Nr.91 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 45 Bezugspreis: hentlich 70 Galbpfennig BazGES aahlbar. Unter Azenzband für Deuti land. Danzig, Gaara Memelgebiet, Defterreich. Litauen, Luxemburg 450 Goldmart, für das übrige Auslanb 8.50 Melbmart pro Monat. Boft Bearis filt Februar& Goldm Der Barwärte" mit ber Sonntag Beilage Boll und Reit" mit Siebe Tung und Steingarten". famie bez Unterhaltungsbeilage Scimmelt und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erfcheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal Zelegramm Abrene: Baielbemotret Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipeltige Renvareide seile 0.70 Goldmatt. Retlamezeile 8.50 Goldmart, Aleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 0.20 Goldmart( suläffig zwei fettgedruckte Borte), lebes weitere Word 6.10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Bort 0,10 Goldmark. jedes meiteze Bort 0.05 Golbmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Galbmart- ein Dufer geteilt burch 4.20. Angelgen File die nafte Stummee müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin GB 68, Linden. Arcke 3. abgegeben werden. Geöffnet von Uhr früh bis 5 Uhr najm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Revaltion: Donhoff 292-293 Berlag: Dönboff 2506-2507 Sonnabend, den 23. Februar 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Peitschedfonte: Berlin 375 36 Banktonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft. Depofitentatie Lindenstraße 3 Agrarzoll unter falscher Flagge. Was der Reichslandbund fordert! Der Stampf für die 3wangswirtschaft der der Zentrallandfchaft für die Breußifden Staaten, ber Grensifden grarzölle, den der Reichslandbund, unterstützt von den Bentralgenoffenfchaftstaffe, ber Landwirtschaftlichen Gothichule Berlin Rechtsparteien und den agrarisch gerichteten Kreisen der und der Präsident des Breußischen Statistischen Landesamtes so Mittelparteien, eröffnet hat, fann in der nächsten Zukunft noch wie Angehörige aller Parteien des Landtags. zu feinem praktischen Ergebnis führen. Nach dem Versailler Bertrag besteht bis zum Januar 1925 für die über Elsaß- Lothringen in deutsches Gebiet eingeführten Waren volle 3oll freiheit. Ein Jahr zum mindesten müssen sich also die agrarischen Schreier, benen die von ihnen bis por turzem hoch geprie ene freie Wirtschaft schon wieder ein Greuel ist, mit ihren Zollmünschen noch gedulden. Sie versuchen nun in der 8wischenzeit auf einem anderen Wege zum Biel zu kommen. Mie die Deutsche Tageszeitung" mitteilt, hat der Abg. Dr. Roefide namens des Reichslandbundes in einem Schreiben an den Reichsfinanzminister nicht mehr und nicht weniger als bie Aufhebung der Umfahfteuerfreiheit für die vom Ause lande eingeführten landwirtschaftlichen Erzeugnisse und für die erften Großhandelsumfäge folcher Erzeugnisse im Inlande gefordert. Aus gewichtigen Gründen hat das umfassteuergefeß feinerzeit biefe Steuerfreiheit vorgesehen. Würde sie jetzt aufgehoben werden, fo bedeutete das die Belastung bes eingeführten Getreides oder Mehles beim Import und beim erften Inlandsumfchlag um je 214 Broz, zusammen um 5 Broz. Da der Preis des Inlandsgetreides von dem für bas Auslandsgetreide beeinflußt wird, würde der gefamte deutsche Getreidebedarf um mindestens 5 roz., ungeredinet bie„ Aufrundungen" und zur Steuer geschlagenen Gewinnfäße, berteuert werden. Das Ausland würde ich eine folche verfchleierte Bollmaßnahme nicht ftill gefallen laffen, sondern mit Repreffalien gegen die Zufuhr deutscher Industrieprodukte in Jein Gebiet antworten, woraus für die deutschen Berbraucher neue Einschränkungen der Erwerbsmöglichkeiten entstünden. Aus diesen Gründen wollen wir nicht versäumen, fofort na ch= brücklichst Einspruch gegen das Berlangen des Landbundes zu erheben. Es erscheint uns das um so dringender geboten, als nach un'erer Kenntnis das Reichsfinanzministerium und der Reichsrat sich bereits mit dieser Angelegenheit befaßt und sie dem Reichswirtschaftsrat überwiefen haben. Landwirtschaft und Steuerpolitit. Die fozialbematratische Reichstagsfraktion hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: Zwischen dem Brandenburgischen Landbunde und dem Brandenburgischen Landtaffenverband find unter Mitwirkung des Allge meinen Berbandes deutscher Landkrankenkassen zwecks Einführung Der Bezugspreis des Vorwärts" ist auf 70 Pfennig wöchentlich bei freier Zustellung ins Haus herabgesetzt. Der Verlag. der euregelung der tändlichen Krantenversiche. rung( Berordnung über Krantenversicherung vom 13. Februar 1924) Richtlinien vereinbart worden. Wir fragen die Reichsregierung: Billigt es die Reichs. regierung, daß die Bandfrontentaffen Abmachungen mit einer Unternehmervertretung treffen, ohne die Bersicherten zu fragen? Bas gedenkt die Reichsregierung zu tun, um diefes offen. funbige Bestreben zur Wiedereinführung leinster Betriebsfaffen in Form von Sektionsbildungen zu unterbinden, und was gedenti die Reichsregierung zu tun, um die Rechte der Versicherten wahrzu nehmen?" Die große Reichstagsdebatte. Deutschnationale' gegen Stenernotverordnung. Der Beirat der Betriebs- und Steuerstelle beim Deutschen Bandwirtschaftsrat beschäftigte sich mit den aktuellen Steuer fragen und faßte die folgende Entschließung zur gegenwärtigen Befcheid sprechen. Nach Abschluß der allgemeinen Aussprache Steuerung der Landwirtschaft und zu den sich daraus ergebenden Forderungen für die Zukunft: I. Die gegenwärtige Besteuerung der Landwirtschaft ift 1. untragbar, meil fie in ihrer Gesamtheit den gegenwärti. gen Betriebs- und Ertragsverhältnissen nicht gerecht wird und deren Beiftungsfähigkeit bei weitem übersteigt. 2. probuftionsschädlich, weil sie den Landwirt zu une wirtschaftlichen Betriebseinschränkungen, zur Verringerung und Ber ch'euberung des Inventars und damit zur Berminderung feiner Broduktion nötigt, 3. unfachgemäß, well fie meder den natürlichen Betriebs, bedingungen noch den betriebswiffenschaftlichen Anforderungen an die Berechnung des Ertrages und Wertes entspricht, 4. ungerecht, weil sie eine Ueberlastung des Landwirtschaftsbetriebes im Berhältnis zu anderen Ermerbszweigen darstellt. II. Daraus ergeben sich folgende Forderungen: 1. Die Revision der Besteuerungsweise und-höhe unter Berüdfichtigung der natürlichen Betriebsbedingungen, der betriebswiffenfchaftlichen Normen und vor allem der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft. Eine fachgemäke Steuerreform und Beranlagung fann nur unter Mitwirkung von lachverständigen Bertretern land wirtschaftlicher Berufsorganisationen erfolgen. Länder und Kommunen. 2. Die Schaffung einer einfachen und einheitlichen Steuerneleh pebung und die Berteilung und Begrenzung der Abgaben auf Reich, 3. Cine gerecht abgewogene und durchneführte Heranziehung von Landwirtschaft, Industrie, Handel und freien Berufen zu ben Stevern des Reiches, ber Länder und der Kommunen. 4. Die Befreiung der Landwirtschaft non allen Eingriffen in den Befits und Betrieb und der Schuß der Landwirtschaft in gleicher Beile wie ber ndustrie vor produktionsvernichtender. Die heimische Bo'tswirtschaft ichwächender Konkurrenz des Auslandes. Hinter diefen Beschlüssen stehen sämtliche landwirtschaftlichen Berufsorganisationen. So weit der Bericht. Herr Luther wird sich wundern, daß feine politischen Freunde, für die er schon so viel getan hat, ihm bennoch solche fchlechte Zensur geben. * Das breukische Landwirtfattsministerium nimmt am Diens tag eine Brüfung der landwirtschaftlichen Steuerleistunge. fabigkeit vor. Geladen find u. a. Vertreter des Deutschen Landwirtschaftsrats, der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer, Die Aussprache des Reichstages über den Rotetat für 1924 und über die politische Gesamtfituation, insbesondere über die Wirkungen des Ausnahmezustandes und die auf Grund des Ermächtigungsgefeges erlassenen Verordnungen, wird am Dienstag vom Reichstanzler Dr. Marr mit einer Regie rungserflärung eröffnet werden. In der damit eingeleiteten Generaldebatte werden als Bertreter der sozialdemokratischen taftion die Genoffen Hermann Müller und Breit wird man in die Erörterung der Anträge eintreten, die zu den Verordnungen der Regierung gestellt worden sind. Diese Anträge sollen nach der Materie in Gruppen eingeteilt und von ben Antragstellern begründet werden. Selbstverständlich wer ben fich auch sonstige Bertreter der Parteien sowie die Reichs regierung zu diesen Anträgen äußern wollen. Es ist alfo por auszusehen, daß die Debatte einen aiemlich großen Umfang annehmen und Entscheidung über die Anträge zugleich über das Schicksal des Reichstages erst in der übernächsten Woche fallen wird. Wie VP3. aus parlamentarischen Streifen erfährt, bat Antrag auf Aufhebung der dritten Steuernot. die Deutsch nationale Reichstagsfraktion einen verordnung eingebracht. Jim Reichstage fand am Freitagabend nady der Plenarsigung eine vertrauliche Besprechung des Reichstanzlers mit ten Führern der Koalitionsparteien wegen der bevorstehenden großen politischen Aus'prache statt. Die beiden Rechtsparteien hielten gleichfalls nach der Blenar gung bis in die spöten Stunden hinein Fraktionsfigungen ab. Su ter Sigung der deutschnationalen Graftion waren auch die Mitglieder ter Fraktion des Breußischen Landtags him zugezogen. Die Fraktion hat außer den bereits für die große politische Aussprache eingebrachten Anträge noch eine Inter pellation megen der Rrife der Landwirtschaft eingebracht. Ferner wurden in der Fraktionsfißung Mittelstandsfragen und die Frage bes Art. 18 der Reichsverfaffung( lieterung des Reiches) besprochen. Die lehte Frage ist von befonderer Bedru tung im Sufammenhang mit der Abstimmung in Hannover, deren Termin nach der Bekanntmachung der Reichsregierung auf acht Tage nach den Reichstagswahlen anberaumt ist. In der Fraktion wurde die Meinung ausgesprochen, daß die außenpolitischen Auswirtungen emer folchen Abstimmung unter Berhältnissen, die man noch nicht übersehen fönne, unter Unftänden recht gefährlich sein können. Die Deutsche Boltspartei erörterte gleichfalls ihre Stellungnahme in der großen Aussprache. Die Fraktion ist der Meinung, daß eine mehr als gmeitägige Debatte am besten zu vermeiden fei. General und Sozialdemokrat! Aber nur in Defterreich möglich. Der ehemalige Generalstabschef der österreichisch- ungari fchen Monzofront, die wohl so ziemlich als die einzige Front ber Habsburgerarmee im Weltkrieg sich gegen vielfache Ueber acht standhaft und erfolgreich gehalten hat, der also auch ftrategisch und tattisch erprobte General Rörner hat nach dem Zusammenbruch der Monarchie der Deutschösterreichischen Republit als Heeresinspektor treu gedient. Diese Treue auch für die Republik hat die Regierung Dr. Seipels und ihren Wehrminister Baugo in veranlaßt, Körner mit Erreichung der Altersgrenze abzubauen. Körner hat in einer Dent fchrift an den Nationalrat die Machenschaften Baugoins zur ge'ezwidrigen Verminderung, zwedwidrigen Berwahr fofung und republiffeindlichen Zusammenfegung des Bundes heeres durch die Art seiner Ergänzung schonungslos aufge. beckt. Zur Antwort auf die Bestreitung seiner Angaben burch Baugoin und auf einen Proteft reaktionärer Offiziere haben unsere Genoffen ben General Körner zum Bertreter Wiens in ben Bundesrat( etwa dem deutschen Reichsrat entsprechend, aber aus proporzgewählten Bertretern der Landes parla. mente bestehend) und zum Stellvertreter des Genoffen Dr. Deutsch als Barlamentstommiffar im Wehrministerium gemacht. Nun hat General Rörner in der Offigiersgruppe bes freigewertschaftlichen Militärverbandes einen Vortrag über Behrhaftigkeit und Demokratie gehalten. Man lefe und vergleiche mit den Ansichten und Taten der Generäle des Heeres der Deutschen Republit, etwa der Herren Haffe, v. Loßberg, v. Tschischwiz usw.! angehört, führte nach dem Bericht der Wiener Arbeiter General Körner, der der sozialdemokratischen Barlet Beitung" aus: Ich habe, als ich meine Dentschrift schrieb, fehen wollen, ob wir ihon ein Boltsstaat sind oder noch der alte Obrigkeits ftaat, in dem ein von oben tommender Bille von der Beamten Ichaft durchgeführt wird. Ich habe gezeigt, daß das Gesetz zum Teil umgangen, eine einstimmige Resolution des Nationalrats mißachtet wird. Die Antwort war, daß der Antrag der Sozial. bemotraten, fopiel Geld für die Wehrmacht zu bewilligen, daß ihre weitere Zerstörung aufgehalten wird, von den bürgerlichen Barteien wiebergestimmt wurde. Die bis gerlichen Parteien haben sich nur mit meiner Persönlichkeit be schäftigt und ziemlich viel geschimpft. Ich muß daher notgedrungen von meiner Berfon sprechen. Ich habe mich nach dem Umfturz fofort auf den Boden der Tatsachen gestellt und mit der Bergangenheit überhaupt nicht gerechnet. Ich habe getrachtet, mich in der Republik zurecht zufinden, ein Ideal zu finden, das noch wert ist, dafür zu leben und zu arbeiten. Ich gestehe, daß ich bis zum Schluß versucht habe, meine Pflicht gegenüber der Monarchie zu erfüllen. Ich habe draußen gefehen, wie die Leute ben Krieg satt hatten, wie infolge ber Berzweiflung ber verhungerten, mit Fezen befleideten Soldaten der Zusammenbrudh fam. Diese Darstellung des Zusammenbruchs durch einen er folgreichen Heerführer ist allerdings mit der Dolch stoßlegende unvereinbar; Körner fann noch froh sein, nicht dem reichsdeutschen Offizierstorps anzugehören! leber gewiffe Berhandlungen im Schoß damals noch bestehender militärischer Zentralstellen in der Abwicklungszeit jagte Körner: wies der Einberufer ein bides Buch über die Demobilisierung vor, In einer Sigung über Demobilisierung und Sachdemobilisierung Gebante war, man folle die Goldaten in ein Lager bringen und bas mir schon an der Front weggeworfen hatten.( Heiterkeit.) Der förperlich und geiftig entlaufen, bevor man fie nach Hause schichte, bas material aufheben und erft loslaffen, wenn man wiffe, wie das neue heer ausfehe. Ich war entfeßt und sagte: Man wird bie Bolfswirtschaft erst in Schwung bringen, die zerfumpten Heimtehrer befleiden müffen; dazu muß man fosteffen, foviel man entbehren tann. Man fragte: Und menn gleich wieder ein Krieg ift? Ich antwortete, fie sollten sich nicht einbilden, daß einer von den Heimkehrenden sobald wieder ins Feld geht. Auf die Frage, was geschehen werde, wenn zu wenig Gewehre da sind, ero wiberte ich: Darauf tammt es gar nicht an. Suerft werden wir ben Beuten bas Schießen abgewöhnen müssen, bis die Zeit tomm', wo es wieber allgemeines Bewußtsein wird, das Recht oor macht geht. In der Zeit, als Staatssekretär Dr. Deutsch sein Programm entwidelte: einen Bürgerkrieg zu verhüten, eine Wehrmacht aufzu stellen, den Kriegsinvaliden zu helfen, bin ich Republikaner geworden, das heißt, ich lernte verstehen, was eine Republit ift. Als das Wehrrefet gemacht murde, habe ich Deutsch und den anderen Barteiführern auf die Finger gefchaut. Er hat sein Wort gehalen. Wer, wie ich, gefehen hat, wie die sozialdemokratischen führer gearbeitet haben, wie fie ihre ganze Rraft und ihre Popularität dafür einfeßten, daß es nicht zum Bürgerkrieg tamme, fonnte nur die größte Achtung empfinden. Schon damals ist ein Abgeordneter au mir gekommen und hat mich eingeladen, zu den Ententeleuten zu gehen, weil fie Waffen für die Bauern loslassen würden, damit man mit ben Roten" fertig werde. Da bin ich noch weiter nach links gewan. dert und ein linfer Demokrat geworden. In der Nera der bürgerlichen Minifterzeit gingen die Versuche weiter, eine Wehrmacht zu machen, die gegen die Arbeiter losgehen kann. Weil das nicht gelang, begann das Bestreben, das Heer zum Verlaufen zu bringen Ich habe mich vergeblich dagegen gewehrt; dabei bin ich wieder weiter nash lints getommen. Als der Genfer Sanierungsvertrag verhandelt wurde, sah ich, daß nur die Sozialdemokraten für das Deutschtum, für die Unabhängigkeit und Gelbst bestimmung des Voltes, für den sozialen Aufstieg eintraten. Darum habe ich sozialdemotratisch gestimmt. Wenn man sieht, wie wir noch feinen Schritt im Frieden weitergekommen find, muß man sich wohl umfehen, ob es nicht irgendwo ein Programm gibt, das besser ist. Das Endziel der Entwicklung eines Kultur- und Rechtsstaates fann nur die Sozialdemokratie aufzeigen. Als ich abgebaut war, habe ich den letzten Schritt gemacht und bin Sozialdemokrat geworden. ( Lebhafter Beifall.) Nach diesen aufrechten Bekenntnissen entwickelte General Körner feine Bewertung eines republikanischen Heeres, das unter äußerem Beschränkungszwang steht: Die Ententeleute haben genau festgelegt, wie flein das Heer sein fann, ohne daß ihm jeder Haderlump die Gurgel abschneiden kann. Daher follte man wenigstens glauben, daß die Boltsgemein. schaft dafür sorgen muß, daß das Heer die Grenzen schüßen fann. Dieser Charakter der Notwehr schließt einen militärischen Zwed aus, wie er früher bestanden hat. Der außenpolitische Zweck ist alfo zweifellos pazififtifch. Degouttes neuester Ukas. Er übernimmt die Diktatur. Effen, 22. Februer.