fe.145 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 72 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- u Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der..Borwärts" mit ber Gonntags beilage ,, Bolt und geit" mit..Gied. Iung und Kleingarten". fowie ber Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Auzeigenpreise: Die einipaltige Ronpareille. geile 0,70 Goldmart, Retlamezeile 3,50 Goldmart...Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig awei fettgedruckte Morte), icdes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erste Wort 0,10 Goldmark jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4.20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 26. März 1924 Die Trauerfeier für Tufar. " Freundschaftliche Beziehungen beider Staaten". Die Trauerfeier für den Gesandten der tschechoslowafi-| wurde. Es gereicht mir zur besonderen Ehre und zur aufrichtigen fchen Republit, Gen. Tufar, die gestern nachmittag im Hause Freude, daß ich in der Hauptstadt des Deutschen Reiches feststellen der Gesandtschaft in der Regentenstraße stattfand, gestaltete tann, daß der Gesandte Tusar die Aufgabe, mit der ihn der Präsident fich nicht nur zu einer würdigen Ehrung des Frühverstorbenen, der Tschechoslowakischen Republik betraut hat, glänzend erfondern auch, durch die Rede des Bertreters der tschechoslowa füllt und daß sie fegensreiche Früchte getragen hat. Die umfischen Regierung, des Ministers Dr. Girsa, zu einem be- faffende politische Erfahrung, das zarte Empfinden und der vorbild. merkenswerten politischen Ereignis. liche Taft ermöglichten dem Gesandten Tufar die richtige Erfassung und genaue Realisierung der Staatskonzeption des Präsidenten Masaryk und der internationalen Politik des Ministers Benesch. Die Arbeit des Gesandten Tufar, die auf diesem Fundament errichtet war, trug erfreuliche Früchte, B Die schwarz ausgeschlagenen Räume des Gesandtenhauses waren von einer stattlichen Trauerversammlung überfüllt. Für den Reichspräsidenten war Staatssekretär Dr. Meiß ner erschienen, persönlich anwesend waren Reichstanzler Dr. Marr, Reichsminister Dr. Stresemann, Ministerpräsident Otto Braun und zahlreiche andere deutsche Regierungsvertreter, viele Reichstagsabgeordnete, vorwiegend Sozialdemokraten, die gesamte Berliner Diplomatie, Vertretungen tschechoslowakischer Vereine usw. Aus Prag waren mit den Ministern Dr. Martopic und Dr. Girsa die Genossen Stivin, Dr. Soukup, Hampel u. a. erschienen. Harmonium- und Chorklänge leiteten die Feier ein. Dann nahm als einziger Redner Minister Dr. Girsa das Wort. Er begann in tschechischer Sprache: Bor drei Jahren betraute der Präsident der Tschechoslowakischen Republik Thomas Masaryk den Gesandten Vlastimil Tusar mit der ebenso wichtigen, wie ehrenvollen Aufgabe, ihn bei der Regierung des Deutschen Reiches zu vertreten. Heute entsenden Präsibent Masaryk, die Regierung der Tschechoslowakischen Republik und der Minister des Aeußeren Dr. Eduard Benesch eine besondere Mission, den Leichnam des Gesandten Tufar, der so unerwartet und so vorzeitig seine verdienstvolle Wirksamkeit abbrechen mußte, zu übernehmen und in die Heimat zu geleiten. Das Lebenswert und die fruchtbare Arbeit des Gesandten Tufar werden in Prag aus berufenerem Munde gewürdigt werden, mir sei nur erlaubt, an die Festigung der Freundschaft der zwei Nachbarstaaten, Beziehungen zweier benachbarter Nationen, und ihm selbst eine das Anknüpfen sehr lebhafter politischer, ökonomischer und kultureller Menge aufrichtiger Freunde und das köstliche Bewußtsein, mit volltommenem Erfolg die ihm anvertraute Aufgabe erfüllt zu haben. Wir überbringen dem Gesandten Lufar den Ausdruck des Schmerzes überbringen den Dank des Präsidenten der Republit für sein ganzes und der Trauer feiner Heimat über sein vorzeitiges Hinscheiden, mir Lebenswert, wir überbringen den Dant der Tschechoslowakischen Republit für ſein Mitwirken am Aufbau des Staates, ich überbringe Dr. Benesch für seine aufrichtige Freundschaft, für sein unschätzbares Berständnis und seine aufopferungsvolle Mitarbeit. Der Minister fuhr in deutscher Sprache fort: Es gereicht uns zur besonderen Ehre, daß wir ermächtigt find, namens des Präsidenten der Republit, namens der tschechoslowatischen Regierung und namens des Ministers Dr. Benesch dem Herrn präsidenten des Deutschen Reiches, der deutschen Regierung und dem Herrn Reichsminister für auswärtige Angelegenheiten den tiefen Dank für ihre feltene Bereitwilligkeit, ihr Verständnis und ihre Hilfe auszudrücken, die sie dem verstorbenen Gediesem Ort, wo der Gesandte Tufar sein Werk beendet hat, die tiefe sandten bei der Ausübung seiner Mission erwiesen und dadurch zur Ueberzeugung auszusprechen, was für ein Glück es für die ganze tschechoslowakische Nation war, daß Männer vom Schlage Tusars ihre staatliche Selbs ständigkeit vorbereitet haben, daß in den schweren Anfängen, als das Staatsleben der Tschechoslowakischen Republik geschaffen wurde, der verstorbene Gesandte Lusar Führer eines großen Teiles der Nation war, der mit feinem weiten Weltblick, feiner politischen Erfahrung, feinem durch und durch staatsschöpferischen Geifte und zarten Empfinden für die foziale Berechtigteit eine der Grundfesten Festigung und zum Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen beider Staaten beigetragen haben. Der Redner schloß in französischer Sprache mit Worten des Dankes an das diplomatische Korps. Wieder erflangen Harmonium und Chor. Dann wurde der Sarg durch ein Spalier von Kränzeri hinabgetragen, um nach Prag übergeführt zu werden, wo am Sonnabend das feierliche Staatsbegräbnis erfolgen soll. NO Durch die Rede des Ministers Dr. Girsa hat sich die geworden ist, auf denen der neue tschechoslowakische Staat errichtet tschechoslowakische Regierung zu den Grundsägen bekannt, für wurde, daß er in äußerst schwierigen Zeiten zweimal als Borsitzender die der Verstorbene mit restloser Hingabe seiner Persönlichkeit der Regierung weise, gewissenhaft und ehrenvoll die Geschicke der gewirkt hatte. Die zweimalige Betonung der Freund= Tschechoslowakischen Republik lenkte. Weisheit, Gewissenschaft zwischen den beiden Nachbarstaaten erscheint, beson haftigkeit und Ehrenhaftigkeit, das sind die ders nach den Ereignissen der letzten Zeit, als ein politischer Grundzüge des Charakters Tufars, das sind die Eigen Aft von bedeutender Tragweite, zugleich aber auch als die schaften, um derentwillen ihm auch die letzte Aufgabe anvertraut beste Huldigung für den Mann und sein Werk. Macdonald und das Rheinland. London, 25. März.( WTB.) Der Londoner Berichterstatter des Manchester Guardian" bezeichnet die gestrige Unterredung zwischen Macdonald und Graf St. Aulaire als den Beginn einer attiven Phase der französisch- britischen Diplomatie unter einer neuen briti Ichen Regierung. Bei der Unterredung, in der hauptsächlich St. Aulaire das Wort geführt habe, seien die Fragen der Pfalz, St. Aulaire das Wort geführt habe, feien die Fragen der Pfalz, der Kölner Bahnen, der Ruhr, der Sachverständigen ausschüsse und der Sicherheit Frankreichs erörtert werden. Auf beiden Seiten sei Befriedigung über den Erfolg der Behandlung des Problems der Pfalz und der Köiner Bahnen ausgedrückt worden. Der französische Botschafter und französische Kreise in London seien zu versichtlicher als vor einer Woche, daß die Sachverständigen ein Uebereinkommen erzielen werden. Bei der gestrigen Unterredung habe Macdonald angedeutet, daß jetzt ein neuer Faftor in die Erörterung eintrete. Graf St. Aulaire habe ziemlich klar zum Ausdruck gebracht, daß das Problem der Sicherheit Frankreichs nur gelöst werden könne durch den Abschluß eines dauernden englisch- französischen Verteidi gungsvertrages. Macdonald habe angedeutet, daß der britische Blan vollkommen anderer Art sei und daß der Weg der Sicher heit durch den Völferbund führe, möglicherweise vermittels eines gegenseitigen Garantiepattes, vielleicht aber auch durch einen besonderen Plan der Entmilitarisierung und Neutralifierung des Rheinlandes unter der Völkerbundgarantie. Der neue Faftor in der Lage sei jedoch die Haltung Berlins. Von deutscher Seite sei betont worden, daß keine deutsche Regierung je irgendeine Bereinbarung über das Rheinland annehmen werde, die über die Bestimmung des Versailler Vertrages hinausgehe.. Auch werde Deutschland dem Bölkerbund nur unter der Bedingung beitreten, daß ihm ein dauernder Sig im Bölferbundrat im voraus verbürgt werde. Das deutsche Element in diesem Problem fei der neue Faftor, der durch Macdonald gegenüber Paris betont werde. | " Die Zulassung zum Völkerbund. Paris, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Der gute Eindrud, den die Reden des Reichskanzlers und des deutschen Außenministers vom legten Sonntag in den politischen Kreisen Frankreichs gemacht haben, wird am Dienstag auch im sozialistischen Populaire" betätigt. Der wichtigste Einwand der franzöfifchen Regierung gegen die Zulassung Deutschlands zum Bölkerbund, sagt das Blatt, sei bisber der Hinweis auf die Auflehnung Deutschlands gegen den Bertrag Don Bersailles gewesen. Dieser Einwand werde durch die Reden der beiden zuständigen deutschen Staatsmänner auf das glänzendſte widerlegt. Beide hätten unumwunden erklärt, daß die deutsche Regierung den Boden des Vertrages nicht zu verlassen gedenke. Mehr könne man wirklich nicht verlangen. Schon im Hinblid auf die bevorstehenden Wahlen in Deutsch and sei nunmehr der Zeit punkt gekommen, die Frage der Zulassung Deutschlands in den Bölkerbund energischer als bisher in den Vordergrund zu schieben. Wenn die Alliierten wirklich einigen Einfluß auf den Ausfall der Reichstagswahlen zu gewinnen und die gemäßigten Parteien in der Abwendung der nationalistischen Gefahr zu unterstügen wünschten, so könnten sie dieses Ziel nur durch eine Politik der Verst än diaung und des Vertrauens denjenigen Kreisen in Deutschland gegen über erreichen, die zur Erfüllung des Vertrages entschlossen feien und die Befreiung Deutschlands nicht durch bewaffnete Repanche, sondern durch friedliche Verhandlungen an. strebten. Am 1. April Sachverständigenbericht. Paris, 25. März.( WIB.) Zu der Frage, wann der Bericht der Sachverständigen endgültig der Reparationskommission überreicht werden wird, berichtet die Agence Havas, aus einer von ihr in autorisierten Kreifen vorgenommenen Untersuchung ergebe fich, daß die Sachverständigen sehr wahrscheinlich ihre Arbeiten am Sonnabend, den 29. März, beendet haben werden. Sie würden jedoch zu einer lehten Ueberarbeitung des Tertes schreiten müffen. Unter diesen Umständen werde die Reparationsfommiffion nicht vor Dienstag, den 1. April offiziell mit dem Dokument befaßt werden fönnen. Dieses werde ohne Zweifel schon am Tage nach der Ueberreichung der Deffentlichkeit übergeben werden. i Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Voitscheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depostentasie Lindenstrasse 3 Das große Abfägen. Neues vom kommunistischen Kriegsschauplatz. Es ist ein eigentümliches Ding um die Kommunistische Partei. Sie fommt und tommt nicht zur Ruhe. Die„ Rote Fahne" schreibt zwar in ihrer Einleitung zu dem Bericht über den Berliner Bezirksparteitag Lobeshymnen auf die Einmütigkeit und Geschlossenheit der Berliner Organisation", in der die ganz Linfen, die alten Linfen", jetzt das Heft in der Hand haben. Aber die Einmütigkeit solch tommunistischer Parteitage hat ihren Hafen. Das politische Referat Ruth Fischers ist eine ununterbrochene Abrechnung mit dem Feinde und der Feind ist, wie immer bei den Kommunisten, der Feind in den eigenen Reihen. Man sucht vergeblich nach einem Wort, nach einer Zeile, in der die neue linte kommunistische Führung, die demnächst auf dem Reichsparteitag der KPD. die Führung der kommunistischen Gesamtpartei zu übernehmen hofft, auch nur andeutungsweise sagte, anderer Stelle Arbeiterinteressen zu vertreten und Arbeiterwas sie nun eigentlich will, wie sie im Reichstag und an politik zu machen beabsichtigt. Dafür braucht man bei den Kommunisten linfer Observanz offenbar überhaupt keine Anweisung und feine Untersuchung. Mit den zwei Borten Register politischer Einsicht bei den neuen Führern des Prokommunistisch" und„ revolutionär" erschöpft sich das ganze letariats, die von sich selber in nicht zu überbietendem Hochmut gegenüber den Arbeitermassen erklären: ,, Man stelle sich die Einheitsfront immer nach dem bekannten Bild vor. KPD.- Arbeiter mit der Fahne, SPD.- Arbeiter mit der Fahne, beide in gleicher Front. Aber so ist es noch nie gewesen. Tie KPD. einen Echritt voraus und die Massen erst dahinber. So ficht die Wirklichkeit aus." So malt sich vielmehr die Wirklichkeit in den Köpfen der neuen fommunistischen Führer, die mit bewundernswerter Rücksichtslosigkeit zunächst einmal im eigenen Lager aufräumen und ohne Gnade alle, aber auch alle beseitigen, Nuance einer der zahllosen Thefen, die Ruth Fischer in den die auch nur im geringsten verdächtig sind, irgendeiner letzten Jahren fabriziert hat, zu widersprechen. Nicht nur die vertreter der Mitte, Koenen, wird deutlich der Stuhl vor Rechten" werden ausgeschifft, sondern auch dem Sumpfdie Tür gesetzt. Die hohe Erefutive, der selbstverständlich eine unbedingte Alleinherrschaft des hyperradifa'en Flügels nicht angenehm sein fann, wird nicht gerade davon erbaut sein, angenehm sein kann, wird nicht gerade davon erbaut sein, wenn der Berliner Bezirkstag ihr zu verstehen gibt, daß er jeden Einfluß des Sinowjewschen jungen Mannes Wilhelm Koenen in der Zentrale der Kommunistischen Partei unbedingt ausgeschaltet wissen will. Das mögen Sorgen sein, die die Kommunisten unter sich austragen fönnten. Solange die Haarspaltereien in ihren Reihen sich nicht in praktische Taten umsetzen, haben sie ja für die breiteren Arbeitermassen verhältnismäßig wenig Interesse. Aber der neue Kurs in der KPD. muß und wird sich nach außen hin auswirken. Nach den Verspechungen, mit denen die Linten die Parteileitung in fanatischem Kampfe gegen ihre eigenen Parteigenossen erobert haben, ist das unvermeidlich. Um so interessanter ist es zu sehen, wie diese Leute, die jetzt die Führung über einige hunderttausend deutsche Arbeiter und die vielen, die mit den Kommunisten sympathisieren, übernommen haben, sich Arbeiterpolitik denken. Da fie über die Zukunft und Gegenwart nichts zu sagen wissen, fann man es nur aus ihrer äßenden Kritik der Vergangenheit entnehmen. Es versteht sich am Rande, daß die Leutchen meinen, im Oktober vergangenen Jahres sei der große Moment gekommen gewesen, wo die KPD. das rote Banner der Räterepublik in Deutschland hätte aufpf'anzen fönnen und müssen. Sie sind vorsichtig genug, zu gestehen, daß das heute schon ein wenig schwieriger ist. Wenn im Oktober nichts daraus wurde, dann lag das selbstverständlich nur an den Führern. Heute, meinen die Linken, muß man von vorne beginnen, muß man von vorne anfangen, den Massen etwas von Rätediktatur und von Sowjetparadies zu erzählen. Daß die Arbeiterbewegung auch ohne ihre Erzählungen wieder einen Aufschwung nimmt, entgeht zwar diesen Strategen tommunistischen Klassenkampfes, die immer einen Schritt voran" zum Butsch marschieren, feineswegs, aber der historisch gegebene und bedingte Klaffenkampf der Arbeiterbewegung hat die fatale Eigenschaft, daß er sich nicht nach tommunistischen Rezepten richtet. Deswegen ist er für die Anhänger der„ revolutionären Gymnastik" auch überhaupt fein richtiger Klassentampf. Wenn nicht mindestens geschossen wird, dann ist die Sache nicht wert, in die Annalen tommunistischer Heldentaten eingetragen zu werden. tägliche unaufhörliche angespannte Ringen, das die Arbeiter organisationen groß und die Arbeiterbewegung zu einem politischen Machtfaktor ersten Ranges gemacht hat, ist für die linten Kommunisten eigentlich reformistisches Teufelswerk. Geradezu klassisch kommt das zum Ausdruck in der Polemik mit dem sozialdemokratischen Zellenmann" Brandler: Das Beim Buchdruckerstreit im November wollten wir die Freistehen. Die Boltspartei wirb auf jeden Fall unmittelbar vor ben gebung der„ Roten Fahne" durchsetzen. Es sollte also verbunden Wahlen durch diese Dinge organisatorisch und politisch schwer bewerden: Unterstüßung der wirtschaftlichen Ziele und die Freigabe lastet. In Hannover muß es unzweifelhaft zu scharfen Ausein der„ Roten Fahne". Dazu fagte Brandler:" Wir zerschlagen andersetzungen tommen. Die Beit" erflärt bereits:„ Der Zu damit die wirtschaftliche Agitation der Buch- sammenschluß einer bestimmten Richtung in einer Sonderorganibruder. Man barf teine andere Frage dazwischen fation wäre der Anfang vom Ende der Partei, die sich bringen. Hätten wir Generalftreit verlangt, so wären wir mit der Duldung solcher Zustände selbst aufgeben und zum KinderMarren gewesen, aber diese politische Forderung fonnte man in gespött machen würde. Darüber wird und muß in Hannover voll diefem Wirtschaftskampf tragen." tommen Klarheit geschaffen werden." Solches„ Klarheitschaffen" ist meistens eine etwas schmerzliche Operation, und unmittelbar vor den Wahlen pflegt sie dem Patienten nie sehr gut zu bekommen. Allerdings, die Boltspartel wird jetzt, nachdem die Dinge einmal so weit gediehen find, nicht mehr zurüd tönnen. Weniger Volksschulen! a) bur Enfaffing no tengig angefeller Lehrkräfte. Bei der Auswahl gelten die in der Personalabbauverordnung verhindert werden, daß nicht etwa in der Hauptfache der Lehrervom 8. Februar 1924 enthaltenen Grundsäge. Indessen muß dabei verhindert werden, daß nicht etwa in der Hauptsache der Lehrer. nachwuchs aus dem Schuldienst ausscheidet. Es ist vielmehr da für Gorge zu tragen, daß ein angemessener Nachwuchs an Lehrträften vorhanden bleibt und die Möglichkeit behält, sich ordnungs gemäß auszubilden. In den zweisprachigen Bezirken müssen die erforderlichen Sprachkenntnisse gebührend beachtet werden. Wenn die Verminderung der Schulstellen in einzelnen Schulverbänden stärker ist als in anderen, so wird gegebenenfalls durch Bersetzung ein Ausgleich zu schaffen sein. Das Das Beispiel ist typisch. Hätten die Kommunisten durch wirkliche Solidarität und gewerkschaftliche Disziplin mit dazu beigetragen, den Buchdruckern zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen, Ruth Fischer und die Ihrigen hätten wahrschein lich nicht schlafen können vor Kummer darüber, daß sie einen ganz gewöhnlichen reformistischen Schwindel mitgemcht hätten. Es muß eben unbedingt die fommunistische Parole Dabei sein, sonst macht die Sache feinen Spaß. Mit der Barole desorganisiert man dann feste darauf los und freut sich um so mehr, wenn man den dann unvermeidlichen Mißerfolg den verhaßten Reformisten an die Rockschöße hängen fann. Brandler und der abgesägte rechte Flügel hatten offenbar Runst und Bolfsbildung vom 1. März 1924 entnimmt der Amtliche tationen und, wo Schuldeputationen nicht bestehen, den Schulnoch gewisse Gedankenverbindungen und Hemmungen aus ihrer gewertschaftlichen Bergangenheit. Des wegen wurde auch, wie Ruth Fischer biffig feststellt, die Be triebsrätebewegung fyftematisch sabotiert" und die neue Zentrale wird die Sabotage der Betriebsrätebewegung" auf geben und mit vollen Segeln auf die Spaltung der Gemerffchaften lossteuern. Man ziert sich noch ein wenig, aber man betont felber, daß man die Tattit in den Gewerf schaften ändern muß. Am Ende steht der Ruf nach Samm lung aller