Nr. 131 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 65 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar. u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmari pro Monat. Der..Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit..Sied. lung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart. Retlamezeile 3,50 Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig amei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0.10 Goldmark iedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4.20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags, im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, LindenStraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: EW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Donhoff 292-293 Verlag: Dönboff 2506-2507 Dienstag, den 18. März 1924 Die Sachverständigen in der Sackgasse Paris, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Alle mit der unterstützte, der ber einzige wirkliche Gegner der franzöfifchen Reparationsfommiffion in Verbindung stehenden Kreise machen tein Hehl mehr daraus, daß die Arbeiten der Sachverständigen auf ein totes Geleife geraten find. Selbst der Verfuch, für einzelne Spezialfragen Teillösungen zu finden, scheilerle immer wieder an deren enge Berbindung mit anderen Problemen, deren Aufrollung den Sachverständigen verboten" ist. Wenn auch die Hoffnung noch feineswegs aufgegeben ist, daß es den Sachverfländigen gelingen wird, einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, so wird doch damit gerechnet, daß noch manche Woche darüber hingehen wird, che die Reparationsfommiffion in den Besitz der von den Sachverständigen erwarteten Vorschläge gelangen wird. Paris, 17. März.( WTB.) Havas meldet: Das Komitee Mac Kenna hat heute vormittag und nachmittag getagt und ist über die bis jetzt in der Schwebe gebliebenen Punkte wenigstens zu vorläufigen Schußfolgerungen gekommen. Es wird morgen vormittag mit der Ueberprüfung seines endgültigen Berichts beginnen, von dem Mac Renna selbst schon einen Entwurf ausgearbeitet hat. Die Arbeiten des Unterausschusses werden zweifellos diese Woche beendet werden mit Ausnahme der Erledigung einer fleinen Anzahl von Fragen, es foll hier das Fortschreiten der Arbeiten des Komitees Dawes abgewartet werden. Der Bantunterausschuß hat seinerseits die Prüfung der Eisen bahnfragen fortgesetzt. Er wird wahrscheinlich binnen furzem die Sachverständigen Leverve und William Acworth berufen, um sie zu bitten, sich über eine weniger umfangreiche Fassung ihres Berich's zu verständigen, er wird sie darüber zu Rate ziehen, in welcher Form sie ihre Arbeiten über die Eisenbahnfrage in feinen allgemeinen Bericht einfügen wollen. Morgen wird sich der Unterausschuß mit der Emissionsbant beschäftigen. Auch der Redaktionsunterausschuß und die Budgetunterfommission werden morgen Sigungen abhalten. Morgen nachmittag findet eine BollFigung des Komitees statt, die der Prüfung der Arbeiten der Unterausschüsse gewidmet ist. Die Wahlen in Frankreich. Paris, 17. März.( Eigener Drahlbericht.) Die endgültige EnfJcheltung über den Termin der Neuwahlen der franzöfifchen Kammer dürfte in dem am Dienstag ffattfindenden Ministerrat fallen. Nachdem die Wahlen zum Reichstag bereits für den 4. Mai ausgefchrieben find, werden die Wähler in Frankreich voraussichtlich für den 11. oder 18. Mai aufgerufen werden. Poincaré und der Senat. Paris, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Senat hat nach dem Ermächtigungsgesetz nunmehr auch die von der Finanzkommission abgelehnte Auslieferung des staatlichen Zündholzmonopols an die Briva industrie geschluckt und damit den Beweis erbracht, daß Herr Poincaré nur die Vertrauensfrage zu stellen braucht, um in beiden Häufern des Parlaments bie Opposition zusammenschmelzen zu lassen wie Eis in der Sonne. In der Rammer des Nationalen Blods ist dies faum verwunderlich, im Senat aber, wo die aus der radikalen und radikal- sozialistischen Partei hervorgegangene Fraktion Der i nokratischen Linten für sich allein über die Mehrheit verfügt, scheint selbst die Reerung stärkeren Widerstand erwartet zu haben. Wie erst jetzt bekannt wird, war in dem zu Beginn der vergangenen Woche abgehaltenen Ministerrat die Anfündigung Poincarés, daß er die unveränderte Annahme der Finanzvorlage in der von der Rammer verabschiedeten Fassung durch Stellung der Vertrauens. frage erzwingen werde, auf starte Opposition gestoßen. Poincaré überwand die Opposition mit dem Hinweis, daß der Senat es nicht wagen werbe, eine Minifterfrife zu provozieren. Der Ber. lauf der Ereignisse hat ihm Recht gegeben. Genau wie die Kammer hat der Senat sich von der Regierung beiseite schieben lassen und sich in einer Frage von grundsätzlicher Bedeutung dem Dittat Poincarés gebeugt. Der Völkerbund in der englischen Politik. Kritik an Lord Parmoor. Diplomatie gewefen sei. Beschlüsse des Völkerbundrates. Ungarns Sanierung und Georgiens Befreiung. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devofitenfaise Lindenstraße 3 Der Mieter soll zahlen! Bon Hermann Lüdemann, M. d. 2. tag erregte Gigungen. Die Agitation des Landbundes hatte In den letzten Januartagen gab es im Preußischen Landwieder einmal ihre Wirkung getan. In allen Parteien wurde die Not der Landwirte erörtert. Diese war gewiß nicht größer als die Not fast aller anderen Berufsstände, trat aber um die Jahreswende unvermittelt besonders stark in die Erscheinung, Genf, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Schluß der Rats weil durch das Zusammentreffen mehrerer zur Stabilisierung fizung wurden über die finanzielle Hilfeleistung an Ungarn zwei Protokolle unterzeichnet. Das erste trägt politischen und durch das gleichzeitige faft völlige Versiegen der Kauftraft der Währung bestimmter Abgaben mit alten Steuerleistungen Charakter und ist unterzeichnet von England, Frankreich, Italien, der industriellen und städtischen Volksmassen ein Teil der landRumänien, Jugeslawien, der Tschechoslowakei und Ungarn. Die wirtschaftlichen Bevölkerung in eine bedrängte Lage gefombetreffenden Regierungen erklären, die Unabhängigkeit und die Souveränität Ungarns respektieren zu wollen. Die ungarische Regierung jahrsbestellung gefährdet erscheinen ließ. men war, die die Durchführung einer ausreichenden Früh Diese Situation übernimmt ihrerseits die Verpflichtung, alle Bestimmungen wurde ausgenußt und ein scharfer Ansturm gegen die des Vertrages von Trianon einzuhalten und auch alle Grundvermögenssteuer herbeigeführt. Die sozialanderen eingegangenen internationalen Verpflichtundemokratische Fraktion war die einzige, die zum Ausgleich für gen zu beachten. Alle Mächte versichern, daß sie sich jeder Hand- die auch von ihr als notwendig anerkannte und geforderte lung enthalten werden, die den wirtschaftlichen und finanziellen Entlastung des flein- und mittelbäuerlichen Wiederaufbau Ungarns hindern und die Interessen der Gläubiger Besizes eine stärkere Heranziehung des land- und forstschädigen fönnten. Im zweiten nur von Ungarn unterzeichneten wirtschaftlich genutzten Großbefizes sowie des gewerblichen Brotokoll verpflichtet sich die ungarische Regierung im Einverständnis 3weden dienenden Haus- und Grundbesitzes anregte. Den mit der Bölkerbund- Delegation ein Programm für den wirt. bürgerlichen Parteien war es wie gewöhnlich nur um fchaftlichen Aufbau Ungarns auszuarbeiten, das vom die Minderung der Steuerleistungen zu tun. Diese Ein30. Juni 1926 ab die Herbeiführung des Gleichgewichts im Budget feitigkeit und die Zähigkeit, mit der namentlich das stark sichert. Die ungarische Regierung wird eine Anleihe von 250 agrarisch eingestellte Zentrum unter Führung der Abgeordmillionen Goldtronen aufnehmen, die zur Deckung der Defizite neten Herold und Loenart die Notverordnung des Finanzwährend der Wiederaufbau- Periode dienen sollen. Zur Sicherung minifters berannte, hätte um ein Haar zu einer Regierungstiefer Anleihe dienen die Zolleinnahmen, die Zuckersteuer, die Ein- trife geführt. Das Ergebnis war ein Kompromiß, dem nahmen aus dem Tabat- und Calzmonopol. Ungarn willigt in die der Finanzminister feine Zustimmung gab, ohne auf sofortiger Ernennung eines Generalfommiffars durch den Bölkerbund ein. anderweitiger Deckung des Fehlbetrages zu bestehen: die Außerdem wird eine zweite von der ungarischen Regierung unab- Steuerleistung der landwirtschaftlichen Bevölkerung( und der hängige Emissionsbant geschaffen. städtischen Terrainbesizer) wurde um 60 bis 70 Millionen Goldmark ermäßigt. In geheimer Sigung des Rats wurde über das Ersuchen der Nationalregierung von Georgien verhandelt. Die Staaten, die mit Rußland juristische Beziehungen unterhalten, möchten bei der ruffischen Regierung intervenieren, um die Entfernung der ruffifchen Truppen aus Georgien zu erreichen. Branting bat darum, diesem Ersuchen zu entsprechen, worauf Lord Parmoor erklärte, er werde die Angelegenheit seiner Regierung mit den notwendigen Erklärungen vortragen. Eine Intervention des Papstes. London, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Bapst hat an Macdonald ein Schreiben gerichtet, in welchem er ihn um feine Mitwirkung an einer Attion ersucht, die der Batilan bei der Sowjetregierung unternimmt, um die Enthaftung des Erzbischofs Ciepljak und 12 anderer fatholischer Geistlicher zu erwirlen. London, 17. März.( WTB.) Im Zusammenhang mit dem Gr. fuchen des Bapstes an die britische Regierung wurden mehrere Anfragen an die Regierung gerichtet. Macdonald erwiderte, obgleich bie britische Regierung in dieser Frage offiziell nicht interbenieren fönne, werde sie jede geeignete Gelegenheit, in offizielle Borstellung bei der Sowjetregierung zu erheben, benutzen. Deutsch- holländischer Vertrag. Haag, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Das amtliche Staatsblad" veröffentlichte den Wortlaut eines zwischen der deutschen und niederländischen Regierung abgeschloffenen Bertrags zur Erleichte rung des deutsch- niederländischen Reiseverkehrs. Nach den Bestim mungen dieses Vertrags werden an der deutsch- niederländischen Brenze gemeinschaftliche 3ollstationen eingerichtet. Die Bollabfertigung erfolgt fünftig in der Weise ,. daß die Reisenden des Ausgangslandes den Borzug genießen. Die zwangsweise Unter suchung von Reifenden darf in Zukunft nur in Anwesenheit von Beamten der beiden vertragschließenden Staaten stattfinden. Die Festnahme oder zwangsweise zurücksendung von Reisenden nach dem Ausland ist füntig nur den Beamten der vertragschließenden Staaten bei eigenen Staatsangehörigen gestattet. Die Kündigungsfrist des Vertrags beträgt ein Jahr. Jezt, nach foum sechs Wochen, wird dem Landtag die Rechnung präsentiert. Um das notwendige Gleichgewicht im Staatshaushalt herzustellen, fehlen nicht bloß 60 oder 70, sondern rund 300 millionen und in den Haushaltsplänen der Gemeinden und Gemeindeverbänden sieht es ähn lich schlimm aus. Insgesamt soll es sich um eine Summe von 500 Millionen Goldmark handeln, und diesen gewaltigen Fehlbetrag will man durch eine einzige Steuer decken, die ausschließlich von den städtischen Verbrauchern getragen werden soll. Zu diesem Zweck soll eine neue Grundsteuer geschaffen werden, die aber nicht, wie die bereits bestehende, den gesamten Grundbesig treffen, sondern nur von denjenigen bebauten Grundstücken erhoben werden foll, die nicht land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken dienen. Und diese Steuer, die sogenannte Mietzinssteuer, foll Schon vom 1. April 1924 ab in ihrer ganzen, durch die Größe des vorgenannten Fehlbetrages bedingten Höhe zur Erhebung tommen. Es ist aber m. E. gegenwärtig vollkommen ausgeschlossen, daß sie in dieser Höhe überhaupt erhoben werden fann. Bei der praktischen Durchführung würde sich sehr bald zeigen, daß in der Zeit der Massenarbeitslosigkeit noch nicht einmal die Hälfte aller Wohnungsmieter zu dieser Steuerleistung imstande ist. Dies ist dem Herrn Finanzminister natürlich auch genau bekannt, und es ist daher nicht zu verstehen, daß ein solcher Plan überhaupt ernsthaft ins Auge gefaßt werden konnte. Es ist freilich zuzugeben, daß die Landesregie rungen in ihren steuerlichen Maßnahmen nicht frei sind. Die ausschließliche Steuerhoheit liegt heute beim Reich. Durch die dritte Steuernotverordnung der bürgerlichen Regierung Marr- Stresemann- Luther ist den Ländern die Balancierung ihrer Haushalte durch eine Mietzinssteuer vorgeschrieben. Insoweit sind die Landesregierungen und mit ihnen auch die Landesparlamente gebunden, und da es um die Staatsund Gemeindefinanzen im ganzen Reich ziemlich gleich schlecht bestellt sein dürfte, wird kein Land sich der Einführung einer Mietsteuer entziehen können. Aber die dritte Steuernotver ordnung enthält keine Vorschriften über die Höhe und das Infrafttreten der Steuer, und auch hinsichtlich der Berwendung ihres Ertrages beschränkt sie sich auf die London, 17. März.( Eigener Drahtbericht.) Mit außergewöhn Ceipzig, 17. März.( WTB.) Vor dem 5. Straffenat des menden Steuer zur Förderung der Neubautätigkeit zu ver licher Zähigkeit wird zurzeit der Nachwahlkampf im Londnoner Zen Reichsgerichts wurde heute ein Spionageprozeß verwenden sind. Man muß erwarten, daß diese Freiheiten, die trumsbezirk Westminster geführt. Ein interessantes Bild bot handelt, der der Auftakt zu dem am Donnerstag stattfindenden Pro- den Landesregierungen gelassen worden sind, von ihnen auch babei das gleichzeitige Auftreten aller vier Kandaditen in einer Berzeß gegen den Hauptmann d'Armont, den Leiter der fran benutzt werden, um die Steuer so zu gestalten, daß sie von sammlung, in der der Völkerbund das Thema war. Der Sozia zösischen Spionagezentrale in Basel, bildet. Zu per- der Bevölkerung auch getragen werden kann, und daß ihre lift Fenner Brodway, Sekretär der Unabhängigen Arbeiter antworten hatten sich der schweizerische Staatsangehörige, Kino- Erhebung nicht eine weitere Lähntung der Wirtschaft, sondern partei, wurde dabei lebhaft begrüßt, während die Versammlung regiffeur Bienz, der Gefreite Bormann und der Kraftfahrer im Gegenteil eine Belebung der Erwerbstätigkeit zur Churchill, der in diesem Wahlkreis„ antifozialistischer" Kandidat ist, dier von den württembergischen Kraftfahrtruppen sowie die Folge hat. mit Widerspruch empfing. Alle vier Redner traten für die Aus- Braut Bormanns, Frieda Schent aus Stuttgart. Bienz hatte Nach den bisher bekanntgewordenen Plänen des Preußigestaltung des Völkerbundes durch Aufnahme Deutsch im Auftrage d'Armonts Bormann und Adler veranlaßt, ihm geheim schen Finanzmisteriums foll die neue Grundsteuer bereits vom lands ein. zuhaltende Papiere auszuhändigen. Es wurden verurteilt: 1. April an in der ganz unmöglichen Höhe von 25 v. H. der Bienz zu 11 Jahren Zuchthaus, Bormann zu 13 Jahren Friedens goldmiete erhoben werden. 3uchthaus und Ausstoßung aus dem Heere, Adler zu unheil noch zu vergrößern, läßt außerdem der Herr Wohl2½ Jahren Gefängnis und Frieda Ghent zu 2 Jahren Gefahrtsminister verkünden, daß gleichzeitig die eigentliche fängnis. Gegen Bienz und Bormann wurde außerdem auf 10 Jahre Miete auf 421 bis 45 v. H. des Friedenssages gesteigert werbroerluft erfannt den soll, so daß die Gesamtleistung der städtischen Wohnungs Schwere Zuchthausstrafen wegen Spionage. Bestimmung, daß mindestens zehn vom Hundert der aufkomDaily Herald"," Manchester Guardian" und„ Times" fritisieren cm Montag die Entscheidung der eben beendeten Tagung des Bölker. bundrats über die Zusammensetzung der Saarfommission. Bon mancher Seite wird bedauert, daß Lord Barmoor, der Vertreter Englands, nicht geschickt genug die Vorschläge Brantings Verbraucher sich demnächst aus rd. 7 0 v. H. d e r F r i e d e n s- o l d m i e t e stellen würdel Eine derartig starke und plötzliche Steigerung des Mietaufwandes bedeutet eine Belastung der arbeitenden Bevölkerung, die bei den gegenwärtig geltenden Löhnen und Gehältern und bei der zurzeit immer noch sehr umfangreichen Erwerbslosigkeit von der Masse der Lohn- cmpfänger keinesfalls getragen werden kann. Von dem Preußischen Finanzministerium muß daher erwartet werden, daß es nichts unversucht läßt, um die großen Fehl- betrage in den Staats- und Gemeindehaushalten zu einem wesentlichen Teil'auf andere Weise zu decken oder durch Ersparnis und Einschränkungen beträchtlich herabzu- mindern und die Mietzinssteuer, soweit sie dann noch not- wendig sein sollte, st u f e n w e i s e, unter weitgehender An- passung an die hoffentlich bald zunehmende Leistungsfähigkeit der Wohnungskonfumenten, Zur Erhebung zu bringen. Als selbstverständlich erscheint es mir außerdem, daß der Herr Wohlfahrtsminister seine Pläne noch einmal einer gründ- lichcn Nachprüfung unterziehen muß. Es geht einfach nicht an, daß zu gleicher Zeit mit der Einführung einer beträchtlichen Mietzinssteüer auch noch eine allgemeine Mietsteigerung zu- gelassen wird. Aber nicht nur um den Zeitpunkt handelt es sich hier. Die jetzt geplante Erhöhung der Mieten von 3V bezw. 33 v. S). auf 42Yo bis 45 v. H. entbehrt überhaupt der Berechti- gung und würde nur ein Geschenk an die Haus- besitze? bedeuten. Davon kann und darf keine Nede sein. Än einer Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Not, wo nicht einmal angemessene Löhne und Gehälter für wirkliche Arbeits- leistungen gezahlt werden können, darf die Regierung nicht die Hand dazu bieten, einer einzelnen Bevölkerungsschicht zu einem Renteneinkommen zu verhelfen. Und noch eine andere Forderung muß erhoben werden. Eine Besteuerung des Mietzinses, deren Ertrag zu SO Proz. zur Befriedigung rein fiskalischer Bedürfnisse bestimmt ist also fast ausschließlich unproduktiven Zwecken dienen soll, muß notgedrungen die Wirkung haben, daß die K a u f k r a f t der städtischen Bevölkerung, im besonderen der industriellen und kommerziellen Arbeitnehmerschaft, noch weiter herab- gedrückt und dadurch der dringend notwendigen Belebung der produktiven Erwerbstätigkeit geradezu entgegengewirkt wird. Die Folge wäre eine weitere Steigerung des Massen- elendes und, was vor allem der Herr Finanzminister beachten sollte, eine weitere BerminderungderSteuerkraft. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn von vornherein ein namhafter Teil des Steueraufkommens dazu de- stimmt wird, die Wirtschast zu befruchten, wie es zweifellos durch dieün der dritten Steuernotoerordnung vorgesehene Ab- zweigung zugunsten des Wohnungsbaues bewirkt werden würhe. Eine gehörige Beschäftigung des zurzeit völlig dar- niederliegenden Baugewerbes würde nicht nur Arbeit und Brot für Millionen baugewerblicher Arbeiter und An- gestellten schaffen, sondern auch die sehr zahlreichen Unter- nehmungen der verschiedenen Bauswssindustrien— Holz, Ziegel, Zement, Kalk, Gips, Glas, Eisen usw.