Abendausgabe Nr. 74 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 37 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Serniprecher: Dönhoff 292-295. Sel- breffe: Sozialdemocrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 7 Goldpfennig 70 Milliarden Mittwoch 13. Februar 1924 Berlag und Angetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin S. 68. Cindenstraße 3 Jernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Blutige Kämpfe in der Pfalz. Das Pirmasenser Nathans gestürmt. Befehl von Moskau. Die kommunistische Internationale an die KPD. Sieben lange Spalten füllt in der Pramda" vom 7. Februar die Resolution des Erefutivkomitees der Kommu nistischen Internationale über die Lehrenderdeutschen Ereignisse". Sie abzudruden oder auch nur auszugsweise wiederzugeben, ist für ein nichtfubventioniertes Blatt eine Unmöglichkeit. Teilweise enthielt bereits die von uns mitgeteilte Rede Ginowiews auf der russischen Parteikonferenz hinreichend Material zur Beurteilung des neuen Kurses", den die Mostauer Internationale für Deutschland zu befehlen gedenkt. Trogdem müssen aber auch aus diesem für die innerdenkt. Trogdem müssen aber auch aus diesem für die innerteutsche Politik selbstverständlich wichtigen Dokumente einige Stellen auch der deutschen Deffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nur aus ihnen fann man die Tattik der deutschen Kommunisten richtig beurteilen. " P Mannheim, 13. Februer.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die blutigen Borgänge, die fich am Dienstagabend in Birmajens abfpielten, wird nunmehr folgendes bekannt: Am Dienstagvormit tag um 11 Uhr Jammelte fich eine große Menschenmenge vor dem Bezirksemisgebäude in Birmcfers, in dem sich die Besatzung Der Separatisten, etwa 40 mann start, befand. Die Bolts menge verlangte den fofertigen Abzug. Die Separatisten weigerten fich, und als die erregte Menge Anstetten traf, um in das Gebäude einzubringen, wurde aus dem Bezirksamt auf die Bevölkerung ge fchoffen, wobei es mehrere Berwundete gab. Die Menge ging zurüd und bewaffnete sich mit Holzprügeln. Unterbessen errichteten die Separatisten um das Bezirksamt Borrikaden zu ihrer Berteidigung. Die Thesen geben in langen historischen Schilderungen die Ein Bersuch der freiwilligen Feuerwehr, die Separatisten aus dem Geschichte der kommunistischen Strategie aus dem Jahre 1923 Gebäude herauszuholen, mißiang. Daroufhin fchleppte die wieber, Ichildern im Stile Sinomjers die fächsische Komödie", Boltsmenge Benzin heran und zündete die Barri bas militärisch- politische Manöver" und das flägliche Verfaden an. Dadurch geriet auch das Bezirksemisgebäude in fagen der von sozialdemokratischen Traditionen verfeuchten Brand und girg in F'ammen auf. Die aus dem trennenden Gerechten Kommunisten". Es wird eine vollständige Aenderung" bäude flüchtenden Separetisten wurden von der ungeheuer erregten der sogenannten Einheitsfronttaltit, vor allem gegenüber der Boltsmasse erschlagen, darunter als einer der ersten der sogenannte Sozialdemokratie, einerlei welcher Schattierung, angekündigt. Regierungskommissar der Separatisten Schwab, fein Sohn und Dann heißt es wörtlich weiter: fein Adjutant. Bor den 40 im Gebäude befindlichen Separatisten dürften wenige mit dem Leben davongekommen fein. Auf deuts Pirmajens, 13. Februar.( WIB.) Gestern von vormittags 11 Uhr an sammelte sich vor dem Regierungsgebäude eine angeheure Menschenmenge an. Die Separatisten wurden wiederholt aufgefordert, das Gebäude zu verlassen oder in Unterhandlungen mit einer Abordnung der Bürger zu treten. Diese Cinigungsversuche wurden feliens der Separa.iften zurückgewiefen. Die Separatisten fchoffen nunmehr blindlings auf die Menge. Troh der schweren Verluste der Ungreifer wurde der Sturm fortgefeht. Da an das Regierungsgebäude aber infolge der Verbarrifabierung nicht heranzukommen war, wurde die Feuerwehr in Tätig. teit gefeht. Als sie jedoch ebenfalls nichts ausrichtete, wurde das Gebäude mittels Benzin in Brand gestedt Als der untere Teil in Flammen stand, stellten die Separatisten das Feuer ein und baten um Gnade. Inzwischen waren einige Männer mittels einer Leiter in das Gebäude eingedrungen, und es entstand ein Kampf Mann gegen Maun. Die das Gebäude verlassenden Separatisten wurden von der maßlos erregten Menge erichlagen. Unter ihnen befindet sich auch der Regierungsfommiffar Schwab, der sich durch besonders brutales Borgehen ausgezeichnet hatte, ferner der„ Adjutant des Schwab sowie andere bekannte Separatisten. Das Gebände brennt noch. Die Bejagungstruppen verhielten sich während der Kämpfe volltommen Pirmasens, 13. Februar.( WTB.) Nach den bisher vor- rerbond, fowie ein gewiffer Cozilius und eine Frau Stumpf. liegenden Feststellungen find bei dem Sturm der Bevölkerung auf das Rathaus im gan en 17 personen getötet worden, darneutral unter 14 Separatisten. Zweibrüden, 13. Februar.( BTB.) Die Separatisten find heute morgen 4 Uhr in der Richtung Raiserslautern ab. gezogen. Ueber diese Vorgänge erhalten mir folgende eigene Mel bungen, die die Angaben des Wolff- Berichts bestätigen: Icher Eele fiel u. a. der praktische Arzt An stett, der Verwundete Die Befchungsbehörde verhiel: fich zunächst vollfommen neu. tral. Heute morgen um 5 Uhr traf aus 3 weibrüden fran. zöfifche Infanterie zur Berstärtung der Befagurg von Birmafens ein. Um 8 Uhr vormittags trafen fünf est automo. bile mit Marottanern aus Zweibrüden ein. Ueber die Stadt ist die Rach: iperte von 7 Uhr abends bis 5 Uhr morgens perhängt. Die Rheinbrüde zwischen Ludwigs afen und Monnheim ist seit heute früh 5 Uhr wieder gesperrt Bis in die Bormittagsstunden des heutigen Tages wurden als Opfer der blutigen Vorgänge in Birmasens 8 Tote auf deut ier Seite und 28 Tote auf Separatistenfeite feft geftell Lutwigshafen, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In Birmafens tam es am Dienstagabend zu äußerst schweren Rämpfen zwischen den Separatisten, die das Bezirksamtsgebäude noch belegt hielten, und dem Selbstschuß und der Feuerwehr der Stadt, Kämpfe auch in Kaiserslautern. die das Gebäude stürmten. Die Rämpfe dauerten unter schweren Berlusten auf beiden Seiten den ganzen Abend über. Das Bezirks. Raiserslautern, 13. Februar.( WIB.) Self heute morarat selbst geriet im Laufe des Kampfes in Flammen, die aus dem gen 8 Uhr wird gekämpft um das Bezirksamt. das Hauptbrennenden Gebäude flüchtenden Separatisten wurden erquartier der Separatiften. Maroffanische Eruppen griffen ein, um schlagen und verbrannten. Auf deutscher Seite foll es bret Tote die Menge von dem Gebäude, das jugleich der Sih der franzöfifchen und etwa zwanzig zum Teil Schwerverwundete gegeben haben. Die Bezirksdelegierten iſt, wegzu'reiben. Bis jetzt sind ein EinSeparatisten dürften einen Berluft von zehn Toten und viele Schwer wohner und ein Separatist schwer und mehrere Personen leicht verDermundete zu verzeichnen haben. Für eine internationale Konferenz. Eine Erklärung Macdonalds. Condon, 13. Februar.( EP.) Macdonald antwortete in der gefftigen Unterhausfihung auf die Anfrage des Abgeordneten Sommerville, ob lie Regierung die Einberufung einer internationalen konferenz für den Wiederaufbau der Welt vorber ite. daß dies den Tatsachen entspreche. Die Regierung hoffe, daß diefer Plan verwirklicht werden könne. Alle Borschläge, die zu dem gleichen zie'e strebten, würden von der Regierung mit Genugtuung auf genommen werden. Die Brogrammrede Macdonalds im Unterhaus hatte feinen fenfationellen Anstrich und brachte feine leberraschun gen. Der Form nach war fie in jene Atmosphäre ftaatsmänni fcher Ueberlegung und Rüchternheit getaucht, die die Debatten des englischen Parlaments gemeinhin auszeidmet. Wenn aber ge'tern der auswärtige Unterstaatslefretär im Kabinett Bald m'n, McNeill, die spöttische Frage dazwischen war, wo burch sich denn die neue englische Außenpolitit von der bis herigen unterscheide, so muß doch gefagt werden, daß diefer Unter dieb gerade dem nichtenglischen Beobachter in die Augen springt. letzt. Geftattet ist. Und die Hoffnung ist berechtigt, daß dieses Bro. gramm im franzöfifchen Bolt, das durch die Miherfolge Boin carés und den Sturz des Franken belehrt ist, starken Anflang finden wird. In Frankreich scheint der politische Instinkt des Bolter fräftig genug, um die Erkenntnis zu fördern, daß einem geiitig erneuerten England fein verknöchertes Frankreich gegenüberstehen dürfe. Die Frage an das Schicial iſt jent. cb das deutiche Boif wieder einmal eine Bolitik der verpakten Gelegenheiten treiben will. Das würde es tun, wenn es lonale Mitarbeit verweigern und sich einer Politik der Revanche und der Sabotage auch ermäßigter und tragbarer Repara tionsforderungen verfchreiben wollte. Im wohlverstandenem Intereffe des deutschen Volkes wird die Sozialdemokratie gegen eine folche blinde und verhängnisvolle Bolitif den allerschärfiten Kampf führen. Leider hat gestern diefe Revanchepolitit in Pirmasens einen Triumph im fleinen gefeiert. Nachdem das Separa tiftenregiment durch diplomatische Einwirtung ge brochen war, waren gegen feine letzten Refte teine Gewaltatte bis: ften notwendig. Die Führer des Rampfes gegen die 40 Separatisten in Birmasens haben sich feine Lorbeeren geholt, sie haben viel. mehr die deutsche Sache durch die Wildheit ihres Borgehens geschädigt. Jeht, nachdem sich das französische Militär in die Neutralität