Nr. 67 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 33 Bezugspreis: Böchentlich 85 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar. u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg wödhentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmart pro Boche. Rreuzband endungen nur gegen werts beständige Rahlung. Boftbezugspreis für Februar 4 Goldmart Der ,, Borwärts" mit der Gonntags beilage ,, Bolt und Beit" mit ,, Sied. Jung und Aleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareine. geile 0,70 Goldmart, Retlamezeile 3,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" Das fettgebrudte Bort 0,20 Goldmatt( auläffig amet. fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, fedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 42 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 9. Februar 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 375 36 Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depostenkaffe Lindenstraße 3 Kahr über dem Geseh. Die Schrift Prof. Rothenbüchers beschlagnahmt.- Sturm im Landtag. Die Schiebung vereitelt. Um 48 Uhr wurde die Sigung wieder aufgenommen, wobei von der Fraktion der Bayerischen Boltspartei nur vier Mitglieder im Saal anwesend waren, obgleich bei der ersten Sigung 35 Mit glieder dieser Fraktion sich im Hause befanden. Es entwickelte sich eine neue Geschäftsordnungsdebatte, in der alle parteien der Opposition scharfe Abrechnung mit dem unehrlichen, verlogenen Spiel der Bayerischen Bolkspartei hielten, die unter Umgehung des Aeltestenausschusses die Bertagung des Landtages her. beiführen, und damit die Auflösung des Landtages in, der nächsten Woche verhindern wollte. Durch das geschloffene Auftreten der Opposition mußte die Banerische Bolkspartei davor. absehen, ihre Ansicht restlos zu verwirklichen, so daß die nächste Sigung für kommenden Donnerstag festgesetzt wurde. München, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt| Oppofition die Auflösung des Landtags für nächsten Dienstag von der Landtagsverhandlungen am Freitag ftand die am Vormittage fich aus in Aussicht genommen hatte, was die Bayerische Bolks erfolgte Beschlagnahme der Broschüre des Profeffors Rothen partei im Intereffe ihres Boltsbegehrens verhindern bücher durch die Polizei auf Anordnung des Generalstaats- will. Nachher fanden interfraktionelle Besprechungen statt, um den tommissars. Der demokratische Abg. Dr. Müller( Rat am Obersten Wirrwarr des jeßigen Augenblicks zu überwinden. Landesgericht) erhob aus diesem Anlaß die schwersten Borwürfe gegen die banerische Justiz und den Minister des Innern, der die direkte Verantwortung für diese neueste Heldentat des Herrn v. Kahr trage.„ Die Broschüre", so sagte Dr. Müller ,,, enthält feine ftrafbare Handlung. Wenn sich Kahr aber beleidigt fühlt durch strafbare Handlung. Wenn sich Kahr aber beleidigt fühlt durch den Vorwurf, daß er seine Eidespflicht als Beamter verletzt habe, fo foll er Strafantrag stellen und Klage einleiten lassen. Wenn er das nicht tut, so zeigt er nur sein schlechtes Gewissen. Es wird er das nicht tut, fo zeigt er nur sein schlechtes Gewiffen. Es wird nicht eher Ruhe in Bayern geben, bis die Anflage auch gegen nicht eher Ruhe in Bayern geben, bis die Anflage auch gegen die Herren v. Kahr, Lossow und Seißer erhoben wird. Die Stellung Kahrs ist unhaltbar geworden. Sein Zusammenbruch wird das Debakel des Staates Bayern herbeiführen. Es ist heute noch die zwölfte Stunde, den Staat Bayern vor der größten Erschütterung zu bewahren, die er in den letzten Jahren überhaupt erlebt hat. Es fann jetzt nur noch eins geben: eg mit dem Generalstaatstommissar, damit wir endlich wieder eine reinliche Verwaltung bekommen, die uns die Achtung wiederbringen kann." Der Minister des Innern als der zuständige Bolizeiminister erwiderte lediglich, daß die Beschlagnahme der Broschüre wegen Beleidigung der banerischen Staatsanwaltschaften erfolat fel und daß sich das Gefamiminifterium mit der Angelegen heit befaßt. Auf diese vollkommen ungenügende Auskunft des Ministers erhob sich ein Sturm der Oppositionspar Als dann überdies noch ein Mitglied der Bayerischen Boltspartei die Beschlußfähigkeit des Hauses anzweifelte( es standen nun wichtige Abstimmungen bevor), steigerte sich die Erregung der Oppofitionsparteien zu einem wahren Tumult der Ent. rüstung, insbesondere gegen die Bayerische Bolkspartei, die offenbar absichtlich der Sizung ferngeblieben war, um die Beschlußunfähigkeit herbeizuführen. In dem Tumult ergriff der Präsident, der der Bayerischen Volkspartei angehört, zu dem Mittel, die Sizung furzerhand aufzuheben. Daraufhin neue Steigerung ber Erregung, die um so berechtigter war, als die vereinigte Der„ Landesverrat" des„ Vorwärts". Bor Nachahmung wird gewarnt. Die Frankfurter Boltsstimme" berichtet: Am Donnerstag um 9 Uhr 5 Minuten morgens telephonierie mns das Behrtreistommando Stuttgart: Die Redaktionen werden ersucht den bekannten„ Vorwärts" Artifel über den Hitlerputsch( Brief eines Teilnehmers), worin von größeren WaffenTagern die Rede ist, nicht zu bringen, da Gefahr des Landes. verrats durch den Bassus über Waffenfunde besteht. Zudem ist der Artikel wahrscheinlich irreführend. Der sogenannte Artikel" des„ Borwärts" es handelt sich um den bekannten Göy- Brief war am Sonntag erwar am Sonntag er fchienen. Nach vier Tagen frampfhaften Nachdenkens, und durch Münchener Rechtsbelehrung überzeugt, erkennt das Wehrkreiskommando Stuttgart, daß Gefahr im Verzuge ist. Es warnt die feiner Obhut anpertrauten Blätter, den Brief nachzudrucken, weil Gefahr des Landesverrats bestehe. Diese Warnung ist sinnlos. Die aberwizige Konstruktion, daß man durch Wiedergabe einer schon veröffentlich. ten Nachricht- alfo durch Enthüllung eines Geheimnisses, das teines mehr ist Landesverrat begehen fönne, ist selbst vom Fechenbach Gericht zurückgewiesen worden. Was Göz über die Münchener Borgänge behauptet, hat das Aus. land aus dem Vorwärts" erfahren, es braucht nicht mehr die Blätter des Wehrkreises Stuttgart dazu. Der Mißbrauch, der mit dem Landesverrats- Baragraphen getrieben wird, wächst sich mehr und mehr zu einem europäischen Standal aus. Er läuft geradezu auf einen Versuch hinaus, Berbrechen zu begünstigen und die Berteidiger der bestehenden Staatsordnung gegen gewalttätige Angreifer mehrlos zu machen. Die ganze Preffe, fomeit sie nicht im Sold des rechtsradikalen Umsturzes steht, sollte gegen eine solche Praris den schärfsten Einspruch erheben! Blinder Lärm in Paris. Falsches Temissionsgerücht. Kahrs Abschiedsgeschenk. München, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Trozdem kein Zweifel darüber besteht, daß die überwiegende Mehrheit des beyeri fchen Bolles mit der Einrichtung des Generalstaatskommissariats und feinem heutigen Inhaber nicht mehr einverstanden ist und sein Rild. tritt faum mehr lange auf fich warten laffen dürfte, plant Herr v. Kahr, sein Bolt noch mit einer außerordentlich bedeutsamen Eine richtung zu beglüden. Bie verlautet, arbeiten die berühmten" Sachverständigen im Generalstaatskommissariat an der Fer tigstellung eines Gesezentwurfes, der demnächst dem Minifterium vorgelegt werden soll. Es handelt sich dabei um bie allgemeine Einführung der Arbeitspflicht für Bayern, die für Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren ein Jahr und für Frauen im Alter Don 18 bis 25 Jahren ein halbes Jahr betragen foll. Die Kosten für den Bollzug dieses Gefeßes werden als gering angesehen, da sie angeblich durch die infolge der Arbeitspricht erhoffte Entiaftung bes Arbeitsmarttes tompenfiert würde. Internationale Arbeiterhilfe. Was fie öffentlich sagt und was sie heimlich tut. Mit vielem Geschick versucht die von dem Beauf tragten der Eretutive der Kommunistischen Internationale, Willi Münzenberg, geleitete Internationale fannte Sozialdemokraten, bürgerliche Intellektuelle haben sich Arbeiterhilfe" das Intereffe weiter Kreise zu erregen. Betrotz aller Warnungen in ihren Dienst gestellt. Für den, der den inneren Mechanismus, die Zusammenhänge und Methoden fommunistischer Organisation fennt, fonnte es niemals zweifelhaft sein, daß diese scheinbare Wohlfahrtsorganisation ausgesprochen politische 3 wede perfolgt. Ihre besondere Nüance erhielt sie im Zusammenhang mit der Parole des Dritten Kommunistischen Weltfongreffes: heran an die Massen". Unter dem Eindruck der offensichtlichen Niederlagen und Rückschläge und des in der Sprache der Kommunisten verlangsamten Tempos der Weltrevolution" entwickelte sich bei ihnen das Bedürfnis, Bindeglieder zwischen der kommunistischen Welt, zwifchen Sowjetrußland und der bürgerlichen Welt zu schaffen. Die ersten Aktionen der Internationalen Arbeiterhilfe, ihre Sammlungen für das hungernde Rußland dienten ganz aus gesprochen dem 3wed, die menschlich verständliche und begreifliche Hilfsbereitschaft, namentlich weiter Arbeiterkreise, für die hungernden Millionenmassen in Rußland auszunuzen, um durch die Parole: Hungerhilfe für Rußland!" wieder Anknüpfungspuntte zu finden, Verbindungen zu schaffen, die agitatorisch und politisch ausgenützt werden tonnten. Die tuffifche Regierung versteht es ausgezeichnet, auf tausend vielgestaltigen Begen die öffentliche Meinung, die fie nicht wie in Rußland einfach durch Berbot der gegnerischen Breffe nach ihrem Willen lenten fenn, zu beeinflussen und für die offizielle sowjetrussische Außen- und Innenpolitiz günstig zu stimmen. Die Internationale Arbeiterhilfe ist nichts anderes als ein Glied in der Kette dieser geschickten Operationen. Solange die Kommunisten an sich begrüßenswerte Wohlfahrtsbestrebungen im eigenen Kreise betreiben, foll uns das recht sein. Wenn aber diese Arbeit anderen, nicht ausgesprochenen Zwecken dient, dann ist es um so mehr unsere Pflicht, die Deffentlichkeit vor Irreführungen au marnen, als die sozialdemokratischen Organisationen in Der Arbeiterwohlfahrt eigene Organe geschaffen haben. Ein uns von befreundeter Seite zur Verfügung ge Internationalen Arbeiterhilfe in Berlin enthüllt die Zusam menhänge der Münzenbergschen Arbeit. Münzenberg, der diese Konferenz leitete, schloß sie mit den folgenden Worten: über die militärische Bereitschaft Frankreichs in den letzten Jahren stelltes Protokoll über eine internationale Konferenz der Dor dem Krieg. Im Berlauf der Diskussion gab es lärmende Zwischenfälle, über die Havas folgende Erklärung verbreitet: Abg. Tamponnier protestierte lebhaft dagegen, daß die. nationale Berteidigung im Jahre 1913 vollkommen unvorbereitet gewesen sei. Er wandte fich hauptsächlich an den Abg. Denise, den Schwager des verstorbenen raditalen Führers Belletan, den er als denjenigen bezeichnete, der die französische Marine torpediert habe. Die Auseinanderfegungen entwickelten sich zu einem lebhaften Tumult, worauf der Präfident beantragte, die Debatte abzubrechen. Die Abgeordneten apostrophieren sich aber weiter und es kommt zu lebhaften Szenen. Kein Redner konnte fich Gehör verschaffen, nur Poincaré war in der Lage, folgendes zu erklären: Ich flehe die Abgg. Tamponnier und Rey: naud im Namen des Baterlandes an, diese Debatte zu beenden. Wenn fie andauere, werde er den Sitzungsjaal verlassen.( Leb hafter Beifall auf zahlreichen Bänken, heftige Erregung.) Die beiden Abgeordneten fetzten aber ihre Disfuffion fort. Darauf gefchah folgendes: Ministerpräsident Poincaré erhob sich zum Zeichen des Protestes und verließ in Die Linte applaudierte. Auf der äußersten Linken wird gerufen: Begleitung des Finanzministers den Saal. auflösung! Demiffion! Der Rammer bemächtigt sich eine große Aufregung, so daß der Präsident um 4.10 Übyr die Sigung unterbricht. In den Wandelgängen entstand das Gerücht, Poincaré habe die Absicht kundgetan, seine Demission einzureichen. Nac einigen Minuten erfuhr man, daß die Sizung wieder aufgenommen werbe und Poincaré fortfahren werde, sich an der Debatte zu beteiligen. Nachdem die Regierung zurückgekehrt war, bedauerte der Präsident den Zwischenfall und richtete an die Kammer die Bitte, sich zu mäßigen, da die Augen des ganzen Landes auf sie gerichtet seien. Abg. Tainponnier verzichtet sodann auf die Fortießung feiner Ausführungen. Abg. 10 zieht feinen Antrag zurück, da ihn der Ministerpräsident beruhigt habe. Darauf wird der Schluß. fatz des Artikels 1 mit 352 gegen 182 Stimmen angenommen. Abg. Locquin verlangt von der Regierung die Bestätigung, daß die, die durch die Dekrete sich in ihren Interessen geschädigt fühlen, das Recht haben, sich an den Staatsrat zu wenden. Boin caré bestätigt das. Ein Amendement des Abg. Locquin wird mit 329 gegen 232 Stimmen abgelehnt. Artikel 1 wird schließlich mit 329 gegen 207 Stimmen an genommen. Paris, 8. Februar.( WIB.) In der Deputiertenfammer, die heute vormittag die Steuerberatung fortsette, versicherte Boin caré, daß fein Staatsmonopol durch Defretbeschluß abgeschafft wird. Am Nachmittag beriet die Kammer folgenden letzten Abfag des ersten Artikels: Wenn die getroffenen Sparmaßnahmen Abänderungen bestehender Gesetze notwendig machen, müssen die Erlasse nach 3 Monaten dem Parlament zur Genehmiwöchigen Tagung zusammen. Der wichtigste Beratungsgegenstand gung unterbreitet werden." Abg. Rio beantraate, daß die vorgesehenen Sparmaß nahmen auf teine Beise bas Marine. unb das Seeresbubget betreffen dürften. Sfog hält eine lange Rede Der Oldenburgische Landtag tritt am 19. Februar zu einer mehr wird die immer noch offene Frage der Bildung einer neuen parla. mentarischen Regierung fein. Gegenwärtig amtiert, wie erinnerlich, in Oldenburg ein vor mehreren Monaten eingesetztes Beamtenminifterium. Ich zmeifle nicht, daß wenn die einzelnen Komitees nur drei Monate lang gut zusammenarbeiten, daß wir dann einen guten Dienst der Kommunisten Internationale und einen guten Dienst Sowjetrußland geleistet haben." Knapp vor diesem Sage sagte er über eine Berliner Werbefonferenz der Internationalen Arbeiterhilfe: „ Es war eine Konferenz, wo die besten Erfolge errungen wurden auf einem Gebiete, wo wir in Zukunft unsere Arbeit steigern müssen und wo es uns gelingen muß, die nach Rußlanddrängenden Intellektuellen zu fesseln." mittel zu bekommen. ,, Es gilt, Berbindungen mit den Internationalen Gewertschaftsverbänden aufzunehmen, um von dort GeldBielleicht ist etwas vom Internationalen Transportarbeiterverband, vielleicht auch vom Metallarbeiterverband zu erlangen( 3uruf:" Das hat feine Aussichten!"). Dann wenigstens von den linken Richtungen des Metallarbeiterverbandes." Möglichkeit, der Arbeitslosigkeit in Mittel- und Westeuropa Auf dieser Konferenz wurde auch diskutiert über die durch Abwanderung nach Rußland Einhalt zu tun. Dagegen durch Abwanderung nach Rußland Einhalt zu tun. Dagegen mandte sich der Schweizer Delegierte Siegrist mit den Worten: Wir haben absolut teine Ursache, den tapitalistischen Staaten Westeuropas ihre Arbeitslosigkeit abzunehmen. Mit dieser Auffaffung erklärte sich der Kongreß einverstanden." Man sieht hieraus, wie aus dem ganzen Verlauf des Kongresses, daß die Internationale Arbeiterhilfe eine von Rußland eingefeßte, für dieses Land arbeitende Gewerkschaftsbeamte, Sozialdemokraten und Intellektuelle in die Dienste Rußlands ziehende Organisation ist. Ebenso wie das Antifaschistenkomitee, bei dem Herr Münzenberg auch Ger burtshilfe geleistet hat. So sagt der erwähnte Siegrist: Die Arbeit des Genossen Münzenberg ist für die Arbeiterhilfe unentbehrlich, und ebenso wirklich am richtigen Blaze, wie es bei dem Faschistenkomitee der Fall sein würde. Wir müssen daher die Ko. mintern( Zentralfomitee der dritten Internationale) ersuchen, unfere Neuwahl des Genossen Münzenberg zu bestätigen und ihn auf seinem Play als volle Arbeitskraft zu belassen.. Wir wollen durch Abstimmung zeigen, baß die erweiterte Eretutine ihr persönliches Bertrauen in die Arbeit des Genossen münzenberg fet. Ich hoffe, daß ein Schreiben, das wir morgen alle unterschreiben, von den Komintern berücksichtigt wird." Bon großem Interesse ist in den Verhandlungen der immer wiederkehrende Refrain, daß es für die International Arbeiterhilfe gelte, in gesteigertem Maße die nichttom. 