Ar. 58. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel- iährlich 3,3v Mark, nionallich l.io Mk., wöchentlich 2S Psg. frei in's HauS. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags-Nummer mit tllustr. Sonmags- Beilage„Neue Well" lo Psg. Post-Abonnement: Z.ZoMk. proQunrlal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mi., sür das übrige Ausland ZMl.pr. Monat. Eingelr. in der Post-gettungs- Preislist« für tssia unter Nr. 7128. 13. Jahrg. JnfertionS-giebuhr beträgt für die sünfgespaltenc Petilzeile oder deren Raum.o Pfg., für Bereins- und Vcrsammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditio» ist an Wochen- tagen b>S 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festlagen bis 0 Uhr Vor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. lüv». Eeirgraim»- Adresse: -Loliaidemolirat Ferttui' Verliner VoMsblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztedaktion: 8V.19. WsutS-Straße 2. Uom elendesten aller Wahlsysteme. Es ist bekannt, daß das Wahlsystem, nach dem das preußische Abgeordnetenhans gewählt wird, dem preußischen Volke durch die berüchtigte Verordnung Manteusfel's vom 30. Mai 1S49 brutal aufoklroyirt worden ist, daß das ganze Wahlversahren eigentlich einen verfassungswidrigen Zustand darstellt. Durch verschiedene Gesetzesflicken hat das Abgeordnetenhaus allerdings die Haltlosigkeit des Rechtsbodens, ans dein es steht, zu verdecken gesucht, doch die Fadenscheinigkeit des ganzen Systems, die Lassalle in seiner Assisen-Rede so grausam aufdeckte, kann dadurch nicht verhüllt werden. Aber wir wollen uns über verfassungsrechtliche Streitfragen nicht aufregen. Unsere gegenwärtige Gesellschaftsordnung ist auf der Klassenherrschaft des Kapitals basirt, und es ist demnach im Grunde höchst gleichgiltig. wie diese Machtfrage paragraphirl und in Gesetzesform gegossen ist. Daran kann und darf die Bourgeoisie nichts ändern, wenn sie ihre eigene Klassenherrschaft nicht untergraben will. In dem ideologischen Rausch des„tollen Jahres" empfand freilich die preußische Bourgeoisie noch peinlich den Konflikt zwischen der Verfassung und dem preußischen Wahlrecht. Aber der naive Kinderglaube an die„Majestät" des Gesetzes hat längst dem Bewußtsein von dem Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat Platz gemacht. Wenn es deshalb die liberale Bourgeoisie 1849 aus Feigheit nicht wagte, den Konflikt im Sinne ihrer deklarirten Prinzipien zu lösen, so hat sie sich heut längst mit diesem Konflikt ausgesöhnt, garantirt das preußische Dreiklassen-Wahlsystem doch vorzüglich die Interessen- Vertretung des industriellen und agrarischen Großkapitals und schließt es doch das Proletariat vollständig von der Antheilnahme an der Gesetzgebung im preußischen Landtage aus. Daher die eigenthümliche Erscheinung, daß selbst die Freisinnigen es nicht wagen, energisch die Axt an den plutokratischen Charakter des Dreiklassenwahl- systeins zu legen, daß sie, im Bunde mit dem Zentrum und einem Theil der Nationalliberalen, nur dahin wirkten, durch das neue Wahlgesetz vom 23. Juni 1893 den Verschiebungen in den Wohl- standsverhältnissen in einer solchen Form zu folgen, daß die Parallelität zwischen der politischen Entrechtung der breiten Bolksklassen und deren ökonomischer Abhängigkeit nicht allzu augenscheinlich werde. Das gegenwärtig tagende Abgeordnetenhaus ist nun zwar noch nach der Novelle von 1891 gewählt, aber da eine wichtige Bestimmung dieser Novelle, nämlich die Drittelung der Wähler nach Urwahlbezirken(innerhalb der Wahlkreise), unverändert in das ueue Wahlgesetz aufgenommen worden ist, so enthüllen die statistischen Nachrichten über die Landtagsivahlen von 1893 bereits deutlich genug, daß nicht die Arbeit, auch nicht die Bildung, nicht einmal der„ständische Rang", sondern einzig und allein der Besitz einen Einfluß auf die Gesetzgebung ausübt; daß das Dreiklassen- Wahlsystem eine brutale Vergeivaltigung der besitzlosen Klassen zu gunsten der Besitzenden ist.— Im Augen- blick hat allerdings der Besitz schlechthin noch das Vorrecht, nach dem Gesetze von 1893, das am 1. April 189S in kraft tritt, vor allem aber der Großgrundbesitz des Ostens, das feudale Junker- thum Ostelbiens... wie sich das übrigens gemäß der Ent- stehnngsgeschichte des preußischen Staates von selbst versteht. SW. 19, ZZ-uUi-Swck- 3. Leuilleton. lNachdruck verboten.] Skizzen ans Kern � siwamerikam schen Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. „Schlecht, schlecht, Exccllenz... Sie mögen alles machen, was Ihnen behagt... Sie mögen fremde Weiber stehlen... Sie mögen meinetwegen hie und da auch einen Unzufriedenen den Ausgang aus dem Diesseits erleichtern, aber eins lassen Sie unangetastet... Sie wissen wie bigott linsere Weiber sind, und welchen Einfluß die Pfaffen auf sie haben... sind meistens noch dazu hungrige Nea- politaner, die sich nicht gerne eine» Centavo aus der Hand nehmen lassen. Ich in Ihrer Stelle hätte dem wunder- thätigen Bild in Caacups eher noch eineil Brillantschmuck geschenkt unter allerlei Poinp und Aufwand, und Sie hätten sich Freunde unter diesen Kerlen erworben. Statt dessen gehen Sie hin und plündern ihre ganze Kasse.. Sic wissen wie viel das Bild schon geheilt hat.. Alle Kranke niid Gebrechliche pilgern dorthin. Ter Pfaffe in Caacups schrie Zeter; die ganze Pfaffenschaft im Laude und mit ihr alle alten Weiber und zum Schluß auch alle alten Wänner werden dasselbe thnn.. Schauen Sie, wie man das Ihnen brühwarm im Pamphlet auf- tischt.. eineni dunimen Volk darf man an seinen Aberglauben absolut nicht tasten.. Alles aiidere lassen sie sich gefallen.. Wie sich dagegen meine Erfindung bewährt hat, der Zwangsknrs bei dem wenigen Papiergeld, das wir besitzen; er hat uns in den drei Monaten, in denen er in Geltung ist, schon mehr ein- gebracht, als alle Juwelen der wunderthätigen Jungfrau... und macht kein böses Blut; höchstens klagt man über die schlechten Zeiten, die Krisis, über Gott weiß was mehr, Die Zahlen verlieren auch nichts au Werth dadurch, daß sie erst mit einer Verspätung von fast zwei Jahren publizirt werden, — was sie uns enthüllen können, ist ja im Grunde nichts neues; aber weil sie das Bild, das wir nun einmal von der Klassen- Herrschaft der Bourgeoisie haben, so schön abrunden, seien einige von ihnen zu Nutz und Fromme» derer hier aufgeführt, die noch an die tabo conyenue von der Rechtsgleichheit aller Bürger glauben. Charakteristisch ist schon die Vertheilung der Urwähler in die drei Wählerklassen. I» der ersten Abtheilung waren 3,52 pCt., i» der zweiten 12,08 pCt., und in der dritten 84,42 pCt. vor- Händen. Das heiß:: unter besonders ungünstigen Umständen wären 9,58 pCt. aller Wähler(die erste Abtheilung und eine Kleinigkeit über die Halste der zweiten) im stände, krast ihres Besitzes 90,44 pCt. der Wähler zu überstimmen, sie politisch ein- flußlos zu machen. Da 1893 5 989 538 Wahlberechtigte vorhanden waren, so hatten also 572 599 Personen genau denselben Einfluß wie die 5 416 939 übrigen.— In den Städten war das Mißverhältniß noch stärker als auf dem platten Lande.— Nun ist das ja aller- Vings ein exceptionell krasser Fall, der dazu noch fingirt ist. Aber in der Wirklichkeit wird er beinahe er- reicht! Denn es ist klar, daß diejenigen Kreise, die auf den Ausgang der Wahl an sich einen nur minimalen Einfluß besitzen, sich schon deshalb, von andere» Gründen ganz abgesehen, der Wahl enthalten. In der That belheiligten sich in der I. Abtheilung zwar noch 48,13 pCt, in der II. aber blos noch 32,05 pCt., in der III. gar nur 15,21 pCt. und über- Haupt nur 18,40 pCt. der Wähler an den Wahlen. Von 5 989 533 Wahlberechtigten stimmten nur 1 102 309! Von den abgegebenen Stimmen entfielen 80,05 pCt. auf die gewählten Wahlmänner, und von den 103132 stimmberechtigten Wahl- männern mit 212 973 Stimmen wurden nur 150 937 Stimmen oder 70,9 pCt. auf die gewählten Abgeordneten abgegeben; mit anderen Worten heißt das: nur die Stimme von 13,40 X 0.801 X 0.709— 1 1 pCt. aller Wahlberechtigten, also fast B/io, hatte Einfluß auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses. Die unterste Grenze der Möglichkeit wird durch das thatsächliche Ver hältniß also beinahe erreicht. Das ist doch wohl die schärfste Kritik, die an einem Wahl- system von diesem selbst ausgeübt werden kann! Prof. Gneist nennt zwar trotzdem das Dreiklassen-Wahlsystem ein Proportional- verfahren, aber jemand anderes als ein Nationalliberaler würde sich auch wohl kaum bereit finden, das plutokratischeste aller Wahlsysteme mit solchen Mätzchen zu verlheidigen. Wie plutokratisch das Dreiklassen-Wahlsystem ist, geht am besten daraus hervor, daß in der I. Abth. 5,77 Urwähler mit 299 M. durchschnittlicher Steuerleistung, in der II. Abth. 19,25 Urwähler mit 74 M. Steuern, in der III. Abth. 138,38 Ur- Wähler mit 10 M. Steuern aus je einen Wahlmann entfallen.*) Aber wie„in Oesterreich der Kapitalismus herrscht, gemildert durch Schlamperei", so in Preußen der Kapitalismus, karrikirt *) In der Stadt: auf dem Lande: auf einen W a h l m a n n: in der I. Abth. 4.30 Urw. mit 570.82 M. 6,78 Urw. mit 130 M. „.. II.„ 15,24. 142,92„ 21,89„„ 42,43„ „.. III.„ 138,17„„ 15,23.. 138,25„„ 6,79„ und mir streichen sicher und ohne Aufregung das Geld em..." „Allerdings, Pancho...«in guter Gedanke war es... weiß der Teufel; wo Sie das immer aushecken.... dekretirten am vergangenen Sonnabend den Peso Papier zum Werth von zwei Realen... kauften zusammen, was sich zusammenkaufen ließ... Heute haben wir ihn wieder auf acht Real gestellt... ist ein Nettoverdienst von sechs Real auf den Peso... Wenn wir das noch so einige Wochen fortsetzen, können tvir das Geschäft mit einer schönen Bilanz abschließen. Machten schöne Augen die fremden Kaufleilte, als ich sie zwang, die Zettel nach meinem Gutdünken anzunehmen... am Hafen der Italiener weigerte sich, forderte Silber oder Gold, wollte absolut für keinen Real Papiergeld annehmen... Hab' ihn aber gleich in Eisen schließen lassen, und seit der Zeit weigert sich keine Seele mehr.." „Haben auch ganz schön verdient am Kupfergeld; können sich nicht beklagen; soll jedes Stück einen Viertel Real werth sein.. steht wenigstens so drauf.. und am Monopol auf Salz und Tabak. „Schwerenoth.. bei dem Tabak fällt mir es ein, daß es doch ein nichtswürdiges Volk ist in Barrero Grande. Hatte Nachricht, daß gegen 30 000 Arreben Tabak dort liegen, die man verborgen hält und den Kommissären nicht aus- händigt.. Schickte die vergangene Woche einen Kapitän hin, mit sechs Soldaten; hatte dem Kapitän ein schönes Trink- geld versprochen, wenn er mir den Tabak anbrächte; kommt unvcrrichteter Sache zurück.. haben ihm seine Soldaten halb todt geschlagen... sitzt eben noch immer Rivarola dort..." „Warum sind Sie so eilig... der Tabak entgeht Ihnen ja doch nicht; er muß ja auf alle Fälle durch Asuneion, wenn er außer Landes gehen ivill und können ihn dann mit aller Gemüthsruhe in Beschlag nehmen... habeil Sie übrigens etwas weiteres voiv Rivarola und Godoy gehört? Ich für meine Person bin ganz und gar nicht auf dem Laufenden mit ihnen." durch de» Bureaukratismus. Während man nämlich in einem Wahlbezirk bereits mit 5 M. Steuern und in 9 andern mit 5 bis 20 M. Steuern bereits in der ersten Ablheilung wählte, gab es 575 Urwahlbezirke, in denen man mit 300—10 000 M. Steuern noch in der dritten Klasse rangirte. Der ganze bureaukralische Widersinn des Dreiklasiensystems kommt ain drastischsten zum Ausdrucke, wenn man die Verhältnisse in einer einzelnen Stadt wie Berlin betrachtet.„In der Breiten- straße, deren Häuser zu verschiedenen Urwahlbezirken gehören, ist man mit einem Steuersatz von 147 M. im Hause Nr. 7 in der dritten Wählerklasse, im Hause Nr. 3 in der zweiten und ein paar Häuser weiter, am Kölnischen Fischmarkt in der ersten! In der Voßstraße(53. Urwahlbezirk) bildete» zwei Vertreter des Großhandels und der Großindustrie die I. Wählerklasse; vier Vertreter des Großhandels und der Großindustrie und ein Rittergutsbesitzer bildeten die II. Wählerklasse. Alle übrigen Wähler, darunter der Reichskanzler Caprivi, drei Minister, eine Anzahl Geheimer Konrmerzien- räthe, Bankiers je. bildeten mit ihren Kammer- dienern, Lakaien, Portiers, Heizern je. die III. Klasse. Von den nenn wahlberechtigten Ministern wählte nicht einer in der ersten Silasse!!" Aber das ist nur eine Satire auf den„Geist" des Drei- klassen-Wahlsystems, das dadurch natürlich trotzdem an pluto- kratischem Charakter nichts einbüßt.— Auf jeder Seite der Wahlstatistik finden sich ganz ähnliche Züge. In seiner vollen Schönheit tritt dieses Wahlsystem aber zu tage, wenn ivir er- fahren, daß 3696 Wahlbezirke vorhanden waren(von 24 130 über- Haupt), wo in der ersten Abtheilung nur 1 bis 2 Urwähler, und 196 Wahlbezirke, wo in der zweiten Abtheilung nur 1 bis 2 Ur- wühler vorhanden waren. Das Wahlrecht ist in diesem Falle einfach zum Ernennungsrechl geworden! Selbst enragirte An- Hänger des Dreiklassen-WahlsysteinS fühlen die Poffenhaftigkeit eines solchen Wahlrechtes, und selbst der Exminister Herrsurlh illustrirle in der„Deutschen Revue" drastisch den Blödsinn dieses Wahlsystems mit den Worten:„Wenn ein solcher Wahl- berechtigter mit monopolisirtem Wahlrechte sich selbst wählt, die Wahl ablehnt und erst, nachdem er bei Wieder- Holling der Wahl sich nochmals die Stimme gebend, das Mandat annimmt,„geehrt von dem Vertrauen der Mitbürger". wenn ein anderer, welcher zwei Wahlmänner zu ernennen hat, je einen aus jeder der beiden sich scharf gegenüberstehenden Parteien wählt, um als kluger Geschäftsmann es mit keiner derselben zu verderben, wenn zwei Wahlberechtigte entgegengesetzter tarteien, welche allein in der ersten Klasse wählen, um nicht das oos entscheiden lassen zu müssen, vorher auswürfeln, wer von beiden sich der Wahl enthalten soll, so sind das Wahlscherze, welche das Ansehen des ganzen Wahlsystems zu gefährden ge- eignet sind, und welche unmöglich zu machen im öffentlichen Interesse geboten erscheint."— Im gewöhnlichen Leben lödtet allerdings die Lächerlichkeit, es scheint aber, daß sich die im Besitz der Macht befindliche» Parteien trotz dieser Farce auf ein Wahlrecht in vollster Sicher- heil vor jedem proletarischen Anstürme fühlen. Vielleicht führt auch gerade die Theilnahmslosigkeit breiter Volksninssen an den Landtagsivahlen zu diesem naive» Glauben.— Theiknahmslos aber stehen in der That die Wähler ihrem Wahlrechte gegenüber. In 302 Wahlbezirken konnten wegen mangels an Betheiligung „Hm... im großen ganzen mögen sie wohl eingesehen haben, daß sie zur Zeit nicht was Rechtes machen können und halten sich darum zurückgezogen in ihren Wäldern. Ich habe allerdings, das muß ich Ihnen gestehen, eine eigenthümliche Furcht vor diesen Leuten; weniger vor Rivarola, das ist eine dumme Haut; aber ich kann meine Gedanken an diesen Nicanor nicht los werden. Das ist ein Mensch, der unbestechlich ist, nicht einmal mit Worten kann man es tyun..." „Kommen heute doch auf meinen Ball, Francisco, gute Freunde entbehrt man nicht gern... Habe der guten Concepcion absolut den Gefallen thun müssen, zu ihrem Namenstage die halbe Stadt einzuladen.. „Gewiß, Exzellenz, ist ja eine große Ehre für mich..." Ter Präsident nickte seinem persönlichen Adjutanten, dem vorhin erwähnten Mörder mit dem Bullenbeißergesicht und verschwand aus der Apotheke, nachdem er Herrn Guanes kräftig die Hand geschüttelt, und wurde von diesem respekt- voll bis an die Thüre begleitet. Der Apotheker schaute ihm, leise vor sich hin pfeifend, eine Weile nach; dann murmelte er beim Zurückgehen in den Laden: „Ist arg keck geworden, Herr Bantista; fängt an auf eigeue Hand zu arbeiten. Wohl bekomm es ihm." Abends gab es großen Ball im Hause von Gill. Das ganze Haus war erleuchtet. Im Garten spielten abwechselnd zwei Musikchöre, und die ganzen Spitzen der Behörde», die feinste Gesellschaft aus den Privatkreisen füllte die Zimmer. Herr Gill in Person ging auf und ab und machte mit liebenswürdigem Lächeln die Honneurs. Hier drückte er einem Herrn mit würdiger Zuvorkommenheit die Hand, dort sagte er einer jungen Dame eine Schmeichelei, lud zum Tanz ein und animirte zum Trinken. Frau Concepcion tanzte fleißig. In einem Hinterzimmer saß der Oberst Meza an einem Tische. Er hatte die Bewachungsmannschaft zu befehligen, die man der Vorsicht wegen im Hause vertheilt hatte. Er hatte eine große Cognakflasche vor sich stehen, aus der er Wahlen überhaupt nickt zu staube kommen, in 1739 anderen mußten die Wahlen durch das Loos�culschieden werden!— Eine Stelle der Wahlslatisnk müssen wir sodann noch bervor- heben, die ein eigcnlhümlichcs Schlaglicht auf das System wirft, das ist die Wahlbelheiligi ng in den einzelnen Provinzen. Es wählten in Posen.... �38;Ct. SchlkswiA-Holst.. 14,35 pEt. Westprensten.. 37 L9„ Sachsen.... I4,l7„ Ostpreußen... 22,71„ Westfnlc»... 13,91 Schlesien... 29,46„ Pommerir... 11,56„ Rheinland... 17,51„ Berlin.... 11,23„ Hessen- Nassau.. 15,93„ Hohenzollern.. 19,39„ Brandenburg.. 15,92„ Hannover... 9,59„ Die Grnppirung der einzelnen Lnickcsiheile ist offenbar reine zufällige; je fortgeschrittener die Bevölkerung eines Laudestheilcs ist, desto weniger interessirt sie sich sür ein so sades Posscnspicl, wie es die Landtagswahl ist— ganz abgesehen davon, daß sich die Arbeiter schon durch den Zwang der offenen Stimmabgabe in der Existenz bedroht fühlen— und wir sehen die betreffenden Landesiheile deshalb auch weit unter dem Durchschnitt rangiren. In dem Eldorado des Junkerthunis, in Ostelbien, wo der Stock noch das allgemeine Landrecht ist. ist die Wahlbelheiligung sehr stark. Natürlich wählt auch dort jeder nach seiner besten Ueberzeugung!— Die große Masse dagegen hat jedes Interesse an den Land- tags-Wahlen verloren, die so ohne Aufregung an ihnen vorüber- gehen, wie die langweilige» und eintönigen Landtagsverhandlnngen an ihnen vorüberrauschen. Wehe dem Staate aber, dessen Boll kein Interesse an der Regierung mehr nimmt! Für ihn gilt mit voller Berechtigung das Wort Bebels:„Mögen die herrschen- den Klassen nicht vergesse», daß wenn einmal in Europa der große Generalniarsch geschlagen wird,.... nur das Volk seine nationale Existenz bewahren kann, das sich bewußt ist, ein Vaterland zu besitzen, das sich der Mühe lohnt es zu vertheidige»!" PoUfirrfjc ltrbevNlM. Berlin, 8. März. Im Reichstage niurde heute die Spe�ialdebatte über den MilUärctat sortgesetzt. Unsere Gcuosien Bebel und v. Vollinar brachten eine Reihe von Beschwerden vor, die schon in früheren Jahren erörtert wurden, ohne zur Abstellung der gerügten Zustände geführt zu haben.— Im Abgeordnetenhaus wurde heute zuerst in der Debatte über den Etat der Bauverwaltung fortgefahren, wobei es zu einer etwas erregten Sluscinandersctzung zwischen dem Geh. Ober-Regierungsralh G a m p und dem Abg. G o t h e i n kam und bei welcher Ge- lcgenheit derselbe Herr Gamp der s o z i a l d e m o- k r a t i s ch c il Presse das Zeugniß gab, die bürger- liche Presse in vielen Fällen an journalistischem Anstand weit zu überbieten.— Das ist übrigens nichts neues. Dann wurde namentlich beim Titel„Binnenhäfen und Bimienwässer* eine lange Reihe von Einzelwünschen bezüglich Flußregnlirnngen, Brückenbauten:c. vorgebracht. Nächste Sitzung ist Sonnabend. BnndeSrath. In der letzten Sitzung des Bundesraths wurde ferner dem Entwurf eines Gesetzes sür Elsaß-Lothringen wegen Erhöhung der Weinsleuer für Feigen-, Johannisbrot- und Taniariuden-Weine die Zustimniung erlheilt. De» zuständigen Ausschüssen wurden überwiesen: Tie Reickstags-Resolurion, de- treffend Erhebungen über die Arbeitszeit der Arbeiterinnen u. s. ,v., der Antrag Preußens, betreffend d i e B e f r e i u n g d e r A u f w ä r t e r«. s. w. von der Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Tie Stichwahl im Zh'eise Eschwcge-Schmalkalden ist vom 14. auf den 18. März verlegt.— Nun, der 18, März ist sür uns entschieden ein Tag von guter Vorbedeutung. Da können wir unseren Gegnern, den National- liberalen und Antisemiten, die kleine Galgensrist schon gönnen. Ter Schreck über den Reinfall bei der HanptwaHl und über das außerordentliche Anwachsen der sozialdcmo- kratischen Stimmen hatte sie ganz außer Fassung gebracht und erst allmälig scheinen sie wieder einigermaßen zur Bc- sinnung zu kommen und ihre Vorbereitungen für die Stich- wohl zu treffen. Wie man uns aus dem Wahlkreise schreibt, hat man im Kreise Witzenhauscn die ganze Geist- lichkeit aufgeboten, um gegen die Sozialdemokratie zu Felde zu ziehen und für den Knüppelhelden I s k r a u t zu agitircn. Daß dies etwas helfen wird, möchten wir sehr stark bezweifeln, da ihm diese Hilfe auch schon vorher zu theil wurde. Am Montag hatten die Pfarrer des Kreises in Witzenhausen eine Konserenz, in sehr häufig trank, und vergnügte sich augenschciulich außer- gewöhnlich. „Seid ungemein ausgeräumt, Oberst," sagte der Apotheker zu ihm, der rn einem unscheinbaren Anzüge ans fdcm Balle erschienen war,„obwohl Ihr nicht tanzt." „Ich und tanzen," entgegnete lachend der Oberst, „mit meinen alten Wunden aus dem Kriege, schaue auch nicht so zierlich aus, wie diese jungen Stutzer, die sich dort herumschwenken... Habe neulich einen Tanz versucht und dabei meiner Dame den halben Fuß abgetreten; will also auch nicht wagen, daß man mir einen Korb giebt.. „Dann geht's Euch genau so, wie mir selber... bm auch kein Freund vom Tanzen... gestatten Sie mir, daß ich mich zu Ihnen setze; haben einen guten Ueberblick von hier aus und wie es scheint einen leidlichen Tropfen in der Flasche..." „Kognak, mein Leibgetrank," sagte der Oberst, mit der Zunge schnatzend,„will nichts von dem faden Zeug hier wissen, dem süßen Champagner, den der Präsident heute kredenzt... Ah, guten Abend, werther Schwager, Herr General... sehen Sie den alten Schwerenöther... ver- sicherte mir vor einer Stunde noch, daß er großes Kopf- weh hätte und nicht erscheinen könne... da kommt er doch... sehr guten Abend, Bernardino..." „Bin auch nicht gekommen, um zu tanzen," erwiderte der General, indem er sich zu den zweien an den Tisch setzte, „will nur eine kleine Stunde zuschauen und dann davon gehe».. „Ist das nicht Silvana Eodoy.." unterbrach ihn der Apotheker, indem er aus eine Person hinivies, die im Hinter- gründe des Saales mit einigen jungen Leuten sprach. „Gewiß, er ist es", entgegnete der General, nachdem er hingesehen,„wie der da hinkommt... sieht übrigens ver- zweifelt blaß und schmal aus.. geht der auch über; hätte das nie geglaubt.. die Godoy's sind im allgemeinen gar zähe Bursche." „Was willst Du", meinte der Oberst, der den jungen Mann unausgesetzt mit den Augen verfolgte,„wird am Ende auch eingesehen haben, daß es besser ist, in Asuncion bei Bantista Champagner zu trinken, als im Kamp Messen welcher beschlossen wurde, daß sie die Flugblätter für Jskraut möglichst persönlich verbreiten und bei dieser Gelegenheit den Wählern das Schreckliche eines sozial- demokratischen Wahlsieges vor Augen führen sollten. Außer- dem sollte nicht verfehlt werden, von der Kanzel herab ans die sozialdemokratischen Irrlehren hinzuweisen und die Gläubigen vor der Bersührungskrinst der Rothen in warnen. Nun, unsere Genossen werden dafür sorgen, daß sie sich verrechnen. Es haben wieder eine Anzahl Ver- sammlungen stattgefunden, die alle gut verliefen. Gleich- falls wurde ein Flugblatt verbreitet, das seine Wirkung aus die Bevölkerung nicht verfehlen wird.