Abendausgabe Nr. 146 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 73 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Cindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Mittwoch 26. März 1924 Berlag and angetgenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Trotzki, Macdonald und die Abrüstung. Reform im höheren Schulwefen. Nach einem Moskauer Telegramm der Brager Breffe"| nügend starten Marinestützpunkt in Singapore zu errichten, um gab Irogti einem Berichterstatter der Hearst- Breffe eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die Arbeiterregierung in England ist ein wichtiges prin zipielles Experiment der Befchichte. Durch diese Regie rung scheint fich für Britannien die letzte Möglichkeit einer neuen internationalen Orientierung ohne große revolutionäre Stürme zu eröffnen. Die Arbeiterpartei hat die ausnahmsweise Möglichkeit, England auf der Grundlage eines demokratischen Barlamentarismus rabital zu reorganisieren. Wenn die aufrichtige Durchführung rabitaler Reformen auf den Widerstand Der Nichtarbeiter- Parteien im Parlament stoßen würde, ist es sicher, daß die Neumahlen eine überwiegende Mehrheit für bie Arbeiter. partei bringen würden. Trogli, obwohl Revolutionär, mürbe es wünschen, baß die Arbeiterpartei die Kraft finden möge ,, wenn nicht zur Beseitigung, so doch wenigstens zur Schwächung und Berminderung der Klaffengegenfäge und inter. nationalen Konflitte. Er glaubt jedoch nicht daran, baß dies der Fall sein werde, er ist im Gegenteil überzeugt, baß die Arbeiterregierung diese ausnehmend günstige Situation nicht ausnügen werbe, und daß ihr Werk erst wirkliche Revolutionäre vollenden werden. Laut einer Meldung der offiziöfen Ruffischen Telegraphen agentur antwortete Trokki auf die Frage, ob die Sowjetregierung mit der Regierung Macdonald in Sachen der Einberufung einer internationalen Konferenz für Abrüstung und für Revision des Versailler Vertrages zusammengehen würde, die Sowjetregierung werde jede Arbeitsgemein icha ft mit der engli chen Regierung begrüßen, soweit das mit auch nur der bescheidenste Schritt vorwärts auf dem Wege zur Abrüstung und zur Erleichterung des Wirtschaftsver fehrs getan werde. Diese Aeußerungen Trokki stehen in cinem erfreulichen Gegensatz zu den fortgefeßten Berun glimpfungen und Beschimpfungen, denen Macdonald und Die übrigen Mitglieder der englifchen Arbeiterregierung in Der Somjelpresse dauernd ausgefeht find. Sie gehen a h. someit die Abrüftungsfrage in Betracht tommt, we'entlich über die Antwort hinaus, bie die Somjetregierung dem Genes ralsekretär bes Bölferbundes über den ihr übermittelten Ber biefe ungeheuren und wichtigen Interessen zu beschirmen. Der Barlamentssekretär der Admiralität Ammon erwiderte, um biele wertvollen Badungen zu schützen, sei eine Verstärkung ber britischen Kreuzer vorgenommen worden. Die britischen Striegs. fchiffe hätten in den vergangenen Jahren den Handel gefügt und würden dies in gleicher Weise in Zutunft tun, ohne daß ein Aus. bau ber Dods in Singapore stattfinden werde. Die Regierung habe nach Anhörung und Erwägung der Ansichten der Marinefachver. ständigen beschlossen, ben Blan der Errichtung eines Marinestük punttes aufzugeben. Ammon sagt weiter:„ Der Premierminister hat in einer Rede vor wenigen Tagen bargelegt, baß er große Hoffnungen auf eine internationale Ronferenz zur Einschränkung ber Rüstungen jetzt. Die Errichtung eines Marinestügpunktes in Singapore würde unzweifelhaft die Politik der Zusammenarbeit, bie der Bremierminister wünscht, beeinträchtigen und unseren guten willen verdächtigen. Wir würden unvermeidlich zu Zuständen des Mißtrauens und des Rüftungswettbewerbes im fernen Often tommen. Das einzige Land, gegen das der Marinestüßpunkt gerichtet sein tönnte, ist Japan. Japan leidet noch immer unter den Wirkungen des verhängnisvollen Erdbebens, und es ist nicht wahrscheinlich, daß es sich auf einen neuen Rüftungswettbewerb ein laffen wird. Tatsächlich hat Japan jeglichen Beweis für seinen dem Geifte und dem Buchstaben nach auszuführen. Der liberale Vertreter Lambert schloß sich den Ausführungen des Regierungsvertreters an und legte bar, das Washingtoner Abkommen werde erst im Jahre 1936 zu Ende zu gehen. Was für einen 3wed würde es haben, einen Stüßpunkt in Singapore zu errichten, solange feine Nation das Abkommen gekündigt habe? Der Rolonialminister Thomas fagte zum Schluß, die Re gierung sei entschlossen, sich ehrlich für die Rüstungseinschränkung einzusehen. Der Weltfrieden tönne nur gesichert werben mit Hilfe Englands und Ameritas. Die Regierung nehme das Rifilo auf fich und hoffe, baß fie bamit Recht behalte. Sollte fie einen Mißerfolg haben, fo merde sie die Berantwortung fragen. aufzuwerfen: Die Stellung der Regierung zur Frage einer Verhandlungen der legten Böllerbundsratsfizung über das Saar Gigerheitsgarantie für Frankreich, ferner zu den gebiet und schließlich zur augenblidlichen Lage im Ruhrge biet und in der PfalzNeuer Borstoß der Liberalen? Condon, 26. März.( WTB.) Dem parlamentarischen Bericht. iragsentwurf über gegenseitige Hilfe bei Ueberfällen zugestellt erstatter bes Daily Telegraph" zufolge, murde auf einer gestern hat. Nach wie vor macht das russische Volkskommiffariat für im Unterhaus unter dem Vorsitz Asquiths abgehaltenen Zu Aeußeres von feiner heftigen Abneigung gegen den Bölker fammenfunft der Parlamentsfrattion der Liberalen Partei be. bund feinen Hehl. Trozti dagegen scheint auch in dieser Beschloffen, in der morgigen Finanzbebatte u. a. folgende Fragen ziehung die heiligen Glaubensläge der Diktatoren im Kreml Militärefforts und eigentlicher Schöpfer der Roten Armee sieht erheblich revidieren zu wollen. Als langjähriger Leiter des er in höherem Maße als die jezt am Ruber befindliche Gruppe der fommunistischen Diktatoren die ungeheure Be lastung der faum sich haltenden russischen Staatswirtschaft durch die bohen Rüftungsausgaben. Während das Zentral exekutivkomitee noch in diesen Tagen, laut Meldung der„ Js westja", die bisherige anderhalbjährige Dienstzeit in der Armee auf zwei Jahre erhöht hat, seht sich Trotti, wie aus seinem Interview hervorgeht, für die Zusammen arbeit mit dem„ Sozialverräter" Macdonald ein, um auf dem Wege der Abrüstung auch nur ein wenig vorwärts zu tommen. Wie die Dinge vorläufig liegen, ist natürlich nicht anzunehmen, daß der Standpunkt Tropfis in Mostau praktisch zur Geltung gelangt. Nach wie vor gilt er in den maß gebenden Regierungsfreifen als gefährlichster Gegner, als das eigentliche Haupt der Opposition. Während aber alle mehr oder minder bedeutenden Führer der Opposition in ben lehten Monaten durch Strafverfegung, Berbannung, Kaltstellung usw. unschädlich gemacht worden find, traut man fich an Trogli nicht so recht heran. Es gelang zwar, ihn für die Dauer von zwei Monaten zur Erholung" nach dem Rau fafus zu senden, aber diese Frist läuft nun ab, und es wird deshalb im Kreml nach anderen Mitteln gesucht, um Trogtis Einfluß, der insbesondere in der Armee sehr stark ist, zu verringern. Wie dem Mitteilungsblatt der russischen Sozial demokratie aus Moskau gemeldet wird, bestand dort der Plan, Trokki zum Boltskommissar des Aeußeren zu ernennen und den jekt amtierenden Tschitscherin als Gesandten nach London zu enden. Trozti soll jedoch dankend abgelehnt haben. Im Hinblick auf den demnächst stattfindenden Parteitag der russischen Kommunisten deutet das auf eine Verschärfung der inneren Reibungen in der Partei hin. Rüstungsdebatte im Unterhause. Ablehnung des tonservativen Proteftes. tondon, 26. März.