— in Tätigkeit letzen, also einen sehr großen Teil der deutschen Wirtschaft wieder in Gang bringen und durch die hieraus folgende Er- höhung des steuerlichen Leistungsvermögens der Sanierung der Staats- und Gemeindesinanzen wahrscheinlich erheblich me h r n ü tz en, als es eine rein fiskalisch aufgezogene Steuer jemals tun kann. Wenn also der berühmte„Hohlraum", der infblge der Inflation durch das Zprückbleihen her Miete hinter den Friedensgoldsätzen gebildet worden ist. durchaus dem steuerlichen Zugriff ausgesetzt werden soll, so wird in erster Ljnie daraus bedacht genommen werden müssen, daß ein nam- Zaster Teil— worunter vielleicht 10 v. H. der Friedensmiete zu verstehen fein würden— zur Förderung der Woh- nm ngsneubautätigkeit Verwendung findet. Eine so gestaltete Mietzinssteuer würde jedensfalls weit eher eine parlamentarische Mehrheit finden, weil doch die Wählerschaft aller Parteien ein lebhaftes Interesse daran hat, daß nicht bloß Öpr bureaukratische Apparat finanziert wird, sondern vor allem' und mindestens gleichzeitig für die Be l e b u n g d e r W i r t- l ich aft gesorgt wird. j Lenzblut. Zum 18. März. Alles guillt. schwillt, sehnt und drängt, Nach ward das Lenzblut. ktnterm Schnee heraus zeigt das Adonisröschen sein goldene» liebliches Blütentöpfchen., Die Weidenbuschen feiern mit silbernen Kätzchen. Släubig wird' die Hasel. Der Star pfeift vom Dache. Der wind springt lustig her uro den Berg. Die Natur ward wach. Und da der Abend sich senkt, hängt die Sonne als roter Granakapfel im wolkigen Llaltgrau. Nässe mit Kirschblul. Mädchen mit blitzenden Augen. Prinz Lenz. Die Nordsee schlägt mit den grauen Flügeln. Da» kräht am Strande. Die Ostsee dnckt sich grün. Die Alpen recken kühner ihre weißen Panzerbrüste. hohnlachend zeigt die Zugspitze mit spitzem Finger auf ZNLnchen— üble Militär» stehen entblößt—<> Lügendorsf umtanzt seinen Hiller. Durch Sachsen marschiert noch die Reichswehr. Der Arbeiter spuckt, baMg die Faust in der Tasche. 2m Herzen kocht rot das Lenzblut. Und die Zeit springt zurück. Ein anderer Dorlenz. Jahr 1848. Barrikaden funkeln flammig. Oualcnrosen blühen weiß an allen Straßenecken. Ein feiner König heuchelt Freundschaft. 'Dag aläubige Volk dämpft sein wirbelnde» Blut. Der wind aber wußte: Verrat, verrat. Wehklagen die Toten. Ha. der Mnd. er wird Stvrm•— heute, morgen, übermorgen. Deutschlands Blut quillt, schwillt, sehnt, drängt. Neusorm. Freiheit. Gemeinschaft. Die Pfalz schüttelt ihre rostigen Ketten. Der Rhein wogt auf zu den Sternen. Die Ruhr zeigt ihre schwarzen Zähne. Und all das andere Deutschland steht bereit zum letzte» große« Sprunge: Wahlkamps. Sieg. Gemeinschaft. Die Notur ward wach. Rote Danner trägt die Sonne. per wind. Der wind. De» Mob. � tui/. PUl Dort», Der weg öer volksparte!. „Neukonservativ oder altnationalliberak." Unüberlegt und Hals über Kops ist das R e i ch s k a b i- nett zur Auflösung des Reichstäyes geschritten. Eine sachliche Begründung für diesen Schritt konnte und kann nicht gegeben werden. Der Stand der gesetzgeberischen Arbeiten des Parlamentes erforderte nicht die Auflösung, sondern sachliche Arbeit, der man nicht hätte ausweichen, die man vielmehr hätte suchen müssen. Es ist in der Agitation der Rechts- und Mittelparteien üblich geworden, der So- zialdemokratie zuzuschreiben, daß sie durch angebliche „Flucht vor der Verantwortung" das Regieren erschwert habe. In Wirklichkeit liegt die Sache so, wie die„Kölnische Volkszeitung" sie in einer Besprechung über die„Sch'ld- erhebung der Stinnes-Gruppe" schildert..�Unsere ganze Politik in den letzten Iahren kranke daran, daß zwischen den Polen links und rechts die Mitte, auf die es unter solchen Um- ständen doppelt und dreifach ankam, an inneren Schwächen litt, deren hc.vorstechendste die u n z u v e r- lässige Rechtsgruppe der Deutschen Volks» Partei war. Hier war es auch, wo der Kampf zwischen Staatspol itik und Privatwirtschaft am stärksten hervortrat und niemals zur Ruhe kam." Von dem rechten Flügel der Volkspartei, von der Stinnes-Gruppe und Stinnes-Preffe. sind alle parlamen- tarischen Krisen der letzten Zeit infzeniert worden. Die Krisenmacher Maretzky, Ouaotz, Stinnes usw. waren dann die eifrigen Propheten des Direktoriums, das den„ab- gewirtschafteten Parlamentarismus" ablösen sollte. Die Kraft, die hinter diesen Leuten steckt, darf man auch dann nicht ver- kennen, wenn sie in der Parteiorganisation der Deutschen Volkspartei vielleicht in der Minderheit sind. S i e nnd die Deutschnationalen, sie wissen, was sie wollen. Die Parteien der Mitte winden sich unter den Stößen dieser Gruppe und haben, wie der verklausulierte Wahlaufruf des Zentrums deutlich zeigt, nicht den Mut, sich zu der in Deutschland auf die Dauer einzig möglichen Polftik zu be- kennen. Dr. Maretzky, Ouaatz usw. geben ihren Kampf in der Volksvartei keineswegs auf. Je mehr Vertrauensreso- lutionen Stresemann für sich fasten läßt, desto frecher treten sie auf. Deutlich erklärt Dr. Marctzky in einem Artikel in der„Börsenzeitung": „Die Wage der politischen Entwicklung, die bisher nach links ausgeschlagen hat und die zurzeit in der Schwebe ist, soll dadurch nach rechts gezogen werden, daß auch das Gewicht der DVP. unein- geschränkt auf die rechte Seite geworfen wird." Und was Maretzky und feine Freunde unter dem Aus- schlagen nach rechts verstehen, sagt er ebenso eindeutig, wenn er glaubt feststellen zu dürfen: „Ganz und gar ablehnend stehen aber die zwar nicht unier den Parteifunktionären, aber in der Wählerschaft überwiegenden Teile der DVP. dem Gedanken gegenüber, daß di« Partei bei jenem Endkampf ein« Mittelstellung einnehmen soll, der um die politische Machtstellung der Sozialdemokratie im Staate demnächst ausgefochten werden wird und der sich notwendigerweise zu einem Kamps um die Links- oder Rechtsorieirtierung der deutschen Innenpolitik zuspitzen muß." Die Rechtsgruppe geniert sich auch keineswegs gegen die Parteileitung der Deutschen Volkspartei in der ener- gischften Weise anzurennen. Dr. Ouaatz schreibt in dem Leibblatt dieser Reukonservatwen, wie sie in der„Kölnischen Volkszeitung" mit Recht genannt werden: „Die Parteiorganisation ist, wie ein Blick auf die offiziösen Verlautbarungen ergibt, nochzusehrimSinneder Gr oßcn Koalition und dcs Kampfes gegen rechts eingestellt. Auch zeigt die in enger Gemeinschaft mit den Blättern der Linken, namentlich des Ullstein, und Moste-Konzerns, geführl« Fehde gegen die Beswcbungen der Vereinigung, daß von hier ein« Förderung ihrer B-rstrebungen nicht erwartet werden kann. Diese Fehde ist weder geeignet, eine Verständigung zu ermöglichen, noch auch der Par. teileitung das Vertrauen wiederzugewinnen, das si« gerade in den Kreisen verloren hat, welche di« Uvonne Georgi. Diese sehr ergiebige Saison hat der deutschen Tanzbühne nicht weniger als drei neue Stern« erster GröZe beschert: d>e Hochtänzcrin Riefenstahl, die Ticftänzerin Palucca und jetzt die Mitteltänzerin Pvonne Georg i. Das Debüt der Georg! im Schmechten- Saal war ein ganz großes Ereignis. Die junge Küst'erin besitzt alle Vorzüge der Wigman-Schule, der st« zwei Jahre angehört hat, ihre Tanzkompositionen benutzen oft Motive, die wir von dorther kennen, die Familienähnlichkeit mit den Mitgliedern der Dresdener Meistergruppe ist unverkennbar. Trotzdem ist die Georgi eine ganz Eigene, Selbstherrliche, Unvergleichliche. Die technische Vollkommen- heit der Palucca erreicht sie nicht, aber sie ist stärker im rein Lyrischen. Die Gestaltung ihrer Visionen hat nicht das geheimnis- voll«, aus der Tiefe leuchtende Sfumato der Riesenstahl, dafür ist sie in ihrer sonnigen Klarheit tonturenrcicher und umfaßt ein weiteres Gebiet seelischer Ausdrucksmöglichkeiten. Obwohl der ganze wunder. voll trainierte Körper in ollen Teilen ununterbrochen wirksam ist, wird die Rhythmik weniger durch Spannungen, als— kennzeichnend für die Mitteltänzerin— durch Schwingungen der Glieder und des Kopfes bestimmt. Der Rumpf und auch die Arme wirken als fckun- däre Ausdrucksmittel, sie werden scheinbar mitgerissen durch den Elan der Hände, und vor allem der Bein« und Füße. Die Be- wegungen der unteren Gliedmaßen sind von einer Beseeltheit, wie ich sie ähnlich nur bei der Wigman gesehen habe. Jeder Schritt atmet Leben und Porste, und der Nüoncenreichlum der gern ange- wandten rückwärts gerichteten Drehsprünge ist unerschöpflich. Dabei nirgends die leiseste Spur van akrobatischer Effektmacherei. Alles künstlerisch nobel, alles leicht, fast spielend gegeben und vom Zauber des im Augenblick Geschaffenen umflossen. Nur ganz selten ein paar äußerlich gymnastische oder natura'istisch pantomimische Gesten Bei oller Jugend eine groß« Könnerin und eine Persönlichkeit, deren Reichtum und Tiefe unübersehbar« Entwicklungemöglichebiten in sich schließt._ John S ch i k 0 w s k i. „Zenufa" in der Staatsoper. Die Bauernoper von Leo Ja- n a e e t fand nach dem ersten Akt lauen, nach dem zweiten bezei- sterten Widerhall. Komponist. Dirigent und Spieler wurden auch nach Schluß herzlich gerufen. Das Werk, eine faustdicke oeristische Unmöglichkeit, hätte dank seiner krassen Handlung vor 20 Jahren einen Weltersolg haben können. Heute ist man in der Oper schon um zwei Riesenschritte weiter, man hat das Pathos wie den Na- turolismus überwunden So wirkt die Oper altväterlich, zumal das Naive, Tschechische sich nur schüchtern hervorwagt und die mustka- tische Arbeit bei aller Ehrlichkeit nicht genug Akte, Leidenschast und Abw echstung zeigt, um die Schwächen de» Buchs zu ertöten. Der sympathische Komponist dankt« mit Recht feinen Helfern, vor al- len den Frauen JurjewsKaja, Arndt-Ober. Letztere Kuf«ine Figur, deren Temperament und theatralische Meißelung, ren großes Spielformot man feit der Kemp nicht mehr erlebt hat, einen Darstellungserfolg ersten Ranges. Ueber die Werte und Mängel der Oper sei abends ausführlich gesprochen. A. E. INännerchöre. In Emil Thilo besitzt der Männergesang- orrein„Namenlos", der in der alten Garnisonkirche konzertiert«, zweisello» einen begabten und Willensstärken Führer. Wenn«s ihm Vereinigung fflr di« Partei zu erhalten und wie- derzugewinnen bestrebt i st." Wie die Volkspartei sich organisatorisch und politisch mit dieser Gruppe auseinandersetzt, ist schließlich ihre Sache. Dar- über sollten sich Männer wie Stresemann nach langen und bitteren Erfahrungen im klaren sein, daß diese Leute mit Konzessionen nicht zu besänf-igcn find. Der bevorstehende Reichsparteitag der Deutschen Volkspartei wird schon wegen der Wahlen im Zeichen einer allgemeinen Verkleisterung stehen. Im W a h l k a m p f wird d'e Volkspartei versuchen, zu kneifen. Racß den Wahlen wird sie das nicht mehr können. Wer dem wirtschaftlichen Macht- bedllrfnis der Stinnes-Leute Folge leisten will, soll das tun. Politisch muß er daran sterben. von Luüenöorff bis Wiemeper. Wenn man Herrn L u d e n d 0 r f f in einem Atemzuge mit dem Parchimer Gurgelabschneider W i e m e y e r nennen würde, dann würden sich sicherlich alle nationalen Herrschaften über eine solche Verunglimpfung ihres Halbgottes empören. Und doch genügt es nicht, wenn ein paar Wortführer der völkischen Bewegung von den Schandtaten ihrer Anhänger mit einigen platonischen Redensarten abrücken, um die geisti- gen und materiellen Zusammenhänge zwischen den leitenden Köpfen der völkischen Bewegung und ihren Werkzeugen aus der Welt' zu schaffen. Solche Redensarten l oben wir sowohl nach der Ermordung von Erzberger und Rathenau, wie auch nach der Aufdeckung der Parchimer Bestialität bis zum Ueber- druß vernommen-, aber die ganze Politik der Rechisradikalen, ihr- Ag'tations:»zthoden, die Schreibweise ihrer Zeitungen, der Ton ihrer Flugblätter ist im Laufe der Jahre nur noch schlimmer und gemeingefährlicherer geworden, und nur die Angst vor dem Strafgesetzbuch hindert sie daran, offen und öffentlich zu Mord und Totschlag aufzufordern. Der Weg von Ludendorff zu Wiemeyer ist übrigens viel weniger kompliziert, als man zunächst meinen könnte: Die Intimität zwischen Ludendorff' und von Graefe-Gol- d e b e e ist bekannt und sie ist erst kürzlich durch ein offizielles Schreiben Ludendorffs dokumentiert worden, in dem der C�ef der völkischen Heeresleitung Graefe als seinen einzigen„poli- tischen Bevollmächtigten" in Norddeutschland bezeichnete. Herr v. Graefe ist wiederum die Seele der Deutschoölkischen, ganz speziell in Mecklenburg. Während des Leipziger Prozesses hat der Unler'uchungsrichter Dr. Richter als Zeuge bekundet, daß Graefe wiederholt die in Untersuchungshaft sitzenden ehemali- gen Offiziere Mackensen, Thomsen und H 0 f f m a n n besucht hat und daß er mit ihnen in regem Briefwechsel stand. Diese früheren Offiziere aber sind wegen Begüstigung der Parchimer Mörder zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ebenso haben verschiedene Angeklagte ausgesagt, daß sie unter dem Eindruck von Reden des Herrn v. Graefe der Deutsch- völkischen Freiheitspartei beigetreten waren. Im übrigen hat der Verlauf des Münchener Prozesses eine Episode zutage gebracht, die Ludendorff jedes Recht nimmt, sich über Vergleich« zwischen ihm und den Mord- fiesellen von Parchim zu beklagen. Die Aussage des Münchener ozialsstischen Stadtrates Dr. R u ß b a u m hat die Totsache enthüllt, daß Ludendorff die verhafteten Geiseln im Bürger- bräu gesehen und sie mit einer schnoddrig-gleichgültigen Vc» merkung ihrem Schicksal überlassen hat. Ludendorff hat damit gezeigt, daß ihm mit den Mecklenburgern nicht nur die völkische Gesinnung, sondern auch die untrennbar damit verbün- dene Roheit des Gemüts gemeinsam ist. Rur einer Kette von glücklichen Zufällen, aber nicht Herrn Ludendorfs, ist es zu verdanken, wenn diese Geiseln nicht ebenfalls zu Opfern der völkischen Bestialität wurden. Aber diese Bestia- lität wurzelte nicht in der zufälligen Person der Täter, sie wurzelt tiefer in der bewußt militärischen Einstellung der völkischen Bewegung. Der Weg von Ludendorff bis Wiemener ist ebenso kurz wie logisch. Und wenn die jugendlichen Mörder von Parchim die schweren Zuchthausstrafen des Leipziger Urteils fast gleich- nicht gelingen tonnt«, seinen Chor in absoluter Reinheit vorzuführen, to lag das zumeist an dem geringe» Material der führenden Tenör«, >ie manche Wirkung beeinträchtigten. Die tieferen Chorregister sprechen leicht und klangvoll an. Die eingehende Arbeit des Diri- genten, besondere Geschlossenheit des Ausdrucks zu erwirken, war überall ersichtlich. Die Darbietungen des Chores unterbrach wieder- holt Otto P r i e b e mit Orgeloorträgen, wie wir sie von ihm in abgerundeter Form gewohnt sind, uitii, von diesem vortrefflichen Orgelmeister begleitet, der Geiger Otto Rybakowsti, von dem man recht günstige Eindrücke gewann, und der besonders in der Cantilene warmherzige Töne zu finden weiß. Chormeister Max Schaarschmidt führt« in der Hochschul« für Musik seinen Männerchor„Harmonie" auf das Konzert» podium. Neben vielem Anerkennenswerten, da» dos Vordringen dieses Männerchors in glücklichem Anlauf zu reiferen Taten deutlich machte, bemerkte man Klippen, die noch der Ueberwindung harren. Weitere Anspannung aller Kräfte würde bei Fleiß und gutem Willen, beides Eigenschaften, die bereits die heutigen Ehorleistungen des Ver- eins bestens beeinflussen und stützen, diese Unebenheiten qewlß b- seitigen. Als Solisten des Konzerte» waren Margaret« Roll(Mezzo- svpran) und Karl Borrplann(Flöte) gewonnen. Während die Sängerin, von Frl. W a r b u r g begleitet, unberührt lieh, überzeugte Karl Borrmann, der sich von Frl. Quader begleiten ließ, in ge- haltenen Sätzen und breiteren Zeitmaßen von guter, edler Ton» bildung.— rs. Tabletten statt Impfung. Wie aus Paris gemeldet wird, hoben dl« Forschungen Professor Besredkas vom Institut Pasteur über di« Entstehung der Immunität zu Ergebnissen geführt, die eine Umwälzung in der bisher geübten Technik der Schutzimpfung bedeuten. Professor Bcsredka bekämpft die allgemein anerkannte Hypothese, daß der Schutz gegen Infektionskrankheiten auf der Ent- Wicklung spezifischer Schutzkörper im Btute beruh«. Allerdings er- langt, wie auch er zugibt, das Blut nach jeder Heilung von einer Infektion oder nach Impfung mit dem abgetöteten Krankheitserreger Eigenschaften, die es vorher nicht besaß, z. B. die Fähigkeit, Bäk- terien zu töten oder aufzulösen. Die Annahme, daß die Entwicklung von Schutzkörpcrn im Blut diese Eigenschaften und damit die Heilung von jeder Infektionskrankheit verursacht, liegt nah«. Professor Bes» radka bewies jedoch, daß in vielen Fällen eine Schutz besteht, ohne daß Schutzkörper im Blut anwesend sind. Er impft« Meerschweinchen, gegen Milzbrand sehr empfindliche Tiere, mit dem vorher abgetöteten Milzbrandbozillus. und zwar bracht« er den Erreger auf das Bauch- kell oder andere Gewebe, nicht auf die Haut, die den Sitz der Milz- brandtnoten bildet. Es entwickelten sich im Blut der geimpften Tiere keine Schutzkörper, und sie gingen bei einer darauffolgenden Impfung mit lebenden Milzbrandbazillen in die Haut ein. Verimpft« er jedoch den getöteten Bazillus in die Haut, so wurden die Meer» schweinchen gegen jede Injektion mit Milzbrand unempfindlich. Dies« Unempsindlichkeit ist wiederum nicht mit dem Erscheinen von Schutzkörpern verbunden. Daraus fchlsß Professor Besredka, daß er, um Schutz gegen Milzbrand zu erlangen, die Widerstandskraft desjenigen Gewebes erhöhen müßte, da» der Miizbrcindbazillu» mit Vorliebe befällt, nämlich di« Haut. Von diesen Ergebnissen ausgehmd, wandte sich der Forscher dem Studium anderer Krankheiten, wie Cholera, Typhus und Ruhr gültig hingenommen haben, fo, weil sie überzeugt sind, daß der Tag bald tommen wird, an dem ihr Führer und Held Ludendorff durch einen neuen Putsch die Macht ergreifen und fie aus dem Zuchthaus befreien wird. Dann werden sie als " Ludendorff- Garde" erneut in Attion treten und sich mit frischem Rühm bedecken. Oder wird das deutsche Volt am 4. Mai nicht den Luden dorff und Wiemeyer einen dicken Strich durch die Rechnung machen? Es lebe die Futterkrippe! Deutschnational- völkisch- volksparteiliche Regierung in Mecklenburg. N Die Deutschnationalen und natürlich erst recht die Stinnes Männer in Mecklenburg fönnen es nicht erwarten, bis sie mit oder ohne Mehrheit an die Futtertrippe" tommen. Selbstver ständlich. so erklärten sie zuerst nach der Wahl und nach dem Empfang von völkischen Fußtritten, tönne an eine Regierung ohne Teilrahme und volle Berantwortlichkeit der völkischen Freiheitspartei nicht gedacht werden. Einige neue Bedin gungen felbft für völkische Neutralität waren die Antwort. Dann war es eine Zeitlang still, zumal man bei diesen nationalen Errererern" das Gelächter der Zuschauer fürchtete. Die Deutschnationa'en verlegten sich jest auf das unter minieren. Sie wirkten von Mann zu Mann mit einem recht lieben und freundnachbarlichen Agitationsschriftchen, betitelt„ Die Freiheitspartei", in bem an den Wotansbeseffenen auch fein gutes Haar gelaffen ist. Daß dieses Echrifidhen von eigenen völlischen Bekenntnissen tricft, ist selbstverständlich. Ihr vö.tischer Sturmtrupp, die ,, pölkische Arbeitsgemeinschaft"( das sind völlisch mastierte Deutschnationale) mußte unter der Hand" arbeiten. Echt treudeutsch versuchte diese Arbeitsgemeinschaft" die Nationalfezia listen von der völkischen Freiheitspartei abzusplitern. Auf die Frage, wie sie( die deutschnationale„ völtische Arbeitsgemeinschaft") sich zu Der Deutschnationalen Partei stelle, wurde beruhigend versichert, daß man überhaupt nur eriftiere, um die Deutschnationale Partei zu zerfeben! Während dieser treudeutschen Tätigkeit unter der Hand" und als man genügend Borarbeit geleistet glaubte, nahte man offiziell erneut mit der Miene des Biebermannes. Sekt wird auf einmal nicht mehr davon gesprochen, daß selbstverständlich" und unter gar feinen Umständen" an eine Regierung ohne verantwortliche Teilnahm der Völkischen zu denken fei. Die Deutchnctiona' en fonnten jetzt ihren Drang nach der Futtertrippe einfach nicht mehr zurück ha ten und erfläcten fich auf einmal bereit, mit ten paar schwanken den Gestalten der Stinnes- Partei eine Minderheitsregierung zu bilden oder durch geeignete Beamte bilden zu lassen, wenn die Böllische Freiheitspartei folgende schriftlichen Bedingungen eingeht: 1. Sie soll sich bereit erklären, auch der jüdischen Stinnes- Partei ihr Vertrauen auszusprechen. 