• Nr.121 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 60 Bezugsprets: chentlich 70 Goldpfennig verans zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmari pro Monat. Der., Borwärts mit ber Gonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gieb. Iung und Kleingarten". fowie ber Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreife: Die einipaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Retlamegeile 8.50 Goldmart. Kleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 0.20 Goldmarl( zufäffig awei fettgedruckte Borte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0.10 Goldmart, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen Für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Cine Goldmart ein Dollar geteilt dard 4,20. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags ins Sauptgeschäft. Berlin G 68, Lindentraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Feruiprecher: Rebattion: Donhoff 292-293 Verlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 12. März 1924 Der Kampf ums Saargebiet. Niederlage Frankreichs im Völkerbundrat. # Genf, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Bölkerbundrat| Alle deutschen. Memelländer über 18 Jahre, die feit dem 10. Januar lem Dienstag die Entwicklung der lofalen Gendarmerie im Saar 1920 im Memelland thren Wohnfis haben, erwerben ipso facto gebiet zur Sprache. Der Berichterstatter Salandra Italien die litauische Staatsangehörigkeit. Für Litauen optieren fönnen stellte den Antrag, gemäß dem Programm der Regierungskommis- alle im Memelland geborenen Bersonen, wenn sie wenigften 10 Jahre fion des Saargebiets im Jahre 1924/25 die Lofalgendarmerien um dort ihren Wohnsiz hatten. Art. 14 gewährt eine vollständige Amnestie für politische Bergehen, begangen zwischen dem 28. Juli 200 Mann zu erhöhen. Eine weitere Erhöhung sei infolge der 1914 und dem Zeitpunkt der Ratififation des gegenwärtigen Batts Finanziellen Lage vorläufig nicht möglich. In der Aussprache erdurch Litauen. Die Souveränitätsrechte über Memel dürfen ohne klärte Lord Parmoor England, daß nach Ansicht der Vertreter Zustimmung der vertragsschließenden Mächte nicht an eine andere ber industriellen Bevölkerung die lokale Gendarmerte auf Macht übertragen werden. Artikel 17 stellt die gesamte Konvention 1000 Mann erhöht werden müsse und die Saarbevölkerung gewillt unter den Schuß des Bölkerbundrates. Litauen erklärt sich damit fei, die Kosten dieser Erhöhung zu tragen Die einverstanden, daß Streitigkeiten über die Konvention auf Ber langen der anderen Seite der Entscheidung des Internatio nalen Gerichtshofs im haag unterworfen werden. Anhang 1 fetzt das Statut Memels fest. Der Präsident Litauens ernennt den Gouverneur für das Memelland. Unter Verstärkung der lokalen Gendarmerie fei notwendig, damit Frankreich ermöglicht werde, feine im Saargebiet stehenden Truppen zurüidzuzichen. die Kompetenz der memelländischen lokalen Autorität Ramens der englischen Arbeiterregierung gabe er dies aus brud. lich zu erklären, um Frankreich von den Lasten und der Berfällt die Organisation und Berwaltung der Gemeinden und Bezirke, antwortlichteit für seine Truppen im Saargebiet zu befreien Branting Schweden wies darauf hin, daß der Rat den Bericht der Regierungskommission gehört, doch sei es zur Klarheit notwendig, irgendeine Form zu finden, um auch die von der faar ländischen Bevölkerung gewählten Bertreter bei allen diesen Fragen zu hören. Hanotaug Frankreich weist mit einiger Er regung den Vorwurf, den er herausfühlt, Frankreich treibe impe rialistische Bolitit, zurüd. Die Truppen im Saargebiet hätten nur die eine Aufgabe, den ruhigen Fortgang der Arbeit( 3ur Frarzfierung und Borbereitung eines entsprechenden Bolfsent fcheids.( Red.) zu sichern. Lord Parmoor bringt in Ucbereinstimmung mit Branting den Antrag ein, das französische Militär Jei mög'idst noch in diesem Jahr zurüdzuziehen und im verstärkten Ausbau der lofalen Gendarmerie nach Maßgabe der finanziellen mit el mit aller Energie zu betreiben. Dieser Antrag wird als Bufazantrag gemeinsam mit dem Bericht Salandras ange. nommen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Pofticheckkonto: Berlin 375 36- Bauffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devontenfase Lindenstraße 3 Das Geheimnis von München. Kahr im Kreuzverhör. Nach den in der Form entschiedenen Aussagen des Meuterergenerals Lossom im Münchener Prozeß hatte es zeitweilig den Anschein, als wenn die beiden Gewalthaber in München tatsächlich nur vorübergehend der Gewalt gewichen feien, als fie am historischen 8. November sich mit Hitler und Ludendorff verbrüderten und die„ nationale Reichsregierung" dem Rubrum Zeugenvernehmung" geht, war auf diesen Ton proflamierten. Auch die Vorlesung Kahrs, die unter gestimmt. Kahr, der Bergewaltiger des Rechts und der Reichsverfassung, Kahr, der Besch über von Ehrhardt und Roßbach, Kahr, der aus eigenem Recht das Gefeß zum Schutz der Republit außer Kraft segte und den Staatsgerichtshof verhöhnte, dieser Ditta. tor Kahr berief sich auf die Bergewaltigung im Neben zimmer" des Bürgerbräusaales. Das ist schon an sich eine höchst fomiche Situation. Aber im Kreuzfeuer der Fragen, die die Berteidiger an ihn richteten, wurde dieser Diktator eine noch unmöglichere Figur. UP die öffentliche Erziehung, das Gesundheitswesen, soziale Fürsorge mit ihren Berteidigern alles daran sehen, um eine strafrechtEs ist selbstverständlich, daß die in München Angeklagten und Arbeitsgesetzgebung, die lokale Ordnungspolizei, Regelung des fiche Schuld von sich abzuwälzen. Mit dem Hochverrat ist Fremdenaufenthaltes, die Zivilgesetzgebung einschließlich der Eigen- es bekanntlich eine eigenartige Sache. Gelingt er, so schafft tumsrechte, die friminale, Aderbau, Forsts und Handelsgesezgebung, er neues Recht und macht die Hochperräter straflos. Gelingt die Erhebung direkter und indirefter Steuern mit einigen Ausnahmen und die Berwaltung des öffentlichen Eigentums des Memel- unter Anflage gestellt und zumeist verurteilt. Nun ist ganz er nicht, so werden sie nach dem Straffoder aller Staaten landes. Die geschneberische Mocht wird ausgeübt durch die Repräsentantentemmer, die allgemein, gleich. direkt und geweifellos in München Hochperrat schlimmster heim immer für drei Jahre gewählt wird. Auf je 5000 Einwohner Art verübt worden: Hochverrat am Reich und an der Reichs entfällt ein Abneordneter. Bählbar find nur Bürger des Memel verfassung. Die Hitler, Ludendorff und Konsorten bestreiten landes. Der Gouverneur tann nur im Einverständnis mit dem das auch gar nicht. Gie prahlen förmlich damit, daß sie diesen Direktorium die Stammer auflöfen Der augenblicklich bestehende Hochverrat feit fünf Jahren ununterbrochen vorbereitet haben. Birthaftsrat foll feine gutachtliche Arbeit forifehen, bis die Sie gefallen sich in der Rolle von Helden, die das„ Deutschy Rammer ihn auflöst. Der fand von Weimar" frei machen und eine völlische Staatsform nebelhaften Gebildes herbeiführen wollten. Aber die Frage ist nicht, ob fie unschuldig auf die Antiagebant tamen, fendern lediglich, warum nicht auch der Kahr und eine Gefährten diesen ihren Ehrenplay" mit ihnen teilen. Gouverneur befißt ein eingeschränktes Betorecht gegenüber der Geseknebung. Das Direktorium( Crefutivaewalt) darf nicht mehr als fünf Mitglieder haben, die Bürger des Memellandes fein foffen, Unter ihnen ernennt ber Gouverneur ben Bräsidenten, angeheffen Tätisfeit vom Vertrauen der Kammer abhanat. Die litanische und die deutsche Sprache sind gleichberechtigt. Bis zum In der Nachmittagssigung wurden einige Danziger Fragen 1. Januar 1930 steht es der memelländifchen Unterrichtsbehörden besprochen. Die Wahrung der Interessen der Danziger Ansiedler frei, Lehrer deutscher Nationalität anzustellen. Enteignung ist nur und Hypothekengläubiger in Polen murde dem juristischen Aus im öffentlichen Nuken und unter Bezahlung einer gleichwertigen überwiesen, da nach Ansicht des Berichterstatters die Rechtslage der Entschädigung möglich. Nach Artikel 38 ist nach drei Jahren eine jenigen der deutschen Ansiedler in Bolen gleich ist, wie im vergans Wenderung des gegenwärtigen Statuts möglich mit Dreifünftel genen Dezember vom Haager Schiedsgericht zugunsten der Deutemmermehrheit und Boltsabstimmung. Dech ist zur Gül fchen entschieden wurde. tigkeit die Zustimmung des litauischen Sejms notwendig. An hang 2 trifft die Die Memelverfassung. Genf, 11. März.( Eigener Drahtbericht.) Der vom Memelausschuß des Völkerbundes ausgearbeitete Entwurf unterstellt die gefeggeberische, richterliche, administrative und finanzielle Uutonomie bes Memellantes der Souveränität Litauens, Das Eigentum des Deutschen Reiches und der deutschen Staaten geht an Litauen über. Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Erklärungen des englischen Arbeitsministers. Conten 11. März.( BIB.) Im Unterhaus tam gestern die Frage der Arbeitslosigkeit zur Erörterung. Der vormalige fonfervative Premierminister Baldwin erflärte, wenn die Arbeiter partei ein positives Mittel befiße, um das Problem zu lösen, werde fie die Unterstügung des Hauses und des Bandes erhalten. Wenn fie tein Mittel befige, dann werde sie erfahren, daß das Problem fie zugrunde richten werde, wie es jede Regierung zugrunde richten werde, welche es nicht fertig brinne, es zu behandeln. Der Arbeitsminister Shaw führte aus, die Regierung betrachte das Problem der Arbeitslosigkeit ebenso fehr als eine Angelegenheit ven nationaler Bedeutung wie die Bezahlung der Zinsen der Kriegs anleihe. In den kommenden Wochen hoffe er einen ziemlich weit gebenden Gesetzentwurf über bie Arbeitslosigteit einzubringen, der dafür fergen werde, daß die Unterstützungszahlungen nicht länger als Bohitat, sondern als ein Recht angesehen werden. Shaw legte dar, was die Regierung tue um Fonds für die Unterstützungsarbeiten zu schaffen. Die Regierung werde sich bes mühen, für die Arbeitslofen in deren eigenem Beruf Arbeit zu fchaffen. Das einzige Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei die Wiederherstellung des auswärtigen Handels. Der Lebensunterhalt des Boltes hänge von der Befriedung ber Welt ab. Bevor England nicht seine auswärtigen Märkte wieder habe, werde alles, was getan merben fönne, doch nur den Charakter eines Linderungs- und nicht eines Heilmittels haben. Reuter meldet noch, daß Shaw erklärte, die Regierung richte mit Erfolg alle ihre Kräfte darauf, Frieden herzustellen. Sie habe mit 120 Millionen Russen Frieden geschlossen und hoffe, auch mit dem Rest von Europa Frieden herzustellen. Nach einem TU.- Bericht, führte minister Shaw weiter aus, Jeber große Arbeitstonflitt müsse aus sich selbst heraus er. lebtzt werden und die Regierung merde feinen Berfuch unternehmen, für solche Fälle etwa rigorofe Regeln zu erlaffen, aber in allen Fällen müffe die Oeffentligteit, die unter jedem Streit leiden Bestimmung für den Hafen von Memel Die Hofenbehörde besteht aus drei Mitgliedern, deren eines von der litauischen Regierung ernannt wird, das zweite vom memelländischen Direktorium, bas dritte dem Präfidenten der Kommission für Ver fehr und Transit beim Möllerbund. Anhang 3 behandelt den Waren. tranfit und stellt den Grundfaß der Freiheit des Transit von und nach Memel auf müsse, das Recht befizen, zu wiffen, morum eigentlich der Streit gehe, und er hoffe, daß in jebem Falle ein unparteiische Untersuchungsausschuß die Dinge Klarstellen werde. Er betrachtet es als feine Pflicht als Arbeitsminister, danach zu sehen, daß die Arbeit nirgends durch die Unvernunft zum Stillstand gebracht werde. Die englischen Flottenmanöver. London, 10. März.( Eigener Drahtbericht.) Die großen eng lischen Flottenmanöver im Mittelmeer find als deutliche Demonstration für die englische Borherrschaft auch im Mittelmeer gebacht. Darüber laffen die Stimmen der englischen Zeitungen Beinen Zweifel. Es wird ausgerechnet, daß England 56 Proz. des gesamten Mittelmeerhandels in Händen hat und der englische Handel dort fechsmal größer ist als ber jedes anderen Landes. Dos Manöver ist das größte Flottenmanöver, das die Welt bisher gesehen hat. 83 Kriegsfchiffe nehmen baran teil. Alle Seefriegsmittel, Unterfeebocte, Flugzeuge ufw find aufgeboten. Neben dem Chef der britischen Admiralität sind noch sieben andere englische Admirale anwesend. Unruhen in Bombay. Bombay, 11. März.( eca.) Die Zahl der Todesovfer bei den Unruhen in Bombay beträgt ekt fünf. Während der nacht ist an vielen Stellen der Stadt Jeuer ausgebrochen. In einem Falle fielen 2000 Ballen Baumwolle den Flammen zum Opfer. Indien in Opposition. Delhi, 11. März.( Tul.) Die indische gefeßgebende Berfamm lung hat unter begeistertem Beifall der Ewaragpartei( Autonos mister) die neuen Böße, die neue Einkommensteuer, die Salafteuer und die Opiumvorlage abgelehnt. Die int rallierte Pfal tommiffion. Die von der Rheinland. tommiffion zur Prüfung der Pfalzfrage abgesandte Sonderfommiffion ist wieder in Speyer eingetroffen und wird ihre Sigungen fofort aufnehmen. eines Boltes unerkorte Tatsache hingewiesen worden, daß Seit Jahren ist an dieser Stelle auf die im Rechtsleben leitende Beamte des zweitgrößten Einzelstaates fyftematisch die republikanisch Berfassung unterhöhlten und das Reich nach innen und außen zum Kinderspott machten. Seit Jahren war für jeden flar erkennbar, wessen fich der Poehner auf der Antlagebant rühmte; daß der gewaltsame Um sturz Der republitanischen Staatsform von München aus vorbereitet werde. Das Reich hat stillschweigend zugesehen, mie Kahr diese Ström ingen dauernd uniectüßt hat. Das Ministerium in München wußte genau so gut wie jedermann sonst im Reiche, was es von den Bestrebungen des Monarchisten Kahr zu halten hat. Trotzdem hat es diesen engstirnigen Regierungsbeamten mit aller Staatsgewalt befleidet, die ein Land nur zu vergeben hat. still ich weigend geduldet, wie der Kahr als GeneralDie Reichsregierung wie das Münchener Kabinett haben staatsfommiffar Reichsgefeße außer Kraft fette, wie er Maßnahmen der Reichsregierung durch eigene Anordberg, die nach Berlin geschafft werden sollten, beschlagnahmen nungen durchkreuzte, die Bestände der Reichsbank in Nürnund festhalten ließ, wie er anordnete, daß bayerische Steuern nicht mehr ans Reich abgeliefert würden. Alle diese verbrecherischen Handlungen hat die Berliner Regierung ebenso wie die Münchener geduldet, trohdem alle Welt mit Fingern darauf wies. Wenn dieser Kahr nun gemeinsam mit Lossom, dem meuternden General, vor Gericht als Zeuge auftritt statt als Angeflagter, so ift das tatsächlich eine Erscheinuna, die nicht nur die volfischen Angeflagten als Unredyt empfinden müssen. Kahr hat neuerdings die Ausrede gefunden, daß er nur ein Reichsdirektorium" angestrebt habe und zu diesem Swede politischen Drud" auf Berlin ausüben wollte. Es wäre zweifellos die Pflicht des Gerichtsvorsitzenden, diesen seltsamen Zeugen zu fragen, wie er sich die Schaffung eines verfassungswidrigen Direktoriums durch verfassungsmäßigen politischen Drud gedacht habe, welche Vorstellung dieser Generalstaatskommissar überhaupt von der Möglichkeit irgend einer Regierungsänderung hatte, die nicht durch Gewalt oder gewaltsamen Druck vor fid) ginge. Aber der Borsitzende ftellt solche indiskreten Fragen nicht. Er fragt auch nicht banach, welche gröbliche Pflichtverlegung Rahr etwa nicht begangen hätte, nachdem er die berufsmäßigen Putschisten Ehrhardt und Roßbach in seine Dienste genommen. Er fragt auch nicht danach, in welchem Artifel der Reichsverfassung der Kahr das Recht begründet fand, einen abgesezten Reichsmehrgeneral in„ bayerische Pflicht" zu nehmen. Der Vorsitzende und das Gericht gehen fogar weiter... Sie erklären die von den Verteidigern in dieser Richtung gestellten Fragen für unzuläffig und ersparen somit dem Kahr die peinliche Beantwortung. Angesichts dieser Rechtslage erscheinen die „ Erinnerungsstörungen", die Rahr gerade in wichtigen Einzel Helten erleidet, fast als belanglos. Daß er sich zum Beispiel auch dann?ucht darauj besinnen kann, dem �Marsch auf Ber« lin' zugestimmt zu haben, wenn mehrere Zeugen diese seine Zustimmung ausdrücklich befunden wollen, paßt nur zu seh? m den Rahmen des Bildes, das sich die Welt auch sonst schon oon dem Generalgewaltigen der bayerischen Reaktion gemacht hat. Aber eine andere Frag« tauiht immer wieder aus. die bisher in öffentlicher Sstnmg nicht behandelt wurde: wer hat die Kampsverbände der Hitler. Heß. Roehm und Weber besoldet und w e r hat sie allen Entwassnungs. gesehen zum Trotz so stark bewaffnet, daß sie eine dauernde Gefahr für die Sicherheit des Landes und des Reiches wurden? Was in der Dunlkelkamneer der Geheim- iitzung verhandelt worden ist, entzieht sich selbstverständlich der Kenntnis der Oeffentlichkest. Der Ausschluß dieser Oeffent- lichkeit erfolgt ja regelmäßig unter ftcr Begründung, daß die zu erörternden Dinge„die Staatssicherheit gefährden" würden. Wir können aus dem Grunde nicht annehmen, daß gerade diese bisher unbeantwortete Frage hiniter verschwsienen Türen verhandelt wurde. Denn das Auftrete» de? bewaffneten Heer- scharen war doch in Bayern undmd. wie im Prozeß bekundet wurde, zeitweilig soger den Kam man- deur der Reichswehr Lossow dazu eingeladen. Schon dieses Dulden der bewoffnetsn Kampfbünde war ein schwerer Verstoß gegen die Gesetz« des Reiches. Wird Kahr oder Lossow oder das Gericht darüber Aufschluß geben, ob diese Duldung bewaffneter Banden von der bayerischen „Staatsautorität" als rechtmäßig anerkannt worden ist? Der Prozeß enthüllt Bilder von bakkanlschen Zu- st ä n d e n. Die Komitatschiführer intrigieren gegeneinander und miteinander gegen den Staat und das Reich. Sie. haben jahrelang das Spiel getrieben, bis die deutsche Republik tat- sächlich in allen ihren Teilen zermürbt worden ist. Den letzten Trumpf spielen sie jetzt in diesem Prozeß selbst aus. Die Tatsache, daß das Volksgericht in München und nicht der Staatsgerichtshof zu Leipzig über die Verbrecher aburteilen i oll. bedeutet ein« offene Fronde gegen das Reich Bor dem Staatsgerichtshof wäre allerdinge die nationale Phrase der Hochverräter um Ludendorff und Kahr nicht voll zur Geltung gekommen. Dort hätte man wahrscheinlich die bayerischen„Belange" ein wenig kritischer nachgeprüft als vor dem sogenannten Volksgericht in München, wo die Angeklagten rollende Anklagereden halten und das Reich samt allen feinen Einrichtungen abkanzeln dürfen, als stünden sie nicht auf der Anklagebank, sondern als Sieger an der Sävls vor dem Reichstag. Das Enöe des Reichstags. Auflösung ohne Abstimmung. Die Auflösung des Reichstags wird mit großer Wohrfcheinlich- ffett am Donnerstag ober Freitag erfolgen. Die Reichs- regienmg ist endgültig zur Auflösung entschlossen. Di« Regienmgs- Parteien werden es jedoch nichtmchr auf eine Ab st im- M» n g ankommen lassen. Die Ereignisse werden sich Voraussicht. RchAtt' der Weife> vollziehen, daß, da an eine Zimickziehung der Anläge auf Abänderung der Notverordnungen nicht zu denken ist und »uch ein Antrag ähf Nebergang zur Tagesordnung über diese An» t> nicht erwartet werden kann, der Reichskanzler nach Ab- ug der all gem ein e n Beratung und vor Eintritt in die � Mbcraiung der Anträge die Auflösung erklären wird, deren Begründung ln der(Besamthaltustg des Reichstags gegeben sein würde. Die Frage des Wahltermin» ist noch nicht endgültig«nt- schieden. Tos Zentrum bereitet einen Antrag vor. der die Wahlen an einem Wochentag vor Ostern ermöglichen soll. Für dm änrch die Ausübung des Wahlrechts entgangenen Verdienst soll den 'Arbeitern und Angestellten Lohnsicherung auf Kosten der Unternehmer gegeben«erdu». Eine Stellungnahme der Fraktionen zu einem solchen Antrag ist noch nicht erfolgt, vom Wahltermin hängt der Zeilpunkt der Auslösung ab. Der Aeltestenrat des Reichstags hat die Dispositionen für den Rest der Tagung so getroffen, daß am Donnerstag oder Freitag die Auflösung des Reichstags erfolgen kann. Am Mitt- w o ch werden das P o st s! n a n z g e s e tz. das Gesetz über die AnsprägungvonStlbermünzen und der deutschnational« Antrag wegen der Wahl des Reichspräsidenten, und am Donnerstag das Besetz über die Golddiskontbank erledigt worden. Der Sporausschuh des Reichstags, der die Beschwerden der Beamten über den Personalabbau zu prüfen hat, soll als ein Ausschuß bei der Regierung fortbestehen. Reber ein« Berlängerung der Gültigkeit der Freifahrtorten der Abgeordneten bis zur Neuwahl soll noch mit dem Reichsrat oerhandelt werden. Ferner ist vorgesehen, aber noch nicht bestimmt beschlossen worden, daß die Wahlagitation während derKarwoche ruhe» soll, in dieser Woche also keine Versammlungen abgehalten werden sollen. Die»unsichtbar� Besatzung. Trotz der Zilsichernngm, daß nach Abbau des passiven Wider- standes die Besatzung im Ruhrgebiet möglichst unsichtbar gemacht werden solle, find erneut in großer Anzahl Feschlagnahmungen von Gebäuden und Wohnräumen vorgenommen worden. Der