Nr.73 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 36 Bezugspreis: Böchentlich 85 Goldpfennig vorans zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg wöchentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmart pro Woche. Kreuzband, endungen nur gegen werte beständige Zahlung. Boftbezugspreis für Februar 4- Goldmart. Der., Borwärts" mit ber Sonntags beilage ,, Bolt und Beit" mit ,, Gied lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 0.70 Goldmart, Reflamezeile 8,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes meitere Wort 0.10 Goldmart. 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In seiner Programmrede beschäftigte sich Ramsay Macdonald zunächst mit den auswärtigen Angelegenheiten und wies einleitend darauf hin, daß er das doppelte Amt des Ministerpräsidenten und des Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten übernommen hätte, um dadurch seiner Außenpolitik ein möglichst großes Gewicht zu verleihen. Er habe befchloffen, Sowjetrußland ohne Berzug anzuerkennen und habe dafür die volle Zustimmung des Kabinetts gefunden. Er wünsche alle zwischen Rußland und England noch ausstehenden Fragen zu regeln. Die Voraussetzung für eine solche Regelung sei aber die Anerkennung gewefen. Er beabsichtige, nach Mostau eine vollständige Aufstellung aller noch ungelösten Schwie rigkeiten, soweit sie dem Auswärtigen Amt bekannt feien, zu senden. Er beabsichtige ferner, die sofortige Brüfung soweit diese noch richt erfolgt wäre aller Einwendungen der Sowjetregierung bezüglich ihrer Schulden usw. vorzunehmen. Die Sowjetregierung hätte der Ernennung von russischen Mitgliedern einer englisch- ruffischen Kommission bereits zugestimmt, an die alle Einzelheiten bezüglich der Schulden und ähnlicher noch schwebender Fragen verwiesen werden würden. Er hoffe, daß Ratowsky noch vor Ende der laufenden Woche unterwegs nach Moskau sein merde, um die endgültigen Instruktionen seiner Regierung zur Eröffnung der Berhandlungen einzuholen. Macdonald fügte hinzu: Auf diese 2irt werden wir am besten das alte Kapitel unseres Berhältnisfes zu Rußland abschließen, und ich möchte vorschlagen, daß wir es fo bald mie möglich schließen, um ein neues zu beginnen, von dem ich hoffe, daß schon seine ersten Seiten in Worten der Freundschaft und des guten Willens gehalten sein werden." Macdonald ging sodann zu den Beziehungen mit Frankreich und zu den noch schwebenden Problemen zwischen diesen beiden Ländern über. Er erklärte, daß er heute noch keine vollständige Erklärung, wie er gehofft hatte, über diese Dinge abgeben tönnte, fügte aber hinzu:„ Ich bin sehr glücklich, fagen zu können, daß. wenn nichts Unerfreuliches dazwischen kommt, bereits in den allernächsten Tagen eine vollständige Berständigung be. züglich der Pfalz erzielt werden dürfte." Der Premierminister fuhr fort: Ich begreife diese erste Gelegenheit, um die prompte und herzliche Mitwirtung Poincarés anzuerfennen, die er als Antwort auf die Schritte bewiefen hat, die ich in diefer Angelegenheit gemacht hatte. Meine erste Aufgabe war, eine gesündere Atmosphäre zwischen Frankreich und Großbritannien zu schaffen. Unsere Dirlomatie muß objektiv, absolut ehrlich und vollständig aufrichtig, sehr bedächtig sein und nur ähnliche Eigenschaften auf der Gegenfeite fuchen. Frankreich hat nichts zu fürchten von der Politik, die wir befolgen möchten. England vermag nicht mit allem einverstanden zu fein, was Frankreich getan hat. Es hat auch nicht erwartet, daß Frankreich allen englischen Wünschen nachkommen werde, aber nichts dürfte zwischen den beiden Ländern sich ereignen, was man nicht mit gutem Willen und ehrlichem Handeln beizulegen vermöchte. Ich glaube, daß, wenn die Politik der Versöhnung in dem gleichen Geifte fortgefeßt wird. in dem sie eingeleitet wurde, Frankreich und England noch vor Ende dieses Jahres in absoluter Treuherzigkeit zusammenwirten, indem sie Europa mit neuen Augen befrachten werden, um die Grundlagen für die Regelung aller europäischen Fragen zu schaffen." | Unzahl von Jahren geben werde. Der Geist der lehthin abgehalte nen Konferenz zwischen dem Arbeitsminister, den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern der Bauindustrie set bewunderungswürdig gemesen, und er habe bas größte Bertrauen, daß diese Frage der Arbeiterzahl bald erfolgreich gelöst fein würde. Hinsichtlich der Frage der Arbeitslosigkeit fagte Macdonald, daß die Regierung ihre Anstrengungen zunächst nicht auf Notstandsarbeiten, sondern auf die Wiederher. ftellung des Handels tonzentrieren würde. Die Regierung beabsichtige, das Gefeß betreffend die Handelserleichterungen zu entwickeln und die Wirkungsdauer des Systems für die Ausfuhr frebite auszubehnen. Eines der größten Probleme sei das der finanziellen Lage des Landes, und er habe die Einsetzung eines Ausschusses ins Auge gefaßt, der die Frage vollständig und wiffen schaftlich zu führen haben würde. Der Ministerpräsident skizzierte dann furz die Borschläge der Regierung für die Förderung der Landwirtschaft, u. a. eine Unterstüßung der Landwirte entweder durch Anleihen aber burch die Garantie von genossenschaftlichen, durch ein landwirtschaftliches Komitee fontrollierten Unternehmungen. Diese Unternehmungen würden sich mit der landwirtschaftlichen Erzeugung, mit dem Einkauf von Rohstoffen, mit der Bersorgung der Märkte usw. zu befaffen haben. Die Entschließungen der Reichswirtschaftsfonferenz würden dem Parlament burch die Regierung unterbreitet werden. Die Regierung würde ihre Ansichten bezüglich der einzelnen Entschließungen darlegen und dem Haufe alle diesbezüglichen Informationen zur Verfügung stellen, über die fie verfüge. Sie würde den Mitgliedern des Hauses die Berantwortung für ihre Stellung nahme hierzu übertragen. Schließlich ging Macdonald auf die seltsame, einzig dastehende Lage der Arbeiterreglerung ein, die nur eine Minderheit des Parlaments vertrete. Er erklärte: Die Regierung wird ihr Amt nur auf Grund eines direkten Mißtrauensvotums veriaffen, das von den verantwortlichen Führern der einen oder der anderen Partei beantragt und von dem Hause angenommen werden würde. Bis auf einige Mitglieder der Liberalen und der Konfervativen erhielt Macdonald Beifall von allen Bänken des Hauses. Nach Macdonald ergriff Baldwin als Führer der Opposition das Wort und sprach dem neuen Premierminister feine Aner tennung für seine Rede aus. Nach einigen weiteren Rednern wurde die Debatte pertagt. Labour an der Arbeit. Zur Eröffnung des Parlaments. O. P. 2onbon, 10. Februar. Die Wiedereröffnung des englischen Parlaments bringt den dramatischen Augenblick des historischen Szenenwechsels: die Arbeiterpartei zum erstenmal auf der rechten Seite des Hauses, Macdonald als Premierminister die Regierungserflärung verlesend, Baldwin, der gewesene tonservative Ministerpräsident, ihm gegenüber auf den Bänken der offiziellen Oppofition. Die Regierung weiß, daß sie ungeheure Schwierigteiten Macdonald fügte hinzu, er fönne jedoch nichts tun, bevor er vor sich hat, weil sie parlamentarisch eine Minderheits nicht die Berichte der Sachverständigenausschüsse über die Re= parationsfrage erhalten haben würde, die das erste zu über regierung und sozial eine Regierung der Arbeiter windende Hindernis bleibe. Sobald diese Ausschüsse ihre Entschei- laffe ist und weil sie Forderungen der arbeitenden Mendungen mitgeteilt haben würden, würde die Zeit gefommen fein fchen gegenübersteht, um die fich eine bürgerliche Regierung für eine vollständige nochmalige Prüfung aller Probleme und nicht gefümmert hätte, an denen eine Arbeiterregierung aber Bilichten. Das Endziel des englischen Auswärtigen Amtes müffe ihre Daseinsberechtigung erweisen muß. Gerade die Berbindie Erreichung einer dung dieser beiden Umstände: daß die englische ArbeiterBerständigung in der Rüstungsfrage regierung die Hoffnungen der englischen Arbeiter gegen eine fein. Dies würde der große Prüfst ein einer erfolgreichen Po- parlamentarische Mehrheit der englischen Bourgeoisie erfüllen litik fein. Er würde eine ganze Energie bazu anwenden, ben soll, macht ihre Stellung doppelt schwer. Gegenüber ihren repräsentativen Charakter und die Autorität des Bölferbundes zu steigern. Er hoffe, daß der Völkerbund mehr und mehr als ein Gegnern hat die Arbeiterregierung einen glüdlichen Anfang internationaler Gerichtshof für Fragen benutzt werden würde, die gehabt: durch ihre Mäßigung, die jede Ueberstürzung und jebe Demonstration vermeidet, aber sicher und ruhig ans Werk die Nationen glaubten, nicht selbst direkt lösen zu fönnen. geht, hat sie eine günstige Atmosphäre geschaffen. Aus den Deutschland müffe in den Bölferbund hineinkommen, und er hoffe, daß Rußland ebenfalls beitreten werde. Die Re- eigenen Reihen ihrer Anhänger drängen eine Reihe kritischer gierung habe zunächst an den europäischen Problemen gearbeitet, Probleme hervor: der Lokomotivführerstreit, die Forderungen der Dockarbeiter, die herannahende Auseinandersetzung im aber er sei sicher, daß, wenn Amerifa wissen werde, dieses Problem fei von neuen Gesichtspunkten aus mit Begeisterung und Bergbau, die unabweisbare Forderung nach Verbesserung der Idealismus ausgearbeitet worden, dann würde es den besten elenden Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter beweisen, daß 2ẞillen zeigen, seinen Anteil an diesem Wert zu nehmen. der Aufstieg der Arbeiterpartei zur Regierung zugleich ganz Der übrige Teil der Rede befaßte fich mit innen britifden natürlich das Kraftgefühl und die Kampflust der Angelegenheiten. Bezüglich des Wohnungsbaues erflärte Arbeiterklasse auch auf dem wirtschaftlichen Gebiet, Macdonald, daß die Arbeiterknappheit in diesem Gewerbe die große auf dem sie in den letzten Jahren gedrückt und geschlagen war, Schwierigkeit dieses Problems bilde. Eine Steigerung der Bahl miebererwedt hat. Es wird eine der größten und schwersten der Arbeiter begegne berechtigten Einwendungen feitens der Gewertschaften. Die Regierung sei bestrebt, diese Einwendungen da. Aufgaben der nächsten Zukunft sein, die wirtschaftliche und durch zu überwinden, bah in dem Baugewerbe die Garantie die politische Aktion miteinander derart zu vereinen, daß die für eine Fortdauer der Arbeit während einer gewissen| eine nicht die andere schädigt. | Was hat die Arbeiterregierung inzwischen bereits getan? Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik ist der wichtigste Schritt die Anerkennung der russischen Regie: rung. Sie ist erfolgt als ein selbstverständlicher und längst fälliger Schritt, der nicht einen Tag länger aufgeschoben werden sollte; die Lösung aller praktisch strittigen Fragen ist nicht als Bedingung der Anerkennung aufgestellt, sondern zum Gegenstand loyaler Verhandlungen zwischen den beiden gleich berechtigten Staaten nach der erfolgten Anerkennung gemacht worden; dennoch enthält der Wortlaut des Dokuments in jenem Baffus, wo von den Territorien des ehemaligen russiichen Reiches die Rede ist, die die Sowjetregierung aner= tennen, die notwendige Reserve, die auch Sozialisten und gerade sie gegenüber den heutigen Beherrschern Georgiens machen müssen. b Mit Frankreich hat die englische Arbeiterregierung vorläufig versucht, Beziehungen der Höflichkeit herzustellen, um auch die gegenwärtige französische Regierung, diesen Er ponenten der internationalen Bourgeoisie, zunächst durch Ruhe zu entwaffnen. Diesen Versuch, auch da eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, wird die Affäre des Lloy= Georg Interviews eine typische Geschichte der alten Diplomatie und der kapitalistischen Giftmischerei, voll pon Berwicklungen und Lügen- faum gestört haben. Es ist indes wenig wahrscheinlich, daß über diesen vorläufigen Berfuch hinaus England an eine Lösung der Probleme der europäischen Politit herangehen fann, ehe die Arbeit der Sachver ständigenkommissionen beendet ist und ehe die französifchen Wahlen entschieden haben, ob die fommende internationale Konferenz mit oder gegen die französische Regierung einberufen werden muß. Es mag Herbst werden, ehe der englischen Arbeiterregierung dieser größte Wurf gelingt. Aber während in der alten Welt die Arbeiterregierung nur langsam die ausgetretenen Pfade der alten Diplomatie zu verlassen und neue, breitere Wege einzuschlagen vermag, vollziehen sich draußen in den weiteren Gebieten des britischen Weltreichs neue große Begebenheiten und Bewegungen. In mei der wichtigsten britischen Kolonien, in Indien und Aegypten, fiel der Regierungsantritt der Labour Party zusammen mit einem mächtigen Sieg des jungen, nach Unab hängigkeit strebenden Nationalismus, der in beiden Ländern auf tonftitutionellem Wege, durch Wahlen und trotz eines höchst ungerechten Wahlrechts, in Aegypten unter der Führung 3 a gluls, in Indien unter der Führung Das', den Willen der überwiegenden Mehrheit des Boltes mit sich riß. Hier ist der englischen Arbeiterregierung eine ungeheure Aufgabe gestellt: diese neuen Tatsachen gebührend anerkennen, heißt jahrhunderte alte Sünden der britischen Bourgeoisie gutmachen, mit jahrhunderte alten Traditionen der Ausbeutung von Millionen Menschen durch eine dünne weiße Herrenklasse brechen. Wird die Arbeiterregierung dazu start genug sein? Nach Macdonalds Botschaft an Indien mit ihrer Mahnung zum gegenseitigen Verständnis wirkt die Freilaffung Ghandis als ein wirklicher Art der Versöhnung und des Vertrauens. Auch die bestialischen Methoden, mit denen die bürgerliche Regierung Englands in Mesopotamien Papitalistische Kultur verbreitet hat, indem sie dort, wo die Steuern nicht gezahlt wurden, das Luftbombardement wehrlofer Dörfer anbefahl diese Methoden, Steuern durch Fliegerbomben einzutreiben, sind nun ein für allemal begraben. Auch der Bau der Flottenbasis in Singapore- ein aggreffiver Att gegenüber Japan wird, wenn nicht eingestellt, so doch sicher eingeschränkt merben: in dieser Frage, wie überhaupt in der des Militär-, Marine- und Luftflottenbudgets stößt die Arbeiterregierung auf die Schwierigkeit, daß die Zeit zu furz ist, um vor der Einbringung des Staatsvoranschlages das System grundlegend zu ändern. Nur allgemeine, nicht einseitige Entwaffnung bermag aus dem Dilemma herauszuführen, das hier für Gozialisten innerhalb der kapitalistischen Welt unzweifelhaft entsteht. Und es gibt im Augenblick, wenn nicht wichtigere Fragen, so doch brennendere Bedürfnisse, wo es um die Lebensnotwendigkeiten des englischen arbeitenden Volkes geht. Eines der drängendsten ist die Bekämpfung der Wohnungsnot, und hier packt die englische Arbeiterregierung einfach und energisch zu. Die Schwierigkeiten in dieser Frage sind zweifach: einerseits die Kartellbildung der Kapitalisten, die die Preise der Baumaterialien fünstlich hochhalten; andererseits die Sorge der Bauarbeiter, daß eine plötzliche Konjunktur den Bustrom zu ihrem Berufszweig ungeheuer vermehren und sie nach furzer Zeit dann durch die vermehrte konturrenz vermehrter Arbeitslosigkeit preisgeben würde. Aber sayon hat Genosse Tom Shaw, der englische Arbeitsminister, in einer Konferenz mit den Bertretern der Arbeiter und der Internehmer ein lebereinkommen über diese Fragen erzielt,| das der Regierung vorliegt und aus dem Sigungsfaal des Kabinetts in Gestalt eines großzügigen Plans zum Bau von 200000 Häusern in das Land hinausgehen wird, werbend und zeigend, wie eine Arbeiterregierung arbeitet. 