Nr.75 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 37 Bezugspreis: Böchentlich 85 Goldpjennig vstans zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg wö chentlich 1,20 Goldmart, für das übrige Ausland 1,45 Goldmart pro Woche. Kreuzband, endungen nur gegen werts beständige Rahlung. Boftbezugspreis filr Februar 4,- Goldmart. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolf und 8eit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten". Jowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 3,50 Goldmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. 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Die Beamtenpolitik der Regierung nimmt eine Entwicklung, bei der man sich fragen muß, ob sie für die Reichsverwaltung noch erträglich ist. Wir haben bisher immer Am Mittwoch nachmittag wurden die Verhandlungen Der Gedanke der Besteuerung der Inflations nur die sozialpolitische Seite des Abbaues besprochen. zwischen den Parteien und der Reichsregierung wegen der gewinne dürfte aller Voraussicht nach vollkommen ausge- Wenn wir jetzt auf die politische zu sprechen kommen, britten Steuernotverordnung fortgesetzt. Den schaltet werden. Lediglich die Mieter werden die Opfer der müssen wir besonders der höheren Beamten gedenken, nicht Beratungen lag ein abgeänderter Entwurf der Steuersuche der Regierung sein. An eine Vermögenszu etwa deshalb, weil wir nicht wissen, daß sie finanziell besser Reichsregierung vor. Die Berhandlungen dauerten bis in wachssteuer, die der Tatsache Rechnung trägt, daß erhebdie späten Abendstunden, ohne daß jedoch ein endgültiges Erliche Kreise von Industrie, Landwirtschaft und Handel sich an dastehen als die beiden anderen Beamtenkategorien und die gebnis oder eine Einmütigkeit der Parteien erzielt wurde. dem allgemeinen Elend bereichert haben, wird nicht mehr ge- Arbeiter, oder weil wir überfähen, daß auf Wartegeld ge Insbesondere ist nicht damit zu rechnen, daß sich im Reichs- dacht. Der arme Mieter soll zu allen übrigen Lasten nun noch fest" fein, immer noch besser ist, als ohne weiteres auf die tage eine fichere 3 weidrittelmehrheit für die Ver- die Laft aus einer sehr schnell sich steigernden Mietpreis- Straße zu fliegen. Wir tun es, weil ihre psychologische Berabschiedung der Vorlage über die Aufwertung ergeben erhöhung tragen, von der ein Teil Ländern und Gemeinden zu fassung für den Gang der politischen Reichsverwaltung auss wird. Das Reichskabinett trat deshalb zu einer Sizung zu fließt, ein anderer Teil aber den Hausbesitzern zum Geschent fchlaggebend ist. Der Berwaltungsbeamte arbeitet nicht für den Gewinn fammen, um über die Form der Erledigung der dritten Steuer. dargebracht wird. notverordnung sowie über ihren Inhalt zu entscheiden. Die Stellung der sozialdemokratischen Reich seines Unternehmers, sondern zum Wohle des ganzen Boltes. Man darf angesichts der Meinungsverschiedenheiten unter tagsfraktion zu dieser neuesten Tat der Reichsregierung Darum sind diesen Beamten besondere Verpflichtungen auf den Parteien und der Unmöglichkeit, im Reichstag eine Zwei- wird in ihrer Sigung am tommenden Dienstag Gegen erlegt. Sie müssen aber auch, wenn sie ihre volle Arbeits brittelmehrheit zustandezubringen, annehmen, daß die Reichs stand ernster Beratungen sein. Die Bertreter der sozialdemo- und Gestaltungskraft und ihre ganzen Kenntnisse in den regierung den Entwurf der dritten Steuernotverordnung auftratischen Fraktion haben bei den Verhandlungen der letzten Dienst des Volfes stellen sollen, um ihrer hohen Aufgabe Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassen wird. Ihr Tage ihre ganze Kraft aufgeboten, um die Absichten der Res willen eine Behandlung erfahren, die dieser Aufgabe würdig Inhalt ist noch unbestimmt. Soviel fann aber bereits jetzt in- gierung und der bürgerlichen Parteien so zu beeinflussen, daß ist. Geschieht das nicht, so schäßen sie automatisch ihre Aufgabe folge des dauernden Nachgebens der Reichsregierung gegenüber eine auch für die Masse der Bevölkerung erträgliche felbft geringer ein. Nun müssen die Beemten heute die den parteipolitischen und parteitaktischen Erwägungen gefagt Lösung erzielt würde. Aber alle diese Bemühungen sind in Steuerscheu des Bürgertums schon mit erbärmlichen Gehältern werden: Die von ihr erlassene Verordnung wird nur eine un- den entscheidenden Punkten gescheitert. Reichsregierung büßen. Warum wird ihnen nun auch noch die Arbeitszeit vers vollkommene, unbefriedigende und ungerechte Lösung und bürgerliche Parteien sind sich einig in der Be- längert und der Urlaub gekürzt, während gleichzeitig die vielen bringen. Unter dem Druck der von den Hypothekengläubigern fämpfung der Befitsteuern und in der Abwälzung aller Sparfommisfare ihnen vorhalten, daß sie ungenügend be entfachten Aufwertungsbewegung sollen Hypotheken mit 2 aften auf dem Wege der Mietpreiserhöhung auf die schäftigt seien? Ist das nur Schikane oder Liebesdienst der 15 Broz. aufgewertet werden. Bei Sparkassen und Lebensver- Majse der Bevölkerung. Die sozialdemokratische Unternehmern? Durch die Abbauverordnung ist den Beamten ficherungsansprüchen aber wird nur eine Aufwertung in unbe Reichstagsfraktion wird deshalb am Dienstag die Entscheidung außerdem jede Aufstiegsmöglichkeit genommen. stimmter Höhe in Aussicht gestellt. Die Befizer öffentlicher An- darüber treffen, ob sie die von der Regierung erlassene Berleihen( Kriegsanleihe) werden auf die fernste Zukunft vertröstet. ordnung aufzuheben beantragt. Londoner Programmdebatte. Condon, 13. Jebruar.( Eigener Drahtbericht.) Das Unterhaus hat heute auf den Vorschlag Macdonalds den Abg. Robert Young ( Soz.) zum Bizepräsidenten gewählt. Macdonald erklärte auf eine Anfrage über die Separatisten in ber falz sowie über die Verwaltung des Ruhrgebiets, feit die Arbeiterregierung am Ruder sei, feien in diefen beiden Fragen ernsthafte Fortschritte zu verzeichnen. Darauf begann die Debatte über die Programmerklärung Macdonalds. Baldwin, der Führer der Konservativen und gewesene Ministerpräsident, erklärte, daß unter den gegenwärtigen Umständen er feinerlei Fragen erheben werde, die die Pflichten der Regierung bezüglich des Berhältnisses zu Frankreich erschweren fönnten. Die Opposition habe mit Genugtuung festgestellt, daß die jeẞice Regierung, sobald sie die Berantwortung übernommen habe, die Bolitik fortfest, die von der vorhergehenden Regierung und ihrer Bor. gerin betrieben worden fei. Er hoffe, daß die Arbeiterregierung mehr Erfolge dabei haben werde. Die Anerkennung Rußlands sei eine äußerst schwierige Frage; England habe friedliche Be. ziehungen mit einer Regierung herzustellen, deren Ideale seinen eigenen entgegengefeßt seien. Baldwin erinnerte an die Aeußerung Sinowjews:„ Wir werden Macdonald unterstützen, wie ein Geil den Gehenkten unterstützt", er fragt, was genau unter„ Sowjetunion" zu verstehen sei, welches ihr Gebiet sei und mit wem man in Wirklichkeit Vereinbarungen fchlichen werde. Asquith, der Füherer der Liberalen, erklärte, die meisten der inneren Programmpunkte der Arbeiterregierung fönne man auch in den Wahlprogrammen der Opposition finden. Clynes, der nach Asquith sprach, erklärte, wenn die Ent. fchließungen der Reidystonferenz erörtert würden, werde die Regierung nicht dem Haus Gelegenheit geben, seine Ansicht auszudrücken, sondern die Regierung werde die Gelegenheit ergreifen, fuhr fort: Die Regierung fönne an eine Frage, wie die Ber: ihre eigene Anficht über die Entschließungen befannizugeben. Er mögensabgabe herantreten unter Bedingungen, wie sie jetzt verlägen, daß näml' feine nationale Billigung für einen Blan dieser Art erteilt worden ist. Clynes fuhr fort, die Arbeiterpartei fei in feiner Weise mit bezug auf die politische Auffassung, Methode oder den politischen Grundfah mit der Sowjetregierung verwandt. England fönne es sich jedoch nicht leisten, Rußland ols etwas Fremdartiges länger zu behandeln, welches in feiner Weise eine derartige Anerkennung verdiene. Der Premierminister habe keine Absicht, Rußland in der Kreditfrage anders als endere Länder zu behandeln. Renworthy fragte an, ob die Regierung beabsichtige, neue Ausgaben für Kriegsschiffdods in Singapore anzufordern. Der Barlamentssekretär der Admiralität, Ammon, erwiderte: Bis der gefamte B'an durch die Regierung geprüft worden sei, werden keine derartigen Ausgaben erfolgen. Die Beamten in Singapore feien an. gewiesen, feine neue Berpflichtungen einzugehen. Die Oberhausdebatte. Condon, 13. Februar.( WIB.) Im weiteren Verlauf seiner Rede fagte Curzon: Englands Haltung bezüglich der Zulassung Deutschlands sei stets dieselbe gewesen und dahin gegangen, daß der Bölkerbund niemals feine wirkliche Funktion ausüben fönne, wenn nicht Deutschland eingeschlossen wird. Curzon, der in diefem 3u fammenhang die Anerkennung der Sowjefregierung ohne Sicher heit als den größten Fehler der Welt" bezeichnete, schloß, fomeit sich die neue Regierung im Geiste der Rede Haldanes den beiden großen Problemen des europäischen Friedens und der. Er holung der industriellen und wirtschaftlichen Wohlfahrt Englands zuwenbe, tönne fie auf Unterstützung rechnen, aber beren Art und Maß würde von ihren Handlungen abhängen. Lord Grey erklärte: seine Stellung gegenüber der jetzigen Regierung fei genau dieselbe wie gegenüber der früheren. Die aus. wärtigen Hauptprobleme feien noch ungelöst. Ohne ein Zusammen. wirken zwischen Großbritannien und Frankreich fönnten die euro päischen Schwierigkeiten nicht behoben werden. Die nächste Aufgabe sei, die englische und die französische Auffassung miteinander zu verföhnen, und das könne nur geschehen durch größtes Wohl wollen, durch Einsicht und Mäßigung auf beiden Seiten. Soweit aus der Presse hervorgehe, bestehe gegenwärtig auf französischer Seite eine größere Reigung als bisher, zu versuchen, die miteinander im Biderspruch stehenden Tendenzen in den englisch- franzöfischen Beziehungen zu verbessern, und die von der neuen britischen Regierung geführte Sprache scheine dazu angetan zu fein, diese Bereitschaft auszunüßen. Grey, der die Regierung zu bem beglüdwünschte, was fie bisher in diefer Frage getan habe, und feiner Hoffnung Ausdrud gab, daß fie diese Politit fortseßen werde, führte dann aus, die Aufgabe der neuen Regierung fei, den Bölkerbund zu einer Wirklichkeit zu machen, daß er das Gefühl allgemeiner Sicherheit erzeuge, dessen Fehlen die Nationen zu einem Ausbau ihrer militärischen Rüstungen veranlasse. Man dürfe feine Gelegenheit versäumen, anderen Nationen zum Ausdruck zu bringen, daß nur durch Annahme der Bölferbundspolitik ein wirkliches und herzliches Zusammenwirten zwischen ihnen und der britischen Regierung möglich sein werde. Er lagte weiter: er glaube nicht, daß England irgendein Opfer gebracht habe, indem es die Sowjetregierung anerkannte, er glaube die erzielt werden müßten, erleichtert würden; gewiß müßte, bevor vielmehr, daß dadurch die Verhandlungen über die Bedingungen, stehen, eine schr stritte Bereinbarung erfolgen. Die de- jure- An irgendwelche Begünstigungen aus der de- jure- Anerkennung enterfennung dürfte nicht einseitig sein, es müsse auch eine de- jure- Anerkennung der britischen Regierung durch die Sowjetregierung erfolgen, nämlich, daß sich die Sowjetregierung der Propaganda und Einmischung enthalte, es müsse flar fein, daß, wenn nach der de- jure- Anerkennung die Propaganda fortdauern und etwa der Botschafter Rußlands sich an Handlungen gegen die britische Ver faffung beteiligen sollte, er das Land binnen 24 Stunden zu verlassen haben werde. Wenn die Regierung die Absicht haben sollte. erteilen, fo merde fie fich hoffentlich vorher Sicherheit verschaffen, Rußland Kredite zur Wiederherstellung der Erzeugungskraft zu daß alle Unterstügungen für die Entwicklung des Handels benut werden. London, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Lord Bar moor, der Bertreter Englands im Bölkerbundrat, erklärte, daß die Außenpolitik auf dem Bölferbund beruhen müffe. Die Abrüstungsfrage müsse ständig im Auge behalten werden. Je näher man der Ab rüftung fomme, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit des Erfolges des Bölkerbundes. Die englische Regierung würde den Antrag auf Abrüstung, der don Lord Cecil, dem bisherigen englischen Bertreter im Böllerbundrat, eingebracht worden sei, mit großer Sorafalt und Sympathie in Betracht ziehen. Was Rukland betreffe, erklärte Lord Barmoor, daß es besser sei, vom freundschaftlichen Standpunkt aus die Erörterung der russischen Frage zu beginnen und dann eine Ueberwindung der Schwierigkeiten zu versuchen. Das bedeutet, daß ihnen nicht nur die Aussicht auf eine Berbesserung ihrer Gehälter genommen ist, sondern auch der Weg zu einer interessanteren, wichtigeren, einflußreicheren Arbeit versperrt wird. Dazu fommt die Abbaudrohung. Auch hier schreckt nicht allein die finanzielle Verschlechterung, sondern auch die Gefahr, auf Jahre hinaus ohne Einfluß und Arbeit zu sein. Da nimmt es nicht wunder, wenn gegenwärtig in den Behörden mehr intrigiert als regiert wird. vor Die Abbaukommission zeigt dafür wenig Berständnis In den ersten Wochen nach Inkrafttreten der Abbauverord nung sind schnell die wirklich Untauglichen oder wenig Befchäftigten von ihren Vorgesetzten abgebaut worden. Jezz führt der Chor der Rachegötter, die drei von Sozialdemokraten wegen ihrer reaktionären Gesinnung in den Ruhestand ver fegten Staatssekretäre Lewald, Busch, von Welser, den poli tischen Kampf. Ihre Mitarbeiter, alte Berwaltungsbeamte zum Teil der Heeresverwaltung, sind ihres Geistes. In jeden Ministerium fit einer, was wohl auch eine Sparmaßnahme ist. Die Abbaufommission zeigt sich immer deutlicher bestrebt den Staat auf die allernotwendigsten Verwaltungsaufgabe: zurückzuführen. Sie hegt die sogar schon in weiten Kreise: des Bürgertums überwundene Nachtwächteridee“ Staat, die entgegengesetzt ist der unseren, da wir, um e wieder mit Lassalleschen Worten zu sagen, als Aufgabe de Staats ansehen, die Kultur, deren das Menschengeschlech fähig ist, zum wirklichen Dasein zu gestalten". Mit andere: und einfacheren Worten, wir glauben, daß der Staat be stimmte Aufgaben zu erfüllen hat auf dem Gebiet der Sozial politit, der Kontrolle der Wirtschaft und der Bolfserziehun zum Beispiel. Die Weiterführung namentlich der beiden lek ten Aufgaben spielen gegenüber dem Gesamtetat überhau; feine Rolle, haben aber für die Gesundheit und geistige En unentbehrlich ist, brauchen wir wohl nicht erst auszuführe widlung des Boltes große Bedeutung. Daß die Sozialpolit die Erfüllung dieser Aufgaben in ganz bestimmtem Umfan Und dann schreibt doch die Weimarer Berfassung dem Reic au. Das allerdings fcheint Herr Lewald nicht zu wissen. He er sie nie gelesen, oder glaubt er, er dürfe auch sie abbauen Das Bestreben der Abbaufommission, die Kultur- und Sozia politif des Reichs zu vernichten, zeiat, daß der Abbau jet zur politischen Angelegenheit wird. Und als solche iſt e nicht mehr von drei ausgedienten Staatssekretären zu löser Außenhandelsstelle für Papier in die Papierindustrie wechselts beimrat Bfundtner, der lange vor der Abbauzeit von de den Abbau aller staatlichen Einrichtungen, an denen di Beamten. Folgt Lewald schon der ersten Forderung, so aud Sozialdemokratie interessiert ist, und aller sozialdemokratische der zweiten. Er hat zwar neulich in der Presse abgestritter daß er Namen von Beamten nennt, und behauptet, er nenn nur die abzubauenden Aufgaben. Wir wissen, daß das wede: für ihn, noch für seine Mitarbeiter zutrifft. Wir wissen auch daß zufällig alle die Aufgaben überflüffig" werden, di Sozialdemokraten bearbeiten. Und wir wisse: ferner, daß Sigung über Sigung veranstaltet wird, um de: letzten fozialdemokratischen Beamten in leitender Stellung de Reichsverwaltung zu sparen". Wir werden uns nicht scheuer zu gegebener Zeit auch einmal die Mittel bekanntzugeben, mi denen man arbeitet. " Geheimrat Pfundiner will nach seinem erwähnten Aufjah auch wissen, wie viel sozialdemokratische Beamte nach der Revolution in die Ministerien gefommen sind. Man stelle das fest! Wir fürchten uns nicht. Im Gegenteil! Es find wohl in feinem mehr als drei bis fünf vorhanden, aber in manchen weniger als einer! Und wir sollten doch meinen, daß in der deutschen Republik die größte Partei und Vertreterin der Arbeiterinteressen auch den Anspruch habe, in der Verwaltung vertreten zu sein! Herr Lewald freilich scheint zu denken, er sei berufen, die Beamtenpolitik des Kaiserreichs gegen die Sozialdemokratie fortzusetzen! trum machen. Ein Mitarbeiter der Telegraphen- Union" hatte gestern, Mitt- Mittwoch ein maßgebender Führer der niederschleftschen Zentrumsa woch, eine Unterredung mit einem amerikanischen Mitglied des partei den Schutz des deutschen Bauern gegen die Einfuhr von ruf fischem, polnischem und rumänischem Getreide für ein Gebot des Sachverständigenausschusses. Er fragte: Welchen Eindruck haben Sie von der deutschen Regierung und Christentums.