zurückgezogen hat, wird es Sache der deutschen Behörden sein, dafür zu sorgen, daß sich derartige Dinge nicht wiederholen. Die englische Arbeiterregierung iſt ja fchon durch ihre bloke Gristenz das verförperte Programm der Erneue rung von unten auf. Und ihr bloßes Vorhandensein hat gerügt, die Vorbereitung einer inneren Umstellung in Frankreich ganz erheblich zu beschleunigen. Frankreich ais trpische Bourgeoisrepublit, als Vertreterin des tonservativen Brinzips in der auswärtigen Politif, hatte in einer fonjerpativen englischen Regierung feinen ebenbürtigen Gegen fpie'er. Denn gab es auch Meinungsverschiedenheiten, fo blieb do der erund äiche Beden derselbe, und da niemand baran denten fonnte, Meinungsverschiedenheiten mit bewaffneter Hand cuszutragen, war die Stellung der fonfervativen eng. fischen Regierung gegenüber der französischen schwach. Die Aehnlichkeit, b'e Mentei fetstellen zu fönnen glaubt, ift nur äußerlich. Sie besteht darin, daß auch die Arbeiter regierung ni ht und sie ert recht nicht auf eine bewaffnete seinandersetzung mit Frontreich hinarbeitet und daß auch fie bemüht ist, in der Kritif einer immer noch verbündeten" und be reunbeten" Regierung feine iharfen Worte zu gebrauchen. Sie aber befist die Möglichkeit, über die Röpfe der lett Re gierenben hinweg auf bie Meinung der breiten Boltsmoffen Frankreichs Einfluß zu üben. Die Verständigung des franzöfishen Bottes mit dem englischen und mit dem deutschen Bolt, das ist ihr Programm, an dessen Ehrlichkeit fein Zweifel Bon der beutschen Reichsregierung ist alle Energie zu ver fangen in dem Bestreben, zu einer wirklichen Befriedung Europas zu gelangen, und in der Betämpfung aller Strömun gen, die sich diesem Bestreben entgegenstellen. Mögen die Götter die Röpfe unserer Führenden erleuchten und fie begreifen laffen, um was es geht Denn mit Blindheit schlagen fie doch nur den, den sie verderben wollen! Cendon. 13. Februar.( Cinener Drahtbericht.) Sum Borsigenben und Wortführer der Arbeiterfroftion während der Dauer der Ne eierung Macdoneld wurde gestern der Abgeordnete für Newton Donny gewählt. Es steht endgü'tig feft, daß bei der Nahwahl in Burnlen sich nur zwei Randidaten genenüberstehen werden, der neue Innenminister Artur Henderson und der Konservative Harold Camps. Ter feberele Kandidat bei der Hauptwahl hat dies mal auf eine Aufstellung verzichtet, ohne sich jedoch bisher zugunsten des einen eber bes anderen Stanbibaten zu. äußern. Man nimmt jedoch an, daß durch diesen Berzicht Hendersons Chancen etwas per bessert werden. 1 Diese Umstände veranlaffen uns, die Taktik der Einheitsfront in nern der weißen Diktatur das erkennen jegt vollkommen flar alle Rommunisten in Deutschland, und das müssen sie für jedermann börbar dem ganzen deutschen Proletariat fagen. Deutschland zu ändern. Nichts Gemeinsames mehr mit den Göld. Die deutsche Kommunistische Bartel verzichtet auf jegliche Berhandlung nicht nur mit dem Zentralfomitee der Sozialdemokra tischen Bartel, sondern auch mit den linten Führern, solange Bande im Zentralfomitee ihrer Bertei zu brechen. diese Helden nicht den Mut haben, offen mit der tonterrevolutionären Schon bei der geschichtlichen Betrachtung der Ereignisse des vergangenen Jahres wird der Schlappheit der Kommu niften in Sachfen als leuchtendes Beispiel der Hambur ger ufft and gegenübergestellt. Die Methode des Aufftandes und des Butsches wird programmatisch als Taktik der nächsten Zukunft hingestellt: Aufstandes und ber Eroberung der Macht nicht von der Lagese Die deutsche Kommunistische Bartei barf die Frage des ordnung abseßen. Im Gegenteil, diese Frage muß in ihrer ganzen Gegenständlichkeit und unauffchiebbarkeit vor uns stehen. wußtein bringen, daß nur die Diftatur des Proletariats ihnen Rettung bringen tann. Diese Aufgabe ist verbunden mit der Auf Die Agitation der Partei muß den breitesten Massen zum Be gabe der politischen Bernichtung der Sozialbemo fratiichen Bartei, was die Organisation von Organen der Einheitsfront und die Aufstellung klarer Kampfziele in allen Teiltämpfen erfordert. schichten sollen den Kommunisten bei dieser Taktik, die als die Kleinbauern, Kleinbürger und alle möglichen Mittelhilflich sein. Die Kommunisten wollen dabei ausgesprochen Taftit der„ Einheitsfront von unten auf" bezeichnet wird, bee nicht nur eine Agitations, sondern auch eine Kampfpartei sein: Es ist deswegen unbedingt notwendig, mit aller Energie die Bewaffnung der Arbeiter und die technische Bor bereitung des Entfcheidungstampfes au bewerkstelligen. Rote unbertihaften müssen wirklich und nicht nur auf dem Bapier gefchaffen werden.... Nur wenn die Arbeitermaffe in ben Roten Hundertschaften bei Demonstrationen und Streifs unb bei allen anderen Busammenstößen mit den bürgerlichen Macht organen Schuh findet, tönnen die Hundertschaften auf Sympathie bei ber Maffe zählen. Alle demokratischen Illusionen" in der Partei und alle Spetulationen auf fozialdemokratische Gruppen" follen rest los ausgemerzt werden. Die Kommunistische Bartei wird als bie einzige Parteides Aufstandes, die Bartei der Zer störung des tapitalistischen Gebäudes" bezeichnet. Deswegen foll jede Handlung der Partei diesen Zwecken dienen. Nach einem solchen, mit manchen Strömungen der Vers gangenheit auch in der Kommunistischen Partei scharf brechena dem Bekenntnis zum Butschismus fehlt nicht der übliche Hine weis auf die Einigkeit der Partei. Dieser wird aufgetragen, auf einem Barteitag entsprechend die en Anweisungen ihren Frattionsstreit zu beenden. Die Moskauer Erefutive, die von den Berhältniffer in Deutschland nichts weiß, fordert von ihren deutschen Mitglie dern Radavergehorsam. Sie haben dies und nichts anderes u tun, es wird nicht danach gefragt, was fie denken und was fte fönnen. Diejenigen deutschen Rommuniften und sie find zahl. reich die den Mostauer Befehl für potenzierten 3rrfinn halten, dürfen das nicht sagen, sondern sie müffen Schweigen und gehorchen. Werben fie aber bas tun? Schließ lich gibt es Grenzen, über die ein innerlich rechtschaffener tenfch nicht mehr hinweg tann. Wer von den tommunistio schen Führern auch nur noch einen Funfen von Berantwor tungsgefühl, von wirklicher Liebe zu den Arbeitern empfindet, der muß sich gegen die Zumutung, diese Arbeiter einem finn fofen Befehl zu opfern, empören. Es wäre unnötig, Deutschen, die die Augen offen haben, noch ausführlich darzulegen, warum der Moskauer Befehl potenzierter 3rrfinn ist. Jeder weiß, daß ein fommunistischer Aufstand mit Zustimmung von mindestens neun Zehnteln des Boltes niedergeschlagen werden würde, und daß er schließlich feinem anderen 3med bienen wurde als dem, den| den Frieden durch Gewalt erzwingen zu wollen. Der Frieden sei Sieg der Konterrevolution in Deutschland vollständig zu machen. Der Moskauer Befehl ist ein wahrer Todesbefehl nicht nur für die einzelnen, deren Schicksal dem Großen Hauptquartier im Kreml gleichgültig ist, sondern für die Komma nistische Partei selbst. Sie ist vor die Wahl gestellt, entweder fich befehlsgemäß militärisch aufreiben zu lassen oder durch eine Rebellion gegen Moskau ihr Leben zu retten. Dieser innere Widerspruch muß sie zerreißen, wenn sie nicht eines rettet der militärische Ausnahmezustand. nur möglich durch allgemeine Abrüstungen und internationale Abmachungen. Danach ergriff Lord Curzon ols Führer der Opposition bas Bort und trat für eine Berständigung mit Frankreich ein. Diese fei jedoch nur möglich bei einer Aenderung der Ruhrpolitik. Er fritisierte alsdann die Anerkennung Rußlands. Steuerdebatte in der Kammer. Paris, 12. Februar.( BIB.- Rammer.) Bormittag. begann die Besprechung des dritten Artikels des Regierungsentwurfes: 20prozentiger Steueraufschlag. Verschiedene kommunistische Zusakan träge, die vor allem eine Enteignung solcher Gebäude verlangten, die unter Berwendung der Kriegsgewinne erbaut wurden, ferner Revision der Liquidierung der amerikanischen Materiallager und Beschlagnahme der Gewinne der Kohlengrubenbefizer infolge des Steigens der Kohlenpreise nach der Ruhrbefehung wurden abgelehnt. Abg. Engerand betonte die Notwendigkeit... der Annahme der Regierungsverlage. Er bat indeffen die Regierung, den Verbrauchern direkte Berteidigungsmittel in die Hand zu geben, da die vorgeschlagenen Maßnahmen schon heute als BorMinisterpräsident wände für Breiserhöhungen dienten. Boincaré antwortete, daß ein entsprechender Entwurf in Aus arbeitung begriffen fei. Engerand betonte dann die Notwendig feit, um ausländischen spekulativen Manövern jeden Vorwand zu Nirgends gedeihen finnlose Illusionen, Verschwörertum, Butschistentreiben besser als unter dem Belagerungszustand. Rein schwererer Schlag fann daher den Moskauern und ihren blinden deutschen Hinterlassen zugefügt werden als die Auf hebung des militärischen Ausnahmezusta des. Solche Krankheiten gedeihen nur in dunfler Stube, Politit meint die" Times", daß der Ministerpräsident fich wahr. nehmen, alles Gold, das Franzosen geschuldet mürde, nach FrankLicht und Luft heilen fie. Man zwinge die Kommunisten, vor der Deffentlichkeit Farbe zu bekennen, man gebe ihnen Gelegenheit, öffentlich ihre Meinungsverschiedenheiten auszutragen, man stelle zwischen ihnen und ihren Gegnern gleiche Kampfbedingungen her! Die Heilung der Arbeiterbewegung vom fommunistischen Irrglauben ist teine mili tärische, sondern eine demokratische Angelegenheit, und