97 refpeftive zu unterlassen hätte, Tang und breit den gläubigen russischen Kommunisten auseinandergesetzt sein wird? In Wirklichkeit versteht Sinowjew noch viel weniger von England als von Deutschland, und das will nicht wenig sagen. Hat er doch in seiner Rede in Halle mit vollem Ernste ausgeführt, daß die soziale Revolution in England längst ausgebrochen wäre, wenn nicht die verräterischen Amster damer Führer J. H. Thomas und Genossen dies verhindert hätten! In England selbst könnte dieser Aufruf der„ Komintern" mur erschwerend auf die Tätigkeit der Arbeiterregierung wir fen, wenn er nicht zum Glid auch vom„ Egetutivkomitee der englischen fommunistischen Partei" mitunterzeichnet wäre. Da nun jedermann in England weiß, daß es eine solche Partei nur auf dem Bapier gibt sie hat ungefähr den gleichen Einfluß wie die Ledebour- Gruppe in Deutschland, wird man über diesen Aufruf mit einem Achselzucken hinwegsehen. La Fontaine erzählt in einer Fabel die Geschichte von der Schmeißfliege, die den Pferden, die die Posttutschen feuchend die steile Straße hinaufziehen, die Ohren vollbrummt und fie cuf alle möglichen Arien auch sonst noch belästigt. Als nun die Anhöhe glüdlich erreicht ist und die ausgestiegenen Bassas giere wieder einsteigen, während die Pferde etwas verfchnaufen dürfen, ruft fie legteren zu:" 5a, ihr Faultiere, ohne mich hättet ihr's niemals geschafft." Sinomjem teilt übrigens mit der Schmeißfliege noch eine andere Eigenschaft, nämlich die Vorliebe für Straßenmist. Und das andere ärgfte Uebel neben der Wohnungsnot, das erste und letzte große Problem der englischen Politik und Wirtschaft die Arbeitslosigkeit? Auch da spielen fleine, fchwierige Fragen mit: die Höhe der Arbeitslosen unterstüßung, um die die von Sozialisten verwalteten Fürforgeämter einiger Londoner Proletarierbezirke( Poplar) feit Jahren mit der Regierung Krieg geführt haben ein Streit, der nun entschieden werden soll. Die wichtigsten Grundfäße zur Regelung der Arbeitslosenfrage sind von den Vertretern der englischen Gewerkschaften zusammen mit den Vertretern der Arbeitslosen in sechs Punkten einer Charte der Arbeitslojen" zusammengefaßt worden; sie enthalten die Forderung nach Arbeit oder voller Erhaltung der Arbeitskraft" durch erhöhte Statsbeiträge, Mitwirkung der Gewerkschaften und vollständige Trennung der Arbeitslosenfür forge von der Armenfürsorge; Schaffung von Arbeitsgelegenheiten durch die Regierung, Anlage von Staatslehrwertstätten insbesondere für arbeitslose Jugendliche usw. Aber jenseits aller dieser Maßnahmen wird eines der wichtigsten Mittel zur Betämpfung der Arbeitslosigkeit die Ratifizierung des Abkommens von Washington über den Achtstundentag durch die englische Arbeiterregierung fein; ein Mittel, das über seine Wirkung im nationalen Rahmen hinaus internationale Bedeutung hat, denn das Beispiel der englischen Regierung wird den Forderungen der Arbeiterparteien aller Länder noch dem Beitritt ihrer Paris, 12. februar.( Eigener Drahtbericht.) Angeregt von der Regierungen verstärkte Kraft geben. Damit ist tasächlich ein unsicheren Haltung des Frank, von der durchweg pessimistischen internationales Hilfs- und Heilmittel gegen die Arbeitslosig- Beurteilung der Finanzdebatte der Kammer und insbesondere von feit gegeben: die allgemeine Anwendung des Achtstunden- der Aussicht auf die geplante 20 prozentige Steuer. tages schützt beffer als alles andere den Arbeiter des einen erhöhung, haben die Lebensmittelpreise in den letzten 14 Tagen Landes gegen die Schmuhtonfurrenz des auswärtigen Aus- nachzuholen begonnen, was durch die sich verschärfende Spannung beuters. Die Person des Genossen Shaw, der selbst Dele- zwischen den Preisen der Waren einerseits und den Lohn- und Gegierter Englands auf der Washingtoner Arbeitskonferenz haltslägen andererseits seit Ende November hintangehalten wurde. war, ehe er Sekretär der Sozialistischen Arbeiterinternationale Es ist nicht nur dem wirtschaftlichen Zwed des Finanzproblems der und nun Arbeitsminister der englischen Arbeiterregierung Regierung, fondern auch ihrer parlamentarischen Bosition abträgwurde, und seiner Unterstaatssekretärin, der Genoffin Bondlich, daß die Sanierungsentwürfe zunächst einmal die einzige Bir field, die eben erst bei der Sigung des internationalen Ar- tung haben, die Teuerung zu verschärfen. beitsamtes in Genf als Vertreterin der englischen Regierung den Bertretern des deutschen und des französischen Kapitals entgegengetreten ist, die vereint im Namen der heiligen Reparationen den Behnstundentag für die deutschen Arbeiter forderten dief beiden bürgen dafür, daß der Achtstundentag in der englischen Arbeiterregierung alsbald seine festeste Stüße finden wird. So beginnt die englische Arbeiterregierung ruhig und schrittmeise, aber mit fester Hand eine Bolitik auf weite Sicht. Aller Anfang ist schwer; aber dieser Anfang ist gut. Ghne Sinowfew geht die Chose nicht... Mestau, 11. Februar.( WTB.) Das Exekutivkomitee der Stommunistischen Internationale und das Zentralkomitee der englischen(?) tommunistischen Partei fordern laut Iswestija" das englische Proletariat auf, die Regierung Macdonald zur Berwirklichung ihrer der Arbeiterschaft gegebenen Versprechungen anzuhalten. * Bieder ein typisches Beispiel für die Unverfroren heit Sinomjews. Als ob es einer besonderen Aufforderung feitens der Moskauer Internationale bedurfte, um die englische Arbeiterregierung zu veranlassen, ihr Bestes im Interesse der englischen und der internationalen Arbeiterklasse zu fun! Aber die Leiter der„ Romintern", bei denen sich der Größenwahn mit Dreiftigkeit vorzüglich paart, mollen partout den Anschein erweden, als ginge es ohne ihr Bureden, ohne ihre Mahnungen und ohne ihre Ratschläge nicht. Wann er fcheinen in der Jsmestija" sechs Spalten„ Thesen" über die innere und äußere Politik der Regierung Macdonald, in denen all das, was sie nach Sinomjer und Bucharin zu tun, Völkische Zigaretten. Bon Hans Bauer. In München hat sich eine„ Böltische Zigaretten- Manufaftur" aufgetan, die„ Die Zigarette des deutschen Mannes" herstellt. Sie diese Zigarette schmeckt, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen fönnen, ich weiß vorläufig nur, daß fie in die Marten Roßbach, Enespa und Friedericus zerfällt. Warum Roßbach und Friedericus ist ohne weiteres flar. Bei Enespa habe ich erst eine Weile nach denken müssen, tann warb mir wahrscheinlich, daß dieses Wort eine Bufammenziehung der Anfangsbuchstaben der nationalsozialistischen Bartei sein fönnie. Die Begründer der Manufaktur haben sich offenbar gefagt: es gibt soundsoviel tausend Böllische in Deutschland. Diese schimpfen auf die Juden, auf die Margiften, auf die Bazififten. Diese geben völkische Stimmzetiel ab, diese schicken Ludendorff zu seinem Geburtstage Glückwunschtelegramme. Schön, werden fie audy völtische Zigaretten rauchen. Aber sie werden wahrscheinlich doch nicht, die Böttischen. Die Rechnung hat ein Loch. Die völlischen Herren Fabrikanten identifizieren nämlich leider den Konsumenten mit dem Bolitiker im Men schen. Der Politiker im Menschen ist häufig ein Geschmadsprolet, ein Phantast oder ein Nashorn. Der Konsument in ihm ift hingegen faft durchgängig ein Muster von nüchterner Sachlichkeit, ein heroisches Beispiel von Tatsachensinn. Schon etliche Male hat man ja in völkischen Kreifen versucht, die Idee in den Dienst des Geschäfts zu stellen. Eine Spielfarte ist mir einmal in die Finger gekommen, die statt der sonst üblichen Bilder Hakenkreuze, völkische Führer und Eichenblätter darstellte, auch von der Gründung einer völlischen Bant war früher einmal die Rede: das alles hat sich nicht bewährt. Wenn ein schlichter Mann des Boltes von seinen dealen daherrebet, so meint er das manches Mal so, daß die Industrie ihm doch mit Binte unter die Arme greife, aber niemals will er auf seiner politischen Auffaffung eine Industrie aufbauen laffen. Da übrigens bie Manufaktur allerorten Bertreter fucht, habe ich meinen augenblicklich beschäftigungslosen Freund Moische Canal auf die Firma aufmerksam gemacht. Gegen den antisemitischen Charakter des Unternehmens hegte er teine grundlegenden Bedenken, aber, so sprach er: Wie denken sich die Leut', daß der Detaillist für So etwas zu haben ist! Bin ich, wird der fragen, ein politisches Komitee ober ein Geschäftsmann? Immerhin fanr: man den Herren jener Manufaktur nicht recht böle sein. Shr Fimme! ift harmlos. Es gibt unter den Geschäfts. leuten vielleicht teine besseren Böllischen, aber es gibt unter den Böitischen zweifellos beffere Befchäftsleute als fie. Diese stellen die Roßbachs" nicht in der Deffentlichkeit her, sondern in aller Heimlich leit auf die Beine. Teuerung in Frankreich. Die letzten Abstimmungen in der Kammer, insbesondere die von Herriot in der vergangenen Woche erzwungene grundfäßliche Entscheidung für oder wider das Ermächtigungsgefeß, scheint eine Reinigung der raditalen Partei von einem Teil der unzuverlässigen Elemente zur Folge zu haben, die bisher bei wich tigen Abstimmungen der Opposition der Radikalen die Geschlossenheit nahmen. Am Dienstag wurde die fünfte Austrittserflärung eines radikalen Abgeordneten gemeldet. Im Hinblick auf die vorsichtige Baffung, biz per fozialistische Barteitag in Marseille feinem an die die Radikalen gerichteten Einigungsvorschlag für die Kammerwahlen gegeben hat, fann diese Vereinheitlichung der radikalen Bartei als eine Festigung des Lintsblods betrachtet werden. Schwerindustrie und Sachverständige. Die Schwerindustrie läßt durch die Ill. den von uns er wähnten Behauptungen des Berliner Times"-Berichterstatters entgegentreten, wonach ihre Bertreter den Sachverständigen Schwierig feiten bei ihren Untersuchungen in den Weg gelegt hätten. Abgesehen davon, daß nun der schlechte Einbrud, den die Ameri faner von der deutschen Schwerindustrie während ihrer hiesigen Ar. beiten gewonnen haben, auch von anderer Seite bestätigt wurde, ist es doch charakteristisch, daß bisher die Kommission biefer Times" Meldung nicht entgegenzutreten für nötig gehalten hat. Bir werden daher einem solchen Dementi nur dann Glauben schenken fönnen, wenn es die TU. aus dem Munde der amerikanischen Delegierten selbst wiedergeben wird. Diese würden es sicher als eine Ehrenpflicht ansehen, diese Angaben richtigzustellen, falls sie nicht auf Wahrheit beruhen sollten. Der Film in Naturfarben. Die Kinematographie frankt immer noch an der Farblosigkeit des bewegten Bildes, das ja nur aus Licht und Schatten zusammengesetzt ist. Wohl gibt es feit langem Berfahren, mittels deren die einzelnen Pleinen Filmbildchen foloriert werden können. Aber diese Arbeit ist bei der Unzahl der zu einem einzelnen Film gehörenden Aufnahmen fo langwierig und kostspielig, daß damit praktisch nichts anzufangen ist. Ebenso liegt auf der Hand, daß nur die Dreifarbenphotographie die Möglichkeit gibt, das bewegte Bild in den natürlichen Farben tönen aufzunehmen. Beim stehenden Bild ist dieses Problem ja auch gelöft; man nimmt drei Tei negative auf. von denen das eine, durch einen Blaufilter hergestellte, nur die Blauanteile des Aufnahmegegenstandes enthält, während die beiden anderen, durch einen Grünfilter und einen Reifilter hindurch aufgenommene Negative ebenso nur die Grün- und Rotteile des Gegenstandes wiedergeben. Will man nun ein bewegliches Bild durch dieses Verfahren wiedergeben, so müßte man die von den drei Negativen genommenen Kopien, burch Filter entsprechend gefärbt und gegenwärtig voll fommen dedend, auf die Leinwand werfen, um bei rich'iger Wahl der Filter ein bewegtes farbiges Bild zu erhalten, das alle Farbennuancen getreu wiedergibt. Um diese Methode für den Kinematographen verwendbar zu machen, müßte man also neben einem dreiteiligen Aufnahmeapparat auch einen breiteiligen, d. h. mit drei Objettinen und drei Lampen ausgerüsteten Projektionsapparat verwenden. Dies ist praktisch nicht durchführbar. Die erNun hat der Wiener Astronom Dr. Hnatet ein Berfahren ausgearbeitet, das der„ Deuifden Optischen Wochenschrift" zufolge gestattet, bas Brinzip der Dreifarbenphotographie auch beim Kinematographen anzuwenden. So wie das Auge imftande ist, rasch auf einanderfolgende Wechsel von Hell und Dunkel zu einem Gesamt einbrud zu verarbeiten, ber um so stetiger wirft, je rascher diese Wechsel erfolgen, ebenso ist das Auge auch befähigt, rafch folgende Farbenwechsel zu Mischfarben zu verschmelzen. Auf diesem Umstand ift die nateksche Methode des Farbenfilms aufgebaut. wähnten Drei'eilbilder in Blau, Grün und Rot werden nicht mehr nebeneinander auf drei gesonderten Filmstreifen aufgenommen, fon bern auf einem Filmband in stetiger Folge hintereinander. Die von diefem Negatiofilm in gewöhnlicher Weise remonnene Ropie wird ebenso wie beim Schwarz- Weiß- Film Bild für Bild, aber jedes durch auf einer rotierenden Scheibe angeordnete Filter entsprechend ge färbt, vorgeführt. Die Deckung der einzelnen, in furzen Abständen aufeinanderfolgenden Bilder erfolgt hier, wie beim gewöhnlichen Filmband, rein automatisch. Bei den in Wien und Berlin bisher erfolgten Borführungen vor Eachverständigen haben sich zwar noch viele Schwächen und Mängel gezeigt; immerhin scheint hier ein richtiger Weg zum Film in natürlichen Farben gefunden zu fein. Eine Donatello-Fälschung im Kaiser- Friedrich- Museum. Bor dem Kriege, als wir andere Sorgen hatten, wurde hier ein sich durch Wochen hinziehender Kampf gegen den damaligen Generaldirettor der Berliner Museen, Bode, ausgefochten, der die von Bode erworbene und fälschlich dem Leonardo zugeschriebene Flora büste worbene und fälschlich dem Leonardo zugeschriebene Flora büste zum Gegenstande hatte. Der Kampf drehte sich um mehr als um zum Gegenstande hatte. Der Kampf drehte sich um mehr als um die Büste. Er galt der Diftatur Bodes, der alle Mitte: anmandte, um auch in einer verlorenen Sache recht zu behalten. Wir fonnten Die Wahlen in Thüringen. Weimar, 11. Februar.