Menöausgabe Nr. 92<■ 4?. Jahrgang flus�abe B Nr. 4b Stsin«�Mn(!iinnfn lind 9Jnjf((in»r",.tt lind in bn äJlotfl»n deutschen Industriellen ausgearbeiteten Denk- fchrist mit dem Titel.Die Industrie im besetzten Frankreich". Diese Schrift sei nur in wenigen Exemplaren streng vertraulich ge- druckt worden, und nur durch Zufall sei während des deutschen Rück- zuges ein Exemplar in die Hände der französischen Behörden ge- fallen. Jeder französische Industriezweig sei darin Gegenstand einer genauen Untersuchung mit Beschreibung der ermittelten Schäden und einer Aufstellung der Gewinn«, die dem entsprechenden deutschen Industriezweig durch die Zerstörung des sranzösischen möglicher- weise zufallen könnte. Au» dem Buch gehe deutlich hervor, daß das deutsche Heer einen Schutzvorhang darstellen sollte, hinter dem eine Plünderung und Vernichtung der Wirtschaft eines gefährlichen wirtschaftlichen Gegners vor sich gehen konnte. Der Wirts ch a s t s- krieg fei die Hauptsach« gewesen und habe die militärischen Operationen bedingt. Die Lektüre dieses Buches, fo schließt das amtlich« Begleitschreiben, stelle eine furchtbare Anklage gegen feine Derfasser dar und erbringe den Beweis dafür, daß sich Deutschland den Norden Frankreichs einverleiben wollte, um der Industrie Englands schärfere Konkurrenz machen zu können. Wenn die vom französischen Ministerium des Aeusiern veröffentlichte vertrauliche Denkschrift der deutschen Indu- striellen e ch t ist, würde ihr Inhalt nur die im deutschen Volte weit verbreitete Anschauung bestätigen, daß die deutschen In- dustriellen, unter Führung der Schwerindustrie, im Bunde mit Ludcndorsf eine unheilvolle Politik getrieben haben, die in hohem Maße den Zusammenbruch Deutschlands för- derte. Die bekannten annexionistischen Eingaben der deutschen Wirtschaftsvereände während des Krieges bewegten sich alle in ähnlichen Gedankengängen wie die jetzt veröffentlichte Denkschrift. Insofern ist ihr Inhalt weder neu noch be- sonders überraschend. Für die französische Regierung bietet allerdings diese Denkschrift billiges Slgitationsmaterial, um die unversöhnliche Politik Frankreichs und vor allen Dingen die Ruhrpolitit zu rechtfertigen. Es ist indes zu hoffen, daß das französische Volk sich durch derartige Agitationsmethodcn nicht verwirren lassen wird, nachdem die Haltung der f r a n- z ö s i s ch e n Schwerindustrie vor und während der Ruhr- besetzung den Beweis erbracht hat, daß die französischen Schwerindustriellen um keinen Deut besser sind als ihre deut- schen Konkurrenten. Diese Feststellung mindert die Schuld der Schwerindustrie vor dem deutschen Volke nicht, sie ist viel- mehr geeignet, die Erkenntnis zu fördern, daß der gemeinsame internationale Kampf der ausgebeuteten Volksschichten gegen die Kapitolsgewaltigcn allein den Weg weist, um aus dem jetzigen Elend herauszukommen. Reifereöe- Sturzflug. Stresemauil in Trcsden. Herr Stresemann hat gestern nach glücklicher Landung in Dresden einen politischen Unfall erlitten, von dem noch festgestellt werden muß. ob er auf ein Versagen der Hemmungen beim Redner selbst oder aus eine geradezu stras» würdige Art der Berichterstattung zurückzuführen ist. Der offiziös« WTB.-Bericht legt dem Außenminister Sätze in den Mund, die innen- und außenpolitisch den größten Schaden an- zurichten geeignet sind. Hat er sie gesprochen oder nicht? Wir wollen uns nicht lange bei dem Unsinn des Satzes über die.Gleichmacherei" der Revolution aufhalten, zum Theoretisieren ist keine Zeit. Herr Stresemann soll aber auch gesagt haben,.die Regierung denke nicht daran, in besonders gefährdeten Gebieten den Ausnahmezustand völlig auszu- heben". Was soll das heißen? Soll das heißen, daß man den amtlich veröffentlichten Briefwechsel Seeckt-Ebert nach- träglich zur Komödie degradieren will, zu der man die Person des Reichspräsidenten mißbraucht hat? Die Aufhebung des militäri''chen Ausnahmezustandes zum 1. März ist zugesagt. diese Zusage wieder zurückziehen heißt die Kapitulation der Reichsautorität vor der deutschnationalen Agitation vollziehen. heißt innere Verbitterungen und Erschütterungen geradezu künstlich heraufbeschwören. Also, was hat Stresemann gesagt, und was hat er gemeint? Herr Stresemann soll ferner ge'agt haben, es sei fest- gestellt, daß, wenn von Bayern aus der Marsch nach Berlin angetreten worden wäre, gleichzeitig Deuts hland von den fremden Mächten von drei Seiten aus bedroht gewesen wäre. Diese Feststellung, daß Fran.zosen, Polen und Tschechen nach Deutschland einmarschiert wären, wenn der bayerische Stoß auf Berlin durchgeführt worden wäre, ist völlig neu und entspricht unseres Wissens nicht den Tatsachen. Der deutsche Außenminister unterstellt damit drei fremden Regie- rungen Absichien, von denen sehr schwer nachzuweisen sein wird, daß sie sie wirklich gehabt haben, und die zurückzu» weisen seine Pflicht wäre, wenn sie wirklich vorhanden gewe'en wären. Dann soll Herr Stresemann unsere Zeit mit der Zeit zwischen der sranzösischen Revolution und dem Wiener Kongreß verglichen und angekündigt haben,„man könne vielleicht sehr bald mit einer völligen Um- geftaltung der Weltpolitit zur Frage des Versailler Friedens- Vertrages rechnen". Jeder von uns würde wünschen, dies wäre talsächlich der Fall, ober nichts kann unsere Hoffnungen sicherer verderben als ein bis zum Leichtsinn getriebener Opli- mlsmus in der Beurteilung der Weltlage. Der Wiener Kon- greß kam erst, nachdem sich eine Weltkoalition gebildet hatte, die das bis dahin siegreiche Frankreich in zwei Kriegen niederschlug. Glaubt Herr Stresemann. daß hier ein geschicht- sicher Parollelfoll vorliegt? Wir glauben nicht, daß er es aber glaubt! Aber angenommen, er glaubte es und würde als deutscher Reichsaußenminister sagen, daß er es glaubt— ja. was sollt« man von so einem deutschen Reichsaußenminister hasten? Hoffentlich gibt es eine stenographisch« Aufnahme der Dresdner Rede, aus der hervorgeht, daß Herr Stresemann an den Unmöglichkeiten, die der Berichterstaster von WTB. ihm in den Mund gelegt hat. unschuldig ist. Jedenfalls steht soviel fest: So sebr. wie es nach dem Bericht scheint, dars ein parteipolifischer Erfolgredner nicht vergessen, daß er nebenbei auch die Verantwortung für die auswärtige Politik des Reiches trägt, und so, wie es WTB. getan hat. darf über die Rede eines deutschen Außen- Ministers nicht berichtet werden! Ein neues Ehrenwort Roßbachs. Wann wird es gebrochen? V t««, 23. Februar. sWTB) vberleuknant Roßbach hat die Ausenthaltsbewilligung für das Land Salzburg er- halten gegen die Verpflichtung, leine gegen den v. stand der Republik Oesterreich gerichtete Täligteit auszuüben. Herr Roßbach hat schon wiederholt solch«.Verpflichtungen' ab gegeben. Zuletzt, als er uu» der Untersuchungshaft in Leipzig«nt lassen wurde, die Verpflichtung, sich dauernd zur Verfügung der Pa lizei zu holten und jeder Borladung sofort Folze zu leisten. Statt dessen verschwand er nach Bayern und ha'f den Rovemberputsch vorbe- reiten. Di« Oesterrcicher. die der»Verpflichtung' diese» Manne» Glauben schenken, sind zu bedauern. Frankreichs eventuelle Konzejflonen. Konferenz mit Tcgontte. pari», 23. Februar. sTU) Gestern nachmittag hat zwischen P o l a c a r e und dem Kriegsminisler sowie dem General D e- goutte eine wichtige Besprechung ftattgefnnden, in deren vor laus auch zu dem voraussich.lichen vrricht der Sachverständigen Siel lung genommen wurde. General vegoutte erstattete Bericht über die erenlucllen Konzessionen, die Frankreich im Ruhrgcbiete unter Aufrechlerhaltung der Mllitärokkupation zusagen könne. Dl« San sereoz dauerl« zwei Stunden. Die wlrischasiliche Räumung d«s Ruhr- und Rheingebieic», schreibt»Daily Mail', dürfe nicht mit einer mililSrlschen Räumung verwechselt werden. Die Ruhr werde von den fraozöflsch-belgifchen Truppen nur aach Maßgabe der deul- scheu Reparallonszahlungcn geräumt. Wo, den Völkerbund onbe- langt, so sei die französische Regierung nicht abgeneigt, sich ml« der Frage der Mill'Srkontcolle in Deutschland zu besossen. vorausgesetzt. daß ein destnitiver Reparolionsplan jetzt ousgearbellet und von Deutschland angenommen werde. Die französische Regierung habe auch nichts dagegen, daß der Völkerbund im Anschluß an die Konkrolle der deutschen Abrüstungen über die Entmilltariflernug der Rheialonde wache, sobald die verbündeten Truppen ans Grund de» Vertrages abgerückt fein werden. Annahme ües fronzöflstben Zmanzpefetzes. Pari». 23. Februar.