(?) Wenn die deutsche Landwirtschaft den Schutzol denjenigen deutscher Persönlichkeiten, mit denen Sie offiziell in Beverlange, werde die 3entrumspartei sich geschlossen rührung traten, gewonnen, und glauben Sie, daß sich die Repara- hinter diese Forderung stellen. Die Landwirte müßten andererseits bedenken, daß ohne die Unterstützung des Zentrums die tionskommiffion dem Spruch Ihres Komitees fügen wird? Nach einigem Ueberlegen antwortete der Sachverständige faft Rechtsparteien allein den landwirtschaftlichen Schutzzoll wohl kaum wörtlich:" Die Kommission hat den allerbesten Eindrud von sämtlichen offiziellen und inoffiziellen deutschen Persönlichkeiten, durchsetzen würden, und als Gegengabe ihren Frieden mit dem Zen. mit denen sie in Berührung trat, gewonnen. Jede gewünschte Information wurde trok großer technischer Schwierigkeiten mit größtmöglicher Beschleunigung beschafft. Wir sind in der Tat mit unfe beim Berlassen Deutschlands nicht verfehlen, noch einmal auf den rem Ergebnis außerordentlich zufrieden, und ich möchte hervorragenden Geist hinzuweisen, der die Arbeiten der deutschen deutschen Eabotage sind ebenso unsinnig wie die Meldungen, die von einer angeblichen Meinungsverschiedenheit oder sogar och spannung" innerhalb der Kommission wissen wollen. Sie werden verstehen, daß ich mich über nähere Einzelheiten unferes bisherigen Ergebnisses nicht auslaffen tann. Unfer Goldnoten bant projekt ftellt natürlich nur einen geringen Teil unseres Be richtes dar, ebenso wie unsere Untersuchungen über die deutsche Reichsbahn, die wir natürlich nur als einheitliches Ganzes Wir fordern demgegenüber von der Reichsregierung, daß sie ihre Beamtenpolitik umftellt, damit in der Beamtenschaft wieder Ruhe und Arbeitsfreudigkeit einkehre. Und wir verlangen, daß unter ihrer Berantwortung ein Blan zur Berund allierten Unterhändler beseelt hat. Alle Gerüchte von einer einfachung der Berwaltung im Reich dem Reichs tag vorgelegt werde, damit nicht von einem Konsortium entlaffener Staatssekretäre, genannt Abbaukommiffion, Sozialund Kulturpolitik des Reichs abgebaut wird. Will man ernstlich sparen, dann baue man den Belagerungszustand, den bayerischen Staatskommissar und den neubewilligten bayerischen Reichspoststaatssekretär und dergleichen überflüssige Dinge ab. Die Beamtenschaft aber sollte sich flar darüber sein, daß ihre zukünftigen Arbeitsbedingungen, namentlich ihre Arbeitszeit, vom Ausgang der Wahlen abhängig sind! Die Abreise der Sachverständigen. Auch der erste Sachverständigenausschuß hat am Mittwoch seine Tätigkeit in Berlin beendet und Deutschland verlaffen. Der Beginn der Pariser Verhandlungen ist auf den 19. Februar festgefeht. Bis dahin wird sehr wahrscheinlich die Mehrzahl der Delegierten sich mit ihren Regierungen in Berbindung segen. An den Pariser Berhandlungen nimmt auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht teil, der bereits am 15. Februar nach Paris fahren wird. Die Aufgabe der Ausschüsse in Berlin erstreckte sich in der Hauptsache auf die Untersuchung der Möglichkeit, das tote deutsche Kapital aus dem Auslande nach Deutschfond zurückzuführen und auf die Erörterung der Frage, eine Goldnoten bant für Deutschland zu errichten. Angenehm berührt, im Gegensatz zu anderen Sachverständigenausschüssen, die wir in den letzten Jahren erlebten, die positive Betonung ganz bestimmter Aufgaben. Selbstverständlich mußten die Era örterungen der Ausschüsse in eine Untersuchung der Frage der deutschen Zahlungsfähigteit minden, wobei deren Reduzierung durch die Ruhrbefehung ganz von selbst in den Bordergrund trat. Man kann den Kommissionen nachrühmen, daß sie ihre Aufgabe durchaus objektiv erledigt und gewisse politische Direktiven, die sich zeitweise in den Berhandhungen auszumirten versuchten, abgelehnt haben. Sicherlich ift auf diese Einstellung das positive Ergebnis ihrer Tätig teit zurückzuführen. Das gilt vor allem für das Projekt einer allgemeinen deutschen Währungsbank, durch die man auch bas wichtige Problem der Kapitalrüdführung nach Deutsch land auf natürlichem Wege zu lösen gedenkt. Bon allen Deutschen, die mit den Sachverständigen in Verbindung traten, wird die Unparteilichkeit der Experten, besonders die der Amerikaner, anerkannt. Sie tommt 3 B. darin zum Aus drud, daß die Sachverständigen die wichtige Geldpolitif, auch bei Beteiligung ausländischen Kapitals an einer deutschen Währungsbant, Deutschland völlig überlassen sehen wollen. Troßdem hat man sich in den maßgebenden deutschen Kreifen feinem Optimismus und feiner Illusion über die Tätigkeit der Ausschüsse hingegeben, da man wußte, daß die legte Entscheidung bei der Reparationstommission liegt. Das bedeutet teine Unterschätzung der Arbeiten der Sachverständigen. Braktisch erhofft man vorläufig von dem Ergebnis der Berliner Ausschußberatungen eine beschleunigte Durchführung des Schachtschen Goldnotenbankprojektes. Aber abseits, wer ist's? Konzertumschau von Kurt Singer. Diefes Wort aus Goethes Harzreise" geht werbend durch unse ren Kopf, wenn Furtwängler das Wort flingen läßt. An Brohmsscher Einforie feiert seine immense Musikalität, sein Herz und feine Begeisterungsfähigkeit höchsten Triumph. Hier ist er ganz verfenkt, ganz Herr und Diener der Musik zugleich. Daß ihn der Respekt vor der Kunst niemals perläßt, brauchte faum erwähnt zu merden, menn ein anderer, atseitiger Brahms- Aberd, Don John Petersen inszeniert, nicht etwas onderes als Respekt verriete. Die Ränie" für Chor, Klavier, Harfe und Hörner, ebenso das „ Schicksalslied" das ist geschmadlos und unerlaubt. Wenn es nicht zum Orchester reicht, dann eben Klavierbegleitung, und nichts bozu, feine eigene Mache oder Aufmachung! Sparen ift gut, aber nicht auf Kosten von musikalischen Kostbarkeiten. Sonst ist es schon beffer, man baut das ganze Konzert ab, . Der Name Brahms verbond diese beiden Diriger tennamen, sonst wahrhaftig nichts. Im übrigen scheint Brudner 1924 Trumpf zu werden. Und das ist gefährlich, wie die Besteigung eines Berg gipfels mit Lackschuhen. Wer mit Haut und Haaren, Seele und Ohr, Technik und Gefühl auf die Atonalität, auf das modernrhythmisierte Phantasiespiel aller jungen Welt eingestellt ist, der taste nicht frivol an eir hochragendes heiligtum, das zehn feft perschloffene Türen eisenhart umgeten. Dies fei eine Bernung an die Altzu- Vielen, Allzu- Geschäftigen. Busch allerdings darf es langsam wagen, die Mystik der 9. Sinfonie aus der Ueberirdischkeit in die Wirklichkeit zu übersehen. Klaus Bringsheim dürfte es nicht. Sein Mahler- Zyklus degegen rundet sich allmählich wirklich zu einem Bekenntris hoher musikantischer Kultur. Auch der Versuch, im„ Lied von der Erde" die Alt- Partie von einem Baritonisten fingen zu lassen, erweist sich als sehr glücklich, besonders menn diefer Sänger ein Ausdruckstünstler vom Rufe Rehfempers ist. Dem schlanken Zenor Dworstys hört man willig zu. Nur sollte er lernen, innere Ruhe auch im schnellen Tempo zu wahren, zumal Bringshim fich nicht zu rascheren Zeitmaßen zwingen läßt. Das Festkonzert der „ Gesellschaft zur Förderung der kirchlichen Lonkunst" brachte, abseits vom Weg, eine Tat, nämlich die Berlir er Erstaufführung der A Meil- Messe Brudne s, 60 Jahre nach ihrem Eniftehen. Der Kleine Basilika- Chor der Hedwigskirche sang das zwischen zarter Rüh rung und starter Erschütterung schwebende Meisterwer? nicht nur in vollendeter Sauberkeit, sondern auch so flar, so befeelt, so aus gottesdienstlicher Stimmung heraus, daß auch Ungleiches der Partitur eben mäßig, erfinderisch Gedämpftes noch großartig flar g. Das Wert muß mit seiner Betonung des liturgischen Gedenkens in der Kirche am stärksten bewegen. Auf diese Bedeutung und Verwendung hin mag Bius kalt, der überzeugende, überlegene und fünstlerisch burchbrungere Leiter der Aufführung, das Wert auch einftudiert haben. Dem tonzertmäßigen Bortrag entspräche sonst ein längeres Verweilen auf und nach Fermaten, ein schneidenderes Sforzoto und Fortissimo der Choreinfäße, ein Schwelgen in den fleinen finfonischen Zwischen- und Eir feitungsteilen beffer. Hätte der Eolofopran engel haftes Timbre gehabt, so wäre auch das Ablösen vom Chor und Einzelftimme vollendet gewesen. Troß allem: eine Tat.. Die Mesje behandeln können. Und nun zu Ihrer zweiten Frage. Die Kommission wird ihren Bericht an die Reparationstommiffion erstatten aus dem einfachen Grunde, weil eben die Reparationsfommission das SachDerständigentomitee ernannt hat. Aber ich glaube, daß unsere Rommission nicht wird umhin fönnen, thren Bericht in demselben Augenblid, in dem sie ihn der Reparationsfommiffion unterbreitet, der gesamten Deffentlichkeit zu übergeben; denn die ganze Welt wartet auf unseren Bericht und die gesamte öffentliche Meis nung der Welt wird lekten Endes den endgültigen Schiedsspruch fällen." Als der Ausfrager daraufhin einwendete, daß wir Deutschen infolge der Stellungnahme einer gewiffen Macht schon ein mal, um die Früchte des Ergebnisses früherer Untersuchungen hervorragender Eachverständiger gebracht worden sind, erhielt er zur Antwort: Ja, ich weiß. Auch trotzdem glaube ich nicht, daß es irgendeine Macht der Welt wagen werde, sich durch Ignorierung unseres Berichtes ein blaues Auge" und den Tadel der gesamten zivilifierten Welt zu holen." Folgen des Flaggenzwischenfalls. Ein Telegramm des Reichspräsidenten. General Allen hatte am 9. Februar aus New York ein Teles gramm an den Reichspräsidenten gesandt, in dem darauf hingewiefen wurde, daß der Flaggenzwischenfall in Washington anläß lich des Todes des früheren Präsidenten Wilson eine äußerst schädliche Pressepolemit sowohl in Amerika als auch in Deutschland hervorgerufen hätte. Auszüge aus deutschen Zeitungen würden nach Amerifa telegraphiert und übten eine verhängnisvolle Wirkung auf das amerikanische Hilfswerk für deutsche Kinder aus. Daraufhin hat der Reichspräsident folgendes Antworttelegramm an den General Allen gesandt: Wie mir Ihr Telegramm zu meinem lebhaften Bedauern beftätigt, hat es in den Vereinigten Staaten zu beklagensmerten Mißdeutungen geführt, daß die F'agge auf der deutschen Botschaft in Washington nicht schon auf die erste Nachricht vom Ableben des früheren Präsidenten Bison, sondern erst am Tage feiner Bel fegung auf Halbmoft gehißt worden ist. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu versichern, daß das deutsche Bolt an der natio nalen Trauer des amerikanischen Boltes, deffen hochherzige Liebestätigkeit zur Linderung der Not in Deutschland hier niemals vergessen werden wird, den aufrichtigsten Anteil nimmt. Ebert Der Ruf nach den Schutzzöllen. Breslau, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Ruf nach agrarischen Schutzöllen findet im schlesischen Ben trum unter dem Eindruck der letzten Wahlergebnisse im Reich und der verschärften deutschnationalen Agitation bereits volle Unterstügung. In der Schlesischen Boltszeitung" erklärt am dorf nicht mehr aus der Berliner Musifatmosphäre verschwinden, und Pius Kalt darf stolz sein, ein Werk der Liebe so liebevoll, fo glänzend herausgebracht zu haben. " Nicht ohne Mißgefühl fehrer wir von der Abfcitigkeit, der man ein beglüdtes Ja" zurufen muß, zurüd zur bunten Diesseitigkeit, der gegenüber ein Bielleicht" Lobes genug ist. Das Rothe der gegenüber ein Bielleicht" Lobes genug ist. Das Roth Quartett wird als geniolisch gepriesen. Vorsicht: es fcheint mir nur hochbegabt- einseitig. Mendelssohns Es- Dur- Quartett verliert in zagem, unfinnlichem Anpacken an flingendem Reiz, an Anmut, an Schmiß. Das Streichquertett von Suré brachte dieser Mattheit gegenüber eine Erleichterung, soweit es die Hingabe und die Fähig beit der Spielenden betrifft; hier wurde aus vier Stimmen eine noble, fim lich getönte Einstimmigkeit. Aber welch ein schwaches Wert: Primgeige und Cello viel zu oft in Cttaven gehend, die Mittelftimmen voller banaler Flosteln, das Andante larmoyant, säufelnd, dickflüssig, erst zum Schluß hin wirklich singend( zu einem toketten Bizzitato der anderen Streicher), das heiter genar nte Allegro nur oterflächlich, leichtgewogen, ohne herzliche Einfalt, mit herzlich wenig Einfall. Drei Orchesterlieder Petertos: eins( An Madonna") sicher nur vom Klavier her insti umentiert, die beiden anderen ippig und farbig im Wagnerfchen Orchesterger and, dabei auch tertlich start erfühlt, im Gesamt piel nicht sehr neu, richt ganz att. Käthe Beiser hat nicht( noch nicht) den großen hymnischen Aufschwung für solche Heroinenstüce; ihre sympathische Sopranstimme weift fie an das Klavierlied, etwa Echumann oder Brahms. Auch ist Kräftigung des Atems und Ruhe der Nerven onzuftreben. Edmund Meisel dirigierte das Melodram„ Die Nachtigall" von Winternis. eine fehr saubere ur wigig instrumentierte Winzigkeit, der Wüllner zum Bublifumserfolg verhalf. Im übrigen war sein Brogramm, des er mit Geschid spielte, so bunt und gewürfelt, daß Burgstallers finfonische Dichtung nur noch ermüdete Ohren antraf. An das beglückende Beethoven- Spiel des einzigen Bufoni Schülers, der in großem Stil den Meister lobt, Egon Petris fei zum Schluß erinnert, und ebenso ouf ein( zu furz behorchtes) neues Quartett von Erich Anders hingewiesen. Radio in der Schule. Die drahtlose Telephonie dient vorläufig hauptsächlich zur Uebermittlung von Rechrichten und fünstlerischen Genüffen: In Amerika aber hat man bereits ar gefangen, biefe neueste Erfindung, ebenso wie das Rino, für die Erziehung nutzbar zu machen. Es gibt dort schon einige Schulen, die mit Empfangs. apparaten ausgestattet und daher in der Lage find, ihren Schülern auf diese Weise Vorlesungen berühmter Gelehrter zugär glich zu machen. Freilich sind diese Anlegen noch so fostspielig und die Programme find noch so wenig auf Erziehungszwede eingerichtet, daß Siese neuertige Form der Belehrung noch mehr Spielerei ist. In England aber geht man feht ernsthaft derar, die drahtlose Telephonie für die Pädagogit auszunugen. Der Direktor der Britischen Broadcasting- Gesellschaft Arthur R. Burrows, entidelt ein Bro. gromm, um der Allgemeinheit und besonders den Schulen einen reichhaltigen Wissensstoff mit Hilfe des Radios vorzulegen. Zunächst werden freilich nur Privatschulen, deren Besucher größere Summen bezahler fönnen, mit Empfangsapparaten ausgeftettet werden kön nen. Unsere Erziehungsprogramme," fagt Burrows, werden mit einfachen unterweisungen über die forrette Ausspreche des Eng| Die Feme im Freikorps Oberland. Ermittlungsverfahren gegen Kiefer und Ruge. In dem Ermittelungsverfahren gegen den Handlungsgehilfen Friz Baer aus Berlin wegen Ermordung des Feld. webels Samson vom Freitorps Oberland, das den Untersuchungsrichter beim Landgericht Neiße seit Ende 1921 befchäftigt, ist, wie einer Berliner Gerichtstorrespondenz gedrahtet witb, eine neue Wendung eingetreten. Baer hatte im Juni 1921 den Feldwebel Eamson, dessen genauer Name nicht feststeht, unter den Augen einer Begleitmannsdaft, die allerdings etwas zurüc geblieben war, am Rande eines Wäldchens bei Ziegenhals erschossen. Die Tat selbst gab Baer zu, behauptete aber, daß er, der damals ebenfalls beim Grenzschutz Oberland eingestellt war, auf höhe= ren Befehl gehandelt habe. Baer will nur den Auftrag des Standgerichts ausgeführt haben und der Vollstreder des gegen Samson erkannten Todesurteils wegen Verrates gewesen sein. Als Mitglieder des Standgerichts hatte er den Hauptmann Kiefer als Vorsitzenden und den Privatdozenten Dr. Arnold Ruge alias Prof. Berger benannt. Diese und andere von Baer benannte Bersönlichkeiten hatten die Angaben des Angeschuldigten als unwahr bezeichnet und die Existenz eines Standgerichts in Abrede ge stellt. Inzwischen hatte das Justizministerium die Aften eingefordert. Diese sind jetzt an den Untersuchungsrichter in Neiße mit der Anweisung an den Oberstaatsanwalt zurückgegangen, das Ermittelungsverfahren auch auf den damaligen Hauptmann Kiefer, Privatdozent Dr. Ruge und alle anderen etwa in Frage kommenden Persönlichkeiten auszudehnen. Die Vorgänge in der Pfalz. TU. meldet: Aus 3 weibrüden zogen die Separatisten unter dem Eindruck der Vorgänge in Birmasens heute früh in aller Stille ab. Auch Waldmohr bei Rufel haben sie bei Nacht und zirkstelegierte den Separatisten den Befehl zugehen lassen, daß sie Nebel heimlich verlassen. In Landau hat der französische Be nichts mehr unternehmen dürfen. Wie WTB. meldet, ist über Pirmasens der Belagerungszustand verhängt worden; die„ Pirmasenser Zeitung" wurde verboten. Während der Kämpfe wurden zwei Einwohner und ein Separatist getötet, fünf Edjukleute verwundet. Es hat den An schein, als ob in der ganzen Pfalz eine Bewegung einfekt, um die Separatisten überall da, wo sie noch nicht freiwillig abgezogen sind, aus dem Lande zu verjagen. Auf Kaiserslautern sind aus den umliegenden Orten größere Menschenmengen im Anmarsch. Eingreifen der Rheinlandkommission. Brüffel, 13. Februar.