( WTB.) Das Presseamt Thüringen fellt mit: Nach den bis heute nachmittag 5,45 Uhr vorliegenden amilichen Feststellungen des Abstimmungsergebnisjes der Thüringer Landtagswahlen werden auf den Ordnungsbund 34, auf die SPD. 16, auf die Kommunisten 13, auf die Deutschvölkischen Landtagsabgeordnete entfallen. Einige Wahlrefultate aus fleineren Orten stehen zurzeit noch aus. 6 Volkswehr statt Reichswehr! Man bente nur Das Organ Etegerwalds,„ Der Deutsche", macht sich in einem Auffag aus der Feder eines Hamburger Mitarbeiters zum Fürsprech der Beseitigung der Reichswehr und ihrer Erfegung durch eine Bolts mehr, wie sie die Sozialdemokratie in jahrzehntelangem Kampfe allein gefordert hat. daran, mit welcher nie ermüdenden Ausdauer unser August Bebel in Wort und Schrift die Wehrhaftmachung des ganzen Boikes gefordert, wie er die Miliz immer wieder gegen den geifttötenden militärischen Drill als demokratisches Beispiel vorgeführt hat. Jetzt macht sich„ Der Deutsche" dieser Forderung zu eigen, nachdem durch den Bersailler Vertrag dem deutschen Wolfe nur die Reichswehr im Höchstbestande von 100 000 Mann gestattet ist. Jetzt folche Forderung zu stellen, ist allerdings bequem. Besonders wenn man dazu so vortreffliche Argumente verwenden kann, wie sie Der Deutsche" aus den Erläuterungen Bruno Schönlants und Karl Kautstys zum Erfurter Programm der Sozialdemokratie zitiert. Wir freuen uns aber auch der verspäteten Einsicht, wenn sie nur standhält. Und wenn der Mitarbeiter des Deutschen" von der Sozialdemokratie sagt: Hein, wait hest du di verännert", so tönnen wir ihm nur sagen:„ Gor nich. Bitter, äwer du, Jung, holl fa fi!" Sozialabbau. Das Reich will die Nentenfürsorge abgeben. Die Reichsregierung will durch eine Verordnung auf Grund des Ermächtigungsgefeßes noch vor dem 15. Februar die gesamte Fürsorge für Striegsrentner, Sozialrentner und Kleinrentner, die eine Reidsaufgabe darstellt, auf die bisherigen andarmenverbände, die zu Fürsorgeverbänden umgestaltet werden sollen, übertragen. Die Finanzierung foll ausschließlich durch die Länder und Gemeinden erfolgen. Der Reichsbund der Kriegsbeschä bigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen", der„ Deutsche Rentnerbund"( Kleinrentner und der Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschland"( Sozialrentner) haben, da sie mit der Maßnahme nicht einverstanden sein fönnen, an den Reichsrat, dem die Berordnung gegenwärtig vorliegt, folgendes Telegramm gesandt: Die unterzeichneten drei maßgebenden Organisationen ersuchen in letzter Stunde, an der Zuständigkeit bes Reiches für die Kriegsfolgenhilfe Kriegsrentner, Sozialrentner und Kleins rentner rentner festzuhalten, da Rotstände in den Folgen des Krieges begründet. Reich muß Finanzierung im bisherigen Verhältnis behalten. Dadurch entstehende Belastung muß bei Finanzausgleich berücksichtigt werden." Landbürgermeistereien. Der Ausiauß des preußischen Landgemeindeordnung faßte am Dienstag in der Frage der Schaffung von Landbürgermeistereien folgenden Beiclub: 2andbürgermeistereien werden in den Provinzen gebildet, in denen der robiniallandtag die Bildung für das gesamte Gebiet der Provina beichlicht. Diefer Beschluß muß mit mindestens 2 der abgegebenen Stimmen gefaßt werden." 8 Bolitische Verhaftung in Dresden. Unter auffebenerregenden Umitänden ist der fächfifche Stegierungssetretär Groß vom Misterium des Innern verbaitet worden. Groß ist bem Mostauer Rubel zum Opfer gefallen. Er wird be schuldigt, der KPD. feit längerer Zeit vertrauliche Informationen weitergegeben und geheime Schriftstide ausgeliefert zu haben. Italtens Botschafter in Mostan. Die Sowjetregierung hat ihr Agrement zur Ernennung des Grafen Manzoni zum Botschafter in Mostau erteilt. Manzoni ist gestern abend nach Rußland abgercift. damals durch ein Interview mit dem Sohne des Berfertigers jener Büste den Beweis antreten, daß sie mit Leonardo nichts zu tun hatte. Aber Herr Bode Heß sie weiter unter dem Namen figurieren. Er wollte seinen Reinfall, der viel Geld gekostet hatte, night eingestehen. Heute glaubt niemand mehr, daß die Florabüfte ein Wert Leonartos ist. Diese Dinge werden wieder febentig, wenn man jetzt im Cicerone" lieft, daß eine von Bode 1910 gekaufte und erst fürzlich im Jahrbuch der preußischen Runftsammlungen" veröffentlichte Borträtplatette des Dogen Foscari von Donatello eine Fälschung ist. Der Fall ist noch eklatanter, da nicht bloß der Sohn des Herstellers den Zusammenhang auftedt- sondern der Künstler selbst. Es hat fich der Bildhauer Drefto Likudis als Schöpfer der Plafette be fannt. Aber so wenig wie der alte Lucas einen Leonardo, hat dieser einen Donatelle nachmachen wollen. Er hat zwar nach alten Bildern gearbeitet, aber die Blakette immer unter seinem Namen verkauft. Herr Bode ist hier also genau so angeführt worden wie mit der Flora, mit der ihn fein damaliger Londoner Bertrauensmann ein sehr merkwürdiger Herr, der uns eine Klage schuldig blieb hereingelegt zu haben scheint. Besonders interessant wird der neue Fall Bode dadurch, daß Bode ausdrücklich feststellt, daß sein angeblicher Donatello allerfeits als moderne Fälschung abgelehnt war. Es sind sicher noch mehr Fälschungen im Kaiser- Friedrich. Museum, und fein Museumsdirektor ist vor folchen Unfällen gefeit. Aber es wäre beffer, wenn sie ihre Menschlichkeiten eingestehen würden. Die Hypnosegeburt. Bielversprechende Erfolge find neuerdings mit der Anwendung von Hypnose bei der Geburt erzielt worden. Wie Dr. Ulrich Frante in der Deutschen Medizinischen Wochen schrift" berichtet, hat man in verschiedenen Frauenkliniken darüber wichtige Erfahrungen gesammelt. Bei der Ausübung einer hyp notischen Geburt, bei der die Gebärende in einen hypnotischen Dämmerschlaf verfeht wird und dann nicht die geringsten Schmerzen hat, bestehen freilich noch einige Schwierigkeiten. Zunächst muß die werdende Mutter für die Hypnose empfänglich gemacht werden. Das läßt sich durch den behandelnden Arzt in der Sprechstunde leicht erreichen, und zwar ist dies nicht nur bei besonders veranlagten Frauen leicht möglich, sondern der erfahrene Arzt fann ohne weiteres jede Frau unter seinen hypnotischen Einfluß stellen. Dazu ist allerdings, mie die Erfahrung lehrt, notwendig, daß der Arzt vorher einige Probefizungen abhält, um sich über den hypnotischen Einfluß Klarheit zu verschaffen, den er auf feine Batienten befigt. Braendwelcher Nachteil ist bei einer folchen Behandlung, die etwa eine Viertelstunde Zeit beansprucht, niemals festgestellt worden. Die Patientin fann sich zu jeder Tagesstunde und von jeder hauswirtschaftlichen Beschäf tigung weg einer folden Sigung unterwerfen und dann nachher ihrer gewohnten Tätigkeit ohne jede Beeinträchtigung ihrers Wohlbefindens nachgehen. Der Arzt muß es fo einrichten, daß die Bor bereitungszeit vorüber ist, wenn der Zeitpunkt der Geburt nahege. rüdt ist. Schwierig ist es, den Arzt zur richtigen Zeit zur Stelle zu haben, damit noch der hypnotische Dämmerzustand herbeigeführt werben fann, der die völlige Schmerzlosigkeit bei der Geburt ge währleistet. Nun ist das Herbeiholen des Arztes meist mit Zeitver luft verbunden, und so trifft er nicht felten einige Minuten zu spät ein. Aus diesem Grunde läßt sich die Hypnosegeburt am besten in Heute abend: Wichtige Mitgliederverſammlungen, Keiner darf fehlen! baut hat. Veränderungen in Ostpreußen. Nationalbolschewismus in Bayern. " Angst vor der nationalen" Revolution. und zum um sturz getrieben werden sollen Nach außen hin ble Gefahr des völkischen Rechtsradifaftsmus außerordentlich ernst einzuschätzen. Daher dieser Alarm, den man als eine Art Mahnund Hilferuf an das übrige Reich betrachten tann. Der Putsch von heute. Oder viel Lärm um nichts? am heutigen Tage hoffentlich fein weiterer Schaben entstehen, da Rheinprovinz und Pfalzopfer. Innenminister Severing ist von seiner Reise nach Ostpreußen zurüdgefehrt Seine Untersuchungen an Ort und München, 12. februar.( Eigener Drahtbericht.) Unter der UeberStelle haben ergeben, daß die reaktionäre Hege gegen fchrift Bom Nationalsozialismus zum Na'ionalbolschewismus“ die sozialdemokratischen und demokratijdjen Berwaltungs- bringt die Bayerische Staatszeitung" am Dienstagabend beamten unbegründet ist. So haben sich die Angriffe an leitender Stelle einen Wrtitel, ber, wie aus dem Inhalt leicht gegen den demokratischen Oberpräsidenten Giehr als voll zu ersehen ist, zweifellos von einer sehr einflußreichen und der Die bürgerlichen Abendblätter von gestern bringen aus den tommen haltlos erwiesen. Dem sozialdemokratischen Regie- bayerischen Regierung fehr naheftehenden Persönlichkeit stammt. verschiedensten Teilen Deutschlands Telegramme, in denen von ber rungspräsidenten Bold, der sich im Kriege zweimal frei. Hier heißt es u. a.: Die revolutionären Gruppen aus den Kampfverbänden treiben bruar berichtet wird. Die Tatsache, die diesen Sensationsmeldungen Borbereitung eines Sommunistenputfd) es für den 13. Fewillig an die Front gemeldet hatte und dem ein Arm und ein Bein abgeschossen wurde, mußte bestätigt werden, daß er ein einer immer weitergehenden und einer immer gefährlicheren zugrunde liegt, ist den Lesern des„ Borwärts" längst bekannt: es außergewöhnlich tüchtiger und eifriger Beamter ist, und wenn Rabitatifierung entgegen. Sie verschmähen selbst die Sie verschmähen selbst die handelt sich um ein fommunistises Flugblatt, in dem für den er in der Hitze des Gefechts ein deutschnationales Parteibureau Kampfesformen der Kommunisten nicht und lassen sich zu Anschlägen heutigen Tag zu Straßendemonstrationen aufgefordert durchsuchen ließ, so geschah das im Interesse der Re- hinreißen, die die außenpolitische Sicherheit des Reiches in Mit wird. Gewiffen Leuten tommt es eben darauf an, die Unentbehrpublif. Es liegt fein Anlaß vor, gegen ihn disziplinarisch leidenschaft ziehen. Es ist festgestellt worden, daß in der radikalen lichkeit des militärischen Ausnahmegefches zu beweisen, und andere vorzugehen. Dem sozialdemokratischen Polizeipräsidenten von vaterländischen Bewegung die alten Anhänger aufs neue gesammelt find freundlich genug, ihnen dabei zu helfen. Darüber hinaus wird Königsberg, Lübbring, mußten lesbst seine politischen wird der Anschein vorgetäuscht, als ob man lediglich die entschieden auch die kommunistisch gesinnten Arbeiter nach allen bisherigen trau Gegner bestätigen, daß er ein glänzender Verwaltungsbeamter vaterländischen Kräfte im Rahmen der öffentlichen Ordnung fammeln rigen Erfahrungen Klug genug fein dürften, irgendein von gewiffen. ist. der die Staatspolizei in mustergültiger Weise ausgewolle. Tatsächlich wird aber der Versuch unternommen, eine ähnlosen Leuten etwa geplantes Spiel mit Menschenleben liche revolutionäre Einheitsfront der Arbeiter, des Mittelstandes nicht mehr mitzumachen. und der Beamten herzustellen, wie seit 1919 von den Linksradikalen immer wieder an der Errichtung der Einheitsfront der Arbeiter, Angestellten und Beamten gearbeitet worden ist. Der Mittelstand wird durch die Geldentwertung und die Sparmaßnahmen der Regierung in Unruhe versetzt die Arbeiter werden genau wie von lints gegen die Ausdehnung der achtstündigen Arbeitszeit scharfgemacht. während die Beamten unter Hinweis auf den Beamtenabbau und die Herablegung der Gehälter gegen die Regierung gewonnen werben fellen. So wird aufs neue der Boden der Gesellschaft für die Revolution auf erissen, und es wird rersucht, durch die 3er fehung des Beamtentums der Regierung auch das Inftrument der Berwaltung zu zerschlagen. Noch ernster ist die Fest stellung, daß aus Bayern geflüchtete Führer der Kampfverbände in Flugblättern nicht nur eine milde heze gegen die Spitze der ftaatlichen Ordnung in Bayern treiben, sondern in ihrem politischen Haß und in ihrer Berblendung auch vor Landesverrat gegen das Reich und gegen Bayern nicht zurüdfchreden. Sie haben versucht, die Reichswehr gegenüber dem feindlichen Auslande in ähnlicher Weise bloßzustellen, wie es von den Linksradi talen feit 1919 immer wieder unternommen worden ist.( Hier ist offenbar angespielt auf den Bercat geheimer Akten der Reichswehr an die Franzosen durch einen hitlerisch in lerten Hauptmann der Reichswehr, der vor furjem nach Defferrreich flüchten mukte. D. Reb.) ährend aber die radikalen Strömungen rechts und links lange feindlich nebeneinander hercelaufen sind, bestehen ich deutliche Anzeichen dafür, daß diese fünftig zusammenfließen. Diefes Diese Ziffern beweisen, daß von einer sozialdemo. 3ufammengehen des finten und rechten Radikalismus hat sich feit Diese Ziffern beweisen, daß von einer fozialdemolanner Zeit vorbereitet. Um nur ein für München bezeichnendes fratischen Futterfrippenwirtschaft oder von einer Mißwirtschaft des Genoffen Severing nicht biz Rede sein kann. Im Gegenteil. Die Sozialdemokratische Bartel hat sich eine Zurüdhaltung auferlegt, die vom parte politischen Standpunkt aus nur ich mer tragbar und die nur aus der Rücksicht auf das Staatsganze erklärlich ist. Aber auch Rücksichten haben ihre Grenzen. Diese Grenzen sind jekt erreicht, wenn nicht bereits über'chritten. Es geht nicht an, daß das preußische Staatsministerium seine Berfonalpolitit auf die ahimache oftoreußischer Boltsparteiler einstellt. Die Sozialdemokratie bedankt fich jedenfalls dafür, im Konkurrenzfampf zwischen Deutschnationalen und Boltsparteilern als Steigbügelhalter zu fungieren. Mit Bedauern muß man deshalb hören, daß sich Innenminister Severing nach einer Beratung mit dem Gesamt fabinett trotzdem entschlossen hat, Personalverände rungen in Ostpreußen vorzunehmen. Genosse Lübb ring wird als Polizeipräsident nach Dortmund verseẞt; an seine Stelle in Königsberg tritt der Polizeipräsident von Dort mund, Genoffe Brandt. Da der Oberpräsident in Dit preußen vom 1. April an die Stelle des Regierungspräsidenten von Königsberg tritt, scheidet Genoffe Bold auf Grund der Abbauverordnung an diesem Termin aus dem Amt. An die Stelle des sozialdemokratischen Landrats Kahl( Kreis Niederung) tritt der aus dem Memellande ausgewiesene Landrat Dr. Honig. Der fommissarische Landrat des Kreises Lözen, D. Hermann, wird zum Landrat ernannt. Danach gestalten sich die Verhältnisse für die Sozial. demokratie in Ostpreußen nunmehr fo: Sie vereinigte bei den letzten Wahlen von 954 652 abgegebenen Stimmen 228 931 Stimmen auf fich und stand damit als zweit stärkste Partei direkt hinter den Deutschnationalen, wäb rend die anderen Parteien in weitem Abstand folgten. Trotz dem hat sie von den 37 Landrats poften heute nur noch 4 inne, ebensoviel wie das Zentrum, einen weniger als die Demokraten. 20 Landratsposten sind auch heute noch in Händen ehemals föniglicher Beamten; man fann also ohne weiteres annehmen, daß sie von deutschnatio nalen Reaktionären besetzt sind. Die fozialdemofrafifche Reichstagsfraffion tirb am Diens. tag, den 19. Februar, nachm. 1½ Uhr, zur Beratung der politischen Lage zusammentreten. einer Klinik vornehmen, wo jeberzeit ein in diefer Richtung ausge bildeter Arzt zur Verfügung steht. Dr. Frante hofft. daß es burch Berbesserung der Technik bald gefingen wird, alle Schwierigkeiten zu überwinden, so daß man die Frau auch noch dann, wenn die Ge burt schon eingefeßt hat, in Hypnose bringen fann. Hermann- Stehr- Feier. In Gegenwart des Dichters fand im Beethoven- Saal eine Feier zu Ehren seines 60. Geburtstages flatt, zu der die literarische Gesellschaft Berlin- Charlottenburg gelaben hatte und die im Bewußtsein des gesamten literarischen Berlin zu einer eindrucksvollen Huldigung für das bichterische Lebenswert Stehrs fich gefaltete. Zur Einleitung tam bas G- Dur- Trio Beethovens zum Bortrage. Begrüßungsansprachen hielten dann u. a. Oberbürgermeister Böß und Georg Engel im Namen des Verbandes deutscher Erzähler. Als Auftakt zu der mun folgerben Wiedergabe aus bes Dichters eigenen Werken( prach Friebrich Behl einen felbstverfaßten Brolog. Der Festvortrag des Schriftstellers Rochmann gab ein volles Lebens. bild dieses Dichters der Heimat und der Menschlichkeit". Im Bor trage von Loite Rofenbaum, Ernst Segal und Erich Drach sprach dann des Dichters Wert für sich selbst. Des Dichters Schlußwort bantte affen für den achtungsvollen Beifall. H. W. Der Dresdence Zwinger vor der Einsturzgefahr. Der Dresdener Swinger ist in Gefahr einzustürzen. Die baulichen Schäden, die der foftbare Bau Pöppelmanns erlitten hat, machen den 3winger schon feit Jahren zum Sorgenfind aller Runfifreunde. Im Mauerwert flaffen breite Fugen und ganze Architekturteile brohen herabzu stürzen, so daß die Baupolizei schon an eine völlige Absperrung des Zwingers gedacht hat. Die Fachleute bereidmen den Zwinger als eine fomplette Ruine. Der Heimschuh regt nun zur Beschaffung der nötigen Mittel zum Aufbau eine jährlich wiederkehrende Swingerlotterie an. Mynona lieft am Mittwoch, den 13. zu Sunften der Hungerhilfe im Meisteriaal Stöthener Straße eigene und frembe Grotesten. Starten 1 und 2 M. Bote u. Vod, Bertheim und Abendkasse. In der Urbeiter- Run, Barochialitr. 