Taschen mit Geld zu fühlen. Mein Reichtum ist die Kenntnis des menschlichen Herzens— es ist der einzige Schatz, der uns nicht genommen werden kann. So lag ich in jener Nacht lange wach. Ich war nicht zufrieden mit dem, was ich gesehen, denn ich tonnte mir nicht vorstellen, warum dieser selbstlose alte Mann, der wie ein Heiliger immer nur für andere sorgte, jede Nacht betteln gehen sollte, wo er doch immer im„Palast" sein Bett hatte und genug zu essen, um Leib und Seele zusammenzuhalten in seinen Lumpen. Gewiß haben wir alle unsere Laster, und die ehren- wertesten Herren tun im Geheimen Dinge, über die sie bei anderen die Nase rümpfen würden: aber diese Bettelei schien mir kaum zu dem Charakter dieses alten Menschenfreundes zu passen— denn nach meiner Erfahrung, Monsieur, sind die Bettler genau so große Egoisten wie die Millionäre- Wie gesagt, es lieh mir keine Ruhe und ich entschloß mich, ihm wieder zu folgen. Die zweite Nacht war ganz anders. Ein scharfer Wind ging, und weiße Wölken trieben durch das Mondlicht. Er begann seine Pilgerfahrt, indem er am Parlament vorbeiging, als ob er zur Themse hinunter wollte. Euren großen Strom habe ich sehr gern. In seinen! Laus liegt etwas ganz Grandioses: er wird wohl vieles wissen, trotzdem er so schweigsam ist und niemandem die Geheimnisse verrät, die man ihm anvertraut. Wie es schien, steuerte er aus jene lange Reihe von Häusern zu, die sich würdevoll am User hin- Gipfel erklomm der Redakteur Kl«h«ibst-Themnkß. der verlangte, daß die Regierung Zeigner/ mit dem Landtag in Sachsen von Ort zu Ort ziehen und das Volk aufrufen solle, sich um seine Regierung zu scharen. Als Genosse Wels darüber lachte, machte ihm der Redakteur Scyllewitz-Zwickau deswegen schwere Borwürfe.' Politische Kinder maßen sich an, politische Führer zu sein und lassen sich von der Welle der Erregung, die durch die Wirt- schaftsnot hervorgerufen ist, hochtragen.in Partei- und Staats- ämter. Im Zwickauer Bezirk richii* sich der Bezirksvorsitzende Sei�ewitz in einem Zirkular, daß Beiträge nach Berlin „Wieso" nicht abgeführt werden, dtvnit„beruhigt" er die Genossen. Der im gleichen Beziik gewühlte Landtags- abgeordnete Langhorst wird wegen seines Votums für die Re- gierung Fcllisch gezwungen, sein Amt als Angestellter des Bergarbciterverbandes niederzulegen; die Mitglieder drohen, die Beiträge zu sperren, wenn er nscht geht. Der Textil- arbeiteroerbano muß wegen Beitragssperre im Zwickauer Bezirk eine ganze Zahlstelle ausschließen. Das find die Früchte der Pressehetze der Seydcwitz, Victor et tutti quanti. Inzwischen hat Seydewitz sich bereits zum Reickistagskandi- baten und Victor, der erst vier Monate in Sachsen ist, sich zum Üandtagskandidaten aufstellen lassen. Molkenbuhr, Jockel, Puchta, Richard Meier, Stücklen, Minna Schilling, kurzum alle Reichstagsabgeordnete der Partei im gapzen Wahlbezirk, sollen durch diese„Parteierneuerer" beseitigt werden. Demselben Zweck dient anscheinend jetzt bezüglich der Landtagsfraktion das Eintreten des Landesarbcitsausschusies für die Landtagsauflösung. Geht die proletarische Mehrheit verloren, so macht inan eben„grundsätzliche Oppo- sition" in Idealkonkurrenz mit den Kam- m u n i st e n. Aber vielleicht würde eine Wahlniederlage denen die Augen öffnen, die sich von dem pseudo-radikalen Geschrei betören lassen und endlich eine Gesundung der trost- losen Parteiverhältnisse in Sachsen einleiten., Alles in allem ist es e i n proletarisches