1 Abendausgabe Nr. 136 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 68 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaltion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhof 292-295 Tel.- Morelie: Sozialbemotrat Berlin Berliner Volksblatt 5. Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 20. März 1924 Berlag and angetgenabteilung Geschäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH Berlin S. 68. Cindenkiraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2501 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Internationale der Reaktion. Französische Hoffnungen Condon, 20. März.( BTB.) Der Pariser Berichterstatter ber| Times" schreibt: In gewiffen amtlichen französischen Kreifen fei man der Ansicht, daß meitere Berhandlungen zwischen Großbritannien und Frankreich in der nahen Zukunft wünfgens. mert feien, angesichts der Möglichkeit, daß Deutschland die An empfehlungen der Sachverständigenausschüsse nicht annehme. Es werde darauf hingewiesen daß die Tendenz in Deutschland nach rechts weise und daß die bevorstehenden Wahlen die Reaktion in Deutsch. land ftärfen fönnten. Die Birtung einer derartigen Entwidlung in Deutschland merde die Stärkung der Rechten bei den französischen Wahlen fein, die kurz nad; den deutschen Wahlen stattfinden würden. Aus biesem Grunde fei man in Baris der Ansicht, daß eine zusam. menkunft franzöfifcher und britischer Bertreter abgehalten werden folle, bevor irgendwelche öffentlichen Borschläge an Deutschland gemacht würden. Dbgleich die Sachverständigen ihre Arbeiten noch nicht beendet hätten, werde es für sicher angenommen, ein befriedigendes Kompromis murf, baß er bei der Neubibung feines Kabinetts fich nicht an die Sozialisten gewandt habe. Die Aussprache wird heute fortgesetzt und wahrscheinlich auch im Laufe des heutigen Tages über die Ber. trauensfrage abgestimmt. Russisch- chinesischer Konflikt. Ausweisung des russischen Gesandten. Condon, 20. März.( TU). Der Daily Mail wird aus Beling telegraphiert, daß die chinesische Regierung gestern den ruifiichen Sowjetvertreter Aaradhan aufgefordert hat, unverzüglich dcu chinesischen Boden zu verlaffen. Als Grund für diese Maßnahme wird angegeben, daß die von Karachan den Peking'r Behörden übermittelfe Note verfchende Anspielungen enthalten habe Der amerikanische Oelfkandal. Die Enthüllungen über den amerikanischen Delstandal, ber täglich immer weitere Kreife zieht, feffeln die allgemeine Aufmerksamkeit in allen Ländern. Bon einem guten Renner der amerikanischen Berhältnisse wird uns zu dieser Angelegenheit geschrieben: Der amerikanische Delskandal gewinnt immer mehr den Charakter eines großen politischen Ereignisses. Die von dem Senat eingesetzte außerordentliche Untersuchungstommiffion, deren Arbeit noch nicht zu Ende ist, hat bereits festgestellt, baß der verstorbene Präsident Harding seine Kandidatur und Wahl den großen Delmagnaten zu verdanken hatte; ferner, daß der frühere Minister des Innern, Albert Fall, während feiner Tätigteit a's Minister eine direkte Bestechung in der Höhe von 125 000 Dollar von den Delmagnaten Doheny und Sinclair erhalten hat; daß zwei mettere standen und daß einer von diesen Ministern, und zwar der Mitglieder des Kabinetts im Dienste der beiden letzteren Juftizminister( Attorney General) Daugherty, feinen Ueber die Borgeschichte des Konfliktes melbet Ost- Expreßten nicht unentgeltlich ausgeübt hat. Schließlich ist festgestellt Einfluß als Regierungsmitglied zugunsten der Delgesellschaf Vertreter Karachan und der Bevollmächtigte der chinesischen Reaus mosta u folgendes: Am 14. März hatten der russische worden, daß die beiden großen Parteien der Bereinigten gierung Ban in Beting einen Bertrag über die Wiederaufnahme Ledeutende Cefbbeiträge von den Delgesellschaften erhalten Staaten, die republi? anische und die demokratische Partei, diplomatischer Beziehungen unterzeichnet. Als es zur Unterzeichnung haben. Für die Korruption der amerikanischen Bolitik ist es erzielt werben würde. Es bestehe ferner aller Glaube, daß die chinesische Regierung die Bestätigung der Unterschrift erklärte, er habe für die Wahltampagne beider Parteien der Reinschrift des Vrtages tommen sollte, verweigerte die bezeichnend, daß Snc air ror der Untersuchungstommiffion Franzosen bereit sein würdei, die Berichte anzunehmen. Bons. Karcchan protestierte gegen dieses Bergehen und erklärte, Gelb gegeben, damit er in jedem Falle von der siegdaß er die velle Berantwertung für den Abbruch der Verhandlungen reichen Bartel begünstigt werde. der chinesischen Regierung auferlege, wenn die Unterschrift Mans nicht binnen brei Tagen bestätigt werde. Tschitscherin hat den chinesischen Bertreter in Mostau warnend auf die Folgen des Verhaltens fciner Regierung hingewiesen, bie Geduld der Sowjetreg. rung habe ihre Grenzen. In polit schen Kreisen wird dos Borgehen der' nesischen Regierung durch französische und ameri. tanische Einwirtung erflärt. baj Deutschland und der Völkerbund. Condon, 20. März.( WIB.) Wie der parlamentarische Bericht erstatter der„ Daily News" mitteilt, betonte Lord Grey gestern in einer Un prache auf einer privaten Zusammenkunft liberaler Barlamentsmitglieder zur Erörterung der Auswärtigen Angelegen heiten, die Sicherheit Franfreichs ki bie einzig mögliche Grundlage einer europäischen Regelung. Es fönne feine Sicherheit für Frankreich geben, wenn nicht Deutschland daran Anteil hat. Deutschland müffe dem Böllerbund beitreten, und Frankreich, Deutsch lond und Großbritannien müßten eine Bereinbarung schlichen, bergufolge zwei der Mächte gegen die dritte zusammenstehen follten, wenn b.efe sich im Falle eines Streites weigere, die Maschinerie Des Bölkerbundes zu nermenten. Quiddes Verhaftung. Eine Erklärung des Internationalen Friedensbureaus. Bern, 19. März( TU) Zu der Barhaftung Professor Quiddes, bie in ber Schweiz einen sehr ungünstigen Eindrud machte, nimmt bas Internationale Friedensbureau in Bern heute Stellung. lleber die Gründe, die für die Berhaftung angegeben werben. will fich bas Bureau fein Urteil erlauben; aber es müsse festgestellt werden, daß Brcfeffor Dr. Quidde während und nach dem Kriege als ein wirfliger deutscher Patriot im wahrsten Einne des Wortes an den Arbeiten diefes Bureaus teilgenommen habe, und daß 3. B. er es gewefen fet, der im Jahre 1915, als das Bureau einen feierlichen Protest in der ganzen Welt gegen die Berlegung belgischen Gebietes durch Deutschland erheben wollte, die Umwandlung diefes für Deutsch and sehr ungünftigen Edhri tes in einen allgemeinen Broteft gegen die Berlegung des internationalen Rechts durch die friegführenden Staaten erreichte. Pro rammdebatte in der belgischen Kammer Brüssel, 20. März.( TU.) Gestern wurde in der Abgeordneten. fammer die Aussprache über die Regierungserflärung fortgelegt. fammer die Aussprache über die Regierungserflärung fortgelegt. Daran beteiligten sich zmei fozia iftifhe Abgeordnete, ubin und Destrées, fowie zwei tatholische Llamen und ein olamischer Nationalist. Der Socialist Sabin behaupteie, die Regierungs. erflä ung fönne ihn nicht befriedigen, namentlich bezüglich ber gegen die Lebensmittelverfeuerung angefündigten Maßnahmen Redner greift weiter die Person des Königs an und verlangt schließ. lich die Festnahme einer Bande von Ausbeutern", an deren Spike ein Senater stände. Ban Cauvelaert, einer ber fatholischen Blamen, erflärte in' einer Rete:„ Wir bidigen die Erklärung der Regierung hinsichtlich der finenziellen Maßrahmen. Wir werden bei der Berteidigung bes belgischen Fant zu ihr stehen und sie bei der Aus. gleichung des Saushaltes unterstützen. as bie Reparationen anbe. lant, so erwarten wir von ihr, daß fie eine unabhängige Batist unternimmt und sich nicht länger der franzöfifchen Politit anschließt, die die Ruhr als ein produttives Bfand, bas richt aus den Händen gegeben werden darf, aufz faffen pflegt." Darauf ergreift Theunis das Wort zu einer längeren Recht fertigungsrete. Er meint, tie Situation in Beinien sei so ernst, daß bie Regierung einen Aufruf an den guten Willen aller Bürger richtete, um ihr bei der Regelung der Reparationsfrage behilflich zu fein. Es falle nicht schwer, die Regierung für fämiliche Uebel. ftäne, Lebersmittelverter erung, Branfenentwertung usw. verant ufm. mortlich zu machen. Men dürfe jehoch nicht den Ursprung biejer Hebestände vergeffen, namentlich nicht den flechten Billen Deutschlands, das sich feiren Berpflichtun en gegen Frant reich und Belgien entzog, gleichzeitig aber drei Millionen Goldmort 8r Wiederinstandsetzung feiner Eisenbahnen veraus abte, Theunis weift darauf hin, daß die Finang'age fich wesentlich gebeffert bebe. Das Pfund Sterling Jei in ben fegten 8 Togen um 25 Bros gefunten. Sm weiteren Berlauf der Debatte meldete sich der frühere foziali flische Minister Destrées zum Wort. Er macht Theunis den Bor. Programm der Sowjetpolitik in Asien. bes Bollstomm fariats für Außenpolitit hat nach einer Reihe von Mosta, 19. März( Eigener Drahtbericht.) Das Kollegium Konferenzen nachstehende Richtlinien für die asiatische Bolitik Som. fetrußlands aufgestellt. Die Revolutionierung der Türtet ent. pricht den Sowjetintereffen. Es besteht nur die Gefahr daß bas religiöse 3: nterm bes Islam unter englischen Einfluß gerät. Es wurde daher besch offen, die Einberufung eines allgemeinen ila beschoffen, mischen Kongresses zu beschleunigen. Bon China muß die Anertennung der Unabhängigkeit der Mongolei erwirft werden. Japs. nischen Agenten und Händlern darf kein Einlaß auf mongolisches Ge. biet gewährt werden. Die Boltit Japans erfuhr eire scharfe