Nr.79 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 39 Bezugspreis: 333dentlid) 85 Golbpfennig vureus sahlbar. Unter Arensband für Deutsch land. Danzig. Soap. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Suzemburg mö hentlich 1.20 Goldmart, für das übrige Susland 145 Goldmart pro oche, Stensband, enbungen nur gegen wert beständige Rahlung. Boftbezugspreis für Februar 4- Goldmart. Der., Borwärts" mit der Sonniegs beilage Bolt und Beit" mit Siebe Lung und Kleingarten". famte bet Unterhaltungsbeilage Seimmel und ber Frauenbeilage.Frauenmali erfcheint wochentäglich ametual, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemotzat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille selle 0.70 Goldmart, Retlamezeile 8.50 Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0,20 Goldmart( auläffig amet fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0.10 Golbmart. Stellengefuche bas erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen file Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Gine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4.20. Anzeigen für die nächste Summer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden traße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Rebattion: Donhof 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 16. Februar 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostichecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Depoütenfase Lindenstraße 3 Keine Einfuhrverbote- aber Schutzölle der kommunistische Linkskurs. Erklärungen des Reichswirtschaftsministers. Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirt.| duftrie habe sich in piel zu startem Umfange Der fchaftsrates beschäftigte fich in seiner Gigung am 14. Februar 1924 mit der geplanten Aufhebung der Einfuhrverbote. Bon der Aufhebung der Einfuhrverbote muß eine einschneidende Einwirkung auf die deutsche Industrie, auf das deutsche Gewerbe, auf die Reichsfinanzen und auf die Währung erwartet werden. Rachdem bereits im Dezember und im Januar Berordnungen über Aufhebung von Einfuhrverboten erlaffen worden sind, muß nunmehr die Forderung um so mehr gestellt werden. Vor Eintritt in die Generalaussprache ergriff der Reichswirtfchaftsminister Dr. Hamm das Wort: Sachlich sei Abbau und Aufhebung der Einfuhr. verbote notwendig, und zwar von zwei Gesichtspunkten aus: Einmal merden damit unserer Inlandswirtschaft wieder frische Impulse gegeben werden. Gegenüber dem gefunkenen Konsum vermögen Deutschlands habe man allen Anlaß, die Preise so zu senten, soweit es mit der Aufrechterhaltung der Produktion nur irgend zu vereinigen set. Diese Boraussetzung fei im Einzelfalle zu prüfen, wobei man mit der harten Tatsache rechnen müsse, daß es auch auf diesem Schlachtfeld nicht ohne Tote und Verwundete abgelen lönne. Der zweite Gesichtspuntt fei der notwendige An schluß an den Belthandel, um aus der Gefahr einer wirtschaftspolitischen Baltanisierung Europas herauszukommen. Hierzu müsse ber notwendige Mut aufgebracht werden. Außenhandelspolitisch stehe Deutschland Schwierig. feiten gegenüber, die gegenüber bem Suftanb Don 1913 und 1914 außerordentlich gewachsen feien. So erfreulich die Tatsache der Meistbegünstigung in dem Handelsvertrag mit Amerifa und die grundsägliche Ginstellung fet, die bas englische Bolt in den Wahlen befundet hat, so gehe im ganzen durch weiteste Teile der Erde ein Drang nach nationaler Abschließung; demgegenüber stehe Deutschland, das schon vor dem Kriege ohne Belthandel nicht leben fonnie und das jetzt eine große Bevölkerung auf gefchmäler tem Boden bei schwerstem Berlust an Rohstoffgebieten, an Aus landsvermögen, aber auch an inländischem Sparvermögen und Rapitalfraft zu ernähren habe, in einer Zeit tiefen Absturzes der heimischen Konsumfraft, an deren Niebergang nicht nur die deutsche, sondern die europäische Wirtschaft tranfe. Deutschland müffe daher gesteigerte Ausfuhr erstreben. Man tonne aber nicht grundfäßlich Ausfuhr för dern und Einfuhr fperren. Was für uns eingeführtes Lurusgut, fet für andere notwendige Ausfuhrware, und was für uns notwendige Ausfuhrware, erscheine anderen vielleicht als Lurus gut. Darum müßten wir vom Syftem der Einfuhrverbote, das von Anfang an nur als zeitliche Maßnahme gedacht war, zum Syftem des Schuhzolles übergehen. Das werbe nicht mit einem Male und bebingungslos geschehen tönnen. Bir müssen vielmehr erwarten, daß auch in anderen Ländern nur Berbote aufgehoben werden, wenn wir von dort auch andere als lebensnotwendige Waren herein nehmen. Rotwendig fei es vor allem, in unserem gesamten Gefbwefen auf der durch die Feftigung der Währung gefchaffenen neuen Grund lage die Spartätigkeit mit allem Nachbrud anzuregen und zu fördern. Ein günftiger Kredifzins fei hierfür von ausschlag gebender Bedeutung und fei allein in der Lage, die wirtschaftlichen Schäden eines hohen Debetzinfes einigermaßen auszugleichen. In der an die Ausführungen des Minifters sich anschließenden Generalaussprache wurde insbesondere betont, daß man die Einfuhr nicht verhindern dürfe. Sie müffe je doch so gestaltet werden, daß sie mit Waren, d. h. durch Arbeitsleitung, und nicht mit Mofen bezahlt werde. Das Interesse müsse fich wieder mehr der Handelsvertragspolitik mit ihren Bindungen zuwenden. Diese fel für das Deutschland der Nach friegszeit mit viel größeren Schwierigkeiten verknüpft als mit den jenigen vor dem Kriege. Diese Schwierigkeit ergebe fich im mefent fichen aus folgenden Gründen: Deutschland fei von einem Gläubiger zu einem Schuldner fand geworden, namentlich regenüber den Rohstoff und Nahrungsmittelprodutionsfändern. Seine 3n Beginnende Reichstagsarbeit. Die Reichsregierung verhandelte in den letzten Tagen mit den Barteiführern über die Reform des Reichstagswahlrechtes und die Tagesordnung der fommenden Reichstagsfiking. Sobald die Frattionen zur Bahlrechtsreform Stel Limg genommen haben, will die Regierung fich erneut mit der Frage beschäftigen und dann nochmals mit den Parteiführern Rüdsprache nehmen. Ueber die Tagesordnung bes Reichstags wurde eine Einigung dahin erzielt, zunächst eine Antwort der Regierung auf die vorliegenben Pfalzinterpellationen ent gegenzunehmen und gleichzeitig den bekannten Antrag der Deutschnationalen auf Verfolgung der Hoch verräter im befegten Gebiet zu behandeln. Der Aeltestenausschuß wird zu Beginn der fommenden Woche zusammentreten und über den weiteren Gefchäftsgang beraten. Es ist anzunehmen, daß er auch den Lermin zur Entgegennahme einer Regierungs. mehrt und in ihren Bereich noch weitere Bevölkerungsfreise ge 3ogen als por dem Kriege. Dies bedeute einen starten Drud auf eine verstärkte Ausfuhr, um diese Bevölkerung zu ernähren. End fich hätten sich frühere Rohstoffftaaten in Industrie Staaten verwandelt, wodurch die Arbeitsteilung zwischen den Industrie. und anderen Staaten sich fehr zuungunsten der Industriestaaten verschoben habe. Nach Aufhebung der Einfuhrver. bote, die Errichtung von Schutzöllen grundsätzlich abzulehnen, jei nicht augängig. Ein Schuhzoll sei schon deswegen erforderlich, um das Auslandsbumping zu verhindern. Die Landwirtschaft dürfe bei der weltwirtschaftlichen Lage nicht ohne Schug bleiben, wobei man natürlich über die Art dieses Schutzes verschiedener Meinung fein fönne. Ein 3011. hug fönne angesichts der Gefahren für die Ausfuhr gewerblicher Erzeugnisse nur in mäßigem Umfange angewendet werden. Es sei vielleicht aber im Auge zu behalten, die Preisbildung durch die Kartelle und Ronventionen, die hier zweifellos den Bogen überspannt hätten, zu über machen. Die Wirtschaft tonne nur wieder erblühen, wenn auch das Band wieder faufträftig werde. Dies fönne aber nicht geschehen, wenn die Landwirt fchaft, mie a. B. bei der freien Einfuhr von Fleisch, chug. und mehrlos der Preisbildung preisgegeben merbe. Der Reichswirtschaftsminister nahm zu den ein zelnen Bunften der Generalaussprache erneut Stellung: Freigegeben feien bisher von Einfuhrverboten im wesentlichen Baren, über deren Einfuhrfreiheit eine besondere Mei nungsverschiebenheit nicht bestehen tonnte. Für die dauernde Orientierung der Außenhandelspolifit werbe der Gedauke der Förderung und des Schußes der nationalen Arbeit und Gesamtwirtschaft einschließlich der Landwirtschaft im wefent. enlich allgemein betont merden. Als ein mefentliches Ergebnis der Erörterungen sei mit Befriedigung festzustellen, daß über diese Notwendigkeit eine grundsägliche Meinungsverschiedenheit sich nicht ergeben habe. Wie der Landwirtschaft schon in ihrer gegenwärtigen Krisis zu helfen sei, sei außerordentlich schwierig. Diese Arifis habe ihre besonderen, zeitlich vorübergehenden Gründe, vor allem barin, daß bie Landwirte unter dem erheblichem Steuer. brud eilig mit ihren Erzeugniffen zu Preisen herausmüssen, die nicht mehr lohnen und eine Beeinflußbarkeit durch den Weltmarkt preis nicht mehr aufweisen. In diefem Zusammenhang fei der jetzige Tlefftand des Reallohnes auch wirtschaftlich zu bedauern, wennfchon er gegenüber den Inflationsmonaten zumeist erheblich gestiegen sei. Bei allen Er. örterungen hierüber aber müsse man zugrunde legen, daß die Gefahr einer neuen Inflation unter allen Umständen vermieden werden müffe. So notwendig eine Berbesserung der Gehalt slage in der Beamtenschaft fei, so dürfe man feines falls eine Scheinbefferung anstreben, die zu neuer Inflation führe, benn diefe träfe gerade die anscheinend Bevorzugten felbst wieder aufs allerschwerste, da teine Steuer und feine Reallohn- und Kauffraftminderung so brüdend und unentrinnbar sei wie eine neue In flation. Einem folden Unglüd vorzubeugen sei auch der 3med der Steuernotverordnungen. Auch der Privatwirtschaft sei Erhöhung der Löhne an sich erwünscht und in Einzelfällen möge in der Tat der Lohnfah unter das wirtschaftlich richtige Maß gefunken fein. Im allgemeinen aber müffe man fich für eine gewisse Uebergangs. geit mit äußersten Erschwerungen abfinden, da hohe Löhne wohl eine Steigerung der Konsumtraft, auf der anderen Seite aber wiederum eine Erhöhung der Produktionstoften bedeuten. Der Wirtschaftspolitische Ausschuß erklärte fich einmütig mit dem Antrage Baltrusch einverstanden, dahingehend, bag bel ber weiteren Beratung über die Aufhebung von Einfuhrverboten fowie bei ben vorbereitenben Arbeiten über die fünftige Außen handelspolitit der Reichs mirtfchaftsrat feitens der Reichs. regierung rechtzeitig zur Mitarbeit herangezogen werden möge. Es Es war zu erwarten! Die Gegenfäße innerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands spizen sich immer mehr zu und erweitern ihre Auswirkungssphäre. handelt sich nicht nur darum, daß die einander bekämpfenden Richtungen, der Parteiapparat und die Opposition darauf an gewiesen sind, in der Kommintern und deren Landessektionen Unterstüßung zu suchen. Es geht vielmehr darum, daß die Krise der russischen Partei zusammenfiel mit einem tiefen inneren Gärungsprozeß, den die gesamte kommunistische Be wegung im Westen augenblicklich durchmacht. Deshalb scheint die abschreckende Warnung Sinomjews, des Hauptes der Kommintern, die Opposition möge den Fraktionskampf nicht in die Internationale hineintragen, fie möge die ausländischen Bruderparteien in Ruhe laffen und die internationale Disziplin nicht untergraben, unwiederbringlich zu spät zu fommen. Die Diskussion wird bereits außerhalb der russi schen Kommunistischen Partei ausgetragen. Wie unterschiedlich die ökonomischen und sozialpolitischen Wurzeln des russischen und des westeuropäischen Kommunis mus auch sein mögen, ein gemeinsames Fundament des„, Weltbolfchemismus" der Nachkriegszeit eriftiert zweifellos. Die Krisen sind zwei Erscheinungsarten eines und desselben Vor ganges. Beiden liegt der Zusammenbruch des putschistischen Utopismus zugrunde. Der beliebtefte, menn nicht gerabe der wesentlichste Ges bante des Weltbolschewismus ist zum mindesten in ber Agitation der des unmittelbaren Ueberganges vom Weltfrieg zur jozialen Revolution gewesen. Die Machteroberung zweds sofortiger Durchführung des Sozialismus mit den Mitteln terroristischer Diktatur, das war der Köder, mit dem breite, politisch ungeschulte Massen, die das Kriegselend und die grausamen Folgen der Friedensdiftate zur Verzweif lung getrieben hatten, in die kommunistischen Neze eingefan gen wurden. Das Fehlschlagen der Hoffnungen auf einen baldigen Sieg der sozialen Revolution, das Mißlingen der von den Kommunisten in einer Reihe europäischer Staaten unternommenen Generalangriffe, das waren im großen und ganzen die Ursachen, die eine ideelle und organisatorische Krisis des Bolschewismus sowohl in Rußland, als auch in den übrigen Ländern notwendig hervorrufen mußten. Rußlands neue Wirtschaftspolitit, jener erste Hieb, der auf das Haupt des intransigenten Butschismus niederfauste, gab den Anstoß zu einer Umstellung der Taftit der ganzen Kommintern im Sinne eines größeren Realismus. Aehnlich beruht die jetzige„ Diskussion" innerhalb der KPR. nicht blog auf der russischen Abfaktrise, d. h. der Krise der sogenannten neuen Wirtschaftspolitik und auf der Streitwelle, die sich über ganz Rußland ergießt, sondern zu einem nicht geringen Maße auch auf dem Zusammenbruch aller Illusionen in bezug auf eine tommunistische Revolution in Deutschland, wie sie im Herbst v. 3. auffamen. " Ich weiß," sagte Sinomjem in seinem bemerkenswerten Referat über bie internationale Lage auf der russischen Parteifonferenz, als die deutsche Revolution nicht gefommen war, trat bei uns eine sehr große Enttäuschung ein. Ihr hattet uns bie Revolution versprochen, sagte man uns, wo bleibt denn eure Revolution?" In der Tat war diese Enttäuschung dazu angetan, bie im Parteifumpf erstarrten und versteinerten Ge hirne aufzurütteln. Sie führte auch zu jener Diskussion, beren Folgen noch nicht abzusehen find. Bor drei Jahren wurde der Ausweg in der neuen Wirtschaftspolitif gefunden. Bo findet man ihn jett? Einen Ausweg unter Beibehaltung der tommunistischen Dittatur gibt es in Wirklichkeit nicht. Dieselbe Enttäuschung, die nach dem Fehlschlagen der deutschen Revolution" fich der ruffischen Bolschewiki be mächtigt hatte, verstärkte die Gärung und Berfegung innerhalb der gesamten Kommintern, insbesondere im Schoße der deutschen Partei, deren revolutionäre Bläne fich fo tläglich in ein nichts aufgelöst hatten. Die bewußte Ignorierung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der bestehenden Mächtetonstellation im Westen das Bestreben, die Sammlung ber proletarischen Kräfte im Rahmen der Demofeitens einer Minderheit zu erseken, verurteilt den europäischen Kommunismus zur gänzlichen Niederlage, zur absoluten Unfruchtbarkeit. erklärung über die innen- und außenpolitische Lage fratie durch revolutionäre Ueberrumpelungen feſtſen. Preußische Verwaltungsreform. Der Ausschuß für Berwaltungsreform des preußischen Band. tags lehnte am Freitag Anträge der Deutschnationalen, bie preußi fchen Gutsbezirte im jebigen Umfange beizubehalten, ab. An. nahme fand ein Antrag bes Zentrums, monach bie Feststellung bes Blanes für die Auflösung der Gutsbezirfe bem Brovingiairat zugestanden wird, gegen beffen Entscheidung Beschwerde an bas Staatsministerium zulässig fein soll. Die Richtlinien der Regierungs. vorlage fiber bie sa chlichen Vorausfeßungen für bie Auflösung eines Gutsbezirkes wurden noch verschärft; es soll von der Auflösung Abstand genommen werden, wenn ein eigenes Gemeinde. leben leicht möglich ist. Zum Schluß der Berhandlungen erflärte Minister Severing, baß die Staatsregierung auf eine be ihleunigte Behandlung diefes Reformmerfes der inneren Berwaltung Wert lege, Im Gegensatz zu der bunt zusammengewürfelten rusfifchen Bartei, die im ganzen 17% Broz. Arbeiter unter ihren Mitgliedern hat und ca. 2 Broz. des gesamten russischen Broletariats zu ihren Anhängern zählt, sind die