Abendausgabe Nr. 140 41. Jahrgang Ausgabe Nr. 70 Bezugsbedingungen und Anzeigenpree Find in der Morgenausgabe angegeben Redeftion: S. 68, Cindenftraße& Ferulprecher: Dönhon 202-295 Zel.- Noreffe: Sozialbemetrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Sonnabend 22. März 1924 Berlag and Engetgenabteilung Gefäftsgett 9-5 Hz Berleger: Vorwärts- Berlag Ont Berlin$ 8. 68. Cindenfrage 3 Seculprehet: Denhow 2300-2007 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Lossow und der„ Vormarsch". Die Verteidiger haben das Wort. BS München, den 22. März 1924. Heute morgen wurden die Berteidigungsreden fortgelegt. 3u nächst nahm Redytsanwalt Dr. Holl das Wort für den Ange flagten Dr. Weber. Die Wurzein dieses Brozesses ruhen in dem Bertrag von Berfailles, der fadiftischen Instrument Frankreichs. Wenn deutsche Männer, ohne daß ihnen die Hand verborrie, diefes Dofument unterzeichneten, fo liegt das daran, daß ein Sieg Deutschlands ihren Parteiintereffen schädlich gewesen wäre. Aber auch der blödeste Staatsbürger fieht heute das Bestehen der Korruption, die betrieben wird hauptsächlich von frembraffigen. Die Erbitferung im Cande wuchs, als man erkannte, daß die Ruhrmittel nur die Gewerkschaften stärkten, daß hinter der bürgerlichen Faffade nur eine margiffifche Regierung fich verbarg, die als Beauftragte der ifraelitischen Internationale wirkte. Welche Berhältnisse fand Herr v. Rahr beim Amtsantritt vor? Bor Sauter Rettern, die fich auftaten, gingen wir zugrunde und werden hier zugrunbegehen. In Bayern waren verschiebene Strömungen Dorhanden, auch eine feparatistische und die Ziele dieser Leute sind in der Broschüre veni vidi" zu fuchen, deren Berfaffer ben Kreisen um Rahr angehört und wo man den Staatenbund propagiert. Diefe Richtung wird bekämpft von den Angeklagten, bie im Parlamentarismus die Internationale in jeder Form aus zersetzendem Judentum und Marxismus bekämpfen und den 3e. juitismus. Ich sage bas legte, obwohl im Oberland viele wadere Geistliche fizzen; denn mit Religion haben diese Dinge nichts zu tun. Weshalb wurde denn nun herr v. Kabr ein. gefekt? Die Behauptung, daß ein Butsch droht, war eite! Schwindel. Bielmehr follte der Kampfbund ver nichtet werden. Herr v. Kahr übernahm diefe Aufgabe in Gemäßheit feiner Berträge mit Herrn Claß. Die Ernennung des Herrn v. Kahr durch die Regterung Knilling erfolgte, weil man die Abrechnung mit dem Margismus in Berlin wünschte. Das Bolf erblickte die Erfüllung seiner Sehnsucht im Kampf gegen die verhaßte Judenregierung, und die Ber finer Regierung wußte den wahren Grund für die Ernennung Kahrs. Das Reich griff zu einem nicht ungefchichten Gegenzuge. Run erfolgte hier die Aufhebung des Republikschußgefeßes, Chr. hardt und Roßbach erhielten fyl und der Haftbefehl gegen heiß murde nicht ausgeführt. Das war ein Glieb des Kampfes gegen Berlin. Die Steuern wurden nicht mehr abgeführt. Es folgt ber Loffomiche Ronflitt und die Bereidigung ber Truppen, die nichts war, als eine Aufforderung zum Eidbruch. Auch das war nur ein Teil des Kampfes gegen Berlin. Und wie man es nennen wollte... politischer Drud", oder sonstwie der Kampf war entbrannt, die Reichsverfassung von Bayern zerschlagen und ein. Hochverrat gegn die Reichsverfaffung in Bayern gar nicht mehr möglich. Aber der Entschluß zur Tat wurde von Rahr, Loffow und Seiker, bie Angst vor der eigenen Courage hatten, nicht aufgebracht. Man wartete auf den deus ex machina aus dem Norden. Man ba'te ja auch Bindungen mit Herrn Claß, der Rahr in das Feichsbirektorium haben wollte. Und der Geifferspruch von der Separation fauchte wieder auf, als Coffom dem Grafen Helldorf erflärte, Bayern allein fänne im Reich nicht aufräumen und frenne fich wieder von dem margiftischen Norden. Also auch bei Loffom die verfluchte Energielosigkeit, eisern in das Schicksal des Reiches ein. zugreifen. Da ist das Schwarzweißrot der Angefagten beffer. Da belte ich es lieber mit Hitler und wir hängen uns lieber am legten bo fchemistischen Laternenpfahl auf, ehe wir von Frankreich ein Städ Brot nehmen. Rahr behauptete hier, es fei bedauerlich, daß hier fich nationale Männer gegenüberstehen. Hätte er das am 9. No Bember erfannt, so wäre alles Elend vermieden worden, und ich bente dem Herrn Staatsanwalt, der gestern gegenüber den Ange Klagten Borte fand, die das Bolf erwartete. Kahr, Coffow und Seißer haben den Bersuch gemacht, die Ungetlagten zu fich herüberzuziehen. Hätten sie das nicht mit voller Ehrlichkeit getan, fo find fie agents provocateurs gewejen. Ich komme nun zum Marsch nach Berlin, der in zwei Etappen zerfällt. Der Plan begann im Sirfus Krone im Sptember 1923. Wenn man heute den Marsch nach Berlin als fitliche oder geistige Erneuerung umzubichten versucht, fo