— Wir rechnen zuversichtlich darauf, am 18. März den Sieg über die ver- einten Gegner zu wiederholen und zu erneuern.— Tic llmsturzkommissio» kam gelegentlich der Ah- stimmung über den neuen§130 insofern zu einem negativen Erfolge, als sämmtlichc Abänderungen mit mehr oder minder großen Mehrheiten und schließlich der Paragraph der Regierungsvorlage einstimmig abgelehnt wurde. Dieses Ergebniß der ersten Lesung des wichtigsten Paragraphen der ganzen Vorlage müßte als ein sehr er- smiliches bezeichnet werden, wenn es sich nicht eben um die e r st e Lesung handclte und wenn der nicht eine zweite Lesung folgen würde. Für diese aber steht mit ziemlicher Sicherheit ein Kom- proimß zwischen den Konservativen und dem Zentrum ans der Grundlage des jetzt abgelehnten Antrags des Grafen von Roon in Aussicht, und damit ist der wesentliche Inhalt der Unistiirzvorlage für die Reaktion gerettet. Zweifelhaft ist nur noch, ob das Zentrum die Gesinnungslosigkeit so weit treibt, daß es, um den Nationalliberalcn die Zu- stimmung zu erleichtern, den liberalen und gottcslmgncrischcn Professoren die Echimpffreihcit auch sür die Zukunft sichert, ivie dies der Abgeordnete Euneccerns mir seinem An- trage will. Giebt das Zentrum in diesem Punkte nach, wodurch dann allerdings die Aussührnngen seiner Redner Grober und Spahn im Plenum sich als elende Flunkereien erweisen würden, dann ist jetzt schon eine große Mehrheit für die Umsturzvorlage, wie sie unter Zustimmung der Regierung ans der Kommission hervorgehen wird, ge- sichert.— Professor Sohm und die Umsturzvorlage. Die „Köln. Bolksztg." hält es angesichts der Umsturzvorlage, zn der ihre Parteigenossen Paragraphen austüfteln helfen, für zeitgemäß, Sätze aus einem Artikel abzudrucken, welchen der konservative Leipziger Rechtsprofessor Rud. Sohm im Jahre 1887 in der„Allgemeinen Konservativen Monats- schrift" veröffentlicht hat. Ter Gelehrte schrieb damals: „Ans der Entdeckung des 19. Jahrhunderts, daß die Materie Gott ist, ist eine furcklbare Moral hervorgegangen: der Kampf um das Dasein ist das Weltgesetz und zugleich das Entwickclnngs- gesetz. Wer übrig bleibt im Kampf ums Dasein, ver hat Recht gehabt. Macht ist Stecht. Giebt es keinen Gott und keinen Geist und kein ewiges Leben, so giebt es auch keine Religion und keine Sittlichkeit und kein Stecht." Tann ist„der Egoismus, welcher in dem Kampf um das Dasein jedem Einzelne» die Kraft giebt, das allein berechtigte Prinzip und die irdische Glückselig- leit das einzige Ziel des Menschen." Diese Moral ist der Punkt, wo der Materialismus und der Atheismus populär wird. Hier packt er die Volksmasstn an ihren mächtigsten Justinklen. Schon hören wir die itlrbeiler-Dtarseillaise mit ihren, Refrain:„Wir wollen auf Erden glücklich sein und wollen nicht mehr darben". In diesen, Evangelium aber liegt die Kraft der Bewegung des vierteil Standes gegen uns. Werden wir der Revolution des vierten Siandcs gegenüber widelstaudssähig sein? Diese Frage ist mit der andern identisch: werden wir widerstandsfähig sein gegen die Ideen des Materialismus?... Wo hat denn die Lehre des Materialismus ihren Ursprung genommen? Wo wird der Atheismus, ver- schleiert oder unverschleiert, am eindringlichsten gepredigt? Gerade in den Kreisen der Ge- bildeten und Besitzenden. 2lus den Kreisen des drillen Standes selbst sind die Gedanken hervorgegangen, welche nun, den Feucrbrand tragend, die Massen des vierten Standes aus- reizen. Was in den Büchern der Gebildeten und Gelehrten ge- ichrieben ist, das und nichts anderes ist es, waZ man jetzt auf den Gassen predigt... So sind wir alle ohne 2l u s- nähme tu i t verantwortlich, u n d das Gericht unserer eigenen Sünde schwebt über uns und über unserer Zeit. Tie Bildung des 19. Jahrhunderts, sie ist es, welche sich selbst den Untergang predigt. Wie die Bildung des 18., so trägt die Bildung des 19. Jahrhunderts d i e R e v o l u t i o n unter ihrem und dabei noch die Hacke zn rühren... unsere Jugend macht Fortschritte in der Zivilisation..." „Fixire den Menschen nicht so," rief der General... „Tu bist wohl heute Polizciminister und fürchtest, daß jeder einen Revolver in der Tasche trägt, um Deinem Patron zu Leibe zn gehen..." „Allerdings stehe ich heute Abend mit meinen Jungens für seine Exzellenz ein und habe deshalb gegen jeden Mißtrauen zu hegen... Wer weiß, was Du im Sinne hast. /. siehst� auch ganz revolutionär ans... hüte Dich," meinte er jovial,„ich arretire Dich auf der Stelle... heute hat ein Oberst einem General zu gebieten... siehst mißvergnügt aus wie ein politischer Mörder..." Ter General schien keine Lust zu haben, auf den Scherz einzugehen und zuckte nur leicht mit den Achseln. „Nichts sür ungut, Schwager, für den kleinen Scherz..." „Sehen Sie, General ," ergriff der Apotheker das Wort, der aufmerksam die Tanzenden verfolgte,„ist doch das schönste Pemr im ganzen Saal, der junge Godoy und die Präsidentin.. tanzt eben mit ihm.. wie sie sich an ihn schmiegt. Ein klein wenig zu stark sängt die kleine Concepcion nur zu werden an.. ja, ja, seine Exzellenz tanzt nicht mehr, ist ihm schon zu beschwerlich.. wahr- hastig, ein schönes Paar.. weiß Gott, wie der Junge da draußen sich ausgewachsen hat. Concepcion scheint auch recht vergnügt zn sein mit ihm.. wie sie ihn anlächelt.. ist eine schöne Frau.." Der General schaute nut einem finsteren Blick nach der Richtung hin, wo Frau Concepcion mit Silvana Eodoy tanzte: aber er sagte nichts. „Wissen Sie," fuhr der Apotheker fort,„daß Frau Concepcion besser Politik macht als ihre Exzellenz... ist ein wenig kokett und wird auf diese Art die ganzen Miß- vergnügten einsangen... sehe schon, wie auch Nicanor ankommen wird. Alle Wetter, eine Frau, die wir ge- fällt... ja wohl, meine Herren, das ist das ABC in der Politik, die Weiber... wer das Glück hat unter den Diplomaten, eine schöne Frau zu haben, der macht stets seine Rechnung..." Ter General stand rasch auf und verschwand im Tanzsaal.(Forts, folgt.) Herzen. Wenn sie gebären wird, so wird das Kind, welche? sie mit ihrem Blut genährt hat, seine eigene Mutter um- bringen."— Tapfere Künstler! In der am S. d. M. abgehaltenen General-Versammlung des Vereins Berliner Künstler wurde nach der„Volks-Zcitung" ein Antrag auf Erlaß einer Petition gegen das U m st u r z g e s e tz abgelehnt,„als nicht in den Rahmen des Vereins gehörig". Dieser Beschluß steht auf derselben Höhe, oder richtiger gesagt, ist ebenso feig, wie derjenige' des Vorstandes des Vereins„Berliner Presse".— Wirkung der Tabaköstener-Vorlage. Ein Garderoben- gescknst in Berlin schickte der„Freis. Ztg." einen Originalbrief aus Bünde i. W. In demselben werden die für Mai in Slnf- trag gegebenen Lieferungen zurückgenommen, weil die Tabaksteuer- Vorlage eingebracht sei und alsdann sämmtliche Arbeiter in Bünde entlassen werden müßten.— Die Errichtung einer LandwirthschaftSkammer für Wcstprenßen wurde vom Provinzial-Landtag mit großer Mehrheit beschlossen.— Zum Tuellunsug schreibt der„Reichsbote": Das Duell muß sich allmälig durch seine prosessionelle Eni- arlung überleben. Dem markanten Fall, wo sich jüngst in Posen zwei Amtsrichter über die Polenfrage duellirten, schließt sich ein ähnlicher in Dresden an, wo ein Gerichts- Siefereiidar einen Richter forderte, weil er sich durch eine amtliche Rüge desselben beleidigt fühlte. Der betreffende Referendar gerieth in einer Sitzung mit dem Vertrcier der Gegenpartei, der früher Bürger- mcister gewesen, in eine Kontroverse aind äußerte dabei zu dem älteren Kollegen:„Um das zu verstehen, braucht man nicht erst Bürgermeister gewesen zu sein." Der Vor- sitzende rügte diese SIeußerung mit den Worten:„Ich verbitte derartige persönliche Bemerkungen." Dafür verlangte der Refe- reiidar'dann„Genugthuung" von dem Richter, wurde aber ver- nünftigerweise abgewiesen und jetzt mit 5 Monaten Festungshaft bestraft. Ans seiner Vergangenheil wurde festgestellt, daß er seinerzeit Korpsstudent gewesen ist und zahlreiche Ehren- Händel ausgesochten hat. darunter auch ein Pistolenduell in Leipzig, bei dem er seinen Gegner schwer verwundete. Ferner hat er nach Ableistung seines Militärdienstjahres in Würzburg mit einigen Osfizieren seines Truppentheils Säbelduelle aus- gefochten. Nach seiner Anstellling als Referendar hat er schon einen Assessor und einen Referendar, von denen er sich ebenfalls durch Aeußerimgen im dienstlichen Verkehr beleidigt sühllc, ans Pistolen bezw. Säbel ohne Binden und Bandagen gefordert.— Wie kann ein solcher Mann geeignet sein, dereinst als Nichter über die Gesetze des Staates, welche den Zweikampf verbieten, zu wachen? Wie? Nun genau so wie es jetzt geschieht. Denn nenn Zehntel sänimtlicher Richter in Deutschland sind prinzipielle Verehrer des blödsinnigen Duellunfngs.— Zum„nationalen" Aprilscherz. Von verschiedenen Seiten werden wir ersucht, gegen den Reklamerummel der Bismarck'schen Geschäfts-Jnteresscnten Front zn machen. Aber wozu? Wir können niemand verhindern, sich lächerlich und verächtlich zu machen, und— offen gestanden— halten wir es sür recht nützlich, daß am nächsten„Narrentag" sich einmal alles sammelt, was in Deutschland an Massen- niord, Großkvrnwuchcr, Echiencnflickerei, Ausraubung des armen Mannes, Millionärzüchterci, politischer Fälschung und Brunnenvergistung, Kncbelgesetzcn und sonstigen�Bar» bareicn und Gemeinheiten Freude hat. Sehr lieb wäre es uns auch, wenn dem Wunsche der betreffenden Gcschäfts-Jnteresscutcn entsprochen und die Frage, ob dem„Redakteur" der Emser Depesche ein spezielles „Rcichs-Ebrcubürgcrrccht" zu verleihen sei, im Reichstag zur Verhandlung gebracht würde. Unsere Abgeordneten hätten dann herrliche Gelegenheit, die„Verdienste" jenes Redakteurs nach den beiden Richtungen der Be« deutuug dieses Worts aufzählen und beleuchten zu können.— Wiirttembergischcr Landtag. Seit drei Tagen wird jetzt über die Äldresse an den König debatlirt, ohne daß man zu Ende gelangt ist. In der Mitlwockssitzung kam Genosse Kloß noch- mals auf die Rede des Ministers Pischek zurück.„Wenn der Minister meinte, daß in absehbarer Zeit die rolhe Fahne auf den Ralhhüusern dem rothen Hahn Platz machen werde, so möchte er (Kloß) bemerken, daß der rolhe Hahn ganz aus der Mode ge- kominen sei. scitdeiii die Vorfahren des jetzigen Adels ihn nicht mehr den Bürgern und Bauern auf das Dach stecken." In der Donncrstagssitzung wurde Ziffer 13—21 des Adreßeiilwurss erledigt, ohne iieniieiiswerthe Debatten hervorzurufen und ist zu hoffen, daß am Freitag die Adresse erledigt werden wird, woraus dann das Schulgesetz zur Berathuug kommt; der Landtag wird sich dann aus 4-6 Wochen vertage». Zlrbcitsstatistik in Teutschland»nd Oesterreich. Während in Teutschland die Arbeiterstatistik lediglich ans die ganz ungenügende Rcichskommission für Arbciterstatistik angewiesen ist, ihr jede Initiative genoinmcn, ihr Arbeits» gebiet ein ganz eingeschränktes und die Vertretung der Arbeiter quantitativ durchaus ungenügend ist, will Oester- reich uns auch auf dem Gebiete der Sozialstatistik ebenso sehr überflügeln, wie vor mehr als einem Jahrzehnte ans dem Gebiete der Arbeitcrschutzgesctzgebung. Dem öfter- reichischen Abgeordnetcnhause ist soeben der Bericht des Gewerbeausschusses über die Regierungsvorlage, betr. die Errichtung eines arbeilsstatislischen Bureaus zugegangen. Nach demselben soll die ganze Industrie, der Bergbau und die land- und fcrstwitthschaftlichcn Betriebe, soweit sie in die Unfallversicherung einbezogen sind, arbeitsstatistisch bearbeitet werden. Die Erhebungen sollen von dem arbeitsstatistischen Amte gepflogen werden, welches in seinem Wirkungskreise selbständig ist und unmittelbar dem Handclsminister unter- steht. Zur Unterstützung dieses Amtes wird ein ständiger B c i r a t h gebildet, der 24 Mitglieder zählt. Tie Mitglieder des Bcirathes werden von der Regierung ernannt und haben zu cineni Drittel aus Unternehmern, zu einem Drittelaus Arbeitern und zu einem Drittel auZ Personen zu bestehen, deren fachmännische Mitwirkung bei den Arbeiten des Beirathcs wünschcnswerlh ist. Das arbeits- statistische Anit ist befugt, die genauesten Erhebungen zu pflegen und die thatsächlichen Verhältnisse, welche den Gegenstand seiner Erhebungen gebildet haben, zu bcgut- achlcn; gegen jene Personen, welche zu Auskünften und Angaben gegenüber dem arbeitsstatistischen Amte verpflichtet sind, können bei Verweigerung der Auskunst von diesem Amte Geldstrafen bis zu 1000 st.(1700 M.) verhängt werden. Die Erhebungen des arbeitsstatistischen Amtes dürfen, soweit dieselben nicht zur allgemeinen Publikation gelangt sind, nicht sür Zwecke der Steuervcrwaltung dienstbar gemacht werden. Das Gesetz soll am I. Januar 1896 in Wirksamkeit treten.— Der schweizerische BundeSrath beantragt bei der Bundes- Versammlung«in« Revision der Verfassung dahin, dem Bunde die Kompetenz zur Gesehgedong über den Ver- kehr mit Nnhrungs- und Genuß Mitteln und mit solchen Gebrauchs- und Verbrauchs- a r t i k e l n, welche das menschliche Leben und die menschliche Gesundheit gefährden können, zu geben.— Zum Pannminoskaudal. Die Anwälte Giolitti's reichten heute die Kassalionsbeschwerde ein gegen den Beschluß der An- klagekammer, durch welche alle non Eivlitti beanspruchten Aus» nahinestellungen aufgehoben wurden.— Polizei-Anarchismns. Wegen Fälschung und A n- st i f i u u g z u anarchistischen Verbrechen wurde in London der italienische Expolizei-Jn- spektor Dr. Franciscis verhaftet, der dort, nachdem er bereits in Neapel gerichtlich Schiffbruch gelitten, als an- geblicher Journalist lebte, und seinerzeit den Anarchisten Francesco M e r l i n o nach Neapel in eine von ihm gestellte Falle lockte. Franciscis, der beim Botschafter sehr angesehen war. hatte diesen Schurkenstreich damals eingefädelt und dafür reichen Lohn erhalten.— Die Haltnng der schwedischen Arbeiter zn der norwegischen Krisis. Nachdem es dem König von Schweden nicht gelungen ist, bei seinem Besuche i» Christiania die Bildung eines neuen norwegischen Ministeriums zu erreichen, weil die Konservativen einsehen, daß sie gegen den Willen des Volkes nicht regieren können, und die Radikalen wie die Gemäßigten Rückgrat genug besessen haben, auf die merkwürdigen Bedingungen des Königs, die einer völligen Unterwerfung unter die schwedische Auffassung der Konsulalsfrage gleichkamen, nicht einzugehen, wurden dem Könige, wie die Telegraphen- Bureaus in alle Welt hinaus meldeten, bei seiner Rückkehr nach Stockholm demonstrative Huldigungen dargebracht. Daß aber das ganze schwedische Volk durchaus nicht, und namentlich die Arbeiterbevölkeriing, die beabsichtigte Vergewaltigung der norwegischen Verfassung billigt, gehl daraus hervor, daß an mehreren Orten, namentlich in Malinö, A r b e i t e r v e r s a m m- l u n g e n stattgefunden haben, die folgende Resolution annahmen: „Die Versammlung, die sich als Repräsentantin aller denkenden Arbeiter betrachtet, spricht ihre Mißbilligung mit der abenteuerlichen Politik aus, welche der König von Schweden und sein Premierminister durch die letzten Verhandlungen mit den Vertretern des norwegischen Volkes wieder auf- genommen habe». Sie muß vom allgemeinen volksrecht- lichen Standpunkt Norwegens Forderung auf vollkommene Selbstregieruug als durchaus berechtigt anerkennen und sie protestirt, und fordert die Arbeiter an allen Orten des Landes ans, ebenso zu protestiren gegen jeden Versuch von schwedischer Seite, direkt oder indirekt den Streit dahin zuzu- spitzen, daß die beiden Brudervölker gezwungen werden, zur Waffe zu greifen für die Lösung der Frage, die bei gegenseitigem Entgegenkommen wohl im guten gelöst werden könnte."Besonders weist die Versammlung alle Solidarität mit der Presse zurück, welche täglich zum Haß zwischen den beiden Völkern aushetzt, während sie in anderen Fällen nachweist, daß beide die gemein- samen Feinde des arbeitenden Volkes sind." Nnsilaudö Ausprüche an Bulgarien. Ein von den b»l- garischen Blättern veröffentlichter Brief Benderew's an Zaickow enthält die Mahnung, Zaiikow möge seine Bemühungen um die Anerkennung des Fürsten Ferdinand seitens Rußlands einstelle», solange der Fürst nicht durch die Berufung eines rein rnsso- philen Kabinels bewiesen habe, daß er ein wahrer Freund der Ruffen sei. Tie Anhänger Zankow's sind der Ansicht, daß der Brief die amtliche Auffassung Rußlands wiedergebe. Haftbarkeit der Gemeinden für die serbischen Staats- steuern, llm den Eingang der Steuern zu sichern, hat der serbische Finanzminister einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, in welchem bestimmt wird, daß die Gemeinden für den Eingang der Steuern solidarisch hastbar sein sollen. Euba. Nach einer in Madrid eingetroffenen und vom Wolsf'schen Bureau wiedergegcbenen amtlichen Depesche aus Euba haben die spauischen Truppen die Stadt Beira besetzt. Die Insurgenten sind geflohen und werden gegenwärtig verfolgt. Zwei ihrer Führer sind verwundet. Die spanische Kammer hat den geforderten unbeschränkten Kredit für den Feldzug auf Euba bewilligt. Im Senat erklärte der Ministerpräsident Sagafla, daß die Vereinigten Staaten keine Unterstützung an- geboten hätten und daß Spanien derselben auch nicht be- dürfe. Drei Banden der Aufständischen ans Euba seien zerstreut worden. Aus Washington wird dagegen gemeldet: Der Staatssekretär Grcsham bcanstragte den amerikanischen Gesandten in Madrid, Taylor, der spanischen Regierung zu ver- sichern, daß außerordentliche Vorkehrungen getroffen würden, um die Organisation oder die Abreise von Freibeutern nach Euba zu verhindern. Von anderer Seite wird aus Madrid gemeldet: Trotz der von offiziöser Seite verbreitete» günstigen Nach» richten aus Euba, nach welchen der Aufstand dortselbst unter- drückt sei, herrscht doch die Besürchlung, amerikanische Abenteurer könnten sich in die Bewegung auf Euba einmischen und den Aufstand aufs neue eulsachen.— Zum japanisch-chinesischen Krieg liegt heute die Mit- theilung vor, daß der Kaiser von China Li-Hung-Tschang vollständig wieder in Ehren eingesetzt habe; da er ihn allein vertrauenswürdig befunden habe er ihm die weitestgehenden Vollmachten zur Unterhandlung mit den Japanern verliehen. Die Regierung nehme öffentlich die ganze Veranlwortnng für den Zustand der Vertheidigung des Reiches auf sich, der eine Folge der Blindheit gegen die Fortschrille anderer Völker sei. Diese Kundgebung scheint darauf hinzuweisen, daß zukünftige Reformen in die Hand Li-Hung-Tichnugs gelegt werden.— Die greuliche Verwirrung, die in allen Verwallungszweigen in China und zumal im Heerwesen herrscht, schildert in den grellsten Farben der Bericht eines genauen Kenners der oft- asiatischen Verhältnisse, der die letzten sechs Monate in China zugebracht hat und von der„Pol. Korr.", die seine Darstellung wiedergiebt, als glaubwürdig und unparteiisch bezeichnet wird. Ei» besonders trauriges Bild entwirft er von der Ausrüstung und Kampfweise der chinesischen Truppen: Tie chinesischen Soldaten besitzen nicht die geringste mili- täusche Ausbildung, sie schießen schlecht, denn sie legen den Ge- wehrkolbeu beim Abfeuern unter die Achselhöhle, wodurch sie außer stände sind, ein Ziel zu treffen; häufig passen die Patronen nicht zu dem Gewehre. Die chinesische ilieiterci führte ihre An- griffe oft mit den Gewehrkolbe» aus. Es sei ferner vorgekommen, daß Geschosse ans Thon angefertigt»nd angestrichen wurden, um die fehleuveu Geschosse, die offenbar veruntreut worden waren, zu ersetzen, ja chinesische Armeekorps haben einander gelegentlich gegenseitig angegriffen, um einander die Lebensmittel zu entreißen. Daß unter solchen Umständen das wohleingerichtcte und gut geleitete Heer der Japaner bisher stets siegreich blieb, könne nicht Wunder nehmen. Geradezu entsetzlich sei die Grausamkeit, mit der chinesische Soldaten die japanischen Kriegsgesangenen be- handeln. Die Verstümmelungen, welche die Chinesen an den in ihre Hände geralhenen Japanern verüben, die Martern, deren sie die Unglücklichen unter dem Behagen von Zuschauern unterziehen, seien von so scheußlicher Bestialität und seyen in dem Maße alle menschliche Würde herab, daß man die Einzelheiten einfach nicht niederschreiben könne. Wenn die Japaner nach der Einnahme von Port- Arthur an den Chinesen hierfür theilwrise Rache nahmen, so lasse sich dies vollkommen verstehen. ynttlameukavilikzcs. In der Nnlstiirzkouimissio» wurde am Freitag der von dem Abg. R i n t e l e n gestellte Antrag, das Tempo der Be- ralhniig durch Vermehrung der Sitzungen zu beschleunigen, er- örlert. Ter Abg. R i n t e l e n will in der nächsten Woche S Sitzungen abhalten. Dieser Antrag wurde abgelehnt, da- gegen beschlossen, in nächster Woche an 4 Tagen Sitzungen abzn- halten. Hierauf wurde die Debatte über den Z ISV der Regierungsvorlage und die dazu gestellten Anträge fortgesetzt. Ter Abg. Enneccerus(ntl.) polcmisirte zunächst in eben so langen als langweiligen Ausführungen gegen unseren Ge- nossen Bebel, welcher der jetzt zur Schau gestellten Frömmigkeit der Nationalliberalen gegenüber sich erlaubt hatte, Zweifel Über den Ernst dieser Frömmigkeit z» äußern. Außerdem sprachen noch Wolszlegier(Pole), welcher erklärte, nur für den Antrag Nintelen, und wenn dieser abgelehnt werde, gegen alle übrigen Anträge stimmen zu wollen, und M n n ck e I, welcher in geistreicher Weise diese Art der Gesetz- gebung verspottete. Bebel wurde das Wort durch einen Schluß- antrag abgeschnitten. Die Kommission schritt hierauf zur Abstimmung über die einzelnen Antröge. Zunächst wurde abgestimmt Über den Antrag Rintele», Ziffer 1, in der Regierungsvorlage die Worte:„die Religion" bis„Eigenthum" durch die Worte:„die bestehende Stantsform" zu ersetzen. Dieser Antrag wurde mit allen gegen v Stimmen, Zentrum und Pole, abgelebnt. Dasselbe Schicksal widerfuhr der Ziffer 2 des Antrags Rintelen, welche lautet: „Mit Geldstrafe bis zu 000 M. oder mit Gesängniß bis zu 2 Jahren wird bestrast, wer öffenllich oder vor mehreren, oder durch Druck. Schrift oder Bild das Dasei» Gottes oder die Unsterblichkeil der menschlichen Seele oder den religiösen und sittlichen Charakter der Ehe oder der Familie angreift." Gegen diesen Antrag stimmte auch der polnische Vertreter, sodaß für denselben nur die S Stimmen des Zentrums abgegeben wurden. Hierauf wurde zur Abstimmung über den Antrag des Grasen von Roon und Genossen geschritten. Derselbe hat folgenden Wortlaut: 2a. I. Dem ß lSO als zweiten Absatz anznsügen: „Die gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise die Monarchie, die Institute, die Ehre der Familie oder des Eigenthuins durch beschimpfende Aeußerungen öffentlich angreift." 