Dr.123 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 61 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig vores zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten. Sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adrese: Sozialbemotrat Berlin Morgenansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 13 Goldpfennig 130 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart. Retlamezeile 8.50 Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 0,20 Goldmart( auläffig awei fettaedruckte Worte). febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmart jebes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart cin Dollar geteilt burch 4,20. 400 Anzeigen für die nächste Nummer milien bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferusprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Tönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 13. März 1924 Spaltung der„ Deutschen Volkspartei" Gründung einer Sondergruppe von rechts. Nach einer Meldung der Telegraphen- Union, die zu dem rechten Flügel der Deutschen Volkspartei" gute Beziehungen unterhält, ist gestern in Berlin innerhalb der Deut. schen Boltspartei eine Nationalliberale Vereinigung" gegründet worden. Von den beteiligten Kreisen wird hierüber folgender Bericht ausgegeben: " unter Verzicht auf Vorbehalte, wollte jedoch Kommentare ober Er. flärungen in der öffentlichen Sizung zulassen. Er gab dabei die Erklärung ab, daß die italienische Regierung im Interesse des Welt friedens sich von den Borschriften des Battes leiten laffen werde. Die Vertreter Frankreichs, Japans und Brasiliens traten ebenfalls für eine Annahme tes Gesamttertes ein, worauf die anderen RatsIn Berlin fanden sich am 12. März zahlreiche führende Permitglieder ihre Bedenken zurückzogen. Branting behielt sich önlichkeiten aus allen Kreisen der Deutschen Boitspartei zusammen. aber weiter vor, in der öffentlichen Sigung eine Erflärung abzuEine eingehende Aussprache gab den Besorgnissen über die geben. Auf Grund dieser geheimen Sigung dürfte, falls nicht in Bolitit der Partei starten Ausdrud. Auf einstimmigen Be- letzter Stunde Schwierigkeiten entstehen, morgen eine öffentliche chluß wurde die Rationalliberale Vereinigung der Deutschen Sigung stattfinden, in der der Text des juristischen Komitees unter Bolfspartei" gegründet. Die Vereinigung will alle Parteimitglieder, Abgabe verschiedener Erklärungen angenommen wird. bie in nationaler, politischer, und wirtschaftlicher Hinsicht an den Grundsägen der alten Nationalliberalen Par. tei festhalten wollen, wie sie dem Programm der Deutschen Volkspartei vom Jahre 1920 zugrunde gelegt sind, zusammenfassen. Ins. besondere soll auf die Einstellung der Deutschen Volkspartei in der Richtung einer straffen nationalen antimargistischen Bolitit eingewirkt werden. Der Beschluß der Reichstagsfraktion com 12. Januar 1924, daß der Deutschen Volkspartei die Aufgabe ermamfe, für eine Roalition aus der Mitte nach rechts einzutreten, muß in flarer unzweideutiger Weise Richtlinie für eine einheitliche Politit der Gesamtpartei im Reich und in Preußen werden." Memelfrage und österreichische Sanierung. Genf, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Während der Mitt wochvormittagsfizung erstattete Norman Davis den Bericht der Memelfommission und legte dem Rat die Konvention über Memel über Memel vor. Im Auftrage der polnischen Regierung gab Stir munt eine vorsichtige Erklärung ab, daß die Interessen Polens in der Konvention nicht gewahrt seien. Für die wirtschaftlichen und nationalen Interessen Bolens sei ein Siz im Hafenrat Memels unbedingt erforderlich. Im übrigen feien friedliche Beziehungen zwischen Polen und Litauen durchaus möglich. Wegen Nichtanwesenheit der litauischenn Bertretung wurde die Besprechung der Konvention vertagt. Die Gründung dieser Vereinigung geht hauptsächlich aus ven Kreisen der Schwerindustrie und von führenreichische Finanzlage erstattet. Aus dem Bericht 3immermanns den Abgeordneten des rechten Flügels der Deutschen Volkspartei. Es wird betont, daß nicht die Absicht bestehe, innerhalb der Partei eine Sondergruppe zu bilden, daß vielmehr die Gründung den Zweck verfolge, Kreise, die sonst von der Partei nach rechts abfpringen würden, zu halten. Führer der neuen Bewegung sind die Abgg. v. Lersner, Beuermann, Vögeler, Quaah und- selbstverständlich Stinnes! Wie die TU. weiter erfährt, ist der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei auf Sonnabend, den 15. März, vormittags nach Berlin einberufen worden, um zu der Gründung der Nationalliberalen Bereinigung der Deutschen Volkspartei" Stellung zu nehmen. " Die Kompetenzen des Völkerbundes. Genf, 12. März( WTB.) Der Bölferbundrat beriet heute abend in geheimer Sigung über die durch den Korfu- Konflikt aufgeworfenen Fragen der Zuständigkeit des Bölterbundes bei allen internationalen Konfliften. Trotz des strengen Geheimnisses, mit dem die Beratungen umgeben waren, kann darüber folgendes mit geteilt werden: Die Debatte galt den Antworten, die der juristische Ausschuß auf die vom Völkerbund vorgelegten fünf Fragen ausgearbeitet hat. Die Antworten befagen folgendes: 1. Die Frage, ob der Völkerbund, wenn er bei einem Streit fall von einem Mitglied des Bölkerbundes angerufen wird, vor jeder Prüfung des Falles sich darüber schlüssig werden muß, ob dieser Fall wirklich auf Grund des Artikels 15 des Baktes zu einem Bruch führen kann, wird verneint. Der Rat kann selbst jederzeit den Ernst des Falles würdigen und sein Borgehen regeln. 2. Wenn bereits eine andere Lösung auf Grund eines Schiedsverfahrens oder Gerichtsverfahrens im Gange ist, hat der Rat die Prüfung des Streitfalles zu verweigern. 3. Andere Ausnahmen für die Zuständigkeit des Rates, als die 3. Andere Ausnahmen für die Zuständigkeit des Rates, als die im Paft Artikel 15 Abs. 8 vorgesehenen, sind nicht zuzulassen, vor allem nicht die üblichen Vorbehalte in den Schiedsverträgen. Es wird hier noch der Wunsch ausgesprochen, daß der Rat auf inter nationale Schiedsverträge und regionale Abfemmen Rücksicht nehme. 4. Die Frage, ob 3 wangsmaßnahmen, die nicht als Kriegserklärungen gedacht sind, mit Artikel 12 und 15 vereinbar find, wird dahin beantwortet, daß nach den Umständen und dem Charakter der betreffenden Maßnahmen der Rat felbst zu ent. scheiden habe, ob die Zwangsmaßnahmen beizubehalten oder einzustellen sind. 5. Für auf seinem Gebiet begangene politische Ber. brechen trägt der Staat nur dann die Verantwortung, wenn er nicht die notwendigen Borbeugungs- und Strafmaßnahmen ergreift. Der öffentliche Charakter des Ausländers und die Umstände seines Aufenthalts auf dem Staatsgebiet machen jedoch dem betreffenden Staat erhöhte Wachsamkeit zur Pflicht. Nach längerer geheimer Beratung über diesen Tert wurde seine Annahme durch den Völkerbund beschlossen, aber den einzelnen Mitgliedern das Recht zugestanden, in der öffentlichen Sigung Vorbehalte zu machen, ohne- wie endgültig festgesezt wurde Erklärungen abzugeben. Für das Recht auf Borbehalte traten u. a. ein: Lord Parmoor, der gegen die letzte Bestimmung von Punkt 3 Bedenken hatte, Branting, ben Bunft 4 nicht befriedigte, sowie Benesch, der für die Annahme war, aber am Hiebsten sich mit einer Kenntnisnahme des Abkommens bedient hätte. Salandra empfahl dringend die Annahme des Gesamttegtes In der Nachmitagsfizung wurde der Bericht über die öfter ist zu erschen, daß das österreichische Budget bereits jetzt, fünf Monate nach Aufnahme der Völkerbundanleihe balanciert fel. Das Ergebnis ist dadurch erzielt worden, daß die Einnahmen um 92 Broz. gesteigert wurden, während die Ausgabenn bisher nur um 8 Bro3. nermindert worden sind. Bon der Bölkerbundanleihe stehen nach Zimmermann noch 200 millionen Goldkronen zur Verfügung. Die österreichische Regierung verlangt diese Summe zur freien Benußung. Zimmermann ist jedch der Auffassung, daß diese Forderungen den Berpflichtungen gegen die Garantieſtaaten und die Anleihegeber wider. sprechen. Der Bölkerbundrat beauftragte das Finanzfomitee mit der Ueberprüfung der Vorschläge der österreichischen Regierung über das Kontrollsystem durch den Generalfommiffar. Dieser Beschluß stellt einen Erfolg der österreichischen Regierung dar. Differenzen bei den Sachverständigen. Finanzkontrolle und Moratorium. Paris, 12. März.( EP.) Der„ New York Herald" teilt mit, daß das Komitee Dawes einen Redaktionsausschuß gebildet hat, der bereits am Dienstag abend mit der endgültigen Abfaffung des Berichtes begonnen hat. Ernsthafte Meinungsverschiedenheiten bestünden über zwei Punkte: Erstens, über die Frage der Finanztontrolle über Deutschland während der nächsten drei Jahre. Der Bericht werde über diese Frage mindestens drei Löfungen zur Auswahl vorschlagen, die aber alle die deutsche wirtschaft liche Oberhoheit respektierten, weil die Sachverständigen dies als wesentliche Bedingung für die Wiederherstellung geordneter Zustände in den deutschen Finanzen ansehen. Die zweite Meinungs. verschiedenheit bestehe in der Frage des Moratoriums. Die englischen Sachverständigen hätten ein vollständiges Moratorium von drei bis vier Jahren ohne irgendwelche Zahlungen oder Sachleistungen gewünscht. Frankreich und Belgien hätten jedoch sofortige Zahlungen verlangt. Diese Meinungsverschiedenheiten würden in dem Sinne beigelegt werden, daß vorgeschlagen werde, es solle ein gewisser Teil der Monopoleinnahmen während der Dauer des Moratoriums für die Reparationen reserviert werden. Französische Anleihe in London. London, 12. März.( WTB.) Zu den Meldungen über Kredit perhandlungen Frankreichs in London erfährt der Finanzmitarbeiter des Manchester Guardian", es handle sich um einen Afzeptfredit von fünf Millionen Pfund Sterling. Der Kredit, an dem sich eine Reihe führender Londoner Banken und Finanzhäuser beteiligten, laufe zwölf Monate. Er werde durch in London hinter legte Bons der Anleihe für die nationale Verteidigung gedeckt und von der Bank von Frankreich garantiert. Die Geftrigen gegen die Heutigen. Paris, 12. März.( EP.) Am Freitag wird der Prozeß feinen Anfang nehmen, den verschiedene Zeitungen und Pariser Journalisten gegen die" humanité" wegen ihrer befannten Enthül lungen angestrengt haben. Als erste Zeitung fordert der Matin" 1½ Millionen Franken Schadenersah. Die„ Humanité" hatte ein Breisausschreiben veranstaltet für diejenigen, die die Zeitung, den Journalisten und den Parlamentarier errieten, die den meisten Nutzen von der zariftischen Freigebigkeit bezogen hätten. Am meisten habe bezogen der„ Temps", der Journalist Calmette und der Senator Perchot. Die" Humanité" fündigt an, fie werde den Tag der Eröffnung des Prozesses mit weiteren Enthüllungen feiern, Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Voitschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Distouto- Gefellschaft. Depofitenfase Lindenstraße 3 Heute Auflösung! Die letzte Sigung des alten Reichstags. Als Präsident Löbe gestern als 8. Punkt der heutigen Tagesordnung des Reichstags die Beratung der zu den Bererdnungen der Regierung eingebrachten Abänderungsanträge vorschlug, gingen Aha- Rufe und verständnisvolle Heiterkeit durch das Haus. Alle verstanden: Dies ist der fritische Punkt, der dramatische Punkt, der Bunft, der nicht mehr erreicht werden wird, denn bevor er erreicht ist, wird der Reichstanzler Dr. Marr sein Bis hierher und nicht weiter!" rufen. Dann kommt die Auflösung. Mathematiker haben schon berechnet, daß bei angefündigter 12- hr- Eröffnung das große Ereignis um 2 Uhr nach mittags eintreten wird. # Herr Dr. Marg hat kein dramatisches Talent, und auch die Regie seiner Helfer hat versagt. Die Regierung war an die bürgerlichen Mittelparteien mit dem Wunsch herangetreten, sie möchten doch einen Antrag einbringen, durch den über sämtliche Abänderungsanträge der Uebergang zur Ta gesordnung erflärt wird. Die Mittelparteien aber haben der Regierung die falte Schulter gezeigt, sie haben es wohl. weislich unterlassen, ihr diesen Gefallen zu tun. Haben sie doch selbst zu den Notverordnungen der Regierung Abände rungsanträge gestellt, und nicht zu knapp, und jetzt verlangt Die Regierung von ihnen, sie sollten für Uebergang zur Tagesordnung über ihre eigenen Anträge stimmen. Sie wollen fich begreiflicherweise in der letzten Sitzung des Reichstags nicht so bloßstellen und lächerlich machen. Ihre Berlegenheit bleibt ja groß genug, da sie sich mit der Auflösung vor der Erledigung ihrer Anträge einverstanden erklärten, was praf. tisch genau auf dasselbe hinausläuft, als wenn sie für Uebergang zur Tagesordnung stimmten. Indem die bürgerlichen Mittelparteien den Wunsch ihrer Regierung ablehnten, um sich nicht selber noch größere Verlegenheit zu bereiten, haben sie die Verlegenheit der Regierung nur noch vermehrt. Bei der Auflösung des Reichstags im Jahre 1906 wegen der Kürzung der Hottentottenkredite sprach Bülow die be rühmten Worte: Man hat mir das Wort nachgesagt: Nur feine innere Krise! Meine Herren, diefes Wort habe ich nicht gesprochen!" Und bei dem„ nicht" schlug er mit der Faust auf den Tisch. Später behaupteten boshafte Leute, Bülow hätte sich diese Bose mit seinem Hamann vor dem Spiege! einstudiert Herr Marr wird heute feine Spiegelproben machen, desto ängstlicher aber wird er sich über die Frage den Kopf zer brechen, wie er das Auflösungsdefret überhaupt herausbringen soll. Gewöhnlich stellt man sich die Auflösung als die Folge eines atuten Konflikts vor, und bei diesem Kon flikt versucht dann jeder der beiden Teile der Welt zu beweisen, daß er gegenüber dem anderen im Recht ist. Aber wie will Herr Marg dos anfangen? Noch ehe der Reichstag zu einem Beschluß gekommen ist, foll er aufgelöst werden. Er soll nur deshalb aufgelöst werden, weil er es sich herausnimmt, sich zu überlegen, ob die Verordnungen der Regierung nicht abgeändert werden sollen. Nun gibt ihm das Ermächtigungsgefeß das volle Recht zu folcher lleberlegung, ja dieses Gefeß ist der Regierung nur be willigt worden, nach ihrer gefeßlich veranferten Busage, daß dem Reichstag das Recht der Revision verbleibe. Kaum macht der Reichstag auch nur Miene, von diesem Recht Gebrauch zu machen, da fommt die Regierung und löst ihn auf. Unter diesen Umständen wirkt die Auflösung als ein beinahe fomisch anmutender Akt der Berlegenheit. Und darum haben auch die Regierung und die hinter ihr stehenden Barteien teine Auflösungsparole, denn sie haben sich zu offenfundig ins Unrecht gesetzt. Jeder Versuch, die Auflösung unter den gegebenen Umständen zu rechtfertigen, fann durch die einzige Antwort erledigt werden: Die Regierung hat ja auch die Beratung von Anträgen, die von den Regierungsparteien felbft gestellt waren, durch die Auflösung gewaltsam verhindert." " Zu den Resten, die der Reichstag in seiner heutigen Sigung noch verabschieden soll, gehört auch eine Anregung, die Fahrkarten der Abgeordneten bis zu den Wahlen meiter gelten zu lassen. Ein böswilliges oder fahrlässiges weiter gelten zu lassen. Versehen des vom Verein Deutscher Zeitungsverieger" her ausgegebenen Berichts macht daraus einen„ Antrag auf Weiterzahlung der Diäten und Belassung der Freifahrkarten". Tatsächlich ist die Weiterzahlung der Diäten nicht beantragt und auch nicht in Erwägung gezogen worden. Was aber die Beibehaltung der Freifahrkarten betrifft, so wäre sie wahrhaftig keine Annehmlichkeit für die Abgeordneten, denn Bergnügungsreisen werden sie vor den Wahlen gewiß nicht unternehmen. Vielmehr legt der Besitz einer solchen Karte dem Besizer während des Wahlkampfes nur vermehrte Pflichten auf und dient nicht zur Bereicherung des einzelnen, sondern mir zur Entlastung sämtlicher Parteifaffen. Dies muß, angesichts des weitverbreiteten Bestrebens, alles, was mit dem Parlament zusammenhängt, vor der Deffentlichkeit herunterzureißen, festgestellt werden. Dem Reichstag liegen außerdem noch Anträge vor, den 12. April zum Wahltag und zum allgemeinen Ruhetag bei Bezahlung des Lohnausfalls zu erklären, falls aber dies ab- gelehnt wird, in der Karwoche öffentliche politische Ver- sammlungen zu oerbieten. Per erste Antrag greift in.die Rechte des Reichspräsidenten ein, im Fall der Auflösung den Wahltermin innerhalb von 60 Tagen selbst zu bestimmen, er gibt außerdem für die Bezahlung der Löhne keine Gewähr und bedeutet eine doppelte Verfassungsänderung. Auch der zweite Antrag muß starken Bedenken begegnen, da er Ar eine Woche des Wahlkampfes die verfassungsmäßige Versammlungsfrei- heit beschränkt und obendrein zu mißbräuchlichem Verbot nicht öffentlicher Versammlungen eine Handhabe bietet. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion lehnt beide Anträge ab. Nachdem also der Reichstag schlecht und recht sein Haus bestellt haben wird, wird er heute verschwinden, nachdem er seine ganze Legislaturperiode abzüglich dreier Monate abge- dient hat. Die Wahlen werden voraussichtlich etwa einen Monat vor dem Fälligkeitstermin vorgenommen werden. Das ist an sich kein Grund zur Aufregung. Aber das Ende dieses Reichstags ist s ch l e ch t, weil er nicht die Kraft gefunden hat, aus seiner Mitte eine Regierung zu bilden, die sich auf eine Mehrheit stützt, und weil er auf der anderen Seite auch gegen- über einer Minderheitsrcgierung nicht die Kraft gefunden hat, seinen Willen durchzusetzen. Daraus droht dem System der demokratisch-parlamentari- schen Regierung der Verfall, dem nur ein kräftigerer Reichstag Einhalt zu gebieten imstande wäre. Ein solcher Reichstag ist aber nicht denkbar ohne eine starke Sozial- d c m o k r a t i e. Triumvirat und Direktorium. Geständnisse im Hitler-Prozest. Die Aussogen des Polizeiobersten Seißer im Hitler» Prozeß deckten sich im allgemeinen mit den Aussagen der beiden anderen Hauptzeugen Lossow und Kahr. Auch«seißer stützte sich aus ein umfangreiches Manuskript. Es ist auffällig, daß die Aussagen der drei in vielen Punkten f a st wörtlich über- einstimmen, mögen die Zeugen auch in der Gruppierung der Materie im einzelnen selbständig vorgegangen sein. Neu war, was Seißer über seine Berliner Reise zu be- richten hatte. Ueber die Unterredung zwischen General v. S e e ck t und Seißer erfährt man hier zum ersten Male etwas Authentisches, ebenso über die Berliner Verhandlungen des Polizeiobersten mit den Kreisen der I n d u st r i e und der Landwirtschaft. Wer waren diese Kreise der Industrie und der Landwirt- schaft, die neben den legitimen und illegitimen bäuerischen Stellen und gewissen Teilen der Reichswehr dem D i r e k- t o r i u m mit diktatorischen Vollmachten in den Sattel ver- l eisen sollten? Zwar nicht die Kahr, Seißer und Lossow, aber die„Z e i t" gibt auf diese Frage Antwort. Sie weist auf Er- klärungen des Pommerschen und des Brandenburgischen Landbundes sowie der Vorsitzenden der deutschnationalen Landesverbände und der Vertreter der Vereinigten vater- ländischen Verbände in der kritischen Periode hin, die sich samt und sonders in auffälliger Weise an Kahr herandrängten. Man wird aber auch an die bekannte Erklärung der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" des Herrn Stinnes erinnern müssen, in der„g a n z etwas Reue s" angekündigt wurde. Kahr selbst bezeichnete vor allem Minoux, Tirpitz und S ch e e r alz Di«„Persönlichkeiten aus dem Norden", mit denen die Frage der Diktatur besprochen wurde. Zwei ehemalige Flottenchefs und ein Stinnes-Direktor standen also im Vorder- grund. Man kennt diese Mischung aus der Vorkriegszeit und ist im Bilde.... Weniger klar ist. wie sich die Herren nun eigenlllch den Absprung dachten. In dieser Hinsicht sind sie außer- ordentlich schweigsam, und Generalstaatskommissar a. D. Kahr, der auch gestern ein überaus peinliches Kreuzverhör über sich problematische Naturen.. Konzerlumschau von Sur! Singer. Da» sind Menschen des Podiums, die keine einzelnen z« sein scheinen, sondern Teile eines Gesamttyps, die immer wiederkehren mit anderem Vorzeichen, deren Profil schattenhaft bleibt, die vor oder in der Entwicklungslinie stehen bleiben, die auch in bester Gebe- laune nicht den Nimbus der Persönlichkeit verbreiten. Also die schätzenswerte Hauptmenge aller Konzertgeber. Selten einmal springt eines dieser Talente noch nach langem Ringen aus der Bahn der zuverlässigen Tüchtigkeit. Wenigstens nicht in Berlin, der Zen- trale für musikantischen Befähigungsnachweis, der großen Kontroll- und Muftcrstation. Aber so schwer es schließlich ist, ein anständiger Dirigent unter Hochragenden zu werden, so leicht müßte es fallen, . als Dirigent anständig in moralischem Sinn zu bleiben. Es ist ein offenes Geheimnis, daß einige wenige Kapellmeister Berlins sich ihre Konzerte, also auch den Anflug zur Karriere, gut bezahlen lassen von solistischen Kräften, die oft außer den Talenten im Beutel kein« Talente mitbringen. Das ist ein Unfug, der bekämpft werden und bei weitcrem Bestand zum Schutz der Standesreinheit namentlich gebrandmartt werden muß. Schweigen könnte einmal Mitschuld werden. Doch, o Freunde, nicht dies« Töne. Man möchte freudenvollere anstimmen. Da ist Fritz Busch aus Dresden, ein jung zu Ansehen gekommener Dirigent, der im Dresdener Opernhaus eine rührige und begabte Hand zeigt. In der Staatsoper dirigiert er mehrere Konzerte und bleibt bezüglich seines Persönlichkcitswerts ein Pro- blem. Die öffentliche Generalprobe