Tr.47 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 23 Bezugspreis: Böchentlich 85 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg wö chentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmart pro Woche. Kreuzband enbungen nur gegen wert beständige Zahlung. Boftbezugspreis für Februar 4.- Goldmart. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Zeit" mit ,, Gied Iung und Aleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareillegeile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 3,50 Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig awei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. 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In der Diskussion der Reutabilität der deutschen Elfenbahnen haben die Sachverständigen die Ueberzeugung ausgefprochen, daß die Einnahmen des Eisenbahnnetzes in den befetten Gebieten einen wichtigen Bestandteil der Budgeteinnahmen des Reiches bilden und diese unter teinen Umständen dem Reich entzogen werden dürften, falls eine wirklich realisierbare Lösung des Reparationsproblems gefunden werden soll. In Begleitung der Sachverständigen befindet sich eine Unzahl englischer, franzöfifcher und belgischer Bücherrevijoren, die das von der deutschen Regierung zur Verfügung gestellte statistische Material nach prüfen sollen. Einzelne Blätter schreiben dem zweiten Sachverständigenkomitee, das fich gegen Ende der Woche in Berlin versammeln wird. die Absicht zu, bei der deutschen Regierung die Erlaubnis zur Nachprüfung der Bilanzen einiger deutscher Großbanten nachzusuchen. Sie jelen dabei von der Idee geleitet, daß einerseits die gewaltigen Verdienste, die gerade die Banken aus der Mark- Baisje gezogen hätten, in irgendeiner Weise für die Sanierung des Reiches nutzbar gemacht werden müßten und schließlich ein Einblid ni die inneren Berhältnisse der großen deufIchen Finanzinstitute zur Prüfung der Frage der deutschen Kredtfähigkeit im Auslande, d. h. einer internationalen Anleihe, notwendig sei. Jaspars Vermittlerbesuch. Paris, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Geheimnis. tuerei, mit der von den zuständigen Stellen die Sonntagsunterredung amischen Poincaré und dem belgischen Außenminister Jaspar umgeben wird, hat zu den verschiedenartigsten Kombinationen Anlaß gegeben, bie, wie das in solchen Fällen immer zu geschehen pflegt, Richtiges und Falsches bunt durcheinander mengen. Auf Grund von Informationen von gut unterrichteter Seite glauben wir darüber Folgendes feststellen zu können: Die Reise Jaspars, zu der sich dieser ganz plöglich entschloffen hat, ist veranlaßt worden durch eine Unterredung, die der belgische Gesandte in London Ende der vergangenen Woche mit Macdonald hatte und die ergänzt wurde burch eine Unterredung, die der englische Publizist Maffingham, ein Bertrauensmann Macdonalds, zu gleicher Zeit mit maßgebenden belgischen Politikern in Brüssel führte. Massingham, der u. a. auch als Randidat für den Berliner Botschafterposten genannt wird, Scheint in diesem Falle mit einer gonz speziellen Mission betraut gewesen zu sein. Was Jaspar nach Paris geführt hat, ist unter diesen Umständen nicht schwer zu erraten. Jaspar hat auch diesmal die für die belgische Regierung traditionelle Rolle des Vermittlers zwischen London und Baris übernommen. Die neue englische Regierung hat feinen Zweifel darüber gelaffen, daß sie in allernächster Zeit den Gesamtkomplex des Reparationsproblems und der damit zusammenhängenden Fragen in Verhandlungen mit den Alliierten aufzurollen gedenkt, und in Erwartung dieser Ereignisse scheint man in Paris und in Brüssel das Bedürfnis nach Aufstellung eines gemeinsamen Brogromms empfunden zu haben. Quai d'Orsay nahestehenden Blätter auf die wachfende Pro duktivität des Ruhrgebietes hinweisen und eine halbamtliche Nachrichtenagentur erfährt, daß in der Unterredung am Sonntag von den beiden Staatsmännern der Netto überschuß der Ruhr. politit für das Jahr 1924 auf eine Milliarde Frank veranschlagt wurde. Arbeiterregierung und Reparation. Bradbury in London. ertennung Sowjetrußlands, bie, wie es scheint, durch die Regelung London, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Außer der Aneiniger technischer Einzelfrogen etwas aufgehalten wird, steht das Problem der englisch- französischen Beziehungen nach wie vor im Vordergrund der außenpolitischen Betrachtungen. Die Blätter verfichern immer wieder, daß Macdonald den Wunsch habe, eine neue internationale Ronferenz einzuberufen, um das gesamte Reparationsproblem und die deutsch- französische Angelegenheit zu diskutieren. Das wichtigste Ereignis des Tages in dieser Hinsicht ist die Ankunft des britischen Vertreters in der Reparationstom mission, Sir John Bradbury, in London, und zwar, wie verneuen Schapfichert wird, auf ausdrücklichen Bunsch des Es heißt, daß Snowden mit Bradbury das gesamte Reparationstanzlers Philip Snowden, feines unmittelbaren Borgefeßten. problem einschließlich der Frage der interalliierten Schulden erortern wolle. Alle außenpolitischen Probleme waren am Montag Gegen ftand der zweiten mehrstündigen Kabinettssigung feit der Regie rungsbildung. Es wurde auch beschloffen, eine Anleihe von 50000 Pfund für öffentliche Arbeiten zur Behebung der Arbeitslosigkeit aufzulegen. Der Bericht des in der vorigen Woche eingefeßten Unterausschusses zur Prüfung der Arbeitslofenfrage wurde in der Kabinettssigung diskutiert. Amtlich wird gemeldet: Der Ministerpräsident und Staatssekretär des Auswärtigen, Ramsay Macdonald, empfing heute im Auswärtigen Amt nacheinander 34 Gesandte bzw. Geschäftsträger fremder Mächte. Jeder Einzelne wurde getrennt empfangen und hatte eine Unterredung von mehreren Minuten mit dem neuen Leiter der auswärtigen Politit. Condon, 28. Januar.( Reuter.) Das von„ Quotidien" veröffent. lichte Interview Macdonalds ist gewährt worden, bevor Macdonald das Amt des Premierministers übernommen hatte. Dasselbe gilt von der Botschaft an Indien, die in dem Blait„ Hindu" ver. öffentlicht worden ist. Der Patriotismus der Arbeiterpartei. London, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Auf einem Bankett der australischen Gesellschaft in London zu Ehren des Prinzen von Wales sprach nach diesem der neue Kolonialminister J. H. Thomas und führt aus: In den letzten fünf Tagen hat dieses Land eine Art von unblutiger Revolution erlebt. Der große Bechsel ist ohne jede Erschütterung und Unruhe erfolgt. Die britische Handels- und Finanzwelt haben weiter gearbeitet, als wäre nichts geschehen. Am allerwenigsten durch den Regierungswechsel be. unruhigt waren aber der Prinz von Wales und sein glorreicher Bater, der König, weil sie wußten, daß der Patriotismus und die Liebe zum britischen Reich, der Dienst und die Pflicht zum Reich nicht die Sache oder das Monopol einer bestimmten Klasse oder eines bestimmten Bekenntnisses ist Das ist es, wenn dieser große Bechsel nichts weiter bedeutet, als daß diefes alte Land und dieses alte Reich einfach fortbestehen. Mein Borgänger im Kolonialamt, der Herzog von Devonshire, hat trotz der politischen und sozia. len Unterschiebe, die uns trennen, ohne Zögern seine Dienste und fahrungen mir zur Verfügung gestellt. Dieser Geist erfüllt uns dah, welche Wechsel oder Schwierigkeiten auch eintreten mögen, unfer altes Vaterland fie ftets überbauern wird. Ich hoffe, daß in den kommenden Jahren die Nachfolger der jetzigen Regierung von ihr werden sagen fönnen, daß wir nichts getan haben, um jenes britische Reich zu schwächen, auf das wir alle so stolz find. Ich habe das Amt mit Stolz und Dankbarkeit angenommen mit Stolz. weil ich auf die Tage zurückblicken kann, in denen ich als reunjähriger Gaffenjunge umherirrte, mit Dankbarkeit gegenüber einer Verfassung, die es ermöglicht, daß ein ma dinenpuger von gestern heute Minister werden kann. ine ft weitherzige und so demokratische Verfassung muß geschütt werden, und jenes Reich, das hinter dieser Verfassung steht, muß erhalten bleiben." Die Unterredung zwischen Poincaré und Jaspar, die nicht we niger als zwei Stunden dauerte und ohne Zeugen stattfand, hat ohne Rweifel diefem Zwecke gegolter. Wenn auch keine offiziellen Bee schlüffe gefaßt wurden, so ist doch die Unterredung nicht ohne po fitive Ergebniffe geblieben. Aus der Besorgnis heraus, die General aussprache mit London nicht unnötig zu belasten, hat Poincaré fich durch den belgischen Außenminister und vielleicht auch durch Benicht nur mit Stolz um unser Baterland, sondern läßt uns fühlen, nesch von der Notwendigkeit weitgehender Konzeffionen in verschiedenen Fragen überzeugen laffen. Das gilt in erster Linie von der Angelegenheit der Separatisten in der Pfalz und des Rölner Eisenbahnkonflikts. Bir glauben, fein Dementi befürchten zu müssen mit der Feststellung, daß die franzöfi'che Regierung end. gültig auf die von ihr bei der Rheinlandkommiffion betriebene Anerfennung der„ Autonomen Pfaliregierung verzichtet hat. Sie hat diese Konzession allerdings abhängig gemacht von der Bedin gung, daß man den vor dem Auftauchen der Separatisten nach Heidelberg geflüchteten banerischen Behörden die Rüctehr nicht gestatte. Auch in der Frage des Eisenbahnverkehrs im Kölner Bridenkopf will die französische Regierung den bisherigen Widerstand gegen das zwischen den lokalen Instanzen vereinbarte Abtommen aufgeben. Der franzöfifche Rheinlandkommiffar Lirard war am Sonntag telegraphisch nach Baris gerufen worden und wird hier die nötigen Instruktionen erhalten, um diese beiden Streitfragen endgültig aus der Welt zu schaffen. Weit weniger an praktischen Ergebnissen dürfte dagegen die Unterhaltung zwischen Boincaré und Jaspar über die Reparations politik geliefert haben. Man weiß somohl in Brüssel als in Paris, daß die neue englische Regierung eine General- Liquidation in diefer Frage anstrebt und als eine der Borbedingungen dafür die Aufgabe der franzöfifchen Ruhrpolitik ansieht. In Brüffel wäre man dazu unter gewiffen Raute'en bereit. Bei der gegenwärtigen franzöfifchen Regierung dagegen stoßen die Absichten der neuen enqlifchen Regierina, wie nicht anders zu erwarten war, auf den heftigsten Widerstand. Poincaré hat erst in seiner letzten außenpolitischen Rede in der Kammer erflärt, daß Frankreich das Ruhrgehlet unter feinen Umständen und felbft nicht gegen andere Garantien und Pfänder herausgeben werde. Diesen Standpunkt dürfte er auch am Sonntag in der Unterredung mit Jaspar aufrechterhalten haben. Es ist in diesem ZuSammenhange nicht ohne Bedeutung, wenn gerabe heute die dem S Die Schwierigkeiten der Arbeiterregierung. London, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Während verschiedene Anzeichen dafür sprachen, daß der Lokomotivführer streit infolge der vermittelnden Tätigkeit des Generalrats der Gewerkschaften und des Arbeitsministeriums in den nächsten Tagen beigelegt werden könnte, droht für diese Woche bereits wieder der Ausbruch eines neuen großen Ausstandes. Unter den Dod arbeitern gärt es wegen der beharrlichen Weigerung der Ar beitgeber, die Mindestlohne um zwei Schilling täglich zu erhöhen. Fine Konferenz der Hafenarbeitervertreter aus dem ganzen Lande ist für Dienstag zusammenberufen. Die allgemeine Stimmung unter den hier eingetroffenen Delegierten ist für den Streit, der allein in London etwa 100 000 Arbeiter berühren würde. Nach den neuesten Nachrichten soll die Stimmung unter den Streifenden Lokomotivführern und Heizern, die bereits wegen des ständigen Ausbaues des Notvertebrs etwas nachgiebiger geworden war, infolge der Aussicht auf den Hafenarbeiterstreit wieber unverföhnlich geworden sein. Die am Montag gepflogenen Schlichtungsverhandlungen haben feinen wesentlichen Fortschritt er. geben. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostscheckkonto: Berlin 375 36. Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafe Lindenstraße 3 Die französische Währungskrise. ( Bon unserem Pariser Korrespondenten.) Paris, 26. Januar. Der fortschreitende Verfall der französischen Währung der durch das von der französischen Regierung mit überraschender Energie in Angriff genommene und von der Finanzkommission der Kammer bereits in seinen wesentlichsten Teilen angenommene finanzielle Sanierungsprogramm nur vorübergehend aufgehalten werden konnte hat zwei Ursachen: eine finanziellwirtschaftliche und eine politische. Was in Frankreich jetzt zur Stüßung des Franks unternommen wird, hat den bedenklichen Nachteil, daß man das lebel ausschließlich an seiner finanziell- wirtvölligen Verkennung der politischen Seite des Problems schaftlichen Wurzel heilen zu fönnen glaubt In dieser völligen Berkennung der politischen Seite des Problems aber dürfte gerade der Hauptgrund dafür liegen, daß das Reformwert bisher ohne nenenswerte Wirkung geblieben ist und daß ihm auch in der Zukunft, trotz der gewaltigen Mehrlasten, die es dem französischen Bolte aufbürdet, der beabfichtigte Erfolg versagt zu bleiben scheint. Die Krise des Franks ist in Wirklichkeit nichts anderes als die unvermeidliche Folge jener verhängnisvollen Erschütterung, die das Vertrauen des Auslandes in die Stabilität des franzöfahren hat. Dieses sinkende Vertrauen aber hat seinen Urfifchen Staates und in die Solidität seiner Politik ersprung feineswegs nur in der Verschlechterung der materiellen Situation Frankreichs, sondern es liegen ihm darüber hinaus sehr tiefgehende psychologische Ursachen zu grunde. Auf eine knappe Formel gebracht, ist das fortSauernde Sinten des Franks die schärffte Dokumentierung des Mißtrauens der ganzen Welt gegen die gewaltige Ueberspannung der franzöfifchen Kraft in einer unfruchtbaren und auf unerreichbare Machtziele gerichteten Politik des zum imperialistischen Größenwahn gesteigerten Prestiges. Hier liegt die Wechselwirkung zwischen Ruhrpolitik und Franttatastrophe; eine Erkenntnis, gegen die man fich in Frankreich heute noch verzweifelt wehrt, die sich aber selbst dem ärmsten Teufel von Steuerzahler eines Tages mit elementarer Wucht aufdrängen wird, wenn er erst die bittere Erfahrung gemacht haben wird, daß die schweren Opfer, die heute der Staat von ihm verlangt, umsonst gebracht sein werden. Denn unter den gegebenen Umständen werden sie lediglich dazu dienen, eine privilegierte Schicht, die, unbefümmert um die bei jeder Gelegenheit im Munde geführte Phrase von nationalem Interesse, sich nicht scheut, gegen die eigene Währung zu spekulieren, sich auf Kosten der Volksbekanntlich die gleichen Erfahrungen ergeben. gesamtheit zu bereichern. In Deutschland hat die Entwicklung Unter den finanziell wirtschaftlichen Urfa chen der Frant- Baisse steht an erster Stelle die außer ordentlich starke Verschuldung Frankreichs an das Ausland. Die Forderungen der englischen und amerikanischen Regierungen an den französischen Fiskus spielen dabei, trotz ihres infolge der Kursverschlechterung auf über 130 Milliarden Franks gestiegenen Riesenbetrages, nur eine verhältnismäßig untergeordnete Rolle. Denn in Wirklichkeit denkt heute in Frankreich kein Mensch mehr ernsthaft an ihre Rückzahlung, und auch in England und Amerika dürfte man trotz aller entgegenstehender offizieller Erklärungen die Hoffnung, einen wirklich ins Gewicht fallenden Betrag dieser Kriegsdarlehn wiederzuerhalten, start herabgeschraubt, wenn nicht bereits aufgegeben haben. Anders ist es mit der privaten Berschuldung der französischen Wirtschaft an das Ausland. leber ihre genaue Höhe gehen die Ansichten erheblich auseinander. Zuverlässige statistische Unterlagen fehlen vollständig. Diese Schuld geht zu einem Teile bis auf die Kriegsjahre zurüd. Der Hauptbetrag aber dürfte in den Jahren, die dem Friedensschluß unmittelbar gefolgt find, fontrahiert worden fein. Die französische Handelsbilanz, die sich allerdings in den letzten Jahren gerade wegen des tontinuierlichen Herabgleitens des Franks recht günstig entwickelt hat die Parallele dazu liegt in dem großen deutschen Schleuderausverkauf in der ersten Beriode des pölligen Berfalls der Mark- war in den Jahren 1914-1920 start passiv geworden. Läßt man selbst das Defizit der Kriegsjahre, das zum größten Teil in den Biffern der Staatsschuld enthalten sein dürfte, ganz außer Ansak, so bleibt allein für die beiden Jahre 1919 und 1920 noch immer ein Einfuhrüberschuß von rund 45 Milliarden Franks zu Lasten der französischen Zahlungsbilanz. Ein Teil dieser privaten Handelsschuld ist zweifellos inzwischen in der Form von Befizübertragungen, Immobilienkauf durch Ausländer, Beräußerung von Effekten usw. abgegolten worden. Die Höhe der aus dieser Zeit noch ungedeckten Kreditperbindlichkeiten aber wird felbft von optimistischen Beurteilern auf mindestens 12 Milliarden Papierfrant ge schätzt. Als weitere Passivposten der französischen Zahlungsbilanz fommen hinzu: die von der franzöfifchen Regierung den Staaten der kleinen Entente gewährten Rüftungskredite, der von Monat zu Monat stärker werdende Abfluk von privatem Kapital, das aus Furcht vor weiterem Sinfen des Frants im Ausland Anlage sucht und die sehr beträchtlichen Summen, die von französischen Staatsangehörigen in den verschiedensten Formen tn den besetzten deutschen Gebieten in- testiert wurden. Alles in allem mögen auf diese Weise in den letzten zwei oder drei Jahren etwa 10 Milliarden Gold- franks, das find zum heutigen Kurse reichlich 40 Milliarden Papierfranks, über die Grenze abgewandert sein. Nicht minder verhängnisvoll als diese aus der Wirtschaft resultierende Ursachenreihe hat sich für die Bewertung des Franks die katastrophal zu nennende Zerrüttung der öffentlichen Finanzen erwiesen. Die von cherrn Ribot, dem Finanzminister des Kabinetts Clemenceau. geprägte Zauberformel, datz„Deutschland alles bezahlen müsse", war lange Jahre hindurch das Motto der französischen Finanz- volitik, die aus der Hoffnung auf den unoersieglichen Strom der deutschen Reparalionsmilliarden die Berechtigung zu einer geradezu wahnwitzigen Vergeudung öffentlicher Gelder her- leiten zu dürfen glaubte. Der Fislus wirtschaftete jahrelang aus dem Vollen und lebte von der Inanspruchnahme seines Kredits, immer in dem Glauben, daß Deutschland früher oder später die Rechnung bezahlen werde. Die unausbleibliche Folge mar ein lawinenartiges Anwachsen der französischen Staats- schuld, die zu Kriegsende etwa 180 Milliarden betragen hat und heute auf über 400 Milliarden gestiegen ist. Von dieser Schuld ist aber noch nicht einmal die Hälfte konsolidiert. Mehr als 200 Milliarden entfallen auf die schwebenden, jederzeit kündbaren Verbindlichkeiten. Wohl hat man dem Land in den letzten Jahren das Trugbild eines in Einnahmen und Ausgaben leidlich ausgeglichenen ordentlichen Etats vorge- gaukelt. Aber man hat ihm oerschwiegen, daß die in diesem Etat enthaltenen Ausgaben noch nicht einmal 50 Proz. der Gesamtausgaben des französischen Staatshaushaltes aus- machen, daß deren größerer Teil, in dem Reparationsetat und den zahlreichen Spezialbudgets versteckt, ohne jegliche Deckung war und ausschließlich aus Anleihemitteln aufgebracht werden mußte. Es ist unter diesen Umständen nichts anderes als die Fort- setzuno der bisherigen Bogelstraußpolitik, wenn die franzö- fische Regierung behauptet, mit dem soeben eingebrachten finanziellen Reformprogramm den Etat in Ordnung bringen zu können. Die wahrscheinlich viel ,zu hoch geschätzten Mehreinnahmen werden im günstigsten Falle ausreichen, die Zinsen des Reparationsetats, keineswegs aber desien wirk- liche Aufwendungen zu decken. Aber selbst dieses Ergebnis ist noch keineswegs gesichert. Denn tatsächlich besteht der Aus- gleich des ordentlichen Budgets nur auf dem Papier. In Wirtlichkeit find die Ausgaben weit größer als die Ein- nahmen. Sicher ist auch, daß ein nstbt unbeträchtlicher Teil der aus der Finanzreform erwarteten Mehreinnahmen bereits von den Budgetüberschreitungen des ordentlichen Etats ver» fchlungen werden wird. Eine andere noch ungeklärte Frage ist die nach der Rückwirkung der mit der L0prozentigen Er- höhung der Steuern— diese sind in Frankreich bekanntlich zu drei Vierteln indirekter Natur— unausbleiblich verbundenen Verteuerung der Lebenshaltung auf die Ge- staltung der Staatsausgaben. Die Spannung zwischen Preis- und Lohnniveau ist schon heute so unerträglich, daß selbst die Negierung Poincar6 bei einem weiteren Anziehen der Preise die von den Beamten seit langem verlangten Teuerungs- zulagen nicht mehr wird verweigern können. Damit aber wäre der finanzielle Effekt des Sanievungsprogramms un- widerruflich in Frage gestellt. Die pariser währunysüebatte. Paris. 