Ne.59 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 29 Bezugspreis: Böchentlich 85 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für DeutschJand, Danzig, Saar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Suremburg wöGentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmark pro Woche. Areuzband, endungen nur gegen werte beständige 8ahlung. Bostbezugspreis für Februar 4,- Goldmart. Der ,, Borwärts" mit der Gonntags Beilage ,, Bolt und Seit" mit ,, Gied. Lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenmelt" erfcheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal Eelegramm- Abreffe: Cozialbemotrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Ronpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 8,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0,20 Goldmart( auläffig awei fettgebrudte Borie), icbes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, icdes mcitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen file zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt bur 4,20. Anzeigen für die nächste Numuner müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin E 68, Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Berlag: Döuboff 2506-2507 Redaktion: Dönhoff 292-295 Dienstag, den 5. Februar 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postfcheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 „ Landesverrat" des„ Vorwärts"!? Finanz- oder Produktionswirtſchaft Die Wirkung des Götz- Briefes in München. München, 4. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Beröffentlichung des Briefes des Hiller- Offiziers Göh in der letzten Sonntagsausgabe des„ Borwärts" hat in bayerischen Regierungs. freifen außerordentliche Beachtung gefunden. Zunächst wurde darauf hingewiesen, daß durch die Bekanntgabe der Mitteilungen über die geheimen Gewehr- und Munitionsbestände ein glatter Landesverrat begangen sei, der nicht ungeahndet bleiben fönne. Tatsache ist auch, daß sich bayerische Stellen jofort mit der Reichsregierung ins Benehmen fehten. Zu dem fachlichen Inhalt des Briefes wird voraussichtlich noch der Gene. ralfactstommiffar felbft Stellung nehmen. Einstweilen wird nur halbamtlich mitgeteilt, daß Herr v. Kahr niemals einen Befehl zur Abholung von Gewehren unterzeichnet hat. Die Darftellung des Göh in diefem Punkte wird als eine abfolute Cige bezeichnet. * Wer die sogenannte„ bayerische Mentalität" fennt, ist reichlich vor der Gefahr geschüßt, etwa aus Erstaunen über diese Nachricht auf den Rücken zu fallen. Aus München war tatsächlich nichts anderes zu erwarten. Dort ist man es gewohnt, daß sich Berbrecher des Landesverratsparagraphen bedienen, um die Spuren ihrer Verbrechen zu verhüllen. Wer die Vorbereitung bewaffneter Angriffe auf die deutsche Berfassung und auf deutsche Staatsbürger durch Aufdedung stört, wird mit dem Zuchthaus bedroht unter dem ibiotischen Vorwand, die Vorbereitungen hätten eigentlich dem äußeren Feind" gegolten. Auch die Berliner Deutsche Zeitung" berüht den ersten Augenblid ihrer wiedererrungenen Freiheit dazu, gegen den Vorwärts" die Anflage des LandesDerrats zu erheben und sie folgendermaßen zu begründen: Mag man dem„ Bormärts" unterstellen, daß er an die Wahrheit der Angaben glaubt, dann sind sie eine elende Denunziation, die an den General Nollet und die Militärtommiffion gerichtet ist. Es wäre Zeit, daß Herr Poincaré den Vorwärts"-Schriftleitern seine befondere Anerkennung ausfpricht und ihnen die Ehrenlegion verleiht. Deutsche aber werden es nicht vergessen, in welcher Weise der„ Borwärts" immer von neuem dem Erbfeinde in die Hände arbeitet. Ein Tag der Abrechnung wird fommen. Daran, daß der„ Tag der Abrechnung" geplant und nicht nur geplant, sondern auch intensiv vorbereitet wird, zweifeln wir nicht im geringsten. Wir zweifeln nicht im geringften daran, daß es an diesem ersehnten Tag, wenn er fäme, dem Borwärts" noch ganz anders ergehen würde, als am 8. November v. 3. der Münchener Bost", wo die völkischen Befreier alles furz und klein schlugen und sodann unter Mit fämtlicher Wertsachen verschwanden. Wir zweifeln auch daran nicht, daß die„ Deutsche Zeitung" wieder Landesperrat!" schreien wird, wenn wir eines Tages einen Ber Iiner Berbrecherteller enthüllen sollten, in dem solche Dinge Dorbereitet werden. Für die Richtigkeit der Beschuldigungen, die der HitlerOffizier Göz gegen feine Spießgefellen erhebt, übernehmen mir selbstverständlich teine Verantwortung. In einem Rechtsstaate märe freilich die nächste Wirkung einer solchen Beröffentlichung die, daß man zunächst alle belastet Er scheinenden fest nehmen und fonfrontieren würde: nam lich den Briefschreiber selbst, den sauberen Prior, den Leiter der" Dresdener- Bank" Filiale, in der die Butschmunition versteckt gewesen sein soll, und selbstverständlich vor allem auch den ausgezeichneten Generalstaatsfommissar" v. Kahr v. Kahr selbst. Daß diefer die Behauptung, der Bewaffnungsbefehl sei von ihm unterzeichnet gewesen, bestreiten werbe, war vorauszusehen, aber die Bestreitung eines Beschuldigten gilt normalerweise nicht als durchschlagender Entlastungs In München freilich, wo alles, Recht, Vernunft und sitt. liches Empfinden, auf den Kopf gestellt ist und auf den Händen spazieren geht, ist es gerade umgefehrt. Dort hat man durch das Landesverratsgeschrei, durch den Wink mit dem Zuchthaus, zunächst erreicht, daß das bayerische Bolt nicht erbemeis. terie a. D. Erich Ludendorff, 3. der Rat am Obersten Bandesgericht in München Ernst Pöhner, 4. Der Oberamimann bei der Bolizeidirektion in München Wilhelm Frid, 5. der Tier arzt in München Dr. med. vet. Friedrich Weber, 6. Hauptmann a. D. Ernst Röhm, 7. der Oberleutnant der Reserve und Studierende der Staatswissenschaften in München Wilhelm Brüd ner, 8. Beutnant Robert Wagner und 9. der Leiter des „ Kampfbundes", Oberstleutnant a. D. Kriebel. Die Verteidigung der Angeklagten haben die Rechtsanwälte Dr. Quetgebrune- Göttingen, Justizrat v. Bezschwiz, ferner tie Rechtsanwälte Rober, Hemmeter, Dahn, Schramm und Rohl übernommen. Die Korrespondenz veröffentlicht im Anschluß an diese Mit teilungen eine längere Darstellung der Ereignisse vor und wäh rend des Putsches. Der Rückblick scheint aus Kreifen des General staatsfommiffariats zu stammen, das natürlich ein Interesse daran hat, die Kahr, Lofsom und Seißer zu entlasten. Schwer belastet wird durch die Ausführungen neben Hitler Ludendorff, der danach nach der Bürgerbräufomödie mit Lossow und Seißer militärische Maßnahmen erörterte. Er wünschte die Bildung einer Nationalarmee, Aufnahme der vaterländischen Verbände in die Reichsmehr und einen Grenzschutz gegen Seedt. Neu ist ein angebfiches Schreiben v. Kriebels vom 7. November an die Berbände Build Bayern umb Reich", Reich"," Organisation Ehrhardt". Reichsfogge, Jäger", Hermannsbund" und Oberstleutnant Wilmer. Das Schreiben lautet: 17 Zur dritten Stenernotverordnung. Bon Dr.