Re- gienrngspräsident in Düsseldorf hat nun den französischen Oberbefehlshaber gebeten, wenigstens für das Ruhrgebiet zuzusichern, daß Neubauten nicht beschlagnahmt werden. Ob- wohl ohne weiteres' einleuchtet, daß eine solche Zusicherung eine wesentliche Loraussetzung für die Wiederbelebung der Bautätigkeit bildet, hat der französische General noch in den letzter. Tagen diese Zusicherung ausdrücklich abgelehnt. Es sind dann mehrfache Versuch« unternommen worden, um die französischen Befehlshaber zu bestimmen, von der Beschlag- nähme von Schulen Abstand zu nehmen. Auch hier sind die deutschen Borstellungen ohne Erfolg geblieben. Aus einer vor- liegenden llebersicht ist mitzuteilen, daß noch in den letzten Monaten erhebliche Mengen von Schulen und Schulklassen be» schlagnahmt worden sind, u. a. im Landkreis Krefeld«in« Schule sowie die Turnhalle: im Landkreise E s s e n neuerdinge acht Schulen: im Stadl kreis Düsseldorf zwölf Schulen und zwölf Turnhallen: in der Bürgermeisterei Wedau zwei Schulen und das Seminar: in Velbert«ine Schul«: in Lennep zwei Schulen: in Rem» scheid zwei Schulen: in Wülfrath zwei Schulen: in Geldern eine Schule. Außerdem wurden in einer Reihe oon Orten noch Schulklassen nrtd Schulgebäude teilweise beschlagnahmt. Aus K«tt- wig werden besonders sehr erschwerte Unterrichtsoerhältnisse gemeldet: im Stadtkreis Remscheid sind l2L8 Schulkinder nicht oder Nichr ausreichend beschult: im Stadtkreis Düsseldorf stich 6743 Schulkinder nicht oder nickst ausreichend beschult. Nach einer weiteren llebersicht aus dem altbesetzten Gebiet sind dort bisher angefordert an Bauten zwei- undzwanzig T r up p e n l o g e r. die zum größten Teil als massive Baractendauten ausgeführt worden müssen. Angefordert sind Truppcnlager in Aachen drei, je eins in Erkelenz. Geilenkirchen, Neuß, Bonn, Beul, Godesberg. Kreuzberg-Ahr, Euskirchen zwei Lager. Weißenturm bei Koblenz, Altenbrill. Krefeld, Hoch-Emmerich. Homberg, Heert bei Düsseldorf, Rheinkamp, Repelen, Mors, Leiden» Haufen. Es sind zudem verlangt worden Neubauten von IV Kasernen und Kasernenanlagen, und Zwar in Bonn, Holierheid«, So. lingen, Kreuznach. Sobernheim, Ludwigshafen. Warbyn, Neustadt a. d. Haardt, Mainz, Eostheün, Mainz-Momdach, Uhlhorn, Biberich. Dotzheim, Schierstein, Linx, Gonsenheim. Außerdem müssen noch zur Entlastung der Gemeinden weiter« 11 Käser- nen gebaut werden, und zwar zwei Kasernen m Bingen. zwei Kasernen In Kreuznach, je eine Kaserne in Langenschwaldach, Königstein, Idstein, Höchst, Ems, Oberstein und Et. Goar. Schacht wieder in Pari». Der BankunterauSstbuß deS Komitees Dawes trat Dienstag nackimittag 4 Uhr zu einer Sitzung zusammen, der AeichSbonkpräsident Schach» beiwohnte. Deutsche Zreiheitstämpfer in ftemöem Geistesleben. Eine geschichtliche Reminiszenz von 3. Sllche. Tin trüber Zug spielt im Antlitz de» deutschen Volksgenlu». Bon laufend körperlichen und geistigen Sorgen bedrückt, vor wirtschaftlichen Nöten nicht mehr du« noch«in wissend sehnen sich heute wieder große Scharen hinaus aus dem hartgeprüften Vaterland«. Trotz allem Fleiß und alle? Redlichkeit wurde ihnen die Heimat zu etwas Undankbarem, und wieder, wie in früheren ähnlich gelagerten Zeit- epochen, suchen sie in der außerdeutschen Fremde Gluck und Zukunft. , Sind es heute im wesentlichen die wirtschastlichen Fährnisse, Me so manchen außer Landes treiben, so waren es einstmals geistige Äedrücknngen, die einen Teil der Besten unseres Volkes landflüchtiq werden ließen. Fünfnndsiebzig Jahre waren es im vorigen Sommer, feit, nach Freiligrath, der„Mehltau der Reaktion" sich über die teutlchcn Gaue zu breiten begann und das im Märzen mächtig an- geschwollene Freiheitssehnen in allen seinen Blüten und Hoffnungen zu Grabe trug. Ein« lang« Reih« von Trägern guter Namen wan- buken über die Grenze und suchten sich Irgendwo im Ausland«, meist in Amerika, Asyl und Heimat. Blätiern wir ein wenig im Buche der biographischen Erinnerung. Daß beispielsweise dar Kinkel-Befreier Ka r l Sch u lz in der damals für Deutsche wirNich noch verhältnismäßig neuen„Neuen Welt" es zu einem angesehenen Journalisten und weiter gar zu einem hochgeschätzten Regierungsmltgliede in Washington gebracht hat. das ist schon des öfteren erzählt worden. Weniger bekannt ist die Rolle, die dieser und jener andere deutsche politische Flüchtling im geistigen Leben seiner neuen Wahlheimat spielte. Und doch sind es ihrer mehr, als man gemeinhin glaubt. So war ein Gesinnungsgenosse Schurzen» der Gießener Theo- löge August Becker, dem Freunde der deutschen Donnörzjqhre als der„rote" Becker bekannt. Nach mehrfachen Reibereien mit der hessischen Justiz gab dieser in seiner Vaterstadt ein freiheitlich ge- sonnen os Blatt„Der jüngste Tag" heraus. Daß dessen Leben indes nicht lange währte, liegt nahe. Becker ging nach Amerika und ist /pätcr in Cineinnati am Ohio als schlagfertiger und einflußreicher Journalist gestorben. Ein ghnliehe» Schicksal war einem Namen»« und Eesinnungsvetter des eben Genannlen, Johann Philipp Becker, beschieden. WS zum Oberkommandanten sämtlicher ba- bischer Dolkswehren ernannt, ging er nach der Niederlag« der Volks. Bewegung in die Schweif redigierte sechs Jahre lang in Genf den ..Vorboten" und machte feln gastfreies Haus z» einer Durchgangs- statte für viele deutsch« Flüchtlinge. In der Schweiz fand auch du ehemalig« Berliner» Schriftsetzer und vberkommandant beim Dre»- bener Maiaufstand von 18stS, Stephan Born, schützende Zu- flucht. Er starb vor jetzt fünfundzwanzia Iahren als Leiter der „Basier Nachrichten" und Liieraturproiessor(t an du dortigen Universität. Fünfundzwanzig Jahre sind es jetzt auch, seit Paul Grottkou, einer der Gründer und usten Führer du deutschen Maurerorganisativn, in San Franzisko starb. Grotttau war freilich ketn Achtundvierziger: er ging Mitte der Siebziger Jahre übus große Wassu, weil in Deutschland bereit« die Wolke» de» Sozialisten- gesrtzes ihre Schatten zu werfen begannen.„Drüben" war u erst Redakteur der„Ehigagou Arbeiterzeitung", dann des Milwauker „Vorboten" und zuletzt der„Kolisornia Arbeiterzeitung" in San Franzisko. Eigenartig ist du Lebensweg eines anderen im amuikanischen Staate Ohio aus dem Leben geschiedenen Freiheitskämpfus. und zwar des deute vergessenen Badensu Ausstandsführers August W t l l i ch. Dieser, von Buuf Offizier, nahm, cm du achtundviuziger Bewegung lebhaftesten Anteil mit der Folg«, daß er nach ihrem un- glücklichen Ausgange du Heimat den Rucken kehren mußte. Er ging nach England, wo u durch das dort erlernte Zimmumannshand- werk seinen Lebensunterhalt erwarb, und später nach Amerika. Hier wurde er im Bürgukrieg Brigadegeneral, und später bekleidete er eine hohe Zioilstellung in Cincinnati. Als Achtundvierziger sah sich auch der Phttoiog« Adolf D o u a i zur Auswanduung nach Amerika genötigt. Ais Lehru und Journalist in verschiedenen Städten du neuen Welt erprobt, war«r in seinen letzten zehn Lebens- jähren Redakteur der„Nsw Porku Volkszeitung". Am feiner- zeitigen New Borku„Sozialist" und an der Chigogoer„Arbeiter- zeitung" arbeitete, gleich Grottkau, auch der freiwillig nach Amerika asgangZne Gerber und sozialistische Philolog von Rang Joseph Dietzgen, dessen theoretische Schriften noch heute recht lefens- wert sind. Zum Schluß sei noch cm zwei Märzflüchtlinge uimiert: an August Braß und an Otto R u p p i u s. Beide mußten 1848 den Staub du Heimat von ihren Füßen schüttetn und sich im Aus- lande die Lebensmöglichkeit suchen. Nach vierzehn Iahren kehrt« der Erstgenannte zurück und gründet« in Berlin die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das damalige Sprachrohr Bismarcks und heutige Stinnes-Orgon. Ein Jahr vor Braß war Otto Ruppiu», der buühmt« Wildwesterzählu unserer Jugend, als Amnestierter heimgekehrt. Im gleichen Jahre, 1361 war es. druckte die damals in bester demokratischu Tradition stehende„Gartenlaube" in ihren Spalten erstmalig einen Roman In laufenden Fortsetzungen. Es war Otto Ruppius'„Ein Deutscher". Ruppius' Derbrechen hatte darin bestanden, daß u einen(frei Ii ch nicht schmeichelhaften) Artikel über die Auslösuna der preußischen Nationalversammlung geschrie- cm hatte. Neun Monate Festungshaft war die Antwort der preu- ßischen Justizwächtrr gewesen. In Amerika war er Redakteur an der „New Nord:? StaatszeUung": 13SS gründete er in St. Louj, die „Westlichen Blätter". „Du Mensch du Urzeit und feine flnttnr" war das Thema. über das Dr. A. H e i l b o r n in du mäßig besetzten v r a n i a sprach. Der Redner führt« au», daß die Urzeitforschunq erst jungen Itatums sei, weil da» kirchliche Dogma des Schöpfunnsvorganges du wissenschaftlichen Untersuchung entgegenstand. Du Mensch sollte eben du letzte Schöpfungsakt sein. Die Forschung nach dem Ur» menschen vusiel du Lächerlichkeit und man haftet« ihr überdies den Makel du Sündhaftigkeit an. Abu die Wissenschaft kann vor dem Dogma nicht haltmachen, sobald sie es als irric? erkannt hat. Steinfunde au» der Urzeit wiesen darauf hin, daß Menschenhände sie bearbeitet hatten oder mit ihnen gearbeitet hatten. Di« Stein. bearbeltung wurde von du Knochenbearbeitung abgelöst. Wir würden von dem Gebrauch all diesu gefundenen Gerät« nicht» vergeßt die Kriegsbeschädigte» nicht! Du Ausschuß für Kriegsbeschädigtenfrageu befaßte sich am 7. Mörz mit Lbu 50 Petitionen, die meist in Form von Protestschreiben. Resolutionen und Telegrammen zu einem erheb- lichen Teile auch mit ausführlichen Begründungen dem Reichstag zugegangen waren. S>e gmgen von allen Verbänden der Kriegs- beschädigten und Kriegshintublicbcnen aus und wandten sich ins- besondere gegen die niedrigen Goldrentensätze der B«r- sorgunasberechtigten, gegen die in der Personalabbauoer- ordnung des Reiches vom 27. Oktobu 1923 enthaltenen Bestimmungen, soweit sie die Lriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen betreffen und gegen die niedrige Abfindungssumme für die Leichtbeschädigten usw. Du Berichterstatter beantragte, samt- liche Petitionen der Reichsregicrung zu überweisen. Genosse Weier- Zwickau erklärte im Austrage der sozialdemokratischen Fraktion sich damit einverstanden, bracht« aber zum Ausdruck, daß so unzulänglich wie bisher die ungenügende Versorgung der Kriegs- opfer nicht bleiben könne. Sein« Partei sei nicht in der Lage. die Verantwortung für den bisherigen Zustand länger zu tragen. Er beantragte, daß der Reichstag noch vor seinem End« wenigstens einen Teil des an den Kriegsopfern begangenen Unrechts wieder gutmache. De: Antrag de« Genossen Meier fand die Zustimmung des Ausschusses. Durch eine engere Kommission wurde«ine Entschließung formuliert, nach du die Reichsregierung ersucht wird, die Renten der Kriegsbeschädigten, Lriegerhinterbliebenen und sonstigen Miiitürrentner zum 1. April 1924 allgemein zu erhöhen und in Anlehnung an die Beomkenbesoldung auch örtliche Sonderzuschläge zu bewilligen. Gleichzeitig soll für alle Gruppen das Verhältnis zur Beamtenbesoldung ftundeftens so wiederhergestellt werden, wie es bei der Derabschiedung der Novelle zum Reichsversorgungsgesetz vom 23. Juni 1923 bestanden hat. Der Aus- schuß hat am Dienstag den Bericht der engeren Kommission gebilligt. Eine weiter« sozialdemokratische Anregung, die Abfindungssumme bei Wiederverheiratungen den jeweiligen Verhältnissen anzupassen, wurde der Regierung zur weiteren Erledigung überwiesen. Militärische Sparsamkeit/ In nnseru Ausgabe vom 1. März 1924 fMorg«na«?ga?e) brachten wir eine Notiz über„Militärische Tparsamkeit". Di« Nachrichtenstelle des ReichswehrministeriumS sendet uns dazu folgende Mitteilung: „Die Angaben in dem Artikel„Militärische Sparsamkeit" entsprechen nicht de» Tatsachen. Der Wohnungswechsel des Obersten v. G. toll sich in einem Tauschringe vollziehen. Der WohnungStauiib, an dem Oberst v. G. beteiligt ist. ist dadurch verzögert worden, daß bei Familien, die nicht dem Heer« an« gehören und gleichfalls am Tausch beteiligt sind, sich undorher- gesehene Schwierigkeiten ergeben haben, die jetzt behoben sind." Diese Richiigstellnng gebt allerdings an dem Kern der Tinge vorbei. Es war in jener Notiz mitgeteilt worden, daß die fmili- tärisch gebildete) Wohnungskommission entschieden habe, d!« dem Obersten v. G. zugewiesene Wobnung sei unzulänglich, weil die ISjährige Tochter durch da? Schlafzimmer ihres üjährigen Bruders gehen müsse und das die Sittlichkeit gefährde. Ist das auch un- richtig?_ Dle Eingememdungsfrage in Preußen. Der LandtagSauSschuß für die preußische Verwaliungl- reform bündele am Dienstag die usi« Letung der Sradt- und Landgemeindeordnung. Zur Eingemeindungs« frage wurde ein ZenlrumSanirag angenommen, wonach eine Eingemeindung nur durch Gesetz erfolgen kann, oder wenn die beteiligten Gemeinden sie mit Zweidrittelmehrheit beschlossen haben. Gegen den Beschluß der Gemeinden ist BürgerichastS« begehr und-entscheid zulässig. Die Bestimmungen über die Stadt- werdung von Gemeinden wurden unverändert nach den Rrsuung»- Vorschlägen angenommen._ Der amerikanische Erdölskaudal, in den nach den Feststellungen der UiitersuchungSkoinmiision deS Senats schon 800 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verwickelt sind, hat nun zum Rücktritt des Marineministers Denbh geführt. wissen, wenn die Eskimo«, die Feuerländer, die Papuas und die Lustraliu nicht heut« noch ähnliche Gegenständ« in Benutzung hätten. Zwischen den einzelnen Eiszeiten herrscht« tropisches Klima in Europa, und Löwen, Elefanten und Antliopen tummelten sich vielleicht dort, wo jetzt Berlin liegt. Der Borläufu des Menschen hat überall seine Spuren hlntulaflen. Durch den Fund des Reandu- taler Skeletts kam die Wissenschaft einen gewaltigen Schritt vor- wärt», und wir Menschen von heute rechnen in der Menlchheits- geschichte hunderttausend Jahre zurück. Die Berliner besitzen im Völkerkunde-Museum den Schädel eines jungen Neandertalers, der an einem Zahnleiden gestorben ist. Di« Menschheit oon damals trug das Haupt noch nicht so ausrecht wi« wir. Es muß eine tleinwüchsige. plumpe, kräftig« Rasse mit einem furchtbaren Gebiß gewesen sein. Sie haue etwas durchaus Tierisches an sich, kannte aber das Feuer imd den religiösen Kult, sie jagte das Wild und ihre Mitmenschen. Man kennt viu Menschenrassen aus du Urzeit und steht an Funden, wie die höhuentwickeltc Rasse die tieferstehend« ausrottet« oder sich mit Ihr vermischt«. Uebu die Eiszeilrassen tobt noch mancher Ge- lehrtenstreit, eins jedoch ist sicher, diese Menschen sind mit dem Ende der Eiszeit unseren Blicken entschwunden. In der Forschung klafft oln« Lücke. Dielleicht sind d!« Urmenschen ihrem Jaqdwild nach dem Norden gefolgt und vielleicht wird uns durch Funde in nordischen Ländern noch einmal die volle Klarheit.«. b. lesla verbessert die drahtlose Drllcnübulraann«. Du New Dorker Korrespondent der.Tally News" hatte«m Interview mit dem berühmten Erfinder Nikola Tesla, der ihm übu seine neue Er» ftndung drahtloser Vermittlung elektrischer Energien durch' die Erde Aufklärungen gab. Während die Weiterleitung durch Draht große Verluste mit fich führe und auf seh? groß« Entfernungen überhaupt unmöglich sei. könne durch sein« Einrichtung die größte irdisch« Eni- fernung In einer Weise überbrückt wUden. daß die Verluste nicht einmal 1 Proz. betrügen. Hiuzu kämen etwa 4 Proz. Uebergongs- verluste von und zu den Apparaten. Tesla habe festgestellt, daß die bisherige Anffassung, die Erde und dl« Atmosphäre seien von einer verdünnten gutteitenden Atmosphäre umhüllt, irrtümlich sei. Im Gegenteil benehm« fich die Erde den elektrischen Erscheinungen gegen- über, al» ob sie im Räume vollständig isoliert wäre. Hieraus folg«. daß die elektrische Energie durch die Erde besser geleitet werden könne als sogar durch ein Kabel. Seine Erfindung bestände in der Lösung der Frag«, wie die elektrisch« Energie, die durch die Erde gesandt wird, wieder au» ihr herausgeholt werden könne. Nur ein« nach seinen Grundsätzen gebaut« Empfangsmaschine könne die Energie aufnehnxn. Es sei wahr, daß die von seinen Apparaten m die Erde gesandten elektrischen Ströme sich auf die ganze Erde vu- teilen und ebenso wi« das Wasser in einem großen Resuvoir Druck auf jeden Punkt ausüben. Wie aber das Wasser nur durch«inen Zapfen ins Freie ausströme, sei die elektrisch« Tnugi« nur durch einen Empfänger aufzunehmen. looo Aufnahme» In du Setande. 8.«.«edmore. du DlreNor eine» wlffenschafttichen Institute» für elettrifche Industrie, hat nach ein« Reibung au» London einen Fllmausnahme.Apparat erfunden, mit dem e» möglich sem soll, w einer Sekunde 1000 Ausnahmen zu machen. Du Er- sinder glaubt, mit seinem Apparat da« Lehen der Inletten. Erscheinungen der Chemie. Sxplostonen und phtzsilalische Versuch« bi« in» dutthcu'oitt studiere» zu lSnueu. & vke KanSlSateulkfte für Serlin. Einstimmige Entscheidung des Parteivorstandes. Der Varieworstand ist gemäß Z IS Absatz 2 des Orgamsatlons- statuts angerufen warben, über die Differenzen zu entscheiden, Me bei der Aufstellung der Reichstagstandidaten für Berlin und Teltow-Beeskow auf dem Dezirkspatteitag vom 2. März >. I. entstanden waren. Um«in« Entscheidung durch ihn. die nur un äußersten Notfall angängig erscheint, möglichst zu vermeiden, iat der Parteioorstand die Parteiorganisation für Groß. Berlin auf. gefordert, den Bezirksparteitag noch einmal zusommenzuberuftn und hm die vom Berliner erweiterten Bezirksvorstand aufgestellt« Bor- ' ch l a g s l i st e für beide Neichstagswahlbezirt« als Ganzes zur Lnnahm« zu empfehlen. Di« Berliner Orgcnisaticnslettung hat tiefer Aufforderung des Parteivorstandes entsprochen. Der am ;. März wieder zusammengetreten« Bezirksparteitag hat mit LR zegen 216 Stimmen in einwandfreier, von niemandem ange- '.weifelter Abstimmung beschlossen, die beiden vorgelegten Kandi- «tenlisten.a l s Ganzes anzunehmen. Lei der Lerkündung de« Wahlresultats stellte der Dorsitzende ohne Widerspruch fest, daß damit sowohl der Antrag, der das trittige Resultat des Dezirksparteitages vom 2. März onerkannt wisien wollt«, als auch der weite« Antrag erledigt fei, der ?ine Einzelabstimmung über die Stellen der Listen»er- angtc. Nach dieser widerspruchslos erfolgten Feststellung des Vor- itzenden war es— nach der ein st immigen Autfssstmg des Partei- lorstandes— unzulässig, die Frage der Einzelabstimmung er. wut zur Abstimmung zu bringen, da das zur Folg« hohen müßt«, mß durch rechthgülligen Beschluß«rtedigt« Fragen immer wieder rufs Neue bis ins Endlos« hinein angefochten und zu Ihrer Eni- cheidung abermalige Beschlußfassung gefordert werden könnt«,«in verfahren, daß die Partei zum öffenllichen Gespött machen müßte. Nachdem die beiden aus der List« für dt« Stadt Berlin an 8. und t. Stell« gewählten Kandidaten auf dem Dezirksparteitage vom !. März aus dies« Kandidaturen verzichtet hatten, hat der Partei- >orstand sie ersucht, ihren Verzicht Im Interesse de« inneren Partei- riedens zurückzuziehen. Leider haben sie verneinend geantwortet. Oer Parteioorstand stellt nunmehr« I n m ü ti g fest, daß die Kandi- «tenlisten durch Beschluß des Berkner Parteitages vom 8. März olgende Gestalt erhalten haben: Berlin: i. Erifpien 2. Heimonn S. Bohm.Schuch 4.«ufhäuser 6. Richard Fischer 6. Mos«» 7. Wäger 8. Zechlin Teltow-VeeSkow: 1. Zubeil 2. Eduard Vernfleia 8. Künstler 4. Ryneck 5. Loewenstci» 6. Hein ig 7.«rille 8. Hol, 8 Ella Seeg» 10. Steimann Der Parteivorstand ersucht all« Parteigenossen von Groß-Berlln »ringend, nunmehr all« inneren Differenzen zurück- zustellen, sich einig und geschlossen hinter die vom Dezirtspartei- ag aufgestellten Listen zu stellen und mit gesammelter Kraft den Wahltampf zu führen gegen alle Widersacher der Partei von tinfs cid von rechts!