28. Januar.(WTB.) Die Kammer Ist heute nachmittag in die Einzelberatung der Finanzgesetze«ingetreten. Räch der Ge- schäftsordnung mußte sie sich vorher mit drei Ve r ta g u n g s o n- trägen beschäftigen, von denen zwei von den Kommunisten und einer van den Sozialisten eingebracht worden war. Diese Anträge wurden mit oroßer Mehrheit abgelehnt. Abg. T a ch i n(Komm.) hatl« vor Begründung seines Antrages ausgeführt, daß die Regierung nichts unternommen Hab«, um die Kriegsgewinnsteuer einzuziehen, und erinnert an die S k a n- dale im befreiten Gebiet. Aus ihnen ergebe sich, daß un> geheure und nicht zu rechtfertigende Summen für Kriegsschulden be- zahlt wurden. Cachin kritisiert dann die allgemein« Politik der Regierung, die das Mißtrauen der ganzen Dell gegen Frankreich hervvvgenifm Hab«. Die Ruhrbesetzung sei verhängnisvoll gewesen. Er verlangt die Räumung des Ruhrgebiets.(Zuruf rechts:„Das würde den Deutschen Vergnügen bereiten.") Rein, das würde den Deutschen kein Vergnügen bereiten, denn es gibt deu'sch« Kapitalisten, die erfreut darüber find, daß sie Truppen zur Der- fügung haben, um die Arbeiter zu knechten. Nach Cachins Ansicht werde die neue Steuer nur eine Erschwerung der materiellen Lage der arbeilenden Klassen zur Folge haben. Der Mittelstand sei in Deutschland verschwunden, bald werde«r auch in Frankreich ver- schwinden Di« Sowjetregieruna werde nach und nach von d«r ganzen Welt anerkannt. Frankreich werde wohl oder übel eben- falls eines Tages dazu kommen, bevor in Frontreich selbst die Ar- beiter» und Bauernrcgierung errichtet sei.— Der Aertagungsantrag Cachin wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Ablehnung des An'rages der Abgg. Moutet und Blum (Soz.) auf Vertagung der Regierun gsentwürfe bis nach den Kammer- wählen wurde mit 4)0 gegen 122 Stimmen abgelehnt. Hierauf bc- schließt die Kammer mit 42o gegen 152 Stimmen zur Beratung der einzetnen Artikel der Regierungsentwürse überzugehen und vertagt sich auf morgen, Dirnstag vormittag, S Uhr. flusnahmezuftanö und wahlfreibelt. Unsere Gegenüberstellung verbotener und gestatteter Flug- blätter hatte zunächst nur den Erfolg gehabt, daß in dem bei solchen Anlässen üblichen überlegenen Ton gewisser amtlicher Stellen verlautbart wurde, der Militärbefehlshaber in Thü- ringen, General Hasse, habe pflichtgemäß Wahlflugblätter nicht verbieten können. Die Sonntagsruhe schien zn bewirken. daß man höheren Ortes doch zu? Einsicht kam, der Skandal daungleichen Behandlung fei doch zu groß, und so erblickte denn ein neuer Ukas das Licht der Welt. Bei Schluß unserer gestrigen Abendredaktion ging uns folgendes WTB.- Telegramm zu, das wir noch einmal zum Abdruck bringen. weil es mir in einem Teil unserer Auflage veröffentlicht wurde: „Der tn Thüringen erschienen« Wahlaufruf der vereinigten völkischen Parteien hat erwiesen, daß ein« zu sehr am Wortlaut haftend« Auslegung der Erklärung der Reichsregierung, wonach Wahlflugblättern die Genehmigung nur dann zu versagen ist. wenn sie auf einen gewaltsamen Umsturz der ver- fossung hinwirken, dem Gebot der Lufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht immer gerecht wird. Der Inhaber der vollziehen- den Gewalt hat demgemäß das Verbot des völkischen Flugblattes oerfügt und die Militärbcfehlshaber angewiesen, auch an Wahl- flugblätter einen möglich st st rengen Maß st ob an- zulegen, der die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung unter allen Umständen gewährleistet." Die verantwortlichen Regierungsstellen befinden sich sehr m Irrtum, wenn si« annehmen, daß der Zweck unseres Vor- loßes das Verbot des deutfchvöltifchen Wahlplokates gewesen ei. Die Deutschvölkischen mögen, so gut und schlecht es ihre geistige Verfassung zuläßt, Wahloropaganda betreiben. Wir wandten uns oagegen, daß der Belagerungszustand und das dauernde Eingreifen von unpolitischen Militärs in rein politischen Angelegenheiten zu ununterbrochenen Reibungen und Beunruhigungen führen muß. Die offen- sichtliche Parteilichkeit, das Mesien mit zweierlei Maß ist eine der Hauptquellen der Störung der öffentlichen Ruhe und Ord» nung. Ein Belagerungszustand, der den Charakter eines Ausnahme zuftandes verliert und zur R e g e l wird, muß zu diesen Konsequenzen führen, und deswegen wenden wrr uns nach wie vor gegen ihn, nachdem er feine aktuelle Bedeü- tung vollständig verloren hat. Liest man die neue Verfügung genauer durch, so ergibt sich, daß in Wirklichkeit der Militär- befehlshaber Anweisung zu neuen noch viel schwere» ren Eingriffen erhalten hat. Es heißt jetzt,„die Militär- befehlshaber find angewiesen, auch an Wahlflug- blättern einen möglichst strengen Maßstab anzulegen, der dle Aufrechterholtung der Ruhe und Ord» nung unter ollen Umständen gewährleistet". Das bedeute! nichts anderes, als die vollständige Durchbrechung und Auf- Hebung der vom Rechtsausschuh des Reichstages ausdrücklich beschlossenen Wahlfreiheit. Gegen wen sich diese Auf- Hebung richten wird, braucht man gar nicht erst darzutun. Kino im Schnee. von einem alten Dachdecker. Dicht vor meinem Hause lag«in schmutziger großer Haufen Schnee. Nachdem er einige Zeit„stabilisiert" gewesen ist, weicht die dunkle Mass« dem warmen Segen von oben, und— wie die Butter an der Sonne— rutscht die Bescherung immer mehr in sich zusammen, w!« dag Guthaben eines Rentners im Zeichen der Inflation. Bis ich heute morgen die letzten Reste verlegen hier und da zerstreut finde Bier Wochen hat er— sagte ich— vor der Tür gelogen. Di« Spuren der 28 Tage sind deutlich zu merken. Bei genauer Be- . trachtung findet sich nämlich als Rückstand folgendes: Mindestens zehn bis zwölf oder mehr kleine Haarbüschelchen. All« fein ge- wickell und umringelt. Nicht zu verwechseln mit Ehristfindleins Haar. Es sind Visitenkarten von der struppigen Madam« im ersten Stock, die jeden Morgen ihren falschen Wilhelm glättet und den Rest. der im Kamm bleibt, mit elegantem Schwung durch» Fenster bug- siert. Wie mancher könnt« sich hier Locken gratis und als Andenken sammeln.... Dann birgt das letzt« Schneehäufletn mindestens 20 bis 70 Streichholzrückständ«, alle bis aus den Raget abgebrannt, so daß der, der sie verbrauchte, grod noch Zeit hatte, sie dem Schnee«in- zuverleiben. Natürlich kann da» nur«tn Verliebter gewesen sein. Braucht's Ueberlcgung, woher dies« Schwedenfamilie stammt? Der junge Musiker, der Abend für Abend die drall« Dirn im obersten Slock besucht, steht ost lange„zum Fortgehen bereit" zwisck�n Tür und Angel. Immer wieder flammt's im Hausflur apf. Manchen Abend gibt's das schönste Feuerwerk. Da Hegen nun die Zeichen ihrer Abschiedshemmimgen, als traurige Ueberbleibsel eines Mond- crsatzee. Ach, wie sieht das alles so scheel au», wenn man'» rück- wärt» betrachtet. Weiter präsentiert die kleine Mäche Fußsteig, die nun wieder geschämig an die Oeffentlichkesi kommt, einige Tannen- und Haar- nadeln und im trauten Berem divers« kondensiert« Milchbüchsen, ohne Inhalt natürlich. Zwei Bleche liegen dort von einer Mundharmonika, mit denen uns der vierjähng« Bub im dritten Stock Weihnachten und Neujahr verdorben hat, da-r glaubte, je lauter er musikalisch heul«, um so schöner kling« es. Auf einmal, so um den achten Januar herum war's stille. Jetzt sehe ich, warum«» ruhig wurde. Di« Bayern nennen diese Krachmacher: Maultrommel oder Votzhcbel, was der Wahrheit näher kommt wie Harmonika. Auf dem Deckel steht: „Himmelsmusik". Ich will olles tun, nicht in«inen solchen Hanno- nischen Himmel zu geraten. Ruhet sanft, ihr beiden Weißblech. linge. Euch geht's wie manchem Kunstwert: Acht Tag« ärgertet ihr die Mitmenschen und hunderttausend Jahr« oder länger sind sie tot. Niemand wdet mehr davon. Was ist das? Ich rede nicht darüber, di« Redaktion würd« es sicher streichen, also Schwamm drüber. Aber da liegt noch so ein glitzerndes kleine» Etwas: doch kein Ring, oder gar ein Goldstück? Daß mir die Spucke wegbleibt: Das ist ja ein kleine« Teilchen von unseren Kristallgläsern. Ich erkenne genau die Farbe. Und mir ha» man vorgeschwindelt: ein«» sei„schon lang« mal weggekommen". Sieh da, steh da, Timotheus, di« Kraniche de» Jbykus. Mir ist so dämlich zu Gemüt«.... Was doch alles so zum Borschein kommt, wenn der Schnee schmilzt. Das rein« Kino ohne Vorzensur. „Immer heranspaziert, mein« Herrschaften. Hier sehen Sie die Geschich!« eines Hauses tn dem letzten Monat. Ein Sau-, Schau- und Trauerspiel zum Totlachen. Unter jedem Schneehausen etwa? Neues, etwas Feine», Apartes. Eintritt frei.... Der nächste Haufen, bitte... Sluterfatz. Mannigfach sind die Versöhnen, verloren gegangen« Blut- mengen wieder zu ersetzen. Die Hauptaufgabe ist hierbei, die lebenswichtigsten Organ« mit Nährstoffen zu oersorgen und beson- der? den Blutdruck im Herzen nicht soweit sinken zu lassen, daß da» Herz etwa„leer läuft". In leichten Fällen kann man die nättg« Biutmeng« auf Kosten der Gliedmaßen beschaffen: man lagert di« Beine hoch und um- wickelt sie von den Füßen her mit elastischen Binden, so daß sie fast blutleer wer�n— sogenannte„A u t otr a n» f u s i on". In schwereren Füllen kommt es vor allen Dingen an auf die Erhaltung des für die Herztätigkeit mindestens notwendigen Flüssigkeitsdruckes im Gefäßsystem Meist genügt„physiologische", d. h. Iprozenlige Kochsalzlösung, die dos gleiche spezifische Gewicht wie dos Blut hat. Da das Blut selbst dos Bestreden zeigt, sich durch den Gewebesast der Umgebung zu ergänzen, ist schon eine Infusion der Lösung unter di« Haut ausreichend: viel rascher wirkt aber die Ein- spritzung in ein« Vene, meist«in« der Ellenbeug«. An Stelle des Kochsalzes setzt man auch verschiedene andere Substanzen, di« zu- gleich als Nährstoffe dienen können, so daß die verlchiedensten Lösungen entstehen mit dem Bestreben, der Blutflüssigkeit nicht nur im spezifischen Gewicht, sondern auch im Nährwert, im elek- irischen, osmotischen, kolloidalen und anderen Beziehungen mehr oder weniger nahe zu kommen. Das Idealste, der Ersatz de» Blutes durch Blut, die»Blut» transsusion" also, ist erst verhältnismäßig spät verwirklicht worden, weil das Blut bekanntlich außerordentlich leicht gerinnt und auch sonst noch störende Eigenschaften aufweist. Nach vielen versuchen, di« sich zum Teil als unpraktisch herausstellten, ist es erst O e h l« k e r in Homburg gelungen,«in« ebenso einfache wie zweckmäßig« Methode zu finden. In den Arm de» Dlutlpcnder» wie des Empfängers wird je ei»« Kanüle mit onhänaendem Schlauch gestochen. Die freien Enden der beiden Schläuche führen zu einem Drainagebahn. dessen dritte Mündung«Ine 10— 20 Kubikzentimeter fassende Injektionsspritze einnimmt. Da» Blut wird von der Spritz« angesogen, der Hahn umgestellt und die Spritze in den Kreislauf des General H a s s e hat zur Genüge bewiesen, gegen wen er den Belagerungszustand anzuwenden gedenkt. Wahlen unter solchen Bedingungen sind eine Verfälschung der Volksmeinung. Der Rechtsausschuß des Reichstages hat die Verpflichtung, sofort diese neue Einschränkung aufzu- heben. Darüber hinaus illustriert dies alles nur von neuem die von allen Politikern mit Ausnahme des Herrn Reichs« wehrministers längst eingesehene Notwendigkeit der Auf- Hebung des Ausnahmezustandes. Reichswehr und Aivilbevölkeruns« Ehemaih, 28. Januar. sEigever Drabtbericht.) von zuber» lässiger Seile nlahren wir, daß die Staatsanwaltschaft allein im Landgerichtsbezirk Cbemnitz gegen zirka 90 vieichswekr» angebörige ein Berlabren wegen Mißhandlung der Zivil- bevöllerung eingeleitet hat.' Es kann also mit Bestimmtheit angenommen werden, daß in den sieben sächsischen Landgerichts« bezirken mehrere hundert ErmittlungSversahren gegen Reichswehr« offiziere und Soldaten schweben. Bei den Vorgängen im Staatlichen Schauspielhaus in Dresden anläßlich der.Hinkemann'- Aufiübriing wurden 27 Personen polizeilich festgestellt. Die Organisation der SiörungSaktion lag in den Händen de» Vorsitzenden de» HochschulringS. Dietrich, der auch noch während der vorsiellling weitere Anoidnungen gab. Seine Heisertbelser sind zumeist Studenten und Aiigebörige der sogenannten höheren Bernse. Gegen olle namentlich festgestellten Personen wird gerichtlich vorgegangen werden. Das ffppothekenrätfel. Die Nachtausgabe des„Tag" tut so, als ob sie auf Grund ihrer guten Beziehungen zu bestimmten Ministerien� wieder einmal in der Lage sei, etwas über die„endgültige" Form der dritten Steuernotverordnung mitteilen zu können, wenig- stens soweit diese sich mit der Hypothekenaufwertung beschäftigt. Womit nach den bisherigen Erfahrungen durchaus nicht ge- sagt ist. daß die Aufwertungsfragc keinerlei Veränderungen mehr unterworfen fein wird. Aber an diesen Schwebezustand der Regierungsmeinung find wir ja schon gewöhnt: er wird durch die Mitteilungen des„Tag" nur erneut bestätigt. Es soll also über die Besteuerung der Entwertungsge- wlnne im Kabinett Einigung erzielt fein, über die Auf- werwngsfrags blieb man sich— uneinig. Das Reichs- finanzministerium und das Reichsjustizministerium haben daraufhin allein verhandelt und einen Kompromiß gefunden. Nunmehr soll die dritte Steuernotverordnung nicht mehr nur eine allgemeine Redensart über die Hypothekenfrage� einver- leibt bekommen, man will„eine feste Bestimmung über die Aufwertung" schaffen. Es heißt dazu: Das Kabinett wird am Dienstag, nachdem diese Einigimg er- reicht Ist, auf Grund eine» neuen Entwurfes nunmehr mit aller- größter Wahrscheinlichtesi die Ausweriung in dieser Form und im Zusammenhang mit der allgemeinen Jnflationssteuer beschließen." Aus diesen Mitteilungen geht hervor, daß man im Ka- binett überhaupt noch nicht zu Stuhle gekommen ist, aber man wird sich am Dienstag„mit allergrößter Wahrscheinlichkeit" zur Entscheidung reif fühlen. Wir fürchten, daß die Tragödie der Auswertung zum Schluß doch noch eine politische Komödie wird. Auf die Entschlußkraft und innerliche Gcschlosienheit der Reichsregierung, die trotz Ermächtigungsgesetz vier Wochen zur Ausarbeitung einer Steuerverordnung braucht, werfen die fortlausenden Beratungen zur Aufwertungsfrage ein bezeich- nendes Licht. Ursprünglich wurde doch gern damit orgumen- tiert, daß der Reichstag für schnelle Entschlüsse zu schwer- fällig sei._ Yorthy hat die Fährer der OprasslionSparttien in längerer Audienz einpiangen, was um so ausfälliger ist, al« in den letzten Tagen die Opt'osiiion im Pailament dir Mordtaten der Honby nahestebenden Heijatz-Banden wieder angeprangert bat. Ader da man Kredit von England haben will, muß man schon europäi'ch tun! Empfänger» entleert. Co weiß man genau, wieviel Blut übertritt, kann de» ganzen Vorgang In dem großenteils- aus Glas bestehenden Apparat kontrollieren und nötigenfalls sofort unterbrechen. Da, von Dorn er in Leipzig noch verbesserte Lerfohrcn stellt die ein» fachst« und best« Löslmq des Problems dar. In Homburg, dem Geburtsort des Verfahrens, hat dieses bald einen neuen Nebenerwerb unter den„vollblütigen" Matrosen hervorgerufen: Auzgerüstet mit .Wassermannschein" und anderen ärztlichen Zeugnissen für die Qualität ihres Blute» fungierten sie als aewerbsmäßige Blutspender und verkauften ihr Blut kubikzenlimetcrwcise on solch«, di« es brauchten. Diese, Geschäft soll indessen jetzt nicht mehr so blühen wie früher._ PerslaaMchvna des Urheberrechts. Das sozialdemokratisch« Mit- glied der schwediseyen ersten Kommer Sigfrid H o n s s o n hat«inen Antrag«ingebracht, wonach das Urheberrecht nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist(20 Jahre nach dem Tode de» Versasser») on den Staat übergeht, der seinerseits geholten Sin soll,«inen Krankheits- und Penfionssond» für k>wedische Schriftsteller einzurichten. In Schweden war bi» zum Lahr 1877 das Urheberrecht unbegrenzte» Eigentum des Autors und seiner Erben. Dann wurde es aus 20 Jahre nach dessen Tode be» grenzt und durch Gesetz vom Jahr« ISIS auf 20 Jahr« verkürzt. In der sehr aussühiltchen und interessanien Begründung des Antrage» wies Hansson u. a. nach, daß di« vertürzie Schutzfrist nicht nur den Erben, sondern dem Autor selbst zum Nachtci! gereicht, da«In ver- leger für einen literarischen Nachlaß, der nach 20 Jahren frei wird. selbstverständlich weniger bezahlt, als für einen solchen, der jC Jahre geschützt bleibt. Da di« Rückkehr zur S0jährig«n Schutzfrist kaum zu erzielen ist, der Schriststeller aber andererseits für dos verkürzte Recht auf andere Weise entschädigt werden müsse, so regt er an, daß da» Urheberrecht noch Ablauf der Schutzsrist an den Staat übergeh:, der au» den Einkünften wiederum die Schriststeller unterstützt. Hier- durch könnt« auch di« Kontrolle über die Ausgabe freigewordener Werke erfolgen, die bekanntlich bisher sowohl in textlicher wie finan- zieller Beziehung ein« Freibeut« der Berlener zu werden psiegen. Hansson bedauert auch, daß di« staatlichen Unterstützungen schwedi- scher Schriftsteller setzt nicht mehr al« insnesomt 28 000 Kroncn im öahr b-etrüqen und eine Erhöbung dieser Summe�durch den Neichs« tng ausgeschlossen