- Ing. Martin Wagner. Der Herr Reichsfinanzminister hat gesprochen und der Produktionswirtschaft den Krieg erklärt. Die dritte Steuernotverordnung fann im gegenwärtigen Zu stand der deutschen Wirtschaft nur als eine Kriegserklärung. aufgefaßt werden. Ja, sie ist mehr! Sie ist ein Todesurteil für die Produktionswirtschaft, ein Todesurteil, das die Minister der Wirtschaft und der Arbeit nicht abwehren fonnten, weil der Herr Reichs finanzminister die Stunde regiert. Aber wie regiert? Die viel verlästerte Zwangswirtschaft hat seit 1918 feine so tödliche, so produktionsfeindliche Wirkungen gehabt wie die Diktat wirtschaft des heutigen Kabinetts, das drauf und dran ist, mit seiner Finanzpolitif die Henne zu schlachten, die die goldenen Eier legt. Das hat bei einem Schlüsselgewerbe der deutschen Wirtschaft, dem Baugewerbe, bereits feine Wirkungen gezeitigt. Die dritte Steuernotverordnung beabsichtigt, diese Wirkungen noch zu vertiefen. Wie steht es mit dem Baumarkt? Die Beseitigung der Wohnungsbauabgabe hat den Wohnungsbau völlig still gelegt. Die Produktionsfrise der Landwirtschaft schaltet auch diesen bedeutsamen Auftraggeber für Bauten auf längere Zeit aus. Die Industrie ist nicht in der Lage, sich die notwendigen Produktionskredite zu verschaffen und hat nach einer Zeit Immobilisierung" ihrer Inflationsgewinne meder Das Kapital, noch das Bedürfnis, den Baumarft zu beschäftigen. An die Möglichkeit, daß der Baumarkt aus sich heraus und durch Goldmieten" wieder belebt werben fönnte, denkt heute auch der eifrigste Bertreter der freien Wirtschaft nicht mehr, weil die Goldmieten vermutlich einen Ueberfluß an großen Wohnungen und einen verstärf „ Die Besprechung am 6. November abends beim Herrn Generalstaatsfommissar hat gezeigt, daß er mit ber Uneinigkeit der Verbände rechnet. Der Herr Generalstaatsfommissar hat durch Landeskommandant und Oberst v. Seißerten Mangel an Kleinwohnungen zeitigen werden. fiar und unzmeideutig erflärt, daß er fest entschlossen ist, gegen privatfapitalistischen Baumarkt nicht nur an der ersten Vor Um Kleinwohnungen bauen zu können, fehlt es aber dem ausseßung, nämlich an Rapital, sondern auch an den betden anderen, ebenso wichtigen Vorausseßungen, nämlich an den zahlungskräftigen ausfäufern und an zah lungs fähigen und zahlungs willigen Mietern. Niemand wird heute Häuser auf eigene Rechnung bauen, wenn die Berzinsung der Hypotheken doppelte und dreijeden Verband, der aus sich selbst heraus einen gewaltsament ilmschwung herbeizuführen fucht, mit Waffengewait Dorzugehen. Ich erffäre ofs militärischer Führer des Kampf bundes Bayern, daß Meinungsverschiedenheiten, mögen sie noch so schwerer Art sein, die ein Zusammengehen mit den einzelnen Berbänden nicht möglich machen, mich nicht hindern fönnen, mich mit der gesamten militärischen Macht des Deutschen Kampfbundes an die Seite des Verbandes zu stellen, gegen den Reichswehr und Landespolizei mit Waffengewalt aufgeboten wird." Dieses Schreiben ist nach den Münchener Angaben des Kor- fache Goldmieten erfordert, und niemand wird in die neurespondenten offenbar zur Kenntnis des Herrn v. Kahr gefom. erbauten Kleinwohnungen einziehen, wenn er 75 Broz. feines men, denn am 7. November schon versammelte General v. 2ojjom reduzierten Einkommens für Miete aufwenden soll. Lossow In dieser höchft traurigen Situation greift der Herr tie ihm unterstellten maßgebenden Offiziere, um sie über den dro: Reichsfinanzminister mit feiner dritten Steuernotverordnung henden Putsch zu informieren, und am Tage darauf traten die Chefs des Landespolizeikommandos Bayerns bei Oberst v. Sei ein und beschlagnahmt die bedeutsamste ind Ber zusammen, der ausdrücklich erklärte, daß jeglicher Butsch mit zugunsten des Finanzausgleiches zwischen Reich, Län wesentlichste Kapitalquelle des Baumarkte: Waffengewalt verhindert werden müsse. dern und Gemeinden. Der Herr Reichsfinanzminister hat seine Pläne sicherlich sehr reiflich überlegt, sich bei diefer Ueberlegung aber nicht von volkswirtschaftlichen und produktionswirtschaft lichen, sondern von furzsichtigen ressort politischen Gesicht: punkten leiten lassen. Das Tragische an seiner Arbeit ist, das er durch seine Steuerpläne nicht nur das Reich, sondern aud die Länder und Gemeinden, denen er in erster Linie beispringen wollte, am meisten schädigt und den Bar marft mit feinen zwei Millionen Arbeitskräften auf ein Lebe:: im Jenseits verweist. Inwieweit die Angaben mit der Wirklichkeit übereinstimmen, muß ber Berlauf des Prozesses ergeben- feine fachliche Führung vorausgesetzt! Ludendorffs Ausföhnung mit Ehrhardt. Der störende O.- C.- Führer. Bie bereits gemeldet, hat fürzlich in einer Münchener Bersamm lung eine viel beachtete Szene stattgefunden: Kapitän Ehrhardt und General Ludendorff, die seit dem Hitler- Butsch in einen lung eine viel beachtete Szene stattgefunden: Kapitän Ehrhardt scharfen Gegensatz zueinander gekommen waren, traten aufeinander zu, brückten sich die Hand und unterhielten sich längere Zeit. Aus dieser Tatsache wurde allgemein die Folgerung gezogen, daß eine Aussöhnung zwischen der Ludendorff- und der EhrhardtAusföhnung zwischen der Ludendorff- und der Ehrhardt Richtung erfolgt sei. Wie wir erfahren, ist diese Auffassung zutreffend. Allerdings ift diefe Aussöhnung nicht erfolgt, ohne daß in der Ehrhardt- Bewegung eine nicht unwichtige Veränderung ein getreten ist. Wie wir hören, ist der langjährige offizielle Führer der D. C. und Bertraute Ehrhardts, des geistigen Hauptes der D. C. und Vertraute Ehrhardts, des geistigen Hauptes der Organisation Conful, Kapitänleutnant Rautter, aus der EhrhardtBewegung ausgeschifft" worden, weil man in ihm das stärkste hindernis zu einer Wiederannäherung der durch