Ur. 63. � a a Jahrg. Cifäielnt läglich au6et Montag». a y A\ �.\ iffl/ Insertloni-S-bühr beträgt für die Pvei-Z pränumerando: Viertel- WM s. v a. Dil sünfgespatlene Petitzette oder deren jährlich z.zo Mark, monatlich—' fwBS f f bIv hBSL. Raum 40 Pfg., für Vereins- und l.io Mk.. wöchentlich 2S Pfg. frei BW � �WT/ mBfy/ HH M DA WM U»/ �KAM I- Bersaminrnngs- Nn, eigen-o Pfg. tn's Haus. Sinzelne Nummer MI>> HD M MB f/ M BSi BB iW W BSS i /V' WT �nwaie für die nächste Num.ner -Pfg S°nn.°gs-Nummern.i. M M g W L�LUW KI U Ck Ml M�/ �fÄn�ÄÄ" wnstr. Sonntags-Beilage„Nene WM IhdgB H H N W W MZ ISH H M M H Z. Tie Expedition ist an Wochen- Well" löPf». Post-Abonnement: WD�M W» DD>> W> HR WW UM H DD W I tagen b>s 7 Uhr Abends, an Tonn- s.zoMl. proQuartal. Unter»reu,- �DD WH»W MW Ml D>>. WD i->M MM>M WM DD» i und Festlagen bis!> Uhr Vor- band: Teutschland u.Lesterreich- DM WD �DDV JMV B I geöffnet. a»Ä.£ÄÄ. H M 48� Hff � �/■.«....,75=-. in der Post- ZettungS- Preisliste- T/ Telegramm- Adresse: für 1895 unter Nr. 7iaa. f&yf C s*\? j«Sozialdemokrat Kerlin." Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZtedaKtion: LV. lg. Aeutö-StraKe 2. � Freitag, den 13. März 1893. � ßrpedition: 8V. 13. Beuth-Straße 3. Eine Enquete, wie sie sein soll. Im Nachbarstaaie Oesterreich, speziell i» Wien, ist auf dem geistigen Kampfplatz, lvo Kapital und Zirbeit sich befehde», wieder einmal eine Schlacht geliefert, in der die sozialdemokratischen Arbeiter trotz unzureichender Mittel gezeigt haben, was sie können. Es ist nur eine papierne Schlacht, ein Enqueten-Kampf; aber lehrreich genug, um hier die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das in diesem Jahr veröffentlichte„Stenographische Protokoll der durch die Geiverkschafteu Wiens einberufenen gewerblichen Enquete", abgehalten vom 18. Dezember 1892 bis 12. Januar 1893, erscheint, wie die Verlagshandlung bemerkt, durch widrige Umstände ver- fpätet, aber dies thut den durch die Enquette gezeiligten Resultaten keinen Abbruch. Die Vorgeschichte der Enquete ist kurz folgende: Der österreichische Handelsminister, von den Zünfrlern gedrängt, forderte im Jahre 1892 die Handels- und Gewerbekammeru zur Erstattung von Gutachten über die Frage des Besähigungs-Nach- weises imd der Zwangsgenossenschaslen auf. Fragen über die Arbeitszeit im Kleingewerbe, der Tagelöhner und nichtqualisizirten Arbeiter, über Fortbildungsschulen und dergl. waren angehängt. Die Wiener Handels- und Gewerbekanuncr sandte den:zusolge zwei Fragebogen an die Korporationen der Uulernehmer und die Vereinigungen der Arbeiter, veranstaltete also cuie schriftliche Umfrage. Der Ucbelstand, an dein diese von vornherein litt, war die Unübersichtlichkeit in der Fragestellung, hervorgerufen durch das Zusamnienwersen der verschiedensten Gegenstände. Auberdem nölhigte die Fassung der Frage» beinahe dazu, mit einem trockenen Ja oder Nein zu antworten. Aus dem gleiche» Grunde ist auch das Ergebniß der vom 6. Juni bis 9. August 1893 tagenden parlamentarischen Enquete, die in einem über 1200 Seiten starken Bande vorliegt, kaum der Rede werth. Die Grundlagen für ein Konkurreuz.Uulernehmen seitens der gewerkschaftlichen Arbeiter- Organisationen Wiens waren aber damit gegeben. Nach Bejahung der prinzipielle» Frage, ob man überhaupt von Enqueten, die seitens der staatlichen und Untcrnehinerorgane veranstaltet werden, Notiz zu nehmen habe, wurde die Frage, ob die von der Handels- und Gewerbekammer gewählte Form zu einem befriedigenden Resultate führen könne, ohne weiteres ver- neint. Die Umwandlung der schriftlichen Umfrage in eine mündliche Enquete wurde beschlossen, und da in Oesterreich vollste Oeffentlichkeit und Theilnahme von Unternehmern ans- geschlossen waren, lediglich Sachverständige aus Älrbeilerkreisen herangezogen und dafür gesorgt, daß stets eine größere Zahl der- selben bei allen Sitzungen zugegen war. Die von Dr. Verkauf, I. Reumann und Dr. V. Adler geleitete Enquete ver- nahm 90 Experten, die 83 verschiedene Branchen ver- traten. Der Zweck der Veranstaltung wurde von Dr. Verkauf bei der Begründung in die Worte gesaßt: Der Wunsch, die thalsächliche Lage der Massen zu erforschen, währt bis heute... Hier handelt es sich in erster Linie um die nackten Thatsachen. Daß sich aus diesen Schlüsse ergeben, bedarf keiner Darlegung. Diesem Programm ist die Enquctekommission treu geblieben. Man bekommt nirgends, obwohl die Befragten größtentheils Sozialdemokraten sind, Auslassungen darüber zu hören, wie es JantUU'fon. lNachtruck oerboten.) Klnzzen ans tom 37 Indamerikamschen Hinterlande. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. Als sich Silvano Godoy eines Morgens reisefertig machte, nm den Weg nach Corrientes anzutreten, und sich eben nach Carmen umschaute, der man das ganze Unter- nehmen geheim gehalten, um sich von ihr für eine Geschäfts- reise, wie er vorgab, zu verabschieden, trat ihm diese eben- falls zur Reise gerüstet entgegen. „Was willst Du, Carmen..." .Täusche mich nicht, Silvano," sagte diese einfach,„ich weiß alles... ich weiß, daß es sich um die Ermordung meines Schwagers handelt... Wo Du bist, da werde ich auch sein... solltest Dit in Gefahr kommen, so will ich bei Dir sein, um sie mit Dir zu theilen..." Und dabei blieb sie. Sie schiffte sich trotz alle» Abmachens mit ihrem Gatten nach Corrientes ein, und als wenige Tage darauf Nicanor mit seinen Genossen nach Asuncion ritt, um die blutige That zu voll- bringen, blieb die kleine Waldhütte leer und ein- sam und man hörte weit und breit herum keine andere Stimmen niehr als das Geschrei der Papageien und das Gekreisch der Affen. Der zwölfte März war erschienen, und der General Caballero stand Vormittags noch in Unterkleidern am Fenster und sah sinnend vor sich hin. Es war noch ziem- tich frühe, als der Diener ans dem Ministerium zu ihm hineintral und ihm eine schriftliche Einladung des Prä- sidenten brachte, heute auf keinen Fall zu fehlen, da eine wichtige Berathuna zur Tagesordnung stände.� �Sagen Sie Seiner Exzellenz, daß ich pünktlich dasem sein könnte und sollte, höchstens sind Wünsche zu hören, die sich auf Beschränkung der maßlos ausgedehnten, oft 13, 18, ja selbst 24 Stunden währende» Arbeitszeit beziehen, auf einen gesetzlichen Marimalarbeitstag für gelernte und ungelernte Arbeiter und Tagelöhner, sowie alle Arbeiter im Kleingewerbe. Auch die Arbeitszeit in der Hausindustrie soll wie im Fabrik- wesen eingeschränkt werden. Ferner Wünsche betreffend Ab- stellung der Lehrlingsschinderei und Ausbildung der Lehrlinge in staatlichen Lehrwerkstätten, sowie Ausdehnung der Gewerbe- Inspektion aus die nur unter den kümmerlichsten und gesund- heitsschädlichsien Bedingungen fortbestehende Hausindustrie. Auch Verbot der Frauenarbeit(Lackirer).(Nicht zu vergessen den Fall, den der Experte der Glas- und Porzellanmaler anführt: ein Fräulein, das die Malerei als Quelle für Taschengeld be- trachtet und einen PorzellanHegenstand für 3 fl. lieferte, während ei» Arbeiter sicher 23 fl. dafür bekommen hätte.) Einen sehr breiten Raum in den Darlegungen der Experten nehmen die Zustände im Lehrlingswesen ein. Meist werde» mehr Lehrlinge gehalten als nach dein Meisterstatul oder der Gewerbe- Ordnung gestaltet sind. Der Buchbinder-Experte giebt an, daß die größte Zahl der zu haltenden Lehrlinge in seinem Gewerbe ö sei; aber nur solche Meister dürfen 3 Lehrlinge halten, die über 10 Arbeiter beschäftigen. Da fast jeder kleine Llicister die Zahl 6 überschritten hatte, gab der Genossenschaslsvorsteher den Meistern den Rath, die überschießende Zahl als Hilfearbeiter eintragen zu lassen. Mit einer solchen Maßregel geht eine entsprechende Ver- längerung der Lehrzeit für die überschüssigen Lehrlinge Hand in Hand. Ueber die Anwerbung von Lehrlingen macht ein Experte interessante Angabe»; danach exislirt ein Lchrlingsimport aus Böhme», was der Experte neit Recht als„Menschenhandel" bezeichnet. Die Arbeitszeit der Lehrlinge wird durchweg als außerordentlich geschildert, namentlich spielt die Verwendung zu häuslichen Arbeiten. Austrage» von Packcten, Herumsahren bei den Kunde» u. dgl. fast überall eine Rolle. Der Experte der Posamentierbrauche giebt an, daß einzelne Gewerbeinhaber nur nüt Lehrbuben arbeiten. Wen» viel zu lhun ist, nehmen sie 1—2 Gehilfen auf; nach der Lieferung werden sie wieder hinausgeworfen. Die Lehrlinge stehen im 14. Jahre. Derselbe Experte bezeugt auch, daß die Lehrliugsaus- bildung äußerst mangelhaft ist. Tie Arbeiter sind meist in Stückarbeit und haben daher keine Zeit, den Lehr- ling auszubilden. Die Theilung der Arbeil erzeugt serner eine einseitige Ausbildung des Lehrlings. Wenn man de» Befähigungsnachweis streng durchführen wollte, müßte jeder Lehrling unzählige Werlstätten durch, vandern. Und der Tischler- experte bezeugt, daß die meisten Werkställe» sich die Hausknechte ersparen, iveil sie die Lehrlinge billiger haben. Charakteristisch ist ferner die Aulwort des Buchbiuder-Experten auf die Frage: Ist der in, Großbetrieb verwendete Lehrling hernach befähigt, im Kleingeiverbe zu arbeilen? Nein, er kann kein Buch fertig mache». Ei» Lehrling, der im Großbetried gelernt hat, kann nur im Großbetrieb wieder Arbeit finden.— Der Besuch der Fortbildungsschule liegt sehr im argen. Die übermäßige Arbeilezeit veranlaßt die Lehrlinge, die Schule zum ausschlafe» zu benützen. Eine Verlegung des Schulbesuches der Lehrlinge vor die eigentliche Arbeuszeit oder iu die Nachmittagsslunden ohne darauffolgende Arbeil, ist deshalb säst allgemein Ansicht werde," entgegnete er, machte aber gar keine Miene sich anzukleiden, obwohl die Uhr schon ans zehn ging, der Stunde, in welcher die geivöhulichcn Sitzungen begannen. Erst punkt zehn Uhr griff er langsam nach seinen Kleidern. Auf verschiedenen Wegen waren am vergangenen Abend die sechs Verschworenen in Asuncion eingetroffen, waren iu verschiedenen Posadas abgestiegen und thaten, als wenn einer von dem andern gar nichts wüßte. Sie halten aller- dings ihren Plan in allen Einzelheiten vorher sorgfältig er- wogen und vermieden es, nm jedes Aussehen abzuwenden, sich vor der That in Asuncion zu begegnen. Drei von ihnen, darunter Nicanor Godoy hatten kurze Karabiner unter ihren Ponchos mitgebracht, während die anderen als einzige Waffe nur lange Dolche bei sich trugen. Man halte beschlossen, alle Ecken und Straßen, die nach den, Regierungsgebäude führten, zu besetzen, so daß der Präsident einem ivcnigstens ganz sicher in die Hände fallen mußte. Sein Pferd ivollte jeder in nächster Nähe stehen lassen— das paraguayische Pferd ist gewöhnt ruhig auf scinen Reiter zn warten, ohne sich zu entfernen— nm nach vollbrachter That womöglich zu entkommen. Gegen zehn Uhr pflegte der Präsident. begleitet von zwei Adjutanten von seiner Privatwohnung nach dem Rcgiernngs- Gebäude zil gehen und diese Stunde halte nian deshalb zum Altentat bestimmt. Danach wollte man wenn möglich die südliche Vorstadt gewinnen, um auf den Weg nach den Misioncs' zn gelangen. „Es wird Zeit, daß ich mich verabschiede," sagte Nicanor Godoy um halb zehn Uhr zn dem Gastwirth, der ihn be- herbergt hatte...„Sie habe» recht, Patron, es ist eine schlechte Zeit in Paraguay... aber verzagen Sie nicht, vielleicht ändert es sich einmal.. „Ach was, Nicanor, hier zn Lande hat niemand Mnth und an den elenden Papierzctteln des Herrn Gill sterben wir nächstens alle... Gute Reise wünsche ich Euch und gute Verrichtung.." Nicanor Godoy bestieg sein Pferd, ritt ruhig die Stadt entlang, bis er in die Calle Villa Rica kam, ritt bis dahin, wo man einen Zugang auf das Regieruugsgebäude hatte, der Experten. Manche stellen die Forderung von Staatslehr- Werkstätten, wo tbeoretisch und praktisch gelehrt würde.„Lehr- Werkstätten würden die Meisterlehre vollkommen ersetzen zum Vor- theil der Lehrlinge." Der Schneiderexperte sagt direkt, daß die Meister, die lehren können, immer weniger werden. Die Lehr- linge sind nur Ausbcutungsobjekte.— Wie die Klage» über Ver- drängung der Gesellen durch Lehrlinge in der kleinen Werkstatt nicht aufhören, so ist ganz allgemein die Tendenz herrschend, menschlicke Arbeit durch mechanische, gelernte durch ungelernte iu der Fabrik zu ersetze». Der Mühlenexperte sagt z. B., daß in den großen Kunst- und Dampfmühlen größtentheils nur nichtgelernle Ar- beiter beschäftigt iverden. Warum? Weil der Besitzer einem „vazierenden Schuster" nicht den Lohn zil zahlen braucht, wie dem„Müllner". Die Fabrik von Kliukosch beschäftigt 100 Leute, davon 22 ge- lernte und etwa 12 Graveure und Ziseleure, der Rest sind Hilss- arbeiter. Die Fabrik stellt meist Bestecke mittels Maschinen her, die von Leuten aller Berufe, auch von Frauen, bedient werden. Tie kleinen Meister können diese Konkurrenz nur aus- hallen, indem sie unzählige Lehrlinge ausbeuten.— Von oer Hausindustrie wisse» viele der Vernommenen ein Lied zu singen. Im Metalldruckergewerbe exislirt zwar keine Hausindustrie im eigentlichen Sinn, aber es giebt Arbeiter, die Drehbänke zn ause haben und nach Feierabend Arbeit mit nach Hause nehmen. der sie haben Kundschaft, von der sie Arbeit beziehen und dann arbeiten sie bis 12 und 1 Uhr nachts. Ii, andern Gewerben. z. B. bei den Schuhmachern, blüht die Hausindustrie und das sogenannte Schivitzsystem. Bei den Holzdrechslern ist das Sitz- gesellenwesen entwickelt. Sitzgesellen sind die zu gründe gebenden kleinen Meister, die mit den Fabrikanten nicht konkurriren können, deshalb zu ihnen gehen und sie um Arbeit in's HauS ersuchen. Der Experte der Glas- und Porzellaumaler trifft den Nagel auf den Kops, wenn er sagt: In mehreren Fabriken gilt der 9slündige Arbeitstag, aber dadurch, daß man Arbeit mit nach Haus giebt, und durch das Siygesellenwesen wird die Arbeitszeit uu- beschränkt. Das Sitzgesellenwese» und die Hausindustrie blühen, weil der Unternehmer seine Maaren bekommt, ohne Raum, Licht, Heizung zu bezahlen. Dadurch, daß die Arbeitszeit zu Hause unbeschränkt ist, bekommt der Unternehmer die Maare billiger geliefert.„Durch die Hausindustrie wird ein fürchterlicher Druck ausgeübt." Die Aussagen der Sachverständigen erstrecken sich weiter auf Frauen- und Kinderarbeit, Berufskrankheiten. Schutzvorrichtungen, Kranken- und Unfallversicherung, sowie Sonntagsarbeit. Diese der Initiative von„Arbeiterbchördeil" ent- sprungene Enquete liefert den vollailtigen Beiveis, daß die Zeiten der Bevormundung der Arbeiter durch bureau- kraliscye Organe vorbei sind. Nur da. wo die Arbeiter als gleichberechtigte Faktoren zugelassen werden, kann noch etwas Ersprießliches geleistet werden. Die Fachkenntniß der Experten, die Vollständigkeit, Klarheit und Uebersichtlichleir ihrer Aussagen setzt oft genug in Erstaunen. Man hat den Eindruck, es mit Leuten zu thun z» haben, die über ihre ökonomische Lage nachgedacht haben und im stände sind, ihre Gedanken für eine Verbesserung ihrer Lage im einzelnen Gewerbe wie auf dem Wege der Gesetzgebung für ihre ganze Klasse zu verwerthen. » stieg hier ab, legte sehr sorgfällig seinem Pferde den Zügel über den Sattel, und stellte sich selber an die Ecke mit der Miene eines Mannes, der ungewöhnlich viel Zeit hat, tveil er gerade aus dem Kamp gekomnien ist, um in irgend einer paraguayischen Staatsoffizin ab- gefertigt zu werden. Wenige Attgenblicke darauf be- setzten andere fünf Männer in Ponchos die bcnach- bartcn Ecken, die ihre Pferde gleichfalls auf der Straße stehen ließen. Das fällt in einer Stadt wie Asuncion nicht auf, da dort alle Welt reitet und die belebten Straßen meist massenhaft voller Pferde stehen. Nicanor verfolgte gedankenvoll den Zeiger der Uhr auf der Kathedrale, den er gerade erblicken kounte. Eben begann die Glocke der Uhr die Sliinde zit schlagen, als er aus der Ferne den Präsidenten mit seinen beiden uniformirten Begleitern kommen sah. Er kam gerade in der Straße, die Nicanor besetzt hielt. Godoy begann vor Aufregung zu zittern. Wird er an der vorletzten Ecke abbiegen und den Weg durch die nächste Straße nehmen! Drei Sekunden vergehen und jetzt ist er sicher, daß er an ihm vorbeikommen muß; denn die Ecke ist er eben vorbeigegangen. Er kann ihm nicht mehr ausweichen. Nicanor zieht sich' zwei Schritte hinter seine Ecke zurück und faßt unter seinen Poncho. Wenige Sekunden und die Schritte der sich Nähernden sind dicht vor ihm... Sie stehen ans einnial gegenüber, Brust gegen Brust. Der Präsident, der sich plötzlich Nicanor Godoy gegenüber sieht, wird leicht verlegen, und saßt zum Gruß an seinen Hut: „Güten Tag, Nicanor..." „Dich suchte ich eben.." erwidert dieser, setzt ihm seinen Karabiner auf die Brust, ein Knall, und der Präsident liegt durch das Herz geschossen vor ihni. Die beideil Adjutanten verlieren bei dem überraschenden Attentat vollständig ihre Besinnung und laufen, uni Hilfe schreiend, davon. Nicanor Godoy aber tritt langsam an sein Pferd, schwingt seinen Hut und ruft den erschreckten Neugierigen, die auf den Knall herbeilaufen, mit lauter Stimnie zu: Carl Marx. Heute vor 12 Jahren, am 14. März 1883� starb in London C a r l M a r x, der Schöpfer des �Kapitals". Was ihm das Proletariat, was ihm die Menschheit zu verdanken hat, das kann und braucht nicht aufgezählt zu werden— das lebt in den Herzen der Proletarier aller Länder und steht als unvergängliches Denkmal vor der Welt. Ehe der Tod ihn von seiner Arbeit wegriß, hatte Carl Marx die Genngthurmg zu sehe», daß sein Mahnwort zur internationalen Vereinigung der Arbeiter sich zu verwirklichen begann, und daß die Internationale Arbeiterorganisation, die er gegründet, weit größeren Umfang und eine weit festere Basis gewann, als er selber erwartet hatte. Sein Körper ruht in dem freien England. Sein Geist schafft rastlos in Millionen und Millionen des Volkes, welche auf ihn sich stützend, mit den Waffen, die er ihnen geschmiedet, die Ketten des Kapitalismus zu zerbrechen bemüht sind. Wir wandeln den Weg. den er uns gezeigt hat. Und was er gewollt und gedacht, machen wir zur T h a t. So ehren wir sein Andenken!— Dolikisrhe itcöevlMU. Berlin, 14. März. Aus dem Reichstage. In. Fortsetzung der Debatte über den Autrag auf Küilvigimg des Handelsvertrages mit Argeutinicu hielt heute zu Beginn der Sitzung der Abg. Möller(Dortmund) eine seiner unsäglich langweiligen Reden. Möller ist, wie die Mehrheit seiner Fraktion, gegen die Kündigung, und seine sachlichen Argumente für diesen jSlandpunkt sind gewiß beachtcuswerth. Aber die Laugeweile, mit der der Brackweder Fabrikant redet, schadet selbst der besten Sache, wenn er ausnahmsweise einmal eine solche vertreten soll. Tie Gegner des Antrages bestritten heute überhaupt die Kosten der Debatte. Unser Genosse Schumacher, Dr. Barth(frs. Vg. simd E h n i von der Volkspartei wiesen an tausend Ben nelcn nach, daß die Absicht der An- tragsteller, eine Erhöhung des Weizenpreises, nicht erreicht werden kann, daß aber durch ein Vorgehen im Sinne der Antragsteller unser Export auf das schwerste geschädigt würde. Was dagegen von den Freunden des Antrags, Zdcn Abgeordneten Grafen Oriola und v. Arnim und den Anli- semiten Hilpert und Werner vorgebracht wurde, erhob sich nicht über das flachste Niveau der Reden in den Versamm- lungen des Bauernbundes. Ten ablehnenden Standpunkt der Regierung vertrat sehr energisch der Herr Staatssekretär von Marschall. Tic fortgesetzten Unterbrechungen dieses Redners durch die Hurrahgarde der Rechten darf wohl als Beweis dafür gc- nommen werden, daß der Weizen der Agrarier, trotz v.Köller und dem Zickzackkurs, nicht in Blüthe steht. Die Rede des Herrn Staatssekretärs lautet» so bestimmt, daß wir sie auch während der Zeit, wo Caprivi noch im Amte war und der russische Handelsvertrag auf der Tagesordnung stand, von dieser Seite nicht energischer und ablehnender gehört haben. Daß trotz dieser Haltung der Regierung und obwohl nicht der leiseste Zweifel besteht, daß der Antrag, wenn er zur Abstimmung käme, mit erdrückender Mehrheit abgelehnt würde, derselbe in nanicntlicher Abstimmung doch mit 146 gegen 78 Stimmen an eine Kommission verwiesen wurde, ist nur der Zauderpolitik des Zentrums zu ver- danken. Diese Partei will ihre Agrarier nicht vor den Kops stoßen und deshalb soll eine vollständig spruchreife Frage erst noch in einer Kommission hin und her gezogen werden.— Im Abgeordueteuhaus wurde heute die dritte Berarhung des Staatshaushalts-Etats begonnen. Bei Er- ledigung der einzelnen Etats wurden aus dem Hause nur noch kleinere Ausstellungen und Nionita vorgebracht. So brachte z. B. der freikonscrvative Abgeordnete v. Zedlitz die Mittheilungcn des„Vorwärts� über die Ent- lassnngsangelegenheit des Herrn P e r s i u s zur Sprache. Der anwesende Minister des Innern, Herr von Köllcr, „Es starb der Dieb Bantista Gill... es lebe unsere Republik Paraguay.." „Viva.. Viva. rufen seine Genossen und eilen zn ihren Pferden. Allen glückte es, sie zu gewinnen, nüt Ans- nähme von Juan Dolores Molas, den ein Polizist ereilte, als er eben seinen Fuß in den Bügel setzte und ihm mit seinem Seitengewehr über den Kopf hieb. Nicanor Godoy, der dieses sah, als er schon ans seinem Pferde saß, sprengte sofort auf ihn zu: „Du sollst nicht unter ihnen sterben, Freund", ritt im Galopp den Polizisten über de» Haufen, ergriff den Be- wußllosen und blutüberströmten Molas, legte ihn vor sich über den Sattel und raste dann mit verhängten Zügeln seinen Freunden nach, die, nach der Eisenbahn zu eilten, um von dort ins Freie zu gelangen. Bald erreichte er sie auch. Im rasenden Lauf stürzte der junge Goiburu ans den Eisenbahnschienen mit seinem Pferde und brach sich dabei den rechten Arm. Das hinderte ihn aber nicht, sich wieder aufzuraffen und, mit dem linken Arm seinen Zügel führend, jagte er mit der wilden Jagd weiter über Gräben, Hecken und Zäune nach dem Eampo Grande hinaus. So war die That gelungen. Ein Karren brachte nach einiger Zeit die Leiche des Präsidenten in das Haus der Wittwe, und fast zur selben Zeit langte dort auch der General an, um sie zn trösten. „Das sind Sie gewesen, General.. fragte sie ans einmal, als sie mit ihm vor dem Ermordeten stand. Der General antwortete nicht, und sie ließ ihre Augen prüfend auf seinen: Gesichte ruhen. „Schweigen Sie, Eoncepcion," sagte er dann leise, und laut wandte er sich dann an einen Diener: „Sic eilen sofort nach der Polizei, um nachzusehen, ob man auf der Verfolgung der Mörder begriffen ist..." Diese hatten unterdessen das freie Feld gewonnen. Molas war zn sich gekommen, man hatte ihm nothdürftig seine Wunde verbunden und er saß bleich und zitternd aus dem Sattel von Nicanor. Viele Worte wurden zwischen den Freunden nicht gewechselt. Das verbot schon die Eile, mit der die Pferde liefen. Man hatte eben die weite Fläche des Eampo Grande erreicht, als Juan Negunega, der an der Spitze ritt, plötz- lieh rasch sein Pferd parirte und„Halt" rief. (Fortsetzung folgt.) ging jedoch auf dieses heikle Thema nicht weiter ein und lenkte das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Er sprach von den öffentlichen Tanzlustbarkeiten und beklagte es, daß von den jungen Burschen und Mädchen, namentlich auf dem Lande, so viel Geld bei den Tanzvergnügnngen ausgegeben werde. Daß die Knechte und Mägde nichts weiter von ihrem Leben haben, als Mühe und Arbeit, kargen Lohn, karges Essen, schlechte Behandlung und den Pferde- stall oder ähnliche Räume zur Wohnung; und daß das Tanzvergnügen am Sonntag Abend das einzige ist, was sie einmal über die Misere ihres traurigen Lebens hinaushebt oder doch zn heben scheint, davon sagte der Herr Minister kein Wort.— Fortsetzung der Debatte ist Freitag.— BnndeSrath. In der heutigen Plenarsitznug des Bundes- rathes wurden die Miltheilung des Präsidenten des Reichstags über den vom Reichstag angenommenen Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Z 2 des Gesetzes, betreffend die Ver- waliung Elsaß-Lolhringens vom 4. Juli 1879 und die Miltheilung des Präsidenten des Reichstags über den vom Reichs- tage angenommenen Gesetzentwurf wegen Aufhebung der dem Siatthaller von Elsaß-Lothringen übertragenen außerordentlichen Gewalten den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Nachwahl für den 1. h e s s i s ch e n W a h l- kreis(Rinteln-Hosgeismar) ist von der Regierung ans den L3. Älpril er. angesetzt worden.