2. Sie soll Wulle und fein Wert von der Polizei auf. sicht der Völkischen über jede Regierung der Rechten und 3. Dinters Politit der Hand an der Gurgel" als für Mecklenburg nicht gültio erklären. 4. Sie foll ihre eigene Bresse verleugnen! Wir wissen nicht, ob die Bölkischen diese Selbstentmannung vor. genommen haben, um den Deutschynationalen und den jüdischen" Stinnes- Leuten an die Futterkrippe zu helfen. Wohl aber wird jetzt aus Schwerin berichtet, daß, nachdem der Landtag am Montag qu'ammengetreten ist und einen deutschnationalen Prä fidenten gewählt hat, am Dienstag die neue Regierung gebildet werden soll. Und zwar find vergefehen für Inneres und Justiz D. Brandenstein, früherer Gesandter, Borsitzender des med lenburgischen Landbundes, deutschnational; Landwirtschaft und Fi nanzen Amtsgerichtsrat a. D. Dietrich v. Dergen, deutsche national, Mitglied des Landtages; Rultus und Unterricht Pastor Liz. Stamm Rostoc, Deutsche Bolfspartei. Die Böttischen sollen fich tatsächlich bereit erklärt haben, die neue Rechtsregierung zu unterstützen und auch den Haushalt zu bewilligen. 6 Marg fährt nach Wien. BTO. meldet, bak Reichetangler Marg dem Bundeskanzler Seipel Mitte der kommenden Woche in Wien einen Besuch abzustatten beabsichtigt. zu, deren Erreger die Darmzellen angreifen. Um gegen diese Krant. heiten zu immunifieren, brachte er die getöteten Bazillen in Be. nachweisen, daß er eine vollkommene Immunität erreichte, indem rührung mit dem befallenen Organ, der Darmwand. Er tonnte er die getöteten Erreger verfütterte, anstatt fie, wie üblich, unter die Haut zu fprizen. Der erlangte Krankheitsschuh ist, nach Ansicht Profeffor Besredkas, der unmittelbaren Einwirkung der Bazillen auf die Darmwandzellen zu verbanken, und nicht ihrer Auf nahme in das Blut. Nachdem er diese Ergebnisse bei Tieren erzielt hatte, übertrug er die gewonnene Erfahrung auf den Menschen und fonnte bereits bei einigen Typhus- und Ruhrepidemien nachweisen, daß er durch das Eingeben von Tabletten, die aus getöteten Typhus- oder Ruhrbakterien hergestellt waren, einen wirt. famen Schuh gegen Ansteckung erzielte, Die Gesundheitsabteilung des Bölferbundes hat sich der Sache bereits angenommen und stellt augenblicklich ausgedehnte Bersuche in den mit Cholera verseuchten Gebieten Rußlands an. Die For schungen Professor Besradkas find ohne Zweifel umwälzend und von höchster praktischer Bedeutung, da die bisher geübte Einspritzung von Batterien unter die Haut oft heftiges Fieber und Unbehagen perursacht, während das Einnehmen von Tabletten sowie die Impfung der Haut feine unangenehmen Folgen hat. Unzweifelhaft werden jetzt viele Personen, die sich der Schuhimpfung gegen In fektionsfrankheiten aus Angst vor ihren üblen Folgeerscheinungen entzogen haben, leichter zu bewegen sein, sich immunisieren zu laffen, wenn sie nichts anderes zu tun brauchen, als ein paar Tabletten zu schluden. Das Baumwoll- Cand der Zukunft. Der gewaltige Plan der Be wässerung des Sudan in der großen Ebene, die innerhalb des Weißen und Blauen Nil, die sich bei Karthum treffen, liegt, ist vom englischen Unterhaus genehmigt und eine Summe von 13 Millionen Pfund Sterling dafür bewilligt worden. Man hofft auf diese Weise ein Gebiet von 400 000 hektar für den Baumwollanbau erschließen zu können. Wenn die gegenwärtig in Aussicht genommenen Anlagen durchgeführt sind, werden 120 000 Heftar fruchtbar gemacht; doch soll dann noch eine Erweiterung ftattfinden. Das Staubeden nämlich, das sich über eine Entfernung von 90 Kilometer den Strom aufwärts dehnen soll, wird gegen 36 Millionen Kubikmeter Wasser faffen können, wodurch die tatsächliche Bewäfferung von gegen 400 000 Heftar möglich wird. Der zunächst ausgeführte Plan um faßt einen Damm bei Matwar am Blauen Nil, einen Hauptfanal von 95 Kilometer Länge Die ersten 55 Kilometer dieses Kanals haben ein Bett von etwa 87 Fuß Breite und ein Neg fleinerer Ra näle von 750 Kilometer, wozu noch) Hilfsfanäle von 5000 Meter und Feldtanäle von 8000 Kilometer Ausdehnung fommen. Wenn die ausgegrebenen Erdmengen in Ziegel verwandelt werden könnten, würden sie genügen, um eine 5 Fuß hohe und 1 Fuß dichte Mauer rund um den Aequator zu bauen. Das neue Baumwolland wird etwa fiebenmal so groß fein als bas Gebiet, das der größte Baum rull- Konzern der Vereinigten Staaten besitzt Der Dam bestegt in einem foliden Mauerwert aus Granitquedeen. Die Länge des Dammes beträgt 3 Kilometer, die größte Höhe fast 28 Meter Die Gesellschaft für Serualreform veranstaltet am 20., abends 8 Uhr, In der Schulaula Friedrichstr. 126 einen Vortrag von Herrn Schöne über Radttörpertultur, ber Weg zur Gefunbung unferes Seguallebens." Freie Aussprache. Eintritt 50 Pf. Gäste haben Butritt. Münchener Recht. Zur Verhaftung Prof. Dr. Quiddes. Mit anderen Worten heißt das: die Regierung Marg erzielt das Gegenteil von dem, was sie in ihrer Erklärung als ihr Ziel bezeichnete. Herr Bachnide beginnt seine Kritik mit dem Sage: Die Verhaftung des bekannten Bazifisten Prof. Dr. Nie war eine Reichslagsauflösung innerlich so wenig begründet Quidde in München, eines Mannes, dessen Persön wie die vom 13. März." Aus der Mitte der Regierungsparteien herlich feit bisher in der. Deffentlichkeit auch von den Gegnern aus wird der Regierung die Wahlparole zerschlagen, die seiner Anschauungen stets anerkannt unb refpetfie den Regierungsparteien in ihrer Erftärung geben wollte. Der tiert worden ist, muß ungeheures Aufsehen erregen. Sie Charakter diefer Regierung wird so von ihren eigenen Anhängern erfolgt in der Hauptstadt eines Landes, das nach dem Aus geklärt: ein von starr bureaukratischem Geifte getragenes Rabinett, spruch des Oberreichsanwalts Dr. Ebermayer loge. das weder die Notwendigkeiten moderner Demokratie, noch die nanntes Ausland" ist, eines Landes, in dem wegen wahren Interessen des Reiches erkennt. Meineid steckbrieflich Gesuchte polizeiliche Funktio nen ausüben fönnen, in dem Hochverräter frei her. umlaufen und als nationale Helden gefeiert werden. Die Birfung eines solchen Vorgehens gegen Quidde muß nach innen und außen gleich verhängnisvoll sein. Quidde einen Landesverratsprozeß Augenscheinlich will man auch dem ho hbejahrten Prof. Quidde einer Landesperratsprozeß anhängen, denn in dem Artikel, deffentwegen er verhaftet ist, hat er auf die aller Welt und nicht zuletzt den französischen Spio nagebureaus bekannten Tatsachen hingewiesen, daß, in Deutschland illegale Verbände bestehen, die die militärische Ausbildung junger Leute zu ihrem Gewerbe machen. Er deutete darauf hin, daß das bisherige Schweigen der frangöschen Regierung über diese Tatsachen den tüdischen Hintergedanken" verrate, Deutschland in Sicherheit zu wiegen und zu Ünversichtigkeiten zu verlocker, damit dann in einem den franzöfifchen Gewaltpolititern günstig erscheinenden Augenblick mit der angeblichen oder wirtlichen Vertragsperlegung aufgetrumpft werden könne. Quidde forderte in diesem Zusammenhang die deutsche Regierung auf, nachzu weisen, daß sie ihre Pflicht getan hat, um allem lichtscheuen Treiben ein Ende zu setzen". In dieser Aufforderung an die deutsche Regierung, deutschen Gesetzen Achtung zu verschaffen, auch gegen die illegalen Militärspielereien, wird jest augen scheinlich Landesverrat erblickt. Solche Juristerei bedeutet nicht nur einen Standal, sondern auch eine ernste und große Gefahr für unser ganzes öffentliches Leben. In München wird jetzt schon seit Wochen vor aller Deffentlichkeit perhandelt über das Massenaufgebot Hitlerscher, Ehr hardtscher und anderer bewaffneter Banden. Die Bildung solcher Banden ist bekanntlich gefeßlich verboten, bas Führen pon Waffen ebenfalls, Berstöße gegen diese gesetzlichen Bestimmungen sind mit Strafe bedroht. Nichtsdestoweniger aber wird ganz offen vor dem Münchener Gericht zugegeben, daß die Staatsbehörden ebenso wie das Münchener Reichswehrkommando mit den sogenannten Rampf bünden verhandelt hat, wie man mit einem gleichwertigen Kontrahenten zu verhandeln pflegt, und der Kommandeur der 7. Reichswehrdivision, Lossow, hat vor Gericht zugegeben, daß er die Waffen der Hitlerschen Banden in Ber wahrung gehabt hat. Alle diese Tatsachen sind in der ganzen Welt bekannt. Aber wenn Quidde oder ein anderer an solche Zusammenhänge in der Bresse erinnert, dann hängt ihm der Em minger aus Bayern einen Landesverratsprozeß an. Gegen diesen Unfug muß auf das schärfste Protest erhoben werden, denn diese Verfahren bilden nichts anderes als einen Berrat der republitanischen Grundrechte. Unsere Beurteilung wird auch von der übrigen Presse geteilt. Das„ Berliner Tageblatt" schreibt: " Der Berhaftung liegt offenbar der Artikel Die Gefahr der Stunde zugrunde, den Profeffor Quidde heute vor acht Tagen in der Welt am Montag" veröffentlicht hat. Man fragt sich erstaunt, wie dieser Artikel Anlaß zur Einleitung eines Verfahrens wegen Landesverrates geben fann. Irgendwelche Nachrichten, deren Geheimhaltung für das Wohl des Deutschen Reiches erforderlich ist, oder irgendwelche Staatsgeheimnisse werden in diesem Artikel nicht ausgeplaudert. Aus ihm spricht die ernste Sorge, ob cuch alles geschieht, um den franzöfifchen Bernichtungs plänen jeden Bormand zu falschen Beschuldigun gen gegen die Reichsregierung zu entziehen. Bir hoffen, daß auch die Münchener Staatsanwaltschaft sich von diesem Gejeges- und Verfassungsverlegungen in Bayern fonzentrieren wird." Sachverhalt überzeugen und ihre Aufmerksamkeit auf die wirklichen Auch die Bossische Zeitung" fommt zu dem Ergebnis: „ Es ist unbegreiflich, wie der hoch betagte Mann einem gerichtlichen Verfahren ausgefeht werden kann. Die Münche ner Staatsanwaltschaft hat damit ohne Zweifel der deutschen Außenpolitif einen schweren Schlag verseht." Es gehört zum Bilde der reaftionären Bresse, daß die " Kreuzzeitung" fich nicht schämt, die Meldung über die Berhaftung mit einem zustimmenden Rommentar zu versehen. Die zerschlagene Wahlparole. Wir haben gestern abend eine fachliche Kritik ber Frankfurter Beitung an der Haltung der Regierung Marg wiedergegeben, die einwandfrei die Rechtsunsicherheit feststellte, die durch die Auflösung des Reichstages hervorgerufen worden ist. Nun befaßt sich der demokratische Abgeordnete Dr. Pachnide im„ Acht- Uhr Abendblatt" mit der Auflösung und hält der Regierung Marg vor, daß sie Deutschland in außen- und innenpolitische Un. ficherheit geworfen habe: Die Reichsfarben in Bayern verboten. antichen Reichsbundes bewegte sich am Sonntag borMünchen, 17. März.( WTB.) Nach einer Feier des Republi mittag ein großer Demonstrationszug unter Mitführung ichwarzrotgoldener abnen in das Stadtinnere. Ter Bug wurde von der Landespolizei aufgelöst. Einige widers penstige Teilnehmer wurden verhaftet und die Fahnen beihlagnahmt. Abgelehntes Volksbegehren. gandtages behandelte heute die Bollsbegehrensanträge der München, 17. März.( WTB.) Die Vollveriammlung des Bayerischen Vollspartei. Dafür wurden 72, dagegen 66 Stimmen abgegeben, so daß die notwendige 8 weidrittelmebtheit nicht erreicht ist und die Begehren als abgelehnt gelten. Der Bräsident teilte nach der Abimmung mit, daß er ihr Ergebnis iofort dem Staatsministerium Auleiten weide, domit nunmehr die Woitsentscheidung über die Volksbegehren herbeigeführt werden lönne. Personalausschuß und Sparausschuß. tion, die beim Sparausschuß des Reichstages schwebenden Auf die Anregung der sozialdemokratischen Frate Beschwerden über ungerechtfertigten Personalabbau mit der Auflösung des Reichstags nicht unter den Tisch fallen zu lassen, hat sich die Regierung bereit ertlärt, den Sparausschuß weiter tagen zu lassen. Beschwerden in Abbauangelegenheiten sind infolgedessen nach wie vor an den Sparausschuß des Reichstages zu richten. der Personalabbauverordnung folgende Beschlüsse gefaßt: Der Sparausschuß hat in eingehender Beratung und Prüfung 1. Den Reichspostminister zu ersuchen, raschestens eine Ueber. sicht vorzulegen, aus der zu ersehen ist, wieviel Beamte, nach Gruppen geordnet, in die nachgeordneten Stellen verfegt wurden. Der Ausschuß bringt weiter zum Ausdruck, daß Schwertriegsbeschädigte nur in Ausnahmefällen abgebaut werden sollen. Bei Bedarf von Hilfskräften follen zunächst abge baute Beamte und Angestellte berücksichtigt werden. 2. Das Reichsverkehrsministerium zu ersuchen, 1. die den Inhaftierten gegenüber ausgesprochenen Kündigungen sogleich zurückzunehmen; 2. den abgebauten und abzubauenden über 60 Jahre alten Kündigungsbeamten, welche aus dem Eisenbahnerarbeiter. ftande hervorgegangen sind und eine langjährige Gesamtdienstzeit bei der Eisenbahnverwaltung zurückgelegt haben, auch dann ein Ruhegehalt zu gewähren, wenn sie als Beamte noch feine ruhegehaltsberechtigte Dienstzeit von 10 Jahren erfüllt haben; 3. schleunigst eine Uebersicht über den bis 31. März 1924 burchzuführenden Abbau vorzulegen, und zwar getrennt nach a) Minifterium, b) Zentralamt und zentrale Aemter, c) Diret torium,( summarisch), d) Betrieb, e) Bau- und Lohnunterhaltung, f) Werkstätten einschl. Betriebswerkstätten, g) Abbau nach technischen und nichttechnischen Dezernaten( summarisch). Vergleichs. weise werden Gegenüberstellungen mit dem Friedensstande sowie über den Verkehrsumfang, die Betriebsleistungen und Leistungen der Werkstätten erbeten. Reichstommiffarit für die Kohlenverteilung 3. Die Reichsregierung zu ersuchen, mit furzer Frist das nebst den dazugehörigen Organisationen, den Eisenwirtschaftsbund, den Metallwirtschaftsbund und sämtliche noch vorhandenen Außen. handelsstellen zu beseitigen. 4. Der Ausschuß bringt zum Ausdrud, daß der Abbau im Ressort der Verwaltung der Wasserstraßen ungenügend ist. Dieser mangelhafte Abbau kann nicht damit begründet werden, daß der Berwaltung der Wasserstraßen fünftig weitere Aufgaben über tragen werden könnten. Vor der Gehaltserhöhung. Das Reichskabinett hat sich gestern nachmittag mit der Frage. befaßt, welche Gehaltserhöhung für Beamte ohne Gefährdung der Währung am 1. April möglich ist. Die Beratung ist nicht zum Abschluß gebracht, sondern auf heute vertagt worden. Endlich Notstandsarbeiten! Der lange Winter hat den Beginn großzügiger Rulti. nierungsarbeiten burch die produttive Erwerbs lofen fürsorge, die bereits felt langem vom Reichsarbeits. ministerium in Berbindung mit den Regierungen der Länder vorbereitet sind, start verzögert. Nunmehr werden in weitem Umfange im Dienste der Erwerbslofenfürsorge Bandgewinnungsarbeiten, Meliorationsarbeiten, Aufschließungen von Siedlungsgelände usw. in Angriff genommen werden, um zugleich die Grundlage der deutschen Wolfsernährung zu verbreitern und das ländliche Siedlungswesen Die getroffene Entscheidung hat keineswegs nur eine formale Bedeutung; fie fann vielmehr fch were prattische Folgen nach sich ziehen. Für fast zwei Monate ist fein Reichstag da, und bis er im dritten Monat arbeitsfähig wird, vergehen wieder Wochen. Das ist gerade die Zeit, in welcher wichtige Be3u fördern. Ihrer Natur nach liegen diese großen Arbeiten vielfach fchlüsse gefaßt werden müffen. Das jebige Rabinett wird selbst von den Großstädten entfernt, weil fie in den Deblandgebieten, den nicht glauben, daß es die Wahlen überdauert. Es wird auch vom Heiden und Mooren vor sich gehen. Aber auch dicht bei Berlin find Ausland als für die Zukunft bestimmend nicht zwei große Projekte im Gange, und zwar im Süden große Melioanerkannt werden. Wie nun, wenn inzwischen Entscheidun rationsarbeiten bei Königswusterhausen, im Norden die gen über die Militärtontrolle, über Borschläge der Anlage des Stichtanals bei Belten, die zugleich der Er. Reparationstommission getroffen werden müssen? schließung eines großen Industrie- und Siedlungsgeländes dient. Lauter lebenswichtige Fragen erster Ordnung. Ebenso find inner. In Königswusterhausen werden ungefähr 120000 Erwerbs. politische Fragen von großer Tragweite zu lösen, fo namentlich lofen Tage werte geleistet werden; zurzeit sind etwa 700 Er. die Erhöhung der Beamtengehälter und der Staats werbslose, davon der größte Teil aus Berlin, dort tätig. Die Ge arbeiterlöhne mit Hinblick auf die in der geplanten Höhe famtkosten des Projekts werden sich auf etwa 1 Million Goldmark faum zu ertragente Mietsteigerung. Das alles foll nun auf Grund des Artifols 48 einseitig von der Regierung erledigt belaufen. Bei Belten werden über 6000 Morgen Land werden unter Berufung darauf. daß die öffentliche Sicherheit fultiviert, davon 3400 Morgen zu Siedlungszwecken( 900 Siedlerund Ordnung erheblich gestört oder gefährdet" werden tönnte! An ftellen von 2 bis 50 Morgen Größe, über 2000 Morgen Industrie. eine so weite Austerung dieser Worte hat die verfaffungaebende gelände und der Reft für Straßen und dergleichen). Die GesamtNationalversammlung wahrhaftig nicht gedacht. Es fragt fich, ob tosten werden sich auf annähernd 12 Millionen Goldmart belaufen. bie Rechtsprechung eine derartige Interpretation anerkennt. Die Zahl der beschäftigten Erwerbslosen wird in furzer Zeit auf 3000 Diefe Konsequenzen hätten vermieden werden können, wenn gebracht werden. der Streit nicht ungebührlich aufgebauscht worden wäre. Man brauchte den Reichstag gar nicht mehr lange tagen zu lassen; die Wahlbewegung zwingt die Abgeordneten ins Land. Es genügte, daß er existent blieb und im Dringlichkeitsfall zusammengerufen werden konnte, um den Entschließungen die gesegliche Grundlage zu geben und ein Ueberschreiten der Verfassungsgrenzen zu ver. hindern. Das Kabinett Marg hat es anders gewollt und damit eine gefährliche Bahn betreten." Im Berhältnis zu der noch immer bestehenden Arbeitslosigkeit bietet die jetzt endlich angekündigte Aufnahme von Arbeiten durch die produttive Erwerbslosenfürsorge nur wenig Beschäftigungsmög lichkeit. Die Organisation einer umfassenden gemeinwirtschaftlichen Bautätigkeit allein könnte der gegenwärtigen Notlage in umfaffender Weise steuern. Darin hat die Reichsregierung aber bisher burchaus versagt. Gewerkschaftsbewegung Es bleibt beim Achtflundentag! Jm deutschen Baugewerbe. Im Baugewerbe ist mit Birfung bis zum 15. November 1924 eine Neuregelung der Arbeitszeit zustande gekommen. Die regel mäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt danach ausschließlich Baufen 48 Stunden. Auf Anordnung des Geschäftsleiters oder feiner Stellvertreter find innerhalb drei Monaten bis zu 85 Stunden Mehrarbeit zu leisten, wenn ein wirtschaftliches Bedürfnis vorliegt. Die Entscheidung darüber liegt beim Tarifamt. Auf Anordnung des Geschäftsleiters, aber möglichst im Benehmen mit der Angestelltenvertretung, find in Ausnahmefällen Ueberstunden zu leisten, für welche 1/200 des Monatsgehalte mit 20 Bro8. 8ufchlag, für Nacht- und. Sonntagsarbeit mit 50 Bro3. 