Abendausgabe Nr. 6041. Jahrgang Ausgabe B Nr. 30 7 Goldpfennig 70 Miliarden Dienstag = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenprette Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5. Februar 1924 Berlag und Angetgenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin stb. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Wetterwinkel Bayern. Eine sehr verdächtige„ Einheitsfront". Nachrichten, die uns aus Bayern zugehen, machen es uns zur Pflicht, auf neue Gefahren hinzuweisen, die sich vori, im Herenfessel der deutschen Politit, vorbereiten. Die Deifentlichkeit ist es müde geworden, sich in die Einzelheiten der völkischen Zwistigkeiten und Zusammenschlüsse zu vertiefen, und das ist nur allzu begreiflich, denn es fann feinem Freude machen, in diesem Schleim von Verrat und gemeiner Hinterfozigkeit um mit dem Hitler- Offizier Göz zu sprechen herumzurühren. Die Abenteuer der Die Abenteuer der Kahr- LossomHitler, Ludendorff, Ehrhardt, Claß, Gran bel usw. sind so verwickelt und zugleich menschlich so wider wärtig, daß ihren Schilderungen gegenüber eine gewisse Abftumpfung eingetreten ist. Außerdem hat der mit allen Mitteln schäbigster Niedertracht geführte Kampf der völkischen Gruppen einen gewiffen Optimismus erzeugt, der fich nur allzu gern mit dem Spruch beruhigt:„ Einer dieser Lumpenhunde wird Dom andern abgetan." Dieser Optimismus, den z. B. auch Herr Stresemann in seiner letzten Rede in Stettin zur Schau trug, ist ganz unberechtigt. Der Plan eines von München ausgehenden und ganz Deutschland ergreifenden Butsches ist nicht aufgegeben, es wird vielmehr an seiner Berwirklichung mit größter Energie gearbeitet. Die Butschisten sind sich aber auch klar darüber, daß sich die Situation vom 8. November nicht wiederholen darf und daß sie nicht noch einmal aufeinander schießen dürfen. Darum wird mit eiserner Energie daran gearbeitet, die verfchiedenen Gruppen wieder zu einigen. Bad schlägt sich, Back verträgt sich." " Die Berföhnung Ludendorffs mit Ehrhardt ist nur ein Zeichen dieser Einigungsbestrebungen, obgleich ein fehr bemerkenswertes. Ehrhardt ist Bertrauensmann Kahrs Ermächtigungsdebatte in Frankreich. Paris, 4. Februar( WTB.) Bei der heutigen Beratung der Finanzentwürfe der Regierung in der Kammer sprach nach dem kommunistischen Abgeordneten Lafont der sozialistische Ab geordnete Baul Boncour, der ebenso wie Lafont das Ermäch tigungsgefeß für nicht verfaffungsmäßig erklärte. Er marnte die Mehrheit, indem er darauf hinwies, daß nach den Wahlen eine andere Regierung von den Verordnungen der jetzigen Regierung einen ganz anderen Gebrauch machen fönne als den, den die Mehrheit von heute gewollt habe. Nach dem Abgeordneten Boncour erklärte André Lefèvre, er bekämpfe das Ermäch. tigungsgesetz und die Regierungsvorschläge, aber nicht aus dem gleichen Grunde. Er werde feinem Drud vom Ausland nachgeben, aber auf die parlamentarische Kontrolle wolle er auch nicht ver. zichten. Die Regierung verlange vom Bolte neue Opfer im Betrage von mehr als drei Milliarden. Was werde geschehen, wenn nach Annahme der vorgeschlagenen Gesetze der Frank noch mehr falle? Es gebe Gegner Frankreichs und der Regierung Poincarés in der Welt, die über zwanzig Milliarden Frank verfügten. Sie fönnten vor der Wahlperiode den Frank zum Sinten bringen. Boincaré erwiderte: Wir haben die Gewißheit, daß der Frank sinken wird, wenn die Kammer nicht die Maßnahmen annimmt, die mir vorschlagen. Lefèvre fagte zum Schluß zu Poincaré gewandt: Denken Sie daran, daß, wenn der Frank nicht steigt, Ihre ganze Politik und ihre Mehrheit zusammenbrechen werden. Die Weiter: beratung wurde darauf auf morgen nachmittag vertagt. Baris, 5. Februar.( Eca.) Zur gestrigen Kammerdebatte fchreibt die Morgenpresse einstimmig, daß die überaus geschichten Ausführungen des sozialistischen Redners Baul Boncour bei der Kammer starten Eindrud hinterlassen haben. Hervé be. zeichnet fte in der Victoire" als eines det bedauerlichsten Zeichen in dieser Republik ber Schmaßmäuler". Ebenso machen die Ausführungen des ehemaligen Kriegsmini. fters Lefevre schon dadurch großen Eindrud, daß er ein ausge. fprochener Freund Poincarés ist, der in ganz besonders energischer Weise von ihm abrudt und der außerdem bei allen Mitgliedern der Mehrheit die Wahlsorgen dadurch erhöhte. daß er als erster die Frage anschnitt, was wohl bei den fommenden Wahlen werden soll, wenn die Maßnahmen der Regierung erfolglos fein würden, und der Frank trotz der neuen Opfer, die vom Lande verlangt werden, weiter sinte. Die Oppositionspreffe zeigt sich dann auch aufrieden. = und des Erfronprinzen Rupprecht: macht er mit Luden dorff seinen Frieden, so tun es die ganzen Weißblauen auch. Daß man den in Ehrenhaft" befindlichen umzingelten" Ludendorff wieder gestattet, fnapp nor feinem Prozeß unter Bruch seiner sämtlichen Ehrenwörter wieder mit Ehrhardt Politif zu machen, ist ein Symptom für die Herstellung der alldeutsch- vaterländisch- völkisch- nationalsozialistischen Einheitsfront. Kahr soll gehen, will aber nicht. Es liegt in der Hand einer unparteiisch geführten Leitung des Hitler Prozesses, es liegt vor allem in der Hand der Angeklagten in diesem Prozeß selbst, Kahr moralisch vollständig zu vernichten. Es find Bestrebungen im Gange, diesen Prozeß zu einer Komödie zu machen oder ihn womöglich ganz zu verhindern. Das letztere ist das Ziel der entschlossenen Putschiften. Die Tage bis zur Eröfnung des Prozesses sind daher als tri tische ge erster Ordnung zu betrachten. Der Zwed diefes Hinweises ist nicht, überflüssige Beunruhigung" zu erregen, sondern die ungeheure Berantwortury der Reichsregierung vor aller Welt festzustellen. Die Reichsregierung fennt die Beziehungen des verhafteten Grandel zu Rahr, sie ist über gewisse Versuche des Herrn Claß, die Inhaber der vollziehenden Gewalt für feine Bläne zu mißbrauchen, unterrichtet. Sie weiß auch noch noch verschiedens anderes, was die von Hern Strefemann in Stettin vorgetragene Theorie, es fei am besten, in Bayern alles laufen zu laffen, wie es läuft, gründlich widerlegt. Durch ein energisches Vorgehen hätte dem Spuf, der Deutschland dauernd beunruhigt, längst ein Ende gemacht werden fönnen. Aber ist ein solches Vorgehen von dieser Reichsregierung zu erwarten? Finanzgesetze der Regierung andauert, wird der französische Ministerpräsident nur schwer die notwendige Muße für so wichtige Ver. handlungen finden, London, 5. Februar.( WEB.) Morningpoft" zufolge fprach der französische Betschafter gefiern nachmittag auf der Foreign Office vor französische Betschafter gefiern nachmittag auf der Foreign Office vor und hatte eine Unterredung mit Sir Evre Creme. Wie verlautet, habe die Unterrebung der Pfalzfrage gegolten. Zur Pfalzfrage schreibt der politische Berichterstatter des Daily Telegraph", bis gestern abend sei noch feinerlei formelle Antwort auf den letzten franzöfifchen Rompromißvorschlag erteilt worden, daß die Rheinlandkommission eine neue Verwaltung in der Pfalz errichten bzw. überwachen solle, aus der sowohl die Separatisten als auch Rheinländer und Bayern ausgeschlossen sein sollten; dieser Gedanke scheine jedoch in britischen Kreisen nur wenig Unterſtüßung gefunden zu haben. Dem diplomatischen Berichterstatter der Westminster Gazette" zufolge steht die britische Regierung auf dem Standpunkt, daß die Frage der Verwaltung der Pfalz eine innere Angelegenheit des Deutschen Reiches " sei, und daß die Errichtung der neuen Regierung auf Befehl der Botschaftertonferenz, die den Wünschen der deutschen Regierung und der großen Mehrheit der pfälzischen Bevölkerung zuwiderliefe, eine Verlegung des Rheinlandabkommens und der Weimarer Berfassung darstellen würde. Agrarische Steuerhehe. Großzagrarier gegen die Kleinbauern. ... Wir müssen aufhören zu flagen, wir müssen fchreien!... Wir müffen schreien, daß es das ganze Bolt hört, wir müssen schreien, daß es in die Barlamentsäle und Ministerien dringt, wir müssen schreien, daß es bis an die Stufen des Thrones vernommen wird." Aus dem Aufruf des Ruprecht in Ransern in der Landw. Tierzucht", 21. Dezember 1892, der zur Gründung des Landbundes führte. Seitdem im August, mit den anderen Notsteuern auch die erste mert beständige Besigsteuer auf den Grundbesig, die Landabgabe, beschlossen wurde, haben unsere Großagrarier an unserem Steuersystem keine Freude mehr. Sie verkünden zwar in ihrer Presse und in ihren Versammlungen ihre grenzenlose Bereitwilligkeit, schwerste Opfer an Geld und Gut" zur Rettung des Vaterlandes( das sie ja in Erbpacht genommen haben) auf sich zu nehmen; sie hezen jedoch gleichzeitig nach der bewährten Methode des Ruprecht in Ranfern so gegen die bestehenden Steuern, daß die Ge= fahr ihrer Uneinziehbarfeit täglich größer wird. Denn unsere Großagrarier sind tatsächlich nur mit dem Steuersystem zufrieden, das sie von ihrer Steuerleistung befreit. Sie wollen überhaupt feine Steuern zahlen. Dieses Ziel tönnen fie aber auf geradem Wege nicht erreichen. Sie müssen dazu einen Umweg gehen. Und um das zu erreichen, schrecken sie nicht davor zurück, ihren eigenen Berufsgenossen in den Rücken zu fallen. Denn dieser Umweg besteht darin, die großen Gutsbesizer zu entlasten auf Kosten der fleinen Bauern. Da mit erreichen Sie zugleich zwei Vorteile. Einmal befreien sie den Großbesig von seinen Steuerlaften und dann hezen sie die ganze Landwirtschaft gegen die Steuern und die Republik, die diese ungerechten" Steuern macht, auf. Diesen Umweg find sie feit jeher gegangen. Er bestand immer darin, wenn fich eine Bevorzugung der großen Güter nicht selbst in das Gesez hineinschmuggeln ließ, diese Bevorzugung nachher durch unablässige Minierarbeit bei