( WIB.) Das Unterhaus hat einen Anfrag des Konservativen Horne, in dem gegen die Entscheidung der Regierung hinsichtlich des Dods in Singapore protest erhoben wird, mit 287 gegen 211 Stimmen abgelehnt Den Berichterstatter des„ Daily Expreß" zufolge find Gerüchte im Umlauf, baß Asquith balb bie Führung der liberalen Bartei nieberlegen werde. Innerhalb der Partei herrsche Unzufriebenheit über bie matte Führung der Partei im Unterhaus und barüber, daß gegen Angriffe der Sozialisten in ben Wahlkreisen nicht Front gemacht werde. Masaryk gegen die Völkerverhegung. Gute Beziehungen zu Deutschland. Karfen. Das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildung hat über diesen Gegenstand foeben eine Dentschrift veröffentlicht. Ihr Verfasser ist, wie man hört, der Don Boelig fürzlich berufene Ministerialrat Richert, der frühere volksparteiliche Abgeordnete. Die Bedeutung dieser grundsäglich wichtigen Denkschrift reicht weit über das pädagogische Gebiet hinaus. Sie wird gerade im gegenwärtigen Augenblid für uns zu einem Prüfstein, inwieweit bie große Koalition in Preußen sich positiv bewährt hat. Sprechen mir zunächst von der äußeren, der organisatori schen Umstellung, die sie bringt. Mit Recht wird betont, daß das Dogma der allseitigen Bildung, der Allgemeinbildung, das Haupthemmnis für eine organische Ausgestaltung unserer höheren Schule war und ist. Denn mit der riesenhaften Entfaltung des wirtschaftlichen Lebens, mit der Spezialisierung der Wissenschaften im 19. Jahrhundert wuchs das Reich der Rulturwerte ins Ungeheure, und der Schule schien nur die Aufgabe zuzufallen, diese umfassende Welt der objektiven Kultur der Jugend zu vermitteln. So nahm nach und nach jede der verschiedenen Schulformen, das Gymnasium so gut wie das Realgymnasium und die Oberrealschule, immer mehr Stoff in fich auf, jede gleichsam getrieben von dem Wunsch, eine Universalschule zu sein, jede Bildungsmöglichkeit zu geben. Das führte dazu, daß jede zu einer Art Börse für allerlei Kulturwerte wurde, aber jeden inneren Bildungssinn, jede geistige Einheit verlor. Es ist aber flar, baß eine einheitliche Zusammenfaffung des gesamten Kulturgehalts in einem Bewußtsein nicht mehr möglich und deshalb erst recht eine inhaltliche Gleichheit der Bildung in allen Individuen durch unsere gegenwärtigen Zustände ausgeschlossen sei". So fällt also der Reform hauptsächlich die Aufgabe zu, die Schule zu der notwendigen inneren Geschlossen. heit und Bertiefung zu führen, ohne der Mannigfaltigkeit der Bildungsstoffe den Eintritt au verwehren. Dazu ist nur der eine Beg möglich, das gesamte Gebiet unferer Bildung in feine historisch und fachlich begründeten Brovinzen zu glie bern und jeder Schulform eine bestimmte Bil bungsprovinz zuzuweisen. So entspringen mun bas Gymnafium, das Realgymnasium, die Oberrealschule und die deutsche Oberschule in folgender Gestalt als innerlich notwen dige Schulformen: Das altsprachliche Gymnasium führt den Schüler antiten Welt und ihrer Zusammenhänge mit den unter Ausscheidung alles Unwesentlichen zum Erleben der mation und deutschem Idealismus. großen Gestaltungsepochen des europäischen und des deutschen Geistes" in Christentum, Mittelalter, Renaissance, Refor Dem Realgymnasium wird als besonderer Kulturkreis der moderne Europäismus zugewiesen, wie lichen mit Frankreich und England entwickelt hat. So wird es er fich in Kampf und Ausgleich des deutschen Geistes im wesent zum neusprachlichen Gymnasium, das freilich dem die lichen Denken einen gewiffen Raum einräumen muß, aber das moderne Welt mitformenden mathematisch- naturwissenschaftLateinische in eine Randstellung" verweisen fann. Die Oberrealschule erfährt eine Gewichtsverschie bung nach der Seite der mathematisch- naturwissenschaftlichen. Fächer, die ihr Wesen ausmachen. Die feit zwei Jahren beftehende deutsche Oberschule fagt fchon durch ihren Namen, daß Deutschkunde, das Berstehen deutschen Lebens im weitesten Umfange ihre besondere Aufgabe ist, durch die Auswahl und Behandlung der Fächer bestimmt find. Wien, 26. März.( WIB) Das„ Neue Wiener Tagliatt" Der öffentlicht eine Unterrebung mit Präsident Masaryf. In diesem Gespräch bezeichnete Mafarnt den von einem Berliner Blatt ner öffentlichen Geheimvertrag der Tschechoslowakei mit Frankreich als Der Aufbau ist folgender: Das Gymnasium hat eine be plumpe Fälschung, beren innere unwahrheit für jeben Renner fondere( Latein-) Unterstufe; das bisherige Reform- Gymnasium der Dinge flar zutage liege. Mafarnt fuhr fort: Der oberste Leit wird nur in Ausnahmefällen erhalten. Damit Schülern, die itern der tschechoslowakischen Bolitit ist und muß die Erhaltung diese Unterstufe besucht haben, noch der Weg zu dem neu des Friedens sein. Zu diesem Zwede ist unser Bemühen dar. sprachlichen Gymnasium geöffnet bleibt, tann dieses ebenfalls auf gerichtet, in den Gegenfäßen zwischen Frankreich und Deutsch eine Latein- Unterstufe haben, entsprechend dem Realland vermittelnd und verföhnend zu wirken. Die unerläßliche Bor. gymnafium alten Stils. Im allgemeinen hat das Real aussetzung einer folchen Politit ist natürlich die Erhaltung guter gymnasium den gleichen( Reform-) Unterbau mit der OberBeziehungen zwischen beiden Teilen. In der Tat sei es den tschecho. realschule und der deutschen Oberschule.( Nur eine moderne flowakischen Staatsmännern schon jetzt gelungen, viele Spigen ab. Fremdsprache bis Untertertia.) Daneben bleibt die Aufbau zuschleifen, und man dürfe mit Bestimmtheit hoffen, daß diefe Be- chule, die den Schüler nach 7jährigem Besuch der Volks strebungen auch in Zukunft ihren Erfolg zeitigen werden. Daß die schule in 6 Jahren zur Universitätsreife führt, Beziehungen zu Deutschland fehr gut feien, Sas ginge auch jetzt bestehen. la auch aus den überaus sympathischen Würdigungen hervor, die Entscheidend ist eine Neuerung, die scheinbar nur äußer dem soeben verstorbenen Gesandten der tschechoslowakischen Repulich ist, aber in Wirklichkeit weit in das Gebiet der inneren blir in Berlin von maßgebenden reichsdeutschen Blättern gewidmet Schulreform führt: die sogenannte 30- Stunden- Woche. Sie meint, daß die Höchstzahl der Pflichtstunden in der Woche in teiner Rlaffe 30 übersteigen darf. Von dieser Bestimmung ist nur die Aufbauschule ausgeschlossen. Es ist vielleicht der fpringende Entlastung der Schüler von erzwungener Betäti gung ihnen die Muße zu freier Beschäftigung, zur Selbstbesinnung gibt und damit jede mögliche Schädigung aufhebt, die in der Festlegung des Jugendlichen auf ein bestimmtes Kulturgebiet einer bestimmten Schulform liegen fönnte. Es bleibt Beit für freie förperliche, freie fünstlerische, freie wiffenfchaftliche Ausbildung, und die Schule macht nicht mehr den vergeblichen Versuch, alles an sich reißen, jebe äußere Anregung ersetzen zu wollen. wurden. Beilegung des russisch- chinesischen Konflikts. folgenreichste Gedanke der Denkschrift, daß die daraus entMostau, 24. März.( DE.) Der ruffisch- chinesische Konflift wird, wie in politischen Kreifen dem Oft- Expreß zufolge mit Bestimmtheit erklärt wird, in allernächster Zeit völlig beigelegt werden. Die chinesische Regierung ist nunmehr bereit, den zwischen ihrem Benoll. mächtigten und dem Geschäftsträger des Sowjetbundes, Rarachan, abgeschlossenen Bertrag über die Aufnahme diplomatischer Be Ueber die vorhergehende Debatte heißt es in einem BTB. Beziehungen zu bestätigen. Berhandlungen zwischen Karachan richt u. a.: Der Ronfervative Horne warf die Frage des Marine und dem chinesischen Minister des Auswärtigen, Bellington Roo, ftügpunties in Singapore auf. Er verwies auf den Wunsch ber find im Gange. australischen und der neufeckenbischen Regierung, daß der Plan ber Errichtung eines Stüßpunttes in Singapore ausgeführt werden möchte. Horne betonte, das in jebem Jahre in den Meeren bei Singapore eine Milliarde Bfund Sterling Beri an Schiffen und Labung schwimme. Dies sei ein ausreichender Grund, einen geBrofpreisherabfehung in Frankreich. Das Steigen des Frant wird heute eine Berbilligung des Bretpreises zur Folge haben. Der Bräfekt wird, wie das„ Echo de Paris" mitteilt, heute