sei, wäbrend das weit kleinere Dänemark für diesen Zweck Im Jahre 1S22 127 200 Kronen aufgewandt habe. ver in Mnflk aetetzke Warenkatalog. LIszt hat einmal gesagt. daß man alles in Musik setzen könne, und unser« Komponisten haben ganze Pro'adramen oertont und schrecken auch nickt davor zurück, di« alltäglichsten Bemerkungen in ihren Opern muflkolilch zu illu- strieren. Aber auf den Gedanken, einen aewöhnlichen Warenkatalog in Musi» zu setzen ist doch vor dem französischen Komponisten Dariu, Milhaud niemand gekommen. Dieser Neutöner macht allerding» da» Zugeständnis, daß er als Text für lein« Musik keinen gewöhnlichen Ka'alog über Unterwäsche oder Zigarren wählte, sondern daß er immerhin noch die poetisch» Ware, nämlich die Viume. bevorzugte. Sin lolcher Bium«n»a,c!og in der Vertonung Dariu, Milhaud« wurde kürzlich In einem Londoner Konzert vorgeführt, Di« Sängerin Esther Eoleman sang ihn zu einer Begleitung von Saiteninstrumenten. Der Text setzt sich aus folgenden Anführungen zusammen:„Eretnu, Claß- Grandel. Die mysteriösen Geldzuwendungen. In der Affäre Thormann Dr. Grandel hat am letzten Sonnabend die von uns bereits angefündigte Bernehmung des Bor. izenden des Ulldeutschen Verbandes, Justizrat Cia 3. stattgefunden. Sie dauerte drei Stunden und befaßte sich noch einmal eingehend mit den Beziehungen zwischen Claß und Dr. Grandel Zu der schon gemeldeten Tatsache, daß der letztere den Borsigenden bes Alldeutschen Berbandes zuerst außerordentlich start belastet hatte, bes Alldeutschen Berbandes zuerst außerordentlich start belaftet hatte, erfahren wir von absolut glaubwürdiger Seite, daß Grandel bei jeiner ersten Bernehmung sogar behauptet haben soll, er habe von Justizrat Clas 3000 Goldmark zur Ausführung des Altentals auf General v. Seedt erhalten. Nach dieser Aussage brach Grandel völlig zusammen, und als er bann mit Justizrat Claß tonfrontiert wurde, hielt er diese Darftellung nicht mehr aufrecht, sondern erflärte, daß die genannte Summe für politische Propagandazwede in Bayern be. timint gewesen sei. Tatsächlich hat sich Dr. Grandel in seinem füdbeutschen Wirkungsfreis sehr lebhaft im Sinne der alldeutschen Be wegung betätigt. Wenn inzwischen festgestellt ist, daß er nicht eingefchriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei war, fo muß doch darauf hingewiesen werben, daß er sich eifrig bemüht hat, auf nationalsozialistische Kreife Einfluß zu gewinnen. Teistungsfähigen Preußen gehört ein leistungsfähiger Mittelstand und eine träftige Landwirtschaft. Aber vorübergehend müsse die Steuer getragen werden. Die Staatsregierung ist nur zu einer Ermäßigung für die fleineren Betriebe und das in den Städten siegende Baugelände bereit. trat Lüdemann, feine Bartei habe keine Beranlassung, fich be. In der sich anschließenden Aussprache erklärte der Sozialdemo. fonders um die Grundsteuer zu bemühen. Sie babe Material er halten, nach der die Steuer erträglich sei. Abg. Dr. Winterfelbt ( Dnat.) ertlärte temgegenüber, die Grundsteuer treibe Raubbau. Ele werde schon in diesem Jahre aur Berringerung der Ernte führen. bg. Herold( 3.) erklärte, daß die Realsteuern in ihrer Gesamt. heit den Gemeinden verbleiben müssen. Deshalb habe das Zentrum die Grundsteuer als Staatssteuer abgelehnt. Benn jekt der Staatsbedarf die Heranziehung notwendig mache, so müßten die Denit an Ener Ener Blatt wenn Ihr im fraufen Krelle zufammen feid und werbt ihm neue Abonnenten! Realsteuern gleichmäßig herangezogen werden. Breußen und das Reich müßten in dieser Frage zusammenarbeiten. Abg. Dr. Beidig ( D. 2p.) führte aus, die Steuer fönne nicht entbehrt werden. Borliegende Härten müßten ausgeglichen und eine Einigung auf einem mittleren Beg gefunden werden. Abg. von der Often( Dnat) mies auf die untragbare Belastung für die Landwirtschaft Diese Bemühungen sind dann allerdings an dem Widerstand hin. Die Steuer werde in der Broris nicht eingehen, sondern erst ber leitenden Männer der Hitler Bewegung gescheitert. Auf mit Gewalt und durch Pfändung eingezogen werden müssen. Abg. der anderen Seite hat Grandel es auch versucht, in Norddeutschönar 3( 3.) erklärte, das Zentrum fönne nicht mehr als höchstens land zur Deutschvölkischen Freiheitspartei in Beziehungen zu treten, die Hälfte bewilligen. ist aber auch hier mit Rüdsicht auf die Tatsache, daß er sich in der alldeutschen Bewegung hervorragend betätigte, auf Ab. lehnung gestoßen. Die Bernehmung des wegen einer anderen Angelegenheit in Schußhaft befindlichen völlischen Dozenten Dr. D. Brehmer hat sich auf diese Bemühungen Dr. Grandels be zogen. Grandel hatte in letzter Zeit mit v. Brehmer, den er por einiger Zeit tennengelernt hatte, brieflich in Verbindung zu treten versucht, hatte aber eine Absage erhalten. On seiner Ber. nehmung hat dann der genannte Dozent energisch beftritten, daß zwischen den Deutschpöllischen und Grandel jemals Beziehungen bestanden hätten. Im übrigen ist neuerdings auch Graf. Reventlom in diefer Angelegenheit vom Untersuchungsrichter vernommen worden, wahr. scheinlich über die gleiche Frage. Man rechnet bereits für die nächsten Tage mit dem Abschluß der Boruntersuchung gegen Thormann und Dr. Grandel. Es ist zu hoffen, daß dann durch Mitteilung bes Untersuchungsergebnisses bie notwendige Klarheit in bie noch immer ret dunkle Angelegenheit gebracht wird. Der Kampf um die Grundsteuer. Im weiteren Berlauf der Aussprache wurden von allen Rebnern Milderungen der Steuer verlangt: vielfach wurde bebei Stritif baran geübt, daß unfere Holzbe. Stände geradezu verfchleudert worden feien. Auf eine deutsch nationale Anfrage ert'ärte Finansminister Dr von Nichter noch, baß der preußifdhe Staat allein für die Erwerbsfofenfürforge 250 Millionen Goldmart habe übernehmen müssen. Damit endete die allgemeine Aussprache. Da es in einer dann eingetretenen Baufe nicht gelang, zwischen den Mehrheitsparteien ein Rompromis zu erzielen, wurde die Weiterberatung auf Dienstag vertagt. Gegen die Sozialreaktion. München, 28. Sanuar.( Eigener Drahtbericht.) Die erweiter ten Landesausschüsse Bayerns bes ADGB., des AfA- Bundes und bes ADB. nahmen in einer Ronferenz Stellung zu ben wichtigsten Tagesfragen. Im Vordergrunde der Aussprache stand die neue Berordnung über die Arbeitszeit, die Angriffe des Unternehmertums auf den Achtstundentag und die übrigen sozialen Belange der Arbeitnehmer sowie das sogenannte Aufbauprogramm des Rotbundes banerischer Wirtschaftsstände. Diefes Programm wurde von allen Vertretern mit Entrüstung abgelehnt. Die Gewerkschaf en werden sie noch in einer ein. gehenden Denkschrift zu dem Brogramm äußern. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages nahm Finanzminister Dr. Richter zu den Anträgen der einzelnen Parteien zur Auf der Konferenz bestand ferner volles Einverständnis dar. Abänderung des Grundvermögenssteuergefeßes das Wort. Er wies zunächst darauf hin, daß die Frage der preußischen Grundsteuer eine ber, daß bei den kommenden Wahlen die Arbeitnehmerschaft alles hochpolitische Frage geworden fei, und zwar nicht nur für aufbieten müsse, um ihren Einfluß in den Parlamenten Preußen, sondern auch im Verhältnis zum Reich. Das beffer mie bisher zur Geltung zu bringen. Dabei müsse es Aufallererste Erfordernis, auf das alle Maßnahmen Rücksicht zu nehmen gabe eines jeben Gewerkschaftstollegen fein, nur denjenigen poli haben, ist, so fuhr der Minister fort, die Aufrechterhaltung tischen Arbeiterparteien ihre Stimme zu geben, die die wirtschaft. unferer Währung. Es muß beachtet werden, baß bie Grundlichen und sozialen Belange der Arbeitnehmerschaft in wirffamster steuernotverordnung feinen dauernden Charakter hat, ferner, daß Weise zu vertreten gewillt sind. Einstimmige Berurteilung fand wir, wenn die unentbehrliche Auslandshilfe fommen foll, vorher u. a. die Juftizreform des jetzigen Reichsjuftizminifters Emmin felber in unserem Haufe und Haushalt Ordnung schaffen müffen. Eine neue Inflation darf es nicht geben. Droffeiung ber ger. Die Stonferenz erwartet von den politischen Bartelen, daß sie ihren Einfluß geltend machen, um die Verordnungen Emminfie ihren Einfluß geltend machen, um die Verordnungen Emmin Ausgaben bis zum äußersten und Schaffung neuer Einnahmen, fonft erfolgt der Zusammenbruch, und mit Breußen geht auch gers wieder auszumerzen. Bon ber bayerischen Regierung for bas Reich zugrunde. Der Finanzminister gab die vorläufigen berie bie Konferens: 1. fofortige reftiofe Aufhebung des Ausnahmezustandes: 2. vollständige Aufhebung bes Schlußziffern des preußischen Etats befannt. Streifperbots; 3. Anweisung an die Behörden, die schaf fende Bevölkerung vor Uebergriffen ihrer verbürgten Rechte zu fichern; 4. absolute Angleichung der Breise an die derzeitigen Ge hälter und Löhne; 5. Abwehr der drohenden Goldmie, ten, und 6. Reorganisation und Geftigung der sozialen Berficherung. Den Ausgaben von 2128 millionen Goldmart stehen Einnahmen von nur 1580 millionen gegenüber. Gelbst mit der Grundsteuer ist ein Fehlbetrag von 543 millionen Mart vorhanden. Was soll es im In- und Auslande für einen Ein drud machen, wenn wir jeht eine Steuer wie die Grundsteuer ab. bauen und beseitigen? Der Minister erkannte die Härten der Steuer für die Landwirtschaft und den Hausbesik an. Bu einem starken Jsabellinus. Schönheit ber Blüte garantiert. Der Stiel diefer her. vorragenden Art erreicht die Höhe vom 6 Fuß. Die Blüten haben eine wundervolle Färbung zwischen Gelb und Rosa und sind sehr haltbar". Diese Aufzählungen endeten mit dem hinreißenden Gaße: Preise werden auf briefliche Anfragen fofort mitgeteilt". " Ein Rönigen- Gebächtniszimmer ist im Bhysikalischen Institut der Universität Bürzburg, in dem der große Gelehrte feine epoche machende Entdeckung fchuf, eingerichtet worden. Wie in den Mit teilungen der Gefelijayaft Deutscher Naturforscher und Aerzte" be richtet wird, ist es das frühere Arbeitszimmer Röntgens, in bem in großer Teil feiner Originalapparate aufgestellt ist. Sie find faft alle von seiner Hand geferligt und bei ben ausschlaggebenden Bersuchen benutzt worden. Da finden sich die ersten Röntgenröhren, die Ori ginalphotographien, die zur Entdeckung der Strahlen führten, ufm. Alls einzige Originalhandforift ist die Niederschrift seiner Entbedungsarbeit vorhanden. Der Raum ist mit Röntgens Büste von Hildebrand geschmüct Neben Jeinem Arbeitstify befindet sich ein Teil seiner Bibliothet, die vor allem bie vollständige Sammlung Der Sonderdrucke über feine Entdeckung enthält. Bon feinem per sönlichen Leben erzählen zahlreiche Photographien. Zur Förderung der Architektur! Beranlaßt durch Eingaben verfchiedener Künstlerverbände fand im Reichsministerium des In nern eine Besprechung der an den Baufragen des Reiches beteiligten Minifterien statt. In biefer Besprechung wurde eine Einigung darüber festgestellt, daß die Refforts mit Rücksicht auf die Erhaltung der fünstlerischen Produktion und des funfthandwerklichen Stonnens bei Vergebung von Bauguthaben in geeigneten Fällen bereit sind, entsprechende Kräfte zur Beteiligung heranzuziehen, soweit sich irgend Gelegenheit dazu bietet. Ble bas Der neue Generalintendent des Weimarer Nationaltheaters, Drgan der thüringischen Regierung, Das Roll", meldet, ist Generalintendant Dr. Ulbrich in Meiningen nach Ablehnung eines Rufes für ben gleichen Bosten in Mannheim von der thüringischen Reglerung zum Generalintendanten des Nationaltheaters in Belmar ernannt worden. Da Ginit Hardt am 1. Juli ausfáeidet, durite fein Nachfolger zu diesem Zeitpunkt bie Leitung des Theaters fübernehmen Die Organisation des thüringischen Landestheaters bürste damit nun aud in luẞ tommen. Beihilfe für die deutsche Bücheret in Leipzig. Da die zur Erhaltung der Deutschen Bücherei zur Verfügung stehenden Mittel nicht genügen, hat fich eine„ Rothilfe der Deutschen Bücherei gebildet. Awed ber Rot hilfe ist, allen Belftesarbeitern und Wissensduriligen die Schäße der deutschen Bücherei wie früher zugänglich zu machen. Beiträge find an bas Bant. tonto: Deutsche Bücherei, adfiche Staatsbant Leipzig und Boftfched. fonto: Deutsche Bücherei. Leipzig Nr. 54053, zu fenden. Wie man unter Waffer Reht. Die aus Nom gemeldet wird, erklärt ber bekannte Boyfiter Prof. Leandro Guglielmotti, daß es ihm im Verlauf feiner Verfuche über die Lichtbrechung gelungen fel, eine Methode zu er finden, bie es möglich macht, unter Waffer zu leben. Man schreibt der neuen Erfindung einen revolutionierenben Einfluß auf den Unterwasserkrieg zu.( Doffentlich bat fie aber auch für lebenswichtigere Swede Bedeutung.) Ein neuer Riefenfunnel unter Wasser. Um ben überaus ftarten Ber fehr zwischen Brooklin, Richmond und dem eigentlichen Sellland ber Riefen. stadt New York zu entlasten, wird jest ein Rielentunnel gebaut, ber zugleich bie Bo: machiftelung des New Porter Hafens sichern foll. Der Tunnel wird in einer Länge von 3 km unter der oberen New Yorfer Bai angelegt; meitere 6 km ziehen sich unter dem Terrain von Brooklin und Richmond Hin. Der Boranschlag beziffert die Roften des Baus auf 60 Millionen Dollar. Unter dem Ausnahmezustand. Die Abstimmung der Eisenbahner. München, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die Durch führung der Urabstimmmung im Deutschen Eifen bahnerverband betreffend bie Arbeitszeitverlängerung, für Camstag und Sonntag festgelegt war, bie ftieß im Augsburger Bezirt infofern auf Schwierigkeiten, als der bortige Regierungspräsident Graf v. Spret! bie Abstimmung 8unächst verbot. Nach einer Rücksprache der dortigen Gau feiter feste fich der Regierungspräsident mit dem Generalstaatsfommiffar ins Benehmen, unt ein generelles Berbot für ganz Bayern durchzusehen. Einen Erfolg hatte er aber night; denn daß v. Rahr unterließ feine Einmischung, so das die Ab. ftimmung in ganz Bayern ohne Störung durchgeführt wurde. Bon ben rund 6000 im Deutschen Eisenbahnerverband in München Organisierten beteiligten fich nur etwa 2000 an der Abstimmung. Davon sprachen fich 1700 für fofortige Aufnahme des Streifs aus, während 300 für eine Berfchiebung stimmten. Von den übrigen banerischen Bezirken erwartet man eine im Berhältnis noge. ringere Beteiligung an der Abstimmung. Dresden, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Auf Beifung des Hauptvorstandes beabsichtigte der Deutsche Eisenbahnerverband am Sonntag in Dresben eine Urabstimmung darüber vorzus nehmen, ob der teilweise bereits bis zu 15ftündiger Arbeitsdauer unterbrochene Achtstundertag im Eisenbahnbetrieb zurzeit erhalten bleiben soll oder nicht. Am Sonnabend und Sonntag wurde auf fämtlichen Eisenbahnbienfistellen ein Befehl des Wehrtreistomman, bos IV befannigegeben, daß die Streitabstimmung nach der Wehrfreisverordnung vom 27. September 1923 ft rafbar ist. Kurz nach Beginn der Wahl am Sonntagvormittag wurden die Ab. ftimmungslokale von der Bolizei belegt, einzelne Wahlleiter ver haftet und die Wahlurnen sowie das gesamte Mahlmaterial befchlagnahmt. für die Strafrechtspflege befürchtet hat, zu einer 3 erffatte. rung der Rechtseinheit führen muß, soll jegt der Schlag gegen das gesamte Berfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten folgen: Die Zeitungen haben von einem Entwurfe des Reichsjustizbisherigen Prozeßverfahrens beseitigt. Im Interminifteriums berichtet, der die erprobten Grundlagen des effe angeblicher Beschleunigung und Berbilligung der Prozesse foll die Herrschaft der Partei über ihren Anspruch im anhängigen Berfahren beseitigt werden. Die Parteien sind einig, das Verfahren foll ruhen: der Richter hat die Macht, die Fortsetzung zu beschließen. Die Parteien wünschen eine Bertagung: ber Richter beschließt, nach ter Atten age zu entscheiden. Daneben soll die fogen. Eventual marime eingeführt werden; jeber hat sich sofort möglichst vollständig zu erflären. Unterläßt er das, troßtem er es nach Ansicht des Gerichts fonnte, so wird er mit seinem Borbringen ausgeschloffen und fann es bies ist das Ungeheuerlichste auch nicht im neuen Reiszuge der Berufung nachholen. Dieser Grundfah, der bisher lebem jungen Studenten der Rechtswissenschaft als der Gipfel. punft einer perfehlten Berfahrensregelung bar. gelegt wurbe, der im übrigen technische Voraussetzungen hat, die im a.ten preußischen Berfahren gegeben waren und heute fehlen, dessen Beseitigung als die wesentlichste Errungenschaft auf dem Gebiete bes Prozeßrechts gepriesen wurde, soll jetzt Gefeßestraft erlangen! Es verlautet, daß der Reichsjustizminister zunächst den Versuch machen will, bleses Erzeugnis der ihm unterstellten Nate vom Rechtsausichuß des Reichstags billigen zu lassen und es nur für den Fall der Ablehnung im Berordnungswege zu verfünden. Da sich aber, wie wir von jedem Rechtsausschusse des Reichstages, unabhängig von sonstigen Parteiwünschen, erwarten, eine Mehrheit für die Annahme fdywerlich finden dürfte, bleibt bie große Gefahr der Zertrümmerung ber bürgerlichen Rechts. pflege bestehen. * Im ersten Abfah ter Erklärung des Repubitanischen Richter bunbes( 2bendausgabe bes Borwärts" vom 18. Januar) ist infolge eines technischen Versehens ein Caz ausgefallen. Nach dem Satz: Es wird in der Deffentlich beit gefragt, ob auch der Republikanische Richterbund zur Meinungsäußerung aufgefordert wurde und wie diefe Aeußerung lautet, ift einzufchalten: Das Reichsministerium für Justiz hat uns den Entwurf nicht vorgelegt Marx ist nicht zu sprechen. Auf die an ten Reichstenzler gerichtete Eingabe der Be. amten Spigen organisationen um eine persönliche Auss Sprache über die Art des Berfonallabbaues hat der Reichs fanger am 25. Januar 1924 mie folgt antworten laffen: Auftragsgemäß telle ich ergebenst mit, daß es dem Herrn Reichskanzler zu seinem Bedauern nicht möglich ist, die Herren Vertreter der Beamtenorganisationen zu einer persönlichen Aus Sprache in nächster Zeit zu empfangen. Die Eingabe ist an bas für Den Aufgabenkreis zuständige Reichsfinanzmini. fterium meitergeleitet worden, an das Sie mit einem gleichen Buniche, soweit hier bekannt ist, bisher nicht herangetreten sind." Die Antwort trägt gonz die Mertmale, mie sie in der Behand. tung der Gewerkschaften früher üblich waren. Mie das Reichsbesoldungsblatt" mittellt, erhalten die Beamten Ihre Februarbezüge je zur Hälfte am 1. und 13. Februar. Eine Anregung der Beamten- Spizenorganisationen, die erfte Gehaltshälfte schon einen oder mehrere Tage früher auszuzahlen, damit bie Beschaffung der Monatsfarten zur Benutzung der Berkehrsmittel rechtzeitig erfolgen fann, hat das Reichsfinanzminifterium zurüc gewiefen. Ueber bie Erhöhung der Driszulagen im Hinblick auf bie bevorstehende Mietpreiserhöhung schweben zurzeit Erwägungen zwischen den Reffortverwaltungen. Bei der Haltung bes Reichsfinanzministeriums dürfte auch auf diesem Gebiete wenig für die Beamten zu erwarten sein. Die Saarwahlen. Saarbrüden, 28. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonne tag fanden im Saargebiet bie Wahlen zum Landesrat ftatt. Sie ergaben einen starten Lintsrud, der sich auf Kosten der bürgerlichen Parteien vollzog. Die Wahlbeteiligung bee trug 45 Broz. mehr als 1922, alio insgesamt 70 Broz. Die Sozialdemokratie erhielt 6 Sige und gewann ein Manbat. Dagegen verlor bas Zentrum trog ber stärkeren Wahl. beteiligung im Bergleich zu den letzten Wablen 2 Sige und mußte & ftatt bisher mit 16 mit 14 Mandaten zufrieden geben. Auch die Bereinigte Liberale Partei, bie sich aus ehemaligen Bolis. parteilern und Demokraten zusammensett, verlor einen Sig. Sie zieht mit 4 Mandaten in das Landesparlament ein. Sowohl die Deutichnationalen als auch der frantopbile Saarbund erhielten feinen Sig. Dagegen fleigerten die Kon munifien ibre Mandatenzahl von 2 auf 4, während der Haus- und Grundbesis statt bisher 2 nur 1 Wanbat erhielt. Die Wirtschaftskrise an der Ruhr. Bochum, 28. Januar.( Cigener Drehtbericht.) Die Arbeits. frise im Ruhrbergbau baueit fort. Die Rotinge der Bergarbeiter wächst mit der täglich größeren Umfang annehmenden Zahl ber Feierschichten. Im Ruhrgebiet organisieren sich Erwerbs. lofentransporte, die in bos unbelegte Deutschland abgelassen wer. den, um dort Arbeit und Unterkunft zu finden. Eine erhebliche Anzahl von Erwerbslofen aus dem Duisburg- Mülheimer Renier befindet sich bereits im unbesetzten Deutschland. Daneben macht sich eine Auswandererbewegung nach Südamerita start bemertbar. Die Zahl der Ausgewan berten geht bereits in die Laufende und setzt sich, was das Be bauerlichste tft, in der Hauptfache aus Qualitätsarbeitern zufammen. Beispielsweise gehen von Hagen in diesen Tagen Transporte von insgesamt taufend Personen nach Brafilien ab. Bezeichnend ist, daß die Auswanderer aus dem Ruhrbergbau, wo cieifach die Schachtanlagen auf unabsehbare Zeit ftillgelegt worden find, einen erheblichen Brozentsaz ausmachen. Gegen die Zertrümmerung der Rechtspflege 30. Januar verboten worden, trotzdem die Redaktion den Nachweis Eine Erklärung des Anwaltvereins. Der Borstand des Berliner Anwaltvereins veröffentlicht zu ber Berordnung des Reichsjustizministers vom 15. Januar, betr. die Entlastung bes Reichsgerig is, eine längere Erkläring, der mir folgendes entnehmen: Die Verordnung schränkt in der bebauerfidyften Meise die Mäglichkeit der Anrufung des hödsden Gerichtshofes ein, indem sie bie Revision versagt, wenn der Berufungsrichter die Ausübung ter richterlichen Aufklärungs- und Fregepflicht unterlassen oder gegen den obersten Grundsay verstoßen hat, daß die Urtetlsfindung, zwar auf freier Ueberzeugung des Gerichts, aber doch nur auf dem Inbegriff aller durch die Verhandlung zutage geiretenen Umstände beruhen müsse. Nach diesem Angriff auf die Spitze der Zivilrechts. pflege, der, wie es ein hervorragendes Mitglied des Reichsgerichts Das Bochumer Boltsblatt" ist von dem zuständigen Kommandanten ongeblich wegen eines Berstoßes gegen die Ver. ordnung über Bersammlungen usw. pom 27. bis einschließlich führen kann, daß fie bei der Beröffentlichung eines in Frage tommenden Berfommlungshinweises vorschriftsmäßig gehandelt hat. u die Duisburger Boltsfiimme", bie erst im Berlauf der letzten Wochen zweimal verboten wurde, ist jetzt erneut bis zum 18. April verboten worden. Ein Grund für diefes mehr als 2% Monate umfassende Berbot wurde nicht angeführt. Royalistenreinfall. Wegen der Angriffe, die Camelots du Roi auf die Abgg. Moutet, Biolette und Marc Sangnier verübt hatten, waren die Urheber diefer Angriffe, unter ihnen Charles Maurras, der mit Béon Daudet die Action française" leitet, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Maurras hatte dagegen Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht hat jedoch gestern feine Strafe auf acht Monate Gefängnis erhöht. Gleichzeitig sind die Strafen der Täter feibst, mit Ausnahme eines von ihnen, erhöht worden. Gewerkschaftsbewegung die Gehaltsregelung für Februar zu verhandeln, begegneten Kampf im Berliner Verkehrswesen. Scharfmacherei im Hochbahn- und Omnibusbetrieb. Bei dem großen Fischzug der Unternehmer, durch gründliche Berschlechterung der Arbeitsbedingungen, Verlängerung der Arbeitszeit und Verfümmerung des Lohnes, ihre Profite erheblich zu mehren, wollen die Unternehmer des Berkehrsgewerbes den Anschluß nicht verpassen. Seit Bochen müssen die Ängestellten, insbesondere im Hochbahn- und Omnibusbetriebe, fich gegen die Beseitigung des Achtstundentages, gegen Lohn- und Urlaubs. fürzung mehren. Die hochbahndirettion stellte den Antrag, Ueber. ftunden, sowie die Sonntags- und Nachtzuschläge nicht mehr zu bezahlen und den Urlaub um acht Tage zu türzen. Die Löhne, gestaffelt nach dem Lebensalter, follen zwar bestehen bleiben. jedoch follen die Spigenlöhne erst nach 10 Dienstjahren, auch im technischen Bersonal, erreicht werden. Nach zweitägiger Verhandlung fam, vorbehaltlich der Zustim mung der Belegschaft, ein Ergebnis zustande. wonach der Urlaub in der Spize 14 Lage( bisher 20) betragen foll. Die erste Ueberstunde foll ohne Aufschlag bezahlt werden, jede weitere mit einem Aufschlag Ban 25 Broz.( bisher 33% Broz.). Im Lohn soll der Handwerker nach vierjähriger Tätigkeit und über 24 Jahre alt 49 f.( bisher 53), der angelernte Arbeiter 45 Pf.( bisher 48), der ungelernte Ar. beiter 42 B.( bisher 45) für die Stunde erhalten. Die Frauen- und Kinderzulagen follen je 3 Bf. betragen. Die Gehälter des Verkehrsperfonals in fefte Monatsgehälter um. zumandeln und annähernd an die Friedenslöhne heranzubringen, murde abgelehnt; die Löhne sollen nur umgerechnet werden. Dieses Ergebnis lehnten die Funktionäre und in einer Urab. stimmung das gesamte Berfonal der Hochbahn ab. Das vereinbarte Schiedsgericht richtete fich wahrscheinlich nach den Richtlinien des Finanzministers Luther, denn es fällte einen Spruch, der das Ergebnis der Berhandlung bestätigt. Diefer ein. feitig gefällte Spruch liegt, nachdem sich auch die Berhand. Lung beim Demobilmachungskommiffar zerschlagen hat, demselben zur Berbindlichkeitserklärung vor. Die Arbeitnehmerschaft der Hochbahn ist nicht gewillt, fich den Spruch aufzwingen zu lassen; sie wird sich zur gegebenen Zeit gegen Die Berschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen zur Behr fehen. Der Borstand der Berliner Omnibus Gesellschaft geht besonders schneidig vor. Diese Herren fetten fich über die Verord nung über das Arbeitszeitgefez einfach hinweg. Sie wollen die benötigten Dienstzeiten, um die Wagen nach und von den Endstationen zum Betriebsbahnhof zu bringen, in die Dienstzeit nicht einrechnen. Das bedeutet, durchweg und darüber hinaus in vielen Fällen den 10 Stunden- Arbeitstag einführen. Bom Schlichter felbft ausgehenben Anregung gleichzeitig auch über tie Bertreter der Af- Verbände mit dem Einwand, daß fie dazu feinen Auftrag hätten. Der gefällte Schiedsspruch sieht eine Berlängerung der Arbeitszeit ab 6. Februar dergestalt vor, daß die wöchentliche Ar. beitszeit 54 Stunden nicht überschreiten darf. Grundfäßlich ist der achtstündige Arbeitstag anerkannt. Ueber die Bezah ung der Ueberstunden muß mit den Angestelltenräten eine Einigung erzielt werden. Das Februargehalt wird ebenso wie das Januargehalt auf der Grundlage des Gebag- Abkommens mit einem Anfangsgehalt von 75 Mt. plus der Steigerung des BBMI. festgesetzt. Rothe bezeidmete den Schiedsspruch besonders hinsichtlich der Gehälter als, ungenügend. Das verräterische Treiben des Gedag Deffentliche Protest- Bersammlung am Freitag, den 1. Februar, abends 71 Uhr, im gr. Saal der Brauerei Königftadt, Schönhauser Allee 10/11 Tagesordnung: Gegen den Ausnahmezustand, gegen die Schuhhaft schande in Sachsen und Thüringen. Referenten: Die Reichstagsabgeordneten Crijpien u. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Der Bezirksvorstand. habe eine folche urgenügende Bezahlung der untersten Gruppe zur oige gehabt. Das müßte den„ Christen" in ben Betrieben mit aller Deutlichkeit zu Gemüte geführt werden. Gegen die Verlängerung der Arbeitszeit ist schärffter Brotest am Blake. Troßdem muß an ertannt werden, daß der Schiedsspruch eine Berbefferung gegenüber dem Machwert der Gedag darstellt, da dieser Verband de Angestelltenvertretungen ganz ausschaltetete und der Be zahlung der Ueberstunden durch Bausch albeträge zustimmte, modurch der Willfür Tor und Tür geöffnet worden wäre. In ma terieller Beziehung nichts, in ideeller Hinsicht einige Berbesserungen, fei das Signum des Spruches, schloß Rothe feine Ausführungen. In der Diskussion berichtete ein Redner über eine Gedag- Verfammlung. Die dort zutage getretene geistige Einstellung der Refe renten und der Debatteredner fieke den Verrat des Gedag verstände Das Für und Wider des Schiedsspruchs wurde von lich erscheinen. anderen Bersammlungsteilnehmern fritisch erwogen, wobei besonders gegen die Arbeitszeitverlängerung Proteft laut wurde. Im Schlußwort ermahnte Rothe die Anwesenden, dafür zu sorgen, daß vor dem Infrafttreten des Schiedsspruches unter feinen Umständen länger als acht Stunden gearbeitet wird. Die Abstimmung ergab die Annahme des Schiedsspruchs. Kundgebung gegen die Nachtarbeit. Bekanntlich liegen die eigentlichen Abgangsstationen von dem Betriebsbahnhof bis 20 Minuten Fahrzeit entfernt. Diese Wege müffen Abgelöste und Ablöser zu Fuß machen, wozu das Personal 30 bis 40 minuten benötigt. Ferner hat die Omnibusgesell schaft mehrere Höfe während des Krieges gefchloffen; z. B. Weißen fee, Köpenicker Straße, Neukölln. Für den g. 1mten Auto Die gestrige Abendausgabe bes Borwärts" enthält eine Notiz betrieb tit jeht nur noch ein hof im hohen Norden, Jas über die Kundgebung der Berliner" Bäder. in welcher die unter munder Straße, im Betrieb. Die Wohnungen der Bediensteten be. finden sich aber zum größten Teil heute noch infolge des Wohnungszeichnete Organisation als Haupteinberuferin einer Bersammlung elends in der Nähe der geschlossenen Höfe, wie es vor 1914 verlangt mit den Bäckermeisterorganisationen sowie den übrigen Gesellen. wurde. Bei Einführung der reinen zehnstündigen Arbeitszeit würden organisationen, darunter auch der gelbe Bund der Bäcker, genannt die Mißstände, wie sie vor dem Kriege bestanden, mit einem Schlage ist. Die unterzeichnete Organisation erklärt ausdrüdlich, daß die mieder aufleben. Der Bedienstete wäre 12 bis 14 Stunden von Einberufung dieser Kundgebung von der Bäderinnung feiner Familie weg. Die Bediensteten haben teine Luft, diefe Miß- ausging. ftände wieder einreißen zu lassen. Allein der Borstand der Omnibusgesellschaft verfügte einfach, baß für die Aufsichtsbeamten ab 21. Januar, für das gewerbliche Bersonal ab 20. Januar 1924 bie 3 ebnstündige Arbeitszeit bei ben bisherigen Löhnen eingeführt wird. Im Frieden bezog der Fahrer immerhin noch einen Geigenlohn von 208 M.; heute würde er in der Spike im Monat 123 m. beziehen: Dazu kommt, daß die Aufsichtsbehörde bis 1914 fich um die Fahrzeiten fümmerte, die weit länger waren als heute; daß genügende Ruhe. pausen an den Endstationen waren, daß die Belegung der Wagen vorschriftsmäkig war und auch die Straßen sich in gutem fahrbaren Zustand befanden. Anscheinend haben wir feine Aufsichtsbehörden mehr. Die Fahrzeiten find viel fürzer, anscheinend nach freiem Er meffen der Direktion festgelegt, Haltezeit aanze 4 Minuten, die durch bie ungehörige Befehung und den schlechten Straßenzustand doppelt zugegeben werden. So jagt jetzt schon der Fahrer von einem Ende zum anderen, ohne bei der bereits bestehenden 9. bis 9%. tündigen Arbeitszeit zur Ruhe zu kommen; denn die achtftündige Arbeitszeit hat noch nie im Omnibusbetrieb bestanden. Ebenso aeht es den Schaffnern. Das heißt Raubbau mit der menschlichen Arbeitskraft treiben, der nach dem Willen der Direktion außerdem noch durch erhöhte Arbeitsleistung intensiver gestaltet werden soll. Der§ 6 der Verordnung über das Arbeitsgeitgefeh, wonach der Arbeitgeber nicht das Recht hat, einfeitig eine Abweichung vom gefeßlichen Achtstundentag seinen Arbeitnehmern vorzuschreiben, scheint für die Direktion nicht zu beftehen. Hoffen wir, daß die im§ 6 vorgesehenen Aufsichtsinstanzen, wenn die Verordnung überhaupt einen Sinn haben soll, den Mut finden werden, die Omnibusgesellschaft in die Schranken des Gesetzes zu verweisen. Schiedsspruch in der Metallindustric. In einer AF- Metallfartell- Funktionärtonferenz, die am Sonntog in der Brauerei Königstadt stattfand, berichtete Rothe über die am Sonnabend gepflogenen Verhandlungen vor dem Schlichter zur Festsekung des Januargehalts. Nachdem Borverhandlungen von Partei zu Partei zu feinem Erfolg geführt hatten, wurde der amtlich bestellte Schlichter Wissell mit der Regelung der Differenz beauftragt. Zu den Sonnabendver handlungen fandte der VBMI. feine Beifizer; er teilte nur schriftlich mit, daß mit dem Gedaq( Christliche Angestelltenorganisation) be. reits ein Abkommen abgeschlossen fei(!), über dessen Bestimmungen hinsichtlich der Gehaltshöhe nicht hinausgegangen werden fönne. Bissell feste aber durch Hinzuziehung der Herren Röth und Kosta als Arbeitgeberbeifizer in Gemeinschaft mit den anwesenden Arbeit nehmerbeisigern dennoch ein Schiedsgericht zusammen. In der Befprechung protestierten die Afa- Bertreter energisch gegen das Vor. gehen des Gedag, wobei sie besonders die im Gedag- Abkommen feftgelegte Arbeitszeitverlängerng befämpften, mit dem hins weis auf die bereits bestehenden Tarifbestimmungen, die unter gemissen Umständen durchaus eine Berlängerung der Arbeitszeit zu laffen. Ferner wurde das vom BBMI. aus der Arbeitszeitverord. nung hergeleitete Tariffündigungsrecht bestritten. Einer NEUE B A C Wir waren zu derfelben von den Arbeitgebern gelaben, haben jedoch unsere Mitwirtung dabei aus dem Grunde abge Lehnt, weil der gelbe Bund der Bäcker dabei mitwirft. Wir haben auch ausdrücklich unseren Namen nicht unter diese Rundgebung gefeßt. Vielmehr ist dies widerrechtlich von der Bäckerinnung geschehen. Wir haben an heutigen Tage gegen den Mißbrauch unferes Organisationsnamens in Berbindung mit der gelben Gesellschaft die schärffte Berwahrung eingelegt. Ausdrücklich wollen wir erklären, daß unsere fachliche Stellungnahme mit dem entschiedensten Protest und Wider stand gegen die Wiedereinführung der Nachtarbeit mit dem der Arbeitgeber übereinstimmt. Unsere Stellungnahme ist wiederholt öffentlich zum Ausdrud gefommen. Sie richtet sich nicht gegen die Konfumgenossenschaften, wie in dem Ar lifel behauptet wird, sondern ist von der Sorge um das Wohl unserer Gewerkschaftsmitglieder, denen die Nachtarbeit in der früheren Form wieder aufgehalft werden soll, diktiert. Zentralverband der Bäder und Ronbitoren. Hezschold. Arbeitslosenversammlung der Buchdrucker. Kommunistisches Keffelfreiben. Am Freitagnachmittag 1 Uhr begann im Gewerkschaftshaus eine Der Gauvorfizende Bersammlung der arbeitslosen Buchdrucker. Braun referierte und ging zunächst auf die gelbe Gründung des bisher ultraraditalen tommunistischen Erwerbslosenrats Barg ein. Ein Mitglied diefer Gesellschaft hatte sich in die Bersammlung eingeschlichen. Unter großer Unruhe wurde der Gelbe hinausgebracht. Berufsgruppe ist, wird sofort ausgeschlossen. Braun erflärte: Wer von unseren Kollegen Mitglied der gelben Ich weiß, viele find unter Ihnen, die mit den Dingen unzufrieden find. Aber für Euch haben wir im Gauvorstand getan, was wir nur tun fonnten. Ihr müßt mehr Vertrauen zu unserem guten Willen haben. Es hat endlich den Anschein, daß die Wirtschaftskrise zurücgeht.( Unruhe.) Wir haben eine Senfung der Arbeitslosenziffer festzustellen. Aber ein schwerer Kampf mit den Unternehmern steht uns noch bevor. Dar über müssen wir uns flar fein. Berlorene Pofitionen müssen wieder. gewonnen werden.( Beifall.) 4 Die Diskussion war mehr als lebhaft. Während alle kommu nistischen Rebner ungehindert sprechen konnten, jetzte ein Hallo und höhnisches Gelächter ein, wenn ein Redner der anderen Richtung das Wort ergriff. Raum fonnten sie sich durchlegen. Das nennen die Moskauer: Einheitsfront. Nur Kritit, teine positiven Vorschläge. Sie bemängeln alles, was die Amsterdamer anfangen, wissen jedoch selber feinen besseren Weg. In äußerst häßlicher Weise wurde der Sein Frattionsvorsitzende der SPD.- Buchdruder angegriffen. Aufruf im Mittwochabend- ,, Borwärts" hatte es den Quertreibern befonders angetan. Als er sich auf Berlangen der gesamten Ber. fammlung rteidigen wollte, fetzte ein Gebrüll ein, daß er darauf Derzichtete, aumur noch ein Wort zu reden. Beantragt wurde, den Rollegen Hermann wegen feines Artikels im Vorwärts" aus dem Berbande auszuschließen. Dann wurde folgende Resolution verlesen: Die am 25. Januar vom Gauvorstand einberufene und zahlreich befuchte Erwerbstofenverfammlung der Berliner Budbruder erwartes vom Bauvorstand, daß er die arbeitenden Kollegen auffordert, nach acht Stunden Arbeit den Betrieb zu verlassen, um dadurch zu be wirken, daß arbeitslofe Kollegen eingestellt werden und der Arbeitslosennachweis entlastet wird. Zur Abstimmung tam es nicht mehr. Die Zeit war inzwischen bis 26 Uhr vorgeschritten, weshalb ein Bertagungsantrag angenommen wurde. Vorsicht bei Auswanderung. Die große Arbeitslosigkeit im Reiche verleitet viele Arbeit suchende zur Auswanderung. Als ein Land, wo deutsche Arbeiter leicht Lohnende Arbeit erhalten fönnen. wird vielfach die Türkei angefehen. Demgegenüber muß betont werden, daß die wirtschafte lichen Verhältnisse in der Türkei feineswegs zurzeit so liegen, daß deutsche Arbeiter dort ohne weiteres Arbeit finden. Im Gegenteil muß vor einem Arbeiterzuzug nach der Türkei auf das dringendste gewarnt werden, da die Auswandernden in den meisten Fällen nur der Arbeitslosigkeit und somit dem größten Elend preisgegeben sind. Ebenso sollten sich deutsche Arbeitslose ohne sicheren Arbeits verirag auch nicht nach Desterreich, Ungarn oder Rumänien begeben, wo infolge der stockenden wirtschaftlichen Berhältnisse sowieso eine empfindliche Arbeitslosigkeit herrscht. Auf jeden Fall feien aber Auswanderungsluftige auf das nachdrücklichste davor gewarnt, ohne gültige Reisedokumente in das Ausland zu reisen. Für organisierte Arbeiter und Angestellte muß als selbstverständlich gelten, fich durch Vermittlung ihres Berbandes über die Berhältnisse im Einwanderungslande vorher zu erfundigen. Einigung in der chemischen Industrie. Die feit dem 12. Deember fchwebenden Lohndifferenzen zwischen dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie und dem Fabrikarbeiterverband, Bahlstelle Groß- Berlin( Chemietartell), haben nach langwierigen Berhandlungen zu einer Regelung der Löhne bis zum 29 Januar geführt. Näheres im Bureau der Fabritarbeiter, Engelufer 24 25. Achtung, Kupferschmiede! Auch unsere Fachorganisation foll kt, wenn es nach den Köpfen einiger Phantasten geht, nach den Richtlinien der Münzstraße revolutioniert werden. Sie soll, wie es in einem Schreiben der„ Oppofition" an andere Ortsverwaltungen int Reiche heißt, der Grundstein zu einer revolutionären Industrie organisation der Metallarbeiter werden. Diese Einstellung zeigt fo recht die geistige Verfassung derjenigen Personen, die sich anmaßen, eine Gewerkschaft, die als Fachorganisation ein Beispiel innerer Ge fchloffenheit darstellt, zu zerstören. Wie die Mehrheit der Berliner Rollegen tatsächlich denkt, ist jetzt durch die Neuwahl der Ortsverwaltung durch Ur. wahl festgestellt worden. Die Opposition hat sich überhaupt nicht an der Wahl beteiligt Aber auch ohnedies hat sich deutlich gezeigt, baß der Anhang der„ oppofitionellen Gruppe nur einen verjamin. bend fleinen Bruchteil der Gesamtmitgliedschaft darstellt. Die jetzt in unserer Organisation eingetretene Klärung und Scheidung gibt uns die Möglichkeit, uns zu tonjolidieren, in unseren Mitgliederversammlungen wieder prattische Arbeit zu leisten. Das Bewußtsein, mit innerer Geschloffenheit, mit einheitlichem Willen nach einem einheitlichen Ziel zu streben, schafft die Grundlagen posi tiver Gewerkschaftsarbeit im Interesse der Kollegen, zum Besten der Gesamtorganisation. Darum, Kollegen, sorgt für zahlreichen Besuch unserer nächsten Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 30. Januar. Die Schultheiß- Bazenhofer Brauerei A.