der Finanzverwaltung doch noch durchzusetzen. Dann erhöhte die großagrarische Breffe ihren Lärm über Opferwilligkeit und unerträgliche Belastung und im stillen leistete der Reichslandbund seine fachliche" Arbeit, die darauf ausging, ein Steuerunrecht, das abgewirtschaftet hatte, durch ein neues zu ersetzen. Schon als im Juli vorigen Jahres durch die Erhöhung der Einkommensteuervorauszahlungen auch den Großagrariern. eine steuerliche Belastung drohte, benutzte der Reichslandbund schnell die famose Einrichtung der Veranlagung nach einem besonderen Wirtschaftsjahr, um die großen Befizer vor einer wirksamen Besteuerung zu schützen. Er sorgte dafür, daß die nach einem Wirtschaftsjahr veranlagten großen Güter nur ein Bruchteil der beträchtlichen Belastung trugen, die die nach dem Kalenderjahr veranlagten fleinen Besizer entrichten mußten. Als dann die Erhebung der Landabgabe mit den Stimmen der Deutsch nationalen beschlossen war, putschte der Reichslandbund seine Anhänger offen zur Steuersabotage auf. Daß das an dem Widerstand der Regierung scheiterte, können unsere Großagrarier heute noch nicht verwinden. Noch am 16. Jamuar mußte die Deutsche Tageszeitung" folgendes für fie peinliche Eingeständnis machen: " Der Land- und Forstwirt kann heute seine Erzeugnisse nicht Nach dem„ Daily Telegraph" ist eine Anzahl hervorragender verkaufen wann er will, sondern er muß sie zu den Terminen verfranzösischer Industrieller in London einge faufen, an denen die Steuern fällig sind. Er muß die Preise troffen, nicht in offizieller Mission, aber offenbar auf Annehmen, die ihm gerade geboten werden, ohne Rücksicht darauf, ob regung der französischen Regierung, wohl um den Bersuch zu fie angemeffen find oder nicht." machen, fritische Industriekreise und andere Londoner Persönlichfeiten für den Gedanken eines englisch- franzöfschen 3ufammen wirtens in der Behandlung der Rhein- und Ruhrindustrie, d. h. also in der Ausnutzung der sogenannten produktiven Pfänder zu gewinnen. Paris, 5. Februar.( TU.) Der diplomatische Mitarbeiter der Havasagentur erfährt, daß sich die englische Regierung für die neuen Barifer Anregungen nicht erwärmen fönne. Ramsay Mac. donald bleibe vielmehr feiner bekannten Auffassung treu, nach der entweder der 5 a ager Schiedsgerichtshof oder der Bölkerbund einen Schiedsspruch in dieser Frage fällen müßte. Wir glauben, daß der Havasmann da noch reichlich opti mistisch ist; in diefer inner deutschen Frage dürfte es auch nach britischer Meinung nichts zu schiedsrichtern geben! Stille Börse. Bon Anfang bis Ende des Tages, schreibt Tardieu im„ Echo National", hätte sich durch die Ausführungen der beiden genannten Rebner immer mehr die Notwendigkeit ergeben, die Unzulänglichkeit der Regierung festzustellen. Tardieu meinte feststellen zu können, daß Boincaré ficherlich unter einem ftarten Einbrud gefehr ruhigem Geschäft. Am Montanmartt ergaben sich sogar standen habe. De Lafteyrie habe immer noch gelächelt, aber man werde die Folgen sehen Alle Welt habe den Eindruck des Geräusches, das eine Feder verursache, welche zerspringt. Keine Besprechung Poincaré- Macdonald. Der neue Pfalzbreh Poincarés. Paris, 5. Februar.( WTB.) Das„ Echo de Paris" peröffentlicht folgende Mitteilung: Mon hat infolge des Briefwechsels zwischen Boincaré und Macdonald von einer demnächstigen Zusammenkunft zwischen den beiden Staatsmännern gesprochen. Die franzöfifche Regierung ist hierüber nicht befragt worden. Solange übrigens bie augenblidlich im Gange befindliche Parlamentsdebotte über die Die Börse verkehrte heute bei vorwiegend fester Tendenz, aber verschiedentlich Abschwächungen. Die Zurückhaltung der Spekulation über die Tätigkeit der Sachverständigen- Kommissionen im Umlauf erklärt sich vorwiegend aus den untontrollierbaren Gerüchten, die über die Tätigkeit der Sachverständigen- Kommissionen im Umlauf find. Die allgemeinen wirtschaftlichen Berhältnisse sind zwar nach ben neuesten Berichten der preußischen Handelskammern und ande ren Stellen etwas beffer geworden. Die Börse zieht jedoch vor läufig für sich daraus feine Ruganwendung. Sie hält bie allge meine politische Lage noch für zu untlar, um Engagements auf längere Sicht und in größerem Umfange zu tätigen. Als Käufer waren heute hauptsächlich Privatkreise und wohl einige ausländische Auftraggeber am Markte. Die Geldmarfilage ist unverändert, bei etwas reichlicherer Nachfrane wurden heute für tägliches Gelb% bis 1 Bro Mille gefordert. Im Devisenverfehr vollzieht sich das Be fchäft in ruhigen Formen. Der start eingefchränkte Bedarf wird durch Abgabe privater Kreife fast völlig gedeckt. So erfreulich dieser Umstand für die Gestaltung unserer Wirtschaftslage ist, so unerhört ist die Zumutung für die Großagrarier. Der Arbeiter darf selbstverständlich nicht murren, wenn man ihm seine Steuern so abzieht, daß er den Betrag überhaupt nicht einmal in die Hand bekommt. Aber unerhört ist es, wenn der leistungsfähigste Teil der deutschen Landwirtschaft durch gelegentliche Steuerleistung in seinem„ vaterländischen" Profitstreben behindert wird und seine Ware nicht so lange zurückhalten kann, bis das Großstadtvolk den angemessenen Und dabei hatten die Großagrarier Preis" dafür bezahlt. bei dieser ersten wirksamen landwirtschaftlichen Steuer wieder einen ungeheuren Borteil. Da der Wehrbeitragsmert überall bei den großen Gütern viel zu niedrig, bei den kleinen Besitzungen dagegen viel höher angenommen worden war, war die prozentuale Belastung der Großgrundbesiger nur ein Bruchteil der Steuerleistung der fleinen Landwirte. Nachdem es dem Landbund nicht gelungen ist, in der zweiten Steuernotverordnung den Großagrariern diesen Borteil zu erhalten, gibt er diese lingerechtigkeit offen zu, plant aber bereits im ftillen neue Sabotageakte, deren Wirkung darauf hinausläuft, den alten Zustand wieder einzuführen. Er will perhindern, daß die in der Steuernotverordnung angefündigte Berichtigung des Wehrbeitragswertes im Sinne einer gleichmäßigen Belastung aller Steuerpflichtigen tatsächlich durchgeführt wird. Dazu sollen die bewährten Buchführungsstellen dienen, die vielfach Steuerhinterziehungsstellen gleichtommen. Der Landbund drängt unablässig darauf, bei der Berichtigung des Wehrbeitragswertes die Ergebnisse buchführender Betriebe allein als maßgebend anzuerkennen und banach auch die Einstufung in die Güteklassen für die Einfommensteuerveranlagung für 1924 vorzunehmen. Die Regierung darf diesem Verlangen auf keinen Fall entsprechen. Die Arbeit der Buchführungsstellen, die nur be müht sind, den steuerpflichtigen, Ertrag so gering wie möglich darzustellen, ist für den Fiskus so gefährlich, daß sie als Grundlage für die Veranlagung nicht dienen kann. Weder Vermögenssteuer noch Ertragssteuer darf sich nach dem richten, was sabotierende Landwirte aus ihren Betrieben herauswirt schaften und hinterziehende Buchführungsstellen an Erträgen errechnen, sondern fann nur danach bemessen werden, was aus einem Betrieb unter Berücksichtigung von Bodenbeschaffenheit, Kulturstand, Klima, Berteilung der Frucht- und Kulturarten, Berkehrslage und Absatzmöglichkeit" von einem tüchtigen Landwirt erzielt werden kann. Erst dadurch wird man unsere Großagrarier zur Produktionssteigerung zwingen und unfähige Landwirte veranlassen, ihren Platz für tüchtigere Leute freizumachen. Nicht die vom guten oder bösen Willen des Besitzers abhängige Leistung, sondern die Leistungsfähigkeit eines Betriebes ist der Maßstab für seine Besteuerung. Erst dann wird Gleichmäßigkeit der Belastung erreicht werden. Aber es scheint, als ob die Bemühungen des Landbundes schon Erfolg gehabt haben. Ein Erlaß des Reichsfinanzministers ordnet an, daß die Landesfinanzämter unverzüglich ermitteln, was in ihrem Bezirk bei Pleineren, mittleren und größeren Grundstücken der verschiede nen Bodenklassen pro Flächeneinheit etwa als Normalwehr beitragswert anzusehen ist. Diese Anweisung hat bereits dazu geführt, daß in einigen Landesteilen wiederum eine völlig verschiedene Einschätzung von Groß-, Mittel- und Kleinbesitz stattgefunden hat. Zum Beispiel wurden bei einem Finanzamt in Schlesien folgende Normalwehrbeitragswerte für den Hektar in Goldmart, und zwar auf Borschlag des Kreislandbundes Ohlau in Aussicht genommen: bef Mittel für Bodenklasse. = Die Meldung ist insofern nicht ganz richtig, als Dr. Cremer zurzeit nicht mehr Direktor der Telegraphen- Union" ist. Er ist dort vor kurzem ausgeschieden. Unter welchen Umständen, darüber könnte vielleicht auch noch einiges geredet werden. belastet worden ist. Erst läßt man die Zügel der Produktion| wohl auch eine Stellungnahme der Reglernug fordern. Es tann am Boden schleifen, und dann beweist die Entwicklung der wder der großen Deffentlichkeit noch der Regierung gleichgültig sein, Verhältnisse", daß die Landwirtschaft über ihre Leistungs- wenn auf diese oder ähnliche Weise schwerindustrielle Ein: fähigkeit steuerlich belastet ist. Erst wird vor und nach Erlaß füffe in die größte deutsche Nachrichtenagentur eindringen würden." eines Gesetzes das eigene Interesse träftig ausgenutzt und dann über die Ungerechtigkeit gegen die kleinen Besitzer geklagt. Diese Praxis ist um so verwerflicher, als die Land wirtschaft gegenwärtig eine Krisis durchmacht. Diese Krife trifft den kleinen Besitz doppelt hart, weil sie Dank der Fürsorge des Reichslandbundes, unterstützt von den DeutschDieser Dr. Cremer ist aber eine ganz besondere Nummer. nationalen und dem agrarischen Flügel des Zentrums, noch die Er ist volksparteilicher Abgeordneter, was ihn nicht hindert, Steuern zu zahlen haben, die ihren großen leistungsfähigen mit deutschnationalen Industriegewaltigen sehr innige BeBrüdern