8uschlag bezahlt werden. Klärung im Bekleidungsarbeiter- Derband. Die inneren Borgänge in der Organisation beschäftigten eine start besuchte Funktionärversammlung des Bekleidungsarbeiter verbandes Bevollmächtigter Lehmann führte zum Thema aus: Wer das Vorgehen der Opposition" in der Filiale Berlin aufmert fam beobachtete, tonnte schon seit langem nicht mehr im Zweifel daß auf abgefeben mor, es eine& paltung ber Organisation war. Nur zu lange die Langmut geübt, schließlich fcheidenden Schritt zu tun und beim Hauptvorstand den Ausschluß der größten Bühler und Organisationszerstörer zu beantragen. In Anerkennung der Sachlage und mit Rüdsicht darauf, daß es bringend notwendig war, die Organisation angesich's des Generalangriffs des Unternehmertums zu feftigen, gab auch der Hauptvorstand dem Antrace statt. Den besoldeten Funktionären wurde ein Revers vorgelegt, wonach fie bei ihrer Tätigkeit innerhalb des Verbandes an Die Statuten und Beschlüsse des Berbandes und der Spizenförperschaften gebunden feien. Die Unterfchrift wurde von ben der KẞD. angehörenden Angestellten ver. weigert. Man war dreist genug, seiner Berwunderung darüber Ausdruck zu geben, daß eine folche Unterschrift nicht schon längst gefordert worden war und die inzwischen erfolgte Entlassung nicht schon früher ausgesprochen wurde. Die Rolle der Märtyrer paß ihnen jetzt schlecht, denn sie haben nicht einmal die Berbands instanzen wegen des Ausschusses angerufen. Damit ist aber auch flar der Beweis erbracht, daß es diesen Gewerkschaftsrettern nur darauf antam, einen eigenen Laden aufzumachen. Diese verbrecherische Absicht ist ihnen aber schon bei ihrer ersten Lohnbewegung" in der Herrenmaßbranche gründlich ver. dorben worden. Den mitgelaufenen Mitgliedern wird nur zu bald die Erkenntnis dämmern, daß in der neuen Organisation der Opposition", wie sie sich schamhaft nennt, teine Bewert Ichaftsarbeit geleistet werden wird, sondern daß fie lediglich für tommunistische Parteizmede mißbraucht werden follen. Der Redner wandte sich scharf gegen die Streifführung bei ben Herrenmaßschneidern, wo Mitglieder des alten Verbandes in fa.sch angebrachtem Solidaritätsgefühl fogar Streifpoften stehen, während die radikalen Maulhelden zu Hause fizen und Arbeit für kleine Meister verrichten. Lehmann schießt feine Ausführungen unter großem Beifall mit der Aufforderung an die Anwesenden, alle Körperschaften mit Kollegen zu besetzen, die gewillt find, prattische Gewertschaftsarbeit zum Wohle der Gesamtmitgliedschaft zu leisten. Wer sich für feine Tätigkeit im Verbande Anweisungen von außerhalb der Organisation. stehenden Stellen holt, hat bei uns teinen Platz. bebis bijelih boch nichts anderes übrig blieb, als ben en Nach eingehender Aussprache, die den Willen erkennen ließ, befreit von allen berufsmäßigen Zerstörern und Radaumachern, nuh. bringende Arbeit zu verrichten, nahm die Versammlung gegen zwet Stimmen eine Entschließung an, die sich mit den Maßnahmen der Ortsverwaltung einverstanden erflärt, ein Sympathiseren mit der Sonderorganisation ablehnt und die für alle Mitglieder und Funktionäre das Statut und die Verbandsbeschlüsse als maßgebend erflärt. Damit wird auch für den Bekleidungsarbeiterverband, der in der letzten Zeit fehr zum Schaden feiner Mitgliedschaft schweren inneren Entschütterungen ausgefeßt war die Bahn wieder frei für die Aufgaben der Gewertschaften als wirtschaftliche Interessenvertretung der Berufsangehörigen. An den Mitgliedern wird es nunmehr liegen, jeden, der seine schmutzigen Hände unter dem Dedmantel der Oppofition" nach der Einigkeit und der Geschlossenheit der Organisation stredt, von Anfang an gehörig auf die Finger zu flopfen. bas fogar in ber Dentschrift des Herrn v. Migel als unfogiaf bezeichnet wird, dann werden wir den uns zugeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen. In der Disfuffion, an der fich Vertreter aller anwesenden Juftiz. beamtengruppen beteiligten, tam einmütig der Wille zum Ausdrud, fich nicht wieder ein fo umwürdiges Kontrollsystem aufzwingen zu laffen. In ihrer Entschließung erheben die Juftizbeamten und Angestellten schärfften Protest gegen die Einführung irgendeines die Kanzleibeamten und Angestellten treffenden Kontrollsystems und verlangen, daß alle dahinzielenden Bestrebungen unterbunden werden. Eine solche Kontrolle verlegt das Ehrgefühl der Beamten und Angestellten und untergräbt die Dienstfreudigkeit. " Nach Beseitigung des früheren Kontrollsystems haben die Ranz'eibeamten und Angestellten bei erweitertem Arbeitsgebiet und Uebernahme der vollen Verantwortung alle aufkommenden Arbeiten, einschließlich der früheren, besonders bezahlten Ueberarbeit, erledigt und durch ihre, höheren Orts anerkannte pflichttreue Tätigkeit und den Wegfall der für die Kontrollbeamten entstehenden erheblichen Kosten den Staatsfinanzen nur Borteile verschafft." Die Wierereinführung einer Kontrolle in irgendeiner Form ift abfolut nicht notwendig und steht auch den Abbaubestrebungen entgegen. Von der Justizverwaltung erwarten die Bersammelten, baß die von den Organisationen eingereichten Reformoor schläge alsbald beraten und durchgeführt werden. Das bedeutet affo: Alle in Betrieben des BBMI. beschäftigten Arbeiterinnen, die bis zum 31. Dezember v. 3. weniger als 75 Proz der Männerlöhne ihrer Berufsgruppe erhalten haben, tönnen die Differenz mit Aussicht auf Erfolg beim Gewerbegericht einflagen, auch wenn fie den geringeren Lohn hinnahmen, ohne Einspruch da gegen zu erheben. Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie. Am Freitag fanden Tarifverbandlungen mit dem Arbeitgeber verband der chemischen Industrie zweds Regelung der Urlaubszeit und der März- Behälter der Angestellten statt Die von den Ar beitgebern gemachten Zugeständnisse hinsichtlich des Urlaubs genügten nicht; über etwaige Gehaltserhöhungen ver März wollen fie noch ihre Mitglieder befragen. Da der Gewerkschaftsbund der Angestellten das von den Arbeitgebern anaebotene Abkommen, betr. Arbeitszeit- Verlängerung bis zu 60 Stunden ohne Mitwirkung der Angestelltenvertretung, angenommen hat, glaubten die Arbeit geber, daß die Verhandlungen über dieie Frage erledigt feien. Durch die Vertreter des 3d wurden sie aber eines Besseren belehrt und mußten schließlich auf die Frage, ob sie die Arbeitszeitver bandlung mit dem ZdA. als gefcheitert betrachteten, ant worten, daß fie fich darüber noch nicht im flaren seien. In einer Afa.- Funktionär bersammlung, die an dem gleichen Abend tagte, wurde folgende Resolution angenommen: Die am 14. März tagende Funktionärverfammlung der Fachgruppe Chemie des AFA.- Vundes stellt fich geschlossen auf den Boden des Achtstundentages und verlangt von der Tarifdaß keinen Fall in diefer ausgesperrten und streifenden Chemiearbeitern verAllgemeine Funktionärkonferenzmession, ba fie auf time of it for age auf Stoneffionen der Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre der VSPD. Sprechen die Funktionäre vollste Solidarität. am Mittwoch, den 19. März, abends 7 Uhr, im Lehrervereinshaus( gr. Saal), Alleganderplatz. Tagesordnung:„ Der bevorstehende Reichstagswahlkampf," Referent: Genosse Franz Künstler. Mitgliedsbuch der Partei und Funktionärausweis für 1924 fein Zufrift. Der Bezirksvorffand. Ohne Reichstarif für die Schuhindustrie. Märzfeier der Berliner Gewerkschaftsfugend. Die Freie Gewerkschaftsjugend und die Freie Angefielllenjugend veranstalten gemeinsam am nächsten Sonntag( 23. März) abends 7 Uhr, im oroßen Saal des Gewert chaftshauses ihre Märzfcier. Namhate Künstler werden aus den Werken moderner Autoren rezitieren. Das Steiner- Rothstein- Quartett wird die Musikdarbietungen bestreiten und eine Ansprache des Genossen Nietisch wird auf Die Bedeutung der Feier und die Beziehungen der Dichter zur gegenwärtigen Zeit hinweisen. Auch die erwachsene Rollegenschaft ist willkommen. Rarten zum Breise von 40 Bf sind bei der Gewerfichaftsfommision( Jugend, entrete), Enaelufer 24/25, 3immer 13, und im Jugendfekretariat des 38A., Belle- Alliance- Straße 7/10, zu haben. Lohnbewegung der Pariser Bankangestellten. Paris, 17. März.( Eiaener Drahtbericht). Die Parifer Bank angestellten find in eine Gebaltebemeourg eingetreten. Eine ven den der GGT. angefchloffenen Organisationen einberufene und von etwa 5000 Angestellten beiuchte Beriammlung hat beschlossen, außer einer Erhöhung der Teuerungszulanen die Gewährung einer besonderen Ortszulage für Paris in Höhe von 1200 Frant au fordern und mit allem Nachdruck für die Respektierung des Achtstundentages einzutreten. Die Differenzen im Hotel Adlon beigelegt Die im Laufe des Montags geführten Verhandlungen haben zu einem befriedi aenden Ergebnis geführt. Der Streit ist abgebrochen, die Arbeit wird heute( Dienstag) vormittag wieder aufgenommen. In einer Funktionärversammlung der Ortsverwaltung Berlin des Schuhmacherverbandes berichtete hört über die Aenderungen im neuen Reichstarif. Die Löhne der Arbeiter über 21 Jahre betragen in Ortsffaffe I 45 f. die Stunde. Für Zeitlohnarbeiter ist der Zuschlag auf 12% Broz. erhöht worden. Auch die Prozentfäße der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen find erhöht worden. Alle im Tarif festgelegten Löhne find Mindestlohne. Die Feft fehung der wirklichen Löhne verbleibt der betriebsweisen Regelung. Die Lohnwoche fällt mit der Kolenderwoche zufammen. Die Lohn zahlung muß mindestens am Mittwoch der folgenden Woche er. folgen. Besinn und Ende der täglichen Arbeitszeit muß in Gemeinschaft mit der gefeßlichen Betriebsvertretung festgelegt werden. Für den Fall, daß feine Einigung zu erzielen ist, entscheiden die im Tarif vorgesehenen Instanzen. Die möchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. Bei Bedarf fann die Arbeitszeit um eine Stunde täg lich verlängert werden, wenn die Arbeiterschaft des betreffenden Be triebes regelmäßig voll beschäftigt ist und die Gründe für die Verlängerung dem Betriebsrat mitneteilt wurden. Für diese Der Cohnstreif im Münsterländischen Textilgewerbe ist durch erste Stunde muß ein 3 ufchlag von 15 Broz. bezahlt werden. Fede weitere Mehrarbeit bedarf der Vereinbarung mit der nochmalige Einigungsverhandlungen zu einem gedeiblichen Abschluß Betriebsvertretung und wird mit einem Zuschlag von gebracht worden. Es findet insgesamt eine nicht unbedeutende Auf25 Broz entschädigt. Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist verbesserung der Löhne statt. Die Atlordstücklobniäge werden in ihrer bot en, es sei denn, sie diene zur Aufrechterhaltung des Betriebes. Gesamtheit um 8% Proz., die Spizenzeitlöhne wurden um 8% f. Für Nochtarbeit nach 8 Uhr abends und vor 6 Uhr früh wird ein erhöht, die Löhne der Jugendlichen wie auch die Zeitlöhne in den Spinnereien und die der Selfefto- Spinner werden prozentual mer 3ufchlag von 50 gezahlt. Diese Bestimmung tritt außer Straft, wenn die Die Löhne der Arbeiterinnen find ungefähr in demselben ble erhöht. Biozenifaz erhöht wie die Löhne der männlichen Zeitlohnarbeiter, Zeit fällt. Der Tarif ist am 3. März in Kraft getreten. Den Ausführungen des Bevollmächtigten fchloffen sich Berichte während die Alfordlöhne der Arbeiterinnen genau dieselbe Gr der Betriebsvertrauensleute über die bisherigen Auswirkungen des höhung erfahren wie die Affordlöhne der männlichen Arbeiter. Die Münsterländische Tegrilindustrie umfaßt über 200 Tegiilbetriebe Tarifs in den einzelnen Betrieben an. mit über 50000 Tertilarbeitern. Abwehrkampf der Porzellanarbeiter. " Für die feineramische Induftrie fällte am 27. Februar 1924 ein Schlichter des Reichsarbeitsministeriums den unglüdlichen Schiedsspruch, daß den sonstigen Arbeitern und Arheiterinnen 3 Prozent ihres Lohnes abzubauen find. Die Arbeitnehmervertreter lehnten den Schiedsspruch ab, die Arbeitgeber nahmen ihn an. unterließen es aber schließlich, die Berbindlichkeit zu beantragen. Der Spruch erlangte also teine Rechtsverbindlichkeit und wurde nicht Bertrag. Das hielt jeboch eine Anzahl Scharfmacher nicht ab, die unrechtmäßigen Abzüge zu vollziehen, was sich die Belegschaften nicht aller Die Justizbeamten zur Abwehr entschlossen! orts gefallen ließen. Einiae Belegschaften legten auf Grund dieser Eine vom Landesverband Breußen der Justizbeamten im diftatorischen Eigenmächtigkeit die Arbeit nieder. Die Arbeitgeber Deutschen Hof" abgeholtene öffentliche Protestversammlung beschäf, fönnen es sich anscheinend leisten, ihre Betriebe in den Zeiten der tigte sich in erster Linie mit der drohenten wieder einfübfo piel gepredigten Wirtschaftsrettung" troß großer Aufträge stillrung des Kanzleizettels. Linte führte hierzu aus, daß liegen zu laffen, und das alles deshalb, weil fie unbedingt 40 Pf. es früher üblich gewesen sei, die Schreibarbeiten der Kanzlei. für einen Arbeiter und 20 Pf. für eine Arbeiterin in der Woche erbeamien nach Silben auszuzahlen und entsprechend gering sparen wollen. Es stehen rund 3000 Borzellanarbeiter im Abwehr. zu bezahlen. Infolge der zur Bestreitung des Lebensunterhalts not. fampf. Die Behörden sehen in den Zeiten der allgemeinen Not mit wendigen Ueberarbeit litten die Beamten an ihrer Gesundheit und Gleichgültigkeit zu, wie um ein Streitobjekt von 900 Mart in der. wurden ihren Familien entfrembet. Bei diesem System machten fich Woche von den Arbeitgebern gerungen wird. auch mehrfache zeitraubende Kontrollen notwendig. Dabei wurde Arbeitskraft vergeudet und Staatseigentum verscheubert. Im No. vember 1918 tam endlich eine Berfügung heraus, die dieses elende Rontrollinstem beseitigte. Geeigneten Kanzleibeamten wurde im Jahre 1921 auch die Zeichnungsbefugnis übertragen. Durch diese verantwortliche Betätigung vieler Beamten trat eine wesentliche Ersparnis für die Verwaltung ein, und die Berfahren wur. den beschleunigt. Bezeichnend ist es, wenn eine Stelle schreibt, die Leistungsfähigkeit in den Kanzleien fönne entschieden gehoben werten, wenn die nach dem November 1918 erlaffenen margi stischen Verordnungen wieder aufgehoben würden. Bei dem Beamtenabbau hat man es niemals für notwendig gehalten, auch höhere Beamte darin einzubeziehen. Es kann nicht angehen, daß man nur auf Roften einer Beamtengruppe zu sparen" fucht. Wenn die Staatsverwaltung uns wieder ein Kontrollsystem zumutet, Virginia Prinzess Pryka Raconta Nijperle Virginia Lord Borgoyne Bajazzo Die Arbeiterinnenlöhne in der Metallindustrie. 39 Nach einem Urteil des Gewerbegerichts Berlin, welches wir in Mr. 128 des Borwärts" veröffentlichten, haben die Arbeiterinnen, welche in den dem Verband Berliner Metallindustrieller angeschlosse nen Betrieben beschäftigt find, für die Zeit vom 26. November bis 31. Dezember 1923 Anspruch auf 75 Proz. des Lohnes der männlichen Arbeiter ihrer Berufsgruppe. Am 17. März hat die Kammer 8 des Gewerbegerichts in einem gleichen Falle denselben Rechtsstandpunkt eingenommen, ist aber über Das Urteil der Kammer 11 noch insofern hinausgegangen, als fie erklärt, ba Tarife unabdingbar find, bleiben die Tarifbestimmungen für die Bertragsparteien bindend, auch wenn gegen die tarif. widrige Entlohnung ein Einspruch erhoben wird. Achtung, BSPD.- Buchbrucer! Bezirk Often: Donnerstag 7 Uhr wichtige Besprechung im Bokal von Saffe, Petersburger Str. 86. 3. Bezirk( ND.): Die Bezirksversammlung am Montag, den 24. März, um 7 Uhr, finbet nicht Weinmeisterftr. 16-17, fondern in den Rafino Festfälen, Bappefallee 15, ftatt. BEPD. Eifen, Metall- unb Revolverbreher. Mittwoch abend 8 Uhr im Lotal Rofenthaler Hof, fleiner Scal, Fortfcgung unserer letzten Aussprache. Erscheinen ist Barteipflicht. Partei- und Gewerkschaftsmitgliedsbuch legitimiert. Der Werbeausschuß. Rentralverband ber Mafchinisten und seizer, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Branchenversammlung fämtlicher im Baugewerbe beschäftigten Maschinisten und Beiger heute abend 6 Uhr in unserem Orisbureau, Engelufer 24-25, Zimmer 27. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; R. S. Döscher: Lotales Gewerkschaftsbewegung:. Ektorn; Feuilleton: und Sonstiges: Frip Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b.$.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin S. 68., Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Koch& Peeland Besichtigung ohne Kaufzwang Herrenstoffe reine Wolle" für Anzüge, Ulster, Paletots... Mtr. 8.Damen- Gabardine.130 breit 6.viele Farben, reine Wolle..... Mtr. Sertraudtenstr 20/21 Segr. 1893 Säle Sophien- Säle für Vereine und Nord 9296 Raconta rund, dick, ohne Mundstück, die neue Avramikos 4 Pf. Zigarette für den verwöhntesten Raucher Versammlungen Sophienstr. 18 Mahdi von Cairo Mahdi- Auslese Edle vou Hamburg Turrida Hausmarke Renata Nr. 131 41. Jahrgang Schwarz- Rot- Gold. 1. Beilage des Vorwärts Eine Erinnerung aus Anlaß des 18. März. ,, So hebt die schwarzrotgoldenen Fahnen und laßt fie durch die Lande wehn, so gebt den Fahnen eurer Ahnen ein glorreich neues Auferstehn! Nicht fechsunddreißigfach gespalten, steht mehr in aller Wappen Sold. Das Banner, dran wir einzig halten, ift unser heilig schwarzrotgold. Denn ob wir all in dunklen Sorgen geharret eine lange Nacht, boch endlich sprang der Freiheit Morgen empor in blutigroter Pracht. Und aus dem finstern Wolkenkranze, der vor dem Morgenwind zer bricht, steigt auf mit segnungsvollem Glanze des Tages neues goldenes Licht. Nun schlingt die schwarzrotgoldenen Fahnen zusammen in ein festes Band und zieht es rings auf Steg und Bahnen um unser deutsches Baterland, vom Hochgebirg bis zu denen Dünen, vom Aufgang bis zum Niedergang, die alte Spaltung auszuföhnen, die unsere beste Kraft bezwang. Wo deutsches Auge treu und offen in deutsches Bruderauge blickt, wo deutsche Hand mit festem Hoffen noch deutsche Hand zum Gruße drückt. Wo deutsche Lieder freudig flingen, wo deutsche Träne netzt den Sand, das alles soll umschlingen das eine heil'ge deutsche Band." Menschenbrüderlichkeit, auch das alte deutsche Freiheitsbanner schwarzrotgold aufzupflanzen. Und dieses Banner, beschimpft, verochtet, bespien und zerrissen von denen, bie es einst unser heilig schwarzrotgold" heuchlerisch, wie nun wohl feststeht, priesen, fenti sich heute mit den roten Bannern in Ehrerbietung und Dankbarkeit por den Toten des 18. März 1848 und vor denen ber Märztage von 1920, die im Berliner Friedrichshain ruhen. Anny Sanneck vor Gericht. Prügelei auf der Anklagebant. Ein weiblicher Staatsanwalt. Der große Hochstapeleiprozeß gegen Fraun Anny Sanned. Bernide wurde gestern vor der 8. Straffammer des Bandgerichts I zu Ende geführt. Es wurden noch zahlreiche Zeugen vernommen, aus deren Aussagen hervorging, daß die Angeflagte es mit großer Geschicklichkeit verstanden hatte, bas Geld ben Leu'en abzu loden. Nachdem die Angeklagte zu Beginn der Eizung sich sehr ruhig verhalten hatte, verübte fie plöglich einen richtigen Theater coup. Mit einem Male entstand auf der Antlagebant ein großes Hallo. Die Angeklagte geriet mit dem Mitangeklagten, ihrem früheren Liebhaber, Mag Cohn, in ein Handgemenge und beschimpfte ihn fürchterlich. Bandgerichtsdirektor Folk ließ die Angeklagten trennen und einen Wachtmeister fich zwischen fie setzen. Dann stellte sich aber heraus, daß die Sanned Cohn beschimpft hatte, weil er ihr eine fleine Schere, die sie aus der Tasche gezogen hatte, um sich die Pulsadern zu durchschneiden, weggenommen hatte. Tatsächlich hatte sie sich auch schon einen fleinen Einschnitt am Arm beigebracht. Nachdem war die Angeklagte wieder still. Bermutlich wird man an diesem die Farben der deutschen Eins Staatsanwaltschaftsrat Dr. Kyser ließ durch die Referendarin heitsrepublik verherrlichenden Gedicht nur auszusehen haben, daß Dr. Blumenthal die Anklage vertreten. Diese erblickte in der bas Deutsche darin gar zu auffällig und zu gefliffentlich betont wurde. Angeflagten eine gemeingefährliche gewerbsmäßige Hochstaplerin, die Im übrigen wird jeder, der das Gedicht, richtiger ben Sang lieft, zahlreiche tleine Beute um ihr ganzes Bermögen den Eindruck gewinnen, daß es der Dichter doch recht aufrichtig und gebracht habe. Sie beantragte, bie Angeklagte wegen Be ehrlich gemeint und daß ihn zweifellos eine Art Begeisterung für fruges in 29 Fällen und Urtundenfälschung zu einer Schwarzrotgold zu diesen Worten getrieben hat. Wenn man aber Gesamtstrafe von sieben Jahren Zuchthaus zu verurteilen. nun etwa glaubt, daß dieser Lobgesang in den Tagen der Republik Gegen Cohn wurde ein Jahr Gefängnis beantragt verfaßt worden ist, so irrt man sich. Das Gedicht steht nämlich Die