Ur. 59. Srschewt täglich außer MontagZ. Preis pränumerando: Bierlel- jährlich z.zo Mark, monatlich !,lv Ml., wöchentlich IS Pfg. frei in'-Z HauS. Einzelne Nummer s Pfg. TonntagS- Nummer mit illuftr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pjg. Poft-Abonnement: 3,30Wt. proQuartal. Unter Kreuz- dand: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für da» übrige Ausland SMl.pr.Monat. Eingetr. in der Post-Zeltungs- Preisliste für lsss unter Nr. 7lis. 12. Jahrg. Jnsertions-Sebühr beträgt für die sünfgespaltene Petitzeils oder deren Raum-i» Pfg., für Vereins- und Versanunlungs- Anzeige» 10 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Zesttagen bis s Uhr Vor- mittags geöfsnel. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1508. Telegramm- Adresse: „Soilaldemosirat Kerliu.» Verliner VolKsblall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. VedaKtion: LV. 13, Deutb-Strake 2. Sonntag, den 10. Marz 1893. Srpedition: LV. 13. ZZeutg-Straße 3. 5,—. Fle»sb»r-s 30,—. burlstag durch M 5,73. walde 1iX>.—. Freiburg Gnittung. Im Monat Februar gingen bei der Parteilasse folgende Beiträge ein: zlschersleden, durch den Vertranenslnann 20,—, Aken, durch den Bertrallensmann 10.—, Augsburg, auier Aukt. im„Walsisch" 5,01. Perlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kr. 400,—. 4. Kr. (Ost) 600,—(darunter E. Böhl 100,—, Andreas B 60, Treff 20,—, I. K. 64 6,—, W. R. Hochzeit Rüdersdorferstr. 1,50. durch Kl. bei Bolze 1,50). 6. Kr.(Rosenthaler Borstadt) 200,—, 6. Kr.(Oranienburger Vorstadt) 500,—(darunter D. 20.-, Veilchen 3,60), 6. Kreis(Moabit) 150,— (darunter amerikan. Auktion bei Geppert, Perlebergerstrape 6.—, von I. L. 4,—.) 6. Kr.(Schönhauser Vorstadl)" 130,—. Berlin, div. Beiträge, A. B. 50,—. P. S. 50,—. A. G. 40,—. Dr. L. 21. 20,—. Roland 5,-, Köslinerstr. 6 C. B. 18,-. Rothe Hochzeil Grimmstr. 30 5,73. 2lmerik. Lluktion bei Pieper 3,50. Fröhliche Geburtstagsfeier durch H. K. 2,—. 2Irbeiter aus der Wilhelmstraße 4.65. Rothe Buchbinder aus der Griin- strabe 5,—. Von A. Krüger bei Bloßseld 3,—. Dr. H. 100,—. Rolher Geburtstag b. Götte 5.—. gkothe Brüder a. d. Hochstr. 3,60. Geburlstag bei Jsack 2,—. Sächsischer Genosse in Moabit, gegen die Uinsturzvorlage 30,—. Von 2 Genossinnen 3,—. Buchbiudcr- arbeiler und 2llbeilerinnen von M. Babing 10,—. Weinstube, Liudenstr. durch Schwahn 2,—. A. S—.50. W.— ,50. Lustige Brüder. Weiustr. 22, 4,90. Geselliger 2lbend der Maschinenbauer 2,95. Herrenabend bei 2lugust durch Müller 3,25. Bierprozenle Gießerei Prinzenslr. 25 5.—. Amerik. Linkt., Geburlstagsf. des Herrn B. u. der Frau S. 5,25. Amerik. Zlukt. in Moabit 3,85. Tugendbuud, Januar und Februar 13,—. B.—,50. Amerik. Aull, im Eiseubahn-Belriebsamt 1,—.„Revolution� 6,—. Boppard 3.—. Brandenburg, v. Genossen 100,—. Bürgel bei Offeub.. v. Genossen 5,—. Brandenburg, Gg. Sch. 1. Quart. 2,05. Crefeld, amerik. Aull. 2,81. Crefeld, C. 10.—. Cottbus, S. 10,—. Dresden, 6. sächs. Reichstagswahllr. durch G 300,—. Döbeln 1. Rate 60,—. Dresden, 4 Frege'sche grüne Jungen? 5,—. Döbeln, Romanus 10,—. Dresden-Strießen, amerik. Aukt. Restanrant Bergmaunstr. 42 2.20. Dresden, sozialistischer Liederverlag 25..— Dresden, Vergißmeinnicht Track.enberge 3,—. Tresdcn-Slriesen, amerik. Aukt. in Müller's Restaurant 3,30. Ernsithal 15,—. Elsterberg, amerik. Lluktion durch F. R. 8,—. Elsaß, Chemikus slensburg, gesammelt auf einem Ge- �ürstenwalde a. Spree 25,—. Finster- B., ges. auf der silbernen Hocbzeit eines Genossen 10,—. Freiburg i. B., von Genoffen 5,—. Gera 50,—. Gersdors b. Zwickau, für den Umsturz 10,—. Glauchau, Ertrag einer amerik. Aukt. 3,—. Genlhin 1,—. Großenhain 52,18 «darunter„Günsel" 2,18.) Genthin, Genossen 1,55. Hamburg, von d. roihen„Räubern" v. St. Pauli 20.—, von einer ausgelösten Liedertafel 4,—. fen. 24.—. Hamburg 2, Hochzeit K. Schubert 2,—. Hayna» i.Schl., Sänger 10,—. Hüttensteinach 5,—. Hüllen- grnnd 2,—. Hamburg 300,—. Hamburg, Zigarrensabrik I. W. 70,10. Hainburg, Zigarrensortirer B. u. M. 15,—. Hamburg, polnischer Jude 3,20. Hamburg, rothe Bude, Hopfenmarkt 40,—� Hamburg, Zigarrenfabrik Böhling und Muhle 13,45. Hamburg, Zigarrenfabrik Köhler, Kampstraße 3,—. Ham- bürg, vom aufgelösten Ferdinand, 7,70. Hannover 500,-. Feüillekönl lNachdrml rettoten.] Skizzen ans dein 23 südamerikanischen Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. Der Oberst schmunzelte vor sich hin und sagte dann: „Haben ihn verjagt, meinen guten Schwager.. „Zeh, aber ich wüßte nicht, mein bester Oberst; habe ich ihn beleidigt... und womit denn?" „Ich verntuthe stark, Pancho, aber Ehrenwort, daß es unter uns bleibt, mein lieber Schivager hat eine kleine Neigung für die schöne Concepcion." „Was Ihr sagt, Oberst; das erste was ich höre, sollte mir leid thun für.. dabei blieb er stehen, ohne seinen Satz zu beenden. „Leid für wen...' „Nun, ich habe so meine Gedanken..* „Ich verstehe Euch nicht... wollt Ihr Euch nicht deutlicher ausdrücken..." „Pah,... was verstehe ich von solchen Sachen... ein Junggeselle ist immer ein Dilettant in der Liebe... bin eben" nie verheirathet gewesen... wollte sagen, daß es niir um den einen leid thut von den dreien, sei es wer es sei." „Könnt recht haben, Palicho," meinte der Oberst, in, dem er sich aufs neue mit einem großen Schluck Kognak stärkte,„ich bin allerdings nicht in die Hcrzensangelegen- heiten meines Schwagers eingeweiht; aber ich glaube, wenn er will, kann es ihm nicht fehlen... könnte vieles erzählen von vergangenen Zeiten... man nannte ihn nur den schönen Bernardino... was kümmerts mich... laß jeder seine Haut zu Markte tragen... Wer ein Weib hat, der hüte es... weiß selber, daß ein Weib so schwer ist zu hüten wie eine Heerde Flöhe... thut recht daran, Pancho, wenn Ihr ehelos bleibt.. Hamburg. 1. Wahlkreis 1000,—. Johanngeorgenstadt, aus dem Hinlerviertel 20,—. Johanngeorgenstadt, die Durchgefallenen 1,—. Königsberg, K. M. 20,—. Köppelsdorf 6,—. Linden (Wests.) 3,30. Luxemburg, L. 100,—. Lübeck, M. und D., Ver- kauf einer Wirthschaft 10,—. Lübeck, Polierkrug 3 M. Liegnitz, rothe Stecher 1,20. Ludwigshafen a Rh., von Genossen 100,—. Meeraue 10,—. München 500,—. Nüxhausen 18,10. Nowawks b. Neuendorf P. H. 1,—. Norohausen 10,—. Neudamm, zielbewußte Genossen 4,—. Obergrochlitz bei Greiz. v. d. Genossen des Bezirks 30,—. Offenburg, Prozeß 20,75. Oberslei», rothe Kindtaufe 3,—. Potsdam, amerik. Aukt. 1,90. Pirna, rothe Hochzeit 3,10. Otuedlinburg, durch B. 2,50, St. Ilgen bei Heidelberg. Lederarbeiter 23,—. Sonneberg S. M., M. Jahn 2,45, Knauer 2,90, L-z6.20. Ph K.—.60. Sa. 12,15. Steinbach b. Sonneberg 4,—. Steinach S. M. 4,—. Steglitz In 30,—. Solingen 15,50. Wollershausen, 53.3,30. Warthau, rothe Skatspieler durch H. F. 4,20. Weimar, 53. 3,30. Zeulenroda, zur Bekämgsung der Umsturzvorlage 50,—.— In der Quittung vom 10. Februar 1805, Nr. 35 muß es unter Chemnitz 10. sächs. Reichstags- Wahlkreis nicht heißen 500,—, sondern 500,—; ferner muß es in der gleichen Quittung nicht heißen Offcnbach, sondern Offenburg, von der Gesellschaft 0,—. Berlin, den 3. März 1895. Für den P a r t e i v o r st a n d. 21. G e r i s ch, Katzbachstr. 9. Nvlreikev ocls Evfittdev. Bon einem sehr erfahrenen alten Techniker geht uns folgender interessanter Artikel zu: Mit der in Nr. öö des„Vorwärts" enthaltenen Ver- .mg betreffend die Erfindungen, welche durch Arbeiter der Militärwerkstättcn gemacht werden, ist wieder einmal eine Frage der Rechtlosigkeit des Arbeiters aufs Tapet gebracht. Eine ganz alte Erfahrung jedes Technikers ist, daß die Arbeiter an den nieisten Erfindungen einen wesentlichen Antheil haben. Einzelne zeichnen sich dabei durch besondere Erfindungskraft aus und werden dementsprechend ausgenützt, d. h. sie erhalten in einer Woche, in der sie sich um den sichtbaren Fortschritt einer Erfindung besoitders bemüht haben, eine kleine Zulage, aber die Erfindung selbst geht auf den Namen der Fabrik. In M i l i t ä r- W e r k st ä t t e n, wo massenhaft und schnell gearbeitet werden muß, werden viele Vereinfachungen und Verbcsserungen von Arbeitern erfunden. Und die Ansprüche einzelner arlner Teufel, für ihre Neuerungen, Kunstgriffe und Erfindungen angemessen belohnt zu werden, mögen nun wohl die disziplinliebende Militärverwaltung veranlaßt haben, den Arbeiter auf seine Erfindungs p f l i ch t ernstlich hinzuweisen, um ihn von der„Einbildung" zu befreien, als hätte er mit dem Bekanntgeben eines neuen verwerlhbare» „Ich verstehe eben darum nichts von solchen Sachen, Oberst," sagte der Apotheker bedächtig;„aber ich bin der unmaßgeblichen Meinung, daß, wenn wirklich Euer Schwager, den ich übrigens hoch schätze— ich weiß kaum wie ich sagen soll— wenn Euer Schwager Glück bei dieser Schönen hat, er unter Umständen in eine Sackgasse laufen wird.. „Ihr meint, daß seine Exzellenz sich nicht gerne Hörner wird aufsetzen lassen wollen."" „Nun ich meine, daß ich daS nicht wollte, wenn ich zufällig verheirathet wäre." „Ganz recht, es giebt so schnurrige Käuze, könnte aller- dings möglich sein, daß seiner Exzellenz das nicht behagte, aber..." und er dachte eine lange Weile nach,„sehen Sie Pancho... in solchen Fällen, glaube ich, fragt man verdammt wenig danach, ob es die Frau einer Exzellenz ist, oder eine gewöhnliche China... und mein Schivagcr am allerwenigsten... würde sich den Henker auch nur ein Jota daran kehren, daß Bantista, unsere Präsidenten-Exzellenz, gerade der Mann der schönen Concepcion ist... ich kannte einen Mann, war ein guter Freuud von mir, dazumal als ich noch in Peru in den Thcewäldcrn arbeitete, dort um San Joaquin herum... wissen Sie, wozu der im stände war... hatte sich in eine schwarze China ver- liebt, die mit einem anderen Kerl heruniging, und hatte seinen Narren an ihr gefressen... hat den andern eines schönen Tages buchstäblich in Stücke ge- schnitten mit seinem Messer, das er an der Hüfte trug... alles wegen einer Frau, die so schmutzig war wie ein neu- geborener Maulesel... haben schon viel Unheil angerichtet die verdanmiten Weiber..." Von dieser langen Rede sichtlich erschöpft, sammelte sich der Oberst, während er den Apotheker herausfordernd ansah... Dieser sah aus wie ein neugeborenes Kind; sein Gesicht zeigte keine einzige Falte, und von oben nach unten hinaus- schauend, erwiderte er: „Caramba, dann lvollte ich nicht in der Haut seiner Exzellenz stecken; denn Concepcion ist jedenfalls viel hübscher als jene China.. Gedankens mehr gethan als seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit.„Wird die Erfindung für nutzbringend erkannt und verwendet, so erhält der Erfinder eine an- gemessene Baarzahlung als Prämie." Die Angemessen- heit entscheidet die Militärverwaltung! Und was man für „angemessen" halten mag, überhaupt bei einem armen Arbeiter und zunial dann, wenn der Erfinder sich als Sozialdemokrat entpuppt, das kann man sich ja denken. Es genügt die Erinnerung an die Lleußerungen des Kricgininisters und an die Erlasse, Sozialdemokraten aus den Werkstätten auszuschließen. Kleinlich, unbedeutend und kurzsichtig ist solche Handlungsweise. Anstatt die Arbeiter a n z u- spornen in ihren Bemühungen, sie aufzumuntern zu neuen Leistungen durch Hinweis auf ihre Rechte, speist man sie ab durch Erinnerung an ihre angeblichen Pflichten, erhöht ihre Verbitterung und läbmt ihre Arbeits- und Er- fiudungslnst durch das Versprechen dieser„angemessenen Präniien". Das ist echt preußisch-bnreaukratisch. Die auf allen Gebieten der preußischen Staatstechnik und Staatsarbeit bevorzugten I u r i st e n haben fein aus« gctiftelt: Ter Beamte, der Arbeiter, der Angestellte hat kein Anrecht auf das, was er im Staatsbetrieb erfindet. Der im Staatsbetrieb Beschäftigte hat nicht nur seine Ar- beitskraft, seine Geschicklichkeit an den Staat verkauft, nein! seine geistigen besonderen Eigenschaften, die ihn auf grund seiner Vorbildung und Erfahrung mitunter vielleicht weit über seine Vorgesetzten stellen, diese besonderen Fähigkeiten sind mitverkauft und sind dazu da, um im Tagelohn von dem Vorgesetzten ausgenutzt zu werden, der denn auch das Recht behält, sich mit den Federn der Aus- gebeuteten zu schmücken. Die Folge eines solchen Verwaltungssystems ist leicht erkennbar. Weshalb sind uns denn England und Amerika in tausend Dingen der Technik so sehr überlegen? Zum großen Thcil deshalb, weil dort die Menschen, die sich hervorthnn durch ihre Leistungen, ohne weiteres und an- ständig bezahlt werden. Daher müssen wir uns so viele Erfindungen aus der Fremde holen und beginnen bei uns mit Nachahmungen, wenn die Dinge in den Ur- sprungsländern schon veraltet sind! Man muß die Ver- hältnisse in England mit eigenen Augen gesehen haben, um die Versunipflheit deutscher polizei-jnristischer Bnreaukrati« auch in technischen Dingen mit all ihren Lähmungserscheinungen zu verstehen. Solche Verfügungen, die den Arbeiter zum Pflicht- mäßigen Erfinder für Staalszwecke machen sollen, mögen nicht schön sein, kann man einwenden, aber wie kann sonst der niittellose Arbeiter seine Erfindung verwerlhen, wer zeichnet ihm seine Idee brauchbar auf, wer giebt ihm Zeit, „Mil vezes Caraje... das will ich meinen," sagte der Oberst, der schon sichtlich unter dem Einfluß des Alkohols stand...„ein ganzer Kerl ist mein Schwager, kümmert sich wenig darum, ob es eine Exzellenz ist oder ein Peon... ich bin sicher, daß der Hals von Juan Banrista ernsthast wackelt, wenn Bernardino sich mit seiner Frau abgiebt... will's meinen... sollte ihr auch besser gefallen als der Schwarze mit seiueni eingedrückten Nasen- rücken..." „Für den Ihr hier ans Wache seid..* „Papperlapap.,. allerdings stehe ich heute für ihn auf Wache... man hat mir meinen Sold zudem für den ganzen Monat voraus bezahlt und nicht in miserablem Papier, sondern in Gold... darum bin ich heute hier... weiter nichts... wenn mein Schwager Privatgeschäfte mit ihm abzumachen hat, nun gut, mich geht das nichts an... lange genug wird der verdammte Schwindel ja so wie so nicht uiehr dauern... und ich für meinen Theil bin nicht mehr zu haben von dem Tage an, daß man mir mit Papier- geld kommen will... giebt übrigens genug Anzeichen, daß die Herrlichkeit anfängt Leck zu werden... ganz besonders das Frcmdenpack sorgt dafür... schauen Sie, Pancho... augenblicklich nimmt Frau Concepcion Gefrorenes.. ich glaube es nicht, daß Sie es wissen... dieses Gefrorene hat heute ein heidenmäßiges Geld gekostet und gezeigt, daß die Sache anfängt schief zu gehen... Wollen Sie es glauben, daß dieser Hund... ist übrigens ein Kollege von Ihnen, der deutsche 'Apotheker, sich heute in allem Ernste weigerte... ich weiß nicht, wie das Zeug heißt... Llmmoniak oder so ähnlich... herzugeben; auf Pump ivollte man es natürlich... wollte es aber nicht hergeben der Gringo ohne baar Geld... meinte, seine Exzellenz schulde ihm schon so und so viel... das Am- monial koste drum soviel in Papier und soviel in Gold, wenn man darin bezahlen wolle; aber ohne baares Geld gebe es nichts... Bin selber hingegangen mit ein paar Soldaten und erklärte ihm, daß wir das Zeug mit Gewalt nehmen würden, wenn er es nicht freiwillig gäbe, da seine Exzellenz heute unter allen Umständen Gefrorenes essen wollte... wissen Sie, was dieser rhachitische Deutsche meinte.., die' Sache, selbst wenn sie brauchbar ist, in die Wirklichkeit umzusetzen, ihre Ausführbarkeit zu beweisen:c.?— Die Patentanwälte? Was soll der Arbeiter auf einem Patent- Amt? Wie groß ist die Zahl ehrlich arbeitender Patent- Anwälte? Tausend unglückliche Erfinder aus dem kleinen Mittelstande werfen den Patent-Anwälten ihre letzten Groschen hin, um nach Jahr und Tag— wohlgemerkt, nach Jahr und Tag— die Nachricht zu erhalten, die Erfindmig sei nicht patentfähig oder selbst wenn sie patcntirt ist, uu- verwerthbar. Der Anwalt läßt sich große Summen für Patcntverwerthung zahlen und die blinden Schwärmer warten vergeblich auf Erfolge. Die Pateut-Anwälte verdienen schönes Geld und die Patentschwärmer verhungern. Doch hier handelt es sich immer noch um Leute, die etwas zu- setzen können. Was macht aber der Ardeiter, der keinen Anwalt bezahlen, der nicht zeichnen, auch keine Gelegenheit hat, seine Erfindung selbständig ins Werk zu setzen? Ja, allerdings, der Arbeiter ist gezwungen, in der Fabrik zu bleiben, wo ihm Werkzeuge und Ataterialien zur Verfügung stehen, er muß seinem Brotherrn seine neuen Ideen preisgeben, im günstigen Fall sür� ein Butterbrot, im ungünstige?, wird er nach Vollendung der Er- f i n d u n g hinausgeworfen, wie das namentlich bei Werth- vollen Erfindungen oft geschieht. So liegen die Verhältnisse für den erfinderischen Ar- beiter heute sehr traurig. Da die Zahl der ehrlichen Patent- Anwälte nur klein ist, so ist dem Arbeiter nicht zu empfehlen, Neuerungen auf eigene Faust zu verwerthen. Einfacher und unter den heutigen Zuständen das verhältnißmäßig beste ist, wenn der Arbeiter, der etwas Neues heraus hat, und sei es auch nur ein Geld ersparender Kunstgriff, mit dem Arbeitgeber direkt in Verbindung tritt und schriftlich und womöglich vor Zeugen mit ihm eine einmalige Geldzahlung als Abfindung vereinbart für den Fall, daß der Chef die Neuerung zur Ausführung bringt. Ist der Fabrikant ein ehrlicher Mann, dann genügt solche Vereinbarung; ist er raffinirt und schmutzig, dann wird auch eine juristisch fein stilisirte Vereinbarung nicht hinreichen, die Umgehung des Vertrages zu verhindern. Viel kommt in der Zeit der kapitalistischen Produktions- weise jedenfalls niemals für erfinderische Arbeiter heraus. Den Vortheil hat allemal nicht der Arbeiter, sondern der Kapitalist. Mitunter auch die Reichs-Hecresverwaltung. Die Ereignisse in Petersburg. Unter dem Datum: Petersburg, 19. Februar(3. März) 1895, wird uns geschrieben: Sie wünschen nähere Nachrichten über die Vorgänge an unserer Universität. Sie irren, wenn Sie meinen, daß diese Vorgänge eine Aehnlichkeit haben mit den„Ruhestörungen"— wie es in der Presse heißt—, die z. B. im Jahre 1889. hier statt- fanden. Die jetzigen haben einen weit ernsthafteren poli- tischenCbarakter angenommeu. Das Volk fühlt und jauchzt mituns. EsisteineBewegung, dieweittre Kreise erfaßt hat. Ich will ja glaube», daß Sie durch die bürgerliche Presse falsch benachrichtigt, eine ziemlich scharfe, verurthetlende Meinung über uns haben. Der„Reichsbote", unser amtliches Regierungsorgan, versteht ja so schön zu lügen, und der Telegraph lügt und die Provinzialbläller müssen nachlügen. Der„Reichsbote" erklärt immer wieder, daß die„Ruhestörungen" nur durch„einige angezechte Lümmel" verursacht sind und daß man dieselben deshalb ganz un- berücksichtigt lassen müsse. In allen Orten hätten sie nur diesen Charakter gehabt. und das Publikum möge entschuldigen, daß die Beamten etwas milde vorgegangen seien und daß deshalb die Unruhen größere Dimensionen angenommen haben.„Die„Bande" hätte auch schuld daran, daß einige Verwundungen von Bürgern vor- gekonimen seien" u. f. w. Alle diese dunkele» SluSführungen des „Reichsboten", die auch den Provinzialblältcrn zugesandt werden, uin de» eigentlichen Sachverhalt zu vertuschen, sind von A bis Z erlogen. Wir haben heute in,„Verl. Tagcbl." und im Pariser„Figaro" die gleiche Geschichte gelesen und es scheint demnach, daß das hier knrsirende Gerücht sich bestätigt, nämlich, daß die Bericht. erstatter mehrerer ausländischer Zeitungen in den Regierung?- kreisen ziemlich gut bekannt sind und anS Interesse im Sinne der Regierung arbeiten. Natürlich munkelt man dies nur. Also deshalb Vorsicht bei derartigen Nachrichten und man schenke ihnen keinen Glauben. Wir wissen ja, wie es in dieser Hinsicht mit Crispi-Uinberto-Jtalien und der deutschen„bürgerlichen" Presse steht, und was dem Kleinen möglich, das wird wohl auch der Große Oberst, sagte er, und hielt einen langen Nagel in der Hand, glaubte anfangs, es sollte eine Waffe sein... Können ja in meinen Hof kommen, mir das Zeug wegholen... haben vollkommen Recht und auch die Macht dazu. Aber, wenn sich einer jetzt von Ihnen auch noch nur einen Fuß breit mir nähert, steche ich mit diesem Nagel meinen Ammoniakbehälter an, und die ganze Herrlichkeit geht in die Gosse... also thun Sic was Sie nicht lassen können i.. machte dabei ein ganz resolutes Gesicht der ver- malcdeite Fremde... und da seine Exzellenz nun einmal Eis essen wollte, mußte ich Geld verlangen und baar und prompt bezahlen... Ist das erhört,"daß ein Präsident Rechnungen zahlt... ist ein böses Zeichen, lieber Pancho, werdct's erleben... man wird eines schönen Tages einen Stoß verspüren... ich nieine einen Stoß... und der Teufel holt diese- Herrlichkeit um so eher, wenn sich gar ein Weib irgendwo hineinmischt... Sehen Sie an," und er erhob sich von seinem Sessel, wohl etwas schwer, aber doch noch sicher genug.„Sehen Sie Pancho, will einnial fragen, was dieser verdammte Revolutionär hier zu suchen hat... jetzt spricht er mit der Schwester der Präsidentin, der kleinen Carmen... will einmal Erkundigungen darüber einziehen, mit welchem Recht er hier eingedrungen ist... „Bleiben Sie hier sitzen auf Ihrem Stuhl, Oberst, und machen Sie keine Geschichten... Sie sehen, daß Concepcion sich mit dem jungen Mann schon unterhalten hat... Seien Sie froh, daß die Weiber noch immer Gewalt über die Männer haben... und dieser junge Godoy ist sicher nicht als Revolutionär gekommen, sondern wegen irgend einer Frau, und ich sollte mich wundern, wenn ich es nicht erfahren sollte, wegen welcher.. Damit erhob sich Guanes, drückte den Oberst auf seinen Sitz zurück und schritt langsam auf eine Gruppe von Frauen und Mädchen zu, unter denen Frau Concepcion sich befand. Ein wenig abseits davon stand der junge Godoy in einem Gespräch mit ihrer Schwester. „Ah gutem Abend, Don Francisco", rief ihm Eon- cepeion entgegen,„man sieht Sie auch einmal... Wissen Sie, daß Sie sehr stolz sind und sich mit Absicht rar macheu... er weiß es, meine Damen, denn er ist einer jener hartnäckigen und heimtückischen Junggesellen, die einen Stolz darin finde», sich suchen zu lassen; um so mehr bin ich erfreut, daß Sie heute uns aufsuchen, statt sich suchen zu lassen,.(Fortsetzung folgt.) können. Unsere Regierung hat erst vor kurzem gewittert, daß eS in Rußland auch Sozialisten giebt und nicht nur allein „Nihilisten", wie jeder freier denkende Mensch kurzweg bezeichnet wird. Das russische Blatt„Nabljudacel"(Beobachter) hat, wie Sie wohl wiffen werden, erst vor kurzem eine strenge Rüge erhallen, weil es. wie es im„Reichs- boten" heißt,„eigensinnig und trotzig sei und solialistischen Ideen huldige". Ich habe das nur als Beispiel angeführt, um zu zeigen, daß unsere Regierung endlich merkt, von welcher Seite ihr das Ende droht. Und sobald die Regierung auf diesem Wege ist, wird sie auch ihre Spitzeleien nicht unterlassen, um diesen„geheimen Bund"— nicht wahr lächerlich?— auszuschnüffeln, wenn es ihr auch Millionen und wiederum Millionen kosten sollte. Es giebt unter den akademischen Bürgern— nicht blos in Rußland— eine Unzahl russischer Spitzel; also Vorsicht! Vor allem gefallen uns die Artikel des„Vorwärts" und wir lassen dieselben in Abschrist immer weiter zirkuliren. Aber ich bin zu weit gerathen von meinem eigentlichen Thema, über das ich Ihnen schreiben sollte. Nämlich über die Unruhen. Der Thatbestand ist folgender: Am 21. Februar feierte die Universität, wie gewöhnlich, ihr Jahresfcst. Nach der alten Sitte wurden beim Festaktns Auszeichnungen für Arbeiten verliehen. Dann kam die Rede des Rektors. In seiner Rede betonte derselbe die Reformen des ver- storbenen Zaren Alexander III. und pries dessen Wohl- wollen gegenüber der studirenben Jugend. Unter den anwesenden Studenten bemerkte man schon eine zu abweisende Haltung. Seine AuSsührungen über Alexander III. beschloß der Rektor damit, daß er die Anwesenden zun» Aufstehen anssorderle, indem er unter anderem sagte:„... Mögen noch viele Herrscher im Sinne Alexander HI. aus dem Throne unseres lieben Vater- landes walten....." Eine leise Unruhe, Klappern und Poltern mit den Paradedegen*) und ein allgemeines, aber höchst komisches Ausstehen von den Sitzen. Der eine halb- gebückt, der andere schief und der dritte sperrt seinen Mund auf bis zu den Ohren, um zu zeigen, welche langweiligen Sachen hier vorgebracht werden. Plötzlich ertönt aus einer Ecke ein ziemlich lautes„xsrsat" und„woun"(fort!). Der Rektor wird blaß»nd steigt vom Katheder. Allgemeine Erregung. Der Rektor begiebt sich unter die Studenten und fordert sie auf. den„Missethäter" beim Namen zu nennen. Ein leises Zischen und Kichern. Der Rektor verließ den Saal und erschien nach einigen Minuten mit mehreren Gendarmen. Aus der verdächtigen Ecke wurden 9 Personen verhastet. Die Erregung wurde immer größer. Die Studenten verließen lärmend den Saal und gingen auf der Straße nicht auseinander, sondern blieben in einzelnen Häuflein, in der Nähe auf- und abgehend. Das Festessen begann und nun kam die Sache erst ins Rollen. Bei der Festtafel erhob sich, wie gewöhnlich, der Rektor, um das Kaiserhoch auszubringen. Man sah seine Aufregung. Er forderte die Anwesenden auf, mit ihm einzustimmen. Seine Stinmie lallte zitternd: Hurrah! Ein leiser Wiederklang; Hurrah! Es schweigen alle. Die Musik spielt:„Gott schütze den Kaiser." Sobald der erste Akkord des Liedes ertönt, setzen sich alle und schweigen. Die Musik bricht ab. Der Rektor zittert vor Zlufregung. Er spricht:„Meine terren, das ist kindisch, das ist empörend--" Ein allgemeiner umult erstickt die Worte des Rektors. Man ruft„wann!" und fordert die Freilassung der neun eingesperrten Kameraden. „Wir lassen sie nicht im Gefängniß schmachten. Aus nach dem Anitschkoff-Palais Und die Menge zog nach der Lireinaja- Brücke. Auf der Straße gesellten sich noch andere Studenten, die sich an dem Essen nicht betheiligen konnten, hinzu, so daß gegen 2000 Studenten im Zuge waren. Die Polizei schritt noch nicht ein. Das erste Zusammentreffen mit der Gendarmerie und den Dwozniks(Hausmänner— die im Dienste der Polizei stehen) war auf der genannten Brücke. Es entstanv ein förmlicher Kampf. Er dauerte nicht weniger als eine, halbe Stunde. Die Dwozniks gingen schließlich auf die Seite der Studenten über, so daß die Gendarmen gezwungen waren, zu weichen. Wir kanien über die Brücke, aber es war schon das Militär herangerufen, welche das ganze Anitschkoff- Palais umringt hielt, so daß wir uns zurückziehen mußten. Bon hier zogen wir unter stetiger Zunahme der Menge, unter der auch viele Bauern und Bürger sich be- fanden, nach der Michael- Manöge. Auch hier ent- stand ein förmlicher Kampf. Die hier anwesenden Offiziere zogen blank und vier unserer Kameraden wurden g e t ö d t e t, viele wurden verwundet. Der„Reichsbote" weiß nur 13 leichte Verwundungen zu melden. Rufe, wie: Fort mit dem Zaren!" (wonn zarfirn) ertönten beinahe ohne Unlerbrechung. Ueberall, wo die Gendarmerie weichen mußte, jubelte das mitkämpfende Volk mit uns. Die Straßen belebten sich. Kutschen, wie es