*lv. 64. Trscheint täglich außer Montag?. Preis prSnumerando: Viertel- jährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pjg. frei Iv.'s Haus. Einzelne Nnininer s PIg. Sonntag?-Nummer mit tllnslr. Sonntags-Beilage.Neue Welt" toPsg. Post-Abonnement: 3,30®t. proQuartal. Unter Kreuzband 1 Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 MI., sür das übrige Ausland ZMk.pr.Mouat. Eingetr. In der Post-Zeitung?-Preisliste sür lsos unter Nr. 7121. 12, Jahrg. Zns«rtion?-8. ?elcgra»iiii- Adresse: „Koiialdemokral Kerll»!' Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztedaktion: LV. 13. Neutö-Strak- 2. Sonnabend, den 16. Marz 1893. Hrpedition: 8V. 19. ZZeuth-Straße 8. Die deutsch- franzöftschen Milizantrage. Als der Vertreter unserer Partei am 2. März d. I. im deutschen Reichstag den Antrag auf Umwandlung des slchcndcn Heeres in ein Milizheer begründete, konnte er mittheilen, daß die Vertreter der Sozialdemokratie in der französischen Kammer einen das gleiche bezweckenden Antrag stellen wurden. Und 5 Tage später— am 7. März— ist dies auch wirklich geschehen, und zwar, da eitle andere Form des Vorgehens sich unthunlich erwiesen hatte, in ähnlicher Form und bei derselben Gelegenheit wie im deutschen Reichs- lag: als Vorschlag bei der Berathung des Militärbudgets. Tiefe Gcmeinschasllichkcit des Vorgehens in den gesetzgebenden Körpern der beiden mächtigsten Staaten unseres Festlandes ist an sich schon ein hochbedcntsamcs Ercigniß, das die Stärke des internationalen Gedankens und die Internationalität und solidarische Einheit der Politik des Proletariats praktisch bethätigt. In beiden Volksvertretungen kam es zu einer Debatte. Die des deutschen Reichstages setzen wir als be- kannt voraus. Die Debatte der französischen Kammer bewegte sich wesentlich in dem gleichen Jdeenkrcise und legte, lvie die Debatte des deutschen Reichstags, von neuem Zengniß dafür ab, daß die einzige Partei, welche heutzutage in den Knllnrstaatcn eine durchgreifende Reform, d. h. eine das Nebel mit der Wurzel ausrottende Umgestaltung er- strebt, die außerhalb der kapitalistischen Gesellschaft stehende Sozialdemokratie ist, und daß inner- halb dieser Gesellschaft, ans ihr heraus, keine ernst- haste Reform sich vollziehen kann. Sachliche, das ist in der Sache selbst liegende Gründe sind es nicht, die den Widerstand gegen das Milizsystem bestimmen. Daß ein Mensch, der von seinem zehnten Jahr an methodisch körperlich gekräftigt, an den Gebranch der Waffen und das Marschiren gcivöhnt und darin geübt ist, nach zehn Jahren ein tüchtigerer Wehrmann ist, das heißt im Marschiren, Schießen und allen sonstigen zur Wehr- haftigkcit gehörigen Uebnngcn und Handhabungen im Durchschnitt für bestimmte Ausgaben und aus die Dauer tüchtigeres leistet, als ein anderer Mensch, dessen körperliche Ausbildung in der Jugend so mangelhaft war, wie sie heute allgemein ist, und der blos zwei Jahre überstürzter, zum theil auf höchst überflüssige Dinge gerichteter militärischer Ausbildung genießt, so wie sie heute im deutschen Musterhecr verabreicht wird— das ist so selbstverständlich, daß es eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes wäre, wollten wir das greif- und bc- greisbar offen zu tage Liegende durch kunstgerechte Argnmen- tation zu beiveisen suchen. Jeder Mensch in seinen fünf Sinnen sieht es, und sieht es ein. L'euUletm». fNachdruck uertolen.] 88 Skizze» ans dem snda»terilmni scheu Hiuterluude. Ein Blatt südamerikanischer Geschichte. »Was giebt es, Juan/ fragte Nicanor. „Was es giebt," sagte dieser gemessen,„ist das, daß ich Dir nicht den Ruhm lassen will, allein dieses Gezücht zertreten zu haben. Ich bitte Euch, mich bei dem Geschäft, was ich jetzt vorhabe, absolut nicht zn stören, denn sonst würden wir aufhören, gute Freunde zu sein." Sprach's und schnellte wie ein Pfeil vom Bogen ans einen Reiter zu, der eben in der Ferne vor ihnen auf- tauchte. „Was mag der haben/ rief Godoy, indem er die Hand über die Augen legte und nach Regnnega spähte, der sich in rasender Eile dem langsam Ankommenden näherte. „Bei Gott, es giebt noch eine Gerechtigkeit in der Welt/ sagte er nach einer Weile, die Hand sinken lassend, „es ist Emilio Gill, und ich finde, daß wir wirklich keinen Grund haben, unser» Freund in diesem Augenblick zu stören." Juan Rcgunega hatte sich so heftig ans den Ankommenden gestürzt, daß die beiden Pferde mit aller Gewalt zusamnien- prallten, und das des zweiten in die Knie siel. „Zum Teufel, verfluchter Säufer/ rief der Reiter ans, „bist Tu am hellen Tage schon so besoffen, daß Du fremde Leute überreitest..." „Steige ab, Emilio Gill/ sagte Regnnega gemessen, „ich habe ein ernstes Wort mit Dir zn sprechen „Ihr seid wohl gar verrückt, guter Freund/ meinte Emilio, indem er hinter sich griff, um eine Waffe hervor- Freilich, wie nach dem Wort des französischen Diplomaten die Sprache uns gegeben ist, um unsere Ge- danken zu verbergen, so scheint vielen die Vernunft nur ge- geben, um der Veruunft ins Gesicht zn schlagen Und die Vernunft in Unvernunft, die Unvernunft in Vernunft nmzukehren. Tie unsichersten Kantonisten auf dem Gebiete der Kritik sind in allen Fragen, wo es sich um neue Ideen und Ein- richtnngen handelt, die sogenannten Fachkundigen oder Sach- verständigen. Es fällt uns nicht ein, die Fachkenntnisse irgend herabsetzen zu wollen, allein mit seltenen Ausnahmen werden die Besitzer einseitig und verlieren im Gewirr der Einzelheiten die allgemeinen Gesichtspunkte und den Blick über das ganze. Tie Zahl der elastischen Geister, die diesem Einflüsse nicht erliegen, ist außerordentlich gering. Ter Nur-Fachmann bewegt sich in dem Geleise seines Faches, kann über die Ränder nicht Hinanssehen und verdammt grundsätzlich alles, was jenseits derselben liegt. So erklärt es sich, daß die meisten epochemachenden Ersindnngcn, weil sie einen Bruch mit der Tradition bedeuten, Richt- Fachleuten zu ver- danken sind. Das gilt namentlich auch von der sogenannten Kriegs- knnst. Tie großen Reformen sind allcsammt von „Wilden" und Nichtfachlcyten gemacht worden. Ter rittcr- liche Zunftmilitarismus wurde im 14. Jahrhundert durch die schivcizerischen Bauern todtgeschlagen, welche die Infanterie- Gefechtsordnung erfanden und die Landskiiccht- Gefechtsordnung anbahnten, ans der die Gefechtsordnung des dreißigjährigen Krieges und Friedrichs des Großen sich entwickelte. Und die Gesechtsordnnng Friedrichs des Großen, oder richtiger die unter seinem Namen bekannte Gefechts- ordnnng wurde ihrerseits, nachdem sie von den Fach- und Zunftmilitärs ans die höchste Spitze technischer Vollendung und— organischer Werthlosigkeit gebracht worden war, von den improvisirteu französischen Rcvolntionssoldaten 1792 bei Valiny über den Hansen ge- worfen, wobei Goethe Zuschauer war und mit Seherblick die W e l t w e n d e ankündigte. Die Armeen Napolcon's ruhten ans jeneni revolutionären Fundament, und unsere heutigen Armeen sind nur Fortsetzungen und Vervollkonim- nungcn der Napoleonische». Auch an den Revolutionen, die durch die Erfindung des Schicßpnlvcrs und durch die modernen Ferntreffwaffen in der Kriegführung bewirkt wurden, sind die Zunft- und Fachmilitärs unschuldig wie neugeborene Kinder. Das Pulver haben sie nicht«rsnnden und die modernen Fern- trcffwaffen sind das Produkt der bürgerlichen Industrie. Daß die Zunft- und Fachmilitärs an dem alten fest- halten, und sich gegen die Einführung des Milizsystems sträuben, kann uns also durchaus nicht verwunder». Allein sie würden nicht durchdringen, wenn nicht die kapitalistische Gesellschaft ein Interesse zulangen. Im selben Augenblick schlug ihm Regunega mit seiner Reitpeitsche aus voller Kraft über den Arm. „Brandisima../ brüllte Emilio außer sich,„daS wirst Du bereuen, ich bin der Bruder des Präsidenten.." „Des gewesenen ganz sicher.. und ich bin der Sohn des gewesenen Generals Serano... erkennst Du mich jetzt, Freund.... steig' ab ohne Umstände.... Deine letzte Stunde ist gekommen.. Du wirst zu Bantista gehen, den ivir eben gerichtet haben./ Erschreckt sank der Mann vom Pferde auf die Knie und begann um Gnade zu bitte». „Hast Du Gnade geübt bei meinem alten Vater, Bestie... geblendet hast Du ihn, bevor Tu ihn er- mordetest... sprich ein Vaterunser, aber rasch, denn man ist uns ans den Fersen..." Emilio Gill kam mit seinem Vaterunser nicht weit; er rief zu viel um Gnade, aber sein Gegenüber war unerbittlich. Er zog sein Messer. „Das ist für meinen Vater/ und ihn bei den Haaren ergreifend, stach er ihm langsam seine Augen aus. Sein Opfer stieß ein schreckliches Gebrüll ans. „Mein Vater gab Dir auch seine Augen..' „Laß mich leben blind..." „Geduld, wir sind noch nicht zu Ende.. Und ihn wieder ergreifend, schnitt er ihm Nase und Ohren ab. „So, und nun stirb, wie Du meinen Vater ermordet hast../ Damit zog er ihm sein Messer langsam durch die Kehle, ließ den Kadaver liegen und steckte die vom Blut rauchende Waffe, ohne sie zu säubern» wieder ein. Schweigend näherten sich ihm die übrigen und setzten dann ihren Weg weiter fort. Eine schauerliche Justiz sühnt oft in diesen Ländern schauerliche Verbrechen. „Ich vermuthe, daß man eine ganze Anzahl Hunde ans unsere Fährte gehetzt hat", sagte nach einer Weile Nicanor Godoy, der sich häufig nach rückwärts umsah. an der Fortdauer und Stärkung des Militarismus hätte. Wir haben schon wiederholt daran crinuert, daß unser Bürgerthnm, so lange es noch liberale und demokratische Ideale hatte, für die Volkswehr, im Sinne des Milizheeres, schwärmte, und daß erst seit der Organisation des Proletariats zn einer den Kapitalismus prinzipiell bekämpfenden politischen Partei ein Umschwung in den Anschauungen des Bürgerthums stattgefunden hat. Die Bourgeoisie hat vor dem Sozialismus eine so große Angst, daß sie die ungeheueren Nachtheile gerne in Kauf nimmt, welche der Militarismus ihr selbst bereitet. Sic stützt den Militarismus, weil sie in ihm ihre letzte Stütze erblickt. Und sie wehrt sich niit Händen und Füßen gegen das einst so hoch von ihr gepriesene Milizsystem, das ihren gefürchteteu Feind, das sozialistische Proletariat, be- w a f f n e n w ü r d e. D a s ist der Grund— der einzige Grund. Diesen einzigen Grund darf man aber nicht sagen. Wie es in solchen Fällen immer geschieht: statt des wirklichen Grundes werden Scheingründe ins Feld geführt. Und von den Echeingründen gilt das Wort Shake'spcare's: Sie sind„billig wie Brombeeren" und zerfließen, wenn man sie in die Hand nimmt, zwischen den Fingern. Betrachten wir die Einwendungen, die unS gemacht wurden, eine nach der anderen. E r st e r Einwand:„Das Milizsystem liefert zwar große, aber nicht manövrirfähige Armeen." Eine rein willkürliche Behauptung, die in dem Kunst- stück gipfelt, daß rasch zusammengeraffte Truppen ohne jegliche Vorübung, wie die Aufgebote Gambetta's und die ameri- kanischcn Truppen bei Bullsrnn, geflissentlich für Miliz- truppcn ausgegeben werden. Wie kann man aber ehrlicherweise zwischen Truppen, die, außer ein paar Wochen flüchtigen Excrzirens gar keine militärische Ausbildung gehabt haben, und Truppen, die mindestens 10"Jahre lang methodisch zum Wehrdienst ausgebildet worden sind, cinen Vergleich ziehen? Es ist abgeschmackt. Die Schweizer Miliztrnppcn manövrircn, wenn man von militärischer Spielerei und Paradckram absieht, ebenso gut wie unsere Truppen, und sind im Marschiren und Schießen ihnen überlegen. Zweiter Einwand:„Das Milizsysteni kostet mehr als das stehende Heer." Thatsächlich hat die Schweiz sür ungefähr d i e dopppelte militärische 5trastcntsaltnng im Ver- hältniß nur drei Viertel dessen zn zahlen, was wir. Und da sind blos die reinen Budgetausgaben gerechnet. Daß der Miliz-Wehrmann seinem bürgerlichen Beruf nicht entfremdet wird, daß seine Arbeitskraft dem Lande nicht verloren geht— diese Vorttzeile, die in Geld aus- gedrückt, einen weit höheren Werth darstellen, als das Militärbudget sesbst, sind hierbei gar nicht mitgerechnet. Die Behauptung, in Deutschland würde das „Unsere Hoffnung kann nur darauf beruhen-, daß wir noch vor der Nacht die Wälder erreichen, dort sind wir sicher... im Kamp hal man uns sofort." Damit schaute er bedenklich ans den Stand der Sonne, die sich noch hoch am Himmel befand. In der That hatte man zn ihrer Verfolgung die ganze Reiterei mobil gemacht, und da man wußte, wohin sie ihren Weg genommen, befand sich dieselbe, unter Führung des Obersten, in einer langen Linie anseinandergezogcn, schon an der Grenze des großen Kampes. „Was ist das?" fragte da Nicanor, ein ander Mal zurückblickend. Ganz in der Ferne erhoben sich einige graue niedrige Wölkchen, die ans der Ebene zu liegen schienen. Er lugte eine halbe Minute genau aus, dann kehrte er sich zn seinen Gefährten wieder um und sagte ernst: „Wir werden einen harten Stand haben... Sie haben uns... es ist der Staub, der auf dem versengten Kamp unter ihren Pferden sich erhebt... der Waldrand ist noch weit und in einer Stunde sind sie bei uns." „Nicanor," bat der verwundete Molas,„ich fühle, daß Dein Pferd matt wird... ich bitte Dich, rette Dich und laß mich hier... Ich bin Dir eine beschwerliche Last, und ich glaube, daß es mit mir doch so wie so zn Ende gehen wird../ „Ich soll Dich treulos im Stiche lassen,./ „Es ist zu unser allem Besten, Nicanor... Ihr müßt Euch zu erhalten suchen... theilt Euch, und reite einer nach dieser, der andere nach der anderen Seite... so wird die Verfolgung schwerer... und auch für mich ist es besser, wenn Ihr mich irgendwo in einen Busch aussetzt.. ich be- schwere unnvthig Dein Pferd und wir werden so alle beide in ihre Hände fallen... dabei fühle ich mich so matt, daß ich nahe daran bin, ohnmächtig zn werden, und Du alle Hände voll zu thnn hast, mich vor Dir her zu balanciren... Setzt Ihr mich ans, so wird mau mich schwerlich bemerken, und es gelingt mir vielleicht, wenn ich mich allmälig erholt habe, zur Nacht in einen Rancho im Walde zn flüchten/ Milizsystcm verhältuißmäßig doppelt und dreimal so viel kosten, wie in der Schweiz, hat nicht einen Schatten von Berechtigung und ist einfach aus den Nägeln gesogen. Sie ist so einfältig, daß mau sie fast für einen schlechten Witz halten muß. D r i t t e r E i n w a n d:„Das Milizsystcm mag gut sein für ein gebirgiges Land, wie die Schweiz, taugt aber nichts für ein flaches Land wie Deutschland." Man greift sich an den Kopf, wenn man solchen Unsinn hört. Erstens ist der bcvölkcrtste Thcil der Schweiz nicht gebirgig und ein großer Theil Teutschlands i st gebirgig; und zweitens, was hat denn die Tcrrainfrage mit der Frage des Wehrsystems zu thun? Natürlich ist die Gcfcchtsart eine andere im Gebirge, als auf der Ebene, doch das gilt für das stehende Heer ebenso gut wie für die Miliz, und in jede m Fall eignet sich ein methodisch mindestens 10 Jahre lang zur Wehrhastigkeit ausgebildeter Soldat für den Kamps auf der Ebene wie im Gebirge besser als ein Soldat, der, nachdem seine körperliche Ausbildung bis zum 20. Jahr vernach l ä s s i g t worden ist, zwei Jahre militärische Treib Hausbild nug erhalten hat. Kein Mensch, der erst mit dem 20. Jahre turnen cxerzircn, marschircn und schießen lernt, kann— bei sonst gleichen Bedingungen— binnen zwei— und drei— Jahren auch n u r annähernd in diesen Fertigkeiten dieselbe Geschicklichkeit erlangen rme ein Mensch, der von Jugend an planmäßig diese Fertigkeiten erlernt hat. Das ist— wie schon gesagt— so klar, daß wir jedem, der es bestreitet, entweder die Urtheilskrast oder die Ehrlichkeit absprechen müssen. Vierter Einwand:„Unser Wchrsystem ist in zwei großen Kriegen erprobt, das schweizer System ist noch nicht in einem Kriege erprobt", Dieser Einwand— vielleicht der albernste von allen— offenbart so recht die Verlegenheit der Gegner des Miliz systems. In seinen Konsequenzen läuft dieser Einwand darauf hinaus, daß j e d c N e n e r n n g zu verwerfen ist Unser Achtmillimeter-Gewehr ist noch in keinem Kriege er probt— folglich müssen wir es bei seile werfen und wieder zur alten Zündnadel greifen, die sich 1864, 1866 und 1870/71„erprobt" hat. Genug— die„Gründe", welche die Gegner des Miliz systems vorbringen, zerschmelzen vor der Kritik, und der einzige Grund, den sie wirklich haben, den vorzubringen sie aber sich wohl hüten: daß es die Knechtung des Volkes unmöglich niacht, kann uns in unserer Forderung des Milizsystems nur b e st ä r k e n. Wie man sich erinnern wird, hatten die Parteien des Systems der stehenden Heere anfänglich die Absicht, den sozia liftischen Milizantrag ohne Debatte abzulehnen. Sie änderten indeffen ihren Entschluß- und ließen sich ans eine Debatte ein, in welcher die soeben behandelten„Gründe zum Vorschein kamen. Daß diese„Gründe" nicht ans reichten, wird jetzt von unseren Gegnern selbst indirekt zu gestanden, den» sie schreiben, es sei doch eigentlich eine Thorheit gewesen, daß man sich auf eine Debatte mit uns eingelassen. Nun— ob Debatte oder nicht— unsere Forderung ist gestellt, sie wird wieder und wieder gestellt werde», und jedesmal wird eine größere Macht hinter ihr stehen. VolikifrsIv IlobovNckik. Berlin, 15. März. Ter böse Zickzackkurs. Wie der„Breslauer Ztg von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird, erhielt der Breslauer Regierungspräsident Dr. von Hcydebrand und der L a s a eines schönen Vormittags 10 U h r — es dürfte am Montag gewesen sein— ein Telegramm des Herrn von Köller, indem ihm dieser zu seiner Ernennung zum Oberpräsidenten von O st preußen gratulirte. Nachmittags um 3 Uhr aber traf ein zweites Telegramm des Ministers ein, in dem er mittheilte, daß sein Glückwunsch ein v e r- f r ü h t e r gewesen sei. Wir hatten in unserer vorgestrigen Nummer also buch stäblich recht mit unserer Charakterisirung des Zickzackknrses. Nach einigem Sinnen sagte Godoy: „Du hast recht... es ist besser für Dich und besser für uns"... und zurückblickend sagte er:„Sie nähern sich reißend schnell, die Wolken wachsen..." „Tort in jenem großen Busch", sagte Mola»,„legt mich nieder, dort vennuthet mich niemand nnd Ihr reitet weiter... rettet Euch für unser Vaterland." Man bettete den Verwundeten in einer der kleinen Waldinseln, die ab und zu in dem Kamp stehen, nnd ließ ihm als Erfrischung eine Flasche mit Rum da, die einer bei sich führte. Es war allerdings anzunehmen, daß die Verfolger in ihrer Eile ihn dort nicht vermnthen und suchen würden. Dann stieg man wieder auf. (Fortsetzung folgt.) Flug i liste Ttzenkev. DaS Tchiller-Thcater hat sich am Donnersiag im kühnen j an nichts Geringeres, als an G. F r e i t a g's„ I o u r n a. listen" herangewagt, an jenes deutsche Lustspiel, das nebenden Meisterwerken von Lessing und Kleist mit Ehren diesen Name» tragen darf. Das Sprichwort, daß dem Muthigen die Welt ge- hört, traf auf das Wagestück vom Donnerstag leider nur recht bedingt zu. Die Künstler des Schiller-Theaters sind gute Leute, die bei ihrem Publikum in hohen Gnaden stehen und mit denen auch wir gewiß nicht hart ins Gericht gehen wollen. Es ist aber doch etwas anderes, in„Krieg im Frieden" zu spielen, als in einem Lustspiel, dessen Personen sämmluch aus- gebaut» Charaktere sind, und die daher namentlich von einem nicht aus höchster Höhe stehende» Ensemble aufs sorgfältigste studirt werden sollten, bevor sie dargestellt swerden. In einem Werk, wie den„Journalisten", genügt es nun eben nicht, daß «in jeder Künstler seine Rolle herunterhaspelt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist; es sollen sich da die Kräfte harmonisch an einander fügen und so dem Gänzen den Stempel der Ein- heitlichkeit geben. Dieser Anforderung entsprach das Ensemble d«S Schiller-Theaters, wie gesagt, nur in recht geringem Maße. Vor allem die Redaklionsszenen litten an einem Mangel an Harmonie, der geradezu peinlich wirkte. Es schien, als ob die Union erst am selben Tage, an dem das Stück spielt, von Eleven unter der Leitung d«S Herrn Bolz gegründet worden wäre und die Re- dakteure nicht wüßten, was für Stilproben sie zu liefern hätten. Unter solchen fatalen Umständen war es denn auch nur logisch. daß Herr Georg, dem der Bolz übertragen war, so that, als Derselbe ist Nächacrade so zickzackig geworden, daß nicht einmal der arme Koller, der doch Zickzack-Stenermann sein soll, den Zickzacken schnell genug folgen kann. Er wird ivohl bald ausgezickzackt haben.— Vcrthenernngsrath wäre der richtige Name für den sogenannten Staatsrath. Nach dem„Reichs-Anzcigev beschäftigte diese kostbare Körperschaft sich bisher 1. mit Maßregeln znr Hebung des G e l r e i d e p r e i s e s alias B r o t v e r t h cn e ru n g; 2. mit Maßregeln znr Hebung des Spiritus Preises alias S ch n a p s v e r t h e u e r u n g; 3. mit Riaßregeln zur Hebung des Znckerpreises alias Z u ck e r v e r t h e u e r u n g. Sonst vorläufig mit nichts. Für den Anfang genügt das aber. Das„Volk", welches sich ärgert, daß der Antrag nicht Knall und Fall angenommen wurde, erinnert daran, daß Bismarck im Jahre 1854 den Staatsrath„die Quint- essenz aller der Thorheit und Bosheit, die man in Preußen unter dem Worte Geheimrath ver- steht", genannt hat.— Ter agrarische Ttaatörath. lieber die Tonnerstagesitzung dieser Körperschaft thcilt heute der„Reichs-Auzeiger" mit, daß nach der Pause in die Verhaudlungen über die Mahnahmen auf dem Gebiete der MährungSpolitil eingetreten wurde, welche in der Frcitagösitzuug bis zum Eintritt der Pause»och fortgeführt ivurdkn.