(WTB.) Die Kammer Hai den Finanz- gefchentwurf der Regierung im ganzen mit 354 gegen 218 Stimmen angenommen. deichte Markbesserung im fluslanö. Die Nachricht, daß Poinrcrö nunmehr sich bereit«rklört haben soll, einige Zugeständnisse in der Ruhrsrage und auch in der Frag« der Goldnotcnbank zu machen, veranlaßte ein« wesentlich g ü n- stigere Martwertung am intermnionalen Markt, so daß, namentlich In London. Zürich und Amsterdam, die Auszahlung Berlin etwa, anziehen konnte. Am Berliner Devisenmärkte waren die Anforderungen am heutigen Tage etwas geringer. Doch hielt fich die Rcpartierung ungefähr auf der gleichen Höhe wie am Dortage. New Dort, London und Amsterdam wurden mit 3 Pro- zent zuaeteilt, wobei noch zu erwähnen ist, daß die Devise Holland auf 1S7S neu festgesetzt wurde und England mit 18150 notierte. Nordische Devisen wurden mit zirka S Prozent und di« Schweiz ebenfalls mst S Prozent zugeteilt. Aufwertung. Sozialdemokratie und dritte Steucrnotverordnung. Durch di« mit dem Ablauf des Ermächtigungsgesetzes, dem Erlaß von einigen Dutzenden Verordnungen und dem Wiederzu'ammentritt des Reichstages geschaffene politische Lage ist die Erörterung des Inhalts der D r i t t e n S t e u e r- Notverordnung etwas zu kurz gekommen. Kaum eines der zahlreichen Gesetze der letzten Jahre enthält so ungeheuer einschneidende Bestimmungen wie diese Verordnung. Sie greift nickst nur in jedes Gebiet der Steuer- und Finanzgefetz» gebung ein. sondern ist auch der seit iangem bedeutsamste Ein- griff in das Wirtschaftsleben und ist entscheidend für die soziale Struktur Deutschlands. Die Grundlage der Verordnung bildet die Regelung der Beziehungen zwischen Gläubigern und Schuldnern von Geldforderungen durch die sogenannte Aufwertung. Durch den furchtbaren Entwertungsprozeß d«r Mark, der die pri- vcten und öffentlichew-Schulden, d'e Anfang 1918 noch einen Wert von etwa 209 Milliarden Goldmark hatten, auf etwa 29 Goldpfennige entwertet hat, ist die größte ö k o n o- mische und soziale Revolution der Geschichte hervorgerufen worden. Die Hauptursache dieser mit unbe- ichreiblichem Elend der Mittelschichten und des Proletarial» bei gleichzeitiger Bereicherung einer kleinen Zahl von Sach- wertbesitzern verbundenen Entwicklung ist die Inflation. Jahrelang vermehrte der Staat bei sinkender Eütererzeugunz die papierncn Zahlungsmittel und deckte damit seine Aus- gaben, anstatt die Mittel durch Steuern zu erheben. Besitz- besleuerung aber gestattet«n die reich«n»Patrioten" und die bürgerlichen Parteien N'cht. Diese Verweigerung der Steuer- leistungen brachte dem Besitz doppelten Vorteil. Sie befreite ihn nicht nur von den öffentlichen Lasten, die in allen anderen Ländern getraaen werden müßten, sondern führte auch zu un- geheuerlicher Bereicherung bei gleichzeitiger unbeschreibbarer Verarmung aller übrigen Be?8lkcningsschichten. Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß diese Wirsimz von Anfang an als Ziel konsequent verfolgt wurde, so enthält doch die Entwicklung der letzten Jahre der deutschen Politik überaus zahlreich« Be- weife dafür, daß iede Bekämpfuna der InstcUion st) lange auf den erbittertsten Widerstand der Stinnes, Helfferich und Häven- stein stieß, so lange der Sachbesitz von der Entwertung der Mark profitiert« und da» Volk verarmte. Erst als die In- flation sich in wilden Sprüngen überschlug, als Löhne. Ge- häiter und Reisten wertbeständig gemacht wurden, die Ab- wälzung der Lasten durch die Inflationsbesteuerung nicht mehr möglich mar, Handel, Banken, Landwirtschaft und Ln- dustrie die Lasten d«r Inflation mittragen mußten und die Gefahr des völligen Wirtschaftschaos deutlich erkennbar war, da wurden die Versuch« zur Wäbrungssan'erung begonnen, die die Sozialdemokratie viele Jahre hindurch vergeblich ver- langt bat. Wenn also die Besitzer von Hnpotheken. von Pfandbriefen, von öffentlichen Anleihen, von Sparkastenguthaben und Lebcnsversiche- rungsansprüchen um ihre sauer ersparten Vermögensanlagen gebracht worden sind, so verdanken sie das in der Hauptsache denjenigen, die Förderer und Nutznießer der Inflation waren und sich jeder aktiven Währungs- und Wirtschaftspolitik zu ihrer Bekamp- fung widersetzten. Durch die im November 1923 endlich erreichte S t a b i l i« s i e r un g, für die die Grundlagen der sozialdemokra« tische Finanzminister H i l f e r d i n g gelegt hat. ist die Regelung der Aufwcrtungsfrage plötzlich akut geworden. E« war deshalb begreiflich, daß die Opfer der Inflation, deren Dermöa«nsanlaqen entwertet waren, auf eine Regelung drängten, die ihnen Sicherheit verschaffte, ob und in welcher Höhe sie auf Rückerstattung ihrer Guthaben zu rechnen hatten. Weniger verständlich ist es schon, daß dleienigen. die noch in der Miste des vergangenen Jahres jede Aufwertuno auf da» schärfste bekämpften, nun plötzlich ebenso bestige Anhänger der Aufwertung wurden. Der ehemalige Iusthminister de? Deutschen Volkspartei, Dr. H e i n z e, bat durch seine schroffe A b l e b nn ng ieder Möglickikeit der Aufwer- t u n g Mitte 1923 ebensoviel zur Schädigung der Hypotheken« und Sparkassengläubiger beigetragen wie Helfferich durch seine verderbliche Finan'politik. Wenn deshalb jetzt die Deutsck>e Volkspartei und die Devtschnationalen..Mitleid mst den armen Opfern der Inflation" bekunden, to ist dabei eine sehr erhebliche Portion Heuchelei und Demagogie. Di« ungeheure ökonomische und soziale Revo- l u t i o n, di« durch die Geldentwertung hervorgerufen worden ist, ist durch keinen staatlichen Eingriff unge- schehen zu machen. Das Wirtschaftsleben eines moder- nen, in die Weltwirtschaft verflochtenen Industriestaat«? ,st so vielgestaltig, daß-ine in fast zehn Iahren vollzogene Ent- wickürng bereits zu solchen Veränden'ngen und Verschiebungen geführt bat, daß aus Unrecht Recht zu machen ein vergebliches Beginnen ist. Wie soll der jahrelange Raub an dem Ar- beltseinkommen wieder g,'tgemack>t werden? Wie soll derer gedacht werden, die durch die Not gezwungen sich bereits baben abfinden lassen? Und umgekehrt, wie sollen d i e Schuldner bebandelt werden, bei denen der durch di« Entwertung tbrer Schilden erzielte Vcrmägenszuwachs nich mebr vorhanden ist? An eine allgemeine Rückwärtsent- Wicklung der Infiation ist also auf dem Wege des zwangs- weisen Eingriffs des Staates nicht zu denken, will man nicht neues Unrecht schalen und vor allem große Gefahren für die Wirtschaftsentwicklung hervorrufe». Angesichts dieser Sachlage erscheint es als für die Ge- famtheit des deutschen Volkes viel wichtiger, der Zukunft zu gedenken und einer neuen Entwertung der Währung vorzubeugen. Noch find nicht alle Gefah- ren für die Stabilität der Währung beseitigt. Solange nicht unbedingte Sicherheit besteht, dal) Reich, Länder und Gemein- den ihren gesamten Bedarf durch Steuern decken können und zu ungesunden Finanzierungsmethoden nicht mehr zurückzu- greifen brauchen, kann von einer Stabilität unserer Währung nicht gesprochen werden. Die Währung aber wird sich um so leichter sichern lassen, je schneller und je umfassender das dar- n i e d e r l i e g e n d e Wirtschaftsleben wieder in Gang kommt, die Kurzarbeit verschwindet, die Erwerbs- losen beschäftigt werden, und Industrie, chandel und Land- Wirtschaft ihre durch die Inflationsperiode gesteigerte Lei- stungsfähigkeit voll ausnutzen können. Davon hängt das Schicksal des ganzen deutschen Volkes ab. Nicht nur die Er- werbslosen, auch alle Beschäftigten, alle Unternehmer und nicht zuletzt auch die Besitzer von entwerteten Vermögens- anlogen haben das stärkste Interesse daran, daß das deutsche Wirtschaftsleben zum Aufblühen kommt, neues Einkommen und Vermögen geschaffen wird, die Lebenshaltung des gan- zen Volkes steigt. Deshalb hat die Sozialdemokratie sich in chrer Haltung zur Aufwcrtungsfrage immer in erster Linie davon leiten lassen, daß die Stabilität der Währung gesichert und das Aufblühen der deutschen Wirtschaft gefördert wird. S i e trat ein für eine allgemeine Aufwertung zu- gunsten der Allgemeinheit und der Jnflo- t ionsgeschädigten. Nur dadurch, daß die Entschul- dungsgewinne in größtem Umfang für die Allgemein- h e i t erfaßt werden, läßt sich die Währung mit absoluter Sicherheil stabilisieren. Das würde auch die Möglichkeit bieten. in absehbarer Zeit die schwere steuerliche Belaitung, die auf dem Arbeitseinkommen, dem Verbrauch und der Produktion ruht, zu mildern. Und sie hätte vor allen Dingen dem Reich, den Ländern und Gemeinden die Möglichkeit gegeben, für diejenigen ausreichend zu sorgen, die unter der Inflation und dem Nicderbruch der deutschen Wirtschaft am meisten leiden. Die Kapitalrentner, die Alrersrentner, die Sozialrentner, die Erwerbslosen und die mit Hungerlöhtten abgespeisten öffentlichen Bedien st eten hät- ten ausreichend« Renten und Bezüge erhalten können. Für eine solche Lösung aber waren die b ü r g e r- lichen Parteien nicht zu haben. Ihr Ziel war neben dem Schutz der großen Jnflationsgewinnler die Aufwertung der Ansprüche kleiner Gruppen von leistungs- fähigen Gläubigern. Nicht um die Wiederherstellung von Recht kämpften sie» sondern um dieStabilisierungdes gewaltigen Unrechts, durch das die Leistungs- schwächsten am allermeisten geschädigt worden waren, die Sachwertbesitzcr ober sich bereichert hatten. Daher kam unter ihrem Drängen jener Entwurf der dritten Steuernotoerord- nung zustande, der eine Aufwertung nur für noch nicht zu- rückgezahlte Hnpotheken vorsah, bereits zurückgezahlte An- fprüche aber völlig ausschloß, Sparkassenguthaben, Lebensve-rsicherungsansprüche, Kriegsan- leihezeichner usw. auf eine allzuferne ungewisse Zukunft vertröstete. Unter djesen Umständen war es die hohe sittliche und polstische Pflicht der Sozialdemokratie, sich besonders der Schwäch st en unter den Schwachen anzu- nehmen. Durch den mehrmaligen Umfall des Reichsfinanz- Ministers Dr. Luther, der nach und nach alle von ihm für richtig erkannten Vorschläge über Bord warf, war eine all- gemeine Aufwertung zugunsten der Allgemeinheit und der Inflationsgeschädigten nicht zu erwarten. In Konsequenz der letzten Vorlage der Rcichsregierung versuchte die Sozialdemokratie daher, das Unrecht, das gegenüber den Spar- kassenguthaben, den Lebensversicherungsansprüchen, den bereits zurückgezahlten Hypotheken und gegenüber den öffentlichen Anleihen verübt wurde, zu beseitigen oder zu mil dern. Bezüglich der zurückgezahlten Hypotheken ist die Sozial demokratie infolge der Hallung der bürgerlichen Parteien und der Reichsregierung erfolglos geblieben. Die V e r b e s s e- r u n g der Vorlage der Reichsregierung de züglich der Sparkassenguthaben und der Lebensversicherungsansprüche aber ist in er st er Linie auf das Wirken der Sozialdemo- kratie zurückzuführen. Darüber und über die son stigen Einzelheiten der Regelung der Aufwertungsfrage werden wir noch gelegenllich sprechen. �lbbaukommission nur für Republikaner! Das Kleeblatt Lcwald— Welser-Busch. Wie die„Republikanische Presse" mitteilt, steht heute, Sonn- abenld, im Abbauausschuß, der von den Herren Busch, Welser und Lewald geleitet wird, ein Vorschlag der Herren L e w a l d und Wels er zur Entscheidung, der nicht anders als ein Akt persönlicher Animosität der ehemaligen Staatssekretäre des Rcichsministeriums des Innern aufgefaßt werden kann. Die beiden Staatssekretäre z. D.