-G. teilt uns auf Wunsch des Vereins der Brauereien Berline und der Umgegend mit Bezug auf die mehrfaden Terrorismus Notizen berichtigend mit, daß die Anzeige beim Schiedsgericht wegen der Unteritügung, welche wir unseren Arbeitern und Angestellten burch die Gratislieferung von Lebensmitteln in der Beit der Geldentwertung zugewendet baben, von dem Berein der Brauereien Berlins und der Umgegend gegen uns erstattet worden ist, und daß der Antrag bierauf bei dem genannten Verein von mehreren Berliner Brauereien gestellt worden ist, denen sich die Engelhardt. Brauerei erit ipäter angeschlossen hat. 3m Saarbrüder Buchdruderstreit hat der Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch gefällt, nach dem die Arbeit heute wieder aufgenommen und über die strittigen Fragen verhandelt wer den soll. Dieser Schiedsspruch ist von den Buchdruckern abgelehnt worden. Der Streif geht weiter. Es handelt sich in erster Linie um den Grundsatz des Achtstundentages. Betriebsräteschule. Seute abend 6 Uhr begir nt im Befefaal bes Lebigenheims, Schönstedt ftrag. 1, ein Rufus unter Führung von Genoffin Dr. Gertrud Schönen. bed über die Entwidlung des deutschen Wirtschaftslebens im legten Jahr. hundert. Anmeldung 8immer 86. BSPD.- Holzarbeiter bez brei Often- Bezirke, Norboften und öft. liche Bororte! Am Mittwoch, ben 30. Januar, abends 7 Uhr, findet im Lokal von Neumann, Schreinerftr. 13, Ede Samariterſtraße, eine Bersammlung ftatt. Die Rommiffioramitglieder sowie Generalver fammlungsbelegierten und Ersagmänner werden bringend gebeten, zu erfcheinen. Pflicht jedes Rollegen ist es, au erfcheinen und mit uns fympathifierende Rollegen mitzubringen. Berbands- und Parteimit. gliedsbuch legitimieren. Der Werbeansschuß. Angestellte, Bertmeister und Techniker in ber Tegtilinbustrie. Seute abenb 7 Uhr öffentliche Berfammiung in den Musikerfälen, Raifer- Wilhelm- Str. 31. Lohnabbau und Arbeitszeitverlängerung. Bollzähliges Erscheinen wird er wartet. 8. b. A. Deutscher Solzarbeiter- Berbanb. Mulinrumentenarbeiter. Morgen, im Lotal 8um Schultheiß, Sasenheide 22/31. Entlassungsbescheinigungen find mitzubringen. Rupferschmiebe. Morgen, Mittwoch, abenb 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Goal I bes Gewerkschaftshauses. Mittwoch, mittag 1 Uhr, Bersammlung der Ausgefpeesten per a m Berantwortlich für Bolitif: Craft Reuter; Wirtschaft: 3. B.: Craft Renter: Gewerffchaftsbewegung: F. Eglorn; Feuilleton: R. B. Döjdhez; Lofales und Sonstiges: Fris Ratstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68., Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. WELTBEKANNTE BATSCHARI QUALITÄTSMARKEN Koch& Leeland tonangabend in der Mode fr elegante Damen- und Herren- Bekleidung Eurberry. Gabardine, Velours de lalne Meter 6.- 8,- 10, Sertraudtenstr. 20/21 Segn 1893 Fiat White Star PUHONNY Eden Nr. 47 � 41. Jahrgang dkenstag, 29. Januar 192» Ist öas Muttersthutz! Vor kurzem wurde eine Hausangestellie wexen Kindeslötung verurteilt. Der Sachverhalt war kurz folgender: Tie Angeklagte hatte sich in ihrer Heimat in einen jungen Schlächter verliebt und war, als sie sich Mutter fühlte aus Scham nach Berlin gefahren, wo sie Stellung bei einer wohlwollenden Hausfrau fand, die sie bis zum Tage vor ihrer Entbindung im Haufe behielt. Inzwischen hotte de? Bräutigam, der ihr anfänglich die Ehe versprochen hatte, immer kühlere Briefe geschrieben und dem Mädchen schließlich mit dem berüchtigten Einwand, daß sie mehrere Liebhaber gehabt habe, ge- droht. Ende September schenkte die Angeklagte in einer öffentlichen Frauenklinik einem Mädchen dos Leben. Nach zehn Togen wurde sie aus der Anstalt er.llassen. Sie wollte in die Heimat zurückfahren, da«fuhr sie am Bahnhof, daß die Fahrkarte 4 Milliarden kostet«: sie hatte aber nur 300 Millionen:.mir wurde ganz schwarz vor den Augen/ berichtete sie..stundenlang irrte ich mit meinem Kinde durch die Straßen. Da kam ich an den Kupfergraben. Ich sah das Wasser und ich scheuderte. ohne zu wissen, was ich tat, die Kleine in die Spree. Ich fetzte mich während der Nacht auf die Straß«.. Das Gericht erkannte auf die hohe Strafe von lYs Jahren Gefängnis und verweigerte der Angeklagten sogar mildernde Umstände. «eil nach seiner Ansicht die Angeklagte zuerst sich an eine Mutter- schutzstelle oder an die Dienstherrin hätte wenden können.— Di« Schult des Mädchens steht außer Zweifel. Die Tat ist grausig und nicht alltäglich. Aber ganz typisch und alltäglich ist das Schicksal dieser sungen Mutter: der Verführer verspricht ihr die Ehe, dann Läßt er sie im Stich, um sie schließlich in gemeiner W-nle zu verdächtigen tind zu bedrohen: eine gutmütige Frau nimmt sie zwar in Schutz, vermag ihr aber aus Unkenntnis nicht den Wen zum Vormund- schaftsgericht zu weifen: in der geburtshilflichen Klinik wird sie nach allen Regeln der hohen ärztlichen Kunst— womöglich mittels einer vollendet und höchst erfolgreich ausgeführten Operation— entbunden und gepflegt: und dann wird sie— entlassen: ohne Mittell, ohne sicheres Ziel, ohne irgendein« Gewähr für ein« gesicherte Unterkunft auch nur für die kommend« Woche. Das Gebäude unserer öffentlichen Jugendfürsorge ist nicht vi ll- endet: es fehlt ihm ober vor allem dos Fundament: vieles ist aufs beste geregelt, aber immer erst von einem Augenblicke an, der eben oft das Kind zu spät soder gar nicht mehr) zu erfassen gestattet; die Fürsorge muß spätestens am Tag« nach der Geburt einsetzen, am besten und sichersten schon während der Schwangerschaft. Daß eine unter den heutigen Verhältnissen recht befriedigend« Lösung der Frage möglich ist, zeigt die Schwangerenfür» sorg« stelle im 17. B ezirk Berlin- Lichtenberg, die seit bald vier Jahren besteht und durch die bisher weit über 3000 Schwangere. hindurchgegangen sind; der Mehrzahl dieser hat die Fürsorgestelle mit Rat und Tat beigestanden, Hunderten von ledigen Müttern aus bitterer Not geholfen und zweifellos vielen Kindern die Erhaltung des Lebens ermöglicht und oft' überhaupt«rst ge- Wonnen. Hegen Lebensmittelvertrieb öurch Reichswehr. Aus unserem Bericht über die letzte Stadtoerordnetensstzung wissen unsere Leser, daß d e r N« i ch s l ait d b u n d d u r ch B er, W i t t l u n g der Reichswehr die Bevölkerung Berlin» mit Lebensmitteln versorgen will. Der Mogi- scrot hält dieses unter dem Titel„Nowersorgurig' aufgestellte Projekt für unterstützcvswert und will es dadurch fördern, daß er Bureau- und Verkaufsräume unentgeltlich hergibt und auch ein« Bürgschaft bis zu 500 000 Goldmark übernimmt. Aber in der Stadt- verordneienversammlung hat er wenig Gegenliebe gefunden. Gegen diesen Plan wandten sich auch die Vorstände des Landes- Verbandes Berlin-Brandenburg des Deutschen Nahningzmitlelgroß- Kandel» und des Verbandes Berliner Kaufleut« der Kolonialwaren. branch« in einer Konferenz, die sie für die Vertreter der Presse oer. onstalleien. um ihnen ihre Stellungnahme mitzuteilen. Daß die Organisationen des Nahrungsmittelhandels die geplante .Notversorgung' nicht mit Beifall begrüßen wurden, konnte man ohnedies wissen. Aber auch das weiß man, daß diese lStaSdruck durch Mallk-verlas, BerNn.) Der Bürger. von lleonhorö Krank. Unterdessen trat beim Schaller ein Pclerinenkünstler van einem Fuße auf den anderen, rastlos wie ein Mensch, der ein natürliches Bedürfnis besetztseinshalber meistern muß, und beobachtete, wie Herr Hohmeier das Taschentuch erst mit emem großen Hausschlüssel, dann mit dem Löschblattbügel beschwerte. Und als er endlich nach der Adresse seines Freundes fragen konnte, erfuhr er. daß die Polizei selbst schon lange nach diesem Kunstmaler Ferdinand Wiederschein fahnde. „Wir haben herausbekommen, daß dieser Maler seit vielen Wochen jede Nacht in einem anderen Bett schläft. In- dem er nämlich jeden Morgen sein Handtäschchen wieder mit- nimmt und sich, wenn die Schlafenszeit herannaht, ein neues Unterkommen sucht für die Nacht... Der meldet sich nicht einmal an bei uns/ Cer Diener entleerte den Neun-Uhr-Kohlenetmer in den allen eisernen Füllofen, auf dem Eva. schon rotglühend. Adam den rotglühenden Apfel reichte. Des Künstlers Gelächter knallte durch das Bureau. „Da gibt es aber nichts zu lachen. Das ist eine ernste Sache. Wenns alle so machten, welch eine Unordnung hätten wir dann hier/ Herr Hohmeier redete noch vor sich hin. als er schon dabei war. das Taschentuch schneuzfertig über die ge- spreizten Finger zu hängen, wie ein Zauberkünstler, der fragt: .Wohin soll ich das Goldstück oerschwinden lassen? Wahrend der Besperviertelstunde sammelten sich viele Leute in dem dunklen Wartezimmer an. Die Beamten aßen ruhig weiter, ungestört vom Leben, das nur bis zum Schalter- fenster herankam. �, Die Ungeduldigen hüstelten, scharrten mit den Füßen, klopften endlich an das Schiebefenster. Der ganze Schalter- räum stand voll Menschen. Und als die Uhr Viertel elf schlug und Herr Hohmeier zum Schalter trat, stellte es sich heraus, daß einige wieder gegangen waren, und die gebliebenen neun Auskunftssuchen- den unter Buchstaben C bis G fielen und somit Herrn Höh- meier unterstanden. Der fragte freundlich, wer zuerst dagewesen sei. Darüber «ntstand Streit. Biele waren zuerst dagewesen. Da drückte[ ein schwarzer Kohlenhändler alle anderen in die Ecken und■ Kreise das Unternehmen aus ganz anderen Gründen ablehnen, als die Linke der Stadtverordnetenversammlung. Die Händler sehen bereits das Gespenst der Kriegswirtschaft, zu der man mit der„Not- Versorgung' zurückkehren wolle. Die sozialdemokratisch« Stadtoerordnetenfroklion hat sich gegen das Projekt ausgesprochen, weil sie dem vonden Agrariern kommen- den„Gelchenk' nicht traut. Unser Redner in der Stadt- verordneten Versammlung äußerte die Vermutung, daß die Agrarier fürchten, mit ihren aufgespeicherten Lebensmitteln sitzen zu bleiben, und daß sie nun das Wehrkreiskommando III vor ihren Karren spannen. Ob übrigens in tcr von den Vorständen der Händler- organifationen veranstalteten Konferenz die Vertreter des Handels über die Vorgänge in der Stodwerordnetenverfammlung ganz genau unterrichtet waren, blieb zweifelhaft. Wir stellen nochmals fest, daß die sozialdemokratische Fraktion samt den Kommunisten und den Demokraten sich für fofortige Ablehnung aussprach. Den Versuch der Deutschnationalen, die Sache in einen Ausschuß hinein- zubugsieren, unterstützte die Deutsche Volkspartei. Als die Aus- fchuhüberweifung abgelehnt wurde, widersprachen die Deutschnationalen der sofortigen Vornahme der zweiten Beratung und verhinderten eine rasch« Erledigung. SozialüemokratischeStuöentenvereinigung Oeffeolliche Versammlung Mittwoch. Z0. Januar, abend, 6 Ahr. in der Aula de» Aratrösischeo Gymnasium», Reich»tag».Lser. Vortrag des Schriftstellers Heinrich Slröbel über: Deutschlands Krise und die deutsche Sozialdemokratie. Der Bezirksvorstand der BSpv. Berlin». Nicht MorS, sonöern Totschlag. Da» Urleil gegen Goldbackz-Zahnke. In dem Mordprozeß Goldbach. Jahnk« erklärte da» Gericht die beiden Angeklagten de» Totschlagsversuchs schuldig und erkannte auf vier Jahre Zuchthaus gegen G o l d b a ch und sechs Jahr Zuchthaus gegen I a h n k e. als Zusatzstrafen zu den drei Iahren Zuchthaus, die jeder von ihnen für unbefugtes Waffentragen bereits neben dem Todesurteil vom Schwurgericht erhalten haben. Das Urteil gegen Goldbach und Jahnke ist sofort mit der Verkündung rechtskräftig. Es ist gefällt von der Strafkammer laut Verordnung des Iustiznrinisters Emmmger vom 17. Dezember v. I. im beschleunigten Verfahren— ohne Voruntersuchung. Eröffmmgsoerfahren. Anklage- schrift— als erste und letzte Instanz. Die den Angeklagten zur Lost gelegten Handlungen sind berells Gegenstand der Auseinandersetzung vor den Geschworenen gewesen und haben damals mit zum Todesurteil beigetragen. Weshalb diese Fälle auch damals nicht zur Aburteilung gelangt sind, obgleich sie spruchreif waren, bleibt das Geheimnis der Staatsanwallflchott. Ebenso wie der Umstand, daß st« gerade vor die außerordentliche Strafkanuner gebracht worden sind, gegen die es keine Rechismittel gibt, und ausgerechnet am 28. Januar, wo die Strafkammern bereits am 31. Januar zu eristicren aufhören. Damit ist die Staatsanwalt. schast sogar über Emminger hinausgegangen. Sie hatte felbstver- ständlich nicht Derbrechen im Auge, die bereits zwei Jahre zurück- liegen. Das ist dir eine Seit« der Frage. Di« andere betrifft das psychiatrische Gutachten. In der Schwuvoerichtsvcrhand- lung— ob durch die Schuld der Prozeßführung oder der Berteidl- guna fei dahingestellt— blieben hinter d»r Wucht der Untat die Persönlichkeiten' in ihrer psychischen Konstitution und als soziales Produkt ün Dunkel. Dieses Mal wurden sie in die richtige Be- leuchtung gerückt. Der Kaivps konzentrierte sich um die Frag« der Verantwortlichkeit im Sinne des§ 51. Mußte der Paragraph angewandt werden, so hätte seitens der Strafkammer «in Frcispruch erfolgen müssen, und wäre auch der Geschworenen- fpruch um lo anfechtbarer geworden. Die Gerichtsärzte Dr. Thiele und Dr. Goldfchmiöt sorachen'sich für eine geistige Minder- Wertigkeit aus. Dr. Iuliusdurger iireb Dr. Pinner bezweifeln die Zurechnungsfähigkeit. Dos Gericht ist den Ausführungen der letzteren nicht gefolgt. Zu verstehen ist aber die psychopathisch« Perfönlichkeit und die Tat d» Angeklagten nur aus den sozialen Mißständen heraus. � Beide Angeklagten. Freunde, die miteinander durch dick und dünn gingen, vollführen verlangte die Adresse einer Familie, die umgezogen sei» ohne vorher die Kohlenrechnung bezahlt zu haben. Während Herr Hohmeier mit dem Zeigefinger die Fächer des Regals nach dem Personalakt abtippte, den Akt nicht fand, setzte der Streit im Schalterraum von neuem ein. Schließlich vereinigte der Zorn alle Streitenden gegen die Beamten. Wieder dachte Seidel darüber nach, ob außer ihm wohl noch ein Mensch auf der Welt durch so eine teuflische Kleinig- kett wie die. daß es nur wenige Namen mit dem Anfangsbuchstaben Ppsilon gab, daran verhindert sein würde, sich auszuzeichnen und vorwärtszukommen. Herr Hohmeier trat noch einmal zum Kohlenhändler, fragte ihn. ob er den Namen denn auch richtig aufgeschrieben Hab. Alle schimpfte», streckten die Zettel durch das Schalter» loch. „Sie erlauben, Herr Hohmeier, daß ich Ihnen helfe/ Seidel sammelte die Zettel ein. „Nein, ich kann das nicht erlauben. Bitte sehr, Herr Seidel, ich erlaube das nicht... Es sind meine Buchstaben.' Die Wartenden schrien dazwischen. Der Bureauvorsteher, der von dem Tumulle aus feinem Besperzimmerchen heraus- gelockt worden war, verfügte, daß die beiden sungen Herren dies eine Mal mithelfen sollten.