( WTB.) General Degoutte hat mit fofortiger Wirkung eine Verordnung betreffend die Kontrolle über die deutschen Beamten erlaffen. Danach kann jeder deutsche Beamte des besetzten Gebietes auf Befehl des kommandierenden Generals der Truppen abgefeht werden, wenn er es für notwendig befindet, sofern die Sicherheit der Befagungstruppen dies erforderlich macht. Ferner tann der General fein Beto bei der Ernennung aller deutschen Beamten für das besetzte Gebiet cinlegen, wenn er der Meinung ist, daß diese Maßnahme notwendig ist, um die Unterhaltung, die Sicherheit und Bedürfnisse der Befagungstruppen oder die Ausnutzung von Pfändern sicher- ustellen. Im Falle, daß ein Beamter stirbt oder ausscheidet oder mehr als einen Monat Urlaub bekommt, entlassen wird oder eine andere Stelle übernimmt, muß der Militärbehörde fofort eine Meldung durch die zuständigen deutschen Behörden zugehen. Zeichen dieser Not" wird jetzt von der Deutschen Tageszeitung" die Wiedereinführung von Lebensmittel. chutzöllen gefordert. Diese von Dr. Paul Baeder geforderten Schutzölle bee deuten und bezwecken unzweifelhaft eine Preissteige. rung der wichtigsten Lebensmittel. Ist es unter diesen Umständen nicht geradezu eine Verhöhugn der darbenden deutschen Kultur chicht, wenn jegt dieser Mann das Wort in jener Kundgebung ergreifen soll? Will er etwa gar in seiner furzen Ansprache eine Lanze für die preissteigernden Schutzzölle breen? Eine Kundgebung zugunsten der Notleidenden unter den deutschen Geistesarbeitern, in der Parteifreunde der Schwerindustrie und des Großgrundbesizes reden sollen, ist entweder Gimpelfang am Vorabend des Wahlkampfes, oder aber zum mindesten leerer Kulturschmus mit allgemeinen Redensarten, die zur harten Wirklichkeit passen wie die Faust aufs Auge. Rechtsregierung in Thüringen. Die„ Retter" der geistigen Kulturschicht. Bon Deutschvölkischen und Demokraten gewählt. Ein paar Fragen. Zur Rettung der deutschen Kulturschicht", des gefähr beten geistigen Mittelstandes" soll in einer Rundgebung am nächsten Sonntag im Reichstag aufgefordert werden. Als Redner ist u. a. der Reichskanzler Dr. Marg angekündigt. Für die innenpolitische Gewaltanwendung fann nur die Organe, stets auf die ungeheuere Gefahr hingewiesen, die der Der Vorwärts" hat, ebenso wie alle sozialdemokratischen Bundesverfassung maßgebend fein, in der es heißt: Defter deutschen wie der europäischen Kultur droht, wenn die Verreich ist eine demokratische Republik; ihr Recht geht vom elendung der geistigen Arbeiter so fortschreitet wie bisher. Uns Bolt aus. Darum ist eine staatsbürgerliche Erziehung der Wehr- kann also der Verdacht nicht treffen, als fehlte es uns an Vermänner notwendig. Sie besteht in der Ueberwindung des Einzelständnis für die Bedeutung und die Berechtigung einer jeden interesses im Intereffe der Gesamtheit. Ohne sie fönnte leicht Hilfsaktion zugunsten der notleidenden Kopfarbeiter. Prätorianertum im Heer Eingang finden. Der Soldat muß so gebildet werden, daß er mit Begeisterung für die Republik erfüllt Fragen aufgeworfen werden: Dennoch aber oder gerade darum müssen folgende Ist sich Dr. Everling dessen bewußt, daß die Hauptursache der Not der geistigen Kulturschicht in Deutschland in erster Linie durch die Inflation verursacht wurde? Will jemand bestreiten, daß die Inflation besonders durch die jahrelange Steuerbrüdebergerei der befizenden Schichten hervorgerufen wurde? Will jemand leugnen, daß die Nugnießer jener Steuerdrückebergerei und Inflation gerade die Schwer industriellen gewesen sind, die in der Deutschen Bolts partei einen unter Führung von Stinnes und Vögler hervorragenden Einfluß-gegen den Stresemann- Flügel aus ist. Erst dann wird er imftande sein, sein Leben mit Begeisterung einzusetzen zum Schuß der Unabhängigfeit. Soldat sein, heißt tämpfen müssen, republikanische: Soldat sein, mit dem Be: mußtsein fein Leben einfegen, daß man sein und feiner Mitbürger Recht auf Selbstbestimmung auf sozialen Aufstieg verteidigt. Solange das jetzige Wehrgesetz besteht( Werbung), kommen immer Leute aus den armen Klassen in das Heer, die sich selten gegen ihre eigenen Leute mißbrauchen lassen werden. Aber es ist schon möglich, daß man durch wirtschaftliche Normen und andere Mittel das Heer torrumpiert, um es zu einem Klaffen instru. ment der regierenden Partei zu machen. Deshalb muß man vermeiden zu sagen: das Heer steht hinter der Regierung. Ueber das Heer verfügt nach der Verfassung die Nationalperfamm. ( ung. Das Heer muß un politisch sein, eingestellt auf Hat Dr. Everling bisher Gelegenheit genommen, wenig @ renzschuß, Schutz der Unabhängigkeit und der Der= ftens innerhalb seiner Partei auf diese Dinge hinzuweisen? fassungsmäßigen Einrichtungen. Wenn also die Sozial. Und fann er es mit seinem Gewissen vereinbaren, gleichzeitig Demofraten verlangen, daß das Heer start bleibe, so ist das nicht der Parteifreund von Stinnes, Vögler und Co. zu sein, und militaristisch gedacht. Wenn die Bürgerlichen ein fleineres Heer ver- eine Rundgebung zur Rettung der notleidenden geistigen Arlangen, um es besser beeinflussen zu fönnen und es gegen die Arbeiter, also der Opfer von Stinnes, Vögler und Co. zu beiter gebrauchen wollten, so ist das militaristisch. leiten? üben? " In noch höherem Maße muß es aber zum Widerspruch geradezu herausfordern, wenn unter den Namen derer, die in der Reichstagsfundgebung furze Ansprachen halten werden, auch der Name des Chefredakteurs der Deutschen Tages zeitung", Dr. Paul Baeder, steht. Freilich ist dieser Herr leider noch immer Borsigender des Reichsverbandes der eleider deutschen Presse, und man mag einwenden, daß er in diefer Eigenschaft das Wort ergreifen soll, zumal das Elend gerade in den Journalistenkreisen besonders groß ist. Indessen müssen auch hier einige Fragen aufgeworfen werden: Ich gestehe, daß der letzte Schritt-an verantwortliche Stelle der Partei zu treten mir sehr schwer fiel. Aber ich bin tem Minister sehr dankbar, daß er mir 3eit gegeben hat, die wissen schaftliche Seite des Sozialismus zu studieren und zu sehen, was im Sozialismus ftect Und ich bin in mühevollem, ernstem Ringen zur feften lleberzeugung gefommen, daß der Sozialismus eine Kulturbewegung ist, für die man sich begeistern tann. Des halb bin ich zu ihm gefommen, um mitzuhelfen und die Soltaten auf ihn einzustellen, damit verhindert werde, daß man die Kultur bewegung nochmals mit Gewalt niederschlage.( Stürmischer Beifall.) Abgeordneter Dr. Deutsch schilderte dann Körner, wie er ihn fennen gelernt hat, und gab der Freude Ausdruck, einen solchen Mann jezt als Gen offen begrüßen zu können. Die Versammlung brach in stürmische, langanhaltende Ovationen für Körner aus. Hätten wir in Deutschland solche Generäle, so würde es teine Kluft zwischen Arbeiterschaft und Reichswehr geben. Petroleum. Bon Victor Schiff. Nach einer Times"-Meldung aus Jerusalem ist die Standard Dil- Company bei Ost- Hebron auf Petroleum gestoßen. Als an der New Yorker Börse jene Kunde vernommen wurde, stiegen die Aftien der Standard- Dil- Co. mit einem Schlage um 15 Proz. An der Londoner Börse hingegen fielen die Aktien des englischen Konkurrenz- Trustes, der Royal- Dutch Shell Co. um ebensoviel Punkte. Indessen ließen sich die Direktoren nicht verblüffen. Gie rüfteten fofort eine Expedition aus, bestehend aus den besten verfügbaren, in Mesopotamien beschäftigten Ingenieuren und Geologen, und ließen ihrerseits in Palästina nach Petroleum fuchen. Troz monatelangen Suchens war es aber dieser Mission nicht gelungen, auch nur die geringste Spur von Erdöl festzustellen. Oft hatten die Geologen gemeint, endlich die richtige Stelle des gelobten Landes entdeckt zu haben, und die Ingenieure hatten dort bis tausend Meter und noch tiefer gebohrt. Doch alle Mühen und Kosten waren umsonst! Unterdessen war das Revier von Cft- Hebron zu einem der ausgiebigsten der Welt geworden und die Standard- Dil- Aktien stiegen und stiegen, während die Royal- Dutch- Anteile fielen und fielen... * Eines Tages, als die englischen Ingenieure bereits jede Hoff nung aufgegeben hatten und ein refigniertes Telegramm der Londoner Zentralbirektion den Aufbruch der Expedition noch zu diesem Wochenende angeordnet hatte, fiel es einem in ihren Diensten stehenden arabifchen Rarawanenreiter auf, daß sein Kamel eigenartig füßlich roch. Und obwohl das sonst so vorbildlich genügfame Tier erst zwei Stunden vorher getränkt worden war, hing seine Zunge melancholisch- dürftend herab. Der Ramefreiter stieg ab, untersuchte bas Maul feines Tieres und fand es feltfam fettig und schmutzig. Ins Zeltlager zurückgekehrt, verständigte er den Tierarzt der Mission. Eine Viertelstunde später befand sich die ganze Gesellschaft in hellem Aufruhr:„ Das Ramel hat Petroleum gefoffen!" Wo? Mit Autos und Motorrädern und Pferden raste man zur bewußten Tränke. Sie lag am Rande des Gartens des jüdischen Kolonisten Aron Silberstein aus Kischinem in Bessarabien, der zufällig tags zuvor einen neuen Brunnen für feine Siedlung gegraben hatte, aber des schlechten Geruches wegen das Loch gerade wieder zuschütten wollte. Dr. Paul Baeder ist Chefredakteur desjenigen Organs, das die Interessen der großagrarischen Kreise vertritt. Nun wird von den Großgrundbesitzern und ihren Sprachrohren seit einiger Zeit viel von der„ Krise in der Landwirtschaft" geredet, oder gar eine geradezu ungeheuerliche Her ausforderung der mirtlich verelendeten Hand- und Kopfarbeiterschichten- von einer Not der Landwirtschaft". Im " Der Kolonist Aron Silberstein aus Rischinem betam so.iel Abfindung für seine Siedlung, daß er mit dem nächsten Dampfer als Steinreicher Mann nach London fuhr, wo er eine große Petroleumimportfirma A. R. Silverstone u. Cie. gründete. Die Ingenieure und Geologen der Mission wurden mit Ehren, Orden und Geschenken überhäuft. Der Chef der Mission, Mr. Spencer, hielt vor den Spizen der Londoner Gesellschaft und den Leuchten der Wissenschaft einen sensationellen Bortrag in dem Kgl. Geologischen Institut. Der Generaldirektor der Royal Dutch Shell Co. bekam das Prädikat Sir". Nur das Kamel, das blöde Tier, war bald darauf an Darmverschlingung gestorben. Karl- Kraus- Theater. Weimar, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) In der Freitag fizung des Thüringer Landtages stellte sich die neue aus Männern der Deutschen Volkspartei, des Landbundes und der Deutschnationalen gebildete Regierung, die von allen Parteien von den Demokraten bis zu den Böltischen gewählt bis zu den B wurde, dem Hause vcr.. gab tie Regierungserklärung ab. Ausgehend von dem außenpoli Der Vorsitzende des Staatsministeriums Dr. Leutheuser fifchen Drud auf Reich und Länder äußerte er, daß auf dem Gebiete des Finanzwesens die Erschöpfung aller Einnahmequellen sichergestellt werden solle. Gleichzeitig werde auf allen Gebieten der Ber waltung größte Sparsamkeit geübt, verbunden mit einer Drosselung der Staatsausgaben. Unverzüglich soll zur Durchführung dieser Aufgaben eine Eröffnungsbilanz über die gegenwärtige Finanzlage Thüringens aufgestellt werden. Auf dem Gebiete der Verwaltung soll die Durchführung der Vereinfachung der Behördenorganisation eine Hauptaufgabe der neuen Re. gierung sein. Darüber hinaus sind die Männer des Ordnungs bundes der Auffassung, daß die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit nur durch eine Polizei gesichert werden kann, die losgelöst von dem Parteistreit ihre Aufgabe ausschließlich in der Aufrechterhaltung der Staatsautorität sieht. Der Wahrung des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinden soll be fondere Aufmerksamkeit zugewandt werden. Eingemeindungen und Verschmelzungen von Gemeinden will man unter diesen Gesichts punften prüfen. Die Justizverwaltung will sich leiten lassen von dem Gedanken der Erhaltung der Staatsautorität und der unparteiischen Durchführung der Gesetze sowie der Unabhängig feit der Gerichte. Es fehlte nur in diesem Zusammenhang die Er wähnung, daß diese juristischen Programmpunfte, wie es an sich be Männern des Ordnungsbundes selbstverständlich ist, im Sinne des Herrn Emminger durchgeführt werden und damit praktisch auf die parteiische Durchführung der Gesetze und die Abhängig. feit der Gerichte hinauslaufen. Die Anfündigung in dieser Be ziehung ist auch bereits gemacht, denn die Regierung erklärte, daß durch ein Uebermaß von Begnadigungen die Straf rechtspflege nicht gelähmt werden dürfe. Das Berufsschu wefen soll im Sinne der Reichsverfassung, im Einvernehmen mu den zuständigen Kreifen und Berufsständen ausgebaut werden. Ge währleistet wird außerdem im Sinne des Ordnungsbundes die un gestörte Religionsübung und die Erhaltung der Kulturwerte der Religion auch durch die Schule. Trotz der Lösung der Kirche ven Etaat soll ihr der Schutz der Regierung, insbesondere in der Wah rung ihrer Rechte und ihrer Feiertage, sicher sein. Zum Schluf erklärte der Vorsitzende des Staatsministeriums: Die Regierung läßt sich von dem Gesichtspunkt leiten, daß es ihre Aufgabe ist, di Interessen aller Berufs- und Bevölkerungsfreise zu vertreten unt gegeneinander abzuwägen, nicht aber als Träger einer einseitiger Partei- und Interessenpolitik zu sehen." Die Taten" der neues Männer dürften bald zeigen, wie es damit bestellt ist. fam der Film. Das Manuskript stammt von Dr Schelenz, bie Regie führte Dr. Köhler und für die Photographie zeichnet Konrad Wienede, alle drei von der Kulturabteilung der Deulig. Wir sehen, wie ein Jüngling, der angetan mit elegantester Modelleidung dazu Stödden und Zigarette, in eine Jugendwandergruppe gerä und gern mitwandern möchte. Der Führer nimmt sich des Jün gelchens liebevoll an und führt ihn in die Geheimnisse der Jugend wanderkunst ein, deren erstes ist, daß man seinen Leib in eine zünftige Kluft siedt und deren zweite, daß 3 garettenrauchen unt Bier- und Schnapstrinken in der Jugend durdaus nicht zum guter Ton gehört. Man sieht dann eine Gesellschaft von Jungens unt Mädels, die sich übrigens vortrefflich vor dem Objektiv bewegen, auf der Fahrt. Man sieht sie untereinander und mit anderes Wanderfreunden die wiedererstandenen schönen Boltstänze tanzen man sieht sie dann abends in einer Jugendwanderherberge einfehrer und dort die Nacht verbl iben.