schien, ") Bei feierlichen Gelegenheiten haben die russischen Studenten eine besondere Uniform, mit Degen. Die rechtlose Stellung der Kttl/nen- Angestellten. Bei Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung ist im Reichstag von dem Abg. S ch m id t- Berlin auch auf die recht- lose Stellung der Bühnenangehörigen aufmerksam gemacht und im Anschluß hieran sind in der Kommission einige Anträge gestellt, welche die schlimmsten Uebclstände auf diesem Gebiet beseitigen ollen. Man wird sich nicht verhehlen können, daß diese Zlnlräge bei weitem nicht die ganze mißliche Lage der Bühnenangestelllen beseitigen können. Tie ökonomischen Machtfaktoren treten hier hindernd in den Weg und vereiteln die Absicht des Gesetz- gebers, alle Ucbel an der Wurzel zu vernichten. Immerhin bieten die Anträge eine Abschlagsleistung, die auch in den Kreisen der Interessenten einen lebhaften Wiederhall ge- »»den hat. Bereits haben an 1099 Angehörige dieses Berufes ihre freudige Zustimmung zu den Anträgen schriftlich den An- tragsteller» übermittelt. Aus dem Berufe selbst erklingt sonst selten eine Stimme, welche die Schäden des Theaterledens geißelt. Dabei verfügen die Schauspieler über eine Organisation, die im prozentualen Verhältniß kaum in einem anderen Berufe in gleicher Stärke vorhanden ist. Diese Organisation, die„Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger", vertritt die Interessen der Mitglieder mit >hr viel Rücksichtnahme aus die Gunst der Direktoren. Ihre ausschließliche Aufgabe erblickt sie in der Organisation der Unterstützungskaffen. die jährlich durch das Wohlwollen der Direktoren ungefähr 39 999 Mark von Benefiz- Vor- 'tellungen erhalten. Diese 89 999 Mark sind das Kaufgeld, vurch welches die Erfüllung der Wünsche der Bühnenangestellten in die weite Ferne gerückt wird. Ein energisches Auftreten der Genossenschast birgt jedes Mal die Gefahr in sich, diese Grati- sikation zu verlieren. Bedenkt man, daß die Schauspieler nicht unter die Versicherungsgesetzgebung fallen, so ist der Betrag, den die Unternehmer für Unlerstützungszwecke ihren Angestellte» aus- werfen, ei» äußerst geringer, und erfüllen die Herren nur eine Ver- pflichtung, die in wert höherem Maße von den Unternehmern in der Industrie und dem Handwerk verlangt wird. Muß schon die Vereinigung vielerlei Rücksichten walten lasten, so ist der Schau- spteler in seiner Stellung noch mehr gezwungen, eine allzu freie Kritik über seine Lage zu vermeide», denn auch in diesem Beruf ist das Ueberangebot von Kräften so stark, daß in den meisten Fällen der Direktor für einen Unbotmäßigen sofort Ersatz bekommt. Die kontraktliche Verpflichtung, daß der Angestellte über seine Direktion nachtheiliges nie in die Oeffentlichteit bringen darf, bietet die Handhabe für eine sofortige Entlastung. So ist vieles der Oeffentlichkeit verborgen geblieben, und mancher ahnt nicht, welch tiefer sozialer Abgrund sich ihm offen- mit Staatsbeamten, fuhren sehr eilig nach dem Anitschko ff- Palais zum Kaiser. Eine Gruppe von etwa 299 Mann stürmte das„Kleine Theater", wo„Das Leben für den Zaren" gegeben wurde und erzwang es, daß die Borstellung unter „Pereat'-Rufen abgebrochen ward. Es war schon Morgen, als alle sich zerstreuten. Noch in derselben Nacht wurden viele Haussuchungen vorgenommen und sie werden seitdem täglich forlgesetzt. Eine größere Zahl von Verhaftungen ist noch nicht vorgenommen worden. Wir haben alle unsere Sachen„gereinigt", so daß man nichts vor- finden wird. Am anderen Tage wurde eine Deputation zum Rektor geschickt, welche die Freilassung der verhafteten Ka- meraden verlangle. Der Rektor hat höchst brutal geantwortet. Und die Unruhen nehmen kein Ende. In großen Mengen ziehen die Studenten durch die Straßen. Das Volk, wie Arbeiter, Frauen und Männer begleiten uns. Bei verschiedenen Denk- mälern der russischen Dichter werden Reden gehalten. Die Arbeiter werden aufgefordert, endlich ihr Recht zu verlangen. Die Reden werden von brausendem Beifall begleitet. Viele hören zu mit entblößten Häuptern. Alles ist in Bewegung. Das Militär zieht spielend und singend, natürlich auf„Allerhöchsten" Befehl, durch die Straßen, um die Leute zu betäuben, so daß sie die aufrührerischen Reden und die Seufzer der Verwundeten oder eingesperrten Kawpsgenossen nicht hören sollen. Wir sehen, daß das Volk uns liebt, und mit uns ist. Wir zeigen dem Volke, wohin man es führt und wohin es gehen soll; was es zu fordern hat. Der Kampf ums Recht hat begonnen! Wohlan. tapser und froh! Jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, gehen meine Genossen nach dem Petri-Paluolowski-Ge- fängniß, um dort manche schmachtende Seele, wenigstens von weitem, zu erfreuen. Jch� schreibe diese Zeilen; vielleicht die letzten. Wer kann wissen,' was geschieht. Seid herzlich gegrüßt und wenn mich etwas Menschliches treffen sollte, so vergißt nicht Euren treuen Freund. polittMis AeberNrs,». Berlin, 9. März. Ter Reichstag setzte heute die Berathung über den Militäretat fort und gelangten die einzelnen Positionen desselben ohne besondere Zwischenfälle zum Abschluß. Einige Positionen, wie der Bau einer neuen Kaserne in Worms und Straßburg, wurden in die Kommission zurückverwiesen, was wohl so viel bedeutet, daß diese in der Kommission erst abgelehnten Positionen jetzt bewilligt werden. Bei der Position den Bau neuer Arbeiterwobnungen durch die Militärverwaltung in Spandau betr., glaubte der Abg. Schall sich an den Sozialdemokraten reiben zu können, daß diese gegen so wohl gemeinte Wohlfahrts- Einrichtungen seien. Singer belehrte den frommen Herrn aber dahin, daß unsere Genossen in der Kommission nicht gegen die Arbeiterwohnungen an sich, sondern nur gegen die Bestimmung gesprochen haben, daß der Arbeiter sofort die Wohnung zu verlassen habe, wenn er seiner Gesinnung wegen im Arbeitsverhältniß gekündigt werde. Außerdem monirte Singer die Höhe der Miethspreise. Da sich mich der Herr Kriegsminister in diese Debatte mischte, machte sich unser Redner noch über das ohnmächtige Bestreben der Kriegsverwaltung lustig, aus ihren Werkstätten die Sozial» demokraten ferne zu halten. Das intolerante, an Ketzer- riecherei erinnernde Vorgehen gegen die Sozialdemokratie führe dieser gerade die besten und energischeren Naturen aus dem Arbeiterstande zu.— Im Abgeordnetenhans wurden heute die Berathungen über den Etat der Bauverwaltung fortgesetzt. Der Minister Thielen thcilte mit, daß sich der Verkehr auf dem neu- gebauten Oder- Spree-Kanal außerordentlich günstig ent» wickele. Die Konservativen stimmten aber gegen die AuS- gaben zur Verbreiterung dieses Kanals, weil sein Vorhanden- sein die„landwirthschaftlichen Interessen" schädige. Nachher kamen noch die traurigen Verhältnisse und die große Ge» fährdung der Halligen zur Sprache. Von feiten des Staates soll, wie versichert wurde, alles geschehen, um die gänzliche Abschwemmung des Landes zu verhindern.— Nächste Sitzung ist Montag. Etat der direkten und in» direkten Steuern. Die„Weber" und der Umsturz. Zu unseren Mit- theilungen über da? unter eigenthümlichen Umständen und einem eigenthümlichen Druck erfolgte Abschiedsgesuch des baren würde, wenn er hinter dem LnxrnS der Bühne und der Darsteller, einmal nach der Lebenslage diiser Berussangehörigen forschen könnte. Die Frauen sind mehr der Gegenstand der Aufmerksamkeit gewesen und über die Leiden und Drangsalirungen dieser ge- plaglesten Geschöpfe an den deutschen Theatern ist wiederholt von eifrigen Verfechtern ihrer Rechte der geheimnißvoll« Schleier ihres Daseins gelüftet. Im Kampf sür diese Sache mußte Dr. Mehring seine Stellung als Redakteur bei der Berliner„Volks- Zeitung" aufgeben. Einige sehr beachtenSwerthe Artikel sind im vorigen Jahr» in der Wochen- schrift„Ethische Kultur" aus der Feder der Frau L i l y von G i z y ck y erschienen. Ein langjähriger Theaterkritiker, Paul S chl e n th er. schildert in einer kleinen Schrift den Frauen- beruf im Theater. Daneben sind in der Tagespresse hin und wieder einig« Fälle rücksichtsloser Unlernehmerprakliken bekannt geworden, so daß wohl allgemein in bezug auf die Stellung des weiblichen Bühnenpersonals im Publikum eine größere Kenntniß verbreitet ist. Die Anforderungen, welche die Direktion an die weiblichen Angestellten richtet— Beschaffung kostbarer Garderoben nach Wunsch und Angabe der Direktion— sind so groß, daß ohne Nebenverdienst die Bestreitung aller Be- bürfnisse unmöglich ist. Bei der Erwerbung dieses Neben- Verdienstes wird, wie leicht erklärlich, sehr oft ein Weg ein- geschlagen, wo sittliche und moralische Grundsätze weit abseits liegen. Jedoch soll es hier nicht unsere Aufgabe sein, ein Sitten- gemälde der in diesem Berus Thätigen zu entwerfen. vielmehr hatten wir die Absicht, die aus dem Engagemeiitsverhällniß ent- springende rechtliche oder richtiger rechtlose Stellung der Bühnen- angehörigen zu schildern. Wir nehmen dabei gleich Gelegenheit, die nachstehenden An- träge unserer Genossen in der schon erwähnten Kommission zu'streifen: § 32a. Das Engagementsverhältniß zwischen den Bühnen» angestellten(Schauspieler, Sänger, Artisten) und ihren Unter- nchmern muß für beide Theile gleiche Auskündigungssristen enthalten. Vereinbarungen, welche dieser Bestimmung zuwider- laufen, sind nichtig. Z 32 d. Hat ein Bühnenangestellter rechtswidrig das Engagementsverhältniß gelöst, so kann der Unternehmer eine Entschädigung bis zur Höhe einer Monatsgage fordern. Diese Forderung ist an den Nachweis eines Scbadens nicht gebunden. Durch ihre Geltendmachung wird der Anspruch auf Erfüllung des Verttages und auf weiteren Schadenersatz ausgeschlossen. Dasselbe Recht steht den Bühnenangestellten gegen die Unternehmer z». wenn sie von diesen vor rechtmäßiger Beendigung des Kontrakts entlasten werden. § 320. Sofern von dem Schauspielunternehmer in der Präsidenten des Ober-VerwaltnngSgerichts, Herm Persiu s, schreibt heute die Köller'sche„Berliner Korrespondenz�: Die vom„Vorwörls" gebrachte Nachricht, der Präsident des Ober-Verwaltungsgerichts Persius habe, veranlaßt durch den Minister v. Zlöller, seinen Abschied eingereicht, ist von Zln« fang bis zu Ende erfunden. Der Minister v. Köller bat weder schriftlich, noch mündlich mit dem Präsidenten Persius über das bekannte Erkenntniß des Ober-Verwaltungsgerichts betr. die Aufführung der„Weber" verhandelt. Auch davon, daß der Präsident Persius eine Audienz bei Er. Majestät de», Kaiser nachgesucht habe, ist an maßgebender Stelle nichts bekannt. Das Dementi konimt etwas spät und läßt sehr viele Deutungen zu. Konstatiren können wir, daß unsere Mit- tbeilungen richtig waren. Daß Herr von Köller die Verhandlungen mit Herrn Persius selber geführt hätte— durch welche Verhandlungen Herr Persius ver- aulaßt werden sollte, diejenigen Räthe, die für die Auf- Hebung des polizeilichen Aussührungsverbots der„Weber" gestinimt hatten, in einen anderen Senat zu bringen, um das Drama dann durch den berühmten Herrn Kuntze, der im Sinne der Polizei gestimmt hatte, und ähnlich urthcilende Richter verbieten zu können— haben wir nicht behauptet, sondern ausdrücklich das Eegentheil gesagt. Ob das Andienzgesuch des Herrn Persius an„maßgebenden" Stellen bekannt ist oder nicht, ist gleichgiltig. Daß der Präsident des Ober-Verwaltungsgerichts vom Kaiser „geschnitten" und nachher in eine Unterhaltung gezogen wurde, die Herr Persius nicht zu den freundlichen Erinnerungen seines Lebens zählt, hat Herr v. Köller ni ch t dementirt.— Was sich seil jenem Zeitpunkt, an dem wir das Abschiedsgesuch des Präsidenten an die große Glocke hingen, hinter den Konlifsen zugetragen hat, wissen allerdings auch wir nicht. — Hat vielleicht gar der„Vorwärts" Herrn Persius die Stelle gerettet?— Eine historische Reminiszenz. Der Ober- Umsturz. bekäinpfer Rintele» hat im Jchre 1861 für den preußischen Landlag als Fortschritller kandidirt.— Herr Bronsart von Tchellendorff als Sozialisten- vernichter. Eine Lokalkorreipondcnz meldet das folgende: Die zur Beamteukategorie gehörenden Hilfstechniker, Zeichner, Bmi-Aufscher. Schreiber welche bei den Mililärverivaltungen im LohnverhäUiiisse sich besiiiden, fallen fortan ebenfalls unter diejenigen Bestimmungen des Kriegsministeriums, welche kürzlich in einem Erlaß an die Jntendanluren über die Zugehörig- keit von Arbeitern zur Sozialdemokratie bekannt gegeben worden sind. Danach sind solche Personen, welche für Zwecke der Sozialtenwkraiie thälig sind oder sozialdemokralischen Verbindungen angehören und in Betrieben der Mililär- verwallungcn Besckäitigung gefunden haben, fortan ohne Angabe der Gründe zu entlassen resp. soll ihnen sofort gekündigt werden. Bei Personen dieser Art, welche indeß nur unter dem Verdachte solcher Hantlungsweise stehen, hat sich der betr. Leiter der niililäri- scheu Anstalt nach der Bestätigung eines solchen Verdachts bei der zuständigen Polizeibehörde zu erkundigen und danach das weitere zu veranlassen.— Der„Reichs. Anzeiger" schreibt zn unserer Notiz „Nickt der Kriegsminister, sondern Bebel hat recht!": Dem gegenüber stellen wir folge»! es fest: Das Vertrags- formular, welches der„Vorwärts" auszugsweise nebst dem als Anlage gegebenen Reverse abdruckt, entspricht einer Verfügung des Militär-Ockonvmie- Departements vom 12. Januar 1879 (Nr. 867/11 �l. O. D. 2). Tiefe Verfügung aber ist aufgehoben worden durch den Erlaß des jetzigen Kriegsmiuisters an summt- liche Intendanturen vom 2. Februar 189b(Nr. g99/9-l geb. B. 2). Der Kricgsminister war also mit seiner Behauptung völlig im Recht. Wenn dem so ist, so dürfte die Veröffentlichung der Verlragsheslimnlungen durch den„Vorivärts" ihre Wirkung ausgeübt haben.— Wirkung der Tabaksttiier-Dorkage. Sämmtliche Tabak- ilnd Zigarrensabrikanle» von Mühlhausui in Th. richteten am 8. März eine gleichlautende Eingabe an den hiesigen Magistrat und die hiesige Handelskammer, in der sie erklären, wenn der 8 1 der Tabak-Fabrikatsteuer-Vorlage voni R e i ch s t a g a n g e n o ni m e n werden sollte, müßten sie ihre gesammten Fabriken schließen und sämmtliche Arbeiter entlassen. Hierzu seien sie ge- zwnngen, da sie, wenn der Paragraph angenommen werden sollte, keine Bcschäslignng für ihre Arbeiter hätten; schon heute Bnhncnordnnng gegen die Angestellten Strafe» vorgesehen sind, dürfen diese ein Viertel der Tagesgage nicht überschreiten. Alle Strafgelder müssen an die Unterstützungskaffe der Deutschen Bühnengenossenschaft oder eine andere Kasse, welche die Unterstützung der Angehörigen dieleS Berufes zum Zweck hat, übergeben werden. § 32d. Für die ans dem Engagementsverhältniß entstehenden Streitigkeiten sind nur die ordentlichen Gerichte zuständig. § 38e. Die Vermittelungsgebühr der Theateragenturen oder ähnlicher Unternehmungen, die sich mit der Vermittelung der Engagements beschäflige», darf L>/s pCt. der vereinbarten Gage des erste» Jahres nicht übersteigen. Abmachungen eines höheren Prozentsatzes und über diese Zeit hinaus sind nichtig. Für den Schauspieler findet man weder in der Gewerbe- Ordnung noch sonst in der Gesetzgebung eine Bestimmung, die dem Unternehmer irgend eine Schranke auferlegt, gegenüber den Anforderungen»nd konkraktlichen Verpflichlungen, die letzterer seinem Personal auferlegt. Damit ist natürlich dem ökonomisch Stärkeren die Macht gegeben, äußerst drakonische Bestimmungen in den Kontrakt aufzunehmen, die ihm das Recht geben, ganz willkürlich über das Geschick seines Untergebenen als un> nmschränkler Gebieter zu verfügen. Zunächst ist es die ungleich. mäßige Kündigungsfrist, die zu einem schwer empfundenen Uebelstand für den Angestellten geworden ist. Diese rechtliche Stellung gestallet sich meist folgeuderniaßen: Zu Beginn des Spieljahres engngirt der Direktor für jedes Fach mehrere Kräfte. Je gewiffenloser er ist, je mehr macht er von dieser Gewohnheil Gebrauch. Natürlich genügen für seine Bnbne ein oder zwei Darsteller dieses Faches. Damit er nun die überflüssigen Kräfte los wird, heißt es in dem Kontrakt, der Angeüellle kann im ersten Monat entlassen werden; nur wenn dies nicht geschieht, tritt der Kontrakt seinem ganzen Inhalte nach in kraft. Für den Angestellten sind diese vier Wochen ein Hoffen und Bangen in schivebender Pein. Wer wird von der Heerde ausgeschieden? Das ist die Frage, die jedem auf dem Gesicht geschrieben stebt. Wird er selbst von diesem Loos betroffen werden. Geschieht es, so ist er in den meisten Fällen für das beginnende Spieljahr ohne Engagement, da sämmtliche Bühnen zu Anfang der Saison die Schauspieler engagirt haben, und sonnt ein neiies Placement schwer zu finden ist. Daß bei dieser Konknrrenzjagd der An- gestellten um das Engaaement sich die unwürdigsten Verhältnisse herausbilden, ist klar. Einer sucht dem anderen das Feld streitig zu machen und zuletzt komnit der Unternehmer und drückt ein wenig die Gage herunter. Unter den vielen findet sich immer einer, der auf ein Angebot zuschlägt. Selbstverständlich hat der Angestellte nie das Recht, im ersten Monat das Verhältniß zu lösen. Nehmen wir an, er hat nun» mebr den Kontrakt ans fünf Jahre abgeschlossen, so bedingt sich wiederum der Direktor auS, in jedem Jahre ihm zu kündigen, oder doch im zweiten und dritten Jahre. Diese Kündigung er- sei die Geschäftslage derart, daß sie über kurz oder lang mit Arbeiterentlassungen vorgehen müßte», falls nicht schleunigst die Ablehnung der Vorlage erfolge.„Sckon heute machen wir", schließt die Eingabe,„dem wohll. Magistrat(Handelskammer) obige Miltheilung, damit uns später keinerlei Vorwürfe treffen können, und wir möchten ganz ergebenst die Bitte aussprechen, mit geeigneten Vorstellungen an den Reichstag vorzugehen." Die in Enger in Westfalen bestehenden Zigarrensabriken haben sich nach Meldung der„Verl. Ztg." leider genöthigt gesehen, in- folge des schlechten Geschäftsganges, hervorgerufen durch die Be- unruhigung der Tabaissteuer Vorlage, ihre Arbeiter nur halbe Tage arbeiten zu laffen und dieselben in der Weise zu kündigen, daß im Falle irgend eine weitere Besteuerung des TabakS statt- finden sollte, die Leute sofort entlassen werden können. Die Arbeiter sind truppweise vor das Amt marlchirt mit der Bitte. wegen der ihnen drohenden Gefahr bei der Regierung vorstellig zu werden.— Arbeiterschutz im Biickergewerbe. Zu den Gesetz- entwürfen, die dem Reichstage in der laufenden Tagung noch zugehen dürften, gehört bestem Vernehmen der„Mit. Pol. Korresp." nach auch der, betreffend die Regelung der Arbeitszeit im Bäckereigewerbe. Wir wollen die Bestätigung der Meldung abwarten.— Die braven Junker. Jetzt, wo ihnen die Leute vom Lande weglausen, weil sie nickt wie Hunde behandelt sein wollen, sind die Herren Junker auf einmal fromm und menschenfreundlich geworden und versprechen den ländlichen Arbeitern goldene Berge: Gewinnbetheiligimg, Revision der Gesinde- Ordnung, Wohlfahrtseinrichtnngen aller Art,— kurz:„Herz, was verlangst du".(Siehe die 23. Sitzung des Landwirthschaftsraths.) Ob die ländlichen Arbeiter ans den Leim gehen werden? Wie lautet doch das famose englische Lied?: IVdsn tbs devil was sick— als der Teufel krank war, wurde er Mönch und betete; und als er wieder wohl war, da war er wieder der Teufel. Unsere Junker werden nie aufhören Junker zu sein. Und dazu gehört, daß sie jeden Nicktjunker, wenn er nicht Millionen hat und anpnmpbar ist, als einen Menschen zweiter Klasse betrachten und behandeln— so lang dieser sich's gefallen läßt.— Der Rothkoller. In sächsischen Zeitungen lesen wir: Bautzen, 7. März. Drei no» unmündige Burschen standen vor kurzem vor der Strafkammer des hiesigen Land- gerichls, um sich gegen eine Anklage wegen Erpressung zu verantworten. Die hoffnungsvollen Jungen hatten an einen Landwirth hiesiger Gegend wiederHoll die mit schweren Drohungen begleitete schriftliche Aufforderimg gestellt, an einen bestimmten Ort Geld zu legen. Der Schluß lautete wiederholt: „Hoch lebe die Anarchie!" Für ihre Streiche erhielten sie die wohlverdienten Strafen von einem Jahr Ge- f ä n g n i ß bis 2Vs Jahre Zuchthaus, sowie Stellung unter Polizei-Aufsicht. Die Worte:„Hoch lebe die Anarchie!" scheinen auf die Herren Richter sehr aufregend gewirkt zu haben. 1 Jahr Eefängniß bis 2Vs Jahre Zuchthaus für einen solchen Tummenjungenstreich„unmündiger Burschen"— das ist jedenfalls ein starkes Stück, und nur erklärbar aus der herrschenden Umsturz-Jnfluenza.— AuS dem Königreiche Stumm wird uns zur Ergänzung und theilweiser Berichtigung einiger Angaben in unserem Leil- artikel„Aus dem Königreiche Stumm" geschrieben: Die Handeltreibenden der bei.» Städte St.-Johann und Saarbrücken haben von jeher Gegner Stumm'S in die Hnndelskannner zu Saarbrücken gewählt. Nun war bis vor etwa Jahren die Minderheit gegen den„geborenen" Vorsitzenden der Kammer weit stärker als jetzt, und Herr v. Stumm setzte daher im Verein mit dem Bezirkspräsidenten zu Trier eine andere Eintheilung der Handelskammer- Wahlbezirke durch, die die Opposition bedeutend schwächte. Herr Schade, der gegen die Adresse an Stumm gestimmt hat, ist von jeher dessen Gegner. Er hat z. B. in Sachen der Mosel- und Saar-Kanalisalion, die dank Stnmm's Einflüsse nicht vom Flecke kommt, die Stumm'sche» Bestrebungen a»fs heftigste bekämpft. Mit ihm die Besitzer des großen Völklinger Stahl- und Eisenwerkes, in deren Vor- thcile die Kanalisirnng ebenso liegen würde, wie sie dem Vortheile des Königs Stumm entgegengesetzt ist. Sie sehen, die Opposition gegen Herrn v. Stumm ist keineswegs neu. Auf dem sogenannten Mosellandtage i. I. 1890 zu Koblenz(und 1889 zu Trier) hat Herr v. Stumm außer demjenigen des Völklinger Werkes den folgt oft zu einer Zeit, wo bereits die Engagements für das nächste Cpieljahr abgeschloffen sind, der Künstler also wenig Aussicht aus eine neue Stellung hat. Wehe dem Unglück- lichen, der es wagt, willkürlich das Verhältniß zu lösen. Ein Bannstrahl der wirksamsten Art verfolgt ihn Zeil seines Lebens. Der mächtige„Bühnenverein" bezeichnet ihn als kontraktbrüchig und damit sind für ihn alle Thealer geschloffen. Nur sehr begabt« Künstler vermögen sich in einem solchen Falle vor einem gänzlichen Ruin zu schützen. Diese Verrufserklärung erfolgt aber nicht etwa nach Anhören eines Gerichls, sondern es genügt, wenn die Direktion mittheilt, der Betreffende ist bei mir kontraktbrüchig geworden. Eine weitere Strafe wird dem Sünder durch die Zahlung einer Konventionalstrafe auserlegt, die oft das ausbedungene ganze Jahreseinkommen weit über- schreitet. Das Eintreiben einer solchen Konventionalstrafe ist allerdings nicht selten ein fruchtloses Bemühen, denn bekannt- lich gehören von den Schauspielern nur sehr wenige zu den Leuten, die solchen Anforderungen gleich gewachsen sind. Jedoch wird sehr oft in Ralenznhlungen auch diese Summe eingetrieben. ier ist in betreff der Anträge, welche die Abg. Schmidt und eißans eingebracht haben, in den betheiligten Kreise» eine irrige Auffassung verbreitet. Man glaubt, der Angestellte kann jeder Zeit vom Direktor entlassen werden, wenn er als Entschädigung den Betrag einer Monalsgage erhält. Dem ist nicht so. Nach tz 82b hat der Schauspieler die Wahl bei unrechtmäßiger Entlassung auf Erfüllung des Kontraktes zu klagen und einen nachweisbaren Schadenersatz zu fordern oder ohne diesen Nachweis nur den Betrag einer Monats- gage zu beanspruchen. Seine rechtliche Stellung gestaltet sich also gegenüber dem heutigen Zustand bedeutend vortheilhaster. Aus der anderen Seite sind aber die bis ins Blaue hinein geforderten Konventionalstrafeu beschnitten. Ueber die Höhe und Verwendung der Strafgelder brauchen wir nicht viel zu sagen, die Vorschläge entsprechen den bereits in der Gewerde-Ordnung enthallenen Beslimmungen. Einige anständige Direktoren verwenden auch die eingegangenen Gelder bereits zu dem vorgeschlagenen Zwecke. Die Anträge wollen nun weiter die bisherige Gerichtsbarkeit ändern. Im Kontrakt verpflichtet sich der Bübnenangeslellte, nur das Bühuenschiedsgericht anzurufen. Das Bühnenschiedsgericht besteht aus drei Direktoren, drei Schauspielern und einer un- parteiischen Person, die als Obmann von dem„Bühnenveretn" (Unternebmervereinigung) bestellt wird. Das Beriabren vor diesem Gericht ist ein äußerst langwieriges. Ist die Streitsache von beiden Theilen schriftlich dargelegt, so giebt der eine Richter sein Votum in der Sache ab und nun werden die Akten nach einander von einem Mitglied des Richterkollegiums zum anderen geschickt; also ein sogenanntes schriftliches Verfahren. Sind die Richter gleicher Meinung, dann wird der Spruch nicht allzu lange Widerstand de? ganzen Niederrhein», de» Sirgerlande»«nd aller Städte von Saarbrücken bis Koblenz gegen sich gehabt, sogar auch denjenigen des Landraths und Kreistage» zu Saar» bürg, waS aber natürlich nichts geholfen hat.-- Württembergischer Landtag. In der Freitag. Sitzung wurde die Nothlage derLandwirthschaft debattirt, man kam damit aber nicht zu Ende. Ziffern 22—23 des Adreß» entwurfs sind der Landwirthschast gewidmet und beschäftigen sich mit Steuerentlastung der kleineren Betriede, Hagelversicherung, Vieh- und Pferdezucht, Staatszuschuß bei Einquartirung, Aufkauf der Feldfrüchte durch die Proviantämter, Wildschadengesetz, Be- stellung landwirthschaftlicher Sachverständiger, Kreditinstitute, Förderung der Genossenschaften. Die Debatte war, wie voraus- zusehen, eine sehr lebhafte. Freiherr v. O w jammert über die niederen Getreidepreise, wie sie seit Menschengedenken noch nie gewesen sind, und Ministerpräsidentv. Mittnacht kündigt baldige Tarisermäßigung bei Kunstdünger an. Eine sehr wichtige Aufklärung gab Oekonomieralh Stockmayer(parteilos) indem er die Raisseisen'schen Kreditkassen, die vor ein paar Jahren gegründet wurden, um die Bauern vor dem Sozialismus zu schützen, in ein sehr schlechtes Licht stellte. ES sei ihm ein« ganze Reihe von Gemeinden bekannt, in welchen sich solche Kassen von ihren Mitgliedern sechs Prozent Zins be- zahlen lassen. Im großen Ganzen müsse sich die Landwirthschast selbst helfen, der Staat sei keine melkende Kuh und dem Autrag K a n i tz stehe er vollständig unsynipatisch gegenüber. Freiherr v. Gaisberg(Vorstand des Bundes der Land- wirlhe in Württemberg) ist ebenfalls kein Freund des Antrages K a n i tz, er glaubt nicht erst die Nothlage der Landmirthschaft betonen zu muffen, aber er und seine Freunde verfechten den Antrag Kanitz nicht in der Weise, wie die nord- deutschen Konservativen, denn sie glauben� daß ihnen der Antrag unter Umständen mehr schaden als nützen werde. Freiherr v. Wöllwarth meint, daß die längste Rede der Landwirthschast nicht helfe und hält die Durchführung d«S Antrages Kanitz ebenfalls für undenkbar. Genosse Kloß wendet sich gegen einige Ausführungen der Redner und meint, daß, wenn über Arbeitermangel in der Landwirthschast geklagt werde, die Löhne eben sehr schlecht seien, den gewerblichen Arbeitern auf dein Lande werden wöchentlich 6—9 M. bezahlt und die Landwirthschast zahle noch schlechter. Redner kommt auf das Nolhstandsiahr 1893 zu sprechen und führt a»S, daß die Regierung nicht ihre Schuldigkeit gethan habe. Interessant ist, daß sämmtliche Redner sich als Gegner des An- trags Kanitz bekannten. Nach Schluß der Generaldebatte wird in die Einzelberathung eingetreten und Ziffer 22 und 23 an- genommen. Die Weiterberatyung findet Sonnabend statt.