— Konfiszirt Z Heute Nachmittag wurden wir wieder einmal mit einem polizeilichen Besuche beehrt. Anstoß hatte bei der hohen Staatsanwaltschaft der Leitartikel nnsercr Blittwochs- Nummer,„Ter Militarismus", erregt, und ans grund des§ 131 des Strafgesetzbuchs wurden in unserer Expedition ca. 560 Exeniplare des„Vorwärts" konsiszirt. Natürlich sind die Voraussetznngen des Z 131 in dem Artikel auch nicht im Entferntesten gegeben. Aber man sieht, es geht auch ohne Unisturzgesctz sehr gut.— Die umgestürzte Umstnrzkomuiission. Nie hat eine Kommission so viel Pech gehabt als die Umsturzkommission. Eine ivahre Pechkommissio». Nicht genug, daß sie durch die bekannten Duell- und sonstige» Anträge der Lächerlich- keit preisgegeben worden ist, hat' sie auch pcrsönlichesHPcch, in der Person ihrer zwei Hanpthähne und Vorsitzendcn. Nachdem nämlich der ziveitc Vorsitzende der Umsturz- kommission und intellektuelle Urheber des Umsturzgesctzes, Frhr. v. Stumm, infolge flagrant migesetzlichenHandeliis zum Kraukwerden und zumAnstritteausderKomniission gezwungen worden war, hat heute der erste Vorsitzende es erleben müssen, daß die Wahlprüfungs-Koinmissioil seine Wahl für u n g i l t i g, also n n g e s e tz l i ch, erklärt hat. Ein ungesetzlich handelnder zweiter und ein ungesetzlich ge- wählter erster Präsident der Umsturzkommission— kann man sich eine beißendere Ironie des Schicksals und eine unglücklichere Umsturzkommission denken? Und„das Unglück ist eine Eigenschaft"— sagte der alte Napoleon.— Tie Regierung und die lex Heiutze. Tie Köller- sche„Korrespondenz" schreibt: Die Erklärung des Regicrungskommissars Geheimen Ober- regiernngsraths Freiherrn v. Seckendorff zu dem die§§ 184 ff. des Slräfgesetzbuchs betreffende» eintrage der Abgg. Spahn und Genossen i» der gestrigen Berathnng der Reichstags-Kuimmssiou Über die sogenannte Umsturzvorlage ist in mehreren Zeitungen im Hauptpiinkte unrichtig wiedergegeben. Der Reichskommissar hat nicht gesagt, daß die verbündeten Regierungen die sog. lex Heintze demnächst wieder einbringen werden. Er hat lediglich darauf hingewiesen, daß die Regierungen noch keinen Beschluß gesaßt hätten, die in einer Kommission des Reichstages durch- verathene lex Heintze fallen zu lassen, die Angelegeuheil vielmehr noch als schwebend zu betrachten sei. Es müsse deshalb die Frage ausgeworfen werden, ob es zweckmäßig sei, einen Punkt, der zu den durch die lex Heintze in Verbindung mit verwandten Gegenstände» behandellen gehöre, einzeln heranszugreifen und mit der gegenwärtig in Berathnng stehenden, zunächst doch andere Ziele verfolgenden Borlage zn verknüpfen. Von den verbündeken Regierungen ist bisher weder über die Wiedereinbringniig der allen, noch über die einer neuen lex Heintze ein Beschluß gefaßt worden.— Tie preußische Verfasstln-z und die Umsturzvorlage. Der Rechtsanwalt Dr. Harmening hat in cincul Aufsatz sehr treffend dargelegt, daß durch das Umftnrzgesetz geivisse Paragraphen der preußischen Versaffimg einfach gebrochen werde» würden— trotzdem der deutsche Kaiser, der das Gesetz unterzeichnen soll, doch auch zugleich König von Preußen ist, der als solcher die preußische Versaffnng beschworen hat. Der Artikel 20 dieser Verfassung aber lautet: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei." Zu diesem Artikel sagt B l u n t s ch l i, der berühmte Staatsrechtslehrer: „Die Wissenschaft ist nicht eine Thätigkeit und'Offenbarung des Staate?, sie ist die Frucht der Arbeiten, welche der unsterb- liche Geist der Individuen von sich ans, getrieben von dem Durste nach Wahrheit und im Bewußtsein seiner Abstammung von Gott, der Quelle und Erfüllung aller Wahrheit, freien Mnthes entnimmt. Dein Staate kann'daher auf diesem Gebiete so wenig, als ans dem der Religio», Herrschaft zukommen. Der Staat hat keine Macht und kein Rcchr, de» Inhalt der Wissen- schaft zu bestimmen, noch die mancherlei Wege, auf denen der Geist der Jndividue» sich der Wahrheil zu nähern versucht. ab- zusperre». Freiheit der individuellen Wisseiischast ist somit ei» göttliches Grundgesetz, das der Staat zu achte« die Pflicht hat." Und Harmening bemerkt nun hierzu: „Es ist ein verhängnißvoller Jrrlhuni Derer, die eine Be- schränkung der freien Meinungsäußerung und der freien Wissen- schaft und ihrer Lehre zwar nicht wollen, aber doch den Gesetzes- Vorschläge» nichl ividersprechen, weil sie nur gegen die Aus- schreitungen gerichtet seien, es ist ein verhängnißvoller Jrrlhum dieser Wohlgesinnten, daß sie den Geist der Vorlage hinter der Verklausillirnng mit Worten nicht errathe». Geist und Absicht der Umsturzvorlage ist, was Blunlschli so tiefseud verdammt, der Slaalsgewalt die Macht und das Recht zur Beftimmung des Inhalts und der Wege der Wissenschaft einzuräumen, insbesondere einer Wissenschaft de» Garaus zu bereiten: der sozialistische», speziell der sozialdeniokratischen. Ich»enne(die sozialdemolraiische Lehre eine Wissenschaft. Und ist sie es etwa nicht? Hat nicht der eine Marx die national- ökonomische Wissenschaft mehr aufgerüttelt, als das ganze Dutzendprofefforenthuin an den deutsche» Universitälen? Die Strasbestimmimgen des Entwurfes werden doch ausgesprochener- maßen forulukirt, um„freie" Meimingsäiißerungen,„freie" Wissenschaft und„freie" Lehre zu verhindern." Harmening kommt zu dem Schluß, daß, wen» die preußische Verfassungsurkunde respektirt werden solle, der Reichstag die Umsturzvorlage ablehnen müsse.— Ter agrarische Staatsrath. Der„Reichv-Anzeiger" berichtet über die Staatsraths-Verhandlungen vom Dienstag und Mittivoch folgendes: Die Berhandliiiigeu des SlaatSraths über den ersten Gegen- stand der Tagesordiimig:„Maßregeln zur Hebung des Getreide- Preises", wuroen am vorgestrigen und gestrigen Tage fortgesetzt. Es wurde beschlossen, die Abstimmung über die Vorschläge der Referenten bis zum Schluß der Verhandlungen auszusetzen, um durch eine besondere Kommission einen die verschiedeuen in der Versammlung vertretenen Auffassiingen möglichst berücksich« tigenden Vorschlag vorbereite» zu können. In beireff des zweiten Gegenstandes der Tagesordming wurde» als„Maßregeln zur Hebung des Zuckerpreises" die nach- steheiiden Anträge des Referenten angenoimne»: „1. Der außerordentlich niedrige Stand der Znckerpreise auf deni Wellmarkt ist eine Folge der überniäßigen Erzeugung von Zucker, mit ivelcher die Vermehrung des Verbrauchs nichl Schritt hallen konnite. Diese übermäßige Erzeugung ist veranlaßt zum theil durch große Ernten, zum rheil aber durch eine große Er- Weiterung des Betriebes in den Rübenzucker erzeugenden Ländern. Eine Bekämpfung der Znckerkrists aus iuternalionalem Gebier erschein l aussichtslos. Eine Hebniig des Wellinarkipreises für Zucker ist erst zu erwarten, wenn enlweder durch kleine Ernlen oder durch Einschränkmia des Betriebes eine Verminderung der Produktion in Anssicht steht. 2. An der Mehrerzeiigmig von Zucker ist Deutschland hervor- ragend betheiligt. Eine Hebung der Zuckerpreise in Deutschland ist— abgesehen von einer Besserung des Weltmarklpreises— nur möglich durch eine Erhöhung der Aiisfiibroergülnug, für welcbe die Mitlel durch eine Erhöhung der Verbrauchssteuer und zuni theil vielleicht durch eine für die größeren Betriebe steigende Beiriebsabgabe beschafft werden müßten. Wenn man sich für eine Erdöhung der Ailssuhrvergüluiig entscheidet, so ist es»»umgänglich nothivendig. Btstinnmingen zu treffen, durch welche die Produktion eiuigermaßen beschränkr und eine schnelle und übermäßige Vermehrung derselben verhindert wird. Auch ist Vorsorge zu treffen, daß die Reichsfinanzen nicht über ein gewiffes Maß hinaus in Anspruch genommen werden." Auch in belreff der unter le der Tagesordnung aufge- führten„Maßregeln zur Hebung des Spiriruspreises" ivurden nach längerer Tebalte die folgenden Anträge der Referenlen angeiiommeii: „Die Grundzüge einer zwar noch nicht im Wortlaut ver- ösfeiillichten Novelle zum Braliiitiveiiisteuer- Gesetz vom 24. Juni 1337: l. Einführimg einer fünfjährigen gegen die jetzt bestehende dreijährige Kontiugentirungsperiode; 2. Aufhebinig des Zwangs, das zngetheilte Kontingent jähr- lich abzubrennen; 8. Von fünf zu fünf Jahren eintretende Redukiion der höchsten Kontingente(über löv 909 Liter) um'/ss, bis aus 159 900 Liter als Maximum; 4. Beschränkung neuer Koutingeiitirniig aus ein Maximum von 39 999 Liter; 5. Abwehr der Gefahr, welche von einer gesteigerten Pro- duklion an Melnssespiritiis für die landwirlhschastlichen Brcnnercieii zn fürchte» ist; 6. Einführung einer besonderen Betnebsstener, welche, die kleineren Brennereien frei lassend, progressiv ansteigt, und deren Betrag lediglich im Interesse der Spiritusiiidilstrie zur Hebung des Exports verwendet werden soll; 7. Sleuererhöhung für den Sommerbetrieb erscheint geeignet, durch Einschränkung der Produktion und Hebung des Absatzes in das Ausland, die Lage des Brennereigewerbes zn verbessern. Mit Rücksicht ans die Gefahr, daß in den nächsten Monaten die Produktion von Melnffespiritus enorm steigt, ist es erwünscht, daß das zu erwartende Gesetz womöglich mit dem 1. Juli d. I. in kraft tritt. Der Verkehr mit denaturirtem Spiritus ist möglichst frei zu geben."— Das Zentrum«ud der Antrag Kunitz. Die Zentrllmsfraktion des Reichstages beschloß in ihrer gestrigen Fraktioiissitznng einstimmig die Ablehnung des Antrages Kauitz. Die Fraktion sprach sich ferner gegen das geplante Zusammengehen mit der wirthschaftlichen Vereinigung des Reichstags ans; dagegen bildete sich aus dem Schöße der Fraktion eine wirthsch östliche Abtheilmig. Also auch diese Fraktioiissitziing bestätigt wieder, daß die Zeiitrnmsfraktion in wirthschaftlichen Fragen durchaus verichiedene Inter- essentenkreise einschließt. Wie wäre denn sonst die Bildung dieser„wirthschaftlichen Abtheilung" erklärlich, deren Mit- glieder doch jedenfalls in wirthschaftlichen Tingen anders ivollcn, als die Gesammtheit der Fraktion.— Das Ober-Verwaltnugsgericht und die Weber. TaS Oberverivallmigsgericht hat demnächst in einem dritten Fall über die Frage der Aufführung der„Weber" zu entscheiden, deren Zu- lassung den Minister v. Köster zu seiner Kritik im Abgeordneten- Hanse veranlagte. Auch dem Nationaltheater in Halle ist, nämlich von der Polizei die'Aufführung der„Weber" uiitersagc worden. Sollte der Oberpräsideut, an de» zunächst die Beschwerde gegangen ist, das Verbot aufrecht erhalten, so soll hiergegen die Klage erhoben werden. Arbeiter als Erfinder. Unsere Bemerkungen in dem Leitartikel vom vorigen Sonntag, daß uns Eugland und Amerika in technischen Dingen n. a. auch um des- willen so sehr überlegen sind, weil dort die Erfinder bester bezahlt werden, veranlaßt die„Nationalliberale Cor- respondenz" zn folgendeni Weisheitssprnch: Es braucht nicht erst gesagt zn werden, daß das sozial- demokratische Blatt mit diesem Nrtheile ungeheuerlich übertreibt und den„tausend Dingen", in denen die Technik der Engländer und Amerikaner den Deutschen überlegen ist, sehr viele andere— gezählt haben wir sie allerdings nicht— gegenüber- stehen, bei denen das i umgekehrte der Fall ist. In vielen lechnischen Zweigen ist Teutschland der trotz aller Bemühungen unerreichte Lehrer der andereil Völker. Indessen die Ver- kleinerimg des eigenen Landes, verbunden mit einem leisen Versuch zur Denuuziatiou, wie er steh ja auch in der angesührien Auslassung des„Vorivärls" findet, ist man von der deulschen Sozialdemokratie gewohnt. Neu hingegen ist es, an jener Stelle einer so vernichtenden Verurtbeiluiig des Z u k u n f l s st a a l e S zu begegiien. In diesem sollen ja hervorragende Leisuinge» nicht nur nicht ohne weiteres und anständig, sondern überhaupl nichl bezahlt werden, und da der„Vorwärts" in der Hoffnung aus materiellen Erfolg den Antrieb z» ausgezeichneten Leistimgen erblickt, so räumt er durch seine nächste Schliibsolgernng ein, Iva» andere nie bezweifelt haben, daß nämlich der Znknnflsstaat, die sozialistische„Gesettschast" das Ende eines jeden menschlicheu Forlschrilts wäre. Ter„Fortschritt" dieser nationalliberalen Korrespondenz und InteUigenz besteht also darin, daß die Erfinder, über- Haupt die Talente, verkümmern und verhungern— was im G e g e n w a r t s st a a t freilich in neunundneunzig Fällen von Hundert geschieht.— Rur schreien! Die Junker haben so lang„ge- schrien", bis der Staatsrath zusaimnenbenisen wird, um Mittel zur Abhilfe ihres„Nvlhstands" zu entdecken. Sehr schön. Wo Nothstand ist oder behauptet wird/ soll der Staat sich darum kümmern. Aber was dem einen recht. ist dem andern billig. Nothstand ist überall. Nothstand ist unter den Arbeit e r n, Nothstand ist unter den Handwerkern, Nothstand ist unter den Klein- gewerbetreibenden— und hundertmal ärgerer Noth- stand als unter den Herren Junkern. Also nur nicht zaghaft, Ihr Arbeiter, Handwerker und Kleinacwerbetrcibeiiden! „Schreit", wie die Junker„geschrien" haben, und„schreit" noch tausendmal so laut, denn Ihr seid tausendmal zahlreicher und habt. tausendmal mehr zu leiden als diese vom Staat verzogenen Muttersöhnchen, deren „Noihstaud" sehr häufig nur darin besteht, daß der Staat ihnen zwar viel, viel, aber' nicht alles giebt, was er zu gehen hat. Schreit! Schreit! Schreit! Stellt Anträge ge- nau nach dem Formular des Kanitz'schen und fordert von dem Staat, daß er den Preis Eurer Arbeit und Eurer Waaren so hoch hebe, daß ihr menschenwürdig leben könnt! Fordert— und dabei braucht Ihr nur die Motive des Kanitz'schen Antrages abzuschreiben— fordert von dem Staat dieselbe Fürsorge, wie die Innrer sie fordern, und ans die Ihr tausendmal mehr Anspruch habt, als die Herren Junker. Hier ist eine prächtige Gelegenheit für unsere Zunft- apostel. Warum findet sich unter ihnen kein Kanitz. Wo ist der Kanitz der Schuster? der Kanitz der Handschuh- machcr? der Kanitz der Kesselflicker? In jedem Geschäsrs- zweige sinken die Preise— jedem Geschäftszweig ist „Staatshilfe" nöthig! Also Kanitze heraus! Kanitze und nichts als Kanitze! Kanitze in allen Gassen!— Und noch einmal, und noch einmal: Kanitze heraus!— Gegen die bimctallistischcn Pläne erklärte sich die Hamburger Handelskammer, sie sprach in einer Resolution ans, daß sie gegen jede Erschütterung der Grundlage» der deutschen Goldwährung sei uud äußerte die Hoffnung auf Zurückweisung der binielallistische» Bestrebungen Gegen die Tabaksteuer faßte eine Versammlung von Tabakintcressenten in Frankfurt a. M. folgende Resolution: Die am 10. März 1895 in Frankfurt a. M. tagende, stark besuchte Tabakiiiteresseuten-Versaiumlung, ivelche sich aus Fa- drikanten aller Zweige des Tabakgeiverbes, sowie der Hilfs- industriell desselben uud aus Händlern mil Zigarre» uud sonstigen Tabakfabrikatcn aus der Nheinprovniz, der Provinz Hessen-Nassau uud dem Großherzoglhmn Hessen zusammensetzt, erklärt aus grund ihrer Erfahrungen und Sachkcnntiiiß, sowie mach eingehender Prüfung des dein Reichstag vorliegenden Ent- Wurfes eines Tabaksteuer-Gesetzes: 1. Die Erhöhung der Reichseinnahmen aus den» Tabak vom Jahre 1879 hatte einen wesentlichen Rückgaug des Tabakver- branches zur Folge, welcher zum theil heute noch nicht aus- geglichen ist. 2. Die jetzt geforderte, weitere erhebliche Verweh- ruug der auf dem Tabak ruhenden Belastung, welche eine Ctcigerung der Einnahmen des Reiches aus dem Tabak um ca. SO�'z pCt. des jetzigen Tabakzoll- und Steuererträgnisses be- deutet, wird gleichsnlls einen entsprechenden und zwar gegen 1879 wesentlich größeren Riiekgaug des Tnbakverbrauchs zur Folge haben und deshalb die Entlassung vieler tausende von Arbeitskräften und Lohndruck für die Verbleibenden unausbleiblich machen. 8. Tie Er- Hebung der Tabaksteuer vom Fabrikanten vor Uebcrgang der Fabrikate in den Handel wird eine Vermehrung der Betriebs- lapitalien für die Unternehiner erforderlich machen und dadurch zum Ruin der Wirlhschafllich-Schwachen unter denselben führen; in gleicher Weise wird die Steuer aus den Handel mit Zigarren und anderen Tabakfabrikaten wirken und auch hier zahlreiche bis dahin selbständige wirthschaftliche Existenzen vernichten. 4. Die znr� Sicherung des Steuereinganges erforderlichen Kontroll- maßregeln, welche sich in der vorgeschlagenen Form zum theil als unhaltbar und auch zum theil als undurchführbar erweisen werden, schlagen das bis dahin in der Fabrikation freie Tabakgeiverbe in einengende, erschwerende und auf die Dauer die Kleinbetriebe vernichtende Fesseln und ebnen im Zusaninienwirken mit den unter Zifier 3 angeführten -Folgen dem Tabakmonopol die Bahn. Von diesen Erwägungen ausgehend und angesichts der Thatsache, daß die andauernde Beunruhigung des Tabakgewerbes uud die Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen wird, schon jetzt eine vollständige Stockung im Absatz verursacht haben und deshalb bereits heute umfassende Arbeiierentlassungen und Arbeitseinschränkungen nicht mehr zu vermeiden sind, richtet die Versammlung an den hohen Reichstag in aller Ergebenheit die Bitte, derselbe wolle jede weitere Belastung des Tabaks und die Einführung des Systems der Fabrikat- Werthsteuer ablehnen, sowie die Ent- schcidung in diesem Sinne mit thunlichster Beschleunigung herbei- führen.— Württembergischer Landtag. Die erste Lesung des„Ge- setzes, betr. die allgemeine Fortbildungsschule, sowie sonstige Bc- stimmnngen über die Volksschule" fand am Dienstag, die zweite Lesung am Mittwoch statt uud wurde das aus 19 Artikeln be- stehende Gesetz mit 78 Stimmen angenommen: Hierauf wird das Vertagungsreskript verlesen.— In der gemeinschaftlichen Sitzung beider Kammern wurde am Mittwoch die Wahl des ständischen Ausschusses vorgenommen.— Tie sozialdemokratischen Landtags- Abgeordneten Württembergs werden in den letzten Tagen in der national- liberalen und demokratischen Presse Württembergs wegen ihrer Thätigkeit im Landtag in verleumderischer und schmutziger Weise angegriffen. Es ist za leicht begreiflich, daß es den Herren Bourgeois nicht behagt, wenn sie in ihrer Ruhe ge- stört werden oder wenn die Arbeiterinteresscn im Paria- ment richtig vertreten werden, aber zu gehässigen persön- lichen Angriffen haben die Arbeitervertreter keinen Anlaß gegeben. Wenn nun aber gar die„Frankfurter Zeitung" schreibt:„Die Herren Kloß und Glaser sind in der Stichwahl von der Volkspartei ausdrücklich als die zuver- lässigeren Freunde der Verfassungsreform gewählt worden, sie haben also das in sie gesetzte Vertrauen getäuscht; der kümmerliche Phrasenaufputz, mit dem sie ihr Nein aus- staffirten, entschädigt für diese Täuschung nicht," so ist es unbegreiflich, wie dieselbe zu solchem Uriheil kommt; denn Phrasen zu niachen überlassen die Arbeitervertreter in allen Parlamenten de» anderen Parteien. Die Genossen Kloß und Glaser haben bei der Abstimmung während der Berathung der Adreßdebalte, welche von der„Frks. Zlg." kritisirl wird, trotzdem sie mit den Privilegirteu mit„Nein" stimmte», vollständig korrekt gehandelt. Genosse Kloß erklärte ausdrücklich, daß die sozialdemokratische Partei i» ihrem Programm nicht nur Entfernung der Privilegirten aus der zweiten Kammer, sondern auch Ab- schaffung der ersten Kammer fordere. Ter umstrittene Satz in der Adresse lautet: „Als geeignete Grundlage erachten wir für die Zusammen- sehung des Abgeordnetenhauses eine Aushebung der Vorrechte der Geburl und des Amtes und einen Ersatz der hiernach ausscheidenden Mitglieder durch Abgeordnete, welche in größere» Kreisen durch das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Stimmrecht gewählt würden." Wäre über den ersten Theil des Absatzes abgestiinmt worden. so hätten die sozialistifchen Vertreter, wie sie ja erklärten, dafür gestimmt, aber für die Wahlen in größeren Kreisen konnten sie sich nicht begeistern. Wenn nu» aber auch die Prälaten und die Ritter gegen diesen Absatz stimmten, so erklärt sich dies daraus, weil dieselben selbstverständlich befürchten müssen, ihre Privilegien zu verlieren, während den Sozialdemokraten der Entwurf nicht weil genug ging. Da aber»nch Parteigenossen, jedenfalls durch die gegnerischen Zeitungen irre geführt, sich diese Abstimmung nicht erkläre» konnten, so ist eine Darlegung diefes Falles nothwendig. Wenn aber die„Frkf. Ztg." sich der Hoffnung hingiebt, daß die Sozialdemokraten aus Kommando der Aolksparlei abstünmeii, so wird sie»och oft in ihrem„Vertrauen getäuscht" werden. Zur österreichischen WnMresovut. Im Abgeord- netcuhause brachte der keiner Fraktion angehörige, auf starr konservativem Standpunkte stehende frühere Ober- Staatsanwalt und Abgeordnete Lienbacher einen Antrag ein, den Wahlzensus auf einen Gulden(1,70 M.) herab- zusetzen. Der Antrag fand genügende Unterstützung.— Amnestie in Italien. Die„Agenzia Stesani" ver- öffentlicht den Wortlaut des heute von dem Könige unter- zeichneten Amnestie-Erlasses; der Erlaß erstreckt sich auch auf den sranzösifchen Kapitän Romani. Tie römischen Tagcsblätter theilten gestern mit, daß der Anniestiecrlaß sich auf die von den Kriegsgerichten in Sizilien und Massa Carrara ausgesprochenen Ver- urthcilungen erstreckt. Amncslirt würden danach die zu weniger als drei Jahre Gefängniß Ver- urtheilten, die anderen Strafen sollen ans ein Dritttheil ermäßigt werden. Auch Prcßvergehen und Zu- Widerhandlungen gegen das Wahlgesetz würden unter die Amnestie fallen. Nach der„Opinione" würde das Dekret auch die Aufhebung der Strafverfolgung wegen einzelner Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates in sich schließen. Sobald nns italienische Blätter vom heutigen Tage vorliegen werden, kommen wir auf die italienische Amnestie zurück. Heute darüber etivas zu schreiben, wäre müßig, da den offiziösen Meldungen ans Italien besonderes Mißtrauen entgegenzubringen ist.— Italienische Misiwivthschaft. Aus Mailand wivd der „Franks. Ztg." gemeldel: Die ministerielle Kommission zur Untersuchung der Unterstütznngs- und Pcusionskassen der Eisenbahn- beamten Italiens beendigte ihre Arbeilen und nahm den Schluß- bericht an, welcher die Existenz eines Defizits von hundert Millionen konstatirt. Der Eisenbahnininister Saracco wird vor Ende März eine königliche Kommission ernennen, welche Über die Mittel zur Deckung des Defizits berathen soll.— Ein schreiender Fall von Perfolgungssttcht gegen die Sozialiste» Italiens inid zugleich von brutaler Ge- s e tz e s w i l l k ü r C r i s p i' s und seiner Henker beginnt in den Zeitungen von sich reden zu machen. In G u a st a l l a, in der Provinz Emilia, dem Wahlorte des Abg. Prampolini,— schon deshalb dem Diktator in den Tod verhaßt— wirkte an der Volks- und Mittelschule der Lehrer Enrico Salsi, angesehen bei allen Bewohnern und besonders geliebt von seinen.Schülern und deren Eltern. Durch Vorträge Prainpolini's für den Sozialismus geivounen, halte er sich in die Liste der Partei von Guastalla als Mitglied einschreiben lassen; öffentliche Agitatiousreden hat er nie gehalten. Nach Einrichtimg der Kommission für den Zwangsivohnsitz in Reggio war er vor sechs Wochen zugleich mit einem Freunde, dem Geschästsbeamten Perretti, nach Reggio vor- geladen worden unter der„Anschuldigung" die gegenwärlige be- stehende soziale Ordnung zu verändern"(..äi rnutare gli attuali ordinaraenti sociali"). Aber selbst die Konnnission in Reggio fand die Anklage, die durch Denunziation direkt aus Rom ge- kommen war, zu absurd uud sprach die beiden frei. Inzwischen hat Crispi eine sogenannte Revisiouskammer für die Urtheile sämmt- licher provinzialen Zivaugskominissionen in Rom selbst einge- richtet— mau nennt sie bereits die geheime Juquisitionskaminer— natürlich ohne jede Gesetzesunterlage; denn der berüchtigte Z 5 des Schandgesetzes spricht nur von den Zwangskommissionen in den Provinzen. Diese Geheimjustiz Crispi's hat das freisprechende Urlheil von Reggio verworfen und die beiden Angeklagten zu je zwei Jahren Zwangswohnsitz in der verschärstesten Form ver- urlheilt, nämlich zur Zwangsarbeit in der berüchtigsten Mörder- grübe Porto Ercole, dessen Direktor— eine ausgesuchte Kreatur Crispi's, man denke, er ist ein Senator— soeben wegen grau- sanier Behandlung der Gefangenen hat abgesetzt werde» müssen. Porto Ercole ist der Ort, wo in der erste» blinden Angst und Wuth nach dem Attentat Caserio's aus allen Provinze» viele Hunderte von Land- und Sladtarbeitern als Anarchisten aufgegriffen und iuternirt wurden, und von dort werden Nachrichten gemeldet, die lebendig an die russischen Gefängnißszenen erinnern. Kurz und gut, auf telegraphische Weisung aus Rom wurde in Guastalla der Lehrer Salsi und der Beamte Perretti letzten Mittwoch, den 6. März, nachts durch Karabinieri aus den Betten geholt, von ihren jammernden Frauen nnd Kindern gerissen und thatsächlich nach Porto Ercole abgeführt. Am Bahnhofe wurden ihnen Hand- schellen und Ketten angelegt. Prampolini, der im Norden weilt, ivill nach Rom gehen, um zur Ausdeckung dieser neuesten Justiz- schandthat Crispi's und zur Befreiung der Willküropser zu wirken.