_ Der Vart-i vorstand. Parteigenossen zweiter Klasse? Erklärung des Parteivorfiaades. Der Porteivorstaad veröffentlicht folgende Erklärung: Bei der Aufstellung von Retchstagskandidawren ist in letzter Zeit an manchen Orten der Beschluß gefaßt worden, daß Reichstags» abgeordnete nicht wieder aufgestellt werden dürften, die in der Fraktion oder im Plenum für das zweit« Ermächtigungsgesetz ge- tjmmt, haben. Eine solche Disqualifizierung ,»on Parteigenossen durch vrganisationsbefchluß ist u n z u- äffig und widerspricht dem Wortlaut und dem Geist« des Or» zanifationsstatuts der Partei. Solang« sich Parteigenossen im Vollbesitz der im Organisations- tatut niedergelegten Partei recht« befinden, können sie nicht von varteiämtern und Kandidaturen ausgeschlossen .Palme' oder.Der Gekränkt«", dt« neue Komödie von Paul Z o r n s« l d, erzielte in den K a m m e r f p i e l e n in der lustig ixschwinoten Inszenierung de» Viktor Echwannek« einen starken iheiterkestserfolg. Man hatte das Gefühl, Äs ob das Stück mit der 'arikatürcnhafien Charakterzeichnun« und dem scheinbor nichtigen In- halt vom Dersasser viel literarischer und gar nicht so lustig gemeint st wie es infolg« der grotesken Darstellung der unvergleichlichcn Sülstorsf und Etlinger wirkte. Di« eigenartige Komödie verlohnt noch eine eingehendere Betrachtung. Dgr. Sin zusriedener Entthronter..Wahrscheinlich ist niemand mit »er Abschasflmg des Kalifats mehr zufrieden als der entthronte Kalif selbst', so leitet G. Ward Price ein Charakterbild de» Exkalifen, ,n einer Londoner Zeitung«In..Di« Stellung des Kalisen mag, aus einiger Entfernung betrachtet, einen romantischen Zauber haben, aber für«inen älteren feinfühlenden Türken von ungewöhnlich modernem Geschmack, wie es Abdul Mefid ist, überwiegen dl« Kehr- feiten die Annehmlichkeiten, und er wird zweifellos die Sicherheit xiner Derbanitung nach der Schweiz den Gefahren vorziehen, die das Amt eine» Führers aller Gläubigen umschiießen. Obwohl Abdul Mejid nur der Detter von Sultan chomed war, so ist er doch während dessen Regierung in strengster Abgeschlossenheit geholten worden. In »ie er erzwungenen Muße entfaltete er einen feinen Sinn für Bil» bung und Kunst. Er ist jetzt R Jahre alt. Seit er Kalif wurde, hat er feiner Erscheinung«inen würdigen weißen Backenbart bei- gefügt. Ich besuchte ihn. kurz nachdem er dir Würde erlangt hotte, m seinem Sommerpalast aus der� asiatischen Seite des Bosporus. Das Hau» war ein interessanter Spiegel seines Charakters, denn es öcrband«ine gewisse orientalische Schönheit mit einem gemütvollen Gemisch von deutschen Kuckucksuhren, Porträtbüften Wogners und Beethovens und Porträts in Oclmalerei. die der Beherrscher der Gläubigen selbst geschossen hat- Musik und Malerei waren nämlich die Hauptinteressen des Assisen. Er erzählte Mir, daß et den Ehr- geiz habe, ein Konservalorium der Künste in Konstantinopel zu er- richten;.aber*, fügte er hinzu,.dies« ewigen politischen Krise» machen es schwierig.' Als er von dem türkischen Parlament im ?>erbst 1822 zum Kalifen erklärt wurde, bestand seine einzig, Pflicht darin, dem wöchentlichen Selamlit beizuwohnen und am Freitag die Moschee zu besuchen. Er tat dies i» lehr feierlicher Weise. Bald ritt er aus einem weißen Pferd, von einer glänzenden scharlachrote» Leibwache umgeben; bald wieder fuhr er in«iner großartigen Ltaatsbarke zu einer Moschee aus der g�enüberj'cgenden Seit« des Bosporus. Sicherlich war«r der erste Kalif, der eine Armbanduhr :rug: aber trotz dieser modernen Gest« blieb er unter der Regierung von Kemal Pascha ebenso ein Getangener, wie er'es unter der Herrschaft der alten Sultan» gewesen war.' Zwetgstellin. ?ae die«esetlschaft fite«esch'echtekuvd« ipriSt am 13., abend« 8 Uhr. Dt. weä. St«!-»»«»»an« über.ProblemederUn. trachtb a r f ti t'jm.S-nd von Lichtbiwe» im SttftUut für Meere». (mit«, Georgeufir. 86. irmtrttt«0 Pf. 1 werden, weil st« in«iner besonderen pok: tische»©Öu Ottern als Parlamentarier eine bestimmte Haltung«ingenommen haben. Das Einreißen solcher Sitten würde dazu führen, daß sich bei schwer- wiegenden Entscheidungen im Parlament innerhalb der Partei zwei Gruppen bilden, von denen jede dort, wo sie die Mehrh-it hat. die Disqualifizierung des anders eingestellten Abgeordneten betreiben würde. Gerade und ehrlich« Naturen würden unter solchen entwürdigenden Umständen dte Uebernahm« eines parlamentarischenMandots ablehnen, und f. de Partei, die solche Sitten dulden würde, liefe Gefahr, im Parlament von Heuchlern. Gesinnungslumpen und Strebern oertreten zu werden. So selbstverständlich das Recht jedes Parteigenossen ist, aus freier Entschließung bei der Aufstellung von Kandidatizren zum Reichstag seine Stimme abzugeben, das System der Ver- femung von Abgeordneten und der Ausschluß von Ehren- ömtern durch Organisationsbeschluß wegen einer parlamentarischen Abstimmung ist unzulässig und entbehrt d«r parteirechtlichen Gültigkeit. Jursorgeabbao! Verordnung aber FSrsorgepflicht. Die Not des Volkes ist ungeheuer: sie übersteigt alles Dagewesene. Das Ausland ist zur Hilfe bereit. Nur die deutsche Negierung weiß dibon nichts. Eis baut in dieser Zeit die gesetzliche Wohlfahrtspflege a b. Denn nichts anderes bedeutet die Verordnung über die Fürfocgepflicht. Die Sozialdemokratie hat immer und erst kürzlich wieder hat der Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt und auch wir in diesen Spalten Vereinfachung der Wohlfahrtsverwaltung per- langt Wir wollten Abbau aufgeplusterter Behörden und Er- Haltung der sachlichen Leistung. Und wir wollten Ueber- Weisung der Aufgaben an die Selbstverwaltungskörper und klare Aufgabenverteilung zwischen mittlerer und unterer In- stanz. Statt dessen spricht die Regierungsverordnung von Landes- und Bezirksfürsorgeoerbänden, von denen niemand weiß, wo sie gebildet werden sollen, deren Gliederung und Ausgabenverteilung sie den Ländern überläßt Hier zeigt sich dte ganze Unfähigkeit unserer Abbaubureaukratie. Welch lockende Aufgabe wäre es, aus dem Wirrwarr der Derwal- tungsinstanzen in Deutschland einen einfachen übersichtlichen Apparat zu schaffen. Eine solche Maßnahme könnte wirklich Ersparnisse bringen. Aber Lewald lockt nun einmal der Ab- bau republikanischer Beamter vor allem. Und so wurstest seues Ministerium für sich und hier haben der Ärbeitsminister vielbeschäftigter Direktor Ritter wahrlich kern Musterstuck geliefert. Dabei ist das«in Formale nicht dos schlimmste an dieser Berordnuny. ,~'lzt Verordnung weist den Fürsorgeoerbänden die gesam- ten Aufgaben der sozialen Fürsorge für die Kriegsopfer, die Fürsorge für die Sozial» und Kleinrentner, die Schwerbeschä» digten und Schwererwerbsbeschränkten durch Arbeitsbeschof- siing, die Fürsorge für hilfsbedürftige Minderjährige und Wöchnerinnen und zuletzt die Armenpflege zu. So weit, so gut. Aber die Länder bestimmen, wie der Aufwand der Fürsorgeverbände gedeckt wich, Voraussetzung, Art und Maß der Fürsorge wird auch vom Land im Rahmen der rechtlichen Vorschriften bestimmt Als solche gelten vorläufig die be- stehenden, aber die Reichsregierung stellt mit Zustimmung des Reichsrats die endgülligen auf. Eine der vornehmsten Aufgaben des Reichstages, die Linderung der Rot. wird ihm kurzerhand genommen. Das heißt Verewigung der Ermäch. tigung, Abbau der Demokratie durch den Herrn Arbeits- minister! Wer will«s da der Sozialdemokratie verargen, wenn sie die Zurückrufung der Verordnung oerlangt? Werden ihr nicht im Gegenteil die weitesten Kreise dankbar sein, wenn sie mit den Rechten des Reichstages die der Kriegs- und Nach- kriegsopfer der gebärenden und stillenden Mütter schützt? Sie kann das um so eher, als der positive Gehalt der Ver- vrdnung sehr ärmlich ist. Von de? Zusammenfassung der Wohlfahrtsmaßnahmen bei einer Instanz sprachen wir schon. Dazu kommt die Abschaffung des U n t e r st ü tz u n g s w o h n- fitz prmzips zugunsten des Prinzips des gewöhnlichen Aufenthalts, der jetzt für die Verpflichtung. Unter» stvtzung zu gewahren, maßgebend ist. Aber auch das bleibt verklausuliert und die Abschiebemöglichkeit in bestimm- ten Fallen bestehen. Die Mängel des bisherigen Armenrechts bestanden nicht nur im Unterstützungswohnsitzprinzip, sondern auch darin, daß nur das Existenzminimum gegeben werden mußte. Das Iugendwohlfahrtsgefetz hatte das für die Iu- gendlichen ausdrücklich abgeschafft. Die Verordnung über die Fürsorgepflicht, sagt davon gar nichts. Es wird ja Landes» fache. Und Deutschland geht seinen Schneckengong. die Ausgabe üer Silbermünzea. Im Haitshaltsousschuß des Reichstag» gab bei DeHandlung des Gesetzentwurfs über dte Ausprägung neu«r ReiHs- si ibermünzen ein B-rtret» des Reichsfinanzministeriums ein« U e b« r s i ch t über den Rückgang imUmsaufdesNotgeldes. Danach ist der Umlauf gegenüber dem Dezemberftand 1023 zurückgegangen: D«, 1923 ietzt an Sisenbahn-Papier-Notgeld.. 114 Trill. M. öS Trill. M. . legalem.».. 76,,'1,4., . illegalem.. im betetzien Gebiet... Sit*,, m im unbesetzten Gebiet.. 110, 0 8—6,, , wertbeständig. Eisenbahn« Notgeld....... 143 Mill. Gm. 183 Mikl. Gm. , sonstigem wertbeständ. Notaelb 283.. 93„ JnSgetamt sin runden So) 8lb Mill. Gm. 380 Mill. Km. Genosse Abg. S ch m i d i. Berlin«endet sich gegen die Be- sorgnlsse, daß durch das Silbergeld eine neu« Inflation zu be- fürchten fei,«eil durch die Einführung de« n«u«n silbernen Zahlung»- mittels das Notgeld au» dem Verkehr gezogen«erde. Di« Prägimg von Funsmarkstücken wurde vom Ausschuh abge- lehnt Es werden also nur Ein-, Zwei- und Dreimarkstücke geprägt werden. Weiter wurde in den H 1 der Vorlag« ausdrücklich die Be- stimmung aufgenommen, daß dte Silbermünzen nur in demselben Maß« in den Verkehr gegeben werden dürfen, in«elchern ander« Zahlungsmittel dauernd au« dem Verkehr zurückgezogen werden. Auch wurde ein Antrag angenommen, wonach der gesamte Be- trag der neuen Reichssilbermünzen, der bis auf weiteres fünf Mark für den Kopf der Bevölkerung de» Reiches nicht übersteigen soll, nur mit Zustimmung des Relchsrot» und«ine» Ausschüsse» de» Reich«- tags bis auf 1l> Mark erhöht werden darf. • Der«erkebr8au»ichuh de« N»ich>tag» vebandelt zur„it da» Reicktepostfinanngefetz. Die Negierungevorlage siebt vor. daß der SieichSpost- und Telegraphenbetried als»in selb st an« dige» Unternebmen unter Be,eichmmg.Deutsche Reichs- Post' zu verwalten ist. und zwar vom Reichspostminister unter Mitwirkung eines Verwaltungsrates. Der ReichSrat hat demgegenüber beschlojjen, de» RetchSpostminister durch eisen .Senerakpoftmeister' zu ersetze«. Gege* diesen Beschluß hatten sich die Redner aller Parteien ausgesprochen, und der Reichstag harte die Borlage der Regierung unler Ablehnung des Beschlusses des Reichsrats angenommen. Hieraus wandte sich die Aussprache der Frage der Zusammen» setznng deS VerwallmigSraleS zu. Nach längerer Berortmg wurde beschlossen, daß der VerwalmngSrai aus 81 Mitgliedern bestehen solle, und zwar aus je sieben Miigliedern des Reichstages und des ReichSralS, aus einem Mitglied, da» vom ReichSsinanzniinisier vor» geschlagen wird, aus sieben Miigliedern aus dem Kreise der Reichs» postVerwaltung und neun Mitgliedern aus den Kreisen der Wirtschast. Die sieben Mitglieder aus dem Perional sollen im.Benehmen'— die Vorloge lad vor.im Einvmiebmen' — mit dem Finanzminister und dem Reichsrat vom ReichSpost- minister vorgeschlagen werden. In der Abstimmung wurde die Regierungsvorlage ohne wesentliche Benderungen angenommen. Die Vorschläge des ReichSralS wurden sämtlich abgelehnt. Die Reorganisation üer Reichsbahn. Am Dienstag trat im Reichsverkehrsmimstertum der zu gleiche» Teilen aus Vertretern der Reichsbahnverwaltung und des Reichs- bahnpersonals bestehend« Organisationsausschuß unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Kumbrer zu einer Sitzung zu- fammen, an der Reicheverkehrsminister Oeser teilnahm. Der Reichs- verkehrsminister machte ausführlich« Mitteilungen über den Stand der Neuorganisation der Reichsbahn und die w Aus- ficht genommenen weiteren Maßnahmen, besonders bezüglich der Dezentralisation der Geschäfte. In.der Aussprache wurden von verschiedenen Seiten Bedenken geltend gemacht, daß politische Rücksichten zum Schaden der Sache bei der Neuordnung der Reichsbahn in den Vordergrund treten könnten. Des weiteren wurde die Notwendigkeit der Verkehrswerbung zur Hebung der Wirtschaftlichkeit der Reichsbahn ge- fordert. Die von einem Unterausschuß abgefaßte Denkschrift über Selbstkostenermittelung und Wirtschaftskontroll« der Be- trtebsdienftftellen soll dem Reichsverkehrsminister zur'weiteren Der- wertung und versuchsweisen Einführung überreicht werden. Arbeiterpartei unü Luftverteidigung. Regierungserklärunii im Unterhans. London. 11. März.(MTB.) Der Unterstaakssekrekär für Lnflsohrkwesen Leach erklärte im llulechaus bei der Einbringung der Voranschläge für die Erweiterung der Luflstreikkräsle in der Heimat: Zahlreiche Freunde der Regierung fragtsu ktesorgl. wie die Arbeiterpartei eine Vermehrung in den britischen Rüskuugeu recht- fertigen köune. Mitglieder der Arbelkdrparkei könnte« fragen, ob die Arbeikerparlei, von der die Führung auf dem Wege zur Ab- r ü st u n g erwartet werde, slalkdesjen nicht die Führung in enigegen- gefetzter Richtung übernommen habe. Das erste, worauf er ver- weisen wolle, fest daß die Regierung die Rüstungen keineswegs er- eveitere, sondern sie herabsehe. Denn da» Reinergrbnis fei eine betrochkliche Verminderung in den Ausgaben für Kriegszwecke wich- rend des lausenden Jahres. Die Arbeilerporlei habe niemals dl« Abrüstung Großbritannien» ohne Rücksicht auf die Maßnahmen anderer Länder gefordert Dies wäre kein praktischer Vorschlag. Da» Land dürfe nicht wehrlos gemacht werden. Die Frage« der Abrüstung müßten aber erörtert werden, damit all« Rationen erkennen, daß Rüstungen nicht, nütze». die fingst vor üen Wahlen. Auch in Frankreich... Varls, 11. Mär».(MTB.) Wie der.Peilt Parisien' berichtet. fit im Laufe'des gestrigen Kabinettsrate» erörtert worden, ob man die Kommerwahlen noch vor dem 11., 18. bzw. 25. Mai stattfinden losten solle, oder ob«s sich empfehlen würde, sie auf den Oktober 1924 oder auf das Jahr 1S26 zu verschieben. Diese letzter« Kombination fei besonders von einem Mitglied« der Regierung vertreten worden,.nach besten Ansicht die Hinausschiebung der Wahlen die spekulativen Manöver gegen den Frank hinfällig machen würde, während andere Mitzliedr der Regierung behaupteten, man müsse den Horizont von den Wolken befreien, indem man so rasch wie möglich zu den Wahlen schreite. Heute vormittag findet ein Ministerrat im Elyse« unter Vorsitz des Präsidenten der Republik statt, der die Entscheidung über die durch dte finanziell« Sanierung notwendigen Maßnahmen treffen wird, über die der Kabinettsoat gestern beraten hat. „Phantastische Gerüchte." Parts. 11. März.(WTB.) Der politisch« Mitarbeiter der Agentur Havas schreibt zur Lag«: Die phantastischsten und tendenziösestenGerüchte werden in polltischen Kreisen verbreitet So hat man Poincare die Absicht zugeschrieben, das Ka- binett umzubilden. Dies« Nachricht entbehrt jeder Be- gründung. Auch hat man behauptet, dte Regierung sei entschlossen, die Dauer der Legislaturperiode der Kammer, wenn nötig, durch die Einberufung der Nationalversammlung zu verlän» gern. Ein derartiges Verfahren wäre vollkommen unnötig, de durch ein einfaches Gesetz, wie es das Verfahren von 1919 bei der Verlängerung der Gültigkeit der 1914 gewählte« Kammer bewiesen hat, die Legislaturperiode verlängert werben kann. Auch nach dieser Richtung sind also dem Kabinett unrichtige Ab- sichten zugeschrieben worden. Der Kabinettsrat hat sich gestern nur mit dem Zeitpunkt der Neuwahlen zur Kammer beschäftigt Diese» öfsizsäse Kommunique stellt also nicht in Abrede, daß der Plan erwogen wird, die' Lebensdauer der jetzigen Kammer des Nationalen Blocks zu verlängern. Ob aber die Regierung bei der jetzigen Einstellung des französischen Volkes und bei dem zunehmenden Mißdncdit des Nationalen Block» zu diesem ebenso ge- sährtichen wie zwecklosen Mittel greisen wird, erscheint uns fraglich. die kommenüe Republik Griechenland. Durch Parlamentsbeschlust unter Militärprotektorat. Athen. It. März.(Eigener Drahtberickt) Es ist wahrschein- lieb, daß die für den 2. April vorbereitete Volksabstimmung über die Einführung der Republik nicht stattfinden wird. Die maßgebenden politischen Führer widersetzen sich dem Plebiszit Sie wollen unier allen Umstänoen die Frage Republik oder Mon- atchie durch einfachen Mehrheitsbeschluß des Parlaments ent- scheiden lassen, weil bei der gegenwärtigen Erregung der Bevölke- rung schwere Erschütterungen durch die heitige Agitation befürchtet werde». Daß das Parlament sich für die Einführung der Republik entscheiden wird, erscheint sicher, weil von den 389 Abgeordneten nur 7 sich offen zur Monarchie bekennen. Der provisorische Regent, der Admiral KonduriotiS, wird also in knizer Zeit dem Piäsidenten der Republik weichen müsten. Da« Militär ist für die Republik. Die iübrenden Kreise wollen den Wünschen der Oisitiere entsprechend Armee>md Flotte verstärken. DaS Heer soll aus 400 090 Mann gebracht werden. Die«eue Regierung. Athen. 11. März.(Eigener Drahibertckt). Das neue Ministerin« wird sich ausschließlich au« Anhängern der Republik zusammen- setzen. Die Ministerprästdemschasr, da« Finanz- und Außen- «rnisterium wird wiedee Pap-nastasi» übernehme«. Gewerkschaftsbewegung Abbau bei der Eisenbahn. Unberechtigte Kündigung von Betriebsräten. Die Betriebsleitung des Güterbahnhofes Bantom hat der Direktion eine Liste der auf Grund der Abbauverordnung für die Entlassung vorgesehenen Arbeiter eingereicht. Auf der Liste stehen auch die beiden Borsigenden des Betriebsrats. Der Betriebsrat hat bie 3ustimmung zur Entlassung seiner Borsigenden versagt. Die Eisenbahnverwaltung beantragt beim Gewerbegericht, ihr die Zustimmung zur Entlassung der Betriebsratsvorsitzenden zu erteilen. Diese behaupten, fie feien nicht aus wirtschaftlichen Gründen zur Entlassung bestimmt, sondern weil fie durch ihre Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzende ihren Borgesetzten unbequem geworden seien. zu refpeffieren, aber burch die befonberen Umstände am Arbeiten Derhindert sind. Trotzdem ist bereits gestern in einigen Betrieben die Aus fperrung perfett geworben. Eine Branchenversammlung der Herrenmaßschneider nahm gestern abend dazu Stellung. Bevollmächtigter Lehmann er. flärte das Borgehen der Arbeitgeber als Tarifbruch, da der Bertrag noch bis zum Sonnabend läuft. Die Organisation ist nicht gewillt, fich diese Maßnahmen gefallen zu lassen, sondern wird für den Fall daß die Arbeitgeber unbefehrbar find. thr gutes Recht durch geeignetes Borgehen zu behaupten wissen. Nach eingehender Aussprache wurde eine Entschließung im Sinne der Ausführungen Lehmanns einstimmig angenommen. Ausgesperrte Betriebe haben sich sofort mit der Organisation in Berbindung zu setzen. Höhere Ortszuschläge für Berlin. Herren einen Tanz wagen wollen umb uns zur Berzweiflung treiben, wie in Ludwigshafen, haben sie die Verantwortung und müssen die Konfcquenzen tragen. Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich, wie aus der von uns veröffentlichten Zuschrift des Arbeitgeberverbandes der chemischen Industrie hervorgeht, um eine bewußt organisierte Berge waltigung des Schiedsspruches. Im Benehmen mit der Bee triebsvertretung" heißt in Uebereinstimmung mit der Betriebsver tretung. Jedenfalls erscheint es dringend, daß diese Vergewaltigung des Schiedsspruchs largestellt wird. Schiedsspruch für die sächsisch- thüringischen Webereien. In dem Lobnstreit zwischen dem Verbande fächsisch thüringischer Webereien und der Textilarbeiterschaft, wurde durch den Spruch der Schiedsstelle beim Reichsarbeitsministerium der SpizenstundenTobn auf 38 Bf. festgelegt und die wöchentliche Arbeitszeit auf 53 Stunden. Die Erklärungsfrist endet mit dem 22. März. führten zu feiner Einigung. Verhandlungen in der Bitiauer Zegtilindustrie Aufgeschoben ist nicht anfgehoben. Die Borgesepten, zwei Oberlabemeister und der Ober- Der Berliner Magiftrat hat dem Wunsche des Ortsausschusses Inspektor des Bahnhofes, werden gehört. Sie sind forrette Beamte, Groß- Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamten die die Rechte des Betriebsrats fennen und anz genau wissen, wor bundes stattgegeben, und dessen Antrag an den Reichs. auf es anfommt. Der Oberinspektor versichert: Rein Gedante, baß finanzminister um Erhöhung des örtlichen Sonder. die Arbeiter megen ihrer Eigenschaft als Betriebsräte zur Entlassung zuschlages unterstüßt. Schon Mitte Dezember hatte der vorgeschlagen sind. Es sind ruhige und besonnene Leute, die stets Magistrat an zustänior Stelle darauf hingewiesen, daß Berlin Der Stampf gegen die Arbeitezeitverlängerung im Kölner fach ich mit mir verhandelt haben. Aber die Direktion hat gegenüber anderen Städten besonders hohe Teuerungs. Brauntoblenrevier, der am 21. Februar eingelegt hat, bestimmt, daß die am wenigsten probuftiven Ar3iffern aufzuweilen babe und dak daher die für Berlin vorne. tonnte nicht weitergeführt werden. Wie wir durch eigenen Draht beiter entlassen werden sollen, und das sind die. beiden Betriebs. fehenen Ortszuflage verhältnismäßig gering feien. bericht aus Köin erfahren, wurde gestern( Dienstag) in einer Funt ratsvorsitzenden, denn in der Arbeit haben sie sehr wenig ge. Der Monistrat hat jekt eine vom Statistischen Umt refertigte aus- tionärfonferenz des Bergarbeiterverbandes, der Maschinisten, Heizer feiftet führlichere vergleichenbe Darstellung der Teuerungszahl und Metallarbeiter befaloffen. den zur Abwehr gegen die EinDie als 3eugen vernommenen brei Borgesetzten erzählen und der zurzeit gewährten örtlichen Sonderzuschläge dem Reichsführung der Zwölfftundenici: im Braunfoblenrevier bes lang und breit, daß die Betriebsratsvorsitzenden bei der Arbeit oft finansminister überreicht mit der Bitte, hieraus zu entnehmen, daß gonnenen Kampf abzubrechen. Heute( Mittwoch) sollen die Beleg nicht zu finden gemefen, und wenn fie bei der Arbeit gewesen seien, ber Berliner Buschlag auch nach den neueren Teuerungs. fchaften sich wieder zur Arbeit melden. erheblich weniger als andere geleistet hätten. Man habe die minder zahlen nicht im richtigen Verhältnis zu den in anderen leistung zahlenmäßig festgestellt und dabei herausgefunden, daß die Großstädten gewährten Zuschlägen steht, und daß demaemäß die durchschnittliche Tagesleistung einer aus brei Mann bestehenden Kolagen der Berliner Beamtenschaft über die Zurüdfonne normalerweise 6 bis 7 Tonnen betrug, während die Kolonne, fegung gegenüber den Beamten anderer Großstädte gerecht. ber ein Betriebsratsvorsitzender angehörte, nur 4 bis 3 Tonnen fertigt seien. Mit Rücklicht auf die Unzulänglichkeit der Beamten Lagesleistung hatte. aehälter an sich hat der Magistrat gebeten. bei der zum 1. April in Aussicht genommenen Neuregelung besonders auch die Frage des örtlichen Sonderzuschlages zu prüfen und eine für Berlin an gemeffene Herauffekung des Zuschlages vorzu nehmen. Der Artrag des örtlichen Ausschusses Groß- Berlin ist vom Magistrat wärmstens befürwortet worden. Dagegen wird eingewandt, daß die beiden zur Entlassung Bestimmten felbstverständlich sich manchmal von der Arbeit entfernen mußten, um ihre Pflichten als Betriebsräte zu erfüllen und andere, ihnen von den Vorgesezten übertragene Funktionen auszuüben, wie Ausgabe von Werkzeug, Anweisungen on neueingestellte Arbeiter und dergleichen. Weiter wird festgestellt, daß der Oberinfpeftor in einer Eingabe an die Direktion geschrieben hat:„ Die Betriebsratsvorsitzenden haben sich oft von der Arbeit entfernt, um sich um die Intereffen der Arbeiter zu fümmern." Damit ist also wie dem Oberinspektor vorgehalten wird zugegeben, bab fie fich in Erfüllung ihrer Pflicht als Be triebsräte von der Arbeit entfernt haben und daß ihre Minder Das Gericht entschied: Die Beschäftigung mit ben Arbeiterverhältnissen gehört zur Tätigteit ber Betriebsräte. Diefe war bei der Kündigung von Einfluß, die Zustimmung zur Entlassung wird deshalb versagt. Kommunistisches Gewerkschaftskartell in Berlin. Zur Ergänzung unserer Mitteilungen über das kommunistische Gemertschaftstreiben in der gestrigen Abendausgabe des Vorwärts" berichtet die PMC.