zugedacht waren. Aber der Landbund denkt gar ziehungen zu unterhalten. Außerdem aber ist er ein persön nicht daran, seine Politt zu ändern. Ganz wie bisher fuchtlicher Freund Stresemanns, und man spricht davon, er mit einer demagogischen Lüge den wahren Sachverhalt zu daß der Außenminister sich stark für die Uebersiedlung Cremers verschleiern. Er macht nämlich die Steuern, von denen seine ins Wolff- Bureau interessiere. Nicht nur aus diesem Grunde Parteigänger doch am wenigsten gespürt haben, für diese scheint das Projekt Cremer- WTB. ein gefährliches. Aber auch Krise verantwortlich. So erklärte lezthin der Steuersyndikus aus diesem Grunde sollte die Reichsregierung sich um die des Pommerschen Landbundes in einer Versammlung in Dinge bekümmern, die da vorgehen. Naugard: " Dir Wirkung der Steuern ist die, daß Grund und Boden, die. heute nur noch einen Bruchteil des Borkriegswertes darstellen, verschulden müssen, bis der sogenannte Eigentümer nur noch Zwangs= verwalter des internationalen Ceihfapitals ist." Das ist agrarische Demagogie in Reinfultur. Die tat fächlichen Ursachen der Krise der Landwirtschaft liegen in der Geldentwertung, der dadurch, hervorgerufenen gewaltigen Aufstapelung von Konsumgütern bei den Agrariern und in der mit der Stabilisierung automatisch einsehenden Kreditnot. Diese Kreditnot ist also hervorgerufen Durch die Inflation, derselben Inflation, die die Großagrarier durch Steuerscheu und Steuerhezze so lange fräftig gefördert haben, als sie Nuzen davon ziehen fonnten. Und wenn diese Steuerverweigerung fo weiter geht, dann wird sie, aber nicht die Steuerlasten, nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte deutsche Boltswirtschaft mit Sicherheit dem„ internationalen Leihkapital" ausliefern. Denn werden die Reichsfinanzen nicht durch Wie aus diesen Zahlen hervorgeht, soll der Kleinträftige Steuern saniert, dann muß das zur erneuten Wähgrundbesig wieder nahezu doppelt so hoch berungszerrüttung führen und Deutschland dadurch mit Sicher aftet werden als die großen Güter. Diese unterschiedliche heit durch Finanzdiktat und Finanzkontrolle zu einer Belastung ist durch nichts gerechtfertigt. Der Wehrbeitrags- Entente Rolonie herabdrücken. mert muß ohne Rücksicht auf die Größe des Betriebes einheit lich berichtigt werden. III V Kleine Großbesit befiz befit 1840 2040 2640 1680 1880 2480 1400 1600 2200 1080 800 1280 1000 1880 1600 Auch in den Verhandlungen über die preußische Grundsteuer hat der Landbund die gleiche verwerfliche Rolle gespielt. Zunächst brachten die Deutschnationalen im Landtag einen Antrag auf so weitgehende Ermäßigung der Steuer für die großen Besizer ein, daß dadurch der Ertrag der Steuer von 330 Millionen auf 47 Millionen Mark gedrückt worden wäre. Dieser Antrag hätte zugleich nach den Angaben des Staatssekretärs Dr. Weber dazu geführt, daß zwar die Leute, die in der Borkriegszeit 3500 m. Wohnungsmiete zahlten, steuerfrei bleiben würden, daß aber die Bewohner Pleiner Wohnungen in großen Häusern Grundsteuer hätten zahlen müssen. Nachdem der Landtag den neuen Entwurf der Grundsteuer in einer Fassung angenommen hat, der eine Ermäßigung der Säge für die fleinen Besitzer bedeutet, hat nunmehr der Graf von Reyserlingt, der Führer des Schlesischen Landbundes im Staatsrat, gegen die ganze Grundsteuer Einspruch eingelegt. Dieser Einspruch wurde von den Rechtsparteien trog des Widerstandes der Sozialdemokraten beschlossen. Er hat zur Folge, daß die Grundsteuer nun in der bisherigen Höhe erhoben wird und die kleinen Befiger auch im Februar noch die ungerecht hohen Säße zahlen müssen, die das Gesetz aufheben wollte. Das ist die Praris der großagrarischen Steuerjaboteure. Es ist heuchlerische Erpresserpolitit, die erst zu großen Opfern" bereit ist, wenn aber mit ihr Ernst gemacht werden foll, mit Ernährungssabotage droht. Erst wurde durch den jahrelangen Stuerstreit der Währungsverfall mit seinen produktionshemmenden Folgen herbeigeführt und Dann die Geldentwertung dafür verantwortlich gemacht, daß die Landwirtschaft nicht ausreichend und nicht gleichmäßig Sechstage- Rennen. Bon Bruno Frei. Zirtus, nicht Sport.-Berblüffender Dreffuratt- nicht des weißen Elefanten sondern ausnahmsweise des weißen Menschen. Das ist das Sechstagerennen. Ein überlebensgroßes Nachtlokal daneben, das die Ränge und Ringe des gewaltigen Sportpalastes A WTB und Schwerindustrie. Der große Aufsauger schluckt auch Wolff. Das Verhältnis von Wolffs Telegraphen- Bureau- furz als WTB. bezeichnet zur Reichsregierung ist bekannt. Das Bureau wird juristisch durch eine Aktiengesellschaft dargestellt, die früher unter Vorsitz des bekannten BismardBantiers Bleichröder stand. Die Continental- Telegraphen- Compagnie( Wolffs Telegraphisches Bureau) verbreitet zu diesen Pressemeldungen folgendes Dementi: Gegenüber den in mehreren Blättern erschienenen Melduncen stellen wir feft: Eine Veränderung in der Leitung des WTB. ist nicht beabsichtigt, insbesondere ist es unrichtig, daß Herr Dr. Cremer als Direttor in Aussicht genommen sei, mit welchem Herrn durch den Aufsichtsrat unserer Gesellschaft, d. h. der allein zuständigen Stelle Berhandlungen überhaupt nicht geführt worden sind. Ob diese knurrige Richtigstellung gleichzeitig eine endgültige Absage bedeuten soll, bleibt abzuwarten. Soweit wir sehen konnte, ist nirgends behauptet worden, daß Cremer schon genommen" sei. Aber daß einflußreiche Kreise seine Aufnahme in die Leitung des BTB. betreiben, ist zweifellos. Bielleicht wollte eines Tages auch der Aufsichtsrat durch Mehrheitsbeschluß sich selbst„ über. raschen"?! Der italienisch- russische Vertrag. Rom, 5. Februar.( Eca.) Der russische Delegierte in Rom Jor danski überreichte im Balais Chigi eine Note, in der er erflärt, er fönne den italienisch russischen Vertrag nicht unterzeichnen wegen des Regierungswechsels infolge Lenins Lod. In Rom ist man der Ansicht, man wolle in Moskau erst einmal cb warten, wie sich die Lage im Anschluß an die Anerkennung der Sowjetregierung dutch England gestaltet. Auch Norwegen erkennt an. Stocholm, 5. Februar.( Franff. Sig.) Nach hier vorliegenden Meldungen beabsichtigt die norwegische Regierung, in Kürze Rußlamb de jure anzuerkennen. Zweierlei Maß. der Weißgardisten Pepeljajem und 20 Mitangeklagte zum Er. Die Reichsregierung steht zu dem Bureau in einer Art verbreiten, sichert sich dadurch die Weitergabe auf jeden Fall, Bertragsrerhältnis. Sie läßt offiziöse Nachrichten durch WTB. Das Militärgericht in Efchita( Oftfibirien) hot den General und gewährt ihm dafür nicht unerhebliche Kostenzuschüsse. schießungsfod, 57 Angeklagte zu Gefängnisstrafen verurteilt. Jezt ist WTB. plöglich in die öffentliche Erörterung ge- Die Echu des reißgardistischen Generals gegenüber der Sowjetrückt. Man spricht ganz offen von der Abficht der Schwer- republi? meg groß fein. lleber die Massenerschießungsmethoden industrie, das offiziöse Bureau unter seine Fuchtel zu be- auch gegen Weißgerdisten in dieser„ fommunistischen Republik", die kommen. Die Frankfurter Zeitung" bringt darüber folgende behauptet, nie so gefestigt gewesen zu sein wie jetzt, wollen wir nicht Meldung: rechten. Aber der weißgardistische General Glaschtschew und mit ihn andere mehr, die in der blutrünstigsten Weise tausende Kommunisten abgeschlachtet haben, stehen in höchsten Würden bei der Sowjetregierung, weil sie die Maske des Gehorsams auffekten, unt bei günstiger Gelegenheit als stramme Monarchisten und Militaristen ihren früheren Chef Nikolaj Nikolajewitsch eventuell euf den Thron zu verhelfen. Pepeljajem war wohl ehrlicher. Deshalb das andere Maß. Wie uns mimtgeteilt wird, fchweben zurzeit Berhandlungen, die darauf hinzielen, den volksparteilichen Reichstags. ebgeordneten Dr. Cremer in die Leitung des Wolfffchen Telegraphenbureaus zu bringen. Dr. Cremer ist seit einer Reihe von Jahren Geschäftsführer der Telegraphen- Union" eines Ron. furrenzunternehmens von Wolff; die engen Beziehungen der Telegraphen Union zu der deutschnationalen Hugen. berg- Gruppe find bekannt. Nech dem, was wir hören, haben die Berhandlungen mit Dr. Cremer noch nicht zu einem festen Ver trag geführt; sie sind aber so weit vorgeschritten, daß demnächst mit dem Abschluß gerechnet werden müßte. Sollte sich die Nachricht be. wahrheiten, so würde sie in allen journalistischen und politischen Kreisen erhebliches Aufsehen zu erregen geeignet sein und Aber an der Kaffe werden Goldmarkpreise ausgezahlt! So große Mengen Begeisterung an ein Ziel verwandt, würden ausreichen, das Gesicht Deutschlands zu ändern. Was nützt es, Wunder zu wünschen? Es heißt jezt nicht mehr:„ Brot und Spiele" Spiele allein genügen auch. Das Weimarer Schloßmuseum. Henderson kandidiert im Unterhaus. London, 5. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Genosse Arthur Henderson, der Staatssekretär des Innern, hat die Kandidatur für den Unterhausfit in Burnien angenommen, der durch den Tod Dan Irvings.