Trauer- spiel, was sich seit Jahr und Tag in der sächsischen Arbeiter- bewegung ereignet und das sozialistische Musterland Sachsen zu einem Tummelplatz parteizerstörender Treibereien politisch unreifer Elemente macht. Briefen Ludwig Zranks. Im September kommenden Jahres vollendet sich ein Jahrzehnt, seit Ludwig Frank als Kriegsireiwilliger bei Baccarat fiel. Er rrar nur einer von Millionen, die der Weltkrieg hinraffte, einer von chunderttausenden von deutschen Sozialdemokraten, die aus dew Schlachtfeld ihr Leben Hingaben,, um dem deutschen Volk die Nieder läge zu erspar«»» die ihm durch die Blindheit der Mächtigen schließ- lich doch bereitet worden ist. Zwei deutsche Reichstagsabgeordnet« sind im Krieg gefallen,«in Welse und ein—„Marxist", kein Kon- scroatioer, kein Deutschnationaler. Vielleicht ist es deshalb, das i.och keine Gedenktafel im Reichstag von ihrem Blutopser zeugt. In der„Glocke" läßt jetzt Genossin Hedwig Wachen Hein einig« Briese von Ludwig Frank erscheinen, die a» die Schrift- stellerin Leoni« Meyerhof Hilbeck gerichtet sind, und denen sie ein l>erständnisvolles Geleitwort vorausschickt. Wir lassen dieses uns einige Briefe folgen. Der Wille zur Macht. „Im Grunde ist«s auch dasselbe, für was ge- starben wird, und so ein warmer, treuer Tod ist besser als«in kaltes, treuloses Leben." Ein kleines vom 21. bis 28. Lebensjahr unter dem Titel„Eigene imd angeeignete Gedanken" geführtes Notizbuch Ludwig Franks bricht mit diesen Worten Heines ab. Sein Ted ist von vielen nicht verstanden worden und war doch ein warmer, treuer Tod sitr die Sache, der er sein Leben gewidmet l>at, die Sache de s d e uts che n Proletariats. Sein Wort ziehen, ehe man nach ßchelsca kommt. E» tat einem weh, den armen Alten zu sehen, wie er sich mühsam gegen den heftigen Westwind vorwädtskäinpfte. Nur ein paar Wagen wäre» hier zu sehen und wenig L:ute— eine trostlose Wildnis, von hohen Laternen erhellt, die keine Schatten warfen, so l>ell schien der Mond. Bald nahm er wieder seineü Beobachtungsposten«in wie in der vergangenen Nacht und wartete auf die Rückkehr eines Löwen in feine Höhle. Und bald darauf sah ich einen daherkommen, von drei Löwinnen begleitet, die alle größer waren als er. Dieser da war bärtig und trug eine Brille— ein richtiger Gelehrtenkopf. Er hatte de» Gang eines Mannes, dem man nichts vormachen kann.„Irgendein Professor", sagte ich zu mir,„mit seinem Hnn m." Etwa fünfzig Schritt von meinem Alten entfernt erreichten sie ihr Haus, und wählend der Gelehrte die Tür öffnete, hoben die drei Damen ihre Nasen in die Luft, um nach dem Mond zu schauen. Ein bißchen ästhctilch ange- haucht, ein bißchen zur Wissenschast gerochen— ww s bei diesem Typus immer ist. Sofort sah ich, wie mein Alter herüberkam, vom Wind getrieben wie ein Distelstengel, und auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck so tiefen Kummers, als ob«r die Leiden der ganzen Menschheit trüge. Im selben Augenblick, als sie isgr bemerken, lassen die drei Damen ihre Nasen hängen und flüchten in das Haus, als ab er die Pest wäre. Auf ihr Kreischen:„Henry!" kommt Monsieur wieder heraus mit seinem Bart und seiner Brille. Ich hätte schon gern gehorcht, ober ich sali, wie der gute Henry mich sixierte, und Ich rührte mich nicht, aus Furcht, mit im Komplott zu scheinen. Ich hörte chn nur sagen:„Unmöglich! Unmöglich! Wenden Sie sich an die hierfür geeignete Stelle!" Und er schloß die Tür. Mein Alter blieb stehen, und der lange