- Korrespondenz, daß die fommunistischen Sonberorganisationen in Berlin, einschließlich Hand- und Kopfarbeiter, ihre Berbindung unter sich zu einem Gewer ichaftsfartell ausgestatten. Zum 1. April foll ein allgemeines Arbeiterfefretariat eingerichtet werden. Das Arbeits. programm diefes fommunistischen Gewerkschaftstartells ficht gegenfeitige Unterstügung bei Lohnfämpfen, sowie die Festlegung gemeinfamer Richtlinien in der Arbeitszeit- und Arbeitsirfenfrage, ferner gemeinsames Borgehen in allen Angelegenheiten der Tarife und Löhne vor. Die ,, Eroberung der Gewerkschaften in Deutschland dauert den Moskauer Auftraggebern offenbar zu lange. Deshalb muß einstweilen eine fommunistische Einheitsfront" aufgestellt werden. Sie faffen nur zufammen, die Kommunisten. Die anderen spatten". Aussperrung in der Herrenmaßbranche. Tarifbruch der Urbeitgeber.. Der Bekleidungsarbeiterverband hatte an die Arbeitgeber ben Antrag auf eine 35prozentige Lohnerhöhung gestellt. Anstatt auf diefe Forderung einzugehen, teilte ber Arbeitgeberverband mit, daß der von der fommunistischen Sonderorganisation bei einigen Firmen inszenierte Streit dem Arbeitgeberverband die Aussperrung im ganzen Beruf angezeigt erscheinen laffe, falls es dem Bekleidungsarbeiterverband nicht gelinge, feine am Streif betciligten Mitglieder zur Wiederaufnahme der Arbelt zu veranlassen. Der Bekleidungsarbeiterverband stellte daraufhin feft, daß seine am Streif nur in verschwindender Zahl be teiligten Mitglieder dies gegen ihren Willen tun, fie diel. mehr durchaus gewillt sind, fo wie bisher die tariflichen Abmachungen Scharfmacher in der chemischen Industrie. Der Hamburger Hafenarbeiterfirelt. erstreckt fich auf etwa 20 000 Arbeiter. An den staatlichen Rais wird gearbeitet, doch werden nur solche Arbeiten verrichtet, die unter die Regie der Kaiverwaltung fallen. Auch der Altonaer Hafen ist von dem Streit betroffen, der sich im aufkommenden Schiffsverkehr bereits bemerkbar zu machen beginnt. Der große dänische Dampfer Breedensborg warf bei Brunsbüttel Anter. Er soll umgeleitet werden. Zur Beilegung, des Streils find bereits neue Berhandlungen ciner et. Bremen und Lübed mird voll gearbeitet. Auch in Bremen wurde gestern abend in einer Bersammlung der Hafenarbeiter der Bremer Häfen mit 1800 gegen 118 Stimmen der Streit beschlossen. Die Arbeitszeit in Polen. Warfchan, 11. März.( Eigener Drahtbericht) Bolen ist bekannte beigetreten. Der Arbeitsminister hat nunmehr gestattet, daß ausnahmsweise in gewissen staatlichen Betrieben auch zehn Stunden gearbeitet werde, falls die Arbeiter damit ein verstanden sind. Verboten bleibt es, den Arbeitsbeginn früher anzulegen, als das Gefes es vorichreibt. Die Heber stunden tönnen nur des Abends geleistet werden. Zum Artikel Ein bemerkenswerter Schiedsspruch im„ Borwärts" vom 23. Februar erholten wir von einem Barteigenossen, Arbeiter in einer chemischen Fabrit, folgende Zuschrift: Im§ 2 bes Torifvertrags heißt es jetzt:„ Die regelmäßige reine Arbeitszeit beträgt 8 Stunden. Wir hatten bis dato eine a schlich der Waibingtoner Konvention betreffend den Acistundentag pause von 5-15 Minuten, von der jekt nach Ansicht der Arbeitfarbigen Arbeiter, die bisher eine Biertelstunde Waschzeit hatten, zu geber Beine Rebe mehr ist. Also follen die arinen, blauen usw. der sie noch mindestens 15 Minuten ihrer freien Reit zugeben mußten, um der Farbendred abzumaschen, in Zukunft jeden Tag ½ Shinde ihrer freien Zeit verwenden, um einigermaßen menschen mürbin den Betrieb zu verlassen. Die drei unparteiischen Beisiger ( Dr. Flotow, Körner und Ruttig) follen jett erst ein Urteil abgeben, ob die Waschpause aus Bersehen fortgelaffen ist. Weiter heißt es in dem angezogenen§ 2:„ Sofern die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse des Betriebes es erfordern. fann die regelmäßige tägliche Arbeitszeit über die im Absatz 1 festgelegte triebsvertretung auf 9 Stunden ausgedehnt werden. Dauer hinaus durch die Werksleitung im Benehmen mit der BeAn den Arbelterrat unserer Firma wurde das Anfinnen geftellt, der ganze Betrieb sollte auf Grund dieses Spruches ab Mittwoch, ben 12. März 9 Stunden arbeiten, außerdem mürbe beantragt wer ben, für die Maschiniften und Heizer und die Farbenarbeiter einer bestimmten Abteilung die Zustimmung zur 3 wölfftunden [ chicht einzuholen. Man hat bei uns Mitte Januar d. J. zirka 140 Arbeiter refp. Arbeiterinnen entlassen, denen später noch zirfa 40 nachfolgten. Außerdem fommen diejenigen hinzu, die von selbst die gaftliche Stätte der AGFA. verlassen haben. Seit Mitte November v. 3. arbeiten die Farbenabteilungen mit dazugehörigen Magazinen sowie die Pharmafabrif furz. d. h. nur 5 Tage pro Woche. Auf den Hin weis unferes Arbeiterrats, baß hier ja dann feine„ besonderen wirt fchaftlichen Verhältniffe" vorliegen, ba wir unter wirtschaftliche Ber hältniffe Bestellungen uim. ansehen. wurde dem Arbeiterrat erflärt, man müffe die Produktion verbilligen. Das ist natürlich Unfinn. Man würde durch die längere Arbeitszeit zum Beispiel in der Photoabteilung, mehr Blatten herstellen, aber der Sohnanteil bliebe derselbe. Die Belegschaft hat sich in einer Betriebsversammlung mit obigem befaßt und eine Urabstimmung vorgenommen. Es haben geftimmt: 856 für 8 Stunden, 94 für 9 Stunden, 46 ungültig, zirta 150 frant(!), 21 Schrlinge und 39 Scheuerfrauen, die nur drei Stunden arbeiten, scheiden aus. 100 Stimmen fehlen( Sturzarbeit usw.). Die Direktion will die neue Arbeitszeit durchaus erzwingen und jeben per Brief auffordern, daß er sich dazu verpflichtet. Wenn die, Extra billige Verkauf soweit Vorrat Kleiderröcke aus Kammgarn- Cheviot, moderne Plisseeformen....... Imprägnierte Regenmäntel ea. 185 cm lang, flott gearbeitet 875 1975 GabardineKleid mit Beidengarnitur oder Stickerel, aparte neue Fasson 29.50 Unterrock aus Satin, mit Faltenvolant, in verschiedenen Farben...... Unterrock aus Koiré, in neuen Farben.. Hemdbluse aus Barchent, in vielon Mustern........ Leipziger Str. Alexanderplatz Frankfurter Allee 50.Zephir4.50 Hemdbluse gestreift, eften und geschlossen.se tragen... 675 Mädchen675 Mäntel aus Donegalstoffen, offen and ge schlossen zu tragen, ca. 45 cm lang 00 Mädchen500 Mäntel aus Donegalstoffen, offen and geschlossen zu tragen, ca. 75 cm lang in Eine fchwere Niederlage erlitten die Kommunisten bei der Wahl zur Ortsverwaltung des Teytilarbeiterverbandes rimmitschau. Vor einigen Wochen batten die Kommunisten in der Generalversammlung der dorttaen Filiale des Textilarbeiter verbandes durch Hereinziehung von Richtmitgliedern in die Bere fammlung einen Eieg" ertochten. Die Wahl mußte natürlich vom Borstand für ungültig erklärt werden. Bei der Neuwahl am 8. März erhielt die Liste der Amsterdamer Nicotung 1865 Stimmen, die Lifte der Kommunisten 465. Neuer Schiedspruch in der Solinger Metallindustrie. Nach langwierigen Verhandlungen ist es unter dem Borsiz des Reichs und Staatskommisjars Fehlich als Schlichter zum neuen Ab Schluß bes Rahmentarifs für den Bereich der Nordwestgruppe der Metallindustrie gekommen. Die Arbeitszeit regelt sich auf dem ver tragsmäßigen Wege. Für Ueberstunden werden 25 oder 35 Brez. Auffchlag gezahlt, für Sonntagsarbeit 50 Broz. und an den ersten hohen Feiertagen 100 Broz. Die Dauer des Bertrages ist unbegrenzt und unterliegt einer zweimonatigen Ründigungsfrift zum 1. eines jeden Monats. Bis zum 16. März haben sich die Arbeitgeber und Arbeitnehmer über Annahme oder Ablehnung des Schiebsspruchs zu entscheiden. • Berantwortlich für Bolitit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: F. Eptorn; Feuilleton: St. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Rarftabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68.. Lindenstraße 8. Sierzu 2 Beilagen. BORG ZIGARETTEN FÜR QUALITATSRAUCHER Angebote 500 950 Weit.Gr. bis 70 cm 75 Pr. mehr 1400 Hermann eit. Gr. b. 100 em 1,00 M. mehr KnabenPyjak aus mar ne Cheviot, Kieler Form, für ca. 2 Jahre....... LederHausschuhe für Damen, mit und ohne Absatzfiesk, gute Qualitat KinderStiefel B.- Chevr 950 mitLackk. Gr. 31-85 750 87 Grösse 27-30 150 Jede weit, Gr. 1,00 M. mehr Mengenabgabe vorbehalten Halbschuhe für Damen in verschiedenen LederSO gate Qualitat, 1150 90 Herren3.90 650 Leipziger Str. Alexanderplatz Frankfurter Allee Stiefel.. -Halbschuhe inverschied Formen and Ledersorten... 7.90 1250 Einzelpaare: Herren- u. DamenStiefel u.Halbschuhe In schönen Formen sehr preiswert Nr. 12t ♦ 4t. Jahrgang 1« Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 12. MSrz 1424 9er lernende Serliner. �itt Besuch in der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums. „GroßberNn lieben wir"— so schrieb der langjährige Direktor her Biblicthek des Berliner Kunstgewerbemuseums. Dr. Pcter Jessen, vor zehn Jahren—.um seiner Arbeit willen. Die Land- schaft das Stadtbild, die Menschen, ihre Vergnügumyrn und ihre Kunst möchten wir uns größer, reiner, edler wünschen. Wer den Berliner würdigen will, niuß ihn dort aussuchen, wo er schafft und wirkt, oder dort, wo er an sich selbst arbeitet, wo er lernt. Diese lernenden Berliner beobachte ich seit dreißig Iahren. Durch den Lesesaal des Kunstgewerbemuseums geht fast ein jeder hindurch, der in Handwerk oder Industrie, in Dekoration oder Architektur mit- wirkt am künstlerischen Berlin: Junge und Alte. Arme und Reich«, Bescheidene und Anspruchsvolle, der Lehrling aus der Werkstatt und der Künstler, dessen Namen die Welt nennt... Nach allen Rich- tungen hin hat sich der Kreis der Besucher und ihrer Berufe er- weitert. Mit den Gesellen, Vorarbeitern und Werkmeistern kommen Kontoristen. Zeichner und Modelleure, Architekten, Bildhauer und Maler: jeder einzelne darauf angewiesen, sich unausgesetzt auf dem Laufenden zu halten. Dazu die gewaltig gewachsene Zahl der Studierenden, von der Technischen Hochschule, der Kunstakademie nnd der Universität bis zu den Fach- und Fortbildungsschulen aller Art... Wir haben jede Beschränkung des Besuches abgeschafft und sind für unser ltzertrauen bestens belohnt worden. Roch aber ist dort viel Platz für weiter« Leser. Ich höre immer n ieder, daß auch künsllerisch interessiert« Berliner nicht wissen, daß dort jedermann willkommen ist und reichliches Material findet, an einer Stätte der Belehrung und Anschauung über alles Große in der gesamten Kunst alter und neuer Zeit, der Heimat und der Fremde. Hier ist ein würdiges, dankbares Ziel." Dieses Ziel hält die Biblioihekleitung. wie in einer kürzlichen Unterredung eines unserer Mitarbeiter mit Geheimrat Icsien klar zum Ausdruck kam, auch jetzt noch, erst recht nach den unvermeidlichen Rückschlägen der Krieasjahre, fest im Aug«. Die öestänöe. Den Kern der Bibliothek bildet die Büchersammlung, die sich in erster Lim« auf das Kunstgewerbe erstreckt, darüber hinaus aber alle für dir Pflege der Kunstbildung wichtigen Gebiet« der freien Künste, Baukunst, Plastik und Malerei berücksichtigt. Die vibliochek hat dabei vor ollem die deutschen Er'cheinungen— selbst in diesen schweren Zeiten— so vollständig wie möglich vereinigt, ist aber von. scher eifrig bemüht gewesen, auch die Verbindungen mit der aus- ländischen Literatur aufrechtzuerhalten. Di« im Lesesaal bequem ausliegenden Katalog« bemühen sich so übersichtlich wie möglich und, wo irgend angängig, in verständigem Deutsch für alle An- fprüche gesonderte Abschnitt« einzurichten und dadurch gerad« den literarisch weniger Geschulten an die Dinge hcremzuführen. Neben den Büchern sind die photographischen Einzelblätter und sonstigen Abbildungen die meist benutzten, für den Praktiker zunächst wichtigen Slbteilungen der Bibliothek. Es sind gegen 100 000 Bläller, in 4COO Mappeu sachlich geordnet, alte und neue Kunst, Kunsthandwork, Architektur, Plastik und Malerei, noch Zeiten, -Meistern oder Gegenständen getvcimt. Wo früher Zeichnungen genügten, verlangt man heute die besten Photoarophien und mög- iichst schon Farbendrucke auf photogrophischer Grundlage. Kunst- sinnige Leute, die von ihren Reisen gute Photographien mitbringen, wie sie oft nur an Ort und Stelle zu haben sind, werden in der Kunstgewerbcbibliothek ewen dankbaren Abnehmer finden. Der krstbarst« Bibliothekbesitz sind die graphischen Sammlungen, die Originalwerke und Kunstblätter verschiedenster Art. Die alten Meister, nicht nur die Hondwerker, sondern mehr noch die Maler, Bildha"«r und Architekten haben St- che oder Holzschnitt« für die Werkstätten entworfen. Sie sind dem Historiker des Kunstgewerbes unentbehrlich und als Einzelblätter. Folgen und ganze Bücher unter dem Ncmren Ornament st iche gesammelt worden. Berlin besitzt die arößte und vollständigste Sammlung dieser Art. Als Grundlag« wurde schon im Jahre 1880 die Prioatsaimnlimg eines Pariser Architekten vom preußischen Staate angekauft. Noch persönlicher treten uns die alten Meister in den 6000 Blättern der Hand- Zeichnungssammlung aus drei Jahrhunderten entgegen. Da ist für alle Gewerbe und Kunstrichtungen wirksamer Stoff geboten. Schweizer Glasmalereien, italienisch« Barockarchitekturen, ftanzö- fische Nokotoskizzen, seltene Feinheiten deutscher Goldschmledetunst. Eine klein«, ausgewählte Sammlung japanischer Farbeohol.schnille Ichließt sich würdig an. Neben alter und ferner Kunst sind natürlich auch die deutschen dekorativen Erfinder aus jüngerer Zeit, die eng- listhcn Reformatoren, die Paris» Plakatkünstler mit ihrem Besten stark vertreten. In einer Spczialsammlung ist das Hervorragendste aus Buchdruck und Buchkunst aller Länder pereinigt, Bücher und Einzelblätter, Schrift, Druck und Illustration, emschließlich der alte» Vorbilder seit Gutenbergs Zeiten. Eine besonders stark« An- zehungskraft hat auch die großartige Sostümbibliothek des ver- storbenen Freiherrn von Lipperheide. Mit ihren 12 000 Bänden, 30 000 Stichen, Lithographien und sonstigen Abbildungen und mit 400 Originalqemälden ist st« eine einzigartige Quelle für Tracht und Sitte aller Zeilen und Länder. vor mtü nach dem Kriege. Das Kunstgewerbemuseum wurde im Jahre 1867 als Privat- sammlung gegründet. Vierzehn Jahre späte? karren in seinen L-.se. saal jährlich rund-10000 Besucher, die bei der Berstoatlichung des Museums im Jahre 1686 auf 15 000 gestiegen waren. Im Jahre 1905 siedelten die Sammlungen in die prächtigen Neubauten in der Prinz-Albrecht-Straße gegenüber dem Londtagsgebäude mit 60 000 Lesern übcr. Kurz vor dem Krieg« hatte sich als glänzendes Zeugnis für die Lernbegier der Berliner Fachkreise die jährliche Besucherzahl auf über 90 000 erhöht. Dann ging es naturgemäß fünf Jahre lang weit bergab, aber nach Krieg und Revolution über- rafchend schnell wieder bergauf, so daß heute die letzte Friedenszissec fast rrreicht ist. Dos Jahr 1923 schloß mit 89 400 Lesebesuchern ab. Der Ernst der Zeit zwang zu neuen Wegen, das für weiteste Be- völkerungskreise so ungemein bedeutsame Institut weiter aus- zubauen und auf dem Laufenden zu erhalten. Der Staat hat, was die Leitung donkbar anerkennt, auch in diesen Tagen schwerer Not getan, was«r tun konnte. Genug war es nicht. So log der Aus- weg. sich an die private Hilf« kunstsinniger Kreis« zu wanden, am nächsten. Der Weckruf fand erfreulichen Widerhall nach dem Beispiel der schöpferischen Tat des Stifters der Kostüm- bibliothek und anderer Gönner, die ihre kleinen und großen Sam- mel'chätze, oft auch nur einzelne werwolle Stücke, den gemein- nützigen Interessen freudig geopfert, heule ist um die Bibliothek ein.Freundeskreis" von schon V50 Mitarbeite« geschart, ein schöner Beweis weitschauender Sammelarbeit und großzügigau Gemein- gefühls in Zeiten, die den Erwerb kostbarer Sammelschätze aus staatlichen Mitteln unmöglich machen. Aus solche Art kam wert- voller Zuwach», der sonst der Berliner Kunstgcwerbebibliothek wohl noch lange fremd geblieben wäre, sogar aus dem Ausland, so aus Rußland, Finnland, Schwaden, Norwegen, Dänemark, Ru- mänien, England. Auch Künstler, Drucker und Verleger haben in freiwilligen Gaben gewetteisert. Anspornend muß sein, was einer von ihnen schreibt:„Dem einschlägigen deutschen Verlage sollte es ein« freudige Pflicht fem. die maßgebende deutsch« Kunstbibliothek auf ihrem hohen Stande zu erhalten." Der Lesesaal in der Prinz-Albrecht-Straße 7a ist unentgeltlich geöffnet an ollen Wochentagen von v bis v Uhr, die Kostümbibliothek wochentäglich von 9 bis 1 Uhr. Ein Merkblatt orienttert leicht, wie jeder Besucher das Gewünschte erlangen kann. Ebenso leicht findet man sich nach kurzer Uebung in den zahlreichen Fachkatalogen zu- «cht. Die graphischen Sammlungen(Ornomentstiche, Handzerchnun- gen, japanische Farbenholzschnitte, Buchkunsterzeugnisie, künstlerisch« Photographien, alte Druckwerke) sind für Besucher von vorgeschrit- tener künstlerischer otw wissenschaftlicher Ausbildung nach Anmeldung bei deni austichtführenden Beamten in einem besonderen Studien- räum zugänglich. Der plakatsäulenmaröer. Eine Uhr zeigt Mitternacht an. Während die Hauptstraßen der Friedrichstadt durch elektrische Bogenlampen noch hell erleuchtet sind, mühen sich in den Slraßen anderer Stadtteile die Gaslaternen. Licht vorzutäuschen. Hier ist Stille und Friede. Hin und wieder sieh: man einen Fußgänger. In der Ferne tauchen zwei kleine Lichter auf. Sie werden größer, kommen näher. Geräuschvoll fährt die letzte Straßenbahn vorüber, um an der nächsten Straßenbiegung wie- der zu verschwinden. Die Einsamkeit der Großstadtnocht ist nun bis zum frühen Morgen eingetreten. Kaum ist«in« Streije von zwei Schupomännern vorüber, da huscht plötzlich aus einem Hausflur ein« Gestalt hervor. Aus dem Rücken trägt die geheimnisvclle Person einen Sack, der wegen seiner Breite und Läng« hin und her schaukeit, so daß man denken könnt«, Gespenster wandeln in Berliner Straßen bei Nacht umher. Die Gestalt strebt der nächsten Plakatsäule zu. Im trübe« Schein der Sttaßengaslompe erblickt man nun ein Männlcln, das scheu nach ollen Seiten Ausschau hält. Als es sicher ist, daß kein« Menschen- seel« in der Nähe, mach'« es sich an d«r Anschlagsäule zu schaffen. Es reißt und zupft, es knistert und knastert. In einem Augenblick sind sämt'iche Plakate von der Säule heruntergerissen und die dicken Papiertnäuel verschwinden in dem umfangreichen Sack. Er preß: das Papier da hinein. Ein Plakat nach dem anderen muß sterben und zerfetzt in dem Nimmersatten Rochen verschwinden. Einige Minuten spätes steht die Anschlagsäule kahl da. Der Mann ha: seine Arbeit getan. So schnell wie er gekommen war. entfernte er sich wieder; und weiter gehls nach kurzem Tum Nur einige Schritte geht er an den Häusern die Straße entlang, denn bald hatte er di« nächste Lilfaßsäule erreicht und hier.arbeitete" er weiter. Es währt nur kurze Augenblicke und auch st« steht ent- kleidet, nackt und bloß da. In einer Stund« hat der„Piakatsäulen- abreißer" aus mehr als einem halben Dutzend Lilfoßläulen ödc Wracks gemacht. Der Morgen graut. Die entkleideten Anschlagsäule« stehen anklagend da. Der erst« Fußgänger wundert sich darüber, schüttelt den Kops und läßt das nackte Ding au« den Augen. Inzwischen taucht der„Geheimnisvolle" mit seinem bis zum Rand« mit zer fetzten Plakaten vollgepreßten Sack in einem Lumpenkeller unter. Mit schmutzigen Pavierscheinen in der Tasche verläßt er di« Etampe und geht seinen Weg zu den Gelegenheitsgeschästen im Tageslicht Gefährdung des Nrbeitereigentums. Kommunistischer Mißbrauch der SonsumgenMenschafkeu. Am kommenden Sonntag, den 16. Mörz, linden in Groß- Berlin die Bertreterwohlen zur G«ne>;alv«rsamm. lung der Konsumgenossenschaft statt Bon de? aus Moskau ihre Direktiven bekommenden KommuniMchen Partei wer den die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht, mm dos, was im vorigen Jahr« mit einem Mißerfolg endete, in dijesem Jahre zu«?. reichen: ein« kommunistische Mehrheit in der GSieralversammlung. Di« kommunistischen Wahloorschläge segeln diesmal unter dem auf den Gimpelfang berechneten Kennwort:„Opposition". Welche tüchtigen„Genossenschafter" auf den Kandidattntlisten der„Opa sition in Vorschlag gebracht werden, erhellt daraus, daß verschied««� lich Personen kandidieren, di« heule noch nicht- einmal die Halft'' des gegenwärtig geltenden Geschäftsanteil»<25 Mentenpfennige) eist- gezahlt haben. In Ermangelung von Kandidaten greift man zu den schäbigsten Mitteln: man stellt Leute aus, deren Einverständnis nicht eingeholt wird: so wird aus einem Bezirk mitgeteilt, daß dir .Oppositrons"-Liste den Namen eines längst vetrstorbenen Mitgliedes enthält!