( Der Film ist eigentlich ein Werbe film für das Jugendherbergswesen.) lind diefes ganze liebe und überraschend natürlich und anmutig fröhliche Leben spielt sich so anziehend vor einem ab, daß man den Wunsch hat, sofort mitzu machen. Der Photograph Wienece hat Meisterliches geleistet, und es weitet sich einem die Seele, wenn er so eine märkische Landschaft aufblendet und die frischen Jurgen und Mädels hindurchwandern läßt. Leider ist eines der wichtigsten Bilder, das von der Sonnen wende, nicht gut gelungen und die schaurige Birage der Deulig ver aufnahmen laffen sich heute zu padender Wirkung gestalten. Wefent schlimmert die Sache eigentlich noch. Derartige nächtliche Feuer. lich und wirksam unterstützt wurde wohl die Vorführung durch die B gleitmusik hinter der Szene, durch Klampfe, Geige und Flöte und Gesang. All die alten und neuen schönen Wanderlieder tönten in den Zuschauerraum hinein und gerade sie machten die Vorfüh Berthold Biertels Truppe" hat ihr Lustspielhaus für mehrere Abende dem Fadel" Kraus überlassen, der hier nicht nur aus eigenen Schriften vorlieft, sondern auch aus Baudelaire, Shakespeare, Neftroy, Liliencron, Wedekind ein( dialetisch start öfterreichisch gefärbtes) Bortrags- Theater bietet. Die starte Berliner Kraus- Gemeinde iſt in Beifall und Enthusiasmus so hyperbolistisch geworden, daß mancher der neuen Zuhörer zum mindesten was ten Bortragsfünftler anbelangt etwas enttäuscht ist. Auch als etwas enttäuscht ist. Auch als Kraus ein. Hätten wir in Berlin ein eroterisches Rabarett", so Reitcouplet änner( nach Musik von Mechtilde Lichnowskn) fühlte sich dürfte er dort nicht fehlen. Er würde hier die politischen Leidenschaften des Publikums ganz anders aufwühlen als an dieser Stelle, fophie, Metaphyfit zu erkennen meint. Da gab es Pflaumen gegen wo man hinter attuellen Namen sogleich Weltanschauung, Philoverflossene Kaiser, Stresemann, Bahr, Hofmannsthal, Stefan Großrung mit dem Film zu einem einzigartigen Erlebnis. mann, Schauspieler, die für Wien mehr denn für Berlin bedeuteten. Diese Pflaumen überflüffig festzustellen, daß fie mißig bis zum genialen Funfen fein fonnten reizen andere zur Gegenwehr. ( So verließ der Kritifer eines Abendblattes mit donnernden Schritten, Schmußigleiten!" rufend. den Saal, weil er nämlich ein „ laiserlicher Rat" war.) Der Po'emiter auf der Bühne, im Laufe des Abends sich selbst anfeuernd, blieb und wuchs ins Zeitlose, war plötzlich selbst Goethe- lyrisch bewegt, so sehr er eben noch gegen die Goethe- Affen" losgemet'ert hatte. Man kann das menschlich nennen weil nämlich all diese Etstafe aus einer zerrissenen, leidenden Menschlichkeit kommt, die alles Literarische und Manifestantenhafte weit hinter sich läßt Wenn eine Leidenschaft, gar eine sehr temperamentvolle, bejaht oder verneint, muß fie es als Selbstver fpaltet. Die Klatscher und Jubler behielten die Oberhand. Aber auch die Nihtroifigen mußten sich zu der Ansicht beonemen. daß diefer Abend intereffan'er war als mandje, die wir sonst in diesem Hause aufgetischt befamen. " -Am nächsten Morgen lief folgender Funtspruch aus Jerufalem ständlichkeit hinnehmen, daß sich das Theater in zwei Parteien in London ein: " Royal- Dutch London. Dant scharfsinnigen Feststellungen Geologen und zielficheren Bohrungen Ingenieure sind wir bei Genezareth auf unüberseh bare Petroleumquellen gestoßen. Nähere Einzelheiten folgen. Chefingenieur Spencer." Beim Bekanntwerden dieser Nachricht stiegen die Royal- Dutch inteile mit einem Schlage um 30 Broz, während in New York eine allgemeine Börsenpanit durch den Rückschlag der Standard- Dil Allien ausbrach. ―er. Ich fahre in die Welt". Ein Film mit diesem vielversprechen den Titel erlebte in der Urania" seine Uraufführung vor einem Bublitum von begeisterten Jugendlichen. Dazu auch ältere und elterliche Freunde. Staatssekretär Genoffe Heinrich Schulz eröffnete den Abend mit einer lebendigen wirtungsvollen Ansprache über Notwendigkeit und Schönheit des Jugendwanderns und dann tr. graphen- Union verbreitet die Nachricht, daß Otto Klemperer Klemperer noch nicht an die Voltsoper berufen. Die Tele aus Köln als Direktor der Großen Voltsoper nach Berlin Spielzeit anträte. Die Nachricht ist in dieser abschließenden Ferm berufen sei und daß er sein neues Amt mit Ende der laufenden nicht richtig, wie die Direktion der Boltsoper privatim selbst schon in früherer Zeit, aber zu einem Bertragsabschluß mitteilt. Es schweben allerdings Berhandlungen mit Klemperer wie ist es noch keineswegs gekommen. Eine lebereilung in dieser Hinsicht dürfte wohl auch faum am Blake sein, so begehrt lemperer auch für einen leitenden Boften in Berlin sein muß, do erst vor furzer Zeit der junge Ezenfar die Oberleitung über das Bolksoperinj.itut übernommen hat und als folcher reiche Entwid lungsmöglichkeiten und Talentproben an den Tag gelegt hat, zuletzt bei der gefirigen Premiere des Boris Godunow". Der Co otvortrag des Gen. Dr. Suttmann wird zum Ietten. mal am Sonntag, den 24., abends 7 Uhr, im Institut für Meerestunde wiederbolt. Karten find( gu balbem Preise für„ Bouwäris". abonnenten) in der Vorwärtsbuchhandlung nur im Borverkauf erhältlich, In der Arbeiter- kunft, Parochialftr. 29, fpricht Ernst Friedrich am 23. Februar, Masie Mensch und am 24. Februar und 1. März. Die Maschinen stürmer bon Ernst Toller. fchates Berlin im Lieb( an 12 Sonntagabenden, 7 Uhr) bea Käte Hyan hat sich für eine einmalige Reitenfolge ibres großen Lieder. Berliner Rathaus ja ai auserwählt. 1 Stresemann- Rede in Dresden. Reises und Gedankenflüge. Dresden, 22. Februar.( WEB.) Gelegentlich der fünfzigjährigen Gründungsfeier des Nationalliberalen Reichsvereins in Dresden hatte die Ortsgruppe Dresden der Deutschen Volkspartei zu einem Festabend eingeladen, bei dem auch Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann sprach. Der Minister war nach Schluß der heutigen Reichstagsfizung im Flugzeug nach Dresden gekommen. Stresemann sagte u. a., es sei die Tragik der deutschen Politik nach dem Kriege gewesen, daß man große Worte gebraucht habe, ohne daß dahinter eine Macht gestanden habe. Die Torheit nach der Revolution habe darin bestanden, daß man alles gleich machen wollte. Man müsse von dieser Gleichheit wieder zurück zur Differenzierung. Der Minister kam dann auf die Berhängung des Ausnahmes zustandes unter seinem Kabinett zu sprechen. Damals, als man vom Chaos über die Stabilisierung hinweg zum Wiederaufbau habe fommen wollen, sei ihm Bayern in die Flanke gefallen. Er habe aus Veröffentlichungen des Vorwärts" seinerzeit mit Bestimmt heit gewußt, daß von Sachsen aus eine Weltrepo lution geplant gewesen sei. Es sei auch festgestellt, daß, wenn von Bayern aus der Marsch nach Berlin angetreten worden wäre, gleichzeitig Deutschland von den fremden Mächten von drei Seiten aus bedroht wäre. Er sehe in unserer augenblicklichen Politik feme Epoche, sondern nur eine Episode und vergleiche die Zeit mit der der französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. Man stehe mitten im Kampfe um neue Weltorientierungen. Um ten Staat zu retten, müsse vor allen Dingen wieder der deutsche Mitte stand in seine Rechte eingesetzt werden. Die Reichsregies rung dente nicht daran, in besonders gefährde ten Gebieten den Ausnahmezustand völlig auf: zuheben. Es sei zum Besten Deutschlands auch notwendig, daß es feine alten Kolonien wieder erhalte. Bereits set eine moralische Sfolierung Frankreichs im Werden, und man fönne vielleicht sehr bald mit einer völligen Umgestaltung der Weit. politit zur Frage des Versailler Friedensvertrages rechnen. ( Ueber diese Rede wird noch zu sprechen sein." Für heute sei nur joviel gesagt: Herr Stresemann fann wohl im Vorwärts" gelesen haben, daß„ von Sachsen aus eine neue Weltrevolution geplant gewesen sei, aber daß der„ Borwärts" diese Weltrevolution" ernst nimmt, daß wird er ganz gewiß nicht im Vorwärts" gelesen haben. Red. d.„ B.") " 11 Eine Ohrfeige für Loßberg. Kaffel, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Staatsgerichtshof in Leipzig hat auf die Beschwerde des„ Kaffeler Boltsblattes, das bekanntlich vom 14. bis 16. Januar von Beneral Reinhard verboten war, den Beschluß gefagt, daß as Berbot zu Unrecht erfolgt iei. In dem betreffenden Artikel, den das„ Kafeler Boltsblatt" mit der Neberschrift Eine Dhrfeige für Loßberg berlehen babe, sei keine Beleidigung der Reichswehr zu erbliden. Es sei allerdings iber das zulässige Maß der Kritik binausgegangen. Es ist nicht arzunehmen, daß bei den Leiern der im übrigen rein fadlich ge haltenen Notiz die Reichswehr in beschimpfender Weife herab gewürdigt worden sei. Das Verbot des„ Kaffeler Bolteblattes" lönne daher nicht aufrechterhalten werden. Der Beschwerde war tattzugeben. ふさ Die„ Niederlage von Homburg". Auseinandersetzungen in der bayerischen Volkspartei. München, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Wie zu er warten war, hat die Vereinbarung zwischen Bayern und dem Reich zur Beendigung des Konflikts in der Fraktion der Baye rischen Volkspartei einen heftigen Sturm hervorgerufen. Die Berwürfe, die gegen den abwesenden Ministerpräsidenten Knil ling wegen feiner„ Niederlage von Homburg" erhoben wurden, ling wegen seiner„ Niederlage von Homburg" erhoben wurden, rvaren, wie man hört, von einem ungewöhnlich starten bajuvarischen Groll getragen. Dem Kenner der Verhältnisse ist es nicht schwer, zu erraten, daß diese Empörung auch diesmal gerade von jenen Boli tifern zur Schau getragen worden ist, die in ihrem Leben noch nie. mals über die bayerischen Kirchtürme hinausgesehen haben. Ministerpräsident Knilling ist bekanntlich seit mehreren Wochen an Bronchitis so schwer erfrankt, daß er den Staatsgeschäften vollständig fernbleibt. Er weilt zurzeit in einem Kurheim in Garmisch Bartenkirchen. In wohlunterrichteten politischen Kreisen spricht man davon, daß Knilling nicht mehr auf seinen Bosten zurückkehren wird, eine Voraussage, die angesichts der Tatsache, daß der am 6. April neu zu wählende Landtag noch vor Ostern zusammentreten wird, um eine neue Regierung zu bestellen, die größte Wahrschein lichkeit für sich hat. Es ist verständlich, daß man bei den augenblicklichen Verhältnissen unter allen Umständen eine Regierungs.rife vermeiden will. Ein zäher Verleumder. In der München- Augeburger Abendzeitung" bat Dr. Gansier in einem Dffenen Brief an den Reichspräsidenten erneut den Vorwurf des Landesverrate erhoben. Der Reichspräsident hat gegen Gansfer, der seinen Wohnfig in Berlin hat, bei der zuständigen Berliner Staatsanwaltschaft Straf antrag wegen verleumderischer Beleidigung gestelt. Die Sachverständigenarbeit. Paris, 22. Februar.( MTB.) Das Komitee Dawes hat heute vormittag den Stand der Arbeiten seiner beiden Unteraus hüsse zur Kenntnis genommen. Diese Unterausschüsse hielten heute nachmittag feine Sigung ab, um ihren Mitgliedern zu ermöglichen, den von den Eisenbahn sachverständigen Acworth und Leverve eingebrachten Bericht zu studieren; er foll morgen im Komitee zur Er= örterung gelangen. Die Mitglieder des Ünterausschusses für die antenfrage sind damit beschäftigt, die Statuten der kommen. den Notenban! zu bearbeiten, während der Unterausschuß für die Budgerfrage die letzte Hand an feinen Bericht leet, der wahr. scheinlich Montag zur Debatte gelangen wird. Das Komitee Mec Kenna hat seine Arbeiten betreffend die deutschen Auslandsguthaben fortgesetzt. Pfalzpolitik und Verständigung. Stresemann spricht im Reichstag. Im Reichstag nahm gestern zur Pfalz- Interpellation Außenminister Dr. Stresemann wir das Wort und erklärte: An einer Stelle der Debatte ist davon gesprochen worden, daß man den Dingen in der Pfalz nicht mit nattivität gegenüberstehen dürfe. Ganz gewiß nicht! Aber die Tätigkeit des Auswärtigen Amtes in der Pfalzfrage wird man gewiß nicht als inaktiv bezeichnen können. Wir werden demnächst in einem Weißbuch alle Brotokolle herausgeben, die sich beziehen auf unsere Schritte in der Frage die uns hier alle angeht. Ich darf engsten vielleicht mit dem Geschick der Pfalz verbunden ist, die darauf hinweisen, daß diejenige deutsche Landesregierung, die am bayerische Regierung, Gelegenheit genommen hat, uns ihren Dank für das auszusprechen, was wir tun fonnten innerhalb der Machtsphäre, die wir haben. Zunächst möchte ich Ihnen eine Darstellung geben über die Verhandlungen, die wir über die Pfalz mit Paris geführt haben. Wir haben im November poricen Jahres eine ausführliche Note über das Verhalen der französischen Besahungstruppen gegenüber der einheimischen Bepölkerung abgesandt. Frankreich hat darauf im Dezember geantwortet. Diese französische Antwort machte den Versuch, einen fleinen Bruchteil der deutschen Beschwerden zu widerlegen. Ein Eingehen auf den Gesam'inhalt unserer Note lehnte fie prinzipiell ab, mit dem Bemerken, daß die französische Regierung den Bertretern der alliierten Mächte in Koblenz unrecht täte, wenn sie die Beschwerde Punkt für Punkt beantworten wolle.( hört, hört!) Es ist mir aber nicht bekannt, daß die alliierten Mächte in Koblenz den Wunsch ausgesprochen hätten, daß die französische Regierung fich einer derartigen Prüfung unserer Beschwerden nicht unterziehen foll'e. Am Schluß der Note war zum Ausdrud gebracht, die deutsche Regierung habe in offenbar schlechtem Glauben Anflagen gegen die französische Republik erhoben, und sich dadurch für alle Beschwerden, die sie in Zukunft vorbringen werde, verdächtig gemacht.( Lebhaftes Hört, hört!) Dadurch wird also von vornherein, ohne daß man unsere Behauptungen materiell prüft, eine Brüfung abgelehnt. Wir haben diese einzelnen Tatsachen sofort zum Gegenstand neuer amtlider Ermittlungen gemacht. Ehe wir aber das Ergebnis dieser neuen Ermittlungen der französischen Regierung überreichen fonnten, waren gezwungen, eine weitere Beschwerde an die französische Regierung zu richten, die die besonderen Verhältnisse der Pfalz notwendig machen. Das war die Note vom 2. Februar, die speziell politischer Natur war, indem sie ohne auf Einzelfälle einzugehen, das Gesamt verhalten Frankreichs gegenüber den Separatisten zum Gegenstand hatte. Die französische Regierung glaubte uns damit abfertigen zu können, daß sie sagte, es feien nicht erwiesene Ber: leumbungen. Das alles hat uns erneut veranlaßt, das gesamte schon vorher zusammengebrachte Material und auch einige neue Tatsachen der französischen Regierung zur Verfügung zu stellen. Das Material, das überreich vorhanden war, wurde in einer erschöpfen den Darstellung am 20. Februar durch den Botschafter in Paris überreicht. Nun teilt mir heute der deutsche Botschafter in Paris mit: Frankreich lehnt es ab, diefe Note entgegenzunehmen. ( Hört, hört!) Es lehnt es ab, sich in Streitickeiten zwischen Deutschen einzumischen, und sagt, daß die französische Regierung an diefen Streitigkeiten nicht betciligt sei( hört, hört!) Frankreich hat verfucht, den Separatismus mit dem pfälzischen Bolk gleichzustellen. Ich glaube nicht, daß diefe Darstellung heute selbst in der franzöfischen Deffentlichkeit noch aufrechtzuerhaften ist. Wenn sich Frant reich nicht in die Berhä tnisse in der Pfalz einmischen wollte, dann würde der ganze Sput in 24 Stunden zu Ende sein.( Erneute 3u stimmung.) Und wenn heute Broteft erhoben wird dagegen, daß es zu Blutteten gekommen sei, dann ist es hier ebenso wie mit dem Grauen über Borgänge in der deutschen Geschichte, von dem er mann Löns in feinem Werwolf" fagt: Wenn man die Geduld eines Boltes bis aufs äußerste spannt, bis sie reißt, und wenn es dann zu Ta'en kommt, die zu verurteilen sind, so find diese doch bei der Berteidigung der göttlichen Rechte eines Volkes durchaus verDeshalb soll man die Dinge so ständlich.( Lebhafter Beifall.) diese Burückweisung einer begründeten deuifchen Note über die Pfalz nehmen, wie sie sind, und ich fürchte, daß diese neue Tatsache, daß nur dazu beitragen wird, an Stelle der Verständigung, die jedermann wünscht, aufs neue die Berzweiflung eines Bolles zu sehen, daß derjenige fich betrogen fühlen muß der davon hört, daß man sich nicht in Streitigkeiten zwischen Deutschen einmischen wolle, während seine ganze Beschwerde darin besteht, daß man ihm nicht gestattet, fein Recht zu wahren.