Nr. 133 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 66 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmari pro Monat. Der., Borwärts" mit ber Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage..Frauenwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart. Reflamezeile 3.50 Goldmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold mark( zuläffia amei fettgedruckte Morte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erfte Wort 0,10 Goldmark jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Eine Goldmark ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 42 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tonhoff 292-295 Verlag: Töuboff 2506 2507 Mittwoch, den 19. März 1924 Konflikt im Dawes- Ausschuß. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devontenfaise Lindenstraße 3 Valutawahlen in Dänemark. P. V. Ropenhagen, den 14. März. Der dänische Reichstag ist arfgeflogen, In der zweiten Hälfte feiner Erklärung ging Theunis ausführlich schneller und plöglicher als man dachte. Der gesammelte Paris, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldung über die zunehmenden Meinungsverschiedenheiten, die auf die innerhalb des Komitees Dawes ausgebrochen sind und die die Lösung der den Saverständigen gestell.en Aufgaben in Frage zu ficilen scheinen, wird jetzt durch Mitteilungen der hiesigen Blätter volfinhaltlich bestätigt. Danach scheinen es vor allem 3 wei Fragen zu sein, die zu einem ausgesprochenen konflikt zwischen den französischen und den englischen bzw. amerikanischen Sachver. fländigen geführt haben: 1. Die Frage der Finanzierung der von Deutschland während des Moratoriums zu leitenden Sachlieferungen sowie der Aufbringung der Ottupationstoffen. Ben den angefächfischen Experien war dafür die Verwendung der durch die projek.lerte inferna.ionale Anleihe aufzubringenden Mitel in Aussicht ge nommen. Bon franzöfifcher Seite wird dagegen gefordert, daß diese Beträge, die auf etwa 600 bis 800 millionen Goldmark jährlich zu veranschlagen find, aus Ueberschüssen des deutschen Budgets flüssig gemacht werden sollen. 2. Die Frage der Feffiehung der von Deutschland vom Jahre 1923 ab, d. h. nach der Sanierung seiner Wirtschaft und feiner Finanzen zu schaffenden Jahreszahlungen. Die Franzojen follen da ür 3 Milliarden Goldmark in Borschlag gebracht haben, was die englischen und amerikanischen Sachverständigen unter Hinwe's tarauf, ich tiefe Summe felbst die im Londoner Zahlungsplan vorgesehenen Leistungen übersteigen würde, abgelehnt haben jollen. Neben diefen beiden hauptsächlichsten Konfliktpunkten aber scheint auch über andere Detailfragen eine Einigung bisher nicht möjih genesen zu sein. Dazu soll nach dem„ New Bock Herald" u. a. die Frage der Besteuerung der von der Industrie and ben Grojbanten gemachten Inflationsgewinne gehören, deren Großbanten gemachten Inflationsgewinne gehören, deren Höhe von den Sachverständigen auf etwa 10 milliarden Mart gefchät wird, deren Erfassung aber erhebliche Schwierigkeiten machen würde. Nach dem„ Temps" fann mit ziemlicher Bestimmtheit damit ge. rechnet werden, daß das Gutachten und die Vorschläge der Sachverständigen, deren Abschluß man nicht mehr vor Anfang April erwarte, unmittelbar nach ihrer Ueberreichung an die Re. parationsfommissien veröffentlicht werden sollen. Neue Reise Schachts nach Paris. Paris. 18. März( EP.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird en gegen früheren Meldungen nochmals nach Paris reifen, und zwar Ende dieser Woche. Theunis' Programmrede. Brüssel, 18. März.( TU) Ministerpräsident Theunis hat heute nachmittag in der belgischen Kanumer die Erklärung des neuen Rabinetts verlesen. Sie behandelt ausführlich die auswärtige Politik und nimmt ferner zu der finanziellen Lage des Landes Stellung. Hinfihtlich der auswärtigen Politik sagte der Bremierminister: Die gesamte auswärtige Politik der. vergangenen Regierung war von dem Wunsche beherrscht, eine angemessene und praktische Lösung des Reparationsproblems zu erzielen. Lange Zeit hindurch hatte ich versucht, diese Lösung in versöhnlichem Geiste durch Be sprechungen zu erreichen. Als das Kabinett aber feststellte, daß Deutschland beabsichtigte, fich den Berpflichtungen des Versailler Ver trages zu entziehen, ergriff das Rabinett den schwerwiegenden Ent. schl B, sich an der Seite Frankreichs zweds Ergreifung von Drud. mitteln zu beteiligen. Das Problem ist heute in ein neues Stadium eingetreten. Die Sachverständigen der verbündeten Mächte, zu denen sich amerikanische Sachverständige hinzugefellten, haben die Prüfung der Hauptbestandteile des Problems in Angriff genommen. Wir werden unerschütterlich das beanspruchen, was wir als rechtmäßig, unerläh'id und vereinbar mit prattischen Möglichkeiten halten. Die Ereignisse scheinen übrigens unsere Anstrengungen zu begünstigen. Es scheint. daß man zum ersten Male seit dem Waffenstillstand Optimismus an den Tag legen darf. Die Lösung des Reparationsproblems hängt aber nicht nur von der Ausarbeitung eines bestimmten Blanes ab, ihr Geheimris liegt vielmehr in dem einen Wort 3 usammen arbeit". Das Einvernehmen zwischen den Berbündeten ist die notwendige Borausseßung zu einer prompten und zufriedenstellenden Löfung Daher waren wir auch stets und werden auch ferner bemüht sein, eine innige und aufrichtige Uebereinstim mung der Gesichtspunkte zu verwirt'ichen. Nach wie vor bietet die Zusammenarbeit die beste Garantie für die Sicherheit und den definitiven Frieden. Die Arbeiten der Sachverständigenfomitees in Paris schreiten fort. Der Bericht, an dem sie gegenwärtig arbeiten, wird in einigen Tagen eingebracht werden. Hohoral wird er mit Ungeduld erwartet. Unmittelbar darauf werden Besprechungen eröffnet, die für Inmittelbar darauf werden Besprechungen eröffnet, die für unsere Zukunft von schwerwiegender Bedeutung find. Die belgische Regierung muß, um im Verlaufe dieser Besprechungen die Rolle zu spielen, die ihr die Interessen der Nation vorschreiben, auf die unter. tügung und das Vertrauen des Parlaments rechnen tönnen. Ich bitte Sie, ihr dies vorbehaltlos zu bewilligen." Finanzlage Belgiens Balutaplan, den die liberale Regierung Neergaard im letzten Moment vorlegte, scheint nicht viel mehr als ein parlamen ein. Er erinnerte daran, daß der ordentliche Haushalt ausgeglichen tarisch- taktisches Kunststück gewesen zu sein: um im Falle der fei und außerdem ein Ueberschuß von 500 Millionen Franken an Ablehnung der Regierung einen günstigen Abgang und Einnahme übrig bleibe, die zur Dedung des außerordentlichen eine gute Wahlparole, die der Opposition die BerantBudgets verwendet werden können. Andererseits müsse eine neue Anstrengung zur Ausgleichung des Budgets der Reparationen unterwortung für das Nichtzustandekommen einer Kronenstabilisie nommen werden. Belgien habe bereits 700 Millionen Franken zur Bezahlung der Zinsen der nationalen Wiederaufbauanleihen aufbringen müssen. Zum Schluß fündigte Theunis feine Absicht an, der deutschen Beträge vom Parlament neue Steuern in der bis zur Ausgleichung des Reparationsbudgets und der Einzahlung Höhe von 400 Millionen zu erbitten. Er bemerkte dabei, daß Belgien jährlich ungefähr 1200 millionen Franten an 3insen und Bensionen habe aufbringen müssen, die Deutschland hätte bezahlen sollen. Frankreichs Heer. 6 Divisionen im Rheinland. Paris, 18. März.( WTB) Die Kammer beschäftigte sich heute nachmittag mit der Frage der allgemeinen Organisation des Heeres. Der Berichterstatter teilte mit, das Heer, das Frankreich unterhalte, folle nach dem vorliegenden Gefehentwurf in 32 Divisionen eingeteilt sein. Dazu kommen Spezialtruppen, wie Artillerie, Cuftgeschwader, Kampfgeschwader und die allgemeine Reserve. Das Heer foll in 16 2rmeetorps eingeteilt fein. Sechs Divisionen unter drel Armeekorpskommandenten werden im Rheinland garnioniert werden, der Rest wird im Innern Frankreichs auf 13 Armeekorps verteilt. Frankreich selbst wird in 60 Mobilifierungs bezirke eingeteilt, so daß also jedem Armeekorpskommandanten in feinem Befehlsbereich ein oder mehrere Mobilifierungsbezirke unterfellt werden. Der Berichterstatter fagie weiter: Die Grenzarmee habe den 3wed, Frankreich ein Friedensheer zu geben, durch das es inftand gefeht werde, jederzeit eine starke Schlachtfront auf dem rechten Rheinufer herzustellen.( Bewegung auf verschiedenen Seilen.) Diese Armee habe keinen Anspruch darauf, fich felbst zu genügen, sie würde also bei der Organisation nicht von den Rechten der nationalen Armee ifoliert werden. Kritische Stunden für Macdonald. London, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) In den Krelfen der Londoner Liberalen herricht entschieden der Wille, der Regierung auf dem Wege zum minimallohngefeh für den Bergbau nicht zu folgen. Falls die Regierung darauf bestehe, sei ihr Sturz unabwendbar. Andererseits wird nicht verkannt, daß der Regierung im Cager der Bergarbeiter und in der einzelnen Partei große Schwierigkeiten entstehen würden, wenn sie dieses Gesetz fallen laffe. Die Situation ist also für das Arbeiterkabinett durch aus fritisch. Difiziös verlautet, daß die Regierung nicht daran dente. aus einer Ablehnung des Gesetzes über die Minimallöhne die Konfequenzen zu ziehen. Nur dann würde die Regierung bereit fein, abzutreten, wenn fie felbft in Berbindung mit dem Gefeh die Vertrauensfrage stelle und damit unterliegen werde. Am Donnerstag werden die Grubenherren abermals mit den Arbeitervertretern zusammentreffen, um eine Verständigung zu versuchen. Unterhausdebatten über Singapore. Erklärungen Ammans und Macdonalds. London, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierung hat sich entschieden, den Plan für den Ausbau der Flottenbafis in Singapore, wie er von der Regierung Baldwin aufgestellt wurde, nicht durchzuführen. Der parlamentarische Gefretär der Admiralität Amman erklärte am Dienstag im Unterhaus, daß die Regierung mit besonderer Gründlichkeit auch unter Berücksichtigung der strategischen Gesichtspunkte den Plan nochmals überprüft bat und nach eingehenden Besprechungen mit den überfeeischen Regierungen der Dominien zu dem Entschluß gekommen sei, den Ausbau von Singapore zu unterlassen. Amman fügte hinzu, daß die Regierung fich in erster Linie von der Verteidigungsstellung zu diesem Beschluß habe leiten laffen. Sie wolle der Welt zeigen, welche Opfer fie dem Wunsch auf Abrüstung bringe. Jeder Anschein einer offensiven Bolitik oder einer Brooctation ausländischer Mächte müsse Dermieden werden. Später nahm auch Macdonald das Wort. Er begründete ebenfalls die Entschließung der Regierung und erklärte, daß Singapore bereits völlig ausreichende Hafenbauten befize. Eine gewisse Erweiterung des Hafens fei zwar nicht zu umgehen. Immerhin dürften diese kleinen Ausbauten die Vereinbarungen der Washingtoner Ronferenz stören. Für den Fall, daß große Marinerüstungen im Stillen Ozean auftreten würden, wäre vom Standpunkt der englifchen Marine aus natürlich Singapore der Blah, an dem größere englische Dodanlagen errichtet werden müßten. rung zuschiebt, gewesen zu sein. Indes ist das Vorgehen der Regierung, die ihren Plan nicht auf dem üblichen Weg im Folkething vorlegte, sondern als Entwurf den Parteiführern falls einen Valutahilfsplan auszuarbeiten, nicht zu deuten. unterbreitete und diese aufforderte, von ihrer Partei aus eben3war parierte die Opposition; Radikal- Bürgerliche und Sozialdemokraten erklärten sich zur Umarbeitung des Baluta planes der Regierung bereit, aber die Regierung mußte troßdem gehen, denn ihre bisherige Stüße, die Konservativen, fanden an dem Regierungsplan plöglich fast noch mehr aus. zusehen als die eigentliche Opposition, und vor allem, die einzelnen Regierungsmitglieder trieben in öffentlichen Versamm lungen jeder seine eigene Politik, die von dem Ministerpräsidenten nur so unter feine Politif gebracht werden fonnte, daß er sie desanouierte. Die einzige Einigkeit im Ministerium war fchließlich die, am 11. April neu wählen zu lassen und als Brogramm für Wahlagitation und Zusammensehung des neuen Barlaments vorzuschreiben: Wie werden Dänemarks finanzielle und wirtschaftliche Beschwernisse geheilt? Und jede Partei tritt mit ihrem wirtschaftlichen Rezept werbend vor das Bolt. Diese Schilderung wurde absichtlich für das deutsche Bolt als eines der noch unbeholfensten im parlamentarischen Kampfe wiedergegeben, um zu zeigen, bis zu welcher ge= radezu advokatischen Art sich parlamentarische Strategie und Taftit in Dänemark ausgebildet haben. Aber trog oder gerade infolge dieser Reife- wenn nicht leberreife der parlamentarischen Formen trägt der Wahlkampf deuts licher als je das Gepräge des Klaffentampfes. schlagen als Stütze für die Krone vor: Goldzoll, der Die Konservativen als Vertreter der Bauernschaft allerdings den Konsum der Maffen zu fnebeln imftande ist, während er den Produkten der Landwirtschaft höhere Preise fichert. Die Liberalen als Vertreter der Großfinanz und der Industrie stehen hinter dem Regierungsplan, der eben alle finanzielle Balutamaßnahmen der Großfinanz in die hande geben will und durch Erhöhung einer Reihe indirekter Steuern und eine Art Schutzoll für gewisse Industrien Finanz und Industrie gleichermaßen auf Roften der breiten masse sichert. Die Radikal- Bürgerlichen, die ihre Wähler aus der Intelligenz, dem kleinen Bauernstand und dem Handel holen müssen, lehnen die den Mittelstand be lastenden indirekten Steuern, die den Handel erschwerenden. Rollmaßnahmen ab und setzen für die einheitlichen direkten Einkommensteuererhöhungen zur Schaffung einer inländischen Balutaanleihe eine progressive Einkommensteuer. erhöhung. beiterschaft und gleichfalls Werber um den Mittelstand verDie Sozialdemokratie als Bertretung der Arwerfen auch die indirekten Steuererhöhungen, wandeln die Zollvorschläge in eine Importregulierung um und nehmen der Großfinanz die Balutamaßnahmen aus der Hand durch die Forderung eines„ Detonomierats", der, zusammen. gefeßt aus allen Erwerbszuständen, auch ten Arbeitern und dem Staat, die Börsenspekulation in Art der tschechischen Balutazentrale regeln und die Importregulierung ohne Schaden für die Wirtschaft und die Arbeiterschaft ordnen soll. Statt der Balutaſtüßungseinkommensteuer verlangen sie eine Vermögensabgabe, gesteigert, von allen Vermögen über 50 000 Stronen. Da die Außenpolitik den Parteien feine großen Probleme und Angriffsflächen bietet in der nordschleswigschen Frage stehen alle außer den Konservativen für die gegenwärtige Grenze, die Auseinandersetzung mit Norwegen über Grönland hat fein tieferes allgemeines Interesse- wird der Wahlkampf in diesem reinen Klassenkampfcharakter ausges fochten werden. Die Sozialdemokratie wird als Angreifer weiterhin auftreten in der Frage einer ausreichenden allgemeinen Altersrente, in der Forderung einer auf fozialistischen Prinzipien gebauten Bodenreform und einer Wohnungsgesetzgebung auf allgemeinwirtschaftlicher Grundlage. Gutes Material für ihre weitere Forderung einer Umwandlung des dänischen Militärs in eine reine Polizeis truppe und damit Ersparung des 60- Millionen- Kronen- Mili täretats liefert ihr eine eben stattgefundene Offiziersdiskussion in Dänemark dürfen die Offiziere ein freies, fritisches Wort wagen, in der höhere und höchste Offiziere mehr oder weniger das augenblickliche Militärsystem als feinen Krieg gewachsen bezeichneten, und der Redner des Abends, ein Offizier, sich zum Völkerbundgedanken und zur allgemeinen Abrüstung bekannte! Der Ausgang der Wahl wäre gewiß, wenn er von der Sozialdemokratie abhängen würde. Diese musterte 1923 trog der Arbeitslosigkeit, und des wirtschaftlichen Bruches einen Zuwachs von mehr als 5000 Mitgliedern, so daß sie nun 132 000 Mann in ihren Reihen zählt. Bei den ca. 3 Millionen Einwohnern Dänemarks eine beachtliche Stärke. Aber da unfere Bruderpartei nur Mandatszuwachs, aber feine absolute Mehrheit erringen kann, hängt die zukünftige Regierung Dänemarks davon ab, wie die Radikal- Bürgerlichen gegenüber den Liberalen abschneiden. Steigt ihre Mandatszahl, so daß fie mit den Sozialdemokraten eine Mehrheit erhalten, so tann nach allen Aeußerungen radikaler Führer über ein etwaiges Zusammenregieren mit der Sozialdemokratie ist tein Zweifel daran an einem Wechsel der Regierung von dem sehr rissigen fonservativ- liberalen Block zu den Sozialdemokraten und Liberalen fein Zweifel sein. Die fleinen Parteien, deutsche Schleswigerpartei, Landmannspartei, Rom munisten, spielen feine Rolle, in dem Endergebnis. Die deut schen Nordschleswiger befommen wahrscheinlich das eine Mandat, das sie bisher besessen, wieder, vielleicht eins dazu; die Kommunisten werden sich infolge der Geschlossenheit und Ablehnung aller radikalen Phraseologie wahrscheinlich auch weiterhin den dänischen Reichstag von außen ansehen können, wenn sich von ihnen ein Kandidat mit Mühe durch die Follethingstüre quetscht, so fönnen sie dafür den Kopenhagener Spekulanten und der bisherigen tatlosen liberalen Regierung ein Moskauer Danffreuz zusenden. Die dänische Sozialdemokratie hat nicht nur in Wahl agitationsversprechungen, sondern mit festen und klaren For= meln die Absicht, Dänemark von dem geborstenen Pfeiler des freien Spiels der Kräfte", das die Krone weit unter den inneren Wert der dänischen Wirtschaft gedrückt hat und das Land unter Teuerung und Arbeitslosigkeit stöinen läßt, auf seine gefunden Füße zu stellen: Arbeit und aufbauende, par fame Wirtschaft! Sie erfüllt damit sowohl eine im Interesse der Arbeiterschaft aller mit Dänemark im Austauschverhältnis stehenden Länder- so Deutschland- liegende, wie eine im besten Sinne nationale Aufgabe. Darum hat gerade die deutsche Republik, deren einzige Aufschwungsmöglichkeit fried. liche und gute Handelsbeziehungen sind, und die schon vor dem Kriege in Dänemark einen guten Käufer und Lieferanten hatte, allen Grund, ihr höchsten Erfolg zu wünschen! Ich hab' mir nichts dabei gedacht!" Ludendorff als ertappter Schulbube. Die Rolle, die der große Feldherr" im Münchener Prozeß spielt, wird immer fläglicher. Vergleicht man seine mehrstündige Antrittsporlesung in ihrem ebenso funterbunten wie arroganten Durcheinander von unverbauten Lesefrüchten und politischer Kannegießerei mit den Erklärungen, die er am Dienstag in den Schlußverhandlungen abgab, fo muß man fagen: Erbärmlicher hat taum jemand vor dem Richter getniffen, wie dieser Nationalheros aller Bölfischen! Wie ist es überhaupt möglich, daß dieser General, dem feine Anhänger eine hündische Berehrung entgegenbringen, den sie um die Wette anerzellenzen, von dessen Zustimmung fle das Gelingen ihrer ganzen Butschpläne abhängig machen mie ist es möglich, daß er vor Gericht erklärt, er hätte sich einmal dies, dann jenes und schließlich gar nichts bei der Sache gedacht!? Ein beim Apfelmaufen ertappter Schulbube fann sich vor seinem Lehrer auch nicht anders benehmen, als dieser Feldherr" vor dem Gericht der Deffentlichkeit. Da steht der Hitler in seiner ganzen Redseligkeit und persichert, er fenne auch heute noch feinen anderen militärischen Führer als Ludendorff. Für ihn und feine Leute sei Ludendorff der Mann, der Deutschland befreien" muß. Er allein hat den Namen und die Fähigkeit dazu. Und daneben der Ludendorff: Ich habe mir damals das gedacht; dann dieses und wieder ein andermal je nes. „ Graf Flohbiß de Poporino." Bon Erna Büsing. Ort der Handlung: Lurus- Kino. Frau Albekannt, mit ihrer zur Rundung neigenden Körperlichkeit das Bolster sichtbar brückend, fißt wohlverstaut in ihrem Seffel. Sie sieht sich nur Gesellschaftsfilme an, weil die„ immer dem Leben entnommen sind und man aus ihnen etwas lernen fann". Das Drchester spielt„ Die Sterne aus ihnen etwas lernen kann". Das Orchester spielt Die Sterne am Himmel" nach dem„ Rosenkavalier" und dann geht der Borhang hoch. Frau Allbekannt verspürt einen leisen Zug von der Bühne her, und sie knüpft ihr teures Stinktier( sprich Stunts) eng um den Hals. 1. Att. Edith Meier ist der Sonnenschein ihrer Mutter, einer 1. Att. Edith Meier ist der Sonnenschein ihrer Mutter, einer gutfituierten Dame, Graf Flohbiß de Poporino, ein gereifter Mann, ist ein häufiger Gaft im Hause. Zwischen ihm und Edlih besteht ein ist ein häufiger Gast im Hause. Zwischen ihm und Edlih besteht ein wahres Freundschaftsverhältnis, behütet und bewacht von den gütigen Augen der Frau Mutter. Edith ist ein allerliebster Schelm. Sle laut einen Apfel und wirst das Kerngehäuse threm Hund auf den Kopf. Edith lacht, die Mutter lächelt holdselig, der Graf lächelt innig. Der Vorhang fällt. Frau Allbekannt lächelt gerührt und nachdenklich in sich hinein und das Stinktier wackelt mit dem Kopf. I | Bis schließlich fogar der ach fo fammesgeduldige Borshende ungeduldig wird und knurrig fragt: Was haben Sie sich denn eigentlich gedacht? Man kann sich in die Gedankenwelt von Menschen verfeßen, die der Meinung sind, nur ein gewaltsamer Aufstand tönne eine Besserung vorhandener Zustände bringen, und die mit vollem Bewußtsein auf einen solchen bewaffneten Butch hinarbeiten. Das mögen politische Kinder sein, aber man muß unter Umständen ihre Ehrlichkeit und ihren ernsten Willen anerkennen. Aber daß ein Mann wie Ludendorff, der einst der militärische Diktator eines ganzen Wolfes in Waffen mar, jeßt, da er zum zweiten Male beim Putsche betroffen wurde, so erbärmlich kneift, daß er sich auf die Kinderformel zurückzieht: er hätte sich eigentlich in der entscheidenden Stunde gar nichts gedacht, sondern fei nur mitgelaufen, weil man ihn geholt hatte das ist beschämend sogar für feine Gegner! Der Mann, der am Brandenburger Tor morgens um 6 Uhr in voller Generalsuniform„ rein zufällig" spazieren ging, war schon eine fomische Figur. Der Mann aber, der nach solchem Erlebnis noch einmal putschte und dann wieder von allem nichts gewußt haben will, ist einfach un möglich. Oder sollte es sein! Freilich werden ihn seine juristi schen Berater über den besten Weg informiert haben, auf dem er sich aus den Paragraphen chlingen befreien fönnte, nach dem selbst ein Hindenburg es nicht fertig gebracht hatte, ihn von der Anklagebant fernzuhalten. Aber diese Versuche, sich herauszuschwindeln, find doch so unsäglich findisch, daß man nur sagen fann: Pfui Teufel! Die Dispositionen im Hitler- Prozeß. Mit den letzten Bernehmungen der Angeflaaten ist gestern die Beweisaufnahme abgeschlossen worden. Nach dem Abschluß der Beweisaufnahme wurde die Sigung gestern um 1 Uhr gefchloffen. Man unterhielt sich 1½ Stunden lang hinter perschlossenen Türen über die Frage, ob die Plädoyers in poiler Deffentlichkeit oder in geheimen Gigungen stattfinden sollen. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen. Der heutige Mittwoch ist des tatholischen Feiertages wegen figungsfrei, ebenso der Donnerstag, um den Vertretern der Anklage Gelegenheit zur Vor: bereitung ihrer Plädoyers zu geben. Die nächste Sigung beginnt am Freitag pormittag mit dem Plädoyer des Staatsan walts. Vorher dürfte dann voraussichtlich der Gerichtsbeschluß verkündet werden, ob für die Plädoyers die Offentlichkeit ausge fchloffen wird oder nicht. Die Verteidiger haben gegen den Ausschluß energifchen Widerspruch erhoben und haben verlangt, daß sie in poller Deffentlichkeit plädieren dürfen. Am Freita a plädieren die beiden Staatsanwälte, am Sonnabend R.-A. Roder für Hitler, am Montag die Rechtsanwälte Holl und Mener für Dr. Weber sowie R.-A. Gademann für Kriebel, am Dienstag die Rechtsanwälte Roder und Hemmeter für Pöhner, Juftizrat Schramm für Röhm und Justizrat Bauer für Oberleutnant Per net, am Mittwoch R.-A. Göz für Oberleutnant Frid, R.-A. Hem ' meter für Leutnant Wagner und schließlich am Donnerstag die Rechtsanwälte Dr. Luetaebrune und Juſt arat v. Bezschmitz für Ludendorff. Fast alle Angeklagten haben bereits erklärt, daß fie auf ein Schlußwort verzichten, nur hitler( 1) hat für den Schluß eine große politische Rede bereits angefündigt. Das Urteil ist für Montag, den 31. März. zu ermorten, also zum legten möglichen Termin, da bekanntlich mit bem 1. April die bayerischen Boltsgerichte aufgehoben find. Eine Falschmeldung. Die Grpreß Korrespondena berbreitet folgende Melbung aus München: Wie verlautet, ist ber bisherige fozialdemokratische Landtagsabgeordnete und Rechtsanwalt in München Sänger auf dem Nürnberger Parteitag aus der sozialdemofratifchen Der Grund feines Austritts war Partei ausgetreten. die Haltung der Partei zur Striegsichuldfrage und zum Bazifismus." Wie wir durch telephoniiche Anfrage bei dem Genoffen Sänger feftgestellt haben, ist an der Meldung nur richtig, daß Genoffe Gänger auf einer Bezirkskonferenz in Nürnberg vor fechs Wochen einen Vortrag gehalten hat. Er denkt selbstverständlich nicht daran, aus der Partei auszuscheiden. Die Meldung entbehrt also jeder tatsächlichen Grundlage. Dekoration am Weg, über den Seine Majestät geht. Berwundete schreien Hurra. Seine Majestät schreitet auf Graf Flohbiß de Poporino zu, der Majestäts jüngsten Sohn vom Heldentot errettet hat blid tommt die Feldpost und der Graf hält einen Brief von Edith und heftet ihm einen Drden an die Heldenbrust. Im selben Augen in der Hand, Der Vorhang fällt. Frau Albelannt ist echauffiert. Sie fächelt sich mit ihrer Belzboa Luft zu, greift nach zühlenden Früchten, die eine kleine Berkäuferin feilbietet und Ausgerechnet Bananen," denkt das Stinftier. 5. Art. Einzug der Soldaten. Ehrenpforten, weißgefleibete Jungfrauen und Rüdentifien mit eisernen Kreuzen. Frau Meier eine Gräfin Klauviel, die sie einfach erzog, damit einst ihr Gatte hat ein Geheimnis enthüllt. Edith ist nicht ihre Tochter, fondern fie um ihrer selbst willen und nicht ihres Geldes und Namens wegen, frele. Hochzeitsglocken erflingen und Graf Flohbiß de Boporino und Gemahlin Edith, geborene Gräfin Klauviel, werfen Geldmünzen unter bettelnde Kinder. Im Orchester singt eine Nachtigall liep, jep. Der Vorhang fällt. Frau Allbekannt verläßt belehrt und gerührt das Lugus- Rino. Das Stinktier wird lose um den Hals gelegt. Auf der Straße fieht sie einen Kriegsblinden, den fein Hund führt. Sie sieht, ohne helfend einzugreifen, ruhig zu, wie der 2. Aft. Edith, zur Jungfrau erblüht, bemerkt, daß aus der Hund ihn und sich mühevoll über den Damm bringt. Dann denft Freundschaft des Grafen Liebe geworden ist. Sie liebt ihn mit fie gerührt: Ach, rein, wie flug doch solch Hundchen ist". Das der ganzen Hingabe ihrer leuschen Mädchenseele, aber sie will nicht. Stinktier ist auf die Erde gefallen, ein Betteljunge hebt es auf, gibt daß er eine unstandesgemäße Ehe eingeht. Sie hat zu viel junges feiner Besizerin und Frau Allbekannt fagt laut: Schrecklich, fräulichen Stolz, um ertragen zu können, daß es in der Gesellschaft daß zerlumpte Zungen sich in solch vornehmer Gegend herum. heißt, der Graf Flohbiß de Boporino heiratete nur eine einfache Meier. Edith liebt den angebeteten Mann aufrichtig und darum bringt sie das größte Opfer, nämlich das der Entsagung. Sie ent flieht auf einem Motorrad. Der Borhang fällt. Frau Allbekannt feufzt tief und sie lüftet die Umflammerung des Stinktieres. 3. Att. Krieg bricht aus. Marschierende Soldaten, Menschenmengen und im Orchester Glocengeläut und Trommelwirbel. Graf Flohbiß de Poporino nimmt von Edith Abschied hinter'm Garten zaun. Der edle Graf möchte am liebsten die holde Mädchenknospe jeht an sich reißen, aber nein, feine Liebe ist zu groß und rein, er macht teine Kriegstrauung. Er fönnte doch draußen zum Krüppel geschossen werden und dann wäre Ediths junges Leben an das eines flechen Mannes gefeffelt. Der Graf Flohbiß de Boporino bezwingt sich und scheidet mit einem hochachtungsvollen Handfuß. Das Orchester spielt:„ Es ist bestimmt in Gottes Rat." Der Bor bang fällt. Frau Allbekannt bläht vor Rührung die Rüftern, wie ein Machtomnibuspferd, das frischen Klee riecht, und das Stinttler rutscht über ihre Schultern. 2 4. Att. Kriegsschauplah. Beichen braver Soldaten( Salbaten sind immer brav, wenn sie tot find) liegen als höchst wirkungsvolle treiben". Lady Frederic. 11 | Die Angst vor den Folgen. Das rheinische Zentrum und der Wahlaufenf. Während die„ Germania" sich über die Kritik, die der Wahlaufruf des Zentrums erfahren hat, ausschweigt, tut die Kölnische Volkszeitung" sehr empört darüber, daß der " Borwärts" an dem Aufruf Erhebliches auszusehen hat. Wir können den Zorn des rheinischen Zentrumsblattes verstehen, da die fatho lischen Arbeiter im Rheinland und Ruhrrevier die 3 wiespältigkeit des Zentrums seit langem satt haben. Nach außen hin hängt es sich nach wie vor ein soziales Mäntelchen um, während es nach innen den Uebergang ins reaftionäre arbeiterfeind liche Lager mit aller Macht vorbereitet. Diese Schwenkung foll natürlich bis nach den Wahlen möglichst unbemerkt bleiben, da das Bentrum die Krücken der katholischen Arbeiterschaft gebraucht, um in das Parlament einziehen zu fönnen. Die Arbeiter um Westen haben allerdings bereits Lunte gerochen, wie die Ab. splitterung vom Zentrum beweist. Aus Furcht vor weiteren Ab. splitterungen zeigen sich die Herren deshalb außerordentlich nervös, wenn man den Finger in die wunde Stelle legt. Faktisch weiß die Köln. Bolfsztg." nicht viel auf die Angriffe des Borwärts" zu erwidern. Sie findet die Einführung der Schutzölle ganz in der Ordnung und bezeichnet sie als eine nationale Aufgabe und eine Lebensfrage des Boltes. Das sind Bhrafen, mit denen man alles deden fann. Wie aber die Masse des Volkes bei den Hungerlöhnen und der Arbeits trise das Kunststück fertig bringen soll, den Großagrariern auch noch Sondersteuern zu zahlen, das verschweigt das Blatt. Es weiß weshalb. Hat doch die Deutsche Tages, zeitung bereits dem Zentrum angesichts des Schutzzollaufrufs versprochen, es nach den Wahlen in den deutschnationalen Rechts blod aufzunehmen! Wenn die„ Köln. Volksztg." in der bayerischen Frage der Sozialdemokratischen Partei den Vorwurf macht, sie habe sich im entscheidenden Augenblick der Verantwortung entzogen, während das Zentrum Demokratie und Staatsautorität gerettet habe, so ist es faum nötig, auf die bewußte 3rreführung einzugehen. Die Sozialdemokratie ist seinerzeit aus der Regierung ausgetreten, weil sie die Entfchlußunfähigkeit der bürgerlichen Auch republitaner, der bayerischen Schweinerei end. ich einmal ein Ende zu machen, nicht länger auf ihre Rappe nehmen fonnte. Wie recht die Sozialdemokratie hatte, wenn fie ein energisches Vorgehen gegen Bayern forderte, beweisen der Novemberputsch der Ludendorff und Hitler und der Münchener Monftreprozeß. Der Arbeitsplan des Landtags. Der Welteftenrat des Landtags beriet am Dienstag box. der Vollfigung über die Geschäftslage. Nach Erledigung der Tagesordnung am Dienstag follen in diefer Woche noch eine Reihe von Gegenständen erledigt werden, darunter als wichtige Vorlagen der vom Staatsrat beschlossene Entwurf zur Aenderung des Grundsteuergefeges, ferner die Vorlage über die Kirchen verfassungen der evangelischen Landestirchen, über Jugendwohlfahrt, GEingliederung des Landeswasseramtes in das Oberverwaltungs gericht. Das Haus gedenkt sich dann am Freitag bis nach Ostern zu vertagen, da vorher der Haushalt aller Voraussicht nach wegen seiner Durchberatung im Staatsrat dem Landtag noch nicht Borliegen wird. Nötigenfalls ist für den 8. bis 11. April noch ein lurger Tagungsabschnitt in Aussicht genommen, Die Abbaupraxis der Regierung. Amtlich wird gemeldet: Das Reichsfabinett hat befchloffen, daß gegen die Entlassung aus dem. Reichsdienst oder die Berfegung in den einstweiligen Rubestand auf Grund der Berfonal abbauverordnung den Beamten grundiäglich ein Einspruchsrecht eingeräumt werden soll. Dieses Einspruchsrecht soll auch für bee reits durchgeführte Entlassungen gelten, foll aber nur Beamten und nicht angestellten auftehen. Die näheren Einzelheiten werden durch die beteiligten Ressorts noch bestimmt werden. er Augenblick erfundenen Geschichte von ihrer Untadelhaftigkeit und gleichzeitig ihrem edlen Herzen zu überzeugen. So unwahrscheinlich. Geschichte auch tlingt, er glaubt fie, meil die immense Schulden zu einer reichen Heirat gezwungen ist, nimmt sie verliebt ist, und macht ihr vor der Mutter einen Heiratsantrag, Sie aber ist tatsächlich edler als man glaubt. Obwohl sie durch ihren Vorteil nicht wahr, sondern heilt den jungen Lord von seiner Berliebtheit, indem sie ihn des morgens in ihrem Boudoir empfängt und fich vor seinen Augen die falschen Haare anstedt und den blühenden Teint auflegt( Das erstaunte Entsetzen des Lerds wurde von Wolfgang 3ilzer prachtvoll jungenhaft gespielt.) Als der lebenskundige Onkel mit Hilfe feines Echedbuches die finanziellen Schwierigkeiten von Lady Frederic aus der Welt schafft und ihr milienromen mit monhänen und wißigen Zufäßen, der recht wohl Herz und Hand bietet, ist alles in bester Ordnung. Das recht vergnügliche Stüd ist ein im Grunde rührsamer Fr als eine Abendunterbal una gelten fenn befonders für das Bubli fum des Kurfürstendamms, das in der Welt, in der man nichts tut vielleicht zu Hause ist. Ich persönlich fann über die Lebenswar heit eines Miliers, in dem das Geld nicht erworben wird, sondern in dem das Schedbuch alle Schwierigkeiten aus der Welt räumt, nichts aussagen, Die Borstellung flappte famos. Im Mittelpunkt stand Leo. polb ne Konstantin, auf beren Leib die Rolle der Lady Fre beric zugeschnitten ist, fie stellt eine vollendebe Dame von Welt dar mit Schämerei, Ueberlegenheit und auch mit Anmut. Heinrich Schroth gab einen blofierten Lebemann, nicht ohne ab und zu langweilt zu wirken. Wilhelm Diegelmann war ein poltern. der Fallstaff im Emoting. Ernst Degner. Doner 300, tas bemnächst feierlich eröffnet werden wird, ist das Das größte Aquarium der Welt. Das Aquarium des Lon.) größte und schönste Institut dieser Art, das bisher errichtet wurde. Jeder der 95 riesigen Schaubehälter, in denen sich die Welt der Wasser. tiere entfaltet, ist ein fesselndes Bild für sich. Den Hintergrund. diefer Wasserschauspiele bilden Felsen und Steine, Schlingpflanzen: und Baumwurzeln, die von weit her zur Ausschmückung der Bea hälter herbeigebracht wurden. Hie und da find Höhlen unter Wasser angelegt, in die man wie in geheimnisvolle Tiefen durch das grüne Glas hineinschaut, Das Aquarium ist 450 Fuß lang und enthält eine Salzwasser, eine Süßwasser und eine tropische Abteilung. Die Schöpfer des Aquariums, die beiden Zoologen Boulenger und Chalmers Mitchell, haben die schönsten existierenden Aquarien, bar. unter auch das Berliner, eingehend studiert und auf Grund ihrer Erfahrungen die neue Anlage geschaffen, die 54 000 Pfd. Sterl. foftet. Die Einrichtung dieses Wafferzoo" ftieß auf manche unerwartete Schwierigkeiten. Das Seewasser wurde zu Schiff vom Golf Don Biscaya nach ben Londoner Dods gebracht und dann mit Hilfe riesiger Röhren in das Aquarium geleitet. Dies Wasser wird in. bleiben tönnen. Die Größe der Behälter, beren größter 30 Fus mißt und etwa 350 hektoliter umfaßt, machte die Wahl eines Glajes nötig, bas biefem gewaltigen Drud Widerstand leisten fonnte. Da mit hatte man zunächst fein Glüd. Eines Tages wurde der Sos durch die Nachricht in Aufregung verfekt, daß einer der größten Tants zerbrochen sei. Es war ein dramatisches Schauspiel, als Es wäre verfehlt, zu glauben, daß der Barfümfinn bes Rur. fürstendamms rur in Berlin meht. Bei seinem Studium der dramatifchen Weltliteratur schürfte Herr Direktor Robert den englischen Dichter William Somerset Maugham auf, dessen Lustspiel Lady Frederic" eigens für das exquisite Theater am Kurfürsten damm geschaffen scheint. In dem Stück flimmert die vornehme Atmosphäre der eleganten Anderthalbwe't. Da es außerdem durch hierzulande originelle Einfälle ausgezeichnet ist, erzielte es bei der gestrigen Premiere in diesem Theater reichen Beifall. teffen Lautheit nur durch die verpflichtende Berlin- M.- Blafiertheit gedämpft war.. Um Lady Frederic, deren Ruf infolge fortgefehten Lebens mandels etwas abgegriffen ist, bemüht sich ein tnabenbafter Jüng ling, ein Lord, der zehn Jahre jünger als die Lady ist Die drohende Mißheirat verfucht seine sorgende Mutter( von Adele Sanbfolge fachgemäßer Behandlung mehrere Jahre in dem Aquarium rot mit hochwohlgeborener, leicht lächerlich mirtender angestaubter Grandezza tunstvoll dargestellt) zu hintertreiben, indem fie bem Sohn ihre lebhafte Bergangenheit aufdeckt Damit erreicht fie aber, wie ihr lebensfundiger Bruber richtig vorhergefagt hat, das Ge. genteil. Der in allen Künsten der Menschenbehandlung erfahrenen Lady Frederic gelingt es, den verliebten Jungen mit einer im Bayerischer Volksentscheid am 6. April. München, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem der bayerische Landtag in seiner Schlußsitzung am Montag das Bolts. begehren auf Aenderung der Verfassung abgelehnt hatte, weil mit 72 Stimmen für und 66 Stimmen gegen die Verfassungsänderung die erforderliche Zweitrittelmehrheit nicht erreicht worden war, muß nun dieses Boltsbegehren nach der Berfassung der Ent. scheidung des Volkes unterbreitet werden. Das Staatsministerium hat bereits, wie aus einer Verfügung im„ Staatsanzeiger" ersichtlich ist, diesen Bolks entscheid auf den 6. April, also auf den Tag der Neuwahlen zum Landtag, anberoumt. Dabei ist über folgende Fragen zu entscheiden:„ Soll folgendes Verfassungsgesetz eriassen werden? Der im ersten Halbahr 1924 neu gewählte Landtag ist ermächtigt, ein Gefeß zur Umgestaltung der bayerischen Verfassung mit einfacher Mehrheit seiner Mitglieder zu beschließen. Die Stimm zettel für die Landtagswahl und die Boltsentscheidung sind zusammen mit einem Wahlumschlag abzugeben. Kleine Vorlagen im Landtag. In der gestrigen Landtagssigung brachte Abg. Schulz- Neukölln ( Romm.) einen Antrag ein, wonach der Landtag seine sofortige Auflösung beschließen soll.( Große Heiterfeit.) Der Präsident Leinert erklärte die fofortige Beratung diefes Antrages für unzulässig. Der Hauptausschuß hat hinsichtlich der Neubauten auf der Berliner Museumsinsel beschlossen, dem Landtag die Durchführung der Neubauten ohne Abstriche zu empfehlen; die Mittel sollen durch eine Lotterie nach dem Muster der Kölner DombauLotterie aufgebracht werden. Abg. Dr. Waenfig( S03.) empfiehlt diesen Weg als ben geeig. netften. Erforderlich sei ein fruchtbares Zusammenarbeiten der Künstlerschaft mit den staatlichen Organen. Abg. Kimbel- Berlin( Dnat.) erklärt, daß der Landtag über diese Baufrage in den Vorjahren falsch informiert worden sei. Die Vorwürfe gegen die Bauleitung feien durchaus unberechtigt. Abg. Dr. Schwering( 3.) bezeichnet den Bau als ein gewaltiges nationales Baumert, das u. a. den Schatz der pergamenischen Alter. tümer aufnehmen soll. Der Bau müsse ausgeführt werden. Abg. Buchhorn( D. Vp.) betont ebenso die kulturelle Bedeutung solcher Bauten und verlangt absolute Klarheit zwischen der FinanzDirettion" und der Bauleitung. Der Antrag des Hauptausschusses wird angenommen. Die Vorlage zur Bedeichung des Vorlandes vor der Wieding harde im Regierungsbezirt Schleswig wird angenommen. In namentlicher Abstimmung wird die Entschließung Winckler ( Dnat.) auf einstweilige Einstellung der Maßnahmen gegen die Dampfteffelüberwachungsvereine mit 179 gegen 142 Stimmen angenommen. Die weiteren Anträge der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei über Belaffung der Auffichtsbefugnisse bei den Vereinen und Zurückziehung der Erlaffe des Sandelsministers über die Anstellung von den Gemerfschaften genehmen Betriebsfontrolleuren und die Bildung von Ausschüssen mer. den dem Handelsausschuk überwiesen. Mittwoch 12 Uhr: Jugendwohlfahrtsgefeh. Kirchenverfassungs gefet, fleinere Borlagen. Schluß 5% Uhr. Republik Perfien? London, 18. März.( WIB.) Reuter meldet aus Teheran, die fortschrittliche Partei, die mit der sozialistischen Partei Die Mehrheit, im Parlament bilde, habe sich für die Abseßung des Schahs und die Ausrufung der Republit erklärt. Demokraten und Neu- Republikaner. Die Redakteure Rari Better und Carl v. Offiepty, die eine führende Rolle bei der Begründung der neuen Republikanischen Bartei" spielten, sind aus der Redaktion der Berliner Boltszeitung" aus. gefchieben. Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man weiß, daß der Chefredakteur des Blattes für die Demokraten tanDidiert Die türkilde NationalberFrauenwahlrecht in der Türfel. fammlung hat die ersten siebzehn Artifel der neuen republifanichen Berfaffung angenommen. Der Artifel zein dieser Verfassung berleibt das Wabirect an Männer und Frauen, die das 18. Lebensjahr überschritten haben. plötzlich große Rochen und Sägefische in den korridoren des Ge. bäudes herumplätscherten und sich sehr ungehalten darüber zeigten, daß man sie so aufs Trodene gelegt hatte. Es gelang glücklich, die There wieder einzufangen, ohne daß sie durch dieses Abenteuer gefafädigt waren. Tas Gas, das dann schließlich für die größten Tants benutzt wurde, hat eine Dide von 1% Boll. Brennstoff in der Westentasche. Wer einmal die Bekanntschaft mit Thermit gemacht hat, das in furchtbar heißem Glutstrom Straßenbahnschienen zusammenschmi zt, wird den Kopf schütteln, wenn man ihm vorsch äg, mit diesem Brennstoff" das Blätteisen oder den Lötkolben zu erhitzen. Thermit besteht aus einem Gemisch von Eisen- und Aluminiumpulver, das, in geeigneter Weise entzündet, unter großer Higeentwidlung schmilzt, wobei Temperaturen von etwa 3000 Grad Celsius entstehen. Jest find, nach der Hamburger Technischen Rundschau", findige Köpfe auf die Idee gekommen, biefe im großen feit langem angewandte Heizart in eine geeignete Form für Haus, Werkstatt und Montageplähe zu bringen. Man hat fleine Kapseln hergestellt, etwa in der Größe einer Taschenuhr, die das thermitähnliche Pulver enthalten, das an sich ja völlig ungefährlich und harm os ist. Im Dedel ist eine besondere Masse eingebettet, die etwa die Rolle des Zündhütchens in einer Patrone spielt, nur mit dem Unterschied, daß es nicht durch Echlag, sondern nur durch ein chemisches Zündholz in Brand gesetzt werden fann, das durch einen Kreuzschnitt im Dedel eingestellt ist Ein solches Moßheizbritett", wie man es getauft hat, fann man unbedenklich in der Westentasche tragen Allerdings ist es nicht ohne weiteres zu verwenden, es bedark dazu besonders gebau'er Apparate, die der plötzlichen Hize entwicklung gewachsen find. Zunächst hat man ein Blätteisen und einen Lötkolben hergestellt. Das Blätteisen wird aufgeklappt und die Dose in eine wollausgekleidete Höhlung reegt, dann geschlossen und entzündet. Nach 2 Sekunden ist der Blättstahl etwa 120 Grad heiß; ungefähr 20 minuten tann man mit ihm bügeln, ehe er zu weit abgefühlt ist. Aehnlich ein Lötkolben, der allerdings wegen der bedeutend höheren Temperatur, die das Löten erfordert, mit einer Batrone nur etwa 8 Minuten arbeitsfähig bleibt. Eine weitere Anwendung, die schon erprobt ift, liegt in der Ausnußung für die Ingangfehung von Glühtopfmotoren, die heute durch Erwärmen des Ropfes mit der Lötlampe recht zeiiraubend ist, mitunter in Fischer booten auf hoher See in Sturm und Wet'er auch versagt, während die chemische Zündung der Patrone unter allen Umständen gelingt. Die schwedischen Truppen verwenden die Patronen auch schon ver fuchsweise für das Erhihen von Wasser zur Speisebereitung auf Felddiensten in Eis und Schnee. Für die allgemeine Anwendung find derartige Brifetts" natürlich zu fostspielig. das sei gefagt, um nicht fa sche Hoffnungen zu erwecken, aber in Sonderfällen, wo es auf rasche Wirkung von fürzerer Dauer antommt, erscheinen sie durch aus wirtschaftlich. " In der II. Lanzmafinee der Boltsbühne, bie am Sonntag 80. åra, mittags 12 Uhr im beater am Balomplas ftaft findet, wird Leni Riefenstahl außer thren bekannten Brogramm. nummern( Tänze bes Cros, Sinfonie, Traumblüte usw.) bret in Berlin noch nicht gezeigte Neufchöpfungen borführen. Starten zu 70 Bf.( Nichtmitglieder zahlen 50. nach) in der Geschäftsstelle der Bolts. Bühne, Linienſtr. 227, sowie in den bekannten Zahlstellen erhältlich. Der Prozeß gegen Zeigner. Die Rolle des Staatsanwalts Fiedler, Celpzig, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Angeklagte Möbius erklärt, daß er seine ersten Ausfagen unter der Einwirkung der Haft( er ist auch wirklich, nachdem er feine belastenden Aussagen gemacht hatte, aus der Haft entlassen worden) und unter dem Einfluß des Untersuchungsrichters Fiedler und des Rechtsanwalts Dr. Meltzer gemacht habe. Bei den letzten Vernehmungen hat Möbius dann die gleichen Ausfagen wie jegt vor dem Gericht gemacht. Er erklärt, damals Dr. Beigner abfichtlich belastet zu haben, um sich zu entlasten. Charakteristisch für den Wert der früheren Aussagen des Möbius ist folgende kleine Episode: Aus dem Gans- Patet, das von Brandt Dr. Beigner überreicht worden ist, sollten die Gänsefüße herausgegudt haben. Frau Brandt aber versicherte, daß jener Gans die Beine abgehadt waren. Der Angeklagte gibt heute zu, daß er durch diese Einzelheit seine Darstellung um so glaubhafter machen wollte Selbst dem Untersuchungsrichter gegenüber hatte Möbius seinerzeit schließlich auf Vorhalt erklärt:„ Es geht jedem Menschen so, er fann brückt, dann muß er die Wahrheit lagen". Die Bernehmung nir eine bestimmte Zeit das auf dem Gewissen halben, was ihn Dr. Beigners zum Fall Brandt deckt sich im allgemeinen mit der Darstellung des Möbius. Der Vorsitzende hält darauf Dr. Zeigner die Vorstrafen Brandts vor, der mehrmals wegen Berstöße gegen die Rationierungsvorschriften bestraft worden war. Dr. Zeigner erklärt, daß troßdem seine Begnadigung wegen seines hohen Alters angebracht schien. Auf weiteren Borhalt des Vorsitzenden, daß er in der Boruntersuchung sich dahin geäußert habe, daß er das von Brandt erhaltene Geld zu einem Teil für eine sozialistische Studentengruppe und zum anderen Teil für eine Jugendgruppe im Erzgebirge verwandt habe, behauptet Dr. Zeigner, diese Auslage nur aus dem Wunsch heraus, Möbius nicht zu belasten. gemacht zu haben, da er befürchten mußte, Möbius könnte widrigenfalls über die Bernichtung der Aften Mitteilung machen. Diese handlung wäre aber in zwei Monaten der Berjährung verfallen. Nun sollte die Bernehmung des Zeugen Brandf folgen. Durch Krankheit ist er jedoch am Erscheinen verhindert; feine Aussage wird deshalb verlesen. Er hat vor dem Unter suchungsrichter im großen und ganzen die Darstellung Möbius und Dr. Beigners von der Beceanuna im Café Linnold bestätigt. Er bestritt damals nicht die Möglichkeit, dth Dr. Zeigner wirklich eine Bewegung gemacht habe, als wolle er das Kuvert mit dem Geid nicht annehmen. U. a. erklärte er, daß er den Eindruck hatte, Dr. Beigner vermute in dem Kuvert Geld, auch daß er sich freue. Auch foll Zeigner auf die Worte des Zeugen: Rümmern Sie sich doch um meine Sache," mit einem Sawohl geantwortet haben. Aus der weiteren Verlesung der Aussage des Zeugen Brandt geht hervor, daß er nach Borhalt durch Dr. Zeigner selbst in Gegenwart des Untersuchungsrichters feine Darstellung, die zum Teil mit den Aussagen Dr. Beigners nicht übereinstimmte, geändert hat, so u. a. die belastende Behauptung in bezug auf das Qu'ammentreffen im Café Lippold und über die Empfangrahme der Gans. Er blieb aber troß mehrmaliger Borhaltung durch den Untersuchungsrichter immer wieder dabei, daß er außer den beiden Malen nicht mehr Dr. Beigner gefehen habe. Möglich sei, daß er sich zu Möbius ge. äußert habe, er wolle feine Wirtschaft verfallen lassen. Diese Be hauptung ist insofern für Dr. Zeigner äußerst belastend, als er auf den Gnadenatten des Brandt einen Vermert gemacht hatte, aus dem zu ersehen war, daß Brandt bei ihm persönlich vorgesprochen dem zu ersehen war, daß Brandt bei ihm persönlich vorgesprochen hat. Aus den feitenlangen Aussagen des Zeugen ist nur weniges von Interesse. Nach der Mittagspause macht Rechtsanwalt Dr. Graf, ber mit Dr. Beigner intim befreundet war und auch ihm als Anwalt zur Seite ftand, feine Aussage. Dr. Beigner bat thn feines Schweigegebots entbunden. Er betundet, daß er, als er von Minister Dr. Neu über die schweren Anschuldigungen, bie gegen Dr. Beigner erhoben worden waren, Renntnis erhalten hatte, ber Ansicht war, daß im Interesse der Partei und der Deffentlichkeit sofort Schritte aur Klärung der Angelegenheit unternommen merden müßten. Den Montag darauf erschien Zeigner in unglaublicher seelischer Verfassung bei ihm. Er riet ihm, fofort fein Mandat niederzulegen und sich dem Etaatsanwalt zur Verfügung zu stellen. auch am nächsten Morgen, als er zu ihm tam und immerfort wieder in Weinen ausbrach, gab er ihm denselben Rat. Am 20. November erhielt er dann die Nachricht vom Staatsanwalt, daß Beigner sich noch immer nicht gestellt habe. Darauf schrieb er ihm einen scharfen Brief. Als er dann am 23. aus Hamburg zurückkam, erfuhr er, daß Reigner bereits vernommen worden war. Er glaubte befürchten befand, eine Bernehmung gefährlich für ihn fein tönnte. Der zu müssen, daß unter dem seelischen Zustande, in dem sich Dr. Zeigner Neue Deutschenverfolgungen in Polen. Auslieferung eines deutschen Sejm- Abgeordneten. Warschau, 18. März.( EP.) Der Geschäftsordnungsausschuß des Sejm beschloß mit 8 Simmen der Rechten und der nationalen Ar beiterpartei gegen 7 Stimmen der freiheitlichen Bauernpartei, Sozia listen und nationalen Minderheiten, den bekannten Borkämpfer der Minderheitsrechts, Landrat a. D. Naumann, den Borfizenden der deutschen Fraktion im Sejm und Senat, bessen Initiative es zu verdanken ist, daß die zwischen den Minderheiten und der polnischen Regierung ftrittigen Rechtsfragen auf Grund des Minderheitsschutzvertrages vor das Forum des Bölkerbundes und des Haager Gerichts gebracht wurden, an das Bezirksgericht in Bromberg. auszuliefern. Die Staatsanwaltschaft begründete das Auslieferungsbegehren damit, daß der Minderheitspolitiker nicht polnischer, sondern deutscher Staatsbürger sei und sich nur durch eine falfche Gintragung in bas Standesregister die polnische Staatsbürgerschaft selbständig zugelegt habe. Diese Auslegung geht auf einen ber strittigen Punkte in der Optionsfrage zurück, in denen bie polnische Regierung die Bftimmungen des Versailler Bertrages dahin auffaßt, daß im preußischen Tel'gebiet nur jener preußische Staatsbürger die polnische Staatsbürgerschaft erwerben tönne, dessen Eltern im Jahre 1920 lebten und in Bolen anfäfig waren. Da der Bater Naumanns, der im preußischen Teilgebiet geboren und Zeit feines Lebens dort tätig war, im Jahre 1920 gar nicht mehr lebte, wird ihm die, po'nische Staatsbürgerschaft bestritten. Der Kommiffionsbefchluß erfolgte am felben Tage, ba Stir munt in Genf die Zusicherung gab, daß weitere Ausweisungen Bei dem nationalistischen aus Bolen unterbleiben würden. Rurs in Bolen ist an eine Einhaltung dieses Bersprechens nicht zu denken. Die Bofener Blätter veröffentlichen bereits eine neue Liste ber demnächst stattfindenden Liquidationen. Politischer Riefenprozeß in Kiew. Warschau, 18. März.( Eig. Drahtbericht.) In Lemberg ift eine abfchrift des anklagealtes eines neuen Riefenprozeffes eingetroffen, den die Sowjetregierung gegen die prominentesten Führer der ukrainischen Nationalbewegung eingeleitet hat. Die ruffifchen Behörden wollen eine Geheimorganisation entbedt haben, deren in Baris befindliche Leitung fämtliche antilom. munistischen Elemente umfaßt. Das Kiemer Romitee führte ben Namen Zentrum der Zat" und soll burch eine besondere Abteilung die Verbindungslinie mit der polnischen Generalstaats- Expofitur in Lemberg bauernd in Fühlung gewesen sein. Der Spionage zu Zeuge hatte auch den Einbruck, durch Rücksprache mit feinem Mandanten Kay, der anfangs auch in der Sache zeigner eine Rolle gespielt hatte, daß Treibereien im Gange waren. Der. felbe Stay hat sich auch ihm gegenüber dahin geäußert, daß er, Raß, fchließlich alles zugeben würde, ta der Staatsanwalt Fiedler ihn ohne Ende quäle. Etwas Aehnliches hat auch der Angeklagte Möbius nach seiner Haftentlassung behauptet. Auf seine Frage, ob denn alles wirklich wahr sei, was er vor dem Staatsanwalt ausgesagt habe, meinte letterer: Es blieb mir nichts anderes übrig, da ich sonst nicht aus der Haft entlassen worden wäre. Auf die Aufforderung des Berteidigers erklärt der Zeuge, daß er unter feinen Umständen Dr. Zeigner das, was ihm zur Last gelegt wird, zugetraut hätte. Als ihm davon erzählt wurde, emp fand er es als Beleidigung ihm gegenüber. Auf die Frage des Ver teidigers Dr. Frant I gibt der Zeuge ein Gespräch mit dem Staats. anwalt Fiedler wieder, der ein äußerst feindliches Wesen gegen Dr. Zeigner zur Schau trug. Er meinte: Wir werden ihm schon heimzahlen für seinen Republikanischen Richterbund. Solch Gespräch machte der Zeuge sofort dem Justizminister Dr. Neu Mit eine Korruption ist ja nur in der Republit möglich. Von diesem teilung. Mit Dr. Beigners Eache wurde darauf ein anderer Beamter beauftragt. Auf die Frage der Berteidigung caratterisiert der Zeuge Dr. Zeigner als einen etwas ängstlichen Menschen. Der Vorsitzende meint dazu, daß der Angeklagte sich aber in der Attacke gegen den Reichswehrminister Geßler durchaus nicht ängstlich erwiesen habe. Darauf erflärt der Beuge, es sei doch etwas ganz anderes, ob man gegen seinen politischen Feind einen Borstoß unternehme, oder ängstlich bemüht sei, daß man auf seine weiße Leben siehe. Dr. 3eigner erklärt dazu, er habe feine Attade Weste feinen schwarzen Fleck abbekomme, wenn man im öffentlichen auf den Reichswehrminister unternommen, sondern habe sich in der Defensive befunden. Er läßt sich dann über die Ereignisse aus, die sich unmittelbar an seine Besuche bei Dr Graf angeschloffen haben. Als er treg Warnung des letzteren doch Möbius aufgesucht hatte, um sich Gewißheit zu verschaffen, fuhr er zuerst nach Dresden, dann nach Berlin. Hier blieb er ungefähr eine Woche. Er hatte gebeten, daß man ihn von einer evtl. Ladung in Kenntnis fege. Das gefchch aber nicht, und als er nach Dresden zurückkehrte, erfuhr er, daß von der Etaatsanwaltsd aft ein Schreiben eingelaufen sei. Gleich darauf wurde er verhaftet. Als folgender Zeuge wird Staatsanwalt Fiedler vernommen. Er erzählt, wie er Möbius immer wieder veranlaßte, bei der Wahrheit zu bleiben und nur das auszusagen, was er vor seinem Gewissen verantworten tönne. Möbius hat aber immer nur das zugegeben, was ihm von den Zeugenaussagen vorgehalten wurde. Es folgt eine dramatische. Szere. Dr. Graf hält dem Etaatsanwalt die früher von ihm dem Gericht mitgeteilte Aeußerung vor. Staatsanwalt Fiedler verneint entschieden, die Veußerung gctan zu haben. Als nächster Zeuge folgt Rechtsanwalt Dr. Melzer. Er beginnt seine Aussagen mit der Feststellung, daß ihm die Bes gnadigungspraxis von Dr. Beigner äußerst eigentümlich vorkam. Bon verschiedenen Mandanten befam er zu hören, daß mehrere Parteifreunde Dr. Zeigners imftande wären, Begnadigungen durch zudrüden. Er wollte nicht daran glauben, fuhr aber eines Tages nach Dresden und stellte fest, daß in dem Vorzimmer des Ministers fich Menschenmassen stauten. Als dann der Zeuge sich über Fälle auszulaffen beginnt, die nicht zur Anflage stehen, und z. B. die ehe malige Gna de n pragis des fächsischen Königs rühmt, tommt es zu einem lebhaften Zusammenfloß zwischen dem Borfihenden und der Berteidigung bie barauf besteht, baß der Beuge nur über Tatsachen, die der AnTage zugrunde liegen, befragt wird. Der Zeuge fährt dann fort und erzählt, wie Frau Friedrichson zu ihm tam und ihren Besuch, den sie gemeinsam mit Möbius in Dr. Zeigners Wohnung abftattete, schilderte. Die meitere Bernehmung des Angeklagten. breht fich hauptsächlich um die Perfon des Möbius und dessen Be ziehungen zu dem Rechtsanwalt Melzer, der anfangs sein Ber teidiger war. Möbius behauptet, Dr. M- lher habe ihn beeinflussen und veranlassen wollen. Dr. Zeigner zu belasten. Dr. Melzer be. hauptet dagegen, in feiner Weise Möbius beeinflukt zu haben. Er habe stets darauf gedrungen, er solle nur bei der Wahrheit bleiben, was auch fomme. Möbius habe ihm übrigens erfärt, daß gewisse Leute an ihn herangetreten seien, die ihm Baß und Geld versprachen und auch für seine Familie sorgen wollten. Zeuge und Angeklagte tommen sehr scharf aneinander. Ein jeder bleibt aber bei seiner Behauptung. nächste Sigung findet am Mittwoch, 9 Uhr, morgens, statt. Die Sigung wird schließlich um 7% Uhr abgebrochen. Die gunsten Bolens werden u. a. beschuldigt: Smirnoff. ebemaliger ukrainischer Unterrichtsminister, Eenatepräsident affilent of Generalstaatsobeist Pawlowsky und eine Reihe von utrat ni den Universitätsprofefforen. Die Verichwörer wollten die Räteorganisation beibehalten, jedoch den Kommunismus beseitigen und das Brivateigentum wieder einführen. Rußland, Frankreich und Bessarabien. Mostau, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) Große Erregung loft in den Sowjetfreifen die eben durch Frantreid erfolgte Ratifizierung der Konvention vom 29. Oftober 1920 aus, duich welche Befiarabien Rumänien zugefprochen wurde. Man wirit Frankreich vor, daß es den Standpunti Rumäniens ur mittelbar vor der Wiener Konferenz unterftligen wolle und erklärt die Ratifizierung als eine Demonstration der französischen Kammer gegen Sowjetrußland. Butarest, 18. März.( Eigener Drahtbericht.) In der rumā. nischen Kammer ist unter Beteiligung sämtlicher Parteien eine Sulbigung für Frantreid aus Anlaß der Ratifizierung der bessarabischen Konvention veranstaltet worden. Churchill im Gemüseregen. Condon, 18. März.( EP.) Winston Churchill, der den Wahlfreis Westminster als unabhängiger ant sozialistischer Kandidat vertritt, erschien gestern unvermutet in seinem Automobil inmitten der Gemüsehändler des bekannten Londoner Gemüse- und Frucht. marktes Covent- Garden, wo er eine Bahire de hielt. Schon nach wenigen Sägen aber ertönten von allen Seiten Rufe:" Darda. nellen! Gallipoli!" und es wurden Rüben, Kar. toffeln und Gemüse Blätter nach ihm geworfen. Churchill fand es für gut, schleunigst den Rückzug anzutreten. Kein Achtstundentag für Parlamentarier. Condon, 18. März.( EP.) Der Abgeordnete Jad Jones schlug im Unterhaus vor, die Arbeitszeit der Barlamentarier gesetzlich auf 8 Stunden festzulegen. Das Unterhaus lehnte diesen Borschlag unter Heiterfeit ab. Die fünf Kreuzer. Condon, 18. März.( EP.) Im Unterhaus erflärte mac. bon alb, er fönne den Vorschlag des Abgeordneten edge mood Benn nicht annehmen, wonach die Entscheidung über den geplanten von fünf Kreuzern einer Abstimmung unterbreitet Bau werden foll 1. Gewerkschaftsbewegung Ausbau der Erwerbslosenfürsorge! Beitragspflicht- Selbstverwaltung- Unterstützungsrecht. Der Bundesausschuß des ADGB. nahm in einer am Dienstag abgehaltenen Eizung zur Erwerbslosenfrage folgende Entschließung an: Die zurzeit für die Erwerbslosen geltenden Unterstützungsfäße erfordern eine sofortige wesentliche Erhöhung. Die Unterstügung der Erwerbslosen ist im Berhältnis zum Lohn und zu den Lebenshaltungstoften immer weiter zurückgeblieben und deckt nicht mehr die allerelementarsten Ausgaben. Schon allein die Erhöhung der Wohnungsmiete hat für die Erwerbs. lofen völlig unerträgliche Zustände geschaffen. Tritt die unmittelbar bevorstehende weitere Erhöhung der Miete ein, so wird ber Erwerbslose faum mehr als den Betrag dieser Miete an Unterstügung erhalten, so daß ihm zum Leben nichts perbleibt. Helfen tann nur eine sofortige ganz wesentliche Erhöhung der Unterstützungssätze. Der Bundesausschuß protestiert entschieden gegen die neuerdings besonders durch die preußische Regierung betriebene, im höchsten Grade ungerechte Ausschaltung zahlreicher Erwerbs. loser von der Unterstüßung. Trogdem die Arbeiter hohe Bei. träge für die Erwerslosenfürsorge tragen müssen, werden ganze Gruppen von Erwerbslosen von der Unterüßung ausgeschlossen Es muß daher schnellstens die Beitragspflicht durch ein Unterstüßungsrecht ergänzt werden. Reich und Länder werden aufgefordert, sofort Motstands. arbeiten in größerem Ausmaß in Angriff zu nehmen. Bei diesen Arbeiten muß für die beschäftigten Erwerbslosen eine Entlohnungsform angewandt werden, die einen vernünftigen Arbeitseffekt sichert. Insbesondere tann die Beschäftigung nur zu den allgemein geltenden Tariflöhnen erfolgen. Der Bundesausschuß protestiert weiter gegen die von einigen Länderregierungen beabsichtigte Trennung von Ar. beitsnachweis und Erwerbslosenfürsorge, Ber. nichtung der Selbstverwaltung und Unterstellung der Durchführung der Erwerbslosenfürsorge unter einseitige ministerielle und behördliche Instanzen. Arbeitsnachweis und Erwerbslofen fürsorge gehören ihrem Wesen nach zusammen, eine Trennung wäre gefährlich für die Wirtschaft und für die durch beide Institutionen zu lösenden Aufgaben. Beides, Arbeitsnachweis und Erwerbslo enfürsorge, muß gemeinsamoon starken Selbstverwaltungsförpern durchgeführt werden. Einigung im Ruhrbergbau. Am Montag nahmen die Bertreter der vertragschließenden Arbeitnehmerverbände des Ruhrbergbaues in einer gemeinsamen Sizung zum Schiedsspruch vom 12. März Stellung. Allgemein murde festgestellt, daß die durch Schiedsspruch eingeführte neue Lohnordnung manche Nachteile gegenüber den früheren vertraglichen Zuständen enthält; die Organisationsvertreter glaubten jedoch, eine Ablehnung des Schiedsspruchs im jezigen Augenblick nicht verantworten zu können, da unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Ruhrberg. bau zurzeit keine andere Möglichkeit besteht, das in der vom BechenDerband herausgegebenen Lohnordnung liegende Diktat unwirt. jam zu machen. Obwohl die Bergarbeiterverbände den Schieds. pruch, um Schlimmeres zu verhüten, nicht ablehnen, soll jedoch von hnen nichts unverfucht bleiben, um die eingetretenen Nachteile wieder zu beseitigen Um die es sowie eine allgemeine Lohnerhöhung badmöglichst zu erreichen und die Erneuerung des Manteltarifs schnellstens zu erzielen, sollen fcfort neue Verhandlungen eingeleitet werden. Der ständige Hinweis der Un'ernehmer auf die Belastung des Ruhrbergbaus durch die Micum- Verträge veranlaßt bie Borgarbeiterverbände, gegen die fast rest lose Abwälzung ber Reparationslasten auf die Bergarbetter er. neut zu protestieren und mit allem Nachdrud für deren Beseitigung pinzutreten. Auch in der nordwestdeutschen Elfenindustrie. Am 16. März war die durch den Schiedsspruch des Reichs- und S'aatsfommissars Mehlich festgesetzte Frist für die Erklärung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände in Effen über ihre Stellung zu dem vorgesch agenen Rahmentarifvertrag für die nordwestdeutsche Eisenindustrie abgelaufen. Der Manteltarif, der wichtige Bestimmungen u. a. über die Lohnregelung enthält, ist fowchl vom Arbeitgeberverband, dem Verein Deutscher Eisen- und S'ah industrieller, wie auch von den drei Metallarbeiterverbänden angenommen worden. Die neuen Reichsbezüge. Die Berhandlungen am 17. März im Reichsfinanzministerium mit den Spizenorganisationen der Beamten hatten einen