1 zur Aufstellung der Reichstagstandiboten, die von der Organisation| einigung von den Erefufivorganen ohre welleres zu vera munistischen Gruppen an sich zu ziehen". So heißt es: In Deutschland muß der Versuch gemacht werden, nichttommunistische Kreise zu einer attiven Unterstützung zu finden." Weiter ist zu zitieren: Chemniz- Stadt zu benennen waren. Für den Bezirksvorstand behindert." antragte Böcher die Ersetzung der bisherigen Abgeordneten Stücklen und Frau Schilling durch die Genoffen Ströbel, Tony Sen der urd den Genossen Kuhnt. Der Kreisvorstand empfahl die Aufstellung der bisherigen Abgeordneten Genossen Stüdlen, Minno Echilling und Fellisch. Das Refultat der geheimen Abftimmung ergab für Stüdlen 875, Minna Schilling 617 und Fellisch 769 Stimmen. Auf die Genoffin Sender entfielen noch 541 Stimmen, während die übrigen Randidaten nur geringe Stimmenzahler, auf fich vereinigten. Spaltung im Zentrum. Sie wissen, daß die Komintern, feitdem sie überzeugt sind, daß der Gang der Revolution sich verlangsamt, unter der Barole der Einheitsfront die Basis zu verbreitern sucht. Sie erinnern sich der diesbezüglichen Berhandlungen. Und die JAH. fann Schritte tun, die die politischen Barteten nicht tun tönnen. Hierin liegt die große politische Bedeutung und alle Romitees sollen das absolut wissen. Um so mehr Ursache haben wir, uns mit aller Gewalt dagegen zu wehren, daß wir nur eine kommunistische Organisation sind. Wir müssen gerade jetzt andere Namen, andere Gruppen heranholen, um diese Berfolgung zu erschweren. Bodum, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Schon der Brief Weiter wichtigst ist die Frage der Klubs für das neue Rußland." Dr. Births an seinen Freund Joos hat bekanntlich in vorsichti. Wir müssen auch selbst in die Klubs eintreten. Natürlich, das ger Form angedeutet, daß im Zentrum die Meinungen über die wiffen wir, daß wir manche Genossen der Berliner Dr. Sentrumspolitik nicht gefa offen seien. Daß jedoch nicht nur ei ganisation nicht hineinfriegen werden. Man tann Ruthnungsverschiedenheiten, sondern sehr schwere grundsäßliche Fischer und Maslowo nicht zumuten, solche Klubs zu gründen. Gegensäge vorhanden sind, ist dem Beobachter der Borgänge in Mir( Münzenberg) persönlich sind die Hundertschaften auch lieber. der Hochburg des Zentrums, in Rheinland- Westfalen, längst Nun zu den Mitteln. Es wird nicht so sehr darauf ankommen, fein Geheininis mehr. Die Anschauungen des Arbeiterflügels in der kommunistischen Presse zu sagen, toie gut Rußland steht, es follidieren start mit denen des schwerindustriellen. Auch der Zenfommt darauf an, in die andere Presse zu bringen, in die trumsarbeiter fann nicht vergessen, daß der Zentrumsführer Thys gewertschaftliche Bresse, in die bürgerliche Presse." sen der erste gewefen ist, ber in Form besonderer Denkschriften die Beseitigung des Achtstundentages forderte und daß bei den letzten Differenzen über die Arbeitszeit und die Löhne im Bergbau und der Metallindustrie Zentrumsmagnaten am wider haarigsten waren. Die ersten Auswirkungen in politischer Hin ficht sind die sich bemerkbar machenden Spaltungstendenzen. Der am weitesten linksstehende Arbeiterflügel des Zentrums ist jegt dazu übergegangen, fich auch offiziell durch eine neue Partei. gründung von der Mutterpartet loszulösen. Die neue Partei, deren erste Anfänge schon längere Zeit zurückliegen, heißt Christlich. foziale Boltsgemeinschaft". An vielen Orten sind mit glieder der Stadtverordneten frattion des Zentrums und auch der Kreistage zu der neuen Partei übergetreten. Am legien Dienstag spaltete sich auch die Zentrumsfraktion der Stadt Steele, wo von 18 Fraftionsmitgliedern 10 zur neuen Partei gestoßen find. Für Bochum Dortmund ist die Herausgabe einer Tageszeitung beabsichtigt, während in Düsseldorf eine solche bereits erscheint. Ihre Stütze hat die neue Partei in den riftlichen Gewertschaftsmitgliedern der Industrie Als einer der größten Erfolge der Internationalen Arbeiterhilfe für die Kommunisten wird bezeichnet, daß Fim men in den Kreis der Internationalen Arbeiterhilfe gezogen werden konnte. Außerordentlich viel verspricht sich der Kongreß der Internationalen Arbeiterhilfe für die Propaganda für den Kommunismus von den Filmen. Da die Schweizer Kommunisten die Filme von der Roten Armee abgelehnt haben, so veranlaßt das Münzenberg, seinen Kongreß auf zufordern: = „ Gegen die blödsinnige pazifistische Einstellung der Arbeiterschaft, wo nur irgendmöglich, anzufämpfen." Solcher Zitate und Beweise tönnteft wir noch eine ganze Reihe bringen. So war eine der ersten Aktionen der JAH., Die internationale Arbeiteranleihe für Sowjetrußland, Don Lenin persönlich angeregt und durchdacht. Aud; sie sollte den politischen Zweck der Agitation für den Broles tarierstaat mit der wirtschaftlichen Stügungsaktion verbinden. Alles dient den Kommunisten eben als tattisches Mitstädte, während auf dem Lande die Keinen Bächter und Handwerker tel, an die„ breiten Schichten" des Proletariats heranzufemmen. Opportunisten von reinstem Wasser, die sie sind, pflegen sie nicht lange Difussffionen darüber, ob solche tat. tischen Manöver prinzipiell zulässig" find, sie vers folgen ihre Zwecke mit allen Mitteln und mit anerkennens merter Geschicklichkeit. Niemand wird etwas dagegen haben, daß die Kommuniften auf ihre Art humanitären Zweden, zu dienen suchen, trotzdem Humanität ein bei den Bolschemisten nicht fonderlich geachteter Artikel ist. Behren muß man sich dagegen, daß sie humanitäre Ziele vorschiebend, andere Kreise, die ihren politischen Methoden ablehnend gegen überstehen, vor ihren Wagen zu spannen suchen. Der Parteiumschwung in Sachsen. Chemnitz stellt die alten Kandidaten aaf. Chemnitz, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In einer un gemein start besuchten Versammlung nahm am Donnerstag die Chemniger Parteiorganisation Stellung zur bevorstehenden Reichs tagswahl. Das einleitende Referat hatte der Genosse Wels übernommen, der unter stürmischem Beifall die Politik der Reichs tagsfraktion: rechtfertigte. Ais Korreferent trat ihm der Genoffe Ströbel gegenüber. Sodann sprachen noch der bisherige Abge ordnete des Kreises Genosse Stüdlen und die Genoffin Tony Sender. Um 2% Uhr nachts tam die zeitweise sehr stürmisch verlaufene Versammlung nach dem Schlußwort des Genossen Weis Der blinde Passagier. Bon Arne Jensen.") Der bekannte dänisch- amerikanische Journalist Emil Opffer pflegt folgende Geschichte über seine erste Begegnung mit Woodrow Wilson" zu erzählen: In der ersten Zeit meines amerikanischen Aufenthaltes war das Glück mir nicht günstig. Ich war schon zu alt, um all und jedes versuchen zu können, und das Schuhepußen, was ja bekanntlich der erste Schritt zum Reichtum in Amerita sein soll, lag mir nicht recht. Ich ging umher und suchte nach irgendeiner Anstellung an einer Zeitung, und manchmal wäre ich fast verhungert. Irgendwie glückte es mir, ganz bis nach Denver City zu tommen, wo, wie ich gehört hatte, eine Silbermine zu verkaufen, war. Das hatte auch seine Richtigkeit; aber der Befizer wollte die Mine nicht auf Abzahlung verlaufen, obgleidh ich ihm ein Drittel des Silbers, das ich täglich ausgraben, würbe, anbot, bis das Ganze bezahlt wäre. Auf die Art pflegte man feine Geschäfte in Amerita zu machen, sagte er Bir schieden nicht gerade als Freunde, denn ich hatte bloß wegen diefer Silbermine eine lange Reise gemacht und besaß nun teinen Gent mehr. Ich stieg in den Zug nach Nashville, ohne eine Fahrtarte zu lösen. Es gab in Nashville eine fleine Zeitung, wie ich ge hört hatte; und an der hoffte ich eine, wenn auch noch so bescheidene Stellung zu finden. Gerade wie ich so in aller Gemütlichkeit dasaß und die Ausficht aus dem Rupeefenster eine herrliche Berglandschaft- genoß, trat der Kondufteur herein. Ich schloß die Augen und tat, als Schliefe ich. Oder vielmehr, ich schloß die Augen und hoffte, der Kon dufteur würde ein Gleiches tun. So leichtgläubig find die Menschen, wenn sie ohne Fahrkarte sich eingeschlichen haben! Aber der Kondufieur war ein gewigigter und pflichtgetreuer Beamter. Er ging direft auf mich zu, schlug mir freundschaftlich auf die Schulter und sagte:„ Darf ich Ihre Fahrkarte sehen?" Sebt heißt es aufpassen, dachte ich, denn sonst wirst du aus dem Fenster befördert und hast das Bergnügen, den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen. " Meine Fahrkarte," wiederholte ich, ich habe natürlich feine Fahrkarte; ich befize ja eine von der Eisenbahndirektion ausgestellte Karte, die zu fürzeren Reifen au redaffionellen Zweden berechtigt." „ Lassen Sie mich die Karte mal sehen," sagte der Kondukteur. „ Sobald wir nach Nashville fommen, sollen Sie fie fehen," sagte ich. Die Karte liegt in einer Schreibtischschublade in Nashville mit verschiedenen anderen Papieren und Karten zusammen; man reift doch nicht immer mit seinen sämtlichen Dokumenten herum. Ich glaubte übrigens, Sie würden mich dem Aussehen nach tennen, ich reise gewöhnlich mit diesem Zug." Ich erinnere mich nicht, Sie gefehen zu haben," sagte der Kondukteur grübelnd. Sie sind also bei der Nashville Times" angestellt?" Jawohl, fagte ich. Nashville Times" ist das Preffeorgan, bas ich repräsentiere." " Das pasi ja vorzüglich! Der Chefredakteur ist nämlich auch *) Berechtigte Ueberlegung aus dem Dänischen von Frida E. Bogel die Gefolgschaft bilden. Besonders star? ist die ländliche Opposition im Bezir? Paterborn, wo der Großgrundbesiß sich in den Händen der Zentrumsgewaltigen befindet. Bei den kommenden Wahlen wird die neue Partei eigene Randidaten aufstellen. Wie Hasse regiert! Weimar, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Militärbefehlshaber in Thüringen General Hasse hat folgenden neuen Erlaß herausgegeben: Auf Grund eines Sonderfalles hat das Reichswehrministerium die Berordnung über das Berbot der Nationalsozialistischen und Deutschvölkischen Freiheitspartei, der Rommunistischen Bartei usw. vom 20. November 1923 dahin erläutert, daß dieses Verbot nicht nur die damals vorhandenen, sondern auch sämtliche et ma neu entstandenen Organisationen dieser Bartelen und Organisationen umfaßt. Gegen alle Reugründungen der in der Berordnung vom 20. Rovember 1923 aufgeführten Barteien ufw. ist ausnahmslos und ohne weiteres auf Grund des er. laffenen Berbots einzuschreiten. Als solche Neugründungen tommen, soweit mir bekannt geworden, in Frage: Freie Turnerschaft, Broletarische Freidenfergruppe, proletarische Gesangoereine, proletarische Jugendorganisa. tionen usw. In jedem Falle, in dem bei einer derartigen Bereinigung ein Zusammenhang mit einer verbotenen Partei feststeht oder ein dringender Berdacht dazu vorliegt, ist ein Berbot für den betreffenden Berein unter Darlegung der Gründe hier zu beantragen. Eine etwaige Bersammlung einer solchen Ber6 im Zuge, er fint gleich hier nebenan. Wenn er Sie fennt, tönnen Sie weiterfahren, wenn nicht, werde ich Sie auf der nächsten Station der Polizei übergeben. Wollen Sie mal mitfommen." Wollen wir denn deswegen den Redakteur belästigen?" meinte ich zögernd, gesegt, er fchläft nun grade." " Der ist vollkommen wach, er fißt und liest." „ Es ist nicht sicher, daß er mich in diesem grauen Hut wleder. erkennen wird." „ Dann nehmen Sie ihn doch ab, zum Donnerwetter!" Ja aber, ich habe mir die Haare schneiden lassen, seitdem er mich zum lektenmal gesehen hat. Ich habe mir in Denver City die Haare schneiden laffen, und nun wird er glauben, ich wäre ein Frember, wenn er meine langen Haare nicht mehr sicht." Machen Sie nun weiter feine Ausflüchte mehr," fagte der Kondufteur, mir wird es immer wahrscheinlicher, daß Sie ein ganz gemeiner Betrüger sind. Aber nun foll der Redakteur Sie mal besichtigen, vielleicht friegt er auf die Art noch Stoff zu einem Artikel. Also los!" Bitternd folgte ich ihm in das nebenangelegene Abteil, mo der Redakteur großmächtig hinter seinen starten Brillengläsern thronte. Der Beamte ergriff das Wort und sagte, auf mich weisend: Diefer junge Mann, den ich ohne Fahrkarte getroffen habe. be. hauptet, er wäre Mitarbeiter an Ihrer Zeitung; aber der Herr Redakteur werden wohl nichts dagegen haben, wenn ich ihn aus guten Gründen für einen einfachen Schwindler halte." Der Redofteur warf mir einen turzen Blick zu und saate trocken: „ Es verhält sich genau so, wie der Herr sagt. Er ist an meinem Blatte angestellt und redigiert die äußere Politik zu meiner vollsten Zufriedenheit. Ich stehe für ihn ein. " Dann muß ich um Entschuldigung bitten," fagte ber Kondut. teur und entfernte fich betreten. Wer war froher als ich! Ich befaß ja nun das Wort des Chef. redakteurs felber, daß mein Bagabundendasein ein Ende gefunden hatte. Ich blidte ihn dankerfüllt an und versuchte ein Gespräch mit ihm anzubahnen, doch er war äußerst zurückhaltend, antwortete nur mit einem undeutlichen Brummen und versteckte sich schließlich völlig hinter feiner Zeitung. So muß ein Redakteur fein, dachte ich, fich nie der Deffentlichkeit ausliefern. Undurchdringlich und diplomatisch. ich beschloß ein ähnliches Wesen anzunehmen, wenn ich selber Res dakteur werden sollte, und das habe ich auch getan. Als der Zug in Nashville hielt, stieg der Redakteur schnell aus. Er hatte fein Gepäd mit und schien große Eile zu haben. Auf der Straße, außerhalb der Station, holte ich ihn ein. Ich zog den Hut, dankte ihm für sein Wohlwollen und fragte, ob ich gleich mit meiner Arbeit an seinem Blatte beginnen fönnte. Das weiß ich offengestanden nicht," fagte der Redakteur. Die äußere Bolitif ist gerade mein Spezialfach," bemerkte ich. " Ach, wirklich! Ja, das dachte ich mir gleich, ich bin nämlich ein menig Binchologe. Aber das fommt nun nicht weiter in Betracht; ich habe Sie aus einer peinlichen Situation gerettet, und Sie haben mir übrigens auch einen Dienst erwiesen. Mir wurde ganz flau zu mute, als ich hörte, Sie wären Mitarbeiter an der Nashville Times", und ich glaubte, offengestanden, nun sei es Schluß mit mir, a's der Mensch Sie in mein Abteil hereinschleppte. Aber ich entdeckte ja gleich, daß Sie fich in derselben Situation befanden wie ich mein Menschenblick ist in den zahlreichen Kämpfen und Stürmen des Während so der Militärbefehlshaber gegen Arbeiter. organisationen jeder Art rücksichtslos einschreitet, dürfen sich die rechtsradikalen Bünde unter dem Patronat der Reichs. wehr immer weiter ausbauen. So gründeten in Weimar die Bater ländischen Berbände Werwolf", Jungdo", Stahlhelm", Scharnhorst" und die Sturmtruppe 2ossow( 1) einen nationalen Reintaliber Schießtlub, Reichswehrleutnant Bachelin den Schießunterricht erteilt. Diese Organisation fell über ganz Thüringen verbreitet werden. 