( Zustimmung.) Wir stehen gegenwärtig in einer Situation. in der die Welt nach einer Lösung der großen Wirtschafts- und Finanzfragen sucht. Jedermann in Deutschland wünscht und erfehnt eine Verständigun in dieser Frage. Wenn es sich darum handelt, die deutsch- französische Frage zu lösen, so wird es sich aber nicht nur handeln um das Verhältnis von Roble und Erz, nicht nur um das Verhältnis von Goldnotenbank und Reparationen, sondern jede Verständigung muk ausgehen von dem Verhältnis der Völker zueinander.. wenn man dem deutschen Bolle zumutet und wir auch als Regierung ibm zumuten müssen, wie jede andere Regierung es tun müßte, die schwersten Basten zu übernehmen denn auch jede Berständigung wird begleitet sein von schwersten Lasten-, dann fann diese Forde rung nur gestellt werden an ein Bolt, das das eine weiß: daß es fann sich aber immer noch nicht, infolge des Widerstandes der grof kapitalistischen Kreise, dazu entschließen. Man muß nur beSenten, wie diese Gegenüberstellung z. B. auf die Arbeiter in Oberschlesien oder in den abgetretenen Gebieten der Ostmart wirfen muß. Noch vor drei Jahren fonnte bei der Abstimmung in Oberschlesien Deutschland mit Stolz seine Borfämpferstellung auf dem Gebiete der Sozialnesetzgebung hinweisen und Zehntausende von polnisch sprechenden Arbeitern haben unter diesem Eindrud für Deutschland gestimmt. Und jetzt?! Unterhauserfolg der Arbeiterpartei. London, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Arbeiterabgeordnete Ben Gardner brachte heute im Unterhaus einen eigenen Antreg ein dahingehend, daß die staatliche Rontrolle der Mieten um drei Jahre, also bis 1928, verlängert werden follte, während der unter der Baldwin- Regierung eingebrachte Regierungsentwurf die Kontrolle bereits am 31. Mai 1925 beenden lassen wollte. Außerdem soll nach dem Antrag Gardner die Grenze der erlaubten Mietsteigerungen auf 25( att 40) Broz. herabgefeßt werden. Der zuständige Gesundheitsminister heatley stimmte dem Antrag zu, ohne jedoch die offizielle Verantwortung dafür zu übernehmen, und drückte die Hoffnung aus, daß der Antrag auch in zweiter Lesung angenommen werde. Gegen diesen Antrag richtete sich eine starte Opposition von konservativer Seite. Die Konservativen beantragten Allehnung, wurden aber mit 248 Mon wird sich bald auf dem Gebiete der Sozialpolitit gegegen 101 geschlagen und der An'rag in zweiter Lesung nieren müssen, Deutscher zu sein: Nach der Lehre, die soeben das angenommen. Da nun erwartet wird, daß die Regierung sich den Echweizer Bolt den eigenen und auch ben vielen Seutschen Scharf. Antrag zu eigen macht, bürste er zum Gejeg erhoben werden. machern erteilt hat, nach der Ablehnung einer Berlängerung der Flottenbau und Arbeiterpolitik. Arbeitszeit durch die belgische Kammer, geht jetzt fogar Bolen ten Weg der Ratifizierung des Washingtener Abkommens voran, die Zu der bereits gemeldeten Unterhausdebatte, in deren Ber'auf auch die englische Regierung angefündigt hat. Deutschland der Marineunterstaatssekretär Genosse 2mmon die Mitteilung Selbst Polen für den Achtstundentag. Warschau, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsident der polnischen Republit hat am Freitag die internationa en Ronventionen über den A chi si undenlag ratifigiert. Danach hat er Albert Thomas empfangen, der auch von der Warschauer Universität besonders gefeiert worden ist. I mit dieser Caft die vertragsmäßige Freiheit sich erwirbt, auf die es ein Recht hat. Das gilt für die Pfalz, für das Rhein and, für die befeßten Gebiete überhaupt, für das ganze Boit.( Lebhafter Beifall.) einem Revanchefrieg, weder als Politifer noch als alter Soldat, aber wir warnen davor, das deutsche Bolt schließlich doch zur Verzweiflung zu bringen. Nötig ist vor allem, daß wir im Innern Ordnung und Einigkeit haben, um wieder unseren Platz unter den Völkern einnehmen zu können. Fahren die Franzosen fort, wie bisher, dann kommt der Tag der Vergeltung. nalistische Aufpeitschung der Leidenschaften vor. Die bloße Tatsache, daß England eine Arbeiterregierung hat, wirkte auf Poincaré bereits sichtbar ein. Abg. Ledebour( U. S. P.) wirft den Rednern der Rechten natioAbg. Hofmann- Ludwigshafen( 3.) bemerkt in seinem Schlußwort: Der Schluß der Pfalzdebatte entsprach nicht dem Ernst der Sache.( Sehr wahr! im Zentrum.) Zu völkischer Propaganda eignet fich die Pfalzfrace nicht. Her gilt es nicht große Worte zu machen, fondern die stille Tat ist maßgebend.( Sehr wahr!). Wir Pfälzer bleiben dem Reiche treu.( Beifall.) Damit sind die Interpellationen erledigt. Der deutschnationale Antrag wird dem Rechtsausschuß überwiesen.. Der Gesetzentwurf über die Erstattung der von den Ländern und Gemeinden den Beamten in den befeß'en Gebieten gezahlten Wirtschaftsbeihilfen wird dem Haushaltsausschuß überwiesen. Es folgen Berichte des Geschäftsordnungsausschusses. Es wird u. a. beschlossen, daß eine Anzweiflung der Beschlußfähigkeit des Hauses in jedem Falle nur unmittelbar vor einer Abstimmung zuläffig ift. Vor der Abstimmung über die Ausschußvorschläge bezweifelt Abg. Eichhorn( Komm.) die Beschlußfähigkeit. In namentlicher Abstimmung werden die Vorschläge des Ausschusses mit 157 gegen 108 Stimmen bei einer Stimmen haltung angenommen. Bei der Erörterung eines Schreibens des Abg. v. Graefe führt Abg. Wulle( deutschvölk.) darüber Beschwerde, daß den deutschpöltischen Abgeordneten entgegen dem ausdrücklichen Be schluß des Geschäftsordnungsausschusses das Reden in Ber fammlungen verboten ist. General v. Seedt und Reichswehrminister Dr. Geßer hätten sich einfach über diese Reichstagsbeschlüsse hinweggefeßt. Der Reichstag sollte es auch nicht dulden, daß die Bureaus von Abgeordneten im Reichstag beschlagnahmt werden. Der Antrag Wulle wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und einiger Mitglieder des 3entrums und der Demokraten angenommen. Angenommen wird ein Antrag Warmuth( dnatt.), einen Gefeßentwurf zur Abänderung des Preisegefeßes dahin vorzulegen, daß bgeordnete als verantwortliche Redakteure periodischer Druckschriften nicht bezeichnet werden dürfen. Jmmunität und Hochverrat. Zum Antrag des Oberreichsanwalts auf Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. v. Graefe( deu schvölt.) megen Hochverrats beantrart der Geschäftsordnungsausschuß die Erteilung der Genehmigung. Das Haus beschießt nach dem Ausschußantrag gegen die Stimmen der sozialistischen Barteien. Die Genehmigung zur Strafperfolgung der fommu. nistischen Abgg. Frölich, Koenen, Remmele, Stoeder, Frau Belkin und des sozialdemokratischen Abg. HoffmannKaiserslautern wegen Hochverrats und Beraebens gegen das Revublitschutzgesetz soll nach dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses erteilt werden, daregen soll die Genehmigung zur Berhaftung der genannten kommunistischen Abgeordneten nicht erteilt werden. Berichterstatter Abg. Dr Wunderlich( D. Bp.) trägt ein umfangreiches Material aus Artikeln und Dokumenten vor, das den Hodi verrat der fommunistischen Abgeordneten erweisen soll, und weist darauf hin, daß in Amerika Enoland und Frankreich die Immunität erstatter trt persönlich auch für die Genehmigung der der Abgeordneten in folchen Fällen nicht geschützt sei. Der Bericht. Verhaftung ein. Präsident Löbe schlägt die Bertagung vor, da noch eine längere Debatte zu erwarten sei. Bon mehreren Rednern werden gegen den Berichterstatter Bor mürfe erhoben, weil er entgegen dem Ausschußbeschluß für die Genehmigung der Berhaftung plädiert habe. Abq. Dr. Breitscheid( S03.) erhebt den Borwurf, daß der Abg. Wunderlich hier Material vorgetragen habe, das er dem AusBerichterstatter Abg. Dr. Wunderlich stellt fest, daß er dasselbe schuß vorenthalten habe Material dem Ausschuß vorgetragen habe.( Abg. Frölich( Komm.): Glatte Lüge!) Bräfident Löbe: Jch rufe den Abg. Frölich zur Ordnung; er darf nicht„ Lüge" sagen, und dieser Borwurf ist auch fachlich unberechtigt. da ich selbst einen großen Teil dieses Materials im Ausschuß gehört habe. Nach längerer weiterer Geschäftungsordnungsaussprache wird die Bertagung dieser Debatte beschlossen. Nächste Sigung Dienstag 2 Uhr: Notetat und politische Aus fprache über die Notverordnungen. Schluß 6% Uhr. machte, daß die Arbeiterregierung fünf neue leichte Kreuzer und zwei Zerstörer bauen lassen werde, ist noch auf Grund eines eigenen Drahtberichtes aus London folgendes nachzutragen: " Wie die Blätter melden, werden die neuzubauenden Kreuzer je etwa 10 000 Tonnen start sein und mit 200- Millimeter- Geschüzen versehen sein. Die Aufträge für alle fünf Kreuzer werden Brivat. firmen übertracen. Es wird dadurch unmittelbar Arbeit für 32 000 Tausend. Macdonald hatte im Unterhaus erklärt, daß diese BauErwerbslofe verschafft werden, fowie mittelbar für einige weitere aufträge unabhängig von der eigentlichen Regie. rungspolitit erfolgen würden. Die F'ottenpolitik der neuen Regierung sei Gegenstand von Beratungen, indessen fei es die Pflicht der Regierung, veraltete Schiffe zu erlegen." In der franzöfifchen Kammer wurde gestern die Beratung der Steuergesetzentwürfe der Regierung fortgefeßt und verschiedene An träge der Linfen, die von der Regierung befämpft wurden, mit Mehrheiten von 115 bis 190 Stimmen abgelehnt. Staatssekretär Dr. Freund vom Preußischen Ministerium des Staatsiefretär Freund Innern ist am 22 Februar geftorben. wurde im Jahre 1861 in Breslau geboren, 1882 wurde er Gerichts1908 wurde er fommiffarisch ins Ministerium referendar. des Innern berufen. Ein Jahr darauf wurde er bort Geh. Regierungsrat und Vortragender Mat. 1911 Ministerialdirektor. Im November 1918 wurde er Unterftaatssekretär. Der Reichsfagsabgeordnete Hoffmann- Schmargendorf, von dem fchon jüngst eine Storrespondenz meldete, er habe sich den Kommuniften angeschlossen, bat jept offiziell feinen Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei mitgeteilt. Hoffmann war schon zue vor wegen Disziplinbruchs aus der Reichstagsfraktion ausge ichloffen worden. Hilfsaktion für Sozial- und Kleinrentner. Am heutigen Sonn abend verhandeln Vertreter der Landtagsfraktionen mit dem Wohl. fahrts. und dem Finanzminister über Hilfsmaßnahmen, die eine im Landtag abgehaltene Ronferenz der Sozial- und Kleinrentner ge fordert hat. Gewerkschaftsbewegung Generalversammlung der Metallarbeiter die Stillegung wichtiger Betriebe verhindern will, bann möge fie die Kaffel, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Reichel, vom Borstard, referiert in der Bormittagssigung über den 10. Intern. Metallarbeiteriongreß. Die Zusammenballung Des Rapitals mache vor den Landesgrenzen nicht halt. Diese Tat fache bestimme auch die Politik der internationalen Arbeiterschaft. Weiter ging er auf den Bruderkampf in der Arbeiterschaft ein. Wir haben zwei politische Internationalen und das Bedauerliche dieser Tatsache sei die gegenseitige Bekämpfung in der Arbeiter. schaft, die ausgeschaltet werden müsse. Es scheine ein schwerer Fehler, daß eine Internationale ihren Siz in einem wirtschaftlich und geiftig zurüdgebliebenen Lande habe und infolgedessen auch falsche Schlüsse auf die internationalen Berhältnisse ziehe. Die meisten der pon der Roten Internationale" herausgegebenen Barolen felen durchaus auf russische Verhältniffe zugeschnitten. Die Am si er. damer In'ernationale fuche der geistigen Einstellung der einzelnen Landesorganisationen gerecht zu werden. In Rom habe die In. ternationale beschloffen, alles zu tun, um fünftige Kriege zu ver hindern. Es sei schon wertvoll, daß ein solcher Beschluß über. haupt zustande gekommen ist. In Luzern habe die Metallarbeiter internationale beschlossen, die Produktion von Kriegswaf fen zu verhindern. Wenn nicht in allen Ländern diesem Beschluß Rechnung getragen würde, so lägen bestimmte Berhältnisse in einzelnen Ländern zugrunde. Die Forderung auf Beseitigung des Strieges müsse erst im Herzen der Menschheit veranfert werden, dann werde fie fiegreich fein. Die faschistische Bewegung in Deutschland merde auf Grund der Stärke der deutschen Arbeiterbewegung feinen Erfolg haben. in die Betriebe zu bekommen, als bis ihre berechtigten Forderungen erfüllt find. Anmerkung der Redaktion: Wenn die Militärbehörde, auf deren Anordnung das Eingreifen der Bolizei zweifellos zurückzuführen ist, Unternehmer anhalten, die feither gültigen Löhne zu zahlen. Seit Ende November find den Berliner Mühlenarbeitern zwei Drittel ihrer Löhne abgebaut worden. Die Mühlen arbeiter wollen arbeiten. Sie wehren sich nur gegen einen weite. ren Lohnabbau. Transvortarbeiterstreit in den Geldschrankbetrieben. Im November 1923 wurder durch Berhandlungen in der Geld fchranfindustrie Goldlöhne eingeführt, die bei den Transportarbeitern bereits größere Spannen in der Entlohnung brachten. Bisher bes trug der Unterschied von Lohnklasse I zu V 20 Broz. Troh des Hin meifes bei Berhandlungen, daß diefe Entlohnungsart bei den Kollegen auf Widerstand stößt und zu Differenzen in den Betrieben führen wird, wurde von den Arbeitgebern eine noch größere Spanne gefordert. Unter Vorsiz des Gewerberats Körner murde vom Schlichtungsausschuß dem Wunsche der Arbeitgeber Rechnung getragen. Der Schiedelpruch belagt, daß der Sohn der Gelernten be tehen bleibt, der Bohn der Transportarbeiter, Frauen und Jugendlichen um 2 bis 3 Bf. pro Stunde herabgelegt und damit die Spanne in den Klaffen I bis V auf 24 Broz. erhöht wird. In zwei vom Deutschen Berkehrsbund einberufenen Berfamm. lungen ift diefer Schiedsspruch einstimmig abgelehnt und der Streit beschlossen worden. Die daron beteiligten Organisationen haben nochmals in fester Stunde den Verfuch unternommen, bevor es zur Arbeitseinstellung fam, durch Berhandlungen den Streit bei. zulegen. Die Herren Arbeitaeber lehnten Verhandlungen ab, fo bak feit gestern die Transportarbeiter der Geldichrantbetriebe fich im Streit befinden. Den Arbeitgebern ist es mit fe des Schlichtungs. ausschulfes gelungen, den Lohn der Transpo.rbeiter um 14 Proz. feit November 1923 zu fürzen. Warenhaus- Praktiken. Als erster Redner ergreift Söllein( Romm.) das Wort. Er bestreitet, daß die Rote Internationale auf ruffische Berhältnisse ein. gestellt fel. Lebhafte Heiterkeit löft feine Behauptung aus, daß die Amsterdamer Internationale nur Refolutionen fabriziere, während bie Rote Internationale die Arbeiterschaft mit allen Mitteln in ben Kampf führen molle Die deutsche Arbeiterschaft betreibe eine feige Bolitit(!), 1914 habe die Internationale perfagt und Durch die Unsicherheit der Eriftena verontost. Find the ofs ebenso habe sie später verjagt. Man müffe die Bourgeoisie nieder. " Aushilfe" in Warenhäusern tätigen Frauen und Mädchen nur allzu Schlagen durch Aufrichtung der proletarischen Diftatur. Die Deutsche leicht bereit, auf ihren zustehende Rechte. 3. B. auf die Anrufung Arbeiterbewegung und die Internationale werden von Höllein als des Betriebsrates oder das vermittelnde Eingreifen der Gewerf: reformistisch, verräterisch, fcige usw. bezeichnet. Als Höllein bea hauptet, nur die Revolutionäre hätten beim Ruhrkampf eingegrifiaft zu verzichten. Ben mill es also wundernehmen, wenn die Barenbausbesitzer von der Möslichkeit. Aushilfer einzustellen. nur fen, wird er vom internationalen Sekretär 31g gefragt, was denn ellau gern Gebrauch machen. Man sollte jedoch annehmen, daß das die russische Internationale getan habe. Höllein antwortet mit soziale Verständnis der Arbeitgeber sie veranlassen würde, die einallerhand Rebensarten von diplomatischen Eingriffen( D) usw.