Berlauf, der Entrüstung hervorrufen muß. Neben einer„ Erhöhung" von 10 Broz. der äußerst niedrig gehaltenen Grundaehälter brachte die Regierung unter Beseitigung des bisherigen Ortszuschlages einen Wohnungsgeldzuschuß in Vorschlag, Der Wohnungsgeldzufchuß gliedert sich in sieben Tariftlassen und beträgt in der Orts flaffe A bei einem Grundgehalt bis 792 m. 250 m., bis 1068 m. 390 m., bis 1692 M. 540 m., bis 2760 m. 720 m., bis 4500 m. 960 m. bis 6420 m. 1260 m., über 6420 M. 1560 M. Bon diesen Beträgen follen jedoch zunächst nur 80 Pro3. gezahlt werden. Die Kinderzufchläge sollen fünftig monatlich 13, 14,50 und 16 M. in den einzelnen Stufen betragen; die Frauenzulage wird nicht erhöht. Für einen ledigen Beamten der Gruppe III ( Schaffner). Ortstiasse A( z. B. Berlin, Hamburg und andere Groß. Städte) ergibt sich nach dieser Regelung ein Jahreseinkommen von 1110 m., ohne Berücksichtigung des Steuerabzugs. Die Organis fationen haben dieses Angebot mit Entrüstung abgelehnt und sich alle weiteren Schritte vorbehalten. Die Regierung begründete ihren unDas ist geheuerlichen Vorschlag mit dem„ Mangel an Mitteln". Verlangen Sie siets bei einer Steuerpolitif, die nur Rüdfichtnahme gegenüber der Großinduftrie, der Landwirtschaft und dem Handel fennt, aus der großen Maffe der Beamten, Angestellten und Arbeiter aber das Legte her. auswirtschaftet, nicht verwunderlich. Die Beamtenschaft geht einen dornenvollen Weg. Sie muß endlich erkennen, daß nicht diejenigen ihre Freunde find, die in den Parlamenten nur über die niedrigen Gehälter zetern, aber im übrigen dem Staat alle Steuern verweigern, die zur Gesundung des Staatshaushalts erforderlich sind. Streik der Berliner Gummiarbeiter. Seit Montag befinden sich die Gummiarbeiter Groß- Berlins im geichloffenen bmehrstreit gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. Alle Bemühungen der Verbandsleitung, die Unternehmer von ihrem machlüſternen Standpunkt abzubringen, waren erfolglos. Den Anfang mit der Defretierung des Neun ftundentages machte die Firma S. Herz GmbH. Als die Arbeiter ichaft die Verlängerung ablehrte, wurde sie unter Zarifbruch ausgesperrt. Der Organisationsleitung wurde auf einen verவே Dostabonnenten Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat teine unliebsame Unterbrechung erleidet, ersuchen wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Postamt sofort zu bestellen. Borwärts Berlag G. m. b.. $ mittelnden Vorschlag vom Arbeitgeberverband erklärt, daß die Firma Herz Gmbh. ibre Maßnahme nicht zurücknehmen wird, baß aber andere Fumen gleichfalls zur Verlängerung ber Ar. beitszeit übergeben werden. Gegen dieie Zumutung der Arbeitgeber erfolgte die einheitliche Arbeneniederlegung. Die Gummiarbeiter Groß- Berlins find als aewerkschaftlich disziplinierte Arbeiter bekannt. Gummiarbeiter, übt Solidarität! Bebit Euch genen Unternehmerwillfür. Die Streilleitung. Gen. Die Lage der Landwirtschaft. Der Verbandsvorsitzende des Landarbeiterverbandes, Georg Schmidt, dreibt uns: Unter vorstehender Ueberschrift hatte ich im Vorwärts" am 3. März 1924 einen Artikel veröffentlicht, worin ich, geflüßt auf Material aus landwirtschaftlichen Arbeitgeberfreisen. ben Nachweis lieferte, daß die Landwirte mährend der Inflations. eit gut verdient haben. Die Deutsche Tageszeitung" be fchäftigt sich schon zum zweiten Male mit diesem Artikel und darf man daraus schließen, daß den Landwirten dieses Material sehr unangenehm ist. Tarum auch die üblichen Schimpfereien, die man bei der Deutschen Tageszeitung" als selbstverständlich mit in Rauf nehmen muß. In der Ermiderung schreibt die Deutsche Tageszeitung", ob ich denn nicht wüßte, daß die Löhne der Pardarbeiter im Johre 1923 tauernd der Tererungslane angeraßt wurden. Der das schrieb, scheint meinen Artikel nicht gelesen zu haben, denn darın habe ich den Nachweis geliefert, daß das Lohntonto stär ter gefunten ist als die Breife der landwirtschaftlichen Pro dufte und die Löhne nicht angeraßt waren. Kommunistische Gewerkschaftsführung. Die Kommunisten sind immer bereit, die Gewerkschaftsführer zu beschimpfen und zu verleumden, die nicht auf Moskau schwören. schaften varnehmen. Wie ausgezeichnet sie das verstehen, mag Die Kommunisten behaupten, daß sie die Rettung" der Gewert. folgendes Beispiel beweisen: Am 18. November 1923 wurde in Heidelberg eine neue Berwaltung des Staats- und Gemeindearbeiterver. bandes gewählt. Diese neue Leitung war ganz fommunistisch. Un die Spitze der Verwaltung stellte man einen Mann, dem man vorher den guten Ratschlag gegeben hatte, bei der VSPD. Mitglied zu bleiben, weil er so der kommunistischen Partei gute( Spitzel-) Dienste leisten könne. Bur Seite standen ihm bewährte" Rom. munisten. Man hat nichts dagegen eingewendet, daß dieser neugebackene Vorsitzende, der die Verbandsgeschäfte führen sollte, gleichzeitig auch die Kasse mit übernahm, obwohl ein besonderer Kassierer gewählt worden war Nun ist in der letthin statt refundenen General bersammlung erklärt worden, daß es dieser Leitung gelungen ist, die Organisation in dieser turzen Zeit finanziell und mora. lisch ungeheuerlich zu schädigen. Es ist festgestellt worden, daß rund 1700 M. fehlen, also unterschlagen worden sind. Gewerfiaftsarbeit ist überhaupt nicht geleistet worden. Sitzungen haben fast car nicht mehr stattgefunden. Die Versammlung selbst hat beschlossen, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu machen, so daß ein gerichtliches Nachspiel zu erwarten ist. Saararbeiter und Internationales Arbeitsamt. Genf, 18. März.( Eigener Drahtbericht) Die Bertreter der faarländischen freien Gewerkschaften verhandelten am Dienstag mit Albert Thomas, dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, über die Sellung der Saargewerkschaften gegenüber dem Arbeitsamt. Sie formulierten einen Antrag an den im April tagenden Verwaltungsrat, in dem sie forderten, daß evtl. im Sinne der deutschen Arbeitskammern ein besonderes saar ändisches Institut geschaffen werde. in dem die Arbeiter, Angestellten und Unternehmer vertreten feien. Diefe Kammer habe die Aufgabe, die Beschlüsse der internationalen Arbeitsorganisation innerhalb des Saargebiets felbständig durchzuführen und in besonderer Weise innerbalb der Grenzen des Friedensvertrages für das soziale Wohl der Gaar- Arbeiterschaft zu forgen. Die Berireter der Gewerkschaf en richteten bei dieser Ge egenheit an das Arbeitsamt die Bitte, fie bei ihren Bestrebungen aufs träftigste zu unterstüß n. Innerhalb des Arbeitsam'es selbst hält man eine Lösung der gesamten Frage nicht im Sinne der Saargewerkschaften, sondern nur in der Form für möglich, daß den deutschen Delegationen für die Tagungen der Arbeitsorganisation ständige Bertreter von der Saar als Sachver. ständige beigegeben werden. Die Pariser Chauffeure der Mietautos find gestern in den Streit getreten. Sattler, Tapezierer. und Portefeuillerverband. Seberwarenbranche: Heute nachmittag 5 Uhr, Oranienftr. 180, Bertrauensmännerßigung. Bericht von den Lohnverhandlungen. Tapezierer: Donnerstag nachmittag 5 Uhr im Gewerk schaftshaus Bertrauensmännerversammlung. Bericht von den LohnverhandJungen. Deutscher Holzarbeiterverband. Bezirk Südwest: Mitgliederversammlung am Donnerstag nachmittag 4% Uhr bei Kranich. Tempelhof, Chauffeeftr. 30. Alle Kollegen, welche in Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade arbeiten und wohnen, find zu diefer Versammlung eingeladen. Berband der Bud binder und Papierverarbeiter. Donnerstag nachmittag 5% Uhr allgemeine Funktionärversammlung in den Sentral- Feftfälen, Alte Jakobitr. 32. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Betriebsrätewahlen. Refe rent Rollege Hildesheim. 2. Berichterstattung von der Tagung des Beirates. Die Ortsverwaltung. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung, Budbruder! 3. Bezirk( NO.): Die Bezirksversammlung am Mon tag, den 21. März, um 7 Uhr, findet nicht Weinmeisterstr. 16-17, fondern in den Kasino- Festfälen, Kappelallee 15, statt. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternas; Gewerkschaftsbewegung: F. Ekkorn; Feuilleton: St. S. Döscher: Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerek und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin GB. 68.. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Veilagen. Jogal bervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Hexenschuß, Jschias, Nervenschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harniäure aus. Ausgezeichnet bei Schlaflosigkeit. In allen Apothefen erhältlich. Best. 64,3% Acid aeet. salic, 0406% Chinin, 12 6% Lithium ad 100 Amylum Dann behauptet die Deutsche Tageszeitung, die diesjäh rigen Löhne,„ die befanntlich in den meisten Lohngebieten Deutschlands über hen Borfriegelohnbezügen stehen oder dieselben erreichten", hätte ich nicht betont. Die Neugierde der„ Deutschen Tageszeitung" fann befriediat werden! Nur in einem Lohng biet Deutschlands, nämlich in Württemberg, beträgt gegenwärtig der Stundenlohn 32 Bf.; aber in Württemberg wird der tariflich festgelegte Lohn von vielen Landwirten nicht bezahlt. In allen anderen Gebieten ist der Stundenlohn unter 30 Bf. und der durchschnittliche Stundenlohn in der Landwirijd aft beträgt 24 Bf. Ich empfehle der Deutschen Tageszeitung, fich in die beiden Bororttreise von Berlin, Teltow und Niederbarnim, zu begeben, um dort einmal bei Land arbeitern festzustellen, daß hier der Stundenlohn nur 22½ Bf. beträgt. Das sind die Stundenlöhne, mie sie mitte Februar 1924 gezahlt worden find. Wohlgemerkt, nicht nur der Barlohn, sondern Bar- und Naturallohn zusammengerechnet! Im fibrigen empfehle ich der Deutschen Tageszeitung", das Wahl. BC. des Bundes der Landwirte für die Reichstagswahl 1913 zur Hand zu nehmen. In diesem Wahl- ABC. ist zu finden NIVODONT- ZAHNPASTA za Sei sparsam!!! Nimm: als billigstes und bestes Zahnpflegemittel, um weisse und gesunde Zähne zu erhalten eine Berechnung über das Einkommen einer Landarbeiterfamilie in Klein- Spiegel in Pommern, Besizer Freiherr v. Wangenheim. Nach von Wangenheims Angaben betrua das Einkommen bes Mannes nebit reichlicher Mitarbeit seiner Tochter und vorüber. CALCIFORM- TABLETTEN gehender Mitarbeit feiner Frau 2 059 m. pro Jahr. Wenn wir auch diefe Angaben für die damalige Zeit als übertrieben bezeichnen müffen, so ist damit auch bewiefen, daß im Vergleich mit vorher ge. nannten Etrndenlöhnen die Behauptung der Deutschen Tageseitung und der Landwirte, die Friedenslöhne feien erreidyt", zeitung und der Landwirte, die Friedenslöhne feien erreicht", falsch ift. Mit der Frage des Schutzolles habe ich mich überhaupt nur wenig beschäftigt und hatte ich dazu teinen Anlaß, weil felbst auf der diesjährigen Landbundlagung in Breslau die Herren Agrarier es für flüger hielten, vor den Wahlen nicht allzu sehr nach Schutzzöllen zu schreien. 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Klasse nach Karlsbad oder Interlaken Herr Brotz hatte es vor dem Kriege doch gar zu bequem, nur die verschiedenen Griffe in die Geldtasche störten seine Ruhe. Aber auch Der nicht mit Schäßen gesegnete Tourist fonnte sich, unbekümmert um neugierige Fragen nach Woher und Wohin auf seine Holzbank niederlassen und getrost die Grenze überschreiten, wo und wie es thm gefiel, einzig der Nachfrage nach verzollbaren Gegenständen aus gesetzt. Wie lachte man damals über die alten Reiseberichte in Briefen und Memoirenwerfen, wo die Paßschwierigkeiten so drastisch geschildert wurden, und über das Schröpfen der Reisenden durch aller lei Kniffe und Winkelzüge bei Postanschlüssen, Pferdewechsel und Solluntersuchungen Rlage geführt wurde. Wie im Mittelalter. Der Weltkrieg hat auch in dieser Hinsicht Erleichterungen ver. nichtet und die Menschheit in territoriale Zwangsanstalten, ganz wie im Mittelalter, gesperrt, die zu verlassen durchaus nicht allein im Belicben des einzelnen steht. Die heutigen Staaten haben aus den verschiedensten Gründen nicht den Wunsch, die Zahl ihrer Einwohner burch fremde Zuwanderer erhöht zu fehen fie fürchten vor allem bie durch eine stark vermehrte Zahl der Effer sich leicht ergebende Leuerung der Nahrungsmittel für die Einheimischen. Andererseits ist der Gewinn aus dem Fremdenverkehr ja nicht zu verachten, aber felbst dieser ökonomische Gesichtspunkt muß vor dem nationalen: Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse, zurüdtreten. Allgemein st jetzt der Standpunkt vorherrschend: Nenne deinen Zwed, den du mit dem Aufenthalt in unserem Lande verfolgft, und wir werden fehen, ob dieser private 3wed sich mit dem Wohl des Ganzen, das uns anvertraut ist, verträgt. Alles, was nach Erwerbsabsichten ausfieht, begegnet fiarter Abneigung; alles was auf Niederlassungsmöglichkeiten gedeutet werden kann, noch schlimmerer Kritit. Aus. brüdlich wird betont, daß Erwerb von Häusern und Grundstücken noch kein Grund ist, der ohne weiteres zur Gewährung einer Aufenthaltserlaubnis verpflichtet. Gerade Länder, die in früheren Jahren viel von Deutschen aufgesucht wurden, wie die Schweiz und Italien, find sehr rigoros geworden; fie geben Rurbedürftigen und Sport jüngern eine furzfristige Erlaubnis, die im Hinblick auf die immer hin erheblichen Kosten der reinen Reise verteuernd, also abschreckend, wirft. Wenn die Reisekosten auf vier Wochen verteilt werden müssen, erscheint die Reife naturgemäß teuerer, als wenn man dieselben Fahrkosten auf acht oder zwölf Wochen oder gar mehrere Monate perteilen fann. Will man ein fremdes Land nur durchfahren, um in einem dritten Lande zu verweilen, so muß man die Erlaubnis des dritten Landes zur Einreise bereits vorweisen fönnen, wenn man um die des zu passierenden Landes nachsucht. Allerdings werden dann wohl feine weiteren Schwierigkeiten gemacht werden. Wenn du dein Land verlassen willst. -W Num ist aber derjenige, der sein Band auf einige Zeit mit einem anderen vertauschen will, als Bürger seines Bandes gar nicht befugt, so ohne weiteres den Staub von den Füßen zu schütteln. Zwar den Baß erhält er, aber man belehrt ihn bei der Aushändigung, daß er bie Einwilligung feines Finanzamtes zum Ausweise fich beschaffen müffe. Aha die Steuern! Und daneben auch wohl der Gedanke der Kapitalflucht! Man wird also ein recht rigoroses Gramen zu bestehen haben und unter Umständen Sicherheit zu geben haben, daß die Reife teine Unterbrechung in der jo angenehmen Beschäftigung des Steuerzahlens verursachen wird. Zum Nußen derer, die einmal über die Grenze der deutschen Republik hinausfahren wollen, sei nun zusammengestellt, welche Formalitäten sich bis zu dem Augenblick der Abfahrt ergeben. Zunächst Besorgung von zwei unaufgezogenen Lichtbildern, die beim zuständigen Polizeibureau mit An gabe des Wunsches nach Ausstellung eines Auslandspaffes abzuliefern find. Dan folgt die Abholung des Passes auf dem zuständigen Pakbureau( worauf man einige Tage warten muß). und ein Gang mit dem Baffe zum zuständigen Finanzamt. Dann Besuch der Kanzlei der zuständigen diplomatischen Vertretung des zu besuchenden Staates, wo man zunächst einige Formulare über Woher und Wohin auszu füllen hat, um dann entweder nach Warten den mit dem Bifum versehenen Baß noch am selben Tage in Empfang zu nehmen oder zu erfahren, daß der Paß später abzuholen ist. Dies sind fünf zu erledigende Borgänge, und da die Hauptbureaus nur von 9 bis 84] Ie ( Redbrud burd Malit- Berlag Berlin.) Der Bürger. Don Leonhard Frank. „ Es ist aber doch ganz gut gegangen. Sind ein schöner, großer Herr geworden. Ein prachtvoller Herr!" Leider muß ich auf meine Stellung Rücksicht nehmen. Ich bin der Chef. Die Autorität muß gewahrt bleiben, dachte er, während er hinter dem Mädchen auf die Bank zuschritt. Der livrierte Portier riß die Tür auf. „ Niemand kann alle feine Wünsche und Begierden er füllen. Außerdem ist die Sache die," sagte, blätternd im Tele phonbuch, Jürgen und bat um die Nummer Adolf Sins heimers, daß ich dasselbe ungefährlicher haben tann und fogar ganz bedeutend reizvoller, falls dieses Mädchen in dem orientalischen Salon tatsächlich Katharina ähnlich sieht." Heute abend fönne er nicht zum Essen nach Hause tommen, teilte er telephonisch Elisabeth mit, die daraufhin ihrem gegenwärtigen Geliebten, einem Maler, fofort telephonisch mit teilte, daß sie heute abend wieder auf eine Stunde zu ihm ins Atelier tommen werde. Wie damals vor der Animiertneipe, ftanden die vier Schrifameraden schon wartend vor dem Portal, das auf den Nacken zweier mamorierter Gipsherkulesse ruhte. Adolf hob Den Spazierstod wie eine Rerze. Ich habe uns schon angeNoch dieselbe Wirtin, eine alte Hure! Du er innerst dich, Jürgen, wir sind damals vom Korforestaurant cus hingegangen. Aber andere Damen! In jedem Zimmer zwei Waschschüsseln! Dabei doch dezente Aufmachung! Schon mie in Berlin!" meldet Jürgen erkannte das von Säulen getragene, mit Gips marmorplatten ausgeschlagene Stiegenhaus wieder. Eine flackernde Kerze, eine hohe Frisur, zwei schwarze Riefenaugen und ein violetter Schlafrod tamen lautlos die Treppe herunter. Die geschminkte Wirtin legte sofort den Zeigefinger an den Mund, stieg voran. " Hols der Teufel, diefe Leifetreterei! Barum fnipfen wir denn die Nachtbeleuchtung nicht an!" rief in dem Boltertone feines alten Batteriechefs, der ihm Borbild war, der ArtillerieOffizier. Die Wirtin legte den Zeigefinger an den Mund. Der 1 Uhr offen find, liberoll mit einer Wartezeit zu rechnen ist und die Wege in Berlin zurzeit mehr Stunden und Minuten in Anspruch nehmen als früher, so wird jeder sich ausrechnen können, daß etwa eine Woche vergeht, bis man am Ziele ist. Die Kosten betragen für den deutschen Baß 4,50 M., das Auslandsvisum ist verschieben, für die Schweiz 3. B. beträgt es 8 Frant. Will man ganz forrett verfahren, so zahlt man die Bisumgebühr in der betreffenden ausläns dischen Münze; da man nun aber diese Münze im freien Bantoer. fehr nicht erstehen fann, so muß man noch einen Gang machen, und zwar zu dem für diese Devisenanläufe zuständigen Finanzamt. Mit dessen Erlaubnis fann man sich das fremde Geld beschaffen. Im all gemeinen werden aber die fremden Kanzleien fo entgegenkommend fein, deutsches wertbeständiges Geld in Zahlung zu nehmen. Werfen wir nun noch einen Blick in die Gesandtschaftskanzlei. Der Borsaal ist angefüllt mit einer Menschenschar, die alle Inpen, vom Grandfeigneur bis zum Handwerksburschen, umfaßt. Natürlich viele Damen, denn sie sind ja nicht so an die Scholle gebunden, wie der männliche Teil. Die Türen der drei, vier Schreibstuben, die auf den Borsaal münden, gehen unaufhörlich auf und zu; trotzdem ist bei dem starken Andrang eine Wartezeit begreiflich. Bequeme Seffelstühle nehmen den Müden auf; auf kleinen Tischen liegen Beitschriften und Broschüren des Landes aus. Endlich wird der eigene Name aufgerufen; man erhält feinen Baß, zahlt und verschwindet mit dem üblichen Auf Wiedersehen" was bei den meisten wohl ein frommer Wunsch bleiben dürfte. Der neue Elektrizitätstarif. Ab 1. April. Auf die Inflationsperiode mit ihrer starten Berteuerung aller Barenpreise folgte, seit der Stabilisierung der Mark, eine Periode des Preisabbaus. Die Tarife der öffentlichen Unternehmungen, wie der Eisenbahn, der Gas, Waffer- und Elektrizitätswerte, der Straßenbahnen usw., mußten sich während der Inflationszeit der allgemeinen Preisentwicklung anschließen. Auch diese Tarife müssen jetzt wieder ermäßigt werden. trizitätswerfen soll der Abbau am 1. April d. J. Bei den Berliner Städtischen Gas, Waffer- und Glet. beginnen. Zu diesem Zeitpunkte werden die Tarife aller brei Unternehmungen nach den Beschlüssen des Aufsichtsrats der Werte erst malig herabgefeßt. Es hat in manchen Kreisen der Bevölke fchon früher begonnen wurde. Die Erklärung für die Berzögerung rung Berwunderung erregt, daß die Herabsetzung der Tarife nicht liegt darin, daß die Inflationszeit auch den städtischen Berken schwere finanzielle Wunden geschlagen hatte, die erst einmal notdürftig geheilt werden mußten. Es ist ein großes ftipum der Mehrheit des Aufsichtsrats der Werke zu dieser zu dieser Mehrheit gehören auch die sozialdemokrasischen Ber. treter-, daß sie dem Ansturm aller derjenigen widerstanden hat, die auf eine vorzeitige Ermäßigung der Werftarife hindrängten. Bei den Elektrizitätsmerten wird am 1. April der Tarif nicht bloß ermäßigt merben, sondern es findet zugleich eine grundfäß. liche Neugestaltung auch der Tarif form flatt. In den lezten Monaten war in Berlin ein Einheitstarif in Kraft, der 42 Pf. für jebe Kilomattstunde betrug. Dieser Breis galt unabhängig von dem Verwendungszwed des Stromes, er galt also ebenso für Licht wie für Kraftanschlüsse. An Stelle des Einheitstarifs foll ab 1. April der sogenannte Grundgebührentarif treten, eine im Elektrizitätsmejen erprobte und geschäßte Tarifform. Auch diefer Tarif foll unabhängig von dem Berwendungszwed., d. h. gleichmäßig für Licht wie für Kraftzmede Gültigkeit haben. Aber, wie wir gleich sehen werden, der