95 Janhagel- Methoden. an dem ein Dresden, 8. februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Stodtver ordnetenfizung am Donnerstag stand im Zeichen wüster Stan dalszenen. Bei der Beratung eines Antrags auf Entlassung eines fommunistischen Stadtrats aus der Schußhaft wurden Stint bom. ber in den Saal geworfen und die Sigung durch einen unglaublichen Tumult der Tribünenbesucher unterbrochen. Es wird angenommen, daß sich die Störenfriede aus demselben nationa bie hintemann"-Aufführung gestört hat. Gestützt wird diese Be listischen Janbagel zusammensehen, der im Echauspielhause hauptung durch die Tatsache, daß sich die extreme Rechte reichlich mit Tribürentarten versorgt hatte und auf der Tagesordnung auch zwei Anträge ftanden, die sich mit den Standalszenen im Schauspielhause anläßlich ber hintemann"-Auf führung beschäftigten. Es ist seit 19 Jahren das erstemai, daß im Dresdener Stadtverordneten follegium. Stinkbomber geworfen, wurden. " Rundfunk und Schwerindustrie. Ein neues Monopol für reaktionäre Blätter? Die Schwerindustrie bereitet mit Hilfe gleichgesinnter amtlicher Stellen einen großen pressepolitischen Schlag vor: Die Stinnessche DA3" und der Hugenbergsche„ Lolai- Anzeiger" haben beim Reichspostministerium den Antrag eingereicht, taß ihnen die Konzeffion auf Vermittlung ihres Nachrichtenmaterials an ihre Abonnenten durch eigenen Rundfunk erteilt werde. Sie benötigen hierzu die Erlaubnis der Reichspestverwaltung, eine eigene Sendestation zu errichten, sowie die Konzeffion für die Nachrichtenübermittlung. Beides foll ihnen nun bank dem verständnisvollen" Entgegenkommen des zuständigen, start rechts gerichteten Staatssekretärs Bredow gewährt werden. Wie uns versichert wird, steht die Genehmigung fogar unmittelbar bevor. Damit soll nicht allein den belben reaktionären Blättern ein be sonderer Bortell zugunsten ihrer Bezieher und neue Anziehungskraft beim Abonnentenpublikum gesichert, sondern darüber hinaus foll für bie fommenden Wahlfämpfe eine neue Möglichkeit geschaffen inerten, die Deffentlichkeit in reattionär- schwerindustriellem Sinne zu bearbeiten wenn nicht der berechtigte Einspruch der übrigen Presse diesen Ueberfall in legter Stunde dereitelt. Debatteschluß über Versailles? London, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Aus Paris wird gemeldet, daß das französische Auswärtige Amt mit den Er. flärungen der englischen Regierung bezüglich des durch Lloyd George hervorgerufenen Zwischenfalls befriedigt ist und die Angelegen. heit damit als erledigt betrachtet, London, 8. Februar.( WTB) Blätternachrichten zufolge hat Lloyd George heute dem Foreign Office die Wilson- Clemenceau Dofumente zurüderstattet, die er mit einem Schreiben be gleitet, worin er fein Bebauern über das Mißverständnis austrüdt. Der Wiedergabe der Erflärung Georges Clemenceau durch TB., die wir im gestrigen Abendblatt abbrudten, fehlte der Schlußfah: Man zeige mir doch meinen angeblichen Geheimvertrag mit Wilson und dann will ich den Gesamtbetrag der Reparationen bezahlen." Uns fann es schließlich recht sein, wenn ber muntere Greis fo das Gößenbild, das er den Franzosen zur Anbetung aufgerichtet hat, ins Lächerliche zieht; aber dem Hohepriester Poincaré? Lebens geschärft worden- furz und gut, ich bin gar nicht Redakteur. Sie haben mir gedankt, nun dante ich Ihnen. Wir sind quitt!" Mit diesen Worten reichte er mir feine Karte, eine ziemlich mit genommene, unansehnliche Karte. Sie trug den Namen des späteren Präsidenten der Bereinigten Staaten Woodrow Wilson. ( Anm. d. Red. Die Geschichte in jebenfalls filr amerikanische Gitten fennzeichnend. Für ben Charakter Bilfons ift fie es aber fo wenig, daß wir annehmen dürfen, die Karte des hilfsbereiten blinben Basagiers war eine Fälschung.) Tüpfelmaleref. Die Direktion der Nationalgalerie ehrt den fiebzigjährigen Kurt Herrmann durch eine Ausstellung im Kronprinzenpalais.-Herrmann ist einer der letzten Bertreter jener Richtung, bie man als„ Neo- Impreffionismus" oder" Bointillismus"( Tüpfelmalerei) bezeichnet. Sie war die legte Entwicklungsstufe des male. rischen Impreffionismus und trägt einen beinahe wissenschaftlichen Charakter Ihre Eigenart besteht darin, daß der Maler jede Farbe, die er in der Natur wahrnimmt, in ihre optischen Bestandteile zerlegt und diese reinen Farben in einzelnen Lüpfelchen nebeneinander aufträgt. Dem Auge des Beschauers bleibt die Mischung der Farben überlassen. Diese Manier nicht hatte den Borzug, daß sich mit ihrer Hilfe das Flimmern um etwas anderes handelte es fich des Lichts und der Atmosphäre vorzüglich wiedergeben ließ. Ihre Schwäche bestand in der foloristischen Monotonie der Bilder, die alle gleichmäßig in sämtlichen Farben des Regenbogens schillerten. risse, Afte und Interieurs in dem damals üblichen dunklen Galerie. Bevor Kurt Herrmann zur Tüpfelmalerei tam, schuf er Bild ton. Diese frühen Arbeiten zeigen als einziges Charakteristikum eine Borliebe für feine foloristische Detaileffekte, die hier und da wie Rosinen in der braunen Sauce schwimmen. Später, als Bointillist, hat sich Herrmann eine eigenartige Technit zurecht gemacht, die ihn sehr deutlich von allen anderen Meistern seiner Richtung unterfdycibet. Seine Bilder sehen aus, als feien fie mofait artig aus einzelnen Farbstiften zusammengefeht die nicht nur durch ihre reine Farbe, sondern auch durch ihre Form wirken. Zur Her ausarbeitung eines plastischen Formeindruds dient z. B. eine Reihe mannigfach gefrümmter, aber vollständig parallel laufender Pinsel ftriche. Aus diesen Bausteinen, deren jeder seinen selbständigen Ausdrudswert und sein eigenes Leben hat, setzt nun Herrmann malerische Flächen von einem farbigen Duft und einer linearen Grazie zufammen, wie fie in der deutschen Runft nicht oft zu finden find. Aber diese virtuose und hochkultivierte Malerei wendet sich nur an die äußeren Sinne. Sie erfreut, fesselt und bezaubert das Auge, ohne ins Herz zu bringen. Ein glänzender Bandschmud, ein feenhaftes Ornament, aber im Grunde spielerisch und seelenios. John Schitowsti Opernvorstellung für die Arbeitslosen. In der heute nachmittag 2½ Uhr im Theater des Best ens stattfindenden Borstellung für die Arbeitslosen wird infolge technischer Schwierig feiten nicht die Oper Bar und Zimmermann" gegeben, sondern die Rossinische Oper Der Barbier von Sevilla. Die ersten Kräfte der Boltsoper wirfen mit. Pünktliches Erscheinen ist dringend notwendig. Rußland an England. Antwort auf die Anerkennungsnote. London, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Ratomsti übergab heute im Auswärtigen Amt Macdonald die Antwort ber russischen Regierung auf die Note der englischen Regierung betreffend die Anerkennung Sowjetrußlands. Darin nimmt die russische Regierung Kenntnis von der in der englischen Note aus gesprochene Anerkennung und erklärt, daß diefe Note sich mit dem Wunsch des zweiten Sowjetkongresses begegne, daß ein freund. liches Zusammenarbeiten zwischen dem englischen Bolte und der Sowjetrepublit eine der ersten Aufgaben der Sowjetregierung bleiben müsse. Die ruffische Regierung erflärt fich bereit, alle Fragen, die sich direkt oder indirekt aus der Tatsache der Anerfennung Sowjetrußlands ergeben, im freundlichen Geifte regeln zu wollen. Die Sowjetreglerung erklärt sich deshalb weiter bereit, mit der englischen Regierung ein Ablommen zu treffen, das die früheren Berträge wieder in Kraft jeht, die durch die triegerischen Ereignisse oder felt dem Striege gefündigt morben find oder ihre Rechtstraft verloren haben. Zu diesem Zwed beabsichtigt die Sowjetregierung in nächster Zeit einen Bertreter zu entfenden, der Bollmacht befizen werde, ausständige Forderungen und Gegenforde rungen zu regeln. Die ruffische Note fügt hinzu, daß die Sowjet regierung mit den Anschauungen der englischen Regierung voll über einstimme, wonach gegenseitiges Bertrauen und feinerlei Ein. mischung in innere Angelegenheiten die notwendige Borauslegung sei, um freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken und zu entwickeln. Schließlich wird der englischen Regierung mitgeteilt, baß bis zur Ernennung eines Bot schafters Ratowski zum Geschäftsträger ber Sowjet republit am Hofe von St. James ernannt worden sei. Freundesbotschaft Parmoors. Auf einem Bankett der englisch österreichischen Ge. sellschaft in London sprach nach Lord Balfour und dem öfter. reichischen Gesandten Frantenstein, bie bas Stabilisierungs. wert des Böllerbundes lobten, auch der Böllerbundminifter" im neuen Stabinett Lord Parmoor, der u. a. erklärte, der Bölterbund sei ein Gedanke, deffen Zeit ge tommen fei, und er glaube, daß dieser Gedanke weit stärker sei, als man gemeinhin annehme. Freundschaft sei der Weg, um wirt liche Sicherheit zu erhalten. Der Grundsatz des Bölferbundes fei eine gebieterische Notwendigkeit, benn ohne ihn würde die europäische Zivilisation zusammenbrechen. Die augenblickliche Schwäche des Bölkerbundes sei darauf zurückzuführen, daß er noch nicht alle Länder umfaffe. Glücklicherweise sei Defterreich mit nicht alle Länder umfasse. Glücklicherweise sei Defterreich mit glied des Bölferbundes, aber es gebe eine große Schwester. republit, die mit den Desterreichern befreundet sei und, wie er hoffe, in Zukunft auch mit England befreundet fein werde, nämlich die deutsche Republik; zwischen ihr und Desterreich müsse stets das Verhältnis der Berwandtschaft und gemeinsamer nationaler Ideen herrschen. Lord Parmoor warf dann einen Blid in die Zukunft, wo er die deutsche Republi? im Bölkerbunde sche, wie sie mit Hilfe von Desterreich und England dieselbe Band Iung durchmache, die in Desterreich erfolgt fei, so daß Deutschland mit der Aussicht auf Frieden und Gedeihen von den Beschwerden und Sorgen, die jetzt auf ihm lafteten, befreit werden könnte. Lord Barmoor schloß, es sei an der Zeit, daß der Unterschied zwifchen Siegern und Besiegten beseitigt werde und daß unter der Inspiration bes Wölferbundes die gesamte Menschheit für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zufammenarbeite. Die Arbeit der Sachverständigen. Der erste Sachverständigenausschuß hielt am Freitagnachmittag eine Plenarsigung ab. Für Sonnabendvormittag ist vorgesehen, daß der Budgetausschuß den Staatssekretär Fischer und Ministerialdirektor Bopis vom Reichsfinanzminifterium anhört, während Reichsbantpräsident Dr. Sch a cht eine weitere Besprechung mit dem Währungsausschuß haben wird. K. S. Oskar Bie wird heute 60 Jahre. Er ist einer der ganz wenigen deutschen Schriftsteller, deren Werte Zeugnis bavon ablegen, daß in der Kunst die Philologie als Selbstzwed fein Alleindalein zu fordern hat. Man braucht mir seine Monographien über das Kla vier oder über den Tanz zu lefen, um zu wiffen, daß es hier nicht um Oberflädy, sondern um Tiefe geht. Allerdings donnert diese Gelehrsamkeit nicht, sondern fie flingt, fie schwingt und fingt im Rhythmus, im Seelentempo des Kunstwerts, dem die Arbeit gilt. Aus seiner psychologischen Analyse des„ Fledermaus"-Walzers, Mozartscher oder Berdischer, Opern erlebt man Mufit selber. Ste wohnt in feinem Schriftium, fie fächelt uns von ferne her zu, wenn, wie im Opernbuch, Welt auf Welt vor uns aufsteigt. Ein 3m preffionist von Bedeutung, von Reichtum des Wissens und Tiefe des Blids. Im Spiel unser aller Meister, dem wir nachstreben im literarischen und musikantischen Geschmad, ein Führer, deffen geschliffenes Wort in Zunft und Landen gilt. Wenn Aerzte irren... In neuester Zeit haben sich die Fälle In neuester Zeit haben sich die Fälle gemehrt, in denen Batienten Aerzte auf Schadenerfaz verklagten, weil diese sich geirrt hätten. Ein englischer Arzt zicht aus ben vers fchiedenen Gerichtsverhandlungen, die in England über diese Frage ftattgefunden haben, interessante allgemeine Schlüsse. Er glaubt, daß die viel schärfere Kritit, die heutzutage an die ärztliche Tätig felf gelegt wird und nicht selten zu Prozessen führt, hauptsächlich Don ben größeren medizinischen Renntnissen der Laienwelt herrührt. Während man früher bie Arzneikunst mehr oder weniger als eine Art Geheimwissenschaft betrachtete, schreibt er, während man früher dem Arzt vielfach eine große Berehrung und unbedingtes Bertrauen entgegenbrachte, hat sich in unferen aufgeklärten Zeiten immer mehr bie Anschauung verbreitet, daß auch der Arzt mit Waffer tocht". Man hält die Medizin für eine Wissenschaft, deren Gesetze auch von ben intelligenten Laien wohl erkannt und gewür digt werden können Die Kriegsjahre haben fehr viel dazu bei getragen, den Glauben an die linfehlbarkeit des Arztes zu er schüttern. Die Jünger des Aestulap die damals zu Hause blieben, waren nicht immer die besten und hatten außerdem sehr viel zu tun, so daß sie häufig nicht die notwendige Sorgfalt aufwenden fonnten. Andererseits wurden viele Aerzte durch langjährigen Dienst an der Front und in Kriegshofpitälern aus ihrer wiffen schaftlichen Arbeit herausgerissen, Bonnien nicht die Fortschritte ver folgen und waren, als sie zu ihrer Privatpraris zurüdtehrten, nicht imstande, den erhöhten Forderungen, die an die ärztliche Stunft gestellt wurden, zu genügen. Die Ausbildung des ärztlichen nach muchfes litt. Andererseits hatten die jungen Aerzte beim Militär große Machtvollkommenheiten und glaubten, daß fie schon alles verständen, während ihnen noch sehr viel fehlte. So find zweifellos in den letzten Jahren viele Irrtümer vorgekommen. die zu zahl. reichen Prozessen führten; aber mehr als diese Einzelfälle hat ihre Berallgemeinerung geschabet, die das früher so große Bertrauen zu den Aerzten in mandyen Kreisen untergraben hat." Zum Lo ofenvortrag des Renoffen Dr. Alfred Guttmann find Direits zum ba'ben Breife( 50 Bf.) nur noch beute in der Bu hand. Iung Borwärts zu baben. Petroleumfund in Palästina. Nach einer Times-- Meldung aus Serufalem ist die Standard- Dil- Company in Dft- Hebron auf Betroleum gestoßen. Der Kampf um das Steuerdiktat. Die ungeflärte Lage, die am Schlusse der Donnerstag folange biefer nicht feftfteht, vom Behrbeitragswerte er sigung des Ermächtigungsausschusses bestand, ist durch die hoben werden und fo bemeffen fein, daß der Gesamtbetrag der von Haltung der Regierung in der Freitagsigung nicht flarer Reich, Ländern und Gemeinden dem bebauten Grundbesize aufergeworden. Der Ausschuß hat sich gegen die Auswertung von legten Steuern nicht mehr als jährlich 1,5 Broz. des gemeinen Gold Schuldforderungen auf dem Berordnungswege ausgesprochen treten erst, wenn die Friedensmiete erreicht ist, in Kraft. Bis dahin wertes ober 3 Broz. des Wehrbeitragsmertes beträgt. Diese Säße - die Regierung scheint daran festhalten zu wollen. Der ist die Steuer im Berhältnis des Abstandes der gefeßlichen Miete Ausschuß hat sich gegen die mit der Auswertung in Busam- von der Friedensmiete zu ermäßigen. Die Steuerlaft ist bei der menhang gebrachte Mietsteuer ausgesprochen die Re- Berzinsung von dringlichen Lasten anteilig dem Hypothefengläubiger gierung scheint daran festhalten zu wollen Der Ausschuß bat zu belasten. fich für die Zuschläge zur Vermögenssteuer ausgesprochen, die die Vermögenssteuer folgendes aus: Es müsse, vor Ueber. Ein Bertreter der Reichsregierung führte zu dem Antrag über an die Stelle der Mietsteuer treten sollen die Regierung ipannungen der Tarife gewarnt werben, mit denen man scheint nicht auf diesen Boden treten zu wollen. Die Klufi in der Bergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht habe. Hinzu zwischen der Stellungnahme des Ausschusses und dem Stand- fomme, caß die gegenwärtig bevorstehende Bermögenssteuerveran punkt der Regierung, der von den hinter ihr stehenden Par- lagung unter besonders schwankenden Verhältnissen stehe. Da den teten nicht geteilt wird, ist also nicht flein, und man fann sich Ländern das Zuschlagsrecht zu den einzelnen Bermögensgattungen zunächst nicht vorstellen, daß die Kompromißverhandlungen, gegeben fei, fo werde bei der Bedeutungslosigkeit des Kapitalvervon denen der unten wiedergegebene offiziöse Bericht spricht mögens das Ganze im wesentlichen auf Zuschläge zu den Grundnoch zu einem Ergebnis führen fönnten. Von Kompromiß felbft nicht immer Buschläge bis zu 200 Broz. zulassen, sondern den und Gewerbesteuern hinauslaufen. Nun wolle der Antrag