29, lieft Berta Rest aus elgenen Werten am Donneretaa, 14. februar, abends 8 Uhr. Ernst Friedrich spricht ebenbort Chinesische Märchen am 16. Februar und am 17. und 23. Februar Maffe Menich von E. Toller. Der Bund ehemaliger Schüler des Bolfsbochiajulhelms Dreißigader veranitallet am Freitag, ben 15. Februar, abenbs 8 Uhr. in der Zilchler Ichule, Langeftr. 31, einen Sunfiabenb. Die Einnahme des Abends ist für bas niedergebrannte Bollshochschulheim Dieißigader bestimmt. Scharlacherreger und Scharlachferum. Profeffor J. C. Dochez von ber Universität Kolumbia teilt mit, daß es ihm gelungen fet, ben Scharlach. bazillus zu identifizieren, ber, wie man bereits annabm, der coccus haemolyticus iſt. Es fet ihm auch gelungen, ein Serum bei zustellen, mit dem man beim Scharlad fieber befriedigende Ergebnisse erzielt hat. Armer Tutant- men, alle Beitounichungen, die in deinem Brabe gegen Grabesitörer ausgeforoßen find, baben nichts genügt. Zwar ist dein Ent deder einem Fliegenfitch erlegen, aber fein Ranfolger bat fein Biel erreicht. Wie aus Luror gemeldet wird, hat Howard Carter nach vorsichtiger Sprengung des Sarfobbags den brei Meter langen reid pergoldeten Mumienschrein aufgebedt. Der Schrein trägt tas lebensgrohe Porträt des Toten. Die Bissenschaft fennt keine Rüdfichten. Die nächsten Tage werben wir hören, was für großartige Entdedungen sie hier zu machen gedentt. Beispiel zu erwähnen, if bei der Störung der deufschnationalen Reichsgründungsfeier ein Mann führend hervorgetreten. der 1919 els führte. 1919 im Affionsausichuß der Bollinasräte der Betriebs- und Anarchiff den Bombenangriff auf den Münchener Julipaloft ausrechtsradikelen völischen Bewegung widmet. Diese Verhältnisse Soldatenrät Mündens täfin war und der feht feine Erfahrungen der treiben den Raditalismus von rechts und fints in die Richtung des Nationalbolfchemismus." Im Gegensatz zu früher beginnen affo die maßgebenden bane rischen Regierungsfreife jetzt, wo ihre eigene Existenz bebroht ist, Organen wieder einmal zum Zie punkt gehä figer Angriffe gemacht, Die preußische Regierung wird von gewissen nationalistischen weil sie angeblich eine Sammlung für die Pfalz( Pfalzopfer) verboten habe. Der ganze Lärm ist, wie so oft schon, ver geblich. Wie wir fefiftellen fonnten, hat die preußische Regierung nie daran gedacht, ein solches Berbot auszusprechen. Wohl aber hatte man dort nicht vergessen, daß sehr weite Gebiete Preußens unter dem Separatistenterror in dem gleichen Maße leiden wie bie Pfalz. Und man war deshalb der durchaus richtigen Meinung, daß. menn schon das deutsche Bolt zu Opfern aufgerufen werde, dies auch Volk für die rheinischen Gebiete geschehen müsse. Vor allem aber scheint es, als ob die Nationalisten nur einen Anlaß fuchten, um ein neues Feuerchen anzuzünden, ohne Rücksicht auf die außenpolitischen Berhandlungen, die das Reich gegenwärtig führt. Da ihnen der Verfuch jest mißg'üdt ist, schelten fie auf die preußischen Mi. nifter, denen fie Abrechnung in der Deffentlichkeit in Aussicht stellen. wichtiger scheint zu sein, daß die Rolle Stresemanns unb feiner journalistischen Bertrauensmänner in dieser Angelegenheit ge= flärt werde. Eine große Anzahl von Berbänden und Barteien ruft für Sonntag, den 17. Februar, zu einem Pfalz- und Rheintag auf. 3wed der Beranstaltung ist ein Proteft gegen die französischen Annegionsabfichten und gegen die Loslösungsbestrebungen in den be. fegten Gebieten zu protestieren. Aber der Tag soll zugleich auch ein Opfertag fein. General v. Seedt hat das Bebrtretetommando III angeteistagsfrattionen je brei Geidäftszimmer wiefen, den kommunistischen und den deutichböltifden freizugeben. Der Amtsgerichtspräsident Rh hat nunmehr felbit die Konfe quenzen aus feiner Maßregelung gezogen, indem er bei feiner bor. gelegten Behörde um Verf gung in den Rubestand nachgesucht hat. Er hat bereits am Dienstag feine Tätigkeit als Beamter eingestellt. Keine Einigung in der Steuerfrage. wenn nicht völlig unmöglich. Für die Inflationsgewinne der Landwirtschaft ist sie nicht einmal ernsthaft beabsichtigt. Die fo dringend notwendigen neuen Einnahmen für das Reich, ohne die auf die Dauer Der Unterausschuß des Fünfzehnerausschusses fette am| flationsgewinne wird bei der Aufwertung außerordentlich schwierig, Dienstag vormittag die Besprechung über die dritte Steuer. notverordnung fort. Die Verhandlungen wurden gegen mittag abgebrochen, da sich eine Einigung nicht erzielen ließ. Am Mittwoch nachmittag foll tregbem der Unterausschuß nochmals zufammentreten, um die bisher gefundenen Formulierungen entgegenzunehmen, und um dann dem Fünfzehnerausschuß Bericht zu erstatten. Wie aus diesen Angaben hervorgeht, steht auch jetzt, zwei Tage vor dem Ablauf des Ermächtigungsgefeges, noch nicht fest, ob bie dritte Steuernotverordnung auf dem Wege der ordentlichen Gesetz gebung oder durch das Ermächtigungsgesetz erledigt wird. Formell hält die Regierung an der Auffassung fest, baß sie die in der britten Steuernotverordnung geregelten Fragen auf Grund der ihr im Er. mägigungsgesetz erteilten Befugnisse ohne den Reichstag regeln fönnte. Der Fünfzehnerausschuß des Reichstages aber, und ebenso der Reichswirtschaftsrat, hatte sich für die Erledigung durch Die ordentliche Gesetzgebung ausgesprochen. Neben den politischen Erwägungen spletten babei auch juristische Grünbe eine er hebliche Relle. Mit Rücksicht auf die Stellungnahme der Berichte wird die Auffaffung vertreten, daß die Bestimmungen über die Auf wertung verfassungsändernd seien und daher durch das Ermächti gungsgefeh nicht erlassen werben könnten. Da diese Frage zweifel. haft ist, ist die Regierung an und für sich bereit, den Weg der ordent lichen Gesetzgebung zu beschreiten, münscht jebodh Sicherheit, daß dafür die erforderliche 3 weldrittelmehrheit rechtzeitig gesichert fei. Der Erreichung dieses Zieles der Regierung stellen sich aber immer größere Schwierigkeiten entgegen. Das oberste Ziel der britten Steuernotverordnung, die unbedingte Sicherung der Stabilität unserer Währung, hatte die Res gierung ursprünglich veranlaßt, ein Aufwertungsverbot für Geldforderungen vorzuschlagen und die dadurch entstehenden Gewinne für Steuerzwede in Anspruch zu nehmen. Sie ging dabei von dem Gedanken aus, daß die Erhaltung der Stabilität der Währung und die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Körperschaften nicht nur für die Gesamtwirtschaft, sondern auch für den einzelnen zweckmäßiger und vorteilhafter fel, als wenn burch eine stets nur geringfügige Aufwertung einzelnen Inflationsgeschädigten ein feiner Borteil, der Gesamtheit des deutschen Bolles aber ble Gefahr neuer Inflation auferlegt würde. Die Regierung hat sich jedoch von ihrer ursprünglichen Abficht immer weiter abbrängen laffen. Und es besteht gegenwärtig die große Gefahr, daß inter ihrer Mitwirkung oder Duldung aus parteipolitifen und mahitattifchen Gründen eine Lösung gesucht wird, die fachlich bedenklich ist. Denn man muß sich immer verreger wärtigen, baß jebe Mufwertung im großen und ganzen nur den leistungsfähigen Gläubigern Bortelle bringt, die Masse der Inflationsgeschädigten aber nur Bertröstungen auf die Bukunft oder Bettelpfenn.ge erhalten fönnte. Aber selbst eine folche Regelung ist von großen Gefahren für die Reichsfinanzen und die Erhaltung der Stabilität der Währung. Die Besteuerung der Inder Rüdgriff auf die Notenpreffe nicht wird vermieden werden können, werden dann ausbleiben. Außerdem wird das Aufkommen aus der bereits beschlossenen Ver mögenssteuer, der Erbschaftssteuer und der Einkommensteuer ge führbet. Das alles fehen auch bie bürgerlichen Parteien und die Bertreter der Wirtschaft. Und tregbem begünstigen fie eine solche Lösung, weil sie angesichts der bevorstehenden Wahlen und der Stimmung der Interessententreise sich nicht dazu aufschwingen tönnen, nach fachlichen Erwägungen zu entscheiden und das Interesse des deutschen Bolles über das Intereffe einzelner zu stellen. Goldmart, die das Reich für den Finanzausgleich benötigt, Sie sind ebensowenig entschloffen, bie 600 Millionen burch eine Belastung des Befizes aufzubringen. Die Bermögens. zuwachssteuer, durch die das Loch im Etat gedeckt werden soll, wird von ihnen abgelehnt. Die Miete soll das Objekt für Steuerzwede und für die Bereicherung des Hausbeligers bleiben. Also statt Be fißbelaftung Maffenbelastung in der schlimmsten Form. Daß durch Goldmiefen, die den Reallohn weiter erheblich vermindern, die Kauffraft der Masse der Bevölkerung herabgesetzt mird, wird für nebenfächlich gehalten. Auch darüber zerbricht man ich nicht den Kopf, was mit denjenigen geschehen soll, die die hohe Miete nicht zahlen fönnen und eventuell obdachlos werden. Aber Sentung des Reallohnes ift Berschärfung ber Ab. fagftodung auf dem Binnenmarft und Berschärfung der Wirtschafts. frise, Bergrößerung der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit. Er. höhung der Mieten für Steuerzwede ist aber vor allem auch Unterbindung der Neubautätigkeit und verhindert, daß von der Belebung des Baumarkts die zahlreichen Anregungen für die Wiederbelebung der Wirtschaft ausgehen. Bir möchten deshalb in letter Stunde unfere Stimme erheben und vor einer Lösung warnen, die Innen- und außenpolilifh gleidh verderblich wirken müßte. Auf der Regierung und auf den fie ftühenden Bar. teien ruht eine ungeheure Berantwortung. Solange das Ermäch tigungsgefeß nur angewendet wurde gegen die Interessen der breiten Massen der Bevölkerung, da überwand die Regierung spielend alle Schwierigfelten. Jezt, wo der wichtigste Schritt zur Sanierung ber deutschen Wirtschaft geschehen soll und wo eine dauerhafte, die Gefundung des Wirtschaftslebens fördernde Lösung nur gefunden werden tann, wenn vor ben Interessen des Besitzes nicht haltgemacht wird, da ist sie feit Wochen ratios. Statt bessen nähert sie sich immer mehr der falschen Lösung. Und man gewinnt den Eindruck, daß man binnen furzem ben Beweis dafür in der Hand haben wird, daß die Dittatur verlagt, wo die Schwierigkeiten be. ginnen. Gewerkschaftsbewegung Die Behördenangestellten und der Abbau. Auf Einladung des Aftionsausschusses der Angestellten bei Reichs- und Staatsbehörden verfammelten sich am Freitag nachmittag die Angestelltenräte der vom Personalabbau am stärfften betroffenen Behörden. Der Vorsitzende des Aktionsausschusses gab, ergänzt durch Ausführungen der Angestelltenräte, einen allgemeinen Ueberblid über die Durchführung des Abbaues, bem nur überwiegend Angestellte zum Opfer gefallen find. Scharf gegeißelt wurde die unsoziale Art des Borgehens vieler Dienststellen, die ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Berhältnisse Künbigungen aussprechen, auch die Leistungsfrage nicht genügend prüfen und bereits viele Angestellte, darunter alte Familienväter, in bitterste Not und in Berzweiflung getrieben haben. Die Angestellten verlangen, daß, wenn schon der Abbau fast ausfchließlich zu ihren Lasten vorgenommen wird, dies in den publizierten Abbauzahlen auch flar gum Ausdrud fommt; die bisherige Tattif, von z. B. 25 Prozent abgebauten Beamten und Angestellten zu sprechen, läßt nicht erkennen, daß hierin etma 24 Prozent Angestellte und nur etwa 1 Brozent Beamten enthalten sind. Starte Entrüstung rief die beabsichtigte Vorschrift der in nächster Zeit heraustommenden Ausführungsbestimmungen zur Berfonalabbauverordnung hervor, nach weicher Be triebsratsmitglieder entlassen werden können, ohne daß die Genehmigung der Betriebsvertretung gemäß§ 96 des Betriebsrätegefeges( und bei Versagung derselben die Genehmigung des Arbeitsgerichts nach§ 97 des Betriebsrätegefehes) eingeholt zu werden braucht. Eine solche Bestimmung fäme einer Lahmle gung des Betriebsrätegefeges gleich und würde dem gesamten Unternehmertum erwünschten Anreiz zur allgemeinen Maßregelung der unbequemen Betriebsvertretungen geben. Diese beabsichtigte Ausführungsbestimmung darf auf keinen Fall Gefehes fraft erlangen, um so mehr, als das Reichsarbeitsministerium, die maßgebliche Stelle für die Auslegung des Betriebsrätegefeges, fich dieser Bestimmung widersetzt und sie als unvereinbar mit dem Sinn des Betriebsrätegesetzes ansieht. Es wurde noch darauf hingewiesen, daß das Reichs mehrministerium von sieben Betriebsrats. mitaliedern bereits fünf entlassen hat, ebenso das Reichswirtschaftsministerium den Betriebsratsvorsitzenden, das außerdem den Vorfizenden der Beamtenvertretung auf Ruhegehalt gesetzt hat. bie Zeit vom 18. bis 31. Januar 25., ab 1. februar 23 2. Es besteht also für die Zeit vom 8. Dezember bis 17. Januar überhaupt feine tarifliche Regelung. Es ist auch nicht gefagt worden, ob die einseitig von den Arbeitgebern angewiesenen 23 m. bis zum 17. Ja nuar als Tariflohn gelten sollen. rengen, war ergebnislos. Der Stret! get weiter. Hebt Solidarität! Die Firma Tertilfabrikation schreibt uns, daß die sie betreffende Notiz in der Ausgabe vom Sonntag, den 10. d. Mis., in feiner Beise den Tatsachen entspricht, da die Lohndifferenzen nach beider feitiger Aussprache vollkommen beigelegt waren. Die Arbeitgeber haben aber ben Lohn um 4 D., von 27 auf 23 M. abgebaut, der Schlichtungsausschuß hat den Lohn vom 18. bis 31. Januar auf 25 m. erhöht, ihn um 2 m. aufgebaut, und für die Zeit ab 1. Februar bie 2 m. wieder gestrichen, womit er den Abbau nach Wunsch der Unternehmer um wöchentlich 4 M. fant- sprache, die erst am Montag erfolgt ist. tionierte. Die Arbeitnehmer haben durch eine Urab ftimmung den Streit beschlossen und gleichzeitig der Organisationsleitung die Bollmacht erteilt, ben Zeitpunkt der Arbeitseinstellung zu bes stimmen. Die Organisationsleitung ist sich der Tragweite gerade in dieser Gruppe, die die Berliner Bevölkerung mit den wichtigsten Lebensmitteln versorgt, wohl bewußt, doch muß sie die Verantwor: tung den Arbeitgebern und bem Schlichtungsausschuß überlassen. Zum Streif bei„ Rota Copie“. Nachdem die im Rampfe stehende Belegschaft bereits in der achten Streifwoche vollzählig ausharrt, versucht es die Firma mit Raczmaret- Leuter Ein Bäderdugend lichtscheuer Gestalten, von denen einzelne provokatorisch das Hafenkreuz zeigten, wird morgens und abends unter polizeilicher Es. forte von und zur Arbeit gebracht. Ein größeres Polizeiau fgebot, ein Laft auto mit den Streifbrechern und fünf dahinter fahrende Schupobeamte sind ein tägliches Schauspiel für die Reinickendorfer Straße. Das Auto wird geftellt von der Firma Scholz, Bonenstr. 