die Novemberereig niffe auseinandergeriffenen rechtsradikalen Richtungen erblickte. Für die Beurteilung der Lage in Bayern und speziell in München ist Beziehungen zun Kronprinzen Rupprecht bekannt find. Bon Interesse wird nunmehr die Frage sein, wie fich die Ehrhardt- Richtung nach der Aussöhnung mit Ludendorff zu Herrn v. Rahr stellen wird, der bekanntlich die Ehrhardt- Leute seinerzeit an der thüringischen Grenze als Rotpolizei verwandt hat. Beim Hitler- Butsch hat sich Ehrhardt mit seinen Anhängern der größten Zurüdhaltung befleißigt und sich den Herren Kahr und v. Lossow gegenüber Döllig neutral verhalten. Der Name des Kapitänleutnants Sautter hat übrigens in den Ermittlungen über bie D. C. im Anschluß an die Ermordung Rathenaus eine lebhafte Rolle gespielt, ohne daß im Rathenan- Prozeß selbst seiner Erwähnung getan ohne daß im Rathenau- Prozeß selbst seiner Erwähnung getan morden ist. wesen, sich darüber Rechenschaft abzulegen, welche Steue: fahren darf, was Herr Göz über den Charakter der völkischen diefe Tatsache von nicht zu unterschäßender Bedeutung, da Ehrhardts fallen allein auf Steuern, die in die Tasche des Reiches, de Butschbewegung und ihre Unterstützung durch den trefflichen Generalstaatskommissar zu erzählen weiß. Und das war wohl auch die eigentliche Absicht. Prolog zum Ludendorff- Prozeß. Die Angeklagten und die Nichtangeklagten. Eine Berliner Korrespondenz teilt über den Hitler- Luden borff Prozeß aus München folgendes mit: Am 18. Februar wird por bem Mündener Bolts gericht der Prozeß gegen die Führer des Hitler- Butsches vom 8. November vorigen Jahres beginnen. Unter der Anklage, die Berfassung des Freistaates Bayern vom 12. August 1919 und des Deutschen Reiches Dom 11. August 1919 gewaltsam ändern zu wol Ten, werden sich folgende neun Angetfagte zu verantworten haben: 1. Der Schriftsteller Adolf Hitler, 2. General der Infan Wenngleich der Herr Reichsfinanzminister ressortmäßi nicht die Verpflichtung hat, Produktionspolitit betreiben, so sollte er doch die Verpflichtung in sich fühlen, fein Steuerpläne daraufhin zu überlegen, ob die erzielbaren Ein nahmen auf der einen Seite nicht ein unflickbares Loc auf der anderen Seite aufreißen. Er wäre verpflichtet ge ausfälle Reich, Staaten und Gemeinden erleiden, men der Baumarkt erbroffelt liegen bleiben foil D der Herr Reichsfinanzminister sich diese Rechnung nicht aui gemacht hat, wollen wir sie ihm in furzen Zügen unterbreiten voller Beschäftigung einen ungefähren umfaß vo Der Baumarkt hat nach dem heutigen Preisstande bo 5 Milliarden Goldmart. Von diesem Umsatz ent Länder und Gemeinden fallen, rund 550 Millionen Goldmark, d. h. also mehr als 10 Broz der Umsagsumme Nicht nur die Einkommensteuer der Arbeiter und An gestellten des Baugewerbes, sondern auch des Baustoff gewerbes, des Transportgewerbes und der für den Baumark arbeitenden Industrien sind wesentliche Kapitalquellen für di allein etwa 250 Millionen Goldmarf einbringt, di öffentlichen Organe. Hinzu kommt die Im sa steuer, di Besteuerung der Ge minne und die sonstigen Steuerein nahmen, die aus den Produktivbetrieben dem Reich, den Ländern und Gemeinden zufließen. Bei einer 75prog. Lahm legung des Baumarktes würden die öffentlichen Organe dem nach einen Steuer ausfall von mehr als 400 millio innen Goldmart erleiden. Zu diefen direkten Steuer ausfällen tommt aber noch hinzu der Steuerausfall der gefam ten Wirtschaft, der durch die Einschränkung der kauf Der neue deutsche Botschafter in Paris, von Soei, dorthin zurüdgefehrt und hat die Zeitung der Geschäfte wieder übernommen. kraft b«r Beteiligten des Baugewerbes entsteht und auf etwa 200 Millionen Goldmark zu veranschlagen ist. Der Eisenbahnfistus sowohl als auch der Postfiskus ver- liercn dllrch den Fortfall des Umsatzes auf dem Baumarkt Ein- nahmen in Höhe von mindestens 500 Millionen Gold- mark. Die 75proz. Stillegung des Baumarktes zwingt Reich, Staaten und Gemeinden, rund l1/* Millionen Bauarbeiter und Arbeiter anderer Industriezweige durch Erwerbslosen- Unterstützung zu unterhalten. Diese Erwerbslosenunter- stützung ist auf rund 400 Millionen Goldmark anzu- setzen. Sofern die Reichssteuerpolitik sich darauf einstellt, den Baumarkt zu 75 Proz. stillzulegen, erleiden die ö f f e n t l i ch e n Kassen alles in allem einen Perlust von 1,5. Milliarden G o l d m a r k. Würde die Reichssteuerpolitik hingegen durch Eröffnung einer wesentlichen Kapitalquelle für den Äaumarkt den Baumarkt voll beschäftigen, dann würden die ösfent- lichen Organe, wie oben angegeben, eine. Einnahm« von rund 550 Millionen Goldmark allein an Steuern erhalten. Hierzu kämen dann noch die dem Eisenbahn- und Postsiskus zufließenden Einnahmen in Höhe von 500 Millionen Goldmark. Insgesamt würden demnach Reich, Staaten und Gemeinden bei voller Beschäftigung des Baumarktes rund 1 Milliarde Goldmark als Einnahme oerbuchen können. Was glaubt nun der Herr Reichssinanzminister aus der Mietssteuer zugunsten des Reiches, der Länder und Gemein- den herausholen zu können? Die gesamte Friedensmiete in Deutschland hat etwa 5 Milliarden Goldmark betragen. Wenn es den Ländern und Gemeinden möglich fein sollte, zu der 30proz. Friedensmiete, die von den Miete/n für die Bewirtschaftung der alten Wod- nungen ab 1-. April 1924 unter allen Umständen aufgebracht werden sollen, noch 20 Proz. der Friedensmiete als zusätzliche Steuer zu vereinnahmen, dann würden sie rund 1 Milliarde Goldmark erhalten. Diese Goldmilliarde dürfte aber sicher nur auf dem Papier stehen. Von chr sind die Erhebungs- kosten von voniherein in Abzug zu bringen. Hinzu kommt ober, daß eine im Einkommen durch Arbeitslosigkeit und Stellenabbau geschwächte Miererschaft eine 50proz. Frie- densmiete in nächster Zeit nicht aufzubringen in der Lage ist, so daß vermutlich die veranschlagte Einnahme von 1 Milliarde Goldmark sicher auf 500 Millionen Goldmark, wenn nicht weniger, zusammenschrumpfen wird. Wäre es bei dieser Sachlage nicht weitaus wirtschaftlicher, wenn die Reichssteuerpolitik sich darauf einstellen würde, aus der Wo hnungswirtschaft eine Kapitalquelle für den Baumarkt zu erschließen, die finanziell, ideell, politisch und psychologisch weitaus produktivere Wirkung haben muß als die unproduktive Anzapfung des Einkommens der Mieter für einen Finanzausgleich? Der Herr Reichsfinanzminister