—- Im Rbgcordnekenhatis wurde die dritte Rerathnng des Etats zu Ende geführt. Ebenso wurde das Anleihe- gesetz angenommen, ohne daß es noch zn besonderen De� batten gekommen wäre. Nächste Sitzung ist Montag Seknndärba Hn-Vorlage. Tas Herrenhaus hielt hent ebenfalls eine Sitzung ab, in dieser Session die vierte. Das interessanteste der Tagesordnung war, daß beschlossen wurde, dem Fürsten Bismarck zum Geburtstag eine Deputation nach Friedrichs- ruh zu schicken, nnd daß ein Antrag angekündigt wurde, wonach die Büste Bismarck'», der das Herrenhaus immer mit so ungeheurer Hochachtung behandelt hat, im Sitznngs- saal ausgestellt werden soll. Nächste Sitzung Sonnabend. Der BnudeSrath hat in seiner Sitzung vom 14. d. Ml?., wie zu unserer gestrigen Notiz noch ergänzend hiiiziizufügen ist, auch den AnSschußanträgen, betr. die Abänderung von Tara- sähen, sowie über den Antrag des Königreichs Sachsen, betr. Abänderung und Auslegung der Bestimmungen über den Ver- kehr mit Sprengstoffen, die Zustimmung ertheilt. Tic Berechnung der zur Deckung der Gesaunntausgabe des ordentlichen Etats aufzubrirgeiideii Matrikularbeiträ-e wurde dem Ansschnßantrage gemäß genehmigt. Der mit dem Sitz in Köln a. Rh. errichteten Rheinischen Haiidel-Plantagengesellschast wurden auf ihren An- trag gemäß§ 8 des Gesetze?, betr. die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete, Korporationsrecbte verliehen. Endlich wurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.— Im Seniorenionvent des Reichstages war die Opposition gegen des des eine Feier des 80. Geburtstages Reichskanzlers so stark, daß von einer Kundgebung deutschen Parlamentes wohl cndgiltig Abstand genommen werden dürfte.— Nachwahlen für den Reichstag. Tie Nachwahl in K ö l n- S t a d t, wo unser Genosse Tr. Lütgenau kandidiren wird, findet am 13. Mai statt. Als Kandidaten für die Reichstags- Wahl im Wahl kreise Lennep-Rem scheid sind aufgestellt: Genosse Meist; Stötzel, Essen, vom Zentrum; Fischbcck, Syndikus der Handelskammer Bielefeld, vom Freisiny; Fabrikant Wülfing, Bohlvinkel, von den Freikonservativcn nnd Nationalliberale»: Gutspächter Kcmmann, Katers bei Mettmann, von den 5konservativen und dem Blinde der Landivirthe. Im 14. w ü r t t e m b c r g i s ch e n Reichstags Wahlkreis(Ulm) findet lallt a>ntlichcr Bekanntmachung die Nachwahl am Dienstag, den 30. April statt. Bekanntlich wurde das Mandat des natioualliberalen Bantleon für u n g i l t i g erklärt. 1893 erhielt Bantleon 10 383, Volks> Partei 5989, Zcntrnin 1644, Sozialdcinolratie 2697 Stimmen Woher kommt das Geld? Tie Reklame für de» nationalen Aprilscherz wird in ganz Deutschland mit rinem so kolossalen Aufwand betrieben, daß ivir ernstlich die ifrage stellen müsse«: Woher kommt das Geld? Hunderttausende werden sür die Massenverbreitung von(beiläusig abschreckend ob er sich genierte, in d e r Gesellschaft ein Redakteur zu ein. Einen Anblick, bei dein ma» sich ivirklich betreten ühlen konnte, bot namentlich das Redaklioiis- Frühstück m letzten Akt. Herr Georg gab da den noch im Ungewitler liebenswürdigen Schwadroneur nicht vor Kollegen, sondern vor einer Gesellschaft von Kleinstädtern, die den nilverstandenen Worten eines Unbekannten mit ossenein Munde lauschen»nd nicht wissen, was sie denn mit dem Kerl anfangen sollen. Angän glich war Herr Pategg als Oberst, sowie Fräulein Sellen, welche die Adelheid, wenn auch nicht mil Vertiefung, o doch ivenigstens mit einem konveiitionellcn Strebe» nach Ge- chick gab. Eine fast störende Uubedeuteiidheil entwickelte leider ein Fräulein G r ü u i n g, welche die Tochter des Obersten piekte. Recht erfreulich iväre Herr F o r m e s als Piepenbrink gewesen, ivenn dieser ivackere Künstler nicht in seinein Bestreben, drastischen Humor zu entwickeln, etivas gar zu stark aufgetragen und die bekannte Zechszeue zur Posse umgewaiidelt hätte. Erwähnt sei»och der auch an andere» Theatern übliche Aiiachroiiismu?, das vor nunmehr gut vierzig Jahren spielende Stück in die Gegenwart zu übertragen. Ter edle Schmock, der übrigens von Herrn Waiden recht brav verkörpert wurde, klagte über' das geringe Zeilenhonorar von 5 Pfennigen und vergoß Frendenlhränen über die 100 Mark, die ihm der Oberst schenkte. Die Bilder ans den fünfziger Jahren verwirren die Begriffe des Publikums vom mordernen Journalismus, wenn sie in die Gegen- ivart übertragen werden. Wenn vor anderthalb Menschenaltern im deutschen Journalismus wirklich ein schüchternes Tappe» auf kaum betreteneu Pfaden und ein idealer Augenaufschlag nach großen Zielen" zu bemerken war, so trottet der unentwegte Zeitungsschreiber bürgerlichen Kalibers heute, wie doch mäiniigllch bekaunr, als gerissener Mann auf ausgetretenem Geleise daher. - üunp Ulli WimW. Die Zensur. Auch das Schauspiel„Drohnen", das heute im„Deutschen Theater" zum ersten Male in Szene geht, hat die .eusur nicht passirt, ohne Tribut zu entrichten. Wäbrend es rüher meist Praxis der Berliner Polizei war, ein Stück im ganzen zn gestatten oder— zu verbieten, greift jetzt der Roth- tift der Zensur auch in Einzelh«ilen fleißiger ein. In„Drohnen" "1. läßt der Verfoffer Frau Gabriele, die sich von ihrem Gatten entdeckl sieht, dem Geliebten zurufen:„Ich kaun ihm nicht mehr in's Auge sehen" und erhält zur Antwori:„Das kannst Du schon lange nicht mehr"; doch diesen staatsgesährlichen Satz:„Das kannst Du schon lange nicht mehr", strich die Zensur und die Zuschauer im Deutschen Theater iverden ihn sich dazudenken müssen. bäbliche») Photographien, Tischgesprächen und sonstigen Schwindelkram ausgegeben. Die alle Raketenkiste ist hartleibig — sie nimmt nur und giebt prinzipiell nie. Die Junker huldigen demselben Grundsatz- Also woher kommt das Geld? Entweder besteht irgend ein geheimer Fonds, ans dem geschöpft wird, oder das ganze ist ein kaufmännisch organisirtes Geschäft, das eineslheils auf die bekannte Meiischensorte,„die nicht alle wird", anderseits auf die„Groschen" der armen Tage- löhiier, Landarbeiter, Briefträger, Uiiterbeamten und sonstige» abhängigen Existenzen berechnet ist, die jetzt von den Unter- nehinern dieser Spekulation schamlos gebrandschatzt werden. Jedenfalls könneil wir angesichts dieser schimpflichen Praktiken nur die Warnung aussprechen: vor Taschendieben und ähnlichem Volk wird geivarnt. � $nr die Bismarckfcier wird von offiziellen Stellen mit allen Mitteln gearbeitet. Bon feiten, des Kultusministeriums wird der„Nah- Ztg." zufolge am t. April zur Bismarckfeier der Schluß sämmtlicher preußischer Schulen veranlaßt sowie den Schnt- leitungen nahegelegt iverden, den Tag durch eine Feier festlich zu begehen. Ob der Oberkirchenrath am Sonntag, den 31. März, in Predigt und Gebet des Fürsten von Bismarck gedenken wird,"steht nach der„Kreuz- Zeitung" noch dahin; jedoch dürfte es nicht ganz univahrscheiiilich sein. Wer hätte das vor einem Jahre für möglich gehalten. Und wäre das im künftigen Jahre wieder noch möglich?— „Wir müssen die Bauern revolntiouiren?" Dieses einstige Wort des jetzigen Finanzininifters Miqnel scheint in einer Weise wahr werden zu wollen, wie er es seinerzeit wohl selbst nicht gedacht hat.— Seine Tabaksteuer hat die Bauern lebendig gemacht. Sie halten gegenwärtig im Süden Bersamm- lungen ab, um sich gegen die Steuer zu wehren.— Wir lassen einen Alifnlf zum Besuch einer Konferenz folgen nnd bemerken, daß nach uns gewordeneil Miltheilungeii die Zlnti- Tabaksteuer- Konferenz von iiliiidestcns 100 Dclegirlen aus allen Theilen Süd- Teutschlands besucht werden dürfle, was umsomehr ins Gewicht fällt, als die Konferenz fast ausschließlich aus Leuten bestehen wird, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen.— Der Aufruf zu dieser„Ami- Tabaksteuer- Konferenz", die am Sonntag, den 24. d. M., in Mannheiin abgehalten werden soll, lautet: 91 ii die Angehörigen des Tabakgewerbes- S ü d d e n t s ch l a n d s! Die Annahme der Tabaksteuer steht in naher Aussicht, wenn nicht alle Tabakinteresjenten, besonders bei uns im Süden, ein- müthig sich gegen dieselbe erklären. Für jeden Fachmann und Kenner der wirthschafilichen Verhältnisse steht es fest, daß durch Einführung der Tabal-Fabrikatstener uichl allein die Zigarren- arbeiler und-Arbeiterinnen, sondern auch alle beim Tabakbau und in der Tabalfabrikation beschäftigten Personen einen empfind- lichen Schlag erhalten, einen Hieb bekommen, der geeignet ist, das Familienglück weiter Kreise, das Eigenlhum des Arbeiter?, der tleinen Tabalbauern und tleiuen Fabrikanten gründlich zu vernichten. Deshalb fordern wir auf, unsere Kousereuz au? allen Theilen Süddeutschlands zu besuchen und zu diesem Zweck schnell Versammlungen oder Besprechungen zu veranlassen, in denen Dclegirte geivählt oder dazu bestlmmt werden, aus der Kouserenz zu erscheinen.— Zur Defensive gegen die deutschen Znckerstener-Prämien. Ans Paris wird gemeldet: Gesler» Abend fand hier der ftongreß der Znckerfabrikaiilen statt. Ter Präsident eröffnete die Sitzung mit einer großen Rede, in welcher er die große» Gefahren be- tonte, welche der französischen Zuckerindnstrie infolge der Vor- läge im deutschen Reichstage, betreffend die Erhöhung der Zucker« prämie, drohe. Dem„vteuen Wiener Abendblatt" zufolge ist die Zucker- Enquete vom österreichischen Ackerbau-Minister vorläufig für den 27. d. M. einberufen worden.# Ter Papst und die östercichischeu Christlich Sozialen. Nach Budapesier Berichten hat Staatssekretär Kardinal Nampolla dem Kardinal Schönboni und dem Bischof Steiner gegenüber er- klärt, die Kurie lasse sich nicht irreführen, uni die chriftlich-sozinle Partei in Oesterreich und die Volkspartei in Ungarn zn ver- dämmen; die Kurie wisse, daß beide Parteien werthvolle Reserven der Ecclssl» militans und nützliche Hilsstruppen gegen unchrisl- liche und seltirerische Angriffe wie auch gegen schwache Re- gierende seien. Daher werde Rom diese Parteien zur Ausdauer crmahneil und ihnen nur Etlivernehmen mil den Bischösen an- empfehlen.— Tie französische Sozialdemokratie gegen de» Senat. Genosse I a n r ä s beantragte in der Deputirten- kammer die Ablehliitiig des geforderten Betrages zur Deckung der Ausgaben für den Senat(Herrenhaus), indem er die Nothwendigkeit dieser demokratischen Reform hervorhebend, ansführte, der Senat habe den Gesetzentivnrf betr. die Arbeiter- Syndikate(Gewerkschaften) abgelehnt. Alle Syndikate würden sich erheben und den Kampf aufnehmen.(Beifall auf der äußersten Linken.) Der Ministerpräsident Ribot hält Jaurös vor, daß er Drohungen gegen Parlament nnd Re- gierung ausgestoßen habe. Ter Antrag wurde mit 410 gegen 73 Stimmen abgelehnt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung bcfnrivortet Samary eine beschleunigte Erstattung des Berichts über den Antrag betreffend die Revision der Bersassnitg. Die Kanimer beschloß, den Antrag nach der ordentlichen Reihenfolge aus die Tagesordnung zu setzen. Die Sitzung wurde hierauf geschlossen.— Tie Errichtung einer Slltersversichernngs-Kasse, der durch eine Kapitalrente»- Steuer die erforderlichen Mittel zugeführt werden sollen, beantragte Genosse S e m b a t in der französischen Deputirtenkammer. Der vom Ministerium bekäiiipfte Antrag wurde mit 296 gegen 216 Stimmen abgelehnt.— Zu de» Wahlen iu Italien liegt heute eine Mtldnitg vor, wonach Cavallotli die Leitung der äußersten Linken über- nehuieu werde, während der frühere Minister R u d i n i die Vor- bcieitungen in Sizilien übernoinmen habe. Rudiiii werde keine sozialistischen Kandidaturen unterstützen. Die Radikalen werden sich aber mit den Sozialisten ins Eitivernehmen setzen. In den meisten Städten haben sich Ausschüsse zur Organisation der Protestkandidaturen gebildet. Danach scheint das Vertrauen des italienischen Volkes zu Crispi im umgekehrten Verhältniß des Vertrauens zu stehen, das der italienische König zu seinem Minister haben soll. Bei der gestrigen Audienz der Minister beim König, welche erschienen waren, ihm zum Geburtstage ihre Glückwünsche darzubringen, oll nämlich der König zu CriSpi gesagt haben: ES drangt müst Ihnen zu sagen, daß meine Liebe und mein Vertrauen zu Ihnen täglich zunehmen nnd daß ich fest überzeugt bin, daß das Land und«ch keinen treueren, stärkeren Diener als Sie haben. Da scheinen uns die Anschauungen des Volkes und de» Fürsten wieder einmal etwas auseinanderzugehen.— Zur italienischen Amnestie wird der„Franks. Ztg." anZ Rom gemeldet: Die oppositionellen Kreise sind mit der be- chränkten Amiiestie nicht zufrieden, sprechen sich dagegen lobend über die Begnadigung des wegen Spionage verurtyeilten Haupt- manns Romani aus. Mohrfach wird die Befürchtung laut, daß die Begnadigung anläßlich der von außen gekommenen Pression vorgeschlagen worden sei; jedoch befriedigt es allgemei», daß die leidige Angelegenheit, durch welche die Beziehungen zwischen Italien nnd Frankreich sich nicht sremidlicher gestalteten, bei- egt ist. Wahlen in Serbien. Die Ausschreibung der Wahlen soll am 1ö. März erfolgen, die Wahlen solle» am IS. April stattfinden. Die Skuplschina wird am I.Mai in Nisch zu, sammentrelen; die Tagung wird, wenn es nach dem Wunsch der gegenwärtigen Regierung geht, eine kurze sein, da nur das Budget und neue Finanzgesetze dem Parlamente vorgelegt werden sollen. Ob freilich das Parlament so willfährig sein wird, bleibt dahingestellt.— Vom chinesischen Kriegöschauplatt wird wieder von einein Gefecht berichtet. Danach stieß am Morgen des II. das elfte japanische Regiment in der Nähe von Kiulentsching auf eine Ivoo Mann starke chinesische Abtheilung, welche sich darauf zurückzog. Später wurden die Japaner von einer aus Chinesen nnd Koreanern bestehenden Streitmacht an- gegriffen, die nach kurzem Gefecht zurückgeworfen wurde. Endlich erfolgte noch ein dritter Angriff, nach welchem die japanische Nachhut durch eine starke Abtheilung in einen hartnäckigen und lange währenden Kamps verwickelt wurde. Tie Chinesen behaupteten das Feld. Bei Sonnenuntergang kehrten die Japaner in ihre Quartiere nach Tschankwang zurück. Die Chinesen verloren 70 Mann. lieber die Friedensverhandlungen wird beute berichtet, daß der chinesische Unterhändler, Vizekönig Lihungtschang, den Japanern folgende vier Vorschlage überbringt, welche der Hof von Peking geneigt wäre, zur Grund- läge der Friedensverhandlungen zu machen. China akzeptirt I. die Unabhängigkeit Korea's von der chinesischen Oberherrschasl; 2. ZIbtretung»och zn bestimmender Ge- bietst heile(Insel Formosa ic.) au Japan; ll. Zahlung riner�K riegsentschädigung; 4. Abschluß eines japanisch- chinesischen Handels- und Freundschaftsvertrages behufs Erschließung China's für die moderne Kultur und den Welthandel. Tie chinesische Kriegsentschädigung soll durch die chinesischen Zollertrüge sichergerstellt und binnen fünfjähriger Frist bezahlt werden. China soll ferner bereit sein, seine Kriegsschiffe bis aus eine geringe Zahl auszuliefern. Der Kaiser und die Kaiserin- Wittwe sollen Li-hung-ljchang ernstlich ermahnt haben, nicht ohne erfolgreichen Abschluß von Friedensbedingungen zurückzukehren; auch sollen sie ihm Vorwürfe gemacht haben, weil er die traurige Lage China's verheimlicht habe. Cnba. Ein über Madrid angelangtes Telegramm aus Euba meldet, daß die fünf westlichen Provinzen von den Insurgenten gesäubert sind. Tie zwischen den Rebellen ausgebrocheuen Streitigkeiten haben den Provinzen sehr geschadet. Von der Polizei ist ein heimliches Depot von Waffen und Munition ent- deckt und beschlagnahmt ivorden. Verrlsurenksberichke. Herrenhaus. 4. Sitzung vom Ib. März. 2 Uhr. Am Miniitertische: Kommiffanen. Vor der Tagesordnung macht Vizepräsident v. Manteussel dem Hause die Mitlhcilung, daß der Gesammtvorstand dem Hause vorschlägt, zu beschließen, daß der Gesaninilvorstand an einem noch näher zu vereinbarende» Tage die Glückwünsche des Hauses dcm Fürsten Bismarck in Friedrichsruh überbringt. (Beifall.) Die Herren sind mit diesem Vorschlage einverstanden. (Zustimmung.) Herr v. Pfuel kündigt einen Antrag an, die Büste des Fürsten im Sitznngssaale aufzustellen. Das neu eingetretene Mitglied Anton Graf zu Stoll- berg-Wernigerode wird in der üblichen feierlichen Form auf die Verfassung vereidigt. Darauf erfolgt die Wahl des zweiten Vize- Präsidenten des Hauses an stelle des verstorbenen Ober- Bürgermeister Bötticher. Auf Vorschlag des Grafen Schlieben wir der Ober-Bürger- meister Becker(Köln) durch Zu unter dem Beifall des Hauses gewählt und erklärt mit einigen Dankesworten die An- nähme der Wahl. Außerdem erledigt das Herrenhans noch einige für unsere Leser nicht weiter interessante Petitionen. Schluß Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend I Uhr. (Kleinere Vorlagen. Petitionen.) Abgeordneteuhans. 44. Sitzung vom Ib. März, II Uhr. Am Ministertische: Bosse. Die dritte Berathung des Etats wird sortgesetzt beim K u l t u k e t a t. Abg. Gothein bemängelt die mangelhafte, rein theoretisch abstrakte, nicht auf die Praxis gerichtete Vor» und Ausbildung der Ingenieure überhaupt und der Maschinen- Ingenieure ins- besondere. Der Fehler liege schon in der Schule und die Bestrebungen des Abg. v. Schenckendorff bezüglich des Handsertigkeitsunterrichts für die Schüler sei deshalb mit großer Freude zu begrüßen. Zu beklagen sei es, daß die Maschineningenieure nicht ein praktisches Jahr durchmachen. Geh. Rath Wehreupfennig: Für die staatlich angestellte» Maschineningenieure besteht ein solches praktisches Jahr. Das Hauptgewicht ist nicht sowohl auf Handfertigkeit als aus Maschinenkunde zu legen, und wir werden in dieser Beziehung noch weitere Fortschritte machen, wenn nur das Geld zur Er- richtnng eines technischen Laboratoriums bewilligt wird. Abg. LotichinS wünscht möglichst schleunige Vorlegung eines Lehrerbesoldungsgesetzes. Minister Bosse: Die Grundzüge eines Lehrerbesoldungs gesetzes werden zur Zeit verhandelt zivischen dem Finanzminister und mir. Ich wünsche eine Ausgleichung zwischen de» jetzt etwas ungerecht vertheilten Lehrerbesoldungen Herbeizuführen und zwar ohne Belastung der Städte und Ortsbezirke, denen man eine solche bei den jetzigen schwierigen Verhältnissen nicht zu muthen köune.(Sehr wahr! rechts.) Nach eingen Beschwerden des Zentrums wird die Debatte geschlossen. Bei den Ausgaben für die P r o v i n z i al- S ch n l- kollegien beantragen die Abgg. v. Sckencke Udorfs, v. Plettenberg-Mehrum, Dlttrich nnd Genossen: Die Regierung aufzufordern: I. der Frage der körperlichen und werkthätigen Erziehung in den Schule» wie in den Lehrer- und Lehrerinnen-Seminaren eine vermehrte Förderung zuzuwenden; 2. zu diesem Behuse im nächsten Etat entsprechende Mittel ein- zustellen zur erweiterten Förderung der Jugendspiele und ver- wandten Leibesübungen ,n allen Schulen, wie Lehrer- und Lehrerinnen-Seminaren. des hauswirthschastlicheii Unterrichts in den Mädchenschulen und von Kursen zur Ausbildung von Lehrerinnen für diesen Zweck, des Handfertigkeits. Unterrichts in den städtischen Knabenschule» und in de» Lehrer- Seminaren, sowie darauf hinzuwirken, daß der Lehrstoff im gesammten Unter- richt der Schulen weitthunlichst in enge Beziehung zum Leben gesetzt werde. Auf Antrag des Abg. v. Plettenberg-Mehrum(k.), dem sich Abg. v. Zedlitz(frk.) anschließt, wird dieser Antrag einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Abg. Eeyffardt-Magdeburg(natl.) tritt wiederum für die Reliktenverforgung der Volksschullehrcr ein. Minister Bosse: Ich bin damit völlig einverstanden, die Vorbereitungen sind dazu im Gange. Wenn wir beim Lehrer- besoldungsgesetz mit der Besoldung zu Rande kommen, werden wir boffentlich auch die Rcliltenversorgung regeln können. Der Kultusetat und der Rest des Etats, sowie das Etats- gesetz werden angenommen. Beim Anleihegesetz bemerkt Abg. Sattler(natl.): Ich setze voraus, daß die Regierung von der Besugniß, eine Anleihe von 34 Millionen Mark auf- zunehmen, nicht in dieser Höhe Gebrauch machen wird, wenn es nicht nöthig ist nach Feststellung der Matrikularbeiträge. Geh. Ober-Finauzralh Lehuert: Selbstverständlich wird die Regierung die Anleihe nicht in höherem Betrage aufnehmen, als zur Deckung der Staatsausgaben nöihig ist. Diese Bedürfniffe sind aber nicht allein durch die Höhe der Matrikularbeiträge bedingt. Das Anleihegesetz wird angenommen. Damit ist die dritte Berathung des Etats erledigt. Schluß 21/2 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1! Uhr. (Sekundärbahn-Vorlage.) Vavlctinellkarifickzes. Tie Wahlpriisungö-Kommissio» drS Reichstages erledigte in ihrer Sitzung am Freitag die Wahlen der Abgg. Frhr. v. Langen(kons. Antisemit), Wahlkreis Slralsnnd, Deurmger (Zentrum) Angsbnrg, und Engels(Rp.) Goslar-Zellerfeld, m- dem es sich für die Gilligkeit der betr. Wahle» aussprach. lieber die Wahl des Abgeordneteu Meyer(Halle), wo sich der Herr Landrath i» selten dagewesener Weise in den Wahlkampf ein- mischte und Partei für die ordnnngsparteilichen Kandidaten und gegen die Sozialdemokratie nahm, wurde die Entscheidung bis zum Eingang der beschlossenen Erhebungen ausgesetzt. ** Tie Justizkounuission dcS Reichstages setzte heute die Beralbung der Novelle zur Strafprozeßordnung fort. Zur Verhandlung standen ZZ CO ff., die von der Beeidigung des Zeugen handeln.