durch einen Erlaß den Brotpreis auf 1,25 Frank für das Kilo herabsetzen. Die innere Bebeutung der 30- Stunden- Woche geht weiter: Ein Unterricht, der Massen von Stoff einpauft, wird unmöglich. Der neue Unterricht muß arbeiten lehren, muß den Jugendlichen dazu führen, Probleme zu sehen, Mittel zu ihrer Lösung zu beschaffen, sie in angestrengter Arbeit zu voll ziehen und das, indem er den Schüler nach und nach von der Lehrerhilfe bis zur vollen Selbständigkeit bringt. Sind schon die unterrichtlichen Folgerungen, die hier gesehen und von der Denkschrift gezogen werden, überaus meittragend+ Befreiung pon engen Lehrplänen, an deren Stelle bloß Richtlinien treten; Befreiung von allem methodischen Drud, Aufhebung der geist lofen aufgegebenen Hausarbeiten u. dergl. m., so ist darüber hinaus die Umstellung der Unterrichtsanstalt mit festgebundenen Lernzielen zur Erziehungsschule vollzogen. Denn selbsttätige Arbeit ist immer die Schule des Willens, der Persönlichkeit; sie ist der einzige Weg, die werdende Per sönlichkeit zur Einordnung in die Gemeinschaft zu bringen, ihr die Notwendigkeit der Gemeinschaft anschaulich zu machen. Das spricht die Denkschrift mit aller wünschenswerten Deutlich feit aus. Für uns lautet jetzt die Frage: wie weit fönnen wir als Sozialisten diesen Gedankengängen folgen? Wir fordern eine Schulorganisation, die die höhere und die Volksschule als getrennte Schularten aufhebt und die erste zu einer ( Ober-) Stufe der einheitlichen Schule macht, also eine gemeinfame 8-9jährige Grundschule, auf der sich die mannigfaltig gegliederte Oberstufe aufbaut. Eine Annäherung an diefen Gedanken, etwa in der Angleichung der Unterstufe der höheren Schule an das 5.- 7. Schuljahr der Volksschule wie im Thüringer Plan, bringt diese Reform nicht, ja fie läßt es infolge der Beibehaltung des grundständigen Gymnasiums nicht einmal zu einem einheitlichen Tageszeitung" einige Einzelheiten über die Lage bei Kriegsausbruch, die auch für die weitere Deffentlichkeit Interesse haben. Nach dem Geftändnis Wangenheims wurde die erste der später von den Agrariern und den Deutschnationalen so verlästerien Kriegs gesellschaften auf seinen Antrag beschlossen, nämlich die Zentrale für Heeresversorgung". Diese sollte, wie Wangenheim mitteilt, nach Verständigung mit der Verpflegungsabteilung im Kriegsministerium durch die Landwirtschaftskammern in 3u fammenarbeit mit Genossenschaften, Handel und Mühlen die erforderlichen Lieferungen beschaffen. Diese Stelle unter Leitung von Ezrellenz Mehnert, dessen Stellvertreter ich war, hat etwa 1½ Jahre mit einem Infostenaufschlag von ½ pro Mille gearbeitet. Sie konnte nicht alles leisten, aber sie hat die Sache gehalten, bis feste Organisationen geschaffen waren." Aber Wangenheim gesteht noch mehr. Er versichert aus voller Ueberzeugung: oder weniger von der Norm abweichen. So ist in erster Linie eine feinere Konstruktion des Nervensystems zu beob=> achten, die eine überaus starfe Reaktionsfähigkeit auf die Erschei nungen der Umwelt zur Folge hat und auf der auch gewiffe Stärfen und Schwächen seiner Pinche beruhen. Daß Dr. Zeigner Stärken aufzuweisen hat, hat auch die Verhandlung gezeigt. Neben seiner fympathischen Umgangsform, die ihm die Annäherung zu Menschen leicht macht, kommt seine gute Auffassungsgabe und sein starkes Einfühlungsvermögen in Betracht. Diese Lichtseiten seiner Persönlichkeit sind aber vielfach überschätzt worden. Seine intellektuellen Gaben fommen u. a. auch in den Ausgaben studienwissenschaftlicher Werte zum Ausdruck. Sein Intereffe war jedoch mehr theoretischer Natur und seine phantafiemäßige Einstellung hindert ihn, feine Kennt nisse nugbringend anzuwenden. Seine dialektischen Fähigkeiten werden sich wohl durch planmäßige llebung in der letzten Zeit herausgebildet haben. Seine lebhafte Phantafie wird durch geringe Menschenkenntnis noch gesteigert. Die zahlreichen unfritischen Be mertungen, die er während der verschiedenen Unterhaltungen mit mir machte, beweisen, daß Dr. Zeigner die Dinge nicht jo Der Todesstoß wurde unserer Ernährung schon im Herbst fieht, wie sie sind, sondern so, wie er sie zu sehen wünscht. 1914 durch die oben geschilderte Aufzehrung unseres Brotgetreides Sie hindern ihn auch, die Probleme in ihren Tiefen zu verfolgen. durch unsere Schweinemast verfeht. Wir fahen das Unheil kom- Er verzettelt feine Kräfte in oberflächlichen Betrachtungen. Auch ist men, und ich bin es gewesen, der... den Kaiser auf die Ge= es ihm unangenehm, in den Kern der Sache zu gehen. Eine psychische, fahr für unsere Ernährung hinweisen ließ, in der wir oft zu beobachtende Biefgeschäftigteit bildet eine um so uns schon damals befanden. 3ch, der verrufene Agrarier, babe größere Gefahr, weil sie die allzu große Arbeitsfähigkeit, eine Mög damals immer und immer wieder die Rationierung unseres Brot. lichkeit der Konzentration um so stärker beeinträchtigt. Diese Vietgetreides gefordert, da wir schon im erften Kriegsjahre durch die geschäftigteit führt dann zu einer allgemeinen erpofität, falschen Maßnahmen der Regierung vor dem gänzlichen die ihrerseits wieder eine lle berempfindlich feit gegen äußere Versagen unserer Brotversorgung standen. Eindrücke, Reizbarfeit, Stimmungswechsel, das Gefühl der Verlassen. So, das ist alles sehr nett und brav von dem alten Herrn heit, eine unzufriedenheit mit sich selbst und mit der Umwelt zur durch im Streit gegen die angeblich marristische 3 wangsmirt eine Furcht vor politischen Anfeindungen und Nachstellungen, die schaft" stellte? War es nicht auch der von Wangenheim geführte an und für sich auch nicht unberechtigt war, noch gesteigert. Geine Reichslandbund, der die freie Wirtschaft" für Brotgetreide forderte, Einstellung zur Umwelt ist nicht eine verstandesmäßige, fondern eine bis feinen Wünschen von der bürgerlichen Barlaments mehrheit Rech gefühlsmäßige. Dementsprechend weist er auch einen bedenkdas war auch der Grund, mes= nung getragen war und der Brotpreis für die hungernden Bolks- lichen Mangel an Initiative auf maffen unerträglich wurde, halb er für eine. Reihe von Dienststellen in seiner Beamtenlaufbahn als untauglich befunden worden war. Hervorzuheben ist ferner feine Suggestivität und Autosuggestivität. Er unterliegt beshalb leicht den Lockungen seiner Familie und den Ansichten, die ihm vorgetragen werden. Lehteren um so leichter, als er glaubt zu schieben, wird aber in Wirklichkeit gechoben. Seine Handlungen scheinen deshalb oft nicht nur triebhaft, sondern auch unzweckmäßig. Diese Eigenschaften mußten ihm in seinem Verhalten mit Möbius verhängnisvoll merden. Die psychologischen Momente genügen nicht, um seine Beziehungen zu legteren restlos zu erklären. Das amtliche Urteil muß also dahin zusammengefaßt werden, daß Dr. Zeigner bei seinem reichen Wissen und seinem großen Fleiß nicht über Eigenschaften verfügt, die der Mensch befizen muß, um eine ausgeglichene, und in sich abgeschlossene Persönlichkeit zu sein. Daran war zweifellos feine Entwicklung im Elternhaus und die Einflüsse feines Familienlebens schuld, über die der Sachverständige doch nicht sprechen kann. Daß aber feine Schwächen die Stärken weit überragen, ist ohne weiteres flar. Wie weit aber alle diese Eigenschaften an den ganzen Ereignissen die Mitschuld tragen, ist schwer zu sagen. Unterbau für sämtliche höheren Schulen fommen. Es ist Wangenheim. Aber wer mar es denn später, der die lautesten Rufer Folge hat. Diese Empfindungen werden bei Dr. Zeigner, der sche doch sehr bedenklich-trok aller wohlverständlichen inneren Gründe!, daß hier wieder ehrgeizigen Eltern, die noch immer das Gymnasium für die einzig vornehme Schule halten, die Möglichkeit gegeben wird, ihr 10jähriges Kind auf den meist falschen Weg des Lateinschülers zu schieben. Allerdings kann man sagen, daß die neue Festlegung der Schultypen