fann man nur Bein- oder Lachkrämpfe bekommen denn das Wort Wir woll'n dem Sauffall oben mit bayerischen Fäusten ein Ende machen" war doch ebenso absolut eindeutig, wie das Wort„ Jetzt gilt die Taf". Auch der Dedmantel der Rotpolizei für Ehrhardt war nur geschaffen, um die Berliner nicht mißtrauifch zu machen. Here batte. Ehrhardt follte teine Nachtwächterarbeit tun. Dann tam die Besprechung über Sachsen, wo Herr Böhner Go: verneur werden sollte. Aber die Einsehung eines Gouverneurs bort fonnte nur erfolgen, wenn man Berlin sicher in der Tasche 3m Generalstaatskommiffariat legte man fich eine wehrtechnische Abteilung zu, die mit den höchften Beamten befeht wurde. Heut versucht man es, diefe Abteilung als harmlos umzus dichten. Mich wunbert nur, daß sich in diefem Saal die Baffen noch nicht gebogen haben. Aus den Sizungen im Generalstaatstommiffariat gingen bie Bertreter des Kampfbundes immer wieber mit der lleberzeugung fort: Die Lösung der deutschen Frage be ginni. Herr v. Auffek, der Bertreter Kahrs, erklärt: Kahr figt mit der Lunte vor dem verfaß." Das war verflucht deutlich, b einen To später, om 21. DP'eber, bittet Rohrzellen Ludendorff zu 11h und bittet ibn um fein Mitarbeit bei Der Lösung der großdeutschen Frage in Bismarcschem Sinne. Also mite leat Herr v. Stahr bereits bie faule Ausrede von der Attion acen Thüringen, Lossom beruft bie Berbände zu sich und ver handelt mit ihnen, was wir in geheimer Sigung hörten. Es kommt zu Coffows Befehl, der den Vormarsch. Erster Staatsanwalt unterbredhend:„ Das geht zu weit." Borf: Bezüglich des Vormarsches ist auch nichts erwiesen worden. Rechtsanwalt Ho11( fortfahrend): Herr v. Seißer spricht von den Polizeioffizieren von der Berliner Judenregierung. Ebenso wie Herr v. Auffes. Man sieht also die Uebereinstimmung im Generaistaatsfommiffariat. Man errichtet in Leipzig eine Nachrichtenstelle, natürlich für Wetternachrichten. Beabsichtigt eine nationale Regierung, ohne Einmischung des Parlaments zu schaffen. Man erstrebt ben garantiert frodenen, harmlosen„ Staatsstreich ohne Gewalt und man verteilt unter sich die Rollen, so wie Hitler fie dann am 6. November abends verkündet hat. Ich wundere mich nur, daß Herr v. Lossom nicht schon damals die Worte gebraucht hat, die er hier im Gerichtsfaal vorbrachte:„ Ich bin doch kein be. rufs ofer Komitatschi. Lassen Sie mich mit dem Quatsch in Ruhe!" Herr Seißer fährt nach Berlin und damit endet die erste Bhale. Die Angellagern mußten wie alle anderen, bis dahin der Ansicht fein: Es wird jetzt gehandelt. Gegen wen find denn die Borbereitungen von Herrn v. Coffow getroffen worden? Etwa gegen Frankreich oder die Linke? Staatsanwalt: Hier werden Dinge berührt, die in die geheime Sigung gehören. Rechtsanwalt Holl: Ich habe nichts Unrechtes gefagt, denn gegen Frankreich hat Bayern nicht gerüstet. Barum haben Rahr, Lossow und Seißer Hitler unterstützt, und nicht bie Führer bes Rampfbundes" verhaftet? Hitler und Dr. Weber waren der festen Ueberzeugung, daß der Druckpunkt gegen Berlin genommen war. Es handelte sich nur noch um den Abzug. und heute glaubt man mit Art. 48 der Verfaffung fich retten zu fönnen Der Artikel tut mir leid, benn was über ihn legal alles erreicht werden sollte, geht über ben Baragraphen des groben Unfugs hinaus, Daher lobe ich mir die Angeflagten, bie, wenn fie schon einmal Hochverräter sind, wenigstens offen und die Befreiung von Korruption und Gemeinheit, und wenn alle an ehrliche Hochverräter find. Sie erstrebten mit Millionen Deutscher geklagt werden follten, die das mitanstrebten, muß die Anflage. bant um einige Kilometer verlängert werden. Bori: Diese Ausdrudsweise ist unangemessen. R.-A. Holl( fortfahrend): Die Reife Seigers nach Berlin ist ein m u ft er diplomatischer Gefchidlichfeit gewefen. 3n Berlin liegt die neue Berfaffung fertig in der Tischlade und die Dittatur wird vorbereitet. Aber Herr Clah ist ein Feind Hitlers, der auf die Blane von Claß im Sommer 1923 nicht eingegangen ist. Herr v. Rahr ließ die banerischen Bünde über feine Bindungen zu Claß im Dunkeln. Herr Seißer hat nun in Berlin mit Herrn v. Seedt perhandelt, und Herr p. Kahr hat sich darüber nicht geäußert. Aber Herr v. Erißer fucte noch nach der Reife einige Bekannte aus Industrie und Landwirtschaft auf, um den Drud aur Bejeiligung des Reichspräsidenten zu erzeugen. Ende Oktober hat zwischen Claß und Seedt eine Einigung stetige. funden, und dazu mußte Seißer nach Berlin fahren. Das Dofer bes lebereinfommens war der Kamribund, den Fahr fallen ließ, und man hoffte, um diefes Opfers willen, den Konflitt mit Loffow schließlich ausgleichen zu können. Und es begann der Verrat am Stampfbund". Eeißer tam an dem Tage zurüd, als die Ba rabe vor Sr. Majestät dem König stattfand. Es