§ 60 erhielt, der Regierungsvorlage entsprechend, folgende neue Fassung:„Die Beeidigung des Zeuge» erfolgt nach dem Abschluß seiner Vernehmung. Der Nichter darf eine Mehrzahl von Zeugen gleichzeitig beeidigen." Eine längere Debatte knüpfte sich an Z öl. der die Beeidigungsformel sesrsetzt. Tie Regierungsvorlage schlägt vor:„Ich schwören. s.w., daß ich nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt, nichts verschwiegen und nichts hinzugesetzt habe." Abg. Dr. von W o l sz l e g i e r(Pole) beantragt, nach dem Worte„Wissen" die Worte„und Gewissen" einzuschalten. Abg. v. V o l l m a r (Soz.i beantragt, die Formel w.ie folgt zu fassen:„Ich versichere auf Ehre und Gewissen u. s. w." Zn einer Abstimmiuig kam es heute noch nicht. »* In der Budgetkominissioll des Reichstages wurden heute die Etats für die Schutzgebiete von Kamerun(1 210 000 M.), von Togo(265 000 M.) und für das südwestnfrikanische Schutzgebiet(I 727 000 M.) genehmigt, womit die Berathung des Etats des Auswärtige» Amts zum Abschluß gebracht ist. Morgen steht der Etat des Reichs-Juslizamls aus der Tagesordnung. Tie Kommission für die Gewcrbe-Ordnuugs-Novelle (Wandergewerbe) beschäftigte sich am Freilag Vormillag mit der Berathung des§ 44, Abs. 3. Der Paragraph will die Detail- reisende» mit den Hausirern gleichstellen und sie zur Lösung des Wander-Gewerbescheins verpflichten. Dabei kann der Bundes» ralh für einige Gewerbe Ausnahmen zulassen. Nachdem schon zwei Sitzungen der Beralhung dieses Gegenstandes gewidmet waren, kam es auch heute nicht zu einer Abstimmung und wurde die Angelegenheit»ochnials vertagt. Der Abg. Hasse(natl.) will den Wein- und Buchhandel als diejenigen, die von diesem Paragraphen nicht getroffen werde», besonders erwähnt wisse». Während der AbF. Schwarze(Z.) jede Ausnahme, auch die vom Bundesrath gestaltete, beseitigen will. Geheiniralh S e i f f e r t legt Verwahrung ein dagegen, als ob in diesem Paragraphen die Regierung eine neue Steuer> vorläge eingebracht habe. Diese Absicht liege durchaus fern. Abg. Hasse(natl.): Die Behauptung, als ob lein Unter- schied zivischen Hausirer und Detailreisende» vorliege, sei nicht zutreffend. Wenn die von ihm gestellten Ausnahmen nicht an- genommen werde», könne er dem Paragraphen nicht zustimmen. Redner beschäftigt sich sodann eingehend mit der dem Buchhandel durch diese Bestimmungen drohende» Gefahr. Es bandele sich nicht nur um den Reisebuchhandel. sondern auch um de» Kolportage-Bnchhandel. Ausführlich legt Redner dar, wie durch den Kolportage-Buchhandel, der heute de» schwersten Angriffen ausgesetzt sei, nur ei» ganz geringer Prozentsatz der sogenannte» Schuud- und Schanerromaue abgesetzt»verde. Die Kauflust für die Erzeugnisse des Buchhandels sei in Teutschland überhaupt nur schwach und weun sich in de» letzten Jahren eine Besserung bemerkbar gemacht habe, so verdanken wir dies dem Kolporlage- und Reise-Bnchhaudel. Tr. P a ch n i k e(freis.): Der Effekt der Vorlage sür die Interessenten sei eine größere steuerliche Belastung. Klar erscheine es ihm nicht, weshalb man nicht weitergehende Ausnahmen zu- lassen will, wie es der Antrag Hasse beabsichtigt. So z. B. auch den Zigarrenhandel, die Leineuindustrir und andere Gewerbe mitunter die Ausnahmen einzureihen. Geheimrath v. L ä n d m a n n bemerkt auf eine Anfrage, der Bundeirath habe noch keine Erwägunge» getroffen über die Ausnahmen, welche stattfinden sollen. Deshalb möchte er die Ablehnung des Antrages Hasse empfehlen. Mg. Schwarze(ZO empfiehlt den Antrag Gröber, der keine Ausnahmen zuläßt. Dr. Müller(freis.): Ter Buchhandel würde auf das schwerste geschädigt, wenn diese Bestimmung Gesetz wird. Abg. v. H o l l c u f fe r(kons.): Esscheine ihm eine That ausgleichender Gerechtigkeit, wenn der Detailreisende mit dcm Hansirer gleichgestellt wird. Abg. Dr. Sch n ei d er(sreis.): Wir haben es hier mit einer so schweren Steuerbelastung zn thun, die einer Vernichtung dieses Gewerbebetriebes gleichkommt. Der Hansirer hat nichl nur die Steuer sür Preußen, wenn er hier ansässig ist, sondern in jedem einzelnen Bundesstaat zu tragen, sobald er seinen Ce> werbebetrieb dahin ausdehnt. Geheimralh v. S y d o w: Tie Regierung habe im Jahre 1890 bei sämmtlichen Bundesregierungen Umfrage gehalten über ihre Stellung bezüglich der Gleichstellung der Detailreisenden mit den Hausirern. Es haben sich sämmlliche Bundesregierungen mit �lnsiiahme von vier kleinen Staaten für eine derartige Be- stimm»ng erklärt. Abg. E u l« r(Z.): Wir sind im Handwerkerstand der Meinung, daß nur der Hansirhandel mit sclbsigeferligten Maaren zulässig wäre. Redner fragt an, ob das Aussuchen von Zeitungs abonnenten auch unter diese Bestinininng falle. Hieraus tritt die Vertagung ein. Tie Binneiischifffahrts- Kommission beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit den eingegangenen Resolutionen. Vor Eintritt in die Verhandlungen nahm zunächst der Abg. Gerisch das Wort, um festzustellen, daß ein von ihm nnd den Abgg. Klees und Metzger gestellter Antrag, den zweiten Absatz im § II zn streichen, durch ein Versehen nicht zur Abstimmung gelangt sei. Der betreffende Abschnitt legt dem Schiffer die Ver- pflichtung auf, in allen Fällen der großen Havarie, auch wenn dieselben ganz einfacher Natur sind und volles Ein- versländniß unter den Interessenten vorhanden ist. dennoch einen gerichtlichen Termin zu beantragen. Nach kurzer Deballt wurde der Antrag Gerisch und Genossen angenommen. Ein gerichtlicher Termin findet nunmehr nur statt, wenn der Schiffer aus freien Stücken einen solchen beantragt, oder ein Ladungsinteresseitt die Abhaltung eines solchen verlangt.'.. Au Resolutionen waren eingegangen zunächst«ine vom Abg. Letocha solgenden Inhalts:„Ten Reichskanzler zu er- suchen, dahin zu wirken, daß die deutsche Küsten-Frachtschifffahrt gegen die erdrückende Konkurrenz der niederländischen, dänischen, schwedischen und norwegischen Flagge möglichst geschützt werde." Diese Resolution wurde angenommen. Eine weitere Resolution, gestellt vom Abg. Basser- m a u n n lautete:„Die verbündeten Regierungen zu ersuchen. bei Einführung von Bestimmungen über den Befäbigungs- Nachweis die Schifferschulen nach Thunlichleit zu berücksichtigen und den in Schisserschulen vorgebildeten Schissern bei Erlheilung der Befähigung besondere Begünstigungen zu theil werden zu lassen." Abg. G e r i s ch erklärt sich namens seiner politischen Freunde gegen diese Resolution. Es sei eine Ungerechtigkeit, wenn man die taufende von Schiffern, denen es nicht möglich war, eine Schiffer- schule zu besuchen, die aber trotzdem praktisch erprobte Männer seien, bei Ertheilung des Befähigungsnachweises zurücksetzen wolle. Nach längerer Debatte wurde die Resolution an- g e n o m in e n. Von den Abgg. Gerisch, Klees und Metzger lag folgende Resolution vor:„Ten Reichskanzler zu ersuchen, bei den verdündelen Regierungen dahin zu wirken, daß die Gewerbe- Inspektion in den Biunenschifffahrts- und Flößereibetrieben wirk- sani durchgeführt wird." Diese Resolution wird angenommen. Die Abgg. Letocha, Wassermann und Placke hatten weiter eine Resolution gestellt, welche verlangte, daß der Reichs- kanzler dahin wirken solle, daß bei Festsetzung und Erhebung der Schiffsahrtsabgaben auf den mehreren Bundesstaaten gemeinsamen Wasserstraßen nach möglichst gleichen und gerechten Grundsätzen verfahren werde. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Zum Berichterstatter wurde neuerdings der Abg. Placke bestimmt. »» » Tabaksteuer-Kommissiou. Auf Vorschlag des Vorsitzenven, Abg. Fritzen, wurde in der ersten Sitzung, am 14. d. M.. eine Generaldebatte unter Zugrundelegung des entscheidenden § 4 der Tabaksteuer- Vorlage eröffnet. Nach einer längeren Pause ergreift, da kein Regierungsvertreler zur Be- gnmdung der Vorlage spricht, das Wort der Abgeordnete v. M a s s o w: Ich halte den Tabak für besteuerungsfähig. Gelder sind unbedingt nöthig. Hätten wir Bier- statt Tabak- vorläge, die Chancen der Viersteuer wären kaum größer. Der Ring der Bierinteresseuten ist größer. Bedenken gegen die Vor- läge brachten mir die Darlegungen aus objektiv denkenden Kreisen, besonders aus Westfalen, bei. Man sagte mir, die Ctenerverhältnisse der Kommunen müßten unter der Tabaksteuer leiden und 3/« der Arbeiter entlassen werden. Hat die Regierung an Entschädigung der Arbeiter gedacht? Elaatssekretär Gras Posadowsky: Müßten wir diese Arbeiterentlassungen voraussehen, wäre das Gesetz nicht anzunehmen. Aber es sind in Westfalen keine 20 000 Tabakarbeiter. Aus der Vorlage geht hervor, daß wir nicht auf solche Entlassungen rechnen. Die verbündeten Regierungen bestreiten diese angeblichen Ent- l a s s u n g e n. Bei den Abschivächungen des Gesetzes ist an solche Entlassungen nicht zu denken. Es handelt sich in den An- gaben der Jiiteresseitten um Uebertreibungen. Die verbündeten Regierungen sind bereit, die nothwendigen Verbesserungen des Gesetzes mit zu berathen. S ch u l tz- L u p i tz(Rp.):. Meine Erfahrungen sagen mir, daß der Tabakbau uitter dem gegenwärtigen Gesetz u n m ö g- l ich wird. Ich habe mit meiner Zunge geprüft, daß besserer Tabak in Deutschland mit Hilfe der Wissenschaft gebaut werden kann. Heule wird meistens deutscher Tabak geraucht unter falscher Etikette. Es wird deutscher Tabak mit nur wenig aus- läudischein verarbeitet. Es handelt sich dabei besonders darum, vnß die Zigarren beim Rauchen keinen schwarze» Rand bekommen. Die entlassenen Arbeiter müßten versorgt werden. Kinder von 5, ö, 7 Jahren und Greise können recht gut Handdieuste beim Tabakbau leisten. Meine Partei erachtet den Tabak als besteuerungssähiger wie bisher. Die geforderten Summen sind nicht zu hoch, JJas Gesetz ist von hoher vol'swirthschasllicher Bedeutung. Molke u du hr: Ohne Zweifel würde die verlangte Steuer vorwiegend auf die Arbeiter abgewälzt. Die Arbeiter wissen das aus den Erfahrungen nach dein Jahre 1879. Der Raucher hat ebenfalls Schaden, den größeren aber die Arbeiter der Tabalindustrie. Weil das Produkt vertheuert wird, wird durch die Erhöhung der Preise verhäUnißmäßig Rückgang des Verbrauchs eintreten. Daun wird eine Verschiebung der Industrie von Norden nach Süden auss neue eintreten, mir ent- sprechender Kürzung der Löhne. Die Löhne in Baven konkurriren mit Gesängnißlühnen in Norddeutschland. Das erklärt sich aus den badischen Verhältnissen. Es giebt Wochenlöhne von 4 bis 5 M. in Baden, wofür 1 bis IVs Mille Zigarren von Mädchen gefertigt werden müssen. Jetzt sind Vorräthe in der Industrie vorhanden, daß die Fabrikation sofort ganz ins Stocken gerathen kann. Der Abg. Schultz kennt die Verhältnisse der Tabakindustrie nicht. Die kräsligsten sind auch die geschicktesten Arbeiter, die von den Fabrikanten beschäftigt werden, während sie die Krüppel entlassen werden. Die Auswanderung nach Amerika scheitert an der Krisis. Die Vorlage ist auch den Tabakbauern zum Nachtheil. Wenn die Zigarren kleiner würden, käme weniger deutscher Tabak zur Verarbeitung. Es wird dann von der Einlage am meisten gespart,»nd dazu wird gerade deutscher Tabak mit»er- wendet. Tie Vorlage ist nach den Worten des Staatssekretärs unannehmbar, weil große Arbeitereittlassuugen sicher eintreten müssen..Zehntausende von Arbeiterentlassungen werden vor- kommen. v. H a m ni e r st e i n: tritt den Auseinandersetzungen de? Vorredners allenthalben bei. Die strittige Frage ist der Rückgang des Verbrauchs. Arbeiterentlassungen«erden eintreten in weitem Umfange; kleine Betriebe ein- gehen. In Westfalen werden schlimme Folgen mit dem Gesetz eintreten. Die kommunalen Verhältnisse sind aufs äußerste gefährdet, wenn die Tabakindustrie zurückgeht. Graf Posadowsky: Es läßt sich voraus sehen, daß bei jedem andern Steueriigesetz große Schwierigkeiten entstehen, wie Herr v. Massow sagte,«schaden wird das Gesetz aller- Vings machen, aber steht er im Verhältniß zu dem großen Werke der Fiuanzreform? Wir berechnen den Aus- fall an Löhnen auf zirka 5 Millionen Mark. Auch das steht in keinem Verhältniß zum Erträgniß der Sleuer und dem Zweck des Gesetzes. Später wird sich der Schaden ausgleichen. Der Raucher wird künftig mehr rauchen, gerade weil die Zigarre kleiner werden wird. Man muß doch die Tragweite der großen Maßregel der Finanzresorm sich vor Augen halten! v. G r ö b e n- Ä r e n st e i n: In erster Reihe sollte bei Be- rathung des Tabaksteuer-Gesehes die Fiuanzreform berücksichtigt werden. Ich bitte darum, sich an dieses Prinzip zu halten. Will man die Tabaksteuer nicht, dann lasse man sich auf Einzelheilen nicht ein.(!) Die Petitionen enthalten jetzt dasselbe, wie im Vorjahre: Der Tabak verlrage keine höhere Besteuerung, das verwerflichste aber sei die Fabrikatsteuer. Der angedeutete Konsumrückgang ist mir noch nicht bewiesen. Jetzt haben sich schon Fabrikanten in der Fabrikation dem Gesetze angepaßt; Deckblatt, Form und Qualität der Zigarren sind ans das Gesetz zugeschnitten(y Die Anpassungsfähigkeit der Industrie ist damit erwiesen. Ich glaube an keine dauernde Arbeiterentlassung— was im Norden ent- lassen wird, wird jedenfalls im Süden eingestellt werden. Die Zahlen über die Arbritereittlaffungen sind über- trieben. Die Gegner des Gesetzes lassen sich zu Ungeheuerlich- leiten hinreißen. Es wird mit dem Gesetz gehen, wie mit der Stempelsteuer; die Krisis wird schnell überwunden werden. Bassermann: Die Finanzreform ist nicht in den Vorder- grund zu stellen. Man kann Anhänger der Finanzresorm sein. ohne die Tabaksteuer zu wollen. Tie Anpassnugssähigkeit der größten Fabriken an das Gesetz würde größer sein, als die der Kleinbetriebe, die verschwinden werden. Die Bier- brauerei läßt, sich nicht vergleichen mit dein T-rbakgewerbe. 1893 erklärte die Regierung im„ R e i ch s- A n z e i g e r daß der Tabak nicht zur Deckung der Kosten der Militärvermehrung herangezogen werden solle; sie dachte im Vorjahre auch anders iiber den Rückgang im Verbrauch. Die mißliche wirthschastliche Lage wird diesen Rückgang stark fördern. Die Konsumenten können nicht 32 Millionen Mark Mehrbelastung ertragen. Der Petitionssturm ist erklärlich, denn die Beunruhigung durch das Gesetz ist groß. In evangelischen und katholischen Arbeitervereinen sind die Arbeiter ebenfalls besorgt. Die Folge wird sein, daß diese Arbeiter der Sozialdemokratie zugetrieben werden. Auch die Steuerkraft der Bevölkerung wird geschwächt. Nun sollten die Tabakbauern für das Gesetz mobil gemacht werden, aber die Mobilmachung ist mißglückt; die Bauern sind nicht für das Gesetz, sie bitten sogar um Ablehnung des Gesetzes. Von der Kontrolle werden Fabriken mit 30— öl) Arbeitern schwer be- troffen. Die Folge ist eine Förderung des Großbetriebs und schwere Schädigung des Kleinbetriebs. Das Gesetz ist nicht anzunehmen. Reg.-Komm. v. Buchenberger: Der Abg. Bassermann sieht die Folgen des Gesetzes für Baden zu schwarz. Die Finanzreform steht im Vordergrund. Wir in Süddeutschland können mit einer Biersteuer nicht sympathisiren. Die Biersteuer wirkt kopfsteuer» artig, weil sie den ganzen Hanshalt belastet. Die Tabaksteuer trifft nur den Haushaltungsvorstand; das ist ihr Vortheil. Können angesichts der Finanznoth der einzelnen Staaten die nöthiaen 30 Millionen Mark nicht aufgebracht werden? Auf eine Art und Weise müssen sie doch bewilligt werden! Das Gewichtssteuer-System dezimirt den Tabakhandel in Bade», denn das Risiko erhöht sich dabei für den Händler. Auf die Vorzüge des Gesetzes will ich nicht weiter sein- gehe», Schultz- Lupitz hat sie betont. Die Frage kvnzcntrirt sich darauf: kann die Kontrolle und die Fabrikatsteuer von den Fabrikanten getragen werden? Ich betrachte die Frage des Konsumrückganges skeptisch, zumal uns aus Interessenten- kreisen eingegeben wird, man möge den Tabak nach dem bis- herigen System höher besteuern. Demnach muß der Tabak höhere Steuern verlragen. Die höhere Besteuerung von 1379 hat eine Verstärkung des theuren Zigarrenkonsums zur Folge gehabt. Der Gewohnheitsraucher, auch der kleine Mann wird sich vielleicht gar keine Beschränkung im Tabakkonsnm auf- erlegen. Höchstens vor Aerger wird man vorläufig weniger rauchen, doch das wird sich bald ausgleichen. Alte Arbeiter in der Fabrikation giebt es bei uns in Baden beinahe keine; sie scheiden mit 35 Jahren aus der Fabrikation und machen Neben- arbeiten. Ich glaube nicht an den prophezeite» Rückgang. Ein wahres Glück, wenn junge Leute aus der Fabrikation ge- drängt werden, die sich dann landwirthschafllichen Diensten widmen können. Die Fabrikation dezimirt die kleinen Grund- befltzer und treibt sie in die Fabriken. Darum erkenne ich keine der Wohlthaten an, die man in der Ausbreitung der Industrie steht. Wenn wir weitere Zigarrenfabriken bekommen, ist das nicht glücklich für unser Land. Wünschenswerth ist, daß wir uns über diese Vorlage verständigen. Darauf wird die Sitzung auf Freitag, abends 3 Uhr, vertagt. *.' Tabaksteuer-Kommissio«. Sitzung vom 15. März. Abg. Klemm bemerkt zur Geschäftsordnung, daß er im Hause gestern Abend beim Austritt aus dem Sitzungszimmer von Interessenten geradezu überfallen worden sei. Der Vorsitzende mißbilligt die?, aber der Abg. Klemm droht, wenn der Vorsitzende nicht Wandel schaffen könne, er sich an den Präsidenten des Hauses um Schutz wenden wolle. Abg. v. M a s s o w: Meinen gestern ausgesprochenen Ge- danken der Entschädigung der Arbeiter habe ich in folgendem Borschlag konzentrirt. Sechs Millionentdes Steuerertrages sollen zur Entschädigung für Arbeiter an die Einzelstaaten je nach Stärke der Tabakindustrie gezahlt werden. Ich bitte, diesen Vorschlag ins Auge zu fassen. Gras P o s a d o w s k y: Ist man auch mancherseits bereit. die Vorlage durch offene Thüren hinauszutragen, kann mich das nicht abhalten, für die Vorlage zu kämpfen. Redner polemisirt darauf gegen die gestrigen Ausführungen B a s s e r- m a n n' s. Die Fabrikation würde sich anders gestalten, als man es behauptet. Norddeutsche Fabrikanten be- haupten, daß künftig mehr deutscher Tabak verarbeitet würde. Und was die Kontrolle anbetrifft, so würde künftig ein Fabrikant kein Buch in seiner Buchhaltung mehr zu führen haben, als bisher. Defrauden giebt es bei jeder indirekten Steuer. Redner sucht das an der Brannt- weinsteuer, wie an der Einkommensteuer nachzuweisen. Der Vergleich mit Amerika ist allerdings in der Weise auf- zufassen, daß die dortige Kontrolle für uns nicht anivend- bar ist. Es ist uns nun von keiner Seite gesagt worden, wie die nöthigen Mittel beschafft werden können. Durch eine Reichserbschastssteuer würden die Etats der Kleinstaaten olterirt. Was bleibt übrig? Wir kommen immer wieder auf Bier und Tabak zurück. Wenn Sie die Tabaksteuer jetzt ablehnen, sie wird doch immer wieder kommen. In rücksichtsloser, kaltherziger Weise lehnen die Fabrikanten jeden kleinen Schaden ab und führen die Arbeiter gegen uus ins Feld. Redner hält eine Philippika gegen die Interessenten. Der erste Steuer- eutwutf ist im preußischen Finanzministerium aus Grund- Kige der Banderolensteuer ausgearbeitet worden. Diese Grundlage wurde nicht beliebt, so kam man zur Fabrikat- fteuer. Endlich kam man zur Abinilderung der Vorlage, zu der de rf preußische Finanz mini st er sehr schwer zu bringen war, denn er wollte mindestens 40 Millionen statt 86 mehr ans dem Tabak haben. Darauf ergeht sich Redner in Ausführungen über die Nvthwendigkeit der Finanzreform. Was den angegebenen Rück- gang des Verbrauchs anbelangt, so werden diese Angaben durch die französische Monopolverwaltung schlagend widerlegt. Die verbündeten Regierungen werden nicht abgeneigt sein, nach dem Vorschlag des 9lbg. v. M a s s o w die etwa geschädigten Arbeiter zu entschädigen, wenn diese Maßregel staatsrechtlich möglich sein sollte. Abg. Frese: Man muß die Frage bald entscheiden, darum will ich mich kurz fassen. Der Vorschlag des Herrn v. M a s s o w würde nur für ca. 10 000 Arbeiter eine Entschädigung bringen. Aber es ist doch auch der bevorstehende Lohnrückgang in belracht zu ziehen. Für undenkbar halte ich, daß Fabrikanten sick bereits auf die Vorlage eingerichtet hätten, wie Herr S ch u l tz- L u p i tz behauptete. Die Verbesserung der Qualität deutschen Tabaks im Sinne dieses Redners ist junmöglich. Herr Staatsrath v. Buchenberger hat das Defizit im Reichsetat viel höher an« geschlagen, als es im Hause geschieht. Die badiscdcn Tabak- bau- Verhältnisse werden allerdings durch das Gesetz ge- schädigt. Meine Berechnung, bezüglich der Arbeiter- Eut- lassungen sind solid. Die Zahl von 17 000 zu entlassende» Arbeitern ist groß genug, um die schwersten Bedenken zu haben. Westfalen steht und fällt mit der dort fabrizirten Fünspsennig- Zigarre. � Staatsrath v. Buchenberger wendet sich in kurzer Be- richtigung gegen den Vorredner. Abg. Klemm: Der Tabak ist ein Luxusartikel; er ist geeignet, größere Einnahmen dem Reiche zu bringen. Jedermann ist davon überzeugt, nur die Interessenten nicht. Redner wettert gegen die Agitation der Interessenten. 