Rritt. Das Kollegium empfahl dem Rat der Volkskommiffare, die Außenpolitit der Eowjetregierung mit dem Agitationsprogramm ber Kommunistischen Internationale in Einklang zu bringen. Naphtha und„ Nep". Zu derselben Zeit, wo in den Bereinigten Staaten der Del ffandal ausbrech, fand in Mostau ein Gerichtsprozeß statt, der eine nicht geringere Beachtung verdient. In der endlosen Reihe der Bro. geffe, bie in Moskau und ben russischen Brovingstädten gegen prominen efte Bertreter der fommunistischen Regierung stattfinden, nimmt der Brozek gegen den Bankdirettor& rasnofchifchofom eine befondere Stelle ein. Der Angeflogie war noch vor zwei Jahren Premierminister ber Republit des Fernen Oftens, und zwar zu einer Beit, wo die Kom muniffen dort die Gewa't an sich riffen. Durch feine dortige Tätig. teit erwarb R., der bemals zweifellos ein ehrlicher und aufrichtiger Kommunist mar, einen arcben Einfluß in der Partei. Deshalb wurde er nach Beendigung des Bürgerfrieges, Anfang 1922, zum Direttor einer der größten Moskauer Banten ernannt. In dieser Eigen fchaft blieb er bis zu seiner Berhaftung Mitglied der Mostauer Re gierung. Bon dem Margenblid jedoch, wo er in engere Beziehungen zu Obligationen usw., trat, begann er fich allmählich zu wandeln. Ge bem neuen russischen Kapitalismus, mit seinen Devisen, Astien, meinsam mit seinem Bruder nugte er seinen hohen Bosten für seine perförliche Bereicherung aus. Er besann dos Leben eines reidhen russischen Bourgeois zu führen, nahm an Brasfereien und Sauf gelagen teil, hielt sich einen S'ab von Geliebten, unternahm Luft. reilen burch das ganze Land ufm. Es bauerte geraume Zeit, ebe feine Bartei und die Behörden diesem Treiben ihre Aufmerksamkeit zuwandten. Das Gericht hatte ihn wegen feiner Beruntreuungen und Mis. bräuche zu einer verhältnismäßig milden Strafe, zu fechs Jahren Gefängnis verurteilt. Tas nimmt weiter nicht munber: er war fein politischer Gegner, tein Sozialist, der auch für gerirarre Bergehen mit feinem Kopfe hätte einstehen müssen, sondern Mitglied der Regierung! Wichtig ist aber nicht diefe milde Strafe, fondern die Tatsache, dah ber urvorsichtige. lärmer de Krasnoldtidofom amar auf die nttagebant geriri, baß aber Hunderte vorsichtigerer und flauerer Rep leute noch immer hohe Boften in der Kommunistischen Bartei und in dem Staatsapparet einnehmen, und daß die Pahl diefer forrubben Clemente in der Atmofrhäre des algemeinen Schweigens. wo jebe freie öffentliche Kriit unterbunden ist, mit dem Tage zu nimmt Die ganze tommunifilde Bresse lärmt jest über die ameritart'dhen arhitafandele: Geht mal, mohin eure gepriesene De. motratie führtt Cang redit, bas neue Panama in den Bereinigten Garten i cire Samad für ble bürgerliche Demokratie Aber warum sehen die Kommunisten nicht den Balten in ihrem eigenen Auge? Denn zu bem Banama ber Rep leute in Sowjet. rubland fönnte man mit nicht geringerem Recht fagen: Geht mal, das find die Früchte der tommunistisen Dittatur! Die Untersuchung hat bisher folgende Ergebnisse gezeitigt: 1. Der Marineminister Den by, der als Zeuge vor der Kommission erscheinen mußte, hat, nachdem er sich mehrmals geweigert hatte, seine Demission einzureichen, sein Amt rlöglich nicbergelegt, und zwar unmittelbar nachdem der Präsident Coolidge erfärte, Denby müsse nur in dem Falle demissionieren, wenn die Untersuchungskommission belaftendes aerial gegen ihn zutage fördere. 2. Der Jufti minister Daugherty, dessen Demission von mehreren Senatoren und von großen Schichten der BeDölferung ver angt wurde, weigerte sich, auch nachdem Coolidge es verlangte, feinen Rücktritt zu erklären. Es erfolgte darauf eine Spaltung in den Reihen der republikanifchen Bartei. Satt die Untersuchung des Delstandals dem zuständigen, von Daugherty geleiteten, Juftizministerium, zu übergeben, beiraute Coolidge zwei hervorragende Rechtsanwälte mit dieser Arbeit, was eine offene Desavouierung des Justizministers bedeutete( Das Interessante dabei ist, daß einer diefer Rechtsanwälte seit 28 Jahren als Vertreter von Delgesellschaften, darunter auch der von Doheny, Sinclair und Standard Dil, tätig war.) republikanischen Barlei bei den im November stattfindenden 3. Die Ernennung Coolidges zum Kandidaten der Präsidentenwahlen unterlag feinem Zweifel. Seine Wahl galt als gesichert, da vor dem Delsfandal niemand an dem Sieg der republitanischen Partei zweifelte. Jezt, dagegen ist beides sehr zweifelhaft geworden. 4. Billiam Mac boo, der Schwiegerfohn Woodrow i fons und Finanzminister in der Wilson- Regierung, galt, froß seiner fompromittierenden Beziehungen zu der realitonären Organisation Ku- Klur- K'an, als der hoffnungsvollste Präsidentenfandidat der demokratischen Partei. Eines Tages erflärte Dohenn vor der Untersuchungsfommission, daß Mac Aboo in seinem Dienste gestanden und für verschiedene Leiftungen a's Rechtsanwalt von ihm 25 000 Dollar erhalten habe. Doheny hatte auch die Absicht, Mac Adoo nadh Merito zu senden, um gewisse Delfonzeffionen zu erlangen, wofür Mac Adoo Provision in Höhe ron einer Million Dollar er halten sollte. Am Tage nach dieser Enthüllung stürzte Mac Aboos Kandidatur wie ein Kartenhaus zusammen. Infolge des Delffandals ist die tiefe Fäulnis de beiden politischen Parteien Ameritas fichtbar geworden. Was für eine Bewandinis hat es mit diesem Standal? Bor einigen Jahren hatte bie amerikanische Regierung eine Bestimmung getroffen, wonach bedeutende Betroleumquellen auf dem Gebiete der Bereinigten Staaten der Regierung a's teständige Reserve zur Verfügung zu stellen sind, Die im Falle eines Krieges für die Flotte benutzt werden Die im Falle eines Krieges für die Flotte benugt werden follen Aus diesem Grunde standen diefe Reservequellen unter der Berwaltung des Marineministeriums. Ohne irgendeine öffentliche Bekanntmachung und ohne daß in den Aften der Regierung biefe wichtige Maßnahme verzeichnet worden wäre, wurden diese Betroleumreserven mit Zustimmung des Präsidenten Harding unter die Berwaltung des Minifteriums des Innern geftellt. Einige Marineoffiziere, die gegen diese Maßnahme Brotest erhoben, wurden nach den entfernteften ameriranischen Inseln im Stillen Dean ge fandt. Der damalige Minister des Innern. Albert Fall, ber Dor feiner Ernennung zum Minister bei Doheny und Sinclair angeftellt mar und im legten Sommer, nach feiner frei. willigen Demiffion. im Auftrage Sinclairs nach Rußland fuhr, um mit der Sowjetregierung megen einer Betroleumfonceffion zu unterhardeln, war als entschiedener Gegner der Delquellen bekannt. Kurz nachdem die Betroleumrefervon unter seine Aufsicht gestellt wurden, übergab er fie, obwohl fe permanentes nationales Eigentum waren, als Konzession an die privaten Delgesellschaften von Doheny und Sinclair. Eines der auf diese Weise übergebenen Petroleumfelder, Teapot Dome genannt, ift 20 000 000 Settar groß. Doheun erklärte vor der Untersuchungskommission, daß er von diesem Felde allein einen Gewinn von 100 000 000 Dollar erwarte.[ anderen Könige und Großherzoge, ein Bolt sind, sobald fie auf Außerdem wurde ihm ein Delfeld in Kalifornien, gleichfalls aus der nationalisierten Reserve, übergeben. Laut der Vereinbarung zwischen dem Ministerium des Innern und Doheny- Sinclair mußten diese einen Teil ihres Gewinns an das Marineministerium abführen. Mit diesem Geld fonnte das Marineministerium bedeutend mehr Kriegs fchiffe bauen und Matrosen einstellen, als vom, Rongreß bemilligt wurden. Die Arbeit der Untersuchungskommission ist noch nicht beendet. Biele interessante Enthüllungen stehen noch bevor. Borläufig bringt jeder Tag neue Tatsachen ans Licht. So erflärte Doheny während einer feiner vielen Bernehmungen, daß die Regierung das Grundstück der amerikanischen Bot schaft in Merito von ihm als Geschent erhalten habe.( Bie bekannt, besigen Doheny und Sinclair große Delfelder in Merito.) Ferner wurde festgestellt, daß Sinclair mehrere Zeitungen, die ihm feindlich gegenüberstanden, angekauft hat. Besonders unangenehm ist zurzeit die Lage bes Juftig ministers Daugherty. Er wurde während einer Sigung im Senat vom Senator Wheeler, gemeiner Gauner genannt, erwiderte aber fein Wort barauf. Jezt ist eine ſpezielle Kommission rom Senat ernannt worden, um seine Lätigkeit als Minister zu prüfen. Es liegt Grund zu der Annahme vor, daß Daugherty seine Stellung dazu ausge mußt hat, um große Summen bei der Spekulation mit Del atiien zu verdienen. Er steht auch im Verdacht, die bis jetzt noch nicht liquidierte Meritorevolution Huertas im Intereffe Dohenys und Sinclairs durch Agenten und Waffenfen dungen unterstützt zu haben. Der Einfluß dieses Mannes ist jedoch so start, daß er, trop der Forderung des Präsidenten, nicht aus dem Kabinett entfernt werben tann. Das Berdienst, die ganze Angelegenheit aufgerollt zu haben, gebührt dem Führer des aus radikalen Demofcaten und Republikanern bestehenden progressiven Blocks, Senator 20 Folette. Als Borsigender der Untersuchungstommission fungiert aber der demokratische Senator Balsh. Den De motraten brachte die Untersuchung anfangs große Genug iuung, da es ihnen gelang, die republikanische Regierung Hardings und Coolidges fomie die ganze republikanische Partei in der öffentlichen Meinung zu diskreditieren. Aber nach der Entlarrung ihres hoffnungsvollsten Präsidentschafts. fanbibaten Mac Adoo leiden auch die Demofraten unter den Enthüllungen. Gewonnen hat nur der von den Senatoren La Folletle und Borah geleitete progreffive Blod, der allein vom Delschmug unberührt geblieben ist. Eine Prophezeiung ist hier pielleicht nicht angebracht, aber es ist norauszusehen, daß der radital- progressive Blod