Stab drückte schwer, als wäre er aus Blei, auf die gebeugte Schulter. Und dann ging er wieder in derselben Richtung davon, aus der er gekommen war; gebeugt und zitternd- schlich er wie ein Schatten an mir vorüber, als wenn ick Luft gewesen wäre. Auch diesmal gelang es mir, vor ihm im Bett zu fein, und. in tiefes Nackdenken versunken, begriff ich noch weniger, was dies alles bedeuten tollte. Ich beschloß, ihm noä) einmal zu folgen und nabm mir vor:„Diesmal muß ich'- hören: es koste, was es wolle! Es gibt zwei Arten van Menschen in dieser Welt, Monsieur, die einen, die keine Ruhe gebe», bis sie all die Spielsachen in ihren Besitz gebracht haben, die zu dem Leben eines Reichen gehören— wobei es ihnen ganz gleich ist, woraus die Spiel- fachen gemacht sind, und die anderen, für die das Lebe» in Tobak und einer Kruste Brot besteht und in der Freiheit, allem aus den Grund zu gehen, so daß sich die Seele wohl fühlt im Leibe. Gerade herausgesagt: ich gelyjr' zu dieser Sorte. Ich finde keine Ruhe, bis ich h'rausgesunden Hab', warum etwas fo ist. Für mich ist das Geheimnisvolle das Salz des Lebens, und ohne Salz ist mir das Leben zu fad. Ich beschloß also, ihm in der nächsten Nachi wieder zu folgen. Diesmal ging er duech die kleinen schniutzigne Straßen von eurem berühmten Wcstminsteroieri l. wo die Lords uyd die armen Teuiel lustig durcheinander gemischt zn hoben sind, zu zwei Sons das Dutzend. Dazwischen Katzen und Polizisten, die offenen Leuchtslamme» der Berkaussstände, Abteien, und der Duft von Fisch, in ranzig m Fett gebacken. Ach, es ist grauenhaft, des Londoner Armenstraßen zu sehen. Da lreschleicht mich immer eine so er- drückende Trostlosigkeit, wie ich sie niroends sonst gespürt habe, und es ist charakicristifch, sie io nabe bei jenem großen Parlament zu finden, das der ganzen Welt ein Beispiel gibt, wie man gut regiert. Aus jener Gegend spricht ein« so teuflische Ironie, Man- sieur, daß mon glaubt, den guten Gott eurer Bourgeoisie lachen zu hören in jedem rollenden Rad einer Equipage und m jedem Ruf im letzten Brief an Südekum„Einer muß die Fundament« gesehen haben" ist nach seinem Tod durch alle Zeitungen ge- gangen. Er dachte an die Fundamente des neuen Staats. Das vornehmste politisck)« Ziel seiner letzte» Lebensjahre ivar, die Sozialdemokratie zur p o l i t i i ch« n M a ch t zu führen. Um es zu erreichen, mußte er zwiefach kämpfen! einmal mußte der Feu- dalismus und damit alles, was in der deutschen Reichsverfassuna der staatspalitischen Tätigkeit der Parteien und besonders der Ar- beiterpartei entgegenstand, hinweggeräumt werden. Und dann muhte die Sozialdemokratie selbst aus der reine» Opposition?- und Agita- tivnspolitik herausgelockt und dazu getrieben werden, ihre zahlen- mäßige, wirtschaf-liche und kulturelle Bedeutung des organisierten Proletariats zu nutzen. Diesem Ziel galten die badiiche Budgetbe- willigung, die daranschließenden Peneitämpfe. die zmrlamentari- jehen Arbeiten bei der Verfassung der Reichslande, der Wchrbeitrag und dos Petroleummonopol. Zaber» wurde für ihn zum Kampf um die Verfafsungsreform. Er hatte«in glückliches Temperament und war schwer zu entmutigen. Er lebte oft schon im nächsten Er- folg. Bei der Zabern-Debatte meint« er:„Noch«in solcher Vorgang im Reichstag und wir bekommen das parlamentarisch« System." Und weil er ganz in diesen politischen Kämpfen lebte und über das Nächste hinweg zum Uebcrnächsten sah, zog er freudig In diese» Krieg, um