( Beaufteffenden Aushilfskräfte durch den städtischen Arbeitsnachweis zu lächter.) zustellenden Aushilfskräfte durch den städtischen Arbeitsnachweis zu beziehen, um dadurch gerade folchen Berfonen eine Erwerbsmöq'ih teit zu geben, die bereits eine längere Arbeitstofi feit hinter sich haben und sonst der Erwerbslosenunterstützung weiter zur Bast 4 Bödler Chemnih( BSPD.): Wenn Weltgeschichte mit Refolus tionen gemacht, wenn die Front Der Gegner mit Reden erschüttert merden fönnten, dann hätten Höllein und seine Freunde einen großen Sieg errungen.( Sehr richtig!) Die Amsterdamer Inter. nationale das beweist der Boykott in Ungarn, das mannhafte Eintreten der Engländer gegen die Politit Baldwins und die Berhinderung der Waffentransporte nach Rußland hat einge griffen, wo es in ihrer Macht stand. Das habe sogar Lenin an erkannt.( Buruf: Davon weiß Höllein!) Gerade dort fette der Rüdschlag ein, wo eine Ueberspannung der Kräfte durch revolutio näre Reden hervorgerufen wurde, wie in Jalien, Ungern und Bayern. Aus diesen Fehlern müsse man lernen. Wenn sich die Kommunisten davon loslöfen fönnten, die Außenposten der Sowjetrepublif zu fein, wenn für sie das Interesse des Proletariats und nicht das Staatsinteresse Sowjetrußlands mah gebend wäre, dann könne dieses Problem gelöst werden. Ilg. Sekretär der Metallarbeiterinternationale: Wenn die Ruffen der Internationale nicht angehören, so ist nicht der Metall Garbeiterverband daran schuld. Er führt als Beweis an, daß bei den späteren Berhandlungen der Bund auf dem Standpunkt gestanden habe, daß die Organisationen eines Landes nur einer Internationale angehören tönnen. Das sei die einzig mögliche Stellungnahme. ( Gehr richtig!) Das Friedrichshafener Abkommen werde auf dem Rongreß in Wien zur Debatte stehen. Er werde es begrüßen, wenn die Rote Internationale verschwinden würde, denn stehe dem Zusammenschluß mit den russischen Gemerffchaften nichts im Wege. In Rumänien hätten es die faus fertiggebracht, die mit Mühe aufgebauten Organisationen zu Anhänger Mos zerstören. Ebenso sei es in Bulgarien und Spanien gegangen. Und die Ungarn fönnten auch ein Lied davon singen, weiter schil. derte der Redner den Zusammenbruch in Italien. Aus diesen Bor: gängen, aus dieser Ueberschägung der Kräfte müsse man endlich die notwendige Lehre ziehen. In seinem Schlußwort meist Reichel einige Angriffe Hölfeins zurüd. Es fönne feine Rede davon sein, daß die abgesplitterten Teile einer Landesorganisation in die Metallarbeiterinternationale aufgenommen würden. Mit der Annahme der von Reichel zu diesem Punkt vorgelegten Entschließung und dem Beschluß, Sen Wiener Interna'ionalen Metallarbeiterkongres burch neun Dele. gierte zu befchiden, ist der Tagesordnungspunti erledigt. Es folgen bie Berichte der Beschwerdekommissionen und dann tritt die Mit tagspause ein. Zum Streit der Mühlenarbeiter. Bom Berband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutschlands wird uns geschrieben: Mit einem Aufgebot von Kriminalbeamten ver. fucht die Polizei, den Streit der Mühlenarbeiter illuforisch zu machen. Man scheint es im besonderen auf die Betriebsratsmitglieder der einzelnen Mühlen abgefehen zu haben. In einem Fall hat man schon ein Betriebsratsmitglied aus dem Streifiokal, ohne daß ihm irgendwelche Berfehlungen gegen die gesetzlichen Bestimmungen nachgemie'en merden können, der haftet. Bei anderen noch im Lofal enwesenden Streifenden hat man Einsicht in deren Papiere genommen und nachher erklärt, daß derjenige, den man noch juche, nicht dabei wäre. Von welcher Seite die Kriminalbeamten den Auftrag zur Verhaftung befemmen haben, ist uns zurzeit noch nicht bekannt. Die Mühlenbefizer als solche sind nicht untätia, um ihre Arbeitnehmer bis zur Siedehige zu erregen. Den in der Woche vom 14. bis 20. Februar verdienten Lohn, der am Freitag abend zur Auszahlung fällig war, hat man den Streifenden zu zahlen ver. weigert. Wir glauben nicht, daß es den Unternehmern durch folche Maßnahmen gelingen wird, die Streifenden auch nur eine Minute früher NEUE BC fallen würden, Aber weit gefehlt! Die Berfiner Warenhäufer steben heute wieder im Zeichen des Kampfes um die Rundschaft. Und diefe glaubt man dadurch am ehesten zu gewinnen, indem man sie von autangezogenen Damen bedienen läßt, deren zwar oft sehr geringe Branchenfenntnis durch ein gepflegtes Aenkeres aufgewogen wird. Daß die Warenhäuser erst vor wenigen Monoten Entlassungen in aroßer Zahl vorgenommen und man bei diefer Gelegenheit die Ent. laffenen mit dem Versprechen getröstet hatte, bei Neueinstellungen gerade sie wieder zu berücksichtigen, scheinen die Herren Arbeitgeber total vergessen zu haben. dann in richtiger Beleuchtung wenn man auch hinzufügt, we'chen Dieses Verhalten der Warenhausbestiger erscheint jedoch erft Kreisen die neueingestellten Aushilfen entstammen. So hat eines her größten Berliner Barenhäufer als Aushilfen perheiratete Frauen eingestellt, deren Männer zum großen Teil sich im Befige einer faufmännischen oder technischen Stellung befinden oder als( in einzelnen Fällen sogar höhere) Staatsbeamte tätig sind. Gewih, mir erkennen gerne an, daß die Mitarbeit der Ehefrauen in pleten Familien eine traurige Notmendi feit bedeutet. Aber denn sollte man die Aushilfen auch gerade diefen notleidenden Schichten entnehmen und nicht zulassen, daß den arbeitslosen Frauen und Mädchen von solchen Bersonen das Brot fortgenommen wird, die es nicht brauchen, um ihren Hunger zu stillen, fondern die lebial'ch leicht berechtigten Bedürfniffes durch ihren vorübergehenden Neben. tie Befriedigung eines unter normalen Wirtschaftsverhältnissen viel beruf bezwecken. Sollte es notwendig sein, find wir jederzeit bereit. auch die Namen solcher unfozialen Arbeitgeber der Deffentlichkeit mitzuteilen. 10 B sehr schlechte. Kurzarbeit herrschte vor. Die Banbwirle gaben fajt fein Vieh ab, dazu tam die geringe Konsumkraft der Bevölkerung Die Schaffung von Arbeitsmöglichkeit gelang nur in bescheidenem Umfange. Erst mit dem Eintreten stabilerer Berhältnisse murdea die Beschäftigungsmöglichkeiten beffer. Troßdem iſt die Arbeitslofen. ziffer im Januar 1924 gegen Dezember 1923 von 1115 auf 1674 ge ftiegen; das ist darauf zurückzuführen, daß gelernte Fleischer, die in anderen Berufen Unterschlupf suchen mußten, wieder zurückkehren. Die Arbeitgeber sind drauf und dran, das mitbestimmungs. recht der Beschäftigten zu beschneiden. Die Mitarbeit der Kollegen muß mehr als bisher einfegen, fpeziell trifft das im Ladens fleischergewerbe zu. In der Diskussion wurde teine Kritik an der Geschäftsführung geübt. Die bisherigen obengenannten Angestellten wurden wiedergewählt. Bergolder und Nahmenmacher. In der Vergolders und Rahmenmacherbranche forderten bie Arbeitgeber bei den Verbandlungen zweds Abschluß eines neuen Mabmentariis eine Berlängerung der Arbeitszeit Eine Einigung zwischen den Barteien fam bieber nicht zustande; die Verbandlungen sind bis auf weiteres vertagt. In der Frage der Entlohnung wurde eine Uebereinfunft getroffen, die be sagt, daß in Zukunft alle Branchenangehörigen die Löhne der Rahmenmacher erhalten. Unternehmerterror im Bergban. Effen, 22. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Scharfmacher im Bergbau gehen in den letzten Tagen mit einer geradezu grenzen. So hat der Mülheimer Bergwerts ofen Rüdsichtslosigkeit vor. verein( Beche Hagenbed) weitere Kündigungen vorge. Jahre bei diesem Verein beschäftigt waren. Die Brutalität geht fo nommen, wovon zum Teil Leute betroffen wurden, die 25 und mehr weit, daß man auch Beraleute auf die Straße wirft, die im Dienste des Grubentapitals per ftümmelt wurden. Man bringt es fonar fertig, Arbeitern, die im Krantenhaus liegen, die Kündi gung ins Haus zu schicken. Leider tragen die Bernarbeiter vielfach felbft die Schuld an dem strupellosen Borgehen der Zechengewaltigen, daß sie sich durch ein Antreibersystem, wie es nicht einmal in der Borfriegszeit üblich war, zu leberstunden einfchüchtern faffen, die über alles Maß hinausgehen und zweifellos ganz er hebliche gesundheitliche Schädigungen zur Folge haben werden. Die Kranten und Verfektenziffern steigen bereits in bedenklicher Weise. Das muß fich bei der Förderung dereinst bitter rächen. Den Bernarbeitern muß allerdings zugute gehalten merden, daß fie fich zu leberleistungen nur herbeilassen infolge deg Terrors des Unternehmertums, das jeden Bergarbeiter rüdsichtslos ertläßt, der nicht das verlangte Mah fördert Unter den Bergarbeitern berricht eine ungebeure Empörung. die eines Tages für das gesamte Wirtschaftsleben schwere Folgen haben kann. Sande'shiffsarbeiter der Puhbranche! Das am 10. Januar ce vereinbarte Loanablommen mit dem Zentralausfuß der Arbeits geberverbände der Busbrande wird in den einzelnen Pobrstaffels um ca. 10-12 Proa. ab 23. februar er böbt. Tarifabiñae fink argen Mitgliedsausweis im Bureau des Deutschen Verkehrsbundes Bimmer 26 erbältlich. aur Verteilung an arbeitslofe Schirmmacher einen Geldbetrag Schirmmacher! Eine öfterreichisce Bruderorganisation bat une überwiefen. Arbeitslofe Kollegen der Branche mögen sich um gehend im Bureau, Zimmer 3, melden. Deutscher Holzarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin. Der Abschluß des Dodarbeiterftreifs ist noch nicht endgültig gu standenekommen. Die Bereinbarungen zwischen den Vertretern der Dodarbeiter und Unternehmer sind am Freitag nochmals auf der Dodarbeiterfonferenz biskutiert worden. Es wurde besch'rssen, die Stonferenz bis Montaa au vertagen, um den Delegierten Gelegenheit zu geben, in ihren Diftriften mit den Docorbeitern Fühlung z nehmen. Der Streit fann deshalb nicht vor Montaanachmittag end gültig beendet werden. Sicher ist, daß in verschiedenen Broping fofortigen Erhöhung um einen Schilling und einer nochmaliger cleichen Erhöhung am 1. Mai, mie die Unternehmer angeboten haben Schwierigkeiten stoßen werden. festgehalten wird. fo daß die Berhandlungen in den Diftriften au häfen an der fofortigen Erhöhung der Löhne um 2 Schilling statt det DSPD.- Metallarbeiter! Am Donnerstag, ben 28. februar, abends 7 Uhr, in den Sophien Sälen. Covhicnftr. 16-17, Großer Ganl, Berfamralung sämtlicher 699, Metallarbeiter. 1. Bertrag über den Berlauf des legten Berbandstages bes licher BSPD.- Metallarbeiter ist Pflicht. Der Werbeausschuß. Abwehr der Arbeitszeitverlängerung im Einzelhandel. Metallarbeiter. 2. Cricbigung wichtiger Angelegenheiten. Das Eriteinen fämb In der Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß am 20 Februar ift es gelungen, das Bestreben der Arbeitgeber nach Einführung des Zebnstundentages zu durchfreuen. Bis zum Ablauf des Manteltarifvertrages am 31. März ist damit die Beibehaltung bes Aiftundentages gesichert. Ferner wurde vereinbart, die Januargehälter auch für den Februar geiten zu laffen. Das Ergebnis biefer Verbandlung bedeutet jedoch keines teas. daß die Arbeitgeber ihren Wunsch nach Berlängerung der Arbeitezeit aufgegeben haben. Bereits in diefen Tagen wer den die Verhandlungen über den ab 1. April geltenden Manteltarifvertrag beginnen, durch den die Arbeitgeber boffen, zu einer berlängerten Arbeitszeit zu gelangen. Jn folden fritischen Momenten ist es mehr denn je notwendig, daß sich die Mitglieder eng um ihre Organisation, ben 8entralberband der An gestellten scharen. Generalversammlung der Fleischer. In der letzten Generalversammlung der Ortsverwaltung GroßBerlin des Zentralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen gaben die Kollegen Weill, Fischer und Schulz den Geschäftsbericht. Die Lohn- und Tarifbewegungen nahmen alle verfünbare 3eit und Kräfte in Anspruch. Die bildende und aufklärende Arbeit fomie das Vorwärtstreiben des gewerkschaftlichen Gedankens in den Reihen der Nicht- und Andersorganisierten innerhalb des Berufes mußte faft ganz unterbleiben. Mit dem Arbeitgeberbund und den Darmstadtgeschäften mußten Streifs wegen Lohn- und Tarifdiffe renzen Jowie um die Anerkennung der Organisation geführt werden. Burzeit bestehen zwei Koücktivverträge und zehn Haustarife. Die Arbeitsmöglichfeiten waren während der Inflationszeit In her Gewerkschaft bentfcher Boltslehrer( im ADB.) spricht am Montag 7 Uhr Oberstadtschulrat Nydahl über den Schulabbau in Groß- Berlin, in Rathaus, Epandauer Straße, Rimmer 109. Auch im übrigen Teil wichtig Tagesordnung: GDV. und Schulnotgemeinfchaft, Bertretung des ADD. in Reichstag u. a. Gattler, Tapezieres und Bortefeniflerverband. Allgemeine Tapezieres verfammlung am Sonntag vormittag 10 Uhr in den Sentral- seftfälen, s Jakobstr. 32. Berantwortlich für Bolitik: Gruß Renter: Wirtschaft: 3. B.: Craft Reuter Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R.$. Döscher; Lotales und Sonstiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. H.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdrucere! und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68., Cindenftrage& Sierzu 1 Beilage. Nährflocks- Makronen ( Rezept Mr.) Dieses feine Backwert, das sich ebenso vorzüglich als füßer Nach tisch wie als Gebäck zu Kaffee, Tee oder Schokolade eignet, wirt folgendermaßen bereitet. Man schlägt 3 Eiweiß fteif, mengt 300 Zucker am besten Vanillezucker, abgeriebene Zitrone unt etwa ein halbes Paket Nährflocks leicht durcheinander. Von dieses Masse leat man mit einem Löffel fleine Säufchen auf ein mi Butter bestrichenes und mit Mehl bepudertes Kuchenblech. Dans bäckt man die Matronen etwa 20 Minuten bei mäßiger Hige Bebenfen Sie immer, daß jede einzelne der leichten, loderen, goldbraunen Flode einen hohen Nähr- und Genußwert hat, bet fich in jebem mit Rährflocks bereitete Gerichte zu einer nährftarten, törverträftigenben Mahlzeit verdichtet, die vorzüglic schmedt, gut verbaut wird und wenig loftet. Ja haben in allen einschlägigen Geschäften. nahrflods- Rezeptbuch gratis verlangen. WELTBEKANNTE BATSCHARI QUALITÄTSMARKEN Jackett- Anzüge 25, Ulster 22, Gummimäntel 16 M. Fiat White Star Eden PUNGHN Extra- Angebot in Pelzwaren: Kreuzfüchse 10, Ziegen 15, Sportpelze 70, Gehpelze 100, Pelzmäntel, Pelzjacken, ferner Teppiche. Wäsche, Gardinen, Läufer usw. enorm billig im Gelegenheits- Kaufhaus Moritzplatz 58 a Jan 6 auf Nr. 91 41. Jahrgang cap de s Beilage des Vorwärts Im Kampf mit der Arbeitslosigkeit. Aus der Arbeit des Landesarbeitsamtes Berlin. Sonnabend, 23. Februar 1924 nachzuprüfen, veröffentlicht wurden. So find die Meldungen zu den Wiederaufbauarbeiten in der Hauptsache zurückzuführen auf Notizen in oberschlesischen, ostpreußischen und rheinischen Zeitungen, die in präzisefter Form die Nachrichten von jolden Anstellungsmöglichkeiten brachten. Wenn man bebentt, wieviel Mühe und Kosten allein durch Bortoauslagen und Briefpapieraufwand die Bittsteller haben, wieviel falsche Hoffnungen erwedt werden, so ist es doch im allgemein genau nachgeprüft werden. Zu folchen Ausfünften steht das japanische Konsulat in Berlin jederzeit zur Berfügung. Beim Landesarbeitsamt Berlin fand gestern eine Konferenz| diefe Entlohnung nicht dadurch annehmbar gemacht, daß die Stadt menschlichen Interesse wünschenswert, wenn derartige Nachrichten erst statt, in der Stadtrat Brühl über die allgemeine Lage des Arbeits- dabei den Weisungen der Reichsregierung folgen muß. marktes und über Maßnahmen zur Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Erwerbslose berichtete: Seit einiger Zeit macht sich ein Rüdgang der Erwerbs. lofenziffer bemerkbar, aber auch icht ist sie noch er fchredend hoch. Am 16. Februar waren in den Arbeitsnachwer en rund 248 000 Arbeitsuchende eingetragen, von denen 182 000 Berfonen( 143 000 männliche, 39 000 weibliche) Erwerbslofenunterftügung bezogen. Die laufende Woche hat eine weitere Senfung der Erwerbslofenziffer auf 169 000 Unterstüßte( 134 000 männliche und 35 000 weibliche) gebracht. Die Versuche des Landesarbeitsamtes, Notstandsarbeiten in Gang zu bringen, werden noch durch den Frost behindert. Sie sollen bei Eintritt milderer Witterung in größerem Umfange aufgenommen werden, Kleine Notstandsarbeiten werden hauptsäch lich für die städtische Verwaltung ausgeführt. Doch schweben auch Berhandlungen mit der Reichsbahndirektion Berlin darüber, ob die Arbeiten an ihren stillgelegten Bauten as fleine Notstandsarbeiten weitergeführt werden können. Als große Notstandsarbeiten merten zurzeit durch Berliner Erwerbslose ausgeführt: bei Belten der Kanalbau und die Erschließung des dortigen Industrie- und Siedlungsgeländes und südlich von Königs Wusterhausen die Kultivierung von Dedland und teilweise Besiedlung. Bei Belten arbeiten jetzt 340 Erwerbslose, die Gesamtzahl soll bis auf 3000 gefteigert werden. Bei Königs Wusterhausen werden 600 Erwerbsloje Beschäftigung finden, jekt arbeiten dort schon 380. Geplant find Arbeiten der städtischen Hochbauverwaltung, der fläbtischen Tiefbauverwaltung, der Waffer-, Gas- und Elektrizitätsmerte, Arbeiten zur Instandsetzung privater Wohnhäuser, auch zur Gewinnung von Baustoffen für gemeinnützigen Wohnungsbau. Meliorationsprojekte find bisher wegen der Finanzierungsfrage auf Schwierigkeiten gestoßen.