unorganisierten, überhaupt aller unzufriedenen Maffen, die vom Parolengeschrei der Kommunisten fich etwas versprechen, unter ausgesprochen kommunistischer Führung in eigenen Organisationen zu eigenen Aktionen. Kehrt auch der Oktober 1923 für die neue linke Führung nicht alle Tage wieder, zu Aktionen in ihrem Stil wird sie bald genug Beranlaffung finden. Bom Parteiinteresse aus hat die Sozialdemokratie teine Beranlassung, diese Entwicklung zu bedauern. Eine lints. geführte KPD. wird ihr zu allerlegt gefährlich werden. Das werden die Novembersozialisten um Ruth Fischer bald genug spüren. Mit diesen Methoden kann die KPD. nur zersplittert werden, aber ihre Rersplitterung in Butschaktionen und finnlos provozierten Kämpfen wird auf Kosten der kommunistischen Arbeiter gehen. Die Sozialdemokratie wird die Trümmer auffangen müssen, denn es müßte schlecht um uns bestellt sein, wenn nach dem legten Experiment, das die Kommunisten mit ihrer neuen Führung noch machen können, Bahllose den Weg nicht zu der Bewegung zurückfänden, die ohne das Wort Klassenkampf dauernd im Munde zu führen, doch die wirklichen Kämpfe der Arbeiterschaft führt. Der Spaltpilz in der Volkspartei. Die Beit" fährt fort, über die Bemühungen der„ Nationaliberalen Vereinigung" interessante Mitteilungen zu machen. Nach hrer Darstellung ist zu heute morgen erneut zu einer Zusammenunft im Reichstag eingeladen, und zwar sollen die Einladun gen zu der heutigen Sigung weit über den Personenkreis hinaus gehen, der am 12. März zum erstenmal im Hotel Esplanade als Klub der Generaldir ttoren" zusammenfam. Sie veröffentlicht auch eine Art Verbrecher album mit den Namen Ser nach Angabe der Geschäftsstelle der„ Nationalliberalen Vereinigung an der neuen Gründung beteiligten Herrschaften. Nun haben zwar viele dieser Herren erklärt, daß sie eine Beteiligung ab* lehnen. In solcher Situation gibt es aber erfahrungsgemäß immer Leute, die zunächst einmal abwarten wollen und sich nicht gerne engagieren, ehe man nicht den Ausgang flar übersehen fann. So ist auch wohl die Aeußerung des rühmlich bekannten Cuno- Ministers Dr. Beder, des Kruppschen Generaldirektors Dr. Sorge und anderer prominenter Industriefapitäne zu ver. Wie kant ausgesehen hat. Bon Dr. Mag Hochdorf. Rum 200. Geburtstag Immanuel Rants schrieb Dr. Maz Soch Dorf Das Rantbud Immanuel Rants Beben unb Lehre, das für weite Rreise des deutschen Volkes Leben und Lehren des Königsberger Weisen darstellt und in einem besonderen Anhang die wichtigsten Dokumente aus der Philosophie und Moral des großen Denters vereinigt. Das Buch erscheint im Deutschen Berlagshaus Bong u, Co., Berlin So eingefallen war die Brust, daß der Rücken gewölbt schien. Das Jabot verschwand im Rock, es hing überflüssig und lappig zur Erde. Es diente nicht zur heiteren Zier; Menschen, deren Bruft fich gesund und frei auswölbte, trugen diesen Spizenschmuck so, daß er sie erfreulich puzte und stattlich machte. Aber an Rant schien all diese sorgfältig gepflegte Bürgerkleidung überflüssig, beinahe auffallend. Der bedeutende Kopf faß auf einem Körper, der mehr als bescheiden war. Ein großer Teil des Schädels wurde durch die Berüde verbeckt. Die Perücke, die den Zeitgenossen Rants oft ein majestätisches Ansehen gab, wirkte bei dem Träger des schmächtigen Leibes auch wie ein überflüssiger Schmud. Aber die Stirn blieb doch sichtbar; sie stieg faft geradlinig oberhalb der Nase empor. Und diese Stirn, disharmonisch einen Kopf vergrößernd, der nicht zu dem übrigen Rörper paßte, verriet, daß ein ungewöhnlicher Mann vor dem Auge des Betrachters stand. Wer sich in das Anlig Rants pertiefte, nahm wahr, daß seine Unterlippe dick und schlaff herunter fiel. Wollte er von dieser merkwürdigen und wiederum sehr un schönen Erscheinung auf den Charakter des Mannes raten, so hätte er auf Schwächee und Unfreundlichkeit eher raten müssen als auf Energie und freudige Lebensbejahung. Menschen, die viel Kümmer. nis und Entäuschung durchgemacht haben, erschlaffen leicht so fehr, daß sie das straffe Busammenhalten und Anspannen ihrer Muskeln für eine unnötige Mühe halten. Es gibt ein Bild, das den spazierenden Gelehrten darstellt. Er trägt in der einen Hand den hohen Paradestod, der mit Troddeln und metallenem Knauf ausgestattet ist; er hält in der anderen Hand eine folpafartige Ropfbedeckung, die ähnlich ist der hohen Mühe der friderizianischen Grenadiere. Stock und Hut scheinen aber viel zu groß im Verhältnis zu dem schmalen und schmächtigen Manne. Sie scheinen auch überflüssig. Sie scheinen ihn zu überlaften. Alles Irdische scheint ihn zu überlasten. Man fann fein geistiges Bild ge minnen, wenn man ihn von außen her betrachtet. Dadurch, daß die Lippe vorgeschoben wurde, mußten die Augen automatisch gefniffen werden, d. h. der Betrachter visierte die Welt außerordentlich scharf. Und diefes Auge, das nur halb zu sehen mar, dessen Farbe und Glanz sich nicht feststellen ließen, erschien sehr aufmertfam, fogar hinterhältig, beinahe tüdisch. Es war wie das Auge des verschlagenen Jägers, der geduldig mit der geladenen Verfahren bei der Auswahl der Lehrkräfte beibt der Regelung der Regierung überlassen. Es bleibt ihr auch Allgemeiner Abbau aus Ersparnisgründen. überlassen, ob fie schon aus eigener Personalfenntnis Lehrer als Einem in der nächsten Ausgabe des Zentralblattes für die ge- weniger geeignet und für das Ausscheiden in erster Linie in Frage famte Unterrichtsverwaltung in Preußen zur Veröffentlichung gestehend auswählen kann, oder ob sie zunächst ganz allgemeine Bor langenben Erlaste des Ministers für Wissenschaft, verbänden mit mehr als 25 Schulstellen wird den Schuldepu schläge von den Kreisschulräten einfordern will. Bei SchulPreußische Pressedienst" folgende Einzelheiten: die Schulaufsichtsbehörden zunächst ermächtigt: In Abänderung aller entgegenstehenden Bestimmungen werden Beschlüsse von Schulverbänden über Gingie. hung von Schulstellen zu genehmigen, wenn die auf eine Schulstelle entfallende Durchschnittszahl von Schulkindern in dem einzelnen Schulverbande und die auf eine Grundschulklasse_entfallende tatsächliche Schülerzahl nach Einziehung der Stelle nicht mehr als 50 beträgt. Dabei find technische und nur nebencmtlich beschäftigte Lehrkräfte nicht mitzuzählen. Lehrkraft, wird in der Regel eine Einziehung der Stelle nicht mög Bei einklassigen Schulen, d. h. Schulen mit einer lich sein. Indeffen ist auch hier zu prüfen, ob nicht eine Ersparung von Lehrkräften durch Aufhebung schwachbesuchter Schulen und andere Einschulung der Schulkinder erzielt werden kann. Zur Geneh migung der Einziehung einer solchen Stelle ist vorher die Sustim mung des Kultusministers einzuholen. Bor Erteilung der Genehmigung zur Einziebung von Schulft ellen muß festgestellt werden, a) daß die eintretende Erhöhung der Klassenbesuchsziffer noch den räumlichen Verhältnissen und den auf die Gefundheit der Kinder zu nehmenden notwendigen Rücksichten entspricht, daß also insbesondere die Klassenräume für bie höhere Schülerzahl ausreichen; Dorständen binnen einer von der Schulaufsichtsbehörde zu fehenden Frist zu gestatten sein, ihrerseits begründete Bor chläge über die für ein Ausscheiden in Betracht kommenden Lehrkräfte einzureichen. Dantons Tod. Ein Stuttgarter Theatersfandal vor Gericht. Wie man weiß, ist die Erstaufführung von Georg Büchners theater in Stuttgart seinerzeit vom Spielplan des Landestheaters genialem Jugendwerk Dantons Tod" im württembergischen Landestheater in Stuttgart seinerzeit vom Spielplan des Landestheaters vorläufig abgefeßt" worden, weil nationalsozialistische Störenfriede bei dem vom Dichter vorgeschriebenen Gesang der Marseillaise am Schluß der Nationaltonventsszene einen Theaterstandal zu entfesseln versuchten, und weil ein bekannter Stuttgarter Literat, Dr. Georg Schmüdle, an das württembergische Kultusministerium einen Brief geschrieben hatte, in dem es hieß, dem Beamten, der für die Aufführung von„ Dantons Tod" zuständig sei, gehe jedes Gefühl für nationale Ehre ab. Schmückle hatte sich nun dieser Tage vor der zweiten Straffammer des Stuttgarter Landgerichts wegen Beleidi gung des Intendanten des Landestheaters, Rehm, des Oberspiel. b) daß bie Bestimmungen über die tonfeffionellen leiters Dr. Wolfgang Hoffmann Harnisch und des Ministe Verhältnisse der Schule durch die Einziehung von Schufstellen rialrats Frey vom Kultusministerium zu verantworten. Der An nicht verlegt und die Rechte der Minderheiten nicht ge- geflagte erklärte bei seiner Vernehmung, er habe mit jenem Brief schmälert werden; nicht den Beamten des Kultusministeriums, sondern die Verantwort c) daß das Verhältnis von Lehrer und Lehrerinnenlichen des Theaters treffen wollen. Es sei eine nationale Würdestellen nicht entgegen den darüber bestehenden Vorschriften ver. schoben wird. losigkeit gewesen, daß man im Landestheater am Tag nach der Es ist ferner zu prüfen, Reichsgründungsfeier Dantons Tod" mit der Marseillaise gespielt habe. Intendant Kehm und Oberspielleiter Dr. Hoffmann- Harnisch nahmen den durchaus richtigen Standpunkt ein, daß die Marseillaise als letter markanter Ausdruck der Explosivkraft der NationaltonDentsszene fünstlerisch unbedingt notwendig gewesen sei. Von be fonderem Interesse war die Mitteilung Kehms, daß noch im alten Rönigreich Württemberg, im Jahre 1918, am Tag vor der Königs geburtstagsfeier im Landestheater die polnische Oper Eros und Psyche" gegeben worden sei, in der die Marseillaise gesungen und die Trifolore entfaltet wurde, ohne daß dies irgendwie beanstandet wor den wäre. Während Staatsanwalt Eu horft eine Geldstrafe con 150 m. gegen Schmückle beantragt hatte, fam das Gericht zu einem Freispruch unter Uebernahme der Kosten auf die Staatstaffe. In der Urteilsbegründung führte es aus, der Angeklagte habe niemand persönlich beleidigen, sondern einen offenbaren misstand abstellen wollen, und dazu habe es für ihn feinen anderen Weg als ben des Briefes an das Kultusministerium gegeben. d) ob auch nach Ginziehung von Schulftellen der Unterricht in den technischen Fächern angemessen weitererteilt werden fann; e) ob es etwa notwendig ist, größere Schulsysteme durch die Einziehung von Schulstellen in ihrer Gliederung einzuschränken. Wenn durch die Einziehung von Schulstellen zugleich die Aufhebung ganzer Schulen eintreten muß, ist vorher die ministerielle Genehmigung einzuholen. Das regelmäßige Arbeitsmaß der Lehrer und Lehrerinnen an mehrklassigen Schulen ist derart zu erhöhen, daß die Inter. richtszeit für die Lehrer und Lehrerinnen voll ausgenugt wird, soweit ihre Leistungsfähigkeit es zuläßt. Das würde für Lehrer eine regelmäßige wöchentliche Stundenzahl bis 30, für Lehtinnen bis 28 Stunden bedeuten. Die Stundenpläne find efort für das neue Schuljahr unter Zugrundelegung des erhöhten Arbeitsmaßes umzuarbeiten. Durch die Einziehung von Schulstellen wird eine erhebliche Zahl von Lehrkräften entbehrlich. Die Ausscheidung fann erfolgen: verband, a) entweder durch Berlegung in einen anderen Schulb) durch Berfegung in den Ruhestand, wo es sich um dienstunfähige Lehrkräfte handelt, c) durch Bersetzung in den einstweiligen Ruhe. ft and und Waffe im verborgenen Anstand wartet. Fobald sich die vorstehende Lippe hob, sobald der Mann, der in Haltung und Gesichtsausdruk sonst einen sehr schlaffen Eindrud machte, feine Mustein spielen ließ, fah es aus, als wenn ein spöttisches Zuden in diesem Anlig er. zitterte Die Oberlippe ruhte gleich einer scharfen Rante über der fufenförmig verbreiterten Unterlippe und von diesem geradlinigen Strich verlief eine Wirrnis von vielen scharfen Grabenlinien über die Wangen bis in das fpißige Kinn hinein. Es gibt Zeichnungen, die in dieses von den Malern sonst idealisierte Geficht eine ganze Bandkarte der Gesichtsgeographie hineinstrichein. Diese Zeichnungen verraten das wahre Anlig des Denters. Da ist denn besonders charakteristisch, daß auch die Stirn von unzähligen solcher Scharten durchriffen wurde. Die Unheilbaren. Bor einigen Tagen war ich in einem Rabarett. Der Conféren cler war sozusagen der einzige Mitwirkende, der wirklichen Wig auf brachte. Er tam auch auf den Münchener Prozeß zu sprechen. Man merfte es ihm an, daß er dabei auf das Publikum( Weinzwang) Nüd. ficht nahm. Solange er von Rahr sprach, lachte alles. Auch daß die Strafen nicht ausbleiben würden und 10 bis 15 W Geldstrafe sicher feien, nur der Lossom wird 50 m. befommen, davon 51 Broz., das ist doch Wucher", ward schmunzelnd aufgenommen. Als er aber auch mit großer Vorsicht der Ludendorff vornahm, ben wir doch alle im Kriege so sehr verehrt haben"( wobei man freilich nicht wissen fonnte, wie weit das ironisch gemeint war), ftand plöglich ein Herr von seinem Settglas auf und rief mit vor Entrüftung erstickter Stimme: Schämen Sie sich nicht?" Paul Nikolaus, der Conférencier, blieb die Antwort nicht schuldig. Es wäre schlimm, wenn man in einer Republit... Hier fegte ein donnernder Applaus ein. Immerhin ein aufallendes Er. allein, aber er habe wenigstens die Mehrheit der mecklenburgischen eignis, in einem Kabarett( mit Weinzwang). Der Brotestler sei zwar Regierung für fich. Ludendorff ist pielleicht ein hervorragender Militär, der zweifellos Deutschland dadurch schweren Schaden zufügte, daß er sich auch die Kommandogewalt über die Innen- und Außenpolitit anmaßte ( und zugestanden bekam). Welch ein gottverlassener Idiot in politi. fchen, welch ein Analphabet er in wirtschaftlichen Dingen ist, wurde zesses enthüllt. Man hätte meinen follen, daß dieser Säbelraßler, der erbarmungslos von Ludendorff selbst während des Münchener Bro. nach feinen eigenen Borten über die Folgen seiner politischen Hand. lungen nicht nachdenkt und nie den Mut hatte, für sie einzustehen, nunmehr bei feinen Anhängern erledigt ist. Gott bewahre! Diefe Leute sind auf Ludendorff eingeschworen, und wenn sie gleich Deutschland retten" wollen, so denten fie barüber ebenso wenig nach wie ihr Führer. Warum sollen sie auch nisse. Man hat doch schließlich etwas anderes zu tun. Und warum benten? Politisches Denten erfordert einige Anstrengung und Kennt sollen sie an Ludendorff verdammen, mas fie für sich als unveräußerliches Recht in Anspruch nehmen: politische Unwissenheit, wirtschaft lichen Stumpffinn und die große Rlappe. Jost Herr Schmückle darf also den traurigen Ruhm für sich in AnSpruch nehmen, die Absehung von Dantons Tod" vom Spielplan des Bandestheaters erreicht und für seine schweren Beleidigungen noch dazu das anerkennende Attest eines Gerichts be kommen zu haben. Eine Revision dieses unverständlichen Urteils, das der Angelegenheit weder nach der fünstlerischen noch der formaljuristischen Seite gerecht wird, ist eine zwingende Notwendigkeit. Konzert des Meineteschen Männerchors. Im großen Saal der Philharmonie gab der Meinetesche Männerchor unter feinem Chor meister P. 2. Joseph ein wohlgelungenes und start besuchtes Ronzert mit Werken von Bruch, Wiesner, Hegar, Sturm, Zander, Mozart und Kappel. Bum Vorteil des abgerundeten Wohlflanges bedarf der Chor noch eifriger Studien, insbesondere müssen die tenora en Unebenheiten Ausgleich finden. Technisch ist der Chor reif, auch an fhavierige Stücke mit Erfolg heranzugehen. Die Chor lieberfolge unterbrachen Eolovorträge, die ber virtuose Meister der Flöte Alfred Lichtenstein somie der durch warmen Ton und musikalisch durchtrungene Gestaltung überraschende Bioloncellist Armin Liebermann, beide von P. A. Joseph geschmeidig am Flügel unterstützt, beitrugen. Mit besonderer Liebe trugen die brei Herren C. M. v. Webers bereits etwas start verstaubtes Trio op. 63 für Flöte, Bioloncello und Klavier vor. -UVO TS. Plattdeutscher Humor. Einige luftige Geschichtchen von der Batertant werden im Hamburger Quidborn" erzählt: Was ist ein Geift? Dat will der Lehrer sinen Jungs flormolen: Ein Geist ist ein Wesen, das weder Fleisch noch Knochen hat. Na, Witt, wolltest du was fragen?" Jo, ich meen man: is es Panntoten denn od een Geist?" Boterdicht. Wat hest du denn for Stebeln an? Jä, bu, dat is wat feines: Seehundsstebeln! Go? Holt de denn dicht? Dor fannst op aff! Oder hest all mal sehn, dat en Seehund vull Boter lopen is?- Gornig bi.„ Dor Schrifft dat Blatt lang und breet über de Froo, de hunnert Johr oft wat is dor nur groot bi: mien Mudder, wenn de noch leben dä, de weer nu all hunnertunfiem!" worden is Spielplandnderung. In der Staatsoper totrb Freitag toegen Gr. trankungen im Personal statt Goldner Hahn Liefland gegeben. Einführung des Deutschen Lelhverkehrs. Im Einverständnis mit hen Kultusministerien der einzelnen deutschen Länder hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung foeben durch Eilak ben Deutschen Leibberlehr eingeführt. Nach den Bestimmungen wohnende Gelehrte innerhalb des Kreises der dem Leibverkehr ange diefes Leibverkehrs fann jest der am Ort einer öffentlichen Bibliothek schlossenen Bibliotheken durch Vermittlung feiner Bibliothet aus jeder anderen bie am Ort nicht vorhandene wissenschaftliche Literatur gegen eine Bandgebühr von 10 Pf. entleiben; alle entstehenden Portokosten und Ber padungsgebühren werden von den Bibliotheken getragen. Zum Deutschen Rethverkehr gehören im allgemeinen die Reichs, Staats- und Landesbibliothefen; auf Antrag werden städtische und im Privatbefit befindliche Bibliotheken zugelaffen, die sich zur Gegenseitigkeit verpflichten. Es soll der Sänger mit dem Finanzminister gehen. Der italienische Senoriſt Beniamino Gigli, der gegenwärtig in der New Yorker Metropolitan Oper fingt, hat mit patriotischer Geste durch Vermittlung des italienischen Botschaiters dem Ministerpräsidenten Mussolini einen Betrag von 50 000 Lire zugeben laffen mit dem Ersuchen, die Summe für die Wiederhersteüung des Gleichgewichts im Staatshaushalt zu verwenden. 1300 Kilometer auf Schneeschuhen. Diefer Tage trafen in Petersburg bier Soldaten ber Roten Armee ein, die in 33 Tagen auf Schneelchube bie Strede von Boltava in der Utraine bis Betersburg in voller Felddienst. fallen. Die vier Schneeschuhläufer haben einen Reford aufgestellt, da die ausrüstung durchwandert batten. Sie wurden zweimal von Bölfen über. bisher längste Schneeschuhwanderung von Archangelft bis Mostau nur 1200 Stilometer betrug. Michelei des„ Michel". Wessen sich ein völkisches Blatt erdreiftet. Auf Grund des Gesetzes zum Schuße der Republik bat der Mirifter des Innern die Berbreitung der Zeitschrift„ Michel", bie im Selbstverlage des Schriftstellers Hans Ripper zu Graz in Steiermark( Defterreich) erscheint, im Gebiete Preußens auf die Dauer Don 6 Monaten, und zwar vom 21. März bis 20. September 1924 einschließlich verboten. Das Berbot gründet sich auf die schwere Berleumdung des preußischen Ministers des Innern in der Folge 3 vom 20. Januar 1924, in der dem Minister vorgeworfen wird, den Franzosen bei der Berhaftung Schlageters Henkerdienste geleistet zu haben, fowie auf die auf Seite 2 des„ Der fleine Michel" vom gleichen Datum ausgesprochene Beschimpfung der Reichsregie. rung, die insbesondere in den Sägen enthalten ist: Das hindert unsere deutsche Ebert- Regierung nicht, zu friechen, zu schlecken, und bann... sich verachten zu lassen. Entweder heuchelt sie, oder die internationale Pfründenversicherungsgesellschaft in Berlin ist vollends berblödet.