— Die Abgeordnelenkammer hat den Adreßentwurs mit 60 gegen 13 Slimmen angenommen. Gegen denselben stimmten bloS die in der Sitzung anwesenden Ritter und Prälaten.— Der„Cchtvabische Merkur", das nationalliberale württem- bergische Muckerblatt, schreibt: Bekanntlich wurde der Adreßentwurs bis zum Beginn der Kamniersitzung des letzten Dienstag geheim gehalten. Der sozialdemokratische Berliner„Vorwärts" hat den Grund für diese Maßregel entdeckt. Er bespricht die Adresse und schreibt:„Es ist jetzt leicht begreiflich, daß diese Adresse bis zu ihrer Plenum- berathung geheim gehalten wurde; jedenfalls fürchteten die Herren vor der Berathung die Kritik des Volkes." Die „leitende" Kammerpartei, die Volkspartei, bekommt bald von iozialdeniokratischer Seite dieselben Vorwürfe zu hören, die die erster« bisher so gerne der früheren Kammermehrheit entgegen- geworfen hat. Warum der Adreßentwurf geheim gehalten wurde, weiß also das Kapitalistenblatt auch nicht, es könnte sich also mit unserem angeführten Grund zufrieden geben. Wenn der „Merkur" aber glaubt, daß wir mit der Volkspartei liebäugeln, oder gar später etwas vertuschen wollen, so ist er auf dem Holzwege.— Die österreichischen Christlich-sozialen«nd der Papst. Der Papst hat sich in einem Schreiben an den Fürsten Alois Lichtenstem in sehr verklausulirter Weise gegen die antisemitische Agitation der österreichischen Christ- lich-sozialen gewandt.— Nmsturzbekämpfung in Ungarn. Au» Budapest wird tclegraphirt: Anläßlich der in der Provinz gegen die Sozialisten geführte» Gerichtsverhandlungen verbreite! die sozialistische Partei in ganz Ungarn Flugschriften. Der Justizminister verfügte die Konfiszirung dieser Flugschriften, sowie die des Arbeilerblattes „Volksstimme". In der Druckerei„Gulenberg" und in der Re- daklion der„Volke stimme" wurden Haussuchungen vorgenommen. Die schweizerische Miliz. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Ueber die Kritik der schweizerischen Armee im auf sich warten lassen. Jedes abweichende Votum kursirt aber nochmals bei sämmtliche» Richtern und dehnt sich nun die Urlheilsverkündigung bis ins Unendliche aus. Dabei haben die Bühnenangestclllen ein nur zu berechtigtes Mißtrauen gegen den allzu große» Einfluß der Unternehmer und seil dem Fall„Häver- land" sind die Mitglieder der„Genossenschaft" von dem Schieds- gericht zurückgetreten, weshalb jeyt ganz»nd gar die richterliche Thäligkeit von de» Unternehmern ausgeübt wird. Zum Verständniß der Leser müssen wir kurz die Angelegenbeil des Fräulein Häver- land niitlhcilen. Die belreffcnde Künstlerin glaubte, die Direktion vom Lessing-Theater habe sie zu unrecht enilassen. Im Bühnen- Schiedsgericht, dem der Streit zur Beurlheilung überiviesen war, gewann es den Anschein, als ob auch ein oder einige Direktoren zu der gleichen Auslassung neigten. Flugs beschloß nun das Schiedsgericht, um bei den Herreu Direklorcn nicht anzustoßen, die Sache an das ordentliche Gericht zu verweisen. In sehr richtiger Erkennlniß ihrer Stellung sind darauf die Mitglieder von dem Schiedsgericht zurückgetreten. Ueber die Theateragenturen eine eingehende Kritik zu geben, fehlt hier der Raum. Der„Buhneuverein" hatte schon selbst die Absicht bekundet, hier eine Aenderung eintreten zu laffen. Böse Zungen wollen behaupten, es soll eine Strafe für die rabiaten Angestellten sein, daß man die Angelegenheit bisher immer hinausgeschoben hat. Das mag schon sein, aber die Theater- agenten sind auch für die Herren Direkioren keine unbedeutenden Leute, die man so beiseil« schieben kann, und als vor einiger Zeit dieses beabsichtigt wurde, hielt man den Herren Direktoren ein« derbe Strafpredigt. Mit den beiden Leutchen ist es so; eine Hand wäscht die andere. Ist der Direktor im„Dalles", hilft»hm der Agent � dafür erhält der letztere den Auftrag, die Engagements zu vernntleln, was ihn» die Kleinigkeit von 5 pCt. der vereinbarten Gage einbringt, und seine Ansprüche erlöschen auch dann noch nicht, wenn der Kontrakt erneuert wird. Er ermäßigt allerdings hier seine Forderungen auf 3 pCt. Daß diesem Unwesen gesteuert werden muß, bedarf keiner nähere» Begründung. Das einzig richtige wäre es. überhaupt diese Agenturen zu beseitigen. Zu dem gleichen Urtheil kommt auch in einer Broschüre, betitelt: Die Theaieragcntur, der Ver» saffer, Landgerichlsrath Bischoff, Syndikus des deutschen Bühnen- Vereins. Er läßt sich darüber in folgender Weise aus: Die Thätigkeit der Theateragenturen ist ein vernichtend wirkender Krebsschaden für die ausübende dramatische Kunst und mein vetorum osnssc» geht unbedenklich dahin: Fort mit den Theateragenturen! Am Sckluß wollen wir noch darauf hinweisen, wie Nvth- wendig es ist, auch diese Berusskategorie in die Kranken- und Nnfallversicherungs-Gesetze einzureihen. Wie weit die Absichten unserer Genossen in Erfüllung gehen, ist vorläufig nicht abzusehe», die Schauspieler würden gewiß in vieljacher Be« ziehung dies« Aenderungen freudig begrüßen. d e u t s ch e n Reichstag«, jiamentlich durch den FriedeuZ. vereinler Rickert, und die Ansschlachtung des niederen Mach- rverkes des Majors Gcrtsch ist man in der Schweiz nicht sehr erbaut. Daß der Sozialdemokrat Liebknecht die schweizerische Miliz aber gut verlheidigte, und zwar unbestritten mit Sach- kenntniß, ist vielen Gutgesinnten, die das ganze Jahr ihr Gift gegen die Sozialdemokratie verspritzen, recht„peinlich". Ueber die abfällige Kritik setzt man sich aber mit dem jedenfalls begründeten Tröste hinweg, daß die Heeresleitungen in Teutschland und anderen Länder» über die Vorzüge und Mängel der schweizerische» Milizarmee so gut unterrichtet sind, wie die leitenden Kreise in der Schweiz selbst, und daß also für die Armee aus dieser ausländischen Parlamentskritik keinerlei Nach» theile erwachsen werde». Erbittert ist man aber allgemein über den Musterpatrioten und Milsteroffizier Gertsch, der mit seinen maßlosen Uebertreibungen das Ansehen der schweizerischen Miliz im Auslande herabgesetzt hat.„Dergleichen Streiche gegen unsere Wehrkraft hat noch kein Friedensfreund, kein Sozialdemokrat, nicht einmal irgend ein ausgewiesener „Anarchist" vollbracht! Und ei» solcher Mann ist wirklich immer noch aktiver Offizier der schweizerischen Armee?! Ja, wer verdirbt denn die Disziplin und schädigt die Armee, ihr Herren Obersten?" fragt der„Grütlianer" mit vollem Recht. In der„Monatsschrift für Offiziere aller Waffen" schreibt der Oberst H u n g e r b n h l e r:„In unfern Manövern stellen wir größere Anforderungen an die Truppen als unsere Nachbar- armeen; unsere Herbstübuugen übertrumpfen oft an Kriegs- gemäßbeit den Krieg selbst." Was sagen zu dieser Aeußerung die Gertschfreunde und Milizfeinde?— Ein GotteSschutz» Gesetz in Rußland. Durch ein heute veröffentlichtes Gesetz wird die Einfuhr aller Waaren und Gegen- stände aus dem Auslande nach Rußland verboten, welche einen Charakter der Nichtachtung des Heiligihums, der Gotteslästerung oder der Rcligionsverspottung tragen, oder welche mit Stempeln oder Etiketten versehen sind, die heilig« Tarsiellungen enthalten, denen ein solcher Charakter beigelegt werden kann.— Rußland. Am vorigen Mittwoch erwähnten wir des Pro- zesses wegen der Ermordung eines Studenten, namens Domnar. Die wirre Fassung des betreffenden Telegramms ließ uns an einen politischen Prozeß glauben. Dem ist aber nicht so. Ei handelt sich um einen Mord aus Eifersucht oder Rache, der jedes politischen Momentes entbehrt.— Chinesisch-japanischer Krieg. Nach den letzten Nach richten vom Kriegsschauplatz haben die Japaner 5?okan ohne Widerstand besetzt.— Die erste Division der zweiten Armee eroberte Ainkow. Die Knslenforls leisten noch Widerstand. Weiter wird gemeldet: Die erste und zweite japanische Armee haben sich bei Iinkow vereinigt. General Sung hat sich nach der Niederlage bei Ainkow nach Thienchuangtai zurückgezogen.— Die Sklaverei in Zanzibar und Pcmba. Bei Berathung des Nachtragskredits von SOO Pfund zur Unterdrückung der Sklaverei beantragte Pease iin Unterhause, den Posten um IVO Pfund herabzusetzen, um gegen die Fortdauer der Sklaverei in Zanzibar und Pemba zu protestiren. Der Parlaments-Unter- sekrelär des Auswärtigen, Grey, erwiderte, daß die bei der Rc- gierung eingegangenen Berichte die Schwierigkeiten der Beseiti- gung der Sklaverei größer erscheinen lassen, als von manchen an- genommen werde und daß andererseits die Behandlung der Sklaven eine weil weniger drückende fei, als dargestellt worden. Die heimliche Einfuhr von Sklaven sei nicht so ausgedehnt als angegeben wurde. Als das Haus es für angemessen erachtete, darauf zu drängen, daß die Zeitgrenze für die Forldauer der dortige» Sklaverei eine sehr kurze sei, habe die Regierung eine Reihe von Be- richten angeordnet, um dem Hause Material für die Beschlußfassung an die Hand zu geben. Die bis jetzt eingetroffenen Auskünfte er- geben, daß die Aushebung der Sklaverei wahr- scheinlich eine Berniinderung der Steuer- ein gange in Zanzibar im Gefolge haben werde; das Haus müsse gegebenenfalls auf eine Er- gänzung des Aussalles gesaßt sein.— Cuba. Nach einer Depesche aus Tampa haben die cubani- scheu Ausständischen das 30 Meilen westlich von Habana gelegene Vinales eingenommen, 40 Mann der Besatzung getödtet, Waffen und Munition erbeutet und das Stadthaus geplündert.— Haiti. Die hiesige Gesandtschast der Republik Haiti giebt bekannt, daß nach den ihr von der dortigen Regierung zu- gegangenen Mitrheilungen im Lande vollkommene Ruhe herrsche; das vorgestrige Telegramm der„New-Iork World" aus Jamaica entbehre somit jeder Grundlage.— PavkeiuackU'tiftleu. Aus dem Kreise Lyck- Oletzko- Johannisburg. Wie in diesem Kreise die Konservativen hinter den Koulissen gehandelt, geserlscht, intriguirt habe», ist durch die Veröffentlichung von Korrespondenzen der Spitzen dieser Partei genügend bekannt ge> worden. Waren bei dem Kampfe der Ordnungssippe unter sich niedrige Ränkesucht, gemeine Jntrigue die beliebtesten Waffen, so bekamen während des Wahlkampfes die Sozialdemokraten die brutale Gewalt der Gegner zu spüren. In welcher Weise in jenen zurückgebliebenen Gegenden, wo der Ochsenjunker, unterstützt vom Gendarm und einer verdummten, fanatischen Masse, noch die un- umschränkt« Herrschaft ausübt, die Wahlsreiheit vergewaltigt wird, davon hat der städtische Proletarier, obwohl keineswegs ver- wöhnt, doch kauni eine Ahnung. Um unser» Lesern eine» leisen Begriff von jenem Landidyll zu gebe», wollen wir in nachstehendem eine Schilderung der dortigen Zustände nach uns zugegangenen Briefen von Parteigenossen folgen lassen. Unser Gewährsmann hat hauptsächlich die Kreise Lyck und Oletzko bearbeitet. Am Sonntag, den lv. Februar, so schreibt er uns, kamen 6 Genossen von Königsberg, uni uns bei der Agitation behilflich z» sein. 4 Mann ginge» nach Johannisburg, um dort unser» Kandidaten, den Gutsbesitzer Ebhardt zu unterstützen. Wir gingen S Mann stark nach Borczymmen. Dort wurden die zwei K önigsberger Genossen verhaftet, trotzdem sie Legitimation bei sich hatten. Unser Berichterstalter depeschirle an den Minister des Innern, welcher die Freilassung der Jnhaftirten verfügte, so daß sie nach drei Stunden wieder Jrei waren. Während die Genossen nun weiter fuhren nach tallinowen, mußte der Telephon seine Schuldigkeit gelhan und die Ankunft der Uufftürzler gemeldet haben. Im Gasthaus bestellten sie Grogk, erhielten aber keinen. Die große Schank- stube füllt« sich mittlerweile mit IS bis 20 Knechten, die mit großen Knüppeln versehen waren. Auk das noch- malige Verlangen nach Grogk wurde den Bestellern kurz und. bündig erklärt, daß sie überhaupt nichts erhalten würden. Die nunmehr Betrunkenen fingen bereits an zu stoßen und nur mit Mühe und Noth gelang es den Genossen hinaus zu schlüpfen l nd auf ihrem Schlitten zu entkommen. Bis Dienstag, wo wir wieder in Lyck mit den übrigen Genossen zusammen trafen, war ein Theil des Kreises mir Flugblättern belegt, die einzige Agitation, die wir entsalten können. Genützt hat es wenig, denn Gendarme», Ortsvorsteher und Schulmeister sammelten dieselben und die Wahlzettel wieder ein. Später war die Agitation zu Fuß überhaupt unmöglich ge- worden, der Schnee lag an manche» Stellen meterhoch; es mußten deshalb 6 Fuhrwerke gemiethet werden, die mit 12 Mann besetzt wurden. In Z e i s e n ließ ein Gutsbesitzer bei unser», Er- scheinen den AmtSvorstand und die Schöffen zusammenrufen, um uns verhasten zu lassen. Schließlich wurde aber davon Abstand genommen; auch hier nahm man den Leuten Flugblätter und Wahl» zeltel wieder fort. In einem anderen Orte, Merossen. ließ man einen Arbeiter, von dem man wußte, daß er schon 1SS3 sozialistisch gewählt hatte, einfach garnicht wählen, man entfernte ihn aus dem Lokal. Alle als Sozialdemo- kraten bekannten Personen(worunter hier viele kleine Hof- bescher) werden au? äußerste chikanirt.— In Neuendorf, Monethen, Borken, kurz fast in allen Dörfern wurden die konservativen Stimmen mit Schnaps und Zigarren gekaust. Zehn Fleischermeister in Lyck stellten während der Wahl ihre Fuhrwerke für 10 M. pro Tag zur Verfügung; am Wahltage hatten wir gegen 70 Mann gegen uns, wir waren vier. Die meisten Maurer, Schniiede und Schlosser waren in den Listen gar nicht ein- gelrage», aus welchen Gründen kann man sich denken. Da ist es wohl'kein Wunder, daß'wir nicht ganz 1500 Stimmen bekommen haben, wo wir mindestens auf 3000 rechneten. Nun kommt aber noch in betracht, daß wir nur den halben Kreis belegen konnten. Den ganzen Kreis bei dieser Zeit zu bearbeiten, war unmöglich, wenn man bedenkt, daß der Kreis 18 Meilen im Durchmesser hat. Viele Ortschaften sollen gar keine Wählerlisten gehabt haben. Unser GewährsmaiM glaubt so sehr an den Erfolg unserer guten Sache, daß er meint,„beim nächsten Gang" müffe der Wahlkreis uns zufallen. Wenn wir auch einem solchen Optimis mus keinen Raum gewähren können, so zeugt das zum mindesten von der Ueberzeugungslreue und dem Kampsesmulh. von dem unsere Ge nossen im fernen Osten beseelt sind. Da eine politische Organisation im Kreise noch nicht besteht, so wollen die Genossen demnächst mit der Gründung eines Wahlvereins vorgehen. Fassen wir noch ins Auge, daß Versammlungen unserer Partei gar nicht ab- gehalten werden konnten, so ist die erreichte Stimmenzahl aller- dings eine überraschend große und bietet keine» Grund zu über- triebenem Pessimismus, � Ten Boykott über das Lokal„Tivoli" mußten die Sozial- demokraten iu Goslar verhängen, da ihnen der Wirth das Lokal zu einer Prokestversammlung gegen die Umsturzvorlage verweigerte. •• Die Sozialdemokraten gedeihen auch in den Alpe«. In Innsbruck(Tyrol) ist die Bewegung bereits sehr erstarkt. Der Boykott, den die Sozialdemokraten wegen Saalverweigerung über das Brauerei-Etablissement„Adambräu" verhängt haben, ist dein letzteren bald ziemlich unbequem geworden, so daß bereits Verhandlungen wegen Aufhebung der Verrufserklärung eingeleitet wurden. Diese haben jedoch bis heute zu keinem positiven Resultat geführt; unterdessen betreiben unsere Genossen beim Zivil- und Mililärpublikum eine eifrige Agitation gegen alle Lokale, in denen Adambier geschänkt wird. ** Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Die Zulassung v o n K i n d e r n bei Vergnügungen von Vereinen, die in öffentlichen Lokalen stattfinden, ist in Brandenburg durch den Regierungepräsidenten verboten. Eine Arbeiterversammlung in Brandenburg a. H. wählte eine Kommission, der die Aufgabe obliegt, die Entscheidung über die Rechtsgiltigkeit durch gerichtliches Urtheil herbeizuführen. — Das Versahren eingestellt wurde gegen 2l Mitglieder des Kommunistischen Bundes, eines anarchistischen Vereins in Halle a. S.. das gegen diese wegen angeblicher Ge- heimbündelei eingeleitet war. (Z�enterltschnNliilies. An die Gärtner Berlins und der Umgegend. Kollege», der Winter hat in diesem Jahre durch seine Härte unsere Hoff- nungen aus Arbeit lange auf die Probe gestellt. Sehnsüchtig harrt jeder von uns auf das Frühjahr. Aber die Arheitgeber haben eine kleine Ucberraschnng für uns vorbereitet, in Gestalt der neuen Arbeiterkarten, auf welcher jeder Arbeitnehmende durch Unterschrift bescheinigen muß, daß er ans alle Rechte, die einem freien Menschen zustehen, Verzicht leistet. Dieser Unternehmer- willkür müsse» wir begegnen und fordern wir Euch auf, alle vollzählig am Dienstag, den 12. d. M., abends SVs Uhr, in der Versammlung bei Saß, Kurfürstenstr. 31, zu erscheinen. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik der Metalldrücker bei der Firma Eckel u. Glinicke, Wafferthorstr. 50, dauert un- verändert fort. Ersatzkräfte für die Ausständigen haben sich bis heute nicht gesunden. Bei der Firma O. Lllndershausen, Prinzenstr. 39, legten gestern die Kollegen, worunter Gurtler, Drücker, Klempner und Schnittarbeiter, wegen vorgenommener Maßregelungen die Arbeil nieder. Bei der genannten Firma waren wiederholt Abzüge vorgenommen, die jedoch der Arbeitgeber ans den Einspruch des unterzeichneten Vorstandes hin wieder rückgängig machte, resp. ans verschiedene Artlkel Zulagen bewilligte. Die Kollegen sollten sich jedoch dieser Errungenschaft nicht allzu- lange erfreuen. Der Unternehmer stellte, obwohl die Geschäftslage gegenwärtig keine günstige ist, neue Leute ein, und begann allmälig, feine alten langjährige» Arbeiter unter nichtigen Vorwänden einzeln hinauszubugsiren. Die Kol- legen erkannten sofort, daß das Erreichte durch dieses Manöver vollständig verloren geht und sahen sich daher zu diesem äußersten Schritt gezwungen. Wir bitten, diesen beiden Werkstätten die nothwendige Be- achtnng zu schenkai und den Zuzug bis»uf weiteres strengstens fernzuhalten. Der Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigte nArbeiterBerlins und Umgegend. Ueber die gegenwärtige Lage deS„Sächs. Berg- und Hüttenarbeiter-Vcrbaudeö geht uns aus Zw ick au er Parleikreisen eine längere Abhandlung zu. Bei dem große» Interesse, welches die sorlgesetzteu Kämpfe zwischen den polilischen und gewerkschaftlichen Organisationen und den Behörden in Sachse» anch für unsere Leser haben, lassen wir den Artikel ohne wesentliche Kürzung hier folgen: Der Auflösungsbeschlnß des Amtsgerichtes Zwickau vom 2. Februar d. I., welcher dem Vorstand obigen Verbandes am 12. Februar zugestellt wurde, konnte zwar niemanden von uns über- raschen, denn nach den Auflösungen von Gesang-, Turn- und Arbeiter-Bildungsvercinen, sowie der„Vertrauensmänner" von Gewerkschaften, die außerhalb Sachsens ihren Sitz haben, war es von unseren sächsischen Behörden füglich auch zu erwarten, daß sie in ihrem Auflösungseifer schließlich auch eingetragene Genossenschaften nicht verschonen würden, sobald sie nur dieBe- weise in Händen batten, daß ein starker Prozentsatz der Mit- glieder sozialdemokratischen Tendenzen huldige. Und diese Be- weis« sind den Behörden durch die Wahlen zu ver- schicdenen Körperschaften, an welchen die Mitglieder theil- genommen, und die Haltung des Verbandsorgans„Glück- auf" in Zwickau, nach ihrer Meinung hinlänglich geliefert worden. Allerdings stützt sich der fragliche Beschluß des Amtsgerichts aus§78 Ziffer� des sächsischen Genosfenschasts- gesetzes vom 15. Juni>868, welcher lautet: „Die Entziehung des Rechtes der Persönlichkeit kann durch das Gericht erfolgen, wenn 1. eine juristische Person ihre Wirksamkeit auf g e s e tz- widrige Zwecke oder, ohne die in§ 72 Abs. 2 erforderte Genehmigung auf öffentliche An gelegen heilen richtet. Ter Richter ist mit diesem Paragraphen ganz gut aus- gekommen, weil er, wie aus den Enlscheidungsgründen hervor- geht, annimmt, daß die Genoffenschafl durch die Herausgabe und den Betrieb der Zeitung„Glückaus" sowohl unter ihren Mit- gliedern als auch unter dem allgemeine» Publikum ihre Wirksam- keit auf öffentliche Angelegenheiten ausgedehnt. ohne! die nach § 72 Abs. 2 des Genossenschaslsgesetzes erforderliche ministerielle Genehmigung dazu gehabt zu baden. Um mit der Entziehung gleichzeitig auch die Auflösung aus- zusprechen, hat der Richrer weiter angenommen, daß die Genoffen- schaft auch abgesehen von ihrem HinauZgreifen über den ihr ge- statteten Wirkungskreis eine Haltung beobachtete, die der öffent- lichen Ordnung widerstrebt und mit den geltenden Gesetzen in Widerspruch steht, und um diesen Ausdruck zu motiviren, kommt der Richter wieder auf den„Glückauf" zurück, der über Vor- kommnisse zwischen Arbeitern und Arbeitgeber», sowie über Un- fälle in einer Art und Weise berichte, die die Arbeiler gegen die Arbeitgeber aushetze und dadurch den öffentlichen Frieden unter- grabe. Ergangene Slrafurtheile gegen Redakteure bewiesen dies. Außerdem habe die Genoffenschast im Widerstreit mit§ 24 des Vereinsgesetzes zum mindesten das Bestreben gezeigt, ihre Zahlstellen zu Zweigvereinen auszugestalten, indem'sie die Mit- glieder a» den Zahlstellen nicht blas zur Bezahlung der Beiträge und zur Besprechung geselliger Vergnügungen, sondern auch zur Besprechung über Genoffenschafts- Angelegenheiten zusammen- berufen habe. Nun, nach§ 4 des ministeriell genehmigten Statuts hat ja der Vorstand das Recht, die Vereinszwecke zu fördern: b) durch wissenschaftliche Vorträge und Diskussionen; ä) durch Erstrebung gesetzlicher Regelung der Schichtzeit und der Lohnzahlung; e) durch Erstrebung gesetzlicher Regelung des Stück-, Gedinge- und Schichtlohnes; g) durch statistische Erhebungen, insbesondere soweit solche für den Unterslützungsbund von Belang sind. Diese von mir hervorgehobenen Punkte beweisen doch zur genüge, daß, wenn die Wohltdat der Durchführung dieser Be- strebungen allen Mitgliedern zu Theil werden soll, nicht blos in Zwickau, wo der Verband schon seit lange», seinen Sitz hat, sondern in allen Zahlstellen und von allen Mitgliedern daran gearbeitet werden muß, und da ist in den Zahlstellen eher zu wenig als zu viel gethan worden; und um auch die nichtorgani- sirten Bergleute für die auf grund des Z 152 der R.-G-O. gerechtfertigten Bestrebungen zu gewinne», sind öfters ohne jede Beeinflussung des Verbands-Vorstandcs öffentliche Versammlungen einbeiufen worden, während für Unterzeichnung von Petitionen:c. von Haus zu Haus agitirt wurde. Diese Agitation von Haus zu Haus, wie sie besonders von Invaliden und abgelegten Berg- leuten getrieben wird, sie bat dem Verband viel Nutzen gebracht und die Mitgliederzahl ist dadurch beständig gestiegen. Eine solche Agitation wird auch kein noch so klug ausgesoimener Gerichts- beschluß lahm legen können, sie ist von keinem Geietz zu treffen. »ein, im Gegentheil, sie steht, wie schon eben erwähnt, unterm Schuh der ReichSgewerbe-Ordnung; sie widerstrebt weder der öffentlichen Ordnung, noch untergräbt sie den öffentlichen Frieden, sondern sie befördert denselben nach unserer Meinung, indem sie die sozialen Schäden mildert und den Arbeilerstaud in jeder Beziehung zu heben bestrebt ist. Freilich, die Gruben- Herren haben ein Haar in der Agilationsweise des Verbandes und des„Glückaus" gefunden, sie haben schon lange aus Mittel und Wege gesonnen, ihre Arbeiter, von denen auf jedem Werke Hunderte im Verband sind, abtrünnig zu niachen, es ist ihnen bisher nicht gelungen,— voriges Jahr wurden allein 1303 männliche Beilritte angemeldet, was einen Zuwachs der Mit- glieder der Begräbuißkasse. wo auch die Frauen mit anqemeldet werden, um ca. 3000 bedeutet— und so mag ihnen der Gerichts- beschluß im ersten Moment als ein Retter in der Roth erschienen sein, und doch kam er eigentlich um einige Jahre zu spät, denn die Haltung des„Glückaus" datirt ebenso wie die Handlungsweise des Vorstandes schon um viele Jahre zurück, was bisher gesetzlich gewesen, ist nun auf einmal ungesetzlich: warum? Nun, wir sind unterm allerneuesten Kurs auf Ueberraschungen gcfabt gewesen und wir werden das Schicksal der„Auflösung" mit Resignation zu tragen wissen, wie die Metallarbeiter, Textilarbeiter rc. Außer- ordentlich beeilt hat sich der hiesige Herr Ober-Amtsrichter mit der Bekanntmachung in den Amtsblättern, daß der Verband im Genoffenschaslsregister gestrichen worden ist; sie erschien an dem- selben Tage, an welchem dem Verbandsvorsland der Beschluß zuging. Als der juristische Beistand, Herr Rechtsanwalt G. Hof- mann-Leipzig, am andern Tag de» Rekurs anmeldete, gab er seiner Meinung Ausdruck, daß die Streichung im Genossenschafts- Register wohl nicht eher vorgenommen werden könnte, bis der Rekurs in zweiter Jnsianz erledigt sei. Der Zwickauer Stadt- ratb ist aber anderer Meinung; er hält den Verband für auf- gelöst und hat deshalb auch die am 3. März einberufene Beerdigungskassen- Versammlung nicht abhalten lassen. Auch gegen dieses Verbot ist sofort Rekurs eingelegt worden, denn bis jetzt ist ja gegen die Fortsührung der Geschäfte thatsächlich nicht eingeschritten worden und wird jedenfalls auch vor Erledigung des Rekurses durch das Justizministerium nicht eingeschritten werde». Was die Stimmung unter den sächsischen Bergleuten betrifft. so ist dieselbe sür den gemaßregelten Verband die denkbar günstigste, von Mnthlosigkeit oder'Niedergeschlagenheit nicht die geringste Spur, auch die'Steuern gehen regelmäßig ein und nie- mand hat Lust, auf das Verbandsorgan„Glückauj" zu verzichten. komme auch was wolle. Wenn auch die Form, unter welcher unsere Bergarbeiter seit zwei Jahrzehnten organisirt gewesen sind. zerbrochen wird, so wird doch das geknüpfte geistige Band von keiner Gewalt der Erde wieder zerrissen werden können. Des- halb sehen wir auch mit froher Hoffnung in die Zukunft. Glückauj i j OepesMen. Wolff's Telegraphen-Bureau. Hannover, 9. März. Das Schwurgericht erkannte gegen den ehemaligen Reichstags- Abgeordnelen Leust wegen Verleitung zum Meineide auf eine Zusatz st rase von 4 Monaten Zuchthaus, gegen Frau Schnutz ivegen Meineids auf 9 Monate Gefängniß. Köln, 9. März. Wie die„Kölnische Voltszeilung" meldet. wurde gestern Abend kurz nach 10 Uhr fast in der ganzen Rhein- provinz eine Erderschütterung verspürt, die von Südost nach Nordwest ging. Frankfurt a. M., 9. März. Dr. Leopold Sacher-Masoch ist. wie der„Franks. Ztg." aus Liudheim in Ober-Hessen ge- meldet wird, heule früh 73/4 Uhr im 61. Lebensjahr seinem langen Leiden erlegen. Die Leiche wird wahrscheinlich am Mittwoch dem Krematorium in Heidelberg übergeben werden. Wien, 9. März. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Sofia: Bei dem Angriff aus das protestantische Bethaus in Lompalanka wurde» auch Ausschreitungen gegen die Prolestanten, namentlich gegen die unter deutschem und die unter britischem Schutz stehenden Amerikaner verübt. Ein orthodoxer Geistlicher, der durch eine Predigt die orthodoxen Bewohner Lompalanka's gegen die Prolestanten aufgehetzt hatte, wurde vom Synod suspeudirt. Die Regierung ließ noch, bevor sie ihre Beschwerde erhoben, die Rädelsführer verhaften. Rom, 9. März. Der Senator und Präsident des römischen f rovivzialralhes, Marchese Berardi, welcher gestern, als er die rdarbciten bei dem Jrrenhause aus dem Gianicolo inspizirte, von einem für ungesährlich gehaltenen Irrsinnigen übersallen und dem mit einer Hacke die Schädeldecke zertrümmert wurde, ist heute früh seinen Verletzungen erlegen. Paris, 9. März. Die Depulirtenkammer setzte heute die Budgelberathung fort. Als Faberol die Verabschiedung eineS sozialistischen Osfijicrs des Heeres besprach und dabei sagte, das „Vaterland" sei nur noch ein Wort, erhoben sich tebhajte Protest- rufe und Lärm auf fast allen Seiten des Hauses. Tanger, 9. März. In Casablanca sind ernste Unruhen ausgebrochen, doch wurden dieselben sogleich unterdrückt und ein Anführer der Aufständische» gefangen genominen. Der englische Gesandte wird Mitie dieses Monats Fez verlassen; es heißt, er werde über Weffau reisen, um den Groß-Scheriff zu besuchen. Ctncinnati, 9. März. Der von New-Orleans kommende Packetdampier„Longscllow" fuhr gestern gegen einen Pfeiler einer Eisenbahndrücke an; sieben Personen sind ertrunken, eine Anzahl Personen werden vermißt. Verantwortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW.. Beurhstraße 2. Hierzu drei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. llr. 59. Sonntag, de« 10. März 1895. 13. Jahrg. pavlamcnföbcvirfjfc. Tentscher Reichstag. 56. Sitzung vom 9. März 1895, 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Kriegsminister B r o n s a r t von Schellendorff, Gras von Posadowsky, v. B ö t t i ch e r und Kominissarien. Die zweite Berathung des Reichshaushalts-Etats für 1895/96 wird fortgesetzt und zwar bei den einmaligen Ans- gaben des M i l i t ä r e t a t s. Der Berichterstatter Gröber-Wnrttemberg(�.) weist darauf hin, das die Budgslkommisfion 23 Titel der ernmaligen Aus- gaben des ordentlichen Etats ganz gestrichen, 14 ermäsigt habe; abgesetzt sind im ganzen von 49 346 692 M. 19 203 660 M. Bon den einmalige» Ausgaben des auszerordentlicheu Etats sind Abstriche vichr gemacht worden, weil es sich dabei meist nm Fortsetzungen schon bewilligter und begonnener Bauten handelt. Die erste Rate für Grunderiverb und Entwurf für den Neubau von Magazingebäuden in L a n g f u h r 45 000 M. wird gestrichen; ebenso werden gestrichen 20 000 M. von der Gesainmt- sorderung von 170 000 M. zur Ausrüstung einer Feldbäckerei, Kolonnen u. s. w., serner 200 000 M. von dem Gesammtbetrage von 800 000 M. für den Neubau einer Kaserne für ein Garde- Jnfaulerie-Regiment(Augusta-Negiment) in Berlin. Generalmajor v. Gemmingen erklärt sich mit diesem Ab- strich einverstanden, da die Fertigstellung der Pläne ergeben hat, daß die Gesammtkosten nm 146 000 M. sich erniäßigten. Gestrichen werden 180 000 M. als erste Rate für eine zweite Garnison-Waschaustalt in Berlin; 530 000 M. zum Neubau eines Dienst- und Dienstwohngebäudes für den Kommandanten ans dem Truppen-Uebungsplatz bei Arys; 50 000 M. von dem Gesaiiiinlbedarf von l04 78S M. für den Neubau eines Kammer- gcbäudes in Tilsit und 400 000 M. für eine Feldartillerie-Kaserne in Brandenburg a. d. H. Die von der Kommission gestrichene erste Rate von 150 000 M. für den Entwurf zum Neubau einer Kavallerie- kaserne in Halber st adt wird trotz eines befürwortenden An- ttages des Abg. R i m p a u(natl.) abgelehnt. Gestrichen hat die Kommission die geforderten 150 000 M. (für Grunderwerb und Entwurf) zum Neubau einer Kaserne für ein Kavallerieregiment in Torgau. Die Abgg. v. M a s s o w, v. L e i p z i g e r und v. P l ö tz(dk.) beantragen die Bewilligung der Forderung. Die Position wird nach kurzer Debatte abgelehnt; ebenso werden entsprechend dem Antrage der Budgetkommission ge- strichen 100 000 M. zum Bau einer Garnison- Waschanstalt in Posen und 200 000 M. zum Bau einer Artilleriekaserne in Schweidnitz. Für den Entwurf zum Neubau einer Simultankirche in Düsseldorf werden 10 000 M. verlangt, aber entsprechend dem Eintrage der Kommission gestrichen. Streichen will die Kommission 200 000 M., die erste Baurate für eine Trainkaserne in Rendsburg. Abg. Lorenzen(frs. Vg.) empfiehlt die Bewilligung, weil die jetzige Unterbringung der Mannschaften eine schlechte sei. In den Zimmern könne man mit der Hand die Decke erreichen. Tie Feuchtigkeit sei eine so große, daß die Gebäude kaum be- wohnbar seien. Wenn die Herren zur Eröffnung des Nord- Oltsee-Kanals nach Schleswig-Holsteiu kommen, dann werden sie an den Kanalbauten ihre Freude hoben, aber wen» sie die Baracken in Rendsburg sehen, in welchen die Soldaten unter- gebracht sind, dann werden sie jedenfalls im nächsten Jahre die Forderung bewilligen. Generalmajor v. Gcmmingcn bestätigt diese Ausführungen. Die Position wird gestrichen; serner werden gestrichen l 50( 00 M. erste Baurale für etile Infanterie- Kaserne in Brandenburg a. d. H., 3000 M. für den Entwurf zum Neubau einer Militär-Arrestansialt in Celle; 32 360 M. zum Neubau eines Dienstgedäudes für das Bezirkskommando in Nienburg; 300 000 M. für eine Trainkaserue i» Darmstadt. Bewilligt wird dagegen für den Erweiterungsbau des Militär-Reitiustiluts in Hannover die dritte Rate von 350 000 M. Für eine Jnfanteriekaserne in Worms sind 660 000 M. als dritte lliale verlangt. Die Kommission beantragt die Streichung. während Abg. Heyl zu Herrnsheim(imtl.) die Bewilligung vorschlägt, aber nur in Höhe von 400 000 Mi Abg. v. Heyl(ntl.) führt aus, daß die alte Kaserne im Hochfluthgebiet des Rheins liege und häufig in den unteren Räumen überschwemmt sei. Darunter leide der Gesundheits- zustand der Soldaten, besonders da die Kaserne jetzt über- füllt sei, sehr bedenklich. Die Stadt bringe ein Opfer von einer halben Million Mark, um diese Zustände möglichst rasch zu beseitigen. Abg. Hammacher(ntl): Da die Mittheilung des Bor- redners der Kommission noch nicht bekannt war, so möchte ich die nochmalige Prüfung der Sache in der Kommission be- antragen. Abg. Richter will dem Antrage nicht widersprechen, trotzdem alle vorgetragenen Dinge auch in der Kommission schon vorgebracht seien. Er bemerkt aber, daß die Verstärkung der Garnison in Worms durch Verlegung von Truppentheilen aus Mainz dorthin, auch in Worms Neubauten von Kasernen zur Folge haben würde. Generalmajor v. Gemmingen behält sich vor, in der Kom- misston die Einzelheiten näher darzulegen. Das Haus beschließt die Zurückverweisung deS Titels und des Antrages Heyl an die Budgetkommission. Gestrichen wurde die erste Baurate von 200 000 M. für den Neubau einer Fußarlilleriekaserne; ferner 124 000 M. von der Gesammtsumme von 224 000 M. zum Neubau von Dienst- und Dienslwohngebäuden sür die Verwaltung des Fußartillerieschieß- psatzes bei Wahn. Bei der letzteren Position empfielt Zlbg. de Witt(Z.) die Erweiterung des Schießplatzes in Wahn, worauf der Major Wollmar erklärt, daß die'Anträge der betheiligten'Ortschaften bereits in der Provinzialinstanz geprüft würden. Für die Vergrößerung des Feldartillerie-Schießplatzes Lock- st e d t zu einem Triippen-Uebungsplatz sür das 9. Armeekorps sind 1 221 000 M. verlangt. Die Kommission beantragt die Streichung, welche vom Refe- reuten, Abg Gröber, damit begründet wird, daß mit der Forde- ruiig die Absicht der Regierung noch nicht vollständig erreiwt sei. Ter Platz umiaßt jetzt 365,65 Hektare; es sollen 1890 Hektare angekauft werden uud damit würde der Platz erst die Hälfte des normalen Umsanges haben. Da außerdem sür verschiedene andere Schießplätze noch weitere sehr erhebliche Forderungen vorliegen, insgesammt 15 Alillionen Mark, so glaubt die Kom- Mission, daß diese Forderung noch etwas zurückgestellt werden könne. Abg. Graf zu Inn- und Knyphausen(dk.) empfiehlt auf Wunsch seines Freundes Grafen Hotiiein die Annahme der Position. Durch die Behörden ist auch schon dahin gewirkt worden, daß die Eigenih ümcr ihre Preise etwas ermäßigen. Wenn aber jetzt nicht zugegriffen wird, dann wird es später sehr viel theurer werden. Redner bittet deshalb die Position nochmals an die Budgetkommission zurück zu verweisen. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff: Von allen Armeekorps in Preußen ist das 9. in bezug aus Gelände und Exerzierplätze zu Uebungen am alleruugünstigsten daran. Tie Pro- vinz ist vielleicht die schönste im ganzen Lande, aber es ist un- möglich, außerhalb der Wege mitberittenen Truppen sich zu bewegen. Das ist für die Ausbildung eine Kalamität. Das 9. Armeekorps ist daher gezwungen, mit seinen Uebungen ins Hannöversche oder nach Mecklenburg zu gehen, wodurch diese Landestheile außer. ordentlich in Anspruch genommen werden. Es ist also ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit, wenn wir jetzt einen neuen Uebungsplatz vorschlagen. Ich bitte Sie, dem Antrag auf nachmalige Kommissionsberathung zuzustimmen. Abg. Richter(frs. Vp.): Tie Berathung ist sehr eingehend ge- wesen und die Ablehnung ist mit allen gegen 2 Stimmen erfolgt. Wer nicht für die Tabaksteuer Stimmung machen will, der sollte sich der solchen Bewilligungen vorsehen. Generalmajor v. Gemmingen: Durch die Beschaffung des Schießplatzes könnte das Lager in Lockstädt nutzbar gemacht werden. Die Position wird an die Budgetkommission zurückgewiesen. Zur Erweiterung des Barackenlagers auf dem Truppen- Uebungsplatz bei Arys werden 455 000 M., ebenso bei Senne 570 000 M. und bei Münster 460 000 M. verlangt; die Kommission beantragt 155 000, bezw. 370 000 und 60 000 M. zu streichen. Das Haus tritt dem Antrag bei. Statt der geforderten 500 000 M. für den Neubau eines Kadettenhauses in Naumburg a. S. werden nur 45 500 M. zur Beendigung des Entwurfs und zur Her- richtung des Bauplatzes bewilligt; bei der Forderung für den Umbau des Kadettenhauses in W a h l st a t t werden statt der geforderten 113 000 M nur 102 600 M. bewilligt: ebenso sür die Ergänzung der Wasserversorgung im Kadettenhause zu Oranienstein statt 46 500 nur 26 000 M. 250 000 M. werden verlangt als erste Rate für die Er- bauung von Wohnhäusern, zur Einrichtung von 100 Familien- ivohnungen sür die Arbeiter der technischen Institute in Spandau. Die Kommission empfiehlt die Bewilligung trotz einer entgegen- stehenden Petition des Haus- und Grundbesitzer- Vereins in Spandau. Abg. Schall(dk.) verweist darauf, daß hierin eine Fürsorge der Militärverwaltung sür ihre Arbeiter liege; der Bau solcher Wohnungen entspreche sowohl den Bedürfnissen der Arbeiter, wie denen der Militärverwaltung, die sich dadurch einen Stamm von zufriedenen seßhaften Arbeitern schaffe. Eine politische Be- einfluffung der Arbeiter sei nicht beabsichtigt. Die Maßregel schädigt allerdings das kommunale Interesse der Stadt Spandau und der Grundbesitzer. Durch die Freigebung des ersten Rayons hat sich die Baulhätigkeit entwickelt und es sind dort eine Menge von Arbeiterivohnungen leer. Umsomehr sollte endlich der Wunsch der Stadt Spandau erfüllt werde», daß die militärischen Institute zu den Kommunallasten beitragen. Wenn eine allgemeine reichsgesetzliche Regelung nicht möglich sei, dann sollte man der Stadl Zuschüsse gewähren für die Errichtung von Schulen, Krankenhäusern ze. Abg. Singer(Soz.): Die Sozialdemokraten haben diese Position in der Kommission nicht bekämpft. Wir haben nur daraus hin- gewiesen, daß die den Arbeitern zugedachten Wohllhaten sehr beeinträchtigt werden könnten durch gewisse Bestimmungen der Ver- träge, welche die Militärverwaltung mit den Arbeitern schließen, namentlich durch die Bestimmung, daß mit der Entlassung auch gleich die Benutzung der Wohnung auf- hört. Auch geräth der Arbeiter in eine Ab- hängigkeit von der Militärverwaltung, die soiveil geht, daß die Arbeiter in der ivirth- schaftlichen und politischen Freiheit ihrer lieber zeugung beschränkt werden, und es ist wahrscheinlich, daß nach der Stellung des Kriegs- Ministers, die sich in seinen famosen Erlassen dokumenlirt, diese Wohlthat nur königstreuen Arbeiter» zu gute kommt. Es ist nicht in der Ordnung, daß aus den Mitteln, welche alle Steuerzahler aufbringen, diejenigen nur eine Be- lohnung bekommen, welche dem Kriegsminister besonders gefallen. Meine Bedenken sind nicht beseitigt worden durch die vorgelegten Verträge, wenngleich sie Bestimmungen enthalten, welche von einer gewissen Humanität der Militärverwaltung zeugen. Ich habe zu denjenigen gehört, welche der Einladung des Kriegsministers zur Besichtigung der Militär- Werkstätten in Spandau Folge geleistet haben. Wenn ich von dem Besuch in den Fabriken, nainentlich was die Schutzvorrichtungen u. s. w. betrifft, durchaus zufrieden sein kann, so muß ich doch einen Uebelstand der Mltitärverwallung mitlheilen, welcher sich leicht beseitigen läßt. In der Munitionsfabrik müssen die Arbeiter und Arbeiterinnen in denselben Räumen ihr Mittagsbrot ein- nehmen, in welchen sie ihre Kleider, die sie vor Antritt der Arbeit ausziehen müssen, abgelegt haben; hiergegen kann »lan doch sanitäre Bedenken habe», da die Kleider mit Krankheit erregenden ansteckenden Stoffen behaftet sein können. Die Arbeiterivohnungen haben mir am allerwenigsten gefallen. Bis aus ein Zimmer sind die Räume erheblich klein und es ist noch ein Uebelstand, daß mehrere Familien auf einem Korridor wohnen. Die Wohnungen kosten 130—210 M., das ist sehr lheuer. Dieselben Wohnungen kann man in Spandau bei Privaten billiger haben. Die Militärverwaltung meint, daß das Kapital durch die Miethen mit SVa pCt. verzinst werden soll; das ist kein zu hoher Zinsfuß, aber die Militär- Verwaltung muß entweder den Grund und Boden oder den Bau der Häuser zu theuer bezahlt haben. Jedenfalls müssen die Preise heruntergesetzt werdsn. Kriegsmintster Bronsart von Schellendorff: Die Militärverwaltung hat nicht die Absicht, die wirthschastliche oder politische Freiheit der Arbeiter anzutasten. Ich habe gar keine Veranlassung, die Arbeiter nach ihrem politischen Glaubens- bekennlniß zu fragen. Aber wir würden pflichtvergessen handeln, wenn ich zuließe, daß Arbeiter angestellt werde», die eventuell aus das Geheiß von Personen, die außerhalb der Militärverwaltung stehen, die Arbeit einstellen zu irgend welchen politischen Zwecken. Im Frieden kommen wir dadurch schon in Verlegenheit, weil alle Arbeilen zil einem bestimmten Termin fertig gestellt werden müssen. Was sollte aber erst in Zeiten der Spannung eintreten? Alle Arbeiter, die uns als un- zuverlässig bekannt geworden sind, nehmen wir nicht an. Abg. Pachnicke(fr. Vg): Der Kriegsminister schränkt seine Erkläruna. daß er die politische Freiheit der Arbeiter nicht an- tasten wolle, selbst ein. Sozialdemokraten will er zu den Werk- st ä t t e n nicht zulassen und trotzdem wimmeln diese von Sozialdemokraten, weil die jetzigen Bestimmungen nicht helfen. Redner empfiehlt ebenfalls«ine UnlerstützuiigderKommuneSpandau. Im Interesse der Kommune Spandau bittet Redner die Position abzulehnen.... Abg. Singer: Ich meine den Kriegsminister und die Herren von der Militärverwaltung nicht zu beleidigen, wenn ich sage, daß sie an die Gespenster, welche sie dem Reicbstag immer vor- machen, selbst nickt glauben; wenn man doch endlich einmal diesen Märchen ein Ende machen wollte. Es müßte dem Kriegsminister doch bekannt sein, daß gerade die sozial- demokratische Partei immer die Stellung eingenommen hat. sich nicdl in die gewerkschaftliche Bewegung ein- zumischen; trotzdem aber würde ich meinen Freunden stets. wenn sich Aussicht auf Erfolg bietet, rathen, in eine Lohn- bewegung einzutreten. Ein großer Betrieb ist überhaupt gar nicht denkbar, ohne daß Sozialdemokraten darin sind, und die Unternehmer würden sehr zu ihrem Schaden es wahrnehmen, wenn sie sozialdemokratische Arbeiter verlieren, denn es steht fest, daß die sozialdemokratischen Arbeiter sich durch Intelligenz und Tüchtigkeit auszeichnen. Wenn die Arbeiter sehen, daß jemand um seinen Berus und sein Brot gebracht wird, wenn er seiner politischen Ueberzeugung folgt, so werden immer mehr und mehr Arbeiter dadurch zur Sozialdemokratie hinübergedrängt, Ich spreche den Herren von der Verwaltung meinen verbind- Ilchsten Dank aus, daß sie diese Erlasse hier vertheidigt haben. Propagiren sie nur so weiter. Es wäre besser gewesen, wenn der Kriegsminister sich darüber geäußert hätte, wie er über die Arbeiterivohnungen denkt, statt uns seine zum Ueberdruß be« kannten sozialpolitischen Anschauungen zu entwickeln. Die Position wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freisinnigen angenommen. Auf Antrag des Abg. Richter wird die Forderung für eine Jnfanteriekaserne in Slraßburg von 400 000 M. an die Budgetkommission zur nochmaligen Berathung verwiesen, um eventuell einen Ausgleich für die Bewilligung von Worms zu finden. Gestrichen werden 14 000 M. für die Entwurfbearbeitung für den Neubau eines Generaldienstwohnungs- und Bureau- gebäudes in Metz; 50 000 M. erste Baurate für ein Kriegs- archiv in Dresden; ermäßigt werden die Positionen für Ver- größerung des Artillerieschießplatzes in Zeithain zn einem Truppen- Übungsplatz von 2 000 000 M. aus 1500 000 M. und zum Bau eines Garnisonlazareths in Borna von 90 000 M. auf 50000 M. Gestrichen werden serner 196 000 M. zum Neubau eineS Schulgebändcs für das Kadettenkorps in Dresden. Zur Erwerbung eines Truppen- Uebungsplatzes für das würtlembergische Armeekorps sind 9 000 000 M. als erste Rate für den Grunderiverb verlangt. Die Kommission hat 4000 000 Mark davon gestrichen. Ohne Debatte wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten der Titel nach dem Antrage der Kom« Mission bewilligt. Im übrigen wird der Rest des Militäretats ohne Debatte bewilligt. Schlnß gegen 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. (Etat der Post- und Telegraphenverwallulig.) PÄrlernrenkavisitzes. Ii, der Umsturzkommissiou, welche Sonnabend Vormittag um 11 Uhr wieder zusammen trat, stand der Artikel II der Regierungsvorlage zur Verhandlung. Derselbe hat folgenden Wortlaut: In dem Militär-Strafgesetzbuch erhält der§ 42, Abs. 2, folgende Fassung: Wird gegen eine Person des Be- urlaubtenstandes während der Beurlaubung wegen einer in dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich Theil II Ab« schnitt 6(Wider st and gegen die Staats- gewalt) oder Abschnitt 7(Verbrechen uud Vergehen wider die öffentliche Ordnung) vorgesehenen strafbaren Hand- lung aufGesängniß von mehr als sechZ Wochen erkannt oder erfolgt die Berurtheilung einer Person des Beurlaublenstandes während der Beurlaubung wegen einer strafbaren Handlung der im§ 37 Absatz 2 Nr. 2 bezeichneten Art, so kann ein be» solideres Verfahren des Militärgerichts zur Entscheidung darüber angeordnet werden, ob auf Dienstentlaffung oder aus Degradation zu erkennen ist. Tie gesperrt gedruckten Sätze sind neu. Von dem Abg. v. Buchka ist der Antrag eingegangen: I. In der vierten Zeile einzuschalten:„Abschnitt 1(Hoch- verrath und Landesverrath), Abschnitt 2(Beleidigung deS Landesherrn), Abschnitt 3(Beleidigung von Bundes« fürsten). 2. Hinter den Worten„der im§ 37 Absatz 2 Nr. 2 bezeichneten Art" die Worte einzuschalten:„oder aus Grund der Ziffern 3, 4, 5, 7 oder 3 des g 361 des Reichs-Slrafgesetz» buchs." Der§361 des Reichs-Strafgesetzbuchs bestraft mit Haft..,, 3. wer als Landstreicher herumzieht; 4. wer bettelt oder Kinder zum Betteln anleitet oder aus- schickt, oder Personen, welche seiner Gewalt und Aufsicht untergeben sind und zu seiner Hausgenossenschafl gehören� vom Betteln abzuhalten unterläsl; 5. wer sich dem Spiel, Trunk oder Müssiggang dergestalt hingiebr, daß er in einen Zustand geräth, in welchem zu seinem Unterhalte oder zum Unterhalte derjenigen, zu deren Ernährung er ver pflichtet ist, durch Vermiilelung der Behörde fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muß 7. wer, wenn er aus öffentlichen Armenuiitteln eine Unter- stütznng empfängt, sich aus Arbeitsscheu weigert, die ihm von der Behörde angewiesene, seinen Kräften angemessene Arbeit zu verrichten: 8. wer nach Verlust seines bisherigen Unterkommens binnen der ihm von der zuständigen Behörde bestimmten Frist sich kein anderweitiges Unterkommen verschafft hat und auch nicht nachweisen kann, daß er solches der von ihm angewandten Bemühungen ungeachtet nicht vermocht habe. Vom Abgeordneten Spahn, welcher erklärt, daß seine Partei entschlossen gewesen sei. für den Paragraphen der Re- gierungs- Vorlage zu stimmen, wird geltend gemacht, daß der Antrag v. Buchka die Paragraphen so erweitere, daß er ohne nähere Prüfung nicht für diese Erweiterung stimmen können Auf alle Fälle beantragt der Redner, der Ziffer 2 des Antrags v. Buchka noch die Wort« anzufügen: „und ist in letzlerem Falle aus Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde erkannt." Zur Begründung der Heranziehung des § 361 wurde sowohl vom Abgeordnelen v. Buchka wie auch vom Gencralauditenr von Ittenbach, welcher die Anträge v. Buchka auf das wärmste empfahl, auf einen Fall hingewiesen, wo ein beurlaubter Unterosfizicr, welcher bei der Einberusung zur Fahne nickt aufgesunden werden konnte, schließlich in einer Korrektion?« anstalt entdeckt wurde. Bebel bekämpft den Regierungsvorschlag und erklärt den Antrag v. Buchka für eine erhebliche Verschlechterung. Der Re- gierungsvorschlag trage die Tendenz einer Ausnahmebestimmung gegen Angehörige mißliebiger politischer Parteien an der Stirne. Der Paragraph müßte eigentlich Paragraph Gradnauer heißen. Dr. Barth(frs. Vg.) polemisirt gegen den Paragraphen und die dazu gestellten Anträge. Es handele sich dabei nur um ein Mittel, politisch unbequeme Personen aus den Reihen der Unterosfiziere und Offiziere los zu werden. Für den Fall der Annahme des Paragraphen beantragt Redner, die Slrashöhe von 6 Wocben aus 3 Monate zu erhöhen. Generalanditeur v. Ittenbach meint, daß das Militär- Strafverfahren die Garantie biete, daß kein Mißbrauch vor- komme. Offiziere, welche sich als Urlauber gegen den§ Il2 des St.-G. vergehen, werden freilich ihrer Charge entkleidet rvetiJ.t. Nednet spricht gegen den Nntrng Barth, das Strafmaß hinauszusetzen. v. B u ch k a(t.) spricht für seinen Antrag, und führt zur Begründung des Regierungsvorschlages an, daß bürgerliche Ge richte militärische Fragen nicht genügend beurtheilen kiSnnen und den Militärgerichten deshalb ein Eingreife» möglich gemacht werden müsse. v. Ha mm erste in(k.) meint, daß angesichts des Um- standcs, daß es sich nur um ein fakultatives Recht handelt und bei dem Mangel an Nnterosfiziercn keine Gefahr bestehe, daß von der Befugniß zu hänsig oder gar in rigoroser Weise Gebrauch gemacht werde. Bebel erwidert, daß gerade der fakultative Charakter be denklich sei. Damit werde oaS Mittel an die Hand gegeben. die Bestimmung zu politischen Maßregelungen zu mißbrauchen. Gegen letztere Annahme protestuen die Lierren General auditeur v. Attenbach und Gchcimrath v. Seckendorf auf das entichiedenste. Es handele sich nur darum, alle Bcv gehen gegen die staatliche Ordnung zu treffen, gleichgiltig von welcher Seite sie geschehen. Bebel konstalirt diesen Ausführungen gegenüber, daß während der Lkommissions-Äerhandlungen von Regierungs-Ber tretern wiederholt zugegeben ivurde, daß das Gesetz in erster Linie gegen die Sozialdemokratie gerichtet sei. Nach kurze« Aeußerungen der Abgg. Rintelen und Salisch wird zur Abstlinmung geschritten. Die Ziffern 1 und 2 des Antrags v. Buchka werden mit 14 gegen t> Stimmen angenommen. die Ziffer g dagegen mit 10 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Angenommen wird der Antrag Spahn zu dem§ 3Ll. Der Artikel II. der Regierungsvorlage hat nunmehr folgen den Wortlaut: „Wird gegen eine Person des Beurlaubtenstandes während der Beurlaubung wegen einer in dem Straß gesetzbuch für das Deutsche Reich Theil U. Abschnitt I (Hochverralh und Landesverralh) Abschnitt 2(Beleidigung des Landesherrn) Abschnitt 3(Beleidigung der Bundes- sürsten) Abschnitt ö(Widerstand gegen die Staatsgewalt) oder Abschnitt 7(Verbrechen und Vergehen wider die öffentliche Ordnung) vorgesehenen strafbaren Handlung auf Gefängniß von mehr als sechs Wochen erkannt oder erfolgt die Verurtheilung einer Person des Beurlaubten standes während der Beurlaubung wegen einer straf- baren Handlung, der im§ 37 Absatz 2 Nr. 2 bezeichneten Art oder aus grund der Ziffern 3. 4, b. 7 oder 8 des§ 361 des R.-St.-G.-B.»nd ist in letzteren Fällen auf Ueberweisung an die Landespolizei erkannt, so kann ein besonderes Verfahren des Militärgerichts zur Entscheidung darüber angeordnet werden, ob auf Dienst «nllaffung oder Degradation zu erkennen ist." In der Schlußabstimmung wird der Artikel in vorstehender Fassung mit 17 gegen 6 Stimmen angenommen. Mit der Opposition stimmte der Abgeordnete N a d b y l vom Zentrum. Der freisinnige Abgeordnete Lenzmann fehlte. Ein Antrag auf Vertagung der Verhandlungen fand Wider- spruch, wurde aber schließhch mit Mehrheit angenommen. Nächste Sitzung: Dienstag, den 12. März. 10 Uhr vor« mittags. Oolurles. Parteigenossen de? vierten Berliner Reichstag? Wahlkreises l Wie bereits allgemein bekannt, hat die am 15. Fe- bruar d. I. stattgehabte Volksversammlung unseres Kreises gleich- falls die Uebernahme deS„Vorwärts"-Vertriebes ec. in eigene Regie beschlossen. Die zur Einleitung der hierbei in Frage kommenden geschäftlichen Funktionen gewählte Fnnfzehner-Kom- misston ersucht daher, um allen anderen an sie herantretenden Fragen Rechnung tragen zu können, zunächst um möglichst zahl- reiche und schnelle Einzeichnung in die zu diesem Zweck von ihr ausgegebenen Listen. Parteigenossen! Folgt dem Beschluß der Versammlung, denn das Interesse der Gesammtheit, der vielen in Frage kommenden Kinder und Frauen, welche unter dem alten Verhältniß einer rücksichtslosen Ausbeutung preisgegeben sind, muß allen höher stehen, als die Interessen einzelner, thut Eure Schuldigkeit! Die AbonnementS-Listen liegen in folgenden Lokalen aus: Für den Osten bei:Fritz Wille, Andreasstr. 26.— Wieden, ann, Bliimenstr. 88.— E. B ö h I. Frankfurter Allee 74.— Otto Zabel. Frankfurter Allee 90.— W i l h. Lock, Friedrichsbergerstr. 11.— Rattke, Krautstr. 48.— Z i p p k e, Grüner Weg 14.— Stabernack, Mühlenstr. 49. — Eh. Böhl, Rüdersdorferstr. 8.— Bredschneider, Rüdersdorferstr. 46.— K ö p» i ck, Schillingstr. 30a.— Späth, Weinstr. 23.— H.Bolze, Landsbergerstr. 41.— Vogel, Elbingerstr. 9. Für den Südosten bei Wilhelm Erbe, Cuvry- straße 25.— C. T r i t t e l w i tz, Falckensteinstr. 7.— L. Tolks- d o r f, Görlitzerstr. 58.— Streit, Naunynstr. 86.— Schilling, Pücklerstr. 55.— Köpp en, Reichenbergerstr. 113. — Schmidt, Adalbertstr. 16.— Bieberstein, Lausitzer Platz 2.— Fürstenau. Manteuffelstr. 52.— Lukas, Wrangelstr. 32.— S ch ay er, Reichenbergerstr. 54.— Rumpf, Wienerstr. 21.— Roll, Waldemarftr. 