die nächsten Bräsidentenwahlen bestimmen wird, was in den Bereinigten Staaten, dem Lande der zwei traditionellen fonservativen Barteien, eine außergewöhnliche Erscheinung sein wird. Die weiteren Folgen des Delflandals find noch nicht abaufehen. Erst die Butunft wird zeigen, ob das amerikanische. Beit den Delffandel in furzer Zeit vergessen oder ob es sich mit Etel und Berachtung für immer von den unter dem diret ten Einfluß von Wallstreet stehenden politischen Parteien abmenden und die Lösung seiner politischen Wege in einer radikaleren Bewegung suchen wird. Die Kanzlerbegegnung in Wien. Wer führt uns zur deutschen Einheit? Herr Marr und Herr Stresemann sind gestern in Wien eingetroffen und pon den dortigen Behörden feierlich empfangen worden. Es wurden bei dieser Gelegenheit diplomatische Höflichkeiten ausgetauscht und Reden über die bent che Einheit gehalten. Doch welchen Bert diese offiziellen Rundgebungen haben, wird in der Wiener Arbeiterzeitung" treffend geschildert: " So oft sich das deutsche Volt gegen seine Fürsten erhob; so oft fich die Deutschen erinnerten, daß fie. getrennt als Untertanen bes Königs von Preußen und des Kaisers von Desterreich und all der „ Ostern in der Volksbühne. Man fennt diese unerfältigen Anbeter ber Welt, des Beibes und des Sinnenglückes, die gerade in den großen Zeiten der Kafieiung und religiösen Stiebergeschlagenheit alles abschwören wollen, was ihnen bisher eine Lust war. Auguft Strindberg ist einer von biesen Fanatikern ber Reus gewesen. Er befehrte fich fiets zur Entfagung und jenseitsfrommen Gläubigkeit, wenn er mit feinem irdi schen Reben nicht mehr ein und aus wußte. Dann zitterte in diesem seltsamen, genialen, dem wahnsinnigsten schmerzempfindungsfähigen Rinde und Rünfiler die fröminste Melodie. Er hörte bas Jammern der Borte, die Jesus Chriftus am Kreuze gesprochen hat. So erfüllt war er von religiöfer Mufit, daß nur die allerfeierlichsten Messen für ihn Wunderkraft befaßen. tun, folche Schwermut, die aus ber Sinnenübersättigung entstand, ist wohl in der Mufit bequem zu lösen. Auch die Hoffnung, die einer derartigen Riedergeschlagenheit folgt, wäre so schön durch Töne auszubrüden, baß auch das empfindsamite ind zaghaftefte Herz daran sich erquidte. hören, Untertanen zu sein; so oft die Revolution durch Deutschland ging, fo 1848 wie 1918, erfaßte der Gebante der deutschen Einheit mächtig bie Massen. Aber wenn der Gebante ber deutschen Einheit immer flieg mit den Fluten der Revolution, so fant er immer, fo oft die Revolution zurüdflubete. So ward er nach den Stürmen von 1848 zu Dimüß für achtzig Jahre begraben. So erlahmie feine Rraft, als bie Seipel in Destereich, die Marg im Reiche die Reaktion in die Machi feßten." Wer ist fragt unser Wiener Bruderblatt der Mann, ber heute in Deutschösterreichs Namen den deutschen Reichsfangler empfängt? Er ist der Wortführer des alten Defter reich in dem neuen. Und die Herren Marg und Strefe mann, die Seipel empfängt? Es sind die Herren der Reichswehrbittatur und des Belagerungszustandes. Es sind die Herren, bie por bem banerischen Berfassungsbruch fapituliert, aber die verfassungsmäßige Regierung Eachfens auseinandergejagt haben. Es sind die Herren, die die deutsche Arbeiterklasse niedergeworfen, die Gefahr des Sieges des alten, des wilhelminischen Deutschland bei der nahenden Reichs. tagswahl hervorgerufen haben. Und jeder Schlag, den fie gegen die deutsche Arbeitertiaffe, die einzige feste Stige ber deutschen Republik, geführt haben, war ein Schlag gegen den Ge. danken der deutschen Einheit." " Gewiß, die Berwirklichung der deutschen Einheit wird in hohem Maße burch außenpolitische Faktoren verhindert. Aber nur ein wahrhaft republikanisches Deutschland, das sich endgültig von der Vergangenheit losfagt, wird das allgemeine Mißtrauen der Beit überwinden und dem deutschen Bolfe das Selbstbestimmungsrecht erobern. Bir stimmen der Wie ner Arbeiterzeitung" vollkommen zu, wenn sie ihren Artikel mit folgenden Worten schließt: Nein, die Herren, die heute einander in Deutschlands und Deutschösterreichs Namen begrüßen werden, die Marr und Seipel, die Stre'emann und Frant- bie führen uns nicht zur deutschen Einheit! Sie fann nur werden aus dem Willen und der Kraft der arbeitenden Maffen des deutschen Volfes hüben und drüben, der Maffen, die hier so wenig schwarzgelb, wie drüben schwarzweißrot find. Sie wird erft werden, wenn wieder der Geift von 1848, der Geist von 1918 als Sturm durch die deutschen Lande, als Orfan durch Europa brauft." Dr. Düringer und der Vorwärts". Wie wird er wählen? In der Bett vom 20. März veröffentlicht Juftizm nifter a. D. Dr. Düringer folgende Erklärung: In seiner Morgennummer vom 11. März zerbricht sich der Borwärts" den Kopf, für welche Partei ich wohl in dem bes vorstehenden Wahlkampfe wählen würde. Er meint, nach meiner Rede vom 10. März tonne dies nur die sozialdemokratische sein. Sonderbare Schwärmer! De Sozialdemokratie steht doch auf dem Boden des Marxismus! Ich habe aber nach dem amilichen Stenogramm wörtlich erflärt: 3 bin ein Gegner bes Margismus. Ich halte den Kapitalismus für eine Begleiterscheinung jeder Kultur. Es hat noch nie menschliche Kultur gegeben, bet ber nicht der Rapita lismus auf dem Plan war. Sowohl die Helden. Homers als die Patriarchen des alten Bundes waren Kapitalisten. Abraham, Jack und Jakob maren Großtapitalisten, und seither hat es fehr piele Abraham, jaat und Jakob gegeben, welche ebenfalls Großfapitalisten waren. Meines Erachtens darf man also nicht den Rapitalismus als solchen befämpfen, ba er eine notwendige Erscheinung des biologischen Zusammenlebens der Menschen ist, fondern man muß die Auswüchse des Rapitalis. mus, man muß die Plutofratie betämpfen." Wie man mich angesichts diefer prinzipiellen Einstellung zum Margismus, die ich natürlich nur nebenbei, aber boch, wie ich glaube, mit voller Klarheit festgestellt habe, für die Sozialdemo. fratie in Anspruch nehmen will, ist mir unverständlich. Ich bin ein unabhängiger Mann und mache Anspruch auf ein felbständiges Urteil. Das ist mir auch in der Deut. schen Boltspartei niemals verwehrt worden. Ich An der Bolfsbühne spielte man diesen Ofterspuk mit sonniger Erlösung fehr Inrisa, sehr breit, äußerst wichtig. Man legte fich mit hundert Akzenten auf die zweifelhafte Bätermoral des Ganzen. Man wurde dem jämmerlichen Strindberg gerechter als bem groß artigen und grotesten. Man entdeckte nicht den Stil des Märchens, man befreundete sich nur mit der Moralität. Da aber Frau Grob einsty, vom Regiffeur Hendel unendlich zart geführt, ungewöhnliches Moll der Kehle, prächtige Beichheit der Bewegungen. und ber Blide entfalten fonnte, lächelten die Gotteshuld und das Beiden Chrifti fo verführerisch, daß man gläubig wurde. Alles andere, was mehr Wirklichkeit fein foll'e, fam bann gu mait oder zu zart heraus. Man fonnte nicht gerührt werden, man wurde nur neugierig. Es ist aber das stärkste Motiv dieses Dfterbichters ge wesen, daß er die Menschen zur willenlosen Nachgiebigkeit und nicht 3ur hellsichtigen Neugierde erwecken wollte. Mag Hochdorff. Macdonalds Betenntnis zum Journalismus. In einer Ansprache, die der englische Premierminister Ramsay Macdonald bei bem Effen des Bondoner Breffetlubs hielt, befannte er sich selbst in marmherziger Weise zu dem Beruf des Journalisten. Run, meine Freunde," fagte er, wenn es Ihnen Spaß macht, haß bie Regie: rung weggefchidt wird, bann werde ich zu meinem alten Beruf zurüctehren. Anstatt Depeschen zu schreiben, werde ich dann wieder Leitartikel schreiben, und anstatt nach den pompösen Räumen des Auswärtigen Amtes zu gehen, werde ich dann wieder zu meinem Rebattionszimmer zurückkehren, das mir jo lieb und vertraut ift. Bevor ich mit ben Göttern( peiste, aß ich mit den Musen, und ich weiß nicht, welche Gesellschaft die beffere ift. Wenn das Licht meiner Bolitit niebergebrannt fein follte, und ich nach biefem groß artigen Traum in ber grauen Rüchternheit ber grauen Wirklichkeit wieder aufmache, dann hoffe ich, auch wieder ein Bläßchen an der Tafel der Mufen zu finden. Dann werde ich zu Euch treten und Blah."" Ja, bann will ich zurüdlehren zu meiner so alten, fo lagen: Rüdt ein bißchen enger zufammen und macht mir wieder ehrenvollen und so wichtigen Beschäftigung, zu dem Beruf des Jour nalisten Manchmal dente ich, daß Ihr zu bescheiden seib und Euch zu gering einschäßt. Der Journalist ein großer Runsthandfegt urb es mit feinen Ideen fünt, die dann die Welt bemegen, ist wahrlich ein Mann, der stolz auf sich selbst sein sollte und beglüdt in seiner Arbeit." | laffe aber auch meine Aeußerungen nicht durch parteitenbenziöse Betrachtungen anderer Parteien entstellen oder mißbrauchen." Herr Dr. Düringer hält es affo für nötig, die Auswüchte des Rapitalismus zu befämpfen. Hat er sich jemals die Frage vorgelegt, ob die Deutsche Boltspartei das geeignete Instrument zur Bekämpfung der Auswüchse des Rapitalismus ist? Wir find ficher, daß Herrn Dr. Düringer ein felbständiges Urteil in der Deutschen Bolfspartei nicht verwehrt wird, wir sind aber ebenjo ficher, daß er auf heftigen und erfolgreichen Widerstand in feiner Partei stoßen würde, wenn er verfuchen würde, sein Urteil über die Notwendigkeit der Bekämpfung kapitalistischer Auswüchse mit Hilfe feiner Bartei in politische Zaten umzusehen. Man wählt eine Bartei nicht, um einen Blaz für die Abgabe von Urteilen zu haben, sondern um durch fie politisch zu wirken. Zur Bekämpfung der Aus.. wüche des Rapitalismus ist nun aber die Deutsche Volkspartei das ungeeignetste Instrument. Wenn Dr. Düringer sich unter diesem Gesichtspunkte die Parteien ansieht, so wird er zugeben, daß außer der Sozialdemokratie keine Partei zur Bekämpfung der Auswüchse des Kapitalismus geeignet ift Dr. Düringer fieht nicht zu den politischen Ronsequenzen seiner Ausführungen. Trotzdem werden wir uns doch erlauben, im Wahl. fampf große Teile feiner Rede zu zitieren weil sie mit dem Finger auf die wunden Bunfte weisen, an denen ernsthafte Arbeit zur Ge fundung der deutschen sozialen und politischen Verhältnisse einzu fchen hat. Wir geben dabei die Hoffnung nicht auf, daß wir schließlich auch Herrn Dr. Düringer überzeugen werden, daß ernstes und erfolgreiches Wirken an dieser Aufgabe nur in der Sozialdemo tratischen Partei möglich ist. Verleumdung des Reichspräsidenten. Strafantrag gegen die Deutsche Tageszeitung". Die Deutsche Tageszeitung" hat in ihrer gestrigen Abenbausgabe in einem sich mit dem Wahlkampf befassenden Ar tifel den Reichspräsidenten als einen der Organisatoren des verderblichen und wahnwißigen Munitionsarbeiterstreifs DOR 1918 bezeichnet. Der Reichspräsident hat darauf gegen Urheber und Verbreiter des Artikels Strafantrag wegen verleumde rifcher Beleidigung gestellt. V Das Mysterium der Rentenmark. Condon, 20. März.