*" Das milde Volksgericht. Es war kein übler Prolet, sondern ein ehrenhafter Offizier. München, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag, sormittag verhandelte das Boltsgericht an der Au gegen den Oberstleutnant a. D. Oldenburg, unter dessen Führung eine aufgeregte Boltsmenge am 9. November vormittags in den Sigungsoal des Rathauses eingedrungen war, um den versammelten Stadtrat zur Hiffung der schwarzweißroten Fahne zu nötigen. Die unflage lautete ursprünglich auf schweren Hausfriedens. ruch. In der Verhandlung aber fand der Staatsanwalt nur noch einfachen Hausfriedensbruch und beantragte eine Geld #rafe von 200 M. Das Gericht ging aber unter einstimmiger Be. ahung der Schuldfrage über diesen Antrag hinaus und verurteilte ben Angeflagten wegen Beamtennötigung in Lateinheit mit Haus friedensbruch zu 350 M. Geldstrafe und den Kosten. Bon tiner Gefängnisstrafe wurde abgesehen, weil der Angeklagte ein threnhafter, tapferer Offizier gewesen sei und bei seinem Eindringen in das Rathaus eine gewisse Bermittlerrolle zwischen ber erregten Boltsmenge und dem gefährdeten Stadtrat gespielt habe. Die Berhaftung und Verschleppung der sozialistischen Stadt. räte und Minister, die Zerstörung der Münchener Post" und die Belddiebstähle kommen nicht mehr vor das Volksgericht, deffen Existenz bekanntlich am 1. April erlischt. Diese Berbrechen werden erst Ende April vor der Straftammer bzw. dem Schwurgericht verhandelt. Die Beschützer des Meineidigen. Strafantrag gegen die bayerischen Staatshäupter. Der Republikanische Reichsbund hat bei der Münchener Der Republikanische Reichsbund hat bei der Münchener Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen Kahr, Loisow, Seißer, Ministerpräsident Knilling und Innen minister Schweyer gestellt wegen Verbrechens gegen § 946 des Strafgesetzbuches. Die Beschuldigten waren alle verpflichtet gewesen, als Beamte für die Verhaftung des wegen Meineids angeklagten Kapitänleutnants Ehrhardt zu sorgen, statt ihn zu [ chüßen und ihm freies Geleit zuzusichern. §846 ficht 8uchthaus bis zu fünf Jahren gegen einen Beamten vor, der jemand der gesetzlichen Strafe rechts ridrig zu entziehen fucht. Republik Griechenland. Die Dynastie endgültig abgesetzt, verbannt und enteignet. then, 25. März.( WTB.) Die Nationalverfammlung hat in ihrer heutigen Sihung der Absehung der Dynastie und der Errichtung der Republit zugestimmt. Der Ministerpräsident Papanaftujius legte nach der Verlesung der Programmrede den Entwurf einer Refolution vor, welche die Dynaflie für endgültig abgefeht erklärt und den Mitgliedern der föniglichen Familie der Aufenthalt in Griechenland untersagt. Weiter ist nach diesem Entwurf die Enteignung der dynastischen Güter gestaltet. Die Proflamierung der Republik wird beschlossen unter dem Vorbet alt, deß fie durch eine Boltsabstimmung gutgeheißen wird; dem Admiral konduriotis obliegt das Amt einer Umwandlung der Regierungsform bis zur Ausarbeitung der republikanischen Verfassung. Athen, 25. März.( WTB.) Heute vormittag wird aus Anlaß des Nationalfeiertags ein feierliches Tedeum stattfinden., dem der Regent, die Minister und die Abgeordneten beiwohnen werden. Darauf wird eine außerordentliche Sigung der Nationalversamm. fung stattfinden, in der die Republit proflamiert werden foll. Der Regent Admiral Konduriotis soll in dieser Sizung zum provisorischen Gouverneur von Griechenland gewählt werden. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung wurde der Regierung mit 259 gegen 3 Stimmen bei 13 Stimmenthaltungen das Vertrauen ausgesprochen. Deutschlands bisherige Gesamtleistungen. Nach einer Statistik der Reparationskommission. Paris, 25. März.( WTB.) Die Reparationstommif-| 13 389 000, Belgien 12 760 000, England 168 858 000, Itafion hat gestern eine Statistik über die Leistungen Deutschlands lien 155 138 000 Serbien 111 815 000, Rumänien bom Waffenstillstand bis zum 31. Dezember 1923 und die Berteilung 23 770 000, bie If chechoslowatei 1963 000, Griechenland unter die verschiedenen alliierten Länder veröffentlicht. Nach dieser 9551 000, olen 415 000, Portugal 10 440 000 und Japan 390 000 Goldmart. Statistit hat Deutschland Leifturgen im Betrage von 8 411 339 000 Goldmart Barzahlungen 1903 544 000 Goldmart, Sachlieferungen 3 420 190 000 Goldmart, überlassene erte 368 512 000 Goldinart, im ganzen 5 692 246 000 Goldmart. Anmerkung des BIB.: Gegenüber der letzten bis zum ausgeführt. Diese Summe setzt sich nach der Statistit wie folgt Juni 1923 reichenden Abrechnung der Replo, die eine Gesamtsumme zusammen der deutschen Leistungen in Höhe von 8,2 Milliarden Goldmart aus. wies, ist in der jegt veröffentlichten Abrechnung teine wesentliche Aenderung in der Bewertung der Reparationsleistungen eingetreten. Noch immer find große Poften nicht abgeschäßt, andere, wie z. B. die Handelsfiotte, Saargruben usw., find mit bekannten, notorisch viel zu niedrig veranschlagten Werten eingesetzt. Nach forgfältiger deutscher Berechnung haben die gutschriftfähigen Repa rationsleistungen bereits bis zum 31. Dezember 1922 die ungeheure Summe von 41,6 milliarden Goldmark erreicht; hinzuzurechnen sind noch die 14,3 Milliarden Goldmart betragenden, nicht auf Repara tionskonto anrechnungsfähigen deutschen Leistungen, so daß Deutsch land auf Grund des Versailler Bertrages bis zum Anfang des Jahres 1923 Ceistungen im Werte von 55,9 milliarden Goldmart bewerkstelligt hat, also das 6½ fache der von der Repko bis Ende 1923 gutgeschriebenen Leistungen. Hierzu kommen Leistungen, deren Abschätzung noch in der Schwebe ist oder die noch nicht verteilt wurden, im Gesamtbetrag von 2 719 093 000 Goldmart. Diese Summe fezt sich zusammen aus dem Ertrag des abgelieferten Kriegsmaterials mit 1462 000 Golmart, aus at gelieferten Handelsschiffen, U Booten usw. im Betrage von 532 237 000 Goldmart. außerdem berechnet die Repto die abgetretenen Saargruben sowie das ehemalige deutsche Staatsvermögen in Polen und Danzig mit 2 185 394 000 Goldmart, # Bon diesen Einnahmen hat Frankreich bis zum 31. Dezem ber 1923 1804 192 000 Belgien 1232 756 000, Großbritan. nien 1318 832 000, Italien 397 932 000, Berbien 262 500 000, Japan 68 368 000. Rumänien 32 914 000, die If che choflo matei 23 153 000, olen 15 120 000, Griechenland 20 574 000, Portugal 14 855 Goldmart erhalten. Der Bergleich zwischen dem Reparationskonto bis zum 31. De zember 1922 und dem gleichen Konto bis 31. Dezember 1923 ergibt für das letztere Jahr eine deutsche Leistung von 507 989 000 Goldmart, von denen 45 509 000 Goldmart Barzahlungen und 462 480 000 Gold. mart Sachlieferungen darstellen. Die Berteilung unter die alliterten Mächte stellt sich für die deut fchen Reparationsleistungen im Jahre 1923 wie folgt: Frankreich wenden. Und wenn auch das noch immer nicht genügte, würde ihm wohl die Privatschatulle des dänischen Königs hauses nicht verschlossen bleiben, dessen Nachkomme er ist. Es ist uns natürlich völlig gleichgültig, wie und wo der junge Mann sein Nichtstuerdafein weiterführen wird, allein wir möchten vermeiden, daß er sich schließlich an feinen Onkel, Wil helm von Doorn, wende; denn bei der lataienhaften Gefimmung gewisser Herren in den zuständigen preußischen Refforts wäre damit zu rechnen, daß dies zum Bormand ge nommen würde, ein paar weitere Goldmillionen den Hohen zollern zuzuschanzen. Die im Jahre 1864 nach Griechenland verpflanzte dänische Fürstenfamilie Glücksburg hatte bis zum Ballantriege von 1912 ein verhältnismäßig ungefährdetes Dasein geführt. Dann wurde aber der König Georg 1. in Saloniti ermordet; wenige Jahre danach, während des Weltkrieges, wurde deffen Sohn Konstantin I. wegen mangelhafter Ententebegeiste rung abgefeßt und verbannt. Sein ältester Sohn, Aler ander, bestieg nun mit Erlaubnis der Entente und unter der Vormundschaft Venizelos den Thron, starb jedoch nach wenigen Jahren an einem rätselhaften Affenbiß. Jezt jagte das griechische Bolt Venizelos davon und holte sich Konstantin aus seiner Schweizer Berbannung wieder. Frankreich erhob zwar Einspruch, beruhigte sich jedoch nach einer Weile. Jezt wollte Konstantin seine Feldherrntalente aufs neue entfesseln und leitete in Kleinasien eine große Offensive gegen Kemal Bascha, die siegreich begann und fatastrophal endete. Wieber einmal mußte Konstantin den Weg der Berbannung antreten und starb Anfang Februar 1923 in Sizilien. Sein Sohn Georg II. hat nicht einmal ein Jahr regiert. Im Januar diefes Jahres wurde auch er aufgefordert, das Land zu verlaffen, und nun scheint Griechenland endgültig der Monarchie den Laufpaß gegeben zu haben. Der Streit um Bessarabien. Zwischen Tschitscherin und Poincaré. Mostan, 25. März.( Ruff. Tel.-Ag.) Auf den telegraphischen Protest Tschitscherins an Pcincarê gegen die Unterstügung des fran. öfifchen Parlaments für die Annegion Beffara. biens hat Boincarê drahtlich geantwortet. Er verwahrt sich das gegen, daß die Bestätigung des Protokolls über Beffarabien als eine Vergewaltigung der Rechte des beffarabischen Boltes angesehen wer den fönne. Daß dem nicht so fei, folge aus der Abstimmung des Sfatul Tjerii, der bessarabischen Volksräte, vom 27. März 1918. Darauf hat Tschitscherin zurüdtelegraphiert, daß der Sfatul feril nur zum Teil aus Delegierten von Parteien zusammengesetzt und von der rumänischen Regierung ganz willkürlich mit ihren Protegés ergänzt worden sei, die die Mehrheit der Versammlung gebildet hätten. Diese Mitglieber feien es gewefen, die den GeBanten der Amerion durch Rumänien unterstügt hätten. Vor dem 27. März 1918 feien einige der bedeutendsten Mitglieder des Sfatul Tferit von den Rumänen erschossen worden, weil sie gegen die rumänischer Soldaten und Gendarmen und unter unverhüllten Bebrohungen erfolgt. Troß alledem habe der Sfatul Tferii fich nicht für die Einverleibung Beffarabiens in Rumänien, sondern nur für eine fehr ausgedehnte Autonomie Bessarabiens unter rumänischer Oberhoheit ausgesprochen. Am 25. November 1918 set bann mitten in der Nacht in Anwesenheit eines Biertels ber Mitglieder des Sfatul Tferii die vollständige Einverleibung Beffara biens in Rumänien vorgeschlagen und lediglich durch Akklamation angenommen worden, ohne daß eine Zählung der Stimmen für und gegen den Vorschlag stattgefunden habe. Athen, 25. März( Agence d'Athenes.) Die Nationalfeler wurdennegion gewesen seien. Die Abstimmung felbft ſei in Gegenwart unter Teilnahme einer ungeheuren Menschenmenge begangen. Nach einem Gottesdienst in der Kathedrale begaben sich die Minister und Abgeordneten in geschlossenem Zuge zum Parlament, das in feier licher Sitzung einstimmig den Antrag der Regierung annahm, durch ben die Dynastie abgefeßt und die Republik errichtet wird. Artillerie falven verkündeten das historische Ereignis, das von der National Derjammlung und der Stadt mit unbeschreiblicher Begeisterung aufgenommen wurde. Die Feier wird drei Tage dauern. Heute wird der Ministerrat eine Verordnung unterzeichnen, burch die alle wegen politischer und militärischer Bergehen Verurteilten amnestiert werden. Am Montag hatte die Nationalversammlung dem Kabinett Bapanastasin mit 259 von 278 Stimmen das Vertrauen aus gesprochen. Die Sowjetregierung sei im Besiß einer Reihe von Protesten gegen den damals vorgenommenen Betrug, u. a. von dem Chef ber beffarabischen Volksliga, dem rumänischen Senator Alexandri, von dem Generalsekretär des Sfatul Tjerii, Epuri, von dem Borfizenden des Soldatenkongresses, von der Bauernfraktion, von den Gewerkschaften, den Gemeindebehörden und von 40 anderen Mitgliedern des Sfatul Tjerii unterzeichnet. Es stelle die Die Absetzung des griechischen Königshauses bedeutet eigentlich nur die endgültige Bekräftigung eines bereits be- Handlungsweise der rumänischen Regierung eine noch nie dagewejene Bergewaltigung des beffarabischen Voltes ftehenden tatsächlichen Zustandes. Denn schon vor mehreren Wochen mußte König Georg II. mit feiner Frau, der Prin- dar und fei lediglich der Ausbruck brutaler Kraftanwendung der ru mänischen Befaßungsbehörden. Wenn das französische Barlament zessin Elisabeth von Rumänien, das Land unfreiwillig verfich, von der französischen Regierung beeinflußt, am Borabend der laffen. Er hätte sogar schon den freiwilligen" Verzicht aus Wiener( rufſlich- rumänischen. Red.) Konferenz, mit Rumänien foli gesprochen, wenn man seinen Wünschen nach einer beträcht darisch erkläre, so lade es die Verantwortung für alle möglichen lichen Abfindung nachgekommen wäre. Jetzt hat der Beschluß Folgen auf sich. der Nationalversammlung auch diese legte Hoffnung zerstört und der abgefägte König fällt nunmehr zu Laften der rumä nischen Königsfamilie. Eventuell fann er sich auch an feinen Schwager, den König der Serben, Kroaten und Slowenen Mostan, 24. März.( Ruff. Tel.-Ag.) Zahlreiche in der Utraine eingetroffene beffarabische Flüchtlinge berichten, daß die rumänischen Behörden durch die fpontane Protestbewegung der beffara bischen Bevölkerung auf beiden Seiten des Dnjestr start beunruhigt Wenn sich Frankreich im übrigen unausgefeht darüber beklagt, daß es so wenig von Deutschland erhalte, so sollte es sich daran erinnern, daß bis Ende 1923 die Befaßungstruppen am Rhein allein über 5 milliarden Goldmark von den deutschen Reparationsleistungen verschlungen haben. Man sollte ferner nicht außer acht lassen, daß an der Berteilung der deutschen Leistungen nicht mehr und nicht weniger als 27 Staaten beteiligt sind. Daß Frankreich im Jahre 1923 nach den Angaben der Repto nur 13,4 Millionen Gold mart zugeteilt erhalten hat, gegenüber 155,1 Millionen Goldmart an Italien und 111,8 Millionen Goldmart an Jugoslawien, ist keine von Deutschland zu vertretende Angelegenheit. feien. Die in der Walachei und in Transsylvanien stehenden Truppen feien nach Bessarabien verlegt worden. Auch das Erscheinen der ruffifchen bürgerlichen Blätter jei verboten worden. Aus Rischinem wird gemeldet, daß die Absicht der Sowjetregie. rung, auf der Wiener Konferenz eine Bolts abstimmung in Bessarabien über die endgültige Zugehörigkeit des Landes vorzuschlagen, von der bessarabischen Bevölkerung lebhaft begrüßt werde. Die Bevölkerung beginne, die rumänischen kulturellen Einrichtungen wie Theater und Beitungen, zu bontottieren. Lebensmittelkredite für Deutschland. Vom amerikanischen Abgeordnetenhans bewilligt. Washington, 25. März.( WTB., durch Funkspruch.) Das Repräsentantenhaus hat die von dem republikanischen Mitglied des Kongreffes, Fish, eingebrachte Entschließung, nach der ein Betrag von 10 millionen Dollar zum Einkauf von Lebens. mitteln für bie notleibenden deutschen Frauen und Kinder bestimmt werden soll, mit 240 gegen 97 Stimmen angenommen. Der Annahme der Entschließung ging eine etwa dreistündige Debatte voraus, in deren Verlauf eine Reihe von Bufazanträgen abgelehnt wurde, unter denen sich auch ein Antrag befand, nach dem der Einkauf sich auf Weizen und dergleichen be schränken und gleichzeitig die ausgeworfene Summe auf 20 Millionen Dollar erhöht werden sollte. Im Laufe der Debatte betonte der Republikaner Burton, bie Entschließung biete Gelegenheit, ein Werk der Barmherzigkeit zu tun und eine tatsächlich nötige Unterstüßung zu gewähren. Der Demofrat Scatter bob hervor, daß die bewilligte Summe als Unterstützung nichts bedeute, ba der verfügbare Betrag nur eine ganz geringe Hilfe für die so große Zahl von Kindern sei. Der Demokrat McReoron erklärte, man jolle, statt diese Unterftügung zu gewähren, Frankreich dazu bringen, Deutschland gegenüber einen richtigen Surs einzuschlagen. Der Republi famer Laguardia sagte, die beabsichtigte Maßnahme werde in fünf Minuten mehr Gutes tun, als der Bölkerbund in fünf Jahren. -Der republikanische Abg. Cooper meinte, wenn Deutschland auch genügend Lebensmittel haben tönne, so habe es doch nicht genug Gelb, um fie zu faufen. Der Demotrat Connory erflärte, er habe gegen das deutsche Heer gefämpft, aber die deutschen Frauen und Kinder hätten den Krieg nicht geführt. Der Republikaner Andrew bezeichnete es als dem gefunden Menschenverstand widerstreitend, daß man für Deutschland zehn Millionen Dollar ausgebe, wenn die begüterten Klassen Deutschlands sich Luxusausgaben leisten könnten. Die Entschließung geht nunmehr an den Senat. Keine Abrüstungskonferenz. Condon, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Der Verfuch amerikanischer Senatoren, den Bräsidenten Coolidge zur Einbe rufung einer neuen Abrüftungstonferenz zu drängen, ist nach Informationen aus Washington fehlgeschlagen. Coolidge babe teinen Glauben an den Erfolg einer solchen Konferenz. Die europäischen Mächte feien für einen Blan von dieser Größe noch Deineswegs reif. Er bente nicht daran, zu einer Konferenz einzu laden, beren Mißerfolg aus der europäischen Atmosphäre der Auf rüstung deutlich erkennbar set. Kampfanfage der pps. Warschau, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Die polnische fozialistische Bartel veröffentlicht eine Erklärung, in der sie der Ne gierung Grabfti vorwirft, daß sie immer mehr nach dem Willen der Rechten vorgehe. Dieser Einfluß zeige fich in dem Bemühen zur Aufbebung des Achtstundentags, der Beamtenernennungen und in der Freigabe der Getreideausfuhr. Die PPS. habe bis jetzt das Kabinett Grabfti nicht stürzen wollen, um die Sanierung nicht au stören. Stunmehr aber werde sich ihr Berhältnis zur Regierung ändern. Mostan begnadigt. Der Bollzugsausschuß des Sowjetbundes hat die über General Peplajeff und 20 weitere Mitarbeiter des Admirals Rolts chat verhängte Todesstrafe in eine Gefäng nisstrafe von 10 Jahren umgewandelt, nachdem die Verurteilten eine Loyalitätserklärung abgegeben hatten. Rumänien und der Vatikan. Die bevorstehende Reise des Königs Ferdinands nach Rom soll eine Versöhnung zwischen Ru mänien und dem Batikan herbeiführen. Die Spannung dauert über 20 Jahre. Ruffischer Geschäftsträger in Schweden ist der bisherige Leiter der Handelsvertretung in Stockholm Offinsti. Im Hitler- Ludendorff- Prozeß redeten am Dienstag die Berteidiger weiter. Es ist möglich, daß das Urteil erst am Montag verkündet wird. Sonntag, den 30. März: Flugblattverbreitung in Groß- Berlin Gewerkschaftsbewegung Sittliche Pflichten! In den Kreisen des Unternehmertums wird jetzt wieder häufiger das hohe Lied von den sittlichen Pflichten angestimmt, die die anderen, das Bolk, d. h. die große Masse der Lohn- und Gehaltsempfänger, zu erfüllen hätten. In den Reihen des honetten Bürgertums, der Gesellschaft, ist sogar in positivem Sinne von sittlichen Pflichten die Rede, die man den Notieidenden gegenüber zu erfüllen habe durch Beteiligung an Gesellschaftsabenden, deren gestern abend einer im Hotel Esplanade unter dem Borsiz einer Fürstin und einer Gräfin mit Ballett- und Theateraufführung, großer Modenschau und Ball stattfand. Selbst wenn wir ohne weiteres zugeben, daß auch auf diese Weise bis zu der Methode der Internationalen Arbeiterhilfe manches Tröpflein auf den heißen Stein fällt, so müssen wir doch fagen, daß der Begriff der sittlichen Pflichten in all den Kreisen recht fümmerlich entwickelt ist, in denen die höhere Bildung hauptsächlich im Geldmachen und im Befit zur Geltung tommt. Die Rüdsichtslosigkeit, bis zur Brutalität gesteigert, feiert wahre Triumphe. Die bürgerliche Sozialpolitik verleugnet ihre Bergangenheit und schwört ihre Jugendfünden ab wider den heiligen Geist des Manchestertums. Die Verfassung des Deutschen Reiches enthält den verheißungs. general effinger( Hamburg) hatte es für dieses Mal über. nommen, am Sonntag, den 2. September 1923 war es einer aus der Berliner Baugewerkschaft, die nötigen Anweisungen zur Spaltung im Zimmererverband zu geben, sowie darüber, wie man mehr Gelder für ihre in sich abgeschlossenen Gildenbetriebe von der Organisation erhaschen kann. Geld stinkt ja nicht. Der tobende und jammernde Vorwärts" ist also an allem schuld! Die Mitglieder des Zimmererverbandes, die nicht von so hohem Geiſt beseelt sind wie dieser Repschläger, find Kirchendiener und Faschistentiubmitglieder. Wenn angesichts dieser communistischen Einheitsfront" die Unternehmer nicht zu Kreuze kriechen, dann wird dem guten Repschläger schließlich nichts anderes übrig bleiben, als fich darauf zu besinnen, daß er die verdaminte Pflicht hat, endlich die Allgemeine Funktionärinnen- Konferenz am Freitag, den 28. März, abends 7 Uhr, im Gesangsaal der Schule Weinmeisterfir. 