aber vorschlägen ist auch bis jeht nichts bekannt. Gegenbeweis für solche Fälle vorbehalten, in denen das gegenwärtige Bermögen fich gegenüber dem Wehrbeitragsvermögen erheblich ver mindert habe. Das würden die Regelfälle sein, und dadurch würde eine allgemeine Bermögenszuwachsfieuerveranlagung notwendig werden, die deshalb noch ganz besonders schwierig durchzuführen fei, häftniffe am Beginn und Ende völlig verschieden feien. Ein Un weil der Veranlagungszeitraum zehn Jahre umfasse und die Ver. fangsvermögen der Erwerbsgesellschaften tönne fogar generell erft hältniffe am Beginn und Ende völlig verschieden feien. Ein An et festgestellt werden, und die Grundlagen seien durchaus unzuverlässig. " Der erste Fehler liegt darin, daß die Regierung die Steuervorschläge, die fie zur Balancierung des Haushalts und zur Sicherung der Rentenmar? machen mußte, mit der Auf wertungsfrage perkuppelt und versucht hat, diese unendlich Schmierige Frage auf dem Berordnungswege zu lösen. Bei den in der Sache liegenden ungeheuren Schwierig feiten mußte dieser Versuch fehlschlagen. Sollte die Regierung dazu übergehen, trog des Widerspruches des Ausfchuffes ihre Berordnung zu erlassen und damit Treu und Glauben" zu 10 Broz. wiederherzustellen, so wird sie in allen Kreisen der Bevölkerung große Enttäuschung hervorrufen und in dem dem nächst zusammentretenden Reichstag eine ernste Situation schaffen. Außerdem würden die Mieter mit einer Steuer last bebürdet werden, die unerträglich wäre. Die Regierung und die bürgerlichen Parteien rechnen in absehbarer Zeit mit der Herstellung des freien Wohnungsmarttes. Die Nachfrage des großen Heeres der Wohnungslosen nach Wohnungen würde voraussichtlich die Miete über den Friedens stand hinauftreiben. Die Arbeiter und Beamten müßten sten Mißverhältnis zu ihrem weit hinter dem Friedensstand an Miete und Mietsteuern Beträge aufbringen, die im traffe ften Mißverhältnis zu ihrem weit hinter dem Friedensstand zurückbleibenden Einkommen stünden. Ein voller Ausgleich durch Lohn- und Gehaltserhöhungen würde schwer durchzu feßen sein, auch wenn er gelänge, die private und die Staatswirtschaft in hohem Grade belasten. Für den Wohnungs. Bang gebracht werden könnte, würde aber aus dem Ergebnis bau, durch den die daniederliegende Wirtschaft wieder in der Mietsteuer höchstens ein bescheidener Bruchteil ( nach der Borlage 10 Broz.) Verwendung finden, da die Mietsteuer zur Deckung des allgemeinen Bedarfs der Länder und Gemeinden, besonders des Besoldungsbedarfs dienen soll. Weder die große Wohnungsnot, noch die allgemeine wirtschaftsnot würde somit durch den Blan der Reichs regierung eingedämmt werden. Von diesem Gesichtspunkt aus Mietsteuer Zuschläge zur Vermögenssteuer setzen will, zu be gesehen ist der Beschluß des Ausschusses, der an die Stelle der grüßen. Daneben müßte allerdings mit Hilfe einer befonderen Abgabe, die nur dem Wohnungsbau zu dienen hätte, die Wohnungsnot bekämpft und das Wirtschaftsleben von der Seite eines regeren Wohnungsbaues aus belebt werden. Uebriggeblieben ist von den Steuervorschlägen der Regie rung nur die Abgabe von Gewinnen aus entwerteten Obli. gationen privater Unternehmungen. Der Ausschuß hat sie nicht beanstandet, obgleich fie auf der von ihm abgelehnten zehnprozentigen Auswertung beruht. Er hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß es sich hier um ein abgegrenztes übersehbares Gebiet handelt, auf dem unbedenklich mit einer mäßigen Steuer zugegriffen werden fann. Der Reichsminister der Finanzen vertrat die Auffaffung, daß die im Entwurf vorgefdylagene Geldentwertungsaus. gleichssteuer unvermeibliche Folge der pofitiven Entschei bung über die Aufwertung fet. Man fönne dabei auch nicht an dem Problem des Ausgleichs bei Inanspruchnahme von Strebiten vorbei. Rlärung dieser Frage unbedingt nötig. Die vorge gehen. Schon aus politischen Gründen sei eine verantwortliche schlagene Borschrift laffe dabei dahingestellt, ob tatsächlich eine Steuer erhoben werden soll. fie ftrebe nur die genaue Untersuchung der Möglichkeiten an. Die zum Erfah vorgeschlagene Steuer halte er nicht für vollwertig. Bei dem Vorschlag einer Reichs gebäudeftener tame man in Schwierigkeiten mit den im Reichsrat vertretenen dringenden Wünschen der Länder und Gemeinden nach der Möglichkeit der selbständigen Ausgestaltung der Realsteuern. Troßdem entschied sich der Ausschuß in seiner Mehrheit zugunsten der beiden eingebrachten Borschläge. Nach Erledigung der Spezial. beratung der Artikel III und IV vertagte sich der Ausschuß auf Sonnabend. Berlauf der Berhandlungen des Fünfzehnerausschusses zunächst das Rabinett fich mit den Ausschußbefchlüffen beschäftigen, und danach ist zu erwarten, daß man Rompromißverhandlungen einleiten wird, die voraussichtlich erst am Sonnabend stattfinden tönnen. Bie wir aus parlamentarischen Kreifen hören, wird nach dem rates nahm am Freitag bei der Beratung der britten Steuernot Der Finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschafts. rates nahm am Freitag bei der Beratung der britten Steuernot politische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates hält es für unmöglich, verordnung eine Entschließung Hilferding an:" Der Finanz die Frage der Aufwertung auf dem Wege der Notverordnung zu regeln und empfiehlt der Regierung den Weg der ordentlichen Gefeßgebung." Außerdem fand folgender Zufazantrag Annahme:„ Der Finanzpolitische Ausschuß erwartet aber unter allen Umständen, daß dadurch die Lösung der Frage der Gold bilanzierung und bis Borbereitung der Bermögens- und Einkommensteuer nicht ver.. fchleppt wirb." Zur Frage der Mietzinsftener murbe mit großer Mehr heit folgender Antrag Hilferding. Bernhard angenommen: „ Der Finanspolitische Ausschuß empfiehlt der Regierung, im Inter effe der Gleichmäßigkeit der Regelung und damit der Einheitlichkeit des Wirtschaftsgebietes bie Regelung des Wohnungswesens dem weisen. Besondere Rücksicht ist dabei auf die Förderung des Neuordentliche Wege der Reichsgefeßgebung zu über. Hauptfache den Gemeinden zu überlassen. Zur Dedung des Be barfs der Länder und Gemeinden ist diefen für die nächsten zwei Jahre ein Zuschlagsrecht zur Bermögenssteuer in ausreichender Höhe einzuräumen. Dabei ist auf die feit 1913 eingetretene Verminderung Unerledigt ist noch der wichtige Abschnitt des Entwurfs, der vom Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gebaues von Wohnungen zu nehmen. Diese Förderung ist in ber meinden handelt, und die Abschnitte, die eine Mitwirkung der Gemeindebehörden im Besteuerungsverfahren und die Vereinfachung der Steuerrechtsfragen und des Steuerftrafrechts be zwecken. Mit diesem Teil des Entwurfs wird sich der Aus fchuß in feiner Sonnabendsigung beschäftigen. des Bermögens durch die Staffelung der Zuschläge gebührende Rüd. ficht zu nehmen." Der Fünfzehnerausschuß des Reichstages befchäftigte Die verlegte Jmmunität. fich mit Artikel III und IV der dritten Steuernotverordnung. Arifel III behandelt den Geldentwertungsausgleid. Die Der Reichstag gegen die Verhaftung des Abg. Bark. Regelung der Regierungsvorlage erstrebt grundsätzlich die Begnahme Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags lehnte am Frei eines Teils des Nuzens, welcher der Einzelwirtschaft aus der Geld. entwertung zugeflossen ist, soweit diese Wagnahme steuertechnisch ab, die darüber Klage führte, daß bein Kommunist zum Uebertag eine Beschwerde ber tommunistischen Frattion möglich und wirtschaftlich erträglich erscheint. Bugunsten des Reiches gen, bei Inanspruchnahme von Krediten( Wechsel-, Darlehens- lich ein Unterausschuß des Fünfzehnerausschusses, in dem die Komloll ein Geldentwertungsausgleich bei Schuldverschreibunwachungsausschuß zugelassen werde. Dieser Ausschuß ist aber lebigfrebiten, Beitreschäfte), bei Ausgabe von Notgelb und bei den munisten nicht vertreten find. Tagegen ertannte der Geschäfts mit öffentlichen 3uschüssen errichteten Gebäuden in Be ordnungsausschuß eine Beschwerde des tommunistischen Abg. Bark tracht kommen. Bugunsten der Länder soll ein Gelden'wertungs- über Berlegung seiner Immunität durch Verhaftung in ausgleich bei bebauten und unbebauten Grundstü den Stuttgart an und richtete an den Reichsinnenminister und den fowie bei Holzverkäufen aus Forsten öffentlicher Körper- württembergischen Justizminister das Ersuchen, bie strafrecht. fchaften vorgenommen werden. Bei bebauten Grundstüden soll die liche und bisziplinarische Berfolgung der schuldigen Erfaffung des Geldwertunterschieds im Zusammenhang mit der fchrittmeifen Anpassung der Mieten an die Friedens. Beamten zu veranlaffen. mieten erfolgen. Artifel IV behandelt die Bewertung von Reichsmarkforderungen und schulden für Steuern. Die Slaagenaffäre in Washington. Ein Rechtfertigungsversuch Wiedtfeldts. BIB. meldet aus Köln: enthaltenen Grundgebanten der Revierungsvorlage die Mitglieder Die eingehende Aussprache zeigte, daß die in Artifel III und IV des Ausschusses nicht befriedigten. Vielmehr wurden aus der Mitte des Ausschusses verschiedene Anträge gestellt, die das Problem auf eine ganz neue Grundlage zu stellen fuchen So wurde beantragt, an Stelle des Art. III folgende Bestimmung aufzu- ifon zuverlässig folgendes ergeben: 1. eine amtliche Mit nehmen: Die Länder haben auf die Dauer von zwei Jahren das Recht, durch Gesch einen Zuschlag bis au 200 Broz. zur Ver und mobilem Vermögen, zwischen landwirtschaftlichen und anderen mögensteuer einzuführen. Dabei fann zwischen immobilem Grundstüden, zwifchen Effettenbesig und anderen Bermögenswerten unterschieden werden. Bersonen, die den Nachweis führen, daß sich ihr Vermögen seit 1913 um 80 Broz. veringert hat, dürfen zu feinem höheren Zuschlag als 50 Broz., Berfonen, die den Nachweis führen, taß sich ihr Ber mögen um 60 Proz. verringert hat, zu nicht mehr als 100 Broz., und die den Nachweis führen. daß sich ihr Vermögen um 40 Broz. verringert hat, zu nicht mehr als 150 Broz. Sufchlag herangezogen werden. In einem weiteren Antrag wurde empfohlen, die§§ 22 bis 26 mit Ausnahme der Bestimmung für die erst nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig gewortenen Neubauten(§ 24 4) zu fireichen. Statt dessen soll für die Besteuerung des bebauten Grundbefizes der Grundsatz aufgestellt werden, daß das Reich die steuerlichen Vorfchriften erläßt und die Berteilung regelt. Beranlagung und Erhebung sollen Sache der Länder und Gemein den sein. Die Steuer foll vom gemeinen Goldmerte und, Beitung" aus Washington haben Umfragen über die Beteiligung der Rach einem Telegramm des Berichterstatters der Kölnischen deutschen Botschaft an den Trauerfeierlichkeiten für teilung vom Tode Wilsons ist der deutschen Botschaft weder) vom Staatsdepartement noch vom Doyen des diplomatischen Korps zuschreiben des Doyens mit der Anfrage, ob er bereit sei, einen An. gegangen; 2. der Botschafter erhielt am 4. d. M. nur ein Rundteil an den Kranztosten zu übernehmen, was von dem Botschafter fofort schrift'ich bejaht wurde; 3. als die Botschaft am 5. Februar erfuhr, daß das Kabinett für den 6. b. M. bie Matto. naltrauer beschloffen habe, hat sie sofort ihre Teilnahme erflärt und dies auch nachmittags der Bresse mitgeteilt; 4. am Trauer. tage hat die Botschaft die Flagge auf halbmast gefeßt. Die Flagge ift niemals auf Bollmaft gefeßt gewesen, wie fälschlich behauptet worden ist. Die'e Erflärung erweckt den Anschein, als ob alles in bester Ordnung gewesen sei. Sie widerlegt aber nicht die Behauptung, daß sich die deutsche Botschaft zunächst me igerte, halbmaft zu flaggen, als die öffentlichen Gebäude und die anderen Missionen dies schon getan hatten, daß diese Weigerung als eine Taftlosigkeit empfunden und erst nachträglich gutgemacht wurde. ber RD., en bie Maffen heranzutommen, unter Musnügung ber Gewerkschaftsbewegung allgemeinen Notlage und insbesondere der Arbeitslosigkeit. Wohl Ein unmögliches Urteil. Wir berichteten seinerzeit über die Klage eines holländischen Raufmanns auf Schadenersag gegen die Reichsgewerkschaft der deutschen Eisenbahner wegen des Schadens, der ihm durch den Eisenbahnerstreit erwachsen ist. Das Urteil der 25. Zivilfammer des Landgerichts II in Berlin liegt nunmehr in seiner Begründung vor. Es heißt darin: Die Beklagten wollen ein Recht zum Streifen für sich in Anspruch nehmen. Diese Auffassung ist irrig. Schon ein gemerb. licher Angestellter hat die zivilrechtlichen Folgen zu tragen, wenn er vertragswidrig die Arbeit niederlegt und damit gegen seine Vertragsverpflichtungen verstößt. Ein Reichsbeamter, der die Arbeit niederlegt, verlegt aber darüber hinaus noch seinen Be amteneid. Ebenso wie er gegen willkürliche Entlassungen geschüßt ist( siehe Beamtenabbau), so hat er auf der anderen Seite auch eine besondere Pflicht gegenüber feinem Arbeitgeber, dem Reiche, und der in der Reichsregierung verförperten Gesamtheit der Staatsbürger. Nur die Bereinsfreiheit ist dem Beamten durch die Reichsverfassung garantiert, nicht aber das Streifrecht. Dieses Recht würde nach dem wahren Sinne gerade einem demo. fratischen Staatswesen widersprechen, bei welchem nicht eine Person, sondern die Gesamtheit des Boltes die Staatsgewalt ausübt und den Beamten als Organ des Volkes erscheinen läßt. Es ist zwar richtig, daß die Frage des Beamtenstreifrechts zurzeit des Ausbruches des Eisenbahnerstreits zum Teil in Verkennung des Wesens der demokratischen Staatsform sehr bestritten war. Aber die Beklagten fönnen sich trotzdem nicht darauf berufen, daß ste den Streit für erlaubt gehalten haben. Denn der Reichsverkehrsminister hat die Eisenbahnbeamten noch vor dem Streit auf die Ungefeßlichfeit eines folchen Unternehmens hingewiesen. Die Be flagten sind also bewußt rechtswidrig für den Streit eingetreten. Der Streif erscheint demnach in hohem Maße verwerflich, denn der regelmäßige Betrieb der Eisenbahn ist für die Bolksgesundheit, zur Ernährung, zum Handel und Berkehr von derart einschneiden der Bedeutung, daß in einem längeren Ruhen des Eisenbahnnerfehrs eine Gefährdung der Ordnung und Sicherheit des Staates liegt. Ein so rüdsichtsloses Vorgehen gegen die Volksgesundheit zur Interessenvertretung einer Beamtengruppe ist als unfittlich zu bezeichnen." Das Urteil wimmelt nur so von juristischen Fehlsprüchen. Artitel 130 der Verfaffung handelt ausschließlich von den politi. fchen Rechten der Beamten. Das Koalitionsrecht wird im Ar. tifel 159 behandelt. Dort heißt es aber ausdrücklich, daß dieses Recht für jedermann und für alle Berufe gewähr. leistet ist. Weder dort noch anderwärts wird eine Einschrän fung gemacht. Eine Warnung des Miniſters ist tein Gefeß. Daß die Eisenbahn für die Bolksgesundheit notwendig ist, stimmt. Aber noch andere Dinge sind dazu notwendig, ohne daß man gegen die Urheber volksfeindlicher Treibereien deshalb vorging. Aus diefer gewaltfamen Auslegung der Verfassung eine zivilrechtliche 5 aft. pflicht der Gewerkschaft herzuleiten, erscheint uns denn doch eine Bergewaltigung des Rechts. Die VSPD.- Arbeiter im graphischen Gewerbe. oder übel müssen die Gewerkschaften im Interesse ihrer Selbsterhal tung reinen Tisch machen. In der Diskussion sprachen fämtliche Redner im Sinne der Ausführung des Referenten. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „ Die am 6. Februar im Dresdener Kafino stattfindende Berfammlung der BSPD.