— Gleichfalls in der Provinz Emilia, in dem Orte Baganza, ist soeben ei» einundsiebzigjähriger Greis, Francesco Cortesi mit Namen, einer von den berühmten Tausend, die mit Garibaldi zusammen den Zug nach Marsala mitmachten, wegen Theilnahme an sozialistischer Bewegung zu nenn Monaten einfachem Zwangs- wohnsitz verurtheilt worden. Er schreibt in einem Briese an die „Giusticia" in Reggio Emilia: Ich erinnere mich»och, wie vor 36 Jahren die Kroaten uns gequält und verfolgt haben, aber heule sind es nicht mehr die Fremden, heute werden wir ge- martert von Italienern, von den Sbirren des Renegaten Crispi im Namen des Kölligs Umberto von Savoyen.— Zum japanisch-chinesischen Krieg wird heute aus New- Jork berichtet, der„Neiv-Jork Herald" melde aus Shanghai, ein japanisches Geschwader aus 16 Kriegsschiffen, darunter einigen Kreuzern bestehend, sei jenseits der Nordspitze von Formosa bemerkt worden; das Geschwader kreuze in der Nähe von Kelung und Tanisin, welche Punkte augenscheinlich zuerst angegriffen werden solle». Die Garnison daselbst bcläufl sich auf 30 000 Mann.— Zum Aufstand auf Euba liegt heute die folgende mit der üblichen Vorsicht aufzunehmende Nachricht vor: Madrid, 14. März. Letzten Nachrichten aus Cliba zufolge sind die jlnterhaudlnngen mit de» früheren acht Insurgenten- sübrern, welche sich augeboten Hutten, eine Vermittelung zwischen dem Generalgouvcrneur uud den Insurgenten herbeizuführen, zum Abschluß gelaugt. Die Jnsurgenteiisührer sind nach der Provinz St. Jago abgereist und man hofft nun, daß die Einstellung der Feindseligkeilen gesichert ist.— xtavketUKÄivickte". Pou der Wahlbclvegnng. Unsere Partei ist im Kreise Schmalkalden äußerst rührig an der Arbeit,»m am 18. d. M. den Sieg au ihre Fahne zu heften. Außer der Verbreitung von zwei Flugblättern haben auch schon eine ganze Reihe von Versammlungen stallgefimden. Während unser Kandidat in voriger Woche in kleineren Versammlungen zu Seligen- thal, Asbach uud Haiudorf sprach, fand am Sonnabend eine Versammlung in S cd m a l k a l d e n statt, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Sonntag fanden zivei Versammlunge» statt in Brotterode und Kleinschmalkalden, welche beide so stark besucht waren, wie noch nie eine Versammlung zuvor. In allen diesen Versammlungen sprachen der Genosse P f a n» k n ch- Berlin, owie der Kandidat Hu h n. Im Laufe dieser Woche werden noch eine ilieihe von Versammlungen stattfinden, u. a. am Sonn- tag Nachmittag in Sleinbach-Hallenberg und abends in Ober- 'chonaii, in welcher der Reichsrags-?lbgeordnete Bock ans Gotha reseriren wird. Auch der Genosse T h. v. Wächter wird sich »och an der Agitation betheiligen. **. NeichStagSkandidatnr. In einer Vertraiiensmännersitznng in Weimar wurde der Genosse B ändert aus Apolda zum Kandidaten der sozialdemokratischen Partei für den l. wei- marischen Wahlkreis ernannt. Als Sitz des Zentral-Wahlkomitees ist Apolda bestimmt worden. Die Konstitmrung des Komitees ist den dortigen Genoffen übertragen. ** Vci der Wahl ewes Gemeindevertreters in Gaarden siegte der sozialdemokratische Kandidat mit 102 Stimmen Majorität. ** Die Parteigenossen des Wahlkreises Offenbach-Die- bürg halten am 17. März in Seligenstadt eine Kreis- konferenz ab. Als vorläufige Tagesordnung ist vorgesehen: 1. Bericht und Abrechnung des Vertrauensmannes. 2. Bericht und Abrechnung des Kreisvorstandes. 3. Die Gewerkschaften und die Stellung der Parteigenossen des Wahlkreifes Offenbach-Die- bürg zu denselben. 4. Wahl des Verlrauensmannes und des Kreisvorstandes. *** Zur Beilegung des Boykotts in Braunschweig werden die Verhandlungen zwischen Boykottkommission und Brauereibesitzer fortgesetzt. � Aus de»» Neichstags* Wahlkreise Lyck- Oletzko- JohanniSburg geht uns eine»vettere Zuschrift zu, die wir zur Ergänzung der von uns in der Sonntagsnummer des„Vor- ivürts" zum Abdruck gebrachten Korrespondenz nachstehend im Auszug wiedergebe». Unser Gewährsmann schreibt: Das Resultat der Wahl in unserem Kreise dürfte zur genüge bekannt sein. Die Stimmen- zahl für unsere Partei hat sich mehr als verdoppelt, es stehen de» früheren 630 Stimmen in der jetzt erfolgten Wahl 1473 Stimmen gegenüber. Dieses Resultat haben»vir erzielt in einem Wahlkreis, den man»vohl zu den sichersten Domänen unscrer„Nolhleidenden" rechnen kann. Aber erst ivenn man den Wahlkreis kennt, kann man sich einen richtige» Begriff von unserem Erfolg machen. Der Wahl- kreis ist ein aus den drei Landrathskreisen Lyck, Johannisburg und Olehkow zusaimueugesetzter riesig großer, aber furchtbar öder Landstrich, ivelcher sich an der russisch-polnischen Grenze hinzieht. Die Bewohner, ja selbst die kleinen Besitzer leben in größter Armuth und fast unglaublicher Dummheit. Die Besitzer dort sind entweder sehr reiche Latifundicnbesitzer, oder es sind vollständig verschuldete Leute, die nur mil der größten Mühe sich über Wasser halten können, ihr Land nie mehr richtig in Kultur bekommen uud durch diesen Raubbau immer tiefer sinken. Diese kleineren Besitzer sind ganz froh, ivenn sie nur ans irgend eine Weise von der Scholle los- komincii nnd nach Westen ziehen können. Nnd man findet nicht selten vollständig verlassene, öd und leer daliegende Gehöfte. Daß nu» das Loos der Landarbeiter als solche hier nur eine Kette von Roth, Elend. Entbehrungen und Leide» ist, unterliegt »vohl keinen» Ziveisel. Wir fanden bei der Flugblätterverbreitung geradezu grauenhafte Zustände in den einzelnen Dörfern vor. 10—12 Personen in einer kleinen rauchigen Stube, theiliveise auf dem kalten Lehmboden zwischen den Hauslhieren kauernd und mit denselben aus einem Gefäß essend— das waren Bilder denen wir begegneten; dieses»varen aber schon Leute, die ihr kleines Besitzthum hatten, um»vie viel elender hausten die Inst- leute und Scharwerker auf den Gütern. Wer sich von diesen Leuten noch aus der Misöre erheben kamt, dessen einzige Hoffnung ist der Westen, daher auch der Mangel an Arbeitern tm Osten nnd die Konkurrenz dieser Be- dürfnißlosen den»vestlichen Arbeitern gegenüber. Daß nun aber trotz dieser Zustände für unsere Partei etwas zu machen ist, zeigt das Resultat. Aus den drei Städten, die zu biesein Kreise gehören, die übrigens außer Lyck auch nicht größer >vie Dörfer sind, haben wir nicht einmal die Hälfte der Stimmen- zahl erhalten, der größere Theil der Stimmen für nns ist auf dem Laude abgegeben. Und das trotzdem die Konservative»», die früher nie dort eine Wahlagitation entfaltet haben, nachdem wir dort gewesen»varen,»vie die Tollen gewirthschaftet haben. Alles ist auf den Beinen geivesen, um die Flugblätter und Stimmzettel wieder abzuholen. Hätten uns nur mehr Mittel zur Verfügung gestanden und »väre nicht die Jahreszeit eine so ungünstige, das Resultat»väre noch ganz anders ausgefallen, denn eine Wahlagitation in solch einem ausgedehnten Wahlkreis bei ca. 20 Grad Kälte»md ändert- halb Meter Schnee ist keine Kleinigkeit und kostet auch Geld. Ja,»vir konnten nicht einmal am Wahltage»nit tüchtigen Ge- »offen die hauptsächlichsten Wahllokale besetzen, den» der Wahl- kreis ist immer so ca. 30—40 Meilen von Königsberg entfernt. Welch reizendes Bild von dem im Osten herrschenden Kulwr- zustand und»vie erklärlich wird das Drängen der dortigen Be- völkerung nach Westen,>vo ihnen auch die'schlechteste Lage noch als ein»villtommener Tausch erscheint. Die Korrespondenz in Verbindung mit der vom letzten Sonntag, sie lehren uns aber ferner auch, daß der„antikollektivistische Vauernschädel" nur noch ein Märchen ist, daß, wenn die Besitzverhältnisse auf dem Lande sich so weiter entwickeln, auch dem Bauer der Kollektivismus als die einzige Rettung erscheinen»vird. * Ter sozialdemokratische Verein Stuttgart kann auf eine rege Thätigkeit zurückblicken. Nach dem in der letzten Generalversammlung erstatteten Bericht fanden im laufenden Geschäftsjahr 7 Parteiversammlungen, 103 Bezirksvereins- Versammlungen, 60 Wählerversammlunge» n. s. im statt, im ganzen waren es 213 Versammlunge». Die Mitgliedschaft zählt zur Zeit 1467 Genossen. Während der Bürgerausschußivahl so- wie»vährend der Landtagswahl belheiliglen sich die Genoffen eifrig an den Flugblattvertheilungen sowie an der sonstigen Agitation.'»' Todreulksie oer Partei. In Mainz ist der Partei- genösse Georg Fuchs gestorben. In früheren Jahren»var derselbe im Interesse der Partei sehr thätig, trat aber etwas in den Hintergrund, als das Sozialistengssetz und seine Folgen ihre Wirkung ausübten. Gester» fand die Beerdigung statt. Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Redakteur Schnecke» berger vom Hallenser Partei- blatt»vurde»vegen Beleidigung des Geheimraths Leuschner durch einen Leitartikel zu 100 M. Geldstrafe event. 25 Tagen Haft verurtheilt. — D e r V e r s u ch, in B r e s l a u einen Arbeiterverein zu gründen, ist zum zweiten Male durch die Polizei verhindert worden. Das erste Mal, varen bekanntlich die zu einer Vor- besprccbuug Erschieneue»„aufgelöst" worden, am 12. d. M.»vurde die Eröffnung der konstituireuden Versammlung verhindert.— Die Gründung des Vereins»vird nun einfach aus anderem Wege zu stände kommen. Soziale LZebevstcht. Gin städtisches Arbeitsamt wird am I. April auch in Ravensburg errichtet»verde». Zu dem Statut»vurde» u. a. noch die Zusatzbeschlüsse gesaßt: 1. Die Errichtung des städtischen Arbeitsamts in allen Wirthschaften und an öffentlichen Plätzen durch Plakate zu veröffentliche»; 2. die Arbeitsvermittlung auch mittels Telephons für ganz Württemberg zu beiverkstelligen; 3. an zuständiger Stelle dafür einzukomme», daß die Geschäfts- stunden des Alters- und Jnvaliden-Bersichcruiigsamts mit denen der Arbeitsvermittlung verbunden»verde». Württemberg geht allen deutschen Staaten in der Errichtung städtischer Arbeits- »achiveise voran. Ei» städtisches Arbeitsamt für männliche und»veibliche Arbeiter und Dienstboten ist ain 1. März i» U l in ins Leben getretei». Auch ein M cid ch e n h e i n», das vom Lande herein- gekonunenen Dienstmädchen Unterkunft getvährt, bis sie eine Stelle gefunden haben, ist eröffnet wordei». GemevktNhÄfiltTies. Achtung, Glacccliandschuhmacher! Die Differenzen in der Fabrik des Herr» Waldemar Samter, Elsafferstr. 5, sind dahin erledigt, daß Herr Samrer die Forderungen anerkannt und be- willigt hat. Achtung, Metallschlcifer? Wie uns mitgetheilt wird, sucht Herr Hönicke durch seinen Sozius Herrn Gustav Winter Arbeiter für seinen Betrieb einzustellen. Da über genannte Firma die Sperre verhängt ist, werden die Melallschleiser ganz besonders auf diese Vorgänge aufmerksam gemacht und ersucht, den Zuzug fern zu halten. An die Maschinisten und Heizer i» Teutschland Die überaus traurige Lage unserer Kollegen in den Tanipf- betrieben hat uns bewogen, unsere Berujsgenossen aufzufordern, sich dem Deutschen Maschinisten- und Heizerverband anzuschließen. In den Orten, wo die Gründung von Vereinen nicht thunlich ist, können die Kollegen direkt und einzeln dem Verbände bei- treten. Bedenkt, Kollegen, daß Ihr vereint ein Machtfaktor seid, »rit dem gerechnet werden muß. Lange, mit der größten körperlichen Anstrengung verbundene Arbeitszeit und winzige Löhne sind in den Betrieben gang und gäbe. Neben der Wartung von Dampfkessel und Maschine giebt es kaum eine Nebenarbeit, welche nicht dem Heizer resp. Maschinisten zucjemulhet wird. Trotzdem sagt die Betriebs- Vorschrift, der Heizer soll seinen Posten nicht verlassen und gleich dem Kapitän eines Schiffes bei etwaigen Katastrophen ausharren, um Maßnahmen zu treffen, welche die Folgen mög- lichst abwenden. Dieser schweren Anforderung gegenüber sind die Löhne trotz der langen Arbeitszeit kaum ausreichend zum Leben für uns und unsere Familien. Darum Kollegen, geht an Euch die Mahnung, organisirt Euch, und schließt Euch dem Deutschen Maschinisten- und Heizerverband an, der am 14. und 18. April d. I.(1. und 2. Osterfeiertag) zu Hamburg seinen 3. Verbandstag abhält. Auskunft ertheiU jederzeit K. Kirschnick, Berlin, SO. Pücklerstr. 3. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Der Streik der Steinustkuopf-Trcchsler in Schmölln dauert fort. Von IS Fabriken sind 14 vom Ausstand ergriffen, die Zahl der Ausständigen beträgt 900. Die Stimmung unter den letzteren ist sehr ruhig; man hat es trotzdem für nöthig gefunden, das Gendarmeriekorps szu verstärken. Am 7. März hat eine Verhandlung zwischen dem herzoglichen Fabrilinspektor und den vereinigten Knopffabrikantcu staltgefunden, die aber ans Ursache hartnäckigen Fest- und Zusammenhaltens seitens der Fabrikanten resultatlos verlaufen ist. Am Sonntag hat eine Versammlung stattgefunden, bei welcher Krüger- Dresden als Referent austrat. Bürgermeister Kroll-Schmölln mahnte zur Beilegung und meinte, daß zur gütigen Bei- legung des ganzen Streikes ein gut Theil beigetragen würde, wenn die jüngere Arbeiterschaft sich in der Fremde Arbeitsuchen und auf diese Art ein Theil des hier bestehenden Druckes gehoben tvürde. Die Versammlung nahm ihren Anfang um halb 4 Uhr und war Vz8 Uhr beendet, ohne daß eine Resolution gefaßt wurde. Grubenarbeiter-Ansstand. In Schenkendors bei Königs- Wusterhausen war auf der Grube„Zentrum" ein Ausstand aus- gebrochen, der, wie das Kreisblatt mittheilt, nach nur dreitägiger Daner beendet tvorden ist. Solche Arbeiter, welche die Arbeit nicht wieder aufnehmen wollten, sind von der Verwaltung ent- lassen worden. Der Ausstand soll dadurch entstanden sein, daß die Arbeiter sich durch die Einführung einer neuen Förderungs- kette geschädigt glaubten. Die Arbeiter der Diamantschleiserei zu St. Johann haben ebenfalls, wie ihre Kollege» im benachbarten Idar die Arbeit niedergelegt. Auch hier ist der Grund die Abänderung des Lohntariss. Der Streik der Politurarbeiter von Kehrberg u. Tempel in Barmbeck bei Hamburg dauert fort. Zuzug ist streng fern- zuhalten. Die streikenden Züudholzarbciter von P antin(Frank- reich) hatten eine Abordnung an den Ministerpräsidenten R i b o t gesandt. Nach Anhörung des Berichtes derselben beschloß die Vereinigung einstimmig, heute die Arbeit wieder auszunehmen. Gleichzeitig wurden drei Vertreter gewählt, welche sich mit den von Ribot zu ernennenden Telegirten zur Untersuchung der Fragen detreffend die Holzart und die Höhe der Löhne besprechen sollen. Die schwarzen Dockarbeiter von New- Orleans haben die Arbeit eingestellt. In der Stadt herrscht Ruhe. Gevickrks-IZeikuiig. Ein Hungerdrama vor Gericht. Ueber den sog. Mord- Prozeß Lengling haben wir gestern bereits mit einigen ein- leitenden Worten berichtet. Die Sitzung wird um 10 Uhr durch den Vorsitzenden, Landgerichtsrath Meyer, eröffnet. Die Anklage- behörde vertritt Assessor Barnau. Die Vcrtheidigung führt R.-A. Wronker. Im dichtbesetzlen Zuhörerraum befinden sich besonders viele Damen; es entsteht eine lebhafte Bewegung, als die Angeklagte in den Saal geführt wird. Sic erscheint in schwarzer Kleidung, wodurch die Bläffe des abgehärmten, ein- gefallenen Gesichts noch mehr hervorgehoben wird. Es sind neun Zeugen geladen, als Sachverständiger find Kreis-Pbysikus Dr. Philipp, sowie die praktischen Aerzle Pros. Moltö und Dr. Menzig zur Stelle. Die Angeklagte giebt zu ihren Personalien an, daß sie Marie Auguste Luise Lengling heißt und im Jahre 1809 zu Neuhaidensleben geboren ist. Ihr Mann sei am LS. De- zember 1893 gestorben. Nach Verlesung des Anklagebeschlusses, der auf vollendeten bezw. versuchten Mord lautet, beginnt das Jnquisitorium. Sie giebt auf Befragen an, daß sie sechs Kinder zur Welt gebracht habe, von denen vier verstorben seien. Sie habe vielfach an Brust- und Kopsschmerzen gelitten, besonders letztere hätten sich bisweilen bis zur Uneriräglichkeit ge- steigert. Wenn sie auch nicht anzugeben vermöge, wie viel ihr Mann wöchentlich verdient habe, so habe sie� zu dessen Lebzeiten Roth nicht kennen gelernt, zumal sie selbst während der ersten Jahre ihrer Ehe in größerem Umfange die Wäschenäherei betrieb. Da es ihr aber zu schwer gefallen sei, habe sie das Nähen etwas eingeschränkt, wenn auch nicht ganz aufgegeben. Nach dem Tode ihres Mannes sei sie ganz aus ihrer Hände Arbeit angewiesen gewesen, wenn sie ganz 8esund gewesen wäre, würde sie bis zu 14 M. die Woche aben verdienen können, so sei sie aber über 8—9 M. wöchentlich nicht hinausgekommen. Hiervon habe sie noch Schulden zu tilgen gehabt. Uin nicht soviel Zeil z» versäumen, habe sie des Mittags nicht gekocht, sondern nur des Abends mit den Kindern warm gegessen. Bielleichl ein Jahr lang habe sie sich mit dem Gedanke» getragen, sich das Lehen zu nehmen, ob sie diesem Gedanken anderen Personen gegenüber Ausdruck gegeben, wisse sie nicht.— Präs.: Wie ist es denn gekommen, daß Sie sich am 9. No- vember v. I. entschlossen, nach Tegel zu fahren?— Ä n g e k l.: Tie Kinder baren darum.— Präs.: Um welche Zeit und von welchem Bahnhofe fuhren Sie ab?— An gell.: Uni LUbr vom Steltiner Bahnhofe.— Präs.: Fuhre» Sie bis Tegel?— Angekl.: Nein, bis Schönholz, von dort gingen wir zu Fuß.— Präs.: War es noch hell, wie Sie dort ankommen?— Angekl.: Nein, es war schon dunkel.— Präs.: Halten Sie an jenem Tage die -Absicht, sich das Leben zu nehmen?— Angekl.: Nein.— Präs.: Warum gingen Sie nun nicht in die Pump'sche Nestau- ratio» hinein, sondern daran vorbei und nach dem Landungsplatz wo die Dampfer anlegen?— Angekl.: Darüber kann ich nichts sagen, mein Erinnerungsvermögen ist von diesem Zeitpunkt an vor- über.— Präs.: Hatten Sie starke Kopsschmerzen an jenem Tage? — Angekl.: Jawohl, auch tags vorher.— Präs.: Wissen Sie noch, daß Sie Ihrem ältesten Knaben in der Pump'sche» Restauration Schnaps zu trinken gegeben?— Angekl.: Ja, Beranrworllicher Redakteur: I. Dierl(G dessen enlsimie ich mich noch.— Präs.: Woher hatten Sie den Schnaps?— Angekl.: Ich halte ihn unterwegs gekauft, weil mein ältester Knabe mich darum bat.— Präs.: Das war aber doch nicht sehr zweckmäßig. Wiffen Sie denn garnichts von den Vorfällen auf der Landungsbrücke?— A n g e kl.: Nein, ich kam erst zu mir, als ich aus dein Wasser gezogen wurde.— Präs.: Wiffen Sie auch nickt, daß Sie bei der Rettung gesagt haben: „Laßt mich, ich will sterben?"— Angekl.: Siein davon weiß ich nichts.— Präs.: Sie bleiben also dabei, daß Sie von dem Augenblicke an, als Sie die Pump'sche Restauration erreicht hatten, von ihrem Gedächtnisse verlassen wurden, so daß Sie von allen späteren Vorgängen nichts wissen?— Angel.: Ich weiß von nichts.— P rä s i d en t: Sie wissen auch nicht, daß Sie ihrem ältesten Knaben gesagt haben, er möge die geleerte Schnapsflasche ausspüle»? Daß derselbe sich dann mit dem ganzen Körper auf die Landungsbrücke legte, um die Flasche in das Waffer tauchen zu können, daß Sie ihn dann hineinstießen, auch den zweiten Knaben hinabwarsen und dann selbst ins Wasser sprangen?— Angekl.: Von allen diesen Vorgängen iveiß ich nichts.— Damit ist die Vernehmung der Angeklagte» beendet. Es werden zunächst die Zeugen vernommen, welche bei der Rettung der Angeklagten und ihrer Kinder betheiligt waren. Der Zeuge Arbeiter Eggert hat die Hilferufe der mit dem Wasser ringenden Knaben gehört, er hat ebenfalls Hilfe ge- rufen, worauf aus der Pump'sche» Restauration der Wirth und mehrere Gäste herauseilten. Mittels Stangen sei es gelungen, die Mutter und den eine» Knaben zu retten, der andere sei zu weit sortgetrieben und untergegangen. Sämmtliche Zeugen be- künden übereinstimmend, daß die Angeklagte, als sie aus dem Wasser gezogen wurde, die Worte ausstieß:„Laßt mich doch, ich will es ja, ich thue es doch wieder!"— Zeuge Assessor v. Röhl, der die Angeklagte am folgenden Tage vernommen hat, hat von ihr den Eindruck gewonnen, daß sie vollständig der Melancholie verfallen und gegen alle Er- eigniffe abgestumpft und gleichgillig war.— Schneiderin Egn als hat bei der Angeklagten gearbeitet und schildert sie als eine sehr ordentliche Frau. Einmal habe die Angeklagte ihr gesagt, daß sie sich das Leben nehmen und ihre Kinder mitnehmen wollte. Diese sollten nicht in die Hände fremder Leute kommen. Die Zeugin hat dieser Aeußerung keine Bedeutung beigelegt, sondern sie nur für den Ausfluß einer augenblicklichen trübe» Stimmung gehalten.— Die folgende Zeugin, eine Frau Norens, ist mit der Angeklagten befreundet gewesen und bat derselben manchmal mit kleinen Darlehen ausgeholfen. Am Mittage des 9. November, gegen I Uhr, seien die beiden Knaben der Auge- klagten zu ihr gekommen mit einer Bestellung, die Zeugin möge doch ibre Mutler besuchen, die krank im Bette liege. Bei der Zeugin sei gerade zu Mittag gegessen worden. Der kleinere Lengling habe einen auf dem Tische stehende» Teller genommen, von dem gegessen worden sei und habe denselben abgeleckt. Auf die Frage, ob sie hungrig seien, hätten die Knaben mit„ja, sehr" geantwortet. Darauf hat die Zeugin den Kindern zu essen gegeben, wobei die letzteren einen großen Heißhunger zeigten. Die Slngeklagte habe sehr häufig über Kvpsweh und Schwindel geklagt, bisweilen auch etwas verworrene Reden geführt und einen heißen Kops gehabt.— Ans die übrigen Zeugen wirb verzichtet. Ter Gesängnißarzt Dr. Menzig begutachtet, daß er die Angeklagte von vorne Hepein als Kranke zu bebandeln hatte. Trübe Stimmung bis zum Lebensüberdruß sei ihr während der ganzen Haft eigen gewesen. Sie habe eine so unregelmäßige Herzthäiigkeit gehabt, daß zu Mittel» gegen dies Leiden gegriffen werden mußte. Ter Sachverständige hält es für möglich, daß die Angeklagte aus dem Wege bis Tegel noch nicht den Plan gehabt habe, den sie später aussührte, erst beim Anblicke des Wassers könne der früher in ihr entstandene Gedanke wieder mit solcher Kraft in ihr lebendig geworden sei», daß sie einem dunklen Drange folgend die Thal beging. Sie sei im höchsten Grade hysterisch, habe in einem Zeitraum von neun Jahre» sechs Kinder gehabt, von denen vier an Krämpfen ver- storben seien, und alle diese Umstände veranlaßlen ihn, sein Gutachten dahin abzugeben, daß er zwar nicht bedingungslos sagen wolle, die Angeklagte sei bei Begehung der Thal in einem Zustande von Geistesstörung gewesen, wodurch ihre freie Willensbestimmung ausgeschlossen sei, aber er neige sich dieser Ansicht zu. In ähnlicher Weise äußerte sich de- zweite Sachverständige, Professor Dr. Moelö. Wenn die Angeklagte bald»ach der That den Eindruck einer geistesgesunden Person gemacht habe, so habe dies nichts zu bedeuten, denn derartige Geislee stör unge» träten bisweilen blitzartig auf und verschwänden ebenso schnell.— Ter dritte Gutachter, Sanilätsrath Dr Philipp, erklärte, daß er sich auf grund der Thatsachen, die durch die Beweisansnahnre zu tage getreten seien, dem Gutachten seiner Kollegen anschließen müsse. In betreff des ertrunkenen Knabe» habe er zu erklären, daß der Leichenbefund nicht ergeben habe, daß der Knabe sich in einem Zustande schlechter Ernährung befunden habe. Hiermit wird die Beweisaufnahme geschlossen. Staatsanwalt Assessor Gronau verkannte nicht, daß man in der Angeklagten eine bedaueruswerlhe, lies ungli etliche Person vor sich habe, aber er sührte aus, daß dieselbe doch für die grause Thal die Verantwortung tragen müsse, denn die Gutachten der Sachverständigen hätten ihn nicht überzeugt, daß die Angeklagte sich in einein Grade von Geistesslöruug befunden Habe, der sie straslos mache. Der Sraatsauwalt suchte nachzuweisen, daß die Angeklagte zwar mit Bewußtsein, aber nicht mit Uebrrlegung gehandelt habe. Ter Staatsanwalt führte ferner aus, daß die Angeklagte einer plötzlich in ihr auftanchende» Eingebung Folge geleistet habe, als sie die günstige Gelegenheit wahrnahm, die sich ihr beim Anblick des Wassers bot. Ibre Zurechnungsfähigkeil möge beschränkt gewesen sein, aufgehoben sei sie aber nicht gewesen. Er bitte die Geschworenen, die Angetlagte des vollendeten u n d versuchten Tod tschlags für schuldig zusprechen, ibr aber Mildernde Uinstände zu bewilligen, denn wenn je diese WoHliHat augebracht sei, so sei es vorliegend der Fall.' Ter Verlbeidiger. R.