27. Bon morgens bis abends sieht der Wagen auf dem Fabrithof, während der Chauffeur fich im Betriebe aufhält. Weniger Rücksicht nimmt die Polizei mit den Streifpoften, die mit ihren Schildern gestern von einem Leutnant vertrieben wurden. Alle Arbeiter, besonders Kraftwagenführer, bitten wir um erhöhte Aufmerksamkeit. Täglich wechselt der Streifbrecher Die agent den Sammelping refp. die Abladestelle seiner Leute. Streifenden erwarten die Solidarität aller Arbeiter in dem ihnen aufgezwungenen schweren Kampfe. Die Versammlung schloß in Einmütigkeit darüber, daß die Ta tigkeit der Angestelltenräte, die notwendig ist in sozialer und gewerkschafts- Internationale trägt, in allernächster Zeit die Einberu werkschaftlicher Hinsicht und auch für die Wirtschaftspflege nicht zu entbehren sei, nicht erlahmen dürfe. Nur das feste Zusammenstehen aller Arbeitnehmer, der feste Zusammenschluß in Verbänden und Gewerkschaften fann über die jeßige schwere Beit hinweghe fen. Die meritätige Bevölkerung darf nicht in die Verelendung der Bor revolutionszeit zurüdgedrängt werden! And der Angestelltenbewegung. Die Zeit der Inflation, die alle Gewerkschaften in ihrer Tätig feit fehr gehemmt hatte, ist hoffentlich für immer vorüber. Ueberall beginnt der Neuaufbau und die Gewerkschaften versuchen mit allen Mitteln ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Es ist den Unter nehmern nicht gelungen, die freie Gewerkschaftsbewegung zu ser fchlagen. Der 3 entralverband der Angestellten hat die Beit der Inflation verhältnismäßig gut überstanden. Die Mitglieder bewegung ist zwar nicht vorwärtsgegangen, doch im allgemeinen Stabil geb leben. Jeder Angestellte sollte erkennen, daß in dem jeht einsehenden ungleichen Kampf zwischen Arbeitnehmern und Arbeit gebern nur die Gemertihaft imftande ist, die Intereffen der Arbeit nehmer wirksam zu vertreten, die feine Rüdficht auf die Arbeitgeber zu nehmen braucht. Der Zentralverband der Angestellten hat in leiner ganzen bisherigen Gewerkschaftsarbeit die Notwendig teit des Achtstundentages sowie den Ausbau der sozialpolitischen Gesezgebung in Wort und Schrift befürwortet. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband, der in der Theorie auch für den Achtstundentag ufw. eingetreten ist, versagt jetzt, wo es gilt, den Kampf um die Beibehaltung des Achtstundentages aufzu nehmen; er bietet den Unternehmern den Neunstundentag an. Es entspricht der Tradition dieses Verbandes, daß er in der Theorie, dem Drängen der Handlungsgehilfen folgend, für sozialpolitische Forderungen eintritt, aber nie daran denkt, sie auch in der Praxis durch zuführen. Der 3entralverband der Angestellten ist die alleinine Intereffenvertretung der Handlungsgehilfen und Bureauangeftellten. Wer es mit der Angestelltenbewegung ehrlich meint, der fchließt sich dem Zentralverband der Angestellten an. Kommunistische Quertreiberei in Mitteldeutschland. Halle, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die kommunistische Agitation in den freien Gewerkschaften nähert sich einem gefährlichen Höhepunkt. Dem Halleschen Bergarbeiterverbandsleiter ist schwerbelastendes Material in die Hände gefallen. Man plant nach ums fangreicher Agitation in den Reviern, dern Kosten die Rote Ge fung eines revolutionären Bergarbeiterfongresses". Dieser Kongreß soll den Austritt aus dem ADGB. und die Üeberleitung des gefamten mitteldeutschen Apparates in die fommunistischen Hände beschließen. Ein Mitglied des Halleschen Bezirksvorstandes ist am Montag als heimlich von den Kommunisten bezahlter Bezirksfefretär entlarvi worden. Dem Bergarbeitertongreß sollen die übri gen Teile des ADGB. mit entsprechenden Veranstaltungen und Maßnahmen folgen. Selbstverständlich wird alles geschchen, um cine folche schwere Schädigung der freien Gewerkschaften unmöglich zu machen. Die gutbesuchte Bersammlung freigewerkschaftlich organi fierter Hallescher Barteigenossen nahm gestern folgende Resolution einstimmig an: Das Vorgehen der sogenannten Gewerkschaftsopposition ist unvereinbar mit den Richtlinien und Grundsägen der freien Gewertschaftsbewegung und ist geeignet, die Aktionskraft der Gewerkschaften schwer zu erschüttern. Unter der mißbräuchlichen Benutzung des Namens des ADGB. beruft die Opposition unzählige Bersammlungen ein, um in diesen bewußt durch kommunistische Redner Propaganda gegen die Gewerkschaften zu betreiben. Die Are beiterschaft Mitteldeutschlands, die schon durch die politischen Mirren zur faft völligen Ohnmacht verurteilt ist, fönnte eine Zerreißung des legten Bellwerts der Arbeiterbewegung nicht ertragen. Die Ber fummlung verlangt deshalb, daß alle Schritte unternommen werden, um das Treiben der Opposition zu unterbinden und die Zertrümme rung der Gewerkschaften zu verhüten." Die Seemannsordnung gegen Streikende. Die am Montag mit einem dänischen Tampfer in Hamburg angekommenen dentschen Seeleute, die in England gestreift batten, wurden, soweit es sich um Befagungen hamburger Schiffe handelt, fofort nach der Landung in einem fummario fchen Verfahren abgeurteilt. Nachdem die Berfonalaufnahme erledigt war, wurden die Hamburger Mannichaiten nach der Navigationsschule gebracht, wo das Gericht tagte. Die berbängten Strafen Schwanfen zwischen zwei und vier Wochen Ge. fängnis doch wurde eine zweijährige Bewährungsfrist zugelassen. Die Mannschaften der nicht in Hamburg beheimateten Schiffe wurden den Heimatsbehörden überwiesen. Die im Deutschen Berkehrsbund organisierten Lagerarbeiter und Achtung, Klempner! Durch Verhandlung mit der Zwangs▪futscher hatten bis 7. Dezember einen Tarifwechenlohn von 27.innung für das Klempnergewerbe wurde ein Stundenlohn von Die Arbeitgeber jetzten ab 8. Dezember den Lohn einseitig auf 23 M. 65 Bi. vereinbart. Beich verden über Nichtbezahlung sind umgehend herab. Der Schlichtungsausschuß fällte am 5. Februar einen Schiedsspruch, der in der Lohnhöhe den schärfsten Widerspruch und die Ablehnung der Arbeiterschaft herausforderte und auch rechtlich unhaltbar ist. Der Schiedsspruch des noch nicht bestätigten Amtsserichtsrats Stuger als Borfihenden besagt: Der Lohn beträgt für Streitbeschluß im Buttergroßhandel. Virginia No11 an unser Bureau zu richten. Deutscher Metallarbeiterverband, Drtsverwaltung Berlin. Achtung, Metallschleifer, Galvaniseure! Die Verbandlung mit der Firma Steiner, Oranienstr. 6, aweds Beilegung der Diffe Die new neue Wie uns der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband hierzu mit teilt, sind die Differenzen allerdings beigelegt, aber nach einer AusAussperrung in The Manufacturing Company" Wittenberge ( Bezirk Potsdam). Dieie Firma, eine Tochter fabrit der bekannten amerikanischen Nähmaschinenfabrik Singer u. Co., hat ihre Arbeiter, weil diese einen zebuprozentigen Lohnabzug und die Verlängerung der Arbeitszeit auf neun Stunden ablehnten, am Montag au 8gesperrt. Beschäftigt find etwa 2400 Arbeiter. EF Achtung, Gruppe Amsterdam im Verband der Lithographen und Steindrucker u. v. B. Morgen, Donnerstag, nachm. 5 Uhr, Versammlung aller Rollegen der Richtung Amsterdam im Graphischen Vereinshaus, Alexandrinenfit. 44. Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht! Ausfchußmitglieder eine halbe Stunde früher. Die Gruppenleitung. J. A.: Reventlow. Achtung, Zimmerer! Morgen, Donnerstag, abends 6% Uhr, im Barteisekretariat Neukölln, Neckarstt. 3, Versammlung sämtlicher VSPD.Mitglieder des Bezirks 20( Neukölln) der Zahlstelle Berlin bes Benrtalverbandes der Zimmerer. Sympathisierende tönnen einge. führt werden. Beginn der Betriebsräteschule. Morgen, Donnerstag, beginnen folgende Kurse: 8entrum: Sophien- Lyzeum, Weinmeifterstraße 16/17, Arbeitsrecht und Bürgerliches Gefehbuch( 7% Uhr)); Buchhaltung und Bilanz( 8 Uhr); Der industrielle Betrieb( 8 Uhr). Gaboten: Leibniz- Gymnasium, Mariannenplag. Die Organisation als Grundlage der Gesellschaft( 6 Uhr, 8immer 17); Das wirtschaftliche Mitbestim mungsrecht der Betriebsräte( 6 Uhr, Zimmer 18); Deutsche Wirtschaft im geit. alter der Ronzentration( 6 Uhr, Zimmer 20). Often: Fachschule für Tertil- und Bekleidungsaewerbe, Barschauer Blazz 6-8, Grundfragen der modernen Bollswirtschaft( 6 Uhr, 8immer 115). Wilmersdorf- Schöneberg: Rüdert- Schule, Rätherstr., Grundfragen der Arbeiterbewegung( 6 Uhr). Hörerkarten( sum Preis von 2 M., Kurzarbeiter 1 M., Arbeitslose unentgeltlich) werden Engelufer 24/25, 2. Hof, 1 Tr., ausgegeben. Auch lönnen Surfe direkt aufgesucht und dort an den Bertrauensmann der Beitrag gezellige werksch Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. Zentralverband bez angefellten. Gettion Spedition. Heute abend 7% Uhr Mitaliederversammlung im Reid stafino, Neue Königstr. 26. Bericht über die Tarifverhandlungen. Gemitlides Beifammenf in. Gäste fönnen Fachgruppe Papier: Sektionen Buchhandel, eingeführt werden. Briefumschlag, Buchbruck, Karionnegen, Zeitungsgewerbe, Bapier- und Happengroßhandel, Mitaliederversammlung, morgen, Donnerstag, abends 7½ Uhr, im Börfenfaal ber Musikerfäle. Kaiser- Wilhelm- Str. 31. Arbeitszeitverlängerung, feffor an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg. ein Angriff auf die Bolksgefundheit." Referent: Dr. Benno Chaies, ProBerantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Birtschaft: 3. B.: Craft Reuter; Gewerffchaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. 3. Döscher: Lokales und Sonstiges: Fris Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. En.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. 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Es ist nicht allzu lange her, als in der Mordaffäre Grupen, der beschuldigt war, zwei jungen Mädchen das Leben genommen zu haben, das Problem Hypnose und sexuelle Hörigkeit" zur Debatte stand. In Berlin war es der Fall einer„ hypnotischen Verschiebung von Möbeln“ einer Ehefrau in Abwesenheit ihres Mannes, der viel Aufsehen erregt hat. Auch hier tamen die Sachverständigen zu dem Schluß, daß sich Hypnose nicht nachweisen ließe, sondern daß es sich nur um einen Zustand ferueller Hörigkeit handele. Der Fall des Dr. Achelis weist nun in manchen Beziehungen Eigentümlichkeiten auf. Der Herr, der die ganze Angelegenheit in einer gewissen Bresse so sensationell als mög lich aufgezogen hat, behaupiete nämlich, Dr. Achelis habe den jungen lich aufgezogen hat, behauptete nämlich, Dr. Achelis habe den jungen F. hyprotisch zwei Monate hindurch in geblendetem Zustande gehalten, aus Gründen sexueller, erpresserischer, vielleicht auch politischer Natur. Seinen Enthypnotisiertalenten sei es dann gelungen, ten Unglücklichen zu retten, ihn zu feinen Etern zurückzubringen und den Verbrecher" der fühnenden Hand der Behörden zuzuführen. Zwei Tage befand sich der Verdächtige sogar in Haft. wo das Objekt wirklich dem Angeschuldigten alles zu Gefallen zu tun bereit ist, ganz in seinem Bann steht, ihm blind ergeben ist. Der Fall der beiden Freundinnen im Giftmordprozeß Klein ebbe ist noch allen in frischer Erinnerung. Hier ist der Uebergang zu Verbrechen an Hypnotisierten gegeben; gleichzeitig sind aber auch die Grenzen gesteckt, wie weit eine solche Beeinflussung gehen kann. Eins steht fest: Es ist unmögich, fogar für kurze Zeit nur, einer Person Liebe zu einer anderen Person oder einem anderen Geschlecht zu fuggerieren, die der Betreffende nicht kraft feiner eigenen Konstitution fühlt. Deshalb haben u. a. auch die Hoffnungen getäuscht, durch Hypnose Heilungen vers schiedener ferueller Triebabweichungen zu erzielen. Aus gleichem Grunde sind diese sexuellen Verbrechen an hypnotisierten Bersonen äußerst felten. Sie können nur begangen werden beim Vorhandensein hysterischen Bersonen. Daß unter diesen beiden Borauslegungen weitgehender innerer Bereitschaft und nur an schwer einzelnen Falle wäre trotzdem eine gewisse Stepsis und eine einVerbrechen vorkommen fönnen, ist nicht zu leuanen, aber in jedem gehende Nachprüfung am Blaze. Theoretisch ist also zuzugeben, daß Verbrechen an Hypnotifierten begangen werden können, und die Braxis weist auch einige feltene Fälle auf. Die im Institute für Serualwissenschaften angestellten hypnotischen Experis mente haben auch erwiesen, daß von Hypnotisierten nur Befehle ausgeführt werden, die nicht seiner innersten Ueberzeugung oder Der Berichterstatter schrieb u. a.: Die Deffentlichkeit sei schon fonftitutionellen Beranlagung widersprechen. So war es z. B. unlängst beunruhigt durch immer öfteres Auftreten der Berbrechen auf möglich, einen deutschnationalen Jüngling, der in einen tiefen, bis zur vollständigen Katalepsie( Gliederstarre) gehenden hypnotischen hypnotischer Basis, die verantwortungsvollen Stellen follien fich Schlaf versenkt war und auf alle neutralen Befehle prompt reagierte, deffen bewußt sein. Daß die Oeffentlichkeit durch die hypnotischen Berbrechen schwer beunruhigt ist, erfährt man bei dieser Gelegenheit zu veranlassen,„ Es lebe die Republik" zu sagen; als der Hypnotiseur trotzdem wiederholt auf ihn mit dem gleichen Befehle ein wohl zum erstenma; daß die Deffentlichkeit aber allen Grund hat, drang, riet er schließlich:„ Es lebe Hindenburg!" Ebenso unmögdurch die Art und Weise beunruhigt zu fein, in der eine geroiffe Tages- lich war es, einen jungen Homosexuellen, der sonst ohne weiteres alle und Nachtpresse, um der ungefunden Sensationsfüsternheit des bürgerlichen Bublifums gerecht zu werden, die Kriminalfälle aufbauscht, ihm vorgestellten Bersonen als diejenigen hinnahm, für die man sie der polizeilichen und gerichtlichen Untersuchung vorgreift und so ausgab, eine ihm gegenüber placierte Dame als eine ihm sonst sehr fich einer fuggeftiven Stimmungsmache befleißigt, liegt auf der Hand fnmpathische männliche Perfon anzuerkennen. In einem dritten Unerhört ist es auch, wenn ein Berichterstatter in einer Person Falle fonnte man einen ebenso Hypnotisierten nicht dazu bringen, einer Person einen Auß zu geben. Kriminalbeamter, Staatsanwalt, Richter und psychiatrischer GutHypnose und Oeffentlichkeit. achter spielt. Das geschah auch im Falle des Ingenieurs Franz, der schließlich freigesprochen wurde. Man fann noch darüber streiten, ob Berichte der Pressestelle des Polizeipräsidiums unter Umständen nicht auch Parteinahme gegen den Angeklagten bedeuten: die Ges richtsverhandlung fördert nicht selten ein ganz anderes Bild zutage, als es die erste Bernehmung des Kriminalbeamten getan hat. Aber mehr als ungehörig ist es, wenn die befaqte Breffe, die fein anderes Ziel a's das der Senfation verfolgt, fich die Befugnisse der offiziellen Breffeftelle aneignet. Der richterlichen Untersuchung des Falles Achelis soll nicht vorgegriffen werden, aber von diesem Fall abge. fehen, ist das Problem Berbrechen und Hypnofe" interessant genug, um näher beleuchtet 31 werden. Ganitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld hat fich auf unsere Ber muß bei dem Problem zwei Arten von Fällen unterscheiden: Berbrechen an Hynotifierten und Verbrechen von Hypnotisierten. Schaustellungen- MassenfuggeftionAutohypnose. Mittwoch, 13. Februar 1924 der damals als Sachverständiger fungierte, hatte feine leichte Arbeit, das durch Massen- und Autosuggestion verursachte Lügengewebe von Zeugenaussagen zu zerreißen, das die unzähligen Presseberichte zum großen Teil verschuldet hatten. Der zerbrochene Prügelstock. Womit man einen Lehrer beleidigen kann. Menn Lehrer von ihrem Züchtigungsrecht zu reichlichen Ge brauch machen, gibt es mar chmel ein Nachspiel vor Gericht. Selten tommt da ein Lehrer auf die Anflagebant, sondern in der Regel blüht dieses Schicksal den Eltern, die einem prügelnden Lehrer zu deutlich ihre Meinung gesagt heten. Vor dem Landgericht I in Berlin mußte fich gestern eine Frau Krause verantworter, die im Dezember 1922 in der Berliner 223. Gemeindeschule ( damals Putbuser Straße) den Lehrer Förster als Mutter eines von ihm geprügelten Kirdes zur