— Welchen Zweck oerfolgt die kommunistische Propaganda in den Konsumvereinen? Was auf politischem und gewerkschastlichim Gebiet an Zcrsetzungsarbeit innerhalb der Arbeiterbewegung ge leistet wurde, soll auch aus die genossenschaftliche Organisation über trogen werden. Die von Tausenden für den praktischen Sozialismus begeisterten Arbeitern in jahrzehntelanger Aufbauarbeit in den Konsumvereinen erzielten Erfolge sollen zum Werkzeug der sinn. losen, von bolschewistischer Seite bezahlten Putschtaktik herabgewürdigt, ihr geopfert werden. Di« interessante Veröffentlichung unseres Leipziger Bruderorgans, der„Leipziger Bolkszeitung", offenbart den geradezu verbrecherischen Charakter der kommu- lR-id druck durch Malik- Bering, Berlin.) 48] Der Bürger. von lleonharö Krank. .Schnittig," murmelte Jürgen. Um ihn herum ging etwas vor. das das Leben zu sein schien..Das Ganze ist unerträglich ekelhaft. Wir machen das nicht länger mit," flüstert« er..Ich mache das nicht bis zum Schluß mit." Der Ausspruch des reichen Leberkranken wurde an der Bärsianerecke auf Untergründe und Fallen untersucht..Wer eiferen eine Grube gräbt," vernahm Jürgen..Natürlich, erst wägen, dann wagen, das ist klar." „Na. was sag ich!" rief der Schwiegervater..Eine Hand wäscht die andere. So steht's eben auch mit diesem Papier." Schweinezucht, das wolle er Jürgen gestehen, sei das einzige, aber auch das einzige, mit dem noch verdient werden könne, versicheri« ein Landwirt, der wegen seines jugendlichen Aussehens Mühe hatte, respektabel zu erscheinen. Es ginge j., auch alles so weit ganz gut. Nicht umsonst habe er die Land- rurlschaftsbochschule durchgemacht. Er bringe System in die Sache..Aber, sehen Sie. es fehlt einem doch etwas. Ich weiß sc'b't nicht recht, was. Man ist unbefriedigt. Die Seele, wissen Sie. die Seele, möchte ich sagen kommt zu kurz." Der G immifabrikant versuchte vergebens, den Leber- kran'en über die Flitzautomobilaktien auszuholen. Auch an der Börsi'ncrccke wurde noch gedeutet und geforscht und be- hautet, doppelt genäht halte besser. .Na. was sag ich!".„ „Das Volk will keine Freiheit: das Volk will Brot. Fresten uno Saufen will das Volk, glauben Sie mir," sagte Herr Hammes, hinem in Jürgens w"tbleiches Gesicht. Der gab keine Antwort..Dieser Fettwanst, dessen Leben in Fressen, Saufen und Huren besteht, könnte, auch wenn er seine Meinung revidieren müßte, ja doch keinerlei Konse- qnrn'en ziehen." Herr Hammes hielt sich an der Tischplatte fest. warf, ge- öttneten Mundes, den Kons in den N'ckcn. stieß ihn nach vorn. nieste«Oer nicht, sondern sagte:.Sie. ah. Sie werden sehr bald meiner Ansicht sein." Jürgen umklammerte das Handgelenk Elisabeths, den Wutausbruch zu unterdrücken, wahrend ihr ganzer Körper vor unterdrücktem Lachen zuckte. Und dann, hilfsbereit: „Wenn du willst, verschwinden wir jetzt unauffällig." Da erhob sich Herr Wagner. Er begann seine Rede mit einer Verbeugung zu dem Platze hin, wo die Tante, die plätz- lich wieder trank geworden und schon lange nach Hause ge- fahren war, anfangs gesessen hatte Er sei sich der hohen Ehre wohl bewußt, die darin liege. daß seine Tochter dem letzten Sproß der alteinaesesienen Patrizierfamilie Kolbenreiber angetraut worden sei, sozusagen eingeheiratet habe in die Familie Kolbenreiher, die schon ein- mal im fünfzehnten Jahrhundert der Stadt einen Bürger- meister geschenkt habe. Seine Familie hingegen sei noch jung, aber zukunftsreich. Wie ein junges, gutes Papier! .Jung und alt verbindet sich miteinander." Dabei käme das Richtige Korans, was unser Vaterland nötig habe..Soli- dität, in Verbindung mit jungfrischem Wagemut... Die Fusion ist vollzogen. Der Erfolg werde nicht ausbleiben. .Und die Ehe?... Es ist mit der Ehe wie mit der Spekulation an der Börse. Licht und Schatten! Sonne und Wolken! Die Aktien steigen und fallen. Das ist nun einmal so. Es kommt eben darauf an," rief mit starker Stimme Herr Wagner, der schon etwas zu viel getrunken hate..in treuer Liebe auszul'arren, auch wenn einmal eine Baisse den Ehe- Himmel bewölkt... Es kommt auch wieder eine Hausie." Ja, es sei sogar besonders wichtig, gerade aus der Baisse Ge- winn und Lehren zu ziehen. Er hatte sich so in den Vergleich verfilzt, daß auch das Schlußboch auf die Neuvermählten zur Hälfte der Börsen- fpekulotion galt. Alle standen. Jürgens Gesicht war leinenwelß. Lieber ein gebrochenes Rückgrat als ein gebogenes, dachte er. entschlossen, nicht zu antworten auf die Rede seines Schwiegervaters. Und da er sich als erster setzte. Elisabeth mit hartem Griffe neben sich zog, setzten sich auch die anderen. Die Diener reichten schwar- zen Kaffee, Likör und lange Zigarren. Plötzlich gab Jürgen, ohne zu wissen wem, vielen Menschen die Hand..Leben Sie wohl." Sein Körper bewegte sich auto- matisch von einem zum anderen, endlich auch auf Elisabeth zu. Er reichte ihr die Hand:„Leben Sie wohl." Alle brachen in Gelächter aus. Auch Elisabeth war ver- blüsst über ihren Mann, der in der Eile und Berwirrung e» fertigbrachte, seiner Frau vor der Hochzeitsreise Lebewohl zu sagen. Noch«inen Ange"bllck bsieben die beiden unter dem 70r- rabmen stehen. Da näherte sich Jürgens Ohr ein rundes Ge- stcht mit rundgestutztem Bart, goldbebrillten, zwinkernden A"gen und gespitztem Munde, der flüsterte:.Biel Ver- gnügenl" Mit den Armen balancierend, schlich der Rundkopf auf den Fußspitzen zum Hufeisen zurück. Sie reisten zuerst nach dem Süden, wo es im Winter Frühling ist. Einige Tage später wurde Katharina von einem Knaben entbunden Nach zehn in Paris und Rom verbsrachten Wochen kamen di« Neuvermählten in die südliche Hasdnstadt, die mit ihren Orangenbuden. Ba'aren und Säutenkolonnaden, durch- schwirrt von Matrosen, Chinesen, Negern, vornehmen Frem den, müden Auswanderern und dem Geschrei in zwanzig verschiedenen Sprachen, mit dem Salz- und Tsergeruch. Sirenen- gebrüll und dem Mastgewirr der Ozeanyiesen gelb in der Sonne lag, wie ein dem unendlichen Meere entstiegener, wahr- gewordener Traum eines Knaben, der Eltern, Lehrern, allen Qualen der Jugend, allen Fesseln und Berufen entfliehen möchte, hinaus in die unbändige Herrlichkeit. Sie fuhren in der Droschke, überdacht von einem rot- und weißgestreiften Riesensonnenschirm, ho!elwärts, vorüber an einer langen, immer neu genährten Reihe Arbeiter und Ar- beiterinnen, die aus der Tabaksabrik kamen. Blusen nnd Um- schlagtücher waren farbig, die Gesichter schlass und fahl. Jürgen sah weg. Und konnte dennoch nicht verhindern. daß er, als sie schon im Zimmer wa'-en, plötzlich dachte: Da besitzt irgendein Herr Hammes«ine Fabrik. .In sechsundfünfzig Stunden könnten wir in Afrika sein." Jürgen bekam keine Antwort. Elisabeth war auf der Ottomane eingeschlafen. „Durch dieses Wesen gehen Welt und Dasein in immer gleich unendlich breitem Strome durch, von ihr genossen in jeglicher Sekunde, ohne Bor- und Rückblick, ohne Rücksicht und Bedenken." Elisabeth atmete tief und ruhig und war schön und jung und gesund. Die Sonne, gebrochen durch die berabgelassenc Jalousie, zeichnete ein leuchtendes, gestreiftes Fell auf das Morgenkleid der Schlafenden. Es war warm. Fernher brüllte die Sirene. Die Mimosen dufteten. „Wie sie atmet!... Gut, fahren wir nach Afrika? Nach New Porki Nach Indien! Telegramme um Geld! Einstweilen überhaupt nicht zurückkehren! Komm«, was kommt! Elisabeth würde zu allem Ja sagen, ohne Besinnen. Ein herrliches, wunderbares, einfach organisiertes Tier, das lebt, einfach lebt. Bedcnkenlos glatt und kühl wie ein Fisch. Durch und durch kühl!".... Nur in der Nacht, in der Nacht, wenn die Liebe erwacht." summte Jürgen.„Nur in der Nacht wird sie heiß. Da kennt sie keine Grenzen... Sie ist ein vorgeschobener Posten der Lebenskrast." (Fortsetzung folgt.) nistischen Wühlarbeit in den Konsumvereinen. Nicht Förderung der gemeinnüßigen, für die Allgemeinheit fegensreichen Tätigkeit der Konjumgenossenschaften, nicht Aufbau und Ausbau der inneren Einrichtungen( Eigenproduktion) unter verständnisvoller Mitwirkung atler Mitglieder, sondern einzig und allein Dienstbarmachung der Genossenschaften für die halbasiatische von frankhaftem Fanatismus dkktierte Zerstörungsarbeit der Kommunistischen Partei ist ihr Ziel. Jeder ernsthafte Genossenschafter möge daraus die Lehre ziehen, daß es gilt, dieser Gefahr einen unüberwindlichen Wall entgegenzusetzen. Die Wahlen am 16. März find ein Schicksals tag für die Berliner Konsumgenossenschaft. Die Entscheidung fällt zwischen kommunistischer Zerstörungsarbeit und genossenschaftlicher Aufbautätigkeit. Sein Genossenschafter verfäume die Abstimmungl Jebe Stimme der Liste„ Genossenschaftsaufbau"! Das Resultat des Strafvollzuges. Der 58jährige Arbeiter Richard Springer hat, wie mitgeteilt, seine 25jährige Tochter Elfriede mit dem Beil erschlagen. Erst vor Dier Monaten durfte er das Zuchthaus Derlaffen, nachdem er eine Strafe von 1% Jahren für ein mit derselben Lochter verübtes Verbrechen der Blutschande verbüßt hatte. Die Einzelheiten der Tat, die tieferen Beweggründe diejes wahnsinnigen Menschen sind vorläufig unbekannt. In einer Beziehung sind sie auch ohne Bedeutung: der Fall fordert erneut dazu auf, den Widerfinn unserer Strafgesetzgebung zu geißeln. Es ist nicht erinnerlich. ob der Mann bei seiner Berurteilung vor zwei Jahren vom piychiatrischen Sachverständigen auf feinen Geifteszustand unterfucht worden ist. Sollte das der Fall gewesen sein, so wird er wohl als zurechnungsfähig im Sinne des Gesetzes befunden worden sein. Unter allen Umständen steht jedoch fest, daß das Gericht geglaubt hat, durch eine anderthalbjährige Strafe im Zuchthause, wo er sich nur in seiner Bhantofie ausleben fonnte, feine Begierden in Bezug auf die Tochter zur Ruhe zu bringen. Der Mann konnte nach Verbüßung der Strafe als geheilt" nach Hause zurüdtehren und feine Tochter erschlagen. So entsteht die Frage: ist für diesen Tod nicht der Richterspruch, der nur der Ausfluß der Paragraphengefehgebung ist, für das Verbrechen des Mannes und für den Tod des Mädchens verantwortlich zu machen? Der Fall des Tochtermörders ist eine Warnung für ähnliche. Ein Dippold, der ans sadistischen Gelüsten zwei Knaben zu Tode quält, darf nach acht Jahren wieder auf die Menschheit losgelaffen werden; die eben abgeurteilte Wiener Lehrerin Kadivec, die unzählige Kinder mißhandelt hat, wird nach sechs Jahren in ihren Beruf" zurüdtehren dürfen. Erst vor kurzem ging ein Bericht durch die Bresse, nach dem einem ehemaligen geistestranten Fürsorgezögling, der nie auf seinen Geisteszustand untersucht worden war, ein Wächter zum Opfer gefallen war. Ist das die Sicherheit der Gesellschaft? Da muß immer wieder die Forderung aufgestellt werden: Böses mit Bösem zu vergelten ist nicht die Aufgabe der Gerichte. Heute schafft man durch Strafen jah'loie neue Berbrecher, richtet Menschen zu grunde und liefert die Gesellschaft trotz alledem dem Rechtsverleger aus. Das nennt man dann Sicherheit der Gesellschaft und höhere Berechtigkeit Der zweite Mittwoch. 3n jedem Monat hat die Partei in Groß- Berlin ihre Heerfchau, die unter dem Namen.3ahlabend" feit Jahrzehnten bekannt ift, und dieser Tag ist meistens der zweite Mittwoch nach dem Monatsersten, also heute. Die Abteilungen verfammeln fich, um die Berichte ihrer Referenten entgegenzunehmen und die Auffassung und die Wünsche der Mitglieder zum Ausdrud zu bringen. Wir flehen kurz vor den Wahlen, und es ist wichtiger denn je, daß fich tedes Mitglied. Mann und Frau, an dieser Parteiarbeit befelligi Möge niemand, dem es ernst um die Partei, um die Repablit, um den Sozialismus und um unfer Bolt ist jetzt ver fäumen, die Bersammlungen zu besuchen. Verkehrsaufschwung der Straßenbahn. Der Verkehr auf der Berliner Straßenbahn nimmt in der legten Zeit von Tag zu Tag zu. Heute werden bereits mehr Vertebra filometer gefahren als vor Stillegung der Straßenbahn im ber gangenen Herbst. Die Bahn befördert heute bereits täglich 1 Million Fahrgäste. Die Verwaltung hofft, im Lauf der nächsten Monate den Verkehr so steigern zu fönnen, daß auf 60 2inien täglich 1½ Millionen Fabrgäste befördert werden.. Damit würde der Friedensstand des Berkehre noch im Laufe diefes Som mers erreicht werden. Da die Berkehrspolitik der Eisenbahn sich geändert hat, ist es aber nicht ausgeschlossen, daß der Verkehr auch Darüber hinaus noch gesteigert wird, der befannilich in den Zeiten der größten Verkehrsfülle auf der Straßenbahn in den Kriegsjahren bis auf 2 Millionen Fahrgäste täglich gestiegen war. Mit der Hälfte abgespeist. Zum Schuße der nichtständigen Angestellten der Stadt, die bei der Gehaltszahlung zurückgesezt werden, hat die Sozialdemokratische Stadtverordnetenfraftion folgenden Dringliteitsantrag eingereicht: Die im Dienstblatt unter den Nummern 132 und 183 beröffentlichten Magistratsverfügungen fehen eine ungleiche Be handlung der nichtständigen Angestellten und der Beamten bei Der Auszahlung der Bezüge vor, und zwar haben die Beamten am 29. Februar zwei Drittel, pie Angestellten nur die Sälfte der Bezüge erhalten. Wir beantragen, daß den nichtständigen Angestellten spätestens am 15. März der fällige Rest ausgezahlt wird." Die Tuberkulosegefahr. Wegen der außerordentlichen Mehrung der Tubertulofe extrantungen hat die Sozialdemokratische Stadt berordnetenfrattion folgenden Antrag eingereicht: Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magiftrat zu ersuchen, sofort bei dem Demichen Zentralfomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose dahingehend vorstellig zu werden, daß der Stadt Berlin über den sonst üblichen Berteilungsschlüssel hinaus besondere Mittel zur Bekämpfung der sich in Berlin besonders start ausbreitenden Zuberkuloje zugewendet werden." Neue Stadtälteste. Der Magistrat beabsichtigt, bei der Stadtverordnetenversammlung die Ernennung der am 1. April ausfcheidenden Stadträte Ludwig Hoffmann und Rabenow zu Stadtälteste au beantragen. Die Lindenberger Mühle abgebrannt. Infolge unvorsichtigkeit eines Lehrlings fam in der großen Wind- und Motormühle von Otto Bach in Lindenberg bei Weißenfee ein Feuer aus, das die Mühle vollständig zerstörte. Der Schaden beträgt etwa 20 000 Goldmark und ist um io schwerer, als die Mühle nicht versichert war. An der Brandstätte arbeiteten die Feuerwehren von Malchow, Lindenberg, Blankenburg und Weißenfee. Eine Explosionstatastraphe bei Höchst. Aus Wiesbaden wird gemeldet, daß bei der Munitionsverlegungsstelle in Kelsterbach bei höchft a. M. sich vorgestern eine Explosion ereignete, deren Hef'igfeit bis Wiesbaden zu spüren war. Einzelheiten find noch nicht bekannt geworden. Sport. Der Stand des 12. Sechstagerennens. 3mmer noch 8 Spihenpaare. Arbeitersport. Die Jungrabler der Ortsgruppe Berlin des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität haben am Sonntag, den 16. März 1924, ihre Anfahrt. Start früh 9 Uhr Hochbahnhof Schlesisches Tor. Fahrt über Grünau- Goſen, hier. felbst Mittagsraft. Sirschgarten bis Köpenick. Eintreffen in Hirschgarten 4 Uhr. Jungrabler als Gäste willkommen, Groß- Berliner Parteinachrichten. 7. Kreis Charlottenburg. Heute abend, pünktlich 6½ Uhr, wichtige Sigung der Bezirksverordneten- Fraktion mit den Bürgerdeputierten im Sigungsaimmer 1. Donnerstag, den 13. März, 7% Uhr, Schillerstr. 26, Erdgeschoß links, Bortrags- und Diskutierabend der freien Schulgemeinde. Bortrag des Genossen Dr. med. Graaz über: Rörperkultur und Aufstieg des Proletariats." 2. Schulangelegenheiten. Charlottenburg. Am Sonntag, den 16. März, in der Hochschule für Mufit, Fasanenstr. 1. Mitgliedern und an der Raffe zu haben. Männerchor Harmonie. nachmittags 3 Uhr, Ronzert Karten sind bei sämtlichen 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 13. März, 7 Uhr, Gigung der Funktionärinnen für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschutz bei Burg, BrenzTauer Allee 189. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 13. März, 7% Uhr, Bibliothek. Weichselstr. 28, Gigung der Obleute, des Ordnerdienstes. Jeder Kreis muß vertreten sein. 41. Kreis Schöneberg- Fri benau. Sonntag, den 16. März, nadm. 3½ Uhr, findet wie im Vorjahre die Ehrung der Opfer des Rapp- Butsches statt. Gemeinsamer zwanglofer Spaziergang nach dem Friedhof an der Endistraße. Die Genossinner: und Genossen treffen sich um 2 Uhr am neuen Rathaus.; Heute, Mittwoch, den 12. März 1. Abt. Achtung! 7½ Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Augustftraße 68. Bortrag des Genoffen Dr. Rudolf Breitscheid über: Bor der Auflösung des Reid stages." 38. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Schmidt, Frudtstr. 36a, Bericht vom Bezirkstag. Referenten: Genoffen Franke und Döring. 39, Abt. Pünktlich 6½ Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. Sigung der Beamten und Behördenangestellten ber Abteilung. 69. Abt. Wilmersdorf. 7½ Uhr bei Wolter, Uhlandstr. 108/109. Bericht über den Bezirkstag. Im ersten Spurt der 5- Uhr- Nachmittagswertung reißt zwei Runden vor Schluß Stabe aus und hält tapfer feinen ersten Platz gegen Blekemolen Stellbrink und van Net. Der zweite Spurt zeigt Sawall als Sieger. Storm und Rizetto folgen, während Platz gegen Bletemolen, Stellbrink und van Net. Der zweite Spurt belegt Stabe den zweiten Play, wird aber wegen Behinderung auf den vierten Platz distanziert. Ban Net ist erster vor Lorenz und Krupkat. 4. Spurt: 1. Saldom vor Rütt, Moestops und Rizetto. 5. Spurt: 1. Zonani, 2. Bauer, 3. Krupkat und 4. van Net. Gleich nach Beendigung des fünften Spurts zieht Taylor auf und davon. Bald wird er von Hahn abgelöst, und weiter geht Me Jagd. Weltmeister Moestops ist scharf hinterher. Als dann Hahn wieder von Taylor abgelöst wird, zeigt es sich, daß der Amerikaner nicht mehr weiter fann. Der Borstoß hat seine Erledigung durch Mustopp" gefunden. Daß der gut fahrende Dan Nef nur den vierten Platz im fünften Spurt bekam, ist seine Schuld. Die Distanzierung erfolgte wegen Innendurchgehens. 6. Spurt: 1. Moestops, 2. Gawall, 3. Storm und 4. Krupkar. Bon 4 bis 5 Uhr nachmittags wurden 27,060 Kilometer gefahren. Um 5 Uhr zeigt die Gesamtfilometerzahl( 3645,910), daß der Pariser Reford von 1913( Fogler- Goullet 3608,900 Kilometer) überholt ist. Wittig- Kroll sind die Rekordinhaber. Der Stand des Rennens nach der 5- Uhr- Wertung ist folgender: 1. Ban Net Moestops 179 B., 2, Eadow- Bauer 128 B., 3. Krupkat- Huschte 124 B., 4. Lorenz- Techmer 96 B., 5. SawallStabe 84 P., 6. Rizetto- Stellbrinf 49 P., 7. Of veri- Tonari 24 B., 8. Wittig- Kroll 8 Punkte. Eine Runde zurüd: Rudel- Kendel95 B., Storm- Blekemolen 61 B., Taylor- Hahn 39 P. und KochSchrage 15 Punkte. 3wei Runden zurüd: Rud- l- Kendel bacher 0 Bunfte. Bier Runden zurüd: Bamle- Bassenheim 140a. Abt. Bittenau. 8 Uhr bei Schulz, Bahnhofsrestaurant, Mitgebre 2 Punkte. Gegen 6 Uhr abends verlassen die Paare Bawfe. Bassenheim( 4 Runden zurüd, 2 Punkte) und Rudel- Ren delbacher( 2 Runden zurüd, 0 Buntte) wegen ihrer Aussichtslofiafeit auf Beranlassung der Veranstalter, aber mit ihrem Einverständnis, die Bahn, so daß sich jetzt nur noch 12 Paare im Rennen befinden. Die 10- Uhr- Nachtwertung. 80. Abt. Schöneberg. 72 Uhr Abteilungsversammlung im bekannten Bokal. Referent: Genoffe Thurau über: Der Berliner Bezirksparteitag," 90. Abt. Renkölln. 7% Uhr Rahlabende: 13., 17. und 24. Bezirk: Gemeindes schule, Rütliftr., 15. und 26. Bezirk: Jahn, Fuldaftr. 45, 16. und 25. Beairt: Gemeindeschule, Rütliftr., 22., 23. und 36. Bezirk: Podbielski, WeichselStraße 2, 34. und 43. Bezirk: Gierg, Donauftr. 