16, 17. Tagesordnung: 1. Bericht über die letzte Parteiausschußfizung und„ Die Wahlarbeit in Berlin". Referentin: Gen. Todenhagen.- 2. Aussprache. Mitgliedsbuch legitimiert. Alle Genoffinnen, die bei der Wahlarbeit helfen wollen, werden gebeten, zu erscheinen. umgegangen. Drohender Kampf im Holzgewerbe. Paeth droht mit der Aussperrung. vollen Saz:„ Die Arbeitstraft steht unter dem beson= deren Schuh des Reichs." In der Pragis aber trägt das von Sinomjer vorgeschriebene revolutionäre Kampftatiit" anzuReich mit dazu bei, die Arbeitsfraft des notwendigsten Schutzes zu wenden. Statt Berrat" zu üben und mit den Unternehmern zu berauben. Was nügt dem Arbeitnehmer seine Arbeitskraft, wenn verhandeln, statt vor dem Oberbürgermeister auf dem Bauch zu er sie nicht verwerten tann, wenn er abgebaut", arbeitslos ist. rutschen", rufe er endlich, zum Donnerwetter, die Arbeitslosen Das Reich baut nicht nur selber ab, zwingt Staat und Gemeinden auf, proflamiere den revolutionären Generalstreit und zum Abbau, es hilft außerdem dem Unternehmertum beim Abbau, die Diktatur des Proletariats! Bisher hat der gute Rep indem es durch Schiedssprüche und deren Verbindlichkeitserklärung schläger als Schaf im Wolfspelz wohl fräftig auf die eigenen Mit den Rückgang vom Dreischicht zum Zweischichtslieber geschimpft, aber mit den Unternehmern ist er immer sehr zart fystem ermöglicht. Zwei Drittel der Arbeitnehmer müssen länger arbeiten, damit das letzte Drittel aus dem Produktionsprozeß auf das Straßenpflaster geworfen werden kann. Die Abgebauten erhalten zwar für sich und ihre Familienangehörigen Unterstützung. Ob und wie sie davon leben tönnen, ist eine Frage, die zu lösen man ihnen selbst überläßt. Der Wahnwiz unserer Ordnung der Dinge wird dem Arbeitslosen, dem Familienvater nur zu bald flar. Bumal wenn er sich vergegenwärtigt, daß beispielsweise der Unterhalt manches Hundes den Betrag der Unterstützung für einen Arbeitslosen und seine Familie überschreitet. Und wie steht es selbst in all den glücklichen Fällen, in denen der Arbeitnehmer für seine Arbeitskraft Verwendung hat? Unter dem Druck des Abbaues, des Ueberangebots von Arbeitskräften sind die Löhne auf das äußerste herabgedrückt. Selbst bei regelmäßiger Arbeit reicht das Lohneinfommen zur Bestreitung der Roften des Lebensunterhalts meist nicht aus. I th zeugen fanm, von ber lebhafteften Tettnahme ber gefamten gliedschaft getragen. Die Mitgliedschaft steht hierbei in engstem Einverständnis mit den Angestellten, was die dumme Redensart, es werde auf die Mitglieder gepfiffen, völlig unbegründet erscheinen läßt. Wenn der Gauleiter Schmidt, Rostock, die Verhandlung mit einer ihn aufsuchenden Landarbeiterdelegation ablehnte, geschah es, weil es fich um Bersonen handelte, die auf einer von der Kommunistischen Partei zu dem Zwecke einberufenen Versammlung gewählt wurden, die von der Gauleitung eingeleitete Agitation zu durch kreuzen und ihren Zweden nugbar zu machen. Von der Androhung von Prügel und der Gebrauchmachung des Hausrechts kann gar feine Rede sein. Die Landarbeiter sind in der anständigsten Weise behandelt worden. Einem von ihnen, der sich in besonders frechen Redensarten erging, wurde lediglich höflich, aber deutlich zu verstehen gegeben, daß bei anderer Gelegenheit ein hinaus werfen am Plage wäre. Daß antisemitische Redensarten gefall: n find, glaubt der Berichterstatter der ,, Roten Fahne" wohl selbst nicht. Die ganze Agitationsweise der Kommunisten gibt den Eindruck, daß es sich um Verlegenheitsbetätigungen und um den Versuch handelt, die Landarbeiter durch wahrheitswidrige Behauptungen und vera antwortungslose Versprechungen in ihre Garne zu locken. Eisenbahnerbewegung in Württemberg. Die Einführung der 54stündigen Arbeitszeit hat die Eisenbahnarbeiter der Betriebswerkstätten in Kornwestheim und Ulm zum Widerstand durch Teilstreite veranlaßt. Die Bewegung dehnte sich auch auf die Babnhöfe aus. In Kornwestheim wurde der Streit durch Vereinbarung der Arbeitszeit auf 50 Stunden beigelegt. In Ulm versuchte man eine Verständigung auf 52 Stunden, die die Streifenden unter Hinweis auf die Vereinbarung in Kornwestheim ablehnten. Eine weitere Ausdehnung der Bewegung wird für Stuttgart befürchtet. Die B.S.- Korrespondenz berichtet, die ganze Bewegung und die Verfuche zu ihrer Beilegung machten den Einbrud, als ob die Arbeitszeitfrage bei der Eisenbahn in Süddeutschland zur Unterſtüßung gewiffer dezentralistischer Forderungen benugt werde. Die Württembergische Regierung habe sich mit den Borgängen beschäftigt. ,, Vorbereitungen" der Zechenbesitzer zur Betriebsrätewohl Effen, 25. März.( Eigener Drahtbericht.) Won Donnerstag bis Sonnabend finden im Ruhrbergbau die Betriebsrätewables statt. An vielen Stellen haben die Zechenbefizer die von der Freien Gewertschaften vorgeschlagenen Randibaten entlassen. Die von der Kündigung betroffenen Berg schritten. Welche Wirkungen das rüdsichtslose Vorgehen der Berabauindustriellen auslöst, beweist die Tatsache, daß die fommunistischen Unionen vielfach darauf verzichten, selbständige Listen einzureichen. Daß die freien Gewerkschaften ihre alten Bofitionen vorausfid: lich behaupten werden, zeigt der Ausgang der Betriebsrätetablen auf den Kruppichen Werfen, wo die Listen der freien Gewertschaften ihren alten Stand behielten, während die Christen ein Mandat an die Gelben abgeben mußten. Kaum ist die Aussperrung in der Klavierindustrie zum Abschluß gekommen, und schon droht ein neuer, größerer kon flift auszubrechen. Die Arbeitgeber wollen die Vorkriegsarbeitsarbeiter haben gegen die Rechenbefizer den selage weg be eit von 51 Stunden wieder einführen und machen nach der üblichen Methode eine Erhöhung der tariflichen Löhne davon abhängig. Am 21. März fanden gemeinschaftliche Verhandlungen mit den Vereinigten Verbänden der Freien Vereinigung statt. Hier wurde den Arbeitgeberparteien die Frage vorgelegt, wer als zufünftiger Tariffontrahent in Frage fäme und ob ein eventuell auf zen traler Grundlage zustandekommender Reichsmantel pertrag auch für Berlin Geltung habe. Des weiteren, ob die Parteien erflären fönnen, daß nur ein Tarif in Zukunft für Berlin zum Abschluß kommen soll. Diese Fragen mußten deswegen aufgeworfen werden, weil die Freie Vereinigung sich an den zentraien Verhandlungen beteiligt, mogegen Baeth mit seiner Innung Sonderinteressen verfolgt und von ben zentralen Verhandlungen ausgeschlossen wurde. Da zurzeit noch feine Klarheit über den zu zentral ein Berhandlungsergebnis vorliegt, fich die Berliner Barfünftigen Tarifträger besteht, wurde weiter verlangt, daß, wenn selbst Es gibt keine sittliche Pflicht für abgebaute" Arbeitnehmer zu verhungern, wie sie etwa der Volksparteiler Dr. Qua a z zur höheren Ehre der Wirtschaft" ftipulieren möchte, indem er den Abbau der den Hunger kaum vom Hörensagen kennen, haben sich vordem schon Erwerbslosenfürsorge forderte. Gemütsmenschen ähnlicher Art, bie mit großer Gelaffenheit über die verzweiflungsvolle Lage der Ertelen über die Annahme desselben entscheiden sollen. werbslosen hinweggefeßt. Sei es mehr aus Gedankenlosigkeit denn aus Grausamkeit, in jedem Falle ist es fittliche Pflicht, derartige unfittliche Gedankengänge zu befämpfen. Die Arbeitnehmer schaft hat die sittliche Pflicht, für ihre Selbsterhaltung ein zutreten, für den Schutz ihrer brachgelegten wie für den Schutz ihrer angemandten Arbeitskraft. Reformistisch" zwar, aber doch un erläßlich. Daraus ergibt sich die weitere fittliche Pflicht, die Gefcheibung. Er verlangt grundfäßlich eine Erflärung, ob Bereilmillig wertschaften zu stärken und alle Spaltungsversuche entschieden zurückzuweisen. Schafe im Wolfspelz. Fünf Bochen nachy der Generalversammlung schickt uns der Borfizende der Berliner Zahlstelle der Zimmerer, Repichläger, einen Bericht, der am Dienstag bereits in der Roten Fahne" er. fchienen war. Der Zweck dieser Berichterstattung" mar, folgende fameradschaftlichen Liebenswürdigkeiten, die wir ohne jede Korrektur hiermit veröffentlichen, vom Stapel zu lassen: " ,, Die Arbeitgeber haben ihre Sabotage weiter betrieben, obwohl sie in der Sitzung am 7. Mai 1923 beim Oberbürgermeister Böß erklärten, sofort nach Unterzeichnung des Ortstarifs den Nachweis jedoch die Arbeitgeber des Hoch-, Beton- und Tiefbaugewerbes anzuerkennen. Der Tarif wurde am 7. Mai 1923 unterzeichnet, haben ihr Wort schmählich gebrochen. Zu diesem Verhalten haben restlos die Bericumdungen des„ Borwärts" sowie der Kirchendiener und Faschisten klubs im eigenen Verband beigetragen. Der„ Borwärts" hat nicht nur unter„ Gewerkschaftliches", fondern sogar auf der ersten Seite des Hauptblattes ( 18. August 1923) fauft dice Lügen verbreitet dahingehend, der Nachweis handle nicht unparteiisch. Obwohl in den vielen Sigungen, welche seit drei Jahren in dieser Frage stattgefunden haben, weder von den Behörden, noch von den Arbeitgebern auch nur der Schatten eines Beweises dafür erbracht wurde, haben trotzdem der„ Borwärts" und seine Angeber ihre Lügen und verräterischen Be. hauptungen wiederholt. Daß unter solch offenem Berrat en der Arbeitersache die Arbeitgeber in der heutigen Zeit Sabotage üben, zumal ihnen die Kriegs- und Koalitionsfreunde dazu verhelfen, ist mehr als selbstverständlich. Am 18. März 1924 in der Abendnummer to bt der Borwärts", nachdem er drei Wochen lang nach der Vorstandsuahl( 2. März) die Stimme verloren hatte, von neuem los. Er jammert über den alten Bonzen Wellfow, daß er nach 23 Jahren ausgeschifft ist.. Hatten doch die bösen Kommunisten in den letzten Jahren ihm gegen über noch Gnade por Recht ergehen lassen, so war das Maß aber voll, als er feit Monaten trotz der bestehenden Gewerkschaftsfongreß somie Zahlstellenbeschlüsse in der Nachweisfrage mehr als schädigend gewirkt hat. Bezeichnend ist weiter, daß troz feiner 23jährigen Tätigkeit als Angestellter der gute Sozi" noch nicht begriffen hat, daß zur Uebergabe der Kaffengeschäfte sofort auch die Uebergabe der Schlüssel und alles Geld gehört. Berhaltungs. maßnahmen über letzteres hat er sich wohl erst in der am Sonntag, den 23. März 1924, im Gewerkschaftshaus, Saal 3, stattgefundenen Spaltungsversammlung, welche von etwa 60 Mann besucht war, eingeholt. Am Montag, den 24. März 1924, brachte der ehemals 23jährige Gewerkschaftsvertreter den letzten bisher noch zurückgehaltenen Rest an Schlüssel und Geld. Der Bauhütten. WESTEN SÜDEN NORDEN OSTEN Berzögerung der ganzen Verhandlungen und infolgedeffen legte der Diese tariftechnischen Schwierigkeiten führen unweigerlich zur Holzarbeiterverband fein besonderes Gewicht auf Abschluß von Sondervereinbarungen und zog den tariflofen Zustand im Augenblid vor. Paeth mit seinem Anhang glaubt, die Unruhen, die sich infolgedessen in den Betrieben ergeben haben, nicht länger mitansehen zu fönnen, undi drängt mit aller Entschiedenheit au einer Ents feit, die Arbeitszeit und Lohnfrage zu regeln, bei den Arbeitnehmern vorliegt, was mit der Maßgabe bejaht wurde, auch die Ferienfrage zu flären. Erfolg der Holzarbeiter in Memel. Memel, 25. März.( Eigener Bericht). Die vor 14 Tagen er folgte Aus perrung im Holzgewerbe, das hier am stäristen bere treten ist, hat mit einem Sieg der Arbeiterschaft geendigt. Die auriid zunehmen und Zobnausfälle au eriezen. Das geſchloſſene Auftreten der Arbeiter, von denen nicht ein einziger sich zu Streife Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, die versuchten Verschlechterungen brecherdiensten hergab, führte zum Erfolg. Die englische Regierung zum Londoner Verkehrsstreik. London, 25. März.( Eigener Drabtbericht.) Das zur Unters suchung der Streifgründe und der Grundlage einer Einigung im Londoner Straßenbahnbetrieb eingefeßte Schiedsgericht hat einen vorläufigen Bericht fertiggestellt. Macdonald hat daraufhin die Vertreter der Streifenden und der Unternehmer zu einer gemeinsamen Konferenz in das Arbeitsministerium eingeladen. Die Regierung erwägt auf Grund des vorläufigen Berichts Reorganisationsmaßnahmen für den Stadtverlehr Londons. Am Dienstag hat sie bereits ein Gesez eingebracht, das die öffent ausdehnt. Diefer Schritt der Regierung bedeutet eine weitere Ver einheitlichung und Entkapitalisierung des englischen Verkehrswesens. Heute haben die Vereinigten Verbände eine Generalversamm fung mit der Tagesordnung: Beschlußfassung über eine Gesamtliche Verkehrstontrolle auf das Londoner Verkehrsiveien aus perrung. Von der Einstellung der Arbeitgeber wird es abhängen, ob ein neuer Kampf im Holzgewerbe entbrennt. Die Holzarbeiter Berlins find entschlossen, sich feinem Diftat der Arbeitgeber zu fügen und werden, wenn es sein muß, den Kampf mit der gewohnten Geschlossenheit führen. Warnung vor Zuzug nach bestreikten Gebieten! Immer wieder macht sich die unleidliche Tatsache bemerkbar, daß Arbeitsangebote nach anderen Orten angenommen Rücksprache zu nehmen Es liegt sowohl im Interesse des einzelnen werben, ohne vorher mit der gewerkschaftlichen Organisation darüber Gewerkschaftsgenossen wie im Allgemeinintereffe, in jedem Falle fich vorher darüber zu vergewissern, ob ein Arbeitsangebot nach außer halb einwandfrei ist oder nicht. Zum Kampf im Böttchergewerbe nahm eine Bollversammlung der Berliner Böttcher am Montag abend Stellung. Mit einem Teil der Unternehmer, der vom Arbeitgeberverband abgesplittert ist, ist bereits eine Einigung erfolgt auf der Grundlage von 70 Pf. Stundenlohr. Hier wird überall voll gearbeitet. In den übrigen Betrieben wird der Kampf verschärft weitergeführt. Die Bersamm lung hat für die im Kampf stehenden Kollegen eine großzügige Unterstützungsaktion beschlossen. wertschaftshaus, Gaal 1, außerordentliche wichtige Mitgliederversammlung Achtung, Kupferschmiede! Morgen, Donnerstag, abends 7% Uhr, im Ge Unter anderem Stellungnahme zu der jekt in der Metallindustrie und in den Kupferschmiedereien bestehenden Situation. Die Ortsverwaltung. Arbeitsangebote nach Bremerhaven, Norddeutscher Lloyd, Euperphosphatwerke Nordenham in Oldenburg sind beſtimmt abzulehnen. Ferner alle Arleitsangebote nach den gesamten Werft- angelegenheiten. Die Generalversammlungsdelegierten haben au bilen Ber orten. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Kommunistische Landarbeiteragitation. Bom Berbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: In Nr. 17 der Roten Fahne" wird wieder einmal.meidlich über den Deutschen Landarbeiterverband geschimpft. Er wäre dazu berufen, jetzt zu zeigen, daß er gewillt ist, wenigstens die letzten Rechte und Freiheiten der Landarbeiter zu verteidigen. Anstatt dessen pfeife er auf die Mitglieder und stelle fich offen auf die Seite der Agrarier. Am feigsten habe sich der Gauleiter Schmidt in Rostock benommen. Er weigerte sich nicht nur mit einer Landarbeiter. delegation zu verhandeln, sondern er hat sie unter Androhung von Prügel und Gebrauchmachung des Hausrechts unter den wüsteſten antisemitischen Beschimpfungen hinausgeworfen. Beide Behauptungen find so lächerlich und unwahr, daß sich ein Wort der Erwiderung fast erübrigt. Würden die Kommunisten das Verbandsorgan des Deutschen Landarbeiterverbandes regelmäßig verfolgen, müßte ihnen bekannt sein, daß die Organisation seit Ende vorigen Jahres in fast allen Teilen des Reiches nicht nur ununterbrochen in Lohnverhandlungen steht, sondern erbittertſte Rämpfe um die Abwehrung der den Landarbeitern zugedachten Verschlechterungen ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse führen muß. Die Bewegungen stüßen sich nicht nur auf einige Personen, sondern sie werden, wie man sich jederzeit in Ostpreußen, Schlesien und anderwärts überStellmacher! Morgen, Donnestag abends 7 Uhr, im Rosenthaler Sof Rosenthaler Str. 11/12, Branchenversammlung. 1. Borirag. Refe rent Genoffe Leo. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung. 3. Verbands fammlung unbedingt zu erscheinen und ihr Verbandsbuch und ihren Parteis ausweis mitzubringen. Die Branchenleitung. Berantwortlich für Politik: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: F. Ekkorn; Feuilleton: K. H. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin GW. 68., Lindenstraße& Hierzu 2 Beilagen. Jogal hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Hexenschuß, Jschias, Nervenschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Ausgezeichnet bei Schlaflosigkeit. In allen Apotheken erhältlich. Best. 64,3% Acid. aeet. salic., 0406% Chinin, 12.6% Lithium ad 100 Amylum Rajanol Hautcreme Die Creme der eleganten Welt, einzigartig parfümiert. Zu haben in einschlägigen Geschäften. Rajanol G.m. b.H., B.- Oberschöneweide, Frischenstr. 