Str. 63 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 31 Bezugspreis: Böchentlich 85 Golbpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg mihentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmart pro Boche. Kreuzband endungen nur gegen werts beftändige Rahlung. Boftbezugspreis Hir Februar 4- Goldmart. Der., Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit Sied lung und Kleingatten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 8,50 Goldmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 0,20 Goldmart( auläffig zwei fettgedrucktee Borte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmart, jebes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen flir awei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmark.. Eine Goldmark ein Dollar geteilt burch 4,20. CW Angelgen für die nächste Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin GB 68, Linden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet son 9 Uhr frülh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Rebattion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 7. Februar 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion ber Diskonte- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Kampf um die Steuernotverordnung. Deutschland und Skandinavien. Stellung der Sozialdemokraten und Demokraten. Heute nachmittag beginnt im Fünfzehnerausschuß| Kompromiß diefer Richtung Stimmung bestände, obschon bas Reichsdes Reichstages die Beratung der dritten Steuernot finanzministerium die Aenderung auf jeden Fall noch auf Grund des am 15. Februar ablaufenden Ermächtigungsgesehes durchbrin Derordnung. Der Ausgang der Berratung wie das Schicksal der Berordnung sind ganz unbestimmt. Die Berordnung begegnet in gen mill. allen Parteien heftiger Gegnerschaft. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie wird geleitet von den Beschlüffen der Reichstagsfraktion vom 17. Januar. Darin hat sich die sozialdemo fratische Fraktion dafür ausgesprochen, daß die Fragen, die in der britten Steuernotverordnung geregelt werden sollen, nicht auf dem Beg des Ermächtigungsgesetzes, sondern auf dem der ordent lichen Gefeßgebung ihre Erledigung finden. Bon den Demokraten ist nunmehr ein Abänderungsantrag gestellt worden. Danach sollen die Länder auf die Dauer von zwei Jahren das Recht haben, durch Gefeß einen Zuschlag bis zu 200 Broz zur Vermögenssteuer einzuführen, wobei zwischen immobilem und mobilem Vermögen, zwischen landwirtschaftlichen und anderen Grundstücken, zwischen Effektenbesitz und anderen Vermögen unter fchieben werden fann. Bersonen, die den Nachweis führen, daß sich ihr Bermögen seit 1913 um 80 Broz verringert hat, sollen zu feinem höheren Zuschlag als 50 Broz., bei einer Berringerung um 60 Broz zu nicht mehr als 100 Broz. und bei einer Berringerung um 40 Broz. nicht mehr als 150 Broz, herangezogen werden können. Die Grundlage für die Aufwertungssteuern soll der Bergleich zwischen der Gleuererklärung von 1913 und den Vermögenswerten des 31. De zember 1923 abgeben. Die bayerische Regierung beharrt auf ihrem grundsätzlichen Standpunkt, daß die von ihr gestellten Anträge auf Rückgabe der Einfommen und Körperschaftssteuer und der direkten Steuern fo wie auf Herstellung der eigenen Finanzverwal. tung nunmehr zur Verabschiedung kommen. Die banerische Finanzverwaltung wird deshalb neuerdings felbständige Anträge an das Reich stellen. Ablehnende Haltung der Demokraten. P. V. Kopenhagen, Anfang Februar, Europas große Ereignisse spielen sich zurzeit im Süden und Westen ab; im Süden, wo ein Bündnisvertrag neben dem anderen Umgruppierungen und Machtverschiebungen Europas anzeigt, im Westen, wo der Gegensah England- Frankreich und harrt. Im Nordosten, um die Ostsee herum, sieht es sehr still die Frage der Reparationen und der Ruhrbefezung der Lösung aus scheinbar nur, der aufmerksame Beobachter sieht auch hier die Tendenzen arbeiten, die die Politik des übrigen Europas beherrschen, und Deutschland hat allen Grund, stets daran zu denken, daß Skandinavien im ganzen wie in einzelnen Teilen wirtschaftlich und außenpolitisch wichtiges Land für Deutschland ist. Man vergesse nicht die engen und wertvollen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Schweden und Dänemark, man vergesse nicht die außenpolitische Wichtigkeit uns halbwegs wohlgefinnter Die Reichstagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei trat franzöfifcher Einfluß sich seit langem um Dänemark und Ostseeländer und man vergesse andererseits nicht, daß gestern zu einer Fraktionsfigung zusammen. Zur Erörterung standen zunächst wirtschaftliche Fragen und vor allem die Frage der Schweden bemüht, und daß Norwegen, wenn es erst die Nach triegswehen überwunden hat, sehr viel Kapital und Einfuhr hypothetenaufwertung. Die demokratische Frattion erflärte die Regelung, wie sie durch eine Berordnung auf Grund des zur Erschließung seiner Wasserfräfte und Erzlager gebrauchen Ermächtigungsgesetzes vorgesehen ist, für un annehmbar. Den Handelsteilen der Blätter ragend, geht ein Bestreben, den wird. Still und heimlich, in die Oeffentlichkeit nur in den felben Standpunkt vertrat die Fraktion in der Frage des Finanzausgleichs. Es wurde beschlossen, einen Antrag im Fünf Randstaaten und Europas Besten nicht mehr über immer mehr aufblühenden Berkehr zwischen den russischen zehnerausschuß einzubringen, in dem diefer Standpunkt nachbrüddeutsche Häfen und den Kieler Kanal, sondern über lich zum Ausdruck gebracht wird und in dem die demokratische Kopenhagen zu leiten, Kopenhagen zum großen Umschlaghafen Fraktion darlegt, daß sie unter allen Umständen eine gefeßliche für den Berkehr Rußland- Westeuropa zu machen. Wer hinter Regelung fordert. Die Summen, die die Regierung fordere, diesen Plänen steht, ist nicht recht durchsichtig, sie werden müßten durch eine Besteuerung des Bermögens aufge eifriger in norwegischen als in dänischen Blättern besprochen, pracht werden. und ein Mann machte aus der politischen Nebenabficht dieser Pläne, als deren Förderer er fich bekannte, fein Hehl: der abgelöste französische Gesandte in Kopenhagen de Fontenay. In einem Interview in Dünkirchen forderte er die belgifchen und französischen Schiffahrtslinien, die den immer Lettland- Estland- Finnland besorgen, auf, ihre Schiffe nicht mehr zunehmenden Handel zwischen Belgien- Frankreich und Kristiania- Kopenhagen laufen zu lassen. Ein Glied in diefer mehr über Hamburg und den Kieler Kanal, sondern über Versuchen, von Frankreich her den Ring um Deutschland, vorerst in handelspolitischer Form, auch im Norden zu schließen. ist auch die von nun ab jährliche Beranstaltung einer„ ner leber den Grundgebanten dieses Antrages wird sich reden laffen. Sein Schicksal wird in erster Linie abhängen von der Stellungnahme der Barteien zur Frace der Aufwertung von Die Fraktion( prach weiter über die Frage des Aus Borderungen. Durch die in dem demokratischen Antrag vorgenahmezustandes, wobei sich auch Reichswehrminifter feienen Bermögens- und Vermögenszuwachsfteuern follen die in der Geßler zu dieser Frage äußerte und die Anficht vertrat, daß in britten Steuernotverordnung vorgesehenen Inflationssteuern diesem Augenblid die Möglichkeit zu einer Aufhebung des erfekt werden. Das bedeutet, daß sowohl die Besteuerung der In- Ausnahmezustandes wohl noch nicht gegeben wäre; doch sei eine Fationsgewinne infolge Inanspruchnahme von Krediten, ungededter Entscheidung des Reichskabinetts noch nicht ge Musgabe von Notgeld, Gewinnen aus Holzverkäufen ufm. sowie die troffen. Die Fraktion vertrat die Auffassung, daß zu einer in Aussicht genommene Mietssteuer fortfiefen. Soweit die Mietsenberung ihres mehrfach bekanntgegebenen Standpuntes gegen ftener in Frage fommt, wäre das zweifellos ein Borteil. Dasselbe über dem Ausnahmezustand fein Anlaß vorliege. oilt aber vermutlich auch von den vorgesehenen Inflationssteuern, da durchaus nicht sicher ist, ob fie auch wirklich wirksam werden. Der Borzug des demokratischen Antrages besteht darin, daß gleichmäßig alle Bermögensbestände für die Steuerzwecke erfaßt werden; sein Nachteil, daß er Bermögensverschiebungen nur unzulänglich berüd sichtigt. Der Reichsratsausschuß erledigte in feiner Mittwochfißung zu nächst die Aufwertungsfrage. Nach einigen unwesentlichen Aenderungen wurde dem Entwurf zugestimmt. Bis in die späten Abendstunden wurde dann über den Finanzausgleich beraten. Wie wir hören, wird von den Länderregierungen das Ziel verfolgt, an Stelle der Beamtengehaltszuschhüffe, die durch die sogenannte Mietssteuer nur zu einem fleinen Teile ersetzt wurden, einen Ausgleich in Form der Wiederherstellung der Einkommensteuerrechte der Länder zu suchen. Man vermutet, daß bei der Reichsregierung für einen Im Reichstag fanden gestern zwischen Vertretern der sozial demokratischen und demokratischen Frattionen unverdischen Messe" in Belgien, für deren Beschickung standinavibindliche Besprechungen über die Steuernotverordnung statt. bindliche Besprechungen über die Steuernotverordnung statt. Es wird sich bei den heutigen Beratungen im Fünfzehneraus. fchuß zeigen, wie weit ein gemeinsames Zusammengehen der Fraktionen möglich sein wird. # Der Reichsrat beschäftigte sich gestern in seinen Ausschüssen mit der dritten Steuernotverordnung, insbesondere mit der Frage der hypothetenaufwertung, Abänderungsanträge einzelner Länder, die teilweise eine grundlegende Aenderung diejer Frage enthielten, wurden abgelehnt und der zehnprozentigen Hypothekenauswertung zugestimmt fchen Firmen derartig leichte Bedingungen gestellt werden, daß man den Eindruck einer Unterstüßung dieses Unternehmens durch einen Großftaat um politischer Ziele willen nicht los wird. von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge der der deutsche Gesandte in Kopenhagen v. Mutius den Ber Parteitag und Frauenkonferenz. Partetorganisationen müssen Parteigenoffen! fpätestens am 8. März 1924 im Befize des Parteivorstandes sein, wenn sie nach den Bestim Auf Grund des Organisationsftatuts der Bartel beruft der mungen des Organisationsstatuts veröffentlicht werden und in ber Parteivorstand den nächsten Parteitag auf gebrudten Borlage Aufnahme finden sollen. Die an den Bartel vorstand einzureichenden Anträge find, jeder einzeln für sich, auf ein besonderes Blatt Papier zu schreiben. Nur eine Seite des Papiers darf beschrieben werden. Den Anträgen beigegebene BeSonntag, den 30. März 1924, abends 6 Uhr, nach Berlin, Gebäude des Preußischen Landtags, Brinz- Albrecht: Straße, ein. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des Barteivorstandes. a) Allgemeines.- Berichterstatter: Otto Wets. b) Agitation, Organisation und Rasse. Berichterstatter: Fr. Bartels, R. Ludwig. 2. Bericht der Kontrollkommiffion. Berichterstatter: Friedr. Brühne. 3. Bericht der Reichstagsfraktion,- Berichterstatter wird von der Fraktion bestimmt. 4. Das Organisationsstatut. Lipinski Leipzig. Berichterstatter: Richard 5. Die Sozialdemokratie und die Landwirtschaft. wird noch bekanntgegeben. Referent 6. Die Reichstagswahlen und die Sozialdemokratie.- Referent: Rudolf Hilferding. 7. Wahl des Parteivorstandes, der Konirollkommission und des Dries, an dem der nächste Barteitag stattfinden soll. 8. Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung noch nicht erledigt sind. Barteigenoffen! Wir fordern Euch auf, die Borarbeiten für den Parteitag, besonders die Wahlen der Delegierten und die Stellung gründungen fönnen nicht veröffentlicht werden. ftait. Frauenkonferenz Borläufige Tagesordnung: Die Frauen und die Wahlen. Zur Teilnahme berechtigt find aus jedem Barteibezirk ein bis gmei Delegierte, die weiblichen Delegierten zum Barteitag und die weiblichen Mitglieder des Reichstags. Sofern männliche Genossen von der Bezirksleitung mit Mandat versehen werden, find sie zur Teilnahme an der Frauenkonferenz berechtigt. Und in diese regen Bemühungen von der Gegenseite müssen ausgerechnet zwei riesige deutsche Dummheiten hineinplazen. Beide natürlich angezettelt von der Seite, die behauptet, allein fähig zu sein zu deutscher Außenpolitit, von den Deutschnationalen. Die eine von einem General: das monate lange Berbot der Dänenblätter in Flensburg, die andere von der deutschnationalen preußischen Landtagsfraktion: die Interpellation über das dänisch deutsche sozialdemokratische Grenzabkommen. Hoffentlich wird liner amtlichen Stellen flargemacht haben, daß man in Standinavien die Breffefreiheit anders einschätzt als zurzeit in Deutschland. Man hat das Blattverbot aufgehoben, nachdem fast ganz Standinavien in eine gereizte Stimmung gefommen war, und damit diese Gereiztheit ja nicht wieder schwand, gefielen sich bürgerliche Parteien darin, in gegenseitig fich übertrumpfenden nationalen Phrasen die äußerst empfindliche deutsch- dänische Grenzfrage aufzurollen. War das Blattverboi ein versandetes Gefecht, so ist die Aufrollung der deutsch; dänischen Grenzfrage eine für Deutschland von vornherein verlorene Schlacht. Am Sonntag, den 30. März, vormittags 10 1hr, findet im Unzweckmäßigkeit steht hier zur Debatte, hier ist nur festzu Nicht das Abkommen an fich, seine 3medmäßigkeit oder Landtagsgebäude in Berlin eine stellen: daß der Husarenritt der deutschen bürgerlichen Bar teien gegen die deutsch- dänische Grenze der profranzösischen Richtung und den dänischen Nationalisten riesigen Zulauf und prächtigsten Agitationsstoff in die Hände gespielt hat. Und wiederholt sich das Schauspiel- und es soll sich wohl wieder holen, so wird unermeßlicher Schaden für die deutschen Interessen in Dänemark angerichtet werden. Die Grenzlanddebatte im Breußischen Landtag steht noch jetzt im Mittelpunkt der dänischen Presseerörterungen, und bis zu dem sonst gern etwas deutschfreundlichen demokratischen Bolitiken haben die Blätter durchweg die nationalistischsten und schärfsten Wendungen der Landtagsredner wiedergeeben. Selbst die Rede des Genoffen Bartels wurde in einem Auszug gebracht, der aus ihr mehr ein Abrüden vom als eine Verteidigung des Abkommens machte. Natür lich hat, bei den guten französischen Beziehungen gewiffer hiesiger Kreise, auch der Pariser Temps" die Angelegenheit aufgegriffen, was von den hiesigen profranzösischen Blättern natürlich sofort als ein Beweis dafür, wo der wahre Freund Dänemarks zu finden sei, abgedruckt wurde. Die Bezirksleitungen werden dringend ersucht, dem Partei vorstand die Namen der gewählten Delegierten unter genauer Abreffenangabe möglichst bis zum 15. März mitzuteilen, damit thnen das Mandat, die Borlagen und sonstigen Mitteilungen zugestellt werden fönnen. Wegen Wohnungsbeschaffung unter Angabe, ob hotel oder Privatwohnung, müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim Lokaltomitee melben. Adresse: Theodor Fischer, Berlin S. 68, Lindenstr. 3. Berlin, den 6. Februar 1924. Der Parteivorstand. Die standinavischen Länder stehen vor den Wahlen. In Norwegen beginnt sich nach der Zerschlagung der Arbeiterbewegung bis zur völligen Ohnmacht die Sozialdemofratie wieder zu regen. In der Provinz nennt sie schon wieder einige Tagesblätter ihr eigen, in der Hauptstadt Kristiania gibt sie zweimal in der Woche ein Blatt heraus. In In Schweden geht es rüstig vorwärts mit der Sozialdemofratie. In Dänemart hat die rechtsliberale Regierung weder den Kronenfall verhindern, noch ein Defizit von 36 Milliarden Kronen beseitigen fönnen. Nun kommt sie mit Lurussteuern, die aber in Wirklichkeit eine Reihe von Gebrauchsgegenständen treffen. Das alles find Gründe, die der hier rüstig fortschreitenden Sozialdemokratie einen Wahlfieg verbürgen würden, wenn ja, wenn nicht ungefchickte Reichsmehrgeneräle und tölpelhafte deutschnationale Außenpolitifer der jezigen Regierung eine Ablenkung des Bolkswillens nach außen hin in die Hand spielen. Mit Recht weist die„ Boffische Zeitung" darauf hin, daß derartige Beileidsfundgebungen den Hinterbliebenen geiten, in diesem Falle der amerikanischen Nation, deren Regierung eine breißigtägige Nationaltrauer angeordnet habe. Noch schärfer wendet sich die Germania" gegen den AußenNoch schärfer wendet sich die Germania" gegen den Außen minister Stresemann, dem sie in unzweideutigen Wendungen unmännliches Zurüdweichen vor der deutsch nationalen Kritit vorwirft. 