scheint eine wirkliche Probe zu sein. Früher wurde Unter den Linden nicht geübt. Busch aber probt tzuelang und erreicht ein« blasie, matte in ihren Phantasien müde, »i> lhren Träumereien weltliche, nur in der Energie des Rhythmus glänzende Darbietung der 4. Sinfonie Schumanns. Ueberall bleibt noch ein Raum zur Vollendung. Nun weiß man, daß unser« Kammermusiker solch Wert im Schlafe spielen können. Selbst wenn man ihrer Ueberarbeitung Rechnung zollt: hier fehlt die Persönlich- keit, die Funken sprühen läßt und ein Werk dieser seligen Romantik frei aus dem Herzen spielt. Der Zustand des Dirigentenwechsels in der Staatsoperkapelle ist unhaltbar geworden. Hier spielt Eduard E r d m a n n, Führer einer jungen Pianisten- generation, das?is.dur-Konzert seines Freundes K r en e k, Führers der jungen Komponistenschar. Dieser Krenek ist ein Ausbund von Begabung, eins der vielseitigsten schaffenden Talente aller Zeiten, ein Könner von größtem Format. Dieses Klavierkonzert hinterläßt dennoch kein« großen, keine durchhaltenden Eindrücke. Der atomale Denker gerät in Konflikt mit der Wesenheit des Klaviers, das feine diatonische, seine lyrische Berufung durchdrückt. Das Konzert ver- langt in jedem Fall ein Ausspielen des virtuosen Elements gegen den instrumentalen Orchesterfeind. Krenek fühlt das alles instinktiv. Da er sich aber aus innerlicher Wahrheitsliebe gegen das Gemüt» voll«, gegen das Sinnig«. Melodische, Diatonisch« sträubt, so paro- diert er es In witzigem, kühnem, aber nur episodisch wirksamen An- griff auf Schubert, aus Strauß, auf Altes schlechthin. Gefühl ist sein« schwache Seite. Aber wo kommen wir hin, wenn die Emp- sindung, ja die Empfindsamkeit unseren Begabungen verloren geht! Die schwere Ausgabe löste Erdmaim in stürmischem Anhieb. I ergehen lassen mußte, leidet regelmäßig cm Gedächtnis» f schwäche, wenn die Verteidigung in dieser Frage auf den Vusch klopft. War von einem Marsch auf Berlin die Rede, hat sich Kahr in dieser Richtung geäußert? Kahr ver- suchte die Stöße, die die Verteidigung gestern auf ihn richtete, heute nachträglich zu parieren, indem er zwei Schreibebriefe aus der Tasche zog, in denen ihm Oberst v. Tylander unh Prof. S i t t m a n"n attestierten, er habe ihnen gegenüber von einem Vormarsch nicht gesprochen. Aber die Verteidigung hatte ein ganzes Schock neuer Pfeile im Köcher, die ohne Er- barmen auf den Generalgewaltigen geworfen wurden. Die Namen zweier weiterer Offiziere werden genannt, die die Behauptung der Verteidigung erhärten. Eine Rede des Generalstaatskommissar-Vertreters, Baron vonundzuAuf- s e ß, wird verlesen, eine Rede, geholten am 20. Oktober 1923 in München vor einem illustren Publikum. Und was für eine Rede! Man muß sagen, eine feine Gesellschaft, die derartigen Akrobatenkunststttcken einer höchst feudalen Roheit Geschmack abgewinnt. Und der. Inhalt dieser Red«? Nicht wiederzugebende Beschimpfungen des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, Erklärung der gewaltsamen Nebellion, Appell an die Waffen! Herr von Kahr aber... er kann nicht decken, er weiß von nichts, er erinnert sich nicht. Jeder Zoll ein deutscher Held. Die ewige Melodie, die um so abgenützter klingt, je öfter sie wiederholt wird. Sonderbar, höchst sonderbar, was die Verteidigung von einzelnen Offizieren der Reichswehr— und nicht gerade den ersten besten— behauptet. Da ist z. B. der Gc- neral Müller, von seiner sächsischen Tätigkeit her in aller- bester Erinnerung. Dieser General soll seine Truppe bei der Stabilisierung seiner Macht in Sachsen in— sagen wir— weiße und schwarze Schafe eingeteilt haben, solche, die„mitmachen", und solche, die zur„Linken" gehören, und er selbst soll sich unter ungehörigen Redensarten an die Spitze der weißen Schafe gestellt haben. Aehnliches ist zwar seiner- zeit schon von einem Untergebenen des Herrn Müller behauptet worden, aber es wurde damals der so beliebte Dementicrapparat des 4. Wehrkreises in Bewegung gesetzt. Es ist nötig, doch einmal etwas tiefer in die Zusammen- hänge zwischen Nord und Süd hineinzuleuchten. wie überhaupt der Prozeß immer mehr an allgemeiner Be- deuwng gewinnt, je energischer die Verteidigung an den Vor. hängen zupft, die das„nationale" Interesse über gewisse Komplexe zu breiten bemüht ist. Luöenöorff, öer Kalif! .»Juden ra«S—„Stahlhelm"-Versammlungen verboten! Eine Führertagung des Stahlhelmbundes hat dieser Tage in Halle stattgefunden. Dort wurde«ine Reihe von Beschlüssen gesaßt, die auch für die weitere Oefsentlichkeit einiges Interesse haben. Zu- nächst wurde die Reichsregierung angekeilt, sie solle gegenüber dem ..Feindbund" mehr„Würde und Energie" zeigen» Dann wurde dem Hochverräter Ludendorff das Gelöbnis uner- schütterlicher Treue ausgesprochen Schließlich— wir zi- tieren nach der„Deutschen Tageszeitung"—„verwahrte sich der „Stahlhelm" gegen die unberechtigte Zensur der Deutschvölkischen Freiheitspartei, wie überhaupt gegen jede parteipolitische Zersetzung innerhalb des Stahlhelms". Um die.geschlossene Front der Fivntkämpfer zu zeigen, w.urde beschlossen, daß der„Stahlhelm" in ganz Deutschland keine Juden in seine Reihen aufnehmen darf, und endlich ent- schied man sich dahin, daß sofort nach Bekanntwerden des Wahlzeit- Punktes alle Mitgliederversammlungen des'„Stahl- Helms" ausfallen sollen, um Wahlerörterungen inner- halb der Organisation zu vermeiden. Von den Angehörigen des„Stahlhelms" wird jedoch erwartet, daß sie„nur die Listen solcher Parteien wählen, die den Kampf gegen jede Internationole führen". Di« Zersetzung innerhalb dieses Frontkämpferbundes ist also schon so weit godiehen. daß er alle Mitgliederversammlungen ver- Klaus Pringsheim bleibt seiner Aufgabe treu, Mahlerts Gesamtwerk zyklisch darzubieten. Gelingt ihm nicht olles, so gelingt ihm doch viel. Däs Gesangliche, breit Gesponnene des AdagieUo in der V. Sinfonie ist noch ohne letzte Inbrunst, und auch die un- erhörten Steigerungen des letzten Satzes werden nicht fühlbar. Er dirigiert vorwiegend das Blech, das bei dieser Sinfonie gerade un- förmlich dick ist; die Streicher stehen zurück. In der Vehemenz des Ausdrucks aber liegt etwas Lebensstrotzendes, und Pringsheim weiß davon beredt Kund« zu geben, ein inbrünstiger, seiner Sache empha- tisch hingegebener Mann, der später einmal seiner klug wägenden, geistig verarbeitenden Schaf�ensart die Krone überlegener Inspira- tion aufsetzen wird., Auch Heinz Unger begann als Mahler-Jnterpret mit glück- lichster Hand. Schon manchmal versucht« er seitdem, sein Klischee von sich abzustreifen. Beethoven, Brahms— das gelang ihm alles. Und auch etwa die Hebriden-Ouverture hat einen Schwung der vergangene Zell in das Tempo der Gegenwart hlnüberschwingen läßt. An all diese Werke kann man mit allgemeiner künstlerischer Ein- stellung auf lebendige Musik als Interpret sein Herzblut froh ver- spritzen. Nicht aber an Bruckner. Wer vom Zeitgeist Mahler's an- gehaucht ist, findet nicht leicht, nicht oft den Weg zu dieser Höhen- kunst vorurteilslos zurück. Es ist Sache jedes Musikers, sich den Atem eines sinfonischen Satzes selbst zu erfühlen. Aber es wäre Sache jedes Musikers, auch einen akustischen Eindruck, ein Erlebnis schlechthin in seinem Herzen zu tragen, bevor er Werk« besonderer Begnadung nachdichtet. Wer die 7. Sinfonie Bruckner's kennt, wer war. Imponderabilien? Persönliche Anschauung? Es gibt keine nach seinem Herzen bei Löwe, Nikisch, Furtwängler gehört hat, der weiß, daß Unger aus dem Allegro ein zerklüftetes Andante, aus dem Adagio eine sinfonische Andacht, kein Gebet gemacht hat, und daß auch der Scherzo-Anfang mit dem Hahnenschrei nicht schnell genug war. Imponderabilien? Persönliche Anschauung?«: Es gibt keine Auslegungen, die imstande sind, ein Thema in sich zu zerreißen, ohne Gefahr für das Wert. Wie viel schöner, reiner, unbewußter und bewährter gab sich Unger in den Totenliedcrn Mahler's! Dabei hatte er hier die größte Hemmung des Abends zu überwinden: Frau Else Wachsmann. Zweifellos eine Frau mit gutem Stimm- Material und im ganzen auch ein musikantisch geleiteter, sorgsam geführter Mensch. Es dringen Töne der Inbrunst aus ihrer Kehle, rechte sonore Ält-Töne. Aber der Umfang dieses Schöngesangs ist klein, keine Oktave weit. Di« Aussprache ist schlecht, und der Gaumen schwingt unangenehm in Klänge, die vom Tremolo schon genug be- lastet sind. Zu solcher Ausgabe ist Frau Wachsmann noch nicht be- rufen, Ibolyka G y a r f a s spielt eine Sonate von I. von Wert- heim, die, an Brahms gewachsen, in einem sangschönen Andante ihr inneres Zentrum hat, mit großem Ton und herber Kraft. Der begleitende Komponist hat sich selbst zum Helden gemacht und stumpft geigerisch« Eindrücke ab. Temperament und Spiellaune wachsen ihr erst bei Vieuxtemps, den sie zu beseelen beginnt. Alexander D i ck st e i n legt mit elegantem Fingerspiel, elementarer Leidenschaft und klugem Differenzieren der Gegensätze, nicht aber durch korrekten Pedalgebrauch für seinen Lehrer Mayer-Mahr Ehre ein sbei Brahms und Schumann). Der problematischste der Dirigenten Ist Edmund M« i s e l. Kaninchenhaft gebärt er Konzerte. Und sorgt sich dabei sogar um Novitäten, die immer Zell und Geld loste». Auch bekannte und bieten muß, damit seine Anhänger sich nicht gegenseitig an den Kragen packen. Einig ist diese nette Brüderschaft ivur M der Feindschaft gegen das Judentum und die Internationale. Das sst alles, aber auch sehr ehrenvoll für die International«. Uebertrvsfen wird dos nur noch durch die hündische Derchrung für den Hasardeur Ludendorsf. Darin stimmen die Stahlhelimer ganz überein mit den DeutschvAkischen, gegen deren Zensur sie sich sonst sträuben. In welcher Art diese Anhimmelung des poli- tischen Spießers, der einst berufen war, deutsche Soldaten zu kommandieren, getrieben wird, mögen ein paar Sätze aus einem Stimmungsbild dartun, das in der völkischen„Mecklenburger Warte" über den Münchener Prozeß entworfen wird. Da ist von der Ber- nehmung des Oberstleutnants v. Berchem die Rede: Herrn v. Berchem ist manches entfallen. 5)ier aber geschieht das Unglaubliche, um die Peinlichkeit des Eindrucks zu verweschen. attackiert er die Ankläger, brüskiert er Ludeudorss, de» Feldherru de» Wellkrieges. 3n Unisorm! In Uniform verläßt einen Offizier die Er. Ziehung, daß er einem Ludendorsf eine Antwort gibt, die mehr als... unhöslich ist. I n U n i s o r m... Es ist entsetzlich, diese Lust, die um Kahr weht. Entweder, seine Freunde, sie müssen die Unwahrheit sprechen. Odar sie entsinnen sich nicht. Oder ein Offizier, vor innerer Auf- geregiheit, muß zumindest sein« gute Erziehung in so un- geheuerlicher Weise verleugnen... Nicht wahr. Gotteslästerung ist gar nichts gegen den Gedanten. daß ein Offizier„in Uniform" nicht dem pensionierten Hochverräter die Stiefel küßt!„In Uniform!" Den— ühl— Zivilisten Ludendorsf I Ein Ichrecklichar Gedanke, daß irgend jemand anderer Meinung sein kann als dieser General a. D. Ludendorsf schimpft auf den Papst und die Katholiken. Er selbst wird von seinen völ- kischen Anhängern zum Abgott, zum Kalifen des völkischen Reiches gemacht, vor dem jeder Untertan auf dem Bauche rutschen muß. Wirklich erfreuliche Aussichten für die Zukunstt Ein echter �elfferich-finschlag. Herr H e l f f e r i ch benutzte gestern im Reichstage dte Beratung des Gesetzentwurfes über die Ausprägung von Silbermünzen, um einen neuen Anschlag auf die Währungshoheit des Reiches zu unter- nehmen. Er beantragte, die neue Silberscheidemünze nicht auf Gold. sondern auf Rentenmark abzustellen. Er wall!« gleichzeitig erreichen, daß die Rentenmark zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt werde. Damit würde die Währungshoheit vom Reiche auf die Leitung der Rentenbank übergehen, die in der Hand von Industrie und Land« Wirtschaft ist. Aus diese Weis« wär« die Staatsautorllät der Wirt- schaft gegenüber abermals erheblich geschwächt worden. Entgleitet die Währungshoheit den Händen des Staates, so bedeutet dos eine entscheidende Stärkung der Stellung der Wirtschaft, die sich immer mehr vom Einfluß des Siaates befreit. Dieser Anschlag in der letzten Stunde ist die Konsequenz der Pläne, die Helfferich in Verbindung mit der Schaffung eines wert- beständigen Zahlungsmittels im Auge hatte: die Auslieferung der Währung, ober auch des wirtschaftspolitischen Einflusses, den die Reichsbank durch ihr« Funktion als Kreditinstitut hat, an die In- teressenten tn Landwirlschast und Industrie. In der Debatte, die sich an den Antrag Helfferich anschloß, wurde durch den Ge- nassen Hertz scharf der Unterschied zwischen dem Interesse, das die Allgemeinheit an der Schaffung eines wertbeständigen Zahlungs- mittels hat, und dem parteipolitischen Interesse H e l s s e r i ch s herausgearbeitet. Di« Allgemeinheit brauchte ein wertbeständiges Zahlungsmittel, um aus der schweren Geldkris« herauszukommen. Herr Helfserich'bröt'thke einen Dorwand, um dl« unbequemen Besitz- steuern für die Landwirtschaft zu beseitigen, und durch die Abstel- lung auf Roggen stall auf Gold, die er empfahl, einen verschleierten Schutzzoll zur Hochhaltung der Roggenpreise. Nachdem dieser Plan mißlungen ist, bemüht sich Herr Helffe. r i ch, die Ablösung der als Zwischenlösung gedachten Rentenwäh- rung durch ein« wirkliche Goldiösung zu verhindern, die die wirr- schafiliche Stellung des Reiches stärken würde. Diesem Plan diente der Anschlag in letzter Stund«, der H e l s s e r i ch als gefährlichen Feind der Interessen des Siaates zeigt. unbekannte Solisten bringt er mit. Er Ist routiniert, er überbrückt Schwierigkeiten, er will hoch hinaus. Normale Geburten, Fehl- geburten, Mißgeburten, das wechselt in der Meifesschen Klin't mit einander ab. Sein zähes Streben nach Fruchtbarteil bleibt achtunggebietend, und schlecht macht er keine Sache der Technik mehr. Der rechte Mann für populäre Konzerte. Diesmal gab es eine Wiedergeburt, Ertel's sinfonische Dichtung„Der Mensch", von Nikisch einst kreiert. Ein schweres, kontrapunktisch großartig entworfenes Stück, sehr massiv im Orchester und etwas bunt an Stimmung. Bei dieser Gelegenheit merkte man, wie reparatur- bedürftig die Orgel der Philharmonie ist und daß der Staub singer- dick aus den Vorhängen lastet. In den nächsten 20 Iahren dürfte ein Vacuum nicht zu vermeiden sein. Die Ursache der Glahenbildung. Ms Ursach« der Maß« wird jetzt von der medizinischen Wissenschast die sogenannte Seborrhoe angesehen, ein« Erkrankung des Hauttalgs. Sebum. Diese Haut- erkrankuna, die der Glatzenbildung voranzugehen pflegt, kann aber nach den Ausführungen von Pros. Stein in der„Wiener Klinischen Wochenschrift" nicht den Grund der Glatzenbildunq selbst ausmachen. Denn danach wäre nicht verständlich, daß Frauen fast niemals eine Glatze bekommen, und dann ist die ausgebildete Glatze gegen den Rest der sonst normal behaarten Kopfhaut scharf abgegrenzt, während die Seborrhoe den ganzen Kopf befällt. Stein schließt aus der Beobachtung junger Männer, die in früher Jugend schon kohlköpfig Iverden: die physiologische Haargrenze bei Kindern verläuft bogen- förmig von einem Ohr zum andern. Diese Linie bleibt bei Frauen bis zum Klimakterium, weicht beim Mo-.n nach Eintritt der Puber- tat an beiden Stirnhöckern allmählich zurück. Dies sei ein sekundärer Geschlechtscharakter, erzeugt durch die gesteigerte Keimdrüsentätigkeit. In gleicher Weise erkläre sich die Glatzenbildung, die Stein der Seborrhoe koordiniert und als sekundären Geschlechtscharakter auflaßt. Neuer Kamps um das Bauhaus. Um das Weimarer Bauhaus, die Schöpfung von Walter Gropius, ist ein neuer Kampf entbrannt. Er steht offenbar im Zusammenyang mit dem Ergebnis der tbürin- gischen Wahlen: die Gegner des Bauhauses sehen in dieser Kunst- anstatt vor allem die nachrevolutionäre Gründung. In der Oeffent- lichkeit— die Weimarer Presse fordert zum Teil kurzerhand die Auflösung des Bauhauses— werden alle die Stimmen wieder laut, die seit drei Jahren immer wieder gegen die Leistung der Lehrer und die Ziele des Unterrichts protestieren, ohne überhaupt abzuwar- ten, wohin denn die konsequent aufgebaute Bauhausorbeit führen soll. Ein Jubiläum der deutschen Zeitung. Im Jahre 1524 wurde die erste deutsche Zeitung gedruckt. Es handelt sich dabei nicht um eine Zeityng im Sinne des heutigen Wortes, sondern um«in„Blatt". das, wie die„Copeyen", nach der Entdeckung Amerikas große Ereignisse auf dem Druckweg« bekanntgab. Der Brief Columbus' an den Schatzmeister Sanchcz(1483), der die Entdeckung Amerikas schildert, wurde als erste„Copey" in alle Sprachen übersetzt und verbreitet. Die erst« vedelmäßig erscheinende Zeitung Deutschland« waren die„Relationen für Fürnemmen und gedenkwürdigen Histo- rien", die erstmalig 1603 in Frankfurt herauskamen. Um da» könig»grab. Die Verhandlungen für eine friedliche LSiung deZ Streite« wegen de« Grabmale« Tutanchamon« sind mthglückt. Die ägyptische Regierung hat ibr«nerbieten, der Gräfin Sarnarvo» eine neu« Konzession zu gewähren, zurückgezogen. Die Verhaftungen in Oberschlesien. andDie polnische und die französische Bresse veröffentlichen in den letzten Tagen alarmierende Nachrichten über Polenverhaftungen in Deutsch- Oberschlesien, die in ihren Zahlenangaben weit übertrieben sind und offensichtlich eine Irreführung der öffentlichen Meinung bezwecken. Wie von zuständiger Stelle auf Grund e. freier Feststellungen mitgeteilt wird, handelt es sich bei sämtlichen Berhaftungen um deutsche Reichsangehörige, die drin gend verdächtig sind, einer in Polnisch- Oberschlesien bestehenden Geheimorganisation anzugehören, die es sich bekanntermaßen zur Aufgabe gemacht hat, den bei Deutschland verbliebenen Teil Oberschlesiens gewaltsam von Deutschland loszureißen und mit Polen zu vereinigen. Alle Nachrichten, die über Drangfalierungen und Mißhandlungen der Berhafteten verbreitet werden, sind nachweislich unwahr. Das Verfahren gegen die Verhafteten schwebt zurzeit vor dem Reichsgericht, wo den Angeschuldigten die in der Strafprozeß ordnung vorgesehenen Rechtsgarantien, insbesondere das Recht der freien Verteidigung nach jeder Richtung gewährleistet sind. Auch die Meldung, daß die Verhafteten in das Internierungslager Rottbus übergeführt worden seien, ist frei erfunden; das Lager Kottbus ist bereits am 1. Februar d. I. endgültig aufgelöst worden. Was die Zahl der Verhafteten anbelangt, so beträgt diese nicht, wie polnischer feits behauptet wird, mehrere hundert; tatsächlich befinden sich nur 83 Personen in Haft, darunter etwa 70 aus den Kreisen Tost und Gleiwitz und 10 aus Beuthen und Umgegend. 14 Verhaftete sind unverzüglich wieder auf freien Fuß gesezt worden, nachdem sich bei der polizeilichen Vernehmung herausgestellt hatte, daß der gegen fie erhobene Berdacht nicht aufrechtzuerhalten war. Die Aufregung, die von nationalistischen Elementen in Bolen hervorgerufen wird und die bereits wieder zu der üblichen Deutschenheze mit Massendemonstrationen und Repreffaliendrohungen geführt hat, ist demgemäß nach teiner Richtung gerechtfertigt. Fort mit der Stahlhelmspielerei! Eine vernünftige Maßnahme. In einer Berfügung des preußischen Innenministers heißt es: Mehrfach haben Mitglieder von Vereinigungen bei öffentlichen Beranstaltungen Stahlhelme als Kopfbededung getragen. Im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister weist der preußische Minister des Innern darauf hin, daß Stahlhelme, die nicht zur zu ständigen Ausrüstung der Reichswehr gehören, als Kriegsgerät verschrottet und daher auch aus Privatbesitz abgeliefert werden müssen. Die Polizeibehörden werden angewiesen, Stahlhelme, die sie im Besitz von Privatpersonen, insbesondere bei Berfammlungen und Umzügen, antreffen, sicherzustellen. Beamtenabbau und Einspruchsrecht. Amtlich wird gemeldet: In einzelnen Zeitungen ist vor furzem ein Absatz aus einem Rundschreiben des preußischen Finanzministeriums an die übrigen preußischen Minister beanstandet worden, in dem auf Grund einer Besprechung der Minifterialreferenten zur einheitlichen Durchführung der Abbau maßnahmen mitgeteilt war, es sei nicht angezeigt, den ein zelnen vom Abbau betroffenen Beamten formularmäßig über die Möglichkeit des Einspruchs zu belehren, auch sei im allgemeinen davon abzusehen, ihm bei der Mitteilung über den beschlossenen Abbau Tant und Anerkennung auszusprechen, jeden falls in den Fällen, in denen zu befürchten sei, daß dadurch ein etwaiger Einspruch unterstützt werden könnte. Da diese Bestimmung mehrfach zu der Auffassung geführt hat, daß den durch den Abbau schwer betroffenen Beamten die Einfpruchsmöglichkeit geschmälert werden solle oder verdienten Beamten bei ihrem durch die Not des Staates veranlaßten vorzeitigen Abbau auch noch die gebührende Anerkennung versagt merden solle, hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, der Finanzminister durch neuerlichen Erlaß den beanstande ten Sah ausdrücklich zurüdgenommen. Die Golddiskontbank im Haushaltsausschuß Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurde mit unwesentlichen Abänderungen der Gesetzentwurf über die Golddistontbant angenommen. Abgelehnt wurde§ 14, der, um den Erfolg der Aktien emission zu erhöhen, den inländischen Zeichnern der Aktien Sicherheit geben wollte, daß sie nicht wegen früherer Berstöße gegen die Kapitalflucht und Steuergesetzgebung nachträglich belangt werden. Der Ausschuß wandte sich in seiner Mehrheit scharf gegen solche nach trägliche Gewährung von Straffreiheit. Angenommen murbe auch der Gefeßentwurf über Aenderung des Bankgesetzes, der die notwendige Ergänzung zu dem Golddiskontbankgesetz bildet, indem er diejenigen Aenderungen des Bant. gesetzes enthält, die durch die geplante enge Verbindung der Gold. diskontbank mit der Reichsbant und ihrer Organisation bedingt werden. Der Feme- Mord in Parchim. Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof. mittag begann vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik redet sich damit heraus, bei den Pferden gestanden zu haben. Ceipzig, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwochvor| Schüsse abgegeben und wer den Befehl dazu gegeben hat. Er selbst der Prozeß gegen die Roßbacher, die den Landwirtschaftsarbeiter Radom meuchiings ermordet haben. Die Anflage vertritt Oberreichsanwalt Dr. Ebermeyer. Angeflagt sind die land wirtschaftlichen Arbeiter Höß. Zabel, Pfeiffer, Wiemener und der Kaufmann Jurisch wegen Mordes, der Geschäftsführer Bormann wegen Beihilfe, Fricke, Hoffmann, Thomson, Mackensen, Wuibrede und Richter wegen Begünstigung. Die letzten fechs Angeklagten maren Funktionäre der deutschvölkischen Frei beitspartei, zum Teil ehemalige Offiziere, die übrigen Andeutschvölkischen Freiheitspartei als Mitglieder an, geklagten gehörten der Roßbacher Arbeitsgemeinschaft und der Die Verhandlung begann mit der Bernehmung des Hauptangeklagten Höß, der 26 Jahre alt ist Höß, der zur Sturmabtei lung Roßbach und später zur Arbeitsgemeinschaft gehörte, tam, nachdem er beim Fridericus- Rer- Film mitgewirkt hatte, im April 1923 nach Mecklenburg in die Ziegelei bes Gutsbesizers Schlütgen in Neuhof bei Parchim. Der ermordete Kadow war auf dem benachbarten Gut Herzfelde tätig. Beide, die sich schon seit November 1922 von Wismar her fannten, gehörten der deutschvölkischen Freiheitspartei an. Radom galt aber als unzuverlässig, weil von ihm behauptet wurde, er sei früher kommunistischer Parteisekretär gewesen. Aus diesem Grunde war er auf Veranlassung des deutschvölkischen Geschäftsführers Bormann aus seiner Stellung entlassen worden. Bormann und Kadow waren am 13. Mai 1923 in Parchim eingetroffen. Söß will die beiden zufällig am Abend im Luisenhof in Parchim zusammen mit den übrigen Angeklagten getroffen haben. Die ganze Gesellschaft habe mit Radom gefneipt, um ihn betrunken zu machen. Das gelang ihnen auch, und da schon lange gegen Kadom der Verdacht des Verrats vorgelegen habe, hat man ihm Taschenbuch und Tagebuch abgenommen. Dadurch hätten sie sich überzeugt, daß er ihre Bersammlungen bei den kommunisten ver. raten habe. Darüber gerieten sie in Wut und beschlossen, mit Sadow in den Wald zu fahren und ihn unterwegs zu verprügeln. Unterwegs fam Wiemeyer und Pfeiffer mit einem Jagdwagen auf, dem sie erklärten, fie gingen noch ins Café. Sie schlugen aber aus Herzberge an. Sie stiegen alle auf und luden auch Kadow den Weg nach Neuhof ein. Als Kadow das merkte, wollte er aus steigen; das ließen sie aber nicht zu. Vielmehr begannen sie mit Knüppeln auf ihn einzuschlagen. Auf einem Feldwege nach Neuhof stiegen sie alle ab und begannen abermals auf Kadow loszuschlagen. Höß selbst will dabei einen jungen Baum ausgeriffen und mit diesem mit beiden Händen auf den Schädel des Kadow eingeschlagen haben. Er behauptet ferner, daß auch Jurisch geschlagen hätte. Auf Borhalt des Vorsitzenden, er möge bei der Wahrheit bleiben, wenn auch Jurisch sie verraten habe, und auf Borhalt des Berteidigers, daß er bei der ersten Aussage zugegeben habe, nicht gefehen zu haben, daß Kadow auf Jurisch eingeschlagen hätte, gibt Höß schließlich zu, daß es nur eine Schlußfolge= rung von ihm sei, daß alle drei geschlagen hätten. Er bleibt aber dabei, daß Jurisch den Ermordeten gefragt habe, ob er feiner Mutter etwas zu bestellen habe. Als der gräßlich zugerichtete, mit Blut überströmte Radom leblos am Boden lag, luden ihn die anderen auf und fuhren nach Neuhof. Hier beratschlagten sie, was weiter zu tun sei. Dabei soll Jurisch gesagt haben, wir wollen ihm einen Gnadenschuß geben. Sie fuhren darauf mit ihm in den Wald. wo sie ihn mit zwei Revolverschüssen, bee wiemener ihm mit fie aus nächster Nähe in den Schädel feuerten, erledigten, während einem Taschenmesser die halsschlagaber durch schnitt. Söß selber will aber allerdings nichts wissen, wer die Die„ Anderen". = Albrecht von Graefe Goldebee, der Beauftragte Ludendorffs für Norddeutschland, Mitglied des bis auf die Diäten in seinen Augen überflüssigen Reichstags, feht sich in seinem medienburgischen Leibblatte mit den Anderen" auseinander. Die An beren", das sind die Deutschnationalen, die jetzt auch„ völfisch" spielen möchten, von denen der Beauftragte Ludendorffs aber gar nichts hält. Aber er verkündet dafür neue Heilswahrheit: An Stelle des oligarchischen Parteibonzentums der Parla. mente wird, wenn auch nicht heute oder morgen, so doch in ab. jehbarer Zeit eine wirklich deutsche Volksvertretung sich entmideln, gegründet auf ein deutsches Staatsbürgerrecht und auf eine allerdings radikale soziale Umgestaltung unserer heute großfapitalistisch verseuchten Volkswirtschaft.... feuchten Volkswirtschaft" durchzuführen, will Graefe zunächst einUm diese„ radifale Umgestaltung der großkapitalistisch verübrigen Rechtsparteien gegen entsprechende Erklärung freundwillige mal eine anfimarristische" Regierung, bilden helfen, indem er den parlamentarische Unterstützung in Aussicht stellt. Freilich muß der Statthalter des grrroßen" Ludendorff belennen, daß eine Anzahl Wasserstraßen und Elektrizitätswirtschaft. feiner Anhänger schon die Angst vor ihrer eigenen unfreiwilligen Im Berkehrsausschuß des Reichstages betonte Reichs. verkehrsminister Deser die außerordentliche Wichtigkeit des Ausbaues der Binnenwasserstraßen, wies aber auf die großen Schwierigkeiten hin, die die Finanzierung der schwebenden Brojekte bereitet. Man müsse nach Möglichkeit die Interessenten zu Den Kosten heranziehen. Er verkenne nicht, daß ein solcher Ausbau eine gewisse Beeinträchtigung des Eisenbahnverfehrs zur Folge haben fönne, aber auf der anderen Seite bringe er auch wieder eine Produktionssteigerung und damit eine Berfehrsvermeh rung für die Eisenbahn mit sich. Bei der Elektrizität müffe das Reich die Leitung in der Hand behalten, weil sonst die Gefahr bestehe, daß die ganze Elektrizitätswirtschaft fich in große Privatmonopole zum Schaden der Wirtschaft auflöse. Unser Luftschiff und Flugzeugbau leidet fehr unter den Einschränkungen des Londoner Ultimatums; die Botschafterkonferenz werde sich dem nächst mit dieser Frage beschäftigen, und es fei zu hoffen, daß unsere Flugzeuginduftrie Erleichterungen erfahre, die sie wieder fokurrenzDer Ausschuß gab den vom Minister und dem Staatssekretär bargelegten Grundsägen seine Zustimmung. fähig macht. Aktion für die freie Rheinschiffahrt. Rotterdam, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Boor. waarts" meldet, daß als Protest gegen die seit dem Ruhreinmarsch durch Zoll- und Kontrollmaßnahmen entstandene Behinderung der freien Rheinschiffahrt von den niederländischen Interessenten eine großzügige Aftion für den freien Rhein vorbereitet wird, die über die Niederlande hinausgreifen soll. Bürgermeister Genosse Wy tema von Rotterdam habe bereits eine Organisation für diese internationale Rundgebung vorbereitet. Sämtliche an der grund. fäßlichen Aufrechterhaltung der Mannheimer Rheinschiffahrtsakte interessierten Kreise und Länder sollen zu der Protestaktion eingeladen werden. Abbau in Württemberg. Das württembergische Staatsministerium bat bie pier Kreisregierungen des Landes mit Wirkung Dom 1. April 1924 aufgehoben. Courage" bekommen habe und für uns nach den Wahlen tot um= fielen" aber das sind ja noch selbst süchtige Hafenfüße, die wir überhaupt nicht in unseren Reihen dulden können". Und so geht es fort mit Geist und Grazie! Graefe fabelt genau so schwülstig daher, wie fein Auftraggeber Ludendorff. Bon politischen Busammenhängen in feiner Weise angetränkelt, fnetet er einen unverdaulichen Brei, der dann als völkische neue Weisheit angesehen werden will. Und es gibt Besessene und sonst Berzückte, die all das glauben! Bestrafter Verleumder. Bor der Strafbammer in Schneidemühl wurde am 10. d. M. der Schlosser Geßwein aus Schneidemühl wegen Berleum= dung des Reichspräsidenten zu 30 Goldmart Geldstrafe und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Geßwein, der an der Eisenbahn als Schlosser beschäftigt wird, hat im vergangenen Jahre zu seinen Mitarbeitern geäußert, daß der Reichspräsident Ebert troß der günstigen Abstimmung Oberschlesiens Oberschlesien an Bolen verkauft und sich dafür zwei Rittergüter gekauft hat. Bon seinen Mitarbeitern darauf aufmerksam gemacht, daß dies eine Beleidigung sei und er dafür den Wahrheitsbeweis werde antreten müssen, behauptete diese deutschvölkische Leuchte, daß er dazu jederzeit in der Lage sei. Vor Gericht hat dieser Verleumder kaum ein Wort hervorbringen können. Er machte auch nicht den geringsten Ber: fuch, irgendwie den Wahrheitsbeweis zu führen, sondern behauptete, daß ihm jede Beleidigung des Reichspräsidenten fern gelegen habe und es ihm um seinen Irrtum leid tue. Eine Moordomäne. Wie das Preußische Landwirtschaftsminifterium mitteilt, ist angeordnet worden, daß aus einem Teil der noch nicht besiedelten Fläche des fiskalischen Uchtermoors im Regierungsbezirk Hannover eine Moordomäne gefchaffen werden soll. Die in Betracht kommenden Behörden find angewiesen, das zur Verwirklichung dieses Planes Erforderliche in die Wege I au leiten. ist ein blaffer Mensch, der durch Tuberkulose und Nervenkrankheit Der zweite Angeklagte, ter vernommen wird, ist Jurisch. Er 50 Proz. seiner Arbeitsfähigkeit eingebüßt hat. Er war bereits einige Male in Nervenheilanstalten untergebracht und hat mehrere Selbstmordversuche begangen und ist vorbestraft wegen Diebstahls bei seinen Eltern. Im April 1923 fam er aus der Srrenanstalt durch die deutschnationale Arbeitsvermittlung in die Ziegelei Neuhof. Von Kadow erfuhr er nur, daß er in Verdacht von Diebstählen stand, nicht aber, daß er als Spizel verdächtigt wurde. Am Mordtage fam er aus dem Krankenhaus und traf dabei einen Bekannten nomens Hansen, der ihn auf die Kneiperei der Ka meraden im Luisenhof aufmerksam machte. Hier fand er Kadom ichan schwer betrunken auf dem Sofa liegen, er selbst trant auch piel. Von Kadows Tagebuch habe er nichts gesehen, lediglich tags darauf habe er von Masolla gehört, daß dieser Kadows Tagebuch besaß und einige Millionen Sowjetrubel, die man ihm abgenommen hatte. Er selbst hat Radom nicht angerührt, nur aus Mitleid mit dem Mißhandelten hat er ihm den Vorschlag gemacht, sich an einen Baum zu stellen und den Gnadenschuß geben zu lassen. Er bot ihm auch an, feiner Mutter noch Wünsche zu bestellen. Er habe nicht dazwischenWiemeyer war es, der Stadom die Kehle durchschnitt, Zabel und Bens, treten können, da er sonst selbst für sein Leben hätte fürchten müssen. die die Schüsse abfeuerten. Der Angeklagte 3abel, Vater von drei Kindern, bestreitet, daß die Absicht bestand, Kadom um die Ecke zu bringen; man wollte ihm nur eins auf die Jacke geben. verhaftet worden. Auch er will durch Hansen in den Luisenhof geDer Angeklagte 3ens ist erst vor fünf Tagen im Ruhrgebiet schickt worden sein. Geschossen hätte er selbst nicht. völkischen Zünglings, dessen Redeſchwall Baum gebändigt werden Der Angeklagte Pfeiffer ist der üble Typ eines deutschfann. Der Angeklagte Zabel habe unterwegs dem Kadom den Revolver vorgehalten mit den Worten: Was deutsche Männer aufgebaut haben, willst Du Schwein zerstören." Er gibt auch noch von sich zu, daß er auf Kadow losgeschlagen habe mit dem Ausdruck: ,, Du etwas ganz anderes." Zump, zuerst bekommst Du hier Schläge und dort unten kommt noch Die blutige Sensation des ersten Verhandlungstages bildete die Aussage des Angeklagten Wiemeyer, lempner von Beruf, 24 Jahre alt. Er 30 g fein Meffer im Hals des Kadow von links nach rechts und zerschnitt ihm Halsschlag- und Halsblutader. Er erklärt, daß der Anblick des blutigen Kadom in ihm einen Blutra ufch erzeugt habe, einen Zustand, den er schon einmal im Kriege beim Anblick eines blutigen Engländers gehabt haben will. Bereits in der Voruntersuchung hatte Wiemeŋer zugegeben, daß er in seiner Blutgier die Absicht hatte, Radom zu töten. Er ist der erste Angeklagte, der zugesteht, daß die Parole ausgegeben war, Kadow zu stellen und zu verprügeln. Als letzter wird der deutschvölkische Bezirksleiter Bormann, 24 Jahre alt, vernommen. Durch Vorhalte des Vorsitzenden und der Verteidigung gedrückt, muß er zugeben, daß er feinen Jagdwagen zur Verprügelang Rabows zur Verfügung gestellt hat, daß er dann am nächsten Morgen zuerst vom schmunzelnden Pfeiffer, dann vom übernächtigten Jurisch, den das Gewissen schon damals nicht in Ruhe ließ, und schließlich vom flüchtigen Leutnant v. Lewis über den wahren Tatbestand in Kenntnis gesetzt wurde. Da fand er nur einen Rat: Alle mußten verduften! Da aus seiner Aussage hervorging, daß der als Beuge geladene Maunterrichtet war, und da deshalb nach Ansicht des Reichsanwalts solla auch schon am nächsten Morgen über den ganzen Hergang Rollisionsgefahr zu befürchten ist, wurde beschlossen, den Angeklagten Bormannin haft zu nehmen. Pressung kommunistischer Mitglieder. In der kommunistischen Presse aller Länder wird täglich mit Stolz darauf hingewiesen, daß Tausende neuer Mitglieder der Mit welchen russischen Kommunistischen Partei beitreten. Mitteln diese Aufüllung der russischen Partei erzielt wird, wird fchamhaft verschwiegen. Diese Lücke wird durch folgende Mitteilung der Petersburger Organisation ausgefüllt: " Die gesamte Arbeiterbevölkerung Petersburgs lebt unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise. Die Betriebe halten sich faum aufrecht und stehen immer wieder vor der Notwendigkeit der Perfonaleinschränkung oder der Schließung. Breite Schichten der Arbeiterschaft sind wieder von der Angst erfüllt, entlassen zu werden. Die Entlassungen werden nach bekanntem Muster vorgenommen: Die Kommunisten bleiben im Betrieb während die anderen auf bie Straße geworfen werden. " In dieser Siuation hat der kommunistische Feldzug" zur Auffüllung der Partei begonnen. Ueberall werden Betriebsversammlungen einberufen. Wie gewöhnlich werden die Ausgänge geschlossen, damit niemand den Betrieb verlassen fann. Es folgt ein Bericht über Lenin, und dann wird der Antrag eingebracht, unsere Kommunistische Partei durch gemeinsamen Beitritt zu unterstützen". Wer ist gegen den Antrag?" Natürlich niemand. Unter völligem Stillschweigen wird die Versammlung geschlossen. Die moralische" Bustimmung zum Beitritt ist hiermit gegeben. Nun setzt die Werbearbeit" der kommunistischen Zellen ein. " Die Arbeiter hoffen in vielen Betrieben, daß sie von einem ähnlichen Schicksal verschont bleiben. Die Hoffnung ist vergebens, die Betriebsversammlung wird anberaumt, es gibt keinen Ausweg. Na, hols der Teufel! Rette sich, wer fann! Wer ablehnt, wird ja fofort auf die Straße gefeßt. Und so marschieren zum Sefretär der kommunistischen Zelle ganze Reihen von Arbeitern. Sie sind verlegen, verwirrt. Manche machen fehrt und zerreißen die fertigen Beitrittserklärungen. Aber die meisten sehen keinen Ausweg. Wer der Partei nicht beitritt, gelangt sofort unter den Verdacht, ein Sozialverräter" zu sein und wird bei der ersten Gelegenheit entlassen." Wer diese Schilderung, deren Echtheit feinem Zweifel unterliegt, lieft, wird sich wundern, daß unter den rückständigen, politisch gleichgültigen Arbeiterschichten eine starke Bewegung zum Eintritt in die Kommunistische Bartei eingesetzt hat. Eine andere Frage ist, was die Rommunistische Partei hierbei gewinnen wird. Das Ende eines Streites. Ansföhnung des Papstes mit der Regierung. Rom, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Differenzen zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung, die noch von 1870 herrühren, als Garibaldi in Rom einbrach und den sich auf den Vatikan zurückziehenden Papst Pius IX. zum Gefangenen der italienischen Regierung machte, sind beendet. Der Papst gilt fernerhin nicht mehr als Gefangener der Regierung. Dem Batikan wird der ganze vatikanische Flügel zugesprochen sowie eine Reihe von Gebäuden für das Kardinalskollegium, während der Batikan der Regierung die Häuser zurückgibt, worin die Kardinäle gegenwärtig wohnen. Die Unabhängigkeit des Papstes wird vom Völkerbund garantiert. Für eingeferferte Romprieffer in Rußland soll sich Macdonald auf Bitte des Papstes einsegen. Gewerkschaftsbewegung Gegen die Gewerkschaftszerstörer. Beiratssitzung des Buchbinderverbandes. Am 8. und 9. März war in Berlin der Beirat des Bere bandes der Buchbinder versammelt, um zunächst einen Situationsbericht, gegeben vom Verbandsvorsitzenden Haueifen, entgegenzunehmen. Der Bericht rekapitulierte die Ereigniffe des letzten Jahres organisatorischer und wirtschaftlicher Natur und gab einen gedrängten Ausblick auf die Entwicklung in den tommenden Monaten. Der Tariffekretär Wienice referierte dann über Arbeitszeit und Lohnfragen. Auf die besondere Bielgestaltigkeit und Zerrissenheit im Unternehmerlager in den hier in Frage kommenden Berufsgruppen näher eingehend, schilderte er in anschaulicher Weise die Schwierigkeiten, die sich den zentralen Lohnverhandlungen im letzten Jahre und in den letzten Monaten entgegengestellt hatten. Einen breiteren Raum nahm die Frage der Arbeitszeitregelung in seinen Ausführungen ein. zu beiden Referaten nahmen die Beiratsmitglieder eingehend Stellung Nach einer fritischen Würdigung aller Umstände erklärten sie ich mit den Maßnahmen der Verbandsleitung einverstanden. Der dritte Punkt, Beiträge und Unterstügungen, hatte zum Ziel die baldige Wiedereinführung der Arbeits! ojen unterstüßung. Der Verbandskassierer Len der erstattete zunächst einen gedrängten Bericht über den Stand der Verbandskasse, ber erkennen ließ, daß es wieder aufwärts geht. Er empfahl eine mäßige Erhöhung der Verbandsbeiträge, und zwar in Klasse 2 um 5 Pf., steisend bis Klasse 6 um 15 Pf. ab 1. April zu dem Zweck, ab 11. Mai die Arbeitslosenunterstügung in mäßigem Umfang in Kraft setzen zu können. Die Aussprache bewegte sich in zustimmendem Sinne, doch wurde von den Beiratsmitgliedern der Zeitpunkt der Wiedereinführung der Arbeitslosenunterstüßung noch etwas verschoben gewünscht und dementsprechend auch beschlossen, diese Unterstützung am 1. Juli wieder einzuführen. Die erhöhten Beiträge die ab 1. April Geltung haben betragen nunmehr in den sechs Beitragsflaffen 15, 25, 30, 40, 50 und 65 Pf. Doppelt organisierte Mitglieder zahlen 30 Pf. pro Woche. Durch die Erhöhung der Beiträge tritt automatisch auch eine Erhöhung der Streit- und Gemaßregelten unterstügung, der Umzugs, Hinterbliebenen und Invalidenunter. stützung ein, da hier das Vielfache eines Wochenbeitrages zugrunde gelegt wird.. Beschlossen wurde wei'er, das Abonnement auf die Buchbinder- Zeitung" durch eine Herabsetzung des Bezugs preises zu erleichtern. War die Beteiligung am Abonnement bei 20 Pf. monatlichen Bezugsgebühren schon recht zufriedenstellend, dann wurde erwartet, daß durch die ab 1. Mai eintretende herabfetzung auf 10 Bf. pro Monat jedes Mitglied in der Lage sein wird, feine Verbandszeitung zu halten. In der Mehrzahl der Fälle werden die einzelnen Ortsverwaltungen für die Gesamtheit der Mitglieder die Zeitung beziehen. Rampfes, sorbehielten. Die Arbeitnehmervertreter wandten fich gegen das Zweifchichtensystem, bei dem der Elfftundentag heraustommt, wodurch die Arbeitslosigkeit vergrößert und die Arbeitskraft überspannt wird. Zur befferen Ausnutzung des Dreischichtenfystems schlugen fie folgende Regelung vor: Die erste Schicht von 6½ bis 3%, die zweite Schicht bis 11% Uhr nachts, und darüber hinaus soll dann eine dritte Schicht eingelegt werden. Sehr erbittert hat bei den Arbeitnehmern das Vorgehen des Hafenbetriebsvereins gewirkt, der durch Anschläge Streifbrecher sucht. Der Cunard- Dampfer„ Andania" ist inzwischen ohne Ladung in See gegangen, weil feine Arbeitsfräfte zur Verfügung standen. Auf anderen Dampfern ist die Technische Nothilfe eingesetzt, jedoch üben die englischen Seeleute Solidarität und verweigern den Rothelfern jede Unterstüt ung. Ein schwer havarierter Dampfer wurde von den Streifenden gelöscht. Nach einer amtlichen Erklärung soll die Technische Nothilfe zurückgezogen und nur in den dringendsten Fällen eingesetzt werden, wo es sich um das Ausladen von lebendem Bieh handelt. Dem Streit im Hamburger Hafen haben sich auch die Hafenarbeiter in Bremen und Bremerhaven angeschlossen. Voraus sichtlich wird der Streit auch auf die übrigen Hafenorte übergreifen. Jm Ruhrgebiet. Effen, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Da die Einigungsperhandlungen über die Arbeitszeit in den Gas-, Baffer- und Elettrizitätswerken des Ruhrgebiets ergebnislos verliefen, stellte der Reichsarbeitsminister entsprechende Erhebungen an. Er hat nunt mehr den Gewerkschaften mitgeteilt, daß er die Verbindlichkeitserflärung des ergangenen Schiedsspruches abgelehnt habe und den Berteien aufgibt felbft in weiteren Verhandlungen eine befriedigende