iin Kampfe für die Heimat den Volksstaat zu erobern. Kreditbewilligung und Teilnahme am Feldzug waren ihm symbolisch für dw völlig veränderten Beziehungen zwischen Sozialdemkkratie und Staat. Er war heiter als er ging, weil er sich freute auf die staatsinännische Arbeit nach dm Krieg und weil er wußte, auch wenn er sterben mußte, war er ein Stück Fundament des Volks- staats. Er hat ül der Partei nur vorbereiten können, was nachher unter bedrückenden außenpolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen vollzogen wurde. In einer Berliner Funitianärkcnferenz hat un- längst nach einem Referat des Genossen Erispie» der Genosse Hil- denbrand darauf hingewiesen, daß es letzten Endes die veränderten Beziehungen zwischen Staat und Sozialdemokratie sind. die von einer Minderheit von Parteimitgliedern nicht verstanden werden, die darum jetzt so kurz nach der Einigung einen heftigen Kamps in die Reihen der Partei tragen. In dieser Stunde soll an den wärmsten Kämpfer um diese veränderten Beziehungen von Staat und Sozialdemokratie erinnert werden. Frank hat keine Memoiren und nur wenig Zeitungsartikel hinterlasse» trotz uner- müdlicher Arbeit. Aber ivas von ihm da ist, hat die Wärme und Treue, den seinen Geist, die Güte und Anmut seines Wesens. Aus den Briefen. Mannheim, 21. Juli 1310. Liebe Freundin! Ich habe gut« Wünsche für die nächsten Kampfmanatc nötig; es ist eine schwere Zeit für mich; aber ich bin nicht niedergeschlagen, weil ich eilt blankes politisches Gewissen habe und weil man dem Gott in'sich mehr folgen muß als den Beschlüsseli eines Parteitags. Ich will Ihnen nur gestehen, daß ich in der Nacht vor der Entscheidung(über die Budgetbewilligungsfrage. Red. d.„B.".) lange mit mir gekämpft habe, nach welcher Seit« ich das Schifflein lenken sollte; ich hätte mir viele Sorgen und häßliche Beschimpfungen erspart und meine äußer« Stellung in der Partei — ich stand in der Reichstagssraktion nahe an der Führung— wäre nicht erschüttert worden, wenn ich im Gleise geblieben wäre. Aber ich hätte die Selbstachtung verloren; ich wußte, was in diesem Augenblick das Rechte war und hatte die Macht, es durch- zusetzen— ich durste nicht meiner Bequemlichkeit und Karriere zu- liebe den Augenblick verpassen. Die Partei im ganzen wird ja von dieser Episode Nutzen haben— sie wird, wenn auch nicht sofort, durch meine Propaganda der Tat zur Anwendung ihrer untätigen Riesenkräfte gedrängt werden. Aber für mich selbst wird vielleicht ein« peinliche Zeit dazwischen liegen, in der ich zur Disposition gestellt bin. Die Politik, die ich treibe, ist ein langfristiger Wechsel. Ihr herzlich grüßender L. F. der Straßenhöndler, die ihren Kohl verkcnnen; mack kann ihn lächeln sehen in dem rauchigen Dunst der Leuchtilammcn, im Kerzcnschein eurer Kathedrale, wie er zu sich selber sagt:„Wunderbar ist mir diese Welt gelungen. Habt Ihr nicht die schönste Abwechselung hier? Nun löffelt sie aus, die Suppe, die ich euch eingebrockt!" Diesmal aber folgte ich meinem Alten wie fein Schatten und konnte höre», wie er im Gehen seufzte, als wäre auch für ihn die Atmosphäre jener Gassen unerträglich. Aber plötzlich bog er um eine Ecke, und wir waren in der ruhigsten, schönsten, �kleinen Gasse, die ich in London je gesehen hahe. Ans beiden Seiten standen kleine alte Häuser, eines wie das andere, die sich in zwei Reihen vor einer großen Kirche zu neigen schienen, die am Ende der Gasse grau und mütterlich iin Mondlicht stand. Die