-Stadtrat Brühl erwähnte auch die vielumstrittene Pflichtarbeit der Erwerbslofen, die auf eine Retsverordnung zurückzuführen ist Der Unterausschuß des Landesarbeitsamtes hat für jede Dolle Unterstügungswoche acht Stunden, bei Schwerarbeit fechs Stunden Bilichtarbeit festgefeßt. Die Unterstützungsempfänger fönnen angehalten werden, die für drei Wochen bestimmte Pflichtarbeit hintereinander zu leisten. Sie leisten dann dreimal acht Stunden( bzw. dreimal sechs Stunden) und find danach für drei Wochen ihrer Pflicht ledig. Die Pflichtarbeit muß gemeinnüßig sein, b. h. dem allgemeinen Nugen dienen. Es dürfen nicht Ar. beiter entlaffen werden, damit hinterher ihre Arbeit von Erwerbs ofen als Pflichtarbeit ausgeführt wird. Zu den Pflidt. arbeiten gehören Schneebeseitigung, Straßenreinigung, Schulreini gung. Erd, Garten- und Friedhofsarbeiten, Arbeiten an Spiel- und Sportplägen, an dem Fiugpieß Tempelhofer Feld. Wird Pflicht arbeit ohne triftigen Grund verweigert, fo wird die Unterstügung fristlos entzogen. Grundfägliche Befreiung einzelner Berufe von Arbeiten anderer Berufe gibt es nicht. Jeder Unterstützungsempfänger hat aud) außerhalb feines Berufes und feines Wohnortes eine Pflichtarbeit zu übernehmen, die ihm nach feiner Körpertefchaffenheit zugemutet werden fann. Kränfiichteit muß berüdfidhiigt werden; fünftig erfolgt Untersuchung burch den Gewerbearzt. Pflichtarbeit wird als Gegenleistung für die Erwerbslosenunterstüßung gefordert, Notstandsarbeit aber wird durch einen Zuschlag zur Erwerbstojenunter ftügung abgegoten. Für be onters gute Arbeit wird eine Brämie gezahlt, für Fadarbeit ist eine Sonderprämie festgefegt. Seit Anfang Dezember 1923 find 98 000 Pflichtarbeiter- Tagewerke geleistet worden. In der Woche vom 4. bis 9. Februar wurde 3259 Erwerbslofen eine Pflichtarbeit angeboten; wegen Weigerung wurde in 566 Fällen( 14 Pro3) die Unterstügung entzogen. Daß wir es auf das entschiedenste mißbilligen, Erwerbslose für Pflichtarbeit mit der fargen Unterstügung abzuspeisen und ihren auch die Notstandsarbeit noch unier Tarif zu bezahlen, ist im Borwärts" wiederholt gesagt worden. Den Erwerbslosen wird BRUIN 83] ( Nadbrud burch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Berufswechsel als Ausweg. Wichtig ist, daß Erwerbslofen auch die Möglichkeit geschaffen wird, sich anderen Berufen zuzuwenten. Das ist z. B. bei Erwerbsbeschränkten( Tuberkulösen, Berstümmelten usw.) oft noch die einzige Rettung. Aber auch vollarbeitsfähige Erwerbsfofe fönnen nur zu oft ohne Umschulung jobait nicht wieder in Arbeit gebracht werden. Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge werden zur Umschulung verwendet, für die schon seit 3% Jahren besondere Surje für tie Arbeiter ver'chiedener Industrien eingerichtet sind. Auch Kurse zur ergänzenden Weiterbildung einseitig vor gebildeter aufleute sind nötig geworden. Sche bewährt haben sich die Nähturfe. Zurzeit ist die Konfettion etwas auf nahmefähiger, so daß man als Näherin leichter unterfommt. Auch Angestellte und Beamte der Reichs- und Staats behörden, die dem Abbau zum Opfer gefallen find, gehen durch die Umschulungsfurfe. Das Landesarbeitsamt, dem das Landesberufsamt angegliedert ist, läßt sich die Sorge für die Jugendlichen besonders angelegen sein, um von ihnen die Gefahr langer Arbeitslosigkeit möglichst abzu. wehren. Zur Beschaffung von Arbeits- und Behrstellen für sie werten auch die Provinzorte herangezogen. Um die jugendlichen Erwerbslosen von der Straße fernzuhalten, find Rurfe für Bürgerfunde, Gesundheitspflege, Arbeits- und Arbeiterhygiene, für Kunst, Gesang, Turnen, für Nähen und Fliden eingerichtet. Die Mädchen werden zur Schulreinigung und zur Mitarbeit in Küchen horten herangezogen. von öffentlichen Speiseanstalten oder in Kindergärten und StinderAuch Führungen durch Kunstsemmlungen und durch Großbeiriebe werden geboten. Eine sehr nützliche Arbeit ist seit Dezember eingeführt. Aus Stoffreften, die von Geschäften unentgeltlich gespendet wurden, haben Mädchen in picit. arbeit sehr hübsche Kindertleidung angefertigt. Diese Erzeugniffe ihres Fleißes fommen Armen zugute, denen fie durch die Wohlfahrtspflege überwiefen merden. Epantau hat mit diefer Arbeit begonnen, Schöneberg und Reutölln haben sich an gejchlossen, Lichtenberg folgt jetzt, auch Wedding will folgen. k Keine Arbeitsmöglichkeiten in Japan. Das japanische Konjulat mit Gesuchen überschwemmt. Das japanische Konsulat teilt uns mit: Seit längerer Zeit wird das japanische Konsulat in Berlin mit persönlichen und schriftlichen Anfragen und Gesuchen mit der Bitte um Anstellung in Japan über. fchüttet. Bei der jetzt herrschenden großen Arbeitslosigkeit in Deutsch land ist dies nur zu natürlich. Es sei hierzu folgenbes bemerft: Die mangelhafte Zenfur. Der fünfzehnjährige Hans Bohlmann hat sich durch einen Sturz auf den Hof aus dem Fenster der Treitschke- Realschule das Leben genommen. Die Furcht. seinen Eltern eine mangelhafte Zenfur zur Unterschrift vorzulegen, hot ihn in den Tod gejagt. Gerade in dem Augenblid, wo der Ordinarius mit der Mutter- ter Bater ist zur zelt verreift die in die Schule zitiert worden war, Rüd prache nahm. Das der Sachverhalt. Ein hechnetpeinliches Verfahren wird nun eingeleitet werden. Man wird versuchen, das Maß der Schuld Don Schule, Haus und dem Jungen selbst mit pedantischer Genauig feit abzuwägen. Ein nuglofes Unterfangen. Es ist nicht ber erste und wird wohl auch nicht der letzte Selbstmord von Schülern sein, bie non unvernünftigen Eltern und jugendvernichtenden Schulen m den Tod getrieben werden. Dort, wo der jugendlichen Seele im Pritischen Zeitpunkt ihres Entwidlungsalters in Haus und Schule Berständnis und Liebe entgegengebracht wird, kann es nie zur Settftvernichtung des im Grunde lebensbejahenden jungen Menschen fommen. Bo es aber geschieht, trifft die Schuld Schule und Haus, fie mögen fich noch so sehr dagegen sträuben. Nußlose Frage, in welchem Maße fie fchuld find. Der Tote wird dadurch dem Leben nicht wiedergegeben. Der Sinn dieses Knabenopfers heißt aber: Borbeugen! Schlimmeres verhüten! Das ist nur möglich, wenn Eltern mit liebender Aufmerksamkeit die Entwicklung ihres Kindes verfolgen und wenn Lehrer nicht Schulmeister, sondern Erzieher, mehr noch, Kameraben und Freunde find. Der Bericht besagt, daß der Scibstmörder ein frischer Junge gewesen sei. Welche guten und chien Kräfte mögen mit ihm zugrunde gegangen sein! Selbstmordverfuch einer Siebzehnjährigen. ortbildungsfülerin Hildegard B. stürzte sich nach mittags aus dem Küchenfenfter ber elterlichen Wohnung in de Die 17jährige Sychener Straße drei Stodierte tief in den Hof hinab. Mi fchweren inneren und äußeren Verlegungen brachte man die Un giüdliche nach dem Stranfenbaufe Am Friedrichshain. Sie batte fchon des öfteren Gelbmordgebanten geäußert uni jest die Tat begangen, nachdem sie von ihrer Muttes mehrere Dhrfeigen er balten hatte. Der anstößige Strohhalm. Eine, Aarifatur auf den Justizabbau". Wegen einiger Strohhalme hatte sich das Gericht zweimal unter Die Flut der Gesuche begann vor etwa drei Jahren mit An einem großen 3eugenaufgebot mit der hochwichtigen Frage zu be trägen ehemals aftiver Militärpersonen um Anstellung schäftigen, ob einige Strohhalme, die beim Abladen von Waren au in der japanischen Armee und Marine, welche stets abfchlägig die Erde gefallen waren, ein Berkehrshindernis" bedeutendDen beschieden werden mußten mit dem Hinweis darauf, daß in der japanischen Armee und Marine prinzipiell feine Ausländer eingestellt Sache, die dem Staat mehrere hundert Goldmart merden. Die zweite Beriode der Meldungen datiert von der Erbfoftete, lagen folgende Tatsachen zugrunde: bebenfatastrophe in Japan am 1. September 1923 her, nach der fich Laufende von Arbeitslosen, besonders Bauhandwerker, um Beschäftigung beim Wiederaufbau Toties und Dotobamas bewarben und noch dauernd bewerben. Auch auf alle diese Gefuche fann nur verneinend geantwortet werden. Die dritte Periode bat vor furzem eingefeßt mit Meldungen von Landwirten, die sich im Norden Sapans auf der Insel Hoffaido ansiedeln möchten. Auch hierfür be steht zurzeit feinerlei Aussicht. Bor einigen Tagen erschien fogar eine Frau aus Landwirtsfreisen, die von roeither auf eine Zeitungsnachricht hin die Reise nach Berlin angetreten hatte, nach Bureauschluß des Konsulats hier ang: fommen war und die Nacht auf einem Bahnhof zugebracht hatte, um am nächsten Morgen zu erfahren, daß keinerlei Aussichten für sie beständen. Der Grund für alle diese Anfragen ist meist in Zeitungsnotizen au fudhen, welche in leichtsinniger Weise, ohne die Richtigkeit der Nachricht erst aufhebt durch das Hervorbringen förperlich und geistig voll wertiger Kinder bürgerlicher und proletarischer Eltern, fo un zweifelhaft ergibt sich aus dem, was ist, daß die Trennung in Klassen auf bürgerliche und proletarische Kinder total ver schieden wirft." 37 Don Leonhard Frank. Unversehens war die Gefühlsschwere von Jürgen gegegenüber sieht, denen sie, im Gegensage zu den bürgerlichen Wahrscheinlich könne auch diese Frage nur von dem das sich nicht anpassen will, geschieht, weiß niemand beffer Standpunkte aus, daß es eine herrschende und eine ausges als du und ich," sagte er, im Blicke tiefe Freude über die beutete Klaffe gäbe, richtig beantwortet werden, fagte Katha fwer errungene persönliche Befreiung. Ein zeitlebens fee rina." Bielleicht sollte man diese Frage fo stellen: Was erlisch gefährdeter Mensch. Irrenhaus oder Selbstmord! Oder, hält das bürgerliche Kind von der Umwelt dafür, daß es bestenfalls, als Dreißigjähriger ein zudendes Nervenbündel!.. feinen Broteſt, ſein Wesentlichstes: sein Ich und damit fein und für die anderen, für die übergroße Mehrzahl, für die Schöpfertum und die Fähigkeit, das Leben auch pfychi'ch zu jenigen Bürgerfinder nämlich, die den Kampf gegen die Um erleben, aufgibt, sich unterordnet, sich der Umwelt anpaßt, welt sofort aufgeben, ist das Nichtmehrprotestieren, das Sid felbst zu einem Teile der Umwelt wird gegen noch Protestie aufgeben, das Sichanpassen gleichbedeutend mit Bequemlich rende? Und was tauscht das proletarische Kind gegen die Auf- feit, tampflofem Siegen, mit der uneingeschränkten Möglich gabe seines schöpferischen Ich ein? Was widerfährt dem feit, sich zu bilden, mit glattem Emporfommen in eine beBürgerfinde, wenn es versucht, zu kämpfen, zu protestieren? vorzugte Stellung, mit stondesgemäßer Heirat, mit Reichtum, Und was geschieht in diesem Falle dem proletarischen Kinde? Macht, Geachtet werden, furz: mit dem vollen Genuffe des Erhalten beide und geschieht beiden das gleiche?" Lebens.. Die geben ihr Ich hin, tauschen aber dafür alles ein, was das Leben bietet." Er schob den nicht ganz geleerten Teller auf die Seite. Sie hörten, wie jemand ab'prang, das Fahrrad gegen die Mauer lehnte. Eine Sefunde später trat der junge Arbeiter ein, atmend, verschwitzt und seelenruhig lächelnd." Die ganze Belegschaft der Hommesschen Popierfabrik ist in den Streif getreten, Genoffin Lenz." Er wischte sich mit dem Taschentu v rund um den Hals.„ Der Genosse Ingenieur läßt dir sagen, du solist morgen früh um sieben Uhr in der Redaktion sein." Und da sie n'te war er draußen. Sie rief ihn zurüd. Ob die Wertmeister und Borarbeiter mitstreiften? Ah, wo werden denn diese Arschfriecher mitstreifen! Er will ja auch auswärtige Streifbrecher heranziehen. Aber unfere Streitpoften stehen schon. Auch am Bahnhof! Die Polizei, selbstverständlich, ist auch schon aufmarschiert!" " Da möchte ich gleich Streifposten stehen," sagte Jürgen, gegen Herrn Hommes. Das beforgen die Betriebsgenoffen fchon selber." Sie fetzten sich wieder. Und da Jürgen mit den Augen fragte, fuhr sie fort: " So gewiß es ist, daß die Natur die Trennung der Men schen in Klaffen, das heißt: die Verhunzung des Menschen durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung, immer wieder Durch die rückwärtige Tür trat Katharinas Wirtin ein, ftellte einen Krug voll Wasser neben das schmale Eisenbett. Schläft der Genoffe hier? Die letzte 54 ist nämlich weg Dann bringe ich die Decke." ,, Er schläft doch nicht hier," sagte Katharina.