kommunistifchen Barteien des Westens ihrer sozialen Zusammensetzung nach reine Arbeiterorganisationen, wenn sie auch von In telleftuellen vom Schlage des rabiat gewordenen Spießbürgers geführt sein mögen. Die diesen Parteien angehören. den Arbeiter find weber ihrer Ideologie noch ihren Bestrebun gen nach eine einheitliche Masse. Hier findet man vielmehr alles mögliche, putschistische, anarcho- fyndikalistische Elemente neben ben burch Krieg und Friedensverträge radikalifierten Anhängern der Sozialdemokratie. Je weiter sich die Aussicht auf die siegreiche fommunistische Revolution in weite Ferne verliert, desto unvermeidlicher wird hier eine Scheidung| internationale Arbeiterpolitit immer mehr in ein Instrument| Kommunisten irgendwelchen Sinn hat, ist auch zweifelhaft. zwischen den anarcho- syndikalistischen Elementen auf der nationalistischer Regierungsdiplomatie Sie bemühen sich jedenfalls mit ihrem Tamtam nach Kräften, einen, den Opportunisten, wie sie Sinowjem bezeichnet, auf verwandelt. der Reaktion Wasser auf die Mühle zu leiten. der anderen Seite. In der Mitte bleibt dann ein unentschlos fener„ Sumpf", der im Kampf der beiden extremen Flügel Wulle kann schreiben. aufgerieben wird. Bei jedem Ausbruch revolutionärer Stimmungen siegt die Linke", beim Abflauen der Welle die " Rechte". Der Kampf dieser beiden Strömungen, der rein utopistischen und der realistischer Eingestellten, führt zu Absplitterungen und Spaltungen. Der Mißerfolg der versprochenen" deutschen Revolution rückte in den Mittelpunkt der Tagesaufgaben eine mehr oder minder radikale umwertung aller Werte". In welcher Rich tung wird diese Umwertung in Moskau vollzogen werden? Welche Konsequenzen für die Zukunft ergeben sich aus den tragischen Ereignissen in Deutschland? Wenn der neue Linkskurs der Kommintern nicht ein bloßes Fraktionsmanöver ähnlich dem neuerdings in Mosfau durchgeführten Feldzug gegen die Bourgeoisie" oder eine eigenartige Aftion zur Forderung der diplomatischen Berhandlungen betreffend die Anerkennung Sowjetrußlands durch die auswärtigen Mächte darstellt, wird er noch weitere Uneinigkeit in die Reihen des internationalen Proletariats hineintragen. Es ist aber taum anzunehmen, daß der mit Begeisterung propagierte Linkskurs in den kommunistischen Parteien des Westens so glait aufgenommen werden wird, wie sich das Sinowjew varstellt. Der neue Kurswechsel der Kommintern wird den Prozeß der Zersehung und des Zerfalls der ihr angeschlossenen Parteien zweifellos beschleunigen. Es mag der Erefutive gelungen sein, die Hochzeit der Linken mit dem Sumpf in der deutschen Kommunistischen Partei zu bewerkstelligen und die rechten" Führer Brandler und Thalheimer durch Ruth Fischer und Maslow zu ersehen. Auch dies ist nur ein Pyrrhussieg. Der Zerlegungsprozeß des Kommunismus wird mit unabwendbarer Konsequenz weiter fortschreiten. 3m Kampf gegen die Opposition entschloß sich der sieg reiche Parteiapparat zu einem entschiedenen Lintsturs auf dem Gebiet der internationalen Bolitik. Auf diese Weise versucht man, die Opposition von links unmöglich zu machen. Da sich die Opposition auf innenpolitischem Gebiete als die Linke der Partei hinstellt, soll ihr Opportunismus, ihre Rechtseinstellung in internationalen Fragen festgenagelt werden! Ans Tageslicht damit!, fagt Ginowiew, der neueſtes Stellvertreter Lenins. In internationalen Fragen habe die Opposition, behauptet der Allgewaltige, eine gefährliche, fleinbürgerliche Rechtsintention. In der Außenpolitit, sagt er, möchten Radet, Trozki und Kraffin wer weiß was für ver hängnisvolle zugeständnisse an das internationale Kapital machen, um ja die Anerkennung nebst Krediten zu erlangen. In der internationalen Arbeiterpolitik besorgen sie die Geschäfte der Zweiten Internationale, unterstützen sie die Rechts strömungen in den kommunistischen Parteien des Westens. Die Opposition hat eine Niederlage erlitten, der Linksfurs triumphiert. Nach der Rede Sinowjews zerstreuen sich alle hinsichtlich der Einheitsfront" gehegten Illusionen. Die Fahne des Putschismus, des Seftierertums und der Spal tungspolitik ist erneut aufs Panier gehoben. Schärffter Kampf gegen die Sozialdemokratie! Rieder mit den Kompromissen! Die Taktik der Einheitsfront, wie sie in der sächsischen Koalis tion ihren Ausdruck fand, ist nach Sinowjem nichts als eine " banale parlamentarische Bosse". Für die Erekutive der Kommintern ist die Taktik der Einheitsfront nur eine Agitationsmethode. " " Die Sozialdemokratie ist ein Flügel des Faschismus, und daraus ergibt sich unsere Taktif... Sind die Sozialbemokraten zu einem Flügel der Faschisten geworden, dann müssen wir ihnen an die Kehle springen!"- Also sprach Sinowjew. Nach seiner Auffassung ist der Faschismus ein Agglomerat aus Reaktion und sozialer Demagogie. Was an fich eine ziemlich richtige Charakteristik auch der Partei wäre, die alle politischen Freiheiten vernichtet hat und, um mit dem felben Sinowjew. zu sprechen, durch die Aufpeitschung der Instinkte der nichtbefizenden Klassen" zur Macht gelangt ist. Für die weniger Einsichtsvollen möge folgendes fatale 3u sammentreffen als Beispiel dienen. In demselben Augenblic, wo sich die roten Armeen rüsteten, um der deutschen Revolution zur Hilfe zu eilen, wo die deutschen Kommunisten unter Anleitung von Moskauer Agenten den Generalstreif und ben bewaffneten Aufstand in Szene zu sehen sich bemühten, wurden im perheißenen Land der proletarischen Diktatur sich spontan über das ganze Gebiet der Republik ausbreitende Streits rück fichtslos und ohne Erbarmen von den verschiedenen Organen des„ roten" Heeres und der politischen Polizei niedergeworfen. Es genügt dieser Hinweis auf das doppelte Maß, mit dem bte russische Kommunistische Partei das eigene entrechtete und verelendete Proletariat auf der einen Seite behandelt, um auf der anderen Seite die deutschen Arbeiter zur Niederlage zu treiben. Hierin sehen wir zugleich ein bitteres historisches Paradoxon: die äußerste Linke der europäischen Arbeiter bewegung, die die utopisch eingestellten Massen umfaßt, steht unter Borherrschaft einer Partei, die unaufhaltsam den Prozeß ihrer tapitalistischen Umgestaltung durchmacht und ihre Hermann Stehr. Geb. am 16. Jebr. 1864. Von Willibald Omankowski. Wenn Hermann Stehr heute 60 Jahre alt wird, steht er mit seinem dichterischen Wert, das die Zonen Dostojewskis streift, vor einem Bolte, das ihn nicht kennt, obzwer er in der Sprache dieses Bolkes dichtete und schrieb. Denn es ging lieber zu anderen, zu Rudolf Herzog, zu Straß, zu Ganghofer, Otto Ernst, Tovote und Presber; von den unzähligen Eintagsfliegen gar nicht zu reben. Und das ist bei dem Kulturzusland eines Bolles nicht verwunderlich, deffen literarisch- tünstlerische Erziehung bei meist grauenhaft ungebildeten Lehrern begann, das dann weitere Nahrung fand in Literaturhandbüchern, die auf die Heiligen der Tradition hinweisen, und das schließlich in dem Unterhaltungsteil der Generalanzeigerpresse feine einschlafenden Geister auffrischte. Nun hat aber diefer Hermann Stehr weder Billen und Fähig zu unterhalten, noch bietet er schöne Geschichten". Er führt femme Leser durch die verschlungenen Stollenwege der menschlichen Seele an den Herzschlag der Welt heran, und was es da zu sehen gibt, das find Rätsel voll dunkler Qual; was es da zu hören gibt, das sind Seufzer und Schreie aus tiefster Not. So wird es verständlich, daß Stehr trozdem unbeachtet blieb, und es hat symbolische Bedeutung, daß die Literaturpolizisten, des deutschen Boltes gleich das erste Buch Stehrs, die Erzählung Auf Leben und Lod" bis auf die Drudplatten vernichteten. Stahlhelm hat Waffen. Halle a. d. S., 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Im benache barten Eilenburg wurde durch die Aufmerksamkeit einiger Bewohner bei einem Kaufmann Mann ein Waffenlager entdeckt, das u. a. Militärfarabiner und eine größere Menge zugehöriger Munition enthielt. Die Polizei beschlagnahmte den Fund. Die Waffen waren aufbewahrt im 2ftrage des Stahlhelm". Demonstrationsunruhen in Sachsen. Das Verbot des Deutschen Tageblattes" aufgehoben. Das Deutsche Tageblatt", das wiederholt verboten worden ist und das auch seit dem Berbot der Partei sein Erscheinen einstellen mußte, hatte gegen die in Frage kommende Verfügung des Oberbefehlshabers Beschwerde eingelegt. Der Staatsgerichtshof hat nunmehr entschieden, daß das letzte Berbot zu Unrecht erfolgt sei und das Wiedererscheinen der Zeitung freigegeben. Die Thüringer Wahl. Amtliches Wahlergebnis. Welmar, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Das endgül tige amtliche Wahlresultat über die Thüringer Wahlen er. gibt für die Sozialdemokratische Partei bei 203 380 für sie abges gebene Stimmen 17 Abgeordnetenmandate. Die Kommunisten erhielten nach dem amtlichen Ergebnis 162 114 Stimmen mit 13 Sißen im Parlament. Auf den Ordnungsbund entfielen 421 883 Stimmen mit 35 Abgeordneten. Die Deutschvölkischen erhalten 7 Size bei 81 706 Stimmen. Bon insgesamt 934 634 Wahlberechtigten nahmen 879 494, also weit über 90 Prozent, an der Wahl teil. Bei der Wahl 1921 zählten die beiden sozialistischen Parteien zusammen 265 566 Stimmen, die Kommunisten 73 709. Die Sozialdemokratie büßte also 62 186 Stimmen ein, während die Kom munisten 88 405 gewannen. Die im Ordnungsblod zusammengefaßten Parteien zählten 1921 333 507 Stimmen, sie haben jetzt 88 376 gewonnen, wozu man noch die 81 000 Bölkischen hinzurechnen muß. 1921 beteiligten fich allerdings nur 72 Prozent der Wahlberichtigten an der Abstimmung. Bei der jetzigen Wahl wurde fast überall von Frauen und Männern getrennt abgestimmt. Es ist nun bezeichnend, daß das lebergewicht der Frauen beim Ordnungsblod ganz gewaltig ist. Aus einigen Städten, deren Einzelrefultate uns gerade vorliegen, geben wir eine vergleichende Zusammenstellung der männlichen und weiblichen Stimmen. Es wurden gezählt in: Meiningen: Sozialdemokraten. Kommunisten. Völkische Drdnungsbund. Apolda: Schmölln: Sozialdemokraten . männlich weiblich 769 807 589 446 • 883 1084 1467 2470 1431 1592 Kommunisten. 1078 1002 Völkische 467 439 • Drdnungsbund 3146 3975 • Sozialdemokraten 1319 1611 Kommunisten. 584 441 77 87 Ordnungsbund 1107 1467 778 754 900 768 90 69 • 912 1064 • • Völlische Meuselwitz: Sozialdemokraten Dresden, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Während in den fächsischen Großstädten der 13. Februar im allgemeinen zu feinen ernstlichen Unruhen geführt hat, ist es in mehreren fleineren Orten zu bedauerlichen Ausschreitungen gekommen. An Einzelheiten wird amtlich u. a gemeldet:„ Bombenanschläge erfolgten in Lauter, Hartmannsdorf und Schwarzenberg, wodurch eine Berson verletzt wurde. Zahlreiche Kommunisten find als Teilnehmer bzw. Anstifter der Unruhen verhaftet, worden. In Hohenstein Ernsttal wurden zehn Angehörige der KPD. in Haft genommen. Am Nach mittag 30gen 200 bis 300 Demonstranten zum Amtsgericht, um die Verhafteten zu befreien. Polizei und Justizbeamte wehrten den Angriff ab. Der Sohn eines Fabrifbefizers wurde auf der Straße erfannt, von hinien angeschossen und schwer verletzt. Die heranziehende Landespolizei traf die Demonstranten schon im Ausein andergehen und fand keinen erheblichen Widerstand. Am Donners. tag wurde gegen eine Hohensteiner Fabrit ein Sprengstoffanfchlag verübt und dabei großer Sachschaden angerichtet. In Leipzig wurden Haussuchungen bei kommunistischen Führern vorgenommen. Wichtiges Material wurde beschlagnahmt." Diese Meldungen werden von reaktionären Kreisen in Sachsen mit Wonne aufgegriffen, um die absolute unentbehrlichkeit des über alles geliebten Ausnahmezustandes zu erweisen. Es bagelt schon wieder Protesttelegramme. Der Berband sächsischer Industrieller und der Sächsische Landbund" telegraphierten an die Reichsregierung und an General v. Seedt. Der Wahlkreisverband Ostfachsen der Deutschen Volkspartei wandte fich ebenfalls an den Reichskanzler. Die Telegraphen- Union" verbreitet diese Meldungen mit sichtlichem Wohlbehagen. Sie zitiert auch einen Artikel, der angeblich von der Nachrichtenstelle der Sächsischen StaatsZur Abrüftung beitragen soll eine in Rom togende lintertanzlei verbreitet werden soll und der aus den bedauerlichen kommission des Bölkerbundes, die einen vorbereitenher Provokationen im Vogtland den erwünschten Schluß zieht, Blan für die automatische Ausdehnung des Washingtoner Ab daß man doch ohne Ausnahmezustand nicht leben kann. Darüftungsabkommens auf die nichtfignatarischen Mächte des Völker bei sind die Bombenanschläge, wenn die Meldungen richtig bundes cusarbeiten soll. sein sollten, so blöd, daß man sie selbst den Kommunisten nicht zutrauen fann und einstweilen lieber Provokationen annehmen möchte. Ob freilich eine Mahnung an die Adresse der 99 nimmt teil an ihren Freuden und Schmerzen, belaufcht all ihre große und vielgestaltige Not und wird ihr Anwalt. So nennt er trotz aller Erniedrigungen jene Jahre des Kampfes„ reich, berauscht, lachend und fühn". Langsam und sicher findet er den Kontakt mit Webern, Schindelmachern und anderen fleinen Handwerkern, mit Wald- und Feldarbeitern. Was auf die Seele des Kindes als dunkelschwere Ahnung sich legt all der Kummer eines um seiner politischen Gesinnung willen geachteten Vaters, alle die Mühseligteiten und Beladenheiten, unter denen die Mutter welkte vor der Drama, bedeutet Stehr Zeit, all das beginnt die gereifte Seele des Mannes zu erfassen in ganzer Fruchtbarkeit. So wird Hermann Stehr der Dichter des proletarischen Menschen. Was Gerhart Hauptmann im wie Hauptmann ein Schlesier, geboren in Habelschwerdt im Roman, wobei er freilich die Mittel seiner Kunstform in weit reicherem und höherem Maße nüßt als jener. Denn wo Hauptmann es häufig mit einer zeichnerischen Gefte genug fein läßt, andeutet und weitergeht, bleibt Stehr stehen. 