-A. Wronker, plaidirie in packender Weise für Freisprechung. Wer wolle überhaupt behaupten, daß die Angeklagte selbst ihre Kinder in das Waffer gestoßen oder gewoisen habe? Außer dem„Auge Golies" habe es niemand gesehen. 5löiinte es nicht möglich sein, daß der sich über den Steg bückende ttiiabe ins Wasser gefallen sei, daß er seine neben ihm stehende Mutter und diese wieder den zweiten neben ihr stehenden zweiten Knaben mit hinabgerissen habe? Wo sei ein Gegenbeweis sür diese Annahme? Tie Thalsache, daß der kleine gerettete Knabe dem Untersuchungsrichter gesagt habe, er habe einen Stoß erhalten, könne bei dem Dunkel, welches bei dem Ereignisse geherrscht, nicht ins Gervicht fallen, es könne gut eine Täuschung und vielleicht eine Verwechselung mit einem Stoße sein, den er beim Fallen erlitt. Der Vertheidiger fährte sodann ans, daß er in betreff des Geistes- zuslandes der Angeklagten aus grund der Gutachten der Sach- verständigen zu einem anderen Resultat gekommen sei, als der Staatsanwalt, linier dem Druck des denkbar größten seelischen und körperlichen Elends Habe die Angeklagte zweisellos schon die Herrschast über ihre Sinne verloren gehabt, bevor sie die Brücke betrat und wenn eine entgegengesetzte Möglichkeit auch nickt ausgeschlossen sei— auf Möglichkeiten hin werde kein Urtherl gefällt. Im Zweifel solle man zu gnnsten der Angeklagten urtheilen und Zweikel lägen im vor- liegenden Falle in Unmenge vor. Er hoffe, daß die Geschworeneu aus allen diesen Gründen zu eiuem Nichtschuldig kommen würden. Die Geschworenen gaben nach dreiviertel- stündiger Beratbring ihren Wahrspruch ab. der auf Nicht- schuldig lautete. Die Angeklagte wurde demzufolge frei- gesprochen und soiort aus der Haft entlassen. Wie wir hören, haben die Geschworenen während der Be- mil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing ir rathuiiA einen Betrag von 20 M. gesammelt, der der Angeklagten eingehändigt werden soll. Erpressungen, die an einem alten Major verübt waren. fanden gestern vor der vierten Straskammer ihre Aburtheilung. Ter Schlächter Paul K u h r t s war von Rostock aus, wo er eine mehrmonatige Gefängnißstrafe zu verbüßen hatte, durch einen Transporteur nach Berlin übergeführt worden, hatte aber hier auf dem Steltiner Bahnhofe Gelegenheit gesunden und wahrgenommen, seinem Wächter zu entwischen. Er hat aber nur zehn Tage die Freiheit genießen können, dann wurde er wieder ergriffen»nd dem Unlersnchungsgefängniß überwiesen. Das Opfer, welche? er sich für seine Erpressungen ausgesucht hatte, war ein alter Major von Hübner, der hier die Bekanntschaft des Angeklagten vor einem Bilderlade» gemacht, wie er sagt, Ge- fallen an dem niecklenbnrgischen Dialekt gesunden hatte und mit ihm näher bekannt geworden war. Diesen engeren Verkehr mit dem alten Mann beutete der An- geklagte dazu aus, um unter Drohungen von ihm Geld zu erpressen. Es ist ihm gelungen,:dem Major zu wiederholten Malen Geld abzunehmen und er kam immer wieder, trotzdem sich der alte Mann schriftlich von ihm attestiren ließ, daß er k e i n e r l e i A n s p r ü ch e an ihn habe. Der Ge- richlshof ivar mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß ein der- artiges Treiben äiißerst gemeingefährlich sei und er vernrtheilte deshalb den Angeklagten zu L'/z I a h r e n G e f ä n g n i ß. Was ist Ungebühr vor Gericht? Daß jemand wegen dieser Missethat verurtheilt worden ist, weil er den Hut beim Verlassen des Gerichtssaales vorzeitig aussetzte, oder iveil er in Arbeitskleidung vor den Schranken erschien, ist bekannt. Neu ist es aber, daß jemand nach staalsanwaltlicher Auffassung auch bestraft werden soll, weil er nach seiner Verurtheilung erklärt, daß er Berufung einlegen wolle. Einen solchen Fall hatte die 130. Abtheilung des Schöffengerichts gestern zu entscheiden. Der Staatsanwalt hatte nämlich wegen einer solchen Aeußerung eine Ordnungsstrafe von 3 Tagen Haft beantragt. Das Gericht war aber der Ansicht, daß die Aeußerung zwar„sehr nnpassend" sei, aber noch keine Ungebühr darstelle. Von einer Bestrafung wurde deshalb abgesehen. Warum MajestätSbeleidigungen begangen werden. Tie Fälle, daß obdach- und mittellose Personen sich des Ver- gehens der Majestätsbeleidigung schuldig machen, um dadurch ein Unterkommen zu gewinnen, kommen immer häufiger vor. Gestern beschäftigte ein solcher Fall die dritte Straf- kammer des Landgerichts l. Wie aus der Untheilsverkündigung hervorging, hatte der Angeklagte Wilhelm M ü n ch e b e r g. als er in der Nacht zum 8. Februar d. I. in der Landsberger Allee aufgegriffen wurde, grobe Schmähungen niit bezug auf den Kaiser ausgestoßen. Das Gericht verurlheilte ihn zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahre sechs Monaten. Es ist doch etwas Herrliches um das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte, das die Armen und Elenden derart vor dem Verhungern schützt! Wir haben vor einiger Zeit gemeldet, daß der Rechts- anmalt R i ch. Wolfs mil einem Studium der Akten über das Slrasverfahren gegen Kowalski, welcher s.Z. wegen Er- mordung der Frau Geh. Sekretär P a e p k e vom hiesigen Schwurgericht zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt n orden ist, beschäftigt sei. Die Arbeit des Verlheidigers ist nun- mehr beendet und hat das Ergebniß gehabt, daß er auf grund des von ihm gesammelten Materials, welches nach seiner Ansicht den Beweis für die Unschuld Kowalskis zu begründen geeignet erscheint, nunmehr den Antrag aus Wiederaufnahme des Ver- fahrens bei Gericht gestellt hat. Die schivurgerichtliche VerHand- ltmg fand am 12. April 1886 statt, Kowalski sitzt also schon beinahe 9 Jahre im Zuchlhause. Taö Schwurgericht hiesigen Landgerichts I vernrtheilte gestern den in Moabit ansässige» Photographen Karl Ludwig Fröhlich wegen Sittlichkeilsverbrechen zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Er halte sich an zwei bei ihm beschäftigten jungen Damen ver- gangen.! Im HochverrathSprozesi zn Tarnopol sind am Mittwoch sämmtliche Angeklagte von der Anklage des Hochverralhs ein- stimmig und"von der Anklage der Majestätsbeleidigung mit Stimmenmehrheit freigesprochen worden. Die Angeklagten wurden sosort in Freiheil gesetzt. DepeMieu. (Privattelegramm deS„BorwartS.") Leipzig, 14. März 1895. Heute wurde die Genossin R o h r I n ck aus Berlin vom hiesigen Landgericht wegen Be- leidigung eines Fabrik-Jnspeltors, angeblich begangen in einer Versammlung zu vier M o n a.t e n G e s ä n g n i ß verurtheilt. Ausführliches morgen. Wolff's Telegraphen-Bureau. Bern, 14. März. Infolge der Einschleppung der Maul- »nd Klauenseuche in mehrere Kantone der Ost-Schweiz durch Vieh österreichischer Herkunft bar der Bundesrath die Einfuhr von Klauenvieh aus Oesterreich-Ungarn bis auf weiteres verboten. Paris, 13. März. Der Minister für öffentliche Arbeiten brachte in der Tepntirtenkammer einen Gesetzentwurf ein, be- treffend die Herstellung eines Kanals von Marseille zur Rhone. Ter Kanal soll eine Länge von 54 Kilometern haben. Die Kosten sind auf 80 Millionen veranschlagt, von denen die eine Hälfte der Staat, die andere Hälfte die Handelskammer in Marseille und das Tepariemenl der Rhonemüüdungen aufbringen sollen. Rom, 14. März. Zu dem A m n e st i e- E r l a ß liegt jetzt noch folgende ausführlichere Drahlmeldung vor. Dem Amnestie- Erlasse zufolge werden die von den Militärgerichten in Sizilien und Massa- Carrara verhängten Strafen, die nicht drei Jahre Gefäugniß überschreiten, erlassen und die sonstigen, von den erivähnten Gerichten verhängten Strafen um ein Trimheil herabgemindert, vorausgesetzt, daß die Schuldigen nicht Mord oder Verletznnge» mit tödtlichem Ausgange begangen habe». Der Amnestie- Erlaß begnadigt ferner alle diejenigen, welche wegen Preßvergehens, Vergehens gegen die Wahlvorschriften oder wegen Zweikampfes verurtheilt sind, ebenso werden alle Uebertretungen der Gesetze über den Zivil- stand, alle sonstige» Uebertretungen. welche mit Geldstrafen geahndet sind, sowie die Vergehen der Beschimpfung und des Widerslandes gegen die Staate beainte» der Amnestie unterliegen. Slusgenvinmen sind Vergehen gegen Personen, bezüglich deren eine gerichtliche Verfolgung von Amts- wegen Platz greift. Endlich umfaßt die Amnestie die Ver- gehen gegen die Sicherheit des Staates, sowie der Anstislnng und Aufreizung zu solchen, vorausgesetzt, daß dieselben nicht einer höheren als dreijährigen Strafe unterliegen und nicht mit Personal- oder Eigenthnmdelikten zusammenhänge». Zu dieser Kategorie von durch die Amnestie berührten Delikten gehört auch der Fall Romani, sodaß das bezügliche Strafversahren ein- gestellt und der Angeklagte aus der Hast entlassen wird. (Teveschen-Bnreau Herold.) Brüssel, 14. März. Die sozialistischen Abgeordneten haben in einer gestern abgehaltenen Versammlung beschlossen, im ganzen Laude eine hestige Agitation gegen das Gemeinde-Wahlrecht ein- zuleiten. Paris, 14. März. Der Kriegsminister machte gestern in der Armeekommission die Millheilnng, daß die Regierung je einen Gesetzentwurf über Landesverrath und Spionage aus- arbeiten werde. Ter Landesverrath soll mit dem Tode bestrast werden. Paris, 14. März. Ter Unternehmer der Festungsarbeiten in St. Vincent wird von der Regierung eine hohe Entschädigung verlangen, weil ihm verboten wurde, fremde Arbeiter zu be- schästigen._ Berlin SW„ Beulhslraße 2. Hierzu zwei Beilagen. t Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur.«3. Freitag, den 15. Mar; 1893. 1A. Jahrg. Vsvlstnsnksbsrirhke. Deutscher Reichstag. 60. Sitzung vom 14. März 1LSS, 1 Uhr. Am Tische des Bundesralhs: v. Marschall und einige Zrommissarien. Die gestern abgebrochene Berathung des Antrages der Abgg. Heyl v. Herrnsheim und Genossen(natl.) belreffend die Kündigung des deutsch. argentinischen Handelsvertrages wird fortgesetzt. Abg. Möller- Dortmund(»all.): Der konservative Redner hat seine Befriedigung darüber ausgesprochen, daß gerade ein Industrieller diesen Antrag gestellt hat. Meine Freunde bedanern es, daß dies so ist; denn wir glauben, daß dadurch ein falsches Licht auf die Stellung der Industrie geworfen wird. Von anderer Seite ist der Antrag als der Ausgangspunkt für eine weitere Kündigung von Handelsverträgen mit den anierikanischen Staaten bezeichnet worden. Ich spreche im Namen des größeren Theiles meiner Partei, der gegen den Antrag ist. Der argentinische Weizen kommt ans den Weltmarkt: ob dann dieser Weizen oder amerikanischer oder indischer Weizen nach Deutschland kommt, ist an sich gleich schädlich für die Landwirthschaft. Es wird sich dann dasselbe Schauspiel abspielen wie beim Zollkrieg mit Rußland. An die Stelle des durch den Differentialzoll ausgeschlossenen russischen Getreides trat anderes Getreide. Der Antrag wird zunächst de» Zollkrieg zur Folge haben. Wäre der Antrag iveniger scharf ge- wesen, hätte er nur die Regierung zur Erwägung über die Kündigung ausgesordert, so wäre das anders gewesen. Ter Antrag ver- langt aber direkt die Kündigung, und das ist der Zollkrieg. Die Behauptung, daß die Aussuhr nach Argentinien insolge der ZoNerhöhungen zurückgegangen sei, ist unrichtig. Was setzen wir durch die Kündigung des argentinischen Handelsvertrages aufs Spiel? Geschäftsleute, die mit Argentinien in Verbindung stehen, schätzen den Export dorthin höher als 70 bis 80 Millionen, wie man ihn gewöhnlich berechnet. Nicht blos die deutsche Industrie leidet, sondern auch die gesammte deutsche Nhederci; darunter leidet die Handelsmarine, welche doch schließlich die Grund- läge für die Kriegsmarnie bildet. Ich würde den ZIntrag dahin ändern, daß die Regierung aufgefordert wird, einen Tarifvertrag mit Argentinien abzuschließen. Damit war wenigstens die Rich- tung angegeben, nach welcher die Regierung vorgehen kann, wenn auch ein Erfolg kaum zu erwarten ist; denn mit Länder», die auf so tiefer Stufe der Verwaltung stehen, kann man schwer einen Tarifvertrag machen. Man kann von ihnen nicht verlangen, daß sie aus die Einnahmen aus indirekte» Steuern ver- zichten und direkte Steuern einführen. Auch die Verhandlung des Antrages in einer Kommission kann ich nicht wünschen, er muß a liwins abgewiesen werden. Staatssekretär des auswärtigen Amts v. Marschall: Ter festeste Entschluß zum Schweigen wird schließlich erschüttert, wenn man so angegriffen wird, wie es öffentlich und versteckt geschehen ist. Die verbündeten Regierungen habe» bis jetzt den Antrag v. Heyl einer Berathung nicht unterzogen; sie haben einen Entschluß nicht gefaßt. Das entspricht der bestehenden Uebnng und dem wohlverstandenen Interesse des hohen Reichstages, denn es ist richtig, daß die verbündeten Regierunzen erst dann ent- scheiden, wenn der Reichstag einen Beschluß gesaßt hat. Ich muß mich deshalb bezüglich der Stellung der ver- Kündeten Regierungen einer weisen Zurückhaltung befleißigen. Die argentinisch- deutsche Beziehung läßt sich nicht isolirt be- trachten, sonder» nur im Zusammenhange mit der gcsammten Handelspolitik, namentlich jene» handelepolitischen Strömungen, die der europäischen Einsuhr nicht sehr günstig sind.(Sehr richlig! links.) Ich bitte Sie also nicht lediglich»ach der Güte des t weckes, sondern auch nach dem praktischen Ergebnisse des ntrages zu urtheilen. Herr v. Heyl hat gestern erklärt, daß die Erwartungen, die man an die Handelsverträge geknüpft hat, nicht in Erfüllung gegangen sind. Er hat gemeint, die amerikanische KrisiS habe genügt, die Stetigkeit zu störe». Wie kann man die amerikanische Krisis>nil den Handelsverträgen in Verbindung bringen? Je mehr solche Krisen störend eingreifen, um so nothwendiger wird es, unsere anderen Absatzgebiete zu sichern durch Handelsverträge. Herr v. Heyl ist einigermaßen inkonsequent, wenn er das Lob der Stetigkeit singt und gleichzeitig einen Antrag stellt, der in den Beziehungen zu überseeischen Ländern jeden Rest der Stetigkeit beseitigt.(Zustimmung links.) Daß die Stetigkeit gute Frucht trägt, zeigt die Statistik, nach welcher wir 1893 nach Oesterreich 8 und nach der Schweiz 2 Millionen mehr ausgeführt haben. Manche Hoffnungen und Wünsche schweifen allerdings über die Stabilität hinaus. Aber ich möchte glaube», daß gerade gegenüber der Beivcgung, alle Länder abzuschließen, diese Stetigkeit der Handelsverträge von großem Vortheil ist.(Zustimmung links, Widerspruch rechts.) Ich bedauere, daß ich ans der rechten Seile Wider- spruch finde. Dnrch den Mangel von Handelsverträgen hat unser« Industrie vielfach ihre Absatzgebiete ver- loren; sie hat durch dre Handelsverträge dieselben wieder gewonnen. Der Vertrag mit Argentinien ist von Preußen geschlossen und vom Zollverein übernommen worden»»d das Reich als Rechtsnachfolgerin des Zollvereins muß diesen Vertrag aufrecht erhalten. Der Export nach Argentinien ist in dem letzten Jahre auf 43 Millionen Mark nach der Slatistik gestiegen. Tarin ist aber der Export über Belgien»nd Holland nrckt enthalten. Ich glaube auch den Export auf 80 Mlll. Mark schätzen zu können. In Argentinien tritt alljährlich eine Zollkonimission zusammen, nni nach dem finanziellen Bedarf die Zölle auszustellen. Daß dadurch Mißstände entstehen können, ist selbstversländlich. und es kann kommen, daß solchen Staaten, die alljährlich ihre Zölle ändern, bedeutet wird, wenn sie ihren Export nach Teulsch- land ausrecht erhalten wollen, dann müssen sie ihre Zölle aui einer gewiflen Höhe halten. Diese Ermahnungen sind auch nicht ohne Erfolg gewesen und es ist erreicht worden, daß deutsche Exportartikel bei den Zollfestsetzinigeii berücksichtigt sind Wer exporliren will, der muß sich auch de» Export gefallen lasse». Bezüglich des Weizenbaues sind allerdings große Veränderungen eingetreten. Was die Einsuhr argkiiliiiischen Weizens nach Deutschland möglich macht, sind die Währungsvcrhältnisse. Der Weizen, der zu uns kommt, kann als Währungsweizen, als eine Folge des Goldagio bezeichnet werden. Man darf aber nicht denke», daß die Weizenproduktion ins Unendliche vermehrt werden kann. Sie kann noch erheblich ausgedehnt werden in einzelne» Distrikten der Provinzen Entre Rios, Buenos Aires». s. w. aber nur in den Bezirken, welche an den großen Flüßcn La Plata und Parana liegen. Denn von dem Innern des Landes her ist der Transport zu kostspielig. Ich bin weit davon entfernt, die Nachtheile der zunehmenden Weizenproduktion für Deutschland in Abrede zu stelle». Wir und die anderen Weizen produzirenden Länder leiden darunter sehr schwer. Aber das wärmste Interesse für den deutschen Getreide- bau enthebt uns doch nicht der sorgfältigen Prüfung der Frage, ob die Kündigung des argentinischen Handelsvertrages der deutschen Landwirthschaft irgend eine Erhöhung des Getreide- Preises bringt.(Sehr richtig! links.) Wir dürfen doch nicht die Politik des Vogel Strauß treiben und den Kopf in den Sand stecken. Der Gesammtüberschuß der Weizenproduktion und die Nachfrage danach stellt den Weltmarkt dar Der argentinische Weizen, der nach Deutschland gekommen ist, wird auf den Weltmarkt kommen und dort dieselbe Wirkung auf den Preis ausüben wie vorher. Eine Steigerung des Preises wird dadurch nicht eintreten, eher könnte man das Gegentheil annehmen, daß der argentinische Weizen sich zu einem niedrigeren Preise anbieten muß, weil er mit dem Makel behaftet ist, daß er in Deutschland nicht gleichberechtigt zum Konsum zugelassen wird. Die Herren, ivelche die Kündigung des argentinischen Vertrages verlangen, müssen uns doch glaubbar machen, daß eine Erhöhung des Weltmarktpreises eintritt. Das ist aber nicht geschehen. Am 20. Februar v. I. habe ich gesagt, daß der Handel Mittel und Wege finden würde, um vierspännig durch die ganzen Ursprungs- Zeugnisse zu fahren; wer könnte verhindern, daß russischer Weizen nach den meistbegünstigten Ländern gesahren, dort zu Mehl ver- arbeitet und zu uns eingeführt wird?(Sehr richtig! links.) Wenn Sie an die Stelle des Worts Rußland das Wort Argen- tinien setzen, dann trifft meine Ausführung ebenfalls zu. Der Antragsteller hat etwas leichten Herzens von der Schädigung des Exports gesprochen; die 4ö Millionen seien»ur 1,2 pCl. des Exports. Die Rechnung ist richtig, aber es sind an den 45 Millionen Tausende von Arbeitern betheiligt.(Lachen rechts.) Wenn der Landwirthschaft kein Vortheil von der Kündigung erwächst, dann kann man doch einen direkten Nachtheil aus der anderen Seite verhindern.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten. Heiterkeit rechts.) Ich bitte Sie, die Sache gründlich zu prüfen. Es ist ein sehr gewaltiger Schlag, den zu thun der Antragsteller Ihnen zumnthet. Er soll nach seinen Intentionen den argentinischen Weizen treffen. Hüten Sie sich, daß der Schlag nicht daneben geht und daß etwas getroffen wird, rvas wir schützen wollen und schützen niüssen: die nationale Arbeit.(Zu- stimmung links; Widerspruch rechts.) Abg. Schumacher(Soz.): Der Abg. v. Heyl hätte nur offen aussprechen sollen: wir wollen den Zollkrieg eröffnen gegen die Argentinische Republik. Cr hat hier gewissermaße» Bogel- Strauß-Politik getrieben, denn mit wenigen Ausnahmen hier im Hause kennt niemand die Verhältnisse so genau wie er. Er muß ebenso gut wie der Staatsselretär v. Marschall wissen, daß wir nach Argentinien nicht für 42 sondern für 80 Millionen exportiren. Wir im Rheinlande«xportiren nämlich großen- lbeils über Antwelpen. Bei der Berechnung der Bc- völkerungsziffer hat man nur Argentinien aber nicht die beiden anderen La Plata-Staaten Uruguay und Paraguay in betracht gezogen, und die geben ein ganz anderes Bild. Soviel steht fest: Ohne Argentinien kommen wir in der deutschen Gerberei nicht zurecht. Das Quebrachoholz ist für die deutschen Gerber lange nicht so wichtig ivie der Import der Häute aus Argentinien. Deutschland bezieht über Antwerpen aus den La Plata-Staaten weit über eine Million Häute und davon enlsallen nenn Zehntel auf das Rheinland. Auch unsere Armee verwendet argentinische taute zur Fabrikation des Cohlleders. Die argentinischen äute haben einen bedeutend größeren Werth als die anderen. Unsere Häute können wir zum Sohlleder gar nicht gebrauchen, es ist viel zu lheuer, die oslpreußischen und holländischen Häute taugen nichts, und die süddeutschen sind zu schwer und nur für Maschinenriemen verwerlhbar. Herr v. Heyl muß für seinen Antrag sehr schlechte Gründe haben/ daß er als Fachmann diese Thalsachen vor dem Reichstage verspricht. Für die Land- wirthschast versprechen sich die Herren von dem Antrage ja selber sehr wenig. Ter argentinische Weizen würde alsdann nicht nach Teulschlnnd kommen, sondern auf den Weltmarkt, und da fände eine Ausgleichung der Preise statt. Die Kündigung des Ver- träges würde der Tuchinduslrie in Aachen, Lennep u. s. w. einen schweren Schlag versetzen und tansende von Arbeiter außer Arbeit setzen. Herr v. Heyl bezweifelt, daß die Handelsverträge stabile Verhältnisse gebrächt haben. Als wenn das Handelsverträge überhaupt vermögen. Hier gilt das Bibelwort: im Schweiße des Angesichts sollst Du Dein Brot essen. Die Unterbilanz, von der Herr v. Heyl sprach, ist eine Folge der Schutzzöllnerci. Amerika war früher srcibändlerisch und»ist erst aus Vergeltung schütz- zöllnerisch geworden. Gewiß sängt auch i» Argentinien die Industrie an zu blühen. Das lönnen wir aber doch nicht ver- hindern, das kommt überall vor und wir können doch deshalb nicht einen Vertrag kündigen. In Münchcii-Gladbach, Aachen, Solingen, Remscheid, Elberfeld- Barmen wird sehr viel sür Argentüiie» gearbeitet und von Pforzheim werden allein für 8 Millionen Mark Goldwaarcn nach Zlrgcnlinien ge- liefert. Man verlangt einen Quebrachozoll um die kleinen Eichenschälwald-Bcsitzer und die Gerber, welcke nach altem System arbeiten vor dem Untergange z» schützen. Wenn irgendwo, so gilt aus dcni Gebiet der Ledersabrikalion der Satz, daß das tlcine Kapital dem großen nicht gcirackscn ist. Ich weiß sehr gut, daß die rheinischen Kleingerber längst zu gründe gegangen waren, che an die fremden Gerbstoffe gedacht wurde. Nicht das Quebrachoholz macht den deutschen, speziell rheinischen Cchälwald- Besitzer» eine große Konkurrenz, sondern die sranzösische und österreichische Eichcnlohe Quebracho-Sohl- leder ist lange nicht so baltbar wie das mit Lohe gegerbte Leder, wovon ich Sie durch eine Probe sehr leicht überzeugen könnte. Es giebt eine ganze Anzahl rheinischer Gerber, welche für die Besteuerung der ausläudischen Gerbstoffe gestimmt haben und die selbst diese Stoffe gebraucht haben.'Wir sind aus die ausländischen Gerbstoffe angewiesen. Im Jahre 1893 sind sür 30 Millionen fremde Ecrbstofse nach Deutsch- land gekommen, während in Teutschland nur sür 7 Millionen produzirl werden. Was schädigt denn überhaupt den kleinen Eichenschälwaldbesitzcr?(Vizepräsident v. B u o l bittet den Redner von der Sache nicht allzuweit abzuschivcisen.) Ich wäre auf die Frage nicht eingegangen, wenn sie nicht gestern aus- geworfen worden wäre. Man will diese kleinen Leute aus de» Damm bringen durch den Zoll, aber was Hilst er ihnen, wenn sie ihren 4 Hektar großen Besitz auf 5 Kinder vertheilcn. Ich werde Ihnen später ein- mal auseinandersetzen, daß ganz andere Tinge den Untergang des Schäl» aldbesihes bedingen. Ein Zoll ändert daran nichts. Ich hoffe, daß Sie den Antrag mit großer Mehrheit ablehnen werden im Interesse des deutschen Volkes, der Industrie, der deutschen Arbeiter und derjenigen Gerber, welche die Herren v. Heyl und v. Siumm zu ihren Wortführern erhoben haben. (Beisall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Werner(Deulschsoz. Reformparlei): Schutz der nationalen Arbeit ist ein schönes Wort, aber wir glauben, daß auch der deutsche Bauer in seiner nationalen Arbeil geschützt werden muß, nickt blos der Jndustric-Arbeiter.(Sehr richlig! rechts.) Der Staatssekretär hat gesagt, von dem argentinischen Handelsvertrage habe die Industrie große Vortheile; aber sie hat große Nach- iheile davon, daß die deutsche Landwirthschaft nicht mehr kauf- kräftig ist.(Zustiniutung rechts.) Das ist die Folge der miserablen Handelsverträge.