Str. 127 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 63 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar. u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage..Bolt und Zeit" mit..Gied. Jung und Aleingarten" fowie ber Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage..Frauenwelt" erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart. Reklamezeile 3,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmark( zulässig zwei fettaedruckte Worte), iedes 0,10 Goldmart. erfte Wort 0,10 weitere Wort weitere Wort Stellengesuche das Goldmart jedes 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Golbmart ein Dollar geteilt burch 4.20. Anzeigen für die nächste Nummer milien bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. Straße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Tonhoff 292-293 Verlag: Tönboff 2506 2507 Sonnabend, den 15. März 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bauffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devoitenkane Lindenstrasse 3 Reichstagswahl am 4. Mai. Der Relchspräsident hat auf Grund des§ 5 des Reichswahl- sabotage betrieben worden. Unter dieser falschen Flagge gefeges verordnet, daß die Hauptwahl zum Reichstag am 4. Mai 1924 stattfindet. Der Reichsminister des Innern hat zum Reichswahl( eifer den mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Präsidenten des Statiflifen Reichsamts beauftragten Ministerialrat Geh. Regierungsrat Profeffor Dr. Wagemann und zu feinem Stellvertreter das Mitglied des Stat stischen Reichsamts Geh. Oberregierungsrat Reifinger ernannt. Die Geschäftsräume des Reichswahlle ters befinden fich Berlin W 10, Cüßowufer 8, Fernruf: Berlin Kurfürst 9509. Telegrammadresse: Reichswahlleiter Berlin. Deutsch nationale Taktik. Man will die Spuren verwischen. Die Deutschnationalen suchen die schwere außen politische Situation des deutschen Volkes auszunuzen für ihre parteipolitischen reaktionären Zwede. Sie möchten die berechtigte Erregung des Bolles gegen das Treiben der Interessenten, das das deutsche Volt in schwere Krise und schweres Unglück gestürzt hat. ablenten von den Verderbern des deutschen Boltes im Innern auf seine außenpolitischen Bedrücker. Die Grundlage für diesen Versuch bildet jene faliche alte Theorie über das Berhältnis der äußeren und inneren Poliit, die die absolute Borherrschaft der äußeren über die innere Politik behauptet. So schreibt die Deutsche Tages zeitung" vom 14. März: haben die Nuznießer der Inflation sich von allen Staatslaften freigemacht, den Mittelstand ruiniert und die Arbeiterschaft ins Elend herabgedrückt. Unter dieser falschen Flagge haben die Deutschnationalen systematisch an der Bernichtung der inneren Grundlagen für eine außenpolitische Erleichterung der Lage Deutschlands gearbeitet. Die Kerfermauern, die Deutschland heute noch umgeben, fönnen nur zerschlagen werden wenn die innerpolitischen Boraussetzungen für eine wahrhafte Be freiungspolitit geschaffen werden. Es war das Verhängnis des deutschen Boltes, daß die deutsche Politik in den letzten vier Jahren auf ein Wunder gewartet hat, das außenpolitische Erleichterung bringen sollte, ohne mit der größten Entschiedenheit an der Schaffung der innerpolitischen Grundlagen der Erfüllungspolitit zu arbeiten. Mehrere Male haben wir in den vergangenen vier Jahren an kritischen Bunften der Entwicklung gestanden, an denen die psychologische Situation bei den Alliierten einer Wendung zum besseren günstig war. An diesen Punkten tam es darauf an, in den Fragen der deutschen Finanz- und Wäh rungsreform entschiedene Aktivität zu beweisen. Es tam vor allem darauf an, daß der deutsche Befiz zu seinem Teile die Lasten des Staates und die unvermeidlichen Leistungen infolge des verlorenen Krieges auf sich nahm. An diesen Buntten ist die günstige Situation vernichtet worden durch die Politit der Deutsch nationalen, die sich schüßend vor den steuerunmilligen Besiz stellte. Das ist ihre große nationale Schuld! Die Befreiung Deutschlands wird nicht erreicht durch eine auf leere Demonftrationen oder auf Verzweiflungsaktionen abzielende Außenpolitif im Geiste der Deutschnationalen, sondern durch eine sinnvolle Verknüpfung außenpolitischer und innenpolitischer Attivität, durch die Behauptung und Siche rung der demokratischen Grundlage der deutIn seiner großen Mehrheit hat das deutsche Bolt heute, wenn nicht die Erkenntnis, so doch das Empfinden, daß das Wesent liche draußen und daß das minder wichtigeim3nnern liegt. Daß es gilt, erst nach außen hin eine Bresche zu schlagen in die Kerkermauer eines bisher unerbittlichen Feindwillens, e he man an den Austrag der Probleme der Staats- und Gesellschaftsform im Innern geht." Unter dieser Flagge ist die helfferichsche Steuer- schen Bolitit und durch ihre Erfüllung mit sozialem Inhalt. geführt. Nachtsigung des Senats. obligatorischen Einführung, dem 1. Juft 1923, bis heute, also in acht. Monaten, mehr als achtzig Prozent seines Bertes verloren hat. In Erwartung einer Regierungskrise. Die Teilnahme an der Geldentwertung ist von den Saardeutschen Paris, 14. März.( WTB.) In der Nachmittagssigung des als ihre vaterländische Pflicht getragen worden. Die Entwertung des Senats wurde die Generaldebatte, über die Finanzgesetze zu Ende französischen Franken aber mitzutragen, kann der deutschen Bevölke Der ehemalige Finanzminister Beul Doumer sprach rung an der Saar um so weniger zugemutet werden, als sie auf fich, obgleich er Fraktionsgenoffe Poincarés ist, gegen das Er- Grund ihrer deutschen Nationalität und des vorübergehenden Chamächtigungsgesetz aus. Ebenso der Vertreter Frankreichs im Bölfer rafters, den bas Gaargebiet als Bölkerbundsgebiet hat, feineswegs bund, Senator de Jouvenel; er fritifierte die Außenpolitik dazu herangezogen werden darf, eine indirekte Steuer für den franBoincarés und forderte ihn auf, die Initiative zu Berhandzösischen Staat zu leisten. Durch die Entwertung des Franken haben lungen zu ergreifen über die Probleme der Reparation, der interalle Befizer französischen Geldes und diejenigen Bermögen und Rüdallierten Schulden, der Militärkontrolle und über das rheinischlagen, die auf Grund gefeßlicher Bestimmungen in festverzinslichen Brobiem. Poincaré müffe feinen Horizont erweitern und Frantenwerten angelegt werden müssen, wie die Mündelgelder und Frantenwerten angelegt werden müssen, wie die Mündelgelder und fich, wenn möglich, auf den Völkerbund stüzen, der allein die Vermögen und Rücklagen der sozialen Kaffen( Pensions-, Knappeine dauerhafte Lösung der theinischen, der Entwaffnungs- und der fchafts, Krankenkassen, Versicherungsgesellschaften usw.) mehr als Reparationsfrage bringen fönne.- Die Einzelberatung des Senats vier Fünftel ihres Wertes verloren. Beim baren Gelde und bei Anbegann bei Artikel 1 in der Faffung der Finanzkommission des lage in franzöfifchen Staatspapieren, wie sie z. B. bei den Knapp Senats, der eine Milliarde Ersparnisse vorsicht, die im Rahmen der schaftskassen der französischen Grubenverwaltung erzwungen wurde, bestehenden Gefeße erzielt werden sollen. Für diesen Tert sprach stellt dieser Kursverlust einen Gewinn des franzöfifchen Staates dar. Senator Reno ult. Danach wurde die Sigung auf 9 Uhr abends Bei der Annahme, daß etwa 90 Millionen Franken Bargeld im Saargebiet umlaufen, hat die Saarbevölkerung in den letzten acht Monaten dem französischen Staate allein durch tie Entwertung des Bargeldes 72 millionen Franten Steuern bezahlt! pertagt. Senator de Jouvenel bebauert, daß in der gestrigen Rede Boincarés überhaupt der Akzent für die Zukunft gemangelt habe. Seit zwei Monaten sei die politische Tätigkeit des Landes der Wechselfrise gewidmet und zutem noch turz vor den Neuwahlen, zu denen man femes Erachtens fhreiten werde. Poincaré erklärt, vor Ende des Monats Mai würden Neuwahlen stattfinden. Der weitere Verlauf der Debatte lag bei Schluß der Redaktion noch nicht vor. Man rechnet in Paris start damit, daß Poincaré in dieser Nachisizung des Senats gestürzt wird. Der Frank im Saarlande. 6 nußmittel einführen, und da bedeutet die schwankende Währung, Nun muß das Saargebiet fast seine gesamten Lebens- und Gedas ist aus der deutschen, österreichischen, polnischen, ungarischen, bulgarischen und russischen Erfahrung schon eine Allgemeinkenntnis geworden- eine starte Berteuerung in der Lebenshaltung der breiten Maffen, die nun zum zweiten Male durch die Geldentwertung verarmen. Dauernde Lohnkämpfe find natürlich die Folge, und so steht im Saargebiet augenblicklich im Borbergrund des Interesses der Lohn- und Gehaltskampf der gesamten Arbeitnehmerschaft, der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Greifen wir die typische wirtschaftliche Lage der größten Arbeit Aus Saarbrüden wird uns geschrieben: Der Franten nehmerschaft, der Bergarbeiter, herrus. Ihr Arbeitgeber ist der franfall bleibt leider nicht auf Frankreich beschränkt, sondern zieht auch zösische Staat, dem bekanntlich die Saargruben als Entschädigung für bas Saargebiet start in Mitleidenschaft. Dieses für 15 Jahre die zerstörten Gruben Nordfrankreichs durch den Versailler Bertrag dem Bölkerbund anvertraute deutsche Gebiet macht damit zum zweiten zugesprochen worden sind. In der Sigung des Senats vom 12. FeMale das Glend eines Währungsverfalles durch. Nachdem es mit bruar stellte der Berichterstatter fest, daß die Saargruben im verdem Mutterland die Inflation der Reichsmart bis zur Neige durchflossenen Jahre einen ausgezeichneten Ertrag für Frankreich abgegefoftet hatte, führte die Regierungskommiffion des Saargebietes mit worfen hätten. Die Absazverhältnisse der Saargruben sind an dem 1. Juli 1923 gegen den ausdrücklichen Willen der dauernb gut- anderseits gab der französische Minister Le Trocquer politischen Parteien die französische Währung als zu, daß die Teuerung im Saargebiet größer sei als in Frankreich. alleiniges gefeßliches Zahlungsmittel ein. Diese Einführung erfolgte Troßdem blieb aber der Lohn der Bergarbeiter 75 Broz. hinter der gegen die Bestimmungen des Versailler Tertrages(§§ 23 und 32 des Frankenentwertung und der Teuerung zurüd! Genau so steht es in Saarstatuts), der bestimmt, daß die deutsche Währung als den übigen maßgebenden Branchen und bei den Angestellten bezw. die gesegliche und die französische als die geduldete Wäh Beamten. Berbitterung und Berelendung gehen bekanntlich hand in rung anzusehen ist. Begründet wurde die Währungsänderung mit Hand, so daß im Saargebiet die schwersten Wirtschaftsfämpfe bevor dem Hinweis auf die Stabilität des französischen Franken! Wie groß stehen, wenn der Notlage der Lohn- und Gehaltsempfänger nicht die Stabilität des Franken war, geht daraus hervor, daß er feit feiner gesteuert wird. Die französischen Wahlen. Bon Leon Blum. Paris. Bis 1919 wurde die französische Kammer durch einheitliche Wahlen in den Arrondissements gewähit. Frankreich hatte ungefähr 600 Wahlkreise. Grundsätzlich hat sich die Partei in jedem Wahlkreis und in Wirklichkeit in der sehr großen Mehrheit der Kreise durch Auffiellung eines Kandidaten beteiligt und wenigstens den Wahlfeldzug und die Agitation zugunsten des Parteiprogramms und zur Werbung neuer Mitglieder, Organisationen und neuer Gruppen geführt. Wenn unsere Kandidaten nicht die absolute Mehrheit der Stimmen erhielten und deshalb nicht im ersten Wahlgang gewählt wurden, was leider meist der Fall war, tonnten wir doch wenigstens in der Stichwahl einen radikalen oder republikanischen Kandidaten gegen einen rechtsstehenden Bewerber unterstützen. Das war für uns ganz natürlich mir taten es gratis, und wir haben niemals mit einer anderen politischen Partei ein Stichwahlabkommen getroffen. Wir taten es, wie schon Jaurès sagte, ohne uns anderen Intereffen. als denen des Sozialismus verpflichtet zu fühlen, ohne aber zu vergessen, daß die sozialistischen Interessen von denen der Republit untrennbar sind. Um mit Eduard Baillant zu sprechen:" Wir taten es als rein sozialistische Pflicht und aus sozialistischer Disziplin, denn jeder Sozialist ist notwendigerweise Republikaner, und der vollkommenfte Republikaner ist der Sozialist." Diefe Taktik des Verzichts hatte mitunter ihre großen Schwierigkeiten, weil in Frankreich die wirkliche Politik der Parteien nur sehr schwer hinsichtlich ihrer Richtung unterschieden werden kann. Die Grenzen, die sie trennen, find verworren und dauernd in Fluß, und ihre Haltung wechselt so häufig, daß man sie bisweilen kaum wieder zu erkennen vermag. Das Wahlgesetz von 1919 hat die bisherigen Verhältnisse von Grund auf verändert. Die Wahltreise find weniger zahlreich als früher, die Listenwahl ist eingeführt, und im normalen Falle gibt es nur noch einen Wahlgang. Aber das französische Gesez von 1919 begünstigt inſtematisch in jedem Wahlkreis die Liste, die die größte Zahl der Stimmen auf sich vereinigt. Wenn eine Lifte die absolute Mehrheit erhält, merden ihr sämtliche Mandate zugesprochen, und die Liste, die die relative Mehrheit erhält das ist meist der Fall bekommt die Reststimmen fämtlicher Mandate, im Durchschnitt aber sicherlich mehr als ein Viertel der Mandate des Kreises erhält. Die stärkste Liste wird in Kandidaten ein Interesse haben, daß die Liste, auf der sie weitestem Maße begünstigt. Das hat zur Folge, daß die felbft stehen, die stärkste wird und daß sie sich untereinander verständigen und vielleicht vereinigen, um ihre Liste zur stärksten zu machen. Dieses Wahlgesetz erzwingt geradezu die Koalition der an den Wahlen beteiligten Barnehmen wir an, daß die erste von ihnen in allen Wahlfreifen teien. Nehmen wir zwei entgegengesetzte Parteigruppen an; eine einheitliche Liste repräsentiert und daß die entgegengesetzte Parteigruppe überall Sonderlisten aufgestellt hat, und nehmen wir ferner an, daß jede der zwei Gruppen in ganz Frantift es mit Rücksicht auf die Möglichkeit, daß die Einheitslifte reich zusammengenommen die gleiche Wählerzahl erreicht, so fämtliche Reſtſtimmen zusammenzählen darf, während das die zweite Gruppe nicht kann, sehr wahrscheinlich, daß die erste doppelt so viel Mandate befommt als die zweite. bloc national im November 1919. Der bloc national Daraus erklärt sich in der Hauptsache der Erfolg des charakterisiert sich also als eine Koalition von Parteien( nationalistische Rechte, flerifale Rechte, gemäßigte Republikaner und in verschiedenen Fällen Radikale), die in jedem Wahlkreis eine Einheitslifte gebildet haben. Der Erfolg des bloc national 1919 erflärt sich demnach in der Hauptsache aus der Bergünstigung, die das Wahlrecht diefer Konzentration von Barteien gegenüber ihren zerstreuten Gegnern gegeben hat. Bei der nächsten Wahl wird sich diese Koalition erneut bilden. Man kann daher sagen, daß sie bereits gebildet ist und daß sie, wie im Jahre 1919, die gemäßigten Republikaner und die radikalen Nationalisten umfaßt. Die Frage, die fich angesichts diefer Wahlkoalition auftut, ist, ob die Oppositionsparteien im Wahlkampf getrennt marschieren und dem bloc national das Monopol, das das Gesek von 1919 ermöglicht, abermals überlaffen. Für uns Sozialisten heißt die Frage praktisch: Ob wir uns weigern, qn einer Wahlkoalition teilzunehmen modurch wir ohnmächtig bleiben und dem bloc national durch unser Verhalten den beträchtlichen taftischen Vorteil überlassen, aus der Minderheit der Stimmen im Lande die Mehrheit in der Kammer zu machen. Benn wir bereit sind, mit anderen außerhalb des nationalen Blocks stehenden Parteien in eine Koalition einzutreten, heißt das natürlich auf unsere Spezialwählerlisten und auf unfere ganz einsettige fozialistische Führung des Wahlkampfes verichten. Die Wahlloalition nach unserem Gesek fennzeichnet sich durch gemeinsame Listen. Die gemeinsamen Liften, die fatalerweise tein gemeinsames Prae gramm hinter sich haben, verfangen einen gemeinsamen Wahlkampf, in dem natürlich unsere Kandidaten riskieren, In ihrer rein sozialistischen Wahlagitation beengt zu sein. Der einzige Wahlgang, den das gegenwärtige Gesetz vorfieht, bringt uns also in eine Lage, in der wir ehebem häufig bei den Stichwahlen waren, die uns den Verzicht auf eine eigene Aktion zugunsten eines einzigen republikanischen Kandidaten auferlegt. Wir stehen vor der Alternative, entweder der geeinigten politischen Reaktion ihren Wahlvorteil zu sichern, oder eine Schädigung der spezifischen Entwicklung unferer Partei zu riskieren. 1919 haben wir einstimmig zwischen den beiden Möglichfeiten gewählt und haben uns nach dem Antrag Brade gegen eine Wahltoalition mit anderen Parteien aus gesprochen. Nunmehr haben wir uns anders entschieden. Wir haben wiederum einstimmig beschlossen, diesmal uns zu der Lattik zu bekennen, die den sicheren Sturz des bloc national zur Folge haben wird und demzufolge die Wahlfoalition mit anderen Bartelen für zulässig erklärt ist. Troßdem sind wir seit 1919 die gleichen geblieben. Wir sind die gleiche Partei als vor der Spaltung von Tout. Wir blieben rach wie vor gefchloffene und rücksichtslose Anhänger der Sozialistischen Lehre. Der Hauptgrund für die neue Taktik der sozialistischen Partei Frankreichs ist die Ueberzeugung, daß, die franzo. fifche Reaktion in gewiffer Hinsicht die europäische Reaktion dirigiert, inspiriert und ermutigt, daß ein neuer Sieg der französischen Reaktion eine Ron foli dierung der Reaktion der Welt nach sich ziehen wird. Wir sind überzeugt, daß ein neuer Sieg des bloc national ein vielleicht unüberwindliches Hindernis für die friedliche Organisierung der Welt bedeutet. Wir machen uns feine übertriebenen Vorstellungen über den Erfolg dieser neuen Zattik und von den möglichen Refultaten eines Sieges des„ Kartells der Linken". Bielleicht gibt es schwere Enttäuschungen, aber wir wollen nicht, daß man uns eines Tages vorwerfen könnte, durch doktrinäre Intranfigenz und durch Parteiegoismus auch die leiseste Chance, eine Aenderung des franzöfifchen Regiments herbeizuführen, unterlassen zu haben. Das Opfer, das wir dantit bringen, gilt der internationalen Berständigung und dem Frieben! 