Gasse war ganz öde und aus- gestorben und so kahl wie der Schädel eines Mönchs. Aber ich vertraute jetzt schon darauf, daß mein Alter mich nicht so dicht hinter ssch bemerken würde, da er bei den früheren Wanderungen nichts gesehen zu haben Häiien. Wie er so aus seinem Stab gebeugt stand, kam er mir vor wie ein heiliger Vogel in der Wüste, der ans einem Bein ausruht am Rand eines ausgetrockneten Teiches, während seine Seele nach Wasser lechzt. Es Überkam mich jenes Gefühl, das einen manchmal vor de» seltsamen Geschehnissen im Leben ergreift und das, glaube ich, auch die Künstler zu ihrem Wert begeistert. Nicht allzu lange hatten wir so gestanden, als ich ein Paar die Straße herunterkommen sah und dachte:„Hier muß ihr Nest sein." Frisch und lebhaft warm sie, jung verheiratet, in Eile nach Hause zu kam- men; man konnte den weißen Hals der jungen Frau sehen, die weiße Hemdbrust des jungen Mannes, die unter den Mänteln hervor- leuchteten. Ich kenne sie gut, dies« jungen Paar« i» den großen Städten, die keine Sorgen haben, alles genießen, alles noch vor sich haben, verliebt sind, und noch keine Kinder Kaben; lustige und rührend« Menschen siyd das, die das Leben erst kennenlernen müssen, und das, glauben Sie mir, Monsieur, ist für nepn Kaninchen von zehn eine traurige Affäre. Ein Hans weit weg von mir blieben sie stehen, und da mein Alter schnell um nichts zu versäumen, binüberging, tat ich so, als ob ich die Glocke an dem Haus vor mir'geläutet hätte. Diesmal konnte ich gut hören. Ich konnte auch die Gesichter von allen dreien sehen, denn ich habe auch hinten Augen im Kopf. Die Täubchen waren so in Eile, in ihr Nest zu flattern, daß mein Alter nur gerade noch sagen konnte, als sie im Begriffe zu verschwinden waren:„Laßt mich ans eurer Schwelle schlafen!" Monsieur, ich habe noch nie ein Gesicht so voll müder tzosfnungs- losigkdit gesehen und doch so von sanfter Würde durchleuchtet wie das meines Alten, wöbrend er diese Worte sagte. Auf seinem Gesicht lag etwas Ueberirdisches, was uns zynischen Sterblichen nicht ge- geben ist, die wir durch das Leben in diesem Erdenparadiesc so ge- worden sind. Cr trug seinen langen Stab über der Schuller, und ich hatte die düstere Vorstellung, als ob fein armseliger Körper auf das Pflaster niedergedrückt würde. Ich weiß nicht, wie es kam, aber es schien mir, daß dieser verteufelte Stock wie ein schweres Kreuz aus seiner Schulter lag: ich hatte Mühe, mich nicht unlzudrehen, um mich zu überzeugen, ob alles nicht ei» Spuk war. Dann rief der junge Mann:„Da ist ein Schilling für Sie mein Freund!" Mein Aiter aber rührte sich nicht und sagte immer nur:„Laßt mich aus eurer Schwelle schlafen!" Sie können sich wohl vorstellen, Monsieur. wir waren ulle stumm vor Derwunderung; ich läutete immerfort an meiner Türklingel, die keinen Laut gab, da ich gut auspaßte nicht zu läuten, lind die beiden jungen Leute betrachteten meinen Alton mit weit aufgerissenen Augen, aus ihrem Taubenschlag heraus, der Mannheim, 15. Dezember 1911. Liebe Freundin! Herzlichen Dank für Ihren großen, schonen Brief! Es tut doch wohl, zwischen Fluob.'