3äh und unnachgiebig padt er gerade das Härteste, Schrofffte, Abseitigste, Unerschließbare und bohrt sich mit ganzer Kraft in das Herz der Dinge hinein. Mit besonderer Liebe legt der Dichter aber das Seelenleben der„ Seltsamen", der feelisch Kranken, der Verbitterten, Einsamen, Geschlagenen, Schiffbrüchigen des Lebens bloß. Hier ist er ein Meister Don unerhörter Kraft und Eindringlichkeit. Kommunisten. Völlische Ordnungsbund Ueberall zeigt sich gerade beim Ordnungsblod ein außer. ordentlich starkes Ueberwiegen der weiblichen Stimmen. Was um so fennzeichnender ift, als die Parteien dieses Blocks durchgängig als Gegner des Frauenwahlrechts anzusprechen find. Die Tatsache zeigt aber auch, daß gerade die meibliche Bählerschaft den Einwirkungen der systematischen Verleumbung am ersten unterliegt. Die Spigbergenfrage. Norwegen het Somjetrußland de jure anerkannt, doch soll eine Haup bedingung die Anerkennung Spitzbergens als norwegisches Gebiet sein. Es ist für Stehr bezeichnend, daß er, alles Geräusch eines marktschreierischen Lebens meidend, niemals um die lauten Massen geworben hat. In unserer wunden, wirren Zeit wird seine Dichtung dem ernsthaften Menschen weiterhelfen, ihn führen zu Rast, Befimmung und Wesentlichkeit. Links- Schreib- Virtuosen. Man schreibt uns: Der vor einigen Tagen verstorbene Direktor interessierte sich auch lebhaft für Links- und Doppelhändigkeit, wozu des Museums für Völkerkunde in Berlin, Prof. von Lusch an, er durch seine etnographischen Studien veranlaßt war. Es steht fest, daß alte Kulturvölker gewohnheitsmäßig die linke Hand weit mehr, als wir es tun, zur Mitarbeit auf allen merttätigen Lebensgebieten herangezogen haben. In Schweden, England, Amerika ist Die Erziehung zur Doppelhändigkeit schon längst auf die Schulen übergegangen. In Deutschland ist man von diesem Ziel noch weit entfernt. Während des Weltkrieges wurde die Frage wieder afut durch die vielen Taufende von Kriegsteilnehmern, die den rechten Arm verloren hatten. Schreiber dieser Zeilen, der seit über 20 Jahren abwechselnd mit beiden Händen schreibt, mit der Linken noch erheblich schneller als mit der Rechten, hielt in Berlin im Jahre 1915 vor zahlreichen Einarmigen einen Demonstrationsvortrag über die Doppelhändigteit. Hierzu hatte ihm Geheimrat von Lufchan mitgeteilt, er und fachkundige Freunde hielten Angaben aus der Literatur, daß die heranziehung der linken Hand bei sonst gefunden Kindern die geistige Entwicklung ungünstig beinflusse, für falfch. Weiter heißt es: Ich kenne mehrere hervorragend begabte Leute, die gleich. der linken Hand natürlich Spiegelschrift." Das Wort gleichzeitig ist hier unfiar. Schreiben mit beiden Händen zu gleicher Zeit wäre nicht nur nutzlofe Spielerei, fondern müßte ungünstig auf die Geistestätigteit wirfen, während das abwechselnde Schreiben oder Zeichnen mit beiden Händen nach zahlreichen Erfahrungen die geistige Ent widlung ohne jeten späteren Schaben fogar sehr belebt hat. Die Linksschrift ist dann feine Spiegelschrift, sondern genau so forrett und deutlich besbar wie die Schrift mit der rechten Hand. Nur ist sie Steilschrift oder neigt nach links. Stehr jetzt beim Leser vor allem Stille voraus, Stille in fich und um sich. Die Romanleser des täglichen Lebens werden mit ihm nichts anfangen fönnen, weil sie feine Sprache nicht verstehen, Stehr lesen heißt: denkend lefen und lesend denken. Aber Stehrszeitig mit der rechten und der linken Hand schreiben tönnen, mit Bert ist nich etwa nur graue Trübfinnsdichtung; überall bei ihm blaut der Himmel des reichen, strogenden Lebens, und immer weiß er die Segen der reinen Natur zu breiten über die Wehen des Erdendaseins. Er sagt: Julegt auch mit himmlischen, göttlichen Augen betrachtet, ift das Leben jedes Menschen gleich zerbrechlich, gleich unvergeßlich und groß." Ein Mensch aber, der es wagte, feine Brüber vor einem von Kirchenbeamten verhandelten und verschandelten Evangelium zu warnen, mußte zeitig erledigt werden. Die Inquifition des 19. Jahr hunderts, die über humane Folterfammern und Scheiterhaufen, die nur den Leib quälten und töteten, inzwischen zu weit graufameren Mitteln übergegangen ist: zur langsamen Strangulation der Seele, hetzte die des jungen Etehr durch alle Gräber und Höllen; in diefer schlimmen Zeit brohte auch der barber de Leib zu zerbrechen. Lieft man daraufhin den Roman„ Drei Mächte", so meiß man um all die inneren und äußeren Nöte, um alle Alengfte, Kämpfe und Eintritit( prechen baraus. Kampfansage und Wegweiser sind gleich famfeiten, denen der junge Landlehrer Hermann Stehr erbarmungs los preisgegeben war. Eingeteilt in eine Gesellschaft verständnisloser Berufsgenossen, die die Knute flerifaler Borgefeßten in fflavischer Gelassenheit ertrugen, sich darunter beinahe wohl fühlten und sich für Spißeldienste Borteile zu erdienern mußten, zieht sich Stehrs empfindsame, nur dem Schönen und Wahrhaften aufgetane Seele immer tiefer in fich zurüd. Er wendet sich ab von den faulen Spießern mit ihren schlimmen bürgerlichen Ausdünstungen und geht zu jenen, bei denen noch unverbildetes, reines Menschentum zu finden ist. Der Sohn des Sattlers geht zu den kleinen Leuten, sest fich an ihren Tisch, Aus dem Schmerz gebar fich Hermann Stehrs ganze Dichtung. Langsam und in oft großen, zeitlichen Abständen brach sie sich von feinem Leben los: In fast 25 Jahren ein knappes Dugend Bücher. Nicht julegt der menschliche Ernst und die hohe künstlerische Selbstdie ersten Novellen:„ Der Graveur" und" Meide, der Teufel". Im Schindelmacher" rächt sich ein feinem Altersschidfal überlaffener und verlaffender Greis an feinen herzlofen Kindern. Die Tragödie einer im grauen Eineriel des Tages hinfiechenden subtilen Frauenfcele schildert Lenore Griebel". Ein Seitenstüd zum fleinen Hannele Hauptmanns bietet die Geschichte„ Das lezte Rind", ein gewaltiges, sich bis zu letzten Graufigkeiten steigerndes Eheleben und sterben enthält der oft an die großen Ruffen erinnernde Begrabene Gott". Als letzte Gabe seiner Kunst schenkte Hermann Stehr vor wenigen Jahren die Gedichte:„ Ein Lebensbuch". Arbelfer und Dichter. Der durch die Ueberfeßung feiner Ro mane auch bei uns bekannt gewordene spanische Dichter Benito Perez Galdos genießt bei seinen Landsleuten eine unbegrenzte Bopularität, die den im Jahre 1920 verstorbenen spanischen Balzac als echien Bellsdichter fennzeidmet. Wie tief diese Liebe wurzelt, dafür erbringt die folgende Geschichte überzeugenden Beweis: Der Stadtrat von Madrid hatte schon vor langer Zeit eine Summe von 15 000 Befetas bewilligt, die dazu dienen sollte, an dem Haus, in wie es nicht nur in Spanien zu geschehen pflegt, geriet die Denk dem Galdos lebte und starb, eine Gedenktafel anzubringen. Aber malsangelegenheit allmählich micder in Vergessenheit. Am letzten Heiligen Abend fand sich im Haufe des Dichters ein einfacher Arbeiter ein, der den Entel des Dichters, der gegenwärtig dori wohnt, zu sprechen fuchte. Ich bin," erklärte er diefem, ein glühender Pirmasens und Poincaré. Er beschuldigt die bayerische Regierung. Paris, 15. Februar.( Eca.) Kammer. 3m Berlauf der Steuerdebatte tam es zu einer kurzen Aussprache über die Ereiguiffe in der Pfalz. Nach einigen Bemerkungen, daß die Vereinigten Staaten und England noch nicht bereit seien, ihre Rüstungsausgaben zu beschränken, jagte Abg. Lefèvre, die Ereignisse von Pirmasens müßten die Kammer zum Nachdenken veranlassen. 3n einem Ort, 11 kilometer von Frankreichs Grenze, der von den Franzosen besetzt sei, habe eine deutsche Truppe ein Gebäude belagert und gegen die Separatisten gewütet. Das beweise eine Angriffstraft, die für die Zukunft nicht gerade beruhigend wirke. Der Royalist Leon Daudet rief, es sei ein außerordentlich ernstes Unzeichen, daß die französischen Behörden eine große 3u rüdhaltung bewahrt hätten. Diese Bemerkung veranlaßte Poincaré zu erklären: Die französische Bejahungsbehörde hätte die neutralität bewahrt, indem sie soweit wie möglich für Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gesorgt hätte. Die Rheinlandtommission habe einstim. mig den Belagerungszustand verhängt, und es fel nicht bestimmt festzustellen, ob die Ereignisse Frautreich Recht gegeben haben und ob jeine Allierten begriffen haben, daß der Angriff haben und ob seine Alliierten begriffen haben, daß der Angriff von der nationalistischen bayerischen Regierung ausging. Die Lösung der Pfalzfrage. Mannheim, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die aus je einem Franzosen, Engländer und Belgier bestehende Unterfuchungstommiffion, die im Auftrage der Rheinlandtommission die jüngsten Vorgänge in der Pfalz untersuchen soll, hat ihre Tätigkeit in Speyer damit begonnen, daß sie die Bürgermeister der größten Städte des Landes, von Speyer, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Pirmasens und Landau zu sich bat und sich von ihnen Bortrag halten ließ über die Stimmung und die Ereignisse in einzelnen Städten. Die weiteren Verhandlungen wurden mit dem pfälzischen Kreistag und vor allem dessen Borsigenden geführt. Auch die Vertreter der pfälzischen Preffe sind bereits von der Kommission gehört worden. Im Verlauf der Verhandlungen gaben die Mitglieder der Kommission von Anfang an ihrer Auffassung einmütig dahin Ausdruck, daß die Pfalzfrage eine Lösung nach den Wünschen der Bevölkerung finden folle; daß aber die Kommission, die ihre Aufgabe dahin sehe, die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, von der Bevölkerung in Zukunft völlige Ruhe erwarte. Auch Landstuhl befreit. Landstuhl, 15. Februar.( Mtb.) Die hiesige separatistische Be. irtsamtsaußenstelle wurde von den Separatisten geräumt. Nachmittags gegen 2 Uhr 30g ein Teil der Bevölkerung por das Stadthaus, holte die separatistische Fahne herunter und zog dafür eine Fahne in den bayerischen Farben auf. Sodann wurde auch Dom Bezirksamtsgebäude, aus dem die Separatisten ebenfalls geflohen waren, die Berräterfahne heruntergeholt. Zu Ausschreitungen rber Ruheſtörungen ist es nicht gekommen. Im Finanzamt und in der Bezirksamtsaußenstelle sind die deutschen Beamten wieder eingezogen. Französisches Militär patroulliert in den Straßen. Verkehrsfreiheit im besetzten Gebiet. Köln, 15. Februar.( WTB.) Die Rheinlandtommiffion teilt mit, daß die Ordonnanz 177 für alle befeßten Gebiete aufgehoben wird. Der Berkehr ist demnach innerhalb der befetten Gebiete vollkommen frei. Ebenso ist die Ausfuhr von ausländischen oder inländischen Brennstoffen( Rohle, Rots oder Braunkohle) nach dem unbefehten Deutschland und dem Aus land wieder gestattet. Die Einfuhr ausländischer Rohlen bleibt jedoch weiter von einer Einfuhrbewilligung abhängig. Die deutsch- polnischen Verhandlungen in Genf haben begonnen. Borsigender ist Sonza Darte( Brasilien). Es handelt sich um die Artikel 3 und 4 des Vertrages über die nationalen Minoritäten, insbesondere um Staatsangehörigkeit und Optior. Bewunderer Don Benitos, dessen sämtliche Werte ich fenne. Jeden Tag lese ich ein paar Seiten seiner Bücher und jeden Tag erscheint er mir größer. Mein Weg von und zu der Arbeitsstätte führt mich täglich an Ihrem Hause vorbei." " Sehr schön," unterbrach ihn Don Benitos Enfel. Aber womit kann ich Ihnen dienen?" " Ich komme mit der Bitte," antwortete der Mann, mir einfachen Mann zu gestatten, die Gedenktafel, mit der der Stadtrat nicht fertig werden fann, persönlich anbringen zu dürfen." Selbstver ständlich wurde ihm die Erlaubris erteilt und am Silvestertag des vorigen Jahres befand sich die Gedenktafel auch schon an Ort und Stelle. Der Arbeiter meigerte sich energisch, seinen Namen zu nennen und begründete diese Weigerung, daß ja auch Don Benito von seiner Eristenz nichts gewußt habe. Revolutionshochzeit von Sophus Michaelis.( RenaissanceTheater.) Ein Spiel von Liebessucht und Lebensgier, von Todesfurcht und Heldsamkeit, mit Marseillaisentlang und Freiheitsschall, ein Schau- Spiel. Blendende Darstellung in den Hauptrollen, verfehlte in den Nebenrollen, primitive Regie und ein lauter Erfolg. Dgr. Ein neuer Weg zur Krebsverhütung? Wie uns durch eigenen Drahtbericht aus London gemeltet wird, bringt Evening Standard" einen aussehenerregenden Bericht über neue Krebsforschungen des Dr. Louis Sambon, eines Londoner Fachmannes für Tropenfrankheiten Dr. Sambon wurde von der britischen Kommission zur Bekämpfung der Krebskrankheiten beauftragt, die adriatische Küste Italiens zu befuchen, wo solche Krankheiten in einigen Gegenden außerordentlich häufig auftraten. Es gelang den Unter fuchungen Dr. Sambons, ganz neues Licht auf die Ursachen des Krebses zu werfen, und es ist denkbar, daß sie zu einer Berhütung der Krankheit führen können. Einige Gegenden, die er besuchte, boten einen günstigen Boder für seine Arbeit. In einer Ortschaft fand er z. B. 500 Personen, die am Krebs litten, in einer anderen war fast jeder Einwohner frebstrant. Nicht weit dapon gab es Ortschaften, wo ein Krebsfall seit 20 Jahren nicht mehr vorgekom men war. Eine genaue Untersuchung der Lebensbedingungen in den beiden Gebieten haben zu höchst wertvollen Ergebnissen geführt. Es ist zu hoffen, sagt Standard", daß diese Forschungen die Krebsfrage auf den rechten Weg bringen und einen Schritt nach vorwärts bedeuten werden. すす Tutankhamen für die Aegypter. Aus Kairo wird gemeldet, die ägyptische Regierung habe beschlossen, die Fortsetzung der Ausgrabungsarbeiten am Grabe Tutankhamens dem Departement für Altertumsforschung zu übertragen. Der Eingang des Pharaonen grabes wird gegenwärtig von einer starken Polizeiabteilung bewacht. Die Blätter fordern, daß die Ausgrabungen fünftig in ägyptischen Händen bleiben. Eine gencue Nachbildung des Grabes und seines Inhalts wird englischerseits auf der großen britischen Reichsausstellung vorgeführt werden. ziger Strake 3. " Borträge. Der Breußische Minister des Innern Sebering ipricht an der Leffing- Hochschule über„ Bege zu beutscher Zutunft": am Sonnabend 8 Uhr im Bienai faal des ehemaligen Herrenhauses, Leip: Eine Führung durch die Abgußfammlung griechischer Bildwerke in der Universität, Dorotheenftrane, findet Sonntag, den 17., vormittags 11 Uhr, statt. Eintrittspreis 30 Pf. in Das Gesetz gegen die Gemeinden. ihrer endgültigen Fassung vor. Sie wird, unbeschadet der AusEndlich liegt die fo lange umfämpfte dritte Steuernotverordnung| gar Beseitigung des Reichsmietengefeges, zugunsten einandersetzungen in Reichstag, die Finanzgebarung der diefe feine Auffassung mehrfach bekundet und in der Fassung der des Hausbefizes hinsteuert. Der Finanzminister Dr. Luther hat über dem ersten Entwurf für die Gemeindefinanzen in zahllosen Die ausdrückliche Festlegung des dem Hauswirt zur Verfügung Gemeinden aufs wesentlichste beeinflussen. Sie bedeutet gegen Berordnung finden sich die Spuren dieser Anschauung deutlich genug. wichtigen Punkten eine ganz bedeutende Verschlechterung. stehenden Mietanteiles auf 30 Proz. der Friedensmiete am 1. April Die endgültige Fassung behält zunächst die im ersten Entwurf bereits 1924 bedeutet bereits jetzt schon eine sofortige und wesentliche Steige. vorgesehene neue Belastung der Gemeinden bei. Die bisher rung, denn in den Ländern, in denen, wie in Preußen, jetzt bereits gezahlten Besoldungszuschüsse fallen fort, der feit Ende Dezember 30 Broz. Miete erhoben werden, lasten auf diesen 30 Broz. bedeutende schon mesentlich gekürzte Sazz der Zuschüsse, wird vom 1. Februar meinden darstellen. Der Ertrag der neuen Steuerquelle ist voll. durch eigenartige Berechnungsmethoden des Reichsfinanzministeriums Grundsteuern, die wesentliche Einnahmequellen für Land und Geauf 50 Proz., vom 1. März auf 25 Proz. verkürzt, vom 1. April ab tommen unsicher. Der Versuch ihrer Erhebung muß zu den erledigt sich diese Einnahmequelle überhaupt. Es bleibt dabei, daß schwersten Berwicklungen führen und die Gemeinden in ihrer sozialen Aufgabe aufs allerschwerste schädigen. In ganz furdie Aufgaben der Wohlfahrtspflege, des Schul- und Bildungswesens und der Polizei den Ländern nach Maß- zer Zeit bereits wird sich herausstellen, daß die starke Neubelastung gabe näherer reichsrechtlicher Vorschriften zu selbständiger Regelung" der Gemeinden mit dieser Steuer nicht gedeckt werden kann. überlassen werden. Die Angaben der Berordnung auf diesem Ge. Außerordentlich wichtig für die Gemeindefinanzen sind die Bebiete weichen nicht wesentlich von der ursprünglichen Faffung ab. Stimmungen, die die Anleihen der Gemeinden im Gegensatz Es bleibt dabei, daß dieser Belastung, deren Ausmaß trotz der zu den Anleihen des Reiches und der Länder ausdrücklich besonSchäzung der Reichsregierung auf 400 Millionen Goldmart noch deren Borschriften unterwirft. Offenbar soll die Aufwer vollkommen ungewiß ist, verhältnismäßig unbedeutende Er- tungsmöglichkeit, die bei den Schuldverpflichtungen des Reiches durch höhungen der Gemeindeeinnahmen aus der Neuregelung des Finanz- die Reparationslaften eingeengt ist, bei den Gemeinden durch Zuausgleiches bei Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer gegen- griff auf ihr Bermögen erweitert werden.