( WTB.) Die Agence Belge meldet aus Coblenz: Mit Rücksicht auf die Unruhen in der Pfalz hat die Rheinlandkommission einen aus einem französischen, einem belgischen und einem englischen Offizier bestehenden Sonderausschuß beauf tragt, fich in die Pfalz zu begeben, um die zur Wiederher tragt, fich in die Pfalz zu begeben, um die zur Wiederher ftellung ber Ordnung nötigen Maßnahmen zu erwägen und zu treffen. Dieser Ausschuß soll gleichzeitig zweds Erfüllung feiner Aufgabe mit dem Pfälzischen Kreistag und dem militärischen Oberkommando in Berbindung bleiben.. Der Poffen des Dresdener Polizeipräsidenten, der bisher auf Anordnung des Webitteistommandos nur provisori'ch besetzt war, foll demnächst endgültig neu beiegt werden. Es berlautet, daß als Nachfolger des gegenwärtigen Bräsidenten Busger, der der Deutschen Boltspartei angehört, der Reichstagsabgeordnete Genosse Meter Bwvidau in Betracht fommt. lischen und anderer Sprachen beginnen. Es sollen Borlesungen betannter Mufitgelehrter folgen, der über die Anfangsgrür de der Harmonit und des Kontrapunttes unterrichten. Es fällt einem oft auf, mie wenig die Engländer, die auf ihrer Insel leben, von der Dominions und Kolonien ihres Reichs und von der übrigen Welt überhaupt wissen. Berträge geographischer und völkerkundlicher Natur werden daher von besonderer Wichtigkeit sein. Die pädagogischen Brogramme unseres drahticfen Telephor dienstes nerden fich zunächst eng an den Unterrichtsplan der betreffenden Schulen anschließen. Es wird für den Lehrer ebenso interessant sein wie für die Schüler, über diesen Gegenstand von einem hervorragenden Sachfenner etwas zu erfahren. Der Radiodienst tann auch mit finematographischen Bor führungen verbunden werden, indem auf drahtlosem Wege die Er läuterungen zu der Vorführung eines Lehrfilms geliefert werden." Das Weib des Pharao." Das bürgerliche Unterhaltungsstüc mit musikalischer Unierfütterung, das Operette heißt, hat alle feine Möglichkeiten bereits erschöpft. Es bleibt ihm, will es auch für den Anspruchsvolleren erträglich sein, nur wieder das alte, oft und mit Erfolg erprobte Mittel übrig: einen historischen oder mythologischen Stoff grotest zu behandeln. Die neue Operette„ Das Weib des Pharao", die gestern im Wallner Theater uraufgeführt wurde, versucht es mit einigem Glück. Der Autor heißt Hadt- Warda, der Musiker, der aus vielen Quellen geschickt geschöpft hat, trägt den unwahrscheinlichen Kollektivnamen Anton Krofes. Das Stück, das im grauen Pharaonenzeitalter spielt, verlangte eine phantastische Infzenierung, als deren Urheber Hermann Feiner lobend genannt sein jou. Der Kapellmeister Redl, wie die Hauptdarsteller Alfred Leutner, Hanna Gorina, Illing und Hans Ritter bewiesen teils im Sentiment und teils in tomischer Groteste gutes Mittelmaß. R. Zwei Jahrzehnte niederdeutsche Kulturarbeit. Eine der bedeutendsten Vereinigungen für niederdeutsche Sprache und Kultur, die am 17. Februar 1904 in Hamburg gegründete Vereinigung Quidborn" blidt jetzt auf ein 20jähriges Bestehen zurück. Die Bereinigung hat außerordentlich viel für die Pflege niederdeutscher Art und Sprache getan. Die besten Vertreter des plattdeutschen Schrifttums waren dem Quickborn innig verbunden, so der Erzähler und Lyriker Joh. Heinrich Fehrs, der in der Seeschlacht am Sta gerrat gebliebene Georg Fod, der hervorragende Dramatiter Frit Stavenhagen und der tüchtige Bühnenschriftsteller Hermann Boßdorf. Die besten Namen des niederdeutschen Schrifttums und der niederdeutschen Wissenschaft zählte die von der Vereinigung heraus gegebene Zeitschrift Quidborn zu ihren Mitarbeitern. Auf volls fundlichem Gebiet hat sie einen besonders erfreulichen Erfoln dadurch erlangt, daß fie in Unterfügung der Arbeiten ihres lang jährigen Vorstandsmitgliedes Joh. E. Rabe die Wiederbelebung der alten Boltspuppe Kaspar Butschenelle" durchsetzte. Die Ver einigung hatte bei Ausbruch des Krieges 650 Mitglieder, houte aber über 4000, die sich über den ganzen Erdball verteilen und zu denen auch einige ausländische Körperschaften und Bibliotheken gehören. Kapellmelfter Wilhelm Freund, ber dem Deutschen Obernbaufe neu verpflichtet wurde, nimmt seine Tätigkeit am 1. März auf. Er leitet ble mufitalische Einstudierung von Graeners Dper Don Juans legtes Abenteuer. . Rechtsbeugungen in Bayern. Der Fall Rothenbücher. München, 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Das Verbot der Aufsehen erregenden Broschüre des Professors Rothenbücher Der Fall Kahr" ist auf folgenbe nicht uninteressante Weise, die die Methoden der bayerischen Grekutivgewalt fennzeichnet, zustande gefommen: Zunächst hat die Polizei direttion München im Einverständnis mit dem Generalstaatskommissar die Bro schüre für ihren Amtsbereich vorläufig beschlagnahmt, und zwar, wie bekannt, megen Verächtlichmachung der Staatsanwaltschaft, ber in der Broschüre angeblich der Borwurf der Rechtsbeugung gemacht fei. Gleichzeitig wurde Strafanzelge erstattet. Als aber die Staatsan waltschaft die Beschlagnahme der Broschüre vom strafrechtlichen Standpunkt aus nicht für veranlaßt hielt, sprach der General. staatskommissar von sich aus bie endgültige Beschlagnahme für das rechtsrheinische Bayern aus polizeilichen Gründen aus. Für Stahr war die Anficht maßgebend, baß Brofessor Rothenbücher durch Kahr war die Ansicht maßgebend, daß Brofessor Rothenbücher durch die Broschüre Einfluß auf das schwebenbe Strafverfahren nehmen wollte, ein Bormurf, mit dem seit Tagen in der nationalistischen Breffe Münchens Sturm gegen Rothenbücher gelaufen wird. Wirtschaftsfragen im Fünfzehnerausschuß. Der Fünfzehnerausschuß des Reichstags beriet gestern eine Verordnung über Aenderung der Devisengeleg gebung. Bon der Reichsregierung wurde hierzu erklärt, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse es notwendig machten, die jetzt bei einseinen Verordnungen den Reichswirtschaftsminister eingeräumte Befugnis, Ausnahmen zu bewilligen, auf die gesamten neu zusammenzufassenden Bestimmungen der Devisengefeggebung zu erstrecken und darüber hinaus den Reichswirtschaftsminister zu ermächtigen, für besondere Fälle Anordnungen ergänzen ben ober abweichenden Inhalts zu treffen. Der Ausichuß hatte teine Betenten dagegen, daß der Reichswirtschaftsminister bei der Zusammenfaffung der geltenden Borschriften in neuen Ber ordnungen soweit die geltenden Vorschriften ändert, als es zur Ber einheitlichung oder Klarstellung erforderlich ist, auch seien Aus nahmen von den geltenden Vorschriften zuzulassen. Dagegen erfuchte der Ausschuß die Reichsregierung, tavon abzusehen, daß dem Reichswirtschaftsminister die Ermächtigung erteilt werde, für besonzu bere Fälle Anordnungen ergänzenden oder abweichenden Inhalts 3 treffen. Abbau der Sozialfürsorge. Im Ermächtigungsausschuß wurde am Dienstag zu nächst die Verordnung über Fürsorgepflicht beraten und ver abschiedet. Nach diesem Gesetz sollen die Sozialrentnerfürsorge und die Armenfürsorge den Ländern überwiesen werden. Die Kriegs beschädigtenfüt forge verbleibt dem Reiche. Die Organisation der Gürsorgeträger foll die gleiche sein wie die der Armenfürsorge. A uf. gehoben werden die Gefeße über Notandsmaßnahmen für Rentenempfänger aus der Invaliden- und Angestelltenversiche. rung, über Kleinrentnerfürsorge, über Wochenfürsorge und das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt. Der Ausschus beschloß, die Kriegsbeschädigtenfürsorge wie bisher aufrechtzuerhaiten. übrigen Fürsorgezweige fallen auf Grund der Berordnung mehr oder weniger an die Armenfürsorge. Der Ausschuß beschloß ferner, caß Beiräte aus den Kreisen der Fürsorgeberechtigten den durch führenden Behörden zur Seite gesetzt werden sollen. Der Ausschuß Aufgaben unter seiner Berantwortung der freien Wohlfahrtspflege Alle mar damit einverstanden, daß der Fürsorgeverband einzelne seiner übertragen fann. Die Reichsregierung fann über die Boraussetzung. Art und Maß der zu gewährenden Fürsorge Vorschriften von allgemeiner Bedeutung hierüber aufstellen. Im meiteren Berlauf der Gizung wurde eine Berordnung über Ein- und Ausfuhr beraten. Wie die Reichsregierung Dazu ist festzustellen, daß erftens in der Angelegenheit Kahr, darlegte, beamedt die Berordnung 1. die Anpassung der Strafvor dem einzigen Hauptthema der Broschüre, gar fein gerichtliches Ber- fchriften und der wirtschaftspolizeilichen Bestimmungen der BerordDie Sozialbemotraten verlangten dabei, daß die Für fahren anhängig ist und zweltens, daß in den letzten Monaten in nungen über die Außenhandelstontrolle an die gegenwärtige Birt einer Reihe von Schriften und Zeitungsartikeln die Materie des 8. fchaftslage und den derzeitigen Stand des unerlaubten Ein imt forgeberechtigten durch einen Reichsfürforgeausschuß bei dem Erlaß und 9. November eingehend pro Rahr behandelt worden ist, ohne Ausfuhrverkehrs; 2. die Entlastung der mit der Durchführung der diefer allgemeinen Borschriften mitwirten sollen und daß auch neben daß der Generalstaatskommissar hierin eine Einflußnahme auf das vorermähnten Bestimmungen befaßten Reichs- und Landesbehörden. tem Reichsrat der Reichstag mitzubestimmen habe. Der Hierauf folgte die Beratung einer Berordnung über die Berein Ausschuß beschloß, daß der Reichstag mitgehört werden soll, den Strafverfahren gegen Hitler und Genossen erblickte. Erwähnt sei in fachung der Genossenschaftsbildung und die Förderung Fürsorgeberechtigten lehnte man dagegen die Mitbestimmung ab. diesem Zusammenhang auch eine längere fchriftlich gegebene Recht der Deblanderschließung. Die Reichsregierung wies darauf In der Berordnung ist weiter gefagt, daß die Interstügung. fertigung Loffows an das. Offizierkorps des thm unterstellten hin, daß seit einer Reihe von Jahren von der Deffentlichkeit die Arbeitsfähiger von der Leistung angemessener Arbeit abhängig bayerischen Behrfreises. Mit der Materie des Hitler- Prozeffes beschleunige Inangriffnahme der Erfchießung der umfangreichen noch gemacht werden soll und daß diejenigen, die, obwohl arbeitsfähig, faßt sich auch eine antwortliche Darlegung, die sich gegen in Deutschland vorhandenen untultivierten Ländereien, namentlich die Berichte und Gerüchte über eine angebliche dirette Einmischung des Moors und Deblandes, verlangt werde. In letzter Zeit hätten infolge persönlichen Verhaltens der öffentlichen Armenpflege anheimbes Generalstaatskommissars in das Verfahren zum Zwede der Ber. einige besonders in Betracht kommende Länder den Entschluß gefaßt, fallen oder einen Unterhaltsberechtigten anheimfallen laffen, in einer sich stärker als bisher mit der Urbarmachung auch tes in privater vom Land für gecignet anerkannten Anstalt oder sonstigen Arbeits fchleierung wendet, aber wenig durchschlagend ist. Hand befindlichen Deblandes zu befaffen. Erhebliche Mitte feien zu einrichtung zur Arbeit untergebracht werden, wenn fie derartige diefem Zwed ausgeworfen. Nun erschwere aber das umständliche Arbeiten verweigern oder Minderarbeit Ceiften. Die Bestimmung und zeitraubende Berfahren, das für die Gründung von Boten. über„ Minderarbeit" entsprang einen Antroge der Demokraten In einem Teil der Breffe mird eine Melbung aus München beschleunigte Inangriffnahme der Rultivierungstätigkeit. Daher lege fchriften ab. Aber selbst ihr Antrag, daß in diesen Fragen ein Ausverbefferungsgenoffenfchaften vorgeschrieben ist, die Die Sozialdemokraten lehnten selbstverständlich diese Bor. miedergegeben, der Reichspräsident habe eine gegen einen die Verordnung die Feststellung von Plan und Satzung der GeDr. Gansfer gerichtete Beleidigungsflage zurückgezogen, trobem nossenschaft in die Hand der obersten Landesbehörde( unter Ausschuß der Fürsorgeberechtigten mitzubestimmen habe, wurde von den Bansfer die Behauptung aufgestellt habe, der Reichspräsident sei ein schaltung der Beschlußbehörden). Während bisher die Enteignung bürgerlichen Parteien niedergeftimmt. Landesverräter, weil er 1917 Leiter im munitions- von Moor- und Debland nur für Besiedlungszwecke und nur für arbeiterstreif gewesen sei. tas gemeinnüßige Siedlungsunternehmen zulässig war, soll sie in Vorauslegungen auch für Körperschaften und Brivate, bie die nötige Bufunft auch für Urbarmachungszwede und unter gewißen Gewähr für eine fachgemäße kultivierung bieten, zugelassen werden tönnen. Der Ausschuß befchioß, die Reichsregierung zu ersuchen, die gesamte Materie im Wege der ordentlichen Gesezgebung zu rogein, nicht aber auf Grund des Ermächtigungsgesetzes. Bayern und der Reichspräsident. WTB meldet: Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist die Zurückziehung bes Strafantrags aus folgenden Gründen erfolgt: Gansfer hat im Juni 1922 den Reichspräsidenten in München in ber angedeuteten Weise beleidigt. Da Gansfer den Wahrheitsbeweis antrat, wurde über die angebliche Teilnahme des Reichspräsidenten an dem Berliner Munitionsarbeiterstreif im Januar 1918 eine eingehende Beweiscufnahme durch eidliche Bernehmung einer Reihe von Zeugen, darunter auch des Reichspräsiden ten selbst, veranlaßt. Die Aussage aller Zeugen hat ergeben, daß der Reichspräsident mit der Vorbereitung und dem Ausbruch des Streits weber dirett noch indirett das Geringste zu tun hatte und nach anfänglicher Beigerung schließlich in denselben ein zugreifen versuchte aus dem einzigen Grunde, Schlimmeres zu ver hüten und ihn möglichst schnell beizulegen. Trotdem die Beweisaufnahme eine völlig einwandfreie Stärung des Sachverhalts ergeben haffe, hat das Schöffengericht München den Reichspräsidenten zur nochmaligen Bernehmung in der Hauptverhandlung vorgeladen. Da diese persönliche Borladung sich mit den Borschriften der Strafprozeßordnung und mit der staatsrechtlichen Stellung des Reichspräsidenten nicht vereinbaren läßt und der tatfächliche Sachverhalt durch die Beweisaufnahme völlig aufgeklärt war, hat der Herr Reichspräsident auf Anraten feines Rechtsbei. Standes Wolfgang Heine ben Strafantrag zurüdgezogen. Er hat sich hierzu um so mehr entschlossen, als er infolge des felt der Beleidigung mehr als 19 Monate hingezogenen Berfahrens ein Interesse an der weiteren Rechtsverfolgung nicht mehr hatte. Das amflich festgestellte Ergebnis der Scarwahlen zum Landes rat lautet: Bentrum 14 Gige, Sozialdemokratie 6, Kommunisten 5, Bolfspartei, Demokraten und Liberale 4, Hausbesig und Landwirtfchaft 1, Saarbund 0, Deutschnationale 0. Eine Gabe für die Atomforschung. Das amerikanische Rockefeller. Inftitut hatte vor furzem bem berühmten dänischen Altomforscher und Nobelpreisträger Prefeffor Niels Bohr 40 000 Dollar zur Erweiterung des Inftituts für theoretische Phyfit überwiesen, dessen Beiter er ist. An die Gabe war jedoch die Bedingung gefnüpft, daß bie mit der Erweiterung der Anstalt verbundenen erhöhten Betriebskosten vom dänischen Etaat getragen werden müßten. Den ersten Schritt zur Erfüllung dieser Bedingung hat jegt die Stadt Ropenhagen getan, indem sie der Anstalt den nötigen Baugrund zur Erweiterung geschenkt hat. Inzwischen ist Profeffor Bohr auch bei der Regierung um Bewilligung der Betriebskosten vorstellig geworden, und es ist zweifellos, daß sein Anfuchen bewilligt wird. Das Bohrsche Inftitut hat bereits umfassende Arbeiten für die theoretische Phyfit releistet Niels Bohr selbst fonnte hier in jahrelangem Forschen die Arbeiten ausführen, die ihn zu feiner Atomtheorie leiteten, für deren Richtigkeit fast jeber Tag neue Beftätigungen bringt, und die sich als so fruchtbar für Chemie und Bhnfit erwiesen hat. Auf Grund dieser Theorie ist es dann den Brofefforen G. von Hevesy und Cofter gelungen, das neue Element Hafnium zu entdecken und damit eine der wenigen noch vorhandenen Lücken im periodischen System der Elemente auszufüllen. Die Staatsoper bereitet folgenbe Neuheiten vor: Jm Doernbaufe für Mitte März Sanurczets Jenufa", für Mitte April Korngolds, Tote Stadt". In der Ober am Königsblas für 2. März Friedrich Emetanas Berlante Braut", anläklich des 100. Geburtstages des Stomponisten, und für Anfang April Marschners hans veiling". Generaln ufifdirettor Kleiber bat die musikalische Leitung der Renufa" und des bans Heiling, Stabellmeister Szell die der Verkauften Braut und der Toten Stadt" übernommen. Marcell Salzer foliekt im Schillerlaal( nie) am 14., 16. und 17. Februar die Reihe semer diesjährigen etteren bende. p. C. Tyndall spricht auf Einladung der Oumbolbi oldule om 16., 8 Uhr abends, in der Aula Georgenstraße 30/31 Shakespeares Hamlet"( aus dem Gedächtnis). Ein neuer Flugmotor. Der Brofeffor der Petersburger Technischen Hochschule H. Held bat einen neuen lugmotor erfunden, der mit Naphtha arbiiet und burd fompromierte uit in Bewegung fommt. Der neue Motor wiegt hrmal weniger als die gewöhnlichen Motoren und verbraucht viel weniger Brennstoff. De Bevölkerung Mosfans, ble in den Hung eisnotfabren start gurld. gegangen war, vermehrte sich in den Jahren 1922 und 1923 fortmåbrend. Ende 1923 zählte Mostau 1 542 874 Ei wohner, b. b. etwa O Broz. der Bevölkerung von 1915, wo der Höhepunkt mit 1984 000 Einwohner er. reicht par. Eine neue Strafe. In Dms!