- Fraktionen des graphischen Gewerbes erhebt schärfsten Protest gegen die unverantwortliche Zerstörungsarbeit der fogenannten gewertschaftlichen Opposition", deren Aktionen ledig fich die Offensive des Unternehmertums gegen die Rechte der Arbeiterschaft unterstützen. Die Versammelten richten an alle flaffen bewußten freigemertschaftlich organisierten Arbeiter den Appell, fich gefchloffen gegen die fommunistische Spaltungstaftit mit aller Krafi zu wenden und sich der Erhaltung der gewertschaftlichen Einheit zu widmen, damit die kommenden Auseinanderlegungen im wirtschaftlichen Leben eine lampffähige und lampfbereite Arbeiterschaft vorfinden." Moskau will keine Einheitsfront. Am 11. Dezember hat das Sekretariat des Internationalen Gewertschaftsbundes an die Zentrale derrussischen Gemertfaften einen eingeschriebenen Brief abgefandi, in dem folgende Entschließung des Bureaus des JGB. mitgeteilt wird: Der am 8. November 1923 in Amsterdam tagende Borstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes bestätigt die Refolutionen bes Internationalen Bewertschaftstongresses in London vom November 1920, des Vorstandes des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Amsterdam vom 18. Mai 1921, des Internationalen Gewerkschaftstongresses von Rom, April 1922 und des Vorstandes des JGB. vom 3. und 4. August 1923 in Amsterdam betr. die Frage der Haltung des JGB. und der Internationalen Berufsfetretariate gegenüber der Roten Gewerkschaftsinternationale und den ihr angeschlossenen Organisationen. Der Borstand ermächtigt das Bureau des JGB., an Be sprechungen mit der Erefutive der Russischen Gewerkschaftszentrale unter Ausschluß der Roten Gewerkschaftsinternationale teilzunehmen, um auf der Basis der Statuten und des Pro. gramms des JGB. den Verfuch zu machen, die internationale Einheit der Arbeiterbewegung herbeizuführen." Auf dieses Schreiben ist bisher noch teine Antwort ein. gelaufen. Eine wirkliche Einheit der Arbeiterbewegung intereffiert die Diftatoren von Mostau nicht. Internationale Solidarität. Die vom IGB. für die deutsche Gewerkschaftsbewegung eingebeitete Hilfsation zeitigte bis zum 18. Januar 1924 folgende Reful tate, in holländischen Gulden umgerechnet: Dänemart 77 875, England 27 438, Finnland 1262, Frankreich 3208, Amerifa 3180, Argentinien 822, Belgien 17 340, Bulgarien 95, Holland 46 660, Irland 968, Italien 2762, Jugoslawien 42, Lettland 195, Luxemburg 318, Norwegen 9106, Defterreich 51 698, Ruma nien 20, Rußland 1840, Schweden 99 999, Schweiz 22 353, Schott land 1708, Spanien 1581, Tichechoslowakei 26 797, Ungarn 2101. Außerdem vom JGB. 10 000, vom internationalen Fonds der Lithographen 220, verschiedene Gaben der Lithographen- Internationale 2278, vom internationalen Fonds der Textilarbeiter 4556. Das macht in amerikanischer Valuta 130 000 Dollar. Am Mittwoch nahm eine zahlreich besuchte Versammlung aller im graphischen Gewerbe beschäftigten Anhänger der BSPD. im Dresdener Kafino zu der Mühlarbeit der Kommunisten in den Gee werkschaften Stellung. Genoffe Ernst Schulze vom ADGB. referierte. Der Rebner zeigte, weshalb die KPD., um mit ihrer Partei. agitation an die Massen heranzutommen, insbesondere den Weg Der Streit in der Berliner Damenhutindustrie. über die Gemertschaften zu nußen fucht. Die Kommunisten haben Aus dem Situationsbericht, den die Streilleitung am Freitag feineswegs die Absicht, die Lage der Arbeiter zu verbessern. Im in der Versammlung der Streifenden erstattete, geht hervor, daß Gegenteil, fie faffen alle die geringen Berbefferungen als Hemmun- die Lage des Kampfes im allgemeinen unverändert ift. Den Unter gen, als reformistische Verräterei auf. Von der Vertröftung aufnehmern ist es nicht möglib, mit den wenigen Arbeitswilligen, die die große Weltrevolution aber wird fein einziger Arbeiter fatt. Die ibnen zur Verfügung stehen, die Betriebe auch nur notdürftig in unsinnigen Putsche, die als Vorgefechte dazu dienen sollen, bringen Gang zu bringen. Vereinzelt find arbeiten auswärts angefertigt die Arbeiterschaft nur noch tiefer ins Glend. Anstatt den Arbeitern worten, haben aber doppelt foviel gefoftet, als die Streifenben die wirtschaftliche Kräfteverteilung klarzumachen, um sie vor Illufio fordern. Da die Fabrikanten noch fein Entgegenkommen zeigen, ren zu schüßen, fuchen die Rommunisten foldye Illusionen find die Streifenden, wie eine einstimmig angenommene zu nähren, um drauf los zu revolutionieren. Beil die Gewerkschaf- Resolution fagt, entschloffen, im Stampfe auszuhalten und die ten ihren Mitgliedern immer wieder flarmaden müssen, daß mit Arbeit nicht eher aufzunehmen, als bis durch Verhandlungen mit Wasser gefocht werden muß, deshalb der Haß gegen sie, deshalb den Fabrikanten eine Verständigung erzielt ist". die unabläffige rücksichtslose herabsehung und Berdächtigung der Gewerkschaftsleitungen. Die Gewerkschaften haben feit ihrer Eristenz fiets mit Richtungen zu kämpfen gehabt, aber nie vordem mit einer Richtung, die zu solchen Mitteln greift, wie die Kommunisten. Ueberall, wo die Gewerkschaften an die Oeffentlichkeit treten, fei es zu Protestfundgebungen, zu Werbe- oder Aufklärungszweden, müffen fie gewärtig sein, daß ihnen die Kommunisten aus den eige nen Mitgliederkreisen in den Rücken fallen. Genosse Schulze ver mies insbesondere auf die kommunistische Konferenz von Ortsaus schüssen des ADGB. in Weimar, die auch den großen Apparat zur " Rettung der Gewerkschaften" erkennen ließ, der mit russischen GelDern finanziert wird. Was sich bisher abspielte, war in der Hauptsache der Versuch Nährflocks REZEPT Nährflocks mit Kakao, NR. 18 Schokolade, Kaffee oder Milch Man schüttet die goldbraunen appe: itlichen Nährflocks eßfertig geröstet, wie sie aus der Packung kommen, in eine Schüssel oder einen tiefen Teller möglichst gleichmäßig aus. Dann gibt man am Rande vorsichtig die Flüssigkeit nach Belieben zu, und zwar so, daß die knusperige Nährflockenschicht unaufgeweicht auf der Flüssigkeit schwimmt. Je nach Geschmack streue man mehr oder weniger Zucker evtl. auch noch Zimt darauf. Dies erfrischende, leicht verdauliche Gericht von mildem vollmun digem Wohlgeschmack ist ein Abendbrot oder eine andere Hauptmahlzeit, wie man sie sich besser und billiger nicht wünschen kann. Nährflocks stehen infolge beispielloser Ausgiebigkeit und Leicht.. verdaulichkeit und durch die volle Ausnutzung ihrer sämtlichen hochwertigen Nährstoffe, die beinahe restlos vom Körper aufgenommen werden und dem Organismus zugute kommen, fast an der Spitze aller Nahrungsmi tel. Nährflocks sind die dankbarste und zeitgemäßeste Kost, für Erwachsene und Kinder, für Gesunde und Kranke. Zu baben in allen einschlägigen Geschäften. Jamaika- Rum feinster Verschnitt Fl. 2.95 Weinbrand- Verschnitt FI. 2.55 Montireaux( französischer 1.65 Rotwein Fl. Sämtliche Preise mit Flasche und Steuer Wiederverkäufern billigste Engros- Preise J. F. RAUCH A.-G. Zentrale: Bergstraße 34 Norden 8214, 4938 Niederlagen: Invalidenstraße 164, Gontardstraße 4, Dorotheenstraße 69, Schönhauser Allee 178, Friedrichstraße 11 Potsdamer Straße 54. Hof. .Brunnensti aße 174, Große Frankfurter Straße 112 Angestelltentarif der Berliner Metallindustrie. Um Mittwoch haben gemäß unserem Antrage auf Verbindlichkeitserklärung des am 26. Januar 1924 vom Schlichter für GroßBerlin gefällten Schiedsspruches beim Reichsarbeitsministerium die üblichen Einigungsverhandlungen, allerdings völlig ergebnislos, stattgefunden. Die Entscheidung des RAM. muß danach nunmehr abgewartet werden. Inzwischen hat der BBMI. der Entscheidung vorzugreifen ver sucht, indem er in einem Rundschreiben an seine Mitglieder darauf Angestellten die Bestimmungen der mit dem Gebag getroffenen SORTE -R 6Bereinbarung Geltung haben und daß alle Angestellten, die fich weigern würden, diese Bestimmungen anzuerfennen, fristlos entlassen werden können. Diese Darstellung ist irre. führend und lediglich dazu angetan, dem BBMI. die allge. meine Durchführung des Gedag- Abtommens zu erleichtern. Wir haben für den Fall der Ablehnung der Berbindlichkeits erflärung alle Borbereitungen so getroffen, daß wir sofort nach der Entscheidung unseren Kollegen genaueste Verhaltungsmaßregeln und Anweisungen für die weiteren Maßnahmen geben fönnen. Irgendwelche Betriebsvereinbarungen, oder die Ab. leistung von Ueberstunden zu den Bereinbarungen des Gedag Abkommens find bis zur Entscheidung über den Schiedsspruch a b. zulehnen. Nur von den Mitgliedern des Gebag fann Ueber. arbeit zu den Bedingungen der Vereinbarung gefordert werden. Afa- Metall- Kartell. Günther. Rajper. Rothe. Neuer Tarif für die Gas- und Wasserarbeiter. Die im Gemeinde- und Staatsarbeiterverband organisierten Arbeiter der Gas- und Wasserwerte nahmen am Donnerstag in einer sehr gut besuchten Versammlung Stellung zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen. Lagodschinsky berichtete, daß die legten Verhandlungen, die am Sonnabend, den 2. Februar, von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr andauerten, äußerst schwierige und anstrengende waren. Die Betriebsgesellschaft wollte diesmal ihre bekannten Forderungen unbedingt durchdrücken. Bähen und schwie. rigen Kampf hat es den Arbeitnehmervertretern gekostet, um die Angriffe abzuwehren Wohl ist der Achtstundentag unter dem Drud der Berhältnisse verlorengegangen, weil jetzt 51 Stunden Arbeitszeit zu verzeichnen ist, aber die Organisationsvertreter haben mit all ihrer Kraft getan, was ihnen nur möglich war. Gegenüber dem Reichsmanteltarif sind in der Ferienfrage doch noch gute Resultate zu verzeichnen. Bei einem Dienstjahr gibt es 6 Werktage Ferien, bei 3 Dienstjahren 9, bei 5 Dienstjahren 12, bei 7 Dienst jahren 14, bei 9 Dienstjahren 15, bei 12 Dienstjahren 17. bei 14 Dienstjahren 18, über 16 Dienstjahren 20. Hier ist also noch sehr gut abgeschnitten worden. Leider sind die Mitbestimmungs. rechte der Arbeiter beschnitten worden, und die einzelnen Betriebsräte müssen nun sehr auf der Hut sein. Zum Schluß betonte Genosse Lagodsdyinsky, daß man sich mit einem folden Vertrag gewiß nicht zufrieden geben kann. Die Verhandlungen konnten selbst bei eifernster Anstrengung der Arbeitnehmervertreter feine günstigeren Resultate zeitigen. Andere Wege waren aber nicht gangbar oder das Ergebnis wäre gewiß noch betrübender ausgefallen. Er empfahl daher Annahme, also den selben Schritt, den die Obleute auf ihrer letzten Sizung getan haben. Die Diskussion war ein Spiegelbild für die berechtigte Empörs rung der Staats- und Gemeindearbeiter. Man hatte einmütig die Zuversicht, daß auch wieder die Zeit kommt, wo wir alles Berlorene wiederholen können und müffen. Der Vorschlag der Tariffommiffion für Vnnahme des Ergebnisses wurde gegen cine starte Minderheit afzeptiert. Der Kampf in Rheinland- Westfalen. Bochum, 8. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Zechen verbard hat den Tarifvertrag im Bergbau zum 1. April gefündigt. Der Ründigung gingen ergebnislofe Berhandlungen zwischen Bertretern der Bergarbeiterverbände und dem Zechenver band voraus. Von den Unternehmern wurde Abschaffurg des Grundlohnes, Abbau der Mindestlöhne. Aufwertung und Bezahlung von Deputattohle pro 3entner 8,50 Goldmark und Beseitigung der möchentlichen Lohnzahlung gefordert. Die Vertreter der Bergarbeiter lehnten diese Forderungen ab, die Unternehmer erflärten sich schließlich zur möchentlichen Lohnzahlung auf den Ruhrzechen bereit, an allen anderen Forderungen hielten sie jedoch fest. auf Niederlage der Moskauer. Bei der Generalversammlung der Verwaltungsstelle Hamburg des Holzarbeiterverbandes haben die Rommuristen eine empfindliche Schlappe erlitten. Nach ihren groß sprecherischen Reden zu schließen, hatten sie sich bestimmt der Hoffnung hingegeben, die Verwaltungsstelle in ihre Hand zu bekommen. Die Liste der Moskauer erhielt jedoch nur 362 Stimmen, während die List der Amsterdamer Richtung mit 758 Stimmen siegte. Der Streif der deutschen Seeleute in London ist beendet und ein Abkommer getroffen worden. Deutscher Metallarbeiterverband. Heute abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Saal 8, außerordentliche Branchenversammlung aller Metalldrüder und Bolierer Groß- Berlins. Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen mit dem BBMJ. Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt Pflicht. Die Branchentommiffion. Jugendabteilung bis Zentralverbandes der Angestellten, Ortsgruppe Große Berlin. Sonntag Buntt& Uhr vormittags Führung durch das Kronprinzen. Balais( Abt. Der Nationalgalerie). Führer Dr. Abolf Behne. Teilnehmer sebühr 20 Bf. Treffpunkt 9 Uhr vor dem Eingang zum Kronprinzen- Palais, Unter den Linden. Um rege Beteiligung wird gebeten. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: 3. B.: Ernst Reuter; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucere? und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. REEMTSMA AG CIGARETTENFABRIK ALTONA- BAHRENFELD C soll dem Bedürfnis eines starken Cigaretten- Verbrauchers entsprechen. Sie wurde aus vorwiegend milden macedonischen und türkischen Tabaken hergestellt und mit Samsountabaken leicht gewürzt, so daß selbst bei starkem Verbrauch der Cigarette keine Geschmacksermüdung eintritt. Wir tellen den Freunden dieser Sorte mit, daß wir auf Grund unseres direkten Einkaufs im Orient und erhöhter Wirtschaftlichkeit der Betriebe den Preis sehr niedrig festiegen konnten und zwar auf 4 Ein doppelter Genuss dem rinkt Der nach dem Lauf.Quieta trinkt! 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Er hat auch wohl schon mal den Spaten mit hinausgenommen, in der Hoffnung, daß die Erde unter dem Schnee sich grabbar" erhalten hätte, aber der Schnee ist beinahe restlos fort und des Nachts ist das Quecksilber immer noch auf einige Grad unter Null gesunken, also vorläufig nichts zu machen. Dabei werden die Tage merklich länger, und ganz fehlt die Sonne ja auch nicht, aber solange die falten Nord- und Oftwinde wehen, ist der Winter Trumpf. Die erfahrenen Kolonisten sehen die Sady fage mit größerem Gleichmut an; solche längeren Frostperioden find auch in früheren Jahren schon dagewesen natürlich heißt es nach her sich noch rascher als gewöhnlich tummeln, um mit der Frühjahrsbestellung nicht ins Hintertreffer zu tommen. Der Bewirtschaftungsplan. Die stille Zeit, die feine Bragis gestattet, sollte vor allem der Theorie zugute kommen Daß man sich das Saatgut recht. zeitig beschafft, ist selbstverständlich, aber weniger allgemein ift ein durchdachter Bebauungsplan für den Gemüsegarten. Es muß Grundfaß sein, daß jedes Fledchen möglichst zweimal ausgenuht wird. Gerade in wirtschaftlich so schweren Zeiten, wie wir fie jeẞt durchleben, ist der Gewinn aus dem Gemüsebau hoch anzufchlagen. Der einzelne erfpart Ausgaben am Haushaltungsbudget und hebt dadurch seine wirtschaftliche Kraft, was wiederum dem ganzen Bolle zugute fommt. Man sage nun nicht geringschäßig: na, der Rohlkopf, den du bauft, fommt dir teurer zu stehen, als wenn du ihn faufft. Gewiß. wenn man die Arbeitszeit aller Familienmitglieder in Anjazz bringen und in Geld ausdrüden wollte, so mag der Spötter recht haben. Aber dies ist schon deswegen nicht angängig, weil diese Arbeitszeit eigentlich eine Erholungszeit ist, und zwar eine folche, die etwas einbringt und nich's toftet, selbst dann nicht, wenn Baber und Mutter je eine fleine fleine Weiße genehmigen. Zweimal ernten. " Aber fehren wir nun zum Betriebsplan" zurüd. Wir wissen, Daß Salat, Erbsen, Stedzwiebeln, Spinat, früher Kohlrabi, Früh tartoffeln, felbft früher Wirsing- und Weißkohl, um nur die alltäg lichsten Gemüse zu nennen, so zeitig abgeerntet werden können, daß hinterher nochmals Salat, Spinat, vor allem Grünkohl und Rofentohl, dann aber auch Runfelrüben( die nicht nur die Kaninchen, fondern auch die Hühner gern verfpeisen) gepflanzt werden können. Selbst die früh gelegten Bohnen sofern sie nicht abfrieren gestatten oft noch einen zweiten Anbau. Nur die Winter mohrrüben behaupten allein ihr Feld und für die verhältnismäßin spät, aber doch