Lösung für die Arbeitszeit zu suchen. Die Gewerkschaften haben dem Arbeitgeberverband von dieser Erklärung des Reichsarbeitsministe. riums bereits Mitteilung gemacht. Sollten die weiteren Berhandlungen über die Arbeitszeit in diefen hochwichtigen Betrieben feine Einigung bringen, fo find zweifellos in allernächster Zeit neue wirtschaftliche Schwierigkeiten für das Industriegebiet zu erwarten. Um den Schiedsspruch in der chemischen Industrie. Der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie ist mit uns nicht zufrieden. Er schickt uns ein zweites Echreiben, um uns das nochmals in der Tonart, die in diesem Arbeitgeberverband Uebung zu sein scheint, zu versichern. Worauf wir zunächst ganz allgemein erklären, daß es uns vollfommen gleichgültig ist, wie der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie über unsere Schreibweise denkt oder urteilt. Wenn dieser Arbeitgeberverband sich jedoch erlaubt, uns gegenüber im Tone des Schulmeisters zu reden, dann fann man sich ein ungefähres Bild davon machen, wie diese Arbeitgeber reden, wenn sie es nur mit ihren" Arbeitern und Angestellten zu tun haben. Daß es dann bei Einzelfragen, die sonst leicht zu regeln wären, zu gereizten Auseinandersehungen und zu Konflikten tommt, ist um fo meniner verwunderlich, wenn man einerseits die gesundheitsschädliche Arbeit der chemischen Arbeiter und ihre elende Entlohnung, andererseits die Riesengewinne der chemischen Industrie fennt. Zur Angelegenheit selbst, ob die Arbeitszeit die a chtstündige ist, vorübergehend und unter bestimmten Voraus segungen Ueberarbeit zu leisten ist, oder ob die Arbeitgeber ,, Don sich aus" als regelmäßige Arbeitszeit die neun= stündigeanordnen fönnen, wozu eine ganz allgemein gehaltene Mitteilung an die Betriebsvertretung genügt, beruft sich der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie auf die drei Unparteiischen. Diese seien der Auffassung der Arbeitgeber. Bevor wir nicht von den Unparteiischen selbst die Bestätigung dieser Behauptung er halten, gestatten wir uns, fie zu bezweifeln. Am 2. Verhandlungstage referierte Haueisen über die Oppa fition im Verbande. In seiner zweieinhalbstündigen Rede ging er auf die Entwicklung der Oppofition in den Gewerkschaften näher ein und schildert im speziellen die Mühlarbeit im Verband der Buchbinder. Das ganze Arbeiten der Führer dieser Opposition ist schon seit Jahren eingestellt auf eine Unterminierung der Aktionstraft des Verbandes, auf eine Verdächtigung und Herabwürdigung der Verbandskörperschaften und des ADGB. Diesem Treiben hat man im Verband der Buchbinder bis in die jüngste Zeit hinein sehr tolerant gegenüber nestanden, und erst, nachdem das Berhalten der Führer der Opposition die Grenze des Erträglichen weit überschritten hatte, ging man gegen diese schärfer vor und schloß sie aus dem Verbande aus. Die Ausgeschlossenen und ihre Anhänger etablierten fich fodann unter der Firma Berband der Buchbinder und verwandten Berufe der papierverarbeitenden Industrie. Unter dieser Flagge wird die meitere Zerreißung des Berbandes und der übrigen graphischen Organisationen- zunächst des Verbandes der Druderei Biffsarbeiter betrieben und versucht, auch andere Verwaltungsstellen mit Spaltungszellen zu durchsetzen. Der Beirat des Verbandes der Buchbinder verurteilte einmütig das gewerkschaftsstreiten, beantragten die Werkzeugmacher einen Lohnzuschlag zerstörende Treiben der Jünger Moskaus und stellte sich hinter die Verbandsleitung, deren Maßnahmen er guthieß. Diese einhellige Willenstundgebung des Verbandsbeirats wird bewirken, daß sich noch manches der mantelmütigen Mitglieder des Verbandes besinnt, ehe es den Gewerkschaftszerstörern nachläuft. Der Arbeitszeitkampf. Im Hamburger Hafen. Hamburg, 12. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag lehnten die Hafenarbeiter in einer Urabstimmung mit 4947 gegen 786 Stimmen die Arbeits- und Lohnverschlechterungen, die das Unternehmertum durchzusehen versucht, ab. Am Dienstag morgen begann der Streit. An dem Kampf find beteiligt die Schauerleute, die Kaiarbeiter, Speicherarbeiter, Getreidearbeiter, Schiffs- und Reffelreiniger, Bunkerarbeiter sowie die Hafen- und Unterelbefchiffahrt. Bereits am ersten Tage hatte der Hafen ein vollkommen verändertes Aussehen. Der Kampf gilt vor allem der Ablösung des Dreischichtensystems durch das 3 meischichtensystem und dem Streben des Hafenbetriebsvereins, den 2 cht stundentag durch den Ne unstundentag zu ersehen, für den ein Lohn von 5,20 m. bezahlt werden soll. Noch nicht vom Streif erfaßt werden vorläufig die Hafendampfschiffahrt; die Lagerhausbetriebe, die Kohlenplagarbeiter und Kutscher sowie die Petroleum firmen. Aber bereits der Verlauf des ersten Streiftages bat gezeigt, daß der Kampf an Ausdehnung zunimmt. Die Verhandlungen vor dem Schlichter führten noch zu keiner Einigung, weil die Arbeitgeber fich ihre Stellungnahme in der Arbeitszeitfrage, dem Kernpunkt des Aussperrung in der Nat.- Registrier- Kaffen- Ges. Neukölln In dem Betrieb dieser Gesellschaft find u. a. 19 Werkzeugmacher beschäftigt, die den tariflichen Lohn erhalten und darüber hinaus einen Zuhhlag von 7 Bf. pro Stunde. Da dieser Lohn bei weitem nicht ausceicht, auch nur die notwendigsten Ausgaben zu beDon 20 Pf. pro Stunde und führten zur Begründung an, daß in anderen Betrieben für Werkzeugmacher wesentlich höhere Löhne gezahlt werden. Die Firma ließ durch den Betriebsrat erklären, daß sie es ablehnt, den Werkzeugmachern irgendeine Zulage zu geben; doch stelle sie ihnen anheim, täglich eine Stunde länger zu arbeiten, um dadurch ihren Verdienst zu erhöhen. Die Werkzeugmacher lehnten diefes Anfinnen ab, schon aus dem Grunde, meil noch verschiedene Arbeitspläge frei stehen, die von arbeitslosen Werkzeugmachern zu besehen sind. Sie beschlossen, die Arbeit niederzulegen. Die Firma verlangte, daß die Werkzeugmacher die Arbeit fofort te= dingungslos aufnehmen follben, andernfalls sie am Sonnabend die gesamte Belegschaft von 500 Mann ent laffen werde. Am Montag versuchte ein Vertreter der Organisation die Firma von ihrem Herrenstandpunkt abzubringen; ihm wurde jedoch erklärt, daß man es schon der Firma überlassen müsse, wenn sie die Zeit für gekommen halte, den Betrieb wieder zu eröffnen. Der Arbeiterschaft find solche Maßnahmen nicht neu; fie hat in der lezten Zeit ähnliche Dinge des öfteren erlebt. Allein die NRK. hat bisher in der Deffentlichkeit den Anschein erweckt, als ob die Arbeiter bei ihr feine Ursache zu Klagen hätte. Man betreibt allen möglichen Rummel, um die Deffentlichkeit zu täuschen. Es werden Gratis Kinooorstellungen für die Kinder der Werksangehörigen und der Neuköllner Schulen veranstaltet; es werden Knabengärten angelegt, um nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob der Firma das Wohl der Arbeiterschaft besonders am Herzen läge. Die Betriebsangehörigen haben jedoch erkannt, unahme Prefre So lange der Vorrat reicht! Dampfmkerei. Rösterei Eigene daß es ihnen mur in gähem Rampfe möglich sein wird, Sohn und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die es ihr gestatten, ein menschen. würdiges Dasein zu fristen. Die Ausgesperrten werden den Rampf zu führen wiffen; fie erwarten aber von der Berliner Arbei. terschaft, daß sie darin unterstützt werden und jedes Arbeitsangebot der Firma abgelehnt wird. Scharfmacher im Berliner Böttchergewerbe. Seit dem 1. März besteht im Berliner Böttchergewerbe feine Lohnvereinbarung, Nachdem einige Betriebe selbständig Berhandlangen pflegten, die schließlich zum Ausstand fübiten, droht der icharfmacherische Arbeitgeberverband ultimativ diese Woche Freitag alle Betriebe auszusperren, wenn nicht bis dahin die jezt Die hochs Ausständigen die Arbeit wieder aufgenommen haben. mütigen Herren übertreffen sich bei jeder neuen Bewegung. fonnten erst fürzlich an dieser Stelle ihren Herren- im- HauseDas jeßige Vorgehen( in einer tarifloien Standpunkt darlegen. Die Berliner Böttcher Beit) übertrifft alles bisher Dagewesene. werden die richtige Antwort zu geben wissen. Zur Berufswahl. Wir Die Frage der Berufswahl steht jetzt wieder im Vordergrund. Die Entscheidung dieser Frage ist für die Eltern und für die Jugend lichen selbst von ungeheurer Bedeutunge Es soll über das Schicksal des jungen Menschen entschieden werden. Wie oft wird die Entfcheidung getroffen, ohne über das Wesen eines Berufes genau orientiert zu sein. Nicht die Neigung des Jugendlichen allein soll für die Entscheidung maßgebend sein, sondern die Eltern müssen sich auch über die Berufsaussichten genau orientieren. Tausende von Jugendlichen haben die Wahl, welchen Beruf sie er greifen wollen, bereits getroffen. Sie wenden sich dem Ange stellten berufe zu. Auch in diesem Berufe ist nicht alles Gold was glänzt. Auch er hat seine Licht- und Schattenseiten. Man geht bft von der falschen Voraussetzung aus, daß gerade an diesen Beruf feine besonderen Anforderungen gestellt werden. Diese Voraus fezung ist durchaus irrig. Der Junge oder das Mädel, das in die taufmännische Lehre tritt, muß über eine leichte Auffassungs. gabe verfügen und muß auch körperlich durchaus gefund fein. Gerade im faufmännischen Beruf ist ein Ueberangebot von Kräften vorhanden, und das ist vielfach darauf zurückzuführen, daß dieses ueberangebot durch Menschen verursacht wird, die im Berufe nicht gerade die Tüchtigsten sind. So wie es in den anderen Berufen ist, so ist es auch im faufmännischen. Nur der Tüchtige hat Aussicht auf ein Fortkommen. Ehe die Eltern den Lehrvertrag abschließen, sollten sie sich genau auch über die sozialen Bedingungen informieren. Der Zentralverband der Angestellten ist die Gewerkschaft der kaufmännischen und Bureauangestellten und verfügt über eine reiche Erfahrung auf dem Gebiete des Lehrlings wesens und des Berufes im allgemeinen. Auskunft erteilt die Hauptgeschäftsstelle, Berlin SD. 26, Oranienſtr. 40/41, für Berlin die Ortsgruppe, Belle- Alliance- Str. 7/10. Gattler, Tapezierer und Portefeuiller. Seute, 7 Uhr, im Gewerkschafts. timation. haus, Engelufer 24, Generalversammlung. Eintritt erfolgt nur gegen Legi Deutscher Holzarbeiterverband. Betriebsvertrauensmänner! Bersammlung aller Betriebe, welche dem Reichsmantelvertrag unterstanden, am Freitagabend 7½ Uhr in den Andreasfestsälen, Andreasste.. 21. Tagesordnung: Vertragsund Lohnfragen. Mitgliedsbuch und Bertrauensmänneriarte 1924 Tegitimieren. Erweiterte Verwaltung um 6 Uhr ebendort. Bergolder und Rahmenmacher! Bersammlung sämtlicher Funition ag 5 Uhr im Verbandshaus, Rungestr, 30. Bericht von der Lohnverhandlung. Buchbruck- Anlegerinnen und Hilfsarbeiterinnen! Freitag nachm. 5% Uhr, große Bersammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25. Wir bitten die Borwärts leser aus den Gehilfentreifen. unsere Kolleginnen auf diese wichtige Bersammlung aufmerksam zu machen. Bollzähliger Befuch wird erwartet. Rentralverband der Schuhmacher. Freitag allgemeine FunktionärversammTung nachmittags 5% Uhr in den Andreas- festfälen, Andreasftr. 21. Berantwortlich für Politit; Ernst. Reuters Wirtschaft: Artur Baternus; Gewertschaftsbewegung: F. Chlorn; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Betlin S. 68. Lindenstraße 3. Hierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Nahocks Kennen Sie Nährflocks? Sie haben Gelegenheit sich von dem Wohlgeschmack der sofortigen Verwendbarkelt und der mühelosen Zubereitung durch eine Kostprobe an unserem Stand im Kaufhaus Wertheim, Königstrasse, Kaufhaus Wertheim, Leipziger Strasse, Kaufhaus Tietz, Frankfurter Allee, Kaufnaus Tiefs, Leipziger Strasse zu überzeugen. Ununterbrochene Abgabe von Kostproben während des ganzen Tages ohne jeden Kanizwang. Deutsche Nährflocken- Werke A.-G., Berlin W 8, Friedrichstr. 58 Einige Beispiele Kaffee.. Pfund 55 Pt.| Kondens. Milch Dose 46 PL Kaffee .. reine m. Gerste Ptd. 60 PL. Sahne.... Dose 59 PL Gerste Pfund 18 PL. Zucker Pfund 39 PL Roggen. Pfund 18 PL Marmelade Frucht 38 PL Haferflocken 9 PL Pakete Großes Brot Stück 39 Pt. 12 Pfdmit Zucker Pfuud Pflaumenmus garan 48 PL tiert reines. Pfund Goldacker Gog Brunnenstr 129-30. fr. 123 41. Jahrgang Kokssucher. 1. Beilage des Vorwärts Die Bautätigkeit in Berlin hat seit geraumer Zeit sehr rege eingefeßt. Es wäre interessant genug, auf einer Reife rund um und quer durch Berlin festzustellen, wieviel Rugbauten, das heißt Etagen häuser zur Unterbringung mehrerer Familien, entstanden sind und wieviel Eigenheime, Landhäuser, Lurusbauten und Billen. Ohne mit bestimmten und festen Zahlen aufwarten zu können, braucht man darüber nicht im Zweifel zu sein, daß die Zahl der Häuser, die nur für einzelne Bemittelte bestimmt und mit allem Komfort aus. gestattet sind, größer ist als die Zahl jener Bauten, die einer Reihe von Familien Obdach bieten. Indessen das nur nebenbei. In dem falter Winter, den wir hinter uns haben und dessen Herrschaft endgültig dahin ist, mußte wegen des strengen Froftes immer wieder durch Wochen die Bautätigkeit eingestellt werden. Aber die Borarbeiten und die Vorbereitungen, die notwendig sind, um den angefangenen Bau zu fördern und zu vollenden, ruhten niemals. Baumaterialien wurden gefahren und Schlacke wurde herangeschafft, die seit feher in Berlin zur Schüttung zwischen den Fußböden beRuzt wird. Diese Schlacke num hat in diefem harten Winter eine ganz be sondere Anziehungskraft auf die Armen und Aermften ausgeübt. Männer, Frauen und Kinder konnte man mit vor Kälte steifen Fingern in den Schlackenhaufen wühlen und ihre Funde in writ gebrachte Säde sammeln sehen. Diese Schlacke besteht nämlich aus den Ueberresten in den Defen der Sammelheizungsanlagen und den Ueberbleibseln der Heizstoffe in Hochöfen und unter den Dampfkesseln der großen Fabriken und industriellen Anlagen. Dabei tommt 25 vor, daß Reste von unverbranntem Kofs mit unter die ausgelaugten und ausgebrannten Abfallmaterialien kommen. Und nach diesen armseligen Koksstücken, die eventuell noch imftande sind, eine winzige Flamme zu liefern, die ein Töpfchen magerer Suppe zum Kochen bringen kann, sucht mit steifen und zitternden Fingern die große Zahl jener in der Großstadt, die immer nur auf der Schattenfeite des Lebens sich aufzuhalten gezwungen find. In ganzen Scharen konnte man sie in diesem Winter auf großen Baustellen nach dem Roks ängstlich und gierig zugleich suchen sehen, und selten nur mußte man erleben, daß sie vom Bauwächter vertrieben wurden. In den meisten Fällen freilich war ihr Suchen und Schürfen umsonst. Die harte Kälte hatte alles zum Frieren gebracht, das Erkennen, ob in diesem oder jenem Stüd noch ein wenig Heizkraft stedt, mar häufig diesem oder jenem Stück noch ein wenig Heizkraft steckt, war häufig genug unmöglich, und wenn die Kokssucher zu Hause waren, mußten fie erfahren, daß fie ftatt Rots Steine gesammelt hatten. Jetzt ist seit ein paar Tagen die Luft gelinder geworden, und die Sonne wärmt wieder. Aber die Kotssucher sind nach wie vor fleißig an der Arbeit, denn die Abende sind kalt, und auf einer Koch. maschine ohne Feuer kann man auch das billigste und bescheidenste Essen nicht herstellen. Jetzt sieht man sie auch im Wald, wo man mit Hilfe dieser Schlacke die Wege ausgebessert und neu befestigt hat. Trifft man sie aber auf einer Baustelle, auf der dereinst, wie man aus dem aufgestellten Plan ersehen kann, eine pruntvolle Billa mit Wintergarten und allem Lurus sich erheben wird, dann tut einem das Herz weh. Im Banne des Morphiums. Eine weißhaarige, nahezu 60jährige Krantenschwester Rio thilde H., erschien vor der 9. Straftammer des Landgerichts I, um sich unter der Anklage des Betruges und der Unterschlagung zu verant worten. Die Angeklagte ist ein bedauernswertes Opfer der Morphiumsucht, in die sie unverschuldet hineingeraten war. Vor 20 Jahren erfrankte sie an einem Gallen. steinleiden, mit dem fie auch heute noch behaftet ist. Zur Linde rung der Schmerzen wurden ihr ärztlicherseits Mor. phiumeinsprigungen gegeben. Allmählich hat sie sich an das Linderungsmittel derart gewöhnt, daß sie davon nicht mehr laffen kann. In der Inflationszeit wurde es ihr, die ihres hohen Alters wegen noch dazu nicht mehr voll beschäftigt ist, schwer, sich Morphium zu beschaffen. Der Hang, der aber unbezwinglich war, trieb sie dazu, fich auf unredliche Weise in den Besiz des Mittels zu setzen. Sie fälschte mehrfach alte Rezepte und kaufte sich darauf, soweit ihr Geld reichte, in den Apotheken Morphium. Die erlangten Mengen reichten für ihre Sucht jedoch nicht aus und daher telephonierte sie an verschiedene Apotheken, daß sie bei einem Arzt als Schwester tätig sei und rasch einer Dosis Morphium bedürfe, die man ihr durch Boten 49] ( Nachdruck burd Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. „ Es haben zwei ne ganze Nacht zusammen in einem Bett verbrecht was ham se wohl gemacht?" Di sah Jürgen einen Herrn in der Borhalle eines großen Pariser Hotels stehen. Der Herr stürzt auf Elisabeth zu, siht mit ihr, beständig schwebend in einer Wolfe von Lebenslust, im Theater, in Restaurants, Boulevard- Cafés, Kabaretts. Tritt in Elisabeths Schlafzimmer. Abneigung erfaßt plöglich den im Sessel lehnenden Jürgen gegen den Jürgen, der durch Paris und Rom schwirrt, sich um nichts fümmert, als nur um sich und feine Genüffe, im Schlafanzug in das Schlafzimmer Elisabeths tritt, heiter in der Hafenstadt ankommt.. ,, Er betäubt sich. Widerlich!... Wo tommt der hin, was wird aus dem, wenn er so weiter macht... Das bin nicht ich. Das ist ein ganz anderer," flüsterte der im Seffel Sigende." Sonderbar. Sonderbar." Bewußt wechselte Jürgen die Blickrichtung, sah durchs Fenster auf das glitzernde Meer hinaus, um den anderen nicht mehr zu sehen. Auch er ein vorgeschobener Boften! Das ist die Natur, das Tier, die Lebenskraft, die den treibt, die... mich treibt, fie, die um der Fortpflanzung, der Arterhaltung willen, die Geschlechter zueinander treibt und, ihr Ziel zu erreichen, bereit ist, uns Menschen zu ausnahmslos jeder Schufterei zu veranlassen. Elisabeth bewegte sich: ihre Hand fand im Schlafe durch das Morgenkleid durch zu der sich entblößenden Brust. " Und sie hat Erfolg, die Lebenskraft. Denn sie zahlt als tezten Preis dieses einzigartige Gefühl Zahlt es Tieren und Menschen, Frauen und Männern, Katzen und Katern, Elisabeth und mir. Mögen die anderen, die vielen, verreden, sie fümmert sich um nichts. Der Mensch ist noch nicht da. Sie fann nicht warten, bis der Mensch da ist. Das ist die ganze Erklärung. Eine naturwissenschaftlich einwandfreie Erklärung!" Die Hotelglode rief zum Mittagessen. Auf den Zehenschleunigst zusenden solle. Auf der Treppe oder vor der Tür des Arztes fing fie den Boten ab und erhielt auch ausnahmslos ftets im Bertrauen auf ihre Schwestertracht die Medikamente ohne Bezahlung. Gegenüber dem Antrage des Staatsanwalts auf vier Monate Gefängnis, bat Rechtsanwalt Dr Kurt Rosenberg die traurigen Verhältnisse, denen die Angeklagte erlegen sei, strafmildernd zu berüdhältnisse, denen die Angeklagte erlegen sei, strafmildernd zu berüdfichtigen. Landgerichtsdirektor Dr Schimmat erkannte auf zwei Monate Gefängnis und bewilligte der Angeklagten auch eine 3jährige Bewährungsfrist. Die parfümierte Zigarette. Nächtliches Abenteuer einer jungen Dame. Eine junge Dame aus dem Besten, Fräulein A., hatte die Betanntschaft zweier Ravaliere gemacht und mit ihnen einen veranüaten Abend verlebt Nachdem man verschiedene Likörstuben und Dielen aufgesucht hatte, landete man in einem Café und ließ sich in einer verschwiegenen Nische nieder. Die beiden Begleiter ließen nach einigen Lagen Schnäpsen auch noch eine Flasche Wein auffahren, bis die junge Dame eine regelrechte Geekrankheit bekam. Die Kavaliere schafften fie in ein Auto und fuhren sie nach Hause. Unterwegs bemerkte fie froß ihres befneipten Zustandes, daß sich der eine ber Begleiter an ihren Händen in auffälliger Weise zu schaffen machte. Als sie am nächsten Morgen mit schwerem Kopfe aufwachte, merkte fie, daß ihr zwei wertvolle Brillantringe fehlten. Die Polizei ermittelte die Kaufleute Frizz F. und Hermann H. als die unbekannten Begleiter, die sich nun wegen Diebstahls vor der ersten Straffammer des Landgerichts III zu verantworten hatten. Auf die Frage des Rechtsanwalts Bahn mußte die Zeugin zugeben, daß sie Intimitäten bei den Kneipereien vorgekommen seien. Ihre sich mit dem Angeklagten F. gebuzt habe und daß große Betrunkenheit erklärte sie damit, daß die Angeklagten ihr eine parfümierte Zigarette gegeben hätten, nach deren Genuß ihr sofort übel geworden sei, so daß sie vermutete, daß der Tabat ein Betäubungsmittel enthalten habe. Das Gericht erkannte auf 1% Jahre Gefängnis gegen jeden der beiden Angeklagten. Die Aushebung von vier Falschmünzerbanden. Einen großen Schlag hat in den letzten Tagen die Falsch geldabteilung der Reichsbant den Berliner Geldfälschern verfekt. In furzer Zeit machte sie vier Banden unschädlich. eine Bande hatte 3 wischenscheine der Reichsschaganweisungen gefälscht. Die zweite Bande höhte in ihren Woh nungen echte a meritanische Dollar von 5 auf 50 Dollar usw. auf Ihre gut gelungenen Fälschungen seiten sie stets in Zigaretten großhandlungen um. Die dritte und vierte arbeiteten Hand in Hand. Die beiden Kolonnen zählten zusammen nicht weniger als 9 Köpfe. Sie hatten es aber auch am schwersten, weil ihnen der Großbetrieb wiederholt gestört wurde. Ihre Spezialität bestand in der Nachahmung von Preußendollars. Als diese jedoch aus dem Verkehr fuchten es nun mit der Herstellung von 5- und 10- Bilgezogen wurden, mußten sie sich zum zweitenmal umstellen, und ver= i on en- Scheinen. Auch diese Fälschungen gelangen ihnen. Von morgens bis abends wanderten sie durch die Stadt und setzten ihre Falschscheine in fleinen und feinsten Geschäften aller Art ab. Nun mehr gelang es der Kriminalpolizei, die sämtlichen Banden abzufangen und auszuheben. Sammelwoche der Nothilfe. Der Berliner Ausschuß der Deutschen Rothilfe, ber mit dem Notdienst Berliner Frauen zusammenarbeitet, veranstaltet in der Zeit vom 14. bis 21. März eine allgemeine Spendensammlung. Am 14., 15., 16. März wird in den Straßen Gelb gesammelt, das zur Beschaffung von Kleidern für Notleidende verwendet werden soll. Für den 16. März( Sonntag) find Blazkonzerte geplant, von denen man einen besonders starten Erfolg der gleichzeitig stattfindenden Spendensammlung er= wartet. Am 17., 18., 20., 21. März folgt dann eine Kleider einsammlung, die sich auf alle Bezirke Berlins erstrecken wird. Sammler und Sammlerinnen, die durch Armbinden legitimiert sind und einen schriftlichen Ausweis bei sich haben, werden mit Autos der Reichswehr und großer Industriefirmen oder auch mit fleinerem Fuhrwert die gespendeten Kleider aus den Häusern abholen. Naturgemäß fann in den Bezirken mit vorwiegend armer Bevölke rung der Ertrag nur gering sein, aber auf desto größere Erträge wird in den Bezirfen mit vorwiegend wohlhabender Bevölkerung gerechnet. Die wohlhabenden Bezirke des Westens haben Patenschaften für die armen Bezirke des Ostens und Nordens übernommen und werden deren geringe Erträge aufbessern, indem sie ihre eigenen reicheren Erträge hergeben. Für die Kleiderabholung find noch Sammler und Sammlerinnen nötig. Meldungen werden " spizen schlich er über den Teppich, berührte sanft Elisabeths Schulter. Sie erwachte ohne jeden Schred, schlug die Augen auf, so einfach, so flar. Sie hat gar feine Untiefen in sich. Sie ist so, wie sie ist. Im Schlafen, wie im Erwachen und im Bachen. 