( Weftfibirien) zog vor einigan Bochen der Comjet der dortigen Bildungskurse einen der Hörer zur Verantwortung. wel er feine frau, ebenfalls Besucherin der betreffenden Borlefurgen, gebrücelt batte. Das Schiedsgericht beschloß, wie ber Dit- Expreß berichtet, den Eduldigen für unwürdig der Bugebörigkeit der Roten tubentenschaft zu erflären. In Anerkennung feiner ehrlichen Neue und angesichts feiner proletarischen Herkunft wide ibm indessen Strajauslegung geipäbrt, augleich aber vorgeschrieben, Treblis Buch Fragen der Sitte burchzuarbeiten und darüber dem Sowjet der Studierenden der oben genannten Kurse ein Referat zu erstatten. In der Frage der Erwerbslosenfürsorge entschied der Ausschuß zu Artikel I Mr. 6§ 6c der Vorlage, der von der Erwägung ausgeht, daß es jüngeren Bersonen bel hin reichenden Anstrengungen auch bei wenig günstigem Arbeitsmartt mörlich ist, eine geeignete Beschäftigung zu erlangen, und der des halb Erwerbslofen, bie das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Erwerbslofenunterstügung nur gewährt, soweit die oberste Landesbehörde oder die von ihr bezeichnete Stelle es für angebracht hält: Es mögen nur Erwerbslose unter 18 Jahren für diefen Paragraphen in Beracht tommen Weiter beschloß der Ausschuß, die Regierungsvorlage möge in Artifel 1 Nr. 14§ 12a bahin geändert werden, daß die GeI meinde, die zur Auszahlung der Erwerbslofenunterstüßung zu ständig ist, auch verpflichtet ist, alle Erwerbslofen, die sie zu unterstützen hat, bei ber Allgemeinen Ortstrantentasse ihres Be girts oder einer anderen Kranfenfaffe, die in ihrem Bezirk thren Siz hat und deren Leistungen denen der Allgemeinen Ortstrantentalle mindestens gleichwertig find, gegen Krankheit zu verfidyern ficherten Berfonen in die Beitragspflicht einbezieht, wurde vom zu Artikel 2 Nr. 2, der die freiwillig gegen Krankheit ver Ausschuß ein Zufaß gewünscht, wonach auch diejenigen Angestellten und deren Arbeitgeber beitragspflichtig fein follen, die auf Grund des Versicherungsgefeßes für Angestellte pflichtversichert sind oder versichert wären, wenn sie nicht auf Grund der§§ 9-11 des Angestelltenversicherungsgcfeges befreit wären. Der Ausschuß ersuchte die Reichsregierung, bei Regelung der Arbeitspflicht folgende Gefichtspunkte zu berüdsichtigen: Der Erwerbslofe foll verpflichtet sein, eine nachgewiefene Arbeit, die auch außerhalb feines Berufes oder Wohnortes liegen darf anzunehmen, die ihm unter Berücksichtigung feiner förperlichen Beschaffenheit, feiner Kenntniffe und Fähigkeiten und feiner bisherigen Berufstätigteit billigerweise zugemutet werben fann, und die zu tariflichen Bedingungen, in Ermangelung folcher zu angemessenen ortsüblichen Bedingungen entlohnt wird. Der Ermerbslose foll nicht ver. pflichtet sein, Arbeit anzunehmen, die ihm nach feiner törper. ichen Beschaffenheit, seinen Kenntniffen und feinen Fähigkeiten und feiner bisherigen Beschäf'igung nicht zugemutet werden fann, oder für die nicht angemessener tariflicher oder ortsüblicher Lohn vereinbart ist, oder wenn die ihm ange botene Unterkunft gefundheitlich oder sittlich bedenklich ist; bei Unterhaltsverpflichteten, wenn die Berforgung der Unterstützten gefährdet ift. Insbesondere ist der Erwerbslche nicht verpflichtet, eine Befchäftigung anzunehmen, die durch Aussperrung oder Aus. ft and freigeworden ist. Diese Bestimmungen follen finngemäß auch für die Notstandsarbeiten oder für Arbeiten gelten, für die aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge Darlehen oder Zuschüsse gewährt werden. Hierauf vertagte sich der Ausschuß. Sparausschuß und Beamtenabbau. Der Sparausschuß des Reichstags nahm am Mittwoch zum Abbau der Schwerbeschädigten folgende Entschließung an: Die Reichsregierung wird erlucht, beim Abbau der Schwer beschädigten die weitestgehende Rücksichtnahme zu üben, unter allen Umständen aber das Abbauprozent der Schwerfriegsbeschäbigten( gerechnet aus der Bahl) auf höchstens% des gesamten Abbauprozentes einzustellen." Im übrigen erklärte die Reichsregierung auf eine fozial bemotratische Anfrage, daß nicht beabsichtigt fei, die im Reichsdienst beibehaltenen Angestellten( Kriegsbeschädigte, Berfor. gungsanwärter. Angestellte mit über 12 Dienstjahren) aus ihren Stelfungen zu entlassen und an ihre Stelle abgebaute Beamte einzustellen. Außerdem hat der Sparausschuß inzwischen folgende Ent. Schließung einstimmig verabschiedet: Die Reichsregierung wird ersuchi, 1. so schnell wie möglich eine Erhöhung der Gehälter der Beamten und Angestellten und der Löhne der Reichsarbeiter vorzunehmen; 2. die Beför derungssperre für die Beamten und das Verbot ber Einstellung außerplanmäßiger Beamter aufzuheben und min bestens jede zweite freimerdende Stelle wieder zu befeßen. Ausnahmen hiervon find in fachlich begründeten und notwendigen Fällen durch besondere Genehmigung des Sparfommissars und des Reichsministers der Finanzen unter Mitteilung an den Haushaltsausschuß des Reichstages zuläffig." Die Reicheregierung wollte ferner ben§ 1603 des BGB. ändern, nach dem es nicht mehr heißen foll, daß die Verwandten inge= pflichtig sind, soweit dies ihr standesgemäßer Lebensunierhalt zuläßt, raber Linie( Rinder, Eltern, Entel, Großeltern) unterhalts. sondern wenn durch die Unterhaltspflicht das Fortkommen des Jnan spruchgenommenen oder seiner Familie unbillig erschwert werde, Weiter follen unterstüßungspflichtig sein Geschwister, Stiefgeschwister und Stiefeltern. Diese Bestimmung wurde der Regierung ge= strichen, es bleibt bei den bisherigen Bestimmungen im§ 1603 des BGB. Das Berlangen der Sozialdemokraten, einen Reichsfürsorgeausschuß aus den Kreisen der Fürsorgeberechti ten zu fchaffen, lehnte man auch hier ab. Was für die Kriegsbeschädigten feit Anbeginn besteht, hat man den Sozial- und Reinrentnern nicht gewährt. Mit dieser Berordnung hat man in der Sozialfürsorge einen Die Armenpflege wird mit ihren häßlichen Begleiterscheinungen zur neuen Blüte. außerordentlich großen Abbau vollzogen. tommen, ohne daß sie nennenswert gebessert wäre. Sozial- und feinrentner und andere Erwerbsbeschränkte und Erwerbsunfähige, die zum größten Teil ein Leben treuester Pflichterfüllung hinter fich haben und durch die Folgen des Krieges in Not geraten sind, werden unbarmherzig in die Armenpflege hineingeworfen, und ihnen wird damit das Unwürbigste geboten, was man je einem Armen bieten fonnte, die Bettelei beim Armenpfleger und beim Armenamt. Klein- und Sozialrentner fönnen sich bei ber bürgerlichen Regierung und bei der bürgerlichen Mehrheit des Reichstags dafür betanten. In der Unfallversicherung plante das Arbeitsminifterium den Abbau der Renten unter 20 Broz. ohne jede Abfindung, und nicht nur derjenigen Renten, die bisher bestanden, sondern auch der fommenden Kleinrenten. Weiter sollte mit Zustimmung des Ber. liten bis eiro ließlich 30 Broz. abgefurben werden können. Die Regierungsvorlage wurde von den Sozialdemokraten lebhaft be. fämpft, une fchließlich mußten auch die bürgerlichen Barteien zu geben, daß diese Borloge nur auf dem ordentlichen Gefeßnebungs wege erledigt werden kann. Der Arbeitsminister sah sich baher genötigt, die Borlage zurüdzuziehen. Frankreichs Abrüftung. Auch eine Antwort an Macdonald. Paris, 13. Februar.( EP.) In der Kammer iff elne Borlage über die Organisation der Nation in Kriegszeiten eingebracht worden. Sie geht von der Voraussehung aus, daß in Zufanft mit einer immer längeren Kriegsdauer gerechnet werden müsse und daß somit alle Zweige der nationalen Tätigkeit zur Landesverteidigung herangezogen werden müffen. Deshalb feien vor allem die Verkehrsmittel so auszubauen, daß fie jederzeit den Ansprüchen des Krieges genügen fönnten. Das gleiche Prinzip folle auch für die Produktion, die geistige Arbeit und die Regelung der Beziehungen zwischen dem Staat und seinen Bürgern angewandt werden. Die Pariser Finanzdebatte. Paris, 18. Februar.( WTB.) In der Kammer bekämpfte der Führer der Sozialistisch- Radifalen erriot die 20vrozentige Steuererböhung und forderte eine schärfere Gerangiebung bes Stapitals zu den Steuerleistungen. Obschon 15 Redner eingeschrieben waren, wurde nach dem pierten die Generaldebatte geschlossen. Am Nachmittag sprach zuerst Atg. Bincent Auriol( S03). Er beantragte, den Artikel 3 aus. zumerzen und dadurch auf die 20prozentige Steuererhöhung zu verzichten. Zweijährige Dienstpflicht in Polen. Warschau, 13. Februar.( DE.) Nach dem vom polnischen Sefm biefer Tage in dritter Lesung angenommenen Wehrpflichtgesetz bauert bie Dienstzeit im polnischen heer zwei Jahre. Polen hat damit die längste Wehrpflicht in Europa eingeführt, denn Frankreich und Sowjetrußland begnügen sich mit 18 Monaten. Die Parteien der Linten kämpften jedoch vergeblich mit der zweijährigen Dienstzeit das ganze Gesetz stehe und falle. um eine Berkürzung. Der Kriegsminister Sosnowski erklärte, daß Bei der Ausdehnung der polnischen Grenzen bedürfe Bolen einer bestehenden Armee von mindestens 290000 Mann. Von sozialistischer Seite war einjährige Dienstzeit beantragt worden Für diesen Antrag stimmten auch die' nationalen Minderheiten, mit Ausnahme der Utrainer, welche das Gefeß en bloc ablehnten. Doch wurde es in der wenig geänderten Regierungsfaffung an. Ueber den Abbau der Lehrerschaft teilte die Reichsregierung mit, daß diese Frage zurzeit noch mit den Landesregierungen sprochen wird und sich die Materie noch nicht übersehen lasse. Die angekündigten Kommunistendemonstrationen haben nicht stattgefunden. Kleinere Versuche in Hamburg und Königs. berg wurden im Reim erstickt. genommen. Gewerkschaftsbewegung Zwei Jahre Tarifkampf. 20 bis 22. Mai in einer Stabi in Mitteldeutschland abgehalten werden. Zur Finanzierung des Verbandstages wird von den Mit gliedern der Beitragsklassen 1 bis 4 eine Delegiertensteuer von 50 Pf. und von den Mitgliedern der Klasse 5 und darüber eine Delegiertensteuer von 1 M. erhoben. Zur Einberufung einer internationalen Ronferenz foll das Ergebnis einer Besprechung mit den Beauftragten der ausländischen Bruderorganisationen in Wien im Juni abgewartet werden. Tariffeindschaft der Norddeutschen Gruppe". Fast zwei Jahre geht der Kampf der Angestellten beut. fcher Seeschiffswerften gegen die Norddeutsche Gruppe des Gesamtverbandes deutscher Metallindustriel. Ter um den am 31. März 1922 abgelaufenen Reichstarif. Nachdem der Hamburger Schlichtungsausschuß sowohl den Rahmentarif wie auch die Gehaltsfäße festgelegt und der Reichsarbeitsminister fie für allgemein verbindlich erflärt hat, die Arbeitgeber aber den Tarifvertrag abgelehnt haben, mußten die Angestellten organisationen Einzeltlagen in großer Zahl gegen die Werften anftrengen. Da alle Klagen zugunsten der Angestellten entschieden wurden, zahlten die Arbeitgeber die Gehälter der Schieds. fprüche freiwillig und gingen teilweise darüber hinaus, um sich eine gefügige Angestelltenschaft zu erziehen. Zugleich aber leiteten die Arbeitgeber beim Landgericht Hamburg eine eft ftellungsversicherung, der neuen Schlichtungsordnung, der Arbeitsnachweis flage gegen die Angestelltenverbände darüber ein, ob der Reichsarbeitsminister berechtigt ist, Schiedssprüche der Schlich Die Klage vor dem Hamburger Landgericht fiel zu gur sten der Angestellten aus, weshalb die Arbeitgeber beim Oberlandesgericht Berufung einlegten. Die Angestelltenorganisationen, die sich auf das Ablommen der Zentralarbeitsgemeinschaft vom 15. November 1918 berufen hatten, forderten von lekterer eine Interpretation der Ziffer 6 des Abkommens, weil die Arbeitgeber behaupteten, dieses Abkommen gelte nur für die Arbeiter, nicht für Angestellte. Die Zentralarbeitsgemeinschaft ließ sich fast ein Jahr lang Zeit, doch ihre Interpretation erfolgte im Sinne der Angestelltenorganis fationen. Tropčem behielten die Arbeitgeber ihren Stand puntt bei und lehnten jede Berhandlung ab. In ihrer Berufungsflage erlangten die Arbeitgeber ein Urteil zuungunsten der Angestellten. Die Organi fationen befäßen teine Attiplegitimation der Werfte angestellten zum Abschluß von Tarifverträgen. Nach Fällung dieses Urteils ließen die Arbeitgeber in ihren Betrieben darüber abstimmen", welche Angestellten am Tarifvertrage festhalten. Die Abstimmung wurde in der Weise vorgenommen, daß man den Angestellten einen Revers vorlegte, in dem sie durch Unterschrift erffären sollten, daß sie in Zukunft irgendwelche Ansprüche an gefällten Schiedssprüchen nicht erheben wollten und der 3wangstarif für sie nicht mehr in Frage täme. Wo die Unterschrift nerweigert wurde, wurte fie durch Drohung der Borgefepten mit Entlassung erzwungen. tung getroffenen und am 1. Januar d. 3. in Kraft getretenen NeuIn der Beitragsfrage murde der von der Hauptverwalregelung zugestimmt. Der Grundbeitrag richtet sich nach der Höhe des wöchentlichen Verdienstes. In den 14 Beitragsflaffen schwanken die Grundbeiträge zwischen 10 Bf. und 1,20 m. wöchentlich. Die Säge für Unterfügungseinrichtungen des Berbandes wurden wesentlich erhöht. In der Bezirtsleiterfrage wurde beschlossen, einige Bezirke in denen sich die Anstellung eines Bezirksleiters als dringend notwendig erwiesen hat, sobald als mög lich zu besetzen. Eingehend beschäftigte fich der Beirat mit der Erwerbslosen frage und der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923. 3ur Frage der Erwerbslosenversicherung faßt der Beirat einstimmig folgende Entschließung: Hauptverwaltung, Beirat und Verbandsfunktionäre erheben entschieden Protest gegen die Verordnungen des Reichsarbeitsministers, die den Erwerbslosen eine dreitägige Arbeitspflicht als Gegenleistung für die Erwerbslofenunterstügung auferlegen. Nachdem die Arbeitnehmer zur Beitragszahlung für die Arbeitslofenunterftüßung verpflichtet sind, haben sie im Falle der Arbeitslosigkeit ohne weitere Gegenleistung An= recht auf bie Unterstügung auch dann, wenn in Zeiten wirtschaftlicher Krisen die Mittel für die Erwerbslosenunterstützung durch die Beiträge nicht voll aufgebracht werden. Für eine Wochen unterstützung von durchschnittlich 4 M., das find 16% Pf. pro Stunde, ist eine dreitägige Arbeitspflicht in feinem Falle zu rechtfertigen und muß den Anschein erwecken, daß die Notlage der Erwerbslosen noch besonders ausgenuht werden foll. B Nach den bisher gemachten Erfahrungen wird vielfach bei Zus teilung der Pflichtarbeit teine Rücksicht genommen auf die törperliche und sonstige Eignung der Erwerbs lofen für die in Frage tommende Arbeit, so daß schließlich für die einzelnen erhebliche Schäden entstehen, ohne daß ein wirtschafts licher Nußen für die Allgemeinheit erzielt wird. Die Ronferenz betrachtet es als Hauptaufgabe der Reichs-, Landes- und Gemeindebehörden, für die Arbeitslofen Arbeit zu befchaffen, die in entsprechender Weise entlohnt wird, um dadurch die Zahl der Unterstützungsempfänger zu verringern. Außerdem muß verlangt werden, daß das Arbeitslofenver. sicherungsgefeg. Das im Entwurf schon seit langer Zeit vorfür die Arbeitnehmer fiar gekennzeichnet werden." Un ihre angezweifelte Aftinlegitimation zu erbringen, nahmen die Organisationen der Angestellten eine geheime Urliegt, endlich zur Verabschiedung gelangt, damit Pflichten und Rechte abstimmung auf sämtlichen Werften vor, die wie schon im Jahre 1922 eine überwältigende Mehrheit für den Reichstarif ergab. Rund 6000 Angestellte stimmten für den Tarif. Dertrag und nur etwa 300 dagegen. Sofort beim Inkrafttreten der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 fündigte die Norddeutsche Gruppe Den§ 1 des Tarifvertrages über die Arbeitszeit unter ausbrücklicher Wahrung ihres bisherigen Standpunktes gegen den Tarifvertrag, jedoch unter Berufung auf die bisherige Stellungnahme des Reichsarbeitsministers. Troß der Kündigung der tariflichen Arbeitszeit lehnten die Arbeitgeber nach wie vor jede Verhandlung über die Arbeitszeit ab. Das Reichsarbeitsministerium mußte erneut angerufen werden und beauftragte den hamburger Schlichter mit der Durchführung des Streitverfahrens. In dem Termin wurden die Gehaltssätze für Dezember auch für die Monate Januar und Fe bruar festgelegt und als Arbeitszeit tie gefeßliche Arbeits. zeit. Da die Arbeitgeber mit der Sündigung der Arbeitszeit bie Regelung der Ueberstundenbezahlung nicht gefün. bigt hatten, gilt somit für die erftangestellten anstatt der bisherigen 45stündigen tie 48 stündige wöchentlice Arbeitszeit. Alle darüber hinaus verlangten und geleisteten Arbeitsstunden müssen nach dem Ueberstundenparagraphen bezahlt merden. Gegen das ablehnende Urteil des Oberlandesgerichts haben tie Angestellten beim Reichsgericht Berufung eingelegt. Es ist nunmehr der höchsten Instanz vorbehalten, ein entscheidendes Urteil in dieser für alle Angestellten wichtigen Angelegenheit zu fällen. Hoffen wir, daß der lange Kampf der Werftangestellten und thr treues Festhalten am Tarifvertrag mit einem gerechten Urteil des Reichsgerichts beendet wird. Tagung der Gastwirtsgehilfen. Die Beiratssitzung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant und Cafe Angestellten am 5. und 6. Februar in Berlin beschloß, bie Gastwirtsgehilfen 3eitung" ab Nr. 4 wieder vier. feitig im alten großen Format und vorläufig noch alle 14 Tage herauszugeben. Der Berbandstag foll in der Zeit vom ohne Kabeljau kopf 18 PL ganze Fische, Pfund Seelachs ohne Kopf ganze Fische, Pfund 18PL Grüne Heringe 5 Pfund 95PL feine schwedische Obst Rote Eßäpfel... Pfand 18PL Graue Reinetten Ptd. 28PL Zitronen..... Dusend 28Pf. Smyrna Feigen Pfund 48PL Apfelsinen.... Dupend 58Pf. Blumenkohl Kopf 25Pt. 30Pf. Maronen.... Pfund 35PL Kolonialwaren Weiße Bohnen Pfund 26. Viktoria- Erbsen Pfund 26PL Bandnudeln ... Pfund 28Pf. Makkaroni Tafelreis Zur Arbeitsnachweisfrage wurde eine Resolution ebenfalls einstimmig angenommen, die in der Hauptsache besagt: " Die Konferenz fann sich mit der ablehnenden Antwort des Herrn Präsidenten der Reichsarbeitsverwaltung nicht einverstanden erklären und erwartet, daß der Verwaltungsrat des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung dem Antrage( beim Reichsamte eine Fachabteilung für die Auslandsvermittlung der Hotel-, Restau rant und Caféangestellten zu errichten) die Rustimmung nicht versagt." Diefes Verlangen wird in der Resolution näher begründet. Die Ronferenz mondte fich mit aller Entschiedenheit dagegen, dak die Auslandsstellenvermittlung für das Gastwirtsgewerbe ungeregelt wie in der Borfriegszeit betrieben oder privaten Arbeitsnachweisen überfaffen wird. In Bezug auf die Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 schließt sich der Beirat dem Protest des ADGB. an und erwartet, daß die Frage der Arbeitszeit auf dem schnellsten Wege durch den Reichstag endgültig gefeßlich geregelt wird. Beilegung des Rouflifts in der Lederwarenindustrie. Gine Branchenvollpersammlung der in der Lederwarenindustrie Be schäftigten nahm gestern zu der Aussperrung und den Berhandlungen mächtigten Blume ist folgendes zu entnehmen: vor dem Schlichtungsausschuß Stellung. Dem Bericht des BevollDie Arbeitgeber lehnten in mochenlangen Berhandlungen, bie oft unterbrochen wurden, jede Lohnerhöhung über einen Stundenlohn von 55 Bf. ab, den vorher schon ein Schiedsspruch gebracht hatte, der aber nicht verbindlich ertiärt worden war. Man erklärte, daß infolge der gesunkenen Lebenshaltungskosten die Arbeiterschaft einen Entbehrungsfaktor von 33% Prozent auf sich nehmen müßte. Der Arbeiterschaft in den Betrieben bemächtigte sich eine steigende Unruhe, die bei der Firma Wandsburger zur passiven Resistenz führte. Die hartnädigkeit der Unternehmer ließ eine Beilegung dieses Ronfliftes nicht zu; fie schritten vielmehr, wie wir bereits gemeldet haben, am Dienstag zur Ausfperrung. Die Arbeitgeber hatten schon seit Wochen die Absicht, eine Lohnfürzung vorzunehmen, denn beim Schlichtungsausschuß lag feit langem ein schriftlicher Antrag vor, den Zohn von 50 auf 40 Bf. herabzufehen. Der Fall Mandsa burger tonnte also feinen Anlaß zur Aussperrung bieten; er hätte durch die tariflich vorgesehenen Instanzen erledigt werden können. Gestern fand nun ein Termin beim Schlichtungsausschuß statt, der über die Lohnforderungen der Arbeiter entscheiden sollte. Lange Berhandlungen brachten schließlich einen Vermittlungsvorschlag, der 55 Pf. Stundenlohn vorsieht, Maßregelungen nicht zuläßt und Auss sperrungen und Ausstand für aufgehoben erklärt. In der Diskussion sprachen sich sämtliche Redner für Ableh nung des Vergleiches aus. Nach einem Schlußwort von Blume, in dem er noch einmal die vorgebrachten Gründe gegen die Annahme zerpflückte, erfolgte die Abstimmung und ergab die Annahme des Bergleichsvorschlages gegen eine größere Minderheit. Wie die Kommunisten siegen. Bochum, 12. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Ortse verwaltungen im Metellarbeiterverband in Witten erlitten die Kommunisten eine vernichtende Niederlage. Von 175 abs gegebenen Stimmen entfielen auf ihre Lifte nur ganze 12. Die bise herige Ortsverwaltung wurde wiedergewählt. In Bochum gelang es ihnen, durch unfaubere Machinationen die Mehrheit an fich zu reißen. Mehreren hundert jungen Bergarbeitern wurden aus der kommunistischen Parteikasse die restierenden Mitgliedsbeiträge gezahlt, um sie ftimmberechtigt zu machen. Außerdem haben die Kommunisten Fälschungen mit Verbandsstempeln verübt, so daß der Hauptvorstand die Wahl wahrscheinlich nicht bestätigen wird. Bei der Neuwahl der Bochumer Gewerkschaftstommission wurde der bise herine Geschäftsausschuß mit 62 gegen 23 Stimmen der kommu nistischen Opposition wiedergewählt Die Kommunisten hatten bei der vorjährigen Wahl den Reformisten" eine Galgenfrift von einem Jahr gewährt. Bei der Neuwahl des Bezirksvorstandes des Baugewerbundes Bochum wurde der bisherige Vorstand ebenfalls mit großer Mehrheit gegen die kommunistische Liste wieder. gewählt. Die ruffischen Gewerkschaften und die Amsterdamer Internationale. Auf den Vorschlag der Amsterdamer Internationale an das Präsidium des Alrufflichen Gewerkschaftsrates, in Verhand lungen über die Bildung einer Einheitsfront einzutreten, ist jetzt endlich, wie der„ Ost- Expreß" aus Mokau meldet, die Antwort in bejabendem Sinne eingelaufen. Das Präfidium des Allrussischen Gewerkschaftsrates hat sich bereit erklärt, die Unterkand. lungen mit einem Vertreter der Amsterdamer Internationale zu beginnen und dieser die Bestimmung des Verhandlungsortes und des Zeitpunktes überlassen. Die Gesamtarbeiterschaft der Firma Hoffmanns Stärtefabrif* ( Hoffmanns Reisstärfe) in Salzuflen( Lippe) ist in den Streik getreten, weil die Firma nur einen Spigenlohn von 26, Pf. pro Stunde bezablt, obwohl Salzuflen zu den teuersten Städten Deutschlands zählt. Außerdem verlangt die Firma, daß die verlängerte Arbeitszeit auch über die geießlich zulässige Frift von 30 Tagen verrichtet wird. Die Bemühungen, Arbeitslofe als Streitbrecher anzuwerben, find an der Haltung der Erwerbslosen gescheitert. Nunmehr versucht die Geschäftsleitung außerhalb Lippes ihr Heil. Es verlautet, daß zurzeit versucht wird, in Chemniz 600 Arbeiter für die Hoffmann- Werke anzuwerben. Tieue Kurse der Betriebsräteschule. Morgen, Freitag, beginnen folgende Rurfe: Rentrum: Sophien- Enzeum, Weinmeisterstr. 1617. Die deutsche Arbeiter bewegung im Lichte der Kultur- und Wirtschaftsentwicklung."( 6 Uhr.) Ein führung in die Wirtschaftsverfassung und Wirtschaftspolitik befonders außer deutscher Länder."( 8 Uhr.) Südosten: Leibniz- Gnmnasium, Mariannenplag. Die moderne Arbeits gefehgebung."( 6 Uhr.) Zimmer 17. Geld-, Bank- und Börsenwesen."( 8 Uhr.) Often: Textilfachschule, Barschauer Plag 6-8. Grundlagen der Arbeiter bewegung."( 6 Uhr, Simmer 115.) Die moderne Arbeitsgefeßgebung."( 7.30 Uhr, Rimmer 115.) Sörerkarten( zum Breije von 2 M., Kurzarbeiter 1 9., Arbeitslose unte entgeltlich) werben Engelufet 24/25, 2. Sof, 1 Sr., ausgegeben. Auch fönnen Rurfe direkt aufgefucht und der Beitrag dort an den Vertrauensmann gezahlt merben. Freigewerkschaftliche Betriebsräteschule. Deutscher Werkmeister- Berband. Fattore, Werkmeister, technische Anges Morgen, Freitag, ftellte der Budbrudereien, Steindruckereien usw. Warum be nachm. 5 Uhr, öffentliche Berfammlung im Klubhaus, Ohmftr. 2. dürfen wir einer starken Einheitsorganisation?" Gattler, Tapezierer und Bartefeniller- Berband. Seute abend 7 Uhr in Gewerkschaftshaus, Gaal 4, Fortsegung der außerordentlichen Generalverfamm lung. Eintritt nur geger Legitimation. Berantwortlich für Politit: Craft Reuter: Birtſchaft: 3. B.; Craft Nexter; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 8. Hierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage Weiße Zähne Seimwelt". erzielen Sie meist schon nach kurzem Gebrauch d. herrlich erfrischenden ZahnpasteChlorodont. Vorzügl. Vorbeugungsmittel bel Bazillen- Infektion durch die Mundhöhle( Influenza, Grippe usw.). Überall zu haben. A.Wertheim Donnerstag und Freitag Lebensmittel Bücklinge Makrelen, Pfund Soweit Vorrat Kümmelkäse 58 PL schlesischer, Pfund Tilsiter Käse.. Pfund 65PL Holländer Käse.. Pfund 1 M Konserven Oxford Sausage würstchen 195 Spinat.. ./1 Dose 95Pt. Weißkohl.... Dose 70PL in Kalbafett... 2 Pfund- Dose 28 PL Kramisvögel 20. Rindertale 48P Wirsingkohl.. Dose 75PL ....... Pfund Stick Margarine 1 Pfund- Paket 48PL Taf.- Margariner 60PL Taf.- Margarine Prd.Pak 60PL. Kiste ca. 5 Pid. Inhalt 125 Wildenten Holländische, Stück 250 Sprotten.. Pfund 48P Hirschblätter.... Pfund 1M Pfund 1M Fleisch Kalbskamm.. Frisches Kalbskamm..... Pfund 70 pt. Kalbsbrust....... Pfund 70 Pt. .... Pfund 38P. Kalbsnierenbraten 75P Pfund 22Pi. Graupen. Pfund 20P. Kalbskeule ganz u. geteilt Pfund 85 Pl. m. Pflaumen..... Dose 78PL 1Pfd. Erdbeermarmelade alds 85PL Ölsardinen/ Dose Bach 95PL Wurstwaren Hausmachersülze Pid. 44PL Landleberwurst Pfund 94PL Art) Fleischwurst( Thüringer And 110 Jagdwurst....... Pfund 120 Westf. Plockwurst hat 144 Pomm. Teewurst Pfund 160 Westfäl. Speck 130 Schweine- Schinken pid. 90pf. Schweinerücken Big. 90P. Schweine- it Bellage Pfd. 88pf. Gehacktes Fleisch Pfund 70 pt. 55 PT. Rindfleisch ( gefr.) Polierte Erbsen 32 FL Fettes Ochsenfleisch Kamm und Brust fund P Pfund Corned- Beef Amerik. 66 P. Amerik. Milch Pjund Sämtliche Preise sind für 1/ Flasche einschließlich Sieuer ohne Flasche Wein weißer Frankenwein. 1922 Thüngersheim.Wagenwand .110 1922 Neckarsulmer Rotwein..150 1922 Oberingelh.Portugies. 2M Rotwein. Libby Dose 56 Pt. 1922 San Anton Montagne 210 1922 Delimonia Naturr. span. Rotwein 240 Naturreiner spanischer Rotwein. fett und mager, Pfund ohne Knochen Pid. 2 Plund- Dose 110 Feiner roter Tarragona Slidwein 240 Lacrimae Christi sudwein.... 320 Nr. 75 41. Jahrgang Beilage des Vorwärts Der Wohnhaus- Portier. Portierentlohnung und Häuserverwahrlosung. Die Klagen, daß in Berlin die Wohnhäuser verwahrlosen, find im Zunehmen. Gerügt wird nicht nur die Unterlassung der Reparaturen, sondern auch der Mangel an Sauberteit. Die bauliche Bernachlässigung möchte der Hauswirt daraus erklären, daß liche Bernachlässigung möchte der Hauswirt daraus erklären, daß feine Miettafcrne ihm nicht genug einbringt. Den Mangel an Sauberkeit setzt er dem Portier aufs Konto, der ihm nicht genug a beitet. Ja, der Portier- der ist ein Schmerzenskind für den Wirt und oft auch für die Mieter. Aber man glaube nur nicht, daß nicht auch er mit dem Wirt und den Mietern seine Schmerzen hat. Das Lagewerf eines Berliner Portiers ist nicht ganz so leicht und argenehm, wie es dem Unfuntigen scheinen mag. Und wie steht's um die Entlohnung, über deren„ Höhe" der Wirt und mancher Micter schreit? Geit langem kämpfen die Portiers vergebens um eine durchgreifende Besserung ihrer Löhne. " Kein Ausruheposten. Wie ungünstig die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Bortiers sind, das ist in der Bevölkerung noch nicht hinreichend bekannt. Die Hauswirte wen es, wenn sie auch meist so tun, als ob sie es nicht wüßten. Doch die treite Masse der Mieter geht an diesen Dingen noch ziemlich achtlos vorüber. Vielleich wirkt dabei ein bißchen der Litel" mit, der bei nanchem die Vorstellung eines nicht allzu bürde. vollen Am: tes weden fönnte. Gewiß, das Wort Portier" läßt sich zwar mit Pförtner übersetzen. Aber in den Berliner Wohnhäusern find die Lbliegenheiten eines Bortiers sehr viel größer als die eines stiufigenden Türhüters und nichtstuenden Aufpajfers. Man fann drei Arten von Wohnhausportiers unterscheiden. In manchen Häusern ist die Portierarbeit so reichlich, daß sie eine vollbeschäftigte Arbeitskraft erfordert. Da gibt es dann den Porfier im Hauptberuf, den mit Fachkenntnissen ausgerüsteten Angestellten, dem die Zentralheizung und die Warmwasserversorgung übertragen find. Vielleicht ist in dem Haus, dem es an Komfort nicht fehlt, auch ein Fahrstuhl zu bedienen. Die Reinigung und Pflege des Hauses sowie die Ueberwachung des verschlossen gehaltenen Einganges werden meist von der Frau des Portiers besorgt. Ein unverheirateter Bortier ist in solchem Hause faum denkbar. Mann und Frau sind von früh bis spät in Anspruch genommen und an das Haus gebunden. Eine Beschäftigung neban der Portierarbeit ist da schwer möglich. Den Portier im Nebenberuf sollte man nur in Häusern finden, die wenig Arbeit erfordern. Er fommt aber auch in Häusern vor, die Zentralheizung und Warmwasserversorgung haben. Wird dem Porter die Arbeit nicht ausreichend bezahlt, so muß er sich nach einer Nebenbeschäftigung" umtun. Diese wird dann für ihn meist zur Hauptbeschäftigung, und die Hausbesorgung fann ihm nur noch nebenberuf sein. Möglich ist das nur, wenn die Frau die ganze Arbeitslast der Hausbesorgung trägt. Sie muß dann nicht nur die Reinigung des Hauses, sondern auch die Bedienung der Kesselanlagen übernehmen und soll vielleicht auch noch den geschlosser.en Hauseingang überwachen. Das Los folder Bortierfrauen, die hin und her gehegt werden und taneben auch die eigene Wirtschaft besorgen müssen, ist befiagensweri. Aber wenn der Mann zu Hause bliebe und Portier im Hauptberuf ein wollte, müßten bei elender Entlohnung beide verhungern. Die Die häufigste Erscheinung ist in Berlin der Bortier, der feine Stellung mirtich nur als Nebenberuf ansehen kann, weil sie im wesentlichen Hausreinigungsarbeit erfordert. Das Haus ist gewöhnlich nicht verschlossen, Zentralheizung und Wasserversorgung gibt's nicht, der Komfort" ist auf das Allernotwendigste beschränkt. Bo ein Ehepaar eine solche Portierstelle übernimmt, besorgt fast immer die Frau die gesamte Hausreinigungsarbeit, während der Mann außer halb des Hauses dem Erwerb nachgeht. Oft werden aber solche Stellen von Witwen übernommen, auch von Unfall. rentnern oder Kriegsbeschädigten, die ihr farges Einkommen ein wenig aufbessern wollen. Gewöhnlich ist auch hier die Arbeitslaft nicht gering, vor allem in Häusern mit vielen Aufgängen und mehr als einem Hof. Hat das Haus eine beträchtliche Front und einen breiten Bürgersteig, so tommt im Winter die Laft der Schneeabräumung hinzu. Doch die Not zwingt selbst schwächliche Personen, folche Stellungen zu übernehmen. 25] -PROP ( Nachdrud durch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. „ So tommt es, daß euch, wenn ihr an einem Werktag, während der Arbeitszeitum elf Uhr früh, um vier Uhr nach mittags durch die Geschäftsstraßen einer Großstadt geht, die vor Arbeit brüllt und dampft, Tausende und Tausende und Tausende hübsch und elegant gekleideter, gepflegter Mädchen, Frauen und junger Männer begegnen. Das sind die Töchter höhere Töchter, die Gattinnen, die Söhnchen. Sie arbeiten nicht; aber sie effen dennoch, und nicht Rutteln mit Sauce. Kaufen ein, geben viel Geld aus, damit die Arbeiter ihr Brot verdienen tönnen, versteht ihr, wohnen bequem und hygienisch, hören Konzerte, tönnen ausgezeichnet tanzen und zur Not Gesezesparagraphen auswendig lernen, die gegen Arbeiter anzuwenden den fünftigen Staatsanwälten und Richtern dann nicht schwer fällt. Sie sind die Angehörigen ihrer Aftien besigenden Gatten und Bäter, leben von dem Mehrwert, der den Werftätigen abgepreßt wird, und haben, im allerbesten Falle, ein mitleidiges, staunendes Lächeln für demonstrierende Arbeiter, von deren Schweiß und Not und Tod sie leben." Aber nicht den schwächsten Refler des Bewußtseins, daß fie von dem Schweiße dieser Arbeiter leben, dachte Jürgen. Das weiß ich bestimmt. Sind weltenweit entfernt von diesem Bewußtsein. Und die Kirche liefert die entsprechende Religion: Du follst nicht. Du sollft, sollst nicht, follit! Kürzer: Das Eigen tum ist heilig. " Im Diesseits," sagte heiter lächelnd ein neben Jürgen stehender Arbeiter. Im Jenseits gibt's nämlich keine Rittergüter, Bergwerfe, Webereien und Möbelfabriken." Wer da war in diesem Saale, plötzlich fühlte Jürgen sich mit jedem einzelnen und mit allen zugleich wie durch ein unbegreifliches Wunder verbunden. Der Haß dieser fünftausend war sein Haß, ihre Hoffnung, ihr Ziel waren seine Hoffnung, fein Ziel. Und da geschah es, daß seine lebenslange Unsicher heit und Hilflosigkeit der Umwelt gegenüber urplöglich verschwanden und das fraftspendende Gemeinschaftsempfinden fo mächtig in ihm entstand, daß er an sich halten mußte, nicht loszubrüllen vor innerem Jubel. Da wurde ich vierundzwanzig Jahre alt und ahnte nicht, | Entlohnung nach Willkür. Die Not treibt den Houswirten die Portiers zu, aber die Hausmirte zahlen felten einen Cohn, mit dem die Not zu bannen ist. Wird hieran durch das Reichsmietengesetz und durch die Ausführungsbestimmungen des Magistrats etwas geändert? Die Löhne für die Hausreinigung sollen in den Verwaltungskosten aufgehen, doch sagt über die Höhe der Löhne das Gesetz samt Ausführungsbestimmungen nichts. Der Deutsche Portierverband hat sich bemüht, eine tarifvertragliche Bereinbarung mit den Hausbesitzern zustande zu bringen. Die Organisation der Arbeitgeber, der und Berliner Haus- und Grundbefizervereine, hat sich bisher ablehnend verhalten. Wiederholt hat der Schüich tungsausschuß durch Schiedsspruch entschieden, daß von den Berwai tungstuften in einfachen Häusern 26 Proz. und in Häusern mit Komfort 40 Broz. als Lohn gezahlt werden sollen. Es blieb aber dabei, daß die Entlohnung des Wohnhausportiers von der Willkür des Hauswirtes oder feines Verwalters abhing. Daß diesen Dingen ein Ende gemacht wirt, liegt im Interesse nicht nur der Portiers, sondern auch der Mieter. Von einem Portier, der schlecht bezahlt wird, fann man nicht gute Arbeit verlangen. In vielen Wohnhäusern haben die Bortiers ihre Leistungen eingeschränkt, entsprechend der geringen Entlohnung, so daß es zu der Bernach lässigung und Berwahrlosung lam, über die so bitter geflagt wird. Bale genug merkten die Mieter, wie sehr auch sie ein Interesse daren haben, daß der Bortier nicht mit einem Hungerlohn abge'peist wird. Die Hauswirte stüßen sich auf ihr Recht", verlangen von den Portiers die Erfüllung ihrer Pflicht" und schreiten bei andauernder Weigerung zur Kündigung. Sie verlangen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses die fofortige Räumung der Wohnung, unbefümmert darum, ob die Familie schon eine andere Wohnung hat oder auf die Straße gefeßt wird, und gehen mit Ermissionstlagen vor, die nur zu oft Erfolg haben. Der Deutsche Portierverbond schäßt in Berlin die Zahl der Ermissionsflagen gegen Portiers auf monatlich mehrere hundert und die Zahl der von keinem Portier mehr versorgten Wohnhäuser auf etwa 10 000 von überhaupt 50 000 Wohnhäusern. " Für ehrliche Arbeit anständiger Lohn! Nachdem am 1. Februar eine neue Miterregelung erfolgt ist, hat der Deutsche Portierverband erneut den Versuch gemacht, mit dem Bund Berliner Haus- und Grundbesitzervereine zu verhandeln. Bisher ist es zu feinem Ergebnis gekommen, so daß über die Frage der Berecht gung einer farifvertraglichen Regelung ter Arbeits- und Lehrverhältnisse der Portiers die zuständigen Instanzen entscheiden sollen. Der Verband fordert grund. säglich, daß für ehrliche Arbeit ein anständiger Lohn gezahlt wird. Befeiligt werden soll auch der Brauch, dem Bortier Wohnung im Hause als Dienstwohnung zu geben und anzurechnen. Die Portiers wollen ausreichend bezahlt und im