fchien, baß alles bereit war, das zu erfüllen, was wir seit Jahren er streben. Es schien, als ob gutgemacht werden sollte, was an dem Bater des Königs ein Staatsstreich verfluchten Aus. landsgesindels gesündigt hatte. Aber der größte deutsche Her'ührer, der Sieger von Tannenberg, Egzellenz Ludendorff fehlte, und der Kundige wußte, daß etwas norging, was mit Seikers Reile zufammenhing. Here v. Kahr blies munter den Bormarsch ab, da in Berlin sich das Direktorium zusammenbrante. Herr v. Kahr beging am 6. November gegen ben Rampfbund eine Untreue, bie thresgleichen sucht. Kahr, Lossom und Seißer glaubten zu schieben, und sind von einer viel größeren Macht geschoben morber ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Quidde auf freiem Fuß. München 22. März.( WTB.) Der fürjlich verhaftete bekannte Bazifist Quidbe ist nach Beschluß des Volksgerichts heute wieder in Freiheit gelegt worden, weil feine Fluchtgefahr vorliegt. Das Berfahren nimmt feinen Fortgang Voraussetzungen und Widersprüche Zur Taktik der Arbeitgeber. Die Arbeitgeber, vertreten durch die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, haben durch ihre Politik die im November 1918 geschaffene Arbeitsgemeinschaft zerfchlagen. Nachträglich versuchte die Bereinigung, ihre von dem Bertrag vom November 1918 abweichende Bolitik da durch zu rechtfertigen, daß fie in einer programmatischen Er flärung, veröffentlicht in Nr. 3 vom 1. Februar des Arbeitgeber" behauptete: Als im November 1918 bie beutsche Wirtschaft unter bem Drud der Verhältnifie gegen ihre Ueberzeu gung und gegen jebe beffere Wirtschaftsvernunft die auf schmantendem Boden aufgebaute Sozialpolitit mitmachte, war die tägliche Arbeitszeit im allgemeinen zwischen 9 und 10 Stun den( 54 bis 60 Stunden wöchentlich). Der plögliche, weber burch die Wirtighaftsentwidlung im Ariege, nod durch die nach dem Waffenstillstand vorliegende irtschafts. lage gerechtfertigte Sprung zum schematischen Acht. stundentag brachte einen Ausfall der zeitlichen Arbeitsleistung um insgesamt etwa 20 Millionen Arbeitsstunden täglich. In der gestrigen Abendausgabe der Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht nun Ernst v. Borfig, einer der Unterzeichner des Bertrages vom November 1918, der eben ben so verabscheuten Achtstundentag enthielt, einen offenbar nicht so von ungefähr geschriebenen Artikel, der mit folgenden Säßen beginnt: Es ist ein weitverbreiteter Irrtum; baß sich die Arbeitgeber nur unter dem Drud der wenige Lage porber ausgebrochenen Revolution zu den grundlegenden Ver einbarungen vom 15. November, welche das Fundament der Hen tralarbeitsgemeinschaft bilden, bereitgefunden hätten. In Wirk lichkeit bildet diefe Bereinbarung bas Ergebnis monate. langer Berhandlungen zwischen ben Spitenorganisatio nen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer und gleichzeitig den Abschluß einer natürlichen Entmidtung in unseo rem Birtschaftsleben. Herr v. Borsig ist ein prominentes Mitglied der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Wenn er nun, zwei Monate nach der Beröffentlichung der oben zitierten program. matischen Erklärung ihre Borausfehung verneint, dann dürfte die Ursache dieses Widerspruchs vornehmlich in der Tatsache zu fuchen sein, daß die Blütenträume der Bereinigung nicht zur Reife gelangt find. Die führenden Köpfe der Bereingung, die nächste Woche im Berein mit dem Reichsverband der Deut fchen Industrie eine große Rundgebung in Berlin veranstalten, haben eingesehen, daß der von ihnen entfeffelte er. barmungslose Klaffenfampf zu ihren ingun. sten ausschlagen tann. Die Arbeitgeber glaubten noch vor zwei Monaten, baß die Arbeiterschaft, zermürbt von den verderblichen Wirkungen der Inflation, unfähig sein würde, sich der Beseiti gung des Achtstundentages und dem Abhau der Löhne auf ein unerträgliches Maß zu wider egen. Diese Hoffnung der Arbeitgeber hat sich nicht erfüllt. Die Arbeite. jaft läßt sich eine Errungenschaft, um die fie Jahrzehnte iana heiß ge fämpft hat, nicht widerstandslos entreißen. Es tommt hinzu, daß die Wirtschaftslage fich während der letten Monate infolge der Stabilisierung unserer Bäyrung ganz refentlich gebeffert hat. Das erleihte: t den Gewerkschaften nicht nur die Abwehr, sondern ermöglicht ihnen auch, nach und nach Bum Gegenangriff überzugehen. Während der Inflationsperiode hatten die Unternehmer nur ein relatives Interesse an der Broduktion. Anders aber liegen die Dinge heute. Nur eine intenfire Ausnutung eller Betriebsmittel tann ben Unternehmern ihre Stonturronsfähig. feit im Auslande und den Absatz im Inland sichern. Die wirtschaftliche Lage der Arbeitnehmerschaft in Deutschland ist heute eine weit schlechtere, als fie vor dem Kriege war. während ihre Organisationen