4 Aber das ist noch viel sonderbarer. Wie seltsam! Das ist unheimlich, dachte der an der Tafel fitzende Jürgen, weil er jetzt auch den an der Tafel fitzenden, sich unterhaltenden, lachen den Jürgen beobachtete, scharf und genau beobachtete. ,, Wir sind also zwei. Ich sehe mir zu. Mir selbst! Aber das bin ja gar nicht ich. Ich sehe ja... ihm zu. Bin ich, der zusieht, ich? Oder ist er ich?" Gut, machen wir!" Elisabeth hatte gewünscht, am Abend auf die Höhe zu steigen und zuzusehen, wie die Sonne ins Meer fintt. Auf die Dauer natürlich halte ich das nicht aus. Wir müssen uns vereinigen, eins werden. Wenn wir uns nicht einigen fönnen, dann muß einer weichen: der andere oder ich." Du standest schon am Anfang deines Ich." Wer hat das gedacht? dachte erschauernd Jürgen und goß dabei Wein ins Glas." Dir auch?"" Da habe eben nicht ich gedacht. Hat das der andere gedacht? Oder ein Dritter?" Er fror im Rütenmart. Gierig leerte er paufenlos hintereinander zwei Glas Wein. In einem Entwicklungsstadium. Ich entwickle mich. Das foll " Ich befinde mich offenbar in einem Uebergangsstadium. in meinem Alter noch vorkommen. Ich muß trachten, in ein erträgliches Berhältnis zu mir zu kommen. Denn ich muß ja leben mit mir." Auch die Stirn hatte sich gerötet. Nach Sonnenuntergang faßen sie auf der Terraffe des Hafenrestaurants. Zwei Männer schleppten einen wassertriefenden Bastforb voll Austern zwischen den Tischen durch in die Küche. Straßenhändler boten den Gästen Kämme, Stickereien, Elfenbeinschnißereien an. Der Himmel, die Luft. das Meer, das Leben des Hafens und der Straße fluteten durch das vornehme Restaurant durch. Alle Grenzen waren vermischt. Musik spielte. An der Hausmauer gegenüber wechfelten die finematographischen Bilder, genossen von der dicken Menschenmenge. Sie aßen Austern. Die kosteten nicht viel mehr als Brot. Tranfen eine Flasche Champagner dazu. Ein fleines, dices Mädchen, achtjährig, Rastagnetten in den Händchen, schmale | Donnerstag, 13. März 1924 aber nur von den beteiligten Wohlfahrtsorganisationen( auch der Berliner Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt ist beteiligt) entgegengenommen. Die gesammelten Kleider werden an Bedürftige abgegeben gegen Bons, die von den Wohlfahrtsorganifationen verteilt werden. Auf diese Bons tann in den für die Bezirke eingerichteten Kleiderkammern die gewünschte Kleidung nach freier Wahl im Wert bis zur Höhe des Bons entnommen werden. Die eigenen Untoften des groß angelegten Sammelunternehmens bürften nur ganz gering fein, dank der Opferwilligteit freimilliger hilfsträfte, die sich ohne Entgelt in den Dienst der Sache stellen. Auch die Fuhrwerte werden unentgeltlich hergegeben. Beachtung verdient, daß der Berliner Ausschuß der Deutschen Nothilfe überhaupt mit sehr geringen Untoften arbeitet. Bisher sind von seiner gesamten Einnahme nur 2-3 Broz. für Untosten aufgewendet worden, d. h. von jeder eingenommenen Mar? wurden nur 2-3 Pf. für Unkosten verbraucht und 97-98 Pf. den Bedürftigen zugeführt. Mordanschlag auf einen Direktor. Die Tat eines Arbeitslosen. Ein Mordanschlag auf offener Straße wurbe Mittwoch= morgen in Nicolasfee auf den 45 Jahre alten Direktor Gustav Succow von den Siemens- Halske- Werfen am Nonnendamm verübt. Bom sogenannten Blodwerk des Betriebes wurde vor einigen Tagen der aus Bofen gebürtige 47 Jahre alte Kalkulator Heinrich Bleßner entlassen. Bleßner besuchte nun wiederholt Diret tor Succom, der in der Waltheristr. 20 zu Nicolassee wohnt, um ihn zur Wiedereinstellung zu veranlaffen. Er wurde jedoch jedesmal, er daraufhin, er werde dem Direktor an den Kragen gehen, wenn zuletzt erst am Dienstag, abgewiesen. Wie festgestellt wurde, drohte er nicht wieder eingestellt werde. Gestern morgen verließ er, bevor noch seine Frau erwacht war, seine Wohnung und ging heimlid) weg. Als num Direktor Succow von seiner Villa nach dem Bahnhof ging, trat plöglich Bleßner, der auf der Lauer gelegen hatte, in der Waltharistraße an ihn heran und gab drei Ristolenschüsse auf ihn ab. Einer traf Succom in die Brust, zwei in ben Oberschenkel. Der Schwerverlette wurde zunächst in seine Woh nung, dann nach dem Bauliumsstift auf Westend gebracht. Chauffeure und andere Leute, die in der Nähe waren, nahmen die Verfolgung Bleßners auf, der jedoch in den Wald enttam. Beginn des neuen Schuljahes am 30. April. In Rücksicht auf die bevorstehenden organischen Beränderungen im höheren Schulwesen hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung angeordnet, daß in Orten mit höheren Lehranstalten und Lehrerbildungsanstalten in diesem Jahre das neue Schuljahr am Mittwoch, den 30. April, beginnen foll. Demgemäß ist der Schulschluß für die Schulen dieser Orte auf frühestens den 11 April anzusehen. Obwohl dadurch in den meisten tritt, hat der Minister ausnahmsweise davon abgesehen, daß die Provinzen für diese Anstalten eine Verlängerung der Ferien einTage, um die fich die Dauer der Osterferien erhöht, auf die Gesamtzahl der Ferientage des Jahres angerechnet werden. Insbesondere ist von einer Verkürzung der Pfingstferien abgesehen, troß des tur zen Zeitraums, der in diesem Jahre zwischen den Bfingstferien und den Sommerferien liegt. In dieser Beziehung weist der Erlaß des Kultusministeriums darauf hin, daß die Pfingstferien für die so wichtigen Schülerwanderungen ganz besonders in Be tracht tommen und auch von zahlreichen Vereinen, an denen Lehrer. beteiligt sind, mit Vorliebe für ihre Tagungen benutzt werden. elp Nochmals das Kollektivangebot der Kaffenärzte. In der neuesten Entwicklung des Aerztestreits spielt, wie im Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, ein angeblich dem Oberverſicherungsamt Berlin schon am 23. Februar eingereichtes Kollettivangebot der wieder nach Zulassung zur Kaffenpratis verlan genden Gesamtheit der am Streif beteiligten Kassenärzte eine Rolle. Die Organisation dieser Aerzte hat öffentlich erklärt, sie habe damals ein solches Angebot gemacht, aber das Oberversicherungs. amt hat sich dahin geäußert, daß es das betreffende Schreiben der Aerzteorganisation nicht als Angebot, sondern nur als Anfrage aufgefaßt habe. Danach erst hat die Aerzteorganisation in einem erneuten Schreiben vom 3. März dem Oberversicherungsamt flar und unzweideutig gesagt, daß sie bereit ist, sofort die kassenärztliche Versorgung bei sämtlichen Berliner Krankenkassen zu übernehmen". Das Schreiben vom 23. februar war nach einem Hinweis auf die den Krankenkassen schon früher fundgegebene Bereitwilligkeit der Aerzteorganisation, die tajjenärztliche Bersorgung in Berin wieder aufzunehmen, zu dem Schluß gekommen: Indem wir uns auch dem Oberversicherungsamt gegenüber hierauf beziehen, bitten Papierschleifen blau, rot, grün im Haar und auf dem Röckchen, das die nackten, diden Schenkelchen freiließ, trat an den Tisch und begann zu tanzen, sang ein Bordellied dazu, hob das Röckchen hinten, hob das Röckchen vorne, spreizte im Tanztakt die Beinchen auseinander, mit obszöner Gebärde. Ein nach dieser Seite vorgeschobener Posten der Lebensfraft, dachte Jürgen. Ihr sind alle Mittel recht, wenn sie nur zum Ziele führen." Er fühlte in den Gelenten eine Lähmung, die nicht unangenehm war. Elisabeth strich zärtlich über den Kopf der Kleinen. Eine Stunde später saß sie, den Rüden Jürgen zugekehrt, schon entkleidet vor ihren Kämmen und Bürsten. Das offene Haar leuchtete gelb. Durch den Spiegel nickte sie Jürgen zu, gab ihrer Schulter einen Kuß, der ihm galt. Ich habe eine schöne Frau." Er streckte sich. In das Leben soll man Grübeleien über Entwicklung und Dasein nicht hineintragen. Das Leben entwickelt sich ganz von selbst." Der Hafen schlief. Das Meer sang gleichtönig, ruhevoll und groß. Die Mimosen dufteten stärker in die warme Nucht. Wie in allen Nächten sang auch in dieser Nacht in der Ferne ein Mädchen. Eine Fabrikstraße, nebelgrau und doch trostlos deutlich. Gestalten, einzeln, in Gruppen, in endlosen Reihen, schritten im Morgengrauen in unabänderlich vorbestimmter Richtung fionen marschierten heran, grau, gespenstisch- lautlos, und ver auf das riefenhafte, graue Fabriktor zu. Immer neue Milschwanden im Fabriktor der Welt. Und du standest schon am Anfang deines Ich." Elisabeth wandte sich um nach Jürgen, der schwer atmete. Seine Gesichtshaut zuckte und war gespannt, als habe sie, wie eine Ballonhülle, einen ungeheuren Atmosphärendrud auszuhalten. Ein Mensch schlief. Elisabeth berührte den Stöhnenden. Wie ein vom Tode Erwedter richtete er sich auf. Eine ewige Sefunde lang war letzte Bereitschaft in seinem Antlitz. " Dein Gesicht fah gar nicht aus wie ein Geficht. Sah aus wie ein Gefängnis, wie eine Faust." Sie schlüpfte zu ihm unter die Decke. Was träumtest du?" Weiß nicht. Weiß nicht." Er wußte es nicht. Wie du duftest!" Er riß, aus der Tiefe seines Wesens zurückgekehrt. wild das Leben an sich. ( Fortfegung folgt.) wir, uns möglichst bald mitteilen zu wollen, ob das Oberversicherungs. amt gegebenenfalls die faffenärztliche Versorgung mit Hilfe der ärzt lichen Vertragsgemeinschaft Groß- Berlins( Wirtschaftliche Abteilung des Groß- Berliner Aerztebundes) durch deren Mitglieder wiederherzustellen bereit ist. Wir bemerken hierbei, daß wir bereit und in der Lage sind, gegebenenfalls binnen zweimal 24 Stunden die gesamte fajjenärztliche Versorgung in Groß- Berlin wieder in Gang zu setzen." Daß dem Oberversicherungsamt diese geschraubten Säße nicht als Angebot, sondern nur als Anfrage erschienen, fann man ihm wirklich nicht übelnehmen. Die schriftlichen Kund gebungen der Aerzteorganisation fallen überhaupt dadurch auf, daß fie bei allem Wortreichtum untiar sind und manchmal die Haupt fache vermissen lassen. In ihrem an die Kassenärzte ge richteten Rundschreiben vom 8. März behauptet sie nun: Wir haben dem Vorwärts" eine eingehende Auft'ärung übersandt. Da wir jedoch nach früheren Erfahrungen nicht sicher sind, ob er ihr Raum gewähren wird, veröffentlichen wir nachstehend unseren gesamten in Frage kommenden Schriftwechsel mit dem Oberversicherungsamt ohne jeden Kommentar." Mancher Leser des Rundschreibens wird vielleicht annehmen, die Aerzteorganisation habe auch dem Bor märts" diefen gesamten Schriftwechsel mitgeteilt. Ja, jegt hat fie es getan, nachdem wir telephonisch ihren Geschäftsführer Dr. Sternberg darum ersucht und ihm gesagt hatten, daß wir selber uns ein Urteil über das angebliche Kellettivangebot bilden wollen. In jener uns am 6. März übersandten eingehenden Aufklärung" fehlte die Hauptsache, der volle Wortlaut des angeblichen Angebots vom 23. Februar. Herrn Dr. Sternberg haben wir auch telephonisch gefagt, daß etwa am 26. Februar ein Flugblatt der Aerzteorgani fation verbreitet worden sein soll, daß darin bereits das angebliche Kollektivangebot erwähnt worden sein soll und daß wir um Ueber fendung auch dieses Flugblattes bitten. Aus feiner telephoni'chen Antwort glaubten wir entnehmen zu müssen, daß ein solches Flugblatt tatsächlich verbreitet worden ist. Er hat aber unterlassen, es uns zu übersenden. Nur für Dumme! In der Scala geht's diesmal den Republikanern an den Kragen. Es wird ihnen tüchtig eins ausgewischt von einem Tingel tangel Mimiker", der ihnen die Abscheulichkeit des zivilen Jett gegenüber der Herrlichkeit des militärischen Emst so recht vor Augen führt. Nämlich fo: der Künstler" hängt sich einen Weißbart um, agiert mit den Händen und fordert dann auf zu glauben, er sei Adolf Hoffmann, was diefes Publikum um so lieber zur Kenntnis nimmt, als ihm kurz darauf Stinnes in assyrischer Bartmode vorgestellt wird. Dann geht's los in die teutsche versunkene Herrlichkeit: Hinden. burg, der alte Wilhelm und Bismard, weil's mit den Uniformen gerade so paßt. Dieses Lokal- Anzeiger" Bublifum von feines Ge bankens Blässe angetränkelt, durch wilhelminische Schulbücher, Paraden und Militärmusif großgezogen, nimmt die mimischen Offen. barungen mit jenem Beifall entgegen, der in umgefehrtem Ber hältnis zu seiner geistigen Beschränktheit steht. Ein liebreizendes Bild, wenn Mütter den Mördern ihrer geopferten Söhne Beifall flatschen. Da alle Republikaner fich für diese Gesellschaft bedanken werden, so seien sie vor einem Besuch der Scala in diesem Monat gewarnt. Die Direktion des Unternehmens hat bei der Zusammen. stellung des Programms befundet, daß sie feinen Wert auf ihre Gegenwart legt. Und die sonst so radikale republikanische Presse Berlins? Durchgehender Schnellzugsverkehr durch das Ruhrgebiet. Ende Februar haben zwischen der Regie und der Reichsbahn Berhandlungen begonnen, die auf einen Durchgangsverkehr durch die Rölner Zone und das Ruhrgebiet abzielen und dem Berkehrselend im Westen mit seinen Tarifübergangspunkten" und" Rontroll stationen" ein Ende machen sollen. Die Verhandlungen haben bisher zu folgendem Ergebnis geführt: auf den Streden Köln- Düsseldorf, Köin- Neuß- Crefeld- Cleve, Horrem- Biblar, Horrem- Bedburg, Köln- Troisdorf- Gießen und Köln- Troisdorf- NiederlahnsteinWiesbaden, Köln- Bonn- Koblenz, Köln- Euskirchen- Trier und Köln- Düren- Aachen ist der Durchgangsverkehr( ohne Umsteigen, ohne Lösung neuer Fahrkarten) aufgenommen worden. Dann sollen auch die alten großen Schnellzugsverbindungen Berlin- und Ham burg- Köln über Effen- Duisburg Düsseldorf wieder aufgebaut werden, jedoch dürften darüber noch einige Wochen vergehen. Da infolge dieser Fahrplanumgestaltungen die bestehenden Fahrpläne veralten, wird jeder Reisende guttun, sich vor dem Antritt einer Reise auf den Bahnhöfen( Auskunftsstelle, Pförtner oder Aufsichtsbeamter) zu erkundigen. Maler- Fachausstellung zu Charlottenburg. Bom 14. bis 16. März d. I. findet in den Festfälen des Charlottenburger Rate hauses eine Ausstellung des Reichsbundes für das deutsche Malergewerbe( Cau Brandenburg) statt. Die Ausstellung umfaßt außer den Arbeiten der Malerfachschulen der verschiedenen Städte der Brovinz Brandenburg eine Abteilung zeitgemäßer Malereien auf allen Gebieten des Gewerbes. Ferner findet ein Meisterwettbewerb für die Ausschmückung einfacher sowie reichhaltiger Wohnräume ftatt. Decken- und Wandmalereien somie Belebung der Fläche in mannigfaltiger Ausführung werden pur Ausstellung gelangen. Eine hochinteressante Abteilung umfaßt gestrichenen und bemalten Hausrat, Möbel in Seidenschiffmanier und Bauernmalerei. Ein Wettbewerb für die farbige Behandlung von Häuser= fassaden, wozu Unterlagen von den Bauämtern zur Verfügung gestellt wurden, wird reges Interesse finden. Die Ausstellung ist vom Freitag, den 14. März, nachmittags 3 Uhr, bis Sonntag, den 16. März, mittags 12 Uhr, geöffnet. Der Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender( Ortsgruppe Berlin) hatte für die Straßenhändler Berlins eine öffentliche Protestversammlung veranstaltet, in der folgende Entschließung angenommen wurde: Die Versammlung der Berliner Straßenhändler protestiert ganz enticbieden gegen die Herausgabe von Standscheinen reip. Blazicheinen durch die Bers Iiner Tiefbauamter. Die Versammlung erblickt in diesen Blazicheinen eine besondere Härte, welche geeignet ist, den Straßenhandel zu vernichten, welcher gerade in jeziger Beit vom volkswirtschaftlichen Standpunkte betrachtet eine hohe, fittliche Aufgabe zu erfüllen hat. Die Veriammlung erkennt den Reichsverband ambulanter Gewerbetreibenter als ihre Inter effenvertretung an und erwartet, daß der Verband mit aller Schärfe die neue Besteuerung des Berufes bekämpft. Kurfus für Schwerhörige und Taube. Am 1. April dieses Jahres beginnt in der Fortbildungsschule für Schwer hörige und Taube, Berlin NW 6, albrechtstr. 27( nabe des Bahnhofs Friedrichstraße) wieder ein Kurins für hochgradig Schwere hörige im Ablefen und Erhaltung der Sprache, deegleiden ein Heilfurfus für Spradfranfe. Anmeldung so leich beim Dreftor Die Krankenkasse aller Angestellten in Handel, Induftrie und Gewerbe, in Banten, bei Behörden und in Büros ist die Barmer Ersatzlaffe Hauptgeschäftsstelle in Barmen. Mehr als 300 Verwaltungsstellen i. Deutschland Hervorragende Familienversicherung! Seria in ber bezeichneten Schule terttäglich vormittags 9-10 und Donnerstag nachmittags 5-6 br. Die Urbeiter- Samariter- Kolonne Berlin E. B., Geschäftsstelle Schönholzer Str. 20, teilt mit, daß die Ausweise für Otto Stubnert( Ausweis Nr. 317), Alfred eblau( Ausweis Nr. 340), Walter Tytte( Ausweis Nr. 426) berloren batv. gestohlen worden find, mit anderen Gegenständen zusammen. Finder werden gebeten, diefelben gegen Untoften- Erftattung auf der Geschäftsstelle abzugeben. Die Ausweise sind für ungültig erklärt. Die Abteilung Brenzlauer Berg der Arbeiter Samariter- Kolonne Berlin E. V. hält nach Beendigung des Kurfus über„ Erite Hilfe bei Unglüdsfällen und 14 März 1924, abends 7 Uhr, Schule Kastanienallee 80-82, ab. Gäste plöblichen Erfranlungen" öffentliche Abschlußprüfung am Freitag, den willkommen. Ueber Gildenfozialismus in England" fpricht am Donnerstag, 13. März, 8 Uhr, im Rahmen eines Rurfus Gen. Dr. Hohnstein bei Frig Hamburg, Schloßftr. 103. Bäfte willkommen. Genoffe Bleier bält die Einſegnung( Weihe der Jugend) am Freitag, ben 14. März, nachm. 2 Uhr in der Trinitatisfirche Charlottenburg, Karl August Play, unter Mitwirkung der Genoffin Guder ab. Ueber die Probleme der Sozialhygiene in Rußland spricht in der Medizinischen Sektion der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußland" ( Geschäftsstelle Berlin Bankow, Ravalierstraße 10) Herr Dr. med. 3. Go!. beltswesen in Deutschland. Der Vortrag( mit anschließender Aussprache) denberg als Bertreter der ruffischen Boltsfommiffariates für Gesundfindet am 14. März 7, Uhr im großen Hördale des Alten Langenbed haufes, Biegelstraße 10/11, ftatt. Gaftfarten abends am Saaleingang. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Am Sonntag, den 16. März, pünktlich nachmittags 4 lbr, im großen Saal der Bhilharmonie. Bernburger Straße: Großes Orchestertonzert. Das Philharmonische Orchester unter Leitung von Kapellmeister Dr. Stiedry. Einzelfarten zum Preise von 1,25 Gm. im Bureat des Bezirksbildungsausschusses und in allen Abteilungen, sowie bei Horfch,( Betwerkschaftshaus, Engelufer 24/25 und in der Buchbandlung Vorwärts, Lindenftr. 3. Abonnenten zahlen 1 m. Die Bufalagmarken für Abonnenten können schon jett eingezahlt werden. Am Freitag, den 14. März, abends pünktlich 6, Uhr, zweite Filmvorführung im Wissenschaftlichen Theater der Urania. Zur Borführung gelangt der Bildfire fen: Tiere im Film. Karten find noch zu haben im Vorraum des Theaters beim Gez.ossen Bruno Lache. Am Freitag, den 14. d. M., pünktlich abends 7 Uhr, wird die Vortragsreihe des Genossen Dr Lohmann im Gesangsaal ber Sophienfchule, Weinmeiſterstr. 16/17, weitergeführt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Sonnabend, den 15. März, abends 6 Uhr wichtige Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes im Sigungsfaal des Parteivorstandes, Lindenstr. 3, 1. Hof 4 Tr. Der engere Borstand triff um 5 Uhr im Sekretariat zu einer Borbesprechung zusammen. 7. Rreis Charlottenburg. Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahrt! Donnerstag, den 13. März, 8 Uhr, im Sekretariat, Rosinenstr. 