„ Nein, nein, er schläft nicht hier." Und Jürgen fuhr schnell fort:„ Das Sichanpaffen des Bürgerfindes wäre demnach gleichbedeutend mit dem volen Lebensgenuffe eines Angehörigen der herrschenden Riaffe. Diefer Angepakte ist dann zwar in feiner Weise mehr er felbft, ist eine Ich- Leiche, aber eine geachtete, mächtige, herrschende, die das Leben, wie es ist, mitbestimmt und dieses Leben genießt. Eine Leiche, die lebt und qut lebt! Von dieser Seite ist also gewiß nichts zu erwarten für die Befreiung. " Wenn aber die Umwelt," fagte Katharina, fich Kindern gegenüber sieht, dennen sie, im Gegensaße zu den bürgerlichen Kindern, für das Eichanpassen nichts zu geben hätte als Not, Qual, Brügel in jeglicher Form, die Verweigerung aller Bil dungsmöglichkeiten und des Lebensgenuffes, nichts als Hunger, Kälte, Schmuß, Arbeitenmüffen für andere und Demütigungen Ein Großlaufmann Blumenthal, der im Often Berfins eine Emaillegroßhandlung befigt, hatte einen Waggon Ware erhalten, die vor dem Geschäft abgeladen wurde. Dabei fielen aud einige Strobbalme auf die Straße. Ein des Weges fommender Schupobeamter nahm hieran ergernis und perlangte das unverzügliche Forträumen des Strohs, wei hierdurch der Berkehr gesperrt merde". Der Rutscher mischte fid vermittelnd ein und erklärte, daß man nach dem Abladen natürlic die Straße von den 5 cber 10 Strohhalmen befreien werde. Des eifrige Bolizeibeamte ersuchte den Arbeiter jedoch barsch, den Mund zu halten, da er nicht gefragt sei. Der Kaufmann ging nun zum Bolizeirevier, um sich über den Beamten zu beschweren. Dabei tam es nochmals zu einer Auseinandersehung, bei der Blumenthal sich der Beleidigung schuldig gemacht haben foll. Mit dieser Haupt. unt Staatsaftion hatte sich das Schöffengericht zu beschäftigen, da de auf allen Wegen?. Das Proletarierfind, das geneigt ist. fich der Umwelt anzupassen, wird von der Umwelt selbst, wirt durch die herrschende Klaffe und deren Staat immer wieder in den Brotest gegen die Umwelt zurückgestoßen. Dieser bru tale, unaufhörliche Stoß verleiht und erleichtert dem prole tarifchen Kinde die Möglichkeit, etwas mehr von seinem Id zu bewahren. Die Proletarier fommen aus dem Proteſte ni ganz beraus, fönnen folglich ihr Ich nie ganz verlieren und find auch mit aus diesem Grunde als Stlasse schöpferisch und dazu bestimmt, im Gange der Geschichte über die unschöpfe risch gewordene bürgerliche Klasse hochzusteigen... Aber ers in der flaffenlosen Gesellschaft tritt dein Reines Ich auf den Plan, wird es jedem einzelnen veritatiet sein, er selbst zu werden und zu sein." Jürgen fah den Bierköpfigen, hob longiam den Kopf. empor aus dem Lauschen und seinen Vorstellungen, blickte den Gedanken erst formulierend, Katharina an:„ Auf der einen Seite also, in der fapitalistischen Gesellschaft, meinst du: ungeheuerlichste Ungleichheit in materieller Hinsicht und eine vielleicht noch ungeheuerlichere blödsinnige Gleichheit aller in Geistigen. „ Ja, und das wird Individualismus genannt." auf der anderen Seite, in der klassenlosen Gefell fchaft: materielle Gleichheit für alle und infolgedessen, nich wahr, infolgedessen im Geistigen ab'olute individuelle Berschie denheit jedes einzelnen von jehem einzelnen. Jeder ein Reines Ich! Ein schöpferischer Men'ch!" Und das mird die öde Gleichmacherei der Sozialisten ge nannt 3wischen diesen zwei Extremen liegt allerding: zunächst die Revolution." ie unsäglich wunderbar das fein wird: Die Seele bie ihr Sch durch den Körper gewinnt und im Gleichgewich in fich felber ruht." Beide schwiegen. In die Stille flang wieder das in sich erstidende Geschrei des Säuglings. Fernher tönten Buffer. knall und die monotonen Rufe der Eisenbahner, die einen Zug zusammenstellten. Dieser Befreiungsversuch war ein herrlicher Seiten. sprung, dachte er stolz, lächelte gerührt, wie über eine teure Jugenderinnerung. Und trat in seinem Gefühle wieder ein in die Reihen der Millionen, die sich auf dem langen, generationenlangen Marsche befanden. ( Fortsetzung folgt.) Kaufmann wegen Widerstandes gegen polizeiliche Anordnungen und Beleidigung angeflagt wurde. Die Verhandlung ergab jedoch, daß nur 4 oder& Strohhalme auf der Straße gelegen hätten und daß von einer Bertebrsstörung feine Rede fein fonnte. Blumenthal wurde deshalb freigesprochen, auch von der Anklage der Beleidigung, weil nach Ansicht des Gerichtes der Be: amte den Vorfall außerordentlich aufgebauscht habe. Die heilige Hermandad begnügte sich mit diesen gerichtlichen Ermittlungen nicht, denn gestern hatte sich nun auch der Kutscher zu verantworten, der den Mund nicht hatte holten fönnen". Rechtsanwalt Themal bezeichnete beide Anflagen als eine Raritatur auf den Justizabbau. Er zitierte die Ansicht des Gerichtes aus der ersten Berhandlung, das erklärt habe, die Gerichte müßten zusammenbrechen, wenn jeder Schupobeamte mit ähnlichen Anzeigen läme. Infolgedessen wurde auch der Kutscher freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staatstaffe auferlegt. Wenn der Clown im Zirkus, um höher zu stehen, fich auf ein Blättchen Bapier stellt, dann lacht das ganze Haus. Ueber den Polizeibeamten, der sich an fünf Strohhalme stößt", wird vermutlich ganz Berlin lachen. Dobermänner vor dem Schöffengericht. Angeklagt vor dem Potsdamer Schöffengericht: drei Dobermänner. Ihnen wird zur Last gelegt, die Tür ins Freie benutt zu haben. Bergehen gegen§ 40 des Viehfeuchengesetzes. Diefer Baragraph besagt, daß die Angeflagten in der tollen Zeit, in der wir leben, auch im 3immer angefettet liegen müssen. Diese gewiffermaken polizeilich gefeffelte Wachsamkeit fonnten die mit la Stammbaum verfeheren Angetlagten und ihre Berteidiger nicht begreifen. Die Berteidiger verwiesen auf das Widersinnige dieser Berordnung, zumal ihre Klienten Wachdienste zu versehen halten. Dobermann I hatte Nachtdienst in einem Herrenmoden atelier, in dem schon zweimal vorher eingebrochen worden. Mit dem§ 40 fonnte er hier feine Bachdienste tun. Als sein Herr eines Nachts das Atelier fontrollierte, wetzte der Dobermann aus Reinlichkeitsgründen fig zwei Minuten hinaus und lief ausgerechnet einem Schupomann zwischen die Beine. Der zweite Angeklagte hatte nachts große Lagerräume zu bewachen und lief deshalb auf dem umfriedeten Hof gewissenhaft hin und her. Der dritte Dobermann hatte in einem Hotel die Rasse zu be wachen und war nach§ 40 an einem Billardtischbein angetettet worden. Mehrere mitleidige Gäste konnten das Gewinsel des Hundes nicht mit ansehen und hatten diesen von der Kette frei gemacht. Schnurstrads nahm Dobermann III den Weg ins Freie. Der Amtsanwalt beantragte gegen die Dobermänner Geldstrafen in Höhe bis zu 1000 Goldmart. Das Schöffengericht flebte aber nicht so sehr an dem Buchstaben des Gesetzes, wie der Vorsitzende felber bemerkte. sondern ließ die Dobermänner eins und drei laufen, mährend Nr. 2 wegen Fahrlässigkeit mit 5 M. Geldstrafe davon fam. Ein anderer Angeklagter von derselben Fakultät hat ohne Bifier auf einem Rollwagen gesessen. Aber seine Sache war noch nicht spruchreif. Raubüberfall auf eine alte Frau. Beide Täter verhaftet. Neue deutsche Wohlfahrtsbriefmarken. Am 25. Februar beginnt die Reichspostverwaltung bei jämtlichen beutſchen Boſtanſtalten mit dem Berkauf von neuen Wohl. fahrtsbriefmarken zu 5, 10, 20 und 50 Pf., die zugunsten der Deut. schen Nothilfe ausgegeben werden. Die Marken werden zum Bierfachen des Nennwerts verkauft. Es ist eine einmalige Auflage von je 5 Millionen Stüd in den Farben grün, rot, blau und braun angefertigt worden. Die Zuschläge werden ohne Abzug an die Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe ( Berlin W. 8, Wilhelmstr. 62) abgeführt. Der Ertrag ist für Boltsspeisungen und andere Wohlfahrtszwede bestimmt. Als Borbild für die Briefmarken sind vier der berühmtesten Wandgemälde von Morig von Schwind in der Elisabethgalerie auf der Wartburg gewählt worden. Sie geben eine Darstellung von Werfen der Barmherzigkeit" als Sinnbild des Birkens der Deu'schen Nothilfe: die hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nadten fleiden, die Kranten pflegen. " T Die freiwilligen Beiträge für den Reichstagswahlkampf werden nicht der einzelnen Perfon, auch nicht dem engeren Borftande gegeben. Der Organisation in Berlin werden fie vielmehr zur Dedung der enormen Ausgaben bei der bevorstehenden Wahl, und zur Bekämpfung der Reaktion zur Verfügung gestellt. Zahle jeder Opferwillige der es fann, deshalb schnell und reichlich auf das Poftichedfonto Nr. 487 43 an Aler Pagels, SW 68, Lindenstr. 3. Wieder tägliche Sihungen des Marktgerichts. In den letzten Tagen haben die Anzeigen und Feststellungen wegen Wuchers wieder erheblich augenommen. Das Marktgericht Berlin- Mitte, das feine Sigungen im Polizeipräsidium abhält und in lester Zeit nur drei bis vier Tage in der Woche tätig zu sein brauchte, sieht sich daher veranlaßt, wieder täglich Sigungen abzuhalten. Die Schuldigen werden meist in der Zentralmarkthalle und deren Umgebung festgestellt. Ein tödlicher Autounfall ereignete sich vorgestern abend bei Seelow in der Mark. Der Chauffeur Schellin, der ein Geschäftsauto der Firma Regelin Berlin führte, hatte feinem Mitfahrer, dem Arbeiter Krüger, das Steuer übergeben, obaleich dieier des Fahrens völlig untundig war. Plöglich fauste das Auto gegen einen Baum und Krüger wurde mit solcher Bucht gegen den Baum gefchleudert, daß ihm der Kopf germalmt wurde und der Tod auf der Stelle eintrat. Die anderen Fahrgäste, die übrigens iämtlic angetrunten waren, find unverfebrt davongekommen. Der leichtsinnige Kraftwagenführer Schellin ist der Kriminalpolizei übergeben worden. Der Unfall auf der Hochbahn, über den wir am Mittwochabend berichteten, hat sich nach einer Darstellung der Direktion der Hochbahngesellschaft in folgender Weise zugetragen. Der Berun glüdte fprang aus dem dritten Wagen eines Zuges, der im Begriff war, den Bahnhof Bülowstraße zu verlassen und sich bereits in ziemlich großer Geschwindigkeit befand Der Fahrgast wurde beim herausspringen gegen einen am Ende des Bahnhofs befindlichen Signalmaft geschleudert und fiel dann unter den fahrenden Zug; er erlitt dabei so schwere Verlegungen, daß er einige Stunden später im Urban- Krantenhaus, wohin er gebracht wurde, verstorben ist. Diese Darstellung ändert natürlich nichts an den von uns wiederholt charakterisierten Zuständen auf der Hochbahn. Zweifellos ist Am Freitag früh wurde die 73 Jahre alte Witwe Josefa Inbrunn in der Reinickendorfer Str. 45 in ihrem Bett überfallen und beraubt. Die alte Frau, die allein dasteht, hat an 4 Schlaf burschen abbermietet. Einer von diesen, ein Arbeiter Willi Knispel, genannt Etein, blieb am Freitagmorgen allein zurüd, als die anderen drei die Wohnung verließen, um ihre Arbeitsstelle auf zusuchen. Frau Inbrunn schlief noch. Kurz nach 6 Uhr schlich fid) nun Knispel, nachdem er einen ihm befreundeten Arbeiter Mattis von der Straße heraufgeholt hatte, in ihr unverfchlofferes Zimmer ein, fiel über fie her und würgte sie am Halse; steckte ihr einen Knebel in den Mund und feffelte sie an Händen und Füßen. Dann warf er noch eine Dede über die Hilflose, öffnete mit seinem Freunde die Behältnisse und holte heraus, was mitnehmenswert erfchien. Insbesondere padten die beiden alle Wäsche zufammen. hazu auch noch verschiedene Sachen der anderen Schlaf burfchen aus deren Zimmer. Mit der ganzen Beute verschwander Berunglückte das Opfer diefer Zustände geworden, denn man den die Räuber, bevor Frau Inbrunn sich rühren fonnte. Erst nach einiger Zeit gelana es ihr, die Dede von sich abzuwälzen und sich mit vieler Mühe ganz freizumachen. Sie ging dann gleich felbft zur Wache des 47 Reviers und meldete den Ueberfall. Die Kriminalbeamten des Reciers nahmen sofort die Berfolgung auf, und es gelang ihnen auch bald, die Räuber dingfest zu machen. Beide hatten sich nach der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten in der Reinickendorfer Str. 100 begeben und wurden hier im Laufe des Vormittags festgenommen. Bon den geraubten Sachen hatten fie nur einen Teil bei sich. Wo fie die anderen Sachen gelassen haben, weiß man noch nicht. Großfeuer in Weißensee. Am Freitag nachmittag tam in der Großen Seeftr. 122, Ede der Berliner Straße in Weißenfee ans bieber noch nicht ermittelter Uriade Feuer zum Ausbruch. Als die Drtsieuerwehr und die von Bobenichönhausen an der Brandstelle ankamen, standen dort schon Bodenverschläge und der Dachstuhl des Edbauses in solcher Ausdehnung in Flammen. daß unverzüglich mit mehreren Schlauchleitungen vorgegangen werden mußte. Aus Perlin eilte Baurat Reinde zur Brandstelle, an der mit mebreren Motorsprigen tüchtig gelöf.bt wurde. Die Flammen hatten reiche Nabrung gefunden und gefährdeten, von einem starten Winde unterfügt, das angrenzende Haus. Gegen Abend war man des Feuers Herr. Eine Kundgebung für den gefährdeten geiffigen Mittelstand findet am Sonntag, den 24 Februar, vormittags um 11 Uhr, im Blenartigungefaal bes Reichetans in Anwesenheit des Reidspräsidenten Ebert statt. tenn alle Tage beobachten, daß Fahrgäste, die im Innern des Wag.ns eingepferaht find, an ihrer Zielstation vergebliche Anstren gungen machen, herauszukommen, und erst im legten Augenblic, wenn der Zug bereits im Anfahren ist, an der Tür sind. Die Deutschland- Hilfsaktion des Papstes in Amerika bat eine überaus in arme Aufnahme gefunden und wird ohne Zweifel ein glänzendes Ergebnis erbringen. Bei der Zentralstelle in Washington liegen nach einer Meldung der Kölnischen Volts. geitung" 30 000 Stilogramm Kleidungsstüde und 10 000 Kilogramm Lebensmittel zur Hilfeleistung für das hungernde Deutschland zur Absendung bereit. „ Berlin in Bergangenheit und Gegenwart. Prof. Dr. Lampe, einer der besten Renner der geschichtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Be lins, spricht bente Sonnabend, 8 Uhr abends, in der Aula des Weißenfeer Realabmnasiums, Wo dpromenade, über Berlin in Bergangenheit und Gegen wart". Zahlreiche Originallichtbilder ergänzen den Vortrag. Zum Eisenbahnunglück bei Ludwigstadt. Aus der Partei. Für und gegen die Parteipolitik. Auf dem Bezirksparteitag für Oldenburg- Ostfries. land Osnabrück in Wilhelmshaven wurde am letzten Sonntag nach einem Referat des Genossen Hildenbrand vom Parteivorstand und ausführlicher Debatte mit allen gegen 9 Stimmen eine Resolution angenommen, die dem Parteivorstand und der Reichstagsfraktion das Vertrauen ausspricht. Eine entgegengesetzte Resolution war zuvor mit der gleichen Mehrheit abgelehnt worden. Umgekehrt wurde in Hagen- Westfalen nach einem Referat des Genossen. Altmeier Berlin die Haltung der Reichstagsfraftion von der dortigen Bezirkskonferenz verurteilt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 13. Areis Tempelhof- Marienborf. Sonntag, den 24. februar, vorm. 9% Uhr, Fraktionsfigung mit den Bürgerdeputierten und der Rommunalen Rom miffion im Rathaus Mariendorf, Rimmer 26. Sozialistisch- wissenschaftlicher Distusfionsabend für Beamte. Die Sigungen finden auf Beschluß der Teilnehmer von jest ab 14tägig statt. Nächste Sigung Sonnabend, den 1. März. 1. Rreis Ritte. Die Abteilungsleiter werben erfucht, umgehend die Namen und Adressen der Delegierten aum Bezirksparteitag dem Bezirksvorstand au melden. Die Uraniavorstellung am Sonntag, den 24. d. M., findet nicht von 3-5, sondern von 5-7 Uhr statt. Gezeigt wird der Film Aus der Werkstatt eines Rulturfilms". Ratten find noch au haben im Borraum des Theaters beim Genoffen Bollstein. Heute, Sonnabend, den 23. Februar: 26. Abt. Bezirksführer, Betriebsvertrauensleute und Gewerkschaftsfunktionäre werden ersucht, die Gammelliften zur Wahl umgehend vom Genoffen Walter, Meger Str. 37, abzuholen. Morgen, Sonntag, den 24. Februar: 88. st. Mariendorf. Bormittags 8½ Uhr Borwärts"-Agitation. Jungsozialisten. Gruppe Treptow: Führung durch das Märkische Museum. Treffpunkt Bunkt 410 Uhr vor dem Museum. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Biffenschaftlich- humanitäres Romitee. Sonnabend, den 28. Februar, 8 Uhr, im Ernst- Saedel- Saal, In den gelten 9a, Bortrag des Schriftstellers Egon Herrmann über Dito Weininger, fein Leben und Lebenswert. abend Sonntag, den 24. Februar, 6½ Uhr, im Reſtaurant Schellhaſe, AhornGemeinschaft proletarischer Freibenter, Ortsgruppe Steglig. Unterhaltungs straße, unter Mitwirkung von Margarete aIrotte.( Lieder zur Laute und Rezitationen.) Ansprache hält Genosse Dr. Krische. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Herrn E. Simmel: Sugo Wolf.( Das moderne Lied.) Gefangliche Einlagen: Frau Himmel. Gäfte willkommen. Arbeitersport. Arbeiter Sodey. Serienfpiele am Sonntag, den 24. Februar. Gruppe Dt: Wilmersdorf I- Charlottenburg I, Wilmersdorf, Lenz- Hebenbrod( Fichte 12). Fichte 3-1- Fichte 1 I, Schönhauser Allee, 2½- 4, Aulbasti- Jogaat( ASC.). Gruppe Beft: Roland I- Lichtenberg 2 1, Schönhauser Allee, 10-12, Bruft Benig( Moabit).- Gruppe Süd: Fichte 12 11- Roland III, Schönhauser Allee, 9-10%, Rlahn- Aroll( Lichtenberg 2). Gruppe Rorb: Roland II- Staaten, Schönhauser Allee, 1-2, Rubeil- Arilger( Fichte 3). Gesellschaftsspiel: Fichte 1 II- Charlottenburg II, Bestend, 2½- 4. Die Sodeyabteilung der Freien Turnerschaft Wilmersdorf hat am Sonn bag, ben 24. Februar, die 1. Mannschaft der Bodenabteilung der Freien Turner idhaft Charlottenburg bei fich zu Gast: Das Spiel findet auf dem Bereinsplat Württembergifche, Gde Rähringer Straße, statt. Beginu 2 Uhr. Da beide Bereine über eine technisch gute und fahnele Mannschaft verfügen, so ist bester Sport zu erwarten. Arbeiter und Sportfreunde, unterstüßt uns burch euren Besuch! Berliner Arbeiter- Schachklub. Die Abteilung Charlottenburg fpielt regel mäßig Dienstags von 8-12 Uhr im Lokal von Gottschalt, Bismardftr. 57, Ede Raiser- Friedrich- Straße. Am Sonntag, den 24. Februar, vormittags 10 r findet ein Wettkampf folgender Grupper ftatt: Charlottenburg 1 M. gegen Norden 1 1. M., Charlottenburg 3. M. gogen Westen 2. M. Gäfte find ftets herzlich willkommen. 