§ 16 Abs. 3 bestimmt überstehen. ausdrücklich, daß die oberste Landesbehörde beim Borliegen beson= derer Verhältnisse für die Anleihe einer Gemeinde oder eines Ge. meindeverbandes" eine von den Bestimmungen für die Reichs- und Länderanleihen abweichende Regelung treffen kann. Damit schwebt über allen deutschen Gemeinden die Drohung einer neuen, in ihrem Ausmaß nicht zu übersehenden Belastung. Und diese Drohung muß selbstverständlich die finanzielle Lage der Gemeinden, die ohne jeben Kredit sind, aufs äußerste erschweren. Das Kernstück der neuen Einnahmen verbleibt entgegen dem ausdrücklichen Willen der Parteien die gefeßliche Möglichkeit für die Länder, eine Mietsteuer einzuführen. Die einschlägigen Bestimmungen der Verordnung lassen klar erkennen, daß um diese Mietsteuer und ihre detaillierte Ausgestaltung, durch die ihr Charafter unter Umständen wesentlich beeinflußt. wenn nicht ganz geändert werden fann, die entscheidenden Auseinander. fegungen erst in den Ländern stattfinden müssen. Wir werden also in allen deutschen Ländern in ganz furzer Zeit die heftigsten parlamentarischen Kämpfe um die Neugestaltung des Mietwesens bekommen. Daß 10 v. H. der auftommenden Steuererträge der Förderung der Neubautätigkeit zu gewandt werden sollen, bedeutet nur eine bei der Lage auf dem Wohnungsmarkt unvermeidliche; aber deswegen doch für die bürgerlichen Parteien peinliche Konzeffion. Biel flarer als in der ersten Fassung kommt der Wunsch der Reichsregierung zum Ausdruck, diese Erhöhung der Mieten, soweit sie Erträgnisse für die Deffent Itchkeit abwirft, auf eine bestimmte Zeit zu beschränken. Als Termin ist der 31. März 1926 angegeben. Die Beschränkung soll nicht etwa erfolgen, weil man hofft, in furzer Zeit diese unsoziale Steuer durch Belastung des Besizes zu ersetzen, sondern weil man offenbar auf eine generelle Erhöhung der Mieten, auf eine Aenderung, wenn nicht Französische Klassenjustiz. Paris, 15. Februar.( WIB.) Der Geschäftsführer der„ Humanité" Bandeputte war megen Veröffentlichung der Berliner Rede des Dichters Barbusse in Form einer Adresse an die deutsche Arbeiterschaft, insbesondere die des Ruhrgebiets, in An= lage zustand versetzt worden, und gleichzeitig mit ihm die Mitglieber der tommunistischen Jugendpereinigung Poriot und Rebertois. Die Angellogten find gestern zu folgenden Strofen verurteilt worden: Poriot zu 6 Monaten Gefängnis und 100 Franken Geldstrafe, Bebertois und Bandeputte zu 4 Monaten Gefängnis und 100 Franken Geldstrafe. Aufschub der französischen Kammerwahlen? Paris, 15. Februar.( WTB.) Nach dem„ Quotidien" foll der Ministerrat gestern mit Rücksicht auf die voraussichtliche Finanzdebatte in der Kammer und besonders im Senat in Erwägung gezogen haben, die Kammerwahlen bis zum 11. Mai auf zu schieben. Vor einem Hafenarbeiterstreik in England. London, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Heute war ber kritische Tog in dem Dodarbeiterkonflikt, ba, wenn Sie Berhandlungen fehlschlugen, der Streif am Sonnabend beginnen soll. Bisher sind die Versuche, cine Einigung zu erzielen, trotz der Vermittlung des Arbeitsministers Shaw vergeblich gewesen. Infolgedessen hat der Hafenarbeiterverband on die Bezirksleiter Parole auszugeben, daß die Arbeit am Sonnabend, 12 Uhr mittags, in allen Häfen die Anweisung telegraphisch ergehen lassen, die niederzulegen sei, es sei denn, daß bis dahin eine Gegen parole eintreffen würde". Es besteht demnach eine gewisse Hoffnung, daß noch im Laufe des heutigen Abend ein Kompromiß gefunden werde. Macdonald erkrankt. London, 15. Februar.( EP.) Die Times" teilen mit, daß macdonald an Neuritis( Nervenentzündung) ertranft ist. Arbeiterpartei und Internationale. London, 15. Februar.( BTB.) Im Oberhause fagte gestern Lord Parmoor gegenüber den Behauptungen Lord Charm. woods und des Herzogs von Northumberland, der Premierminister hätte bereits erklärt, daß die Arbeiterpartei von der Internationale in ihrem Wahlprogramm enthaltenen Politik stehen. pollkommen unabhängig sei. Die Arbeiterpartei werde zu der Der Poplar- Konflikt. sprechen ausführlich den von den Liberalen im Unterhaus einCondon, 15. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Blätter bzgebrachten Antrag gegen den Gesundheitsminister Wheatley. Der Antrag geht dahin, daß die von dem sozialistischen Stadtrat der Londoner Borstadt Poplar ausgezahlten Arbeitslosenunterstüßungen, die vom Minister gutgeheißen wurden, rüd gängig gemacht diesen Antrag unterſtüßen werden, jedoch foll seine Begründung in werden. Die Blätter meinen, daß eine ganze Anzahl Konservativer einer Form erfolgen, die vom Ministerpräsidenten nicht als ein fundheitsminister betrachtet zu werden braucht. Der Antrag besagt, Mißtrauensvotum gegen ihn oder auch nur gegen den Gedaß die vom Minister angeordnete Maßnahme die Gefeßwidrigkeit und Vergeudung fördern würde, und erflärt, daß das enzige Mittel, die Schwierigkeiten beizulegen, in denen sich die von der Not heim gesuchten Bezirke befinden, in einer Reform der Londoner Gemeindeverwaltung liege. Macdonald fogte am Donnerstag im Unterhaus, daß diese Frage nicht als eine Parteifrage behandelt werden sollte. Es handle sich nicht um einen Gegensaj zwischen Bergeudung und Sparsamkeit, sondern um die Wirksamkeit diefes oder eines anderen Vorgehens. Indessen erwartet man, daß der liberale Führer Sir John Simon im weiteren Berlauf der Debatte die Zurüdnahme der Verfügung des Gesundheitsminifters vor allem darum fordern wird, weil sie mit den bestehenden gefez lichen Bestimmungen im Widerspruch stehe. Die ArbeiterM Ein gutes hat vielleicht der neue Finanzausgleich doch für sich. Er ist in all seinen Zeilen so unzureichend und so sehr Augenblidsarbeit, er bringt so wenig endgültige und finanziell befriedigende Lösungen, daß man ihn ohne weiteres als ein Provisorium bezeichnen fann. Der wirkliche Finanzausgleich steht erst bevor. Er hängt selbstverständlich mit der möglicherweise kommenden Lösung der Reparationsfrage zusammen. Borläufig werden die Gemeinden auf der neuen Grundlage nur von der Hand in den Mund leben fönnen. Abbau und nicht Aufbau wird unter dem Zeichen dieser, den Stempel der Steuerscheu deutlich an der Stirn tragenden Steuerregelung immer noch die Parole der Gemeindepolitik bleiben müssen. Erst die Erkämpfung einer gerechten Berteilung der Steuerlaften und eine Heranziehung der wirklich leistungsfähigen Kreise wird auch den Gemeinden die neuen Lebensmöglichkeiten erschließen, die fie unbedingt gebrauchen, partei stimmt grundsätzlich dem in dem Antrag zum Ausdruck gebrachten Standpunkt zu, daß die Maßnahmen mit den gegen= wärtigen gefeßlichen Bestimmungen nicht zu vereinbaren seien; aber wie Macdonald in seiner Rede erklärt hat, handelt es sich um längst peraltete gesetzliche Bestimmungen. Insbesondere müsse die Frage geprüft werden, inwiefern die Kommunalpolitik finanziell den Bedürfnissen der armen Bevölkerung entspreche. Aenderung der Erwerbslosenfürsorge. Nene Beitragslaft für Arbeitende. 290 Die Nachtausgabe von WTB. bringt folgende Mitteilung: Der noch immer außerordentlich große Umfang der Arbeitslosigkeit, die Lage der öffentlichen Finanzen und die Notwendigkeit des Gleichgewichts im Reichshaushalt, die gerade in den Berhandlungen mit dem Internationalen Sachverständigenausschuß bisonders deutlich geworden ist, haben eine Nachprüfung der Bestimmun gen über die Erwerbslosenfürsorge im Sinne wirtschaftlicher Ausgeftaltung notwendig gemacht. Diese ist in der Verordnung der Reichsregierung vom 13. Februar 1924 erfolgt. Die Pflicht der Erwerbslosen, für die öffentliche Unterstügung eine gewissen Gegenleistung durch Arbeit einzuführen, wird beibehalten, jedoch ist der Grundfaß, daß die Pflichtarbeit ich auf gemeinnügige Arbeiten beschränkt, schärfer herausgearbeitet und sichergestellt, daß die Arbeitslosen nur zu olchen Pflichtarbeiten herangezogen werden, die ihnen nach ihrem törperlichen Zustande zugemutet werden fönnen. Zu den Pflicht arbeiten können auch jugendliche Erwerbslose unter 16 Jahren herangezogen werden, die dann auch stellt, daß der Arbeitsmarkt für diese Altersgruppen besonders unUnterstützung erhalten. Im übrigen werden Erwerbslose unter 18 Jahren nur unterstüßt, wenn die oberste Landesbehörde festftellt, daß der Arbeitsmarkt für diese Altersgruppen besonders ungünstig ist. gelung für alle Berufe und alle Gegenden sich immer schwieriger erDie Kurzarbeiterunterstützung, deren zentrale Reweist, ist in das Ermessen der Obersten Landesbehör= den gesiellt worden. Einem dringenden Wunsche von Länderseite murde stattgegeben, indem zur Aufbringung der Kosten der Erwerbslosenfürsorge die Arbeitgeber und Arbeitnehmer fünftig mit je 1½ Hundertteilen vom Lohn herangezogen werden. Andererseits soll geprüft werden, ob nicht Berufsgruppen, bei denen erfahrungsgemäß Erwerbslosigkeit felten ist, durch diese Beiträge unverhältnismäßig belastet wären, und von der Zahlungspflicht auszunehmen sind. Die neue Berordnung gibt hierzu die Möglichkeit. Abbau der sozialen Fürsorge. Suspendierung des Hebammengesezes. Im ständigen Ausschuß des Landtags wurde ter Entwurf einer Verordnung über die vorläufige Ausjegung der Durchführung von Vorschriften des Hebammen. gesehes beraten. Das am 1. April 1923 in Kraft getretene Gesetz, das bei aller Unzulänglichkeit den Hebammen annehmbare Borteile brachte, ist bei ciner größeren Reihe von Städten und Gemeinden noch nicht in Kraft getreten. Auch hier müssen wieder die bekannten finanziellen Nöle herhalten: die Durchführung der Wahlen zu den Heban menstellen sollen zu hohe Kosten verursachen. Die Regierung wellte das Gesetz fuspendieren, bis wieder günstigere Zeiten den Gemeinden winfen. Der Berichterstatter Genosse Dr. Beyl wandte sich entschieden dagegen, die Aufhebung des Ge feges ohne jete Befristung zu erklären. An Stelle der Hebammenstellen sollten, so schlug er vor, freie Kommissionen treten, zu denen die Hebammenorganisationen ihre Vertreter entsenden. Diese Kommiffionen sollten zunächst an Stelle der Reishebammen und Provinzialhebammenstellen treten. Als Rotbehelf fönnte man sich mit diesem Borschlag einverstanden erflären. Es gelang lediglich die Befristung der Suspendierung bis zum Aprif 1925 zu erreichen. Eine tompafte bürgerliche Mehrheit lehnte die freien Kommiffionen ab. Seitens der Staatsregierung wurde allerdings zugesagt, die Hebammenorganisationen follten bei allen sie angehenden Fragen gehört werden. Einc entsprechende Anweisung werde an bie nachgeordneten Behörden ergehen. manisms aid pannala and Gewerkschaftsbewegung Die Antwort der Reichsgewerkschaft. it 90 gegen 7 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen hat die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der Reichsgewert fchaft Deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter den Geschäftsbericht des 1. Borfißenden Menne gebilligt und bem geschäftsführenden Borftande unter ungeheurer Begeisterung ber Delegierten und Gäfte ein BertrauensDotum erteilt. Da mit ist gewiß fehr zur Ueberraschung der durch tendenziöfe Meldungen von interessierter Seite in den letzten Woche irregeführten Deffentlichkeit bewiesen, daß die Eisenbahnbeamtenschaft nach wie nor gemillt ist, unter ihrer befannten gewerkschaftlichen Führung zu fammenzubleiben, Am 2. Berhandlungstage, dem 15. Februar, beschloß die Haupt versammlung fehr bemerkensmertermeise einstimmig, bas vorliegende schriftliche Berlangen des Herrn Berkehrsministers Defer be. treffend Befeitigung des Streifparagraphen aus der Sazung durch ihre Spikenorganisation, den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, gemeinsam mit dem AfA- Bund und dem Allgemeinen Deutschen Geperffchaftsbund in Behandlung nehmen zu laffen. Bis zur Beendigung der von diesen Organisationen zu ergreifenden Berhandlungs und sonstigen Maßnahmen hat die Hauptversammlung eine eigene Beschlußfassung über diesen bedeutungsvollen Bunft pertagi. Stinnes als Bahnbrecher. Der erste schwere Anschlag gegen ben Achtstundentag in Defter reitt fürzlich von der Alpinen Montangele Ilfaft ( Stinnes) geführt worden, die in Besprechungen mit den Arbeiter organisationen durch ihren Sekretär eine generelle Lohnerhöhung mit der Begründung ablehnen ließ, daß eine falche nur in Betroot fame, wenn die Bertreter der Arbeiter in Berhandlungen fiber eine Berlängerung der Arbeitszeit einträten. Diese Auffaffung wurbe nom Internehmervertreter aufrechterhalten, trobem er genau weiß, daß das Gesez über den Achtstundentag eine folche Berlängerung glattmeg ausschließt und nur in Ausnahme fällen eine befchränkte Schl von Ueberstunden zuläßt, die mit einem Buschlag von 50 Proz. bezahlt werden müssen. Die Verhandlungen blicben denn auch ohne Resultat. Damit hat nun der offene Rampf um den Achtstundentag auch in Desterreich begonnen. Die Arbeiterbetriebsräte der öfterreich fchen Alpinen Montangefelidaft find bereits zu einer Konferenz gujammengetreten und es herricht die Gewißheit, daß die gefantte Arbeiterschaft Defterreichs im Abwehrlampf auf ihrer Seite stehen mird. ber Gemertschaften Auch die orfanbetonferenz Desterreichs bringt in einer Ende vergangener Woche angenommenen Entschließung ihre unbedingte Entschloffenheit zum Ausdrud, biefes Attentat auf die Lebensintereffen der Arbeiterschaft und der Bolkswirtschaft mit allen Kräften abzumehren. Sie forbert alle Gewertschaften auf, Borbereitungen zum Widerstand zu treffen. Zum Streit in der Damenhutbranche. 3m Streif in der Damenhutbranche ist infofern eine Aenderung in der Lage eingetreten, als der Ausstand in Dresden und Breslau abgebrochen muzde und die Arbeit zu den von den Arbeitgebern feftgelegten Bedingungen wieder aufgenommen wurde In Berlin find daraufhin Berhandlungen, bie von britter Seite ein geleitet waren, von den Unternehmern abgefagt worben. Eine Berfanumlung der Streifenden nahm gestern nachmittag einen Situationsbericht entgegen. Ein großer Teil der Distuffims redner sprach fich für eine Weiterführung des Streits aus. In ge heimer Abstimmung wurde mit großer Mehrheit beschlossen, im Streit auszubarren. Better richtete am Schluß der Der fammlung an die Anwesenden die Aufforderung, so wie bisher in ftrengster Solidarität zu verbleiben. Gegen Arbeitszeitverlängerung und Hangerlöhne. Eine vom Deutschen Berkehrsbund einberufene Mitgliedervers fammlung der Reichs und Staatsarbeiter nahm Stellung zu bem einseitigen Dittat der Reichsregierung betr. Berlängerung der Arbeitszeit in ben Reichs- und Staatsbetrieben auf 54 Stunden und Herabfegung der Söhne um durchschnittlich 2 Pf. die Stunde Stach einem ausführlichen Referat von Römer pom Bundesvorstand über den Gang ber Berhandlungen mit den Bertretern der Reichs. regierung und einer Diskussion, in der die Erbitterung gegen das Berhalten der Regierung zum Ausdrud fam, wurde folgende Refo Lution ein ft im mig angenommen: bar fazla bemefrotischen Reichstagsfraktion in Berbindung zu treten betreffs Stellung eines Dringlichkeitsantrages wegen fofortiger Erhöhung der Löhne in den Reichs- und Staatsbetrieben. Unter feinen Umständen fann diesen Arbeitern zugemutet werden, noch länger für derartige Hungerlöhne dem Staat thre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Die Bersammelten verpflichten fich, trog ihrer wirtschaftlichen Rollage treu zur Organisation zu halten, um zur gegebenen Zeit das ihnen aufgezwungene Dittat von sich abzuschütteln. Arbeitszeitkampf im Textilgroßhandel. Der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin follte fich gestern mit dem Abschluß eines Rahmentarifvertrages für die Angestellten im Großhandel beschäftigen. Trotzdem die direkten Verhandlungen be reits gescheitert waren, wurde ben Barteten aufgegeben, in noch Herr Gewerberat malige Berhandlungen einzutreten. Korner glaubte jedoch darüber hinaus mit den Arbritgeberbeifizern zufammen den Vorschlag machen zu müssen, die Arbeitszeit nach folgenden Grundsägen zu regeln: Die Arbeitszeit beträgt 48 Stunden, fie fann jedoch entsprechend den wirtschaftlichen Not mendisteiten bis auf 54 Stunden ausgedehnt werden. leberftundenbezahlung erfolgt er st über die 54 ftündige Bochenarbeitszeit hinaus. Dieser Vorschlag soll die Grundlage für die Berhandlung bilden. Ein endgültiger Spruch wird erst gefällt fobald es nicht möglich ist, im Laufe der nächsten Boche eine Berständigung zu erzielen." Inzwischen hat der Arbeitgebernerband des Großhandels an feine Mitglieder Rundschreiben versandt, in denen besondere Anweisungen für die Verlängerung der Arbeitszeit in den Betrieben gegeben werden. Besonders wird darauf hingewiefen, daß überall da, wo bisher noch eine fürzere Arbeitszeit bestand, sofort die Einführung der 48- Stunden- Woche erfolgen müsse. Es wird ferner auf die Mönlichkeit der Bereinbarung einer längeren Arbeitszeit in den Betrieben in Form von Arbeitsprdnungen oder freiwilliger Mehrarbeit", die natürlich in einem Falle zu bezahlen ift, hingewiesen. Besonders neit nimmt sich folgender Sah in der Erläuterung der freiwilligen" Mehrarbeit aus: Die Betriebsvereinboruna wäre hier die Zusammenfassung der auf freiem Einzelmillen beruhenden Einzelverträge der einzelnen Benn ber einzelne Arbeiter die ihm durch Belerfchaftsmitglieder. folche freiwillige Mehrarbeit entstehenden perfonlichen Borteile ertannt hat und seiner Willensentschließung zugrunde legt. dürften gesetzliche Vorausschungen für ungültigkeit folcher freiwilligen Abkommen und für Strafbarkeit des Arbeitgebers nach§ 11 261. 