jetzt sind die Heilungsaussichten gut, wenn nicht wieder das 07ilitär alles verdirbt! Bon kommunistischen Demonstrationen war heute bisher noch nichts zu bemerfen. Sie follen ergeblich vertagi sein. Fort mit Loßberg! Wie man in Arbeiterkreisen Westfalens über ihn denkt. Eine außerordentliche Konferenz von Vertretern des Kreisverbandes Münster i. B. der BSPD. nahm einstimmig nach stehende Entschließung an: Die außerordentliche Tagung erklärt einmütig, daß sie zu dem Kommandeur des Wehrkreises VI, Herrn von Lohberg in Münster, kein Bertrauen hat und die Art, nach welcher diefer Herr unter dem Ausnahmezustand als Inhaber der vollziehenden Gewalt sein Amt auffaßt, als gegen die Interessen der Republik und der organisierten Hand- und Kopfarbeiterschaft gerichtet, auf das schärfste verurteilt. Die Tagung fordert die Entfernung dieses Reichswehrtommandeurs aus dem Amte und verlangt, daß die Leitung des Wehrkreises VI endlich in die Hände eines Mannes gelegt wird, der seine Tätigkeit nicht einfeitig politisch einstellt und es verhindert, daß Westfalen noch mehr zu einem nordischen Bayern wird. Die Konferenz beauftragt den Kreisverbandsvorstand, auf dem westfälischen Barteitag und auf dem Reichsparteitag der BSPD. fomie bei der fozial. demokratischen Reichstagsfrattion gleichfalls nachdrüdlichst im Sinne dieser Entschließung zu wirken." Die Aufnahme der Rede in England. Condon, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) zu der Bro: grammerklärung der neuen Regierung schreibt die" Times": Die Rebe enthielt nichts Aufrüttelndes, aber viel Gesundes und Verständiges und bildete ein gut ausgearbeitetes, allgemeines Arbeits Programm für die rächste Zukunft. Die Prüfzeit wird für Mocdonald wie für seine Borgänger kommen, menn dieses allgemeine Progra.mm auf tonkrete Borschläge wird beschränkt werden müssen. Bezüglich der auswärtigen fcheinlich von einer mehr detaillierten Erklärung wegen des Umstands enthielt, daß die Berichte der beiden Sachverständigen Aus schüsse über die deutschen Finanzen in furzer Zeit erwartet mer den und für eine endgültige Formulierung der Regierungspolitik in Betracht gezogen werden müssen. Dennoch war Macbonald in der Lage, zuversichtlich von der Aussicht auf ein vollständiges Uebereinkommen mit Frankreich bezüglich der Pfalz zu sprechen. hierzu glaubt die„ Times", daß ein Teil des Berdienstes an diesem Resultat auch der Arbeit der Regierung Baldwin zuzufchreiben fel. " Es mag fein," fügt das Blatt hinzu, daß Frankreich in der lleberwertsbezirke der Welt gelegt. nahme der Macht durch die englische Arbeiterpartei eine günstige Gelegenheit erblidt, etwas von seiner bisherigen unversöhnlichen Haltung abzugehen. Das foll jedoch in feiner Weise die Ber dienste verringern, die Macdonald sich durch seinen Taft und durch seine zurückhaltung seit seinem Einzug in Downing Street erworben hat. Es besteht jetzt das endgültige und hoffnungs. volle Gefühl, daß nunmehr eine greifbare Regelung, be= ruhend auf englisch- französischer Zusammenarbeit, tatsächlich ins Auge gefaßt werden kann. " Manchester Guardian" fchreibt: Macdonald gebenti nichts mit leberstürzung zu unternehmen. Es ist flar, daß wir alle die Berichte der internationalen Sachverständigen aus. schüffe, die gegenwärtig an der Arbeit sind, abwarten müffen. Die Ernennung dieser Ausschüsse ist das Beste, was seit Unterzeichnung des Friedensvertrages geschehen ist. Diese Ausschüsse sollten die Grundlage schaffen für eine allgemeine Konferenz und auf eine solche Konferenz rechnet offenbar Macdonald, um seine der europäischen Mächte zusammen mit Amerita Politik durchzusehen. Darüber hinaus erstrebt Macdonald die Schaffung einer großen internationalen Einrichtung, die stärker in Wirksamkeit zu treten haben werde als bisher der Völker bund. Macdonald möchte dieses Instrument durch Einbeziehung von Deutschland und womöglich von Rußland und es fodann bis zum Aeußersten verwenden. Die Chancen für das Gelingen dieses Planes sind jetzt besser als je zuvor." Dawes beim Reichskanzler. Der Borgänger Loßbergs war- herr von Watter. Inzwischen ist man übrigens in dem Wehrkreis des Herrn von Loßberg, in melchem, wie er vor dem Westfälischen Bauernverein sagte, die Ruhe aufrecht erhalten sei", hinter große Sprengstoffverschiebungen rechtsstehender Kreise gefommen und hat Feststellungen und Ber Der Borfizende des Ersten Sachverstär digenousschusses, Genehaftungen unter Leuten vorgenommen, die auch Herrn von Loßberg rai Da wes, besuchte heute mittag aus Unlaß der Abreise des Aus. nicht unbekannt sein dürften. Wir werden nach Abschluß der Unter- schusses den Reichskanzler, um auf Wunsch seiner Mitarbeiter fuchungen daruf zurückommen. Der Staatsgerichtshof zum Schutze den Dank auszusprechen für die wirtseme Unterstügung, der Republik wird sich ebenfalls mit der Sache zu befassen haben. welche die deutsche Regierung den bisherigen Arbeiten des Aus Die Parteifonferenz in Münster, die sich u. a. auch mit den taktischen schusses habe zuteil werden lassen. Der General führte aus, die Barteifragen befaßte, nahm einen schönen, geschlossenen Berlauf. deutsche Regierung habe alle Austur fte erteilt, welche das Komitee erbeten habe. Er wünsche hierfür zu danten fowie für die oufmerflame und freundliche Aufnahme, welche der Ausschuß erfahren habe. Der Reichstanzler bantte dem General für feinen Besuch und bat ihn, auch den übrigen Mitgliedern des Ausschuffes seine Genugtuung darüber zum Ausbrud zu bringen, daß die Mitarbeit der deutschen Regierung in dieser brud zu bringen, daß die Mitarbeit der deutschen Regierung in diefer Weise gewürdigt worden sei. Er danke ihnen ferner namens der deutschen Regierung für das eingehende 3ntereffe, das sie der ihnen übertragenen überaus schwierigen Aufgabe gewidmet hätten. Die Arbeiterregierung im Oberhause. Für eine vernünftige Lösung der Reparationsfrage. Condon, 13. Februar.( Eca.) 3m Oberhaus entwidelte Lord Haldane das Regierungsprogramm. Er bemerkte: Bethmann Bethmann Hollweg war ein Pazifist, aber unfähig, gegen die deutfchen Militärs oufzufommen. Er erläuterte die Ablehnung seiner bamaligen Borschläge. Frankreich müsse heute bei einer Erwägung der Sicherheitsfrage den damoligen deutschen Fehler vermeiden, Ottakring. Bon Mar Preis. geist über Ottakring ausgegossen. Es ist der Geift des Willens zum Leben und seinen schönen Dingen über die ganz große Idee hinaus; der Geist, der beim Augenblid verweilt und ihn schön findet, der am Hals des Tages hängt und des Tages Lippen füßt, wenn sie rot und voll find; em Geist, der sich in die Weltdimensionen fügt, aber trotzdem auch Ottakring und Wien und feinen Wald als Heimat gelten läßt. Das ist der Bezirk der Arbeiter von Whert. Die freundlichere Schwesterstadt zu dem düsteren Favoriten, zu dem mechanisierten Floridsdorf, zur traurigen Brigittenau, von der ein hilflos naives Bolkslied von Anno Längstvorbei hartnäckig behauptet, dort sei der Es ist Peripherieftimmung in Ottakring, auch im neuen, revo Himmel blau; was ihm gar nicht einfällt, denn er ist mit Fabrik- lutionären und völkerbundlich sanierten. Eine Beripherieſtimmung, rauch angestrichen und hat leine Zeit, blau zu fein. Ueberall, in die freches, stolzes Wienertum aufbläht; Traditionsstimmung. Kom. Favoriten, in Floridsdorf, in der Brigittenau und in Ottakring promißluft. Der Hausherrensohn, der mit Schnid und Schnad und wohnen Arbeiter, werken Arbeiter, dampfen Arbeiter an Feier Gschnas zum Bürgerball zylindert, pfeift genau so den klassischen abenden wie Gäule nach dem Trab im Stall; und schließen Arbeiter Wiener 3inch- o"-Pfif, diese herausfordernd melancholische, langan Sonntagen die Hände zum Gebet der Mufit, des Bortrages, der gezogene Aufforderung, ihm den Buckel runter zu rutschen, mie der die Riegel von den harten Türen der Kunst des Wissens hebt. Und Arbeiter, der in seinen Sälen eine Balle feiert; und wie der dunkle überall sehen die Fenster der Häufer wie hungrige Augen aus. Abhub verprügelter und verwegener Gestalten, die das Bezirksbild nächtlicherweile sprenteln. Aber nirgendwo haben die Wohnwürfel sich so sehr einen letzten Schimmer von wienerischer Anmut bewahrt wie in Ottakring Das macht, vielleicht, der Wald ist nah; er greift mit grünen Fingern mitten hinein in die Bersteinerung des Menschentums, bläst Seele in perfalfte, in Stahl gewordene Herzen, die zeitlebens nur beurlaubt find, wenn fie für einen gebrängten Abend, für eine aufbauende Nacht zum Leben zurückkehren. Der Wald macht das der ganz feine, unsichtbare Bäche entspringen und in die Menschen von Ottakring münden läßt. Der nahe Wiener Wald, der auch im Winter nahe ist und seinen weißen Hut auffeßt und den kleinen Mädels zuwinkt, menn fie morgens in die Fabrik fahren. Das iſts: fie fehen morgens den Wald und laufen ihm davon; nach dem Arbeitsabenteuer des Tages fommen sie treu zu ihm zurüd. So verlieren die Leute in Ottakring nie ganz den Zusammenhang mit der Natur. Sie bekommen täglich einen Morgenfuß und einen Abendsegen von ihr. Ottakring ist erobertes Land. In hundert Bahlschlachten erobert. Die Wucht eines Viktor Adler, die heilige Güte seines Herzens, die schwere Beste seiner fargen, pflügenden Rede wohnte mehr drüben im düsteren Favoriten, wo fede Gaslaterne wie durch den Schleier einer Leidenschaft brennt. In Ottakring war der Franz Schuhmeier, der prachtvolle Wiener Bursch, der