99 hurgemäß im gesamten öffentlichen Leben eine innere Spannung und die lähmende Unsicherheit, die nur erträglich erscheint im Hinblick auf den nahen Zeitpunkt, an dem durch den Prozeßbeginn tas Ventil geöffnet und der Gefahr der lleberhigung begegnet... wird. Offenbar in dem Wunsch, daß im Intereffe der Deffent Cichkeit dieses Ventil mit einiger Sicherheit und Zuverlässigkeit funktioniert, unternimmt es der bekannte Staatsrechtslehrer an der Universität München, Karl Rothenbücher, im Berlage Mohr- Tübingen, eine Broschüre erfheinen zu lassen, die für jeden, mag er sich aus politifden, juristischen oder sonstigen Gründen mit dem Prozeß beschäftigen, von gleich großem Interesse ist. Sie führt den Titel„ Der Fall Kahr" und beschäftigt fich eingehend mit der Frage der Mitschuld Kahrs, Der ganze Borfall ist bezeichnend für die politische Atmosphäre, in der wir seit einigen Monaten leben: Feig heitist Trumpf, Feigheit vor den nationalistischen Maul helden, Feigheit vor den bajuvarischen Bierbankpolitikern, Feigheit vor der Reaktion in Zivil und in Uniform. Ueber diefes Trauerspiel, in dem die Washingtoner Flaggenaffäre nur eine Episode bildet, hat Deutschland allen Anlaß, Halbble cerade som staatspolitischen Gesichtspunkt aus von entscheidenmaft zu flaggen! Erfolge der Sozialdemokratie in Standinavien liegen aber fowohl in sozialistischem wie im Interesse einer ehrlichen Wiederaufbaupolitik der Republik Deutschland. Die skandi Neue Verdunkelungsversuche. navischen Bruderparteien werden sowohl aus ökonomischer Justizrat Claf und das Attentat gegen Seedt. Einsicht wie aus Ablehnung imperialistischer Bündnispolitik Eine Berliner Korrespondenz veröffentlicht unter der lleber. zubauen, ablehnen, die dänische Partei lehnt scharf die Eider- v. Seedt" sehr ausführliche Mitteilungen, in denen ein gewiffer die Versuche, künstliche Handelswege um Deutschland herumschrift:„ Die Wahrheit über die Verschwörung gegen General dänenagitation ab. Könnte Deutschland Hirnverbrannteres Major Gilbert, der zu dem verhafteten Ihormann und dem tun, als durch Aufrollung aller eventuellen Reibungspunkte von dem Barchimer Fememord bekannten Roßbach- Anhänger diesen Parteien den Boden unter den Füßen fortziehen? v. Lettenborn Beziehungen unterhalten haben foll, als angeb licher politischer Agent des Reichstommiffars für öffentliche Sicher heit und der Abteilung IA die Rolle eines Drahtziehers und Geld gebers der Attentäter spielt. Für die Tettenborn und Gilbert soll nach dieser Darstellung der Mordplan gegen Seedt nur ein Borwand gewesen sein, um gegen den Borfizenden des Alldeutschen Verbandes Claß einen Schlag zu führen. Halbmast! Der deutsche Skandal in Washington. Als hier die ersten Meldungen über Paris eintrafen, daß allein die Deutsche Botschaft in Washington nicht Halbmait geflaggt habe, und daß darüber große Entrüstung in Amerifa herrsche, konnte man zunächst an eine französische Propaganda mache glauben. Spätere Meldungen ließen jedoch an der Richtigkeit des Tatbestandes feinen Zweifel mehr und schließlich ift non offiziöfer deutscher Seite der Tatbestand in einer Form zugestanden worden, die das deutsche Wolf zu ebensolcher Empörung gegen die deutsche Diplomatie veranlassen muß wie das amerikanische. Danach ist es der Botschafter Bied feldt selbst gewesen, der telegraphisch bei der Wilhelmstraße angefragt hat, wie er sich zu dem Tode Wilfons ver halten solle, und die Antwort des Auswärtigen Amtes habe dahin gelautet, daß von einer offiziellen Beileidsfundgebung der Reichsregierung abzusehen sei, da Wilson zur Zeit feines Ablebens„ feine offizielle Bersönlichkeit" mehr gewesen set; im übrigen bliebe es aber dem deutschen Botschafter überlaffen, ob und in welcher Form er sich persönlich an den borligen nationalen Trauerfeierlichkeiten beteiligen wolle. Ist es schon höchst erstaunlich und bedenklich, daß ein Botschafter, der ja an Ort und Stelle am besten in der Lage sein müßte, eine solche Entscheidung zu treffen, so wenig Selbständigkeit zeigt, daß er sich vorerst Instruktionen aus Berlin einholt, so ist der Bescheid des Auswärtigen Amies schlechthin standalös. Erst vor kurzem hatte die Reichsregierung auf die deutschnationale Anfrage wegen des Todes der Digmuiden Besagung geantwortet, daß alle fremden Vertreter in Paris diesen rein diplomatischen Höflichkeitsaft erfüllt hatten und daß ein ab weichendes Verhalten der Deutschen Bote fchaft als eine unhöfliche politische kunde gebung gedeutet morben wäre". Im Falle Wil son hätte dieser Grundsaz erst recht gelten follen. Aber es ist ganz offenfundig, daß die maßgebenden Herren vom Auswärtigen Amt sich vor einer Wiederholung der deutschnationalen und deutschvölkischen Heze gefürch tet und deshalb diese ganz blödsinnige Instruktion hinübergefunft haben. Die Rolle, die die Deutsche Botschaft, leider im Namen des deutschen Bolles in dieser Angelegenheit spielt, wird dadurch nur noch fläglicher, daß sie nachträglich ebenfalls Halbmast flaggen wird und daß der deutsche Botschafter an der offiziellen Trauerfeier, wie er bereits hat anfündigen laffen, bo ch teilnehmen wird! Musikalisches Dreitagerennen. Konzertumschau von Kurt Singer. Ueberfluge und besonders Hellsichtige behaupten, die Berliner Staatsoper egiftiere noch. Wenn diese Gerüchte nicht dementiert werden, so muß man glauben, deß die einst so schöne Oper von ihrem Sterben lebt. Barten wir noch ein Weilchen, um zu sehen, wie piel Monate man Berlin mit Nichterfüllen und Nichtleisten in Schach haften kann. Jetzt hören wir, daß der Intendant im Monot ber üblichen Premieren funstpolitisch nach Amerika fuhr. Warten wir. Die Rapelimeisterfrage ist unter den Linden halb, bei Kroll noch ger nicht gelöst. Der Generalmusikdirektor Kleiber aber führte sich indessen in der Philharmonie als Konzertbirigent ein, nachdem ihm am Abend vorher sein Borgänger Stiedry den Plaz am Bult geräumt hatte. Seltsamer Zufall! Kleiber hat vor kurzem durch die Art, wie er Scricbine dirigierte, berechtigtes Aufsehen erregt. Wenn er sich jetzt in der Philharmonie Groß- Berlin vorstellte, so erwartete man von ihm Neues, das ihn als Berber und Propagandist moderner Kunst er wies. Das ist nun leider ganz und ger nicht der Fall geresen. Mit innerem Entfehen gewahrt man, daß es Kleiber entweder an künstlerischem Geschmack und Urteil gebricht oder daß er nicht Willenstraft genug befigt, bequemen Lockungen, nüglichen Anerbietungen die bisher bewiesene Energie entgegenzusehen. Er dirigierte von Jacp Roo1 eine chinesische Pantomime und eine Sinfonie Op. 10, Arbeit" genannt. Hier wie bort hörte man immer das gleiche, nämlich einen äußerlichen Klingklang ohne inneren Halt, ohne seelisches, geistiges Fundament. Lauter Jn strumentalpariotionen über fein Thema( möchte man fagen). Liebe zu egotischen Melodien und Klängen erschöpft sich bei Kool in unaufhörlichem Bemühen feltsamer sinfonischer Instrumente. Beson ders das Xylophon, Gong, Tamtam, Trommel, Harfe haben es ihm angetan. Das lärmt nun mit dem Streichförper und einem Siden Blasorchester pausbäckig durcheinander. Bergeblich ein Suchen nach revolutionären Themen, nach heiligen Rhythmen der Arbeit". Das ift Arbeit in schlechtem Sinne, nicht im fünstlerischen Sinne des 3wedhaften, Zielvollen, Stilschönen. Das ist Arbeit, fofett cus der Bogelperspektive eines daneben Lebenden angesehen, eines Mannes daz, der den Widerspruch alter und moderner Musit nicht mit dem Herzen, sondern mit der Feder überbrüden will. Was reizvoll en dem Wert ist, die bunte Inftrumentenplatte, wird auf die Dauer recht moncton, und nur in bem einfachen, weich schwebenden Adagio ( ein Adagio con moto gibt es nicht!) flingt ein wirkliches Gefühl ouf. Kleiber verhalf dem unbeholfenen Stück zu einem Achtungs. erfesz. Sich selbst hat er damit geschadet. Man wird mehr als je seinen Geschmad unter die Lupe nehmen müssen. Im zweiten Teil des Konzerts setzte Musik ein: Dvorat. Hochachtung für solchen Interpreten! Die Darstellung der Korrespondenz entspricht nicht den Tatfachen. Gilbert, der bere.ts vernommen wurde, ist in der Angelegenheit eine sehr nebenfächliche Figur. Weder ist er politischer Agent amtlicher Stellen, noch hat er von diesen Gelder empfangen. Zettenborn hat aus eigener Initiative gehandelt. Die Beröffentlichung der Korrespondenz verfolgt allem Anschein nach den Zweck, die Sache von neuem zu verdunkeln und dürfte von einer Justizrat Claß nahestehenden Seite flammen. Amtlich wird gemeldet: Eine Berliner Korrespondenz verbreitet eine ebenso ver worrene mie entstellende Darstellung über das angebliche Untersuchungsergebnis in Sachen des Verfahrens gegen Thormann und Dr. Grandel wegen des gegen General von Seedt gerichteten Mordplanes. Den zahlreichen unrichtigkeiten des Korrespondenzberichtes gegenüber sei vorläufig folgentes festgestellt: 1. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, daß die Herren auftragte. Anm. d. Red.) von der Deutschvölkischen Freiheitspartei Don Zettenborn und Koerte( der mit dem Attentat Be vom Reichskommissar für die öffentliche Ordnung oder einen feiner Beamten dazu veranlaßt worden feien, auf die Attertatspläne des Thormann auch nur zum Schein einzugehen. 2. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, daß irgendjemand für irgendwelche Tätigkeit in der Eache des Mordplanes des Thor mann und Grandel vom Reichstommiffariat Geld mann und Grandel vom befommen hätte. 3. Es wird erneut festgestellt, daß das angeblich gefälschte Bro. totoll einer Gibung vom 17. Februar 1920 bis zu feiner Beröffentlichung in der Presse dem Reichsfommissariat nicht be. fanni war... Kahrs Schuld beim Novemberputsch. Ein Rechtsgutachten. der Bedeutung ist Die Untersuchung dieses unparteiischen Ge Schichtsforschers ist im wesentlichen gegründet auf die Berichte und Erklärungen, mit denen die Beteiligten auf beiden Seiten nach dem Putsch die Deffentlichkeit überschwemmt haben. Rothenbücher untersucht naturgemäß vor allem die Frage nach dem Verhalten täterschaft an jenem Hochverrat besteht". Kahrs in der Nacht vom 8. zum 9. November, da gegen den Generalstaatsfommiffar der dringente Verdacht der Mittäterschaft an jenem Hochverrat beſteht". Darstellungen über die Ereigniffe im Bürgerbräufeller kommt Ro Nach forgfältiger Prüfung aller hier in Betracht kommenden thenbücher zu dem Schluß, daß Kahr auf die dringenden Bitten und Flehen Hitlers und Boehners Flehen Hitlers und Boehners aufrichtig und ernsthaft mittat, nachdem er felbft eine Art Gegenvorschlag gemacht, indem er vor. schlug, daß er die Statthalterschaft für die Monarchie übernehmen wolle. Nun war er gong dabei. Nur durch tatsächliche An gaben, die bis jetzt nicht erfolgt find, fann Kahr den Berdacht entkräften, daß er einen Verfassungsbruch hat verüben wollen und nur sehr langsam, vielleicht später als Lossow, fich entschlossen hat, hiervon abzustehen., Kahr hat am 8. November nach langem 3aubern sich entschlossen, mit Hitler, Luden dorff und Pehner gemeinsame Sache" u machen. Einige Stunden später hat er, der foeben noch ein Mitrevolutionär war, sich auf sein Amt als Generalstaatsfommissar zurückgezogen, um dem Kind der nationalen Revolution, dem er noch eben selbst zur Geburt verholfen hatte, den Tod zu geben. Seine Beweggründe fennen wir nicht." Für Rothenbücher steht fest, daß Rahr entschlossen war, an dem Hochverrat teilzunehmen und dementsprechend der Fall Kahr nach der rechtlichen Seite hin nach den Hochverratsparagraphen zu beurteilen ist.„ Kahr ist aber auch Beamter, der überdies stets als Mufter eines solchen der Bevölkerung hingestellt worden ist. Durch feine Beteiligung an dem Unternehmen Hitlers, insbesondere durch feine Uebernahme der Statthalterschaft für die Monarchie, hat Kahr aber seine Amtspflicht schwer verletzt und feinen Eid gebrochen. Er ist auch hier von der einfachen Richtschnur des Handelns abge richen. Wer sich selbst untreu wird, bricht in sich zusammen. Wer die von der Sittlichkeit und dem Recht gefehten Schranken veriäßt, verliert den Haft. Wer andern darin vorangeht, bringt unheil über bas Ganze Taufende fahen auf Rahr als den, der Ziel und Wegwies, der Richtschnur und Maß. angab. Der 3usammenbrudh Kahrs, der nicht verheimlicht werden fann. wenn auch aus man. nigfachen, dem Rechte fremden Grünben die gerichtliche Anlage nicht gegen ihn erhoben worden ist, wirft zerstörend hinaus in die Beite. Die Berfehlung Kahrs liegt nicht nur in feiner Stellung in dem für Bayern und Deutschland unheilvoll endenden Unternehmen Hitlers, sondern in der Erschütterung des flaren Sinns für das Recht, in der Zerstörung des Glaubens an Gradlinigkeit und Ueberzeugungstreue. Dies ist seine größte geschichtliche Schuld." München, 6. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Hitler. Ludendorff- Prozeß wirft tiefe Schatten voraus. Das ganze Ges triebe der bayerischen Politit ist in seinen Wirkungen heute gestellt wird, entsprechen die Angaben in dem von uns am Sonntag hemunt, ja es stellt mit voller Absicht alle Entscheidungen zurüd, bis der Berlauf und das Ergebnis dieses Prozesses die Bahn für neue Entschlüsse freigegeben haben. Dieser Zustand erzeugt naHier blieb Stiebry in ben vorgeschriebenen Bahnen und holte, ob gleich fein Brudner- Dirigent, mit großartiger Einfühlung Leben und Blühen aus den Lönen des ersten Eages. Das Trio des Scherzos allerdings ist nicht als Adagio gedacht, nur langsam" im Vergleich zu Anfang und Repetition. Man sah aber auch hier, welch eine geistige Kapazität Stiebry ist, der sich, zuerst vielleicht literarisch, dann aber fünstlerisch- inbrünstig in andere Musikwelten versehen kann. Boris Kront, in den letzten Jahren immer dort, wo modernfte Mufit gefeiert wurbe, versuchte sich am Brahmschen Geigenkonzert Die anfängliche Dünne des Tones wurde bald überwunden, die treffliche Fingertechnik aber stand im Allegro noch gar nicht im Dienst musikalischer, überirdischer Idee. Er spielte das Konzert, er fang es nicht, er erlebte es faum, und er übermittelte es nicht in feinem rätselhaften Innenleben. Mit Hingabe verweilte Kront dann erst beim Adagio, dessen Schlußteil beherzt und befeelt tiang, und auch die Zigeunerweise des dritten Gayes fand einen tempe ramentvollen Bertreter. Kront ist auch ein Beweis mehr dafür, daß man nicht ungestraft unter dem Balmenschatten die Futuristit wandelt, besonders wem man die Sonne klassischer Mufit wieder lächeln sehen will. Erlebens nicht. Ein anderes größeres Format als Musikant hat Franz Osborn. Alles an ihm, alles in ihm drängt zu gefungenem, gehämmertem, schrungvollem Ausdrud. Ein Temperament, eine Feuerseele, mit genialifhem Aufbliken. Dennoch: zum Tschaifowsti- Konzert reichte die Jugendlichkeit oder Flüchtigkeit bes Mit heftigem Danebengreifen und rasendem DaDonlaufen führt man sich nicht als zweiter d'Albert ein. Dringend ift dem hochbegabten Jüngling Selbstzucht und zielbewußter Unterricht weiter anzuraten. Wer ihn hymnisch preist, ohne die Fehler Griffunsicherheit, harter Anschlag, Stilunebenheit zu beman. geln, tut feiner Entwidlung bitter unrecht. Heinz Unger fühlt sich in Welten ein, bie früher nicht sein eigen schienen. Aber er fingt sich, von Mahler zu Brahms fchrei tend, innerlich frei, wie er an äußerer Beherrschtheit und Orchester beherrschung gewachsen ist. Einen idealen Tempoverehrer wird man ihn richt nennen tönnen; auch ist sein Wesen nod) start auf efftatische Momente eingestellt, und er ruht sich bei den stilleren Partien der ersten Brahmschen Sinfonie gehörig aus. Wie er aber das grandiose Allegro vorbereitete, einleitete, antrieb und zu hymnischem Jubel austlingen ließ, das war großartiger Beweis einer immer mehr nach Befeeltheit und Bertiefung strebenden, fraftvollen Dirigentenperfönlichfeit. Und zum Schluß des Rennens: Gruß und Dant unserer Liebmeisterin Mays3- Gmeiner, die 25 Jahre unser Konzert podium abelt und schmückt. Dank für alle reine Freude des Genießens im Schubert und Wolf- Zied! Jugunsten der nofleidenden Schriftsteller plant dle Boltsbühne am Sonntag, den 24. Februar, borm. 11%, Uhr, im Großen Schauspiel baus eine fünstlerische Beranstaltung unter Mitwirkung des Blüthner Drchefters, bes Gegar- Chores und des Sprechchors für die proletarischen Feierstunden, Reichstagspräsident Röbe wird eine Ansprache halten. tänze Roloff rezitieren. Zur Aufführung gelangt u. a. das Debmelsche Erntelieb in der Stomposition von A. Fried. Karten für Boltsbühnenmitglieder in Etiebrn begann mit der Coriolan- Quvertüre. Wollte er durch Aufheben der Tradition imponieren? Durch das Berschleppen und Dehnen des Lempos erzielte er ein Verzerren der Meloble und ein großes, unmotiviertes Klaffen der Pausen. Das Tattieren in Bierteln bekam dem Werk wirklich nicht gut. Diefe fubjektiven Fehläußerungen verschwanden im Respekt vor Brudners 8. Sinfonie. I den üblichen Zahlstellen. Bie uns von der Direttion der Dresdener Bant mitge abgedruckten Brief eines Hitler- Offiziers, nach dem in der Mün. jener Filiale der Bant Munition gelagert haben soll, nicht den Tatsachen. „ Die nackte Tänzerin". Die Gattin des Redakteurs glaubt von der Gleichgültigkeit thres Mannes überzeugt zu sein. Sie tanzt nadt, nur mit einer Maste befleidet, im Trocadero. Der Redakteur verliebt sich in die Nackt tänzerin. Auch ein indischer Fürst verliebt sich in die Redakteurs. gattin. In demjenigen Leben, daß Rudolf Lothar, der Autor der Komödie, fieht und das dem Bublifum des Trianon Thea ters glaubhaft oder zumindestens amüsant vorkommt, ereignen sich solche Zufälle. In dieser Welt der Kleinbürgerlichkeit, in welcher der Berfasser und seine Gestalten steden, nimmt die Nackttänzerin und Redakteursgattin die Billa an, die ihr der indische Fürst schenkt, um in einem sehr bequemen Rurtifanenbett zu ihrem eigenen Mann zurückzukehren. Solche indische Fürsten gibt es. Sie reden Feuille tonweisheiten im Nachtlokal. Man stelle sich einen Rabindranath Tagore vor, der durch Rudolf Lothar den Feuilletonlefern der„ Ele. ganten Welt" vermittelt wird. Und alles geht gut aus, wie man es in der ersten Szene des ersten Attes gewußt hat, wenn man die Gesetzmäßigkeit fennt, in der die bürgerlichen Luftspielverfaffer leben. Es ist eine heitere Welt. Sie hat keine Probleme, sondern Schwank motive, fie hat feine Gedanken, sondern Bifanterien. Ihre Unmar scheinlichkeit ist zu naivo, als daß man sich mit ihr auseinanderlegen sollte. Gespenstisch, aus einem erledigt gewähnten Jahrzehnt steigt fie auf die Bühne in der Gestalt des applaudierenden Berfaffers und verneigt sich. Pseudofranzöfifch parfümierte Totengerippe der Dra mati wandeln auf den Brettern, die die Rotterwelt bedeuten. Oskar Kanehl führte eine schleppende, gedehnte Regie. Die Redakteursgattin und Tänzerin Erifa Glasner ist leider zu did geworden. Ihre berauschende Nacktheit ist unglaubwürdig. Gie bleibt gut in den Szenen, die ihre natürliche Drastik herausfordern und zur Geltung fommen lassen. Man glaubt ihr die Redakteurs. gattin. Aber wenn man sie aus dem Bett in die Morgenwäsche R. steigen sieht, nur sehr schwer eine Nadttänzerin. „ Die vertagte Nacht" im„ neuen Operettentheater". Die Herren Franz Arnold und Ernst Be zeichnen als Autoren eines Schwantes, der mit befannien Mitteln gefchidt gearbeitet wurde. Bärtliche Dinge werden luftig und spiz refagt. Ein paar brollige Einfälle. Gut verteilte Rollen. Die sympathischen Schauspieler des halb in bester Laune, Thielscher obenan. Es scheint, als ob die ger manschten Gehirne unserer Zeit eine höhere„ Geiftigkeit" als wie fit in fo einem Schwant zum Ausdrud fommt, gar nicht mehr ertragen Man lacht drei Stunden lang, doch es folf nur feiner fragen warum Benn aber Guido Thielscher auf der Bühne Emil Dobermann heißt, dann lacht man natürlich schon, ehe der Vorhang aufgeht. Unt wenn dann dieser fleine fette Mann über die Bühne rollt, rutscht gleitet und hüpft, und in seinem rundlichen Antlig mit fabelhafter Mimik hundertiei Seelenregungen auffprühen läßt, dann spürt mar mit Genuß, was wir Berliner doch in diesem Künstler haben, det nur mit ganzer Hingabe bei seinem Spiel ist und nichts spüren lä von jener elenden Eitelkeit, die so mandyen anderen berühmten Kollegen im Angesicht des Publikums zum Clown und Hanswurf werden läßt. Neben Thieffcher, der den emporgekommenen Berline Unternehmer verförpert, fionden eine Reihe gut angezogener( alfa anziehender) und gut fpielender Kräfte auf der Bühne: Leo Peu tert als eleganter reicher und wissender, Berthold Reißig al Wahlfreiheit in Thüringen. 