übrigen wie jeder andere Mieter des Hauses behandelt werden. Sie verlangen weiter für alle Nebenleist nen eine entsprechende Ver. gütung. Auch sollen die Hauswirte ein ordnungsmäßiges Reinigungsmaterial liefern. Werden diese Forderungen erfüllt, dann wird auch die Vernachlässigung der Wohnhäuser aufhören. Die Bortiers auch die Vernachlässizung der Wohnhäuser aufhören. Die Bertiers haben felber den Wunsch, daß die Häuser wieder ein anständiges Ausschen erhalten. Die Beseitigung der Portierverträge in ihrer bisheriger Form ist eine unabweisbare Notwendigkeit. Diese Verträge bringen den Portier gegenüber dem Wirt in ein unerträgliches Abhängigkeitsverhältnis und erinnern in mancher Hinsicht an die Gesindeordnung üblen Angedenkens. Die Berhand lungen über den Tarifvertrag nähern sich der Entscheidung. Es ist höchste Zeit, daß er zustande fommt. Jugendweihe Pantow. Der Vorbereitunasunterricht beginnt Donnerstag, den 14. d. M., nachmittags 4 Uhr in der Knabenmittelschule. was Selbstbewußtsein ist. Fühlte es nicht! Fühlte es nicht, wegen meiner unfruchtbaren Einsamkeit, angesichts dieses verruchten Geschehens, demgegenüber der einzelne sich nimmermehr zurechtfinden kann oder, findet er sich zurecht, verloren ist. So oder so! Denn das zurechtfinden innerhalb dieses Ganzen bedeutet, wie immer es geschieht, menschlich den Untergang.... Jezt geht der Kampf an. Kampf bis zum Tode!" " Der Klassenkampf! Neueste Nummer! Der Klassen: fampf! Die Befreiung! Neueste Nummer: Der Klassenkampf!" Das Herz schlug nicht mehr. In den Fingerspigen fühlte er den letzten Schlag, aansturmend, als wolle das Blut heraus springen. So starrte er das verschwigte, kompakte Antlik an, den gebogenen Nacken, den fleinen, festen Mund, der rief: Die Befreiung! Der Klassenkampf!" Da war Katharina schon wieder verschwunden im überfüllten Zwischengang. Er sah nur noch den über ihrem Kopfe schwebenden„ Klassenkampf". Und noch in diesem selben Augenblick zog ein endlos langer Zug arbeitsunfähig gemordener alter Männer und Frauen grau und düster durch Jürgens Sehnsucht, gleichberechtigt neben Katharina zu stehen. Sekunden später war das Arbeiterversorgungsheim gegründet. Alles funktionierte tadellos. Alle Zeitungen schrieben darüber. Jürgen empfängt eine Deputation des Berliner Magistrats. Die Herren tragen die Zylinder in der Hand. Bier Herren. Der schmalste, feinfte hat einen Scheitel, von Nacken, und führt das Wort. der Stirn bis zuen fei bereit, auch in Berlin so ein Berfor Jürgen gungsheim zu organisieren. Warum nicht! Natürlich müsse er erst die besonderen Berhältnisse an Ort und Stelle studieren. Die Konstellation gewissermaßen, Sie verstehen! Außerdem haben andere Stadtverwaltungen sich schon früher bei mir gemeldet, müssen Sie wissen. Und wer zuerst tommt nicht wahr... " Bier Berbeugungen, die vor Befangenheit und Freude darüber, daß Jürgen den Herren die Ehre zuteil werden läßt, einen Wih zu machen, schief ausfallen. Sogar die Münder lächeln schief. Und der schmale, feine Wortführer sagt:„ Natür lich, hahaha! gewiß, der mahlt zuerit!" Und jetzt, meine Herren..." Die vier ziehen sich sofort zurück. Auch die Tante, die respektvoll dabeigeftanden war, verläßt leise das Zimmer, den mit Arbeit leberlasteten nicht länger zu stören. Katharina, am Schreibtisch lehnend, sieht Jürgen bewundernd an. Tausendfaches Händeklatschen. Alle schoben sich der Aus gangstür zu. Jürgen erreichte, halb getragen, die Straße, # | Donnerstag, 14. Februar 1924 Kommunisten- Demonstrationen. Aläglicher Verlauf der großen" Aktion. Die tommunistischen Kundgebungen, die gestern für das ganze Reich geplant waren, sind in Berlin überaus schwächlich) verlaufen. In einzelnen Stadtteilen ist es lediglich zu kleineren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, und in allen Fällen hatten die Kommunisten die Erwerbslosen als Borspann zur Ausführung ihrer Pläne benutt. Im einzelnen läßt sich folgendes Bild entwerfen: fonen die Ottostraße in Moabit entlang, der aber bald von den Um 2½ Uhr nachmittags bewegte sich ein Zug von etwa 150 Per. Schutzpolizisten aufgelöst wurde, wobei zwei Personen festgenommen wurden. Um 3½ Uhr nachmittags wurde in Neukölln eine Zufammenrottung von etwa 150 Erwerbslosen aufgelöst und eine Person zwangsgestellt. Im Neuköllner Rathause fam es zwischen ca. 100 Erwerbslosen und der Polizei zu einigen Zusammenstößen, wobei sieben Personen sistiert murden. Ein Polizeiwachtmeister trug erhebliche Verlegungen am Kopf davon. Ein Angreifer wurde festgenommen. In Reinidendorf wurde ein Zug von 250 Personen aufgelöst und zwei von den Demonstranten festgenommen. Um 5% Uhr nachmittags wurden etwa 70 Erwerbslose in der Kaiserallee versprengt. Ein Beamter, der dabei schwer bedrängt wurde, feuerte zwei Schüsse ab, die aber niemand verletzten. Um 2% Uhr nachmittags sammelten sich an der Ecke der Hutten- und Berlichingenstraße etwa tausend Arbeitslose. Auch hier gelang es den Polizeibeamten der angrenzenden Reviere, die Demonſtranten zu zerstreuen, wobei zwei Personen sistiert wurden. Ganz Oesterreich für die deutschen Kinder. Empfang des Berliner Jugendamts in Wien. Die mit dem Kinderhilfszug aus Berlin eingetroffenen Mitglieder des Berliner Jugendamts mit dem Minister Hirtfiefer an der Spike wurden gestern vormittag im Niederösterreichischen Landhaus im historischen Sigungssaai der Lar desregierung Don den Vertretern der Bundesregierung und des Landes Niederösterreich feierlich empfangen. Hierzu hatten sich auch der Bundes: präsident Hainisch, Bundeskanzler Seipel, der Minister Pfeiffer mit den Mitgliedern der Gesandtschaft eingefunden. des Aeußern Grünberger und der deutsche Gesandte Dr. ergriff der Bundespräsident Hainisch das Wort und sagte: Sie Nach Begrüßung der Gäste durch den Landeshauptmann Buresch fönnen überzeugt sein, daß ganz Desterreich ohne Unterschied der Parteien mit vollster Anteilnahme das Schicksal der Kinder des deutschen Volkes folgt. Wenn wir nicht mehr tun fonnten, als wir getan haben, folgt. Wenn wir nicht mehr tun konnten, als wir getan haben, so bitte ich dies darauf zurückzuführen, daß unsere eigeren Mittel Wir sind noch in Refonnoch außerordentlich beschränkt sind. vale zenz begriffen, denn sonst hätte unsere Hilfe für Deutsch; and einen viel größeren Umfang gehabt. Ich schließe mich dem Landeshauptmann an, wenn er hofft, daß die Erinnerungen, die die Kir r mit nach Hause nehmen, dazu beitragen werden. unser Berhältms zu Deutschland noch inniger zu gestalten. Minister Hirtjiefer prach hierauf im Namen der preußischen Regierung und des Reichsfanglers den herz ichen Dank aus für die außerordentliche Hilfe und Güte, tie die Kinder in fo großem Umfange in Desterreich empfangen. Er hofft die Zeit zu erleben, in der Deutschland dem Brudervolk in Desterreich das erwidern fönne, was es für die deutschen Kinder in difer fchweren Reit Gutes grten habe. Der= Der deutsche Gesandte Dr. Pfeiffer ergriff hierauf das Wort zu einer Ansprache, in der er in bewegten Worten dis rührende aller Stände Wiens und hilfsbereitschaft Desterreichs rühmte. Was hier geschieht, fo fuhr er fort. ist Wir find aber auch von urgeheuer ethischem Werte. ja, nicht zwei Völker, wir sind ein Bolt, das in Reiche geteilt ist, deren Fusammenschluß sich in dieser Hilfs bereitschaft in Desterreich herrlich offer bort. Die Tat ace, bak auch Desterreich noch in Not steht, macht die Gaben doprelt. Eie fönnen überzeugt sein, daß fie in den Herzen unserer Kinder, in den Herzen des ganzen deutschen Volkes haften, und noch in späten schwitzend und begeistert. Stand vor der Wirklichkeit, die vier Schuhleute vor das" Paradies" gestellt hatte, stumm und blickend. Die Proletarierfinder tanzten noch immer Ringelreigen, herum um das dampfende Kanalloch. Senkrecht faufte Jürgen aus seiner Kirchturmhöhe herab auf das reale Pflaster, empfangen von Etel und Selbsthaß. weil er wieder geträumt und sich wieder hatte achten und bewundern lassen. Mit einem innerlichen, einem wilden Sprunge langte er wieder an bei sich selbst.„ Ich werd dir das abgewöhnen. Werde dir das abgewöhnen!" Die Masse spülte ihn weiter. Jürgen entfaltete den Klassenfampf". Arbeiter, die den Lesenden überholten, wandten sich um nach ihm. Einige legten, wenn er auffah, den Finger an die Müze. Offenbar ein zäher, langwieriger, trockener Kampf; aber das Ziel, das Zieles ist unerhört... Ob ich herausfinden werde, was schlecht ist an ihrem Artikel? dachte Jürgen und las Katharinas Artifel noch einmal von Anfang an. " Plötzlich vernahm er, stehend im Straßenlärm, deutlich das Summen einer großen Fliege, blidte erstaunt auf und bemerkte, daß er vor dem Playwirt" stand, einer Zuhälferund Verbrecherkneipe, vor der er, so oft er vorbeigegangen war, immer tiefes Grauen empfunden, und die zu betreten er nie gewagt hatte. Als er die Tür öffnete, hatte er zuerst die Empfindung, in einen riesigen Fabrifsoal geraten zu sein, so ungeheuer war der Lärm. Auch die Töne des alten Klaviers fonnten nur vereinzelt durchdringen. An den vor Alter bucklig gewordenen Wänden hing gar nichts. Vom Schanktisch bei der Tür liefen fünf lange Reihen zwischenraumlos nebeneinander stehender Tische nach rückwärts und verschwanden im Qualm. Kein einziger Stuhl. Zehn Bankreihen: dicht besetzt von Straßenmädchen, Zuhältern, verunglückten oder zu altgewordenen Artisten und Arbeitern, obdachlosen früheren Angehörigen der bürgerlichen Klasse ver schiedenster Berufe, durch den Konkurrenzkampf heraus- und, ohne Station zu machen bei der Arbeiterklasse, gleich hinuntergeschleudert ins Lumpenproletariat, und zum größten Teile Existenzen, die infolge langer Arbeitslosigkeit rettungslos in Berbrechen versunken und ertrunten waren. Ohne Gesprächsunterbrechung wurde für Jürgen mit selbstverständlicher Bereitwilligkeit Blog gemacht, noch enger zusammengerückt. Nur ein kurzer Blick, prüfend, ob Jürgen ein Spizel lei. ( Fortsetzung folgt.) Generationen wird man von der Liebe reden, dieſem ſchönſter Bewegungsgelder" find einwandfrei. Zeichen der Boltszusammengehörigkeit. Ich bante nochmals für alle Beweise der Freundschaft, Treue und Brüderlichkeit. Nach weiteren Dankesworten des Borstandes des Bundes der ReichsDeutschen, Harsong, wurden die Gäste durch die historisch interessanten Empfangs- und Repräsentationsräume des Landeshauses geführt. Der falsche Arzt und seine Erika. Eine Warnung für heiratsluftige Damen. Ein gefährlicher Heiratsschwindler, der schon viele Behörden be= fchäftigt hat, ist in Berlin wieder an der Arbeit. Es ist ein 42 Jahre alter, aus Bochholt im Kreise Borfen gebürtiger Kaufmann Joseph Wiedumild, der den Arzt spielt, und in Berlin und Mittelund Süddeutschland unter allen möglichen Namen auftrat. Im Juni vorigen Jahres in Halle festgenommen, wurde der Schwindler der Landesheilanstalt Herborn im Dillkreise überwiesen. Bon dort entrich er und nahm seine Spezialität wieder auf. Wieduwild verschafft sich durch Heiratsanzeigen Beziehungen zu Witmen und jungen Mädchen. Den Schriftwechsel erledigt er mit einer Erite Schreibmaschine, die er ständig mit sich führt. Jetzt pilegt er sich für einen aus dem besetzten Gebiet vertriebenen Arzt auszugeben. Durch vorgespiegelte medizinische Kenntnisse erwirbt er fich leicht das Vertrauen der heiratslustigen Damen, und diese strecken ihm gern ihr Geld vor, das er angeblich zur Gründung einer neuen Bragis und namentlich zum Anfauf der erforderlichen ärztlichen Instrumente braucht. Sobald er das Geld hat, verschwindet er und läßt feine Bräute fizen. So opferte ihm eine heiratsluftige Dame aus der Stalizer Straße, die über bares Geld nicht verfügte, für 4000 Goldmart Schmudjaden. Mit dieser Beute verschwand der falsche Arzt nach Breslau. Auch dort gelangen ihm einige Schminbeleien, und seit einigen Tagen ist er in Berlin wieder tätig". Der Gauner ist mittelgroß und fräftig, hat eine Glaze, große, etwas abstehende Ohren, eine start herunterhängende Unterlippe und trägt eine Hornbrille ober einen Kneifer. Die Teuerung im Ausland. " In Fortsetzung früherer Untersuchungen veröffentlicht das Statistische Amt der Stadt Berlin in Mr. 6 seiner WirtschaftsStatistisden Wochenberichte" die Kleinhandelspreise für eine Anzahl wichtiger Lebensmittel geren Ende der Jahre 1913 und 1923 in New Dort, 12 europäischen HauptStädten und im Bandesdurchschnitt von Großbritannien und Irland. hbem jämtlide Preisangaben nach dem jeweiligen Devisenfurs in Dollar umgerechnet find. ist eine Bergleichsgrundlage für die Er mittlung der Preisentwidfung von 1913 bis 1923 gefchaffen. Es er gibt sich wieberum, daß im allgemeinen die Preise in Ländern mit nünftiger Maluta start, in Bändern mit entwerteter Währung dagegen nur wenin gestiegen sind. So stellten sich im Durchschnitt die Steinhaebelspreise in England 1923 um 697 Broz. höher als 1913, in Stockholm um 39,0 Broz., in Bern um 58,8 Proz: und in Amster bam um 54,8 Broz. Dagegen betrug die Zunahme der Teuerung bei stark entwerteter Währung 3. B. in Prag nur 12,8 Broz, in Bien 10,0 Broz., in Belgrad 9,2 Prez, in Warschau 5,9 Proz. und in Sofia war der Preisdurchschnitt Ende 1923 fonar um ein Biertel niedriger als 1913. 3ur felben Zeit standen in Berlin die Lebensmittelpreise um 82 Prog. höher als Ende 1913, so daß hier die Leuerung bei weitem am stärksten unter ben angeführten Städten hervortrat. Inzwischen ist hier jedoch eine merfiche Gentung der Preise eingetreten, fo baß sich Anfang Februar d. 3. für Berlin die durchschnittliche Breissteigerung nur noch auf 39 4 Proz. belief. Für New Vort stellt sich die Zunahme der Teuerung von 1913 bis 1923 auf rund 40 Broz, b. h.. der Dollar hat hiernach in dieser Zeit etwa zwei Drittel feiner früheren Kauffraft eingebüßt. Sparwirtschaft am verkehrten Ende. Bor einigen Tagen brachte ein Berliner Abendblatt unter dem Titel:„ Der Magistrat baut ab!" einen längeren Beitrag, in dem frohlockend mitgeteilt wurde, wieviel Goldmillionen die Stadt dadurch fpare, daß sie abbaue, d. h. Beamte entaffe. Unter anderem hieß es: lim auf eine tieinere Ersparnis hinzuweisen, sei erwähnt, daß dus Gemeindeblatt" im abgelaufenen Geschäftsjahr wesentlic verkürzt worden ist, und zwar von 500 auf 380 Seiten." Weiter tann die zeitgemäße Bedürfnislofigkeit wohl faum getrieben werden, wenn man vernehmen muß, daß eitel Freude und Bohigefallen Darüber herrscht, daß das amtliche Organ einer der größten Städte der Welt jo tlein toie möglich ist. An anderen Orten ist man anderer Meinung. Für den Landfreis Hannover Linden hat der Landrat Genosse Hans Krüger mit tem Genossen Liebrandt vor zwei Jahren als amtliches Kreisblatt der Landkreise Linden und Hannover die„ Rommunalen Mitteilungen" geschaffen. Statt aber ihr Wert abzubauen, Baben unsere Genossen alles getan, um es auszubauen, und können jetzt mitteilen, daß das Blatt fortan statt einmal zwei. mal wöchentlich erscheint. Es bringt nicht nur tie amtlichen Ritteilungen, fondern auch lebendig gefchriebene Beiträge aus allen Gebieten des fommunalen Lebens und hat außerdem einen großen und offenbar sehr einträglichen Anzeigenteil. In Berlin heißt es Abbau, in Hannover Land Aufbau. Die Entscheidung, welches von beiden das Bessere ist, dürfte niemandem schwer fallen. Eine wichtige Entscheidung für Kriminalbeamte. Augenblicklich ist die Frage außerordentlich aftuell, inwieweit den Polizeibeamten ihre dienstlichen Aufwendungen ersetzt werden sollen, da bekanntlich durch eine ministerielle Berfügung auch die Spesen, die bei Berfolgung von Berbrechern aufgewendet werden, abgebaut" find. Bereits vor diefer Verordnung spielte die Frage des Dienstspesenersages eine große Rolle auch im Strafverfahren. Die Kriminalbetriebsaffiften en G. und Sch waren von der 5. Straffammer des Landgerichts I wegen Bestechung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil sie von einem bestohlenen Schlächtermeister 1000 M. für ihre dienstliche Tätigkeit zwecks Ermittlung der Diebe verlangt haben sollen, und zwar vor Beginn ihrer Tätigkeit. Sie beruhigten sich aber nicht bei diesem Urteil. Rechtsanwalt Bahn gelang es, das Wiederaufnahmever fahren regen das Urteil der Strafkammer durchzuführen. Er stellte unter Beweis, daß die Beamten lediglich BewegungsProletarische Feierstunden am Sonntag, den 17. Februar 1924, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielt aus, Karlstrafe. Ansprache: Gen. Bohm- Schuch, M.d.R. a) Orgel- Borfpiel. b) 3 Cieder( Gemischter Chor Gr- Berlin). c) Rezitation( Gerda Müller). d) 3 Lieder( Beri. Schubert- Chor). Weltenwende in Chorwerf von Franz Rothenfelder Gemeinsamer Schlußgefang:„ Die Internationale." Mitwirkende Die Gemeinschaft Proletarischer Muiffre inde unter Leitung von Herrn Jascha Horenftein, der Sprechcor für Troletarische Feierstunden unter Leitung von Herrn Albert Florath. Herr Rohrbach( Orgel). Preis 80 Goldp'ennige. Rarten finb zu haben bei allen Abteilungsführern, im Bureau des Bezirksbildungsausschusses. Lindenstr 3, Vorwärts Buchhandlung Lindenftr. 