2. Ten tz ILö des Straf-Gesetzbuches folgende Fassung zu geben: „Wer öffentlich in beschimpfenden Aeußerungen den Glauben an Gott oder das Christenthum angreist oder Gott lästert oder wer öffentlich eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebiets bestehende Religionsgesellschast oder ihre Eiurichinnge» oder Gebräuche, oder die Heiligkeit des Eides beschimpft, desgleichen wer in einer Kirche oder an einem andere» zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Gesängniß bis zu drei Jahren bestraft." Zu diesem Aulrage liegen Untcranträge vom Zentrum und den Abgeordneten Dr. Barth und Enneccerus vor. Das Zentruni beantragt nach„öffentlich" in Zeile 1„oder vor mebreren" und nach„Religionsgesellschaft" in Zeile 5„ihre Lehren" ein- zuschalten. Auverdm beantragte der Abgeordnete Spahn in dem Antrag Roon die Worte„in beschimpfenden Aeußerungen" „das Christenthum" und„oder die Heiligkeit des Eides" zu streichen, dagegen hinter beschimpst in der vierten Zeile von unten„oder verspottet" einzusüge». Der Abg. Dr. Barth hat beantragt, hinter„Christenthum" einzufügen:„oder Judenthmn". Der Antrag ches Abgeordneten Enneccerus aber lautet: Zu Z 130 Absatz 2 den Zusatz hinzuzufügen: Eine freie wissciiscbastliche Erörterung oder historische oder künstlerische Behandlung der die Monarchie, die Ehe, die Familie oder das Eigenthum betreffenden Fragen soll durch die vorstehende Bestimmung nicht berührt werden. Bei der Abstimmung wurden sämmtliche vorstehenden Anträge durch wechselnde Majoritäten abgelehnt. Hieraus wurde über den Antrag Graf Roon abgestimmt und zwar zunächst über jedes der dort genannten Institute be- sonders. Die Kommission beschloß die Ausnahme der Monarchie mit 14 gegen II, der Ehe mit IS, der Familie mit 16 Stimmen. Tie Ausnahme des Eigenthums in den Paragraphen wurde mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. In der hierauf erfolgenden Schlußabstimmmig wurde der Antrag Graf v. Roon in seinem ersten Theile mit 13 gegen 12 und in seinem zweiten Theile mit allen gegen 3 Stimmen abgelehnt. Es folgte nunmehr die Abstimmung über die Regicrungs- vorläge, und zwar wurde, auch hier erst eine Eventualabsliuunung über die einzelnen Institute vorgenommen. Die Ausnahme der Religion wurde gegen 8, der Monarchie, der Ehe und des Eigen- thums gegen Ii Stimmen abgelehnt, dagegen die Ausnahme der Familie in de» ß 130 mit 13 gegen 12 Stimmen beschlossen. Unter oNgemeincr Heiterkeit wurde dann der so amendirte Paragraph der Regierungsvorlage in der Schlußabstim iming einstimmig abgelehnt, nachdem vorher der Abgeordnete Enneccerus aus eine Abstimmung über seine» Antrag verzichtet hatte. Es wurde nun der Zentrumsantrag auf Beseitigung des § I30a des 3i.-St.-G.-B.(Kanzelparagraph) zur Diskussion ge- stellt. Bebel, Lcnzmami und v. Buchka erklärten die Zustimmung ihrer Parteien zu dem Antrage, während Enneccerus sich gegen denselben aussprach. Ter Antrag wurde hierauf mit 19 gegen S Stimmen(Nalionalliberale und Freikonservative) an- g e» o m m e n. Die Regierung äußerte sich dazu nicht. Nächste Sitzung Sonnabend vormittags 10 Uhr. Tie Binnenschiffsahrts- Kommission begann in ihrer gestrigen Sitzung mit der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes, betr. die Regelung der privatrechtlicbeu Verhältnisse der Binnen- schiffsahrt. Vor Eintritt in die Verhandlungen gab Gehcimrath H o f f m a n n die Erklärung ab, daß er in der letzten Sitzung, gelegentlich der Beralhung des Flößercigesetzes von den Flößerei» interessentcn nicht gesagt habe, daß sie wenig intelligent seien, sondern daß er in einer Versammlung derselben von ihnen den Eindruck gewonnen habe, daß sie Vertreter nicht kapitalkräsliger Betriebe seien. Zum Schifffahrts-Gesetze lagen wieder eine große Anzahl An- träge vor. So beantragten die Abgg. Gerisch, Klees und Metzger zu 8k> einen Zusatz, nach welchem Slreiligkeiten, die sich ans dem Arbeitsverhäliinß ergeben, nicht nur vor dem Gericht des oft sehr weit entfernten Heimathshasens, sondern auch vor anderen Gerichten zum Austrag gebracht werden sollten. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Gleichfalls ab- gelehnt wurde ein Antrag der Abgg. Gerisch. Klees und Metzger zu§ der verlangte, daß über eingetretene Unfälle an Ort und Stelle von den BeHorden ein Protokoll auf- genommen werden sollte.(Nach dein Gesetzentwurf soll diese Feflstellimg erst»ach Beendigung der Fahrt durch daS Gericht erfolgen.) Tie von den Abgg. Gerisch, Klees und M e tz g e r be- antragte Sonntags- und Nachtruke zeitigte wieder eine lebhafte Debatte. Während die Antragsteller sich auf die Beschlüsse des „Norddeutschen Schifsertages" beriefen, der sich nabezu einstimmig für Einsührung der Sonntags- und Nachtruhe ausgesprochen hat, war der Abgeordnete Placke der Meinung, daß auf die Beschlüsse des„sogenannten" Norddeutschen Schiffertages nicht viel zu geben sei. Schließlich wurden alle auf die Sonntags- und Nachtruhe bezüglichen Anträge abgelehnt. Angenommen wurde dagegen eine vom Abg. Wellslein(Z.) gestellte Resolution, welche den Sieichs- kanzler auffordert, durch die Kommission für Arbeiterstatistik Untersuchungen Über Sonntagsarbeit im Schifffahrls- und Flößereibelrieb anstellen zu lassen. Ebenfalls abgelehnt wurden die von den Abgg. Gerisch, 5klees und Metzger gestellten Anträge, nach welchen in bezug ans Ladezeit, Lade- bestimmungen, Löschzeit und Ueberliegegeld nur die im Gesetze vorgesehenen Bestimmungen Geltung haben, sogenannte„freie Verträge" aber aus- geschlossen sein sollten. Asti g e n o in m e n wurde dagegen ein von den Abgg. Baffermann, Letocha, Pauli, Placke und Wellstein gestellter Antrag, nach welchem auch die höhere Berwattungs« behörde berechtigt ist, über die Hohe der Liegegelder Bestimmungen zu treffen. Die Worte„höhere Verwaltungsbehörde" wurde auf Antrag derselben Abgeordneten im Gesetz überall dort gesetzt, wo in der ersten Lesung„Landeszentralbehörde" angenoinmen worden war.(Nächste Sitzung der Kommission Mittwoch, den 13. März.) » Tie Kommission znr Verathung der GewerbeorduungS- Novelle(Wandergewerbe w.) setzte am Donnerstag Abend die Beralhung über ö 42b fort. Die Absicht der Regierungsvorlage, den Zwischenhandel mit Artikeln des Wochenmarktes gewissen Beschränkungen zu unterwerfen, wurde von verschiedenen Seiten bekämpft und schließlich abgelehnt. Einstimmig wird sodann der Bestimmung beigetreten, Kindern unter 14 Jahren den Handel zu untersagen. Die Beralhung wendet sich dann dem 8 44 zu. Danach sollen die Detailreisenden dem Wandergewerbe unter- stellt werden, und somit genöthigt jein, einen Wander-Gewerbe- schein zu erwerben. Hasse(natl.) hat große Bedenken gegen diesen Paragraphen. Redner stellt einen Antrag, den Buchhandel und die Wein» reisenden von dieser Beschränkung zu befreien. Von dem Regierungsvertreter von Schickert wird des näheren begründet, daß der Detailreisende nur als Hausirer zu betrachten sei, dem jetzt eine wesentliche Be- günst'gung zu theil wird. Wahrend der Hausirer zur Besteuerung herangezogen wird durch den Erwerb des Wandergewerbe-Scheiiis. genießt der Detailiflieisende eine Steuerfreiheit nach der Richtung. Joe ob skö lter(kons.) hat auch einige Bedenken gegen diesen Paragraphen, der auch sür den kleinen Gewerbetreibenden eine nachtheilige Wirkung ausüben kann. S ch m i d t- B e r l i n weist darauf hin, daß die Handels- reisenden die ganze Schwere der Bestimmung zu ertragen haben. Die Erlangung des Wandergewerbescheines wird auch dem Handelsangestellten die Steuer auferlegen, die in Preußen den Betrag von 24 M. in der niedrigsten Stufe erfordert. Bei dem vielfachen Wechsel der Angestellten wird natürlich diese Summe sehr oft nutzlos ausgegeben sein. Weiler sind alle diejenigen ge- zwnngen, ihre Stellung auszugeben, die das 2S. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Die Folge muß natürlich sein, daß durch alle diese Beschränkungen tausende von Handlungsgehilfen stellungslos werden. Redner zeigt dann, wie diese Aenderung der bisherigen Verhältnisse auch für den Reise- Buchhandel die schwerste Gefährdung dieses Gewerbebetriebes in sich birgt. Von den Vertretern der Regierung wird demgegenüber be- hanplet, daß die Steuer von jedem Geschäftsinhaber wohl selbst getragen würde und die Steuer zum theil zurückgezahlt wird, wenn der Betreffende ohne sein Verschulden gezwungen ist, seinen Gewerbebetrieb aufzugeben.— Schneider (freis.) wendet sich gleichfalls gegen diesen Paragraphen. Es scheine ihm sogar, als ob man es mit einer neuen Steuervorlage zu thun habe. Die weitere Debatte wird hierauf vertagt. *-»» In der Budgetkommission wurde am Freitag die General- deballe über den Kolonial-Etat fortgesetzt, und zwar über das ostafrikanische Schutzgebiet. Im Laufe der Verhandlung wies der Sieferent Prinz A r e n b e r g auf die Nnzuträglichkeilen hin, die sich sür die Kolonialverwaltung daraus ergeben, daß mehrere Ressorts einen Einfluß auf dieselbe ausüben und empfiehlt eine Resolution zur Annahme, wonach die Schutzgebiete nur dem Reichskanzler und dem Ans- ivärtigen Amt zu unterstellen sind. Graf A r n i m tritt für eine größere Selbständigkeit des Gouverneurs ein, dem die übrigen giedner entgegentreten. Geheimrath Dr. Kays er giebt in längeren Ausführungen ein Bild von der Entwickelung der ostafrikanischeii Kolonien. Der Plantagenbau dehne sich immer mehr ans, jedoch ließen sich mit kleinen Kapitalien dort keine Plantagen anlegen, und es sei deshalb dort vor der Hand nur sür größere Kapitalien ein Arbeitsfeld. Die Ostasrikanische Gesellschaft sei angewiesen, an jeden Ländereien zu verknusen: auch sei der Preis von 1 M. pro Morgen ein angemessener. Die Ostasrikanische Gesellschaft habe große Summen in ihre Unter- nehmungen gesteckt und sei gezwungen noch mehrere Millionen und zwar in den Eisenbahnbau, zu stecken, welches Kapital vor der Hand noch keine Zinsen abwerfen werde. Der Schwierig- leiten seien viele zu überwinden gewesen. So seien von den Missionären oftmals im Innern Stationen errichtet worden, die man stets habe schützen müssen. Die Einrichtungen silr die Mannschaften der Schutztruppe seien früher mangelhafte gewesen. Dem Feldzug gegen die Wahehe habe der Gouverneur zum theil gegen seinen eigenen Wille» zugestimmt. Um den Sitten der Be- völkernng Rechnung zu tragen, sei es nothwendig, daß nicht nur Militär-, sondern auch Zivilbehörden vorhanden seien. Mehrere Redner beschwerten sich darüber, daß die Militär- behörden nicht immer die nöthige Rücksicht auf die wirthschaft- lichen Einrichtungen genommen hätten. »» -» Die Wahlpriifungs Kommission beschloß am Freitag mit 9 gegen 4 Stimmen, dem Reichstag zu empfehlen, die Wahl des Abg. v. Gerlach(konservativ) im 3. Wahlkreis des Regierungs- bezirks Köslin für ungittig zu erklären. Herr v. Gerlach ist nur mit einer Mehrheit von 6S Stimmen gegen einen freisinnigen und sozialdemokratischen Gegenkandidaten gewählt. Diese 65 Sliiiimen sind bei der Nachprüfung noch erheblich zurück- gegangen, und da grobe amtliche Beeinflussung seitens des Land- rathes nachgewiesen wurde, so kam die Kommission in ihrer großen Mehrheit zu dem Beschlüsse, die Wahl zu kassiren. »* » Die Fraktionen deS NeichStageS. Nach der neueflou offiziellen FraktionSliste des Reichstages zählen die Deutsch- konservativen S9, die Deutsche Reichspartei 27. die deutsch-soziale Reformparlei II, das Zentrum 99, die Polen 19, die National- liberalen 51, die Freisinnige Vereinigung 14, die Deutsch-frei« sinnige Volkspartei 22, die Süddeutsche Volkspartei 11, die Sozialdemokraten 45 Mitglieder; bei keiner Fraktion sind 23, erledigt sind 10 Mandate(4. Kassel. 7. Elsaß- Lothringen, 14. Württemberg, 2. Weimar, I. Köln, 1. Düsseldorf, 3. Nieder- Bayern, 6. Sachsen, 1. Kassel, 1. Weimar). sozialdemokratischer Antrag über die Bierprodnktion. Auer und Genossen beantragten heute zum Elatposten Bray- steuer: Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch den das Gesetz wegen Erhebung der Braustener vom 31. Mai 1872 dahin abgeändert wird, daß bei der Bier- bereitung nur Wasser, Malz, Hopsen und Hese verwendet werden darf. »,» Mitteleuropäische Zeit. Beim Reichstage ist folgender Antrag der Abgg� Möller- Dortmund(»II) und Dr. Hitze(Z.) eingegangen: Artikel I. Das Gesetz, betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung, vom 12. März 1823(Reichs- Gesetzbl. S. 93) enthält folgenden Zusatz: Wenn der Unterschied zwischen der gesetzliche» Zeil und der Ortszeit mehr als V* Stunde beträgt, kann die höhere Verwaltungsbehörde bezüglich der Zeit- bestimmuugen im Titel VII der Gewerbe- Ordnung und der hieraus beruhenden Ausführungs- und Ausnahmebestimmungen für einzelne Betriebe oder Betriebstheile Abweichungen von der Vorschrift im Absatz 1 zulassen. Die Abweichungen dürfen nicht mehr als>/s� Stunde betragen. Die gesetzlichen Bestimmungen über die zulässige Dauer der Beschäftigung von Arbeitern bleiben unberührt. Artikel II. Dieses Gesetz tritt ain Tage der Ver- kündigung in Kraft. Patfeitmifti'tifrfeu; Von der Agitation. Eine zahlreich besuchte Schiffervcr- sanunlung fand am Sonntag in F ü r st e n b e r g statt; gegen 400 Personen, meist Schiffer, aus Fürstenberg und Umgegend waren erschienen. Das'Referat über das neue Schiffergcsetz kielt der ReichSlagsabgeorduele G e r i s ch. Dem mit grostem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte die Annahme einer Resolution, in welcher die Anwesenden sich mit der Stellungnahme des Referenten in der Kommission einverstanden erklärten, und in der sie sich seruer sür die Sonntagsruhe aussprachen.— Ueber die„Thätigkeit des Reichstags" sprach der Reichstags- Abgeordnete Wurm vor seinen Wählern in Langenberg, Kraftsdorf und Rüdersdorf, wobei er nicht unterließ, das Umsturzgesetz einer gebührenden Kritik zu unterziehen.— Genosse Schumacher berichtete in Solingen über den Argentinischeu Handelsvertrag, wie überhaupt über die gegen- ivärtige politische Lage. I» der gleichen Versammlung fand die Berichterstattung über den Duisburger Parteitag statt, wobei es zu Auseinandersetzungen zwischen den zwei in S o l i u g e n herrschenden oder doch geherrschten Strömungen kam. Diese waren aber durchaus friedlichen Charakters, das Verlangen nach Frieden zeigte sich auf beiden Seiten. Genosse Schumacher betonte, daß die getroffene Vereinbarung es den feiud- lichen Brüdern ermögliche, nebeneinander und später miteinander zu gehen. Es sei auf beiden Seiten gefehlt worden und halsstarrige Leute gebe es auch auf beiden Seiten. Es sei nicht möglich, daß die tief ein- gewurzelte Feindschaft über Nacht verschwinde, aber da die Ver- stäudigung aus eigenem Antrieb erfolgt sei, wäre zu erwarten, daß dieselbe zum guten führen würde. Er nehme alles, was er gegen widere Parteigenossen gesagt haben soll und gesagt habe, zurück, freilich hätte die Gegenpartei dasselbe zu thun. Unter dem Beifall der Versammlung schließt der Redner niit der Ver- sicherung, daß er den Beschlüssen des Siheinischen Parteitages getreu handeln werde. Die Genossen Hoffmann und Lauge sprachen ihre Freude über das Entgegenkommen Schumacker's aus, der letztere tritt besonders warm sür die„Bergische Arbeilerstunme" ein. «« Protestversauimlungen gegen die Tabaksteuer haben auf Veranlaffung der Kommission der Tabakarbeiler Berlins in nachstehenden Städten stattgefunden: in F o r st am 26. v. M., in Sarau am 27. v. M., in Gassen, N.-L., am 2. d. M., in S ch w i e b u s am 3. und in K o t t b u s am 4. März. In Sora» hatte seit drei Jahren eine sozialdemokratische Ver- sammlung überhaupt nicht stattgefunden. Referent in alle» Versammlungen warGenosse B örner-Berlin. Eine Resolution, die sich in scharfer Weise ge�e» jede Erhöhung der Tabaksteuer, wie überhaupt gegen jede indirekte Steuer ausspricht, fand in allen Versammlungen einstimmige Annahme. DaS sozialistische Gift findet auch im Königreich Stumm immer mehr Eingang, trotzdem oder gerade weil der Herrscher von Neun kirchen alles selbständige Denken zu unterdrücken sucht. In unserem gestrigen Leitartikel führten wir den Nach- weis, daß der Absolutismus des König Srumm vorüber ist. Ter zaghaste» Opposition aus den Reihen der Bürgerlichen wird bald «ine kräftigere erstehen, die des Proletariats.„Ich hatte Ge- legenheit, so schreibt ein Parteigenosse der Frankfurter„Volks- stimme" mit einer Anzahl Hüttenarbeiter zu sprechen, und habe zu meiner Freude venwmmen, daß auch hier, dem vielverrufenen Neunkirchen, die Sozialdemokratie Eingang gefunden hat. Bc- sonders ist es die famose Arbeitsordnung des Herrn v. Stumm, über die die Arbeiter sehr ausgebracht sind, lind das mit Recht, sintemal jeder Arbeiter, der einmal mit dem Strafgesetzbuch in ktonflikt kommt und mit nur 10 M. Geldstrafe oder einen Tag Gefängniß bestraft wird, sofort aus der Arbeit entlassen und auf die Slraße geworfen wird, ganz ohne Rücksicht darauf, ob der Betreffende ledig oder ver> heirathet ist. Jeder vernünftig denkende Mensch muß hier zu- geben, daß ein solcher Paragraph sehr dazu geeignet ist, die Leute, die im Schweiße ihres Angesichts ihr Stück Brot essen, mit Haß gegen ihren Brotherrn zu erfüllen. Denn wie leicht kann es auch dem besten Manne pajsiren, daß er bei irgend einer Gelegenheit, sei es mit oder ohne sein Verschulden, vor dem Strafrichter erscheinen muß und mit 10 M. oder einen Tag Gefängniß bestraft wird. Mag König Stumm noch so viel über die„Anhänglichkeit" seiner Arbeiter triumvhiren, Thatsache ist und bleibt, daß die sozialdemokratische Wiffenschast auch bei seinen„Getreuen" festen Fuß gefaßt hat!" * ♦ Todteulifte der Partei. In Gerbitz bei Bernburg starb der Genosse Falke. Derselbe gehörte schon seit 1874 der sozialdemokratischen Partei an und hat seitdem unaufhörlich sür sie gewirkt. Dem Mitte der 70er Jahre alte» Genossen gereicht es. wie unser Dessauer Partei-Organ schreibt, zur besonderen Ehre, daß er in einem kleinen Orte, wo es mit besondere» Schwierigleiten verbunden war, aushielt und einen kleinen, aber überzeugten Stamm Genossen angeworben hat. Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung in Liegnitz wählte vor einiger Zeit eine Beschwcrdekommission. die alle Klagen über etwaige lUbelstände in de» Fabriken von den Arbeitern entgegennehmen sollte, um alle den Vorschriften des Arbeiterschutz-Gesetzes zuwiderlausenden Mißstände dem Gewerbe- Inspektor zu unterbreiren. Zu dieser Kommission wurden nun solche Mitglieder gewählt, die fümmtlich nicht Fabrikarbeiter waren. In jedem Stadtviertel wurde ein Mitglied ernannt. Die Namen waren in der sozialdemokratischen„Volksstimme" bekannt gemacht worden. Die Polizeibehörde Hai nun hierin die Er- richtung eines V e r e i n s erblickt, der sich mit öffentliche» An- gelegenheitcn befaßt, sie hat daher dem Vorsteher der Beschwerde- kommission aufgegeben, den Bestimmungen des Vereinsgeseyes nachzukommen und die Statuten und das Mitglieder- verzeichniß binnen 10 Tagen einzureichen. — Ei» Nachtrag zur Eislebener Affäre. Vor dem Schöffengericht in Zeitz stand kürzlich eine Anklage gegen den früheren Redakteur des„Zeitzer Volksboten", Hoffmann, zur Verhandlung. Anlaß dazu bot eine Nachricht, die am S. August 1891 erschienen und im Anschluß an die berühmte Prügel- Angelegenheit mittheille, daß der reichstreue Bergarbeiter-Vcrcin in Eisleben, dem die beiden Prügelhelden Liebau und Wunderlich angehörten, den Polizeisergeanten Köhler aus Eisleben zum Ehrenmitglied ernannt hätte.(Die genannten drei sind wegen der Affäre Eisleben zu hohen Freiheitsstrafen verurtheilt worden.) Wegen dieser Notiz haben die Bergleute Liebau und Wunderlich Elrafantrag gestellt. Hoffmann war vom persönlichen Erscheinen in der Hauptvcrhandlung»nt- Kunden, Rechtsanwalt Heine- Berlin als Dertheidiger er« schienen. Tie Beweisaufnähme gestaltete sich sehr umfangreich; u. a. wurde das Urtheil vom Gerichr zu Eisleben verlesen, das gegen drei Viertelstunden Zeit in Anspruch nahm. Die Zeugen- aussagen, welche zur Verlesung kamen, sprachen zu gunslen des Angeklagten und erwiesen die Bergleute Liebau und Wunderlich als diejenigen, welche am 31. Mai 1891 im„Kronprinzen" zu Eisleben, wo eine Versammlung der sozialdemokratischen Partei stattfinden sollte, und die von den reichstreuen Bergleuten ge- sprengt wurde, als Anführer fungirlen. Ebenso sagte ein Zeuge aus Zeitz zu Ungunsten der Strafanlragsteller aus. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Amtsanwalt selbst Frei- sprechung. Nach kurzer Berathung verkündete der Vorsitzende die Freisprechung, indem erstens die Absicht und zweitens die Gründe der Beleidigung fehlen, serner sei auch die Form, in welche sich die Notiz kleidete, nicht beleidigend gewesen. — Genosse R e i ch a r d, Dresden, hat am Mittwoch das Gefängniß bezogen,»m drei Wochen über die Sünden nachzu- denken, die er als Redakteur der„Sächsischen Arbeiler-Zeitung" begangen haben soll. Außer Reickard sitzt noch ein Redakteur dieses Blattes hinter Schloß und Riegel. — In Altona hat dieser Tage wieder eine scharfe Durch- suchnng der Kaserne nach sozialdemokratischen Schriften statt- gefunden. — Ein Agitationskomitee, ans 7 Mitgliedern bestehend, wurde von der L a u b a n e r Behörde als ein Verein angesehen und der Vorsitzende wegen Nichteinreichen der Statuten zu 15 M. Geldstrafe verurtheilt. — Sächsisches aus Duisburg. Ter allgemeine Arbeiterverein von Duisburg beging am vorigen Sonntag ein Vergnügen, das er pflichtgemäß der Polizei nngenieldet hatte. Als die Festlheilnehmer mitten im Vergnügen waren, erschien ein Polizeikommissar und drohte„auszulösen", wenn nicht die Frauen und die Lehrlinge sofort entfernt würden. Man mußte sich, uni Austritte zu verhüten, fügen, wodurch natürlich das ganze Fest gestört war. Beschwerde wird eingelegt werden. Soziale ZUsberliitzt. Tie iilcrzte und die Sozialdemokratie. Die Acrzte- kammern verlangen durch ihren Ausschuß von der Regierung die Erweiterung ihrer Disziplinarbeingnisse. Zu diesem Zwecke hat der Ausschuß an den Kultusminister eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heißt:„Es dringt das Gift der Sozialdeniokratie mehr und mehr auch in die Reihen der Aerzte ein. Das in seinen Zielen und manchen seiner Erfolge so wohlthätige Krankenversicherungs- Gesetz hat durch einzelne seiner Bestim- mungen der Sozialdemokratie die mächtigsten Waffen in die Hände geliefert; durch diese Bestimmungen wird die letztere von Reichs wegen in ihrer Organisation und ihrer Macht gestärkt; die eigentlichen berufensten Helfer des Staates, die Aerzte, sind einflußlos und wehrlos gemacht; kein Wunder, daß ein Tbeil derselben ansängt sich dahin zu neigen, wo die Macht ist. Wie nothwendig bei dieser Sachlage eine straffere Organisation des ärztlichen Standes wäre, bedarf keiner weiteren Begründung. Diese, so weit unsere Kenntniß reicht, gegenwärtig stockende Frage wieder in Fluß gebracht zu sehen, wie dies auch in unserem Nachbarstaai Sachsen der Fall ist, war die erste Bitte, die wir Ew. Exzellenz vorlegen sollten." Tie Herren vrm Ausschuß haben ihren Standesgenossen mit dieser Eingabe sicher einen recht schlechten Dienst geleistet, denn sie behaupten geradezu, daß ein Theil ihrer Kollegen sich „dahin neige, wo die Macht ist", d. h. daß sie Sozialdemo- traten werden persönlicher Vortheile willen. Die in dem ganzen Schriftsatz liegende Denunziation steht den„berufensten Dienern (Polizcidienern li) des Staatsrecht schlecht an und ist nickt geeignet, die Achtung vor den Aerzten, welche die„berufensten Diener" der Leidenden sein sollen, zu heben. Auf die wahre» Ursachen der allerdings richtigen Thatsache, daß eine immer größere Zahl von Aerzten sozialdemokratisch wird, müssen wir ein ander mal zurückkommen. Zur Lage der Eisenbahnarbeiter. Von gut unterrichteter Seite wird uns über die Verdienste der Bahnarbeiter in Breslau geschrieben: Ter Tagelohn der Vreslauer Bahn- arbeiler beträgt 1,60 M. bis 2,20 M. auswärts; der letztere Verdienst wird jedoch erst nach vielen Dienstjahren erreicht. Nach Abzug der Beiträge für Jnvaliditäts-, Pensions« und Kranken- kaffe verbleibt noch 1,47 M. Fast sämmtliche Arbeiter sind Familienväter mit drei, vier und noch mehr Kindern, so daß sie gezwungen sind, eine Wohnung, bestehend aus mindestens Stube und Kammer zu miethen. Eine solche Wohnung lostet 120 bis 180 M. jährlich, so daß 40-50 Pf. pro Tag allein sür Mielhe zurückgelegt weiden muß. Nach