so glücklich ist, wie das die heute noch gültigen, auf einem Uebereinkommen der Länder beruhenden Abitu riumsbestimmungen nur irgend zulassen. Ihre beschränkte Stundenzahl läßt ja auch Sonderbegabungen noch darüber hinaus Raum zu weiterer Spezialisierung. Die organisatorische Lösung, das muß troz aller Anerkennung des unzweifelhaften Fortschrittes, den sie bringt, gesagt werden, befriedigt unsere Wünsche nicht. Wohl aber fönnen wir der inneren Reform, die von der Denkschrift vertreten wird, überall zustimmen. Arbeitsunterricht unter Befreiung vom unnötigen Ballast der alten Lehrbücher, Richt linien, die der Individualität des Lehrers, des Schülers, der einzelnen Schule weiten Spielraum laffen, Freiheit für ernste Bersuche, produttive Hausarbeiten wie oft sind wir für alle diese Ziele eingetreten! Bird all das wirklich durchgeführt, finden sich die Lehrer, denen die neue Freiheit auch Kraft gibt, sie im Sinne der Denkschrift zu nußen, so machen unsere höheren Schulen einen gewaltigen Schritt vorwärts. Leider aber und das ist der anfechtbarste Punktist diese gute Schulreform noch immer teine joziale Schulreform. Sie kann nichts von den Mitteln' sagen, die bereitgestellt sind, um allen Kindern des Voltes in gleichem Maße den Zugang zu diesen Schulen zu öffnen. Das aber ich muß es gerade in der gegenwärtigen Zeit sozialer Not aussprechen wäre die wichtigste Schulreform, die wir uns denten fönnen, Ich tomme zu meinem Ausgangspunkt zurüd. Diese Dentschrift macht weder in ihrer Begründung noch in ihren Ergebnissen sozialistische Schulpolitit, aber sie gibt auch uns vieles, was wir gefordert haben, und sie märe nicht möglich ohne die in Preußen bestehende große Koalition, die hier gweifellos einen Aktivposten buchen kann. Der Dolchstoß durch Schweinemast. Ein Bekenntnis Wangenheims. In einer Auseinandersetzung mit dem völkischen Freiherrn Don Gleichen Rußwurm erzählt der Borjizende des Reichslandbundes, Freiherr von Wangenheim in der Deutschen Pyjama- Literatur. Bon Josephus. 17 Wir halten fest: Die Schweinemast betrieben auf den Klitschen der Landbündler- versezte der Ernährung und damit der deutschen Widerstandskraft schon im Herbst 1914 fast den Todesstaß. Dolchstoß sagte man später und die Agrarier führten die fpäter als margistisch" verschrienen Striegsgesellschaften ein! Haben diese verjagt, so trifft ihre Bäter die Schuld an dem Unglück des Landes. Nur deshalb ist ihre Dolch stoß"-Lüge gegen die Arbeiter begreiflich! " Der Vordermann von Hugo Preuß. Die Zeit" feilt mit, daß der bisherige demokratische Reichstags abgeordnete Trieschmann zur Deutschen Volkspartei übergetreten ist. Dazu bemerkt das" B. T.": Herr Trieschmann, der 1920 an zweiter Stelle für Hessen- Nassau fandidierte, ist diesmal nicht wieder aufgestellt worden und hat daraufhin seiner Partei den Rüden gekehrt. Er ist im Reichstage niemals rednerisch oder sonstwie hervorgetreten, und seine parlamentarische Bedeutung erschöpfte sich in der Tatsache, daß er dem hinter ihm auf der Liste Hessen- Raffaus stehenden Hugo Preuß den Eingang in den Reichstag persperrie. Der Zeigner- Prozeß. Das Urteil der Sachverständigen. Leipzig, 26. März.( Eigener Drahtbericht) Die Gizung wird präzise 9 Uhr eröffnet. Der Beginn der Plädoyers muß verschoben werden, da außer den Gutachten der ärztlichen Sachverständigen noch die Bernehmung der 3e u gen bevorsteht, die auf Antrag der Verteidiger bereits geladen sind. Der Sachverständige Dr. Schüß gibt darauf fein ausführliches Gutachten ab. Er ha. den Angeklagten Dr. Beigner von den ersten Tagen seiner Einlieferung in das Gefängnis an sehr häufig besucht, sich lange mit ihm unterhalten und den Gerichtsverhandlungen beigewohnt. Er fann aber trotzdem bei der Kompliziertheit der Persönlichkeit des Angeklagten fein Gut achten abgeben, das Anspruch auf Vollständigkeit haben könnte. Er will deshalb nur die Hauptmomente herausgreifen, in großen Linien feine Bersönlichkeit aufzeigen. An der geistigen Gesundheit ist nicht gezweifelt worden und fann auch nicht gezweifelt werden. Er ist aber ein Psychopath. Diese Psychopathie bedingt eine Reihe von Eigenschaften, die mehr Auf die Frage des Staatsanwalts ergänzt Dr. Schüß sein Guts achten dahin, daß er bei Dr. Zeigner in den ersten Tagen feiner Einlieferung in die haft nicht die Erscheinung eines seelischen Zusammenbruchs wahrgenommen habe, von dem Dr. Graf gesprochen hat, allerdings habe er selbst auch mögliche Selbstmordver fuche zu befürchten gehabt. Anlaß dazu gaben Binfe, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, die ihm von außen gemacht worden sein sollen. Schließlich erklärte der Sachverständige auf eine diesbezügliche Frage des Staatsanwalts, daß Menschen mit lebhafter Phantasie daran zu glauben geneigt sind, was sie sich selbst vorgaufeln, daß aber im speziellen Falle fein Grund vorhanden ist. an ber Selbstliebe des Dr. Beigner zu zweifeln. Damit schließt bas Gutachten des Sachverständigen. Der Kampf um Gemer. Der Reichskanzler stellt Strafantrag. Gegen den Pressechef der Reichsregierung, Ministerialbirettos Dr. Spieder, find neuerdings in der Bresse ehrenrührige Vorwürfe erhoben worden. Auf seinen Antrag hat sich der Reichstanjler in feiner Eigenschaft als Dienstvorgesetzter veranlaßt gesehen, gegen die verantwortlichen Schriftleiter der in Frage fommenden Presseorgane Strafantrag wegen Beleidigung 3 stellen. Allein uns fümmert das weniger. Die Wirkung der Pyjama| schaft entpuppen. Alt dieses Erschauen, Erfahren und Erschauerit literatur auf den Arbeitenden, den„ Proletarier", ist nur: Schaden- wird aphoristisch durch das Wort angedeutet, polkstümlich bald, bald. freude. Wir sehen diese Welt im Spiegel ihrer Satiriker. Wir können sehr bissig. Die Sprache ist hochgestellt, feierliche Reime, antife Chora mit einem beitern, einem spottenden Auge diese Borgänge betrach- rhythmit, flaffischer tragischer Vers. Man wird unwillkürlich daran ten. Wir sind vom Pyjama nicht entzüdt, also zu keinem Pathos verpflichtet. Objektiver, als uns gegenüber der Staatsanwalt, gestehen wir sogar die Berechtigung dieser Literatur. Denn sie wastiert sich nicht als das Heil. Vor ihrem Eingang hängt ihr Abzeichen und ihr Lockruf: die rote Laterne. Sie ist tausendmal sympathischer als Sudermann und die Rotter- Dramaturgie. Genau so, wie uns der graufame Rapitalist lieber ist als der barm herzige.... Was die Aufführung betrifft: die Pyjamas stammen aus dem Atelier Heilbrun. Fackelfest der Truppe im Lustspielhaus. Diese Galtung, älter als das Pyjama, wird im Intimen Theater Gustav Heppners gepflegt und verdient statt eines Referats eine prinzipielle Auseinandersetzung. Denn es ist ziemlich gleichgültig, cb die jeweils zur Erstaufführung gelangenden Einatter, in denen das Pyjama Held, Handlung, Höhepunkt und Peripetie in einem ist, aus der bewährten Schreibmaschine Rudolf Lothars, Melchior Lengyels, Louis Verneuils stammen, oder ob die Dramatisierung des Schlafzimmerlebens durch Georges Feydeau und Karl Gandrup, Rudolph Eger und Hans Gaßmann erfolgt ist. Nur ein Zufall fügte es, daß die gestern im Intimen Theater erstaufgeführten Einafter Don Annie Neumann- Hofer, von Rudolph. Lothar, von Julius or st sind. Der vierte in der Spielreihe der erste war cine Groteste nach Avertschenko". Der literarische Klang dieses Ramens tönnte täuschen. In Wirklichkeit ist ein tüchtiger Bearbeiter imftande, segar einen Dostojewsky so herzurichten, daß er mit Rus dolph Lothar verwechselt werden könnte. Man macht einfach aus dem nebensächlichen Requifit( den Damenhöschen oder dem Pyjama) die dramatische Pointe und gestaltet also einen Unsterblichen zum Interieurdichter. und auch noch aus anderen Gründen verdient die Pyjamaliteratur, zu der auch Zeitschriften wie„ Der Junggeselle", „ Berliner Leben" und so weiter gehören, mindestens dieselbe