17 10 Knebelung der sozialdemokratischen Presse. Weimar, 6. Februar.( Elgener Drah bericht.) Auf Grund der Meldung des Sozialdemokratischen Parlamentsdienfles, daß die Berleumdungen gegen die Thüringer Regierung vom Heeresanwalt, dem Millfärbefehlshaber Hasse, ausgehen, London, 6. Februar.( Reuter.) In einer dem„ New Bork| durch die Alliierten gewesen. Er habe vorausgesehen, daß, wenn die wurde unser Jenaer Parteiblatt, Das Bolt, auf zwei Herald" abgegebenen Erklärung verteidigt fich Clond George Franzofen einmal die Grenzen befehlen, fie diese nicht wieder verTage verboten. gegen die Angriffe, die gegen ihn im Zusammenhang mit den Be- laffen würden. Seine Annahme jei bereits durch Ereignisse gerecht. Gleichzeitig wurde unser Geraer Parteiblatt, die Ost- dingungen des Friedensvertrages betreffend die militacije fertig fworden. Er sei jedoch im fritischen Augenblick während thüringer Tribune", auf zwei Tage verboten, Belegung der Rheingrenze durch die Alliierten gerichtet dieser Verhandlungen durch den berüchtigten durch Northcliffs Te.2. meil sie die Frage auftoatf, ob es wahr fei, daß der Militärworden sind. Er erflärte, als er während der Friedensverhand- gramm organisierten Angriff nach London abgerufen worden. Als befehlshaber die Absicht habe, in den lehten Wahllagen die lungen nach einem dringend notwendigen Aufenthalt in Condon er nach Paris zurückkehrte, sei offenbar geworden, daß Wilson fozialdemokratische Preffe zu verbieten. nach Paris jurädgefehrt war, habe es sich gezeigt, daß Wilson sim Clemenceau ergeben hätte. Dadurch hätten die während seiner Abwesenheit in diesem Punkte vor den Franzosen Franzosen das Recht gewonnen, das Rheinland zu besezen, was tapituliert hatte. Er habe jeht fürzlich entdeckt, daß Cle- fchließitch in dem Bertrag eingeschlossen wurde. Lloyd George er menceau und Wilson während seiner Abwesenheit hierüber ein flärte:„ Ich habe erst vor ganz furgem entdeckt, daß während meiner geheimes Abkommen unterzeichnet hätten. Abmesenheit in London Clemenceau und Wison ein geheimes Abfommen über diese Frage abgeschlossen haben, und trotzdem bin ich immer von zahlreichen Eeiten in England als der Schuldige angegriffen worden. Ich habe soeben die Documente vom Foreign Office" erhalten. Die Franzosen wollen jetzt das Abformen zwischen Bräsident Wilson und Clemenceau veröffentlichen und wünschen, daß ich zustimme. Es ist ein wenig spät, um meine Zustimmung zu bitten. Ich habe niemals zuvor die Dokumente gefehen." Der Kampf um den Rhein- in Versailles Lloyd George enthüllt ein Geheimabkommen Clemencean- Wilson. In er fant ist, daß bereits vor einigen Tagen beim Candeswahlleiter die Meldung einging, daß die fozialdemofratiiden Blätter in den legten Tagen vor der Wahl verboten werden sollen. Die Zivilprozeßfreform. Jm Rechtsausichuz des Reichstags wurde die Beratung einer Reform der 8ivilprozeßordnung fortgefest. Ins besondere wurden die Maßnahmen gegen eine Verichleppung im Berufungsverfahren behandelt. Der Ausschuß einigte fich auf folgenden Wortlaut des§ 529: „ Angriffs und Berteidigungemittel fowie Beweismittel und Beweisemreben, die in erster Instanz nicht geltend gemacht worden find, tönnen zurüdgewiesen werden, wenn das Gericht die Uebers zeugung gewinnt, daß die Partet in der Abfit, den Prozeß zu berichleppen oder aus grober Nachlässig feit fie nicht vorgebracht hat. Das gleiche gilt von solchem Borbringen, das in eifter Justang nach den§§ 279, 279a. 283 aurüdgewiefen worden ist.£ te Vorianift des Abfag i findet entsprechend nwendung, wenn der Berufungstläger ein neues Vorbringen, dessen Geldmachung in der Berufungsinstanz zulässig ist, entgegen der Borschrift des§ 519 nicht in der Verufungsbegründung mitgeteilt hat." Die preußische Gewerbesteuer. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beriet am Mitt woch über die Verordnung zur vorläufigen Regelung der Ge werbesteuer. Es lag eine Reihe von Abänderungsanträgen vor. Einen besonders breiten Raum in der Aussprache nahm die Besprechung der Anträge auf Freilassung der Genossenschaf ten und Konsumvereine von diefer Steuer ein. Die Deutsche Bolkspartei, die Demofraten und die Deutschnationalen stimmten geschloffen für die Besteuerung, ebenso einige Zentrumsvertreter. Dagegen stimmten drei Mitglieder des Zentrums aufammen mit den Sozialdemokraten und den Kommunisten. Die Arträge auf Besteuerung der Genossenschaften und Konsumvereine wurden mit 15 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Mit derfelben schwachen Mehrheit fanden Annahme Anträge der Sozialdemokraten und eines Teils des Zentrums auf Steuerfreiheit für einge tragene Genossenschaften, welche bei Kredithergabe und beim Bertriebe von Wirtschaftsbedürfnissen sich auf den Kreis ihrer Mitglieder befchränken, und ferner nur folche Produkte verkaufen, die von den Mitgliedern erzeugt find. Die übrigen Anträge wurden nicht verhandelt, da die Regierung für die nächste Woche die Verlegung einer grundlegenden Novelle zur Gewerbesteuer zusagte mit Rücksicht auf die Verände rung der Reichseinkommensteuergesetzgebung. * Die Arbeit der Sachverständigen. #Die erste( Dawes.) Kommission prüfte am Mittwoch nad mittag den Bericht ihrer eigenen Eisenbahnfachverständigen Eir Williams Acworth und Be Werbe. Die Unterfommission für die Brü fung des Reichshaushalts prüfte die Einnahmefeite unter Ginzu ziehung der deutschen Sachverständigen Staatsfefretärischer, Popis und Dr. Dernhardt. Die Mac- Kenna- Kommiffion berlägt Berlin am Freitag vormittag. General Dawes und Herr Henry M. Robinson befuchten Mittwoch mittag in Begleitung anderer amerikanisther Sachvers ständigen die Notstandstüche Berlin- Stegits, Ringstr. 54. entzückend schuldlofer und unwissender Liebhaber, um den fich fiber haupt die ganze Geschichte dreht, weil er in der Tat schuldlos Schuid baran wurde, daß er mit feinem reizenden Frauchen( Eläre Rommer) die Hochzeitsnacht pertagen mußte. Camilla Spira als modernes felbständiges Mädchen und Else Bad als Frau Dobermann dürfen nicht unerwähnt bleiben. tr. Moderne Romanfit. Bei einem Zusammentreffen mit ben ihn verfolgenden Soldaten wurde der gefährliche ferbische Bandenchef Ruspopowitsch erschossen, der feit längerer Zeit die Bevölkerung der Schwarzen Berge in Furcht und Schreden verfeßt hatte. Wie gemeldet wird, war der getötete Räuber eine Zeitlang Profejlor der Philofophie an der Universität Wien. Infolge einer Liebesenttäuschung hatte er sein Amt im Stich gelaffen und war unter Die Räuber gegangen. Dant feiner Intelligenz und Tapferteit wurbe er Chef einer toütühnen Räuberbende, die fich aus 50 zu ciem entfchloffenen Banditen zufammenfeßte. Auf den Kopf des Haupt manns war von der jugoslawischen Regierung ein hoher Preis ge= fetzt worden. " Vorträge. Im wolffenschaftlichen humanitären Stomitee spricht Donners. tag 8 libr( Einst Haedel- Saal, In den Belten 9a) Dr. B. Samibt über: Die Bedeutung Steinads". Freitag bright Bruno Bürgel in der Musikhochschule über das Thema: Bom Reben aus anderen Sternen"." Siegfried v. Kardorff( pricht im Rahmen eines von der Leifing- Hochschule veranstalteten politischen Bntlus fiber das Zbema: Bege au deutscher Zulunft Sonnabend 8 Uhr im ehemaligen Herrenhause. Cudwig Hardi spricht Freitag 8 Uhr im Melfteriaal Dichtungen von Holberlin, Boethe, Keller, Deine, Maupaffant, André Gibe, Thomasmann, Hermann Bang und verebichiebet fi Sonntag im Beditcinjaal mit beiteren Dichtungen und Schauspielerporträts. Boltsbühne Norden. Für die nächste Neueinkludierung Selben hon Bernaib Sbam wuzben. a. berpiliditet: Alice Altman- Dall, Leonie Duval, Maja Hart, Gruit Dernburg, G. A. Cemler, Athieb Braun, Srich Dito. Spielleitung: Dtto Stirchner. Muſeums& rungen. Sonntag, den 10, 34, 115e vorn, finden wiffen: schaftliche Führungen burd) Direttorialbeamte in atfer FriedrichMuseum Rembrandt und& Hals"( Direktor Demmler) und im Neuen Museum Aegypten in 2. Jahrtaufenb"( Dr. Wolf) statt. Ein. trittstarten sind vor Beginn der Führungen am Eingang der genannten Mujeen erhältlich. Der polififche Kampf um den Nordpot. Aus Montreal wirb.mit. geteilt, daß die fanabische Regierung eine Expedition unter Führung bes Kapitans Ternier in die artuschen Gewäffer entenden wird, um der Beth engreifung der dem Nordpol benachbarten Gebiete, durch die ameritanijme Regierung zuvor zulommen. Bernier will in den arttifchen Gegenden eine Reihe von Vuntien besetzen, die die Bertreter der fanadischen Regierung offiziell in Befiz nehmen sollen. Die Lepra in Paris. Nach einer Mittellung der Klinischen Wochen fchrift" gibt es in Paris mehr als 200 Vepra trante, die ihr Leiden meift aus der frembe mitgebracht haben. Doch find in den legten Jahren mehrere alle beobachtet worden, in denen die Kranken die Anitedung in Paris felbit ermarben, leberhaupt hat sich die Anitedung der Barlier durch frante Ausländer bermehrt, was ber Zunahme diefer Kategorie zuzuschreiben ist. Während fich im Jahre 1914 unter den Stranten ber Pariser Anstalten 5 Bros. Ausländer befanden, waren es im Februar 1928 über 14 Broz., barunter fast ein Drittel Eingeborene ber französisgen Kolonien Dem diplomatischen Berichterstatter des„ Evening Standard" zufolge ist die Aufmerksamkeit Macdonalds auf die im„ New Bort World veröffentlichte Mitteilung Cloyd Georges gelenkt worden. macdonald habe um einen jofortigen Bericht über die ganzen Umstände ersucht, der seht vorbereitet werde. Der politische Berichterstatter des„ Evening Standard" schreibt: Die französische Regierung habe bis zum Tode des vormaligen Präsidenten Bilson gewartet und wolle ein Dokument veröffentlichen als eine Rechtfertigung der Politik, die Frankreich seit der Unterzeichnung des Versailler Bertrages gegenüber Deutschland geführt habe. Das Dokument soll zeigen, daß für diese Politik die fran 8ösische Regierung die Unterstügung Lloyd Georges hatte. Der Berichterstatter ist der Ansicht, daß Lloyd George die genaue Tatsache wiedergeben, wenn er erflärte, daß er von Anfang an gegen die Beschung deutschen Gebietes gewesen sei. Ein Prophet des Unheils. Aus einem Brief des amerikanischen Delegierten bei der Rheinlandkommission Noyes an Wilson vom 27. Mai 1919. Nachdem ich als amerikanischer Kommissar einen Monat im Rheinlande verbracht habe, habe ich das Gefühl, daß Gefahr vorhenden ist, daß dort cin unheilvoller Fehler begangen wird. Die Ronvention" über die Verwaltung diefer Gebiete, wie sie die militärischen Bertreter des Obersten Kriegsrates am 11. Mai entworfen haben, ist brutaler, glaube ich, als es felbst die Verfaffer bei nochmaligem Nachdenken wünschen möchten. Sie steht während einer jahrelangen Periode eine London, 6. Februar( WTB.). Unter der Ueberschrift Wie Präfident Wilson für die Rheinbesetzung gewonnen wurde" schreibt " Evening Standard": Wiljons Lod habe Enthüllungen gezeitigt, die nicht gut während seiner Lebenszeit gemacht werden fonnten. Als Lloyd George fid) wegen einer bedrohlichen parlamentarischen Lage nach London begab und wieder nach Baris zurückkehrte, habe unerträgliche Unterdrüdung eines Sechsmillionenvoltes er gefunden, daß Wilson zum Standpunkt Clemenceaus bezüglich vor. Diese Konvention" wird wahrscheinlich nicht ohne tiefgreider Besetzung deutschen Gebietes, der sich Lloyd George widerfetzt fende Modifikationen angenommen werden. Was mich jedoch am hatte, umgestimmt worden war. Erst gestern habe Lloyd George meliten beunruhigt, ist, daß feiner der Revisionsvorschläge in bezug erfahren, daß während seiner Abwesenheit ein bindendes Ueber- auf diefes Dokument, der mir vor Augen gelommen ist, erfennt, cinkommen zustandegekommen war. Die deutliche Formulierung daß das Grundprinzip schlecht ist daß die Einquarfei, daß die Abwesenheit Lloyd Georges aus Baris ausgenußt wor- fierung einer feindlichen Armee in Friedenszelten in einem Cande ben. war, um den wantenden Wilson zu besiegen, der seltsamerweise als deffen Herr und Einquartierung von Truppen bei der Zivildem geringeren Plan einer französischen Kontrolle im Saargebiet bevölkerung Haß und schließlich Unheil erzeugen müssen. Ich habe äußerst feindlich gegenüber gestanden habe. Laut„ Evening Stan- diese Angelegenheit des langen und breiten mit den amerikanischen darb" fönne Liond Georges augenblickliche Erklärung nur dann ver. Befehlshabern der Offupationsarmee diskutiert. Männer, die„ mili standen werden, wenn man annehme, daß es jetzt die Absicht der tärische Offüpation" fedjs Monate lang aus nächster Nähe fennenfranzösischen Regierung sei, ein Geheimabkommen zur Rechtferti- gelernt haben. Diese Offiziere unterschreiben nach gung der darauffolgenden französischen Politik zu veröffentlichen. drücklichst die obigen Behauptungen. Sie fagen, daß Während der Lebenszeit des vormaligen Präsidenten Wilson fei ein eine Offupationsarmce selbst mit den besten Absichten sich schlim. derartiges Verfahren wahrscheinlich durch ein Bersprechen mer Uebergriffe fchuldig machen wird und daß trop aller verhindert gewefen. In der Unterredung mit dem Bergegenteiliger Bemühungen die gegenseitige Gereiztheit mit der Zeit treter der New York World erklärte Lloyd George, er fei wachsen muß. Gewalt und immer mehr Gewalt bezeichnen unvergegen die 15jährige militärische Belegung der Rheingrenge meldlich die Geschichte einer derartig lang ausgedehnten Bejehung. | Vertrauensvoten für Poincaré. Paris, 6. februar( BTB) Heute vormittag besprach die Kammer die Ersparnisse von mindestens 1 Milliarde. Der Entwurf wurde mit 521 Stimmen ohne. Opposition angenommen. Sozias liftische und kommunistische Zusaganträge auf Einicränkung der Rüstungen wurden mit 545 gegen 81 bzw. 570 gegen 71 St abgelehnt. Die Kommunisten verlangen offenbar um Obstruktion zu treiben, im einzelnen begründete Abstriche an den regelmäßigen Ausgaben, um Ersparnisse zu erzielen, Sämtliche Anträge werben nach furzer Debatte gegen die Stimmen der Sozialisten und der Kommunisten abgelehnt. Mehrere sozialistische Redner brachten die Befürchtung zum Aus druck, daß die Ersparniffe die Departements und Gemeinden sowie bestehende und geplante soziale Einrichtungen schädigen könnten. Mog. Candace verlangt darauf in einem 3ufagantrag, daß dem Regierungsentwurf genaue Angaben über das Ersparnisprogramm beigefügt würben. Der Antrag wird, nachdem Poincaré die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 327 gegen 240 Stiminen abgelehnt. Im weiteren Ber. lauf der Sigung stellt der Abg. Herriot den Antrag, Art. 1 des Regierungsentwurfs von der Tagesordnung abzufezen. Poincaré stellt die Vertrauensfrage. Die Rammer lehnte in namentlicher Abftimmung mit 253 gegen 16(?) Stimmen den Antrag Herrist ab. Benesch über Europas Zukunft. Er prophezeit Poincarés Sturz. 16 Prag, 6. Februar.( Tul.) Im Außenausschuß des Abge. ordnetenhauses gab Minister Dr. Benesch ein politisches Erposé Er fagte: Bir treten in eine neue politische Periode ein, die mit der Einsegung einer sozialistischen Regierung in Eng land beginnt, mit der Anerkennung Rußlands durch England und 3talien, mit der Borbereitung neuer Berhältniffe in Frankreich, die wahrscheinlich ten definitiven Bersuch eines franzöfifch- deutschen und, damit auch eines französisch- englischen Ausgleiches bebeuten und schließlich mit der Borbereitung in einer tellweisen Beteiligung Ameritas an der Wirtschafts- und Finanzpolitif Europas ihre Fortsetzung finden. Der Minister widerlegte fobann die politischen Einwendungen, die gegen den Bertrag mit Frankreich erhoben wurden und sagte, der Bertrag foll angeblich antideutsch sein, er unterstützt angeblich den französischen Iniperia lismus. Demgegenüber verweist der Minister auf seine Erklärung. baß die Einigung Deutschlands mit Frontreich näher ist als die Kritifer annehmen. Macdonalds Parisfahrt aufgeschoben. Erst nach den Wahlen? Paris, 6. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Das Projekt einer Zusammenfunft Poincaré- Macdonald ist, soweit die nächste Zukunft in Betract fommt, aufgegeben. Offiziell wird der Ber. aicht auf die Aussprache, der man hier anfangs feineswegs abgeneigt zu fein schien, mit der 3wedmäßigkeit begründet, zunächst die Berichte und Borichläge der beiden Eachverständigerausid ühe abzuwarten. Nach anderen Informationen aber, die mehr wahr. fcheinlichkeit zu baben scheinen, foll Macdonald sich entschlofien baben, die beabsichtigte Reise nach Paris bis zum Wai, d. h. bis nach den franzöfifchen Neuwahlen aufzuichieben, tas den Schluß nabelegt, daß man auch innerhalb der neuen englischen Regierung auf Grund der bisherigen Erfahrungen bereits zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß mit der gegenwärtigen franzöfifchen Regierung eine Verständigung über die großen europäischen Probleme aussichtslos ist. Die Pfalzfrage. Gegen den nationalen Block. Die Radikalen für Wahlbündnis mit den Sozialisten. Paris, 6. Februar.( BTB.) Die radikale und die sozialistisch raditale Partei sind heute nachmittag zu einer gemeinsamen Beratung über die Wahitaftil und die Frage der Wahlbünd. nisse zusammengetreten. 600 Delegierte nahmen daran teil. Die Beratung wurde vom Abgeordneten Herriot mit einer Rede eröffnet, in der er fich dagegen verwahrte, daß seine Bartei auf die Frankreich geschutbeten Reparationen verzichten wolle. Es fönne feine internationale Gerechtigkeit geben, wenn die Deutscher nicht Das begangene Unregt wieder gutmachen müßten, aber die Radikalen wünften als Verteidiger des Rechts unt als Gegner der Gewalt, baß Frankreich sich nicht allein auf die Paris, 6. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Das Haupthinder. Macht stüße, un Genugtuung zu erhalten. Der nationale Blod nis für den Abschluß der englisch- französischen Berhandlungen über werde heute von seiner Berantwortlichkeit erdrückt, weil es am die Pfalz bildet nach wie vor das französische Berlongen, daß die 16. Januar plötzlich zu einer Börsenpanif gefommen fel. Der Politik der Regierung, erklärte er, muß eine ausgesprochen franzofische Bestik gegenübergestellt werden, die Frankreich nicht, wie felt in der pfälzischen Frage, der Demütigung ausfest, von Deutschland eine schriftliche Herausforderung zu erhalten. Frankreich muß im Mai bleses Jahres ganz Europa überzeugen, daß die Demotratie fiegt. Die Einladung der sozialistischen Partei zum Kartel ist nicht sehr herzlich gewefen. aber es ist unangenehm, fich am Abend der Verlobung und am Tage vor der Hochzeit zu zanfen. Es handelt sich bei dem Linksblod um eine Bernunftebe, die man auch dann feiert, wenn man sich am Tage nachher wieder trennt. Herriot wandte fich sehr scharf gegen das Ermächtigungsgefet, worauf in die Diskussion eingetreten und eine Tagesordnung angenommen wurde, in der für die Kammerwahlen Wahlbündnisse gutgeheißen werben mit den Sozialisten oder den Kandidaten der Parteien, die das Programm des letzten Oftoberfongresses annahmen. Nur in den Wahlkreifen sollen Koalitionen abgefchloffen werben, in denen fie notwendig sind, um den nationalen Block 3 befämpfen. Nach einstimmiger Annahme dieser Tagesordnung vertagte sich die Konferenz auf heute abend. neue faigregierung der Rheinlandfommission unterstellt werden sett. Es muß in diesem Zusammenhang gefegt werden, daß die am Dienstag überreichte Protestnote der deutfchen Regierung infolge ihrer scharfen Formulierung, in der die an sich durchaus berechtigten Forderungen gestellt wurden, wenig dazu beigetragen hat, eine rasche Beilegung des Konflikts zu fördern. Andererseits allerdings scheint euf Boincaré aus den maßgebenden Bariser politischen Kreisen ein starker Drud zum Entgegenkommen an die Wünsche des neuen englischen Kabinetts aus. geübt zu werden, so daß der Widerstond, den man am Qual' d'Orsay am Mittwoch noch gegen die von England angeregte Formel aufrechterhielt, nicht unüberwindlich sein dürfte. Erste Wirkung. Die Verbandlungen ungarischer Sozialisten mit der Arbeiteriegierung des treditgewaltigen Großbritanniens fcheinen raich zu wirfen. Ein bisher nur Horthy- Banditen zugute gefommenes Amnestiegefes ist jetzt auch auf eine Anzahl Sozialisten, Sommunisten, felbft auf Emigranten angewendet worden. Eine Sicherung ihrer Freiheit und selbst ihres Lebens ist das aber noch nicht; die gibt es erst, wenn das ganze Horthy- Regime verschwindet. OeweMhQstsbsVegung Kundgebung des veutfthen Cisenbahnerverbandes. prokesk des Verbondsbeiraks. Der Beirat des Verbandes besaht« sich in seiner SihunH am 3. und 4. Februar in Berlin uornchinlich mit der anzekündictten Verlängerung der Arbeitszeit für das Reichsbahnperwnal. Der Vorstand des DEV. lehnte die vom Reichsverkehrsministerium getorder'e Zustimmung zu der Mahnahme ab, legt« aber die Frag«, ob der Kampf gegen die Verla ngerung sofort oder spater aufgenommen werden solle, seinen Mitgliedern zur Entscheidung oor. Bekanntlich wurde die Urabstimmung in Sachsen und Bayern durch militärische und polizeiliche Maßnahmen verhindert so daß das Gesamtergebnis der Urabstimmung kein vollständiges Äild von dem Willen der Mitglieder ergab. Es ließ immerhin erkennen, daß eine satzungsmäßige Mehrheit für den sofortigen Kamps nicht er-- «icht war. Auf diesen Standpunkt stellte sich auch der Ver- b a n d s b e i r a t, der die bisher vom Verbandsvorstand getrof- fenen Maßnahmen anerkannte und ihm für die folgende Zeit chand- lungsfreiheit ließ. Die entscheidende Entschließung, die mit allen gegen 8 Stimmen angenommen wurde, lautet: „Der Verbandsbeirat stellt nach dem Bericht des Vorstandes an Hand des Abstimmungsrefultats mit Bedauern fest, daß sich an der om 26. und 27. Januar 1924 vorgenommenen Urabstimmung die Ortsgruppen nicht vollzählig beteiligt haben. Die statutarisch vorgeschriebene Mehrheit der Mitglieder für einen sofortigen Streik um die Erhaltung des Achtstundentags ist nicht vorhanden. Dieses unvollkommene Er- gebnis ist in wesentlichen Teilen des Verbandsgebiets verursacht durchs die Willkürmaßnahmen der Militär, und Polizei- b e Hörden. Aufhebung von Wahllokalen, Verhaftung von Ab- stimmungsleitern und anderer Funktionäre. Gegen diesen uner- hörten Eingriff behördlicher Organe in das gewerkschaftliche Selbst- bestimmungsrecht erhebt der Verbcmdsbeirat den schärfsten Protest. Vorstand und Derbandsbeirat fordern die gesamte Mitgliedschaft im Lande auf, allen Widerständen zum Trotz den Verband zahlen- mäßig, finanziell und moralisch bis zur höchsten Vollendung zu stärken, damit zur geeigneten Zeit der Kampf um die Wieder- gewinnung des uneingeschränkten Achtstunden- t a g e s mit voller Wucht aufgenommen werden kann." Die Sitzung beschäftigte sich weiter mit den Zuständen im be. setzten Gebiet. Die Not der durch den Ruhrkampf arbeitslos ge- wordenen Eisenbahner ist grenzenlos; ganz besonders zeigt sich dos in den Gebieten, wo die Separatisten hausten und wo noch dem Fbr'sall der Reichsunterstützung di« Deutschland treuen Eisenbahner auch ohne die sonst noch gezahlte Arbeilslosenvnterstützuna leben müssen. Weiter wurde neben anderem der zum 1. April gekündigte Reichslohntarisvertrog und die Wirtschaftlichkeit der Eisenbahn behandelt, die durch den teilweise rein willkürlichen Ab- bau von Personal geschädigt wird. Weil der Verband bisher nur einen Teil seiner Unterstützungseinrichtungen aufrechterhalten konnte. und für die Mitglieder im besetzten Gebiet zurzeit eine Beschickung des Derbandstages kaum möglich sit, beschloß der Beirat mit 48 gegen 17 Stimmen, den für 1924 fälligen Nerbandstag bis 192 5 zu vertagen damit die sich jetzt sammelnden Mittel des Verbandes möglichst bald zur Unterstützung und für die kommenden Kämpfe verwendet werden können. Arbeiterfreundlichkeit der Mitropa. Am l4. Dezember 1923 gelang e» der Mitropa-Direktion durch einen im Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruch, die bis zum 3. Deeember 1923 gültigen Löhn« ganz erheblich zu redu- zieren. Der Wochenlohn betrug nach dieser Neuregelung der Lohnsätze ab 24. Dezember 1923 onstoit des bisher gültigen Papier- marklohnes(umgerechnet in Goldmark): «in Oberkellner..... 16,20 21t. anstatt 31,14 BT. e>n Kock,.......... 16,45,, 32,12, eine K ii-b e n g e h i l f i n.... 12,00,. 2340, eist Saaerarbeiter(über A> I.» 20.00.„ 39,50„ Da diese neuen Löhne nicht tm entfern. esten ausreichen, um den Angestellten auch nur die bescheidenste Lebenshaltung zu gestatten, wurde der Schiedsspruch von der Belegschaft ein- stimmig abgelehnt. Die Lohnkommission hat daraus im Lause des Monats Januar in fünf Verhandlungsterminen oersucht, eine Erhöhung der ungenügenden Löhne durchzusetzen. Leider ohne Erfolg. Herr Direktor Weiler erklärte schon gleich am ersten Berhand- lungstaqe, daß die Direktion— man höre und staune— die Absicht habe, die neuen„großartigen" Löhne noch w eiter ab- zubauen. Da von der Direktion inzwischen neben dem genann- ten Lohntoris unter Berufung auf die Arbeitszeitoerordnung vom 21. Dezember 1923 auch der 6 4 des Manteltanfes. der di« Lestim- inunq über die Arbeitszeit enthält, gekündigt worden war. geht man wohl nicht febl in der Annohm«, daß die Direktion durch dies« Erklärung eine Lohnevhöhung bei der in Aussicht stehenden Ärbeitszestverlängerung verhüten möchte. Diese unsere Mutmaßung hat sich dann auch bestätigt. Der uns von der Direktion am 24. Januar 1924 vorgelegte Vertragsentwurf brachte ein« ganz« Reih« von Verschlechterungen. So sollte» Usber- stunden überhaupt nicht mehr bezahlt werden, di« Wendegelder soll- teu ganz in Fortfall kommen; als Entschädigung für die Ueber- führung von Speise- und Schlafwagen sollten bis zu einer 12- stündigen Arbeitsdauer sage und schreibe 50 Pf. und über 12 Stunden bis z u 24 Stunden 1 Bf. aezahlt werden Den Köchen bot man als E.nt'cktätlqung für die Reinigung der Berufs- mich« 34 Bf. und für bis Abnutzung der Werkzeug« 17 Pf. wächent- (ich an. Die Entschädigung für Geschirr- und Gläserbruch beabstch- tigt die Direktion in Zukunft eiaenmächtjg festzusetzen. Die Alters- orcnze der Lagerarbeiter. Arbeiterinnen usw. sollte von 29 resp. 18 Jahren auf einheitlich 22 Jahre heraufgesetzt worden und der bis- her gezahlte Lohnaufschlag von 59 Proz. für Feier- t o g s a r b e i t sollte ebenfalls in Fortfall kommen. Als „Entgelt" für die um eine Stunde v«rlän>gerte Arbeits- zeit wollte die Direktion dann gnädiaft eine Zulage von 19 Proz. gewähren. Was die Direktion also mit der einen Hand geben wollt«, hat sie den Angestellten mit der anderen Hand schon vorher genommen. Der Aufschlag von 19 Proz. bedeute!« keine Lohnerhöhung, sondern eine weitere Kürzung. Dafür ein Betspiel: Ein Lagerhalter erhielt b'Sher bei oebtstündiger Arbeitszeft einen Ein Laaerorbeiter erhielt bisher bei achtstündiger Arbeitszeit«inen auf 9 Stunden trotz der Zulage von 19 Broz. nur 40—, Pf. Daß bei ein-T solchen Verichlechter'-ng der Bezüge trotz Mehrarbeit von einer Snmde pro Tag eine Derständicunq nicht zu erzielen war, versiebt sich am Ran�e. Nunmehr hat dos Reichsarbeits- Ministerium das Wort, und wir wollen hoffen, daß es diesmal den gerechten Forderungen der Arbeitnehmer mehr Verständnis entgeaenbnngt als im Dezember 1923. Di« Mitropa-Dir«ktion wartet aber erst gor nicht ab, bis dos Reichsarbeit-ministeni'M entschieden Hot. sondern dekre- tiert ranz einfach in einem Rimdschreiben an die Abteilungsleiter: „Ab 1. Fekniwr wird die Arbeitszeft für dos Fahrw-rstual auf 216 Stunden innerhalb vier Wochen und für das sonstige Personal auf 54 Stunden innerhailb einer Woche nerlfrgcrt" Als Entgelt wird den Anoestellten dann eine Erhöhung der Löhne um 19 Proz. zugebilligt. Zum Schluß heißt es in dem Rund- schreiben: „Wenngleich die Verhemdlttngen mit den Gewerkschaften noch nicht zu einer Einigung geführt hoben, ordnen wir Vorstehendes an, damit unsere Angestellten durch die'Verzögerung keinen Schockten erleiden." Einfach rührend, diele Sorge der Direktion um das Wohl ihrer Angestellten! Die Anoestellten werden sich die'es„Wohlwollen" der Mitropa-Dbektion aui merken msissen. damit sie nicht vergasten, ihr zu aegebener Zeit den Donk für di« ihnen bewiesene Fürsorge abzustatten. Daß die Mitropa-Direktion jeder tariflichen Reoelung der Lohn- und Arbrftsbedinatmoen om uebst-m aus dem Wege ginge, aeht daraus hervor, daß sta jetzt, wi« auch das lotztemal, als die Vertreter der Angestellten dos Arbeitsministerium anriefen, nach Holland verreist war. so daß die Derbandlunoen vor dem Schsichtungs- mtssthuß ousaeichoben werden mußten. Im übrigen wird«s durch- aus angebracht lein, um die immer wiederkehrende Klage der Di- rektion über di« schlechte Prosperität ihres Betriebes auf das richtin« Maß zurückzusühren. daß wi- uns demnächst mit der Wirtschaft- lichkeit des Betriebes und den Kalkulattons- Methoden der Gesellschaft an dieser Stelle etwas näher befchäs- tioen Ein Betrieb, der z. B. in der Küche mit 159 Proz. Nutzen arbeitet, muß nach unserem Dafürhalten lehr wohl in der Lage sein, seinen Angestellten wenigstens solche Löhne zu zahlen, die als einigermaßen auskömmlich gelten können. Aus dem Ballgewerksbvnd. In der Versammlung der Baudelegierten der Berliner Bgu- gewerkschast des Bundes am Dienstagabend hielt Genosse F r i ck e von der Betriebsrötsschule einen vortrog über:„Wirtschafts- tri se und Arbeiterbildung" Der Redner zeigte die Zu- sammenhönge zwischen veiden Punkten in ihrer Rückwirkung auf das Organisationsgefüg«, di« Organisanonsmacht. Während die Un- kenntnis diescr Zusammenhänge in den schweren Zeiten der Krise zur Verzweiflung führt, bewirkt die Erkenntnis, d-e Notwendigkeit der Abwehr gegen die wirtschaftlichen Unbilden einen festeren Zu- fammenschluß der Arbeitnehmer in ihren Organisationen. Mit noch so schönen Reden und noch so lauter Kritik können wir die Verhält- niste nicht bessern. Wir müssen uns mit den Wirtschaftsfragen be- sthäftigen, und nur unter der Voraussetzung, daß wir zu den rich- tigen Schlußfolgerungen kommen, können wir unsere Kämpf« mit der nötigen Energie und Entschlossenheit führen. Genosse Krause ergänzte in der freien Aussprache die Aus- führungen de, Referezten. Die Arbeftsrschoft müsse tatsächlich zu der Einsicht kommen, daß wir nicht immerfort an der Oberfläche der Dinge haften dürfen, fondern uns die nötigen Kenntnisse aneignen müssen, um sie richtig zu beurteilen und unsere Maßnahmen dem- entspreehend einrichten müssen. Hierauf wurde über die jüngste Lohnbewegung berichtet und den Land«legierten mitgeteilt, daß die Klage» beim Glle werkgericht auf Weiterzahlung des Lohnes vo» 7 9 P f. pro Stunde, bis zum Tage der Aufkündigung, z u g u n st e» der Kollegen entschieden sind. Die Aufkündigung ist in der Regel durch die erstmalige Auszahlung des V3-Pf.-Stundenlohne» am l 1. Januar erfolgt, fo daß bis zu diesem Tage einschließlich der Rechtsanspruch aus 79 Pf. Stundenlohn besteht. Zsreigewerkschaftliche Arbeitnehmer. Bei Entlassungen wetden vom Arbeitgeber vielfach Revers« oder Ausgleichsquittungen zur Unterschrist vorgelegt. In der Rechtsprechung zeigt sich die Tendenz, iolwe Untetichnft (Bescheinigung über Empfang der Paptere und Restlobn oder Ge- ball) als Verzicht auf weitergehende Rechte aus dem BGB. und BRG. anzuieben. Wir warnen deshalb vor be« dingungSloier Unterschrift. Wird Quittung geleistet, dann nur init dem Nachsatz:„vorbebaltlich weiterer Rechte".— Wir bitten auch die Gewerkichatten, ihre Betriebsräte und Ver« tranensleute ans Vorstehendes aukmerkiam zu macben. Freigewerkschaftliche BetriebSrätezentrale für den Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin: D. HildeSheim. Englische Unterstützung der deutschen Metallarbeiter. Als Neuigkeit wird berichtet, daß der Generalsekretär der Jnter- nationalen Metallarbeiier-Union, Genosse Ilg. die englischen Ee- wsrkschaften um Unterstützung der deutschen Metallarbeiter ersucht habe, unter Hinweis auf die Notlage, in die dre deutschen Gewerk- stbaften durch die Inflation geraten sind, die Metallarbeiter ins- besondere auch unmittelbar durch die Ruhrbeletzung. Der Sekretär der Metallarbeiter Englands will nunmehr eine Abstimmung dar« über herbeiführen, ob die deutschen Metallarbeiter unterstützt werden sollen Es sei beabsichtigt, von jedem enalischen Metallarbeiter einen außerordentlichen Leitrog von je drei Pence zu erheben. Nicht nur das internationale Berusssekretoriat der M e t a l l» arbeiter, sondern nahezu sämtliche internationalen Beruss'ekr«. tgriate haben sich vor einem Vierteljahr an ihre angeschlossenen Verbände mit dem gleichen Ersuchen gewandt. Verschiedrntsich haben wir bereits über den Erfolg dieser internationcnen Hilfsaktionen berichtet. Dies» englische Aktion käme für den eigentlichen Zweck, die deutschen Organisaftonen über die Jnflaftonsperiod« hinweg- zuhelfen, sehr wät. Sie käme ab-m noch nicht zu spät, um ins- besondere den Metallarbeitern di« Arbeitszeitkämps« zu erleichtern. Für die Erhaltung des Achtstundentags in Deutschland und damit in allen Kulturländern haben die ausländischen, vorab die englischen Arbeiter natürlich weit mehr Verständnis als für die Behebung einer Notlag« infolg« der Inslaftonsperiode. Mag also di«„gutgesinnte" Presse in Deutschland dies« Untorstiitzungs- akfton kommentieren wie sie will, wi? würden uns im Interesse der internationalen Solidarität wie der Abwehr gegen di« in der Haupt- fache tcktifet) unmotivierte Beseitigung des Achtstundentags nur freuen, wenn dies« Abstimmung ein gutes Resultat hat. Unseren.Völkischen' können wir es frellich nie recht machen. Sie suchten uns zu schmähen, wenn mir einmal eine aus'ändisch« Organisation unterstützlen. beschimpften unsere ausländischen Bruderoraauisationen. daß diese nicht so dumm seien, uns im ci«. gebet,«» Falle ebenfalls zu unterstützen, und nun, da die ausländi- schen Bruiderorganisattonen den Gegenbeweis lieferten und noch liefern, soweit dies ihnen möglich ist. ist das den Herrschaften wieder nicht recht. Allein wir fragen nichts danach, wie rmr noch me danach gefragt hoben._ Die Buchdrucker tu Saarbrücken haben naS längerer Streik« dauer l14 Tage lang waren kerne Zeitungen ericknerienl mit 32 gegen 72 Stimmen die Wiederaufnahme der Arbeit be- schloffen. Der Achtstundentag ist ihnen bis auf weitere« gewähr- leistet.