unbeschwerte, unbekümmerte, wie aus der heiteren Waldfilhouette herausgeschnittene Drausgänger zu Hause. Der Schuhmeier- Franzl, zu dem alle Wiener Augen du sagten. Nur in Ottakring fonnte seine von Glück und Liebe getragene Bolkstümlichkeit und Ursprünglichkeit aufschießen. Im eigentlichsten wienerischen Sinne hatte feine Derbheit Anmut. Wenn Politit musikalisch sein fönnte diefer derde, bodenstämmige Schuhmeier wäre der Mozart der Wiener Politit gewesen. Franz Schuhmeier ist schon lange tot: ein Mörder hat ihn niedergeknallt. Aber Ottakring lebt, und Schuhmeiers gebaute und gescheite, unbewußte und unbeschwerte, bejahend fanatische, zur Freudigkeit erlöfende Lebensweisheit ist wie ein ewiger Pfingst So ist Ottakring. Die Bürger- und Hutmacherföhne haben sich an die legitime Proletarisierung gewöhnt. Und die Arbeiter find gemütlich. In den Straßen wächst nachts ein Räuschert vom heu rigen Wein. Der Schaffner der Elektrischen hat besondere Instrut tionen für die Behandlung von„ Weinreisenden". Unsichtbar schwebt eine riesige rote Fahne symbolisch und unverlierbaren Befiz fnatternd über diesen winerischesten proletarischen. Bezirk Auf hunderttausend Stufen durcharbeiteter Stunden steht, von hunderttausend Menschen gestellt, das Monument eines bescheidenen Blüds. Nachts klopft der Wind vom Wiener Wald an die Fenster. Am Gürtel friert ein fleines Hürchen. Ein Zuhälter lauert. Ein Arbeiter geht vorbei, schenkt dem Hürchen eine Zigarette. Und der Hausherrensohn von Nr. 11 winft ihr und läßt sie 20 000 kronen verdienen. Ein Krantenwagen schaufelt scheu ins Infektionsfpital. Morgens ist der Wald voller Grün oder voller Schnee. Und fagt zu den Arbeitern:„ Lauft mir doch nicht davon." Und Arbeiter und Hausherrnsohn, Hürchen und Lump finden, daß die Welt nicht einmal gar jo hundsmiserabel ist. Der Lump pfeift: Menschen, Menschen sein mer alle." Und der Wiener Wald lacht in Grün oder in Schnee. Eigentlich sollte jede große Stabt ihr Ottakring haben. Prügelpädagogif. Ein ruffischer Genosse schreibt uns: Lief ergriffen hat mich neulich die Sfizze von Thomas Münzer im Vorwärts":„ Die Kultur der Ohrfeige Besonders sein Hinweis ist wertvoll, daß der faiserlich deutsche Militarismus ein„ Bolt Don Unteroffizieren" großgezüd'et hat. | In der fortgesezten Steuerdebatte weist Abg. Tardieu auf den Ernst der Maßnahme hin. Niemand zeige, welche Ersparniffe man erzielen könne. Die 20prozentige Steuererhöhung habe in der Kammer nicht einen einzigen Berteidiger gefunden, fie tre die Kleinen und den Mittelstar b viel härter als die Reichen, Tarileu faniert werde. Man hate gut daran getan, das Ruhrgebiet zu be bezweifelt, daß damit das Budget ausgeglichen und die Währung feßen, aber die öffentliche Meinung der Welt habe von diefem entscheidenden Schritt etwas anderes erwartet, denn Frankreich, habe mit der Beschung die hand cuf eines der drei großen BergTardieu erklärte meiter, er begreife nicht die lle berstürzung, mit der die Regierung die Annahme der von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen verlange, bloß weil es am 14. Januar in Amsterdam zu einem Börsencoup gekommen sei. Zwei Jahre ministerieller Vers nachlässigung ließen sich nicht mit einer Stunde starter Erregung mieder gut machen„ Ich beschwöre die Rammer," so schließt Tardieu, sich auf diese nicht einzulaffen." Politik der Panit Nach einer furzen Unterbrechung der Sizung ergreift der Abg. Alok das Wort. An Hand von Beispielen weit der Abgeordnete nach, daß die bloße Anfündigung einer Steuererhöhung in einigen Tagen bie Kosten der Lebenshaltung um 20 bis 30 Broz. in Die Höhe getrieben habe. Wenn diefer. Zustand anhalte, gehe man einer Rata ftrophe entgegen. Er erklärt, foeben erfahren zu haben, daß das noch in Berlin tätige Sachverständigen. tomilee sich auf den Standpunti ftelle, daß der deutsche Steuer. zahler mindestens ebenso belastet werden müsse, wie die Sachverständigen zögen dementsprechend jezt Gaatsangehörigen der am stärfften besteuerten Ententeländer. Die neue deutsche Steuern in Erwägung. Wenn aber die Kammer die von der Regierung vorgeschlagene Steuererhöhung bewillige, so werde morgen der fran öfifche Staatsbürger die stärksten Steuern zahlen. Die franzöſiſche Regierung würde dann zu der Forderung berechtigt sein, daß der deutsche Steuerzahler zumindest ebenso start belastet werde, wie der Franzose, der die schwersten Steuern der Welt trace. Die Diskussion wurde darauf auf morgen vormittag vertagt. General Körner, Deutschösterreichs Heeresinspektor a. D., vorher Generalstabschef der Isonzofront, der bie planmäßige Entrepublikanifierung und Entwertung des Bundesheeres durch die Seipel- Regie rung aufdeckte, ist von unseren Genossen zum Mitglied des Bundesrats( dem Reichsrat in Berlin entsprechend) und zum Stellvertreter des fozialdemokratischen Barlamentsfommissars im Wehrministerium, Dr. Deutsch, gewählt worden. Der Petroleumftandal. Die Resolution des Senats, in her der Rüdiritt des Marinefefretärs. Den by verlangt wird, ist mit 47 gegen 34 Stimmen angenommen worden; sie ist dem Präsidenten Coolidge zugegangen. Nachlaffender Devisenbedarf. Bei der Festsetzung der amtlichen Devisenturfe zeigte sich eine Berminderung der Nachfrage gegenüber dem Vorage im Ausmaße von etwa 25 bis 30 Bro3. Die Zutcilung wurde bet den meisten Devisen etwas erhöht. Sie betrug bei London 3 Proz. wie verlautet, nehmen die Nach prüfungen bei den Banken ihren Fortgang. stedt der alte Unteroffiziersgeist auch nach der Revolution tief in den Knochen des Volkes. Ich will nur ein Beispiel von vielen herausgreifen: die unglaubliche Gleichgültigkeit der Eltern gegenüber der Brügelpädagogik in den Schulen. Nur selten hört man, daß Eltern gegen das Prigeln der Kinder in den Schulen einschreiten. Gelbst sehr aufgefärte, feir fühlige, politisch lintstehende Bäter und Mütter finden sich mit der Tatsache ab, daß ihre Kinder in den Schulen geschlagen werden. Ich bin überzeugt, daß sie entsprechende Mitteilungen ihrer Kinder mit Ingrimm rnd But hören, aber zu einem aftiven Borgehen gegen die Prügelpädagogen fehlt ihren die Entschloffenheit. Bielleicht fürchten fie auch, die Lage der Kinder bodurch zu verschlechtern. Doch gerade diele Zurückhaltung und Feigheit gibt den Prügelpädagogen in den Schulen die Möglichkeit, ihrem Unteroffiziersgeift ungehindert Gellurg zu verschaffen. Wie leicht wäre es indes, dieser schmachvollen Praris Einhalt zu gebieten, wenn die Eltern einmal ernstlich wollten. Ich fer ne eine Reihe von Fällen, wo Schüler und Schülerinnen in Berliner Schulen der Fuch'el der Brügelpädagogen dadurch entzoger wurden, daß die Eltern energisch gegen daß Brügeln der Kinder bei der Echubireftion Einspruch erhoben. Diefe Eltern waren in den meisten Fällen Ausländer: Ruffen, Engländer, Amerifaner usw. Sie wiefer mit Entrüftung darauf hin, daß das Prügeln wehrloser Kinder eine Schmach für die deutsche Kultur und eine nicht wieder gutzumachende Günde gegen den Geist einer vernünf tigen Erziehung bedeute. In den meisten Fällen hatten diese Protefte einer verblüffenden Erfolg. Die fleinen Ruffen, Engländer, Amerikaner, deren Eltern gegen das Prügeln Einspruch erhoben hatten, waren in der Klasse von nun an unantastbar. Ihre deutschen Schulfameraden jedoch werden nach wie vor geprügelt, weil ja weil viele Deutsche anscheinend noch ein Bolt von Unteroffizieren" bleiben wollen. Ein deutsches Mittel gegen 3uderfrankheit. Prof. Singer hat in der Wiener Gesellschaft der Aerzte über eine neue Methode der Behandlung Buderfranker gesprochen. Im Verlaufe von Bersuchen fand er, daß nach Milchinjettionen die Ausscheidung von zuder zurüdgeht und die Patienten piel mehr Kohlehydrate ohne Schaben vertragen. Milcinjeflionen, bzw. Injektioren geeigneter Medifamente, welche die chemische Industrie auf den Markt gebragt hat, werden in der legten Zeit bei zahlreichen Krankheiten mit günstigem Erfolge verwendet. Prof. Singer hat nicht nur im Tierversuch durch Injektion von fogenanntemartfremden Eiweiß" fich von der günsti gen Beeinflussung der Zuderfrankheit überzeugen fönnen. fondern auch bei franten Menschen Befferung beobachtet. Das Präparat, das Singer verwendete, ist ein in Aerztefreifen wohlbefonntes billiges deutsches Erzeugnis, das„ Cafeofan". Man nennt die Behand. lung mit Cafeofan die unspezifische", während die Insulintheropie als fpezifische" zu bezeichnen ist. In schweren Fällen tenn man beide ehandlungsmethoden fombinieren, in leichten und mittel. schmeren Fällen hatten Caseosaneinspritzungen allein schon hin reichend gute Erfolge. Viele sind auch jetzt geneigt, die Nachhaltigkeit der alten Ohr- Ueber Gymnafit als Tell der Körperbildung ibridit beute abend feigentultur" in der Psyche des Bolles zu unterschäßen. Und doch 8 Uhr Gen. bolf Rohim Qaedel Saal, Beethovenstr. 3. Internationale Arbeiterhilfe. Eine Erwiderung sozialdemokratischer Mitarbeiter. Zu unseren Feststellungen über den Charetter der Internatioralen Arbeiterhilfe" und vor allen Dingen über die Absichten, die die Kommunisten mit diefer Internationalen Arbeiterhilfe verfolgen, verbreiten einige Parteigenoffen, die in letzter Zeit sich an der Arbeit dieser Organisation beteiligt heben, durch Rorrespon. Denzen ein Erflörung, die auch uns zugestellt wird und die wir Tonalerweise zum Abdruck bringen. Die Erklärung lautet: Kofferträger. abreichung des Effens beteiligen mollen, werbert um Aufgabe ihrer Adresse an das Jugendamt Friedrichshain, Markusftr. 