61. Die Fünfzeh ner-Kommission. Parteigenossen EharlottenburgS k Laut Beschluß der öffentlichen Parteiversammlung vom 23. Februar übernimmt die Partei am hiesigen Orte vom 1. April d. I. ab den Vertrieb der Parteipresse und Parteiliteratur in eigener Regie. Die mit den nothwendigen Vorarbeiten betraute Kommission wird diese in den nächsten Tagen vollenden und im„Vorwärts" die Adressen derjenigen Genossen bekannt geben, welche Abonnementslisten auslegen. Im Interesse unserer Sache und der damit ver- bundenen Beseitigung der Kinderarbeit in diesem Gewerbe, ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen, seine Lektüre nur durch die Parteispedition zu beziehen, sowie in wirksamer Weise für die Erwerbung neuer Abonnenten zu agitiren. Während des unfreiwilligen Aufenthaltes des Genossen Görke in Bad Rummelsburg werden alle Partei-Angelegenheiten nur durch den Unterzeichneten erledigt. Die Vertrauensperson: Hugo Klick, Peftalozzistr. 63. Die Inhaber von Sammellisten für die ausgesperrten Brauerei-Arbeiter werden dringend aufgefordert, sämmtliche Liste», gleichgiltig, ob sie gezeichnet sind oder nicht, bis zum 15. März an die unterzeichnete Kommission einzusenden. Die Kommission muß zu diesem Termin im Besitz der Listen sein. pzeil es ihr andernfalls unmöglich ist, bis zum 1. April die Ab- rechnung fertig zu stellen. Die Kommission der Brauer- und Brauerel-HilfSarbeiter, per Adr. I. Wiedemann, Berlin 0., Blumenstr. 38. Der Berliner Afylverei« für Obdachlose hat im Jahre 1394 112 562 Männer, 12 360 Weiber(nämlich 858S Frauen. 3771 Mädchen), 831 Kinder(darunter 166 Säuglinge), zusammen 125 753 obdachlose Personen aufgenommen. 1393 waren 109 206 Männer. 13 032 Weiber(8217 Frauen. 4815 Mädchen). 787 Kinder (darunter 99 Säuglinge), zusammen 122 926 Personen aufgenommen worden. 1894 hat also bei den Männern«ine erhebliche Zunahme stattgesunden. Die Zunahme(3356) war stärker als in irgend einem der letzten 15 Jahre, und die Zahl aller aufgenommenen Männer hat damit eine.Höhe erreicht, wie in keinem der 25 Jahre, die das Männerasyl jetzt besteht. Bei den Weibern hat eine kleine Abnahme stattgefunden. Sie ist dadurch zustande gekommen, daß die Zahl der aufgenommenen Mädchen stark zurückgegangen ist. Die Aufnahmen von Mädchen und auch von Frauen sind in den letzten Jahren überhaupt viel weniger zahlreich gewesen als in den LOsr Jahren. Das dürfte zum Theil zurückzuführen sein auf die Entstehung anderer Anstalten, die sich der Unterbringung zu ziehender Mädchen widmen. Auch die Zlufnahmen von Kindern, besonders von Säuglingen, waren in den 30er Jahren zahlreicher als gegenwärtig. Wie es scheint, ist die Ursache dieser Er- scheinung in einer stärkeren Benutzung der Familienablheilung des städtischen Obdachs zu suchen. Daß das Vereinsasyl und das städtische Obdach einander in ihrer Frequenz beeinflussen, ist zu erwarten. Von der Abtheilung für nächtlich Obdachlose im städtischen Obdach gilt das noch mehr als von der Familien Abtheilung. Besonders 1894 dürfte die Frequenz des Vereins Asyls durch das städtische Obdach beeinflußt worden sein. In der Abthcilung für nächtlich Obdachlose im städtischen Obdach ist nämlich 1894 genau das Gegentheil eingetreten als im Vereinsasyl, d. h. die Zahl der Männer hat ab-, die der Frauen zugenommen. Es wurden aufgenommen im Kalender-(nicht Etats») Jahr 1393: 392 006 Männer, 13 239 Weiber, dagegen 1394: 876 657 Männer, 16 099 Weiber. Der Rückgang der Männer-Ausnahmen fällt besonders in die letzten Monate von 1894 und wird, wie wir mehrfach aus- gefuhrt haben, allem Anscheine nach verdankt den zahlreicheren Ansliefernngen von„Stammgästen", durch welche die Obdach- Verwaltung, durch eine weise Polizeigesetzgebung gezwungen, die Frequenz neuerdings herabzudrücke» sucht Im Vereins-Asyl wird dagegen weder nach dem Namen des Obdachsuchenden noch nach der Ursache seiner Obdachlosigkeit geforscht, ja die Besucher sind, soviel mir wissen, sogar berechligt, jede Auskunft, sie möge gefordert werden, von wem sie wolle, zu verweigern. Der Auf- genommene soll hier„der anonyme Gast eines anonymen Gast- gebers" �sein. Dieses allein den Forderungen der Humanität entsprechende Versahren macht das Vereinsasyl zu einer wichtige» und unentbehrlichen Ergänzung des städtischen Obdachs. Das zeigt sich besonders in den Sommermonaten; denn während im städtischen Obdach dann die Zahl der Besucher zuweilen bis auf ein Achtel der in den Winternionaten Aufgenommenen zurück- geht, bleibt im Vereinsasyl die Zahl Sommer und Winter ziemlich gleich, ja sie ist hier im Sommer sogar mehrfach höher gewesen als im Winter. Die Frcqnenzabnahme im städtische» Obdach ist eben weniger auf die günstigeren Temperatur- und Arbeits- Verhältnisse des Sommers zurückzuführen als darauf, daß im Sommer verhältnißmäßig viel mehr Personen an Polizei und Gericht ausgeliefert werden als im Winter, nämlich bis zu dem zehn- und fünfzehnfachen. Die Wirkungen dieses aller Humanität widersprechenden Verfahrens würden in den Zahlen des Vereins- Asyls wahrscheinlich noch mehr hervortreten, wenn hier nicht Raum- Mangel seit langem zur Abweisung vieler Obdachsuchenden zwänge. Alles das ist ja unseren Lesern nicht mehr unbekannt, es ist ja oft an dieser Stelle besprochen worden. Aber es kann am Ende nicht oft genug wiederholt werden, damit die Legende, daß man in der städtische» Verwaltung„auch ein warmes Herz für die Armen und Elenden habe", entsprechend korrigirt werde. Viel- leicht darf bei dieser Gelegenheit hinzugesügt werden, daß der Berliner Asylverein für Obdachlose" sich nicht nur von der Verwaltung des städtischen Obdachs, sondern auch von den meisten anderen Vereinen, die auf irgend eine Art das Elend der Besitzlosen lindern wollen oder lindern zu wollen vorgeben, in bemerkensweriher Weise unterscheidet. In dem uns vor- liegenden Jahresbericht wird zu dem von Arbeitgebern leider immer noch wenig benutzten Arbeitsnachweis des Vereins be- merkt, daß die Obdachsuchenden den Vorwurf der Arbeitsscheu nicht verdienen, daß vielmehr Mangel an Arbeitsgelegenheit ihre Lag« verschuldet hat. WaS macht der Umsturz? Diese Frage wird auch durch den Fall Thönert wieder angeregt, jenes Rekruten, der sich, wie wir vor einigen Tagen berichteten, als Mennonit standhaft weigerte, das Gewehr auf die Schulter zu nehmen und der für diese Bekundung seiner religiösen Ueberzengung jetzt schon zum zweiten Male bestraft werden soll. Seine Rcligioasanfchauung verbietet dem Manne das Tragen von Waffen, durch die er in die Ver« legenheit kommen könnte, Menschenblul vergießen zu müssen. Dieser Glanbenssatz derMennonilen ist allgemein bekannt; hatte doch schon König Wilhelm 1. in einer Kabinetsordre vom März 1868 bestimmt, daß ihr Rechnung getragen werden solle. Rur wer sich frei- willig dazu meide, sollte zum Dienst mit der Waffe herangezogen werden, während die anderen Mennonilen als Oekonomieband- werker, zum Train oder sonst zu einem Dienste o h n e Waffe Verwendung finden sollten. Und trotz dieser Kabinetsordre zwingt man jetzt den armen Soldaten, gegen seinen Glauben, gegen seine Ueber- zeugung zu handeln. Wie reimt sich das mit dem Kampf für Ordnung, Religion und Sitte zusammen? Der Sozialdemokratie, die ohne jegliche Zwangsmittel, einzig durch den Vortrag ihrer erhabenen Lehre ihre Millionen Anhänger geworben hat. macht man den Vorwurf, daß sie die religiösen Gefühle anderer miß- achte und verletze. Und der Militarismus, diese sicherste Stütze der angeblich von der �Sozialdemokratie im Bunde mit der Wissenschaft bedrängten Religion? Nun, der Militarismus braucht Gewalt, wenn die Religion mit seinen Jniereffen in Zwiespalt geräth und das in einem Fall, wo es anscheinend gar nicht nöthig wäre, Zwangsmittel anzuwenden. Wie reimt sich das mit dem Kampf für Ordnung, Religion und Sitte zusammen, wie verträgt sich das mit dem Umsturzulk, der zum Spott der gebildeten Welt nunmehr die Erbin der heutigen Gesellschajt, die Sozialdemokratie,„zerschmettern" soll? Außer an Nixdorf sollen auch an Schöneberg Stadt- rechte verliehen werden. Damit würden die beiden neu- zubildenden Städte, von welchen jede jetzt schon mehr als 50 000 Einwohner besitzt, zugleich auS dem Teltower KreiS- verband ausscheiden, und dre unbequemen 30 pCt. Kreissteuer- Zuschlag würden für die Schöneberger und Rixdorfer Steuer- zahler in Wegfall kommen. Den Schankstätten, wo sogenannter„Kunst-Rum" zum Ausschank oder Verkauf gelangt, wendet, der„Voss. Ztg." zufolge, die Polizei besondere Anfmerksamkeit zu. Sie läßt, wie der Vor- sitzende des Vereins Berliner Weißbierwirthe. Herr Kuckenburg. in der letzten Sitzung des Vereins mittheilte, durch eine Frau kleinere Mengen Rum. gewöhnlich für 20 Pf., einkaufen und dies« Proben dann durch den Gerichts- und Polizeichemiker Dr. Blschoff untersuchen, ob sie auch wirklich als Rum zu bezeichnen sind. Andernfalls erfolgt Strafanzeige und gerichtliche Verurtheilung. terr Kuckenburg theilte auf grund schon ergangener gerichtlicher rkennlnifle mit. daß es unstatthaft sei, einen ans Essenzen künstlich hergestellten Rum alS Rum zum verkaufen. Die Be- Zeichnung Rum, Rum I. oder Rum II. u. s. w. dürfe auch mir an der Flasche stehen, wenn wirklicher Jamaika-Rum sich darin befinde. Bei Rum, der mit Sprit und Wasser verschnitten worden sei, muffe sich hinter der Bezeichnung„Rum" auch der Znsatz„Verschnill-Rum" und bei aus Effenzen hergestelltem Rum „Fasson-Rum" befinden. Wenn ein Käufer nur Rum fordert. ist er zu beftagen. ob er reinen Rum, Verschnitt- oder Fasson- Rum haben wolle. Die Unterlassung dieser. Merkmal- könne nach wiederholter Bestrafung die Konzessionsentziehung zur Folge haben. Im Berliner Aquarium fallen in einem der unteren See- Wasserbecken schief dreieckige Gebilde auf, die mit ihrer vorderen Spitze im Sand stecken und mit dem klaffenden Hinterende weit über die Korallen rc. des Bassins hinausragen; es sind das die an s/4 Meter langen Schalen von Riesen-Eremplaren der im Mittelmeer Heimalbenden und die größte Muschel dieses Meeres repräientirenden Steckmuschel, deren kleinere Verwandten namenl- lich die goldglänzenden Byffusfäden zur Herstellung von Hand- schuhen, Geldbeuleln u. a. liesern und in Italien gegessen werden. Dieses Schicksal theilt mit ihnen die hier in mehreren Stücken einpassirte Helmschnecke, die in Venedig«nd Trieft als„porzelata" verspeist wird. DaS Polizeipräfidinm warnt wie folgt, vor einem an- geblichen Heilmittel:„Von dem Besitzer der Apotheke„Zum goldenen Adler" hier, L., Alexandrincnstr. 41, Ludwig Krohn, wird neuerdings nnter dem Namen Ludwig Krohn's Epilepsie- pulver ein Heilmittel gegen Krämpfe angepriesen und zum Preise von 3 M. vertrieben, das nach der chemischen Untersuchung aus gepulverten Wurzeln. Rinden und Blättern von Pflanzen be- steht, die eine spezifische Heilkraft gegen Fallsucht nicht haben. Das Publikum wird vor dem Ankauf dieses Mittels gewarnt." Bo» einem blutig verlaufenen Duell zwischen dem oanck. iur. Rnbinstein und dem Studiosus Lehmann hier hatte das„Kl. I." berichtet. Rnbinstein sollte getödtet sein. Die Mit» «Heilung ist, wie der„B. Börsen-Cour." feststellt, falsch. Rubin- stein kann seinen Verletzungen nicht erlegen sein, da er so wenig verwundet ist wie Lehmann. Er leidet an Influenza, doch ist diese kaum als eine Duellfolge anzusehen. Wieder ein Selbstmord auS Roth. Erhängt wurde vor- gestern auf einem Baum an der Merower Chaussee hinter Weißense« der aus Berlin stammende Drechsler Joseph Rosenberg aufge- funden. Aus bei dem Selbstmörder vorgefundenen Papieren geht hervor, daß das Motiv zur That in Nahrungssorgen zu suchen ist. Polizeilich beschlagnahmt wurde am Freitag die Leiche des 4l Jahre alle» Arbeiters Otto Schwitale, der Ruheplatz- straße 23 wohnte. Er war als Rollkutscher beschäfligt und kehrte am 6. d. M. mit heftigen Schmerzen von der Arbeit zurück. Er glaubte, daß dies mit dem Abladen eines schweren Petroleum- süsses zusammenhänge. Am nächsten Tage, um 6�/4 Uhr abends, war Schwitale eine Leiche. Zur Klärung des Thatbestandes wird die gerichlsärztliche Leichenöffnung erfolgen. Auf eigenartige Weise verunglückt ist am Freitag Mittag der 9jähriae Sohn Johann der Schlosser Fäbrmann'schen Ehe- lente aus der Georgenkirchstr. 46. Der Knabe hatte eine in der Steinmetzstr. 2 wohnende Familie besucht und sich nach einem abgelegenen Orte begeben, wo er ein offenes Licht neben sich hinstellte. Johann Fährmann ist nun den Flammen mit seinen Kleidern zu nahe gekommen, so daß er im Umsehen lichterloh brannte. Bevor ihm auf seine Hilferufe Beistand gebracht und das Feuer gelöscht werden konnte, halte das Kind sehr schwere Brandwunden am Rücken, am Gesäß und an den Beinen davon« getragen. Er mußte nach einem Krankenhause gebracht werden, wo ernste Bedenken wegen des Zustandes gehegt werden. Seiner patriarchalischen Nnternehmer- Autorität hat am Freitag der Kohlenhändler Ratz in der Elisadethstraße in recht wirkungsvoller Weise Ausdruck gegeben. Zwischen diesem braven„Brotherrn" und seinem Arbeiter Michaelis war es um die Mittagszeit zu einem Worlstreil gekommen, der dahin ans- artete, daß R., ein höchst jähzorniger Mann, das Messer zog und in blinder Wuth auf M. losnach. Dabei verwundete er den Arbeiter derartig schwer am Halse, daß dieser nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhause Friedrichshain ge- schafft werden mußte. SanitätSkommisfion. Wir erhalten Nummer 53 vom 3. März finde ich folgende folgende Arbeiter> Zuschrift: In Notiz: H a v e l b e r g e r st». 37, Hof links IV. Wohnung aus Stube und Küche. Wände naß»nd mit Schimmel belegt. Die Maschine in der Küche raucht stark und ist garnicht zu denutzen. Miether zur Zeil krank. Wirlh will nichts machen lassen. Auf grund des§ 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie um folgende Richtigstellung: I. Der Mierher hatte nie geklagt, daß die Wohnung naß sei. 2. Anfang Februar wurde auf Wunsch des betreffenden Miethers, Schuhmacher Kambach, die Maschine reparirt. Zeugniß des Töpfers und Klempners. 3. Die Frau des Miethers K. hat nach dieser Reparatur erklärt:„Jetzt sind wir sehr zufrieden, es kocht wie toll". Der wahre Grund der Klage an dre„Arbeiter-Sanitätskommisston" ist wohl in der Ab« neigung gegen kontraktliche pünktliche Miethszahlung zu suchen. Nur nach wiederholten Muhnungen und Aufforderungen durch den RechtSanwall konnte ich die Miethe erhalten. Hochachtend R. Langer, Eigenthümer. Ein EinbrnchSdiebstahl ist dieser Tage in der Wohnung der Schauspielerin Fräulein Nuscha Butze, Jorkitr. 76, verübt worden. Es ist der Künstlerin, die sich seit Neujahr auf Gast- spielreisen befindet, ein großer Theil der Garderobe gestohlen worden. In der Brauerei Rixdorf ist am Sonnabend Nachmittag ein Feuer ausgebrochen, welches die Thätigkeit mehrerer Züge der Berliner Feuerwehr in Anspruch nahm. Polizeibericht. Am 8. d. M. vormittags gerieth ein Arbeiter mit seinem Arbeitgeber in dessen Wohnung, in der Georgenkirchstraße, in Lohnstreitigkeiten und wurde bei der sich daraus entwickelnden Schlägerei durch Messerstiche am Kopfe de- deutend verletzt.— In einem Hause in der Sleinmetzstraße erlitt auf dem Abort ein Knabe schwere Brandwunden an den Ober- schenkeln, indem seine Kleider durch ein neben sich gestelltes Licht in Brand gesetzt wurden.— Nachmittags wurde eine Frau aus dem Boden eines Hauses in der Thaerstraße erhängt aufgesunden.— Im Laufe des Tages fanden vier kleine Brände statt. WitternngSiiberstcht vom 9. März 1895. Wetter-Prognose für Sonntag, 19. März 1895. Etwa? wärmeres, tbeilS heiteres, theils wolkiges Wetter mit schwachen südöstlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wellerbureau. Gertck»ks-�Zc»lung. Gelverbegericht. Zu der Frage, als was Weihnachts-Grati» fikationen zu betrachten sind, bat stch dieser Tage die Kammer VII unter Assessor Blankenstein in bemerkensweriher Weise geäußert. Der Hausdiener H. verlangte vom Kaufmann Böhm 139 Ueberstunden mit 45 M. bezablt, welche Forderung er damit begründete, der Beklagte habe ihm beim Engagement eine Weihnackls-Gratifikalion als Entgelt für die in der Saison zu leistende Mehrarbeit in Aussicht geilellt, sein Versprechen aber dadurch eingelöst, daß er ihn drei Wochen vor Weibnachen entließ. Vom 7. Febr. bis zum 8. Dezbr. sei er bei demselben in Stellung gewesen, habe also in dessen Geschäft(Strohhut- Handlung«rn- gros) die Frühjahrs- und Herbslsaison durchgemacht, ohne daß ihm eine Entschädigung für die vielen Ueberstunden geworden fei. HIlufig bnve et in det Sflifon statt bis 8 Uht bis 10, 11 »mb ina, ichmal sogar bis 12 Uhr gearbeitet. Ter Kläger erhielt dabei mir 21 M. Wochenlohn. A»f die Frage, wie hoch er sich die Wcihnachts- Gratifikation gedacht hätte, gab er 40 M. als den Gegenstand seiner Erwartung an, während der Be- klagte liieinte, er wurde ihm 20 M. höchstens gegeben haben, wen» der Kläger nicht vorher hätte entlassen werde» müssen. Ter Kläger hielt dci» Beklagten entgegen, daß derselbe immer einige Wochen vor Weihnadjtcn seine Leute Hinauswerse. Letzterer wollte das natürlich nicht wahr haben, er kramte seine angeblichen Gründe zur Entlassung H.'s aus, wobei herauskam, daß das schwerwiegendste Vergehen des Klägers war, eine» Koffer statt nach dem Anhalter Bahnhof nach dem Bahnhof Alexanderplatz gebracht zu haben. Der Beklagte machte noch gegen den Anspruch geltend, die Uebcrarbeit in der Saison sei überhaupt längst dadurch ausgegliclien, daß H. während der stillen Zeit oft nichts zu lhun hatte.' Der noble Herr, der außerdem mit allerhand „Wohlthaien" zu prnnke» suchte, z. B. damit, daß Kläger in der Saison öiter als Abendbrot„Stiillcn" erhielt, mußte zugeben, daß derselbe vor dem regelrechten Geschäftsschluß nicht»ach Hanse gehen durfte. Das gelegentliche, übrigens vom Kläger bestrittene.Herumstehcii" wünschte Böhm also gegen die Ueber- stunden der Saison verrechnet zu sehen. Ein Zeuge bestätigte die Behauptung des Beklagten, er habe beim Engagement sofort zum Kläger gesagt, dieser müßte in der Saison an- gestrengt und so lange arbeiten, wie es der Be- irieb erfordere. Von einem bestimmten Versprechen. H. sclle dafür Weihuacbten enlscködigt werden, hatte der Zeuge nichts gehört. Ter Beklagte betonte nochmals ausdrücklich, eine cvent. Weihuacktsgratifikalion gebe es nur als„Sporn" für den Arbeiter, niemals verabredeter Weise und nicht als Ent- s ch ä d i g u n g für g e l e i st e t e D i e n st e. Das Gericht ver- urlheilte Böhm, 20 M. zu zahlen, und wies de» Kläger mit der Mchrforderung von 25 M. ab. Zur Begründung führte der Vorsitzende aus: Allerdings sei für eine ausdrückliche Verein- Inning, die Mehrarbeit in der Saison solle durch eine Weihnachtsgralifikation ausgeglichen werden, kein Beweis erbracht. Doch eine solche ausdrückliche Vereinbarung sei gar nicht im vorliegenden Falle erforderlich gewesen. Bei solchen und ähnlichen Geschäften, wie dem des Beklagten, sehe es das Gericht als üblich au, daß der Hausdiener k. mit dem gezahlten Wcchenlohn für das ganze Jahr, also auch für die arbeitsreiche Saison mit ihrer Uebcrsiundeuarbeit sich nur unter der Voraussetzung begnügt, Weihnachten werde er durch eine Gratifil kation entschädigt. Ter Kläger hätte die faisonmäßigen Mehv leisinngen zweimal während seiner zehnmonatlichen Thäiigkeit beim Beklagten geliefert, und es wäre deshalb nicht richtig, ihm die übliche Entschädigung vorzuenthalten. Es bleibe die Frage, wieviel H. rechtlich beanspruchen könne. Der Be- klagte gebe zu, daß er eventuell 20 M. gegeben hätte. Hieran hätte sich das Gericht seiner Auffassung nach halten müssen. Mit der Summe, welche der Beklagte nach eigener Angabe gezahlt haben würde, müsse sich der Kläger jetzt zufrieden geben, wie er sich voraussichtlich damit zufrieden gegeben hätte, wenn er über Weihnachten hinm s beim Beklagten geblieben wäre. Tie„stille Zeit", auf die Böhm sich berief, käme schon deshalb nicht in bclrackit, weil der Kläger ja bis zum Schluß dcS Geschäfts, der um 8 Uhr abends eintrat, letzteres nicht verließ, sondern dem Beklagten zur Versügung stand. Ob er während der Geschäftszeit stets beschäftigt war, oder ob er häufig still saß, sei gleichgiltig. Die kriegsgerichtliche Verhandlung gegen de» Zeremonien- meister v. Kotze soll nach dem„Kl. Journal" auch in b" Sitzung vom Freitag nicht zu Ende geführt worden sein. Wegen Verbrechens gegen Z 176 des Strafgesetzbuchs (Nothzuchl) wurde gestern der Malermeister Robert Blasse unter Zubilligung niildernder Umstände vom Schwurgericht zu einem Jahr Gesängniß verurlheilt. Er hatte sich an seinem Tienst Mädchen vergangen. Der Prozeß der Griebenow'schen Erbe» gegen die frei religiöse Gemeinde hierselbst aus Herausgabe des Friedhofes in der Pappel-Allee ist nunmehr in letzter Instanz zu gunsten der Beklagten entschieden worden. Das Reichsgericht hat anerkannt, daß die freireligiöse Gemeinde Rechtsnachfolgcriu der vor ca. bOJahrr» gegründeten„deulschkaiholischen", späteren christkatboliswen Ge meinde sei, den Friedhos also mit Fug und Recht im Besitz habe. Die Kläger, welche das, seiner Zeit der neu- gegründeten„deutschkatholischen Gemeinde" gemachte Geschenk vor Ablauf der gesetzlichen Frist rückgängig machen wollten, sind Kinder des verstorbenen Rentier Griebcnow, welcher sich selbst zu den Grundsätzen der Gemeinde bekannte. Griebenow, nach dem ja auch eine im Schönhauser Viertel be- legene Straße benannt ist, war in den vierziger Jahren der größte Grundbesitzer im Noide» der Stadt. Unter seinen Kindern, welche den in der Schenkung kundgegebene» Willen ihres Vaters durchaus nicht in pieiälvouec Weise behandelt haben, befindet sich der bekannte Sporlsman Gras Griebenow-Paderno,— Graf von der Republik San-Marino-Guaden, welche neuerdings in den Zeitungen ihre Adelsprädikale für Geld anSbieten läßt. 03 c tu e t4U Fdi n ttl i rtj c Achtung, Varbiere! Die Barbiere Braun schweigs sind in eine Bewegung eingetreten. Sie fordern 1. den Minimal- lohn von 6 M. pro Woche bei freier Station, 2. Anerkennung des Arbeitsnachweises. Der Zuzug na» bort ist streng fern zu halten. Sendungen sind zu richten an F. S t a r o s f e n, Barbier- gehilse, Güldenstr. 81. Achtung, Maler! Wegen aufgebrochener Lohudifferenzen ist der Zuzug nach hier streng fernzuhalten.— Gleichzeitig wollen wir nicht versäumen, die auswärtigen Kollegen davor zu warnen, sich durch die hier stattfindende Ausstellung verlocken zu lassen, nach hier zu kommen. Die Arbeitslosigkeit der Maler ist hier an und für sich schon groß. Tie Lohnkommisflon der Maler Lübecks. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Ter Zuzug von Schneidern ist bis aus weiteres von Kuxhaven, Ettling en, Flensburg, Frankfurt a.M. Neu Münster, Regensburg und Schöningen fern- zuhalten. Ferner ist die Sperre über die Geschäfte von A. Weber in Magdeburg, Kaiserstraße SS, Rubach in G o i l a r und Landgraf in H a l l e a. S. noch nicht aufgehoben. Tic Weber der Firma Scbwamborn u. Classen in Aachen nehmen, da der Streik durch Vermittclung des Regienmgs- Präsidenten und des Vertreters des Polizeidirektors beigelegt worden ist, die Arbeit morgen früh wieder auf. Es wurde ihnen eine Lohnerhöhung und die Wiederanstellung des Webers Wehren, welcher vor vier'Wochen im Austrage der Weberschaft um eine Lohnerhöhung mit den Prinzipalen verhandelt hatte, aber in voriger Wockie ohne Angabe des Grundes entlassen worden war, zugesichert. Auf die Herren Schwamborn u. Classen ist der Be- schluß der allgemeinen Weberversammlung vom vorigen Freitag, betreffend Gründung eines Weberverbandcs für hier, Burtscheid und Umgegend, anscheinend nicht ohne Eindruck geblieben. Die Organisation der Weber kommt aber trotz der Beendigung des Streikes in genannter Fabrik zu stände. Die Schuh- und Schäftemacher der Firma Manz in Bamberg haben wegen Lohndisserenzen die Arbeit niedergelegt. Nachtvehen von dem Weberstreik in Oelsnitz i. V. Wegen Vergehen? gegen den§ 153 der Geweibe-Ordnung stand vor einigen Tagen der Arbeiter P o i l m a n n vor dem Landgericht in O e l s n i tz. Er sollte einige Weber, welche in der Fabrik von Schenk u. Ko. in O e l s n r tz während des Streiks weiter arbeiteten, mit Schlägen bedroht haben. Er wurde zu 3 Wochen Gesängniß verurtheilt. Ferner war beim Gericht eine Karle eingegangen, welche die Unterschrift eines der Zeugen trägt und aiis welcher gebeten wird, das Versahren gegen Poll- mann einzustellen. Die Karte wird den Zeugen vorgelegt; alle drei erklären, daß die Karte nicht von ihnen herrührt, daß sie auch niemand beauftragt haben, die Karte für sie zu schreiben. Es bat dies zur Folge, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Angeklagten Pollmann wegen Verdachts der Urkundensälschung sofort in Untersuchungshaft nehmen läßt. Ter Setzerstrrik in Sofia ist ein allgemeiner. Am 8. März sind keine Zeitungen erschienen. Vevkammlunsen. Der Wahlverein für den 6. ReichStagS-Wahlkreiö hielt für seine Mitglieder auf dem Gesundbrunnen am 6. März im Lokal des Herrn Schulz, Steltinerstr. 57,«in« Versammlung ab. Ter Besuch war mäßig. Nachdem man in üblicher Weise das Andenken an die veistorbeneu Mitglieder Maurer K asch und Zeiluugsspeditcur Nieder geehrt hotte, wurde in die Tagesordnung eingetreten:„Diskussion über das Erfurter Programm". Die Ausiührungen der Genossen Frei- ihaler, Ludwig, Brinkmann, Reinhardt und Lose bewegten sich in dem Rahmen der Erläuterungen, wie sie in dem Buch von Kautsky,„Das Erfurter Programm in seinem grundsätzlichen Theil", enthalten sind. Am Schluß der Versammlung(um Mitternacht) ersuchte Genosse G l e> n e r t, gelesene Arbeiter-Zeituugen und sonstige Literatur nicht fort, zuwerfe», sondern zum Zweck der tügilation auf dein Lande in der Snmmelsulle des Kreises tei Raschle, Hochstraße 32, niederzulegen. Zirl>«le«r- siiiigerbnnd Kirll»«»»d Lo.i iag. den 10. Mäi, d. I.. vormiNagS lo Uhr. im Saale drr B'auerei ssriedrichtlrnin: llebungSftuNdi. Im Nrdeniaale: Au6 i ordenlliche AuSschub- Sitzunz. Zag-iordnuna: Stellunanadme zu einem Lieder-Abend. zierband dcr SchlniM-r und K»r»s»«>»»-lrrn. Heute, Tonntag, den w. Mär,. naSmttiag», Uhr, in den Siim'nhallcn,«kommai.dautenslr.io tgraber Saal»: Siehe öffenlllche Mitglieder-Aeisannnlung. Shratel zierrin Lre>h->t«ar»l«. Jeden Sannlag. adende ö Uhr, bei Reimann, Veiiängerte Treeckawstr. 7: Sitzung mit Damen. «rlrllioer Zirheiter- N-'-in Kiud'rtiett«. Sonntag, den w. Mär,, adrndtz« Uhr, Sitzung bei Kreb», Ohmgass- 2. Nachher Zanz. iiigsie willkamme». Str> drhasle»»n Zit beitern»er K-rliner Maschlnenda»• Zilitir«- vrl-IIlchaft Heute Zahltag: Rekeriir. rn bei Stll de. Kninortftischer Uerein Ntatdearnu scheu Selellschafte- Abend, ver- bund n mit Tai, und igortragen tn Briitki er't Stablissement, Belle Alt iance- slrabe 97. Säfte willkommen. Anfang» Uhr. Hheate» und z>-rg»>itz»ntz»- verein FrltlUarka. Sitzung abcndi » Uhr bei Herrn Drehler, Barntnmr. I». Nachher Fidelila« z>c>l»i,>««»»»- zieret» Ztniia. Roland, Elsassersir. 2», l Dr.