Rede gestellt und ihm schließlich feinen Prügelstock zerbrochen hatte. Geschimpft hotte sie nicht, doch auch den Stod des Lehrers schüßt das Geseß, und so stellte auf Ar zeige des Lehrers die Schuldeputation einen Strafaber nicht etwa wegen Sachbeschädigung, sondern wegen Beleidi antrag gegen die Mutter. Die Elartsanwaltschaft erhob Anklage, gung des Lehrers. Der Prügelstod eines Lehrers ist eben alter Zeit als ein Zeichen seiner Würde und gilt manchen Leuten feine fimple Sache, wie etura fein Spazierftod, sondern er gelt in auch heute noch dafür. Das Schöffengericht in deffen Dreimännerfollegium viel. leicht zufällig ein fortgeschrittener Pädagoge saß, hatte für die Gedanfengänge des Staatsanwalts tein Verständnis und sprach im August 1923 die Mutter frei. Da die Staatsanwaltschaft gegen Siefes Urteil Berufung einlegte, mußte das Landgericht die Angelegenheit nachprüfen. Schlechter als die Angeklagte schnitt dabei der Hauptbelastungszeuge ab, der jetzt 65jährige und im Ruhestand lebende Lehrer Förster, deffen Erziehungsmethode der Verteidiger Rechtsar walt Dr. Kurt Rosenfeld durch die Bekundungen des Elternbeiratsvorsitzenden Fled beleuchtete. Als diesem Zeugen einmal ein vom Lehrer Förster geprügeltes Kind acht Tage nach der Bestrafung zugeführt wurde, fand er jo fagte er unter feinem an hem unterernährten, förperlich sehr zurückgebliebenen Kind das Handgefent oufgeschlagen und angeschwolter und das Gesäß und den Schenkel der einen Körperhälfte start blau verfärbt. Ich hate, sagte der Zeuge, eine Dorfschule in Bommern besucht, wo sehr geprügelt wurde, ober Eid aus nicht gesehen. Durch die Mutter dieses Kindes war Frau Krause schon durch seine Bedrücktheit aufgefallen war, urd da fond sie auch erst veranlaßt worden, ihren eigenen Jungen zu besichtigen, der ihr bei ihm, zehn Tage nach der an ihm vollzogenen Bestrafung, noch reichliche Spuren des Stodes, über die sie erschraf. Beide Frouen gingen zum Schulhaus, trugen in der Pause auf dem Flur dem Lehrer Förster ihre Beschwerde vor, und als dann Herr Förster lebhaft gestikulierend ihnen das„ Stöckchen" zeigte( ein harmloses Stöckchen" nannte er es auch vor Gericht immer wieder), griff Frau Krause in ihrer Erregung zu und zerbroch es. Der Staatsdas Ansehen des Lehrers Förster gefährdet worden ar walt sah darin eine tätliche Beleidigung, durch die fei, und er beantragte 30 M. Geldi'rafe. Rechtsonwalt Dr. Kurt Rosenfeld bezeichnete es als auffällig, daß ungeachtet aller einschränkenden Bestimmungen, die in letzter Zeit für die Rechtspflege teil noch Berufung eingelegt habe. Der Staatsanwalt wolle gegen ergangen feien, die Stoatsanwaltschaft gegen das freisprechende Ur eine Mutter, die sich ihres Kindes angenommen, und sicher. lich nicht die Absicht und das Bewußtsein der Beleidigung gehabt hobe, die Bestrafung durchlezen, obwohl ihre Erregung über den Lehrer begreiflich mar Mindestens aus§ 193( Wahrung berech Gegen die öffentlichen hypnotischen Schauffellungen fann man fich nicht scharf genug wenden. Sie bringen oft unrichtige Ansichten unter die Massen und reizen zu unerlaubten, oft für die Objekte äußerst schädlichen hypnotischen Versuchen. Bei den in diesen Schaufhellungen markierten Verbrechen wie dos Stehlen von Brick taschen, Uhren und dergleichen mehr ist im Auge zu behalten, daß es doch ein Unterschied ist, ob jemand veranlaßt wird, ein Ber brechen zu begehen, oder der Hypnotisierte vor dem Ein schlafen weiß, daß es sich nur um einen Versuch handeln wird. Bon größter Bedeutung für die Deffentlichkeit dagegen sind die Fälle von Massensuggestion und Autohypnose. Opfer der Massen: anlassung zu den angeregten Fragen folgendermaßen geäußert: Man fuggeftion werden während Kriegen und Revolutionen, bei Butschen und Blünderungen jung und alt, Frauen und Männer. Sie sind gewissermaßen ihres eigenen Willens beraubt. So find bei den letzten Novemberplünderungen einige junge Leute zur Be gutachtung dem Institut für Gerualwissenschaften zugeführt worden. Das Gutachten mukte auf Ausschluß der strafrechtlichen Berantwortlichkeit lauten. Die Autohypnose ist feine feitene Erscheinung und wurde öfter im Kriege beobachtet. Es handelt sich hier um eine psychologische Krankheit, durch Nervenfchod, psychisches Trauma und dergleichen mehr verursacht. Die Bitterer" und Schüttler" sind ein typisches Beispiel dafür. In der gleichen Richtigter Interessen) müsse Freisprechung erfolgen. Das Ge. richt aber nahm an, die Ar geklagte habe zweifellos" des Betung liegen die verschiedenen Lähmungen, das Taub- und Blindwußtsein gehabt, daß ihr Verfahren, in Gegenwart zu= werden, der Verlust der Sprache. Was den Fall Achelis be= scheuender Kinder den Stod des Lehrers zu zertrifft, so erscheint es nicht ausgefchioffen, daß es sich hier um eine Autohypnose eines byfterifchen, erblich schwer belasteten jungen ster und überhaupt des Lehrerstandes herabzu brechen, geeignet war, das Ansehen des Lehrers För Menschen handelt, der sich in eine seelische Blindheit geflüchtet hat, mürbigen. Zugegeben wurde, daß sie annehmen konnte, ihr als seine geschäftlichen Spekulationen schlecht ausgelaufen waren. Rind sei so geschlagen worden, wie es nicht rötig war, ober der Soweit Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld. Bon der Flammen- Schuk des§ 193 wurde ihr nicht gewährt. Das Urteil lautete auf hypnose, Fernhypnose, Selbstmordverfuch auf hypnotischen Befehl 30 M. Geldstrafe. bleibt allerdings wenig übrig. Wie gefährlich das voreilige Eingreifen und sensationelle Aufbauschen von Kriminalfällen durch die Bresse sein kann, hat u. a. der vor einigen Jahren in München statigefundene Berchthold- Prozeß erwiesen. Professor Schrent- Nozing, bre Gerade die letzteren haben die größte Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. it es nun möglich, einen Menschen durch fremde Einflüsse in einen derartigen willens- und bewußtlosen Zustand zu bringen, daß er dem ihm gegebenen Befehl( Suggestion), ein Verbrechen zu begehen, auch wirklich nachkommen würde? Behauptet worden ist es oft besonders bei schweren Kapitalverbrechen wie Mord, Urbewiesen dagegen fundenfälschung und dergleichen mehr, wohl niemals. In gewissen Fällen erwies sich die Behauptung als ule Ausrede: Wie sonst der große Unbekannte den Verr herausreißen soll, so hier das große Unbekannte. In deren Fällen wieder, besonders bei Frauen, handelt es sich um fohn e Neuro- und Psychopathie, die behaupten, hypnotifiert, magnetisiert, fuggeriert, influrenziert, obduziert und dergleichen mehr geworden zu sein. In Wirklichkeit jedoch hat der Mediziner es hier mit iner Form von Paranoia, d. h. einem Irresein des Verfolgungs-, Beziehungs- oder Beeinträchtigungswahns zu tun. werden Aerzte, besonders Zahnärzte Opfer ihrer Patientinnen, die fie beschuldigen, sich an ihnen in der Hypnose ver angen zu haben. Schließlich kann es sich hier um Zustände sexueller Hörigkeit handeln, 24] ( Nachdruck burch Malil- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Jürgen betrachtete zwei Männerhände, und als er das dazugehörige Gesicht suchte, sah er, daß diese riffigen, hornhäutigen, übergroßen Männerfäufte einem jungen Arbeiter mädchen angehörten. Neben ihr wackelte der Oberkörper eines bärtigen alten Briefträgers, in deffen zerklüftetes Wachsgesicht Das Ersteigen von millionenmal pier Stockwerken eingezeichnet war, steif und haltlos hin und her. Nun sind wir direkt und mitten in das soziale Problem hineingefahren. Mit der Elektrischen!... Nur dies allein Nur dies allein ( auch das gilt für Sie persönlich), mur den Uebertritt zur Arbeiterklasse, nur diesen letzten Schritt verzeiht der Bürger uns Bürgersöhnen nicht. Denn er weiß, daß wir erst dann gefährlich werden können... Geist, chriftliche Menschenliebe, Geist, christliche Menschenliebe, Helfenwollen, Aendernwollen, erlaubt der Bürger noch. Da lächelt er noch. Ja, alles das nimmt er fogar für fich felbft in Anspruch. Denn er ist sozusagen für den Fortschritt. Aber nur ja nicht das! Nur ja nicht tatsächlich ändern! Da wird er wild. Da demaskiert er sich. Da läßt er verfolgen, ein sperren und, unter Umständen, erschießen und erschlagen." Die drei aneinandergekoppelten Wagen, vollgestopft mit Arbeitern, die bis auf die Trittbretter herausquollen, überholten lose zusammenhängende Arbeitertrupps, die sichtbar alle demselben Ziele zustrebten. Immer wieder hörte Jürgen den Schrei: Bum Paradies!" Der Schaffner tassierte. Der Agitator, der schweigend vor sich hingeblickt hatte, machte eine Bewegung, als schüttle er etwas von sich ab. Es ist nichts zu machen." Und da Jürgen fragte, teilte er ihm den Inhalt der Depesche mit. " Und was geschieht dann mit dem Attentäter?" " Er wird hingerichtet." " So... Wird hingerichtet." " Borüber an einer geschlossen und zielhaft marschierenden Gruppe Schuhleute Krachend vorbei an einem Kanalloch, um das herum Proletarierfinder Ringelreigen tanzten. " * Fabritmädchen, die halb geschlafen hatten, erwachten im Rud: Alle Fahrgäste und die grau herbeiftrömenden Arbeiter massen drängten hinein in das" Paradies", das schon überfüllt war. Galerien und Ballone, von denen die Menschenleiber, übereinandergetürmt, gleich Gewächsen aufstiegen, stürzten nicht hernieder. An den Tischen: Oberförper neben Oberförper, überragt von denen, die, dicke Menschenschnüre bildend, dichtgedrängt in den Zwischengängen standen. Gebärden der Erregung durchschnitten Stimmengeschwirr und Rauch, hinter dem die Wandmalereien verschwammen: paradiesische Wesen, die alles im Ueberflusse hatten. Plötzlich hörte und sah Jürgen, der eine Sefunde die Augen geschlossen hatte, gewaltige, filometerbreite, gischtige Wassermassen aus blauer Höhe herabflatschen: sah zehntausend flatschende Menschenhände und in weiter Ferne, auf dem Bodium, einen Mann. Da schwoll sein Herz, und das nie empfundene Gefühl rückhaltloser Hingabe erfüllte ihn ganz Sympathie für den Mann, der das Bertrauen dieser fünftaufend Hoffenden be'aß. Hingabe an diese fünftausend Vertrauenden. Stürmischen Herzens streckte er die Hand dem jungen Zeitungsverfäufer hin, der rief:„ Die Befreiung! Die Befreiung!" Arbeitsschwarze Hände griffen nach den Blättern, die er über den Kopf hochhalten mußte. Ein Zögernder fragte:„ Was fostet die Befreiung!" Genoffinnen! Genoffen! Euer gemeinsamer Kampf, der Klaffenkampf, die Gemeinsamkeit all derer, die durch ihr Klaffen chicksal die gegebenen und unbedingten Feinde des Kapitalismus sind, dieses Gemeinsame, Euer Klaffenbewußt sein, ist der unerschöpfliche Quell Eurer Kraft: Kraftquell für jeben und für das Bertrauen jedes einzelnen auf feine Kraft", erflang fernher die Stimme des Redners. Und Jürgen fragte:„ Ist das so? Ich werde dahinter tommen, ob und weshalb das so ist." Ihm entgegen drängte noch einmal der junge Reitungsverkäufer, auf dem Arme den Stoß, der bis zu seinem Ohre reichte. Du hast nicht bezahlt." Und da Jürgen, verwirrt, ihm in das Antlig sah:" 3wanzig!... Umsonst aibt's nichts." 3wanzig?" Der Zögernde blickte wieder den schweiß triefenden Kellner an und überlegte, ob er„ Die Befreiung" Lehrer, die von ihrem Prügelrecht feinen Gebrauch machen, weil sie mit ihren Kindern auf bessere Art fertig werden, sollten gegen dieses Urteil entschiedensten Brotest erheben. Dem Lehreritond" wird wahrlich nicht damit gediert, daß ein Gericht mit diesem Urteil zwar nicht in Worten, aber durch die Tat den Stod des oder ein Glas Bier kaufen solle, als wäre beides zusammen unmöglich. Da erkannte Jürgen an einer Kopfbewegung des Redners den Agitator, der von Monopolisierung, Akkumulation und Mehrwert sprach, worunter Jürgen sich nichts vorstellen fonnte. „ Dazu noch das arbeitslose Einkommen, geschluckt von Aktienbefizern, die in gar keiner Weise arbeiten in dem Betriebe, von dem sie die Dividenden beziehen. Ich lasse mein Kapital arbeiten, sagt der Aktienbefizer, der auf dem Kanapee liegt, die Kurse studiert, wie die Spinne im Neg in der Börse lauert, erstklassig durch das Leben glitscht, aber den Rasen nicht betritt, fein Holz im Walde stiehlt, sondern für Recht und Ordnung ist." Die Fünftaufend faßen reglos, horchten und blickten, als hielten sie mit ihren Händen den Erdball. In den Betrieben schuften Männer und Frauen jahraus, jahrein, von früh bis abends an den Maschinen, machen vom vierzehnten bis zum sechzigsten Lebensjahre immer diefelben Handgriffe, aus denen Zahnbürsten, Lokomotiven, Stednadeln, lleberfeedampfer, Schreibmaschinen, Schuhe, Leintücher entstehen; in behaglichen oder eleganten, geschmackvollen oder geschmaclofen Wohnungen sizen Herren und Damen, deren Lebensarbeit darin besteht, das Dasein zu genießen, ins Theater zu fahren, über Kunst und Literatur dumm oder flug zu reden, Kulturträger zu sein, ihr Dienstpersonal zu schifanieren und ihre Kinder falsch zu erziehen und reich zu verheiraten, Leute, die einen Betrieb nie betreten haben, es feien denn Modegeschäfte und Seft, Tanz, Bordell, oder sonstige Nachtbetriebe gewesen, gepflegte Zeitgenossen, die keinen Dunst davon haben, wie Rahnbürsten fabriziert werden, oder wie ein Webstuhl aussieht, und beziehen Dividenden von einer Bürstenfabrik oder einer Leinenweberei, während die Kinder der Bürstenmacher nicht einmal wissen, daß die Benugung einer Bahnbürste zur Erhaltung der Zähne beiträgt, und die Leinenweber für ihre armseligen, stinkenden Betten keine Leintücher kaufen fönnen." Auch meine Tante besitzt eine Schatulle, gefüllt mit Aktien, sie, die in ihrem ganzen Leben nie etwas anderes gemacht hat, als diese qualvollen Häkeldedchen, dachte Jürgen. ( Fortsetzung folgt.) Behrers fozufagen als ein Stüd feines Ansehens und feiner Ehre hinstellt. Es soll vorgekommen sein, daß ein Lehrer bei der Uebernohme seines Amtes den bereitstehender Brügelfied vor den Augen seiner Schüler zerbrach und zum Fenster hinauswarf. Wer so handelt, der zeigt, daß ihm nicht die Würde bes Lehrers als im Stod verförpert gilt. Ein Zigeunerroman. Stamm Weiß“ und„ Stamm Trollmann". Bor einigen Tagen machte durch die gesamte Berliner Preffe die Nachricht von dem bestialischen Mord an einem Zigeunermädchen die Runde. Da die Nachricht offensichtlich sehr viel dramatisch verdrehte Untlarheiten aufwies, haben wir uns mit dem in ber Meldung erwähnten Zigeunerhauptmann Weiß in Verbindung gefeht und ihm in feiner Umgebung einen 23ohnwagen, der auf einem freien Blazz in der Amrumer Straße Aufstellung gefunden hat aufgesucht. -w 29 Bor allem muß feftgestellt werden, daß der Stamm Belß nur aus 15 Personen, b. h. drei Familien besteht. Ein Wohnmagen ist das Lager, da die brei familien eine feste Wohnung haben und sich fait ausschließlich mit dem Pferdehandel beschäftigen. Nun zu dem Streit zwischen dem„ Stamm Weiß und dem Stamm Trollmann, ber in Erfurt- Nord feinen Wohnfig hat und auch nur aus wenigen Bersonen befieht. Der Ecoverhalt ist nach den Angaben des Herrn Weiß, der wenig zineunerhaft, aber recht gut bürgerlich aussieht, etwa folgender: Ein Mitglich des„ Stammes Irollmann" mit Tamen Rosenberg wollte sich mit der 15jährigen Todter des Zigeuners Red, der zum Stamm Weiß gehört, verheiraten. Die Berlobung fand auch in Weimar im Beiscin der Familie Weiß, die sich gerade auf einer Handelsreife befand, statt. Nach einiger Zeit reiste Weiß nach Hannover und später nad) Göttingen und dessen Ilmgebung, wo der