„schlagen vor", die von dem Ministeriaildirektor Dr. Falck, dem ausgezeichneten Rechiskenner, geleitete Abteilung V aufzulösen und Dr. Falck zur Disposition zu stellen. Die Angelegenheiten der Abteilung V sollen der Abteilung I untergeordnet werden, die gegenwärtig von« Ministerialdirektor Dr. Brecht geleitet wird. Dr. Brecht, der von allen Seiten des Parlaments gleich hoch geschätzte Beamte, soll dafür seines wich- t i g st e n Ressorts, nämlich der inneren Politik, beraubt werden. Merkwürdigerweise soll dieses eminent wichtige, ein hohes Maß von Takt erfordernde Ressort einem Richt-Beamten, dem Reichskommissar Künzer, übergeben werden, über dessen fachliche und politische Eignung es in unterrichtelcn Kreisen schon seit geraumer Zeit nur ein einziges Urteil gibt. Die innerpo'itische Abteilung soll aber nicht etwa ganz und gar Herrn Künzer verfallen. Dem Gesetz der Sparsamkett folgend, soll der e r st« M i n i st e r i a l r a t dieser Abdcilung, Dr. H ä n tz- schel, wegen seiner auftichtigen Einstellung zum neuen Staat gleichfalUs zur Disposition gestellt werden. Aus der Abteilung II soll der Ministerialrat Dr. T i e d j e, der von der deutsch-dänischen Abstimmung her bekannt ist, hinausbefördert werden. Im zweiten Akt ihrer„sparpolttischen" Tätigkeit planen die gewesenen Staatssekretär« die Entfernung Dr. Brechts auf einen unpolttifchen Posten und die Auflösung des Spezialbureaus, das gegenwärtig auch einen Regierungsrat zum Verwalter hat, dem der Vorwurf gemacht werden kann, daß er Republikaner ist. Der Sparkommissar Saemisch hat es kürzlich aCs eine„Verleumdung" bezeichnet, wenn der„Vorwärts" behauptete, daß die Dreimännerkommission sich mit der politischen Stellung der abzubauenden Beamten beschäftige. Hoffentlich wird er im Reichs- tag oder dessen Ausschuß darüber befragt, wie sich die Mitteilung der„Republikanischen Presse" mit seiner„Verleumdungstheorie" oer- trägt. Jedenfalls sollte der Reichstag der Republik darauf dringen, daß das Abbau-Klceblatt samt seinem scharfmacherischen Auftrag- gcber, dem Minister Iarres, baldigst verschwindet. Der empfindliche Roßberg. „Väterliche" und andere Ohrfei.qcngcschichten. Der in Münster residierende Wehrtreiskommandeur, General o. Löhberg, hat, wie' Erinnerlich, vor kurzem auf der westfälischen Agrariertagung als Ziel der Reichswehr die Notwendigkeit auf- gestellt, der Jugend„väterlicheOhrfeigen" zu versetzen. Na. türlich nur im b i l d li ch e n Sinne! Derselbe Löhberg aber fühlt sich„beschimpft" durch eine Rotiz im Kasseler„Volksblatt", die die Ueberfchnft trug:„Eine Ohr-' feige für Löhberg". Die Notiz tellte den Beschluß des Rechts- ausschusses des Reichstages mit, wonach das von Löhberg aus- gesprochene Verbot von Versammlungen, die der Abg. Genosse Soll- mann in seinem Bezirk abhalten wollte, unberechtigt und daher aus- zuHeben sei. Jeder Leser der Notiz wird die„Ohrfeige für Löhberg" genau so„bildlich" aufgefaßt haben, wie Löhberg selbst seine„väterlichen Ohrfeigen". Nichtsdestoweniger hat der Staatsanwalt bei der Straf- kommer in Kassel gegen den verantwortlichen Redakteur des„Bolls- blatts", Genosse Tejessy, das Versahren wegen„Beschimpfung" Loh. bergs und damit der Reichswehr(!) beantragt. Man darf neugierig sein, wie diese Ohrfeigengeschichte von deutschen Strafrichtern behandelt wird, besonders nachdem der Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik die Beschwerde des„Volksblatts" über das wgecn jener Notiz ausgesprochene Z itungsverbot schon als berech- tigt anerkannt und demzufolge das Verbot aufgehoben hat. Herlitter Zunktionärinnenkonferenz. In den„Arminhallen" fand am Freitag eine überaus stark be- suchte Funttionärinnenkonserenz statt, in der die Ec- nossin Wurm in einem Referat zum„Bezirkstag" und„Reichs- srauentag" Stellung nahm. Zuerst erläuterte die Referentin noch einmal ihre persönliche Stellungnahme bei der Abstimmung über das Ermachttzungsgcsctz und ihre Stellung zu diesem Gesetz selbst. Sie betonte, Rcpubllk und Demokratie seien für das deutsche Volk erst zu erkämpfen. Die verbriefte Gleichberechtigung der Frauen sei zu einem Fetzen Pap. er geworden, wie so vieles andere in der Verfassung. Die Frau habe jetzt nicht einmal das Recht auf Arbeit. Man besitzt eben nur so vwl Macht, als man sie selber auszuüben imstande ist. Wir müssen zu einer neuen geistigen Einstellung kommen. Die produktiven Arbeits- kräfte der Frauen sind andere als die der Männer, sie sind jedoch gleichwertig. DiS Frau ist ein unentbehrlicher Kulturfaktor, nickst nur im Berufsleben, fondern auch als Mutter, als Erzieherin und in der sozialen Arbeit. Deren Wertung fehlt noch bis auf den heutigen Tag. Die Frau muß sich ihres eigenen Wertes mehr bewußt wer- den. Bei den Wahlen müssen wir den Kampf um die Erhaltung unserer Rechte führen. Die Rednerin befürwortet« als Auftakt zum Wahlkampf einen Frauentag. Wir müssen kämpfen für die Er- Haltung unserer Rechte, gegen den Abbau der sozialen Einrichtungen und für deren Ausbau. Nach einer Diskussion wurden die Wahlhandlungen vor- genommen, und zwar wurden die Genossinnen Hedwig Wache n- heim und Scheibenhuber als Delegierte zum Reichepartei» tag dem Bezirkstag vorgescklagen. Die Genossin Wachenheim er- hielt 180 und die Genossinnen Wurm und Scheibenhuber je 1 Stimmen. Bei der Stichwahl erlangte die Genossin Scheiben- huber mit 1SZ Stimmen die Mehrheit. Als Delegierte zur Frauen konferenz wurden die Genossinnen Scheibenhuber mit 120 ting Kai mit 84 Stimmen gewählt. Sodann wurde noch über die Ausgestaltung und die Bor- bereitung des Reichsfrauentages gesprochen. Generalversammlung öer Metallarbeite? Kassel, 28. Februw.(Eigener Drahtbericht.) In der Freitagnachmittagsitzung des Metallorbeiter- konqresses wurden zunächst noch einige Befchwerdesälle er- ledigt. Der Ausschluß von Oberdörfer. Opladen und von Haber- Hamburg wurde in namentlicher Abstimmung bestätigt, desgleichen in einfacher Abstimmung einige weitere Aus- schlüsse. Die Gehälter der Borstandsmitglieder und Angestellten sowie die Entschädigungssätze wurden nach den Vorschlägen der Rech» nungskommission festgelegt. Dann wurde in die Beratung des Statuts eingetreten, lieber die Neuregelung der Bei- t rä g e und Unterstützungen sowie über die Einführung der Verhältniswahl im Derband entspann sich eine lange Dcb.ttte. W« g m a n n imd Günther- Berlin(Opvosition) traten s ü r Ein- sührung der Berhöltniswahl«in. nur die Wahl des Bor st an- des solle w t« bisher erfolgen. Strobel- Chemnitz und Brandes(Vorstand) lehnten die Verhällniswahl für die GenGrk- Ichaften ab. Ueber die Einführung der Verhältniswahl wurde auf Antrag Günther namentlich abgestimmt. Die Beitragsfrage kam nicht zur Erledigung. Der Antrag der S t a t u t e n be r o- tungskvmmission fand trotz wärmster Befürwortung durch Eggert(Borsland) nicht die erforderliche Zweidrittel. Mehrheit: vielmehr wurde die Angelegenheit an die Kommission zurückverwiesen. Um 9 Uhr abends wurde die Sitzung auf Sonn- abend vertagt. * Berichtigung: Di« Abstimmung über die Unterstützung der Internationalen Arbeiterhi'f« hatte nicht, wie wir gestern meldeten, das Ergebnis, daß die Unterstützung beschlossen wurde: im Gegen- teil, der Dcrbondstag hat die Unterstützung der Internationalen Arbeiterhilfe abgelehnt. Mein Raöio. Von Paul Franke. Mein Kollege Waldemar Semmrlooß hatte sich einen Radio gebaut. Das ganze Bureau wußte davon. Jedem erzählte er, daß das das Einfachst« sei, was es auf der Weit gäbe. Ein« Papprolle mit altem Klingeldraht umwickelt, etwas Litze, ein Kondenfa'or aus Stanniolpapier qnd allen Photographenp'atten, ein paar Klemm- schrauben, vier Holzklötze mit Schellack beschmiert— fertig ist der Lack. Und ein„Empfang" sag« ich dir. glänzend, geradezu glän- zend. Auf unsere etwas erstaunte Frage, wo er denn die Antenne habe, gab er zur Antwort, da genüge das Balkongitter oder die Nähmaschine. Die ganze Geschichte kost« einschließlich Hörer höchstens 20 Mark. Na, das ließ uns keine Ruh« mehr, und mein Freund Felix und ich beschlossen, uns auch einen Radio zu bauen. Und das ging so zu: Zunächst mußten sich die Damen unseres Bureaus alle Schoko- lade kaufen, um uns das Stanniolpapier abzuliefern. Jeden Tag fragten wir danach. Am dritten Tage bekamen wir das erste Blatt. Eine Dame hatte besonderes Pech, erst die achte Tafel war in Stanniolpapier eingewickelt. Merkwürdigerweise mußt« diese Dome nach einigen Tagen den Zahnarzt aufsuchen. Das fing ja gut an. Endlich hatten wir alles Erforderliche zusammen, und der Bau der Apparate konnte beginnen. Dazu hatten wir uns die Wohnung meines Freundes Felix, dessen Frau gerade verreist war, ausgesucht. Auf dem schönen Eßttsch wurde nun gefeilt, gelötet, gehämmert, ge- schraubt und gepinselt, auf den Stühlen Holz gesägt. Nach einer halben Stund« war