allem bleibt schließlich noch 1 M. pro Tag für die Lebensbedürfnisse der ganze» Familie. Für Arbeiler, die etwas über diesen Minimallohn hinaus- kommen, wird das traurige Bild nur um ein geringes heiterer. Durch die eingeführte Akkordarbeit wurden die Arbeiler so schlecht gestellt, daß selbst diejenigen, welche schon gegen 20 Jahre im Bahndienst stehen und es auf 2,20 M. Tagelohn ge- bracht hatten, jetzt um 25 pCl. weniger verdienten. Die Zuschrift sagt leider nichts, in welchem Verhältnisse zu diesem Jammerlohn die Arbeitszeit steht. In zahlreichen Fällen konnten ivir indeß schon nachweisen, welche riesigen Anforde- rungcn in dieser Beziehung an die Arbeiter in den staatlichen „Musterbetrieben" gestellt werden. Erst vor kurzem wieder machte ein Weichensteller, der durch Fahrlässigkeit einen Zusammen- stoß aus dem Bahnhos Weißenfels herbeigeführt haben sollte, vor Gericht geltend, daß er sieben Nächte hintereinander 1 8 S t n n d e n D i e n st gethan habe. Bei einer derartigen Ueberanstrengung der Kräfte kann es allerdings nicht Wunder nehmen, wenn Unglücksfälle herbeigeführt werden. Daß die Leistung des einzelnen Eisenbahn-Bedienstelen in den letzten zehn Jahren erheblich höhere gewordeii, d. h. mit anderen Worten, daß die Zahl derselben im Verhäliniß zu der vermehrten Arbeil heute eine geringere ist, hat kürzlich mit vielem Stolz die K ö l l e r' sche Korrespondenz nachgewiesen. Die Kosten dieser Sparerei bezahlen, wie aus obigem ersichtlich, einmal die Ar- beitcr, mit ihren Knochen und die Passagiere. Ei»»cnes Zengnist sür die Pcrrchtigung der Arbeiter- fordcrnngeu. In der„Münchener Mediz. Wochenschrift" wird die Thatsache erwähnt, daß in den Cpiegelbelegen in Fürth seil 1>,2 Jahren kein Fall von Merkurialismus(Quecksilbervergiftung) vorgekommen sei. Die Thalsache erscheint in noch viel güuftiaerem Lichte, wenn berücksichtigt wird, daß gegenwärtig meist Arbeiter beschäftigt werden, welche bereits seil längerer Zeit— bis zu 30 Jahren— in den Belegen arbeiten. Wollner, der die An- gelegenheit untersucht hat, giebl darüber in obengenannter Zeit- schrift sehr interessante Ausschlüsse. Danach liegt das plötzliche Verschwinden der Erkrankungssälle nur zum theil an den seit 1885 eingeführten sanitären Vorschriften. Genaue Untersuchungen zeigten, daß die größte Zahl der Er- krankungen an Merlurinlismus in den früheren Jahren aus den großen Betrieben stammten, welche für den Export arbeiteten. Die sanitären Einrichtungen waren in diesen Bc- legen durchaus nicht schlechter als in anderen, im Gcgentheil. sie waren sogar die besten; aber die Arbeiter daselbst waren die schlecktest bezahlten, herabgekommenen Individuen, die das Bestreben hatten, durch m ö g l i ch st lange Arbeit ein hinlängliches Auskommen z u f i n d e n. Diese großen Fabriken arbeiten jetzt nicht mehr mit Quecksilber, sondern mit Silber, während in kleinereu Werkstätten, wo oft nur I bis 2 Arbeiter angestellt find, noch immer mit Quecksilber gearbeitet wird. In diesen ist aber die Arbeit eine so preffante, die Ar- beitszeit eine kurze, sechs Stunden pro Tag, dabei d i e Bezahlung eine relativ gute. Tie Arbeiter sind also im stände, bei geringerer Arbeitszeit sich besser zu nähren. Wollncr kommt zum Schluffe:„Denn nun der Merkurialismus zunächst wenigstens für IVe Jahre verschwunden ist, seitdem die Belege auf- gehört haben, in welchen die höchste Arbeitszeit und die schlechteste Be- Zahlung durchgeführt war, so ist doch wohl ohne Zwang der Rückschluß erlaubt, daß von allen Maßregeln zum Schutze der Arbeiter keine mehr Beachtung ver- dient, als kurze Arbeitszeit und gute Ve- zahlung. Damit soll nicht gesagt fein, daß die anderen Vor- schriften überflüssig sind, aber es ist doch zweifelhaft, daß sie einen großen Erfolg haben werden, ohne kurze und gut bezahlte Arbeit."— Diesem fachmännischen Urlheile einer Autorität auf hygienischem Gebiete haben wir nichts hinzuzufügen. In der That werden alle Arbeiterschutzmaßregeln unwirksam bleiben, wenn man nicht für die Grundbedingung einer befferen Lebens« hallung der Arbeiter sorgt: Auskömmliche Löhne und kürzere Arbeitszeit! Gegen de» Zoll auf ausländische Gerbstoffe sprach sich eine Protestversannnlung der Färberei- und Truckereibesitzer des Wupperthales aus, die am letzten Sonntage in Düsseldorf stattfand. In der angenommenen Protestresolution heißt es u. a., daß die Einführung des beabsichtigten Zolles eine wesentliche Erhöhung der Färb- und Druckpreise in den betreffenden Be- zirken zur Folge habe, und dadurch den Färbereibesitzern und Fabrikanten die Konkurrenz auf dem Weltmarkte, namentlich mit Italien, Frankreich und der Schweiz unmöglich machen, wenn nicht gar ihre Lebensfähigkeit in Frage stellen würde. Ferner würden die von den anwesenden Färbcreibesitzern allein schon beschäftigten 10 000 Färber und Drucker, welche Zahl sich bei Einrechnung der gesammten Weberei und der damit verbundenen ilssindustrie mindestens verzwanzigfachen würde, durch einen oll in bedenklichstem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Ob der Man» zur Nechenschaft gezogeu wird? Bürger- liche Blätter berichten aus Heiligenthal(Ostpreußen): Am Milt- wock ereignete sich in Bladiau ein Unglücksfall. Der Besitzer Sch. beschäftigte zwei Frauen beim Ausgraben von Mergel, hatte dabei aber nicht die gehörigen Borsichtsmaßregeln gebraucht, denn plötzlich stürzte der obere Rand der Grube ein und verschüttete die Frauen. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, sie zu retten. Beide, im Aller von 48 und 36 Jahren stehend, find Familienmütter und hinterlassen unerzogene Kinder.— Daß Frauen zu dieser schweren Arbeit benutzt wurden, zeigt schon zur Genüge, welcher Art von Arbeitgebern der Besitzer Sch. angehört. Daß er keinerlei Vorsichtsmaßregeln gebrauchte, kann danach auch nicht mehr verwundern. Gemevltstf»aNIt«l»es. Achtung, Schneider und Schneideriunen! Am Montag, den II. März, abends tzVs Uhr, findet in den Arminhallen, Kom- maudanlenstr. 20, eine öffentliche Versammlung der Schneider und Schneiderinnen statt, in welcher die Diskussion über „Englisches Geiiossenschastswesen und seine Lehren sür unsere Verhältnisse" fortgesetzt wird. Genosse Dr. Arons hat sich vor- behalten, die Einleitung sür die Diskussion zu geben. Kollegen und Kolleginnen! Der zeitgemäßen und hochwichtige» Tagesordnung wegen erscheint vollzählig. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Agitations-Kommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Achtung, Schuhmacher k Am Montag, den 11. März findet eine öffentliche Schuhmachervcrsammlung bei Keller. Koppenstr. 29, statt. I» dieser Versammlung stehen zwei wichtige Gegenstände zur Verhandlung, 1. Die diesjährige Mai- feier. 2. Gründung eines Arbeitsnachweises sür Berlin. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen nöthig. Der Einberufer: K. German. Der VertraueuSmann der Miiuchener Müller macht bekannt, daß die Forderungen der Müller in der Bäcker-Kunst- wühle bewilligt wurden. Die Forderungen der Arbeiler bestanden aus folgenden bescheidenen Punkten: I. Die unbedingte Gewährung der freien Koalitions- und Versammlungsrechte für die Arbeiter. 2. Freundliche und humane Behandlung der Arbeiter. 3. Beschränkung der Ueberstunden auf das möglichste Minimum. 4. Eine angemessene Lohnerhöhung, sobald Thau- wetter eintritt und das Werk wieder in vollem Betrieb ist. Wesentlich anders verhält es sich mit der Krämer'schen Kunst- mühle in Giesing. Es ist dies die Mühle, in der sieben Mann gemaßregelt worden sind; dieselbe, wo der Obermüller erklärte: „Mit Sozialdemokraten kann ich nicht arbeilen." Dieselbe auch, aus dcr ein Mann, der schon acht Jahre zur größten Zufrieden- hcit dort thäiig war, der Vater von sechs Kindern ist, einfach und ohne weiteres auf das Pflaster geworsen wurde, noch dazu mitten im Winter. Tie Stuckatrnre. Gypser und verwandten Berufs- genossen in Rheinland und Westfalen berufen eine Konferenz auf den 14. und 15. April nach Elberfeld ein. Sämmtliche TrechSlermeister WieuS, ivelche in Perl- mutt arbeite», stehen seit Montag im Streik. Sie verlangen von den Exporteuren und Abnehmern höhere Lieserpreise. In diesem Streik stehen Meister und Gesellen zusammen; gewiß ei» seltenes Schauspiel. Tie Erzeugung der Kragenknöpfe aus Perl- mutt ist eine besonders schwere Arbeit, und deshalb haben vor kurzer Zeit die Arbeiter kraft ihrer Organisation eine Lohn- erhöhung durchgesetzt, ebenso die Beistelliwg von Licht und Werkzeug vom Ardeitgeber erzwunge». Die Meister erklären nun, daß sie gern den Arbeitern die besseren Löhne zahlen, daß sie aber selbst dabei nicht existiren können, wenn sie nicht günstigere Lieserpreise erzielen. Die Meister erklärten infolge dessen, soll- darisch vorzugehen und zu streiken, gleichzeitig die Arbeiter der Branche, welche durch diesen Umstand natürlich arbeitslos ge- worden sind, um die moralische Unterstützung des Streiks ersuchend. In einer gemeinsamen Besprechung wurde ein Streik- komilee gewählt, bestehend aus Meistern und Arbeitern, welches die Aufgabe hat, in allen Werkstätten zu koutrolliren, ob kein Meister etwa einen Streikbrecher macht. Bisher steht die Sache günstig. Tie Anzahl der streikenden Meister ist 30, die der arbeitslosen Arbeiter 180. Ein großer Russtaud der Schuhfabrikarbeiter von L e i c e st e r und N o r t h a m p t o n steht nahe bevor. Es dürste» sich an demselben gegen 200 000 Arbeiter betheiligen. Die Ursache ist das Vergeben von Arbeiten an Schuhmacher kleinerer Städte, die weit billiger arbeiten, als die Arbeiter der großen Städte. Der Verband hat 62 000 Pfund Sterling zur Verfügung und glaubt mit dieser Summe die Unternehmer mit Erfolg bekämpfen zu können. Dcpesrlien. Wolff's Trlegraphen-Burcan. Paris, 3. März. Heute wurde unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit die Verhandlung gegen diejenigen Angeklagte» aus dem Oml a d in a- P r o z e ß zu Ende geführt, welche beschuldigt waren, den Polizei-Oberkommissar Olic durch die Behauptung verleumdet zu haben, daß er ihnen falsche Geständnisse erpreßt uud ihre Angabe und die Protokolle aus der Untersuchung ge- iälscht habe. Joses Cerak, Josef Novak, Franz Nedwied. Jaroslaw Miujowski und Alois Wenzel wurden unter Zu- erkennung mildernder Umstände zu sechs Wochen einsacken Kerker, niit Fasttagen verschärft, verurtheilt. Ein letzter Angeklagter, Franz Leger, wurde freigesprochen. New-'Jork, 8. März. Die„Havel" kam unter eigenem Dampf auf bei sehr hoher Fluth ohne vorherige Lichtung und hat keinerlei Schaden erlitten. Hierzu zwei Beilage«. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug i» Berlin LW.. Beuthstraße 2. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoWlatt. Sounalieud, de» 9. Mär; 189». II. Jahrg. Ur. 58. VÄrlmuimkslrerichke. D entscher Reichstag. 55. Sitzung vom 8. März ISSS. 1 U h r. Am Tische des Bundesraths: Bronsart v. Schellen- dorff. Graf Posadorvsky und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Berathung de- M i l i t ä r e t a t s und zwar beim Kapitel„Natural- Verpflegung". Bei den Ausgaben für Brot und F o u r a g e v e r p s l e g u n g bemängelt Abg. v. Vollmar(Soz), daß die höheren Offiziere zu viel Pserderalionen erhalten. 4, 6, 8 Rationen, nach den verschiedenen Stufen, und dabei halten manche dieser Offiziere gar leine Pferde. Auf diesem Gebiete kömilen größere Ersparnisse gemacht werden; die Militärver- waltung sollte im nächsten Etat die Sacke neu regeln. Kriegsminisler Bronsart v. Schellendorff: Den Aus- führuugen des Vorredners kann ich doch nicht unbedingt bei- treten. Bei den Verhandlungen über die Pferdegelder ist in Er- wäguug gezogen, ob man den höheren Osfizieren Pferdegelder bewilligen solle. Das ist abgelehnt worden, nian hat daher den höheren Osfizieren die Ratiouskompelenz belassen für die Pferde, welche sie sich halten müssen. Ich halte sieben Pferde; das ist nicht zu viel; denn Reiten ist für einen Mann in meinem Alter eine sehr gesunde Bewegung, namentlick, wenn man den ganzen Tag hier im Reichstage gewesen ist.(Heiterkeit.) Abg. v. Bollmar(Soz.): Der Kriegsminister bekommt 3 Rationen und hält 7 Pferde, es giebt aber höhere Offiziere, welche 8 Rationen erhalten und gar kein Pferd haben. Abg. Gras Arniui(Rp.) dankt dem Abg. v. Buol für seine gefir'ge Anregung. Bei den jetzigen niedrigen Preisen wurden die Proviantämter dock) keine erheblich höheren Preise zahlen und die Landwirlhschaft hätte wenig Vortheil von dem direkten Ver- kauf an die Militärverwaltung. Der Vorwurf, daß die Land- wirlhe niit der Selbsthilfe nicht genügend vorgegangen seien, muß entschieden zurückgewiesen werden. Man hat schon Verkaufs- genosfenschaften gebildet, aber sie lassen sich nicht so leicht aus dem Boden stampfen. Abg. Richter(dfr. Vp.): Nach meinen Nachrichten hat die Militärverwaltung durch direkte Ankäufe von Produzenten zum lhfii ihiurer gekauft, als sie anderwärts Hütte kaufen können. Tie Militärverwaltung hat bei Eisenbahn- Transporten eine Ermäßigung der Gütersrachten, 7» pCt. der vorschriftsmäßigen Frachten. Sie ist also in der Lage, sich in einem weiteren Um- kreise zu versorgen als andere Leute. Wenn sie billiger ver- frachten kann, tritt eine Verschiebung der Verhältnisse ein; sie kaun aus weiteren Entfernungen beziehen und dadurch die nächsten Umgebungen der Proviantämter schädigen. Die Fracht- Vergünstigungen sind der Militärverwaltung doch nur gewährt für eigentliche militärische Transporte, für Waffen und Munition, und auch für Bezüge aus dem Auslande. Abg. Graf Arnim(Rp.): Herr Richter meint, man müsse erst abwarten, ob die Genossenschaften billiger arbeiten als die Zwischenhändler. Wir haben die Genossenschaften jetzt aus unsere Fahne geschrieben und wo sie uns Nutzen bringen, da werden sie von ihren früheren Vertheidigern preisgegeben. Abg. Nichter: Wir billigen die Genossenschaften auch auf dem Gebiete der Landwirthschast. Aber wir müssen uns dagegen verwahren, daß für sie besondere Vorrechte verlangt werden. Geueralmajor v. Gemmiuaen: Nach der llicichsverfassung hat die Mariueverwaltung die Vergünstigung, Militärgut zu er- mäßigten Tarifsätzen zu befördern. Dieses Militärgut muß sich aber im Besitz der Militärverwaltung befinden und weiter be- fördert werden. Bezüge aus dem Auslande können also erst dann nach dem Militärtaris befördert werden, wenn diese Gegen- stände in den Besitz der Militärverwaltung übergegangen sind. N-brigens findet eine erhebliche Bevorzugung der Diilitärtransporle überhaupt nicht statt. Abg. Richter: Es ist mir doch sehr zweifelhaft, ob die ob- waltenden Versassungsbestinimungen auch den Bezug von all- gemeinen Bedürfnißarlikeln der Militärverwaltung erleichtern sollen. Durch diese Erleichterung entsteht eine Verschiebung der natürlichen Bezugsverhällnisse, ivodurch der eine Produzenten- kreis durch den anderen benachtheiligl wird. Es genügt mir, die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt hingelenkt zu haben. Abg. Hilpert(Bayrischer Baueruverein) bittet die Militär- Verwaltung, ihre Ankäilfe etwas früher zu besorgen; die Land- wirthe müssen Geld haben und können ihre Vorräthe nicht so lange zurückhalten. Die Militärverwaltung sollte auch nach dieser Richtung hin den sich bildenden Genossenschasle» ent- gegenkommen. Beim Titel„Viktualienverpflegung" beantragt Abg. Schädler (Z.): De» Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß die mit der Verabreichung warmer Abendkost an die Mannschaften des aktiven Heeres gestellten Versuche fortgesetzt werden, und je nach dem Ergebniß dieser Versuche Mittel zur allgemeinen Einführung dieser Einrichtnng in den Etat 189ö/S7 einzustellen. Abg. v. Podbielski(dk.) beantragt: Den Herrn Reichs- kanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß für das Etaisjahr 1395/98 die Mittel bereit gestellt werden, nm den Quarlierwirlhen, welche während der Uebungen der Truppen den Mannschaften die Ver- pflegung freiwillig verabfolgen, eine Vergütung nach den Sätzen für die Marschverpflegung gewähren zu können. Abg. Podbielski begründet seinen Antrag, der Kriegsminister hält ihn im Augenblick nicht für durch- führbar. Staatssekretär Graf PofadowSky: Bei den Erwägungen hat man auch darüber Uuterslichuugen angestellt, ob man nicht da. wo die Verpflegung billiger ist, billigere Sätze gewähren könnte; da wo sie kostspieliger ist, dagegen höhere Sätze. Das bat sich als undurchführbar erwiesen. Es wäre ungerecht, im Osten, wo zwar die Lebensmittel billiger sind, wo aber auch die Mauöverlast mehr drückt als im wohlhabenden Westen, niedrigere Vergütungen zu gewähren als im Westen. Es wird nichts übrig bleibe», als überall eine höhere Vergütung zu gewähren. Die Mittel sind dafür jetzt noch nicht vorhanden. Wenn die vor- gelegten Steuern bewilligt werden, dann wird die lllegierung erwägen, ob für diese Zwecke die nöthigen Mittel vorhanden sind. Abg. Schädler(Z.) weist zahlenmäßig nach, daß die Er- nährung der Soldaten keine genügende sei; namentlich trete das seit Einführung der zweijährigen Dienstzeit iinnier mehr hervor. Er sei kein Freund des Militarismus, aber ein Freund der Soltaten, und selbst der größte Gegner des Militarismus müsse für eine genügende Ernährung der Soldaten eintreten. Ei» Blatt behauptet, daß der Antrag nur bestimmt sei, die Tabaksteuer durchzudrücken; das sei nur Speck für das Volk. Das Blatt trägt an seiner Stirn die Bezeichnung: Be- gründet von Eugen Richter.(Heiterkeit.) Wenn das Blatt sich nur die noble und Urbane Kampfesweise unseres Kollegen Richter angeeignet hätte, dann wäre es zu dieser Unterstellung nicht ge- konimen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Ihnen ist alles zuzn- lrauen!) Ich bitte, meine Reden und Handlungen nur so zu nehmen, wie ich sie darstellte, denn ich selbst bin der beste Interpret meiner Worte. Was würde man sagen, wenn ich sageu würde: die ganze Etatspolilik des Herrn Eugen Richter ist auch nur Speck für das Volk.(Heiterkeit.) Den Soldaten sollte für die Beschaffung der Abendkost kein Abzug an ihrer Löhnung gemacht werden; die ist ohnehin schon knapp genug. Kriegsminister v. Bronsart: Die Militärverwaltung sieht jeder Anregung, welche die materielle Lebenslage der Soldaten verbessern will� freundlich gegenüber. Wir haben alle möglichen Versuche augestellt; aber wir sind nicht viel weiter ge- kommen als bis zu der Frage: Wächst uns ein Kornfeld auf der flache» Hand? Ich hoffe, daß die einstimiuige Annahnie der Resolution den Widerstand des Reichsschatzsekretärs beseitigen kann. Ob ich denselben so weit beseitigen kann, daß in Süd- deutschland den Soldaten noch zwei Maß Bier gewährt werden können, das weiß ich nicht.(Heiterkeit.) Abg. Hug(Z.); Der Unterschied zwischen Marsch- und Kantoniiemenlsverpfleguug sei nicht niehr aufrecht zu erhalten und die Entschädigungssätze müßten erhöht werden. Redner klagt ferner über verspätete Zahlungen für Vorspannleistungen. Staatssekretär Graf PofadowSky: Die verbündeten Regierungen können sich nicht darauf einlassen, die nütz- lichen angeregten Maßnahmen zu treffen, bevor sie nicht wissen, welche neue Mittel der Reichstag bewillige» will. Die Kosten für ein warmes Abendbrot würden einschließlich der bayerischen Quote etwa 8V2 Millionen M. betragen. Generalmajor vou Gemmingen: Die Militärverwaltung zahlt für Quartier- und Vorspannleistungen sofort an die Ge- meiuden. Diese behalten manchmal die Entschädigungen an die einzelnen Betheiligten zurück zur Deckung rückständiger Steuern. Daran ist die Militärverwaltung nicht scknld. Abg. Richter(frs.Vp.): Die Frage des warme» Abendbrotes ist nicht erst jetzt verhandelt worden, seitdem wir die Ehre haben. Herr» Schädler unter uns zu sehen. Die Frage ist so alt, wie die Verhandlungen des Militäretats. Wen» in dieser Beziehung noch nichts gebessert worden ist, so liegt das daran, daß immer bei guten Finanzverhältnissen eine Präsenzvermehrung statt- gesunden hat, die alle Mittel in Beschlag nahm, die sonst für die Verbesserung der Verpflegung hätten verwendet werden können. Vor der Beinilliguug von 3 Millionen schreckt wohl keiner zurück, aber wohl davor, wie diese Kosten beschafft werden sollen. Ich würde mir berechtigte Vorwürfe seitens des Finanz- Ministers Miguel zuziehen, wenn ich eine solche Mehrbelastung des Etats so leicht behandeln wollte wie Herr Schädler. Sollen die Matrikularbciträge um 3 Millionen erhöht werden? Dagegen haben sich die bayerischen Abgeordneten be- sonders verwahrt. Es bleibe» also nur neue Steuern übrig? Welche Steuer soll es sein? Ich niuß doch wissen, ist die Steuer drückender oder kann die Ausgabe noch vertagt werden. Da liegt es doch nahe, an die vorliegende Tabaksteuer zu denken. Herr Schädler hat sich über die„Freisinnige Zeitung" beklagt, weil sie einen Zusammenhang entdecken zu könne» glaube zwischen der Einbringung dieses Antrages und der Tabalsteuer. Die„Frei- sinnige Zeitung" bat Herr» Schädler für einen Politiker angesehen, der die Tinge im Zusammenhange auffaßt. Da lag nichts näher als diesen Antrag und seine Neigung zur Tabaksteuer in Zusammen- hang zu bringen. Seine Anregung erscheint auch verdächtig. Wenn auch die Ausgabe erst 1896/97 gemacht werden soll, so ist das bezeichnend. Den» gerade für dieses Jahr hat der Reichs- schatzsekrelär die Tabaksteuer als nothweudig bezeichnet zur Deckung des Defizits. Tie Abendstunden sind jetzt die einzige freie Zeit, die der Soldat hat. Führen Sie eine abendliche Verpflegung ein, so wird der Soldat an die Kaserne gebunden und verliert jede freie Bewegung außerhalb der Kaserne. Die Frage hat also ihre zwei Seiten. Der Antrag Podbielski kostet allerdings nur 6/4 Millionen. Aber trotzdem läßt sich über denselben nicht so leicht entscheiden. Es giebt in der Geschäftsordnung des preußischen Abgeordnetenhauses eine Bestimmung, daß über Anträge, die Mchrbewilligungen erfordern, im Plenum ohne Lkommissionsberathung nicht abgestimmt werden kann. Die beiden Anträge waren der lkommission nicht vorgelegt. Ich beantrage daher, dieselben der Budgetkommission zu überweisen, zumal bei der schwachen Be- setzung des Hauses eine Abstimmung nicht am Platze ist. Generalinajor v. Gemmiiigcn: Das Bedenken des Herrn Richter, daß die Soldaten gehindert würden, außerhalb der Kaserne zu verkehren, ist nicht zutreffend. Die Abendkost würde um 6 Uhr gereicht werden, bis wohin fast immer der Dienst reicht. Es würde also eine Einschränkung der freien Zeit der Soldaten nicht eintreten. Beim Kapitel„Militär-Medizinalwesen" ergreist Abg. v. Bollmar das Wort. Redner hat die Gewohnheit vom Platze zu sprechen und der Journalistentribüne den Rücken zuzuwenden. Infolge dessen ist es beim besten Willen nicht möglich, seine Ausführungen so vollständig auf- zufassen und einwaudsfrei wiederzugeben, wie es eine objektive Berichterstattung anstreben muß. Aus der Ant- wort des Kriegsministcrs ergiebt sich, daß Redner eine aus- gedehntere Zugänglichmachung des auf grund der in letzter Zeit gemachten Versuche in bezug auf die Durchschlagskraft der neueren Geschosse veröffentlichten anatomischen Atlasses wünscht. Zweifellos ist die Nahrung für die Soldaten i» hohem Grade unzureichend, und der Soldat ist übel daran, der keinen Zuschuß von Hause oder seinen Verwandten bat. Was neulich von dem Privat-Militärbudgel neben dem offiziellen gesagt worden ist, ist vollkommen richtig. Ich kann meinerseits nur bedauern, daß Herr Kollege Schädler seinen Antrag gegen früher abgeschwächt hat. Es