Tod der achtjährigen Tochter eintrat. Der Vater teilt dazu mit er habe vom Arzt bescheinigt erhalten, daß als Todes urladen englische Krankheit und Krämpfe in Brage fommen. Etwa Mitte Januar tehrte Weiß von seiner Reise rah Berlin zurüd. Inzwischen hatte sich in Erfurt etwas anderes ereignet. Die 15jährige Braut vom Stamme Beiß fühlte fich in ihrer neuen Umgebung nicht wohl und wollte wieder zu ihren Elern nach Berlin zurüctehren. Nachdem fie das Reisegelb erhalten hatte, traf fie auch told in Berlin ein. Der Stamm Trollmann mar über diese Flucht" sehr entrüstet und wollte das Mäbel mit Gemelt zurückholen. Vor vierzehn Tagen fuhren fünf Automobile mit Zigeunern bei Weiß vor und besetzten die neben dem Lagerplak liegende Gastwirtidaft. Hier wurde die Herauscabe der Braut verlangt. In diefer Gesellschaft befand sich auch Trollmann und ber clie Rofenberg, der zuffinftige Schwiegervater des jungen Mädchens. Hierbei fiel die Acußerung Trollmanns, daß, menn man das Mädel nicht herausgeben würde, ber Rinbermord" des Beiß zur Anzeige gelangen werde. Dem Wirt des Gasthauses wurde die Siene schließlich zu bunt und er alarmierte das Reberfallfommando und die Kriminalpolizei, die dann euch die Leute vom Etamme Trollmann" ins Freie expedierte. Art Tage später erfolgte auf Anzeige Trollmanns die Berbaf Des riß wegen angeblicher Ermordung seiner Tomter. boch wurde der Mann nach zweimaligem Berhör und anderthalb Tagen wieder auf freien Fuß gefeßt. tung 27 21 Som it die naben des Bigeunerhauptmanns, die von der retchlich phantaf ich drapierten polizeilichen Darstellung allerdings fche wesentlich abweidjen. Kolonne Kalinowski. Der Haupttäfer zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Bor der 5. Straffammer des Landgerichts III hatten fich gestern ble bereits vor wenigen Tagen vor dem Landgerich I zu 15 Jahren Zugt aus verurteilten berüchtigten Einbrecher Heinrich Peimes und Friz Kalinowski wegen Totschlages und versuchter Tötung sowie wegen gemeinschaftlichen Einbruchdiebstahls zu verantworten. Die Berhandlung enirollte ein erschreckendes Bild von dem gemeingefähr lichen Treiben der berufsmäßigen Einbrecher, die vor feiner Gewalttat zurüdschreden. Der Angeflagte Heinrich Pleimes schilderte mit voller Rube die schrecklichen Borgänge. Bir waren gerade dabei, im Bederfeller von Springer in der Müllerstr. 153 mit dem Stemmeifen eine Bret'erwand zu durch brechen, als mir von den Bortiersleuten überrascht wurden. Kali. nowfli und Tahite fennten noch davonlaufen, während ich von den Eele uten gepackt wurde. Es entspann sich zwischen uns ein laut Toser Kampf, der sich über die Treppe bis auf den Hof hinzog. Hier wurde ich gegen die Mauer gebrüdt. Da erinnerte ich mich meines Revolvers. Ich faßte in die Manteltasche und gab durch ben Baletot hindurch einen Schreckschuß ab. Ich wollte nur die Beute veranlassen, mich freizulaffen und hatte nicht die Absicht, jemand zu töten Staatsanwaltschaftsrat v. Bradte war der Uebers zeug ma. daß Pleimes die Tat mit voller Ueberlegung ausgeführt babe und beantrarte gegen ihn wegen Mordes die Todesstrafe. Rechtsanwalt Dr. Eisenstädt erklärte, daß die Antlage nur wegen Totschlages laute und deshalb nicht auf Mord erannt werden fönne. Nach längerer Beratung verkündete der Borsitzende das Urteil. Das Gericht fel davon ausgegangen, daß der Angelfogte die Absicht gehabt habe, fich feiner Festnahme zu ent aleben, gleichgül'ig, welche Folgen seine Schüffe haben würben, und perurteilte beshalb den Angeklagten wegen vollendeten Totschlages nach§ 214 zu lebenslännlichem Zuchthaus, für den ver. fuchten Totschlag und den Einbruchsdiebstahl zu weiteren 6 Jahren Zuchthaus sowie zu bauerndem Berlust der bürgerlichen Ehrenreche, den Angeklagten Kalinowsti wegen versuchten schweren Diebstahls au 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverluft. Wer soll Musiker werden? Seit einigen Jahren werden im Landesberufsamt Berlin balbjährlich Eignungsprüfungen für folche Jugendliche abgehalten, welche in die der Hochschule für Musik uiterstellte Orchesterichule einzutreten beabsichtigen. Um nun in abnlicher Beise wie bei der gleichfalls balbjäbrlich stattfindenden Prüfung der fünstlerisch begabten Schüler und Schülerinnen mög lichst die wirklich mufifbegabten Jugendlichen erfaffen zu tönnen, Borwärts"-Spedition, Nedarftr. 2. erfcheint ein befonders enges Rusammenarbeiten mit den Schulen 14. Kreis( Rent). Donnerstag 14. Weber, 8 Uhr: Braneatonferens in Sel wünschenswert und erfolgversprechend. Diefem Zwed soll ein Vor trag des Kunstwarts des Deutichen Mufiferberbandes, Artur Jahn, über das Thema: Werioll Musiler werben?" am Freitag, den 15. Februar dieses Jahres, nachmittags 4 Uбr, im Landesberufe amt Berlin, Landsberger Str. 48/47, 8. Stockwer!, Zimmer 74, dienen. Die an diefer Frage interessierte Lehrerschaf: wird bei dem Vortrage zugegen sein. Zum Zustmord in der Lynarstraße. Das Kapitalverbrechen in der Lynarstraße hat in der Umgebung des Tatorts namentlich unter den Frauen eine große Aufregung, verursacht. Es steht außer Zweifel, daß man es eines Sadisten zu tun hat. Eine genauere Untersuchung, die mit einem im Blutrausch begangenen Berbrechen Medizinalrat Dr. Störmer im Schauhaufe vornahm, hat das noch weiter bestätigt. Ob der Mörder außerdem geraubt hat, steht auch jetzt noch nicht feft. Wie wir mitteilten, wurden zwei Ringe permißt, die Frau Liebau nach Befundung mehrerer Zeugen ftets getragen hat und deren Spuren auf dem Finger auch noch sichtbar sind. Diese sind aber bei der Durchsuchung nicht gefunden morten. Nach den weiteren Ermittlungen hat zwischen dem Mörder und seinem Opfer wohl auch ein heftiger Rampf stattgefunden. Die Haare, die man in den Händen der Ermordeten fand, müssen noch daraufhin untersucht werden, ob fie von ihr selbst oder von einer anderen Berfon herrühren. Mehrere bernommene Bersonen haben schon befuntet, daß die Ermordete wiederholt Freier in ihrer Wohnung empfing oder borthin mitnahm. Verdächtig erscheint bisher besonders der vornehm gefleidete Mann, der am Sonnabend nachmittag mit ihr in die Wohnung ging, um das Zimmer zu besichtigen. Wenn er der Täter ist, so hat er vielleicht schon am Sonnabend die Absicht gehabt, die Frau zu ermorden. Er konnte es damals nicht, well der Liebhaber gerade in der Wohnung mar, und mag dann eine Zeit gewählt haben, zu der er sich vor diesem sicher fühlte. Denn die Frau hatte ihm über ihre Verhältnisse und Gepflonenheiten soviel erzählt, daß er genau Bescheid wissen fonnte. Der Liebhaber hatte ihr beshalb fchon Borwürfe gemacht. Die Ermittlungen der Kri mina polizei, die in erster Linie die ganze Umgebung des Tatorts umfassen, gehen besonders darauf aus, sadistisch veranlagte Leute ausfindig zu machen. Um die Zeugenvernehmung zu erleichtern, veranstaltet die Mortkommission sie zunächst in der Wohnung der Ermordeten. Unter dem Lawinenschnee. Die Namen der bei Jnnsbrud verunglüdten Berliner. Aus Innsbrud wird zu dem Lawinenunglüd bei Abnetai in den Sellrainer Alpen gemeldet: Die Lawine fei bie au 10 Meter hoch gewesen. Die von dem Inglid Betroffenen find Herr und Frau Wegener aus Berlin Tempelhof, Berliner Straße 5, Dr. Walter Fischer aus Erfner bei Berlin, SchattenAllee 55. Jugenieur Ctto Bobrott aus Berlin Baumschulenweg. Der Name des vierten Herrn ist nicht verläßlich bekannt, wahrs fcheinlich ist es ein Herr Defar oehne. Drei Bergungsexpeditionen find an der Arbeit. Wie ein weiteres Telegramm aus Innsbrud meldet, fonnten alle Berionen nur noch als Lote geborgen were den. Die Gesellschaft foll bor Antritt der Tour eindringlichst auf das Raben der Lawinengefahr aufmertiam gemacht worden sein. Das Aus der fozlatemotrafischen Stadtverordnetenfraffion. Stadtverordnetenmandat des verstorbenen Genoffen Franz Krüger geht auf die Genoffin Minna Lodenhagen über. Eine internationale Aundgebung, veranstaltet von in Berlin ebenden Ausländern, wird unter dem Signum„ Das Friedenswert von Paris und die Not der Bölter" am Sonnabend, ben 16. Februar 1924, abends 7% Uhr, in der neuen Aula ber Universität zu Berlin veranstaltet. Es werden sprechen Angehörige der verschiedenen Staaten per die durch die Friedensverträge verursachte Not ihres eigenen Volfes, der Rettor ber Universität und Geheimmat von Har nad. Den Borsiz der Versammlung führt Profeffor Thomas Hall ( Bereinigte Staaten von Amerita). Gäste sind herzlich willkommen; Eintrittstarten find fostenlos zu erhalten beim Internationalen Komitee, 3. d. von Herrn Géza Lukacs, Stegliz, Grunewaldstr. 48 ( Steglitz 1316). Die ungarischen Sozialdemokraten in Berfin haben in einer Berfammlung folgende Porteinenoffen gewählt: Borsigender: Alexander Rib. 1. Stellvertreter: D. Fabry, 2. Stellvertreter: Koloman Varga, Geschäftsführer- Sefretär: Adolf Muschit, 1. Borstandsmitglied: Karl Jaeger, 2. Vorstandsmitg'led: Geza Nemeth, Kassierer: W. Stiller, Schriftführer: G. Malonan. Alle ungarischen Genossen werden ge= beten, an den Versammlungen, die im„ Borwärts" angezeigt werden, teilzunehmen. Die Anmeldung zur Einschulung in die weltlichen Schulen Lichtenbergs findet am 13. Februar in der Zeit von 2 bis 4 Uhr in folgenden Schulen statt: 34. Schule: Scharnweberstraße, 35. Schule: Pfarrstraße, 36. Schule: Friedrichstraße und Leopoldstraße, 37. Schule: Marktstraße, 38. Schule: Holteistraße. Der Impfschein des Kindes ist mitzubringen. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, ihre Kinder in der weltlichen Schule anzumelden. Berlins größte Elsbahn auf dem ehemaligen Ererglerplat an der Einsamen Bappel ist wieder eröffnet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Kreis( Brenzlauer Berg). Arbeiterwohlfahrts- und Rinderschuhlommiffion! Donnerstag, 14. februar, 6% Uhr: Sihung der Leiterinnen und Selferinnen Jede bei der Genoffin Binkelmann, Stargarder Str. 51, voza 3 r. Abteilung muß vertreten fein. 7. Kreis( Charlottenburg). Donnerstag, 14. Februar, 7% Uhr: im SchillerRealanmnafium, Schillerstr. 26( Crogefchok links), Funktionärsihung der freien Schulgemeinde" in Gemeinschaft mit den Obleuten der Elternbeiräte, die auf diesem Boden stehen. Jebe Schule muß vertreien fein. Donnerstag, 14. Februac, 8 Uhr: Versammlung aller in ber Wohlfahrts. pflege tätigen Berfonen. Bortrag über„ Mieterschuk und Wohnungs mangel" im Märkischen Saal bes Rathaufes. Die Abteilungsleiterinnen erfcheinen um 7 Uhr im Rimmer 5 zu einer Befprechung. 17. Streis( Lichtenberg). Freitag, 15. Februar, 7 Uhr: aukerordentliche Kreis funktionärfonferenz im Arbeitsamt, Schreiberhauer Straße. Bortrag ber Genoffin Judhaca( M. 5. R.) über: Die bevorstehenden Reichstagswahlen. 20. Arcis( Seinidendorf). Die Kreisdelegiertenverfammlung findet am 20. FE bruar, abends 6% Uhr, im Lotal Muster( Inhaber Freiheit), Reinidendorf. Beft, Berliner Str. 29, Ede Humboldtftraße, statt. Tagesordnung: 1. Bore trag über:„ Der Parteitag". 2. Borschläge für die Reichstagstandidaten. 3. Anträge zum Barteitag. Die Abteilungsleiter werben acbeten, die Dele gterten ihrer Abteilung au laden. Heute, Mittwoch, den 13. Februar: 12. t. 7 Uhr: Abteilungsversammlung in der Schule, Rofloder Str. 2. Tagesordnung: Stellungnahme und Wahlen aum Bezirksparteitag. 27. Abt. Die Abteilungsversammlung findet heute nicht in ber Aula, foubers in der Turnhalle der Eule Sonnenburger Str. 20 ftatt. 37. bt. 7 Uhr: Rahlabend aller Bezirke bei Kröste, Ebertnite. 5. Tagesordnung: 1. Das Organisationsflatut. 2. Anträge zum Barteitag. 3. Wich tige Parteiangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 43. 46. bt. 7 Uhr: Mitgliederversammlung bei Rabe, Fichteftr. 29. Bortran bes Genoffen Seinig über: Die tommenden Reichstagswahlen". bt. 61 Uhr: Rahlabend in der Schule, Brangelitz. 85. Stellungnahme Aunt Bezirks- und Parteitag. Wahl der Delegierten. 55 Abt.( Charlottenburg). 7 Uhr: Abteilungsverfammlung bei Bohne, Schlok straße 45. Tagesordnung: Aufstellung der Randidaten aur Reichstagswahl. 80. Abt.( Schöneberg). In der heute stattfindenden Mitgliederversammlung fpricht nicht Genoffe Senffert, fonbern Genoffe Seinrich Ströbel. 83. Abt.( 2iterfelbe). Die heutige Funktionärfonferenz findet nicht ftatt. 88. bt.( Lichtenrabe). 7 Uhr: Echule, Roonftraße. Bichtige Tagesordnung! 104. Abt.( icberschöneweide). 7 Uhr: Mitgliederversammlung im Reichenfaat der Knabenschule, Rubower Straße. Thema:„ Die Aufgaben des Bartel tags"( Referent Genoffe Thlerfelder). 108. st.( Friedrichshagen). Die heutige Mitgliederverfammlung fällt aus. 136. Abt.( Reinidendorf- Oft). 6% Uhr: im Sugendheim Geebad, Residenzste.. Sigung des engeren Abteilungsvorstandes, anschließenb Mitgliederver Jammlung. Abt.( Wittenan). 7 Uhr, Nordbahnhof Bittenau bel Richard Schuls Bersammlung. Tagesordnung: Parteitag und Reichstagswahlen. 140 Morgen, Donnerstag, den 14. Februar: 32. bt. 7 Uhr: Mitgliederversammlung und Rahlabend in Schmibts Gefell fchaftshaus, Fruchtftr. 86a. Wahlen der Delegierten an den Kreisvertreter tonferenzen, aum Bezirks- und Barteitag. Jedes Mitalied muk an wefend fein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 48. Abt. Unfer Genoffe Th. Wurft, Brandenburgite, 58, ist am Sonntag verstorben. Einäßcherung: Donnerstag, 14. Februar, nachmittags 1% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. 101./102. bt.( Treptow und Baumschulenwea). Am Sonntag, 10. februar, verstarb unser Genoffe Aler Sprenger, Neue Rrugallee 1/3. Beerdigung: heute, Mittwoch, nachmittag 4 Uhr, Friedhof Baumschulenweg. Riefbolaftcake. Jugendveranstaltungen. Achtung, Mädchen! Der Rurfus für anmnaftifche Uebuna findet nicht am Freitag, 15. februar, fondern erst am Mittwoch, 20. februar, abends 745 Uhr, im Jugendheim statt. Heute, Mittwoch, den 13. Februar: Entfenstadt: Jugendheim, Schule Stallschreiberftr. 54. Bortrag: fobol und Krankheit. Suboft( R. B.): Shule Glogauer Str. 15. Bortrag: Natuz Lantwin: Schule Schulstraße. Bortrag: wiffenschaftliche Blaudereien". August Bebel". Tempelhof: Sugendheim, Germaniaftr. 4/6. Distuffions abend:„ Die weltliche Schule und die 6. A. J.". Friedrichshagen: Jugend heim, Scharnweberfir. 105. Bortrag: Klaffentampf. II". Friebrichsfelbe: Jugendheim, Berliner Str. 45. Diskussionsobend: Unfere Riele und Bundes Benoffen. Rasow: Diskussionsabend: Arbeiterjugend und Bismardbund". Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Bereinigung ber Freunde von Religion nab Böllerfrieben. Genosse Sant tätsrat Dr. Juliusburger spricht Donnerstag, ben 14. Januar, henhs 7 Uhr, in Charlottenburg, 81./32. Gemeindeschule, Oranienstraße, über das Thema: Boltsernährung und allgemeine Nährpflicht."( Bopper- Lynhens.) A.beiter- Abstinenten- Bund, Gruppe Neuföln. Mittwoch, 7½ Uhr, Schierte. ftraße 44: Jugend und Gewerkschaften." Distuffion: Gruppe Norden: 7, Wie wirkt der Altohol im menschlichen Rörper?"( Ref. Friz Gamibt.) Broletarische Altoholgegner als Gäste willtommen. Gemeinnügige Siedlungsgeness nschaft e. G. m. b. S. Lichtenberger Gartenheim Fortsegung der Generalversammlung am Freitag, ben 15. Fe bruar, in der Aula des Cäcilien- Lygeums, Lichtenberg. Nathausstraße. : b iter- Camariter- Kolonne Berlin c. B., Schönholzer Str. 20. Die Gene ralversammlung ber kolonne findet am Sonntag, ben 17. Februar 1924, vormittags 10 Uhr im Lotal von Büttner, Edwedter Str. 24, statt. Eine be fondere Einladung evgeht an die Delegierten nicht mehr. Briefkasten der Redaktion. ND. 5. 