3 nicht gegben sein." Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß diefe sogenannten freiwilligen Vereinbarungen in jedem Falle abzulehnen find. Die Frage der Arbeitszeit fomie der übrigen Bestimmungen wird nicht einzeln fondern von Organisation zu Organisation geregelt. Der Hinweis der Arbeitgeber im Rundschreiben, daß die Tarifverträge größtenteils abgelaufen sind und dadurch die Möglichkeit einer Berlängerung der bisherigen Arbeitsgeit gegeben ist, ist irrig, benn die bisherigen Bestimmungen des Tarifvertrages find Bestandteile des Arbeitsvertrages geworden und afe folche nur nach vorheriger Auffünbiauna zu ändern. Eine Berfammlung der Angestellten findet statt, fobald ein greif Der Angestellten im Zweigbureau, Kommandantenstr. 63/64. bares Resultat vorlient. Nähere Auskunft erteilt der Zentralverband Konflikt im Speditionsgewerbe. Die Angestellten des Speditionsgewerbes, fomeit fie in 362. organisiert find. nahmen Donnerstag in einer gut besuchten Bersammlung zu dem Borschlag ter Arbeitgeber betreffend Regelung der Februargehälter Stellung. Kirchmeier referierte über die Berhandlungen mit den Arbeitgebern. Der Schiedsspruch des Schlich tungsausschusses für den Monat Januar brachte den Arbeitnehmerorganisationen die Empfehlung, mit den Arbeitgebern über einige Bunfte des Tarifvertrages, die von ten Arbeitgebern als besonders brückend empfunden wurden, zu verhandeln. Doch der Appetit fommt beim Essen. In einer unverbindlichen Besprechung, die die Tarif vertragsparteien hatten, überreichten die Unternehmer einen Strauß von Farberungen. Die Erfüllung dieser Forderungen hätte von dem bis zum 30. August dieses Jahres laufenden Tarifvertrag nichts übriggelaffen. Nach stundenlangen Berhandlungen fristallifierte fich fchließ ich folgender Borschlag der Arbeitgeber heraus: Ein wesent licher Abbau des Urlarbs, 6 unbezahlte Ueberstunden in jeder Boche, dafür Weiterzahlung der Januargehälter für den Monal Februar. Die Entrüstung der Angestellten über dieses reaktionäre Gebaren ihrer Arbeitgeber fam in der Diskussion reichlich zum Aus druc. Der Vorschlag der Arbeitgeber wurde einstimmig abgelehnt. Die Angestellten haben damit ihren Willen bekundet, den Gelüsten der Arbeitgeber nach Abbau des Tarifvertrages und des Gehalts energischen Widerstand entgegenzusetzen. Einseitige Ergänzung eines Schiedsspruches. „ Die am Mittwoch, ten 13. februar 1924, in Böfers Festfälen zerfammelten Reichs und Staatsarbeiter, organisiert im Deutschen Berkehrsbund, nehmen mit Entrüftung Kenntnis von dem einseitigen Diftat der Reichsregierung betr. Reuregelung der Arbeitszeit. Sie erbliden darin einen glatten erftob gegen§ 1 der Berord nung vom 21. Dezember 1923, monach die regeimäßige werftarliche Arbeitszeit ausschließlich der Baufen die Dauer von ast Stunden nicht überschreiten barf, insbesondere bei den in Ziffer I der Anordnung voin 23. November 1918, worin ausbrücklich die in den Reichs- und Staatsbetrieben Beschäftigten gedigten fie das Abkommen zum 5. Februar 1924. nannt find. Am 2. Februar d. J. wurde unter dem Borsig von Gewerberat Störner im Schlichtungsausschuß Groß- Berlin ein Stetsspruch für bie Ter til arbeiter Berlins unb Nowawes gefällt, der laut Bereinbarung fofort für Derbinblich galt umb nach Ber tündung durch den Borfizenden von beiden Barteien ahne irgenbeinen Einspruch als zu Recht bestehend anerkannt wurde. Diefer Schietsspruch sah die Neuregelung der Böhne sowie der Arbeitszeit ab 28. Januar 1924 Dor, aber feine Dauer. Da der Schieds. spruch für die Arbeiter äußerst ungünstig war, fünDie Bersammelten erheben des weiteren scharfften Brotest gegen die erneute einfettige Herablegung der Stunbenlöhne und stellen hierin eine Ausschaltung ihrer Dr panisation feft. Sie erfuchen den Bundesvorstand, unverzüglich mit Am& Februar 1924 erhielt der Tegitarbeiterverband vom Schlichtungsausschuß Groß- Berlin erneut denselben Schieds. prudh per Rohrpoft mit der Ergänzung: Die Regelung der Arbeitszeit gilt für die Dauer des Manteltarifvertrages, tas Lohn abfomunen bis zum 31. März d. 3" enalomoid Dieses Borgehen des Gewerberais Rörner gefega wibrig. In der Schlichtungsordnung vom 23. Dezember 1923 heißt es in§ 21 Abs. 6 mörtlich:„ Der Schiedsspruch ist vor der Berfündung schriftlich abzufaffen, vom Borjizenden zu unterschreiben und zu verkünden." Meter der Vorsitzende noch seine beiden Mitvorsitzenden haben das Recht, selbständig eine Aende. rung bes zuftandegekommenen Schiedsspruches vorzunehmen. Bir werden den Gebanfen nicht los, daß Herr Gemerberat Körner von gewissen ihm nahastehenden Kreifen beeinflußt morden ist, diese Er gänzung vorzunehmen. Der Deutsche Tegillarbeiterverband hat unterm 11. februar eine Beschwerde an das Breußische Handels ministerium gerichtet. Wir sind gespanni, mie sich das Preußische Handelsministerium zu dieser Beschwerde stellt. Die 5. Jnternationale Arbeitskonferenz. In einem Bande von 494 Quartseiten liegt nun ter vollständige Bericht über die fünfte Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz por, die vom 22. bis 29. Oftober 1923 stattfand. Der Bericht enthält befonders reidiche Angaben über die allgemeinen Grundsätze der Arbeitsaufsicht, welche den einzigen Gegenstand der Tagesordnung bi.teten. Auf dieser Konferenz waren insgesamt 42 Staaten durch Dele gierte vertreten, eine größere Zahl als jemals vorher. Es ist von großer Bedeutung, daß sich Vertreter der Regierungen, der Arbeitor und der Unternehmer aus so nielen Bändern nach mehrtägiger Berhandlung auf Grundfäße einigten, denen mancherlei Schwierigkeiten entgegenstehen, wie es bei der Arbeitsaufsicht der Fall ist. Der Borizende der Konferenz, Dr. Abatci, japanischer Botschafter zu Brüffel, tennzeichnete das Ergebnis der Berhandlungen in feiner Schlußansprache, indem er ein japanisches Sprichwort anführte, das lautet: Benn wir 10 Minuten unter demselben Baum beisammen find, so bleiben unsere Schidsole fibers Grab hinaus die gleichen." weiter fagte er, daß die Konferenz während der ganzen Tagung von dem einzigen Wunsche beseelt war, für die Bermirtlichung ber fozialen Gerechtigkeit zu wirken. Der Vorschlag für Die Staatsgefeggebungen, den die Konferenz einhellig be= log, legt in Einzelheiten die Richtlinien bar, welche bei ter Drganisation der Arbeitsaufsicht in den verschiebenen Ländern be folgt werden sollen. Dem Deutscher Baugewettstund, Fachgruppe der Töpfer. Schiedsspruch vom 2. Februar 1924 wird mit der Maßgabe zuge ftimant, tag ab 22. Januar 1924 der Stundenlohn der Töpfer 70 Br. beträgt. Die Löhne gelten bis 29. März und laufen jeweils eine Boche weiter, sofern nicht mit einwöchentlicher Frist eine ndigung erfolgt. Der Darmarbeiterstreif iff beenbigt. Es wurde durch den Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt der den Achtstundentag, der ohnehin nicht mehr ftrittig war, enthält; ferner bleiben die inzialen Bestimmungen des alten Tarifvertrags und die einen der haupiftreitpunkte bilbeten. bestehen. Jedoch wurde der Wochenlohn in Stundenlohn umgewandelt. Der Stundenlohn beträgt in der Spitze für Männer 57 Pf. und für Frauen 43 Bf. Zirka 50 Streifende wurden nicht mehr eingestellt, jedoch dürften sie im Laufe der Boche fast restlos in den Betrieben, die schon in den ersten Streittagen den Tarif anerkannten, untergebracht sein, zumal jetzt Hochtonjunktur besteht. Die Streiflage in Krefeld. Der Streif der Metall- und Tertil. arbeiter bauert unverändert fort. Das große Stahlmerf Becker in Billich, die Rheinholdhütte und das Krefelder Stahlwerk liegen nach mie por still, ebenso sämtliche Betriebe der Samt. und Seiden. industrie. Stur in einigen fleineren Betrieben, wo die 46- StundenWoche und der bisherige Lohn grundfäßlich für längere Dauer von bem Unternehmertum anerkannt wurde, ist die Arbeit wieder aufgenommen worden. Aussperrung der fächsischen Hüffenarbeiter. Seit gestern stehen fämtliche Hüttenwerke im Freistaat Sachsen still. Rund 10 000 Arbeiter find ausgesperrt morden, weil sie den Schiedsspruch ablehnten, der zwar arunbfäßlich an der 48ftündigen Arbeitswoche festhält, je doch zur Behebung der Rotlage der Wirtschaft eine tägliche Ueber stundenarbeit von zwei Stunden vorfieht. Streit der englischen Dodarbeiter. Die Berhandlungen mit den Dodarbeitern find gescheitert. Der Ausbruch des Streifs erscheint als gewiß. Achtung, Buchbrndez! Die Generalversammlung am 21. Sanuar beschlos wichtige Abänderungen unferes Gaustatuts( vergl. Bereinsmitteilung" R. 1, S. 7 vom 28. Januar b. 3.), befonders and bestalih ber Berechtigung zum Be fuch der diesjährigen Generalversammlungen. Laut 84, Abfah 3 find außer ben gewählten Delegierten nn no diejenigen Bertreter der Betriebe( gemäß der betr. Mitglieberzahl) augelaffen, die eine auf den Betrieb lautende Hus meistarte mit dem Stempel 1924 vorzeigen tönnen. Alle anderen Ausweise Der Gauvorftanb. haben eine Gültigkeit. Dentscher Wertmeister Verband, Bezirk V, Berlin 11. Die Besichtigung ber Böhler G. am Sonntag, ben 17. b. 2., findet umständehalber nicht fait Glafer! Montag abenb 7 Uhr im Gewerkschaftshaus Mitgliederversamme Tung. Es ist Bflicht jebes Rolegen, zu erscheinen. Varleté- Kabarett, Friedrichstraße 60, Ecke Leipziger Straße. Café Zielka Nachmittags 4%, Uhr. ahends 7 Uhr Stoßes Programm. Bei Husten, Asthma und Lungenleiden find Sanitaterat Dr. Werschelder's Brust- Tee fowie dazugehörige Trapfen nach Original- Borichrift feit Sabren ärztlich empfohlen und beftens bewähr Sn Original Backungen erhältlich: Elefanten- Apotheke, Berlin, Leinziger Str.74( Donkoffpl) Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: 3. B.: Crust Renter; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton:.. Dölcher; Lokales und Sonstiges: Fris Karstabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin, Berlag: Bormärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Bormärts- Buchbruderet und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin G. 68., Sindenstraße S. Sierzu 1 Beilage. CONSTANTIN CIGARETTEN & Vereinigen alle Geschmacksvorzuge, die der verwöhnte Raucher von einer guten Cigarette verlangt..... Nr. 79 41. Jahrgang Beilage des Vorwärts Das Werden der Volksbibliotheken. Als vor hundert Jahren der Staat die allgemeine Schulpflicht eingeführt hatte und jeder lesen und schreiben lernen fonnte, entfand das Bedürfnis nach allgemeinen Bildungsbibliotheken, Weitschauende Männer, von fczialem Verständnis erfüllt, jahen ein, baß die Echule nur Kenntnisse vermitteln fann und auch nur in Sonnabend, 16. Februar 1924 Das Wiener Bauprogramm. Das Bauprogramm der Gemeinde Wien hat überall berechtig tes Aufsehen erregt. Befannt sind die anerkennenden Urteile bürgerlicher deutscher Kommunalpoliifer über die Aufbautätigkeit der gleich 932 990,31 M. Bon ben 46 Unionstaaten befigen heute 37 ihre beBiener fozialistischen Stadtverwaltung. für die fondere Bibliothetsgesehgebung. Der Strat regte aber nicht nur bie nächsten fünf Jahre ist der Bau von 25000 Wohnungen Gründung von Bibliotheken an, er unterstüßt sie auch und über. pergesehen, wodurch für 100 000 Menschen Wohnraum geschaffen wacht durch seine Bibliothekskommission den ganzen Betrieb. Die wird. Das Jahr 1924 foll nun die Periode dieser intensiven fünfe Public Library" ift in Amerifa zu einem wirtschaftlichen und Kul- jährigen Bautätigkeit mit einem Bauprogramm eröffnen, das die eng beschränkten Grenzen, daß fie zur Ausbildung dir geistigen furfatior erfien Ranges geworben und zählt zu den Brennpunt.en rund 4600 Bohnungen in den 18 Biener Bezirken vorsicht. Die Bersönlichkeit ihrer 3öglinge aber wenig vermeg. Die Möglichkeit der inbiniduellen Weiterbildung mußte eine Organisation geben, die das Schrifttum, in dem unsere Kulturmerte aufgespeichert sind, Dermittelt. M Don der National- zur Volksbibliothek. Der Konfiftorialrat Stepheni zu Castell hatte 1797 eine folche Einrichtung im Auge, als er Nationalbibliotheken" fordertz, Samit diese eine Lüde in der öffentlichen Erziehung ausfüllen fonnten", bern unsere Nation sei durch den bisherigen Staatsheushalt in ihrer Bildung vernachlässigt worden". Der spätere preußische Mi nister v. Maffom lobte die Sbee, wollte diese Bibliothefen aber nur den„ gebildeten Ständen vorbehalten, denn to follte der gemeine Mann, der bis in die Nacht arbeiten muß, Zeit zum Lefen her nehmen", Bein wir ouch annehmen wollen, daß die Feindschaft Der oberen Gesellschaftstreife" gegen die Boltsbildung nicht alige wein war und nicht alle geneigt gewesen wären, jenem Beuern recht zu geben mit feiner Behauptung: er brauche nur drei Ochsen, zwei vor dem Pflug und einen dahinter zum Lenken, so tonnt: man bei der zum mindesten gleichgültigen Einstellung der meß. gebenden Stellen damals an eine Erfüllung immer Forderung nicht benten Mehr Erfolg hatte später der Eifer des Historikers Friedrich von Raumer in Berlin für die Ermciterung der Volksbildung. 1846 wurde feine Stiftung von 6000 Talern, durch Vereinsvorträge zufammengetracht, vem Rat der Stadt Berlin zur Gründung der ersten vier Vollsbibliotheken angenommen. Die Zahl vergrößerte fich im Laufe der Jahre. 1890 maren es 26. Trogdem die Bes muzung von Anfang an rege wer, hatten die Bibliotheken infolge muzung von Anfang an rege wor, hatten die Bibliotheken infolge ungenügender finanzieller Mittel, mangelhafter Benuhungseinrich ungenügender finanzieller Mittel, mangelhafter Benuhungseinrich. tungen und schließlich ganz veralteter Bücherbestände für das allge meine Bildungsmefen wenig Wert Ueberhaupt galt in Deutschland die Bolksbibliother als Wohltätigteltsanitali" und aus mohibe grünbetem Mißtrauen gegen etwaige tendenziöse Auswahl des Bücherbestandes hielten sich an manchen Orten piele Lejer fern. In den neunziger Jahren hielt die moderne Boltsbibliother oder Freie öffentliche Bibliothef", die für alle Boltsschichten die Büchervermittlung übernehmen wollte, in Deutschland ihren Einzug. Sie hatte sich die Aufgabe gestellt, ihr? Leser in die Wissenschaften einund in diesen hinaufzuführen und überlieft nur die spezial. und fachwissenschaftliche Literatur den missenschaftlichen und Fachbitlio. thefen. Sie wollte ihre Benutzer beruflich fördern und cudy Seele und Gemüt bereichern. Amerikanische Bibliotheken. Amerita hatte frühzeitig die Möglichkeiten erfarunt, bie bie öffentliche Bibliothet für Sie wirtschaftliche Hebung bes gefamten Bolfsstandes bietet. Es hatte bereits am Ausgange bes 18. Jehrhunderts neben ben vorhandenen Universitätsbibliotheten Biblio thelen allgemeinbildenden Charafters geschaffen in Form von Gefellschaften und mit Mitgliederbeiträgen finonziert. In den fünfziger Jahren begann dann die Epoche des gewaltigen Aufschwungs im Bibliothekswesen, eingeleitet mit jener Gefezgebung nan großer Bedeutung, die die Gemeinden ermächtigt, Steueru zu erheben zur Einrichtung und Unterhaltung von freien öffentlichen Bibliotheken. Der Staaf Maffechufetis ging poron und ermächtigte 1851 bie Ge. meinben, eine erftmalige Bibliotheffteuer von 1 Dollar auf je 1000 Dollar allgemeinen Steuereingangs sowie eine jährliche fortioufenbe Steuer von 4 Dollar zu erheben. Nach 8 Jahren wurden die Steuern auf bas Doppelte erhöht und nach meiteren 7 Jahren( 1866) geb her Staat den Gemeinden in der Begrenzung ganz freie Hand. Schließlich wurden die Erträgniffe gewiffer polizeilicher Steuern, wie 3. B. Hundesteuern, für die Bibliothetzurede der Gemeinden überwiesen. Das Ergebnis biefer Einrichtung 3. 