« Uhr; Fideiita«. Säfte willkommen. wesetliger l'tttiu chertha. Heute Sonntag, den«1. Mär,: Se- sellschasls- Abend, verbunden mit Tan, und Lorträgen, tn Roll'« yes.sälen, AdalbertNr. ii, oberer Saal. sandomannschast der Schleawla- Aolärtner ,» perlln. Sonnlag de» so Marz, abend» 6 Uhr: Srmlithnche« Beisammensein mit Lorträgen »nd Tan, im„Englischen Hos", Neue Siohslr. 9. Kch»hm»ch»r I Montag, den lt. März, abend« ell Uhr: Miiglleder-Ver- sainmlung der Freien Bereinigung iämmiltcher in der Schuhindnstrie be- sliiäsitglen Arbliter und Ardeitertnnen Berltnt im Lokal- de« Herrn Wdl-, A»drea«li>abe 2«. Ehratrr-vrrrln Minerva. Alle Montage« Uhr Maibach-User» d-t Schmott: P.ovrlesen. Zirdel»»»- KIldimgdlchtiie. Sonntag, ld—» Uhr: Nord. Schule, M iiiler str. I7sa: Nalurerkeinitntß(für die am Montag, de» 25. Februar aus- gefallene Unlrrrlchissiunde)! Eüdost-Schule, Waldemarstr.lt: Leltüre(unent- gelllich). Montag, abend« 7X-»s; Uhr: Lektüre.»sj-loX Uhr: N o r d- S ch u l e. Müllirstrahe l7sa: Naiurerlenninib. Ell dost- S ch ule, Waldemarstr. i«: BolkSthümiiche Medizin.— Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theil- nehmer. Damen und Herren, jeder Zelt ausgenommen Im Unterricht in der Nalurerlenntnih tn der Nord-Schule wird zur Zelt in volksthümlicher Weise die Darwinsche Theorie behandelt, woraus wir be- sonder» ausmerlsam machen. Zirb-it-v- ß»u«»r>>»„d ArrlI»« und Unttz-tz-nd. I. vorsttzendir: Ad. Neumann, Pasewallerstr. S. Alle Aenderunge» im Lemnzlalender sind ,u richten an Friedrich ktarium, Manleusselsirahe«», v. 2 Tr. Wontag, Abend««—ll, UebungSstnnde und Aufnahme neuer Mitglieder, Liedertafel der Maler, Annenstrahe«, bei Ehrenderg.— Wtederhall, Itöpentderstr' 101 bei Foge.— Z u t u n f t I, Steglitz. Aharn strahe isa, Echelhase'« Sambrinu«.— Bruderher,, Krautslr. a, beiRudols.— Arbester-Sesangv-retn Barwärt«!!!, Llchtenbera-FrtedrichSselde, Prinzen- Allee« bet Karl Schul,.— L ted er zw e ig, Wutdmannslust Berlinerstrahe bei Zerbe.— Ltedessreshett II, Strausberg, Wrtetzenerstrahe bei Laot, Bürgergarten.— Sladenrein(geniilchler Eharj schönhaitfcr Allee 46 bei Hähne.— Rosalia, Lebnserstrahe 5, bei A. Nemitz. — Syrene, Schönhauser Allee 28 bei Kelle.— Arbeiter- Sesang- verein Wacht aus II, Wollersdorf bei Erkner, Restaurant Sillmann „WilhelmShähe".— Arbetler-Sefangveretn der Enterbten, Swi nemün�er strahe t».— H o f f n u n a II, Deuiich-Wilmersdarf, Sünt-lstr. zs.— T o n» b l ü t h e, Zeughafstr.», Restaur. Behlendorf.— Sesangverein L lbe r te t Wrangelstr. 84 vet Redau,.— Männerchor S a n g e« l u st II, Pasewallerfflr.» bei Ad. Nrnmann.— Gesangverein Fr e t h e i t», aemisditer Ehar, Bernau tusstteilstrahe„Elystum".—„Harmonie 2", Weinftr. n, Restauicanr einde.—„Freie F- l d b l u n> e", Admtralstr. 3» bei Tutzauer.— Sehnig- verein H t I a r t a, Blumenstr. 48 bei Tomaifched.— Kl i n g müll e r'iches Doppelquartett, Reu-Weibensee, Langhanistrahe bei Ww. Buhjh.— „E ü d- O st N", Falkensteinstr. 7 bei Tritlelwitz.— Alpenvetlch' gjz mtschter Chor. Ltndowerstr. 28 bei Sachse. K»!iai>ini»Ieri>tilch- Zrsr- ,»>» Klvkutlrlelnd». Max Kayser, leben Sonntag Loimiltag« io% Uhr tm Restaur. Schv»>a>i>i, Hetmslr. l8.— Kund der»»seltitz»» Zirdeiterverrine Perlin«»nd Zlnigepend. (Alle Zuschiifien, den Bund der geselligen Arbetteroeretne belrefsend, find zn richten an P. Sent, Adalbertstrabe 96.)— Kenntag: vergiiügungzizerein „Helgoland II", Laiinestr. 86 bei Tempel.— BergnügungSllub Ostend, Kraulsirahe 6 bei Rndvlf von 6—8 Uhr.— Berg»ügu»g«verein Seerose, Kiaulstrahe 8 des Rudolf.— LergnügungSve' et» Glüdstern 2, Fennstr. 2, bei WieSner.— Vioiita»: Pfe.senlüb Felsenfest, AndreaSsirahe 2« bei Wille.— LergnügungSvereln Felsenfest, Rixdors, Hermannstrabe 21 bei Hornburg.— Kartenilub Lustige Brüder, Kiaulurahs 4« bei Rattke.— Pinndharmontlaverein Borwart«, Bellealliancestr. 74 bei Kttzing.— Se- felltger Verein Fridolin, Bruunenftr.»6 bei Wolf. Semeindefchul-Tini balle Siephanstr. 3(Moabit).— Pitvat-Theatergefellschaft „S alur" Abends-/<9 Uhr, Sitzung bei Spechl, Marlgrafenstr. 83.— Privat- Theatergefellschaft Immer Lustig jeden Sonntag Abend« 6 Uhr. bet Ruhl Andree, Ehorineistr. 63: Sitzung intt Damen.— Prtvat-Thealcrgelellsdjaft Minerva. Alle Montag Zusammenkunft Matbach-Ufcr 3 bet Schniod.— tlivat-Theater- und Lergnuaungsoeretn Morgenstern. Sitzung jeden onnlag 6 Uhr; all« vterjehn Tage Fidelita« im Marlthallen-Reiiaurant, Wörlherstrah« 46, bet F. Taren.— Rauchtlub Brüderlichkeit jeden Montag 8— II Uhr bei Pauk«, Schlestjchestrahe s».— Gesang- oerein E in igle i t M anlag. Abend« 9 Uhr, Sitzung bet Evert in Langwitz Beriinerstiahe.— Theater- und Verg»ügu»g«verein Waldemar. Jeden Sonnlag StaNtzelstr. 64 Bet Hinte. Anfang«jj Uhr.— Arbeiter-Stsnagraphte Verrein„Eintracht", Unterricht Ue.d Uebung»llunde Montag abend« djj Uhr bet Noihe«, vutlmai» stratze 17.— Prtval-Theaterveretn Freiheit«- Hoffnung. Sitzung mit Damen jeden Sonntag um s Uhr»achmittag« bet Bvumaun, Lpchi erstr. 2—3(Straße XV>. Nach der Sitzung Fidelita«.— Privat-Tbeateiges llschast Minerva. Alle Montag Zufammenkunst Maibach- User 3 bei Schinod.— Kiub Freya. Jeden Sonntag von 6 Uhr nach- »iittag« an Sitzung mit Fideiita« im Saale de« Restaurant« Kiekelhahn, D eSdenerstr es.— Leignügungso-rein Flora. Jeden Sonntag Uhr Sitzung, nachdem FideidaS im jltestaurant Miethe, Mendel«soh»str. 9.— G-jelllger Pe-ei» Frohsinn, Sonntag,»aibniiuag««z Uhr, bei Hirt«, Eiesabethluchstraß« i«: Seneralversammlung mit Fidelita«. Veritllscijkes� Nnter der Spitzmarke: Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang, brachte der„Vorwärts" in der Str. 47 eine der„Freis. Ztg" entnoinmene Notiz, wonach sich die Herren Abgeorcneten Ahlwardt und Dr. Förster, welche in einer Versammlung in Etargard ausgetreten naren, nach derselben sich an einer sehr animirten Kneiperei in einem Restaurant mit Damenbedienung betheiligt haben sollen. I» bezng ans die Schilderung der Vorgänge bei jener Kneiperei wird uns nun von betheiligter Seite mitgeldeilt. daß die Darstellung der„Freis. Zig." lendenziös entstellt und sehr übertrieben sei. In Wirklichkeit sei bei jener Gelegenheit nichts vorgekoinmen, wessen sich anständige Männer zu schämen brauchen. Der Schreiber der Notiz Hab- hurmlose Vorgänge aufgebauscht. Wir nehmen von dieser Znschrisl gern Notiz, da unS selbstverständlich nichts daran gelegen sein kann. den Herren der antisemitischen Rtchlungen das Kneipvergnügeii, das wir sowohl den Ariern wie Semiten gönnen, irgendwie zu stören. Driefkttpken der Medaltttan. Wer bttlc» bei leder Anfrage ein« Ehtstre iZwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben,»nier der d>i Arnworl erlheill werden soll. C. R. Zimmerer. Geben Sie uns seinerzeit von dem Ge« richlsleimi» K-niUmß; wir werden dann ein Referat bringen. Knoli. Senden Sie uns von der nächsten Verhandlung, welche die Eulscheidmig bringen soll, einen Bericht. Raiichilub„Vilginia". Geben Sie Ihre Erklärung al? Annonce aus. Nreudt. Der Bries wird Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. Olga 33. Sonntag Vormittag 10—12 Neue Grünftr. 10 komme».' Ober an Frl. L., Kaulstraße 160, Charloltenburg, schreiben. A. D. 100. Der„Fall Ewald" ist von uns der„volkS- Zeitung" entiioiiimen worden. Tr. A. B. Wohnung gleich geblieben. Besuch sehr er« wünscht. Preis e «veut. � �Theilzahl. Frau Olga Jacobson, Jnvalideuftr. 145. Zahn-Klinik. Mhlllllslhillell-Rkplirlltm- Werkstatt s. Systeme. 43/29 Prinzip reell, bill. u. schnell. Empf. mich Freunden und Genossen. W. Maaske, K, Schwedterstr. 81. Kein Laden. (-..npfehle mein Weiß- und Bairisch- Bierlokal. E. Neichert, Willibald Alexisstraße 22. 3016b ArvrLtsanznge Ss-s-n. Linienstr. 235. 8ckva!'2e(.ooo)vAmeu! Frühjahrs- Jaquets 5,50—12,50, mit Seide gesüttert 13,50—20,00. Farbige Modcll-Jaquets 5—15,00. Eleg. Kragen- Capes(Pariser Neuheiten) Wolle, Seide, Sammet 2,50— 30,00. Enorme Auswahl wirklich aparter Regenmäntel 6,50 bis 25.00. 44.7 LandSbergerstr. 48, 1 Treppe. Arzt Dr Hösch, Linien- straße 149, 8—10. 5 bis 7. Sonnrags 8—10 Uhr. 13751, Vlüsch-Garnitnr, gut erhallen, für 90 Mark zu verkaufen 3031 b Nsinn, AsMvn, Jerusalemerstr, 65. Gut erh. Wirthsch. zu verk. 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Eing. Ww. Geech, Adalbertstr.84. Freundl. Schläfst, für 2 Genossen, Lindenstr. 17, Hos Querg. 1 Tr. JÖW-SÄn' Hiir den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag, den 10. März. Freie NoiKobiihne. Lessing- Theater). VII. Serie. 4. Ablh. Nachmitt. 3 Uhr: Der Geizige. Bauernehre. a t i o n a l- T h e a t e r: VI. Serie. 7. Abth. Nachmitt. LVe Uhr: Kein Hüsung. Gpernhaus. Der Prophet. Montag: Die verkaufte Braut. Die Puppenfee. Ichanfplelhans. Wie die Alten sungen. Montag: Zopf und Schwert. Deutsche» Theater. Die Weber. Monlag: Weh dem. der lügt. Lesstng-Theater. Das Examen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Berliner Theater. Die große Glocke. Montag: Dieselbe Vorstellung. $5cslde»z-Theatrr. Fernand's Ehekontrakt. Montaa: Dieselbe Vorstellung. Ueno» Theater. Liebe von Heut. Vorher: Edgar's Kammermädchen. Monrag: Der selige Toupinel. Theat,r Unter de» Linden. Ka pÜän Carricciolo. Montag: Marocco Bound. Kchillrr- Theater. Der Veilchen sresser. Montag: Gracchus, der Volks- tribun. Bellealliance- Theater. Verliebte Mädchen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WUheimstädt. Theater. Der Obersteiger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Grnft-Theatrr. Ein fideles Korps. Gesindeball. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gentrai-Theater. Unsere Rentiers. Montag: Dieselbe Vorstellung. Uatianal- Theater. Die lebende Brücke. Montag: Dieselbe Vorstellung. Aieranderplat,- Theater. Durch. gegangene Weiber. Montag: Dieselbe Vorstellung. Re>ch»hailenth»ater. Spezialitäten- Vorstellung. Ameriran- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aankmanu'« Uariste. Spezialitäten« Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Sehiller-Thealer. (Wallner- Theater.) Sonntag» 10. Marz, nachm. 3 Uhr: Der serbroch ene Krug Frauen- Kampf.— Abends 8 Uhr: Der Deilchenfrelfer. viodter-�benae. Im Bürgersaale des Rardbauses, abends TVa Uhr: Zum a. Male; Reuter-Abend. Wontag, 11. März, abends 8 Uhr: Gracchus, der UolKstribun. Dienstag, 12. März, abends 8 Uhr: � Hagar» Sohn. MittW-ch, 13. März, abends 3 Uhr: Gracchus, der UolKstribun. Donnerstag. 14. März, abends 8 Uhr, zum I.Mals: Die Jourualisten, Lustspiel in 4 Akten von G. Freytag. Adolph Ernst-Theater Anftreten der ersten Pirouette- u. Courbette-Tänzerin Englands vornPrince ol Wtles-Tbeater in London. Ein fideBes Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„A Gaiety Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: GeKttdebnll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Ansang 7Ve Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Castan's Panoptikum. Kr Noch nie!>llWesell!?Z Die Uielen de» dunkeln Erdtheils: vie kiolta. F« Männer, grauen«. Kinder. Das scheckige Mädchen Marietta. „Prisideat Paare". lalional-Tlieater. Große Frankfurterstrabe 132. Direktion: Max Samst.� Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft WUlian, valrler Die lebende Brücke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(ll Bildern), nach dem Eng- tischen von Sutton Vane. übersetzt von H. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. Eleklr. Beleuchtungseffekle v. Lakowsky. Regie: Max Lamst. Kafsenöfsnnng 5 Uhr.— Ans. 7>/s Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Centrai-Theater Alte Ja hobst raste U r. 30. Emil Thomas a. k. kkovität! Zum A3. Male:«cvität! Unsere Uentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wildelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. _ Anfang t/28 Uhr. II i» s n i s Anstalt für volksthümliclie Naturkunde. Am Landes Ausst« II angspark (Lehrter Bahnaof). Geöffnet von 5— 10 Uhr. Täglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Feen-Palast Kurgstr. SS, neben der Körfe Neues collossal. Programm. Die 8 Grunathos. Die mOriösen LiliMtaner (darunter die kleinste Serpentin- Tänzerin der Welt). vcustu Angnst m. seinem brasilia» Orang-vtang.�HM Littlo Ella, das Wunderkind. Mr. Paolo Tendaro. 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Die Beerdigung findet heule, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Sophien-Kirchhoses(Freieuwalder- straße) aus statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 193/13 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannte» hier- mit die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn »UgC am Donnerstag, den 7. d. M., im Alter von 6 Jahren an der Diphtheritis ver- starben ist.— Die Beerdigung finvet heute. Sonntag, den 10. März, von der Leichenhalle des St. Einmaus- Kirch- Hofes in Britz aus statt. Familie Zimmer. Todes-Anzeige. Ain 7. d. M., nachts W/s Uhr, verschied nach längerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- mutier und Großmutter Pauline Scbmidt geb. Behr im 70. Lebensjahre. 3040b Dies zeigen tiefbetrübt an Die Binierhllehenen. Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. März, nachmittags S Uhr. von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes. Prinzen-Allee, aus statt. Achtung! Achtung! Bäcker!| Dienstag, den 12. März, nachmittags SVs Uhr, bei R ö l l i g. Neue Friedrich- straße 44. Verbandsversammlung. Tagesordnung: 1. Regelmäßige Monatsgeschäfte. 2. Berichterstattung von der General- Versammlung. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller ist erforderlich. 69 8 Her Vorstand. �rsn�biuSersl und Blumen• Handlung JUeUDP Berlin SO., .meyer, Wienerstr. 1 (nur dort). Guirlanden k Mlr. von 15 Pf. an. Cotillon-Bouquets, Dtzd. v. 1 M. an. Telephon: Amt IV. 9482. Gedenhtags-Hränze zum 18. März, sowie frische Blumen empfiehlt den Parteigenossen die- ä. Nimtz, 68, Fnebenstraße 68. Bn gros- Kranzbinderei Allen Freunde» und Genossen em- psehle meine 1772L* Kmizblnbettlu Mmn-W. Kränze mit Schleifen in großer Aus- wähl. Billigste Preise. L lZloff früher Memelerstraße. • ll') jetzt: Königsbergerslr. 20, Ecke Guvenerstraße. F. 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Genosse P o l I en d er- Leipzig, wegen Beleidigung der Polizeidirektion in Chemnitz, 20 M. Geldstrafe. „ Ottensen. Wegen Vergehens gegen daS Vereinsgesetz die Genossinnen Eilken, Koop und P e e ck je 20 M. Geldstrafe. „ Treöde». Eine Woche Haft Genosse Reichard, Redakteur der„S. Arbeiterzeitung", wegen Aufnahme eines Boykoltaufrufs. „ Magdeburg. Je 10 Mark Geldstrafe 2 Genossen wegen Verbreitung von Druckschriften an öffentlichen Orten. V. Essen. Genosse Hünninghaus wegen Beamten- beleidigung 4 Wochen Gefängniß. „ München. Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt Genosse Maurer 1 Monat Gefängniß. „ Kassel. Von der Anklage, den Direktor des Schlacht- Hauses beleidigt zu haben, Genosie John freigesprochen. 6. Erfurt. Genosse Güldenberg wegen Beleidigung des als Dauerredner Ruf erlangten Dr. Fränkel 130 M. Geldstrafe. S. Mainz. Der frühere Redakteur des„Saalfeldcr Volks- blalts", Becker, durch Urtheil des Kriegsgerichts 3 Jahre Gefängniß wegen Erregung von Mißstinimung über den Dienst unter den Kameraden. „ Bernburg. Wegen Hausfriedensbruch ein Arbeiter vier- zehn Tage' Gefängniß, weil er der Aufforderung des Wahl- Vorstehers, das Lokal zu verlassen, nicht Folge leistete. „ Erfurt. Genosse Rauh von der Anklage der Militär- beleidigung freigesprochen. Antrag: 0 Monate Gefängniß. „ Magdeburg. Vier Genossen zu je 20 M.,lund der Ver- tranensmann SO M. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. II. Güstrow. Die Genossen Pätow, Berg und Grapentin zu 90, 25 und 20 M. Geldstrafe wegen Beleidigung der Polizei. Der Antrag lautete auf fünf, zwei und einen Monat Gefängniß. m Grünbcrg i. Schk. Drei Wochen Gefängniß ein Genosse, weil er einen Boykoltaufruf mittels Schablone an die Häuser gepinselt halte. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Linxweiler- Elbcrfelv sechs Monate Gefängniß wegen Beleidigung eines Stadtraths. 12. Tresdeu. Genosse H o r n, Redakteur des„Fachgenossen", in der Berufungsinstanz fünf Monate Gefängniß wegen Privatbeleidigung durch die Presse. „ Liegnitz. Wegen Verstoßes gegen das Preßgesetz Genosse T e i ch e r t SM. Geldstrafe. H Magdeburg. Durch Aufnahme einer Annonce grobe» Unfug verübt zu haben, Genosse L a n k a u S M. Gelb- strafe. „ Berlin. Genosse Dierl, verantwortlicher Redakteur des „Vorwärts", 300 M. Geldstrafe wegen Beleidigung von Polizeibeamten. 13. Magdeburg. Wegen Hausfriedensbruch und Körper- Verletzung, begangen im Verlauf des Ausstandes in Burg. wurden reruriheilt, Hesse zu 2 Jahren, Kachel zu SonnkAgsptaudevet. Ta sage noch einer, daß das Eoldatenhandwcrk un- duldsam macht! Herr Bronsart von Schellendorff, der gern im derben Soldatenhumor sich ergeht, und im frohen Selbstbewußtsein des Starken sich mitunter in gnädiger Luui.e zu einem Späßchcn herbeiläßt, hat jüngst erst im Parlament einen gemüthlich-scherzhuften Ausspruch gcthan. Er meinte: Wenn in diesem schueereichen Winter ein Eiseubahnzug im Schnee stecken geblieben wäre und wenn die sämmtlichen sozialdemokratischen Abgeordneten sich in den verschneiten Waggons befunden hätte, so hätte er, der KricgS- minister, dennoch ein halbes Bataillon Soldaten aufgeboten, um die Verunglückten zu befreien. So sind große Herren menschenfreundlich auch gegen Leute, die eigentlich diese Menschenfreundlichkeit nicht recht verdienen. Wer könnte den Herrn Kriegsministcr, der seine 46 Stück niederträchtiger Gegner so hübsch ans einem Häuflein zusammen hätte, daran hindern, sie alle jämmerlich umkommen zu lassen? Aber so ist Herr v. Schellcndorfs nicht. Auch gegen ergrimmte und nichtsnutzige Gegner muß man human sei». Dazu verpflichtet einen sein Adel. Wer noch so freundlich, so herzgewinnend schäkern kann, wie der Herr Kriegsminister, der bildet eine erfreuliche Ausnahnie in unseren Tagen, da die weisesten Männer der Nation in vathetischen Formen trübselige Kassandrarufe erklingen lassen. Kaum eine Hochschule mehr giebt es in Teutschland, deren angesehenste Kräfte nicht in warnendem Priesterton ihr dreimal Wehe! Wehe! gerufen hätten. Die Bataillone der Eelchrtenwelt und des Buchhandels, der mit ihnen verbündet ist, sind entfesselt. Verfahrt den Karren nicht, so ruft man vorsorglich der Regierung entgegen, ihr seid gewarnt. Je höher in der Rangstufe des literarischen oder künstlerischen Pricsterstandcs jemand steht, je höher er in der Gesellschaft der Notabeln bcwerthct ist, desto vorsichtiger wird natürlich sein WarnungSruf und man darf sich nicht verwundern, wenn er bisweilen zu sanftem Geflüster herabsinkt. In der Metropole des deutschen Buchhandels, dem guten Leipzig, hat erst in der jüngst vergangenen Woche eine solche Notablenversammlung getagt, um einen Protest gegen die bösesten Paragraphen der„Umsturzvorlage" zu fassen. Die Träger alter Name« im deutschen Buchhandel und hervorragende Lehrkräfte der Leipziger Universität waren beieinander; und Leipzig müßte kein Mittel- pnnkt in dem Lande sein, das typisch ist für den Kanipf der Klassengegensätze, wenn in der Leipziger Notablen- Erklärung nicht der Abscheu vor den gemeingefährlichen Feinden der Bourgeoisie zum Ausdruck gekommen wäre. Wie in dem berühmten Wallfahrtslied der Pinzganer der heilige Florian angefleht wird, auf daß der Feuerspatron die I Jahr 8 Monaten und S ch m i d und B e ck zu je 1 Jahr 0 Monaten Gefängniß. 14. Dresden. Wegen Verstoßes gegen das Preßgesetz Genosse Horn 10 M. Geldstrafe. 15. Leipzig. In der Revisionsinstanz der Redakteur des „Vorwärts", Genosse Schmidt, wegen Beleidigung eines Hauptmanns 500 M. Geldstrafe. 18. Dresden. Genosse D u t s ch in der Berufungsinstanz wegen groben Unfug 40 M. Geldstrafe. Genosse Reichard wegen desselben Delikts 1 Woche Hast. „ Hohenstein. 30 M. Geldstrafe Genosse Wolf wegen Beleidigung des Stadtraths. „ Glogau. In der Berufungsinstanz wurde der Genosse D r e ß l e r wegen Beleidigung eines Gendarmen zu 10 M Geldstrafe verurtheilt. Das Urtheil erster Instanz lautete aus einen Monat Gefängniß. „ Netzschkau. Genosse R o h l e d e r aus Elsterberg wegen Verübung groben Unfugs zwei Wochen Gefängniß. Laubau. Genosse Baumert wegen zweimaligen Ver- m das Vereinsgesetz je 15 M. Geldstrafe.— Polizeiveamten Genosse stoßes gegen Wegen Beleidigung eines W e i n e r 50 M. Geldstrafe. 19. Schweidnitz. Genosse Härtung aus Freiburg zwei Monate und die Genossen Geyer und Meier je drei Woche» Gefängniß wegen Verübung groben Unfugs und Beleidigung der Polizeibehörde durch Verbreitung eines Boykollflugblattes. „ Gottesberg. Wegen Verrufserklärung ein Bergmann drei Wochen Gefängniß. 20. Berlin. Wegendes gleichen Delikts die Maurer Schulz und Wegener je 3 Monate Gefängniß. 21. Leipzig. In der Revisionsinstauz Genosse Hülle- Erfurt' ö Monate Gefängniß wegen Beleidigung von Beamten der Garnisonverwaltung. „ Schweidnitz. In der Berufungsinstanz Genosse Feld- mann aus Langenbielau wegen Beleidigung eines Re- dakteurs 100 M. Geldstrafe. „ Leipzig. 14 Tage Gefängniß Genosse Eichhorn in der Revisiousiiistanz wegen Beleidigung der Polizeibehörde. 23. Wiesbaden. Gen. Leyendecker aus Höchst 1 Tag Ge- säugnißwegen Bedrohung eines Beamten. Antrag: OWochen. „ Elberfeld. 14 Tage Gefängniß Genosse Baßler wegen Beleidigung von Polizeibeamten. „ Leipzig. Die Revision von 34 Zeitungsträgeru aus Dresden gegen das sie verurlheileude Erkenutniß des Landgerichls Dresden wurde verworfen. Strafe: je 40 M. 25. Elberfeld. Wegen Beleidigung eines Polizeibeamten die Genossen Krehwinkel- Aachen und Wilde- Solingen je 1 Monat Gefängniß. 26. Leipzig. Der Redakteur der„Volkszeitung", Genosse K» tz e n stein, 150 M. Geldstrafe wegen Beleidigung der Polizeibehörde in Greifswald. „ Sagau. Ein Genosse wegen Goiteslästernng 14 Tage Haft. 28. Kiel. Ein Genosse aus Tietrichsdorf wegen Vergeheiis gegen die dänische Sabbalhordnung 3 M. Geldstrase. „ Tübingen. Wegen Beleidigung eines Redakteurs Genosse G« i g e r aus Stuttgart 100 M. Geldstrafe. Jnsgesammt wurde erkannt aus 3618 M. Geld- und 13 Jahre 6 Monate 3 Wochen und 1 Tag Gefängnißstrafe. Ter Parteivorstand. VermifÄzkes. Zur Mondfinsteruiß am II. März. Bekanntlich bewegt sich der Mond um die Erde und diese wiederum um die Sonne. Daun nwffcn offenbar in bestimmten Zwischenräumen alle drei in der Reihenfolge Sonne— Erde— Mond in eine gerade Linie zu stehen kommen. In diesem Falle haben wir Vollmond Da nun die von der Sonne beschienene Erde einen Schallen Häuser der braven Pinzganer verschone nnb lieber die Häuser der Nachbarn anzünde, also wallt die Gelehrtenprozession feierlich zu den Vertretern der Negierung und bittet inständig: Verschont uns nur und unseren Arbeitsfrieden. Wenn Ihr im übrigen gegen die gemeingefährlichen Umsturzbcstrcbungcn, die in der Gegenwart frech sich erheben, auftreten wollt, wenn Ihr Eure Blitzstrahlen gegen unruhige Mächte richtet, dann sei es fern von uns, daß wir Euch in den Arm fallen. Wir befeuern Euer Vorhaben, wir segnen Euer Thun. Und verstohlen und vcrständnißinnig vielleicht blinzeln sich die berühmten Männer der Forschung und die unberühmtcn Männer der Regiernngsmacht zu. Ei, wie wolltet Ihr uns für gewaltsam ausbcgehrliche Stürmer und Dräugcr halten, sage» die einen, und: Ei, wie sollten wir so gelahrten Herren allzustrenge ans den Leib rücken, antworten verbindlich die andern. Gelehrte Naturen wollen ein friedsam Handwerk in Frieden treiben. Wer ihre Gemüthsrnhe aufscheucht, den möchten sie am liebsten in die Hölle verdammen. Als die große Revolution ausbrach und ein Freund Gocthe's dem Dichter in aufgeregter Hast von dem Weltereigniß Kunde geben wollte, da wartete Goethe nicht erst die Botschaft ab. Was sollte der Weltlärm in seiner Abgeschiedenheit. Ihn, der sich damals mit Naturwissenschaft beschäftigte, ihn interessirte vor allem das Ergebniß einer Sitzung der Pariser Natur- forscher; und als der befreundete Bote in Gocthe's Stube stürmte mit den Worten: Wichtige Neuigkeiten aus Paris, da meinte Goethe: Was kann es wichtigeres geben, als meine Naturforscher-Versammlung! Zu den Leipziger Notabilitäten, die ihre Klagen mit so unterthäniger Bedachtsamkeit und um so energischerem Protest gegen alle gemeingefährlichen Umstürzler und Sozialrevolutionäre vorgebracht haben, gehört auch ein Fürst im Reich der Wissenschaft, ein Mann von Weltruf, Professor W u n d t. Wenn jemals ein Mann, der mit altem Schutt ausgeräumt hat, auf einem Lehrstuhl saß, so ist es Wundt. Ein scharfsinniger Kopf und emMann von glänzender Kombinationsgabe hat er die Erkenntniß der Seelen- thätigkeit auf dem Grund materialistischer Weltanschauung ge- fördert, wie kaum einer der Mitlebenden. Die überraschendsten Versuche sind ihm gelungen, die darthuu, wie psychische Erregungen untrennbar gebunden sind an psychische Vorgänge. Und der kühne Revolutionär in seiner psychophysischen Wiffenschaft, der Mann, der die Keime geistigen Umsturzes bei Dntzenten seiner Schüler ausgesät hat, die heute neu in aller Welt wirken, wird zum kleinlich stammelnden Bürger, der nni energische Abwehrmaßregeln gegen die Sozialdemokratie bettelt, weil ihn sein Klassenbewußtsein verblendet. So entschlossen im wissenschaftlichen Denken, so blendend in dem Genie, aus einer Reihe von Experimenten l und Beobachtungen grundlegende Schlüsse zu ziehen, und wirft, der wie jeder andere Schatten in einen Kernschatten und einen Halbschatten zerfällt, so haben wir, wenn der Kernschatten der Erde den Mond trifft, eine totale Mondfinsterniß. Danach wäre anzunehmen, daß eine solche bei jedem Vollmond eintreten müßte. Dies ist deshalb nicht der Fall, weil die Bahn des Mondes um die Erde sich nicht in gleicher Ebene mit der der Erde um die Sonne befindet, sondern um etwa 5 Grad von derselben abweicht. Weshalb der Kern- schatten der Erde den Mond meist überhaupt nickt manchmal nur zum theil und nur selten vollständig trifft.) Die umgekehrte Stellung der Gestirne, d. h. der Stand des Mondes zwischen Sonne und Erde, bringt uns demgemäß eine Sonncnfinperniß. Ta der Mond aber zu klein ist, um die Erde ganz in seinen Kernschatten aufnehmen zu können, so trifft er immer nur eine Strecke von selten mehr als 200 Kilometer, für welche dann eine totale Sonnenfinsterniß eintritt. Auch die Sonnenfiilsterniß tritt natürlich sehr selten ein, da aus denselben Gründen, wie bei der Mondfinsterniß gezeigt ist, der Kernschalten des Mondes die Erde meist nicht trifft. Der hauptsächliche Unterschied zwischen einer Sonnen- und einer Mondfinsterniß liegt darin, daß letztere eine thatsächliche reale Erscheinung, d. h. nicht nur für uns auf der Erde be> steht, sondern, daß der Mond überall, wo man sich im Welt- räum befinden möge, mit dem Augenblick seines Eintritts in den Kernschatten der Erde in Dunkel gehüllt erscheint; während di, Sonne unverändert in gleicher Weise ihre Strahlen nach allen Richtungen hin entsendet und nur den durch den Mond be« schalteten Stellen der Erde unsichtbar wird. Im folgenden geben wir die Zeitangaben für die am 11. Mär» stattfindende totale Mondfinsterniß. (Mitteleuropäische Zeit.) Eintritt des Mondes in den Kernschatten 2 Uhr 54 M. Morgens Anfang der Totalität 3„ 52 Ende 4 � 27" Austritt d. Mondes aus d. Kernschatten 6„ 25„„ (Sonnenaufgang 6„ 33„„) (Mondunlergang 6„ 37„„) Die Bewegung der Erde um die Sonne und ebenso di« des Mondes um die Erde erfolgt bekanntlich von Westen nach O st e n. In derselben Richtung bewegt sich folglich auch der Erdschatten. Da sich nun der Mond am Himmel mit größerer Geschwindigkeit fortbewegt, als der Erdschatten, so wird eine Mondfinsterniß stets so zu stände kommen, daß der Mond von Westen her, den Erdschatten einholend, in diesen eintritt; die Verfinsterung des Mondes beginnt also stets auf seiner Ost« seile. Während nun so der Mond immer mehrund mehr von dem Erdschatten bedeckt wird, ist es interessant zu beobachten, daß die Lichtgrenze stets dieselbeT Krümmung beibehält und zwar einen Kreisbogen bildet; dieselbe Erscheinung zeigt sich ans der anderen Seite, wenn nachher der Mond wieder aus dem Erdschatten heraustritt. Aus dieser Kreisform des Schattens folgt mit zwingender Nothivendigkeit, daß die Erde eine Kugel ist; denn nur eine Kngel kann einen solchen Schalten werfen. Auf diese Art bewies bereits der Grieche A r i st a r ch die Kugel- gestalt der Erde. Allerdings ist diese Beweissühruiig nicht ganz so einfach, wie sie hier dargestellt ist. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß, selbst wenn der Mdnd bereits ganz in den Erdschatten eingetreten ist, er doch in den selleiistcn Fällen ganz unsichtbar wird, sondern meist in einem mehr oder minder ausgeprägtem kupserrothen Lichte er» scheint. Dies kommt daher, daß die nahe an der Erdoberfläche vorbeigehenden Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre in den Erdsckalteii hineingebrochen werden und so zum Monde gelangen. Daß die Färbung eine rothe ist, rührt davon her, daß die blauen und violetten Strahlen des weißen Sonnenlichtes von der Alino» sphäre absorbirl werden, so daß also nur die rothen Strahle« den Mond erreichen. Die Lichtschwächung, die der Mond beim Passiren des Halbschattens erjährt, ist äußert schwierig wahr« zunehmen.?. H. dennoch diese beengende Gelehrtenscheu, dies ängstliche Beben vor den vermeintlichen Vandalenhorden des Sozialismus, die einen Wellumsturz planen, bei der all der schöne Arbeits- frieden und dte Cemüihlichkeit deutschen Professorenthums in die Brüche gehen könnten. Wo die Sozialistengefahr auf dem Plan erscheint, da entschwindet die Klarheit des Blicks und alle Ueberlegung. Manchmal ist es, wie ein Stück tragischer Geschichte. Leute, dje durch ihr innerstes Streben selber eine Wcltwende vorbereiten halfen, erfaßt eine grauenhafte Angst vor diesifc Weltwende selber. Durch Fülle und Tiefe ihrer Gedanken beleuchten sie das Land der Zukunft. Aber daß dies Land bewohnbar werde für viele, davor wird ihnen bange, denn ihre Klassenbefangenheit läßt sie nicht los. Sie ent- zündet immer aufs neue ihr Vorurtheil. Dies Vorurtheil stachelt sie aus und peinigt sie, und in ihrer heillosen Furcht vor einer Zukunft, die ihnen wie eine Zeit ungewisser Schrecken erscheint, vor drohenden Vandalenfäusten, die den bestehenden Külturbesitz antasten möchten, flüchten sie lieber zu den Fahnen des Herrn v. Köller und seiner Schaaren, als daß sie in besonnener Ruhe für sich wirkten, im Ver» traneff ans die Zukunft, das vom Kraftbewußtsein ans- geht. Wer aber immerfort, im Träumen und Wachen, ängstlich sinnt: Was soll aus der Welt, ans unserem sauer erworbenen Knlturbestand werden, wenn die neuen Menschen kommen; wenn diese Menschen, die er vor lauter Nöthen nicht einmal zu erkennen trachtet, als schreckliche, verwüstende Kobolde vorkommen; wie soll der zum Kraft« bewnßlsein gelangen? Es werden noch viele große Worte gesprochen werden. Zin blühenden Phrasen wird man der mannesmuthigen Ent« rüstung gedenken, oie wider die Attentate gegen geistige Freiheit sich bei den besten Männern deutschen Bürgcrthums erhob. Wohlfeile Redensarten. Wenn sonst die Empörung gegen geistigen Druck sich erhob, so fand sie beredten, warmen, frei dahinstrebenden Ausdruck. Man vcrklausnlirte sich nicht mit vielen Wenn und Aber. Wer eine Zwing- bürg niederbrechen will, der darf insgeheim nicht darauf sinnen, sie für die Seinigen niederzureißen und an ihrer Stelle neue Gefängniß mauern„für die anderen" aus- zurichten. Man rcvoltirt nicht mit geheimem Vor- bedacht; und darum ist die Gelehrtcnwclt von heute so sonderbar. Sie würde nicht flehentlich um Gnadenschutz bitten, hätten ihre Führer den Muth, sich von der Klassengemeinsanikeit, die in den Worten Bildung und Besitz für sie gipfelt, loszulösen. Ja, es giebt heule zwei Welten; und gegen die nenansslrebende ist jedes Kampfmittel recht, jede Unbill gestattet. Ans allem Ent« rüstungSrnmmcl der„Notabeln" klang es unverhohlen durch und dessen mag die neuausstrebeude Welt ein« gedenk sein..Alxba. 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Fruchtsäfte. Den Vereinen und Gewerkschaften hiermit zur gest. Nachricht, daß ich mit dem 1. April 1335 das Lokal Wkimim's Volksgarten, Gesnildbrunnen, übernehme. Behufs Veranstaltungen von Vergnügungen und Ber- sammlungen in obigem Lokal für die Sommersaison bitte schon jetzt mit mir in Verbindung treten zu wollen. Hochachtungsvoll Max Samsty 17678* Direktor des National-Tbeaters. Julius Henke's Ball-Säle KN Naunyn-Ztrnße Ur. 27. Gnesser Ball. S Sonntag, Wontag: und Donnerstag: L Empfehle meine Säle zu Dersammlungeu und Lestlili»Ktite>«. 16701.» Wrkischer Hos", Admiralstr. 18°. Jeden Sonntag im prachtvollen Spiegel-Saal: Grosser Festball. Anfang 4 Uhr.— Ende 2 Uhr.— Die große Ballmusik wird abwechselnd mit Horn- und Streichmusik ausgeführt.— Die beiden Spiegelsäle sind zu Festlichkeiten und Versammlungen zu vergeben. Die»iestaurations- Räume stehen den geehrten Familien Sonntags zur Verfügung. Vereinszimmer. Der unter» Saal ist am 3. Gster Friertag, der obere noch an mehreren Sonntagen an Vereine zu vergebe». l43lL* 77 Nillislm Iorsu,»!.W*R' Krrtin 0», Koppen Straße 47, -—zivischen Pallisaden- und Friedenstr. Pikfeine W e i b e, exquisite» L a g e r b i er, k a l t» uud warme Speisen und Getränke zu jeder Tageszeit. Vereinszimmer mit Piano für 40, 60 und 100 Personen. Zahlstelle des Holzarbeiter-Berbandes und der Zentral» Krankenkaffe der Tischler k.(Sitz Hamburg)._ 1669L* Viktoria-Säle, Rixdorf, 1434 (zirka 1500 Personen fassend), Hermann- Strasse No. 45. fiV* Sonntag von 6 Uhr ab"MW: 2. Soirde der Leipziger Sänger. aÄ'ft'Ä-i. Kinder unter 4 Jahren haben keinen Zutritt. Vollständig neues Programi». Empfehle meine Site und Versluazlmmer zu Versamminngen u. FectltchkeiteD. Ausschank des Münchener Brauhauses und kl. Veisshler. Fortuna-Säle, Straußbergerftr. 3. Inhaber: H. Birk. Sonntags l vrosser Ball. Donnerstags: Bameu-Hrälluchsa. Außerdem empfehle meine Säle zu perfammlungeu und Urrgnüguus»». 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In de» nOpanien-Hallen", Granienftrahc 51. 1. Vortrag des Genossen rrits llsilLSi» über:„Entwicklungslehre und Sozialismus". 2. Diskussion. 2. Im„Kolberger Salon", Kolderger straße 33. 1. Vortrag der Genossin Frau ckdrsr über:„Die Ethik der alten und der modernen Welt". 2. Diskussion. 63/2 Nach den Versammlungen: vsmiitdlivliss Beisammensein and Tanz, _ Gäste, Damen und Herren, haben Zutritt._ Mhische OrseUfchast. Sonntag, den 10. März d. I., abends präzise 7� Nhr, in den„Arminhallen", Kommandantcnstr. 20: M?- Versammlung. Vortrag des Herrn Di*. JoSI über: Der Kampf ums Dasein in der Natur. Nachdem: CSomiitbliolio. Beisammensein und Tanz. Gäste. Damen und Herren, sehr willkommen. Nach dem Vortrage haben Gäste keinen Zutritt. NlB. Der Saal wird erst 6V, Uhr geöffnet, da vordem eine Gewerkschafts- Versammlung stattfindet. 115/5__ Der vorstand. Achtung! Achtung! WM M WMiniien! Montag, den 11. Marz, abend« SVa Uhr, in de»„ArminhaUen", Kommandanten-Straße 30: ST Grosse öffentliche Versammlung. T Tages-Ordnung: 220/7 1. Fortsetzung der Diskussion über:„Englisches Genossenschaftswesen und seine Lehre» für unsere Verhältnisse." Genosse Dr. A rons hat sich vor- behalten, die Einleitung hierzu zu machen. 2. Ersatzwahl der Agitations- und Kontrollkommission. Kollegen und Kolleginnen aller Branchen! Der wichtigen und zeit- gemäßen Tagesordnung wegen erscheint vollzählig und pünktlich. Die Agitationskommission der Schneider nnd Schneiderinnen Berlins, NB. Am Donnerstag, den 14. März, findet für die Maaßdranche eine Merkkatt- und Grschästsdelegirten- Sitzung bei?i*ezegang, Schützenstraße 18/19, statt. BM her gesMgen Arbeitervereine Berlins nnb Umgegenb. MM" General-Versammlung am Sonntag, den 17. März, vormittags 10 Uhr, Annen-Straß« 10. Tages-Ordnung: I.Vorstands- und Kassen- Bericht. 2. Vorstandswahl. Z.Aufnahme neuer Vereine. 4. Bundesaugelegenheilen und Fragekasten. Ausgabe der.Einlaßkarten zum dritten Strftungssest, welches Sonnabend, den 27. April, bei Gründet staltfindet. 93/12 Große öffentliche Schuhmacher-yersammlung am Montag, den 11. März, abend« 8'/s Uhr, im Kokale de» Herr» Keller-, Koppen-Straße Ur. 39. Tages-Ordnung: 1, Die diesjährige Maifeier. 2. Bericht von der Gewerkschaftskommission und Wahl eines Telegirten. 3. Verschiedenes. 224/5 Der Cinbernfer. K. German. Flemmingstr. 16. Achtung! Achtung l ifir Verfnnrmlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Leder- und Galanteriewaaren-Branche am Montag, den 11. März, abend« SV- Uhr, Annen-Straße 10. Tages-Ordnung: 76/18 I. Vortrag. 2. Berufsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Dertranenomann. Freie Vereinigung aller in der chirurg. Branche beschäftigten Berufsgenossen. Dienstag, den 12. März, abends 8 Uhr, in Gründel's Salon, Brunnenstr. 188: DM" Versammlung."WD Tages-Ordnung: 99/18 1. Vortrag des Genossen Mohrlack über:„Formen und Entstehung des Geldes". 2. Diskusston. 3. Wie seiern wir den 1. Mai? 4. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht_ Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. MV Kezivks-Verfammlung."Wß Itorllens 203/3 Montag, den 11. März, abend» 8>/s Uhr, bei K»Ue, Schönhauser- Allee 38. Tagesordnung: I. die Nothwendigkeit der Erweiterung des Fabrik- inspektorats. Referent: Genosse R o h r l a ck. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen._ Di« Vrtoverwattung. Ächtung! Filzschuh.Arbeiter I Große öffentliche Versammlung aller in der kll�schuh- und Pantoffelbranche beschäftigten Personen Montag, den fl- März, abends 8 Uhr, bei Buske, Grenadierstraße 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Gewerkschaftsfragen. 3. Die Maifrage. 4. Was für Maßnahmen treffen wir gegen die Firma Simon u. Co. 5. Verschiedenes. Der reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. 125/15 Oie Agitations- Kommission. Lebmrbeiter MtesMerj. Die am 25. Februar polizeilich verbotene Genernl-Nersammlnng llr» bei Bottmann, Oranienstr. 180, mit und Kassenbericht. 2. findet am M. MSrx orbnung statt: 1. Vorstands stand. 3. Verschiedenes. Der unentgeltliche Arbeitsnachwois Oranienstraße 16. derselben Tages- Ersatzwahl zum Vor- 3018b befindet sich bei Tsok, In der Versammlung der Gastwirthe Berlins und Umgegend am 19. Febr. bei Busse wurde zum Beschluß er- hoben, daß die Abrechnung der Zwölfer-Kommission sofort im„Vor wärts" veröffentlicht werden soll. Bis jetzt habe ich vergebens auf Veröffent- lichung dieser Abrechnung gewartet Wann geschieht es? Franz Gitler, Restaurateur, _ jMariannenstraße 48. IV. Nachtrag zum Statut der MMtnliife dn Strmi# roirltt ji Mit. Artikel I. § 41 erhält folgenden Zusatz: Die Vorstandsmitglieder erhalten für nothwendige Gänge, welche sie für die Kasse zu machen haben, für Versäumniß an Arbeitsverdienst die Stunde 50 Pf. Artikel II. Vorstehender Nachtrag tritt mit dem Montage nach statutenmäßig erfolgter Bekanntmachung in kraft. Berlin, den 10. Dezeniber 1394. Ber Vorstand der Ortskrankenkasse der Strumpfwirker zu Berlin. Gustav.Jana, Vorsitzender. ad 3335. Gew. II. 95. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch genehmigt. Berlin, den 13. Februar 1395. Ber Bezirksausschuss: K a y s e r. 248/5 Colberger Salon, Colbergerstr. 23. Der erste Osterseieriag ist frei ge worden und Sonnabend im März frei, auch Sonntags an Vereine und Ver- sammlungen zu vergeben. 3017b B. Pape. Armin-Hallen Kommandantenstraße Nr. 20 Ale iiHi) VermsMilltt M von 30—600 Perrone«.■ Fran'ke's Volkskaffee- ©r, ___ und Speisrhau«, Frankfnrtrrstraße 73. an der Kaiserstraße. Billiger Mittags- u. Abend tisch. Größte Auswahl äußerst schmack- Haft bereiteter Speisen: täglich 3 bis 10 verschiedene Gerichte von 10—30 Pf. Hier Vio 10 Pf.. ä/io 5 Pf., aus der Brauerei Beichenkren._* mm. Empfehle allen Freunden und Genossen des Südostens nieinen reichst. Frühstück-, Mittag- n.«bendtisch zu kleinen Preisen. I ranz Kittier. straße 43. Neu- Weissensee.__ Allen Freunden und Genoffen zur Kenntniß, daß ich das Restaurant von Gebauer, König-Chaussee 46. über- nommen habe. 2990b All«. Tauimmun, fr. Buchdrucker. 77 Prinzenstrasse 77. Zum gemiithlichen Piket! Billiger Einkauf für Arbeiter in Herren- u. Knabengarderobe, wenig getragen und neu. Atttott Bsckr's Restaurant, Naulujnßr.78. Verkehrsiekai und Arheitsnachveis der Hnsikinstrumenten-Arbeiter! Gemüthl. Familien- Aufenthalt. Vereinszimmer. Franz. Billard. Max Kliem's Volksgarten Aasenhaide 14—15. Jeden Sonntag in beiden Sälen: Gpcsseu« Ballende 3 Uhr. 17662* NB. Empfehle mein Lokal zur Ab- Haltung von Bällen und Sommerfesten den geehrten Vereinen. Max Kiiem. Schmiedel s Festsiile Alte Jakobstr. 33. Empfehle meine hocheleganten SAIe (clekt. Bel.) auch mit Bühne zur AbHalt. von Vereins- u. Privatfestllchkeiten. 14042" Ww. E. Schmiedel. Gesellschaftshaas 35.SwineinOnilerstr.3S, empfiehlt Säle zu Versammlungen, Fest- lichkeiten bei 250 Personen mit Musik in Wochentagen außer Sonnabend gratis. L. Lolamann's Gesellschafts» Säle, Lichte, rdergerstr. 10. Säle nnd Vereinszimmer von 20 bis 500 Personen. 1521L* Vereinszimmer zu vergeben, Wöhlertstr. 13. Restaurant Biesing, paffend für jeden Berein. Gr. Uolksversammlnng fgP zm Beßkll her Arbeiter-BilhiülgssAle � am Montag, den AR. März, ab ends 8'/, Uhr, in Keller's Festsaal, Koppenftraße Nr. SS. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Neichstags-Abgeordneten E. Vogtherr über: Wahrheit, Recht und Sitte.(Motto der sozialdemokratischen Partei.) 2. Diskussion. Herr Oberftlientenant von Egidy ist eingeladen und hat sein Erscheinen zugesagt. Jedermann ohne Unterschied der Partei hat Zutritt. 63/1 Ber Kinberuter« Sozialdemokratischer Wahlverem für den 3. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 10. März 1893, im Lokale des Herrn Zubeil, Lindenftraße Nr. ROS t Slvendttnkerhalkung. Um 7 Uhr Vortrag des Genossen VVaeb über: Ketrachtungen über Maral. Entree 10 Pf. 40/3 Der Vorstand. MM!«.Wahlkreis. WM.! Montag, den RR. März, abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kolberger straße SZ: Große öffentliche sozialdemokratische Partei Uerfammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Abrechnung der Vertrauenspersonen. 2. Bericht der Revisoren und Wahl eines Revisors. 3. Bericht des Agitations-Kommissions- Mitgliedes. 4. Bericht der Lokal- Kommission. 5. Bericht der Zeitungs- Kommissionen. 6. Verschiedenes. 297/12_ F. Waschowski, Vertrauensmann. Achtung! ESsuksudtaeHkvr. Achtung! Wntl. GeilerMersmmlW der Bauhandwerker, Maurer, Steinmetzen, Stnckatenre und Töpfer Berlins nnd Umgegend am Montag, den 11. März, abds. 8 Uhr, bei Gründe!, Brunnenstr. 138. Tages-Ordnung: 1.„Die Ursachen und Entstehung der neuen Bauhandwerker- Kranken« lasse für Berlin und Umgegend". Referent: Karl Behrend. 2. Diskussion. Um guten Besuch der Versammlung ersucht 299/5 Der Einberufer: Herrn, Jä n s ch, Maurer, Barnimstr. 20. Achtung! Achtung! Metaildrücker! Dienstag, den 12. März, abends 8 Uhr, Große öffentliche Versammlung in den Arminballen, Kommandanteustr. 20. Tagesordnung: 1. Bericht über die Statistik. 2. Wie stellen sich die Kollegen zum 1. Mai. und was gedenken wir in diesem Jahre weiter zu thun? Referent: Kollege Paul 2 i t s i n. 3. Diskussion. 4. Der Streik in der Lampensabrik von Eckel u. Glienicke. 5. Verschiedenes. 67/7 Der Glnbernser. Paul Hetz, Straußbergerstr. 20. Vfcddiug! Achtung! Moabit! Frauen- unk Mädchen- Kildnugsverew. _(Filiale Moabit.) Große Versammlung � tun Mannen unU Frauen am Sonntag, den 10. März, Abends 7 Uhr, im Lokal des Genoffe» Bermerscbmidk, Perlebergerstr. 28, Tagesordnung: Vortrag der Genossin Frau Mesch. Nach der Ver» sammlung gemüthliches Beisammensein mit Tanz. Tellersammlung findet statt. 126/16 Die Kevollmächtigte. Verl. Krankennnterstützungs- u. Begräbnissverein für Frauen u. Mädchen. Bonneretag, den 14. März 1899, abends SVs Uhr, in den Branienhallen, Oranienstr. 51: 117/4 G e n e r a 1- V e r s a m m 1 u n g. Tagesordnung: 1. Antrag Eimer, Remuneration pro 1896 betreffend. 2. Wahl eines Kontrolleurs. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht I. A.: Fr. Freudenreich, Wißmannstr. 18, 1 Tr. W?- Achtung!"Wg Kenntnißnahme, daß Bsiwald Grauer, Den Gewerkschaften und Vereinen zur gefälligen unterzeichneter Verein jeden Freitag Abend 9 Uhr bei Oranienstr. 121, feine Sitzungen abhält. Bestellungen werden jederzeit im obigen Lokal entgegen genommen. Tanzlehrervereln„Solidarität�. 250/4 Der Vorstand. Fried richsberg! AMennm-Mullgsvereill für FriedriWerg und llmg. 5r Mitglieder-Versammlung?? Dienstag, den 12. März. Abends 3 Uhr, bei Fuch«. Lichienberg, Dorfstr. 2. Tagesordnung: Vortrag der Genossi» Frau Schädlich. Herren als Gäste willkommen. 62/14 Der Vorstand. Äifihtttfl! s Vereittslsansz SPllhllllstt Allee 28. J3** Saal zu Festlichkeiten u. Versammlungen. Destillation. AM- Einige Sonnabende im März noch frei. Ma» Mörschel. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. SW., Beuthftraße 2. 3. Beilage zum„Vomkrts" Berliner Volksblatt. Ur. 59. Sonntag, den 19. Marz 1895. 13. Jahrg. Vnrlcimenksverirlite. Abgeordnetenhaus. 39. Sitzung vom 9. März, 11 Uhr. Am Regierungstische: Thielen. Die, weile Beralhung des StaatZhaushalts-Etats für 189�96 wird im Extra-Ordinarium des Etats der Bau- Verwaltung fortgesetzt. Bei den Kosten des Ausschusses zur Untersuchung der Wasser- verbältnisse in den der Uebe.schrremmung ausgesetzten Fluß- gebieten weist der Ministerialdirektor Schulz die in der gestrigen Sitzung vorgebrachten Angriffe auf die Verwaltung zurück. Bei den Ausgaben für die Verbreiterung des Oder-S pree- Kanals bemerkt Abg. Ring(k.): Die Anlieger des Kanals behaupten, daß die erwartete Verbesserung der Vorflulhverhältnisse nickt ein- getreten sei. daß vielmehr der Kanal an verschiedenen Stellen nicht dicht ist. Tie Verhältnisse schildert uns besonders eine Petition der Gemeinde Spreenhagen, die über das Sickerwasser klagt, das eine Versandung der Wiesen herbeiführt. Ich bitte den Minister, sich dieser Klagen wohlwollend anzunehmen und die Anlieger für solche Schäden nicht immer auf den Prozeßwep zu verweisen. Man hat erwartet, daß dieser Kanal auch Landes- Meliorationen veranlassen werde; diese sind aber völlig aus- geschlossen. Ich bitte, die hier geforderten Mittel nicht für eine Verbreiterung des Kanals, sondern sür die Landesmeliorationen am Kanal zu verwenden. Geh. Ober-Baudirektor Wiebe erkennt die Klagen alZ früher berechtigt an. Die Verwaltung ist aber schon bemüht gewesen, durch technische Einrichtungen den Hochwasserstand im Kanal zu vermeiden. Minister Thieken: Daß der Oder-Spreekanal einem tief empfundenen Bedürfniß entsprochen hat. dafür bedarf es keines theoretischen Beweises, vielmehr kann sich die Regierung auf die that- sächlichen Erfahrungen seit seiner Eröffnung beziehen.' Ter Verkehr ist in einer Weise gewachsen, daß eine Vergrößerung ins Auge gefaßt werden mußte. Deshalb ist eine entsprechende Position im Etat vor- geschlagen. Es sind vereinnahmt aus dem Oder-Spreekanal im ersten Jahre rund 127 OOOM.. im zweiten rund Ivo S00M.. im dritten rund 220 S00 M. Daraus ergiebt sich also, daß der Verkehr gewallig gewachsen ist. Bei einer Einnahme von 220 000 M. ergiebt sich. ivenn man 98 000 M. Unterhaltungskosten abzieht und 12 600 000 Mark Balckosten in Rechnung stellt, eine Rente von rund 1 pCt. Das ist mehr als wohl früher jemals von einem Kanal er- wartet ist. Der Titel wird gegen die Stimmen der Konservativen be- willigt. Bei dem Titel zur Anlegung eines SicherheitShafenS bei Ober wesel befürchtet Abg. LotichiuS. daß die gewählte Stelle für einen Hafen nicht geeignet fei wegen der Enge des Stromes und ungünstiger Slauverhältnisse. Geheimraih Lange: Nach den technischen Untersuchungen hat sich die gewählte Stelle als die geeignetste erwiesen. Bei den Ausgabe» zur Vertiefung des Fahnvassers zwischen Stettin und Swinemünde weist Abg. Brömel(frs. Vg.) darauf hin, daß Stettin, um nach Fertigstellung des Rord-Ostsee-Kanals noch konkurrenzfähig zu bleiben als Hafenstadt, einen neuen Hafen für 10>/s Millionen Mark anlegen wolle, das mache pro Kopf der Bevölkerung der Stadt 83 M. au?; eine entsprechende Anleihe seitens des Staates würde 2'/a Milliarden ausmachen. Stettin habe außerdem noch einen Beitrag für die Verliefung des Fahrwaffers gewährt, also sich große Verdienste um den Verkehr erworben. Bei den Ausgaben zum Bau von Steindecken und Busch- lahnungen zum Schutze der Deiche auf Pellworm dankt Abg. Jürgensen(natl.) der Regierung sür dieses der Insel gewahrte Darlehu be»w. Beihilfe, und empfiehlt den Schutz der Halligen gegen daS allmälige Abbröckeln durch die Fluth. Die Erhaltung der Halligen erfordere allerdings unverhältniß- mäßig hohe Kosten, aber die Halligen schützten wieder das Fest- land gegen den Anprall der Wogen. Minister Thielen: Es ist wohl niemand im Hause, der nicht für die Reste dieses in Jahrtausenden durch die Nordsee zerrissenen Landes ein warmes Herz hat und diese Reste möglichst erhalten will. Die Regierung ist auch schon mit große» Opfern an diese Aufgabe herangetreten. Wie für Pell- worm, so ist auch für die Insel Führ ei» Schutz in Aussicht genommen, und es schweben darüber bereits Verhandlungen. Die Erhaltung dieser größeren Eilande ist weniger schwierig als die der kleinen. Es sind damit große technische Schwierig. keilen und verhältnißmäßig hohe Opfer verbunden. Bei den Entscheidungen über diese Fragen wird aber ein gut Stück warmer Sympathie mit diesen Resten des blühenden Landes und seiner biederen'Bewohner in die Wagsckale geworfen werden. Wir schützen auch mit der Erhaltung der Halligen einen Theil der Küste. Hoffentlich wirb stch dort allmälig ein Marschengebiet anschwemmen. Die Regierung hofft ibrem warmen Juteressc für diese Sache thalsächlichen Ausdruck geben zu können. Beim Neubau des Geschäflsgebäudes für beide Häuser des Landtages theilt der Berichlerstatler der Budgetkommission Abg. v Tirdemanu-Bomst mit, daß das Abgeordnetenhaus voraus- sichtlich mit Jahresschluß unter Dach kommen werde. Man habe jeden Luxus vermieden, aber alles solide und bequem gemacht. Ein besonderes Verdienst um die Einrichtung habe sich der ver- ehrte Bureaudireklor Kleinschmidt erworben, der in geradezu rafsiiiirter Weise für Bequemlichkeit gesorgt habe.(Heiterkeit und Beifall.) Am Ende des Jahrhunderts seien voraussichtlich beide Häuser zu beziehen.„ I», übrigen wird daS Extra-Ordinarium des Bau-Etats ohne Debatte bewilligt. Darauf wird der Gesetzentwurf, betreffend die von der Umgestaltung der Kassen im Bereich der Verwaltung der direkten Steuern betroffenen Beamten, ohne erhebliche Debatte in zweiter Lesung angenommen. Schlug 4 Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr.(Etats der direkten und der indirekten Steuern.) Hodmrzö Nasarhrlyrr Sozialisten- Prozeß. (O r i g i n a l- B e r i ch t.) Zweiter Tag der Verhandlung. Der Andrang des Publikums zur Verhandlung ist heute ein bedeutend stärkerer als gestern. Es ist bekannt gewesen, daß heute mit Sz. K o v a c s das Verhör begonnen wird, außerdem aber waren von den Angeklagten heute nur etwa 20 vorgeladen, wodurch der Zuhörerraum sür das Publikum erweitert ist. Das Publikum besteht fast ausschließlich aus den Angehörigen der besseren" Klaffe und ist besonders das weibliche Element sehr stark vertreten. Auffallend sind die vielen Trauertoiletten, die fast den Glauben erwecken, als ob man über die grenzenlose Dummheit und Ungeschicklichkeit der Behörden trauerte. Nach wie vor durchziehen Militär- und Gendarmeriepatrouillen den Ort, obwohl die Arbeiter, die ohne Beschäftigung sind, sich kaum blicken lassen. Nach Eröffnung der Verhandlung meldet der Ober- Stadlhauptmann, daß die gestern beschloffene Vorladung der drei nicht erschienenen Angeklagten nur bei zweien erfolgen konnte, weil der dritte angeblich seinen Aufenthalt jetzt in Arad hat. Auf Antrag des Staatsanwalts werden die zwei vorgeführten Angeklagten sofort in Haft genommen, weil sie ein- mal nicht genügend entschuldigt erscheinen und dann keine Garantie dafür bieten, daß sie freiwillig zu den weiteren Ver- Handlungen erscheinen werden. Der drille aber soll telegraphisch ermittelt und vorgeführt werden.