10 Der Weg nach rechts. Unter dem Druck der Schwerindustrie. auch für die Steffung ber deutschen Boftspartei im Wahlkampf für die Reichstagswahlen anerkannt worden sei". Die Bolkspartei fommt unter dem Druck dieser Manöver aus ihrer 8witterstellung nicht heraus. Sie möchte gern Staatspolitik betreiben, ihre flügeren Führer wiffen ganz genau, daß nach deutschnationalen Rezepten nicht regiert werden kann, Stresemann hält die schönsten Reben darüber, daß mit Popularitätshaschenzi nichts zu erreichen ist und doch muß aus Angst vor der Das idiotische Konkurrenz Popularitätshascherei getrieben werden. Schlagwort vom Rampf gegen den Margismus", mit dem man Dielleicht in Buxtehude oder auch in München a. d. Ifar Politik be. treiben fann, muß unter dem Drud des Geldbeutels der Schwerinduftrie und unter der Drud einer bewußt demagogischen Straßenagitation von den führenden Männern der sozusagen tiassischen Bartel des deutschen Bürgertums aufgenommen wer den. Die Boltsparteirichtet sich dadurch von selber. Nur wer in der Innen- und Außenpolitik auf lange Sicht arbeitet, mer den Mut hat, den Bedingungen und Schwierigkeiten der deutichen Politit offen ins Auge zu sehen, fann beanspruchen, ernst geDie Berbeugung vor dem Bürgerblodge nommen zu werden. banken mag in den Bierflubs bürgerlicher Wahlvereine populär fein. Klug und weitfichtig und noch viel mehr durchführbar ist sie des wegen noch lange nicht. Es wird sich ja bald zeigen, ob im Wahllampf die Bolkspartei dem Drud ihrer Geldgeber oder der Politischen Einsicht folgen wird. * Der Landtagsabgeordnete Wiedemann ist aus der Deutschen Bolkspartei ausgetreten und zur Deutschnationalen Bolkspartei übergetreten. Der Parteivorstand der Deutschen Bollspartei hat ben Partei ausschuß für den 23. März nach Berlin einberufen. Rechtsblock oder demokratischer Kurs? Die Parteikonstellation im Wahlkampf. Die Betrachtungen der bürgerlichen Bresse über die Auflösung des Reichstages laffen die politische Konftellation im Wahlkampf er. fennen. Die Rechte hofft auf den großen bürgerlichen Rechtsblod im neuen Reichstag, der die demokratische Berfassung abändern, eine auf neue internationale Konflitte hinsteuernde Außen. politit betreiben und dem Fortschreiten der sozialen Entrechtung der Arbeiter Rückhalt geben soll. Die Kreuzzeitung" schreibt: Diefem Drängen zum Rechtsblod gegenüber verhält fid bas Zentrumsorgan, die Germania", sehr referviert: Alle anderen Interessen, auch solche höherer Art, müssen vor ben dringendsten Lebensfragen der Nation zurücktreten. Der neue Reichstag muß eine arbeitsfähige Mehrheit aufweisen und start genug sein, um die zerstörenden Einflüffe des rechten und linten Radikalismus niederzuhalten." Im„ Berliner Tageblatt" tritt dagegen Erich Dombrowski entschieden für den Kampf um eine tommende große Koalition Ser Mitte ein: Aber das eine Ziel fristallisiert sich auf allen rechten Flügeln der bürgerlichen Barteien, soweit sie nicht zur Linken zählen, doch schon tar heraus: Die Vorbereitung eines Rechtsblods, der von den Deutschnationalen über bie Bolkspartei bis zum Zentrum reicht und der dann, wenn er feine absolute Mehrheit auf sich vereinigen sollte, sich Sulfurs von den Deutschooltijchen auf ber einen oder von den Demo Praten auf der anderen Seite zu holen hätte. Eine folche Entwicklung, die das deutsche Bolt, wie in den Zeiten des faiserlichen Regimes, in zwei völlig getrennte Lager: Hie Bürgertum, hie Sezialdemokratie trennen würde, müßten wir für verhängnisvoll halten. Alle, die auf demokratisch- republikanischem Boban stehen, welcher Partei fie auch angehören mögen, haben aus innen- und außenpolitischen Gründen alles Interesse daran, eine solche Konstellation zu verhüten. Unferes Erachtens müssen die bürgerlichen Mittelparteien auf die Wieder herstellung einer arbeitsfähigen, großen Roalition hinarbeiten, bie wieder die Sozialdemokratie zu verantwortlicher Mitarbeit heranzieht. Sie allein gewährleistet eine stete, organische Fortentwicklung der deutschen Politit. Sie allein gibt auch dem Auslande, auf dessen moralischen und finan ziellen Kredit wir für lange Zeit angewiefen sind, die Garantie für den weiteren Wiederaufbau des Deutschen Reiches und der Deutschen Volkswirtschaft." Es ist felbstverständlich, daß im Wahlkampf die Extremen, die jede fefte Grundlage der inneren und äußeren Politik und die Ber. faffung zerfchlagen wollen, abgewehrt werden. Das ist das gemeinfame Intereffe der Sozialdemokratie mit den bürgerlichen Mittelparteien. Aber es geht im Wahlkampf nicht nur um die Abwehr der Ertremen. Die Sozialdemokratie hat mit den bürgerlichen Mittelparteien ebenso abzurechnen, die unter dem Drängen ihrer rechten Flügel eine gesunde und tragfähige Linkskoalition in Deutschland verhindert und den Bormarsch der Reaktion erleichtert haben. Das gilt für das Zentrum wie für die Demofraten. Die Sozialdemokratie führt deshalb den Wahlkampf in voller Freiheit vor allem um den sozialen um den sachlichen Inhalt Inhalt der künftigen deutschen Politit, und an den bürgerlichen Mittelparteien ist es, durch entschlossene Bekämpfung ber fozial. reaktionären Tendenzen, der nach rechts drängenden Flügel in ihren Reihen die tragfähige Grundlage für eine fünftige demokratischDie Hauptfache ist, daß man den Grund des llebels erkannt hat, daß es nichtdeutsches Wesen ist, was uns an den Abgrund des Verderbens gebracht hat, daß jüdischer und marristischer Geist, Klaffenkampf und Auspowerung Deutschland ruiniert haben, unser Nationalgefühl unterdrückten und die Revolution, die Quelle alles Uebels, Dorbereiteten. Um aber hier Wandel zu schaffen, um einen Reichstag mit starf nationalem Einschlag zu errepublikanische Regierung zu schaffen. zielen, der start genug ist, für Siefes Ideal zu kämpfen, müssen wir eine starte einheitliche Front haben Der fünfs tige Reichstag wird entweder aftionsfähig sein oder fich nach links. tole der bisherige, orientieren, wenn nicht eine starte Deutsch nationale Partei einzieht und das Steuer nach rechts wirft. Noch deutlicher wird ber Lofalanzeiger": Die Erneuerung der Micum- Verträge. Das falomonische Urteil des Barteivorstandes der Deutschen Volkspartei hat selbstverständlich an den Gegenfäten in der Bartel Der Kettensprenger nicht das geringste geändert. Der schöne Fettbrud, in dem die Beit" die Kautschukresolution des Parteivor. standes zum Abdruck bringt, hindert die Nationalliberale Bereini gung nicht im geringsten daran, ihre Sonderorganisation, die der hohe Parteivorstand eben erst als untragbar erklärt hat, Düffeldorf, 14. März.( Eigener Drahtbericht.) Bon französischer auszubauen. Die Tel- Union", die fich bereits ganz in den Dienst Seite verlautet, daß die Regierung Poincaré durchaus geneigt ist, der neuen Gruppe zu stellen scheint, teilt mit, daß in der„ Es wird sich darum handeln, auf dem legalen Wege aus die Micum- Verträge durch gleichartige ReparationsfachlieferungsHindersinstraße ein Bureau eingerichtet fel. Es dürfte nicht bei ber alle Kräfte lähmenden westlerischen For. Bereinbarungen von Regierung zu Regierung zu ersetzen. Aller maldemokratie Weimarer Prägung herauszubings bestehe sie auf Aufrechterhaltung der Micum- Drganisation als dem Bureau bleiben. Die rechten Elemente wollen die Führung tommen, um wiederaufbauen zu fönnen und um die Kräfte Kontrollinstan 3 für die Ueberwachung und Ausführung der her Bolkspartei bewußt terrorisieren. Der Drud für die außenpolitischen Aufgaben frei zu haben. Nur eine der Straße ist zwar verpönt, aber der Drud des Geld. starte Rechte im tommenten Reichstag wird das ermöglichen." eventuell abzuschließenden Regierungsvereinbarung über die in. beutels, der Druck der Stinnesmänner ist dafür um fo felbftver. In der Deutschen Boltspartei hat bas Drängen der bustriellen Sachlieferungen. Solange entsprechende Regierungs. ständlicher. Wie immer bei allen Dingen, bei denen Stinnes irgend Stinnes- Gruppe den Erfolg gehabt, daß Bartellettung und Fraftion fachlieferungsvereinbarungen nicht endgültig abgeschlossen sind, wie feine Hand im Spiele hat, hat auch diesmal die politische Regie eifrig versichern, daß sie den Kampf um den geschloffenen Rechtsblock follten die Micum Berträge in Kraft bleiben. nicht ganz geflappt. Dieser Mangel an politischer Regie hat aber gegen die Sozialdemokratie führen würden. So muß fich Herrn Stinnes noch nie geschadet. Der erste Erfolg ist die Berbie 3eit", das Organ ber Stresemannrichtung, darauf beschränken, öffentlichung der Resolution der volksparteilichen Reichstagsfraktion die offiziellen Parteibeschlüsse über die nach rechts gehende Rurs Dom 12. Januar, die eine verklausulierte und fautschukartig dehn bestimmung mitzuteilen und statt einer eigenen Meinung die nichts. bare Absage an die große Roalition barstellt. Man weiß zwar nicht recht, ob die Absage für immer oder nur vorüber. fagende Behauptung aufzustellen, daß das Sanierungswert der Re gehend gelten soll. Der rechte Flügel der Bolkspartei faßt jebenfalls gierung Marg beste Staatspolitit" fei: die Gelegenheit am Schopfe. Dr. Gildemeister, einer der Ober. macher, läßt bereits durch die Tl. feine Befriedigung darüber er. flären, daß grundsäßlich die Entschließung der Reichstagsfraktion Die letzte Nickelmünze. Bon Aturo Giovannitti I. Ralt, ftumm, tausendäugig, frostig, wie tote Dinge, mortlos, mit dem Schweigen der Ewigkeit, sternendurchzittert war die Nacht, die heilige Nacht meines Erwachens und meiner Berzweiflung. Ich stand vor dem gleißenden Schaufenster der Juwelenhand. fung. Erstarrte Tränen der Schande, des Schmerzes, der But, er ftarrte Tropfen gemordeten Blutes, erftarrte Gifttropfen: Berlen, Rubinen, Smaragde, glitzernd, zwinkernd, boshaft wie der erste Reif auf dem Blumenbeet, wie das Grinsen des Lodfeindes, wie das geile Schielen wollüftiger Blide in tränenfeuchte Augen. Ich hatte sie heute zum erstenmal gefüßt, vielleicht zum ewigen Bund, vielleicht aber zum ewigen Abschieb; deshalb blickte ich nicht in das höllenerleuchtete Fenster, denn ich dachte nach. Ich dachte an ihre großen, geweiteten, vielverheißenben, angst nollen Augen, die gleich dem phosphoreszierenden Rebel der Träume im Dunkel des Miettafernenvorhofes verglommen. Wenn das Sanierungswert von den Sozialdemokraten als foziale Reaktion" bezeichnet, auf der anderen Seite immer noch marristisch befunden wird, so beweist das am besten, daß die rich tige Mitte gehalten worden ist." ausgearbeitet. Dr. Schacht war gestern noch in Paris. Der Sachverständigenbericht wird vom Unterausjajus bereits Der neue deutsche Gesandte in Brüffel, Genoffe Landsbergs Nachfolger, v. Keller hat sein Amt angetreten. Danzig und Sowjetrußland. Der Danziger Boltstag hat zwei Anträge, betreffend die politische Anerkennung Sowjetrußlands fowie über die Anbahnung von Handelsbeziehungen mit Rußland mit großer Mehrheit angenommen. Ich sah ihn an. In feinen Augen, dort, wo die Bupillen gewäre Baul Ehrlich 70 Jahre geworten. Was er geleistet hat, 3am 70. Geburtstage Ehrlichs und Behrings. Am 14. März mefen, erblickte ich die gelben Fingerabdrücke des Hungers. Der zweite sprach: Ich weiß, daß ich betrunken bin, doch ich will noch mehr trinten." Geben Sie mir den Nickel, und ich will auf Ihre Gesundheit und Ihr Glück trinken." Und ich sah auch ihn an und erblickte feine Augen; und dort, wo Sonnenlicht gewesen, sah ich die verglimmenden Aschenrefte seiner Seele. Doch weber in den Augen des ersten noch in denen des zweiten sah ich den wilden Glanz der Juwelen, die im Schaufenster lagen. Beide wollten meine Nidelmünze, meine einzige, meine legte, meine armselige, vom Betaften abgenutzte Nickelmünze, die ba war ein Stüd Brot, ein Glas Schnaps- weiter nichts. III. In meinen Ohren ficherte die Stimme des Teufels, der im schimmernden Schaufenster hauste, des Teufels, der alle bösen Feuer der Erpe entzündet: Sieh, bu, der du nur eine einzige Ridelmünze bestimmen. Doch tannst du, Salomos ist so tief in das allgemeine Bewußtsein gedrungen, daß heute nicht nur das Bebauern über feinen in bester Schaffenstraft erfolgten Lod, daß auch das Bewußtsein überall lebendig ist, feine Wissenschaft habe als schönste Aufgabe die würdige Bewahrung und Mehrung feines Erbes. An diesem Tage fand im Frankfurter Georg Speyer Hause, dessen Institut für experimentelle Therapie Ehrlich geleitet hat, eine Gedächtnisfeier statt und gleichzeitig wurden im erweiterten Inftitut das Paul- Ehrlich- Zimmer eingeweiht. Auf den 15. März fällt der 70. Geburtstag Emil Behrings. Dankbar erinnert sich aus diesem Anlaß nicht nur die Wissenschaft an einen Forscher, der einer der größten Wohltäter der Menschheit geworden ist. Prof. Dold fann in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift eine aus dem Behringschen Institut in Marburg hervorgegangene Untersuchung Deröffentlichen, bie den Erfolg seiner attiven Schuhimpfung gegen Diphtherie schildert, mit jenem Gerum, das jetzt unzählige mensch liche Leben rettet und auch im Auslande, besonders in Nordamerita, wachsende Anerkennung findet Den großen Wert des Tetanus. Serums hat der letzte Krieg recht tennen gelehrt. Die Worte Beh prach, daß in nicht zu ferner Zeit die Diphtherie in ähnlicher Weise rings scheinen heute fast verwirklicht, in denen er die Hoffnung aus Dachte an die Stube, in der fie nun steht, mit staunenden befigest, bist Herr über Leben und Tod geworden, Dermagst das wie die Bodentrantheit aufhören wird, eine Boltstranfheit zu sein. Augen; sich das Haar löft, dachte an das arme, jungfräuliche Beit heben dem Luftloch, in dem sie heute die ganze Nacht an mich denken wird. Das unaufhörliche Weinen des franken Kindes im oberen Stod. werk, den eintönigen Rhythmus der Wiege, gefchaufelt von einer schwachen, übermüdeten Hand. Das schwache Schnarchen des Mannes im unteren Stockwert, unheimlich wie das Röcheln Sterbender. Die leisen, vorsichtigen Schritte des spät heimkehrenden Mädchens, rauhe Flüche und ersticktes Weinen. Den schmußigen, mit Schlägen vermischten Streit des betrunke Den schmutzigen, mit Schlägen vermischten Streit des betrunke. nen Ehepaares, der durch die dünne Wand bringt. Das leise Echo meiner zitternden Abschiebsworte und den Ton Das leise Echo meiner zitternden Abschiebsworte und den Ton ihres eigenen Geufzers. Und ich dachte auch an das rote Band, das sie so viele Wochen getragen, seitdem ich sie lenne, und an die abgebrückelte Stufe an der Türschwelle und an meine legte Ridelmünze, die mir teurer ist der Türschwelle und an meine lezte Ridelmünze, die mir teurer ist als alle Juwelen in dem höllischen Schaufenster und die ich nun fort wwerfen will als großes, stummes Opfer meiner Liebe zu ihr. II. Doch als ich eben die Münze fortwerfen wollte mit dem Ritus des Priesters, der das Opfer auf den Brandaltar legt, nahten, fich mir zwei Männer, zwei Schatten im Lichte der Juwelen. Der eine sprach: Ich habe seit zwei Tagen nichts gegeffen. Rie. mand will es mir glauben, und glauben auch Sie mir nicht, fo muß Ich sterben. Geben Sie mir einen Nidel im Namen Jefu und der Frau, die Sie lieben, und ich will zu Gott für Ihr Glück und Ihr Seelenheil beten," fehlt, nur einen Menschen zufriedenstellen. Welchem der beiden du auch immer bas Geld gibst, nicht wissend, ob er wahrhaft hungrig fei oder wahrhaft des Trintens benötige, stets wird deine Gabe die ungerechtigkeit der Welt verursachen mehren. Birf die Nickelmünze fort, wie es dich verlangt, der Geliebten willen, erbaue auf ihr einen Pleinen Hügel des Glücks und nicht einen Berg des Hochmutes." Ich dachte an die Fabrit, in der sie fich morgen wieder plagen wird. Und der Engel in mir fprach: Gib das Gelb dem Hungrigen. Liebe zu ihr heute Nacht Befferes tun? Gib es ihm, und er wird Stünde er neben dir, du würdest es ihm geben. Was kannst du aus leben, weil er effen kann, und auch der andere wird nicht sterben, weil er nicht den legten Giftfelch leert. So wirst du zwei Menfchen retten." Aber der Teufel in mir sprach: Bergiß nicht, was in alten Seiten gesagt ward: wir baten um Brot, und Ihr gabt uns einen Stein. Damals begriffen sie nicht das Symbol, begreifen es auch heute nicht. Eie wissen ja nicht, was sie mit einem Stein tun sollen, mit einem guten, harten Stein, der weiter ginge als ihr Hunger, the Durst und ihr Mut. Halte feine müßigen Predigten, sondern gib die Nickelmünze dem Betrunkenen. Er wird an Delirium sterben und der andere an Hunger. So wirst du zwei Bestien töten." 3h fah das beshafte Funkeln, das Schillern und Höhnen der Diamanten, der Perlen, der Rubine und Smaragden in dem höllen. erleuchteten Fenster und sah in den Augen der Männer nichts als die fiebernde Gier nach meiner Nidelmünze, meiner einzigen, meiner letzten, meiner armfeligen, vom Betaften abgenußten Nidelmünze... Und ich gab fie einem der beiden, Neuordnung des Berliner Ausstellungswesens. Den gemein schaftlichen Bemühungen der preußischen Kunstverwaltung und der Berliner Künstlerschaft ist es iegt gelungen, eine Form zu finden, um die vielen einzelnen Organisationen zu gemeinsamer Arbeit am Lehrter Bahnhof zu vereinigen: die Große Berliner Kunst. ausstellung werden in Zukunft der Berein Berliner Künstler, die Berliner Sezession, die Freie Se. gession, die Nopember Gruppe, der Bund Deutscher Architetten und der Verein bildender Künstler( die Jurnfreien") gemeinsam veranstalten. Geplant find in jedem 1. eine auf wenige Säle beschränkte Qualitätsausstellung, Jahre zwei zeitlich voneinander getrennte Veranstaltungen, und zwar: 2. eine nach Schluß dieser Qualitätsausstellung stattfindende allge meine Bertaufsausstellung an Stelle der bisherigen„ Juryfreien". Da die als zweite Veranstaltung gedachte Berlaufsaus. ftellung jurnfrei ist und die bisherige Jurnfreie" als Berein bildender Künstler" an der Großen Berliner Kunstausstellung beteiligt ift. tommt für die Zukunft die Juryfreie Kunstschau in Fortfall. Die ausschließliche Aufgabe dieser bisher fo verdienstvollen Beranstaltung. unbekannten Talenten, denen der Weg in die Deffentlichkeit ver sperrt ist, diesen Beg freizumechen, übernimmt jetzt die Verlaufs. abteilung dadurch, daß ihre Einsendungen nicht juriert werden. Theaterstandal in Reichenberg. In der Uraufführung der Beamten fatyre Der al bon obert Scheu- Mien fam es im Reichenberger Stadttheater zu großen Standallzenen, die von den Deutschnatio. nalen megen eines Artikels Robert Scheus veranstaltet wurden. Standale nahmen einen derartigen Umfang an, baß die Vorstellung früh. zeitig abgebrochen werden mußte. Die Auffindung von Braunfohlenlagern in Polen. Sn der Gegend von Sosnowice ift man, wie der Dit- Erores melbet, in einer Tiefe von 20 m auf umfangreiche hochwertige Brauntohlenlager von 1,115 m Štārie geftogen Mit blauer Brille in Bayern. Wie Lindström Zudendorff Obdach fand. 9 Der Held, der einft mit blauer Brille bewaffnet, vor der Liebe des Boltes nach Schweden floh, tritt im Hitler- Prozeß mit Vorwürfen gegen das ultramontane" Bayern auf. Stolz wie es dem Spaziergänger ziemt, erklärt er, daß er nur aus familiären Gründen nach Bayern gekommen sei, denn: Ich tonnte hingehen, wohin ich wollte!" Nun sind seine Widersacher so boshaft, allerhand aus der Schule zu plaubern. So schreibt jemand dem„ Miesbacher Anzeiger", der sich zu einem Ehrhardt- Anzeiger zu entwickeln scheint: Herr General Bubendorff hat wiederholt das Bort von der Gastfreundschaft, die er in Bayern genießt, zurüdgewiesen. Zu bem, was bisher schon hierzu gefagt worden ist, wollen wir noch Sichterwähntes hinzufügen. Unsere Kenntnis ftammt aus jener Zeit, wo der Herr General nach Bayern flüchtete, was er heute nicht mehr wissen will.. Es war ein Tag unmittelbar nach dem Kapp. Puisch im März 1920. Die Beitung der bayerischen Einwohner. wehr( März 1920) hatte eine Sigung. Da ließ ein Herr Herrn Oberforsirat Efcher ich herausrufen, und gleich darauf wurde der zweite Borsitzende der Einwohnerwehr, Herr Obergeometer Kanzler, herausgebeten. Der Herr stellte sich unter ihren Schutz- es war Herr General Ludendorff. Er wurde dann unter Umfahrung Don Rosenheim per Auto auf ein Schloß füdlich von Rosenheim gebracht: Neubeuern. Er reifte unter einem angenommenen Namen. Selbst der Besizerin des Schlosses wurde er nur unter diefem Namen vorgestellt. Ludendorff tam vom miß. glückten Kapp- Putsch aus Berlin. Ein Gendarm ertannte Ludendorff auf einem Spaziergang. Da nun die Sicherheit auf dem Schloffe Reubeuern nicht mehr gegeben war, wurde er mittels Auto in die abseits gelegene villa eines Herrn v. H. in der Gemeinde Stefanskirchen gebracht. Auf Befragen, warum er denn eigentlich geflüchtet jei, nachdem doch gegen ihn fein aftbefehl Dorlag, antwortete Ludendorff, er habe gefürchtet, daß dies nachträglich noch geschehen würde und daß er im Gefängnis feines Lebens nicht sicher sein würde. Der große Feldherr", der von allen Kappisten und Hitleristen noch immer als der Chef der Heeresleitung" betrachtet wird, floh zum zweiten Male vor der Liebe seines Boltes, nachdem er zufällig feinen Spaziergang in Generalsuniform hinter sich hatte. Auch beim Hitler- Butsch will er jetzt wieder nicht dabei gewesen sein. Bahrhaftig, ein Mann, der wert ist, in der Geschichte fortzuleben als der Typus eines mann haften Recken, der rechtzeitig zu rüden versteht.. Graefe- Logik. Der Oberbemagoge der Deutschvölkischen müht sich in einer Zuschrift an den Tag" ab, die Stellung seiner Partei als gleich. zeitige Links- und Rechtspartei