( WTB.) Der Pariser Berichterstatter des Danly Expreß" schreibt: Eine hohe britische Finanzautorität habe ihm in einer Unterredung erflärt, das Mysterium der Rentene mart fei eines ber under der Welt. Die Rentenmart tönne wertvoll bleiben, so lange das deutsche Bolt felbst Bertrauen baris Jege. Flaue Börse. Der Effektenmarkt geschäftslos. Der Effettenmortt bleibt fast völlig geschäftslos. Die Rurfe geben bei geringem Angebot leicht nach. Bei Beginn des heutigen Geschäftes erfolgte ein lebhaftes Angebot in denjenigen Bapieren, die in letzter Zeit von der Spekulation bevorzugt worden waren. So nannte man Deutsch- Petroleum 16% Brief, Deutsche Erdöl 56% Brief, Kriegsanleihe 80 Brief. Der Geldmarkt bleibt flüffig. Tägliches Gelb wurde heute mit% pro mille angeboten. 3m Denisen vertehr behauptet der französische Franc gegen über dem Pfund feinen bisherigen Kurs. Die Nachfrage des Ins landes nach Devisen bleibt fuhr lebhaft. Die Repartierungen und Rurse sind unverändert. Ein polifischer Mord in Rußland. In einem Dorf des Stawro polschen Gouvernements( im Südosten Ruß'ands) wurde. wie der Ost- Expreß meldet, vor einigen Tagen das Mitglied des Allrussischen Zentraleretutinfomitees Da wydom auf offener Straße durch Re volverschiffe getötet. Die Mörber flüchteten und sind noch nicht entdedt worden. Damybom mar bäuerlicher Herkunft und parteilos. Der Kiewer Tendenzprozeß. Am 20. März beginnt in Kiem der Brozeß gegen die Mitglieder des sogenannten„ Aktionszentrums", die der Verschwörung gegen die Sowjetregierung und der Spionage angeflagt find. Nach Ab chluß der Boruntersuchung hält die Staats anwaltschaft die Antlage gegen 18 Personen aufrecht, die fast alle Intellektuelle und ehemalige Offiziere find. gemacht werden fönnen, private Mittel auf dem Wege einer Lotterie heranzuziehen. Insgesamt werden für die gesamte Bauzeit noch etwa 8 Millionen Goldmart für erforderlich erklärt. Eine Lotterie ergäbe nicht nur im Augenblid, sondern wohl nach den Erfahrungen der legten Jahrzehnte überhaupt, jebesmas nur 100 bis 150 000 Goldmart: man sieht, die Differenz zwischen dem was man braucht, und dem, was man in Aussicht hat, ist noch recht groß. Wunder des Gedächtnisses. Ein italienischer Profeffor erregte fürzlich dadurch Aufsehen, daß er in einer einzigen Sizung von bächtnis berfagte; er begann um 6 Uhr abends und war mit der 20 Stumben die ganze göttliche Komödie" Dantes aus dem Ges Riefenleistung um 2 Uhr am Nachmittag des folgenden Tages zu Ende. So erstaunlich diese Gedächtnisprobe ist, so steht sie doch nicht einzig da. Ein bekannter Bianift spielte einmal 400 Stüde aus dem Gebächins hintereinander, und er wurde noch übertroffen durch die Leistung eines anderen Klavierspielers, der 1500 verschiedene Rompofitionen 40 Stunden hintereinander vortrug, ohne eine Note vor fich zu haben Ein Beamter im Norden Englands fang fürzlich, wie in einem Londoner. Blatt erzählt wird, bei der Feier feines 72. Geburtstages auswenbig 72 Lieber, für jedes Jahr feines Leben eins, und wenige Tage später übertraf er sich noch, indem er in 6% Stunden 100 Lieder, jedes mit vielen Strophen, aus dem Ge dächtnis vortrug. Es gibt Schauspieler, die ein geradezu wunder bares Gedächtnis haben. Dazu gehört die englische Sd aufpicierin Lillah Mc. Carthy, die schon in ihrer Jugend im Auswendiglernea Erstaunliches vollbrachte. Ihr Vater versprach ihr einmal 20 m., wenn sie das 2. Buch von Miltons„ Verlorenem Paradies" her agen würde. Als fie dies geleistet hatte, versprach er ihr 10 m, für das Auswendiglernen von Romeo und Julia". Als sie auch diese Aufgabe spielend erledigte, versprach er ihr 5 m. für das Herfagen besMacbeth". Dann aber war es ihm zuviel, und er fagte:" Für das Auswendiglernen bes nächsten Dramas zahle ich bloß noch 50 Bf." narie in Sillian⭑ Wie aber, wenn all dieses bumpfe Gefühl durch flare Sebanken bem Bewußtsein zufträmen foll? Dann hat sich der Rünstler mit hundert Ueberlieferungen und Geistern herumzuschlagen. Er hat Weltanschauungen zu enithronen, er hat besonders die Steptiker zu befriedigen, die im Theater nicht glauben fönnen, daß solche Be fehrung eines bisher energischen Gottesleugners zum aften Gott ein. leuchtend set. Strindberg war solch Gottesleugner, ein strammer Miheit, ein Wahrheitsfreund, der die Priesterherrlichkeit durchaus gerbrödelte. Und nun redet er mit einem Schlage papfilich. Man merft es ihm an, daß er so unmittelbar und mufitalisa reben möchte, wie das tönende Gente Hayons Aber es fehlt natürlich die ewige Snnigleit. Es bleibt nur für die ewige Zeit ausreichende Inbrunft. Es fpricht nur der enigötterte Jammerlappen, der nicht untergehen möchte in elender Glaubenslosigkeit. Osternftimmung wird Razenjammerstimmung, Karfreitagftimmung tit nicht Jubel des Barzifal, sondern bescheidenes Hineinfchielen bes pflaster merter der Mann, der vor einem weißen Stüd Bapier sich hinmühen Großstadtmenschen in die Glückseligkeit des Philifters. Strindbergs Ostertüd, der Melodie entspringen, in Traftät fingfang endend, ist darum immer noch merkwürdig genug. perrät den glühenbsten Gottesleugner und Gritesfucher. Es darf bem Menschen, der mit dem Strindberg chen Tollhaus nicht ganz Befield weiß, aber nicht die Meinung beibringen, als handelte es fich um ein moralisches Beispiel von unbestreitbarem Ernste. Auch ber Bets Gott, ber am Schluße des Stüdes wie ein raunzenber und Architekten, den Berwaltungsstellen und schließlich auch den Kunst tonzert für Echiver hörige gemacht- wurden, find febr gliniila seilautier, räufpernder Hübezahl auf die Bühne stampi, ist nicht ganz ernft zu nehmen. Er äwel: jenem ott allein, der sich die Kleinen tranten Rinder ausbenten. Er ist fein Gott für aufgeflärte und gefunde Menschen. Das Das Ende des Berliner Museumstrieges. Das Ergebnis der Debatte im preußischen Landtag bedeutet erfreulicherweise ben AbDebatte im preußischen Landtag bedeutet erfreulicherweise ben Abschluß des Berliner Museumsfrieges", der zum Schaden der Bautätigkeit fo lange zwischen ben Fachleuten ber Museumspragis, ben Schriftstellern getobt hot. Im neuen Staatsharfe werden nunmehr 300 000- Mart für 1924/25 zur Weiterführung der Museumsbauten cingefegt werden, und entsprechend dem Belayusse des Hauptaus schusses hat der Landtag empfohlen, die Neubauten jetzt ohne Abstriche zu vollenden und, soweit staatliche Mittel dafür nicht flüssig Die Junge Bahne bringt Arnolt Bronnens am Sonntag, 6. April, mittags 12 Uhr, im Deutschen Theater zur Ur aufführung. Regie: Dema Dilbert Kunstabend. Zu Gunsten ber 3. A.. findet Sonnabend im Meifterfaal der zweite Malit.Abend mit einbart Maur als Vortragenden ftatt. Am reuen B: ogramm. Tommen 11. a. zum Bortrag: Dos Passos, George Gross, Upton Eine air, Bad Londen, D. M. Braf. J. R. Becher. Der Berrin Berliner Surftler veranstaltet sein diesjähriges Kostümfest, Eine Nacht in Pimini, am 22. März im Künstlerbanse. Bellevuettr 3. Wiener Straußfeier. Bom 2. bis 14. Mai d. J. findet aus Anlan des 60. Gebu tatages des Kombonien Richard Strauß in Bien ein Strank Feft ftatt. Eine abilische Feftaufführung fämt'ther dramatischer und fumbo. nilcher Berfe bes Meifters. fowie einer Auslese feiner Inrischen und Kammer mufitfon pofitionen ist vorneieben. Das neue Strauß- Ballett Schlagsbers* wird hierbei zum eritenmal gegeben. Nenes vom Radle. Ste Be inthe ,, die in London mit einem Rundfunke Es wurde ein fleiner Apparat, ber in das Chr geftedt werden fann, als Empfänger verwendet. Diefer Apparat in zugleich ein Berstärter. Die Summen, die im Laufe bieles Jahres in Amerifa für Sinbioeinrichtungenausgegeben werden. find auf 330 Millionen Dollar geschäst( der Aus. gabe für Bußbellelbung). Deutschvölkische Note. Tie Freiheitspartei" im Mecklenburger Landtag. Die Deutschvölkische Freiheitspartei fonnte ihre Erfolge bei den Landtagswahlen in medlenburg Schwerin nur erzie en, indem sie sich mit den Federn des marristischen" Programms schmüdte. Nur fo gelang es ihr, wesentliche Teile der politisch ung- schulten Bandarbeiterschaft einzufangen. Es ist bekannt, daß die Deutschvölkischen bei ihrer Agitation Stein und Bein fchymuren, weder der jübisch perseuchten Bolts partet noch en vom Rapitalismus abhängigen Deutschnationalen ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen. Um jo größer war bann' bie Berlegenheit, als sich nach den Wahlen herausstellte, daß Deutsch. nationale und Boltspartei nur dann eine