49, Zimmer 33, gebeten. ar von Das Eheproblem. In der Gesellschaft für Segualreform hielt Redis anwalt Walter Bahn einen Vortrag über: Das Eheproblem". Der Redner pcb zunächst einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des Eheproblems von den Uranfängen der Menschheit mutterrechts bei den alten Völkern, insbesondere bei den aited Besonders eingehend behandelte er das Gebiet des Aegyptern. Im Jahre 5000 v. Chr. bestand dort ein reiner Aemter. Die Männer befaßten sich mit der Kindererziehung, gegen Nur die Frauen beleideten die öffentlichen heute eine vollständig verkehrte Welt. Erhalten ist noch ein alter Chevertrag aus jener Periode, worin sich die Frau dem Manne gegenüber ausbedingt:„ Wenn ich dahin tomme, dich zu verachten und einen anderen Marn zu lieben, werde ich dich mit einer Summe Namen der Mutter Isis, die Weibergottheit, wurde als Herrin der abfinden. Die Inschriften nannten damals nur ten Baterrecht in die Höhe tam und die Männer die Frauen bei Erde betrachtet. Der Vortragende zeigte sodann, wie allmählich bas den meisten Völkern ganz in das Haus zurüdbrängten. Er streifte das Ehescheidungsrecht der alten Babylonier, Juden, Griechen und Germanen und hob hervor, daß ein sehr aufgeflärtes Gesetzbuch bet den Babyloniern in Gestalt des Coder Hammurabi bestanden hätte. Es wäre bei den alten Babyloniern nicht wie bei den Juden und Römern möglich gewesen, der Frau ohne Abfindung einen Eheals sie zu ihrem Unterhalte nötig gehabt hätte. Der Vortragende scheidungsbrief zu geben. Sie hätte vielmehr soviel Land erhalten, zog darauf eine Parallele zwischen den Chefcheidungsrechten des W gemeinen Landrechts und des Bürgerlichen Gesetzbuches und wies nach, daß das letztere einen starken Rückschritt gegenüber dem Gesezbuch Friedrichs II. bedeute. In den Motiven des Bürgerlichen Gefeßbuches stände der unglaubliche Sah, daß die Ehescheidung er. [ hwert werden müsse, um das leichtsinnige Heiraten zu verhindern. Es gibt Stellen in Berlin, an denen das Elend der Großstadt, der Hunger und die Arbeitslosigkeit besonders start, besonders packend und peinigend in hie Erscheinung treten. Wenn man Borplätze und Hallen der großen Berliner Fernbahnhöfe furz vor Ankunft eines Fernzuges beobachtet, tann man so recht erkennen, wie groß das Elend weiter Boltsschichten ist, und vermag hier traurig stimmende Studien über die Arbeitslosigkeit anzustellen. Da lungern, hohläugig, mit Berzweiflung in den Bliden und in Lumpen geleidet, " Die jedes bisherige Maß überschreitende Berelendung der ältere und jüngere Männer umber, die hoffen, durch Tragen von deutschen mert ätigen Bevölkerung hat uns veranlaßt, die internatio. Roffern und anderen Gepäckstüden der Reisenden Geld zu verdienen, eiberstaat nale proletarische Hilfsoktion der JAH. durch unseren Beitritt zu das den schlimmsten Hunger vertreibt. Man sieht alte Männer, fo unter üben. Unsere Bereitwilligkeit zur Mitarbeit bei der Arschmach, daß sie sich kaum auf den Beinen halten können, die sich anbeiterwohlfahrt, der Organija ion unserer Partei bleibt desbieten, Roffer von einem Zentner und darüber zu tragen. Mit einer halb durchaus besteher: Die Wirksamkeit der JH. bildet nach unferer Auffaffung mit ihrer überparteilichen Grundlage und mit ihrem Gier, die auf den ankommenden Reisenden natürlich nicht gerade Biel, der durch Wirtschafts. oder Naturkatastrophen in ihrer Eri- vertrauenerwedend wirken tann, drängen sie sich heran, flehen und ftenz gefährdeten Arbeiterschaft Hilfe angedeihen zu lassen" die notbatteln um das lleberlassen von Gepäckstücken. In den meisten Fällen wendige Ergänzung zu vorhandenen Wohlfahrtsorganisationen. haben sie denn auch fein Glüd. Der argwöhnische Reisende, und Auch dem Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt stehen roch nicht ge namentlich, wenn er unbekannt ist, scheut sich, diefen Menschen sein nügende Einrichtungen zur direkten Bekämpfung der eingetretenen Bepäd anzuvertrauen. Er ist ja in seiner Heimat so oft vor den Spungerfatastrophe in Deutschland zur Verfügung. Gerade dieser Umstand läßt es uns mit Rücksicht auf die Not der deutschen Ar- Gefahren der Großstadt gewarnt worden, er hat gelesen, daß nicht beiterschaft außerordentlich bedauerlich erscheinen, daß einzelne Bar. felben Reisende durch diese sogenannten wilden Gepäckträger um ihr telinftanzen, insbesondere das Zentralorgan der Partei, der Bor- Befihtum gekommen find, und er läßt Korb, Koffer oder Tasche wärts", eir en Feldzug gegen dieje proletarische Hilfsattion begonnen nicht aus der Hand. Die anderen aber, die Armen, Berzweifelten, hat und ohne auch nur den Versuch einer diretten Information zu stehen und starren mit hoffnungslosen Gesichtern auf die davon. macher for feht. Auf Grund unserer Tätigkeit an leitender verant eilenden Reisenden. Gerade an diefen Stätten aber, wo sich ein so wortlicher Stelle innerhalb der JAH. Sellen wir feft, daß ihre Arbeit lebhaftes Treiben des Reiseverkehrs abspielt, wirft die ftumme, lediglich in der Durchführung der unternommer en proletari dumpfe Verzweiflung der Hungernden um so eindringlicher. Die Gefchen Hilfe besteht. Für die Behauptung des„ Borwärts" in feinem päckträger des Bahnhofes, die„ amtlichen" Personen mit den grünen Art fel Internationale Arbeiterhilfe" vom 9. Februar 1924„ Daß diele fcheinbare Wohlfahrtsorgenisation ausgesprochen politische Blusen und den blanken Blechschildern, machen immer wieder Jagd 3mede verfolgt, ist der Beweis für die jeßige Tätigkeit der JAH. auf die herumlungernden Arbeitslosen. Wahrlich ein häßliches Bild, mindestens seit unserer Mitarbeit in Deutschland nicht erbracht. Die harte, das Herz ergreifende Szenen. Gewiß tann nicht geleugnet Unterzeichneter weisen daher diese Behauptung als unrichtig und merben, daß diese wilden Rofferträger dem legitimen Gepäckträger irreführend zurüd. Konkurrenz machen. Indessen, der Verdienst, der ihnen dadurch ent geht, daß ab und an einer der Elenden alücftrahlend in Erwartung des Bordienftes ein Gepäckstüd trägt, ist so minzig, daß sie wirklich menschlich fühlen sollten mit Menschen, deren Los unendlich beflagenswert ist. 3 hlreiche Mitglieder der BSPD. finden sich von der Partei unbeanstandet mit Mitgliedern bürgerlicher Parteien zu gemeinfainer Wohlfahrtsarbeit zusammen. Daher haben die sozialDemokratischen Mitarbeiter der JAH. um so weniger Ursoche auf dem Gebiete internationaler Solidarität, wie sie ir der Hilfsaftion von Arbeitern für Arbeiter zu Ausdruck tommt, ihre Mitarbeit zu versagen. Mothilde Burm M. b. R. Meta Kraus- Feffet, Regierungsrat. Mfe Müller- Destreich. Dr. Kurt Rosenfeld M. d. R. Martin Faerber, Stadtrat Friedländer. Heinrich Becker. Lydia Stöder. Dr. Oskar Cohn M. d. 2. Profeffor Paul Oestreich. Wir find durchaus überzeugt, daß die Unterzeichner diefer Er. flärung mit ihrer Mitarbeit an der Internotionalen Arbeiterhilfe lediglich humanitäre Ziele verfolgen und bedauern, daß sie ur ter Nichtbeachtung der Taftif, die die Kommunisten in diesem Die verdächtigen" Kriminalbeamten. Ein Verbrecherabenteuer im Morgengrauen. Bor bem Lagerfelle: einer Motorradfabrik in der Frobenstraße fam vor einiger Zeit zwischen 7 und 8 Uhr morgens ein zweispänniger Rollwagen vorgefahren. Die Begleiter verluben einige Dutzend Motorräder sowie Zubehörteile und fuhren mit der schweren Fracht unbehelligt davon. Falle onzuwenden beleben, nicht erkennen, aus welden politiminalpolizei gemeldet. Eine Spur führte nach Reinickendorf, ging schen Gründen die Kommunisten die Markeit von Sozialbemo traten an der JAH. würschen. In der Erklärung der Genoffen ist öhnlich wie in der von Münzenberg der Bresse übermittelten davon bie Rede, daß der Beweis nicht dafür erbracht sei, daß in fegter Zeit die JAH. eine politische Tätigkeit entfaltet. Nachdem in einem bieser Tage stat gefundenen Prozeß gegen tommunistische Arbeiter der Vertreter der politischen Polizei erklärte, daß die Polizei ein Berbot der JAH. bei der Militärbehörde beantragt habe, würde eine Beweisführung im„ Borwärts wie eine Unterstützung eines folchen Berbotsantrags aussehen. Wir möchten deshalb wünschen, boß wir nicht gezwungen werden, einen solchen Nachweis auch für die allerjüngste Bergangenheit zu führen. Er scheidend ist, daß bie Rommunist en eine solche Verbindung mit anderen Kreifen auf neutralem Boden aus bestimmten Gründen ge. brauchen und die Partei ihrerseits für die Arbeiterwohl. fahrt jede Kroft beansprucher muß, die sich dieser Arbeit widmen tann. Deutsche Reichsbahn. Amtliche Erklärungen. Bei der Beratung der Berordning über das Unternehmen Deutsche Reichsbahn" im Reichstag hat der Reichsvertehrsminister zu der Frage, ob das Unternehmen von sich aus Teile der Reichsbahn veräußern fönne, erflärt: Das Verfügungsrecht, das das Unternehmen nach§ 4 der Verordnung befizt, ist ausdrüd lich an die Grenzen einer ordnungsmäßigen Wirtschaft gebunden. Dabei ist noch besonders betont; baß das Unternehmen auch zur Veräußerung einzelner Reichsbahnsti eden nicht befugt ist. Diese Beschränkung soll nach den Erklärungen des Ministers im Reichstag entsprechend auch für die Nebenbetriebe der Reichsbahn gelten. Wenn dem Unternehmen ein beschränktes Berfügungsrecht einge räumt ist, so handelt es sich dabei um die im laufenden Be triebe nötig werdenden fleinen