florzumachen für die rechter Hand und die linker end in seiner Partei. Dieser Versuch zeitigt fol. gende logische Leistung: In der gleichen Weise verurteile ich es, wenn man heute, wo wir, ein Etlavenvrit, an allen Gliedern gefesselt find, Verfassungsstreit in unfere Reihen tragen will. Erst muß das deutsche Bolt frei fein vom Schandvertrag von Versailles, von der Herrschaft des jüdisch- internationalen Leihfapitals und des jüdischen Geistes, vom Klassenhaß des Marrismus und mandjem Standesdüntel, und endlich vom Unfug des heutigen Barlamentarismus! Dann, aber wirklich erst dann, mögen sich die Geister nach Berfaifungsprogrammen wieber fcheiden." Der, Parlamentarismus gehört für Herrn Graefe nicht zur Berfassung! Er weiß ihn aber zu schätzen. Fünf Minuten vor Der Auflösung des Reichstags fprach er im Reichstag gegen bie Auflösung, für die Berlängerung ber Lebensdauer des Reichstags. Die parlamentarische Immunität lieben er und seine Freunde sehr wenn sie auch sonst weiblich über den Unfug" des Parlamen. tarismus fchimpfen. Die Scheinwissenschaft der Materialisations- Erscheinungen. Prof. von Schrend- Noging, der Münchener Schuppatron der Medien, hat jüngst wiederum fein Wert über Materialisations- Phänomene der Wissenschaft vorgelegt. Leider enthält auch diese Auflage noch nicht die Anwendung wissenschaftlich einwandfreier Methoden bei Unter fuchungen von Medien. Dabei hat der Gießener Profeffor R. Som mer schon vor drei Jahren dargelegt, daß eine einwandfreie Ents jcheidung über die Frage der den Medien zugeschriebenen Materiali fationen fich nur treffen läßt, wenn man die sämtlichen Bewegungen der Arme und Boine, möglicherweise auch des Kinnes und der Lippen, pamit die Ausführung beliebiger Bewegungen des Mediums irgend wie zu hemmen. Grundfäßlich ist es ja zweifellos, daß die optischen Eindrücke, die besonders bei mediumistischen Sigungen für das Urteil Bieler Beteiligten den Ausschlag geben, burd objektive Registrierung ber Bewegungen des Mediums ergänzt werden müffen. Schrend Noging hat bereits mit dem Uebergang von ber einfachen zur Etereo top Photographie etten Schritt vorwärts zur Objektivität getan. Aber die jüngsten Entlarvungen feiner Medien zeigen ja, wie weit offenbar immer noch seine Methode hinter den Möglich feiten zurüdgeblieben ist. Sommer tommt daher in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift auf Grund der neuen Auflage des Buchy s immer wieber zu dem Schluffe, daß das Berfahren von wissenschaftlichen Standpunkt durchaus beanstandet werden muß und erklärt dieses Buch furzerhand für nichts anderes als Schein wissenschaft. Museumsführungen finden Sonntag 9%, Uhr durch Direktorialbeamte im Neuen Museum Agypten im 1. Jahrtausend vor Corini( Dr. M. Bieber), im Kaiser Friedrich Museum Benezianische Malerei( Brof. Wulff) und im Alten Kunstgewerbe- Museum Germanische Altertümer( Brof. Göze) statt. Blüthner- Orchester. Am Sonntag, dem 16., abends 8 Ubr, veranstaltet bas Berliner Sinfonies( Blüthner) Orchester im Blutbner Saal einen Richard Wagner Abend unter Zellung von Camillo Hildebrand. Das Programmi enthält u. a. 1. Att Ballure" mit Margarete Schreber- Sattler, Kammerfänger Dr. Dscar Bola( Staatsoper) und Ernst Lehmann( Staatsoper). Eintritt 1 2. Einen Arno- Holz- Abend veranstaltet die gemeinnützige Bereinigung Berl ner Abende"( Leitung Alfred Bibler, bisher Vortragsbühne des Weftens) am 17. März, abends 8 1hr, in der Singatabemie Elie Beber spricht aus dem Manutiipt der Neuauflage des Gesamt terles Bhanthafue", Blechschmiede und Trio Seraphicon". " Tollers Hinfemann in Berlin. Am 4. April 1924 findet im ResidenzTheater unter der Gastspieldirettion Erwin Berger ble Berliner Erstauf führung von Tollers intemann statt. Deforationen: Cesar Stein. Regie: Emil Lind. Ausnutzung von Ebbe und Flut. Ein neues Geles in Frankreich bestimmt, daß an der füblichen Stüfte eine Straftstation eingerichtet werben foll, die durch Ebbe und Flut betrieben wird. Um eine gleichmäßige Lieferung des elektrischen Stroms zu ermöglichen, wird die Anlage mit einem gewöhnlichen Wasserwerk verbunden. Die Leiftung dieses neuartigen Krafuertes wirb 78-1200 PS betragen, je nach dem Stande des Bassers. Der fürfische Staatsfeiertag. Durch ein Deftet hat bie Zürfel ben Freitag für ben offiziellen Staatsfeiertag der Woche erila t Um diesem Bebot Nachdrud zu verleiben, wurde bestimmt, baß alle Schulen der Zürlei obne Unterschieb der Konfeifton am Freitag gefchloffen bleiben müssen. Gleichzeitig wurde angeordnet, daß aus allen Schulen religiöfe Symbole entfernt werden miljen. Die Roßbach- Feme. Leipzig, 14. März.( Eigener Drahtbericht.) Der britte Berhandlungstag befdäftigt sich mit den 6 Angeklagten, die sich der Begünstigung dadurch schuldig gemacht haben, daß fie die an der Ermordung Radoms beteiligten Angeflagten Höß und Jurisch aufgenommen bzw. weiterdelegiert haben. Zunächst wurde der Ungeflagte Fride vernommen, ein blutjunger Mensch mit intereffantem und fast fympathischem Gesichtsausbrud. Er bezeichnet fich stolz als den Führer der dorligen volfisch n Jugendbewegung, bie er auf unparteiischer Grundlage aufbaute". Er hat Höß und Jurisch zu Leutnant Hoffmann auf Poel bei Wismar mit einem verschlossenen Brief geschickt, daß beide auf seinen Befehl Kadow befelfigt" hätten und unterzubringen seien. Der Brief follte mit biefem Ber mert fofort verbrannt werden. Es ist jedoch später beschlagnahmt worden. Fride erklärt, er habe biefen Sab genau überlegt denn nur indem er die Tat Hoffmann gegenüber auf sich nahm, hatte er die Gewißheit, daß letterer für den Ueberbringer des Briefes bestimmt forgen würde. Er selbst habe jedoch die Tat als eine grenzenlose Schweinerei" bezeichnet. Der Borsitzende weist darauf hin, daß der Verdacht bestehe, daß bei der Roßbach- Organisation eine Jeme eriffiere. Er betont, Jurisch habe in der Untersuchung ausgelagt, Fride habe ihm schwere Borwürfe beshalb gemacht, weil die Tat fo ungeichidt und mit fo zahlreichen Beteiligten ausgeführt worden sei. Fride bestreitet eine solche Aeußerung Rechtsanwalt Dr. Sad weist darauf hin, daß diefer Fride zu gefchriebene Sak im Borwärts" geftanden habe. Es fcheine, daß Jurisch auf der Vorwärts" Redaftion systematisch da. bin beeinflußt worden fei, Angaben über eine solche Feme zu machen. Beisitzer Dr. Herschel beantragt, den Zeugen Schiff nochmals darüber zu befragen. Schiff befundet, daß, abgesehen von Andeutungen über fondern von seinem Begleiter Derth gemacht worden waren, Jurisch selbst an dem ersten Atend auf der Redaktion des Bor märts" von Feme nicht gesprochen habe und darüber gar nicht gefraat worden sei. Rolltommiffion und schwarze Listen, bie nicht von Jurich. Dagegen habe Jurisch nach seiner Festnahme auf dem Bolizei präsidium in einer Unterredung, an der nur die zugezogenen Rechts. anwälte Dr. Paul Levi und Horowig fowie Schiff teilnahmen, erflärt. Fride habe sich dahin geäußert, das habt ihr sehr ungeidyidt gemacht. Wenn the länger in der Organisation wäret, dann würdet ihr wolfen, wie man jo etwas tut. 3wei Mann genügen, um den Betreffenden im Walde zu erledigen. Ich wollte Hök zum Truppenführer befördern, nachdem er aber die Sache so schlecht eingefädelt hat, werde ich es nicht fun. DR Kurz darauf erklärt Rechtsanwalt Dr. Sad er wollte an Jurisch eine Frage stellen bezüglich femmes Besuches im Vorwärts". Er beantragt aber, dah ter 3enge Schiff sich währenddeffen aus dem Saale entferne. Beifizer Wolfgang Heine widerfpricht dem. Gin folcher Antrag fei faut Strafprozeßordnung umzufäffi, es fei benn. daß( befondere) Gründe dazn vorliegen würden. Gad begründet dann frinen Antrag mit der Vermutuna baß Jurisch in Gegenwort des Schiff anders ausfagen tönnte als in feiner Abwesenheit.( 1) -Thüringer Reaktion. Sämtliche Republikaner werden abgebaut. Der Mißbrauch der Macht durch die jetzt in Thüringen am Ruber befindlichen Bartcien des Ordnungsblods muß der beutschen Arbeiterschaft als Mahnzeichen dafür dienen, wohin es führt, wenn bei den kommenden Reichstagwahlen bie Rechtsparteien ebenfalls einen Sieg erringen. Als die Regierung des Ordnungsblods vor wenigen Wochen ihr Programm verfilmbete, erflärte fte, nicht einseitige Barteiwirtschaft treiben, fondern die Intereffen aller Bevölkerungsschichten berücksichtigen zu wollen. Mehrfach haben wir bereits darauf hingewiesen, daß diefer Grund faß schon 24 Stunden später praktisch in das Gegenteil verwandelt murde. Was sich aber inzwischen ereignet hat, läßt nicht den geringsten Zweifel mehr darüber, daß die jetzt in Thüringen betriebene Barteiwirtschaft mit der' schlimmsten Zeit des wilhelminischen Absolutismus faum noch zu vergleichen ist. In faum 14 Tagen wurden nahezu alle fozialdemokratischen Beamten in den Minifterien vom Ministerialdirektor bis zum Hilfsarbeiter abgebaut. Die Zugehörig feit zu einer freien Gewerkschaft und die Mitgliedschaft zur Sozialdemokratie bildete überall willkommenen Anlaß, die Republikaner aus dem Amt zu entfernen und an ihre Stelle Monarchisten zu fehen.. Unter anderem wurde auch ein Beamter mit demofra tischer Einstellung aus dem Staatsdienst entfernt, weil er bem Berliner Tageblatt" mehrfach wahrheitsgetreue Berichte über die Lage in Thüringen und über den Ordnungsblod übermittelt hatte. Er ist nicht der einzige Demokrat, der bas Opfer feiner Gesinnung unter Mitwirkung der Demokratischen Partei geworden ist. Mit ihm wurden andere befähigte Demotraten entiaffen und an ihre Stelle unfähige Monarchistent gefeßt. Die thüringische Re glerung ist also vollkommen der Lüge überführt! Sie benußt ihre Macht nicht, um die allgemeinen Interessen zu vertreten, sondern mißbraucht sie zur einseitigen Parteiwirtschaft; e part nicht, wie es in threm Programm hieß, sondern vergeudet Staatsmittel durch Entlassung pensionsberech tigter und Anstellung neuer Beamter. In den aller nächsten Tagen werden wir für diese Behauptungen den zahlen. mäßigen Beweis liefern. Machtlos fteht die thüringische Arbeiter fchaft diesem Treiben gegenüber und machtlos wird die Arbeiterschaft ber Reaktion im Reich gegenüberstehen, wenn die Rechtsparteien bei den kommenden Wahlen tatsächlich verstärkt in den Reichstag zurüdtehren. SP Der Thüringische Bressedienst wird, wie es in schönem Amts. deutsch heißt, zur Erzielung notwendiger Ersparniffe im Staatshaus. balt eine wesentliche Umgestaltung und Einschräntung er. fahren". Die bisherigen Beamten werden beurlaubt werden. Die Bresseangelegenheiten werden fünftig von einem Beamten ber Präsidialabteilung bearbeitet. Der Ordnungsblod baut halt auf. Siedlungsfragen. Nach einigem Hin und Her fragt der Borsitzende den Zeugen Schiff, ob er bereit wäre, freiwillig den Saal zu verlassen, was lepterer mit dem Wort selbstverständlich beantwortet. Darauf wird der Untersuchungsrichter Dr. Richter abermals vernommen. In der Nachmittagssigung wurden vornehmlich die wegen Be. Fast günstigung des Morbes Angeklagten vernommen. jeder versteckt sich hinter dem anderen und bewahrt in feinen Ausfagen äußerste zurückhaltung. Von dem Mord wollen fie höchstens Andeutungen erfahren haben. Zuerst wird Zenz noch einmal verhört. Et erzählt, daß er es nach der Bekanntgabe des Mordes mit der Angst bekommen habe und sich im Bureau der Deutschpöllischen Freiheitspartei von Beutnant von Madensen und ausgehändigt. Auf die Frage des Borsigenden, ob Madensen von Wulfrede Rat geholt habe. Buifrebe habe ihm falsche Papiere feiner Beteiligung an dem Mord gewußt habe, gibt er ungenaue 2 ustun ft. Der nunmehr verhörte Angeklagte Thomson, ber in NeuBucom als Abschnittsführer der Roßbach- Arbeitsgemeinschaft tätig war, schilbert, daß er von Leutnant Hoffmann zwei Leute zugewiesen erhalten hat, bie was ausgefressen hatten. Was sie auf dem Gewissen hatten, wollte Hoffmann nicht fagen. Er hat die Anfömmlinge mit Handschlag und den Worten begrüßt: Na, hoffentlich habt Ihr es vernünftig gemacht. Auf die erstaunte Frage des Borsigenden erflärt er, er habe ver feien an der versuchten Befreiung Schlageters beteiligt gewesen. Er nommen, die Leute wären aus dem Ruhrgebiet gekommen und leugnet die Beschuldigung Jurischs ab, daß er gesagt habe: Habt hr den Ravon eingegraben? Bon einem torde sei gar nicht die Rede gewesen. Der Angeklagte Wulfrede ist Gefretär des Vereins für landwirtschaftliche Berufsausbildung. Er hat Zenz angeblich in ber Annahme falsche Papiere ausgehändigt, daß Benz fie bei seiner Stellung auf der Polizei in Bismar brauchte. Nach Berständigung mit Madenfen hat er Jurisch hat erzählt, er sei in die Affäre Radom verwidelt. Jurisch 30 000 Mark aus der Parteifaffe ausgehändigt. madensen, 31- Jahre alt, ist führendes Mitglied der Deutschvölkischen Freiheitspartei und findet als Propagandist und Mitglied des Landesvorstandes in Rostock fein Auskommen. Er hat Juris prutenz stutiert, aber wenig davon behalten, wie feine naive Auffaffung über die Mordtat befundet. Als letzter Angeflacter wird Ludwig Richter, ein 25jähriger Staufmann, der als Detektiv für Roßbach tätig ist, verhört. Er wohnt in der Villa Roßbachs in Wannsee- Berlin, hat dort den Jurisch getroffen und ihm weitergeholfen. Er will von Jurisch von einer Schlägerei, nicht aber von der Ermordung Kadows gehört haben. Er erzählt im Laufe feiner Bernehmung von verschiedenen blutigen Reiereien, die in Parchim vorgekommen sind. Auf die Frage des Berteidigers Dr. Schröder gibt Regierungsrat Ritter Auskunft über die vernommenen Angeklagten. Er sagt nichts Wejent.iches über sie, nur daß Fricke aufschneide, Mackenfen aber immer gebremst habe. Ferner erzählt er, daß in Parchim die Gegenfäße zwischen Kommunisten und Deutschvöllischen so start gewesen felen, daß die Bolizei nicht imftande war, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalen. Die Angehörigen der beiden Parteien hätten sich mit Waffen der= fehen. Damit war die Beweisaufnahme geschloffen. Die Berteidiger werden am Sonnabend mit ihren Blaidoners beginnen. Memel Polen Deutschland. Beschlüsse des Bölkerbundrats. Genf 14. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Böllerbunbrat hat am Freitag die Memeltonvention angenommen, obgleich Ser Bertreter Polens fich gegen die Konvention erflärt hatte, die merbe, Die Aenberungen, die von der Memelaborbnung geben wirtschaftlichen und nationalen Interessen Bolens nicht gerecht wünscht wurden, blieben unberüdsichtigt. Die Konvention stellt für das Memelland ein Minimum an Rechten tar, bie innerhalb der Bersailler Bestimmungen noch zu erreichen waren Anschließend behandelte der Rat den Bericht über die deutschpolnischen Minderheitsverhandlungen. Auf Vorschlag Lord Barmoors England wurde eine Entschließung angenommen, daß die Verhandlung über die Auslegung des Ar. ifels IV bes Minderheitsvertrages zwischen Deutschland und Polen beiben Barteien erhoben werde, fei mit in die Verhandlung einzu fortzulegen seien. Auch jede neue Frage, die von einer der beziehen. Falls bis zum 1. Juni 1924 eine Einigung nicht erzielt fei, folle der Leiter des oberschlesischen Schiedsgerichtshofes als Schiedsrichter auftreten. Vormundschaftliche Obsorge für Danzig. Genf, 14. März.( TU.) Im Böfferbund fand heute vor. und nachmittag eine ausgiebige und hartnäckige Debatte über die Frage im Danziger Hafen statt. Der vom Bölkerbund nach Dinzig ent fandte Untersuchungsausschuß hat darüber ein Gutachten erstattet und die Halbinsel Westernplatte unter bestimmten Bedin gungen als Hafen und als Munitions und Kriegsmateriallagerplaz für Bolen vorgeschlagen. Bis zum Ausbau dieser Einrichtungen foll Bolen bas bisherige Terrain im Danziger Hafen für diese Zwede weiter beugen fönnen. Bo'en, start unterstüßt von Frank reich, verlangt aber die Insel Holm vorläufig als Hafen und Bager play. Troß der Argumente bes Danziger Senatspräsidenten Gahm, daß Bolen bis zur Fertigstellung des Hafens auf der Halbinsel Westernplatte mit dem für feine Swede hergerichteten Hafen von Bbingen und dem Lagerplatz im Danziger Safen austommen tönne und daß die Insel Holm au nahe an der Stadt gelegen und zu dicht bewohnt sei, um einer solch großen Gefahr als Lager plaß für Explosivstoffe ausgefeßt zu werden, entschieb der Rat schließlich doch, daß Polen die Insel Holm sechs Monate lang sur Lagerung von Kriegsmaterial nichtexplosiver Art benußen dürfe. Der Vertreter Englands stimmte nur unter der Bedingung zu, daß eine Berlängerung über 6 Monate hinaus ausgefchloffen bleibe. Sahm lehnte jebe Berantwortung für den Beschluß ab. Die Sanierung Ungarns wurde gleichfalls Freitag vom Rat in Genf beschloffen. Das bedeutet noch lange nicht den Abbau der Sorityschen Geheimarmee. Rußland und China. Befing, 14. März.( BTB.) Die Hauptpunkte des chinesisch- russi fchen Bertragsentwurfs find folgende: Die unter der Zarenherrschaft geschlossenen Verträge sind null und nichtig. Rußland erfennt bie unbedingte Oberhoheit Chinas über die äußere Mongolei an. Rußland wird teine Propaganda betreiben. Die chinesische Behörde wird sämtliche Angelegenheiten Der Steblungsausschuß des Preußischen Landtags fegte bie all- tontrollieren, die die Hoheit Chinas in der Frage der oftchinesischen gemeine Aussprache über Siedlungsfragen fort. Bon der Deutschen Eisenbahnen berühren, sich jedoch nicht mit Fragen rein Boltspartel wurde hervorgehoben, daß eine gesunde Mischung zwi eisenbahntechnischen Charakters beschäftigen. China erhält fchen Groß- und Kleinbesi hergestellt werden müffe, und daß aus die Möglichkeit, die Eisenbahnen zurüdzulaufen. Alle Bedinnationalen Gründen im Dften eine bäuerliche Bevö! ferung an- gungen biefes Rückaufes werden auf einer offiziellen Konferenz feftzusiedeln sei. Allgemein wurde zum Ausbrud gebracht, daß bei gefeßt werben. Rußland verzichtet auf seine Rechte hinsichtlich ber Stultivierung der Moore und Dedländer die schlechte Finanglage feiner eigenen Stonzeffionen in China und anulliert die des Staates nicht hinderlich sein dürfe. Gemeinnügigen Bogerentschädigungen unter der Bedingung, daß sie aus. Siedlungsgesellschaften und Gemeinden foll Bauholz zu schließlich für den öffentlichen Unterricht verwendet werden. angemessenen Breifen zur Verfügung gestellt werden. Die Bautätig. Rußland erklärt sich mit der Abschaffung der russischen Konsularteit jei ülrall zu fördern, gerigtsbarteit in China einverstanden. Gewerkschaftsbewegung Dor Moskau. Spaltung mit Schwierigkeiten. erhoben wird. Die Bersammlung erblickt in diefem bittatorischen Borgehen der Reichsregierung als Arbeitgeber eine Durch brechung der Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 und der Verordnung über den Abschluß von Tarifverträgen. Sie verlangt vom Verbandsvorstand, mit allen Mitteln dahin zu zufchlag fällt weg. Diefes Lohnabkommen tritt am nächsten Montag in Kraft. Durch das Eingreifen des Bekleidungsarbeiterverbandes ist, während inzwischen die" Opposition" nur revolutionäre Worte gebrauchte, eine Lohnaufbesserung noch vor den zentralen Berhandlungen erreicht worden. Die Versammlung der Herrenmaß branche faßte am Freitag den Beschluß, das Lohnergebnis anzuwirken, daß die Arbeitszeit für die Reichsarbeiter und arbeiterinnen nehmen. Damit ist die Aussperrung beendet. Kommunistischer Schneiderstreif. Obwohl an dem Ulas des Zentralvorstandes der KPD., der auf Befehl von Mostau die Spaltung der deutschen Gewerkschaften anordnet, nachträglich einige mildernde Kor retturen vorgenommen worden sind, zeigen sich selbst bei den so wohl breffierten fommunistischen Funktionären erhebliche Widerstände. Man schreibt uns: Der seit vier Wochen bestehende Oppositions. Diese Widerstände zeigen, daß selbst unter den Kommunisten das Gererband der Bekleidungsarbe.ber führt unter Leitung des fommuwissen noch stärker sein kann als der eingepaukte