das Eßzimmer nicht wieder zu erkennen. Di« Tischdecke, die wir im Eifer vergaßen abzunehmen, war vom Löt- kolben versengt und hatte, ebenso wie der Teppich, einige Löcher erhalten. Tisch und Stühle waren zerschrammt. Der Schellack war zu allem Unglück auch noch umgekippt und klebte mit der Tischdecke wie Eisen am Tisch« fest. Drei Stunden mühten wir uns so ab, dann hatten wir vom ersten Abend genug. Nach einigen Tagen hatten wir endlich die Apparat« fertig. Den Draht legten wir so, wie Freund Waldemar uns gelehrt, los« auf einen Schrank und' die Antenne war ferttg. Alles war gelpanttt, was nun kommen sollte. Aber es kam nichts. Zwei geschlagene Stunden saßen wir so, den Doppelkcpfhörer fest an die Ohren ge- drückt, daß sie brannten wie Feuer. Schließlich machten wir Schluß. In der Straßenbahn sahen mich die Leute groß an. Zu Hause lachte mich mein« Frau aus. Beide Ohren waren schwarz von dem Höver„Prima Qualität" D.R.G.M. Als alles nichts helfen wollte/hörten wir mehrer« Vorträge über Ra�is-Amateure und Rundfunkgerät. Schlief ich abends end- lich«üh so träumte ich von Block- und Drehkondensatoren, von De» tektoren. Hoch- und Zimmerantennen, von Heizbatterien, Post- und Exportapparaten, von bespcnnenen und blanken Draht, Wellen- längen und elektrischen Schwingungen. Innerhalb einer Woche kannte ich alle System« und fast alle fachtechnischen Ausdrücke. Aber unsere Apparate hatten noch immer keinen„Empfang". Als alles nichs helfen wollte, griff ich zum Radikalmittel und benutzt« die Abwesenheit meiner Frau, um eine richtiggehende An- tenne zu bauen. Zuerst versuchte ich's in der Küche. Knüpft« an >« zwei Meter langen Bindfaden je sechs Porzellanknöpfe und wollt« den Bindfaden an der Wand befestigen. Der eine Nagel riß aus der Wand, und ehe ich den mit den Porzellanknöpfen beschwerten Bindfaden aufhalten konnte, flog er schon gegen die Gaslampe. Alles war zerschlagen: Strumpf, Glocke und Zylinder. Und dann ging's in die Toilette, da hier die Löcher, die ich schlagen mußte, nicht so zu sehen sind. Ich schleppte Tische und Sttihle herbei, da wir keine Leiter haben, und baute ein Gerüst daraus. Auf dem Tisch stelli« ich j« einen Stuhl und als das auch noch nicht reichte, noch eine Kiste. Beim Hinaufklettern brach sie durch und die Hosen bekamen ein Loch. Endlich war ich bis unter die Decke angelangt. Voller Wut schlug ich die eisernen Haken in die Wand, um die An- tenne zu befestigen. Staub und Kalk flog mir dabei ins Gesicht. Nun sollte der Verbindungsdraht der Antenne zum Apparat noch gelegt werden. Um die Leitung abzukürzen, stemmte ich ein Loch von der Toilette zur Küche. In Ermangelung geeigneten Werk- zeuges nahm ich«inen Gardinenhaken. Der erste brach glatt ab, der zweite oerbog sich fürchterlich und mit dem dritten endlich durch- stieß ich dos Gemäuer. Aber, was war das! Nebenan gab es einen fürchterlicben Kroch. Entsetzt sprang ich vom Stuhl und Tisch und lief in die Küche. Da war von der Wand«in mächtiges Stück Putz abgefallen, so groß wie ein Kasserollcndeckel und ausge- rechnet... auf die Anrichte mitten in das Kaffeeservice mit dem Rosenmuster. Ich hatte genug. Als meine Frau nach Haufe kam und die Bescherung sah, war der„Empfang" glänzend, geradezu glänzend. Radio hell!__ Raffke-Worle. Der Typus des Neureich-n, der im Krieg« und nachher leider so sehr hcrangeblüht ist. bat im Voltsmund den Namen„Raffke" erhalten und ist in un-ähligen Witzen verspottet worden. Besonders fruchtbar in der Mitteilung sotcher„Raffke- Worte" ist der Berliner Dolksbumor gewesen, wie die Sammlung beweist, die Dr. Franr Sederer in seinem beim Verlag der Germania erschienenen Buch„Berliner Humor" mittellt. Einige Proben seien fver wiedergeflkben: Raffkes kaufen sich einen Tevvich. auf dem das Wort ,. Salve" lSei gegrüßt) steht. Zu Hanfe schlägt Raifke in dem neu gekauften Konlervaiions-Lerikon nach und sogt dann zu seiner Frau: Detauf dem Teppich stimmt nicht; ick habe ja jleich gewußt. det Salb« mit„b" jeschneben wird."— Frau Raffte erzählt, ihr Jung« gehe jetzt aufs.Rielgymnasium"..Sie meinen wohl Real- gymnasium," verbessert sie jemand.„Nee. mein Lieber," sagt sse überlogen.„Es heißt Rielgymnasium: ick bin schon mit dem Seal (Seeaal) genug reingefallen."— Bullcnschlögers wollen sich Klassiker kaufen. Der Buchhändler legt ihnen Goethe vor.„Was kostet dtt Band?"„In Pappe 12 M., in Leinen 18 M., in Halbfranz 30 M. und in Ganzleder auf bestem Papier 65 M."..Na. und van welcher Preislagen ab ist er denn klassisch?"— Frau Raffke erzählt ihrer Freun- din, sie geh: heut« abend ins Schauspielhaus.„Mas wird denn gegeben?„Ja. das wissen wir selbst noch nicht ganz genau. Auf dem Zettel steht entweder Minna von Barnhelm oder das Soldaten- glück/ B. Eln ilallenifcher Arbelkerorden. In Italien ist jetzt der Orden der Arbeit eingeführt worden. Das„Detdbnstkteuz der Arbeil' wird ausschließlich an Arberer beiderlei Geschlechts verliehen, die in der Industrie, dem Handel und rn der Landwirtschaft tätig sind, und die sich durch besondere Verdienst«, Umsicht, Treue und muster- hafte Führung ausgezeichnet haben. Der Orden ist nur für Hand- arbeiter bestimmt. Cr besteht aus einem fünfeckigen silbernen Kreuz in dessen Mitte die geogrophische Gestalt Ita'iens m blauer Emaille rcliefarlig dargestellt sst. Die Umschrift lautet:„Dem Verdienst der Arbett." Auf der Rückseite ist der Name der ausge.-eichnetrn Person und die Jahreszahl der Dtrleihung«ingraviert. Di« Auszeichnung darf nur an Arbeiter verlieben werden, die die oben erwähnten Eigenschaften besitzen und außcrdcm den Nochweis führen können. daß ss« in ununterbrochener Folg« 25 Jahre lang in einer Stellung lättg gewesen sind. Man merkt an diesem patriarchasilchen Mumpitz nichts davon, daß Mussolini sich auf die Seele der Arbeiter oder auch nur auf den modernen Wirtschaftsprozeß versteht. Erstoufstihnmgen der Woche, wont. Neater i.d. Koimnavd.mlenstr.: „TaS Nadiomädett.— Donnerst. DollSbühtie:„goiiig Oniinet'. — Freit. Deutsche» Tkealer:.Dantons Tod".— Souaab.TH. om Rollen- dorfplatz:„Zwei um Eine". Ilranla-vorlrige. Sonntag 8 Ubr spricht Dr. v. Lctzel über den Tanz mit Voisübiunsien der Meitiettckule dela Hattsrcler Hollsretcr lwiederbolt am Sonnabend). Mont. ipriibt Dr. Andrac über den.Turm zu Bat" l" und.Die hängenden arten der ZemilamiS". DlevZt. u. Alitlw.. S u. 8'/. Udr. spricht Dr. Rllrock über.Kultur und Leibe». Übungen"(mit Demonstrationen und Film). Käthe Kyaa tingt 5onntngabend 7 Uhr im Berliner Zlatbau» Lieber Laute(.Berlin im Lied l02S-1»2t"). DIttnhort Maur lieft am Nalik-Äbcnd, der um 25 6. TO. im M e i fl e r 1 a a l stattfindet, neben Upton Sinclair, Leoni,. Frank, ZSiltioael. Rexö. Kasbarra. Fach London, V Herzselde auch Dichlnngen von George GroSz, die den Zeichner von einer neuen Seile zeigen. Dl« Ausstellung der Warbes-Delellschaft und de? BiPer-V-tlng« in den Räumen der Buch, und Kunnhandluiig Reich& Pollack wird Sonn. abend, nachmittag» 5 Uhr, eröffnet. vi« tvalerle Ferdinand Itloller, Potsdamer Sir. 1340, zeigt zurzeit graphische Aerte und Zeichnungen von Trodel. Grogmann, Heckel, Lehmbruck. Moderso bn- Becker, Nolde, Röhls» und Plastiken von Kolbe und Scheibe. Zur Die Reaktion in Litauen. Aus K o w n o wird uns geschrieben: Im litauischen Seim hatte die Sozialdemokratie eine Interpellation eingebracht, die sich mit den in der Verfassung fest- gelegten Grundrechten befaßt. In ihr wird gesagt, daß dos jetzige Kabinett Ealvanouskas in der Regierungserklärung versprochen habe, besonderes Augenmerk auf die Gerechtigkeit zu legen. Leider sei davon nicht viel zu spüren. Im Gegenteil käme es im Land« zu Uebcrtretungen der bürgerlichen Grundrechte. Die Politik der Re- xierung erschwere besonders die politische und wirtschaftliche Tätig- keit der Arbeiterschaft. So seien politische Gefangene bedroht, miß- handelt und unbegründete chaussuchungm und Verhaftungen vorgenommen worden. Diese Interpellation wurde durch das Verhalten der bürgerlichen Parteien wirkungslos gemacht. Das Organ der litauischen Sozialdemokratie,„Sccialdemo- katas", schreibt hierzu u. a.: Unsere dem Ministerkabinett«ingereichte Interpellation über die Ueberschrcitungen der bürgerlichen Freiheit hat eine große De. d outung. Sie betrifft die Rechtsfrage des Landes und die grund- legenden Rechtobegriffe, welche die konstitutionellen Gesetz« in jeder demokratischen Republik beschützen, die Unantostbarteit der Person und des Vcsitztums, die Pressefreiheit usw. Die Er- cignisle der letzten Zeit: z. B. Haussuchungen, Verhaftungen, mit nichts zu begründende Pressczcnsur, dieses olles gibt ein umfang- reiches Material, dos die Interpellation im Seim notwendig machte, um die Oesfenllichkeit auf diese Dinge aufmerksam zu machen. Es ist uns nicht gleich, ob wir in einem gerechten Lande b-ben, wo nichts ohne Gesotz« odor außer den GZetzen geschehen kann oder ob die Autokratie die Freiheit der Staatsbürger beschränkt. In der letzten Zeit sind unerhört viele Haus- suchungen und Verhaftungen, politischer Personen in allen Teilen Litauens vorgenommen worden. Schon der Verdacht rder Anzeige genügt zur Verhaftung. Unter den Verhafteten be- finden sich Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Unter der Benutzung des Ausnahmezustandes wird vielen Vereinigungen das Versammlungsrecht unterbunden. Außerdem läßt die Z e n- für vieles nicht durch, z. B. Aufsätze über die mangelhast« Durch- führunq der Agrarreform. Außerdem werden die Redakteure auf administrativem Wege bestraft. Wir fragen, wie lang« will