>- s»uok>,elt»b lil».»täte». Di« deutig«?erteau«n»mä!in«r- ftliurq flnte:-.üi): 6cl e-hrnern. sonder!, i in»« w« r t t ch attobaa», Simmct 58, swu.- Dir!0t ftt'Han angio'etNc'aRttaliebetoetf am nr» long findet erst Sonnabend naLmittae>45 Unr im«ewerksisxifi-ihau» ftati. da am Sonnabend vor dem Schlickitunz-aostchnß verhandelt wird. Sie zocdarnvper.ieiinna. Deuttae? Solzardeiterverband. Joe besscren ginanziernna der lehioen «Smpie in unterer Industrie beschloß Sie guntilonSeversommlung vom t. ffe» bruar ein« vorübergehende Seitragserhöhung ob dieser Voch« wir folgt nach«lassen! l�h M.. 1.30 h Jft M., 0,90 0.60 und 0,30 S. ffstt Facharbci:«: to armen rat die beiden ersten«lassen in Betracht.— Dtt Ortoverwoliunx._ Bercntworilich für Polif-t: Ernst Reut«: Sirischafi: Z. B.: Ernst«entert T-werkI-l«iIsb-wezun-: Z. Steiner; iscuivrton: st. S. Dölchcr! Lolale, und Sonstioeo: Krch starstädi: Anzeigen: Th. Stocket f-imttich in Berlin. Serlag! Borwäris-Drrlag D. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorwärto-Buchdiu-feiei und Lerlagsanstalt Paul Singer o. So.. StJin S®. 68.. Anden straste L Sierzn Zwei Beilagen und FrazzenioeU.__ BERLIN C Menaena&osbe vorbehalten- Preise in Goldmark m. W Nr. 63+ 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Radio für alle? Eine Angelegenheit, die mehr Förderung und weniger Engherzigkeit erfordert. Das Radiofieber hat die Welt ergriffen. Auch Berlin ist nicht non ihm verschont geblieben. Der Handel mit Radioapparaten blüht, Radiozeitschriften werden vertrieben, Radiokorrespondenzen find gegründet worden und Radioklubs versuchen die Liebhaber des Funkwesens als Mitglieder zu gewinnen, um durch ein geschlossenes Borgehen die größtmögliche Funkfreiheit zu erringen. Seit dem Ende des vorigen Jahres haben wir in Berlin im Bor- Haus, Potsdamer Str. 4, eine Rundfunksendeſtation, die jedem Rundfunk. lauscher, der seinen Apparat auf Welle 400" einstellt, Konzerte aller Art, Borträge, Markt- und Wetterberichte, neueste Nachrichten und zu guter Letzt auch noch die genaue Zeit übermittelt. Seitdem breitet sich das Radiofieber in Berlin immer weiter aus. Lokale bieten Radiokonzerte und Vorträge über das Funkwesen find ständig überfüllt. Wie es anfing. Ein Die Radiotechnik wird selbst für den, der mit ihren Grundlagen vertraut ist, etwas Wundersames, Märchenhaftes behalten. größeres Bunder aber ist es, daß eine technische Leistung so die Menschen gefangen nehmen fonnte, wie es jetzt die drahtlose Telephonie und Telegraphie tut. Selbst die Begeisterung, die die Menfchen ergriff, als fie fahen, wie Lenkballons und Flugmaschinen in den blauen Raum emporstiegen, fann sich nicht mit der meffen, die heute die Radiotecnit erweckt hat. Seit Jahrzehnten haben wir drahtloje Rachrichtenübermittlung. Die breite Deffentlichkeit nahm diefe Tatsache als etwas Gegebenes, etwas Selbstverständliches hin. Die übermittelten Morsezeichen fonnten bei der übergroßen Menge der untechnischen Zeitgenossen teine besondere Anteilnahme erweden. Erst ein Ereignis, das an sich gar nichts mit der Radiotechnik zu tun hatte, gab den Anstoß zu jener erstaunlichen Begeisterung, die mir heute erleben. Anläßlich des Bortampfes zwischen Carpentier und Dempsey in New- Jersey errichtete die Westinghouse Compagnie eine fleine Sendestation auf dem Borschlachtfelde. Alle Einzelheiten des Kampfes wurden drahtlos verbreitet, und die Zei tungen taten das Ihrige, um diese Nebenerscheinung des melterschütternden Bogtampfes bekannt zu machen. Mit einem Schlage wandte sich das öffentliche Intereffe der Radiotechnik zu Die im Jahre 1921 in Pittsburg errichtete Telephoniesendestation hatte Damals faum besondere Aufmerksamkeit erregen fönnen. Jetzt aber wuchsen Empfangs- und Sendestationen wie Pilze nach einem Regen empor. Bald wurden mehr als 2 Millionen Empfangs. stationen in den Vereinigten Staaten gezählt. Die Zahl der Sende. stationen war dort auf über 30 000 gestiegen. Die weitere Folge war ein heilloſer Radiowirrwarr. Eine Sendestation störte die andere. Biele fristeten mühselig ihr Dasein durch Berbreiten non Reflamenachrichten, die die Hörer natürlich nicht erfreuen fonnten. Sehr spät erst nahm sich die Gesezgebung dieser Sache an. Heute sind etwa 850 Gendestationen zugelassen. Aber ein großer Teil von ihnen tam bald nicht mehr auf seine Kosten und stellte den Betrieb ein, so daß heute nur noch etwa 450 Sendestationen arbeiten. Radio als Kulturträger. fönnte. den, daß sich über ganz Deutschland ein Rez von Sendeftationen breitet, das erlaubt, mit recht einfachem Empfangsgerät an den Rundfunkdarbietungen teilzunehmen. Damit taun der Rundfunk zu einem Kulturträger ersten Ranges werden. Bis heute aber hat es den Anschein, als ob die große Masse des arbeitenden Boltes von dieser Errungenschaft ausgeschloffen werden solle. Die Teilnehmergebühr, die beim Bostamt mit einem Male zu zahlen ist, wurde von 25 auf 60 M. erhöht. Dafür erhält der Einzahler eine Lizenz, mit der er sich beim Kauf eines Radioapparates ausweisen muß. Die Preise der Radioapparate bewegen fich zwifchen 50 und 500 M. Es find also mindestens 60+50110 m. nötig, um die amtliche Erlaubnis zum Mithören zu erhalten, eine Summe, die für die meisten viel zu hoch ist. Andererseits lassen sich mit recht ge ringen Mitteln gute Empfangsstationen herstellen. Das teuerste an folch einer einfachen selbstgebauten Station ist der Kopfhörer, für den 10 bis 20 m. aufzuwenden sind. Jeder, der technisch nur einiger maßen vorgebildet ist, fann sich selbst eine Station bauen, die sogar den Anforderungen der Reichstelegraphenverwaltung genügen Als Antennen tönnen eiserne Baltons, nicht geerdete Regenrohre, eiserne Bettstellen, im Zimmer irgendwo unter gebrachyter Draht auch bei der Verwendung einfacher Empfänger mit Kristalldetektor, benutzt werden. In zahlreichen Fällen wird der Radiolauscher in seiner eigenen Wohnung unbemerkt eine Empfangsstation errichten und wenn er schweigen fann, ewig betreiben fönnen, ohne daß ihn irgend jemand zur Rechenschaft ziehen könnte. Ein solches Verhalten des einzelnen ist natürlich von feinem rechtlich Denkenden zu billigen, es sei denn, der Staat finanzierte aus seinen Mitteln den Rundfunk und er wäre bestrebt, die Teilnehmerzahl ständig zu vergrößern, um möglichst das ganze Bolt durch Rundfunkdarbietungen zu unterhalten und zu belehren. aber zu dieser Großzügigkeit wird sich der Staat vorläufig nicht aufschwingen, obgleich es in seinem ureigensten Interesse läge. Der Staat sollte den Selbstbau von Rundfunkgerät grundfäßlich gestatten, da er ihn ja doch nicht verhindern kann. Der Kauf von Zubehörteilen möge dann von einer Genehmigung der Post abhängig gemacht werden, die jedem erteilt wird, der eine gewiffe, nicht zu hoch zu bemeffende Gebühr gezahlt hat und die dazu dient, den Rundfunk zu finanzieren. Der Boft möge ferner das Recht ein geräumt merden, die Empfangsstationen zu prüfen, um zu ver. hindern, daß unsachgemäß gebaute Apparate sich als Sender unangenehm bemerkbar machen. Der Selbstbau von Apparaten sollte nicht an die Mitgliedschaft zu irgendeinem Radioflub gebunden sein. Ein folch weitherziges Entgegenommen würde die Zahl der Radiozaungäste stärker vermindern, als alle Strafbeſtimmungen, die ja zum größten Teile doch nur auf dem Papier ständen. Abgesehen von den Rundfunkdarbietungen bringt die eingehende Beschäftigung mit der Radiotechnik aber noch anderen Gewinn: der Radioliebhaber, der sich mit den Grundlagen der Funktechnit beschäftigt, wird mit fast allen physikalischen Fragen in Berührung tommen. Sein Welt. bild wird sich erweitern, wenn ihn die Probleme des Aethers, der Elektronen, die Fragen von Kraft und Stoff beschäftigen. Der Be. griff der Fernfräfte wird ihm nicht nur verstandesmäßig, sondern auch gefühlsmäßig nähergebracht. Borläufig scheinen wir in Deutschland von einer solchen den Interessen aller am besten entsprechenden Regelung noch recht weit entfernt zu sein. Vom 24. bis 26. Januar hat die Reichstelegraphen verwaltung mit Vertretern von Radiovereinen Richtlinien für die Regelung des Funtamateurwesens festgelegt, in denen zwar schon ein gewiffes Entgegenkommen des Reiches zu erkennen ist, das aber noch weit entfernt von einer wirklich befriedigenden Lösung ist. In Deutschland ist es dem Radioliebhaber nicht so leicht geworden wie in Amerika. Die Reichspost wacht mit Argusaugen über das Telegraphengeheimnis und gab sich bisher alle Mühe, jeden privaten Funfverfehr zu unterbinden. Erst in den letzten Monaten hat sie ihre bisherige Stellung etwas geändert. Der staatliche Funtverkehr war immer auf der Höhe, und gerade dieser Umstand dürfte wesentlich dazu beitragen, den Widerstand gegen die Errichtung privater Empfangsstationen weiter zu dämpfen. Der Staat tann heute feinen drahtlosen Dienst unter Zuhilfenahme von Wo dürfen Gummifchlen aufgenagelt werden? Der BolizeiMaschinenschnutelegraphen und Chiffriermaschinen so betreiben, daß das Telegraphengeheimnis ebenso gewahrt ist wie früher. Selbst präftdent weist darauf hin, daß auf Mariten bas Besohlen in dem Fall, wo ein privater Empfänger einen Schnelltelegraphen von Schuben mit Gummifoblen und Gummiabfägen nicht aubefäße, fönnte er dennoch nichts mit der chiffrierten Nachricht be laifig ist, da Gummifohlen und abfäße nicht zu den vom Beginnen. Die Reichstelegraphenverwaltung gab dann ihre 3uftim- airtsaussauß augelaffenen Wochenmarttartikeln geboren und gemung zur Einrichtung eines Wirtschaftsrundfunkdienstes, einer bewerbliche Leistungen auf Wochenmärften überhördlich eingerichteten, zentralen Nachrichtenübermittlung auf draht losem Wege. Nun soll der Unterhaltungsrundfunkdienst, der von privaten Gesellschaften unter Benutzung von Sendestationen der Reichstelegraphenverwaltung eingerichtet wurde, so erweitert wer 19] ( Radbrud burch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Don Leonhard Frank. Schweinerei!" brüllte Jürgen, erwartete die 3immer revolution, sah die böse herausgedrückten Augen der Tante. Die Szene von früher wiederholte sich: 29 Was hast du gesagt?" " Ich habs doch nur gedacht." " Du lügst mir wieder ins Gesicht hinein?" " Wenn doch diese verdammte Uhr endlich aufhören würde zu tiden!" Sie machte eine barsch abschließende Handbewegung und stellte die Häkelnadel senkrecht gegen ihn: Wenn du erst in Amt und Würden sein wirſt Sein ganzer Körper wurde gemauerter Widerstand.„ Niemals! Ich studiere Philosophie. Zuerst legte sie die Häkelarbeit weg, griff nach der Stiderei und stach langsam die Nadel von unten in den Stid rahmen, zog sie sentrecht hoch. Du weißt, dein Bater will..." „ Er ist ja tot. Tot!" .. daß du Amtsrichter wirst." Sein Gesicht verzog sich zu einer Lachfrage. Und in die Bause hinein gestand er:„ Ich studiere seit einem Jahre, studierte von Anfang an Philofophie. Ueberhaupt nie eine andere Borlesung gehört!" Da faß fie aufrecht, faltete übertrieben ruhig die Hände im Schoß:„ In diesem Falle würdest du nicht einen Pfennig mehr von mir bekommen. Bon was also wolltest du leben?.. Philofophie? Was willst du denn werden?" Er fah das Schäfchen auf dem Heiligenbilde an. Wer den?" Die Uhr ticte:" rich- tig, richtig. Nun, was also?" Alle deine Schultameraden wissen langit, was fie merden wollen." Plötzlich schlug feine Ratlosigkeit in But um. Er brach in die Knie, preßte beide Fäuste an den Hinterkopf und brüllte wild:„ Nichts weiß ich! Landstreicher werde ich. Ich gehe auf die Landstraße. Ein Gauner werde ich, wenn du mich noch länger quälft." Der Aniende stierte auf die Krüppelfamilie, die grau, elend, schemenhaft vor der Dunkelheit stand. Auch den strofu haupt nicht angeboten werben dürfen. Dagegen ift auf öffentlichen Stragen und lägen im Rahmen der Borschriften über den Straßenhandel und Straßenverkehr gegen das Benageln von Gummisohlen und abfägen nichts einzuwenden. löfen Säugling auf der Mutter Arm sah Jürgen. Kniend rutschte er auf die imaginäre Gruppe zu und zur Tür hinaus. Erst oben in seinem Zimmer tam die Wut voll zum Aus bruch. Zuletzt riß er die Waschschüssel mit beiden Händen in die Höhe und schmetterte sie auf den Fußboden. Die Stirn blutete. Das Zimmer war verwüstet. Allmählich wurde der vom Weinen Gestoßene still. Er saß, Arme verschränkt, Kopf darauf, am Tisch. Tränen und Speichel vermischten sich auf der Tischplatte. So blieb er hoden. Plötzlich deutete er durch den Fußboden auf das Heiligen bild im Wohnzimmer und verlangte ausdrücklich:„ Das Lämmchen muß dem Heiligenbild weggenommen und der Krüppelfamilie vor die Füße gefeht werden." „ Der arme Jürgen! Sei haben ihn so lange gequält, bis er irrfinnig wurde", ließ er Katharina Lenz fagen, ahmte eine Kinderstimme nach, schmollte trogig und meinerlich:„ Man muß das Lämmchen zur Krüppelfamilie tun." Wie man ihn gequält hat! Jetzt ist der Arme irrfinnig," flagte Katharina. Und er schauspielerte:„ Das Lämmchen gehört zu der Krüppelfamilie... Bäh, bäh, bäh!" Müdigkeit drückte des Erschöpften Wange auf die Tischplatte. Noch einmal hob er das von Tränen und Blut verschmierte Gesicht, rief trotzig und blöd: Bäh!" und schlief ein. Da erschien, grün und aufgetrieben wie ein Ertruntener, der Vater hinter dem Stuhle, tippte Jürgen auf die Schulter und sagte leise und lächelnden, weitgeöffneten Mundes, so daß Dabet alle Zähne bledten:" Na, du schmähliches Etwas." drehte der Vater des Jahrmarktes rie" ge, pieltaufendstimmige Drehorgel, deren Töne fernher drangen durch den warmen Herbftabend. Der Kontakt im, Tunnel der Berg- und Talbahn funttionierte schon. Die Bude links neben dem Zaubertheater war mit Hilfe von Delfarbe in einen alten Stall umgewandelt, aus dessen Luke Heu hervorquoll. Der Kopf des mit kosmetischen Mitteln hergerichteten Pferdegesichtes" fah sehr abnorm aus. Das Herz brüllte in das Riefenhorn, das Seidel hatte machen lassen: Hier ist zu sehen der Mensch mit dem Pferdetopf! Die größte Abnormität der Welt! Er frißt Heu wie Brot! Hafer ist ihm das liebste!... Man höre ihn miehern." Blies mächtig ins Horn, starrte, Hand am Ohr, ins Publitum: Aus der Bude erklang das brünstige Wiehern des Pferdegesichtes. Donnerstag, 7. Februar 1924 Duftende Straßen. 3 Betlin redyt es jetzt gut. Nicht überall allerdings, nur in dieser und dann wieder in jener Straße. Und nicht nur am Kurfürstendamm und in anderen eleganten Quartieren, sondern auch da, wo Einfachheit und Armut haufen. Bertin ist bekanntlich in diesem Jahr mit Apfelsinen gefegnet, wie noch niemals. In allen Stadt gegenden und Straßen stehen die Handwagen mit den Früchten zwanzig Stüd für eine Mart und strömen ihren Duft straßab, straßauf. Aber nicht nur Apfelsinen und Mandarinen sind die Duft. Neben den Händlern mit diesen Südfrüchten haben sich träger. Saufierer etabliert, die warme Pfannkuchen feilbieten, zehn unb fünfzehn Pfennige das Stüd, und auch dieser Kuchenduft erfüllt die Straßen und steigt lieblich in die Nase. Das ist gewiß sehr an genehm für die Paffanten, und sind es arme Luder, die von diesen Herrlichkeiten nichts taufen und nach Haufe tragen fönnen, vermögen fie wenigstens gratis und franko eine Nase voll zu nehmen und es muß für sie reichen, daß sie wenigstens riechen dürfen, was die anderen verspeisen. Aber man schaue sich einmal die Händler dieser Waren an. Meistens find es abgehärmte, blesse Gestalten in zerschliffener Kleibung, bie weder der Kälte standhieft, die hinter uns liegt, noch vor dem Regen und Schmutzwasser dieser Tage genügend Schutz bietet. Es ist das ja überhaupt der traurige Zug der Zeit, daß so viele, die ohne Arbeit und Verdienst sind, als letztes Mittel zum Straßenhandel mit allen möglichen Gegenständen gegriffen haben. Noch niemals ist die Zahl der„ fliegenden" Händler in Berlin so groß gewesen, wie heute. Sie stehen nicht nur auf den Straßen, sie bestürmen auch die Bewohner der Häuser, und noch niemals sind einem so viele verlockende Angebote vor der Korridortür gemacht worden. deffen, das Angebot ist viel größer als die Nachfrage und die Kauftraft gerade des Publikums, an das sich die Hausierer und Händler menden, ist sehr gering. Andere Händler wieder haben es fich zur Spezialität gemacht, nur Behörden und Bureaus aufzusuchen. Sie tommen meistens an Tagen der Gehaltszahlung, und manche von ihnen machen wohl auch Geschäfte, aber die meisten bieten vergebens an, denn der Andrang ist so groß, daß zu Stunden die Bureautüren nicht stillstehen. InAn einer Straßenede fonnte man unfängst folgendes beobachten: Ein Händler mit Apelfinen und neben ihm ein Hausierer mit Pfannkuchen. Beide schon ältere Männer in beklagenswertem Aufzug, mit Löchern in den Strümpfen und Stiefeln. Unaufhaltsam rauschte ein eiskalter Regen nieder und ein grausamer Wind fegte durch die Straßen. Und der eine der Händler flagte über seine Not, tlagte über die Kälte und daß keine Käufer fommen wollen. entgegnete der andere mit einem Optimismus, der etwas wahrhaft Erschütterndes hatte:„ Na, laß man, Mage! Nu jeht et ja uff's Frühjahr!" Und es war einem, als wenn die Straße plößlich dunkel