105, 35. Bezirk: Schittler, Weichselftr. 5. 93. Abt., Sieblung Dammweg: 7% Uhr Bahlabend in Lokal Bärwinkel. Referat des Genossen Dr. Freund. 109. Abt. Friebrichshagen. 7% Uhr bei Scholz, Friedrichstr. 81. Bortrag des Genoffen Bernhard Krüger. 110. Abt. Grünau. 7½ Uhr Mitgliederversammlung bei Berner, Röpenider Straße. Vortrag des Genoffen Felgentreu. 125. Abt. Weißenfer. 7% Uhr Bezirksversammlungen:.. Bezirk bei Minge, Lothringer Str. 32, 2. und 4. Bezirk bei Gallas, Prälaten, 3. Bezirk bei Bohlmann, Langhansstr. 102, 5. Bezirk im ,, Grünen Baum" 131. Wbt. Nieberschönhausen 7% Uhr Generalversammlung bei Schönherr, Lindenstr. 10. 1. Gefd äftsberidt, 2. Bericht vom Begirlstag. fammlung. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag und Borbereitungen zur Reichstagswahl. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 12. März: 93. Abt. Neukölln. 7 Uhr in der bealflaufe, Marefchstraße. Thema: Die Frau in der Politit." Referentin: Genoffin Hedwig Wachenheim. Gäste und Genoffen haben Zutritt. Morgen, Donnerstag, den 13. März: 84. Abt. Lankwig. Bersammlung der BSPD.- Konsumgenossenschaftsmitglieder der 94. Bertaufsstelle um 7% Uhr bei Schulz. Kurfürstenstr. 37. 101. Abt. Treptow. Der Kurfus des Genoffen Wermuth wird Donnerstag forb gefeßt und beginnt 7 Uhr im Rinderhort, Wildenbruchstraße. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 13. März: 14. Kreis Neukölln. 7 Uhr Borwärtsspedition, Redarstr. 2, Funktionärinnen tonferenz. 109. Abt. Friedrichshagen. 8 Uhr im Lokal Otto, Kirche, Ede Wilhelmstraße. Bortrag der Genoffin Juchacz, M. d. R. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 33. Abt. Unfer Geneffe AI min Rörften ist verstorben. Beerdigung am Freitag, den 14. März, nachm. 2% Uhr, von der Salle des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde ans. Beim Abgeben des Stundenschusses find 3810,020 Kilometer zurückgelegt. Der Reford von Brüffel 1914( Oliveri- Crupeland Spurt gewinnt Ton ani vor Bauer, Techmer und van Net. Den 2767,490 Kilometer) ist zu den Aften gelegt. Den ersten zweiten Spurt geht moestops alänzend vor Saldow, Bletemolen und Wittig durchs Ziel. Der dritte Spurt bringt das Ergebnis: Erster Storm gegen van Net, Rütt und Rizetto. Bierter Spurt: 1. mestops, 2. Blekemolen und Stabe. Hier zeigt Moestops befonders, daß er gewinnen fann, wenn er will. Leicht schlägt er feine Gegner, und mögen fie noch so tämpfen, aus dem Felde. Fünfter Spurt: Rizetto, Bauer, Storm und Techmer. Wohl versucht Rütt, den Rizetto zuperdrängen, Jebach erweist sich der Italiener als der Stärfere. Rütt bleibt unplaziert. Sechster Spurt:: 1. Moestops: Lorenz. Stellbrint und Saldones folgen. Im übrigen hatte die Mannschaft Koch Schrage eine Strafrunde erhalten, weil sich beide Paare eine Zeitlang nicht im Rennen befanden. Der Stand des Rennens nach der 10- Uhr Nachtwertung ist folgender: 1. van NefMoestops 197 Punkte, 2. Saldow Bauer 138 Punfte, 3. Krupfat Huschte 124 Bunfte, 4. Lorenz Techmer 102 Punkte, 5. Stabe- Sawall 85 Punkte, 6. 6. Rizetto- Stellbrint 57 Punkte, 7. Oliveri- Tomani 29 Punkte, 8. Wittig- Kroll 12 Punkte. Eine Runde zurück: Rütt- Lewanow 97 Buntte, Storm- Blefemolen 72 Buntte, Taylor- Hahn 39 Punkte. Zwei Runden zurüd: Koch- Schrage 15 Buntfe. = 4 Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1..... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen ,, weiße, Perl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmeh! Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis. Rangoon Reis 16.00- 19,00 100,00-12,00 Zentner frei Haus Berlin. 16,00-17,25| Röstgetreide, lose 16,00-17,00 Kakao. fettarm 15,25-16,00 Kakao, leicht entölt..131,00-153,00 15,75-16,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 12,75-14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-435,00 18,00-18,80 Inlandszucker basis mel. 40, 42,00 22,00-25,50 Inlandszucker Raffinade 42,50- 44,50 14,75-16,00 Zucker Würfel....... 46,00-48.00 17,00 21,00 Kunsthonig 40,--> 45,00 19,25-23,00 Zuckersirup hell in Eim. 49,00 14,00 17,00 Speisesirup dunk. in Eim. 33,00 35,00 20,25-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-130,00 40,00-55,00 3,00-31,0 Marmelade Vierfrucht 43,60-49,50 Siedesalz, Jose 26,00-35,00 Pflaumenmus in Eimern 46,00-50,00 36,50-42,00 Steinsalz, lose... 3,404,00 4,20-4,80 16,01-18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00 45,00 Bratenschmalz in Kübeln 68,00 70,00 37,00-38,50 Purelard in Tierce Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java .. 21,00-25,00 Purelard in Kisten 15,25-17,50 Speisetalg in Packung 17,00-19,50 Speisetale in Kübeln 27,00- 31,00 Margarine, Handelsm. 31,00-36,00 desgl. II Ringäpfel, amerik. 67,00 68,00-69,00 48,00-52,00 47,00- 49,00 56,00 48,00-52,00 105,00-115,00 Margarine, Spezialm. I .. 76,00 43,00-48,00 desgl. II...: 60,00-65,00 52,00-55,00 Molkereibutter i. Fässern 20 00 Rosinen in Kisten, Candia 75,00-80,00 Molkereibutter in Pack. 216,00 90,00 Landbutter in Fässern 180,00 75,00-80,00 Landbutter in Packungen 185,00 145,00-160,00 Auslandbutter 208,00-216,00 Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Sultaninen Caraburnu.. 85,00 • 111 Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari..130,00-150.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00-36,00 Zimt( Cassia) 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett. 62,00-66,00 Kümmel, holländischer. 155,00-165,00 Quadratkäse. 2. 40,00-50,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 98,00-106,00 Quarkkäse 35,00-50,00 Weißer Pfeffer 130,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett 115,00-125,00 Rohkaffee Brasil 180,00-215,00 Tilsiter Käse, halbfett. 50,00-55,00 Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 Ausl. ungezuck. CondensRöstkaffee Brasil 225.00-280,00 milch 48/16 23,00-25,00 Röstkaffee Zentralam... 315,00-400,00 Inländische desgl. 48/12 18, 0-19,50 Malzkaffee, gepackt 23,00-25,00 Inl. gez. Condensm 48/14 28,50-29,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. 36. Abt. Genoffe Rubst erfte Bathdorfer Str. 54, ist- per24/25 and shin torben. Beerdigung Donnerstag, nagm. 2 Uhr, Georgenfriedhof, Landsberger Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 12. März, 7½ Uhr: Friedrichsselbe: Jugendheim, Betliner Str. 45, Bortrag: Das richtige Denten." Rarow: Jugendheim, Restaurant Rum Bankgrafen", Bartrag: Borkämpfer bes Sozialismus." Lichtenberg- Mitte: Jugendheim, Doffeftr. 22, Bortrag: Seguelle Fragen." Lichtenberg- Rorb: Jugendheim, Bartaue 40, Lichterfelde: Jugendheim, Albrechtstr. 14a; Bortrag: Das Schachspiel." Norbring: JugendZimmer 16, Diskussionsabend: Allgemeine Fragen." heim, Gethsemaneftr. 4. Mitgliederversammlung. Schönhauser Borstadt: Jugendheim, Sonnenburger Str. 26, Bortrag: Bolfsgemeinschaft und Klaffentampf." Süd- Ost, Reichenberger Biertel: Jugendheim, Glogauer Str. 15; Bortrag: ,, Naturwissenschaftliche Blaudereien." Tempelhof: Jugendheim, Germaniaftr. 4-6, Bortrag: ,, Der Stammbaum des Menschen" II. Vorträge, Vereine und Verfammlunnen. Gesellschaft für Segualreform. Donnerstag, den 18. März, abends 8 Uhr. in der Schulaula, Friedrichstr. 126, nahe Bahnhof Friedrichstraße, Oranien burger Tor. Dr. Frizz& effer: Fortschritte in der Bekämpfung der Ge schlechtskrankheiten." Freie Aussprache. Eintritt 0,50 M., Mitglieder der Gee fellschaft 0,20 M. Verein der Freidenker für Feuerbestattung, Mariendorf. Mitgliederver fammlung am Donnerstag, den 13. März, abends 7 Uhr, in Herolds Festfälen, Chauffeeftr. 282. Wichtige Tagesordnung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Der Bolls- Feuerbestattungsverein Groß- Berlin veranstaltet am Donnerstag, ben 13. März, im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23. abends 7 Uhr, einen öffentlichen Vortrag über Erd- oder Feuerbestattung mit Filmvorführung und Lichtbildern. Mitwirkende: Gesangsquartett, Orgel, Cello und Bioline. Einlaßtarten sind an der Abendkaffe zu haben. Geschäftliche Mitteilungen. Das Reit- und Fahrturnier im Berliner Sportpalast, das am Sonntag feln Ende fand, brachte eine für Berlin noch vollständig neue Konturrenz, den Breis der Mart, eine Eignungsprüfung für Geschäftswagenpferde, bie Don Berliner Firmen zu beschiden war. Reben zahlreichen. anderen Gefchäfts wagen fielen besonders die mit Fässern vollgeladenen Brauereimagen und die mit großen Risten vollgeladenen Plattenwagen der Zigarettenfabrik Ga: baty auf. In die Preise teilten sich zwei Berliner Großbrauereien und die Rigarettenfabrik Garbaty. Mißfarbene Zähne entstell. b. schönste Antlig. bl. Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide übel werd. i. volltommen unschädl. Weise beseitigt b. d. bew. Zahnpaste Chlorodont. Problem Cigaretten garantieren erfte Qualität JACOBY BOY Wirtschaft Vom Arbeitsmarkt. Steigende Metallpreise. lation auf einen befferen Geschäftsgang der metallverarbeitenden Die Berteuerung der Metalle, herbeigeführt durch die SpefuIndustrie und durch vermehrte Nachfrage, hält an. So berichtet die Metall- und Rohstoff- Gesellschaft m. b. H.: rung auf dem Arbeitsmart!, be in allen Bezirten eine Berminderung der Arbeitsuchenden festgestellt worden ist. Eine Ausnahme machen nur die Berufe des Bergbaues und der Bureaus angestellten. Die einfegende Besserung des Arbeitsmarktes wurde zum Teil durch die verschiedenen Kämpfe zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft über die Verlängerung der Arbeitszeit sehr unIn der Berichtswoche hat der deutsche Metallmarkt nur geringgünstig beeinflußt. fügige Veränderungen erfahren. Die Stimmung blieb nach wie vor Die Vermittlungstätigkeit in der Landwirtschaft war freundlich, die Kauflust des Konfums hält an, das Angebot etwas reger. In der Ziegelindustrie sind Arbeitereinstellungen vorgeben Umstand zurückzuführen ist, daß infolge der geringen Devisen jeboch ist im allgemeinen nicht sehr bedeutend, was wohl auch auf nommen worden, um die Vorarbeiten zur Kampagne zu erledigen. zuteilung die Einfuhr ausländischer Metalle beschränkt bleibt. Einen In den Rüdersdorfer Sementfabriken wurden größere günstigen Eindruck machen auch die Berichte über den starken BeEinstellungen von Arbeitern vorgenommen. Die ungünstige Lage such der diesmaligen Leipziger Messe, da man im Zusammenhang in der Glasindustrie hält an. In der metallverarbeitenden Industrie ist die hiermit Aufträge für die Metallkonsumenten und eine weitere Besse rung der allgemeinen Wirtschaftslage erwartet. Die einzelnen Geschäftslage nicht einheitlich. Von einigen Bezirken wird von einer Metallsorten haben im Anschluß an die Londoner Metallnotierungen günstigen Entwicklung berichtet, dagegen wird in anderen Bezirten zum Teil nicht unwesentlich angezogen. Kupfer be festigte sich gegen Ende der Woche und besonders Blei fonnte international start im Preise steigen und hat den Zinfmarft weit fiberschritten; auch 3 inn lag recht fest Die übrigen Metalle blieben hier wie auf den Auslandsmärkten fast unverändert. der Arbeitsmarkt ungünstig beurteilt. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt in seinem Wochenbericht über die Arbeitsmarktlage: Die in letzter Zeit beobichtete allmähliche Eenfung der Arbeitslosenzahlen für die meisten Industrie- und Gewerbezweige hat sich auch in der Berichtswoche Fortgesezt. Mit der sich langsam erholenden Wirtschaft tritt auch auf dem Arbeitsmarkt eine Befestigung ein. In den meisten Berufsgruppen haben vielfach weitere Einstellungen stattgefunden, wobei es sich in der Hauptsache um gelernte oder angelernte Kräfte handelt. Durch das Nach'assen des Frostes beginnen sich auch die Aussichten für Bau- und Außenarbeiten sowie für Gärtne eien zu bessern. Trotz des noch immer anhaltenden Abbaues bei Behörden und der teilweise sehr schweren Wirtschaftskämpfe, die den Arbeitsmarkt zum Teil erheblich beeinflussen, ist immerhin die günstige Entwicklung vorherrschend. Es waren 192 999 Personen bei Im Baugewerbe werden vereinzelt Arbeitskräfte angeden Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 223 951 der Borwoche. fordert. Das Holz- und Schnittstoffgewerbe ist weiter Darunter befanden sich 145 485( 166578) männliche und 47 514 aufnahmefähig. Die Hut und Textilindustrie ist gut ( 57 375) weibliche Berfonen. Devon entfielen auf Angestellte und beschäftigt; es macht sich bereits ein Mangel an gelernten FachIm BekleidungsFacharbeiter 146 942( 170 228) Personen. Unterstützung bezogen arbeitern und Arbeiterinnen bemerkbar. Im Berviel= 111 925( 123 933) männliche und 26 259( 30 157) weibliche, insnesamt gewerbe hält die günstige Entwicklung an. 138 184( 154 090) Personen. Die Zahl der zu cemeinnützigen Pflichtfältigungsgewerbe ist die Zahl der arbeitsuchenden Schriftfezer und Buchdruder weiter zurückgegangen. arbeiten Ueberwiesenen betrug 4356 gegen 4203 der Vorwoche. In der chemischen Industrie ist die Arbeitsmarktlage In der Landwirtschaft herrschte eine lebhafte Bermittungstätigkeit für lediges Bersonal Auch Gärtnereien meldeten nicht besonders günstig. Das Tabatgewerbe ist weiter gut beschäftigt wieder Bedarf an Arbeitskräften. Berschiedentlich wird gefiagt, daß für die im April zur Entfaisung kommenden Schüler teine geeigneten Lehrstellen nachzuweisen find. Die Industrie der Steine und Erben weist in einigen Zweigen der Glasindustrie sowie für Marmorschleifer Anzeichen einer kleinen Besserung auf. Durch die in der Metallindustrie bestehenden Differenzen ist die Vermittlungstätiobeit gegen die Borwoche etwas zurüdgegangen. Die davon nicht betroffenen Industriezweige zeigten starte Nachfrage an eingearbeiteten Spezialarbeitern, als Etahlgraveure, Klempner auf Tafelgeräte, Figurenzifeleure, fowie Spulenwidlerinnen und Montiererinnen für die Radioindustrie. Der Geschäftsgang im Spinn stoffgewerbe sowie in der 3ellstoff und Papierherstellung und Berar. beitung hat sich weiterhin günstig entwickelt. Die Leder. industrie und Industrie leberartiger Stoffe bietet im allgemeinen gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Jrfolge der bevorstehenden Messen gab das Holz und Schnigstoffgewerbe, insbesondere die Möbelindustrie, erhöhte Aufträge zur Gestellung von Arbeitsfräften. Die Besserung der Arbeits elegenheiten im Nahrungs- und Genußmittel frwie im Bekleidungsgewerbe schreitet meiter fort. Der Mongel an Spezialfräften blieb bestehen. Die Arbeitsmartilage im Baugewerbe ist im allgemeinen ruhig. Auch im Vervielfältigungsgewerbe fonnten erhöhte Bermittlungsergebnisse erzielt werden. Die Arbeitslosigkeit der Buchbruder ist zurüdgegangen. Die Lage im Gastwirtsgewerbe ist zufriedenstellend. Für Lohnarbeit wechselnder Art blieb die Unterbringung älterer Kräfte weiterhin schwierig. Jugendlichen männlichen und weiblichen Personen bot die Industrie gute Einstellungsmöglichkeiten. Im Handelsgewerbe ist die Zahl der Stellensuchenden im allgemeinen gestiegen, da die Entlassungen noch weiteren Fort gang nehmen. Für Ingenieure, Tegniter und Wertmeister liegen fast ausschließlich Aufträge zur Gestellung von Spezialfräften vor. Das Brandenburgische Landesarbeitsamt verzeichnet in der Woche vom 3. bis 8. März 1924 eine geringe BesseDeutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Am 10. März 1924 verstarb unser Mitglied Alwin Körsten im 68. Lebensjahre. Der Verstorbene war seit 1897 Mitglied des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. Seit 1891 gehörte er dem Verband aller in der Berliner Metallindustrie beschäftigten Arbeiter an. Ein Menschenalter hat er an allen Stellen und auf allen Posten, auf die ihn die Arbeiterschaft delegierte, in höchster Pflichterfüllung für die Interessen des gesamten Proletariats gewirkt. Die Nachwelt, vornehmlich die Metallarbeiter, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wir ersuchen unsere Mitglieder, sich rege an der Beerdigung, welche am Freitag, den 14. März 1924, nachmittags 24 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes Friedrichsfelde aus stattfindet, zu beteiligen. 164/1 Die Ortsverwaltung. der Industrie und Landwirtschaft weiter aufnahmefähig. Die NachDer Arbeitsmarft für weibliche Arbeitsträfte war in der Industrie und Landwirtschaft weiter aufnahmefähig. Die Nachfrage nach tüchtigen ausangestellten bestand unvermindert fort. Die Preise stellten sich in der abgelaufenen Woche in Billionen Papiermart für 100 Kilogramm etwa: 184 M. bis 138 M. . Elektrolytfupfer wire bars Raffinadelupier 99 Broz.. Reinnidel 98,99 Bros. Hüttenaluminium 98 99 Proz. Zinn, Banta oder Austral Hüttenrobzint Remeltedzint Hüttenweichblei Sartblei( je nach Qualität) Antimon- Regulus. 9 9 0 122 124 9 AP 230 240 ° 9 210 220 550 570 0 68 70" P 60 61 糖 78 75 19 63 66 TP 92 95 SP Der Franksturzspekulation und internationaler Geldmarkt. Sturz des franzöfifchen Frank in Frankreich hat dieselben Beg eiterscheinungen ausgelöft wie seinerzeit der Mark- und der Kronenaber vorerst noch langsamer, als es dem Fall des Frank entspricht. Man fann also in Frankreich billig einfaufen, weshalb auch ein Ausverkauf größten Stils eingesetzt hat. Die französische Regierung mußte die Ausfuhr einer Anzahl Waren verbieten. Noch billiger aber sind Effetten zu haben, deren Kurs sich feineswegs im Berhältnis zum Balutasturz erhöhte. Es braucht Zeit, bis der Franffturz sich auf diesen Gebieten auswirkt und diese Zeit nüßen die reriffenen und durch die Schule der deutschen und österreichischen Geldentwertung gegangenen Spefulanten aus, um die französische Wirtschaft auszuplündern. Besonders die Wiener Groß banten betätigen sich auf diesem Feld und ziehen zu ihren Effektenfäufen einen Teil ihrer in Desterreich und in der Tschechoslo. die ohnedies vorhandene Gelbtnappheit zum Schaden der watei festgelegten Gelder heraus. Dadurch verstärken fie aber die 3insfäße beliebig in die Höhe schrauben. betreffenden Bolkswirtschaft. Infolge des Geldmangels fönnen fic Der Reichsbankausweis vom 29. februar ergibt eine unber- fturz in Deutschland und Desterreich. Die Warenpreise steigen zmar, minderte Anspannung des Reichsbanffrebites, die zu einer Erhöhung des Martnotenumlaufes um 51,2 Trillionen Baviermart auf 587,9 Trillionen Papiermark führte. Die Bestände an Renten marlwechseln sind gleichzeitig um 69,1 auf 667 2 Millionen an gewachsen, während die 2ombardforderungen in Renten mart sich wesentlich geringer, nämlich um 2,4 Rentenmart steigerten In der starken Anspannung der Kredite liegt für die Währung eine große Gefahr insofern, als dadurch die Zurüdhaltung von Waren Benn und der spekulative Erwerb von Devilen erleichtert wird. jetzt der Verband faciifcher Industrieller obendrein fordert, daß die Reichsbant die Laufzeit ihrer waren weifel verlängern foll, so würde die inflationistische Wirkung Eine Vermehrung der nicht auf Bold gestellten Strebite ist daher un der Warenwechsel, die ohnehin vorhanden ist, noch gesteigert werben. Goldbistontbant ohnehin zu einer Neugestaltura des Kreditwesens bedingt abzulehnen, zumal die bevorstehende Schaffung einer drängen, das nicht auf der Schaffung neuen Geldes fich aufbaut. Abschlüsse des Konzerns Offwerte- Schultheiß- Takenhofer- Schlbaum. In den Aufsichtsratssigungen des Konzerns Oftwerfe Schultheiß- Bazenhofer- Rab baum wurde nach Vorlage der Bilanzen für das Geschäftsjahr 1922/23 beschlossen, den auf den 29. März einzuberufenden ordentlichen Generalversammlungen vorauidlagen, von einer Gewinn Ausschüttung Abstand zu nehmen, obgleich die Ergebnisse als sehr befriedigend bezeichnet wurden und die Vorstände berichten fonnten, daß der Gefchäftsgang in faft allen Zweigen des Konzerns den Ausblid nicht ungünstig gestaltet. Kinderland 1924 Ein Buch für unsere Jungen und Mädel Mil reichem Bilderfchmud verfehene Kalender eiten. Erzählungen- auch be lehrenden Inhalts, schöne Gedichte machen das Buch zu einem immer wieder gern in die hand genom menen Gefchent Preis 1.- Mar! Zu haben bei allen Rettungsspediteureu und in ber Vorwärts Druckerel, Lindenstr.3 RAURINGE in jed. Größe u Qualität. stets vorrät, nur bill Preisberechn. M. Dinse, Juwelier Lichtenberg, Frankf. Allee 202 Nähe Bahnh. Lichtenb.- Friedrichsf Teleph. 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März, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf ftatt Hiermit allen die traurige Nachricht, baß un ere innigft geliebte Tochter Else Strauch nach langem Leiden am Montag ben 10 März, früh 18%, Uhr, im 22. Lebens jahre verftorben fit. 3589b Familie Gustav Strauch. Die Beilegung findet am Donners tag, den 13 Marz, na mittags 3 Uhr. von der Halle des Friedho es an der Bornigftrake in Lichtenberg aus ftatt Tuchia rik- Niederlage H. Lamprecht Berl-Treptow, couchéstr. 17 Hiefert Stoffe für Damen und Herren zu Fabritpreifen. Große Auswahl in Sen modernit Farben f. Anzüge u. Baletots Marken- Zigaretten Garbaty, Tabak Zigarren Constantin, Karmitry, Tabak- Zigarren Halpaus, Avramikos. Muratti, 2 brabu Tagespr. Arno Geßner, GroßhandigWerftstr. 21. Teleph. Moabit 2114. Straßenbahn- Fahrgeld- Vergütung. 