neue Tarif geht auf die Interessen der verschiedenen Kategorien von Abnehmern in vici gerechterer Weise ein, als das bei der bisherigen Form des Ein heitstarifs der Fall war. Der Grundgebührentarif besteht zunächst in der festen Grundgebühr die von jedem Abnehmer allmonatlich an das Elektrizitätswert zu entrichten ist. Die Grundgebühr wird als ein fefter, unveränderlicher Betrag eingezogen, unabhängig davon, ob der betreffende Abnehmer im Monat viel oder wenig elektrische | Referendar verstedte seine Brieftasche in der Geheimtasche des Weitenfutters und lächelte. Weil eben ein Menschengesicht zu lächeln vermag," fagte Jürgen vor sich hin und gedachte mit Erinerungszärtlichkeit des Jürgen, der damals, um über seine tnabenhafte Unsicherheit wegzutäuschen, die Mädchen wie ein erfahrener Lebe mann begrüßt hatte. Heute trat er so gelassen in den orien talifchen Salon, wie er als Chef in das Direktionsbureau der Bank trat. Alles spielte fich nahe den Teppichen ab. Niedrige Tischchen. Die Mädchen faßen und lagen auf Ottomanen und auf Bolstern am Boden. „ Na, ihr Racer! Brust heraus!" rief der Artillerieoffizier in dem Ton seines Batteriechefs und schnallte gewichtig den Säbel ab, mit den Gebärden eines Mannes, der nur mit Pferden und Refruten zu tun haben will. „ Sagen Sie mal, wie gehts denn! Sind ja ne richtig gehende Schönheit." Adolf hatte sich, seitdem er Alleininhaber des Knopferporthaufes war, angewöhnt, schnoddrig wie ein Berliner zu sprechen und fich ganz so zu benehmen wie feine Borbilder: die Berliner Großerporteure, mit denen er in Geschäftsverbindung stand. Das auf der Ottomane liegende Mädchen streckte ihm die Patschhand hin. Auch sie schwarzhaarig und bernsteingelb- fah orientalisch aus, totettierte fäffig mit ihrer weichen Hüfte, die sich aus dem orangefeurigen, gefchligten Schlafrod langsam herauswölbte. Sind ne füße Krabbe!" Jürgen schüttelte den Kopf: Richt Adolf Sinsheimer, sondern der Berliner Exporteur spricht." Der Artillerieoffizier stand, batteriecheffeft, auf gefpreizten Beinen, nahm die Müze ab und wischte sich ächzend die Stirn, die ganz schweißfrei war und zweigeteilt: unten tiefbraun, wie das Gesicht, oben knabenweiß. Sieht aus wie ein alter Kinderschänder, dachte Jürgen, als der livrierte Diener stilles, glattes Fuchsgesicht den Champagner brachte. Der Diener hatte zusammen mit der Wirtin die Bension gegründet und finanziert und bezog die Hälfte des Reingewinnes. Sie faßen in der gepolsterten Ede. Ich tomme dir," fagte, Schultern zurüdaezogen, Kopf vorgestreckt, das Geftglas unter der Achselhöhle, der Referendar zu Adolf, deffen Orientalin, Hüfte hochgewölbt, zufammengerollt in der Ede lag und mit den mächtigen, meichen Schenkeln lodie, Mittwoch, 19. März 1924 Energie abgenommen hat. Die Höhe der Grundgebühr richtet sich nach dem Anschlußwert des Abnehmers, d. h. nach der Zahl und Leuchtkraft der angeschlossenen Lampen und der Leistung der angeschloffenen Motore, Heizkörper, Rochapparate usw. Als Maßstab des Anschlußwertes gilt die Zählergröße, genauer ausgedrückt der 3ählermeßbereich. Die Grundgebühr ist in der Weise festgelegt, daß für je 1 Kilowatt Zählermestereich ein fester Betrag von 42 M. im Jahre, d. i. 3,50 m. im Monat feitens des Abnehmers zu entrichten ist. Die Grundgebühr ist mit Rücksicht auf die kleinen und fleinsten Abnehmer nach unten hin weitgehend abgestuft. Sie beginnt bereits mit einem Zählermeßbereid von 0,22 Rilowattstunden, wofür monatlich 80 Pf. zu ent richten find. Außer der Grundgebühr ist dann noch für jede von dem Abnehmer verbrauchte, durch den Zähler gemessene Kilowattstunde ein Betrag von 18 Bf. zu zahlen( Arbeitsgebühr). Die neue Tarifform tommt allen denjenigen Abnehmern zugute, die ihre elektrischen Anlagen in starkem Maße ausnuten, b. b es werden in erster Linie die Abnehmer von Kraftstrom, mie Handwerker, Kleingewerbetreibende usw., begünstigt, deren Mo tore viele Stunden am Lage laufen. Fermer tommen auch diejen gen fleinen 2ichtabnehmer gut weg, die ihre bescheidenen Anlagen wirklich ausnuten, während große Lichtabnehmer, die um fassende Lichtinstallationen befißen, die sie aber selten oder gar nicht benuhen, in Zukunft schärfer herangezogen werden. Der Durchschnittspreis pro Kilowattstunde( Mittel aus Grundgebühr und Arbeitsgebühr), ben der einzelne Abnehmer im Berlauf der Stundenzahl- elektrotechnisch ausgedrückt der Benuhungs bauer"- mit ber der Anschlug ausgenugt wird. Bum Schluß fei noch angegeben, wie sich der mittlere Strompreis für verschiedene Benutzungsdauern im Jahre, nach dem Grundgebührentarif berechnet, einstellt: Art bes Anschlusses Schwacher Lichtabnehmer Benugungsdauer im Jahre 200 Stunden 400 600 800 1000 Starter Lichtabnehmer. Kraftabnebmer. Kraftabnehmet Kraftabnehmer Durchschn Breis pro Kilowattiide. 89,0 f. 28,5 25,0 23,5 22,5 abnimmt in dem Maße, wie die Benugungsdauer wächst. Mit an Man sieht aus der feinen Tabelle, daß der mittlere Strompreis deren Worten, die ausdauernden Kunden des Elektrizitätswerts erhalten Breisbegünstigungen. In dieser Preisherabsetzung liegt der Fortschritt des Grundgebührentarifs gegenüber dem Ein heitstarif. Der Grundgebührentarif wirkt damit gerecht und sozial ausgleichend. Die Weisen von Zion." Was Untisemiten sich ungestraft erlauben dürfen! Rach wiederholten Bertagungen gelangte endlich die Anlage 6 Straffammer des Landgerichts III zur Verhandlung. In der gegen den Hauptmann a Müller v. Hausen vor der Schrift Die Beifen ve 3ion war die Behauptung aufgestellt worden, daß an dem Haufe des verstorbenen Emil Rathenau bie abgeschnittenen Königstöpfe auf Opferschalen angebracht worden feien. Emil Rathenau, so wurde behauptet, habe als Mitglied der Loge Zur aufgehenden Morgenröte" auf den Sturz des Hauses Hohenzollern hingearbeitet. An seinem Hause in der Bittorio. ftraße 3, in dem er wiederholt den Besuch des Ertaisers empfangen hatte, habe er 60 abgeschnittene Rönigstöpfe auf Opferschalen anbringen lassen. Der ermordete Reichsminister Balter Rathenau halte gegen den Hauptmann a. D. Müller v. Hauffen, als dem Herausgeber, Strafantrag gestellt. Müller v. Haussen hatte auch die Verantwortung übernommen. Da der Prozeß ben der Ermordung Walter Rathenaus noch schwebte, hatte Rechtsanwalt Dr. Friz Grünspach für die Witwe Emil Rathenaus Strai antrag gestellt. Eine frühere Berhandlung hatte damit geendigt, dan der Angeklagte die inkriminierte Behauptung zurüdnahm. Später widerrief er das und warf dem Gericht Brotofollfälschung vor. Der Privatfefretär Walter Rathenaus Geidtner schilderte in der neuen Berhandlung das innige Berhältnis zwischer Walter Rathenau und seiner Mutter. Der Minister habe aus Bartgefühl feiner Mutter gegenüber von den Angriffen in den Weisen von 3ion" nichts gesagt, so daß Frau Rathenau erst nach dem Tode davon erfahren habe. Die beiden Sachverständigen, Prof Bangert und Prof. Borr mann von der Technischen Hochschule, begutachteten, daß der Fries an dem Rathenau- hause nach einer alien venezianischen Boriage gearbeitet war. Der Gedanke, es fönnten abgeschnittene RönigsEin Dußend Flaschen Rotspon wäre mir lieber als dieses Weibergefüff." Der Batteriechef trant ex, hieb das zarte Glas auf die Tischplatte, hob mit rauhbeinig- väterlicher Gebärde die erst siebzehnjährige Blondine auf seinen Schoß und drückte das Köpfchen an feine breite Brust. Der Referendar wählte die Aelteste und Schönste, ein vierundzwanzigjähriges fühles Wefen, das ein Bankkonto be faß und erst vor zehn Minuten zu einem Mann, der gerne noch eine Stunde geblieben wäre, gesagt hatte:„ Ich mus tüchtig sein." Beide faßen zurüdgelehnt, Arm in Arm. Der Referendar sprach von Staatsanwalt Karl Lenz .. Und nächste Woche hat en einen Mordprozeß. Wenn es ihm gelingt, ein Todesurteil zu erzielen, ist seine Karriere gesichert. Dann gehts aufwärts." Er zudte nach vorne, Seftglas unter der Achselhöhle:„ Ich komme dir." „ Solch ein Staatsschafskopf zu werden wie der, hat auch mir geblüht." Jürgen mußte lächeln über das Gebaren seiner Schulkameraden. Nicht der Referendar A., sondern der Refe rendar überhaupt, nicht der Knopferporteur S., sondern der Erporteur und der Artillerieoffizier überhaupt fizen hier und haben Gefühle," dachte er. Und später werden nicht einmal Referendar, Exporteur und der rauhe Artillereioffizier überhaupt die Mädchen umarmen, sondern sie allein, die Lebenstraft, sie ganz allein wird die Umarmende sein. Die Flügeltür tat sich auf. Und Jürgen, der sich soigniert und dabei freimütig benommen hatte wie einer, der das Leben fennt und ihm seinen Lauf läßt, wich zurüd. Herein schritt Katharina, reichte spißig die Hand und fette fich neben Jürgen. Berblüfft betrachtete er bent gebogenen Raden, den fleinen, feften Mund. Fürchtete sofort, daß er, wenn sie zu fprechen begänne, diese vollkommene Illusion verlieren würde. " Hab ich zu viel versprochen?!" rief Adolf Sinsheimer, deffen Hand auf der gewölbten Hüfte der Bernsteingelben lag. Na, was hab ich gesagt!" " Gedankenschnell, plöglich, ganz plötzlich verwandelte fich feine Furcht in die atembeklemmende Furcht, fie fönnte auch im Ton der Stimme Katharina fein. Dann müßte ich diese Schweine niederschlagen, dachte er erbebend, stellte sich in seinem Gefühle schüßend vor Katharina. Und gleichzeitig brach in die Gefühlsleere und tote Einsamkeit der letzten Jahre die Sehnsucht ein mit folcher Gewalt, daß fein ganzer Körper stundenlang von Lähmung befallen war. ( Fortlegung folgts föpfe fein, mare abfurd. Auf Befragen erklärte Prof. Bangert. Berlauf ihrer Aussagen zu dem Morde felbft fam, bemächtigte sich daß er sich in die geistige Verfassung femandes, der so etwas be ihrer wieder eine große Erregung und fie erzählte unter Tränen. hauptet, gar nicht hineindenfen könne. Beide Sachverständige be- wie ihre fleine Tochter Lucie am Morgen, als sie zur Arbeit ging, fundeten übereinstimmend, daß es sich um ein Renaissance- Motiv ihr nachlief und sagte: Mutti, ich habe so furchtbare handele, welches häufig verwendet werde und eine Bermischung von Angst. Sie habe erwidert: Du brauchst doch keine Angst zu haben. menschlich pflanzlichen Motiven darstelle, die aus einem Blumen Bos gaubst du, mas ich mit dem Kerl mache, wenn er sich an dir felch herauswachsen. Staatsanwaltschaftsrat Jäger führte aus, vergreift. Der Borsitzende ersparte der Zeugin, den Her daß die Tat des Angeklagten fidh a's eine fo hegerische und gang der weiteren Einzelheiten zu schildern. Nach Bernehmung ebrabschneidende darstelle, daß eigentlich eine Freiheitsstrafe weiterer Zeugen wurden die Gutachten der Sachverständigen gehört. am Blaze wäre. Nur in Anbetracht des Alters des An Professor Dr. Strauch als Mitalieb der Mordkommission hat die getlagten beantrage er die. Berhängung einer Geldstrafe, und Leiche des Kindes obduziert. Die Berlegungen am Schädel zwar die Höchst strafe von 900 art. 3u feiner Berteidigung waren nicht tödlich, denn sie haben die Schädelknochen nicht berief sich der Angeklagte auf die eingetretene Verjährung durchschlagen. Der Tod ist durch Erstiden herbeigeführt und wandte zu feinen Gunsten ein, daß er und seine Freunde der worten. Medizinalrat Dr. Stormer äußert sich über den Ueberzeugung jelen, daß es fich um abgeschnittene Rönigs Geisteszustand des Amaeffenten. Geistesfranfheit liene bei Scheper töpfe an dem Fries handele. Nach längerer Beratung fam das Gericht vor. Allerdings handelt es sich nicht um einen ibeafgesunden richt zu folgendem Urteil: B Das Gericht hat zunächst festgestellt, daß eine Berjährung nicht eingetreten fel. Da es sich um eine Beleidigung eines Berstorbenen handelt, so mußte festgestellt werden, daß eine Behauptung wider besseres Wissen aufgestellt worden ist. Bei der völlig einfei tigen politischen Einstellung des Angeklagten tönne ihm nicht widerlegt werden, daß er tatsächlich und womöglich heute noch an dem Fries eine Zusammenstellung von 60 abge schnittenen Königstöpfen und damit eine Verhöhnung des mon archischen Getankens erblick. Ist aber nicht erwiesen, daß der Angeklagte feine Behauptungen wider befferes Wffen aufgestellt hat, so muß er freigesprochen werden, obwohl die Auffassung des Angeklagten nach dem Gutachten der Sachverständigen nach feiner Richtung hin irgendwelche Begründung hat. Das Gericht fieht in bem Fries eine rein fünstlerische Darstellung eines Ornamentes ohne jede Symbolit, und es fehlt auch jeder Beweis, daß der ver. storbene Emil Rathenau ein berartiges Symbol an seinem Hause hat anbringen und damit einen blutrünftigen Standpunft zum Aus brud bringen wollen. Der, Angeflagte hat auch den Beweis nicht geführt, daß Emil Rathenau nicht so monarchisch gesinnt war, wie es von ihm angenommen wird. B Dieses Urteil ist einfach unverständlich. Es läuft darauf hinaus, daß jemand sich auf seine Ueberzeugung" berufen und dann jeder mann jebes Berbrechen nachreben darf, ohne daß er zur Berant mortung gezogen merden tann. Wenn das Gericht erklärt hätte, es halte den Angeklagten, der folche Dinge behauptet, für ungured nungsfähig nach§ 51 des Strafgesetzbuchs, dann würde der Freispruch sich von selbst ergeben. Aber da das Gericht weder den Müller v. Haufen einer psychiatrischen Uebersuchung unterworfen, noch sonst auf den§ 51 Bezug genommen hat, erscheint das Urteil faft wie eine Prämie für die bösartigste Berleumbungssucht, wenn diefe nur ins Gewand der Ueberzeugung" gefleidet ist. Was würde das Gericht zum Beispiel fagen, wenn ein Kontmunist aus lleberzeugung" behauptete, Hindenburg hätte filberne Löffel gestohlen? Der Mord an der Lucie Conrad. Der Täter zum Tode verurteilt.. In dem Prozeß gegen den Uhrmacher Schaper, ber die fiebenjährige Lucie Conrad ermordet hatte, wurde nach längerer Boratung das Urteil verkündet: Der Angeklagte wirb megen Mordes zum Tode und zum bauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Nah dem Gutachten der Sachverständigen tann von einer Geiftest: antheit oder einem. Zweifel der Störung der geistigen Tätigkeit feine Rebe fein. Das Gericht fonnte der Verteidigung auch nicht darin folgen, daß es fich objektiv um ein so fcheußliches Verbrechen handle, daß ein gesunder Mensch es nicht begangen haben fann. Es gibt leider so fcheußliche Verbrechen, die von Menschen begangen werden können, Die tm vollen Besitz ihrer Geisteskraft sind. Er hat in durchaus tonfequenter Weise gehandelt, um den Tod der Lucie Conrad herbei. zuführen. Nach Ueberzeugung des Gerichts hat er auch mit Ueber. legung gehandelt. Für den Begriff der Ueberlegung ist nicht er. forderlich, daß ein Angeklagter fich lange vorher einen Blan zurecht legt. Das Reichsgericht hat ausgesprochen, daß Ueberlegung nicht ausgeschaltet ist, wenn eine gewisse Erregung vorhanden war. Die Beweggründe find in mehrfacher Hinsicht vorhanden gewesen. Einmal der Aerger und die Trauer, daß er die Wohnung verfassen sollte, dann der Merger über die Zurückweisung durch die Mutter der Lucie und schließlich in erheblicher Weise der Gedanke, sich von dem Kinde trennen zu müssen. Er hat sich vorher vorgenommen, das Kind zu beseitigen. Einmal aus Rache und dann vielleicht, weil er das Kind vor einer dauernden Trennung mit ihm bewahren wollte. Der Uns geflagte hat mit genauer Ueberlegung gehandelt. Hierfür spricht auch seine genaue Erinnerung jeder Einzelheiten. Aus allen diefen Dingen ist das Gericht dazu gekommen, den Angeklagten wegen Mordes fuldig zu sprechen. leber den Berlauf des Prozesses ist noch folgendes nachzutragen: Der Angeklagte schilderte die Einzelheiten der Tat. Ich nahm, fo führte er aus, eine Rouleauschnur und legte sie dem Kinde Don hinten um ben ha is. Alles spielte sich sehr schnell ab. Mit her rechten hand hob ich den Körper des Kindes hoch und befestigte ihn mit der linken an dem Garderobenhafen. Das Kind baumelte und strampelte mit den Beinen, als es an dem Hafen hing; bas machte einen so unglückseligen Eindruck auf mich, daß ich hinaus. sing, um es nicht mit anzusehen. Raum war ich draußen, da hörte ich einen Fall Die Schnur war geriffen, das Rind lief zum Fenster und ich glaubte, es wolle Hilfe rufen. Da nahm ich einen hammer, der auf dem Korridor lag( der Hammer wird bem Angeflagten vorgezeigt). Mir war aber so, als ob jemand hinter mir fagte, du mußt damit das Kind erschlagen. Borf: Sie fagten boch eben, daß Sie selbst Angst hatten, das Kind würde Hife rufen? nget: Ja, ich habe ihm mehrmals mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen und nicht gedacht, daß es lo fch'imme Folgen haben würde. Borf.: Aber hören Sie mal, wenn Sie das Kino aufhängen, dann mußten Sie doch schon mit dem Tode rechnen. Sie haben boch also die Absicht gehabt, das Kind zu töten. Angel.: Nein, Herr Vorsitzender, ich habe unter einem 3wang geftanden. Die Hand zuckte mir zurüd, aber ich mußte es tun. Das Kind schrie jämmerlich. Das ging mir furchtbar nahe; da habe ich ihm mit beiden händen die Kehle zuge drudt. Ich tonnte nicht sehen, wie das Kind blutete; ich habe einen Abscheu por Blut. Borf.: Dann haben Sie über der Dette dem Kinde die Kehle zugebrückt. Anget L.: Nur um es im Schreien zu verhindern. Es dauerte auch nur eine furze Weile, da war das Kind ruhig. Borf.: Von ruhig sein ist doch teine Rede. Sie haben früher gesagt, daß das Kind regungslos mie tot war; das nahmen Sie doch auch an? Anget: Ja Borf.: hat das Rind fich gar nicht gewehrt? Anget: Als ich ihm die Schnur um den Hals legte, hat es bie Sache als Spieleret aufgefaßt Bori. Und als Sie mit dem Hammer famen? Anget: Da jammerte es, ich will's night wieber tun. Vielleicht dachte es, daß es etwas Bifes gemacht hatte, aber es war gar nicht der Fall. Borf.: Als das Kind regungslos dalag, was dachten Sie da? Anget: Das Kind tat mir jo leid, und da legte ich eine zweite Dede darüber und ging dann in die Küche, um mir eine Stulle abzuschneiden. Der Angeklagte schildert dann, wie er nach Berlaffen des Hauses drei Tage herumgeirrt sei.- Unter allgemeiner Be mequng wird darauf die Mutter des ermordeten Kindes, Mina Conrad, eine 46 Jahre alte Bitwe, in den Saal gerufen und vernommen. Die Zeugin bestreitet, mit ihrem Mieter intime Beziehungen unterhalten zu haben. Als die Zeugin nun im worben. Brofessor Dr. Strauch ist auch der Meinung, daß alle Menschen. Die Tat ift in allen Einzelheiten p'onvoll burchgeführt Einzelheiten für eine leberlegung fprechen, aber birch die norber gegangene Kündigung sei er aus dem gewöhnlichen Gleichgewicht gefommen. Mediziralrat Tr. Stormer betont nechmels, daß er im Bewußtsein seiner vollen Verantwortung erklären tönne, daß die freie Willensbestimmung zur Zeit der Tat nicht ausgefchloffen wor- Stoetsenwaltimaftsrat Schmiceer beantragte alsdann, über den Angeklagten wegen Mordes die Todesstrafe zu verhängen. Die Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Them al waren der Meinung, daß man bei dieser Tat an der vollen Zurrechnungsfähigkeit des Angeklagten zweifeln müsse. und daß Bedenken entstehen müßten, ob der Angeklagie die Tai mit voller Ueberlegung ausgeführt habe. Alsdann verkündete das Gericht das eingangs mitgeteilte Urteil. Der Angefloate wurde leichenfahl, zitterie am ganzen Körper und fonnte die Verkündung des Urteils nicht stehend anhören. Er ließ fich dann aber rubia in die Belle abführen, ohne sich zu äußern, ob er das Urteil annehme. Nenorganisation des Hundefangs. Da die Verbreitung der Tollmut bisher noch nicht abgenommen hat, ist zur Bekämpfung der Seuche eine Neuorganisation des Hundefangs geschaffen worden mit dem Ziel der besseren Erfassung der herrenlos in Berlin umherstreifenden Hunde, bie eine befondere Gefahr bedeuten. Mit Rücksicht darauf, daß die Fanagebühr zugleich als Strafe für die Zuwiderhandlung der Hundebesitzer gegen die Bestimmungen der aus Anlaß der Tollwut getroffenen diehfeuchenpolizeilichen An ordnungen anzusehen ist und bisher, wie die zahlreichen festgestellten Hebertretungen beweisen, zu niedrig bemeffen war, wird biefe Gebühr mit Wirkung vom 22 d. M. und für die Dauer der Hunde. fperre auf 15 Goldmart erhöht. Die aus den angaebühren aufkommenden Beträge fließen in einen Fonds zur Befämpfung ber Tollwut. Gleichzeitia wird darauf hingewiesen, daß alle fortge fannenen oder als Findlinge an die Polizeireviere abgegebenen Hunde an ben Hundezwinger in Berlin Lantwig, Deffauer Straße 21, Fernfprecher Lichterfelbe 8, Unternehmer Marschall, abgeliefert und, soweit eine Auslösung der Tiere zu gelaffen ist, dort noch 24 Stunden, vom Abend des Ein lieferungstages ab gerechnet, gehalten werden. Diese Bestimmung tritt ebenfalls am 22. d. M. in Kraft. Es liegt daher im Intereffe eines jeden Hundebefizers. feinen Hund mit einem feftfikenden, feine Adresse tragenden Habsband zu versehen und sich fofort, wenn das Tier entlaufen ist, an den Hundezwinger in Berlin. Bankwiz zu wenden. Die Pistole unter dem Kopffiffen. Johann Straub im Sport- Balaft. 