müßte sich sagen, daß die Erschsießung einer Hauptkapitalquelle für den Baumarkt eine Reihe o n- derer Kapitalquellen aus dem privaten Kapitalmarkt sofort öffnet und die produktionssteigernde Wirkung der öffentlichen Kapitalquellen zwei- und dreifach ver- st ä r k t. Es kommt heute eben darauf an. auf zwangsläufigem Weg? beschafftes Kapital als Anreger und Förderer in die Wirtschast h i n e i n z u l e i t e n. um den Produktions- apparat von sich aus in Bewegung und nicht nur zur voller Produktions leistung, sondern auch zu voller Steuer- l e i st u n g zu bringen. Ein alte» Steuerrohrnetz ist installiert. muß jedoch heute leer lausen, wenn der Baumarkt nicht zur Produktion kommt. Die Installation einer neuen und so völlig u n produktiven Steuer, wie sie der Herr Reichsfinanz- minister plant, ist--- zur, zeit wenigstens und volkswirtschaftlich betrachtet— völlig überflüssig. Ob die Retchsregierung aus dem Irrgarten der dritten Steuernotverordnung noch herausfinden wird, und ob die Vertreter des Reichstages und des Reichsrates ihr klare Wege weisen können, scheint nach Lage der Verhältnisie(Zeitver- säumnisse, Wahlen usw.) sehr zweifelhast. Und doch gibt es nur einen Weg aus den Berirrungen der Resiortpolitik des Reichsfinanzministcriums. Dieser Weg muß darauf angelegt werden, dem dritten Schlüsselgewerb« der deutschen Wirtschaft, dem Baumarkt, sofort Kapital zuzu- führen, damit er restlos beschäftigt wird und alle an- deren Gewerbezweige von sich aus befruchtet. Geschieht das, dann wird der Herr Reichsfinanzminister es nicht mehr nötig haben, neue Steuern für den Vermal- tungsapparat zu erschließen. Er wird vielmehr finden, daß dann aus dem Rohrnetz der vorhandenen Steuern dem Reich sowohl �ls auch den Ländern und Gemeinden hin- reichende Einnahmen zufließen werden. Nicht Ausgleichs steuern, sondern Produktions- steuern, das muß die Parole sein. Ohne eine e n t sch e i- dende Belebung der Produktion durch Bereit- stellung von Kapital wird das Defizit der Etats des Reiches. der Länder und Gemeinden niemals beseitigt werden können. Das Enüe einer tzehe. Severing und SchlagcterS Tod. Als im Mai vorigen Jahres Schlageter in Düffel- dorf von den Franzosen wegen eines Sprengattentates er- schössen wurde, setzte eine mit den gemeinsten und verwerf- tichsten Verleumdungen geführte Hetze gegen den p r e u- ß i schon Innenminister ein. Die gesamte reaktionäre Presse bezichtigte Severing der indirekten Mitschuld an der Erschießung Schlageters. Richtigstellungen der rheinischen und westfälischen Behörden, Aufklärungen Im Landtags fruchteten nichts. Das reaktionäre Lager bestand auf seinen Lügen. Führend in der Kampagne wirkte die aus deutsch- völkischen Quellen gespeiste„Dergisch-Märkische Zeitung", gegen die deshalb vom Innenministerium als Hauptkläger und von der Elberfelder Polizei als Nebenkläger die Beleidigungsklage angestrengt wurde. Der Prozeß kam vor kurzem vor der 3. Strafkammer des Elber» selber Landgerichts zur Verhandlung. Das amtliche Wolfffche Telegraphenbureau meldete den F r e i f p r u ch des beklagten Redakteurs auf Grund des§ 193, und die reaktionäre Presse triumphierte. Das Bild ändert sich aber gänzlich, wenn man die U r- teilsbegründung der Strafkammer heranzieht, die der Amtliche Preußische Pressedienst nunmehr im Auszug mit- teilt. Die Begründung gibt nicht nur zu, daß die Behauptun- gen und Ausführungen der„Bergisch-Märkifchen Zeitung" geeignet waren, die Angegriffenen in erheblichem Maße verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, sondern sie stellt auch ausdrücklich fest, daß der W a h r h e i t s b e w e i s des Ange- klagten nicht gelungen ist. Wörtlich sagt das Gericht: Der vom Angeklagten angetreten« Wahrheltibewels ist in der Hauptsache nicht gelungen. Dielmehr hat die Haupwerhandlung er- geben, daß weder der Minister de» Innern. Severing. noch die pslikische Polizei Irgendwie für die Ermordung Schlageters veranl- worllich gemacht werden können. Ausdrücklich wird Im einzelnen festgestellt: Der Vorwurf, der Minister des Innern. Severing, küm- mer« sich um die Souveränität des Rechts einen Deut und ver- hafte nach Willkür und Gutdünken, entbehrt somit jeder sachlichen Unterlage und ist u n b e r» ch t i g.... Ebensowenig wi« ge�n den Nebenkläger Römer ist also auch bezüglich des P o l i z e t k o m m i s s a r s Gross« der Vorwurf berechtigt, mitschuldig zu sein an der Ermordung Schla- geters, weil er wissentlich die Befreiung eines widerrechtlich vom Feinde zum Tode oerurteilten deutschen Staatsangehörigen durch feine Maßnahmen bewußt und vorsätzlich verhindert hat. Auch der weitere gegen die Elberfeldcr Polizei erhoben« Bor- wurf, daß Hauenstein der Mittäterschaft an dem Scheide- mann-Attentat ohne die geringste Unterlage bezichtigt worden sei, daß nach.Polizeimethoden der Inquisition und der Sowjets" bei der Vernehmung dos Hauenstein oerfahren worden fei, hat sich nach der Beweisaufnahm« als haltlos und unrichtig ergeben. Zusammenfassend erklärt das Gericht die Behauptungen der„Bergisch-Märkifchen Zeitung" im wesentlichen für un- zutreffend und unwahr und durch das Ergebnis der Verhandlung widerlegt. Der Kronzeuge des Blattes, Hauen- st e i n, wird als unsicherer K a n t o n i st geschildert. Daraus folgert, daß es sich in dem Fall der„Bergisch» Märkischen Zeitung" um eine ebenso böswillige wie gemeingefährliche Verleumdungshctze gegen den preußischen Innenminister und die preußischen Polizei- organe handelte, die um so vergiftender wirken mußte, als sie von der gejamten reaktionären Presse aufgenommen wurde. Dag sie nicht ohne schändliche Nachwirkung blieb, beweisen die A t t e n ta t 5 p l ä n e gegen Severing. Es ist deshalb ganz unerfindlich, wenn das Gericht bei der Urteilsfällung trotzdem die Unwahrheiten auf entschuldbare Mißverstand- nisse zurückführt, dem Angeklagten den Schutz des 8 193 lbe- rechtigtes Interesse der Presse) zubilligt und aus diesen Grün- den auf Freisprechung erkannte. Um so auffälliger muß dieses Urteil wirken, als seiner Veröffentlichung nicht auch so- fort die Begründung beigefügt und so vor der Oeffent- lichkeit der Anschein erweckt wurde, als seien die Richter mehr darauf bedacht gewesen, die„Interessen' des deutschvölkischen Hetzblattes zu wahren, als den Staat und seine Minister vor der unverschämten