Kadavergehorsam nift.schen Stadtverordneten Schumacher feine erste Lohnbewegung Nach dem Bericht der„ Roten Fahne über die Funktionärver maß branche wurden Lohnforderungen gestellt, und als die Unund zwar ganz nach„ revolutionären" Grundsäzen. In der Herren Jammlung am Mittwoch hieit zunächst ein gewisser Redeli bas ternehmer unter Hinweis auf ihr Bertragsverhältnis mit einleitende Referat. Seine Ausführungen verliefen in dem üblichen dem Deutschen Bekleidungsarbeiterverband BerKreis auf stumpfsinniger Schimpfereien auf die Gewerkschaften und handlungen ablehnten, bei neun Firmen der Streit begonnen. die BSPD. Irgendeinen selbständigen Gedanken oder überhaupt Als nach 14 Tagen immer noch nur gestreift wurde, ohne daß sonst einen Gedanken wird man vergebens in dem Referat suchen. Die irgendetwas geschah, fam Herr Schumacher auf den revolutionären Brandler und Hedert sind daneben wahre Geistesriefen. Wir zitieren Einfall aus dem Bericht der Roten Fahne" nur folgende Stelle: den Schlichter anzurufen. Aber auch hier lehn ten die Arbei geber Verhandlungen ab; Herr Schumacher wurde noch renolutionärer und stimmte dem Vorschlag des Schlichters zu Oppofitionsverbandes entscheiden zu lassen. am Montag eine Spruchtammer über die Tariffähigkeit des 10 In einer fehr fdymad besuchten Streitversammlung wurde darüber berichtet und dann ohne Widerspruch betont, daß man von der ursprüngliden Forderung wohl werde abgehen müssen und auf den Spruch der Kammer marten molle. An dem bisherigen nega. tiven Ausgang des Kampfes fei der alte Berband fchuld, da er es ablehnt die„ Opposition" als Tarifkontrahent anzuerkennen. Im übrigen müßten die Streifenden im Kampf ausharren, was dadurch erleichtert würde, daß sie sich Arbeit von fleinen Meistern ins Haus holten. Wir werden weiterhin sofort mit Hilfe der revolutio nären Betriebsräte und auch der Ermerslosenräte eine Maffenpropaganda in den Betrieben und auf den Arbeitsnachweisen entfalten müssen, um die nicht mehr Organisierten planmäßig zu Industrieorganisationen 3u jammenzuschließen. Das wird für die Parteimitglieder bedeuten, daß sie mehr und besser als bisher für die Gewinnung der Massen in den Gewerkschaften, in den Betrieben und unter den Erwerbslosen für unsere politischen Ziele arbeiten müssen. Der Industrieverband darf nicht ein Schlag wort bleiben! Er darf nicht eine Barallelorganisation der KPD. gegliedert nach Industriegruppen, sein, und er darf auch nicht nur eine zusammenfassung der von den 3entral Der Zuschauer bei dieser tommunistischen Streifleitung verbänden abgesplitterten Ortsgruppen fein. und ihrer revolutionären Kampfestaftit frägt verwundert, welcher Der revolutionäre Industrieverband muß eine Massenorganisation Unterschied denn nun eigentlich bestehe im Vergleich zu ber im wahrsten Sinne des Wortes werden und muß den Klassenkampf vielgeschmähten Lohnbewegungsbaktit des Bekleidungsarbeiterverban chrlich führen wollen und können. Mit der Prepaganda unter des. Gewiß, die kommunistische Sonderorganisation erklärbe bei den Massen muß fofort begonnen werden, die bevorstehenden ihrer Begründung, nur kurzfristige Tarife abzuschließen. Mit Betriebsrätewahlen müffen für diesen Zwed politisch ausgenutzt furzfristigen Lohnabkommen aber wird auch den kommunistischen werden und der angekündigte Maifongreß darf fein Herrenmaßschneidern auf die Dauer nicht geholfen fein. Auch die zweites Weimar werden, sondern muß der Schlußstein übrigen Arbetsbedingungen werden sie geregelt wissen wollen, wie für seine schon vorhandene Bewegung sein. fie es im Berbande gewohnt waren. Dann aber gerät ihre ganze Dieser kommunistische Referent bestätigt also alles, was wir Gonderorganisation mit in den Sumpf der reformistischen Gewert hier im Borwärts" von der geplanten, zum Teil bereits durchgeschaftstätigkeit". Die Folge ist der Bannstrahl aus Moskau- Berlin. führten Spaltung der Gemertidaften gesagt haben und Kurzum, wollen die Kommunisien tochen, müssen sie Wasser. Sazu was die Rote Fahne" sich vergebens bemüht, abzuleugnen. Blan nehmen, genau wie die Verräter". Und wie die reformistischen mäßig follen sogenannte revolutionäre Industrieorganisationen" Bonzen" läuft Schumacher als Moskauer Bonze zum Schlichter. gebi bet werden. Die bevorstehenden Betriebsrätewahlen sollen für Nicht einmal eine fleine Generalstreitattion tann er aus biefen 3med politif ausgenutzt werden, und der anges dem Streit um die Anerkennung feiner Sonderorganisation als fündigte Maifongreß soll nicht wieder, wie der von Weimar, res Tariffontrahent machen, da die Streitenden teine 3eit haben, fultatlos verlaufen, sondern der Schlußstein" der seit Jahren meil sie zu Hause arbeiten müssen, bis der Streif be. betriebenen Spaltungsarbeit sein. endet ist. Mag die kommunistische Sondervereinigung immerhin ihre Feuerprobe in diesem revolutionären" Klassenkampfe bestchen! Man begreift angesichts diejer nunmehr offen einge standenen Spaltung der Gewerkschaften, daß sich nicht weniger als 34 redner zu Worte meldeten, von denen 14 am Mittwoch zu Worte famen. Die übergroße Mehrheit der Redner äußerte Bedenken. Am Donnerstag soll die Debaite fortgesetzt werden. Es bedarf feinerlei Prophetengabe, um vorauszusehen, daß sie mit der Annahme des Mostaver Ufas enten wird. Wir zweifeln aber nicht daran, daß selbst unter den Kommunisten, die zu wählen haben werden zwischen der Unterwerfung unter den Befehl von Moskau, die deutschen Gewerkschaften zu spalten, und der Einheit der deut den Arbeiterbewegung, fich emige aufrechte und ehrliche Gewerk. fchaftler für Iettere entscheiden werden. Tarifkündigung in der Metallindustrie. Anfang März trat der Deutsche Metallarbeiterverband im Auftrage des Kartells an den Verband Berliner Metallindustrieller heran, um die Löhne zu erhöhen. Am 7. März schrieb der BBMI., eine Lohnerhöhung fäme nicht in Frage aus folgenden Gründen: Obligationssteuer, Lohnfummensteuer, Erwerbs'ofenfürforge, Ein fommen- und Körperschaftssteuer belasten die Betriebe derartig, daß feine Zulage gegeben werden fönne. Bei der Verhandlung, die am 14. b. M. ftat fand, stellten sich die Arbeitreber auf den Standpunft, daß Lohnerhöhung gleichbedeutend mit einer neuen Inflation sei und infolgedeffen sie eine generelle Lohnerhöhung ablehnen müßten. Darauf gab die Verhandlungskommission der Arbeitnehmer folgende Erklärung ab: Nachdem die Verhandlungskommission des BBMI. erklärt, eine generelle Lohnerhöhung für alle Lohnklaffen der Metallindustrie nicht geben zu können, erklärt die Berbandungstommiffion des Metallfartells einstimmig, an der Aufrechterhaltung des Lohntarifs tein Interesse mehr zu haben. Darauf erklärten die Arbeitgeber, zu dieser Erklärung am Montag in einer remeinsamen Sigung Stellung zu nehmen. Mit dem heuti gen Tag ist das Lohnabtommen gefündigt und läuft am Sonnabend, den 22. März, ab. Die Aussperrung in der Herrenmaßbranche beendet. Infolge des fommunistischen Teilstreits haben befanntlich die Arbeitgeber ber Herrenmaßbranche die Aussperrung im gesamten Gewerbe verfügt. Am Mittwoch ist nun von den Bertragsparteien ein Abfommen getroffen worden, wonach die Aussperrung gegenüber be r Arbeitnehmervertragspartet, dem Deutschen Bekleidungsarbeiterverband, aufgehoben wird. Ueber die Lohnfrage wurde am letzten Donnerstag verhandelt. Nach mühevollen Verhandlungen wurde eine Lohnerhöhung von airta 15 Pro 3. durchgesetzt. Stüdschneider erhalten 70 Bf., Seitlohnarbeiter 75 Pf. pro Stunde. Der Lohnsatz in der Tariftaffe 3 beträgt 67 Bf., in der Lohnflaffe 4 64 Pf. Der QualitätsBeendeter Kampf der Musikinstrumentenmacher. Ein Schiedsgericht, das nach amtlicher Intervention der Schlichtungsbehörde unter Zustimmung der Parteien eingesetzt wurde, fällte am Mittwoch mit den Stimmen der drei unparteiischen Vorsitzenden und der Arbeitnehmerbeisiger einen Spruch, der in feinen ausschlaggebenden Bestimmungen folgendes besagt: Die regelmäßige Wochenarbeitszeit beträgt 48 Stunden. Die Anordnung von Ueberstunden bis zu 51 Stunden ist nach Anhörung der gefeßlichen Betriebsvertretung seitens der Betriebs, leitung möglich. Für diese Zeit wird ein Ueberstundenzuschlag von 10 Broz. bezahlt. Weitere Ueberstunden werden mit dem tariflichen Bufblag bezahlt. Der Lohn eines männlichen Facharbeiters über 20 Jahre beträgt 60 Bf. Die Wiedereinstellung der Ausgesperrien erfolgt nach den Verhältnissen der Betriebe. Eine Einstellung be triebsfremder Arbeiter tarf nicht por vier Wochen geschehen. Maßregelungen finden nicht statt. Die Aussperrung gi't nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Alle anderen Streitfragen regeln die Parteien selbst Erklärungsfrist der Barteien bis Sonnabend mittags 12 Uhr. In einer überfüllten Bersammlung der ausgesperrten Mufit. instrumentenarbeiter erklärte Boele, deß durch die beiderseitige Zustimmung die amtliche Eigenschaft des Schiedsspruches genommen war, so daß eine Verbindlichkeitserklärung durch das Reichsarbeits. minifterium nicht möglich ist. Die Branchenleitung empfahl mit Rückfüht darauf, daß der Spruch die wesentlichen Forderungen der Arbeiterschaft erfüllt hat, dessen A- nahme. Nach eingehender AusSprache und nachdem Boese im Schlußwort betont hatte, baß es an ben Unternehmern liegen werde, ob sie den Frieden im Gewerbe wiederherstellen wollen, nahm die Versammlung den. Spruch mit großer Mehrheit an. Arbeitszeit- und Lohndiktat der Reichsregierung. Mit diesem Thema befaßte fich eine Versammlung der Sektion Reichs- und Staatsbetriebe des Verbandes der Gemeindes und Staatsarbeiter am Donnerstag. Genoffe Stitter gab ein Bild von den Berhand ungen am 1. Februar und schilderte das Vorgeben der Reichsregierung, nachdem es zu feiner Berständigung über die Ar beitszeit gekommen war. Nur Breußen halte als einziger deutscher Staat noch am Achtstundentag fest. Die dittatorischen Berordnungen der Reichsregierung feien auf die Dauer untragbar. Der Kampf gilt nicht nur dem Berlorenen, sondern zunächst der Erhaltung des noch Gebliebenen. Nach kurzer Diskussion im Sinne des Referenten gelangte einstimmig eine Entschließung zur Annahme, worin noch einmal scharffter Proteft gegen die willkürliche Festlegung der längeren Arbeitszeit und die eigenmächtige Berkürzung der Löhne ebenso geregelt wird, wie es durch die Verhandlungen mit dem preußischen Finanzministerium für die preußischen Arbeiter und Arbeiterinnen geschehen ist. Für die Lohnregelung wird erwartet, daß alle Möglichkeiten ausgenutzt werden, einen Lehnsatz zu erreichen, der mindestens im nehen Berhältnis zu den Löhnen in der Privatindust: ie im allge meinen steht. Die Versammelten werden unermüdlich für den Verband der Genvinde- und Etcatsarbeiter werben, um alle Staatsarbeiter in eine geschlossene Abwehrfront zu bringen. Zwanzig Prozent Gehaltserhöhung! Während große und fleine Krämer bereits auskalkuliert haben, welche Waren sie im Hinblick auf die von den Beamten ab 1. April erwartete Gehaltszulage von 20 Broz. im Preise erhöhen, haben die unteren und mittlern Beamten. die Staats- und Gemeindeange. stellten und arbeiter berechnet, was für sie bei dem Zwanzigprozent. fegen eigentlich herauskommt. Ein Aftenbefter stellt uns das Ergebnis feiner Bemühungen zur Berfügung. Er hatte bisher ein Einkommen nach Abzügen von netto 100 Mart. Dieser Betrag erhöht sich nach der Zulage auf 120 Mart, abzüglich 2 Mart Lohnsteuer, bleiben 118 Mart, mithin 18 Mart mehr als bisher. Die erhöhte Abgabe für die Erwerbslosen. 16,50 Mart von der Zulage von 20 Proz. Die Wohnungsmiete er unterstügung beträgt monatlich 1,50 Mart mehr, bleiben noch fährt ab 1. April einen Zuschlag von 28 Prog.( 42+25 Proz. Kom munalzuschlag) macht 67 Prez. Bei 40 Mert Friedensmiete find also anstatt 11 20 Mart( 28 Proz.) 28,80 Mart( 57 Proz.) zu zahlen, mithin 17,60 Mart mehr als bisher. Der Erhöhung des Eins höhung der Ausgaben von 17,60 Mart gegenüber, fo daß sich eine fommens von 20 Broz., d. 1. 16,50 Mart, steht mithin eine Erhöhung der Ausgaben von 17,60 Mart gegenüber, so daß sich eine Schlechterstellung um 1,10 mart ergibt, welcher Betrag von der Lebenshaltung abgebarbt werden muß. Sie Nach oben hin, in den höheren Gruppen, mag sich die Rechnung etwas günstiger stellen, allein die Angestellten und Arbeiter her unteren Gruppen fönnen sich dafür nichts faufen. fommen sich mit ihrer 20prozentigen Zulage vor, als feien sie ge narrt worden. Ein Pyrrhussieg der KPD. In der Generalversammlung der Sattler, Tapezierer und Porte feuiller am 13. März im Gewerkschaftshaus( der vierten in diesem Jahre) fonnten end ich die zur Debatte stehenden Be chlüsse der Weimarer Konferenz" erledigt werden. Der Korreferent Köring faßte in einem furzen fachlichen Schlußwort die Ausführungen der Befürworter der Konferenz der Beschlüsse zusammen und empfahl deren Ablehnung. Ebenso lehnte er den Antrag, einen außerordent lichen Verbandstag einzuberufen, ab, da durchschlagende Gründe hierfür nicht vorhanden seien. Der Referent Gabben, welcher in der vorhergegangenen Generalversammlung nicht anwesend war, be handelte in langen Ausführungen die englische Kolonialpolitit, anscheinend deshalb, weil die Weimarer Konferenz schon 4 Monate zurückliegt und der Streit um den Kalifen augenblicklich aktueller ift. Die nun vorgenommene Abstimmung ergab gegen eine ziemlich gleich starte Minderheit, aber vielen Stimmenthaltungen die Annahme der Beschlüsse und Annahme des Antrages auf Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages. Da in der letzten Verfamm lung nur Blum eine ablehnende Stellungnahme in der Diskussion begründen fonnte, gaben Osten und Heinrich vor der Abstim mung durch Erklärungen bekannt, daß sie, da sie als Angestellte ebenfalls wieder fandidieren, in den Beschlüssen der Weimarer Kon. ferenz die 3erfplitterung der Gewerkschaften sehen und sie demgemäß ablehnen. Zur Wahl der Angestellten lag ein Antrag der Ortsverwaltung vor, die Wahlen durch Ur abstimmung vornehmen zu lassen. da in der ersten Generalversammlung im Januar nach dem Geschäftsbericht auf Beschluß die Wahlen zurückgestellt wurden, mit der Be gründung, erst die Stellungnahme der Angestellten zur Weimarer Konferenz tennen zu lernen. Da also gr indfäßliche Fragen entfchieben werden sollen, so müsse der Gese mitgliedschaft Geferen heit gegeben werden, auch mitzusprechen. Die Bertreter der SBD. KPD. Sprachen gegen das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder. Bei der auf Antrag der KPD. fofort vorgenommenen Wahl erlebte die revolutionäre" Opposition jedoch einen schweren Reinfall. Den bis. herigen Angestellten( vier BSBD, ein KPD.) wurden von der KPD. Gegentandidaten gegenübergestellt. Die Wahl, die durch Stimmzettel, und zwar über jeden Kandidaten getrennt, vorgenom men wurde, ergab die Wiederwahl der bisherigen An. gestellten. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung:. Chlorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lofales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Sh. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Borath Marke Kinder- u.Krankennahrung für Säuglinge, größere Kinder, Erwachsene ärztlich empfohlen B Day! Urteilen Sie selbst mein Freund, rein orientalischer Tabak für 23 KON LINON Kleine MASSARY mit Gold 23 fir. 127 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vorfrühlings- Wanderungen. Der Frühling steht vor der Tür; er ist ein bißchen spät ange langt, denn der Winter will seine Herrschaft noch nicht aufgeben. Wie ein echter Tyrann flammert er sich an seine Macht. Seine Berbündeten, die kalten Nord. und Ostwinde, behaupten noch das Feld gegen die Bundesgenossen des Frühlings, Sonne und Westwind Aber über Nacht tann sich der Kampf entscheiden, und eines schönen Morgens wird der Frühling semen Einzug gehalten haben. Die Wanderer aus der Großstadt werden sich dann den Gebieten im Umfreise Berlins zuwenden, die sich vorzugsweise in das Frühlingsgrün zu hüllen pflegen. Forst Oranienburg. Ein Waldgebiet von großer Ausdehnung und reicher landschaft. Dom Stettiner Bahnhof mit den Vorortzügen der Nordficher Schönheit ist der Oranienburger Forst. Wir erreichen ihn bahn. Vom Bahnhof Borgsdorf wenden wir uns nach Osten; beld haben wir das Parenluch erreicht, eine Nebenrinne der Brieje niederung. Auf einer Brücke überschreiten wir den durch das Luch führenden Graben. Tann wandern wir auf dem halbrechts abgehenden Wege durch schönen Kiefernhochwald weiter zu der von Lehnih tommerden Straße. Diefer folgen wir nach rechts bis zum Forsthaus Briefe. Hier haben wir das liebliche Waldfließ, die Briefe, erreicht. Ihr Name entstammt dem Wendischen, er deutet auf die Birte hin. In früheren Reiben muß diefer Baum hier noch häufiger vorgefommen sein, denn auch das Dörfchen Birtenwerder, wo die Bricje in die Havel mündet, läßt darauf fd ließen. Gegenüber dem Forsthaus betreten wir den Wald; ein fchmaler Steig führt auf dem Nordufer des Fließes hin. Ein echtes Waldkind ist die Briefe; der Kiefernwald begleitet das Tal, in dem sie sich dahinschlängelt. Erlen und Weiden umfäumen den Lauf des Waffers. Hier ist das Regen des Frühlings zu spüren. Die Erlen gehören zu den Bäumen, die gang zeitig im Jahre blühen. An den Zweigenden schaufeln fich die Staubblüten, die den Blütenftaub tragen. Der Wind entführt diesen zu den Samenblüten, bie als rötliche tleine Rugeln weiter abwärts am 3weig fizzen. Im Borfrühling, ehe die Laubblätter entwidelt find, blühen die Erlen, benn später würde das Laub der Verbreitung des B'ütenstaubs hinderlich sein. Die Weiden, die nicht wie die Erlen zu den Windblütlern gehören, sondern zu den Insekter blütlern, blühen erst später, wenn das Wetter wärmer geworden ist und die Insekten zu neuem Leben erwacht sind. Diese müssen bei den Weiden die gleiche Bermittlerrolle übernehmen wie der Wind bei den Erlen. In reich gewundenem Lauf fließt die Briese dahin. Die Ureberheiten ber Uferwände stellen sich dem fließer den Wasser als Hindernis ents gegen, bas es vom geraden Weg abdrängt. Wir fchen, wie die Strömung an den Brallhang anprallt und hier das Ufer allmählich zerstört, während an dem Gleithang die im Wasser schwebenden Stoffe zu Boden finten und neues Land schaffen. So wirkt das Waffer an der einen Stelle zerstörend, an der anderen aufbauend. Unser Weg führt an der Eisenquelle vorüber, einem fleinen Bronnen, der dicht neben der Briefe dem Erdboden entquillt und nach wenigen Schritten sich mit dem Fließ vereinigt; ein schmud. lofer Steinhaufen ist um die Duelle aufgeschichtet worden. Wir mandern weiter dem Lauf der Briefe en gegen bis zur Steinernen Brüde oder Schlagbrüde. Hier biegen wir fints ob. Nach kurzer Wanderung schen wir rechts die Niederung des ehemaligen Teufelsfees, in dem einst die Försterri Wensiterdorf versunken fein foll. Wir menden uns nach rechts; der Weg führt am Nordrand der Niederung zum jeginen Forsthaus Wenfikendorf. Hier haben wir die Briefe wieder erreicht. Wir wandern am Fließ meiter bis zur Liebenwalder Chaussee. Birken stehen am Waldrand, die mit ihren leuchtenden Stämmen einen farbenfrohen Gecenfah zu dem dunkeln Grün der Kiefertronen birden Jerseits der Brüde liegt Forsthaus 3ühlsdorf. Wir fagen hier der Briefe Lebewohl. Einige Schritte nach links auf der Chauffee und tann halblinks ab auf dem Schmachtertagener Wege bis zum Weldrand. An diesem mandern wir nach links zur Siedlung Schmachtenhagen. Bald zweigt links der Weg nach Lehnik ab. Nach etwa 20 minuten freuzt dieser Weg das Gestell T, das Lehmkuhlen- Gestell". Dieses Gefell bringt uns in nordwestlicher Richtung zum Nordende des Lehnikfees bei der Einmürtung des Stintgrabens. Wir a hen nach rechts hirauf zur Chauffee und wenden uns nun fints über den Stintgraben zum Großschiffahrtsweg Berlin- Stettin. Die 