( Lab.) erledigt ist. Exponiert. Schon wölbt sich über dem Bahnhof Friedrichstraße bas stählerne Gerippe der großen Ruppel, die dereinst alle Bahn steige unter ihre schüßenden Fittiche nehmen wird wie die Glucke ihre Rüchlein... und über der riesigen Kuppel wölbt sich die klare, winterblaue Glasglode, gemeiniglich Himmel genannt. Wunderbar scharf heben sich gegen diesen durchsichtigen Hinter-. grund die schwärzlichen Gestalten eifriger Arbeiter ab, und bis auf die taudurchweichten Straßen schallt scharf und rhythmisch ihe Hämmern ,, Bochen, Nieten, das zischende Geräusch der Schweiß Wesen, die Leere hinein... auch an ihm tleben die geschäftigen Wefen, bohren, flopfen, raffeln, unbefümmert um das brausende Borüberschießen der Straßenwelt da unten tun fie ihr Werk. Einer hat gar mit festem Schentel die äußerste Spiße des Eifenträgers umflammert wie ein Reiter ein wildes Pferd, und schwingt weit ausholend den schweren Hammer. ausfüllt. Rauch, Parfüm, Schweiß, Erhizung, heiseres Brüllen, ein Schloßmuseum erhalten, das freilich die Einrichtungen des apparate. Einer der Eisenträger ragt herausfordernd, fed, well in Barleben in offener Loge, Zehntausende auf den Galerien, Reflamescheinwerfer- und über all dies, aus den Höhen des elliptischen Tempels hervordonnernd: der Fortrott der Musikkapelle. Alles dreht sich schwindelerregend um die Rennbahn. Oder diese um alles? Das im Bogenlampenlicht glänzende Holzpflaster der Rennfläche steigt an den Kurven fast senkrecht an. Eine Brüde führt zu dem viel umworbenen Mittelplatz. Rund um diesen freisen sechs Tage und sechs Rächte in unendlicher Kilometerfresserei die "" " Helden, die Lieblinge, des Publikums. Jede Stunde läuten die Startgloden zu Wertungen", die sich in Spurts" auflösen und eine wahre het" für die Massen bilden. So ein Logenparvenu spendet eine Beinbatterie für den nächsten Sieger. Tafeln und Scheinwerfer verkünden das Ereignis. Die Arenatiere jagen los. Anschwellendes. Gebrüll und Getreisch erhebt sich über allen Brüftungen. Man riecht Erregung und Luft... Sport. Auch Weimar hat jetzt wie die meisten früheren Residenzen Echlosses wenig benugen fonnte und der Aufstellung große Schwie rigkeiten entgegenstellte. Seitdem das Museum aber wenigstens teil. weise eröffnet worden ist, bietet sich erst die Möglichkeit, wie Schent zu Schweinsberg im Cicerone" ausführt, den staatlichen Kunstbesig Beimars wieder zu überblicken. Die Berteilung der großen Samm. fungen ist jetzt derart, daß das frühere großherzogliche Museum die Kunst von der Mitte des 19. Jahrhunderts an enthält. Die alte Kunst und das alte Kunstgewerbe find ouf zwei Stellen verteilt: das einen entzückenden Rahmen für die Bestände des 18. Jahrhunderts. Schlößchen Belvedere und das Weimarer Schloß. Belvedere bietet Den Hauptraum nimmt die Borzellanfammlung ein, daneben sind Gläser und Möbel in schönen Proben vertreten. Das Schloß mußte als Museum eingerichtet werden, wozu sich viele Räume nicht recht eigneten. Das Erdgeschoß mit den hohen gewölbten Sälen umfaßt die firchliche Kunst des 14. bis 16. Jahrhunderts, an die fich dann im 1. Stockwert die deutsche, insbesondere thüringische Kunst und Gewaltige Massen strömen, besonders nachts, hierher. Der das Handwerk vom 16. bis 18. Jahrhundert schließen soll. Diese Räume find noch nicht ganz fertiggestellt; sie werden eine architettoSportpalaft wird Dauernachtlokal. Die anderen Barbesizer plagen vor Neid. Massenaufgebot der täuflichen Liebe schwärmtische Einheit mit einem ir natürlicher, historischer Folge fich reihen den Inhalt darbieten. Im 2. Stod dagegen mußten sehr verschieden. umher; interessiert sich für den Stand des Rennens. Heiße Bürstel, artige Sammlungen zufammengelegt werden. Hier fand zunächst die heiße Leiber... Sport. graphische Abteilung ihren Plaß, und zmar wurde der große Reich tum an Zeichnungen von Lucas Cranach und seiner Schule durch die Sammlung der Tafelbilder ergänzt, so daß das Ganze nun eine geschlossene kleine Raumgruppe bildet. Die feinen flaffizistischen Studdekorationen einzelner Räume ließen sie geeignet erscheinen, die Kunst der Goethezeit aufzunehmen, und so finden sich hier die Werke von Klauer, Carstens, Friedrich, Kersting, Luise Seidler u. a. mit einigem Mobiliar und Borzellan vereinigt. In den sich zuletzt anfchließenden neutralen Zimmern wurden Werke der allerneuesten Kunst untergebracht. Man findet hier einen Raum mit Bildern von Feininger, einen anderen mit farbigen Zeichnungen von Klee, fowie einzelne Werke von Franz Marc, Schmidt- Rottluff, Kandinsky usw. Es sind keine Repräsentationsräume die bisher in diesem Schloßmuseum zugänglich gemacht wurden, aber es sind Zimmer von flarer, architektonischer Haltung mit gutem Seitenlicht. Eine sparsame, ein, Leitliche Dekorierung machte es möglich, die Räume bet größter zurückhaltung lebendig zu gestalten und auch den aufgestellten Werken gerecht zu werden. Nachts durch einige Stunden wird die Halle geräumt. Die jagenden Räder rollen weiter. Kleine Hundekojen sind in die Rennbahn eingebaut, wo die targ bemessenen Stunden des Schlafes fauernd abgeseffen werden, während das Rad des Meisters weiter rollt, von einem Erfagmann getrieben. Morgens, wenn draußen in der Borstadt die ersten Arbeiterkolonnen aus den Stadtbahnhöfen strömen, kommen die letzten Nachtschwärmer zum frühen Gladiatorenzuruf: Vorwärts Bauer!".. Weiter Richard!"... Sport. Die Zeitungen halten das Publikum in Spannung. Die Ereignisse der zweiten Nacht“;„ Die 21. Wertung";" Die zweite Runde gewinnt..". Tausende Bleistifte notieren emfig. Der Sieges. anwärter werden immer weniger. Halbtot aus der Runde geschleppt Bein gebrochen ausgeschieden So bricht der letzte Abend heran. Die Spannung steigt, der Champagner strömt, das Toben des Massenmeeres wächst zum Orfan. Ein Revolverschuß verkündet das Ende. Die Sieger glozen mit legter Kraft in photographische Apparate. Kränze von Bräuten und Vereinen, feierlich geschwungen, erinnern an Turnierfefte. Spielzeit, beginnend mit dem 16. Februar, neue Abonnementsbefte aus. Das Schiller- Theater Charlottenburg gibt für das zweite Halbjahr der Ele gelten für fünf verschiedene Borstellungen an einem beliebig zu wählenden Wochentage in vierwöchigem Turnus. Unten aber steht ein häuflein mit hochgeredten Hälsen, hervor quellenden Augen und verfolgt emsig jede seiner Bewegungen. Aus teil: das Häuflein dort ist die Maffe gewordene Gleichgültigkeit. In Teilnahme? Aus Furcht? Aus Neugier? Wohl faum. Im GegenDen fleinen Hirnen friechen schnecenträge noch kleinere Gedanken, alle von dem einen beherrscht: Ob er wohl herunterfällt? Und die wäfferigen Augen starren nach oben und warten Treffliches Gleichnis mir! Auch bei uns steht oder hängt immer irgend jemand an einer Stelle die ins Leere ragt, an einem hervor. springenden Bunfte, allen fichtbar. Diplomaten jagen: exponiert. und unten steht die Spießbürgerwelt. Kein Funke schlägt zündenden Kontakt. Sie glogt empor, berauscht, befeelt von dem einen Gedanken: ob er wohl herunterfällt? Ist das nicht ein deutsches Symptom? e. r. Die Zunahme des Luftpostverkehrs. Einige Zahlen, die von der englischen Bostverwaltung veröffentlicht werden, zeigen, wie sehr der Luftpoftverkehr im vergangenen Jahr gestiegen ist. Die Brief beförderung von London nach Köln wuchs von etwa 400 Pfund während des ersten Biertels von 1923 zu mehr als 4000 Pfund im dritten Viertel. Das Gesamtgewicht der Briefe, die im vergangenen Jahr von und nach Köln durch die Luft befördert wurden, belief fich auf faft 10 000 Pfund, d. h. etwa 142 000 Briefe. Genen 315 000 Briefe wurden auf dem Luftpoftwege von London nach Kairo und Bagdad befördert, gegen 175 000 im Jahre 1922. Die. Zahl der Luftpostbriefe von London nach Paris wird mit 23 000 angegeben. Der Leninfult. Die erfte Serie der Briefmarken zur Erinnerung an Lenins Tob ift bereits berausgegeben worden. Die Marten zeigeit Lenins Kopi in roter Umrandung auf schwarzem Brund. Die Beamten der von Petersburg nach Mosfau führenden Esenbahn baben, wie der Dit- Erbres mitteilt, in einer Eingabe an den allrussischen Gewerkschaftsrat die Errichtung eines Denkmals für Lenin in dem jest in Lenin. grad umbenannten Petersburg vorgeschlagen. Das Denkmal foll an die Stelle des Monumentes des Zaren Alexander III gefeßt werden. Ferner beantragen fie ibre Bahnlinie von nun ab Penin Bahn zu nennen. Nora Zepter fpricht am Donnerstag in der Aula der Mädchen- Mittelschule in Neukölln Shrik und Prosa( Byron, Bédier, Romantiker). Beginn 7% Uhr. Franz Krüger gestorben. Bei Schluß der Redaktion erhalten wir die erschütternde Nachricht, daß Genosse Franz Krüger, Mitglied des Landtags und früher Vorsitzender der Sozialdemokratischen Parteiorganisation von Groß- Berlin, heute vormittag feinem langen Leiden erlegen ist. Ausnahmezustand und Wohnungsnot. Unerhörte Uebergriffe. Staffel, 5. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung fam eine von allen Frattionen unterzeichnete Dringlichkeitsanfrage an den Magistrat zur Beratung, die folgenden Wortlaut hatte: Die Fraktionen der Stadtverordneten. versammlung richten an den Magistrat die folgende Anfrage: Ist es richtig, daß der für Kassel militärisch zuständige Befehlshaber des Wehrfreistommandos in Stutt= gart son dem Städtischen Wohnungsamt die Anmeldung aller frei werdenden Wohnungen bei dem hiesigen Garnisontommando verlangt, in der Absicht, diese Wohnungen vorzugsweise mit verheirateten Militärangehörigen zu befehen? Welche Stellung nimmt der Magistrat zu diesem Vorgehen ein?" Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion erflärte das Borgehen des Militärbefehlshabers für einen ganz unerträglichen Eingriff in die Befugnisse des Wohnungsamtes. Taufende von Kaffeler Familien, die schon seit Jahr und Tag auf eine Wohnung warten, würden dadurch einfach auf Jahre hinaus der Möglichkeit beraubt, eine Wohnung zu erhalten. Weber das Ermächtigungs, Weber das Ermächtigungs. gefeß noch der Ausnahmezustand gab dem Wehrkreiskommando irgendeinen Rechtstitel in die Hand zu einer solchen Maßnahme Dem militärischen Befehlshabir jei die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung übertragen. Die öffentliche Ruhe und Ordnung werde aber aufs höchst gefährdet durch solchen unerträglichen Eingriff in die Selbstverwaltung der Stadt, der noch dazu zu einer schweren moralischen und wirtschaftlichen Schädigung derjenigen Bevölkerungskreise führen würde, die schon sowieso tem Elen der Wohnungslosigkeit überantwortet seien. Alle Bemühungen der Stadt zur Linderung der Wohnungsnot würden dadurch mit einem Schlage zurichte gemacht. Der Bertreter des Magistrats er. flärte, es sei richtig, daß der militärische Befehlshaber eine solche Berfügung erlaffen habe; sie sei zwar ne nicht veröffentlicht, aber der Oberpräsident habe bereits die Anweisung, sie an die Regierungen meiterzureben. Der Oberpräsident hat sowohl der Stadt als auch dem Wehrfreistommando gegenüber seine schweren Bedenten gegen diese Verfügung geltend gemacht, aber bisher fei eine Antwort darauf richt erfolgt. Es seien gegenwärtig in Raffel über 6000 Wohnungsuchende, die in die höchste Dringlichkeitsliste eingetragen find. Die Verfügung des Wehrkreisformandos würde zur Folge haben, daß alle diese Armen und Elenden in absehbarer Zeit überhaupt teine Wohnung befommen würden. Das Wohnungss amt werde sich mit allen Mitteln gegen den ihm durch die Verfügung auferlegten 3mang, die frei mer. denden Wohnungen dem Garnisontommando mit. zuteilen, wenden. Auf eine Anfrage, ob es richtig sei, daß vom Wohnung samt zugewiesenen Dringlichwohnungsuchenden dura) die Militärbehörde der Einzug in die zugewiesene Wohnung verhindert worden sei, indem die Militärbehörde einen Posten vor die betreffende Wohnung gestellt habe, erklärte der Magistrat, daß das zutreffely Landesverrat der Deutschen Zeitung". Die ,, Deutsche Zeitung" erzählt: In Gräfenthal in Thüringen wurden unter einer Gartenlaube perstedt dret mit Dynamit gefüllte Risten gefunden, eine Menge, die genügt hätte, um die ganze Stadt Gräfen thal in die Luft zu forengen. Es handelt sich offenbar um ein Sprengstofflager der Kommunisten. Die Am Sonntag haben wir durch Veröffentlichung des Göz- Briefs. die Welt erfahren lassen, aus welchem Versted die Hitlergarden die Gewehre holten, die sie am 8. November spazieren trugen. ..Deutsche Zeitung"( und Kahr) haben uns deswegen des Landes verrats bezichtigt. Heute entdeckt die„ Deutsche Zeitung" selber geheime Waffenlager. Wir erwarten, daß sie nunmehr ihren verant wortlichen Redakteur selber verhaften und in Fesseln Herrn Em minger zuführen wird. Pfälzischer Beamtenprotest. Frankfurt a. M., 5. Februar.( WTB.) Aus der Pfalz wird gemeldet, der Beamtenbund der Pfalz hat an die Rheinlandtommiffion folgende Eingabe gerichtet: Durch die Feststellungen des Herrn Generalfonfuls Clive ist zweifelsfrei erwiesen, daß die Separatisten, die in der Pfalz einen vollständigen Fremdförper bilden und von der überwiegenden Mehrheit der pfälzer Bevölkerung abgelehnt werden, feinerlei Berechtigung zu Eingriffen in die Verwaltung und zu Meßnahmen gegen die Behörden der Pfalz haben. Die Separatisten haben durch ungefeßliche Eingriffe die Regierung der Pfalz sowie eine Reihe von Aemtern, Bezirksämtern, Finanzämtern und Steuerämtern aufgelöst, die Be cmten dieser Aemter wurden teils verhaftet, teils über den Rhein cbtransportiert. Im Gegensatz dazu berichteten besonders französische Zeitungen, daß die Bramfen der Pfalz geflohen feien. Demgegenüber Stellen riidlid) fest, doß fein einziger Beamter feinen Boſten illig verlassen hat oder geflohen ist. Nur eine von ihnen ist verhaftet oder ausgewiesen fleine worden, so daß im Augenblick der Entfernung der Separatisten die Beemtenschaft ihren Dienst vollständig und ungekürzt wieder aufnehmen fann. Dies trifft sowohl für die Regierung in Epener als auch für die Bezirks-, Finanz- und Steuerämter zu. Wir betonen ausdrücklich, daß die Beamten der Pfalz gemäß der Eingabe vom 9 Januar bereit sind, in loyalster Weise mit den Besagungsbehörden auf Grund des Rheinlandartommens und der bestehenden Ordonnanzen zusammen zu arbeiten. Wir lehnen mit Entschiedenheit die in einem Teil der ausländischen Presse uns untergeschobene feindliche Gesinnung gegenüber den Besatzungsbehörden ab. Die Kundgebungen der Beomten betrafen lediglich die Wahrung ihrer Beemtenrechte und ihrer persönlichen Eicherheit gegenüber den Eingriffen der Separatiften. Venizelos ist zurückgetreten - aber wirklich aus Gesundheitsgründen. Für Wilson jetzt eine Breklamation des Präsidenten Coolidge eine Trauer von 30 Tagen fest. Aufhebung der Immunität in Spanien. Das D'ref'orium verordnet. daß die Abgeordneten und Senatoren, welche unter Anklage beschluß stehen, dem Gerichtshof zu übercntworten find. Wie mars, Her: Emminger?! Zweck und Ziel der Arbeiterwohlfahrt. Die Kinderschuhfom 3 mission will der Bezirksausschuß sich als Kommission oder Fachgruppe eingliedern, und er hat ihren Namen in seinen Titel mit aufgenommen. Die Arbeit an den Kindern wird in Zukunft noch ernster als je zu nehmen sein. Der Ausschuß hat für sie bereits eine Stätte für erzieherisch wirkende Beschäftigung geschaffen. Genoffin Todenhagen streifte den Gedanken eines In der Wohlfahrtstonferenz für Berlin, die vom| denen der Arbeiterwohlfahrtsausschuß in enger Fühlung bleiben will, Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh auf Beschluß gehört die Konsumgenossenschaft, der Arbeiter- Samariterbund, die Ar. des erweiterten Bezirksvorstandes veranstaltet wurde und am Mon- beitsgemeinschaft der Kinderfreunde. tag im Berliner Rathaus unter Vorsiz des Genossen Maderholz statt fand, legte Genoffin Todenhagen ihrem Referat die vom Bezirksausschuß aufgestellten Richtlinien für die Wohlfahrtsarbeit zu grunde. Der bei der Sozialdemokratischen Partei bestehende Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt unterscheidet sich von bürgerlichen Wohlfahrtsverbänden dadurch, daß er die ohl= fahrtsarbeit nicht als eine freiwillige Leistung ansieht, sondern als eine Pflichtleistung der Gesellschaft durch ihre Mitglieder. Die Arbeiterwohlfahrt will nicht nur Schäden heilen, sondern mehr noch Schäden verhüten und leistet hiermit Kulturarbeit im weitesten Sinne. allgemeinen Kulturbeitrages, der es ermöglichen fönnte, aus der Arbeiterschaft heraus mehr Kulturarbeit zu leiften. Sie bedauerte, daß es bisher bei der Ar. beiterwohlfahrt nicht gelungen ist, sie so fest in der Arbeiterschaft zu verankern, wie z. B. bei den Bildungsbestrebungen und auch beim Sport, und forderte mehr Mitarbeit der Gemertschaften. Aus den Bestimmungen über die Organisation, die die Referenlin an den Richtlinien näher erörterte, sei nur mitgeteilt, daß im ganzen Bezirk Berlin die Kreise und Abteilungen ihre Kreis- und Abieinoffen und Genoffinnen, die schon in der Wohlfahrtspflege stehen oder sich ihr mitmen wollen Beim Bezirksausschuß als der Svike und auch bei den Kreis- und Abteilungsausschüssen fönnen nud) Fachausschüsse gebildet werden. Die bisherigen fommunalen fie nicht besondere Aufgaben( z. B. Berkehrswesen) haben, sondern Kommissionen sollen nach Meinung der Referentin, soweit im wesentlichen Wohlfahrtspflege treiben, sich der Arbeiterwohlfahrt anschließen, weil sonst Kräfte verzettelt werden. Genoffin Lodenhagen schloß ihr Referat mit der Aufforderuna, ten Richtlinien nicht nur formell zuzustimmen, sondern auch im Geist dieser Richtlinien zu arbeiten. Die Richtlinien des beim Berliner Bezirksverband der Partei bestehenden Bezirtsausschusses für Arbeiterwohl fahrt und Kinderschuh betonen, daß die Auffaffung ber Sozialdemokratie über die Aufgaben der öflungsausschüsse bilden. Diese werden zusammengefeßt aus Gefentlichen Wohlfahrtspflege durch Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege zur Geltung gebracht wer= den muß. Dazu ist nötig unter anderem die Zusammenfassung aller in der Wohlfahrtspflege und auf verwandten Gebieten tätigen Genossen und Genofsinnen( Dezernenten und sonstige Beamte der öffentlichen Wohlfahrtspflege, Kommissionsvorsteher und-mitglieder, freiwillige Helfer) ihre fachliche Weiterbildung, Gewinnung und Schulung never Kräfte, Beteiligung an Vorarbeiten für Geseke, Ber: ordnungen usw., Zusammenarbeiten mit Stadt- und Bezirksverordneten, mit öffentlichen Körperschaften der Sozialversicherung, mit Genossenschaften und Organisationen für Spezialaufgaben der Arbeiterwohlfahrtspflege, auch mit anderen Wohlfahrtsorganisationen nach der gemeinsamen Arbeit der öffentlichen Wohlfahrtspflege und der von Beschlußfassung. Der Ausschuß steht auf dem Standpunkt, daß in Berbänden geleisteten freien Wohlfahrtspflege ihm die Führung der öffentlichen Wohlfahrtspflege gebührt. Durch die Not der Zeit sind ungewöhnliche Aufgaben gestellt worden, und der Ausschuß für die Arbeiterwohlfahrt hat sich auch zusammen mit bürgerlichen Wohlfahrtsverbänden an gemeinsamen Hilfsaktionen be teiligen müssen, wobei er aber bemüht gewefen ist, möglichst seine Grundsäge zur Geltung zu bringen. Zur Mitarbeit an der Deutschen Kinderhilfe entschlossen die Genossen und Genoffinnen sich erft, als ihre Forderung erfüllt wurde, daß die Führung dem Jugendamt zu übertragen ist. Seitdem ist es, unter dem Einfluß jenes Borganges, zur Gewohnheit nemorden, daß bei Hilfsaktionen der Wohl fahrts- und der Jugendpflege das Wohlfahrts. und das Jugendamt die Führung hatten. In diesem Zusammenhang erwähnte Genojjin Todenhagen das Berhältnis zur Internationalen Arbeiterhilfe. Den ihr vom deutschen Komitee angebotenen Siz im Borstand hat fie abgelehnt, weil nur ihre Person und nicht die ganze Organisation der Arbeiterwohlfahrt zur Mitarbeit herangezogen werden sollte. Sie hat aber auch deshalb Bedenten gehabt, weil sie bei der JAH. die Abficht einer fommunistischen Zellenorganisation vermutete.