Kamarilla deutschnationaler und deutsch- völkischer Verleumder zu schützen. Hat das Land Preußen viele so geschickte Justizregisseure, dann kann man ihm gra» tulieren. General£>asse als Wahlmacher. Von besonderer Seite wird uns geschrieben: Am Sonntag wird in Thüringen die Landtags- wähl stattfinden. Das Resultat der Wahlen wird sicherlich eine Anfechtung erfahren, weil die W a h l f r c i h c i t unter dem militärischen Ausnahmezustand nicht gewahrt worden ist. Daß darüber hinaus der Militürbefehlshab« in Thüringen, Generalleutnant Hasse, versucht hat, alles zu tun, um die bürgerlichen Parteien im Wahltampf zu unter- stützen, ist weniger bekannt. Die bürgerlichen Parteien glaub- ten, daß nach dem Einmarsch der Reichswehr der Zeitpunkt gekommen wäre, Thüringen„von den roten Ketten zu befreien". Vertreter der bürgerlichen Parteien er- schienen am 5. Dezember 1923 bei dem Militärbefehlshaber Generalleutnant Hasse m Weimar und erklärten ihm, daß sie die Ernennung eines Reichskommissars wünschten. Sie bemerkten dabei, daß sie um diese Ernennung jedoch in Berlin nicht ausdrücklich bitten wollten. Als Grund hierzu gaben sie an,„sie wollten der Linken nicht die Möglichkeit geben, eine Forderung der Rechten auf Einführung eines Reichstommissars im Wahlkampf agitatorisch aus» zumitzen". Für den Generalleutnant Hasse waren diese Wünsche der bürgerlichen Parteien Befehl. Wie einseitig er sich für die bürgerlichen Parteien festgelegt hat, geht daraus hervor, daß er sofort in Berlin eine grundlegende Aenderring befürwortete, die er nur darin erblicken könne,„daß durch Reu- wählen, die von der Reichswehr in Vorberct- tung und Durchführung gesichert werden, die bürgerliche Mehrheit der Bevölkerung die ihr zustehende Regierung erhält". Als Vor- bereitung für die Herbeiführung einer solchen Wahl verlangte er damals nachdrückliches Eingreifen der Reichsregierung. Auflösung des Landtages und Einsetzung eine»„ Reichskommissars, der d i e Regierungs« ge sch äste bis zum Ende der Neuwahlen und bis zur Einsetzung der von dem neuen Land- tag zu bildenden Regierung führt. Es ist notwendig, auf diese Dinge hinzuweisen, trotzdem die Reichsregierung den Wunsch auf Einsetzung eines Reichs» kommissars auch dann nicht erfüllte, als die bürgerlichen Par- teien bei der Reichsregierung doch noch darum vorstellig wur- den. lieber das Vorgehen des Generals, der sich anmaßt. bevor die Wahlen stattgefunden haben, von der der bürger- lichen Mehrheit zustehenden Regierung zu reden, wird im Reichstag noch ein Wort zu sprechen sein. Setrachtung. Von Jens Lornsen. Ganz In der Ferne rollt noch dumpf ein Wagen. Ich liege wieder am Hang,' sehen den Knick unter den Wolken wiegen und seh« die blühenden Hollunderkelche mitten im Streif der dunkelgrünen Schlehen, Hagelstauden und Faulbeeren. Und ich sehe durch«in offenes Gatter Ins Feld hinein. Es scheint mir nur wenig« Armes- langen von hier, das blühende Korn schmiegt sich so weich darüber hin wie Samt über einer atmenden Brust. Die Wolken liegen tief, sie scheinen mitunter über mir stehen zu bleiben und nachzudenken. Erst wenn ich zu ihnen aufschaue, beeilen sie sich wieder, ein wenig ge- stört in ihren Betrachtungen. Aber häufiger noch als die Wolken und mein Blick besucht ein unsichtbarer Liebhaber dos Aehrenfeld. Dann gleitet eine Hand unkenntlich zart darüber hln, und der Samt beugt sich und bebt nach vor Freud«. Eine Weil« wartet«r. Dann sehe ich ihn wieder sich niederschmiegen. Fast sieht es aus, als wollte er zagend fliehen und müsse die Hand doch über sich dulden, die ihn liebkost. Die Sonne stand in einem weißen Farrenbusch in den Wolken. Sie war über Nachmittag sehr müde. Jetzt kommt sie sieißiger und gießt einmal dieses Blatt, einmal jenes goldgelb aus. Gut ist's, daß- die Lust so warm um mich weht, so einschläfernd, daß man die Augen halb schließen möchte. Wie ich die Lider wieder öffne, ist aus dem Farren am Himmel«in wilder Rosenbusch niedergeronkt, -der immer voller aufblüht, überall über den halben Himmel und in alle Zweige das rote Blut seiner Wurzel in die Kelche strömen lassen muß. Ein wenig blieb auf dem Eichbusch liegen, es glänzt« so sehr, daß es sich an seinen eigenen Strahlen bis dicht vor mein« Füße spann. Knick, Aehrenfeld und Weg in der Tiefe ist längst über- rankt. All« Steine gewinnen von seiner Glut. Ein goldübersäter Vogel fliegt dazwischen, scheint hoch von der Wolke bis vor meine lehmschweren Füße zu fallen. Und al» die«in altes Franzosen- täppi aus dem Gras scharren, bleibt die Sonn« noch in dem ver- schlisienen Tuch. Bis auf meine Hände fällt das flammend« Rot, nie wußte ich, daß so viel Rosen aus dem Himmel wachsen könnten. Wie lange es dauert? Ach, ein« alt« Geis stört die Andacht. Sie heißt Mary und ist ein stößiges Frauenzimtrier, das keine Rosen oerdient. Sie verblassen auch auf einmal, da ich mit erbost«» Augen zusehe, wie der lange, unschöne Ztegenhals sich durch das Gitter reckt und trotz allen Zuredens bei meiner Buschhecke zu nagen beginnt. „Mary!" Sie hört wohl auf den Namen, hebt den Kops ein wenig und meckert mich ob meiner Trägheit an. Dann reißt sie ruckweise an den Weißbuchen.„Mary!" Sie ist ja so unschön, man könnt« Mitleid mit ihr haben, denkt man, wi« lieblich sie als Zicklein bis hoch aufs Dach zu klettern wußte. Jetzt Ist ihr Hals kahl, ihr« Leidenschaft ist Fraß und gehörntes Stoßen, und— na ja— der Bock des Bauernvogts.