Rechtsanwälte Dr. Frey und Dr. Eisenstadt beriefen fich abgedruckt in einem von dem Oberpoſtinſpektor Karl Heinede, auf die Gutachten der Gerichtsfachverständigen Dr. Thiele und Berlin B. 66, Reichspostamt, im Jahre 1915 herausgegebenen Dr. Haffe, wonach mindestens ein Grenzfall des§ 51 vor. Deutschen Liederbuch", das der betreffende Herr im Auf- liege. Bis dahin war die Angeklagte ruhig gewefen; als bann aber frag des Deutschbundes" zusammengestellt hat. Der Berlag des Rechtsanwalt Dr. Coßmann das Wort zur Verteidigung des Cohn Buches ist die Kanzlei des Deutschbundes in Gotha. nahm, schien ihr das nicht in den Kram zu paffen und sie begann Dieser Deutschbund aber ist eine Borfriegsgründung. Er wieder zu toben und zu schimpfen, so daß der Borfizende die Ange murde geleitet von einem meiningschen Regierungsrat namens Gersten- flagte während der Ausführungen des Verteidigers hinaus. hauer und war vollkommen völkisch eingestellt. Dieses Gedicht bringen ließ. Nach längerer Beratung fam das Gericht zur Ber ist aber in diesem Liederbuch nicht das einzige, das die den Hohen urteilung der Angeflooten, indem es die Angeklagte nicht für geistes. gallern Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm II. so tief verhaßte frant im Sinne des§ 51 hielt. Das Gericht hat aber eine fortgefekte fobt. Auch den herrlichen Grabgesang, den Freiherr von Binger im Handlung angenommen, indem die Angeklagte bestrebt war, sich mit Jahre 1818, als die preußische und europäische Reaktion wieder voll allen möglichen Mitteln Geld zu verschaffen. Die Urtundenfälschungen waren nur ein Mittel zu ihren Betrügereien. Das Urteil lautete im Gange war, auf die damals freiheitlichen Burschenschaften ge. gegen die Angeklagte Anny Sanned Bernide auf drei dichtet hatte: Wir hatten gebauet ein stattliches Haus. ift in Jahre Gefängnis uner Anrechnung von einem Jahr Unter. Diesem völkischen Liederbuch enthalten. Bekanntlich heißt es weiter fuchungshaft. Cohn wurde zu vier Monaten Gefängnis in dem Gedicht: Das Band ist zerschnitten, war verurteilt und es wurden ihm zwei Wochen durch die Untersuchungs1hwarz, rot und gold." Und schließlich findet man in dem Liederbuch auch das Gedicht von Karl Hintel: Wo Mut und haft als verbüßt angerechnet. Die Angeklagte Wernice erklärte: ?", deffen zweite Strophe lautet:" Rot wie die Liebe seich nehme teine minute der Strafe an und ließ fich Kraft dann ruhig abführen. Es schwebt gegen sie noch ein weiteres der Brüder Zeichen, rein wie das Gold der Geist, der uns durdy Strafverfahren, ba fie sich als Frau des Rechtsanwalts glüht, und daß wir nie, im Tode selbst nicht, weichen, jei ich war 3 Heiner ausgegeben hatte und in ähnlicher Weise wie in der abge. das Band, das unfere Bruft umzieht." Andere wahre Freiheitsnicht weniger als 25 Fälle gedichte von Schenkendorf und Freiligrath stehen gleichfalls in bem urteilten Sache Betrügereien verübt haben soll. Liederbuch, Nimmer wird das Reich zerstört, menn ihr einig feib und treu," hat der Herausgabe Heinede ahnungsvoll sperren lassen. .. " Damals also war in Deutschland ein Bund, der sich„ ölfifch" nannte und es dennoch verantworten fonnte, daß er in der Kriegs. zeit ein Liederbuch herausgab, das den Kriegern ins Feld geschickt tourde und in dem die alte deutsche Einheits- und Demofratenfahne schwarzrotgold, die damals schon die Fahne aller Deutschen Defter reichs war, gepriesen wurde. Und die Mannen, die sich seit 1918 völlisch nennen, waren es, die diefelben jetzt zur Fahne der Republik erwähiten Farben in der schändlichsten und gemeinsten Weise be fchimpft haben. Sie haben damit, wenn sie es vor dem Krieg ehrlich gemeint haben, ihre eigenen Ideale beschimpft. Damals fangen fie, daß sie nicht in 36 Kleinftaaten gespalten sein wollten, und heute lassen sie es zu und sorgen dafür, daß von Bayern aus die Spaltung der Deutschen verewigt wird. Damals ließen sie singen: Das Banner, bas mir einzig halten, ist unser heilig schwarzrotgold." Heute sehen wir, daß es weder ihr Banner noch heilig war. Heute hat die Sozialdemokratie den Mut und die Kraft gefunden, neben ihrer roten Welteinheitsfahne, dem Zeichen der übernationalen 53] ( Nachbrud durch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Ihre Mutter war noch gar nicht auf der Welt und von Ihnen selbst, mein Gott, teine Spur, damals, als mein Bater die Möbel für Ihre Großeltern gemacht hat. Ich war feiner zeit Lehrjunge, und Ihre Tante war so ein huschiges Springer chen von zehn Jahren." " Wie war denn meine Tante als Kind?" fragte Jürgen, plöglich wieder von Sympathie ergriffen. Da, fehen Sie ihn an: der Sägbod war ihr Reitpferd. Auf demselbigen Sägbod ist sie geritten jeden Tag. Und so manches Mal war sie einfach verschwunden. Nicht zu finden! Da haben wir fie gar oft aus den Hobelspänen rausgezogen. Hat sich hineinvergraben, ganz und gar zugedeckt und ist dann plötzlich wie ein fleiner Teufel rausgefahren. Wollte nie nach Hause. Hat geftrampft und geheult... Wild war fie. Ein wildes Kind! Schwer zu erziehen." " Was Sie sagen!" „ Das Leben hat nachher das seine getan... Da tommt Ihr Wagen." Jürgen zeigte die Abonnementskarte dem Schaffner, der lächelnd abwinfte: Gilt schon! Wir fennen ja einander." „ Nie hätte ich das gedacht. Ich hätte das überhaupt nicht für möglich gehalten." " Mir wenigstens brauchen Sie die Abonnementstarte nicht mehr zu zeigen. Jetzt fahren Sie seit zwei Jahren täg fich viermal." Wenn ein wildes, unbändiges, eigenwilliges Rind so werden tann, wie die Tante geworden ist, vom Leben so ruiniert werden konnte, da fann man von Verantwortung des einzelnen ja überhaupt nicht mehr reden. Die Verhältnisse find schuld Sicher auch bei Rutharinas schöner Jugendfreundin mit dem leidensfähigen, milden Herzen, daß fie fo lala eine Gesellschaftsdome und die Frau des Oberstaatsanwalts wurde... Oder doch nicht die Verhältnisse?... Wet fönnte entscheiden, ob ein Mensch die Kraft gehabt hätte, weiter zu fämpfen und zu leiden, oder ob stärker als seine Kraft die Verhältnisse und die in ihm lebenden Begierden waren? Es gehört heutzutage schon sehr viel Kraft dazu, sich Tas lebende Paket. 660 Wie man nichtsahnend zu einem Kinde fommen fann, zeigt ein Erlebnis, das eine Frau M. in Spandau hatte. Als sie um 4 Uhr nachmittags durch die Neuendorfer Straße frazieren ging. trat an der Ede des Ustanierringes eine ärmlich und verhärmt aussehende junge Frau an fie heran, und bat fie, ihr einen Augenblid ihr Batet zu halten, weil ihr schlecht geworden sei. Ahnungslos nahm ihr die Frau M. das Bündel, das in ein grünes Umschlage. tuch eingehüllt war, ab. ohne erst lange nach dem Inhalt zu fragen. zu ihrer Verwunderung aber war die junge Frau im nächsten Augenblick um die Ede verschwunden und nicht wieder zu finden. Als sie jeßt das Umschlagetuch öffnete, fand die gefällige Frau darin einen fleinen Knaben, der in weiße Windeln und ein weißes Hemdchen eingewickelt mar und dabei einen Bettel mit folgenden Worten:„ Eehr geehrte Dame, bin in Rot geraten, fann mein leines Kind nicht ernähren, und ins Wasser werfen kann ich es doch auch nicht. Es ist weder standesamtlich noch sonstwo gemeldet. Geboren ist es am 28. Februar, 11 Uhr selbst im Leben vorwärts zu bringen. Wieviel mehr erst, die Sache der Allgemeinheit auf sich zu nehmen und vorwärts zu bringen!... Man feze erst fich selbst durch und stelle dann sich und seinen Einfluß und feine Macht in den Dienst der Allgemeinheit." Und was wird unterdessen, während du dich durchfeßt, so lala mit dir, mit dem Bantier Rolbenreiher, geschehen?" so lala mit dir, mit dem Bantier Kolbenreiher, geschehen? fragte mit schon faum mehr vernehmbarer Stimme das weit zurückgedrückte Bewußtsein. Und stieß plöglich eine grauenvolle Drohung aus, die aber, von Jürgen nur dunkel vernommen und empfunden, nicht gleich vordrang bis an den Bezirk des neuen Bewußtseins, das in diesen Jahren immer häufiger Sieger geblieben war. Noch einmal entwand sich die Drohung der tiefften Tiefe seines Wesens, stieg empor als Hinweis auf eine unentrinnbare Todesgefahr, und Jürgen wurde sekundenlang innerlich gelähmt, so ganz und gar wie in der vergangenen Nacht, da eine fremde Macht im Albtraum ihn gelähmt und unwider ftehlich gezwungen hatte, den Sarg zuzunageln, in dem, noch lebend, er selber gelegen war. Wie lange fahren Sie schon auf dieser Strecke?" Und während der Schaffner sinnend Behn, nein, schon elf Jahre!" fagte, wiederholte in verzweifeltem Ansturme das zurückgedrängte Bewußtsein zum dritten Male seine grauen volle Drohung. Jürgen fröstelte im Rüdenmart, wie damals in der Hafenstadt. Bastgeflecht ist sehr praktisch, hält lange, was?" Ja, das gibt aus." Auch der Schaffner prüfte mit seiner ftarten Hand anerkennend das Baſtgeflecht der Siklehne und schritt dabei hinaus auf die hintere Plattform, legte den Zeige finger an die Müze, und das junge Bureaumädchen ichob ihre Abonnementsfarte wieder in das Handtäschchen, sah ernten Blickes ihr Leben an. Die Alleebäume flogen nach rücmärts. Das sind nur die Nernen, dachte Jürgen, mit Bezug auf die Drohung... 3 mei Jahre! Muß endlich auf ein paar Wochen ausspannen. Mich erfrischen. Eine Reife! Das habe . Diese warmen wunderbaren Herbstich mir verdient. tage! Das wird schön sein Als die Allee endete, die Straße enger, der Wagenverkehr und der Lärm stärker, die Luft schlechter geworden war, sette das Bureaumadhen fich in den Wagen, banfte mit ernftem Ricken für den Gruß ihres Chefs und begann in einem Buche Dienstag, 18. März 1924 mittags. Ich stelle feine Ansprüche. Ich verlasse mich auf Gottes Gnade. Ich fenne Sie nicht. Ich vertraue auf Ihr gutes Herz. mit innigen Grüßen eine arme unglüdliche Mutter" Der Kleine murde dem Jugendamt Bezirt 8 in Spandau übergeben. Die Mutter ist noch nicht ermittelt Der Rächer mit dem Taschenmesser. Das Liebesabenteuer eines Albaners. Die Eifersuchtstat eines Albaners, über die wir f. 3t. berich teten, gelangte jetzt vor der 6. Hilfsstraffammer des Landgerichts II zur gerichtlichen Aburteilung. Unter der schweren Anschuldigung des versuchten Mordes hatte sich ber Student Mohammed Djemal zu verantworten. Der Angeklagte verteidigte sich, obwohl er der deutschen Sprache nicht ganz mächtig ist, in fehr bilderreicher, an die Erzählungen von 1001 Nacht erinnernder Sprache. Er lebte feit 1917 in Berlin und studierte Literaturgeschichte und Philosophie, hörbe auch Vorlesungen der Medizin. Er wird beschuldigt, am 26. Oftober auf eine Frau M., eine Berlinerin, die aber die Witwe eines im Kriege gefallenen Hauptmanns ist, einen Ueberfall verübt zu haben, indem er ihr in der Nähe ihrer Wohnung auflauerte und ihr einen Messerstich beibrachte. Als er über seine Beziehungen zu Frau M. gefragt wurde, erklärte er, daß er durch die Anklage und die Verhaftung das Gedächtnis über die Freundschaft mit dieser Frau verloren habe. Im Sommer 1921, Jo führte er aus, hielt ich mich zur Erholung am Nitolassee auf. Da fam ein kleines Mädchen mit einem Hündchen und sagte zu mir, ich solle das Hündchen lieben. Durch diesen Vorfall wurde ich mit der Mutter des Mädchens befannt. Als ich nachis in meinem Bimmer eingeschlossen lag, topfte es an der Tür. Beim Deffnen stand eine Frau in Nachtkleidung vor mir. Ich glaubte zuerst, es sei eine Nachterscheinung. Sie fiel aber vor mir nieder und betete mich an, mie die Christen das Kreuz anbeten und fagte mir: Seitdem ich dich gefehen habe, tann ich nicht effen und trinken, ich bin gang verrüdt" Gleid in der ersten Nacht haben wir eine ewige Freundschaft geschlossen. Es war ein Sprung in das Unendliche. Wochenlang haben wir zu sammen gelebt. Zweieinhalb Jahre hat diefer Freundschaftsbund bestonden. Ich glaubte, die Frau gehöre alle Zeit mir, wie wir das im Orient nicht anders kennen, denn sie war ja über und über in mich verliebt. Eines Nachts find wir unter dem Sternenhimmel niebergefniet und haben uns den Eid geleistet, uns nicht zu verlassen. Im weiteren Berlauf Teiner Bernehmung verwahrie er sich entschieden, daß er seine Frau" töten wollte, fönne er doch nicht einmal ein Lierchen töten, das an der Wand fummt wie eine Mandoline. Noch viel weniger fönne er die Liebe feines Herzens töten. Der Angeflagte schilderte meiter, wie Frau M. nach Oberbayern gefahren war, wie er mit ihren Verwandten Streit hatte und wie er schließlich bemerkte. daß fie in Bad Wildungen eine neue Liebe hatte. Als sie zurückkehrte, habe sie ihn auf dem Botsdamer Bahnhof feines Blides gewürdigt. De fet er in größter Aufregung fortgestürmt. Er vermutete, bak ste zu ihrer Mutter nach Friedenau fahren würde und sei auch dorthin gefahren. Kurz vor dem Hause stieß er auf sie. Da habe er ohne Befiniung mitfeinem tleinen Taschenmeffer nach ihr gestoßen. Er selbst ist nach der Tat weggelaufen und hat sich am nächsten Tage der Polizei gestellt. bern hatte ihr Ausbleiben mit neroofer Ertrantung entDie Belastungszeugin Frau M. war nicht anwesend, sonfchuldigt. Es wurde daher ihre frühere Aussage verlefen. Sie be ftrettet darin, daß fie jemals ernstlich ans heiraten grtacht habe. Der Angeflagte fei ein brutaler und eifersüchtiger Mensch gewesen, der fie oft bedroht habe. Auch in Wildungen habe er gerufen:„ Einer von uns beiden muß daran alauben!" Nach der Befundung von Beugen ist der Angeflagte plötzlich angeraft gefommen, habe un artikulierte Laute ausgestoßen und dann mit dem Messer gestochen. Eine Zeugin will die Worte verstanden haben: Jezt habe ich dich!" Der praktische Arzt Dr. Freist stellte fcft, daß es sich um eine Wunde von 5 Zentimeter Länge und 5 Zentimeter Tiefe im Oberarm handelte. Gerichtsmedizinalrat Dr. Thiele hat den Angeflagten auf Veranlassung des Gerichts auf feinen Geisteszustand unter fucht. Das Motiv der Tat ist leicht ertennbar als feguette Leidenschaft. De§ 51 fomme nicht in Frage. Staatsanwalt schaftsrat Schmidt ließ die Anflage wegen verfuchten Mordes fallen und beantragte, den Angeflanten megen Körperverlegung mittels hinterlistigen Ueberfalls zu einem Jahr Gefängnis zu verurteilen. Das Gericht verurteilte den Angeklaglen wegen einfacher Körperverletzung zu neun Monaten Gefängnis unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft. Dem Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt, da er durch die Frau verführt und durch ihre plögliche Ablage in frankhafte Erregung geraten sei. zu lesen. Sie war die Tochter eines in der Papierfabrik des Herrn Hommes beschäftigten Hilfsarbeiters und seit ihrem fechzehnten Jahre in der Buchhaltung des Bankhauses Wag ner und Kolbenreiher angestellt. Am Vormittag hatte er persönlich die Jahresabrechnung über das Vermögen der Tante in der Buchhaltung geholt und dabei das Mädchen zum erstenmal gelehen. Jeẞt fizzt fie genau fo in sich verfchloffen da und liest, wie die fünfzehnjährige Ratharina im öffentlichen Parke gesessen hatte. Der felbe stillbewußte, ernste Blid, wie Katharina ihn heute noch hat. Nur jünger ist fie, Selbstverständlich viel jünger! Aeußerlich überhaupt ganz anders. Die Gestalt ist etwas voller. Aber dieser Blick!. Neue Jugend wächst heran und nimmt den Kampf auf," hatte er plötzlich gebacht. Hübsch ist sie. Sehr hübsch!... Nur eine Geldfrage... Allerdings ein ernstes Geschöpf. Gerade deshalb ungeIhrem Chef würde sie nicht widerwöhnlich anziehend stehen tönnen." Er entfleidete fie. Eine zwei Zentner schwere, weißhaarige Frau mit gewaltigem Busen stieg ein, setzte sich Jürgen gegenüber. " Der Hilfsarbeiter hat nichts als diese Tochter, die ihrem Chef gegenüber wehrlos ist." " Dafür für die Verhältnisse bin nicht ich verant wortlich... Das Leben brennt, ist wild und schön und da, gelebt zu werden." Und er überlegte, wo und wie er ſeine hübsche junge Angestellte verführen fönne. Weshalb lachen Sie?" frag'e er freundlich die dice Frau. " Das ist jetzt einunddreißig Jahre her," sagte die Alte und streckte lächelnd beide Hände vor. Herr Kolbenreiher, ich war die erste, die Sie in den Händen gehabt hat. So groß waren Sie." Alle Fahrgäste lächelten über die alte Hebamme. Das Mädchen wandte ein Blatt um, fah auf und Jürgen an, lächelte auch. Was tat ich denn? Wie war ich?"" Es geht doch nicht. Das fönnte einen öffentlichen Skandal geben. Und auch die Autorität ginge flöten." „ Gebrüllt haben Sie. Gebrüllt, sag ich Ihnen, nicht anders, als ob Sie am Kreuz hingen. Sie wollten nicht. D, Sie woll ten absolut nicht." Auch der Schaffner grinste." Endstation!... Genoffin, heut abend ist Bezirksversammlung. Erinnere auch deinen Bater," sagte er zu dem Bureaumädchen.( Fortsetzung folgt.) Reichskongreß der JNH. Das deutsche Komitee der Internationalen Arbeiter Hilfe hatte zum geftrigen Sonntag einen Reichstongreß nach Berlin berufen. Der Ende Januar geplante Kongreß hat zwar stattgefunden, durfte aber unter dem Ausnahmezustand nur bei Ausschluß der Deffentlichkeit tagen. Die gestern nachgehoite öffentliche Beranstal tung hatte den Charakter nicht einer Beratung, sondern einer Kundgebung. Man hatte zah'reiche Besucher durch die Ankündigung angelockt, daß Frithjof Nansen, Edo Fimmen, Bar. buffe( Frankreich), Prof. Grünberg( Wien) als Redner in Aussicht genommen" feien. Von allen diesen war jedoch niemand erschienen. Dafür beleuchtete Dr Kuczynski die jeßige Wirtschaftslage Deutschlands Tas deutsche Volk müsse die Gefahr neuer Hochschutzölle, nach denen schon die Landwirtschaft Schreit, rechtzeitig abwehren. Meta Kraus Fessel sprach über den Abbau der sozialen Fürsorge und die proletarische Selbst bilfe. Emonts vom Allgemeinen Verband der Bankbeamten und Angestellten scylderte die Not der Angestellten und Beamten. Den freien Gewerkschaften warf er vor, daß sie der JAH. nicht freundlich gegenüberstehen. Die Stellung von AFA. und ADGB. zu dieser Hilfsmöglichkeit müsse eine andere werden. Des Redners Mahnung zur Mitarbeit der Gewerkschaften an dem Hilfswerk wurde bei einem Teil der Bersammelten mit starkem Widerspruch und dem Zuruf: „ Gemverkschaftspropaganda!" aufgenommen. Mathilde Wurm berichtete über die Tätigkeit der JAH. Deutsch land hat jetzt 125 Ortsausschüsse. Als Vertreter der Stadt Berlin dankte Stadtrat Hinge der JAH. für ihre Tätigkeit. Am Nachmittag erörterte Münzenberg die nächsten Aufgaben der 3A H. Ihr Abbau sei wegen Fortdauer der Not noch nicht möglich. Münzenberg sprach auch über die Angriffe gegen die JAH. Hervorgegangen aus der kommunistischen Bewegung, fei fie eine überparteiliche proletarische Selbsthilfeorganisation. Sein Stärtster Grimm richtete sich gegen den Bormärts", befonbers gegen den am Sonnabend veröffentlichten Artikel über die JAH. Der in der Roten Fahne" von Münzenberg angefündiaten Klage wegen der angeblichen Fälschung" fchen wir mit der denkbar größten Ruhe entgegen. Er wird sich hüten, ein Gericht über die " Fälschung" entscheiden zu lassen. Nach Berichten der Bezirksausschüsse aus verschiedenen Teilen Deutschlands endete der Kongreß mit der Annahme zweier Ent. fchließungen. Die eine fordert Kampf gegen den Abbau der fozialen Fürsorge. Die andere behandelt die Fortführung und Um. geftaltung der JAH.