weit stärter und ihre sozialen Ansprüche weit höher find, fo daß bei der Einstelling der Arbeitgeber große Wirtschaftsfämpfe ganz unvermeidlich find. aber auf ein geringes Mak eingeschränkt werden können, Diese Wirtschaftstämnfe hätten vermieden, mindestens menn die Arbeitgeber in ihrer Verblenhung nicht versucht hätten, die wirtschaftliche Erschöpfung der Arbeiterschaft durch Die Inflation rüdlichtslos und ffrurellos auszunuzen. Und mun wird den Arbeitgebern offenbar bange vor den Geistern. die fie riefen. So ist der Artifel des Herrn v. Borsig als Einleitung zur Rundgebung der nächsten Woche zu bewerten. Nachdem der Berfaffer in längerer Darstellung seine oben zitierten einleitenden Säge begründet, geht er dazu über, den Behörden die Schulb an dem Rerfall der Arbeitsgemein fchaft zuzuschieben. Die Behörden hätten fich in die durch die Arbeitsgemeinschaft inaugurierten freien Tarifvereinbarungen eingemischt und insbesondere durch die Arbeitszeitverordnung den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Möglichkeit ge nommen, die Arbeits eit den jeweiligen Lebensbedürfnissen der Wirtschaft anzupaffen. Beiderseitive Verhaftungen in Oberschlesien. Breslau, 22. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Berhaf. tung von etwa 70 Mitgliedern polnischer Infurgentenverbände auf Veranlassung des Oberreichsanwalts in Deutsch- Oberfchlesien hat jetzt zu einer Gegenmaßnahme der polnischen Be hörden in Bolnisch- Oberschlesien gegen die dortigen Deutschen geführt. Nachdem in der vorigen Woche verschiedene Hausfuchungen anscheinend erfolglos vorgenommen worden waren. find jeßt zehn führende Mitglieder bes Deutschen Boltsbundes für Bolnisch- Obersch'efien verhaftet worden, weil sie fich angeblich staatsfeindliche Handlungen zuschulden fommen ließen. Gerade der Deutsche Bolfsbund hat aber wiederholt erklärt, daß er jede Los reißungspolitif für fchädlich halte und das heil des Deutschtums in Polnisch- Oberschlesien in aufbauender Kulturarbeit sehe, die er in Diese Darstellung des Herrn v. Borsig steht mit den einSchulfragen und Wolfsbildungsunternehmungen organisiert hat. Faft fachen Tatsachen in bireftem Widerspruch. Die Arbeitszeitgleichzeitig hat ber Wojwodschaftsrat die Stadtverordneten nerorhnung ftell nerahe die frete Bereinbarung zwischen eriammlungen in Rattomin und Tarnowig, in Arbeitgebern und Arbeitnehmern voran urt laßt eine be derten das deutsche Glement eine starte Bertretung hatte, aufgehörbliche Regelung der Arbeitszeit nur insofern zu, als löst und Neuwahlen aus eschrieben. Auch verschiedene andere eine Bereinharma zwihen rhoiteehern und Arbeitnehmern Masnahmen der letzten Zeit deuten darauf hin, daß die polnischen nicht zustandekommt. Eine folche Vereinbarung fonnte naBehörden vor Ablauf der Optionsfrist im Sommer d. 3. einen vertürlich in der Regel nicht zustandekommen, weil die Arbeit. stärkten Drud auf die Deutjáyen in Bolen ausüben wollen, um recht zahlreiche Deutsche zur Auswanderung zu veranlaffen und da burch bie Polonifierung der fogenannten Beftmarfen zu fördern. geber ben im Bertrag vom 15. November 1918 Derein. barten Achtstunbentag ersehen wollten durch der schematischen Zehnstundentag Die Gewerkschaften waren und sind auch heute immer bereit, soweit wirtschaftliche Bedürfnisse wirklich vorliegen. Ueberstunden zu vereinbaren. Diese Bereitwilligkeit der Arbeitnebmer kann von niemanden bestritten werden. Wo- gegen sich die Gewerkschaften aber mit vollem Recht zur Wehr setzen, das ist das Verlangen der Arbeitgeber, die Arbeltszeit von sich aus, ganz rücksichtslos auf die Wirtschaftslage und unterAusschaltung des Mitbestimmungs- rechtes der A r b e i t n e h m e r s ch a f t, schematisch zu verlängern. Was aber taten die Arbeitgeber und was tun sie heute noch, wenn die Arbeitnehmer eine solche schematische Ler- längerung der Arbeitszeit ablehnen? Sie rufen die Behörden an und verlangen von diesen unter Vergewaltigung der Arbeitszeitverordnung eine schematische Verlängerung der Arbeitszeit. Die Arbeit» geber sind es also, die die von ihnen jetzt so scharf kriti- sierten Eingriffe der Behörden verlangt, ja durch einen außerordentlichen Druck sozusagen erpreßt haben. Die Ar- b e i t g e b e r waren es also auch gewesen, die die Arbeits- gemeinfchast damit zerschlagen haben. Wenn Herr v. Borsig sich müht, das Gegenteil zu beweisen, dann setzt er sich auch hier wieder mit den notorischen Tatsachen in offenen Widerspruch. In ebenso flagrantem Widerspruch mit den Tatsachen be- hauptet Herr v. Borsig, die Gewerkschaften verlangen wohl in der Wirtschaft mitzubestimmen, weigerten sich aber ge- meinsame Verhandlungen mit den„Wirtschaftsführern" zu pflegen. Wir könnten cherrn v. Borsig ein reiches Material unter- breiten