511 ( Nadbrud burch Malit- Verlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. „ Ich werde der Arbeiterbewegung auf andere Weise a's früher nüßen. Zweifellos tann ich, mit meinem Einfluß und me nen Verbindungen, der Bewegung weitaus mehr nüßen, als es der Studént fonnte, der nichts hatte, nichts war und nichts bedeutete." Und er legte den Dankbrief in die Schublade Der Schwiegervater war eingetreten. Erhobenen Zeiges fingers. Sowohl der Rentier Hummel als auch wir haben einen grozen Verluft erlitten. Dabei lag die'es Geschäft doch rellkommen flar. Und wir hatten unsere Informationen früher als die anderen." Mir war dieses Geschäft zu unsauber." " Die Bank besteht seit fünfunddreißig Jahren. Von Unfauberteit feine Spur!" Der Teilhaber lehnte fich zurück in den Seffel und ließ ganz bewirkt das Bewußtsein vortreten. Das war schon trüb wie eine Wafferfläche, auf der ölige Flüffigkeit irifiert, rückt über den Teilhaber vor und spricht von Recht, Moral und Gerechtigkeit. Das Geschäft war mir zu unmorali'ch. Biele fleine Leute würden burch unsere Schuld ihr Geld verloren hoten. Ich stehe auf dem Boden der Gerechtigkeit." Erst nach einigen Sefunden fonnte der stannende Herr Wagner den Zeigefinger heben:" Der gute Ruf unferes Hanfes murzelt in der Gerechtigkeit Aber sichere Geschäfte einfach nicht zu machen, geht nicht an. Jeber Arbeiter ist seines Lohnes wert. Du kennst meine Weltanschauung. Wir haben eine beträchtliche Summe und obendrein Herrn Hummel, der feit zwanzig Jahren mit uns arbeitet, als Runden verloren, meil du diese scheinbar entwerteten Papiere nicht gekauft haft. Die Leber" natürlich hat sie fofort und famt und sonders aufgeft. Der Jacht." " Das allerdings stimmt," sagte der Teilhaber, daß die fleinen Leute mun trotzdem um ihr Geld gekommen sind." " No, was jag ich!" Es war aber auch schon vorgekommen, daß Herr Wagner erhobenen Zeigefingers zu seiner Frau hatte sagen können: " Der Schwiegerjohn hat eine Nase, eine Nase... Wir Alten Chaussee ist von alten tnorrigen Eichen befäumt. Von der Brüde über den Großschiffahrtsweg überschauen wir nach rechts den Kanal mit der großen Schleusenanlage, nach lints den Lehnißsee. Auf der Chaussee wandern wir nach Oranienburg, bem freundlichen Havelstädtchen. haben wir noch genügend muße, fo machen wir einen Rundgang durch die Stadt. An der Havel liegt das Schloß, von dem schönen Schloßrart umgeben, davor das alte Rathaus, jest ein Gasthaus, und etwas abseits das im niederländischen Stil er baute Waisenhaus. Wir gehen zum Bahnhof zurück und treten von hier die Heimfahrt an. Weglänge etwa 21 Kilometer( ohne Rundgang durch die Stadt.) Am Müggelsee. Einer der über die Stadtbahn fahrenden Züge bringt uns nach Friedrichshagen. Vom Bahnhof gehen wir gen Süd durch Berliner Wasserwerken und dem Staatlichen Institut für die Friedrichstraße und dann gen Ost durch die Geestraße zu ben Binnenfischerei Hier wird die fünstliche Büchtung und Veredelung der Fischarten auf wissenschaftlicher Grundlage betrieben. Bald, nachdem wir an dem Institut vorüber sind, wenden wir uns rechts ab durch den Wald an das Ufer des Müggelfees. Er ist einer der umfangreichsten Seen unferer Mart. Zwischen der Wasserfläche und dem mehrere Meter hohen ziemlich steil aufsteigenden Ufer liegt ein flacher Sandstrand. Er ist fast ohne Pflanzen wuchs, nur eine spärliche Grasrarbe gedeiht hier. Das Fehlen des Bilanzenwuchses wird durch das Eis verursacht, das fast jeden Winter die Müggel bebedt; in diesem Winter scheint fich ja die Eis. bededung eine schier endlose Zeit auszubehnen. Tritt im Winter Tauwetter ein wie mir es hoffentlich bald erleben werden dann werden die großen Eisschollen weit auf das Ufer hiraufze trieben. Sie wühlen den Eanduntergrund tief auf und schieben den Eand vor sich her. Nach dem Abtauen des Eifes bleiben diese Schuttwälle, die häufig ranggestreckt und mehr oder weniger bonenförmig fird, auf dem Strand liegen.. Sie haben große Aehnlichkeit mit den Endmoränen der Gletscher und des Inlandeifes, das zur Eiszeit unfere Gegend bebeďte. Bom jenseitigen Ufer arüßen uns Müggelberge, die als Reste folcher Endmoränen Enbmoränen anzusehen find. Der floche Cardstrand war für die Anlage des Freibades, tas wir alsbald erreichen, recht geeignet. Wenn wir die Eisschollen auf dem See betrachten, dann wird der Wunsch in uns rege. daß der Frühlina fich recht sehr be eilen möge, bamit das Freibad bald wieder in Betrieb genommen merden fann. Auf der Chauffee wandern wir am Forsthaus Müggelsee vorüber zu der freundlichen Siedlung Rahnsdorfer Mühle. Die alte Mühle steht auch noch, leise plätschernd rauscht das Rahnsdorfer Mürberfli B über das Wehr. Südlich der Rahnsdorfer Mühle, am Einfluß der Spree in den Münaelfee, liegt Rahnsdorf, ein Runddorf oder Rundling. Die Gehöfte fienen um einen runden Anger herum, auf dem die Kirche steht. und lassen nur einen Zugangsweg offen. Eine derartige Dorfanlage finden mir überall da, wo sich Larderhöhungen balbinfe'artia in fumpfine Niederungen erftreden, die in den Reiten der ersten Besiedlung faft ausnahmslos mit schwer durchdringlichen Bruchwäldern bestanden maren. Ein solches Dorf fonnte verhältnismäßig leicht menen feindliche Ueberfälle vert idiot merden. Ron Rahnsdorfer Mühle wandern wir auf der West'eite des Fließes aen Nord. Ein schmaler Fußsteig zieht sich neben dem uns murter entea neilenden Bach hin. Die Talriederung zeigt uns eine schöne Badlandschaft. Bir greichen die Bahn rtwes östlich vom Bahnhof Rahnsdorf, pon wo aus wir nach Berlin zurüdfahren. Weglänge etwa 16 Kilo meter. Sonnabend, 15. März 1924 Apotheken- Greise. Der bekannte Erforscher der Mart, Rudolf Schmidt in Ebers. walbe, hat sich der Mühe unterzogen, das Alter märkischer Apothe ten zu ermilboln. Ehrwürdige Greife, deren After bis in den Be ginn des 14. Jahrhunderts zurückreicht, sind da zum Vorschein ge lommen. Man muß sich also nicht Apotheken von ähnlicher Art wie die heutigen vorstellen. Vielmehr waren es anfangs und jahr hunder.elang armselige Handelsbuden, wie auf dem Weihnachts marft oder dem Schüßenfestplatz: Der Betrieb war auch nicht im wesentlichen auf Medikamente beschränkt. Zu ihm gehörte nach den verbrieften Rechten meist auch der Verkauf von Gewürz, Zucker, Konfeft, Marzipan, Barfümerien, Räucherwerf, Fruchtsäften, Eingemachtem, Farbstoffen, Wachs, Schießpulver, Spirituosen, Würzmeinen, Rolonialmaren. Mehr originell als verstimmend wirkt in ben zum großen Teil noch vorhandenen Urkunden über die erteilten Privilegien der Pepanz des Gottesgnadentums der brandenburgifchen Martgrafen und Kurfürsten. Leider geht aus diesen Urkunden correchtigten berappen mußten, aber so ganz billig wird es wohl nicht hervor, wieviel die aus besonderer Gnade und Gunst Be nicht gewesen sein, da schon die damaligen Gottbegnadeten ewig geldbedürftig waren. Die älteste Apotheke in der Mart scheint die in Prenzlau zu sein, über die eine vom 1. April 1303 datierte Urfunde vorliegt. Es folgen die Apotheken in Brandenburg( 1349), Frankfurt an der Dder( Ende des 13. Jahrhunderts), Stendal und Langermünde( 1430), Berlin mit den 1449 erwähnten twe Buden" der Ratsapotheke von Jakob Galle. Wahrscheinlich ist aber in Berlin, wie auch in anderen märkischen Städten schon erheblich früher eine Apothekenbude privilegiert gewesen. Vom Ende des 16. Jahrhunderts an wurde dann die Apothekengründung zahl reicher, so in Forft 1580, Briezen 1593, Freienwalde 1601, Friede berg( Neumark) 1609, Spandau mit einer zweiten Apotheke 1613, Beiß im Krise Rottbus 1644. Altlandsberg 1663, Eberswalde 1670, Drossen 1679, Angermünde 1682. Wenn auch die Menschen von damals gesünder waren als die heutige Generation, so haben doch diese alten Apotheken durch den bevorrechtigten Umfang ihres Betriebes, dem niemand auf meilenweite Entfernung bei schwerer Strafe Konkurrenz machen durfte, ficher cin vortreffliches Geschäft gemacht. Staatsegamina für Apotheker gab es natürlich früher noch nicht, aber schon bei Beginn des 17. Jahrhunderts mußte der„ Apotheterg selle" eine fünf bis sechsjährige Lehr. und Wanderzeit nachweisen. Der Berliner Haushalt. Borläufige Regelung für das Jahr 1924. Der Haushaltsplan für 1924 wird erst nach Beginn des find vorläufige Bestimmungen für die Haushaltswirtschaft zu treffen. neuen Rechnungsjahres fertiggestellt sein. Dabei Der Magistrat hat die Stadtverordnctenversammlung ersucht, zu beschließen: Bis zur endgültigen Feststellung des Haushaltsplanes für 1924 findet folgende Regelung der Haushaltswirtschaft statt. A. Laufende Ausgaben für das Bierteljahr April. Juni 1924 fönnen bis zur Höhe eines Biertels der Jahres ausgabe des von der Zentralfinanzverwaltung geprüften Haushalts entwurfes für 1924 geleistet werden. Der Betrag erhöht sich auf die Hä fte der Jahresfumme für folgende Ausgaben: 1. Feld, Garten und Viehwirtschaft. Sämereicn, Dun; 2. Leer- und Lernmittel, Karten, Sammlungen; 3. auf dem Gebiete der Jugendpflege und Leibesübungen, für Landaufenthalt, Gartenbetätigung, Unterhaltung der Spiel- und Sportpläge; 4. für Freibäder und Luftbadeanstalten; 5. für die Part- und Gartenverwaltung; 6. für die Friedhofsverwal tung, Unterhaltung der Baum- und Schmudanlagen sowie Wege und flanzen den Blumen. B. De aukerordentliche Verwal tung und die bei der ordentlichen Berwaltung für einmalige Ausbehörden nur in Anspruch renommen werden, wenn der Jahresansat in dem von der Zentralfinanzverwaltung geprüften Haus haltsentwurf die Summe von 10 000 Goldmart nicht übersteigt. 3ft bei einem geringeren Betrag für Berausgabung die Genehmigung des Magistrats vorbehalten, so ist sie auf alle Fälle einzuholen C. Bon der Beschränkung werden die gefeglichen oder vertraglichen Berpflichtungen und die auf einen längeren Zeitraum im Voraus fälligen Verbindlichkeiten nicht be. troffen. D: Für Zwecke, für die weder durch den Haushaltsplan Die Auto Poft- Berbindung von Groß- Beft en nach Brieros wird am 15. b. M. wieder aufa normen, urd zwar zu den Zügen 7 1hr und 6,15 l'hr ab Görliker Bahrhof. Die Freunde der herrlichen Dubrow- Wälder feien hierauf besonders aufgaben angefeßten Mittel dürfen ohne Genehmigung der Gemeindemerffam gemacht. Ein neuer Tollwutfall? Des zehrjährige Schulmädchen Erna Gräfin ers her ei eftrafe 41 wurde von einem Hunde des im Hause Allerstraße 44 in Neukölln wehnenden Zimmermeisters Lieb mann ins Bein gebiffen. Man gab tas Kind fofort in ärzt liche Behandlung und der Befizer des Hundes wurde aufgefordert, das Tier untersuchen zu lassen. " Die Pflegerin im Nebenzimmer soll die Beichte mit99-> meiß man nicht genau. Die Menschen können jc fein Geheimnis für sich behalten." " Sonst würde man diese Geschichte vielleicht überhaupt nie erfahren haben, wenn die Pflegerin. fönnen uns zur Ruhe setzen Rein Mensch hätte aus der| Presse und aus den Reden im Reichstag herauszulesen ver-| angehört haben." moht, daß an ein Ge'ez über neue Schutzölle auch nur gedacht werde. Hast du etwas von einem Gefeß gelesen, von Schuß Roll? Nicht die leisefte Andeutung. Aber er, der unge, diefer Junge, mit feiner Vergangenheit und seinem Interesse für Politit, seinen Beziehungen zur Arbeiterbeweging, die unserpunkt, als die geriebensten Füchse sich noch in Baisse festeins überhaupt nicht beachtet, hat zugegriffen zu einem Zeit legten... No, mas sag ich. Auto in den Demonstrationszug hineingeraten und steden Am 1. Mai des vergangenen Jahres war Jürgen im geblieben, beschoffen von Bliden noch gefesselten Hohnes und Haffes. Gedanken beschäftigen. Brauche nicht im Wagen zu fahren." In der Straßenbahn fann ich mich ebenso mit meinen Das schon weit nach rüd värts gebrüdte Bewußtsein fand die Sekunde Zeit zu sagen: Das ist es ja nicht. Das ist es ja nicht. Eine Grenze nach oben muß eingehalten werden, dachte teilte der Tante, mährend er die eingelaufene Boft durchfah. er, ftieg aus, ging die zweihundert Schritte bis zur Billa. Und nebenbei mit, daß in den zwei Jahren, seitdem er ihr Bankier sei, ihr gesamtes Bermögen sich schon faft verdoppelt habe. die schwer zu verheimlichenden Papiere anvertraut und den Da irrt er sich. Das gesamte nicht." Sie hatte ihm nur größeren Teil ihrer Aftien bei ihrem alten Banfier gelaffen Du hast dein Erbe verdoppelt," faqte die gelb, zerfallen und Schweratmend im Lehnsessel Bersunkene. Und er erlebte wieder, wie immer, wenn die Tante das Bort erben" aussprach, in Gedanken diefe merkwürdige Viertelstunde in dem roten Plüschfalon der Konditorei, sah deutlich in drei erregt durcheinander sprechenden Damen, den kleinen Hut der Jungen, der nur aus Beilchen bestanden hatte. Ganz genau fenne ich die Einzelheiten auch heute noch nicht," hatte die Junge gesagt. " Denten Sie an, siebzig Jahre ist sie jetzt. Und nie hat ein Mensch auch nur den leisesten Berdacht gehabt, müssen gegeben, müfen Sie wissen Sie wissen. Das Kind wird ins Ausland in heimliche Pflege „ Eines Tages entläuft das Kind, geht durch." " Wahrscheinlich, weil es schlecht behandelt wurde, Ste " Die Pflegemutter stirbt." verstehen." " Auf diese Weise hat man... Ist verschollen... nt etwas... Kein Lebenszeichen mehr!... von dem Fehttritt erfahren... Als ob sie Jungfrau wäre!. Ja, was fagen Sie dazu... Wo mag das arme Kind jetzt sein." heruntergekommen auf einer amerikanischen Landstraße, wirft Ein fünfzigjähriger Mann torfelt betrunken, verdreckt, die Arme, schimpft auf die Welt. Wird erstochen. Erleidet als Matrofe Schiffbruch, ertrinft. Krepiert im Berliner Ob3ft Gelegenheitsarbeiter im Newyorker Hafen. Magiftratsdachlosenheim. Schuftet nach dem Taylorsystem in Chikago. schreiber in einer kleinen deutschen Stadt. Während diefen drei Damen das Kind gegenwärtig ist wie ein Schweißausbruch, hatte Jürgen heiter gedacht. Diese Schande für die gefunden werden... altein" Das arme Kind muß doch. bisher fo hochgeachtete... .. gefeffene Familie Kolbenreiher." Und war getroffen von diesem unverhofften Stoß, beinahe vom Stuhl gefallen. Nie in ihrem ganzen Dasein hatte die Tante, die nach Glaubt, fie fterbe, beichtet nach heftigem Widerstreben der Beichte völlig unerwarteterweise wieder gesund geworden endlich doch dem Geistlichen daß sie als zwanzigjähriges Mäd- mar, etwas fo tief und schmerzlich berent wie diese Beichte. chen einen einzigen Fehltritt.. " Wer kann das heute noch kontrollieren, ob es der einzige war." 64 ... begangen und heimlich einen Sohn geboren hat. Fragt auch ihren Rechtsanwalt, ob das Kind Erbanspruch habe." " Wie das Geheimnis dann unter die Leute gekommen ist... Nicht einmal das Jugenderlebnis selbst. Nie in seinem Leben war Jürgen vor einem Menschen gestanden, der so bis in die tiefften Tiefen erschüttert, so fassungslos gelacht hätte wie Elisabeth. Und nie in seinem Leben hätte Jürgen es für möglich gehalten, diefes Gefühl der Rührung und Sympathie für die Tante empfinden zu fönnen. ( Fortsetzung folgt.) 1923 noch im Laufe des Rechnungsjahres 1923 von den städtischen Körperschaften Mittel bereit sind, dürfen Ausgaben nur mit Sustimmung der Gemeindebehörden geleistet werden. schreibt uns: Der Konsumgenossenschafts- Wahlkampf. Der Ausschuß der sozialdemokratischen Genossenschaftsmitglieder Der Wahlaufmarsch der VSPD. Liste Genossenschaftsaufbau ist vollendet. Bon 173 Wahlbezirken find 172 gültige Wahlvorschläge eingegangen. Da von 24 Bezirken keine Gegenlisten eingereicht sind, gelten in diesen Bezirken die Genossenschaftsaufbau- Kandidaten bereits als gewählt. In den übrigen 148 Bezirfen fällt morgen( Sonntag) die Entscheidung zwischen der Liste Genossenschaftsaufbau einerseits und den kommunisten und der USB D. andererseits. Die Rom. munistische Partei hatte für Mittwoch und Donnerstag acht Propagandaversammlungen einberufen, in denen auswärtige Kommunisten referierten. Die erwarteten Massen" blieben freilich aus, fonnte doch eine dieser Berfammlungen megen zu geringem Besuch gar nicht stattfinden. Wie fachlich die übrigen Bersammlungen vertiefen, zeigt das Triumphgeschrei der Roten Fahne", die berichtet, daß in den Bharus- Sälen zwei SPD.- Diskussionsrebner mit nieder!" Rufen von der Bühne heruntergeholt wurden! P Ein Beispiel für die Eachlichkeit liefert ein Artikel der Roten Fahne", der unter anderem Unsinn die Behauptung aufstellt, daß die Konsumvereine Staatsfredite ablehnen. Das Gegenteil ist natürlich richtig: Staatstrebite wurden allerorts ge. fordert. Wahr hingegen ist, daß die Forderung der fächfifchen Konjumpereine nach Staatskrediten von dem seinerzeitigen tom munistischen Finanzminister Böttcher rundweg abgelehnt wurde. Doch genug davon. Der Raum des„ Borwärts" ist zu schade, um die Berlogenheiten der kommunistischen Breffe und Redner in Genossenschaftsfragen im einzelnen Falle zu belerichten. Barteigenoffen, Konsumgenossenschaftsmitglieder! Macht diesem Sput kommunistischer Bühlarbeit ein Ende, indem ihr morgen ausnahmslos rechtzeitig( von 9 bs 1 Uhr) zur Wahl geht und einmütig eure Stimmen auf die Liste Genossenschaftsaufbau vereinigt. Sorgt für Verbreitung des Wahlmaterials. Beteiligt euch ait ben Wahlarbeiten. Geld verdienen konnten. Eine Probefahrt". b bantals den Barteien aufgegeben, sich über die Art der Derwaltung zu einigen. Die Einigung fonnte leider nicht zustandekommen, weil der Kreis ein Mitverwaltungsrecht der Stadt Berlin nicht einräumen wollte. Infolgedessen hat sich das Schiedsgericht am 11. d. M. noch einmal mit dieser Eache befaßt und hat folgendes beschloffen: Im Kreisfrankenhaus Lich erfelde werden der Stadt Berlin 250 Betten eingeräumt. Die Verwaltung des Krankenhauses soll von einem Ausschuß bewerkstelligt werden, der von beiden Parteien gemeinsam zu bilden fei. Der Ausschuß soll eine Geschäftsordnung erhalten, die eventuell vom Schiedsgericht aufgestellt werden soll. Kinderhilfe der deutschen Arbeiterschaft. Alwin Körstens Beerdigung. n den Frühnachmittagsstunden des gestrigen Tages war die Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde dicht gefüllt von einer Trauergemeinde, die dem langjährigen Freunde und Mitkämpfer in der Arbeiterbewegung, Afwin Körsten, die letzte Ehre erwie, en. Orgelvortrag leitete die Feier ein, ein Männerquintett folgte. Dann sprach als erster Genosse Wels Worte des Gedenkens. Der Tod hält reiche Ernte, und es scheint, als ob er gerade die Besten zu sich nimmt. In Alwin Rörsten verförpert sich der Werdegang der Arbeiterkämpfe der letzten vierzig Jahre. Wollte man seine Arbeit schildern, so müßte man die Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung, ja vor allem die Geschichte der Berliner Gewert fchaften erzählen. Alwin Körsten war ein Mensch so treu wie Gold, so wahr und aufrecht, wie nur einer sein konnte. Er hat nicht Aus der Tätigkeit der Arbeiterwohlfahrt. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt und die Reichs umsonst gelebt! Sein Werf wollen wir fortseßen und fämpfen, bis arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde hatten seinerzeit einen Aufruf das Unrecht an der arbeitenden Klaffe beseitigt ist. Wir nehmen erfassen, in dem sie um Spenden zur Linderung der Not baten. Abschied von Dir und danken Dir. Arbeiter fretär Geneffe Link sprach als Vertreter der Berliner Gewerkschaftskommission und Dieser Aufruf hat guten Erfolg gehabt. Schon einmal wurde hier schilderte die Arbeit Körftens. Mit dem Entschlafenen ist einer der über die eingelaufenen Ependen berichtet. Jeßt teilen die beteiligten aufopferungsfähigsten und treuesten Arbeiter heimgegangen. In Organisationen weitere Einzelheiten aus ihrem Tätigkeitsbereich mit: feinem Sinne die begonnene Arbeit fortfeßen, heißt sein Andenken In Kiel sind etwa 7000 Werftarbeiter ausgesperrt. Die Ge- am besten ehren. Stadtrat Genosse Brühl als Bertreter des werkschaften haben von den nech in Arbeit Befindlichen jede Woche Magistrats( Rörsten war seit 1919 Abteilungsleiter im Landesarbeitseinen bestimmten Beitrag eingezogen. Außerdem haben alle Bar ei amt) fennzeichnete den Toten als einen Mann der Arbeit, den jede Die Stadt Berlin verliert einen ihrer besten uno Gewert dyaftsangestedten sowie die abgeordneten des Bezirfs Bhrase fern lag. fefte Beiträge zugefagt. Dafür werden täglich etwa 600 bis Mitarbeiter. Als letzter Redner sprach na ad für den Deutsch: n 700 Kinder gespeist. In solchen Fällen find Zuschüsse be- Metallarbeiterverband, der in kurzen Worten Körstens Arbeit innersonders notwendig, weil die Ausgesperrten von feiner Site irgend halb der deutschen Metallarbeiterbewegung ehrte. welche Zuschüsse erhalten. Die Arbeiterwohlfahrt und die Kinder. An der Gruft legte ats erster ein Bertreter der pommerschen freunde hoffen, daß ihnen noch weiterhin Beiträge zugehen und Barteigenossen, die Körsten im Reichstage verirat, einen qui tieren nachstehend über die bis zum 1. März bei ihnen ein Kranz nieber. Die Gemertschaftsfommission von Berlin gegangenen Ependen: Durch den Reichspräsidenten 500 Dol. und Umgegend und AfA- Bund, Ortsfartell Berlin, ließen durch ( oferi B) 10,50 m., durch Frau Luife Kähler 8,40 m., wärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt überbrachte Richard arth lar Paul Hirsch zweimal 25 m., Sammlung Obrawalbe Sabath einen Kranz überbringen. Für das Personal der VorGewertihaftstartell Wiener Neustadt burch B. einen Kranz und fand dabei warme Worte für die treue Arbrit des u fermann 500 000 österreichische Kronen, Deutscher Ge Entschlafenen. Dann folgten Kranzniederlegungen der Geschäftswertschaftsbund in der Tschechoslowatet 24 000 leitung der Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt, des Zentraltichechische Kronen, 150 Dollar, 50 Dollar Sozialistische verbandes der Hotel- und Kaffeehausangestellten. der Angestellten Bartei San Francisco, 23 fr3. Fr. Boltsstim me", und Arbeiter des Landesarbeitsamtes Berlin, des Deutschen MetallSaarbrüden, 100 Dollar von der Arbeiter, Krantenarbeiterverbandes, des Berbandes der Lebensmittel- und Getränkeund Sterbetaffe für die Bereinigten Staaten von arbeiter, der Reichstagsfraktion der BSPD. usw. Amerita Branch No. 65, Cleveland; Gebr. Bein berger, Berlin, Beraftr. 70, 1 Str. Schmalz; Liebesgaben aus Amerika: 2 Kijten Kleider; Liebesgaben aus Nor wegen durch Norste Arbeiterparti: 1 Rifte Kleider; aus Dänemart: 62 Kisten Margarine, 1 Rifte Milch. Den Spendern wird hiermit der herzlichste Dant gefagt Weitere Spenden find zu richten auf dos Postschecktonto Richard Bohmann Boftschedamt Berlin N. 7 Nr. 155468 oder auf das Banktonto Fr. Bartels Juchacz, Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Berlin S. 68, Lindenstr. 3. Stätten der Not. Der Verwaltungsbezirt Prenzlauer Berg gehört zu den ärmsten in Berlin. Seine Bevölkerung feßt sich fast nur aus Un drückender Not. Das Bezirksamt har sich bemüht, mit Hilfe privater bemittelten zusammen, und viele Familien dieses Bezirkes find in Kreise durch Wohlfahrtseinrichtungen das bitterste Elend zu lindern. Für Säuglinge, für kränkliche Kleinkinder und Schulfinder, für Sozialrentner, für Rioinrentner find Heime geschaffen worden, die den Bebräng'en, den Frierenden, den Hungernben, ben Vereinsamten eine Zuflucht bieten. Aber die Not der Zeit bedrängt die Anstalten selber, so daß ihnen die Gefahr droht, megen angel an mitteln gefchloffen werden zu müffen Das wird auch für fechs Bohlfahrtseinrichtungen bes Bezirtes Brenzlauer Berg befürchtet, meil sie feit Anfang des Jahres feine öffentliche Beihilfe erhalen lönnen und die Opferwilligkeit der Bevölferung feinen ausreichenden Erfah mehr zu bieten vermag. Daß aber eine Stillegung dieser fegensreich wirkenden Wohlfahrts einrichtungen ein bitterer Berlust für den Bezirk märe, lehrte eine Befichtigung, zu der die Wohlfahrts- und Jugendpflege des Bezirkes am Donnerstag eine Anzahl Männer und Frauen( auch Käte Rollwig beteiligte sich) eingeladen hatte. Ein Zeitbild von dem Treiben gewisser Jugendlicher entrollte eine Berhandlung vor der Straffammer des Landgerichts III, vor der fich die im Alter von 21 und 22 Jahren stehenden Kaufleute Rudolph Salomons und Hans Löwenberg wegen Diebstahls und Hehlerei zu verantworten hatten. Die beiden Angeklagten hatten eine sorgfältige Erziehung erhalten. Nachdem sie ihr Abiturium gemacht hatten, hatten sie aber nicht Lust zu studieren, oder als Lehrlinge in faufmännische Geschäfte einzutreten, sondern verlegten sich auf Gelegenheitsgeschäfte, wodurch sie leicht reiche Mittel, um ein flottes Leben in Lupuslokalen und Allerhand Schiebereien verschafften ihnen Spieltlubs zu führen. Als dann mit dem Aufhören der In flation diese Herrlichkeit zu Ende war, verfielen sie darauf, fich durch flation diese Herrlichkeit zu Ende war, verfielen sie darauf, fich durch einen großen Schwindel in den Besitz neuer Geldmittel zu jetzen. Am 27. Dezember erschien Salomons bei einem ihm bekannten Fahrradhändler und sagte ihm, daß er einen Holländer an der Hand habe, der ein Motorrad faufen wolle. Er wollte zunächst eine Probe fahrt machen und setzte sich mit dem Kaufmann auf das Rad. Bei der Rückkehr blieb er auf dem Rad vor dem Gefchäft fißen und ließ fich von dem abgestiegenen Händler über die Stellung und Kuppe. lung unterrichten. Blöglich schaltete er ein und war, ehe sich der verbuzte Berkäufer dessen versah, mit dem Rade verschwunden. Eine Berfolgung in einer Autobroschte war vergeblich. Auf einem Umwege war der Angeklagte nach einem Café am Ranteplaß gefahren, wo ihn Löwenberg mit einem gemeinsamen Bekannten erwartete. Löwenberg holte noch einen weiteren Bekannten heran, einen an geblichen Schröder, und diese Beiden, schoben das Rab weg, da fie es nicht fahren fonnten. Am nächsten Tag traf Löwenberg fich wieder mit seinen Freunden und erzählte, daß ihm unterwegs das Rad von einem Herrn und einem Schupobeamten abgenommen wor Den sei. Es hat sich dies als Schwindel erwiesen. Das Schöffen gericht hatte Salomons und Löwenberg zu Gefängnisstrafen Derurteilt. In der Berufungsverhandlung behauptete Salomons, daß er nur allein eine Probefahrt habe machen wollen und am Kaiserdamm abgestürzt sei. Er habe sich blutig geschlagen und habe deshalb nicht gleich in das Geschäft zurückfahren wollen, sondern sei zu den Freunden ins Café gekommen. R.-A. Dr. Großstraße, das von einem zu diesem Zwede zusammengetretenen mann hielt eine Beteiligung des Salomons an der Unterschlagung des Rades nicht für erwiesen. Das Gericht fam auch zu einer Freisprechung, verurteilte dagegen Löwenberg zu 6 Mo naten Gefängnis. Mit Brecheisen und Revolver. Der Rundgang durch den Bezirt wurde unter Führung ber Stadträte Rosemann und Friedländer in der Mül. ha ufener Straße begonnen, wo in dem Gemeindeschulhause eine Speisenausgabestelle für Kinder und für erwachsene Frauen besteht. Dann führte der Weg zu einem erst vor einigen Tagen eröffneten Kinderheim in der Immanuelkirch" Berein Kinderheim" geschaffen worden ist und bis auf weiteres rur Tagesbetrieb nach Art der Krippen hoben fann. Direktor Scheffer von der Deutschen Rothilfe, der an der Be fichtigung teilnahm, machte hier die Mitteilung, daß durch ihn ein ungenannter Spender dem Kinderheim ein Gefdynt von 2000 m. überweist. Der nächste Besuch galt dem Rentnerheim in der Greifswalder Etraße, das in gut durchwärmten Gemein Ein vielfach vorbestrafter Einbrecher hatte sich vor der schaftsräumen eine Aufenthaltsstätte für die Tagesstunden und Ge10. Hilfsstraffammer wegen versuchten Totschlages zu verlegenheit zur Beföstigung bietet, aber auch Einzelzimmer als Woh antworten. Im Januar v. J. kam der Kriminalbetriebsassistent nungen für Alleinstehende gegen mäßige Miete abgibt. Aehnlich ist Bruder auf einem nächtlichen Patrouillengang in der Brunnen- das Rentnerheim in der Schönhauser Allee ein straße an dem Schuhgeschäft von Tank vorbei und hörte ein ver: gerichtet, das gleichfalls besichtigt wurde. Besucht wurde weiter dächtiges Geräusch, an dem er als erfahrener Kriminalist fofort das Heim für Sozial- und Wohlfahrtsrentner, merkte, daß Einbrecher mit dem Brecheifen an der Arbeit das an der Danziger Straße auf dem Grundstück einer ehewaren. An der Tür war tatsächlich ein Mann in voller Arbeit maligen Barackenschule in der Turnhalle eingerichtet ist. Auch dort Er packte ihn fofort, indem er sich als Kriminalbeamter bezeichnete, finden die alten Leute die willkommene Gelegenheit, fich tagsüber und wollte ihn festnehmen. Er bemerkte aber noch, daß zwei andere in einem behaglich warmen Gemeinschaftsraum aufzuhalten und Berfonen Schmiere standen. Der Festgenommene riß sich los und ein Mittagessen einzunehmen. Der Rundgang endeba mit einer 30g einen Revolver. Kurz entschloffen tam ihm der Beamte Besichtigung des Kinderheims in der Gethsemane. zuvor und gab einen Schuß ab, der den Verbrecher auch am straße, bas tuberkuloseverdächtigen Kindern ein besonders Arme verlegte. Nunmehr feuerte dieser auf den Benahrhaftes Mittagessen gibt und ihnen die Möglichkeit einer Liege amten; der erste Schuß traf in den Unterleib, pier fur bietet. meitere Schüsse, die in Arm und Beine gingen, streckten den Beamten nieder. Erst später gelang es, als den Täter den Tischler Baul Biegner sowie die Arbeiter Wohlgemut und Pieper als feine Stomplicen zu ermitteln. Alle drei wurden wegen zahlreicher Bandendiebstähle, bereits vor einiger Zeit zu je 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Biegner hatte sich nun noch wegen der Schießaffäre zu verantworten. Seine Strafe wurde in eine Gefamtzuchthausstrafe von 12 Jahren umgewandelt. Um das Kreiskrantenhaus Lichterfelde. In Sachen Berlin: Kreis Teltow hat bekanntlich das Schiedsgericht vor einigen Monaten entschieden, daß der Kreis ein vorwiegendes Interesse an dem Krejstrankenhaus Lichterfelde hat. Das Schiedsgericht hat Die ganze Besichtigung zeigte, daß eine Schließung dieser im Bezirk geschaffenen und ihm unentbehrlich gewordenen Zufluchte und Fürsorgestätten unmöglich wäre. Es darf nicht dazu kom men, daß Hunderte von Kindern und Greifen, allen Schutzes beraubt, wieder dem Elend ausgeliefert werden. Führungen im Museum für Meetestunde, Georgenste. 34/36. Dienstag, 18. März, 12 Ubr, Brof. Stahlberg: Wie finbet ber Seemann seinen Beg? Dienstag, 25. März, 12 Uhr, Biof. Strumbach eben auf der Hochfee und in der Tieffce. Bortrag im Museum für Meeresfunde, Georgenfir. 34/36. Dienstag, den 18. März, abends 8 Ubr, Profeffor Dr. rumba ch: Riefen und 8werge des Meeres. Mit Lichtbildern. ABATSCHARLO CIGARETTEN C B Verzweiflungstat einer Mutter. Sich selbst und ihre Kinder getö'et. Die graufige Tat einer verzweifelten Mutter wurde gestern nachmittag in der sechsten Stunde in dem Hause Bode. straße 11 in Neukölln bekannt. Hier wohnt in dem Borderhaus zwei Treppen die Kaufmannsfrau Lucie 3ugalsti mit ihren beiden Kindern, sechs und vier Jahre alt. Die Frau lebt in Scheidung mit ihrem Manne und hat durch Wohlfahrtsspenden ihren Kindern und sich das Leben erhalten. Gestern nachmit'ag wurde, da fich in der Wohnung niemand meldete, diese gewalt fam geöffnet, und man fand nun die Mutter und ihre beiden Kinder im Blute schwimmend vor. Die Mutter hat aus Furcht vor Strafe weil sie fürd tete, wegen eines Verbann selbst mit dem Messer schwere Verlegungen am Hals belge. brechens angezeigt zu werden, ihren beiben Kindern mit einem Meffer die Kehlen im Schlafe durchschnitten und sich bracht. Sie wurde, noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, aufgefunden und nach dem Krankenhaus in Buckow gebracht, wil renb bie beiden Kinder nach dem Leicherschauhaufe in Neufölin transportiert wurden. Infolge des ehelichen Zerwürfnisses hatte sie ein von ihr fürzlich geborenes Kind getötet und im Ofen verbrannt. Dieses war ben Hausbewohnern bekanntgeworden, und man hatte ihr gebreht, es bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Aus Furt por Strafe und in Berzweiflung ob ihres ehelichen Lebens hat fie gestern bie graufige Tat vollführt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. wh Heute abend 6 Uhr: Sihung des erweiterten Bezirksvorstrades im Sigungs aal des Parteivorstandes, Cindenftr. 3, 1. Hof 4 Treppen. Engerer Borstand um 5 Uhr im Sekretariat. Sozialistisch- miffenschalticher Diskussionsabenb für Beamte! Der Abenb muk megen Berhinderung bes Referenten ausfallen. Nächste Zusammenkunft Sonnabend, ben 22. Januar. 14. Kreis Reukölln. Gonntag, den 16. März, vorm. 10 Uhr, Besprechung der Abteilungsleiterinnen im Parteibureau. Heute, Sonnabend, den 15. März: 86. Abt. Marienborf. Die Genoffen werden aufgefordert, thre Mitglieds bilcher von ber Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft abzuholen, ba fic am Sonntag zur Legitimation gebraucht werden. Heute, Sonnabend, abends 7 Uhr, Funktionärsigung bei Niendorf. $ 5. Abt. Reukölln. 7 Uhr bei Grieger, Leffingftr. 9, Funktionärsgung. 107. Abt. Alt- Glienice- Fallenberg. 7% Uhr bei Meier, Straße am fallenberg. Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Reventlow. Thema: Die tommenden Wahlen." 117. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr Funktionärfonferenz bei Arüger, Türrfchmidt Straße 33. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. 7% Uhr Diskutierabend, Bolkshaus, Scharn weberstraße 14. Anschließend gemütliches Beisammensein. Die Genossen bringen ihre Frauen mit. 137, in denbora eft Morgen, Sonntag, den 16. März: 82. Abt. Steglig. Bildungsausschuß. Abends 6 Uhr im Reftaurant Schell. hafe, Ahornstr. 15, Bunter Abend". Mitwirkende: Rezitator Emil Wallotte, Arbeiterjugend u. a. Rum Schluß Tanz. Eintritt 0.30. 101. Abt. Treptow. Zur Wahlhilfe für die sonfumwahlen Herren to Bilbennoffen vorm. 8½ Uhr im fleinen Zimmer des Kinderhorts, bruchstraße. 139. Wbt. Tegel. Borm. 10% Uhr auf dem Tegeler Friedhof Gedächtnisfeier filr die während des Rapp- Butsches gefallenen Genoffen unter Mitwirtung bes Tegeler Boltschors. Die Genossen werden ersucht, fich zahlreich zu beteiligen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 1 Uhr, Pappelallee 15, Borttag Gäste willkommen. des Serrn Dr. R. Sturm: Der Smperialismus." M. SCHULMEISTER MSchulmeister Perven Maben Kleidung Tr Hochbahnstation Kottbuser Tor Sporta mit zwei 98.portanzug Hosen Regenmäntel von 20.- an Vom Qualitätraucher immer wieder bevorzugt LVO PUHOYNY Wirtschaft Die Befferung des Franken. Durch internationale Intervention, die durch Nachrichten über bevorstehende Kredite an Frankreich noch wesentlich unterstützt wurde, gelang es, den Frankfiurz zum Falten zu bringen. Anstatt der fortgesetzten Verschlechterung ist jetzt eine Besserung des Frankturfes eingetreten. Das englische Pfund, das vor dem Kriege mit 25,22% Frank notiert wurde, aber schon in den ersten Jahren nach dem Kriege immer wesentlich teurer bezahlt worden war und in den ersten Monaten des Ruhrabenteuers rund 75 Frank galt, fiel von dem höchsten Kurs, der etwa 120 betrug, bis unter 95. Damit be wegt sich der Frank immer noch wesentlich unter dem Stande, den er vor dem letzten Sturz eingenommen hatte, und es bleibt abzu warten, ob er jemals wieder auf diesen Stand zurückkehren wird. Herbigeführt ist der Franksturz durch die verfehlte französische Finanzpolitit, die in der Hoffnung auf beldige Früchte ihrer Erprefferiaftit gegenüber Deutschland große unged: die Ausgaben vorgenommen hatte. Gegenüber dem Defizit im franzöfifchen Haus halt bedeuten die Kredite, die jetzt angeboten wurden und die sich auf einer Höhe von etwa 500 Millionen Goldmark belaufen, noch wenig. Sie sind ein stattlicher Interventionsfords, aber nicht auss reichend zu einer dauernden Stabilisierung des Franken. Die Aus. sichten der französischen Währung sind auch deshalb noch feineswegs rosige, weil genau so, wie früher in Deutschland, so auch jetzt in Frankreich die Schwerindustrie aus der Gelbentwertung Nußen zieht und daher einer Stabilisierung nicht übermäßig freund lich gegenübersteht. Ein Teil der Krebite stammt von England. Es sind dies 5 Millionen Pfund Sterling oder 100 Millionen Goldmart. Unter welchen Bedingungen diese Kredite erteilt worden sind, darüber werden allerlei Mutmaßungen ausgestreut. So soll die französische Regierung die Zusage gegeben haben, den Bericht der Sachverständigen anzunehmen. Die englischen Blätter lassen feinen Zweifel darüber, daß ohne eine entspred ende Anstrengung Frankreichs der Frant nicht von ausländischen Mächten durch Kredite oder Anleihen dauernd gestützt werden könne. ziehen, hieße denn doch wohl den Bod zum Ziergärtner machen. Wir jedenfalls zweifeln nicht daran, daß sie für die kleinen" Mogeleien, die heute üblich und in der Masse offenbar auch ganz einbringlich sind, genügend En schuldigungsgründe finden werden. Der Güterverkehr auf den Binnenwasserstraßen. Aus den amtber aufrechte Kommunist, geschweige denn eine proletarische Regierung i handelt, zur Berabern in der Frage des Leizungsmuchers heranzunicht paftieren" darf. Jetzt erhält nun dieser Stinnes aus den Händen der Moskauer Machthaber ein privattapitalistisches Monopol Niemand in Deutschland, der Tschechoslowakei oder Standinavien fann russisches Benzin oder russisches Schmieröl kaufen, ohne der Firma Stinnes einen Zoll zu zahlen die Sowjetleute aber bezahlen mit dem Geld, das ihnen so zufließt, neben vie'em anderen auch die kommunistische Propaganda in Deutschland, die nun wieder die Pflicht hat, täglich einige Dußend deutscher Arbeiterführer zu„ Stinnesfnechten" zu stempeln, während die Stinnespresse ihrerseits den Bolschewistenschreck an die Wand malt, um den Schuß des Kapitals vor Steuern, die Herbeiführung des Ausnahmezustandes und ähnliche schöne Dinge zu begründen. So schließt sich der Kreislauf. Es ist immer dasselbe Geld. Im Lichte dieser Borgänge wird auch manches verständlich, was sonst schwer oder überhaupt nicht zu verstehen ist. Man begreift 3. B., warum die Sowjetregierung für deutsche gemeinwirt. schaftliche Betriebe nichts übrig hat. So hat die Berliner Handelsvertretung die deutschen„ Sozialen Baubetriebe", als diese um Holzlieferungen vorstellig wurden, an das Privat tapital verwiesen! Privattapitalisten erhalten sowjetrussische Baren, deutsche Genossenschaftsunternehmen blei. ben unberüdsichtigt. Man hat oft genug die geistige Verwandtschaft zwischen Bolfchewismus und Rechtsradikalismus betont. Es ist nicht unintereffant, hier auch den wirtschaftlichen Zusammenhang dieser beiden Bewegungen sich entwickeln zu sehen. Er ist nur eine natürliche Folge der neuen ökonomischen Politit in Rußland, die in der Fachsprache furz Nep" genannt wird. lichen Angaben über den Güterverkehr auf den deutschen Binnenwasserstraßen ergibt sich, daß das Jahr 1923 sehr ungünstig abschloß. Im Jahre 1922, in dem nur etwa 60 Broz, der Gütermengen der Berkriegszeiten auf den teutschen Befferstraßen gefördert worden sind, wurden immerhin noch rund 36 Millionen Tonnen Güter im | Binnenverfehr verschifft Im Jahre 1923 aber nur 15,6 Millionen Tonnen. Dieser Güterverkehr macht nur 27 Pro3. des Borkriegsverfehrs aus. Ohne Zweifel ist daran die schwere Lähmung der deutschen Wirtschaft durch den Ruhrkampf schuld. Aber es wäre falsch anzunehmen, daß e wa nur die Binnenich ffahrt, bie unmittelbar von der fremden Beschungspolitik berührt worden ist, gelitten hatte Ohne Ruhr und Rhein hat die deutsche Binnenschiffahrt 1922 102 Millionen Tonnen Güter befördert, 1923 aber nur 7,9 millionen Tonnen. In diesen Ziffern spiegelt sich die Güterfnappheit und die wirtschaftliche Erftarrung Deutschonds während des Ruhrkamp es wer. 3u eirent Teil man die Minderung der Transporte auf den Binnenwasserstraßen allerdings