1. Kreis, 6. Bezirk( Baffersport). Am Sonntag, ben 24. februar, vov mittags 19 Uhr, Bezirksvereinsvorständekonferens in Neukölln, Marefchstr. 14 Jeder Berein hat zwei Borstandsmitglieder zu entfenden. Tagesordnung: Kreisfest, Kreistag. Berschiedenes. 6. Bezirt, 1. Gruppe. Borstands. unt Schwimmwartefikung am Montag, den 25. Februar, abends 8 Uhr, bei Linsener, Mühlen, Ede Brommystraße. bruar. Arbeiter- Rabfahrer- Bund, Solibarität. Touren für Sonntag. ben 24. Fe 2. Abt.: Fußtour durch den Grunewald. Treffpunkt 1 Uhr Bahnhof Grunewald. Gigungen und Starts jest Friesenstr. 13. 5. bt.: Spandau Tivoli. Start 1 Uhr Landsberger Plas. 6. Abt.: 1 Uhr am Start Ropen hagener Str. 26, 10. Abt.: Seidekrug. Start 1 Uhr Comeniusplag. Diens tag, den 26. Februar, Agitationsfigung; Donnerstag, den 28. Februar, Fahr Freitag, marte- Sportausschußkhung abends 7 Uhr Schule Weinmeisterstraße. den 29. Februar, 7 Uhr, bei Büttner, Schwebter Sft. 23-24, Funktionärver. fammlung für Groß- Berlin. Erscheinen aller ift Bflicht. Café Zielka Varleté- Kabarett, Friedrichstraße 60, Ecke Leipziger Straße, nachm 4, abends 7% Uhr: Großes Programm M. SCHULMEISTER MSchulmeister 18. Februar d. J. bei Ludwigstadt( Strecke Lichtenfels- Probstzella) Zu den Berichten einiger Blätter, daß der Eisenbahnunfall am auf ein Bersagen der technischen Einrichtung, d.§. führen fei, wird mitgeteilt, daß die bisherige amtliche Untersuchung der durchgehenden Güterzugluftbrudbremse, zurückzunicht die geringsten Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser An. Bei nahme ergeben hat. Es steht bisher lediglich fest, daß der Zug eine übergroße Besdywindigkeit angenommen hatte. Möglicher weise ergibt sich jedoch eine weitere Klärung, wenn die beschädigten Fahrzeuge auseinandergenommen und die Luftdruckteile einer forg fältigen Prüfung unterzogen worden sind. MEPHOR Thy Hochbahnstation Kottbuser Tor Einsegnungs- Anzüge von Gm. 20.- bis 45.Prüfungs- Anzüge von Gm. 17- an Husten, Asthma und Lungenleiden Find Sanitatsrat Brust- Tee Dr. Wegscheider's fowie bazugehörige Tropfen nach Original- Borschrift seit Jahren ärztlich empfohlen und bestens bewährt. 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Deshalb sind ihre Ergebnisse geeignet, die Kauf- und Exportkraft der deutschen Wirtschaft nach dem noch nicht vollzogenen Reinigungsprozeß neu zu tagieren Zweitens ist die Königsberger Messe als Ost meffe immerhin ein gewisser Bradmesser für den Stand unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu den Wirtschaften im Oſten. Im allgemeinen kann man sagen, daß Veranstalter und Aussteller in Königsberg auf ihre Kosten gekommen sind. Die Kaufkraft des Inlandes erwies sich größer als man erwartet hatte. Die Textil, Leder- und Schuhwarenbranche wurde besonders freudig überrascht. Auch Genußmittel, Küchen- und Hausgeräte fonnten reichlich abgesetzt werden, wenn auch die Aufträge im allgemeinen nicht besonders umfangreich waren. Fraglich ist nun, ob die in Erscheinung getretene Kauftraft eines faft rein agrarischen Gebietes fontinuierlich und Ausdruck eines Dauerbedarfs oder nur die natürliche Folge der durch Inventurkäufe ziemlich ausgeräumten Lager des Groß- und Detailhandels ist. Die Leipziger Meffe, die am 2. März beginnt, wird über diese äußerst wichtige Frage Aufklärung schaffen. Das Ausland, für das besonders die Randstaaten in Frage tommen, verhielt sich im allgemeinen reserviert, obwohl Spielsachen fehr stark abgefeßt, fleine Maschinen und landwirtschaftliche Bedarfs. artikel stark gefragt wurden und besonders bei den litauischen Einfäufern starkes Interesse für Baumaterialien und elektrotechnische Artikel bestand. Wenn es nicht zu größeren Abschlüssen fam, lag das vorzugsweise an den noch immer übersetzten deutschen Preisen, die gegenüber den Auslandspreisen nicht ganz wettbewerbsfähig find. Im übrigen wird auch von der deutschen Geschäftswelt auf die kaufmännische Unsicherheit in den Oststaaten hingewiesen, die einen normalen Güteraustausch mit dem Osten noch immer erheblich erschwert. Der Kampf um die Baumwolle. Der Weltkrieg hat auf die Weltwirtschaft, besonders auf ihre Produktions- und Absatzverhältnisse umwälzend gewirkt. Die Brobuftionsgebiete wichtiger Rohstoffe haben nicht nur ihre Befizer gemechfelt, fontern es entstanden infolge des Krieges ganz neue Rohstoffquellen, an die man in der Vorfriegszeit noch gar nicht Dachte. Auf dem Gebiete der Baumwollerzeugung find es Südamerika und Australien, die in den letzten Jahren mit dem Anbau der Baumwolle in größerem Maßstabe begonnen haben. Wesentlichen Einfluß auf die Gesamterzeugung der Baumwolle haben die beiden genannten Gebiete bis jeht zwar noch nicht geroinnen fönnen. Jedoch zeigt die Statistit, daß die geerntete Menge von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Man darf bei der Bemertung der Ernte vor allem den wesentlichen Umstand nicht vergessen, daß sowohl in Australien, als auch in Südamerika die Pflege Der Baumwollpflanzen noch lange nicht die Höhe der alten Baum weilgebiete, z. B. die der Bereinigten Staaten, erreicht hat. Mit fortschreitender Kultivierung der Anbauflächen für Baumwoll planzen wird das Ernteergebnis dieser Gebiete ganz bestimmt teigen. Maßgebende Fachleute versichern daß der Boden gerade in Sudamerika in bezug auf Baumwolle eine viel höhere Ertrags. fähigkeit besitzt. als der in Nordamerika. Bis jetzt war Amerika das Hauptbaumubo.land, Es fonnte auf Grund seiner gewaitigen Ernten die Preise diktieren und die Baumwollindustrien aller Länder maßgebend beeinflussen. In den nächsten Jahren wird es sich entfcheiden, ob Amerita das Hauptbaumwolland der Erde bleiben kann une inwieweit és feine Dittatur über die Rohbaumwollpreise auf rechterhalten tann. Die Aussichten für Amerita find nicht besonders günstig. Das zeigt folgende Zusammenstellung: Der Anteil der einzelnen Länder an der Gesamterzeugung der Baumwolle( in Prozenten ausgedrückt) betrug: 1911/12 1912/13 1917/18 1922/23 1923 24 • Bereinigte Staaten England Verschiedene Länder 9 69 22 62.0 62,0 49 47,0 27,5 28.25 10,5 9,75 33 33,5 18 19,5 Die Tabelle zeigt den heftigen Rampf zwischen Amerika und England um den Baumwollmarkt. Die Zahlen sprechen ganz ent schieden gegen Amerita. Es brachte noch im Jahre 1911 runt 69 Proz. der Befainterzeugung an Baumwolle auf. Im Laufe von ungefähr 12 Jahren fant seine Beteiligung auf 47 Proz. England ist also auf dem besten Wege, die Führung in der Baumwollerzeugung zu bekommen. Mit seinen Kolonien besitzt das britische Weltreich schon jetzt die meisten Baumwollspindeln und hat dafür auch den größten Baumwollverbrauch. Die Zeit ist also nicht mehr fern, wo an Stelle von New York das englische Liverpool die Baumwollpreife diktieren wird. Den Rodler freut nach Eisu Schnee Stets aus Quieta" ein Kaffee! Quieta Köstliche Mischungen mit Bohnenkaffes Grundsteuer und Personalabbau Vom Landtag verabschiedet. Der Landtag nahm gestern in namentlicher Abstimmung die Vorlage über die Grundsteuer mit 256 gegen 102 Stimmen an. Das ist die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Der Einspruch des Staatsrats gegen die Steuer wird damit hinfällig. drei Lesungen und in der Schlußabstimmung gegen die Stimmen der Auch die Personalabbauverordnung wurde in allen Deutschnationalen und der Kommunisten genehmigt. Annahme fan den weiter die Ausschußanträge, daß die unzureichenden Bezüge der Beamten, Staatsangestellten und Staatsarbeiter schleunigft aufgebessert werden sollen und hierbei eine sozial gerechte Berücksichti Herbeiführung eines weiteren Preisabbaues erleichtert werden soll. Bei der ersten Beratung der Notverordnung über die Gewerbesteuer wurde die Borlage, die auch die Besteuerung der Ronfumbereine ausspricht, in namentlicher Abstimmung mit nur 10 Stimmen Mehrheit angenommen. Der von den Sozialdemokraten eingebrachte Aenderungsantrag, der die Besteue rung der Konsumvereine beseitigen will, wurde in namentlicher Abstimmung mit 161 gegen 145 Stimmen abgelehnt. Das Schrift hen ist eine Kritik an der verflossenen wie an der gegenwärtigen Reichsbant- und Währungspolitit. Theoretische Satz gipfelt:„ Die Bergrößerung der Menge des in einem Lande Grundlage der Kritit ist die Quantitäts theorie, die in dem umlaufenden Geldes ist( bei gegebener Umlaufsgeschwindigkeit und Gütermenge) stets und allein die Ursache und nicht etwa bloß Parellelerscheinung oder gar Folge einer Preiserhöhung." Wenn die Qualitätstheorie richtig ist und in der heutigen Wiſſenſchaft kaum noch verschiedene Meinungen- gung des Familienſtandes stattfindet und die Lebenshaltung burch dann ist die Teuerung Folge Ser Inflation, nicht ihre Ursache. Anschauung stehen die Inflationisten. Eie haben feine flar for Auf der Gegenseite der von Hahn vertretenen de flationist! schen Sie haben feine flar for mierte Theorie, aber eine um so verhängnisvollere erfolgreiche" Brazis. Nach ihrer Auffassung ist die Inflation die Folge der Teuerung, nicht ihre Ursache. Nach dieser Anschauung ist also die Menge des umlaufenden Geldes ohne Einwirtung auf den Geldwert. Die Praxis, der diese Anschauung zugrunde lag, war die Währungs- und Kreditpolitik des Reichsbankdirektors Haven Die Schrift enthält auch eine Kritit der Rentenmart und der projektierten Goldnotenbank. stein und feines Theoretifers Helfferich. Uebergang der preußischen Staatsschuldenverwaltung auf das Reich. Nachdem durch die Kriegsverhältnisse der Umfang der Reichsschulden wesentlich über den der preußischen Staatsschulben hinaus gewachsen ist, hat sich für die Reichsregierung die Notwendigkeit übertragen. Demzufolge beabsichtigt die Reichsregierung nach Verergeben, die Verwaltung ihrer Schulden einer eigenen Behörde zu einbarung mit dem preußischen Finanzminister zum 1. April 1924 die bisher von der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden unter der Bezeichnung Reichsschultenverwaltung" geführte Verwaltung der Reichsschulden einer Reichsbehörde unter der selben Bezeichnung zu übertragen und zu diesem Zwecke die erforder lichen Beamten von der Hauptverwaltung der Staatsschulden zu übernehmen. Anilin- Micum- Abkommen. Das zwischen den Badischen Anilin werken und der Micum getroffene Abfommen ist um dre Monate verlängert worden. Die Werke verpflichten sich, bis zum Ablauf dieses Vertrages 8600 Tonnen Stidstoffdünger zu liefern. Dagegen garantiert die Micum die Ausfuhr von Stid. stoffoünger nach dem unbefegten Gebiet gegen eine Abgabe von 1 Prozent. Der Stand der deutschen Auswanderungsquofe. Zu der vom amerilanischen Koniulat in Bremen veröffentlichten amilichen Mit teilung über den gegenwärtigen Stand der deutschen Aus wanderung quote wird dem Hamburger Fremdenblatt vom amerifanischen Generalfonsulat ergänzend mitgeteilt, daß die Auswanderungéquote bereits im Dezember eridöpft gewefen ist. Es besteht aber die Möglichkeit, daß die Einwanderungserlaubnis im April d. J. wieder erteilt werden wird. Hafergrütze, lose Ro genmehl 0/1.. Weizengrieẞ Hartgrieß 7 F Durchschnittspreise im Verkehr des Berliner Lebensmittelgroßhandels mit dem Einzelhandel vom Freitag, 22. Februar. Die Preise verstehen sich in Goldmark für je 50 kg frei Haus Berlin, Gerstengraupen, lose 15,75-16,80| Malzkaffee, gepackt. 23,00-25,00 Gerstengrütze, lose... 15,75-16,80 Röstgetreide. lose.... 15 00-16,50 Haferflocken, lose 14,50-15,50 Kakao. fettarm 100,00-12,00 15,50-16,50 Kakao, leicht entölt... 13,00-150,00 342,00-3,00 13,00-14,00 Tee Souchon 18,00-18,80 Tee, indischer 425,00-43,00 22,00-22,50 Inlandszucker basis mel. 38,0 39,00 ..14.75-15.75 Inlandszucker Raffinade 41,00-43.00 17,00 21,00 Zucker Würfel. 46,00-48,00 19,00-23,00 Kunsthonig 40, 0-45,00 16,00-18,00 Zuckersirup hell in Eim. 49,0020,00 24,00 Speisesirup dunk. in Eim 33,00-35, 30-31,00 Marmelade Eintr. Erdb. 108,00-133,00 26,00-33,00 Marmelade, Vierfrucht 33,00-55,00 36,50 40,00 Pflaumenmus in Eimern 50,00 4.15-45.00 Steinsalz, lose 3,70-4,00 16,0 18,00 Siedesalz, lose 4,80- 5,20 40,00-45,00 Bratenschmalz in Tierces 69,0036,00 38,00 Bratenschmalz in Kübeln 71,00 21,00-26,00 Purelard in Tierces 67,0015,50-17, 0 Purelard in Kisten 67,50-70,00 17,00 19,00 Speisetalg in Packung 49,00-52,00 27,00-31,00 Speiseta in Kübeln 47,00-49,00 31,00-36.00 Margarine, Handelsm. 1 56,0 115,00-125,00 desgi II. 43,00 48,00 Margarine, Spezialm. I 52,00-55,00 desgl. II. Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Pert Langbonnen. handverles. Linsen. kleine... Linsen, mittel Linsen, große Kartoffe mehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnude.n, lose...... Bruchreis Rangoon Reis Taielreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr Plaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Carab rnu. Korinthen, choice. Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimmt( Cassia) .. .. 48,00-52,00 77,00 57,00-59,00 220,00-226,00 198,00-200,00 220,00-226,0 35,00-36,50 . 60,00-64,00 40,00-50,00 35,00-50,00 110,00-120,00 35,00-60,00 23,50-25,00 75,00- 85,00 Molkereinutter...... 85,00 95,00 Landbutter 80,00-90,00 Auslandbutter 145,00-160,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 130,00-150.00 Speck, gesalzen, fett. 110,00-120.00 Quadratkäse Kümmel, holländischer. 145,00-150,00 Quarkкäse Schwarzer Pfeffer singap. 98,00-106,00 Tilsiter Käse, vollfett 130,00-141,00 Tilsiter Käse. halbfett. Weißer Pfeffer....... Rohkaffee Brasil 17., 00-200, 0 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil.... 225.00-270,00 Inländische desgl. 48/12 19,00-20,00 Röstkafiee Zentralam... 315,00-400,00| Inl. gez. Condensm. 48/14 28,50-29,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 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Der Minister wies zunächst auf die demagogische Kamples. weise der Deutsch nationalen hin, die bisher immer nach dem Beamtenabbau geschrien haben und nun plöglich den Beanitenabbau ablehnen. Ebenso verhalte es sich mit der Stellung der Deutschnationalen zum Finanzproblem. Man bekämpfe die Vorlagen der Regierung auf das heitiaste, dente aber nicht daran, durch Abänderungsvorschläge etwas Besferes an die Stelle des angeblich Schlechten zu sehen. Für die Länder sei es ebenso sehr wie für das Reich eine heilige Pflicht, aus der Defizitwirtschaft her. auszukommen. Aus diesem Grunde müsse der Personalabbau erfolgen. Im Reich betrage die Abbau- Ersparnis bisher 200 Millionen, bei Preußen werde sie sich auf jährlich 80 Millionen belaufen, Beim Abbau dürfe man nicht die ungeheuren Härten noch durch Hereinnahme von Außenseitern vermehren, nur bei ganz befonteren Stellungen und bei ganz besonderen Ber ön.ichkeiten verde davon abgegangen werden können. Den Oberpräsidenten und Renierungspräsidenten sei vor zwei Tagen folgendes erklärt worden: Inter feinen Umständen dürfen politische oder relis giöse Gesichtspuntte bei der Durchführung des Abbaues mitsprechen. Sollten trotzdem Mißgriffe vorkommen, so erfläre ich namens der Staatsregierung mit aller Schärfe, daß die an dem Abbau beteiligten Beamten für Fehler persönlich in der schärfsten Weise verantwortlich gemacht werden werden. Es ist bezeichnend, daß die Deutsch nationalen die sachliche Rebe unter Lärm und lebhafter Unruhe entgegennahmen und fich nicht entblödeten, dem Minister Mist!" entgegenzurufen. Es hatte geitweilig den Anschein, als wollten sie das Sandaltheater der Kommunisten, die sich verhältnismäßig ruhig verhielten, nun ihrerseits fortsetzen. Sunnabend 11 Uhr: Anfragen, Anträge, Kleine Borlagen. Schluß 6% Uhr. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 23. Februar, 7½ Uhr: Baumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16, Rurt- Eisner- Abend. Berbebezirk Neukölln. 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