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Tribunal fich Männer gegenüber, die den großen nationalen GeHeute stehen vor dem danten in ihrem Herzen tragen und die das gleiche wollen, aber fiber den Weg uneins gewesen find. Nicht um Parteien handelt es sich hier, sondern um den Staat. Das nationale Bestreben muß erftiden, wenn es in dieser Atmosphäre fortleben soll, zum Schaben bes Staates. Persönlich sehe ich allem ruhig entgegen. Mir fann niemand etwas geben und niemand etwas nehmen. Ich bin ein freier Mann. Personen mögen gehen oder bleiben, wenn nur der Gtaat bleibt. Nach einigen furzen Fragen des Vorsitzenden trat bann eine Saufe ein. Um 12 hr nach der Mittagspause wurde auf Antrag bes Staatsanwalts die Deffentlichkeit ausgeschloffen, da Kahr zu rächst über Dinge vernommen werden soll, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft eine Gefährdung der Staatssicherheit bedeuten. In der Nachmittagsfihung begann bann bie mit Spannung erwartete Fragestellung bar Serieibiger an v. Kahr. Der Borsitzende bat zunächst, bie Fragestellung auf ein fachliches Maß zu beschränken und nach Sompleren einzuteilen. Dann erhob sich zunächst der Berteidiger Hitlers, R.-. Rober: Erzellenz, Sie haben ein Ronzept in Maschinenschrift bei Ihrer Aussage verwandt. Befteht diefes Eremplar in mehre ren Stüden und ist es verteilt morben? Rahr: Es ist nach meinen stenographischen Notizen gemacht und ist in meinen Händen. Es mag fein, daß teilweise Abfchriften vorhanden find. R.-A. Roder: An wen find sie verteilt?-Rahr: Einen Abdrud bat Bosfom und einen Seißer erhalten, und zwar um zu fon trollieren, ob alles, was ich gefagt habe, auch mit der Wirklichkeit bereinstimmt. R.-M. Rober: Hat vor Ihrer Ansfage eine gemeinsame Befprechung ftattgefunden? Kahr: Nein, meine Aussage ist endgültig von mir festgelegt. R... Roder: hat auch feine gemeinsame Bersprechung vor Shrer Bernehmung burch die Staatsanwaltschaft stattgefunden? Rahr: Nein. R- A. Rober: Wie tommt es dann, daß jeder der drei Herren die falsche Darffellung gibt, daß Bohner nach Ludendorff in das Zimmer des Bürgerbräu getreten fei? Rahr: Ueber diesen Zeitpunkt fann ich feine bestimmten Angaben machen.- R.-M. Roder: Wie fommt es ferner, daß verschiedene ber brei Aussagen gleidh lautend find? Das fann doch fein Zufall fein. Meines Erachtens haben sich die Herren ihre Aeuße rungen gegenseitig vorgelegt, und einer hat auf den anderen Bezug nenommen, Bors: Es tommi boch nicht auf das an, was im Borverfahren geschehen ist, sondern was in biefem Brozeß gesagt ist. Ich bitte, diefe Fragen zu unterlassen und halte sie nicht für angebracht.. Ein Vorstoß Hitlers. Sitler zu Rahr: Erzellenz Knilling hat als Begrün. bung für die Schaffung bes Generaltaatst om missa. riais behauptet, daß wir hon vorher einen hochperrat beabsichtigt hätten. Es ist für uns wichtig, festzustellen, baß biefe Behauptung Knillings nur einem Srrium entspringt. Denn wir sind überzeugt, daß Knilling nicht lügt. Wann ist zum erfienmal die Bildung des Generalstaats tommiffariats ins Auge gefaßt worden? demo Kahr( leise und faft unverständlich): Das kann ich nicht fagen. Die Frage ist seit langem erwogen werben Hitler: Bann haben Erzellenz gehört, daß die Bildung beabsichtigt sei? Rahr: Das ist fagmer zu fagen, ich glaube Anfang September. Kahr: Hitler: Und warum wurde diese Frage aufgeworfen? Aus der ganzen Entwicklung der Berhältnisse heraus Hitler: Bann ist Ihnen positiv der Antrag gestellt worden, fich für dies mt zur Verfügung zu stellen? Rahr: Am 26. September im Ministerrat. Hitler: Jt die Anregung vom Minifierrat erfolgt oder von Personen, die später im Generalſtantstommiffariat tätig paren?- Kahr( fehr leise): Darüber kann ich keine Aus Punft geben. Hitler: War der Grund für die Bildung des Generalstaatstommiffariats ber, daß mir 14 Bersammlungen abhalten wollen und daß man von uns einen Putsó befürch fete? Rahr( fehr leife): Das kann ich nicht fagen. Sitler: Die Behauptung ist aber von Ihnen aufgestellt. Rahr: Cleber die Vorgänge im Ministerrat fann ich nicht sprechen. Hitler: Knilling hat im Landtag erklärt, daß Generalstaatsfommissariat fei bringend notwendig gewesen, um zu verhüten, daß Hitler nicht schon am 27. September einen Buisch machte. Das hat Snilling zu einer Beit behauptet, als fein Mensch daran gedacht hatte. Die Bilbung Des Generalftaatsfommiffariats ift aber fchon Woden vorher an gefündigi morben, ehe unfere 14 Bericmmlungen angefündigi maren. Snilling mußte also in diefer Weife informiert morben fein. Wäre es nicht pflicht des Generalstaatsfommiffars gewesen, dann sofort am nächsten Tage uns wegen landesverräterischer 2bficht in Haft zu nehmen? Rahr: Auch barüber tann ich teine Auskunft geben.- Hitler ( ironisch): Das ist auch eine Antwort, Exzellenz- Borf: Ich halte diese Frage für unerheblich. zum mindesten fanm fie an anderer St: lle gestellt werden. Hitler: Diese Behauptung ist Knilling gegenüber erst vorgebracht worden, um das Ministerium zur Schaffung der ihm unangenehmen Institution des Generalstaats. tommiffariats zu veranlassen. Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune: Die Anfloge behauptet, daß den Anlaß zur Gründung des Generalstaatstemmiffariats die nationalfozialistischen Butschisten gegeben hätten, die dann den An Taß zum Berbot der 14 Berjammlungen gaben. Ist es richtig, daß Exzellenz an die Zeitungen als Grund für das Verbot bie Erklärung gegeben haben, daß die Erteilung der Erlaubnis für die Bersammlungen von der Erfüllung einer Reihe von Forderungen abhängig gemacht worden sei, die die Auferlegung einer gewiffen Reserve in Form und Ausdruck der Ansprachen erstrebten Staatsanwalt Ehardt:„ Ich möchte gern miffen, wo das in der Antlage steht Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune: „ Jedenfalls wird diese Behauptung nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auch zum Gegenstand der Antiage gemacht" Staats anwalt hardt:„ Ich stelle feft, daß die Anflage sich mit biefem Bunft überhaupt nicht befaßt. abr( fehr leise): Já kann nur fagen, daß nach der Errichtung des Generalstaatsfommiffariais und unferer Berhängung des Ausnahmezustandes sämtliche öffentlichen Bersammlungen verboten waren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß für dieses Berbot noch eine Erklärung gegeben fein fol. Rechts anwalt Rober: Welche Befugnisse hatte der Herr Generalstaats2 fommifjaz? Jit bei seiner Ernennung darüber gesprochen worden?" Kahr:„ Ich lanr darüber nichts aussagen." Borf.: .Der Herr Zeuge ist vom Umiegeheimnis nur soweit entbunden, als die Vorgänge des 8. und 8. November und die im unmittel baren Zusammenhang damit stehenden Vorgänge in Frage fommen. 21 2 Diefe Frage steht bamit nicht in unmittelbarem Zusammenhang." Rechtsanwalt Rober: Nach der Anflage haben die Angeklagten die Berfaffung mit Gemalt geändert. Die Angeflagien waren aber ihnen gegangen ist. Bors: Ich kann diese Frage nicht zulaffen. der Auffassung, daß die einzige bestehende Gewalt in Bayern mit Erster Staatsanwalt:„ Die Machtfülle des Generalstaatsfommissars geht ja aus der Berordnung des Ministeriums hervor. Rechtsanwalt Roder: Diese Berordnung ist weder im Gesetzblatt noch im Staatsanzeiger" zu finden. Juftigrat Kohl:„ Erzellenz Kahrs Befugniffe find in öffentlicher Erklärung der Regierung befauntgegeben. Infolgedeffen ist der Zeuge verpflichtet, aus ufagen, fauntgegeben. Infolgedessen ist der Zeuge verpflichtet, aus ufagen, ob diefe öffentliche Erklärung alle feine Befugnisse umschließt oder ob ihm darüber hinaus noch weitere Befugnisse erteilt worden sind." zurüd. Nad) furzer Zeit verfündete der Borfizende den Beschluß. Darafhin zog sich der Gerichtshof über die Zulassung der Frage daß diese Frage nicht zugelassen werde, weil sie nicht im Zusammenhang mit den Schuldfragen stehe und weil der Zeuge nicht so weit vom Amisgeheimnis entbunden fei. Schwere Angriffe gegen kahr. . Rechtsanwalt Roder: Bar Exzellenz der Bollzug von Landes gefegen übertragen oder von Landes und Reichsgefeßen? Soniel ich weiß, hatte er doch die vollziehende Gemalt.- Kahr: Es fam alles in Frage, was mit ber vollziehenden Gemalt mit Auswahl?- Kahr: Der Bollzug des Strafgefetes fam dabei in Bayern im Zusammenhang stand. Rechtsanwalt Roder: auch selbstverständlich in Frage. Rechtsanwalt Roder: Bom Strafgesezbuch ist doch aber die Strafprozeßordnung nicht weit ent fernt. Mar Exzellenz berechtigt, den Kapitän Ehrhardt und den Hauptmann Heiß nicht zu verhaften? Gegen Ehrhardt fchwebt ein meineidsverfahren. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl ist nicht vollzogen worden. Hauptmann Heiß hatte in Augsburg eine Rede gehalten, in der er in Schärffter Form den Marsch nach Berlin gepredigt hatte. Es ift gegen ihn ein Haftbefehl erlaffen worden, der aber mucht vollzogen wurde. Borsigender: Diese Frage liegt auf demselben Gebiet, und ich fann sie nicht zulaffen. Rechtsanwalt Roder: Man muß doch aber die Auffassung der Angeklagten berüdsichtigen. Ihre Stellung erscheint doch in einem ganz anderen Cichle, wenn es fich herausstellt, dak ver'chiedene Reidjsgefeße von der obersten Gemalt in Bayern nicht vollzogen worden sind. Es handelt sich da um eine ganze Reihe von Zeugen. Außer der Strafprozeßordnung ist auch der Vollzug des Republit- Schutzgesetzes von Er ellenz gehindert worden. Exzellenz hat ferner in die Zuständigkeit der Gerichte eingegriffen. Ich verweise dabei auf feine Erklärung in den Zeitungen, daß der gegenwärtige Prozeß in München und nicht beim Reichsgericht oder beim Staatsgerichtshof verhandelt werden solle. Borfigenber: Das Gericht wird über diese Fragen Beschluß faffen. Erfter Staatsanwalt: Ich hatte diese Fragen nicht für zulä fig. Rechtsanwalt Holl: Für die Berteidigung ist es von größter Bedeutung, wenn diese Fragen hier beantwortet merben. Es tommt nicht darauf an, ob diese Maßnahmen Kahrs der Stimmung des bayerischen Boltes entsprachen, sondern nur, ob fie erfolgt find oder nicht." Es ist ein wesentlicher Teil der Verfassung zerschlagen worden, nämlich die Justizhoheit. Gegen Roßbach jawebte ein Haftbefehl Trotzdem ist ihm im Auftrage Kahrs von Baron von Auffeß vom Generalstaatskommiffariat mitgeteilt worden, daß der Haflbe ehl nicht vollzogen würde. Ehrhardt, gegen den ebenfalls ein Haftbefehl schwebte, ist im Auto vou Desterreich nach Bayern gebracht und von Rahr begrüßt morten. Man hat ihm erflärt, er fönne hier arbeiten, der Haftbefehl gegen ihn werte nicht vollzogen, und er hat dann einen Ausweis von Oberff o. Seißzer erhalten. Auch der vom Obereichsamvait gegen Hauptmann Heiß erlassene Haftbefehl ist von Stahr nicht vollzogen worden. Es ist also von ausschlaggebender Bedeutung, ab deje Maßnahmen atfächlich erfolgt sind und, wenn ja, warum?-- Juſtizrat Koht: Ueber die Rechte des Generalstaastkommissars liegt ja eine Erflärung des Ministeriums vor. Wir behaupten, daß er über seine Befugniffe foweit hinausgegangen ist, daß von der Reichsverfaffung überhaupt nichts mehr übriggeblieben ist. Rechtsanwalt oll: Am 24. Oftober schreibt in den Münchener Neuesten Nachrichten" die Bayerische Boltspartel- Korrespondenz", alfo der Partei bes Herrn v. Kahr, daß Bayern gern eine Vermittlung annehmen würde, um den Konflikt mit dem Reich aus der Welt zu schaffen. In den nächsten beiden Nummern erflört aber err v. Kahr, daß er es ablehnen müsse, mit einer Regierung, die einen Zeigner amtieren laffe, und der die nötigen Kräfte und Ueberzeugungstreue fehlten, zu verhandeln. Einen größeren Widerspruch zwischen der Bayerischen Volkspartei und Herrn v. Rahr fann man sich doch nicht vorstellen. 36 möchte weiter fragen, enffprang der nichtvollzug der genannten Haftbefehle der eigenen Machtvollkommenheit von Exzellenz, oder geschah das auf Befehl von anderer Seite? Wenn das erstere der Fall ist, wäre es ein weiterer Beweis dafür, daß Kahr über die Berfaifang hinweggegangen ist und sich zum Dit. fator gemacht hat. Dann wäre aber ein Hochverrat der Angeflagten nicht denkbar, weil die vollziehende Gewalt, der sichtbare Ausdrud der Bolts souveränität, in einer Person vereinigt war, die gar nicht gestürzt, fondern im Gegenteil höher gehoben werden sollte, nämlich zum Candesverweier. Dann fann man doch nicht von einem Hochverrat sprechen. 71428 Borsigender: Kommen vielleicht noch mehr Fragen zu Rechtsanwalt Roder: Jawohl, ich frage diesem Rompler? Rechtsanwalt Roder: Jawohl, ich frage weiter: Marsch auf Berlin. Mittwoch, 12. März 1924 ebenfalls wieder aufgehoben werden find, mehrere Erlasse über das Berbot öffentlicher Bersammlungen, eine Verordnung über das Berbot von Streifs und Aus perrungen und ein halbes Duhend Erlasse über Mietzins usw.( Heiterfeit.) Erster Staatsanwalt: Ich bitte, alle diese Fragen abzulehnen. Rechtsanwalt Holl: Wer hat angeordnet, daß das Reichsbankgold in Nürnberg in dem Augenblid, als es nach Berlin übergeführt werden sollte, beschlagnahmt worden ist? Wer hat angeordnet, daß die Steuererträge des bayerischen Staates nicht an die Reichsfinanztasse nach Berlin abgeliefert werden? Hat Exzellenz v. Kahr eine Bejoränkung feines Umtes durch das Minifterium und den Landtag anerkannt? 3ft es richtig, daß er enjhlossen war, den 3 usammentritt des Candtages zu verhindern und wentuell das mi. nifterium ab usehen? Frage Loffom nicht auf Verhandlungen ein. Er hat alfo Bayern R.-A. Mener: Erz. Rahr hat erklärt, er lasse sich in der auch nach außen hin vertreten. Mit welchem Recht? Die ihm naheist nichts vom Generalstaatskommissar geschehen, um diefe Deutung stehende Bresse hat ferner geschrieben, Kahr fei Diftator, er fei nur feinem Gott und seinem Gewissen gegenüber verantwortlich. Es gesamte Staatsgewalt für sich in Anspruch genommen. Inwieweit zu widerlegen. Nod) am 9. November hat er in feinem Aufruf die hat Erz. v. Kahr gegenüber Reichsbehörden eine Befehlsgewalt für fich in Anspruch genommen? Es tommt mir nicht auf die auf dem Bapier stehenden, sondern auf die de facto bestehenden Befug niffe an. R.-A. Hemmeter: Bom Reichswehrministerium find Offigiere in Bayern entlassen und versezt worden; biefe Mašnahme ist verhindert worden. Also auch auf die Reichswehr hat sich die Macht Erz. v. Kahrs erstrect. Welche Gründe waren fafür maßgebend? Wir sind der Ansicht, daß es diefelben Gründe sind, die sich auch mit der Zielrichtung der Angeklagten deden. Wenn Erz. v. Kahr darauf feine Auskunft gibt, dann werden das andere Zeugen befunden. Justizrat Schramm: Die Frage, wo die Grenze ber tompetenzen Kahrs liegt, ist ja auch schon im Landtag eingehend erörtert worden, ein Beweis dafür, daß die maßgebenden Herren fich felbft nicht mehr ausgefannt und die Ueberzeugung gewonnen habe, dah Kahr feine Befugnisse sehr weit überschriffen hat. Mir müffert jezt unter allen Umständen den Kernpunft. nämlich die rechtliche Seite des Brozeffes, behandeln. Wir müssen feststellen, in wieweit Kahr im Befih der bayerischen Macht war und wie weit er fich über die Reichsverfaffung hinweggejetzt hat, so baß die Angeflagten die Ueberzeugung haben tonnten, daß diese Reichsvere faffung überhaupt nicht mehr existiert und daher auch nicht mehr gebrochen werden kann. R.-A. Goez: Ist es richtig, daß Herr v. Kahr als General staatskommissar auch über Personen, die mit der Antlage nicht in Verbindung gebracht werden tönnen, die Sch us: haft verhängt hat und daß disse Personen im Arbeitshaus int Dirnen und Zuhältern zusammenfigen müssen? Justizrat Kohl: In der Verordnung zum Schuß der öffentlichen Ord. uung in Bageru heißt es, daß die Maßnahmen auf Verlangen des Reichspräsidenten oder der Reichsregierung außer Kraft gesetzt werden müffen. Die Reichsregierung hat befanntlich die Aufhebung des Ausnahmezufiandes in Bayern ver. langt, ohne daß dies hier geschehen ist. Bedeutet das nicht allein Bruch der Berfassung? Das Gericht zog sich hierauf zur Beratung zurüd, und noch längerer Zeit erklärte der Borsitzende, daß werden. fämtliche Fragen abgelehnt Oktober aufgefordert worden ist, die Reichsbefehlsgewalt R.-A. Roder: Es ist richtig, baß Erzellenz v. Rahr Ende Berlin diese Aufforderung nach Inpflichtnahme der bayerischen umgehend wieder herzustellen. Ich erinnere daran, daß von Truppen erfolgte. Aus welchen Gründen hat Rahr bas abgelehnt? Bors: Auch diese Frage ist aus dem angegebenen Grunde nicht zulässig. R. A. Roder: Ich bin anderer Ansidy, denn meine Frage hat mit dem Ausnahmezustand und mit den Gerichtsbeschlüssen nichts zu tun. Es handelt sich hier um eine ipezielle Verlegung der Reichshoheit. Bbri: Haben Sie noch andere Fragen? R.-A. Roder: Exzellenz Kahr, was haben Sie unter der Dittaturmachtfülle als Staa's. tommiffar verstanden, wie Sie das in Ihrer Rebe im Bürgerbräus feller ausführten? Exzellenz Kahr( nachdem er längere Zeit fein Manuftript durchgesehen hat): Ich habe ganz allgemein daran ge badht, alle Kräfte der Staatsgewalt zufammenzufassen. R.. Moder: Damit weichen Sie aus, denn das ist noch nicht Diktatur. Jm Schlußfah Ihrer Bürgerbräufellerrebe heißt es: Heute vor fünf Jahren ist Deutschland zufammengebrochen, heute foll Deutschland neu auferstehen. Wollten Sie damit die Dittatur auf erstehen lassen? Zeuge Kahr: Ich verstehe darunter, daß vor fünf Jahren der Zufammenbruch aller staatlichen Verhältnisse ein trat und daß nur eine Restaurierung des Staates auf der Grundlage neuer Bf ichten möglich fein tönnte. Es handelte sich um eine rein theoretische Betrachtung. R. Rober: Dann waren wohl Ihre Aeußerungen gegenüber dem Minifter Matt am Telephon auch nur rein theoretisch?( Lachen im Zuhörerramm). Roder fort fahrend: Wenn Erzellenz gegenüber dem Gesamtministerium darauf podhte, daß Sie allein alle Macht in Händen haben wollten, jp bedentet bas praktisch nur Diftatur. Erzellenz v. Rahr: Darüber fann ich hier nicht sprechen.( Lautes Lachen im Zuhörerraum). R. Rober: Minister Matt hat am Morgen des 9. November in München einen Aufruf für das Gesamtministerium erlassen und Kahr hat ebenfalls einen folcheu erlassen. Darauf hat Erzellenz kahr den Zeitungen mitgeteilt, daß alle Macht lediglich bei ihm all in vereinigt jei. Sollte das ebenfalls nur eine theoretische Aeußerung ohne praktische Bedeutung sein? Rahr: Das Gesamtministerium bestand boch nicht mehr. Es war doch nur ein Rumpfministerium von drei Ministern. Ich allein hatte tatsächlich alle Macht., R.-A. Rober: Auf Grund welcher gesetzlichen Bestimmungen hat Erellenz fid) Das Ministerium befand sich damals doch in Regensburg, und wenn für befugt gehalten, die Absehung des Generals Sie einen Aufruf Ihrerseits veröffentlichten, fo brachten Sie sich v. Coffon zu verhindern? Auf Grund welcher Bestim- doch in Gegensatz zu dem Gesamtministerium? Kahr: Ich mungen hat er sich für befugt gehalten, die bayerische Reichs- mußte, daß drei Minister sich in Regensburg befanden. In wehr auf Bayern zu verpflichten? Bei der Verpflichtung München aber war ich doch der einzige Mensch, der vosi handelte Bayern als Treuhänderin des Reiches. Wie will Herr tive Macht besaß, die ich auf Grund des Artikels 48 der Berfassung v. Sahr diesen Ausdrud rechtfertigen? Wer hat ihn zum erhalten hatte.-R.-A. Roder: Sie meinen also, das Ministerium Treuhänder gemacht? Ferner: Hat Egzellen; v. Kahr den hatte Ihnen nichts dreinzureden? Kahr: Da teine Verbin Bollzug von bayerischen Landesgesehen oder von Gefehen schlechthin dung zwischen uns bestand, mußte ich wieder allein handeln. übertragen bekommen? Wenn das letztere der Fall ist, hat er R.-A. Rober: Auch das ist nicht richtig. Minister Matt hat dann je nach Belieben einzelne Gefehe nicht voll- mindestens Berbindungen mit München gehabt, da doch sein Auf3egen? Hatte Erzellenz v. Kahr nicht nur die vollziehende, fon- ruf hier angefchlagen worden ist. Rahr: Das ist nur bedingt dern auch die gefehgebende Gewalt? Wenn nein, wie richtig. Vorf.: Haben Erzellenz das Rumpfminifterium am rechtfertigt er dann feine verschiedenen Gesetzgebungsatte? Es 8. November abends noch anerkannt oder nicht? Kahr Gemiß handelt sich dabei um fechs Sartoffelerlaffe, dret Biererlaffe, die aber das Minifterium wußte doch nicht, welche wirkliche Haltung ich jpäter wieder aufgehoben worden sind, zwei Getreideerlaise, die leinnahm. Nach den Vorgängen som 8. Stovember abends mußte das Ministerium glauben, baß ich an der Bewegung Hitlers tell hatte. Rober: Wiederum haben Ew. Erzellenz dann fünf Stunden zu der Erflärung an das Ministerium gebraucht, daß Sie im Bürgerbräufeller nur komödie gespielt hätten. Rahr: Die Mitteilung war nicht so einfach, weil ich doch zunächst noch nicht wußte, wo sich die Herren befanden.- Borf.: Erzellenz, Sie haben doch aber am 8. November, abends um 11% Uhr, mit Minister Matt am Telephon gesprochen. Konnten Sie sich denn da nicht deutlich ausdrücken?