8. auf Berliner Berhältniffe übertragen, töunen folgende Summen erläutern: Rechnungsjahr 1914 Bedarf für Stadtbibliother, Boltsbibliotheken und Befehallen gleidh 355 257,72 R., Reinertrag der Hundesteuer 27] z. ( Nachbrud durch Malil- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Jürgen hörte einen dumpfen Ton: Wieder hatte die Fauft des Schweigenden den hochaufgeschwollenen Mund des Mäddens getroffen. Dann faßen beide wieder reglos, die Ellbogen aufgeſtützt. Die Frau mit dem fchwarzblauen Geficht spudte, über den Tisch weg, fcharf an Jürgens Bange vorbei. Eine dünne, meiße Wursthaut flog nach und platfchte glatt auf den fchwarzen Fußboden neben den Schleim. Der Schweigende fchob, als ob nichts geschehen wäre, feiner Freundin die abgezogene Wurst hin. Das Mädchen rührte ch nicht. Die geplagte Oberlippe glich einem daumendicken, blauen Wurm bes öffentlichen Lebens Das Buch gilt ols Verkehrsmittel mie Boft, Eisenbahn und Telephon. Wie weit das Bestreben nach weit. gehendster wirkungsvollster Büchervermittlung gibt, berichtet der züricher Bibliothetar Escher in feiner Schrift Amerikanisches Bibliothetsmefen"( Tübingen: Mohr 1923). Die Einbrüde, die er auf seiner Studienreise in der Nachfriegszeit gesammelt hat und riedergibt, geben monche Anragung. Die New Yorker Bibliothet befiht 43 3me gstellen, die die Benugung von Büchern vielfach er leichtern. Boston mit seinen 600 000 Einwohnern hat beren 30. Die Bücher werden den Lesern aber noch weiter, in Form von Wan. derbüchereien, entgegengebracht, fie gehen in Schulen, Fabriten, Amtsräume, Gefängnisse, Arbeitshäuser usm. Alle Bolkshochschul. beftrebungen genießen weitgehendste Unterstügung. Eine Bertei Bibliothet wesentlich bei der Erfüllung ihrer Bildungsaufgabe. Der lung des Lesestoffs durch ein jo feines Reg von Kanälen hilft der größte nochdruck wird auf die Arbeit in der Ausleihe, die Auskunft erteilung gelegt. Der amerikanische Bibliothekar bietet barin das Menschenmöglichste. In der Nem Dorfer Bibliothat gibt es fogar einen Chef des Informationsdienstes". Die Bibliothet gibt brief liche und telephonische Austunst, nicht nur über Bücher, fogar über irgendwelche andere Dinge, fie versteht geradezu die Stalle eines Brieffaftenontels. Auf einem Propagandablatt der Nerarter Bibliothek mir gefagt, boß fie jährlich 5000 telephonische ben Raufmann zu unterweisen, wie er fein Berjonof in humanerer Anfragen beantwortele. Cine Bibliothet, die nicht imftande ift, Weise orgonisiert und damit um so größeren Absah erzielt, den Gewerbetreibenden, wie er feine Arbeit freudiger und vorteilhafter verrichtet, die hat heutzutage fein: Existenzberechtigung mehr. Für fäumige Refer tennt man übrigers in Amerita außerordentlich ftrenge die Bertschägung der Bibliotheken. Der Sicat Nem Dort tennt Strafbestimmungen, die auch gefeßlich geregelt find. Sie beweiser heute noch Strofmagima von 500 Dollar und 3 Jahren Haft! 1916 betrugen biese millfommenen Einnahmen für die Nemarfer Bublic Librorn 6300 Dollar, die Ausgaben für Bücher und Buchbinder 35 700 Dollar. Zusammenfassung von Bibliotheken. Die amerikanischen Bibliotheken helfen fich untereinander mit ihren Beständen aus und sehen vielfach auch ihre Leser in die Lage, mit Hilfe von Generalzettellatalogen sich über die Bestände ber übrigen Bibliotheken am Orte au unterrichten. Die Bermittlungs. tätigkeit einer Zentralftelle ist auch ökonomisch recht wichtig. Šie macht Anschaffungen von oft verlangten fofifpieligen Büchern in vielen Exemplaren überflüffig. Im Jahre 1900 schlug die Berliner ftädische Bibliothettemmission dem Mogiftrat eine folde Susammen thef, Bibliotheken des Märkischen Museums, bes Statififchen Amts, faffung aller städtischen Büchersammlungen vor( Magistratsbiblio der Baupertaltung, die Gymnafiel und Realschulbibliothafen usw.), um die Benutzung der Sammlungen, unter denen sich auch Die wissenschaftlich bedeutenden Bibliotheken des Gymnasiums zum Brauen Alofter und des Friedrich- Berberschen Gymnasiums befin jeftellatalog. in der Stadtbibliothef aufgestellt, foute fämliche ben, weiteren Kreisen leichter zugänglich zu machen. Ein GeneralBücheriitel aufführen. Der Plan ift teiber nicht verwirklicht war. ben. Bieles, mas im Laufe der fehlen 20 Jahre in der Entwicklung Der städtischen Bibliothefen erreicht murd, mußte preisgegeben merden. Ben 31 Boltsbibliothefen ist Berlin feit 1922 ouf 22 herab. gefommen. * Opfert unser Bolt feine Bilbungsmittel, so gibt es felbft feine Hoffnung auf einen Aufstieg preis. Der Verlust unferer öffentlichen Bibliotheken bedeutet auch Berzicht auf eine Boltsgemeinschaft, denn fte find diejenigen Einrichtungen, die imftande sind, ein Meß gewiffer gleichmäßiger Bildungsgrundlagen allen Boltsgenoffen zu vermitteln und alle zu einer Bildungsgemeinschaft zusammenzuschließen, die erst zu einer wirklichen Kulturgemeinschaft führen tonn. Der Schweigende rüttelte die Geschlagene am Arm, forberte sie so auf, jetzt wieder gut zu fein. Bas meg fie alles gedacht haben in diefer langen Nacht? bachte Jürgen. Was ihr geschehen ist, als sie noch ein Kindchen war? Oder was ihr noch bevorsteht in diesem Leben?... Unb der Attentäter, er wird hingerichtet. Mit einer Schulterbewegung schüttelte die noch immer aufgeftügt Sigende die Hand ab, lächelte aber dabei schief und entgegenkommend. " Dann eben du die Hälfte und ich die Hälfte," gab er halb nach. Her mit dem Geld!" Aufrührerischer, mitreißender Gefang, nom Quartett be gleitet, erfüllte unvermittelt und donnernd das Lokal. Alle brüllten mit Die nach außen gedrehte Unterlippe hing un beweglich auf das Kirn herab. Er suchte, büdte fich. „ Das war doch nur menschlich! Ist das nicht gemein?" fragte der Aristokrat den Hinausschmeißer, der, bas Lokal im Blid, am Bierfaß lehnte und feine Antwort gab. Ich also werde mich nicht dabel beruhigen, daß ich fähig bin, die Schönheit eines Goetheschen Wortes zu empfinden, dachte Jürgen, als er gegen Often schritt, wo schon die zarte Morgenröte stieg. Auf eine Gruppe Nachtarbeiter zu, die das Trambahn gleis ausbefferten und eben die Azetylenlampen verlöschten, da das graue Tageslicht schon erftarkte. Ein Mann im Maniel beaufsichtigte die Arbeiter, die mit wuchtigen Rundschlägen Eisen'elle in den Asphalt trieben. Jürgen war vor dem an feinem Munde vorbeifliegenden Schleim zurückgezudt und starrte, plöglich grau am ganzen Körper, den an Jahren noch jungen Mann an, der sich bückte, die mit schwarzem Sande verschmierte Wursthaut pom Fußboden wieder abzog und in den Mund steckte. Mit der ganzen Handfläche schob er nach, faute zahnlos und ging, auf dem Boben nach Abfällen fuchend, langsam weiter. Die Menschen fah er nicht an. Nur den Fußboden. Apathisch, wie ein wanbeinter Toter. Und als ihm vom Schweigenden die der schmähte Wurst zugeworfen wurde, versuchte er gar nicht, sie aufzufangen; er ließ fie gegen feine Bruft prallen und erst zu Boden fallen. Strümpfe, Wefte, Rock, Hemd hatte er nicht an. Nur Hofen und darüber einen Mantel. Seine Augen maren verschleimt und tot. Die Unterlippe, nach außen gebeendet worden. breht, hing unbeweglich, fchief und drei finger breit herab. Mit Entfegen fondergleichen fühlte Jürgen: Diefes tranfe nur bie Seger, mahrenb bie Arbeiter felbft, hörte Bürgen, Aud Jürgen ging vorüber. In Wirichkeit findes ja Stud Fleisch will nur noch Essen zugeführt bekommen, wäh im großen und ganzen rend der Wilde und sogar jeber Hund, auch ber elendefte, mit feinem Blide Zuneigung verlangen und geben lann. Das ist Kultur, dachte er. Kultur. Stunden vergingen, und immer mehr neue Gäfte tamen. Hände in den Hosentaschen, Schultern fröstelnd hochgezogen: Obdachlose. Der Hinausschmeißer musterte prüfend jebes fahle Geficht, schob im Laufe der Nacht zwei Burschen und ein junges Mädchen, das die Arme hoffnungslos hängen ließ, wieder hinaus. Bwel Herren, die wie Oberförster ansiahen und aus einer Abendgesellschaft zu kommen schienen, blieben stehen. Bie bran sie wieder arbeiten!" Und gingen weiter. Wenige Tage vorher war ein Streif mit einer Niederlage der Arbeiterschaft 10 Ging aus der Stadt hinaus, am Flußufer hin. Auf der Kaimauei faß ein junger Menfch. Diesmal erfonnte Jürgen fofort das leichenfahle Geficht des Schwindfüchtigen, der den Abend porher in der Arbeiterverfammlung und fpäter beim Blahwirt" gewesen war: Ein Geficht, in dem der Haß sich fchon in Verzweiflung und die Berzweiflung sich schon in Gleichgültigtelt abgewandelt hatte Der Schwindfüchtige pfiff Icife, tek die Beine über dem fließenden Waffer baumeln. Guten Morgen," sagte Jürgen weiteren Berbauung ist in großen Häuferfomplegen geplant, die zu Bay gruppen zusammengeschlossen werben. Die größte diefer Gruppen mitt 1200 Wohnungen, alfo 5000 Einwohnern, umfaßt, ein Haus zu ca. 18 Wohnungen gerechnet, einen Rompleg non 80 Häufern. És gelangen überwiegend Kleinwohnungen zur Ausführung. Sie bestehen aus Borraum, Küche, Zimmer und Beiraum oder aus Borraum, Küche, Zimmer, Kammer und Beiraum. Daneben eine 2naah! Mittelstandswohnungen mit einem Wohnraum. Als Grundfaz für die Anlage der Wohnungen gilt die Schaffung größtmöglichster Belichtungs- und Besonnungsmöglichkeit, Vermeidung von Lichthöfen, Zusammenfaffung aller Einzelhöfe in einen einzigen großen aushof, der bann als größeres gestaltung und Einschaltung von Grünflächen. Sämtliche Woh Luftreservoir zu dienen hai. Außerdem gärtnerische Ausnungen werden mit den modernsten Einrichtungen vers fehen, vor allem mit Baffer, Gos. elektrischem Licht usw. versorgt und derart angelegt, daß die tumlichste Detonomie in der Berrich tung der häuslichen Arbeiten gesichert wird. Diesem Zwecke dienen vor allem die Ausgestaltung der Bohn füd) en, insbesondere der Stochnischen", die auch Benutzung des übrigen Raumes der Küche als Wohn- und Aufenthaltsort ermöglichen. Ferner fommen zur Anlage zentrale afchrüchen, Zentralbäder ufm.; in den größeren Sale und Spielpläge zur Ausführung gelangen. Baugruppen folien möglichst auch Kindergärten, Kinderspielräume, Es liegt auf der Hand, daß die Durchführung eines solchen fünf jährigen Bauprogramms durch die Gemeinde von der größten Be beutung für die Belebung der Wirtschaft ist. Laufende von Arbeitern erhalten daburd) auf Jahre hinaus lohnende Beschäftigung. beutsche Gemeindepolitit nicht ohne Einfluß Das Beispiel der Wiener Gemeinde wird hoffentlich auf bie bleiben. Es muß ben fozialdemokratischen Gemeindefraktionen als Aniporn dienen, ben Wiener Genossen nachzueifern und dafür zu forgen, daß auch die deutschen Gemeinden alle Sträfte anspannen, um aus Gemeindemitteln den Wohnunsneubau energisch zu fördern. Die Haushaltungsnoranfchläge für das Jahr 1924 dürfen nicht ver abschiedet werden, ohne daß nicht im weitesten Umfang Mittel für biefe 3wede zur Verfügung gestellt werden. Der Totschlag in der Belle- Alliance- Straße. Die Verhaftung des Täfers. Der Arbeiter Prüfert, ber seine Frau nach einem Streit in feiner Wohnung in der Belle Alliance- Str. 13 mit einem Beil erschlagen hatte, ist gestern abend in der Wohnung seines Freundes R. in der Solmsstraße verhaftet worden. einen fleinen Jurgen und bat ihn, herunterzukommen. Da nur das 12jährige Mädchen bes Freundes anwefend war, hinterließ er Sle Er schichte gegen 3 Uhr in die Bohnung feines Freundes A. 12jährige Räbchen bes Freundes anwefend war, hinterließ er die Freund traf in bori völlig verändert wieder. Brüifert hatte feinestus Hufforderung an R., nach dem Anhalter Bahnhof zu tommen. Der Bariabnehmen faffen und bat nun R, ihn nach 8 Uhr abends in bas Haus einzulaffer und ihn in feine Wohnung aufzunehmen. Er erzählte, daß er an dem Abend vor dem Mord mit feiner Frau Streit gehabt hätte. Als er nad) Hause getomumen fei, fei ein frember Mann mit feiner Frau in der Wohnung geweſen. Der Gast erzählte, daß er ihm Arbeit verschaffen molle. Daraufhin habe eine Frau zu dem fremben Manne gefagt: dh, laffen Gie man, es bat ja gar feinen Zwed bem Arbeit zu verschaffen, der ist ja arbeitsfchen. Daraufhin fam es zu einem 2 ortwegfel, bar damit endete, bak bie rau ihrem Manne mit dem Feuerhafen bie Tabatspfeife aus dem Bunde schlug und nach dem Beil griff. Sie habe ihn auch damit beschlagen. Nummehr habe er seine Frau bas Beil entriffen und ihr bei bem Ringen einen Schlag auf den Gr & opf verlegt. Er habe dann feine schreiende Frau auf den Teppich gezogen und zunächst dos sind beruhigt. Später habe er erst seine Photographie von ber Band genonunen und sie in den Kanal_geworfen. Dann habe er die Wohnung verlaffen und sich erst außer und feste sich neben ihn, die Beine ebenfalls wasserwärts geftreft. Bon der andern Seite näherte fich ein einarmiger Invalide, faß auch nieder und begann Geld zu zählen. Der Schwindfüchtige pfiff, zwinterte, den Kopf schief gestellt, die glühende Morgendämmerung an, zum Bettler hin und fpudte in großem Bogen aus, pfiff meiter, gleichgültig. Auch Jürgen tot gleichgültig: Schönes Wasser. Sind Sie immer hier?" „ Oder wo anders!" Er lächelte höhnisch. Dann ließ er fich doch herbei:„ Arbeitslos! Geit!... Ah, die Saubande! Ich scheiß auf alles." Blicie wieber gewöhnlich brein. Dann bis er in einen unreifen Apfel Die Säure zog ihm das Ge ficht zusammen. Borsichtig fragte Jürgen: Wollen Sie etwas zum Essen holen? Wurst?" Der einarmige Bettler war noch immer mit 3ählen beschäftigt. Er ficherte, nachdem der Schwindsüchtige mit Jürgens Geldschein fortgegangen war. Den haben Sie gesehen. Der fomint nimmer. Jilit! die Gauner kenne ich. Und der tort, der jetzt da fommt, den schauen Sie sich an, das ist Herr nipp. Der hat ausgerechnet, daß er non feinem Steinbrud), roenn er immer nur soviel brechen läßt, wie er fürs tägliche Leben braucht, bis zu feinem achtzigsten Jahre leben fann, ohne felbft was tun zu müssen. Deshalb läßt er seit Jahr urb Tag nur zwei Leute im Steinbruch arbeiten. Er selber angelt felt Jahr und Tag. Der will nur angeln. Nichts als angein! Und pfeifen tann der, sag ich Ihnen! Er hat nämlich ein Klavier. Darauf fpielt er, ganz ohne Noten, und pfeift dazu. Schon in aller Früh! Sie tönen sich nicht vorstellen, mie der pfeifen fann. Das flingt wie Geigen und Flöten. Die Arbetter, wenn fie früh in die Fabrit gehen, bleiben stehen und horchen... Und dann angelt er. Den ganzen Tag. Sogar ich und ganz für sich allein mit dem Burme, er fich am Angel. manchmal nachts." Herr Knipp hatte umständlich geschnupft, fchäferte freundHafen bäumte: Barte bpch, marte doch... Er tanns nicht erwarten. Dann beobachtet er, zufrieden mit der Welt, den fchaufelnben Schwimmer. Herr Knipp war erst einundvierzig Jahre alt. Der fommt nimmer... Ihr Geld ist futsch." Gleich darauf erschien der Arbeitslose, aus einer anderen als der erwarteten Richtung tommend, in der Ferne. „ Jegt jegt er, er hätts Gelb verloren." ( Fortsetzung folgt.) halb und zuletzt am Schlesischen Bahnhof herumgetrieben. Seinen Lebensunterhalt verschaffte er sich durch Betteln. Prüfert sagte, daß er fich nur noch nach seinem Kinde erkundigen und sich dann selbst der Polizei stellen wolle. Inzwischen wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt, die ihn in der Wohnung seines Freundes verhaftete. Er wurde noch im Laufe der Nacht dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Wer wird Bürgermeister? Saltlofe Kombinationen. Die seiner Berhaftung war er einmal aus der Strafhaft in Tegel ausgebrochen. Ein anderes Mal war es ihm