die Regierung den Ausnahmezustand aufrechterhalten und nach welchen Gesetzen besteht die Pressezensur und ob diese nicht der Verfassung und dem Pressegesetz wider- spricht? Im Parlament wird viel geredet, zum Schluß kommt man zu keinem Resultat. Auf diese Art drücken sich die anderen Par- teien vor der Auseinandersetzung mit dem Kabinett. Die Be- sprechuna dieser Interpellation würde unbeendet abgebrochen. W«nn die Aussprache sich mit den Grundrechten der Staatsbürger befaßt, muß die Fraktion der Sozialdemokraten verlangen, daß die Parteien sich für oder wider die Reaktion erklären. Die Ant- wort erwartet Litauens Volt und wird sie zu benutzen wissen! » lieber das Wüten der Reaktion in Litauen erhalten wir noch folAnde Mitteilung: In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar fanden in Kowno und anderen Städten Litauens Massenverhaftungen statt, von denen in erster Linie die tätigen Mitglieder der jüdischen Kulturliga sowie fast sämtliche Lehrer der jüdischen weltlichen Schulen betroffen wurden. Die Kulturliga ist in Litauen wie in anderen Ländern eine vorwiegend aus Arbeitern und sozialistischer Intelligenz bestehende Organisation, die ihre Hauptaufgabe in der Gründung und Erhal- tung eines weltlichen Volksschulwesens mit jüdischer Unterrichts- spräche und in der Förderung der Kulturinteressen der breiten jüdischen Volksschichten überhaupt sieht. Die vorgenommenen Verhaftungen sowie die gleichzeitig er- folgte Beschlagnahme der Archivs und Schließung der Lokalitäten der Kulturliga bedeuten«inen schweren Schlag gegen die jüdisch« Kulturarbeit. Insbesondere stehen die Schulen, in welchen Taufende »on Kindern und jugendlichen Arbeitern ihre Erziehung bekommen, vor der Gefahr der Schließung, da ihnen die Lehrkräfte durch Der- hostung entzogen worden find. * kowno. 22. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Im litauischen Sejm haben die S o z i a l i st e n und die kleinen Grundbesitzer ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Galvanauskas eingebracht. Die Stellung des Kabinetts gilt als erschüttert. Im Sejm führte ein soziolistischer Antrag, betreffend die Ver- l tzung der staatsbürgerlichen Rechte, zu stürmischen Austritten. Ein Vorstoß öer polnistben Nationalisten. Teutschfcindliche Beschlüsse im polnischen Seim. Warschau, 22. Februar.(OE.) Der Scjm war gestern der Schau- platz deutschfeindlicher Kundgebungen. Gerade am Vorabend des Wiederbeginns der d e u t s ch- p o l n i sche n De r h a n d- lungen sind im polnischen Parlament drei Anträge angenommen worden, die mit ihrem deullichen Ziel der Vernichtung des Deutsch- tum» in den W stmarken jetzt geradezu wie ein« Kampfansage wirken müssen. Der erste dieser Anträge, der von der Nationalen Arbeiter portci eingebracht wurde, fordert„Vergeltungsmaßnahmen für den >m Dezember 1923 g-gen die polnischen Saisonarbeiter in Mecklen burz angewandten Zwang zur Rückwanderung*. Tatsächlich ist dies« Anzolegenheit durch Verhandlungen der beiden Regierunzen längst grrezelt und der Antrag somit überholt. Dennoch wurde er von allen Parteien angenommen. Der zweite Antrag kam von den Ralioncldemokraten und richtete sich direkt gegen die deutsch-polnischen Verhandlungen, deren Abbruch er forderte; statt zu oerhandeln, soll ten Retorsionsmaßnahmen angewandt und weitgehende Ausweisun- Jen deutscher Reichsange höriger aus den Westmark«» als lästiger Ausländ:? vorgenommen werden. Hierfür stimmten das Zentrum and die Rechte, die Linke und die Minderheiten dagegen. Als dritter Antrag lag von der linken Wyzwnlenic.Partej der Dorschlog vor, die Siguidation deutscher Güter zu beschleunigen und die deutschen Ge- rossenschoften durch den polnischen Staat zu enteignen, was eben- tells angenommen würbe. Die ganz« Aktion bedeutet den Der- u ch. einer B e s s e r u n g der deutsch-polnischen Beziehungen t n t zegenzuorbeiten._ Rußland und der Völkerbund. Genf, 22. Februar.(MTB.) Das Völkerbundsfekretariat hott ,m Beginn des Jahres den Richtmitgliedstaaten den provisorischen kntwurf für einen Gorantiepatt(Vertrag für gegenseitige hiisete istung) zur Stellungnahme zugesandt. Der russische Volks- 'emmisiar für das Aeutzere Tsch'tscherin hat nunmehr dem Generalsekretär des Völkerbundes teletiraphisch mitgeteilt, daß Ruß- and angesichts der Wichtigkeit dieser Frage sein« Antwort noch auf. - ch i e b« n müsse. Abbruch der russisch-Zapanischen Beziehungen. Tokio. 23. Februar.(TU.) Der Vertreter der sowjetrussischen Nachrichtenagentur hat Befehl erhalten, Tokio unverzüglich zu ver- essen. Ihrerseits sind die Derichterstotter der japanischen Blätter ms Moskau ausgewiesen und haben die Stadt gleichfalls sofort ver. essen. Die Russen haben den japanischen Konsul in Wlad'woswck lebcten, mit seinem Personal nach Japan zurückzukehren. Verfallwohnungen. Nieterschmetternde Eindrücke kulturellen und hygienischen Vcr- falls zeitigte eine Besichllgung von Wohnungen durch den Reichs- wohlfahrtsminister in de., alten Berliner Stadt- � unter Führung des Regicrungsbaumcisters Kraffert vom stoiitnichen Zentralamt für das Wohnungswesen. An der Besickti- gung nahmen teil: Vertreter des Oberprosidenten und des Polizei- Präsidiums und von der Stadt der Magistratsdezsrnent Genosse Stadtrat W u tz k y und Dr. Wild vom Zentralamt für dos Woh- nungswesen. Es wurden besichtigt Häuser in der Kürassier. �roße, Fischer st raße, Waisen st raße und Parochial. r<3 ß c. Es handelt sich durchweg um Häuser bei denen der Verfall so weck fortzeschrttten ist daß ein« bauliche Erneuerung un. möglich ist. Die Hauser sind zurzeit noch bewohnt. Die tr Vi 0 5 �" r,n? 3mQt an die Stadtentwässerung angeschlossen. besinden sich aber, und zwar ein Slbort für dos ganze Haus, ent- a"f dem Hofe oder un Keller oder in einem Falle auf dem Dachgeschoß. Welche gesundheitlichen Gefahren für die Bewohner und überhaupt für das städtisch» Gesundheitswesen bestehen, liegen auf der Hand. Di« Wohnungen sind durchweg ohne Sonne. meistens ohne Durchlaftungsmöglichkeii. hier und»aren die Fenster- flugel nur durch Raael in den Fensterrahmen sestgedalten, so daß ein Aufmachen der Fenster unmöglich ist. Die W a s s e r l e i t u n- g e n befinden sich meist auf den Treppenpodesten. Sie sind nämlich '"diese alten Hauser nachträglich hineingelegt worden, da ein An- Ichluß nicht möglich war. Welche gesundheitlichen Gefahren die Be- Nutzung der Becken durch die verschiedensten Bewohner des Hauses mit sich bnngt, braucht nicht erst näher erläutert werden. Die seit sd Iahren fast überall nicht mehr oerbesserten Dächer sowie die schlechte Durchlüftung haben selbstverständlich auch zu Rässeerschei- nungen und Pilzbi'dungcn an den Wänden geführt. Die Dächer sind zum Teil so verfallen, daß der Dachdecker nicht mehr auf das Dach hinaus kann, um die notwendigen Ausbesserungen vorzu- nehmen Es ist also jede Erneuerung ausgeschlossen. Die Küchen und Wohnoäuliie sind zum Teil nur mit eisernen Herden und Oefen ausgestattet. Die T r« p p e n o u s g ä n g« sind durch schmale Stufen und steilen Anstieg für Kinder und alte Leute geradezu If J 6 f 5\rJ 1 � zu besteigen Die Geländer sind morsch oder durch Latten gestützt. Die Wohnräume sind für die heutigen Be- ariffe viel zu klein._ Ebenso sind Küchen von weniger als vier Quadratmeter Grundfläche, hier und da weniger als zwei Ouadrat- meter keine Seltenheit. Die Höfe sind fast durchweg enge Licht- schachte, ,n denen nur Müll und Abfälle lagern, wodurch das U n. geziefer Brutstätten und Schlupfwinkel hat. Es ist zu hoffen, daß die Eindrück« dieser Besichtigung nicht ohne Berücksichtigung bleiben werten bei den durch die Länder im Rahmen der Steuernokverordnung zu ermöglichenden Maßnahmen gegen die Wohnungsnot. Man kann in Berlin leider mit mindestens 1900 solcher Verfallwohnungen rechnen, so daß also nach der Durch- schnittsziffer des Wohnungsamtes etwa drei-bisviertaufend Insassen solcher Wohnungen in schwerster Woh- nungsnot sich befinden. Hierzu kommen aber noch etwa H00 Familien mit ungefähr 3000 Köpfen, die sich in den Adlers- hofer Baracken befinden, die seinerzeit von der Militärverwal- tung zur Unterbringung von Flüchtlingsfamllien aus abgetretenen Gebieten übernommen werken mußten. Der Notstand ist�selbstoer- ständlich schon seit Beginn Gegenstand ernstlicher Sorgen und Ver- suche des Wohnungsamtes gewesen, ihn mit Hilfe der zuständigen Reichs- und Staatsstellen zu beseitigen. Die Not der Zeit und die allgemeine Lage der Finanzen und letzten Endes ober auch die Geld- entwertung, die Teuerung aller Baumaterialien hoben sclbsto erstand- lich die- erschwert. Hoffentlich wird die Stabilisierung der Mark sich auch auf diesem Gebiete günstig auswirken, und die neue Steuer- notor-ordnung gibt ja hierzu die Möglichkeit, endlich der Wohnungs- not besonders in dieser Zeit energisch zu Leib« gehen. »Wertbestänökge" Selöfälsther. Mehrere verhastet, andere noch an der Arbeit. Zwei Falschgeldwerkstätten wurden von der Reichsbankfalsch. geldabteilung in Berlin entdeckt und ausgehoben. In der Reiche nb erger Straße hatten sich ein Händler Richard Förster und ein Arbeiter Paul Walde eine klein« Druckerei eigens für Geldfälschungen eingerichtet. Beide wußten auf dem Gebiete Bescheid und sind wiederholt vorbestraft. In der Reichenberger Straße fertigten sie Reich sbank zwischen- scheine zu 1,03 G o l d m a r k und brachten sie in Berlin m Verkehr.