Regierung bilden fonnten, nationale und Boltspartei nur dann eine Regierung bilben fonnten, wenn sie die Unterstützung der Deutschvö fischen erhielten. Nachdem man wochenlang das Margisienfabinett" Stelling hatte fortschaften laffen, mußen sich die Völkischen schließlich wohl oder übel dazu be quemen, den Großagrariern und der jüdischen Stinnespartei" ihre dauernde Unterstützung bei der Regierung zuzugestehen. Damit ist die Partei, die die Bekämpfung des Barlamentarismus und des jüdischen" Rapitals thre Hauptaufgabe nennt, über Nacht nicht nur eine Bartei ber par lamentarischen Mitarbeit, sondern sogar eine Regierungs. partei geworden. Schuhpolizei und Publikum! Aus den reifen der Berliner Schußpolizei geht uns eine Buschrift au, bie wit in Ansehung eines wünschenswerten, guten Berhältniffes zwifchen Polizei und Publikum zum Abbrud bringen. Es geht baraus hervor, in wie erfreulicher Beife unfere Schußpolizeibeamten felber bemüht find, das Bertrauen, bas fie ermatten, auch zu rechtfertigen. In unserer ereignisreichen Zeit, in der jeder Tag etwas Neues bringt, die Gefchehnisse sich überstürzen und das, was gestern die Gemüter erregte und bewegte, burd) bas, was heute geschicht, über. holt und in Bergessenheit geraten ist, gibt es doch hin und wieder Benebenheiten, die noch lange nachwirken und in der Bevölkerung immer wieder ihre Kreise ziehen. Zu diesen gehört auch die psycho. logisch bisher nicht geflärte und deshalb noch unverständliche Tat bes ehemaligen Bolizeiwachtmeisters Gerth. In der Straßenbahn. in der Hoch- und Untergrundbahn, in Schantlokalen, turz überall da, Deutschoöfischen wo sich Menschen zusammenfinden, wird diese Tat immer wieder wo sich Menschen zufammenfinden, wird diese Tat immer wieder erörtert und von den verschiedensten Gefi chspunkten aus beurteilt und dann in oft nicht bös gemeintem Unverftand zur Be. und Berurteilung auf die übrigen Bolizeibeamten angewandt. Deshalb muß an dieser Stelle einmal barüber gefprochen werden und die Deffentlichkeit aus Polizeitreisen aufgeklärt werden. fonnte, baß der Grüne, der seinen schweren Dienst zur Regelung des Wenn am Tag nach der Entdedung des Täters es vorkommen Berkehrs auf dem Potsdamer Plaz einen Mann, der dort störend fich bemerkbar macht, zur Ordnung weift und dieser ihm dann zu Sehr luftig ist es, zu sehen, wie sich der Führer der Deutsch: rufen darf:„ Bas willst du grüner Luftmorder, hast du auch was zu völkischen, Maertens, nach dem vollendeten Umfall aus der fagen?", wenn es vorkommt, daß die Beamten, die im Morgenfagen?", wenn es vorkommt, daß die Beamten, die im Morgen Affäre zu ziehen versuchte. In einer längeren Programmrede führte grauen ihre Streife gehen, von den zur Arbeitsstätte eilenden Fabrit er in der Eröffnungssigung des Landtages aus, folange der Barlamen- arbeitern mit höhnischen und hämischen Zurufen begrüßt werden, tarismus noch in Kraft sei, gebe es überhaupt teine andere dann ist das ein so tedauerliches Zeichen des Unverständnisses vieler politische Betätigung als die parlamentarische Kreise, daß man nicht so darüber hinweggehen kann. Immer wieder Bor Tische las mans anders! Bezeichnend ist es, wenn Maertens muß der Bevölkerung gesagt werden:„ Denfft du, lieber Bürger und liebe Bürgerin, auch einmal barüber nach, was der auf der Straße nach diesem Auftakt wieder erklärt, es sei den Deutschoöltischen un möglich, in eine Regierungstoalition hineinzugehen, da jede Rom. feinen scheinbar fo wenig anstrengenden Dienst versehende Bolizei promißtaftit die völkische Fraktion zur üblichen parlamenta. beamte alles zu tun, alles zu leiden und alles zu erbulben hat? rischen Partei herabdrücken müsse. Außerdem trenne die Cöllischen Denkst du auch einmal daran, daß der Beamte, ganz gleich, was für ein Better wir haben, seinen Dienst bei Tag und bei Nacht ver von der Boltspartei als der Hauptvertreterin der kapitalisti richten muß?" und dürfen wir daran erinnern, daß dieser Beamte, schen Interessen der Kampf gegen den internationalen von dem soviel Charakterfestigkeit, Pflichttreue und Berufsliebe ver Rapitalismus, ber bis zur Brechung der jetzigen Zinstnecht langt wird, durch die traurige Finanzlage des Staates mit zu schaft des Volkes durchzuführen sei. Von den Deutsch natio benen gehört, bte am allergeringsten befolbet nalen gelte basfelbe, da auch sie tapitalist if eingestellt werden? Man foll bedenten, daß ein Bolizeiunterbeamter, felbft feien. Was aber nicht verhinderte, daß die Deutschvölkischen für wenn er verheiratet und eine Dienstzeit von 8-10 Jahren und bar. bie volksparteilichen und deut dhnationalen Minister stimmten und über hat, mit einem Monatseintommen von 75-95 m sich vorher verpflichteten, diefes kapitalistische Kabinett dauernd wirklich vielem entfagen muß und trotzdem seinen wirklich schweren zu unterstützen! Die Deutschvölkische Freiheitspartei Medlenburgs Dienst unermüdlich, treu und gewissenhaft weiter versieht. Denn ist also bereits in jene kompromißtaftit hineingeraten, die ihr mit dem Patrouillieren auf der Straße ist es noch nicht getan: Wer Führer Maertens als den Untergang der völkischen Bewegung bezeich. Reviers, alles das, mas notwendig ist in den Safernen, sich anzu einmal. Gelegenheit gehabt hat, einen Betrieb auf der Wache des net, und es flingt in diesem Zusammenhang wie eine Entschuldigung sehen, der wird von der Bielgestaltigkeit des Dienstes eines Polizei vor sich selbst, wenn Maertens ingt: beamten bald überzeugt fein und die Polizeibeamten mit ganz anderen Augen ansehen, als er es bisher getan hat. Darum darf die Bevölkerung nicht dulden, daß man ihre Hüter der Ordnung megen einzelner Fälle, die verallgemeinert werden, scheel ansieht und sie mit rohen Borten fränkt und ihnen ihr Leben noch schwerer macht als es schon ist. Daß die Polizei bei einem gewiffen Teil der Bevölkerung nie beliebt sein wird, ist selbstverständlich. Ob wir eine fönigliche Schußmannschaft oder eine republikanische Schutzpolizei haben oder vielleicht eine Sowjetpolizei einmal als Hüter der Orde nung durch die Straßen Berlins ziehen fehen, das bleibt sich gleich. Für diejenigen, die sich keiner Ordnung beugen fönnen oder wollen und jede Autorität ableugnen, brauchen wir immer etne straffe Bolizei. Und wie denkt die Polizei selbst über folche Dinge? Diejenigen in der Polizei, die als Organisationsvertreter das Ber Was wir verhüten wollen, ist die maßlose Antrauen ihrer Kollegen befigen, tönnen es bezeugen, daß in den häufung von Rechtum in den Händen einzelner, fobald dieser Sizungen der Beamtenausschüsse und in den Bersammlungen der bas Bahl des Ganzen gefährden farn. Eine solche Gefährdung Gewerkschaft spontan aus den Kreisen der von ihnen Bertretenen erbliden wir in der Bildung von Konzernen. Trufts und Syn der Antrag gebracht wurde:" Sorgt ihr dafür, daß die Behörde noch b'faten, die, als rein fapitalistische Gebilde in erster Linie den viel mehr wie bisher und noch viel schärfer darauf achtet, damit wir Rentabilitätsgebanten vertreten und damit die haupt bie herausfinden, bie nicht in unsere Reihen gehören, und laßt es volkswirtschaftliche Aufgabe, nämlich die ber Bedarfse eure vornehmste Aufgabe sein, unlautere Elemente rüdsichtslos ausdedung, nicht mehr erfüllen... Hinsichtlich der Landwirt. zunverzen. Immerhin fann es wohl vorkommen, daß unter den schaft find wir der Auffassung, daß die größeren Betriebe, bie 16 000-18 000 Bolizeibeamten, die wir in Berlin haben, auch einer in erster Linie zur Bedarfsdedung der Städte dienen, unbedingt aufrecht erhalten und nicht auf Kosten der Schaffung von Klein ist, der in den Beamtenförper nicht hineingehört, aber man muß befiz zerschlagen werden dürfen. Andererseits vertreten wir aber ich hüten, einen solchen Fall zu verallgemeinern. auch den Standpunkt, daß jeglicher Befiß verpflichtet, und daß in allen Fällen, wo ein landwirtschaftlicher Be.. trieb seine Doffswirtschaftliche Aufgabe nicht erfüllt, der Stact est enteignend eingreifen muß.. " Die verderbliche Wirkung dieses internationalen Rapitals ist in Deutschland schon so weit fortgeschritten, daß selbst fozia. listische Führer, bie noch immer erflären, daß fie das Kapital als Hauptgegner befämpften, fich pon tapitalistischen Bindungen nicht freimachen fönnen." Zu beweisen versucht der völkische Führer seine Behauptung mit der Erklärung Herrmann Müllers nach der Konferenz von Genua, es tomme für Deutschland darauf an, das Bertrauen bes internationalen Rapitals zu gewinnen! Noch poffierlicher wird Maertens, wenn er die Stellung der völ. fischen Freiheitspartei zum Sozialismus abzugrenzen versucht. Er sagt: Die Konfumwahlen. Sieg der Liste„ Genoffenschaftsaufbau". Der Wahlkampf um die Mehrheit in der Generalversammlung Das alles feien aber beileibe feine sozialistischen Gedankengänge. der Konsumgenossenschaft Berlin schloß mit einem Erfolg für Die Gemeinsamkeit der vö'tischen Ziele in der Befämpfung bes Rabie fozialdemokratische Liste Genoffenfchafts. pitalismus fei nur scheinbar, denn wir Bölfischen wollen nur die Macht des raffenden Leibtapitals brechen, während die Sozialisten im Gegensatz dazu sich gegen das produktive Ra pital jedes Unternehmers wenden".(!) In dem einen hat der volfische Führer sicherlich recht, daß die Ziele der Deutschvölkischen und der Sozialdemokraten nur ein bar übereinstimmen. Denn bie Sozialdemokratie nimmt es mit ihrem Kampf für die Rechte der produktiven. Arbeit und das Wohl der Arbeiterschaft ernst und ift in dem Augenblid zur scharfsten Rampfstellung über. gegangen, in dem die bürgerlichen Barieien der bürgerlichen Reaftion anheimfielen, während die Deutschvölkischen in demselben Augenblick die Oppositionsstellung aufgeben, um dem reattio hären Rechts blod in ben Sattel zu verhelfen. Presseverbot. Hamburg. 19. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Komma. nistische hamburger Boltszeitung", bie nach ihrem Wiedererscheinen in der wüstesten Weise die Sozialdemokratie und die Famburger Regierung, besonders die Polizei beschimpfte, ist Dom Bolizeipräsidenten erneut auf fünf Tage verboten worden. Zur Begründung wird besonders ausgeführt, daß am Schluffe eines Artikels aufgefordert wird, den illegalen Apparat zu erhalten und zu neuen politischen und wirtschaftlichen Kämpfen auszubauen. Es hat nichts genützt. Die Telegraphen- Union teilt mit, daß der befannte frühere fozial. demokratische Polizeioberst Müller Brandenburg von der thüringischen Regierung feines Bostens enthoben werden soll. neuen Demokratische Reichstagskandidaten. Die demokratische Partei hat ihre Randidatenlisten fast noll. zählig aufgestellt. An bekannten Namen finden sich darunter als Spitzenkandidaten: Dr. v. Eiemens, Dr. Dernburg, Schiffer, Frau Dr. Bäumer, Graf Bernstorff, Dr. Koch, Profeffor Schüding, Pfarrer Korell, Erkelenz, Dr. Goeg, Dr. Haas. Die Preußische Staatsregierung hat den Entwurf eines Gefeßes über das Diepenfierret homöopathischer Aerzte und das Halten äratlimer Sansapotben zuri ezogen, ba, wie sich bei ben jüngsten Berhandlungen mit dem Meichs m nifterium des Innern ergeben hat, damit zu rechnen ist, daß die feit Jahren in Ausficht genommene reichsgefegliche Neuregelung bes Apothekenwesens in nicht zu ferner Zeit stattfinden wird. aufbau" ab. Während im vorigen Jahre nur die Kommunisten mit Gegenliften aufwarteten, trat diesmal auch die USBD. auf den Plan. Allerdings gelang es letterer nur, in 52 von 173 Wahl bezirfen eigene Borschlagstiften zustande zu bringen; für die übrigen Bezirke empfahl fie ihren Anhänger Stimmabgabe für die fommu niftischen Liften. Die damit befunbete Seelenverwandtschaft offenbarte sich auch in der Art ihrer Rampfesführung: ein; ein von den Unabhängigen" herausgegebenes Flugblatt übertraf felbst bie tom munistischen Ergüsse an Perfidität. indem es an die ungenossenschaft lichsten Instinkte, den Egcismus appellierte. Die Kommunisten halten ihrerseits einen großzügigen Wah mechanismus in Bewegung ge fent; eine Reihe von fostspieligen Wahlversammlungen mit aus wärtigen Referenten wurden arrangiert, am abltage wurde die tommunistische Genossenschaftszeitung" auf den Straßen und auf öffentlichen Blähen an jedermann aratis verteilt. Diesem Kräfte. aufgebot hielt die Genoffenfdeftsaufbaufront im ganzen stand, wo. bei nicht geleugnet werden foll, daß in einigen Bezirten eine größere Rührigkeit am Blake gewesen wäre. Das ziffernmäßige Wahlergebnis ist aus folgender Tabelle ersichtlich: Lifte Genoffenschaftsoufbau" Liste„ Oppofition"( KPD.) Lifte USP. Sonstige Durch das Los noch zu entscheiden 395 Bertreter. 176 7 4 1 Insgesamt 583 Bertreter. Die abgegebenen Stimen verteilen fich wie folgt: 13 063 Stlinmen Lifte Genoffenfchaftsaufbau" Liste Opposition"( RPD.) 8210 Die USBD." 1140 333 22.752 Stimmen Sonstige... 99 Die Lifte Genoffenschaftsaufbau" umfaßt demnach reichlich 67 Broz, alfo mehr als zwei Drittel der Mandate zur Generalversammlung; in bas legte frappe Drittel teilen fich KPD., USPD. und„ Sonstige". Die Wahlbeteiligung lich leider noch viel zu wünschen übrig; für fünftige Bahlaänge muß hier Wandel geschaffen werden, denn ta RBD. und USBD. sicherlich ihre Anhänger ziemlich restlos zur Ürne brachten, sind aus dem nach Zehntausenden zählenden Heer ber diesmaligen Richtwähler noch beträchliche Reserven für die Lifte Genoffenschaftsaufbau zu gewinnen. Den fozialdemokra. tischen Funktionären der Geneffenschaft fel heute schon dringend nobenelegt, mit den organisatorischen Borarbeiten für fünftige Wahlen ohne Säumen zu beginnen. Schafft Lehrftellen! Das Landesberufsamt Berlin, das noch Taufen bevor der Schulentlassung stehende Jugendliche unterzubringen hat, bittet alle Geschäftsherren und Lehrmeister, den etwaigen Be darf an Lehrlingen möglichst noch vor dem 1. April anzu geben, damit eine Uebersicht möglich ist. Das Berufsamt hat reich fiche Angebote von Knaben und Mädchen aus Gemeindes, Mittelund höheren Schulen. Es vermittelt durch Fachleute nur solchen Jugendlichen Lehrstellen, die es für den betreffenden Beruf geeignet hält. In Zweifelsfällen wird diese Eignung stets durch eine forg fältige Prüfung festgestellt, was vermeiden soll, daß ein Beruf mit ungeeigneten Lehrlingen überschwemmt wird. Nur die Befähig ten dürfen den Weg zu ihm finden. Erfreulicherweise scheint man die Bedeutung einer ordentlichen praktischen Behre allgemein ans erkannt zu haben, denn für die Knaben und Mädchen, die mit 14 Jahren die Gemeindeschule per affen, ist sie ja ziemlich allgemein geworden. Aber auch viele derjenigen, die eine Mittel- oder höhere Schule besucht haben, gehen jeßt diesen Weg. Ihre bessere Allgemein bildung und größere Reife werden fie schneller zu brauchbaren Hilfs fräften in der Werkstatt oder dem Bureau werden lassen. Es ist Aufgabe des Berufsamtes, die Auswahl der Lehrlinge fo zu treffen, daß die wichtigsten Borbedingungen bei der Berufswahl, 2 u ft unb Liebe zum Beruf, förperliche und geistige Eignung, nach Mög lichkeit erfüllt find. Die Bermittlung ist sowohl für den Lehrherrn wie Lehrling tostenlos. Anmeldungen sind zu richten an das Landesa berufsamt, Berlin D. 25, Landsberger Straße 43/47, Telephon: Allegander 5085/88. Der Ausbau des Flughafens Tempelhofer Feld. Gründung einer städtischen Flughafengesellschaft. Der Magistrat stimmte der Bildung einer rein städtischen Flughafengesellschaft für den Flugplaß auf dem Tempelhofer Felde zu. Die Vorlage geht nunmehr an die Stadtverordneten versammlung. Die Verkehrsdeputation hat sich bereits einstimmig für die Bildung dieser Gesellschaft ausgefprochen. Die Stadt Berlin gibt der Gesellschaft ein Kapital von 500 000 Goldmark, von welcher Summe ein Teil in Goldanleihe überwiesen wird. Die Flughafengesellschaft wird dann mit den Luftverkehrsgesellschaften, die die Hafenanlagen benußen, besondere Pachtverträge abschließen, die Verwaltung des Flughafens aber selbst in der Hand behalten. Mit der Bildung diefer städtischen Gesellschaft und ber gleichzeitigen Regelung der finanziellen Frage ist nunmehr der Ausbau des bisherigen provisorischen Flupplages auf dem Tempelhofer Feld zum internationalen Zentralflughafen gelatiet, follen nunmehr bie Arbeiten für die notwendigen technifchen Anlagen sofort in Angriff genommen werden. Bor allen Dingen wird man alsbald an die Errichtung einer Funfitation herangehen die eine Reichweite von 800 bis 1000 Kilometer erhalten und so die Möglichkeit haben soll. nicht nur mit den in der Luft befindlichen Maschinen auf den nach Berlin führenden interration nalen Linien, sondern auch mit den internatioralen Flugvlähen selbst, wie London, Stockholm, Mailand usw., in ständiger Berbinmeldungen zu empfangen und zu geben. Des weiteren wird der bung zu bleiben, Witterungsnachrichten, Start- und Landungs Bau eines Leuchtfeuers in Angriff genommen, nachdem be reits vor einigen Tagen in der Dunkelheit von einem Flugzeug aus Bersuche über bie Sichtweite eines am Rande der Hafenheide aufgestellton Görz- Scheinwerfers fattgefunden haben. Ferner wirk mit den bereitgestellten Mitteln an die weitere Ginebnung und Bodenbearbeitung des Plages, fowie an die Era richtung weiterer malliper Flugzeughallen herangegangen merden, damit durch Schaffung aller dieser notwendigen Boraus fegungen noch im Laufe dieses Jahres auch die von London und Amsterdam tommenden schweren englischen Maschinen auf dem Tempelhofer Felbe landen fönnen. Der Flugplak Staaten dürfte dann nur noch für lebungs- und Ausbildungs zmede in Frage tommen, während der gesamte Flugperfehr von urd nach Berlin auf dem Flughafen Tempelhofer Feld vereinigt wird. Auch der Bau der projettierten großen Bufahrtsstraße vom Kaiser- Friedrich- Blah aus durch die Hafenheide foll in Kürze er folgen. .Die Gesunderhaltung der Kinder. In einem Vortragsabend des Gesundheitsemtes Webbing fprach Genoffe Dr. Druder über das Thema, Wie schütze ich mein Kind vor Siechtum und Verfrüppelung?" Die Gesundheit des Boltes ist zerrüttet. Das große Heer der Kranten, Siechen und Unterernährten find unbestreitbare Beweise. Das heranwachsende Geschlecht ist am meisten in Mi'leidenschaft gezogen. Daher gehört die Gefundheitspflege des Kindes zu den wichtigsten Rapiteln. Die Luberkulose, die Krankheit der Armen, die die Lunge zerstört und eine Bertrüppelung und Bersteifung der Gelente nad fich zieht, ist eine sozial bedingte Rranfheit. Die Bazillen niften sich leicht in den Rindestörper ein, wo der Organismus durch ueberarbeit, fchlechte Licht und Luftzufuhr gejdyrächt ist. Die Hebertragung fommt am leichteften in überfüllten und engen Woh nungen zustande. Helles Eonnenlicht bringt dem Körper die not wendige Widerstandskraft gegen Krantfein und es wirft bie bereits eingedrungenen Krankheitsteime aus dem Rörper wieder heraus. Mittel, gesunde Kinder zu erhalten. Ileber das Thema„ Gymnaſtit Die planmäßige Grmnastst der Säuglinge und fleiren Rinder ist ein in ben ersten Lebensjahren"( prach Herr Neumann Neurode. Die Krankheiten find in erster Linie häufig Bertrüppelungstrant heiten. Die Berfrüppe ung entsteht ungreifelbait im ersten urb zweiten Lebensalter. Korsetts, Gipsbet'en, Schienen und dergleichen find Quälereien. Man muß beim fünf Monate alten Rinde mit ber fystematischen Gymnaftit beginnen, damit wir in Zukunft förperlich und feelisch gefunde Menschen haben. Die Gesundheit ist das toftbarfte und wertvollste Gut. Der Bertragende führte mit einigen ganz fleinen Rindern die Rörpergymnastit praktisch vor. Aehnliche Vorträge werden vom Gesundheitsamt Webbing in ben nächsten Wochen veranstaltet werden. Mehrere Großfeuer beschäftigten in der letzten Macht die Bera timer Feuerwehr. Unter anderem brach ein sehr gefährlicher Brand abends um 9 Uhr auf einem Roblenfagerplaz in Trep tow Baumschulenweg 31, angeblich durch unvorsichtigtcit aus. Die Feuerwehr Niederschöneweide war fonell zur Stelle und es gelang, die Flammen einzusammen. Nachts gegen 3 Uhr stand am Sachsendamm, Ede Tempelhofer eg in Schöneberg bas Edhaus 5/6 in Flammen. Auf mehrmaligen Warm rüdten mehrere 25fzüge heran, denen es gelang, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Entfiehungs Heute früh um 5 Uhr ursache tonn'e noch nicht auf etlärt werden. fam in der städtischen Gasanstalt in Tegel Feuer aus, bas groken Umfang annahm. Der Brandherb lag in cinem großen Holzschuppen, der zum Teil niederbrannte. Auch hier fonnte Die Entstehung noch nicht ermittelt werden Das Spendengeld des Notdienstes der Berliner Frauen hat in meiteften Bevölkerungsfreifen viel Antlang gefunden. Die Hefte, die neun Bons à 10 Bf. enthalten, fönnen durch den Notdienst der Berliner Frauen, Charlottenburg. Goethestr. 