8um 1. Wale na bem Striege wellt Jobann Strauß wieder gelegentlich einer Gastreise in Be lin und wird om Mittwoch, den 19. März, abends 8 Uhr, mit dem verstärkten Blütoner. Dicheiter den 2. Musifabend in der Halle des Sport- Palaites als Johann. mit Gesangs Solis und Duetten, sowie Tänzen ab. Strauß Abend bestreiten. Im Programm wechseln orchestrale Vorträge Aus der Partei. Kandidatenaufstellung in Magdeburg- Anhalt. Magdeburg Anbait, auf dem die Kandidatenliste für die Am Sonntag tagte in Dessau der Bezirksparteitag für Reichstagswahl beschlossen wurde. Nach längerer Debatte. in der jeder Richtungsstreit fehlte, nahm der Bezirkstag folgende Kandidaten iste 4 Bender, 5. Bader Magdeburg. 6. Frau Arning- Magde an: 1. Gustav Bauer, 2. Silberfchmidt, 3. Dittmann, burg, 7. Feri Magdeburg, 8. Stollberg- Burg, 9. Frau Fiedler Bernburg. B Die Genossen Beims Magdeburg und Brandes. Stuttgart, die beide auf der Borschlagsliste des Bezirtsausschusses geftanden batten, verzichteten auf ihre Randidatur, nachdem der Bezirts. tag bie Lifte unverändert angenommen hatte. Beide Genossen gaben zu ihrem Rücktritt Erklärungen ab in denen sie beton'en, daß fie nach wie vor ihre ganze Kraft für den Sieg dieser Liste einsehen würden. Dem Genossen Albrecht, der nicht wieder zur Kandidatur vorgeschlagen war, dankte der Borsitzende für seine ber Partei geleisteten Dienste. Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Abteilungsleiter! Auf Beschluß des erw. Bezirksvorstandes finden am Mittwoch, den 26. ärz, In fämtlichen 20 B rliner Berwal ungsbez efen Are smitgliederversammlungen statt. Aus diesem Grunde mü en alle für diesen Tag geplanten Abteilungsversammlungen und sonstige zufammentünfte ausfallen. 11. Kreis. Die angefeßte Rreisvorstandsßigung fällt wegen ber heute statte Die nächste Rreise findenben Funktionärtonferenz für Groß- Berlin aus. Dorstandssigung findet Freitag, den 21, Mära, im Lokal Bill, Martin Luther- Str. 69, statt. 13. Kreis Tempelhof- Marienborf. Seute, Mittwoch, abends 6% Uhr. Bezirks Thema: ,, Abbau der Derfammlung in Tempelhof, Germaniastraße. Cozialisten". Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde unb Lichten: abe. Donnerstag, den 20. März, 7½ Uhr, Gigung fämtlicher Funktionäre des Rreises bei Bufe, Tempelhof, Raifer- Wilhelm., Ede Werderstraße. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Donnerstag, den 20. März, 7½ Uhr, bei Burg, Brenzlauer Allée 189, Gigung aller Abteilungsmietervertreter und deren Stellvertreter der Abteilungen 24-31. Alle berufs- und ehrenamtlich tätigen Genoffen des Mitet- und Wohnungsamtes Prenzlauer Berg sowie alle parteigenöfifchen Stadträte, Stadt- und Bezirksverordneten des Streifes find eingeladen. 7. Rreis Charlott nburg. Donnerstag, den 20. Mära, 7 Uhr, Schiller. Straße 26, Erdgeschoß links, Bortrags- und Distutierabend der Freien Schulgemeinde. Bortrag des Genoffen Lehrer Adolf Roch über Rörper bilbung und Nadtfultur als Erziehungspflicht in Schule und Elternhaus". Die Abteilungsvor Gäfte, durch Mitglieder eingeführt, haben Rutritt. fihenden werden ersucht, am Donnerstag nachmittag 5 Uhr vom Genossen Bilt, Schillerftr. 40. die Flugblätter für die öffentliche Versammlung ab. zuholen. Montag, den 24. März, abends 8 Uhr, öffentliche Versamm Tung in den Sohenzollern- Festfälen, Berliner Str. 105. Referent Genoffe Franz Künstler. Die Genoffen werden, ersucht, an biefem Sag: alle anderen Beranstaltungen abzusagen.. 8um Obmann für Reid) s banner Schwarz- Rot- Gold" ist ber Cenoffe Johannes Beiblich, Charlotten burg, Reuchlinfte. 6, ernannt worden. Alle Buschriften und Anfragen find nach dort zu richten. 9. Kreis Wilmersborf. Donnerstag, ben 20. März, 7% Uhr, Kreismitglieber. verfammlung bei Rohr, Stadtpart, Raiferallee 51-52. Bortrag des Gen Wegen der noffen Rod über das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Wichtigkeit der Sache Erfdeinen Pflicht: 17. Rreis 2id tenberg, Donnerstag, ben 20. März, 8 Uhr, Sihung des Bil bungsausschuffes. Bortrag des Genoffen Dr. Beffer.( Bibliothet, Weichfel ffraße 28.) Gäfte find eingeladen. 20. Areis. Areisens uk für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: Donners. tag, ben 20. März, 7 Uhr, Berfammlung im Rathaus Reinidendorf, Haupte ftraße, Bortrag der Genoffin Dr. Kleffe. Erscheinen aller Mitglieber, Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, befonders der Frauen, Tflict. Ortsgruppe Berlin. Freitag, den 21. Mära, 6% Uhr, im Rathaus, König. ftraße, Rimmer 109, Bersammlung. Tagesordnung: 1. Die internationale Erziehungskonferens in Sannover. 2. Die Rinderfreundebewegung. Refe renten Genoffen Schröter und Löwenstein. 3. Der Schulebbau in Berlin. Die Gewerbelehret verfemmeln fich ½ Stunde früher. Elternbeiräte als Gäste willkommen. Die Ankündigung für Dienstag war irrtümlich erfolgt. Heute, Mittwoch, den 19. März: Rostoder Str. 34 einige Aufregung. Die Kriminalpofigel hatte er. Cine Ichwierige Berbaftung verursachte in dem Hause mittelt, daß hier zwei ven ihr schon lanne desuchte Einbrecher und Räuber, ein Rutscher Albert Flatau und ein Wilhelm Gembach sich in einer Wohnung im zweiten Stock des Borderhauses unangemeldet aufhielten. Zwei Kriminalbeamte des 23. Reviers beaaben sich dorthin um die Schierverbrecher, Männer von 30 und 20 Jahren, festzunehmen. Als sie eintraten. lonen beide noch im Bett Flatau griff fofort unter fein Kopftiffen und holte eine Barabellumpistole hervor. Als er der Aufforderung, die Waffe wenzulegen und die Hände hochzuhalten, nicht entsprach, gab einer der Beamten einen Schuh ab. um ihm zu zeigen, daß er teinen wehrlofen Leuten gegenübersteht. F1 atau antwortete mit drei Schüffen, die zum Glüd alle fehlgingen. Jeht schoß 128.- 130. Abt. Paniom. Die erwerbsfcfen Genoffen chahme von Brot, abe der Beamte zum zweitenmal und traf ihn in die rechte hand. Das veranlakte ihn. fich zu ergeben und auch Sembach wurde fest genommen. Bei einer Durchfuchung des Zimmers fanden die Beamten noch eine zweite Pistole, 501charfe Batronen, eine schwarze Maste und sehr gute Einbrecher werkzeuge aller Art. Flatau wurde als Bolizeigefangener nach dem Krankenhause Moabit gebracht, Sembach nach dem Bolizei. präsidium, wo sich mehrere Dienststellen mit ihm zu beschäftigen haben. Auf dem Friedhof der Märzgefallenen. Große Menfchen mengen hatten sich in den gestrigen Nachmittags- und Abenditunden auf dem fleinen Friedhof im Friedrichsbain eingefunden, und be wizfen io, daß die Opfer von 1848 und 1918 nicht vergeffen find. Einzelne Gewerfichaften und Betriebe batten Kränze gefchidt, während bon den politischen Barteien außer der Sozialdemokratie nur die PD. und die neue Republikanische Partei Deutschlands vertreten waren. Die Demofraten waren nicht zu entdeden. Ein tödlicher Straßenunfall. Die 16 Jahre alte Raffiererin lie bomas aus der Bendeler Str. 23 wurde vor dem Hause, Berliner Str. 112 in Charlottenburg durch eine Elektrische der finie 98. fiberfahren und auf der Stelle aetötet. Die Schuld trifft nach Zeugenausfagen das junge Mädchen felbft. Wieder 600 deutsche Kinder in Defterreich. Am Sonntag früh fam auf Einladung der Hauptstelle für die Deutschlandhilfe in Defter reich wieder ein 8 ug mit 600 Rindern aus Berlin und dem Ruhrgebiet in Wien an, um dort und in dem Burgen land untergebrecht 311 werden. Zu dem in herzlichster Weife flatt. findenden Empfang hatten sich von der deutschen Gesandtschaft Ge. neralfon'ul von Livenot, sowie Vert eter der Regierung und des Bundes der Reichstetichen eingefunden. Ueber die Gandhi- Bewegung und ihre Bedeutung für den Weltfrieden spricht am Mittwoch, den 19. März, abends 7, Ubr, der 3nder 8afir Susain auf Einladung des Bundes de Striegsdienstgegner und der Berliner 8wrighelle der Internationalen Frauenliga lichen Klubs, Wilhelmitr. 48, 3 Treppen. für Freiheit und Frieden in den Räumen des Sozialwiffenfchaft Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 19. März. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Be kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm Nachrichtendienst Nachm 2.15 Uhr: Börsenbericht Nachm. 4.30 1235 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 105 Uhr: bis 6 Uhr: Unterhaltungsmusik. 38. Wt. Wegen der heutigen. Funktionärtonferens fällt bie Sigung bee Bildungskommision aus. Nene Sisung wird bekanntgegeben. Genoffen Baier, Borkumfte. 5, Rarten zur Empfangnahme auholen. Morgen, Donnerstag, den 20. März: 44. t. 7 he bei Ewald, Stoliger Str. 126, Sigung der Beamten und Angestellten. Erscheinen Pflicht. 85. Wbt. Reutöln. 7% Uhr in der Rindl- Brauerei, Hermannstraße, Abteilungs verfammlung. Bericht vom Bezirkstag. Referent Genoffe Krüger. 101. Abt. Treptow. Der Rurfus des Genoffen Bermuth wird pünktlich 7 Uhr im Rinderhort Wildenbruchstraße fortgefekt. 120. bt. Friebrief Ibe, 7 Uhr in der Mädchenschule Wilhelmftr. 29 Mitglteberverfammlung. Thema: Die bevorstehenden Reichstagswahlen" Referent Genoffe Briniger. Neuwahl der Abteilungsleitung. 121. bt. Karlshorft. 7. Uhr Borftandsfikung bei Riefchan, Baldowallee 1. 128.- 130. Abt. Tantow. 7 Uhr bei Bater, Mühlenstr. 12, Funktiondo 137. 54. Reinidendorf- Weft. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Boltshaus, Scharnweberstr. 14. Thema: Die tommenden Reichstagswahlen". tonferenz. Erscheinen Pflicht. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Bir bitten alle biejenigen Abtellungen, welche fchon bie Ratten aur Theatervorstellung am Sonntag, ben 6. April, in Emp fang genommen haben, biefelben nicht zu verkaufen, fonbern an uns aurüc sugeben, ba bie Borstelluna nicht stattfindet. Achtung, Abteilungstaffierer! Wir bitten alle diejenigen Abteilungen, welche noch nicht bie Februar- Beitragsmarken abgerechnet haben, diefes heute beftimmt vorzunehmen. Ferner müssen von allen die März- Beitragsmarten abgeholt werden. Heute, Mittwoch, den 19. März: Raulsborf: Schule Abolfitt. 25, Bortrag: ,, Die Eiszeit". Lankwig: Schul Bicht aberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr, 22, fake, Bortrag out on thi Bortrag: Die Repolution in bei Betaefdichte". Lichtenberg- Nord: Jugendheim Bartane 10, Distaffion Urfere Aufgaben". Lichterfelbe: Sugendheim Albrechtfit. 14, Rinimer 16, Bortrag: Die Revolution von 1848". aftadi: Schule Stallschreiberstr. 54, Vortrag: Märarevolution". Südost ( Reichenberget Biertel): Schule Glogauer Str. 15, Bortrag: Naturwissen fchaftliche Blaudereien Vorträge. Vereine und Tersammluncon Berein ber Freibenter für Feuerbestattung, C. B. 4. Berwaltungsbezirk: Freitag, den 21. Mära, abends 7% Uhr, in der Schulaula Danziger Str. 23, lung, Neuwahl des Borstandes. Aus Anlaß der Vorstandswahl ist es Bilicht Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Generalversamm aller Genoffen. zu erscheinen. Die beiden Fürsten des Humors Paul Beckers Willy Prager > mitsamt dem helteren Hofstaat Pünktlich 7 Uhr bei Zielka Friedrichstrasse 0, Ecke Leipziger Strasse. Kabarett Taglich Uhr Gr.Nachmittags- Vorstellung 4% pünktlich mit Paul Beckers und Fr. Sylvaré. Rajanol- Zahnpasta Abends 8.30 Uhr: Balladen- und Legenden- Abend. 1. Legende von Kursch( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 2. a) Heinrich der Vogler, von Loewe; b) Der heilige Franziskus, von Loewe; c) Prinz Eugen, von Loewe( Kammersänger Leo Schützendorf). 3. Legende von Wleniawsky( Stefan Frenkel. Violine). 4. a) Le cygne, von Saint- Saëns; b) Nordische Ballade, von Wenneis( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 5. Kaiser Ottos Weihnachtsfest, von Loewe( Kammersänger Leo Schützendorf. 6. Ballade und Polonäse, von Vieuxtemps Rajanol G.m.b.H., Bin.- Oberschönewelde, drage 35 ( Stefan Frenkel, Violine; am Flügel: Kapellmeister Otto Urack). > Fein te Piefferminz- 7ahnpas a Hervorragendesz hnreinigungsmittel erir scht und desinfiziert die Mundhon.c Zu haben In einschlägigen Geschäften:: Telephon: Oberschöneweide 555. 144 Frischen Wirtschaft Vom Arbeitsmarkt. Das Brandenburgische Landesarbeitsamt berichtet über die Arbeitsmarfilage in der Proving Brandenburg vom 10. bis 15. März 1924. Die Lage des Arbeitsmarktes zeigte mit Ausnahme einiger örtlichen Stellen eine weitere günstige Entwicklung, die sich wei er aus. wirfte in einem weiteren Rüd gang der Zahl der Arbeits. lofen. In der Landwirtschaft ist die Nachfrage nach ledigen Arbeitskräften, insbe ondere jü: geren Knechten, weiter fehr nge. Die gemeldeten Stellen tonn'en nicht immer restlos befegt werden. Deputatarbeiter werden in den meisten Fällen nur eingestellt, wenn zugleich mehrere Hofgänger gestellt werden. Die Biegelei. industrie hat Nachfrage nach einigen Arbeitskräften zu ver zeichnen Die Beschäftigungsverhä tnisse in den 3ement. fabriken entwidelen sich günstig; es sind weitere Einstellungen vorgenommen worden. Die Steingut und Porzellan fabriken forderten vereinzelt neue Arbeitskräfte an. In der Metallindustrie zeigte sich eine leichte Besserung auf dem Arbeitsmarkt. Trogdem ist die Zahl der arbeitslojen Metallarbet er verhältnismäßig noch hoch. Die optischen Glasfchleife reien waren für tüchtige Facharbeiter immer noch aufnahmefähig. Die etwas mildere Witterung hat veranlaßt, daß im Bauge. werbe weitere Einstellungen von Bauhandwerkern in beschränktem Maße vorgenommen wurden. Im Holz und Schnittstoffgewerbe ist der Geschäftsgang mefentlich günstiger als in der Borwoche. Die Vermitt ungstätigkeit war sehr rege, so daß es nur mit Hilfe des zwischenörtlichen Ausgleichs möglich war, die geeigmit Hilfe des zwischenördlichen Ausgleichs möglich war, die geeig neten Kräfte zu besorgen. In der Textilindustrie fann die Arbeitsmarktlage als sehr gut bezeichnet werden. Es wird in einem großen Teil der Betriebe mit Ueberstunden und Doppelschichten gearbeitet. Bei einigen Fachgruppen macht sich auch ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar; auch werden besonders jüngere weibliche Arbeitskräfte verlangt, die nich immer gestellt werden können. Das Betleidungsgewerbe war weiter aufnahmefähig. Auch in der Binnenschiffahrt zeigten sich Anfäße einer fleinen Belebung des Arbeitsmarktes. Das Bervielfältigungsgewerbe war verhältnismäßig gut beschäftigt. ja bekanntlich in feber Familie ben Berzicht auf die notwendigste| burch Ersparnis von Naturalgütern bie Reafein. Heizung zur Folge gehabt. An Hand der Brauntohlenbritettoer ladungen nach Groß- Berlin für Hausbrandzwede stellte sich der Verbrauch in den einzelner Monaten der letzten Jahre folgendermaßen: Mai Suni 1921 Januar Februar 141 823 1922 166 694 140 208 112 272 1928 140606 167 402 März 181 180 178 079 127 669 182 787 138 903 120 055 F124 517 150 074 181 691 125 971 189 064 151 690 189 KR6 184 038 194 497 141 398 161 511 110 228 185 879 158 098 122 759 141 547 160 690 4: 165 0 184 990 129 005 80047 ' 131 630 158906 85 614 uft Geptember Oftober November Dezember 1 621 410 1924 172 471 146 243 1 782 834 1 482 428 Besonders ftar? ist der Rückgang des Hausbrandtohlenverbrauchs im Oktober 1923. Mit 41 165 Tonnen betrug er nur ein Viertel des Berbrauches im Borjahre. Auch in den folgenden beiden Moraten blieb der Berbrauch außerordentlich nering und er nahm erst wieder zu, nachdem infolge des langen Winters die Bestände auf das äußerste gelichtet waren. Berafeicht man den Brifettverbrauch Berlins in den Monaten Oktober bis Februar während der letzten Jahre, so komen zum Verfondt im Winter 1921/22 687 133, im fofnenden Winter 760 609 und im letzten jekt zu Ende nehenden Winter nur 525 540 Tonnen. Im letzten Jahr ist also ein Rüfnang um rund 30 Broz. zu verzeichnen. Dabei kann von einer übermäßigen Eindedung auf Borrat in den vorangegangenen Monaten nicht bie Rede sein. Schon in den Monaten August und September des vorinen Jahres, als die Morf noch rapide stürzte. war infolge der verringerten Konfumfraft die Eindeckung der Grokstadt mit tohlen wesentlich hinter den gleichen Zeiten der veranoenangenen Jahre zurückgeblieben, nachdem allerdings der Juli stärkere Berfandgiffern gebracht hatte. Auch diese Zahlen sind ein berebter Hinweis darauf, Don wem die Inflation bezahlt wurde. Alle Arbeiter und Festbefolbeten, deren Gehälter und Löhne sich der Geldentwertung nicht schnell genug anpaffen fonnten, mußten im vergangenen Winter ihren Bedarf an Heizmaterialien auf das äußerste beschränken und fo Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. 16.00-13.00 Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Weizengries Hartgrieß Die Zahl der Arbeitslosen hat in Groß Berlin nach den Feststellungen des Landesarbeitsamts Berlin auch in der letzten Woche eine wesentliche Berminderung erfahren. Der gute Ge. fchäftsgang der sich in einigen Berufsgruppen herausgebildet hat, hat angehalten. Die Konjunktur in der Radioindustrie hat auch zu einer weiteren Belebung des Holzgewerbes mit beige tragen. Neuerdings belebt fich auch das Berkehrsgewerbe. Die Straßenbahn, das Speditions- und Fuhrgewerbe und andere Ber. tehrseinrichtungen gaben bereits wieder Aufträge zur Bestellung Ro genmehl or von Arbeitsträften. Allmählich lebt auch durch leberwindung der Inflation das Bersicherungsgewerbe auf; jedoch führte diefes mit Rücksicht auf die hohe Zahl der Stellenfuchenden, Sie zudem noch burch den Behördenabbau fortgefeßt eine erhebliche Bermehrung er fährt im allgemeinen nicht zu einer Enticftung des Stellenmarktes. An Jugendlichen, nementlich weiblichen Arbeitskräften, macht fich infolge der großen Anforderung ein Mangel bemerkbar. Insge. faint waren bei den Arbeitsnachweisen 176394 Personen eingetragen gegen 192 999 der Vorwoche. Darunter befanden sich 133 819( 145 485) männliche und 42 575( 47 514) weibliche Berfonen. Davon antfielen auf Angestellte und Facharbeiter 132 509 ( 146 942) Berfonen. Unterstühung bezogen 95009( 111 925) männliche und 21 292( 26 259) weibliche, insgesamt 116 301( 138 184) Berfonen. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten Ueber. wiesenen betrug 2421 gegen 4356 der Borwoche. Die Berichte über die einzelnen Gewerbezweige beden fich im allgemeinen mit den Angaben des Brandenburgischen Arbeitsamts. Rückgang des Hausbrandkohlenverbrauchs. Der großstädtische Berbrauch an hausbrandtohle ist in biefem inter außerordentlich start zurückgegangen. Daraus und aus dem Rüdgang der industriellen Konjunktur erklärt es sich, daß Kohlenüberfluß vorhanden war, während die Kohlen. produktion/ Deutschlands infolge der Abtrennung des Ruhr gebiets fo gering war wie noch nie vorher. Die Schwächung ber Rauftraft, die im letzten Stadium der Inflation eingetreten ist, hat 70% Weizenmehl Welzen- Auszugmehl Speisee bsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, Perl Langbonnen, handveries. Linsen. kleine..... Linsen, mittel Linsen. große Kartoffe mehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnude.n, lose.... Bruchreis Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java Rinväpfel, amerik. Getr Plaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Zentner frei Haus Berl n. 100,00-125,00 130,00-153,00 16,00 17,25 Röstgetreide, lose. 16,00-17.00 Kakao fettarm 15,25- 16.00 Kakao, leicht entölt 15,75-16,25 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420.00 12.75-14 Tee, indischer, gepackt. 425,00-475,00 18,00-18,80 Inlandszucker basis mel. 40, 42,00 22,90 25,59 Inlandszucker Raffinade 42,50-44 50 14,50-16,00 Zucker Würfel 46,00-48.00 17,00-21,00 Kunsthonig 40, 45,00 10.00- 22,7 Zuckersirup hell in Elm 49,00 14,00-17.00 Speisesirup dunk. in Eim 33,00-35,00 20,25-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-13,00 Marmelade Vierfrucht 40,00-55,0 Pflaumenmus in Eimern Steinsalz, lose.. Siedesalz. lose 340-325 26,00 35,00 36,50-42,00 43 0-49 5: 46,00 50,00 3,4 4,00 4,20- 4.80 16,0 18,00 Bratenschmalz in Tierces 40,00-45,00 Bratenschmalz in Kübeln 37,00-38,5 Purelard in Tierces 21,00-25.00 Purelard in Kisten 68,00 70,00 67,00 68,00-69.00 15,25-17,50 Speisetalg in Packung 46.00-50,00 131111 205,00-210,00 17,00-19,50 Speisetale in Kübeln. 46,00-48,00 21,00- 31,00 Margarine, Handelsm. I 56,10 31,00-36,00 desgl. Il 48,00-32,00 110,00-120,00 Margarine, Spezialm. I.. 70,00 43,00-48,00 desgl. II. 60,00-65,00 52,00-55,00 Molkereibutter 1. Fässern 205,00 75,00-80,00 Molkereibutter in Pack. 210,00 85,00-95,00 Landbutter in Fässern. 175,00 80,00-85,00| Landbutter in Packungen 180,00 .. 145,00-160,00 Auslandbutter 135,00-150 00 Corned beef 126 lbs p. K. 35,00-36.00 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett. 62,00-66,00 155,00--165,00 Quadratkäse. 40,00 50,00 98,00-106,00 Quarkkäse 35,00 50,00 115,00-125,00 50,00-55,00 23,00-23,00 Röstkafee Zentralam... 315,00-400,60 Inländische desgl. 48/12 18,0-19,50 Maizkaffee, gepackt.. 23,00 25,00 Ini. gez. Condensm 48/14 28,50- 29,5. Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Kümmel, holländischer. Schwarzer Pfeffer singap. Weißer Pfefier Rohkaffee Brasil 130,00-141,00 Tilsiter Käse, vollfett 180,00-215,00 Tilsiter Käse. halblett. . Rohkaftee Zentralamerika240,00-300.00 Ausl. ungezuck. CondensRöstkaffee Brasil 240.00-280,00 milch 48/16. nahmen schaffen, die dem Staate mit Hilfe der Notenpreffe und den Inflationsgewinnern über Börse und Warenmarkt zuflossen. Industrietagung. Am 26. und 27. März wird eine Industries tagung gemeinsam vom Reichsverband der deutschen Industrie und der Bereinigung der deutschen Arbeit. geberverbände veranstaltet. Diese wird eingeleitet durch eine Sondertagung der beiden führenden Industriespigenorganisationen. Beim Reichsverband der deutschen Industrie werben einige Sigungen des Präsidiums und des Borstandes und eine gefchloffene Mitgliederversammlung abgehalten, die ergänzt werden durch Sizungen der handelspolitischen Kommission, des Berkehrsausschusses und des Ausschuffes für gewerblichen Rechtsschutz. Die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat Einladungen erlassen zu folgenden Beranstaltungen: Zur Sigung des Vorstandes des großen Ausschusses und zu einer Mitgliederversammlung, in der Dr. Tänzier den Geschäftsbericht erstatten wird. Die Mehrzahl der Sizungen findet im Gebäude tes Reichswirtschaftsrates statt. Düsseldorf beendete soeben ihr Echuljahr 1923 24. Unter Beisein Die ftaatliche Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in von Bertretern der Staats- und Gemeindebehörden, sowie Gewert schaften aller Richtungen leitete der Direttor Dr. See bach die Abschlußdarbietungen ein, die einen Ueberblid über die Arbeitsweise der Anstalt und die erzielten Erfolge vermitteln. Die Leistungen der Schüler zeigten, daß sie im abgelaufenen Schuljahr trop widriger äußerer Umstände& B. der Ruhrbefehung und ungenügender fozialen und rechtlichen Bildung zu verschaffen wußten. Das Mitte Finanzierung des Instituts sich die Grundlagen einer wirtschaftlichen, 1922 gegründete Institut nimmt heute in dem Bildungswesen des industriellen Weftens eine anerkannte Stellung ein. Zur Entlaffung famen 22 Echüler, die den freien, christlichen und Hirsch- Dunderſchen Gewerffchaften angehören Um es den Schülern zu ermöglichen. ihre Studien im Auslande fortzufchen, ist ein Austausch mit gleid artigen Bildungseinrichtungen aller anderen Länder angebahnt. Schon in diesem Jahre gehen 4 bis 6 der entlassenen Schüler nach England, wo sie im Rustin- Colleg in Oxford Aufnahme finden werden. Der Rüdgang des Börsenverkehrs in den lehten Wochen geht aus Mitteilungen der Berliner Handelsgesellschaft aix ihrem Geschäftsbericht hervor. Gegenüber der Hochtonjunktur des Borjahres war der Rückschlag außerordentlich schroff. Die Umsätze find in den letzten Tagen bis auf ein Achtel der Vorjahrs umfäße zurückgegangen. Im übrigen sind die Abschlußzahlen der Handelsgesellschaft taum von besonderem Intereffe. Einige Zahlen aufstellungen, die von vornherein gänzlich willkürlich anmuten und obendrein noch auf Papiermart, anstatt auf Goldmart geftcut find, follen angeblich über den Vermögensstand Aufschluß geben. Die Gewinn und Berlustrechnung fäßt die Möglichkeit einer Divie bendenzahlung von 1 Proz.( in Gold). Der Reingewinn beträgt 1219 Millionen Goldmart. Die Gläubiger stehen mit 24,56 Millice nen Goldmart zu Buche; es handelt sich hierbei um Devisenein. lagen der Banffunden, da die Papiermarteinlagen feit längerem fast ganz ausgeblieben find. Man rechnet auch bei der Handels. gefellschaft mit einer Zusammenlegung des Attienkapitals, obmohl Dieses während der Inflationsperiode nicht verwässert worden ist. Banten und Golddiskontbant. Zwischen der Reichsbank und den Großbanken ist bereits eine Einigung wegen der Beteiligung dieser Finanzkreise an der Garantie für die Bolbbistontban? erzielt worden. Weiter fanden Berhandlungen statt mit den Berliner Brivatbantiers, denen die Reichsbant nahelegte, für je 500 000 Gold. mart eine Garantie zu übernehmen, wovon ein Biertel in bar eln. gezahlt werden sollte. Die Brivatbankiers behielten sich ihre Steltang nahme vor. Dementis. Sowohl von der Hamburger wie von der Berliner Barenbörie aus werden die Nachrichten, bag ber Metallbandel ar der Frantbefferung Berlufte erlitten babe, in Abrebe gestellt. Unter dicien Umftänden ist es dorpelt auffällig, daß feit der Erholung des französischen Franken der Ridgang der beutichen Effeftenfurie angebalten hat, der übereinstimmend mit Echwierigkeiten deuticher Warenimporteure bei der Begleichung eingegangener Frankenschulden bearünbet wurde. Übler Mundgeruch wirkt ab teenb. $ Blich gfärbte Jäbne entstellen das schönste Antlig. Beide übel werden sofort in volllom en un fchädlicher Weise beseitigt durch die bewährte Zahnpaste hlorodent Für stärkste Figuren Passendes. Extra- Preise für 4 Tage!!! 2450 1350 Covercoatmäntel Blaugrunu.schwarze gestreift 6850 7875 Mäntel m. Biesen- Pr. Gabardinekostüme Modell- Kostüme verzierung beste Verarbeitung u. Mäntel, gute Qualit Herren- und Damen- Cummimäntel, Imprägnierte Cover coat- Mäntel, Windjacken, Uebergangsmäntel. Strickjacken und-westen, schwarze Frauenmäntel, Kleider, Röcke, Krimmermäntel, Woll- und Biberplüsch mäntel and U ster zu enorm billigen Preisen. 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Die seitdem verflossenen Jahre haben uns wenig Gutes gebracht, und wie damals, so liegt auch heute noch die Zukunft dunkel vor uns. Feindlicher Druck hat sich auf unser rhemisifcwestfalisches Industriegebiet gelegt und damit die deutsche Wirtschaft an ihrem Lebensnerv getroffen. Und während Siegssüderniut in Gemeinschaft mit Separatisten ganze Gebietsteile von Demfchland loszureitzen droht, erhob im Osten, Norden und Süden der Aufruhr fein Haupt, um das republikanische Deutschland zu stürzen und die Militärmonarchie der Torkriegezeit wieder einzuführen. Bayerns Regierung machte sich zur Stütze dieser Hochverräte- rischen Umtriebe, bis sie selber fürchten mußte, hinweg gerissen Ki werden, und den Aufruhr unterdrückte. Fast kläglich er> scheinen dagegen die kommunistischen Versuche zur Erneue- rung revolutionärer Erbebungen in Mitteldeutichland und Hamburg, denen die Reichsregierung mit dem ganzen Schwer- gewicht der Diktatur entgegengetreten ist, während fts den nationalistischen Hochverrätern gegenüber versagte. In diesem Chaos außenpolitischer Vergewaltigung und innerer Zerrissen- Heft, wirtschaftlichen Verfalls und sozialpolitischer Reaktion wird dasdeutsch« Volt an die Wahlurne berufen, um die neue Volksvertretung zu wählen. Di« deutschen Gewerkschaften, die größte» oller Bolksorganisatisnen, können bei diesen Wahlen nicht ab- seits stehen. Handelt es sich doch um die Entscheidung über die politische und wirtschaftliche Zukunft unseres ganzen Volkes, um die Zusammensetzung von Reichs- tag und Regierung, um die Richtung der Außen- und Vnnenpolitit. vor allem um die Entscheidung, ob veutsihlaaü m �ukvast monarchisch oder republikanisch sein soll. Die Arbeiterklasse hat von der Wiederherstellung des ölten Regimes nur die alte politische Rechtlosigkeit, die alte Unterdrückung und Ausbeutung zu erwarten. Die Erhaltung und verteiöiguog der Republik muß daher für sie der Ausgangspunkt aller Erwägungen und Forderungen fem, mit denen sie in den Wahlkamps eintritt, getragen von der Erkenntnis, daß die de'.nokratisch-republi- kanische Verfassung die Voraussetzung bildet für den sozialen Aufftieg der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Ein repu- blitanisches, demokratisches Deutschlcmd allein bildet auch die Bürgschaft gegen neue Kriegsgefahren, sowie für «ine baldige Befreiung der besetzten Gebiete durch Verträge auf dem Boden einer festen, ehrlichen Keparotionspolltik. Die Gewerkschaften treten nachdrücklich ein für die Politik des Wiederaufbaues in allen vom Krieg betroffenen Ländern durch werktätige Arbeit. Nicht Waffen,—— nur friedliche Arbeit kann der Welt den Freden wieder- geben. Die Wiedsrgsfundung Deutschlands erfordert eine feste republikanische Politik, die zielbewußt alle legalen Kräfte des Staates gegen die auf Umsturz der Weimarer Verfassung gerichteten Bestrebungen einsetzt, nicht aber die Militärdiktatur gegen die Arbeiter, die beste Stütze der Republik, aufbietet. Die heimische Wirtschaft hat zwei gesunde Reserven, die ihr den Wiederaufbau gewährleisten,— das sind deutsche Organisation und Technik und deutsche Ar- beAt Ihrem Zusammenwirken wird es gelingen, den für die Wirtschaft erforderlichen Kredit zu beschaffen. Verfehlt wäre eine Wirtschaftspolitik, die öas kostbarste wirtsthastsgut, Sie öeutsthe flrbeltskrast, in schrankenloser Ausbeutung verwüstet, anstatt sie durch Schutz leistungsfähiger zu machen. Deshalb fordern die Gewerkschaften ü!e WieSerherstellaag See gesetzlichen Mchtstunüevtages gerade im Interesse der Steigerung der Produktion. Di« staatlich« Lohnpolitik muß dar- auf gerichtet fein, den Arbeiter» und An- gestellten einen auskömmlichen Lebens loh» zu sichern, der die Erneuerung der vollen Arbeitskraft ermöglicht. Es ist verfehlt, die Löhn« unter den Friedensstand herab- zudrücken, um dem Unternehmertum die Kapitalbildung auf Kosten der Arbeitstraft zu erleichtern. Das schädigt die Ar- beiter an Leistung und Kaufkraft und verwüstet den heimischen Markt zum Nachteil unserer Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Indu- strie muß durch einen nachdrücklichen Preis- a b b a u und durch Wiedereinführung gesunder Kalkulations- regeln gefördert werden. Die ungeheure Arbeitslosigkeit» die auf der Arbeiterklasse lastet, ist Vurch Unterbringung der Er- werbslosen in der Urproduktion zu vermindern und die drückende Not durch eine geregelte Arbeitslosen- Versicherung zu mildern. Durch Ueberführung von Cr- ' werbslosen in die Land- und Siedlungswirtfchast würden zu- gleich die Grundlagen unserer LolksernSH« rung erweitert und die Volkslraft gestärkt werden Mit aller Schärfe wenden sich die Gewerkschaften gegen üen Mb au üer Sozialpolitik, der durch Mangel des Staates an Mitteln beschönigt wird. Dem Reich würde es nicht an Mitteln hierzu fehlen, wenn endlich den Besitzenden dieselben Steuer« lasten auferlegt würden, wie deu Lohnarbeitern. Die Arbeiterklasse kämpft für den Ausbau de» Ar- bsitsrechtes als starken Hort de? Arbeit, vor allem für die Erhaltung der Rechte der Arbeiter im De- trieb und für ungeschmälertes Koalitionsrecht der Arbeitnehmer zur Verteidigung und Verbesserung ihrer Lebenshaltung. Das seit einem Jahrzehnt lx-stchende Wohnungselend macht die beschleunigte Förderung des Woh- nungsbaues zur Notwendigkeit. Die bestehende Woh- nungszwangswirtschaft darf nur langsam und nicht ohne ent- sprechende Erhöhung des Lohneinkommens abgebaut werden. Die Mittel für den Wohnungsbau sind den Erträgnissen der allmählichen Mietsaufwertung zu entnehmen, die nicht dem Grundbesitz überlassen werden dürfen. Der Allgemeine Deutsch« Gewerkschofts« bund fordert feine Mitglieder auf. im tom« menden Wahlkampf unablässig für diese Wohlforöerungea See Gewerkschaften «inzutreten und alle Kräfte aufzubieten. damit die Pläne der militärischen und indu- strielten Machtpolitiker zuschanden gemacht werden. Sorgt dafür, daß am Wahltage eine Volksvertretung gewählt wird, die volle Bürgschaft für ein repnbUkoalsches, öemokrachches unö soziale» Deutschlonü hietet, für eine Zukunft, in der auch der Arbeiter wieder feines Lebens froh werden und für sein« Pflichterfüllung auf Mnerkemmug seiner Mbekterrechte rechnen kann. Deutsche Arbeiter! verbreitet diese Aordenmgm in allen Betriebe«, in Stadt und Land, besprecht sie in allen Tfex. sammlungen. legt sie alle« vor, die sich um eure Stimmen bewerben und führt sie zum Siegt Der Kampf öer öeamten. Berufsbeamtentum und Reichstagswahle«. vou Albert Falkenberg. Es kst nicht immer leicht, den um den Bestand des Berufs- bccmtentums entbrannten Kampf von Schlagwortes zu befreien. Weite Kreise der Beamten selbst stecken mit ihren An- schauungen noch tief in den Ueberlieferungen einer toten Zeit. Ihnen fehlt die Erkenntnis, daß der Weg zur neuen Gesellschaft durch den neuen Staar geht. Wenn fc-on von dem nichtbeamteten Staatsbürger zur Schaffung des n-uen Staates em wesentlich höheres Maß von S t a a t s g e f i n n u n g, als es zurzeit durchweg vorhanden. ist, verlangt werden muß, dann srlt recht von dem Beatmen, her doch nach Artikel IM der Retchsserfassung„Diener der Gesamtheit", eben des Staatszanzsn sein soll und darum als Instrument des Staates feine Tätigkeit auszuüben Hab Wenn jetzt infolge der wachsenden Getahr der Privatisierung von Reichsbetrieben des Bsrufsbeamtentum bedroht er- scheint, dann nehmen aus naheliegenden Gründen die Gegen- uiaßnahmen der Beamten oft ihren Ausgang von Crwägun- xen die mit der vorstehend gekennzeichneten staatsrechtlichen Crundausfassung nur in losem Zusammenhang stehen. Die Beamten übersehen bei ihrer Stellungnahme, daß durch den llebertritt in den Dienst der Erwerbsgesellschaft ihr Beruss- Secuntentum an sich noch nicht gefährdet zu sein braucht. Die sozialen Sicherungen könnten auch weiter g�oalnt bleiben, ? B Anstellung auf Lebenszeit. Anspruch auf Ruhegehcur und Hinterbliebenenveriorgung u. a nr Aus einer Umstellung des staatsrechtlichen Beamtenverhaltmsses aus dw Grundlage des Privatvertrages lönnten sich im Augenblick sogar Berbsffe- rungen als äutomaiifche Auswirkung oer alsdann maßgeb- lichen Gesetze ergeben, wahrend Verschlecyterungen durch den Uebernahmevertrag vorgebeugt wurde. D t« G« f a h r liegt in der Entwicklung der politischen Konstel- ! a t i o n. die wir zurzeit erst in ihren Anfangen auszukosten baben. Wenn es den Herren der Wirtschaft gelingt, mit fort- schreitender Eroberung der politischen Macht den Staat in noch Höherem Maße als bisher unter ihre Herrschaft zu zwingen. dann wird zwangsläufig der„rücksichtslose Abbau des Ve- amtenverhältnisses einsetzen, weil dann die Gesetzgebung voll- kommen unter ihren Einfluß gerat Wenn die Beamten die!« Problemstellung erkennen,«er- den sie begreifen, daß sie allein durch die Reichs- taqswahlen in die Lage oersttzt werden, die Verwirklichung des ihrerseits mit Recht gefürchteien Zustandes zu ver- hindern. In dieser Beziehung befinden sich die Beamten in der gleichen Lage wie Arbeiter und Angesiellis— wie die ge- tarnte Arbeitnehmerschaft. Gewerkschaftsvolltische Arbeft kann nur als Vorarbeft für die politische Tat durch den Skimmzetiel gewertet werden. So töricht der Glaube ist. die Gewerkschaft allein könne ausschlaggebend auf die kür das Emzelfchicksa! de» Arbeitnehmers oder das Schicksal seiner Gruppe maß- gebende Gestaltung der politischen Machtverhältnisse einwirken, so abwegig ist der praktische Versuch, losgelöst von Welt- anfchauungssragen, sozusagen mft wirtschoftsvolltisch einge» stellten Arbeftnehmertryppen die parteipolitische Linie beHerr- sch-n zu wollen. Die Durchführung solcher Versuche zeitigt die sestiamstsn Blüten. So wird in Söddernftbland zurzeit sogar der Wahlvorschlag einer einzelnen Beamtenkategorie mit an- nähernd 18yi)l> Köpfen für die Landtagswahlen unterbreitet, nachdem der jener Beamtengrupp« zugehörig« Landtagsabge- ordnete von lemer politischen Partei nicht wieder aufgestellt worden ist. Kann man sich wundern, wenn durch derartige Experimente der Rest polftischen Ansehens der Beamten zum Schaden der gesamten Beamtenschaft verloren geht? Noch weniger vorbildlich erscheint der oei den letzten Thüringer Landtagswahlen von dem Führer des Tbüringifchen Beamten- bundes mit Erfolg unternommene Versuch, auf den Krücken des durch Arbeftgebsrgelder finanzierten Ordnungsbundes an- geblich im Interesse der parteipolitisch neutralen Beamten- schaft in den Landtag zu gelangen, um hinterher die Neutrali- tätsmaske abzulegen und sich der eigenen Partei anzuschließen — zum Entsetzen der sich zu anderen Parteien bekennenden Wähler und wiederum zum Schaden des politischen Ansehens der gesamten Beamtenschaft. Der Beamte, der nicht den Mut findä, v o r der Wahl few politisches Glaubensbekenntnis in aller Oeffentlichkeft abzulegen, verdient weder dos Vertrauen seiner Verufsgelwsien noch das der von ihm auf falsche Fährte gelockten nichtbeamteten Wählerschaft. Nur die politische Emstellurrg der Beamten sichert ihnen die Anerkennung der polftischen Parteien. Diese Ein- stellung kann naturgemäß nur erfolgen, wenn die Beamten aus ihren gewerklchaitllchen Forderungen die politischen Schlußfolgerungen ziehen, wie das z. B. in den soeben veröffentlichten Richtlinien des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes geschehen ist. Wie sollen die gewerkschaftlichen Forderungen der Beamten auf dem Ge- biete des Beamtenrechts, der Befoldungs-, Wirtschasts- und Sozialpolitik zur Erhaltung und Festigung des Berufsbeamten- tums Erfüllung finden, wenn nicht unter Wahrung des obersten Grundsatzes der Ilnabhänqigkeit des Staates von kapftalisti- scheu Einflüssen die Vertretung folgender allgemein- politischenFvrderungenvonden polftischen Parteien verlangt wird: Ausgleich de» Reichshaushalt, durch steuerliche Erfassung der Probuttion au ihren Quellen, u. a. durch eine progressive Grundweristeuer und durch Erweiterung de» staatliche» Erbrechts. Ablehnung der gesteigerten und mehrfachen Belegung des Masienkonsums mft indirekten Steuern. Scharf« Heranziehung des Besitzes und der groheu Einkommen zo den steuerlichen Lasten. Erfassung der Sachwerte durch Beteiligung de« Reiche« an allen Bewieben sowie am Grundvermögen zur Ver- Hinderung ein« da Volks gefamtheft schädlich« Monopolstellung des Privatkapftat» und Stärkung der Staats auioritöt gegenüber der Wirtschaft. Jedem Versuch der Privatisierung der Reichs- betrieb« ist en t g eg e o z u w i r ten. Der in den Reiche- betrieben investiert« Besitz muß dem Reiche erhalten bleiben. Nur wenn es gelingt, die deutsche Republik zu einem lebenskräftigen sozialen Wirtschaftsstaate auszubauen, werden die breiten Schichten der Llrbeitnehmer das innere Verhältnis zum Staate gewinnen, ohne das weder der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, nach die Gesundung des deutschen Volks- körpers erreicht werden kann. Die Sicherung des Berufsbeamtentums Im Sinne einer fortschrittlichen Entwicklung ist nur denkbar, wenn Steuer- und Wirtschaftspolitik mit ihren Auswirkungen die Grund- läge bilden. Wie kein anderer Berussstand, haben darum Sierade die Beamten ein besonderes Interesse an der Zu- ammenfstzung der Parlamente, insonderheit aber des Reichs- tages, well er über olle partikulariftischen Bestrebungen der Länder hinweg den Hebel der Beamtenoesetzgebuna in der Hand hält. Wenn es der Beamtenschaft nicht gelingt, die Anwendung ihrer politischen Macht bei den Reichstagswahsen auf diesen Gesichtspunkt einzustellen, dann werden die Folgen des Ermächtigungsgesetzes verblassen gegenüber den Maß- nahmen, die die Regierung unter dem Druck der neuen Reichs- tagsmehrheit zur„Umbildung" des Beamtenverhältnisses gegen die Beamten ergreifen wird. Die Texterläuterung des Görlitzer Programm, der Sozialdemokratischen Partei enthält einen Absatz folgenden Inhalts: „Das Aopftal kauft Beamte, das Kapital kaust Druckereien. Papier, Ie-lungsgebäud« samt dem lebenden Inventar von Iour- nalisteu. Es kauft, indem es für sie die Kosten der stets teurer und häusiger werdenden Wahlkümps« bestreitet, politische Parteien. Es bringt auf diese Weise die modernsten Herrschaftsmittel in fem« Gewalt, es kommandiert die Gehirne der Wähl« und droht einen Absolutismus zu entwickeln, d«, einmal begründet, fest« dastehe« würde als jener des Zaren." Diese Ausführungen sind 1322 niedergeschrieben Einen Hauch jener unheilvollen Machtentfaltung haben die Beamten seitdem verspürt, die Atmosphäre privatkapitalistischer Herrschaft hat aus das Berussbeamtentum gewirkt wie«in Reif in der Frühlingsnocht. Sollen feine Wurzeln nicht ab- sterben, müssen die Beamten selber helfen. Sie hoben die Macht dazu, wenn sie sich vor Abgabe des Stimmzettels bei den Reichstagswahlen zu dem Wort des Dichters Mullatuli bekennen: „Wer denkt, kann nicht verloren gehe«. Wer denk«, siegti" Kür die»eichstagswahleu. Die gelter« ausgegeben« Nutnm« SO de» Reichsgesetzb'atts Teil 1 enthält die Reichsstimmvrdnung mft den zur Vorbereitung und Durcklübrung der Reickstagewahl er* forderlichen Bestrvtmunzen. Der Reichstag 1920-1924. Unser Wahlhandbuch. t Das Handbuch für sozialdemokratische Wähler, herausgegeben com Borstand der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutsch lands, ist erschienen. Es fann von den Funktionären und Mitglbe. dern der Partei durch die Drganisationen bezogen werden. Das Das Handbuch enthält weit über den Rahmen eines reinen Wahlhandbuchs hinaus eine zufamunenhängende Darstellung der Finanz- und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands in den legten vier Jahren sowie eine Untersuchung der Zusammenhänge zwischen den innerbeutschen Broblemen und der außenpolitischen Stellung Deutschlands. Die deutsche Gesezgetung von 1920 bis 1924 ist von ersten Eachtennern gedrängt dargestellt und fritisch besprochen worden. Aus dieser Darstellung heben fich die großen Probleme heraus, mit denen die deutsche Politik ringt. Aus der Fülle der Einzelheiten heraus zeigt