2, Landgemeindehaus Gophienstraße, Rigarrengefchärt Soria). Gewerk fchaftshaus, Engelufer 4/25: Röpe ld, Borwärtsfpeb tion Rieher Str. 6. gelder" erhalten hätten, die zur Durchführung der Ermittlungen in Kaschjemmen in der Nähe des Engrosviehhofs dienen sollten. Diesen Betrag hätten sie auch nicht gefordert, sondern er sei ihnen In Don dem Bestohlenen freiwillig gewährt worden der erneuten Hauptverhandlung wurde dieser Sachverhalt durch die aufgebotenen neuen Zeugen bestätigt. Diese hatten sich an den Berteidiger auf Grund der Zeitungsberichte über die erste Ber handlung gewandt und das Material zur Wiederaufnahme geleistet. Das Gericht tam zur Freisprechung. Die Annahme von Bemegungsgeldern" ohne Forderuma bes Beamten sei nicht als Be stechung anzusehen. Diese Entscheidung ist von grundsäglicher Bedeutung für die Kriminalpolizei, da hierdurch die Tätigkeit der Beamten fehr erleichtert wird. " Befferung des Berliner Fremdenverkehrs. Berlins Fremdenverkehr weist bereits Anzeichen einer Besses rung der Berhältnisse auf. Zwar ist die Gesamtziffer der gemeldeten Fremben noch immer unter hunderttausend geblieben, ist aber doch Don 75 445 im letzten Dezember auf 91 985 im Januar gestiegen. Dem entspricht auch der Zuwachs im Ausländerzuzug, der sich von 5288 auf 6183 gehoben hat. Bemerkenswert und bezeichnend für die wirtschaftlichen Verhältnisse ist der Anteil der einzelnen Bänder an diesem Besuch. An erster Stelle erscheint nach den Feststellungen der Zentralstelle für den Fremdenverkehr wieder Desterreich mit 852 Gästen. Es folgt Holland mit 765, Rußland mit 572, Bolen mit 562, England mit 470, Schweden mit 463, Amerifa mit 430, die Tschecho- Slowakei, deren Anteil am Fremdenzuzug nach der Umwälzung in den Balutaverhältnissen so auffallend zurück ging, mit 415, Dänemark mit 405 usw. Zu erwähnen wäre noch, daß die etwas milder sich gestaltende politische Atmosphäre auch in der Wiederkehr der Frane 3ojen ihren Ausdruck findet, die zum erstenmal wieder mit 130 Besuchern erscheinen. Der deutsche Mieterbund an den Reichskanzler. Der Deutsche Mieterbund( Siz Berlin) hat am 10. b. M. an den Reichskanzler, den Reichsrat, die beteiligten Minister und sämtliche Reichstagsfraktionen folgendes Telegramm gerichtet:„ Der heute versammelte Vorstand des Deutschen Mieterbundes( Siz Berlin) warnt in legter Stunde dringend vor der Erhebung einer Mietssteuer und vor Goldmieten. Er fordert unbedingte Aufrechterhaltung und Ausbau des Mieterschutzes, um schwerster Beunruhigung vorzubeugen. Silfe für die Jugend. Für unfere Speifung im Winterjugendheim Blumen ftraße 97 gingen ein: Trapp 9,- Klopfch 7,20, R. B. 5,-, Gradnauer 10,-, Kaplan 12,60, Wo. 8,40, Frau Simon 16.80, Rofen baum 42 Kr., Tant 10,-, E. R. 5,-, Brett 10,-, Sachfe 8.40, aus Amerifa 10 Dollar, durch Luckat 5 Dollar, Borwärts- Expedition 500,- Mart. Weitere Spenden erbittet: Bezirksausschuß für Ar. beiterwohlfahrt, 8. H. Minna Todenhagen, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Einen schweren Ueberfall im kleinen Tiergarten sucht die Sriminalpolizei aufzuklären. Am 1. Februar besuchte ein 17jähriges Mädchen aus Mcabit abends die Fortbildungsanstalt in der Turm straße. Auf dem Heimwege gegen 9 Uhr fühlte es sich beim Durch schreiten des Kleinen Tiergartens von vier jun gen Burschen verfolgt und beschleunigte feine Schritte. In der Nähe des Kriegerdenkmals mit der Germania rissen die Burschen es plöglich zu Boden, hielten es fest, vergewaltigten es und entflohen dann Mitteilungen zur Ergreifung der Täter sind an den ersten Kriminalbezirf beim Polizeiamt Tiergarten zu richten. Der doofe Emil, Karlchen, Paul und der dicke Fritz. Stürzlich hatten wir mitgeteilt, daß bei einem Ueberfalb einer Räuberbande auf das Bofiamt Hebron- Demnih in der Ziptower Forst in Pommern die Bande nach einem großen Feuergefecht unfchädlich gemacht worden war. Inzwischen hat die Untersuchung Der Verhafteten volle Klarheit gebracht Die in der Ziplomer Forst Ausgehobenen hörten auf Spignamen, wie: doofer Emil, Karichen, Paul, dicker Frig u. a. Mit ihren richtigen Namen waren fie fich gar nicht bekannt; sie waren der Rest einer großen Bande, die feit zwei Jahren die Bevölkerung von Mitteldeutsch fand, insbesondere Thüringen, und auch Berlin und Umgegend in Atem hielt. Ein großer Teil wurde vor längerer Zeit schon festgenommen, nach Leipzig gebracht und abgeurteilt. Andere Banden mitglieder wurden von mitteldeutschen und Berliner Gerichten auf lange Zeit ins Zuchthaus gefchickt. Einige Refte blieben aber immer noch übrig. Diese hatten von ihren Führern gut gelernt und orga nifierten eine neue Bande, die feit vorigem Jahre und Anfang diefes Jahres wieder eine rege Tätigkeit mit vollem Erfolge entwickelte. So haben sie in Berlin und Umgebung auf dem Kerbholz die Uebers fälle auf das Postemt Regin am 8. Ditober 1921, auf das Bostamt Segermühle einen Monat später, auf die Wurstfabrit Heilberg in der Wilmersdorfer Straße, auf die Petroleumge= fellschaft am Südufer, auf die Margarinefabrit der alten Generation mit aller Entchiedenbeit Cobu in Pichelsdorf. Eine Jugendzeitschrift, die, um sich Geld zu verschaffen, Schwarz- Rot- Gold mit Tanz. Der Ortsvorstand des republitanischen Jugendbundes Schwara Rot Gold teilt zu dem in der Presse angefündigten Schwarz- RotGold- Abend mit Tanz im Oberlichtsaal der Philharmonie am 17. Februar folgendes mit: Trop der Identität der Farbenvolabel hat der Bund mit diesem Ball nichts zu tun. Er berurteilt es aufs schärffte, daß in einer Zeit, in der Millionen deuticher Volksgenossen bungern und frieren, Bälle von deutid er Jugend veranstaltet werden. Die Jugend der Republik will einen neuen Staat. Sie lehnt die Mittel a b. Bälle mit alloholifden Erjefen veranstaltet, verfündigt sich an der deutichen Jugendbewegung, schändet die Farben der deutschen Republi!. Durch das norwegische Hilfskomitee wurden fürzlich über 200 unterernährte Berliner Kinder nach Norwegen gesandt. Sie wurden bei einzelnen Familien untergebracht und follen bis Ende September dort bleiben. Das Komitee bat ferner 16 Baggons Lebensmittel und Kleider zur Verteilung an die bedürftige Berliner Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Jn über 20 Schulen wurde eine Schulspeisung( durch Ver. abreichung von Katao und Brötchen) eingerichtet, an der gegen wärtig etwa 15000 Rinder teilnehmen. Wenn man zu heiß badet. Als eine Familie B. um Mitternacht nach ihrer Wohnung im Hause Waizstraße 18 in Charlottenburg zurüdtehrte, fand sie ihre 25 Jahre alte Hausangestellte Charlotte R. in der mit Waffer angefüllten Badewanne liegend tot auf. Das Mädchen hatte die Abwesenheit der Herrschaft benutzt, um zu baden, und wahrscheinlich infolge zu heißen Wassers einen Herzschlag erlitten. Das 3. Wohlfäfiafelfsfonzert des Ehmphonieorcheitervereins der Schuhs bolizei hat den Berliner Wailerkindern den Meinertrag von nabraut 3000 Goldmart gebracht. Das Orchester mird daber unter Veituna feines Dirinenten Clemens Schmalftich am 15. b S., abbs. 71, 1hr, im Blüthners faal icin 4. Wohltätigteitskonzert in biefem inter autounften ber Berliner Mailen inder beranfalten. Sommerlänger Melchior bat fich als Solin zur Berfinung geftellt. Karten bei A. Wertbeim und Bote& Bod. Der Hörerausfchuk der Deufichen Hohichule für Po'ifit veranstaltet am Freitag, den 15. februar, abenhe 8 Uhr, in der Alten Banakademie, Schinkelblat 6, einen informatorischen Vortrag über„ Die bolitifche nb wirtidaftliche Bedeutung des Bionismus. 18 Portragender murde der loeben von einem längeren Aufenthalt in Balästina zurüdgefehrte deutsche Blonistenführer Sturt Blumenfeld. Berlin gewonnen. Borle'eabend der Stadtbücherei Charloffenburg. Beute abend 8 11hr lieft einrich Wolfgang Geidel im Relefant Bilmersdorfer Strake 166/67 aus eigenen Werfen bor. Gintrittsfarten in der Charlottens burger Stadtbücherei und ihren Zweigstellen zum Preise von 20 Bf. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, ben 17. Rebruar, bormittans 11 Uhr: Broletariiche eierstunde im Großen Schauspielhaus, Salitrave. Beltenwende", ein Chormert bon rang Rotben felter. Staten für 80( Solbpfennine im Pureau des Bezirksbildunas 11180 ichuifes foto e bet sämtlichen Abteilungsführern Sonntag, 17. februar, 3 lbr nachm., im Neuen beater am 800: Die Goffnung auf Gegen in befter Belekung. Quichlag pro Karte 0 Goldbiennige Starten find no au haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3. Scute 8 Uhr in Aliems Feitfälen, Hafenbetre, bringt die Schaubühne in Die eritflaffiner Belegung eine Aufführung des Aufklärungsdramas Schiiibrüchinen. Starten zu toefentlich bei abaefekten Breisen( 40, 60, 90 und 120 Goldpfennige) find zu haben im Bezirksbildungsausschuß, Lindenstr. 3. Berliner Varietés. . Das Walhalla- Theater bietet wieder ein gutes Varieté Programme, Die wanbalfigen Leifturgen ber bones am fwanfenden Mastbaum „ Die Totesbalarce in ben Vüften, überans gefährlich zu fauten, leiten es ein. Die Ichwebenben Echönheiten Bernetts zeichnen sich durch eraltes Zusammenwifen aus. Die Rabienfation von Chefter Died vero bient auch bier alle Anerkennuna, trokdem fie indianilch" ift. Die goldene Venus auf dem iebenden coldenen Bierd präsentiert fich in anmutigen etellungen, die jeboch faum minder beschaulich-lein widen, wenn die gelinde gelagt ebenso unnatürliche tie rüdfichtslofe Goldpolitur der Körper unterbleiben würde. Der Drabilellaff der drei fellers tit trot allem auf diesem Gebiete ichon Gebotenen febr gut und lebenswert. Der Einbrud ber Sierbeit würde ohne die schwierige und faum tect gewürdigte Taschentuchizene nur gehoben. Schlieklich feien noch die vier Romanos in ihren römischen Gladiatorenspielen erwähnt. 1 Jm Wintergarten fehlt es nicht an Abwechlelung, obaleich wenig Neues geboten werden kann. Die brei Appalonas als Equil briften auf demz Biebeftal eröffnen die bunte Reibe mit erittlaffigen Leiftungen. In ben Afrobatifchen Att von Elife und Ebitb Althoff icheint ein Kind febr früh in die Barietétunft eingeweibt au fein. Ueberbies weist die Kleine recht niedliche Stünfte auf. les foll fomisch sein oder doch um eintönigkeit zu Das fübit zu Trids, die, wie in vermeiden eine fomifche Note erhalten. der Altobolrausch- Nummer, fich hart an der Grenze bes Roben bewegen oder zu Abge chmadtheiten. Der Drabtseilatt der Geschpifter Royal be dürfte des Komilchen nicht. Das Müller Schadow. Quartett im Kloster eller bringt mit dem stimmungsvollen Vortrag alter Trink immb Boltslieder mit Bildwirtung unterstüßt eine besondere Note in bas Brogramm. Außer den Kraftipielen der Glaudia Alba verdienen noch Satons bogende Känguruhs lobende Erwähnung. Scala. Rm Mittelpunkt des Februarprogramms stebt bas Gaftfpiel des Balletts von Claudia fiatichenfo, eine höchft erfreuliche Angelegen beit, da bier ernites Wollen von ungmeife.baft fünfilerlichem Empfinden getragen wird. Griea und Schubert wird getanzt. Höhepunkt barin, eine Inappe Szene unter dem Titel Gößenbild", worin lediglich die Sprache der Arme und hände bei unbewegter Attitude einer geschlossenen Gruppe von Tänzerinnen zu eindringlicher Berebiomfeit entwidelt wird. Aus dem artifti'den Zeil feien erwähnt: Die Rolschubläufer Plants, der aus geze d nete Jonglem Einst Earé, die Indianer piele der Hiawatha. und Truppe auf dem Drabtieil, ber Luftakt der vier Bonellys Bergs bübscher Bären- Dreffuraft Auch das Radiolonzert des Vorbauses befommt man durch den guten Lautsprecher Dr. Hausdorffs zu hören. 1 Gemäldedlebstahl auf Schloß Arensburg. Ein großer Schloß. einbruch beschäftigt wieder die biefige Kriminalpolizei. Noch un befannte Verbrecher fuchten das Schloß rensburg des Fürsten von Schaumburg Lippe bei Bad Eilien beim und stablen unter anderem dreizehn wertvolle Gemälde, die sie in der Galerie fachkundig aussuchten. Für die Wiederbe schaffung bat die Fürstliche Berwaltung eine Belohnung bis zu 5000 Goldmart unter Ausschluß des Rechtsweges ausne fezt, Mitteilungen zur Aufklärung, insbesondere über das Auf. tauchen der Gemälde, an Kriminalfommiffar Trettin in Zimmer 103 des Bolizeipräsidiums. BORG ZIGARETTEN FÜR QUALITATSRAUCHER Koch& Teeland im Zeiehen des Preisabbaus! 6.Sportanzugstofte Homespun Reinwolle Mtr. Damenstoffe 1.40 breit Donegal Tweet... Gertraudtenstr. 20/21 Segr. 1893 Ohne Fleisch doch kräftige Suppen und schmackhafte Gemüse zuzubereiten, ermeglicht auf einfache und sparsame Weise Mtr. 3.die altbewährte MAGGI Würze. Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/14= 1) Durchschnitt November 99 1 657 000 000 000 Dezember. 1 247 000 000 000 Januar 3. Dezember 10. 17. 22. 29. 99 99 7. Januar 14. 21. 28. " 9 4. Februar 11. 1 100 000 000 000 1 515 000 000 000 1 269 000 000 000 1 163 000 000 000 1 150 000 000 000 1 147 000 000 000 1 130 000 000 000 1 110 000 000 000 1 080 000 000 000 1 060 000 000.00 1 040 000 000 000 1030000000000 Abnahme gegenüber der Vorwoche 1 Proz. 99 * Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Sizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für Mon= tag, den 11. Februar. auf das 1,03 billionenfache der Borkriegszeit. Gerenüber der Borwoche( 1,04 Billionen) ist demnach eine Ab nahme von 1,0 Proz. zu verzeichnen. Millionenunterschlagungen bei der Girozentrale. Kaum hat sich die Börse von dem Shred etwas erholt der durch die Nachprüfung einzeirer Devifengeschäfte, wie sie die Reichsbant die Nachprüfung einzeirer Devisengeschäfte, wie sie die Reichsbant vorgenommen hat, ihr in die Glieder gefahren ist, fracht es schon wieder. Dei der Deutschen Girozentrale sind Fälschungen und Schwindelein entdeckt worden, die sich auf etwa 1% bis 2 Mil lionen Goldmark belaufen sollen. Die Deutsche Girozentrale teilt uns dazu mit: Die Deutsche Girozentrale und die Deutsche Kommunalbant ist das Opfer cines raffinierten Schedschwindels geworden. Ein ungetreuer Angestellter dieser Bank, Hinz, hat einem mit ihm in fträf ichem Einvernehmen handelnden Kunden ( Julus Höfling) dadurch Kredit verschafft, daß er ihm seine auf die Deutsche Giozertrale gezorenen vordatierten Sched's mit einem Vermerk verfah. durch den sich die Deutsche Girozentrale perpflichtete, die betreffenden Sheds bei Borkommen einzulösen Oboleich ein folder Bftätigungsvermert nach gefeßlichen Be ftimmungen nur von der Reichsbant ausgeftellt werden tarf, hat sich vielfach der Brauch herausgestellt, auch auf Brivatbanken gezogene Sheds so zu bestätigen. Bei der Deutschen Girozentrale war dieses Verfahren aber ausdrücklich untersagt. Der erwähnte Kunde der Deutschen Girozentrale hat nun die Schyd's nicht als Zahlungsmittel verwendet, sondern sie einer antern Bant als Unterlage für ein auflängere Zeit aufgenommenes Lombard Darlehen hinterlegt. Er hat den hinterlegten Sched täglich durch einen neuen Sched gleider Art ausgetauscht, bis durch eine Rückfrage bei der Deutschen Girozentrale festgestellt wurde, taß dort die Ausstellung von Schedbestätigungen verboten sei. As infolge dieser Rückfrage die weitere Ausstellung solcher Scheds unmöglich war, wei sich feine gutgläubige Unterfdrift zur Gegenzeichnung fand, hat derjeibe Angestellte, der auch über das Konto bei der Reichsbant und beim Raffenverein verfügungsberechtigt war, Sched's auf diese Banten ausgestellt und sie dem Kunden zur Abdeckung feiner Berpflichtungen ohne entsprechende Buchungen in den Büchern der Deutschen Girozentrale ausgehändigt. Weil er als außerordentlich vertrauenswürdig galt, hat der Angestellte ohne weiteres die Unterschrift eines anderen Bevollmächtigten, sowch. für die Schedbestätigungen wie auch für die Reichsbanfscheds, erhalten Inne bab weniger Stunden famen die über große Beträge lautenden Sheds bei der Reichsbant und beim Kaffenverein vor. Da sie von gutgläubigen dritten Banten präsentiert waren, fonnten sie nicht widerrufen werden, obgleich durch die Revisionen ihre unrechtmäßige Ausstellung bereits enttedt war. Die Gesamte famme übersteigt die Deckung des Kunden nicht unerheblich. Für einen wesentlichen Teil tes Echadens bleibt die Deutsche Giro zentrale dennoch durch Besch annahme onderweitig ruhender Werte gedeckt. Auch ist der Schaden schlimmstenfalls nicht so groß, daß er den Standard des genannten Instituts irgendwie beeinflussen tönnte. Uns flingt die Mitteilung der Girozentrale etwas, fagen wir antimistisch. Aber das wird sich noch flären. Wichtig ist bei diesem neuen Standal, daß er ein Einzelfall ist. Wer den inneren Betrieb der Banken während der jüngst vergangenen Jahre etwas genauer fennen zu lernen Gelegenheit hatte, wird mit uns der Meinung sein, es ist verwunderlich, daß nicht mehr Betrügereien vor getommen sind. Der Laie macht sich feine Borstellung von der Läffigkeit und Schlamperei, wie sie im Bantbetrieb üblich geworden ist. Hätten die Bantherren nicht so staunenswert anständige Angestellte, dann wären sie schon des öfteren sehr deutlich darauf gestoßen worden, der Organisation ihres Betriebes etwas vermehrte Vufmerksamkeit zuzuwenden. Der Umfang der Reichsbanffredife. Der jüngste Ausweis der Reichsbant( vom 31. Januar) zeigt, in welchem Umfang die Kredite an die Brivatwirtschaft rasch zunehmen. Ihre Gefahr erörterten wir schon: Da die durch die Renten mart trebite in die Wirtschaft fließenden Rentenbanfzettel feinen internationalen Zirkulationswert haben, wandeln sie sich in De Disen um. Damit wächst dauernd die Nachfrage nach Devisen, und die Störung der Devisenstabilisation, unterstützt durch die Spekulation, rückt in den Bereich der Möglichkeit. Mit der Schaf fung einer Goldnote mit internationalem Kurs fann jene Gefahr vermindert werden. Die Kredite der Reichsbant umfaßten am 31. Januar: Wechselfonto( Bapiermart, wertbeständig) 388 Goldmillionen, Lombarbe( ebenso) 139 Goldmillionen, Renten martwechsel und Schecs 367 Millionen, Rentenmarklombarde 198 Millionen Mart. Das find rund 1100 Millionen Mart Kredite, von denen etwa 130 Millionen in der letzten Januarwoche begeben wurden. Die Reichsbank hat bei der Rentenbank ein weiteres Darlehen von 100 Millionen Rentenmark aufgenommen, das Gesamtdarlehen beträgt jetzt 200 Millionen Rentenmart. Der Banknotenumlouf( Bapiermart) ist wieder etwas gestiegen, er beträgt jetzt 484 Trillionen Mart( 484 Goldmillionen). Aus Versehen Devisen geschoben. Die Kölnische Zeitung" veröffentlicht folgende thr vom Banthaus Leopold Seligmann in Köln zugegangene Erklärung: Bei dem gemeldeten Borkommnis handelt es sich lediglich darum, daß ein Devisenbeamter der Filialfirma in Koblenz in Abwesenheit des verantwortlichen Leiters eigenmächtig gegen die ausdrückliche Beisung die telegraphisch an die Berliner Börse zu gebenden Devisen orders erhöhte, für die nicht die von der Reichsbart vorgeschriebene Bantbedung vorlag. Ein Verstoß gegen die Devisenordnung liegt hier nicht vor, ebensowenig eine Inanspruchnahme des Rentenmark. trebites. Gegen den betreffenden Beamten wird von der Firma selbst vorgegangen. Nach unferer Information war es nicht einmal ein untergeord neter Angestellter, der besonders hohe Devisenbeträge anmeldete, fondern nur die Scheuerfrau, die, ohne daß es irgend jemand merkte, täglich mit Berlin telephonierte. Durch WTB. wird die folgende Nachricht verbreitet: Die gegen die Firma J. Dreyfus u. Co. und zwei andere Berliner Firmen verhängte Devisensperre ist wieder aufgehoben worden, da die Untersuchung ergeben hat, daß es sich bei diesen Firmen nur um ge ringere Berstöße gegen die Forderung der Reichsbank auf Bardeckung der Devisenaufträge handelt. Wenn die Reichsbant fich so rasch auf die üblichen Die Forderung nach herabseßung der Preise wird durch ein fleines Büchlein unterstüßt: Die Friebenspreise". Zu( Berlag für Politik und Wirtschaft, Berlin SB. 48, Besselstr. 