früher als Grün- und Rosenfchl, zu pflanzenden späten Wirsing, Weiß- und Rotkohle ist es nicht immer leicht, eine Borfrucht zu finden es sei denn das Radies. Dafür fann man aber zwischen den mindestens einen Fuß von einander entfernten Kohlpflanzen eine 3 wischenpflanzung machen, wozu Salat fich vortrefflich eignet. Für Gurken und Tomaten müssen natürlich sonnige Plätze ausgesucht werden, da sie aber auch recht spät in die Erde fommen, so fann der Plak vorher noch mit niedrig bleibendem Gemüse ausgenug werden, schlimmitenfalls entfernt man in der nötigen Distanz einige der Vorfruchtpflanzen. All diese Erwägungen follte man also in der talten Zeit anstellen. einen Cageplan von feinem Terrain aufzeichnen mit genauen Maßen und nun auf dem Plan die Berteilung vornehmen, natürlich nach Maßgabe des Bodencharakters, der Düngung, Sonnenlage usw. Dann weiß man erftens, wieviel Samen gebraucht wird resp. wieviele Pflanzen notwendig find, und kommt dadurch ameitens in die Lage, fich rechtzeitig um das Pflanzenmaterial zu fümmern. Wettrennen um die Sämlinge. alles ausOft genug rennen die Frauen nachher im späten Frühling um her, um Pflanzen zu kaufen. Sehr oft resultatløs; auf den Märkten und in den Gärtnereien find feine mehr zu erhalten verkauft. Oder falls noch einige Bflänzchen vorhanden sind, sind es Rümmerlinge, die weder der Besitzer noch der erfahrene Garten21] ( Nadbrud durch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. " Das passiert meinem alten Herrn öfter. Es geht ihm schon wieder besser. Er hat schon etwas Gulasch gegessen. Jetzt schläft er." Nachdem die beiden weggegangen waren, schritt das Mädchen von Schalter zu Schalter und stürzte den Salon wieder in das schwarze Nichts. Auf der Straße zog Adolf mit weißen Lizen besetzte Glacéhandschuhe an und machte beim Sprechen abgehackte Biertelsdrehungen auf Jürgen zu, wie ein Leutnant, der mit einer Dame spazierengeht. Sein Bater habe diesen Morgen Aerger gehabt, wegen einer Zahlung an eine Londoner Bant. Es habe sich zwar nur um einige zehntausend Pfund gehandelt. Eine Bagatelle, gemiß! Aber wenn sie momentan nicht flüssig zu machen sind?... Geht er heute früh diefer Sache halber fort, fommt schon aufgeregt nach Hause, da findet er ein Schreiben aus dem Kriegsministerium, des Inhalts, daß mir..." Er blieb stehen, hob den Spazierftod wie eine Kerze:„ Distretion?" Vielleicht sagst du mir lieber nichts." „ Aber bitte, dein Wort genügt mir... daß wir den Auftrag erhalten haben, den neuen Armeetnopf zu liefern. Begreifft du, was das bedeutet? mein Alter das zweite amtliche Schreiben, liest, daß er zum Ahnungslos öffnet Kommerzienrat ernannt worden ist: schwuppdich Schlaganfall... Bitte nach dir." Zu wenig Sämlinge. freund fauft. Man tann es dem Erwerbsgärtner auch nicht ver. übeln, daß er nicht ungeheure Mengen von Sämlingen heranzieht der Samen ist teuer und die Arbeit mit den Saatfästen auch nicht gering. Wenn er aber rechtzeitig Bestellungen auf Bflänzchen erhält, wobei eine von ihm geforderte Anzahlung auch nicht mit schelen Blicken betrachtet werden sollte, so wird er, falls er sich überhaupt mit Gemüsezucht befaßt, gern das Seinige tun, um die Beftellungen gut auszuführen. Das planlose Besorgen von all den Tingen, die der Kleinagrarier entweder gar nicht oder nicht so rechtzeitig wie der Erwerbsgärtner hervorzaubern tann, sollte wirklich aufhören. Der Gemüseban erfordert eben auch Nachdenken, Borforge und Umsicht- genau so wie etwa das Kriegführen, wo tapfere Soldaten ohne geniale Leituna teinen Erfolg haben. Die Sämlinge find die Truppen des Gemüsebauenden; er foll fich teine schlechte Ware in die Hand drücken laffen erreicht die gute Belieferung aber am einfachsten durch rechtzeitige Bestellung. Gewiß fehlt es während der Pflanzzeit in den Blättern nicht an Offerten von Millionen von Sämlingen", aber die find meist an Or'en, wo eine Besichtigung nicht mölich ist und dann will es immer die bekannte„ Tüde des Objekts", daß an den Tagen des Transports gerade ein gewaltiger Sonnenbrand herrscht. Als Halbinvaliden fommen die Heerscharen an, mit der die Gartenschlacht geschlagen und gewonnen werden soll. Daß die stille Zeit auch dazu dient, um alle Geräte gut in Ordnung zu bringen, ist selbstverständlich nachher ist feine Minute zu verlieren. Hoffentlich sehen wir bald wieder unsere waderen Kolonisten emfig bei der Arbeit. * Anzeigen- Razzien. Seit einiger Zeit macht sich wieder eine förmliche Anzeigen. fucht bei der Schupo bemerkbar. Vielleicht ist es nicht immer der geschriebene Befehl. Aber es liegt doch eine nicht mißzuverstehende Aufmunterung für die gegenwärtige junge Schußpolizistengeneration Dor: tätig, immer tätig zu fein, die Augen überall zu haben und fich Sporen zu verbienen! Und das fällt bei den durchweg jugendlichen Grünen", die sich eine feste Griftenz erft erobern wollen, naturgemäß vielfach auf noch frucht blauen Polizei, die um ihre Lebensstellung besorgt waren, wenn sie bareren Boden als früher bei den meist älteren Schuhleuten der nicht den Wünschen, vulgo Befehlen allzu draufgängerischer, mit der Boltspsyche wenig vertrauter Vorgesetzter entsprachen. B Gewiß, wir leber noch immer in einer Ausnahmezeit mit den Resten der Nachwehen aus Krieg und Revolution. Wer sich aber als Polizeiführer einbildet, mit halb polizeilichem, halb militärischem „ Schneid und Schmiß" so ganz wieder den alten Publikum drill aufleben lassen zu können, follte doch lieber sein Amtsränzel an den Nagel hängen. Nicht um die Bekämpfung von Verbrechen handelt es sich hierbei, auch nicht um das scharfe Zufassen gegen Auswüchse, die eine Allgemeingefahr bedeuten, ebenso wenig um en Abbau jugendlichen Sichgehenlassens, das höchst unangenehm berühren kann, auch wenn es nicht ins Kriminalistische hinüber schillert. Schillert. Gemeint sind die ungezählten Taufende fleiner Bergehen, über die man um so leichter stolpert, je mehr sich in den letzten Jahren wieder der Bust von Anordnungen, Verboten und Strafandrohungen gehäuft hat. Es gibt wohl überhaupt feinen deutschen Staatsbürger, der alle diese papiernen Hirnerzeugnisse so gut im Schädel verwahrt trägt, daß er gegen eine Uebertretung gefeit ist. Sehr lehrreich hierfür ist der folgende Fall: Ein in juristischen Dingen anerkannt gewandter Berliner Stadtrat fuhr vor einigen Monaten auf dem Fahrrade durch ein großes Fußgänger zu sehen waren. Ein Grüner fing ihn ab und schrieb ihn Laubengelände und benutzte einen Fußweg, ohne daß weit und breit auf. Gegen das Strafmandat erhob der Stadtrat Widerspruch. Er wurde vom Schöffengericht freigesprochen, weil der benußte FußJürgen wurde die Seele schwer bei dem Gedanken, daß feit jenem ersten Kaffeehausbesuch schon soviel Zeit vergangen mar und er noch immer unflar und ziellos dahinlebe. Ab mesend sah er in das glänzende Gesicht, von der Krawatten perle bis zum feidenen Tüchlein, das glatt und grün aus der Brusttasche wuchs. Gestern übrigens ich unterhalte mich nicht ungern mit dem jungen Heller erzählte er mir im Klub, er habe den Ingenieur, der das Einrichten der Weichenfabrik überwacht und geleitet hat, husch, die Lerche! rausgeschmissen. Fort möchte ich! Weg von Europa! Beg von dem Ganzen!... Bielleicht wenn ich Dolmetscher werden könnte in China!" Und plötzlich erfüllt von Zorn und hohn: Bist du schon weit in deiner Knopffammlung?" Unsinn! Das war ja Kinderei. Hast du eine Ahnung! Es gibt, rein menschlich genommen, nichts, das mir gleich gültiger wäre als Knöpfe... Ich sammle etwas ganz anderes." Er beugte sich zu Jürgens Ohr, flüsterte und lehnte fich wieder zurück." Bon jeder, die ich gehabt habe!... Kannst dir die Sammlung einmal ansehen." Weshalb hat er ihn denn hinausgeworfen?" „ Ueberall liegt ein Bettel bei, mit dem Vornamen der Betreffenden und dem Datum." " Wenn er doch das Einrichten der Fabrit leitete!" " Ja, und gleich hinterher hat er die Arbeiter zum Streit aufnehekt. Ein Blutroter nämlich, verrückter Weltverbesserer, weißt du, Bombenschmeißer und so daß wir den weißt du, Bombenschmeißer und so... Beichnet, fonftruiert, wählt aus, baut um, rennt und schwißt, bis das Werk steht sein, dann hegt er die Leute auf... So etwas gibts noch, foll übrigens ein brauchbarer Techniker und Organisator heutzutage, troß des enormen Aufschwungs unserer Industrie. " Hast du denn schon einmal darüber nachgedacht, daß trotz des Aufschwunges unserer Industrie die große Mehrheit aller Menschen zu schwer arbeiten muß und dabei kaum das nötigste zum Leben hat, vor allem aber jeglicher Möglichkeit, ihre geistigen Anlagen auszubilden, jeglicher Entwicklungs möglichkeit vollständig beraubt ist? Im Gegensaß zu anderen, die effen, leben und sich bilden tönnen wie zum Beispiel mir, felbst wenn sie wenig oder nichts arbeiten!" Schwungpoll ließ der schon zum Kellner emporgerückte, feinen Ober jetzt mit vollkommenster Sicherheit fopierende frühere Pikkolo das Tablett mit den Wassergläsern auf die Marmorplatte auflaufen. Das Knopferporthaus stand wuchtig und still gegenüber in der Abendruhe. Ein starker Tourenwagen hielt vor dem Café. Ein blonder Herr trat ein. Adolf verbeugte sich steif und tief und flüsterte: Sechzigpferdig! Ein Klubmitglied! Sohn des Maschinenfabrikanten Heller... Die haben ihrem Werte fürzlich noch eine Abteilung angegliedert, in der ausschließlich Eisenbahn weichen fabriziert werden. Staatsoufträge, mußt du wissen! Auch die scheinen die nötigen Verbindungen zu haben. Enorm reidje Leute!" " Deine Sorgen! Uebrigens: ich muß auch arbeiten. Und nie wir geschwikt haben, mein Alter und ich, betreffs des Armeeknopfes! Du follteft nur ein einziges Mal eine Kalfulation für solch eine Riefenteferung machen müffen, da würde dir das nichtnorhandensein fämtlicher und noch einiger Dukend mehr Entwicklungsmöglichkeiten anderer Leute schnuppe sein.* Sonnabend, 9. Februar 1924 weg nicht inmitten einer gefchloffenen Ortschaft liege. Hiergegen legte der Amtsanwalt Berufung ein. Der Stadtrat aber sagte: " Wenn mich die Herren doch nur in Ruhe lassen wollten! Dafür würde ich gern ein paar Goldmart opfern." Gin dickes Attenstüd ist angewachsen, dessen Papier mehr tostet, als bie Strafe betragen würde. Und das ist nur ein Fall von Beitaufwand erfordernde Bearbeitung der Staat sicher nicht ins jährlich Hunderttausenden, ohne deren straftechnische, gewaltigen Banten geraten würde. Nicht Menichenbriller... mein, Menfchtenner! Das tut uns in unserem Staatswesen und in unserer Führung so bitter not. Uns fehlen noch sehr die Polizei pädagogen, Die sich auch auf untersten Posten nicht als wefenlose Maschinen vorfaffen: geschickt und nachsichtig zur Ordnung, die man auch in einer tommen und ihr verantwortliches Amt von der schönen Seite auf Republit braucht, ohne Ordnungsfimmel unmerklich er. ziehen- dann lassen sich verärgernde Lapalienbestrafungen ent. behren. Welches Notgeld hat Gültigkeit? Unberechtigte Annahmeverweigerung auch bei Behörden. bei vielen Geschäftsleuten zu Mißverständnissen hinsichtlich der Der in letzter Zeit erfolgte Aufruf einiger Sorten Notgeld hat Gültigkeit des verschiedenen jekt umlaufenden Geldes Anlaß gegeben. ( Diefelbe Unkenntnis ist unentschuldbar auch bei vielen Behörden zu verzeichnen.) Selbst die vor wenigen Wochen so be. gehrte Goldanleihe( Echaganweisung des Deutschen Reiches auf Wertes von einigen Geschäftsinhabern bisweilen zurückgewiesen. Es Grund des Gesetzes vom 14. August 1923) wird in Untenntnis ihres wird deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß außer Reichs. 6antnoten, Rentenmart und Goldanleihe das Notgeld der Deutschen Reichsbahn. sowohl wertbestärdiges als auch auf Papiermart lautendes, ebenso wie das wertbe ständige Notgeld des Preußischen Staates voll. mertige 3ahlungsmittel find, deren Annahme nicht verweigert werden darf. Von dem preußischen Notgeld find bisher zur Einlösun aufgerufen die Notgeldicheine über 420 m. vom 18. Januar 1924 ab und die über 2,10 M. vom 26. Januar 1924 ab. Die Einlösung erfolgt binnen Monatsfrist. Die Gültigkeit und der Umlauf der preußischen Notgeld. fcheine über 0,42 m., 1,05 m. und 5 Goldmart bleibt von diesen Aufrufen unberührt. Das noch im Umlauf befindliche wertbeständige Notgeld der Stadt Berlin ist mit Wirkung vom 10. Februar 1924 ab mit einer Einfösungsfrist bis zum 10. März 1924 aufgerufen worden. Wenn auch die Not geldscheine nach erfolgtem Aufruf den Charakter eines gesetzlichen nommen werden, soweit ihr rechtzeitiger Umtausch bei der Ein. Bahlungsmittels verlieren, fo fönnen sie doch während der pierwöchigen Einlösungsfrist unbedenklich anae. löfunosstelle one erhebliche Schwierigkeiten für den Besitzer möglich ist. Bon diesen Tatsachen scheinen feltfamerweise die Reichspost und auch viele städtischen Behörden feine Ahnung zu haben. Die Einzahler fellten den wählerischen Raffenstellen oder Kallenbn'en mit aller Deutlichkeit demonftrieren. daß es fich bei den vorstehenden Ausführungen um eine amtliche Feststelluna handelt, hie nicht mit dem üblichen Einwand abgetan werden fann: es gehe fie nichts an, was in den Zeitungen steht. Tas fozialisierte Wohnhaus. mit ihrem ausländischen Hauswirt, wie es auch zahlreichen Die Mieter eines Hauses im Berliner Norden konnten anderen Mietern ergeht, teine Fühlung erhalten. Der Mann tüm dem Bezirksamt mit, fie merde als sogenannte Geschäftsführung ohne merte sich gar nicht um sein Haus. Die Mietervertretun teilte daher Auftrag das Haus fozialisieren". Das Bezirksamt antwortete hierauf nicht, nahm aber felbstverständlich an seinen Rossen die von der Sozialisierungstommiffion" eingezahlten öffentlich- rechtlichen Abgaben für das Haus an. Die Mietervertretung ließ dann die großen Spiegelscheiben aus den Geschäftsläden des Hauses herausnehmen und durch eine Spalierscheiben ersehen. Die Spiegelscheiben murs Die Mieter sind mit dieser Regelung fehr zufrieden, und auch der den so günstig vertauft, daß von dem erheblichen Ueberschuß noch das sehr schadhafte Dach instandgefeht werden konnte. gleichgültige Hauswirt, dessen Aufenthalt unbekannt ist, wird es sein müssen. Wer weiß überhaupt, dachte Jürgen, weshalb der eine denkt und der andere niemals zu selbständigem Denken, nie zu einer eigenen Meinung tommt und deshalb auch nie zu einem Protefte gegen das Bestehende? Ist da die verschiedene Ronstitution entscheidend? Oder das Leben, wie es ist, die Ordnung, die Lebensordnung? Oder alles zusammen?... Das ist ein tiefes Problem. Das sind Fragen, schwer zu be antworten... Und wer jetzt dazu noch überlegt, daß ganz offenbar diejenigen, die nicht selbständig denken, die Uneigenen, diese Ordnung bestimmen, dem Leben das Gesicht geben, der muß zugeben: Alles, das Ganze, ist verfehrt. Das Ganze! Jeder Armeeknopf muß rmal durch die Maschine laufen. Dazu die Berechnung des Rohmaterials, der Kapitalsper zinsung, der Arbeitslöhne. Wenn du zu hoch kalkulierst, be kommst du den Auftrag nicht; und wenn du dich bei solch einem Riefenauftrag verrechnest, bist du pleite." Den fleinen Finger weggespreizt, zog er das grüne Tüch lein aus der Brusttasche und mischte sich die trodene Stirn. Was sagtest du vorhin? Dolmetscher in China? Kannst du denn chinesisch? Es gibt meines Wissens und gewissermaßen nicht ein Duhend Leute in Deutschland, die chinesisch lönnen." Gerade deshalb glaube ich ja, daß ich leicht einen Dolmetscherposten in China bekommen fönnte," sagte Jürgen, der bis vor zehn Minuten niemals daran gedacht hatte, Dolmetscher in China werden zu wollen. der Straße von neuem.