von Verhandlungen, die während der letzten Monate von den Arbeitgebern abgelehnt worden sind. Die Versuche. trotz bestehender Tarifverträge einfach einseitig Löhne zu diktieren und eine verlängerte Arbeitszeit ' uMer Verkennung aller gesetzlichen Bestimmungen anzuordnen. sind so zahlreich, daß sie besonders auch cherrn v. Borsig nicht unbekannt geblieben sein können. Es paßt durchaus in der Taktik der Arbeitgeber,«ine Taktik, die vielleicht gerissen, sicherlich aber nicht klug ist, wenn Herr o. Bosig seinen Artikel mit folgender Drohung schließt: Sie chi« freien Gewerkschaften) dürfen sich nicht wundern, wenn bei den Arbeitgebern, denen es ernstllch um«ine Verständigung mit den Arbeitnehmern zu tun ist. stark« Zweifel entstehen, ob die seinerzeit vertraglich zugesagt« Anerkennung der Gewerkschaften als berufene Vertretung der Arbeit» nehmerfchaft auch weiterhin inn-er« Berechtigung hat, denn die Voraussetzung dieser Anertennung Ist das gemeinsam« Bekenntnis zu dem Gedanken der A r b e i t» g« m« i n- schaft. Die freien Gewerkschaften haben sich die Anerkennung durch die Arbeitgeber infolge ihrer Machtstellung er- � w u n g e n. Um die Anerkennung der Gewerkschaften sind zahrzehntelang Kämpfe geführt worden, die ja insbesondere Herrn v. Borsig nicht unbekannt fein dürften. Die Drohung schreckt die freien Gewerkschaften also keineswegs, wie sie sich auch nicht der Illusion hingeben, daß es für diese Aner- kennung eine andere Voraussetzung als die ihrer Macht» stelluna geben kann. Die Gewerkschaften haben immer erklärt, und ihr« Er- klärungen auch durch die Tat bewiesen, daß sie eine Ver- einbarung ohne Kampf einem Komps vorziehen. Von die» sex Auffassung haben sie sich auch nicht durch die Demagogie der von Moskau Ausgebaltenen abbringen lasten. Es war vielleicht der folgenschwerste taktische Fehl-r der Arbeitgeber, diese Tatsache verkannt zu haben. Aber wenn die Arbeit- geber heute versuchen sollten, ein kaudinisches Joch aufzu- richten, unter das die Gewerkschaften sich zu beugen hätten, um von den Arbeitgebern anerkannt zu werden, so kann ihnen setzt schon mit aller Klarheit und in aller Ruhe erklärt werden, daß eine solche.Voraussetzung" von den Gewerkschaften a b- gelehnt wird. Der Artikel des Herrn v. Borsig zeigt ober auch allen Arbeitnehmern— Arbeitern. Angestellten und Be- amten—, daß die tatsächliche Voraussetzung der Anertennung ihrer Fordenmgen in ibrer Machtstellung, d. h. in ihrer Ein- heil und Geschlossenheit liegt. flus öem sogenannten frislanö*. Wie uns aus München berichtet wird, waren mehrere zur Jnfanterieschule abkommandierte Reichswel rofsiziere, die als Zeugen beim Hitler-Prozeß geladen waren, auf deren Vernehmung jedoch schließlich verzichtet wurde, bei Gericht mit schwarzweißroter Mützenkokarde anstelle des Reichsadlers erschienen. Ueberhaupt sieht man in München nicht wenige Reichswehroffiziere und Soldaten, die den Reichs- adler abgelegt, dafür aber schwarzweißrot angelegt haben. Andere wiederum halten dem Reichsadler die Treue, müsien aber hämische Bemerkungen über den.Pleitegeier" einstecken. da seit der Außerkraftsetzung des Rrpublikfchutzgesetzes die Be- schimpfung der Embleme des Deutschen Reiches freigegeben ist. Ein Teil der Reichswehr hält eben zu Lossow, ein anderer Teil zu Ludendorff und. wie uns versichert wird. ein weiterer Teil sogar zu Geeckt! Diese bayerische Reichswehr— die macht uns sobald keiner nach..._ Reichswehr! �erhören! Im Münchener.Völkischen K u r i er" veröffentlicht ein Hauptmann T r ö b st einen Aufruf an die Reichswehr, der eine glatte Aufforderung zur Me u t e r e i ist. Es heißt da u. a.: .Die Reichsivehr ist fest in der Hand ihrer Führer Gut! Das wissen wir. Ohne das wäre sie keine Truppe. Fragt sich nur: Wer find diese Führer? Sind sie Herren ihrer selbst oder M a- r i o n e t t e n in der Hand einer unsichtbaren Macht? Der 9. N o- vember 1923 läßt den Schluß zu. daß das zweit« der Fall ist. Wer hat den Feuerbefehi an der Feldherrnhall« gegeben?»Der Staat!" sogt Herr von Lossow! Wer ist der Staat? Wir verstehen darunter die Gemeinschaft oller„Gutgesinnten". so wie wir dies Wort auffassen. Oder ist der Staat nur die Ge- memfchaft der international verfilzten Finanz» großen und feiiwr Helfershelfer in der sogenannten .Deutschen Regierung"? In diesen Tagen haben wir schaudernd den Todeskampf dieser Regierung, dieses Reichstages gesehen. Es gill jetzt Stellung zu nehmen. Farbe zu bekennen! völ- tisch oder Söldner! Das ist für Euch jetzt die Frag«. Denn wie der Reichstag sterben mußte, so sicher wird auch die Reichs- wehr langsam sterben, wenn sie weiter lavieren will." Weiter heißt es in dem Aufruf, die Reichswehr sei am S. November von ehrlosen Offizieren mißbraucht worden