22, zum Preise von 1 m. bezogen werben Man gibt daraus den Bea dürftigen einen Bon, den er in seinem Bezirt bei einem der Wohl fahrtskommiffionsvorficher gegen Ernährungsgeld oder auch bares Gelb einlauschen fann. Wie uns vom Notdienst Berliner Frauen mitgeteilt wird. wäre es wünschenswert, daß größere Geschäfte diese Bonhefte zum Bertrieb in Rommission nehmen würden. Groß- Berliner Parteinachrichten. Uchtung, Raffierer! Megen der bevorstehenden Reichstage wahl und des fertinzustellenden Jahresberichts muß die b rechnung bes 4. Quartals 1923/24 ganz besonders beschleunigt werden. Bir orfuchen deshalb nochmals bringenb, schleunigft ab 3. A: Aleg Bagels zurechnen. 3. Abt. Freitag, den 21. März, abends 7 h, bei Set, Urbanfit. 28, Funtout fizung. Reiner bars fehlen Gewerkschaftsbewegung Wieder Sommerzeit"? Man fhreibt uns: Wie der Vorwärts" in feiner Dienstag. bendausgabe berichtete, hat die preußliche Regierung bie Wiedereinführung der sogenannten Sommerzeit an geregt. Sollte der neue Reichstag diefer Anregung zustimmen, bann mürden wir unsere Uhren cine Stunde borzustellen haben und in der Täuschung den Sommer verbringen, daß es eine Stunde früher Tag und eine Stunde früher Recht geworden sei. Es kommt hierin der Wunsch aller derjenigen Berufsgruppen zum Ausdrud, beren Logemert verhältnismäßig spät, um 8 oder 9 Uhr beginnt. ihre Tätigkeit eine Stunde früher aufzunehmen. um sie am Nach mittag eine Stunde früher zu beenden. Dieser Bunsch ist begreif, fich und berechtigt, zumal nach der vielfach eingetretenen Berlänge rung der Arbeitszeit. Er ließe sich sehr wohl durchführen auch ohne das Borstellen der Uhren um eine Stunde, b. h. ohne Derallgemeinerung. ohne den 3wang für alle Erwerbstätigen. Sehen wir von dem Anreiz ab, der ein früherer Feierabend auf das mehrwerthungrige Unternehmertum zur Berlängerung der Arbeitszeit ausübt, so bleibt doch die Tatsache, daß im Gegenfaz zu den Arbeitern, Angestellten und Beamten mit späterem Arbeitsbeginn, die Arbeitnehmer mit ohnehin früherem Arbeitsbeginn von ber Sommerzeit nichts wissen wollen. In den lehten Kriegs. jahren 1916 bis 1918 haben wir mit diefer Sommerzeit bereits Jahre 1918 unter den freien Gewerkschaften eine Umfrage darüber einige Erfahrungen gemacht. Der Vorstand des ADGB. hat im por enommen, welchen Einfluß die forrigierte Sommerzeit auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse ausseübt hat). Einem großen Til ber Berbandsvorstände fchien die Sache ziemlich gleichmittiq zu fein, aber aber es fehlte ihnen ein Ueberblick über die Stellung.. nehme ihrer Mitglieber in dieser Frage. Jedenfalls haben 26 Bor Stände fich nicht geäußert. Darunter waren die Bauarbeiter, Textile arbeiter, Transportarbeiter, Gemeinde- und Staatsarbeiter unb bie Berbände der Bekleidungsindustrie. 22 Berbandsvorstände haben fich geäußert, wobei fie feit durchweg darauf verwiefen, das ihre mit gliedschaften noch nicht dazu Stellung renrmmen hätten. Gegen die„ Sommerzeit" wandten sich vor allem die Beraarbeiter und die Bandarbeiter. ferner die Brauerei und Mühlen. arbeiter, Sutmacher und Steinfeher. Dafür erklärten sich die Bilb bauer, Fleischer. Gastwirtsgehilfen, Glafer, Handlumnsgehilfen, Kupferschmiede, Leberarbeiter und Harbichuhmacher, Lithographen und Steindrucker und Zabatarbeiter. Metallarbeiter, Holzarbeiter, Fabritarbeiter und Buchdrucker nahmen eine abwartende ober un bestimmte Steffing zu der Frane ein. Die Arbeitnehmericaft in ihrer großen Mehrzahl hatte während der Kriegszeit ganz andere Sorgen, als da fie fich eingehend mit der Sommerzeit" befaffen tonnte. Der größte Teil der männlichen Mitglieder vieler Gewerf fchaften war im Kriegsdienst, und ein Teil der Arbeitenden war reflemiert. Mit der Einführung des Achtstundentages war bos Gemmer. it- Experiment erledigt. Der neue Reichstag muß weniger darauf. hin cewählt werden, wie er zur Frane der Sommerzeit steht. als daraufhin, wie er zur gefeßlichen Durchführung des Acht ftundentages ficht. Der 21 ch i stunhentan ist weit withtiner als die ganze Sommerzeit"; er macht sie überffüffin. Der Effeft, ber durch die Sommerzeit" erzielt mird, die Berufstätigkeit während ber Sommerzeit eine Stunde früher endinen zu laffen. ist mit dem Achtstundentas geneben. Waffen außerdem einzelne Berufsoruppen einen früheren Beginn der Arbeitszeit, um eine frühere Beenbi guna zu erreichen, dann dürfte einer entsprechen en Einteilung auf dem Wege der Berständinuna faum etwas im Beqe stehen. Eine allmemeine zwannsmeile„ Sommerzeit" jedoch muß vom gewerkschaft. lichen Standpunft abgelehnt werden. Richt wieder Sommerzeit" wieder Achtstunden tag! Fortfall der Kurzarbeiter fürsorge in Preußen. Amtlich wird mitgeteilt:..Nach§ 1 Abs. 2 der Verordnung über Erwerbstcfenfiforge in der neuen Faffung vom 16. Februar 1924 fann die oberste Landesbehörde mit 3uftimmung des Reichsarbeits ministers und des Reichsministers der Finanzen anordnen, daß Gemeinden eine Fürsorge für Kurzarbeiter einrichten. Diese Be ftimmung tritt am 1. April in Kraft. Nach einem Erlaß des Breußi yen Minifters für Bellswoh fahrt vom 3. März wird indeffen die Breußische Landesregierung einen Antrag auf Einrichtung der Kurzarbeiterfürsorge nicht stellen. Somit tommt die Rurzarbeiter. fürsorge ab 1. April 1924 in Breußen in Fortfall." Diefer Erlaß des Wohlfahrtsminifiers wäre zu begrüßen, menn mit ihm auch die Kurzarbeit ab 1. April in Fortfall fame. Ist bie Kurzarbeit auch mehr und mehr im Schwinden begriffen, so find doch auch nach dem 1. April noch viele Arbeiter auf Sturzarbeit an gewiefen und schon im Hinblick auf die erhöhte Wohnungs. miete übler baran als bisher. Wenn auch der neringe Betrag der Kurzarbeiterunterftigung dabei teine befondere Rolle spielt, so wird boch durch deren Fortfall die Lage der Kurzarbeiter nicht gebeffert, fondern verschlechtert. Prüge'nde Arbeitgeber. ftide, bie Bergidifeiffungen enthielten, Borgelegt. 21s fie diefe nur unter Borbehalt unterschrieb zwang man sie durch Brügel zur Unterschrift. Das im Termin überreichte ärzt fiche A test bestätigte, daß die Angestellte Hautschwellungen im Ge fidyt fomie ouf bem Kopf, ferner Unterblutungen der Augenhöhle hatte, bie Folgen einer fohweren mishandlung burd Jauftschläge waren, Die Mitinhaber Heinz und Günther Göbel, bie als Täter in Betracht tommen, legten ein eigenartiges Benehmen in der Gerichtsverhandlung an den Lag. Das Urteil des Gerichts fogt barüber folgendes: Das seit des Herrn Dr. Sachs, das bereits am 31. Of tober ausgestellt ist, ergibt aber, daß die Klägerin an diesem Tane bie frischen Folgen einer fchweren mishandlung durch Faust fchläge gezeigt hat. Es fehlt jeder Anhalt dafür auf welchy: Beife fich Klägerin fonft biefe Berlegungen beigebracht haben fellte. Es frmint auch noch hinzu, baß die beiden Inhaber der Beflagten, Hans und Günther Göbel, die im Termin vom 14. Januar per fönlich erschienen waren, auf das Gericht einen menig glaub. mürdigen Einbrud gemacht haben, insbesondere war die Art ihrer Berteliung Infofern eine einartige. als fie zunächst bes züglich der Mihhandlungen jede Erffärung abgelehnt und schleß fich nur ihre schriftliche Erklärung wörtlich vorgetragen haben. Das Gericht hat beshalb neglaubt, ber Klägerin bezürlich der Mihhandlungen den richterlichen Eid anvertrauen zu folien." Dant bem Eingreifen der gewerscheichen Organisation, bem Bentra verband der Angestellten, ist die Angestellte per materieller Schädigung bewahrt geblieben. Doch das ist feire Gühne. Wir empfehlen bem 3b2, bas Aftenmaterial der Staatsanwaltschaft zu für bie weiblichen Arbeitnehmer ist, ihrer gewerkschaftlichen Organi über eben. Dieser Fall zeigt aber auch, wie notwendig es gerade fation anzugehören. Zehrverhältnisse in der Metallindustrie. Ganz traurige Lehrverhältnisse egiffieren gegenwärtig in ber Berliner Metallindustrie. Besonders die Löhne und Berdierfte der Arbeiterinnen haben einen nicht mehr zu übertreffenden Tiefstand erreicht. Menn bis jetzt die Unternehmer aus irgendwelchen Gründen, mögen fie qut oder nicht gut sein, es verschmähten. Mädchen unter 16 Jahren zu beschäftigen, so scheint die Profitgier legt teine Rüdfcht mehr zu fennen. Man geht bazu über, faum aus der Schule entlaffene 14jährige Mädchen als