Berüdsichtigung wie die Prostitution, das Zuhältertum, die GeschlechtsFrankheiten. Die Pyjamaliteratur ist die schillernde Fäulnisblüte aus dem Garten der bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Auf dem benach dem Garten der bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Auf dem benach. barten Beet sprießt die Syphills. Ich rufe trotzdem nicht nach dem Staatsanwalt, der, inmitten dieses Gartens lustwandelnd, ausgerech net den George Groß konfisziert, den Satiriker der Pojamamenfchen; der das Gift freigibt und das einzig wirksame Gegengift vernichtet. Denn er ist ein bürgerlicher Gärtner, von Pyjamaträgern bezahlt und nicht berechtigt, seinen Brotgebern das Bergnügen zu stören. Ich will nichts, als die Notwendigkeit dieser Literatur als einer Konnicht zufällig, daß die Poesie des Pamphletisten von der Wirklichkeit sequenz dieser Weltordnung feststellen. Deshalb Hinter mir tief eine Dame aus:„ Gott! Was hat er für ein Gottes Stimme! Ich prächtiges Pyjama!" Bürgers Stimme Gottes Stimme! Sch habe nur den einen Vorwurf: daß dieses Nacht, Morgen- und Ge fchlechtsafigewand gar nicht so prächtig war. Daß die literarische Lues anderswo distinguierter, kapriziöser, lächelnder und noch mehr pointiert auftritt. Das Intime Theater müßte intimer werden und nacter, wenn es wirklich das Barisertum des deutschen Bürgers repräsentieren will. Reine Halbheit in der schmerzlichen Helligkeit. Keine Rücksicht auf die eventuell noch zu erwartende Moral inmitten der Deutlichkeit. Keine Eindeutigkeit! Auch teine Sweideutigkeit! Alles mehr anderthalbdeutig! Die Deladenze müßte elegant ter sein und rücksichtsloser. Wenn schon Paris, dann nicht Berlin! 9 Als Karl Kraus vor 25 Jahren das erste rote Heft der Fadel" herausgab, waren die Leute in den Bürgerstuben neus gieriger als die geistig Beschäftigten. Erst allmählich wurde aus dem Wiener Spottvogel eine wirksame Macht der Ironie. Er hat mit einer grausamen Wahrheitsliebe den fleinen Blutsaugern und den großen Blutfäufern des Weltkrieges zugesetzt. Menschen, wie Bert held Viertel, der Führer der Truppe", erbliden in ihm den wichtigsten Entzauberer der Philisterphrase. Viertel trat gestern vor den Vorhang, um über Karl Kraus zu predigen und zu prophezeien. Ein gelangweilter Zuhörer, dem nicht so heilig ums Herz war wie dem Redner, rief Schluß!" mitten in die weihevollen Heroldsworte der Biedner die Gewißheit ab, daß seiner Werbung für Karl Kraus hinein. Aus dieser Unterbrechung eines närrischen Kauzes leitete gefchichtliche Bedeutung zulomme. n Geschichtliche Bedeutung tommt dieser aufpeitschenden Persön lichkeit darum zu, weil sie das gesprochene und geschriebene Wort mit ungeheurem Bathos und dann wieder mit auserlesener Bartheit erfaßt. Karl Kraus schrieb für das Theater einige Traumfzenen, die ihm zu Ehren auf die Bühne gebracht wurden. Es ist sicherlich weggeht. Der Mann, der als Spötter in die heißesten Lebensdinge hineingreift, ist nicht recht imftonde, ohne Umweg zu feiner Kunstspielerei zu gelangen. Er muß sich selber träumend bespiegeln, er wagt es nicht, unmittelbar zu jagen, wie er sich die Welterlösung oder auch nur die Weltentlarpung denkt. Traumtheater" und" Traumstüd" jedesmal ist es die Vision des Dichters. Zuerst das allernaheite Geficht, da der Dichter nicht erraten darf, ob die föstlichste Berwandlungskunst der Schauspielerin auch zufammentlingt mit einer einzigen, ihm allein gültigen Liebe. Im Traumstück" wird der Horizont erweitert. Der Dichter fieht Szenen aus dem verdammten Kriege, die Verrottung des Schiebertums, die Trauer des armen Proletarierfindes, das Eltern und Geschwister und seinen eigenen Hunger beklagt. Der Dichter hört irgendwie im Jenseitstraume zu, wie die aufgeblasenen Meister der Psychoanalyse sich als ganz kleine Krämer der Wissen erinnert, daß Wedekind derartiges liebte, wenn er von der Rea listik in die höhere Welt hinauswanderte. Diese Krausschen Träumes reien, eigentlich nicht dramatisch, nur ins Raleidoskop hineingeworfen, oder durch das Wort behutsam angedeutet, fesseln die Aufmerksam feit wohl. Ihre Bildlichkeit wird unterstützt durch die nachfühlende Treue des Regiffeurs Berthold Viertel, dessen Verdienst um Karl Kraus nicht hoch genug geschätzt werden darf. Wer etwas fühler schaut, findet gewiß in dem Messiastum des Wiener Jronifers einige Mafel. Aber es handelte sich an diesem merkwürdigen Abend gar nicht um Kritit, sondern nur um Bewunderung. Mar Hochdorf. „ Das Wunder der Schatten nennt sich eine amüsante optische Täuschung, die gestern im Rahmen der zum zweihundertsten Male aufgeführten Revue Drunter und drüber" im Admirals. palast vielen Kopfzerbrechen bereitete. Das Publikum wird mit fleinen grün und rot gefärbten Brillengläsern ausgerüstet und sieht auf der Bühne wie hinter einem weißen Borhang Schatten der Darsteller im Rahmen der Handlung sich bewegen. Blöglich beginnt eines der schönen Mädchen, wie dies in den Revuen so üblich ist, sich auszuziehen und die zarten Fähnchen von sich zu werfen. Nun hat es den Anschein, als ob alle diese Gegenstände auf den Be schauer zufliegen, während in Wirklichkeit das Gegenteil der Fail ist. Ein sehr bedrohlich aussehender Effekt wird erzielt, wenn eine Leiter hinter dem meißen Borhang nach innen stürzt, wobei der Zu schauer unter dem Eindruck steht, daß die Leiter ihn in ihrer ganzen den unzerstörbaren Eindruck, daß die Darsteller sich auch heute noc Länge erdrückt. Im übrigen bot die 200. Aufführung der Revue buchstäblich im Schweiße ihres Angesichts abmühen, ein literarisch sehr anspruchsioses Bublifum in 30 Bildern zu amüsieren. Intereffenten sei mitgeteilt, daß die übliche friderizianische Wachtparade und verwandtes Kompott von Militärmusit auch hier nicht fehlt. S. Carl- Hauptmann- Briefe. Da geplant ist, dem Gejamtwerk Carl Hauptmanns, das demnächst veröffentlicht werden soll, auch einen Sammelband Briefe beizufügen, bittet die Witive des Dichters, ihr Briefe, die sich in Brivatbejiz befinden, für kurze Zeit zu überlassen. Befizer von Carl Hauptmann- Briesen werden gebeten, diese eingeschrieben an Frau Dr. Carl auptmann, Berlin Wimersdorf, Hohenzollerndami 198, zu übersenden. Nach Einsichtnahme und Abschrijtanfertigung werden die Briefe sofort zurückgesandt. Weitere Abnahme der deutschen Sterblichkeitsziffer. Die Gesundheits. verhältnisse der deutschen Großstädte waren nach dem Bericht der„ Klinischen Wochenschrift im Januar 1924 günftiger als im gleichen Monat des Borjahres. Die Geburtenzahl, die schon im Vorjahr niedrig genug stand, ist allerdings noch weiter gejunken, nämlich von 25 981 auf 24 332; aber die Gesamtsterblichkeit nahm noch beträchtlicher ab und fiel von 24 112 auf 20 832. Während sie noch 1923 15.1 pro 1000 betrug. belief sie sich int Jannar 1924 nur noch auf 13 pro 1000. Die Abnahine wird hauptsächlich hervorgerufen durch die geringere Säuglingssterblich feit( 2651 gegen 3703), durch die Abnahme der Sterblichkeit an Qungenentzündung und Influenza ( 1945 gegen 3001) und an Zuberfulose( 2332 gegen 3035). Die Abnahme ist also hauptsächlich dem Fehlen der Grippe im Januar zuzuschreiben. Fatzken. Der Borortzug steht zur Abfahrt bereit. Schon lösen sich die Bremsen, da wird die Tür mit Schwung aufgerissen und herein springen zwei große Jungen. Nein doch, zwei junge Herren. Der eina wirft mit nachlässiger Eleganz einen in schwarzes Tuch ge= hüllten Gegenstand, oben spik unten breit, ins Gepäcknez. Die beiden jungen Menschen scheinen von einer schweren Krankheit heimgesucht worden zu sein, denn sie tragen seidene Kappen auf den Köpfen( in ähnlichen Kappen sieht man auf der Kurpromenade von Karlsbad die frommen Israeliten wandeln, jedoch haben diese jungen Beute reine Teutonengesichter) und der eine hat zwei dicke Beulen im Gesicht, der andere sogar drei, auf der Stirn, auf der einen Wange