„Ausnahmsweise!" Unter unheilvollem Schweigen des bleichgewordenen Herrn Hohmeier wickelte sich das Geschäft jetzt glatt ab. Herr Hohmeier war nicht fähig, zu arbeiten. Ein unge- heurer innerlicher Aufruhr machte ihn blind. Die beinahe immer gegenwärtige Vorstellung, daß er sich am Tag« seiner Beförderung eine goldene Brille kaufen und nach der über- nächsten Beförderung sich mit dem neben ihm gealterten Mädchen einstweilen wenigstens verloben werde, schob sich auch jetzt hartnäckig in den Vordergrund. Immer wieder sah er sich, goldbebrillt, vor»em Trmialtare stehen. So daß über ein-' Stunde vergangen war, bevor er geiunden hatte, was Seidel endlich einmal klar und deutlich gesagt werden müsse. „Der sehr bedauerliche Borfall von vorhin bedarf dringend der Llusklärung. Ich, meinerseits, muß Ihnen sagen, daß in diesem Bureau ein Sichoordrängen— ich könnte mich auch noch scbärser ausdrücken— nichts nützt..." „Und ich muß Sie bitten, mich nicht bei der Arbeit zu stören." .. denn wenn alle Beamten hier in diesem Bureau gewissenhaft ihre Pflicht tun— und das kann als sicher an- genommen werden—, so daß keiner entlassen wird, werden Sie, Herr Seidel, in acht Jahren an meinem Pulte sitzen und i zufaimnen ihr erstes Verbrechen, 17jähng, vertun gemeinsam das Geld in Dielen in Alkohol und Kokoim Beide fetzen trotz gewährten Strafaufschubs ihr liederliches Leben fort kommen in die Für- s o r g e a n st a l t: der eine brennt nach zwei Tagen durch, der ander« ist schon über 18 Iabre all und kann nicht mehr hin. Golbach ist Sohn eines am Suff moralisch und physisch zugrunde gegangenen tuberkulösen Gutsverwalters. Seine Geschwister tuberkulös, em Bruder vorübergehend geisteskrank. Jahnke ist uneheliches Kind einer Frau, die sich ins Wasser gestürzt hatte aus Borzweif- lung, daß der Vater des zukünftigen Kindes ste verlassen hat. Unter Entbehrungen hat sie den Sohn, fo gut sie konnte, großgezogen. Beide Angeklagten sind groß geworden zu einer Zeit, wo menschliches Leben nichts w-rt, Umgang mit Waffen � ein« Selbswerständ-ichkect war, schon als Kinder im Schießgewshrgebrauch sich übend, beein- flußt von der Schundliteratur, mit'ihren Gehirnen voll phantastischer Projekte geplanter Merikofahrten. So verwandeln sie Berlin in Wildwest. Unstet in der Arbeit, schließlich arbeitsscheu, gehemmt in ihrer geistigen Entwicklung, stupide, sind sie ebenso wenig in der Lage, die Folgen ihrer Handlung zu erfassen wie auch die ganze Tragweite des Richterfpruchcs. Die am Abend ihrer Tat zu sich genommenen ungeheuren Mengen Alkohol mußten bei diesen Psychopathen, die Alkohol schlecht vertragen, alle Hemmungen lösen. So erklärt sich ihre Schießerei. Opfer unserer Zeit, und doch beide gemeingefährlich im höchsten Grade, vielleicht ab«r noch einer verständigen Erziehung zugänglich. Daß sie isoliert werden mußten, unterliegt keinem Zweifel, ob sie aber das Zuchthaus gebessert oerlassen werden, ist eine Frage, die man leicht mit einem„Nein" beantworten kann. Kaisergeburtstagsfeier oder Kais erkrönungSfeicr. Am Sonntagmittag zogen, wie uns berichtet wird, bunt ausstaffierte Studentenvertretungen über die Linden in di« Neue Aula der Universttät. Besonder» interessant war, daß der Rektor der Universität, Gustav Raethe, ongetan mit Mantel und Kette, den Zeichen des Rektors, sich durch ein Auto von der Universität zur Neuen Aula bringen ließ, um der Feier durch fein« Anwesenheit offiziellen Charakter zu geb-n. Es handelt sich noch der deutsch- nationalen Presse um ein« ReichsgründunHsfeier des Akademischen Turnbunde» Berlin, in d«r Universität sprofessor Dr. Hübner die„Erweckung des Wehrgeistes und Ehrgeistes zur Cr- Neuerung des gestörten deutschen Staatsbaues' forderte. Es wird ober fchon fo fein, daß man Reichsgründungsfeier sag« und Kaiser. krönungsfeier meint und auch, da sowieso der 27. Januar war, stillschweigend gleich den Geburtstag Wilhelms II. mitfeierle. Ucbrigens scheint ie an diesem Tag« auch der ehemalige Kronprinz in Ocls nicht ausgeholten zu haben, denn«r feierte in Potsdam mit seinen Brüdern und dem Herrn Feldmarschall v. Hindenburg — der alte Herr in seiner gestickten Galauniform— den Gebuntstog seines Daters._ Ein reaktionäres Bezirksamt. Mit Radelstichpoli'ik, mit Schikanieren in Kleinigkeiten glaubt« man früher zu Wilhelms seltgen Zeiten die aufsteigende Arbeiter- bewegung niederhalten zu können. Das Verweigern von Räumen. Turnhallen, di« Erschwerung jeder kulturellen Arbeit, war früher an der Tagesordnung, Man sollt« meinen, daß dieser Geist wenig- stens in Berlin jetzt überwunden fei. In Dchöneberg scheint allerdings von neuem Geist noch nichts zu spüren zusein. In ollen Berliner Bezirken wird der A r b« i ts g« m e i n- fchaft der Kinderfreund« ruhig die Benutzung von Schul- räumen««stattet, in Schöneberg findet man das nicht für nötig. Das reaktionäre Verhalten des Bezirksamtes kam in der letzte� Bezirksversammlung zur Sprache. Trotz des eingehend begründeten Protestes unserer Genossen blieben die bürgerlichen Pari t e ie n dabei, das willkürlich« Borgehen des B e zi r k s- omtes zu unterstützen. Eine öffentliche Versammlung, die heute, Dienstag abend, in der Schule, Belziger Straß« Eck« Eise- nocher Straß«, statffindet, soll zu diesem Vergehen Stellung nehmen. Sie wird auch den bürgerlichen Parteien zeigen, daß ihr« kleinliche Politik auch in Schöneberg unsere Bewegung nicht hemmen kann. Bcitragsabbau bei den Krnnkcnkasien. Zu der uns aus Krankenkcssenkreifen gemachten Mitteilung(in Nr.'12) über di- Sanierung der Ortskrankenkassen schickt un» noch der Betriebsrat der Allgemeinen Ortskrankenkasse Charlottenburg ein« Zuschrift, in der er ausführt: Daß die Allgemeinen Oriskrankenkassen, sobald die Geld« in zwölf Jahren am Pulte des Herrn Ank... Unterdessen werde ich an Herrn Anks Pult gesessen haben. Herr Ank au des Herrn Bureauleiters Pult. Und der Herr Bureaule'ts? wird, seinen Dienstjahren entsprechend, eine höhere Stelle in einem anderen Bureau einnehmen... Es gibt in diesem Gebäude sehr viele Bureaus, die wir zu durchlaufen haben, che wir pensioniert werden. Ein Durchbrechen dieser Ordnung gibt es nicht. Das wollte ich Ihnen gesagt haben." Bebenden Mundes ging er an sein Pult zurück. Und Leo Seidel, der schon am Anfang dieser plastischen Darstellung sich gesagt hatte, daß in einem Magistratsburcau das Wort„Freie Bahn dem Tüchtigen" ganz offenbar keine Gültigkeit habe, und daß somit ein schnelleres Vorrücken nahezu ausgeschlossen sei, schrieb noch am Abend desselben Tages peinlich sauber sein Entlassungsgesuch. , Die meterlange Tabakspfeife wie einen Ostiziersdegen geschultert, kratzfutzt« der Korpsstudent Karl Lenz abgehackt und streng vor seinem früheren Schulkameraden Jürgen und fragte ihn, welchem Korps er angehöre. „Ich studiere Philosophie, wie du weißt. Seit einem Jahre'/ sagte Jürgen stolz.„Einer Verbindung gehöre ich nicht an... Ich wollte Herrn Professor Lenz meinen Besuch machen." Der noch immer in steifer Berbeugung stehende Korpsstudent zuckte mit dem Kopf nach vorn, und seinem M"nd entfuhr, als er die Lippen öffnete, ein knallender Ton:„Ge- hören Sie nicht an?... Vor allem: Ibnen zur Kenntnis. daß mein Dater vor einer Woche zum Gcheimrat ernannt worden ist." Er machte lintsum und blickte, dem Gast den Rücken zugekehrt, paffend zum Fenster hinaus. Die wirkliche Welt um Jürgen versank. Alles naturliche Denken und Fühlen verschwand. Erst nach minutenlanger Pause sagte er:„Da gratuliere ich." � Der Student anwortete mit einer weißen Dampswolke. die an der Fensterscheibe hinaufstieg, rührte sich nicht. Und Jürgen saß plötzlich in einer glänzenden Studentengessllschati, statte ebenfalls eine grüne Mütze forsch im Nacken sitzen, das Couieurband schräg über der Brust. Alle trinken ihm zu. Er ist geehrt, geachtet, spielt eine Rolle. Kommt Karl Lenz und starrt ihn herausfordernd an. Jürgen starrt zurück. Und springt auf. Schweigen. Alle springen auf. Kartenwe�nel. Jürgen schlägt sich tadellos. Phinchen ist totenbleich vor Be- wundevung. Und die Tonte läßt sich den ganzen Vorgong er- (Fortsetzung folzt.) entwertung ein Enbe nähme, fofort einer Gesundung ent gegengehen würden, war jedem Kaffenprattifer ohne weiteres flar. Die Krankenkassen fonnten nicht leistungsfähig bleiben, folange die Beiträge mit vollständig entwertetem Gede eingezahlt wurden und andererseits die Ausgaben entsprechend der Gelbentwertung stiegen. Erst auf das unablässige Drängen der Rassen gestattete der Reichs. arbeitsminister die Einführung der Lohnlist enverrechnung, die ihnen die Möglichkeit der wöchentlichen Beitragsein. aiehung gab. Die Lohnliftenverrechnung brachte aber auch den weiteren Borteil einer beteutenben Bereinfachung der Ge. fchäftsführung. Die Rechnungsausschreibung wurde großen. teils überflüssig, der Meldeverkehr wurde für die Lohnliftenverrechner ganz aufgehoben und damit wurde ein bedeutender Abbau der Bureauträfte möglich. Man darf jedoch daraus nicht schießen wollen, daß vorher zuviel Angestellte vorhanden oder diese nicht genügend beschäftigt waren. Der Abbau wäre in dem felben Augenblid illusorisch, wo der Reichs. arbeitsminister feine Motoerordnung und damit Die Bohnlistenperrechnung aufheben würde. Die Rrantenteffen, auch die Charlottenburger Staffe, haben felbstverständ lich im Intereffe ihrer Mitglieder, sowie sich die Gesundung der Raffenfinanzen zeigte, mit tem Abbau der Beiträge be gonnen. Wenn dabei der Friedensstand noch nicht erreicht ist, so liegt bas lediglich daran, daß faft alle Ausgaben( Arzthonorar, Krantenhaustoften, Arzneien, Brillen, Verbandstoff und sonstige Sachleistungen) noch wesentlich, fogar bis zu 200 Proz. über dem Friedensstand stehen. Sobald auch hier eine Preisfenfung eintreten wird, werden sich die Kassen mit einem weiteren Abbau der Bei träge zu beschäftigen haben. Dem Betriebsrat erscheint ausgefchloffen, daß an einen weiteren Abbau der persönlichen Untoften( Gehälter) gedacht werden fern. Entlaffungen von Angestellten seien bis zur Grenze des möglichen bereits erfolgt und weitere Entiaffungen würden sich nur zum Schaden der Kassen und der Mitglieder auswirken. Ueber zu hohe Gehälter in den Krankentassen fönne auch nicht geflagt merten. Die Angestellten werden nach der Reichsbesoldungsordnung bezahlt, und es ist woht, fagt die Zuschrift, hinreichend bekannt, mit wie niebrigen Gehältern zurzeit die Angestellten in Staat und Ge meinden abgespeist werden. Im Durchschnitt beziehen die Angestellten der Krankenkassen die Hälfte ihres Friedenseinfommens. Die Stadtverordnetenverfammlung bat für ihre nächste Sigung ( Donnerstag 5 Ubr) ein fehr reichhaltiges Arbeitspenium. Auf der Tagesordnung sieben u. a. zehn Anträge berichiebener Fraftionen, auch der fommunistische Erwerbslofenantrag. In der vorigen Sißung fnüpfte fich an die durch den Widerspruch ber Deutichnationalen erzwungene Zurüditellung dieses Antrages eine errente Auseinandereinfegung im Saal und lärmender Tummelt auf der Tribune. Ein Kindesmord befchäftigt wieber bie Kriminalpolizei. Auf tem Grundstid Rönigsberger Straße 37 fand man im mü11. tasten die Leiche eines endroffelten neugeborenen Anaben. Eine Hutchnur hatte er noch um den Hals. Die kleine Leiche war in blaues Badpapier eines Schuhwarengeschäftes aus der Großen Frankfurter Straße eingewidet. Eine Filmoorführung der Sozialistischen Arbelferjugend bersammelte am Sonntag bormittag eine große Anzahl von Jugendgenoffen im Brater" in der Raftanienallee. Ter Nürnberg film Der Reichsjugendtag ber Arbeiterjugend in Nürnberg", ber leider viele technische Mängel aufweist, brachte nicht ganz das, was man erwartet batte. Noch einmal zogen die Nürnberger Tage, Maiffteine der internationalen Ar beiterjugendbewegung, an den Berfammelten vorüber. Genosse Werner Rüdiger sprach dazu begleitende Worte. Der Sob gebiras Film„ Aus der Welt des Sti" mit seinen herrlichen Natur aufnahmen entzückte das Muge der Beincher. Die Gefänge ber jugendlichen Genoffen Erich Klemm und Margarete Mallwis gaben dem Ganzen einen stimmungsvollen Rahmen. Der Film Die Schwimmkunft im Dienste der Nächstenliebe" zeiate manchen guten Rettungsgriff, während der Film Modernes Hüttenwert" uns mit bisher unbekannten technischen Dingen vertraut machte. Deutschlands innere Rrise ift bas Thema einer öffentlichen und gebung der Deutschen Friebensgesellschaft mit den Rednern Seinrich Ströbel, Senatspräsident Freymuth, Gerhard Seeger am Dienstag, den 29. Januar, abends 8 Uhr, in ben Sophiensälen, Sophienficaße 17/18. Eintritt 25 PI. Groß- Berliner Parteinachrichten. Der Bezirksvorstand beruft zum Sonntag, den 2. März, vormittags 9 Uhr, einen außerordentlichen Bezirksparteitag mit folgender Tagesordnung: 1. Die polififche Lage und der Kampf der Arbeiterflaffe. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Reichstagswahl. 3. Wahl der Delegierten zum Parteitag. 4. Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. Die Wahl der Delegierten zum Bezirksparteitag geschieht in den 2bteilungen, und zwar wählt jede Abteilung dieselbe Anzahl Delegierte, die für 1923 nach dem Martenumfalz festgefeht ist. Die mandatsformulare werden den Abteilungen und den fonftigen zur Teilnahme Berechtigten rechtzeitig zugehen. Das Tagungslotal ist auf den Mandalsformularen verzeichnet. Weitere Information erhalten die Funktionäre durch die Anfang Februar erscheinenden Mitteilungen". 99 * 8. Kreis Kreuzberg. Mittwoch, den 30. Januar, 7 Uhr, Funktionärkonferens bei Rabe, Fichteftraße. Bortrag ber Genoffin Tobenhagen über: Biele und Bedeutung der Arbeiterwohlfahrt." Alle Genoffen, bie in ber Bohlfahrtskommiffion oder sonst ehrenamtlich tätig find, müffen erscheinen. Die Mitglieder der Rommunalen Rommiffion treffen eine Stunde frilher. Mitgliebsbuch legitimiert. Bildungsausschus. Mittwoch, ben 80. Januar, 7% Uhr, Sibung in ber Suristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Wich tige Besprechung. 9. Kreis Wilmersdorf. Die Beiniger bes Mieteinigungsamtes treffen fich au einer wichtigen Sigung Dienstag, ben 29. Januar, nachm. 5 Uhr, bet Bieper, Hofficinische Str. 60. Erscheinen Pflicht. 17. Kreis 2idhtenberg. Werbeausschuß für Beamtel Mittwoch, ben 30. Ja. iruar, 7 Uhr, in ber Bibliothet, Beich felftr. 28, wichtige Befprechung über Organisations und Agitationsangelegenheiten. Erscheinen fämtlicher Kreis- und Abteilungsobleute sowie beren Stellvertreter ist Pflicht. Heute, Dienstag, den 29. Januar: 8. st. Die Bezirksführer, die ihr material sur Agitation noch nicht ab. geholt haben, werben erfucht, bies fofort beim Gen. Schilling, Ballasstr. 5, nachzuholen. Janasozialisten Gruppe Süben. 8 Uhr im Saal ber Juristischen Sprechstunde. Lindenste. 8, Borttag und Distuffion über das Thema: Sozialismus und Anarchismus." Gruppe Tempelhof- Marienborf. 7% Uhr Jugendheim Tempelhof, Enzeum, Germaniaftr. 4/6, Bortrag bes Genoffen Fromm. Morgen, Mittwoch. den 30. Januar: 5. 95. T½ Uhr Mitgliederversammlung in Saverlands Feftfalen, Reue Friedrichstr. 35. Thema. Die politische Lage. Referent: Gen. Briniger. 10. bt. 18 Uhr Mitgliederversammlung Gemeindeschule Alt- Moabit 23. Bortrag der Genoffin Bachenheim. 19. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung in der Aula ber grauen Schule Gothenburger Etc. Thema: Die Bolitik ber Partei." Referent: Gen. Dr. Zechlin. 31. bt. Mitgliederversammlung abenbs 7% Uhr in der Schulaula Schön. fließer Str. 7. Bortrag bes Genoffen Kurt Heinig. Erscheinen aller mit glieber bringenb notwendig. Mitgltebsbuch vorzeigen. Donnerstag, ben 81. Januar, Funktionärversammlung bei Goldschmidt, Stolpische Etr. 86. Die Rreisnertreter finb eingeladen. 35. bt. 7% Uhr im Saal der ehemaligen Germanicbraneret. Frankfurter Allee 313, Mitgliedervesammlung. Bortrag des Gen. Aufhäufer, M. b. R., fiber:., Die bevorstehenden Wohlen und unfere Bartei." 2. Distuffion. 8. bt. Tempelhof. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Genossenschafts. mirtshaus, Dorfftr. 51. Wichtige Tagesordnung. 109. bt. Friebrid shagen. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Schulz, Friedrich ftrake 81. Bortrag des Genossen Adolf Buschid: Die tommenden Mohlfämpfe 138. bt. Reinidendorf- Dft. 7 Uhr im Jugendheim Seebab, Refibenzftr. 49. Ritaliederverfammilung. 1. Bortrag des Gen. Hellmann, M. d. L., über: Die Aufgaben des Barteitages." 2. Wahl der Delegierten zum Bezirks tas und Stellungnahme zur Reichstagswahl. 187. st. Meinidendorf- West. 7% Uhr im Boltshaus. Scharnweberfir. 14, Mit aliederversammlung. Bortrag des Gen. Schlegel: Der bevorstehende Wahlkampf und die Aufgaben unserer Partei. Sympathifterende find eingeladen. GU Arbeiter- Sport 2 Kein Abbau der staatlichen Jugendpflege? Aufgaben ber Naturfreunde nichts In Berbindung mit dem Ermächtigungsgesetz wurde auf Antrag der Sozialdemokraten, der Demokraten, tes Zentrums und der Deut fchen Bolkspartei eine Entschließung angenommen, in der die Reichs. regierung ersucht wird, bei der notwendigen Einschränkung der Aus gaben des Reichs die große Bedeutung der Pflege der Stultur und Bolkswohlfahrt und der geistigen und körperlichen Jugendpflege für die Erhaltung der nationalen Kraft im Auge zu behalten und die diesen Zwecken dienenden Aufwendungen erst in legter Linie den Rücksichten der Ersparnis zu unterwerfen. Diefer löbliche Beschluß scheint aber bei den Finanzbehörden teinen besonderen Eindrud gemacht zu haben. Im Borjahre waren die aus dem Jugendpflegefonds den Bereinen bewilligten Gelder bereits jo minimal, daß bie große Arbeit der Berteilung fich nicht lohnte. Für das neue Jahr sind scheinbar überhaupt feine Mittel verfügbar. Und doch sollte wenigstens für die Jugend noch etwas übrig bleiben, damit sie über diese Zeit der Rot ohne allzu großen moralischen Schaden hinwegkommt. Arbeitslosigkeit und Unterernährung machen die Jugend hoffnungslos und treiben sie gar leicht auf die abschüssige Bahn. hier tönnen die Arbeitersportvereine Rulturarbeit zum Wohle der Gesamtheit leisten, wenn diese Gesamtheit ihnen finanzielle und ibeelle Unterstüßung gewährt. Diesen Mahnruf möchten wir auch an die Kommunen richten. So hat die Stadt Berlin die Turn hallen tosten für Januar gegenüber den Dezemberfäßen um hallentoften für Januar gegenüber den Dezemberfäßen um das Fünfzehnfache erhöht und für Februar ist eine Neuregelung" geplant, von der zurzeit noch nicht bekannt ist, wie sie aussieht. Wem es ernsthaft um das Wohl der Jugend zu tun ist, der unterstüße die Bereinstätigkeit auf dem Gebiet der Jugendpflege. Jugendamt und Hauptausschuß für Leibesübungen. Der Hauptausschuß für Leibesübungen unb Jugendpflege ist bekanntlich als Ortsausschuß im Sinne der amtlichen Jugendpflege anerkannt, und ist es daher erwünscht, daß zwischen ihm und den Jugendämtern in Groß- Berlin eine möglichst enge Fühlungnahme besteht, um Doppelarbeit auf ben in Betracht tommenden Gebieten zu vermeiden. In einer Besprechung beim Oberpräsidium wurde die Ueberfiedlung der Geschäftsstelle des Hauptausschusses in die Räume des Jugendamts beraten und dazu folgende Entschließung angenommen:" Die Erschienenen find barüber einig, daß bei einer llebersiedlung des Hauptausschusses in städtische Räume und bei Stellung von städtischem Personal für die Geschäftsführung des Hauptausschusses der lettere in feiner Selbständigkeit und gegen wärtigen Berfaffung voll erhalten werden soll. Insbesondere foll ihm das Recht der Wahl seines Borsitzenden gewahrt und Borforge getroffen werden, daß die Beschlußfassung des Hauptausschusses und seiner Organe unbeeinflußt durch städtische Organe, jedoch in engster Busammenarbeit mit diejen, erfolgen tann." Nach dieser Rege die Organisation hineingetragenen Gedanken die übrigens mit den zu tun haben Notwendigkeit erfannt zu haben, in diefer Organisation nur nach arbeiten. politischen Prinzipien au Das widersprach felbstverständlich der Auffassung der Gesamtmitgliedschaft, die sich rein politisch gesehen aus den verschiedensten Richtungen innerhalb der Arbeiterbewegung zusammenfezte. Das war der Urgrund des Konflikts in den Gruppen der Naturfreunde, alles andere war nur vorgeschoben, um den eigentlichen Sinn der Be strebungen, die Arbeit nach engen parteipolitischen Gesichtspunkten zu orientieren, zu verdeden. Viele unserer Genossen haben bis heute noch nicht diesen wahren Sinn des Geschehenen erfaßt. Sie glaubten durch Scheinerfolge und blendende Parolen irritiert endlich den Anfang wirklichen Borwärtsschreitens gefunden zu haben, und wurden fo unbewußt zu helfern engherzig partei dogmatischen Strebens. Diese Arbeit soll nun noch fortgeführt werden. Am Mittwoch, den 30. Januar, findet in der Aula der Schule Weinmeisterstraße 15 bie diesjährige General. versammlung der Ortsgruppe Berlin statt. Der Borstand mird hier den Mitgliedern sicherlich mit guten Gründen Rechenschaft ablegen über feine letzten Maßnahmen zur Wahrung aller Organi sationsbeschlüsse. Die feinerzeit getätigte Auflösung und Neugründung der Abteilungen wird noch manche famipfluftige Gegner auf ten Plan rufen. Auch unsere Genoffinnen und Ge. noffen haben die Pflicht, endlich ihre Baffivität abzustreife und hier ihre Grundfäße für die fünftige Arbeit festzustellen ur bei den Neuwahlen zum Vorstand für jene zu entscheiden, die nach ihrer Meinung einzig geeignet sind, der vorgezeichneten Arbeitslinie zu folgen und somit der Organisation wieter die alte Lebensfriste zurüdzugeben, die einzig im Interesse des Gesamtproletariats wirk. fam zu fein vermag. Jiu- Jitsu- Meisterschaffen. Fich Am Sonntag brachte die Sportt. Bgg. Norb.Dft 06 vor überfülltem Hause ihre diesjährigen Bereinsmeisterschaften im Jiu- Jitsu zum Austrag. In fämtlichen Gewichtstlaffen wurden harte und zum Teil technisch außerordentlich gute Kämpfe ausgetragen. Man fonnte insbesondere auch beobachten, daß die Jiu- Jitsu Kämpfe eine außerordentliche Leistungsfähigkeit des Körpers erfordern. Diejenigen, die sich bei einem derartigen Jiu- Jitsu- Wettstreit an erster Stelle plazieren wollen, müssen über eine eradezu unverwüftliche Ausdauer verfügen. Sehr anschaulich wurden die Kämpfe durch eine Borführung des Jiu- Jitsu als Straßenverteidigung unterbrochen, bet ber Steinte an seinem riesigen Partner Gillert demonstrierte, daß felbft Beute mit Bärenfräfen einem einfachen Jiu- Jitsu- Trid geren über machtlos find. Die Veranstaltung bildete für den Jiu- JitsuSport eine gute Bropaganda. Nachstehend die Resultate: Sugenbklaffe: 1. Bildebronb, 4 Glege in 8 Min., 2. Baul, 1 Gieg in 18 Get. Febergewicht: 1. Gallowsty, 8 Siege in 8 Min., 2. Begelow, 2 Siege in 15 min., Günther, 1 Sieg in 1 min., 4. Wolf, 1 Gieg in 6 Min. Leichtgewicht: Atawezat, 4 Siege in 16 Min., 2. Eups, 3.Glege in 11 Min., S. Serzog, 2 Siege in 9 Min. Mittelgewicht: 1. 