ättern, Broschüren und Leitartikeln wieder daran erinnert zu werden, daß es doneben nock) ein paar andere Dinge gibt, die man nicht entbehren mächt«, so vor allem mild- denkende Frauen, die uns er einem Schreibnachlässigkett immer wieder verzeihen. Ich kann nicht eimnal, um einen Teil meiner Sünden gutzumachen, nachträglich meine letzten Reden schicken. Ich finde kein Exemplar mehr. Aber im neuen Reichstag! I6) werde Sie aus italienischen Sonnenträunicn schon durch deutsche Politik ausschrecken. Einstweilen werde ich täglich durch die Dörfer geschleppt, und an den Sonntagen muß ich gar viermal predigen. Die Redner und Hörer können Unmögliches aushallen. Ich freu« mich auf die Zwei W e i hn a ch t s je i e r t ag e, die ich daheim in Stonnenweier bei der Mutter feiern werde. Es gibt keinen schöneren Platz in der Welt aks daheim hinterm Ofen. Nach diesem Idyll anrd aber dann der heftige Endkampf bc- ginnen, auf den ich mich freue. Das Ergebnis im Reich wird sicher- lich eine Stärkuno. unserer Partei' sein. Ich rechne aus 90 bis 100 Mann. Politische Bedeutung wird die Wahl aber nur dann haben, wenn gleichzeitig die liberalen Fraktionen so stark bleiben, daß sie mit uns zusammen eine neu« Mehr- heit bilden können. Wird dieses Ziel nicht erreicht, so sind die Verschiebungen praktisch ohne Wirkung, und in der Politik gibt es keinen andern Gott als den Erfolg. Kommt aber die notwendige Majorität, dann ist das schwierige, aber reizvolle Problem zu lösen, wie dieser Block arbeitsfähig und-willig gemacht werden kann. Aus diese große Aufgabe freue ich mich, hoffentlich nicht zu früh. Sie werden begreifen, daß ich unter diesen Umstanden für den Ausgang des Kampfes in jenen Wahlkreisen, in denen wir mit Linksliberolen fechten, nicht viel Leidenschaft übrig habe. Ihr herzlich grüßender L. F. In einem anderen, an«ine andere Adresse genchteten Brief heißt es: Mannheim, 4. Juni 1914. L. H.! Bafel war sehr schön und erfolgreich. Ich kam, nach Verabredung mit Conrad Haußman», schon am Freitag mittag an. und wir holten um 3 Uhr die Franzosen ob.(Zur deulsch-sran- zösischeli Verstöndigungskonferenz. Red.) Ich kannte schon samt. liche Teilnehmer von Bern her. Außer den Abgeordneten war«in Rudel von Zeitungsleuten gekommen, darunter der arme Rouanet, der durchgefallen« Abgeordnete von Montmartre. Wir wohnten wunid erfchon im Dreikönig-Hotol, mit fließendem Wasser, zwar nicht in den Zimmern, aber vor den Fenstern, unmittelbar am Rhein. Mein Vorschlag'München) wurde glatt angenommen, aber von den Franzosen ergänzt durch die Idee, gleichzeitig auch eine Konferenz in einer französischen Stadt einzuberusen.. Ich glaube. es wird November io erden, bis die beiden Demon» stralionen stattfinden. Basel ist«ine der schönsten Städte, die ich kenn«.... In den nächsten Tagen soll also der amertkanischo Sendling nach Mannheim kommen. Ich werde wahrscheinlich zugreifen. Allerdings muß ich dann auf Tirol und auf den Wiener Kongreß verzichten, aber ich habe das Gefühl, daß ich nicht ablehnen sollte. Was denkst Du devon?,,, » „Ich glaube, es wird November werden....' Aber es war erst August, da war der schön« Traum der deutsch. französischen Ver. ständigung ausgeträumt, und einen Monat später war Ludwig Frank nicht mehr unter den Lebenden. Keiner hatte mit heißerem Herzen dem Bölkerfrieden gedient als er. Aber als die Würfel gefallen waren, ging er mit den ersten mit. Sein« Politik ist innerhalb der Partei angefochten worden. Sein« außergewöhnlich« staatsmännisch« Begabung und die Rein- heit seines Wollens niemals. Don ihnen legen die hier wieder- gegebenen Briefe neues Zeugnis ob. gut mit Federn ausgepolstert war. wie ich sehen konnte. Ich sah auch, wie ihre Herzen schmolzen, denn in dem Alter ist man noch leicht gerührt. Dann flüsterte die junge Frau etwas, und ihr