und am Kinn, und die Beulen sind dick verpflastert. Die bedauerns= werten Jünglinge beginnen ein ziemlich laut geführtes Gespräch, qus Dem man Worte wie„ Bierverschis"," Rannesteigen" und ähnliche schon zur Zeit Hermanns des Cherusfers übliche urteutonische Worte rernimmt. Daraus kann man wiederum schließen, daß die jungen Leute weniger an einer schlimmen Krankheit leiben als an den Folgen ihrer gänzlichen Unfähigkeit, einen Degen zu führen. Studenten find's nämlich, Verbindungsstudenten, die wohl geradenwegs Dom Paukboden kommen. Alle edlen Teile werden da sorgfältig verpackt, Brust, Bauch, Hals, nur die„ Kohlrübe", wie der Berliner fo hübsch fagt, als der für einen teutschen Verbindungsstudenten unwichtigste Teil des menschlichen Leibes bleibt frei und die hat ihnen der offenbar gewandtere und überlegene Gegner ganz gehörig verEin Student mit Schmissen im Gesicht ist ein schlechter Fechter gewesen, aber merkwürdig genug, diese Helden sind auf ihre Unfähigkeit stolz. Einem von den beiden ist denn auch unter dem Verband ein Blutströpflein hervorgefidert, ist die Wange herab gcfullert und hat unten einen diden Knoten gebildet. Natürlich hat der Nachkomme Armins das gemerkt, natürlich hat sein Kumpan das gefehen, aber wohlweislich hat man den verharschten Blutstropfen an der Wange fleben lassen. Das sieht ja genau so echt aus wie im Kino oder Theater. Und die Männer, die das sehen, sollen denken:„ So sieht unser herrlicher junger Nachwuchs aus, der Deutsch lond mit seinem Blut wieder aufbauen wird. Und die Frauen und Mädchen, die das sehen, sollen erschauernd denken:„ So jung noch und verspritzt schon sein edles Blut im herrlichen Kampf." tobatt. Indem man sich von den Studenten ab und der Zeitungslektüre wieder zumendet, liest man: Bergunglüd. 26 Bergieute verschüttet. 12 tot, 14 schwer verlegt. Fabrikerplosion. Drei Arbeiter in Stüde geriffen, sechs schwer verstümmelt. Rangierertod. Zwischen den Buffern zerquetsát. Und plößlich verspürt man die Lust, den jungen Leuten, die vermutlich einmal Richter oder Regierungsräte oder Bastoren oder dergleichen werden und sich jetzt wunder wie heldenhaft vorkommen, vor allen Menschen laut ins Gesicht zu schreien: Fazken! 12 Eine Gattenmörderin. Drei Personen unter Mordanklage. Eine scheußliche Bluttat führte die Händlerin Frieda Schroff, ben Händler Gustav Neumann und die Hausangestellte Elise Schmidt, Ichtere die Schwester der ersten Angeklagten, heute vor die 5. Straftammer des Landgerichts II. Die Anflage lautet auf gemeinschaftlichen Mord. Die Angeklagten werden beschuldigt, am 21. Oftober 1923 den Händler Altert Schroff, den Ehemann der Frieda Schroff, gemeinschaftlich ermordet zu haben. Die Anflage führt in die tiefsten Tiefen der Großstadt. Frau Schroff ist schon in der Jugend auf dem Lande in ein Verfahren wegen Kindesmordes verwidelt gewesen. Nachdem sie nach Berlin gekommen war, hatte sie den Händler Schroff geheiratet, mit dem sie vorher schon ein Berhältnis hatte. Die Ehe war fehr unglüdlich. Mißhandlungen waren an der Tagesordnung. Die Chelente trennten sich dann und die Ehe wurde geschieden. Frau Schroff ging ein Berhältnis mit Neumann. ein, obwohl dieser verheiratet war. Sie nahm, nachdem sie eine Bortierstelle im Haufe Schwerinstr. 14 angenommen hatte, ihren früheren Mann wieder bei sich auf. Das Berhältnis mar aber nicht besser geworden. Es gab täglich Schlägereien. Frau Schroff 30g nachts als meiblicher Burst maye" zum Bülowbogen. Auch Neumann betrieb einen Straßenhandel. Am 21. Oftober, als Schroff noch in seinem Bett leg und schlief, betraten die trei Angeklagten das Zimmer. Mit dem Ruf: Run los!" holte Frau Schroff einen Revolver hervor und schoß auf ihren geschiedenen Ehe Die Kugel drang diefem in den Leib. Nun ergriff Neumann und die Schmidt ein Stuhlbein und einen Besenstiel und schlugen auf Schroff ein. Schroff flüchtete hilferufend, erhielt aber auf der Türschwelle einen zweiten Schuß von seiner Ehefrau. Bom Küchenfenster, von dem aus er lauf um Hilfe schrie, wurde der Schwerverlegte zurückgefchleift. Obwohl er flehte, man möge von ihm ablassen, er sei doch schon getroffen und gleich alle", gas Grau Schroff noch einen Sritten Schuß auf ihn ab. Dann schlugen alle dret, Frau Schroff mit dem Revolver, auf ihn ein. Als ein Nachbar in die Wohnung tam, jah er Frau Schroff auf den am Boden Liegenden fnien. Sie hob ihre blutigen Hände hoch und sagte:„ Er hat mich überfallen." Nun riefen die Nachbarn Die Bolizei herbei. Schroff schwamm in feinem Blute, und gab noch Lebenszeichen von sich. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, mo er nach einigen Tagen starb. mann. Auf dem Gerichtstisch liegt der zertrümmerte Kopf des Ge= töteten. Die Angeklagte Frieda Schroff ist eine biondhaarige Frau von 29 Jahren mit frischen Gefichtszügen, der Typ eines Mädchens vem Lande. Sie verteidigt sich auch mit großer Energie und stellt ihre Eat als einen Berzweiflungsaft gegen die forts gesetzten Mihhandlungen ihres geschiedenen Mannes hin. Die Angetlagte entwarf ein frübes Bild von ihrer Che mit dem Getöteten. Schroff habe sie fast täglich geschlagen. Sie habe immer gearbeitet. Er tat aber nidyts, fag tagsüber im Bett und trieb sich nachts herum. Staatsanwaltschaftsrat Reimer versuchte, der Angeklagten vor: zuhalten, daß sie als 20jähriges Mädchen wegen versuchten Kindesmordes verhaftet werden sei. Die Geschworenen hätten sie zwar freigesprochen, das Gericht habe ihr aber ausdrücklich keine Entschädigung bewilligt, weil ihre Unschuld feineswegs nachgewiesen fei. R.-A. Frey protestierte energisch dagegen, daß der Staats. anwalt an ein rechtsfräftig ergangenes Schwur gerigtsurteil Bermutungen fnüpfe. Der Vorsitzende erklärte daraufhin:„ Das Urteil hat mit Freisprechung geendet. Der Die Berhandlung geht Die Verhandlung geht Fall ist daher hier nicht zu verwerten." weiter. | Schrel mar aber so durchdringend gewesen, daß man im Gefängnis barauf aufmerksam wurde. Die beiden Attentäter vergaßen in der Aufregung, fich des Schlüffels zu bemächtigen, um zu fliehen. Sie wurden alsbald ergriffen. Oppermann hatte lallend gefagt:„ Den fleinen einsperren und sicher bewahren." Damit fonnte er mur Redenhoff gemeint haben. Im Krankenhaus hat er feine Erinnerung an die Lat mehr gehabt und ist bald darauf gestorben. Die Anflage lautet auf Meuterei und Körperverlegung mit Todeserfolg. Die Angeklagten, die durch die R.-A. Dr. Hoch und Themal verteidigt werden, bezichtigen fich gegenseitig der Tat. Kedenhoff wird dadurch aber besonders belastet, daß er blutige Hände hatte. Der reiche Onkel. Aufgeklärte Poffdiebstähle im großen. Fortgesetzte Scheddiebstähle, die die Berliner Kriminalpolizei feit längerer Zeit beschäftigten, fanden jezt eine überraschende Aufflärung. Aus Hamburg und dem rheinisch- westfälischen Industriebezirk liefen wiederholt Klagen ein, daß von dort eder über Obergeorgenthal abgesandte Briefe mit Bank. scheds verloren gingen. Alle Ermittlungen blieben erfolglos, bis jetzt auf einer Berliner Bank ein 18 Jahre alter Joseph Schuh mit einem solchen Sched angehalten und festgenommen wurde. Ein zwei Jahre älterer Bruder dieses Burschen, ein Registrator Albert Schuh aus der Regensburger Straße 24, hatte ein Berhältnis mit seiner 21jährigen Base Marie Defer, einer Stickerin, die bei ihm wohnte. Als diese erfuhr, daß ihr Onkel, ein Bostbeamter in Obergeorgenthai, viel Geld habe, ließ sie ihren Geliebten fitzen, und fuhr zum Dnfel, der fie dann auch freundlichst empfing und bei sich behielt. Er fand so großen Gefallen an der Nichte, daß er der Nachfolger des Wetters murde, obwohl er verheiratet und Bater von drei Kindern ist. Die junge Stickerin erfuhr bald, woher das Geld des reichen Ontels stammte. Schmidt machie weder ihr noch seiner Frau gegenüber ein Hehl daraus, daß er Briefe unterschlug und die