( Wider spruch.) Zu den Genossenschaften und Spezialorganisationen, mit Lichtmeß. " Zu Lichtmeß Große Herrn bei Tag eß" ein rheinisches Wort, das die Gegenwart bligartig beleuchtet. Ja, den Herren Austernfreund und Setttübel geht es jetzt gut; wenn sie sich zum leder be. reiteten Male sehen, haben sie feine fünstliche Beleuchtung mehr nötig, um die Bissen zum Munde zu führen. Soweit ist das Licht des Tages bereits vorgerüdt, was auch in meniger materiell ge finnten Seefen die Heffnung auf ein neues Werden der Natur auslöft. Ob der Februar diese Hoffnungen begünstigt ob er den aufsteigenden Wunsch, daß er vermehrte Arbeitsgelegenheit schaffen möge, befriedigen wird wer weiß es? Erinnern wir uns an die Zeit vor 7 Jahren, an das Kriegsjahr 1917, wo gerade der Februar uns die grimmigfte Kälte bescherte. Ach, wie froren die wenigen wagemutigen Schaffnerinnen, die an den schlimmsten Tagen ihr Amt verfahen, und trotzdem mit liebenswürdigem Lächeln die Komplimente der vom Frost noch mehr bibbernden Herren entgegennahmen! Da es nun weise Männer gibt, die in der Natur einen sieben jährigen Turnus herauszulesen sich berechtigt glauben, so wäre vielleicht noch ein scharfer Februarfrost zu gewärtigen. Aber es fann auch anders fommen, wie z. B. im vorletzten Jahre des legten wenigstens auf füddeutschem Jahrhunderts, wo man im Februar Gebiet mittags nicht nur ohne Paletot spazieren ging, sondern sogar den Schatten aufsuchte. Aber auch diese Unnatur rächt sich meist; auf einen solchen milden Februar folgt durchweg ein wenig erfreulicher März, denn mir fagt ein gleichfalls süddeutsches Sprich brich's Eis wort: ,, Mattheis( 24. Februar) hat er feins macht er eins."... Lieber also noch ein paar Wochen Winter, und dann hinein in den Frühling, in die Sonnenstrahlen, die alt und jung, Sünder und Gerechte bescheinen... Mögen fie diesmal unserem schwer leidenden Vaterlande einen Jundbrnunnen bescheren, aus dem es wieder zum menschenwürdigen Dafein emportauchen kann. 2 Minutenverkehr auf der Nord- Südbahn. Einführung neuer Wagentypen in 16 neuen Zügen. den des Geschäftsbeginnes und Schlusses auf der Die unhaltbaren Zustände, die sich namentlich in den Stun Nord- Südbahn entwickelt und vielfache Kritik herausgefordert haben, dürften demnächst endlich behoben werden. Spätestens für Beginn des nächsten Monats ist mit der Einführung der neuen agentypen auf der Nord- Südbahn zu rechnen, und zwar werden neben den bisherigen alten Wagenmodellen a dht moderne 3üge zu je drei Wagen verfehren. Die neuen Inpen merden nad) Entwürfen des Geheimrats Stemmann und des Etabibaurats Dr. Adler gebaut, und zwar werden bei ihnen die Erfahrungen berücksichtigt, die Kemmann auf seiner zu diesem Red nach London Die neuen Wagen unternommenen Studienreise gesammelt hat. werden im Gegensatz zu den alten Hochbahnwagen das Lunnelprofil der Nord- Südbahn voll ausfüllen; fie find länger und breiter. Bon der Einführung von Querfiken hat man Abstand genommen, es bleibt bei den Längssigen. Daneren weisen die neuen Trpen eine andere Anordnung der Türen auf. Sie ers halten nicht nur an den beiden Enden, sondern auch in der Mitte Schiebetüren, die geteilt und rech beiden Seiten auseinanderzuziehen find. Mit der Einführung von a chi weiteren Zügen wird dann der Kahrabstand in den Stunden des stärksten Verkehrs tis auf 2% Minuten verringert werden können. Gasvergiftung nach einem Ehezwift. Eine Ehetragödie spielte sich heute früh im Hause Butbufer Str. 9 ab. Um 7½ Uhr morgens wurde die Feuermehr nach der im zweiten Stormert des Quernebäudes befindlichen Wohnung des 28 Schre alten Schmelzers Otto Better gerufen. Nach Definung her Korridortür fond men Better und feine 30 Jahre alte Grau bewußtlos in ihren Betten liegend auf. Das Zimmer war ſtart mit Gas angefüllt. Gomariter der Feuerwehr be mühten fich um beide Ehelente. Es gelano, den Mann wieder. zum Bemukfein zu bringen, während die Ehefrau, die befonders start infolge der Gasvergiftuna gelitten hatte, nach dem Birchom- Krankenhaus geschafft werden mußte. Nach Angabe Betters muß eine Frau na ehelichen 3wgfelter am Abend zuvor im In der Diskussion wurden gegen die Richtlinien Beine Einwendungen vorgebracht. Die Erörterung drehte fich großenteils um das Verhältnis zur Internationalen Arbeiterhilfe. Genosse Fischer( Weißenminder mißbilligten. Genoffin Wurm war, wie Genossin Dölz Genosse Färber. Genosse Stadtrat Dr. Friedländer( Prenz lauer Berg), Genoffin Luise Kähler, Genoffin Wuttke( köpenid) die Fernhaltung von den Arbeiten der JAH. mehr oder minder Mizbilligten. Genoffin Wurm war( wie Genoffin Döiz hervorhob, verreist, sie hätte sich sonst an dieser Aussprache beteiligt. Genosse Dr. Korach wies auf den Zusammenhang von Krankheit und Berarmung hin und forderte mehr Gesundheitsfürforge. Mehrere der Redner und Rednerinnen unterstrichen die Bedeutung des Zusammenschlusses, den die Arbeiterwohlfahrtsorga nisation bringt. Im Schlußwort ging Genossin Todenhagen unter anderem auf die Stellungnahme zur JAH. nochmals ein und ermähnte, daß vor Zulassung zu den Speiſuncen der JAH. ein Fragebogen ausgefüllt werden mußte, der auch nach der Parteizugehörigkeit irage. Genosse Färber erwiderte in persönlicher Bemerkung, in der leien Konferenz der JAH.( am 27. Januar) fei festgesetzt worden, daß diese Frage nicht mehr gestellt wird. Mit der Mahnung, im Geiste der Richtlinien an der Arbeiterwohlfahrt zu arbeiten, schloß Genosse Maderholz die Konferenz. Baufe der Nacht die Gashähne geöffnet haben, in der Abficht, sich und ihren Mann aus der Welt zu schaffen. Die Kriminalpolizei ist mit der weiteren Aufklärung des Falles beschäftigt. Tas geflüsterte Geheimnis. Einen erfolgreichen Trick mendet eine Schroindlerin an, die es auf große Fleischer- und Bäderläden abgesehen hat. Eine Frauens perion in den dreißiger Jahren, die ganz zigeunerhaft aussieht, cricheint in den 2äben, bittet den Geschäftsleiter um eine geheime Unterredung und teilt ihm dann im Hüftertone mit, daß in einer der nächsten Nächte bei ihm a fet fie eingebrochen werden solle. Himmelhoch bittet jedesmal, fie doch ja nicht zu verraten, weil die Berbrecher, besonders der Boger- Walter, der dabei sei, fie sonst zu Klopsfleisch schlagen würden, oder auch zu Mus, wie sie bei den Bädern zu fagen pflegte. Die Geschäftsinhaber erweisen sich immer sehr dankbar für die Warmig und belohnen sie mit einem schönen Stück Fleisch oder einer Burst, Backwerk usw. An der Tür wendet sich die Warnerin beim Abschied noch einmal um und feht auch zum Schluß noch:„ Aber ja nicht verraten!" Die Geschäftsteute treffen ihre Vorkehrungen, benachrichtigen auch die Kriminalpolizei, und mehrere Beamte legen, sich auf die Lauer, um die gefährliche Kande, de aus vier bis fünf Mann befiehen foli, gleich auf frischer Tat zu faffen. Bisher aber wurde feiner ber angefündigten Einbrüche ausgeführt. Die Ermittlungen ergaben vielmehr, daß die gebeimnisvolle Warnerin eine geriebene Schwindlerin ist, die von ihrer Beute einen guten Icg leben kann. Selbstmord eines Ministerialamtmanns unter der Cotomotive. Am Dienstag früh verübte der 52jährige Ministerialamimann K. aus Zehlendorf- Mitte dadurch Selbstmord, daß er sich vor die Lokomotive des um 8.19 Uhr von Potsdam einDer Tod trot auf der Stelle laufenden Zuges warf. ein. In einem in seiner Tasche aufgefundenen Abschiedsbrief gab K. an, daß ihn die Abbau- Verordnung zu dem Entschluß. aus dem Leben zu scheiden, getrieben habe. Er hinterläßt einen 20jährigen Sohn, der sich noch im Studium befindet. Boltsbildungsamt Neufölln. Zu den von der Kunstgemeinde pers anitalteten Aunstabenden( Madrigalchor) am 5., 6. und 7. februar fud noch) Eintrittstarten( 1 M.) für nichtmitglieder an der Abendlasse in der Aula Boddinitrage zu haben. Die Eröffnung der II. Deutschen Jagdausstellung findet am Sonnabend. ben 16 Februar, vormittags 11 Ubr, im Museum für Naturkunde, Berlin N4, Invalidenitr. 43. vor geladenen Gästen statt. Am Sonntag, den 17. februar, vormittags 10 Uhr, wird die Ausstellung der Deffentlichkeit übergeben. Deuliche Juvalidenhilfe. Die Kleinrentrer fowie Invalidenrentner Brot Berlins haben in einer gemeinsamen Sigung beschlossen, mit Rüdjidjt auf bie ungebeure Roilage, in der fich diese Streise nach Abbau des Rentnerwefens befinden, Proteftversammlungen einzuberufen. Heute nadm. 4 Ubr spricht im Stadthaus Berlin, lofterstraße, Reichstagsabgeordneter Gencije Starften über das Thema: Der drohende Abbau der Sozial-, Kleinund Wohlfahrtsrente und wie fönnen wir uns vor weiterer Berelendung schützen?" Bier literarische Abende( Wortiunftabenbe) über: 1. Bolfsbichtung aus alter Zeit; 2. Bon Gapenhelden und Märchenträumen; 3. Meisterwerfe er zählender Stunit; 4. Soziale Dichtung, vorgetragen von Dr. Drach, Leftov an der Universität Berlin, veranstaltet das Bezirksamt Friedrichs bain. Der 1. Abend findet am Mittwoch den 6. Februar, abends 7, Ubr. in der Aula der Berufsschule, Range Str. 31, flatt. Der Abonnementspreis für alle vier Adende beträgt 50 Goldpiennig( Einzelfa ien für den Abend 20 Goldpi). Starten find im Begirlsamt, Martusstraße 49, Zimmer 40, und an der Abendlasse zu haben. Ein Londoner Sensationsprozeß. Gestern hat in London ein sensationeller Prozeß gegen die Direktoren der Versicherungsgesellschaft City Equitable begonnen. Die Direktoren dieser Gesellschaft gehören zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Geschäftswelt und der angefehensten Gesellschaftskreise. Einer von ihnen ist föniglicher Beer und ein anderer Kämmerer des Königs. Sie werden beschuldigt, in der Ausübung ihrer Aemter Unregel mäßigfeiten begangen zu haben. Einige der berühmtester Rechtsanwälte Großbritanniens werden die Angeklagten verteidige Groß- Berliner Parteinachrichten. 17 Kreis, Lichtenberg. Abteilungomietervertreter, Gigung Dienstag, den 5 Febr., abends 7 Uhr. in der Bibliothek Weichfelstr. 28. Erscheinen sämtlicher Mieter Dertreter, beifiker und fchöffen ist Bflicht. 