- Arbeit Deutschlands. Der erste Schmetterling. Der Bedfel von Eis, Schnee und Feuchttälte, den uns diefer Mära so zärtlich spendet, ist dem üblichen Frühlingsahnen nicht förderlich gewesen. Immerhin scheint so etwas schon in der Luft au liegen, denn ein Zefer teilt uns mit, daß er gestern den ersten Schmetterling, b. b. einen Kohlweißling lebend unter einem Süchentisch gefunden habe. Db er durch das offene Renfter gelommen oder vielleicht in der Küche fich entpuppt hat, ist leider nicht festzustellen gewefen. Der Einsender hält diefe erste Frühlings. erscheinung am Ende eines harten Winters für eine gute Vorbe deutung zum Reichstagswahlerfolg der Partei, weil der brave Falter fi ausgerechnet einen Parteifunktionär für feine Bifite ausgesucht hat. Hermann Rich, ein alter rühriger Barteigenoffe, versammelte gestern im Krematorium Gerichtstraße eine Trauerverfammlung an feinem Sarge. Genoffe Richard Barth schilderte in bewegten Borten, was uns der Verstorbene dls Menich und Rollege war, während der Kreisvorsitzende vom Wedding. Genoffe Stadtrat Otto Frant, die unermüdliche, nimmer raftende Tätigkeit des Dabin gefchiedenen für den Sozialismus, besonders im ehemaligen 6. Berliner Reichstagswahlfreis, hervorbob. DP Das leidige Auf- und Abspringen auf fabrenbe Straßenbahn. wagen hat wieder zwei fwere Unfälle berbeigeführt. Der 31 Jahre alte Schriftfeger Erich Ganze aus Sböneberg fprang von einem in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 99 ab, tam zu Fall, geriet unter die Räder des An. bangers" und trug einen Armbruch davon. Das 88 Jabre alte el. Emilie Kern aus Neukölln tam bei dem Verfuche, in der Landsberger Allee während der Fahrt auf eine Elettriide" der Linie 64 zu springen, ebenfalls unter den Anhänger and zog sich eine ich were Quetidung der linten Süfte zu. Die Verlegte fand im Krankenhaufe Am Friedrichshain Aufnahme. Berloren eine braune Segeltuchtasche mit Beitragsmarken des Deutschen Fabritarbeiterverbandes in Neinidendorf von der Berliner Straße bis zur Echarnweberstraße. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche absu geben bei Ernst Buchholz, Reinidendorf, Scharnweberitr. 155, born I, oder im Berbandsbureau des Fabritarbeiterverbandes, Engelufer 24. Schneeffurm im Riefengebirge. Im Riefengebirge sind bei Sturm gewaltige Echneemassen niedergegangen. Auf dem Stamm liegt der Schnee gegen zwet Meter hoch. Großfener auf dem Bahnhof Bingerbrid. Gestern morgen 4 Uhr ist im Bahnhof Bingerbrid bet Bingen ein Groß feuer ausgebrochen. Berschiedene Uebernachtungsgebäude und Güterichuppen wurden ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr von Bingen und Bingerbrück sowie das Militär definden sich noch an ber Brandstätte. Die Entstehung des Brandes ist unbekannt. Explosion in einer italienischzn Zündholzfabrif. In Rosreo Canaveie bei Mailand erfolgte am Sonnabend in dem chemischen Laboratorium in der dortigen 8ündholzfabrit eine fchwere Explosion, aus der sich ein gewaltiges Schadenfeuer entwidelte. Die ganze Fabrit wurde ein Raub der Flammen, 23 Arbeiter, darunter 15 Mädchen, famen in den Flammen um. Groß- Berliner Parteinachrichten. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutſchlands, Ortsgruppe Berlin. Dienstag, den 18. März, nachm. 6% Uhr, Mitglieder perfammlung im Jugendamt, Boftftr. 16( am Moltenmarkt), 8immer 36. Tagesordnung: 1. Die Internationale fozialistischer Lehrer und Rinderfreunde. Ref.: Gen. Schröter. 2. Die Kinderfreunbebewegung. Ref.: Gen. Löwenstein- NeufBlin. 3. Abbau. Elternbeirate willtommen. Berufs fchullehrer treffen sich schon um 5 Uhr im felben Raum. Zentralarbeitsgemeinschaft ber fozialdemokratischen Elternbeiräte Berlins. Die gemeinsame Sigung mit der Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer findet nicht Dienstag, fondern erst Freitag, den 21. Mära, ftatt. Ort siehe Borwärts" Notiz. 7. Kreis Charlotterburg. Heute( Dienstag) 7 Uhr Gigung ber Zeitungs tommiffion, Gefenheimer Str. 1.- Am Mittwoch, den 19. März, pilnttlich 7 Uhr, im Sikungszimmer 1, wichtige Frattionssigung. Es wird bringend gebeten, pünktlich au fein, ba um 8 Uhr schon wieder eine zweite Sigung ftattfinbet. 9. Atreis Bilmersdorf. Dienstag, den 18. März, bei Schramm, Sohenzollern bamm 2, abends 7% Uhr, Gigung des Wahlkomitees; daran anschließend 8% Uhr Sigung des erweiterten Kreisvorstandes. Die für Dienstag in Aussicht genommene Streismitgliederversammlung findet am Donnerstag, ben 20. Mära, bei Rohr, 7% Uhr, statt. 14. Rreis Reukölln. Deffentliche Versammlung heute 7 Uhr im Rarlegarten: Tagesordnung: Schulnot, Ghulabbau und Schulreaktion". Referent Ge. noffe Stadtrat Dr. Löwenstein. Die file biefe Boche angefekte Arbeits lofenverfammlung findet wegen der zentralen Arbeitslofenverfammlung erft am 25. März statt. 13. Areis. Dienstag, ben 18. März, 7% Uhr, Kreisvorstandsßigung mit ben Abteilungsleitern bei Grahl, Berliner Str. 129. 3. Kreis Webbing. Mittwoch, den 19. März, 7 Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. 41. Kreis Schöneberg. Die für Mittwoch geplante Erwerbslofenderfammlung findet wegen der am Dienstag stattfindenden allgemeinen Bersammlung nicht statt. 1. Streis Mitte. Donnerstag, den 20. März, 8 Uhr, bei Lötschert, Reue Friedrichstr. 108, engere Kreisvorstandssigung. Frettog, ben 21. März, 7% Uhr, Sigung des erweiterten Areisvorstandes bei Spiegel, Aderstr. 1. Heute, Dienstag, den 18. März: 23. bt. 7 Uhr Funktionärkonferens( Bartel-, Betriebs- und Gewerkschafts funktionäre) im Musikalischen Fuchs, Joftyste. 7. Wichtige Besprechung der Bablarbeiten. GL Arbeiter- Sport Das Fest der Turnerinnen. Der Mädchen- und Frauensport bot am Sonntag auf dem Werbefest der Freien Turnerschaft Groß- Berlin ein vielseitiges und intereffantes Programm, das faft vier Stunden die zahlreichen 3u schauer fesselte. Punkt 3 1hr begannen die Turnerinnen mit einem Aufmarsch nach Musif. Dann wurde zunächst zwei Bereinen, die auf dem Gebiet der geistigen Kultur tätig sind, das Wort gegeben. Zum erstenmal wirft hier die Körper- mit der Geisteskultur zusammen. Dieser erfte Bersuch hat lebhaf'e Anerkennung gefunden und fellte daher weiter ausgebaut werden. Der Buchdrudergesang verein Typographia" brachte das Lied Empor zum Licht" zum Vortrag, und dann foote der Sprechchor für proletarische Feier stunden mit dem Weihespiel„ Erlösung" von Bruno Schön'ant. ein Aufruf an alle, herauszugehen aus der Straßen Enge in das Licht, und allerwegen ein neues Reich der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit erstehen zu laffen. Mit einem Frühlingslied leitet Inpographia" nunmehr zum fnortlichen Brogramm über. Schnell nehmen die Turnerinnen Aufstellung und zeigen unter den Klängen der Vereinstapelle rhythmische Freiübungen. Ein allgemeines Riegenturnen zeint uns leichte und schwere llebungen, wie sie an jedem Turnabend geübt werden. Tas Musterricanturren brinet aute Pei" umeen he fonderes Intereffe finden die Pyramiden von Wedding mit 24 Teil nehmerinnen. Die Sportferinnen zeigen einen Stillauf und sport. fiche Trainingsübungen scheinbar sehr einfache, aber doch ziemlich anftrengend. Bei den Sonderporführungen hringt Often eine aller liebste Neuheit durch sein Pferdchenfniel, das besonderen Beifall findet. Das Keulenschmingen von Wedding wie die Stabübungen von Norden fönnen es fehr gut mit den Uebungen der Männer auf nehmen. Die nun folgenden Wettläufe, 10 x 40 Meter Bendel ftofette) bringen bei den ersten Mannschof'en Süden den Sien in 1,30 min., bei den zweiten und dritten Mannschaften fiente Often in 1,810 Min. und 1,5 Min. Der Mannschaftshochsprung zei- te, daß hier das Training noch mehr einfehen muß das Goringen über die Batte schien mandem noch ungewohnt. Das befte Resultat war Often mit 116%, dann folg'en Morder I mit 115%. Wedding mit 114%. Norben II mit 113 Rentimeter Eine leberraschung brachte das Hardballwettiniel Süden- Wedding mit 1: 0 Bunkben. Wedding fonnte infolae der Aufmertiamfeit der Tormächterin non Süden feinen Ball einsenden, während Süden einen schwachen Moment Weddings zu einem Tor ausnußen fonnte. Nech offeemeinen Spielen fand die ausnerehnte, aber immer intereffante Beranstaltung ihr Ende, die hoffentlich recht viele neue Anhängerinnen unter den anwesenden Damen gewonnen hat. Wandern. Das Jugendamt der Stadt Berlin veranstaltet Dom 19 März bis 18. Mai den 4. Städtischen Wanderführerlehr. gang, der allen Wander- und Turnvereinen bestens empfohlen werden fann. Am 19. März eröffnet der Direktor des Jugendamts, Dr. Häusler, den Lehrgang in der 24. Gemeindeschule. Anschließend mird der Film„ Ich fahr in die Welt" nezeigt. Von den meiteren Bortrags hemen an folgenden Abenden heben mir hervor: Schwimmen und Baden auf der Wanderfahrt. Der Wanderer als Schönheitssucher, Wetterkunde, Geländefunde und Kartenfefen, Winterwondern auf Schneeschuhen, Erste Hilfe, Souren der Eiszeit in und bei Berlin, Wald und Wandern, Bom rechten Sehen beim Wandern und von märkischen Dörfern, Heimatlagen und Märchen ufm. Direktor Archenhold hält in der Sternwarte Treptow einen Vortrag über Allgemeine 2ftronomie und Orientierung nach ben Sternen. Besonders intereffieren merden auch die Führungen durch das Märkische Museum, durch Alt- Berlin. eine Wanderung durch die Dubrow mit llebung im Stizzieren, Führung durch die Staatliche Sammlung für Volkskunde, Bonelkundliche Wanderung durch das Galmer Luch. Botanische Wanderung durch das Blagefenn, GeofoMehrtägige eische Wanderung nach Sperenberg( Gipsbrüche). Wanderungen finden sta't vom 5. bis 8. April nach Rheinsberg mit Besuch von Jugendherbergen, Fahrtenbetrieb. Tageseinteilung, Fahrtenbetrieb. Tageseinteilung, Kartenlesen, Stizzieren ufm., am 26 und 27. April nach der Märkischen Schweiz als llebungswanderung im Startenlesen und Gefärdetunde. Anmeldungen zu diesem Wanderführerlehr and fi- d schnellstens in der Hauptwanderauskunftsstelle im Jugendamt, PostStraße 16, 3immer 28( 8-4 Uhr, Montags und Donnerstags 8-8 Uhr) und in den Wonderauskunftsstellen sämtlicher Bezirks jugendämter abzugeben. Die Teilnehmergebühr beträgt für den ganzen Lehrgang 5 Mart. A städtischen Lyzeums, Greifswalder Str. 24/25, und am Freitag, den 21. März, im großen Gigungsfaa! des Bezirksamts Kreuzberg, Dord Straße 11, abends 7 Uhr, je eine Sonderaufführung des Films statt, wozu Ein'aktarten in der Hauptwarberausfunftsstelle des Jugend amts, Boftstr. 16, sowie an der Abendkasse zu haben sind. Zum Thema Fichte". Ein Parteigenosse schreibt uns: Wenn man alle Lage in der Bresse lesen muß, daß die Kom munisten alles, was unfere alten Genoffen aufgebaut haben, zunichte machen, sei es in der Partei, in Gesangvereinen, Wander- oder Ruderflubs, furzum alles zerschlagen wollen, dann fann ich es vera stehen, daß sich die Kommunisten start genug fühlen, auch den Turnverein Fichte" ganz an sich zu reiken. Dieses wurde mir auch bestätigt durch das Hallensportfest am 10. März 1924. Am Saaleingang fah man einen Tisch mit nur kommunistischen Schriften. Wer hätte wohl auch dagegen etwas einzuwenden. Ich hätte aber sehen mören, was daraus geworden wäre, wenn ein Genosse der VEPD. feine Schriften dort ausgelegt hätte. Sehen Nur was wir es doch öfter in den Verfommlungen. Alles Berrat. aus Moskau tommt. ist das Wahre. Ich habe drei Kinder im Turnverein Fichte", und habe mich gefreut, mit allen anderen, die da waren, über die Leistungen, die geboten wurden. Manche Eltern und Bfleneeltern waren von dem Gebotenen überrascht. Affo nicht nur be Kinder der KPD.- Genoffen, sondern auch der BSPD. und bie der anderen Ge offen wirten in diesem Berein mit. Borum nun die einseitige Einstellung? Die Leitung des Vereins wird diese nicht zuneben. Es tommt aber doch so, daß wir nur vor die vollendete Tatsache aestellt werden. Dem Vorstand des Vereins Fichte" möchte ich den Rat geben, es nicht zu weit zu treiben, denn die sozialistischen und nichtsozialistischen Eltern mürden sonst gezwungen fein, ihre Maßnahmen zu treffen. Genossen und Genoffinnen, geht in die Elternabende und macht dort euren Einfluß geltend." Zu unserer Feststellung, daß die Sportrebaftion des„ Borwärts zum Hallensportfest des Vereins Fichte nicht eingeladen wurde, teist uns die Vereinsleitung mit: „ Der unter dem 5. März an die Redaktion gefandte Artifel un'ererfeits mit Eirladung der Redaktion ist in Ihre Hände gelangt; berfelbe ist am 7. März von der Redaktion veröffentlicht. Der Bericht unter dem 11. März. bestätigt noch einmal den Empfang des Briefes". Dementgegen ftellt die Redaktion nochmals feft, daß eine Ein ladung nicht in ihre Hände gelangt ist. Ausschreibung zum Straßenlauf Neukölln. Die Freie Turnerfdaft Reu? BIIn Brig labet hierbird But bem am Sonntag, den 13. April, nachmittags 8 Uhr, stattfindenden Straßen lauf burch Neutsun ein. Ausgetragen werben auf einer Laufftrede von 6200 Meter: 1. Große Stafette: 16 Läufer mit bestimmtem Bedfel fite Sportler. Einzelstreden: 6X200 Meter, 5X300 Meter, BX400 Reter, 1X800 Meter und 1X1500 Meter. 2. Große Stafette für Jugenb. Tiche. Einteilung wie zu 1 3. Eingellauf. 4. Gehen. Ferner: 5. 10X100- Meter- Stafette filr Sportlerinnen. 6. 20X100- Meter- Stafette für diler und Schülerinnen. Offen für alle dem Arbeiter Turne und Sportbund angeschloffenen Breine. Bertung der großen Stafette gemä Klaffeneinteilung der Leichtathletikvereinigung bes 1. Rreifes nach Klaffen A, B, C, D und Turner. Gemeinsamer Start. Startgelb: Einzelläufer und Geher 50 Bf.: große Stafette, Sportler 2 M., Jugendliche 1 M.; Sportlerinnen- Stafette 1 M.; Rinder- Stafette frei. Melbungen bis Alles aum 5. April an Alfred Dehmel, Neukölln, Bertelsdorfer Str. 6. Nähere nach Eingang der Meldung. der Sportliche Bereinigung Roland, S. 113, Scherenbergftr. 24. Für unfere 1. und 2. Fußballmannschaft fuchen wir filr April Spiele auf unserem oder des Gegners Blak. Rufchriften an vorbezeichnete Geschäftsstelle. Freie Ranufahrer Berlin( Mitgl. b. Fr. Ruder- u. Ranubundes, A.-L. u. Sp..B.). Ab 1. März finden die Mitgliederversammlungen jeben Freitag nach dem 1. und 15. jeden Monats im Bereinslokal Jbeal- Alaufe, Reukölin, Marefchstr. 14, pünktlich 8 Uhr, ftatt. Nächste Mitgliederversammlung Frei tag, den 21. März. Dortf: lbft Aufnehme neuer Mitglieber. Am 29. Märs findet bas 2. Stiftungsfest in den Paffage- Sälen, Neukölln, Bergstr. 151-152, ftatt. Am 6. April Anpaddeln nach Grünau( Ort wird noch bekanntgegeben). Die Sportsgenoffen, die einen Bootstand in Grünau beziehen wollen, müssen Rich in der nächsten Mitgliederversammlung melden. Rann- und Segelabteilung FSC. 04, E. B. Am 22. d. M., abends 8 Uhr, Am Sonne außerordentliche Generalversammlung bei Bohne, Schloßftr. 45. abend, den 29. b. M., findet die Gründungsfeier im großen Gaal der Bau genoffenfchaft, Westend. Rönigin Elifabeth- Str. 6, statt." Einlaß 7 Uhr. Gäste aus Brudervereinen herzlichft willkommen. Wilbaner Straßenftafette. Zu dem Straßenlauf Bichwalbe- Schenkendorf Tegen bis jet 10 Mannschafts- und einige Eing Imeldungen vor. Im Inter effe der Werbewirtung läge es, wenn noch einige Mannschaften melden würden. Ausschreibung im Arbeitersport. Meldungen werden noch bis Sonnabend, den 22. März, entgegengenommen. Resultatverkündung auf dem am Abend flatte findenden Werbeabend der Frauenabteilung. Berliner Echwimm- Union 1913. Am Donnerstag, ben 20. Mära, abends 74 Uhr, findet im Bereinslokal von Torno, SO. 16, Midaellirchstr. 28, die Fortfchung der vertaaten Sigung vom 13. 6. M. ftatt. Das pünktliche Gr fcheinen fämtlicher Mitglieder über 17 Schre ist unbedingte Bflicht. Eintrittstarten& 1 M. Au unferem am 6. April stattfindenden Böfen- Buben Ball werden in ben Uebungsstunden ausgegeben. Touristenverein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin, e. B. In das Gebiet des Wanderns und der Jugendherbergen führt uns ein neuer Film: Ich fahrin die Welt!", der als Werbe film für alle Freunde des Jugendwanderns vorzüglich geeignet ist. Wir wandern mit den Burschen und Mädels hinaus, begleiten sie auf den Touren durch die engere und weitere Heimat, bei frohen Liedern und Vollstänzen, und lernen auch die Jugendherbergen und vieles andere fennen. Der Film ist mehr als 1000 Meter lang und fann von Bereinen zu Aufführungen von der deutschen Licht bildgesellschaft, Berlin S. 48, Kraufenftr. 38'39. entliehen werden. Ein Verzeichnis der dozugehörigen Lieder und Bollstänze fann gegen Unfostenerstattung durch die Hauptwanderauskunftsstelle des Jugend amts, Berlin C. 2. Poftftr. 16, bezogen werden. Am Mittwoch, den 19. März, findet im Festsaal der 24. Gemeindeschule, Hinter der Garnisontirche, Donnerstag, den 20. März, im Festsaal des König. 48 Uhr flatt. 74. Abt. Behlenborf. Bünktlich 8 Uhr bei Midien, Botsdamer Straße, Maragebent feier. Anfprade. Rezitationen von Freiheits- und Revolutionsgebichten: Hans Fuhrmann; Bolkslieder zur Laute: Agnes Fuhrmann. Alle Mitglieber, einschließlich ber Frauen und Jugendlichen( nicht Rinder, wie burd) ein Bersehen der Gegerei mitgeteilt wurde), beteiligen fich. Bother 7 Uhr bort Berfammlung aller Funktionäre. 102. Abt. Baumschulenweg. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Hak, Baumschulen. Straße 72. Jangfozialisten. Genvpe Tempelhef- Marienborf: Die Gruppe beteiligt Rich ge Schloffen an der Märafeier der Partei in Mariendorf, Gymnasium, Raiserftraße 21. Beginn 7 Uhr. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 18. März: 18. Kreis Weißenfee. 7% Uhr, Realgymnasium, Wildpromenade, Bortrag des Genoffen Wuschid über: Die Frauen und die Reichstagswahlen. 57. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr bei Tichauer, Rantstr. 187, 1 Te., Lefe abend. 79. Abt. Echöneberg. 7½ Uhr bei Grok. Gebanstr. 17. Fortfehung des Bor trages der Genoffin Rozowre:: theprobleme." Gäfte willkommen. Morgen, Mittwoch, den 19. März:, 16. bt. 7% Uhr Wahlhelferversammlung bei Döhling, Brunnenstr. 79. Alle Mitglieder find eingeladen. 25. Abt. Mittwoch abend 7 Uhr in der Schulaula. Bökowftr. 40, außerordent liche Mitgliederversammlung. Bericht vom Bezirksparteitag. Die Be girtsführer laden hierzu ein. 38. Abt. 7% Uhr bei Gohlke, Friedrichsberger Str. 22, Gihung der Bildungs. tommifion. Die Bezirksführer find verpflichtet. die Mitglieder der Kommiffion einzuladen. 49. Abt. Sawerhörigengruppe. Pünktlich 7.Uhr Versammlung im Jugenbheim Lindenstr. 3. Sof 3 Tr. Referent Genoffe Riefde. 58. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr im Lokal Gerbes, Bassaner Str. 3, außer ordentliche Funktionärkung. Erscheinen Pflicht. 82. Abt. Steglig. 7 Uhr bei Schelhafe, Ahornftr. 15 Mitglieberverfammlung. Bortrag des Genoffen Rotang: Die Arbeiterbewegung in Desterreich. Der engere Borstand fowie die Borfitenden der Kommissionen und Aus fayillie treffen fich im aleiden Lotal 1 Stunde früher. 84. Abt. 2antmik. 7½ Uhr Funktionärsikung bei Runze, Riethenstraße. 92. Abt. Rentölu. Bünktlich 7 Uhr bei Wolf Raiser- Friedrich- Str. 173, Funktionärsigung. Erscheinen aller, auch der Gruppenführer, unbedingt Pflicht. 118. Abt. Lichtenberg. Die file Mittwoch angefekte Abteilungsfunktionärver. fammlung findet am Donnerstag, den 20. März, 7 Uhr, bei Tempel, Gudrunstr. 7, statt. Erscheinen aller Funktionäre Pflicht. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 19. März: 3. Kreis Webbing, 7% Uhr in der Rataoftube des Ledig nheims Grönstedt. Straße 1, Bortrag des Genoffen Weimann über Die Kinderfreunde. bewegung". Die Abteilungleiterinnen treten Stunde früher au einer wichtigen Gigung aufammen. Die Am Mittwoch, ben 19. Mära, abends 8 Uhr, findet in der Schule Gipsstr. 23s die Bildungsausfußfikung ftatt. Tagesordnung: 1. Arbeitsberichte. 2. Unsere Arbeit im Gommerholbiahr. Alle Berliner Abteilungen milffen unbedingt vertreten fein. bt. Rofenthaler Borkadt. Dienstag, ben 18. März, abends 7% Uhr, im Landsgemeindehaus, Sophienste. 23, März 26. März findet nicht in der Weinmeisterftraße, fondern in der Schulaula Sinter ber Garnisonkirche 2. zwischen Alexanderplat und Börse, abends aebentfeier. Regitationen. Gesana. Die Monatsversammluna am 31. Abt. Friebenen. 8 Uhr in der Schule Goßlerstraße Bortrag ber Genoffin Sodann über Die uneheliche Mutter". 