Beräußerungen, wie z. B Berfauf ausgemusterter Fahrzeuge oder entbehrlicher Geländestreifen. Zu ber Frage der Stellung der Beamten hat der Minister ausdrücklich erklärt, daß die im Dienste der Reichsbahnverwaltung stehen. ben Beamten, schon weil die Verordnung nichts Gegenteiliges be. ftimmt, selbstverständlich Reichsbeamte bleiben. Die Be Die Be forgnisse wegen Beseitigung des Berufsbeamtentums find also unbe gründet. Das Thüringer Wahlergebnis hat sich bei der Schlußfeststellung so verschoben, daß der Ordnungsbund 34, Bölkische 6, Sozialdemotraten 16, Sommuniften 13 Sthe erhalten. Aus der Partei. Neuer Aufstieg. Die starte Abonnentenzunahme, über die wir für den„ Borwärts" in letzter Zeit dauernd berichten fonnten, steht in der Parteipreffe feineswegs vereinzelt da. Ueberall sammeln sich die Reihen der Organisationen wieder, die verwüstenden Wirkungen der Inflationsperiode werden ausgeglichen, verlorengegangene Abo nennten der Parteipreffe fehren zurüd. Unser Hamburger Bruder. blatt, das Hamburger Echo", berichtet, baß als Erfolg der im Dezember begonnenen Agitation für die Parteipreffe in den Monaten Dezember und Januar 10 000 neue Abonnenten gewonnen, werden konnten. Solche Erfolge werben errungen, trok dem Arbeits'osigkeit und Wirtschaftskrise immer noch schwer auf der Arbeiterschaft lasten.. Sie sind ein Ansporn für die Parteigen offen, sich überall zu neuer Arbeit wieder zusammenzuschließen. Bis zu den Wahlen müssen nicht nur in Hamburg und Berlin Zehn tausende, müssen im ganzen Reich Hunderttausende Lefer der Parteipreffe wledergewonnen werden. Dem Rückschlag, den das Jahr 1923 gebracht hat, muß im Bahljahr 1924 ein neuer Aufstieg felgen. Senoffe Dr. Drobner- Arafau teilt uns mit, daß die Nachricht von seiner tödlichen Berunglückung auf einer Bornamen- Verwech fefung beruht Gr lebi, auch nach fiebenwöchiger Untersuchungshaft und will nächstens zur Erefutinigung der Internationale na Buremburg reifen. Bei Geschäftsbeginn wurde der Einbruch entdeckt und der Kriaber bort verloren. Schon wollte die Polizei, die Nacht für Nacht auf der Lauer lag, am Erfolg verzweifeln, als in früher Morgen stunde von der Otavistraße ber ein mit Motorrädern belabener Last. magen auftauchte. Auf dem Bod des Wagens faß mur der Rutscher. Andere Gestalten aber geleiteten ihn in größerer und geringerer Entfernung und hielten eifrig Umschau nach allen Seiten. Die Be amten beschlagnahmten die ganze Fuhre, die unterdessen bis nach der Müllerstraße gelangt war, und befahlen dem Kutscher, zu dem einer von ihnen auf den Bod stieg, nach dem Alexanderplatz zu fahren. Bergeblich rief einer der Begleiter, ein lange gesuchter Ein und Ausbrecher& oppe ihm zu: Franz, fehr um! Zur Berwunderung der Beamten folgte die ganze Gesellschaft dem Wagen bis zum Alexanderplak. Sie verschwanden aber, als der Wagen in bis zum Alexanderplat. Sie nerfchwanden aber, als der Wagen in das Bolizeipräsidium einbog. Es gelang fpäter, sie zu verhaften. Die Verbrecher waren dem Wagen gefolgt, weil sie glaubten, bas falsche Kriminalbeamte ihre Beute beschlagnehmt hätten. Sie hatten die Abficht an geeigneter Stelle ihnen den Raub wieder ftreitig zu machen. Als fie aber fahen, daß das Ziel ihrer Fahrt doch das Polizeipräsidium war, schwand diese Vermutung, und fie ergriffen faleunigft die Flucht. Die gestohlenen Räder hatten bei einem Hehler Engel in der Otaniftraße gelagert Dieser hatte endlich einen Abnehmer gefunden, dem fie in der Morgenfrühe zugeftellt werden sollten. Auch Engel wurde verhaftet. Der Luftmord in der Lynarstraße. An den Vortrag fnüpfte sich eine Diskussion, bei der Prof. Dunkmann über eine Unterredung mit dem Reichsjustizminister Emminger betreffend die Abschaffung des Sühnever. fuchs in Chefcheidungsfachen berichtete. Der Reichsjustizminiſter hätte auf den Einwand, der Sühneverfuá fei toch zwecklos, gemeint, in den bayerischen fleinen Gemeinden wäre das nicht der Fall". Schupo im Wartesaal. mals Ein Republikaner fendet mn.s die folgenden Zeilen: Ich befand mich mit einem Freunde in den Morgenstunden zum Mittwoch im artefaal 1. und 2. Klasse des Bahn hofes Charlottenburg, um auf die Abfahrt des ersten Buges in Richtung Halensee zu warten. Plötzlich trat ein Schuponachdem ich als einer der ihm zunächsisigenden meine Monatstarte beamter in den Saal und verlangte die Fahrtarten; Dorgemiesen hatte, besah er sich noch beiläufig die Karten der an den nächsten beiden Tischen Sitzenden und kehrte darauf zur Ausgangstür zurück, um den Saal zu verlassen. In einem Gebaren erblickte ich nicht nur mir, sondern auch den Zunächstfizenden gegenüber eine Berlegung unserer Persönlichkeit, da der betreffende Beamte die anderen mehr oder weniger zweifelhaft erscheinenden Personen gar nicht beachtete. Aus einer wohl begreiflichen Empörung heraus äußerte ich mein Befremden, indem ich meinte, auch von den anderen Anwesenden müßte, vielleicht mit noch mehr Recht, die Vorzeigung der Karten verlangt werden. Aber was geschah? Der Bolizeibeamte drehte sich entrüstet zu mir um, verlangte in bar chem Tone pon mir fofortiges Aufstehen und Folgen. Da ich mich diesem mir unfaßbaren Ansinnen nicht sogleich fügte, holte ber Beamte noch einen Beamten zu Hilfe, um mich dann, wie einen Ber brecher zur nächsten Wache nach der Frischestraße zu Schleppen. Schleppen. Was mir dort zuftieß, rebe ich hier wahrhei'sgetreu wieder. Zunächst bekam ich Schläge von mehreren Be amten in das Gesicht, dann, da ich mich wehrte, Fesselung mit Retten nicht nur an den Händen, sondern auch an den Füßen, ubodenwerfen, mit dem Geficht nach unten, aba wechselnd Fußtritte in das Geficht, Verhöhnung durch Redensarten und Beibehaltung der Feffeln, trotzdem man sich auf meinem zuständigen Revier von der Richtigkeit meiner Person und Angaben überzeugt hatte. Nachdem ich nun ungefähr eine Stunde auf der Wache, in dieser Art und Weise mißhandelt, zugebracht hatte und ich schon ganz zermürbt war, entließ man mich gnädigst, jedoch von einem Beamten in 3ivil aufgefordert, mich noch vorher zu säubern, d. h. das Blut aus dem Gesicht zu entfer nen. Dies lehnte ich ab und mußte man mich wohl oder übe! entlassen, ohne daß mir vorher Gelegenheit gegeben war, einen Vorgesetzten sprechen zu können. Mein nächster Gang war von der Wache zur Unfallstation, wo ich mich säubern und mir von dem dort befindlichen Arzt ein Atteft über meine Verletzungen im Geficht umb an den Händen ausstellen ließ." Su bem Rapitalverbrechen in der Lynarstraße wird weiter ge melbet, daß das Ergebnis einer neuen genauen Besichtigung der Leiche die Bermutung, daß es sich um einen reinen 2ustmord handele, zur Gewißheit gemacht haben. Die zunächst vermißten Gegenstände sind aufgefunden worden. Es fehlt nur eine einfache goldene Damenuhr. Es ist so gut wie sicher, daß die Frau die Uhr felbst verkauft oder verfekt hat. Die Ermordete betrieb früher eine Butterhandlung in der Weddinghalle. Als das Geschäft in der Striegszeit immer schlechter ging, stellte sie endlich den Handel ganz ein. Beil ihr Mann sich in der Not von ihr trennte, nahm sie Arbeit bei der AEG. an. Später war sie Botenfrau bei einer Liförfabrit. Sie hatte mit der Not zu ringen. Am Sonntag morgen mar fie nicht mehr in der Lage, einige Lebensmittel, die sie in der Marfihalle faufte, fofort zu bezahlen. Von einem Raubmorb fann nadh alle dem nicht die Rede sein. Für die Kriminalpolizei ist es wichtig, daß alle, die Frau Liebau tannten, die länger oder auch nur furze Zeit mit ihr irgendwie in Verbindung standen, fich unverzüglich bei der Mordkommission Dr. Riemann. Braschwih im Polizeipräsidium melden. Insbesondere auch die Leute, mit denen fie bei ihrem Markthallenhandel in Verbindung gefommen ist, ihre Betannten von der AEG. her und alle, die sie auf ihren Botengängen in Gastwirtschaften tennen gelernt haben. Ramentlich aber alle, die die Frau noch am vergangenen Sonnabend, Sonntag und Montag irgendwo gefehen haben oder mit ihr in Bearbeiter uim. 0.15 M. Karten für vier Vortragsabende 1 M. bzw. 0,50 rührung gefommen find. Fruu Liebau hatte in einem Blumen geschäft in der Müllerstraße ihr möbliertes Zimmer ausgeschrieben, ohne auf dem Aushang ihre Adresse anzugeben. Nach dieser haben fich in bem Geschäft auch zwei junge Männer und zwei Mädchen erfundigt. Ob fie in der Wohnung gewesen find, weiß man nicht. Auch diese werden ersucht, fich umgehend zu melden, vor allem aber der ältere beffer gefleidete Mann, der sich am Sonnabend abend gegen 6 Uhr um das Zimmer bewarb und es auch besichtigt hat. Die ständige Wiederkehr diefer Borfälle zwingt zu der An nahme, daß bisher gegen Rehlinge diefer Art im Verbande der Schupo nur sehr läffig vorgegangen wurde. Derartige. Vorkommt. niffe find nicht befonders geeignet, die Polizei als Organ der öffent lichen Sicherheit erscheinen zu lassen. Das sollte man sich doch endlich gefagt fein laffen. Berlängerung der Autobuslinie 8. Am Sonnabend, den 16. Februar, wird die Kroftomnibuslinie 8( Wilmersdorf. Berliner Straße Ede Badenfche Straße- Aleranderplaß) durch die Neue Königstraße und Greifswalder Straße bis zum Arnswalder Play ver Längert. Zu dem Leichenfund in der Greifenhagener Straße wird mitge: teilt, baß der Gerichtsarzt außer den beiden Verlegungen am Kopfe der Frau Zöllner bei der vorläufigen Besichtigung weiter feine ges funden hat. Diese beiden sind aber nicht tödlich. Es ist nur die Haut burchgefchlagen. Die Knochen find nicht verlegt. Es ist möglich, daß die gebrechliche Frau, die nach den Angaben ihres Mannes und ihrer Schwägerin auch herzleidend war, in einem Schwindelanfall die Treppe hinuntergestürzt und infolge der Aufregung geftorben ift Alle Angaben des Ehemannes und der Schwägerin werden von der Kriminalpolizei noch nachgeprüft. Die Obduktion ist noch nicht anberaumt. Freiwillige Helferinnen für die Kinderspeisung. Die Kindernot ist ins Ungeheuerliche gestiegen. Es gilt nicht nur neue Quellen zu erschließen, londern bestehende Einrichtungen unter allen Umständen zu erhalten. Um vorhandene Mittel nur für Speisungszwede ficherzustellen, ist es unbedingt notwendig, daß sich. zum Berteilen des Effens an Rinder freiwillige Helferinnen zur Ber fügung stehen. Ein Mangel an Helferinnen besteht im Bezirk Friedrichshain. Sozial eingestellte Frauen im Bereiche des Bezirts, die fich am Hilfswert für die darbenden Kinder durch VerFreie Körperbildung- Gymnaffit" ist das Thema des ersten Abends, bas Adolf Koch in der volkstümlichen Vortragsreihe der Junglehrer- Jugend aruppen des Bundes entschiedener Schulreformer heute Mittwoch 7, U br im Haedel- Saal, Beethovenstr. 