(Vizepräsident v. Buol: Ich muß es rügen, baß der Redner eine Maßregel, die unter Zustimmung des Reichstages zu stände gekommen ist, als miserabel bezeichnet!) Nun also, die beklngcnswertden Handelsverträge! Bcmcvkens- , verth>var die Bemerkung des Herrn Frese, daß die argentinische» Zölle dazu dienen würden, die Zinsen für die argentinischen Papiere zu zahlen. Also dazu soll der deutsche Bauer Nachtheile erleiden, damit die Argentinier im Kurse steigen.(Hört, hört! rechts.) Wer hat denn den Leuten ausgeredet, argentinische Papiere zu kaufen? Die großen Banken. Daß die Linke mit den Sozialdemokraten nur von der Industrie redet, und die Landwirthschaft nicht schützen will, ist kein Wunder. Die Handelsverträge sind ein Unglück für die Landwirthschaft, deren Lage mit jedem Tage schlechter wird. Ich habe namens meiner Fraktion zu erklären, daß wir Anhänger des Antrages Heyl sind, von dem wir eine Besserung erwarten, und wir ivünschen auch, daß der Antrag Kanitz angenommen wird.(Zustimmung rechts.) Abg. v. Frege(dk.): Ter ganze Fehler unserer Handels» politischen Lage liegt darin, daß wir bei den Verhandlungen mit Oesterreich nicht vollständig freie Hand hatten durch Kündi- gung der Meistbegünstigungsverträge. Dann hätten ivir unsere Verhältnisse zu den Vertragsstaateu frei und unabhängig regeln können. Die Meistbegünsugung muß doch in anderer Weise angewendet werden als es jetzt geschieht. Ich muß also mit Entschiedenheit behaupten, daß der Antrag des Abgeordneten von Heyl ein guter Ansang ist. Wir müssen uns nüt Oesterreich vorher verständigen. Denn der russische Handels- vertrag ist nur eine' Konsequenz des österreichischen. Argentinien befindet sich in besserer Lage als wir; es kann in jedem Jahre seine Finanzzölle feststelle», während wir ge- bunden sind. Ich hoffe, daß das alte Europa sich aufraffen wird gegen- über den ausblühenden jungen anierikanischen Staaten. Aber biS das geschehen kann, muß etwas anderes gethan werden. Frankreich giebt uns durch seinen Maximal- und Minimaltarif den Weg an, ivie etwas erreicht werden kann. Nach einer Seite müssen die verbündeten gicgierungen Stellung nehme». Ich hoffe, daß auch Rußland bald Stellung nehmen wird, wenn ihur die argentinische Konkurrenz ebenso drängend wird wie Deutschland. Die Schtvierigkeit liegt darin, daß die argentinischen Weizenbauer eine Prämie durch unsere Währungsverhältnisse bekommen. Wir können doch bei unserer landivirthschasllichen Nothlage nicht einem politisch so indifferenten Lande, wie Argentinien, eine Exportprämie für sein Getreide geben. Es gehört aber dazu ein gemeinsames Vor- gehen der industriellen Staaten Europas.(Zustimmung rechts.) Als die Mac Kinley-Bill eingeführt wurde, hätte Deutschland Repressalien ergreifen sollen. Es mehren sich die Stimmen im landtvirthschastiichen Lager, welche tabula rasa machen und alle Jndustriezölle abschaffen wollen. Wohin würden wir aber tommen, wenn wir zum unbeschränkten Freihandel übergehen! Ich hoffe, daß der Herr Staatssekretär sich davon überzeugen wird, daß die nationale Arbeit, die er mit uns schützen will, auf dem platten Lande ist und in den Mittelständen, die selbst mit- arbeiten und nicht spekuliren, nicht bei den Jndustrieen, die fremde Rohstoffe importiren und nur Geld verdienen wollen. Es komnit nicht blos auf die nationale Arbeit an, sondern auch ans die nationale Gesinnung.(Beifall rechts.) Abg. Barth(srs. Vg.): Eine Kommissionsberathung kann schädlich werden; denn vor Ostern würde sie nicht beendigt werden und bis dahin dauert die Ungewißheit über die Entscheidung dieser Frage. Das liegt weder im Interesse der Landwirthschaft noch im Interesse der Industrie; es kann auch Argentinien gegen- über nicht gleichgiltig sein, ob monatelang der Glaube erweckt wird, daß»vir vielleicht zu einem Zollkriege mit Argentinien kommen. Wenn irgend etwas die Eutivickelung der überseeischen Länder hindert, so sind es die schlechten Währungsverhältnisse; man sollte deshalb zufrieden sein, daß in Argentinien die Wahrungsverhältnisse noch so schlecht sind, sonst würden wir nicht so viel exporliren. Wenn die Landwirthschaft sich in einer solchen Nothlage bcsindet, daß die übrige Bevölkerung sie unterstützen muß, weshalb wird denn nicht eine direkte Steuer nach Art der Kopsstener erhoben zu diesem Zwecke? Wenn man so nackt und blos es aussprechen würde, daß alle nicht Landwirthschaft treibenden Personen zehn Prozent ihres Einkommens hergeben sollten zur Unterstützung der Landwirth- schaft, da möchte ich einmal das Geschrei hören, was daraus entsteht. Da wollen wir einnial sehen, ob jemand noch den Mulh hat, zu verlangen, daß die Getreideproduzenten Deutsch- lands auf allgemeine Unkosten in ihrer Lage verbessert werden. Durch diesen Antrag würde eine Preissteigerung nicht erreicht werden, deshalb wollen wir die Schädigung der Industrie ver- hindern und wir werden den Antrag ablehnen. Abg. Graf Oriola(natl.): Vielleicht trägt unser Antrag dazu bei, bei Argentinien mehr Entgegenkommen zu erwirken. Tie deutschen Bailern stehen uns näher als die argentinischen Kolonisten.(Zustimmung rechts.) Durch den Ausschluß des argentinische» Weizens allein wird der Landwirthschaft nicht er- heblich geholfen, aber wir müssen später auch gegen den indischen Weizen u. s. w. vorgehe». Auch wenn Deutschland den über- sccischen Staaten gegenüber allein vorgeht, dann»vird das schon einen großen Nutzen haben. Ich hoffe, daß die anderen sich unserem Vorgehen anschließen werden. Spanien, Schweden, die Schweiz, Frankreich, Italien gehen ebenfalls vor; in der Schweiz»lacht sich sogar«in Antrag Kanitz be- merlbnr. Herr v. Marschall hat selbst anerkannt, daß ein Ver- gehen gegen die überseeischen Staaten nicht ganz ausgeschlossen ist. Also unsere Vorschläge sind keine Utopien: der unbeschränkte Freihandel des Herrn Barth ist jedenfalls eine viel größere Utopie.(Sehr richtig! rechts.) Wir wollen uns die Grundlage unserer Landwirthschaft, den Körnerdan, erhallen. Die Vor- schlüge, die zur Hebung der Landwirthschaft gemacht worden sind, zeugen davon, daß ihre Urheber von der Landwirthschaft keine blaffe Ahnilng hatten. Abg. 61)11 i(südd. Vp.) spricht sich gegen den Antrag aus im Namen der süddeutschen Edelmetallindustrie, nanientlich in der Stadt Pforzheim, die durch die Aufhebung des Handelsvertrages mit Argentinien schwor geschädigt würde. Man sollte aber ohne Kommissionsberathung den Antrag sosort ablehnen,«in die Beunruhigung zu beseitigen, welche in industriellen Kreisen herrscht. Abg. Hilpert(bayerischer Bauernverein) tritt sür den Antrag ein, um den deutschen Bauernstand zu schützen. Abg. Graf Arnim(Rp.): Wenn wir den Vertrag mit Argentinien kündigen, so können wir aus griind einer neuen Basis einen neuen und besseren Vertrag abschließen. Wir müssen einen Maximal- und Minitimltarif haben, um den Ländern gegeu- übertreten zu können, welchen wir die Meistbegünstigung zu- gebilligt haben. Staatssekretär v. Marschall: So lange die Herren nicht einmal sich die Mühe geben, nachzuweisen, daß die Abwendung des argentinischen Weizens der deutschen Landwirthschaft nützt, kann von einem Zollkriege nicht die Rede sein. Damit schließt die Diskussion. Persönlich benierkt Abg. Frank(natl.) als Vertreter der Stadt Pforzheim, daß der Abgeordnete Ehni nicht das Recht gehabt habe, sür die Interessen der Stadt Pforzheim einzutreten. Daraus erhält das Schlußwort als Antragsteller v. Heyl zu Herrnstein: Wir sind nach den Erklärungen der Regierung fest gebannt in einer Handelspolitik der einseiligen Zugeständ- nisse, unter der nicht allein die Landwirthschaft, sondern schließ- lich auch die Industrie leidet. Bezüglich des Antrages auf Kommissionsberaihung kann ich mitiheilen, daß einige meiner Freunde sür diesen Antrag stimmen wollen, obgleich sie nicht ge- sonnen sind, sür den Antrag selbst zu stimmen, nur um die Sache klarzustellen. In namentlicher Abstimmung wird daraus der Antrag auf Verweisung an die Kommission mit 140 gegen 73 Stimmen angenommen. Für denselben stimmen die Konservativen. das Zentrum, die Polen, die Antisemiten und etwa 15 iliational- liberale; gegen den Autrag stimmen die Sozialdemokraten, die süddeutsche und freisinnige Aolkspartei, die sreisinnige Vereinigung und die Mehrheit der Nationalliberalen. Schluß nach 5>/z Uhr. Nächste Sitzung Freitag I Uhr. (Etat der Post- und Telegraphenverwaltung.) Vttrlmucntavis'lkzcv. Die Wahlpriifungs-Komwission beschloß in ihren letzten Sitzungen zunächst die Wahl des Abgeordneten Hüpede« (Kassel) zu beanstanden und Erhebungen zu veranlassen. Monirt ist besonders ein zur Stichwahl erlassenes Zirkular des Land- raths von Melsungen, in dem die Wahlvorsteher angewiesen werden, für die Ermittelung des Wahlergebnisses die Oeffeutlich- keit auszuschließen. Die Wahl des Abg. Meyer(Danzig) beantragt die Kommission für giltig zu erklären. Gleichzeitig werden Erhebungen darüber de- schlössen, ob die Angaben des Protestes richtig sind, wonach in einer Reihe von Orte» zu unrecht die sozialdemokratischen Stimm- zettel von Gendarmen konfiszirt sei» sollen. Für den Fall der Bestätigung dieser Angaben werden Rügen für die betreffenden Beaniten beantragt. Die vom Plenum zur Nachprüfung an die Kommission zurückverwiesene Wahl des Abg. Dr. Böttcher(Waldeck) fand ebenfalls ihre Erledigung. Der Abg. Dr. Böttcher ist nach dem ersten Bericht mit einer Mehrheit von nur 2 Stimmen gewählt. Wie die nochmalige Nachprüfung der Akten ergab, ist ei» Stimmzettel zu unrecht für giltig erklärt, so daß für Dr. B ö t t ch e r nur mehr eine Stimme Mehrheit verbleibt. Weiter ergiebt sich aus den Akten, daß in einer Reihe von Wahlbezirken noch Nachtragungen von Wählern in den Listen stattgesunden haben, obwohl der gesetzliche Termin für solche Nachtragungen bereits verstrichen war. Von diesen ungesetzlich in die Liste aufgenommenen Wählern haben sich 7 an der Abstimmung betheiligt. Die Kommission, beschloß diese 7 für ungiltig zu erklären und sie gleichzeitig dem gewählten Abgeordneten abzuziehen, so daß dieser die Mehrheil der abgegebenen Stimmen nicht mehr besitzt. Mit 11 gegen 2 Stimmen beschloß hierauf die Kommission, dem Rekchstag zu empfehlen, die Wahl des Abg. Böttcher für u n- giltig zu erklären. Durch diesen Beschluß verliert die Uinsturzkommission auch noch ihren ersten Vorsitzenden, nachdem der zweite Borsitzende, Freiherr v. Stumm, durch Krankheit bereits früher genöthigt war, Urlaub zu nehmen und sein Amt als zweiter Vorsitzender niederzulegen. Ebensalls ausgesetzt wurde die Entscheidung über die Wahl des Abg. Pauli(5. Potsdani) bis zum Eingang" der beschlossenen Erhebungen. Ein intetessantcr Fall beschäfiigle weiter noch die Kommission. Gegen die Wahl des Abg. W am Hofs(Osnabrück) wird nämlich von den Welsen der Vorwurf erhoben, daß bei der Wahl in der Gemeinde Dießen, wo von ca. 500 Wählern nur 11 nicht gewählt haben sollen, wobei mit Ausnahme von zwei, alle Stimmen auf Wamhoff lauten, arge Wahl- mogcleien passirt sein sollen. Es wird behauptet, daß 45 Wähler überhaupt nicht abgestimmt haben, außerdem erbieten sich 21 Wähler zu beschwören, daß sie für den Welsen v. Scheele ihre Stimmen abgegeben haben, während die amtliche Feststellung nur zwei aus diesen Kandidaten lautende Zettel aufweist. Da eine amtliche Untersuchung über diese Vorgänge ist, be- schloß die 5komiiiission die Prüfung der Wahl des Abg. Wamhoff bis zum Austrag der gerichtlichen Untersuchung auszusetzen. In der Bndgetkominission des Reichstags wurde heute die Beraihung des Kolonialetats fortgesetzt. Bei dem Etat für da» ostaft-ikanischo Schutzgebiet bemängelte Abg. Richter besonders den seitens der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amts und der Deutsch-Ostasrikanischcn Gesellschaft mit der Deutschen Bank abgeschlossene» Vertrag über Eisenbahn- bauten. Die Bank sei mit 100 000 9)t. herangezogen worden, und das sei wohl zu umgehen gewesen. Besonders greift Ab- geordneter Richter§6 des abgeschlossene» Vertrages an, der lautet: „Bezüglich der 5ioiizessiousverhandlungen wird der Deutschen Bank ein Vorzugsrecht dahin eingeräumt, daß ihr in erster Linie die Aufbringmig der für den Bahnbau erforderlichen Mittel und die Bildung des hierzu voraussichtlich nolhwendigcn Syndikats überlassen werden. Sollte die Deutsche Bauk binnen einer vom Reichskanzler zu bestiinmenden, mindestens aber drei Monate bc- tragenden Frist mit der Bildung des Syndikats nicht zu stände komme», so erlischt dieses Vorzugsrecht, und steht es von da ab den beiden anderen vertragschließenden Theilen srei, sich an andere Bankhäuser zu wenden." Vom Referenten, Prinzen A r e n b e r g, und Geh. Rath K a y> e r wird hervorgehoben, daß seitens des Reiches keine Zinsgarantie gewährt sei und daß die Erfahrungen anderer Kolonialstaaten für solche Verträge sprächen. England habe namentlich in dieser Weise verfahren und es nicht zu beklagen gehabt. Schließlich wurde der Etat für Ostafrika mit wenigcn unwesentlichen Abstrichen genehmigt. Ju der Justizkouimission des Reichstags wurde heute die Beraihung der Novelle zur Strafprozeß-Ordnung fortgesetzt. Zur Verhandlung stand der neu vorgeschlagene§ 56a, welcher lautet:„Die Beeidigung eines Zeugen darf unterbleiben, wenn die Aussage desselben sich nach richterlicher Ueberzengung als offenbar unglaubwürdig oder unerheblich darstellt und letzterenfalls die Beeidigung nicht beantragt ist." Ter Para- graph gelangte schließlich mit den nachfolgenden, vom Abg. Brockmann(Z.) beantragten Abänderungen zur Annahme. Vor den Worten„richterlicher Ueberzengung" wurde das Wort„ein- .stimmiger" eingeschaltet. Das Wort„letzterenfalls" wurde ge- strichen. Schließlich erhielt der Paragraph, ebenfalls auf An- trag Biockmann's, nachfolgenden Zusatz:„Aus das Verfahren vor den Schwurgerichten findet diese Bestimmung keine An- wendung." Nrnutturnnles. Stadtvcrordueten- Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, den 14. März 1895, nachm. 5 Uhr. I» der Forlsetzung der Etatsbcrathung gelangen heute die Spezialetats für das städtische Schulwesen zur Verhandlung. Ueber die das Schulwesen betreffenden Kapitel referirl Sladtv. G e r st e» b e r g. Es ist im Ausschuß zur Sprache gekommen, daß zahlreiche Angestellte der höheren und auch der Gemeindeschule», Direktoren, Rektoren, Ooerlebrer. Lehrer und Schuldiener ans städtischen Fonds mich noch Nebeneinuahmeu beziehen und daß diese sich im ganzen ans 400 000 M. belaufen. Manche Rektoren bezögen bis zu 2000 M., einer sogar 3526 M. Der Ausschuß hält dafür, daß ein solcher Zustand ungesund ist und empfiehlt eine Resolution, wonach der Magistrat ersucht wird, Erivägungen darüber an- zustellen, in wie weit die Frage der Ncbeneinnahincn aus siädti- schen Fonds ans den, Gebiete des Schulwesens anderweit zu regeln ist. Die Versammlung nimmt die Resolution an und genehmigt die Ausgaben sür Gyniriafien, Stealgymnasien und Oberrealschulen ohne weitere Debatte. Beim Kapitel„iliealschulen(liöhere Bürgerschulen)" entsteht ganz plötzlich eine aufgeregte Debatte, anknüpfend an«ine Aeußerung des Stadtv. Riemer. Stadtv. Riemer(einige Schulhefte in der Hand): Ich habe zn diesem Kapitel über einen Lehrer, der entschieden seine Pflicht nicht gelhan hat, Beschwerde zu sichren. Es handelt sich um den Lehrer an dem königstädtischen Realschulgymnasium, Dr. Evers, denselben, der in der Berliner Stadtsynode eine so schroffe Stellung gegen die kirchlich Liberalen einnimmt.(Unruhe, Zwischenrufe.) Vorsteher Langerhans giebt anHeim, nachdem hier öffentlich ein Ranren genannt sei, den Gegenstand in geheimer Sitzung weiter zu verfolgen. Stadtv. F r i e d e m a n n erklärt sich dagegen, es sei das Recht der Versammlung nicht blas die einzelnen Positionen zn bewilligen, sondern bei ihnen auch Beschwerden vorzutragen, soweit dieselbe» begründet erschienen seien. Eine Beschränkung in dieser Beziehung komme einer Minderung der Rechte der Versammlung gleich. Vorsteher Langerhaus zieht hiernach seinen Vorschlag wieder zurück. Stadtschulrath F ü r st e n a u macht auf das höchst Bedenk- liche aufmerksam, das darin liege, wenn hier in öffentlicher Sitzung Angriffe ans bestimmte städtische Beamte gemacht werden, ohne daß die Verwaltung von den speziellen Beschwerden Kennlniß habe.(Lebhafter Widerspruch.) Stadtv. H entig: Ein solcher direkter Angriff auf einen städtischen Beamten ist mir in der Versammlung noch nicht vor- gekommen.(Widerspruch.) Es scheint mir hier der politische Haß hervorzutreten und nicht die Gerechtigkeit!(Großer Lärm.) Stadtv. Singer: Nach der letzten so dankenswerthen Er- klärung des Vorstehers hätte ich keine Veranlassung mehr gehabt, das Wort zu nehmen. Nachdem aber vom Stadlschulrath Fürstenau der Versuch gemacht worden ist, sowohl in die Gc- schästsordnung der Versammlung einzugreifen als auch der letzleren einen Rath zu geben, wie die Angelegenheit zu sühren wäre, muß ich gegen diesen Versuch energisch protestiren(Lebhafter Beifall). Alles, was hier gesprochen wird, wird unter der Verantwortung des Redners gesprochen; wir haben hier»ich! das Recht der Immunität, wie die Mitglieder der Parlamente, und wollen es auch nicht.'Aber wir sind uns ebenso sehr der Pflicht gegen unsere Wähler bewußt, die Mißstände, die sich irgendwo"in der Verwaltung zeigen, rückhaltlos und öffentlich zur Sprache zn bringen, und wenn dazu Namen genannt werden müssen, so nennen wir die Namen!(Allseitige Zustimmung.) Stadtschulrath Fürstenau: Ich kann nur wiederholen, daß ich es nicht für richtig halte, wenn derartig verfahren wird. (Ein Zwischenruf:„Sie sind ja gar nicht ge... wirk durch stürmische Heiterkeit unterbrochen.) Vorsteher Langer Hans giebt dem Stadtv. Riemer das Wort. Stadtv. Riemer: Der Herr Dr. Evers hat ein lateinisches Exercitrum, welches mein Sohn in der Tertia bei ihm zu mache! hatte, nicht korrigirt. obwohl er das Heft zwei Monate zu Hause hatte. Ich habe meine Söhne in einer solche» Anstalt nichl laffen mögen, ich habe sie limgeschult. Im Geschichte- Unterricht hat Herr Evers ferner gesagt— es ist jetzt über ein Fahr her, ich konnte nicht eher darüber sprechen. weil meine Söhne noch da waren— die Inden dürften nichl dasselbe Recht genießen, wie die Christen, denn sie seien doch ein anderes Volk und bei uns blos geduldet.(Hört, hört! und große Bewegung.) Das ist keine Bildungsanstalt mehr. Das ist eine Zuchtschule für Antisemiten! Der Direktor der Anstalt, ei» sehr liebenswürdiger Herr, ertheilt in den Ober-Klassen Religionsuntemcht; da sprach er davon, daß eine Strömung vorhanden sei in der evangelischen Kirche, die das Symbolum leugne; diese Strömung müsse aus der Kirche ausgeschieden werben. Das ist das Chnstenthnm, welches diese Herren vertrete»! Ich danke für dieses Christenthum! Das ist nicht der Geist der christlichen Liebe, sondern der Geist des Hasses!(Lebhafte Zustimmung und Aufregung.) Stadtv. Heutig: Auf eine sachliche Widerlegung dieser mir ganz unvorbereitet kommenden Angriffe kann ich mich nicht ein- lassen, ich erhebe abcr Protest gegen einen derartigen Angriff aui Herren, welche ihre Schuldigkeit in vollem Maße thun.(Gc- lächter.) Stadtschulrath Fürstenau: Ich habe auf das Angeführte meinen Worten nur noch hinzuzusetzen, daß man über solchc Vorkommiiisse bei der Aussichlsbehörde Beschwerde sühren mögt oder den Magistrat dazu autorisire. Im übrigen wiederhole ich den Ausdruck meincs Bedauerns, daß hier in dieser Weise vor- gegangen worden ist. Unsere Berliner Schulen haben im ganzen Weiche einen guten Namen und stehen hoch; ihr Ruf kann ans diese Weise nicht gewinne». Vorsteher Langerhans: Wenn hier etwas vorkonunt, was nicht vollständig hierhergehört, so ist es meine Sacke, darüber zu befinden.(Allseiliger, lebhafter Beifall.) Ter Meinung trete ich bestimmt entgegen, wenn Sie(zum Stadt- schulralh) sagen, wir sollen uns unmittelbar an das Provinzial- Schnlkollegium wenden. Wenn wir hier ganz bestimmte Klagen haben, können wir sie auch aussprechen.(Nochmalige lebhaste Zustimmung der ganzen Versammlung.) Stadtschulrath Fürstenau bestreitet letzteres nicht, nimmt abcr auch sür den Magistrat dasselbe Recht der freien Meinungs- äußernng in Anspruch. Sladtv. Friedemann hofft, der Magistrat werde Vera»- lassung nehmen, den Behauptungen nachzugehen und, wenn es sich Heransstelle, daß die Schule in dieser unqualisizirbare» Weise gemißbrancht sei, um den Antisemitismus in die Herzen der Kinder einzupflanzen, energische Schritte dagegen zu thun. Stadtv. Riemer bemerkt, daß es mit dem Anrufen der Aufsichtsbehörde eine eigene Bcivanbtniß habe. Ans seine Be- schwerde über den Stadtv. Heutig beim Proviuzial-Schulkollcgiuni aus Anlaß eines Renkonlres mit demselben in der Schul- deputntion sei er zunächst 6 Monate ohne Antwort gelassen und dann abgewiesen worden. Sladtv. Gerstenberg giebt noch den guten Rath, daß es doch das richtigste wäre, zunächst mit dem Direktor zu sprechet,. (Heiterkeit.) Damit schließt dieser Zivischensall, und das Kapitel wird bewilligt, ebenso die Kapitel„höhere Mädchenschule»",„Turn- hallen. Spielplätze und verschiedene sonstige Veranstaltungen sür das höhere Schulwesen." Neber die SpezialetatS sür das niedere Schul lv S s e n, sowie über vie Kapitel„Besoldungen" und„Geschäftsbedürfuisse und Prozeßkosteu" reicrirt Stadtv. Singer. Tie Etats der Geineiudeschulen, der Taubsturnmenschule und der Blindenanstalt werdet» mit geringfügigen Aendernngeu genehmigt. Beim Kapitel der Vesoldinigcn der Maginratsiniiglieder wird auf einstiinmigen Antrag des AusschnsseS das Gehalt des Bürgermeisters K i r s ch n e r von 15 000 ans 18 000 M. e r h ö h t. Im Personnlbesoldnngs-Elat, der gegenwärtig voliständig nach dein System der Dieiistallersstufeii ausgestellt ist, bat der Magistrat enie Beschleunigung des'Anfrückens der früheren Sekretäre I. Klasse und der geprüflen Sekretäre vorgeschlagen, welche indeß von der Bersammlniig auf Vorscvlag des Ausschusses abgelehnt»vird. lieber die Petition der Magistrals-Bureau- asststenten um Aufbesserung ihrer Gehälter lvird zur Tagcs- ordnilng übergegangen, dagegen bat der Ausschuß die seit dreizehn Jahren nicht gestiegene Besoldung von 4200 M. des Erziehnngsiuspeklors Piper bei der Jdiotennnslalt in Dalldorf als unzulänglich angesehen und schlägt vor, den Magistrat um eine Vorlage behufs'Ausbesserung dieser Besoldung zu ersuchen. Es wird demgemäß beschlossen. auch der Magistrat ferner ersucht, Erwägungen darüber anzustellen, inwieweit die S ch r e i b g e b ü h r e n herabgemindert werde» können. Im übrige» werden die Etatsansätze durchweg»ach den Ausschuß- Vorschlägen genehmigt. Ter Ankauf des Grundstücks Friedrichstr. 