8iegler, 5 Giege in 4 min., 2. Röhler, 8 Giege in 17 min., 3. Ragel, 2 Siege in 12 Min. Die Rämpfe im Schwergewicht find auf einen späteren Zeitpunkt verlegt worden. lung steht zu hoffen, daß in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen. städtischer und staatlicher Jugendpflege wesentlich vereinfacht und gefördert wird. Schauschwimmen. Der Berliner Schwimmverein Freiheit", der am Sonntag im Stabibat Prenzlauer Tor ein Schaufchwimmen veran staltete, hatte ein gänzlich ausverkauftes Haus. Waren doch allein über 550 Personen als Gäste anwesend. Mehr als 250 Meldungen lagen ver, und außer den beranstaltenden Bereinen beteiligten sich aus ine Bereine und zehn aus Groß- Berlin. Das Fest wurde mit er Internationale eingeleitet, eine Echwimmerin sprach, im Wasser liegend, einen Prolog, und nach dem allgemeinen Aufmarsch folgte ein Damenreigen, beren acht Teilnehmerinnen dem Verein Freiheit" angehörten. Das abwechslungsreiche Programm, es wurden sämtliche Schwimmarten, auch Gruppen- und Schau springen, gezeigt, fand den freudigsten Beifall. Mit größtem Inter. effe folgte man dem Männerfchwimmen über 10 Bahnlängen, während die Schullager stafette etwas Neues darstellte, ba fie nur nach der Ausführung gewertet wurde. Ein Ruderverein tellte die Festmusit. Die Arbeiterschwimmbereine haben während der Wirtschaftskatastrophe( die ja freilich noch nicht überstanden) gut durchgehalten, und zurzeit haben sie, ba infolge der Stabili fierung der einzelne wieder redynen tann, starte Zunahmen zu buchen. Die Bereine haben auch derartig niedrige Eintrittspreise, baß es wohl jedem vergönnt ist, die Mitgliedschaft zu erwerben. Und der glänzende Berlauf der Schauschwimmen gewinnt den Ar beiter- Schwimmvereinen und zugleich dem Arbeitersport immer neue Freunde. Resultate.( Bahnlänge 24 Meter.) Männerftafette bet. 4 mal 2 Bahn: 1. Revföln 213, 2. Union 21. Befähigungsschwimmen, Bruft, 2 Bahnl. bel. a) Mäbchen: 1. S. Geitner 58, 2. Betrids 1; b) Anaben: 1. R. Geitner 47, 2. Zante 512; c) männl. Jugend: 1. Tante 46, 2. Gahr 47: d) Damen: 1. E. Schwarz 584, 2. Raftbrenner 54; e) Männer 1, Finis 471, 2. Saaie 48. Seite: a) Rnaben: 1. Geitner 45, 2. Schochardt 50; männliche Jugend: 1. Sagen 43, 2. Lauterbed 43'; Männer: 1. Michaelis 41, 2. B. Kühn 442; Rüden, Rnaben: 1. Geitner 51, 2. Tante 54; männliche Jugend: 1. 9. Tante 45, 2. Echochardt 49; Damen: 1. Rodel 56, 2. Raltbrenner 573; Männer: 1. Broigmann 54, 2. Naumann 54; Sülh, Knaben: 1. Geitner 471, Schochardt 551; männliche Jugend: 1. R. Tante 41, 2. Betrids 45; Männer: 1. Gebhardt 353, 2. Larga 43. Rombinierte Stafette, 6 mal 2 Bahnl., Brust: 1. Neuföln 453, 2. Charlottenburg 454; Edwimmen bel. 2 Bahnl.: a) Rnaben: 1. Meilfreit Neutölln 38, 2. Machran 301; b) Jugend: 1. Rutschtau- Charlotten burg 334, 3. Frohn- Neukölln 342; Damenridenschwimmen, 4 Bahnl.: 1. Faltner Borwärts- NO. 1,39, 2. Zuchtenhagen- Freiheit.42; Männerfchwimmen. 10 Bahnl. bel.: 1. Dahle- Neutön 8,30, 2. Dietfchte- Reukölln 3.36; Damenftafette, Brust, Seite, Rüden 3 mal 2 Bahni.: 1. Reufölin 2,38, 2. Freiheit 2,40; Cier. löffelfchwimmen: 1. Geitner 604, 2. Greiber 1,02: Schullagenitafette, 4 mal 2 Bahnl.: 1. Union 87 Punkte, 2. Neukölln 86%: Stredentauchen: 1. Schröter. Beißenfee 48 Meter. Jugend- Wafferball: Freiheit- Borwärts- RO. 8: 2; Männer- Wafferball: Freiheit- Wittenberge 8: 1. Der Konflikt im T.-W., Die Naturfreunde". Man schreibt uns: Noch immer haben sich die Geister in den Arbeiter- Sportorgani fationen nicht beruhigt. Troßdem Zusammenfassung das Gebot der Stunde ist, haben unsere Freunde von links bis heute noch nicht be. griffen, daß ihre Methoden nicht diesem Zwede bienen, sondern im Gegenteil einzig geeignet finb, jede begonnene Arbeit zunichte zu mechen und auch die letzten Organisationen, in denen noch Arbeiter aller Parteirichtungen bis dahin zusammenarbeiteten, zu zerschlagen. Die Naturfreunde hatten es bis vor kurzem verstanden, in ihrer Ar. beit fämtliche parteipofitischen Gegenfäße auszu halten. Doch dann glaubte man gemäß ber von außen in die 140. st. Borfigwalbe. 7% Uhr im total Woitfchach, Ernir. 1, Mitglieber verfammlung. Bortona bes Gen. A. Michter,. b. 2., über: Die poli tifche Lage und die Reichstagswahlen." Jangfosialisten Gröneberg. 8 Uhr 7. Gemeindefchule, Martburgplay, Fort führung des Diskussionsabends: Jugend und Staat." 7. Aib. Donnerstag, den 31. Sanuar, 7 Uh, Elternverfammlung in ber 186. Gemeindeschule, Pflugfte, 12. Broteft gegen die Pulturwidrigen Abbauabfichten bet Stabt auf dem Gebiet unferes Bollschulwesens. Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 29. Januar, abends 7½ Uhr: Buchholz: Lokal non Roffad, Sanptstr. 51, Bortrag: Bortämpfer bes Sozialismus. Rieberfchöneweibe: Schule Berliner Str. 3, Borttag: ,, Go ziologie ber Jugend." Schöneberg 1: Jugendheim, Rubens-, Ede Sauptr., Bortrag: Darwinismus." Stoneberg II: Gemeindeschule Frankenfir. 10 Distuffion: 3. und Aultur." Steplig It Jugendheim, Albrechtste. Bortrag: Kirche und wir. Cibolt G.- B.: Augenbheim, angelftr ( Rimmer 15), Distuffion: Die Aufgaben ber GAS." Spandau: Juce heim, Neuendorfer Str. 37, Vortrag: Lassalle- und Rofa- Luremburg- Briefe." Zegel: Jugendheim, Bahnhofstr. 15, Bortrag: Mädel und Junge in ber Jugendbewegung." Wannfee: Schule Charlottenstraße, Bortrag: Klaffen bewußtsein bes Proletariats. Beißensee: Realgymnasium Woeldpromenade, Bortrag: Griechische Gogen." 1 Handball Groß- Berlin! Gruppe Sub: Serienspiele am 3. februar. Play Marienbort, Fichte. Play Rennbahn. Männer: 9-10 Wilmersdorf I- 9euföln 41( KrügerDehmel); 10.10-11.10 Reutölln I- Groß- Berlin- Süden( Erich- Eide); 11.20-12.29 Fichte Süd 1- AGC, I( Ewen- Butter). Jugend: 2.30-8.30 Fichte- Sild I gegen Schöneberg( Gramsch- Maffenth). Frauen: 3.40-4.20 Fichte- Sub I Wedding gegen ( Schöneberg). Sommerstraße. Play Hohenschönhausen, Männer: 9-10 Reutölln 4 II- Fichte 22 II( Fichte- Ost); 10.10-1.10 Fichte- Ost II gegen ASC. II( Müller- Tettschlag); 11.20-12.20 Fichte- Ost I- Wildau I( Stephan -Rable). Jugend: 12.30-1.30 Groß- Berlin- Süden- Bildau I( ASC.). Hippodrom- Blas Ziergarten. Frauen: 9.30-10.20 oabit- Groß- Berlin. Süden( ASC.). Gruppe Güb: Serienspiele am 10. Februar. Plas Hohenschönhausen, Sommerstraße. Männer: 9-10 Fichte- Ost I- GroßBerlin- Süden I( Krüger- Dehmel); 10.10-11.10 Wilmersdorf-AGC. 1( EvenButter); Frauen: 11.20-12.00 Wedding- Groß- Berlin- Süden( MöllmerCide); Sugen b: 12.10-1.10 Reuföln- Groß- Berlin- Süden( Fichte.Dit). II. Spielfelb. Manner: 9.30-10.30 Fichte 22 II- AGC, II( Fichte.Oft II). Blag Mariendorf, Rennbahn. Jugend: 9-10 Fichte- Süd- Schöneberg Männer: 1-12 Fite- Eüb 1- Fichte 221( Reuiön 4 Abt.), 12.10-1.10 Neukölln 11- Neukölln 4 I( Fahle- Reibler). Gruppe Nerd. Blag Weißen fee, Rennbahn. Männer: 2-3 Weißenfee I- Wedding I( Borenz- Schlag); 3.10-4.10 Groß- Berlin- Norden I- Fichte 16 I( Bolte- Hoppe). Play Reiniden bort, Scharnweberstraße. Jugend: 9-10 Fichte 25 1- Bebbing( SchwarzStimmig), 10.10-11.10 Spandau 1- Wedding II( Fichte 23); Männer: 11.20 12.20 Fichte 25 I- Selligenfee( Paul- Rable); 12.80-1.30 Fichte 25 II gegen Neukölln 4 II( Spanbau); 1.40-2.40 Tegel I- Spandau I( Dall- Genth); Frauen: 2.50-3.30 Roabit- Spandau I( Wedding); Männer: 3.40-4.40 Tegel II- Wedding II( Wagner- Burchard). ( Baad- Bedmann); Frauen: 10.10-10.50 Fichte- Sild- Fichte II( Schöneberg); Athletik- Sport- Club e. B. Leichtathletik Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, 7 Uhr, Sigung des Großen technischen Ausschusses, Beinmeisterstraße. Dazu alle Turnwarte und Bor turner. Stellungnahme zur Vereinsarbeit 1924. Ausgabe des Mitt.- Blattes". Arbeiter- Sport- Kartell Lichtenberg und Umgegend. Alle Bereine, bie dem AGA. Lichtenberg angeschlossen find, werden dringend ersucht, sofort die Fragebogen an den Schriftführer Heinz Wagner, Lichtenberg, Sagenftr. 6, einzusenden. Sollten die Blanto- formulare verloren gegangen sein, fo find Schnellstens neue einzufordern. Die Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelde ist verpflichtet, jede Abteilung felbfiändig zu melden( 4 Turn-, 3 Fußball, 1 Sport- Abteilung). Nädfie Sigung am 20. Februat, abends 48 Uhr, bei Wegener, Frankfurter Allee 236. Soden Handball Rudern. Jeben Dienstag, abends 7 Uhr: Babeabend in der Städtischen Badeanstalt, Schillingsbride. Jeden Freitag, abends 7 Uhr: Hallentraining der männlichen Jugend in der Turnhalle der 115. und 287. Gemeindeschule, Staliger Str. 55/56. Sallentraining der weiblichen Jugend abends 8 Uhr in der Turnhalle ber 46. Gemeindeschule, Baufiger Blag 9. Jeben Sonntag, vormittags 10 Uhr: Balblauf im Blänterwald. Umkleidelokal: Fichteplas, Baumschulenweg, Eich bufch- Allee. Bertreter der Boden- Abteilung: Hans Jogszat, Berlin O., Caprivi ftraße 4. Gefchäftsstelle: Alfred Behrends, Berlin RB. 87, 8ingendorfer Str. 7. Lichtenberger Echwimm- Berein Neptun 1894. Am Dienstag, 29. Januar, Borstandssigung bei Mufello, Hauptstr. 6. Am Sonnabend, 2. Februar, abends 8 Uhr, cußerordentliche Generalversammlung im neuen BereinsTotal bei Dittmann, Siegfriedftr. 202. Der wichtigen Tagesordnung wegen, n. a. Cintragung unseres Vereins in das Vereinsregister", ist das Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Am Sonnabend. 9. februar, Bersammlung der Ab tellung Raulsdorf in Pödels Badeanstalt. Am Dienstag, 29. Januar, im Jugendheim, Bartaue 10, abends 8 Uhr, Bortrag über Geschlechtstrant heiten. Gleichzeitia ift Der junge Reptunschwimmer" abzuholen. Jeben Frei fag von 70 Uhr Uebungsabend in der großen Salle bes Stadtbads Friedrichshain. Damen- Schwimm- Berein Berlin 1923( 97. b. A.-.. Sp.- Bundes). Alle Abteilungen baben jeden Mittwoch von 5-7 Uhr in der Badeanstalt Oberberger Mädchenmit Straße. Die Bereinsmitglieder haben ermäßigte Babepreife. glieder ind jegt beitragsfrei. Die Hauptfigung findet jeben Freitag nach bein 1. bes Monats ftatt. Die Gigung freitags nach dem 15. bient dem gefelligen Anschluß. Nächte Gigung am 8. Februar, Die Berfammlungen finden im Vereinslofal Lebigenheim, Tappelallee 15, abends 48 h, tett. Tonriften- Becein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin E. D. Mittwoch, ben 30. Januar, abends 7 Uhr, Soulaula Weinmeifterfir. 16/17( nicht 15): Generalversammlung. Erscheinen fämtlicher Mitglieder iit Pflicht. Abt. Norb- Dft. Die Abteilung tommt jeben Donnerstag im Jugendheim, Danziger Str. 28, zufammen. Donnerstag, 31. Januar: Frig- Reuter- Abend. Donnerstag, 7. Februar: Abteilungs- Generalversammlung. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Berliner Mieterband, Drtsgruppe Avenid. Mittwoch, ben 30. Januar, abends 8 Uhr, in der Aul ber Abner- Schule Generalversammlung. Sages. ordnung: Jahresbericht, Neuwahl bes Borstandes, bie Februarmiete. Boltstraft- Bund e. B. Mittwoch, 30. Januar, ebenbs 8 Uhr, hält Dr. Adolf Seilborn in her Aula Georgenftr. 30( Nähe Bahnhof Friedrichstraße) einen Lichtbildervortrag über bas Thema: wie der Mensch zu Schmud und Kleidung fam." Sport. Der heutige Beginn des 11. Berliner Sechstag- rennens fm Sportpalait bringt eine internationale Belegung. Nicht weniger als 14 Baare werden wieder fets Tage und sechs Nächte die Holzbahn umfreifen. Spannende Kämpfe dürften durch die internationale Belegung zu erwarten fein. Die Wertungen werden taalich nachmittags um 3 Uhr, abends um 10 Uhr und nachts um 2 lbr gefahren. Ueber die Mennen werden wir fortlaufend berichten. Tie Namen der Fahrerpaare find: Hanley Lewanow, Sabn Tiep. Schrage Golfe, Techmer Stellbrint, Säuster Dirt, Raifer Taylo, Bauer Krupkat, Stabe Echrefeld. Huichle- Kobl, Reinas Stolz. Lorenz Saldow, Manthey Wittig, Verti- Belloni, Münzner Rörenberg. . " • Wirtschaft Der Getreidewucher soll wieder kommen! Ernte 1923. Die Zerstörung der Gemeinwirtschaft. Ablehnung der preußischen Düngerkredite. Der große Notfchrei: Schußzölle. Der Gesamtertrag an Brotgetreide aus der Ernte des Jahres 1923 im Vergleich zu früheren Jahren ergibt die folgenden Mengen ( wobei aus der Ernte von 1913 die seither verlorengegangenen Gebiete herausgenommen worden find): Fruchtarten Winterweigen. Sommerweizen 28interipela Winterroggen Sommerroggen 1929 1922 1913 in 1000 Tonnen 2488 1667 408 159 290 113 8 532 510 437 6.580 5174 9987 101 32 580 60 7.304 40 665 44 018 • 9 Brotgetreide zufammen 9736 144 14610 Kartoffeln.. Die Brotgetreideernte ist somit um rund ein Drittel höher als im Lorjahre, aber immer noch um ein Drittel niebriger ais 1913. G zurd zu den Getretbeschubaöllen, ble mglicht brauchen den Abban diefes Zustandes ebenso wie die Beseitigung. lüdenlos gewünscht werden. der hohen Bantenspelen. Die Landwirtschaft will also nicht den Kampf um die Intensi vierung ihrer Betriebe aufnehmen, sie will einfach ihren teuer geworbenen Betrieb, der durch die Luberei der Kriegs- und der Nach friegszeit zu dem geworden ist, was er jetzt ist, dadurch rentabel machen, daß die Einfuhr von Brotgetreide versteuert wird. Der Brotwucher foll reichsgefeßlich gemacht werden. Die Herren Drahtzieher werden fich täuschen. Es wird dafür gesorgt werden, daß die feinen und mittleren Bauern erfahren, wie sehr die deutschnationale Politik und der Reichslandbund an ihrer derzeitigen Lage mitschuldig sind. Pfundanleihe für das Bärenwert. Ameritas Automobilheere. Die Zahlen der Wutomobilpro duktion des Jahres 1923 liegen nun vor. Sie betrugen 4 009 323 gegen 2586 049 im Jahre 1922. Die Gesamtzahl der in den Ber einigten Staaten im Betrieb stehenden Motorwagen beträgt 14,0 Millionen. Die Farmer befizzen 30 Bros. aller Automobile. Jm Berbältnis zur Bevölkerung gibt es die meisten Automobile in den Kleinstädten mit einer Bevölkerung von 1000 bis 5000 Gin wohnern. Hier kommt ein Wagen auf jede vierte Person. Candwirteparade. Die bekannte Große landwirtschaftliche Woche findet in Berlin vom 18. bis 28. Februar statt. Filmschau. Die Filme der Woche. Die Württembergische Elektrizitäts- Aktiengesellschaft, Stuttgart hat bekanntlich im Oftober 1923 eine 120 000- Pfund- Sterling- Anleihe aufgelegt, deren Erlös zum Ausbau des Strubflamm. wertes, einer Wasserkraft von rund 10 000 Pferdeftärken der Stadt Salzburg bestimmt war. Die Städtischen Elektrizitätswerte Alle Stoffe sind dem Film recht. Er scheut sich nach keinem die Hand Salzburg, welche aus der bisher bestehenden Anlage von girka 7000 Pferdestärken bereits umfangreiche Strommengen nach Bayern auszuftreden, und wäre er auch noch so flaffisch, noch so sehr gefeit durch die höchste Form, die er überhaupt finden fonnte. Homers Helbengebicht abgeben, werben aus dem der Bollendung entgegengehenden Strub ist verfilmt worben und hat damit das gleiche Schicksal erfahren, das lammwert diese Lieferungen nach Deutschland noch erheblich stei andere Größen der Weltliteratur längst ereilt hat. Hans syfers gern. Zur weiteren Unterstüßung dieser Stromlieferungen und zur Bearbeitung: Helena", von der der erste Teil Der Raub der Die Ursachen des Rückganges der deutschen Ernteziffern felt Bersorgung des Landes Salzburg hat die Salzburger Aktiengesell Epos nicht allzu viel zu tun. Dieser hat den Stoff rein filmisch behandelt Helena im Mozart- Saal aufgeführt wurde, hat mit Homers 1913 sind von zweierlei Art. Einmal ist die bebaute Fläche schaft für Elektrizitätswirtschaft, an der die Beag" durch Aktien- und zum Teil die fabe des alten Baters Homer gründlich verlassen. um 1,2 Millionen Hektar geringer. Zum anderen ist der Ertrag besig fart interessiert ist, das sogenannte Bärenwert bei Fusch Er verlegte die Handlung in eine teils primitivere Zeit, teils raffiniert an Körnerfrüchten pro Settar für 1923 nur etwa 16 Doppelzentner, mit einer Leistung von 10 700 Pferdestärken und einer Jahreskraft fennt die Masse des Publikums die Ilias" zu wenig, um die Unterer fie zu einer berühmten Standalaffäre des Altertums. Glücklicherweise während er 1913 20 Doppelzentner gewesen ist. Bei den statistischen Ziffern der Landwirtschaft muß beachtet menge von rund 40 Millionen Kilowattstunden in Angriff gefchiede zu merten. Dafür ist aber auch der Zusammenhang manchem nommen. Das Bert ist bereits bis zu 75 Broz. fertiggestellt. An unflar geblieben, ba felbst die vielfachen Zwischentitel bem nicht ganz werden, daß es sich nur um Schäßungsangaben der Saatenstands. dem Ausbau der genannten Werte ist Deutschland nicht nur wegen Steuern tonnten. Manfred Noa, der Regisseur der Bavaria, hat das berichterstatter handelt. Sie sind mehr oder weniger start Interber Belieferung mit elektrischer Energie interessiert, sondern insbe- Manuskript umgefest in eine höchst lebendige Schau von Maſſenaufzügen, Opfer und Kulthandlungen, Wagenrennen, beinahe gefährlichen See effentenmeinungen unterworfen. Es wurde während des Krieges, Das Urteil des Paris ist in eine Bision verwandelt, um der Zwangswirtschaft auszuweichen, sehr gern niedrig geschätzt, fahrten usw. neuerdings beeinflussen neben der alten Gewohnheit die Steuern die Schäßungen. Dennoch muß gesagt werden, daß unsere Land wirtschaft in ihrer Produktion seit 1913 weit zurüdgegangen ist. Auch hier sind die Gründe von zweierlei Art. Einmal hat der Bauer während des Krieges den Anreiz der freien Konkurrenz nicht gehabt, er war vom Ausland abgeschloffen und im Inland in die öffentliche Bewirtschaftung eingegliedert. Im besonderen mit der Einfügung in das Allgemeininteresse hat er sich nie abfinden können. Er hat deswegen nach dem Krieg