würde, und die Apfelfinen und die Pfannkuchen dufteten gar nicht mehr. Preistreiberei auf dem Buttermarkt. Da AnNachdem die Landwirtschaft erst unlängst durch eine gleichung" der Preise für„ Inlandsware" an die Preise für dänische und holländische Butter eine Herauffehung ihrer Milchprodukte er zwungen hatte, macht sich augenblicklich auf dem Buttermarkt eine Preistreiberei bemerkbar, der hoffentlich die Wucherbehörden und der preußische Staatsfommissar für das Ernährungswesen energisch entgegentreten werden. Durch den Umstand, daß der Preis für inländische Butter erst unlängst von 1,60 m. auf 1,80 m. heraufgefekt worden ist, wurde der in Abhängigkeit von der Butternotierung stehende Milchpreis ebenfalls erhöht, und so ergab sich die Tatsache, daß es für die Landwirte vorteilhafter wurde, Frischmilch in die Städte zu liefern, anstatt die Milch zu Derbuttern, wie das bisher geschehen war. Durch diese Maßznahme wurde natürlich eine gewisse Knappheit der Butterproduktion herbeigeführt, die allerdings durch die reichlichen Zufuhren an Auslandsbutter vollkommen ausgeglichen wurde. Die Landwirte mußten fogar befürchten, daß dänische und holländische Butter die deutsche Ware in noch stärferem Maße als bisher verdrängten und so beschloffen die Landmolkereien, die deutschen Butterpreise in die Höhe zu schrauben, um durch die gleichzeitig automatisch eintretende Erhöhung der Milchpreise den Verlust wieder einzubringen, der ihnen durch den Rückgang des Konsums an deutscher Butter zu entgehen drohte. So ist in wenigen Tagen der Preis für Auch Jürgen, der außerhalb der Stadt auf der bewaldeten Höhe stundenlang am selben Flede reglos gelegen war und sich nach dreißig Schritten, gepeinigt von Unruhe und Ratlosigkeit, wieder in das Moos hatte fallen lassen, den Blick fernaus gerichtet, dem Flußlauf nach, in das weite Land, dem Meere zu, ganz und gar erfüllt von dem Wunsche, aller Last zu entlaufen, hinaus in ein Leben der Ungebundenheit, wurde auf dem Heimwege angezogen von den Drehorgelmelodien, Die, wie in der Knabenzeit, in ihm das Gefühl wieder erwachen ließen, daß hier die Freiheit sei. Das ist dasselbe Gefühl, das den sechsjährigen Sohn des Geheimrates sagen läßt: Ich will Droschtentutscher werden," dachte er und betrachtete den Stall. Rechts stand: Eingang; linfs: Ausgang. In der Mitte saß Leo Seidel vor der grünen Drahtgitterkasse. Ihn jedoch hat nicht dieses Gefühl vor die Schaubude gesetzt, dachte Jürgen, wollte schon durch die Menge durch, die drei Stufen hinauf, Seidel zu begrüßen, erinnerte sich in dieser Sefunde der Weltgeschichte und seines letzten Gesprächs mit Seidel und verliek den Jahrmarkt. Seidel hatte Jürgen nicht bemerft; er war sehr beschäftigt. Wenn die Leute sahen, wie das aus der Lufe heraushängende Heu fich bewegte, siegte bei vielen die Neugierde, einen Menschen mit einem Pferdegesicht beim Heufressen zu beobachten, so daß die Bude immer guten Zulauf hatte. In der Hand die Rechnungen für Delfarbanstrich, innere Ausstattung, Riefenhorn und Stallmeisterlivree, die Das Herz trug, und im Kopfe die Idee, daß nur derjenige zu Geld tommen könne, der andere für sich arbeiten laffe, stellte der tapitalfräftige Seidel Herz und Bferdegesicht am Wochenschlusse vor die Babl, entweder Mitinhaber zu bleiben und mährend der ganzen Meßdauer auf jeglichen Verdienst zu ver zichten denn diese Rechnungen müßten erst gewissenhaft be zahlt werden, ober alle mitinhaberrechte abzutreten und sofort Angestelltengehalt zu beziehen. Erbe." Das Herz fchrie:" Der Gewerbeschein war mein einziges Das Pferdegesicht erklärte, nicht jeder fönne feine Visage als Pferdefopf für Geld ausstellen, und jeden Tag bis Mitternacht Seu fressen, sei auch feine Kleinigkeit. Die grüne Drahtgitterkaffe, in der die Wocheneinnahme lag, flappte zu. Da wählten die beiden das Geld in die Hand. Seidel war Alleininhaber. ( Fortsetzung folgt.) Höhe gegangen, und diese Heraufschraubung von Boox zu Fremden bereits vor dem Beltkriege in Lettland anfäffig waren und mit den einheimischen Berufsklassen nicht in Wettbewerb treten. Es muß daher vor unberechtigten und zwecklosen Reifen nach LettSeutsche Butter um 30 bis 40 Pfennig pro Pfund, 16. E. Hafenbeibe 22/31( Tel. Mori 10516), 7. D., Grantfurter für feine Tafelbatter fogar bis zu 60 Pfennigen in die Allee 306( Te!. Königstadt 2118), 8. N., Gartenstraße 14( Tel. des Preises ist Norden 3496), 9. N., Wattstraße 22/24( Tel. Zentrum 10196, Rebenumfo mberechtigter, als die Milchproduktion fich Woche hebt. Bezeichnend für das Borgehen der Bandmolkereien ist Schwedenstraße 14( Tel. Hanja 619), 11. D., Zentralviehhof, Eldenaer die Tatsache, daß nach der letzten Preiserhöhung für Butter und Straße, Rinderställe J, H und 1( Tel. Königstadt 3206), 12. NiederMilch die Zufuhren für Berlin innerhalb von vier Wochen von schöneweide, Spreestraße 12( Tel. Oberschöneweide 707), Reben150 000 auf 350 000 Liter gestiegen sind. Hoffentlich wird durch einanschluß der Sandsteinwerfe), 13. Lichtenberg, Großmarkthalle, Franf energisches Zugreifen der Behörden verhindert, daß sich diese Machi- furter Allee 146( Tel. Lichtenberg 344, Nebenanschluß Restaurant König), 14. Magerviehhof, Lichtenberg- Friedrichsfelde( Tel. Lichten nationen zu einer Reihe neuer Preistreibereien entwickeln. berg 1644, Rebenanschluß Firma Ring), 15. Lagerhaus Tempelhof, Friedrich- Karl- Straße( Tel. Südring 296, Nebenanschluß Mehlspeicher). anschluß der Allgemeinen Berliner Omnibus-.- G.), 10. N., land bringend gewarnt werden. * Eine Leichenverwechselung. Bon Zeit zu Zeit pajiert es immer mal wieder, daß in der Leichenhalle eines Friedhofes zwei Leichen verwechselt werden, weil an den Särgen nicht die Namen der Toten befestigt sind. Es ist möglich, daß solche höchstpeinlichen Berwechslungen fogar öfter vortemmen, als die Deffentlichkeit davon erfährt. Man kann sich denken, wie es auf Hinterbliebene wirken muß, wenn ihnen bekannt wird, daß die Leiche ihres lieben Toten von Fremden zu Grabe geleitet werden ist und daß sie selber die Leiche eines Fremben zu Grabe geleitet haben. Wir wundern uns, daß nicht längst Brkehrungen getroffen worden sind, die Derartiges ganz, unmöglich machen. Auch auf dem Georgenfriedhof an der Landsberger Allee ist fürzlich eine Seichenverwechslung vorgekommen. Als die Hinterbliebenen eines Mannes, dessen Leiche vom Krankenhaus Bethanien nach der Zeichenhalle des Friedhofs gebracht worden war. zu der für die Beerdigung festgelegten Zeit auf dem Friedhof eintrafen, fanden sie die Leiche nicht mehr in der Halle. Hier stand ein brauner Sarg, sie hatten aber einen schwarzen Sarg gekauft, in dem auch die Leiche auf dem Friedhof eingeliefert worden war. Die Annahme, daß der Mann bereits beerdigt sein sollte, schien der Witme und ihren Begleitern zunächst nicht recht glaubhaft. Soeben mar ein schwarzer Sarg hinausgetragen worden, den ein ihnen frembes Trauergefolge zu Grabe leitete." Sie eilten hinterher, um zu sehen, ob hier nicht eine Verwechsiung pdffiert sei. Aber man gab ihnen die Versicherung: Nein, nein, das ist unser Toter, wir haben die Leiche gesehen!" Also war es doch wahr, daß man die andere Leiche irrtümlich ohne Anwesenheit der Hinterbliebenen schon beerdigt hatte? Aus der Beschreibung des Garges wurde es dem Friedhofsinspektor zur Gewißbeit, daß hier tatsächlich eine bedauerliche Verwechslung porliegen mußte. Der Sarg, auf den die Beschreibung paßte, war schon am vorhergehenden Tage der Erde übergeben worden, ohne daß der Irrtum bemerkt wurde. Der Inspektor ordnete jeht die Wiederausgrabung an, und die am folgenden Tage herbeigerufene Witwe fonnte feststellen, daß der Sarg, der nochmals geöffnet wurde, die Leiche ihres Toten barg. Der Berstorbene wurde dann zum weiten Male bestattet, Diesmal geleitet von dem richtigen Trauergefolge. Wir hören, daß nach dem peinlichen Bortomannis der Inspektor des Georgenfriedhofs angeordnet hat, fünftig an jedem eingelieferten Sarg den Zetter mit dem Namen des Toten anzunageln. Die Bera wechslung war nämlich dadurch verursacht worden, daß der Bettel nur auf dem Sarg lag und wahrscheinlich durch einen Luftzug heruntergeweht wurde. Es dürfte sich empfehlen, überall endlich den Brauch abzuschaffen, die Särge in jener unsicheren Beise zu fennzeichnen. Den Zettel mit dem Namen anzunagein, ist wohl das sicherste. Aber vielleicht genügte es, wenn die Sarghersteller an jebem Sarg einen in der Farbe des Sarges zu lackierenden Kleinen Blechrahmen befestigten, in dem sich ein steifes Kärtchen mit dem Ramen des Toten einfchieben ließe. Wohlzutun und mitzuteilen vergeffet nicht!" Bei Spendensammlungen hat man mit Sammelbüfen, Die öffentlich aufgestellt wurden, wohl niemals besonders gute Er fahrungen gemacht. Selbst an Bergnügungsstätten, wo manchem das Gold recht locker fiẞt, sollen diese Büchsen gewöhnlich nicht viel Ertrag gebradyt haben. Die Leute, die geben wollen, ohne daß ein anderer fight ober erfährt, wieviel es ist, find eben doch nicht so dicht gefät. Ein Steptifer hat im Deutschen Theater, wo unten im Bor raum an der Stasse und oben im Erfrischungsraum je ein Gammelfasten eines Zeitungsverlages für Spenden zur Speifung der Armen aufgestellt ist, sich die Mühe gemacht, in einer Bause zu beobachten, wieviel Besucher des Erfrischungsraumes dem Kasten Zweck des Kastens hinwies, mußte er zu feinem Bedauern sehen, daß ihr Scherflein zukommen ließen. Obwohl ein großes Blatat auf den taum einer etwas dafür übrig hatte. Nur ein alter Herr opferte etwas und er selber auch Das war der ganze Erfolg bei völlig ausverkauftem Hause. Eine Gesellschaft von mehreren Berfonen bejente jogar den Tisch, auf dem der Kaften stand, und behaglich perspeisten sie ihr Schinkenbrot und ihre Pralines, ohne sich durch den Anblick des Kastens und durch seinen Hinweis auf die hungrigen Armen stören zu lassen. Der wißbegierige Beobachter hatte den Einfall, sich an den Zeitungsverlag zu wenden und anzufragen, wie viel Spenden an jenem Abend im Deutschen Theater eingekommen feien. Er erhielt zunächst die Antwort, das fönne man nicht fo genau wiffen, die Käften woürben nur von Zeit zu Zeit geleert. Einige Tage später übersandie der Berlag dem Frager die inzwischen in der Zeitung veröffentlichte neueste Aufstellung über die legteingegangenen Spenden, und er sand darin folgenden Boften: 30,19 Mart Publitumssammlung im Deutschen Theater und in den Kammerspielen( 6. Rate)." An wie vielen Abenden dieser Betrag durch die Kästen eingetommen war, fonnte man aus der Aufstellung nicht sicher ersehen, aber anscheinend lag die vorhergehende Abrechnung schon um Wochen zurüd. Der enttäuschte Frager teilt uns das Ergebnis mit und fügt hinzu( nicht um zu prahlen, sondern um uns die rechte Beurteilung des Ergebnisses zu ermög lichen), daß er selber an jenem Abend 8,40 m. in den Kasten gesteckt hat: Bon den 30,19 m. tommen also ganze 21,79 m. auf die übrigen Besucher des Deutschen Theaters, das man gewiß nicht als eine Unterhaltungsstätte der Unbemittelten ansehen fann. Unser Gewährsmann äußert sich in Ausdrücken stärkster Entrüftung über die Gleichgültigkeit, mit der das dort derkehrende Bublikum über die Not ber Bedürftigen hinwegiieht. Er macht den Borschlag, daß Theaterbefuche ebenso fräftig wie jeht das Tanzvergnügen beSteuert würben. Da werden ihm nicht viele beistimmen. Der städtische Kartoffelverkauf. Das Ernährungsamt der Stadt Berlin jetzt den Kartoffelvertauf an jedermann fort. Die Breife betragen ab 6 d. M. a) bei Abnahme von 1 bis 10 3entner 2,30 m. je Bentner, b) bei Abnahme über 10 Zentner 2. je Zentner ab Lager. Preisperänderungen bleiben vorbehalten. Die Kartoffelläger find folgende: 1. Lagerschuppen Charlottenburg, verlängerte Sophie- CharlottenStraße, am Büterbahnhof Westend( Tel. Mag. Charlottenburg, Anfcfus itheim 292, 2. Rafematten I und II Spandau, an der Grune waldstraße( Tel. Spandau 558), 3. Eisscuppen Tegel, Am Hafen ( Tel. Tegel 52, Nebenanschluß Firma Lucht), 4. SO., Wusterhausener Straße 14, 5. ED., Köpenider Straße 24a( Tel. Morih 12159), Die Krankenkaffenambulatorien. Jur ärztlichen Versorgung der Kaffenmitglieder. Der Aerztestreit gegen die Krankenkassen ist, wie immer wieder festgestellt werden muß, nicht auf Honorarstreitigkeiten zurückzuführen, sondern der Kampf galt der bekannten Reichsverordnung vom 30. Oftober 1923. Die Kaffen und ihre Mitglieder mußten dafür büßen, daß die Reichsverordnung, die den Schutz der Kassen bezwedte, nicht ben Beifall der Aerzte fand. Infolge des Aerzteftreits haben die Kaffen eine Anzahl 2mbulatorien eingerichtet, um die ärztliche Bersorgung der Mitglieder ficherzustellen und für die minderbemittelten Mitglieder freie ärztliche Behandlung zu schaffen. Zurzeit sind in Berlin bereits 20 Ambulatorien in Betrieb. Die in Eile eröffneten ersten Ambulatorien zeigten noch manche Mängel, aber bei den zuletzt eröffneten hat man diese Mängel zu vermeiden gewußt. Das am Montag im Hause lofterstraße 65 eröffnete große Ambulatorium entspricht allen modernen Anforderungen. Beim Betreten der Empfangs- und Barteräume ist man von der soliden Einrichtung überrascht. Der Versicherte hat hier ficher das Gefühl, nicht als Armenpatient behandelt zu werden. Neben einer Anzahl praktischer Aerzte arbeiten Spezialärzte für fast alle Fächer. Die Behandlungszimmer find mit dem neuzeitlichen ärztlichen Instrumentarium aus: gestattet. Ein Blick in den großen Saal für Chirurgie und den kleineren für Frauenkrankheiten zeigt uns die umfangreiche Arbeit der Fachärzte. Um für die Diagnoftil alle modernen ärztlichen Hilfsmittel verwenden zu fönnen, ist ein besonderer Raum zur Durchleuchtung und zu Aufnahmen vorgesehen. An einem langen Schalter werden die verordneten Heilmittel und Verbandstoffe jo aleich in Empfang genommen. In den nächsten Tagen sollen Große Grandfurter Straße 138 und Gerichtstraße 13 nod zwei Anstalten in demselben Umfange eröffnet werden. Die Ber sicherten dürften das mit Genugtuung begrüßen. Für die Leitung der einzelnen fachärztlichen Behandlungsarten liegen bereits Mel bungen von ärztlichen Rapazitäten vor. Die Einrichtung von Ambu latorien ist ein alter Wunsch der Krantenfaffen, dessen Erfüllung nur an dem Widerstand des Groß- Berliner Aerztebundes bisher gefcheitert war, Auch die Landesversicherungsanftoft Berlin hatte dies felben Schwierigleiten, als sie im Jahre 1917 für die infolge des Krieges sich mehrenden Beschlechtsfrankheiten eine Behandlungsstelle einrichten wollte. Der Aerztestreit hat das Gute gehabt, daß auch für diesen Fortschritt freie Bahn geschaffen worden ist. Das wird besonders für die Einführung der Familienversicherung in Berlin von Bedeutung sein. Nichts Anstößiges bei den„ Nacktübungen"! In der geftrigen Versammlung des Bezirts Lier. garten ftellten die Deuticnationalen einen Dringlich feitsantrag, der fich mit ben bekannten Borgängen in der Schule albenfer Straße befchäftigte. Die Serrichaften eriparteten wohl, daß von der linken Seite gegen die Dringlichkeit Ginfprud erhoben würde. Da fie fich in diefer Hoffnuna getäuscht faben, zogen sie ihren Antrag zurüd. der aber von den Sozialbemo fraten jofort wieder aufgenommen wurde. Die Seutfcnationalen Antragsteller erhoben nun Einspruch gegen die Dringlichkeit des Antrages, ben fie fünf Minuten vorher felber geftelt hatten. Es beburite einer langen Geschäftsordnungsdebatte und einer Abstimmung, um die Behandlung des Antrages zu er tvingen. Genosse e bide, ber die Dinge aus nächster Rabe beobachtet hat, begründete den Antrag. Nachdem alle Parteien au Borte gekommen waren, nahm die Versammlung aegen wenige ftellt felt, daß an den rähtämisen ebungen in der Stimmen folgenden Antrag an:„ Die Bezirksverfammlung Schule Waldenserstraße Anstoß nicht genommen werben tanu." Kleiderordnung beim Landesfinanzamt. Die Anzeichen, daß die Reaktion im Erstarten ist, beginnen fich zu mehren. Immer, wenn die politische Reattion obenauf mar, gab es einen Rampf gegen die Unfittlich feit" oder mas manche Leute so nennen. Folgender Utas, der unsere Zeit fennzeichnet, hat der Präsident des Landesfinanzamtes Groß. Berlin sich geleistet: Das Tragen von Kleidungsstücken, die Teile der Brust oder des Rückens sowie die Arme freilaffen oder nur in durchfichtiger Weise bedecken, ist den weiblichen Angestellten während des Dienstes untersagt. Die mit der Dienstaufsicht betrauten Beamten find anzu weifen, auf die Befolgung dieser Anordnung zu achten und zu widerhandlungen zur Anzeige zu bringen, Den weiblichen Angestellten ist hiervon mit dem Bemerten Kenntnis zu geben, daß Angestellte, die zu Beanstandungen ihrer Kleidung in der bezeichneten Richtung Beranlaffung geben, ihre Entlassung zu gewärtigen haben. B. B.: gez. Bochhammer. Man stelle sich vor, welche Auslegungen diese je hr behn bare Borschrift zuläßt! Welche Kleidung einer Bureauangestellten fann dem Herrn Landesfinanzamtspräsidenten fitilich genug fein? Werden Beamte fich dazu hergeben, die weiblichen Angestellten daraufhin zu beäugeln und zu begutachten? Answeisungen aus Lettland. In letzter Zeit haben sich die Fälle gehäuft, daß deutsche Reichs angehörige wiberrechtlich, b. h. ohne die Einreifegenehmi gung der lettländischen Behörden zu besigen, nach Lettland gekommen find. In der Regel handelt es fidy um mittelfofe Personen. Die lettländischen Behörden haben in den letzten Monaten eine ganze Anzahl solcher deutscher Reichsangehöri. gen wegen unbefugter Grenzüberschreitung mit Arrest und Aus. weifung bestraft. Den amtlichen deutschen Bertretungen im Auslande ist es schon mit Rücksicht auf die