„Mary!" Ich zieh« mit dem Fuß das Käppi heran, werfe es mit einem Ruck hinüber, um sie zu belehren. Mary ist einen Augenblick dumm und geblendet. Ihr Schattenriß, der sich vor der einzig schönen Flut des Waldes häßlich aufrichtet, schüttelt sich vom Bart bis zum Euter. Dann überwindet si« die Scheu und nimmt das Käppi an, zwei-, dreimal, bis sie e» mit einem Mal hoch aus dem Horn sitzen hat, ein wenig oerwundert über den leichten Sieg. Sie schielt noch ein« Weil« nach oben, möchte es wieder abschütteln. Dann ergibt sie sich drein, und ich sehe das Käppi übe? dem grosrupfenden Kopf auf und niederrücken, bald in der Wo'te, bald im Weg, während dos graue Fell den grünen Wald stört, der unbeweglich unter dem Himmel ruht. Mary, ich werde Dich Marianne nennen, Du weißt nicht, wie schön die Welt ohne Dich und Dein Käppi wäre. Volks- und Tanzliederspiele. Im Theater am Bülowplaß veranstaltet« die Volks- b ü h n e als 11. Konzert ein« Morgenaufsührung mit Bolls- und Tanzliederspielen. Ein deutsches Boltslledersptel aus Biedermeier- zelten, von LudwigHeß bearbeitet und aus deutschem Volkslieder- schätz zusammengestellte bildete den Anfang. In die Ausführung dieser reizvollen, mit Tänzen untermischten Zusammenstellung teilte sich dos Bokalquartctt Gerda von K« y l e n's, Ida Harth zur Riede n's. Ludwig Heß' und Erich S r u t h's. der an Stelle de» plötzlich erkrankten Hans Vaterhaus die Baßpartie Übernommen hotte, sowie einige Mitglieder des Balletts der Staatsoper. Die bei- fällig aufgenommenen Darbietungen hielten sich auch im Kostüm stilecht, und man hätte nur im Interesse des Gefamteinbruckes ein paar Proben mehr wünschen mögen, insbesondere, um an Stell« mancher Lücke zwischen den einzelnen Nummern oerbindende Be- wegung und Handlung herzustellen. Aehn'iches läßt sich auch über das am Schluß des Programms stehende Italienisch« Volks- liederspiel sagen, welches Hans Ielmoll aus bekannter italienischer Musik zusammenstellte. Hier schien mir der Mangel an genügender Vorbereitung noch empfindlicher. Während das Vokal- quarlett dasselbe wie im deutschen Volkslledcrspie! blieb— insbesondere Ist hier Gerda von Keylen zu ermähnen, die für das„Gebet an die Madonna für den Geliebten" rührende Töne fand— erweiterte sich die Tanzgruppe um Elisabeth Grube, welche vorher im„Pesther Walzer" durch ihr« graziöse Behendigkeit entzückt», sowie um Fräulein M« l i n a. die gleichfalls vorher mit Fräulein B o w i tz und S o d o w ein„Herzbuben-Terzett" nach Schuberts „Rosamunde" tanzte. Den instrumentalen Teil führten Dr. Ernst Iokl(Klavier), Professor Robert Zeiler(Bioline). Hermann Hopf sBIoloncello) und Otto R v ß l e r(Flöte) au». Das dankbare Publikum erzwang sich durch reichen Beifall einig« Wiederholungen.__ r». Die Cosolen, jene Inselgruppe jenseits des Polarkreises, auf der unser voriger Roman spielte, hat Dr. A. Guttmann Sonntag im Institut für Meereskunde einem den Saal überfüllenden Audiiorium in Wort und Bild vcrgeführt. Dr. Guttmann ist oft dort oben gewesen, wo die grandiose Natu? der norwegischen Küste aufs höchste noch gesteigert zu fein scheint: er versteht es, die b«. wundernd« Lieb« für dies« nordische Schönheit nicht nur in sympathischer Art zu verkünden, sondern sie auch dem Hörer mitzuteilen. Mit einfachem Apparat und unter erbeblichen Schwierigkeiten aufgenommen« Film«, vor allem aber die vortrefflichen Photographien und schon gar diejenigen in natürlichen Farben lassen uns oerarm«« GeiMwortsdeussche sehen und mitfühlen, warum diele Bilder nicht mehr aus Augen weiryen können denen, die sie selbst gesehen haben. — Der Dortrog, dem auch die situattonshumonstischen Bilder nicht fehlten, wird am Sonntag um S Uhr an der gleichen Stell« wiederholt. r. b. Eine Radlo-Zeilung im ewigen Eis. ver Polarrrilende war früher im«wlprn Tis von alfer Verbindung mit der Zivilisation abgeschnitten urrfl ganz einsam in de? weiten Arktis. Heute hat die Radio-TelepHonIe dieses Schrecknis überwunden und ermög» licht es dem Forscher, auch in der Ebwüste mit der Kulturwelt m ständiger Verbindung zu bleiben. Der berühmte amerikanisch« Rordiondfahrer Dr. Donald Mac M i l l a n hat die Einsam. keit al» das Schlimmst« bezeichne», was der Polarreifende zu er- trogen Hot. Seitdem der Radiodienst für Unterhaltung sorgt, darf dieser Schrecken der Pclorwelt als überwunden gelten. Wie in der „Umschau" mitgeteilt wittd. nahm Dr. Mac Millan aus sein« neue Nordlandreis« einen Sender mit. Nachrichten von ihm treffen häufig ein, obwohl er gegenwärtig an der Nordwcstküfic von Grön« land, 11 Grad vorn Nordpol entfernt, eingefroren ist. Viel« In- genicure und Gelehrte waren der Ansicht, daß Mac Mil'an wegen des Nordlichts keine Pochrichten geben oder gor empfangen könne, aber dies« Befüräfiunq Hot sich bisher nickst bestätigt. Erst wenn der Polarforscher sich innerhalb der Nordlichtgrcnze befinden wird, dürfte das Senden schwierig werden, weil dann die Sonn« 24 Siunden lang nicht untergeht.' Bei der gegcnwärligen Periode der Dunkelheit kommen die Nachrichten von ihm mit großer Ro» gelmäßigkelt an. Aber wie stehr es nun mit dem Radio« mp« fang? Mac Millan erhält in der hohen Arktis jede Woche sein« Radio-Zritung. und zwar spricht jeden Mittwoch um Mitternacht di« Droadcasting-Station des Zenith-Etgewater Beach Hotel mit ihm. Er erhält einen kurzen Bericht über die Ereignisse der Woche. Nachrichten von seinen Freunden und Verwand:««, und auch seinen sieben Begleitern wird mitgeteilt, was st« personlich interessiert. Außerdem genießen di« Polarreisendcn die sämtlichen Da'bietungen des allgemeinen Radioprogramms, Konzerte, Reden, Dorttäge usw. Alusik. Mittwoch 7>!, ttdr wird ju Gunsten de» TmnhIUSwertt in, Dom ein Kcmevl uemotlollet. auSgeilldrt vom Ltasi». und Domchor unter lleitunn ttineit TiiellorS Huco Sttidel. der SlllUIm Vniillne Dobert, den« EclliUen Lllo llinck und dem Domorganisien Daller Filcher. Bon ajrrur.dlrns ckxved llon. Nach einer dradtlolen Meldun« von NmundienS Expedition»lchtil Maud, dotiert vom l. Febr., ist die Loge de? Schiffe« au< 75 Grob 18 Minuten nördlicher Breite und 15> Krad 45 Minuten ölllicher Länge. Seit Dezember itt da» Schiff nicht besonder« weit aetrieben. nur 3 Krad nördlich und 3 Krad 15 Mlnule» westlich. Da» Treiben nach Wegen war nicht günklig. Wahrscheinlich de« findet«ich die Maud jetzt 100 Seemeilen östlich der Reu« sibirischen Inseln. Moderne Tänze in der Ivleuer h-fbucg. Mar» A ig man absvtdien demnach ii mit ihrer Tanzgruppe ei» Ganspiel in Wien. Di« Dlrellion der StaalSoper bat der Künglerm sür ihre iiugadrungcn da« unter ihre» Leitung siebende Idealer im 9t( 6 o B t( n| a al bei«teuer Hajturg zur Bersügimg gestellt. Wilson und Luöenöorff. Wir war der„vertrauensselige dumme Michel"? Das Ableben Wilsons gibt der nationalistischen Presse Gelegenheit, das alte Märchen von dem dummen deutschen Michel aufzuwärmen, der in die listige Falle der l-l Punkte Wilsons blindlings hineingerannt sei. Natürlich sollen es hauptsächlich Sozialisten, Pazifisten u. dgb„undeutsche" Ge- scllcn gewesen sein, die in Böswilligkeit oder unbegreiflicher Verblendung sich auf Wilsons Wort verlassen hätten. In Wirklichkeit haben gerade diese Kreise erkannt, daiz die Wilsonschen i4 Punkte zur Zeit ihrer