1879 haben leine Arbeiterentlassungen stattgefunden; die Industrie ist empor- geblüht und steht heute besonders günstig. Meiner Ansicht nach giebt es bei Einsührung des Gesetzes keine Arbciterentlassuugen. So viele Krüppel giebt es nicht unter den Tabakarbeitern, wre behauptet wird. Der Lohn in Süddeutfchland ist nicht so niedrig, wie angegeben, er beträgt in der Manufaktur in Straßburg Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(' 6,50 M. im Durchschnitt, viel weniger nicht iu Baden. Ein bestimmter Grund für den Rückgang im Verbrauch wird nicht angeführt, man sagte nur. die Zigarre wird theuerer. Ich gebe zu, daß die Geschäfte nicht überall gut gehen, aber der Land- wirth leidet auch. Bei uns in der Pfalz heißt es jetzt, ja, der Bauer will auch die Fabrikatsteuer nicht; aber die Bauern wollen einen höheren Zoll, dann sind sie auch nicht gegen die Fabrikat- steuer. Aus dem Tabak muß mehr heraus, der Raucher kann's bezahlen, und wenn diese Vorlage abgelehntsivird, werde ich später einen Antrag auf Erhöhung des Tabakzolles stellen. Abg. M li l l e r-Fulda: Wir haben nicht nur die Jnter- essen der Tabakindustrie, sondern vielmehr die Juteressen des ganzen Reichs zu vertreten. Meine Bedenken gegen die Fabrikat- steuer haben sich durch die Ausführungen Molke nbuhr's und v. H a m m e rst e i n' s vermehrt. Dazu kommen Gut- achten von Fachmännern außerhalb deS Hauses, die ebenfalls sehr ungünstig lauten. Der Vorschlag des Abg. v. M a s s o w ist un- zureichend. Gegen die Fabrikalsteuer muß ich mich wenden, wenn ich auch bereit bin, nach agrarischer Seite bin im Sinne des Staatsraths v. B u ch e n b e r g e r zu helfen. Um den Etat bilanciren zu machen, ist die Tabaksteuer nicht nöthig. Das Defizit beträgt nach meiner Berechnung ca. 6 Millionen. Diese Summe wird sich durch laufende Steigerung der Einnahmen decken lassen. Schon jetzt möchte ich mich darum auch ablehnend gegen die angeregte Biersteuer aussprechen. Abg. H u m a n n spricht speziell über die Verhältnisse in Westfalen. Ich verhalte mich völlig ablehnend zur Fabrikatsleuer. M o l k e u b n h r: Wenn mau von Jugend.auf lernt, der Tabak ist besteucrungsfähiger, so glaubt man das süglich. Hier ist nun behauptet worden, daß 1879 keine Arbeiterenllassungen stattgefunden hätten. An einer Reihe von Zahlen weist Redner das Gegentheil nach. Die Arbeitsentlafsungen haben ferner Lohndruck zur Folge gehabt. Es wurden mehr weibliche Arbeits- kräste eingestellt, um des billigeren Lohnes willen. Durch den billigeren Lohn wollen die Fabrikanten den Ausfall durch die erhöhte Steuer decken, die einen Kvnsumrückgang zur Folge hatte. Redner wendet sich dann gegen den Abg. Cleinui, den er des Widerspruchs in seinen eigenen Aeußerungen zeiht und die Unrichtig- keit seiner Lohnbmchnuug darlegt. In einigen Sätzen wendet sich Redner ebenfalls gegen diegestrigeiiAussührnngen desStaatssekretärs v. Posadowsly, der darauf kurz erwidert und dann hervorhebt: Wollen wir eine Schuldentilgung für das Reich haben, so brauchen wir ein Fiuanzgesetz, wie wir es vorgeschlagen— und das mehr Mittel erfordert. Abg. Lotze: Es sind sehr wenige gewesen, die hier im Prinzip für die Tabak-Fabrikatsteuer eingetreten sind; auch ich bin dagegen. Abg. Paasch?: Nach den Erklärungen der Zentrumsredner ist es wohl vergebliche Liebesmüh, für die Vorlage noch einzutreten, ich will es trotzdem noch versuchen. Bei der Schwankung der Preise des Rohmaterials, des ausländischen Tabaks, ist doch anzunehmen, daß die Fabrikanten durch die geplante Steuer so großen Nacktheil haben, denn sie müssen ja auch mit den erhöhten Preisen des Rohmaterials rechnen. Ich glaube nicht, daß der Schaden durch das Gesetz so groß ist, wie be- hauptet wird. Der Arbeiter raucht bei der Arbeit nicht, nur Abends in den Versammlungen, wenn er sein Bier trinkt. Ich wünsche die Fabrikatsteuer. Regierungskommissar v. Körner: Aus den jetzigen Er- trägnissen des Zolles zeigt sich, wie hoch die angeregte Er- höhung des Zolles sein müßte, um nennenswerthe Erträge zu bringen. Eine ziemliche Erhöhung des Zolles will man eben- falls nicht. Abg. Dr. R z e p n i k o w s k i ist ebenfalls gegen die Vor- läge. Redner findet die Nachtheile für die betroffene Industrie zu groß. Abg. R e i n d e l: Ich ziehe die Fabrikatsteuer der Gewicht- steuer vor und bin für meine Person bereit, die stärkeren Schultern zu belasten durch eine höhere Besteuerung der theureren Zigarren- sorten. Der Tabak ist ein Objekt das noch eine höhere Be- steucrung verträgt, lieber die sozialen Folgen bin ich mit dem Abg. Paasch? gleicher Meinung. Abg. E n n e c c e r u s stellt den Antrag, durch niedrigere Steuersätze eine dem Gesetze günstigere Form zu geben und will dadurch die Berathung des Gesetzes hinausziehen. Daraus wird ein Schlußantrag mit 17 Stimmen angenommen. Abg. C l e m m beantragt, die Abstimmung über tz 4 bis nach Berathung des§ 1 auszusetzen. Ter Antrag wird gegen 9 Stimmen abgelehnt. Darauf wird ij 4 mit 17 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt. Vs».'ker»r«ik»vtckke»r. Achtung, Slrbeiterinuc»! Wegen des schwachen Besuches war es nicht möglich, die am Mittwoch, den 13. März, ein- berufene Volksversammlung tagen zu lassen und wurde deshalb beschlossen, zwei Volksversammlungen einzuberufen, und zwar mit dem Thema: I. Wie stellen sich die Arbeiterinnen zu der Auflösung der Fraueii-Agitationskommission und wie gedenken wir uns jetzt zu organisiren. II. Die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung für die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes. Referenten: Reichstags-Abgeordnete L e g i e n und v. E l in Ter überaus ivichligen Tagesordnung wegen ist es die Pflicht aller Frauen, in diesen Versanimliiiigen recht zablreich zu er- scheinen. Frau Ottilie Gerndt, Blumenstr. 26. KriedrichShageu. Parteigenossen! Am Sonnabend, den 16. März, abends 8>/2 Uhr, findet im großen Saale von Karl Conrad, Friedrich st raße 134, eine öfsentliche Volksversammlung statt, in welcher der Stadtverordnete Theodor Mehner über das Thema:„Der 13. Btärz und das Proletariat" referireu wird. Genossen! Es ist Eure Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Vertrauens- person.".* Bo» der Wahlagitation. Nachdem im Kreise Lennep- N e m sch e i d- M e t i m a n n auch noch die Ultramontaiien einen Kandidaten aufgestellt haben, sind nun alle Parteien durch selbständige Kandidaten vertreten. Der Kandidat der Ultra- moiitank» ist der Landlagsabgcordnete Stötzel, welcher, wenn es sich um sozialpolitische Fragen handelt, ans der äußersten linken Seite des Zentrums steht. Durch die Aufstellung dieses Kandidaten, sowie die des bürgerlichen Radikalen, Herrn Büren, wird der Wahlkamps ein sehr heftiger werden. Unsere Partei- genoffen im Kreise werden die Sacklage zu würdigen wissen und ihre Anstrengungen aufs�höchstc anspanne». Reichstags-Kavdidatnr. Für den Wahlkreis R i n t e l n- Hofgeismar ist der Parteigenosse T h e o d. v. W ä ck t e r aufgestellt. Der Termin für die Wahl ist auf den 23. April festgesetzt. �, » Gegen di e Tabaksteuer erklärte sich eine Volksversammlung in Sandhosen bei Mannheim, wo Genosse Kerrl aus Bremen referirte. Sodann wählte die Versammlung drei Delcgirte zu der am 24. März in M a n n h e i in tagenden allgemeinen Konsereuz:„Zur Bekämpfung der Tabaksteuer." (Siehe politische Uebersicht.) ♦ — Eine weitere Haussuchung wurde in der Redaktion der„Mainzer Volkssl'imme" abgehalten nach dem Manuskript eines Artikels aus Darmstadt in der Nummer vom 3. März, die Mißhandlung eines Arrestanten betreffend. Gefunden wurde nichts. — Gehaussucht wurde dieser Tage in den Räumen der imil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing ii Redaktion und Druckerei der„Rhein. Zeitung" nach dem Manu- skript eines Artikels, in welchem die Zustände des Arbeitshauses in Brauweiler einer Kritik unterzogen worden waren. Gesunden wurde nichts. — In Kassel hatte kürzlich der Vorstand des Holzarbeiter- Verbandes ein polizeiliches Strafmandat wegen NichtineldUng des veränderten Vorstandes erhalten. Das Schöffengericht in Kassel erkannte jedoch ans Freisprechung, weil im Gesetz eine derartige Verpflichtung nicht enthalten sei. CyemevltMmf'tlirltesi. An die Tteinarbeiter Deutschlands!� In Lulter a. B. und in Neustadt bei Stolpen dauern die Streiks unverändert fort, und in Hamburg sind noch 15 gemaßregelie Kollegen zu unterstützen. In Budapest sind 352 Kollegen durch die Bruialität der Unternehmer auf das Pflaster gesetzt worden. Die Budapester Kollegen haben uns gegenüber stets ihr Solidaritätsgefübl gezeigt und wir sind verpflichtet, die Ausgesperrten moralisch und finanziell thatkräftig zu unterstützen. Wir appelliren deshalb immer wieder an den Opfermuth der deutschen Steinarbeiter und möchten bitten, dieses nicht unberücksichtigt zu lassen, damit wir in erster Linie den streikenden und gemaßregellen Kollegen Teutschlands gerecht werden, und daß wir auch unser Scherflein zur Unterstützung unserer Kollegen in Budapest beitragen können, daniit ihnen der Kampf erleichtert wird. Unterstützung ist deshalb doppelt noth- wendig. Zuzug ist selbstverständlich nach den genannten Orten fernzuhalten. Gelder zur Unterstützung sind nach wie vor an die Geschäftsleitung einzusenden. Der Zentral-Ausschuß der Sleinarbeiter Deutschlands. I. A.: PH. Thomas. Ucber den Buchdrnckcrstreik in Sofia wird der„Franks. Zeitung" von dort geschrieben:„In Sofia bestehen außer der großen Staatsdrnckerei 15 Druckereien, von denen einige eine nicht un- bedeutende Zahl Arbeiter beschästigen. Seit ungefähr einem Jahre nun herrscht in diesem Gewerbe der Streit in chronischer Weise. Es vergeht kaum ein Tag, an welchem nicht in der einen oder der anderen Druckerei gestreikt würde, und augenblicklich stehen sämmtliche Druckereien still. Es giebt hier 12 rein poli- tische Blätter, von denen in der letzten Zeil auch nicht ein ein- ziges hat regelmäßig erscheinen können, was für das Publikum unangenehm, für die Herausgeber aber verderblick ist, da sie unter solchen Umständen keine Abonnenten finden können. Die Arbeiter entwickeln dabei eine bemerkenswerthe Solidarität. Da die gelernten Buchdrucker, meist ganz junge, unverheirathete Leute, sür hiesige Verhältnisse hohe Löhne erhallen und leicht in anderen Bernfskreisen Beschäftigung finden, so ist nicht abzusehen, wann diese Verhältnisse sich ändern werden." In der Maschinenfabrik Tarnoczy in Budapest streiken die Sattler und Niemer wegen schlechter Lohnverhältnisse. Die Arbeiter verdienen im Akkord bei zwölfstündiger Arbeitszeit höchstens 1 fl. 5 kr. Sie verlangen eine äOprozentige Lohnerhöhung. Um Fernhaltung des Zuzuges wird gebeten. Französischer Kohlcnbergarvciter- Kongreß. Vertreter der Arbeiter sämmilicher Kohlenbergwerke Frankreichs werden sich zwischen dem 20. und 23. März in Lens zu einem'Kongreß ver- einigen. Mehrere sozialistische Teputirte werden dem Kongresse beiwohnen. Die Kutscher von Athen und P i r ä u s sind in einen Ausstand getreten, da der Polizeipräsekt sich weigert, die neuen Bestimmungen über die Wagen wieder auszuheben. Vom drohenden Bergarbeiter- Streik in WaleS wird der„Köln. Volksztg." geschrieben: Die in Geltung befindliche gleitende Skala ist sür alle Gruben gleich, aber im Durchschnitt auf dem Verkaufspreis begründet, für welchen als Grundlage 3 Sh. die Tonne angenomuie» ist. In einigen Gruben wird für das Hauen der Kohle 1,5 Sh. die Tonne berechnet, in anderen mehr, in anderen weniger. Für jeden Shilling des Verkaufs- Preises über 8 Sh. hinaus erhalten die Bergleute eine Erhöhung um 83/4 xCt. des Hauerlohnes, und je nachdem der Kohlenpreis steigt oder fällt, erhallen sie je 83/« pCt.I mehr oder weniger. Die Löhne sind, seitdem die Skala in Thätigkeit war, auch schon unter den Grundpreis gesunken; in den meisten Fällen aber stellten sie sich darüber. Die Bergarbeiter fordern jetzt, daß statt des gleitenden Satzes von 33/« pCt. ein solcher von 10 pCt. ein- geführt wird, während die Grubenbesitzer ihn in 7Ve pCt. umgeändert haben möchten. Tic Neger haben sich in N e u- O r l e a n s als Streik» brecher bewährt. Sie haben am 14. d. M. unter dem Schutze von 250 Mann Miliz die Arbeit wieder aufgenommen. Depesckie»». Wolfs's Tclegraphcn-Bnrca». Wien, 15. März. Anläßlich des gestrigen Zwischenfalles in den Couloirs des Abgeordnetenhauses, in denen ein jung- czcchischer Abgeordneter den Berichterstatter eines altczechischen Blattes wegen einer Kritik thatsächlich insultirt haben soll, begab sich, wie verschiedene Blätter melden, heute eine Deputation der Berichterstatter zu dem Präsidenten des Hauses, um um Schutz gegen ähnliche Angrisse zu ersuchen. Der Präsident sagte eine genaue Untersuckung des Vorfalles zu. PariS, 15. März. Die Deputirtenkanimer fuhr heute mit der Berathung des Finanzbudgets fort und lehnte mit 371 gegen 134 Stimmen einen Antrag des sozialistischen Abg. Sembal auf Einführung des Achtstundentages in den staatlichen Tabak- und Streichholzfabriken ab. L ondon, 15. März. Heute Nachmittag wurde am Fenchurch- Street-Bahnhoje ein Mann, vermuthlich durch die Explosion einer Spreiigmasse, welche er bei sich trug, plötzlich in Stücke zerrissen. Lotvcstoft, 15. März. Durch eine Fisckerbnrke wurde heute aberinals die Leiche eines mit der„Elbe" Verunglückten ans- gesunden, welche sich als die eines gcivissen Moses Leiston her- ausstellte. Die Leiche, bei der sich eine goldene Uhr mit Kette und 25 holländische Fünfgulden-Nolen vorsanden, wurde wieder in die See versenkt. Petersburg, 15. März. Die„Russische Telegraphenagentnr" erfährt ans kompetenter Quelle: Lihunglschang sei bereits unter- wegs. Es werden weder ein Waffenstillstand, noch eine Ein» stclluug der Feindseligkeiten vor Unterzeichnung des Friedens» Vertrages durch die Bevollmächligteu eintreten. (Deveschen-Bnrean Herold.) Schwelm, 15. März. In der heuligen Stadtverordnelen- Versainnilung wurde beschlossen, eine elektrische Bahn von hier nach Barmen zu bauen. Lübeck, 15. März. Die Schiffsahrt ist heute wieder eröffnet worden, nachdem dieselbe sechs Wochen wegen des Eises ein- gestellt war. Brannschweig, 15. März. Ter Minister ertheilte der hiesigen Slraßenbahngesellschafl die Konzession zum Bau einer elektrischen Straßenbahn von Braunschweig bis Wolfenbüttel. Budapest, 15. März. Anläßlich des Todestages Kossulh's am 24. März, zu welchem große Trauerkundgebungen veranstaltet werden sollen, hat die Polizei Verfügungen erlassen, wodurch die Kundgebungen Beschräiiknngeu erleiden. So dürfen u. a. am Grabe keine Reden gehalten werden und die Theilnehmer müssen, nachdem sie am Grabe vorbeidesilirt, den Friedhos sofort ver- lassen. Seitens des Komitats wurde die Ucbcrlassung eines Saales .für die Theilnehmer am Trauerzuge verweigert. Mailand, 15. März. Morgen findet hier die Eröffnung des italienischen Arbeilerkongresses(?? Red. d. Vorw.) statt, dessen Aufgabe es ist, die Arbeitmuisälle, die Frauen- und Kinderarbeit u. s. w. zu berathen. Ans ganz Italien sind zahl- reiche Anmeldungen zu dem vier Tage wahrenden Kongreß eingelaufen. Berlin SW.. Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur.«4. Summbcnd, de» 16. März 1895. 13. Jahrg. Norletttrenksvcrirhtc. Deutscher Reichstag. 61. S i tz u n g vom lö. M ä r z 1893, 1 U h r. Am Tische des Bundesrathes: Bronsart v. Schellen- dorff. v. Stephan und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Berathung des Reichshaushalts-Etats für 1893/96, und zwar sollen zunächst drei Titel erledigt werden, die der Budgetkommission zur nochmaligen Prüfung überwiesen worden. Für eine Jnfänteriekaserne in Worms waren 660 000 M., für eine Jnfänteriekaserne in Straß bürg im Elsaß 400 000 M. und für die Vergrößerung des Feldartillerie- Schießplatzes in L o ck st e d t zu einem Truppen-Uebungsplatz 1 221 000 M. verlangt. Die Budgetkommission hatte nur die Kaserne i» Slraßburg bewilligt, die anderen beiden Position ge- strichen. Ter Abg. Heyl v. Herrnsheim hatte die Bewilligung der Forderung für Worms in Höhe von 400 000 M. beantragt. Die Budgetkommission schlägt nunmehr vor: für die Kaserne in Worms 400 000 M. zu bewilligen, die beiden andere» Positionen aber zu streichen. Generalmajor v. Gcmmingen: Die Bewilligung für Worms würde seitens der Militärverwaltung anerkannt werden, wenn nicht damit der Abstrich für Straßburg verbunden wäre. Aber a» Werth hat der Beschluß verloren durch die Herabsetzung der Bewilligung von 660 000 auf 400 000 M., weil dadurch die Fertigstellung des Baues verzögert und erst im Spätherbst 1897 der Bau beziehbar wird. Deshalb müßte die volle Summe be- willigt werden; bis zur dritten Lesung würde sich ja vielleicht für die 260 000 M. noch eine Kompensation finden. Wenn der Zweck erreicht werden soll, den die Budgetkommission wünscht, nämlich daß der Bau möglichst schnell fertiggestellt wird, dann muß das Geld i» vollem Betrage bewilligt werden. Abg. Nichter(frs. Vp.) meint, daß bis zur dritten Lesung die Kompensation gesucht werden könne und wenn sie dann die Mehrheit des Hauses findet, dann könne man in der dritten Lesung de» Betrag erhöhen. Abg. v. Heyl(ntl.) schließt sich diesen Atisführungen an. Darauf werden 400 000 M. bewilligt für eine Kaserne in Worms, die 400 000 M. für Straßburg gestrichen. Bezüglicl, des Truppen- Uebungsplatzes in Lockstedt berichtet der Referent Abg. Gröber(Z.), daß die Kommission für dieses Jahr die Bewilligung zurückgestellt habe; für die spätere Zeit behalte sie sich die sachliche Entscheidung vor. Kriegsminister Bronsart v. Schcllendorf bittet dringend, den Platz zu bewilligen. Abg. Graf v. Holstein(dk): Die Kommission hat die Streichung ausrecht erhalten, trotzdem es hier gehen wird, wie bei den sibyllinischen Büchern. Das Terrain wird immer theurer werden; denn die Grundbesitzerhaben sich bis zum 1. April gebunden mit der Heruntersetzung ihrer Preise. Das wäre keine Sparsamkeit, wenn man jetzt nicht durchgriffe. Für das schleswig-holsteinische Armeekorps ist das der einzige gegebene Platz. Abg. Richter(frs. Vp): Die Sache ist zweimal in der Kommission geprüft worden und zwar so eingehend, daß zwei Stunden dazu erforderlich waren. Manches von dem, was angeführt wurde, wurde von der Kommission als nicht zutreffend bezeichnet. Wenn heute eine Bewilligung erfolgt, so ist damit die Sache noch nicht abgemacht; denn es ist ja noch eine Erweiterung des Platzes in Aussicht genommen und durch die jetzige Bewilligung wird höchstens die billige Erwerbung des Terrains für die Erweiterung erschwert. Kriegsministcr Bronsart v. Tchellcndorff: Es stehen in Schleswig-Holstein 4 Regimenter der 13. Division und die Re- gimenter der 17. Division, die in Bremen und Lübeck, also so gut wie in Holstein stehend. Außerdem soll die ganze Artillerie dort schießen. Es stehen»ur zwei Regimenter Kavallerie im Lande, das ist richtig. Aber wir müssen Kavallerie- Divisionen zusammenziehen und dazu bietet sich allein dieses Terrain. Abg. Hahn(wild) empfiehlt ebenfalls dringend die Be- willigung. Abg. Graf Holstein: Es ist nicht richtig, darauf zu fpelulircn, daß die Leute ihre» Grund und Boden billiger vcr- kaufen, wenn der Schießplatz noch lange besteht und die Leute dadurch in ihren Uebungen gehindert werden. Lieber sollte man ihnen jetzt das Land zu einem angemessenen Preise ab- kaufe». Abg. Graf Arnim(Np.): Es wäre falsche Sparsamkeit, die Bewilligung jetzt zu versagen. Abg. Richter: Wen» das Gelände in Mecklenburg und Hannover den Truppen schon bekannt ist, so spricht das gegen die Bewilligung eines Uebungsplatzes überhaupt, denn dieser ist ganz unveränderlich. Abg. Ennerccrus(natl.): Die finanziellen Bedenken sollten durch einen Vermittlungsvorschlag beseitigt werden; es ist aber wohl keine Aussicht, daß heute mit Erfolg eine Ver- Mittelung hier versucht werden kann; deshalb verzichte ich darauf. Abg. Thomsen(sr. Vg.): Wir sind doch nicht so arm, daß wir diese Summe nicht bewillige» könnten. Die Bauern ver- langen: Kauft uns unser Land ab oder laßt uns mit den Scheerereien der Absperrungen zufrieden. Wenn eine friedliche Vereinbarung nicht erzielt wird, dann bleibt schließlich das Ent- eignungsverfahre», welches sehr langwierig ist. Ich bitte des- halb die Forderung zu bewilligen. Abg. Hahn(wild) tritt noch einmal für die Bewilligung ein. Abg.'Richter(dfr. Vp.): Es ist merkwürdig, daß alle die Herren, die heute hier für die Bewilligung gesprochen haben, in der Kommissionsberathung nicht erschienen sind. Sie hätte» sich sonst von der Nothivendigkeit der Ablehnung überzeugen müssen. Abg. Hammacher(natl.) bedauert, daß die Abgg. Gras Holstein und Thomsen nicht in der Budgetkommission erschienen sind. Wenn die Ablehnung erfolgt, werde das Reich vielleicht künftig eine höhere Summe zu bezahlen haben als jetzt. Tie Kriegsverwaltung sollte bis zur dritten Lesung überlegen, ob nicht an anderer Stelle Abstriche zur Kompensation gemacht werden können. Abg. v. Podbielöki(dk) bittet, die Position zu bewilligen. Abg. Rettich(dk.): Die Einquartirungslast, welche noth- wendig war, hat Mecklenburg in guten Jahren getragen; aber bei der Nothlage der Landwirthschaft»st eine solche Uebcrlastung nicht mehr angängig; ich bitte deshalb, die Forderung zu bewilligen. Gegen die Stimmen der Konservativen und einzelner National- liberalen»vird die Streichung beschlossen. Es folgt die weitere Berathung des Etats der P o st- und Telegraphenverwaltung und zwar des Titels 2 der Ausgaben: Unterstaatssekretär tc. Nach dem Etat»verde» verlangt für einen Unterstaatssekretär 20 000 M., für drei Direktoren je 13 000 M. Die Kommission beantragt, nur zu beivilligen für drei Direktoren je 13 000 M. Die Abgg. v. Leipziger, v. Massow und Lieber beantragen, zu beivilligen für einen Unterstaatssekretär 20 000 M., für z>vei Direktoren je 13 000 M. In Verbindung mit diesem Titel wird das Dienstalters- ftufen-System besprochen. Die Budgetkommission schlägt folgende Resolution vor:„Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei der Aufstellung des nächstjährigen Reichshaushalts-Etats für die- jenigen Klassen von Beamten der Reichspost- und Telegraphen- Verwaltung,»velche d»irch Einführung des Dienstalters- Systeins in ihren Gebaltsverhältnissen geschädigt»Verden, insbesondere für die Klassen 23, 34 und 37 b die Gehaltsstufen so zu erhöhen, daß eine solche Schädigung vermieden»vird. Es handelt sich in Klasse 23 um die Post- und Telegraphen� Direktoren, die Vorsteher von Postämtern und die Mililär-Post- direktoren, um geheime expedirende Sekretäre und Ober-Buch- Halter, um Kassirer der General-Postkasse; in Klasse 34 mn die General-Postkassen-Buchhaller, Bureau- und stiechnungsbeamte I. und 2. Klasse; in 37b um die Postsekretäre und Telegraphen- sekretäre, foiveit sie aus Eleven hervorgegangen sind. Abg. Tinger schlägt vor, in dem Antrage einzufügen die Klasse 43(Unterbeanite in» inneren Dienst bei den Post- und Telegraphenämtern in» Ortbestellungs-»md Postbcgleilungs- und iin Telegrapheuleitungs-Aufseherdienst). Außerdem hatte der Staatssekretär Gras Posadoivsky