104. Abt., Niederschöneweide. Mittwoch, den 6. Febr., abends 1/8 Uhr, Funktionär figung im Konferenzaimmer der Knabenschule Mudower Straße. Gewerkschaftsbewegung Mißstände auf dem Arbeitsnachweis in der Gormannstraße. Die verschiedentlich durch den Gemeinde- und Staatsarbeiterverband erfolgte Befehung von Heizerstellen müsse bedauert werden, weil dadurch mehrfach Berufsfremde vermittelt wor den feien. Wegen der in Charlottenburg in bezug auf Arbeitsvercheidung angerufen werden. Arbeitsbedingungen der Straßenbahner. Das Streben der Berliner Straßenbahner, in ein Tarifvermittlung geütten Praris soll die Gewrkschaftskommission zur Ent ältnis mit der Etraßenbahn G. m. b. 5. zu fommen, ist nach ünfmonatigem Rampf entlich von Erfolg gekrönt worten. In einer sehr gut besuchten Bollo rsammlung nahren am Montag abend die dienstfreien Straßenbahner den Bericht über die legen Berhandlingen entgegen. Girne Dom Gemeinde und Staatsarbeiterverband führte aus: Bei allen Besprechungen mit der Direktion crtärte diese immer wieder mit fiercoinper Gleichmäßigkeit, daß fie sich hüten würde, wieder Tarife mit ihren Arbeitnehmern abzuschließen, da nur durch die tarifliden Bindung der früheren Zeit die Straßenbahn ruiniert worden fei. Sie benutzte im übrigen die wiederholten Verhandlungen dazu, einen Tarifobschluß zu verhindern, mindestens, aber zu verzögern, wahr. Die fcheinlich bis zu dem Zeitpunkte, bis sie die von ihr hochgezogene ( gelbe) Tarifgemeinschaft ihrer Arbeitnehmer fertig hat. Organisationen riefen nunmehr den Schlichtungsausschuß an, ter aud) Anjang Dezember ber Gefelijchaft aufgab, innerhalb 8 Tagen einen Tarif abzuschließen. Dieser Spruch murde ben der Direktion mit der Begründung abgelehnt, daß zu Beginn des neuen Jahres die Gesellschaftsreform der Straßen bahn geändert würde, während andererseits der Demobiimachungs tommiffar bie Verbindlich beitserklärung ablehnte, ba nach feiner Auffassung der Schlichtungsausschuß gleich einen Tarifvertrag hätte befchießen müffen. Er gab jedoch der Direktion ebenfalls auf, mit ten Gemertschaften in ein Tarifverhältnis zu treten. Sie er Nachdem Reinefeld auf die Heizerschule hingewiesen hatte, führte er folgendes über die Lohnbewegung aus: Die Arbeitgeber behaupteten, unsere Vertreter in der Zentra arbeitsgemeinschaft hätten erklärt, für die deutsche Wirtschaft seien nur 3wei Dritte! des Friedenslohnes tragbar. Das entspricht nicht den Tatsachen. In der Textilindustrie sind die Löhne besonders niedrig. Die legten Berhandlungen in der chemischen Inbustrie haben sich zerschlagen. Die Regierung trägt an ihrem Teile zur Niedrighaltung der Löhne bei In den einzelnen Industrien bewegen fich die Löhne zwischen 39 und 66 f. Die Mantelperträge find gekündigt worden. Auch bei uns suchen die Arbeitgeber den Acht stundentag abzubauen, wogegen sich die Organisation ganz entschieden zur Wehr jeben wird. Eine verlängerte Arbeitszeit müsse auch eine Sentung der Nominallöhne bewirken. An den Tarifvertragen muß unbedingt festgehalten werden, weil diese uns auch über Krisenzeiten hinweghelfen. Für die Gesamtheit entspringt ein Nugen aus den Tarifverträgen. Wenn alle zusammenstehen und jeder einzelne mitarbeitet, dann wird es auch für die Organisation wieder vorwärts gehen. In der Diskussion, an der sich auch Galle und Scharf be= teiligten, wurde hervorgehoben, daß die Arbeitgeber alle beftehenden fozialen Einrichtungen abzubauen suchen. Man sucht ferner die Arbeiter den Gwertschaften zu entfremden, um dann an ber. Arbeitskraft Raubbau zu treiben. Dem müsse ein Damm in einer ft arfen Organisation entgegengefekt werden. Die NotDer. Entlassungsschein. Runmehr wurde der Schlichter Wissel zur Entscheidung angerufen. Nachdem auch hier ein Schlichtungstermin an der Hartwendigkeit des Tarifvertrags wurde von allen Rednern anerkannt. nädigteit ter Direttion scheiterte, wurde Gietsge: id) t eingelegt, bei dem die Direktion unter Füh rung des Personalchefs, Herrn Baute, noch einmal alle Register ihrer reaktionären arbeiterfeindlichen Einstellung zog. flärte unummunden, heilfroh zu sein, aus den tarikichen Bindungen heraus zu sein, und werde in Zukunft Lohn- und Arbeits. bebingungen tittieren, gegen die die jetzt be= stehenden Gold" feien. Zur Kennzeichnung der Direktion Berichiet Gürne ausführlich über den Protest, der gegen die Unpar feilich eit des Schlichters nach echter Scharfmachermanier vorgebracht wurde. Trog allebem fällte das Schiedsgericht einen Spruch, der in feinen wesentlichen Teilen folgendes bejagt: Die regelmäßige Arbeitsjeit beträgt 8 Stunden pro Tag. Cine Ueberstunde pro Tag bann nach Anhörung der gefeßlichen Betriebsvertretung angeordnet werden. Längere Arbeitszeit darüber hinaus bedarf der Zustimmung Der Bertretung. Die Löhne betragen für Vorarbeiter 50 Pi., Hardwerfer 47 Pf. bis 41 Bf. je nach Alter, für Ange ernte 42 bis 36 Bf.. für Unge fernte 37 bis 31 Bi, für Reinmachefrauen 25 Pf. Sozialzulage 3 Bf., für jedes Kind 3 B. Zulage für Einmannfahrer 2 Pf. pro Stunde Für Ueberstunden über 9 Stunden hinaus wird ein Zus schleg von 25 Broz. gezahlt. Die Lohrregelung geht erstmalig bis 15. Jebruar und ist dann von Woche zu Woche fündbar. Alle offen gebliebenen Fragen, mie Irlaub, Kleidergeld, Nachtarbeit und Krantbeite zuschuß müssen von Bartei zu Partei bis 15. Februar ge= regeit merden; fomm: feine Einigung zustande, entscheidet Darüber ein Schiedsgericht endgültig. Gürne erklärte dak aerade dieie letzte Bestimmung und auch die porgesehene Bestimmung über die Mitwirkung der Betriebsräte bei der Arbeitszeitfrage den heftigsten 28iderspruch der Direktion erregten. Sie füh be fich von Wenn auch der ihrem bisherigen Mochtftandpunkt abaedrängt. Schiebsfpruch im mefentlichen unseren Forderungen nicht entspricht, schloß Redner feinen Bericht, fehen wir ihn doch als einen aropen beeffen Griola unferes langen Ringers an. Wir haben die Sirakenbahn, hiele reaktionärste Gegnerin, zum Abschluß eines Zarife gebracht Der N. N. hat als Echloffer in hiesiger. Werkstatt rom 17. März 1875 bis 22 Juni 1878 gearbei et. Derselbe mird hiermit wegen hervorragender Tätigkeit bei sozialdemokratischen Agitationen entfaffen. Berlin, den 22. Juni 1878. . Abgangsbescheinigung. Der Schlesser N. N. aus Berlin hat seit... bei uns gearbeitet und ist heute crinungsgemäß ausgetreten. Derfelbe war Mil glied der .. Rrenfenfasse usw. Berlin, den 7. Januar 1924. Obwohl zwischen der Ausfertigung dieser beiden Abgangsbescheinigungen nicht nur ein Zeitraum von 46 Jahren liegt und wir inzwischen jo etwas wie Weltkrieg, Revolution und Ruhrs fampf hatten, hat sich doch an der Nicht achtung ber Arbeiter nichts geändert Go wie die Bintsch Attiengesell fchaft, die das zweite Abgangszeugnis cusgestellt hat, schon bei dem Infrafttre en des Sezialistennefezes Arbeiter wegen ihrer fogialdemokratischen Gesinnung aufs Pflaster warf, worin sie sich dem damaligen Vorgehen der föniglichen Eisenbahndirettion gehorsam anschieß, hat sie auch später dem Kühnemänner- Verband Material für feine schwarzen Liften geliefert. Es ist die Tradition des herrenstandpunktes, wenn sie auch heute noch Abgangsbescheinigungen wie die oben abgedructe ausstellt Für diese Gewaltmenschen ist ein gewöhnlicher Arbeiter" nicht Herr N. N.. sondern einfach der Scheffer" Müller oder Meier.„ Der Arbeiter" ist eben nur Objekt der Ausbeutung und er fliegt, wenn er mudt. Entlaffene Meister. Wenn große Betriebe, mie es jetzt manchmal vorkommt, ganze Abteilungen abbauen, denn entsteht die Frage, was mit dem Meister werden soll, welcher der aufgelösten Abteilung vorstand. As Meister fann man ihn nicht mehr beschäftigen, da alle Meisterstellen im Betriebe befeht find Also gibt es feinen anderen Ausmeg, als den bisherigen Meister, um ihn nicht ganz eristenzlos zu machen, a is Arbeiter seines Berufs im Betriebe weiter zu befchäftigen. Darauf aber will der Meister nicht eingehen. Er fagi mie mir es in einer Klage vor dem Gewerbegericht hörten da er jahrelang ten Arbeitern gegenüber die Intereffen der Firma wahrgenommen habe, würde er als Arbeiber einen so verhältnis ein sehr unerfreuliches fein würde. Diefen Einwand läßt das Gewerbegericht in den Fällen, die bis jetzt zu unserer Remminis gelommen sind, nicht gelten. Es findet teine ungewöhnliche Härte in der Entlassung eines Meisters, der sich meigert, als Arbeiter im Betrieb weiter. Nachbem noch Hiller nom Berlehrsbund barauf hinges miefen hatte, hak auch die Strafenbohrer ber Direktion an gegebener fon Brit alles heimgablen merden, mas fie jekt gefündigt hat. jeit hat fich non 60 aften, zur Wiederaufnahme der ebeit aufgeforderten Straßenbahnern nicht ein einziner bei der Direktion gemofbet! umb Roch 1 num DMB zum Rusammenfchink affer Straßenbahner aufgefordert hatte. erfolgte in der Abfchweren Stand unter feinen Mitarbeitern haben, daß sein Arbeitsimmung die Annahme des Schiedsspruchs denen drei @timmen. Die Befürchtung, ein früherer Meister werde als Arbeiter unter Arbeitern einen schweren Stand haben, fann unseres Erachtens doch nur ba zutreffen, wo der Meister in der Vertretung von Interessen des Unternehmers so weit ging, daß er dabei berechtigte Interessen der Arbeiter verletzte und sich dadurch bei den Arbeitern mit Recht unbeliebt mochte. Daß ein Meister die Intereffen des Unter nehmers wahrnimmt, wird ihm, wenn er rleichzeitig die Rechte der Arbeiter refpeftiert, fein Arbeiter übelnehmen. Jeder Arbeiter nimmt ja die Intereffen feires Unternehmers wahr, insofern als er bei der Arbeit seine Schuldigkeit tu'. Denn er liefert ja dem Unternehmer ein mit Gewinn verkäufliches Produkt. Berständige Meiiter wissen, daß fie, fozial gefehen, auch nur Arbeiter find, und