celungen, trotzdem er schwer gefesselt war, aus dem fahrenden D- 3ug Köln- Berlin zu entfpringen. Der Angeflagte erklärt, daß er die Lat nicht ver= übt habe, sondern daß eine Personenverwechselung oorliege. In der Zwischenzeit hat er mehrere Briefe an den Vorsitzenden geschrieben, in denen er sich als unschuldig erflärt und bittet, feinen Doppelgänger, den Bodenmalter", unter allen Umständen zu ermitteln. Ein Zeuge, der in jener Nacht, in der der Wachtmeister angeschossen wurde, ebenfalls feftgenommen wurde, erklärte unter seinem Eid, daß der Mann, der mit ihm zufammen festgenommen wurde und die Schüsse abgab, nicht mit Waldow identisch sei, allerdings bestche eine frappante Achn lichkeit. Nach einer weiteren Reihe von Zeugenaussagen hielt der Staatsanwalt den Alibibeweis für mißlungen und beantragte gegen Waldow 8% Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger vertrat den Standpunkt, daß begründete 3 weifel bestehen müßten, daß der Angeflagte der Täter sei und verlangte die Freisprechung. Das Gericht schloß fich nach längerer Beratung hem von der Verteidigung vertretenen Standpunkt an, da manche Umstände zugunsten des Angeklagten sprechen, namentlich der geglückte Nachweis, daß er fehr häufig vermedelt worden sei. Das Gericht fonnte sich nicht entschließen, den Angeklagten wegen Totschlagsversuches und unerlaubten Waffenbefizes zu verurteilen. Erwiesen ist jedoch, daß Waldom sich bei seiner Festnahme einen falschen Namer. beigelegt hatte. Das Gericht Derurteilte Waldow wegen intelleftueller Urkundenfälschung zu vier Mos naten Gefängnis. Proletarische Feierstunden. Der verstorbene Genoffe Ritter war noch nicht beerdigt, da begann schon die Ruhhandelei der Leute, die sonst nicht genug mit alberner und pharisäischer Selbstgerechtigkeit davon reden können, daß im Rathaus feine Parteipolitif, sondern nur sachliche Arbeit geeistet werden fönre. Es ist merfoürdig, mit welchem Eifer die Berfechter der fachlichen Politik die Zeitungsspalten füllen, um ihre diversen Bürgermeisterkandidaturen anzupreisen. Der Drang nach der Futtertrippe scheint doch einigermaßen groß zu fein. Am auffälligsten treiben es die Deutschnatio nalen. e predigen in ihren Blättern in allen Tonarten das Lob ihres Kandidaten, des Stadtrats Wege. Amüsant war's, wie der rote" Lag" schon im parlamentarischen Kretinismus macht und zahlenmäßig die Aussichten des Herrn Wege ausrechnet. Kommunisten wurden dabei bereits als sichere Stügen der deutsch nationalen Kandidatur in Betracht gezogen. Man tennt eben seine Pappenheimer! Die Germania" war das erste Blatt das den armen Deutschnationalen einen Strich durch die Rechnung machte. Dann kamen die Bolksparteiler und präsentierten den Charlottenburger Bürgermeister Scho13. Scholz soll den ganz besonderen Borzua haben daß er erstens nicht deutschnational ift und zweitens ein Fachmann sein soll. Trotzdem versichert die volksparteiliche Zeit" flugerweise daß eine solche Kandidatur überhaupt noch gar nicht vorliege und daß die ganzen Fragen erst im Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung behandelt werden würden. Biel Ropfzerbrechen machen der Breffe die Absichten der Sozial demokratie. Mit verdächtigem Eifer nimmt sich der kommunale Berichterstatter der„ Boff. 3ta.", der vor der bloßen Möglichkeit, daß ein Sozialdemofrat gewählt werden fönnte, eine große Angst zu haben scheint, unserer geheimsten Wünsche an. Da wurde min- Flora th. Eingeleitet wird die Feier durch ein Orgelpräludium, bestens fechsmal hintereinander unser Schöneberger Genoffe Cze minsti zum Kandidaten der Sozialdemokratie ernannt. Als wir gar nicht darauf reagierten, fam der Charlottenburger Genoffe Dr. Her an die Reihe. Er wird schleunigst zum„ linten Sozial. demokraten" geftempelt. Der Zweck der Uebung dürfte flar sein. Dabei sind alle diese Kombinationen und Gerüchte vollkommen gegen standslos. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich mit der ganzen Frage überhaupt noch nicht be. schäftigt. Und wenn sie sich damit beschäftigt, dann wird es auch ohne die wohlwollenden Ratschläge des Kommunalpolitikers der ,, Voss. 3tg." abgehen. Ein misalückter Einbruch. Weil fie im krahen sehr erfahren" war. Die vorgestern ausgesetzte Berhandlung gegen den Diener Ernst Raftner, die Stenotypistin Charlotte Kastner und den Kaufmann Willy Harbricht wegen des räuberischen Ueber. falles auf die Ehefrau des Kunsthändlers Leda in der Liegenburger Straße wurde nunmehr vor der 5. Straffammer des Landgerichts III zu Ende geführt. Als Sachverständige waren Sanitätsrat Dr. Leppmann und Medizinatrat Dr. Thiele geladen. Der 22jährige Ernst Kafiner, der bei den Kunsthändler Leda etwa 10 Wochen vor dem Raubüberfall als Diener angestellt worden mar, bezeichnet die Tat als einen Racheaft gegen Frau Leda, die ihn immer schifaniert und häufig geohrfeigt habe.. Deshalb habe er fie durch Begnahme des Silberzeuges, das fie fehr liebte, empfindlich treffen wollen. Der Angeklagte bestreitet, einen Raub. überfall beabsichtigt gehabt zu haben. Die Schwester des Angeklagsten, die 20jährige Charlotte Kastner, erzählte, daß ihr Bruder " öfter davon gesprechen babe, einen Diebstahl zu begeben, um fich und ihr bessere Lebensbedingungen zu verschaffen. Sie bestreitet, felbst auf Frau Leda mit eingeschlagen zu haben. Sie sei damals bereits in anderen Umständen gewesen. Der Borsitzende hielt ihr vor, daß fie beim Flüchten Harbricht Vorwürfe gemacht habe: Weshalb hast du die Frau nicht gleich mit dem Sandfod niedergeschlagen? Du bist wohl zu feige gewesen?" Angeklagte:„ Das ist nicht wahr, ich habe ihn vorher im Dunkeln gefragt, ob er fein Herzflopfen habe." Der dritte Angeklagte Harbricht ist in vollem Umfange geständig. Er bleibt dabei, daß Charlotte K. diefe Aeußerung getan babe. Ernst Kastner habe ihm erzählt, daß er bei reichen Leuten Diener, fei und daß dort piel Gilber und wertvolle Teppiche feien. Er selbst habe den Auftrag gehabt, Aether zu besorgen, um die Frau des Kunsthändlers zu betäuben. Er habe dazu aber fein Geld gehabt. Am Abend der Tat hätten fie einen Sandsad mitgenommen. Gleich beim Betreten der Wohnung wurde die Telephonlei tung durchgeschnitten und aus einer Wäscheleine Stride zum Fesseln zurechtgemacht. In der Küche seien sie dann von Frau Leda überrascht worden, worauf sie alle drei über sie hergefallen seien und auf sie eingeschlagen hätten. Die Ueberfallene habe aber um Hilfe gerufen. Ich und Lotte," so befundet der Angeflagte,„ lagen auf der Frau. Dabei bekom ich in der Dunkelheit Schläge auf den Kopf wahrscheinlich von Lotte, die mich für Frau Der Zeuge Leba hat die Ueberzeugung, daß Lotte Kastner die Anstifterin der Tat gewesen sei, denn sie habe auf ihren Bruder großen Einfluß gehabt. Sowohl er wie Frau Leda selbst bestreiten entschieden, daß der Diener von ihr schlecht behandelt worden sei. Frau Leda gab dann noch eine eingehende Schilderung des Ueberfalls. Durch Beißen und Krazen habe sie verhindert, daß ihr die auf ihr fnienhen Täter einen Knebei in den Mund steckten.„ Ich bin im Kragen sehr er= fahren," füate die Beugin unter lebhafter Heiterkeit des Publifums hinzu. Die Sachverständigen bezeichneten das Geschwisterpaar als fehr minderwertig und geistig zurüdgeblieben. Das Gericht billigte allen drei Angeflonten mildernde Umstände zu. Ernst Kast= ner erhielt 3 Jahre Gefängnis, Harbricht und Lotte Kastner 2 Jahre Gefängnis. Den Angeklagten wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 bzw. 3 Jahre ab erkannt. Ernst Kastner und Harbricht nahmen das Urteil sofort an, während Lotte R. erklärte, daß sie sich dabei nicht beruhigen würde. Leda hielt." ,, Lockenwalters" Doppelgänger. Der Sch'offer Hans, Waldom murde beschuldigt, bei seiner Festnahme den Polizeimachtmeister haertel angeIchossen zu haben und hatte sich deshalb megen versuchten Totschlages vor der 6. Straffammer des Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte hat zahlreiche Borstrafen erlitten. Bei NEUE A BC Am Sonntag, den 17. Februar, vormittags 11 Uhr, findet im Großen Schauspielhaus, Karlstraße, eine Broletarische Feier stunde flatt. Die Feier erhält diesmal ihren besonderen Charakter durch das Zusammenwirken dreier großer Chöre, des Berliner Schubert- Chors" und des Gemchten Chors Groß- Berlin"( beide vereinigt in der Gemeinschaft Proletarischer Musikfreunde) unter Leitung von Jascha Horenstein und des Sprech chors für Proletarische Feierstunden unter Leitung von Albert " B Der Rundfunk. Bor furzem wurde der Preffe Gelegenheit gegeben, durch einen Besuch des Vor- Hauses in der Potsdamer Straße 4 die flaffische Stätte des deutschen Rundfunks fennen zu lernen. Einer Besichtigung der Sendeanlagen gingen Vorträge voraus. Staatssekretär Dr.- Ing. Bredom sprach über den weiteren Ausbau des deutschen Unterhaltungsrundfunks. Er teilte mit, daß die technischen Berbesserungen am Berliner Sender in letzter Zeit so große Fortschritte gemacht hätten, daß demnächst mit der unmittel baren llebertragung von Konzerten der Philharmonie und Opern begonnen werden soll. Für Berlin ist ein stärferer Sender mit großer Antenne im Bau und gleichzeitig wird eifrig an den Sendern für München, Stuttgart, Frankfurt( Main), Leipzig, Breslau, Hamburg und Königsberg gebaut, so daß balt in allen Gegenden Deutschlands die Darbietungen zu hören fein werden. Die Zukunft des Rundfunks ist in erster Linie davon abhängig, daß dem Publikum stets etwas Neues und Besseres geboten wird, t. h. für das Sendegeschäft müssen immer größere Mittel aufgewendet werden. Deshalb ist der deutsche Rundfunk auf dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung aufgebaut und eine straffe Organisation durchgeführt worden. Die Teilnehmer sollen für bas Gebotene zahlen, und es muß nach Möglichkeit ver= hindert werden, daß die Empfänger Schmingun= gen aussenden und andere Zuhörer durch pfeifende und heulende Töne in ihrem Genuß stören, wie es manche Gehciman.agen in Deutschland leider tun. Mehr als hunder: Fabrifen mit mehreren tausend Arbeitern sind mit dem Bau von Empfängern beschäftigt. Ununterbrochen hört man von Neugründungen. Dieses Gründungsfieber hat jedoch auch verschiedene bedenkliche Seiten, da cines Tages ein gewisser Stillstand eintreten muß, der in Amerika vielen Firmen verhängnisvoll geworden ist. Die Auswirkungen des Rundfunks in fultureller, wirtschaftlicher und politischer Hin ficht sind vorläufig noch gar nicht zu übersehen, besonders für das Nachrichtenwesen wird er mit der Zeit große Bedeutung gewinnen. Das Reichspostministerium hat die Führung auf diesem Gebiete übernommen, weil bei der Eigenart der Funktechnik ein Nebeneinanderarbeiten vieler Sender nur unter zentraler Betriebsleitung technisch und wirtschaft.id möglich ist, und weil ohnehin schon eine geeignete Organisation für den Betrieb der zahlreichen Reichsjunkfender vorhanden war. Anschließend hieran sprach Prof. Leit häuser über die„ Einführung in die drahtlose Telephonie". " gespielt von J. G. Rohrbach, anschließend singt der Gemischte Chor Groß- Berlin" drei Lieder. Dann spricht Wilhelm Dieterle vom Staatstheater einige Gedichte. Es folgen drei Lieder, gesungen vom „ Berliner Schubert- Chor". Die Ansprache hält die Reichstagsabgeordnete Genoffin Bohm Schuch. Nach einer kurzen lleberleitung durch Orgelspiel spricht der Sprechchor das Chorwerk Welten wende" von Franz Rothenfelder. Als Einzelsprecher wirken mit: Elfa Wagner, Heinrich Witte und Walter Werner vom Staatstheater. Eintrittsfarten zum Preise von 80 Goldpfennigen im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenberger Str. 69/70 veranstaltet. Den begleitenden Vortrag hat der Straße 3, im Bigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( Gewerkschaftshaus). Landgemeindehaus Sophienstraße, Buchhandlung Vormärts, Lindenstr. 2, sowie bei sämtlichen Abteilungsführern und am Tage der Veranstaltung im Großen Schauspielhause. Die entwischten Hühnerdiebe. Der Fahrdienstleiter des Bahnhofes Köpenick bemerkte zwei ihm perdächtige Männer, die einen nach Berlin zur Abfahrt bereitstehen ben Vorortzug bestiegen. Er rief den Bahnhofsposten herbei, und mit Hilfe des Fahrdienstleiters brachte der Beamte die beiden Männer nach dem Dienstraum des Bahnsteigs. An der Tür riß fich plötzlich der Mann, den der Fahrdienstleiter führte, los und stürmte in der Richtung nach Hirschgarten davon. Der Polizeibeamte überließ die Bewachung des anderen Mannes dem Bahnpersonal und nahm die Berfolgung des Flüchtenden auf, der den Schienenfirang entlang lief. An dem Weichenstellerhäuschen drehte sich der Berfolgte bitz schnell um und feuerte auf den Beamten drei Schüsse cb, die aber fehigingen. Dann sprang er die Böschung hinab. In diesem Augenblic gab der Beamte ebenfalls drei Schiffe ab, von denen einer getroffen habe nmuß, da der Mann einige Augenblicke im Laufen innehielt und sich nach dem rechten Oberarm faßte. Dann jagte der Mann an dem dort befindlichen Zaun entlang, bestieg eine ter hier stehenden Loren und sprang über den Zaun. Mehrere Streckenarbeiter, die sich dem Manne entgegenstellen wollten, wurden ron ihm mit der Waffe bedroht. so daß sie zurückwichen. Donn verschwand der Mann im Gebüsch und wurde trotz sofortigen Abfuchens des Geländes nicht mehr gesehen. Inzwischen war auch der andere Festgenommene unter Zurüdlasjung seines Mantels, eines Rudfads mit Luftpumpe, einer Bange, eines Schraubenschlüsseis, zweier Paar Schuhe und eines geschlachteten Huhnes, das in ein Blatt der Morgenpost" gehüllt war, entwichen. Es handelt sich wahrscheinlich um hühnerdiebe, die in den Bororien ihr Unwesen treiben. " Er Mord und Selbstmordversuch. Der 46 Jahre alte Fahrstuhl führer Karl L. versuchte sich und die 36 Jahre alte Tochter seiner wirtin, die Witwe Anna H., in seinem abgemieteten Zimmer in der Fürstenwalder Str. durch Leuchtgas zu vergiften. nahm sie in fein Zimmer und, nachdem die H. eingeschlafen war, öffnete er die Gashähne. Die Wohnungsinhaberin, durch den Gasgeruch aufmerksam gemacht, rief einen Schloffer herbei, der die Tür gewaltsam öffnete. Ein Arzt fonnte beide ins Leben zurüdrufen. Die H. verblieb in der mütterlichen Wohnung, während L. als Polizeigefangener nach dem Staatsfrankenhaus geschafft murde. Das Motiv zu der Tat ist darin zu suchen, daß 2. heute ausziehen sollte. Er hat wahrscheinlich die Tat aus Rache begangen. Filmbrand in einem Kino. In dem Lichtspieltheater WienBerlin, Wilmersdorfer Str. 150, entstand beim Einführen eines Filmtreifens in den Vorführungsapparat ein Brand infolge Unachtsam. feit., Der Vorführraum brannte vollständig aus und der Borführer trug einige Brandwunden davon. Steigende Mildpreise. Die Preise für Vollmilch betragen bei Abgabe der Milch vom Kleinhändler an den Berbraucher Milch aus Seuhställen an den Berbraucher 36 Goldpfennige. Die 33 Golbpfennige, bisher 32 Goldpfennige, bei Abgabe der Breise für Magermilch betragen 15 Goldpfennige. Die festgesetzten Preise gelten vom 16. Februar 1924 ab, mit dem gleichen Tage treten die bisherigen Preisfestlegungen außer Kraft. Die A- Mildfarten werden mit 4 Liter, die B- Milchfarten sowie die Karten für wer. dende Mütter( C- Karten) mit ½ Liter Vollmilch beliefert. Infolge der Heraufsehung der Berliner Butternotierung auf 1,80 m. für ein Pfund Butter war das Milchamt genötigt, den Milchpreis um einen Pfennig je Liter zu erhöhen. D Die französische Revolution wird in einem Lichtbildervortrag behandelt, den der Touristenverein Die Naturfreunde", Abteilung Südost, in Gemeinschaft mit dem Verein Sozialisti. sche Arbeiterjugend", Abteilung Südost, Reichenberger Viertel, am Sonnabend, 16. Februar, in der Schulanla Reichen Studienrat Genoffe Marquardt fibernommen. Ferner haben Mitglieder des„ Gemischten Chors" Groß- Berlin ihre Mitwirkung zugefagt. Beginn 7%, Uhr. Eintritt 0,25 Goldmart. Einen Heiteren Vortragsabend veranstaltet die Jugendabteilung des Zentralverbandes der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin am Sonnabend, den 16. februar, abends 7, 11br, in der Aula des Sophien- Realgymnasiums. Das Programm, das gleichzeitig zum Eintritt berechtigt, foftet für Erwafene 50 Bi. und für Jugendliche 25 Pf. Eintrittskarten find abends am Saaleingang zu erhalten. Es wird um regen Besuch der Veranstaltung gebeten. Dänische Briefe überfest den Eltern in Dänemark befindlicher Kinder foftenlos Genosse Nud bed, Berlin- Friedenau, Odenwaldstr. 