— In der Strauß berger Straße stellten der Buchdruckereibesitzer Unglaube in seinem größeren Betriebe, und ein Chauffeur Viktor Otto Reichsbankzwischenschein« zu 2,10 Goldmark her und ließen sie in der Provinz vertreiben. Einer dieser Verbreiter, ein gewisser Kleinschmid, wurde in Stargard in Pommern erwischt und festeenommen. Ander« werd:n noch gesucht. Di« Hersteller wurden hinter Schloß und Riegel gesetzt.— In Hamburg wurde ein rheinischer Kaufmann Karl Vogt fest- genommen, als er falsch« l00-Dollarroten ausgab. Er behauptete, sie selbst gutgläubig erhalten zu haben, als er in Berlin«ine 500- Dollarnote von einem Devisenschieber habe wechseln lallen. Zur weiteren Klärung wurde Bogt nach Berlin gebracht. Ad'r auch hier war ihm nichts nachzuweisen, und er mußte wegen Mangels an Beweisen wieder freigelassen werden. Zum Dank dafür oersprach er der Falschgeldabteilung der Reichsbank, der Kriminal- polizei bei der Ermittlung von wilden Devisenhändlern helfen zu wollen, weil sie ihn m ein« so böse Lage gebracht hätten. Schon nach wenigen Tagen aber wurde der Entlassene der Ab- teilung wieder vorgeführt, jedoch nicht als Helfer, so«. dern well er in einem Juweliergeschäft in der Friedrichstraße wieder mit einer falschen 1 0 0- D o l la r n o te erwischt worden war. Die Herkunft der fa'schen Roten ist unbekannt. Di« Der- ousgabung von gefälschten 10-Dollarnot'n. die aus 0,42 Goldmarkscheinen des Freistaates Preußen hergestellt wurden, hat in Verlin so gut wie aufgehört, wird aber neuerdings in der Provinz be- trieben. Die Dertreiber, die in Berlin einmal angehalten wurden, sind alle verzeichnet, wenn sie wegen Mangels an Vewei'en ent- lassen werden müssen. Sie glauben nun, in der P r o vi n z wieder den Harmlosen spielen zu können, wil man sie dort noch nicht kennt. Das ist eine Täuschung, da die Zmtraistell« in Berlin jedes- mal auch die Provinz benachrichtigt und dies« wiederum in Ver- l i n anfragt, sobald«in Derausgaber von Falschgeld angehalten wird. Das Ende einer Bierreise. Em blutiges Ende fand heute früh eine Bierreise, die gestern abend und die Nacht hindurch der Kürschnermeister Wilhelm P l e t s ch aus der Siegmaringenstroße 36 mit einem Reisenden Hans Barth aus der' Pfalzburqer Straße 34 unternahm. Die beiden Männer trafen nach der ausgedehnten Kneiperei ein Mädchen und nahmen es mit in die Wohnung des Kürschncrmeisters. Hier aerieten sie gleich noch der Heimkehr um 5 Uhr morgens ihrer Pegleiierin weaen in einen Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Vorth, der stärkere, warsPletschzu Boden, packte ihn an der Kehle, würgt« ihn und kniete ihm auf der Brust. Auf die Hilferufe des Bedrohten erwachte ein Laufbursche Herbert Brumme, der in einem Nebenzimmer wohnt. Als er leinen Wohnungsgenosien in der bedrängten Lage sab, nahm er dessen Armeerev olver, für den Pletsch einen Waffenschein chat. und gab auf Barth zwei Schüsse ab. Einer traf ihn in den Kops, der andere in die Brust. Barth war sofort tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Brumme, ein Jung« von 16 Jahren, wurde vorläufig festgenommen. Die Krankenkassen-ftmbnlatorien. Zur ärztlichen Versorgung der Kranlenkaüenmiiglicder haben die Krankenkasjeli in Grotz-Berlin eigene BebandlungS» stellen, sogenannte Ambulatorien eingericktet, deren Zahl sich ctzt bereits ans ü b e r 20 beläuft. Wir bringen hier eine Liste der bisher eingerilbteten Ambulatorien und fügen kurze An- gaben über die ärztliche Besetzung hinzu. Alcxanderplatz(Verband der Krantcnkassen), Älexanderstr 39-40. 1. Arzt für orthopädiicbe Chirurgie. 2. Arzt für Beiuleiden, 3. Pral« lischer Arzt.— Klosterstr. 65,67. 1. Chirurg, 2. Frauenarzt, 3. Augenarzt, 4. Arzt für innere Krankheiten, 5. Haut- und Ge- scklechtearzt. 6. Praktischer Arzt.— Sckiöneberg(Allg. OrtSki anleri- kasie). Grunewaldstr. 30. 1. Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, 2. Haut- und GcirdlechtSarzt, 3. Speziolörzte für innere Krankheiten(«nS- besondere Lunge und Nerven), 4. Praktischer Arzt.— Charlotten» bürg(Allg. OrtefrankenkaNe). Am VolkShanS 1. 1. Chirurg, 2. Frauenarzt, 3. Haut- und Gesrblechtiarzi. 4. Plastischer Arzi.— Neukölln(Allg OrtSkrankenlasse), Idealpaslage 12. 1. Chirurg, 2. Arzt für innere Kronkbeiien, 8. Piaklischer Arzt.— Cbausiee- ltraßc 123(BetriebSkrankenlasie der AEG. und Tachlergeiellichasl), l. Arzt für innere Krankheiten. 2. Praknscher Arzt, 3. Aerztin.— Hulelandstr. 45. 1. Pralliirber Arzi, 2. Arzt für innere Krank- beiten.— Lichtenberg(Allg. OrtSkrankenkasiei, Magdalenenstr. 14-13. Praktischer Arzt.— Lirbtenberg, Magdalencnstr. 22. Prakiischer Arzi.— Li-blenberg, Rathaus. Prakiischer Arzt.— Lirdtenberg» KarlSborst, Tredkowallee 44. Praktischer Arzt.— Friedenau (Allgemeine Oridkrankenkafie). Rheinsuaxe 9. 1. Hautarzt, 2. Praktischer Arzt.— Köpenick(Ztratzenbabnhoi). Marien- Ilraße. Praktischer Arzt.— Adlerkhof(Allgeipeine OrtSkranIen- kasie). Poi'adoniskystr. 7. Prakiischer Arzt.— Reinickendorf(Allg. OrtSkrankenknsie). Residenistr. 133. Praktischer Arzr.— Ober- ichöneweide(Schulzahnllinik). Frischenslr. 6. Praktischer Arzt.— Oberichöneweide(Allg. OriSkrankenkasie). SiemenSstr. 3. Prakiischer Arzt.— Wittenau(Allg. Ortskrankenkasse), Hauptslr. 65. Prakiische Aerzte.— Treptow lSirastenbahnhoi), Elsenstr. 2. Piaklischer Arzt. — Zchlendorf(Allg. OrtSkrankenkasse). Biirggrasenstr 2. Pralliicher Arzt.— Lichlerfetde(Allg. Orlslrankeiikafie). Roonstr. 13. Prak- iiicher Arzt.— Tegel(Allg. OrtSkrankenlasse). Brunowstr. 23. Prak- tischer Arzt.— Bkücherstr. 12. Diagnostisches InsliUit. Haut- und KeschlechtSarzt.— Große Frankfurter Str. 137. 1. Frauenarzt. 2. Chirurgen. 3. Praktischer Arzt.--- Sieglitz, Körnerstr. 53. Prakiischer Arzt.— Weißensee, PistoriuSstr. 17. Prakiische Aerzte. Mr freie Körperkultur. Auf Wunsch der Sammelschulen Moabit sprach der Vertreter der Deutschen Hochschule für Leibesübungen(Berlin- Stadion), Dr. A l t r o ck. eine anerkannte Autorität, über den Wert rhythmischer Gymnastik. In der überfüllten Aula waren mehr als 400 Eltern und ein Teil der Lehrerschaft beider Schulen versammelt. Dr. Altrock bvgarm mit einem Hin- weis auf das klassisch« Altertum, auf das Leben im alten Griechen- land, die ihrer Lebensauffassung entsprechend den Hauptwert auf die Pflege ihres Leibes legten. Die Menschen sollen ihren nackten Leib zur Wehrhaftigkeit und Schönheit erziehen. Ohne Kampf gegen alte Tradition ist dos nicht möglich. Dieser Kamps soll aber nicht durch Kreis«, die noch im Alten leben, gewaltsam behindert werden: Diese Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten, sie wird bestimmt kommen! Mit einiger Borsickt und gegenseitigem Ber- ständniswillen wird hier fortschrittlichen Kreisen der Weg freige- macht werden müssen.(Großer Beifall!) Nach der Debatte wurde folgender Antrag gegen fünf Stimmen angenommen:„Die am 20. Februar 1924 versammelte Eltern- und Lehrerschaft der 240. und 284. Gemeindeschul« Waldenserstraße stellen noch einmal fest, daß die in der Oeffenilichteit verbreitete Nachricht von der Abhaltung rhythmisch-gnmnastischer Kurs« oder„Nackttänze* unwahr ist.— Die Kurse sind von einer privaten Bereinigung, den Gruppen für freie Körperkultur, eingerichtet worden. Wahr ist lediglich, daß Schulräume zeitweilig außerhalb des Unterrichts benutzt worden sind, was seit fünf Monaten nicht mehr der Fall ist.— Trotzdem halten die versammelten Eltern und Lehrer die freie Art der Körper- bildung, wie sie Lehrer Adolf Koch und sein« Freunde treiben, für notwendig und richtig.— Herr Dr. A l t r o ck. als der Vertreter der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, als heutiger Referent ent- sandt, ist darin mit uns und Lehrer Adolf Koch der gleichen Ansicht. Wir fordern daher 1. Sofortia« Freigabe von Schulräumen für Hebungen mit unbekleideten Kindern von Magistrat und Provinzial- schulkollenium. 2. Gestattung eines Versuches innerbalb des amtlichen Planes innerhalb der Schulpllickt rhythrnisch-qnrnnastitch« Hebungen vorzunehmen. 3. Sofortige A'ifbebunq der amtlichen Be- urlaubung des Lehrers Adolf Koch und Rückkehr in teine Klaffe an der 240. Schule. 4. Amtliche Richtigstellung der Lügennachrichten über Oberschulrat Paulsen und unsere Schulen.* Ueberfalleo und in den tandwehrkaual geworfen. Ein Land- wirt aus Rsuendorf, der zurzeit in Schöneberg wohnt, wurde, als er auf dem Heimweg die Insel der Freiarchenbrücke im Tiergarten er- reicht hatte, von zwei Männern überfallen. Sie versetzten ihm mit einem harten Gegenstande einen Schlag ins Gesicht, der ein« erhebliche Verletzung hervorrtef, packten und warfen ihn, ohne ihm etwas zu rauben, in das Wasser. Schupobeamte, die auf seine Hilferui« heibeieilten, retteten den Heberfallenen. Die Hebel- täte? waren unterdessen verschwunden und sind noeh nicht ermittelt. Silberdiebstahlc auf einer Hütte. Auf der Blei- und Silberhütt« A.