sollen die Versuche fortgesetzt werden, es wird aber nicht gesagt, nach welcher Richtung. Vielleicht nach der, ob die Soldaten etwas mehr vertragen kön- neu? Es wäre besser, wenn die nothwendige Aufbesserung möglichst unmittelbar einträte. Hier ist Sparsamkeit am wenigsten am Platze. Gerade als Sozialdemokrat trete ich für die Ver- besserung der Maunschaftskost ein; ick habe dies wiederholt energisch auch im bayerischen Landtage gethan. Abg. Hammachcr(natl.): Diejenigen, welche die Ausgaben- Vermehrung empfehle», handeln unverantwortlich, denn sie be- denken nicht die finanzielle Folge. Materiell stehe ich aus dem Boden der beiden gestellten Anträge; wenn die Finanzen sich bessern, müssen dazu in erster Linie Mittel flüssig gemacht werden. Ohne Kommissionsberathung kann man über die Anträge nicht zur Entscheidung kommen. Abg. Schädler(Z.): Ueber die Bosheit, welche in der Er- klärung des Herrn v. Vollmar liegt, gehe ich hinweg, weil er mit mir einig ist in der Sache. Wenn alle Parteien über die Frage einig sind, dann sollte Herr Richter von seinem theoreti- fchen Wohlwollen zur Praxis übergehen; denn von der Theorie wird lein Soldat satt. Das Geld kann auch anders als durch die Tabaksteuer beschafft werde». Ein inzwischen vom Abg. Richter eingebrachter Antrag will nur die Versuche fortgesetzt wissen; über ihr Ergebniß soll dem Reichstage Mittheilung gemacht werden. Alle Anträge werden der Budgetkommission überwiesen. Der Titel wird genehmigt. Bei Kapitel„Bekleidung und Ausrüstung der Truppen" und zwar bei den Ausgaben: Zur Beschaffung des Be. darfs an Tuch beantragt die Budgetkommission einen Abstrich von 415 000 M. und schlägt folgende Resolution vor:„Die Militärverwallung wolle die Vergebung der Tuche zentralisiren und einen größeren Theil von Submittenten zulassen." Abg. Möller-Dvrtmund(utl.) bittet um Mittheilung der Ergebnisse der Versuche der Färbung der Militärtuche mit Alizarin. Generalmajor v. Gemmingen: Die beiden Farbenarten sind zugelassen worden; die Jndigohändler und die Tuch- sabrikanten drängen dahin, um eine Farbe zuzulassen. Darauf läßt sich die Verwaltung aber nicht ein. Die Berichte haben ergeben, daß das mit Alizarin gefärbte Tuch sich besser gehalten hat. Die Militärverwaltung ist nicht der Ansicht, daß durch die Vertheilung der Lieferungen von Tuch auf die Bekleidungsämter eine Schädigung der Reichskasse ent- standen ist, daß durch die Zentralisirung eine Ersparniß eintreten würde. Redner bittet, die 415 000 M. nicht zu streiche». Aber das Geld wird nicht erspart werden können, denn die Tuch- lieferungen sind schon verdungen und müssen bezahlt werden. Abg. Werner(Deutsche Reformpartei) verweist aus die Enthüllungen des Abg. Müller-Fulda über Tuchlieferungen. Aus den Erörterungen der Kommission geht hervor, daß bei der Lieferungsvergebung eine Aenderung dringend nothwendig ist, man müsse den unlauteren Wettbewerb ausschließen. Abg. Müller-Fulda(Z.): Ich bin wegen meiner Mittheilung in der Kommission heftig angegriffen worden von den Tuch- Fabrikanten, die den Ring bildeten. Es haben sich aber 6 von den Ringfabrikanten vom Ring zurückgezogen und sie haben meine Behauptung als vollständig richtig bezeichnet und erklären sich jetzt für die von der Komniission vorgeschlagene Resolution. Abg. Hüpede»(dk.): Solche Ringe können segensreich wirken, wenn sie der Preis- und der damit verbundenen Lohn- drückerei entgegenwirken, den Absatz und die Produktion regeln. Sie können aber auch schädlich wirken, wenn sie die Möglichkeit bieten, daß die große» kapitalkräftigen Leute die kleine» Fabri- kanten unterdrücke». Tie Fabrikanten wünschen, daß die Tuch- lieferungen zentralisirt werden. Die Streichung wird vom Hause genehmigt; die Resolution der Kommission wird angenonnnen. Beim Kapitel:„Garnisonbauwesen", tritt Abg. Müller- Sagan(frs. Vp) für die Hilfsarbeiter im Bauwesen ein und empfiehlt, eine Anzahl derselben als etatsmäßige Beamten an- zustellen. Staatssekretär Graf Posadotvsky: Der größte Theil dieser technischen Hilfsarbeiter wird bei einzelnen Bauten beschäftigt; diese könne» nicht etatsmäßig angestellt werden. Anders liegt es bei de» Hilfsarbeitern, welche ständig zur Entlastung der Dezerneuten beschäftigt werden. Die Kriegsverwaltung hat das Ersuchen gestellt, diese Leute anzustellen. Prinzipiell ist nichts dagegen eingewandt worden; aber die Finanzverhältnisse ge- statteten die Einstellung der Mittel nicht; sobald diese Verhält- nisse sich bessern sollten, wird den Wünschen des Borredners entsprochen werden könne». Beim Kapitel„Militär- Medizinalwesen" erklärt auf eine Anregung des Abg. v. Vollmar(Soz.) Kriegsminister Bronsart v. Schelleudorff: Der Vortrag eines deutschen Arztes über Ergebnisse der Versuche mit dem klein- kalibrigen Gewehr hat großes Aufsehen erregt, und namentlich die Aeußerilnge» eines französischen Blattes haben in der sozialdemokratischen Presse Besprechung gesunden. Ich habe mich darüber gewundert, daß die Ausführungen des französischen Blattes die große Beachtung gefunden haben. Ein fremder Patriot muß ja schließlich wünsche», daß unsere Gewehre garnicht losgehen. Die Versuche find angestellt, um die Wunde kennen zu lernen, welche das neue Gewehr verursacht; wir haben sie angestellt an tobten Pferden und an in Leinwand gewickelten anatomischen Präparaten. Die Versuche sind veröffentlicht vor den Sachverständigen von ganz Europa; in Rom nämlich. Der Atlas umfaßt 50—00 photographische Darstellungen, und es gehört dazu ein Text. Der Atlas kostet etwa 60 M. Ich muß die Anwesenden fragen, ob sie es für ge- schmacklos hallen würden, wenn wir den Atlas in die Schau- fcnster gelegt hätten. Solche Dinge sind nur für den Fachmann. Wir wollten es nicht ausbeuten lassen gegen den Militaris- mus; es ist schon ausgebeutet worden, indem man die Waffe als die inhumanste bezeichnete.(Sehr richtig! links.) Wer vom Shrapnell oder der Sprenggranate getroffen ivird, der fühlt sich unangenehmer berührt, als wenn er vom kleinkalibrigen Gewehr getroffen wird. Ueberreise Aepfel und Kartoffeln sind humanere Geschosse; aber wenn der Feind die Grenzen über- schritten hat, dann würden wir damit wenig erreichen, selbst wenn der Feind sich mit Schrotflinten begnügen wollte. Man muß den Soldaten die beste» Waffen gebe», damit sie den Feind schneller außer Gefecht setzen können, als sie selbst getroffen werden. Wenn man nicht die Waffen ver- bessern wollte, dann müßten wir wieder zur Streitaxt zurückgreifen und zur alte» Kampfesweise, wo man die Feinde nicht außer Gefecht setzte, sondern einfach todtschlug. Abg. v. Bollmar bestreitet, daß er seine Anregung aus einem französischen Blatt entnommen habe. Warum soll der Atlas nicht ebenso wie alle anatomischen Werke in den Buch- Handel gebracht iverde»? Der Atlas soll nicht leicht zu erlangen sein, weil er nur unter gewissen Bedingungen abgegeben wird. Kriegsminister v. Bronsart: Wir wünschen die Publikation durchaus nicht geheim zu hallen. Wir wollen nur verhindern. daß das Werk in unrichtige Hände kommt, die es zu agitatorischen Zwecken benutzen wollen. Bei der Ausgabe für den Ankauf der Rem oute- pferde kommt Abg. Müller-Sagan(dfr. Vp.) auf die von ihm schon früher vorgetragene Beschwerde wegen der Benutzung der Krümperpferde zurück; die Fuhrwerksbesitzer klagen über die Konkurrenz, welche ihnen damit gemacht wird. Die neuen Vor- chrislen haben allerdings in manchen Punkten die Klagen be- eitigt; aber die Klagen bestehen weiter, weil die Zahl der Krümperpferde gegen früher vermehrt worden ist. Redner ver- weist besonders auf seine Heimathsstadt Glogau, wo sich die Konkurrenz der Krümperpferde für die Droschkenbesitzer sehr schädigend bemerkbar mache. Beim Titel Reisekosten bemerkt Abg. Bebel: Die Reisekosten und Tagegelder sind in den letzten Jahren bedeutend in die Höhe gegangen. Bereits in den 80er Jahren hat der Reichstag in einer Resolution eine Aenderung verlaugt. Auch im vorigen Jahre ist eine solche Resolution ge- faßt. Auch diesmal hat der Bundesrath die Sache zu keiner Enischeidung gebracht. Man theilte uns mit, die Resolution sei dem Reichskanzler überwiesen und die Erörterungen seien noch nicht abgeschlossen. I» der Budgetkommission ist die Auskunft uns gegeben, daß man eine Enischeidung nicht treffen könne, weil allerhand andere Einrichtungen noch abzuwarten seien, so die eine: andere Regelung der Eisenbahn-Persouentarise. Diese Frage ist ja vielfach erörtert, aber die maßgebenden Faktoren haben noch keine' entscheidende Stellung nehmen können und es läßt sich auch nicht voraussehen, wann neue Tarife eingeführt werden. Andererseits wollte man die neue Gehaltsrcgulirung abwarten. Dieser Punkt kann aber gar nicht in belracht kommen. Die Sache wird dadurch noch bedeutsamer, daß ein Kommissar in der Kommission den Umstand, daß die betreffenden Offiziere und Beamten weit mehr bekommen, als sie in Wahrheit verauslagen, damit motivirte, es solle hierin eine Art Gehaltserhöhung ausgesprochen fein. Dagegen müssen wir uns entschieden erklären. Niemand in diesem Hause wird wünschen, daß die Beamten aus ihrem Gehalt nocy besondere Ausgaben für Reisen machen solle». Wir meinen, daß in diesem Falle ihnen voller Ersatz, aber auch nicht niehr. erstaltet werden soll. Die Diätensätze sind alle ungleich Einmal werden bedeutende Ersparnisse gemacht und ein anderes Mal müssen noch erhebliche Zuschüsse geleistet werden. Tie verschiedenen Sätze bewegen sich zwischen 30 und 3 M. und die letzten drei Stufen sind außerordentlich niedrig. Die Kosten werden für den ganzen Tag bezahlt, wenn sich die Reise nur auf einen Theil des Tages erstreckt. In Süddeutsch- land bestehe» keine anderen Einrichtungen. Während ein Kilo- Nieter 1. Klasse Eisenbahn bei einfacher Fahrt 10 Pf. kostet, werden nach diesem Tarife 13Ps. bezahlt. Es kommt häufig vor, daß Personen, die erster Klasse vergütet bekommen, sich nnt der zweiten begnügen, aber die erste liquidircn. Eine Reise von Berlin nach Köln kostet 71 M., nach der Berechnung, die hier zu gründe gelegt wird, bekommt der betreffende Beamte IS3 M. 92 Pf., spart also dabei 62,30 M. Bei einer Reise nach Straßburg werden 112,6S M. gewonnen. Hier könnten Millionen geholt werden, wenn man nur das vergüten wollte, was man von rcchtswegen zu vergüten hätte. Ich werde diese Frage jedes Jahr erörtern, bis die Herren von der Neichsregicruug sich geneigter zeigen Staatssekretär Graf Posadowsky: Durch eine Aenderung des Reisekostenwesens werden die großen finanziellen Erfolge, die der Vorredner vielleicht erhofft, nicht erreicht. Tie Nothwendigkeit einer Aenderung ist aber aiicrlannt von allen Refforls. Es wurden aber mehrfache Einwendungen gemacht. Es wird eine Aenderung dahin möglich sein, daß man bestimmten Funktionären, die periodisch kurze Sieisen macheu, ein Pauschquautum als Ent- schädigung gewährt. Das jetzige System ist nicht haltbar, das erkenne ich an. Aber eine Regelung der Diätensrage ist schwieriger, weil sie mit den Raugverhältuissen zusammenhängt. Aber auch hier sind Mißstände vorhanden, die abgestellt werden niüssen. Abg. Bebel: Die Antwort des Staatssekretärs klingt aller- dings etwas anders als die Ausführungen, die in der Kommission gemacht sind. Er hat nur die Schwierigkeilen hervorgehoben, die in der Sache selbst liegen. Daß gewisse Schwierigkeilen vor- Händen sein mögen, will ich nicht bestreiten, daß sie aber gehoben werden können, steht fest. Tie Schwierigkeiten bei dem Dienst- altersstufensystem waren viel größer. Wie die Herren die ein- zclnen Fragen erwägen, ob sie bestimmten Beamlen ein Pauschquantum geben»vollen, oder wie sie es sonst einrichten wollen, ist uns gleichgiltig; darauf a», daß die Reisekosten sprechend vergütet werden, was zuwenden hat. Abg. Richter: In der Erklärnng des Staatssekretärs liegt ein gewisses Entgegenkommen; ich erkenne auch au, daß die Diätensrage von der Reisekostensrage zwcckmäßigerweise getrennt werden muß. Wir müssen aber nicht warten, bis Preußen vorgeht. Der preußische Finauzminister macht die Sache abhängig von der allgemeinen Vesoldungsverbcsserung. Durch Ersparnisse auf diesem Gebiete können schon einige Mittel für die Ausbesserung der Beamtengehälter gewonnen werden. Beim Kapitel„Militär-Erziehungs- und - B i l d u n g s w e s e n" beantragt die Budgetkommission: Ten Reichskanzler aufzufordern, die �Aufbesserung des GeHalls der Volksschullehrer bei den Unterosfizierschulen, den Unterosfizier- Vorschulen u. s. w. in Erwägung zu nehmen. Nachdem Abg. Müller- Sagau(dsr. 93p.) die Resolution empsohlen, wird dieselbe angenommen. Im übrigen wird das Ordinarium des Militäretats ohne weitere Debatte nach dem Antrage der Kommission angenommen. Schluß S>/« llhr. Nächsie Sitzung Sonnabend 1 Uhr. (Einmalige Ausgaben des Militäretats.) für uns kommt es nur und Tagegelder nur dem ent der Betreffende selbst auf Uoknles. Der Armeti-Etat gab in der Stadtvcrordneten-Sitznng vom Donnerstag, in welcher die Berathung des Etats für IKäksvL forlgesetzt wurde, wiederum Anlaß zu einer recht lebhaften Debatte über die alte Streitfrage, ob längere Stundung der Kosten für die Verpflegung in städtischen Krankenhäusern als A r m e n u n t e r st ü tz u n g im Sinne des Gesetzes über den U nterstützungswohusitz anzusehen ist und demnach das W a h l- recht aushebt oder nicht. Der Etatsausschuß beantragte diesmal eine Resolution, die statt der jetzt vom Magistrat beliebten Stundung auf nur 4 Wochen«in volles Jahr fordert und im Falle der Ablehnung auch dieses Kompromiß. Vorschlages um Einsetzung einer gemischten Depulatiou zur Berathung der Angelegenheit ersuchst Der Magistrat, vertreten durch Stadtrath Böhm und Ober-Bürgermeister Zelle, suchte seinen Standpunkt noch einmal als durch das Gesetz vor- geschrieben zu begründen, mußte sich aber vom Genoffen Singer sagen laffen, daß dieser Standpunkt weder logisch nock human sei. Das brachte Herrn Zelle, den sonst so gesetzten, korrekten Mann, gewaltig in Harnisch. Er sprach von unangebrachtem Pathos und dergleichen, und als ihm zu verstehen gegeben wurde, daß vom Magistrat eine andere als kühle Behandlung dieser für die Unbemittelten ungemein wichtigen Frage nicht zu erwarten sei, da glaubte er mit erhobener Stimme erklären zu müssen, daß auch der Magistrat Erbarmen mit seinen unbemittelten Mitbürgern habe. Dieses Pathos war nun allerdings unangebracht, ebenso wie der Beiiall, den die bürgerlich gesinnte Majorität der Versammlung spendete. Hat man vergessen, welche Behandlung die Petition der Arbeits- losen um Beschäftigung vor mehreren Jahren erfuhr?— Die Resolution wurde übrigens mit großer Mehrheit angenommen. Herr Zelle hatte jedoch bereits vorher angekündigt, daß der Magistrat keine sonderliche Neigung habe, sich durch eine ge- mischte Deputation belehren und bekehren zu lassen. Die An- gelegcnheit dürfte daher zu einem Konflikt zwischen Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung führen, den das Ober- Ver- waltungsgericht zu schlichten haben wird. Zur Frage der Einverleibung hat jetzt der M a g i st r a t von Berlin an die Charlottenburger Sladtverivaltung folgendes in Form wie Inhalt auffallendes Schreiben gerichtet: In der EingemeindungS-Angelegenheir sprechen wir dem Magistrat für Ueberseuduug des Stadthaushalls-Etals für das Rechiiuugs- jähr I89ö/Sü nebst Anlagen unseren verbindlichen Dank aus Wir gestatten uns nochmals die ergebene Ausrage, ob auch unsere wiederholten Ersuchen um Angabe der Daten bezüglich der t h ei lw eisen Eingemeindung nunmehr auf Erledigung im Sinne unseres Schreibens vom LS. Dezember v. I. rechnen können. Wir haben in der Eiugemeinduugs- frage zunächst die Jntereffen unseres Genieiuweseus wahrzunehmen. Wenn die theilweise Einverleibung des dortigen Stadtgebiets nach der Auffassung Wohldesselben dem Gemeinde-Jnteresse Ebarlotlenburgs durchaus widersprechen sollte(!), so stellen wir ergebcnst anHeim, einen etwa diesbezüg- lichen Protest direkt der königl. Staatsregierung vorzutragen. Wir würden aber, wenn wir nicht möglichst um- gehend wenigstens die Zusage der zur Weiterberathung erforder- lichen Unterlagen und Berechnungen erhalten sollten, zu unserem ausrichiigsten Bedauern geuöthigt sein, uns beschwerdeführend an den Herrn Regierungspräsidenten zu Potsdam zu wenden. Magistrat hiesiger königlicher Haupt- und Residenzstadt. Zelle. Diesem Schreiben Berlins gegenüber hat der Magistrat von Eharlottenburg trotz der kategorischen Forderung in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, aus seinem bisherigen ablehnenden Standpunkt in der Einverleibungsfrage Berlin gegenüber stehen zu bleiben. AnS der Elsenbahn-Haupttverkstatt am Markgrafen- dämm hatten wir kürzlich über eine Geldsammluug zu gunsten des scheidenden Direktors Herrn Garbe zu berichten. Unsere in der Angelegenheit gebrachte Mittheilung, daß diese Sammlung unter den Arbeitern böses Blut erregt jhabe, wurde� zwar in einer seltsamen Zuschrift, die der„Bannerausschuß" der Werkstatt an uns richtete, demsntirt, aber ihre gute Wirkung hat diese Mittheilung doch gehabt. Den Arbeitern ist nämlich das Geld, das von ihnen gesammelt war, wieder zurückerstattet worden, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach auf einen Wink von oben her. Nur die Lehrlinge werden, wie ihr Meister Herr Eiche sagt. dem Herrn Garbe ein Geschenk machen. Warum gerade die armen Jungen, die wahrlich schlecht genug gestellt sind, und denen z. B. vom kargen Lohn selbst die Feiertage abgezogen werden, sich zu dieser Ehrung des Herrn Garbe aufraffen, wissen wir nicht. Wir nehmen an, daß diese Zeilen genügen, damit auch den Lehrlingen das Geld, das unter ihnen etwa bereits ge- sammelt sein sollte, wieder ausgehändigt werde. Die Rentenquetschc», in welche im Zeitalter der Sozial reform und der humanen Slrbeiterbehandlung die Invaliden der Arbeit von den Berufsgenossenschasten geschickt werden, genießen bekanntlich einen wohlbegründelen Ruf in Proletarierkreisen Zahlreich sind die Beschwerden, welche die zur höheren Ehre des Gottes Kapital verunglückten Arbeiter, denen zum Zwecke der Reiiteuherabsetzuug in diesen Instituten geholfen werden soll, über die ihnen zu theil gewordene Behandlung bei uns vor- bringen, und oft genug haben wir die traurige Pflicht gebabt, etwas wehr Rücksicht für die Verletzten zu fordern. Heute ist es unsere Pflicht, uns mit der Orthopädischen Anstalt des Herrn Dr. M ü l l e r, Friedrichstr.23, zu beschäftigen. Der Jnhabcr dieses In stituts geuieblsdeu Ruf,..erfolgreich" zu kuriren. Obzu dem Umstände, daß verunglückte Arbeiter allerdings zuweilen recht schnell seine Anstalt verlassen, um flch dann mit einer»iedrigeren Unfallrente durchzuhungern, einzig seine Kunnethode die Ursache bildet, ver- mögen wir als Laien nicht zu entscheiden. Thatsache ist aber, daß in dem Institut des Herrn Dr. Müller die Behaglichkeit, soweit sie durch Reiulichkeii bedingt wird, nur eine sehr unter- geordnete Rolle spielt, und daß Kranke, die auf etwas böherer Kulturstufe als gewisse ostasiatische Völker stehen, allen Respekt bekommen kKniieil. Bei Herrn Dr. Müller erhalten die kranken Uiifallrentner frische Leibwäsche nur alle vierzehn Tage geliefert; Taschenlüchcr giebt es aus unbekannten Gründen überhaupt nicht. In anderen Heilanstalten ist es das erste, daß den» eingelieferten Kranken ein Reinigungsbad bereitet wird, bei Herrn Dr. Müller giebt es in der Regel ein solches nicht; ja, es soll vorgekommen sein, daß man für einen„Neuen" nicht einmal ein srischbezogenes Bett bereit halte. Ein Kranker in der Anstalt beHilst sich beule noch mit dem Bezug, den sein Bett am 6. Dezember v. I. erhalten hat. Wir glauben, cs in Rücksicht auf das Wohlbefinden unserer Leser unlerlassen zu müssen, die Farbe eines solchen Bettüberzuges zu schildern. In der Anstalt scheint man serner Spuckgläser für die bettlägerigen Kranken nicht für uölhig zu balten, deun die Krankcn verunreinigen mit ihrem Ausivurf den Fußboden des Zimmers; ein Spucknapf fehlt ferner sowohl im Sprechzimmer, als in den drei Uebunqs- zilnmern. Während der Nachtzeil haben die Kranken ihre Be- dürfnisse in einem Eimer zu verrichten; ein Pissoir ist in der Anstalt nicht vorhanden. Aber nicht»ur die Reinlichkeit, auch die Bedienung läßt sehr viel zu wünschen übrig. Für durchschnittlich zwanzig Kranke soll eine Köchin als Wärterin sungiren. Dieser Dame liegt gleichzeitig die Speisung der Insassen ob, wie sie auch für deren Wäsche zu sorgen hat; schließlich hat die Köchin auch noch einen in der Anstalt wobuenvcn Arzt zu bedienen. Daß bei einer solchen Arbeitslast sehr zum Schaden für die Kranken nichts Ordentliches geleistet werden kann, leuchtet wohl jedem ein. Da Beschwerden der Unfavrentner beim Leiter der Anstalt bislang noch keinen sichtbaren Eriolg gehabt haben, so erlauben wir uns im Juteresie der unglücklichen Arbeiter die Anfrage, ob die Bcrufsgeuosseii- schaften damit einverstanden sind, daß die Pfleglinge bei Herrn Dr. SBiuller in der geschilderten Weise behandelt werden. Wie cs heißt, wird dort die Summe von 3,00 M. täglich für jede» Krauken bezahlt. Wir meinen, daß dieser Betrag ausreicht, um billige Wünsche der Kranken zu berücksichtigen. Gesinunilgsliiclitigkcit deutscher Künstler. In der vor- gestrigen Generalversammlung des Vereins Berliner Künstler wurde ein Antrag ans Erlaß einer Petition gegen das Umsturz. gesetz abgelehnt,„als nicht in de» Rahmc» des Vereins gehörig". Die Kunst geht»ach Brot, und da den Künstlern auch vom Staat zuweilen ein Brocken zugeworfen wird, so muß alles ver- miede» werden, was oben anstoßen könnte. Immer schneidig. Ein schneidiges Austreten de» Arbeitern gegenüber scheint in heutiger Zeit auch seitens einzelner Berliner Sleuererheber für zeitgemäß gehalten zu werden. So wurde dieser Tage ein im Norden Berlins wohuhailcr, in Arbeit stedender Arbeiter beim Entleeren seines Briefkastens durch folgende, von einem hiestgen Sleuererheber auf die Rückseite einer gedruckten amtliche» unausgesüllten Zahlungsaufforderung mit Bleistift geschriebene kategorische Miltheiluug aufs freudigste überrascht:„Wenn Ihre Steuer bis morgen früh nicht bezahlt ist, lasse ich Ihre Thüre auf Ihre Kosten össiie», um zu pfänden." — Steuern zahlen ist die erste Bürgerpflicht, woher nehmen, danach fragt man nicht. Ans einen verauilvortlichen Redakteur wartet immer noch das schwarze Buch der HauSivirthe. Der Hauptmacher dieses humanen Werkes, der auch die Verantwortung übernehmen sollte, Herr Röhricke, hat die Geschichte breuzlich gefuudeu und nicht allein den Plan der Redigirung, sondern auch selbst seine Mitgliedschaft im Griiiidbesttzerbunde ausgegeben. Wer wagt jetzt die Hergabe seines ehrlichen Namens? Eine scheinbar neue Krankheit tritt in der Halleschen Vorstadt und in der oberen Friedrichstadl zur Zeil epidemisch auf. Sie erscheint ebenso schnell und unvermulhet wie die Influenza und wirkt sehr ansteckeud. Die Krankheit beginnt mit Blasenbildungen im Munde, auf Zunge und Gaumen und in der Rachenhöhle, die Blasen gehen alsbald auf und es eutsteheii wunde Stellen, die recht schmerzhaft sind. Der Kranke kau» feste Nahrung überhaupt nicht zu sich nehmen und kaum sprechen. Die Krankheit dauert etwa vier bis sechs Tage und hinterläßt ein großes Schwächegefühl. Der ärztliche Eingriff beschränkt sich im wesentlichen ans Mundspülungen mit Kamilleitthec u. dergl. Es soll Familien geben, in denen drei und vier Personen gleichzeitig von dieser Krankheit befallen