35 Telephon: Oberschöneweide 555 u. 744 Jn Süd und Nofd, in Ost und West: überall in Berlin erhalten sie in den einschlägigen Geschäffen die guten Massary- igaretten. Ein Beweis für die Gúte unserer Marken. Urteilen Sie selbst! Kleine Massary 28 Str. 145 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Städtische Mittel für private Schulen? Um die Unterstützung der privaten Mädchenschulen durch Bei hilfen aus Mitteln der Stadt wurde in der Berliner Stadtver ordnetenversammlung gestern lange gestritten. Daß einigen dieser Schulen jetzt die Beihilfe entzogen werden soll, stieß bei den Bürgerlichen, besonders bei den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei auf starken Widerstand. Man weiß ja, wie sehr gewissen Kreisen des Bürgertums daran gelegen ist, daß die Privatschulen erhalten bleiben, aber dabei den Eltern ein nicht zu hohes Schulgeld auferlegt zu werden braucht. Die Linke trat mit dem Magistrat für die Entziehung der Beihilfe ein den Standpunkt der sozialdemokratischen Frattion begründete Genoffin Riedger, aber infolge der schwankenden Haltung der Demofraten, die bei der Abstimmung versagten, wurde die Magistratsvorlage abgelehnt. Im legten Teil der Sizung gab es eine kommunistische Demonstration. Der von seinem Amt fuspendierte kommunistische Stadtrat Leh, dessen von ihm beab. fuspendierte kommunistische Stadtrat Leh, dessen von ihm beab sichtigte Amtsniederlegung nicht genehmigt worden war, hatte im Sizungsjaal sich am Magistratstisch niedergelassen. Das war formell unzulässig, und der vom Oberbürgermeister in Kenntnis gefeßie Borsteher mußte Letz darauf aufmerksam machen. Gerade das hatten die Kommunisten gewünscht und bezweckt. Stadtverordneter Dörr erging fich in einer Schimpferei gegen den Oberbürgermeister und fündigte Fortsetzung dieser Obstruktion an. Die gestrige außerordentliche Sigung, die an die Stelle der aus. fallenden Donnerstagsfihung trat, beriet zunächst über die vorläufige Festsetzung der Gewerbesteuerzuschläge, nachdem das Verlangen der Kommunisten, ihren Antrag wegen Der Arbeitszeitverlängerung vorwegzunehmen, abgelehnt worden mar. Die endgültige schläge bleibt selbstverständlich der Feststellung des Stadthaushalts für 1924 porbehalten; da diefer no aussteht, die Stadt aber auf die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht verzichten fann, for dert der Magistrat die Ermächtigung zur Erhebung von Boraus zahlungen mit 5000 Proz. Zuschlag vom Steuergrundbetrage nach dem Ertrage und 1000 Broz. Zuschlag vom Steuergrundbetrag nach der Lohnfumme. Die Ausschußmehrheit hat dem Magistratsvorschlag zugestimmt. In der Diskussion fanden sich die Deutschnationalen und die Kommunisten mit der Wirtschaftspartei in einem strifte ablehnenden Botum einträchtig zusammen; auf der anderen Seite vertraten mit unserem Genossen Hermann Kunze auch die Deutsche Bolkspartei und die Demokraten die Auffassung, daß hier das Allgemeinintereffe unbedingt den Vorrang haben müsse und daß man der Stadt diese Einnahmequelle auch nicht zeitweise entziehen dürfe. Daneben hatte auch der Hauptsteuerdirektor Lange die Bedenten der Gegner zu zerstreuen gesucht. In na. mentlicher Abstimmung beschloß die Bersammlung mit 110 gegen 63 Stimmen nach dem Magistratsvorschlage. Nach einer Magistrats porlage foll ein öffentliches Bedürfnis für das Bestehen der Privatlyzeen Dr. Richter und Fled in Berlin, Kirstein, Boretius und Muche in Charlottenburg, Schönborn in Schöneberg und des Elisabethinzeumis Greglig ab 1. April 1924 nicht mehr anerkannt werden; Die Zahlung städtischer Zuschüsse würde somit mit Ende März 1924 einzustellen sein. Um die Erhaltung dieser Private anstalten, und um die Fortdauer der städtischen Zuschüsse bemühten fith mit großem Eifer die Bertreter der bürgerlichen Parteien, insbesondere die Herren Herzog( Dnat.) und Dr. Caspari( D. Vp.), die alle genannten Anstalten weiter als notwendig anerkannt und weiter unterstüẞt wissen wollen, während Frau Ehlert( 3.) und Merten( Dem.) wenigstens einige derselben retten wollten. Für die unveränderte Annahme der Borlage sprachen Genoffin Riedger und der Kommunist Goß. Herr Dr. Cafpari glaubte die GeTegenheit wahrnehmen zu müssen, um das Fehlen des Stadtschulrats Baulsen, der am Montag in Urlaub gegangen fei, als eine Rücksichtslosigkeit zu brandmarken. Gen. Riedger fertigte Herrn Caspari mit seinem geſchmadlosen Ausfall gebührend ab, indem sie darauf binmies, daß Paulsen heruntergearbeitet und wegen Krankheit in Urlaub gegangen sei, fie verfehlte auch nicht, Herrn Caspari daran 60] ( Nachbruc durch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Mit dem Erreichen des Zieles war dieser Haß vergangen und Intereffelosigkeit entstanden. Außerdem hatte er, wie Bürgen, längst die Erfahrung gemacht, daß jede verheiratete Frau dieser Kreise zu gewinnen war, menn auch nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt. " In Pensionen ging auch Jürgen, obwohl er seit Jahren verwitwet war, nicht mehr. Diese Mädchen sind entweder arme Tierchen, nur auf Geld aus, also erotisch an uns völlig uninteressiert, folglich langweilig; oder sentimentale Unschulds lämmer, verglichen mit unseren Damen der Gesellschaft, die voller Nervenraffinements und zu allem imftande sind", hatte er auf Adolf Sinsheimers wiederholte Bitte, wieder einmal mit in den orientalischen Salon zu gehen, geantwortet. Nach dem Mahle standen Jürgen und Seidel, in der Hand die Moffatassen, abseits, zwischen sich die hohe Standuhr, deren Tiden das Gespräch für die noch an der langen Tafel sitzenden Börsianer unverständlich machte, und Seidel nannte furz den Grund seines hierfeins. Er fei gezwungen, den schon eingeleisteten Zusammenschluß einiger großer Bant institute zu parainfieren: feinerseits einen großen Finanzfonzern zu organisieren. Jürgen hatte einige male genidt. Ich selbst erwäge fchon seit geraumer Zeit diesen Blan, habe auch schon vorgearbeitet. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der betreffenden Werte ist schon in meinen Händen." Er sah seine Gäste an, fah Leo Seidel an. Man wird reicher und reicher... Wozu?" Man muß die Urprodukte, die Erdschäke, in die Hand bekommen. Die Kohle! Wer fie hat, kontrolliert schließlich die ganze Produktion." Sag mal," begann nach einer Bause Jürgen entschlosse nen Tones, zudend mit der Schulter, als habe er sich felbft versichert, daß es ihm gleich sei, was Seidel über ihn wegen des folgenden denken werde, weshalb eigentlich ist es nun dein Ziel, die Urprodukte, die Kontrolle über die ganze Wirt schaft in die Hand zu bekommen, oder, mit anderen Worten, ber mächtigste Mann des Landes zu werden? Welche Idee | wwww zu erinnern, daß der Kultusminifter Boeliz zufällig an demselben Lage, wo die so folgenschwere Schulabbauverordnung erging, seine Urlaubsreise nach Teneriffa antrat. Die Abstimmung hatte ein durchweg negatives Ergebnis: Der Antrag der Deutschnationalen auf Weiterunterstübung aller Anstalten fiel mit 90 gegen 88 Stimmen; die Anträge des Zentrums auf Unterstüßung des Lyzeums Muche, wie der Antrag der DVP. auf Unterftüßung des Lyzeums Richter fanden teine Mehrheit, und schließlich lehnte die Versammlung mit 87 gegen 82 Stimmen auch die Vorlage ab. Ueber die Frage, ob diese lettere Abstimmung zu Recht erfolgt fei, gab es noch einen erregten Disput zwischen Dr. Ca pari und Genossen Dr. Lohmann. Hierauf wurden die Borlagen wegen Gründung einer Flughafen- Gesellschaft m. b. H. und wegen Festsetzung der Straßenreinigungsbeiträge für 1924 dem Haushaltsausschusse überwiesen. Vorsteher Haß: Der Oberbürger. meister hat mir mitgeteilt, daß Herr Lez im Saale erschienen ist, obwohl er nicht mehr Magistratsmitglied ist. Der Oberbürgermeister hat ihn aufgefordert, den Saal zu verlassen; er ist dieser Aufforderung nicht nachgefommen.( Bravo! bei den Kommunisten. Ruf rechts: Schmeißt ihn raus!)- Ich bin der Meinung, daß Herren, die nicht Magistratsmitglieder und nicht Stadtverordnete find, nicht im Saale sein dürfen. Ich fordere deshalb den Stadirat Ceh auf, den Saal zu verlassen. ( Stürmischer Widerspruch bei den Kommunisten.)- Dörr( Komm.): In voriger Sizung haben Sie( zur Rechten) das Ausscheiden von Letz aus dem Magistratskollegium nicht genehmigt, heute sind Sie dagegen, daß er als Zuhörer an der Sigung teilnimmt, welcher Widerspruch! Der Borsteher hat übrigens feinerlei Hausrecht gegen über einem Magistratsmitglied. Der Oberbürgermeister weiß sehr wohl, daß das Disziplinarverfahren gegen Letz sich bis zu den näch aus, die kommunistischen Wähler rechtlos zu machen. Wenn Letz sich hier informiert, tut er nur seine Pflicht. sich hier informiert, tut er nur feine Pflicht. Oberbürgermter Böß: Der Stadtrat Leh ist vom Amte suspendiert worden und hat fein Recht, hier zu erscheinen. Es war meine Pflicht, ihn darauf aufmerksam zu machen. Ich habe das getan; er hat meiner Aufforderung nicht Folge geleistet. Ich werde daraus die Konsequenzen ziehen. Schumacher( Komm.): Auf diese forrette Mitteilung unsere Antwort: Stadtrat Bezz bleibt im Saal! Diese Auseinandersetzung vollzog sich unter allgemeiner regung und Unruhe. Lez verharrt ruhig auf seinem Platz. Ein Dringlichkeitsantrag der Kommunisten, Lez im Magistrat weiter amtieren zu lassen, nachdem sein Ausscheiden von der Versammlung nicht genehmigt sei, stößt bei den Bürgerlichen auf Widerspruch. Während Genosse Heitmann inmitten des fortdauernden Tumults über die Ausschußverhandlungen zur Borlage wegen Auflösung der Deputation für Arbeit und Gewerbe referiert, verlaffen die Bürgerlichen mit wenigen Ausnahmen den Saal, worauf Koch( Dnat.) Mittwoch, 26. März 1924 tichechisch franzöfifchen Geheimbertrages, schwebenden handelspolitischen Verhandlungen, sowie der Wiener Besuch des deutschen Reichstanzlers und des Außenministers geben der Kundgebung einen besonderen Hintergrund. Der Berliner Sängerberein( Cäcilia Melodia) wird den Abend mit deut Bortrag weihevoller Chöre einleiten. Der schleichende Mord. Zum Fall der Frau Bischur. Eine frühere Krankenschwester steht im Verdacht, ihren ersten Mann, dessen Mutter und Bruder und auch ihren zweiten Mann mit Hilfe von Gift umgebracht zu haben. Wohlgemerkt: nur im Ver dacht, und zwar weil die Erben das Testament, das sie zur In haberin eines großen Vermögens machen sollte, als gefälscht an fechten. Das mahnt zu besonderer Vorsicht. Vier Todesfälle hinter einander sind allerdings ein eigentümliches Zusammentreffen, doch nichts Außergewöhnliches oder Unmögliches. Die Toten sollen Opfer eines viefachen Giftmordes geworden fein. Auch das wäre nichts Außergewöhnliches: die Kriminalistik fennt die Frau als Giftmörderin nur zu gut. Der letzte Giftmord, der in Berlin mehr durch seine sexualpsychologischen Begleiterschel nungen Aufsehen erregt hat, als durch das Mordmittel, war der Fall der Freundinnen Klein und Nebbe. Wien durchlebte erst ganz vor kurzem aufregende Tage bei der Gerichtsverhandlung einer adligen Serbin als Giftmörderin. Von entscheidender Bedeutung wird im Berliner Fall die gerichtsärztliche Untersuchung der er huminierten Leichen sein. Sollte sich der Verdacht bestätigen, fo würde ein Fall des Giftmordes aus Habsucht vorliegen. Wie weit auch die sexuelle Konstitution der Verdächtigten mitspielt, werden Untersuchungsrichter und psychiatrische Sachverständige zu beurteilen. haben. Daß aber Giftmord und Sexualität in engstem Zusammens hang stehen, beweist der größte Teil der bekannten Giftmordprozesse der Bergangenheit. der Schwäche. Ein alter indischer Ausspruch vergleicht die Frau Das Gift ist das Lodeswerkzeug der Feigheit, der Hinterlift, mit der Schlange. Von der Schlange wird sie wohl das Gift haben. Geräuschlofigkeit, Unauffälligkeit, Gewaltlosigkeit und das Unblutige des Verfahrens ist dasjenige, was bei der Schwäche der Frau das Gift für sie zum beliebtesten Mordmittel macht. Der Giftmord ist ein Thema, das die Dichter immer wieder beschäftigt. In dramen und Romanen bildet er nicht selten den Höhepunkt der konfliktreichen Entwicklung. Selbst in das Märchen spielt er hinein. Im Schnee Erwittchen ist es der vergiftete Kamm und der vergiftete Apfel, der das Böse vollbringen soll. Es gab sogar so etwas wie Giftmord epidemien. In das 17. Jahrhundert fällt in Italien der berühmte Fall der Lucrezia Borgia. In Deutschland ist der erste überlieferte Fall der der Sophie Ursinus, im Jahre 1799. Die Grete Beyer und die Maffenmörderin Gesche Gottfried sind die typischen Bertrete rinnen dieser traurigen Zunft. Bertagung beantragt und die Beschlußfähigkeit bezweifelt. Dieser Zweifel wird vom Bureau geteilt, und Vorsteher Haß erklärt um 84 Uhr die Sigung für geschlossen. Unter den eingebrachten Anfragen befand sich auch eine der Deutschnationalen, welche die Freie Boltsbühne" emer politischen antinationalen Agitation beschuldigt! Wiener Parlamentarier in Berlin. Sonnabend, den 29. d. M., hält der Desterreichisch Deutsche Volksbund um 7 Uhr abends im großen Sigungsfaale des Herrenhauses, Leipziger Str., feine Jahresveriammlung ab. Anschließend wird im gleichen Saale eine große öffentliche eriammlung, unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten 2öbe, um 8 Uhr beginnend, veranstaltet, in der der großdeutsche Abgeordnete Sand! des Wiener Nationalrates, der christlichfoziale Bizepräsident des österreichischen Bundesrates Prof. Sugel mann. und der Staatsminister a. D. Haenisch über die öfter reichische Anschlußfrage sprechen. Die Veröffentlichung des hinaus über den Wunsch, persönliche Begierden jeglicher Art stillen zu können, was zu tun du ja schon längst imftande bist verfolgest du dabei?" Seidel blickte nachdenklich vor sich hin. Macht um der Macht selbst willen? Oder die Erkennt nis, daß geschluckt wird, wer nicht selbst schluckt? Oder um deiner Kinder willen, wenn du welche hast? Das alles hat doch mit einer pofitiven Idee nichts zu tun." Aber auch zur Erlangung der Kontrolle über Kohle, Brennstoffe, Erze wäre der geplante Zusammenschluß eine wesentliche Borausfeßung." „ Und das Sichab inden damit, daß infolge der Konkurrenzjagd von Zeit zu Zeit ein Krieg und der Tod einiger Hunderttausend oder Millionen eben naturnotwendig, die Schattenseite sei, der aber die moderne Zivilisation als Plus gegenüberstehe, ist doch ebenfalls feine tragfähige Grundlage für eine Idee, für eine Lebensordnung, mit er auf die Dauer der Mensch sich abfinden könnte, sondern, scheint mir, nicht mehr als eine peinliche Mischung von Fatalismus und Zynismus. Seidel, der gar nicht mehr zugehört hatte, zeigte ein flüchtiges Höflichkeitslächeln und schrieb etwas in fein Notizbuch. Willst du mir nicht antworten? Oder weißt du feine Antwort auf meine Frage?" Rüdwärts an der langen Tafel war es plöhlich still geworden.„ Ein Straßenmädchen ging mit einem Juden „ Das Nähtischchen deiner Mutter steht noch in meinem Bodenraum Erinnerst du dich? Das sind jetzt zwanzig Jahre her." Ich erwarte dich also morgen im Hotel oder bringe dir die Unterlagen in die Bank." Das Lachen des Herrn Hommes platte wie das dunkle Brüllen einer Autohupe in die Stille. Kenn ihn schon! Aber erzählen Sie nur weiter." entgegensehen. Er scheint zu ungeheuerlich, als daß man an ihn Man kann der Erforschung des Falles Bischur mit Spannung leicht glauben wollte. Die Verdachtsmomente gegen die Frau müssen fich aber schon verdichtet haben, wenn sie noch vor Erhumierung der Leichen in Haft genommen werden konnte. * Wie aus Nürnberg gemeldet wird, wurde die Schloffersfre Elife Edert und deren Stiefsohn Georg Hofmann, wohnhan am Ludwigsfeld, wegen Berdacht des Giftmordes verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Im Herbst v. 3. hatte die Eckert einen Untermieter namens Schlerf, der 84 Jahre alt war, bei sich wohnen, der im November 1923 starb. Hofmann geriet später mit seiner Stiefmutter Edert in Streit, was zur Folge hatte, daß er bei der Kriminalpolizei Anzeige dahin erstattete, daß er im Auftrage feiner Mutter im vergangenen Jahre giftige Bilze gesammelt habe, die diese dann dem Schlerf jeweils in ge tochtem Zustande reichte, um ihn aus der Welt zu schaffen und alsdann in den Besitz seiner Kleider und Schuhe zu gelangen. Als sich auf den Genuß der Pilze nur Erbrechen einstellte, reichte die Eckert ihrem Mieter Ratten gift, um auf diese Weise sicher ihr Biel zu erreichen. Sie mischte dieses Gift unter Gemüse, und zwar stets nur einen Löffel voll. Die auf dem Südfriedhof bestattete Leiche des Schlerf wird erhumiert. Herr Wagner ergriff den Arm des Her.n Hommes, deudete mit dem Daumen über die Schulter zurüd auf Seidel: „ Er hat verdient." " Ich weiß eine andere Fassung: Der selbe Jude kommt in ein Bordell Renn ich!" rief Herr Hommes und brüllte los. Seidel erwähnte die Krankheit, von der die Arbeiter die fer chemischen Fabrit befallen wurden. Es sei sehr schwer, Leute zu bekommen. Nur durch hohe Gefahrprämien seien sie an die Siedlessel heranzubringen. Diese Geschichte habe fogar schon auf den Kurs gedrückt. " Ich hörte davon. Die Leute werden gelb. Es ist aber feine Gelbsucht. Auch alle Schleimhäute entzünden sich. Schwere Augenkrankheiten! Die Arbeiterinnen bekommen feine Kinder mehr, werden vollkommen steril." # Und eines Tages war die Pleite da," schloß der Fabrie fant, der die Villa voll gotischer Holzplastiken befaß.„ Eben eine zu gewagte Spekulation!" " No, was sag ich!" ,, Es sind ja Erfindungen gemacht worden," sagte Seidel und schrieb und las dabei weiter in seinem Notizbuch.„ Die Fabrikleitung hat diese Erfindungen auch erworben. Aber die Konstruktion und Erhaltung dieser Schukapparate würde riefige Summen verschlingen. Auch wertvolle Nebenprodukte und Abgase würden durch die Einschaltung dieser Schutzapparate verlorengehen." ,, Nein, nein, uns fehlt nichts," antwortete Herr Wagner beruhigend auf Jürgens Frage. Und zu Herrn Hommes: Bomit? Das mußt du dir von ihm selber verraten lassen. Ich sag nur: er hat verdient." " Daß die Leute diese unheimliche Kranfheit bekommen, weil Schuhapparate nicht in Betrieb gefeht werden, ist ein bißchen bedrückend für denjenigen, der die Aktien besitzt und die Dividenden bezieht." ,, Auch einen großen Teil der Produktion chemischer Seidel zeigte sein flüchtiges Lächeln. Möchtest du zue Artikel würden wir fontrollieren, falls ie Fusion zustande fammen mit mir wieder einen Bund der Empörer grünfäme." Seidel nannte die Fabrit, Gesamtzahl und Kursstand den?.. Noch eine Sefunde!" bat er und zog Jürgen wieder der Aktien, von denen die in Frage stehenden Banken nach neben die Standuhr. Weshalb ich außerdem hierhergekomder Fusion die Mehrheit haben würden. men bin. Kannst mir vielleicht einen Rat geben. Ich möchte Jürgen blickte nach rückwärts auf die acht grauweißenes leben ja auch noch viele Leute hier, die meine Eltern hinterföpfe, denen gegenüber acht weinrote Gesichter im gefannt haben; aber auch sonst! ich möchte eine Stiftung Bigarrenaualm hingen. Ja, mir fönnten für viele chemische machen. Säuglingsheim, Krankenhaus oder ein Kunst Artikel, Farben und vor allem für die wichtigsten Arznei- museum. Meiner Heimatstadt, weißt du!" mittel die Preise bestimmen... Gewiß feine Kleinigkeit!" ( Fortsegung folgt.) Drei Todesurteile. Der Mord an dem Schneidermeister Albach. Der Raubmord, dem in der Silvesternacht 1922/23 der Schneider meister Albach zum Opfer fiel, gelangte heute vor der 5. Straffammer des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bandmann im großen Schwurgerichtssaal zur Berhandlung. Die Angeflagten wegen Raubmordes sind der frühere Kaufmann Unger, der Gelegenheitsarbeiter Wilhelm Ramfied, der Gelegenheitsarbeiter Stowronek und der Gelegenheitsarbeiter Wilhelm Böger. Die vier Angeklagten find heruntergekommene Personen, die sich im Nachtafyl, hauptsächlich im Café Dalles und Boltsspeiseanstalten aufhalten. In zerfumpten Kleibern gingen fie paarweise auf die Höfe, um zu fingen und zu bettein. Am ersten Weihnachtsfeiertag erschienen Unger und Böger auch auf dem Hofe des Hauses Helmboltstraße 21 zu Charlottenburg, in dem Albach im Hofgebäude eine Zweizimmerwohnung innehatte. Albach rief die jungen Leute zu sich hinauf. Am 30. Dezember erschienen auch Ramified und Stomronet, die inzwischen von den anderen beiden unterrichtet worden waren, auf dem Hofe als Gänger. Wie erwartet war, rief Albach auch diese zu sich hinauf. Alle vier blieben nun in der Wohnung. Man aß, trant, spielte und vergnügte sich auf jede Beije. Ein Runde, der am Silvestertage bei Albach war, warnte diesen vor den ihm verdächtig erscheinenden, scheuen Gestalten. Albach erwiderte ihm aber, es feien alles prächtige, junge Leute, die nichts Böses im Schilde führten. Tatsächlich hatten die vier Kumpane aber längst verabredet, hier einen Raub auszuführen. In der Gilvesternacht schlichen fich alle vier in das Schlafzimmer zu Albach und stürzten sich gleich auf den Schlafenden. Man steďte ihm gleich einen Knebel in den Mund und fesselte ihn mit Bindfaden. Als Albach trotzdem um Hilfe schrie und röchelte, wurde der tance- Straße und Kreuzbergstraße. Clute 13, Gottomsfg. straße, Ede Turmstraße, wird vom Spittelmarkt anstatt nach Stralau über Moltenmartt. Stralauer Straße, Schicklerstraße, Blumenstraße, Grüner Weg, Rüftriner Blak, Königsberger Straße, Frankfurter Allee bis Bahnhof Frankfurter Allee geführt. Betriebsunfall auf dem Viehhof. Fünf Arbeiter verlegt. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich gestern auf dem Zentralviehhof ereignet. Im Schlachthof D wird zurzeit eine neue Kühlanlage eingerichtet. 21s mittags gegen 1 Uhr die mehrere Bentner schwere aus zahlreichen Röhren bestehende Kühlanlage durch zwei Flaschenzüge hochgewunden wurde, gaben die Flaschenzüge plöblich nach und die gelamte Anlage türzte mit lautem Getöse pornüber. Dabei wurden fünf Arbeiter unter dem Röhrengewirr begraben. Nachdem man sie befreit hatte, wurden zwei von ihnen, der 55 Jahre alte Rezeptfälscher. Für die Berliner Schwindler und Betrügerclique Hat fi ein neues Feld der Betätigung eröffnet. Wie uns die ADA. Berlin mitteilt, müssen infolge des Merztefireits die Behandlungen von den Patienten bar bezahlt werden. Diese Tatsache machen sich Rezeptfälscher zunuze, indem sie Renungen auf irgend welchen Formularen ausstellen und dieselben bei der Kaffe zur Rüderstattung des Geldes vorlegen. Bei der ADK.- Berlin find jezt schon über 10 solcher fälscher verhaftet worden. Die Haupturfache dabei sind die Aerzte, die die unmöglichsten nigel ihres Papierforbes als Rezeptformular gut genug für eine Krankenkasse halten. In der heutigen Charlottenburger Bezirksversammlung Tommi die bekannte Angelegenheit des deutschnationalen Stadtverordneten edler zur Sprache, dem vorgeworfen wird, daß er sein Ehrenamt als Stadtverordneter im Wohnungsausschuß zu privat wirtschaftlichen Zweden ausgenugt bat. Es liegen dazu Anträge unferer Genossen und auch der Demokraten vor. Man fann sich auf eine lebhafte Debatte gefaßt machen. Oeffentl. Wählerversammlungen geborene& neibermeister Morig Kunze. A. trug zuleht Donnerstag, den 27. März, abends 7½ Uhr: Baumschulen meg: Cuzeum Baumschulenstraße. Tagesordnung:„ Die Sozialdemokratie und die Reichstagswahl. Referent: Genosse Eduard Bernstein. Freie Aussprache. Wilmersdorf/ Halensee: In den Florafalen in Halenfee, Johann- Georg- Str. 20. Tagesordnung:„ Was lehrt uns der Hitler- Prozeß?" Referent: Gen. Ernst Nietisch, ehemaliger bayerischer Abgeordneter. Bermit wird seit dem 4. März 1924 der am 5. April 1866 einen Marengopaletot mit Samtfragen, grauschwarzlariertes Jadett und Weste, dunkelgestreifte Sole, fchwarze Schnürstiefel, graue Soden, graugrünen, weichen Gut. Er bat grane Haare. hohe Stirn, tiefliegende Augen. Besonderes Kennzeichen ist eine Narbe am techten Oberichenfel. Etwaige Mitteilungen find zu richten Frau Mina Kunze. Berlin NW 6, Marienstr. 26, vorn 4 Tr. oder an jedes Polizeirevier. Selbstmord auf dem Grab der Schwester. Auf dem Friedsof in Marienborf hat sich ein junger Mann, namens Dito Krüger, wohnhaft Mariendorf. Lantwigstraße, auf dem Grabe feiner Strebel tief in den Hals gestoßen und Kissen über den Kopf gelegt, Alle Genoffen und mit uns Sympathifierende müssen erscheinen. Schwester durch einen Schuß in die Schläfe getötet. so daß er er sticte. Erst als sich die Mörder überzeugt hatten, daß Albach tot war, ließen sie von ihrem Opfer ab und zogen sich Dann neue Sachen an, die sie später im Café Dalles gegen andere Kleidung umtauschten, padten Stoffe und andere wertvolle Sachen zusammen und verließen dann die Wohnung. Die Angeklagten, die im Alter von 21-27 Jahren stehen, find fämtlich vorbestraft, in der Hauptfache wegen Diebstahls, Bettelns und Landstreichens. Nach Berlesung des Anklagebeschlusses erhebt R.-A. Dr. Brandt Protest gegen die Zuständigkeit der Straftammer in einer Sache, die vor das Schwurgericht gehört. Er bezweifelt die Rechtsgültigkeit der Verordnung. Das Gericht jedoch mies den Einspruch zurück und erflärte die Straffammer auf Grund des Ermächtigungsgesetzes für zuständig. Sodann beginnt die Ver nehmung der Angeklagten durch Landgerichtsrat Bandmann. Eine bemerkenswerte Antwort tommt, als der Borsigende den Angeklagten Unger fragt, was er sich gedacht hat, als er dem alten Mann den Sinebel tief in den Hals fedte und ihm das Kopfkissen fest auf das Geficht gedrückt hat. Angefl.: Ich habe mir gar nichts gedacht. Das fieht man im Theater und Kino auch sehr oft, ohne daß etwas Schlimmes passiert. Bors.: Es handelt sich um einen Mann, der Sie aufgenommen und Ihnen noch einmal die Hand geboben hatte, ein anderes Beben einzuschlagen. Hatten Sie da nicht Gewissensbisse, ihm eine solche Behandlung angedeihen zu lassen? Angert.: Ich habe nicht angenommen, daß er erstiden würde. Vorf.: Auch dann mußten Sie das Gefühl haben, gemein zu handeln an einem Manne, der Ihnen nur Liebes getan und Ihnen eine Weib nachtsfreude madyen wollte.( Nach einer Bause): Sie schweigen, das genügt. Der zweite Angeklagte Böger bestreitet ebenfalls, die Abficht gehabt zu haben, Albach zu töten. Er habe auch nur das Kissen aufgedeckt, um Schreien zu verhindern. Nachher habe ihn Unger abgelöst. Er will weiter nichts getan haben und mit den anderen Dann weggegangen fein, gibt allerdings zu, ouch ein Patet mitgenommen zu haben. Der Annetlagte Ramsted gab auf Befragen zu, daß Unger fich wie ein Bilder auf den alten Mann geworfen hat. Staatsanwaltschaftsrat Latté hielt durch die Be weisaufnahme für erwiesen, daß die Angeklagten plan voll und mit Ueberlegung vorgegangen feien. Ihr ganzes Borgehen sei eine Scheußlichkeit; er beantrage, alle vier Angeflagien wegen Raubmordes zum Tode zu verurteilen. Justizrat Golgen und Rechtanwalt Dr. Arthur Brandt hielten die Mordabsicht für nicht erwiesen. Nach längerer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Bandmann das Urteil. Die Straffammer ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Angeklagten den Tod des Albach gewollt haben. Sie haben sich von ihrem Tun auch nicht dadurch abhalten lassen, daß es fich um ihren Wohltäter und Gastfreund handelte. Die ersten drei Angeklagten haben mit Ueberlegung gehandelt. Der vierte Ange flagte ist ein minderwertiger Mensch. Das Gericht hat bei ihm erschwerten Totschlag angenommen. Die Angeklagten unger, Böger und Ramsied werden deshalb megen mordes und Raubes zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürger lichen Ehrenrechte verurteilt. Der Angeklagte Stomronet wird wegen erschwerten Totschlags zu lebenslänglichem Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Angeklagten ließen sich ruhig abführen, nachdem sie noch mit ihren Verteidigern wegen der Revision Rücksprache genommen hatten. Sieben neue Straßenbahnlinien. Die Die Berliner Straßenbahn- Betriebsgefell. schaft m. b. 5). teilt mit, daß ab 31. März folgende Linien neu eingelegt bzw. verändert und verlängert werden: Cinie 21, Bri B, Germaniapromenade über Neukölln, Hermannstr., Hafen heide, Blücherstr., Hallesches Tor, Königgräger Str., Botsdamer Play, Brandenburger Tor, Molttebrücke, Kriminalgericht, Rathenower Str., Wilhelmshavener Str. Ede Turmstr.- Cinie 35, Egerzierstr. Ede Badstr. über Brunnenstr., Rosenthaler Play, Weinmeisterstr., Münzfir., Alexanderplatz, Alexanderstr., Brückenstr., Neanderstr., Brinzenftr.( Morigplatz), Gitschiner Str., Hallesches Tor, Belle Linie 45, Niederschönhausen, Griebensplag über Bis. mardplay, Lindenstr., Streuzftr.( zurüd Schönholzer Str.), Bollant. straße, Brinzenallee, Banfftr., Nettelbedplay, Weddingplaß, Fennstr., Berleberger Str., Stromstr., Turmstr., Gozlowflybrüde, marchitr., Anie, Wilhelmsplay, Wilmersdorfer Str., Brandenburgische Str., Augustaftr., Hildegardstr., Kaiferallee, Stegliz, Schloßstr., Bhf. Stegliß, Kuhligts Hof, Birtbuschstr. Ede Siemensstr.- Linie 53, Bhf. eerstraße über Kaiserdamm, Knie, Hardenberaftr., Tauenzienstr., Kleiftftr., Nollendorfplatz, Bülowftr., Potsdamer Str., Botsdamer Blah, Leinziger Str., Charlottenstr., Behrenstr. Ede Friedrichstr. Linie 63, Briz, Germaniapromenade über Neukölln, Her. mannstr, Steinmegstr.( zurück Biethenstr.), Berliner Str., Fuldastr., Kaiser- Friedrich- Str., Bannierstr., Glogauer Str., Grünauer Str., Görliger Bhf., Waldemarstr., Adalbertstr., Köpenider Str., Andreas ftrake, Strausberger Blah.. Strausberger Str., Landsberger Platz, Friedenstr., Königstor, Greifswalder Str., Antonplay, Langhannsstr., Krügerstr., Humannplay.. Bappelallee, Bionstirchplay, Veteranenstr., Invalidenstr., Stettiner Bhf. Cinie 95, Schöneberg, Eise nacher Str. über Hauptstr., Kaiser- Wilhelms- Blah, Kolonnenstr., Dreibunbftr., Raßbachstr., Nordstr., Belle- Alliance- Str., Blücherplak, Blücherstr., Hafenheide, Hermannplay, Kaiser- Friedrich- Str. Ede Teupiger Str.- Cinie 82, Stralau Rirche über Alt- Stralau, Stralauer Allee, Mühlenstr., Fruchtstr., Schlesischer Bhf., Breslauer Stroke, Holzmart str.. An der Stralauer Brücke, Neue Friedrichstr., Stralauer Str., Moltenmarkt, Mühlendamm, Kölln. Fischmarkt, Spittelmarkt, Leipziger Str., Jerusalémer Str. bis Krausenstr. Ede Dönhoffplay. Folgende Linien werden verlängert bzw. Der ändert: Linie 32, Reinickendorf, Rathaus wird bis Neukölln, Hermannstr. Ede Knesebedst r. verlängert auf dem Wege über Universitätsstr., Dorotheenstr.. Unter den Linden ( Ofttunnel), Französische Str., Charlottenftr., Kochstr., Martgrafenstr., Lindenstr., Belle- Alliance- Play, Hallesches Zor, Blücherstr., Hafen heide, Karlsgartenstr., Bismannstr., Hermannstr.( zurück ganze Her mannstr.). Linie 41, Reindendorf, Rathaus wird bis zur Rreuzbergstraße weitergeführt über Gneisenaustraße, Belle städtische Arbeiter Bilhelm Raefert aus der Caprivistraße 3 und der 30 Jahre alte Maschinist Frig Scherein aus der Blumenthalstraße 13 nach dem Krankenhause Am Friedrichshain geschafft. Der erstere hatte einen Bruch des rechten Unterschenfels, ber letztere innere Berlegungen davongetragen. Die drei anderen städtischen Arbeiter, der 41 Jahre alte Gustav Bahl aus der Licbigfiraße 15, der 38 Jahre alte Karl Müller aus Blankenburg und der 40jährige Wilheim Rosenfeld aus der Prenzlauer Allee 187, fonnten nach Anlegung von Verbänden nach ihren Wohnungen transportiert werden. Sie waren mit Fuß-, Bein- und Kopfverlegungen davongekommen. Die Schuldfrage bedarf noch der Aufklärung. * Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt dazu mit: Zur Schaffung einer neuen Kühlanlage auf dem städtischen Schlachthof wurde durch eine beauftragte Firma ein Rohrsystem montiert. Ein monteur der Firma leitete die Aufstellung, wobei ihm hofhandwerker der Schlachthofverwaltung zur Seite flanden. Aus bisher noch nicht festgestellten Ursachen rissen zwei Flaschenzüge. Das Rohrsystem neigte sich zur Seite. Die arbeitenden Leute wur den zur Seite gedrückt, wobei drei verletzt wurden. Zwei der Berletzten wurden nach dem nahen Krankenhaus am Friedrichshain befördert und dort sofort in ärztliche Behandlung genommen. Es ist anzunehmen, daß die Berlegungen nicht schwerer Natur find. Eine völlische Schimpfkanone. Antisemitismus foll glühende Baterlandsliebe" sein? Der Bater eines zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten Raubmörders fann gar nicht beleidigt werden," mit diesen Worten verteidigte sich in sehr erregter Weise der wegen Beleidigung des Leiters der politischen Polizei Oberregierungsrat Weiß angeklagte cand. jur. Niebuhr gestern vor einer Abteilung des Amtsgerichts Mitte. Die Deffnungszeiten der städtischen Büchereien im Bezie Charlottenburg für das Bublifum sind vom 24. März ab anderweitig wie folgt festgesept: Hauptbücherei Wilmers dorfer Str. 166/67: Bücherausgabe usw. Montag. Dienstag. Donnerstag und Freitag von 10 bis 2 und 4 bis 8 1hr, Mittwoch gefchloffen, Sonnabend von 12 bis 3 1hr. efefaal: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 2 und 4 bis 8 1hr, Mittwoch geschlossen, Sonnabend von 10 bis 8 1br. 8 weigstellen Ost. Wormfer Str. 6a, und „ Nor. Kaiferin Augufta Ilee 80: Montag, Mitt woda, Freitag von 8 bis 8 Uhr, Dienstag, Sonnabend von 9 bis 2 Uhr, Donnerstag geschlossen. P Englisch und Französisch: Anfang April beginnen in der Sprabenfoule für Proletarier die für das Sommerbalbjahr geplanten neuen Abendfurje in Englisch und Französisch für Anfänger ohne Bor fenntnisse und solche mit Borkenntnissen. Die Kurse finden wie bisher im Sentrum und in Neuköln statt. Anmeldungen: Donnerstag, 27. Mars. Freitag, den 28. März, abends von 6-8 Uhr, und den 29. März, abends von 5-7 Uhr, in der Gemeindeschule, Gipsstr. 23a ( Nähe Bahnhof Boife). Desgleichen am Montag, den 31. März, abends von 6-8 Uhr, in Neukölln, Boddinstr. 52/58( Mädchenschule). Meisterwerte erzählender Kunst. Unter diesem Titel findet am Donners tag, den 27. März, abends 7, Uhr, in der Schulaula Langeftr. 31 der dritte literarische Bortragsabend( lelft, Storm, Jean Paul, G. Keller, Lilieneron) von Dr. Drach, Lektor an der Universität Berlin, statt. Ratten zum Breise von 20 Pf. find im Bezirksamt Friedrichshain, Markusstr. 49, beim Björtner und an der Abendlasse zu haben. Sprecher für Proletarische Feierstunden. Morgen, Donnerstag, abends 7%, br: llebungsstunde im Gesangslaul der Sophienschule Beinmeister ftrage 16/17. Der Text An die Erde ist mitzubringen. Jugendveranstaltungen. Rarow: Rauls Lichtenberg- Mitte: Lichtenberg- Rord: Heute, Mittwoch, den 26. März, 7% Uhr: Friedrichsfelbe: Berliner Ste 45, Diskussion: ,, Wanderungen". volal 8mm Pantgrafen", Bankgrafenstraße, Mitgliederversammlung. borf: Schule Adolfstraße 25, Wilhelm- Busch- Abend"( mit Lichtbildern). Santwig: Schulstraße, Distuffion: Gemeinschaftsleben." Jugendheim, Doffeftraße 22, Bortrag: Die neue Schule." Sugendheim Bartaue 10, Bortrag: Die deutschen Gewerkschaften." tenberg: Mittelschule Martiſtvake, Vortrag:" August Bebels Re GrundBegriffe der Bolkswirtschaft. Birken." Luisenstadt: Schule Stallschreiberstr. 54, Bortrag: Die Reinidendorf- Best: Kinderhort, AugusteSchönhauser Boriftoria- Allee, Bortrag:„ Die SAJ. und die Republik." ftabt: Schule Sonnenburger Str. 20, Bertrag: Pariser Kommune." NeuVorträge, Vereine und Verfammlungen. " Arbeiter Abstinentenbund Groß- Berlin. Mittwoch, den 26. März, abends 7% Uhr, Jugendheim Lindenstr. 3( 2. Sof II), Monatsversammlung Vortrag pon Maria Sodann über Iohol, riebleben und ErGesellschaft fe Segnalreform. Donnerstag, den 27. Märs, 8 Uhr, in der Schulaula, Friedrichstraße 126( Bahnhof Friedrichstraße- Oranienburger Tor). Vortrag von Prof. Dunkmann über: Der Wille aur Che in der modernen siehung Gäfte willkommen. Briefkasten der Redaktion. Der Angeklagte hatte eine Borlabung vor bie poft tische Polizei erhalten und hatte in einem Schreiben geantwortet, daß er es als deutschoöltischer Mann ablehne, mit der Abteilung la. in Berhandlung zu treten, folange an deren Spize Ifidor" Weiß stehe. Bor Gericht erging sich diese Leuchte der Bölkischen in faum wieberzugebenden antifemitischen Anpöbelungen des Oberregierungsrats Weiß, die vom Borsigenden des Gerichts mit einer ganz ungewöhnlichen Langmut angehört wurden. Bei der großen Erregung des Angeklagten fragte der Amtsrichter ihn mehrmals, ob er vielleicht Erregungszustände infolge einer Kriegsverlegung habe. Der Angeklagte verneinte das, da er gar nicht im selde gewesen sei. Er sei Borsigender des Deutschen Herold" gewesen und nur Hasser des Judentums. Dann fuhr er in feinen Schimpfereien fort. Da der Angeklagte aus politischen Gründen gehandelt habe, wollte der Staatsanwalt nur eine Geldstrafe beantragen Gefellfbaft." Freie Aussprache. Cintritt 50 Bf. Gäfte haben Zutritt. und mit Rücksicht auf seine Bermögenslosigkeit nicht mehr als hundert Mart. Der Angeklagte bat, gegen ihn auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen. Der Richter sah in den Säßen des Briefes die Absicht der Mißachtung, nahm aber zugunsten des Angeflagten an, daß er aus glühender Baterlandsliebe gehandelt habe. Das Gericht hätte an sich auf eine Geldstrafe er. fannt, habe aber dem Wunsche des Angeklagten Rechnung getragen und auf eine Haftstrafe von 10 Tagen erfannt, damit der Angeklagte die Möglichkeit der Berufung habe. Un fich habe der Angeflagte auch eine Haftstrafe verdient, denn Männer, die im öffent lichen Leben stehen, müssen gegen derartige Angriffe gefchüßt werden. Das Bericht bewilligte dem Angeklagten gegen Zahlung einer Buße von hundert Mart Bewährungsfrist.( Wie wir mitteilen fönnen, ift Oberregierungsrat Weiß von der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums, worauf der Angeklagte in feinen Einleitungsnehmigung erforderlich. 4. Dagegen können Sie nichts unternehmen, es fei bes Raubmordes in Babuz zu lebenslänglichem Zuchthaus der zunehmen ist. morten anspielen wollte, nicht der Bater des am Sonnabend wegen denn, daß der Lärm das Maß des Zulässigen übersteigt, was aber nicht anurteilten Raufmannslehrlings Kurt Weiß, steht mit demselben auch in feinerlei verwandtschaftlichen Beziehungen.) Wirklich ergreifend ist die Rücksichtnahme bes Staatsanwalts auf das leere Portemonnale dieses völtischen Schimpftanoniers. Wenn aber der Gerichtsvor fißende bei einem Burschen, der selbst noch an Gerichtsstelle es wagt, einen hohen Polizeibeamten grundlos zu verdächtigen, glühende Baterlandsliebe entdecken mill, dann wird es hoffentlich auch gegen diese Art neupreußischer Gerichtsauffaffung noch eine Möglichkeit der Berufung geben. Das Rundfunkprogramm. Mitttwoch, den 26. März. " Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Naehm. Nachm. 1.05 Uhr: 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 4.30 bis 6 Uhr: Unterhaltungsmusik. 4 Uhr: Kindervortrag( vom Basteln und Bauen). 4.30-6 Uhr: Stellungnahme des Auslands zu der Lüge von der deutschen Unterhaltungsmusik. 7,30 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Hennig: ,, Die Kriegsschuld" 8,30 Uhr: III. Sonderveranstaltung der Funkstunde A.-G. Mattia Morro, Primer Bariton del Gran Teatro Liceo de Barcelona, und Alfred Lichtenstein. 1. Fantasie aus der Oper ,, Die Königin von Saba" von Fritz Goldmark( Fritz Wenneis, auf dem Schiedmayer- Meister harmonium). 2. Konzertstück von Chaminade( Alfred Lichtenstein, Flöte). 3. Aria de„ Don Pasquale" von Donizetti ( Mattia Morro). 4. a) Adagio aus dem Flötenkonzert von Friedrich der Große: b) Gavotte aus der Suite von Alfred Lichtenstein ( Alfred Lichtenstein, Flöte). 5. a) Aus aller Herron Länder von Moszkowsky; b) Intermezzo, op. 76 von Brahms( Fritz Wenneis, auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 6. Drei Cancienes espanolas( Mattia Morro). Am Flügel: Kapellmeister Otto Urack. B. 5. 1. Ja. Die Aufwertungsbeftimmungen find aber nicht zwingender Natur. Die Beteiligten fönnen also abweichende Vereinbarungen treffen. ennbetrag als Goldmartbetrag. Hinsichtlich der 2. Sypothek muß der Gold2. Auf 15 v. S. des Goldmarkbetooges Bezüglich der ersten Sypothet gilt bre martbetrag mit Silfe tes legten amtlich notierten Berliner Mittelturfes für den Dollar festgestellt werden. 3. Bom 1. Januar 1925 ab.. B. 100. 1 1. dem Gewerbelapital Ferner kommt noch die Lohnsummensteuer in Betracht. 4. Rein. 2. Ja. 3. Die Steuer richtet sich nach dem Gewerbeertrag und nach $. S. Nr. 82, 1. Der Hauswirt. 2. Laufende Instandsegungstoften. S... 24. 1 bis 3. Gefezliche Beſtimmungen bestehen darüber nicht. 4. Rein.. 2. 35. 1. 1. 2. Ruheftörenden Lärm muß sich jeder Mieter insoweit gefallen laffen, als der Lärm nicht das Maß des Erträglichen übersteigt Shut wenn das nicht der Fall ist, tann Alage auf Beseitigung der Störung erhoben werden. 3. Dazu ist bie baupolizeiliche Ge Be H. Achten Sie CO auf diese Schutzınarke! Continental Regenmäntel für Damen, Herren, Kinder. In einschlägigen Geschäften erhältlich. Continental Regenmantel So gut wie Continental- Reifen! Wirtschaft Mißglückte Frankspekulationen. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst schreibt: Nicht nur die internationalen Devisen und Effektenbörsen, fondern auch die großen Weltmärkte für Metalle, Getreide, Textilrohstoffe und Kolonialwaren sind bis zu einem gewissen Grade in den Rampf hineingezogen worden, der sich in den letzten Wochen zwischen der Bant von Frankreich und der inter nationalen DevDifenspekulation abgespielt hat. Das Effektengeschäft wie der Warengroßhandel stehen besonders in der heutigen Zeit in ziemlich enger Berührung mit den Devisenmärkten. Diese Berührung wird noch dadurch verstärkt, daß die Besucher der Wertpapier- und Warenbörsen sehr leicht der Bersuchung erliegen, sich am Devisenhandel stärker zu beteiligen, als es ihr eigenes Ge. schäft erfordert. Zweifellos ist z. B. der Importeur von Baumwolle, Kupfer, Kaffee oder anderen Welthandelsartikeln genötigt, bei jedem Abschluß, der er in einer dieser Waren erledigt, auch gleichzeitig Devisenoperationen vorzunehmen, durch die er sich rechtzeitig die zur Bezahlung der Waren notwendigen ausländischen Zah. lungsmittel fichert. So hat sich auch diesmal ein großer Teil des internationalen Warenhandels verleiten lassen, an der allge meinen Beiffespekulation in französischen Franks teilzunehmen. Aus Wien, Amsterdam, London und anderen großen Plägen kommen Nachrichten über ungeheure Berlufte, die den terufsmäßigen und den gelegentlichen Devisenspekulanten durch die plötzliche Aufwärtsbewe gung der französischen Baluta entstanden sind. Die deutsche Boltswirtschaft ist durch diese Vorgänge ebenfalls start in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn deutsche Firmen an der Frankspekulation Berlufte erlitten haben, so verdienen fie gewiß tein Mitleid, denn sie haben am Frant nur das versucht, was sie jahrelang mit der Mart zum Echaden des Boltes erfolgreich treiben tennten. Es ist Unsinn, wenn französische Stimmen laut werden, die behaupten, die deutschen Banten hätten auf Verabredung und mit gewissen politischen Absichten diese Baissespekulationen eingeleitet. Es mag sein, daß gewisse psychologische Momente eine Uebereinstimmung der spekulierenden Kreise erzeugt haben. So roenig aber diese Kreise Rücksicht auf das eigene Baterland nahmen, als fie die Mart zugrunde hetzten, so wenig sind sie durch politische Motive bestimmt worden, diesen Bersuch am Frant zu wiederholen. Das Lun und Laffen der Devisenspekulanten wird lediglich bestimmt durch eine strupellose Bereicherungsfucht, die weder patristische Ideale, noch vaterländische Rücksichtnahme fennt. Allerdings ist nicht zu leugnen, daß eine Frantspekulation in Deutschland erst seit der Zeit einsette, wo verschiedene führende Staatsmänner durch vielleicht gar nicht für die breitere Deffentlichkeit bestimmte Aeußerungen die Auffassung befundeten, daß der Frank der Ent wertung anheimfallen werde. Derartige Aeußerungen wurden eine Beitlang in Börsentreisen sehr folportiert und sicher start entstellt und übertrieben. Man glauble, daß eine Baissespekulation in Frants eine absolut sichere Sache sei und beachtete nicht, daß die französische Währung bei weitem nicht so schwer infiziert ist, wie es ehedem der russische Rubel oder die deutsche Mart war. Man unter. schätte ferner die Hilfsmittel der Bant von Frankreich und das starke Interesse, das besonders Amerika an einer Stabilität der französischen Währung hat. Läßt man alle politischen und moralischen Gesichts. punkte beiseite, so bleibt doch die Beteiligung deutscher Finanzleute an der Frankspekulation eine bodenlose geschäftliche Dummheit. An der deutschen Volkswirtschaft ist aber mit diesen Spetulationen geradezu ein Verbrechen begangen worden. Der Late wird sich fragen, wie trotz aller gesetzlichen Beschränfungen des Devisenverkehrs eine Beteiligung deutscher Kreise an der Frankspekulation überhaupt möglich war. Leider ist nichts einfacher als das. Den verschiedenen Devisenverordnungen unterliegt nur der Handel in ausländischen Zahlungsmitteln gegen deutsche Baluta. Der fogenannte usanoehandel, d. h. der Tauschverkehr in Devisen, ist auch an deutschen Börsen voll. Tommen frei. Wenn man also Dollar, Gulden oder englische Pfunde besitzt, so kann man dagegen ganz beliebig französische oder belgische Franks eintauschen. Umgekehrt fann man Franks gegen Dollar felt st wenn man die Franks nicht einmal und Pfunde verkaufen besitzt. Hierin liegt die Wurzel alles Uebels. Es sind an den deutschen wie ausländischen Börsen in den vergangenen Wochen große Beträge französischer Franks von Leuten verkauft, die solche gar nicht befaßen. Man hoffte die schuldigen Summen bei Verlangen Sie stets Spratt's Hundekuchen Geflügelfutter -Niederlagen durch Schilder kenndlichsonst durch Spratt's AG, BERLIN- RUMMELSBURG A2 Ein günffiger Reichsfaffenausweis. Fälligwerden zu wesentlich günstigeren Kursen anfchaffen zu können.| sondern von Paris ausgegangen ist. Es ift in der Tab Als die Aufwärtsbewegung des Frank einfeßte, mußten die Baissiers fein Geheimnis, daß die Industrie, die ihre Rohstoffe im Durchschnitt sich schleunigst eindecken, hierdurch entstand am internationalen bei einem Pfundstand von 90 bis 100 eingedeckt hat, durch die Hauffe Devifenmarkt jene umgeheure Nachfrage nach französischem Gelde, des Frants in eine außerordentlich schwierige Bage geraten ist und die im Verlaufe weniger Tage einen Rüdgang des englischen Pfunds feit Tagen alle Hebel in Bewegung fezt, um der für die Produktion an der Pariser Börse von etwa 120 auf unter 80 Frant hervorrief. erhängnisvollen Bewegung des Franks Einhalt zu tun. Noch heute bestehen sehr große Berpflichtungen zur Lieferung von Franks, deren Deckung im Augenblid gar nicht möglich ist, weil die entsprechenden Summen französischen Geldes nicht zu beschaffen sind. Die Bank von Frankreich hat nämlich nicht nur den Kurs des Frank in die Höhe getrieben, sondern sie hat mit großem Geschid eine sogenannte assenschwänze hervor. gerufen, d. h. sie hat durch größte Einschränkung der Kredite und Berlangsamung der Auszahlungen den gesamten internationalen Devisenmarkt in größte Berlegenheit gebracht, so daß heute selbst in Paris und bei den großen Banken die Auszahlung größerer Sum men von Franks auf Schecks und Wechsel ſich tagelang verzögert. Die Verluste, die hierdurch den Devisenschietern entstanden sinb, gehen ins ungemessene. Unparteiische Beobachter sind der Meinung, daß die schlimmsten Auswirkungen diefer verunglückten Spekula tionen erst im Mai zutage treten werben, weil dann nämlich erst Der größte Teil der Termingeschäfte in Devisen zu erfüllen ist. Es unterliegt faum einem Broeifel, daß die Bant von Frankreich über die Mittel und nötigenfalls über die nötige amerikanische Unterstüßung verfügt, um ihre Stüßungsaktion bis zu diesem Zeitpunkte weiterzuführen. Für die deutsche Volkswirtschaft sind die Manipulationen der Devisenschieber insofern von Nachteil, as die Deckung der Verluste in Devisen erfolgen muß, die natürlich auf irgendeine Weise dem Inlandsmarkte entzogen werden. Diese Devisen werden dem legalen Einfuhrhandel entzogen. Dadurch wird die ohnehin schon bedenkliche Lage des deutschen Devisenmarktes noch mehr verschärft. Die Einschränkung der Rohstoffeinfuhr bedeutet Berminderung der Arbeitsgelegenheit und Erschwerung des Konjunkturaufstiegs. Betzten Endes hat also der deutsche Arbeits. markt den Schaden dieser neuesten Devisenschieberei zu tragen. Die Aufwärtsbewegung des Frants ist feit Montag zum Stiff. stand gekommen. An der Dienstagbörse haben die ausländischen Devisen zum erstenmal feit Einleitung der Stüßungsattion start angezogen. Das Pfund ist von 77,50 auf 79,87, der Dollar, Der am Montag unter 18 heruntergegangen war auf 18,59 ge ftiegen. Diesmal aber mußte die franzöfifche Breffe zugeben, daß die Gegen offenfive nicht in Deutschland ihren Ursprung hat, Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise In Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 16,00-17,25 Malzkaffee, gepackt 16,00-17,00 Röstgetreide, lose 15,75-16,00 Kakao. fettarm Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Rorgenmehl 0/1. Weizengries Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria. Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, I erl Langbohnen. handverles. Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Linsen, kleine Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis....... Tatelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint ... • • D 23,00 25,00 16.00-18.00 100,00-125,00 16,00-16,50 Kakao, leicht entolt... 130,00-153,00 12,75-14,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-420,00 18,00-18,80 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00-22,50 Inlandszucker basis mel. 40,00-42,00 In der Zeit vom 11. bis 20. März fonnten die Reichsfinanzen einen Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben verzeichnen. Den Einzahlungen an die Reichstasse in Höhe von 197,56 Millionen Goldmark stonden Auszahlungen im Betrage von 134,25 Millionen Goldmart gegenüber. Der Ueberschuß beträgt 63,3 Millionen; um den gleichen Betrag vermindert sich das bisherige Defiztt von 779,4 auf 716,1 Millionen Goldmart. Die Erhöhung der Einnahmen erklärt sich durch größere Steuerzahlungen, die, zum Teil einmalige Erhebungen, vielfach schon im Februar fällig waren, und durch verminderbe Zahlungen an die Länder( 35 gegen 65 Goldmillionen). Die AusZahlungen an die Länder( 35 gegen 65 Goldmillionen). Die Ausgaben gingen auf 143,2 Goldmillionen gegen 161,9 Goldmillionen in der Zeit vom 1. auf den 10. März zurück. Das Ergebnis der letzten Dekade wäre noch viel besser gewesen ,. wenn das Reich nicht durch die ungünstige Lage des Geldmarktes gezwungen worden wäre, erhebliche Beträge seiner Schulden zurückzuzahlen. Nicht weniger als 12 Millionen Goldmark mußten zur Einlösung von Rentenmartfchatwechseln und ein noch bedeutend größerer Betrag, nämlich 43,6 Millionen zum Rüdkauf von Goldschazanweisungen ausgegeben werden! Bereits wiederholt, zuletzt in unserer Sonntagsausgabe, murde an dieser Stelle auf die Gefahren und Mißstände hingewiesen, die sich ergeben, wenn das Reich zu einer Zeit, wo es sparsam haushalten muß und ein laufendes Defizit hat, zur Tilgung von Schulden gezwungen wird. Die Notwendigkeit einer ver. nünftigen Anleihepolitit murbe ebenfalls dar gelegt. Bisher ist jedoch noch nicht bekannt geworden, ob und in welcher Weise das Reich sich auf diese Situation einstellen will. Der Prager Genossenschaftstag. Die Genossenschaftstonferenz in Prag, über deren Busammentreten mir bereits berichteten, nahm nach emem Bericht des belgischen Genossenschaftlers Geron, der vom Internationalen Genossenschaftsbund nach Georgien entfendet worden war, folgende Refolution an: „ Der Borstand des Internationalen Genossenschaftsbundes macht auf feine früheren Beschlüsse aufmerksam, daß das Genossenschaftswesen im Interesse seiner Entwidlung frei und souverän sein muß. Er fordert den Vorstand des Zentrofoius in Rußland auf, diesen Beschlüssen gemäß zu handeln und zur Wiederaufrichtung eines freien Genossenschaftswesens in Georgien beizutragen." Diese Resolution murde mit 20 gegen 7 Stimmen angenommen. Hierauf beschäftigte fich der Genossenschaftstag mit den vorbereitenden Arbeiten des Internationalen Genossen [ aftstongreffes in Gent, der im September dieses Jahres ftattfinden wird. Am Montag fand eine Sigung des Internationalen Genossen 14,50 16,00 Inlandszucker Raffinade 42,50-44.50 fchaftlichen Bantausschusses statt. Die Errichtung einer Inter17,00-21,00 Zucker Würfel 46,00-48,00 nationalen Genossenschaftsbant ist vorläufig noch nicht möglich. 19,00-22,75 Kunsthonig 36,00 40,00 Ueber die Errichtung von Genossenschaftsbanken in den einzelnen 14,00-17,00 Zuckersirup hell in Elm. 49,00 20,25-24,00 Speisesirup dunk. in Eim. 33,00-35,00 Ländern referierte ein französischer und ein tschechischer Genossen30,00 32,50 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-130,00 fchafter. Dr. Renner- Wien jetzte sich dafür ein, daß die Ge26,00-35,00 Marmelade Vierfrucht 40,00-55,00 noffenschaftsbant unter Mithilfe der Gewerkschaften errichtet werde. 36,50-42,00 Pflaumenmus in Eimern 45,00-48,00 Dagegen sprach sich jedoch der franzöfifche Delegierte Boisson aus. 4,00 4.60 Die angenommenen Richtlinien befagen, daß die Erfparniffe der Genossenschaften zur Weiterentwicklung der Ges noffenfchaftsbewegung tonzentriert werden müssen 68.50 und diese Konzentration in einer eigenen Organisation durchgeführt werden soll. 43,00-49 50 Steinsalz, lose....... 3,20 3,80 16,00 18,00 Siedesalz lose 40,00-45,00 Bratenschmalz in Tierces 68,00 37,00-38,50 Bratenschmalz in Kübeln 69,00 69,50 21,00-25,00 Purelard in Tierces 67,00 15,25-17,50 Purelard in Kisten 68,00 17,00-19,50 Speisetalg in Packung 46,00 50,00 27,00-31,00 Speisetal in Kübeln 46,00-48,00 31,00-36,00 Margarine, Handelsm. I 56,00 105,00-110,00 desgl. II. 48,00-52,00 43,00-48,00 Margarine, Spezialm.i.. 76,00 55,00-60,00 desgl. II. 60,00-65,00 80,00-85,00 Molkereibutter I. Fässern 190,00 Rosinen in Kisten, Candia 75,00-95,00 Molkereibutter in Pack. 195,00 Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice • .. Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Kümmel, holländischer. Schwarzer Pfeffer singap. Zimt( Cassia) Weißer Pfeffer. Rohkaffee Brasil 85,00-95,00| Landbutter in Fässern. 160,00 80,00-85,00 Landbutter in Packungen 165,00 145,00-160,00 Auslandbutter 190,00-195,00 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00-36,00 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett... 62,00- 67,00 155,00-165,00 Quadratkäse........ 35,00-45,00 35,00-50,00 103,00-111,00 Quarkkäse 135,00-146,00 Tilsiter Käse, vollfett 115,00-125,00 180,00-215,00 Aust. ungezuck.Condensmilch 48/16. 22,50-25,00 240,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 18,50- 19,50 OF Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 Röstkaffee Zentralam.. 320,00-400,00 Inl. gez. 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Bortrag des Genossen Adolf Roch: Körperbildung der Jugend durch rhythmische Uebungen" Schulangelegenheiten. Gäste willtommen. 13. Reets Tempelhof- Mariendorf. Heute, Mittwoch, abends 6% Uhr, Bezirks versammlung Germaniastraße. in Tempelhof, Thema: Abbau der Gozialisten." Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz nahe Aschinger Königstr. 55 gegenüber Rathaus W Friedrich- Str. 193 a Ecke Leipziger Str. Leipziger Str. 113 Ecke Mauer- Str. Linkstr.1 Ecke Potsd, St. N Schönhauser Allee 81 am Bht. Nordring Friedrich- Str. 106 Ecke Ziegel- Str Invaliden- Str. 164 Ecke Brunnen- Str. Invaliden- Str. 117 " 8. Kreis Arenberg. Sthung ber gefamten Oftente Sex Beamten et Sonnens tag, den 27. März, abends 6% Uhr, Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25. Heute, Mittwoch, den 26. März: 39. Abt. Heute Kreismitgliederversammlung. Näheres fiche allgemeinen Spiegel 51. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr Funktionärstzung bei Lehmann, Königs weg 8. 77., 78. und 79. Abt. Schöneberg. 7% Uhr in der Aula der Gemeindeschule Feurigstraße, Vortrag des Genossen Ernst Heilmann, M. d. 2. 84. Abt Lantwig. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Paradiesgarten, MühlenStraße 21, Bortrag des Genossen Redakteur Reuter: Die bevorstehenden Reichstagswahlen. 136. Abt. Reinickendorf- Ost. 7½ Uhr im Jugendheim Geebad, Residenzstr. 49. Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Bflicht. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 26. März: 99. Abt. Brig- Budow. 7 Uhr im Jugendheim, Nathaus, Chauffeestr. 48, Bortrag des Genossen Waclawiat über: Altes und Neues über Aberglauben und Glauben in der Großstadt." Gäste willkommen. Morgen, Donnerstag, den 27. März: 17. 6. 7 Uhr Funktionärtonferens bei Dose, Nordhafen&. 101. Abi. Treptow. Der Bortragsabend des Genoffen Wermuth fällt unftbe halber aus und wird am Donnerstag, den 3. April, ftattfinden. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 27. März: 136. Abt. Reinidendorf- Ost. 7% Uhr im Jugendheim Seebad, Residenzstraße 9, Tagesordnung: Die Frau als Führerin im Wahlkampf." Referenting Frau Kunert, M. d. 2. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 80. Abt. Echöneberg. Genoffin Johanna Otto, Rubensstraße, ift verstorbex. Einäscherung am Donnerstag, den 27. März, 21 Uhr, im Krematoriume Wilmersdorf. Für Reise, Jagd und Sport о Dieser Kneifer aus bestem Nickel ohne Gläser nur . M. 0.75 aus Gold- Doublé ohne Gläser nur.. M. 1.50 Rathenower Bi- Gläser p. Paar ,, am Stettiner Bahnhof Panktorik- Gläser Chaussee- Str. 72 nahe Müllerstr. O Frankfurter Allee 14 Optiker Ruhnke's Televist" 1.3.. 19 " 99 Reise-, Jagd- und Sport- Glas Eigenes erstkl. Fabrikat von anerk. Qual. u. Leistung 6 X Verg. M. 90.-, 8 X 100.-, 12 X 120.Diese mod. Brille mit hell. ed. dunkl. Rand, Doublé- Bügel und Steg ohne Gläser nur M. 3.50. 