4, v. 1 Tr., wichtige Besprechung der Abteilungsleiterinnen. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, den 14. März, 7½ Uhr, gemeinsame Sigung der Beamtenwerbeausschußmitglieder der Abteilungen 24-31 bei Rösner, Immanuelkirchstr. 25. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 14. März, 7% Uhr, Gigung der Zeitungstommiffion. 8. Kreis Wilmersdorf. Freitag, den 14. März, 7 Uhr, bei Pieper, Sol fteinische Str. 60, Funktionärinnenkonferenz. Die Abteilungsleiterinnen finden sich dortselbst um 7 Uhr pünktlich ein. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Fraktionsmitglieder, Eltern, Lehrer, Bildungs- und kommunale Kommission, Freitag, 7% Uhr, wichtige Sigung im Rathaus Mariendorf. Zimmer 26. 20. Areis Reinidendorf. Freitag, den 14. März, 7 Uhr, im Jugendheim Geebad, Residenzstr. 49, Konferenz aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffinnen und Genossen. Bortrag des Genossen Stadtrat Hecht über: Die einheitliche Gestaltung der Wohlfahrtspflege." Alle Wohlfahrtspfleger und Helferinnen sowie die Notdiensthelferinnen sind eingeladen Heute, Donnerstag, den 13. März: 2. Kreis Eiergarten. 7½ Uhr bei Trümper, Flensburger Str. 3, Funktio närinnenkonferenz. Erscheinen aller notwendig. 11. Abt. 35. Berkaufsstelle der Konsumgenossenschaft! 7% Uhr bei Schweifert, Erasmusfir. 2, wichtige Gigung fämtlicher BSPD.- Ronfumfunktionäre und für die aus der 11., 53. und 54. Abteilung zur Wahlarbeit für diese Ber taufsstelle bestimmten Genossen. 11., 12. unb 13. Abt. 27. Verkaufsstelle, Emdener Str. 50. 7 Uhr, Schule, Bremer Str. 13, wichtige Gigung sämtlicher BSPD.- Konfumfunktionäre und flir die aus der 11., 12. und 13. Abteilung zur Wahlarbeit für diese Berkaufsstelle bestimmten Genossen. Mitgliederlisten sind mitzubringen. 24. Abt. 7 Uhr bei Winzer, Christburger Str. 9, Versammlung aller Ronsume genoffenschaftsmitglieder der 16. Berkaufsstelle. Empfang des Wahlmaterials, 30. Abt. 7% Uhr Schulaula, Pappelallee 40/41, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Ernst Heilmann, M. d. 2. 104. Abt. Rieberschöneweibe. 7% Uhr Funktionärfonferenz mit dem Bildungs ausschuß im Lokal Thiele, Berliner Straße. Jugendweihen in Irgel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, Heiligenfee und Hennigsdorf: Für die Kinder, die sich in Tegel zur Jugend 105. Abt. Ablershof. 7% Uhr im Reichensaal der Gemeindeschule, Radde weibe gemeldet haben, findet Freitag, nachm. 4 1hr, in Tegel, Jugendheim, Bahnhofstr. 15, eine Zusammenkunft ſtatt. Gaserplosion in Oppan. In dem Oppauer Wert der Badischen Anilin- und Sodafabrik ereignete sich eine Gas- Generator- Er ploñion. Die Ursache der Explosion fonnte noch nicht festgestellt werden. Die Explosion war so start, daß einzelne Steinftide mehrere hundert Meter weit gefchleudert wurden. Ein deutscher Gendarm wurde verlegt. Der Sachschaden ist erheblich. Refielerplosion in Lüdenscheid. In der Fabrik Hoch u. Düren ist auf bisher unaufgeklärte Weise ein Refsel erplodiert. Ein Arbeiter wurde zurückgeschieudert und verlor die Besinnung, ein anderer erlitt schwere Brandwunden im Gesicht und am Kopfe, fomie erhebliche Fleischwunden. Das Reffelhaus sowie das Dach der Fabrit wurden schwer beschädigt. Die Explosion erfolgte in einem neuen Gießofen der Firma, wodurch das ganze Gießhaus in die Luft flog. Ebenso wurde das dahinterliegende Kohlenhaus völlig zerstört. Während des Unglücks war gerade Arbeitsrause, so daß Menschenleben nicht zu beklagen sind. Eine weitere Nachricht besagt, daß eine Casfammelleitung und ein dabei befindlicher Kühler explodiert sind. Als Ursache wird überhaftete Abstellung angegeben, wodurch sich Gasgemische bildeten, die zur Entzündung famen. Ferner ist heute in demselben Wert ein Braunfohlenbunker in Brand geraten. Sport. Krupkat- Huschke Sieger der Sechstage. Um die Mittagszeit gibt Saldom wegen Ermattung das Rennen auf. Desgleichen verläßt Lorenz wegen Grippeerfrankung die Bahn. Die dadurch verwaisten Partner Techmer und Bauer bilden eine neue Mannschaft. Zwei Runden Verlust müssen fie mit in Kauf nehmen. Neun Paare sind dadurch nur noch im Felde. Bald ver= schwinden auch Koch- Schrage( 30 Bunfte, 6 Runden Verlust) wegen Aussichtslosigkeit aus dem Rennen. Nach der 5- Uhr- Wertung ist der Aussichtslosigkeit aus dem Rennen. Nach der 5- Uhr- Wertung ist der Stand des Rennens folgender: 1. Huschte- Krupkat 125 Punkte, 2. OliDeri- Lonani 31 Punkte. Eine Runde zurüd: Sawall- Stabe 117 Bunfte, Rütt- Lewanow 114 Punkte, Taylor- Hahn 46 Punkte, WittigKroll 17 Punkte. Zwei Runden zurück: Techmer- Bauer 134 Punkte, Storm- Blekemolen 81 Punkte, Koch- Schrage 30 Punkte, sechs Runden zurüd. Um 6 Uhr sind 4437,580 Kilometer zurückgelegt. Der Reforb von Chicago 1915, Egg Berri, 4415,760 Kilometer, ist somit überholt. Die entscheidende Stunde. Bon 9-10 Uhr finden Wertungen hintereinander alle zehn Runden statt und werden dem Ersten 48, dem Zweiten 8, dem Dritten 6 und dem Bierten 4 Puntte angerechnet. Beim Stundenschluß um 9 Uhr abends führen die holländischen Farben, getragen von Blekemolen, das Feld. Dann beginnen die einzelnen Wertungen. Techmer- Bauer und Storm- Blekemolen werden, da sie zwei Runden zurückliegen, aus dem Rennen genommen. Sechs Baare werden jetzt ihre Kräfte messen. Nach dem vierten Spurt wird das Rennen neutralisiert, weil sich plötzlich im Fahrfelde die ausgeschiedenen Fahrer, Bauer und Blekemolen, wieder eingefunden haben. Erst nachdem sie die Bahn verlassen haben, wird die Neutralisation aufgehoben. Als Sieger aus dem Sechstagerennen ging die Mannschaft Krupkat- Huschte mit 413 Punkten hervor. Dann folgen: OliveriLonani mit 135 Punkten, Rütt- Lewanom mit 470 Punkten, eine Runde zurück, Stabe- Sawall mit 273 Punkten, eine Runde zurüď, Hahn- Taylor mit 196 Bunften, eine Runde zurüd. Das Publikum brachte den Fahrern begeisterte Ovationen entgegen. Huichte ist Refordinhaber über Egg- Berri mit 4544.200 Kilometern. Egg- Berri haben in Chicago 1915 nur 4511,636 Kilometer gefahren. Geschäftliche Mitteilungen. Der tägliche Kaffeegenuß schadet dem Organismus durch das im Raffee ent. haltene Coffein. Das Streben des Nahrungsmittel- Chemikers ging dahin, für den gewöhnlichen Kaffee einen vollwertigen Raffee- Erfaß zu finden, der gesundheitlich einwandfrei ist und möglichst noch Bestandteile enthält, die einen besonderen Nährwert besigen und die dem Kaffeetrinker doch die wohl stets gewünschte Anregung geben. Mit dem..Mokajan" ist ein berartiger Bohnen. Laffee- Erfaß in den Handel gebracht worden. Er ist beinahe in jedem besseren einschlägigen Geschäft zu haben. Menn jeder Gesunde wüßte, Mas jeder Krante weiß, straße 10, Mitgliederversammlung. 1. Bericht vom Bezirkstag. 2. Stellungnahme zu den Genossenschaftswahlen. Sanafozialisten. Gesamtveranstaltung heute abend 7% Uhr im Landtag, PrinzAlbrecht- Str. 5, Saal 8. Vortrag des Legationsrates Dr. Walter Rechlin über: Aktuelle Brobleme der auswärtigen Politik." Alle Mitglieder find verpflichtet, zu erscheinen. Gruppe Friedrichshain. Wegen Beteiligung an der Gesamtveranstaltung fällt der Gruppenabend am Donnerstag aus. Gruppe Neukölln beteiligt sich geschlossen an der Gesamtveranstaltung. Nächste Veranstaltung Donnerstag, den 27. März, Jugendheim, Cannerstr. Bortrag über: Deutschland und seine deutschvöltischen Bewegungen." Gruppe Norden. 7% Uhr in der Kakaostube, Schönstedtstr. 1, Arbeitsgemeinschaft IV: Der historische Materialismus." Ref.: Genoffe Mennice. Morgen, Freitag, den 14. März: 74. Abt. Zehlendorf. Frauengruppe. Abends 8 Uhr bei Schnorre, Bots Damer Straße, Vortrag der Genoffin Gertcub Hanna: Die Frauen und die Reichstagswahlen." Aussprache. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 3. Abt. Der Genosse Baul Heinisch ist verstorben. Einäscherung am Frei tag, den 14. März, mittags 1 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. 48. Abt. Unser Genosse Otto Zimmermann, Elisabethufer 10, ist verKirchhof, Tempelhofer Weg. storben. Die Beerdigung erfolgt Donnerstag nachm. 31 Uhr auf dem Gimeon Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die April- Programme müffen umgebenb ab geliefert werben. Ferner ist von vielen Abteilungen noch der Berichtsbogen file das 3. Quartal abzugeben. Ebenso find von vielen Abteilungen noch Atontozahlungen auf die Baufondsmarken vorzunehmen, Theatermarken und Rinomarken abzurechnen. Achtung, Abteilungstaffierer! Es müssen morgen, Freitag, unbedingt von allen Abteilungen, soweit das noch nicht geschehen ist, die Februar- Marken ab gerechnet und die März- Marken abgeholt werden. Ferner find ArbeiterjugendZeitschrift" und unser Jugend voran" abzuholen. Heute, Donnerstag, den 13. März, 7½ Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2, Bortrag: Entwidlungs. geschichte des Gozialismus", 3. Teil. Neukölln I: Jugendheim Münchener Str. 52, Borirag: Was ist Ethik?". Neukölln IV: Lokal zum Bärwinkel", Steinbodite., Bortrag: Utopischer und moderner Sozialismus." Senefelber Biertel: Badeanstalt Oberberger Str. 57, Bortrag: Wirtschaftliche Fragen." Ortsausschuß für Jugendpflege Neukölln: Heute, 7% Uhr, Rino- Abend in Berbindung mit Radio- Konzert in der Rathenau- Schule, Bobbinstr. 34. Bor geführt wird eine Reihe quter Lufifpiele, ab 8% Uhr das gesamte Radio- Abendprogramm. Jugendliche 50 Bf., Erwachsene 1 M. Rarten find am Saaleingang erhältlich. Arbeitersport. Bogwettstreit der Arbeiter- Athleten. Am Freitag den 14. März, veranstaltet der Arbeiter Athleten Bund, 4. Kreis, einen Borwetttteit im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Su dieser Beranstaltung haben jämtliche großen Bereine des A.A.B. gemeldet. Es wird sehr guter und harter Sport geboten werden, da die Sieger für einen Schweizer Kampf in Frage tommen. Alle Rämpfe gchen über 5 Runden zu je 2 Minuten. Der Eintritts preis ist gering gehalten. Kaffeneröffnung 27 Uhr, Anfang der Rämpfe 168 Uhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Verein der Stralsunder in Berlin. Monatssigung heute, fowie jeden Donnerstag vor bem 15., 8% Uhr abends, im Restaurant Sonnenuhr", Am Oberbaum 3. Landsleute willkommen. Arbeiter Abstinenten- Bund, Gruppe Norden. Donnerstag, abends 7½ Uhr, Stadtbad, Gerichtstr. 67, Bortrag Dr. Druder: Itohol und Ar. beitsleiftung." Gäste willkommen: Eintritt frei. Berliner Berein für öffentliche Gesundheitspflege. Am 18. März wird Fräulein Dr. Alice Bolln hals im Sygienischen Institut der Universität, Dorotheenftr. 28a, einen Bortrag über: Die Arbeit des deutschen Roten Kreuzes zur Linderung der Not in Deutschland" halten. Gäste sind herzlich willkommen. Briefkasten der Redaktion. R. T. Cine solche gesetzliche Bestimmung besteht nicht. F. R. 30. Zentral blatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung und Gemeindeblatt der Stadi Berlin. Ech. 36. Nein. Koch& Leeland an der Spitze der Leistungsfähigkeit! Sportanzugstoffe Homespun, reine Wolle... Mtr. 6.50 Damen- Kostümstoffe Donegal, 4.50 ,, reine Wolle" 1.40 breit...... Mtr. Sertraudtenstr 20/21 Segr. 1893 Kein Mensch würde ohne eine Versicherung gegen Krankheit sein! Der Krante weiß: Die Koften einer ernsthaften Erkrankung sind heute für den einzelnen unfragbar. Sich zu Versicherungsverbänden, auch gegen Krankheit, zusammenzuschließen, ist wohlverstandene Gelbsthülfe auch der Outfituierten.:: Jn gefunden Tagen muß man fich versichern, um bei Erkrankungen versichert zu sein. Die Krankenkasse bes Mittelstandes der Gewerbetreibenden, selbständigen Kaufleute und freien Berufe, der Beamten u. Lehrer ist die Barmenia Versicherungsband für Mittelstand und Beamte V. a. G. zu Barmen Verwaltungsstellen i. ganz Deutschland Servorragende Familienversicherung! Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. 7. Januar 14. 99 99 21. 28. 99 4. Februar 11. " 18. 25. 99 99 3. März 10. 99 ( 1913/ 14-1) 1,13 1,11 1,08 1,06 1,04 1,03 1,04 1,05 1,06 . 1,06 Der Inder blieb gegen die Vorwoche unverändert. Die amtliche Großhandelsinderziffer. Die auf den Stichtag des 11. März berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande dom 4. März( 118,7) eine geringe Steigerung um 0,9 v. 5. auf 119,8. Von den Hauptgruppen stiegen zunächst die Lebensmittel um 1,2 v. 5). auf 105,4( 104,1). Die Gruppe Getreide und Kartoffeln blieb mit 83,6 nahezu unverändert. Ebenso die Gruppe Rohle und Eisen mit 137,7. Die Industrie stoffe zogen um 0,7 p. 5. auf 146,9( 145,9) an, die Inlandswaren um 0,7 v. 5). auf 107,5( 106,8) und die Einfuhrwaren um 1,9 v. H. auf 181,6( 178,2). Frankerholung. An der gestrigen Börse war die Erleichterung des Geldmarktes das hervorstechende Martmal. Tägliches Geld war mit/ s Proz. pro Tag angeboten. Das Interesse der Börse wendete sich weiter im besonderen Maße den Kursschwankungen des französischen Franten zu. In dem Kampfe zwischen der Bank von Frankreich und der internationalen Devisenspekulation scheint augenblicklich die letztere eine schwere Schlappe erlitten zu haben. Gestern wurden im Berliner Tauschverkehr für ein englisches Pfund 109 Frant geboten. Die Zusicherung einer amerikanischen Anleihe an Frankreich, sowie die Berhandlungen zwischen Pariser und Londoner Stellen und die Interventionstäufe der Bank von Frankreich an den großen ausländischen Devisenbörsen haben eine Erholung des Franken angebahnt, die nach dem Urteil hiesiger Börsenkreise eine gewisse Zeit andauern dürfte. Man verweist allerdings auf ähnliche Schwankungen der Mark in der ersten Periode der Inflation und ist daher auch der Meinung, daß auf lange Sicht neue Franfstürze im Bereich der Möglichkeit liegen. Die Nachfrage des Inlandes nach Devisen hat weiter etwas nachgelassen. Die Geldknappheit der letzten Tage dürfte hierzu wesentlich beigetragen haben. Immerhin ist der Bedarf noch so groß. baß gestern die scharfen Repartierungen beibehalten werden mußten. Spekulative Verteuerung der Schuhe? Zu der Frage der Häute preise, die durch Klagen der Lederindustrie über spekulative Preistreibereien auf den Häute auftionen aufgeworfen wurde, hat die Regierung fürzlich eine Darstelling veröffentlicht, die eine Ueberschreitung der Weltmarktpreise für Häute in Deutschland bestritt und die Notwendigkeit einer amtlichen, unparteiischen Ueberwachung der Häuteauftionen zurückwies. Die Angelegenheit ist für die breiten Massen von außerordentlicher Wichtigkeit. Begründen doch die Schuhfabri fanten ihre Preispolitik immer wieder mit der Berteuerung ihrer Produktion. Ohne billige Häute fein billiges Leder, ohne dieses teine billigen Schuhe! Gegenüber der Regierungsdarstellung verweisen interessierte Fachkreise darauf, daß die Ursachen, die zur Ausarbeitung eines bisher noch nicht in Kraft gesetzten Gesetzentmurfes über die Kontrolle der Häuteauktionen geführt haben, noch im Theater] Große Volksoper des Westens Theater, Lichtspiele usw. Uhr: Boris Godunow Volksbühne 7 Täglich Staats- Theater König Hunger 8 Uhr: Kammer- 6per Opernhaus Lützow str. 112 Regie: Dr. Georg Droescher Mas. Leit.: Dr. Ludwig Mis 7: Die lustig. Weiber Lessing- Th. Täglich wechselnder Spielplan! Opernhaus 71/2 am Königsplatz U.: Was ihr wollt 72 Uhr: Madame Freit. 7: Peer Gynt Butterfly Schauspielhaus Deut. Künstler- Th. 7 U.: Maria Magdalena Schiller Theater Allabendi 7/2: Nenes Operetten- Th. Täglich 7 Uhr: 7%: Stiftungsfest Señora Die Guido Thielscher Deutsch. Theater 71 Uhr: Th.i.Admiralspalas' Allabendlich 73 U. Dantons Tod Oranter und drüber Desfagle Nacht Schwant t. 3 Att. v. FranzArnold it.ErnstBach. Kammerspiele Deutsch.Opernhaus Else Bäck- Claire Rommer- Sibyl Smolowa Uhr Troubadour Camilla Spira- Tony Tetzlaff- Heinrich 8 Uhr. Palme oder: Der Gekränkte Theater i. d. Intimes Theater KöniggrätzerStr. 3: Der Hinduprinz 8 Uhr Wenn der Der Schrei usw. neue Wein blüht Metropol- Theater Komödienhaus Letzt.Vorstellungen 8 Uhr: Mexiko- 7 Uhr: Marietta Gold Berliner Theater 7.30 U.: Das Weib im Purpur Theater am Neues Theat. a. Zoo 72 Uhr: LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Neues Volkstheat. U: Die Tragödie Nollendorfplatz der Famille Stahl 7.0: Zwei um Eine Thalia- Theater 7 U.: Frasquita Kam.-S. Jadlowker, Rose- Theater Martha Serak 73 Unr: Gadschmieds 8U Theater i.d.Kommandantenstr Marlow Leo Peukert Berthold Relẞig Neu renoviert Etablissement Café Zielka Friedrichstrasse CO, Ecke Leipziger Str. Varleté! Kabarett! 7%, U. Täglich pinkti. 7. U. Paul Beckers, Willy Prager 44 Uhr täglich gr. Nachmittags- Vorst. mit Paul Beckers und Fr. Sylvart 4 große Billardsäle Trabrennen Tochteriela Das Radiomädel Mariendorf Kleines Th. Devisen Komt 1. v L.Schmidt U. Operette v.P.Weiner Kurt Vespermann, Edith Karin, Donnerstag, den 13. März Jenny v Krauss, Lya Dahms Falkenstein, Limburg Wallner- Theater Trianon- Theater Uh Mad. Pharao Tägl. 8 Uhr. 7/2 Die nackte Tänzerin 8 Lustspielhaus Lustsp. v. R. Lothar U: Tägt. 8 Uhr: 1/22 Uhr Apollo- Theater. Täglich 7 Uhr Der Liebestrank Die Abenteuerin Residenz Theat. Folies Caprice Die junge Welt Die Beine einer Komöd. v Wedekind Zwischen 12 u. 1 8 schönen Fau Stolzenberg, Hesterberg, Gerda Müller( vom Staatstheater), Sabo, Hirsch( vom Staatstheater), Kistenmacher Gewerkschaftshaus heute, trop der privaten Kontrolle, wirksam sind.| 206% Pf., auf der Auktion in Leipzig vom 14. und 15. Februar ,, Auf der am 27. Februar d. J. in Köln stattgefundenen Auktion wurden," so heißt es in einer Zuschrift, die Ochsenhäute im Gewicht von 30 bis 49 Pfund sowie die Kalbfelle zurückge 30gen, weil die hierfür gebotenen Breise den Häuteverwertungen nicht zusagten. Diese anhaltende, auch im gegenwärtigen Momente angewandte Praxis zeigt jedenfalls, daß die lleberwachungsorgane der Verbände nicht imftande sind, diesen Mißstand zu beseitigen." Die Zuschrift enthält eine Reihe meiterer gewichtiger Einwände gegen die Auffassung der Regierung. Sie bestreitet die Behauptung der Regierung, daß die Weltmarktpreise nicht überschritten worden seien. " Der Hinweis darauf, daß ein Ausgleich dadurch herbeigeführt merde, daß etwa zwei Drittel des Bedarfes aus dem Auslande gedeckt würden, ist gleichfalls unzutreffend. Diese Verhältnisziffer galt wohl für die Friedenszeiten, tommt heute jedoch nicht mehr in Betracht, nachdem eine Reihe auswärtiger Staaten Ausfuhrverbote für rohe Häute und Felle erlassen haben und die Einfuhr größerer Mengen ausländischer Rohware schon durch die verhältnismäßig geringen Devisenzuteilungen erschwert ist. Es ist bezeichnend, daß die Zuschrift der zuständigen Stelle aufhört und als höchsten auf der Berliner Auktion gezahlten bei der Angabe der deutschen Preise mit dem 19. Februar 1924 mitteldeutschen Auktion in Kaffel am 20. Februar 1924 für Preis 90,2 Pf. für Großviehhäute anführt, während auf der Großviehhäute Breise bis 119 Bf gezahlt worden find. Auch ist es bezeichnend, daß in der Zuschrift der zuständigen Stelle die Preise für Ralbfelle überhaupt nicht erwähnt sind, obwohl gerade die Preissteigerung dieser Rohware am aller. stärksten ist und in den Kreisen der Leberwirtschaft zu lebhaftesten Erörterungen Anlaß gegeben hat. Auf der Häuteauktion in Stuttgart vom 29. Januar 1924 wurden 208 Pf., auf der auf der Auktion in Frankfurt vom 14. Februar 1924 wurden Preisnotierungen für Nahrungsmittel. 1924 wurden 211 Pf., auf der Auktion in Mannheim vom 19. Februar 1924 wurden 216% Pf., auf der Auktion in Kassel Bfund Kalbfelle gezahlt. Es wäre interessant, wenn die zuständige Dom 20. Februar 1924 wurden fogar bis 225 Pf. für das Stelle den Gründen für dieses überaus starke Anziehen der Preise für Kalbfelle nachgegangen wäre und insbesondere die Deffentlichkeit darüber unterrichtet hätte, ob und inwieweit es zutrifft, daß die Preise für Kalbfelle deswegen in diefer starten Weise in die Höhe getrieben wären, weil zwei oder drei mestdeutsche Lederfabriken um jeden Preis alle auf die Auktionen fommenden Lose von Kalbfellen erstehen und andere Käufer ohne weiteres überbieten. Auch wäre es interessant gewesen, von der zuständigen Stelle zu erfahren, ob und inwieweit es zutreffend ist, daß an den Preistreibereien auf den Häuteauktionen fpetulative Elemente industrie", das Organ des Zentralvereins der Deutschen Lederschuld find. In dieser Beziehung hat nämlich Die Lederindustrie, in ihrer Nr. 42 folgendes geschrieben: Man sieht an den tolossalen Schwankungen der Gebote für ein und dieselbe Gattung und Gewichtsklasse, an der Ausschaltung der notwendigen und selbstverständlichen Wertdifferenz auf Grund der Qualitätsdifferenz, wie sehr hier wirt licher Bedarf und Spefulation miteinander ringen und wie die spekulativen Elemente immer wieder Anlauf nehmen, den Bedarf zur Bewilligung von Ueberweltmarktpreisen zu zwingen. Und wenn sich auf den weiteren Auftionen solche Rämpfe wiederholen, wenn weitere Fälle festgestellt werden, mo sofort nach Schluß der Auktionen die auf Spekulation zu leberpreifen gekauften zahlreichen Lose der Industrie in so drin= gender Weise angeboten werden, werden wir nicht verfehlen, das uns zur Verfügung gestellte Material unter voller Nennung der Anbietenden zu veröffentlichen und weitere Maßnahmen zur Bekämpfung ungesunder Preistreiberei zu treffen, die heute näher zu beschreiben noch keine Veranlassung vorliegt. Nach dieser Veröffentlichung zu urteilen, scheinen in den beteiligten Kreisen doch Unterlagen dafür vorhanden zu sein, daß in der letzten Zeit auf den Häuteauftionen nicht bloß der tatsäd für Spefulationen getätigt worden sind. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je liche Bedarf gedeckt wurde, sondern darüber hinaus auch Käufe Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haterflocken, lose Hafergrütze, lose Ro genmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieẞ 7% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, Perl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, große Kartoffelmehl Linsen, mittel Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Zentner Haus 16,00-17,25 Röstgetreide, lose.... 16.00- 18,00 16,00-17,00 Kakao fettarm 15,25-16,00 Kakao, leicht entölt 15,75-16,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 12,75-14, 0 Tee, indischer, gepackt. 425,00-475,00 18,00-18,80 Inlandszucker basis mel. 40 ,. 22,00-25,50 Inlandszucker Raffinade 42,50-44.50 14,50-16,00| Zucker Würfel. 17,00-21,00 Kunsthonig 100,00-12,00 131,00-153,00 42,00 46,00-48,00 40,00-45,00 19.00 22,75 Zuckersirup hell in Eim. 49,00 14,00-17,00 Speisesirup dunk. in Eim. 33,00 35,00 20,25-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-130,00 300-31,0 Marmelade Vierfrucht 40,00-55,00 26,00 30,00 Pflaumenmus in Eimern 46,00 50,00 3,404,00 4,20- 4,80 68,00 70,00 67,00 36,50-42,00 Steinsalz, lose.. 43.00-49.50 Siedesalz. lose 16,0- 18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00-45,00 Bratenschmalz in Kübeln 37,00 38,50 Purelard in Tierces 21,00-25,00 Purelard in Kisten 68,00-69,00 15,25- 17,50 Speisetalg in Packung 17,00-19,50 Speisetale in Kübeln 48,00-52,00 47,00-49,00 21,00-31,00 Margarine, Handelsm. I 56,10 31,00-36,00 desgl. II 48,00-52,00 105,00-115,00| Margarine, Spezialm. I. 76,00 43,00-48,00 desgl. II. 60,00-65,00 52,00-55,00 Molkereibutter i Fässern 20,00 75,00- 80,00 Molkereibutter in Pack. 216,00 85,00 90,00 Landbutter in Fässern 180,00 75,00-80,00 Landbutter in Packungen 185,00 Mandeln, süße Bari... 145,00-160,00 Auslandbutter 208,00-216,00 135,00-150.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00-36.00 Ringäpfel, amerik. Getr Plaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) . Schwarzer Pfeffer singap. Kümmel, holländischer. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett. 98,00-106,00 Quarkkäse 155,00-165,00 Quadratkäse 130,00-141,00 Tilsiter Käse, vollfett 180,00-215,00 Tilsiter Käse, halbfett 62,00-66,00 40,00-50,00 35,00-50,00 115,00-125,00 50,00-55,00 23,00 25,00 Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 Ausl. ungezuck. CondensRöstkaffee Brasil 225 00-280,00 milch 48/16 Röstkaffee Zentralam. 315,00-400,00 Inländische desgl. 48/12 18,50-19,50 Malzkaffee, gepackt 23,00 25,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 28,50-29,50 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden 8 Uhr Tanz Sport Alles jeden Musik Abend Humor Gesang in der SCALA Internat. Varieté WIEN- BERLIN Täglich 8 Uhr Unterhaltungs- Varieté Jägerstr. 63 a Täglich Uhr Das größte Programm! Geschwister Severus 3 Cartellas Harry Allista Alexander Schäffer and weitere 6 Schlager = Song: Nachmittags- Vorstellg. 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Die Reorganisation des Lieferantenkredits, auf dem vor dem Kriege ein großer Teil des fapitalistischen Warenaustausches beruhte, geht jett langiam bor fich. Die Vereinigung der Ausrüster gangund halbseidener Bänder in Strefeld hat, wie dem Konfettionär berichtet wird, auf Grund voraufgegangener VerbandLungen mit dem Verband der Seidenbandindustrie Deutschlands das in feinen Konditionen enthaltene Zahlungsziel von 10 Tagen und die 14tägige Rechnungsausstellung beseitigt und statt dessen bie friedensmäßigen Monatsrechnungen und ein 8ahlungsziel von 35 Tagen netto wieder eingeführt. BORG Central- Theater Komische Oper Casino- Theater Alte Jakobstr. 30 Tägl. 8 Uhr: Die Novität: Der dumme August Operette in 3 Akten Walhalla Theater Weinbergsweg 15 Welt attraktionen WINT ORIEN Allabendlich 72: Lothringer Str. 37. Die größte Revue des Kontinents: Die Welt ohne Schleier Billigstes Theater Berlins Volkstüml. Preise von 50 Pf. bis 1.50 M Tagl. 8 Uhr: Der Sensationsschlager: Die Mali v. 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Bild unter L. 29 umgebend erbeten an die Hauptepped. bes Borwärts 102/17 Nr. 123 41. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der auffässige Aufseß. Wie der Stellvertreter Kahrs zum bewaffneten Aufstand rief! In der weiteren Zeugenvernehmung schildert Polizeioberst Seißer die Drganisation der Abwehr des Hitler- Butsches, wie sie sich in seiner Erinnerung darstellt. Er sagt u. a.: Hiller und Ludendorff waren in der Nacht bereits vollkommen im Bilde, daß wir nicht mitmachten und daß ihr Unternehmen verloren war. Die Sache hätte trotzdem unblutig aus gehen können. Erst der bewaffnete Demonstrations. zug, der an der Ludwigsbrücke die schwache Landespolizei angegriffen hatte, hat den Kampf entfacht. In diesem Saal, in dem ich als junger Offizier erzogen worden bin, in diesem gleichen Saal ist Reichswehr und Landespolizei vor dem ganzen Auslande in den Schmug gezogen worden. Bars: Das geht bereits über die Zeugenaussage hinaus. Wir treten nun in die nichtöffentliche Sigung ein. Rechtsanwalt Holl: Die Berteidigung ist in der denkbar schwersten Lage. Gestern ist die Bernehmung des Herrn v. Kahr abgebrochen worden, und es ist für uns jetzt unmöglich, nach diesen Aussagen des Herrn Oberst v. Seißer Fragen zu stellen. Immer, wenn es für unsere Mandanten günstig tommt, tritt die Flucht in die geheime Sihung ein. Ich bitte doch zu bedenken, daß die Aussagen des Herrn v. Seißer, die die Angeklagten so schmer belasten, jetzt unwider sprochen in das Land gehen. Bors: Es handelt sich jetzt bei der Besprechung um Dinge, die vor dem Ausland verborgen bleiben sollen. Rechtsanwalt Holl: Trotzdem betone ich, daß diese Dinge zum Teil öffentlich besprochen werden müßten. Die Ehre unserer Mandanten ist hier in scharfer Weise angegriffen. Es ist Herrn Dr. Weber vorgeworfen, daß er gelogen hat. Ich bitte um eine Pause von 20 Minuten, damit die Verteidigung sich überlegen fann, ob sie bei ihrer gestern festgelegten Absicht bleiben kann. Rechtsanwalt Göz: Als früherer Offizier ich habe 14 Jahre fang den Rock des Königs getragen Bcrs.( unterbrechend): Das haben Sie ja schon wiederholt betont. Rechtsanwalt Göz: Als alter Offizier verwahre ich mich gegen diese Ausführungen des Herrn v. Seißer. Wir haben nicht aus Haß die Reichswehr oder deren Offiziere angegriffen. Wenn wir es taten, fo geschah es aus wohlüberlegter Berteidigung. Hierauf trat die von der Berteidigung erbetene Pause ein. Angriffe gegen Seißer. Nach Wiederaufnahme der Sizung wurde eine ganze Reihe von Ertlärungen gegen den 3eugen Oberst v. Geißer abgegeben. U. a. erhob sich Ludendorff und erflärte: Die Dar ftellung meines Gespräches in der Nacht zum y. November mit Oberst v. Seißer ist nicht richtig wiedergegeben. Ich beziehe mich dabei auf meine erste Aussage. Weiter muß ich feststellen. daß der Zenge an meinen Worten im Nebenzimmer des Bürgerbräufellers, Ich bin ebenso überrascht, wie Sie", fchon damals ohne jeden Grund gezweifelt hat Was der Zeuge hier ausgejagt hat, ist eine nachträgliche Konftrut tion; ferner hot Seißer wiederum behauptet, es werde gegen die Reichswehr gefämpft. Demgegenüber verweise ich auf unsere im Interesse der Reichswehr und im höchsten Ernst abgegebenz Erklä rung. Allerdings habe ich die schwere Befürchtung, das Reichs wehr und Landespolizei durch die Bertreter, die hier auftreten, geschädigt werden. Dann gab Rechtsanwalt Roder namens fämtlicher Berteidiger folgende Erklärung ab: Oberst v. Seißer hat nicht als Zeuge ruhig und fachlich seine Wahrnehmungen befundet, sondern hat eine Ber. teidigungsrede für Kahr, Lossow und Seißer gehalten. Borsigender unterbrechend: Das ist eine Kritik an der Zeugenausfage, die unangebracht ist. Wenn ähnliche Erklärungen abgegeben werden, kann ich diese nicht gestatten. Rechtsanwalt Roder fortfahrend: Der Beuge hat damit felbst darauf verzichtet, daß seine Ausführungen als objektive und unpartetifche Tatsachenbehauptungen hingenommen werden. Die Verteidigung erklärt, daß ein großer Teil dieser Behaup fungen bereits widerlegt ist und daß ein weiterer Teil im Verlauf des Prozesses noch widerlegt wird. Die Verteidigung stellt ihre zahlreichen Fragen an den Zeugen zurüd, bis die Bernehmung des Herrn v. Kahr abgeschlossen ist. Die Verteidigung war bisher nach Kräften bestrebt und wird auch fünftig bestrebt sein, daß die Staatssicherheit nicht gefährdet wird und daß alles unter Ausschluß der Deffentlichkeit verhandelt wird, was nicht für die Deffentlichkeit bestimmt ist. Die Berteidigung weiß zu unterscheiden zwischen Staat und Staatssicherheit und dem even tuellen Hochperrat der Herren Kahr, Lossow und Seißer. Die Verteidigung erhebt Widerspruch dagegen, daß diese Herren und ihr Hochverrat geschützt werden und verlangt, daß die Besprechung vom 6. November, in der das Wort des Generals v. Lofsow von der 51prozentigen Garantie und das des Herrn v. Kahr von dem normalen Weg nach Berlin besprochen wurde, in aller Deffentlichkeit verhandelt werde. Bor: Das ist mir unverständlich. Der Hochverrat der drei Herren soll geschützt werden? Richtet sich dieser Vorwurf vielleicht gegen das Gericht? Rechtsanwalt Roder: Es kann der Eindruck eines Schutes nach außen hin dadurch entstehen, daß die Verhandlung hinter per schlossenen Türen geführt wird und die Herren objektiv geschützt werden. Erster Staatsanwalt Dr. Stenglein( fehr erregt): Es ist schon bei der Bernehmung des Generals v. Lossom der Antrag gestellt worden, die Deffentlichkeit bei der Besprechung der Borgänge am 6. November auszuschließen. Damals wurde fein Widerspruch erhoben und insbesondere auch nicht der Borwurf gemacht, als ob irgend etwas der Deffentlichkeit entzogen werden sollte, mes bie Hochperratsanklage gegen Kahr, Loffow und Seißer betrifft( sehr scharf): Mit Entschiedenheit und größter Entrüftung muß ich mich gegen den Vorwurf wenden, als ob irgendwie die Herren Kahr, Lossow und Seißer gegen die Anflage wegen och verrats in Schuh genommen werden sollen. Das prüft die Staatsanwaltfchaft mit größter Gewissenhaftigkeit und das wird cuch ohne Rücksicht auf die Person burchgeführt. Es liegt fein Grund vor, hier in aller Deffentlichkeit der Staatsanwaltschaft einen derartigen Vorwurf zu machen. Ich weise ihn daher mit aller Entschiedenheit zurüd.( Große Bewegung.) Rechtsanwalt Roder: Meine Erklärung hat feinen Zweifel daran gelaffen, daß ich gesagt habe, die Herren werden durch den Ausschluß der Deffentlichkeit nur nach außen hin geschüßt, unb baß der Anschein vermieden werden soll, als ob hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Es war am allerwenigsten ein Borwurf gegen die Staatsanwaltschaft, die ja über den Ausschluß der Deffentlichkeit gar nicht zu befinden hat. Bors: Dann faffe ich es also so auf, daß meder ein Vorwurf gegen die Staatsanwaltschaft noch gegen das Gericht erhoben worden ist. Sonst würde ich diese Aeußerung entschieden zurückweisen. Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune: Herr v. Seißer hat hier von den Anordnungen gesprochen, die Erz. Ludendorff angeb lich bezüglich des Grenzschußes in Nordbayern getroffen hat. Erz. Ludendorff hat es absichtlich in öffentlicher Sigung abgelehnt, sich darüber zu äußern. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Herr v. Seißer aus demselben Grund seine Aussage vorher überprüft hätte. Rechtsanwalt Gademann: Die Ereignisse des 6. November sind bereits zum Teil in breitester Deffentlichkeit erörtert worden und müssen auch weiterhin öffentlich besprochen werden. Ich bin im Befih eines genauen Stenogramms der Sihung vom 6. November und fann auf Grund dieses erklären, daß in der Sigung teine Fragen besprochen worden sind, die die Staatsficherheit gefährden tönnten, wohl aber sind damals Erklärungen der Herren Kahr, Cossow und Seißer abgegeben worden, die ihr Berhalfen in einem ganz anderen Sinn, als sie es hier darftellen, erscheinen lassen werden. Bors: Es handelt sich ja auch noch um andere Komplexe, wegen deren Ausschluß der Deffentlichkeit notwendig ist. Erster Staatsanwalt Sten glein: Meiner Ansicht nach ist es unzutreffend, daß es bereits nachgewiefen ist, daß der Marsch nach Berlin von den Herren Kahr, Lossow und Seißer beabsichtigt worden ist. Ich bitte das Gericht, die Frage zu prüfen, ob über die Sigung vom 6. November in der Oeffentlichkeit verhandelt werden tann. Rechtsanwalt Holl: Der Staat und die Staatssicherheit find mit den Herren Kahr, Lossom und Seißer nicht identisch. Nach kurzer Beratung verkündete der Borsitzende, daß für die Dauer der weiteren Bernehmung des Oberst v. Geißer die Deffentlich feit wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausge fchloffen wird. Ueber die Frage, ob die Sigung vom 6. No. vember in öffentlicher Sigung erörtert werden kann, wird in nichtöffentlicher Sigung entschieden werden. Die Bernehmung des Oberst v. Seißer in der geheimen Sigung dauerte dann bis gegen 2 Uhr nachmittags, worauf die Mittagspause eintrat. Um 4 Uhr nachmittags wird die öffentliche Verhandlung wieder aufgenommen. Wehrkreiskommando und Marsch auf Berlin. Zu Beginn der Nachmittagsfihung verlas der Vorsitzende zu nächst zwei Erflärungen, deren eine, des Wehrtreistommandos 7, Stellung dagegen nimmt, daß die Verteidigung behauptet, die Angaben, die General Lossow in öffentlicher Sigung gemacht habe, seien in geheimer Sigung widerlegt worden. Das Wehrkreisfommando erklärt offiziell, daß es niemals einen Befehl ausgegeben habe, in welchem von einem Vormarsch auf Berlin gefprochen worden sei; gezeichnet Generalleutnant Krek v. Kreffenstein Eine zweite Erklärung des Ministeriums des Innern wendet fich dagegen, daß der Angeklagte Dr. Frid über seine Unterhandlung mit dem Geheimrat Seblmener eine völlig falsche Darstellung ge geben habe. R.-A. Roder: Das Wehrtreiskommando behauptet, einen folchen Befehl nicht herausgegeben zu haben. Ich bitte den Herrn Direktor, die Feststellung zu machen, daß ein hoher Offizier einen folchen Befehl vom Wehrtreistommando mitgenommen hat. Borf: Eine folche Feststellung, die sich auf eine geheime Gigung bezieht, mache ich nicht. R.-A. Holl: Ich übergebe hier dem Gericht einen ähnlichen Be fehl, der vom Infanterieregiment 19 ausgegangen ist und der die Unterschrift des Bataillonsadjutanten trägt. Bor: Das hätten Sie beffer in geheimer Sigung getan. R.-A. Gademann: Ist es der Staatsanwaltschaft inzwischen gelungen, die Adresse des Herrn Ehrhardt zu ermitteln, Samit seine Ladung jeht vorgenommen werden fann? Bors.: Die Adresse soll Bergstraße 7 sein. Hierauf erfolgte die weitere Vernehmung Kahrs der heute seinerseits einen Borstoß gegen die Verteidigung unter nahm. Borf.: Exzellenz haben mir zwei Briefe übergeben, die bezüglich ihrer gestrigen Bernehmung an Sie gelangt find. Wollen Sie die Schreiben selbst verlesen. Beuge D. Kahr: Die Ver teidigung hier hat behauptet, ich hätte in Gegenwart des Herrn Justizrats v. Bezschwitz und des Profeffors Sittmann Herrn Fritsch aus Leipzig empfangen und hätte ihm über einen Marsch nach Berlin Mitteilungen gemacht. Hierzu fchreibt mir Herr Vrof. Sittmann, daß bei dieser Unterhaltung Fritsch lediglich den Wunsch geäußert hat. von mir zu hören, ob meine Diffetenzen mit Hitler beigelegt feien. Ueber einen Marsch nach Berlin ist überhaupt nicht gesprochen worden. Zweitens hat die Verteidigung erklärt, Herr Oberst Xylander habe auf dem Deutschen Tag" in Bamberg erklärt, er habe mich einen Tag vorher über den sogenannten Marsch nach Berlin interpelliert. Hierzu schreibt mir Herr Oberst Xylander, daß diese Mitteilung der Verteidigung vollkommen unrichtig ist. Er habe mit mir ein einziges Mal, und zwar im September 1923, in der Bersammlung im Zirkus Krone gesprochen, doch sei die Unterhaltung nicht über eine gefellschaftliche Begrüßung hinausgegangen. als 3eugen zu laden. Kennen Exzellenz vielleicht Profesor R.-A. Holl: Die Verteidigung behält sich vor, die beiden Herren Hermann Bauer, und wiffen Sie, daß er mehrere Wochen vor dem 9. November in öffentlichen Versammlungen über den Marsch nach Berlin gesprochen hat? Kahr: Ich weiß, daß Prof. Bauer das Bort geprägt hat:" Nicht los von Berlin, sondern auf nach Berlin." Ich habe dieses Wort recht unglüdlich gefunden.- R.-A. Ho11: Kennen Erzellenz einen Major Schiller aus Würzburg, und haben Sie zu diesem Herrn nicht Ende Oktober gesagt, es gäbe zwei Wege, nämlich die gütliche Berständigung mit Berlin und die gewaltsame Lösung. Der erfiere Weg fei aber nicht mehr gangbar. R.-A. Dr. Holl: Beuge Kahr: Tas hat mit den Ereignissen vom 9. November durchaus nichts zu tun. Man kann auf diese Fragen, die aus dem Busammenhang herausgeriffen find, doch nur antworten, wenn die ganze Unterhaltung erörtert wird. Für die Verteidigung ist es der springende Bunkt, nachzuweisen, daß die Herren Kahr. Lossom und Seißer den Marsch nach Berlin beabsichtigt haben. Wir werden noch mehr Herren aufmarschieren laffen und sie über derartige Unterhaltungen hier hören. Ich fomme nun auf Herrn Baron von und zu Auffeß zu sprechen, der doch Ihr Bertreter im Generalstaats. ommiffariat gewesen ist. Haben Sie mit Herrn v. Auffeß alles vorher besprochen? Beuge Kahr: Alles, was in das Vermaltungsreffort einfchlug. Die politischen Fragen haben wir nur hin und wieder erörtert. R.-A. Holl: Ist Erzellenz befannt, daß Herr Baron von und zu Aufseh in München am 20. Ot to ber bei den Bovaren folgende Rede gehalten hat: Im Namen und Auftrag Sriner Excellen: des Herrn Generalftaatsfommiffars Dr v. Kahr, der durch dringende Abhaltungen nicht in der Lage ist. Ihrer Einladung Folge zu leisten, spreche ich Ihnen seinen Gruß und feine beflen Wünsche aus. Er wäre sicher gern gekommen, aber Sie müssen ihn entschuldigen. Er jist Donnerstag, 13. März 1924 mit der Cunte vor dem offenen Pulverfaß. Auch ich fonnte Ihrer Einladung früher nicht Folge leisten, da ich als stellvertretender Staatskommissar ebenfalls schwer in Anspruch genommen bin und mich nicht früher losmachen fonnte. Meine Damen und Herren, der Bruch zwischen Bayern und Berlin ist heute abend 8 Uhr 30 Minuten erfolgt, und wir sind froh, daß er erfolgt ist. Es heißt für uns nicht: Cos von Berlin, wir sind feine Separatisten, es heißt für uns: Auf nach Berlin! Wir find jeit zwei Wochen von Berlin in einer unerhörten Weise belogen worden, und das ist auch nicht anders zu erwarten von dieser Judenregierung, an deren Spike ein Matrageningenieur fteht. Ich habe seinerzeit gefagt:„ In Berlin ist alles verebert und verfaut," und ich halte das auch heute noch aufrecht. Herr Ebert hat damals gegen mid) vorgehen wollen, aber man hat ihm gefagt, er folle fich nicht mit mir einlassen, er würde den fürzeren ziehen, ich hätte ein Schwertmaul. Die Reichsregierung ist sich der Gefahr bewußt, die ihr von Bayern droht. Reichsarbeitsminister Brauns fam heute abend in bas Generalstaatskommissariat, um zu vermitteln. Er wurde gefragt, ob er im amflichen Auftrage erscheine. Er sagte:„ Nein, das gerade nicht, aber usw." Es wurde ihm sehr kurz und deut. lich erklärt, seine Anwesenheit jei nicht weifer erwünscht. Als er dann noch herumdruckste und nicht gehen wollte, ettlärte ihm Herr v. Knilling, wo die Tür sei. Bahn-, Post- und Finanzhoheit haben wir verlangt. Jetzt haben sie sie uns genommen. Es kommt nichts mehr über die Grenzen, fein Geld, feine Lebensmittel. Der„ Völlische Beobachter" darf wieder erscheinen. Wir haben auch feine Veranlassung, einen Ehrhardt zu verhaften, auch die Erzberger- Mörder fönnen ruhig ihrem Beruf nachgehen, wir würden sie niemais ausliefern, Jch rufe Sie zur Einigkeit auf, stellen Sie fich hinter Kahr. Es wird uns immer besonders von der Seite Hitlers vorgehalten, wir fun nichts, es dauert zu lange, man müsse doch endlich mal einen Erfolg sehen. Das geht nicht alles auf einmal. Hitler wollte gleich losschlagen, aber wir müssen diplomatisch vorgehen, damit wir nicht ins Unrecht gesetzt werden. Es wäre beffer gewesen, wenn die, die abseits gestanden sind, mitgearbeitet hätten, dann wären wir heute schon weiter. Heute gehen wir mit Hitler zusammen. Wir wollen nicht los vom Reich, nicht gegen das Reich, aber gegen die Reichsregle rung. Man wartet in Norddeutschland darauf, daß wir losschlagen. Aber dies alles muß vorbereitet sein. Es waren Vertreter bei uns von Ostpreußen, medlenburg, Pommern, Hamburg, Hannover und Württemberg, die uns ihre Unter. stüßung zugesagt haben. Der General Müller in Sachsen hat seine Truppen aufgestellt und jie gefragt, wer für rechts und wer für lints fei. Er hat fie dann getrennt untergebracht, die einen in diejen, die anderen in jenen Kasernen. hai selbst das kommando über die rechtsstehenden Truppen übernommen. Die württembergische Reichswehr war angeblich zum Schuk von Plauen nach Hof beordert. Wir haben aus bestimmter Quelle erfahren, daß diese Truppen als erste zur Abriegelung gegen Bayern bestimmt waren. Der dortige württembergische kommandant hatte uns aber bereits die Zustimmung gegeben, daß er gegen die bayerische Reichswehr nicht vorgehen werde. Wir haben der württembergischen Reichswehr zu Ehren in Hof einen„ Deutschen Tag" abgehalten. Meine Damen und Herren, halten Sie sich bereit, wenn in den nächsten Tagen der Aufruf zu den Waffen an alle diejenigen ergeht, dieschon mitGewehr und Säbelumgegangen find. Meine Damen, laffen Sie Ihre Angehörigen, Jhre Brüder ziehen zum großen Befreiungstampf. Es wird nur kurze Zeit dauern. Bors: Wann haben die Angeklagten diese Rede des Barons Auffeß fennengelernt? Rechtsanwalt oll: Bald, nachdem sie verbreitet worden ist. Sie ist ja in mehreren hundert Exemplaren hergestellt worden. Rahr: Ich habe Baron v. Aufieß feinen Auftrag gegeben, eine solche Rede zu halten. Er hat mir nur furz gesagt, daß er zu dieser Bersammlung gehen würde. Mehr weiß ich davon nicht. Baron v. Auffeß behauptet übrigens, daß diefe Rede eine plumpe Fälschung sei. Den Inhalt mache ich mir nicht zu eigen. Rechtsanwalt holl: Die Rebe ist feine Fälschung, und wir werden Duizende von 3 eugen dafür stellen. Rechtsanwalt Quetgebrune Göttingen: Ich stelle fest, daß Exzellenz Ludendorff z. B. diese Nede erst im Verlauf der Untersuchung fennengelernt hat. Kahr, Claß und das Direktorium. R.