— Hierauf werden alle er- schienenen Angeklagten mit Ausnahme Sz. Kovacs namentlich aufgerufen und außerhalb des Saales der Obhut von Panduren übergeben, mit dem Austrage, daß dieselben sich weder aus dem ihnen angewiesenen Raum entfernen, noch mit jemand verkehren dürfen. Nunmehr ruft der Vorsitzende den Haupt- Angeklagten Sz. Kovacs auf, der sich zwischen zwei Gendarmen mit auf- gepflanztem Gewehr vor die Richter stellt. Hochaufgerichtet steht er da, und das überlegene Lächeln um seinen Mund läßt darauf schließen, daß er sich der Situation gewachsen fühlt. Diejenigen, die das Verhör K o v a es' mit Spannung erwarteten, waren nicht entläuicht, denn der„schlichte, dumme Bauer", wie er sich selbst nannte, hat nichr Kenntniß der sozialen Frage an den Tag gelegt, als der ganze Gerichts- hos mitsammt dem Staatsanwalt, der übrigens beinahe die Rolle des Angeklagten spielte, so trieb ihn der antikollektivistische Bauernschädel in die Enge. Vors.: Sz. Kovacs, wie alt sind Sie und welcher Beschäftigung? A n g e k l.: 43 Jahre, landwirthschaftlicher Arbeiter. Vors.: Sie waren Obmann des Arbeiterklubs oder jenes Vereins, der nicht genehmigt war. A n g e k l.: Jawohl, jedoch war ich der dritte, denn nach Neujahr 1892 war erst Balint Hegedüs, dann Johann Molnaz, und dann erst kam ich. Vors.: Zu welchem Zweck sollte dieser Verein gegründet werden? An gekl.: Wir wollten mittelst dieses Vereins unsere elende Lage verbessern, weil wir mit dem Verdienst nicht mehr auskommen konnten. Ich fühle die Last, die mich drückt, weil ich arm bin, Di« Herren Richter können das vielleicht nicht begreifen, weil sie in guten Verhälinissen leben. Die Regierung kümmert sich um die Lage der Arbeiter nicht und hört unsere Klagen nicht einmal an. Vors.: Warum ist der Hegedüs zurückgetreten? A n g e k l.: Er wurde von den Genossen dazu gezwungen, weil er beschuldigt war, fremde Gelder, die Gelder des Vereins sür sich verwendet zu haben. Ich vertheidigte ihn erst und sagte, man dürfe ohne Beweise niemals einen Menschen verurtheilen. Als ich mich jedoch von seiner Verschwendung überzeugt, nahm ich selbst Stellung gegen ihn. Vors.: Hegedüs behauptet aber, er sei zurückgetreten, weil ihm die Ungesetzlichkeiten nicht gefielen. A n g e k l.: Das wundert mich, er hat als Obmann in der- selben Weise agitirt wie ich, er hat aus denselben Büchern vor- gelesen wie ich, nur konnte er das Gelesene nicht erläutern, was ich, so gut ich es konnte, ja that. Der Vorsitzende konstatirt nun, daß der Verein von dem Minister nicht genehmigt war, und daß die Gelder desselben an verschiedene Personen abgegeben wurden. Der Angeklagte giebt das zu, erklärt aber, daß das Geld leihweise vergeben wurde, denn, sagt er. unsere Genossen sind sehr arm, aber ehr- liche Leute, die das Geld wahrscheinlich auch schon zurückgezahlt haben. Vors.: Ist es wahr, daß Sie die Auftheilung des Grund und Bodens empfohlen haben? A n g e k l.: Wer das sagt, lügt, sei es wer immer. Vors.: Wer ist die Parleivertretung? A n g e k l.: Dem Namen nach kenne ich sie nicht. Vors.: Wie können Sie also einer namenlosen Firma nachlaufen? A n g e k l.: Wenn ick sie auch nicht kenne, ich weiß, daß sie unser Bestes will, und darum vertraue ich ihr. Vors.: Sie haben auch Bücher verkauft, hatten Sie dabei einen Nutzen? A n g e k l.: Ja. ich bekomme 10 pCt., die ich jedoch an die Vereinskasse ablieferte. Auf Befragen erklärt der Angeklagte, daß diese Behauptung im Kassabuch ihre Bestätigung finden muß. Vors.: Sie sind beschuldigt, das Volk durch unpatriotische, staatsgefährliche Reden und Schriften ausgereizt zu haben, Sie haben ihnen gesagt, sie brauchen keine Steuer bezahlen, und wenn es gilt, die„Herren" zu erschlagen, werden Sie sich an die Spitze stellen, und Sozialisten brauchen überhaupt keine Steuern zahlen. Sie haben den Leuten die Steuerbücher abgenommen und gesagt, Sie werden schon dafür sorgen, daß sie keine Steuern zahlen brauchen. Stefan Varga wird Ihnen das beweisen. A n g e k l.: Das kann er nicht, weil ich von einer Steuer- Verweigerung nie gesprochen habe. Die Bücher aber habe nicht ich, sondern Hegedüs eingesammelt, denn damals war er noch Obmann. Was meine Aeußerung über die Steuern anbetrifft, so reduzirt stch dieselbe auf einen Antrag, den ich Ende 1893 in einer Volksversammlung stellte, nach welchem die arnien Tage- löhner keine Wegesteuer zahlen sollten, und hierbei berief ich mich auf eine Gnadcuschrift seiner Majestät, die im Jahre 188S in einer Gemeinderathssitzung durch den Bürgermeister verlesen wurde, und nach welcher bestimmt wurde, daß die Tagelöhner keine Wegesleuer zahle» brauchen. Wie kann ein städtisches Organ sich gegen den Willen der Majestät auflehnen und trotzdem diese ungerechte Steuer erheben? Der arme Arbeiter, der sich für seine paar Kreuzer bitter plagen muß, soll für diese Steuer auch noch seinen letzten Strohsack hergeben? Kann er sie nicht bezahlen, dann kommt der Exekutor und nimmt ihm alles fort. Ter Arbeiter ist fleißig und arbeilet gern, aber schon so tief gesunken, daß er sich einer jeden Ungerechtigkeit willenlos unterwirft. Ich habe gesehen, wie man eine Frau ivegen dieser Steuer auf die Straße setzte, eine Frau, die kaum noch imstande war, zu arbeiten. Giebt es da einen Gott? Vors.: Ich habe auch schon bei reichen Leuten die Trommel schlagen hören. Der Angeklagte winkt bedeutungsvoll. Vors.: Haben Sie gesagt, die Herren müssen todtgeschlagen iverden? Angekl.: Ich gestehe alles, was ich gesagt habe, weil ich das auch verantworten kann. Das habe ich aber nicht sagen können, weil ich der Anschauung bin, daß aus den heutigen „Herren" unsere geistigen Vorkämpfer hervorgehen, die uns Dumme lehren, schützen und vertheidigen werden. Vors.: Ist es wahr, daß Sie gesagt haben, die Herren seien Feinde der Arbeiter, die sie aussaugen? Angekl.: Ich kann nur von der besitzenden Klasse ge- spräche» haben, die sich zu dem Zwecke organisirt, um die Löhne zu drücken, und das ist von feiten der Regierung gestattet, das kann ich beweisen. Vors.: Erklären Sie mir, waS Sie unter der Sozial- demokratie verstehen? Angekl.(überlegen lachend): Ich kann nicht sagen, daß ich ein gelehrter Mann sei. Nach meinem Begriff ist es die wahrste Idee, weil sie das Wohl des Volkes will und augenblicklich von der Gesellschaft den achtstündigen Arbeitstag und das allgemeine Wahlrecht verlangt.' Vors.: Für die landwirlhschaftlichen oder für die Industrie- Arbeiter? Angekl.: Für alle. Vors.: Wie stellen Sie sich daS in der Landwirth« schaft vor? Angekl.: Sehr einfach. Es werden, wo heute S Arbeiter arbeiten, 12 gebraucht werden. Vors.: Das verstehe ich nicht. Angekl.: Ich verstehe es sehr gut.(Heiterkeit.) Der Vor- sitzende ermahnt zur Ruhe, da die Sache viel zu ernst fei, um darüber zu lachen. Vors.: Glauben Sie, daß dies bald verwirklicht wird? Angekl.: Danach frage ich nicht. Ein jeder Mensch hat ein Ziel, eine Hoffnung. Ich klammere mich an dieses Ziel, an diese Hoffnung. Ist daS ein Verbrechen? Vors.: Wenn man eine Lehre nicht versteht, soll man si« nicht verbreiten. Wie stellen Sie sich Ihre Staatsform vor? Angekl.: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. DaS überlasse ich der Zukunft. Vors.: Sie sagten, es sei eine Ungerechtigkeit, daß der eine arm, der andere reich ist, und darum müsse der Grund auf- gctheilt werden. Angekl.: Das sage ich nicht, weil das nur neuerdings Privatkapital wäre und die Sozialdemokratie will keine Reichthümer aufhäufen, sondern vergesellschasilichen und dadurch jedem Menschen die Lebensmöglichkeit schaffen. Den achtstündigen Arbeitstag ver- langen wir von der gegenwärtigen Gesellschaft. Wir aber werden ein gemeinschaftliches Vermögen haben. Heute sind die Neichen geschützt und um die Armen kümmert sich niemand. Vors.: Nun sehen Sie, daß Sie nicht im Klaren sind und dennoch lehren Sie? Das Vermögen des Grafen Karvlzi schützt der Staat ebenso wie Ihren Rock und darum ist Ihre Lehre eine Aufreizung gegen den Staat. Der Vorsitzende erläutert in längerer Ausführung unser Eigenthumsrecht, wobei ihm das Malheur passirt, unwillkürlich auf das Eigeuthums- Unrecht hinzuweisen. Nunmehr wird der Angeklagte ausgefordert. zu erzählen, was sich am Sonntag, den 22. April 1894 zu- getragen hat und was die Ursache dieses Vorkommnisses war. In schlichter Weise erzählt er, wie er aufgefordert wurde, die nach dem 15. April angekommenen Schriften zur Einsicht vor- zulegen, wie er dieselben überreichte, und als er sie wieder«b- Holle, erklärte ihm der Stadthauptmann Poka, daß sie nicht staatsgefährlich sind, aber Jahrzehnte vergehen werden, ehe das verwirklicht wird, was darin verlangt wird. Am 21. ging er seine Schriften zurückverlangen und da wurde das erste B!al mit ihm ein Protokoll aufgenommen. Wäbrend dieser Protokollaufnahme ging der Polizeilieutenant zu zwei Genossen und verlangte von ihnen im Namen Sz. KovacS� fämmtlich« Schriften die sie haben. Er sowohl, wie auch die beiden Genossen wurden zu Sonntag, den 22. April hinzitirt. Er selbst mit dem Bemerken, daß er seine Bücher bekommen werde. Di» Protokollaufnahme erschien ihm verdächtig. Am Sonntag n a ch 3 Uhr ging er mit den beiden Genossen ins Stadthaus, wo sie im Korridor den Oberstadthauptmann trafen, der sie gleich barsch anfuhr, was sie wollten. Hierauf er- klärte er:„Die Schriften, die man uns gestohlen hat." Der Oberstadthauptmann sagte hierauf:„Gehen Sie!" Er ging zum Stadthauptmann Poka und hörte, wie der Oberstadthauplmann rief:„Panduren unter die Gewehre!" Im nächsten Augenblicke ließ mich nicht Poka, sondern der Oberstadthauptmann ver- hasten. Gewehrt habe er sich nicht, sondern nur zu seinem Schutze die Hände vor sich hingestreckt. Es war mir sofort klar, daß jetzt ein Malheur passirt, denn ich wußte, daß man jetzt die Menge provozirte. Als mich 4 Mann packten, da rief ich einmal„helft mir", weil man mir beinahe das Kreuz brach. Nunmehr wurde er eingesperrt und hörte nur den Lärm. Was weiter geschah, weiß er nicht. Mit von Thränen erstickter Stimme erzählt er nun, wie sein Sohn, der IS Jahre alt ist, vor seine Zellenthür kam und nachdem man den Schieber herabließ, er ihn weinend und jammernd stehen sah. Er beruhigte ihn, indem er meinte, er werde schon wieder frei kommen. Da kam der Gefangenenaufseher und stieß den Knaben roh bei feite. Hier überniannte mich die Wuth, sagt er, und ich leugne es nicht, ich habe dem Zlufseher ein böses Schimpfwort gesagt, aber er hat eS verdient. Diese einfache Schilderung und die Art seines Vortrages machte sogar auf die Mastbürger im Auditorium Eindruck. Der starke, trotzige, unbeugsame Mann, er weinte. Dieser Thränen aber braucht er sich nicht zu schämen, Hiermit war das Verhör beendet. Jetzt begann der Staatsanwalt ihn auszuforschen, verrleth aber bei dieser Gelegenheit soviel Unkenntniß von allbekannten Dingen, daß man sich geradezu wundern muß, obgleich man von ungarischen Staatsanwälten ohnehin nicht viel erwartet. Der Augeklagte war dem„gelehrten" Herrn aber gewachsen und bereitete ihm soviel Verlegenheiten, daß der Vorsitzende sich veranlaßt sah, den Staatsanwalt zu ermahnen, er möchte nur solche Fragen stellen, die mit„Ja" oder „Nein" beantwortet werden können. Unter anderem sagte er zum Slaatsanwalt auf die Frage, woher das Vermögen stamme? Dasselbe sei der Erfolg der gemeinschaftlichen Arbeit. Und wenn die Arbeiter nicht arbeiten würden, könnten die Unternehme» keine Reichlhümer aufhäufen. Zum Schluß stellte der Vertheidiger noch einige Fragen, bei denen er sich eine Rüge seitens deS Vorsitzenden zuzog, der ihn beschuldigte, daß er in seine Fragen gleich die Antwort lege. Hiergegen verwahrte sich Dr. P o l l a k auf das entschiedenste, indem er erklärte, daß, während der Staatsanwalt über die unglaublichsten Dinge Fragen stellte, ohne dabei behindert zu werden, stelle er jetzt einige Fragen, bei deren zweiten er schon disziplinirt werde, ohne daß ein Grund dazu vorliege. Mit seinen sehr geschickt gestellten Fragen zerstört der Vertheidiger das ganze innerhalb zwei Stunden aufgebaute Kartenhaus. Hiermit war die Vernehmung Kovacs beendigt und de» Vorsitzende schloß für heute die Verhandlung. Ein Moment muß ich noch erwähnen. Während der Ver- Handlung ließ der Vorsitzende eine Pause eintreten mit Rücksicht auf den Angeklagten. Derselbe erklärte aber, i h n nicht zu schonen. Es gefiel dem Staatsanwalt durchaus nicht, daß sich Kovacs als internationaler Sozialdemokrat bekannte. Dritter Tag. Mit der Fortsetzung deS Verhörs Sz. Kovacs wird Freitag die Verhandlung eingeleitet. Aus die Frage des Vorsitzenden, ob es ihm so schlecht ge- gange» sei. daß er Sozialdemokrat wurde, erwidert Kovacs, daß er, nachdem seine Kinder groß waren und er sammt seiner Frau arbeiten konnte, er wohl nicht genug zum Leben habe ver- dienen können, aber immerhin kamen sie infolge ihrer Sparsam« keit aus. Das Unrecht und die Roth seiner Klassengenossen haben ihn so verbittert, daß er sich der Sozialdemokratie ange- schloffen hat. In seinen weiteren Ausführungen sagt er:„Zum Soldaten bin ich gut, aber wenn es zum wählen geht, stößt man mich bei seile. Jetzt hält man mich gefangen, weil man be- fürchtet, daß ich durchgehe. Ich hätte za als Soldat auch durch- (Kbcii können, roomim hat man mich da nicht eingesperrt? Weil man sich darauf verließ, daß man mich fangen ivird. Ist denn die Möglichkeit des Einsangens jetzt schwieriger als im anderen Falle? Vors.: Warum sind Sie von der Polizei weggegangen? An gell,(verlegen): Ich konnte erstens die Ungerechtig> leiten nicht mit ansehen, dann aber— zögernd— war mir ein Schweinehändler 100 fl. schuldig, die ich aus keine Weise ein- zutreiben vermochte, weil der betreffende angeblich nichts halte Bei einer Gelegenheit— er stand im Verdacht des Diebstahls— wo ich sah, daß er Geld hatte, habe ich ihn vom Markt weg vor den Stadthauptmann führen wollen. Er folgt mir, warf aber auf dem Wege einem seiner Knmpane seine Brieftasche zu. Ich forderte ihn auf, dieselbe zu stch zu nehmen. Hieraus griff er mich an und ich warf ihn zu Boden. Auf Antrag des Staatsanwalls werden seine beiden Kom pagnons aus seiner letzten Ernte-Arbeit vorgeladen, sowie die Akte» über seine Entlassung eingeholt. Er war auch Ge- fangenenaufseher; diesen Dienst hat er freiwillig quittirt. Als weiterer Angeklagter wird Franz Z o a r k o vernommen. Er ist um 9 Uhr vor das Rathhaus gekommen. Den P o k a bat er nicht angegriffen, vielmehr hat er(P o k a) ihn bei seinem Mantel am Kragen gefaßt und so lange geschüttelt, bis ihm der Hut vom Kopf siel. K o v a c s hat er nicht gesehen. Im Verein war er zweimal, hat aber nie gehört, daß K o v a c s von der Auftheilung des Bodens gesprochen hat. Er hat die armen Menschen aufgeklärt. Der Vorsitzende hält ihm vor, bei dem Untersuchungsrichter anders ausgesagt zu haben. Nun ereignet sich das sonderbare Schauspiel, daß weder der Schriftführer noch der Richter das Protokoll lesen kann, bis endlich der Staatsanwalt es mit schwerer Mühe entziffert. Angeklagter kann weder lesen noch schreiben, und ist auch nicht zur Schule ge- gangen. Er ist Kutscher und hat 5 Gulden Lohn monatlich. Dem Vertheidiger erwidert er auf die Frage, ob er das, was im Protokoll steht, gesagt habe, mit nein, denn sonst hätte er auch sagen müssen, daß Poka ihn geschüttelt hat. Ich habe es unter- schrieben, weil ich der Behörde gegenüber gehorsam bin. Alexander Beni: Als ich kam, hörte ich rufen, gebt den K o v a c s heraus, ging aber wieder fort. Auf dem Wege stöhnte ein Lehrling, der angeschossen war. Ich führte ihn zum Arzt, wohin n>an auch bald den V i n c z e brachte. Nach der Anklage soll er gesagt haben:«Zehn Minuten warten wir; wenn ihr dann den K o v a c s nicht herausgebt, geht es los. Mitglied war er im Verein und zweimal bei Versamm- lungen. Er hörte, daß am 1. Mai gefeiert wird, aber von der Auftheilung der Felder hörte er nichts. Er ist mit seinem Ver- dienst zufrieden, ob das auch andere sind, weiß er nicht. Johann N a g y, 62 Jahre all, wegen Tabakschmuggel be> straft. Er kam mit den Gendarmen gleichzeitig auf den Platz und stand demnach in den hintersten Reihen. Er Hörle, wie der Ober- Stadthauptmann sagte: Schießt zu, schont niemand! Ich ging gegen die Kirche und wurde auf dem Wege verhaftet. Ich sah, daß die beide» Stadthauptleule ihre Waffen gegen mich wendeten, darum zog ich mich auf die Seite. Vors.: Aber das war ja doch eine Pfeife. A n g e k l.: Nein, Revolver waren es. Die Steinwürfe er- folgten erst nach den Schüssen. Er b e st r e i t e t Sozialdemokrat zu sein. K o v a c s hat er sprechen hören, er weiß aber nicht, was er sagte. Alexander B o r s o s: Ich war wegen schuldenden Woh- nungszins nach dem Stadthaus zitirt und kam gerade, als die Gendarmen schössen. Er zog sich zurück. In diesem Augenblick öffnete sich das Stadthausthor und vier Panduren schleppten ihn hinein, wie«in Schwein, welches geschlachtet werden soll. Weiter weiß er nichts. Er erklärt, kein Sozialdemokrat zu sein. Er war in Versammlungen. Kovacs hörte er nicht sprechen. Paul ikenez: Kovacs sagte am Platze, er gehe die Schriften holen, werde das aber selbst besorgen, es soll niemand mitkommen, und wir sollen uns ruhig verhalten. Der Steinhagel erfolgte nach den Schüssen. Er betrachtet sich als Sozialdemokrat, obgleich er nicht mit allem im Klaren ist. Die Beschuldigungen gegen ihn sind Phrasen. Er erklärt, mit seiner Familie in großer Roth zu leben. Nunmehr folgt eine Privatklage wegen Beleidigung, die mit dem eigentlichen Prozesse nichts zu thun hat. Es ist dre Eifersucht eines Weibes, die von der nächsten Angeklagten be- leidigt wurde. Frau Alexander S p a b o: Ich habe weiter nichts gethan, als den verwundeten V i n e z e von, Platze schaffen helfen. Die Pfeife des Ober-Stadthauplmanns hat sie gesunden, und nach- dem sie aus der Haft entlassen war, abgegeben. Sie erklärt, Sozialistin zu sei», der Vineze, sagt sie, wurde vom 1. S t o ck aus erschossen. Samuel B a n g a, der beschuldigt ist, bei der Beerdigung V i n e z e's die Leiche Pokab raten genannt zu haben, bestreitet dies, da er weder auf dem Platz noch bei der Beerdigung war. In Versammlungen war er, dort sprach Kovacs nur vom Wahlrecht. Poka wird ihm gegenübergestellt und bleibt bei der Be- schuldigung, obgleich er das nicht selbst gehört hat. Nunmehr entspinnt sich eine heftige Polemik zwischen dem Vertheidiger Dr. P o l l a k und dem Sraatsanwalt. Pol l a k beschwert sich darüber, daß der Herr Staats- anmalt mit fortgesetzten Verdächtigungen sein Verbleiben bei der Verhandlung unmöglich machen will. Er giebt zu, daß die Verurtheilung ohne Vertheidigung eine viel leichlere ist, aber er Halle es für seine Pflicht/ auszuharren. Es ist nicht nobel, den ohnehin schweren Stand des Vertheidigers durch falsche Angriffe der öffentlichen Meinung gegenüber noch mehr zu er- schweren. Er hat es nicht nöthig, seine Ehre zu vertheidigcn. Er ist in der Gesellschaft so gul angeschrieben, daß man in Hodmezö-Vasarhely seine gesellschaftliche Stellung nicht erschüttern kann. Wer ihn mit der Vertheidigung betraut hat, geht den Staatsanwalt nichts an, und was er dafür bekomme, ebenso wenig. Er kann nur soviel sagen, gewiß nicht soviel, wie der Staatsanwalt für seine Thäligkcit. Er habe die Vertheidigung aus Menschenliebe übernommen, denn die Entschädigung, die er dafür bekomme, decke nicht einmal seine Spesen. Ter Herr Staatsanwalt mag sich bequemen, ihm den nöthigen Respekt entgegenzubringen, wie er dies thue. Er habe ein Recht, dies zu Verlagen. Ich vertheidige hier arme Leute, die nichts haben, und befinde mich im Nachtheile, nicht zu wissen, wie ich hier heraus- kommen werde. Der Prozeß mag ausfallen wie er will, der Staatsanwalt ist in seiner Karriere dadurch nicht aufgehalten. Ich bitte den hohen Gerichtshof, diese Erklärung zur Kennt,>iß zu nehmen. Ter Staatsanwalt replizirt und erklärt, ein Recht zu haben, danach zu fragen, von wem er beauftragt ist, die Vertheidigung zu führe», umsomehr, da hier Angeklagte sind, die von einer Vollmacht ihrerseits nichts wissen und erklären, die Partei habe ihre Vertheidigung besorgt. Alexander M e r e i hörte, wie Feuer kommandirt wurde, nach Vineze wurde er angeschossen. Er ist Sozialist, fünf Wocken lag er im Krankenhaus, bestreitet seine Schuld. Die Aussagen der Angeklagten V e n k ö, der erklärt. nicht Sozialist zu sein, Josef S u g d e i, Stefan A r a n g i. Franz S ch i n k a. Äalint S z ö l l ö z i, Stefan B e n k e, Alexander S a r k a d i und Josef Los sind fast übereinstimmend. Sie be- streiten alle, an der Revolte aktiv theilgenommen zu haben. Zu bemerken ist, daß der größte Theil der heute verhörten An- geklagten weder lesen noch schreiben kann. Hiermit hatte die heutige Verhandlung ihr Ende erreicht. Morgen folgt die weitere Vernehmung der AngeNagten. Vviefkapken der Nedaktton. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchsladen oder eine Zahl) anzugeben, unter der die«nlworl ertheili werden fall. Stenographen, Landshut. Die Frage nach dem besten stenographischen System ist und bleibt wohl strittig und kann auch von uns nicht entschieden werden. Ihnen rathen wir dringend, überhaupt keine Zeit an der Stenographie zu ver- schwenden, es sei denn. Sie hätten vorher zunächst einen gründ- lichen Kursus in der deutschen Sprache genommen. H. N. ZI. Offenbacher Frauenkrankenkaffe. F. Tölz, Bergstr. 79 i. K. H. Sch. Empfehlen können wir kein derartiges Institut. G. N. IVO. 1670 fiel Oster» auf den 16. April. E. E. E. Kl. G. E. 335. Kommen Sie in unsere Sprechstunde.— H. L. IVV. Der Dienst kann nicht zu der ge- nannten Zeit verlassen werden.— Hannover 30. Sie müssen auf Herausgabe des ganzen Nachlasses klagen.— August S. Zu 1. Läßt sich ohne genauere Darlegung des Sachverhalts nicht entscheiden. Zu 2: ist die Frage unverständlich. Zu 8: Ja. Zu 4: Fragen, wie man sich von Alimentenzahlungen befreien kann, beantworten wir niemals.— Hartmaun. Die Sache ist in Ordnung.— A. S. Auch die Statuten sind zu über- reichen.— P. I.©. Darin liegt eine Genehmigung der Kündigung.—©. G. Tie Frage ist nicht verständlich.— — F. K. 132. Auf derartige Sachen können wir uns unter keinen Umständen einlassen.— Leel. Eine solche Entscheidung giebt es nicht.— R. W. 95. C. R. 31. 1033. R. F. Kommen Sie in unsere Sprechstunde abends zwischen 7'/« und S'/s Uhr.— Markthalle 7. Beschweren Sie sich beim Polizei- Präsidium.— P. G. Es muß erst gekündigt werden.— F. B. 172. Die Klage hat beim Landgericht zu geschehen. Es ist dazu ein Recktsanwalt noihwcndig. dem sie Ihre Fragen vorlegen wollen. N. N. Osten. Nein.— E. B. 1. Ja.— K. A- 10. Kommen Sie in unsere Sprechstunde.— W. D. Was für ein Gesetz meine» Sie?— R. N. 44. Sie sind an sich sofort steuer- pflichtig.— F. P. 3. Wenden Sie sich an die Jnvaliditäts- anftalt, Klosterstr. 41.— 300. Es kommt ganz auf die Art der tehler an.— Berlin 1020. Sie sind nur berechtigt, sich den ilcl beizulegen, den Sie wirklich beanspruchen können.— M. 29a. Erscheinen Sie in dem Termin und geben Sie an, daß Sie den Eid schon geleistet haben.— Th. L. Kommt ganz darauf an, was im Grundbuche eingelragen steht.— — B. llls. Ja.— L. W. 25. Sie müssen sich zuerst an die Polizei wenden und dann beim Amtsgericht klagen. - E. C?., A. 50.,(?. Z. 40. H. P. 35., 2 M. P.. Abonnent lls84, R. K. 13, A. B- 135, B. H. 1. Kommen Sie in unsere Sprechstunde.— L. H. Nein.— Chr., RdlerS- Hof. Wenden Sie sich an die Jnvaliditätsanstalt, Klosterstr. 41. Verbliiid aller im Handel».Transport deschiiftigten Hilfsarbeiter. Sonnabend, den 16. Marz, in Neil vn's ssmmilivken Lokalitäten, Koppenstr. 29, an der Gr. Frankfurterstraße. GroHvv Wiener Maskenball. Weu' Lebende Bilder. Weu•' Um 12 Uhr: Demaskirung. Anfang 9 Ulir. Entree 50 Pf. Ende??? Die Ballmusik wird von 3 Kapvlfon der«Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker" ausgeführt. 136/7 Um zahlreichen Besuch bittet Dvi» Vorstand. Bfllets siild im Bureau, in den EalUstellen, sowie in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Fr. Vereinigung der Graveure, Ziseleure und veno. Kerufsgenossen. Sonnabend, den 23. März, in EeniL Keller's Eesl-Sälen, Koppen-Straße Nr. 29: 12. Stiftungsfest «nter gut. Mitwirkung des Gesangverein»„Kreuzberger Harmonie" (Dirigent: V. Dillenberger.) Ferner: Aufführung des Volksstückes: SH: Eine Vekkung von.luliu» Türk, dargestellt von Mitgliedern des National-Theaters. Eintrittspreis 30 Pf. Anfang prAa. 8'h Uhr. DM- Nach der Vorstellung: BALL."MW Billets sind zu haben auf dem Arbeilsnachweis und bei den Kollegen VnndsrUcb, Wallstr 76, 1; Brückner, Manteuffelstr. 15; Barth, Simeonstr. 2; Kllniky, Swinemünderstr. 148; Michau, Lübbenerstr. 22; Scholz, Manteuffel- straße 98; Thnrow, Grüner Weg 39: Tieke, Koppenstr. 72; Zemlin, ZionS- kirchstr. 23 bei Wolz; Vereinslokal»Oranienhallcn" Oranienstr. bl. 140/13 Das Comitd. Theatervemil„Freier Wille" WM- empfiehlt sich den Deiwerkschaften und Vereinen"WW zur Aufführung von IIinMilclleli. lebenden Bildern, Vorträgen etc. MT gegen uiüßig« Uergutung."TB® Will»" tagt jede» Nrenstag, abends 8'/« Uhr,>m „Märkischen Hof". Admiralstraße Rr.18°, und werden neue Mitglieder aufgenommen. Wöchentlicher Beitrag 10 Pf. Anfragen betreffs Aufführungen wolle man dorthin richten. 3026b Oer Vorstand. AWlig, top! Unser Vereinslokal befindet sich jetzt bei Herr» Restaurateur Hauptmann, W i e n e r st r. 1—6, da der künftige Inhaber G. Vinte, Grünauerstr. 25, dann 27, ans die Arbeiterknndschaft verzichtet. Skatklnb Revolution. Gäste willkommen. 3015b Verband deutscher Kürschner. Mzliehtt-VttsmmW am M o» t a g, den 11. März, abends 8Ve Uhr. im Restaurant Feind, Weinstr. 11. 155/14 Dir Grtsvrrwaltung. Verfremv der Möbel- Polirer. Versammlung Morgen Abend 8'/s Zlhr» bei Krnuz, Badstraße 12. Tagesordnung: 1. Tie Verhältnisse in der Näh- maschinen-Branche, bezugnehmend auf die Lohn-Tifferenzen in einer hiesigen Fabrik. Referent: Kollege Weber. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. k'nneilnivksbepg. Bei Schulze, Friedrich-Karlstraße 34. Tagesordnung: 1. Haben wir Vortheile durch die Organisation und welche? sind die- selben? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. MW- Den Kollegen, welche noch keine Kontrollkarte haben, hiermit zur Kenntniß, daß nach dem 23. d. M. keine mehr ausgegeben werden. 201/26 Der Vorstand. Soeben erschien: Adschllffung des SlldmWonsiveskns für die städtischen BllllliilSsjjhMgm in Kerlin. Denkschrift zu der Petition des Bartella Ser Bauarbeiter an die städtischen Behörden. Im Anitrage des Kartelle der Banarbelter Berlins. Bearbeitet von Gustav Kessler, frei? 25 Pf. Porto 5 Pf. � eziehen durch Hans Baake's Buchhandlung, Berlin S., Dresdenerstrabe(City-Passage). 189 6 Für die Gewerb«, die stch an der Herausgabe der Broschüre betheiligen, ist sie durch den Maurer Heinrioh Fischer, Berlin 0-, Thaerstraße 42, zu er- mäßigten Preisen zu beziehen._ mit P i Simeonstr. 23, Flick. «an o. Alto! Pdrtelgmssen! Wuug! Sonntag, den 10. März 1395, in Kklltss nenttbllnten PrachtMen, Koppenjir. 3: Gr. Partei-Vergnügen arrangirt von dem Verjtond des 4. Berliner Wnhloerelns bestehend in l!ro55em Konzert linter Mitwirkung des Gesangvereins Lieilesfreijeit (Mitglied des Arbeiter-SängerbundeS), des unübertreffl. Jongleurs dir. Pohl, des Arbeiter-Turnverein» Licht« und des Gesangs-Humorislen Niiche. Die Musik wird von einer 20 Mann starke» Kapelle der Freien Vereinigung der Zivil-Berussmustker unter Leitung des Musikdirektors Herrn Grast ausgeführt. Nach dem Konzert: Tanz. Eröffnung 3V2 zlhr. Anfang 4,/s Uhr. Killet 25 Pf. 268/18_ Der Vorstand. Süd-Ost. Süd-Ost. Sozialdemokratischer Wakwerew fiir den 4. Kerl. Keichstags-Wahlkrels. Sonnabend, den 16. März er.: Großer Familien Abend in Ssviusquoi, Kottbuserstr. 4», arrangirt v. Vorstand des Sozialdemokratischen Wahlvereins Im vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Instrnmental- und Pokal-Konzert, ausgeführt von der Freien Vereinigung der Zivii-Berufsmusiher, unter gütiger Mitwirkung mehrerer Arbeiter- Gesangvereine. Deklamatinn und Zither» Uorträg». 280/13 Hierauf: LnOSSSI» Ball. Anfang 8 Uhr. Entrec 28 Pf. Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 30 Pf.»ach.-MP Um zahlreichen Besuch bittet Oer Vorstand. DW� Aufruf. Achtung! Maurer Berlins u. Umg. Wir ersuchen sämmtliche Kollegen, jung oder alt, die auf dem Boden der Lokalorganisation stehen. Sonntag, den Iv. März, vormittags AO Uhr, im Kosiseustiibtische« Konzerthau», Alt» Iabobftr. 37, zu erscheinen, um nochmals ihr« Meinung zur vollen Geltung zu bringen. 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