„ Ich lerne nämlich seit Jahren in einer Ich kann ja schon so ziemlich chinesisch," begann er auf Deutschen Gesandtschaft in China!... Nur weg von Europa!" alten Grammatik, die ich unter den Büchern meines Vaters Zum Beispiel als Dolmetscher bei der gefunden habe „ Solltest du nicht Amtsrichter werden?... Schön, werde du Dolmetscher! Nichts als Romantit, mein Lieber, fauere Romantik! Na, mein Ziel kennst du ja. In einigen Monaten ist das neue Knopferporthaus unserer Knopffabrit angegliedert. Runde Sache! Konzentration, mein Junge! Aber davon verstehst du ja nichts... Im übrigen- lebe ich, amüsiere mich und, um es glatt herauszusagen, vergrößere meine Sammlung weiblicher Geschlechtshaare. Später natürlich heiraten!" Er war mit der Banfierstochter Elisabeth Wagner, einer früheren Mitschülerin Katharinas, verlobt. Der schwere Wagen hielt. Der Fabrikanten'ohn stieg aus und ftieg die läuferbelegte Treppe hinauf. Tuch Jürgen und Adolf maren vor dem Klubhouse angelangt. ( Fortsetzung folgt.) Eine Rolle Jfollerband. Von unserer Sparjuftiz und ihrem Gegenffüd. Wie ein Hohn auf die„ Sparverordnungen" lieft fich folgender ,, Kriminalfall". Am 21. November 1922 findet ein Lorbeamter ber AEG. bei einem Arbeiter eine angebrauchte" Rolle Sjolierband. Natürlich ist der Arbeiter ein Spizbube. Er wird nicht nur entlaffen, sondern auch noch der Staatsanwaltschaft übergeben. Nach mehr als 10 Monaten wird der Arbeiter vor Gericht gestellt und freigesprochen 3mar hat der Mann seine Arbeit verloren, und das ist heute eine Tragödie, doch bleibt er vor dem Gefängnis bewahrt denft der Befer. Dem Generalstaatsanwalt beim Landgericht I blieb es jedoch vor behalten, aus der Tragödie eine Farce zu machen: Das Urteil wird uneingeschräntt angefochten." Fast 1% Jahre nach der Straftat findet am 19. Februar der zweite Termin statt. Fest 18 Monate lang werden zweimal 6 Personen in Bewegung gehalten, um einen Arbeiter zu überführen, daß er eine frembe bewegliche Sache- nebenbei im Werte von 15 bis 20 Big. in der Abficht rechtswidriger Zueignung weggenommen hat. Die Generalstaatsanwaltschaft verlangt einen zweiten Termin, nachdem im ersten zeugeneiblich festgestellt worden ist, daß der Angefiante fich eine Rolle Isolierband gekauft hat. Aber über Länge und Breite der Rolle fonnte der Verkäufer zehn Monate später feine genaue Auskunft mehr geben. Der Angeflagte hat gegen die Weg nahme feines Eigentums nicht sofort protestiert. Aber," fagt das freisprechende Urteil, es ist zu berücksichtigen, daß der Angeklagte an den Nerven leidet." Es ist eine leere Ausrede". heißt es in der Anfechtung, daß der Angeklagte sich das Band zum Berbinden eines Geschwürstaufte, denn es befinde fich auf dem Fabrit grundstück eine Unfallstation. Daß diese Station nur erste Hilfe Leisten tann, weiß der Herr Staatsanwalt augenscheinlich nicht. Und wenn er es wüßte, daß im Betrieb der AEG. hunderte Arbeiter mit folierband in der Tasche herumlaufen, weit fie es häufig bei der Arbeit brauchen, er würde boch anfechten". 4 Herr Emminger bant ab. Hoffentlich weiß er, daß die General ftaatsanwalt beim Landgericht I reichlich Beamte hat. Sonst sei es ihm an der Hand biefes Kriminalfalles" bewiesen. Die Rotgestempelten. Erlebniffe einer Bauersfrau. Mit den rotgestempelten Taufendmartscheinen wird in der Broving immer noch Schwindel getrieben. Namentlich auf dem Lande geht noch immer die Sage, daß diese Scheine einen hohen Wert haben. Schwindler behaupten jetzt fogar, fie ständen fo fest wie die Rentenmart und reden sie den Leuten weit über den Wert auf. So hatte ein Bauer 52 Stüd zusammengefpert und dachte damit ein gutes Geschäft zu machen. Zu diesem Swed tam mit feiner Frau, die hier Bescheid weiß, nach Berlin. Während er felbst bei Berwandten am Oranienburger Tor blieb, ging die Frau nach der Grenadierstraße, um einen Räufer zu suchen. Sie fand auch bald einen jungen Galizier, der ihr für jeden Tausenmartschein 80 Rentenmart periprah. Das Geschäft sollte, wie üblich, auf einem Hausflur abgeschloffen werden. Der Galizler nahm die Scheine in Empfang. ging die Treppe hin auf, um die Rentenmart zu holen" und verschwand durch einen ametten Ausgang. Nach langem Warten suchte ihn endlich die Frau, fand nun auch den zweiten Ausgang, aber nicht mehr ben Galizier. Jekt holte sie ihren Mann und beide machten fich auf die Suche. An der Gips- und Münzstraße hatten fie auch bas Glüd, den Schwindler zu sehen. Die Frau rief: ein rotes Gelb! Da ist er ja! Neugierig liefen die Menschen um sie zufammen, um zu erfahren, was bas für rotes Gelb sei und was es bamit auf sich habe. Als sie Auskunft erhalten hatten, wollten fich alle auf die Jagd machen, aber der Gauner war spurlos verschwun. den. Uebrigens ist das jetzt ein beliebter Trid der Kavaliere" aus der Grenadierstraße, weil mit dem Devisenhandel nichts mehr zu machen ist. Sie fcheuen dabei auch vor Gewalt nicht zurüd. Einen einträglichen Schwindel betreiben fie jest auch mit ben 500- martstiden aus Aluminium, bie einmal ausgegeben wurden. Diese Stüde schwägen sie jetzt den Leuten als neue Rentenmartstüde auf, und finden auch wirklich, mie bie Kriminalpolizei durch viele Anzeigen erfährt, ihre Abnehmer. Nachrichten, die geeignet sind, das Treiben im Scheunenviertel ein zudämmen und besonders die Räuber unschädlich zu machen, nimmt Kriminalkommissar Wächter im Zimmer 372 A des Polizeipräsidiums entgegen. Nun, mein Schäßchen, wo hast Du denn Dein Geld? Ein ungewöhnlich dreister Raub wurde in der vorvergangenen Nacht in der Bullenweberstr. 11 verübt. Dort wurde um 3½ Uhr bie Schwägerin eines Polizeioberfetretärs, die bei diesem wohnt, burch ein helles Licht aus dem Schlafe gemedt. Bor fidh fah fie einen Mann stehen. der ihr eine Blendlaterne ins Gesicht hielt und die Mündung einer Pistole auf fie gerichtet hatte. Freund lich redete er sie an: Nun, mein Schäßchen, wo hast Du denn Dein " NEUE A B Geld? Sprachlos vor Schred zeigte die junge Dame nach dem Spind, in dem sie ihre Geldtasche liegen hatte. Der Räuber nahm die Tasche, blendete seine Laterne ab und schloß die Tür hinter sich. Als er hinausging, fah die Beraubte, daß hinter der Tür noch ein zweiter Mann land. Sie schlug jekt Lärm und rief zu den Fenstern hinaus um Hilfe. Man fah die beiden Räuber auch noch davonlaufen. Die Verfolgung blieb jedoch ergebnislos. Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Rreis Friedrichshain. Die Abteilungen müffen fofort die Rarten file ble Feierstunden am 17. Februar beim Genoffen Günther, Fruchtstr. 33-34, abholen. 6. Strels Arensberg. Conning, ben 10. Februar, vormittags 11 Uhr, Reels beamtenversammlung im großen Saal des Restaurants Sum alten Sistanier", xhaltstr. 11( Nähe Anhalter Bahnhof). Thema: Die schwebenden Beamtenfrag. n und die Partei". 14. Kreis Reufölla. Sonntag, den 10. Februar, vormittags 10 Uhr, für Funk tionärinnen Führung durch das Säuglingsheim. Treffpunkt vor dem Heim. 12. Kreis Strolig, Richterf Ibe, Lankwig. Montag, den 11. Februar, 7½ Uhr, Streisvertreterversammlung in Lichterfelde, Sehlendorfer Str. 5, bei Hertel 7. Areis Charlottenburg. Dienstag, den 12. Februar, pünktlich 7½ Uhr, erweiterte Borstandssigung. Simmer 1. Heute, Sonnabend, den 9. Februar: Der Preis für Bollmilch ist bei Abgabe der Milch vom Kleinhändler an den Verbraucher 32 Goldpfenniae, bei Abgabe ber Milch aus Ruhställen an den Verbraucher 35 Goldpfennigé. Die Breise für Maqermilch sind bei Abgabe der Milch an Klein. händler 13,20 Golbpfennige. bet Abaabe der Milch an den Ver. braucher 15 Goldpfennige. Diese Preise gelten vom 9. Februar ab, mit dem gleichen Tane treten die bisherigen Breisfeftlegungen außer Kraft. Die A- Milchkarten merden mit 4, die B- Milchkarten fowie die Karten für werdende Mütter( C- Sorter) mit ½ Liter Bollmilch beliefert. Infolge der feinesweàs gerechtfertigten unter dem Widerspruch der Kleinhandelsvertreter zustande gekommene 1 Begiet 112, Rehnstorf, Wilhelmshagen, Seffenwinkel. Pünktlich 8 Uhr SahlHerauffekung der Berliner Butternotierung auf 170 M. für ein Pfund Butter hat sich das Mitchamt genötigt gefehen, auch den Milchpreis zu erhöhen. Bieber ein Kriminalbeamter angefhoffen. In der vengange brechern angeschossen. Dort wurten der Bache furz hintereinander nen Nacht wurde in Zehlendorf ein Kriminalbeamter von Einmehrere Einbrüche gemeldet. und zwet Krimina beamte machten fich fofort auf den Weg. Während der eine etwas vorauseilte, blieb der zweite einen Augenblid an einem Tatort stehen, um nach Fußspuren zu fehen. Blöglich erhielt der erste aus einem Gebüsch heraus Feuer und wurde gleich in den rechten Unterarm gefchoffen, so daß er nicht mehr im ftande mar, auch nur zur Waffe zu greifen. Als die Verbrecher feinen Kameraben herbeieilen fahen, ergriffen fie die Flucht und In Nikolas fee wurden morgens früh um 5 Uhr entfamen. drei Einbrecher auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Wegen eines größeren und gefährlichen Dachstuhlbrandes wurde die Charlottenburger Feuerwehr am Freitagrachmittag von meh reren Seiten noch dem Kurfürstendamm 51 alarmiert. Als die Löschrüge mit einigen 30 Fahrzeugen an der Brandftelle anfamen, stand der Dochstuhl des großen Edhaufes Schlüters strake 47 fchon in folcher Ausdehnung in Flemmen, baß unver züglich mit mehreren Sauchitungen von Motorsprigen vorgegannen werten mußte. Wegen der enormen Hitze und ausgedehnten Berqualmung verzögerte sich die Löschung. Trozdem gelang es, Die Entstehung die Flemmen auf den Dachstuhl zu beschränken. wird auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt. Ungarische Sozialdemokraten. Sonntag, 10. februar, vorm. 10 Uhr im Lofal Kreste, Ebertyftr. 10, Zuſammentunft, Vortrag des Genoffen Buschit über die politische und wirtschaftliche Bage in Deutschland. Schwimmfport und Baben im Winter. Das Bezic! samt Frieb. richshain bat aur Förderung des Schwimmfports einen intereffanten im beritellen laffen. Die Aufnahmen find von der Deulig Film A.-. im Stadtbab Friedrichsbain gemacht worden und zeigen neben allen Edhimmarten Borffbrunnen im Springen, eigenschwimmen und Humoreelen. Daneben werden die Einrichtungen des Stadtbades, Filtriranlagen uim. vorgeführt we ben. Der Film wird am fommenden Sonntag 4,12 Uhr in der Alhambra". Stopvenitr. 29, zusammen mit einem anderen guten Film und musikalischen Darbietungen zu den üblichen Preisen vorgeführt. berlegen. " S Berliner Arbeiler- Schachflub. Durch die ungebeure Steigerung der Saalmieten im Gemerfdaftshaus, fiebt der Klub fich gezwungen, sein Schachheim vorläufig nach den Arminius ballen, Bremer Str. 72/73, A In Bankowo, Kaiser Friedrich Straße 67, bat sich im Rofal von Franz eine neue Schachabteilung, Banton 1924. gebildet. Sbtelabend jeden Donnerstag von 7-10. Am Sonntag, den 10. ds. Mts.. bormittags 10 Uhr, findet im Restaurant Göttling, Berliner Straße 87, Ede Brinz- Heinrich- Straße, ein Wettkampf der Abteilung Bankom gegen die Ab. teilung Norden IV des Berliner Arbeiter- Schachflubs statt. Gäste baben Butritt. Genosse Pfarrer Bleler hält feine nächste eierftunde am Sonntag, ben 10. Februar, abends 6. Ubr, in der Trinitatis.irche, Charlottenburg, Starl Auguit- Blat, ab. Das Thema lautet: Sat es Bwed, Vichtkämpfer zu sein? beraus aus dem Chaos", über dieses Thema fbricht Genosse Bleier am Montag, ben 11. Februar, abends 7 Uhr, in Steglit, Oberrealfiule, Elisenstraße. Lawinenunglück in Oberösterreich. Wie aus Steyr gemeldet wird. ging beim Bahnhof Sieflau eine 300 meter lange und 80 Meter tiefe Lawine nieder, die einen Bersonen zug und ein Fuhrwert mit vier Personen verschüttete. Auch das Bett der Enns wurde verfchüttet, deren Gewäffer fich infolgedessen bereits bis zum Bahnlörper angeftaut haben. Zur Rettung der Berichütteten und um den Bahnverfehr frei zu bekommen, erbat die Bahnstation aus Linz militärischen Beistand. Ein Unfall des Prinzen von Wales. Der Prinz von Wales ist einer Londoner Meldung zufolge beim Trainieren über Hür. den vom Pferde gestürzt und hat sich das Schlüsselbein gebrochen. Da bisher feine Komplitationen eingetreten sind, ist sein Befinden zufriedenstellend. 43. bt. Bezirksführer fofort Agitationsmaterial som Abteilungsleiter cb holen! Bernau. 7½ Uhr Mitaliederversammlung im Lotal Mobifch, Raiserstraße. Tagesordnung: Sufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahi. Sämtliche Mitglieder müffen erscheinen. abend in Rahnsdorf im Lokal Cramer. Morgen, Sonntag, den 10. Februar:. 6. Abt. 9% Uhr Funktionärsikung bel Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 10. Abt. Vormittags 9% Uhr Funktionärkonferenz bei Trimper, Flensburger Straße 3. 15. Abt. Bormittags 10 Uhr Sigung der Parteifunktionäre und Betriebs vertrauensiente bei Obielo. Stralfunder Str. 1. 26. bt. Bormittags 10 Uhr Sigung der Funktionäre mit allen Rreisver tretern im Musikalischen Fuchs". Jostnftr. 7. 28. Abt. Bormittags 9 Uhr Treffpunkt zur Borwärts"-Agitation bei Rossad, Brenzlauer Allee 282. Ie Genofen müffen erscheinen. 30. bt. Vormittags 8 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Mahnkopf, Carmen- Sylva- Str. 123. 36. st. Vormittags 9% Uhr Funktionärfonferenz bei Wittschus, Petersburger Straße 5. Sämtliche Funktionäre müfen erscheinen. Sunglozialisten. Die Gruppen Lichtenberg, Oftbahn, Tempelhof. Baumschulen weg, Ponkow, Norben und Charlottenburg veranstalten einen gemütlichen Abend im Jugendheim Charlottenburg. Rofinenfte. 4, abends 6 Uhr. Jugendveranstaltungen. Achtung, Mitglieber! Sur Theatervorstellung am Sonntag, ben 10. 3. M., nachmittags 8 Uhr, im Neuen Theater am 800, Jebenstraße, zur Aufführung Die Hoffnung auf Gegen" von Seijermans find im Jugendfekretariat, Linden ftraße 3, Einzelfarten aum Breise von 85 Bf. pro Stild zu haben. Heute, Sonnabend, den 9. Februar: Achtung, Vbiellungsvorfh- nde! Pünktlich 7 Uhr im Jugendheim Linden Straße 3 Dorfigenbenkonferenz. Thema ,, Die Reichstagswahlen und bis arbeitende Jugend". Referentin Genoffin Frau Regierungsrätin Hedwig Badenheim. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Abteilungsvorhenden werden gebeten, auf diefer Konferens bie Abrechnungen für die Theatermarken vorzunehmen und weifen wir nochinals bar auf hin, daß nod) Marten und Einzelfarten zur Borstellung au haben find. Paur julenweg: Jugendheim Ernstftr. 16. 7 Uhr Borfrag: Ferdinand Laffalles Leben und Werke". Abteilung Steglig I: 28 Uhr in der Aula bes Luzeums RothenburgStraße Jugenbieter. Jugendchor, Rezitationen, Mufikstücke, Boltstänge und Jugendfpiel. Morgen, Sonntag, den 10. Februar: Buchholz: Besuch der Treptower Sternwarte. Treffpunkt 1 Uhr Bahnhof Blankenburg. Karlshorft Wanderung nach den Rüdersdorfer Kaltbergen. Reinid abo: 1- Dit: Genikeljagd Herms Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Karlshorst. Suboft( Görlihez Biertel): dorf- Schulzendorf. Treffpunkt 8 Uhr Geebad. Wanderung durch den Grunewald. Treffpunkt 7 Uhr Schlesisches Tor( Normal whe). Westen: Fahrt. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Bülowstraße. n Werbebezirk Oftbahn: Abends 6 Uhr im Jugendheim Parkaue 10 Bortrag: Wanderfahrten durch Bayern" mit Lichtbildern. Abteilung Gesundbrunnen: 28 1hr in der Schulanka Biefen, Ede Bankstraße Bunter Abend. Der Erlös dient zur Unterstützung notleibender Rinder. Programm: Mufit, Gefang, Rezitationen, Lieber zur Laute, Tänze. Eintritt frei. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Schlefler- Berein Rübezahl, Charlottenburg. Sonntag, ben 10. Februar, abends 7 Uhr, Bersammlung und Wilhelm- Busch- Abend bei Thunad, Wie landftr. 4. Freireligiöse Gemeinbe. Sonntag vormittag 11 Uhr Pappelallee 15 Bortrag des Herrn Dr. A. Rofenberg: Die Entstehung der Religion". Gäfte will tommen. Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma zentralhans moderner Herrenkleibung, Berlin C., Rene Friebrich ftrage 35, 1 Treppe, burch ihre reelle Bedienung unter fulantesten Rahlungs bedingungen gut bekannt, bringt sich hiermit in empfehlende Erinnerung. Siehe Inferat in der heutigen Nummer. Bet Husten, Asthma und Lungenleiden find Sanitätsrat Dr. Werschelder's Brust- Tee fowie dazugehörige Tropfen nach Original- Borschrift seit Jahren ärztlich empfohlen und beftens bewährl In Original- Badungen erhältlich: Elefanten- Apotheke, Berlin, Leipziger Str.74( Dönhoffpl.) WELTBEKANNTE BATSCHARI QUALITÄTSMARKEN Fiat White Star Eden PUNONNY Weiße Woche! Seltene Kaufgelegenheit. Während dieser Woche bringen wir weiße Waren aller Art zu hervorragend billigen Preisen Carl Boehme Nchfl. Berlin- Wilmersdorf, Berliner Str. 130 Berlin- Moabit, Turmstr. 31( Ecke Wilhelms Wirtschaft Deutsche Erdölgeschäfte. In ber Freitag- Morgennummer hat der„ Borwärts" ausführlich In der Freitag- Morgennummer hat der„ Borwärts" ausführlich ben Konzern der„ DEA" dargestellt. Dabei wurde auch darauf verwiefen, daß die Aktiven dieses Riefenfonzerns fo zu Buche fiehen, daß nach den eigenen Angaben der Verwaltung nach taufmänni schem Ermessen jede Ueberraschung durch ein plößliches Umschlagen der Konjunktur ausgeschlossen" fei. Es lohnt sich, in die Einzelheiten der Bilanz der Deutschen Erdöl A.-G. etwas weiter hineinzufbeigen, denn tatsächlich sind die Gewinne dieses Unternehmens jo außerordentlich groß, daß die Gesellschaft Mühe hat, fie bilanzmäßig unterzubringen. In der jüngsten Bilanz ist der größte Teil der Attiven trok hes großen Umfanges der im Jahre 1922 errichteten Neuanlagen des großen Umfanges der im Jahre 1922 errichteten Neuanlagen geringer bewertet ist als im vorangegangenen Jahre. Wenn man die beiden jüngsten Bilanzen unter Zugrundelegung des jeweiligen Dolarturfes umrechnet und miteinander vergleicht, dann ergeben fich geradezu groteste Resultate. Verblüffenderweise sind bei der Deutschen Erdöl- A.- G. die Abschreibungen für 1922 geringer alles in Papiermart als 1921. Seinen Grund hat dies darin, daß einfach nichts mehr zum Abschreiben vorhanden war. Die Gewinne hat man auch bei der„ DEA.", wie das in Deutsch land üblich geworden ist, nicht durch hohe Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Das hätte zu aufreizend gewirkt. Man ist deswegen dazu übergegangen, verschiedentlich das Aktienkapital zu ver= wässern und dabei die neu ausgegebenen Aftien zu lächerlich niedri gen Kurfen an die alten Aktionäre abzugeben. Dabei hat natürlich die Diskonto- Gefellschaft, das Bantunternehmen der" DEA.", die besten Geschäfte gemacht. " Bei der Schaffung der Intereffengemeinschaft mit der Bewert fchaft Graf Bismard" wurden Anteile ausgetauscht. Es ist dabei nur befannt geworden, daß an die Gewerkschaft Graf Bismard" für 90 Millionen Mart Nennwert junge Attien gegeben wurden. Diese Aktien entsprachen ihr damaliger Kurswert in Gold um gerechnet Soviel mußte also die Gesellschaft aufwenden, um die zum Umtausch einem Betrag von 28,5 Millionen Goldmart. nötigen Aftien von den Aktionären( im besonderen wohl von der Diskonto- Gesellschaft) zu erwerben, um sie dann an die Gewerkschaft Graf Bismard" geben zu können. Wahrscheinlich handelt es sich dabei weniger um einen Erwerb als mehr um Buchungsvorgänge. Aber diese Aktien, welche die„ DEA." mit 28,5 Millionen Goldmart belasteten, waren erst im Frühjahr zum Nennwert an die alten Aktionäre überlassen worden. Das war zur Zeit der Ausgabe der Aftien im März 1922 etwa 18 000 Goldmart! An diesem Beispiel ist sehr deutlich zu sehen, daß die Kapitalserhöhung" vom März v. 3. nicht dem Unternehmen, sondern den Großattionären, der die Gesellschaft beherrschenden Gruppe, zugefloffen ist. Bum Erwerb der Kure der Gewerkschaft Graf Bismard" wurden praf. tisch die stillen Reserven der Gesellschaft genommen. " Auch bei der Kapitalserhöhung vom Juni 1923 hat die Banten gruppe 190 Millionen Mark Attien zum Nennwert erworben. Sie bezahlt also für eine Attie 1000 Papiermart; das waren bei dem damaligen Dollarfurs von 350 000 ganze 1,5 Gold. pfennige. Heute wird eine Deutsche Erdölaftie mit über 800 Goldmart bewertet! Besonders beachtlich ist dabei, daß sowohl bei den dann später durch Umtausch gegen Ruge der Graf Bismard" verwerteten Aftien, wie bei den im Juni 1923 ausgegebenen Attien erst nur 25 Broz. eingezahlt werden mußten und die Vollzahlung verschiedene Monate später erfolgte. So haben die Aktionäre in Wirklichkeit noch viel weniger bezahlt, als wir ihnen in Rechnung gefeht haben. Aus diesen wenigen Tatsachen fann man sich leicht ein Bild machen, was für Gewinne und welches Riefenvermögen die Deutsche Erdöl A.-G. vereinigt, und was die Diskonto- Gesellschaft davon in thre Kaffe zu leiten versteht. Die„ DEA." baut ihre Delgewinnung immer weiter in der großzügigsten Weise aus. So ist sie jetzt von der alten Methode, Dellagerstätten durch Bohrlöcher auszubeuten, abgegangen, fie ist zum Schachtbau gefommen. Damit entwidelt sich selbstverständlich ein ganz anderes Tempo der Delgewinnung. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Volksbühne Opernhaus 7 Uhr. Carmen Opernhaus 7 Uhr: Figaros Hochzeit Lessing- Th. am Königsplatz Heute bis Montag Große Volksoper 7 Uhr: Nervöse Devisen. Seit gestern hat die Reichsbank die an sie herantretenden Wünsche nach Devisen wieder start gefürzt, oder repartiert, wie es in der Börsensprache heißt. Die Anforderungen sind inzwischen noch höher geworden. Die einen behaupten, es handle sich um wirklichen vermehrten Ledarf. Das hat manche Wahrscheinlichkeit für sich, zumal neuerdings viele Devisen für die rasch zunehmende Einfuhr von Lugusartikeln, bie bei dem niedrigen Stand der meisten Auslandsvaluten billig" sind, gebraucht werden. Andererseits handelt es fich auch darum, daß die sogenannten Konzertzeidynungen wieder zuzunehmen scheinen. Man will billig viel Auslandsvaluten erwerben, weiß aber, daß von der Reichsbank nur ein Teil der an geforderten Mengen abgegeben wird, also fordert man den fünf- und So besteht zehnfachen Betrag der wirklich benötigten Menge an. die Wahrscheinlichkeit, daß auch bei starter Repartierung noch die Devisenmenge herauskommt, die fürs Geschäft benötigt wird. Gestern wurde auf die meisten Devisen nur 3 Proz. der angeforderten Mengen zugeteilt. Daraufhin haben Gulden, englische Pfunde usw. im Kurs etwas angezogen. Der Haupt grund des zunehmenden Devisenbedarfs liegt zweifelsohne darin, daß viele Rentenmarkgewinne in Baluta nach dem Ausland gehen möchten, um dort in Ware( vielleicht auch in wert beständigen Beteiligungen) umgewandelt zu werden, die, herein geführt, ja viel billiger ist als deutsche Produkte. Daneben arbeitet selbstverständlich die Spekulation, die für jede ihrer Maßnahmen Stimmungsgründe findet und erfindet. Wir haben das Zutrauen zur Leitung der Reichsbank, daß sie auf derlei fleine Stürme auf dem Devisenmarkt geistig und materiell vorbereitet ist Das sollte aber nicht hindern, den Gründen der vermehrten Nachfrage nach Devisen recht ernsthaft nachzugehen.. Krise der deutsch- ruffischen Wirtschaftsbeziehungen. Alle diejenigen Wirtschaftskreise Deutschlands, die seit Jahr und Tag ihre Blide erwartungsvoll nach Osten richten und sich bemühen, erobern und neue zu erschließen, machen seit einiger Zeit die be der deutschen Industrie in Rußland alte Absatzgebiete zurückzutrübende Beobachtung, daß das Interesse der Russen für die Hebung des wirtschaftlichen Verkehrs mit Deutschland start nachgelaffen hat. Die Kündigung des seinerzeit von der Otto Wolff- Gruppe abgeschlosse nen ersten Ronzessionsvertrages mit Rußland ist mehr als ein Einzelfall. Diefer, Borgang gibt umso mehr zu denten, als Otto Wolff Dor nicht ganz einem Jahre in einem aufsehenerregenden Artikel in der Kölnischen Zeitung" über seine Erfahrungen im russischen Geschäft außerordentlich günstiges berichtete und die deutsche Industrie zur Nacheiferung ermunterte. schaftlichen Betriebe infolge Kapitalmangels das vorgesehene Produktionsprogramm ausführen können. Die russischen sogenannten Staatstrusts find zurzeit untereinander start verschuldet. Man hat eine wirtschaftliche Inzucht getrieben, die sich jetzt bitter rächt. Hilfe kann nur eine starke Zufuhr von Auslandskapital bringen. Bon deutscher Seite kann diese schwerlich erfolgen. In dieser gefährlichen Situation bietet die Anerkennung Rußlands durch die neue englische Regierung plöglich Anlaß zu neuen ruffischen Hoffnungen. Man hat infolgedessen in Moskau das Inter esse am deutschen Geschäft vorläufig verloren und steuert auf das englische Rapital zu. Es ist zu unterstreichen, daß auch der deutsch- russische Getreide Bedeutung verloren hat. Die Ruffen drängten besonders in den Monaten Oftober und November immer wieder auf die Erfüllung des Bertrags durch die deutsche Regierung und die deutsche Wirt schaft, da die Somjetregierung den Bauern das abgelieferte Getreide zwar in voller Höhe bar bezahlen mußte, auf der anderen Seite aber die deutsche Industrie mit ihren Gegenleistungen infolge der Währungstatastrophe in Berzug geriet. Diese Verhältnisse, die man ruhig als das wirken höherer Gewalt bezeichnen fann, da mensch liche Kräfte nicht ausreichten, um die tieferen Ursachen der Verzöge rung zu beseitigen, haben wesentlich dazu beigetragen, eine Abkühlung ber bisher sehr freundschaftlichen deutsch- russischen Handelsbeziehungen herbeizuführen. Es tommt hinzu, daß in der Praxis das Zusammen. arbeiten von Vertretern zweier grundverschiedener Wirtschaftssysteme doch sehr große Schwierigkeiten bietet. Diese werden auch bei den englisch- russischen Beziehungen wieder hervortreten. Die Sowjetregierung wird, wenn sie auf ausländische Hilfe in größerem Maßstabe rechnet, nicht umhin fönnen, hieraus gewisse Lehren zu ziehen. Sie fann nicht von der gesamten Welt verlangen, daß diese sich in allen Dingen den Prinzipien der bolschewistischen Wirtschaft anpaßt. So kommt zwangsläufig der Abbau" auch der Nep- Politit bis auf westeuropäische, pitalistische Grundformen immer näher. Erst dann Industrie- und Handelstag gegen die Stenernofverordnung. wird Rußland in reicherem Maße Rapital zufließen. Industrie- und Handelstages" an die Reichsregierung heißt es unter In einer bis ins einzelne begründeten Eingabe des„ Deutschen lieferungsvertrag durch den Verfall der Papiermart sehr stark an anderem: gungsgefehes herausfällt und deshalb staatsrechtlich höchst anfechtbar „ Darüber, daß die Berordnung aus dem Rahmen des Ermächti ist, zumal der§ 56 dem Reichsfinanzministerin entschiedenem Widerspruch mit dem Ermächtigungsgesetze zum Erlaß weiterer Rechtsvorschriften" die Befugnis erteilt, wollen wir uns nicht ver breiten; wir wollen nur unserem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die Frage der Kompetenz überhaupt aufgeworfen werden muß und darüber hinaus ein auch sonst recht mißlicher Konfliktsstoff zwischen Reichsregierung und Reichsgericht ohne Not geschaffen Att gegen Treu und Glauben und gegen die Vere worden ist. Schon die Erörterung, ob ein gefeggeberischer faffung verstößt, weil er ungerechtfertigte Enteignungen vor. sieht oder weil er Gläubiger derfelben Kategorie verschieden behan. delt, muß zu einer Erschütterung des allgemeinen Rechtsbewußtseins führen. Wenn man den tieferen Ursachen des Konflikts der Wolff. Gruppe mit der Sowjetregierung und den sonst verschiedentlich her. Dorgetretenen Berstimmungen im deutsch- russischen Geschäft genauer nachgeht, fo tommt man zu einem charakteristischen Ergebnis. Die deutsche Wirtschaft hat in ihrem ganz begreiflichen Drange nach Betätigung am Weltmarkte mit größter Eile die einzige Hand, die sich ihr entgegenstreckte, ergriffen, und sich troh politischer und sonstiger Bebenten mit einer gewiffen Begeisterung in das russische Geschäft Wir können der nunmehrigen Borlage aber auch den Bor gestürzt. Man hat dabei nicht immer bedacht, daß diese oder jene Borauslegung für ein ersprießliches Zusammenarbeiten noch fehlte, wurf der völligen Systemlosigkeit nicht ersparen. Es insbesondere hat man der wichtigen Frage, nämlich der Finan. find Dinge in Zusammenhang gebracht worden, die nicht die geringste Wesensverwandtschaft miteinander haben. Privates unb gierung der Geschäfte, nicht die erforderliche Sorgfalt an- öffentliches Recht sind miteinander verknüpft, steuerliche Borbe gedeihen lassen. Das mußte sich bitter. rächen. Sowjetrußland bereitungsmaßnahmen mit steuerlichen Bestimmungen verbunden wor findet sich in einer schweren Finanzkrise und kann mit dem Auslande den, man hat das Bankgeheimnis beseitigt, materiell rechtliche und nur dann auf lange Sicht zusammenarbeiten, wenn dieses gewillt prozessuale Bestimmungen getroffen, allgemeine flaatsrechtliche Fra und in der Lage ist, große Kapitalien in das ruffische gen behandelt und frühere Geseze abgeändert." Geschäft zu steden. Die Auswirkung dieser nicht genügend beachteten Tatsache verschlimmerte sich im Laufe des Jahres 1923 von Woche zu Woche in dem Maße, wie die deutsche Währung in Nichts zerfloß. Damit wurde den deutschen Firmen die Basis ihrer Auslandsgeschäfte erheblich geschmälert. Rußland war nicht in der Lage, helfend einzugreifen, da nicht einmal feine eigenen staatswirtim U Theaters U. Theater 8 Walhalla des Westens Folies Caprice Carmen Rund um den Wedding Henes Operetten- Thon Lee Heller Paulmüler Direttion Herb. Tran n. Mag. Slabe Resi Langer u. a. Täglich 74 Uhr: Unr: Fledermaus Was ihr wollt Die Guido Thielscher Schauspielhaus 7 Uhr: Candida Schiller Theater 7%, Uhr: Lumpazi vagabundus Deutsch. Theater 72 Uhr: Du sollst nicht töten Kammerspiele 71, Uhr: Der Nebblch Theater 1. d. Königgrätzer Str. 7 Uhr: Sommernachtstraum Komödienhaus 8 Uhr: Die Dame mit dem U.: Dent. Künstler- Th. verfagle Allabendi 7 Marlow Theater Weinbergsweg 15 Weltattraktionen Nacht Wien Berlín Heinrich Les Peakert- Bertheld Rela Señora Schwant t.st. FranzArnold u.ErnstBach. Elca Sek- Claire Kommer- Sibyl smolowa Th.1.Admiralspalas Camlila Spira- Tony Tetzlaff labendlich 7, U. Druntera drüber Stg. 31 U. bei kl. Pr Ein Walzertraum DeutschOpernhaus 12: Zauberflöte Blech, Pola, Bader, Krauss Intimes Theater 3: Der Hinduprinz Der Schrei usw. Metropol- Theater Scheidungsgrund 7, Uhr: Marietta Berliner Theater Opererte v. Kollo 7.30 Uhr: DOLLY Neues Theat. a. Zoo Residenz Theat. 72 Uhr: Tägi. 8 Uhr: LILLY FLOHR in Androklus u. Meine Tochter Otto der Lowe von Bernh. Shaw Neues Volkstheat. Trianon- Theater Uhr: Der Grai Tägi. 7 Uhr von Luxemburg Die nackte Tänzerin Renaissance- Theat. Lustsp v, K. Lothar 5. Die kindischen 8 U Kleines Th. Verliebten Thalia- Theater Devisen 7 U.: Prasquita Komöd y L.Schmidt Operette von Lehár Falkenstein, Limburg Central- Theater Alte Jakobstr. 3. Tagl.& Uhr: am.-S. Jadlowker. Martha Serak Theater i.d.Kommandantenstr. Unr: Die Postmeisterin Die Novität: Volkstüml. Preise! Der dumme August Operette in 3 Akten Wallner- Theater U. Johannisfeuer Lustspielhaus 8 Uhr: Der Held Rose- Theater des Westerlandes 3, U.: Rubezahı Derkaufmann Komische Oper von Venedig Alabendlich 7/2 Die größte Revue des Kontinents: SCALA Die Welt гäg 8 Uhr, 12 VARIETEKUNSTKRAFTE. Sonntag 3.30 zu halb Preisen das volle Programm ohne Schleier WINT BARTEN Varieté- Spielplan Rauchen gestattet. Apollo- Theater 12 Uhr Dir.James Klein 712 Uhr Das weltistor Schauspiel: Volk und Kronc Bismarck- Trilogie 1. Teil aus Em.Ludwigs Ueber.00 Mitwirkende! Dargestalit v. d. prominentest. Bühnenklasfles Bgersit Unterhaltungs Varieté Das große Programm Täglich 8 Uhr: mit Carl Praun n. a. Die bekannte warme und kalte Küche!! Große Bier- Abteilung Sonnabends.Sonntags nachmittags 4 Uhr Das große Programm! Ungekürzte Vorstellung. Eintritt 90 Pt. 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