Attordarbeiterinnen zu beschäftigen. Und die Uriage? Die niedrigen Löbne Atforbbafis 25 Bf. find den Arbeitgebern noch viel zu hoch, weshalb fie jest Jugendliche von 14-16 Jahren mit einem Atfordfais von 12 Pf. pro Stunde einstellen. Bas nach Abzug von Fahrgelb, mödyent. lich mindestens 1.30 m., und ben Pflichtbeiträgen für Krankentasse, Invaliden- und Erwerbs ofenversicherung noch übrig bleibt. wird wohl in den feltenften Fällen den Betrag von 4 Marb wöchentlich übersteigen. Wir fragen: Wie ift es möglich, daß es Eltern gibt, die gewiffenios genus find, für 4 M. in der ganzen Woche 14-16 jährige Rinder Tag für Tag in die Fabrit zu fchiden und sie an Geist und Rörper verfümmern zu laffen? Nun, bie Antwort ist nicht schwer! Die not, in der das arbeitende, mehr noch das arbeitsfofe Bolt sich beute befindet, macht mande Eltern stumpf gegen die Gefahren. denen ihre Kinder ausgelegt werden. Das Unternehmertum aber beutet unsere Noilage erbarmungs' os aus. Eltern, hütet Eur: Slader! Aber auch das Unternehmertum sei aewarnt, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Wir werden feine Brafiilen an den Branger stellen, ob es sich um Siemens oder um die Heinste Bude handelt. Lohnforderungen in der Lederwarenindustrie. Die Arbeiter in der Lebermareninbustrie hatten den Arbeit, gebern die Forderung auf Erhöhung der Söhne von 55 Br. um 20 Broz. zugestellt. Für die Heimarbeiter war ein Bufchlag für Licht und Heizung pon 10 Broz gefordert Die Arbeit geber lehnten febe Erhöhung ab mit ber Motivierung, baß feine Beranlaffung dazu vorliege. Der Schlichtungsaus idhu B lehnte bie Forberung ebenfalls ab. Su einem persönlichen Borich ag des unparteiischen Borsigenden, ab 22. März 5 Bf. Lohn. erhöhung zu zahlen, wollen bie Bertreter ber Arbeitgeber erst in einer Versammlung Stellung nehmen. Eine Funktionärversammlung der Branche nahm am Mittwoch den Bericht von Blume entgegen und beichloß, in den einzelnen Betrieben eine Lohnerhöhung von 10 Bi. pro Stunde zu fordern und eine Erklärungsfrist bis Sonnabend zu verlangen. Eine Branchenvollversammlung am Montag wird sich dann mit der Ungelegenheit befaffen. Die Bau- und Geldichranffchloffer fordern infolge der Steigerung des Reichsinder für die Lebenshaltung sowie der Wohnungsmieten einen 2ohnzufaleg auf die Epißenföhne von 10 Bf. in Klaffe 1 bis 5, non 8 Bf. für Arbeiter von 18 bis 20 Jahren und für Frauen und einen Zuschlag von 4 Bf. für die Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren. Die Transportarbeiter im Außendienst follen eine besondere Zulage erhalten. Da die Unternehmer bie, e For berungen als undistutcbet erklärten, wurde der Schlichtungsausschuß angerufen. Die Enttionärversammlung am Mittmod erklärte, falls der Schußverband Berliner Schloffereien teine Jugefiändniffe macht, Bor dem Kaufmannsgericht Berlin wurde bie Firma Göbel, sei eine tariflofe Zeit vorzuziehen. Der Branchenversammlung am Berlin, Große Frankfurter Str. 137, verurteilt, der lagenden An Montag foll die Biederwahl der bisherigen Branchenleitung mit gestellten das restliche Gehalt fomie bie thr einbehalwenigen Ausnahmen empfohlen werden. fenen Reidungsstüde und sonstigen Gegen ände heraus zugeben. Die Berhanung entrollte ein scheußliches Bild der Mihhandlung einer webriolen Angestellten. Die Angestellte wurde während einiger Stunden in einen verschlossenen Raum eingesperrt. Hier wurden ihr nicht weniger als drei Schrift. *), Correspondenzblatt" Nr. 10, 28. Jahrg. 1918. Bären- Stiefel 1000 Paar Die Londoner Transportarbeiter werden Freitagnacht den Be. trieb ber Straßenbahnen und Dmnibulle bestreifen, falls bis babin feine fie befriedigende Regelung ihrer Forderungen erfo'gt ift.Da die Werftarbeiter in Southampton ben' reif fortfchen, brohen bie Unternehmer mit einer vollständigen Aussperrung ber englischen Berftarbeiter. 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Berthold Kuttner Reichenbergeefte. 14.( 1-3 gef Uusern Frauen die Fraummmentt Wirtschaft Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage. Nach dem Monatsbericht des Reichsarbei'sb'attes" vom 10. März hat sich im ganzen die Lage der deutschen 3n. duftrie im Februar und Anfang Darz weiterhin etwas ver. beffert. Der Absah nadh dem Ausland läßt noch feine durch greifende Befferung erkennen. Die Kauftraft des In.andes meist für die meisten Gewerbezweige eine nadh langem Ti.fstand mäßige Zunahme auf, doch hat die Rauftraft der Landwirtschaft eher abgenommen, die der Beamsen chaf: sich nicht gehoben. Im allge meinen handelt es sich um Bestellungen bes Handels, der vielfach in furzfristigen Aufträgen Eindedungen vornimmt, da im Berlaufe der legten Monate die Läger der Biberergänzung be. dürftig geworden sind. Häufig, haben auch Rotverfäufe stattgefunden, zu denen sich Fabrikanten und Handelstreibende genütigt.hen, um Be'riebsmit.el füffig zu machen. Stärfere Arbeitsanspannungen finden an den st reditschwierigteiten starte hemmung Die Rentenmarfcinlagen bei den Banten stehen weit zurüd im Ver hältnis zur Nad frage nach Krebit. Die boen Zinsfäße, die die Industrie zahlen muß. erschweren es ihr, beim Bertragsabschluß langs friftige Ziele zuzugestehen. Der Berfonalbestand der 1544 an das Reichsarbeitsblatt" berichtenden Einzelfirmen hat sich zwar noch um 1,4 B.cz. perringert, der Gefäftsgang wurde allerdings berei's Mitte von den Arbeitern und Angeſicllien in Februar bedeutend günstiger beurteilt Es befanden sich . B gut mittel fchlecht befchäftigten Betrieben 18 3:03. 21 Proz 61 Broz 18 26 • 58 18 42 21 26 1824 Februar.. Januar 1928 Februar. Der Anteil der gut und befriebigend beschäftigten Betriebe hat alfo nicht unbeträchtlich zugenommen, bleibt jedoch hinter den Ergebnissen des Februars des vorigen Jahres noch fehr weit zurüd. Im großen und ganzen bestätigen die Berichte des Reichs arbeitsblattes die Beurteilung der Konjunktur, wie sie an dieser Stelle bereits an Hand der Berichte der preußischen Handelskammern zum Ausdrud fam. Im Maschinenbau hat sich die Bage etwas gebeffert. Nach 277 Berichten über etmas mehr als 283 000 Be ffigte in der Maschinenindustrie sind nach 78 Broz. der Maschinen. bauarbeiter in schlecht beschäftigten Betrieben fätig, gegenüber 85 Broz am 15. Januar. Immerhin fonate erst für 22 Broz. der Arbeiter die Belchäf.igung als befriedigend oder gut bezeichnet werden im Bergleich zu 66 Broz. im Februar des Borjahres. Der Auftragseingang ber elettrotecnijchen Industrie bat fich teilweise weiterhin verbessert So hat sich namentlich der Inlandsabfat in Frankfurt a. M. wie im Nürnberger und Bayreuther Bezirk gesteigert. Doch wird nur der notwendigste Bedarf einge deckt; der außerordert iche Kapitalmangel macht sich stark hemmend fühlbar. In ihren Zahlungsbedingungen räumen Unternehmungen, um Aufträge hereinzubekommen, nach Möglichkeit längere Ziele ein. Bei vielen Betrieben ist der Geschäftsgang nech unvermindert schwach, in einzelnen Abtei ungen ist sogar ein weiteres Nachlassen der Be. fchäftigung zu verzeichnen. Nach 55 Berichten elettrotechnischer Be. triebe ist die 3ahl der Beschäftigten vom 15. Januar bis 15. Februar von 151 000 auf 141 000 zurüd gegangen, aso um 6,5 Proz. Innerhalb tiefer Be'riebe ist der Anteil der gut be. schäftigten Unternehmungen ein wenig gestiegen. Bei den berichten. ben Betrieben waren im Vormonat nur 9 Proz. der Belegschaft. in Berichtsmonat 13 Broz gut oder befriedigend be. Ichäftigt, schlecht beschäftigt 87 Pro3.( gegenüber 91 Broz. im Januar) Den Berichten fast aller Gewerbezweige fann man übercin stimmend entnehmen, daß trop der geringen Befferung der Besch ftis gung, die vorwieg nd zu verzeichnen ist, die Wirtschaftstrife noch längst night als übermunden bezeichnet werden kann. Befferung in der rheinisch- westfälischen Judustrie. Aus Westfalen mirb uns berichtet, daß die Ermäßigung der Elfenbahntarife günstig auf die Eifenindustrie bes Sieger. landes wirfte. Dort hat 3. B. der Stinnessche CharlottenhüttenRonzern die Arbeit in Teilbetrieben wieder aufgenommen. Andere Werte arbeiten voll, während aber die meisten Gruben noch immer filliegen. Auch im westfälischen Industrietezirt fonnte sich eine weitere Befferung durchchen. Hier haben Zechen und Fabriten beträchtliche Einschränkungen der Belegschaften vorgenommen. Auf Beche Bientahlsbant( Stinnes) find nur noch 1000 gegen 1700, auf 3: che Hamburg 700 gegen 1200, auf den Kruppschen Stahlwerken 600 ge en 1600 und auf den Annener Gußstahlwerken( Stumm. Ronzern) nur noch 400 gegen 800 beschäftigt. Einzelne Werte sind mit Aufträgen reich ich verschen. Bei anderen Unternehmungen, 3. B. bei den Kruppschen Stahlwerken, lassen sie zu wünschen übrig. Bielfach äußert sich in Unternehmertreifen Sorge um die Ab. manderung von Facharbeitern noch dem Auslande. In Tüsseldorf wurde eine Beratungsstelle für Aus und Einwanderer gegründet, die den 3wed hat, Facharbeiter von der Arbeitaufnahme im Auslande atzuhalten. Die Handelskammer mill sich zu diesem 3med auch mit den Gewerkschaften in Berbindung jegen, die ers fiären werden, weshalb bir deutsche Fecharbeiter heute Neigung hat, ins Ausland zu gehen und wie der Abgang durch eine vernünf tige Arbeitszeit. und Bohnpclatit verhütet werden kann. Berantwortlich für Bolitik: Craft Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung:. Chton; feuilleton: R. 3. Doscher: Lotales und Gonftiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckerek und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin EB. 68.. Lindenstraße 3. bine halbmonatsschrift mit farbigem Umschlag. vielen Bildern im Text. 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