Bankschecks, die sie enthielten, herausnahm. Als er wieder einmal einen größeren Bosten erbeutet hatte, schickte er vorsichtshalber die Nichte mit den Scheds nach Berlin, um sie zu Geld zu machen. Weil sie nun aber mit diesen Dingen nicht recht Bescheid wußte, fo wandte sie sich an ihren früheren Ges liebten Albert Schuh. Der half ihr denn auch. Das ging eine ganze Beit so weiter. Schließlich hielt der gute Onkel die Zeit für gefommen, sich von seinen Geschäften zurüd- und mit der Nichte nach Amerita zu ziehen. Bei den letzten von ihm herausgegebenen Scheds wurde der ganze Schwindel entdeckt. Fräulein Deser und ihr Ontel. Schmidt wurden festgenommen. e Polizeistunde 1 Uhr. Wie wir erfahren, hat der Minister des Innern heute die untergeordneten Polizeibehörden ermächtigt, vom 1. April an die Polizeistunde auf 1 Uhr festzusetzen. Die Direktion der Straßenbahn G. m. b. 5. wird daher sofort eine Ergänzung ihres Fahrplanes vornehmen. Zur Bürgermeisterwahl. Ber= Die Borbereitungen der Bürgermeistermahl fommen im Rathaus nicht recht vorwärts. Der aus 25 Mitgliedern bestehende Stadtverordnetenausschuß, der die Borschläge an das Plenum zu machen hat, beschloß, in einer ersten vorbereitenden Sizung die Einsehung eines fiebengliedrigen Ausschusses aus tretern aller Parteien, der die erste Aussiebung der eingegangenen 38 Bewerbungen vornehmen soll. Dieser Ausschuß follte heute zusammentreten, seine Zusammenfunft ist aber, wieder verichoben, weil alle Parteinertreter schon im Zeichen der Wahlarbeit, beginnender Parteitage usw. stehen. Personalabbauverordnung und Provinzialschulkollegium. Nach der Personalabbauverordnung foll auch die Zahl der Mitglieder der Schulauffichtsbehörden vermindert werden. Wie berechtigt diese Bestimmung ist, beweist das Berliner Brovinzialfchulkollegium. Bei der Abteilung für Volksschulen war die Bermehrung der Mitglieder durchaus berechtigt, da ihr jetzt auch die Bolksschulen der früheren Vororte unterstellt sind, für die früher Ganz anders die Potsdamer Regierung zuständig gewesen war. liegen die Berhältnisse bei der Abteilung für höhere Schulen, die ihren Geschäftstreis nicht erweitert hat, da sie schon vor dem Kriege für alle höheren Schulen ter Stadt Berlin und der Provinz Branden Und doch sind die Mitglieder in den letzten burg zuständig war. 10 Jahren um 50 Pro3. vermehrt worden. Ihr gehören jetzt an: 1 Abteilungsdirigent, 12 Oberschulräte, 4 Oberstudienräte, 1 Oberregierungsrat, 5 Regierungsräte, 3 Assessoren; im ganzen also 26 Mitglieder gegen 17 im Jahre 1913. Wie bereits in den Kreisen der Berliner Philologen befannt ist, werden verab schiedet der Oberregierungsrat Cummerom, der Leiter der Abteilung für die höheren Schulen, ferner der Oberschulrat Prinzhorn, der schon wegen Erreichung der Altersgrenze ausscheiden mußte, und die Oberschulräte Kolbe und Michaelis. Ueber die Berabschiedung des Oberschulrats Sachse ist noch nichts befanntgeworden. Gegen feine Tätigkeit in Berlin hat sogar der Berliner Philologenverein Einspruch erhoben: Als er am 23. November 1922 im Bandtag von einem Sozialdemokraten schwer angegriffen worden war, fagte weder der Minister Boelih noch ein anderes Mitglied des Ministeriums ein Wort zu seiner Berteidigung; man ließ ihn also offiziell in Stich. Rekordflug eines Leichtflugzeugs. Die Das vom Regierungsbaumeister Iemm fonstruierte Daimler Leichtflugzeug 2. 15, das mit einem Fabrradmotor ausgerüstet ist, hat jetzt mit Dipl.- Ingenieur Frent und Dr.- Ing. 3. v. Langstorm als Befagung einen lle berland flug von Dingelfingen bei Stuttgart nach Benzheim a. d. Bergstraße ausgeführt. 120 Kilometer large Strede wurde in 1½ Stunden zurückgelegt. Die Gesamtflugzeit beträgt 3 Stunden 2 Minuten. Bei dem llebers landflua wurden die Orte Mühlader und Heilberg in einer Söhe von 1100 Meter über dem Meere überflogen. Der Flug stellt eine Weltretorbleistung für jedes Flugzeug mit Hilfsmotor bar. Die Flugbauer, Entfernung und Flughöhe find bisher auch von stärkeren Reich flugzeugen nicht erreicht worden. Das erste Mißgefchid der englischen Weitrundflieger. Die drei englischen Flieger, die gestern mittag auf einem Flugplatz bei Southampton zum& luge um die Welt aufgestiegen find, Be Havre niedergehen. Ihr Flugzeug wurde nach dem mußten gestern infolge dichten Nebels unweit von Hafen geschleppt. worden. Gaserplosion in Karlsbad. In der Nähe des Babes ereignete fich in einem Gaswerf ein schweres Explosionsunglüd, wobei zwei Arbeiter getötet und zwei schwer ver Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Experimente. Unter der irreführenden Ueberschrift„ Das Ultimatum des ADGB.- Bezirkskartells Halle- Merseburg an die Unternehmer der mitteldeutschen chemischen Werke" bringt die„ Rote Fahne" in ihrer Nr. 22 vom Mittwoch, den 26. März, die Mitteilung, daß das Bezirksfartell in Gemeinschaft mit der Bezirkskampfleitung der Betriebe der chemischen Industrie Mitteldeutschlands an den Arbeitgeberverband ein Ultimatum gerichtet habe. Es folgen dann eine Reihe von Forderungen, bei deren Nichterfüllung scharfe Kampfmaßnahmen in Aussicht gestellt werden. Zur Steuer der Wahrheit ist festzustellen, daß ein Bezirkstartell des DGB. für Halle- Merseburg nicht mehr besteht. Die drei Personen, die unter Mißbrauch dieses Namens sich den Anschein geben, als handelten sie im Auftrage der dem ADGB. angeschlossenen Zentralverbände, handeln nur als Beauftragte der kom munistischen Partei und des besonders für solche 3wede ins Leben gerufenen Verbandes aus den freien Gemertschaften Ausgefchloffener, dekoriert mit dem Namen„ Industrieverband Chemie". Die freien Gewerkschaften haben mit dieser an Selbstmord grenzen den Kampftaftit nichts zu tun. Der Bundesvorstand des ADG Verbrecher wollen den ZdA. Spalten. Die Rote Fahne" veröffentlicht in ihrer Morgenausgabe Dom 26. März unter der Ueberschrift ,, Verbrecher wollen den ZdA. spalten" eine Notiz, die der Beantwortung bedarf. Mit der Ueberschrift kann man durchaus einverstanden sein, denn es ist richtig, daß die Verbrecher, die die Erfüllung jagungsgemäßer Verbandsbeschlüsse verweigern, die Spaltung der Organi= fation betreiben Diese Leute sind allerdings nicht beim Hauptvorstand des 3dA. zu suchen, sondern bei der kommunisti: Am 24. und 25. Februar hat eine Beiräte- Konferenz folgenden fchen Frattionsleitung des 3dA. Beschluß gefaßt: Die Konferenz des Beirates, der Gauleiter und geschäftsführenden Beamten des 3dA. stellt fest, daß die Rote Gemertschaftsinternationale Mostaus immer planmäßiger ihre zerstörende Tätigkeit gegen die freien Gewerkschaften vortreibt; sie hat organifatorische Einrungen geschaffen in der Absicht, die freien Gemertfchaften ihren politischen Zweden dienstbar zu machen. Die Konferenz erflärt daher, daß die Zugehörigkeit, die moralische oder finanzielle Unterstützung solcher Einrichtungen oder anderer Bereinigungen, die die Gewerfichaften zu zerstören drohen, nicht verträglich ist mit der Mitgliedschaft in unserem Verbande. Solche Mitglieder stellen sich durch ein derartiges Berhalten außerhalb der Organisation. Weiter ist, um den Verband gegen die Gefahren gewerkschaftszerstörender Bestrebungen zu schüßen, der auf dem Weimarer Berbandstage beschlossene Revers für die Funktionäre derart zu erweitern, daß der Funktionär zu verfichern hat, folchen Einrichtungen oder Vereinigungen nicht anzugehören und daß er sie und ihre Bestrebungen moralisch oder finanziell nicht unterstützt. In Ausführung dieses Beschlusses wurden allen Funktionären Reverse vorgelegt, die zur Einhaltung der hier gefaßten Beschlüsse verpflichteten. Von den in der„ Roten Fahne" erwähnten Beamten und ehrenamtlichen Funktionären wurde die Unterzeichnung dieser Reverse abgelehnt, während der größte Teil der 35A.