wie schon manchesmal bisher und diese Offiziere seien noch immer in der Reichswehr. Aber man wisie, daß in der Reichs- wehr die Erkenntnis dämmere. .Kameraden!" so heißt es zum Schluß,.Ihr habt Euer Schicksal in der Handl Wähltl Haltet Einkehr und Au«- kehr bei Euch, dann sind wir bereit zu vergessen! Dann laßt uns wieder die Hände reichen und Arm In Arm wollen wir getrost das Jahrhundert in die Schranken fordern. Kameraden! Lernt aus dem 9. November 1923. Zieht die Folgerung daraus und schlagt ein in die Hand, die wir Euch bieten!" Nach den bisherigen Erfahrungen kann man erwarten, daß die R e i ch s r e q i e r n n g die Äe�'biguvqsn des Haupt- manns Tröbst stillschweigend in die Tasche stecken wird. Das Reichswehrministerium pflegte bis vor kurzem in diesem Punkt außerordentlich empfindlich zu sein und gegen Zierhetzer und Verleumder scharf vorzugeben. Ob es nach dem Fall Lossow noch den Mut dazu hat, bleibt ab- zuwarten. Aber in B a y e r n besteht heute noch der m i l i t S r i s ch e Ausnahmezustand. Daß sich dort trotz des Ausnahme- zustandes derartiges an die Oeffentlichkest wagen darf, ist mehr wie bezeichnend. Der FSulnisherd.der unter der Obhut der„nasionalen" Regierung groß geworden ist, greift er» schreckend um sich und frißt naturgemäß zunächst die.Orb- nungs"zelle auf, in der er entstand. Ztalleaisch« Anleihe an polen. Das Abkommen betr. die Erteilung einer Anleihe durck Italien an Polen stebt unmittelbar vor der Unter, eickinung. AIS Garantie der Anleihe wird da» polnisch« Tabalmonopol dienen. Der �KarÜinal" aus Turkeftan. W'nu jemand wissen will, was das.sächsische Experiment" ist, so muß er bei den edlen Frauen der KPD. anfragen. Sinowjew freilich hat sa erfrischend klar ausgesprochen, daß der Eintritt der Kommunion in die sächsische Regierung nichts weiter sein sollte, als der Versuch, mit Hiife uno unter dem Schutz« der Staatsgewalt die deutsche Revolution vorzubereiten. Alz das Experiment mißlungen war, ging das große Klopfen in der KPD. los. Zumeist in den Funküonärsitzungen, über die zumeist nur frisierte Bericht« in die Press« kommen. Die breite Mitgliedschaft hat ja von den Vorgängen nur Notiz zu nehmen, wem wieder irgendeine Führerzarn. tur.endgültig erleüigt" ist, wie Werner Schalem das bezüglich Brandlers und Thalheimers so ge- schmackvoli ausdrückt«. Aber an dem.sächsischen Experiment" waren doch weitere kommunistisch: Kreise interessiert, als etwa nur die Strippenzieher in Moskau und Berlin. Deswegen haben sächsisch« KPD.-L«ute em« Broschüre veröffentlicht, die ihre Haltung ver» teidigt und versichert, nur die schiecht informiert« Exekutive sei an allen Mtßoerständn.ssen schuld. Gegen solche ketzerischen Versuche saust mm der Bannstrahl des Kardinals aus Turkestan nieder. In der„Roten Fahne" teilt er unter dcm Pseudonym.Gerhart" folgend« Zensuren aus: Unsere sächsischen Organisationen haben sich ein- mutig hin er die Beschlüsse der Exekutive gestellt. Sie haben rückhaltlos alle Fehler anerkannt, die die Partei besonders wäh. read der Oktoberwge beganzm hat. Sie haben durch r e v o- lu t i o n ä r e Selbstkritik(?) bewiesen, daß sie gute kam- munistische Organisationen sind.... Hingegen Ist die vom sächsischen Landesvorstand und der sächsischen Landtagssraktion herausgegeben« Broschiere:.Die kom- munistische Partei Sachsens und die Ottoberniederlage" nicht nur überflüssig, sondern im HSchstea Maß« schädlich. Indern sie beweist, baß der oder oie Verfasser der Broschüre bis heute noch nicht dt« Fehler der parle» im Okiober begrisseu haben, ist sie höchstens dazu geeignet unsere sächsischen Organisationen zu mißkredilieren. Di« sächsischen Organisationen haben sich hinter die Beschlüsse der Exekutive gestellt, die Broschüre ist. nehmt alles nur in allem,«in« Sampsschnst gegen die Exekutive. .... Wo wirklich ein Fehler zugegeben wird, wie die Illusion, daß gemeinsam mit der linken SPD. der Kampf aea:n Faschismus gejährt werden könne, wird er auch als Fehler der Exekutive hingestellt. In Sachsen selbst war eigentlich alles in Ordnung, nur die Exekutiv« hat geirrt. Ww haben dies« Methode der„D:rtet0izung" während der Märzakt.on von den Leviien gehört. .... Der Eintritt m die sächsische Regierung war eil» ver- häognisoolle Anwendung der Einheilsfroutiaktik. War der Ein- tr.tt schon falsch, was taten unsere Genossen in der Regierunz zur Mobilisierung der Massen, haben Jk das alles getan, was möglich war? Sprachen sie von der L:wasfnuug der Arbeilerfchaft? Forderten sie in jeder Red«, in jeder Kundgebung die Arbeiter dazu aus, Sprachen sie von den Räleu. Bon d«r So» ziallsiirung? Sie taten es nicht. Sie sprachen von ihrer Per- an tw or tl ich ke i t d«m Landtag gegenüber. Und warum das alles? Um nicht mit der linken