schwierige Finanzloge des Reichs nicht möglich, die betreffenden Berfonen fostenlos heim: zuschaffen. Andererseits bietet sich in Lettland für ftellungslose Reichsangehörige zurzeit nicht die geringste Aussicht, Ar. beits und Aufenthaltsrecht zu erhalten. Selbst bei nachgewiesener Beschäftigung erteilt bie lettländische Regierung frem den Staatsangehörigen das Aufenthaltsrecht nur dann, wenn die MAGGI Erbs- Suppe Der erschwindelte Postbeutel. Der Täter verhaftet. Beraubung von Briefkästen. Der Verlust eines großen Postbeutels beschäftigte seit einigen Tagen die Kriminalpostdienststelle. Tagen die Kriminalpoftdienſtſtelle. Am 23. Januar hielt früh morgens um 4% Uhr ein Postwagen por dem Amt 4 am Stettiner Bahnhof. Ein Mann in Postuniform trat an den Begleitschaffner heren und ließ sich von ihm einen% Meter hohen Beutel mit Einschreibe, und gewöhnlichen Briefen unter der Vorspiegelung herausgeben, er sei von dem Amt beauftragt, ihn abzuholen. Später ergab sich, daß es ein Schwindler, In Zeitungsnotizen und Säulenonschlägen wurde auf einen Mann mit auffallend dünnem Genie als den Täter hingewiesen. Das hatte Erfolg. Die Spur führte weiter noch mar. eißensee, wo der Mann mit dem dünnen Genic als ein früherer Hilfspostschoffner G013 jezt ermittelt und festgenommen wurde. Golz mar wegen Unterschlagung im Amt bestraft und entlaffen worden, besaß aber noch seine Litewka und seine Müge. Er leugnet den Echwindel, ist aber durch bestimmte Zeugenaus sagen überführt und wurde dem Untersuchungsrichter zugeführt und in Heft behalten Die Ermittlungen ergaben weiter, daß er der fünftige Schwager des Schaffners ist, der den Beutel herausgegeben hat. Auch dieser rich ige Schaffner wurde festgenommen, aber vorläufig wieder freigelassen. Er bestreitet, daß Gola der Mann sei, dem er den Beutel gegeben hat. Als wichtiger Beuge tommt noch der Führer einer elektrischen Droschke in Betract, der die beiden Männer gefahren hat. Er fonnte noch nicht ermittelt werden und wird ersucht, sich bei der Kriminalpoftdienst. stelle in der Königstr 61 Zimmer 441 a zu melden. Der Beute! und die Briefe find noch nicht gefunden, Die Beraubung vor Brieftästen, über die schon einmal geflagt wurde, nimr meiter in erschreckendem Maße zu. Die Diebe öffnen jetzt Kästen nicht mehr mit Nachschlüssein, wie es früher wohl gesch sondern erbrechen fie mit roher Gewalt. Das Unwesen, das i nementlich für die Geschäftsweit zu einer großen Gefahr aus wachsen hat, erfiredt sich auf ganz Groß- Berlin, ist augenblickli aber in Weißenfee am ärgsten. Die Oberpostdirektion hat au die Ermittlung und Ergreifung eines jeden Täters eine hohe Be lohnung ausgefest. Die Diebstähle und gewoltjamen Einbrüche fännen nur im Dunkeln des Abends und der Nacht ausgeführt werden. Die Geschäftsleute werden deshalb gut tun, ihre Post möglichst nicht mehr abends, sondern morgens den Kästen anzunertrauen. Nachrichten zur Ermittlung der Verbrecher nimmt die Kriminalpostdienststelle auch durch Fernsprecher Polizeipräsidium 711 entgegen," Der russische Fürst de Golizin". Feffnahme eines vielseitigen Hochstaplers. Im Café Baterland wurde ein angeblicher Rittmeister Brinz be Golihin perhaftet, ein Mann, dessen Persönlichkeit immer noch buntet ist, obwohl er schon verschiedenen Behörden viel zu schaffen gemacht hat. Der Berhaftete trat im Jahre 1921 bereits in Berlin auf und ging damals in ruffisher Offiziersuniform mit den Schnüren des Flügeladjutanten und vielen Orden umher. Er nannte sich Fürft de Goligin, an anderen Stellen auch Graf von Tarnapol, auch von Maflatow, Rittmeister im Regiment Garde zu Pferde. In einem Hotel Unter den Linden bewohnte er einmal eine ganze Flucht von Zimmern unter dem Namen Moslow, Präsident des ukrainischen Pferdezuchtvereines unter der Regierung des Hetmanns Storopadsfi mit dem Range eines Generals, Ur funben, bie feine Persönlichkeit ausgewiesen hätten, fonnte er nie mals vorweisen. Russischen Ariftofraten und Offizieren, denen er vorgestellt wurde, mußten weder von ihm etwas, noch sonst van einem Fürften de Goligin. Auch auf Mitglieder des Roten Kreuzes berief er fidy vergeblich. Nachdem der vornehme Gast verschwunden mar, ergab sich, daß er unter seinem hochtönenden Namen in Berlin, Charlottenburg, Weißenfee usw. Darlehen auf und auch ohne Schuld fchein erhalten und nicht zurückgezahlt hatte. In Klubs war er nicht feiner Berbindungen und feines Einflusses große Geschäfte in Aus nur die Zeche schuldig geblieben, sondern hatte auch noch die Angeftellten angeborgt. Hiefige Großhandlungen, benen er auf Grund ficht stellte, hatte er um vorweggenommene Provisionen ich mer geprelit. Die Ermittlungen ergaben weiter, daß der angebliche Fürst und Rittmeister auch in Rußland schon Schwinde feien verübt hatte. In Bürzburg trat er unter dem Namen Dr. med. Freiherr Otto von Dellinghausen auf und erzählte, daß er auf dem Schlosse dieses Namens bei Memel geboren, Arzt, Universitätspro. feffor und Geheimer Staatsrat in Petersburg gewesen sei. Hier wollte er angeblich für die Wiederaufrichtung des Kaiferiums in Rußland wirten, hatte aber mit feinen Be trugsversuchen feinen Erfolg. Bulegt wurde der Schwindler in Hamburg verurteilt, mußte fich aber der Strafverbüßung zu entziehen und wurde bisher vergeblich gesucht. Gestern traf ihn ein Kriminalbeamter im Café Baterland und nahm ihn fest. Wer der Gauner eigentlich ist, weiß man noch nicht. Der Hochstapler, der auch im Stabe des Generals von Bermond gekämpft haben will, hat medizinische Kenntnisse, spricht vorzüglich russisch, außerdem deutsch, franzöfifch, englisch und auch noch andere Sprachen. Ersparnisse auf Kosten der Volksgesundheit. Uns wird geschrieben: Das Stadtbab Kreuzberg in ber Bärwald- Straße ist vor furzem zur Ersparnis von Betriebsfoften in feinem Betrieb auf nur drei Wochentage beschräntt worden, und zwar umfaßt diefe 50prozentige Schließung der Anstalt sämtliche Badeeinrichtungen, also die Bannenbäber wie auch das Schwimmbad. Wenn diese Nachricht nicht durch den amtlichen städtischen Nachrichtendienst verbreitet worden wäre, würde sie wohl nirgends Glauben gefunden haben, so unbegreiflich ist sie. Wer auch nur eine Ahnung davon hat, wie bei vollem alltäglichen Betrieb diese Badeanstalt belagert worden ist, und wie sich die Bade. bedürftigen gern bereitgefunden haben, eine erhebliche Bartezeit in der Anstalt zuzubringen, bevor sie zu dem Genuß des Bades tamen, der kann zu diefer Maßnahme des Bezirksamts Kreuzberg nur den Stopf schütteln. Wie vereinbart sich diese Ersparnis auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung mit den Ausgaben, die man anderer. feits macht, um das verelendete Bolt durch Sonderspeisungen und BORG in Würfeln ist ganz vorzüglich Man achte auf den Namen MAGGI und die gelbrote Packung ZIGARETTEN FUR QUALITATSRAUCHER RAGE MAGGIS SUPPEN ERBS Unterstüßungen wieder in die Höhe zu bringen! Die öffentlichen| Badeanstalten sind außerdem noch nie so notwendig gewefen als heute, da zahlreiche Familien ihre Badezimmer wegen Einstellung der Zentralheizung und Warmwasserversorgung nicht mehr benuken fönnen. Es erflärt sich hieraus auch zum guten Teil der außer ordentliche Andrang zu diesen Badeanstalten. Unferes Wissens ist zudem das Bezirksamt Kreuzberg das einzige von den 20 Be zirtsämtern Berlins, das sich zu einer folden Spar famteitsmaßnahme angeblich veranlaßt sah, wie man hört auf Grund der Berweigerung eines bisher gezahlten Zuschusses durch die Bezirksversammlung. Wenn es sich in der Lat hier nur um eine Geldfrage handelt, so würde eine Erhöhung der zum Teil außer orbentlich gering bemessenen Bäderpreise voraussichtlich mit Leichtig feit Abhilfe schaffen. Wer 35 Pfennige für ein Wannenbad bezahlt, opfert auch gern 50 Pfennige, und die Braufebäder mit jeht 10 Pfen nigen würden auch mit 15 Pfennigen nicht zu hoch bezahlt fein. Es wäre dringend notwendig, diese Angelegenheit ungefäumt einer Nach prüfung zu unterziehen. Was in den übrigen Bezirksämtern möglich ift, das muß sich auch im Bezirfsamt Kreuzberg burchführen lassen. Brafilienauswanderer. T Folgender Brief eines zuverlässigen brasilianischen Ge noffen läßt die Auswanderung nach Brasilien in feinem rosigen Licht erscheinen: Sie baten mich um Auskunft über die gegenwärtigen Lebensverhältnisse Brasiliens. Sie find sehr ähnlich denen aller anderen bürgerlichen Bänder; Brasilien ist sehr behaglich für Reiche, und ein bitterer Aufenthalt für Arme. Auf den Straßen der Haup adt bes gegnet man alle Augenblicke deutschen und österreichischen Einwanderern; oft begrüßen sie uns mit folgenden Worten: Lands mann, ich habe nichts zu essen, nichts zu trinfen. Wollen Sie mir ein wenig Gelb geben?" usw. hat man Zeit zu fragen, fo erzählen fie von ihrer schmerzuollen Bergangenheit, von ihren Hoffnungen und nunmehrigen Enttäuschungen. Geben Sie sich ja nicht der Illusion hin, daß es leicht zu leben ift in einem neuen Lande, in dem die Laster des Kapitalismus nod nicht so vorherrschen. Gewiß exiftiert hier die Möglichkeit, leichter etwas zu verdienen als in der alten Welt; aber man fomme gut vor. bereitet zu einem lebhaften Kampf ums Dasein! Sie fragen, wieviel foftet ein fleines Gut. In der Nähe der Stadt, besonders großer Städte, ist sehr viel Geld nötig, 3. B. 10000 Dollar für ein gutes oder mindestens 2000 Dollar für ein fleines Gütchen; aber weiter entfernt von den Städten kauft man ein Gut sehr billig. Für 1000 Dollar 3. B. ein guter Gutsbesig in den inneren Teilen des Landes und sogar für 500 Dollar ein fleines Grundstüd. Was die Wohnungen betrifft, fo fann ich nur sagen, daß es in großen Städten gewöhnlich leicht ist, beschei Nahu locks Nähr locks Namlle REZEPT Gemüse- Hährflocks NR. 5 Gemüse,( Spinat, Mangold, Kohl oder Kraut usw.), kocht man auf die gewöhnliche Art. Vor dem Auftragen streut man eine dicke Schicht der blätterteigähnlichen knusprigbraunen Nährflocks darüber. Der Wohlgeschmack wird noch köstlicher, wenn man die Nährflocks vor dem Darüberstreuen in Butter oder Fett leicht aufrästet.- Gemüse- Nährflocks bilden eine sättigende Hauptmahlzeit für die ganze Familie. Sie ersetzen durch hohen Nährwert und volle Schmackhaftigkeit teure Fleischgerichte, übertreifen diese aber an Bekömmlichkeit und vor allem auch anBilligkeit. „ Die wichtigste und wertvollste Neubeit in der täglichen Ernährung und in der Familienküche", so kann man Nährflocks ohne weiteres bezeichnen Nährflocks sind durch ihre volle und nachhaltige Nährk aft, ihre Schmackhaftigkeit und Leichtverdaulichkeit, ihre sofort tischbereite Beschaffenheit( eßfertig geröstet im Paket), ihre Allverwendbarkeit als selbständige Speise und als verbessernde Zutat zu fast jedem anderen Gericht und besonders auch durch ihre große Billigkeit in jedem Haushalt unentbehrlich. Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. der bisherigen Ermäßigung von 25 Broz. eine weitergehende von 33% Pro 3. gewährt werden. Bon einem Lastauto tolgejahren. Am Dienstag nachmittag gegen 6% Uhr wurde eine etwa 50-60 Jahre alte Frau beim lieberschreiten des Fahrbammes in der Emidstraße an der Einmündung der Schäferstraße durch einen Baftkraftwagen mit Anhänger der Firma Beinberger, Alte Satobftr. 1/18, überfahren und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. bene Wohnungen zu bekommen; etwa 10-20 Dollar oder fomfor tablere zu 30-50 Dollar pro Monat. In fleinen Dörfern sind die Preise selbstverständlich bedeutend geringer; für ein gutes Haus etwa 2-3 Dollar Bacht( Miete.) Es handelt sich um amerikanisches Geld. weil der brasilianische Mitreis schnell fällt und die Preise sich verdoppeln. Die Lebensmittelpreise find unvergleichlich billiger als in Europa. Etma für Reis, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Raffce zabien wir die Hälfte der jebigen Preise in Deutschland; aber ich fann sie nicht genau fixieren, da sie viel wechseln. In unserer Stadt existiert nur eine deutiche Schule, deren Leitung Die öffentliche Mieferverjamminung, bie bereits im geftrigen Abendblatt fich aus Monarchisten und Patrioten zusammen angefündigt wurde, findet iht. tie mitgeteilt, am Donnerstag i der fest Die brasilianische Regierung gibt übrigens nur felten Frei- Schule am Schlefiichen Ufer, foi.bern erit am Freitag 7 Uhr is der. billette an Landwirte. Die enaliiche und französische Sprache ist Schulanla am si es wiger Ufer 12 statt. hier gut befannt, aber die deutiche car nicht. Wegen der Haßüberrefte aus dem Weltkrieg, in dem Brasilien von Anfang bis zu Ende Feind Deutschlands war, und wegen der Heßpropaganda durch französische und englische Delegierte im ganzen Land find die gegenwärtigen Verhältnisse nicht gerade empfehlenswert." Zum Schluß empfiehlt der brasilianische Genosse den Gebrauch der Esperanto sprache, mit der man leichter als mit der Nationalsprache von Boit zu Bolt verkehren fönne. Arbeiterbildungsschule Groß- Berlin. Morgen, Freitag, den 8. Februar, abends pünktlich 7 tar, 5e ginnen folgende Wahlborbereitungsinrie: 1. 1. reis und angrenzende Bezirke in der Sophienfchule. Weinmeisterftr. 16/17. Der Vortragsraum wird am schwarzen Brett bekanntgegeben. 2. 6 Areis und angrenzende Bezirke im Zentraljugendbeim, Sindene ftraße&, 2. of 3 Tr. 3. 14 Kreis und anarenzende Bezirke in ber Knaben- Mittelsäule, Neukölln, Donaustr. 120 22. Sehrer find die Genossen Dr. Richard Lobmann, Grid Suttner und Albert orlig. Die Teilnahme aller Funktionäre und rednerisch befähigten Genossen und Genossinnen ist unbedingt erforderlich. Die Surfe umfassen fechs Abende und finden regelmäßig jeden Frel tag statt. Die Görgebühr einfchließlich Lofalaufblag beträgt pro Abend 15 Goldpfennige und ist im Geiamtbetrage von 90 Gold pfennigen am ersten#bend zu entrichten. Am Donnerstag, den 21. Februar, abends 7 Uhr, beginnt die legte Vortragsreise für die Streife Charlottenburg, Tiergarten und angrenzende Bezirfe, im Jugendheim Charlottenburg, Rosinensir. 3. Lehrer: Ge noffe Artur Crispin. Zur Förderung der Boltsgefundheit wird die Reichsbahn auch in diesem Jahre wieder Ferienfonderzüge verfchren lassen. um der beschränkten Kauffraft und der wirtschaftlichen Notlage weitester Kreise soweit wie möglich Rechnung zu tragen, wird stait .Die sage ich es meluem& inde. Für die Gefellichaft für GeschlechtsTunde ibrit heute Donnerstag, abends 8 Ubr, im Inflitut für Meeres. Innde, Georgenftraße 34-36, rau Margarete Hoffmann- Gwinner: Bie fage ich es meinem inbe?" Eintritt 60 f. Sturmflut in Hamburg. Jufolge beftigen Nordweststurmes, ber Dienstag nadimittag einfeste und von 11 Uhr abends eine Stärke bis über 25 Sefunden. meter erreichte, trat in Hamburg in der Nacht zum Mittwoch Sturme flut ein. Der höchste Wasserstand wurde morgens um 6 1hr mit 7, Metern über Rull erreicht. Die 2andungsanlagen bei Neumühlen wurden vom Baser überflutet. so daß die Dampfer nicht mehr anlegen fonnten. Am St. Pauli timarit drang das Wasser über die Ufermauern und überflutete bie Straßenbahnidbienen. An den Vorlegen stand das Wasser fast bis an den Viadukt der Hochbahn. Die Keller bewohner batten unter dem eindringenden Wasser schwer zu leiben. Bei Eintritt der Ebbe flaute ber Sturm ab, Wasser und Eis flossen nach der interelbe ab. And in Pommern witete bis in die Morgenstunden binein Besonders heftig war er an ber ein ftverer Schneestur m. Küste. An Telephonleitungen sind erhebliche Störungen eingetreten. Wieber Seefahrten nach Danzig und Pilau. Bie aus dem Reichsvertebreministerium mitgeteilt wird, werden die abrien bon Gwinemünde ber Meu fabrwaffer nach illau im bisherigen Fahrplan aweimal wöchentlich wieder aufgenommen. Die erste Abfabrt findet von Swinemünde am Donnerstag, den 14. Februar, abends 6.45 Uhr, von Billau Der Sonnabend, den 16. Februar, vormittags 10 45 Uhr, statt. Fahrpreis beträgt für die Strede Swinemünde- Neufahrwasser ober Eminemünde- Billau 15 Goldmart, für die Strede Renfahrwailer- Biñan 750 Goldmar!. Leciferrin Nervenstärkend Am Sonntag, den 3 Februar verstarb nach ian em, schwerem Leiden unser langjähr Ang stellter Hermann Lundt Wir ver.ieren in ihm einen stets fleißigen und pflichttreuen An gestellten und werden sein AnGenken stets in Ehren halten. Der Vorstand der Allgem. O. tskrankenkasse Berlin Wilmersdorf. Die Elnäscherung findet am Frei tag, den 8. Febr, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Berlin- Wi.mersDirekt an Private 000 20 18 22 cm liefere ich wie oben abgebildet dorf, Berliner Straße, statt. 1013 Stück Aluminium- Schmortopfe Deutscher Metallarbeiter- Verband Stück Aluminium- Wasserkessel blutbildend 1 Kilo Seife 20 Pig. Ein neuer Geist Dies, bst. Verdienst. mögl biet Broschür. erhalten Vorwärtssirebende und Erfinder ratis geg. Rückprt. Sandwaloftüde, vorzügl. für kontore. Werkstätten sc. prime Lanolinfcife Pleliring 3 St. 40 f. Rieiberbürften, reine Borften, 30. Ganbwaschbürsten 5- Lanolin- Tube, Baseline, Bahnpafta je à f. Hautkreme, Frostmittel fe 10 Bi.. Alafettpapier, gr. Rolle 13 f. Krepp 16 Pf. Buis terbrotpapier, fettbicht, 50 Blatt 16 Bt. 3ahnbürsten, F. Erdmann& Co., Gedulois, 20 1 40- Saarnabelu Batet 5. Irrigates Beira, Königgrizer Straße 71. ren, fompl. mit 3 Rohren 1.00 1. 1.50 M. Damenbinden D36. 60. 75 f. 1 M., Ertel bazu 10 B1. an. Seifenpulver la( ron) Safet 80 f. 