wurden. Nixdorf soll Stadt werde»! Bor kurzem hatte die Ge- meinde Rirdors bei dem Minister des Innern um die Verleihung städtischer Verfassung petitionirt, da bei dem enormen Anwachsen des Ortes die jetzige Art der Verwaltung auf die Dauer zur Unmöglichkeit werbe. Auf diese Petition ist am Donnerstag ein Schreiben deS Ministers deS Innern eingegangen, in welchem die Gemeinde vorläufig benachrichtigt ivird, taß der Minister die Einleitung der Verhandlungeii wegen Verleihung städtischer Ver- fnffung an die Gemeinde Rixdorf auf grund des§ 1 der Landgemeinde> Ordnung bereits angeordnet habe. Die Slugelegeuheit ivird also demnächst den Teltow« Kreistag und den Provinzial- Landtag zu beschästigcn haben. TaS Eastau'sche Panoptikum dürfte demnächst«ine» neuen Besitzer erhallen in der Person des Inhabers des Moabiter Gesellschaftshauses und Oekonomen des Passage-Pauoptikuius Hell- mulh Peters. Die Verhandlungen dürsten dem Abschluß nahe sein. Ob und in wieweit das bekannte Sittlichkeiisoerbrechei, bei Herrn Eastan auf diesen Besitzwechsel Einfluß gehabt hat, entzieht sich unserer Kemitiliß. Der Verein„OrniS" eröffnete gestcri, in deuAuZstellungs- räumen des Hauses Mobreu- und Friedrich-Straßen-Ecke seine achte Bogelansstellung. Dieselbe ist äußerst reich beschickt und bietet für Kenner und Laien viel Interessantes. Die ganze Aus- stellung umfaßt 1962 AuSstellungSgepenstäude. und zwar in der 1. Abtheilung Papageien, in der 2. fremdländische Körnersresser. in der 3. einheimische Körncrfreffer, in der 4. Kanarien, in der 5. Mischlinge, in der 6. fremdländische Kerbthier- und Wcichsutter- sresser, in der 7. einheimische Kerbthier- und Weichfutteriresser, in der S. Tauben und Hühnervögel, in der 9. Raben, Raub- und Sumpfvögel, in der 10. Hilfsmittel zur Vogelpflege und Zucht und in der II. Gegenstände der Wissenschaft und Kunst. Der Verein hat heut folgende Preise vertheilt. In der Ab- theilung für einheimische Vögel erhielt Herr W. Lemm-Berlin die goldene Medaille für die Gesammtleismug und einen Ehrenpreis für die beste Kollektion Grasmücken. Silberne Medaillen erhielten: die Herrcii It. Wilhelm, G. Putzke, I. Schulze-Königs- berg, G. Badcr-Luckenwalde und O. Säuberlich-Friednchshagen. Bronzene Medaillen erhielten: die Herren K. Falk-Stolp i. P., L. Hilbebrand-Schlüchtern und H. Schulze-Altenburg. Tiplome erhielten; die Herren F. Weißsnze- Frankfurt a. M., I. Bertrand- Aachen, O. Eukisch- Wiesbaden, O. Göthe- Haniburg und Voß-Kölu. In der Abtheilung für fremdländische Vögel erhielt Rittergutsbesitzer v. Prosch-Ober-Soland die goldene Medaille, ferner: Christian Hagenbeck-Hamburg, Lieutenant Haulh-Potsdam, letztere außerdem ein Trinrhorn als Ehrenpreis. Die silberne Medaille erhielten: Herr Voß-Köln, Frau Wald- hausen-Essen, HerrO. Säuberlich-Friedrichshagen, Fräulein Suhle- Hamburg. Tie bronzene Medaille«hielten Herren W. Hoffmann- Huckarde bei Dortmund, H. Schulze-Altenburg. In der Ab- theilung Kanarien erhielt Herr Ernst Hintze die goldene Medaille und die silberne Medaille des Vereins der Vogelzüchter aus Wien. Die silberne Medaille erhielten die Herren Gast. Rudolph- Berlin. E. Savage und I. Hauck. Die bronzene Medaille er- hielten die Herren F. Haase, E. Rausch, Bohnenstengel und W. Völkel, sämmtlich in Berlin. Ueber das Piftolendncll, das am Dienstag Morgen im Grunewald stattgefunden hat, berichtet das„Kl. Journal" noch, daß die beiden Duellanten der cancl. zur. Rubinstein und der stuck, phil. Lehmann waren. Rubi» stein ist bereits am Mittwoch seiner schweren Verletzung«legen. In dem im Gebäude des Centralhotcls gelegeneu Central- Vazar ent- wickelte sich die Vorgeschichte des Duells. Dort befand sich am Abend des letzten Winlergarten-Ballcs canck. zur. Rubiustein in Gesellschaft des Slicfsohnes von Josef Kainz, des Studiosus Hutzler. Es entspann sich zwischen Lehmann und Rubinstein ein Wortwechsel, welcher einen antisemitischen Charakter hatte. Die Erbitterung der Gemüther steigerte sich so sehr, daß Lehmann den« Rubinstei» ein paar Ohrfeigen gab. Darauf ließ Rubinstein seine» Gegner durch Herrn Hutzler sordern. Der Geohrfeigte hat den ihm auzethanen Schimpf noch mit dem Leben büßen müffcn. Und der Mensch, der diesen durch die Ehrbegriffe einer verfaulenden Kaste privilegirten Mord begangen, flanirt einige Zeit auf der Festung herum. Dan» wirkt er als Ehrenmann und gesellschafls- reitendc Stütze weiter, und kämpft für Ordnung, Relizion und Silte gegen die Mächte des Umsturzes, welche konsequent den D u e l I m o r d wie jeden anderen mit Z n ch t h a n s bestrast wissen wollen. Eine saubere Gesellschaft, diese Staatsstützen! Recht sonderbar klingt folgendes Plakat» das gestern Morgen an den Anschlagsäulen prangte. Es lautet:„Zur Nachricht! Geld wird bedürftigen, achtbaren Taubstummen, Blinden, Lahme», Buckligen, Gelähmten, überhaupt mit körper- lichen Gebrechen behaflelen, in Berlin wohnenden Leuten ge- schenkt; indem jedoch nur wenig vorhanden ist, in kleineren Be- trägen. Zuschriften mit kurzen und durchaus wahrheilsgelreuen Älngaben sind heute oder morgen— da später abgesandte Briefe nicht abgeholt werden können— unter: F. A. H. etö im Lenz an das Hauptpostamt Königstraße(postlagernd) einzusenden. — Um nicht Unzufriedenheit zu erregen, mögen sich nur die allerbedür-stigsten gebrechlichen Personen melden, da nur wenige, nachdem genaue Erkundigungen eingezogen sind, später Geld er- halten können. Berlin, den 8. März 1895. Der Vertheil«."— Ist das ein schlecht« Scherz, der mit den Armen getrieben werden soll, oder handelt es sich wirklich um einen schrullen- haften Akt der Wohlthäligkeit? Ans dem Märzprogramm deS NeichShallen-TheaterS treten zwei Nummern hervor, die auch auf das Publikum, welches der Spezialitäteubühne an sich sonst nicht besonders hold ist, Jntereffe ausüben werden. Zunächst nennen wir die junge Geigen- küustlerin Frl. Hermine A r m a n y, die durch ein vortrefflich ge- wähltes Programm, wie auch durch ein Spiel, das aus bedeutender technischerHöhe steht, die Zuhörer allabendlich entzückt. Einige durch- aus nicht leichte Konzerlstücke, die wir gestern von der Dame spielen hörte», bewiese», daß der Beifall, den sie sich errang, ei» in jeder Beziehung wohlverdient« war. Dann ist Herrn Theo>v in's Gallerie moderner Meister zu nennen» die in prächtigen Lichtbildern Kopien von Werken der beben- tendsten deutschen, italienischen und französischen Maler und Bildhauer mit entzückender Naturtreue wiedergiebt. Diesen beiden besonderen Zugstücken schließt sich das übrige reichhaltige Programm des ReichShallcn-Theaters an, aus dem»vir naincnt- lich noch die Vorträge der schwedischen Geschwister Bcrgström lobend hervorheben wollen. Erüstere Sistirungeu von schulpflichtigen Knaben haben in den letzten Tagen in der Polizeiwache des 83. Reviers stattgefunden. Das eine Mal handelte es sich um 15 Vogelfänger, die hinter der Dauzigerstraße ihrem gemeinschaftlichen Vergnügen »achgegangeu wäre», das andere Mal um etwa 30 Theiluehnicr an einer Schulschlacht. Solche Zustünde sind nur zu ertlärlich unter Vcrhältniffen, welche die Mütter der Proletarierfamilien bei Strafe des Verbuugerns zwingen, sich für kärglichen Lohn tages über auf der Fabrik ausbeuten zu lassen, anstatt d« Sorg» um ihre Kinder obzuliegen. Vor einen Eisenbahnzng warf sich am Freitag Mittag auf dem Bahnhofe Treptow der frühere Gymnasiallehrer Dr. phil. Hermann Krüger, der vor einigen Jahren von auswärts nach Berlin zog und in dem Hause Halleschestr. 7 mit sein« Gattin zusammen wohnte. Der 51 Jahre alte Mann ernährte sich durch Privatunterricht und durch das Abvermiethen möblirter Zimmer. 'Als der Zug nach Rnmmelsburg um 12 Uhr 20 Minuten den Bahnhof Treptow verließ, lief Dr. Krüger auf dem Kieswege einige Schritte vor und warf sich vor die Maschine. Er würbe entsetzlich verstümmelt und war gleich todl. Ueber die Ver- anlassunz zu dem Selbstmorde ist genaues nicht zu ermitteln gewesen. Gefälschte Hnndcrtiiiarkscheine sind in den letzten Tagen in mehreren Exemplarci» bei Ladenschlächtern im Bezirk der nördlichen Roseuthnl« Vorstadt zur Ausgabe gelaugt. Die falschen Scheine sind ganz vorzüglich nachgeahmt, nur ist die blaue Farbe um einen Schein hell« als bei den echte» Scheinen. Witter»,«gS,'iberficht vom 8. März 1895. Wetter-Prognose für Tonnabend, März 1895. Trockenes und zunächst heiteres, am Tage ziemlich warnies Wetter mit etwas auffrischenden südlichen Winden; nachher zu- nehmende Bewölkung. Berliner Wetlerbureau. Polizeibericht. Am 7. b. M. morgens stürzte sich eine Frau aus dem Bodenfenster eines Hauses in der Badstraße auf den Hof binab und zog sich außer mehreren Knochenbrüchen anscheinend innere Verletzungen zu.— Vormittags vergiftete sich eine Frau in ihrer in der Wrangelstraße belegenen Wohnung. Sie wurde schwer- krank vorgefunden und nach dem Krankenhaufe Bethanien gebracht. — Auf einem Neubau in der Fidicinftraße siel nachmittags ein mit dem Aufwinden von Balken beschäftigter Zimmergsselle aus dem zweiten Stock auf das Nachbargrundslück hinab und erlitt schwere Verletzungen.— In der Nacht zum ö. d. M. wurde ein Schlächter- lehrling in der Müllerstraße von zwei jungen Burschen überfallen und durch Schläge mir einem Orlscheit derartig verletzt, daß er hilflos liegen blieb. Er wurde durch einen Schutzmann nach der Wohnung seiner Mutter gebracht.— Im Lause des Tages fanden zwei kleine Brände statt. Oerüftls-Beikung. Tie sittlichen Zustände in der Jahrhunderte hindurch von den ostelbischen Kämpfern für Ordnung, Religion und Sitte auf «in immer tieferes Niveau herabgedrücklcn polnischen Bauern- und Arbeilerbevölkerung sind bekannt und spotten zum theil jeder Beschreibung. Wie gesittete Proletarier, die dafür nach den Herzenswünschen unserer Kraut- und Schlotjunker aller- dings auch mit Umslurzgesetzen drangsalirt werden sollen. a» der� Verbesserung ihrer ökonomischen Lage und der Hebung ihres Bildungsniveaus arbeiten, da sucht der Pole zum theil noch seine Unterhaltung im Schnap-aenuß und in Prügeleien. Erst ganz langsam kann unter diesem Theil des Proletariats die Sozialdemokratie den» Menschenthum und der Sittlichkeit Eingang verschaffen. Ein Bild aus dem Leben polnischer Arbeiter wurde gestern vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II aufgerollt. Wegen schwerer Körperverletzung mittels einer das Leben gefährden- den Behandlung und mit der Folge des dauernden Siech- thums der verletzten Person— nämlich der eigenen Ehefrau war der polnische Arbeiter Adam D o c z i k a l a angeklagt. Der SOjährige Angeklagte wohnt mit feiner sSjährigen Ehefrau und seinen sechs Kindern im Alter von 24 bis herab zu 12 Jahren in Hammer bei Liebeiuvalde. An» 27. Oktober und am 4. November hat der Angeklagte seine Frau mit dem starken Stiele einer Kartoffelhacke geschlagen und wiederholt an die Brust gestoßen. Fast 14 Tag« später»vurde erst ein Arzt und zwar Dr.(Senrich aus Liebenwalde zugezogen. Derselbe fand bei der Frau des Angeklagten den ganzen Brustkorb zusammen- gebrochen. Das Brustbein»var an der Spitze um zwei Zoll auseinandergerissen, drei Rippen auf der rechten Brust hatten sich vom Brustbein und der Muskulatur los- gelöst und lagen lose iin Innern des Brustkorbes. Tie rechte Lungenklappe hatte ein Loch, war daher gänzlich zusammen- geklappt und Blut»nit Wasser gemischt füllte den Brustkorb. Die Frau schien unrettbar verloren zu sei», indessen versuchte es der Arzt, da sie an» nächsten Tage wider Erwarten noch lebte, den Brrlstkorb»vieder zu flicken. Tie Palieuliu»vurde chloroformirt und es gelang, das Brustbein zusainmen- zufügen, die Rippen wieder zu befestigen, den Eiter aus Lunge und Brusthöhle auszupumpen, und»vas über die ärztliche Kunst hinaus ging, das besorgte Natur und Zähigkeit der polnischen Race. Heute konnte die Frau schon vor Gericht erscheinen, sie»vird sreihch stets an Kurz- athmigkeit und anderen Beschivcrden leiden. Der Angeklagte gab an, seine Frau habe sich stets betrunken, kein Essen gelocht oder dasselbe rerhreunl»md deshalb habe er sie bestraft. Der als Sach- verständiger geladene Dr. Genrich und der in Liebemvalde statio- nirte Gendarm Krüger IX entiverfen folgendes Bild von dem Faniilienleben des Angeklagten. Derselbe ist fleißig und arbeitsam. Seine Frau thul nichts, die älteren Kinder haben mit sich selbst zu thun, der Mann muß daher für alles sorgen. Doch des Sonntags betrinkt er sich, das thut die Frau die ganze Woche. Die 5?inder trinken ebenso. Wer gerade »lüchtern ist, ärgert sich und prügelt den anderen. Der Mann hat an einem Sonntage für den 14 lägigen Schnaps- verbra»lch der Familie bei einem Krämer 11,20 M. bezahlt. Der Arzt hat der Frau Morphiuin während der Krank- heit verschrieben, sie selbst hat fleißig Schnaps getrunken und er habe von seinein ärztlichen Standpunkte rathen müssen, tüchtig Schnaps zu trinken, sonst wäre der Eintritt des Delirimns zu befürchten gewesen. Daß die Frau soweit hergestellt sei, »nüsse als ein Wunder betrachtet»vcrden, derartiges könne aber auch nur eine robuste polnische Natur vertragen. Anfänglich habe sich die Patientin über die Verhaftung des Ehemannes gefreut, als aber der Ernährer und damit der Schnaps zu fehlen begann, habe sie ihn gebeten, für die Frei- laffung des Mannes zu lh»tn, was in seine» Kräften stehe. Die Frau und die Töchter»nachten dan» auch von ihrem stiechte der Zeugnißveriveigerung Gebrauch. Das Urtheil lautete im Sinne der Anklage und dein Antrage des Staatsanwalts gemäß aus ein Jahr sechs Monate Gefängniß. Auch ein Kampf für Ordnung, Religion und Sitte? Ter Fabrikant Hermann L u b a s ch, welcher gestern vor der 135, Abtheilnng des Schöffengerichts stand, sollte sich einer schweren und einer einfachen Körperverletzung, begangen an seiner früheren Verkäuferin Alignste Horn, schuldig gemacht haben: Wie von den Parteien zugegeben wurde, hallen sie lange Zeil vertraulichen Verkehr gepflogen und sich gewöhnlich mit„Du" angeredet. Tiefer Verkehr habe erst a u s g e h ö r t. als der Angeklagte im Juli vorigen Jahres heirathete. Die Zeugin Horn behauplete nun, daß der Angeklagte sie am 19. Juli mittels der� Krücke eines Schirmes derart mißhandelt habe, daß sie, wie durch ärztliches Attest festgestellt»vilrde, am Kopse eine blutende Wunde erhalten habe. Ter Angeklagte habe den Streit mit ihr von» Zarine gebrochen, u«> Gelegenheit zu finden, die ihn» jetzt Lästige los zu werden. Ter im tziebenraum bescbästigt gewesene junge Mann bezeugte vor Gericht, daß er den Slreit gehört und daß die Horn plötzlich laut ausgeschrieen habe, auch habe er sie am Kopfe heftig bluten sehen. Die Geinißhandelle will damals die Anzeige unterlasse» haben,»veil die Verivandten des Angeklagten sich ihr dainals freundlich gegenüber stellte», ihr 150 M. schenkten und eine gleiche Summe in Aussicht stellten. Im Dezember v. I sei ihr von ihren» Chef gekündigt worden. Da sie in der Wohnung deS Angeklagten noch Sachen hatte und da sie befürchtet haben»vill, daß ihr bei der Herausgabe derselben Cchnierigkcitcn gemacht werden»vürden, so erbat sie sich von, Sievier einen Schutzmann als Begleiter, der ihr auch gsivährt ivnrde. AIS der Zeugin von dem Angeklagten geöffnet wurde. erhielt sie von ihm einen Stoß, daß sie nach ihrer Angabc etwa 2 Meter zurückflog. In dieser Beziehung machte sie sich aber einer Ucbertreibung schuldig, denn nach der Bekundung des Schutzmanns»var sie nur etiva 2 Schritte zurückgetaumelt. Der Staatsainvalt beantragte gegen den-Angeklagten eine Geldstrafe von 100 Mark,»vahrend der Verlheidiger. Rechtsanivalt Dr. Löwenstei», die Glanbivürdigkeitz der an Epilepsie leidenden Zeugt» anfocht,»velche von Rachsucht geleitet »verde und der in einen» Punkte schon eine Uiilvahrheil nach- geiviesen sei. Der Gerichtshof glaubte ebenfalls, den unbescholtene» Angellagten nicht auf das Zengniß der«inen Belastiingszeugiii hin veru»theilen zu sollen und fällte deshalb ein frei- sprechendes Urtheil. Literarisches. Tie Tozialdcmokratie ilnd die Währnngsfrage. Eine Aus- einandersetzung zwischen Dr. Otto Arendt und Max Schippel. (Sonderabdruck aus dem„Sozialpolitischen Zentralblatl".) Berlln 1895. Verlag von Hermann Walther. 46 S. M. Uns geht folgende Zuschrift zu: Auf grnnd des Z 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Abdruck der nachstehenden Berichtigung: Die Herausgabe der Schrift„Die Sozialdemokratie und die Währungsfrage" eine Auseinandersetzung zivischen Dr. Arendt »ind Max Schippel, ist lediglich ein buchhändlerisches Unternehmen der Verlägsbuchhandlting Herinann Walther, nicht ich, sondern diese»vandte sich an die Verlagsbuchhandlung des„Sozialpoli- tischen Zenlralblattes", das übrigens an der Spitze die Bemerkung trägt, daß Abdruck sämmtlicher Artikel»nit Quellenangabe gestattet ist. Es»var anzunehmen, daß die Verlagsbuchhandlung eine Genehmigung zum Abdruck nur in Uebereinstimmung»nit der Retaktion erlheilt. Persönlich komme ich bei dieser Broschüre mir insoweit in belracht, als ich gefragt»vurde, ob die Heraus- gäbe nützlich sei oder nicht, was ich bejahte. Uin die Formalien hatte ich mich nicht zu küminern, die gingen lediglich die Verlags- buchhandlung an; der Vorwurs, daß ich in„Widerspruch mit anständigen literarischen Sitten" gehandelt hätte, ist demnach völlig ungerechtfertigt. Uebrigens glaube ich nicht, daß Herr Schippel gegen den Abdruck seiner Ausführungen irgend etivas zu erinnern gehabt hätte, umsoiveniger, als er in der Ver- öffentlichung sogar das letzte Wort behält. Dr. Otto Arendt. Hierzu ist zu bemerken, daß ganz allgemein die Annahme herrscht, daß die Verlags-Buchhanvlung von Herinann Walther blas als Kominissionsverleger für die unter ihrer Firma heraus- gegebene bimetallistische Literatur thätig ist, daß die thatsächliche» Herausgeber dieser Schriften die bimelallistischcn Organisationen und in erster Reihe Herr Dr. Otto Arendt ist. Ein Blick auf die erste Seile jeder Numiner des„Sozial- politischen Zentralblattes" genügt, um zu erkennen, daß es nicht gestattet ist, aus diese»» Blatte Broschüren zusammelizuschneiden, sondern daß blos„Zeitungen und Zeitschristen" der Abdruck gestattet ist. Unser Freund Schippel endlich findet es unanstäi»dig, daß eine Broschüre,»vie die in Frage stehende, ausgegeben wird, ohne daß er darum befragt wurde. Bon Herrn Verlags- Buchhändler Mllher ging uns keine „Berichtigung" z»,.- Dersenntttlungen: In einer Agitationöversalnmlnng für die LnxuS- papierbranche behandelte der Referent S all er die Mißstände der Firma K o r n b l u m, Stallschreiberstraße. P r a g e r u. Loy da, Friedrichstraße und Schäfer u. Scheibe, Ritter- straße. Die erstgenannte Firma beschäftigt ausnahmsiveise viele jugendliche Arbeiter zu den niiiiimalstc», Lohnsätzen; man zahlt Löhne von 5 bis 7 M. pro Woche. Dauert die Beschäftigung nur einen Tag, so wird garnichts gezahlt. Wer Vorschuß ver- langt— so bestimmt die Fabrikordnung—»vird sofort entlassen. Durch unangemessene Behandlung ihrer Angestellten zeichnen sich die Chess der Finna Prager u. Loyda besonders aus; der letztere soll gegen einen Arbeiter, der Handzettel vertheilte, sogar thäitich geivorde» sein. Bedauerlichenveise empfinden die dort thätigcn Ar- beiter und Arbeiterinne» am allerivenigsten das Bedürsniß, sich zu organisiren. Von Schäfer u. Scheibe berichtet man über spott- schlechte Bezahlung. Beispielsiveise»vird ein Arbeiter, der IS Jahre dort thätig ist. mit 19 M. abgespeist; ein Buchbinder, 15 Jahre in den» Geschäft, erhält nur 15 M.; und ein Meister, der angeblich 20 Jahre dieser Firma dient, wird mit dem kolossalen Wochenlohn von 20 M. abgefunde». Durch die Diskussion»vurde u. a. bestätigt, daß Abzüge trotz der elenden Entlohnung an der Tagesoldnung sind. Die an»vesenden Meister verhielten sich all dein gegenüber still. Dnrch den Referenten»uid verschiedene andere Redner»vurden die Anivesenden darauf hi»ge>viese», daß nur die Organisation, der feste Zusammenschluß aller, eine Besserung ermöglichen kann. Die Versaininlung war gut besucht. Die Agitation der hiesigen Tischler- Jn»»»lg, die Inn ungs- Krankenkasse und die Befähigung der Innung, dem Handwerk zu helfen. Mit diesem Thema beschäftigte sich am 4. März eine gut besuchte Versainmlung der Holzarbeiter. Da auch an die Herren Jnnungs- meister die Einladung ergangen»var, so nahmen auch von dieser Seite mehrere Herren an der Versammlung theil;»vohl 1500 Personen hatten in dein geräumigen Saal Platz gefunden. Das Referat hielt Reichstags- Abgeordneter Robert Schmidt. Redner unterzog zunächst die aus Einführung des Befähigllngsnachivcises und der Zwangs- Innungen gerichteten Bestrebungen der Jnnungsnietster einer eingebenden Kritik und»vies ihnen nach, in»velchem Jrrlhum sie sich befinden, »venn sie glauben, daß nach Verwirklichung dieser Forderungen „das goldene Zeitalter" für sie hereinbrechen»vürde. Durch die Entwickelnng der Maschinentechnik werde dem handwerksmäßigen Belricbe die Konkurrenz niit dem Großbetriebe zur Unmöglichkeit, und keine gesetzliche Schranke sei im stände, die iinmer größere Ausbreitung der letzteren zu verhindern. Verständige Menschen sähen das auch ein und daher erkläre sich die schwache Betheiliguug der Handiverksmeister a» den Jnnungsbestrebungcn und demzufolge dere» Bedeutungs- losigkeit. lieber die Kassenverhältuisse schwebe ein»»ystisches Dunkel, und»vird wohl aus naheliegenden Gründen nre eine Ausklärung zu erwarten sei». Die hiesigen Innungen der Bäcker und Schlächter, die über bedeutende Mittel verfügen, beiviesen an» besten, daß in diesen Kreisen nicht einmal der Wille vor- Händen ist, für die Arbeiter eine Besserung zu schaffen, den» gerade in diesen Berufen sei die Ausbeulung der Arbeiter am rücksichtslosesten.(Sehr richtig.) Der Redner besprach dann »veiter die einseitige Ausbildung der Lehrlinge in den Spezial- branchen, dir unsolide Konkurrenz der Unternehmer untereinander bei Submissionen, ihr« Feindseligkeit gegenüber den Be- strebungen der Arbeiter auf Verkürzung der Arbeitszeit. Die Errichtung der Krankoiikasse. die für 3000 Tischlergcsellen die schiversteir Nachthcile bringe, zeige nur zu deutlich anss neue, wie die Innung bcluüht ist, jeder arbeiterschädigendcn Maß- nähme die Unterstützung zu geivähre». Redner schloß seine oft von Beifall»»»lerbrochenc» Ätusführungci»»nil der Mahnung an alle der Organisation iiochFernstehenden.sichdemHolzartieiler-Verbandaiizil- schließen: bei gelegener Zeil»verde die Arbeiterschaft jene Herren über ihreHandlungsiveise zur Rechenschast ziehen.(Lebhasler Beifall.) In treffendster Weise lmnzetchnete der nächste Redner, Koblenzer. dir Scheu dieser Herren—»velche in Flugblättern, die sie a» die übrige Meisterschaft sandten, die jetzige Venvallung der Ortskasse als sozialdemokratisch dennnzirten— in öffenllicker Versaininlung Rede und Antwort zu stehe»». In einen» Flugblatt, das seitens derArbciter am letzten Sonntag an dieMeistcr gesandt wurde, hatte Redner seine Ansichten zu dieser Angelegenheit bereits niedergelegt. Er ergänzt« dieselben zuin theil und erreichte, daß sich endlich die Führer der Innung zum Wort nieldeten. Tischler- »neister R a h a r d t bemerkie, daß die Angriffe K o b l e n z e r,' s iür ihn das Kompliment bedeuteten, seine Schuldigkeit für die Meisterschaft gethan zu haben. Das gute Eiilvernehme» in der Ortsrafseii-Verwaltung sei erst gestört worden, als Koblenzer in derselben ans Ruder kam. Auf das Flugblatt eingehend, nannte er jeden Satz cine Univahrheit und die darin eulhaltenen Aus« fübrungen, betreffs des Gebahrens der Meister in den Delegirten- vcrsainmsilngen der Ortskassen eine jesuitische Verdrehung der Tbat- sacke». Eckließlich gab Redner die bedeutsaine Erklänmg ab, daß er und seine Freunde„mit dem vollen Bewußtsei», daß einige tausend Berliner Tischler geschädigt würden, dennoch»nit der Gründung der Jnnungs- Kranl-nkasse vorgegangen seien.»veil sie mir den jetzigen Dele- girten in der Ortskasse nicht mehr verhandeln wollten.