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Es muß Rückschau halten, um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, sich meit zurückliegende Vorkommnisse ins Gedächtnis zurückrufen. Eines dieser Ereignisse ist der Mordan Rathenau. In der Begründung des Urteils gegen die Attentäter, das von dem Senatspräsidenten Schmidt am 14. Oftober 1922 verkündet wurde, heißt es über diese Mordtat: JUB S + MARXIST t „ Eines der fluchwürdigsten Verbrechen, das die Geschichte tennt, ist Gegenstand der Berhandlung gewesen. Durch feigen Meuchel mord ist eines der wertvollsten Menschenleben ausgelöscht worden, ein Leben, das gerade zur jetzigen Zeit unferem gequälten armen Bateríand von großem Nugen gewesen wäre. Der Tod Rathenaus wird zum Teil Schuld daran tragen, wenn im kommenden Winter Hunderte und Tausende durch Tod zugrunde gehen, wenn sie hungern, erfrieren. Rathenau wäre der Mann gewesen, durch geeignete Berträge dieser Not entgegenzutreten. Feige Meuchelmörder haben na ch allen Regeln der Mordkunst es verstanden, ihn aus dem Wege zu räumen. Sie haben weiter gehofft, fich durch Flucht nach wohlvorbereiteten Plänen der Verfolgung zu entziehen, wie es die Mörder Erzbergers getan haben. Nur der ungeheuren Empörung über die Tat ist es zu danken, daß nach langer Berfolgung die Mörder gestellt wurden. Sie haben sich ihrer Aburteilung und der wohlverdienten Strafe durch Selbstmord entzogen. Dadurch ist die Tat der Hauptschuldigen gefühnt. Hier bleibt nur die traurige Nachlese, die Bestrafung der jugendlichen Gehilfen und Werkzeuge. Obwohl man mit ihnen ein gewisses Mitleid fich nicht versagen kann, mußte fie, soweit fie für schuldig befunden wurden, doch schwere Strafe treffen. Hinter den Mördern und Mordgehilfen hebt der verfolgen. Die Niedrigkeit der Gesinnung, die aus solcher Kampfes-| fanatisme Antisemitismus verantwortungslos fein verweise spricht, läßt ahnen, was uns bevorstünde, wenn die Helden zerrtes Antlig empor, der Antisemitismus, für den die vom Knüppel und vom Schwefelwasserstoff ihre Dittatur aufrichten Schmähschrift Die dreihundert Weifen von Zion" ein Beispiel ist, eine Schrift, die die Juden schmäht und Mordinffintte in Die Sozialdemokratie hat in ihrem Aufstieg bereits einmal den die unreifen& öpfe pflanzt. Möge der durch die Verhand- Kampf mit den Knüppelgarden des Radau- Antisemitismus bestanden. lung geflärte Sachverhalt sowie die schrecklichen Folgen des Ber. Sie wird auch diesmal mit den Radaugarden von links und rechts brechens jedes noch so sehr versteinerte Herz bewegen, möge der Brief fertig werden. Es liegt am Selbstgefühl jedes Geder wobblers größer. brechens jedes noch so sehr versteinerte Herz bewegen, möge der Brief nossen, alle Terrorisierungsversuche unreifer Burschen und verder ehrwürdigen Mutter Rathenaus dazu dienen, die verpestete Luft und die schwüle Atmosphäre zu reinigen und das in wilderten Gelichters abzuweisen. ihnen versinkende und schwerkranke Deutschland der Genesung entgegenführen...." Und welcher Partei gehörten die Mörder bzw. ihre Ges hilfen an? Sie waren Mitglieder der deutschvölkischen Organisationen bzw. des Deutschnationalen Jugendverbandes, also Angehörige von Parteien, die sich heute nicht schämen, als Volfsbeglücker aufzutreten, nachdem sie zunächst das Bolk in den Weltkrieg führten und dann jene Männer zu Tode hetzten, die das deutsche Volk vielleicht aus dem Elend hätten führen können. Deutschvölkische und Deutsch nationale wählen heißt also, nicht nur für neuen Krieg stimmen, sondern auch den Meuchelmord an einem der befähigtsten Bolfsgenossen als gerecht aner fennen, fich auf die niedrigste Kulturstufe stellen und den Mord an allen Andersdenkenden für die Zukunft als Regel bestätigen. Politische Verwilderung. Böllische und Kommunisten haben durch ihr Treiben in den ersten Tagen des Wahlkampfes die Absicht enthüllt, den Wahlkampf im Zeichen des Versammlungsterrors zu führen. Die Diktatur, die sie dem deutschen Bolte aufzwingen wollen, üben sie praktisch bereits in Bersammlungen. Ihr Ziel ist nicht Aufklärung, Ueberzeugung, geistiger Kampf um die Willensrichtung des Volkes, sondern die Herrschaft des Gummifnüppels über eine stumpfe, willenloſe. politisch verdummte Masse. Dem entsprechen ihre Kampfmethoden. Am vergangenen Dienstag sprengten Deutsch pölkische dine Katholikenversammlung in Elberfeld mit Torpedopfeifen, Niespulver und Schwefelwasserstoffftinkbomben. Die„ Kölnische Boltszeitung" berichtet darüber: ,, Gerade in dem Augenblick, wo Dechant Neumann das Bult betritt, wälzt sich eine Wolfe von Nies pulver über die Bühne. Alles niest, pruftet, schneuzt sich. Die Augen tränen, und es wird jedem flar, daß man mit Zwischenfällen zu rechnen hat. Als Dechant Neumann als Zweck der Versammlung bezeichnet, gegen die unerhörten Verdächtigungen und Verleumdungen, die General Ludendorff ausgesprochen, Stellung zu nehmen, setzte geradezu ohrenbetäubender Lärm ein. Pfuirufe, Trillerpfiffe, Rufe, wie„ Gemeinheit" usw. Man sieht, wie an mehreren Stellen des Saales fich jugendliche Personen mit blauen Müzen auf dem Kopfe auf Stühle und Tische schwingen, die Müzen abreißen und Heilrufe auf Hitler und Ludendorff ausbringen. Alle Bemühungen sind nuglos, den siedenden Heren teffel abzufühlen. Das Wuppertaler Zentrumsblatt teilt mit, baß schon einige Tage vor der Versammlung Mitglieder der „ Deutschvölkischen Freiheitspartei", des„ Stahlhelms" und auch des Jung deutschen Ordens" mobili fiert waren, um die Rundgebung durch übelriechenden Schwefelwasserstoff Nießpulver, Lärmen usw. zu stören. So die Kampfesweise der Deutschvölkischen. Und mm ihre Freunde von der anderen Couleur. Am Sonntag sprengten in Berlin Kommunisten eine völ fische Bersammlung. Darüber beschwert sich das Bureau der Deutschfozialen Partei im Lofalanzeiger": „ Die Deutschsoziale Bartei hatte eine Wahlversammlung in der Schulaula in der Grünthaler Straße einberufen. Der Saal war start gefüllt. Gegen 8 Uhr drang ein Trupp jüngerer Kommunisten, ohne Eintrittsgeld zu zahlen, in den Saal ein. Es begann sofort ein starkes Lärmen. Der deutschsoziale Rebner v. Honnette fonnte sich jedoch Ruhe verschaffen. Er sprach ungefähr drei Viertel Stunden lang. Der ihm gespendete Beifall fchien die Kommunisten zu reizen. Einige drangen auf die Bühne und brachen in Rufe wie:" Schwindel!"" Man will Euch betrügen!" aus. Es entstand ein allgemeiner Tumult, bis der Leiter die Versammlung schloß. Die Kommunisten bildeten vor der Aula Spalier, so daß der Borstand und der Versammlungsleiter erst zuletzt den Saal verlassen fonnten. Die Deutschsozialen hatten sich verabredet, in einem Lotal in der Nähe Schuß zu fuchen. Die Verabredung mußte von den Kommunisten gehört worden sein. Als sich die Teilnehmer auf dem Weg befanden, wurden sie plöglich aus einem Hausflur von 8 Kommunisten überfallen. Sie wurden mit knüppeln und Stöden beBeide Borfälle kennzeichnen die politische Verwilderung, die bei den Bölkischen und bei den Kommunisten eingerissen ist. Barteien, die mit solchen Mitteln kämpfen, tönnen teine hohen Ziele arbeitet." würden. Deutsch- völkische Freiheitspartei: Freiheit, die sie meinen. Kampf den Völkischen! Die Deutschvölkischen sind die Todfeinde von Demotratie und Freiheit. Sie wollen die Arbeiter unter die Diktatur von Haten treuzjünglingen stellen. Die Deutschvölkischen werden mit Unternehmergeld bezahlt, um die Arbeiterbewegung zu bekämpfen. Die Deutschvölkischen sind die Partei der Mordheße. Deutschvölkische waren es, die die niedrigsten Verbrechen der letzten Jahre verüblen: Mord an Erzberger Mord an Gareis Mordanschlag auf Scheidemann Mord an Rathenau Mordanschlag auf Seeckt Schlächterei von Parchim Dentt an diese Verbrechen! Denkt an den Hitler- Prozeß! Denkt an die Zerstörung der„ Münchener Post"! Denkt an die Mordpläne der Hitler- Ceute gegen friedliche Bürger! Von wahrer Freiheit. Freies Bolk oder knechtselige Untertanen? nationalen, führen in diesem Wahlkampf das Wort Freiheit" Die Deutschnationalen und die Deutschvölkischen, die Patent im Munde. Sie beschimpfen die demokratischen Parteien, die außenpolitisch und innenpolitisch an der Berwirklichung der Freiheit des deutschen Volkes arbeiten, als Parteien der Knechtseligkeit. Die „ Deutsche Tageszeitung" schreibt: " Die nationale Selbstbesinnung, die durch das deutsche Volk geht, und die innerpolitisch in der starken Rechtsschwen fung meiter Kreise zum Ausdrud fommt, ist begreiflicherweise ein Greuel vor den Herren Demokraten, Pazifiſten und Frantophilen. Deshalb wehren sie fich dagegen, indem sie das deutsche Volk warnen, durch eine andere als die bewährte Gesinnung der Unterwürfigkeit sich das Wohlwollen Frankreichs zu verscherzen, das in den ganzen letzten Jahren in so überaus erfreulicher Weise uns gegenüber Tatsache geworden ist." Die bewährte Gesinnung der Unterwürfigkeit des deutschen Boltes wieder zu züchten, ist das Ziel, das den Rechtsparteien vor. behalten ist. Untertanen geist und Knechtseligkeit soll die Verfassung charakterisieren, die sie dem deutschen Bolte geben möchten. Um die Deutschen wieder innerlich unfrei zu machen, um fie unter das Joch einer unfähigen Monarchie, einer unwissenden Junkerkafte zu beugen, benutzen sie die schwere Lage Deutschlands nach der Niederlage zu verlogener Agitation. Auf die Befreiung von 1813 folgte die Rnechtung des deutschen Volkes durch die Karlsbader Beschlüsse von 1819, auf das Joch Napoleons das Joch der borniertesten deutfchen Reaktion! Soviel ist von der Befreiung" durch die Reaktion zu halten. Und wer wollte leugnen, daß es das Werk der deutschen Reaktion war, der Rückständigkeit der politischen Entwicklung Deutschlands, des Mangels an wahrer innerer Freiheit, daß wir jetzt nach außen hin unfrei sind? Die wahre Freiheit ist Freiheit nach außen und Freiheit im Innern zugleich! Ist der nicht erbärmlich, der über äußere unfrei heit flagt und doch selbst das eigene Bolt fnechten möchte? Treibholz. Als floating timber", als Treibholz, wird in der politischen Terminologie der Vereinigten Staaten von Amerika jene große Terminologie der Vereinigten Staaten von Amerika jene große Wählermasse bezeichnet, die stets hin- und herschwankt, die den gröbsten Einflüssen am leichtesten unterliegt. Bei den Engländern wird diese bunte, unselbständige und zugleich auch unberechenbare Maise the wobblers" genannt, die Wackelnden, und wir nennen sie die Partei der Schwankenden. Nach allem, was bisher in den verschiedensten Ländern mit parlamentarischen Einrichtungen beobachtet worden ist, dürfte es eine Täuschung sein, wenn angenommen wird, daß die Zahl der Lauen und Unentschiedenen, derer, die in ihren politischen Ansichten hin- und herpendeln, große Schivankungen aufweist. Verschieden ist nur bei einzelnen Wahlen die Verteilun dieser unsicheren Kantonisten auf die Parteien. In politisch ruhige Zeiten verteilen sie sich mit größerer Gleichmäßigkeit auf alle Ban teien und the floating timber erscheint dadurch weniger groß, i politisch oder sonstwie erregten Zeiten dagegen wird die Partei de Schwankenden leicht geneigt sein, extremen Parteien zuzustoßen ode wenigstens die politische Haltung zu ändern. So erscheint die Zai Weil die Tatsache besteht, daß Hunderttausende, ja Millione in ihrem politischen Urteil schwankend sind, ist der Ausgang von al gemeinen Wahlen, namentlich in großen Ländern, nie mit einige Sicherheit zu berechnen. Selbst die flügften politischen Strateger Agitatoren, die während des ganzen Wahlkampfes in der vorderste Linie standen, und von denen angenommen werden konnte, daß si die Wählermasse genau fennengelernt haben, mußten nachher bi fennen, daß sie das schließlich zustandegekommene Wahlresultat nid erwartet haben und zwar nicht nur im günstigsten, sondern au im günstigen Sinne. Nicht einmal, sondern schon sehr oft habe die Schwankenden und Unsicheren bei Wahlen den Sieg auf diese oder jener Seite niedersinken lassen. Mehr und mehr bemühen sich deshalb die Parteien, namentli( in Nordamerita und England, das Treibholz" für sich zu gewinne die Wackelnden für ihre Partei standhaft zu machen. Das geschiel hauptsächlich durch Hausagitation. Man hat gefunden, daß di Wadelnden am wenigsten burd) lange Flugblätter, burch groß Agitationsreben und Broschüren zu gewinnen find, sondern viel mehdurch die Agitation. von Mund zu Mund, durch persönliches Eir mirfen eines gefeftigten Mannes oder einer anständigen Frau, dun Aufklärung im Hause, in der Werkstatt, in Fabrit und Kontor. Da Beispiel wirkt bei den Schwankenden viel mehr als die Lehre, de Einfluß eines Freundes, Bekannten oder Berufsgenossen hat eine befferer Erfolg als das Wort des beredesten Agitators. Primiti wie der Schwankende in seinem politischen Verhalten und in feines politischen Urteil ist, fönnen auch die Mitte! sein, um ihn zu feſtiges um sein politisches Urteil zu lenfen, The floating timber, die politisch Schwankenden, zu uns hir überzuziehen, ist deshalb eine Aufgabe, die während der nächste der Werkstatt, auf Arbeitsplägen, in den Fabriken, in Läden un Wochen als eine der wichtigsten erscheint. Ueberall, im Hause, i Kneipen, in den Kontoren, auf dem Tanzplatz ebenso wie bei Aus flügen, furz überall, wo sich uns Gelegenheit bietet, muß jeder G noffe an die Schwankenden heranzukommen suchen. Auch Genosse die rednerisch nicht begabt find, ja gerade die am meisten, ebenso di Hausfrauen, fönnen hier, so flein und unscheinbar es aussieht, Große vollbringen. Wenn nach dieser Richtung hin jeder seine Schuldig feit tut, wenn jeder in seinem Bekanntenkreis das Augenmer? an die Schwankenden richtet, durch Beispiel und durch Aufklärungsarbe sein Bestes einsetzt, dann wird die Hoffnung der Helfferich un Westarp auf Zustandekommen eines reaktionären und republiffeini lichen Reichstages zuschanden werden. 2. M. Demokratie ohne Konsequenz. Wie bekämpft man am besten die Sozialdemokratie? Die Hilfe", das demokratische Organ von Anton Erte lenz und Gertrub Bäumer, beschäftigt sich mit der Zukun ber Sozialdemokratie, die sie auf ihre Art bekämpft. Auch sie füh den Kampf gegen den Marxismus", aber sie will ihn mit anders Mitteln zum Siege führen als die soziale Realtion: In einem wahrhaft freiheitlich regierte Staate, in dem soziale Gerechtigkeit herrscht, fönni jekt dem margistischen Sozialismus ein neuer tödliche Schlag versetzt werden. Die Einigkeit in der Sozialdemokrati besonders vor dem Kriege, war eine Folge der reaktionäre Uebermacht in Deutschland. Nur eine von wahrhafte Demokratie, von großzügigem Liberalismus un von ehrlichem sozialen Rechtsgefühl geleitete Staats gewalt tann den Giftstoff, der in der klassenmäßigei Absonderung der Arbeiter liegt, neutralisieren, aus schaften." Es ist entschieden ein origineller Gedante, die Sozialdemokrati zu bekämpfen durch Berwirtlichung ihrer 3iele! Diese Gedanke konnte nur erwachsen auf der Grundlage der völligen Ver Bennung der sozialistischen Ziele. Der Sozialismus will nicht di flaffenmäßige Absonderung der Arbeiter, sondern die Aufhebung de Klassenherrschaft durch die Beseitigung des Giftstoffes der Aus beutung. beutung. Der Weg dazu führt durch wahrhafte Demokratie un faziale Gerechtigkeit, denn der Sozialismus ist die Konsequenz de Demokratie. Indem die Demokraten wahre Demokratie und sozial Gerechtigkeit erfämpfen wollen, um die Sozialdemokratie zu ve nichten, handeln sie wie Leute, die die Gerechtigkeit bekämpfe wollen, um sie zu verwirklichen, die die Freiheit verwirklichen woller um fie zu befämpfen. Mögen sie nur ernst für Demokrati und soziale Gerechtigkeit eintreten! Je mehr fl verwirklicht werden, um so mehr wird auch die Idee des Sozialismu mit zwingender Gewalt in die Köpfe eindringen Vor dem Depeschenaushang. Bon Tehate ha Die Schneiderin. Die Drei gingen. Ich hätte Effe füffen mögen. Eine einfache Schneiderin und soviel politische Einsicht. Diese Stillen im Lande find doch unfere besten Werbeträfte. Mutter und Kind. Die Dret find schon ein Stüd fort, da tommt eine ältere Frau Groß und feierlich hängt in dem Schaufenster elrie Bapptafel, mit einem Jungen daher. Sie bleiben stehen, der Knabe muß ihr auf der nertündet wird: vorlesen, was auf dem Papier steht: Wahlen zum Reichstag am 4. Mai. Darumber ein Bild von der letzten Reichstagssitzung Ueber den Damm tommen drei Mädchen. Anscheinend SchneiMerinnen, oder so was. Die Mittelste liest laut vor, was auf dem Mushang verkündet wird. „ Det regt mir nich uf", sagt ihre Kollegin rechts. , 50, das regt Dich nicht auf? Weißt Du auch, was Du da nrit fagft?" „ Gott, hab Dich nich, Elfe, id weeß ja, Du bist eene Robe." „ Das ist gleich, aber gerade wir Mädels und Frauen sollten da für sorgen, daß fein Reichstag gewählt wird, bei dem wir Frauen unter die Räder tommen." Det is mir zu hoch." Und ist doch so einfach: Die Sozialdemokratische Partei ist die einzige Partei, der mir Frauen überhaupt das Wahlrecht zu verDanten haben." Wahlen zum Reichstag am 4. Mai grölt der Bursche. Die Frau blidt verloren in die Glasscheiben, was sie denkt, verrät sie mit feiner' Miene. Mutter, was ist das, der Reichstag?" schreit der Junge. Die Gefragte blickt sich scheu unt, ob nicht hörer da sind. tue uninteressiert. Darauf sagt sie zum Sohn: Ich „ Da sitzen lauter Leute drinn, die uns immerzu das Geld wegnehmen." Diese Antwort tam mir etwas zu turz vor, ich hätte gern einiges gesagt. Der Bub war mit der Auskunft nicht zufrieden. Hol'n die das Geld grad so weg?" fragte er weiter. „ Das verstehste noch nich so, Karl. Aber da werden alle die Steuern gemacht, die Vater abgezogen bekommt oder die mir bes zahlen müssen, wenn wir etwas foofen. Och, daß die Mieten wieder so ville Geld foften, det wird allens da geschafft. Man meent manchmal, denen wär' s dehirn erfroren." Karl wurde nun sehr lebhaft:„ Ist denn da niemand drinn, wo „ Else, schneid nich uf, die anderen Parteien werden sich hüten, den armen Leuten hilft. Die wissen vielleicht gar nich', wie wir ims das Wahlrecht zu nehmen." arm finn..." Hüten? Dent doch an den Achtstundentag. Gentert sich je. mand? Na also." Die beiden Mädels rechts und tints schauten Elfe an, die fuhr fort: „ Nicht, was die Parteien versprechen, ist mir maßgebend, fondern was fie getan haben. Nun, haft Du eine Bartel gesehen, die, als sie an der Macht war, den Frauen das Wahlrecht angeboten hätte? Die Sozialdemokratie erft hat die Frau freigemacht." Bon die Seite haste recht, Elfe. Aba mu hamm mirs doch." Ja, aber wie lange noch, wenn man sich so gleichgültig benimunt mie Du, Rofi." „ Na, det war doch man bloß so. Selbstmurmelnd wählen wir und feste och noch." „ Die und nich wissen. Es fimm schon welche drinn, die für uns reben, aber ville zu wenig, die andern triegen immer recht." ,, Denn müssen mehr arme Leite in den Reichstag", sagte Karl Aber Mutter zog ihn weg und ich hörte nicht, wie die Debatte weiter. ging Der alte Beamte. Ein noch gar nicht so alter Herr tritt an das Fenster. Er setzt feinen Kneifer ab und hoft einen anderen aus der Westentasche, den er umständlich in Stellung bringt. Dann lieft er feierlich, als ob es Bibelverse wären, die Worte an der Depeschentafel. Er sieht mich darauf an, mit was für einer Farbe ich wohl bepinselt sein könnte. Ebenso umständlich steckt er seine Gläser wieder ein. Immer noch sieht er mich an. Dann sagt er: BAD- NAUHEIM HESSISCHES STAATSBAD Am Taunus bei Frankfurt a. Main GANZJÄHRIGE KURZEIT „ Dreißig Jahre hab' ich mich", er zeigt auf das Bild, für die Gesellschaft geplagt und geschunden. Jezt schmeißen sie mich mit einem Lumpenpfennig auf die Straße. Was meinen Sie, was ich am 4. Mai tue, häh?" Ich sagte ihm, ich wüßte es nicht, aber jedenfalls soll er eine Partei wählen, die die meiste Garantie dafür bietet, daß so etwas nicht wieder vorkommt! Er machte eine Bewegung, die wie tiefer Efel vor etwas ausa fah, dann redte er sich, als ob innerlich etwas in Ordnung zu bringen fei. Schließlich trat er dicht vor mich hin und erfärte: „ Dreißig Jahre hab' ich fonservativ gemählt: 1893, 98, 1903, 07, 12, 19, 20 immer hab' ich tonservativ gewählt. Aber jetzt? Nischt wie sozialdemokratisch. Aber jeste." Damit ging er. Ich habe das Biertelstündchen am Fenster nicht bereut.. Standpauke. Was habt Ihr nur, was foff das Gegreine: „ Die Rechte marschiert!" Dentt an das eine, Daß die Kugel des Schicksals nicht blindlings rollt; Ihr alle habt Macht, es abzuwenden, Das Wahlresultat liegt in Euren Händen, Denn: Ihr könnt wählen, genau so, wie Ihr wollt. Aber manchmal, da verlangt das Kind seine Puppe, Und was sonst wird, ist ihm absolut schnuppe. Wir mußten ja schon einen Weltkrieg verlieren, Weil wir gar so lange feinen gehabt hatten Und uns zu wenig am Stahlbad gelabt hatten. Wollt Ihr also durchaus an den Rhein marschieren, Dann wählt ruhig völkisch und reaktionär. Nur, Herrschaften, beschwert Euch nicht hinterher. Euch vertraut die Verfassung den Stimmzettelbefen. Möchtet Ihr aber durchaus nicht fegen, Sondern Euch lieber schlafen legen, Dann bist Du und jeder mit schuld gewefen An dem, was dann tommt! M. D. L. Das obenstehende Gedicht ist dem republikanischen Bikblatt Lachen lints" entnommen. Bachen lints" erscheint jeden Freitag Preis der Einzelnummer 25 Pfennige. Hervorragende Heilerfolge bei Herzkrankheiten, beginnender Arterienverkalkung, Muskel- u. Gelenkrheumatismus, Gicht, Rückenmarks-, Frauen- u. Nervenleiden. Vorzügliche Konzerte, Theater, Tennis, Golf, Wurftauben- Schießstand. Herrliche Park- und Waldspaziergänge. Schöner angenehmer Erholungsaufenthalt. Sämtliche neuzeitliche Kurmittel. Zimmer mit Verpflegung v. Mk.5.- bis Mk.12.-. Man fordere die neueste Auskunftsschrift F. 122 von der Bad- und Kurverwaltung Bad- Nauheim. Verkäufe Bezleih Don Gesellschafts- Anzügen Messingbetten, Doppelbetten, Metall- Bertrauensvole Auskunft Frauen, Brunnenstraße 4. Entzückende Suchmäntel, Zufallskauf, mit Auflage 25. Chaiselongues 12. lich geprüft. 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