auch dadurch bedingt ein, daß info ge der Inf ation die Reichsbahn mit den Torifen der Geldentwertung nicht zu folgen vermochte, wodurch die Bahntransporte im Verhältnis zu den Wassertransporten rentabler wurden. Die italienische Anleihe an Polen. Der Berirag einer italienifchen Anleihe an Bolen wurde am Dienstag zwischen Mussolini und dem polnischen Gesandten in Rom unterzeichnet. Die Anleihe laubet über 100 Millionen Goldfire. Sie wird von der italienischen Revierung unterstüßt und wird von der Banca Commerciale Die polnischen Martstaatsanleihen sollen nach einem vom Mitaliano zur Zeichnung aufgelegt. Die italienische Regierung garannisterrat genehmigten Gefeßentwurf durch die Emission einer fünf- tiert das Zustandekommen der Anleihe. Die polnische Regierung prozentigen Konverfionsanleihe auf Zloty( Guften) um hinterlegt a's Sicherheit für die Anleihe Sch over chreibungen auf getauscht werden. Zur Konvertterung gelangen die Assignaten- das po'ni che Tabat monopol und verpflichtet sich, aus Italien anleihe 1918, die furz- und langfristigen Anleihen 1920, sowie die Misioner- Prämienanieihe. Die Konversion tritt am 1. Januar pro Jahr 2 000 000 Kilogramm Tabat zu beziehen. Die Anleihe ist in 20 Jahren rückzahlbar. Der Binsfuß beträgt 7 Prez. Eine 1925 in Kraft. offiziöse Mitteilung warnt in der ita'ienischen Presse davor, die poli1liche Bedeutung dieser Finanzoperation zu überschäßen. Die Breslauer Messe, die in dieser Woche stattfand, entsprach Doffkommen der der Königsberger und der Leipziger. Die Zahl der Besucher stieg gegen die der letzten Herbstmesse außerordentlich. Meue Kundenfreise, insbesondere aus norddeutschen Gegenden, Ostfchlesien, Ungarn und Italien, machten steffenweise bis zu 50 Broz. der Käuferschaft aus. In der Textil- und Schuhbranche war das Gefamt eschäft sehr befriedigend. Der Möbelmarkt hatte gegen tie Inflationszeit eine sehr erfreuliche Belebung zu verzeichnen. Haushaltsartikel hatten wie üblich sehr gutes Gedäft, was bei den Anforderungen, die nach Beendigung der Inf'ationszeit von den Ausstellern gestellt werden, einer sehr bedeutenden Verbesserung des Gesamtgeschäfts entspricht. Die Bijouteriewarenbranche sowie be fonders die Spielwarenbranche waren mit ihren Umfägen ebenfalls chemisch technischen Branche machte sich turrenz franzöfifcher Einfuhrartitel mertlich fühlbar. Deutschland hat wirtschaftlich fein Interesse am Niedergang des Franken. Die Edadenfreude über den Frankstura, die vielfach geaußert wurde, erflärt wohl auch mehr aus politischen Gründen. Nachdem Poincaré so oft Deutschland den betrügerischen Bankrott vor. geworfen, und durch feire Reden den Sturz der Mark gefördert hat, brauchte man wirklich fein Ratioralift zu sein, um über den Anfd auungsunterricht für die französischen Machthaber Genugtuung zu empfinden. Aber von vornherein traten die wirtschaftlichen Schäden außerordentlich start in Erscheinung. Deutsch and, das ohne bin unter einer schweren Wirtschaftsfrife litt. wurde jetzt von einem starken Warenangebot überflutet. bei Breifen, die infolge des rankſturges wesentlich niedriger als die deutschen Breise waren. Auf die Dauer wäre dieser Zustand für die deutsche Volkswirtschaft ebenso unerträglich gewefen wie die beutsche Schleudertonkurrenz zur Zeit der Martentwertung feinerzeit unseren Nad barstaaten gebrüdlich geahndet, andererseits Fehlgriffe und Schädigungen der Befehr zufrieden, da sie viel neve Rundschaft erhalten haben. In der schadet hat. Auch für Deutschland bewahrheitete sich beim Frantiturz bas, was jetzt englische Blätter als An'aß zu Interventionen für den Frank angeben, nämlich, daß eine entwertete Währung cire Bedrohung für die gesamte zivilisierte Welt und ihre Wirtschaft bedeutet. Insofern ist auch Deutschland an einer Stabilisierung des Frankfurses interessiert. Diefe wird aber nur eintreten, wenn Frankreich eine vernünftige Regelung ber Reparationsfrage nicht wieder von sich weist. Ob aus der plötlichen Besserung des Frank auch deutschen Birtschaftstreifen Schaden erwachsen ist, läßt sich vorerst nicht über fehen. Die faue Stimmung am gefirigen Effektenmarkt wird damit in Zusammenhang gebracht. Es verlautet nämlich, daß einzelne Firmen durch die Einfuhr von Waren Frantschulben eingegangen sind, die ungedeckt waren, und die bei der Besserung des Frankfurfes große Verluste zu bringen drohten. Durch Aftierverkäufe habe man für die Frantschulden Deckung zu schaffen gesucht. Es muß dahingestellt bleiben, ob die Berluste, die verein zelt sicherlich zu verzeichnen sein werden, erheblich sind. Jedenfalls find spürbare Erschütterungen des, Marktes bisher nicht zu verzeichnen gewesen. Moskau vergibt Monopole an Stinnes! Die Firma Hugo Stinnes hat einen Bertrag mit dem altrussischen Raphthasyndyfat abgeschlossen, durch den sie den Alleinverlauf des russischen Benzins und Schmieröls für Deutschlard, die Tschechoslowakei und Standi navien erhalten hat. Das Abkommen läuft zunächst ein Jahr, fann aber verlängert werden unter besonderer Berücksichtigung der Stinnes- Firma. Die Naphthalieferungen werden fofort aufge. nominen Selbstverständlich fann Rußland, das jetzt noch unter den Folgen einer schweren Wirtschaftskrise leidet, nicht umhin, dem ausländischen Rapital 3ugeständnisse zu machen, wenn es die Warenaus. fuhr steigern will. Es ist auch an sich gleichgültig, mit welcher Firma oder mit welchem Konzern die Sowjetregierung oder ihre untergeordneten Wirtschaftsorgane derartige Berträge abschließt. Wir hätten gegen den Abschluß also nicht das geringste einzuwenden, wenn die fommunistische Propaganda tie Notwendigkeit der von Moskau rerfolgten Braris enerkennen und vor allem die durchaus sich ergebenden Konsequenzen für Deutsch Iand ziehen würde. Die attive Handelsbilanz Sowjetrußlands. Das Rommiffariat für Außenhandel beschloß zweds Attivmachung der Handelsbilanz ben Export um 8 millionen Goldrubel zu erhöhen. Gemäß der neuen Bilanz wird der Export für 1924 auf 445 Millio nen, der Import auf 342 Millionen Rubel eingeschätzt, so daß die Handelsbilanz mit 103 Millionen Rubel aftip wird. Der Bod als Ziergärtner. Der Zentralverband des Deutschen Bant. und Bantiergewerbes G. 2. hat erklärt, daß er bereit fei, auch in Strafverfahren wegen Leiſtungswuchers und anderer wirtschaftlicher Straftaten gegen Banten und Bantiers den Staatsanwaltschaften auf Ersuchen Ausfünfte zu erteilen, Gutachten zu erstatten oder geeignete Sach verft än bige zu benennen. Er habe ein lebhaftes In'eresse daran, daß einerseits wirklich vorliegende Straftaten der bezeichneten Art nach teiligten durch Weiterverfolgung unbegründeter Anzeigen möglichst vermieden würden. In einer allgemeinen Verfügung des Justiz ministeriums wird deshalb, dem Amt ichen Breu ise Breffebienit" zufolge, darauf hingewiesen, daß die Staatsanwaltschaften zu er wägen haben werden, ob in geeigneten Fällen ven diesem Anerbieten Gebrauch zu machen ist. Wir möchten dafürhalten, daß von einem derartigen Anerbieten möglichst wenig Gebrauch gema.ht wird, schon deshalb, weil der Beniralverband" in jedem Falle intere fierte Partei ist Der Tatbestand tes Leistungswuchers ist ferner fchen heute objektiv gegeben, ohne daß die Banken sich daran stoßen. Der 3entra verband hat fürzlich erklären laffen, er sei bereit, die Brovifionen obrubeuen. hat aber daran hie. Bebingung ges fnüpft, daß die Börsenumfaßfteuer ermäßigt wird. Obwohl also ber Abbau der Provisionen zugestandenermaßen möglich ist, bentt man richt daran, fie abzubauen, ehe man mit dem offenkundigen Wucher noch einen politischen 3wed erreicht hat! Leute, die so Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise In Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berl n. 7. Weizenmeht Gerstengraupen, lose 16,0 17,25| Röstgetreide, lose.... 16.00-13.00 Gerstengrütze, lose... 16,00- 17,00 Kakao fettarm... 100,00-12,00 Haterf ocken, lose.... 15.25- 16.00 Kakao, leicht entölt 130,00-153,60 Hafergrütze, lose..... 15,75- 16,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 Ro genmehl 0/1..... 12,7514, 0 Tee, indischer, eepackt. 425,00-475,00 Weiz ngrie 13,00-18,80 Inlandszucker basis mel. 40, 42,00 22,00-25,5 Inlandszucker Raffinade 42,50 44 50 14,50 16,00 Zucker Würfel 46,00-48.00 17,00 1,00 Kunsthonig 40, 45,0J 19,00-22,7 Zuckersirup hell in Eim 49,00 14,00-17,00 Speisesirup dunk, in Eim 33,60- 35,00 20,25 24,00 Marmelade Eintr. Erdb. 108,90-130,00 30-31,0 Marmelade Vierfrucht 26,00- 35,00 Pflaumenmus in Eimern 46,00- 50,00 36,50 42,00 Steinsalz, lose. 43 0 49 50 Siedesalz lose 16,0 Hartgrieß Weizen- Auszugment Speisee bsen, Viktoria Bohnen. weiße, Perl Speiseerbsen, kleine Langbohnen. handverles. Linsen. kleine. Linsen, mittel Linsen. große Kartoffe mehl Makkaroni Schnittnude.n, lose.. Makkaronimeh! Bruchreis Rangoon Reis 40,00-55,00 3,4 4,00 4.20-4,80 18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00-45,00 Bratenschmaz in Kübeln 37,00-38,5 Purelard in Tierces 21,00-25.00 Purelard in Kisten 15,25-17,5 Speisetalg in Packung 17,00-19,50 Speiseta in Küpeln 68,00 70,00 67,00 68,00- 69,00 48,00-52,00 47,00-49,00 48,00-52,00 Tarelreis, glasiert, Patna 27,00-31,00 Margarine. Handelsm. i 56,40 31,00-36,00 deset 11.... 110,00-120,00 Margari e, Spezialm. I.. 76,00 41,00-48,00 desgl. II. 52,00-55,00 Molkereinutter i. Pässern 20,00 Tafelreis, Java Rinpäpfel, amerik. Getr Plaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Korinthen, choice Mandeln, süße Bari. Sultaninen Caraburnu. 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Rohkafiee Zenia'amerika240,00-300,00 Ausl. ungezuck.CondensRöstka fee Brasil 240.00-280,00 mitch 48/16. Röstkafiee Zentralam... 315,00-400,60 Inländische desgl. 48/12 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden 62,00-66,00 40,00-50,00 35,00-50,00 115,00-125,00 50,00-55,00 23,00 25,00 18,0-19,50 28,50- 29,50 die Rond Erneuerung eines Handelsvertrages. Am 16. März ist der durch den Weltkrieg aufgehobene Handelsvertrag zwischen Deutschland und Nicaragua vom 4. Januar 1896 durch Notenaustausch erneuert worden. Im Gegensatz zu dem Artikel 31 des alten Bertrages läuft ter Bertrag nunmehr mit dreimonatiger Kündigungs. fri ft. Der Bertraa, der in Nicaragua inzwischen in R: aff getreten ist, bedarf in Deutschland noch der Ratifikation. Sämtliche diesjährigen 3 SechstageRennen, die schärfsten Reifenprüfungsfahrten, wurden überlegen auf ,, Continental" gewonnen. Auch das soeben beendete 2. Berliner Sechstage- Rennen war ein Sieg für Continental". 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Hitler: It es Ihnen nicht bekannt, baß ein vollkommen gleicher Zwang einige Jahre vorher schon ausgeübt worden ist und Saß dieser Zwang Herrn v. Kahr zum Ministerpräsidenten gemacht? Lossow: Nein, Gott sei Dant, damals war ich noch der un polttische, nichts mit der Politit zu tun haben wollende General 3. Lossow. Zoffow verläßt den Saal. Am Schluß der Mittagsfügung fommt es zu einem neuen sehr wesentlichen Zwischenfall Hitler richtete an Lojom die Frage, ob auch er der Ansicht sei, daß Hitler feine 3ujage, er werde fich neutral verhalten, gebrochen habe. v. Loffaw erklärte, daß er in der Tat ber Ansicht sei, Hitler hätte durch die Zusage, die er ihm, dem General Lossow, gegeben habe, ertiäri, daß die Kriegs ertlärung an Herrn v. Seißer zurüdgenommen und daß der Status quo ante eingetreten fet. Mis Hiller dann weiter fragte, ob Seißer sich im Bürgerbräu nicht zu Unrecht über den Ueberfall beschwert habe, antwortete General v. Lofsom: Als Offizier ftehe ich auf dem Standpunti, daß Herr v. Seißer sich über den feigen, hinterliffigen Ueberfall mit Recht beschwerte." Sitter( chreiend): Ich betone, daß ich gegen die brei Herren nicht feindlich vorgegangen bin. Es handelte sich im Bürgerbräu nur um die Auslösung eines fängt besprochenen Planes. Ber bin ich denn im Bürgerbräu gewesen, Herr General v. Boffom, ber fentimentale oder der brutale Hitler? Lossom( fehr erregt): Wenn Sie mich fragen, so antworte ich Shnen:„ Das war der Hitler mit dem schlechten Gemiffen." Hitler( in höchster Erregung): Wenn Sie mir das zu sagen wagen, dann behaupte ich: Der einzige Menich, der sein Ehrenwort com 1. Mai gebrochen hat, ist nicht Hitler, sondern der General n. Coffow gewefen!( Große Bewegung im ganzen Saal.) General v. Coffow, der fich fichtlich in höchster Erregung be. findet, beherrscht sich sehr mühsam, macht dann eine furze Berbeugang und verläßt wortlos den Gerichtsfaal. Borj: Herr Hitler, das ist ein geradezu unglaubliches Benehmen, das Sie hier an den Tag legen. Ich rüge bas in der ent schiedensten Weise. Da die Aufregung jedoch zu groß mar, fah fich ber Borfigende geamungen, die Sigung auf met Stunden zu unterbrechen. Beweisanträge der Verteidigung. Nach Wiedereröffnung der Gigung übergab Rechtsanwalt Dr. Holl eine eidesstattliche Ertiärung von 14 Berfonen harüber, daß die Rede des stellvertretenden Generalftaatstommiffars cls richtig anerkannt werben müsse. Dagegen erflärte Freiherr D. Auffeß, daß er das Ehren- Philifterium bei den Bojaren" nederlege, da feine Rede von einem unqualifizierbaren Kommili tonen als Schmähschrift herausgegeben worden sei und das Korps Bovaria antwortete, daß Herr v. Auffeß die wiedergegebene Rede boch gehalten habe. Man habe die Rebe festgelegt. Borf: Das Gericht hat in Erwägung gezogen, ob gegen Hitler eine Ordnungsfirafe anzuwenden ist. Da Herr Hiffer in Haft ist, hätte solche Strafe feinen Wert. Wenn Herr Sytler fich jedoch nicht Mäßigung auf. erlegt, so wird sein erfahren abgetrennt Rechtsanwalt Rober: Hitler fämpft mit jeder Fafer feines Herzens für seine Ehre. Hier müssen Unterschiede zwischen ihm und der ungeschlachten Art gemacht merben, in der der Zeuge beute ben ganzen Bormittag geredet und die Berteidigung verhöhnt hat. Hit'er hat seine Angriffe nicht aus der Luft gegriffen. Die Leffentlichkeit hindert mich, Näheres zu sagen. Ich werde Zeugen benermen, daß Cofjow fein Wort gebrochen und das faltfächelnd mit den Worten zugegeben hat: Ihr fönnt mich ja den Meineidsbauer nennen."( Bewegung.) In den Zeitungen wird. Hitler durch Schweyer des Ehrenwertbruches bezichtigt; man darf doch den Angegriffenen nicht in den Arm fallen. Bors: der Ausdrud ungeschlachten" ist ungehörig. Justizrat Schramm stellt dann einen umfangreichen Beweis. antrag, ber bie MRATUS Cadung einer ganzen Reihe von Jeugen für zahlreiche von der Berteidigung im Laufe der Verhandlung auf. geftelite Behauptungen verlangt, u. a. dafür, daß Kahr am 10. Ropember abends in der Kaserne von I 19 geäußert habe: Hitler und ich wollten dasselbe, Hitler ist nur vorgeprellt. Ferner, daß offom geäußert habe: Wir wellten ja auch den Staatsfireich, wir waren uns nur über den Zeitpunkt des Cosschlagens nicht einig; ferner dafür, daß im Frühjahr und Herbst 1923 Hitler von an derer Seite wiederholt ersucht worden sei, die Dittatur hitler zu errichten, dieses Anfinnen aber ft ets abgelehnt habe. Beiber cine Reihe von Zeugen dafür, daß Kahr wiederholt vom Marich nach Berlin, von der Dedung der linken Flante und ähnlichem gesprochen habe, daß auch Seißer den Vormarsch angekündigt und am 8. November abends feiner Frau freudestrahlend mitgeteilt habe, baß er Reichspolizeiminifter geworden fei. U. a. wird auch die Las bung des Oberbürgermeisters uppe- Nirnberg zum Beweis das für verlangt, daß die Nachricht von der Uebertragung der vollziehen Den Gewalt an Seedt vom 8. und 9. eingetroffen ist. Ein wei terer Beweisantrag des Justizrats Schramm bezieht sich darauf, daß bas Hitler- Unternehmen in den norddeutschen vaterländischen Kreisen und in der norddeutschen Reichswehr starten Widerhall gefunden hätte, so daß fein Widerstand zu ermarten gewesen wäre, ba man in MortDeutschland allgemein nur auf Bayern gewartet habe. Rechtsanwalt oder beantragte die Ladung von Zeugen dafür, bab habe. Collow im Frühjahr 1923 Jeinen Eid gebrochen R. Luetgebrune reichte für Ludendorff dem Gericht ebenfalls einen umfangreichen Beweisantrag ein, der bie Ladung ciner Reihe von Zeugen u. a. dafür vorsteht, daß Ludendorff bei feinen vielfachen Unterredungen mit Rossow stets zu erkennen gegeben habe, daß er gewillt fet, dem Plan Coffows auf Errichtung eines Reichstir Horiums nachzukommen. Demgemäß habe sich Ludendorff auch wiederholt um die von Loffow herbeigewünschten Männer aus dem Norden bemüht und die eintreffenden Herren stets an Kahr und Lossow verwiesen. Der Plan einer Sonderdiktatur Hitler- Ludendorff sei niemals auch bis in die allerlegten Tage vor dem 8. November angestrebt worden. linter ben hierfür genannten Zeugen befinden sich von befannieren Bersönlichkeiten der Admiral Scheer, der deutschvolfische Abgeord nete n. Graefe Golbebee und Oberstleutnant Düeterberg. nis und die Ausrüftung der Ehrhardt Truppen und den Ferner enthält der Beweisantrag, Angaben über das Starteverhält Grenzschutz an der Bayerisch- thüringischen Grenze. die Erffärung ab:„ Die Staatsanwaltschaft besteht angesichts biefer Staatsanwalt hardt gab für die Bertreter der Anflage dazu ihr benannten Zeugen. Sie beantrapt ferner die Ladung des Grafen Bereisanträge der Bericidinung ebenfalls auf die Badung der von v. Soben Fraunhofer zum Beweise dafür, daß diefer am 7. November Herrn v. Kahr mitgetett hat, es felen von feiten Hitlers Schwierigkeiten zu erwarten, daß Rahr das aber nicht geglaubt habe, weil er ja die Versicherung Hitlers hätte. Der Berfikende verlos dann noch einen bei ihm eingegangenen Brief des Wehrfreistommandos, wonach der Kommandeur des in Kempten garnisonierenden Bataillons Infanterie- Regiment 19 entschieden in Abrede stellt, daß er vor den Baterländischen erbänden geäußert habe, General v. Loffom habe den Marich nad Berlin gepredigt. de Loffow verweigert sein Erscheinen. Hierauf sollte Lossom nach einmal vernommen werden. Zur allgemeinen Ueberraschung teilte der Vorsitzende hierzu mit, daß Loffow nach den Borgängen, die sich heute vormittag abspielten, nicht mehr in bas Gericht kommen werde Rechtsanwalt Roder: Das ist doch teine Art und Weise, dann muß General D. Lossow eben gezwungen werden. Justizrat Schramm: Das ist eine Brüstierung der Berteidi guna und eine Unfreundlichkeit nenenüber bem Gericht. Der Herr Borthende hat doch seine Pflicht getan, indem er Herrn Hitler eine Rüge erteilte. Wir beantragen. daß dos Gericht ihn hier verführen läßt( Vereinzelte Bravorufe im Zuhörerraum.) Borf: Wer hat sich unterstanden, hier Brano zu rufen? Ich verlange bak der Betreffende fiá meldet. Tatsächlich medet sich ein junger Mann, ber daraufhin aus dem Saale gewiefen wird. Seißer im Kreuzverhör. Sonnabend, 15. März 1924 Rechtsanwalt Holl: Haben Ste Enbe Oftober den Bolizei offizieren erklärt, daß zwischen Kahr und Hifler einige Differenzen beständen, und zwar ffrebfe Sahr ein Reichsdirektorium an, während Hiller das Direktorium von München aus einsehen und dann die Bewegung mit Gewalt nach Norden treiben wollte. Zeuge v. Seißer: Das fann sehr wohl sein. Rechtsanwalt Holl: Haben Sie Ihrer Gattin in der Nacht 3um 9. Stovember vor der Infanterickajerne aus nicht find, haben Sie ferner nicht einem Herrn, der dieses Gespräch mit angehört hat, erklärt, er werde aus dem Dienst entlassen, wenn er barüber ausfagte? Oberst v. Seißer: Auch das ist unrichtig. Im übrigen telle ich Ihnen auch hierzu mit, daß der in Frage kommende Offizier, der Hauptmann Schweinle, selbst bei mir war und erklärt hat. er habe sich bezüglich dieses Telephongesprächs geirrt. Rechtsanwalt Holl: Dann fönnen wir den Hauptmann Schweinle ja hier hören. Wenn der Verteidigung von den Zeugen fo schroff entgegengetreten wird, dann kann ich felbft auch ganz andere Seiten aufziehen. Haben Sie, Herr Oberst. Ehrhardt einen Paß für Bayern ausgestellt? Zeuge v. Seißer Ueber diese Angelegenheit ist hier ein Phantasiegebäude errichtet worden, das ich auch gleich zerstören werde. Ehrhardt kam eines Tages zu mir und erflärte, er müsse in Sachen seines Verbandes zu einer Besprechung mit der Bolizei. direktion nach Nürnberg fahren. Er war der Meinung, daß den unteren Polizeibeamten noch nicht befannt war, daß durch Siftierung der Republif- Schutzgesetze sein Aufenthalt in Bayern gestattet mor Ich habe darauf hin Ehrhardt einen Ausweis ausgestellt, daß er dienstlich nach Kürnberg oder Oberbayern zu fahren habe und daß ihm teine Schwierigteilen zu machen seien. Ich bemerke, daß Erz. Kohr von dieser Angelegenheit nichts mußie, Ich habe dann auch die Polizeidireffion in Nürnberg verständigt, daß Herr Ehrhardt zu ihr tame. Hierauf wurde dann Oberst v. Seißer von der Berteidigung R.