(Bravo! bei den Meistern, Gelächter der Arbeiter.) Obermeister der Innung Marschall suchte zunächst einige Stellen»in Flug- blatt, die seine Person betreffen, zu entkräften ui»d führte dann weiter aus, daß er die Delegirten noch rechtzeitig geivarnt hätte, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben, und auch jetzt noch würde er die Hand zuin Frieden bieten in der Weise, daß die beiden Krankenkassen sich gegenseilig verpflichten, ihre älterenMitglieder beiin Wechsel des Arbeitgebers»vieder als vollberechtigt zu übernehmen. Mit seinen»veiteren Aeußerungen:„Wir Meister arbeiten»»ehr als nnfere Gesellen" und„die Arbeiter sollten Vertrauen zu ihren Meistern haben, die doch nur ihr Bestes»vollen", rief er jedoch nur stürmisches Gelächter und ironisches Bravo bei den Arbeitern hervor.— Wie auf Verabredung verließen nunmehr die Herren Jnnungsineister den Saal,»veil sie jedenfalls, wie Koblenzer idneii sehr richtig nachrief, eine Widerlegung ihrer Ausführungen fürchteten. Redner beschäftigte sich dann eingehend mit den gegen die Kassenverivaltung erhobenen Vorwürfen und zeigte, wie diese Eimvendungen nur dazu dienen sollen, den Plänen und Absichten der.Herren einen scheinbarenHintergrund der Berechtigung zu leihen. Redner hielt alles im Flugblatte gesagte aufrecht und bedauerte nur die geringe Betheiliguug der Kollegen an der Organisation,»velche im entgegengesetzten Falle sehr»vohl die Errichtung der Kasse verhindern könnten.(Beifall.) Nachdem Vogelfang die Vorgänge bei der Wahl des Jnnungs- ausschusses vorgetragen und K r ö h n nachgeiviesen, daß es die Jnnungsineister selbst geivesen sind, welche den Ton in den Delegirtenversamiiiluiigeii„heruntergebracht" haben, gelangte eine Resolution zur Annahme, die in entschiedener Weise die Miß» billignng über diese Jnnuiigspraktiken ausspricht. Eine öffentliche Versaminlung der Tapezirer tagte an» 6. März in den Arminhallen. Die Versammlung bildete eine Fortsetzung der Besprechung aus der letzten öffentlichen Ver- sainmlung. In jener Versaininlung»vurde von einem Theil der Versammlungstheilnehmer die Absetzung der seit J»lni 1889 be« stehenden Agitationskoinmission verlangt. Der gegen, värtigei» Versainmlung wurde nunmehr durch das Mitglied F r e i w a l d t im Namen der Agilationskommission folgende Resolution unter- breitet:„In Erwägung, daß der Streit um die Organisationssorn» statt zu verflachen, sich mehr und inehr zu- spitzt, und infolgedessen die Agitationskominission selbst Parle», nicht mehr als Brücke über beide Organisationen gellen kann, beschließt die heurige Versammlung: 1. die Agitationskommission nicht»vieder zu»vählen, 2. die gesammten Bestände der Werkstätten-Kontrollkominission dein Fachverein der Tapezirer Berlins und der Umgegend zu überiveisen." Die folgende Debatte, an der sich Anhänger der lokalen und der zentralen Richtung betheiligle»,»vurde wiederholt eine recht stürinische. Der sachliche Theil der Debatte drehte sich uin die Verivendung der von Anhängern beider Organisationen gesainmellen Gelder; hierzu gab M a r k i e l die Erklärung ab, daß dieselben seiteiis der Agitationskominission nachiveisllch nur zu den Zwecken ver- wandt worden seien,»vozu sie bestiinmt»varen. Von anderer Seite dagegen»vird behauptet, daß die Ausgabe für zwei Flug- blätter,»velche die Zenlralorganisation bekämpfe»»,»»icht zu den Aufgaben der Kommission gehören. Ein Antrag, über den Vorschlag der Kommission zur Tages- ordnung überzugehe», hatte keine Majorität für sich, ebenso wenig ein anderer Antrag, der der heutigen Versammlung die Tagungsberechtigkeit aberkannte. Die eingangs erwähnte Reso- lution wurde hierauf gegen eine namhafte Minorität an- genommen. Die Metalldrücker beschäftigten sich in der am Donnerstag abgehaltenen zahlreich besuchten Versaminlung»nit der durch die Arbeitseinstellung bei Eckel u. Glinicke, Wasser- lhorstraße 50. geschaffenen Situation. Der Arbeitsvermittler P ä tz o I d berichtete, daß die dort beschäftigten Kollegen(lO an der Zahl) die sorlgesetzten»villkürlichen Abzüge der Fabrikanten schon seit langem unerträglich gefunden hätten, der neuerdings geinachte Versuch, für eine Lieferung Blitzlampentheile ohne Angabe von Gründen 2 M. abzuziehen, ist dann die unmittel- bare Veranlassung zum Streik geivorden. Bei den Verhandlungen die am Montag angeknüpft sind, haben sich die Unternehmer noch anss hohe Pferd gesetzt; sie reflektiren darauf, daß es ihnen gelingen»vird, Zuzug von außerhalb als Ersatz für die Streiken- den zu bekominen. Diese Hoffnung wird, so folgert der Bericht- erstarter, sich durchaus trügerisch eriveisen, ebenso»venig wie die Berliner Metalldrücker»verde» auch die auswärtigen dort in Arbeit trete»; eine Beendigung des Streiks sei, wenn jeder seine Schuldigkeit lhue, in Bälde zu erwarten.(Beifall.) Mehrere Diskussionsredner betonten,-daß Fabrikanten schon seit längerer Zeit die„Angeivohnheit" hätten. die Löhne willkürlich herabzusetzen; sie hielten das Vorgehen der betreffenden Arbeiter für durchaus korrekt. Der Vorschlag, die noch»veiter arbeiten- den Klempner zc. zu veranlassen, sich dein Streik anzuschließen. »vurde als unzweckmäßig von Thate, Näther und anderen bekämpft. Der Vorsitzende, Haß, zitirte die Meldungen der bürgerlichen Blätter, die davon faseln, daß der Streik das Vor- spiel zuin 1. Mai und infolge einer Forderung auf Lohnerhöhung hervorgcriisen sei. Von anderer Seile»v»lrde betont, daß man scharfe Wacht halten solle, da vielleicht der Versuch gemacht »vürde, Arbeiten dieser Fabrik in andere Werkstätten ei,»zu- schinuggeln. Nachdem L» t s i n und Kaiser aufmunternde Worte an die Streikenden gerichtet und Näther zun» Kauf der Sammelbons aufgefordert halte, beschloß die Versammlung eine Resolution, worin den Streikenden moralische und materielle Unterstützung zugesichert»vird.— Bei Lundershausen, P r i n z e n st r. 99, ist ein Drücker gemaßregelt; die Versammlung übertrug die Regelung dieser Angelegenheit dem Vorstände der Organisation. Bis zur Schlichtung der dort bestehenden Disfe- renzen gilt die Werkstatt als gesperrt. Die nächste Ver- sa»»mlung findet am Dienstag statt. Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger Sehenswürdigkeiten. Alte« und NeueSMuseuinam Luftgarten. Besuch»»«,»»ägltch, mit Ausnahme deS Montag« in den s Winlcrmonalen von»v— s Uhr, tu den « Sommermonaten von 8—8 Uhr: Sonntag« tni April— September 12 di« « Uhr, Ollobcr und März>2—5 Uhr, November und Februar 12—« Uhr, Tezember und Januar 12-g Uhr iUnentgeilltch).— Die National- g a I l e r t e in der Museum«slrabc. Besuchszeit Wochentags von»0—8 Uhr (AivnlagS ausgenommen). Sonntag« im April— Septemder von 12 dt* «»Ihr. im März und Oktober 12— ö Uhr, Februar und November 12 di« « Uhr, Januar und Dezember»2—8 Uhr(Unenlgeillich).— Kun 1» gewerde- Museum, Prinz Albrechlstr. 7. ffleöffnet an den Wochentagen(Montags uusgenomme») im Sommer von 8—8 Uhr, t» Winter von>0— s Uhr. S 0 n n l a g S, Apr. l— September von»2—» Uhr, Oktober und März 12—0 Uhr, November und Feb mar 12—4 Uhr, Dezember und Januar Ii— 8 Uhr(Unent- geilltch).— Museum für Bötker künde, Köntgarägerstr. 120. BesuchV- zetl rote im Kunstgewerbe! Museum(Nnentgeltltchs.— Hyätene-Museum, tklostcrstr. rs. BesuchSzetl Sonntag« wie im Kunstgcioerde-Museum. Auöer- dcm Dienstags und Freitags von 10— 8 Uhr.— Museum für Naturkunde, Jnvattdenstr. 42 Besuchszeit Sonntag« wie km Kunst- geiverbe Muleum. Auherdem Montags und Sonnabend« von kl— 8 Uhr.— Museum für d« u t I ch e BollStrachten uud SrzeugntssedeS Hausgewerbes,»loste, str. 88. Jeden Tag mit AuSnalnne de« MUIrooch« von II— 2 Uhr geSfluet. titnIrtllSgclo: Erwachsene 60 Ps., Kinder 20 Ps, Perctne Sonntag« to Pf.— ReichSpo st-Museum, Letpztgerstr. 16.(Se össnel Sonntag« 12—2 Uhr, PionlagS, DtensiagS, Donnerstag«, FretlagL vo» kl— 2 Uhr(Unentgeltlich).— Ralhhau«,«önigs, raste. Seossnet lägltch außer Donnerstag und Jretlag von kl— 8 Uhr(Unentgeltlich). AuSstchtSihurm 60Pl.—»unstautstellung de« Berel II« Berliner ,rü II stier, WUHelmstr. 82. Sonntag« li— 2 Uhr, Woche», ag« 10—4 Uhr. 60 Pf. Eniree. — Sternwarte, Enckeplah sa. Mtllwoch« und Sonnabend» vo» 8 di« II Uhr BormUtag«.— Urania, Wissenschaftltche« Thealer. Sternwarie Jnvaltdenstr. 67—62. Seossnet von 6 Uhr Rachmtllag« ist« ic« Uhr Abend«. Enlre« 60 Ps. Zuschlag sür Thealer von«0 Ps. bis 2 M.— Aquarium. Schadowstr. 14. Weöfsiiel vo» 8—0 Uhr. Eniree Sonntags 60 Ps., an jedem leyicn Sonntag im Mona! 26 Ps.— Eaftan-S Bonoptttum, Friedrich- straiie. Weöfsnet 10—10 Uhr. EinIriliSpret« 50 Ps.— Passage, P a n 0 p 1 1 l u in 10-10 Uhr. Etnlriiispret« 60 Pf.— Marin e Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonnlag« von 0—8 Uhr. Eniree 60 Ps.—«utser-Panorama, Passage( Unier den Linden). Ge vsfnei von 0 Uhr Morgen« bt« 10 Uhr Abend«. 200 verschiedene Reisen, Lanvschasl?- btider. Jede Reise 20 Pf.— N e a p i l> P a n 0 r a m a am Bahnhos Thlei- garten, zwei neue Dioramen: Aalakomben de« Kapuzinerlioster« zu Palermo und AesuvauSbruch. Sonnlag« 26 Ps. LtiitriltSpretS. Da« Panorama ist dl« V7 Uhr Abend« zu bestchttgen.— Zoologtscher B a rle», Lühowuser. Sonnlag« 60 Ps.— Bors ig'« Sarleu»nil Palmenhau», All- Moabil 86—0«. EinUiUSprei» 00 Pf. Für deu Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion deurPublikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonnabend, den 9. März. vpernhan». VIN. Synphonieabend der königl. Kapelle. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches Theater. Die Weber. Lrsstng-Tbratrr. Der Geizige. Niobe. Kerliner Theater. Heimath. Kesidrnz-Theater. Fernand's Ehe- kontrnkt. Neues Theater. Liebe von Heut. Vorher: Unsere Backfische. Theater Unter de» Linden. Ka- pitän Carricciolo. Kchiller- Theater. Gracchus, der Volkstribun. KeUeallianee• Theater. Verliebte Mädchen. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater Der Obersteiger. Adolph Crnlt-Theater. Ein sideles Korps. Gesindeball. Tentrat-Theater. Unsere Rentiers. National- Theater. Die lebende Brücke. Alrrauderplah• Theater. Nathan der Weise. Nelchshallentheatrr. Spezialitäten- Vorstellung. Auieriran- Theater. Spezialitäten- Vorstclluna. Kaufmann'« Karists. Spezialitäten Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Tliealer. (Wallner- Theater.) Zonnabrnd, 9, März, abends 8 Uhr: Gracchus, der Uolkstribnn. Konutag, 19. März, nachm. 3 Uhr: Der zerbrochene Krug. Frauen- Kampf.— Abends 8 Uhr: Der Ueilchcr.frejser. viebtor-tUisnäe. Im Bärgersaale des Rathhauses, abends 7Ve Uhr: Zum 2. Male; Reuter-Abend. Utoutag, 11. März, abends 8 Uhr: Gracchus, der Kolkstribu». Dienstag, 12. März, abends 8 Uhr: Saaar'v Solin. Mittmoch, 13. März, abends 3 Uhr: Gracchus, der Dolkstribun. �äolpkLrust-'rkeatez' Auktreten der ersten kironette- o. Com bette-Tänzerin Englands rem Prince ofWales-Tbeater in London. Ein fideles Corps. Grove Gesangsposse mit Tanz. Nach dein englischen Original„A Gaioty Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: GeUudelmll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Anfang 7V2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Castan's Panoptikum. _ ich me hllgemse»!� Di» Niesen des dnukrlu Erdtheilo: vis lliiikg. inner, Kranen«. L vbeolcige Aädoben Aai „Präsident Faure". 40 Männer, Franc»«. Kinder. vas svbeollige Nädoben»arletta. ventral-l'kkater Alte Iakobstraste Ur. 30. Emil Thomas a. G. klovitiitl Zum 22. Male: Novität! Unsere Ueutiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akren von Wilhelm Mannstädl und Julins Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang r/23 Uhr._ Feen-PaBasi Knrgstr. SÄ, neben der Körse. Xenes eollossal. Erogramm. vis 8 Grunatlios. Ae mBeriösen Liliputalltl' (darunler die kleinste Serpentin Tänzerin der Welt). vousin August m. seinem brasilian Orallg-Vtaug. Llltle Lila, das Wunderkind. Illr. Paolo Vendaro. Lilly Wellini, Kostüm-Soubrette. Wilhelm Fröbel, Berlins 1. Orig.-Humor-Matador. Visella-Trio. The 4 Original-Dissenatos. Brothers Ulricos. Anfang: Wochent. 7Va Uhr, Sonn« 1 tags: Konzert öVs Uhr, Vorst. 7 Uhr. Kanari e» hähne, Weibch. Chorinerstr.72. Hstioiisl'IIiesler. Große Franksurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft ttfiltianH Calden Die lebende Brücke. s Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(i 1 Bildern), nach dem Eng- tische» von Sutton Vane, übersetzt von t. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedeehe. lektr. Beleuchtungsefsekte v. Lakowsky. Regie: lilax Samst. Kassenöffnung G1/? Uhr. Ans. 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. U s» a n Z a Anstalt für volkstliümliclie Naturkunde. Am Landes Ausstellungspark (Lehrter Bahnbot). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. aawiiiBB'iiiMM in im i iiii ii lim im i m> n Kauimann's Station Naucke. VarißtÖ. Am Bahnhof Alexanderplatz. Das März-Programm hat einen durchschlagenden Erfolg erziel!! Naucke. Naucke ist noch immer die Parole!!! 8Vs und OVa Uhr: Nauckea Mr. Nelson. Kr. Moria. Drei Western Ciloiar. Elly Leona. Joe Bimbo. (So wird's gemacht.) Die allbeliebt. Stephanie u. Behrens IMo nrkom. Corty u. Rappo. III■Jlii[LiiiWIJI»II»! 1 1 IHllll 1 1 Parodie-Theater Granien Steaß« 53(am Moritzpl.). Kabale und Liehe oder: Der abgeführte Wurm. Die lebende Aiori>llrnni>sbrülkc oder: Der verfluchte Greis. Madame Sans-Gene. Kasseneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 71/2 Uhr. i�Sanssokici" Kottbuserstraste 4 a. Sonntag, 10. März: �4260. Soirde� a.r Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) 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Bommert& Co., Prinzenstr. 36._ 3010t) Parteigenosse (Buchdrucker), welcher seit ca. 6 J?hren die Leitung einer größeren Parleidruckerei mit bestem Er- folge führte n. auch zeitweilig die Rc- daklion des betr. Parteiorgans besorgte, sucht umständehalber sofort oder hi» »um 1. Juli ähnliehen Posten od. Stell, als Aorrehtor, Expedient oder Set,er. Off. wolle man richte, r an Barl Pent»,.Volksstimme". Mannheim. 3000b' Tüchtige Schraubendreher verlangen bei lohn. Akkord B e u t t e l u. H u u d l, Brandenburgstr. 6. 3003b Veraniworlliche: Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug rn Berlin, SW, Beuchstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. -PÄvlamenkslnf.'irhke. Abgeordnetenhaus. 38. Sitzung vom 8. M ä r z, II Uhr. Am Negierungstische: T h i e l en. Die zweite Berathung des Etats sür 139ö/96 wird beim Etat der B a u v e r w a l t u n g forlgesetzt, und zwar in der gestern abgebrochenen Debatte über das Gehalt des Ministers. Nach einer längeren persönlichen Debatte zwischen dem Geh. Regierungsrath Gamp, dem Abg. Gothcin:c. wird der Titel und der Rest der ordentlichen Ausgaben bewilligt. Nach längeren, sür unsere Leser nünderwichtigen Debatten vertagt das Haus gegen H'/s Uhr die weitere Bcrathnng auf Sonnabend 11 Uhr. GeriiTlks-�ZctUtmj. Gewerbegericht. Die böse Eifersucht kostete dem Schneidermeister Cch. 85 M Derselbe hatte erfahren, daß seine Frau„hinter seinem Rücken" gcmeinschaillich mit dem Schneider H, der bei ihm beschäftigt war, Lotterie spielte. Das war verdächtig, der„betrogene" Gatte wurde mißtrauisch. Tann traf er seine Gattin eines Abends im Gespräch mit dem Gehilfen auf der Straße. Jetzt war ihm klar, daß ein unerlaubtes VerhKltniß zwischen den beiden bestehen müsse; der junge Mann wurde deshalb entlasse». Da dieser sich aber für ganz unschuldig hielt, klagte er auf Lohnenlschädigung. Er gab zu, mit der Frau des Beklagten aus deren Veranlassung Lotterie gespielt zu haben, sonst bestritt er aber jedtspähere Beziehung zu derselben. Das angebliche Rendezvous sei nichts weiter gewesen, als ein zufälliges Zilsammentresten, und daß er mit der Frau gesprochen, sei gar nicht verwunderlich, habe er doch längere Zeit bei ihrem Gatten gearbeitet.—• Der Beklagte wurde unter folgender Begründung vcrurtheilt: Des Klägers Einwand stütze sich' auf den§ 123 Nummer 7 der Gewerbe-Ordnung, wonach der Arbeiter entlassen werde» könne, wenn er Angehörige des Arbeitgeber? zu Hand- lungen verleite oder zu verleiten suche, die gegen die Gesetze oder guten Sitten verstoße». Nach dem allgemeinen Landrecht wäre der Beklagte berechtigt gewesen, die Ehescheidung zu verlangen, wenn die dringende Bermuthung der Verletzung der ehelichen Treue seiner Frau vorgelegen hätte. Ein bloßer Verdacht sei dazu also nicht hinreichend. Wäre die dringende Vcr- m u t h u n g begründet, daß die Frau des Beklagten mit dem Kläger die eheliche Treue verletzt habe, dann hätte letzterer gegen den Z 123 Nr. 7 verstoßen. Da im vorliegenden Falle aber höchstens von einem Verdacht gesprochen werden könne, sei der Beklagte zu verurtheilen gewesen. Die Liederbuch-Affaire vor Gericht. Im November v. I. erhielt die Kriminalpolizei Wind davon, daß eine größere Menge verbotener Druckschriften bei dem Maurer B l ä d e r- mann untergebracht sei. Eine Nachsuchung förderte auch ÄI00„Sozialdemokratische Liederbücher" zu tage, welche die den Parteigenossen wohlbekannten Lieder enthielten, die ihres„auf- reizenden" Inhalts wegen zum theil der gerichtlichen Beschlag- nähme verfallen waren und noch unterlagen. Weitere Er- Mittelungen ergaben, daß überdies noch 8000 Exemplare sich in der Schrinner'schen Druckerei befanden. Das Titelblatt lautete solgendermaßen: Sozialdemokratisches Liederbuch. Verlag von B r a u s e w e t t e r, B e n e d i x u. Ko. Druck von Lehmann in Alt-Tibaom(Moabit).— Der Inhaber der Schrinner'schen Druckerei war seit zwei Tagen in Hamburg, sein Vertreter und Geschäftsführer, der Schriftsetzer Eugen Ernst gab an, daß sein Prinzipal auch nichts von der Bestellung wisse, die ein Unbekannter, namens Krüger, an einem Sonnabend Abend aufgegeben habe mit der Bedingung, daß sie innerhalb einiger Tage ausgesührt sein müsse. Da eine Verbreitung der Drnckschriste» noch nicht stattgefunden hatte, konnte Ernst nur zur Veranlivortung gezogen werden, weil er wissentlich die Namen des Verlegers und Truckers sowie des Ortes falsch angegeben. Gestern fand dieserhalb Verhandlung vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I(Brausewetter) statt. Der Staatsanwalt Dietz beantragte das höchste zulässige Strafmaß— 6 Monate Gesängniß, der Verlheidiger, Rechts- anmalt Heine, plädirte sür ein niedrigeres Strafmaß. Ter Gerichtshof erkannte auf sechs W o ch e n G e f ä n g n i ß. Ueber die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen den Zeremonienmeister v. Kotze, die am Donnerstag stattfand. weiß das„Kl. Journal" zu berichten:„Die Verhandlung fand im zweiten Stock des Militärarresthauses in der Lindenstraße statt. Als Richter fungirten ein Oberst, zwei Oberstlieutenants, zwei Majors, zwei Rittmeister und zwei Premierlieutennnls. Justizralh Hundt, der Garnisonsauditenr von Spandau, vertrat sür den erkrankten Geh. Justizralh, Ober- und Korpsauditeur die Anklage. Die Beisitzer des Kriegsgerichts waren, nanientlich soweit es sich um die höheren Chargen handelt, fast ausnahmslos Generalstäbler. Um>/el2 Uhr sah man die Ossiziere und den angeklagten Zeremonienmeister v. Kotze, der an seiner Uniform eines Ulanen« Rittmeisters leicht erkenntlich war, daS Militärarresthaus verlassen. Da Herr v. Kotze nach der Pause um 2>/- Uhr nicht wiederkehrte, dagegen kurz nach 2 Uhr sein bis- heriger Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Fritz Friedman», vor dem Militärarrenhause anfuhr und erst gegen t/s 7 Uhr Abends zusammen mit den Ofsizieren das Haus wieder verließ, so scheint dennoch eine Verlheidigung oder Stellvertretung d»rch den Anwalt genehniigt zu sein." Vevlammlungen. Der sozialdemokratische Wahlverein für den sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreis veranstaltete am 6. und 7. März zwei weitere Diskussionsabende und zwar am Mittivoch für den Bezirk Gesundbrunnen iin Schulz'jche» Lokale (Steltinerstraße) und für die Schönhauser Vorstadt in Schneider's Salon(Belsorterstraße). In beiden Versammlungen stand das Erfurter Parteiprogramm zur Diskussion, welche durch ein Referat Freithaler'S eingeleitet wurde. Dieselbe gestaltete sich in beiden Versainmlungcn recht anregend trotz des ungewöhnlich schwachen Besuches und trug die gegenseitige Aussprache manches zur Klärung der Auffassungen bei. In der Belforterstraße wurde der Voiftand wegen einer angeblich ersolgten Ablehnung des Ausnahme- Antrages des Tabnkarbeiler Stahl in den Wahlverein interpellirt.Die anivesenden Vorstandsmitglieder vermochten indessen keine Aus- kunft zu geben, doch wird die Interpellation in der nächsten Vereinsversammlung beantwortet werden. Die Zentralkrankenkaffe der Tabakarbeitev verhandelte in ihrer Mitgliederversamuilung am 6. März über die„Aerzte- frage". Die Verbandskommission war in dem vorgelegten Ver» tragscntwnrf zur Pauschalzahlung zurückgekehrt. Stach einer längeren Debatte beschloß man, sich.<» den Arbeite» der Verbands- kommission ferner nicht mehr zu betheiligen, die Neueinrichtung dieser Kommission nicht mit zu machen, sondern an dem bisher Innegehabten festzuhalten. Die Klempner nahmen in ihrer Versammlung vom 5. März den Bericht des Delegirten für die Gewerkschaflskommission ent- gegen. Nach einer eingebenden Besprechung dieser Angelegenheit wurde dem bisherigen Delegirten Winter aufs neue das Amt übertragen und zum Stellvertreter der Kollege Schröder er- nannt. Hierauf unterbreitete der Vertrauensmann seinen Bericht über die Verwendung der eingegangenen Mittel. Die Einnahme betrug 35,20 M., die Ausgabe'74.10 M.; mithin ist ein Defizit von 8,L0 M. vorhanden. Die Neuwahl eines Vertraueusmaunes konnte nicht vollzogen werden, da die im Fachverein organisirten Kollegen sich nicht dazu verstehen konnten, einen Vertrauensmann zu wählen, der mit dem Vertrauensmann der Berliner Metall- arbeiter gemeinsam arbeitet. Die AgitationSkommisston der Bäckerei-Arbeiter hatte für den 5. d. M. eine öffentliche Versammlung einberufen, die leider nur sehr schwach besucht war. Delegirter S ch o l z be- richtete kurz über die bereits veröffcutlichtcn Verhandlungen des Kongresses, mit denen er nicht vollauf znsrieden war. Seine Ansicht gipfelte darin, daß es nicht eher besser werden würde, bis sich die Berliner Bäckerei-Arbeiter sest organisirt haben. In der Diskussion wurde vorwiegend die Organisationssrage er- örtert. Ueber die wünschenswerlhe Form der Organisation gingen die Meinungen auseinander. Beschlüsse wurden indeffen nicht gefaßt, dies vielmehr einer späteren Versammlung vorbehalten. Die Abrechnung der Agilationskommission und event. Neuwahl derselben wurde gleichfalls vertagt. Ueber die letzte» Beschlüsse der Gewerkschaftskommijsion berichtete Milde. Mit berge- meinsamen Kranzspende zum 18. März erklärte sich die Bersawm- lung einverstanden. Am 1. Mai soll wieder nachmittags eine Versammlung stattfinden. Schöneberg. Im Frauen- und Mndchen-Bildungsverein hielt am 25. Februar Genosse Schubert einen interessanten Vortrag über die wirthschaftliche Stellung des Mittelstandes. Der Vortragende widmete besonders den Bestrebungen der Innungen eine eingehende Schilderung. An der Eni Wickelung der Großindustrie zeigte der Redner, wie alle Forderungen des tandwerkerstandes an diesem mächtigen Konkurrenten zerschellen. ie Diskussion bewegte sich im Rahmen des Referats. Charlottenbnrg. Eine öffentliche Parteiversammlung, welche am 28. Februar im Lokale„Bismarckshöhe" stattfand, bc> schäfligte sich mit der Uebernahme der Zeitungs- Spedition in eigene Regie. Wie der Vorsitzende, Genosse 51 tick, ausführte, will der Genosse G. Beyer sein Geschäft aufgeben. Es wäre somit der geeignete Zeilpunkt vorhanden, die Verbreitung des „Vorwärts" zu übernehmen. Nach lange» unerquicklichen Debatten wurde man sich schlüssig, vom I.April ab, die Spedition des„Vorwärts", sowie der gesammten Parteiliteratur in eigene Regio zu übernehmen. Eine fünfgliedripe Kommission, bestehend aus den Genossen Sellin, Kube, Dörre, Menge und Wacker, scll die nölhigen Vorarbeite» veranlassen. Die Wahl eines Spediteurs wurde bis zu einer nächsten öffentlichen Vcr- sammlung verragt. «tl, Ische«rt«uechakt. Sonntag, den 10. Märzld. I.. abends präzise 7Z Uhr, t» den Arnunhallen,«tommandantenslrabe Nr. so: Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. �oel über: Ter Kamps uinS Talew in dcr Natur. Lachoerein der Atirinachrr und oerw. Berufsgenossen. Heule. Sonnabend, abend« s Mir, tm Lokale von Wtenceke, Alte Lalob- tlraße es: Vereins-Versammlung. Vortrag de« Eenvsscn Näth er über: Tie Vorickilägc des Herrn MarfeiS zur Beseitigung der ivahrs» Ursachen dcr schlechten Zeilen. zirbritrr K>Iduno«sch»>». Sonnabend Abend 7Zj— zx Nhr: Lcklüre. sX—lo'i Uhr: Nord-Schule, Müllerstr. 