26.( Bei Einsendung Rückporto beilegen.) Bezirtsbildungsausschuß Groß- Berlin. Die Drbner für die Proletarisme eierit un de treffen fich am Sonntag, den 17. Februar, pünktlich 9%, Uhr vormittags im Großen Schauspielbaus, Eingang Schiff. bauerdamm. Sonntag, 17. februar, abends 8. Ubr, in thems Feitfälen, Hafenheide, bringt die Schaubühne in erstflaffiger Belegung eine Aufführung des Aufklärungsdramas„ Die Schiffbrüggen". Sarten noch zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, weientlich barabgefesten Preisen( 40, 60, 90 und 120 Goldpfennige), find 2. of II. Für die Jugendweihe in Friedrichshagen, die am 23. März stattfindet, werden noch Anmeldungen beim Genossen Wahling, Friedrichstr. 59, entgegengenommen. Das Eis in der Ostsee. Die Lübecker Bucht ist durch Nordostwind voll Eis getrieben und völlig zugefroren. Nur eine schmale Fahrrinne wird durch Eisbrecher für die aus und eingehenden Schiffe offengehalten. Bis an die Ufer heran hat die Gee förmliche Eisberge geschoben. Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß der Derefund ein großes Eisfeld ist. Die Westseite ist nur mit Hilfe von Eisbrechern passierbar. Die östliche Fahrrinne des Katte= gatis ist mit Eis angefüllt und fann nur von fräftigen Dampfern passiert werden. Auch im Großen Belt sind die Berhältnisse fchwierig, der Kleine Belt ist noch eisfrei, ebenso einigermaßen die meftliche Fahrrinne des Kattgatts. Die Dampfergesellschaft Derefund stellte mittags die Fahrten zwischen Malmö und Kopenhagen ein. Groß- Berliner Parteinachrichten. Dienstag, ben 19, Februar, nachmittags 1% Uhr, Berfammlung der erwerbs. lesen Mitalieber der BSBD. Groß- Berlins im Gewerkschaftshause, Eng lujer 25 ( großer Saal). Tortrag des Genossen Stadtrat Roſin über„ Arbeitslosigkeit Gemeinden und öffentlicher Wohnungsbau". * 2. Kreis Tiergarten. Gonntag, den 17. Februar, vorm. 9½ Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Krüger, Butligstr. 10. Die Geschäftsleitung des Areisvorstandes trifft sich daselbst 9 Uhr. Pünktliches Erscheinen aller notwendig. 6. Kreis Kreuzberg. Sonntag, ben 17. Februar, nadm. 3 Uhr, Uraniavor. stellung Indien". Rarten.zu 40 Pf. find am Eingang zu haben. Bildungscusschuß um 2 Uhr am Eingang des Theaters. 10. Areis Rehlendorf. Sonntag, den 17. februar, nachmittags 1½ Uhr, Streis delegiertenverfammlung in Zehlendorf, Potsdamer Str., bei Midlen. Wichtige Tagesordnung. Heufe, Sonnabend, den 16. Februar. Sozialistisch- wissenschaftlicher Diskussionsabend für Beamte! 8 Uhr, Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3. Thema: Die Rolle des Geldes." Morgen, Sonntag, den 17. Februar. 36. Wbt. Mitglieder der Konfum genossenschaft! Borm. 10 Uhr del Bush, Tilfiter Str. 27, Bersammlung der 25. Berkaufsstelle( Liebigstr.), der 33. ( Berndorfer Str.) und der 127.( Petersburger Str.). Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten zur Bertreterwahl. Die Genossen werden gebeten, für regen Befuch zu forgen. 40. Abt. Borm. 10 Uhr Fortfegung der Abteilungsverfammlung bei Reufnet, Hagelberger Str. 20a. Jungfozialisten Gruppe Tempelhof und Goa. Arbeiterjugenb. 7 Uhr am Eingang Bahnhof Tempelhof, um gemeinsam die Veranstaltung( Rurt- EisnerAbend) am Ostbahnhof 17 au besuchen. zum 17. Kreis Jungsozialisten und Arbeiterjugend! 6% Uhr abends gemeinsamer Abmarich ,, Kurt- Eisner- Abend". Treffpunkt Bahnhof StralauRummelsburg. WELTBEKANNTE BATSCHARI QUALITÄTSMARKEN Fiat WhiteStar POHONNY Eden Wirtschaft Kleinhandelspreise wichtiger Lebensbedürfnisse. Nach den Feststellungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin standen die Kleinhandelspreise gegenüber dem Frieden wie folgt: Brennholz 1 gtr. Sauerkraut 1 kg Eier 1 Stüd. Rotkohl 1 kg Weißtohl 1 kg Harzer Käje 1 kg Wirsingkobl 1 kg Rabeljau 1 kg Buder 1 kg Staffee( gebr.) 1 kg Linsen 1 kg Gas 1 cbm 0 • Dorich 1 kg • • Rohlrüben 1 kg. Steinfoble 1 Str. Butter 1 kg Wollmilch 1 Liter Gasfots 1 8tr. Erbien, gelbe 1 kg Brifetts 1 8tr. Salzheringe 1 kg Sped( fett) 1 kg Zehn Februartage Reichskasse. Bährend der ersten Februardelade ist in der Reichshauptkasse ein Defizit von rund 34 Goldmillionen Mark entstanden. Uebersicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkasse in der Zeit vom 1. Februar bis 10. Februar 1924. Einzahlungen Allgem. Finanzverwaltung( Steuern, Zölle, Gebühren) nach Abzug der von den Oberfinanz- und Finanzlafen in ben legten vier Deladen geleisteten Ausgaben Einnahmen aus dem Verkauf von Goldanleihe Summe der Auszahlungen Mithin Zusaußbedarf Einnahmen aus der Begebung bon Rentenmattichatwechseln Goldmart- Miltonen Bom 1. Febr. Bm 16. Novbr. 1923 bis 10. Februar 1924 47,653 4,932 207,784 Aus den Ziffern ist ersichtlich, daß feit der Stabilisierung der Mart( 16. November 1923) bis einschließlich 10. 10. Februar 1924 das Reich rund 912 Goldmillionen Mart Einnahmen, aber 1,575 Goldmillionen Ausgaben gehabt hat. Das Defizit ist bisher aus dem Rentenmarktredit gedeckt worden. Nebenher hat sich das Reich fort laufend durch Begebung von Rentenmarfschabwechseln( turzfristige Anleiheschuld) bisher rund 208 Millionen Goldmark verschafft. Sie follen nicht wieder verausgabt, sondern als Betriebsmittel verwendet. worden sein. Entscheidend bleibt, daß im Reichshaushalt baldigft eine Balancierung erreicht wird; ob dies mit der dritten Steuer notverordnung erreicht werden wird, erscheint mehr als fraglich. Februar 11. Febr. 1913 1924 Beränderung um% + ober • $ 0,75 • 2,69 +258,7 72,396 . 0,15 0,50 +233,3 0,08 0,21 +162,5 0,086 .0,10 0,26 +160,0 Berfchiedene Bertvaltungs EinB 0,08 0,18 125,0 nahmen 7.143 0,80 1,60 100,0 0,15 9 0,28 86,7 Summe der Einzahlungen 79,576 849,320 12,429 50,500 912,249 Auszahlungen 0,54 1,00 85,2 • 0,45 0,80 77,8 8,20 560 75.0 Ausgaben in ausländischer Währung für Ausführung des Friedens bertrages • 0,50 0,84 68,0 0,12 Allgemeine Reichsverwaltung 118,490 • 0,21 70,0 0,36 0,60 66,7 0,06 0,10 66,7 113,490 33,914 1 570,126 1 575,059 662,809 1,70 2,72 60,0 2,80 4,40 57,1 • 0,22 0,32 $ 1,70 2,43 . 0,40 0,56 1,25 1,69 45,5 42,9 40,0 35,2 0,52 0,70 34,6 • 2,40 3,20 Schellfisch 1 kg . 0,60 0,80 83,3 38,3 Mohrrüben 1 kg .0,08 0,10 25,0 Petroleum 1 Liter. 0,20 0,24 20,0 Schweinefleisch( Baub) 1 kg 1,70 2,00 17,6 Speisebohnen( weiß) 1 kg. 0,50 0,56 12,0 Hammelfl.( Dünnung) 1 kg 1,70 1,80 5,9 Kalbfleisch( Brust) 1 kg.. 1,90 2,00 5,8 Elektr. Licht 1 Kilowattſt. 9 0,40 0,42 Rindfleisch( Kochfl.) 1 kg 1,80 • 1,80 1,40 1,40 . . 0,40 0,40 0,32 0,82 9 0,29 0,28 3,4 9 0,50 0,48 4,0 1,00 0,96 4,0 . 1,40 1,30 7,1 0,40 0,36 10,0 9 0,50 0,44 12,0 . 0,50 0,40 20,0 0,18 0,14 22,2 .0,80 0,56 30,0 9,10 74,0 52.50 13,65 68,50 17,80 74,0 74,0 Schweineschmala 1 kg. Graupen, grobe 1 kg Roggenmebl 1 kg Roggenbrot 1 kg Reis 1 kg. · Dörrobst 1 kg Margarine 1 kg Weizenmehl 1 kg Weizengries • Haferfloden Grünkohl 1 kg Nudeln 1 kg. ohnung: 23immer u. Küche, 1 Monat 35,00 3 4 ++++ 5,0 Unsere Zusammenstellung zeigt, daß die Mehrzahl der Breife der wichtigeren Lebensbedürfnisse sich noch weit über dem Friedensstand befindet. Wesentlich wurde bisher die Lebenshaltung nur durch die Lieten bestimmt, damit ist's nach dem In. frafttreten der 3. Steuernotverordnung und ihrer Mietzinssteuer jezt zu Ende. Nicht beachtet sind bei unserer Zusammenstellung die hohen Preise für Bekleidung und tie ftarte Belastung des Ar beitnehmers durch den Lohnabzug. Allein schon die Mietzinsfteuer wird die großen Massen wieder in tiefes Elend treiben, wenn nicht Bugleich alle Preise um mindestens 33% Proz. weiter sinten. Jn- und ausländische Baumwollwarenpreise. In immer deutlicherem Maße macht sich der Unterschied zwischen Inlands und Weltmarktpreis in Deutschland be merkbar und in ganz besonderer Weise hat sich auf dem Baum. mollwarengebiet ein erheblicher Gegensatz zwischen den Preisnotierungen in Deutschland und England herausgebildet. Der„ Ron. fektionär" stellt z. B. fest, daß nach den amtlichen Notierungen der Stuttgarter Industrie- und Handelsbörse von Anfang Februar die Breise für Baumwollgewebe weiter gestiegen sind und sich 3. B. für eine bestimmte Sorte auf 14-14% Dollarcent stellen. Dem Berliner Baumwollgroßhandel liegen jedoch gleichzeitig Offerten aus England vor, in denen die gleiche Ware mit 11-11% Dollarcent, also um 25 Pro3. billiger, angestellt wird. Juld sgant, wer Süßstoff verwendet Er ist gut, blifig und befömmlicht 1 H- Briefchen entspricht der Süßtraft von 1 Pfund Zuder. 1 Tablette 1% Würfel 3uder genügt für eine Taffe AND Raffee, Ralao, Lee usw. Ghastein mit 100, 200 u. 500 Tabletien Grhältlich la Rolonialwaren, Dregenhandlungen und Apotheken. Theater, Lichtspiele usw. 000000-3000@ Volksbühne Staats- Theater: E. Abrechnung Opernhaus 7 Uhr: Bohème Opernhaus 7: Der Heiratsantrag Lessing- Th. am Königsplatz Heute bis Montag Große Volksoper Deutschlands Wirtschaft, Währung und Finanzen. Die unter diesem Titel für die in Berlin tagenden Sachverständigenausschüsse ausgearbeitete, von der Reichsregierung herausgegebene Dentschrift wird noch im Laufe dieser Woche von dem Zentralverlag G. m. b. S., Berlin 28. 35, veröffentlicht.( Preis 2,50 M.) Lautenschläger- S. u. H. Die Lautenschläger G. m. b. H., Berlin, hat mit der Siemens u. Halske A.-G. Wernerwert eine Interessengemeinschaft abgeschlossen. Edert- Beschäftsgang. Die A.-G. H. F. Edert, Lichtenberg, hielt ihre Generalversammlung ab. Im vergangenen Jahre ist ein Ueberschuß von 335 Milliarden Mark erzielt worden. Ueber den zunehmenden Auftragseingang teilte nach dem„ B. T." der General direktor Steinhardt mit: Die Zurüdhaltung unserer Rundschaft hat auch bis zum Februar hinein angehalten. Manche uns angebotenen Durchschnittspreise im Verkehr des Berliner Lebensmittelgroßhandels mit dem Einzelhandel vom Freitag, 15. Februar. Die Preise verstehen sich in Goldmark für je 50 kg frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose 15,50 16,501 Röstkaffee Zentralam... 320,00-400,00 Gerstengrütze, lose... 15,50-16,50 14,25-15,2 Haterflocken, lose Röstkaffee Brasil Malzkaffee, gepackt Hafergrütze, lose..... 15,25-16,25 Röstgetreide, lose Roogenmehl 0/1. Weizengries Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine.. Bohnen, weiße, Perl Langbohnen. handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen. große Kartoffelmehl Makkaroni, lose...... Makkaronimehl Schnittnudein, lose.. Burma II unglasiert Siam Patna I glasiert. Grober Bruchreis. Rineäpfel, amerik. extra choice Getr. Pflaumen. Korinthen in Kist. choice Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen in Kisten... Mandeln, bittere Bari Mandeln, süße Avola Kassia Vera .. 225,00-260,00 23,00-25,50 15.00-16,00 100,00-12,00 13,00-150,00 342,00-350,00 12,75-13,75 Kakao. fettarm 17,80-18,50 Kakao, leicht entölt 21,00-23,00 Tee Souchon 14,50 15,50 Tee indischer 17,00-20,50 Inlandszucker basis mel. 17,50-23,00 inlandszucker Raffinade 15,00-17,00 Zucker Würfel. 20,00-24,00 Kunsthonig 360-31,00 Marmelade Einfr. Erdb. 26,00-33,00 Marmelade Vierfrucht 36,90-40,00 Steinsalz, lose. 40,15-45,00 Siedesalz, lose • 16,0 18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00-43,00 Purelard in Tierces 36,00-8,00 Speisetalg in Packung 21,00-26,00 Speisetale in Kübeln 17,00-19,00 Margarine, Handelsm. I 24,50- 27,00 desgl II. 16,50-17,40 Margarine, Spezialm. I.. desgl. II. 115,00-125,00 Molkereibutter 43,00 48,00| Landbutter 80,00- 90,00 Auslandbutter 75,00- 85,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 85,00-95,00 Speck, gesalzen, fett.. 130,00-150,00 Quadratkäse...... 145,00-160,00 Quarkkäse 110,00-120,00 Tilsiter Käse, vollfett Tilsiter Käse. halbfett. 425,00-43,00 38,0 39,09 41,00-43.00 46,00-47,00 40, 0-45,00 108,00-111,50 35,00-55,00 3,70-4,00 4,80-5,20 71,00-73,00 70,00-72,00 49,00-52,00 47,00-49,00 56,00 48,00-52,00 76,00 57,00-59,00 220,00-226,00 198,00-200,00 220,00-226, 0 35,00- 36,00 60,00-64,00 40,00-50,00 35,00-50,00 115,00-125,00 55,00-65,00 Kümmel, holländischer. 145,00-150,0 Schwarzer Pfeffer Singap. 98,00-106,00 Aus!. ungezuck. CondensWeißer Pfeffer. 130,00-141,00 milch 48/16. 24,00-26,00 Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 Inländische desgl. 48/12 19,00- 21,00 Rohkaffee Brasil 17,00-195,00 I Inl. gez. Condensm. 48/14 29,00-31,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Th. 1.Admiralspalast Residenz Theat. 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Stabeifen, gegenüber ben legten billigen Preisen eine erste fleine Erhöhung eintreten dürfte, scheinen nunmehr unsere Abnehmer auf tem Standpunkt zu stehen, daß billige Preisstellungen feinesfalls mehr zu erwarten sind und daß es die höchste Zeit wird, zu den jezigen Rotierungen noch einen festen Abschluß zu machen. Die in den letzten Tagen eingegangenen etwas umfangreichen Auf träge dürften hierdurch ihre Erklärung finden." Aus der Partei. Aus dem Vogtlande. Am vergangenen Sonntag fand in Reichenbach und in Klingenthal je eine Konferenz der Unterbezirke statt. In Reichenbach sprach je ein Vertreter der Fraktionsmehrheit und der Fraktionsminderheit. Nach längerer Diskussion wurde eine Ents fchließung gegen eine Stimme angenommen, die von den Abgeord neten des Bezirks fordert, daß sie den Beschlüssen des Landespartei tages nachkommen. Weiter wird darin ausgesprochen, daß Kandidaten, die sich an dem Disziplinbruch beteiligten, nicht wieder aufgestellt werden dürfen. Im Verfolg dieses Beschlusses wurde der auf einer vorhergehenden Konferenz aufgestellte Genoffe Wintler, der jetzige Landtagspräsident, wieder gestrichen und als Randidaten die Genossen Harzsch, Hirsch und Behrens aufgestellt. Gegen drei Stimmen wurde noch in einer zweiten Entschließung der Redaktion der„ Bolkszeitung" das vollste Bertrauen ausge fprochen. Die Konferenz des Unterbezirks Rlingenthal- Schönec faßte einen Beschluß, der von der Landtagsfraktionsmehrheit fordert, den Beschlüssen des Landesparteitages Folge zu leisten. Nicht Hagen, sondern Aachen. In einem Drahtbericht aus Köln berichteten wir am Montag u. a., daß im„ Regierungsbezirk Hagen" nach einem Referat Sollmanns der Reichstagsfraktion und dem Barteivorstande das Bertrauen ausgesprochen worden sei. Wir werden nun aus Hagen darauf aufmertfam gemacht, daß in unserer Wiedergabe ein Hörfehler unterlaufen ist. Es handelt sich um eine Konferenz des Regierungsbezirts A a che n. Im Unterbezirk Hagen curde im Gegensah dazu nach einem Referat Altmaiers eine Resolution angenommen, in der die Politik der Partei nicht gebilligt wurde. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Bur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, ben 17. Februar, vorm., im Großen Schauspielhaus sind noch Eintrittstarten im Jugendfekretariat zu haben. Heute, Sonnabend, den 16. Februar, 7 Uhr. Baumschulenweg: Jugendheim, Ernststr. 16, Bortrag: ,, Rarl Marg, Leben und Wirken." Südost R.- B.: Schulaula Reichenberger Str., Ede Forster Str., Lichtbilderportrag: Die französische Revolution." Ref. Genosse Studienrat Erwin Marquardt. Sowie Mitwirkung des gemischten Chors Groß- Berlin. Eintritt 25 Pf. Norbring: Wanderung nach Oranienburg. Treffpunkt heute, Sonnabend, 6 Uhr abends, Bahnhof Echönhauser Allee, Eingang Greifenhagener Str. Nachzügler Sonntag früh 7 Uhr Treffpunkt ebenda. 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