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Sladet Täglich 7, Uhr: Die Guide Thielscher Apollo- Theater verfagle Uhr Dir.James Klein 7 Uhr Ďas wel nistor Schauspiel: Volk und Krone 1. Teil aus Bismarck- Trilogie Em.Ludwigs Ueber 00 Mitwirkende! Dargestellt v, d. prominentest. Bühnentünstlern Residenz Theat. Komische Oper Tägl. 8 Uhr: Androklus u. der Lowe von Bernh. Shaw Trianon- Theater Tägl. 7 Uhr Allabendlich 71/2 Die größte Revue des Kontinents: Die Welt ohne Die nackte Tänzerin Schleier KöniggrätzerStr. Lustsp. v. K. Lothar 8: Die Dame mit d. 8 U. Theater 8 U Scheidungsgrund Kleines Th. Folies Caprice Komödienhaus 8: Die Kleine vom Varieté 8 U Devisen Komöd. v.L.Schmidt Rund Falkenstein, Limburg Berliner Theater Central- Theater um den Wedding von Leo Heller Paulmulier 7.30 Uhr: DOLLY Alte Jakobstr. 3. Resi Langer u. a. Tägl.& Uhr: Th.i.Admiralspalast Die Novität: Allabendlich 73, U.: ReichshallenTh. Drunter and drüber Der dumme rag. U 1, Sonnt. 30. August Stettiner DeutschOpernhaus Operette in 3 Akten Sänger 6% Meistersinger von Nürnberg Blech, Vera Schwarz, Rode, Krauss, Bandler Intimes Theater 8: Der Hinduprinz Der Schrei usw. Metropol- Theater 7 Uhr: Marietta Opereite v. Kollo Renaissance- Theat. 5. Die kindischen Verliebten Thalla- Theater 7, U.. Frasquita Operette von Lehar Kam.-S. Jadlowker. Martha Serak Theater i.d.Rommandantenstr Uhr Die Postmeisterin Volkstüml. Preise! Wallner- Theater 8 Uhr: Totentanz Neues Theat. a. Zoo 71 Uhr LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Neues Volkstheat. Uhr Der Grai von Luxemburg Lustspielhaus thr Der Held des Westerlandes SCALA Tägi 8 Uhr. 12 VARIETEKUNSTKRÄFTE SORTE -R 6Nacht Schwant L8 Att. s. FranzArsold u.ErustBach. Else Bäck- Glaire Rommer- Sibyl Smelowa Camilla Spira Heinrich Marlow Berthold Relig. -V Tony Tetzlaff Leo Peukert Rose- Theater asino- Th. 8 U 73% Uhr: Nur noch bis 8 Febr Dienstmann Nr. 7. Ab Sonnab. 9. Febr. Walhalla Theater Weinbergsweg 15. 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Dezember. gung, Fahrgeld, Steuern ufm.) wird man einen Zuschlag Don 25 Prog.( 1913/14: 25 Broz.) machen müssen. 211s möchentliches Eristenzminimum ergibt sich somit für GroßBerlin: . B Mann Ehepaar MI. ML • 4,88 8,49 1,10 1,10 Ehepaar mit 2 Kindern 9021. 12.47 1,10 3,02 3,02 3,02 2.40 4,00 5,60 2,85 4,15 5,55 14.25 • • 20,76 27,74 15,99 0 28,84 30,85 22,30 28,80 657 000 000 000 1 247 000 000 000 Ernährung Wohnung 1 100 000 000 000 Heizung und Beleuchtung • 1 515 000 000 000 Bekleidung • 10. 1 269 000 000 000 Sonstiges. 91 17. 1 163 000 000 000 Januar 1924 22. 1 150 000 000 000 89 29. 1 147 000 000 000 7. Januar 1 130 000 000 000 14. 1 110 000 000 000 21. 28. 53 99 1 080 000 000 000 1 060 000 000 000 4. Februar 1040000000000 Abnahme gegenüber der Borwoche 1,9 Proz. * Dezember 1923 Aug. 1913/ Juli 1914. 16,75 Auf den Arbeitstag umgerechnet, beträgt der notwendige Mindest verdienst im Januar 1924 für einen alleinstehenden Mann 2,38 M., für ein finberlofes Chepaar 3,46 M.. für ein Ehepaar mit zwei Kindern von 6 bis 10 Jahren 4,62 M. Auf dds Jahr umgerechnet beträgt das Eristenzminimum für den alleinstehenden Mann 743 M., für das finderlose Ehepaar 1083 m., für das Ehepaar mit zwei Kindern 1447 M. Die vorstehenden Feststellungen Ruczynsfis betreffen, wie immer wieder zu betonen ist, das Eristenzminimum. Es ist die Feststellung nackter, aus dem flutenden Leben herausgenommener Kreise. Bei ihrer Auswirkung auf den Haushalt des Arbeitnehmers erhalten fie erft ihre wir fliche Auswirtung. Sie treffen Donnerstag, 7. Februar 1924 Groß- Berliner Parteinachrichten. Die Einäscherung Franz Krügers findet Sonnabend, den 9. Februar, nachmittags 5% Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. Einlaßtarten zur Trauerfeier im Bezirkssekretariat der BSPD., Lindenstraße 3, 2. Hof, 2 It. Der Ortsverwaltung der 3dA., Belle- Alliance- Straße 7-9, find eine befchräntie Anzahl Karten zur Verfügung gestellt worden für Kollegen, die mit dem Verstorbenen tollegiale oder freundschaftliche Beziehungen hatten. Bezirksvorstand. Die für Sonnabend, den 9. Februar, vorgesehene Borstandsfihung fällt wegen der Einäfcherung unseres ehemaligen Vorfihenden, Genossen Franz Krüger, aus. 3. Areis Webbing. Freitag, den 8. Februar, 7 Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, 8. Februar, 7 Uhr, bei Soffmann, Lychenter Str. 8, erweiterte Areisvorstandssitzung. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 8. Februar, 7% Uhr, Gigung der Sei tungskommission. 7. Kreis Charlottenburg. Freitag, den 8. Februar, 8 Uhr, im Rathaus, Sigungszimmer 5, Gigung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genossen und Genoffinnen. 9. Areis Bilmersdorf. Freitag, den 8. Februar, 7% Uhr, Sigung des er weiterten Kreisvorstandes bei Bieper, Solsteinische Str. 60. 14. Rreis Neuföln. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde: Freitag, ben 8. d. M., 7 Uhr, Rufammenkunft der Helfer und Selferinnen bei LöwenStein, Gengerstr. 3. Heute, Donnerstag, den 7. Februar: Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungs. toften( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Befleibung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichs amts für Dt on tag, den 4. Februar, auf das 1,04billionen fache der Bortriegszeit. Gegenüber der Borwoche( 1,06 Billionen) ist demnach eine Abnahme von 1,9 v. 5. zu verzeichnen. Für den Durchschnitt des Monats Januar berechnet sich die Reichsindeg und indirekte steuerliche Belastungen, rafch zunehmende Steigerung/ Sungsozialisten. 14. Areis Neukölln. 7½ Uhr im Jugendheim Münchener giffer auf das 1,10billionenfache gegenüber dem 1,247billionenfachen im Durchschnitt des Monats Dezember; das entspricht einer Abnahme von 11,8 v. 5. Die Lebenshaltungskaften ohne Bekleidung betragen im Durchschnitt Januar das 1,04billionenfache, die Ernährungsfoften allein das 1,27billionenfache der Vorfriegszeit. Die Reichsfinanzen. Es ist erfreulich, daß wieder die zehntägigen Ausweise des Reichsfinanzministeriums regelmäßig veröffentlicht werden. Das gibt einen etwas besseren Einblid in die Finanzgebarung des Reiches als die Bilanzen und sonstigen Beröffentlichungen der Brinatindustrie. Die dritte Januarbetade zeigt ein Defizit von rund 11 Goldmillionen Mart( 188 Mill. Einnahmen, 199 Mill. Ausgaben). Durch den Berfauf von Rentenmartwechseln ist das Reich fräftig dabei, wertbeständige, allerdings furzfristige Schulden zu machen. Im Januar sind insgesamt für rund 161 Goldmillionen Mart Rentenmartwechsel ausgegeben worden. Die vereinnahmten Summen sollen nicht ausgegeben worden sein, sondern nur als Be. triebsmittel Berwendung gefunden haben. Hoffentlich stimmt das auch. Das Eriftenzminimum im Januar 1924. Die Kosten des Eriftenzminimums waren in Groß- Berlin in Januar um reichlich 10 Prog. niedriger als im Dezember. Beziffert man den täglichen Nahrungs bedarf eines Kindes pon 6 bis 10 Jahren auf 1600 Stalorien, den einer Frau auf 2400 Ralorien und den eines Mannes auf 3000 Ralorien, und beschränkt man sich bei der Deckung dieses Bedarfs soweit als tunlich auf die billigsten Nahrungsmittel, fo ftellt sich ber wöchentliche Mindest bedarf im Januar für ein Kind von 6 bis 10 Jahren auf 1,99 M., für eine Frau auf 3,61 M., für einen Mann auf 4,88( Die gleichen Nahrungsmengen fofteten im Januar 1914 für ein Rind 1,46 m., für eine Frau 2,79 M., für einen Mann 3,68 m. Latfächlich war aber das Eriftengminimum por zehn Jahren billiger, weil z. B. billiges frisches Fleisch damals in un begrenzten Mengen zur Verfügung stand. Im Einklang mit der Berichterstattung für die Bormonate werden hier für die Borkriegs, zeit angefeßt: Kind 1,75 M., Frau 2,80 M., Mann 3,50 m.) Breis Breis Jan. 1924 Jan. 1914 3f. 93f. 222222 1 Biter Milch Zufammen für ein 6-10jähr.& ind 199 500 Gramm Brot. Saferfloden. Startoffeln. 7 1800 Gramm Brot 59 44 250 250 Roggenmehl Graupen 9 12 10 8000 Startoffeln 27 15 1500 Gemüse 21 15 125 250 Margarine Zuder 17 20 12 32 28 146 16 12 250 13 1000 5 2000 Gemüse 20 250 Gefrierfleisch 33 40 125 Sped 47 28 . • 125 Margarine 17 20 • 279 500 Gramm Reis. 27 22 250 Bohnen 17 11 125 Sped 47 23 250 Salaheringe 19 • 18 125 Margarine 17 20 868 1298321 Bufammen für eine Frau 361 Zusammen für einen Mann 488 Rechnet man für den Mindestbedarf an Wohnung den Preis für Stube und Küche, für Heizung 1 Zentner Brifetts und für Beleuchtung 6 Rubikmeter Gas, so ergeben sich als Wochen bedarf für eine Wohnung 1,10 M.( 1913/14: 5,50 m.), für Heizung 1,76 m.( 1,15 M.), für Beleuchtung 1,26 m.( 0,75 m.). der Mieten und viel Arbeitslosigkeit. Diefe praftischen Korrekturen ber Breisziffern müssen noch mit in Rechnung gestellt werden, wenn das traurige Existenzminimum mit dem Marimum an Wohlleben, Ausbeutungssucht und Steuerbrückebergerei auf der anderen Seite verglichen wird. Ausländisches Kapital in Sowjetrußland. Ueber die Entwicklung der sogenannten„ Ronzeffionen", d. h. der Unternehmungen in Rußland, die mit Hilfe des ausländischen Kapitals betrieben werden sollen und die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch große politische Bedeutung haben, wird nun zum ersten Male amtliches Material veröffentlicht. Die Erteilung von Stonzessionen hat erft 1921 begonnen, obwohl Lenin, der geistige Urheber dieser Idee, sich schon viel früher bemüht hatte, auslän disches Rapital in dieser Form heranzuziehen. In den drei vergangenen Jahren find Konzessionen erteilt worden: 8 1921 1922 1928 10 44 Außer diesen„ normalen" 59 Ronzessionsverträgen find noch neun solche abgeschlossen worden, bei denen Ausnahmen gegenüber den bestehenden Gefeßen zugunsten der Ronzeffionäre gemacht werden mußten. Die größten Konzessionen sind: bie von Wirth- Haas( Holz), Friedrich) Krupp( Landwirtschaft), Otto Wolf( Außenhandel). Letterer Konzessionär scheint aber bereits fonzeffionsmüde geworden zu sein. Auch die Kruppsche Konzession scheint bisher feine besonders günstige Entwidlung genommen zu baben. Die erteilten 59 Ronzeffionen verteilen fich auf die einzelnen Wirtschaftsgebiete folgendermaßen: Handel Transport Solaindustrie Landwirtschaft Joad Bulaffung ausländischer Firmen zum Handel innerhalb Rußlands 14 10 4967 3 8 Es ist intereffant zu ermähnen, baß unter ben Bändern, die sich um Ronzessionen beworben haben, an erster Stelle Deutschland steht( 35 Broz. der Gesamtzahl), dann tommt England, Frankreich und die Vereinigten Staaten. Das Interesse an den Konzeffionen scheint sehr groß zu fein in der ganzen Welt. Es haben sich beinahe taufend Firmen gemeldet, die Ronzeffionen erhalten möchten; die Zahl der Bewerber wächst mit jedem Jahr. Im Jahre 1922 maren es nur 338, im Jahre 1923 bereits 507. Es ist aber sehr fraglich, ob die Konzessionäre wirklich die ernste Absicht haben, fofort mit der produktiven Arbeit anzufangen. Die wenigen Konzeffionsunter nehmungen, die bereits gegründet worden sind, haben zunächst teine allzugroße produktive Arbeit entfaltet, und die größten Konzeffio näre, wie oben angedeutet, verlangen die Abänderung verschiedener Vertragspunkte. Die tapitalistische Welt hat in erster Linie die Absicht, sich die Priorität auf Produktionsmittel und Handelsmöglich feiten in Rußland zu sichern, um später einmal daraus Nugen ziehen und an die Arbeit herangehen zu fönnen. Im Augenblid ist es eigentlich mehr eine Gründungstätigkeit ohne wesentliche mirt schaftliche Bedeutung für das russische Bolt. Stinnes als kommunalpolififer". Stinnes hat 85 Broz. bes Kapitals der Frankfurter Gasgesellschaft erworben. Die Riefengewinne der Sinclair- Gruppe. Man teilt mit, daß bie ungefeßlichen Betroleumfongeffionen der Sinclair- Gruppe mehr als 82 Millionen Dollar Reingewinn einbrachten. Betroleum schiebungen und Rüstungslieferungen waren von jeher die besten Geschäfte. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Bebetter- Abstinenten- Bunb. Heute( Donnerstag) 7 hr Funktionärfügung im Stadtbad Gerichtfit. 67. Monatsprogramm mitbringen. Gemeinschaft proletarischer Freibenter, Detsgruppe Steglig. Der Vorberei tungsunterricht zur gemeinsamen Jugendweibe beginnt am Donnerstag, ben 7. Februar, nachmittags von 4-5 hr, im Arbeiterjugendheim Aniephofitraße. Der Freidenferturfus beginnt am gleichen Abend 715 Uhr an genannter Stelle. Jeber it willlommen. Für Bekleidung, d. h. für Beschaffung und Instandhaltung nen Schuhwert, Kleibern und Wäsche, find minbestens anzusehen: Mann 2,40 M.( 2,50 M.), Frau 1,60 m.( 1,65 m.), Rind 0,80 m. ( 0,85 m.). Für alle sonstigen lebensnotwendigen Ausgaben( Bäschereini- wiger Ufer. Referent Genosse Landgerichtsrat Ruber. Bund der Auslandsbeutschen, 6. B. Die Monatsperfammlung ber b teilung England bes Bundes der Auslandsdeutschen findet am 7 Februar, 8 Uhr, in der Aula des Friedrich Wilhelm- Gymnasiums, Rochstr. 13, ftatt. Berliner Mieterbund, 2. Bezirt. Deffentliche Mieterversammlung am Donnerstag, den 7. februar, 7% Uhr, in ber Aula ber 13. Realschule, Schles NEUE BC Straße 52 I Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Mitglieder unbe bingt notwendig. Morgen, Freifag, den 8. Februar: 3. bt. 7 Uhr Gigung der Bezirksführer, Betriebsvertrauensleute sowie fämtlicher Funktionäre im Lokal Emil Krüger, Engelufer 23. 7. Abt. 7 Uhr Funktionärsihung bei Dieke, Bonenstr. 19. 44. bt. 7 Uhr bei Ewald, Staliger Str. 126, Funktionärßigung. Schöneberg. 77. Abt. 7½ Uhr Funktionärtonferenz bei Jürgens, Barbaroffe ftrage ba. 78. Abt. 8 Uhr erweiterte Borstandssigung bei König, Bring George, Ede Feurigstraße. 79. Abt. Pünktlich 7½ Uhr im Lotal Groß, Gedanstr. 17, Funktionärsigung. Die Funktionäre des Bezirks Lindenhof find eingeladen. Tagesordnung: Bezirkstag, Barteitag und die kommenben Wahlen. Erscheinen Pflicht. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr erweiterte Borstandssigung bei Rabe, SandleryStraße 60-61. Erscheinen sämtlicher Funktionäre Pflicht. 86. Abt. Marienborf. 7% Uhr Funktionärsizung mit ben Bürgerdeputierten im 8immer 26. • 119. abt. Lichtenberg. Die Funktionärtonferens findet umständehalber schon Freitag 7 Uhr bet Klude, Scheffelftr. 10, statt. Jungfozialisten. Gruppe Rorben: Arbeitsgemeinschaft: Der hiftorische Materia, lismus, 2. Teil". Leiter Genosse Mennede. Freitag 7 Uhr, Rakaoftube Schönstedtstr. 1. Gruppe Schöneberg: 8 Uhr im Jugendheim Rudens Straße Bortrag des Genossen Sänfeleit: Die politischen Verhältnisse fur alten Griechenland". Jugendveranstaltungen. ben 10. b. M., nachmittags 3 Uhr, im Neuen Theater am 800, Jebenstraße. Achtung, Mitglieder! Aur Abonnements- Theatervorstellung am Sonntag, zur Aufführung von Die Heffnung auf Gegen" von Seijermans, find noch einzelfarten zum Preise von 85 Bf. im Jugendfekretariat zu haben. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 71 Uhr: Friebenau: Sugendheim Offenbacher Str. 5a. Marienfelde: Höhere Schule Berliner Str. 1. Reutölln 1: Jugendheim Münchener Str. 52. Meur Reukölln V: Jugendun IV: Zobel Rum Bärwinkel, Steinbodstraße. heim Schierfeftr. 44. Zehlendorf: Südschule.( Sämtliche Beranstaltungen finden fekt regelmäßig in der Gülbschule statt.) Drtsausschuß für Jugendpflege. Morgen, Freitag, den 8., abends 7 Uhr, in ber Rathenau- Schule Boddinftr. 84, Rinoabend. Borge. führt wirh ber falifornische Goldgräberfilm Bettlauf ums Glüd". Eintrittstarten für Jugendliche 30 Bf.. für Erwachsene 60 Bf. find am Saaleingang zu haben. Briefkasten der Redaktion. $. 5. 48. Gehr zweifelhaft. 1. E. nein. Bersuchen Sie es aber. S. 8. 28. Gegen Sie fich fofort mit der Fürsorgeftelle in Berbindung, ba wie ledigung gefunden hat. Sm Falle der Beigerung lönnen gerichtliche Schritte nicht beurteilen fönnen, ob die Angelegenheit burch Shre Erklärung ihre Erunternommen werden. B. F. 6. 1. Das Armenrecht wird nur bewilligt, wenn außer der Chefrau auch der Chemann zur Tragung von Prozeßkoſten nicht imftande ift. 2. Wird von Fall zu Fall entschieden. R. S. Nein. 8. R. 2. 1, Stein, ba alle Anordnungen und Berfügungen des Reichspräsi denten zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler oder ben zuständigen Reichsminister bedürfen. 2. Das Wehrgefeg. 3. Sier gift ebenfalls das au 1. Gefagte. 4. Ja. 5., 6., 7. Nein. 8. Durch den Reichs tag. G. B. 100. 1. Ja. 2. Sie müssen zunächst die Erbauseinandersegung verlangen. Ein Antrag auf Bermittlung der Erbauseinanderlegung kann au das Amtsgericht in Potsdam gerichtet werden. 3. Nein.- G. R. 99. U. G. tann in ber Angelegenheit nichts unternommen werden. Wir stellen aber anheim, mit ben Bapieren in unsere juristische Sprechstunde su kommen. . B. 25. 1. Gie tönnen es verfuchen. Bir glauben aber nicht, daß Ihre Bemühungen zum Erfolg führen werden. 2. Rein. Oder Sie müffen bort einen neuen Brozeß anstrengen, von dem aber mit Rüdicht auf die dadurch entstehenden hohen Rosten dringend abzuraten ist. 3. Durch Anfragen bet Bolizeibehörden. 4. Ja. 28. 06. 1. Die Frage läßt sich im Briefkasten wegen Raummangels nicht beantworten. 2. Da es sich um eine notwendige Reparaturarbeit handelt, rufen Sie die Schlichtungstammer des Mieteinigungs amtes an. Erklärt biefe die Arbeit für erforderlich, fo laffen Sie sie aus filhren und bringen die Koften von der Miete in Abzug. Falls Ihnen die Roften zu hoch fein sollten und Sie deshalb diesen Weg nicht beschreiten wollen, fo bleibt nur die Klage gegen den Sauswirt. 2. W. 47. Wenben Sie sich an die Annoncen- Expedition Rudolf Moffe, Serufalemer Straße. Arbeitersport. Schwimmvercin ,, üggelfee" 1921. Freitag, den 8. februar, abends 7½ Uhr, im Bereinslokal Zinben- Rafino", Friebridftr. 74, Mitgliederversammlung, Es ist Pflicht alles Bortvag über Die Aufgaben der Arbeiterschwimmer". Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. Gleichzeitig bitten wir bie verehrten Brudervereine, fich file ben 15. Juni freizuhalten, da wir an diefem Tage beabfichtigen, ein Wasserballturnier zu veranstalten. 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