Vcrkündung im Januar 1918 eine Friedensmöglichkeit für das damals noch stark dastehende Deutschland boten, falls die Rcgieruna Hsrt- ling den Mut gefunden hätte, diesen 14 Punkten beizupflichten. Als dagegen im Oktober 1918 die deutsche Oberste Heeres- leitung ihr zerschmetterndes Eingeständnis der Niederlage verkündete, da glaubten gerade die ehrlichen Freunde des Der- ständigungsfriedens nicht mehr daran, dasi in dieser ver- änderten Situation noch eine Berufung auf Wilsons 14 Punkte nützen würde. Wer sich aber damals— wie der Ertrinkende an den Strohhalm— an diese 14 Punkte klammerte, das geht aus Nr. 3V des amtlichen deutschen Weißbuches über die Bor- geschichte des Waffenstillstandes mit unwiderleglicher Deut- lichkcit hervor. Diese Nr. 39 enthält nämlich den Entwurf für die Waffenstillstandsbitte an die Entente, den General Ludendorff in Person der deutschen Regierung vor- schlug. Dieser Entwurf lautet in sein«n wichtigsten Absätzen: Die deutsche Regierung ersucht den Präsidentin der vereinigten Staaten vcn Amerika, die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen und zu diesem Zweck Pevollmäch- tigte aller kriegführenden Staaten einzuladen. Sie erklärt sich damit cluversiarldeu, daß die vom prSsidentcu der Vereinigten Staaten in der kor.gr eßbotschasl oom S. llanuar ISIS und in selven spSleren Kundgebungen ausgcsletlten Programm. punkte als Grundlage für die Zricdensvcrhondlungen dienen. Legationsrat v. Lersner, der diesen Wortlaut im persönlichen Austrage Ludendorffs 2 Uhr 49 Minuten nach- mittags an das Auswärtige Amt in Berlin telephonierte, fügte zur näheren Orientierung noch folgendes hinzu: General Ludendorff setzt voraus, daß es sich nur am die bekannten 14 plus 4 Programmpunkte Wilsons handelt. Der„dumme Michel", der am 2. Oktober im Vertrauen auf die Wilsonschen 14 Punkte die Waffen niederlegen und vor der Entente zu Kreuze kriechen wollte, war also niemand anders als der General Ludendorff, der Heros aller Völkischen!_ Warum sitzt Claß noch nicht) Graefes Vertrauensmann als Lockspitzel. Nach den Mill«ilung«n, die das„Gewissen" des Herrn Dr. Stadtler schon gemacht hat, kann das Rätsel, wer die Anzeig« gegen die Seeckt-A'.tentäter erstattet hat, nicht mehr als Rätsel be- handelt werden. Es war tatsächlich kein anderer als der schon be- kannte Herr v. Tettenborn, der selber in der Parchimcr Mord- fache der Begünstigung verdächtig ist und der sich wahrscheinlich durch die Dienste, die er in diesem neuen Fall leistete, wieder„ehrlich machen" wollte. Herr v. Tettenborn war es. dem Thormann seinen Plan, den General v. Geeckt zu«rschiehen, vertrauensvoll enthüllte. Herr o. Tettenborn war es, der seinen Gesinnungsgenossen S ch u- wacher dazu bestimmte, zum Schein aus den Plan«inzugehen, und Herr o. Tettenborn war es, der dann am Abend vor dem Morgen, an dem Geeckt ins Jenseits defördert werden sollt«, zum Reichs- kommisiar für öffentliche Ordnung ging und alles anzeigte. Sofern der Lorwurf der Lockspitzel«, berechtigt ist, trifft er also ihn. Dieser Herr von Tettenborn aber ist Der. trauensmann und rechte Hand de» völkischen Reichstagso bgeordneten o. Graefel Der Konflikt, der in dieser Anzeige zum Ausdruck kam, beruht auf taktischen Meinungsverschiedenheiten. Di« alldeutsch« Gruppe glaubte, auf dem Weg« eines Putschee jene„Militärdiktatur aus völkischer Grundlage" erreichen zu können, für die Max Mauren- brecher auch in der neuesten Nummer der„Deutschen Zeitung" plädiert. Da Herr o. Geeckt zur Ausführung dieses Planes un- brauchbar erschien, sollte er beseitigt werden, wobei es wieder tat. tische Meinungsverschiedenheiten darüber gegeben haben mag, in welcher Weise diese Beseitigung erfolgen sollt«. Wo aber stand in diesem Falle der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, der Justizrat C l a tz? Daß er in das geplante hoch- verräterisch« Unternehmen mit verwickelt war, ist nicht zu bezweiseln. Hat«r auch die Ermordung Gceckts gewollt? Der verhaftet« und geständig« Dr Grandel Hot diese Frag« zu- nächst entschieden b e j a hl. dann aber bei einer Gegenüberstellung wieder widerrufen. Er hat seine anfängliche Stellung, er wall« sich rückhaltlos zur Wahrheit bekennen, da alle anderen elende Feiglinge seien, wieder aufgegeben. Zuvor hatte er behauptet, Elast habe ihm zur materiellen Sicherstellung des Mörders 59 999 Mark zugesichert. Nun ist es auffällig, dast Thormann dem als Mörder gedungenen Schumacher genau dieselbe Summe in Aussicht gestellt hat. Gewih wird man die erste Aussage Grandels deswegen noch nicht ohne weiteres für richtig halten müssen. Trotzdem läßt sich ein Erstaunen darüber nicht tmterdrücken, dost sich Elast bei diesem Stand der Dinge noch aus freiem Fuh be- findet. Dürfte man in diesem Zusammenhang den Namen eines Ehrenmannes wie des thüringischen Minister« Hermann auch nur erwähnen und den künstlich konstruierten Weimarer Tatbestand mit einem K a p i t a l o e r b r e ch e n. um da« e? sich hier handelt, irgendwie in Parallel« stellen, so müstt« man die Frage auswerfen, warum Hermann wochenlang wegen angeblichen Derdunkelungs» und Fluchtverdachts in Untersuchungshaft sitzen mustie, und w a r u m Elast immer noch frei spazieren gehen darf. Es gibt doch— in der Republik— nicht zweierlei Recht für Vorsitzende nationalistischer Putschverbände und für sozialdemokratisch« Mi- niste?? Cin baperikber Verfojsungs-Reformblock. Zugeständrisse der bayerischen Volkspartei. München. 4. Februar.(Eigener Drohtbericht.) In politischen Kreisen wird allgemein davon gesprochen, dast die Einzeichnung in die Listen der Bayerischen Lolkspartei betreffend die beiden Volks. begehren sowohl in den Städten als auch auf dem Lande in a u st e r. ordentlich schleppendem Tempo vor sich gehe, so dast die „Gefahr" bestehe, dast bis zum 17. Februar, dem Endtermin der Einzeichnung, nicht einmal die einstweilen notwendige Stimmenzahl von 809 990 zusammenkommt. Eine Stütz« findet diese Attschauung in den vielfachen Bemühungen der Bayerischen Dolkspartei. nach Möglichkeit«us der Isolierung, in der sie bisher mit ihrem Volks- begehren steht, herauszukommen. Zu diesem Zweck wurden schon vor einiger Zeit Verhandlungen mit einer Reihe von poll- tischen und wirtschaftlichen Berbänden angeknüpft, die nunmehr am Montag zu dem Ergebnis geführt haben, dast«in gemeinsam!? Aufruf an das bayerisch« Volk zur Einzeichnung in die Listen der Bayerfichen Volk spartet auffordert. Des Bezeichnendste ist, dast jetzt auch die Dcutschnationalen. die Deutsche Volks- parte, und ihre Widerlachcrin, die Naticnalliberal« Landespartei, für das Volksbegehren eintreten, nachdem sie sich anfangs voll- kommen ablehnend oerhatten hoben. Der Grund dieler Schwenkung liegt in dem Entgegenkomme« der Bayerischen Dolkspartei, die ihr zweites Volksbegehren aus Aenderung der Dersosiung wesentlich eingeschränkt hat. Danach l>at der neue Landtag nur mehr die Aufgabe, die bayerische Dcrsasiung in solgcnder Richtung zu ändern: 1 Schafsimg eine« mit ausreichenden Vollmachten ausgestatteten Staatspräsidenten. 