-A. Holl: Hat Major Fuchs aus Berlin Eurer Erzellenz nicht eine leitende Stellung im Reich vorgeschlagen und haben Sie nicht drei Bedingungen an diefe geknüpft? Rahr: Ich habe Major Fuchs erst Ende November fennengelernt und habe einen zienrat Benz in der Infanteriefaserne rewesen, wo wir Exzellenz Boften im Reich grundsäßlich abgelehnt. v. Lossom prachen. Loffow erklärte uns: Wir wollten ja einen Staatsffreich machen, nur über die Zeit waren wir uns noch nicht einig. Wir wollten noch 14 Tage warten und inzwischen die übrigen Wehrkreiskommandanten auf unsere Seite bringen. Ich schlage erst los, wenn ich 51 Proj. Wahrscheinlichkeit für den Erfolg habe, Deden Eure Exzellenz diese Erklärung? R.-A. Holl: Am 9. November bin ich mit Kommer. Kahr: Wenn diese Erklärung was ich übrigens nicht glaube so gegeben worden ist, und wenn sie im Sinne eines militärischen Butsches gemeint war, so decke ich sie nicht. R.-A. Holl: Korvettentapitän autter ist bekanntlich die rechte hand von Ehrhardt. Dieser ist die rechte Hand des Herrn Justizrats Claß, den Eure Erzelferg fennen. Jff es nicht richtig, daß Eure Erzellenz mit Herrn Claß durch freudeutschen Handschlag verbunden find? Bors: Ich möchte den Grund zu dieser Frage erst tennen lernen. R.-A. Holl: Ich will hier noch nicht allzu große Gebiete auf becken. Bekomme ich von Exzellenz Kahr hier feine Antwort, dann muß ich allerdings tiefer in die Sache eindringen, daß über ein Rechtsdirektorium mit Herrn Claß verhandelt worden ist? Beure Dr. v. Rahr: Meine Beziehungen zu Herrn Justizrat Claß haben mit den Vorgängen am 8. und 9 November nichts zu tun. R.-A. Holl: Diese Antwort genügt mir. Ich bin froh, daß ich nicht mehr gefragt habe, denn ich stehe auf dem Standpunkt, daß man um Gottes Willen hier nicht mehr Leute hineinziehen soll als unbedingt nötig sind. War Eure Exzellenz im Sommer 1922 auf der Burg Hohened? Borf: Was ist mit dieser Frage beabsichtigt, das Gericht möchte hier flar sehen. R.-A. Holl: Dann will ich fragen, ob v. Kahr dort nicht die berörtert worden.- Borf: Die Tatsachen aus ber nicht öffentlichen Sigung stehen unter dem Schweigegebot. Rechtsanwalt hem meter: Jif es richtig, daß es zwischen Ew. Exzellenz und dem Führer der sogenanten Hausmacht, Sanitätsrat Piffinger, wegen der 3auderpolitit von Ew. Exzellenz zu ernsten Unstimmigkeiten geReußerung gelen hat, bag ble Sefuitex fetne beften treuen Mitarbeiter find.( Lautes Lachen im Zuhörerraum) Bors: Diese Frage tann ich nicht zulassen. Wenn das Lachen im Zuhörerraum nicht aufhört, lasse ich unverzüglich den Saal rämen. Wir sind hier nicht im Theater, wenn das auch von mancher Seite behauptet wird. Hitler: Hat das angestrebte Direttorium von Frankreich oder der Tschechoslowakei die Zusicherung bekommen, daß nicht dagegen vorgegangen wird? Bors: Diese Frage braucht nicht beantwortet zu werden. R.-A. Roder: Was haben die Herren Kahr, Lossow und Seißer sich vorgestellt, falls, Reichspräsident Ebert sich gegen den Druck des Rechtsdirektoriums stemmen würde. Was sollte geschehen menn Herr Ebert diesen Bruch energisch zurückwiese? Was follte z. B. mit der Reichswehr werden? Zeuge v. Ka hr: Das märe Sache von Berhandlungen gewesen. R.-A. Dr. Quetgebrune: Welcher Zeitpunkt war für das Inkrafttreten des Direktoriums in Aussicht genommen? Hatte man bereits eine Liste der Mitglieder festgestellt?- Kahr: Die Liste war noch nicht abgeschlossen. Justizrat Schramm: Ist nach Ihrer Auffassung, Erzellenz, ein Staatsstreich überhaupt eine legale Angelegenheit? Kahr: Das fann sehr wohl sein. Der Druck der Gewerkschaften auf die Regierung ist bekanntlich auch legal. Wenn das Direktorium fich legal durchgesetzt hätte, so wäre der Staatsstreich durchaus in Ordnung gewesen.- Justizrat Schramm: Jst in der Nacht zum 9. November eine Depesche von Erz. v. Seedt an Herrn v. Kahr eingelaufen, in der gestanden hat, daß Seedt die Dittatur im Norden in seiner Hand habe? p. Kahr: Eine solche Depesche ist an mich in der Tat gelangt. Justizrat Schramm: Ist Ihnen ferner bekannt, daß eine Depesche zurückging, in der für die angebotene Reichshilfe zur Niederschlagung des Hitler- Butsches gedankt und erklärt wurde, daß durch Erledigung des Hitler- Aufstandes der Fall Lossomnun wohl erledigt sei. Zeuge v. Kahr: Ich habe Erz. v. Seedt für die angebotene Hilfe gedankt. Das ist richtig, etwas anderes tam wohl nicht zum Ausdruc. Ich weiß nicht, wer diese Depesche verfaßt hat. Rechtsanwalt Holl: Haben Sie vielleicht eine Nachricht über eine Dittatur Seedts vom Oberbürgermeister Luppe- Nürnberg erhalten? Und wissen Exzellenz auch, daß in der Nacht das Telephon zwischen Erz. Seedt, Herrn Luppe und der Infanterieschule fpielte? Zeuge v. Kahr: Das stand jedenfalls in der Zeitung. Rechtsanwalt Hemmeter: Der Drud sollte also nicht von der beamteten, sondern von der wirtschaftlichen Stelle ausgeübt werden. Kahr: Das war Sache der beteiligten Kreise. Ich habe immer betont, daß die Errichtung des Direttoriums in erster Linie von Norddeutschland aus betrieben werden müsse. Selbstverständlich sollte auch die Reichswehr ein Wort dabei mitfprechen. Staatsanwalt E hardt: Es ist vorhin gesagt worden: In der Nacht vom 8. zum 9. November sei die Nachricht gekommen, daß die Diktatur Seedt gekommen sei. Nun hat aber am Donnerstag, den 8. November, abends, der Herr Reichspräsident die Dollziehende Gewalt Erz. Seedt übertragen. wohl damit gemeint? Rechtsanwalt Holl: Das war Exzellenz, haben Sie am 5. november den Kapitän Ehrhardt ins Generalstaatstommiffariat gebeten und ihm erklärt: Was wir beabsichtig haben, findet jeht nicht statt." Kahr: Ich fann dazu feine Erklärung abgeben. Hitler: Mich intereffiert nicht, mit welchen Berbänden Ew. Exzellenz verhandelt hat, aber mit welchen Persönlicht eiten aus dem Norden haben E. Erzellenz über diesen anormalen Drud gesprochen? Raht mit Minoug, Tirpih, Scheer, mit Knebel- Döberih. Hitler: Minout már damals nur Generaldirektor von Stinnes. Wie sollte er berechtigt fein, als Vertreter einer großen Gruppe der Nation einen Drud auf den Herrn Reichspräsidenten oder das Kabinett auszuüben. Rahr: Darauf tann ich teine Antwort geben. Rechtsanwalt Roder: General v. Loffom hat bei der Inpflicht nahme eine Ansprache gehalten: Wir wollen weiterfämpfen unter der Flagge fchwarzweißrot, wir wollen uns von ben berzeitigen Machthabern in Berlin befreien, bie imfer Bater and ins Unglüd gestürzt haben." Entsprach diese Rede der Besprechung mit Em. Exzellenz? Rahr: Ich lehne es in der Berufung auf mein Dienstgeheimnis ab, mich darüber zu äußern. Rechtsanwalt Roder: Erzellenz haben in der Nacht vom 10. 3mu 11. November im Speisesaal der Kaserne des Regiments 19 geäußert:„ Ich habe das gleiche gewollt, wie Hitler, aber Hitler hätte noch ein bißchen warten sollen." Rahr schweigt Rechtsanwalt Roder: Exzellenz, war der Justizrat v. Bezschwih nicht dabei? Kahr: Ich weiß, daß er dabei war. Ich habe mich aber damals ausdrücklich von jeder Aeußering zurüdgehalten. Just izrat v. 3eziwis springt auf: Já tann mich dazu äußern: Es handelte sich um meinen Sohn um seinetwillen war ich in die Kaserne gekommen. Ich jab neben Herrn v. Kahr und fragte ihn, ob ich einige Worte mit ihm sprechen fönnte, was er bejahte. B: im Effen fagte dann kahr: Hifler und ich haben dasselbe gewollt. Hitler ist nur vorgeprellt. | fommen t?- Borf: Diese Frage hängt nicht mit den Borgängen hier zusammen. Rahr: Ich will nur sagen, daß sich die Borstelfungen Bittingers auf rein wirtschaftlichen Fragen beschränkten. Hierauf wurde die Sigung auf Donnerstag morgen 9 Uhr vertagt. Vor Toresschluß. Die letzten Beratungen im Reichstag. Im Reichstag erklärte gestern vor Eintritt in die Tages- niffe macht, fann man Ansprüche anderer Länder nicht ordnung Abg. Dr. Düringer( DBp.), seine Rede vom Montag habe in der Presse manche Mißdeutungen erfahren. Es habe ihm ganz ferngelegen, feinem Fraktionsfollegen v. Raumer einen persönlichen Vorwurf zu machen. Er habe lediglich betont, daß jemand, der der Industrie nahesteht, die Frage der Aufwertung anders ansicht als jemand, der sie von Standpunkt der Geschädigten aus betrachtet. Auf der Tagesordnung stehen fleinere Borlagen. Abg. Effer( Str.) begründet einen Zentrumsantrag auf Bei terzahlung der sozialen Fürsorgeleistungen im besezten Gebiet. Reichsfinanzminister Dr. Luther begrüßt den Antrag. Er bedauert unter allgemeiner Zustimmung, daß von den Besagungsbehörden die Durchführung der Steuernotverordnungen im besetzten Gebiet noch immer nicht genehmigt ist. Das Reich müsse mit den Steuereinnahmen aus dem besetzten Gebiet rechnen. Wenn sie ihm entzogen werden, tönne die Leistung der Reparatio. nen gefährdet werden.( Beifall.) Der Antrag Esser wird angenommen. Der Gesezentwurf über die Ausprägung neuer Reichsfilbermünzen ist vom Ausschuß dahin geändert worden, daß mur 1-, 2 und 3.martstude, nicht aber die ursprünglich aus vorgesehenen 5- Marfstüde geprägt werden sollen. In einer Entschließung ersucht der Ausschuß die Reichsfinanz verwaltung mit Rücksicht auf die besondere Zahlungsmittelnot im belegten Gebiet, balbigft möglichst große Mengen der Reichs filbermünzen dort in den Berkehr zu bringen. Abg. Dr. Helfferich( Dnat.) hält es für wünschenswert, daß die Meinen Papierscheine bald durch Hartgeld ersetzt werden. Es genüge aber die Prägung von Ein- und Zweimartstüden. Die Gefahr der Inflation durch die neuen, nicht vollgültigen Münzen ist dadurch beseitigt, daß fie nur so weit in Berkehr gebracht werden dürfen, als die anderen Zahlungsmittel aus dem Berkehr gezogen merden. Redner äußert Bedenten gegen die Bestimmung, daß bei Zahlung von Berbindlichkeiten in gesetzlichen Zahlungsmitteln eine Mart in Silbermünzen einer Goldmart gleich gesetzt wird und Gold. mart in diesem Sinn der Wert von/ 706 Rilogramm Feingold ist. Helfferidh beantragt, ftatt Goldmart" zu fehen Rentenmark" und die Rentenmart als gejehliches Zahlungsmittel zu erklären. Abg. Schlad( 3tr.) empfiehlt die Entschließung des Ausschusses. Die Abgeordneten Dauch( DBp.), Dr. Dernburg( Dem.) und Reichsfinanzminister Dr. Luther wenden sich gegen die Anträge Dr. Helfferichs. Abg. Dr. Herh( Soz.) kommt auf das Helfferichsche Roggen währungsprojett zurüd und wirft dem Abg. Helfferich vor, mit jenem Projekt der Roggenwährung die Nebenabsicht verbunden zu haben, den Roggenpreis ständig möglich st hoch zu halten. Was in offener Feldschlacht nicht erreicht werden fonnte.( Unruhe rechts.) Benn wir zu stabiler Währung gekommen wären, fei es nicht durch, sondern gegen Helfferich geschehen.( Beifall fints.) Bräfident Cobe: Es würde der Eriebigung unferer Geschäfte garträglich sein, wenn wir vom Roggen mieber auf die Sübermünzen zurüdtämen.( Heiterfeit.) Bersönlich bemerfe Abg. Helfferich( Dnat), daß von einer Retenabficht bei feinem Roggenprojelt abfolut teine Rebe gewefen fei, Die Borlage wird nach den Ausschußbeschlüssen unter Ablehnung der Anträge Helfferich, für die nur die Deutschnationalen flimmen, angenommen, ebenso die Entschließung Auch in drifter Lefung und in der Gejamlabstimmung wird die Vorlage angenommen. zurückweisen. Mit einer praktischen Dezentralisation find wir einverstanden Die kreditgebenden Kreise dürfen außer ihren Rechten im Verwaltungsrat teinen weiteren Einfluß auf die Postverwaltungen erhalten. In den Verwaltungsrat muß auch ein Bertreter der Arbeiter berufen werden. In Privathände darf der kostbare Apparat der Reichspost nicht übergehen, wir würden niemals einer Privatisierung der Post die Hand bieten. Die Post ist auch ein Kulturfatior man denke nur an die Bedeutung für die Presse und hat die Bedürfnisse der Allgemeinheit zu befriedigen. Wir sind bereit, der Postverwaltung die Bewegungsfreiheit auch in bezug auf die Tarifgestaltung, deren fie bedarf, zu geben. Ist der Personalabbau bei der Post beendet? Ach hoffe es. Die neunstündige Dienstzeit der Postbeamten ist bei anderen Beamten in Ländern und Gememden noch nicht durchgeführt. Die Entschädigung für Nachtdienst ist ganz ungenügend. Die Beamtenschaft muß eine Berbesserung ihrer Verhältnisse erfahren. Besondere Bedenken gegen das Gesetz haben wir nicht, wir stimmen ihm zu. Abg. Körner( Dnat.): Württemberg und Bayern wollen feine neuen Sonderrechte, aber bie in den Staatsverträgen übernommenen Berpflichtungen des Reiches müssen loyal erfüllt werden. Präsident Löbe ermahnt zur Kürze. Es sei wünschenswert, daß dieser Gegenstand heute noch erledigt werde, da heute die vorletzte Sitzung des Reichstags sein werde. Abg. Dr. Gofhein( Dem.) wendet sich gegen die Bedenten der Herren aus Bayern und Württemberg. das Gefeß ablehne. Abg. Hoffmann- Schymargendorf( Komm.) erklärt, daß seine Bartei Reichspostminister Dr. Hoefle ersucht um Annahme der Borlage. Die Borlage wird hierauf mit großer Mehrheit in zweiter Beratung angenommen. Die Schlußabstimmung wird auf morgen vertagt. Die Neuwahl des Reichspräsidenten. Abg. Schultz- Bromberg( Dnat.) begründet dann einen Antrag feiner Freunde, wonach unter Aenderung des Artikels 180 der Reichs= verfassung die Neuwahl des Reichspräsidenten gleichzeitig mit der Neuwahl des Reichstags stattfinden soll. Reichsinnenminister Dr. Jarres gibt dazu folgende Erklärung ab. Der Herr Reichspräsident hat im Laufe der Jahre 1921 und 1922 wiederholt lebhaft darauf gedrängt, daß die in der ursprünglichen Form der Beimarer Reichsverfaffung unbefristet vorgesehene Neuwahl des Reichspräsidenten alsbald vorgenommen werde. Die Wahl wurde zunächst aufgeschoben, weil die Mitwahl Oberschlesiens noch nicht möglich war. Als dann die neuen Grenzen Oberschlesiens feststanden. wurde in voller Uebereinstimmung mit dem Herrn Reichspräsidenten der 3. Dezember 1922 als Wahltag in Aussicht genommen. Aus diesem hohen Hause entsprang jedoch nachträglich der dringende Wunsch, die Neuwahl zu verschieben. Fünf Parteien des Hauses brachten em Initiatingefeß ein, wonach der von der Nationalversammlung gewählte Reichspräsident sein Amt bis zum 30. Juni 1925 führen foll. Das Gesetz wurde am 27. Ottober 1922 mit sehr großer Mehrheit als verfaffungsänderndes Gesetz angenommmen, und zwar in der Form, daß es der Berfassung felbft einverleibt wurde. Damit follte dieser Frage eine ruhige, fefte Grundlage gegeben werden. Seither find teine Um stände hervorgetreten, bie ploßlich eine Aenderung notwendig machen fönnten. Eine solche Aenderung würde eine enderung der Berfassung sein und könnte daher nur mit verfassungsändernden Mehrheiten beschlossen werden. Die Regierung fann nicht glauben, daß das Haus fich zu einem fo sprunghaften Wechsel seines nach eingehenden Berhandlungen niedergelegten Willens entschließen wird. Ein Antrag aller Parteier mit Ausnahme der Kommunisten auf Ganz besonders ungeeignet erscheint die Verbindung der Wahl des Renderung des Reichswahlgefehes in der Fassung vom 6. März 1924 geht dahin, in§ 16 vorzufchreiben, daß die Kreiswahlvorschläge von mindestens 500 ftatt 20) Wählern des Wahlkreises unterzeichnet fein müssen; doch sollen 20 genügen, wenn diese glaubhaft machen, daß mindestens 500 Wähler Anhänger des Kreiswahivorschlages oder eines anderen sind, mit dem sich der Wahlvorschlag verbinden oder der sich dem gleichen Reichswahlvorschlag anschließen will. Der Untrag wird ohne Aussprache fofort in allen drei Lesungen genehmigt und unverändert angenommen. Es folgt in zweiter Beratung das Reichspoftfinanzgefehz, über dessen Ausschußberatung wir im geftrigen Morgenblatt berichteten. Abg. Bruhn( Dnat.) bemängelt den gegenwärtigen Betrieb der Post, der modernen Verkehrsbedürfnissen nicht entspreche, erklärt aber, daß die Mehrheit seiner Freunde ihr zustimmen werde. Abg. Lang( Bayer Bp.) befämpft den Ausschußbeschluß zum § 13. Er befürchtet daß bie bayerischen Interessen im Berwaltungsrat nicht genügend gewahrt werden( 1) und Der bayerische Gesandte v. Preger erklärt, Bayern fönne die Borlage nicht annehmen und werde alle staatsrechtlichen Mittel daBorlage nicht annehmen und werde alle staatsrechtlichen Mittel da gegen anwenden. Gesandter Hildenbrand schließt sich für Württemberg diefer Erklärung an. Ich hatte dann noch eine Auseinandersetzung mit General v. Lofsom megen der Art und Weise, wie man die Führer der Bewegung be handelt hat. Kahr: Ich fann mich an den Wortlaut dieser Auseinandersehung mit Lossom nicht erinnern. Ich lehne es aber ab, daß ich gesagt haben soll, ich wollte dasselbe wie Hitler. Im weiteren Berlauf der Berhandlung fommt es zu einer Gegenüberstel. lung zwischen Kahr und Pöhner, bei der Böhner seine Angaben aufrechterhält, ohne daß wissenwerte Punkte zutage gelehnt die Borlage at. fördert werden. Rechtsanwalt hemmeter: 3st Ew. Exzellenz bekannt, daß für den Fall des Einmarsches der Reichswehr nach Sachfen auf Anforderung der Reichsregierung auch der Kapitän Ehrhardt mit jeinen Formationen als bayerische Motpolizei marfchieren sollte? Rahr: Die Berstärkungen waren aus allen vater. ländischen Verbänden entnommen. Rechtsanwalt Hemmeter: Glauben Em. Exzellenz, daß. man in Berlin die Verwendung Ehrhardts in Sachsen, unter dem Mantel der Notpolizei, geduldet hätte ,. wo doch in Sachfen der Haftbefehl gegen ihn erlassen war? Kahr: Er brauchte ja nicht selbst hinzugehen.( heiterkeit.) Rechtsanwalt hemmeter: Nachdem befannt war, daß der Biting Bund" über die Ziele, die ihm von Em. Exzellenz gestellt worden sind, hinausgegangen. tritt für die Borlage ein. Sie dürfe jedoch keineswegs die Einleitung marum ist dann nichts geschehen, um fofort einzugreifen einer Privatisierung der Post bilden. Die Reichsregierung bitte ich man Weshalb hat und dieses Borgehen zu reparieren. Weshalb um eine Erklärung, ob fie Bayern Hoheitsrechte in bezug auf die erst bis zum 6. November damit gewartet? Erster Staats- Post zugestehen will. Ihre Stellungnahme dazu ist bisher nicht ganz flar geworden. Wenn man Bayern und Württemberg Zugeſtändanwalt Stenglein: Diese Frage ist bereits in geheimer Sigung 9 BATSCHARI- RAU RAUCHER BATSCHA BATSCHARI- RAUCA BAISCH A war, Abg. Henning( Deutschvölkisch) ist grundsäßlich gegen die Bor lage. Abg. Andre( Str.) hält die Borlage für unvermeidlich, nachdem die Post teine Reichszuschüsse mehr erhalten fönne. Das Gefez wolle den wirtschaftlichen, faufmännischen Geist in die Bostverwaltung tragen. BATSCH RAUCHER RAUCHER ER BATSCHARI RI- RAUCH BADSCHA BC Abg. Steinkopf( Soz.) Reichspräsidenten gerade mit den Reichstagswahlen. Nach der Reichsverfaffung foll der Reichspräsident dem Reichstag gegenüber eine unabhängige und selbständige Stellung einnehmen. Er soll dem Barteibetriebe und den Parteifämpfen entrückt werden. Aus diesem Grunde ist ersichtlich seine Wahlperiode anders bestimmt als die des Reichstags; er soll auf sieben Jahre, der Reichstag nur auf vier Jahre gewählt werden. Die Reichsregierung bittet daher, dem von den Abgeordneten Hergt und Genossen eingebrachten Gesetzentwurf die Zustimmung nicht zu geben. Abg. Müller- Franken( Soz.): Der deutschnationale Antrag würde feine Differenzen beseitigen, sondern neue schaffen. Der Antrag der Deutschnationalen wird gegen die Antragsteller und den Abg. Beuermann( DVp.) abgelehnt. Nach debatteloser Erledigung der dritten Lesung des Notetats wird die Schlußabstimmung auf morgen vertagt. Um 8 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag, 12 Uhr mit tags. Auf der Tagesordnung steht die Beratung der Vorlage über Die Golddistontbant, die Abstimmung über die zu den Regierungsverordnungen gestellten Anträge und eine Reihe von Anträgen, die sich auf die Neumahlen beziehen. Ein Antrag will den Abgeordneten bis zu den Neuwahlen Freifahrkarten bewilligen. Ein Antrag der Bayerischen Boltspartei will als Termin der Neuwahlen Sonnabend, den 12. April, festfeßen, diesen Tag zum öffentlichen Feiertag machen und die Arbeite geber zur For zahlung des Lohnes für den Wahltag verpflichten. Ein Antrag der bürgerlichen Parteien verlangt für die Karwoche ein Verbot aller politischen und Wahlversammlungen. Ein fommunistischer Widerspruch gegen die dritte Lesung der Goldbankvorlage findet nicht die nötige Unterstützung. Der gesunde Bohnenkaffee- ErsatzGehaltvoll- sparsam Motasan Das Dreieck ist in den Kreisen anspruchsvoller Raucher BAT RAUCHER I- RAU BAJ CHARI wohlbekannt WO PUHONNÝ