1. Rein. Davon ist bisher auch niemals die Rebe gewefen. 2. Das ist uns nicht bekannt. D. G. 33. Für Januar tritt au der Grundmiete ein 100 milliardenfacher Zuschlag. Außer ben üblichen Umlagen find dann noch die Löhne ber Sausangestellten( Sauswart. Seizer u dergl.) bis zu ber Söhe, in der fie jeweils vom Demobilmadjungstommiffar fitr verbindlich ectlärt worden sind, sowie die Beträge für die fozialen Berficherungen au aahlen. Filu Februar treter au der Poplermartgrundmiete 24 Proz. ber Friedensmiete. Ferner find die Löhne und Versicherungsbeiträge ber Haus Obmann Reu 160n 4. 1. u. 2. Det volle Betrag ift zu zahlen. Eine Berücksichtigung des angestellten auf die Mieter gewerblicher Räume umzulegen. Betrages für Februar kommt daher nicht in Frage. 3. Darüber befiehen keiner. $. M. Beim Börsenkurier, Berlin GB. 19, Beuthstr. 8. let Borschriften. Streit. Die Frage ist frittig. Jedenfalls tönnen die im§ 132 des Landes verwaltungsgefeges aufgeführten Zwangsmittel angewandt werden, Unmittel barer 8wang darf jedoch nur angewendet werden, wenn die Ano dnung ohne G. R. 13. 1. Ein Frist ist nicht vorgesehen. einen folchen unausführbar ist. 2. Es kann die Berfegung in ben bauernden Ruhestand beantragt werden. Cine Wiedereinstelluna ist nicht ausgeschlossen. R. D. S. 48. Zunächst nur die Armenverwaltung( Wohlfahrtsamt). Den Antrag an die Landesversicherungsanstalt lönnen Sie stellen. BORG ZIGARETTEN FÜR QUALITATSRAUCHER Hautjucken, Flechten, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden heilt die milde und wohltuende, seit Jahrzehnten bewährte San..Rat Dr. Strahl's Haussalbe. In Ori inal- Dosen erhältl Elefanten- Apotheke, Berlin SW., Leipziger Str. 74, a. Donhoffpl. Gegen Frostu.aufgesprungene Hände Chesebrough( sprich Tschiesbro) Vaseline Camphor-& is in Blechbücbsen oder Blechtuben 73 Pt. Auch die anderen altbekannten Chesebrough- VaselinePräparate sind wieder zu haben in Apotheken, Drogerien, Parfümeriegeschäften etc. Avramikos- Virginia- Zigaretten 3$ sind seit Jahren anerkannt als Qualität Man achte auf Packung und Namenszug! Wirtschaft Düngemittelkredite. die überwunden ist, macht sich überall ein beispiellofer Geldbedarf beSelttem mit Hilfe der Rentenmark ble Papiermartinflation mertbar. Biel erörtert wurden in den letzten Tagen die sogenannten Salitredite, über die am Dienstag unter Mitwirkung der Regierung zwischen den beteiligten Stellen ein Abkommen erzielt mer. ben fonnte, nach dem die Reichsbank dem Kalisyndikat Kredite wie Die Angaben der Kläger wurden von der Gesellschaft bestritten. für, wie„ fo was" gemacht zu werden pflegt. ie dem auch sei, sie geben dennoch einen interessanten Beweis da für, wie„ fo was" gemacht zu werden pflegt. zugeben. Die Kläger haben auch eine Schadenersagttage auf entgangenen Die Bramba vom 6. Februar veröffentlicht ein Defret des Gewinn gegen den Vorstand angestrengt, der aus der Berbindung russischen Zentralegefutivfomitees über die Ausgabe von cldmit der holländischen Gesellschaft entstanden ist, und zwar ist ein Teil- noten, die auf einen, drei und fünf Goldrubel lauten sollen. betrag von 1 million Goldmart eingetlagt. Die Goldnoten werden zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und fönnen bis zur Hälfte der Summe der bereits umlaufenden Tscher. monetz- Roten( 1 Tscherwone= 10 Goldrubel= 21 Goldmark) von der Reichsfinanzverwaltung ausgegeben werden. Die Ausgabe soll allmählich erfolgen, deswegen bleiben die bisherigen Sowjetrubel, die unserm Papiergeld entsprechen und die durch dauernde Inflation im Kurse immer noch weiter gedrückt worden Steuerforgen und neue Goldnofen in Rußland. sind, als Der russische Rätekongres hat sich auch mit der Finanzlage Die' Sowjetregierung beabsichtigt im Laufe der Zeit die Sowjetrubel gefeßliches Bahlugnsmittel ebenfalls im Umlauf. für 8 Monate zum üblichen Zinssah zur Verfügung stellt. Das und dem Steuersystem der Sowjetunion beschäftigt. Als mich in ein festes Kursverhältnis zum Goldrubel zu bringen, ihre EinSalfordifat gewährt auf Grund dieses Entgegenkommens den Kali- tigste Aufgabe für den immer noch nicht erreichten Auslösung zuzulaffen und dann auch Silber- und Kupfergeld heraus= werken bzw. der Landwirtschaft Darlehen, die mit 5 Broz. zu vergleich des Reichsbudgets wird in der Resolution des Kongresses zinsen find. Diese Regelung bedeutet nicht viel anderes, als eine Er- neben der Beschleunigung der Währungsreform eine weitere Reform Die russische Währungsreform, die allerdings durch die noch leichterung des Kalibezuges. Das Kompromiß, das somit zwischen des Steuersystems, eine solidere Durcharbeitung der Reichs- und sehr unsichere Entwicklung des Reichsetats, den wir oben besprochen den beiden Gruppen in der Kaliindustrie, die sich über die Beibehal. Provinzialetats und eine Steigerung der Einnahmen nichtsteuer. haben, gefährdet wird, nimmt also, wenn auch in langsamerem tung oder Ermäßigung der Kalipreise ftritten, geschlossen worden ist, lichen Charakters aus Betriebsverwaltungen, Wäldern usw. Tempo, einen ähnlichen Verlauf wie die deutsche. Die Leistungsfähigkeit der Reichsmünzanstalt foll erhöht werden, um den Umlauf fommt auch darin zum Ausdruck, daß das Kalisyntifat fich verpflichtet bezeichnet. hat, bei Raffazahlungen einen Rabatt von 1% Proz. pro Monat zu Die Steuerreform soll in der Ausarbeitung einer plan- der Metallmünzen beschleunigen zu können. Für den Fall, daß an gewähren. Damit ist eine vorläufige Lösung der Kreditfrage für mäßigen Einkommen und Bermögenssteuer mit Staffeltarif beleingeld( unferen Pfennigen) infolge der allmählichen Einziehung oder Zurückweifung des Sowjetpapiergeldes im Verkehr Mangel die Landwirtschaft gefunden worden und eine Verwendung von stehen. Als besonders wichtig wird die Durchführung dieser Steuer eintreten sollte, ist beabsichtigt, fleine Bapierscheine über die Summe fünftlichem Dünger für die nächste Ernte fichergestellt. für den bäuerlichen Besitz bezeichnet. Die 3ahl der örtlichen Don 1 bis 5 Goldtopeten( zwei bis zehn Pfennige) auszugeben. Für Steuerarten soll möglichst eingeschräntt und die Fülle der diese Interimsscheine soll eine gefeßliche Berpflichtung für die Afzifenabgaben( indirekten Steuern) übersichtlicher gestaltet werden. Finanzverwaltung zum späteren Umtausch in Münzgeld verordnet Die Ausgestaltung der Besteuerung des bäuerlichen Besitzes ist als werden. Weiterführung der 1921 begonnenen Umwandlung der Requifitionen in eine Naturalsteuer und deren spätere Berwandlung in eine GeldSteuer gedacht. Beiter verbreitet WIB. die folgende Mitteilung: Das Stid. stofffonbitat ist in der Lage, nach Vereinbarung mit der Reichsbant der deutschen Landwirtschaft Wechselkredit einzuräumen, dez aber nur gewährt wire, wenn die Bestellungen für prompte Lieferung umgehend dem Sticstofffyndikat erteilt werden. Eine Ermäßigung der Godpreise innerhalb des laufenden Düngejahres fommt für das Stiastofffyndikat nicht in Betracht. Die Fülle, unübersichtlichkeit und auch uner. trägliche Höhe der in Sowjetrußland, vor allem in den Städten bisher erhobenen Steuern, veranlaßt den Kongreß, besonders die Freigabe der Ausfuhr von Saaffartoffeln. Auf Wunsch der Interessenten hat der Reichsernährungsminister Ranig verfügt, daß zehn Prozent der deutschen Inlandserzeugung an Saaifartoffeln ohne befondere Bewilli gung ausgeführt werden dürfen. Damit ist wieder einmal belichen Leistungsgebiete, der intensivsten Qualitätswirtschaft, arbeitet, sehr gut mit dem Ausland konkurrieren kann, fie sucht sogar den Auslandsabjay. Dann fann sie aber auch nicht vom Aus'ande erfticht werden, wie sie jetzt gern wahr haben möchte. Die Landwirte find ebenso wie unfere industriellen Unternehmer, durch die bequemen Inflationsgewinne verwöhnt worden, es fällt ihnen deswegen schwer, fich wieder an friedensmäßige Leistung und Arbeit zu ge= Die Produktionskosten der Stickstoffindustrie sind auch heute noc Machprüfung aller Bilanzen der staatlichen Betriebe und Unter- wiesen, daß die deutsche Landwirtschaft, wenn sie auf ihrem ureigentmelt höher ols in der Berkriegszeit, während die Stickstoffpreise erheblich unter den Borkriegspreisen liegen. So liegt der Stidstoffpreis in schwefelsaurem Ammoniak rund 13 Broz. unter dem Preise vor dem Kriege und mindestens 25 Broz unter dem heutigen Stid. stoffpreise im Chilifalpeter. Eine Leberbilang. ㄓ In der Adler u. Oppenheimer 2. G., Berlin, einem bekannten Unternehmen der Lederindustrie, find sich die verschiedenen Interessentengruppen in die Haare geraten. Dabei erfährt die Def fentlichkeit allerlei Erbauliches. Nach dem Generalversammlungsbericht der„ BBZ." behaupten die Kläger und wollen unter Beweis stellen, daß die Bilanz und der Geschäftsbericht in ihren Anfähen und Ausführungen den Tatsachen nicht entsprechen. So feien in der Bilanz die Bermögensbestände der Gesellschaft nicht sämtlich aufgenommen worden. Der Vertreter der Kläger behauptete, und er will dies durch Zeugenaussagen beweisen, daß die Beklagte schon im Laufe des Jahres 1918 alles bewegliche Gut der Gesellschaft nach Amsterdam geschafft habe, daß dann im Jahre 1919 die Amsterdamsche Leber Maatschappy gegründet und in diefe jene Bermögensstüde eingebracht feien. Das Repital diefer Gesellschaft betrug bei ihrer Gründung 50 000 holländische Gulben und ist in zwischen auf 1 million Gulden erhöht worden. müßte daher diese Amsterdamsche Gesellschaft als eine TochtergesellEs nehmungen zu verlangen. Dabei soll genau wie bei den Steuern ein genauer Finanzausgleich zwischen örtlichen und zentralen Inftanzen( Reich, Länder und Gemeinden nach deutschem Sprachgebrauch) durchgeführt werden. Dieser Finanzausgleich ist in Rußland weder für das Steuersystem noch für die Verwaltung der staatlichen Industrie bisher in ausreichendem Maße grundfäßlich erfolgt. In dieser Beziehung fußt die Arbeit zur Ausbalanzierung des Etats und zur Bermeidung neuer Steuerlaften auf Größen, die vorläufig noch unbekannt sind. Die Festsetzung der Bilanzen der staatlichen Wirtschaftsbetriebe unter dem Gesichtspunkt, daß der Staat aus diesen Betrieben Einnahmen benötigt. wird die ohne hin schon schwierige Lage der ruffischen Staatsindustrie nicht bessern. Besonders deutlich verweist die Resolution des Rätekongresses auf die Notwendigkeit, die Erträgnisse der russischen Waldwirt. fchaft zu steigern. Bestimmte Pläne und Projekte zur Entwirrung des Durcheinanders in der Steuererhebung enthält allerdings die Resolution des Kongresses noch nicht. Die Einzelheiten werden der Ausführung durch die zentralen Ministerien überlassen. Es wird sich sehr bald zeigen, welchen Erfolg die Sowjetregierung bei dieser, auch aus pohtischen Gründen außerordentlich wichtigen Arbeit wird aufzeigen fönnen. wöhnen! Abbau der Dahelehnstallen. In der gestrigen Sitzung der Hauptverwaltung der Darlehnstassen wurde der demnächstige Abbau der Darlehnskaffen beschloffen. Es sollen feine neuen Darlehen mehr erteilt werden; die Abwicklung der noch laufenden Darlehen soll in angemessenen Fristen erfolgen. Es ist in Aussicht genommen, die Darlehnskaffen zum 1. Mai d. I. zu schließen. Nur die HauptDerwaltung der Darlehnskassen und die Darlehnskaffe Berlin wer den für Abwicklungszwede noch etwas länger bestehen bleiben. Englisch- polnische Elektrisierungsanleihe. Die englische Regierung hat die Erteilung einer Elektrisierungsanleihe an Polen in der Höhe von 1250 000 Pfund genehmigt. Die von Schacht ausgesperrte Bant. Wir meldeten, daß die Reichsbant einer rheinischen Bank den Kredit gesperrt habe, weil sie ohne Bedarf und Deckung in den jüngst vergangenen Tagen hohe Devisenaufträge nach Berlin gelegt habe. Das Unternehmen ist ein altbekannten Roblenzer Banthaus Seligmann. lleberdies sollen einige Berliner Banken ebenso verfahren haben. Die Nennung ihrer schaft der Adler u. Oppenheimer A.-G. geführt und als solche unter Richtpreise in Berlin im Nahrungsmittel- Großhandel Ramen ist ebenfalls bringent notwendig. Beteiligungen erscheinen, was aber aus den Mitteilungen im Geschäftsbericht nicht ersichtlich ist. und im Verkehr mit dem Einzelhandel in Originalpackung vom Dienstag. den 12. Februar offiziell festgestellt durch den Landesverband Berlin und Brandenburg des Reichsverband s des Deutschen Nahrungsmittel- Großhandels E. V. Berlin Die Preise verstehen sich in Gold- M. für 50 kg in Originalpackung ab Lager Berlin 130,00-140,00 Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose ... Maispuder, lose Rongenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß weizen- Auszugmehl Speiseeibsen, Viktoria 7% Weizenmehl 170,00-200,00 300,00-400,00 15.75-16,75| Weißer Pfeffer 15,75-16,75 Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 15.2 Rohkaffee Brasil 14,5015,50-16,50 Röstkaffee Zentralam.. 20,25 20,55 Röstkaffee Brasil 23,50-23,75 Malzkaffee, gepackt 13,00-14,00 Röstgetreide, lose Weiter führte Redner aus, feit Gründung diefer Gesellschaft, Deren Kapital sich ausschließlich im Besthe des Borstandes und Auffichtsrets befände, werde die deutsche Gesellschaft zugunsten der holländischen ausgebeutet, denn die deutsche Gesellschaft führe für die holländische nicht nur bie Lohn Maisgrleß gerberei aus, sondern stelle ihr auch ihre Bertaufsorganisation zum Bertrieb der gegerbten Leber zur Verfügung, liefere ihr also die deutsche Rundschaft aus. Dies gehe daraus hervor, daß die Fatturen den Bestellern auf Briefbogen zugesandt werden, die am Kopf die Firma der holländischen Gesellschaft tragen. Wie er weiter bemeifen molle, werden der holländischen Gesellschaft für die Lohngerberei die teueren Gerbstoffe, die zum Teil aus dem Ausland bezogen werden müssen, garnicht in Anfag gebracht. Auch hätte es die Verwaltung nicht nötig gehabt, Lohngerberei aufzunehmen, da fle fo Linsen, große.... viel Anträge befommen fonnte, daß sie selbst mit ihren beiden Gerbereien, die zu den größten Deutschlands zäh'en, sie nicht hätte bewä!. tigen fönnen. Auch treffe die Behauptung nicht zu, daß das Ergebnis der Gesellschaft durch die Geldentwertung beeinträchtigt wor den sei, da in der Lederbranche und auch bei der Gesellschaft seit Be Reisgrieß u.-mehl, lose 13,40- 14,25 ginn der Inflation alles, sowohl im Einkauf wie im Berkauf, auf Dollarbasis eingestellt worden sei. Alle diese unter Beweis zu stellenden Behauptungen legten zur Genüge dar, daß die Gesellschaft in unlauterer Weise ausgebeutet merde, und daß der Bertrag mit der holländischen Gesellschaft nur ein Schein vertrag sei, um nach außen den Einkauf und Berkauf zu verbergen. Mittwoch Verkauf soweit Vorrat Speiseerbsen. kleine. Bohnen, weiße, Perl Langbonnen. handverles. Linsen, kleine. Linsen, mitte! Kartoffe.mehl Makkaroni. lose. Schnittnude n. lose. Burma II unglasiert Siam Patna I glasiert Grober Bruchreis. Rin äpfel, amerik. extra choice Getr Pflaumen. Korinthen in Kist. choice Sultaninen in Kis'en. Mandeln, bittere Bari 4 • Geschäftliche Mitteilungen. Dic Firma P. Beiersdorf u. Co. A.-G. gibt bekannt, daß die bewährte Bahnpasta Bebeco bei unveränderter Güte zum Preise von 0,40 W. flte die große Tube und 0,25 M. für die fleine Tube erhältlich ist. 220.00 270,00 Café Zielka Straße, nachm 44, abends 734 Uhr: Großes Programm. Varleté- Kabarett, Friedrichstraße 60. 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