-G. in Braubach(Regierungs- bezirk Wiesbaden) hatten seit längerer Zeit große Mengen Silber und Gold gefehlt, ohne daß festzustellen war, wohin sie gekommen waren. So verschwanden im Jahre 1920 21 9 00 Kilogramm, sodann einmal 1200 Kilogramm, weiter 81 Blöcke zu je 1—2 Kilogramm und ein großsr Silberblock von 24 Kilogramm, außerdem 10 Kilogramm Gold und Silber. Di« Gold» und Silberscheideanstalt Franlfurt o. M. machte schließlich die Blei- und Silberhütte»n Braubach darauf aufmerksam, daß in Holland groß« Mengen Silber angeboten wurden, die in Braubach oerarbeitet worden waren. Nach einiger Zeit konnte die Feststellung gemacht werden, daß vcn neuem oroß« Silbermengen abhanden gekommen waren Die angestellten llirter» stichungen ergaben, daß zwei Arbeiter, die 34 bzw. 24 Jahre bei der Hütte bcdienstet sind, nämlich der Hüttenarbeiter Peil und der Hüttenarbeiter Hohl die Edelmetalle gestohlen hatten. Sie gaben an. auf Veranlassung und Anstiften des Krankenkassenarztes Dr. Adolf Roth in Baubach gehandelt zu haben. Dr. Roth ließ das gestoh'ene Silber in Koblenz und Holland verkoi-fen. Bor der Wiesbadener Strafkammer aaben die Arbeiter die Diebstähle zu. Das Hrteil lautet« gegen Peil und Hohl aus je 9 Monate Gefängnis, gegen Dr. Roth auf 1 Jahr 3 Monat« Gefängnis. Die Eisnot in der Ostsee. Durch die Donnerstag und Freitag in der mittleren Ostsee Herr- sehenden stürmischen West- und Nordwestwinde ist. wie die Marine- station in der Ostsee mitteilt, die Lage der im Eise eingeschlossenen Dampfer gefährdet worden, da sie teilweise mit dem aiifge- brochenen Eis. ohne sich herausarbeiten zu können, ins Treiben geraten sind. Ernste Notsignal« aus drahtlosem Wer« sind eingelaufen. Die..B r a u n s ch w e i g*. die mit nur noch 20 Tonnen Kohle in Swinemünde mit dem Dampfer„Pallas" im Kielwasier am Donnerstag eingelaufen ist, wird sofort nach beschleunigter Kohlenübernahme auslaufen, um den bedrängten Schiffen Hilfe zu bringen. Für die Hilfeleistung kommen nur stark« Eisbrecher oder Linienschiffe in Fraae, von denen aber zurzeit nur die„Braun- schweig" fahrbereit ist.__ 117. Z6t. Sitytnitttt. Sannicg vorm. 5.0 Uhr bei EmU Krüger. Türrlchmidt» straße 33,„Zorwä:!z"-Agitaii0!l. ZchwarZe Listen in öer berliner Metallindustrie. politische oöec aufreizende öetätigung. Nicht nur zum„Elgenturrschiitz" unterhalten dt« Berliner .'et a I li n d u st r i« lle n dos System der Ichwarzen Listen, son. m auch zur Brotlosmachung politisch mißliebiger . r b«> l e r. Di« Arbeiter werden auf Probe eingestellt, und inzwischen ird bei der Firma, bei der sie zuletzt beschäftigt waren, vertraulich ngefragt, „ob der Genannte sich während seiner Tätigkeit m Ihrem Bermb« politisch oder a u s re i z« n d betätizt hat oder ob Sie gegen sein« Weiterbeschästigung irgendwelche Bedenken hoben". Erst dann, wenn»rgcndwelch« Bedenken nicht vorliegen, kann er Arbeiter in Beschäftigung bleiben. Hal er sich jedoch irgendn-i« lolitisch" oder.aufreizend" betätizt, was insbesondere während T Hochflut der Inflation, die alle Arbeiter und Angestellten zur lZrrzweiflung bracht«, von fehr vielen Arbeitern gesagt werden könnte, dann fliegt er aufs Pflaster und fällt immer wieder einer „vertraulichen" Auskunft zum Opfer. I» der uns vorliegenden An» frag? der Karosseriewerke Schebera A.-G., Werk Tempel. Hof, handelt es sich gerade um diesen kritischen Zeitpunkt, in dem selbst, die lammfrommsten politischen Waisenknaben unter der Ar» beiterschaft aufgepeitscht wurden und ihrer begreiflichen Der ärgerung gelegentlich Luft machten. Dabei sind aber für die Anschwärzung dieses oder jenes Arbeiter weniger Tatsachen maßgebend, die rein zufällig oder auch durch Angeberei zur Kenntnis der Meister kommen, sondern deren subjektive Auffassung diese» oder jenes Borganges, die je nach Deiständnie und Temperament, per. sönlicher Gunst oder Mißgunst verschieden sein wird. In einem kleineren Betriebe kann sich ein Arbeiter schon durch ein« gelegentlich« Bemerkung„politisch" oder„aufreizend" betätigen— nach Meinung eines Vorarbeiters, während in einem größeren Re» triebe ein konimunistisch.ogitatorisch eingestellter Arbeiter unter Um- ständen schon ziemlich weit gehen kann, bis seine„politische oder aufreizend« Tätigkeit" nach oben hin bemerkbar wird. Politisch' Rede» oder blöd-radikale Phrasen, die politisch sein sollen, fallen schließlich den Unternehmervcrtretcrn weit weniger auf die Nerven als die energische Verfechtung günstigerer Lohn- und Arbeiuibedin. gungen. Wer entscheidet da im Einzelsall. was„politische" oder „ausreizend«" Betätigung ist? Haut ein Arbeiter nun einmal wirk» kich über die Schnur, die— wie gesagt— hier nur ein Zwirnsfaden, dort schon ein Strick ist, so daß sein« Entlastung vom Unternehmer» standpunkte aus begreiflich wäre, dann soll doch in dieser Entlastu ig eine gewisse Lehre liezen. D-m einmal Gekennzeichneten aber wird einfach die Möglichkeit vorschlcsten, daraus»ine gewisse Nutzanwen- dung zu ziehen. Der größte Verbrecher wird gehört, bevor er abgeurteilt wird. Ist er verurteilt, wird er wenigsten» noch ernährt. Der Arbeiter ober, der einmal eine mehr oder minder überflüssige Redensart ge. braucht hat. kommt ungehört auf die schwarz« List« und ist aus Jahre hinaus gekennzeichnet, zu Hungerkuren verurteilt samt seiner Familie. Wegen irgendeiner Handlung, die total falsch oder Miß. verständlich beurteilt sein kann oder auch nicht zu rechtfertigen sein mag. wird der Betreffende nicht einmal, sondern immer wieder durch Brctlcemochung gezüchtigt. Das System der schwarzen Llsten ist ein so nichtsnutziger, leichifertiger und gemeingefähr» licher Mißbrauch der wirtschaftlichen Macht« stellung der Unternehmer daß die Arbeitnehmer. schaft mit Hilfe ihrer Vertreter in den Parlamen» ten und ihrer juristischen Berater altes daran. setzen muß, gründlichst und schleunigst damit auf« zuräum« n. Gerade derart unerhörte Mißstände sind e», deren Duldung neben oll den sonstigen wirtschaftlichen Unbill«» einen ganzen Teil der Arbeiter dem Wohnradikalismus in die Arm« treiben. Allein es bedarf nicht erst solcher Erwägungen, um der- artige Auswüchse kapitalistischer Unkultur zu brand- marken und ihre schärfste Bekämpfung zu fordern. Fort mit den schwarze.» Listen! ver Eigentumsstbutz.'*■' 0, Ohne Grund verdächkigl und geschäe Ein Arbeiter, der im Betriebe der AEG. beschaftm.wurde von unbekannter Seite des Diebstahls oerd....gst und daraufhin entlassen. Gleichzeitig macht« die Betriebsleitung der AEG. dem Perband Berliner Metallindustrieller dem bestehenden Usus gemäß Miteilung von dem Grund der Entlastung. Damit war der Arbeiter auf die fch warze Liste gefetzt, denn die Wir» kunq der Meldung an den DBMI. ist die, daß seder Arbeitgeber auf Anfrage Auskunft über den Entlastungsqrund bekommt. Fü r dies« Zweck« unterhält der DBMI.«in«igenesBu» reau, welches die Bezeichnung„Eigentumsfchutz" führt. Bon dort aus werden auch die Strafverfolgungen der Angefchul. digten in die Weg« geleitet. In dieser Hinsicht arbeitet der„Eigen» tumsschutz" tadellos Wenn es aber gilt, einen Verdächtigten, besten S ch u l d I o f i g k e i t sich später herausgestellt hat. von der schwarzen Liste zu streichen und ihm die Arbeitsmöglichkeit nicht länger zu sperren, dann arbeitet der„Eigentumsschutz" durchaus nicht zuverlässig. So war es wenigsten» im vorliegenden Falle. Nachdem der Arbeiter entlasten war, stellte sich heraus, daß der gegen ihn erhobene verdachtunbegründet war und er wurde wieder bei der AEG. einge stellt Gleichzeitig teilte die Belriebsleitiing dem„Eigentumsschutz" des BBMI. telcphonisch mit, daß gegen den Arbeiter nlchls mehr vorliege. Der telrpho. Nischen Meldung hat man aber rm Bureau des„Eigentumsschutzes" keine Folge gegeben, denn der Name des Arbeiters wurde nicht aus der schwarzen List« gest'ichen. Al» er später bei der AEG. aufhörte und bei der Firma Bergmann eintrat, wurde «r noch einer Woche wieder entlassen, weil die Firma auf ein« Anfrage beim„E!g«nrums!chutz" die Auskunft erhalten hotte. der Arbeiter stehe unter dem Verdacht de» Dieb stahl» und sei deshalb von der AEG. entlasten.— Der so Gekennzeichnete fand keine Arbeit wieder. Beim Gewerbegericht verklagte er die AEG., al» den an dieser Schädigung schuldigen Teil, auf Schadenersatz. Der Dertreter der Firma bemühte sich hier, den„Eigentums- schütz" des DBMI. als den allein Schuldigen hinzustellen und so die Klage vor das Amtsgericht zu bringen.— Der Dertreter des Klägers widersprach die'em Schachzug und machte die LEG. für die Schädigung de» Klägers verantwortlich. Auf diesen Standpunkt stellte sich auch dos Gericht(Kammer 7). Es verurteilte die beklagte Firma, dem Kläger als Schaden- ersatz 325 Goldmark zu zahlen. Das Urteil wurde so be- aründetr An sich haben die Arbeitgeber ein berechtigtes Interest«, sich daoor zu schützen, bah Diebe immer wieder eingestellt werden. Da» Wirken der Eigentumsschutzstelle des LBMI. tonn deshalb a n sich nicht bemängelt werden. Wenn aber zum Schutz der Arbei g«b:r ein so schar'«» Mittel angewandt wird, das geeignet ist. den Arbeitnehmern ihr Fortkommen erheblich zu erschweren, so muß verlangt werden, dah. wenn ein Verdacht sich al» grund» los erwiesen hat, der Eiaentumsschutzstelle sofort Mitteilung da» von aemacht wird, vi« beklagte Firma war oerpflichtet. die Sperre gegen den grundlos Verdächtigten zur Aufhebung zu bringen Ein Derschulb:n der beklagten Firma Ist dadurch ae-'eben. dah sie eine so wichtiae Mitteilung an die Eigentumsschutz. stelle nur telephonisch und nicht auch schriftlich ergehen lieh. Wäre die Mitteilung einwandfrei erfo-lat und die Sperre trotz» dem bestehen geblieben, dann würde der VBMI. für den Schaden haftbar sein. So wie die Umstände bier liegen, Ist nur die be» klagte Firma schadenersatzpflichtig. >» In einem anderen Falle, der ebenfalls vor der Kammer 7 de» Gewerbegerichts verhandelt wurde, war«in Arbeiter von den Deuta» werken wegen DicbstaMsverdocht entlassen, zur Strafanzeige ae. bracht, aber vom Schöffengericht freigesprochen mit der De» aründung. der vedacht sei völlig haltlos. Bis zum Ab- schluh des Strafverfahren» stand der Arbeiter auf der schwarzen Liste und bekam keine Arbeit. Er beanspruchte Schadenersatz, wurde aber vom Gewerbeqericht aba«. wiesen, weil die Firma der Eiaentumsschutzstell« de» DBMI. doch nur die tatsächlich rich