hierbei am Dienstag schon den Beschluß der Budgetlommission kritisirt, »vouach das Maxiinalgehalt der Landbriefträger von 900 aus 1000 M. erhöht»verde»» soll. Ein Antrag des Abg. v. Kardorff »vill diesen Beschluß rückgängig machen. Abg. v. Leipziger(dk.)»ritt für die Beivilligung des Ge- Haltes des Unlerstaatssekretärs ein, die dringend nothivendig sei, um die Einheitlichkeit der Verivaltung ausrecht zu erhalte». Bezüglich der Dieustaltersstufen sieht man den Voriheil hauptsächlich darin, daß die Beamten unabhängig»verde» von der Willkür der Vorgesetzten. Dieser Vortheil»vicgt aber nicht aus den Nachtheil, der den Beainten daraus erivächst, daß eine Ver- langsamung eintritt in den» Ausrücke» in höhere Stellen. Bef der Post hätte»nai»»iiit der Einführung des Dienstalters- stufen-Systeins»varten sollen, bis die Finanzlage eine so gute ist, daß zugleich eine Ausbesserung der Gehälter erfolgen kann. Redner führt die einzelnen Klassen an,»velche geschädigt»verde»» durch die Dienstaltersstlife». Zu diesen Beamten gehören auch die Bausekretäre,, velche in einem Aulrage Hammacher zu einem späteren Titel erwähnt sind. Ter Antrag Hammacher enthält keine Schlußsumine; eS soll also»vohl keine Einstellung in den jetzigen Etat stattfinden. Dagegen würde sich Redner ans den von» Reichsschatzsekretär an» Dienstag angeführte» Gründen er- klären müssen, ebenso»vie gegen die Erhöhung des Höchstgehalts der Landbrieflräger. Abg. Hammacher(ntl.) schließt sich dem Vorredner in allen Punkten a» und stellt den'Antrag, säinmtliche Positionen,»velche sich auf die Besoldung beziehen, an die Budgelkommission zurück- zuveriveisen, um eine Prüfung darüber anzustellen, ob nicht eine vollständige Umarbeitung der'Dienstalterszulagcn nothivendig ist, um die Beamten vor Schädigungen zu bewahren, und»in» dem Reichstage die Verantivortung abzunehmen, die ihn» dadurch zu- sollen»vird, daß er in erster Linie die Einführung dieses Systems verlangt hat. Die Vertreter der Postverivaltung erklären, daß beim Dienstaltersstufen-Systcn» sich die Beainten schlechter stehen »vürden. Deshalb beschloß der Reichstag die Resolution,»vouach eine solche Benachtheiligung der Bcainten vermieden»verde» sollte. Ter Etat entspricht dieser Forderung aber nicht. Was den speziellen Fall betrifft, ob eine Gehaltserhöhung direkt in den Etat eingestellt»verde»» soll vom Reichstage, so erkenne ich an, daß das nur in ganz dringenden Fällen geschehen darf. Dazu nehme ich den Fall, um den es sich in meinem Antrage handelt, nicht. Ich»vollte die Frage nur anregen, ob»na» nicht noch ein Jahr»varten kann mit der Einführung des Systems der Dienstallersstufen. Für die Beivilligung eines Unter-Staats- sekretärs»verde»» wir stimmen,»veil»vir in» vorigen Jahre für das Schatzamt einen Unter-Staatssekretür bnvilligl haben, für eine Verivaltung, bei der ei» Anlaß dazu eigentlich nicht vor- lag. Darin liegt auch ein Dank für den Staatssekretär des Reichs-Postamts. Staatssekretär v. Stephan: Es könnte mir zu einer ge- »vissen Gcnugthuung gereichen, daß der Vorredner jetzt anerkennt, daß»vir vorausgesagt habe», daß die Beainte» sich besser stehen beim allen System, als bei dem System der Dienstalterszulage». Die Wahrheit bricht sich eben überall Bahn. Früher sagte man, daß»vir das alte System nur ausrecht erhalten»vollten, um nach Willkür und Laune verfahren zu können. Es hat sich gezeigt, daß der Chef der Verwaltung der beste Anwalt der Beamten »var. Die Posivenraltung ist eine besonders geartete Verivaltung von großer Verschiede,»arligkcit,»veil sie auf die großstädtischen und ans die kleinsten Verhältnisse eingerichtet sein muß,»veil sie verschiedene deutsche Staaten unisaßt,»veil ihre Tbätigkeit sich erstreckt bis in die äußersten Gegenden des Erdballs. Es ist selbstverständlich, daß auf diese Verwaltung die Einführung eines so schablonenhaften Prinzips»vie die Dienstalterszulage tief eingreifend»virken muß. Sie sind ja alle Zeugen und Opfer ge- wese» der Klagen, welche hier im Reichslage erHobe» wurden über die schlechte Bezahlung und kümmerliche Stellung der Post- beanilen. Jetzt zeigt es sich, daß die Postbeamten besser ständen, als die Beainten anderer Verwaltungen, denn sonst würden sie nicht klagen über die Dienstaltersstusen, die i» den anderen Venvaltungen bereits eingeführt sind. Ich bedauere die Postbeamten; das ist nur ein kleiner Theil, die ständig dahin gewühlt haben, daß dieses System eingeführt»verde», sollte. Herr Singer hat auch von Laune»»»d Willkür früher gesprochen. Aber nieiuals ist auch nur ei» einziger Fall bewiesen worden. Es bildet sich eine bestimmte Legende, aber ein Beweis ist nie« »»als erbracht»vorden. Wir haben mit Geivissenhafligkeit und Unparteilichkeit die Gehälter vertheilt, nieinandcm zu Liebe und niemandem zu Leide. Es kann auch garnicht anders sein bei der Postverivaltung: denn die Vertheilluig erfolgt nach der Reihenfolge der Beamten. Von Laune» und Willkür, auch »venn wir Lust dazu hätten, kann also gar keine Rede sein. Bezüglich des Antrages der Herren v. Leipziger und Genosse» kann ich nur darauf vmveise», daß die Geschäfte des Reichs- Postamts sich seit einem Jahre»viederun» erheblich vermehrt haben. Es ist niir nicht möglich gewesen, eine Inspektionsreise in die entlegneren Theile des Reiches auszuführen,»veil ich nicht auf längere Zeit»vcgbleiben konnte. Ich konnte nicht die technischen Forlschritte aus dem Gebiet der Elektrizität mir persön- lich ansehe». Ueberall folgen mir die Dieustgeschäste nach. Ich kann also nur dringend bitten, daß das Gehalt jür einen Unter- staatssekretär bewilligt»vird. Abg. Müller-Sagan(frs. Vp.): Der Vorivurf, daß nach Willkür und Laune verfahre» sei, ist nicht von mir erHobe» worden, aber so viel ick»»veiß, nicht gegen die Zentralinstanz sondern gegen andere Instanzen. Es sollte damit bezeichnet »Verden, daß die Verthnlung der Gehälter von Faktoren ab- hängt, die die Zentralinstanz nicht immer übersehen kann. Die Vorzüge des Dienstalter. Sliifensystenls vor dem System der Durchfchnittsbesoldung sind so deutlich, daß sie jeden» in die Augen fallen müssen. Es»verde» die Beanilen gesichert in bezug auf ihre Bezüge für einen größeren Lebens- abschnitt. Die Postverwaltung muß allerdings ihre eigenen Wege»vaudeln, sie konnte sich nicht kümmern um die andere» Staatsverivallungen. Die Einrichtung der Dienstaltersstusen chädigt nicht alle Postbeamten, sondern nur einen Theiljderselben. >avon hat die Kominission sich überzeugt. Die Berechtigung der Klagen einzelner Kategorien vo» Beamten hat die Koinmission anerkannt in ihrer Resolution. Dieser Fehler wäre»«rmieden worden, wenn die Anregung des Reichstages in dieser Frage etwas mehr vom Reichsschatzamt beachtet worden»väre. Wen» der Reichsschatzsekretär bemängelte, daß der Reichstag die Ge- hälter für einzelne Beamtenklasien erhöht, so muß ich bemerken, daß der Reichstag seine Pflicht verletzen würde, wenn er in dringenden Fällen nicht selbständig eingreift. Redner empfiehlt schließlich schon an dieser Stelle seinen erst zum Titel 22 gestellten Antrag: I. den stieichslanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß bei Berechming des für das Dienstaltersstufen- System niaßgebenden Dienstalters der Post- und Telegraphen- Assistente» soivie Postverwaltcr aus der Klasse der Zivilanwärter die diätarische Dienstzeit derselben insmveit in Anrechnung gebracht werde, als sie niehr als vier Jahre beträgt, und daß für das Dienstalter der Post- und Telcgraphen-Assistenten soivie der Postverivalter aus der Klasse-der Militäranwärter der Tag ihres Eintritts in den Post- bez>v. Telegraphendienst zu gründe gelegt»verde. 2. Den Reichskanzler zu ersuchen, hinsichtlich der Zulasfting der Sekretärprüfung die Gleichstellung der Post- und Telegraphenassislenten sowie der Post- verivalter aus der Klasse der Zivilanmärter»nit den Assistenten soivie der Postverivalter aus der Klasse der Militäranwärter »viederholt in Erivägung zu ziehen; 3. den Reichskanzler zu er- suchen, zu veranlassen, daß auch für die vor dein l. Januar 1892 in den Subalterndienst übernoinmenen Militäranwärter der Neichspostverwaltniig die Anciennetät um ein Jahr, oder, wenn die Invalidität vor Ablauf eines Jahres eingetreten ist, um die thatsächlich abgeleistete aktive Dienstzeit zurück datirt werde, so- bald sie etatsmäßige Anstellung erhalten; 4. den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß die etatsinäßige Anstellung der Post- und Telegraphen- Assistenten, soivie der Postverwaltnng künslig, ohne Äorbehalt einer Kündigungsfrist, auf Lebenszeil erfolge. Geh. Ober-Regierungsrath Nenmanu führt aus, daß die Regierung bei der Ordnung des Dienstaltersstufeu-Systenis nicht anders verfahren könnte als geschehen ist. Bei der Eigenartig- keit der Postvcrwaltung ist es selbstverständlich, daß in geivisseu Klassen die Beamten schnell in die bessere» Gehaltsstusen aus- rückten. Bei einzelnen dieser Beamtcnklassen, die zu unrecht früher das Fett abschöpften, tritt jetzt eine Schädigung ein. Das ist gar nicht anders möglich,»veil es sich»nn Abiveichungen von dem Durchschnitt handelt. Manche Einivendungen gegen das neue S»)sten, entspringen auch der Unkenntniß der Be- sliin»nungeu. So kann z. B. niemals ein Beamter beim Ausrücken in eine höhere Klasse in seinen» Gehalt verringert»verde», auch wenn das Mindest- Gehalt der höheren Klasse niedriger ist als das Gehalt, welches er schon bezieht. Das Gehalt, welches er einmal bezieht, kann ihm nicht genommen»verde». Man sollte erst einmal eine Probe machen und abivarten, ob»virilich die Schädigungen so groß si>»d, daß sie eine Älcndcrung nothivendig»nachc». Redner geht die ein- zelnen Kategorien der Beamten durch, über deren Schädigung geklagt wird, und vergleicht ihre Gehaltsverhältnisse mit denen der gleicbgcstelllen Beainten anderer Venvaltungen. Jnzivischei» ist der schriftliche Antrag des Abg. Hammacher eingegangen, alle Titel, in»velche»"sich Gehäller nach dein Dienstaltersstusen- Systein befinden, mit dem dazu gestellten An- trage in die Budgelkoimnission zurückzuweisen. Abg. Rickcrt(srs. Bz.): Der Einwurf der Regierung, sie hätte»ns ja nur vorgeschlagen,»vas»vir verlangt haben. ist unbegründet, denn»vir»vollten keine Schädigung der Beamten. Gegen die Stimme» der Sozialdemokraten, der süddeutschen und freisinnigen Volkspartei und der deutschsozialen Reform. partei»vird darauf der Antrag Leipziger angenommen»l»d ent- sprechend den» Antrag Hammacher die bezeichneten Ausgaben- titel der Budgelkommission zurück zur nochmaligen Berathung übenviesen. Bei den Ausgaben für die Stellenzulagen beantragt Abg. F ö r st e r- Neustettin(deutschsoziale Reformpartei): die Stellen- zulageu in» nächsten Jahre abzuschaffen und die dadurch ver« sügbar»verdcnde Summe als Thcuerungszulagen für die Be- ainte» und Unterbeamten, für»velche die Stellenzulagen bestimmt »varen, in den Städten der Servisklasse A zu verwenden. Ter Antrag»vird ohne Debatte abgelehnt. Bei den Ausgaben für H i l f e l e i st u n g e n erhält das Wort der Abg. Singer: In Berlin und anderen größere» Städten werden alljährlich zu bestimmte» Zeiten, namentlich um die Weihnachtszeit, Soldale». Unteroffiziere zun» Posthilfsdienst heran- gezogen. Sie haben gewiß alle um Weihnachten herum Packetivagen durch die Straßen fahre» sehen, die von Unteroffizieren bedient iverden. Auch in den Bureaus»verde» aushilfsiveise Soldaten beschäftigt. Gegen diese aushilfsweise Beschäftigung ist an sich nichts einzuwenden, aber die Postverivaltung, die doch zugegebener- maßen eine» sozialen Beruf in sich fühlt, sollte doch»veniger ailf die Soldaten Rücksicht nehmen, denen ich ja eine kleine Zubuße gern gönne, die aber auf dieselbe nicht so ange, Viesen sind, als die große Schaar der Arbeitslose», die für sich und ihre Familie auch eine vorübergehende Arbeit sehr gern mitnehnien. Vielleicht wird die Postverivaltung einivenden, daß sie nur disziplinirte Leute für diesen Dienst brauchen kann. Allein bei gutem Willen»vird sie die Sache schon machen können. Sie braucht ja nur vor der betreffende» Saisonarbeit eine Bekannt- machung zu erlasse» und aus der Zahl der sich Meldenden die beste» und sähigsten Arbeiter auszusuchen. Direktor im Reichspostaint Fischer: Wir nehmen nicht alle Hilfsarbeiter aus dem Militär, sonder» nur die Hälfte. Für die soziale Frage kann es»vohl nicht von Belang sein, ob einige tausend Mann an drei Tagen zur Weihnachtszeit verwendet werden. Wir müsse» zuverlässige Leule haben. Es»vird daher nicht viel geändert werde» können. Singer(Soz.): Die Lösung der sozialen Frage habe ich von der Postverivaltung nicht erivartet. Univesentlich ist die Sache nicht, denn allein in Berlin könnten hunderte von den beschäftigungslose» Arbeitern in der Postverivaltung Arbeit finden. Abg. Graf Limbnrg-Ctirum(dk.): Ein Theil der Arbeit kann von Personen gelhan»verde», die man nicht erst ans ihre Zuverlässigkeit prüft. Aber bei den andere» Arbeilen ist unbedingt Zuverlässigkeit nothivendig. sonst könnten vielleicht bei dieser Gelegenheit»vieder einmal Briefe auf den Redaltions« tisch sozialdeniokratischer Blätter fliegen. Bei de» Ausgabe» für Postagenten bringt Abg. Müller- Saga»(dfr. Vp.)«ine Bcschiverde darüber vor, daß in einem Falle politische Gesichtspunkte bei der Vergebung einer Post- agentnr maßgebend geivesen sind. Direktor Fischer erklärt, daß in diesein Falle, den der Redner der Postverivaltung milgetheilt habe, nicht politische Gesichtspunkte maßgebend geivesen seien, sondern lediglich die für den Verkehr»venig günstige Lage des Hauses, in»velchem die Postagentur untergebracht»verde»» sollte. Bei den Ausgaben für Hilfsleistungen i»n Unter« b e a in t e»- D i e n st ergreift das Wort der Abg. Bebel(Soz.): MdM nenlichen Angaben über die Uebcrlastung der Postbeamten»verde»» mir brieflich bestätigt. Aus Hannover wird»nir geschrieben, daß dort die Posthilssbote» Tag für Tag von 6 Uhr morgens bis II Uhr abends sür einen Tagelohn von 2,20 M. beschäftigt sind. Das ist eine außer- ordentlich lange Arbeitszeit sür eine verhältnißmäßig schlechte Bezahlung. Es wird mir weiter mitgetheilt, daß sie auch Sonntags nachmittags bis II Uhr abends im Dienst sind. ferner daß ihre etatsmäßige Anstellung daselbst erst nach 12 Jahren erfolgr. während diese Beamten sonst nach 9 Jahren angestellt werden. Endlich frage ich, ob die mir gemachte Mit- thetlung richtig ist, daß bei Postämtern III. Klasse die Post. Hilfsboten überhaupt nicht etalsmäßig angestellt werden. Ick? kann mir das garnicht vorstellen, die Mittheilung ist mir aber geworden, und ich halte es für richtig, daß eine öfsentliche Er- llärung darüber stattfindet. Direktor im Reichspostamt Fischer: Ich kann niir nicht denken, daß die Leute von 6 Uhr morgens bis II Uhr abends ununterbrochen beschäftigt werden, denn das übersteigt einfach das Maß des Menschenmöglichen. Indessen wird die Sache untersucht werden. Bezüglich der Anstellung bei den Postämtern III. Klasse handelt es sich wahrscheinlich nur um Leute, die nicht dauernd beschäftigt sind. Die können allerdings nicht etatsmäßig angestellt werden. Bei den Ausgaben für die Telegraphie, speziell für Be- schaffung und Unterhaltung der Apparate fragt Abg. Richert(frs. Vg.), warum die Telephonverbindung zwischen Berlin und Königsberg und weiter nach Memel noch nicht fertig gestellt ist, es scheinen dabei besondere Forderungen seitens der Telegraphen- Verwaltung gestellt zu sein, die nicht blos auf den Telephonverkehr, sondern auch auf den Telegraphen- verkehr sich beziehen. Direktor im Reichspostamt Scheffler: Bei der Verwaltung von Königsberg ist der Gedanke entstanden, die Telegraphen- und Telephonleitungen zu vereinigen. Staatssekretär V Stephau: Es scheint in Königsberg der Gedanke vorzuliegen, stch den Bestimmungen desTelcgraphengesehes zu entziehen, wonach der Unternehmer einer späteren Anlage die Schuhmaßregeln treffen muß, welche zur Fernhaltung der Induktion durch Lichtkabel nothwendig sind. Uebrigens hat die Oberpostdirektion in Königsberg als ihre und der ganzen Kaufmannschaft Meinung erklärt, daß die Einrichtung von Fernsprechstellen in absehbarer Zeil nicht nothwendig sei. Bei den Ausgaben zu A ni t s b e d ü r s n i s s e n will Abg. Schoenlauk(Soz.) über die Instruktionen der Post-Vertrauens- ärzte sprechen, wird aber vom Vizepräsidenten v. Bnol daran gehindert, weil kein Zusammenhang der Sache mit diesem Titel zn finden sei. Bei � den Zuschüssen zu den K l e i d e r k a s s e n empfiehlt Abg. Müller- Sagau(frs. Vp.) die Einführung einer leichteren Sommerkleidung für die Briefträger, namentlich auch für die Landbriesträger. Abg. Prinz Carolath(natl.) empfiehlt ebenfalls eine leichtere Sommerbekleidung für den Landbriesträger und für den Winter die Gewährung eines Mantels. Abg. Werner tritt ebenfalls für leichtere Sommerkleidung der Landbriefträger ein. Bei den Ausgaben für Vergütungen an Eisenbahn», Schiffs- pnd Telegraphcnverwaltung beantragt Abg. Hahn(wild): Ten Reichskanzler zu ersuchen, Erhebungen zu veranstalten 1. über die Art und Daner des Dienstes und der Arbeit der Schiffsoffiziere und Schiffsmonnschasten ans den Reichspost- dampfern während des Ladens und Löschens in den Abfabrts-, Anlaufs- und Ankunftshäsen; 2. darüber, zu welchem Theil die Besatzung der Reichspostdampfer aus wirklichen Seeleuten besteht. Abg. Hahn(wild) will seinen Antrag empfehlen damit, daß die Sicherheit des Postdienstes von einer genügenden Anzahl erfahrener Mannschaften auf den Reichspostdampfern abhängt. Vizepräsident v. Bnol bemerkt, daß die Reichspostdampfer zum Reichsamt des Innern gehöre», daß die Postverwaltung auf die Anregung des Antragstellers keine Auskunft geben könne. Abg. Hahn: Ich will mich darauf beschränke», nur das Berkehrsinteresse in betracht zu ziehen. Für die schnelle Expedition und Beförderung der Post ist es von Bedeutung, daß die Offiziere und Mannschaften der Reichspostdampfer sich mög- liebster Frische erfreuen. Beim Laden und Löschen der Schiffe müssen die Ossizicre ständig in Dienst sein und sie müssen mährend der Fahrt eine so große Anzahl von Stunden Dienst thun, daß nicht die genügende Sicherheit vorhanden ist, daß sie stch iu der nöthigen Frische befinden, uni für die Sicherheit im Dienste einzustehen. Dem Norddeutschen Lloyd wird nichts Uebermäßiges zugemnthet. Abg. Frese(frs. Bg.): Ich kann allerdings keinen Zusammenhang finden mit dem Postetat. Der Norddeutsche Lloyd hat niir durch ein Telegramm bestätigt, daß ich früher die richtigen Mit- theilunge» gemacht habe. Ich habe früher schon Sö oder «6 Dienststunden wöchentlich als zn hoch bezeichnet. Tie Offiziere haben während der Fahrt 4 Stunden Dienst -niid 8 Stunden Ruhe. Beim Verladen und Löschen 32 Stunden Dienst und 48 Stunden unter sehr schwierigen Verhältnissen. Bezüglich der Zahl der Seeleute hat sich Herr Hahn auch geirrt. Er sprach von kaum 30 pCt. Der„Prinz Heinrich" hat z. B. «Nter 1l>0 Mann Besatzung 60 wirkliche Seeleute. Der Nord- deutsche Lloyd steht in beziig auf die Vollzähligkeit seiner Be- satzung auch des seemännischen Theils derselben an der Spitze aller Kompagnien. Ties wird auch von den Amerikanern und Engländern anerkannt. Man hätte vom Abg. Hahn erwarten sollen, daß er sich gründlicher und besser orienlirt hätte, ehe er in so heftiger Weise den Lloyd angriff. Er hat meine Behauptungen nicht widerlegt und absolut unrichtige Zahlen angesührt. Abg. Hahu: Meine Mittheilungen sind wir von See- Offizieren gemacht worden. Wir sollten von Reichswegen eine Enquete über diese Verhältnisse veranstalte». Wenn ich bei ineine» ersten Mittheilungen von einer 24flüudigen Dienstzeit sprach, so hat Herr Frese nun schon eine solche von 34 und 33 Stunden zugegeben. Wir müssen diese Sache einer öfsent- lichen Kritik unterziehen, denn sie ilt derselben hochbedürftig. Wir müssen uns auch der Nothlage dieser Leute annehmen. Ueber die Gehaltsverhällnisse derselben könnte ich Ihnen ein sehr trauriges Bild entrollen. Vereinigen Sie sich daher mit mir in dem Ersuche» an de» Reichskanzler, die Enquete zu ver- anlassen. Der Antrag Hahn wird abgelehnt. Unter den einmaligen Ausgaben befinden stch zwei Forderungen von 73 200 M. für einen Postbau in Döbeln und 90 000 M. für «in Postgebäud« in Forst(Lausitz). Abg. Schmidt-Warburg(Z.) beantragt diese Position in die Budgetkommijjion zurückzuverweisen, weil diese Postgebände viel zn kostspielig seien. Abg. Graf Limburg-Stirum(dk.) unterstützt diesen Antrag. Die Postverwaltung ist'eine Zuschußverwaltung, denn an ihre Ueberschüffe glaubt niemand mehr ii» Lande, weil sie ja soviel Leistungen von der Eisenbahn unentgeltlich erhält; deshalb hat .sie kein Recht zu solchen Luxusbauten. Die Postverwaltung hat nicht die Aufgabe, durch ihre Bauten den Geschmack ins Land zu tragen, sie muß auf die Finanzen Rücksicht nehmen und kann im nächsten Jahr einfachere Pläne vorlegen. Abg. Liugeus(Z.) hält eine nochmalige Prüfung dieser Ausgaben nicht für nöthig. Direktor Fischer: Ich will dem Grafen Limburg-Stirum nicht auf das von ihm angeregte Thema folgen, das würde zu weit führen. Ich will mich nur an Döbeln halten. Tie Mit» glieder der Bndgetkommission, zu welchen Gras Limburg leider nicht gehört, baven die Nothwendigkeit des Baues anerkannt; der Bau gehört durchaus nicht in die Kategorie der ver- schwenderischen Luxusbauten. Abg. Merbach(Rp.) tritt aus Kenutniß der örtlichen Ver- hältniffe für den Bau ein. Abg. Bachem(Z.): Es handelt stch um die nüchterne Frage, ob man in jedem Orte mit IS 000 Einwohnern ein Post- gebäude für ca. 200 000 M. bauen kann. Wenn man ver- schwenderische Postbauten sehen will, dann solle man nach dem Gebäude an der Leipziger- und Mauerstraßen-Ecke gehen, welches durch seine Kostbarkeit sehr abweiche von der Einfachheit des Reichspostamts-Eebäudes. Eine Zuschußverwaltung hätte alle Ursache, recht sparsam zu seiu. Es verträgt sich nicht, daß man für Po st bauten sehrsplendid ist, aber bei der Erhöhung der Gehälter für Unterbeamte ist man sehr karg. Alle Postbauten sind mehr oder weniger in demselben Stil gehalten; gespart wird nirgends. Diese Bauten sind eine wahre Verführung für die Kommunal- Verwaltung. welche ihre Bauten danach ein- richten. Wenn es nicht gelingt, den Postbau erheblich einzu» schränken, sollte man lieber die ganze Position für dieses Jahr ablehnen. Abg. Lieber(Z.) bezweifelt, daß bei der gründlichen Arbeit der Budgelkommission eine nochmalige Berathung einen anderen Erfolg haben wird als die erste. Der Antrag Schmidt-Marburg wird abgelehnt. Von den Konservativen stinimte nur Graf Limburg-Stirum dafür. Das Postgebäude in Döbeln wird genehmigt. Schluß 6 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend I Uhr (Postetat; Etat des Auswärtigen Amtes und der Kolonien). lolrnles. Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen der Arbeiterschaft unter den bekannte» Bedingungen zur Verfügung: Nagel, Schwedterstr. 23; Norddeutsche Brauerei Aktien- Gesellschaft, Chauffeestr. 58; Eiskeller(Schultheiß' Brauerei, Aktien- Gesellschaft), Chauffeestr. 88. Tie Lokal- Kommission. I. A.: Karl Scholz, Wrangclstr. 32. Aus eiucr Heilanstalt für Itusallberletzte. Zu der ab- solulen Berichtigung, die uns Herr Dr. Müller, Friedrich- straße 23, zu den im„Vorwärts" Nr. 53 über seine orthopädische Heilanstalt gebrachten Mittheilungen zugesandt hat, sind uns des ferneren noch eine Reihe Ergänzungen zugegangen, die sämmtlich darlegen, daß unsere Veröffentlichungen genau der Wahrheit entsprechen und daß demzufolge die absolute Be- richtigung des Besitzers der Heilanstalt auf ziemlich UN- sicheren Informationen beruhen muß. Bekanntlich berichtigte Herr Dr. Möller, es sei„absolut umvahr", daß ein Kranker in seiner Heilanstalt aufgenomnien werde, ohne daß er sofort ein Reinigungsbad bekäme, wenn nicht ein größerer Verband oder die Art der Verletzung ein solches unmöglich mache. Nun haben sich nachträglich bei uns drei Unfallverletzte persönlich gemeldet, die sämmtlich bekundeten, daß sie während ihrer vorhergegangenen Behandlung im Kranken hause stets gebadet ivorden seien, daß sie dagegen bei der Aufnahine in der Anstalt des Herr» Dr. Müller kein Bad bekommen hätten, trotzdem die Art ihres Leidens nach ihrer Ansicht dem durchaus nichts im Wege gestanden hätte. Zwei dieser Herren sind in den drei, resp. vier Wochen, während der sie bei dem Herrn Dr. Müller waren, überhaupt nicht ge- badet worden; dem dritten wurde nach Berlauf von etwa drei Wochen, und zwar erst auf sein ausdrückliches Verlangen, ein Bad gewährt. Von anderen Verletzten, die sich in ähnlicher Weise über den Mangel an Reinlichkeit in der Anstalt beschwert fühlten, liegen uns schriftliche Mittheilungen vor. Ferner besitzen wir die von mehreren Zeugen bestätigte Mittheilung eines Kranken, wonach dieser,«nlgegen der„absoluten Berichtigung" des Herrn Dr. Müller, bei seiner Ausnahme in ein Bett gekommen ist', welches nicht frisch überzogen war. Ans das Verlangen dieses Kranken, das Bett doch zu überziehen, habe die Köchin erklärt, daß sie zur Zeit keine frische Bettwäsche besitze. Weiter: Zu der absoluten Berichtigung des Herrn Dr. Müller über unsere Mittheiluiig, daß ein Kranker seit dem 6. Dezember vorigen Jahres ungefähr ein Vierteljahr lang sich mit demselben Bettzeug beholfen habe, liegt uns die Miltheilung mehrerer Zeugen vor, wonach dieser Kranke zwei Tage vor dem Verlassen der Anstalt die von unS veröffentlichte Thalfache ihnen gegenüber ausdrücklich bekundet hat. Die Mittheilung, daß in den Uebungszimmern und im Sprechzimmer bislaug keine Spucknäpfe gewesen sind, wird uns gleickiialls, entgegen der absoluten Berichtigung des Herr» Dr. Müller, weiter bestätigt. Die Reinlichkeit in der Anstalt möge noch durch die Mit- theilung illustrirt werden, daß die einzige Badewanne, die sich in der Anstalt befindet, in demselben Raum gelegen ist, wo das Kloset für die weiblichen Patienten liegt. Wenn jemand badet, warten die Frauen solange, bis das Bad verlassen ist. Der Weg zu diesem 5iloset gehl durch mehrere sog. Uebungsziminer, die bisher des Nachts nicht beleuchtet waren. Auch von einer nächtlichen Beleuchtung der Klosets in früherer Zeit weiß niemand etwas. Weiter werden uns nochmals die Mittheilunge» über den Bedürfnißeimer, sowie über den Maugel an Spuckgefäßen vollauf bestäligt. Für die bettlägerigen Kranken war nicht einmal ein Nachtgeschirr vorhanden. Das ausreichende„Wärierpersonal" beschränkt sich nach Angabe aller Zeugen auf die Köchin; die Reinigung der Zimmer wird von einem Mädchen besorgt, das vormittags aus einige Stunden in die Anstalt kommt. Niemand der bei uns in der An- gelcgenheit erschienenen Zeugen hat, trotzdem mehrere wochenlang in der Anstalt behandelt wurden, etwas von einem Wärter gc- sehen. Häusliche Arbeile», ivie Bettmachen, Oefenheize», Karloffelschälen, sind stets von den Kranken verrichtet ivorden. Erst dieser Tage soll ein früherer Patient mit eineui Monats- gehalt von 45 M. in der Anstalt angestellt worden seiu. Des- gleichen bestätigen uns mehrere frühere Patienten, daß sie in der Anstalt wollene Wäsche, wie Unterhosen zc. bis zu vier Wochen hindurch gelragen haben. Kurz und gut, alle unsere Recherchen haben zur Evidenz bestätigt, daß die?tr. 53 des„Vorwärts" und nicht die obsolule Berichtigung des Herrn Dr. Müller ein objektiv richtiges Bild von den Zuständen in der Orthopädischen Heilanstalt Friedrich- straße 23 gegeben hat. Was werden die behördlichen Organe, was werden die Berufsgenossenschasten thun? Wir wollen diese Schilderung nicht verallgemeinern. Wir erkennen vielmehr gern an, daß wohl die meisten der von den Berufsgenosseuschaften benutzten Heilanstalten, von geringen Mängeln abgesehen, den Bedürfnissen der Verletzten genügen. Umso mehr ist es aber Pflicht der zuständigen und interessirten Organe, dort Wandel zu schaffen, wo dies absolut uolh- wendig ist. Unser Zlusbeuterthnm bleibt unverbesserlich iu seiner Verbohrtheit. Dies zeigte wieder eine Versammlung von Geschäftsinhabern, die zur Besprechung der Frage des g e s e tz- lichen A ch t u h r s ch l» s s e s für alle Ladengeschäfte am Mittwoch iin Lokal des„Vereins junger Kaufleute von Berlin" staltgefunden hat. Die Versamnilnng nahm folgende Resolution an:„Die versammelten Vertreter von 20 Geschästszweigeir ertlären sich gegen die beabsichtigte gesetzliche Einführung einer einheitlichen Ladenschlußzeit als eine schwere Schädigung des gesammlc» Erwerbslebens und beschließen, ungesämnt mit aller Kraft in den Kamps gegen die neue Gefahr für Handel und Ge- werbe einzutreten." Die Versammlung beschloß, eine Bewegung gegen den allgemeinen zwangsweisen Achtuhrscdlnß auch in anderen Städten anzuregen. Zur Leitung der Agilalion wurde ei» Arbeitsausschuß gewählt, dem 12 Herren angehören. Sache der Ausgebeuteten ist es, sich mit aller Energie durch geeignete Agitation und Organisation de» Fetzen Menschenschutz zu erstreite», den ihnen die Profitwütheriche in ihrer Verbohrlheit vorenthalten wollen. Die Schülerzcusureu des Fürsten ViSmarck aus dem Gylnuasium zuni Grauen Kloster in Berlin hnt das Direktorium als Manuskript drucken lassen und will diese Zensuren, die nach der„Post" meistens nicht sehr gut sind, unv den Fleiß, die Ansmerksamleit und die Leistungen de, Schülers bemängeln, dem Fürsten Bismarck zur Geburtstagsfeier wieder vor Angeir führen. Diese schlechten Schülerzensuren sind harmlose Scherze gegen- über dem vernichtenden Zeugniß, das die Weltgeschichte dem Manne ausstellen muß, der die große Mehrheit des deutschen Volkes Jahrzehnte hindurch mit seiner Gewaltspolitik gequält und bedrückt hat. Zur Erhebung einer Automatensteuer, welche ver- schiedene Vororlgemeinden vom I. April d. I. von den Unter- nehmern zu erheben gedachten, hat die kgl. Regierung ihre Ge- nehmigung versagt. Aus dem Staate der Jutelligenz. Für die Schulverhält- nisse in nächster Nähe der Reichshauptstadt ist ein Vorfall charakteristisch, der sich, nach dem„Berliner Tageblatt", in Hernisdorf an der Nordbahn abgespielt hat. Bei Gelegenheit einer außerordentlichen Schulreviflon durch Regiernngsschulrath Böckler aus Potsdam hat der dritte Lehrer der Gemeindeschule „wegen ungenügender Leistungen" seines Amtes enthoben werden müssen. Der vorläufig nur provisorisch angestellte Lehrer war auf dem schon bedenklichen Wege der Zwangsversetzung nach Hermsdorf gekommen. Die neue OmnibuSlinie zwischen Halensee und Wilmers- dorf soll etwa Milte April eröffnet werden. Der Betrieb ist halbstündlich geplant. Zunächst soll nur ein kleiner Wagen ein- gestellt werden. Tie Kellner in der ReichStagS-Restauration wollen stch, nach der„Staatsbürger- Zeitung",' zum theil auch ferner vom Bettel nähren. Das Blatt schreibt: „Vier Kellner der R e i ch s t a g s- O e k o n o in i e haben unter der Versicherung, aus eigener Entschließung und ohne Beeinflussung von anderer Seite gehandelt zu haben, eine Eingabe an den Präsidenten des Reichstags gerichtet, in der sie gegen die Angriffe des Abg. Singer in der Sitzung vom II. v.M. Verwahrung einlegen und darum bitten, daß an ihrem dienst- lichen Verhällniß nichts geändert werden möchte. Herr Singer hatte bekanntlich bemängelt, daß der Oekonom des Reichs- tages, obgleich er keine Pacht zahle und auch keine Unkosten habe, den Kellnern keinen Lohn gebe und sie auf die Trinkgelder an- weise. Die vier Kellner führen in ihrer Eingabe nun aus, daß sie gern auf Lohn verzichten, da sie an Trinkgeldern von den Abgeordneten durchschnittlich 5 Mark pro Tag beziehen. Wie verlautet, wird die Angelegenheit bei der dritten Lesung des Etats nochmals zur Sprache gebracht werden. Gleichzeitig soll dabei auch der Briefwechsel erörtert werden, der in dieser Sache zwischen dem Präsidenten des Reichstages und dem Oekonomen ge- pflogen ist. Inwieweit der für sie überaus beschämende Lakaiengeist, den die Reichstags-Kellner hiernach zum Ausdruck bringen, aus ihr eigenes Konto zu setzen ist, vermögen wir nicht zu untersuchen. Unzutreffend dürfte wohl die Nachricht der„St. Ztg." über die Erörterung des Briefwechsels sein, da, wie wir gehört haben, ein solcher überhaupt nicht zwischen den Herrn Levetzow und Schulze vor sich gegangen ist. Die betr. Nachricht, die s. Z. aus der„Staatsb. Ztg." auch in unser Blatt übergegangen war, be- ruhte auf irrthümlichen Informationen. Was„Kantiuen" einbringe», geht aus einer amtlichen Bekanntmachiliig hervor, in der das I. Bataillon de- Loibregi- ments in Frankfurt a. O. einen neuen Pächter für die Bataillons- kantine sucht. Der nachweisbare jährliche Umsatz wird dabei auf rund 56 000 M. angegeben, das ergiebt eine Tageslosung von über 150 M. Wan» müssen am Umzugstermine die Wohuunge» geräumt seiu? Mit bezug auf die Polizeiverordnnng vom 26. März 1870, betreffend die Uinzugstermine bei Wohnungs- miethen bringt das Polizeipräsidium für den bevorstehenden Wohnungswechsel zur vsienllichen Kenutniß, daß der am I.April d. I. beginnende Umzug bei kleinen, aus höchstens zwei Zimmern mir Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus 3 oder 4 Zimmern nebst Zubehör beflehenden Wohnungen am 2. April, mittags 12 Uhr, bei großen, mehr als 4 Wohnzimmern umfassenden Wohnungen am 3. April, mittags 12 Uhr, beendet sein muß' Eiu schauriges Familiendrama bat sich am Freitag Vormittag im Osten der Eladt ereignet. In einer Kellerwohnung des Hauses Pallisadenstr. 4 wohnt seit fünf Jahren der Besen- binder August Schoffter, 35 Jahre alt, mit seiner um zwei Jahre jüngeren Ehefrau Marie und vier Kindern, drei Mädchen im 'Alter von 2, 8 und 10 Jahren, sowie einem 3>/s Jahre alten Knaben. Sch. ernährte sich durch Herstellung von sogenannten Slreichbesen, einem lediglich in Bäckereien benutzten Instrument, welchen Artikel Frau Sch. hausirend vertrieb. Außerdem hatte Sch., der übrigens auch die Reinigung des erwähnten Hauses inne hatte, etwas Hausknndschaft. Gestern Morgen gegen 10 Uhr wollte ein Bäckermeister ans der Nachbarschaft bei Sch. einige Streichbesen kaufen und er öffnete, da ihm aus sein Klopfen an der Wohnungsthür nicht ausgemacht wurde, er aber von drinnen das gellende Geschrei eines Kindes vernahm, die vom Hofe aus nach der Küche führende Thür. Beim Be- treten der Küche bot sich ihm ein grauenhafter Anblick; zwischen Wohnzimmer und 5tüche lag lang ausgestreckt die Leiche der Frau Sch. in einer große» Blutlache. Der Schädel der Unglück- lichen war an der linken Seite gespalten und zwar war die Wunde mit einer Handaxt herbeigeführt worden, welche dlnibesndelt neben den, noch warmen Körper der Aermsten lag. Weiterhin im Wohnzimmer, und zwar über dein Tisch hing mit einer starken Zuckerschnur an einem Lanipenhaken an der Decke aufgeknüpft 'August Sch., dessen Körper gleichfalls noch warn, war. Unter dein Tisch stand die jüngste zweijährige Tochter und schrie fort- während:„Vater, komme doch wieder, sei nicht böse," während der 3t/zjährige Knabe wortlos, unter den Zeichen der größten Angst in einer Sopha-Ecke kauerte. Die böiden älteren Mädchen befandei: sich in der Schule. Die sofort benachrichtigte Polizei des 92. Reviers am Büschingplatz ließ den praktischen Äirzt Dr. Ostrowski, Landsbergerstraße rufe», dessen Wiederbelebungsversuche jedoch erfolglos waren. Ueber die Lebensverhältnisse des Ehepaares und die Mo- tive, welche der furchtbaren That zn gründe lagen, meldet ein Berichterstatter folgendes: Das Sch.'sche Ehepaar erfreute stch eines guten Leumundes; der Mann trank wohl hin und wieder, ohne jedoch ein Trünke»- bold zu sein. Er war redlich bemüht, seine Familie zu er- nähren und galt auch als ein guter Gatte und Bater. Die fort- gesetzt angestrengte Thätigkeit hatte den Mann nervös gemacht und dies Leiden steigerte sich in der letzten Zeil dadurch, daß Sch. seit etwa drei Wochen bei seinem schwer erkrankten Haus- wirlh die Nachtwache übern ominen hatte. Fast scheint es, als ob diese Nervosität, sowie die Sorge um das tägliche Brot einen Jrrsinnsaufall des Sch. herbeigeführt hat. iu welchem der Besen- binder die grauenvolle That beging. Noch gegen �/slO Uhr ist Frau Sch. auf der Straße gesehen worden und wahrscheinlich dürfte die That, welcher kein Streit oder Wortwechsel voraus- gegangen ist, wenige Minute» darauf verübt worden sein. Strafloser Betrug? Es wird berichtet: Die Kriminal- Polizei bat in letzter Zeit Gelegenheit genommen, stch mit dem Geschäftsbetrieb gewisser Personen zu beschäftigen, die in de» Zeitungen Tarlehen gegen 5 und 6 vom Hundert Zinsen an- bieten. Nach den gesammelten Erhebungen dürfte es zn einem strafrechtlichen Einschreiten gegen die betreffenden Persönlichkeiten nicht kommen, doch ist das Publikum vor der Berücksichtigung derartiger Nnerbielungen zn warnen. Leute, die sich auf grnnd dieser Ankündigungen um Darlehen bewerben, werden Scheine vorgelegt, durch deren Unterzeichnung sie sich verpflichten müssen, in erster Reihe 6 bis 10 M. zur Bestreitung der Kosten zu befahlen, die durch Einholung von Auskunft über ihre Ver- Hältnisse den Darlehnern erwachsen. Auf die Rückgabe dieses Geldes müssen die Geldbedursligen unter allen Umständen ver- zichten. Ferner müssen sich die Leute verpflichte», als Ver- mittelungsgebühr für ein etwa bewilligtes Dahrlehn Klv. H. des Betrages zu entrichten. Auf diese Bedingungen gehen Leute, die sich in einer Nothlage befinden, nur zu gern ein. Die Sache hat aber insofern einen Haken, als die Leute nur in ganz geringen Ausnahmefällen Geld erhalten. Es ist festgestellt worden, daß . von 125 Personen, die aus Bedingungen dieser Art eingegangen find, nur drei Geld erhalten haben. In den übrigen Fällen wurden die Antragsteller abgewiesen. Alan theilte ihnen mit, daß die über sie eingelaufene Auskunft ungünstig ausgefallen sei. Sie wurden aufgefordert, Bürgen zu stellen und sollten weitere K bis 10 M. für die Bestreitung der Ausgaben zahlen, die durch Auskuuftseinziehung über den Bürgen erwachsen würden. I» de» meisten Fällen haben die Geldsucher darauf verzichtet, sich in dieser Weise weiter schröpfen zu lassen. Die wenigen, die das von ihnen verlangte Geld erhielten, haben allerdings nur 5 bis 6 v. H. zahlen müssen. Wir sehen nicht ein, warum diese Sorte Halsabschneider nicht zu packen sein sollte. Ein Unglücksfall mit tödtlichem Ausgange ist am Mittwoch Abend durch das jetzt bei der Knabenwelt so beliebt gewordene Lassowerfen herbeigeführt worden. In dem Hause Ackerstr. 10 wohnt eine Theaterangestellte, und diese hatte ihre Tochter zu einer kleinen Besorgung ausgeschickt. Auf der Straße vergnügten sich mehrere Knaben mit Lassowersen, und da sie auch das Mädchen auf indianische Weise zu fangen suchten, kam dieses zu Falle. Unglücklicherweise fuhr in demselben Augenblick ei» schwerer Arbeitsivagen in schneller Gangart vorüber und das Mädchen wurde überfahren. Das Kind erhob sich zwar noch und wankte dem Troltoir zu, dort aber brach die Ueberfahrene zu- sammen, das Blut stürzte ihr aus Mund und Nase und in wenigen Augenblicken trat der Tod ein. Die Aufregung war eine so ungeheuere, daß niemand daran dachte, den Kiitscher anzuhalten oder auch nur die Firma an deni Wagen zu lesen. Die Leiche der von ihrem Enkel Max Zimmermann er- schlagenen Frau Grasnick aus der Swinemünderstraße 8 ist am Donnerstag Nachmittag 2 Uhr gerichtsärztlich geöffnet worden. Als Acrzte waren der Medizinalrath Dr. Long und der Sanitäts- rath Dr. Mittenzweig thätig. Bon Gerichts wegen ivar ein Amts- richter mit seinem Protokollführer erschienen. Max Zimmer- mann wurde von zwei Beamten geschlossen in einer Droschke nach dem Obduklionssaal gebracht und an die Leiche seiner Groß- mutier zwecks Rekognoszirung geführt. Er benahm sich ziemlich ruhig und wiederHolle in bezug auf die ihm zur Last gelegte That seine frühere Aussage, wonach er der alten Frau nur einen Schlag mit der Hand versetzt haben will, lieber das Ergebniß der Leichenöffnung ist noch nichts bekannt geworden. Zur Sittengeschichte. Wegen Erpressung ist ein Kellner N. festgenommen worden, der sich an Männer mit gewissen perversen Neigungen herangedrängt hatte. Zur Kenntuiß der Kriminalpolizei war die That des Kellners durch seine Unterhaltung in emem Verbrecherlokal gekommen, wobei N. sich damit gebrüstet hatte, daß er nachts vorher eine„große Erbschaft" gemacht habe. Ein Freund von ihm sei mit einem Herrn, der als Amerikaner bezeichnet wurde, in den Thiergarten ge- gangen; er selbst(N.) sei hinzugekommen, habe sich als Polizei- deamter ausgegeben und mit Verhaftung gedroht. Der Amerikaner habe sich mit 500 M. loskaujen wollen, damit sei er und sein Freund nicht zufrieden gewesen und der Fremde habe mehr zahlen müssen. Bei der Festnahme hatte N. eine Medaille, die der Erkennungsmedaille der Kriminalbeamten gleicht. Das Opfer der Erpressung soll ein Herr aus Warschau' sein, der in einem der ersten Gasthöfe gewohnt, Berlin aber wieder verlassen hat. N. hat bei der Vernehmung angegeben, der Fremde habe ihm freiwillig 700 M. geschenkt; unter dem Velde sollen sich englische und russische Münzen besunden haben. Auch seine Ringe hat der Fremde einbüßen müssen. Ihres Amtes entsetzt sind der Generaldirektor der „Dampfergenossenschaft des Zentralverbandes deutscher Strom- und Binnenschiffer" Cunow und dessen Stellvertreter Weigelt. Aus der amtlichen Mittheilung, welche dies zur Kennlniß der Interessenten bringt, ist über die Gründe dieser Maßregel nichts zu ersehen. Ein ungeahntes Spiel de? Zufalls brachte den in der Lichtenberger'straße wohnenden Schlächtermeister H a ch t wieder zu seinem Eigenthum. Herrn H. war am gestrigen Morgen vor der Zentral-Markthalle sein Gefährt, auf welchem sich etwa für 1200 M. Fleischwaaren befanden, gestohlen worden und wiewohl der Verlust sofort der Polizei gemeldet wurde, gelang es doch nicht, den Spitzbuben und dessen Beute zu ermittel». Am Nach- mittag gegen 4 Uhr fnhr Herr H. in einem anderen, ihm ge- hörigen Gefährt die Auguststrnße entlang, als am Koppenplatz ein zweites Fuhrwerk seinen Weg kreuzte, in welchem Herr H. den gestohlenen Wagen erkannte. Im nächsten Augenblick war der Beftohlene, seinem Kutscher die Zügel zuwerfend, auf dem Bock des gemächlich fahrenden Breaks und hatte den Roffelenker gepackt, der auf dem zuständigen Polizeirevier als der IKjährige Arbeitsbursche Hahn rekognoszirt wurde. Von den Fleisch- waaren hatte der jugendliche Dieb einen großen Theil bereits im Laufe des Tages verschärft, sodaß dem Fleischermeister doch immer noch ein Schaden von 400 M. erwächst. Polizeibcricht. Am 14. d. M. vormittags siel in der Wörtherstraße ein Kutscher von seinem Wagen, gerietst unter die Räder und wurde am Unterschenkel bedeutend verletzt.— Nachmittags fiel in der Leipzigerstraße ein Mann insolge eines Fehl- lritts hin und zog sich eine schwere Verletzung am jtnie zu.— In der Kommandantenstrage fiel ein Mann in Krämpfen zur Erde und verletzte sich erheblich am Kopfe.— Am 15. d M. vormittags wurden ein Rohrflechter und dessen Ehefrau in ihrer in der Pallisadenstraße belegenen Wohnung todt ausgesunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Mann seine Frau durch einen Beilhieb ahf den Kopf erschlagen und sich dann erhängt.— Im Lause des Tages fanden sieben kleine Brände statt. Geerckks�eikung. Das„Neue Wintermärcheu" vor Gericht. Wegen Ver- breitung verbotener Druckschriften stand gestern der Metall- schleifer Robert Roth vor der 7. Strafkamnier des Land- gerichts I. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Es handelte sich darum, daß der An- geklagte in einem Lokale der Alten Jakobstraße versucht hatte, das bekannte„Neue Wintermärcheu", welches s. Z. wegen der darin enthaltenen Beleidigungen gegen Kaiser Wilhelm I. be- schlagnahnit worden ist, zn verkaufen.— Der Staatsanwalt beantragte drei Monate G e f ä n g n i ß. Ter Gerichtshof kam noch nicht zu einer Entscheidung. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Bieber regte nämlich eine Reihe juristischer Gesichtspunkte an, die nach seiner Meinung eine Freisprechung des Angeklagten nothwendig machten. Er behauptete zunächst, daß der Angeklagte für die Schrift keinen Abnehmer gefunden habe, es sich also nur um einen Versuch handle, welcher nicht strafbar sei. Andererseits sei seinerzeit die Beschlagnahme wegen Beleidigung des Landesherrn erfolgt. Kaiser Wilhelm I. sei in- zwischen gestorben nnd wenn die neugedrnckte Schrift eine Be- leidigung seiner Person enthielt, so würde zu einer Straf- Verfolgung erst ein Antrag der Großherzogin von Baden ge- hören, der aber nicht vorliege.— Ter Gerichtshof vertagte die llrtheilsverkündigung aus den 22. d. M. VermiMites. Zum Uutergang des spanischen Kriegsschiffes wird aus Madrid berichlet: Mehrere englische Schiffe lind von Gibraltar abgegangen, um nach dem vermißten spanischen Kriegsschiffe „Königin Regent!»" zu forschen.„.... m ,.„ Auf eine Anfrage wegen der Fregatte„Komgrn Regentin erklärte der Ministerpräsident Sagasta rn der Deputirtenkainmer, Wrackstücke eines Kreuzers seien an verschiedenen Orten an der Küste gefunden worden. Er fürchte, daß die„Königin Regentin' verloren sei, er könne indessen nichts versichern. Ein marokkanisches Schiff, mit dem Sekretär der spanischen Gesandtschaft an Bord, ist von Tanger abgegangen, um längs der Küste bis Larosh Nachforschungen nach dem Verbleibe der Fregatte„Königin Regentin" anzustellen. Dviekkakkeu dev Nedakttvtt. Wir bitte» bei jeder Ansrage«ine Thiflre(Zwei Buchstaben oder ein« Zak.y anzugeben, unier der die Antwort ertheiit werden soll. Ein königlicher Gründer. Der für unseren gestrigen Leit» artikel benutzte Artikel der„Sächsischen Arbeiterzeitung" war von dieser, wie wir nachträglich erfahren, der„Leipziger Volks- zeitung" entnommen. R. d.„V." Genosse Arous ersucht uns, einen Druckfehler im Versamm- lungsbericht der Nr. 61 Seite 4 zu berichtigen. Statt„Unterschlups bieten", inuß es heißen„Unterschlupf entziehen". Die Stelle der„Neuen Zeit" 1893 I Seite 167 lautet:„Die Konsum- vereine der Zivilbeamten und Offiziere, der Handwerker und Arbeiter, sie alle entziehen, wenn sie gedeihen, dem Kleinbürger- thuin Gelegenheiten zum Unterschlups, oft zum letzten. Das ist ihre soziale Bedeutung, wenn auch auf diesem Felde neuerdings die Aktiengesellschaft und das individuelle Großkapital noch rascher aufzuräumen beginnen." Anfrage. Kann einer der Leser uns das Beranger'sche Gedicht vom„Gallischen Hahn", des genauen Titels erinnern wir uns nicht, verschaffen." Das Gedicht suchten wir vergeblich in den uns zugänglichen Sammlungen, auch denen auf der könig- lichen Bibliothek. Es ist entstanden nach dem Staatsstreich des 2. Dezember 1851, nnd der Dichter thut darin gewissermaßen Buße für seine einstmalige Verhimmlung des ersten M,>wl,an. die wesentlich dazu beigetragen hat, den zweiten Napoleon in Frankreich möglich zu machen. In diesem Gedicht führt der nationalste der französischen Dichter aus, daß nicht der Adler, dieser unnütze, gemeinschädliche Raubvogel, den der fleißige Bauer wegschieße nnd an's S ch e u n e n t h o r nagle, der nationale Vogel Frankreichs sei, sondern der biedere Hahn, der nicht blas das Muster der Tapfer- k e i t und der Wachsamkeit ist, sondern auch dafür sorgt, daß es in der Hanshaltnng gutes Fleisch uud nahrhafte Eier giebt. Das Gedicht— eine tödtliche Satire auf das Kaiserreich — wurde von der napoleonischen Polizei eifrigst verfolgt, was natürlich der Verbreitung nur förderlich war, und die Wirkung nur noch verstärkte. Das Gedicht ist vor Jahren auch von dent- scheu Zeitungen— in Uebersetzung— veröffentlicht worden.— Oppen bor». Sprechen Sie gelegentlich auf der Sie« daktion vor. O. P. in Z. Brief ist echt. Stadt Elbing. 42 000 Einwohner. E. 91. General- Stabsarzt der Armee ist Professor Dr. Coler. Porsch. Zeigen Sie den Fall der Staatsanwaltschaft an. O. H. 55. Sprechen Sie in der Redaktion vor. K., Schwedenstraffe. Wenden Sie sich an daZ Vor. mimdschnfls- Gericht.— Berustedt. Zu 1: Ja. Zu 2 Nur mit landesherrlicher Erlaubniß. Zu 3: Nein: Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Nedaktio» dcm Pnbliknm gegenüber keinerlei BerantMortnng Theater. Sonnabend, den 16. März. Gpernhans. Cavalleria rusticana. Das goldene Kreuz. Schanspirlhaus. Wie das Alten sungen. Deutsches Theater. Er. sie und er. Drohnen. Lesstng-Thrater. Am Spieltisch des Lebens. Kerliuer Theater. Madame Sans- Gene. Destdriit-Theatcr. Fernand's Ehekontrakt. Uene« Theater. Hans der Träumer. Kchillrr-Theater. Die Journalisten. Friedrich- DIllhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Theater Unter de»« Li»»d«»r. Ma- rocco Bound. Central-Theater. Unsere Rentiers. Adolph Grnst-Theater. Ein fideles Korps. Vorher: Gesindeball. Kellealiianre- Theater. Verliebte Mädchen. Aleranderplatz- Theater. Durch- gegangene Weiber. Uational- Theater. Die lebende Brücke. Relchohalletitheater. Vorstellung. Amrrlran- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Aanfniauu'v Uaristö. Spezialitäten« Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Scliiller-Tliealer. (Wailnep-Theaüer.) Sonnabend, 16, März, abends 8 Uhr: Die Ionrnalistrn. Sonntag, 17. März, nachm. 3 Uhr: Kabale nnd Liebe. Abends 8 Uhr: Krieg im Friede». Letzter Dichter-Abend. Im Bürgersaale des Rathhauses, abds. 7Vs Uhr: Schiller-Abend. Ztlontag, 18. März, abends 8 Uhr: Wraechno, der Uolkotribnn. Dienstag, 19. März, abends 3 Uhr: Die Journalisten. Mittivo ch, 20. März, abends 8 Uhr: Kabale«nd Liebe. Spezialitäten- �äolpdLrust-rdeater �vktreteii der ersten Pironette- n. CourLette-Tänzerin Englands vom Prince of Wales-Theater in London. Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen Original„A Gaiely Girl" von Jones Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kre». Vorher: Geflnvelsoll. Schwank in 1 Akt von Ed. Jacobson und Jean Kren. Anfang 7>/2 Uhr. Hational-Theater. Große Franksurterstraße 132. Direktion: Max Samst. gSp Sensationelle Novität! Gastspiel der amerikanischen Gesellschast William Calder Die lebende Brücke. Großes Sensationsschanspiel mit Musik in 4 Akten(11 Bildern), nach dem Eng» lischen von Siitto» Vane, übersetzt von H. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. Elektr. Beleuchtungsesfekle v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Kasseiiösfnnng 6>/2Uhr.— Ans. 7>/sUhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spirikismu». Drama in fünf Akten von Karl Wald. ventral-l'kLatkr Altr Jakobstraffe Dr. 30. Emil Thomas a. ü Novität! Zum S9. Male: Novität! Unsere Rentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mannstädl und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang Ve8 Uhr. Unter den Linden 2t. Ben-Ali-Bey zum 187. Male. Heute Sonnabend: Beneiiz der orientalischen Zauberin Snlamith. Preise der Sitze 3, 2 und 1 Mark. 59 Sanssouci" Kottbuserstraffe 4a Jeden Sonntag n. Donnerstag: Stettiner Sänger. 4266. Soiree in Berlin. (Meyseli Pietro, Brittoni Steldl, Krone, Röhl und Schräder.) Ans. 7 Uhr. Entr.SvPf. Zum Schluß: Nen: 'Öri' Komisches Ensemble. Allen Freunden».Bekannten empfehlt mein Weih- n. Bairischbier- Lokal mit kleinem V e r e i n s z i m in e r. VaraimKr�Wilh.Silhttbttg- Kaufmann's Variete Station Nancke genannt 8»/» u. 9V, Uhr. .star" Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am LancSes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Feen- PaSast Dnrgstr. 22, nebe» der Hörse. wsisaw und seine originell dressirlen Esel, Schweine, Ferkel, Katzen, Hunde, Hühner u. s. w. Blondin junior. Der beste Tanzkünstler d. Gegenwart. Olli». ZUbino. ????? Das Räthsel.????? Wilkvln, Fröbel mit einer ganzen Waggonladung neuer zündender Eonplets. !!Gro88C8 Programm!! Anfang: Wochent. TVs, Sonntags GVeUhr. KafsenLffii. 1 Stde. vorher. Unserm Vorstand 31l7b Bugen Katzke ein donnerndesHoch. Eugen, laff' gießen. Artisteuverein„Vereinte Kraft." Koift> Srallmi Tempelhofer Verg. 57. Bock-Saison. Militär- Konzert. Anfang 5 Uhr. Sonntag« 4 Uhr. ITriinva Gnirlanden u. Kiame» iv.1 allACj empfiehlt zu sden billigsten P«is-n Wliz SflfOllijj, Koppenstr. 4ö, an der Friedenstraße Passage-Pailopti«. 27 Gitauos (audalnsische Sänger, Tänzer n. Tänzerinnen) Vorstellung um 4, 5, 6, 7, 8 u. 9 Chr. SV Achtung I Zahnersah, auch Theilzahl., wöchentl. l Mark, G n ck e l, Lansitzer Platz 2, Elsasserstr. 12. Parodie-Moator Granteu Straffe 58(am Moritzpl.) Die Weber. Vorher: Madame Sans-Gcnc. Zum Schluß: V.viinktth. Kaffeneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 71/2 Uhr. Gastan's Panoptikum. M Nch nie hgenicfciil�S Dir Dir je» de» dunllrin Vrdiheil«: Die Dinka, 40 Männer, Krane»«. Kinder. Das scheckige Mädchen Marieita. „Präsiilent Faure". Bereinsziminer zu verg. Krautstr.3g Gnies Ackerland, p. s�j Ruthe 20 bis 35 Pf., weift nach, Zornow, Restaur. in Treptow. W AM Äoeker'S Restaurant, Nm!M'.78. Terkehrslokal nnd Arbeitsnachwels der Musikinstrumenten-Arbeiter. GemtitblFamlltenaafentlialt. Vereinsziranier. Franz. Billard. Nnffbanm- Möbel. Verkaufe sof. vollständige Wohn- uud Schlafzimmer-Einricht. spotlbill., auch einzeln, sowie Regulator, Teppiche, Bilder, Steppdecken, Plüschgarnitnr (Brautlenten empfehlenswerth). Land- wehrstraße 5/6.* Gekauft werden stets: jede Anzahl weißer Tanzmäuse, Mehlwürmer, Lach- tauben, Brieftauben, Flngtauben,Krops- tauben, Meerschweine, Kanie»chcn,Eich- Hörnchen, Vögel. Auch Verkauf von Vogelleim. Schlagnetze. Goldfische, frisches Futter, sl) Redtmann. Jetzt: Berlin. Grüner Weg«5. Kanarienhäh. u. Weibch. verk. Krüger, Friedr. Karlstr. 32lV(Friedrichsberg.) Sopha, bill. z. verk. Meier, Grüner- Weg 63. s6 Sonnabend, den 16. Mflrzi Groffe» MllikN-UiiMkil. Hierzu ladet sreundlichst ein Fi». Zubeil, _ ■IMHII IUI— IWIIIIMBI Deutscher Metallarbeiter-Verband. Filiale Berlin(Norden). Sonntag, den 17. März, vorm. lO1� Uhr, im Kolb erger Salon, Kolbergerstr. 23: ÜBT Versa«»»nlung."WU Tages- Ordnung: I. Stichwahl zur General- Versammlung in Magdeburg. 2. Vortrag des Heern vr. Beutler über:„Wasser als Heilmittel." 3. Verbandsangelegen- heiten und Verschiedenes._ 179/17 Achtung'! Achtung! Maurer Berlins vom gamen Norden. Im Interesse unserer aller in der Gewerlschast ersuchen wir die Kollegen, jung und alt, diesen Konntag, den 17. März, vormittags 9V2 Uhr, alle Mann zu erscheinen, die auf lokalem Boden stehe», 189/7 i,l VviK's Bierhaus, Smllelitiilckrßr. 20, am Vinetaplatz, denn es liegen wichtige Sachen vor, die zu besprechen sind. Darum, pünktlich zur Stelle. Mit kollegialischem Gruß Der Vertrauensmann: Herrn. Schulz, Swinemünderstr. 33. Mler und BerWuchu. Die Kranzniederlegung zu Ehren für die Märzgefallenen findet Sonntag, 17. März, nachmittags statt. Treffpunkt 2 Uhr bei Stramm» Rilterstr. 123 und SVs Uhr bei Miedemaun, Blumenstraße 38. 183/16 __ Der Dertrauenomaun der Kerliner Maler. Achtung! KüxitaHF. Achtung! Grch Deutliche Volksversluuiulullg für Männer und Frauen »m NNantsg,«ten IS. sdanet« S uvr, in, I-vitsl« lis« Herrn vkiersing, Kneaebeatlsti-ssso Ho. 77. Tages-Ordnung: I. Der 18. März und feine Kedeutnug. Referent Genosse PsiiI Jahn. 2. Diskussion. 3. Wie seiern wir den 1. Mai? 259! 10 Die Dertrauenoperfo«. Achtung! Rixdorf. Achtung! Deutscher Holzarbeiter- Derb and. Konatag, den 17. d., nachm. IV- Uhr, im Kummer'schen Lokale, Berlinerstr. 136. Vevsammlungm'WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Sassenbach über:„Freimaurerthum". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 263/6 Die Kollegen der Werkstätten von Börnicke, Tischlerei, Kottbuser Damm 166; Melcher, Stellmacherei, Kottbuser Damm 87; Hinz, Kisten- fabrik, Schinkestr. 11; Möller, Tischlerei, Schinkestr. 11, sind hiermit zu dieser Versammlung eingeladen. Die Grisoirmaltung. Uerbond aller im Dandel und Transport beschäftigten Wlssarbeiter. Heute, Sonnabend, den 16. März 1895, in Keller's sammtlilheu LMitiiteit, KlMch. 29, an der Großen Frankfurterstraße: - Grosser Wiener Maskenball. Neu! Lebende Bilder. Neu! Um 12 Uhr: Demaskirung. Anfang 9 Uhr. Entree 50 Pf. Ende??? Die Ballmusik wird von drei Kapelle» der„Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker" ausgeführt. 136/7 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Killet« sind im Bureau, Neue Grünstraße 16, I(Telephon Amt I 816), in den Zahlstellen sowie in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu habe». Herren-Anzüge nach Maass 33 Sommer-Paletots nach Maass 30 Einsegnungs-AnzUge nach Maaß für 80 M. in guten reinwoll. Stoffen. Frilbjahrs-Hüte in modernster Ausführung für Damen und Kinder, garnirt und ungarnirt empfiehlt zu billigsten Preisen 5. 5» Kon, Aleranderstraße 22, nahe dem Bahnhof Jannowitzbrücke. Wichtig für Jedermann! Gegen wollene Lumpe» aller Art liefern moderne, haltbare Kleider-, UnOerrocke- und Läuferstoffe, Schlafdecken, Teppiche, sowie Kuckski», blau Cheviot und Loden anerkannt billig.— Muster frei. Gebrüder Cohn, SMfiiftföt d. Harz 7. Sammelstelle und Musterlager in BeHin i NW., Liibeckerstr. 36 v. I. bei Frau K. Jablonoky, sowie in deren Filialen: v., Hirtenstr. Ä1 und Prenzlauerstraste 18, bei C. Kau«; N., Zionskirch-Platz 3 bei A.«oebler. 14651,» ITiinall 7slina2M. Tollst.sclimerzl. ZaliazlehenlH. Plomben 1,50 H.Rep IVUnSU.�dllliCgof, ihellz. Zahnarzt Wolf, Lelpzigeratr. 22. Spr. 8-7 Ohr. Achtung! Achtung! WlWerm fiiriicnß.Miuct ReiWllgs-WlWreis. Das Mitglied August 8iegert, Maurer, wird morgen, Sonntag Nachmittag 4 Uhr, vom Moabiter Krankenhaus, Birkenstraße, aus, beerdigt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht vun Vorstand, Achtung, Kurtmrbtittt! Allen Kollegen und Freunden die traurige Nachricht, daß unser Kollege .lulöus Göritz nach langem, schwerem Leiden am Donnerstag, den 14. März, sanft entschlafen ist. In dem Dahingeschiedenen ver- lieren wir einen treuen Freund, einen Kollegen, der bis zur letzten Stunde seiner Thätigkeit stets seinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 17. März, nachmittags 3l/2 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgenkirchhofes in Weißen- sc- statt. 3114b Die Kollege» der Firma Eduard Iacobsohu.| Am 14. d. M, mittags 12 Uhr, entschlief nach längerem Kranksein mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater, Bruder und Onkel, der Werkführer Julius Göritz, im 39. Lebensjahre. 3115b Dies zeigen tiefbetrübt an die Hiuterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. März, nachmittags 3�/s Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgenkirchhoses in Weißen- fee statt. Alle» Genossen und Bekannten die traurige Miltheilung. daß meine Frau am Mittwoch, den 13. März, verstorben ist. Die Beerdigung findet statt: Sonntag nachmittags 5 Uhr von der Leichenhalle des Emauskirchhofes. s31I3bj Der trauernde Gatte Kohlenhändler A. Ziel nebst Kindern, Pücklerstr. 51. Dsnhsugung. Für die rege Betheiligung bei der Beerdigung meines unvergeßl. Mannes, unseres guten Vaters, sage ich allen Freunden, Bekannten und Kollegen so- wie dem Lotterieverein Süd-Ost für ihre Kranzspenden unfern tiefgefühlten Dank. sl5bj Frau Pohl nebst Kindern. für Brautleute: Im Möbelspeicher Neue Königstr. 59, vorn l., sollen über 166 Wirlhschaftseinrichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene u. neue Möbel spottbillig verkauft werden. Ganze Einrichtungen 166, 156, 266— 1666 M. Theilzahlnng gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspinden 15, Küchen- spinden, Kommoden 12, Sophas 15 M., Bettstellen mit Sprungfeder-Matratzen 18, Nußbaum-Kleiderspinden 36, Stühle 3 Mark, hochfeine Muschelkeiderspinde» 46. Plüschgarnilnre» 66 Mark, Herren- schreibtische, Damenschreibtische 36, Cylinderbureaus, Schreibsekretäre 15 Mark, Garderobenspinde». Paneel- sophas 75, Büffets, Trumeaus 65 M., Betten, Coulissentische, alles spott- billig. Auch einzelne Gegenstände werde» zu Engrospreisen verkaust. Empfehle allen Herrschasten, mein größtes Möbellager Berlins zu be- sichtigen u. sich von den staunend billigen Preisen zu überzeugen. Gekaufte Möbel können bis April kostenfrei stehe» bleiben und werden durch eigene Ge- spanne transportirt und aufgestellt. Spandan. Dienstag, d. 19. d. M., abends 8 tthr, i. Lokale d. Hrn. Bork, Staakenerstr. 14, Lejseutliße Volksversumluilg für Männer nud Franen. Tagesordnung: 1. Der 13. März und die Umsturz- vorläge. Zieferent: P. Iah». 2. Die Maifeier. 3. Neuwahl der Lokalkommission. Um rege Betheiligung bittet [123/9] Der Bertraueusmaun. Material- Gemüse- Kohlen- Geschäft z.jverk. Osnabrückerstr. 1, Charlottenburg. Meuchruf. Ein Leben reich an Arbeit ist erloschen. Am Donnerstag, den 14. März, verschied mein Werkführer, Herr Julius Göritz» 3113b welcher seit 26 Jahren mit unermüdlichem Fleiße für meine Fabrik thätig gewesen ist. Sein biederer Charakter gewann ihm die Herzen aller, die mit ihm in Berührung gekommen. Jedem als Vorbild dienend, war er stets bestrebt, seiner Pflicht in jeder Beziehung voll und ganz nachzukommen und hat sich dadurch meine Dankbarkeit und Anerkennung bis über das Grab hinaus erworben. Lduard Jacobsohn, Kartonfabrik, Landwehrstr. 11. dlfhiltim'' Uerewshans» Wuhauser Allee 28. 4-» s s jU Festlichkeiten u. Versammlungen. Destillation. Auch Sonntags an Vereine zu vergeben. filax Mörschel. Möbel aller Art, in Mahagoni n. Nussbaum in grösster Answ. billigst bei A.Schatz sr.,Brunnenstr. 160. WW" Für Wiederverkäufen!"HWI Ger. Schinken 6—12 Pfund schwer, ä Pfd. 65-80-86 Pf. Ger. Speck, von 5 Pfd. an, a Pfd. 56-60-63 Pf. Salami-, f. Leber- u. Schlackwurst, 5 Pfd. gemischt, ä Pfd. 75 Pf. Roth-, Zwiebel- u. 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In dieser Versammlung hörte er K o v a c s sagen:„Die Besitzenden sind Hunde, Blutsauger und Parasiten. Am 1. Mai werden wir unsere Kinder von den Herren nach Hause holen,'damit sie etwas lernen und nicht verdummen." Auf Befragen erklärt Zeuge, den Eindruck gehabt tzu haben, daß er mit den Schimpfnamen die Großgrundbesitzer belegte.— Vors.: Ist das wahr oder nicht?— Angeklagter will Einwendungen machen, wird aber durch den Vorsitzenden daran verhindert, mit dem Hinweis, er solle„Ja" oder„Nein" sagen. — Verth.: Ich bitte den Angeklagten doch Richtigstellungen machen zu lassen, es geht doch nicht an, daß er verklagt wird, ohne sich vertheidigen zu können.— Vors.: Also K o v a c s, was wollen Sie sagen?— Angekl.: Daß wir unsere Kinder nach Hause holen werden, habe ich gesagt, das übrige aber nicht. — Verth.: Zeuge, woraus schließen Sie, daß er die Groß- grundbesitzcr geschimpft hat?— Zeuge: Weil das, was er gesagt hat, nur ans sie zutrifft.— Alexander D a r n. Polizist, hörte, daß die fünf Angeklagten Joses und Stefan Lugosi, Oranz.Merai und Z s a ck o die Herausgabe Sz. K o v a c s verlangten. Zeuge hat einen Hieb bekommen. Alexander K i ß, Polizist, erkennt den Angeklagten Paul K a n e z als einen derjenigen, die schrieen. Ludwig Scabo, städtischer Beamter, erzählt, daß der Angeklagte M e n e s i bei ihm wohnte, und ihm erzählte, er habe de» Stadthauptmann P o k a mit einem Stein beworfen und de» Polizeikommissär V a s o a r i mit den Fäuste» bearbeitet.— Vors.: Sagen Sie M e n e s i, leugnen Sie noch?— Angekl.: Ja. Dieser Mann ist mir einen Gulden schuldig, ich habe ihn verklagt und darum haßt er mich.— V e r t h.: Herr Zeuge, sind Sie verurtheilt worden zur Zahlung? Zeuge: Ja.— V e r t h.: Und haben Sie schon bezahlt?— Zeuge: Nein.— Verth.: Sind Sie Sozialdemokrat?— Zeuge: Siein.— Verth.: Und dennoch zahlen Sie nicht? Ich höre hier immer davon, daß u u r Sozialdemokraten nicht bezahlen. Josef Z o n» b o r i, Kontrolleur der Verzehrungssteuer, hat eine Person während des Krawalls beobachtet, kann dieselbe unter den Angeklagten aber nicht finde». Michael Molnar, Polizist, beschuldigt die Angeklagten A s z a l a i und B o d r o g i der Theilnahme an dem Krawall. Stefan Ellk, Polizist, beschuldigt die Angeklagten Aranz, Bariesa, Merai. Ecseki, Szilagzi, Borsos, Zoarko, Lugasi und Szapkaes der Theilnahme. Als Zeuge dem Angeklagten Merai in's Gesicht sagt, was er gethan hat, er- widert dieser:„Geehrter Gerichlehos! Dieser Zeuge hat mir gesagt, daß der Polizist Hajdu darum zu in Korporalava n zirt ist, weil er gegen uns aus- g e s a g t h a t." Vors.: Zeuge, sagen Sie mir, ist der Hajdu nach dem Krawall avanzirl? Zeuge: Ja. Angekl.: Und der Zeuge will sich auch auf diese Weise die Charge verschaffen. Der Angeklagte Zoarko erwidert dem Zeugen, als er ihn beschuldigt:„Ich wünsche Ihnen, Sie sollen so leben, wie Ihre Anklage ivahr ist. Ludwig Zenke, Kaufmann, hat den Angeklagten Kör- möndi an der Spitze einer Truppe mit einer Latte in der Hand gesehen. Hiermit schließt die heutig« Verhandlung. Morgen werden weitere Zeugen vernommen. VerftmuttUmgen. Tie am Sonntag, den 3. d. M., in ziemlicher Anzahl bei Nöllig versammelten Parteigenossen aus dem Reichstags- Wahl- kreise Stralsund-Franzburg- Rügen vollzogen die Koustiiuirung eines Agitalionsvercins jür den genannten Wahlkreis. Der Verein hat nach§ 1 der Statuten den Zweck,„seine Mitglieder in geistiger und politischer Beziehung heranzubilden, sowie die sozialdemokratische Agitation in dem Wahlkreise Stralsund- Franzburg-Rügen zu unterstütze n". Mitglied des Vereins kann jeder Genosse werden, welcher das 18. Lebensjahr überschritten hat und sich mit den Tendenzen des Vereins ein- verstanden erklärt. Ter prov. Vorstand besteht aus folgenden Per- sonen: Cchuldt erster, Sump zweiter Vorsitzender; Kraschwitz erster, Hansen zweiter Kassirer; Schultze erster, Werner zweiter Schrislsührer. Tie Vereinsversammlnngen, deren nwnatlich zwei an noch näher zu bestimmenden Tagen statlsinden sollen, werden im Vereiuskalender bekannt gegeben. Ausuahmegesuche sind an G. Kruschwitz, Rammlerstr. 