2. Schaffung einer Zweiten Kammer, 3. Aenderung des Z ll? der jetzigen Verfassung und i. Bestimmungen zu schaffen, die«ine E r l e> ch. terung der Durchführung von Volksbegehren bringen. Nachdem sich die Bayerische Doltcpartei auf diese Degren. zmrg ihrer an sich viel weitergehenden Wünsche eingelallen hat, fand sich ein« Reihe von Organen zur Unterstützung bereit, so dast man von einem bayerischen Derfassungsreform block sprechen kann. Auster den genannten Parteien gehören ihm unter anderen an: der Bayerische Heimat- und Königsbund, der Bürgerrat München, der Bayern» b u n d(eines gewissen Ballerstedt), der Arbeitsauslchust der deutsch- nationalen Industriellen in Boyern, der Bayerische Gewerbcbund; ferner ist der Aufruf unterzeichnet von einer Anzahl E i n z e l p e r- sönlichkeiten, darunter E s ch« r i ch, Stingl, Kuhla, dem Syndikus de? bayerischen Industriellen, Oberst I y l a n d« r. dem bekehrten völkischen Scharfmacher von ehemals, P s ch o r r, dem Vorsitzenden der Münchener Handelskammer und«inigen Univer- sitätsprosessoren._ Reichswehr bei Knüppelkunze. Vresdeo. 4. Februar.(Eigener Drahtberitbt). Knüppel» k» n z e hielt am Sonntag auf einem Vaterländischen Abend der TcutschsoLolei, Partei die Festrede. Er fiel über alle Parteien her und prophezeit», dast seine Partei in absehbarer Zeit alS g r ö stt e deutsche Partei die Geschicke Deutschland« lenken werde. Als die Gegner bei der Abstngimg des.Deutschlmid" stndlichen unwiderlegbaren Beweise dafür, daß es den separa- tistischcn Banden niemal, gelungen wäre, in der Pfalz die Ober- Hand zu gewinnen, wenn sie nicht von vornherein von den französischen Vesahungsbehörden milleldar oder an- mittelbar bei ihrem hochverräterischen llnlernehme« unterstüht worden wären! Di« Note zählt alle die zahllosen direkten und indirekten Unter- stützungen der Separatisten durch die französischen Besotzungs- behörden aus und schließt: Die deutsche Regierung sieht sich angesichts dieser Tatsachen, die durch keine Ableugnung aus der Welt geschafft werden können, zu der Feststellung genötigt, daß die sranzSsischen-Behörde« unter Nichtachtung ihrer Völkerrecht- sichen und vertragsmäßigen Verpfllchtnngea in der Pfalz Zustände herbeigeführt haben und zulassen, dt««ine schwere Verletzung der Souveränität des Neiches und Bayern» in sich schließen und die zur Vergewaltigung einer wehrlosen und sriedlichen Bevölkerung von 799 999 Menschen geführt Hab«»». Di« deutsch« Re. gierung ersucht die französische Regierung, den gesetz- und vertrag-- mäßigen Zustand in der Pfalz wiederherzustellen und zu diesem Zwecke ihre Organ« vor allem anzuweisen: 1. Die unter ihrer Duldung oder Mitwirkung mit Waff->, aus- gerüsteten Separatisten zu entwafsneu, ihre Entfernung aus den von ihnen mit Unterstützung der Be satzungsbchördcn besetzten öffentlichen Gebäuden zu ermöglichen und die uneittgeschränkte Wiederaufnahme der Tätigkeit der deutschen Behörden wieder zuzulaflen. 2. Der Rückkehr der von den Separatisten vertriebenen Ein- wohncr keine Hinderniffe in den Weg zu legen. 3. Sich in Zukunft jeder Einmischung in deutsch« innerpolitische Verhältnisse, insbesondere jeder u n- mittelbaren oder mittelboren Unterstützung auf- rührerischer Elemente in den besetzten Gebieten zu e n t h o l t e n." Die Arbeit der Sachverständigeu. Die DaweS-Kommission hat gestern. Montag, mit dem Reichsfinanzministerium Fühlung genommen, um die Be- ratungcn über den neuen Reichs etat zu beginnen. Der Mac-flenna-Ailsschtisz setzte die Prüfung des statistischen Materials der Banken fort. Der Währungsausschufi wird am Dienstag- vormittag den Reichsbankprändenten Dr. Schacht und den Reichsfinanzminister Dr. L u t b e r vernehmen, während der Budgctausschuß Staatssekretär Fischer von der Kriegs- lastenkommission und Staatssekretär Schröder vom Reichs- finanzministerium hören wird. poincars will Macöonald sprechen. London, 4. Februar.(Eigener Drohtbericht.) Es wird versichert. daß, obwohl die auswärtigen Angelegenheiten nicht auf der Tages- ordnung der heutigen Kabinettssitzung standen, auch die Frag« der englisch. französischen Beziehungen t n dieser Kabinetts- sitzung besprochen wurde, zumal kurz vorher Maedonald eine länger« Konferenz mit dem englischen Botschafter in Paris, Lord Crew«, gehabt hat. Wie verlautet, hat Creme die Anregung Potneares auf eine baldige Zusammenkunft der beiden Ministerpräsidenten überbracht. London. 4. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Zu dem Briei» wechsel zwischen Poineare und Maedonald schreibt das Arbeiter. blatt„Daily Herold", daß das Schreiben Macdonalds zur rechten Zeit zum Ausdrucke bringe, daß das englische Volk tn keiner Weis« mit der französischen Politik«inverstanden fei: aber es venneide. die Bedeutung dieser ernsten Feststellung zu übertreiben. Rrbeiterregterung gegen Wohnungsnot. London. 4. Februar.(Eigener Drahlbericht.) Am Montag fand wieder eine Kabinetisiitzung stau, die sich bauplsäcklich mit den internen Fragen der Wohnungsnot und der ArbeiiSiosigleit beiahie. ES wurden Pläne erörteri, die dabin gehen, jährlich 299999 neue Siedlungshäuser mit staatlicher Unterstützung zu bauen und zugleich durch ein Abkommen mit dem Bauarbeiter- verband bei der Verwirklichung diese» Plane» der SrbeitSlostglett zu steuern. Der verband bat dieiem Proselt zugestimmt unter der VoraliSletzung. daß ihm Garantien doiür gegeben würden, daß dieses Programm auf eine Reibe von Jahren Gültigkeit behalte und nicht von einem Wechsel in dem NegierungSkurS abhänge. Die Regierung plant ferner die Förderung der Produktion billiger Baustoffe. Sozialiften im