sich mit aller Kraft bemüht, die sein Profitinteresse einschnürenden Fesseln der Zwangswirtschaft abzuschütteln. Als ihm das gelungen war, fehlte ihm leider wieder der Antrieb der Konkurrenz, der zur Eteigerung der technischen Leistungsfähigkeit führt- Deutschland war durch seine Baluta vom Weltgetreidemarkt ausgeschlossen, der Bauer fümmerte sich nicht um die Steigerung der Produktion, sondern nur um die Preissteige rungen feiner Produkte. Etwa mit der Jahreswende und durch die Schaffung der wert beständigen Zwischenwährung hat sich das plötzlich alles umgekehrt. Die Berdienstmöglichkeiten des Bauern werden jezt korrigiert durch die Zufuhren des Auslandes. Seine Flucht vor der Mart, gemeinsam mit Verschwendungssucht, ber viele in den jüngst vergangenen Jahren in der unglaublichsten Weise gefrönt haben, hat die Bildung von Betriebsreserven verhindert. Go Klagt jetzt die Landwirtschaft darüber, daß nicht einmal genügend Geld da sei, um Kunstdünger zu kaufen. Das deutsche Getreide sei ja teurer als das ausländische Mehl! Auf der dritten Haupttagung des Reichslandbundes im Fe. bruar 1923 hielt Dr. Rösicke das Hauptreferat. Damals betonte er, daß die Landwirte der freien Wirtschaft bedürften, nur so würden in der Ernährung Deutschlands feine Stodungen auftreten. Gr meinte u. a.: Im Interesse des deutschen Volkes, im Intereffe der Sicher tellung seiner Ernährung verlangen wir erneut und feierlichst Befreiung von den Fesseln der 3wangswirt. schaft und baldigste Erklärung der Regierung hierüber, damit die Landwirtschaft mit der Hoffnung an die Bestellung heran. gehen kann, daß ihr die Möglichkeit gegeben wird, sich aus ihrer die Betriebstapitalien eigenen Produktion wieder zu beschaffen, die sie gebraucht, um ihren Pflidy ten nachzukommen. Die Zeit ist furz, die Gefahr ist groß! Die deutsche Regierung möge das beherzigen." Was Röside für den Reichslandbund im Februar 1923 gefordert hat, die Befreiung von den Fesseln der Zwangswirtschaft, ist für die Landwirte erreicht worden. Als dann im Frühjahr die Ge. treibeumlage fiel, da kannte der Jubel in der agrarischen deutschnationalen Bresse tein Ende. Die preußische Regierung versuchte auch damals noch dadurch die Brotversorgung zu sichern und die Landwirtschaft zu fördern, baß sie vorschlug, ben Landwirten im Frühjahr den Kunstdünger gratis zu liefern. Dafür sollte im Herbst die Zahlung in Brot getreibe erfolgen. Damit war die Schwierigkeit der Beschaffung der Betriebskapitalien behoben. Aber der Plan wurde von den Agrariern im Berein mit den Runstdüngerintereffenten zerschlagen! Und wie steht es heute? Soeben veröffentlicht der deutsche nationale Reichstagsabgeordnete Schiele in der Deutschen Tages. zeitung" einen Artikel über die handels- und wirtschaftspolitische Bage der deutschen Landwirtschaft. Dieser Artikel ist ein Befenntnis der tatastrophalen Auswirkung ber freien Birt. Ichaft. Schiele btonte, daß die deutsche Landwirtschaft mitten in einer fdyweren Rrife fei, fie würde von der anstürmenden Boge des ausländischen Wettbewerbes erstickt. Die Landwirtschaft habe nicht einmal Geld, um den Kunstdünger für die Frühjahrsbestellung zu taufen! Jetzt müsse die nationale Arbeit geschützt werden, wir müßten Anleihe heraus. " fondere auch deshalb, weil umfangreiche Materiallieferungen durch deutsche Fabriken für den Ausbau dieser Werte getätigt werden tönnen. Zur Aufbringung der zur Bauvollendung noch erforder. lichen Mittel gibt nun die Weag" nach dem erprobten Muster ihrer früheren Anleihe eine neue 90000- Pfund SterlingFür die Sicherheit der Anleihe haften: 1. die Gesellschaft Beag" mit ihren gesamten Attiven, 2. die Calzburger Attiengefell. Schaft für Elektrizitätswirtschaft mit ihrem gesamten Vermögen, insbesondere aber dinglich mit ihren für die Anleihe verpfändeten Liegenschaften, und 3. das Land Salzburg als Bürge mit feinem gesamten Vermögen und Steuerauffommen. Die Treuhänderfchaft hat wiederum das englische Banthaus J. Henry Schröder u. Co. London, übernommen. bant tritt am Dienstag zu einer außerordentlichen Sizung zu Zu hoher Papiermart- 3insjah. Der Zentralausschuß der Reichs sammen, um einen Bericht des Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht entgegenzunehmen. Sehr wahrscheinlich wird der Ausschuß auch die Frage einer Herabfehung des Papiermarkdiskontsages, der heute immer noch 20 Broz. beträgt, erörtern. Betonrtlich hat die See handlung( Breußische Staatsbank) die Kreditzinsen von 24 Broz. bzw. 18 Brez. ab Montag auf 7 bzw. 6 Proz. herabgefett. Urfache diefer Kreditverbilligung bei der Seehandlung sind die großen Be Stände an Bapiermartguthaben, die sich seit furzem bei der Bant aufhäufen. Auch die anderen Gedinstitute berichten von einer forte währenden Zunahme der Depositen. Bei den Großbanken betragen die Anlagen dieser Art, die während der Inflation faum in Frage tamen, mehrere hundert Millionen Goldmart. Es lohnt sich für die Kapitalisten, Bapiermartguthaben zu befizen, fie perzinsen sich höher und leichter, als wenn sie in die Produktion gesteckt werden. Wir Dafür wird die Verführung der Helena im Tempel des Abonis in voller Anschaulichkeit vorgeführt. Die Zauber des Wunderspiegels und allerlei anderes phantastisches Beiwert wird nicht gespart. Der Höhepunkt ist bas Bettrennen um den Kranz der helena, in den Menelaos vom muskelstropeuden Achilleus überwunden wird. Der erste Teil endet mit der Landung der Griechen bei Troja. Was Apparat und Photographle Leisten können, ist musterhaft aufgeboten. Die Darstellung hat auf schöne Körper und große Namen nicht verzichtet, and so wird das Endergebnis ficher ein Weltfilm sein, der überall von fich reben macht. Helena ist die schöne Edi Darclea, Achill, ber prachtvoll sportlich geschulte Carlo Albini. Das Entzücken der jungen Mädchen bildet der etwas frauens hafte, zarte und hübsche Wladimir Gaida row. Albert Steinrück als Priamos, Baffermann als Wahrsager Aisakos treien vorläufig noch nicht Shakespeare, der große französische Karifaturist febr in Erscheinung. Daumier und der gottvoll freche Offenbach haben ben Homer parobiert und ihm so auf ihre Weise Ehre erwiesen. Mag es mit dem neuen Film ebenso gehen. Aber die Zuschauer sollen sich nun nicht einbilden, daß fte nach einer Absolvierung irgend etwas von dem Klassischen Geiste erfühlt hätten. offmanns Erzählungen" wurde fret nach Offenbachs Oper von Josef Malina für den Film bearbeitet und in der Alhambra uraufgeführt. Im ganzen ist die Handlung der Oper übernommen, im einzelnen aber bei der Ausgestaltung der drei seltsamen Liebesabentener, die Hoffmann von der Puppe zur venezianischen Courtisane und schlleslich zur deutschen Gretchenliebe führen, auf Hoffmanns Novelle zurlidgegriffen. Da Offenbachs Mufit in sehr ansprechender Bearbeitung einen vollendeten musikalischen Rahmen schafft, hätte man in manchem eine Steigerung der Eindrüde gegenüber der Cper eribatten tönnen. Aber obwohl der Regiffeur Mar Neufeld, ber auch den Hoffmann dar stellt, es an Ausstattung und Verwendung des phantastischen Apparats für die Buppe, besonders aber für die Schatten- und Spiegelbilder nicht fehlen läßt, tommt doch das Märchenhaft- Phantastische nicht zur rechten Geltuna, wie auch das Verüdend- Dämonische ber venezianischen Szenen ausbleibt. Unter den Darstellern ist hervorragend nur die Giulietta ber Dagny Servars. d. Richtpreise in Berlin im Nahrungsmittel- Großhandel im berlagt, erstens wegen des für uns unmöglichen Wanuitriotes und und im Verkehr mit dem Einzelhandel in Originalpackung vom Montag, den 28. Januar offiziell festgestellt durch den Landesverband Berlin und Brandenburg des Reichsverbandes des Deutschen Nahrungsmittel- Großhandels E. V. Berlin Die Preise verstehen sich in Gold- M. für 50 kg in Originalpackung ab Lager Berlin Gerstengraupen, lose 16.25-16,70| Nelken Zanzibar 244,70 16,25-16,70 Schwarzer Pfeffer Singap. 1( 6,79 Gerstengrütze, lose Weißer Pfeffer 141,00 Haferflocken, lose.... 16,45-167 Hafergrütze, lose.... 79,4 Maisgries Maispuder, lose Rogenmehl 0/1 Bohnen, weiße, Pert 18.40-19,00 23, 0-24,00 17,55-17,75 Piment Jamaica. 20,25-20,55 Rohkaffee Zentralam. 23,50-23,95 Rohkaffee Prime 288,00 198,00 13,55-14,15 Rohkafee Superior 177,00 Röstkafee Zentralam... 385,00 Röstkaffee Brasil. 14,50-15,25 Maizkaffee. gepackt 17,00-18, 5 Röstgetreide, lose 26,00-27,50 Ersatzmischung mit 20% 18,00-18,50 Kaffee, gepackt. 80,00 24,00-24,30 Kakaopu ver stark en ölt 120,00 260,00 25,00 17,00 Welzengries Hartgrieß 7% Weizenmehl Welzen- Auszugmehl Spelseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Langbonnen, handverles. 30,00-31,09 Tee in Kisten Souchon 360,00 Linsen, kleine 27,00-33,00 Inlandszucker basis mel. 42,38 Linsen, mittel....... 34,00-44,00 Inlandszucker Raffinade 4,88 44 00-50,00 Zucker Würfel Linsen. große....... 18,33 Kunsthonig Makkaroni, lose. 40,70 27,49 Schnittnude n, lose. Kartoffe mehl Burma II unglasiert Siam Patna I glasiert. Grober Bruchrels. 46,88 52,20 Marmelade Einfr. Erdb. 108,20 Marmelade Vierfrucht 53,00-54,00 5,6-6,00 4,30 4,60 20,09 Siedesalz in Säcken 27,20 Steinsalz in Säcken 18,70 Siedesalz in Packung Steinsalz in Packung Bratenschmalz in Tierces 73,00 Reisgries u.-mehl, lose 14,25 Rinäpfel, amerik. extra choice 123,00 Getr Aprikosen, cal.fancy 158,40 Getr. Birnen, ca. fancy 146,70 Getf. Pfirsiche, cal. extra choice...******** 14.09 64,80 Getr. Pflaumen. Korinthen in Kist. choice 85,20 Desgl. Caraburnu..... Rosinen in Kisten Candia 77,40 90,30 Sultaninen in Kisten.. 103,70 Mandeln, bittere Bari.. 149,00 Mandeln, süße Avola.. 162,80 Kaneel Kassia Vera 111 6,40- 6,88 Bratenschmalz in Kübeln 74,00 Purelard in Tierces Purelard in Kisten 71.00 12,00 111 Margarine, Handelsmark. 52,09-86,00 Margari e, Spezialmarke 59,90-76,00 Corned beef 12 6 lbs p. K. 38.68 Ein une Mädchenlos, uraufgeführt im Tauenhien- Palast, ist eine Miete. Diefer awweitens infolge der febr schlechten Stopie. Der Inhalt ist echt amerikanisch breit sentimental, durchfett von sich ausdrängender Frömmigkeit. erfabrenes Mädchen wird durch einen getauften falfchen Briefter und Wüste ling von Mann belogen, gebt ohne ihr Wissen eine Scheinebe ein, wird bon ihrem Mann verlassen, gebiert in Rot und Glend ein Kind, das bald hirbt, bermietet sich als Dienstmädchen und bekommt schließlich einen reichen Farmerssobn. Wenn man uns nun schon solchen Inbait bietet, dann sollte man uns wenigstens mit dem hilflosen Tert verschonen. Lilian Gish, bie als Filmdarstellerin Belfruhm bat, ist Vertreterin der Hauptrolle: Das Spiel ibrer Hände, daß fie in dem großen Rebolutionsdrama„ Zwet Baisen im Sturm der Zeit" gebraucht, wirtt dort ührend und tief er greifend, bier aber ist es böllig unbegrünbet. Griffith, der Große, Griffith, der Gefeierte, tit der Regisseur. Was bietet er? Er belebt durch Sleinigkeiten. Um anzuzeigen, daß das naive Mädchen sich über die Bracht des Raumes wundert, bringt er einen Leuchter in Grogauinabme. Um unterschiedliche Manieren zu illustrieren, läßt er bei den Gesellschallsdament, den Tänzerinnen und auch bei der Epießerin Ecube und Strümpfe photograbbieren. Dann veritebt er, Tiere zu verwenden, so ein Täubchen, das fich das Köpfchen franein läkt, und ein Pferd, das nicht voran will. Das einzig Fabelbatte, uns einfach Berblüffende ist eine etwas länglich geratene Rettung über Eisschollen hinweg. Die Deutschen sollen mit Griffith fon furtenzfäbig fein- sagt man diesen Griffith jedoch haben sie bereits bei weitem überboten. e. b. , 3wei Schiffbrachige unter Rannibalen ist ein wertvoller Film ( Richard- Oswald- Cichtspiele). Er bringt die geturbelten Erlebnisse zweier 4.80- 5,10 oricher, die an der Küste Neu- Guineaus in das Bereich des Stammes Ria- Ria verfchlagen wurden. Wir sehen die Kannibalen in ihrer primitiven Lebensweise, wie in den Hütten mebrere Familien durcheinander wohnen, Wir beobachten die Frauen alle Arbeit tun und die Männer faulenzen. fie bei Tanz und Gelang mit feinen eigentümlichen Tönen, die einem Europäer, sobald er sie einmal gehört bat, immer als etwas ganz unfaß bares im Dhre bleiben. Aber wir gewahren auch, welche Opfer der Gitel feit gebracht werden. Das Schmudbedürfnis der Kannibalen ist groß und ihr Störper mug schlimme Qualen erdulden, damit sie als schön und modisch erscheinen. Die Frauen verzieren sich durch Drnamente aus Narben, betlängerte Dbiläppchen usw., und die Männer durch Nasenverstopfer; felbft die Totenöpfe der Gemordeten schmückt man mit den prächtigsten Reiherfedern. Bet'einem folchen Film, der in den Tropen aufgenommen ift, bet dem man feine feinausgeflügelten Beleuchtungseffette antenben fann, nimmt man ohne weiteres ein mattes Bild in Kauf, aber warum der Zegt unleferlich ist, ist unbegreiflich. e. b. Speck, gesalzen, fett... 79,00 Quadratkäse 70,00 Quarkkäse 80,00 Tilsiter Käse, volifett 130,00 Tilsiter Käse, halbfett. 80,00 Ausi. ungezuck. Condensmilch 48/16 27,00 Inländische desgl. 48/12 24,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 34,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. ... 193,80 116,00 Kümmel, holländischer. 166,03 WEISSE WOCHE Beginn: Montag, den 4. Februar Vorverkauf: Sonnabend, den 2. Februar HERMANN TIETZ Aus der Partei. Umschwung in Chemnik. Bir berichteten kürzlich über den überraschend schnellen Um schwung, der sich offenbar im Zusammenhang mit dem betrübenden Ausfall der sächsischen Gemeindewahlen in Plauen vollzieht, wo mit starker Mehrheit eine Entschließung gegen die vom Lendesparteitag geforderte Landtagsauflösung angenommen und sogar eine Untersuchung der Umstände gefordert wurde, unter denen bei der Aufstellung der Reichstagskandidaten der Genoffe Jäckel zugunsten des Genossen Dr. Paul Levi abgefägt worden war. Ein ähnlicher Umschwung macht sich allem Anschein nach in einer anderen raditolen Hochburg der sächsischen Bartei, nämlich in Chemnit, bemerkbar. Chemniß war bis 1920 der festeste Stüß. punft der Sozialdemokratie im roten Sachsen. Seitdem aber dort eine besondere Richtung" radikaler Färbung maßgebend wurde, ging es merkwürdigerweise mit der Partei ab und mit den Kommunisten aufwärts. Unter Führung der„ Boltsstimme" wurde die Bolitik des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion in einer Beise angegriffen, die sich oft nur wenig von der Blauener und 3widauer Art unterschied. Bei den Gemeinderahlen schnitt die Bartei gerade in Chemnih, und besonders im Vergleich zu den Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Opernhaus Volksbühne 7% Uhr: Figaros Hochzeit TU. Mona Lisa Lessing- Th. Opernhaus 7: Michael Kramer am Königsplatz Mitt v. u. Donnerst 7 Uhr: Martha 7 Was ihr wollt Schauspielhaus 7: Maria Stuart Dent. Künstler- Th. Schiller Theater Allabendl 7: 7: Die Räuber Señora Deutsch. Theater 71 Uhr: 8 U. Trianon- Th. Scherz, Satire, Erika Glässner in Ironie und tiefere Bedeutung Kammerspiele 8 Uhr: Ingeborg Theater i. a. Joujou Central- Theater Tägl. 8 Uhr: KöniggrätserStr. Die Siebzehnjährigen 8: Die Dame mit d. Scheidungsgrund Rose- Theater Komödienhaus 8: Die Kleine vom Varieté 7 U. Der Kaufmann v. Venedig Berliner Theater Komische Oper 7.30 Uhr: DOLLY Allabendlich 7: 1 Th.i.Admiralspalast Die größte Revue Allabendlich 7 U Drunter u.drüber DeutschOpernhaus des Kontinents: Die Welt ohne 7 Uhr: Tiefland Schleier Intimes Theater 8: Der Hinduprinz Der Schrei usw. Casino- Th. 8 U. Nur noch bis 8. Febr. Dienstmann Nr. 7. Netropol- Theater Ab Sonnab. 9. Febr.: 7 Uhr: Marietta Die Mali v. Steinhof Operette v. Kollo Neues Theat.a. Zoo U: Lilly Floar in SCALA Meine Tochter Otto Tägl: 8 Uhr: Neues Volkstheat. Internat. VARIETE 8Uhr: Die keusche Susanne Thalla- Theater 7 U.: Frasquita Operette von Lehár Kam.-S. Jadlowker, Martha Serak Theater i.d.Kommandantenstr. 7 Uhr: Die Postmeisteria Volkstüml. Preise! Wallner- Theater & U: Sprung I. d. Ebe mit Leo Peukert Renaissance- Theat. 8; Dle kindischen 8. Verilebten Lustspielhaus Uhr Nebeneinander Besidenz Theat. OOO und ,, Mutter Mittw., Sennab. a. Sonntags 3.30 zu halb. Preisen das volle Abendprogramm Jugendliche haben Zutritt Metronel- Varieté Behrenstr. 54 8 Uhr: Claire Waldoff Max Marzelli Frida WeberFlessburg Willi Picardy usw. Heute 7 U. Premiere Kleine Preise! Androkins u. der Löwe von Bernh. Shaw Walhalla REN Theater Weinbergsweg 15 Welt. attraktionen früheren Stemmenzahlen, befonders fchtedt ab, me fe beffer aber bie Kommunisten. Am Sonntag, den 20. d. M., beschloß der Bezirksvorstand ein ftimmig, den Genoffen Ströbel als Spizenkandidaten vorzuschla. gen, an zweiter Stelle die Genoffin Tony Sender, an dritter Ein Antrag, den Genossen den Genossen Bernhard Kuhnt. Stüdlen, den bisherigen Reichstagsabgeordneten für Chemnitz, wieder in Vorschlag zu bringen, wurde mit ollen gegen drei Stim men abgelehnt. Bei aller Achtung für die parla mentarische Arbeit des Genossen Stüdlen," heißt es in dem Bericht derr„ Volksstimme"," wurde an dem Grundsatz festgehalten, daß unbedingt für eine Aenderung des Kurses der Reichspolitik gesorgt werden müsse." 17 " Am Freitag fand nun eine überfüllte Parteiversammlung des Chemnizer Unterbezirtes statt. Gleich zu Beginn wurde der sympto matische Beschluß gefaßt, die Lofal rebattion der Boltsstimme" mit der Berichterstattung über die Versammlung zu beauftragen. Die politischen Redakteure Böchel und Kleineibst hatten offenbar in letzter Zeit die Versammlungsberichte gar zu sehr im Sinne ihrer Richtung" redigiert. Genosse Fellisch referierte und wandte fich gegen die Forderung der Landtagsauflösung, womit man nur den Deutschnationalen und Kommunisten den größten Gefallen er. weisen würde. DOTA Blau 3 Klein Grün. zum Pf. verkauf 4. 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Die erfte erkennt an, doß die Fraktionsmehrheit sich in einer 3wangslage befunden hot und bedauert, daß das vom Landes. parteitag nicht genügend berücksichtigt worden ist". Eine Landtogs auflösung wird für unzed mäßig erklärt. Die zweite erklärte die Beschlüsse des sächsischen Landesparteitags für bindend, verlangte also den Rücktritt der Regierung Heldt und die Auflösung des Landtogs. Die Abffimmung ergab die Annahme der ersten Entschließung mit großer Mehrheit und die Ablehnung der zweiten Resolution. Als das Ergebnis der zweiten Abstimmung angezweifelt und eine nochmalige Abstimmung vorgenommen wurde, wurde laut Bericht der Volksstimme" einwandfrei die Ablehnung mit großer Mehrheit" festgestellt. So hat sich selbst in Chemnitz die ongebliche 90prozentige Mehrheit der Partei für die Opposition, von der Genoff: Kleineibst noch an diesem Abend sprach, in eine Minderheit verwandelt.. Musikinstrumente Deutscher Metallarbeiter- Verband Pianos preiswert. Achtung! Klempner Achtung! eint. 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