- Rahr: Es bestand die Befürch tung, bak das Telephon überwacht war. Borf.: Haben Sie einen Beugen für das Gespräch mit Matt? Rahr: Das fann ich nicht mehr fagen. Justizrat Kohl: Wenn aber nun fich eine Bersönlichkeit fände, die fagen würde, wie das Gespräch in Wirklichkeit gelautet hat? Kahr: Es ist am besten, Sie ver nehmen Minister Mott darüber. siehe nicht, daß Erzellenz den Minister Matt nicht gefragt haben, R.- 2. Hem meter: Ich vermie er zu erreichen fei. Kahr( nach längerem Zögern): Ja, ich wollte darüber nicht sprechen. R.- 2. Dr. Luetgebrune: 3ft Erzellenz Kahr bekannt, daß das Gesamtminifterium fogar eine Krifit der Gesamthandlungen Ew. Exzellenz abgelehnt hat? Rahr: Das ist eine Angelegenheit, über die ich hier nicht sprechen darf.( Lachen im Ruhörerraum.) R.-A. Luetgebrune: 3ft es nicht richtig, daß das minifferlum Maßnahmen, die Erz. Kahr vor dem 9. November angeordnet haben nicht abgeändert hat mit der Begründung, daß es dazu nicht zuständig fei? Rahr: Das ist richtig. Jufti rat Schramm: Bermutlich hat Herr Minister Matt Herrn v. Kahr doch von seiner Müncherer Wohnung aus telephonisch angerufen. Wäre es nun nicht das Richtige gewesen, wenn Erzellenz nefagt hätten:„ Herr Matt. tommen Sie zu mir, ich will Sie ins Bild fehen, weil ich mich telephonisch nicht zu fpreden getrane?" Borf: Der Herr Zeuge glaubte, es genüge. daß Herr Minister Matt allgemein informiert war. Juftizret Schramm: Tas ändert richts an der Tatsache, daß Mi, nifter Ma't aber nicht richtig informiert worden ist. R.-A. Holl: In der Boruntersuchung faate Herr v. Kahr aus, dak Minifter Matt der Vnficht rar, Herr v. Kahr stände noch unter dem Zwanae Hitlers, und dak offenbar aus diesem Grunde das Rumpfminifterium nach Regensburg gerangen fei, um von dort weitere Makregeln zu ergreifen. Rahr: Vuch darüber bitte ich, Minister Matt selbst zu fragen. Justizrat Schramm: Mir ist bekannt, daß Minster Matt in der Nacht vom 8. zum 9. November zu einem General fagte, er biete die Reichswehr und die Landespolizei gegen die neue Regierung auf, die mit dem Namen des Herrn v. Kahr verbunden sei. Angefl. Hitler: Herr Minister Matt hat erflärt, er wußte um 4 Uhr morgens noch nicht, welde Stellung Kahr eigentlich ein nehme. Tarf ich fragen, ob nicht vorher schon durch Baron v. Frenberg im Staatskommissariat die Reichswehr und Polizei alarmiert morben ist?- Rahr: Tas ist richtig. Hitler: Dann geben -ww Sie doch zu, daß man am Televhon ganz offen forechen fonnte. Justizrat Kohl: Gibt es nicht einen Mobilmachungsp'an, der bei jedem Puffch, ganz gleich von welder Seite, automatisch in Kraft Kahr: Die Bantwortung dieser Frage lehne ich ab. Justizrat Rohl: Tann beantworte ich Ihnen die Frage: Es gibt einen solchen Plan. fritt? Die Frage des Direktoriums. Rechtsanwalt Dr. Mener: War man im Ministerrat der Auffoffung, daß die Reichsverfoffung die banerische Machthoheit nicht antasten dürfe und daß man die Reichsverfaffung als er lebiat ansah? Ferner möchte ich wissen, ob Herr v. Rahr die banerische Staatshoheit durch seine Person auch nach außen hin, d. h. über die barerischen Grenzen hinaus, vertreten durfte? Borf: Die Beantwortung dieser Frage lehne ich ab. Rechtsanmoit Holl: Erzellenz Kahr, Sie wollten doch ein Reichs. biretrorium ohr Cinmischung des Barlaments schaffen. Wie haben Sie fich das eigentlich nedacht? Rahr: Auf Grund des Artifels 48 der Reichsverfoffuna. Rechtsanwalt Soll: Bitte flären Sie mich darüber auf, welcher Unterschied be steht zwischen dem„ Bormorsch nach Berlin" und dem„ Druck auf Berin"? Rahr: Das Lettere ist eine rein politische Aktion. Rechtsanwalt o11: Unb menn man num den Vormarsch nach Berlin bildlich auffaßt? Borf.: Das ist teine Reugenfrage. Rahr: Ich verstehe darunter, daß auf Berlin ein Drud durch In duftrie, Hanbel und Landwirtschaft ausgeübt merben sollte. Rechtsanwalt Holl: Nach der Reichsverfassung geht alle Macht bekanntlich vom Bolt aus. Wie wollten Sie nun ein Direttorium ohne parlamentari'che Einmischung schaffen? Meinten Sie vielleicht, auf Grund des Artifels 48 die Volfssouveränität einfach in die Ede stellen zu können? Rahr: Das hing durchaus von den Faktoren ob, die Artikel 48 der Beraffuna anzuwenden das Recht hatten. Rechtsanwalt Holl: Diese Erklärung ist mir etwas unverständlich; darf ich fragen, ob Sie die Reichsregierung von diesem Plane vorher verständigt haben? Zeuge Rahr: Die Reichsregierung ist über diefe Absicht durch die maßgebenden Faktoren von Industrie und Landwirtschaft ins Bild gesetzt worden. ( Bewegung.) Rechtsanwat Holl Was das Direttorium tun follte, war doch aber nichts anderes, als vollendeter Hochperrat. Rahr: Durchaus nicht. Stresemann hatte ja bekanntlich er flärt, daß sein Kabinett die lekte parlamentarische Regierung fein würde und hatte die Mönlichkeit eines Direktoriums bereits ange. deutet. Rechtsanwalt Mener: Glauben Sie wirklich. Exzellenz, dak der Reichspräsident nach feiner ganzen Einstellung und politischen Zugehörigkeit ein Reichsdirektorium zugeloffen hätte, bas durch seine Forderungen, fagen wir mal, eine Beamtennöti. gung, an dem Herrn Reichspräsidenten verübt hätte?- Borf: Auch das ist keine Zeugenfrage. Justizrat Koht: Renren Sie die Schrift" Veni vidi" und fennen Sie deren Verfaffer?- Kahr: Rechtsanwalt Ho11: Warum haben Sie die" Rote Schrift" über den Buisch verboten, aber nicht die Veni vidi"? Rahr( nach einigem 3ögern): Ich habe die„ Rote Schrift" nicht ganz genau gelesen.( Lautes Lachen.) Nein. " Borf.: Wenn diefe Rundgebungen nicht aufhören, laffe ich den Saal räumen. Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune: Ist es richtig, daß Erzel Tena fich dahin geäußert haben, die Pläne der Reichsregierung bezüglich der Entlaffung von Exzellenz 2ossom feien unannehmbar und müßten von Ihnen als ein unfreundlicher Att bezeichnet werden. Vorf.: Diese Frase steht nicht im Zu fammenhang mit dem Prozeß. Ihre Richtigkeit fann aber unter stellt werden. Rechtsanwa't Quetgebrune: 3ft die Veröffentlichung von Erlaffen von Exzellenz Seedt an die gesamte Reichswehr, also auch an die bayerischen Truppen von Exzellenz Kahr verboten worden? Borf: Ich betrachte diefe Frage als unzufäffia. Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune: Ist es richtig, daß Erzellenz Kahr auf eine Anfrage aus der Breffe, ob er eine Berhandlung zwischen Bayern und der Reichsregierung über den Fall Loffom ab tehne, in zustimmendem Sinne beantwortet hat? Rahr: Jawohl Rechtsanwat Holl: 3ft es richtig. Erzellenz, daß Sie bei einer Belprechung mit den Kampfvertänden erklärten, den Befehl zum Losschlagen gebe ich"? Kahr: Der Sinn war jedenfalls, daß sich alles meinen Befehlen unterzuordnen hätte. Es war bei dieser Besprechung von ben Berhältnissen in Thüringen und Sachsen die Rede. Rechtsanwalt Holl: Als tiele Besprechung ftatfand, nämlich am 6. November, war durch Eingreifen der Reichswehr in Thüringen und Sachen aber bereits elles geregelt. Rahr: Bir rechneten aber immer noch mit der Möglichkeit, daß auch bayerische Truppen herangezogen werden konnten. herangezogen werben fonnten.- Justizrat Kohl: Crzellenz Kahr, haben Sie mit dem Reichspräsidenten über die Frage eines Reichsdirektoriums auch nur eine Zeile gewechselt? Kahr: Darüber fann ich hier n'cht sprechen, da es fich um eine rein bayerische Angelegenheit(!) handelt. Juftigrat Rohl: Dann frage ich Sie. ob überhaupt mit jemandem über die Frage eines Reichsdirektoriums verhandelt worden ist. Zeuge& ahr: Nein.( Bewegung.) Kahr und der Marsch auf Berlin. Rechtsanwalt Holl: ft Ihnen befannt daß am 22. September 1922 in„ Bayern und Reich" folgender Aufruf stand: Die Stunde ist da! In dem Aunenblick, wo das Unheitsgebilde von Weimar mit der Unerbittlichkeit der Naturnefritze den Weg alles dessen gehen wird, was nicht lebensfähig ist, ist die Zukunft des Händen überantmortet. Jekt gilt die Tat Wer jetzt erst unsterblichen Reichsgedankens unserem Banernlande zu treuen Rat zu pfleger beginnen müßte, der würde sich verhängnisvoller Berfäumnisse während der legivergangenen Wochen schuldig sprechen. Bertagte Ministerratssitzungen bedeuten das Eingeständnis einer der kompromisse ist vorüber. Gine Regierung, die jetzt Entschlußlosigkeit, die der Ernst der Lage nicht duldet. Die Zeit den klaren Weg noch nicht vorgezeichnet fähe, müßte die Bahn für entschlossene Männer freimachen. Houte brauchen wir nicht mehr in das Volk hineinzuhorchen, seine Stimme dringt vernehmbar genug an jedes Ohr. das sich nicht in trampfhafter Br stodung verschließt." v. Kahr:" Ich fann hierauf in öffentlicher Sigung nicht antworten." Rechtsanwalt Holl: „ Oberst Inlander hat auf dem„ Deutschen Tag" erklärt. Ew. Exzellenz würden marschieren, er wäre bei Ihnen gewesen, und Sie hätten ihn darüber genau unterrichtet." Rahr:„ Ich habe Herrn v. Inlander nicht ermächtigt, darüber zu sprechen." Rechtsanwalt Holl:„ Das ist ja auch ganz gleich gültig, ob Sie ihn ermächtigt haben oder nicht. hat sich Herr v. Xylander diese Nachricht aus den Fingern gesogen? Ich glaube das nicht, da ich Herrn v. Xylander als einen wahrheitsliebenden| Die Notverordnungsdebatte. Der Reichstag sette gestern die dritte Lesung des Notetats fort. Bei der allgemeinen Aussprache in Verbindung mit den Interpellationen über den Schuh der Arbeitskraft und die Steuer'aften der Landwirtschaft wirft Abg. Diernreiter( Bayer. Vp.) der Regie: rung vor, sie treibe Raubbau am Voltsförper durch die unerträglichen sozialen und steuerlichen Lasten und durch zu geringe Fürsorge für die Produktion, namentlich der Landwirtschaft. Er bekämpft weiter das Kartellwesen, fordert industriellen Preisabbau und regt on, bis zur Höhe von 10 000 Marf eine wertbeständige fünfprozentige Bera niuna aut geben.( Beifall bei der Bayerischen Volkspartei.) Abg. Eisenberger( Bayer. Bauernbund): Wenn die Parteien mehr Wirischafts- und weniger Parteipolitik getrieben hätten, wären mir ohne Ermächtigungsgesetz durchgekommen. Jeder hat die Pflicht, Steuern zu zahlen, aber die Steuern müssen auch gerecht sein und dürfen den Mittelstand nicht erbrücken. Die höchsten und reichsten Herrschaften sind durch die Maschen tes Steuergesetzes hindurchgeschlüpft. Der Bauer soll aber heute wieder neue Steuern nach dem Maß stab des Wehrbeitrages zahlen. Die Reichen haben für alle mög lichen Zwecke Geld, auch für nationalistische Propaganda, aber vor dem Steuerzahlen drücken sie sich.( Lebhafte Zustimmung links) Ich probestiere namens meiner Partei energis gegen Ludendorffs abfällige Aeußerungen über den Papst und die Katholiken. Redner tommt dann auf die Grundfäße des bayerischen Fö deralismus zu sprechen. Als er dabei sich über" preu. Bildes Junfertum abfällig qu äußert, wird ihm von rechts zugerufen:" Tas verstehen Sie Abr. Souldt( Dem.) wendet sich gegen die Beamtenabbauverord. nung. Wir bedauern, daß das alte Beamtenrecht so unzulänglich war. Aber die Echuld baran tragen die alten reaktionären Kreise. Bir per langen eine Berufungsinstanz, an die sich die abgebauten Beamben menden fönnen. Ein neues Reichsbeamtengefet muß baldigit eingebracht werden. Bolitische Gesinnung, Religion und gewer ffchaftliche Einstellung dürfen beim Beamtenabbau feine Rolle spielen. Höhere Beamte aber, die den Abbau leifen, propagieren öffentlich in den Zeitungen den politischen Abbau und Sprechen von Beseitigung der Revolutionsgewinnler". Diefem Treiben soll unser Antrag Einhalt tun. Reichsfinanzminister Dr. Luther: Die Verwaltungsabbautommission ist eine durchaus unpolitische Stelle. Sie besteht aus dem Präsidenten der Oberrechnungstammer und den Herren Lewald und Busch Herr Welser gehört ihr nicht an, sondern ist ihr Angestellter. Die Rommi fien hat nur fach liche Entscheidungen zu treffen, die politischen fällt das Kabinett. Mit dem Bersonalabbau hat die Kommission nichts zu tun, sondern diefer Personalabbau wird von den zuständigen obersten Reichs. behörden durchgeführt. Die Regierung hat die bestimmie Hoffnung, daß der gesamte Abbau spätestens im Laufe des Jahres beendigt fein wird.( Rufe: Erst 1925?) Jezt ist vorgesehen: 19271 Dem Kabinett liegt ein Entwurf zur Aenderung der Abbauverordnung vor, führungsbestimmungen für solche Beschwerden vorsieht, bei denen der eine besondere Nachprüfung im Sinne der preußischen Aus wird. eine Berlegung der politischen und religiösen Neutralität behauptet Der Erlaß der neuen Verordnung dürfte sehr bald erfolgen. Im übrigen haben die Beratungen des Sparausschusses gegenüber allen Beschwerden die völlige Objektivität des Abbaues bestätigt. Für die ungerechte Steuerbelastung in früherer Beit kann man die jeßige Regierung nicht verantwortlich machen. in der für uns allein in Betracht kommenden Zeit vom 1. De zember v. 3. bis zum 31. März d. 3. find an Steuern vom Besitz erhoben worden nach einer Vorausschägung 54 Proz. der gesamten Steuern, nach dem tatsächlichen Aufkommen sogar 58 Proz, an Steuern vom Arbeitslohn 12,5 bzw. 14 Proz., an Steuern auf Genußmittel 5,5 bzw. 4 Proz., an Steuern auf den Umfag 28 bzw. 24 Proz. Dazu kommt allerdings die Belastung durch die Steuern der£ nter. Die Mietsteuer Mann fenne." Rahr: Ich fann mich jebenfalls baran nicht erinnern." Rechtsanwalt Holl: „ Kennen Sie den Herausgeber der Zeitschrift„ Der Hammer", Heren Fritsch aus Leipzig. und haben Sie diesem Herrn nicht erklärt, daß Sie den Vormarsch nach Berlin antreten?" Kahr:„ Daran erinnere ich mich nicht." Juffizrat v. Zezschwih: Herr v. Kahr, ich war Zeuge diefer Unterredung."( Große Be wegung im Saal) Herr Oberst v. Seißer hat uns felbft zu Ihnen hingeführt und Herr Profeffor Siffmann war gleichfalls dabel. Herr Frisch ist doch egita zu einer Besprechung aus Leipzig hergekommen." innern Rahr: 3u mir tamen täglich mindestens 10 Leute, das macht im Jahr 3600. ie foll ich mich da noch an jede Unterredung er R.-A. Holl: Haben Sie nicht zu Herry Alfred Roth Schramm: Ich habe hier einen Brief aus Ulm erhalten, in gejagt:" Sorgen Sie dafür, daß beim Vormarsch unsere linie Flanke Ad di bleibi?" Kohr: Tes weiß ich nicht. Julizzat dem mir geschrieben wird, daß ein Herr Georg Kirsch bei Ihnen gewesen ist, und daß diefer Herr in Ulm in einer Bersammlung ge riat nur unter der Bedingung übernommen, daß er persönlich volle fprochen und behauptet hat, er fäme von Exzellenz v. Kahr. Exzellenz Kahr habe ihm erklärt, er habe das Generalstaatskommissa Handlungsfreiheit behalte, daß er in Berlin die nationale Diktatur aufrichten fönne, forner, dah er sich mit Hitler geelnia! habe und nietErzellenz v. Kahr habe zu Herrn Kirsch gesagt, Sie wüßten, daß tens, daß ein Cosschlagen gegen Berlin unmittelbar bevorstehe. Sie Ihres Criolges flcher felen. Alles möge sich bereithalten zu dem Plan. Haben Sie Herrn Kirsch autorisiert, das öffentlich betennisugeben? Rahr: Nein, es ist ja auch Unsinn, da ich gar feine Borbereitungen getroffen habe. Da fommen die Leute zu einem, besprechen alles Mönlice, und hinterhr gehen sie hina s ur trom peten Dinge in die Welt, die garnicht vorhanden sind. Juftizrat Schramm: Ist aus dieser Versammlung nicht eine Ergebenheitsadresse an Sie gekommen? Rahr: Das fann ja fein. vertagt. Es soll dann zunächst Oberst v. Seißer vernommen werden. Hier wurde die Bernehmung abrebrochen und auf Mittwoch früh Abg. Malzahn( Stomm.) erflärt die Debatte der letzten Tage als ein bitterernftes Bossenspiel. Wenn Abg. v. Graefe( Deutschvöllisch): Der Reichstanzler hat ben von ihm in feiner Rede angestrebten Zusammenschluß des Balles fofort dadurch unmöglich gemacht daß er einen neuen Kultur. der an seine sehr engen Beziehungen zur Rathenau- Politit erinnerte, tampf einleitete. Wir hörten hier einen deutschnationalen Redner, dem Berhängnis unferes teulichen Volkes, und der daraus die logische Konfequenz 30g in diefem Augenblid ausgerechnet von Ludendorff abzurüden. Der völkisch- soziale Staat wird sich dennoch Gegen das jüdische internationale Rapital durchsehen. Wilhelm II. 1918 nicht den Einflüsterungen seiner Umgebung, Ballin, Friedländer- Fuld und Rathenau, folgend, den Widerstand aufgegeben hätte, dann wäre vielleicht manches beffer geworden. Dem Pyrrhussieg der jüdischen Demokratie von 1918 ift die Ent hüllung der Haltlosigkeit aller fozialen Bersprechungen gefolgt. Alle Parteten dieses Hauses stehen blind der Tatsache gegenüber, daß fich jetzt eine neue Etactsthee entwidelt. Jetzt geht der Kampf nur zwischen Hafenkreuz und Sowjetstern. ist durch diesen forrumpierten Reichstag fo in Mißkredit geraten, Abg. Wegmann( bei feiner Frattion): Der Barlamentarismus baß die Arbeiter, Angestellten und Beamten andere Wege fuchen werden, um sich vom fapitalistischen Druck zu befreien, die Dit. tatur der proletarischen Maffen Damit ist die politische Aussprache geschlossen. Um 49 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch, 3 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen fleinere Borlagen, Einzelberatung des Notetats. Aus der Partei. Kandidatenaufstellung. Der Begirtsparteitag für D ft. Westfalen und die beiben Tippischen Freistaaten tagte am Sonntag unter Teilnahme von 152 Bertretern in Bad Salzuflen. Für den Parteivorstand war anwefend der Genosse Bartels. Genoffe Severing Sprach in einem großzügig angelegten Referat über die politische Bedeutung der Reichstagswahl, während Genosse Schred die für diesen Rampf wichtigen Fragen der Technik und Tattit behandelte. In voller Einmütigkeit wurde von jeder Debatte Abstand genommen. Dem vorgelegten Wahlvorschlag wurde einstimmig zugestimmt. An den ersten sechs Stellen der Reichstagswahlliste stehen: Severing, Schred, Janiches, Schlüter, Frau Dettmer und Jädel. Der Bezirksvorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Er fonnte berichten, daß außer einem Zuwachs vont Mitgliedern in den beiden legten Monaten über 4000 neue Abonnenten zu verzeichnen feien. Am gleichen Sonntag fand in a mm der Bezirksparteitag für das eftliche Westfalen statt. Genoffe els hielt das ein feitende Referat über die politische Lage und die bevorstehenden Wahlen. Die Kandidatenaufstellung rief eine längere und zum Teil scharfe Aussprache hervor. Gemäß dem Statut hat der Bezirksparteitag fich an die Beschlüsse der Unterbezirke in seinem Borschlag an den Parteiilag gehalten. Als Spitzenkandidat wurde wiederum Genosse König vorgeschlagen( wie bei der letzten Reichs tagswahl als Sammelfandidat der fleinen Unterbezirfe); an 2. Stelle Gen. Robert Schmidt( Dortmund- Hörde); an 3. Gen. Husemann( Bochum- Gelsenkirchen); an 4. Gen. Ludwig( HammSoeft); an 5. Gen. Frou Schulz( Bechum- Gelsenkirchen): an 6. Gen. Spiegel( tena- fer'ohn); an 7. Gen. Dettinghaus Hagen; an 8. Gen. Bi e per Dordmund, Der Bezirksparteitag beschloß mit 94 gegen 39 Stimmen, ftatutengemäß zu verfahren und sich an die Vorschläne der Unterhezirke zu halten. Eine Umstellung der Liste erfolgte noch) insofern, daß die Genoffin Schulz an die 4. S'elle gerüdt wurde. Die Genoffen Dettinghaus und Pieper verzichteten auf eine Kandidatur. Briefkasten der Redaktion. R.. B. 4. Der Rabioamateure von Sans Günther und Fuchs. Berlag Frandh'iche Berlagsbuchhandlung, Stuttgart. Auf felbftgebaute Radioapparate gibt es teine Lizena. Streitfrage. Uns nicht bekannt. Sei sparsam!!! Nimm: als billigstes und bestes Zahnpflegemittel, um wcisse und gesunde Zähne zu erhalten allerdings wird feineswegs immer nur von den Mietern getragen. Wer in der Braris steht, der weiß, wie weit die steuerliche Belastung wirtschaftlicher Betriebe schon vorgetrieben ist. Grundsatz der Regierung ist, daß an der Zahlung der Steuern festgehalten wird. Aber Die Behauptung, daß der Befih noch nicht bis zum äußersten zu Steuern herangezogen sei, ist ganz abwegig. Bor mir liegt eine Steuerberechnung für eine industrielle Unternehmung mit einem Vermögen von 6 Millionen Goldmart. Sie tft mit 46.9 pro Mille ihres Vermögens belastet. Bedenkt man, daß die meisten Unternehmungen heute keinen erheblichen Ge- NIVO DONT- ZAHN PASTA roinn abwe.fen, so bedeuten à Proz. des Vermögens eine unge. heure Belastung. Dr. Helfferich hat meine Zahlen über die Steuerbelastung des deutschen Bo'fes bestritten. Aber seine eigenen Berechnungen beruhen offensichtlich auf irrigen Boraus. CALCIFORM- TABLETTEN fegungen. Er geht nämlich von dem Gesamtbetrag der Ausgaben als Schutz gegen Erkältung, Grippe und gegen Mundgeruch aus, die in Reich, Ländern und Gemeinden im Jahre 1913 gemad; t worden sind. Darin sind aber auch die Einnahmen aus den Eisenbahnen enthalten. Ich habe als Grundlage die Beiaftung mit Steuern genommen. Für eine Schäzung des Nationalvermögens fehlen heute alle rednerischen Grundlagen. Die Auffassung Dr. Hefferichs davon ist aber ganz unmöglich. Aus seinen Berech nungen ergibt sich aber ebenso wie aus den meinigen die ungeheure Berarmung des deutschen Rolfes. Dagegen gibt es fein anderes Heilmittel, als einmal die Steigerung der Einnahmen aufs äußerste und dann die Beschränkung der Ausgaben ebenfalls aufs äußerste. CAMPHOLINT als beste Hautcreme zur Behandlung von Frost- und Hautwunden und gegen raube und rote Haut CAVALIN a's sicher und schnell wirkendes Streapaiver gegen Fuss- und Achselschweiss. Ohne schädliche Nebenwirkung. QUALITATSMARK RABE