85. bt. E- mpelhof. 7% Uhr bei Bufe, Raifer- Wilhelm, de Berberstraße, Lefeabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 6. Abt. Genoffe Petermann ist verstorben. Die Einäscherung hat bereits ftattgefunden. 23. bt. Reutöfn. Genoffe Abolf Färber ist plöglich infolge Betriebs unfalls verstorben. Die Einäfd eryna fand bereits ftatt. Wir verlieren an ihm ein altes, pflichteifriges Barteimitglied. Juaendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Wir bitten, Joweit bas noch nicht von den Abteilungen gefchehen ist, um gehenb bie Abr chnung der Konzertkarten vorannehmen. Ferner bitten wir, für unsere Theatervorstellung am Sonntag, ben 6. April, im Wallner- Theater ( Bahnhof Janowikb: üde) zur Aufführung von Fauft" von Wolfgang v. Grethe bie Eintrittstarten abzuholen. Heute, Dienstag, den 18. März, 7% Uhr: Renkölln VI: Echule Raiser- Friedrich- Str. 4, Bortrag: Der 18. März und mir". Brenzlauer Vorstadt: Badeanstalt Oberberger Str. 57, Vortrag: Die Revolution in der Did tung". Reinickendorf- Oft: Seebad Residenzftr. 46, Glasbrenner- Abend. Rofenthal: Echule Echillerstraße, Dish: ffion: Warum bin ich in der SAJ.?" Echöneberg 1: Schule Rubens-, Ede Hauptstraße, Diskussionsabenb( Fortsekuna). Etaaten: Jugendheim Bahnhoffte. 30a, Bor trag: Bas ift Sozialismus?" Steglih: Jugendheim Albrechtstr. 46. Bor trag: Das Sozialifiengesek". Spandan: Jugendheim Neuendorfer Str. 37, Distuffion: Unsere Rörperpflege". Weften: Badeanstalt Dennewigstraße ( Rinderhort), Bortrag: Revolution von 1848". Dortrace. Vereine und Verfommunen. Gemeinschaft pro'eterischer Freidenfer. Freidenferschule. Dienstag, 18. Wä 3, 7½ 11 r. Oberrealfdule, Riede wallftr. 12, am Spittelmarkt: Bortrag des Genofien Dr Riische Her Sozialismus und Tradition". Briefkasten der Redaktion. 6. 2. 100. Bund der Rinderreichen. Geschäftsstelle: Charlottenburg, Raiser Friedrich- Str. Gla. Cine 8weigftelle Rozben tennen wir nicht. Wirtschaft Anfurbelungskredite. teuert fich wieder die Inlandsproduktion; ber geduldige Konsument wundert sich über die hohen Warenpreije. Wir brauchen den Unternehmerabbau! Nicht nur ins Rapital der deutschen Wirtschaft ist durch die Inflation Waffer gepumpt worden, auch die Industriefepitäne find häufig nur friegs und Nachkriegsersatz, dem es leider sehr schwer fällt, sich wieder an ehrliche Arbeit zu gewöhnen. Beiter müssen die immobilisierten Berdienste der Bapiermart. epoch wieber in Bewegung gesetzt werden. Die Betriebsorganisation muß zu ihrem alten Rechte tommen, die Direktoren vom neuen Typ, bie nie über ben Bierstundentag hinausgefemmen find, müssen ver fchwinden oder mögen wenigstens wieder mit ber Straßenbahn fahren. R altulation und Qualität muß gepflegt werden. fahren. Kaltulation und Qualität muß gepflegt werden. Werden die Arbeiter ordentlich bezahlt, dann fönnen sie auch anIn der Inflationszeit ergaben sich recht eigenartige Krankheits tifder unserer Wirtschaft. Sie meldeten, so unterschiedlich sie waren, dennoch übereinstimmend die Aufloderung, ja Herablegung der Sub. stanz. zugleich damit aber auch die Störung ihres Blut Preislaufes. Diese wurde in ihren Auswirkungen, z. B. im heut gen Kreditmangel, bisher nur ungenügend beachtet. Hier fei im besonderen auf zwei Ursachen dieser Not hingewiesen, die gleiche weise in der früheren Festmortzeit unmöglich waren. Früher bildeten sich die entscheidenden Mengen des Unternehmungsprofits in produftives, in arbeitendes Kapital um, fie dienten der Anftändige Arbeit liefern! reicherung der Wirtschaftsfräfte. In der Papiermort, Epoche" wandelten sich die Gewinne entweder in sogenannte Test- oder Sachwerte-ober sie gingen in früher nie gefanntem Uinfenge in den Verbrauch über. Wir wissen natürlich, daß mit der Beseitigung der von uns ge fchilderten Fehler der Wirtschaftsführung die Rreb'tnot auch nicht völlig behoben sein wird, aber es werden auf jene Art Anturbe lungskredite frei. Leider fönnen die während der Infla tionszeit verschleuderten Berdienfte und Kapitalerhöhungen- Be zugsrechtprämie der Aktionäre usw. faum in nennenswertem Umfange zurüdgeholt werben.( Die Besteuerung dieser Gewinne ist nur fehr mangelhaft gelungen.) Aber dennoch laffen sich genug Sünden wieder gutmachen; es gehört nur etwas Mut und Rüd. fichtstofigtei! dazu, nicht mehr als gegenüber den Arbeit. Rurt Heinig. nehmern heute gang und gäbe ist. Für ein Kalihandelsmonopol. Ein Beispiel für jene Berluderung unserer Wirtschaft ist die natricgsübliche Methode der Karitalserhöhung n. Früher bedeutete im Normalfall die Kapitals erhöhung einer Attiengesellschaft eine Bergrößerung des in thr arbeitenden Rapitals. Die Borschriften des Handelsgesetzbuches verknüpften daraus fogar die Verstärkung der Reserven. Die Differenz zwischen Rominairert der jungen Akten und deren Ausgabeturs floß in den Rüdlagen fonds. Während der Inflationszeit wurde mir sehen von den einzelnen Entwidlungsstadien diefer Rapitalverschleuderungen ab die Spanne zwischen Ausgabe furs und Börsen furs zugunsten des Aktienbesitzes ständig vergrößert. Der tatsäch the KaDer Berbanb ber Bergarbetter Deutschlands pitefzuwachs aus Repitalerhöhungen war so für die deutsche Wirt hat an den Reichswirtschaftsminister eine Eingabe gerichtet, in der schaft, im besonderen 1923, zuletzt gleich Null. er an Hand ron statistischen Angaben und von Zeugniffen der bür. betrug der Kapitalbedarf der deutschen Aktiengesellschaften und Gegerlichen Preise die fatastrophale und verworrene Lage schildert, in gerlichen Preise die fatastrophale und verworrene Lage schildert, in fellschaften m. b. 5. zwar 210 843 390 000 000 Mart. Das waren die die Kaliwirtschaft geraten ist. Die Preispolitit des Rali aber, umgerechnet, nur rund 30 000 Goldmart! Sie flossen rund fynditats ist falsch gewefen und bis auf den heutigen Tag 15 000 Aktiengesellschaften und 73 000 Gesellschaften m. b. H. zu. Im falsch. Die künstliche Hochhaltung der Kolipreise hat das Gründungs. Durchschnitt also rund 35 Goldpfennige. Im Monatsdurchschnitt fieber bis zur Siebehize getrieben; die weitere Hochhaltung ber 1913 waren es bageren über 100 Goldmillionen, alfo pro unter Breise muß ben sollständigen Busammenbruch der deutschen Kaliindustrie unbedingt zur Folge haben. Die Eingabe verweift auf die wachsende Konkurrenz des Auslandes, das bereits jegt in der Lage ist, feinen Absatz zu vermehren. nehmen 3500 Goldmart! Im Oftober 1923 Die Kapitolserhöhungen des Oftober 1923 erbrachten unter Ein rechnung der Bezunsrechte etwa 3 Millionen Godmart, bis auf einen Rest von 30 000 m. floß diefes Gold nicht den Unter. nehmungen als zufakliches Kapital in den Betrieb, sondern den Aktionären in die Tasche und damit im wesentlichen in den Berbrauch. Aber auch die Unternehmungsgewinne felbft gingen in früher nie gefanntem Ausmake in den Berbrauch, im besonderen in den Lurusbedarf, über. Tevere Lebensgewohnheiten, vom Automobil bis zu Balutoreifen, mündeten zunehmend allgemein im Untoften konto der Unternehmungen. Die Unternehmer spekulierten auf dem Rücken ihrer Betriebe! Daneben wondelten sich die Gewinne, im befonderen die aus dem Exportgeschäft. soweit sie nicht direkt die Gestalt von Devisen später Auslandsbeteiliaun en und Auslands" beteiligungen im In'ande annahmen zuleht blindlings in wilder Jagd zu Feft und Sachwerten. Dabei wurde weniger auf verstärkte Material vorräte ufw a's mehr auf Beraröherungen, Anniederungen, Fu fionen, aber auch auf Bauten und Neuausstattungen gesehen. Das gab natürlich auch Arbeit, aber teine unbedingt produttiv weiter wirkende Arbeit. Biele sogenannte Sachwertanlagen" find so nichts anderes als Kapitalbegräbnisse geworden. Die Raliinduftriellen haben die heillos verworrene Lage, von ber ber Generalbirettor Forthmann vom Ralifynditat in einem Beitunos titel gefprochen hat, felbft geschaffen. Von ihnen ist nach ändnis einflußreicher Synditatsmitglieder nicht au er bem warten, fie einen Ausweg finden. Der Bergarbeiterverband verlangt beshalb vom Reichswirtschaftsminister, der die Oberaufficht über die Kaliindustrie führt, die Berreichlichung der Raliindustrie, mindestens aber die beschleunigte Einführung eines Reichstalihandelsmonopols, um die Rallindustrie von einer nahe bevorstehenden Ratastrophe zu schützen. Die Forderung ist nach der Mißwirtschaft, die durch die tap talistische Spekulation mit einem ber foftbarsten Rohstoffe der deutschen Wolfs, und ins besondere der deutschen Landwirtschaft eingeriffen ist, nur allzu besondere der deutschen Landwirtschaft eingerissen ist, nur allzu berechtigt. Krach im Kalifyndikat. Im Kalifynditat ift der Konflikt, der sich feit längerem vor. bereitete, nun endlich ausgebrochen. Der bisherige Generalbirefior des deutschen Kalifynd fats, Wilhelm Forthmann, ist aus dem Borstande des Deutschen Kalifunditats ausgeschieden. Neu ein getreten in den Borstand sind auf Grund eines Beschlusses des Auf fichtsrats die Herren Kurt Jung, früher langjähriger Direktor des Ostelbischen Braunfohlen. und Brikettsyndikats, später Dirigent im Reichswirtschaftsministerium, und der Großlaufmann August Diehm, zurzeit in Amsterdam. richteten in Sozialistische Balkankonferenz. in Luxemburg am 17. Februar beschlossen, eine internationale Konse Die Erefutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale hatte reng ber fozia iftlichen Parteien der Balkanländer einzuberufen und als ihre Vertreter die Genossen Friedrich Adler und J. 3ere telli zu entfenden. Die Konferenz tagte in Bufarest am 11., 12. und 13. März. Als Vertreter der sozialdemokratischen Ba.tei Bulgariens waren die Abgg. Janco Satafoff, Affen 3antoff und Dimir Neitoff, als Vertre er der sozialistischen Partei Südflamiens Abg. N. Divac und Dr. Zivko Topalovic, als Ber reter der Föderation der soziolistischen Partei Rumäniens die noffen J. Flueras, 3. Moscovici und Abg. Dr Pistiner erschienen. Außerdem nahmen als Zuhörer cne Anzahl Mitglieder der Parteivorstände der rumänischen und bu garischen Partei teil. Rach überaus eingehender Untersuchung der Entwicklung der Politit der bulgarischen sozialdemokratischen Bar'ei wurde eine Erklärung der bulgarischen Delegation abgegeben, die u. a. sagt: Bulgarien ist ein vorwiegend agrarisches Band. Es en spricht daher den demokratischen Grundsägen, daß die Bauern einen entsprechenden Eirfuß auf die Gestaltung der Politik üben. Unter der Regierung Stambuliistys war aber weit darüber hinaus. unter dem Vorwand, eine Herrschaft des Bauernstandes zu errich'en, die Willkürbittatur des fleineren Teiles des Bauerntums zur Wirklichkeit geworden, und es war daher felbstverständlich, daß alle demokratischen nicht nur die städtischeh Elemente, ohne Unterschied der Partei( Sozia demokraten, Kommu nisten, Bürgerliche), zu immer schärfer werdender Opposition gebrängt waren. Der Gegenfag zwischen Stadt und Land wurde auf das unerträglichste aefteiger', indem die Partei Stambu liiffys versuchte, auch die städtische Verwaltung ihrer diktatorischen Herrschaft zu unterwerfen. Schließlich hat die Regierung Stambuliiffns, die immer größere Bolksmaffen zu Gegnern befam, Bahl glud und den Regierungseinfluß entscheidend an Stelle des Proportionalmahlrechts ein Wahlrecht gefeß, das das werden läßt. Durch die Einführung der Wahl pflicht wurden die indifferenten Elemen'e zwar au politischer Tätigkeit herangezogen, aber zunächst die Indifferenz zu politisch großem Einfuh gebrach Bergewaltigung der städtischen Bevölkerung und Berlassen der Demokratie durch Stambuliiffy, das waren die Wurzeln, die den Staatsffreich 3antoffs in großen Massen ber Bevölkerung als Befreiung aus brüdender Ohnmacht erscheinen ließen. Die sozialdemokratische Partei hat sich als folche am Staatsstreich nicht betei igt, ja, eine Reihe maßgebendster Mitglieder des Parteivorstandes waren in vollständiger Unkenntnis über die Bläne der als Bersonen in den Blan eingeweiht worden. Die Parteileitung Berschwörer. Einzelne Mitglieder der Partei waren allerdings war aber. nachdem der Umsturz vollzogen war, nicht in der Lage, fie wegen dieser Handlungen, die fie unter Gefahr ihres eigenen Bebens unternommen hatten, zur Berantwortung zu ziehen, sondern im Gegen'eil fab fich die Partei gezwungen, in diesem Moment die mitverantwortung in der neuen Regierung zu übernehmen, um den Bürgerfrieg zu begrenzen und der Gefahr von Belegungen durch auswärtige Mächte zu begegnen. Durch die Teilnahme der Sozialdemokratie wurden bie realtionären Nationalliberalen aus der Regierung ausgeschaltet. Die Regierung Zankoff war bei weitem feine fozialdemokratische Regierung von zehn Mitgliedern war nur eines Sozialdemokrat, aber diese Regierung war in diesem Moment die einzige, von der wir hoffen fonnten, daß sie den Weg zur Berwirklichung der Demokratie finden werde. wollen wir nicht sagen, daß wir alles, was diese Regierung getan bat, verteidigen können. Sehr vieles ift gegen unseren Wunsch, gegen unseren Rat und gegen unsere Stimme geschehen. Vor allem müssen wir es ablehnen, für die Damit Greuelfaten, die der Bürgerkrieg, wie jeder Bürgerkrieg. zur Folge hatte, irgendeine Berantwortung zu übernehmen. Die Pficht zur Wahrbeit zwingt uns aber, auch zu erf.ären. daß, was auch immer an beflagenswerten Greueltaten geschehen ist, soweit wir bisher festftellen konnten, die Verantwortung der Regierung hierfür nur eine indiret'e ist, daß es sich um Ereignisse gehandelt hat, die sicher nicht im Auf.rage der Regierung und die ohne Wiss n der Regierung erfolgt sind. Wir haben vom ersten Moment der Unterdrückung des Septemberputsches auf die Regierung eingewirkt, damit Verhaftungen aufgehoben und Opfer vermieden werden. Wo dennoch Beklagens. wertes geschehen ist, haben wir die strengste Untersuchung verlangt. die Dienste des Reichslandbundes über, wo er die Leitung der Die Arifel in unserer Presse werden von unseren fommunistischen Ein- und Verkaufsgesellschaft übernimmt. Damit stoßen wir auf eine bisher zu wenig beachtete Ursache unferer Kreditnot. Biele Unternehmungen, die fich in der In flationszeit zu Konzernen, ja ganzen Trufts ausdehnten, erstiden heute geradezu in der Verkettuna ihrer Interessen, die nur halb verwertbar sind, deren geringe Brobuftion aber die Untoften auch der stilliegenden Tele ihrer Betriebe mit tragen muß. Jeder Dampfteffel. beffen Heizfähigkeit nur zur Hälfte ausgenutzt werden Der Austritt des Genera direttors Forthmann aus dem Kalifann, jede Fabrit, beren neu angebauter Flügel voll ruhender Mannbifat geht auf persönliche Differenzen zurüd. Die Met chinen steht, jedes Direktionsbureau mit feinen üblich gewordenen, nungsverschickenheiten in der Preisfrage, über die wir seinerzeit be fie alle stellen aber nur halb beschäftigten Direktionsassistenten Forthmann war Anhänger einer mäßigenden Bre's hohe Untoften bar, die durch die derzeitige geringe Probuftion politit im Sonbitat, haben jedenfalls teine entscheidende Doll mit eingebracht werden müffen! Rolle gespielt. In der Landwirtschaft ist es ebenso. Im Jubel über die Herr Forthmann tritt jetzt ebenfalls als Generaldirektor rasch verdiente Bapiermark wurden nicht nur die Hypothekenschulden abgedeckt, der Hof wurde vergrößert, neue Scheunen gebaut, größere, bollkommenere Ma'chinen gefauft. Sehr häufin ftand biefe Ent. mid'ung im Mißverhältnis zur Größe der landwirtschaftlich genugten Fläche des Betriebes. Heute muß so mit dem modernen Pflug, der zwei Bugtiere verlangt, dort gearbeitet werden, wo früher eine tie rische Kraft ausreichte. Der Weg vom Futterboden zum Biehstall, Aur Schnißelgrube, die Pflege der großartigen neuen Maschinen bas ist alles moderner, aber häufig auch umständlicher, mehr Zeit und Menschen benötigend als früher. Es darf nicht vergessen werden, daß in der Landwirtschaft, trotz aller technischen Neuerun gen, immer die Handarbeit entscheidender Kostenfaktor bleibt. Go ist auch in der Landwirtschaft die hikioe Modernisierung", die Flucht Weiz ngries in die Sachwerte, in Wahrheit häufig Sturz in eine Fall. grube geworden, aus der die dort sich ansammelnben investierten" Berdienste der Inf'ationszeit faum heil herauszuholen find. Sie zehren aber an der Betriebskraft, treiben die Unkosten hoch und laften auf den Preisen. Die Entwidlung der Auslandsbeteiligungen ftreiften wir schon. Sie ist in ihren Bahnen bestimmt worden durch die Umstellung un ferer gesamten Wirtschaft auf den Dumpingerport. Wie lag es aber mit unserem Export in der Friedenszeit? Abgesehen von den spezifischen Exportbranchen wurde in der deutschen Industrie für den Inlands markt gearbeitet. Erst wenn ein Betrieb im Inland für seine Woren nicht mehr vollen Absatz fand, dachte er an den Erport. Die Untesten des auf diese Art in voller Beschäfti. gung gehaltenen, alfo rationell arbeitenden Betriebes lagen weiter im Preis der In'andsware, der Exportanteil der Produktion, fonnte dann auf dem Weltmarkt auch unter Selbsttoften abgelegt werden. Der Gewinn lag in der Bollbeschäftigung, in der fontinuierlich blei. benden Produktion, in der unveränderten Kalkulationsbasis des Gesamtbetriebes. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haterflocken, lose.... Hafergrütze, lose Ro genmehl 0/1..... 7% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseer bsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, Perl Langbonnen. handveries. Linsen. kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffe mehi Makkaroni Makkaronimehl Schnittnude.n, lose. Bruchreis Rangoon Reis.... Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java Ringäpfel, amerik. Getr P.laumen 90/100 Pflaumen, entsteint Zentner frei Haus Berl n. 16,00-17,251 Röstgetreide. lose 16,00-17,00 Kakao fettarm 15,25-16.00 Kakao, leicht entölt 100,00-125,00 13,00-153,00 und agrarischen Gegnern als Zeugnis angeführt; wir verweisen auf unseren Antrag im Barlament, eine Enquete einzuleiten. Aber höher als urfere Broteste und a's unser Verlangen nach Untersuchung stellen wir die Erfolge unserer fortnefeßten Fürsprachen, Zahl der Opfer einzuschränken. durch die es uns gelungen ist, viele Menschenleben zu retten und die Uns war von Anfang an flar, daß unfere Beteiligung an der 16.00-13.00 Regierung nur folange notwendig fei, als es gal', die Gefahren, die aus der Anarchie drohten. zu überwinden Wir haben die erste 15,75-16,25 Tee, Souchon, gepackt 350,00-420.00 Gelegenheit, die uns die Konsolidierung der Verhältnisse ermöglichte, 12,75-14, 0 Tee, indischer, gepackt. 425,00-475,00 benukt um die Regierung zu verlaffen. 13,00-18,80 Inlandszucker basis mel, 40, 42,0J 22,025,50 Inlandszucker Raffinade 42,50-44'50 14,50-16,00 Zucker Würfel....... 46,00-48,00 17,001,00 Kunsthonig 40,- 45,00 49,00 33,60-35,00 108,00-130,00 40,00-55,0 19,00-22,7 Zuckersirup hell in Eim 14,00 17,00 Speisesirup dunk. in Eim. 20,25-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 3,00-3,5 Marmelade Vierfrucht 26,00-35,00 Pflaumenmus in Eimern 36,50-42,00 Steinsalz, lose.. 43 0-49 50 Siedesalz. lose 16,0 18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00-45,00 Bratenschmaz in Kübeln 37,00-38,5 Purelard in Tierces 21,00-25.00 Purelard in Kisten 15,25-17,5 Speisetalg in Packung 17,00-19,50 Speisetal in Kübeln 27,00- 31,00 Margarine, Handelsm. 46,00- 50,00 3,414,00 4.20- 4,80 68,00 70,00 67,00 68,00- 69,00 46,00- 50,00 46,00-48,00 56,' 0 48,00-52,00 76,00 60,00-65,00 . 31,00-36,10 desei il 110,00-120,00 Margarine, Spezialm. I. 43,00-48,00 desgl. II. 52,00-55,00 Molkereinutter i. Fässern 205,00 Rosinen in Kisten, Candia 75,00-80,00 Molkereiputter in Pack. 216,00 Sultaninen Caraburnu.. 