SPD. brechen za müssen. Aus einer verhäng.iisvollen Auffassung der Einheits- fron iattik heraus, d'« im Oktober aus einer Methode zur Mobili- fierung der Massen zu einer Methode ihrer Demobilisierung wurde.... Diese.opportunistische Anwendung der Einheitsfronttaktik" hat. wie der Turkcstaner weiter oersichert,.der Partei fast das Genick gebrochen". Aus dem Grunde fordert der Moskauer Kirchenfürst, daß der sächsisch« Landesvorstand und die Landtags- fraktion p-ter peecevi sagen und reumütig wegen des.schweren sächsischen Fehlers" um Verzeihung bitten. Was natürlich um de» unverfälschten Glaubens willen auch promt geschehen wird. Die Vorgang« sind sicher«in Kennzeichen für die streng« Kirchen- zucht, die in der KPD. herrscht und ein neuer Beweis dafür, daß die Kommunisten jedes Zusammengehen mit Sozialdemokraten nur zur Sprengung unserer Partei auszunutzen suchen. Sie selbst sprechen dann von.falscher Anwen- dung der Einheitsfronttaktik". Unter unseren Parteigenossen aber gibt es imnter noch einige, die«ine.Einheitsfront" mit den Kommunisten für notwendig und wünschenswert halten. Bielleicht bringt der turkeftanifche Kardmal auch ihnen die Erkenntnis, daß jedes Techtelmechtel mit Komunisten nicht nur«in«.falsche Anwen- dung der Einheitsfronttaktik" darstellt, fondern eine schwere Schädigung der eigenen Partei, der sie doch nutzen wollen. Cäsaren öes Karnevals. von M. Braun. Das deutsche Volk sehnt sich nach einem Diktator— behaupten di« deutschen Rechtsradikalen seit Mecklenburg. U«d dieser Teil zählt an den erhobenen Fingern di« jüngsten geschichtlichen Beispiel« völkischer Wiedergeburt unter einem DU» iator auf: Türkei, Italien, Spanten,— halt, bei Spanien könnten wir vielleicht«inen Augenblick oerweilen. W:nn auch von Wieder- geburt bei ihm noch weniger als in Italien zu verspüren ist, so doch um so mehr von der Leuchte«ine» Diktator,. Sein« Taten muß man mit denen ver trojanischen Helden ver- gleichen: handelt es sich auch nicht um die schöne Helena, so doch um «in Weibchen.— wenn» auch sein« Freunde mit Kokain ruiniert. Doch wir wollen chronologisch verfahren: Der Impresario der Madrider.Comedia", Don Tirso Eecudero, hatte«in« Freundin mit dem Beinamen La Caoba. Der Zustand Don Tirsos verschlimmert« sich von Tag zu Tag— dank de» Kokain«, ' da« ihm La Cooba verkaufte. Di« Söhn« Don Tirso» ba'en das Gericht, einzuschreiten, und La Caoba wurde durch den Richter Prande» zu Haft verurteilt. Jedoch Don Tirso, höchlichst bntrüstet und um sein Vergnügen gebracht, begab sich eilends zu dem Gefährten feiner Aoenturen, Herrn Miguel Primo de River«, dem Beherrscher oller Spanier, der den Richter Prande» zu sich zißerte. Dieser weigert sich zu kommen. Darauf ein Brief des Diktators, der den Richter auf. fordert, La Caoba au» der Host zu entlassen. Der Richter legt g«> lassen den Brief zu den Akten, ohne zu antworten. Unterdessen sucht der Diktator den Gerichtspräsidenten auf, der sich weigert, den Richter, wie es der Diktator befiehlt, zu bestrafen. Don Miguel Primo de River« setzt daraufhin den Präsidenten de» Gericht» zur Ruhe und den Richter Prande, ob. Gleichzeitig ver- öffentlicht er»ine Ro'e, in der er sich erst bitter darüber beklagt, wie sehr er verleumdet werde, um dann seiner eigenen untadeligen Sittenreinheit«in begeistertes Loblied zu singen. Da» Atheneo von Madrid bereitet« eine Ehrung für den Richter Prande» vor: da» Atheneo ist Heu'« geschlossen, und di« Regierung, d. h. Herr von Unanumo, vielleicht der geistig bedeutsamste Mann ganz Spanien», hatte di« Schwäche, sich von der Politik de» Dik- tators nicht entzückt zu zeigen: er ist heut« auf dem Weg« in die Verbannung— nach den konarischen Inseln.... Die Geschichte der sponischsn.Cäsaren de» Karnevals" könnt» sich eigentlich auch In Bayern abgespielt hoben, und seitdem ich sie erfahren habe, ist mir der heiße Wunsch unserer Völkischen nach einem solchen Dittatorenleben verständlicher geworden. Vo Sie Sonanen herkommen. Bananen sind die Modefrucht des Tages. Mag es nun der durch die ganze Welt verbreitet» Schlager fein, der.Ausgerechnet Bananen" uns anpreist, oder bei uns in Deuischiand das Wieder- auftauchen dieser Frücht« nach langer Zeit de» Entbehrens— jedenfalls ist alle Welt bananenhungrig, und der Bedarf übersteigt bei weitem die Erzeugung. Iß« Bonanenländer machen daher die größten Anstrengungen, innner mehr Bananen zu erzielen und das würde ihnen auch ganz leicht gelingen, wäre nicht der Banane in der furchtbaren»Panama-Krankheit" em verheerender Feind er- standen. Das Hauptland der BanoNenpflanzung ist gegenwärtig Jamaika, da» früher wegen feines Rum, uns Zuckers berühmt war, sich jetzt aber haupifächilch auf den Handel mit Früchten ge- legt hat. Der durchschnillliche Wert der Fruchtausfuhr in den Iah» ren 1913 bis 1919 belief sich auf 350 000 Pfund Sterling, stieq aber 1020 auf 1700 000 Pfund Sterling. An diesen gewaltigen Werten sind hauplsächlich di« Bananen dcteiltgt. 