31, zu richten. In Schueider's Gescllschaftshaus tagte am 3. März eine öffenttiche Versammlung der Slaaker, welche die Gründung eines Vereins auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung zum Zweck hatte. Das Referat hatte Genosse R. Aug« st i n übernommen, der in treffender Weise den Werth einer Arbeiter- Organisation darlegte. In der Diskussion drückte» niehrere organisirte Arbeiter aus anderen Gewerkschaften ihre Befriedigung aus, daß es nunmehr auch die Staaker angemessen gehalten hätten, sich zu organisiren; es frage sich nun, ob es nützlicher wäre, sich einer bereits bestehenden Organisation anzuschließen oder eine neue zu schassen. Tie an der Diskussion iheilnchnien- den Staaker traten bei der Eigenartigkeit der Branche für eigene Organisation auf lokaler Grundlage ein; demgemäß wurde dann auch beschlossen. Sodann wurden die drei Mitglieder des Bureaus zu provisorischen Geschästsleitern gewählt und beauftragt, Statuten vorzubcrathen und eine rege Agitation zu entfalten. Die nächste öffentliche Versammlung soll ain 24 d.M. statlsiuden. Tagesordnung und alles nähere wird durch Inserat noch bekannt gemacht werden. Sämmtliche in der Versammlung anwesende Staaker erklärten durch Namensunterschrisl für den neu zu gründenden Verein ihren Beitritt. Ter Verein deutscher Schirmmacher hielt am 4. März eine Sitzung ab. Wie von dem Vorsitzenden bekannt gegeben wird, befinden sich die Kollegen in Nürnberg im Ausstand, Ziedner ersucht um recht eisrige Unterstützung der Streikenden. Von mehreren Rednern wird auf die Mißstände im Arbeits- Nachweis der Innung aufmerksam gemacht. Es wurde deshalb der Vorstand beauftragt, für die Gründung eines Arbeits- Nachweises die geeigneten Schritte zu unternehmen. Die Möbelpolirer hielten am 16. März eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab mit der Tagesordnung: die Differenzen in der Nähmaschinen-Möbelfabrik von Lukat u. Weißelberg, Cuvrystraße 46. Zu dieser Versammlung waren die genannten Herren besonders eingeladen, aber nicht erschienen: dagegen waren die gleichfalls eingeladenen Fabrikanten Laborenz, Just und Neundorf anwesend. Der Referent, Kollege Weber, gab einen kurzen lleberblick über die elende Lage der Arbeiter bei der erstgenannten Firma. Kollege Wolfs erstattete sodann Bericht über das Ergebniß seiner Unterredung mit Herrn Weißelberg und konnte mit- theilen, daß genannter Herr sich bereit erklärt hat, die an gekündigte Lohnreduzirung zurückzunehmen. Die anwesenden Herren Laborenz und Just erklärten es für unwahr, daß die Herren Lukat u. Weißelberg, wie diese behaupteten, durch ihre billige Konkurrenz gezwungen würden, niedrigere Löhne zu zahlen. Dies gehe schon daraus hervor, daß einmal ihre Poliere mehr verdienen und zum andern, daß sie durchweg höhere Preise von ihren Kunde» erhalten, als Lukat u. Weißelberg. Die anwesen- den Kollegen erklärten die Aussagen ihrer Chefs für richtig. Nach längerer Debatte richtele Kollege Reuter einen lebhaften Appell an die Anwesenden, sich zu organisiren, der Werth einer Organisalic' gehe wieder recht deutlich aus diesem Fall hervor Tie Sckinhmacher beschäftigten sich am II. März in einer öffentlichen Versammlung, die sie in Keller's Lokal, Koppen straße, abhielten, zunächst mit der Stellungnahme zur diesjährigen Feier des l. Mai, Mehrere Redner erklärten sich für allgemeine Arbeitsruhe und eine einhettliche Feier für alle in der Schuh- iudustrie beschäftigten Arbeiter in derselben Weise wie im Vor- jähr. Vormittags soll eine öffentliche Versammlung und als- dann ein Ansflug staltfinden. Die Versammlung stimmte diesen Vorschlägen zu und ermächtigte German, mit den Ver- trauenspersonen der übrigen Spezialbranchen in Verbindung zu treten, damit auch diese eifrige Agitation für eine ani 3. Ostcrtag stattfindende öffentliche Versammlung aller Branchen der Schuhindustrie betreibe», in der dann endgiltiger Beschluß über die Art der Feier gefaßt werden soll.— Bei dem Bericht über die Thäligkeit der Gewerkschastskommission bemerkte der stellvertretende Delegirle Schädlich, daß Krause, der inzwischen verschollene eigen! liche Vertreter der Gewerkschaft, der Kommission die vor zwei Jahren ihm überlieferten 366 Marken ebenfalls noch nicht ab- gerechnet habe.— Dem„Antrag Massini"(Aufbringung der Mittel durch Sammelmarken) ertheilte die Versammlung ihre Zustimmung nicht; sie erklärte sich für Beibehaltung der Listen- sammlnng. von der sich N i e d e r a u e r u. a. größere» Erfolg versprachen. Zum Telegirten beziehungsweise Stellvertreter in der Gewerkschastskommission wurden German und Schädlich und in die Agitationskonimission H ü h n e und Schenkel ge wählt.— Vorgebrachte Beschwerden über die Zustände auf der Junnngsherberge und deren Arbeitsnachweis sollen die Tages ordnung einer kombinirten Vereinsversammlnng bilden. Eine öffentliche Filzschuharbciter- Versammlung tagte am 11. März, um Stellung zum Antrag Massini, betreffend das Sammelwesen und zur Maifrage, zu nehmen. Elfterem gegen- über nahmen die Versammelte» eine ablehnende Stellung ein. In bezug auf de» I. Mai wurde Arbeitsruhe an dem Tage be- schloffen, die Feier selbst soll sich wie im vorigen Jahre gestalten. Tie vorbereitenden Arrangements wurden Williner übertragen, und ihm aufgegeben, darüber in einer demnächst stattfindenden öffentliche» Versammlung der Berufskollegen aller Branchen z» berichten. Bezüglich einer Stellungnahme gegen die Firma Simon u. Komp. waren die Versammelten gctheilter Mcninng. Eine Minorität verlangte sofortige Verhängung der Sperre über genannte Fabrik, während folgende Resolution die Majorität für sich hatte:„Die Versammlung erkennt an, daß jeder Arbeiter, der es mit der Arbeiterschaft ehrlich meint, die Fabrik Simon u. Komp. zu nieiden bat; die Sperre derselben stellt sie auf eine» geeigneteren Zeitpunkt zurück." Zum Schluß wird bekannt ge- gebe», daß am 20. März die nächste Vereinsversammlung stattfindet. Das Referat hat Herr Dr. Böhm zugesagt. Fricdrichsfelde. Im hiesigen Arbeiter- Bildungsverein sprach am Sonnlag, den 3. März. Genosse M e tz n e r über„die neue Tabak- Fabrikatsteuer". Redner erntete für seinen inter- essanten Vortrag reichen Beifall und gelangte sodann folgende Resolutiov einstimmig zur Annahme:„Tie Versammlung erklärt sich mit den Alissührungc» des Referenten einverstanden und protestirt entschieden gegen eine weitere Besteuerung des Tabaks. Tie Versammlung ist der Ueberzeugung, daß die Tabak-Fabrikal- steuer den Lebensnerv der Tabakindustrie unterbindet und zirka 46 666 Menschen brotlos macht. Wir ersuchen daher die Sieichs- lagS-Abgeordneten. diese neue Vorlage ganz energisch zurückzu- weisen." FricdrichSberg. In Schneider's Gesellschaftshaus, Pros- kauerstraße 38, fand am 7. März eine öffentliche Versammlung statt. Reichstags-Abgeordneter Z ub ei l besprach in einem lebhaft äpplaudirten Vortrage die Pläne der Reichsregieruug und de» Standpunkt der verschiedenen Parteien zu der Tabaksteuer- und Umsturzvorlage. An der Diskussion betheiligte sich ein Tabakarbeiter Lehman», der ebenfalls wie der Referent zu einem entschiedenen Protest gegen die Tabak-Fabrikalsleuer ans- forderte. Die Berliner Resolution gelangte auch hier zur ein- stimmigen Annahme.— Die Abrechnung der Bierboykott- Kommission des Ortes, welche Genosse Kopp verlas, weist eine Einnahme von 147 M. und eine Ausgabe von 192 M. aus. Das Defizit wurde aus Tellersammlungen gedeckt. Nach Erlheilung der Tccharge erfolgte Schluß der Versammlung. In Charlottenburg tagte am 10. März eine gutbesnchte Volksversannnlnng, in der Fräulein Ottilie Bader den aus- merksamen Zuhörern einen recht anregenden Portrag hielt über das Thema:„Fordern die Frauen das politische Wahlrecht?" Ihr Einvcrständniß mit den Ausführungen der Referentin drückte die Versammlung durch den reichen Beifall aus, den sie der Vortragenden zollte, und durch die einstimmige Annahme der bekannten Resolution. Rixdorf. Am 16. März tagte hier eine Versammlung der Bau- und gewerbliche» Hilssarbeiler, in der Genosse Gaß- m an» über die Mißstände im Baugewerbe sprach. In der Diskussion bemerkte Hein«mann, daß er bei der jetzigen Jahreszeil vielfach eine Bude auf den Bauten vermißt habe, in der die Arbeiter ihre Mahlzeiten einnehmen oder die Ruhepause verbringen können. Sodann gelangte eine Resolution zur An- nähme, in der zum Anschluß an drc Organisation aufgefordert wird. Zum Schlich macht der Vorsitzende bekannt, daß auf dem Bau in der Steinmctzstiaße bei dein Unternehmer Hirschfeld der Lohn von dem Vorarbeiter Kopsch für das Steiuelragen pro Mille um 70 Pf. heruntergedrückt wurde. AUg»m»>ne Krank«», und Kt-rkrliair« btt ztlrt.'lla» k-i»»r. «S. H. 29, Hamburg.» Ftlwle Berlin 9. Mllglledcrversammiung Sonnabend, den 16. Marz er., abends ii\ Uhr, Mameuflcllirabezs..«alsenbericht und Verschiedene?.! AUg»nr>»« Kranken- und Ktrrkrkall'« d«r ZtletaUarbrlter. IIS. H. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 16. März, abends 9 Uhr, bei Tiele, Lolhringerftr. 67. Mitglieder-Versammlung. herein Keriinrr Schirmiuacher. Sonnabend, den 16. März, abends 9 Uhr, im Lotalc vo» Röllia. Neue Frisbrichstr.«t: Sitzung.! zl»rs»»ng»ngoklub..Gefellitzkeil". Sonntag, den 17. März, abends 6 Ubr, im KonzerlhauS TanSlauei,»oltbuserftr. 4»: SesellschaslZabend(Tanz und Vorlräge). Kerein deutscher blich« Sonntags- W rihmacher. Sonntag, den 17. d OTIS, Versammlungen mit gemütblichem Belfamnieiisein: Zahlstelle l bei Wtlks, Nndreai- straße 26: Zahlstelle 2 bei Augustin, Kastanie»- Nllee n: Zahlstelle z bei Specht, Marlgrasenslraße 96.(Näheres stehe Inserat in ver San, Nummer.) Arbeiter- Sild»ng»sch»l». Sonnabenb Abend 7%—lX Uhr: Lektüre. «)(— lox ilhr: Nard-Schule, Müllerstr. I79a, DtSkutir-Uebunaen; Süd- O st-S ch u l e, Waldemar str. Ii; DiStulir-Uebungen.(Thema: Punkt 9 des Erfurter Programms über Unentgeltllchteit der ärztlichen Hilselelstung. Leiter: Dr. Heymann, vlefereni: Eenoffc RäSner.) Unsmgeltllch. Bei allen UnlerrichiSsächern werden neue Theilnehmer, Danisn und Herren, sederzeit aufgenominen. Art, riter-Sii Ii gerbuird Kerl,»»»nd zlingegend. Vorsitzender Ad. Neumann, Paseiralkerstr. 8. Alle Aenderungen im BereinSIalender sind zu richlcn an Friedrich Kortum, Manlcuffelstr.<9, v. 2 Tr. Ho», iahend, Abends s—ll Uhr: Ucti»!t>s>.unde und Aufnahme neuer Milaliedsr. Gesangverein E S m e r a I b a, KönigSbergerstr. 6 bei RaSlowSly.— Grüne Eiche, Rtrdorf, Hermannsir.<8, Gele Heirsurihstraße, bei HeilkauS.— Lyranta, Lands- bergir Allee Ib« bei Goebcl.— CongsS-Echo, Naunynstr. 86, bei Zubeil. — Glück zu, Paicwolkerstr. 3 bei Reumann.— Geluudbrunner OTänuerchor, Prinzen- Allee 10 bei Bergmann— Männer-Gesang- verein Lieberkranz in Brandenburg a.b. Havel, Mengeri'S VolkSgaricn, Bergstr. 6.— D e u I s ch e E t ch e II, Brandenburg a, d. Havel, Hauplstrahe, Minlel'S Salon.— F r i i ch auf I, Friedrichsberg, NuminelSburgerslr. 2Z bei Emil Zleumann.— Säugerlusl. Luckenwalde, Beelitzerstr. 3« bei Ono Schulze.— Männer-Eesangverein Fori schrill, KonigSberaerslratze 2» bei Leichnitz—Hand in H a n d II, Friedrichsberg, Friedrich Karlttr. u bei Emil Hetnecke.— Männer-Gesangverein Im in e rg rü n, Tegel, Span- dauerstr. 18 bei C. Rentner.— OT o a bi t, Havelbergerstr. 81.— Frei« Sänger, Schmargendorf. WirihShauS Friedrich.— Hand in Hand l, Relchenbergerstr. 2t bei Zauschke. Kund der tzcsellige» Arbeitervereine Kerli»» u»d jlnigegeud Alle Zuichrifien, den Bund der geselligen Arbeiiervereine betreffend sind zu richten an: P. Gent, Adalberlslr. 95. Konnadeud: Thealerverein L e l! t n g, Blumenstr.«s bei Tarmuschat(jeden 8. und «. Sonnabend). Gesang-, Turn- und gesellig« Redriur. So,», abend. Turnverein Fi chic(Mitgl. d. Teultchen Alb.-Turnerb.) turnt heule: I. Männer-Abih. Frtedcnür. 37.— 3. Männer-Abih. Boeckhftr. 21.—». Lehrll»gS-Abih. Ekalitzerstr. 88—83.— Gcniischler Chor E leichheil. Abend»» Uhr, Zwinglistrastc 6a im Restaurani. 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Vielleicht wird jedoch der Vorstand an seiner Ueberzeugung zweiselhaft, wenn er erfährt, daß sein Gewährsmann, der das Material gegen mich liefert, noch in meinem Bureau thätig ist, und daß die Nachricht. ich hätte einem Schreiber vo» 33 Jahren 36 Mark Gehalt ge- boten, erlogen ist Für diese Summe hat ein Schreiber, angeblich vom Arbeitsnachweis der Bureaii-Aiigestelllen lomiiieiid. vergeblich Stellung bei mir gesucht. Es wäre für die Glaubwürdigkeit des Gewährsmannes des Vorstandes sehr vortheilhaft, weiui dieser berichtet hätte, daß der„erste Kanzlist" mit 55 Mark Gehalt an der linken Hand und Seile getälimt ist, daß der �die Schreib- Maschine bandhabende und der Stenographie mächtige junge Mann" mit 46 M. Gehalt 16 Jahre alt ist, der vorher anderiveitig 20 M. erbielt und erst vor 3 Monaten das Maschinenschreiben erlernt hat. Ter GewähiSmaiiu hätte dem Vorstand sagen können, daß >�... cv>__ i» 6 � Li. T r, CID /XirtfsrtTß*>13>",».4\ f /■«>•(** Kt- r 14. der„Registrator" mit 75 M. Gehalt mit Rücksicht aus persön liche Verhältnisse eine Arbeitszeit von sieben Stunden hat. Der Gewährsmann hätte dem Vorstände sagen können, daß der zweite Schreiber mit 06 M. Gehakt Monate lang arbeitslos war, bei mir, wenn auch nur für 14 Tage, um Arbeit nachgesucht hat, daß er, obwohl in ineinem Bureau übeiflüssig, nicht allein dies« 14 Tage, sondern 6 Monate auf sein Ersuchen beschäftigt ist, bis er eine andere Stellung jetzt erhalten hat. Freuden thal, Rechtsanwalt. Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger SeheuStviirdigkeiteu. Alle» und Neue» Museum am Luftgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Momags tu den 6 Wiulermonalen von 10—3 Uhr, in den 6 Sommermonaten von 9—3 Uhr: Sonntag« im April- September 12 bt» a Uhr, Ollober und März>2-8 Uhr, November und Februar>2—6 Uhr, Dezember und Januar>2-3 Uhr(Unenlgelllich).— Die National- gallerie in der OTufeumSstraße. VesuchSzeil Wochentag» von lv— 3 Uhr iOToniagS ausgenommen). Sonntag« im April— Seplember von 12 bi« 6 Uhr, im Plärz und Oktober 12—8 Uhr, Februar und November l2 bt« 6 Uhr, Januar und Dezember 12-3 Uhr(Uneutgeliltch).— K uu st g e w e r b«. Museum, Prinz Albrechlstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montag« ausgenommen) im Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von lv— z Uhr, Sonntag«, tzlpr.l— Seplember von 12— 6 Uhr, Okiober und März 12—8 Uhr, November und Feb mar>2—6 Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unent- geUIich).— Museum für Völterluude, Köuiggrätzerflr.>20. Besuch«- zeit wie im Kunstaewerbe-Musemn(Unenlgelllich).— Hygiene- Museum, Kloslerftr. 68. Besuchszeit Sonntag» wie im Kunffgewerbe-Museum. Außer- dem Dienstag« und Freilag« von 10—2 Uhr(Unenlgelllich).— Museum für Naturkunde, Jnvalibenstr.<2 Besuchszeit Sonnlag« wie im Kunst- ewerbe-Mufem». Außerdem Monlag« und Sonnabends von N— 3 Uhr.— .■luteum für d e u l s ch e VolkSlr achte n und Erzeugnisse de« Hausgewerbe», Klvstsistr. 36. Jeden Tag mi! Ausnahme deS MttlwochS von II— 2 Uhr geöstnet. Eintrittsgeld: Erwachsene«o Ps., Kinder 28 Pf., Vereine Sonntags 10 Pf.— ll!- i ä)» p oft- M u seu m, Leipzigerstr. 18. Ge- öffnet Sonntag« 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstag«, Freitag« von Ii— 2 Uhr(Unentgellltch).— LiathhauS, Köntgstraße. Seoffuel täglich außer Donnerstag und Freitag von ll— 3 Uhr(Unenlgelllich). AuSstchlSihurm 86 Pf.— Kunstausstellung de« V e r e i n s B e r l i n e r Künstler, Wilhelmstr. 02. Sonnlags 11— 2 Uhr, Wochentags 10—6 Uhr. 60 Ps. Enlree. — Sternwarte, Enckeplatz sa. Miliwochz und Sonnabend« von 9 bt» N Uhr Bormtllag«.— Urania, WisjeusdiastltcheS Theater. Sternwarte. Jnvalibenstr. 87—62. Gevffnel vo» 8 Uhr Nachmittag« b!« I0)j Uhr Abend«. Enlree 60 Pf. Zuschlag für Thealer von 8d Ps. bis 2 OT.— Ä q u a r i u in Schadoirstr. 16. Geöffnet vo» 9- 6 Uhr. Enlree Sonnlag» 80 Pf.,«» jedem letzten Sonntag im Monat 28 Pf.— Castan's Panoptilum, Friedrlch- traße. Ecöffiwl 10—10 Uhr. Cinuilisprei« 80 Pf.- Passage P a n 0 p l i l u m 10-10 Uhr. vinlrilispreis 60 Pf.— Marine! Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonniag« von 9—9 Uhr. Entre« 80 Ps.— K 0 t s e r- P an 0 r a m a, Passage( Unter den Ltnden). Geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr ßlbends. 300 verschiedene Reisen. LandschaflS- bilder. Jede Reise 2ü Pf.—?! ea p e l- P a n 0 r am a am Bahnhos Thier- garten, zwcl neue Dioramen: Katalombcn des Kapuzincrlivsters zu Palermo und VefuvauSbrnch. Eomitagi 28 Pf. Eiulriusprej«. Da« Panorama ist di«\7 Uhr Abend« zu bestchilgen.— Zoologischer»arten, Lützowuser. Sonntags 80 Pf.— Bärtig'« Garten mit Palm»»hau«. Alt- Moabit iä- es. EintrittSpriiS»0 Pst Freie Volksbühne. S p i e I p fl a n 8HP für die Monate März und April. VII. Serie(Lessing« Theater)i Der Geizige. Vorher: Kauernehre. Mitwirkende: Marie Elsinger, Louise v. Pöllnitz, Marie Reisenhofer. Till» Waldegg, Marie Wolff; Hern,. Böttcher. Franz Haid. Carl Horn. Ferd. Snsie, Fritz Waldow. 183. Vorstellung Sonntag, den 17. März S. Abtheilnng 185..«.. 31.. 6. 187.,. 7. April 7. Beginn der Vorstellung 3 Uhr. VIII. Serie(llational«Theater)i Dev pelifiatt. Schauspiel in 5 Akten von Emile Augier. Mitwirkende: Therese Landgraf. Helene v. Rienzi, Hennn Sctzmidt� Hans Firle, Max Löwenfeld, Max Samst, Julius Wessels. 184. Vorstellung Sonntag, den 24. März 188-,„ 81... 188.„..„ 7. April 189. M„„ 14.. 191.....„ 21.„ 198.,.... 28.. 195.„„„ 5. Mai 1. Abtbeil ung 2. 3. 4- 5. 6. 7. 230" Beginn der Verloosungen li/e Uhr, der Vorstellungen L>/z Uhr. Sonnabend, den 30. März, abends 9 Uhr, in den restsälen von I,ouj8 Xeller, Koppenstraße Nr. 29 Großes Fest. Billets ir SV Pf. sind in den Zahlstellen zu haben. Den Vorstand der Freien Volksbühne. 300/12_ I. A.: Jnllna Türk, 0., Blumenstraße 21._ Sozialdemokratischer Wahloerein für den 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Lüd-Dst. Sonnabend, den 16. März er.: Großer Familien Abeltd in Sanssviivi, Kottbuserstr. 4», arrangirt v. Vorstand des Sozialdemokratisclien Wahl Vereins im vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Instrumental- und Dokal-Konzert» ausgeführt von der Vreien Vereinigung«ler Xieil»Leruksn,usilrer, unter gütiger Mitwirkung mehrerer Arbeuer> Gesangvereine. Deklamation und Dither» Dorträge. 230/18 ansang s vkr. Hierauf: lÄrvSTSr Vaii. »illets ä LS sind bei den Vorstandsmitgliedern zu haben._ r* Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 3v Df. nach."HWU Um zahlreichen Besuch bittet Oer Veralanil. Männer-Chor St. Urban. (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes.) Sonnabend, de» 10. Mär?, in de» grosirn Käte» des„Louis, nstädt. Konzrrthansco", Alte Iakobstraße 3'7: Grosser Wiener Maskenball. Um 12 Uhr: Deinaskirung, verbunden mit großem Schneegestöber. Um 1 Uhr: Krossartlgo ravlrsliiolollitlso, sowie viele sonstige Ueberraschungen. (Musik: Berufsmusiker.) Lillots ä 50 Pf. sind in alle» bekannten Lokalen zu haben. Einen genußreiche» Abend versprechend, ladet zu regem Besuch ein 1Z2'5'_ Das Comitfe. Weberßrch 17. Nieft's Festsäle, Mechch 1?. Sonnabend, den 16. März 1895: IV. Stistnngsfest des Gesangvereins„Brüderschaft" (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes). Hierzu ladet freundlichst ein Der Darlhwd. Achtung! Friedrichsberg. Achtung! Sonntag, den 17. Mär» 1893: MllNgsskS l« Arbtiter-Vlidungsvereiiis UN preskauer Karten, Proskauerstraße 33. Krosses Vokal- und Instromental-Concert, unter Mitwirkung der Gesangvereine„Frisch ans",„Frohsinn" und .Hoffnung", der Orchesterabtheilung des Vereins„Stralauer Liedertafel", des Zitherklubs„Namenlos" und des Volkshmnoristen Michel. Aufführung lebender Kilver. Festrede vom Genossen Fr. Kerndt. Eröffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Nach dem Concert: Belli* 62/15 Da» Komitee. GesrhNFts- Eröffnnng! Mache meinen vielfachen Freunden und Bekannten die ergebene Mit- th-iiung. daß ich am Molkenmarkt 7 ein Weiß- u. Bairisch-Bier-8okal eröffnet habe. Mit dem Ersuchen, das mir bisher geschenkte Wohlwollen und Vertrauen auch ferner zu bezeugen, zeichnet achtungsvoll L.otiis Ehrenberg (früherer Inhaber ves Lokals Annenstraße I6> Meinen werthen Freunden und Bekannten zur Kenntnißnahme. daß ich ...»-«««-. 3« Iiideustrajze 3«, Weiß- und Vairisch- Bier-Lokal eröffnet habe. SS&T Uereius? immer stehen?ur Nerfngung.-MlL �»IRlkE srüher Äüffelier im Restaurant Lkrenberg, Annenstraße 16. Hiit-Engros-Geschäft von 1741L* Alwin Sussmann, Holzmarktstraße 38, Part, rechts. Grösste Auswahl in dieser Branche. Steife und weiche Herrenhfite von 2,-, 2,40. Extra- Qualität 2,30. Kinderhate von 1,— an. _ CylinderhUte von S— 10 M. Chapeau-Claques 9—12 M. Streng reelle Bedienung. LSchulmeister Schneidermeister, Dresdener-Strasse 4, Kottbuser Thor,! empfiehlt zur bevorstehenden Saison nachstehende Spezialartikel: Giusegnmigs-Auzngr, mt 2tim, in wollenem Satin, Kammgarn u. glatten Tuchstoffen von M. 13 an. 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