175,00 85,00-95,00 Landbutter in Fässern Korinthen, choice 80,00-85,00 Landbutter in Packungen 180,00 Mandeln, süße Bari 145,00-160,00 Auslandbutter 205,00-210,00 Mandeln, bittere Bari 135,00-150.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00- 36.00 Zimt( Cassia) 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett.. Kümmel, holländischer. 155,00-165,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer singap. 98,00-106,00 Quarkkäse Weißer Pfefier Rohkaffee Brasil Nach dem Kriege wurde der Dumpingegport das eigentliche Lebenselement unserer Unternehmer, zumal ja zuletzt der Lohnanteil im Prei'e des Produftes auch feine Rolle mehr spielte. Von diesem gut gepfesterten Wege in die Hölle der deutschen Wirtschaft haben viele, im besonderen die neuen Unternehmer der Nachkriegszeit, noch nicht wieder zurückgefunden! Se muten ihrem holb beschäf tigten Betrieb heute zu, den notwendig gewordenen Preisabbau Malzkaffee, gepackt gegenüber der Weltmarktkonkurrenz mit zutragen. Damit vers ... 13,00-141,60 Tilsiter Käse. vollfett 180,00-215,00 Tilsiter Käse. ha bfett. Rohkafice Zentia'amerika240,00-300,00 Aust. ungezuck. ConuensRöstka fee Brasil. 240 00-280,00 milch 48/16 Röstkafee Zentralam. 315,00-400, In ändische desgl. 48/12 23,00 25,00 Inl. gez. Condensm 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Unser Austritt aus der Regierung ermöglicht es uns nun, unseren Kampf für die Sicherung der Demokratie in Bulgarien in einer den Bruderparteien des Auslandes viel fichtbareren Form, in der Form energischer Oppofition zu führen. Wir fordern vor allem: 1. Wiederherstellung eines vollkommen bemokratischen Bro porzwahlrechts und möglichst rasche Durchführung von Neuwahlen auf Grund diefes neuen Wahlrechts. 2. Sofortige Durchführung der Gemeinderatswahlen. 3. Bollständige Amnestie aller am Bürgerkrieg Beteiligten und sofortige Ermöglichung der Rückkehr aller Emigranten. 4. Bollständige Breß- und Bersammlungsfreiheit für alle politischen Parteien und Garantie ihrer peli'ischen Betäti gung auf dem Boden der Temotratte; Revision des Gesetzes zum Schutz des Staates in diefem Sinne. Die fozialdemokratische Partei Bulgariens ist gewillt, im Sinne der vorliegenden Erklärung zu arbeiten und alle ihre Kräfte dafür einzusehen. Sie hofft, daß die Bruderparteien der Internationale zu der bulgarischen sozialdemokratischen Partei das Vertrauen haben 62,00-66,00 werden, daß sie ihre Arbeit im Dienste der Herstellung der Demo40, 0-50,0 fratie in Bulgarien und der Bertretung der Interessen der Arbeitertloffe in tiefem agrarischen Lande zu fciften vermag. 35,00-50,00 115,00-125,00 50,00-55,00 23,00-25,00 18, 0- 19,00 28,50- 29,5 Janco Satasoff Affen 3antoff. Dimitr Neitoff. Die Konferenz in Bukarest wurde auch benüßt, um auch die nationalen Probleme der Bakanländer zu klären. Nach außerordentlich tiefgehenden Tarlegungen der Sv RANK Kein SEIFENFLOCKEN machen, jedes Reiben der Wäsche überflüssig, sie durchdringen das Gewebe und entfernen allen Schmutz Sunlicht Gesellschaft A.G. Mannheim- Rheinau Genoffen Bantoff( Bulgarien), Topalovic( Jugoslawien), Pistiner ( Rumänien) und einer Distuffion, an der sich alle Delegierten betei. ligten, tonnten die Vertreter der Internationale als gemein. fame Auffassung der an der Konferenz vertretenen Genossen fol. gende Gesichtspunfte hervorheben: Die bedrohliche Entwidlung der Berhältnisse auf dem Balkan zeigt wieder von neuem, daß es ben imperialistischen Siegern im Weltkrieg nicht gelungen ist, durch ihre sogenannten Friebensverträge zu einer wirklichen Regelung der schweren nationalen Probleme Europas zu gelangen, Der nun abgeschloffene Bertrag zwischen Italien und Südslawien hat die Probleme des Adriatischen Meeres zu einem gewissen Abschluß gebracht, aber er hat gleichzeitig bie Gegensätze bezüglich des Aegäischen Meeres verschärft und unmittelbar gefahr drohend gestaltet Südslawien hat in der Adria Konzessionen gemacht; feine Imperialisten werden nun alle Gelegenheiten ausnüßen, um sich durch das Bordringen auf bem Weg gegen Saloniti schablos zu halten. Dabei bienen ihnen die Gerüchte über Einfälle mazedonischer Komitatschi aus Bulgarien in Südflamien als willkommener Vorwand, um die Erregung zu fteigern. Mit Genugtuung fönnen die Delegierten der Erefutive feststellen, daß die anwesenden Vertreter der Parteien Bulgariens, Süd lamiens und Rumäniens vollständig einig sind in dem Billen, Der Kriegsgefahr mit allen ihren Kräften zu begegnen, und auch; durch ihre Aussprache sich eine weitgehende llebereinstimmung über bie ihnen allen gemeinsamen Richtlinien für die Erfüllung dieser Aufgabe ergeben hat. Eine der gemeinsamen Sorgen aller an der Konferenz beteilig. das mazedonische Problem. ten Parteien ist Vor allem werden die füdslawischen Sozialisten die 21 mnestie aller mazedonischen Flüchtlinge und die Ermöglichung ihrer Rüd fehr in ihre früheren Wohnsitze verlangen, aber auch mit Rüd. ficht auf die materielle Notlage dieser Flüchtlinge den Bieber aufbau ihrer wirtschaftlichen. Eristenz durch staatliche Unterstügung fordern. Die rumänischen und fübslawischen Parteien betrachten es als eine Eelbstverständlichkeit, daß sie für die volle politische Gleichberechtigung und für die Sicherung der national Pulturellen Entwicklung der nationalen Minderheiten im Sinne der Beschlüsse des Hamburger Internationalen Sozialistischen Rongreffes eintreten. Die Gefahren, die aus den Berwicklungen am Balfan drohen, werden von den imperialistischen Mächten außerhalb des Balfans für ihre Intereffen ausgenügt und durch sie vermehrt. Die fozialistischen Parteien außerhalb des Balkans müssen daher zu ver hüten trachten, daß die Politit jener Staaten nicht die Kriegsgefahr am Baltan vergrößere. Aus der Partei. Sächsische Reichstagskandidaturen. Chemnih, 17. März( Eigener Drahtbericht.) Der außerordent liche Partei ag des Bezirks Chemniß Erzgebirge erledigte am Sonntag die Aufstellung der Kandidaten zum Reichstag. Nach einem Referat des Genossen Dißmann über die Reichspolitit und einer Diskussionsrede des Genossen Breitscheid in Form eines Korreferats, denen eine nur furze Diskussion folgte, wurde die Wahl vorgenommen. Für die Spizenfandidatur tamen drei Genoffen: Ströbel, Kuhnt und Stüdlen in Frage. Die Wahl bandlung ergab eine absolute Mehrheit für den Genoffen Ströbel mit 204 Stimmen, während Genosse Stüdlen 133 und Genosse Kuhnt 40 Stimmen erhielt. Bei der Stichwahl für den zweiten und dritten Plaz der Chemnitzer Liste ergaben sich für Kuhnt 198, für Stücklen 166 Stimmen. Eine weitere Stichwahl für den vierten Platz, der für eine Genessin bestimmt ist, findet zwischen der Genofsin Gender und der Genoffin Schilling statt. Dabei erhielt Ge nofsin Sender 245, Genoffin Schilling 129 Stimmen. Weiterhin murden gewählt die Genoffen Mollenbuhr und Lischte. Der Parteitag beschloß außerdem, daß an die vierte Stelle der Liste für den Fall eines Ausscheidens der auch in einem anderen Bezirk aufgestell ten Genoffin Sender der nächste Frauenvorschlag trift. Es gelten also als Kandidaten für den Chemnitzer Bezirk die Genoffen Bischte. Mit großer Mehrheit wurden dann noch folgende Ent Ströbel, Kuhnt, Etüdien, Sender, Moltenbuhr und fchließungen, die erste vom Bezirksvorstand beantragt, angenommen: Der außerordentliche Parteitag des Bezirks Chemnitz- Erage birge gelobt, alle Kräfte für den fommenden Wahlkampf frei zu dicser unbedingten Notwendigkeit erfüllt und die Größe der Gefahr machen und ruft alle Genoffen des Bezirks zur Mitarbeit auf. Bon für das Proletariat erkennend, fordert der Parteitag auf Grund der harten Erfahrungen der letzten Jahre von der neuen Reichstags. fration eine scharfe Abkehr von der bisherigen Politik dauernder Ronzessionen, die letzten Endes zu den Ermächtigungsgesehen und zur Diftatur einer ausgesprochenen Bourgeoisregierung über das Proletariat führen mußten. Der Parteitag sieht nicht in der Staats. form an fich, sondern nur im sozialen Inhalt des Staates ein der Partei würdiges Kampfobjett. Er ist überzeugt, daß jeder Schritt zur Wiedergewinnung revolutionärer und republikanischer Errungen schaften nur im schärfften Rmpf gegen die herrschende Kapitalistenklasse zu erreichen ist. Wird die Partei im Sinne eines rücksichtslos geführten Klassenkampfes eingestellt, dann werden die müde gewordenen Massen erneut um die Fahne des Sozialismus gesammelt werden fönnen. Für dieses Ziel wird der Parteitag Chemniz- Erz gebirge mit aller Kraft und Hingabe eintreben." Die zweite Reso lutton lautet:„ Der am 16. März im Boltshaus Chemnih tagende Bezirksparteitag für Chemnitz- Erzgebirge brückt der Rebaftion der„ Boltsstimme" für ihre entschiedene Haltung sein Bertrauen aus und fordert stritte Innehaltung des bisherigen Rurses." Gegen eine Kandidatur Noste. Hannover, 15. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Bezirtstag Hannover- Nordwest hatte beim Barteivorstand in Berlin gegen d'e Kandidatur Noste Einspruch erhoben. Der Parteivor. ft and hat jetzt auf Grund des§ 16 Abs. 2 des Organisationsstatuts entschieden, daß für die kommende Legislatur. periode des Reichstags von einer Kandidatur Nostes abzu. lehen fei. Wie in einer schriftlichen Begründung dem Einspruch erhebenden Bezirk mitgeteilt wird, hat der Parteivorstand bei seiner Entscheidung sich im wesentlichen die Gründe zu eigen gemacht, die auf dem Bezirtsparteitag am 2. März in Hannover und auf der Uelzener Konferenz am 9. März gegen die Kandidatur Nostes vor getragen wurden. Nährflocks- Makronen ( Rezept Nr.7) Diefes feine Backwert, das sich ebenso vorzüglich als süßer Nachtisch wie als Gebäck zu Kaffee, Tee oder Schokolade eignet, wird folgendermaßen bereitet. Man schlägt 3 Eiweiß steif, mengt 300 g Zucker am besten Vanillezucker 1, abgeriebene Zitrone und etwa ein halbes Paket Nährflocks leicht durcheinander. Von dieser Maffe legt man mit einem Löffel fleine Säufchen auf ein mit Butter beftrichenes und mit Mehl bepudertes Kuchenblech. Dann bäckt man die Matronen etwa 20 Minuten bei mäßiger Site. Bebenten Sie immer, baß jebe einzelne der leichten, loderen, goldbraunen Floden Gerichte zu einer nährstarten, törperträftigenden Mahlzeit verdichtet, die vorzüglich einen hohen Nähr- und Genußwert hat, der fich in jedem mit Rährflods bereiteten schmedt, gut verdaut wird und wenig loftet. 3u haben in allen einschlägigen Geschäften. nahrflods- Rezeptbuch gratis verlangen. hre Haut hungert und friert! Unabsehbar sind die Folgen für Gesicht und Hände! 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Euer Sieg sei der Freiheit Fanal. Deutschland der Goethe, Lessing und Kant? Oder Äitlers und Ludendorffs Äunnenland? Ihr habt die Wahl. Geschichtliche Gntscheiöung. Für den Frieden Europas. Es scheint, als ginge Europa einer tragischen Verwicklung cn'gegen. Langsam kommt der Zeitpunkt heran, an dem eng- tische und französische Regierungen zu einer aufrichtigen und Europa Frieden gebenden Verständigung mit Deutschland be- reit sein werden. Kann es für eine die aufrichtige Verständi- xung suchende deutsche Regierung einen ehrlicheren und auf- richtigeren Partner für aufrichtige Verständigung geben als die englische Arbeiterregierung? Muß sie nicht bereit sein, in dieser Situation ein äußerstes Maß von Derständigungswillen zu zeigen, und ihren Vcrständigungswillen zu bekräftigen durch die Führung ihrer inneren Politik, die ernsthafte Grundlagen für eine Lösting der Reparationsfrage im Zeichen der Verständigung schaffen muß? Die Erfahrun- x«n der deutschen Politik der vergangenen vier Jahre lehren. daß nur eine wahrhaft demokratische und von der Idee der sozialen Gerechtigkeit getra- gene deutsche Politik diese inneren Voraussetzungen der internationalen Verständigung schaffen kann. Aber die Regierung Marx ist nicht getragen von dcmo- kratischem Geiste, nicht von den großen Ideen der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit. Befangen in dem engen und kleinen Geiste des autoritativen Bureaukratis» mus führt sie eine Politik der Bedrückung der arbeitenden Klaffen und der ungerechten Verteilung der Lasten des Staates. Sie ist geleffelt an den finsteren und verderblichen Geist, der die der Verständigung widerstrebenden Mächte in Deutschland erfüllt. Jene Kräfte der Schwerindustrie und der monarchiftstchen und chauvinistischen Reaktion, die das Ver- derben Deutschlands während des Kaiserreiches und des Krieges wai?n, haben erneut an Boden gewonnen und ver- bindern rne freiheitliche und gerechte Politik im Innern, wie die Verständigung nach außen. Verhängnisvoll hat die ge- steigerte Macht und der angehäufte Reichtum der großen Konzerne die deutsche Politik beeinflußt. Einige Diktatoren der Wirtschaft maßen sich an, das Geschick des deutschen Volkes, ja das Geschick Europas zu entscheiden. Muß Europa auch diese Station des Leidensweges zum Frieden noch durch- laufen, daß in den Ländern der Alliierten die Idee der Frei- heil und der Verständigung zur Herrschaft gelangt, und gleich. zeitig in Deutschland der finstere Geist der Richtverständtgung, der Reaktion, des Krieges wieder fe'n j>aupt erbebt? Das wäre das Unglück Deutschlands, das Ende seder Hoffnung auf eine baldige Befreiung der besetzten deutschen Gebiete, das Ende der choffnung auf kommende bessere Zei- ten, das Ende der choffnung auf Verständigung in Europa auf lange Jahre. Erhält der finstere Geist reaktionärer und chauvinistischer Gesinnung von Deutschland her neue Kraft, so stebt vor uns nicht die Perspektive des Friedens und der Verständigung, sondern der Berge walti- gung und Unterdrückung, des chasfes der R'a- tionen, die Perspektive kommender Kriege. Dos Geschick Europa» wird bei den kommenden Wahlen in Deutsch- lond mit bestimmt. Das ist die groß« Entscheidung, die da» deu'sche Volk zu fällen hat. Diese Entscheidung liegt zu einem großen Teile in der Aand der deutschen Arbeiter. Sie sind die Mehrheit der Nation. Werden sie erkennen, welch« große Entscheidung in chre chände gegeben ist? Werden sie. wenn sie die süngste V?roangenheit an sich vorüberziehen lassen, mit fester Eni- s-blossenheit sene zurückweisen, die Deutschland in� Verderben führten und die Zukunft Deutschlands und E"ropos be» d-obten? Werden sie entscheiden für die Verständigung der West, für Freiheit und soziale Gerechtigkest? Werden sie über die Rot und die Verbitterung der Tage des Leidens und der Katastrophe, über die bansen Sorgen des täglichen Lebens hinweg die großen Perfoektiven erkennen und das Geschick der Nation fest in ihre Hände nehmen? Das ist die Schick- salsstrage für das deutsche Volk, für seine Arbeiterschaft— die Schicksalsfrage für den Frieden von Europa. Klar und bestimmt zeiaen die Erfahrungen der vergan- genen vier Jahre die Aufgaben der deutschen Politik der kommenden' Tage: es gilt, den reak- tionären Kräften in Deutschland den Boden und die Macht zu entziehen, auf die sie sich stützen. Es gilt, die geballte Wirtschaftsmacht der großen Konzerne unter staatliche Kon- trolle zu stellen— im Interesse der de"tschen Bolkswirtschast. zur Verhinderung bnttaler Klassenherrschaft, im Interesse der außenpolitischen Stellung Deutschlands. Stinnes. der stärkste Exponent dieser Kräfte, darf nicht der Leiter des Ge- schickes des deutschen Volte» sein. Es ist unvereinbar mit den Ideen der Freiheit und der Demokratie und der sozialen Gerechtigkeit, daß ein einzelner auf Kosten des Volkes die Wirtschaftskräfte einer Ration für sich gewinnen und für feine Zwecke diktatorisch anwenden kann. Es ist unvereinbar mit der Würde und Freiheit eines Volkes, daß wenige Führer der Wirtschaft ihr Geschick in den Händen halten. Die geballte Macht und der Reichtum der großen Konzerne sind gewonnen aus der Rot und der Arbeit des Volkes, sie gehören beide der Nation. So ist die große Aufgabe: Staatskontrolle der großen Konzerne, Dienstbarmachung ihres Reichtums für den Staat, gerechte und unter sozialem Gesichtspunkt geführte Finanz- Politik, Sorge für Kultur und Wohlfahrt der arbeitenden Massen, Bereitschaft zur internationalen Verständigung. Mit zwingender Notwendigkeit weisen die Lehren der jüngsten meitn. Millim. MMelllemMmle! Der Reichstag ist aufgelöst. Rur wenige Wochen trennen uns von dem Tag der Entscheidung über das Geschick des deutschen Volkes. Die Regierung, gestützt aus die bürgerlichen Parteien, hat die Anträge der Sozialdemokratie, die die ar- bettenden Massen schützen sollten gegen die Angriffe des Kapitalismus, im Parlament zu verhandeln abgelehnt. Aufhebung des Achtstundentages, Abbav der sozialen Fürsorge. Sleuersabotage der Besitzenden. Entlassung aller demokratischen und republikanischen Beamten. ist die Politik der Regierung und aller bürgerlichen Parteien in diesen letzten Wochen gewesen. Die Sozialdemokratie hat diesem reaktionären Treiben energischen Wider st and entgegen- gesetzt. Sie ruft jetzt die Massen auf, eine Entscheidung zu fällen, ob das arbeitende Volk sich von neuem unterdrücken und knechten lassen will, ob Kapitalismus und Misitarismus un- umschränkt herrschen sollen. In den wenigen Wochen, die uns vom Tage der Wahl trennen, müssen die Hand- und Kopfarbeiter olle strafte mobilisieren, gegen die Feinde der Republik, gegen ein macht- lüsternes Ankern ehmerkum, und astes einsehen, die Idee des Sozialismus in die Blassen zu tragen. Alles, was die Sozialdemokratie in den letzten vier Jahren erstrebte, kann jetzt seine Verwirklichung finden, indem die schassenden Männer und Frauen dazu beitragen, daß der 4. Mai ein Tag des Sieges für die Sozialdemokratische Partei wird. An unser« P a rtei g en o ssensch a st richten wir die Aufforderung, einig und geschlossen indiesenschwerenKampfeinzu treten. Bis zum Tage der Wahl arbeite ein jeder so, als ob von ihm allein der Sieg unserer Partei abhänge. hoch die Sozialdemokratie, hoch die Solidarität der Hand- und stopfarbelter! öezkrksvorstand üer VSPd. GroZ-Serlin. Vergangenheit das deutsth« V-" in der Richtung zum Sozia« lismus hin. Möge es aus der Rot der Zeit heraus die Idee des Soziallsmus in feiner Mehrheit fest umfassen! Vor dtzm deutschen Volt liegen zwei Wege: Der Weg der Demokratie der soziale: Gerechtigkeit, des Friedens, und der Weg der Rot, der Unfreiheit, der Unterdrückung, der Weg, der zu neuen Kriegen führen muh. Es gilt, aus der Der- gangenhcit zu lernen und den inneren Kräften, die das deutsche Volk ins Verderben führten, deren Exponenten die Stinnes und H e l f f e r i ch find, eine entscheidende Absage zu erteilen. Das deutsche Volt darf diesen Männern nicht folgen. Es muß das wahr« Maß von praktischem Patriotig- mus bei diesen Männern und ihren Parteien erkennen und mit ihren Worten vergleichen. „Als England in den Krieg eingetreten war'— so sagt ein Kritiker dieser Kräfte im Homburgischen W'rtschastsdienst vom August 1923—„einen Krieg, der nach den Ueberliefe- nmgen der englischen Politik mit härteren Opfern der Be- sitzenden geführt werden mußte als in irgendeinem Lande, fand einer'der ersten englischen Industriellen jaden 50.-, Belzmäntel 180.-, Sport Wichtig! für febermann. Täglich, wer pelge 60.-, Gehpelze 150.- en. Cle- ben verlauft: Kleiderfchrant. Bertito gante Maßanfertigung. Garantie tabel- 22 Goldmart Bettstellen, tomplett, 16, lofer Sig. Reine Lombardware. Metallbettstellen 22 Flurfchränke Basch. Leibbaus Friedrichstraße 2( Sallesches toiletten 18, Chaiselongues 18, Rom Tor) verkauft( pottbillig eritlaffige moden 15. Bücherfpinde. Schreibtische 36, Serrenanzüge Ulster, Taillenmäntel. Büfetts 75, Tifche 6. Rücheneinrichtung 48. 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