104» zur Der- breiterung des Weidendammes und oer Zufahrt zur neuen Wcidendammer Brücke ivird beschlossen. Die Vorlage betr. die Anlage von Brausebädern in drei Gemeindeschulen wird verschoben biL nach erfolgter Besichtigung: der Brausebad-Anlagen in der Schule in der Lützowstraße, zu welcher Besichtigung der Magistrat die Versammlung ans Montag, den 25. März, vormittags 11—1 Uhr, einladet. Auf der Tagesordnung der geheimen Sitzung stehen u. a. die Vorlage betr. die Entbindung des Eigenthsimers Ouandt von dem Amt als Armenkommisstonsmitglied und die Vorlage betr. eine an den FürstenBismarck zu richtende Glück« wünsch-Adresse. Stadtv. S i n g e r beantragt, über diese beiden Gegenstände in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung muß über diesen Antrag in geheimer Sitzung verhandelt werden. Schluß der öffentlichen Sitzung 3/47 Uhr. Wie wir noch erfahren, ist der Antrag Singer ab- gelehnt worden. Uolrnles. Die Berliner Stadtverordnetcu-Versammluiig hat in ihrer geheimen Sitzung die Betheiligung an einer Glück ivunschadresse an Bismarck ab- gelehnt. Ter von sozialdemokratischer Seite gestellte Antrag, die Sache in öffenilicher Sitzung zn verhandeln, erweckte in der Mannesbrust des zartfühlenden(Bier-) Meyer schwere Sorgen; er gab zu bedenken, welche den Jubilar verletzenden Bemerkungen in öffentlicher Sitzung gelhan werden könnten, und das schlug durch, der Antrag wurde abgelehnt. In der Diskussion wies Singer namens unserer Partei- genossen die Zumuthung weit von sich, den Mann der Bröl- verlheuerung und des kleinen Belagerungszustandes zu beweih- räuchern. Eine solche That käme einer Selbstprostituirung gleich. Er wisse nicht, wer der Verfasser der vorliegenden Adresse sei, aber müsse es aufs tiejste bedauern, daß überhaupt ein Mitglied des Magistrats ein derartiges Machwerk ver- saßt habe. Dem von unserer Seite gestellten Ersuchen, das Monstrum zu verlese», wurde keine Folge gegeben, da man den schlechten Eindruck fürchtete; Herr Zelle beeilte sich, enlschnldi- gend zu erklären, daß der Entwurf ja nur ein vorläufiger wäre. Stach langer Debatte wurde trotz der Warnung des Herrn Ober-Bürgermeistcrs, daß im Falle der Ablehnung seitens der Versammlung es dnrckaus nichl sicher sei, ob der Magistrat seinerseits auf der Absendnng beharre, die Adresse abgelehnt. Immerhin fanden sich 42 auchliberale Mannesseelen, welche mit- ihn» wollten. Ob der Magistrat nunmehr seine schreckliche Drohung wahr machen und die ganze Adresse ins Wasser falle» lassen wird? Der AuSschnst der Stadtoerordneten-Versammlung zur Vor- beraihung der Frage über die Frequenz in den hiesigen Gemeinde- schulen und die sich aus derselben sür den Bau neuer Schulen er- gebende» Resultale hat unter Vorsitz des Stadtverordneten Dr. Schwalbe am Dienstag beschloffen, der Versammlung zu ein- pfehlen, den Magistrat zu ersuchen, er möge in Erwägung neh- inen, ob eine oder mehrere Gemeindeschulen im Innern der Stadt nach und nach eingezogen werden können, und der Versammlung eine diesbezügliche Vorlage zu machen. Der„Verein zur Befferuug der Strafgefaugeueu" bat seit Anfang des Jahres 1895 von 672 stellensuchenden Straf- entlassenen 414 untergebracht. davon allein 341 als Land- a r b e i t e r. Tic Nachsrage nach Landarbeitern steigt, wie wieder einmal gemeldet wird, sortgesetzt bei dem Verein. Be- sonders finden die Strafentlassenen immer mehr Anklang bei den iiolhleideuden Großgrundbesitzern Hinterpommerns, von denen wir schon vor einiger Zeit nüttheilen konnten, daß auch sie all- niälig den Werth der Thätigkcil des Vereins einzusehen und zn würdigen beginne», nachdem ihnen ihre grnndbesitzeiiden Leidensgeuosseu in Mecklenburg und Westprenßen vorangegangen sind. Jetzt werde» sogar schon weibliche Per- sonen für das Land vom Verein verlangt. So vollzieht sich ein Kreislaus der Arbeitekräfte, der manchen Leuten sehr er- wünscht sein mag. Erst werden die Landarbeiter durch schlechte Bezahlung und nichtswürdige Behandlung in die Großstadt ge- trieben, wo sie das schon längst mehr als übergroße Angebot von Arbeitskräften noch mehr steigern; und wenn sie dann", im Konkurrenzkämpfe unterlegen, gestrauchelt sind, dann schafft sie der Verein wieder zurück aus'» Land. Sie sind jetzt billiger und williger,— also ganz so, wie sie ein nothleidender Großgrund- besitz« braucht. Williger sind sie, weil sie nicht nur durch den Makel, den ihnen ihre Bestrafung in den Augen der meisten Arbeitgeber aufgeheftet hat, bei- nahe die Aussicht auf ein Forlkommen verloren haben, sondern auch durch die Roth, durch das Gefängniß und durch den Verein überhaupt„mürbe" gemacht worden sind. Billiger sind sie, weil sie auf dem Arbeitsmarkt eine Ausschußwaare darstellen, die ein vorsichtiger Käufer init nnßtranischern Blick betrachtet, weil sie anrüchig erscheint und unansehnlich geworden ist.'Aber ein kluger Landwirlh»veiß, daß die Arbeilskrast dieser Unglücklichen noch nicht so weit durch Roth und Gefängniß ge- schwächt ist, daß sie nicht noch, i» anbctracht des niedrigen Preises, eine ganz annehmbare Waare sein sollte. Die Strafentlassenen ver- drängen nun allerdings andere Landarbeiter; aber dann wandern eben neue Schaars», durch die Prositwuth des Großgrund- besitzcs um Arbeit und Brot gebracht, vom Lande in die Groß- stadt, lim später gleichfalls als Ausschußwaare, die keinen Ab- nehmer fand und schließlich Schaden gelitten hat, zn Ramsch- preisen zurückexpedirt zn»verde». Es handelt sich bei diesem Kreislaus um eine Wechselwirkung, die, wenn sie lange andauert, die Lage der Landarbeiter noch mehr heraddrncken muß, so daß der Verein schließlich nur den Landivirthen nützt, den Arbeitern aber schweren Schaden zufügt. Hineingedrängt in diesen Zug, oder richtiger: Schub, nach dem Lande»verde» auch solche Strafentlassenen, die gar nicht von hause aus Landarbeiter sind, sondern ein Handrverk gelernt haben oder srüher Kutscher, Hausdiener, Kausleute u. f.»v. waren. Der Verein bringt sie mit Absicht ans das Land, um,»vie er sagt, sie dem gefährlichen Pflaster der Großstadt zu entrücke». Er macht da- durch sein Arbcilsnachweise- Bnrcau vollends zu einer Land-, Erd- und Ziegeleiarbeiter-Preffe, unbekümmert darum,»vas die ihrem srüheren Beruf nun gänzlich entsreindeten Strafentlassenen dann ansangen sollen, wenn später auch sie einmal durch einen noch billigeren Nachschub verdrängt»Verden. Bei Hand- ivcrkern»verde» nur»venige Pfleglinge untergebracht, zun» Beispiel seit Beginn des Jahres 1895 nur 27, und zivar handelt es sich hier vielfach noch um Lehrlinge. Daß die Handlverker den Strafentlassenen noch»nißtrauischer gegenüberstehen als die Landivirthe, dürste der Verein kann, ernstlich beklagen. In» letztc» Jahresbericht(über 1893) bezeichnet er eö geradezu als„eine erfreuliche Erscheinung", daß es ihm ge- lungen ist, einen nichl nnbeträchlliche» Theil der ans Berlin stamiuenden Jngeildlichei» für die landivirthschastliche Thäligkeil zu gewinnen. Es liegt ihn, also ga»' nicht so viel an der Gönnerschaft des Handiverks, er hält es vielmehr, wie gesagt. für seine Hanplausgabe, dem„Arbeitermangel" aus dem Lande abzuhelfen. Ter Kroßen Berliner Pferdeeiseiibahn-Gesellschaft ist nunmehr seitens des Magistrats unter Ziistiiumniig der Orts- Straßenbahiipolizci die Genehmigung zur Anlage einer Pferde- bahn von der Thurnistraße nach Plötzensee nach Dlaßgabe deS rcvidirten EntivursS ertheilt»vorden. lieber ei>« Geschäft zur Beihilfe bei Duellmorden und dito Mordversuchen»veiß eine Lokalkorrespondenz die folgenden lieblichen Geschichten anszuplauder»: Zur Lieferuug von Duelle »vaffen besteht hier in der Karlstraße en» Geschäft, dessen äußere Ansicht allerdings leinen Schlnst auf die vielseitige innere Ein- i.ch tinig zuläßt. Das Schaufenster ist in bnutcm Durcheinander mit Studenten» und Beaintenmützen, Verbiudungsbändern und Bierzipfeln, wappengeschmückten Bierseideln und vielen andern harmlosen Verkaufsgegenstäuden behängt und belegt. Beim Bc- treten des Innern sieht man vorherrschend Mensur- und Komment- schläger, Cerevise und andere Gegenstände, die für den studentischen Bedarf berechnet sind. Daneben fallen vier polierte Kästchen auf, deren Inhalt schon oft seinen Herrn gewechselt hat. Jeder dieser Kasten birgt in farbiger Sammetfütlerung zwei Pistolen, die. außerordentlich sauber gearbeitet und reich verziert sind. Daneben faßt den Behälter Kugelzieher, Pulverhorn und andere Stücke, die zum Laden bezw. Entladen der Waffen erforderlich sind. Unter einem Sanunet- decke! endlich werden in den Kasten runde Bleikugeln aufbewahrt. Dieser kleine Vorrath an Waffen wird zur Ausfechtung' von Duellen vorgehalten. Die Lieferung geschieht in der Weise, daß aus den Kreisen der in Frage kommenden Studenten von Offizieren die Schußwaffen„zum Scheibenschießen" angekauft werden.� Haben sie ihrem Zwecke genügt, so nimmt der Geschäftsmann die Werkzeuge zurück. Die Kosten für den „Ankauf" betragen von jeder der beiden Parteien zwanzig Mark. Die Zahl der zu liefernden Geschosse richtet sich nach dem Ernst der Sachlage, und der Kaufmann weiß ganz genau, ob der Zweikampf den Tod des einen Gegners verlangt. Ein Paar der vorhandenen gezogenen Pistolen hat schon seine Geschichte: mit ihm wurde der Zweikampf Dr. Römer— de la Croix ausgefochten, ebenso derjenige zwischen den Studenten Blum und Eichler, bei denen die beiden ersteren fielen. Mit denselben Waffe» sind außerdem in etwa dreißig Fällen Verwundungen erzengt worden. Die Pistolen sind auch nach Angabe des Geschäftsmannes in zwei Fällen von einem an hoher Stelle befindlich gewesenen Adjutanten «gekauft" worden. DaS Schulze-Delitzsch-Deukmal hat immer noch keine Ruhe. Der geschäftsführende Ausschuß des Komitee's zur Er- richlung eines Denkmals für Schulze-Delitzsch hat sich mit der Aufstellung des Denkmals auf dem vom Magistrat in Aussicht genommenen Platze am Ausgange der Köpnickerstraße zwischen Reue Jakobstraße und Jnselstraße einverstanden erklärt. Die Denkmalsangelegeuheit wäre so weit geregelt, wenn nicht die liebe Polizei in der Ehrung des todten Schulze, der bekanntlich kein General war, das größte Machtwort zu sprechen hätte. Mit Zagen blicken daher die Freisinnsmannen zu dem großen Hotel am Alexanderplatz empor. Der Wanuseebahu-Berkehr. Die auch von uns gebrachte Mittheilnng eines Berichterstatters, daß auf der Wannseebahn mit dem Sommer-Fahrplan der Zwanzizminuten-Verkehr ein- geführt werden soll, beruht nach der„Fr. Ztg." ans einem Irr- thum. Ebenso wie auch in den früheren Jahren, wird zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen, Mittag und Abend der Zehn- minuten-Verkehr bleiben und sogar noch etwas erweitert werden. Ter Unterschied gegen früher wird nur darin bestehen, daß die Haupt-Abfahrlszeiten von Berlin, d. h. die Abfahrten in den- jenigcn Tageszeiten, in denen die Züge nur alle 20 Minuten verkehren, um 10 Minuten verschoben werden. Während diese Abfahrtszeiten bisher auf die volle Stunde und 20 und 40 Min. nach voll fielen, fahren die Züge vom 1. April ab um 10, 30 und S0 Minuten nach voll. Von einigen weitereu Verbesserungen wird ebenfalls berichtet. Eine Geschichte, wie Neinickeudorf feinen Schnee loS wurde, erzählte am Mittwoch Abend ein Hauswirth im Grund- besttzerverein Gesundbrunnen. Die Unternehmer für Schnee- Absuhr aus den Straßen Berlins erhalten bekanntlich für jede Fuhre Schnee 2,40—2,80 M. und habe» dafür die Vcrpflichtuiig, die zusammengeworfenen Schneemaffen auf- und abzuladen. soll nun in hänsigen Fällen beobachtet worden sein, daß die an dem nördliche» Weichbilde der Stadt ar- bettenden Kutscher ihre Schneeladnngen, sobald auf Berliner Ge- biet nur noch wenig Schnee vorhanden war, nach llleinickendorf hinüberfuhren, dort den Wagen mit dem massenhaft vorhandene» Schneeschmntz belnden und dann wieder nach Berlin zurückfuhren, um die Ladung zu kompletiren. Hierauf präscntirtcn sich die Leute den mit der Inspektion über die Schnee-Abfuhr betrauten städtischen Beamten und erhielten anstandslos die Ausweismarke. Der Schaden, den die Stadt Berlin durch solche unsaubere Manipulationen dieser Abfuhrunternehmer erleidet, ist nach den Versicherungen des oben erwähnten Referenten ein nicht un- beträchtlicher, während die Gemeinde Reinickendorf dadurch den Schnee gratis und franko los wurde. Es soll gegen diesen Schneeschwindel eingeschritten werden. Hoffentlich geht man der Sache auf den Grund und untersucht, welche Unternehmer ihre Kutscher zu derartigen Betrügereien gezwungen haben. Müll- Abladesteilen innerhalb des Weichbildes der Stadt und in bebauter Gegend werden immer noch von der Polizei konzessionirt. So ist neuerdings auf dem Felde hinter der Griinthalerstraße ein solcher Abladeplatz errichtet ivorden, welcher in sanitärer Beziehung für. die Griinthalerstraße und die an grenzenden Straßeuzüge von größter Gefahr ist. Ter Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: Alljährlich müssen Personen. welche das zulässige Alter(jetzt 30 Jahre) überschritten haben, diesseits mit ihren Anträgen, die Hebammenkunst zu erlerneu. abgewiesen werden. Vielfach versuchen dann die abschlägig Beschiedcnen, ihre Ausbildung auf einer außerpreußischen Hebammen- Lehranstalt zu gewinnen, i» der Hoffnung, nachträglich die Genehmigung zu erlangen, vor einer preußischen Prüfungskommission sich prüfen zu lasse». Da eine derartige Genehmigung jetzt nicht mehr ertheilt wird, bringe ich dies behufs Warnung der Betheiligten hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Ei» Stück Nohheit trat gestern gelegentlich der VerHand- lung des Lengling'sche»„Aiordprozesses" recht deutlich hervor. Vor Beginn der Verhandlung traten alle nmßgebenden Faktoren in Erwägungen, auf welche �Weise es zu ermöglichen sei, die Vernehmung des Knaben Max Lengling zu umgehen, ohne gegen die strafprozeßualischen Bestimmungen zu verstoße». Die Richter h tten schwere Besorgniß, daß das Wiedersehen zwischen Mutter und Kind eine erregte Szene herbeiführen könnte, welche bei dem krankhasten Zustande der Angeklagten von unberechenbaren Folgen sein konnte. Die Aerzte Hieiren diese Befürchtung für durchaus begründet, und so kam man überein, von allen Seite» auf die Vernehmung des Knaben zu verzichte». Das ging aber einer Anzahl Frauen wider den Strich, die gerade zn dem Zweck nach Moabit gekommen waren, um an der zu erwartenden auf- regenden Szene des Wiedersehens zwischen Mutter und Kind ihre Augenweibe zu haben. Zunächst kam nur ein kleiner Theil dieser Frauen in den Saal, die meisten konnten eine Eintrittskarle nicht mehr erhalten, und mußten draußen bleiben. Nachdem sie lange vergeblich aus den Aufruf des Knaben gewartet hatten, stürmten sie wie wild auf den dieustthuenden Nuntius und namentlich die eine schrie:„Wird denn das Kind nicht bald seine Mutler zu sehen kriegen?" Die Fragestellerin wäre zur Wache sistirt worden, wenn sie, die Situation schnell erfassend, nicht das Weite gesucht hätte. Es mußten aber noch verschiedene der aufgeregten Frauen aus dem Vestibüle entfernt werden, bevor Ruhe eintrat. Es ist bekannt, daß diese Art Scnsationsrohheit meistens in den Kreisen der sog. Gebildeten zu suchen ist. Proletarierfrauen fehlt schon die Zeit, sich an solchen traurigen Schauspiele» zu ergötzen. Eine seltsame Belehrung ist einem hiesigen Agenten E. aus der Großbeerenstraße zu theil geworden, der in einem Prozeß als Zeuge nach Brandenburg a. d. H. geladen war. Als er Nach Beendigung der Verhandlung seine Gebühren an der dortigen Gerichlskasse in Empfang nehmen wollte, wurden ihm die Reisekosten für die Fahrkarte zweiter Eifenbahnklasse mit ö.K0 M. und außerdem an Auswandsgeldern fünf Mark erstattet. Tagegen hat der Kassenbeamte die Zahlung von Bersäumniß- losten in der geschäftlichen Thäligkeit mit dem Hinweis abgelehnt, daß solche nur densenigen Zeugen ersetzt würden, die sich zu der Fahrt nicht der zweiten, sondern der dritten Wagenklasse be- dienten. Sollte bezüglich dieses Bescheides nicht ein Mißverständniß obwalten? Zeuge» werden gesucht. Einer armen Näherin ist an» Freitag, den 8. d. M., nachmittags 3 Uhr, in der Königsberger- ftrnße durch einen Schlächterwagen ihr öjähriges Töchterchen überfahren. Der Führer des Wagens hat sich um das Kind nicht geküinmert, sondern ist iveitergefahren. Ein Herr, ivelcher dem Wagen nachlief und die Firma feststellte, sowie alle Zeugen, ivelche den Führer des Wagens»vieder zn erkennen glaube»», »verden gebeten sich zn melden bei Heben streit, Madaistr. 0, Hof links 1 Tr. Eheglück bei einem Interessenten der heutigen Ordnung, Religion und Sitte. Bon einem entführten Ehemann, dem Mit- inhaber einer in, Zentrum der Stadt etablirten Doppelfirma der Texlilbranche,»reiß eine Lokalkorrcspondenz zu berichlen. Ter Mai»», der.»vie die betreffende Korrespondenz meint,„in glück- lichster Ehe lebte" und sich in guten finanziellen Verhältnissen befand, wird seit acht Tagen vermißt. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß eine srühcre Geliebte ihn aufgesucht und veranlaßt habe, mit ihm nach Anierika durchzugehen. Ter Banuntcruehmer A. Hildcbrandt in Weipensee, der vor hirzein zu einen» Jahre Gefängniß vernrtheilt ivorden ist, jedoch auf freiem Fuß belassen»vnrde, ist, natürlich»mter Mit- nähme seines Vermögens, nach Anierika entflohen. Polizcibcricht. Am 13. d. M. erschossen sich zivei Männer in ihren Wohnungen.— VormiUags wurde in der Bellealliance- straße eine 80 Jahre alte Frau durch einen Mann umgestoße», wodurch sie anscheinend innere Verletzungen erlitt.— In der Neuen Friedrichstraße gerieth ein Knabe unter die Räder einer Droschke und trug mehrere Quetschungen davon.— Nachmittags »vurde beim Spielen auf dem Fahrdamn» der Ackerstraße er» Mädchen durch einen Geschäftsivagen überfahren und so schiver verletzt, daß es bald darauf starb.— Vormittags fand im Hause Neue Grüustr. 11 ein kleiner Brand statt. WitteriiiigSübersicht vom 14. März 1895. Wetter-Prognose für Freitag, 15. März 1895. Aufklärendes, ain Tage»vüruieres Wetter mit schwachen, südivestlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterb nreau. z«. VevlÄ»»nttlungen. Von Herr» A. Suckow geht uns eine längere Berichtigung aus der wir nachstehendes veröffentlichen: In Ihrer Nr. 43 des„Vorwärts" befindet sich ein Artikel mit der Aufschrift„Herrenrecht". Da sich dieser Artikel auf mich bezieht, erlaube ich mir einiges darauf zu erividern. ES hat in dem darin angeführten Prozeß gar keine Vernrtheiliiiig, sondern ein Vergleich stattgefunden. Ferner haben die beiden Zeugen nicht fachmännisch richtig ausgesagt, so daß es für de» Richter als Nichlfnchmann schwer war, durch meine gegentheilige fach. männische Aussage richtig zu urtheile». Aus diesem Grunde machte ich den beiden Zeugen nachher Vor.vl'itfe und es erfolgte aus diesem und manch anderem Grunde die Entlassung resp. Kündigung. Ferner soll beschlossen worden sei»», dem Fabrikanten aufzugeben, seinen Arbeitern eine menschenwürdige Behandlung angcdeihen zu lassen. Es sollte mir wirklich leid thu», wenn dies nicht immer geschehe» wäre und wenn ich irgend jemand einmal Unrecht gethnn haben sollte. Jeder airständige achtbare Mensch, der seine Arbeit bei mir gethan hat, wird nicht sagen können, daß ich ihn» auch nur»,il einem Wort zu nahe getreten bin. Nu» heißt es i» der Sonntagsnummer ö3»vieder: Der Streik der Vergolder bei Suckoiv ist beendet und ist zu gniisten der Arbeiter ausgefallen. Meine Arbeiter habe»» die Arbeit»vieder ausgeiioinmei». ohne daß ich ihnen irgend»vclche Vergünstigungen zugestände»» habe,»ur habe ich die Kündigung des schon zehn Jahre bei mir beschafligtei» Gehilfen zurückgenouimei»,»vas ich, nebenbei bemerkt, per» thnt, da ick» annehuieii mußte, daß seinen» Thun und Reden keine böse Absicht zu gründe lag,»vas sich nachher bei der stattgesuudeiien Aussage aller Gehilsen auch »virklich herausstellte. Tic behufs Wahl der Telcgirten zur ziveiten ordcnt- liche» Generalversammlung des deutschen Metallarbeiter-Ver- baudes anberaumte Versammlniig der Filiale„Moabit" tagte am 28. Februar er. in der Kronenbrauerei Alt-Moabit. Nach Be- kauntgabe der stalutarischen Testilnmnngen bezüglich der Tele- girtenwahl wurde diese zuerst erledigt. Unter Verba»ds-An- gelegenheiten slinunte die Versammlnng dem Antrage zu:„Zivccks Vereinfackniiig der Zeitungskolportage und der Beilragsabhebung 0 Hauxt-Vertrauenslente zu wählen." Als solche wurden die Kollegen Neuinann, Kranz, Jürgcis, Manske, Jakob und Willschold bestimmt. Zu der am 3. Psingstseiertage vormittags stattsnidcndc» Sondervorstellung in der Urania köinicn die Billers von der Verwaltung entnomme»»»verden und werde» die Kollegen ersucht, für de»» Vertrieb rege lhätig zu sein. Tie Freie Verciniguug der Maler»md Lackircr (Filiale IV) hatte am S. März eine Versammlung einbe»»fen, in der Fräulein Baader einen»»»teressanten Vortrag hielt. In der Diskussion»vnrde von niehrercn Rednern das Kolonueusystem abfällig beurlheilt. Diese Einrichtung soll auch in der Kühl steui'schen Werkstatt herrschen und die Arbeiter sehr darunter leiden. Nachdem hierauf der Vorsitzende über die Thätigkeit der Vereinigung im letzten Jahre einen Ueberblick gegeben hatte, er> folgte die Wahl des Vorstandes. Es»vurden geivählt: Warnke. Vorsitzender; Linde, Kassirer; Hinze, Hilsskassirer; Höfs, Schrift- fiihrer; Schedlinsli und Oehns, Bibliothekare; Gleich und Mecha», Beisitzer; Kunstmann»nd Roland, Revisoren. In die Beschivcrde- kommission des Arbeitsnachiveises wird das Mitglied Gebauer delegirt. Der Berbnnd deutscher Maurer(Zahlstelle 1.) tagte am 3. März. Ter Vorsitzende machte der Versammlung zunächst Mittheilnng von dem Ableben des Mitgliedes Chr. K a s ch, dessen Andeuie» die Versammllnig in der üblichen Weise ehrt. Hierauf giebt der Kollege Kröbel den Bericht über die allsgenoliimene Statistik. Redner bedauert, daß der Werth der Statistik so wenig in den Kreisen der Kollegen geschätzt»vird. Immerhin»veisen aber die Angaben darauf hin, daß das Einkommen im letzten Jahre bedeutend geslinken ist. Die Versammlnng beschäftigte sich sodann mit den Abänderungs- antragen zum Statut und empfiehlt den Delegirten, die Anträge zn unterstütze», die es ermöglichen, daß der Verband in der bis- herigen Weise weiter arbeitet. Die Anregung, das Lokal „Köuigsiadt" wieder zur„Frühsprache" zu nehmen. wurde ab« gelehnt. Eine von de» lokal> organisirten Bügler« einberufene Versammlung für Bügler und Mäntelnähe- rinnen, die am 4. März bei Gründe! staltfand,»var nur spärlich besucht. Das Referat war dem Genossen Rohrlack übertragen. welcher an der Hand reichen Zahlenmaterials die Nothivendigkeit bewies, daß die Geiverbe-Aufsicht auf das Klein- geiverbe und auf die Hausindustrie ausgedehnt»verde»» muß. Weiter betoute er eine entsprechende Erhöhung der Zahl der Fabrjlinspektoren und die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren. Beyer hob hervor, daß die Lage der Bügler und Mäntel- Näherinnen eine elende ist, und die erbärmlichen Löhne, die ihnen gezahlt, auch zum theil nicht gezahlt werden, davon abhängig sind, wie sehr der Zwischenmeister sich dieselben vom Groß- Konfektionär herunterdrücken läßt. Er sei der Meinung, daß die Forderungen: zehnstündige Arbeitszeit, Aushängnng von gegeiiwärtigei» Lohntarifen in den Werkstätten und Auszahlung der Löhne jeden Sonnabend— schon Ende August den Zivischenmeistern gestellt»verde», können, um zu erfahren, wie diese sich dazu verhalten. Wann ei» Vorgehen möglich ist, sei noch nicht vorauszusehen, jedenfaUs wäre es ziveckmäßiger, mit Beginn einer Saison im Herbste. Eine weitere Forderung ist Auerkeuumig der Arbeitsnachweis« der Biigler..... Eine zweite Versammlung, die am Dienstag i» SauSsouci tagte, zeigte ein nicht erheblich besseres Bild. Hier reserirte Genosse Wagner über Arbeitsverhältnisse und Organisationen. Die Diskussion eröffnete Beyer und wurde zunächst eine süns- gliedrige Agitationskommission der Biigler und Mäntelnäherinneu, bestehend aus Frl. Becker, Frau P i t s ch»i a n n, Frau G n b e l a, Herrn K e h r i ck» und Herrn T ö l l e. gewählt. Die weitere Diskussion bewegte sich in Mittheilungen über Mißstände in den verschiedenen Arbeitsstätten. Zum Schluß theilte Frau Gnbela mit, daß alle 14 Tage in jedem Bezirk Bersammlungen mit gemülhlichem Beisammensein stattsinden werden. Ter Streik in Wien und die infolgedesse» für die deutschen Arbeiter geschaffene Situation erörterte eine öffentliche Licht- d r u ck e r- V e r s a m m l u n g an» 13. März. Seit dem 4. März, berichtet der Referent Schöpke, befindet sich das Personal der Firma L ö w y im Ausstand und man befürchtet, daß zn diesen IS Personen noch weitere kommen werden. Auch die Lichtdrucker anderer Firmen werden schließlich in den Streik gedrängt werden. Der Fabrikant giebt sich Mühe, deutsche Kollegen als Streik- brecher anzuwerben, es sind schon wiederholt Versuche in dieser Richtung in Dresden, Berlin:c. gemacht. Sillier und Storch befürivorten, daß man die Arbeiten von Löivy unter keinen Umständen anfertigen solle, da es nicht ausgeschlossen ist, daß die Wiener Firma, um ihren Kundenkreis zii erhalten, dringende Arbeiten nach Deutschland vergeben wird. In einer Resolution erklärte sich die Versammlung mit den Streikenden solidarisch, lehnt es jedoch eiitschieden ab. Arbeite» aus Geschäften, Ivo gestreikt»vird, anzufertigen, und verpflichtet sich zur materielle» Uiiterstützuiig. Von mehreren Rednern»vurde es scharf gerügt, daß bei dieier»vichtigen Frage nicht die Arbeiter aller Firmen in der Versammlung vertreten waren. Friedrichsberg. Genosse Mehner sprach hier am Sonn- tag. den 3. März,»»» einer Versammlung des Verbandes der in Holzbearbeitniigsniaschinen und ans Holzplätzen Beschäftigten über die ivirthschastljchc Lage. Eine neue höchst sonderbare Hand- habe des Vereinsgesetzes gab der Versammlung einen ganz»ni- freiivilligen Abschluß. Der Beainte verlangte gegen 2 Uhr, daß der Vorsitzende die Versam»>»lu»g schließe;»»atiirlich,»veigerle sich dieser, dem Verlangen liachzukomine», mit dem Bemerke»: ihn» sei kein Paragraph des Vereinsgesetzes bekannt, der diese Maß- nahine rechtfertige. Mit den Worten:„Wegen herangenahter Goltesstunde", löste der Beamte hierauf die Versammlung ans. Hoffentlich wird durch eiue Beschwerde die Wiederholung dieses dieses etwas sonderbare» Vorgehens für die Zutunft vermieden. DcrArbciter-Bildniigsvcrcin für Ttealip, Friedenau und Umgegend hielt am Dienstag, den 5. März, seiiie General- versammlimg im Gambrinussaal zu Steglitz ab. Genosse Jahn sprach in einem von den Anwesenden mit regem Beifall auf- genommenen Vortrage über„Die französische Arbeiterbeiveguug". Nachdem die übrigen Punkte der Tagesordnung ihre Erledigung gefunden und der Vorsitzende»och mitgetheilt hatte, daß das Stiftungsfest des Vereins in» Gambrinus in Steglitz au» Sonn- abend, de» 16. März, staltfindet, wurde die Versammlung um 1U/Z Uhr geschlossen. Charlotteubnrg. Der sozialdemokratische Wahlvereiii für Teltoiv- Beeskoiv- Eharlottenburg hielt am 6. März im Lokal „Bismarckhöhe" eine Versammlung ab, in welcher Genosse Fleinining über„die Arbeiterivohnungsfrage" reserirte. Die Ausführlmgon des Redner?»vurden allseitig beifällig eiitgegen- genommen. In der Diskussion»ahmen die Genoffen Diekc, Por» mann und Schar», berg im zustimme,»de»» Sinne das Wort. Nach einen, Schlnßivort des Referentei» kam der Kassenbericht vom 4. Quartal 1804 zur Verlesung. Sammt einen» bei Beginn des Vierteljahres vorhandenen Bestand von 302,40 M. betrug die Gesammteinnahme 396,2S M., die Ausgabe 270,55 M. Mithin verbleibt ein Lkaffcnbestaud von 125,70 M. Ferner verlas der Kassirer Genosse Schnell noch die Abrechnung vom letzten Stistuiigsfeste. Die Einnahme betrug 152,40 M., die Ausgabe 98.75 M. Demnach ist also ein Ueberschnß von 53,65 M. erzielt. Ein Antrag, baldmöglichst wieder die„Urania" zu besuchen, wurde angenommen. Ferner fand der Antrag des Genossen Schleuder, am Grade der Märzgefallene» einen 5kranz nieder- zulegen, ebenfalls einstimmige Annahme. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei: H. Wer» icke, Kruminestr. 19; Heinrich Krause, Rückert- nnd Bisinarckstraßen- Ecke; P. Wolter, Magozinstr. 15; Gimpel, Osnabrückerstr. 28; »md B r e d l o w. Augsburgerstr. 73. ZiltSemein« jiraulm»- und Ktiebikast« her Ztletaltaelieiter. (®. H. 29, Hamburg.) ftitlale Ntrdorf. Eonnabend, den IV. März, abend« 8 Übe, Ziethens»!. 03: Bevfanunlimg. Ncs»»»ve,«in der Ha»a»schUi«er Kerli»». Jeden Jreitag, abends sx Übe, bei Genosse I. Wernau, Nosentlialerstr. 57: UebungSjiunde. pirdaiid der Knreau- Anaestellten ventschlnnd». flrcUag, den 92. Marz, abends 8� Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichs»!. 44; MUglteder-ver- sainnilung. Fricdrichsliagen. Sonnabend, den>0. Mär», abends 8); Uhr, i»n groben Saale non Karl Kowar: Ocsfeniliche B-rsaminlung. Tagesordnung:„Der »8. März und da« Proletarial". Rikere»!: Genosse Theodor Mehner. Arbeiter-Kildungoverein Lriedeichadrrg. Jeden Frcilag»ach den» I. in» Monat Lcseabend im Lolale de» Herrn Heiniete in Friedrichsberg. Friedrich-Carlilrabe. Arbeit-r-Liidn»ig«sch»l». Freitag, Nbeuds von 7!>-8r Uhr: Lekiare. s!:—»oZj Uhr; Nord-Schule, Mlillerstrabe 170a und S ü d 0 sl- S ch u l e, Waldcinarsir.»4: Teuisch(Literalur.) Bei alle» UnterrichlSfächern»verden neue Thcilnehiner, Tame» und Herren, jeder Zell aufgenommen. Arbeiter- Snnyrrbiino Kerlin«'»>»d Zinigrg«»». Borflhendcr Ad. Neuinann. Paiemailerslrabc 3.— Alle Neuderllngen i,n Vereins- lalender sind zu richlcn an Fried. Korlum, Manteuflelstr. 4», v. 2Zr. Lreitag. U ediingSsumde Adend« 9—11 Ahr. Aufnahme von Mirgliederu.>5 0 i l s g i a, Admiraislr. 38 bei Tuhauer.— K a> s e r'scher Männer chor, Sebönhanser Allee 28, bei Kelle.— Ardeiter-Gesaugverein Nord, Kastanien- Allee 11, bei Augustin.— Kuminer'scher Gesangverein, Langestrabe 05 bei Tempel.— Albe,»er- Gesangverein Spandau tu Spandau, Neunmeisterstr. b, bei Radlke. — Buchbinder- Man»er chor, Holzniartlstr.», bei Deler.— V e r e t»i 1» Sangesbrüder Moabit, Perlebergerstr. 28 bei F. Herrmerschmidt.— Mesangver. M a ig lvclchen I.Lindoiverstr. 26 b. Sachs.— Gemüt h lt ch t et», Neue Friedrich strahe Nr. 44. bei Röllig. Deutsche Liedertafel, Bluinenfiratze 38, bei Wiedemann.— Tnpographta. Gesangv-reiu Berliner Buchdrucker und Schrislgteber, Ariniuhalle», Koinmandanle»- strabe 20.— Gesangoerein Lorbeerzweig. Swtneinünderstrabe 35 bei Hübner.— Gesangverein R h e t n g 0 l d, Büschtngstr. 7, bei Jakob.— Gesangverein Me l 0 d t a, Rixdorf, Bergsir.»42 bei Echimläse.— Iris- Nannrinswabe 80 bei Frist Zubetl.— Brandenburger Männere Gesa ngverei» in Biandeuburg a. H., MengerlS BoitSgarlen, Bergstraste. — Gesangverein Freya II(gein. Chor), Rixdorf, Hermannstr.»40, bci Tantel Böttcher.— Apollo, Grünstr. 2» bei Sommer.— F reis Lieb c itafei, Gr. Fronlfurteistr. 74 bei Breuer.— Nord>v acht. Müllerstr. 7. bei Reichert.— FreteSänger, Schinargendoi'f, Warnemünderftr. b. Friedrich.— Arbeiter- Gesango. Sängerlrei«(Wetbenfee). Röltestr.»38 bei Platz.— L 0 r e I e n. «rünihalelstr. 4 bei Häuimerliug.— Lustige Sänger, Potsdam, Brandenburger Kominunilalivn 10 bei Glaser.— Bieber Äscher Männer- ch or. RostNthalerflr. e? bti SSnrau.— ffl c fein fit e U, Hennigsdorf. Bvhmert's Ballhaus.— Or an 1 e, Weißenfce.Königschauslee 41 beiFrenfe.— I o h a n n l, Rüdersdorferstr.«S, Gelellschaflshaus Ostend.— Sängerverein Sorgenfrei, Admiralstr. iso, Mariischer Hof.— Sangessreund, Dragonerstr. Nr. 32 bei Kamlowöll).— Befangverein Wacht auf l, WörtherN raste Nr. ig bei Schmidt.— Gesang- und Orchestersterverein Stralauer Liedertafel, Rummelsburg, Haupt- straste 33 bei Vo winlel(Gesang).— Gesangverein Treu und Einigtet», Rixdorf, Prinz Handjerpstraste Nr. 33 bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, Ruinmelsburg, Göthestraste, Ecle Kanlsiraste, bei Mertens.— Gesangverein derMelaliarbeiter(Osl), Blumenftr.«o. — Morgenrolh 2, Charlottenburg, Bismarclstr. 7» bei Krause.— Ein- trachtZ, Ebersivalde, Eisendahnstr. 77 bei Tibal.— Rosenthaler B o r st a d t, Bs rnauerstr.«7.— Htlari tas, Hochstrasts 3Za bei Wille.— Fro h-Hoff» ung(Berlin W.), Grunewaldsir. 110 bei Ketzner. Ku»t> der gelellivr» Arbeitervereine Kerii»» und zimgegend. Alle Zuschriften sind zu senden an P.Gent, Adalbertstr. 93. Freitag! Slatllub K a t r o, Abends s Uhr bei Flicl, Eimeonstr. 23. tSrlang-, S»r»- und gesellige herein». Freitag. Quartetiverein Wedding, Abends 3jf Uhr, bei Schäfer, Reue Hochstraste es.— Gesang- verein H i l a r i a, Freitag, Abends 3Z( Uhr, Sitzung Blumenftr. 46 bei Tomas chcrl.— Prival-Theaterverein Crescendo, Abends g Uhr, bei Schulz, Punbuser str. 33.— Bergniigungsverein Thusnelda, Freitag, Abends 8� Uh r, bei Zubeil, Lindenstraste 10».— Musikvercin Hoffnung(Ost) Freitags Abends vo» 9— Ii Uhr. Uebungsstunde Grobe Franlsur terstr.> 33 bei Gold.— Tambourverein F r e i- w e g, Freitag, Uebungsstunde bei W. Raddatz, Elsassersir. 11. Berliner T u r n g e n o s s e n s ch a s t. Die erste Männerabtheilung turnt Freitag und Dienstag Abend vo» SJ— loj Uhr in der Turnhalle des Lesflng-Gtzmnastums Pantstr. 9—10.— Turnverein Gesundbrunnen die I. Männer-Abtheilung turnt heute Abend von 3�— loll Uhr in der Turn- Halle deS Lessing-Gpinnastums, Panlstr. 9—10.— Kraft- und Artisten- tlub B e r 0 1 i n a jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bei Grüstner, Waldemarstr. 42.— Turnverein Germania(Mitglied des deutschen Ar- beiter-Turnerbundes) turnt Dienstags und Freitags Abends van sfs— lojj Uhr Ackerstr.«7.— Turnverein Fichte(Mitglied des Arbeiter-Turnerbundes Deutschlands.) Die zweite Männer-Abtheilung turnt jeden Dienstag und Freitag Abends von 3— 10 Uhr in der El aIitzerstr.�3/3».— Kraft-Turnverein Hoffnung übt jeden Freitag Abend von 0— 11 Uhr bei Schuhmacher, Pücklerstr.«9.— Zitherllub Waldrose, Abends» Uhr, Manieussel- straste 3«, Parterr e Refta urant.— Verein Grüne Tanne, Abends 9 Uhr, bei Kaiser, MarluSstr aste 3.— Vergnügungsverein I m Brand, Sitzung jeden Freitag Abend 9 Uhr bei Feind, Weinstr. 11. Statt tu b Sch nitt, Abends 9 Uhr, bei Trittelwitz, Fattensteinstr. 7. Tanzlehrer-Verein Solidarität, Arminhallen, Kommandantenstr. 20. itft- und Di» kntirüiub». Freitag. Karl Marx. Abends 3s( Uhr, bei Gruber, Martendorferftr. 3.— Westen, bei H. Werner, Bülowstr. 39. IfnzxU»>> Conversational Cliil« ShnkdNpcHrc. Meeting everv Friday at 9 p. m. at Leherns Restaurant, Königstr. 62. Lecturer Mr. J. Eloeh. Cuests are welcome. Club(Jncle Sam. S o'clocU p. m. Munzslr. 17. VVashington's birihilaj eelebration. Guests welcome. Dci.inNrhkes. DitS Eiö iu der Ostsee. Aus Kiel wird vom 13. d. M. gemeldet: Der Postdampier„Stephan" ist abends 7 Uhr von Korsör wieder hier eingetroffen; derselbe hat im Fehmarn-Sund viel Treibeis angetroffen. Die regesmäßige Tagesverbindung mit Korsör ist nunmehr wieder hergestellt. Ucber ein furchtbares Schiffsungliick, von dem die spanische Marine betroffen worden ist, wird ans Madrid vom Mittwoch gemeldet: Die spanische Fregatte„Königin Regentin", welche die marokkanische Gesandtschaft nach Tanger zurückgebracht hat und am letzten Sonntag von dort wieder nach Cadix abgegangen ist, hat ihren Bestimmungsort noch nicht erreicht. Man be- fürchtet, daß das Schiff bei dein seit einigen Tagen herrschenden Stilrm untergegangen sei „Reuter's Bureau" meldet aus Gibraltar, von dem spanischen Kriegsschiff„Königin Regentin" wurden Bootstheile und Signal- flaggen bei Ceuta und Tarifa an die Küste gespült. Der vermißte Kreuzer hatte einschließlich der Offiziere 420 Mann an Bord. Den letzten Nachrichten zufolge soll ein französischer Dampfer das spanische Kriegsschiff„Königin Regentin" gesehen haben; dasselbe sei bei Aceitunas bajas gescheitert. Der französische Dampfer habe der„Königin Regentin" wegen der schlechten See keine Hilfe bringen können. Lynchjustiz. Ueber die Verbrechen in Walsenburgh(Colorado), über die wir gestern eine Depesche brachten, liegt eine weitere Nachricht ans San Francisco vor, wonach die Menge zwei von den des Mordes angeklagten Italienern getödtet hat. Das Opfer des Mordes war nicht der Dcputy-Sheriff, sondern ein einfacher Gastwirth namens Hixson. Die Spur der Mörder wurde durch Bluthunde verfolgt. Nach späteren Berichten an? Walsenburgh befanden sich fünf Italiener in einem Wagen, der von sechs maskirten Leuten zu Pferde angegriffen wurde. Der Kutscher wurde nur durch einen unglücklichen Zufall getödtet. Ein Italiener wurde an der Brust verwundet. Dieser, sowie Danino, der Hanptbetheiligte bei dem Morde des Gastwirths Hixson wurden in das Gesängniß zu Walsenburg gebracht; das Geschick der drei übrigen Italiener ist unbekannt. Am folgenden Morgen erschoß die Menge den Danino und den verwundeten Gefangenen. Tie Bundesbehörden trafen Maßregeln gegen weitere Slusschreitungen. Ferner wird in der Angelegenheit noch folgendes aus Rom telegraphirt: Auf die ersten Nachrichten von den Vorfällen in Walsenburg richtete der italienische Botschafter gestern eine Note an die Bundesregierung und telegraphirte an das italienische Konsulat in Denver. Die Bundesregierung antwortete, daß ihr die Thatsachen noch unbekannt seien, und der Konsul bestätigte telegraphiscd, daß infolge der Ermordung eines Schankwirthes sechs Italiener getödtet worden seien. Da nicht bekannt ist, ob diese das amerikanische Bürgerrecht besaßen, beauftragte der Bot- schafter den Konsul mit der nölhigen Feststellung. Inzwischen telegraphirte der Gouverneur von Colorado an den Botschafter, daß er Truppen zum Schutze der Italiener abgesandt habe. Die amerikanischen Behörden zeigen vollkommene Bereitwilligkeit, im Verein mit dem Botschafter für die genaue Feststellung des That- bestandes und die Anwendung der erforderlichen Maßnahmen Sorge zu tragen. Literarisches. Pusebach im neuen Reichstag. Satirisch-politifche Poffe mit einein Reichstags-Schunkelwalzer in 1 Akt. Belletristischer Theater-Verlag. Wilmersdorf-Berlin.— Ein armseliges und dumnies Machwerk. Das einzig Hervorragende ist die Dreistig- keil, mit der solchem Zeug die Bezeichnung satirisch-politisch auf- gepappt wird. Der Verfasser nennt sich Max Reichardt. es. Der„Süddeutsche Postillon" bietet in seiner soeben er- schienenen Nr. 6 eine durchweg lobenswerthe Leistung,� was uns nm so angenehmer berührt, als es zeigt, daß Geschmacks- verirrungen, wie wir sie bei Nr. 5 rügen mußten, nicht zum stän- digen Redaktionsinventar gehören. Neben treffender Satire, die das Dumme und Hohle der modernsten Gesellschafisretterei ver- spottet, findet das ernste, herzerhebende Wort seine Statt, so z. B. in dem Gedichte Ernst Klaar's:„Der Todte an den Lebenden", in dem Robert Blum's Geist zu seinem Sohne Hans spricht. Die Märznummer des„Postillon" kann somit als wohl- gelungen den Genossen empiohlen werden. Der Loilaidemokrat, Zenlral-Wochenblait der sozialdemolrliltschen Partei Teutschlands(Erpeditton in Berlin SW., Beuthstrabe 2). Zu beziehen durch alle Zettungsspedtteure. Tas Abonnement beträgt durch die Post oder in Berlin durch die Zeitungsfpediteure pro Quartal 1,20 M. Kreuz- band 1,30 M._ Tie Nr. 11 vom 14. März hat folgenden Inhalt: Märzgeganten.— Wochenschau.— Tie amerilanische Vollsparlei und die Sozialisten.— Das Programm des batzerischen Bauernbnndes.— Wie steht's um die deutsche Bcdientennatur?— Parteinachrichten.— Wie man uns behandelt.— Todtenliste.— Literarisches. Aus dem Reichstage.— Jslrautereien.— Zwei Grostbetriebe.— Die Wahlen zum Londoner Grafschaftsrath.— Gewerlschaftliches. Von der„tleuen Zeit"(Stuttgart. I. H. W. Dies' Verlag) ist soeben da? 24. Heft des 13. Jahrganges erschienen Aus dem Inhalt heben wir hervor: Zu viel und zu wenig.— Ter Umsturz des Strafrechts. Juristische Glossen zur Umsturzvorlage. Von.Aävocatus.— Ein Kapitel au« einer Philosophie für Arbeiter. Bon Leopold Jacoby— Marx und Engels, das Anarchisten- paar.— Literarische Rundschau.- Notizen: Die Testnition der proletari- schen Intelligenz. Von Heinz Starten bürg. Tie deutsche Handelspoltttl und Argentinien. Von German Ave Lallemant. Einige Lehren ans der letzten Vollszählung der Vereinigten Staaten. Von M. Beer.— Feuilleton: Der Grobiuqnisttor. Von F. M. Doftojewsli.(Schluß.) Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion deuiPubliknm gegenüber keinerlei Verantwortnng Theater. Freitag, den IS. März. vpernhan». Zar und Zimmermann. Schauspieihaus. Die Nibelungen. Kriemhilds Rache. Deutsche« Theater. Die Weber. z'esstng- Theater. Das Examen. Keriiner Theater. Die große Glocke. Kestden?-Theater. Fernand's Ehekontrakt. Nene» Theater. Liebe von heut. Vorher: Unsere Backfische. Kchiiter- Theater. Gracchus, der Volkstribun. Friedrich- Milhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Theater Unter den Linde«. Ma- rocco Bound. Tentrat-Theater. Unsere Rentiers. Adolph GrnK-Theater. Ein fideles Korps. Vorher: Gesindeball. FeiteaUianre- Theater. Verliebte Mädchen. Aleranderplad- Theater. Durch» gegangene Weiber. Hlational- Theater. Die lebende Brücke. Keichvhalleutheater. Spezialitäten- Vorstellung. Amerira»- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aankmau»'« Dariötö. Spezialitäten« Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Xeiie freie Volksbühne. Sonntag, 17. März: I. Abtheilung: Lustspiel„Mein Leopold". Sonntag, 31. März: II. Abtheilung: Lustspiel „Mein Leopold". 206/13 Schiller-Theater. (Wallner- Theater.) Freitag, 15. März, abends 8 Uhr: Graechuo» der Uolkotribnn. Sonnabend, 16. März, abends 8 Uhr: Die Journalisten. Sonntag, 17. März, nachm. 3 Uhr: Kabale und Liebe. Abends 8 Uhr: Krieg i« Frieden. viedtsr-äbslläs. Im Bürgersaale des Rathhauses. abends 71/2 Uhr, zu gunsten der mitwirkenden Mitglieder des Schillertheaters: Lvliiller-�böllä. National-Theater. Große Franksiirterstraße 132, Direktion: Max Samst. DM LousationvUo Novität!"Mvi Gastspiel der amerikanischen Gesellschast William Calder Die lebende Drücke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik ins Akten(11 Bildern), nach dem Eng- tischen von Sntto» Vane, übersetzt von §. Schwab. Dirigent: �äolpli Visäsolco. leltr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Kassenöffnung 6'/sUhr.- Ans. 7-/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spiritiemua. Drama in fünf Akten von Karl Wald. Leutral-l'lieAter Attr Jakobstraste Dr. 30. Einil mm a. b>. Novität! Zum Ä8. Male: Novität! Unsere Rentiers. Große Poffe mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshoser. Anfang>/28 Uhr. �äolpdLrnst-l'beAtkr �.ilktreten der ersten Pironette- n. Conrbette-Tänzerin Englands vorn Prince of Wales-Theater in London. Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„k Gaiely Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Vorher: Gesindel» oll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Anfang 7Vz Uhr. Unter den Linden 21. Einzig in seiner Art. _.. ,,. Heute Täglich abends >48 Uhr � ISSj Oriental. � Male. Magie. Preise: 3, 2 und1 1 M. Sitzplatz. Jeden Sonntag Nachmittag 4 Uhr: Farailien-Vorstellnng zu halben Preisen. Kaoimann's Variete Station Nancke genannt I 81/2 U. 91/j Uhr. „star" U r a n s a Anstalt für volksthümliclie Naturkunde. Am Landes-Ausstelltingspark (Lehrter Bahnuof). Geöffnet wen 5—10 Uhr. Täglich Torstellnng im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage-Panopticum. 27 Gitanos (andalusische Säuger, Tänzer u. Tänzerinnen) Vorstellung um 4, 5, 6, 7, 8 n. 9 Uhr. Feen-Palast Kurgstr. 22, nebet« der Hörle Neues collossal. Programm. Die 8 Grunathos. Die iinjjktiöjen Slliptoncrl (darunter die kleinste Serpentin- Tänzerin der Welt). Cousin August m. seinem brasilian IW Orang- ütang. fStü Little Ella, das Wunderkind. Mr. Paolo Vendaro. LiUy Wellini, Kostüm-Soubrette. Wilhelm Fröbel, Berlins 1. Orig.-Humor-Matador. Uisella-Trio. The 4 Original- Dissenatos. Brothers Dlricos. Anfang: Wochent. 7>/2 Uhr, Sonn- tags: Konzert 6>/z Uhr, Vorst. 7 Uhr. tastan's Panoptikum. PPioij nie i)iipc)ni!�g Die Diele» des hunhrin Erdlheil»: Die Dinka. 40 Männer, Ffranen n. Kinder. Das scheckige Mädchen Harietta. „Präsident Faire". Parodie-Theater Granien-Htraste 52(am Moritzpl.). Die Weber. Vorher: Madame Sans-Gene. Zum Schluß: Meintnth. Kasieneröffnnng 6Vs Uhr. Ans. 7Vs Uhr. DM-Srmm Tempelhofer Berg. 57. Bock-Saison. Militär-Konzeit. Anfang 5 Zlhr. Sonntags 4 Uhr. Kinderwagen Privatleuten zu Engrospreisen. Näheres Linien graste 16, 1 Tr._ AidckMM Unserem Sangesbruder Tal�man» zu seinem Heuligen Wiegenfeste die besten Glückwünsche! Allegro.[30946 Danksagung. Für die viele» Beweise der Liebe und Theilnahme wie auch für die kost- baren Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes Paul Lehr sage ich den Herren Kollegen meinen wärmsten Dank. 3098b Wittwe Lehr. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Abend bei Schöning, Stallschreiberstrasse 29: Sitzung der Ortsverwaltnng. Konnabend, den Iß. März er., abends 9 Uhr, Mclchiorstraße lö: Vtrsliüliilllliig iilit h\m\. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. DIeil über: „Naturheilmethode." Vereinsangelegen» heilen. Die Mitglieder werden auf ZZ 3 und 4 des Statuts aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Kranze, Guirlanden und Blumen, empfiehlt zu den billigsten Preisen A. Retzlaff, Kranzbinderei en gros, 80. Gerichtstr. 80. Qedenktags-Kränze zum 18. März, sowie frische Blume» empfiehlt den Parteigenossen die' Ä. Mimt*, 68, Fiieltiißtliße 68. T 0- Vorstecknadel iKtbaclUB a Groß 7 M. Versand Nach». A. Guttmann, Brunnensir. 9. Lonnahend, den 16. Märzi Brosteo MllltN-KMMN. 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Am Regicrungslische: Thielen. Ten Vorsitz sührl an stelle des erkrankten Fürsten Otto zn Stolrerg-Wernigerode der erste Vizepräsident Freiherr v. Man- t e u f s e l. Am 19. Januar ist der zweite Vizepräsident des Hauses, Oberdürgermeister B ö t t i ch e r- Magdeburg, verstorben. Der Vorsitzende widmet ihm einen warin empfundenen Nachruf. Ferner sind verstorben die Herren Graf v. Werlhern-Beichtingen, Gras von der Schulenburg-Wolfsburg. Kronsyndikus Grimm, Fürst zn Rheina-Wolbeck und Generallandschafts-Direktor von Kirber. Das Haus ehrt das Andenken an die dahin» geschiedenen Mitglieder in der üblichen Weise. Ter Eisenbahn-Minister hat auch an das Herrenhaus das Ersuchen gerichtet, die Berathung des Etats im Interesse der vor dem!. April zu vollziehenden Organisationsänderungcn thunlichst zu beschleunigen. Neu berufen sind die Herren Anton Graf zu Stolberg- Wernigerode auf Peterswaldau und Graf Seidlitz-Sandreezki auf Langenbielau. Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen bittet im An- schluß an das eben erwähnte Schreiben um gütige Nachsicht dafür, daß er aus der Nothlage der Verwaltung heraus ge- zwunge» worden ist, schon vor der Verabschiedung des Etats für 189S/96 diejenigen organisatorischen Maßregeln zu verfügen, welche durch die äußere und innere Umgestaltung der Organisa- tion der Eisenbahn-Verwaltung zum I.April erforderlich werden. Er hofft, daß das Herrenhaus wie das Zlbgeordnelenhaus de» obwaltenden außergewöhnlichen Verhältnissen Rechnung tragen und über den eingeschlagenen, den sirengen konstitutionellen Begriffen nicht ganz entsprechenden Modus diesmal hinwegsehen wird. lieber den Bericht betr. die Ergebnisse des Betriebes der preußischen Staatseisenbahncn im Belriebsjahre 1893/94 reserirl namens der Eisenbahnkommiision Oberbürgermeister Knper- Krefeld. Er beantragt, den Bericht durch Kennlnißnahine für erledigt zu erklären. Der Antrag wird ohne Debatte an- genommen. Ebenso wird der Bericht über die Banaussuhrungen und Beschaffungen der Eisenbahnverwaltung während des Zenraumes vom 1. Oktober 1893 bis dahin 1894 durch Kenntuißnahme für erledigt erklärt, desgleichen nach dem Referat des Bürgermeisters Hammer-Brandenburg die übersichtliche Darstellung des Ergebniffes der 1894 stattgehabten Verhandlungen des Landes- Eisenbahnraths. Dieselbe Kommission hat über eine große Anzahl von Petitionen landwirthschastlicher Vereine berathen, welche an das Haus das Ersuchen richten, zu veranlassen, daß die in den Direktionsbezirken Berlin, Breslau und Bromderg gellenden niedrigen Frachtsätze für lebendes Vieh auf das Gesammt gebiet der preußischen Slaatseisenbahnen ausgedehnt und die generelle Einführung der Staffeltarife in Erwägung gezogen werde. Der Kommissionsamrag geht auf lieber Weisung an die Staatsrcgierung zur Erwägung." Ter Gegen stand wird indeß, da der Referent Gras Frankenberg an der Sitzung theilzunehmcn verhindert ist, von der heutigen Tages ordnnng abgesetzt. Eine Petition des Vorstandes des Vereins deutsclier Spediteure detreffend die von der Versammlung der Verkehrs- interessenten in bezug auf die Staffeltarife für Eisenbahnen und Wasserstraßen gefaßten Resolutionen wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Herr V. Klinekokiström beschwert sich darüber, daß das Haus ohne genügendes Arbeitspensum zusammenberufen ist, da der Etat doch in diesen Tagen noch nicht an das Haus gelange Vizepräsident v. Mantenffel erwidert, daß zweifellos Fürst Stolberg gehofft habe, den Etat im Anschluß an die jetzigen Sitzungen zur Verhandlung zu bringen. Nach dem Verlaus der Arbeiten des andern Hauses werde letzleres sreilich erst in 19—12 Tagen geschehen können. Schluß 3>/s Uhr. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr. (Kleinere Vorlagen, Petitionen.) Abgeordnetenhaus. 43. S i h u n g vom 14. M ä r z, II U h r. Am Ministertische: Miquel, Thielen, Schön st edt, v. Köller, v. Berlepsch. Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathung des Staatshaushaltsetats für 1892/96 und des dazu ge- hörigen Anleihegesetzes. Der Etat ist in zweiler Lesung völlig unverändert genehmigt. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung hält Abg. Cahensly(Z.) eine Gehaltserhöhung für die L ok o- m otivführer für nöthig und beklagt dw Ueberlastung dieser Beamten, namentlich im Bezirk des Belriebsamls Wiesbaden. Minister Thielen: Im ganzen Bereich der Eisenbahn- Verwaltung sind die Dienststnnden der Bennien fest geregelt. Wird in Wiesbaden davon abgewichen, so hätte sich der Herr Abgeordnete mit seiner Beschwerde direkt an den Minister wenden sollen, anstatt sie hier vorzubringen. Ter Ueberbürdnng der Be- amten wird sorgfältig vorgebeugt, bei jedem Betriebs- Unfall wird untersucht, wie lange die Beamten im Dienst ge- wesen sind.