1921 betrug die Aus- dehnunq der Bonanenfelder über 23 000 Hektar, und elwa 15 Mit- lionen Banancnstöcke werden jährlich ausgeführt, hauptsöchlich nach den Vereinigten Staaten. Alle paar Tag« fahren mehrere Dampfer. Niet Banaiten hoch beladen, nach amerikanischen Häfen. Bei oer Eoßen Nachfrage machen die Pflanzer von Jamaika die größten An- engungen, immer größer« Gebiete mit Bananen zu bestellen, und s Jahr 1924 dürste eine Rekordernte bringen, hoffentlich macht ober nicht d!« Panoma-Krankheit einen S rich durch vi« Rechnung. Diel« Krankheit der Banane, di« vor 21 Jahren zuerst in Panama festgestellt wurde und Innerhaid weniger Jahr« die großen Bananen- uflanzungen in diesem Gebiet und in Costarica vernichtete, hat sich überallhin ausgebrei'et, wv Bananen angebaut werden. In Hol. ländifch-Guyana, wo sie zuerst 190S auftrot, war 1913 der blühend« Bananenbau vollkommen vernichtet. Seit 1912 ist die Krankheit auch in Iamaita. und obwohl«s auch hier nicht gelungen ist. die Krankheit auszirrotten. so wird sie doch bishtr in erträglichen Gren» zen gehalten. Die Ursache dieser Bananengefahr ist ein Pilz, der zu der Art Fusarium gehört: er greift die Gefäßwände der Pflanze an: s« ne Sporen steigen mit dem Saft aus Pen Wurzeln aufwärts und schaffen überall neu« Zentren der Ansteckung. Der Pilz tritt durch die Wurzeln in di« Pflanz« und benutzt zum Eingang von dem Boden«in« winzige Verletzung des Gewebe». Die Sporen kön- nen jahrelang in der Erde leben und werden durch den Wind oder Wasser auf Pflanzungen übertragen, di« bisher noch nicht von der Krankheit befallen waren. Der Pilz kann auch außerhalb der Pflanze gezüchtet und Bananen können künstlich mit der Krankheit angesteckt werden. Di« Zeichen de« Unheils, das der Pilz hervorruft, machen sich sehr rasch bemerkbar: die Blätter trocknen aus und werden gelb: die Pfianze wächst nicht mehr und verfault. Man hat versucht. Pflanzen zu züchten die der Krankheit widersteben, aber leider ist gerade d.e bekannteste Benanenort. di« Gros Michel, für den Pilz besonder» emp'änglich Immerhin hofft man,«ine Banane zu züch- ten. der der Pilz nichts anhaben kann. ver hellsichtige Floh. Unsere unbewaffneten Sinnesorgan« finden sehr rasch Grenzen, über die hinaus unsere Erkenntnis nicht reicht. So nehmen wir z. B. nur«inen Bruchteil der Wellen als Töne wahr. Ebenso fehl! uns der Sinn, um auf ultraviolette Licht- reize zu reagieren, während wir jetzt wissen, daß d« Pflanz« da» recht wohl vermag. So ist für uns dort ZK cht, wo di« Pflanz« noch deutlich.sieht". Doch auch unter den Tieren gibt es zahl- reiche Beispiel« dafür, daß die Natur sie mit schärferen Sinnen ausgestat'et hat als uns. Man braucht nur an die TieffregefchSpf« zu denken, die ihr gnzcs Leben in tiefer Nacht verbringen und nur zum Tcil mit Leuchtorganen versehen find Die Mehrzahl findet den Weg im Dunkeln mit Hilfe eigenartiger Sinnesorgane. Fehlt dem Menschen die Gabe, ultraviolet'e» Licht zu sehen, so ist z. B. der Floh sehr viel besser daran. WI« m.Reclom» Universum" mit- geteilt wird, hoben entsprechende Versuch« gezeigt, daß der Floh viel hellsichlioer ist als bcr Mensch und den Menschenleib mit seinen 37 Grad Celsius bereits als«in leuchtendes E'was sieht, ähnlich wi« wir im Dunkeln einen in Rrtglut strahlenden Ofen erkennen können. Für den Floh sind also Wärmestrahlen von der Temperatur der Warmblüter bereit» leucht'nd; er bedarf dieser Hellfichtigkeit ober auch, um zur Erhaltung sein«? Lebens feine Opfer im Dunkeln deu'lich vor sich zu sehen. Sieht der Floh z. B.«inen Menschen bsi Nacht im D'tte liegen und kriecht er neugierig unter die Decke, so befindet er sich nicht etwa im Dunkeln, sondern der menschliche Leib strahlt ihm in einem bellen Licht entgegen, das«r so gieri-i an- springt,«i« der Nechifatter gegen die Lampe fliegt. Alle Wesen sind eben so beschoffen, daß sie mit Hilf« der ihnen eigenen und nur für sie brauchbaren Sinn« gut leben können, und der Floh braucht seine besondere Hellsichtigkeit. um sich am Menschenblut fätilgcn zu können._ Erssovssahrnngee der Voch«. INoat. Ro'e Tbeaier:.Robert und Vectra rn".— Dienst. Nanuneripiele:„Nttlere kleine ffrau". tkiiNivielbau«-.Treumtheater träum stück. LntiweS Tbeaier: .Einakter'.— Mstw, trulirfir« Opernbau»:.Der Manie!'. Tänze.— Donnerst. Slblohparktheater:»Kinder der Könige'. Lefstng-Tbeater:.Kolportage'. Uroniaeorträge. Theater. S ont.: 5 7 u. 9 Uhr:.Ranuk'. Mo. bl» Donn. und Sonn ab. S. 7 und S Ubr:.Dhvnole und �uaaestion'. fsreit. und Z on na d. S Uhr:.Von Hamburg nach New Kork'. f