- Funktionäre die Unterzeichnung für eine Selbstverständlichkeit hielt. Bon einem Ausschluß der in der Roten Fahne" erwähnten acht Personen dann gar feine Rede sein, da sie sich ja nach dem obenabgedruckten Beschluß der Beirätefonferenz felbst außerhalb der Organisation gestellt haben. Es ist ihnen also nur mitgeteilt worden, daß fie durch ihre eigene Handlungsweise aus den Listen der Organisation gestrichen worden find. Selbstverständlich ist, daß Personen, die die Erfüllung von Verbands befchlüffen verweigern, auch nicht meh beamtete Funktionäre sein können. Daß die Spaltung auf Anordnung von Mostau j im 302. wie in allen anderen deutschen Gewerkschaften vorgenomm werden soll und daß der neue Revers nur der Vorwand dazu i geht aus der einfachen Tatsache hervor, daß die KPD.- Mitglieder, die fich jetzt geweigert haben, den Revers zu unterschreiben, bereits früher, zuletzt Ende Januar, folgenden Revers unterschrieben haben: Ich erkläre hiermit, daß ich für meine gewerkschaftliche Tätigfeit als geschäftsführender Borfizender der Ortsgruppe Groß- Berlin die Verbandsjagungen, die Beschlüsse des Beirats und unserer Verbandstage sowie die Richtlinien des ADGB. und des AfABundes unbedingt einhalten werde. Ich verpflichte mich ins besondere, die Mostauer Gewertschaftsinternatio= nale und ihre Leitsähe, ebenso wie alle anderen die freigewerkschaftliche Bewegung schädigenden Bestrebungen zu bekämpfen. In Wort und Schrift werde ich daher vorbehaltlos mich einfehen für die Grundsäße des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu Amsterdam, den ich als die allein zuständige internationale Zusammenfassung der Gewerkschaften anerkenne. Sofern ich gegen diese Erklärung verstoße oder ein Handeln in ihrem Sinne unterlasse, ist damit ein wichtiger Grund zur sofortigen Lösung des Bertragsverhältnisses bzw. zur Enthebung von meinem Amte gegeben. Der neue Revers ist inhaltlich übereinstimmenb mit dem verstehenden. Er enthält nur die ganz selbstverständliche Zusicherung, daß der Unterzeichnende feiner derartigen zerstörenden Bereinigung angehört noch fie irgendwie unterstützt. Dieser Zusah versteht sich für jeden ehrlichen Menschen, der erflärt, die Moskauer Gewerkschaftseinrichtungen zu befämpfen, von felbft. Es handelt sich also um feinen neuen Revers Neu ist nur der Spaltungsbefehl, den die KPD. aus Mostau erhielt. Beim 3dA. nimmt man den Revers zum Borwand; in anderen Organisationen wird ein anderer Bor wand herhalten müssen. Die Sholem und Ruth Fischer täuschen fich aber, wenn fie glauben, die Gewerkschaftsmitglieder noch täuschen zu können. Lohnvereinbarung im Berliner Bangewerbe. Bom Berliner Bevollmächtigten des Baugewerksbundes wird uns geschrieben: Bekanntlich hatten die Arbeitgeber den Spruch des Bezirkstohnamtes vom 14. März, der ab 19 bis zum 31. März eine Lohnerhöhung von 5 Bf. pro Stunde vorjah, abgelehnt. Die Arbeit nehmer hatten diesem Spruch zugestimmt und dessen Berbindlichkeitserklärung beantragt. Die Verhandlungen fanden am Dienstag vor dem Schlichter Wissel statt. Es fam folgende Vereinbarung zustande: Die Löhne werden ab 26. März um 5 Pf. erhöht. Diese Lohnvereinbarung gilt bis zum 8. April 1924 und läuft jeweils um eine Woche weiter, sofern sie nicht mit einwöchentlicher Frist gekündigt Chilenische Sammlung für deutsche Kinder. In der paruanischen Die Mentevei im Zoffener Gefängnis. Bor ter 1., Giraffammer des Landgerichts II gelangte die Broving Trujillo find bisher 254 Pfund Sterling für naileibende wird. 3 u deutsche Kinder gesammelt worden, die dem Reichsfanzler zur Ver Ausschreitung. im Amtsgerichtsgefängnis madimeister Oppermann feinen Tod gefunden. den Gebern ist der wärmste Dank der Reichsregierung übermittelt 3offen zur Verhandlung. Bei diesem Borfall hatte der Oberfügung gestellt wurden. Den Veranstaltern der Sammlung und Im Gefängnis befanden sich der Meffer Eduard Keckenhoff und der Seemann Ridolf Knoche. Knoche sollte am nächsten Tage nach Hamburg übergeführt werden, um in einer schweren Sache ver: hört zu werden. Beide wollten nun dem zuvorkommen und sich die Freiheit verschaffen. Steckenhoff hatte schon früher einen Auslegt wurden. bruchsversuch gemacht, war aber durch Oberwachtmeister Oppermann baran verhindert worden. Als Oppermann am Bormittag an seinem Scheibtisch faß, fchichen fich die beiden Gefangenen leise in fein Dienstzimmer. Anode hatte fich fchon vorher ein Beil besorgt; der eine sicherte bie Tür und der andere verfekte tem ahnungslosen Gefängnisauffeher einen wuchtigen Schlag auf den ' Schädel, so daß er mit einem lauten Schrei zusammenbrach. Der Groß- Berliner Parteinachrichten. tag) statt. 83. bt. Lichterfelde Die Mitgliederversammlung findet erst morgen( Donners. 96. Abt. Neukölln. Donnerstag abend 7 Uhr im Sefretariat. Nedarftr. 3. Funktionär fizung. Sämtliche Partei und Gewerkschaftsfunktionäre müssen erscheinen. Bezugnehmend auf den Artikel der Baumelt" vom 20. März auf den der Vorstand des Zimmerer- Berbandes bei seiner Berichterstattung in der heutigen ,, Roten Fahne" eingeht, habe ich folgendes zu erklären: Die Bertreter des Baugewerksbundes, sowie die Mitglieder des genannten Verbandes find Manns genug, fich selbst zu entscheiden und benötigen beine Hilfsstelling, anderer Berbände. Die Annahme, baß meine Organisation, die ich zu vertreten habe, durch den Zimmerer- Verband zu dieser Forderung veranlaßt märe und daß diese Forderung an sich übertrieben sei, weise ich zurück. Ich habe in der Tariftommiffion sowie im Bezirkslohnamt als erster Sprecher die Forderung der Arbeitnehmerschaft begründet, und zwar nicht etwa, um nur zu tben, sondern es bestand bei den jeden Ge. wertschaften völlige Einmütigteit- unbeert der parteipolitischen Einstellung- daß die Forderung der baugewerb lichen Arbeitnehmerverbände nur zu gerecht erscheint. E. Thöns. Lohnbewegung in den Konditoreien. Das Bersonal der Ronbitoreien, soweit es im Berband der Bäcker und Ronditoren organisiert ist, nahm in gut befuchter Bersammlung Stellung zu der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber gegenüber den eingereichten Lohnforderungen. Wie Thieme mitteilte, verfolgen bie Konditoreibefizer die Tattit, durch einseitige Lohnaufbesserungen an bas Badstubenpersonal einen Reil in den Zusammenhalt des Personals zu treiben. Man will einem Teil der Beschäftigten die Solidarität gegenüber dem anderen Teil ablaufen. Daß die UnterNioht irren, auf Firma achten! nehmer in der Lage find, höhere Löhne zahlen zu können, beweisen die Zulagen, die in einzelnen Geschäften gerade in letzter Zeit bewilligt worden sind. Thieme mie auch he bich old warnten eindringlich davor, sich von den Arbeitgebern einfangen zu lassen; man geht nach dem Grundfag vor: teile und herrsche, und wenn der 3wed erreicht ist, bekommt auch der jetzt umworbene Angestellte die Knute zu spüren. Nach einer im zustimmenden Sinne gepflegten Diskussion wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die die Berbar leitung beauftragt, einen legten Berständigungsversuch zu unternelen. In den Betrieben sollen sofort für alle Arbeitnehmer Lohnerhöhungen von 30 Broz. gefordert werden. Der Organisation wurde Bollmacht erteilt, alle für einen Rampf erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Am fommenden Montag wird eine Funktionärtonferenz zur Situation erneut Stellung nehmen. Der Hamburger Hafenarbeiterstreit beendet. Eine start besuchte Berfammlung der Hamburger Hafenarbeiter hat gestern mit großer Mehrheit beschlossen, heute die Arbeit wieder aufzunehmen, fiój unter Ablehnung aller Mehrarbeit streng an den Schiebsspruch zu halten und zu gelegene Zeit den Kampf auf breiter Basis wieder aufzunehmen. Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter; Birischaft: Artur Saternus; Gemertschaftsbewegung:. Chloru; Feuilleton:.. Döfchez: Lokales, und Sonstiges: Fris Rerstädt; Anzeigen: Th. 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