(Beifall rechts.) Abg. v. Riepenhausen(f.) wünscht, daß den Eisenbahn« beamten mehr Sonntagsruhe gewährt werde. Beim Etat des Ministeriums des Innern erklärt Abg. v. Zedlitz(srk.) auf Ersuchen der Direktion des Deutschen Theaters, daß die Herren Singer und Liebknecht sich bei der ersten Aufführung der„Weber" nicht durch Beifall- klatschen besonders ausgezeichnet hüllen. Er habe diese seine Be- hauptung aus Zeitungsberichten geschöpft, siä, aber nunmehr überzeugt, daß andere Blätter, wie z. B. die„Voss. Ztg.", die„Hamb. Nachr.", die„Kreuz-Ztg.", andere Berichte darüber gebracht hätten. Der zweite Rang sei auch nicht vollständig von Sozialdemokraten besetzt gewesen. Er gebe zugleich sein Bedauern darüber Aus-- druck, daß Blätter wie der„Vorwärts" und das„Volk" sich berufen gefühlt hätten, die Meinung zu verbreite», als habe die königliche Slaalsregierung de» Versuch gemacht, aus die Integrität des Ober-Verwaltungsgerichis Einfluß zu üben. Ein so schwerer Vorwurf liege nicht im Staats« und im allgemeinen Interesse. Abg. Graf Strack, Witz(Z.) wiederholt fernen bereits be, der zweite» Lesung geäußerten Wunsch auf Beschränkung der Tanzlustbarkeiie» aus dem Lande. Minister v. Köller: Ich gebe zu, daß besonders auf dem platten Lande das junge Volk durch die viele» Tanzlustbarkeite» dazu verführt wird, seinen sauer erworbenen Lohn wegzugeben. anstatt ihn zn sparen. Ein allgemeines Regulativ über die Zu- lässigkeit, Unzulässiigkeit oder Beschränkung der Tanzlustbarkeilen läßt sich nicht ausstellen, da die örtlichen Verhältnisse zu ver- schieden sind. Ich persönlich würde eine Beschränkung sehr gern sehen, die Entscheidung muß aber den lokalen Polizeibehörden überlassen bleiben. Allzu viele Tanzerei in öffentlichen Lokalen halte ich nicht für ein Glück, es ist gut, wenn die Polizei dies etwas einschränkt. Abg. Graf Strackiwitz: Manche Arbeiter vertanzen allein auf öffentlichen Tanzpläyen in einer ßiacht ö— 19 M., wenn jeder Tanz einen Groschen kostet. Der Minister muß diese Frage mit Ernst im Auge behalten. Minister v. Köster: Ich fasse die Sache sehr ernst ans. Es ist zn beklagen, wenn die Burschen, anstalr sich etwas zu sparen, ihr Geld für Tanzen verthun. Wenn auch ein Gastwirth behauptet, er beherberge eine geschlossene Gesellschaft, so muß doch die Polizei in jedem Fall entscheiden, ob dies zutrifft. Die Polizei entscheide! ja nicht endgillig, das Gericht bat noch die Enlscbeidnng. illbg. Gothen»(fvf. Vg.): Eine allgemeine Tanzordnung für das Volk läßt sich nicht geben.(Heiterkeit.) Nackdei» einmal ein Wahlkreis in Schlesien regierungsfeindlich gewählt hatte, wurde ei» solches Verbot in bezug auf Vergnügungen er- lassen.(Rufe: Wo denn?) In Kosel, es ist schon lange her. (Große Heiterkeit.) Beim Etat der landwrrthschaftlichen Verwaltung beantragten Abgg. Knebel, v. Tetten und Genossen, die Regierung auf- zusordern, in den Staatshaushalt für 1896/97 unter Kap. 14 des Etats der landwirthschafllichen Verwaltung zur Förderung der Land- und Forslwirthschaft in den Gebirgsgegenden der Provinzen Rheinland und Westfalen, in welchei, der Kleinbesitz vorherrscht (Hunorück, Hochwald, Westerwald, Bergisches und Sanerland), weitere Mittel einzustellen. Abg. v. Woymi(srk.) wünscht eine Ausdehnung des Antrages auch auf andere Landestheile, z. V. Hessen und Schlesien, und beantragt die Uebcrweisung des Antrages an die Budget- kominiision. Der Antrag Knebel wird an die Bndgetkommission über- wiesen. Gegen£$/« Uhr vertagt das Hans die weitere Berathung auf Freitag 11 Uhr. Außerdem stehen einige kleinere Vorlagen ans der Tagesordnung. HodmrzL-Uajärhrlyrr Sozinlisten- prozeli. Vor Eintritt in die Verhandlung nimmt der Staatsanwall Veranlassung, auf den Leitartikel der letzten Nummer der „Nepszava" hinzuweisen, in welchem der Gerichtshof als Bourgeois-GenchlShos hingestellt ist, und in welchem die Nichter sowohl, als der Staatsanwalt auf das gröb- lichste beleidigt werden. Des weiteren verweist er ans den Ausweis über die Sammlungen zn dem Prozeß. An- schließend hieran überreicht er zwei Schreiben,- welches eine an den Stadthauplmann Poka gerichtet ist, und in welchem der- selbe bedroht wird, während er selbst in dem zweite» mit„ge- meiner Schurke" angesprochen wird. Tie Briefe werde» ver- lesen. Tie„Nepszava" zu verlesen hält der Vorsitzende für überflüssig, da dieselbe so verbreitet ist, daß den Inhalt des Ar- tikels ein jeder kennen dürste.— Verth.: Ich vcrurtheile derlei Beleidigungen und besonders persönliche Beleidigungen. Was die„Nepszava" geschrieben hat, darüber spreche ich nicht Was aber die Briefe anbetrifft, ist es nicht festzustellen, ob sie von Sozialdemokraten herrühren, was ich im übrigen auch bestreite. Es giebt böswillige Menschen, die eine solche Gelegen- heil, wie dieser Prozeß, dazu benutzen, um im Trüben zu sische», und da ich die Institution der a e n t provocateurs kenne, liegt es sehr nahe, daß die Hände solcher Leute hier im Spiele sind. Neulich erst hat übrigens die Bolkspartei unter dem Namen der Sozialdemokratie ein Flngblatt hcransgcgeben,»n, das Volk irreznjühren, und genau so verhält es sich mit diesen Briefen. Ich bitte, die Briefe dem Wunsa?e des Staatsanwalts entsprechend den Akten beizuschließen, aber hinziizufüge», daß die Schreiber dieser Briefe unbekannt sind. Ter Staatsanwalt verwahrt sich dagegen, als ob die Briese von behördlichen Organen herstammten'. Weiter überreicht er eine Lohnliste vom Direktor der Köros-Maroe-Thcisi-Hochwaffcr- Kommission, aus welcher er die hohen Löhne der Arbeiter nach. weisen will, und in welcher der Direktor M a r t i n F e k c te darüber klagt, daß er im vergangenen Jahre 8099 Arbeiter brauchte, die er aber— auch aus Hodmezö-Vasarhely— nicht erhalten konnte. Dem gegenüber legt der Vertheidiger einen Brief vor, in welchem er sich dem Herrn F e k c t e im Juli des vorige,, Jahres crbölig machte, die 3999 Arbeiter zu besorgen, der Herr Direktor ist ihm aber die Antwort aus diesen Brief auch heule noch schuldig Er bestreitet die Bcweiskrast des Herrn F e k e t e. Alle ein- gereichten Schriilstücke werden den Alte» beigelegt. In der Vernehmung der Zeugen wird mit Michael Ko- o a c s sortgesahren. Zeuge war in jener Vcrsannnlnng, in der der Angeklagte Kenez jagte, das Haus Habsburg habe kein Recht in Ungarn. Verth.: Haben Sie nur den einen Satz aus der ganze» Rede behalten? Z e u g e: Ja k Verth.: Wie kommt das? Zeuge schweigt. Stefan V a r g a hat sein Steuerbuch abgegeben, aber nicht an Kovacs, sondern an Hegedüs. Ter Zeuge enllastet Kovacs und darum erklärt ihn der Staatsanwalt als einen Fanatiker, gegen dessen Vereidigung er Einwendungen macht. Aus die Einsprache des Vertheidigcrs wird Zeuge vereidigt. Emreich D e z s ö, Polizeikorporal, war mit an der Herstellung der llluhe thälig. Er Hai mitgeholfen, die Masse ans dem Stadlhaus zu entfernen. Er beschuldigt die Angeklagten Benzket, Beni, Merai und B o r s o s der Theilnahme. — Verth.: Wen haben Sie von den Leuten, die in, Stadthaus waren, gekannt?— Zeuge: Niemand. Andreas K o l l a r(Eir-jährig-Freiwilliger) behauptet, gehört zu haben, wie Frau Sj. Kovacs der Masse zurief, sie solle ihren Mann befreien und sah ferner, daß sie an den, Thorgitler riß. Er kennt sie nicht;>na» habe„ur gesagt, daß sei die Frau Sz. K o v a c s'. Ans die Frage des Äerlhcidigers giebt Zeuge zu, daß unter der Menge mindestens 25 Studenten waren. Er beschuldigt noch der Theilnahme Beni, Csatlos und D i s o g e g i. Stefan Gyolai, Student, wiederholt die Aussage bezüglich der Frau Sz. Kovacs. Außerdem beschuldigt er B o r s i, Beni, Baron, CSatlos, Kiso, Borsos und V a r i c s a. Er war am lö. März 1894 i» einer Versammlung, in der er hörte, daß Kovacs sagte:„Wenn es gegen die Herren geht, werde ich den Säbel umbinden und an der Spitze geben, zu essen soll nur der haben, der arbeitet." Oedön G r ü n. Student, war ebenfalls in jener Versammlung und hörte Kovacs sagen, daß die heutige Ordnnng nichts tauge, und daß er für sein Prinzip auch sein Blut vergießen würde. Er kann den Säbel ebenso gebrauchen, wie die Sense. Er be- schuldigt sieben der Angeklagten, an der Revolte theilgenomnien zu haben, da auch er dabei war. Dezo Varga. Student, war auch in der Versammlung und sagt ebenso wie der vorhergehende Zeuge aus. Kovacs, erklärt er, hat gesagt, es giebt keine Gleichberechtigung. Alexander Szörsi, Student, war bei der Versammlung und wiederholt die Aussagen der Vorzeugen, außerdem hörte er, wie Kovacs sagte, die Herren, wenn sie verklagt werden. schmieren die Stichler und sind darum immer unschuldig.— Hier bittet Sz. Kovacs, u», einige aufklärende Worte zu spreche», was der Vorsitzende wiederholt bereits verhindert hat. Zeuge, der bei der Revolte zugesehen hat, beschuldigt sieben Angeklagte. Karl P a n k e r, Student, weiß von Kovacs nichts zu sagen, er beschuldigt Borst, eine Laterne zerschlagen zu haben. Hugo I r i z, Student, beschuldigt Frau Sz. Kovacs, auf- gereizt zu haben. Außer ihr erkennt er noch fünf Angeklagte. die an der Revolte aktiv theilnahme».— Verth.: Haben Sie mehr zum Thor gestanden?— Zeuge: Ganz dicht daran.— Verth.: Da waren Sie ja auch unter den Hetzern, wie kommt es, daß Sie nicht verhaftet wurden?— Vors.: Herr Ver- lheidiger, ich dulde diese Art des Fragens nicht. Der Herr ist kein Angeklagter sondern Zeuge.— Verth.: Es ist eigen- ihümlich, daß nur die die Hetzer waren, die Bauernkleidung trugen, die Herren, die unter ihnen standen, ließ man un- geschoren. Moritz Müller(Student) erkennt fünf Angeklagte, die theils Steine warfen, theils das Thor sprengen wollten, auch er stand unter ihnen. Johann D i p o l d, Universitütshörer aus Budapest, zu jener Zeit noch Student am hiesigen Gymnasium, beschuldigt die An- geklagten Csatlos, Fehervari und S z a l m a r i(als er diesen beschuldigte rief der Angeklagte:„Das ist eine gewissen- lose Lüge!" Der Vorsitzende droht ihm mit Einsperren). Auf die Frage des Richters M a g a i erklärt Zeuge, sich aus S z a l m a r i nicht»»ehr genau zu erinnern. Die Zeugen K i ß und B, b i c s sind nicht erschienen, es werden ihre Aussage» vor dem Untersuchungsrichter verlesen. Die Zeugen F a l t a und Dar,» bestätigen, daß der An- geklagte Goal zur Zeit des Krawalls nicht am Marktplatz gewesen sein kann. Alle Zeuge», mit Ausnahme der beiden letzten, sind vereidigt worden. Damit schloß die heutige Verhandlung. Vevs-Kursttlungetu Einer stark besuchten Bersammlung der Metalldriicker leglc der Vertrauensmann Hetz a», 12. ds. Mts. das Ergebniß der Statistik vor, die in der Branche vor kurze», aufgenommen ist. Betbeiligt sind daran die Kollegen aus 85 Fabriken, in welchen 553 Arbeiter beschäftigt sind. Organisirt sind davon in, Berliner Verband 413, im Deutschen Melallarbeiter-Verband 14 und 126 sind nnorganisirt. Der überwiegende Theil arbeitet in der Regel 19 Stunden und mehr, und der Durchschnittsverdienst beträgt pro Stunde ca. 49 Pf. Man findet Wochenlöhne bis zu 12 M. herab und eine bedeutende Zahl von Lehrlingen in manchen Betrieben. Tie Statistik soll in Form einer Broschüre den Jnter- essenten zugänglich gemacht werden.— Ueber:„Die Stellung- nähme zum I.Mai und welche Forderungen stellen wir in diesem Jahre?" reserirte Litsin. Er nahm auf die Statistik bezug und folgerte, daß angesichts des verhältnihmäßig hohen Prozent- sntzes der organistrlei, zur Zahl der überhaupt beschäftigten Kollege»— 4/5 sind zirka organisirt— strikte Arbeitsrnhe an» i. Mai durcbzusühren sei. Eine Aussperrung im größeren Stil könne kaum eintreten, da die Fabrikanten auf großen Zuzug von außerhalb N!cht zu rechnen haben. Die Maiseier solle der Prüfstein sein für die weiterhin zum Beginne der Saison aufzustellenden Forderungen zur Aufbesserung der Lage. Der Redner begründete im einzelnen die folgenden Punkte: Ein- iührulig des Neunstunbeiitages, Fortsall der Ueberstundenarbeit, Minimallohn von 59 Pf. pro Stunde und Anerkennung des Arbeitsnachweises. Er hat die feste Zuversicht, daß, nachdem der Anfang mit der Maifeier gemacht sei, sich die letzteren Punkte bald verwirklichen werden. Ein Theil der Redner, die in der Diskussion zum Wort kainen, theilte diese Ansicht und trat lebhaft dafür ein, daß eine Durchführung der Arbeitsruhe ain l. Mai unter allen Umstünden versucht werde. Man verspricht sich davon günstigen Einfluß auf alle übrigen Branchen der Metallindustrie. Von anderer Seite wurde auf das entschiedenste bestritte», daß sich der Vorschlag Litsin's mit Aussicht auf Erfolg rcalisiren lasse. Hart mann betonte, daß, da die Saison erst in, Spätsommer beginnt, die Unternehmer ohne besonderen Schaden sür ihren Geldbeutel auS Anlaß der Maifeier die Arbeiter vis zur Zeit, wo sie sie nöthig brauchen, aussperren können. Werde es dann noch möglich sei», die Begeisterung für die Durchführung der Lohnforderungen zu erwecken? Auch N ä t h e r bezweifelte, daß die Drücker in solcher Anzahl, ohne vom Unternehmcrthum eine Maßregelung zu befürchten, die Slrbeit am I. Mai ruhen lassen. Er bezeichnete es als einen taktischen Fehler, daß man diese Frage mir der Frage der Lohnforderung verknüpfe; man solle sich das Schicksal der Böltcher und Former vor Augen hallen. Litsin rcplizirte darauf, daß man mit den vorgeführten Argu- menten jedesmal die Maifeier abthnn könne. An der ierneren Debatte betheiligten sichT h a t e, Keiler, G e r i ck e. H e ß, B u ch h o z u. a. Das Resultat war der Beschluß, i n den einzelnen Werkstätten nochmals eine Ab- st i m m u n g zu veranstalten, wie die interesstrten Kollegen sich am 1. Mai verhallen wollen. Ter Vertrauensmann wird das Ergebnis dann der nächsten öffentlichen Versammlung unter- breiten. Aus die Frage, ob man im Laufe des Jahres Forderungen an die Unternehmerschaft richten wolle, stimmte die ganze Versammlung mit ja.— Die Situation bei Eckel und Glienicke ist unverändert. Bei Gundershausen hat, wie bekannt gegeben wurde, ein gewisser G e p p e r trotz der Vorhaltungen. die ihm von de» organisirten Kollege» gemacht sind, Arbeit angenommen; man betonte, daß trotzdem die Sache der Arbeiter ebenso wie bei der vorgenannten Firma gut steht und hofft aus einen baldigen Sieg. I» bezug auf eine» Bericht über die Versammlung der Parketboden leger in Nr. 24 des„Vorwärts" erhalten wir von Herrn Bangemann folgende Berichtigung: Es ist nicht wahr, daß ich eine Lohnreduttiou vorgenommen habe, denn ich beschäftige überhaupt keine Bodenleger, sondern übergebe meine Legearbciten an einen selbständigen Unternehmer zu einem dcstinnnlen Einheilssatze. Wieviel dieser seinen Leuten zahlt, weiß ich nicht und ist auch nicht meine Sache zu ergründen. Jedenfalls liefere ,ch aber die Nägel schon ans eigenem Interesse. An der Hand des mir vorliegenden Miniinaltarifs erkläre ich es für eine böswillige Unwahrheit, zn behaupten, daß ich diesen Tarif um 25 pCt. unterbiete. In, übrigen zahle ich heute dieselben Preise wie schon seit Jahren, mein Unter- nehnier wie dessen Angestellte habe» sich dabei ganz wohl gefühlt. Bei den hentigen gedrückten Preisen der Parkelten ist es natürlich, daß die Leger auch ihre Ansprüche herunter schrauben, wenn sonst nicht Fabriken und Leger ohne Arbeit sein wollen. insofern ist eine Reduktion allerdings gerechtfertigt. Wer das nicht einsieht, dem ist nicht zu helfen, er wird seine Einkäufe auch da besorgen, wo er es am billigsten erhält. Von einem bösivilligen Drücken zun, Zweck der Selbstbereichernng kann bei mir jedenfalls nicht die Rede sein. Gelingt es den Bodenlegern einheitlich zusammen zu stehen, dann ist es möglich, auch höhere Preise für de» Parketboden zu erzielen, damit laiin den Fabriken und deren Vertretern nur gedient sein! Achtung! Achtung! Sozialdemokratischer Wahwerem für den 6. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachrückt, daß die zum Dienstag geplante Wahlvereins-Versamurlung der Märzfeier ivegen ausfällt. Die Mitglieder werden ersucht, sich an diesen Versaminlungen recht zahlreich zu beiheiligen. Also Parteigenosseil, aus zu den Versammlungen am 9I!ärz. Der Dorstand. Gauverein Berliner Bildhauer. Dienstag, dei» 19. War», abend» Dllir: Außerordentliche General-Versammlung im Lokale de» Herrn ScKneider, Annenstraße 16. Tagesordnung: 1. Eeschäsiliches. 2. Aufstellung der Kandidaten Zur diesjährigen General-Versaminlnng. 3. Fortsetzung der Generaldiskussion bezw. Statutenänderung vom 12. März. 4. Verschiedenes.— In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird um rege Betheiligung erfüllst. Achtung! Die Stellenvermittelung findet jetzt vormittags von 10 bis 11 Uhr statt. 72/13 Der Vorstand. Achtung! Achtung! Verew der Zimmerer Berlins und Umgegend. Konntag, den 17. Ktärs, vormittag« 10 Iltzr. in den Armin hallen, Kommandantenstraste 20: Mikglicder-vorsntittttlttttg. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheite». 2. Vortrag:„Der 18. März und das Ver- mächtniß der Tobten." Referent: Genosse JsKn. 3. Gewerkschaftliches. Die Mitglieder werden ersucht, für gute» Besuch zu agiliren und pünkt. lich zu erscheinen.� Zutritt hat jeder Zimmerer. liL. In dieser Versammlung wird die Broschüre über Sttbuiissionswesen gegen Vorzeigen des Mitglieds- buches ausgegeben. 233/17 D»r Vorstand. Verbullö der Saltler und Tapezirer. ÜV Versammlungen am Sonnabend, de» 1«. März, abends 8'/2 Uhr, Zentrum, bei Herrn Wienecke, Alte Jakobstr. 83. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herr» vr. lloöl über:„Die moderne Naturanschanung Vnd ihren Einfluß auf die heurige Gesellschast." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Norden, bei Herrn Krüger, Fenustr. 5. Tages-Ordnung: I. Vorlesung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. -14 3_ Die Grtsvermaltnngrn. MIhmi MllßkWmmklltrn-AMtt. MM Sonntag, den 17. War» 1895, vormittag» 10>/2 Uhr: Große öffentliche Versammlung im Nerrinshau«„Südost", Waldeniarstraste 75. Tages-Ordnung: I. Der Streik bei Gör»& Kallmann. 2. Stellungnahme zur Leier de» 1. Wai. 3. Verschiedenes. 204j13 Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Kistenmacher. Wontag, den 18. Marz, abends 8Vs Uhr. in den Arminhallen Äommandantenstraste 20: Außnordeutlilhe Gkiiewl-vcrlaiWlung. Tages-Ordnung: Waun wollen wir in eine Lohnbewegung eintreten, sofort, am 1. Mai oder später? iss Teutscher Metallarbeiter-Verband. Verwaltung Verlin(Zentrum). Konuabend» den 16. Wärz, abend» 8>/2 Uhr, in den Arminhallen, _ Kommandantenstraste 20: mr Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl(Stichwahl) der Telegirtcn zur Beneral-Versammlimg. 4. Verbandsangelegenheiten, Verschiedeues. Mitgliedsbuch legitimirt.-9X3 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 173/7 Die Grtvv»r»valtung. Ukmn der Einsetzer(Tischler)«äu. Ordentliche Mitglieder-Versammlung Sonntag, den>7. März, vorm. II Uhr, Neue Friedrichstr. 44. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Millarg: Bauarbeiter-Krankenkasse, Gewerbegerichts- Emsche'idungen. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. 113/12 N/B. Die Mitglieder werden auf s 5 Abs. 1 deS Statuts aufmerksam gemacht. Her Vorstand» Achtung, Schäftearbeiter1! Große öffentliche Versammlung aller in der SchäNefabrikation beschäft. Arbeiter«. Arbeiterinnen MF* Sonnabend, den IL. März, abends 9 Uhr,"Mü in den Armintaallen, Kommandaatenstr. 20. Tages-Ordnung: I. Vorirag des Genossen Loböpllin über: „Die Folgen der kapitalistischen Produktion." 2. Diskussion. 3. Die Maifrage. 4. Wahl eines Gewerkschafts-Dclegirten. 5. Verschiedenes. 30303 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, pünkilich zu erscheinen. TtÄilnrbkttkr(Filiale l Berlin). Sonnabend, den 16. März, abends 8 Uhr, bei Wilke, Ändreasstr. 26: PBT Versammlung» 1. Vortrag: 3101b Ref.: Paul Jahn. Tages-Ordnung „Die Klassenkämpfe des Proletariats/ 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Verschiedenes. Nach der Versammlung: vemütlstiobes Leisammensein mit Tanz. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um pünkiliches und zahlreiches Erscheinen ersucht__ Per Vorstand. flinoll 7öl,»io2M. Vollst, schmerzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M. Rep. lVUIlbU.L»!inuesot. Xheilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 8-7 Ohr. Lckvtl. Generlllllersllittollukg der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Brtz-Blsrlieelläzze der liluelileeeliee-ürlielter mul verwandten Gewerbe zn Herl in am Sonntag, de» Sl. März d. I, vormittags 10 Uhr, im ksLiauriiut Lrüniilg, Rosenthalerstraße 11/12. oberer Saal. Tagesordnung: 1. Bericht der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung.(Z 52 des Slaluls.) 3093b 2. Tccharge-Ertheilnng. 3. Antrag auf Abänderung der 1 und 44 des Statuts. 4. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tages- ordnung ist zahlreiches und pünkiliches Erscheinen der Herren Vertreter sehr erwünscht.— Das Mandat legitimirt. Berlin, den 12. März 1832. Der Vorstand. Carl Thieme. H. Steinfeldt. Achtung! Achtung! Vergolder! Die Filial• Versammlung am 18. März fällt der Bedeutung des Tages wegen aus und werde» die Kollegen ersucht, sich rege den össent- ticken Versammlungen anzuschließen. 267/18 Ter Vorstand. Achtung k Achtung! Vergolder! Auf de» Gräbern der Märzgefallenen wird am Sonntag, den 17. März. morgens 10 Uhr. ein Kranz nieder- gelegt. Treffpunkt 10 Uhr bei Späth. Weivstr. 11. Die Vergolder Berlins werden ersucht, sich zahlreich dazu ein- zusinden. 267 19 Die Agitationökommission. �cktimg! Achtung! Kupferschmiede! Oeffentl. Versammlung' mit Oamen Sonntag, den 17. März. nachmittags 2i/2 Uhr. bei Fcindt, Weinstr. 11. Tagesordnung: 1. Bericht des Delegirten der Ge- werkschasts Kommission und Neuivähl desselben. 2. Lohnverhällnisse der Werkstätten, Aufnahme einer Lohn- statislik. 3. Vortrag des Gen. Paul Jahn über die Klassenkämpfe des Proletariats. 4. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 159/4 Der Cinbcrufer. Mir Arbtiter-FtßliHktltcil! Soeben erschien: 3102b Ein verlorener Soljm Bild aus dem Arbeiterleben in 1 Akt von Fr. Grnndmanu. NfMd QU illf P°rto 3 Pf.(6 Viicher PMS ül) Ps. als Rollen 1,60 M., Porto 10 Pf.) Kataloge gratis und franko. Viele Kouplct-Licder und Duett- Neuheiten. A. Hoffmann's Verlag, Kerlin 0. Ä7. Krantstr. 58 a. Achtung! Rixdorf. Achtung! Am Sonnabend, den Ii». März, im Lokale des Herrn Wiersing, Knesebeckstraffe Nr. 77: Stiftungs-Fest des Sozialdemokrat. Vereins„Vorwärts", bestehend in UST' IConzert und Ball."WU Um 10 Uhr Festrede des Neichstagsabg. W. Liebknecht. Anfang des Konzerts 8 Uhr.— Killet S0 Pf. Schulpflichtige Kinder haben keinen Zutritt. Qas Komitee. Achtung, Maurer! Den Mitgliedern des Zentral- Verbaudes der Maurer Deutschlands, Filiale 2 Berlin, zur Nachricht, daß unsere Mitglieder-Versammlung für diesen Monat ausfällt. 191/13 ver Vorstand. WVdSZ-WsgsTsn C. Wildberger, Kikeckerstr. 31(Moabit). Große Auswahl in eleganten und einfachen Möbeln. _ Preise äußerst billig bei nur solider Aussährung._ Kaufen Sie nicht anderwärts, bevor Sie sich nicht überzeugt haben, dass bei mir die„billigste Bezugs* quelle für Hute" ist, und nur streng reelle Waare bei reichhaltigster Auswahl geführt Herrcnhiite steif und weich..... ä 2,-— 2,50 3,— 3,50 do. in ff. Haar filz„..... ä 5.— 5,50 6,— 7,— do. in Loden....» 1,25 1,50 1,75 2,— 2.50 3,— Kiadcrlinte...••••• a 1,~ 1,25 1,50 2,— 2,50 Cenftrinandcnhüte........ ä 1,50 1,75 2,— 2,00 i Cylinderhüto....... a 4,— 6,— 7,50 9,—!!>-• im Fabrilikomtoir bei Oso�VI"-AjrxxOlci Uresdenerstr. 116 ,r.i0."aÄ Kontrollmarkenhutc zu den biltigsten Preisen!"WS dar! Schols, Airangelstraße 3Ä. ilofntl Spikge! mfö Siiiltreiiiriihmung. 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Tüchtige Belegerinnen und Vergolderinnen finden bei hohem Verdienst dauernde Beschäftigung Köpnickerstr. 109». 3106b Goldleistcu. Tüchtige Farbigmacher finden bei hohem Verdienst dauernde Beschäsligung Köpnickerstr. 109a.__ Plätterinnen auf Manschetten de schäsligl dauernd Felix Karpe, Blumen- straße 70. Ausg. 9. 3103' Verantwortlicher Redakleur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SW., Beuthstraße 2.