ige Mitkeilung«macht habe, er stehe i m Verdacht de» Diebstahls. Da nicht nachgewiesen sei. dah etwa» Unwahre» gegen den Kläger behauptet sei. so könne er keinen Schaden er satz beanspruchen. Aus Villigkeitsaründen hätte auck in diesem Falle ein« Schadloshaltung de» Arbeiter» erfolgen müssen. ver KusaahmezuftanS besteht noch! Verhaftungen im ZNühlenarbeilerstreik. Auf Anordnung de» Wehrkreiskommando» wurde» die Vetrieb». räle der bestreikten ZNühlenbetrlebe heute früh um 6 Uhr au» ihren Wohnungen heraus verhaftet. Di« wühlenarbeiler vermuten stark, daß d« Arbeilgeber. verband die Adressen der Vetrfabsräle der amMchen Stelle auf Anfachen zur gefälllges Verfügung übermtNell hat. Das Adressen- Verzeichnis scheint noch uicht ganz vollständig gewesen zu sein, so daß noch einige vetrlebsräke der Verhaftung entgangen sind. Diese ve- triebsratsmitglleder«erden offenbar jetzt eifrig gesucht. Der Schlichter hat die Parteien zu Montag mittag 2 Uhr zu Verhandlungen geladen, so daß anzunehmen ist, die Der- lirwr Bevölkerung würde mit der Brrtoersorgung durch den Streit in keine größere Verlegenheit gekommen sein, al» es durch dies« Der. Haftungen geschehen ist. Bekanntlich wurde bei dem letzten Mühlenarbeiterftreit die Streikleitung der Mühlenarbeiter während der Der» Handlungen vor dem Demobilmachungstommistar am Donnerstag, den 15. R o v e m b e r 1923, ebenfall» verhaftet. Sollte si« etwa am Montag bei dem Schlichter wiederum verhaftet werden, so würde die» schwerlich zu? raschen Beendigung de» Streik» beitragen. Davop kann natürlich keine Red« sein, solange die Betriebsräte verhaftet sind. Jedenfalls muß deren sofortige Freilassung gefordert werden. In wirtschaftlichen Differenzen sollte e» dos Wehrkreiskommando schon dem Schlichter überlassen, vermittelnd«inzugreisen, anstatt seinen Mannschaften. Ei hätte dieser Aktion sicherlich nicht mehr bedurft, um die Rot» wendigkeit der schleunigsten Aufhebung de« Au». nahmezustande» zu begründen. Abbruch deS Streiks in der Damenhutiuduftrie. Di« am Freitag abgehaltene Versammlung der Streikenden de. schloß in geheimer Abstimmung gegen«in« starke Minderheit den Streik abzubrechen. M» au» den Ausführungen der Der» samm'ungsredner hervorging, sind für den»eschlub folgend« Gründe maßgebend: Do sich di« Unternehmer zu keinem Entgegenkommen in der Lohnfrage bereitfinden und nicht zu erwarten ist. daß sie durch ein längere Fortsetzung de» schon über fünf Wochen währenden Streiks zu Zugestündnisten zu bewegen sind, so würde es eine nutz» lose Verzettelung der Kräfte sein, wenn die Streckenden noch länger im Kampfe verharren. Sie fühlen sich nicht als Besiegte und meinen, daß sich auch die Unternehmer nicht als Siegcr be!rach:en können. Die Streikenden brechen den Kampf aus taktischen Gründen ab und nehmen die Arbeit ebenso geschlossen auf, wie!ie seinerzeit di? Letri«!» geschlossen verlasten hatten In einer Besprechung mit der Streikleitung hat der Dorsszende de» Arbeitgebervcrbendes zugesichert, daß Maßregelungen nicht stau- finden und die Streikenden nach und nach wieder eingestellt worden. Uedcr die Einzelheiten der Wiederaufnahme der Arbeit wird in den Betrieben verhandelt werden.__ Stillegung der deutschen Werke in Spandau. Di« Werke I und II, die das Herz des Betriebes der Deutschen Werke in Spandau bilden, wurden heute stillgclgt. Mit der Beleg» '«hast entstanden Differenzen über die Regelung der Arbeitszeit. Nach Auffassung der Arbeitnehmer wird ihnen eine Arbeitsdauer zu» gemutet, die sie allein schon wegen der hohen Temperatur im Betriebe unmöglich gutheißen können. Arbeitszeit uud Löhne der Kellerarbeiter. In einer gut beiucdlen Versammlung der venirbeiäle und Bcrlraiieiieleuie au» den Weingioßbondlunpr»»nd Litörl eiricl in am 20. Februar wurde zu der Kündigung der Sibeileze:! und des Lobne« Stellung genommen. Ter Vertreter de» Teuifaen verlebrt» bunde« berdncte, daß die veibantlnr gcn mir dem Zlldeirprt ci« verband der Getränkeinduftren und veiwarckie,beiigeber ongeruirn tauen, kam e» z» einer Vereinbarung, wonach die Uebcrarbcit enuprcchcnd zu bezablen ist. ?ie Funktionnre bedauerten in der AnSfaracke letfof», daß mit Rücksicht out die ougenbticklichen lin stände die biSteripe tauf» liche Ai deiiszeir nicht zu balren war und fun mren mir unpern drr verlängerten ArbeiiSzeir zu.— Sb-üpe de» ncricn Nblemn en» in der Tarifanslunirfielle de» Deutschen Berlehrebund. Engeluicr 24/26, gegen MiiglredsauStveis._ Sitzung der Vergarbeiteriuteruationale. Heute Sonnabend tritt rn Brüssel da» internationale Bergarbeiterkomitee zusammen, um Bericht über die montanintristrielle Lage in den verschiedenen Ländern enigegenzn» nehmen. Im Hinblick auf ten drotenden Konflilr im englischen Bergbau und auf di« namenlosen Schwieiipkeiien im R u b r» Becken ist dieser Z»fammeickunfi«ine be'ondere Bedeutung beizumessen. Das Komitee wird sich auch mit der volbereit»ng de» in dieiem Jahre in vrag staltfindenden internationalen Berg» arbeite, kongresseS beschäftigen. AEG. Hennigsdorf, Fabrik Hmf. und Zf. Es wird di» auf weiter» keine Streikunterstützung mehr ausgezahlt. Der Obmann. Tkeater der Woche. Sem 17. dt» Sf5. Februar 1021. K. Safer und Lohn. 88. Son Carlo«. 28. und 87. fflne 4kd. »ainunq. Der beirateantraz. is. di» I. Nilnig Hunger.— vperndau»! 24. Tristan und Isolde. 25. tzaudersiöle. 25. Troubadour. 27. Zloseulooolier. 25. Tosea. 2». Somodonietoturrf. 1. CanaDeria mfticana. SaloiJt. 2. Monna Si lo. 5. ffidelio.— Nrol-Vper: 24. Wassenschmied. 25. Basojei. Alte und neue Täiije. Die rote Blume. 2«.. 28., 1. Madame Butierfli,. 27. und Z. IZIedec» maus. 28. Sie luftigen Weider oon Vindfor. 2. Sie otrlaufle Sraut.— Echenspleldau»! 24.. 27., 29. di» 8. Alt-Berliner Soffen odend. 25.. 3. flanbiba. 28., 1. Siel Lärm um nick,!». 28. Maria Magdalena.— Schilterthe-ter- 24.. 27., 29.«oiumbii». 25., 25., 28., 1., 8. Serr Sunt. 2. Iournaliften.— Seuische, Theo irr: 84. u. 25. Scher,. Satire. Ironie und tiefere Bedeuiung. 25. ffrlKilino, Erwachen. 27. Soniin und der Houoitrrtfrr. 28. Sie Siichl« der Pondaro. 29. di» 8. Santona Tod.— Nammetfpicie: Set Nebbich. 25., 28.. t., 2. Inqebarg. — Leffing-tVafer! 84., 88.. 87., 88.. 1., 8.. 8. Wo, ihr wallt. 25.. 29. Veer ©gnt.— Theater in der NiningrSger Straße: Sammernachtatraum.— Deutsche» vpernha»,: 24.. 28. und 8. 1001 Nacht. 25. Margareihe. 27. Soffmanns Er» zÄlungen. 28. Carmen. 29. Tanndäuser. 1. Aida. 2. Si» tzauberfiöte.— »rsh, Schausyieldcusl Socoaceio.— Reue, Sallatdeattt: Set©rot von Lurem- burg.— Srofte Vall.oper im Ihrater de, Seftrn,! 25. Rodelinde. 28. Sori, Sodunow. 27. Walküre. 28. Son ftasguale. 29. Ein Maskenball. 1. Soden- grln. 2. Carmen. Z. Serkoufle Braut.— Renaiffoucr-Theater: Reuelulion,- bochreii.— Sie Tribüne: Miftcr Pim will nickt ftören.— Seotschee Nünftler- Uiccttrt Sennora.—»»m5btenha»»: Jolanda, letile, Abenieuer.— Berliner Theater: So» Weid in Survur.— Rene» Theater am?oa: Mein- Tochter Otto. Trianon-Theoter: Sie nackte Tärurri».— Rcffden,-Theater: AndroNu» und der Lbwe.— tzrntral-Thrater: See dumme Auguft.— Tdeater In dee Nommaa- dantenftrahe: Sa» Radi-mitdet.— Zntime» Theater: Ser»induurin� Drr Echrei. Der Simon. Set schlaue Iatamjr.- Nomifche Over: Sie Weil ohne 28., 29. Srr Held de». Weslerland». 25., 25.. 27.. 1., 2. Sorlefung«atl «tau».— Kleine» Theater: Serifen.— valiner.Theater! Madome Sdatao.— «olhatta-Theater: Sariete-Borstellung.- Rofe-Th ater: 24. di» 2«. Sa» Glück». mädel. it.. 8. Jugendfreunde. 2. Goldschmied» Tdchterlein. Kaffus-Idealer: Sie Mali norn Steindaf.— galie» Courirr: Rund um den Wedding.- Th:ater im A»mieal»»alaft: Srunter und drüber.— Au»II»-Theat r» Soll und Krone. - Kcmeteraper: Wechselnder Soielulon. Srinteßchen. Johann, der muniere Seifenfieder. Sa» Mädchen von CiUonda. ffr/hchen und Lieschen. Honni weini. Sanft lacht. Sie verwandelt« Kafte. ffifAer» ÄomBdlen. Rachwittag»»»rftelIuUgeni Solk»di>hne: 24. Und da, Licht scheinet in der ginfterni». 2. Fiaaro» Hoch, eil.— Kr»ll.Ovee: 24.. 2. Moria Stuart.— Lcha»s»ie!han,! 24. Lumua-! Boodundu».— Schlller-Thewe: 24. Flachsmann al» Er,.eher. 2. Nora.- Drutiche, Theater: 24. und 2.«rvhllng» Erwachen.— Kam«ers»lele: 24. und 2. Sie deutschen Rlelnfl adlet.— LetBng- Theater: Bidervel,.-«entschea KllRftlertheater: Bürger S�wvel.- Trianan. Theater: 24. Heimat. 1. So» tavteee Echnerderlein.—«eiidcnz.Th ater. 21. Stein untre Steinen. I. Max und Mar/».— Rene» Oi>erettrnIdeatee: 24. und 2. See kei'.'chr Lebemann.— Kleine» Theatee:«. Siede. 1. Slruwelveler.- Rose-Theater: 24. Zugendfeeund«. 1. Lchnerwiticken.— TJ ater im Sdmlral»* a„i»ft: 24. und 2. Ci" CaUttttaun.— Berliaer Theater: Ifta Siare�. SeeanIwartlich Nlr B-litik:«rast Reute,:«ietlchatt: Z.«ruft Reuter: Sewerlschaitadeweguuo: z. Dteiuer; iZemllelon: K. v. sölchcr: totale» und Sonftlge«: Fritz Karftädt; Anzeiorn: Th.»lacke: simillch IN Der.in. Verlag: Borwärla-Verlag«. m. d. d-«erNn- Druck: Borwärt».Buchdruckrret und Vnul Einsttr u» ÜS.» ED. KL.» LtNdeustrane». UaAHlA T*Ätr Unwiderruflich letzte AuifQhrungl Tbeater am 24.Pebr., 11 Ubrrorra. Kapitsn Karl Herbart Mit dem Answanderer- scblff nach Südamerika Fllmvorirtg Jox»Bdltch« locelaaaea Ermäsjsiofe Preise. Zigaretten! weit unter F a b rl kpr e i», rein onenlalKCher heller Tabalt, dick. XSnlgln Sab« 31.80 M.* !,«r!>»a onne 10.., Qold II n. p. MI1I. Kaien ohne II-.Ooid It.-M.p.MlU. OreBe Frankfurter Str.SS am StrausbsrrerPI. Q schltl». 12-7 Möbell Ulierl Berlin C, Aleurdcrstr. 3] M. Ipl. 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