21.) fammengestellt in Berbindung mit dem Reichswirtschaftsministerium. In den Vorbemerkungen heißt es: Daß die Preise, mit denen Deutschland in die Epoche der Goldmarfrechnung und der inländischen wertbeständigen Zahlungsmittel eintrat, auf ebläht und ungesund waren, tann nicht bestritten werden. Die Einführung der Bertbeständigkeit im inländischen Berkehr und die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Bewertung der Mark im Inland und Ausland machen es möglich, hier Wandel zu schaffen." gegeben für drei Hauptfategorien: Klein handelspreise, GroßDie Preise sind in dem handlichen Heft im Taschenformat anhandelspreise und Erzeuger preise mit entsprechenden Unter abteilungen: Lebens- und Genußmittel und Bedarfsgerenstände bei der ersten Kategorie, Lebens- und Genußmittel und Industrieroh ftoffe und waren daraus bei den beiden anderen Kategorien. Die Vorbemerkungen enthalten furz und flar gehaltene Richt linien, die zu einer richtigen Vergleichung der Borkriegspreise mit den jetzt geltenden anleiten sollen. Einem wirksamen Bergleich dient die Einteilung in Kleinhandels, Großhandels- und Erzeuger preise. Durch Vergleich der Spannungen, die zwischen Erzeuger, stellen, ob die jetzt bestehenden Spannungen denen der VorkriegsGroßhandels- und Kleinhandelspreisen, bestehen, tann man feftzeit entsprechen, ob sie sich in mäßigen Grenzen halten oder ob 3 hohe Aufschläge gerechnet werden. zn Untersuchungen und Straferlak zurückzieht werden die Devisenmänner der wichtigsten Auslandswaren ab November 1923 im Vergleich zu ihr bald wieder auf der Nase herumtanzen. * Am Mittwoch ordnete die Reichsbant Maßnahmen gegen eine Reihe weiterer Lantgeschäfte an, u. a. gezen die Karlsruher Firma Hamburger, die Firmen Kleeberg und Weißberg, Neumünster, und Beit 2. Homburger, gegen das Berliner Bankhaus David Dreyfus 11. Co., Berlin. Die Untersuchungen gegen weitere Devisen banken find zur Stunde noch nicht abgeschlossen. Es ist aber anzu nehmen, daß noch weitere Firmen überführt werden, da sich ohne Rweifst an dem Kesseltreiben gegen den deutschen Bechselturs weite Streife der Bantwelt beteiliant haben. Hoffentlich geht die Reichsbank weiter scharf vor, und schaut fich auch mal in den Devisenabteilungen der größeren Banffirmen etwas um. Binine Kleider in Holland! Eine befannte holländische Ronfeftionsfirma beröffentlicht in den Zeitungen ihres Landes eines der üblichen Inserate, die einen Räumunnsansvertouf angeinen. Jeder Deutsche, für den eine Reise nach Holland ur.erschwinglich ift, muß bei der Lektüre der Annonce von Staunen und Neid erfüllt werden. Es werden angeboten: Moderne Wintermäntel bon 2,75 Gulden ab 8.75 • • elenante intermäntel und Rolants moderne Wolleiber, Cheviot Samtfleider. Ia Manchester Cord Damenröde Blufen 1,75 4,50 0,90 0,25 ( Ein holländischer Gulben ist afeich 1,60 G- fbmort!) Noch der Zeitschrift Deutsche Konfektion" wurden vrn Enaroshändlern aus der Provinz bei Berliner Febrifonten und Grossiste.. gefauft: Kftüm röde von 1,23 M. anfongend, biline Temenmäntet von 6 M. an, Rindermäntel von 2 M. on. Es wird ausdrürich bemerkt, daß diese Breise erheblich billiger find als die für retäre Ware. Die Breise sind an sich schon, wie man auf den ersten Blid sieht, erheblich höher als die holländischen. Es find aber auferdem erft hie Einaufspreise der Enaroshändler, die bolländischen sind dagegen Berkaufs preise. Wenn man zu einem richtigen Ber gleich kommen will, muß man die Berliner Preise mindestens noch verdoppeln. Die Ueberpreise der deutschen Bekleidunnsmittel find darauf zurückzuführen, daß die Tertilindustrie auf die hohen Gewinnquoten, noch einigermaßen zu erklären waren, ouch jekt nicht verzichten die in der Zeit bes Bafutafturzes durch das Gebentwertungsrifito will, obmehl die Währung ftabil und damit das Rififo geschwunden ist. Wichtiger als die Belebung der Kaufkraft erscheint ihr die Aufrechterhaltung der Uebergeminne. Der Beschrän fung der Breise zieht sie die Einschränkung der Betriebe vor: Dann tann die Gewinnquote erhalten. Der Kopitolaufwand vermindert und oleichzeitia ein Druck auf die Löhne ausgeübt werden. Das ist die Preispolitik der deutschen Industrie. Preispolitik der deutschen Industrie. Friedenspreise. im Interesse einer bauernden Setigkeit unserer Währung bringend Die Stabilisierung der Mart hat die von vielen erhoffte und notwendige Herabsetzung der Preise nur zum Teil gebracht. Obwohl die Löhne und Gehälter nur einen Teil ihrer Friedenshöhe ausmachen, halten sich die Preise, besonders für Industrieerzeug niffe, auf einem weit über den Friedensstand hinausgehenden Niveau. Durchschnittspreise im Verkehr des Berliner Lebensmittelgroßhandels mit dem Einzelhandel vom Mittwoch, 13. Februar. Die Preise verstehen sich in Goldmark für je 50 kg frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose. 15.75-16,75| Rohkaffee Brasil Gerstengrutze, lose Haterflocken, lose Hafergrütze, lose Ro genmehl 0/1.... Weiz ngrieẞ Hartgrieß 7% Weizenmehl Weizen Auszugmehl Speisee bsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Perl .. 15,75-16,25 Röstkafiee Zentralam. 170,00-200,00 300,00-400,00 220.00-270,00 23,00-25,50 .... 1500-16,00 100,00-120.00 13,00-150,00 500,00-800, 0 38,0 39,0 41,00-43 00 46,00-47.00 40, 0-45,0 14,50- 15,2 Röstkaffee Brasil 15,50-16,50 Malzkaffee. gepackt.. 13, 0-14,00 Rösteetreide. lose 17,75-18,50 Kakao fettarm 21,00-23,50 Kakao, leicht entölt 15,00 16,00 Tee, gepackt.. 17,25-0,50 Inlandszucker basis mel, 17.51-23,50 Inlandszucker Raffinade 15,00-17,00 Zucker Würfel. 20,00- 23,00 Kunsthonig Langbohnen. handverles. 30-31,00 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-111,50 Linsen kleine Linsen, mittel Linsen. große Kartoffe mehl Makkaroni, lose. Schnittnude n, lose. Burma II ungiasiert Siam Patna 1 glaslert Grober Bruchreis. Rineäpfel, amerik. extra choice Getr Pflaumen. Korinthen in Kist. choice Sultaninen in Kis'en. Mandeln, bittere Bari Mandeln, süße Avola Kassia Vera 26,00-33,00 Marmelade Vierfrucht 36,90 40,00 Steinsalz, lose.. 4.15-45.00 Siedesalz. Iose 16,5 17,0 Braiensch alz in Tierces 36,00-37,51 Purelard in Tierces 21,00-24,00 Speisetalg in Packung 17,00-18,00 Speisetale in Kübeln 24,50-27,00 Margarine, Handelsm. i 16,50-17,50 desgl 11. Margarine, Spezialm. 1.. 115,00-125,00 desgl. II. 43,00-48,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 80,00-90,00 Speck, gesalzen, fett... 85,00 100,00 Quadratkäse. 130,00-150 00 Quarkкäse 145,00-160,00 Tilsiter Käse, vollfett 110,00-120,00 Tilsiter Käse, halbfett. Kümmel, holländischer. 145,00-150,0 Ausl. ungezuck. CondensSchwarzer Pfeffer singap. 98,00-100,00 Weißer Pfeffer 35,00-55,00 3,70- 4,00 4,80- 5,20 72,00-74,00 70,00-73,00 49,00- 52,00 47,00-49,00 56,10 48,00-$ 2,00 76,00 $ 7,00-59,00 35,00- 36,00 60,00-64,00 50,00-60,00 50,00-70,00 115,00-125,00 65,00-75,00 milch 48/16, 25,00-26,00 130,00-141,00 Inländische desgl. 48/12 19,00- 21,00 Das Büchlein ist allen Arbeitnehmern, befenders Betriebs- und Dem Bergleich dienen ferner Darstellungen der Preisbewegung 1913, ausgeführt in Kurven, der Weltmarktteuerung der wich igsten Baren von 1923 gegenüber 1913, ausrebrüdt in Prozentzahlen, und schließlich eine Darstellung des Anteils des Wertes der ausländischen Rohstoffe am Werte inländischer Erzeugnisse. einer neuen Auflare noch Mitteilungen über die Feststellung der Gewerkschaf'sfunktionären, zu empfehlen. Hoff ntlich werden in angenebenen Friedenspreise gemacht Unfere Unternehmer sind bei ihnen vorgeleatem Bablenmaterial meist recht kritisch, ihnen farr dann noch beffer gebient werden. Wertheim- Erfindungen. Wertheim gliedert feinem Betriebe als neuen Geschäftszweig den An- und Verkauf neuer Er findungen- Patente und Gebrauchsmufter für einene und fremde Rechnung ein. Jm 3ufemenhang hiermit wird eine ständige Ausstellung von Modellen verkäuflicher Erfindungen in dem Haufe Boßstraße 14 eröffnet werden. Schutzperband für das Deutsche Reich mitteilt, hat die Waldens Eine anständige Stadsparkaffe. Wie der Hypothekenoläubiger burger Stadtverordnederversammlung einstimmia befchloffen, die Bapiermarkspareinlage bei der Städtischen Spartaffe freiwillig aufzuwerten, und zwar entsprechend der Gefhentwertung, die in dem betreffenden Jahre stattgefunden hat. Der Manistrot hat in feiner Begründung ausgeführt, daß er glaubt, einer Ehrenpflicht der Stadt nachkommen zu müssen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand., Sigung des engeren Borstandes: Sonnabend, den 16. Februar, nachmittags 5 Uhr pünktlich. Die nächste erweiterte Bezirtsvorstandsfihung, die zu den Borschlägen der Kreise und Abteilungen Stellung nimmt, findet mitfwoch, den 27. Februar, statt. Alle Anträge und Vorschläge müſſen bis zum 25. Februar morgens dem Sekretariat eingereicht sein. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten und Schrer! Freitag, den 15. Februar, nad m, 4 Uhr, wichtige Besprechung, Klosterftr. 68, 1 Tr., Gigungsfaal. Alle Mitglieder müssen erscheinen, besonders auch alle Kreiss obleute oder, wo folche 1.och fehlen, bie Kreisvorsigenden. 3. Kreis Webbing. Freitag, den 15. Februar, 7 Uhr, Kreisvertreterversamm Tung im Papenhofer, Chauffeestr. 64. Bortrag des Gen. Heimann, M. d. R. Stellungnahme zum Parteitag und zur Aufstellung der Reichstags. tandidaten. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, ben 15. Februar, Ronferenz der Elternbeiratsobleute und des Vorstandes der freien Echulgemeinde, abends 7 Uhr. bei Wolf, Gräfeſtr. 26. Bichtige Tagesordnung, daher Erscheinen Pflicht. Jebe Abteilung muß vertreten fein. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf, Maricafelbe und Sichtenrabe. Freitag, ben 15. Februar, 7% Uhr im Enzeum am Bahnhof Mariendorf( Barade), Kreisvertretersizung. Alle Rreisvertreter und sonstigen Berechtigten müffen pünktlich erscheinen. Heute, Donnerstag, den 14. Februar: 86. Abt. Mariendorf. 7% Uhr in der Schulaula Rönigstraße, Mitglieber versammlung. Thema: Der bevorstehende Parteitag in Berlin. Refe rent: Genoffe Richard Krille. 120. Abt. Fricbridsfelbe. 7% Uhr Mädchenschule, Wilhelmftt. 29, Mitglieder. verfammlung. Tagesordnung: 1. Unsere Aufgaben in der Partei." 2. Borschläge zum Barteitag und zu der Reichstagswahl. 3. Berfchiedenes. Jungfozialisten Gruppe Friedrichshain. 8 Uhr Soziale Arbeitsgemeinschaft, Am Dftbahnhof 17, Der gegenwärtige Stand der jungfozialistischen Bewegung." 14. Kreis Neukölln. Der heutige Gruppenabend fällt besonderer Umftänbe wegen aus. Morgen, Freitag, den 15. Februar: 74. Abt. Zehlendorf. Frauengruppe. 18 Uhr bei Schnorre, Botsdamer Str. 3. Bortrag der Genoffin Wally 8epler: Internationalismus und Bartel." 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr Rahlebend des 2. und 5. Bezirks im Logenheim, Friedrich- Wilhelm, Ede Werberstraße. 123. Abt. Ranisborf. 7% Uhr Mitgliederversammlung in ber Schule Abolf Straße. Bortrag bes Gen. Felgentren. Jungsozialisten Schöneberg. 8 Uhr Rinderhort Feurigstr. 85, Rarl BrögerAbend". Tähr Dich mir Barath! Sa Marks Eiweiß- Nähr- Kakao- spart Milch und Zucker Puddings und Soßen auch ohne Milch vorzüglich Der gesunde Bohnenkoffee Ersatz Motasan Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 inl. gez. Condensm. 48/14 29,00 31,10 Café Zielka Varleté- Kabarett, Friedrichstraße 60. Ecke Leipziger Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden Straße, nachm 4, abends 734 Uhr: Großes Pro ramm NEUE B A C WELTBEKANNTE BATSCHARI QUALITÄTSMARKEN Fiat White Star PUHONNY Eden Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Touristen Berein Naturfreunde. Abt. Moabit. Seute, 8 Uhr, im Rinderhortzimmer in der Zevegomstraße außerordentliche Generalversammlung der Abteilung. Zahlreiches Erscheinen notwendig! Arbeiter- Abstinenten- Bund, Gruppe Norben. Heute, 7½ Uhr, GerichtStraße 67, Distuffionsabend: Wie wirkt der Altohol im menschlichen Körper?" ( Ref.: Friz Schmidt.) Proletarische Alkoholgegner als Gäste willkommen. Umenimme Inius Bidel, Mit effer, Blüten vere schwinden sehr schnell, wenn man abends den Schaum von Zucker's Patent- Medizinal- Seife eintrodnen läßt. Schaum erit morgens abwaschen und mit Zuckooh- Creme nachstreichen. Großartige Wirkung, von Laufenden bestätigt. In allen Apotheken, Droge rien, Barfümeries u. Friseurgeschäften. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater 000000000 xxxx Volksbühne 71 Uhr Opernhaus Figaros Hochzeit 7 Uni Hoffmanns Erzählungen Opernhaus Walhalla Theater Weinbergsweg 15 Weltattraktionen WINTO BRIEN Variete- spielplan Rauchen gestattet. 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Täglich 7% Uhr: Berein ben retbenter e geserbehaltung, 12. Beziet. Donnerstag, bez 14. Februar, abends 7 Uhr Mitgliederversammlung im Zeichensaal der Ge meindeschule I, Steglig, Ringstr. 55. Gesellschaft für Gegualreform. Donnerstag, den 14. Februar, abends 8 Uhr, in der Schulaula Friedrichstr. 126( Bahnhof Friedrichstraße- Ovanienburger Tor), Bortrag von Dr. Felig A. heilhaber über das Problem der Reuschheit. Eintritt 25 Pf. Gäste haben Zutritt. Amt für staatspolitische Bildung der Studentenschaft. Donnerstag, den 14. Februar, im Sörfaal 3 des neuen Aulagebäudes, abends 8 Uhr, Bortrag TEE MARKE fee CEEKANNE der Gehaltvolle also der billigste und zugleich der feinste tee im Verbrauch Neue Welt Inhaber: A. Scholz Hasenheide 108-114 Täglich: BOCKBIER- FEST In den bayerischen Alpen. 8 Rapellen Bayerische Mad'l Rutschbahn $> Donnerstag, den 14. Februar: Großes Schweineschlachten Einlaß 6 Uhr Spez Schlachtschüssel Gr. 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Die Situng der mittleren Orts verwaltung findet am Freitag, ben 15. Februar, nicht statt162/15 Die Ortsverwaltung. Nähgarne Hosenträger, Gummiband. Kämme, Sen'e uf Aurzwaren weit unter Tagespreis Häusler. Beuthstraße 15. Merkur 6389 Sternzwirne the Twist son Dr. Baul 2 est( t. 5. 9.): Bom Befen bes Margismus." Cintritt Pr Altabademiker 30 Bf., für Studierende 10 f. Aussprache! Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 14, Februar, 71 Uhr. Gesundbrunen: Schule Gotenburger Str. 2. Bortrag: Entwidlungs geschichte des Sozialismus." 1. Teil. Neukölln I: Jugendheim Münchener Str. 52. Bortrag: Jugendbewegung und-pflege." Nähr locks REZEPT NR. 5 Gemüse- Nährflocks Gemüse,( Spina: Mangold, Kohl oder Kraut usw), kocht man auf die gewöhnlich Art. Vor dem Aufiragen streut man eine dick Schicht der blätterteipähnlichen knusprigbraunen Nabruecks darüber. Der Wohlgeschmack wird noch köslicher, wenn man die Nährilocks vor dem Darüberstreuen in Butte: oder Fett leicht aufröstet.- Gemüse- Nährflocks bilden eine sättigend Hauptmahlzeit für die ganze Familie. Sie ersetzen durch hohe: Nährwert und volle Schmackhaftigkeit teure Fleischgerichte, übertreifen diese aber an Bekömmlichkeit und vor allem auch anBilligkei „ Die wichtigste und wertvollste Neuheit in der täglichen Frnährung und in der Familienkuche", so kann man Nährflocks" ohne weiteres bezeichnen Nährflocks sind durch ihre volle und nachhaltige Näh k aft, ihre Schmackhaftigkeit und Leichtverdaulichkeit, ihre sofort tischbereite Beschaffen heit leßfertig geröstet im Paket), ihre Allverwendbarkeit als selbständige Speise und als verbessernde Zutat zu fast jedem anderen Gericht unc besonders auch durch ihre große Billigkeit in jedem Haushalt unentbehrlic Zu haben n allen einschlägigen Geschäften. Erfolg Marken- ZigarettenSaba, Halpaus, Juno, Salem, York, S. C. Wenesti, Blaukopt. 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