- 21. Holl und Oberst v. Seißer, da der Anwalt behauptete, ba Es kam dann noch zu einem weiteren Zusammenstoß zwischen befrant. Er erklärte gleich zu Eingang seiner Bernehmung, er wünsche von Oberstleutnant Kriebel eine Bestätlaung darüber, Oberst v. Seißer bezüglich des Angeklagten Dr. Weber eine un baß Dr. Weber ihm, dem Zeugen, am 6. Oftober erklärt habe, bei forrette Aussage gemacht habe Der Borsigende stellt aus den anteinem Stonflikt zwischen Kahr und Hitler werde der Bund Oberlichen Sigungsprotokollen jedoch fest, daß der Anwalt sich geirrt habe. land fich felbstverständlich auf die Seite Kahrs steffen, da er seine Zum Schluß femer Bernehmung bat D. Geiger mod, men möge Die Polizeioffiziere in öffentlicher Sigung ner Berpflichtungen gegenüber dem Kampfbund" Doranstelle. Angell. Kriebel: Cine Erflärung in diesem Sinne ist von nehmen, damit nicht der Eindrud entstehen könne, daß in den Dienst Dr. Weber in der Tat abgegeben worden. is besprpechungen bie er abgehalten habe, irgendwelche Geheimnisse besprochen worden feien. Damit war die Bernehmung Oberst Seißers beendet. Die Verteidiger stellten dann noch mehrere Anträge und baten das Gericht, eine Prüfung vorzunehmen über bie Frage, Rechtsanwalt Hoff: Herr Oberft Seißer, Sie sollen am 27. Dt. tober in einer Berfommlung der Münchener Polizeioffiziere in der Türfendaferne gewesen sein und dort folgende Ausführungen ge macht haben: Jn Berlin herricht eine Judenregierung die unfähig ist, die Dinge in Ordnung zu bringen. Kahrs Absicht ist, von München aus Deutschland zu sanieren. Es wird ein Direktorium non wenigen Märnern eingesetzt werden, und wir werden nach Berlin den Bormarsch machen. Teile der Landespolizei find hierin fchon bereitgeffelit. Wenn der Landtag Schwierigkeiten macht. fo wird Herr v. Kahr ihu auflösen und als Diftator regieren." Oberst v. Seißer: Ich biete den Eib aller Offiziere gt, die babei gewesen find, bak ich in meinem ganzen Leben nie folchen Unfinn geredet habe. Ich biete dem Gericht 80 Offiziere hierfür als Zeugen an, daß die Darstellung des Herrn Verteidigers unrichtig ist. Ein Marsch nach Berlin ging absolut gegen Rahrs Pläne und gegen meine innere Ueberzeugung. Rechtsanwalt Holl: Haben Sie auch nicht davon gesprochen, baß Herr v. Kahr den Zusammentritt bes Landtages verhindern merde? Oberst v. Seiger: Nein. Das ist eine Berdrehung, die jetzt erst fonstruiert wird. Das ist ja das Groteske an dieser Angelegen beit, daß man die Regierung, die die bayerischen Belange am meisten gefördert hat, zur Einleitung des Butsches einfach absetzte. Rechtsanwalt Holl: Die Ausführungen, bie Sie hier bestreiten, hat der Polizeihauptmann Röder mitstenographiert und auf Befehl eines Borgesetzten feinen Sameraben befanntgegeben. Oberst v. Seißer: Ich bemerke hier gleich, daß Hauptmann Röder aus dem Bolizeidienst ausgeschieden ist, da gegen ihn ein Berfahren wegen grober Pflichtverlehung eingeleitet werden mußte. Rechtsanwalt Holl: Ich bin sehr gut im Bilde und weiß, daß Hauptmann Röder aus Gründen entlassen worden ist, die mit dieser Angelegenheit zusammenhängen. unrichtig ist. Seißer: Ich erfläre unter meinem Eid, daß das abfolut ob die Angeklagten schuldig feien, wenu fie dem Borgehen der Herren Kahr, Cossom and Seißer gefolgt feien. R.-A. Rober betonte dabei, die Angefiagten hätten 236 in Notwehr gehandelt, da, wie Hitler gestern vorgetragen habe, in Berlin ein Finan genie aufgetaucht sei, das die höchsten Güter der Nation zu verschachern versucht habe. Gegen falche Versuche hätten die Angeklagten als nationale Männer fich gemehrt. Das Gericht zog sich hierauf zur Beratung zurüd, um barüber Befchiuß zu fassen, ob den Beweisanträgen der Berteidigung ftattzugeben sei und ob v. Cossom gemäß bem Antrage Justizeats Schramm zwangsweise vorzuführen sei. Lossow erhält Ordnungsstrafe. Nach mehr als halbstündiger Beratung verfündete ber Vorsitzende den Gerichtsbeschluß, daß der Zeuge v. Loffow, weil er sich ohne Erlaubnis von der Bernehmung entfernt habe, zu den durch diese Berzögerung entstandenen Kosten und zu einer Geldstrafe von zehn Mark( 1), im Nichtbeitreibungsfälle zu einem Lag Haft verurteilt werde. Außerdem wurde die erneute Ladung Lossows zu Sonnabend vormittag angeordnet Des weiteren gab das Gericht den Beweisanträgen der Berteidigung und der Staatsanwaltschaft insofern statt, als es die Ladung von weiteren 12 3eugen beschloß. Unter diesen befinden sich u. a.: Der Universitä'sprofessor Geh. Rat Dö berl und Prof. Bauer, die nach Lossom am Sonnabend ver nemmen werden, fowie San.- Rat Bittinger, Kornettenfapitän Ehrhardt, Kapliänleutnant Kautter Stadtrat Nußbaum, 2dmir Scheer und Graf Soden, die im Laufe des Montags gehört werden follen. Um 6½ Uhr abends wurde dann die Verhandlung auf Sonnabend früh 8% Uhr vertagt. Der Zeigner- Prozeß. Das Gericht nicht befangen! Nach dreieinhalbstündiger Konferenz lehnt das Gericht den Antrag der Berteidigung mit der Begründung ab, daß die politische Einstellung und Zugehörigkeit zu einer Barter und auch die politiche Betätigung nicht die Besorgnis einer Befangenheit begründe Bandgerichtsbinektor v. Mia tawsty habe dienstlich erklärt, daß ihm wegen feiner politischen Betätigung nie Borhaltungen im Dienfte gemacht worden seien. Das zeitige Studium der Alten habe nur dem Interesse des Angetlagten gedient. Die Berteilung der Eintrittstarten fei fo erfolgt, daß fie der erhielt, der zuerst fam. Landgerichtsrat Dr. Stori habe dienstlich erklärt, daß er freiwillig, ohne gemaßregelt worden zu sein, im Jahre 1921 aus feinem Dienstzimmer die Bilder des Kaifers und Kronprinzen entfernt habe. Auch Landgerichtsrat Dr. Raud erfiärte, daß er sich über bie Reichsfarben nicht, mie angeführt, abfällig geäußert habe. Die Anklage. Darauf wird in die Verhandlung eingetreten, und die Angeflagten werden vernommen. Stari töbius, 1882 geboren, ift Fabril. schmied und vor vielen Jahren wogen Diebstahls mit 4 Wochen Gefängnis bestraft. Der Lebenslauf Dr. Beigners ist folgender: 1886 geboren, 1908 Referentar, 1913 Affeffor, 1918 Staatsanwalt, 1919 Landrichter, 1920 Landgerichtsrat. Am i. August 1921 wurde er 3 ftigminister, im März 1923 Ministerpräsident, bis er am 29. Of. tober 1923 vom Reichskommiffar Dr. Heinze feines Bostens enthoben und Landgerichtsdirektor wurde. Sturze Zeit darauf erfolgte feine Berhaftung. Die Anklageschrift, bie nunmehr zur Zerlesung fommt, legt bem Angeflogten folgendes zur Baft: Die erfte Gathe fällt noch in die Zeit, in der Dr. Zeigner in der Schreibstube feines Truppenteils in Leipzig beschäftigt war. Anfang November 1918 wurde er mit dem Angeflagten Möbius bekannt. der zu jener Zeit von einem Bauer 11 Zentner Mehl erhalten hatte mit dem Auftrag, 8 Bentner zu verkaufen, die übrigen drei schenkte ihm der Bauer als Entgelt für seine Mühe. Kurz vor Weihnachten ließ fid) Dr. Zeigner von Möbius, der mit dem tehl von der Polizei ange halten, aber nicht bestraft worden war, einen Sentner gegen Bes zahlung liefern. Als Zeigner später zu Ohren tam, daß das Mehl entwendet jei und er deshalb wegen Hehlerei zur Rechenschaft ge zogen zu werden befürchten mußte, habe er die Aften über Möbius' Mehlschiebung vernichtet. Der zweite Buntt der Antiage beschäftigt sich mit der Angelegenheit eines Bächters Grammer, der vom Wuchergericht megen Schleichhandels zu 2 Monaten Gefängnis und 10 000 M. Geldstrafe verurteilt mar. Auf ein Gnadengefuch wurden die 2 Monate Gefängnis in 18 000 m. Geldstrafe umgewandelt. Dr. Zeigner, der damals Justizminister geworden war, soll von dieser Sache Kenntnis erhalten haben und darauf durch Möbius an rammer her angetreten fein mit der Frage, was ihm eine Begnadigung wert sei. Möbius habe diesen Auftrag ausgeführt, allerdings für sich und einen Gewährsmann eine Bergütung bean( prucht. Nachdem Grammer diese Zumutung abgewiesen hatte, foll Möbius erneut vorgesprochen haben mit einem Schriftstück, das den Aufdruck" Sächsisches Justizministerium" trug. Da Möbius bei der Weigerung Grammers geäußert haben soll, daß er dann seine Strofe antreten müsse, erblickt die Anflage in diesem Tatbestand den Ber fuch der Erpressung. Der dritte Punti der Anflage betrifft den Fall eines Landwirts Brandt, der wegen Zuwiderhandlung gegen die Getreideverordnung zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten und zu einer Geld. ftrafe von 25 000 m. verurteilt worden war. Als Möbius von diesem Urbei! Renntnis erhielt, trat er an Brandt heran und forderte ihn auf, durch Rechtsanwalt Dr. Melzer ein Gesuch um Erlaß der Frei heitsstrafe einreichen zu lassen; er tönne es durch seine Beziehungen im Juflizminifterium durchdrücken. Die Vernehmung. In der Nachmittagssigung schilberte Dr. 3eigner zunächst seinen militärischen Werdegang und wie er als einfacher Schreiber eines Tages die Bekanntschaft von Möbius machte, der ihn wegen einer Anzeige in der erwähnten Mehlaffäre auf. suchte. Bei diesem Anlaß kam es zu dem Mehlverkauf. In einer übereilten Gefühlsaufwallung habe er, als der Verdacht einer Mehl schiebung in ihm aufstieg, das Aftenstüd vernichtet, was an sich finn und zwedlos gewesen fei. Ueber feinen sonstigen Lebenslauf erzählt Reioner, daß er sich im September 1919 der Sozla'demokratischen Bartet angeschlossen habe, nachdem er sich schon vorher im Soldatenrat betätigte. Er widmete fich in der ersten Zeit der Arbeiterbil dungstätigkeit Nach Rüdtritt des Justizministers Dr. Harnisch sei man an ihn mit der Aufforderung herangetreten, das Juftigminifte. rium zu übernehmen. Die Frage des Borfihenben, ob sich dadurch Brandt händigte dieses Gesuch zu Händen des Justizministers" aus und legte fünf Tausenbmartscheine bei. Das Geld behielt Möbius für sich. Möbius soll dann in Dresden eine Zusammen funf: zwifchen Beigner und Brandt in einem Café vermittelt haben, wobei Dr. Reigner 22 000 m. in einem offenen Briefumschlag übergeben wurden mit den Worten Bitte, fümmern Sie fih um meine Sadhe." Dr. Zeigner foll das Geld mit den Worten: Herr Brandt, Sie fönnen sich darauf verlassen, Sie brauchen feine Sorge mehr zu haben," zu fich geftedt haben. 2000 m. foll Dr. Beigner Möbiusungstätigkeit gegeben haben, den Rest im Interesse seiner Partei ver. mendet haben. Der vierte Bunft der Anflage bezieht sich auf die Kaufleute Friedrichson und Briborsfy, welche in Leipzig ein Juwe liergeschäft betrieben. Beide waren wegen Hehlerei zu je vier Dionaten Gefängnis verurteilt. Sie wandten sich an Möbius, dessen Beziehungen zu Zeigner fie fannten. Tatsäch ich vermittelte Möbius eine Begegnung zwischen Priborsty und Dr. Beigner, der ein Gnadengefuch an sich nahm. Drei Wochen später soll dann Möbius an Priborsfy herangetreten fein mit dem Anfinnen, sich erkenntlich zu zeigen. Zusammen mit Friedrichsen ist Möbius später zu Dr. Zeigner nach Dresden gefahren Friedrichson nahm ein Bäd. then mit 3000 M. Bapiergeld, einem Brillanttollier und einem Brillaniring mit Das Geld foll Dr. Zeigner bei dem Befuch an fich genommen haben, während er den Schmud an Möbius mit dem Bemerken zurüdgab, ihn Friedrichson wieder auszuhändigen. Möbius hat aber die Sachen für sich verwendet. Außerdem foll Möbius für seine Bemühungen noch eine Borsumme und einen Siege ring befommen haben, nachdem er erflärte, den ersten Ring habe Beirn r behalten. In der Sache selbst hat Dr. Beigner schließ lich als Ministerpräsident entgegen der Ablehnung der zuständigen Referenten und der Etcatsanwaltschaft dem Gesamtministerium eine Umwandlung der Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe Dorgefch.agen. Der fünfte Bunkt betrifft die ukrainischen Staatsangehörigen Zacharias und Salomon Schmörler, deren Gesuch um Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt worden war. Auch sie wand'en fich an Möbius, der ihre Bekanntschaft mit Dr. Zeigner vermittelt haben soll. Beigner fell felbst ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung diftiert und es dem Innenminister Lipinski überreicht haben. Für einen billigen Preis erhielt er Futter für seinen Betz, und als später ein weiteres Gesuch lief, foll Salomon Schmörler Dr. Zeig. ner in kin Geschäft eingeladen haben, um einen Belz auszufudjen. Obwohl der Belz Dr. Zeigner zunächst zu teuer mar, foll er später doch ge'iefert worden sein. Als Beigner Ministerpräsident wurde, hat er dann aus eigener Machtvollkommenheit die erbetene Aufenthaltsbewilligung auf Widerruf gewährt In diesem letz'eren Vorkommnis fieht die Staatsanwaltschaft zwar feine Pflichtverlegung, aber die Tatsache der Beein. flussung durch Zuwendung Der sechste Bunft der Antlage betrifft die Angelegenheit eines Räfercibefibers Schmidt, der wegen Schleichhandels zu einem Monat Gefängnis und 2000 M. Geldstrafe verurteilt worden war. Dem von ihm beim Justizminister eingereichten Gnadengefuch legte der Berurteilte 1000 Mart bel, bie Möbius als Mittelsmann für fich behielt. Gewerkschaftshaus Engelufer 25 Oekonomie Mathias Schroeder Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Staats- Theater Uhr: Don Carlos Opernhaus 7 Uhr Tiefland 7 Opernhaus Lessing- Th. am Königsplatz Heute u morgen 71 7 Uhr Martha Wie es euch gefällt Schauspielhaus Montag: Was Thr wollt 7 D. Fest d. HandWerker Guten Mor Dent. Künstler- Th. gen, Herr Fischer! Schiller Theater Allabend 7 TU.: Columbus Señora Deutsch. Theater 74 Uhr. Dantons Tod Kammerspiele 8 Uhr Palme oder: Der Gekränkte Theater 1. d. KöniggrätzerStr. 8 Uhr Wenn der neue Wein blüht Komödienhaus 8 Uhr. MexikoGold Berliner Theater 7.30 U. Das Weib im Purpur Theater am Nollendorfplatz Th.I.Admiralspalası illabendlich 7 U.: Oranter und drüber Stg. 3 U. b ki Pr: Bin Walzertraum Deutsch. Opernhaus Uhr Carmen Blech, Olstewska, Lussmann, Maturell, Schützendorf Intimes Theater : Der Hinduprinz Der Schrei u.w. Metropol- Theater Letzt.Vorste.lungen Uhr Marietta Neues Theat. a. Zoo 71 Uhr LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Neues Volkstheat. 7.0: Zwei um Eine: Di Tragódle Residenz Theat. Tägl. 8 Uhr Engelufer 25 Der Angetlagie Möbius fpricht so unbeutlich und rette, baß er am Breffetisch taum zu verstehen ist. Dr. Zeigner gibt feine Aussagen flar und bestimmt. Nach verschiedenen Borhaltungen des Borsigenden wird die Verhandlung um 7 Uhr abends abgebrochen. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 15. März: Achtung, Abteilungsvorfigenbe! Seute, 7 Uhr, Borfizenden- Ronferenz im Jugendheim, Lindenstr. 3. Tagesordnung: Unfere Frühjahrs. agitation und Sommerarbeit." Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis Pein Butritt. Die Konzertkarten müssen unbedingt auf der Konferenz abgerechnet werden. SUP feine finanzielle Lage gebeffert habe, gibt er mit dem Be. Beibebezirk Ofbahn. Cäcilien- Enseum, Rathausstraße, um 7 Uhr„ Wilhelmmerken zu, bak aber auch die Aufwendungen burch die Webernahme des Amtes größer geworden feien. Als Zeigner Justizminister geworden war und an dem Sonna abend nach Leipzig tam, um fcine Familie zu besuchen, holte ihu Mobius vom Bahnhof ab. Eines Tages fuchte Möbius in Abwefenheit Dr. 3eigners deffen Wohnung auf und wurde vom Mädchen in fein Rabirett gelaffen. Bei dieser Gelegenheit wühlte er in den im Bimmer liegenden Atten herum und fand u. a. eine Notiz betr. Grammer. dessen Gefängrisfirafe auf sein Gnadengesuch hin zu einer Geldstrafe von 18 000. umgewandelt worden war. Nach Möbius' Darstellung, die er dem Gericht gibt, besuchte er jetzt den Grammer, nur um ihn fennen zu lernen. Nach einigen Tagen verfertigte er bann aus einem alten Steuerzettel ein amtliches Fot. mular, aus dem zu ersehen sein sollte, daß die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt ist. Er wollte, mie er fagt, Grammer nur eine fleine Freude bereiten, und hoffte, daß er sich ihm dafür erkenntlich zeigen würde. Gedroht habe er ihm nicht, daß, wenn er nichts befäme, Grammer feine Strafe doch werb tommen würde. Ferner bestreitet Möbius die Richtigteit der von ihm bem Staatsanwalt Fiedler gemachten Aussagen. Er habe die unwahrheit gesagt. Seigner habe ihn nicht aufgefordert, den Grammer aufzusuchen und ihn zu fragen, was die Beanadigung wert fei. Unwahr sei auch, daß Dr. Beigner ihm ein Formular zugestedt habe und daß er ihm gefagt habe, menn auch zehn Beugen im Falle Grammers was anderes ausfagen sollten, möge er bei feinen Aussagen bleiben, und er hobe die unwahrheit gefagt, weil Etaa sanwalt Fiedler ihm gelagt habe. 3eigner laffe ihn boch figen, und er sich entfaften sollte. Ebenso wäre feine Aussage urwahr gewesen, daß Dr. Zeigner ihm empfohlen hätte, fich einen Spitbart wachsen zu faffen, damit Grammer nicht imftande märe, ihn wieder au ertennen. Als der Vorfigente ihm vorhält, dah Rechtsanwalt Melzer ausgefagt habe, daß Möbius sich geäußert haben soll, er fei von Juden geteilt worden, feine Aussage zu ändern, bestreitet es Möbius und behauptet, daß im Cegenteil Melzer ihm geraten hat, er folle alles auf Zeigner abwälzen. Melzer habe ihm auch mitgeteilt. tak in den Zeitungen gestanden habe, er, Möbius, sei ein Zuchthäusler. Auch habe Möbius ihm versprochen, er würde seine Verteidigung übernehmen und eine Bewährungsfrist für ihn erwirken. Sonnabend, den 15. März Bockbier- und Schlachtefest Politik der Fs ille Stahl Thalia- Theater 8 Uhr: am.-S. Jadlowker. zu treiben, liegt uns fern. Unser Programm wird von internat. Kräften bestritten. Die populärste Unterhaltungsstätte Groß- Berlins ist zweifellos die SCALA Schon für 80 Pig. erhalten Sie einen numeriert. Sitzplatz str. 112 Taglich Rammer- 6per Lutzow Romische Oper Allavendlich 7 des Kontinents: Die junge Welt" U. Frasquita Ragle: Dr. Gearg Dreescher- Mas. Leit.: Dr. Ladwig Mis Komöd. v Wedekind Martha Serak Täglich wechselnder Spie plan! 8 U Kleines Th. Theater.d.Kommandantenstr Das Radiomidel Große Volksoper des Westens Devisen U. Komöd v L.Sc midt Operette v.P Wer er Falkenstein. Limburg Kurt Vespermano, Edith Karia, 7, Uhr: Samson u. Dalila Jenny Krauss, Lya Dahms Trianon- Theater Stg., U. Logenbrüder Tägi. 8 Unr Die nackte Tänzerin Wallner- Theater Lustsp v. K. Lothar Uhr Mad. Pharao Theater am Kottbuser Tor Tagl. u sonnLustspielhaus Der Liebestrank tag nachm 3 U: Reichshallen- Theater Elite Sänger Taglich 1, Unr, I, neuer Besetzung Sunnt nachm 3 Uhr Der Bombenerfol des neuen Programms mit Otto Reutter Stettiner Sänger Komponisten im Olymp Dönhoff- Breit! Anfang 7 Uhr Jeden 1. u. 16. neues Programm! Die größte Revue Die Welt ohne Schleier WIEN- BERLIN Täglich Unterhaltungs- Varieté Jägerstr. 63a h Das größte Programm! 3 Cartellas Geschwister Severus Harry Allista Alexander Schäffer and weitere 6 Schlager Sonnabd. p. Sonnig: Nachmittags- Vorstellg. Die bekannte warme u. kalle Küche Neues Operetten- Th. Täglich 7% Whe Central- Theater Alte Jakobstr. 30 Tägl& Uhr: Die Novität: Busch- Abend"( mit Lichtbildern). Morgen, Sonntag, den 16. März: Achtung, Mitglieber! 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