werden sich durch die Erfüllung ihrer Berufspflichten bei ben ihnen unterstellen Arbeitern nicht unbeliebt machen. Wer sich aber in einer gehobenen Stellung lediglich als Werkzeug des Unternehmers that dem mag der Unternehmer nicht mehr brauchen fann, dann darf auch der Meister fein Bündel schnüren. Auf Dant vom Unternehmer ist nicht zu rechnen. An bic graphischen Arbeiterinnen und Arbeiter! Die unhaltbaren Zustände innerhalb der graphischen Organizuarbeiten. fationen, hervorgerufen durch ihre fortdauernde unter: minierung durch die Kommunisten, haben die vier Fraktionen der BSPD. gezwungen, einen gemeinsamen Aktionsausfchuß zu bilden. Gemeinsame Versammlungen und bauernde uitlärungsarbeit gegenüber den Gewerf fchaftszerfplitterern follen dazu beitragen, unfere Kollegen und Kol leginnen in aller Deffentlichkeit auf die bestehende aroke Gefahr auf erffam zu machen. Eine gemeinsame Kampffront zur ahrung unserer Biele und Grundsähe zu bilden ist unsere Aufgabe. Unfere heiligfte Pflicht gebietet uns, unverbrüchlich und fest an der Gefundung und Gefchloffenheit unserer Gemert schaften zu arbeiten. Diesen Grundsah werden wir trok aller An griffe der Kommunisten durchführen, um das einzige Bollwert ber Arbeiterschaft zu schützen und zu erhalten. Bir appellieren an den gefunden Sinn unferer Genossen und Kollegen, welche auf dem Boden der Amsterdamer Internationale ftehen und fordern euch auf. inferem Rufe zu folgen und zu der am Mittmoch. nachmittags men in eine Arbeiterstellung schwerfallen. Aber wenn ihn der 5 Uhr, im Kafino, Dresdener Straße 96, stattfindenden allgemeinen Berfammlung สิน erscheinen. Tagess orbauna: Die Spaltungstendenzen innerhalb Der deutschen Gemertschaften. Referent: Genoffe Ernst Ernst Schulze ADGB. Freie Aussprache. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen und fordern euch auf, fympathifierende Kolleginnen und Kollegen ein. zuführen. Berbands und Parteiausweise sind vorzuzeigen: Dom Der gemeinfame Aftionsausschuß des graphischen Gewerbes R. Hermann, Buchbrucker. Baul Schade, Buchbinder. Reventlom, Steinbruder. Otto Bleich, Buchbruckereihilfsarb. Maschinisten und Heizer. Am Freitag fand im Gewerkschaftshaus eine Funktionärver fammlung der Berliner Drisverwaltung des Zentralverbandes der Mafchinisten und Heizer statt. Jatobi berichtete zunächst über Nur bei Eisen& Diamant Andreasstraße 13 Schles. Bahnhof) Marken- Zigaretten Dota... 19,--Tescawi. 14,75 u a. sehr preiswert. Große Auswahl! nab garne Soferträger, Gummiband, Stämme, Gentel 1. 1. Rurzwaren, meit unter Eagespzets Häusler, Beuthitraße 15. Mertur 6380 Sternzwirne, Twift Der Arbeitszeitkampf. Wie verfehlt der Schiedsspruch für die Metallindustrie Hagen Schwelm über Arbeitszeit und Löhne ist, ergibt sich daraus, daß nur etwa 15 Stimmen dafür waren. Mit einer Stimmenmehrheit von 97 Broz. wurde dieser Fehl= ( pruch abgelehnt. Nachdem der Ostpreußische Arbeitgeberverband die Gemertchoften in Verhandlungen vergeblich für die Notwendig, feit" des Behnstundentages zu gewinnen suchte, versucht er es jetzt mit der Aussperrung. Self was helfen mag! Die Düsseldorfer Metallindustriellen wollen am Donnerstag die Betriebe nach Maßgabe der vorhandenen Arbeit wieder eröffnen. Alle Berte legen Listen für die Einzeichnung der Arbeiter aus. Die Listen werden heute abend geschlossen. Auch aus Reisholz wird die Wiederinbetriebnahme mehrerer Werte gemeldet.- Die Betriebsleitung des Wa'zwertes Rath der Mannesmannröhrenwerte sichert in einer Bekanntmachung eine namhafte Belohnung für die Angabe von Leuten zu, die die Arbeitswilligen" gewaltsam an der Arbeit hinderten. Darum Verlängerung der Arbeitszeit?! Auf der Zeche Mont Cenis mußten in den letzten 4 Wochen 10 Feierschichten eingelegt werden. Nunmehr ist man zu einem 14 tägigen Schichtwechsel übergegangen, so daß eine Schicht jedesmal 14 Tage feiert! Die indischen Baumwollenweber haben nach einer neueren Melbung aus Bomban die ihnen bis 4. Februar gelegte Friſt zur Wiederaufnahme der Arbeit verstreichen lassen. Sie wollen das alte Joch nicht mehr aufnehmen. Ihre Ausbeuter wollen durch Stodtriebe auf unbestimmte Zeit gefchloffen. Die Weber aber werden prügel auf den Magen die Weber dazu zwingen und haben die Benun eine Weile für ihre Sache hungern, nachdem sie lange genug trog fleißiger Arbeit für die Geldfade threr Brotgeber" gehungert haben. Auch in Indien find die Arbeiter aufgemacht! Die Druder der Kölnischen Zeitung" traten gestern megen Lohnforderungen in den Streit. Bangewerksbund, Fachgruppe Glaser. Freitag, abend 5 Uhr: Außerordentliche Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus Bericht der Lohntommiffion. Donnerstag, den 7 Februar, 5 Uhr: Bertrauens männerversammlung bei Lehmann. Die Gruppenleitung. Alle Betriebe müssen vertreten sein! Wirtschaft Das genoffenschaftsunkundige Reichsfinanzminifterium. Die zweite Steuernotverordnung der Reichsregierung hat be. fanntlich mit der Erhöhung der Umsatzsteuer das Unrecht der Doppel besteuerung der Genossenschaften statt behoben noch vermehrt. Der Freie Ausschuß der vier deutschen großen Geneffenschaftsverbände fam zu dem Entschluß, eine Eingabe an das Reichs finanzministerium zu richten, in der dieses Steuerunrecht eingehend erörtert und die Regierung ersucht wird, die Angelegenheit nochmals einer Prüfung zu unterziehen und sie nicht unter dem Gesichtspunkte der politischen Frage zu entscheiden. Darauf hat das Reichsfinanzminifterium eine Antwort erteilt, die dort aber doch alle Kunde vom Wesen der Genossenschaft vermiffen läßt. Unbefümmert des wesentlichen Unterschiedes werden Genossenschaften einfach anderen Unternehmern" gleichgestellt. Dabei ist es doch nicht so schwer, zit begreifen, daß die Verbraucher, wenn sie gemeinfom Dinge für ihre eigene Lebenshaltung einkaufen und unter fich verteilen, feine Unternehmer find wie fene Leute, die mit dem Wiederverkauf von Waren ein gewinnbringendes Bemerie betreiben. Die Konfum. genossenschaften, eben die vereinigten Berbraucher, bes zahlen einmal die Umfaksteuer beim Einkauf ihrer Bedarfsgüter in den dafür entrichteten Breisen, also beim Umfah von Fabrikanten oder Grossisten; sie wollen außerdem diese Steuer focar entrichten für den Betrag, der sich ergibt, wenn sie die Einkaufssumme Don dem gesamten Erlös aus der Berteilung abziehen. Die vereinigten Verbraucher wollen aber nicht die ganze Umsatzsteuer zweimal zahlen, weil die organisierte Verteilung der eingekauften Waren unter sich einfach fein Umsatz im steuerrechtlichen Sinn ist. 22. 12. 23 31. 12. 23 7.1.24 Der Reichsbankausweis. Nach dem Reichsbankausweis vom 15. Januar 1924 ging der Notenumlauf, dessen Stergerung im Dezember lebhaft erörtert wurde, abermas um 12,3 auf 478,7 Trillio nen Mart zurüd. Die Bewegung des Notenumlaufes( immer ge genüber der Vorwoche) ergibt sich aus folgender Darstellung: 15. 1. 24 +58 Trillionen+21 Trillionen-55 Trillionen 12 Trillionen Infolge des Kreditbedürfnisses der Wirtschaft wuchs bas Bortefeuille an Rentenmartwechseln um 114.2 auf 186, bas RentenmarkLombardkonto um 17,8 auf 181,2 millionen Rentenmart. Im Bapierkreditgeschäft erhöhten fich tiesmal die Wechselbestände um 10,6 auf 294,8 Trillionen Mart. Im ganzen trat in der zinstragenden Rapitalsanlage der Bant eine Vermehrung um 134,5 auf 803 Trillionen Mart ein. Unter der Auswirkung dieser Kreditan prüche Don privater Scite erfolgte eine Reduzierung der Rentenmartscheine um 32,2 auf 142,3 millionen Rentenmart. Dem steht gegenüber um 8,2 auf ein Rüdeang der Papiermarflombardforderungen 140,8 Trillionen Mart, wovon 79,6 Triffionen auf den Rentenmartgiroverfehr entfallen. Insgesamt stellten sich die fremden Guts haben am 15. Januar auf 685,7 Trillionen Mart. Kennzeichnend für den Stand der Reichsbant find abermals die Kreditansprüche der Privatwirtschaft und der weiter erfolgende Eingang an fremden Geldern. Gegen den Zinsenwucher der Banten. Im vorigen Herbst gingen bis Banten pöglich dazu über, für Debetposten außergewöhnlich hohe Binsen( Binleszins) und Provisionen zu berechnen, so daß die in en in wenigen Tagen größer waren als die Schuld. Das Verfahren der Bank wirkte sich in einer Verteuerung der Waren aus der Angelegenheit, tie um so skandalöser ist, weil der Kurs der und drohte eine Reihe von Eristenzen alattweg zu vernichten. Mit Mart um jene Zeit durchaus stabil blieb, haben sich bekanntlich das Reichswirtschaftsministerium und auch die Wucherstelle lebhaft beschäftigt. Nun hat die 3. Zivillammer des Landgerichts III in Berlin die umstrittene Frage, ob die Banken zu ihrem Vorgehen berechtigt waren, im Sinne des Banffunden entschieden. In dem Uricil wird aus eführt, daß sich eine schlimmere Bewucherung nicht denten laffe und daß sie jeder guten Sitte zumiderlaufe. Nach Ansicht des Gerichts steht der Bank nur das Recht zu, den Kunden wegen seiner aus den Börsengeschäften sich ergebenden Debetposten mit den immerhin hohen, etwas über den Reichsbanttistont hinausgehenden Binsfäßen zu belaften und die gesamten Debetsalden an den üblichen Terminen vom 30. Juni und 31. Dezember jeden Jahres in Bortrag zu bringen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: 3. B.: Ernst Renter; Gewerkschaftsbewegung: 9. Steiner; Feuilleton: K. S. Döschez; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; famtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Verlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärte- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68.. Lindenstraße 3. Wäschepracht Alte Gebisse Garderobe Strickwesten inderland 1924 auch zerbrochene. Die gute reine Kernseife kauft z Tapespref 66% Fettgehalt. 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