fich tie tlare und sinnvolle Linie der sozialdemokrati fchen Politit. Das Handbuch gibt unseren Genossen nicht nur wertvolles Material für ben Wahlkampf, es fördert vielmehr wie teine andere Ber öffentlichung das Berständnis für die Zusammenhänge und die Probleme der deutschen Politit und für Sie Bolitit der Sozialdemokratischen Partei. Bir empfehlen allen Genoffen das Wahlhandbuch als politisch- geschicht Iches Lesebuch. Die unsterbliche Lüge. Ratastrophenpolitik oder Erfüllungspolitik. In der Kreuzzeitung" vom 18. März greift ein Herr Hans ram aus Genf die Außenpolitik von Herrn Stresemann an. Den Gegensatz zwischen dem, was er als deutsche Außenpolitik empfiehlt, und der Außenpolitik von Stresemann bringt er auf bie Formel: Deutscher oder franzöfifcher Rurs." Deut. fcher Kurs gleich Katastrophenpolitit im Sinne Heifferichs, franzöfifcher Kurs gleich Erfüllungspolitit, wobei mir die Frage, wie weit die Außenpolitit Stelemanns mit einer auf die Befreiung der besetzten Gebiete gerichteten Erfüllungspolitik identisch ist, hier unerörtert laffen. Das Bemerkenswerte daran ist die Methode, jede andere als die deutschnationale Außenpolitik als frantophil und deutschfeindlich zu bezeichnen, während gleichzeitig die Schuld an der fchweren außenpolitischen Lage Deutschlands auf die Barteien ge. wälzt wird, die sich ernsthaft um ihre Berbesserung bemühten. Diefer Schriftsteller schreibt in der Kreuzzeitung": „ Erzberger, Scheidemann, Rathenau, Birth und Stresemann haben alfo Realpolitit getrieben? Die Scherben zeigen, Joie gesund die e Politik war." Die inneren Kräfte, die in Deutschland dem französischen Ime perialismus in die Hände gearbeitet haben, waren vor allem die Deutschnationalen. Ihre Steuersabotage, die Hegreben ihres Füh rers Helfferich an den fritischen Punkten der deutschen Entwid. lung haben in Deutschland den Boden für eine planvolle Befreiungs. politik zerstört. Die Scherben fallen nicht der Realpolitit, sondern den Propagandisten der Katastrophenpolitik zur Last, und den Männern in allen bürgerlichen Parteien, die ihnen geholfen haben. Penn ble Oberfte Heeresfeftung zu fchwerwiegenden Ent. fchlüssen zwingen. Unter biefen Umständen ist es geboten, den Kampf abzu brechen, um dem deutschen Bolte und feinen Berbündeten nu1ofe Opfer zu erfparen, Jeber verfäumte Tag tostet Taufenden von Soldaten das Leben." Die fo als frantophil gefchmähte Rea'politif batte Sinn und Ziel. Aber die von der Kreuzzeitung" empfohlene Ratastrophen. politit? Als ihr Hauptpropagandist Helfferich im Sommer 1922 im Auswärtigen Ausschuß gefragt wurde, was auf ein deutsches Rein!". in seinem Sinne erfolgen werde und erfolgen folle, antwortete er: Das mettere mirb sich dann entwideln." Inzwischen hat sich die Ruhrbese gung entwickelt. Die politischen, wirt Zur weiteren Biderlegung der unsterblichen Dalchstoßlüge ver. fchaftlichen und finanziellen Folgen für Deutschland kennt feber. melfen wir auf die Zusammenstellung von Dokumenten, bie Gollen wir uns in bieter Richtung noch weiter ent.. Ruttner unter dem Titel„ Der Sieg war zum Greifen nahe widein? Ein guter Rat fürwahr, der uns da vom ficheren Bort herausgegeben hat. Die Grundlage der Empfehlung der Katastrophendes neutralen Auslandes gegeben wird! politif ist die systematische Täuschung des Volkes über die Geschichte NO des Kriegsenbes. Auf so, unsolider Basis wird eine noch unsolidere Bolitit empfohlen, die schließlich nur neue Schreden zu den alten fügen müßte. der unsterblichen Dolchstoßlüge. Herr Bram schreibt aus Genf: Die Empfehlung dieser Ratastrophenpolitik wird aufgebaut auf Waren wir denn wirklich besiegt am 11. November 1918? Bir ftanden tief im Feindeslande, hatten die größten Siege er fochten, die meisten Gefangenen gemacht und die weitesten Gebiete erobert. Die objektivste Feststellung der Wahrheit hat unlängst der namhafte Herausgeber der vornehmsten englischen Wochen. schrift„ Spectator", Sir Loe Strachny, gemacht, als er den Kriegs. ausgang„ Sieg ohne Niederlage" nannte New Vort American" fchreibt, der Sieg Fochs sei ein Ammenmärchen, an das fein ver nünftiger Mensch glaube". Sonderbar, gerade in Deutschland felbft find die meisten Berfechter des feindlichen Sieges zu finden. Dann aber haben die Erfüllungsparteien, be fonders bie Sozialdemokratie doch das Unglaubliche ge. leistet, um den Sieg Deutschlands zu vereiteln. Sie rühmen sich noch bessen. Ehließlich haben fie, angesichts des Feindes eine Revolution entfacht, die Kardinal Faulhaber treffend Meineid und Berbrechen" genannt hat, Das Berbrechen der deutschen Baffen im fritisch. ften Augenblide des Krieges ist eine bem feinde ge brachte bewaffnete Hilfe. Die Leute, die das ge'an und thre Freunde, ihre Berbündeten find es, die heute auf die von ihnen herbeigeführte Unterwerfung( nicht Niederlage) fich berufen und Erfüllung der feindlichen Wünsche fordern. Sie waren schon mitten im Kriege die Helfer des Feindes." Diefe Lüge will nicht verstummen, so handgreiflich sie ist. Immer wieder muß ihr die Tatsache entgegengelegt werden, daß die Oberfte Heeresleitung es war, die am Zusammenhalt der Front verzweifelte und von der Regierung in Berlin, an der Bertreter der Erfüllungs. parteien teil hatten, Waffenstillstandsverhandlungen forderten. Am 3. Oftober 1918 telegraphierte Hindenburg an die Regierung, die nech nicht so peffimistisch war, rote er felbst: Die Oberste Heeresleitung bleibt auf ihrer am Sonntag, ben 28. September b. 3, gestellen Forderung der fofortigen Herausgabe des Friedensangebots an unfere Feinde bestehen. Infolre des Zusammenbruches ber mazeboni. schen Front, ber dadurch notwendig gewordenen Schwächung unferer Beftreferven und infolge der Unmöglichkeit, die in den Schlachten der letzten Tage einge. tretenen Jehr erheblichen Beriufte zu ergänzen, besteht nach menschlichem Ermessen feine Aussicht mehr, dem Feinde den Frieden aufzuzwingen. Der Gegner feinerfetts führt ftänbig neue, frische Reserven in die Schlacht. Noch steht das deutsche Heer festgefügt und mehrt siegreich alle Angriffe ab. Die Lage verschärft sich aber täglich und Mieter und Sozialdemokratie. Der Borstand des Mieterbundes zur Reichstagswahl. Deutschen Mieterbundes. Bon den zur Annahme gelangAm Sonntag tagte in Berlin der Gesamtvorstand des ten Entschließungen heben wir folgende hervor: " Der Borstand stellt fest, daß große pofitische Barteien, deren Wähler zu einem erheblichen Teile den schwer un ihre Eristenz ringenden Boltstreifen angehören, die berechtigten Forderungen der Mieterschaft hinsichtlich der Regelung des Wohnungswefens, insbesondere auch der Wietzinsbildung, nicht nur gänzlich unbeachtet, fondern sogar, zum Teil durch Ausübung des Fraktionszwanges bei den Abstimmungen in den Bariamenten, bekämpft haben. Der Vorstand vertritt die Auffassung, daß die parteipolitische Neutralität der Mieterbewegung nicht dazu führen barf, daß Freunde und Gegner der Mieterbewegung bei den kommenden Wahlen gleichmäßig behandelt werden. Er ist vielmehr der Ueberzeugung, daß die Mieterschaft restlos darüber aufgeklärt werden muß, wo ihre Freunde und wo ihre Gegner fizen, damit fie ihre Abstimmung banach einrichten fann. Die tünftige Zufammenfegung der Boltsvertretungen ist entscheidend für das Schicksal des Mieterschutzes und für die Regelung des Wohnungswefens. Der Borstand erwartet beshalb von der deutschen Mieter. schaft daß sie bei den kommenden Wahlen zu den Bolfsvertretungen die Konsequenzen aus der bisherigen Haltung der poli tischen Parteien zur Mieterichußgefehgebung zieht und die Mieter nur denjenigen Parteien und Abgeordneten ihre Stimme geben, die eine Gewähr dafür bieten, daß sie für die Forderungen der organisierten Mieterschaft mit Entschiedenheit eintreten werden." Mieterschußgefchgebung, bann fann für feinen Mieter Zweifel dar Betrachtet man die Haltung der bürgerlichen Fraktionen zur fiber bestehen, welcher Partei er feine Stimme geben muß. Immer wieder hat die Sozialdemokratie im Gegensatz zu allen bürgerlichen Barteien nicht nur die Innehaltung der Mieter Ichußgefchgebung gefordert, sondern auch Borschläge zur Erleichte rung ber den Mietern auferlegten Lasten gemacht. Wir brauchen u. a. nur daran zu erinnern, daß fie es auch war, die im Reichstag beantragte, die in der dritten Steuernotverordnung vorgesehene Mietsteuer zu streichen und die dem Etat dadurch entgehenden Mittel durch Belastung der besitzenden Schichten bereit zustellen. A. Bedingungen für die Lieferung von Elektrizität aus dem Leitungsnetze der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke Akt.- Ges. Ab Zahlerstandaufnahme im April 1924. baben bie Abnehmer den zur Neuanschaffung eines entsprechenden Bählers erforderlichen Betrag zu zahlen. Die Gefellidhaft trägt nur bie Roften der regelmäßigen Inftandhaltung der Elettritätszähler. § 1. Stromlieferung. Die Elettrizität wird den Abnehmern regelmäßig zu jeder Sages. und Nachtzeit zugeführt. Sollte der Gefelichait infolge Feuersgefahr, Raturereignisse, Strieges, Streifes, Aufstandes oder sonstiger Umande, die fie nicht zu berhindern vermag( höhere Gewalt), bie Erzeugung oder Fortleitung ber Elettrizität nicht möglich fein, fo rubi ihre Verpflichtung zur Lieferung io lange, bis die Störungen und deren Folgen beseittat find. Eine Entschädigung für nicht erfolgte ober mangelhafte Strom lieferung oder den Erlaß von Gebühren oder Bauschalbeträgen fann ber Abnehmer in feinem Falle beansb: uchen. Außerdem stebt der Gesellschaft das Recht zu, sum 8mede ber Brüfung und Anitanbbaltung der Anlagen vorübergehend den Betrieb ganz oder teilweise einzustellen. § 2. Herstellung der Hausanschlüsse. Die Herstellung ber Anschlüffe von den Berteilungsleitungen in den Straßen bis an die Dauptficherung in den Brunbitiden einschlieglich, fowie etwaige bieran notwendig werdende Aenderungen und Ausbesserungen dürfen nur durch die Gesellschaft erfolgen. Zu den Kosten der Hausanschlüßffe bis zu 7 m Rabellänge trägt die Gesellschaft, fofern nach ihrer Ansicht ein angemessener Stromberbrauch zu erwarten ist, bis zu 50 Prozent bet. Den Renbetrag fomie b: e often für eine event. Debrlänge hat der Besteller an die Gesellschaft zu zahlen. In jedem Falle bleiben die Hausanschuiffe Eigentum der Gefellichait. Abnehmer, für deren Elektrizitätsbelieferung die Aufstellung eines Belonderen Transformators erforderlich tit, baben der Gesellschaft einen hierfür geeigneten Raum tostenlos zur Verfügung zu stellen und ohne Entschädigung zu geftatten, daß die Gelelifchaft von dem Transformator aus im Bedarfsfalle Leitungen über ihr Grunditud führt. §3. Justallationen. Die Ausführung der Installation ist den Abnehmern überlassen; fie muß unter Beachtung der von der Gefraichaft Herfür festgefeßten Borschriften durch zugelassene Installateure erfolgen. Ein Verzeichnis der Installateure lann bei der Gesellschaft eingesehen werden. Die Brüfung der Bläne und die Kontrollmessungen vor Anschluß der Anlagen liegen ausschließlich der Gesellschaft ob; auch behà t fid bie Gesellschaft bor, die Ausführung der Installationsarbeiten zu überwachen. Die Gesellschaft ist berechtigt, die Zuführung der Elef trizität folange zu verweigern, bis die von ihr verlangten Aenderungen ausgeführt find. Durch die Brüfung, die Ueberwachung und den Anfoluß übernimmt die Geselschaft teinerlei Verantwortung für Feueroder sonstigen Schaden, der auf die Installationsarbeiten zuidzu führen ist. Die Gesellschaft allein ist berechtigt, Neuanlagen anzu. schließen, in Betrieb befindliche Leitungen abzusperren oder abgesperrte Leitungen wieder in Betrieb zu leben. Die Eigentümer der Hauptleitungen find verpflichtet, den An Ichluß von Abzweigen und den Einbau von Berteilungssicherungen in ber Nabe des hausan chlußlastens jederzeit fortenlos zu geftaiten. Borstehende Bestimmungen gelten finngemäß auch für Erwei terungen und Aenderungen. § 4. Zuitandhaltung und Revision der Anlagen unb Apparate. Der Abnehmer hat für die Instandhaltung der von ihm benugten Eim ichtung Sorge zu tragen, gleichpiel, ob fie ibm ober ber Besellschaft gehört; in letterem Falle hat er fie gegen Feuersgejahr perfichert zu halten. Die Gesellschaft ist berechtigt, die gesamten Anlagen jederzeit nach prüfen zu lassen. Den Angestellten der Gesellichaft muß unweigerlich er Butritt au allen Räumlichkeiten geftattet werden, in denen sich Veltungen oder Teile der Installation befinden. 8 5. Zähl und Schaltavparate. Die zur Meffung des Ber brauches bestimmten Elektrizitätszähler werben von der Gesellschaft oftenlos aufgestellt und den Abnehmern vorgebalten. Der Gesellschaft allein hebt die Entscheidung über Jahl, Größe, Ort und Art der Ausstellung der Elektrizitätszähler zu. Zur Be dienung der Zähler sind ausschließlich Angestellte der Gesellschaft be rechtigt, die fich auf Verlangen burch eine Bescheinigung der Gesell. Ichaft auszuweisen baben. Die Abnehmer barten der Gesellschaft für jeben durch Beschädigung oder Berlust von Bählern entstehenden Schaden, gleichgültig, ob die Beschädigung oder der Verlust des Bäblers auf ein Berschulden bes Abnehmers zurüdzuführen ist. Im Falle des Berluftes eines gählers Berlin, ben 17. März 1924. Nebe Santierung an dem 8abler bardh andere Berionen als bie Angestellten der Gefellschaft, fowie die Lösung oder Beschädigung ber bon der Gesellschaft angebrachten Blomben find verboten. Die Feftitellung des Zablerftandes erfolgt durch Ablejer. Die Ab. lefer find verpflichtet, das Ergebnis der blejung bem Abnehnres belanntzugeben. Bält sich ber Abnehmer durch die Angaben bes gablers für benachtei ligt, fo fann er beffen Prüfung beantragen. Mit dem Antrag auf Brüfung, der ichristlich geftellt werden muß, tft eine Gebühr von 10. Goldmar! für jeben Bäbler ohne Unterschied ber Bröne ein. zusenden. Falls die Prüfung ergibt, daß die mittlere Abweichung vom Sollmerte mehr als 6 Prozent beträgt, wird die Gebühr dem A6nehmer zurüderftattet. Berben infolge von Störungen, bie före litfade in bem Elektrizitäts. gabler hoben, mittlere Abweichungen von mehr als 6 Prozent zu gunften oder unguniten des Abnehmers feftaeftellt, so findet im Ber hältnis der ermittelten Abweichung eine Nachforderung oder Nnd. vergütung, höchftens jedoch für bie legten brei Monate, statt. Die dreimonatliche Frift läuft von der Feststellung der Störung durch die Gesellschaft oder, falls eine Beanstandung seitens des Abnehmers erfolat ist, vom Lage des Eingangs derfelben bei der Gesellschaft. In gleicher Beile, jedoch nicht mit zeitlicher Begrenzung, wird ab. gerechnet, wenn der Grund der Abweichung außerhalb des gablers liegt. Bleibt ein Rabler jeben, fo wird nach Babl der Gesellichaft unter billiger Berüdficiigung glaubhafter Angaben des Abnehmers entweder der Berbrauch im gleichen Zeitraum des Borjahres oder das Mittel aus den Angaben des Bählers während ber legten Ablejeperiode vor dem Stehen bleiben und der ersten Ablefeperiode nach Behebung ber Störung der Berechnung zugrunde gelegt. Für Meßgeräte anderer Urt oder Kontrolleinrichtungen für den Berbrauch von Elektrizität, wie Sontaltuhren, Leistungszeiger u. dergl. gelten die voritehenden Bestimmungen sinngem 8. § 6. Strompreis. Die Gesellschaft macht bis zum Ende jedes Monats ben Strompreis, der vom Tage der in diefem Monat statt. gefundenen ober noch erfolgenden Bablerablefung ab Gültigkeit bat, öffentlich bekannt.( Siehe Zarif). Erfolgt eine derartige Bekannts machung nicht, to bi iben bie bisherigen Säße bestehen. 87. 8 ahlungsbestimmungen. Die Bezahlung der Rechnungen bat monatlich zu erfolgen, fofern nicht die Zahlungen nach Wahl ber Gefellschaft in fürzeren ober längeren Zwischenräumen zu leiſten find. Die Rechnungen sind bei Vorlage fällig. Für jede weitere Rechnungs. vorlegung wird eine Gebühr von 1, Goldmart erhoben. Entitebt über die von ber Gesellschaft geforderten Beträge Streit, io bat ber Abnehmer auf Verlangen der Gesellschaft die Beträge unter bem Borbehalt der Rüdiorderung zu zahlen. Die eielli haft bebalt fich vor, jederzeit eine Berauszahlung in der Höhe des Rechnungsbetrages im Bormonat zu verlangen, § 8. Sicherheitsleistung. Jeder Abnehmer ist verpflichtet, sur Sicherung der Ansprüche der Gesellschaft eine von dieser zu benimmende Barficherheit zu ftellen. Die Gelellichaft tann jederzeit eine Erhöhung ber Sicherheit Berlangen. Ueber die Einzahlung der Sicherheit wirs eine Empfangsbescheinigung erteilt. Die Gesellschaft ist berechtigt, die Sicherheit an den Einlieferer ber Empfangsbescheinigung ohne Prüfung der Empfangsberech igung zurüdzuzahlen. 89. Unbefugte Stromentnahme. Der Bieberbertant von Elektrizität an Dritte ist ohne Genehmigung der Geleichaft nicht geftattet. Der Abnehmer ift nicht berechtigt, ohne Zustimmung der Gesellschaft Elektrizität aus einer anderen Stromquelle als beren Leitungsnetz zu beziehen. Auch tit es nicht gestattet, mechanische Arbeit wahlweise einem von der Gesellschaft versorgten Glettromotor ober einer anderen Kraftquelle zu entnehmen. Bird in einer Anlage ganz oder teilwelle Cleftrizität aus den Leitungen der Gesellschaft entnommen, ohne daß für die Reffung Apparate aufgestellt sind, oder werden die hierfür aufgestellten umgangen, oder werben vor Abnahme der Anlage durch die Gesellschaft Leitungsverbin dungen hergestellt, die eine Stromentnahme ermöglichen, jo behält sich bie Gesellschaft vor, neben einer strafrechtlichen Anzeige und bez b perrung ber Beitungen(§ 10), fomie der tarifmäßigen Beredning bes au Unrecht ver rangten Stromes eine Bertragsitrate zu fordern. Die Bertragsitrafe bemißt sich nach dem Umfang des unzulässigen Anigles und der Dauer der unbejugten Stromentnahine unter Zugrumbelegun des femeiligen Strompreises, mindenens Seträgt fie 100 Goldmart. Beftehen über Beginn oder Dauer der befugten Stromentnahme Beifel, fo ift die Entschädigung für ein volles Jahr bei täglich Affündiger Benutzung zu entrichten In den Fällen der Smoiberbanding gegen 9, blat 2, fiebt ber Besellschaft ein Anspruch auf eine Vertragsfirale in Höbe desjenigen Br frages zu, der für die anderweit bezogene Elektrizität oder mechanische Arbeit nach dem jeweiligen Strompreis der Gesellschaft an diese zu zahlen gewefen wäre. 10. Ginitellung der Stromlieferung. Die Gefedschaft ift Berechtigt, bie Lieferung d.r Elettrigttät ohne Einhaltung einer rift einzustellen und vom Vertrage zurüdzutreten, wenn der Abnehmer 1. eigenmichtig Henderungen in den bestehenden Einrichtungen vornimmt, 2. unbefugt Strom entnimmt, 8. ben Angeftelten der Gesellschaft den Zutritt au ben Anlagen irgendwelcher Art, insbesondere zu den Zählern zweds Ab. lefun, verweigert oder unmöglich macht. bie fälligen Bablungen nicht pünktlich leistet, 5. bte von der Gesellschaft jeweis feitgeregte Sicherheit nicht leistet, 6. den Anfalus weiterer Anlagen an den Hausanschluß verbindet. Die Einstellung ber Etromlieferung fann auch dann erfolgen, wenn in ber Anlage eine gefabrbringende oder den Betrieb der Ge letschaft erschwerende Störung eintritt oder zu befürchten ist. Die Gesellschaft ift berechtigt, tie Wiedereinschaltung von der Zahlung eines Betrages von 5, Goldmart ab hängig zu machen. 11. Ründigung. Die Verpflichtung zur Entnahme von Elektrisität er firedt fich auf die Dauer eines Jahres eit Inbeh lebiegung der An lage und auf die gesamte an das Leitungsnes angefchloffene Anitallation. Rach Ablauf dieses Jahres fann das Beitragsverhältnis unter Einhaltung einer Frist von 14 Xagen zu jedem Monatsersten ge fündigt werden. Falls ber Abnehmer die Anlage ohne Ründigung aufgibt und ein weiterer Stromverbrauch stattfindet, bleibt der Abnehmer für die Zabluma bes durch den Elektrizitätszähler als verbraucht nachgewiesenen Stromes haltbar. 12. Gerichtsstand. Für alle Rechtsstreitigleiten zwischen den Abnehmern und der Gesellschaft ist das Amtsgericht Berlin- Mute bzw das Landgericht I Berlin ausschließlich zuständig. $ 13. Abänderung der Bedingungen und Mitteilungen an die Abnehmer. Abänderungen und Ergänzungen der vo ftebenden Bedingungen bleiben vorbehalten. Diese Abänderungen und Ergänzungen towle fonftige Mitteilungen an die Abnehmer oder bestimmte Gruppen der Abnehmer werden durch den Reichsanzeiger und bas Gemeindeblatt bekanntgemacht. B. Tarif. Die Cleftrizität wird zum Preise von 0,18 Goldmart je Kilowattfunde ohne Unterschied des Berwendungszwedes geliefert. Ausserdem whb ohne Rüdicht auf den Stromverbrauch eine monatliche Grundgebühr erhoben, deren Höge fich nach der Größe jedes in der Anlage aufgestellten Bağlers richtet. Die Grundgebühr beträgt monatlich für einen Elektrizitätszähler bis zu Megbereich 0,22 Shilowatt 0,44 0,68 1,1 2,2 4,4 Colomazi Megbereid Goldmart 0,80 6,6 Stilowalt 28,10 1,60 10,0 85, 2,40 16,5 57,80 8,90 22,0 77, 7,70 83,0 115,50 15,40 Für jebes weitere Stilowatt Megbereich über 83 erhöht sich die Grundgebühr um 8,50 Goldmart monatlich. Cine Goldmart= 10/ 42 USA Dollat amtlicher Rotierung am Bahlungslag. Berliner Städtische Blektrizitätswerke Akt.- Ges.