Gatte sagte die Entschuldigung, die die jungen Herren hier immer sagen: „Tut mir schrecklich leid!" Dabei streckte er die Hand aus, die jetzt eine Münze enthielt groß wie ein Teller. Doch wieder sagte mein Alter nur:„Laßt mich aus eurer Schwelle schlas-m!" Da zog der junge Mann seine Hand rasch zurück als schämte er sich, und noch«in kurzes �Schrecklich leid" hervorstoßend, schloß er die Tür. Ich habe viele Seuszer in meinem Leben gehört— sie sind die Begleitung zu dem Lied, da? wir singen, wir andern, die wir in Armut leben. Aber der Seufzer, den mein Alter ausstieß— wie soll ich es nur beschreiben?— war so, als käme er von dem Leid selber, der treuen Gefährtin des Menschen, die ihn an der Hand führt, damit er niemals in den grandiosen Irrtum'verfällt zu glauben, er sei auch nur für einen Augenblick der Herrgott selber. Jawohl. Monsieur, e- war wie ein Allfscnszen des Leids, jenes Nachtvogels, der niemals müde wird, durch diese Welt zu fliegen, wo man so viel davon redet, ihm die Flügel zu beschneiden. Da faßte ich mir ein Herz und behutsam auf ihn zutretend, fragte ich:„Mein Alter— was ist es denn? Kann ich irgend etwas für Sie tun?" Ohne mich anzusehen, sprach er wie zu sich selbst:„Niemals wird mich jemand auf seiner Schwelle schlafen lassen. Für meine Sünde muß ick ewig wandern!" In diesem Augenblick, Monsieur, wurde mir alles so klar, daß ich mich wunderte, nicht schon früher daraus gekommen zu sein. Er dielt sich für den Ewigen Juden! Ja. so war es. Das war die fixe Idee eines närrischen alten Mannes! Und ich sogt?: „Mein Jude, du sollst wissen, daß du ein Christus geworden bist durch dos, was du tust in einer Welt von Ewigen Juden!" Er aber schien mich nicht zu hören und erst, als wir unfern„Palast" er- reichten, wurde er wieder der alte sanfte Mensch, der niemals an sich selber dachte." Hinter dem Rauch seiner Zigarette kräuselte ein Lächeln Ferrands rote Lippen unier der Langen Nase, die ein wenig schief war. „Und es wird wohl so sein, Monsieur, wenn Sie darüber nachdenken. Angenommen, daß immer irgendein guter alter Mann als Ewiger Jude herumgeht, so wird er gewiß ein Christus geworden sein in all diesen Jahrhunderten, wo er von Tür zn Türe irrt. Ja, er muß die tiefste Gü!e sein eigen nennen, die diese Weit jemals erlebt hat, dadurch daß er die überwültigende Tunsnd der Menschen sieht. Alle dies« guten Bürger, die er Nacht für Nacht bittet, ihn aus ihrer Schwelle schlaien zu lassen, sie sagen ihm, wo er hingeben soll, wie er richtig leben soll, bieten ihm sogar Geld an. wie ich es gesehen hatte; aber ihn aufnehmen, ihm so viel Ver- trauen schenken, daß sie ihn in ihrem thause als einen Kameraden auf der ZDaltderschasi schlafen lassen, diesen seltsamen Alten, dos tun sie nicht. Das lieg! nicht im Weis» eines guten Bürgers in einem christlichen Lande. Und dieser Alte, der im Kopf' nicht ganz richtig war, da er sich für den Ewigen Juden hielt, der Christus 'von seiner Schwelle gewiesen, war dadurch, daß er selber imntee» zurückgewiesen wurde, Christus so ähnlich aeworden wie kein Mansch, der mir je auf Erden begegnet ist. auf dieser Erde, die meiner Meinuno nach fast ganz von jenen bewohnt wird, die wie der Ewige Jude handeln, der Christus verstieß." Ferrand seufzte, blies den Rauch vor sich hin und sagte:„Ich weiß nicht, ob er weiterhin an seiner fixen Idee festhielt, denn am nächsten Tag ging ich wieder auf die Wanderschaft, und seither Hab' ich ihn nicht wiedergesehn."