3( Eingang Straße In den Zelten), behandelt. Aussprache. Mutterfdait und Broletariat ( rau Hoffmann- winner) als erster Vortrag der Reihe„ Mutterschule am Donnerstag 7, Uhr, im Haedel- Saal. Untoftenbeitrag 0,30 M, Kurz ab 7 Uhr abends an der Staffe Legler Fuhrmann- Abend. Hans und Agnes Fuhrmann verabschieden fich am Sonntag, den 17. Februar, im Mieifterfaal mit einem heiteren Lieder und Vortragsabend Liebe und Frobsinn. Mitwirkend: Berthe Grundmann. Am Flügel: Clare Rubin. Anfang 8 Uhr. Ein Lübeder Fischdampfer gestrandet. Der Lübecker Fischet dampfer Schlutu p" ist bei Grindavik an der Südküste Iss lands gestrandet Die aus 12 Personen bestehende Befagung ist gerettet und befindet sich auf dem Wege nach Deutschland. Das Schiff gilt als verloren. Der Löwenüberfall im Filmatelier. Wegen des Unglücksfalles in dem römischen Filmatelier während einer Aufnahme für den Film„ Quo vadis?", bei dem ein Schauspieler von einem 25 wen tödlich verlegt wurde, find nunmehr drei Film, birettoren verhaftet worden. Die Untersuchung ergab, daß das Unglüd auf ihre schlechte Organisation zurückzuführen ist. Der eine der verhafteten Direktoren ist der Sohn Gabriele d'Annunzios. Groß- Berliner Parteinachrichten. 14. Kreis Neukölln. Donnerstag, ben 14. Februar, 7 Uhr, im Partelbureau Nedar ftraße 3 Sigung der Arbeiterwohlfahrt und Kinderschußkommission Um 8 Uhr Funktionärinnenfibung ebenda. 32. Abt. Achtung! Die Gruppen- und Bezirksführer werden ersucht, die Sanuar beiträge schleunigft zu fajfieren und baldmöglichst beim Abteilungstaffterer ab Autrechnen. 87. Abt. Marienfelde. Heute, abends 8 Uhr, Rahlabend bei Schufter, Kirchstr. 69. Sehr wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. Fekanntgegeben 11. st. Bohrsdorf. Der gahlabenb findet heute nicht statt; der nächste wird noch Jungjozialisten Bankow. Generalversammlung Donnerstag, ben 14 Februar, in Jugendheim Bantow, Breitestraße 32. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gewerkschaftsbewegung Auch den Christlichen wird es zu bunt! Die Bergarbeiter bei Dr. Brauns. Ferner überbrachte eine Deputation dem Reichsarbeits minister Dr. Brauns eine geharnischte Beschwerde ber chriftlichen Brgarbeiter über die Behandlung der Frage der Arbeitszeit fowie ber Tarif. und Sohnpofitit im Berobau burch das Reichsarbeitsministerium. In dieser Entschließung fprachen Konferenzteilnehmer ihr startes Bedauern über die unfosiale Entwidiung des Reichsarbeitsminifteriums aus. In scharfer Form wird in der Entschließung dagegen Broteft erhoben, daß es dem Reichsarbeitsminister gelungen ist, bei den Lohnverhandlungen im Bergbau die Bergarbeiterlohne im Bergleich zur Zeuerung niedrig zu halten. Das unfoziale Borgehen der Arbeitgeber im Bergbau fei teilweise noch durch un. foziale Schiedssprüche des Reichsarbeitsministeriums gefördert worden. Die Schiedssprüche feien in der Regel nur für die Arbeiter, nicht aber für die Arbeitgeber als verbindlich ertiärt werden. Zum Schluß fordert die Entschließung, daß in Zukunft das Reichsarbeitsministerium fich wieder von seinem frühes ren sozialen Geiste teiten talje. fammenftimmen. Wir werden unferen Rampf auch weiterhin führen und es wäre nur zu wünschen, daß die Angestellten selbst uns dabei mehr als bisher unterstützten. zu können. Die Tireftion des Prälaten". " " 3m Gastwirtsgewerbe wurde am 14. Janur 1924 ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Diesen Bertrag glaubten einige beson. Hauptvorkard und Bezirksleiter des Gewertvereins hriftlicher ders schlaue Unternehmer dazu benutzen zu können, bie o che in Bergarbeiter waren Montag zu einer Konferenz nach Berlin zu eine niedrige Lohnstufe zu versehen. Die Direktion des„ Präla. fammengekommen, um die augenblickliche Wirtschaftslage im Berg ten" behauptete mit einem Male, nur 2111 eintö dhe zu beschäftibau zu erörtern. Der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Im busch, führte aus, daß die geradezu troflose Lage, besonders im gen, während in Fachkreisen diese acht Köche als Abteilungs. So che angesprochen werden. Alles gütliche Zureden nugte bei der Bergbau des besetzten bietes, es notwendig erscheinen ließ, diese he angesprochen werden. Alles gütliche Zureden nugte bei der Ronferenz in Berlin abzuhalten; bei ber christlichen Bergarbeiter. Direktion nichts. Sie ließ sich erst verflagen und mußte am 12. Fes bruar am Innungsschiedsgericht erfahren, was für eine fchaft herriche allgemein die Ueberzeugung, tas maßgebend: Re Art Köche sie in ihrem Betriebe beschäftigt. Man sollte nicht glauben, gierungstreffe den berechtigten Forderungen der Bergarbeiter daß eine Direktion so wenig Ahnung von ihr m Betriebe hab'n farn. nicht mehr das nötige Berständnis Bei der Verhandlung wurde wenigftens bas eine genau festgestellt, entgegenbrächten. Diese Stimmung fand einen Nieberschlag in baß bie Direttion weiß, das aus der Rüche das Effen tommt. einer Eingabe, bie durch eine Abordnung bem Reichstanzler Marg persönlich überreicht wurde. Imbusch wies darauf Juristische Winkelzüge gegen eine Arbeiterforderung. hin, baß nicht ber Bergbau und die Bergarbeiter den Krieg ver. Ein von der Firma Siemens u. Halste entlaffener Mecha. loren hätten. fondern das gesamte deutsche Bolt. Deshalb iei es niter hatte im Dl'ober v. 3 beim Schlichungsausschuß die Ent. ein großes Unrecht, die Lasten der Micumverträge ben Bergbau allein tragen zu laffen. Einfache Forderung der Befcheidung erreicht, daß die Entlaffung ungerechtfertigt und die Firma deshalb verpflichtet ist, den Mechanifer entweder red tigkeit fei es, biefe Laften auf die gefamte Bevölkerung zu vermietereinzufstellen oder ihm eine Entschädigung zu zahlen von teilen. Ter Reid stangler versprach, die vorg brachten Wünsche Ter Reid stanzler versprach, die vorgebrachten Wünsche und Befdywerden in ber nächsten Sigung des Reichstabinetts zur 140 Stundenlöhnen plus Ausgleichszulage zu den am Lage der Auszahlung gel'enten Tariflägen. Sprache zu bringen. Die Firma hai weder die Biedereinstellung noch die Zahlung ber Entschädigung vorgenommen, sondern geglaubt, durch juristische Winkelzüge den Spruch des Schlichtungsausschusses unwirksam machen Nachdem die Rechtsprechung des Schlichtungsausschusses auf bas Gewerbegericht übergegangen war, flagte der Entlassene hier auf Sahlun von 92 40 Colbmart, das ist die von ihm auf Grund der Entscheidung bes Schlichtungsausschusses errechne'e Summe. Der Bertreter der beflagten Firma bestritt die fachliche 3u. ständigteit des Gewerbegerichts. da bie Entscheidung des Schlich tungsausschuffes einen Schadenerfazanspruch aus unerlaubter Handlung betreffe, der vor da sorbentliche Gericht gehöre. Herrer machte ber Bertreter der Beflagten geltend, bie Entscheidung bes Schlichtungsausichuffes fei rechtsungültig, meil die Entschädigungssumme nicht ziffernmäßig feftrefeẞt sei. Das Gewerbegericht( Rammer 6a) erflärte fich unter Hinweis auf die ständige Rechtspraris für zu ständig und wies auch den Einwand der Rechtsungültigkeit der Entscheidung des Schlichtungsausschusses zurück mit der Begründung: Die Na cprüfung von Entscheidungen des Schlichtungsausschusses als bisheriges Arbeitsgericht ist rundläklim auf die alle zu beschränken, in denen es über feine fachliche Zuständigkeit hinausgegangen ist oder nich vorschriftsmäßig befekt war Ersteres trifft nicht zu. Allerdings hätte ber Schlichtungsausius die Entschädigungslumme siffernmäßig und nicht nur beredenbar feftfeken müffen. Der Kläger hätte deshalb die eftfehung einer bestimmten Entschädigungslumme durch eine Nach tra asentfcheidung herbeiführen müffen. Das wäre zuläffin nemesen. Nachdem nunmehr die Buftändigkeit für Entscheidungen diefer Art auf das Gemerbegericht übergegangen ist, ist dieses zur nechträglichen ziffernmäßigen Heftf: zung der En schädigungssumme befuat. Die Beklagte wurde zur Zahlung von 92,40 Goldmarf verurteilt. Tie füddeutschen Bremdwerke eine üble Arbeitsstätte. München, 12. februar.