1780, TiSluItr-Ucbunge»: Sud- C st- S et) u l e, Waldein arstr. 14: TtSluitr-Uebuagc».(Thema tn der Süd- Ob-Schule: Punlt 6 des Erfurter Programm« über die Stellung zur Neliaion. Referent: Herr Lachmann.i Unentgeltltch. Bei alte» UnterrtchlSfächern weiden neue Zbetlnchmer, Tamen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Tie Thetlnebmer am Unterricht in der Nalur-Eetenntntb iNord-Trhule) werden darauf aufmerlsam gemacht, dag die am vergangenen Montag cuö- gefallene Unterrichtsstunde am Sonntag, den z. März, vormittags von 10 vis 13 Uhr, stattfindet. Ardettrr-Sättyerdnnd Srrli»«»>»d Zlms»se»d. Vorsitzender Ad. Neumann, Pascwailersir S. Alle Aenderungcn tm VeretnSkalendcr sind zu richten an Friedrich jiorlum, Mameufselilr. 49, v. 2 Tr. Kounnbrud. Abends 3— li Uhr: UeNii gSfiunde und Ausnahme»euer Milalieder. Gesangverein SSmeralda. KöuigSbergerstr. 6 bei RaSkowsky.— S r u» e S i ch e, Stisdors, Hernannstr. 4fi, Ctlt Herrsuilhfirabe, bei HeielauS— Lurania, Lands- dergcr Allee Ivo bei voed.I— Sange«- Echo, Naunynslr. 8«, bei Zubeit. — Glüdzu, Poscwollcrstr. 3 bei Neu manu.— Getundbrunner Mänuerchor, Prinzen- Allee lo bei Bergmann— Männer-Sesang- verein Liederlranz in Braudcuburg a.d. Havel, Mengert" VollSzarten, Bcrgstr. 6.—Deutsche Eiche II, Vrandcuburg a.».Havel, Hauptsiraüe, Winkel'« Salon.— F r> i ch auf I, Friedrichsberg, RumnielSburgerstr. 23 bei Emil Neumann— Sängerlusi. Luckenwalde, Beelitzerslr. 34 bei Otto Schulze.- Männer- Gesangverein Fori schritt, klöntgSbergerslrahe 28 bei Leickniy— Hand tn Hand II. FrledrichSbcrg, Friedrich Karliir. li bei Emil Hctnccke.— Männer-Eesaugvercin Im m e rg r ü n, Tegel, Span- oauersir.>ä bei(£. Rentner.— Moabit, Havelbergcrsir. 31.— Freie S ä n g e r, Schmargendorf, WirthShau« Friedrich.— Hand tu Hand l, Reichenbergerslr. 24 bei Tauschte. »>»»d den g»s«lligr» Arbriierverrine Kerli»» und Zlmgrgend Alle Zuschriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine b-lresfend sind zu richten an: V. Gent, Akalbertür. 95. Sounaliend: Theatervereir, L e s s i II g, Bluiiienflr. 4« bei Taruiuschat(jede» 2. und 4. Eonnabend). ««saiig-, fttvn-»i»d gesellig» ziercine. s-onuabrud. Turnverein Fichte(Mitgl. d. Tenttchc» Arb�Turnerb.) tiirttt heute: I. Maniter-Ablh. Friedenür. 37.— 3. Wänner-Abth. Boeckhilr. 21.— 2. LehrlingS-Abth. Ekalitzeriir. 65— io.— Gcmischler Ehor Gleichheit, ZlbrndS 0 Uhr, ZwiugUsttabe Sa im Resiauranl. Mitglieder werden daselbst aufgenommen.— Vübneuvcrband N 0 r ma n ia, jeden letzten Sonnabend im Monat Sitzung bei ffl. Lcichnitz.»önigSbergerjtr. 25.— Prirat-Theater-Gesellschast Schiller, Sitzung Abds. 9 Uhr bei Linke, Puttbujcistr. 24. Nach der Sitzung: FidelitaS. — Privattheaier-Eejellichasl Toni, Eonnadcnd 9Ji Uhr bot Zuleger, Swine- ntündeislraße 144.- Thealcroerei» Lustige Brüder II, Sltzuitg jede» Sonnabend, Abends» Uhr, bei Reichelt, Hasenhaide Nr. 46/47.- Thealergkfellichasl Immer Lustig, Abends 0 Uhr, Sitzung bei Ruhl, Ehormusir. 63.— Veranügungstlub Ostend, Sitzung Abends 9 Uhr im Restaurant Rudols,«lamfirage 6.— Scs.lttger Aibeiier. verein Proletarta, Sonnabend nach dem l. und 16. jeden Monat«, Abends g Uhr bei Sommer, Erünstiaße it.— Rauchkluo Blaue Wollell. Sitzung jeden Sonnabend s Uhr im Restaurant F. Steuer, Weinstraße 22.— Rauchllub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abends 9 Uiir, bei F.«ruger, Fennnrahe 6.— Ranchtlub Unverzagt. AvendS 9 Uhr bei Vogel, Ltbujerstr. ig.— Staitlnb Blaue B l 0 u j-, jeden Sonnaheud bei Wullle, Graudenzerür. 2.— Elattlub R e v 0 l u l t 0», Sitzung jeden Sonnabend 9 Uhr bei Hauptmann, Wienersir. l— s— Ausnahme neuer Milglteder.— BergnügungSverein gl I p e n v e i l ch 1 n, jeden Sonnabend jjtd Uhr Sitzung bei NuppiN, Blumeustr. 49.— Tambou» verein„Ruf", Sonnavend. abends g Uhr, beim Reslamateur Sedtke, Jnselnr. 1.— Ar- deiler-Zitherklub Frohsinn abends s Uhr im Resiauranl Reich, Blumen- straße 32. l)» n s Ie I�o ran I ng?rej a, Oranienstrassa 51, Madeasten hver Lärdag Kl. 9. Besögonde ere velkomne. Danslte Aviser(indes i Lokalct. Deutschrr soiintdonoüraii scher Leseltlub i» pari». Rue St. Honore 314 Laie du Lton de Betsorl. Jeden Sonnabend össentltche Ver- sammlung 1 reiche Bidliothel, Zeitungen, sranzösisdier Unterricht. zo»d»i>. Ter einzige hiesige sozialdemotratilche Verein Londons, der waie, von Karl Marx und Friedrich Engels 184» mildegrnndclt rit m>» u n i st i sch e A r b e t l e r- B i l d u ng S v e r«> n bestndel sich nach 4v 00t vel Tottenham Street.Tottenham Eourl Rd., W. London. Nerinislsikes. Ueber ei» SchiffSunqlück, bei dem zur Evidenz erwiesen ist, dllß die Lenle, die sich die beste Besördernng leisten können, auch das erste Anrecht ans Rettung ans Gefahr haben, wird aus Newyork vom Donnerstag berichtet. Als der Postdampfer „Havel" heute früh bei starkem Nebel in den Hafen ciufuhr, bemerkte der Loolse, daß das elektrische Licht aus de» Bojen vom Eise zerstört war. Der Dampfer versuchte nuumehr um- zukehren, stieß aber auf Grund. Füns Bugsirdainpfer blieben bei der„Havel". Die Passagiere erster Klasse wurden gelandet, die übrigen blieben noch ans dem Tampscr. Es besteht keine Gefahr, obgleich der Nebel»och fortdauert. Um 6 Uhr abends war die„Havel" trotz der Be- mühung der Bugsirdampfer noch nicht ivieder flott geworden. Das Schiff wird wahrscheinlich einen Theil seiner Ladung ab- laden müssen. Der Dampfer liegt 3 Meilen nordöstlich Sandy- Hook aus Sand und Schlamm. Nach einer bei Lloyds eingetroffenen Depesche aus New- Jork ist der deutsche Postdampfer„Havel" im Godneysknual auf. gefahren. Der Dampfer liegt günstig und wird wahrscheinlich flott gemacht werden. Tie abnorme Witterung im siidlichen Europa hält an. In O b e r i t a l i e» herrscht in alle» Städten große Kälte, ver- Kunden mit Schneefall. In Turin sind 11 Grad unter Null. I» Neapel schneit es seit zwei Tagen unaufhörlich. Auch von der Insel Elba laufen Meldungen über anhalleiiden Schneefall mit heftigem Sturm ein. Auch in einem großen Theile Ungarns dauert das Winterwetter fori. Infolge des ungeheueren Schneefalles ist Oedenburg seit zwei Tagen vollstäudig vom Verkehr abgeschnitten. Bei Eilerhaz liegt ein Personenzug der Oedenburger Bahn im Schnee vergraben. Man glaubt, auf diese Strecke in einigen Tagen den Verkehr wieder eröffne» zu können. Infolge des SchmelzenS dcr ungeheuren Schneemassen sind in mehreren Gegenden Un» garns, besonders im Maroz-Thale Ueberschwenunungen ein- getreten. Die Dämme sind gerissen, viele Verkehrsstörungen und beträchtlicher materieller Schaden sind eingetreten. Ueber neue Fernsprechversnche, die vor einigen Tagen auf der Linie Wien-Berlin uiiternommen wurden, berichtet die „N. Fr. Pr.":„ES ist hierüber noch nichts in die Oeffentlich. keit gedrungen, da diese Versuche in der Stille, von privater Seile zu dem Zwecke angestellt wurden, um zu erprobe», ob sich nicht auf dieser seit drei Monaten dem Verkehr übergcbenen Fernsprechleitung eine größere Deutlichkeit bei der Uebernnttclung der Gespräche erzielen lasse. Da sich der interurbane Telephon- verkehr in Oesterreich-Ungarn in der glattesten Weise selbst auf jenen Linie» abwickelt, welche viel kürzer sind als jene, die Wien niil der delitjcken Metropole verbindet, gelangten wir zu der Ueber- zciigung, daß die in Berlin in Verwendung stehende» Sprechapparats nickt den Ansorderungen des Verkehrs auf längere» Slrecke» ge- nügen, und diese Ansicht ist nun durch die erwähnten Versuche bestätigt worden. Wir setzten uns mit der Fabrik eleklrischeu Apparate, Paul Hardegen u. Ko. in Berlin, die lautsprechende Mikrophone und Judnktor-Apparate erzeugt, in Verbindung, und es wurde die Verabredung getroffen, das Hardegen'sche Mikro» phon, einen sogenannten„Kohlengries-Apparat", durch mehrfache Gespräche zu erproben. Unser Berliner Korrespondent, sowie Vertreter der erwähnten Firma sprachen mit Mitgliedern unserer Redaktion mit Hilfe des Kohlengries- Mikrophons, das im Hardegeu'schen Bureau in Berlin provisorisch iustallirt wurde, und siehe da, die Versuche gelangen in ausgezeichneter Weise. Wir hörte» die in Berlin gesprochenen Worte klar und deutlich. wir mußten nicht, wie sonst, bei jedem zweiten oder dritten Worte um Wiederholung desselben bitten, kurz, die Wirkung war überraschend. Das Neue an dem Hardegeu'schen Mikrophon ist eine originelle Verwendung von klein geschroteter Kohle, auf ivelcher übrigens die meisten Mikrophone, vor allem die bekannten Apparate der Firma Berliner, beruhen. Unsere Versuche waren die ersten, die mit dem Hardegeu'schen Apparat ans eine so ivcite Entfernung unternommen wurden, und die Thatsnche, daß dieselbe» ein so günstiges Resultat ergeben haben, veranlaßt uns, den kompetenten Bebörden im Interesse des Ver- lehrs von denselben hiermit Mitlheilnng zu mache»." Ein siebenfacher Familieumord ans Roth ist am Donnerstag in dem Londoner Vorort Tooling begangen worden. Der daselbst in Fountain Street ivohnende Stuckateur- arbeiter Taylor durchschnitt, nach einem Bericht des„L.-A.", seiner Ebefran und sechs seiner Kinder im Alter von 20 Monaten bis 13 Jahren, und schließlich sich selbst die Kehle. Von seinen sieben Kindern entkam allein der älteste, vierzehnjährige Sohn nach verzweifeltem Kampfe und schwer verwundet. Die Mutter und die sechs Kinder wurden todt, der Vater noch lebend auf» gefunden, er verstarb aber bei dem Trausport nach dem Hospital. Die Opfer des Mörders scheinen verzweifelt um ihr Leben ge- kämpft zu haben, denn die Wohnung glich einem Schlachthause. Taylor war ein nüchterner, geachteter Mann, aber seit längerer Zeit arbeitslos. Die schweren Entbehrungen und die Nahrungssorgen haben ihn zu der Verziveiflungsthat getrieben. Durch ei» beklagenstverthcs Unglück hat, nach dem „B. T.", der Berliner Nacht- Konrierzug nach Königsberg i. Pr. eine halbstündige Verspätung er fahre». Der Zugführer beugte sich bei Kobbelbude aus dem in voller Fahrt befindlichen Zug und fuhr mit dein Kopf gegen den Wassersinnder. Der Kopf wurde zertrümmert. Der Tod trat augenblicklich ein. zZpversik'Qal. Die Rcdattlon stellt die Bcnutzuna de? Svrediiaal«, ioweit dir Raum dafür abzugeben ist, dem Vublilum zur Bsipreibuna von Angeieflenheits» allgeuiilnei, Jr.tereise« zur Veriügung: sie wahrt sich aber gleich,-itig dagegen, mit dem Juball desseldeu idcnlistztri zu werde». Der„Vorwärts" hat durch ein an hervorragender Stelle ab- gedrucktes„Eingesandt" die Frage des Genossenschaslswesens, welche ich i» einer Gewerkschaslsvcrsauunlung besprach, zu einer für die Partei wichtigen gestempelt. Meinerseits will ich den Zianm des Zentralorgans sür theoretische Au-cinandersetznngeu hierüber nichl in Anspruch nehmen, da der Gegenstand meines Erachiens mit der Partei als solcher garnichts zu thnn hat. Die Frage ist eine rein praktische und ihre Behandlung von Be- deutnng sür solche Kreise, in denen die Geuossenschastsidee immer von neiiem sponlan auftaucht, ohne daß eine genügende Klarheit über die Gefahren einerseits, über die vernünstigerweise zu erivartenden Vvrlheile andererseits vorhanden ist. Dr. L e 0 A r 0 n s. «» In Nr. 54 des„Berliner Jntelligenz-Blattes" vom 5. März wild im lokalen Theil auf einen am 10. März er. im König- städtischen Kasino vom Jnlereffenverein der Buchdrnckerei- Hilss» arbeiter veranstaliete» Maskenball hingewiesen. Wir haben, um verschiedenen Anfragen gerecht zu werde», darauf zu erwidern. daß wir niemand veranlaßt haben, derartige Schritts zu thun, im Gegeutheil sind wir in der Lage, wenn nur die Presse für unsere Veranstaltungen in Anspruch nehme» wollen, dies m einem uns genehmen Blatt bewerkstelligen zu können. Das Komitee. I. A.: Paul Preuße, Naimynstr. 90, I. DviefkaKen dev Vedsltkwn. Wlr bUten bei jeder Anfrage eine Chiffre sZwci Buchstabe» oder eine ZciZk) anzugeben, unfer der die Antwort ertheilt werden soll. P. L. C3.s Die nothwendigsten Sachen dürfen nicht ein« behalten tverden.— 100 Karlstraße. Nein.— K. H., BreS- lau. Dazu sind Sie nicht verpflichtet.— 3l. H. 1000, Rix- dorf. Kommt auf de» Inhalt dcr Verfügung an.— Rixdorf Ä. Innerhalb drei Monaten feit Kenntniß dcr That und des Thälers. — B. M. Z50. Es kommt darauf an, ob eine Unterbrechung der Vcrjährnng stattgefunden hat.— A. 50. Kommen Sie in unsere Sprechstunde.— Sozialdemokratischer Wahlverein Mr den A. Kerl. Peichstags- Wahlkreis. Sonntag, den I«. März 18»S, im Lokale des Herrn Zubeil, Lindenstrafte Nr. IVS: NvenvrmlevhLtltmtg. Um 7 Uhr Vortrag des Genossen VI ach über: Krtrachtnngcn über Moral. Entree 10 Pf. 40/3 Der Vorstand. AAnng! 6. Wahl kreis. MM! Montag, den II. März, abends 8 Uhr, im Kolbe rger Salon, Kolberger strafte SS: Große öffentliche sozialdemokratische Partei N ersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung der Vertranenspersonen. 2. Bericht der Revisoren und Wahl eines Revisors. 3. Bericht des Agitations-Kommissions- Mitgliedes. 4. Bericht der Lokal- Kommission. S. Bericht der Zeitungs- Konimissionen. 6. Verschiedenes. 2S7/12 F. Waschowski, Vertrauensmann. Sonntag, den 10. März, vormittags 10 Uhr; Große öffentliche Versammlung der Bau- und gewerbl. Hilfsarbeiter NN Lokale des Herr» Kummen, Berlinerstr. 136. Tages-Ordnung: !. Vortrag des Genossen Gassmann über:„Die Mißstände im Bau- geroerbe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 96/4 Es ist Pflicht eine? jeden im Baufach beschäftigten Arbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen. Gas Gewerkschafts-Kartell. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 11. Mar?, abend» 8V2 Uhr, im Lokale de» Aerrn Heinecke, Friedrich Karlstraß« 11: Bezirks-Verslimmbiug für FriebriWerg inül RunlmMrg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Th. Metzaer über:„Die roirthschaftlichen lkrisen und die Arbeitslosigkeit." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheiten. MF" Neue Mitglieder werden aufgenommen. Montag, den 11. Mär?, abends SVs Ubr, im Lokale de» Herr« Holtmann, Granienstrasie 180: M MancnSinanne�etlatniitluiig für he» MHen. M 203/Z Die Grtsnerwaltung. lreie VeleiliiMg der Sau-Arbeiter Berlins. Sonntag, den 10. März, vormittags 11 Uhr: Mitglieker-Uersammlung im Lokale des Herrn Wiike, Kndreaostr. 36. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Karl Trittelwitz über:„Die Geschichte der Elektrizität und die Elektrizität im Dienste der Menschheit." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 80/11 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Achtung! OsksräsTH»«. Achtung! (Filiale 111. des Textilarbeiter-Verbandes.) Sonntag, den 10. März, vorm. 10 Nhr bei Wienecke, Alte Jakobstr. 8S DM" Mitglieder- Dersammlnug."WU Tages-Ordnung: SS/3 1. Vortrag des Genosien A. Hoffmann. 2. Diskussion. 3. Wahl der Werkstellen-Vertrauensleute und Ergänzungswahl zum Vorstand. 4. Verschiedene?. Der wichtigen Tages-Ordnung wegen bittet um pünktliches und zahl- reiches Erscheinen Gei» Vorstand. AchtNNg! Große öffentliche AchtUNg! Milrer- tnid Piitjer-VerslMiiilW Sonntag, den 10. März, vormittags 10'/2 Uhr, im Luiscustädtischen Konzerthans, Alte Jakobstrafte S7. Tages-Ordnnng: 1. Stellungnahme zum 9. deutschen Maurer-Kongreß event. Wahl der Delegirten zu demselben. 2. Verschiedenes. Die Vertrauensmänner der deutschen Manrer fnr Kerlin. A u g u st V o g e l. K a r l P a n s e r. 189/4 kummsßskLksi'g und ömgegends Deffevtliche Versammlung ' aller in der Tertilindnstrie beslhiistigteii Arbeiter u. Arbeiterillllen Sonntag, den 10. Mär?, mittags llsis Uhr, im Lokale des Herrn Vowinkel, Hauptstraße 83(Hummsishurg). Tages-Ordnung: 1. Die Entivickelung der Arbeit zum modernen Jndustrialisnius. Referent: Ueichstago- Abgeordneter Friedrich Harm(Giberfeld). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. jur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 343/4 lm zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginberufer. ChaHottenbiupg. WW Genoffen u.Genossmneu! W»>i! Uolks-Uersammlnng Sonntag, den 10. März, nachmittags S Uhr, im Lokale Bismsncklioks, Wilmersdorferstraße 39. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Fordern die Frauen da» politische Mahlrecht?" Referentin: Genossin Gltili« Kaader. 2. Diskussion.... � NC?" Genossinnen, zeigt durch zahlreiches Erschernen. dap es Euch nut drr Forderung des Mahlrechte» ernst ist. Die Urrtranrnslrute. Achtung! Achtung! Svlllltsg, den 10. März 1895, vormittags 10 Uhr: Moleff-Mrsammlnng gegen die EWhrung eines Zolles aus Ouebracho und alle ausliinilische» GerWoffe in Collis XvIIen's �estsslen, Koppenstraße 29, für alle in der Lever- Fnvustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Lohgerber und Lederzurichter, Weißgerber und Lederfärber, Sattler und Tapezirer, Handschuhmacher, Galanteriewaaren- und Lederarbeiter, alle in der Schuhwaareu- Fabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Stepper und Stepperinnen, Färber und Textilarbeiter, Kürschner zc. Tages-Ordnung: i. Die Kedeutung eines Zolles auf Tuedracho und andere Gerdstoffe. Referent: Reichstags-Abgeordneter E. Wurm. 2. Diskussion. Arbeiter und Arbeiterinnen! Bei der großen Bedeutung des in Aussicht ge- nommenen Zolles für unsere gesammten Erwerbsverhältnisse in der Lederwaaren- Industrie ist es Eure Pflicht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Auch sämmtliche Ardeitgeder und Interessenten find hiermit zu dieser Uersammlnng eingeladen. 6. Busse, Lohgerber und Lederzurichter. Arendt, Weißgerber. Dittmer, Stepper. Volkmann, Sattler und Tapezirer. Hins, Handschuhmacher. Cbristian, Galanteriewaaren- und Lederarbeiter. Villner, Bildebrandt, German, Schuhwaaren-Fabrikation. Vier, Kürschner. Bindig, Färber. Beimann, Textilarbeiter. llvn Einberufer, 29626 G. Busse, Sophienstraße 28-29. .•>;•> v■; v.• Zweiter Nachtrag zum TtM iier Ms-Krilllktilklljse der Klempner zu Berlin vom 8. Juli 1893. Artikel I. § 13, Absatz 1, Ziffer 3 lautet hinfort: 3. Im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritte» Tajje nach dein Tage der Erkrankung ab sür jeden Kalendertag ausschließlich der Sonntage die Hälfte des durchschnittlichen Tagelohues(s 12) als Krankengeld. Denjenigen jedoch, die über 14 Tage erwerbsunfähig sind, wird das Krankengeld auch für die ersten drei Tage, vom Tage des Ein- trilts derErwerbsunsähigkelt ab, nach- gezahlt. z 23, Absatz 2 lautet fortan: Die Auswahl unter den Kassenärzten steht den Mitgliedern frei; jedoch hat der Vorstand das Recht, in Zweifel- haften Fällen ein Mitglied dem Ver- trauensarzl der Kasse oder einem Krankenhause(unter Beobachtung der Vorschriften des§ 7 des Kr.-Vers.-G.) zu überweisen. Ein Wechsel während derselben Krankheit darf nur mit Zu- slimmung des behandelnden Arztes und des Vorstandes erfolgen. Artikel II. Vorstehende Bestimmungen treten mit dem Montage nach statutenmäßig er- folgter Bekanntmachung in kraft. Berlin, den 18. November 1894. Der Vorstand der Orts-Kraukenkasse d. Klempner. W. M i l i ch. Vorsitzender. F. A. P i e s ch e l, Schriftsührer. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch genehmigt. 293Sb Berlin, den S. März 1895. Der Bezirksausschuß. J.-N. 842. Kays« r._ Ats-Ümkenkch für das Bierbrauer- Gewerbe zu Berlin. Die durch die Generalversammlung vom 13. Dezember v. I. beschlossenen Statuten- Aenderungen sind unterm 6. Februar d. I. vom Bezirksausschuß als II. Nachtrag genehmigt worden. Druckexemplare des Nachtrags werden den HerrenArbeilgeber» und Mitgliedern in gewohnter Werse zugehen, bezw. aus Wunsch im Kaffenlokal, Stralauer- straße 3/6, Zimmer 19, ausgehändigt. Berlin, den 6. März 1895. Der Vorstand. Petersen, S2/1 Magistrats- Kommissar. Facbvereln der Musikinstrumenten-Arlieiter. yersammlung"Mß 0, den 11. März, abends 8-/, Uhr. bei DrigmüUer. Alte Jako! Jakobstr. 48». Dr. Semmel Montag, Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen Zahnarzt über:„Mnnd-Hygiene." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Die Kollegen werden noch auf die Wohlthätigkeits-Matinee in Kauf- mann's Variete am Sonntag, den 10. März, mittags 12 Uhr, aiifmerksam gemacht. Außerdem wird gebeten, bis zum 17. März mit den Maskenball- Billets abzurechnen. 204/9 Der Vorstand. Frauen- u.Nädchen-Bildungsberem �Filiale Nord). Sonntag, 10. März, nachmitt. 3 Uhr, in?snliow, Wollankstr. 113: Wandep-Hepsammlung. Tagesordnung:{1. Vortrag des Genossen Tchöpflin über: Die Frau als Aschenbrödel der kapitalistischen Gesellschaft und ihre Befreiung. 2. Dis- kussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. 126/15 Herren und Damen haben Zutritt. Der Vorstand. Achtung! kixetaH�s Achtung! Sozialdemokratischer Verein Vorwärts. Aonntas, den 10. März, nachmittag» S Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerftrafte Nr. 120: Gvolgo Dcrjcimmhmg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Pinn über:„Pharisäer, einst und jetzt." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. zzs?- Gäste haben Zutritt. 272/11 Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht ver Vorstand. Vorwärts kostet nur'/I Liter-Flasche MK. 1.- WtMw wi DU vorwärts wird iiberall ansgeschänkt. lorwärts erglrbt bei Vs Vorwärts und 2/s Masser«nd etwa« Zucker eine» ausgezeichnete» Punsch. Achtung! __ PIT Meir Staufen Sie nur echte Branntweine, alten ziordhänser, Cognak, Dum, Arrak. O, J. Engelke, Neue Jacobstr. 26. Kleinverkaus von 10 Pf. ab._ WAtitimM Voremsfians, CPilhailser Allee L8. 4�11� 11111»�»» Kaai zu Festlichkeiten u. Versammlungen. Destillation. Einige Eonnaebiide im März noch frei. Max Ivvrschei, LVAArenhetUS Sigm. Simonsohny Oranienstraße 166, Z Haus vom Grauienplatz. Weiße Damen-Hemden v. 66 Pf. an. � Stickerei-Damen-Hosen v. 92 Pf. an.| Stickerei-Röcke v. iss Pf. an. Dnrcfa 16S3&£ A«ka«f auf Nuttioue« und ZkoukurS- «äffe« bin ich in der Lage, jedes Stück billiger zu verkaufen als alle anderen Geschäfte. 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