( Eigener Drahtbericht.) Die mit polizei ficher Gewalt durchgeführte Aus fperrung der Belegfchaft in ben Süddeutschen Bremswerten in München hat nach Angabe der Diref. tion ihren Grund in der passiven Resistenz der Arbeiterschaft. Der Deutsche Metallarbeiterverband stellt jedoch fest, daß die verminderte Arbeitsleistung in diesem Betriebe in der Hauptsache von der feit drei Monaten durchgefeßten geradezu jtanbalöfen Entloh nung herrührt, die jegliche Arbeitsfreudigkeit unterbunden hat. Scit dem 15. November schidt man Woche für Woche gelernte Ar. Stellenangebote durch Chiffre- Inferate. beiter mit einem Hungerlohn von 8 bis 10 mt. Die Boche nach Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Hause. Rücksichtslos werden ble feinerzeit mit entwertetem Gelb Im Abendblatt bes Borwärts" vom 7. februar wird Klage gegebenen Borschüsse heute in hochwertigem Gelbe abgezogen, was barüber a führt, daß die Angestelltenverbände nichts gegen den Un die Arbeiter als reinen Diebstahl bezeichnen. Auch die Behanb fug der Chiffreinferate getan haben. Das trifft wohl auf die burlung der Arbeiter spottet jeber Beschreibung; mer fich der Unter. gerlichen Berbände zu, nicht aber auf den 3entralverband nehmerwillfür nicht ohne weiteres beugt, fliegt hinaus. In einer ber Angestellten Allem Anschein rach hat der Einsender bie folchen Atmosphäre tann feine Arbeitsfreudigkeit gedeihen. bisherige Entwicklung gerade diefer Frage nicht fehr eingehenb Derfolat Im Anschluß an die Vorträge der Reichstagsabgeordneten Bruft, Schirmer und 3mbusch wurde in einer einstimmigen Entschließuna Einfrruch erhoben ggen tie Bestrebungen der Arbeitgeber auf arundläg'iche Ablehnung der zentralen Lohnverhandlungen, der Berf'örung der Tarifverträge und auf Abbau der Sozialversicherung, sowie den Versuch, die Durchführung des Reichstrappschaftsgefekes zu verhindern. Tie Ronferenz fordert von der Reichsregierung mit allem Nachbrud: 1. daß fie fich für grundsäk'iche Beibehaltun der zentralen Lohnverhandluna einseht, 2. daß der Ab. chluß von Larifperträgen mit den zuständigen Gewerf. fchaften gefeklich gelchüht wird, 3. die Ausnestaltung der Reform ber Sozialversicherung unter Wahrung ihres grundfäglichen Charetters und ohne Mißbrauch zu einem Abbau und 4. tak die Durchführung des Reichstnappschaftsgefeges trog des Mid rf'ardes der" rbitreber erfolet. Bei den bevorstehenden Berhandlungen im Reichstage, in benen die fezialdemokratische Fraktion die Aufhebung der verschiebenen, gegen die Arbeiterflaffe er offenen Berordnungen beantragen wird. wird fich zeigen, ob die chriftlichen Gewerkschaf sführer durch ihre Toten zu den scharfen Worten stehen werden, mit denen fie gegen wärtig ihre gewaltig erbitterte Anhängerschaft zu beruhigen per fuchen. Der Achtftundentag in Sachfen. Schon im Jahre 1914 wurde auf ber 9. Generalversammlung Der Schiedsspruch des Schlichters für den Freistaat Sachsen bes Zentralverbandes der Handlungsgehilfen, Borläufer des Zentral. feht bei grundfäglicher Bribehaltung des Achtstinbentages eine verbandes der Angestellten, in Hannover, eine Entschließung ange Bflichtarbeitszei von fünf Stunden wöchentlicher Mehrarbeit feft, nommen, die die öffentlich- rechtliche Stellenvermittlung unter paritä wozu noch drei Stunden Mehrarbeit in der Woche auf Grund freier fischer Berwaltung forbert. Der Kampf geaen die Chiffreinferate Bereinbarung fommen können. Die fünf Stunden Mehrarbeit sind murhe auch in den letzten Jahren sehr energisch geführt. Aus Anlaß mit 5 Prozent, die weiteren drei Etunden mit 15 Brozent Buschlag der B- sprechung des Arbeitsnachweisgefeßes im Borläufigen Reichs- au bezahlen. Für den sogenannten Bereitschaftsdienst beträgt die wirtschaftsrat am 8. Dezember 1921 wurde von den freigewerkschaft. Mindestarbeitszeit 10 Stunden täglich. fichen Arbeitnehmern folgender Antrag gestellt: Arbeitsgefuche und Arbeitsangebote, die als Inserate in Zei tungen oder Zeitschriften veröffentlicht werben, müssen mit einem Sichtvermert bes zuständigen Arbeitsnachweises versehen sein. Chiffreangebote sind verboten. Wenn der Antrag nicht angenommen wurde. so liegt das an der Zusammensehung des Reichswirtschaftsrates, in dem die nicht- freigewerkschaftlichen Arbeitnehmer sehr oft mit den Arbeitgebern zu Aus der Tschechoslowakei. Bie aus Bodenbach berichtet wird, haben infolge des Streils in einer Metallfabril fämtliche Metallfabriten ben Betrieb eingestellt und etwa 1800 Arbeiter entlaiien. In den Textilfabriten in Tannwald find infolge enes Ronflittes wegen der 48- Stunden- Woche 2000 rbeiter Marken- Zigaretten Wäschepracht Tabak- Zigarren arbetaldaus Die gute reine Kernseife 66% Feltgehalt. Nur aus besten Rohstoffen! Stets in gleicher Güte! Ohne schädliche Bestandteile! 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Januar unter der Ueberschrift " Schwere Fehlgriffe beim Bersonalabbau gebrachten Notiz foll einem 64 Jahre alten und 39 Jahre im Dienft befindlichen Schrane fenwärter J. das Dienstverhältnis ohne Zuficherung von Pension oder Wartegeld gekündigt worden fin. In Wirklichkeit hat die Reichsbahndirettion Rassel jedoch bei dem in Betracht kommenden Schrankenwärter 3. in 2. gerade mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse von einer Entlaffung oder Berschung in den einſt weiligen Ruhestand unterm 11. Januar ausdrüdlich abgesehen, ohne daß übrigens eine Kündigung vorhergegangen wäre." Die englischen Dodarbeiter fordern zwei Schilling Lohnerhöhung, die Arbeitgeber wollen nur einen Schilling mehr zahlen. Daran Scheiterten Berhandlungen am Montag. Der Arbeitsminister hat einen weiteren Vermittlungsversuch unternommen. Der Arbeitse vorher zur Einigung, beginnt Sonnabend der Streit. Der Arbeits minister Shaw ist persönlich um die Beilegung der Differenzen bemüht. Die geforderte Lohnzulage von zwei Schilling foll eventuell in zmi Raien gewährt werden. Die Pariser Automobilarbeiter der großen Automobilwerte Citroen waren wegen der Einführung gewiffer amer fani dher Arbeitsmethoden in einen Streif eingetreten. In den Berhandlungen der Gewerkschaften mit der Betriebsleitung hat die Diret tion nicht nur die von ihr vorgenommenen Strafentlaffungen zurüde genommen und die von der Arbeiterschaft verlangten zwel ferien Sonnabendnachmittage im Monat bewilligt, sondern auch aus. brücklich eine Revision des Lohntarifs für den Fall in Aussicht ges stellt, taß die neuen Arbeitsmethoden zu einer Verminderung des Der Einfommens einzelner Arbeiterkategorien führen sollten, Sir it, an dem mehrere tausend Arbeiter beteiligt waren, ist damit beendet. Wirtschaft Genoffenschaftlicher Nuhen. Die Konfumvereine müssen nach der Wirtschaftskatastrophe wieder aufgerichtet und start gemacht werden. Das erste, was dazu geschehen muß, ist die Aufbringung neuer Betriebsmittel durch Cinzaglung von Rentenmart- schäftsanteilen. Da fell es nun mancherorts fo.che Mitglieder geben, die meinen, fie hät'en schon früher einmal ihren Anteil eingezahlt und es fei nicht recht, von ihnen einen neuen zu fordern. Das find diejenigen Mitglieder, die immer noch nicht begriffen haben, daß sie in der Zeit der rafenden Geldentwertung bei jeder Barenentnahme im Konsumve.ein mit den Waren unter dem Wiederbeschaffungspreis Stüd um Stüd von dem früher entstandenen Genossenschaftsvermögen erha.ten haben. Aber wenn das auch nicht gewesen wäre, lage do fein Grund vor, von den Geschaftsanteilen aus früherer Zeit anzue nehmen, sie hätten sich nicht verdient gemacht. Es bleibt die uns bestreitbare Tatsache bestehen, daß schon vorher jeder einmal eingezahlte Gefchäftsanteil mehr als einmal zurüdgezailt worden ist. Die Summe aller Mitgliedergeschäftsgut. haben der Ronfumvereine des Zentralverbandes feit 20 Jahren betrug 348,2 Millionen Mart. Dagegen aber fummierten sich die ben Mitliedern alljährlich gutgebrachten Beträge aus den Rücks vergütungen und Sparrabatt auf 1231,7 millionen Mart. Mithin übersteigt allein der Rugen der Mitglieder aus den Rückvergütungen deren Leistung durch Geld ftsanteile in 20 Jahren um 883,5 mil Dabei ist ber Rabatt prinater Gfchäftsleute an lionen Mart. Mitglieder mancher Konfumvereine völlig unberücksichti- t geblieben, Auf jedes Mitglied entfällt im Durchschnitt ein Geschäftsgut. baben von 110 M., aber eine durchschnittliche Grübrigung von 389 m. Mithin übersteigt der rechnerisch ermittelte Nugen bes einzelnen, und zwar gerade des älteren Mitglieds seine Beistung um 279 m. Das Ergebnis aus den Endsummen der 20 Jahre ändert sich auch nicht bei Errechnung der fraglichen Bosten nach dem Jahres durchschnitt. In Prozenten ausgebrüdt, erbrachte die Anteilkiftung einen Nugen van 354 Bros. Damit ist die Frage nach der sogenannten Aufwertung der früheren Geschäftsanteile eigentlich hinreichend beantwortet. Darüber hinaus bleibt jedoch der rechnerisch nicht zu erfaffende. noch weit größere allgemeine genollenschaftliche Nubyen. Was den Mitgliedern der Konsume vereine im Laufe vieler Jahre lediglich durch genossenschaf liche Breisregulation und befte Warenvermittlung an Borteilen ents standen ist, weiß jeder fundige Genossenschafter. Die Summen, bie ben eigenen Hausbaufonds und Bolfsbildungs-, gemeinnüßigen und wohltätigen Zweden zugewiefer morden sind, müssen auch auf dem Ronto reinen Mitgliedernuzens gebucht werden. dürfe es begreiflich fein, daß es nicht unbillig ist, den Rentenmart 6.fchäftsanteil zur Wiederaufrichtung ber Genossenschaften au fordern. Nach alledem Berantwortlich He Politit: Craft Reuter: Birtfchaft: 3. B.: Crail Reuter; Gemertfchaftsbewegung: 3. Steiner: feuilleton: R. 3. 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