Te.147 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 73 Bezugspreis: 285chentlich 70 Goldpfennig vorers zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land. Danzig, Saar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit ber Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit„ Siede Jung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, -ROO Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonparelle seile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Goldmart( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche bas erste Wort 0,10 Goldmart, jebes weitere Wort 0,05 Doismare Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Angelgen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 27. März 1924 Poincaré gestürzt. Paris, 26. März.( WIB.) Havas meldet: Obwohl Finanzminister de Casteyrie die Bertrauensfrage gestellt hatte, hat die Kammer, die heute vormittag über das Pensionsgeseh verhandelle, entgegen feinen Wünschen das Gejeh mit 271 gegen 264 Stimmen an die Kommission zurüdverwiesen. Finanzminister de Lafteyrie, Minister für Gesundheitswesen Strauß und Unterstaatssekretär Bidal, die für die Regierung anwesend waren, verließen darauf den Sigungjaal. Der Vorsitzende hob sofort die Sigung auf. Paris, 26. März.( WTB.) Havas gibt um 2 Uhr 50 Minuten deutscher Zeit folgende Meldung aus: Die Demission des Kabinetts Poincaré ist vom Präsidenten der Republik angenommen worden. Antwort bis morgen mittag abzugeben. Paris, 26. März.( Eigener Drahtbericht.) Millerand sagte 34 Poincaré im Laufe der zweiten Unterredung mit ihm, er möge fich becelt erklären, das Wert fortzusehen, das er feit mehr als zwei Jahren mit voller Billigung der Kammer und des Boltes durchgeführt habe. Poincaré antwortete, er habe den lebhaftesten Wunsch, dem Ruf des Präsidenten der Republi? zu folgen, er müffe fich jedoch vorbehalten, feine endgültige Antwort erst morgen vormittag zu geben, da er fich mit einigen Freunden erst besprechen müsse. | Steht er wieder auf? Wahrscheinlich hatten eine ganze Reihe von abwesenden Abgeordneten ihren Schachtelführern", wie man die Vertrauens männer der Fraktionen drüben nennt, bestimmte Weisungen erteilt, zumal die Wahlen vor der Türe stehen und man die intereffierten Wählerschichten nicht vor den Kopf stoßen wollte. Es ist indeffen durchaus wahrscheinlich, daß einzelne von diesen Abwesenden es nicht darauf hätten ankommen laffen wollen, durch ihren Stimmzettel die Regierung zu stürzen. Man fann fogar mit Bestimmtheit sagen, daß, wenn Poincaré elbst anwesend gewesen wäre und die Vertrauensfrage perfönlich gestellt hätte, das Resultat wesentlich anders aus fönlich gestellt hätte, das Resultat wesentlich anders ausgefallen wäre. Alle diese Umstände sprechen dafür, daß die gestrige Abstimmung letzten Endes doch nur eine 3ufalls mehrheit gegen die Regierung ergab. Paris, 26. März.( WEB.) Der Präsident der Republik Alle diefe Argumente sind zweifellos in der Kabinetts hat heute um 5,30 Uhr Poincaré erneut empfangen und fizung zur Sprache gebracht worden. Daß sich gerade ihm die Neubildung des Kabinetts angeboten. Der zurüd- millerand mit besonderer Wärme für das Berbleiben getretene Ministerpräsident hat sich vorbehalten, feine Poincarés im Amt einsetzte, ist sicherlich nicht auf eine beson dere Sympathie des Präsidenten der Republik für den Ministerpräsidenten zurückzuführen- denn der gegenseitige Haß der beiden Männer und noch mehr ihrer Frauen ist notorisch-, sondern mehr auf die Tatsache, daß eigentlich niemand unmittelbar vor den Wahlen einen Regierungswechsel ünscht. Nicht einmal die Opposition der Linfen ist auf die Uebernahme der politischen und finanziellen Erbschaft Poincarés besonders begierig. Das hat sich ganz deutlich bei den Schlußabstimmungen des Senats gezeigt, wo die gesamte radikale Linke, die zahlenmäßig die Möglichkeit gehabt hätte, Poincaré zu stürzen, es vorzog, geschlossen Stimmenthaltung zu üben. Für den Linksblod ist es nämlich in der Wahlzeit agitatorisch viel nühlicher, in der Opposition zu sein und auf Die Folgen der zweijährigen Regierungszeit Poincarés hinzuweisen, als sich selbst der Gefahr auszufeßen, als neuer Regierungsblock die Verantwortung für gewisse befürchtete außenpolitische und wirtschaftliche Rückwirkungen des Poincarismus tragen zu müssen. Die Kabinettsfihung. Paris, 26. März.( TB.) Zur Kabinettskrife wird berichtet: Als die Minister unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republit, Millerand, im Elysee zusammengetreten waren, unterrichtete der Finanzminister feine Kollegen über die Umstände, unter denen die Ablehnung in der Kammer erfolgt ist. Der Finanzininister bot seine Demiffion an, indem er erflärte, er allein fei in die minderhelt gefeht worden; denn die Politit des kabinetts jei jüngst durch eine doppelte Vertrauensfundgebung in der Kammer und im Senat gebilligt worden. Poincaré weigerte sich, diesen Standpunkt anzunehmen und erklärte, das gesamte Kabinett fei genötigt zurüdzutreten. millerand ersuchte Poincaré, die Ministerpräsidentschaft beizubehalten und gab ihm den Rat, fich noch heute nachmittag vor das Parlament zu begeben; denn man könne annehmen, daß, wenn die Deputierten vor die Verantwortung gestellt werden, fie vielleicht ihre Gelegenheitsabstimmung vom Vormittag zurüdnehmen würden. Der Präsident der Republik erklärte weiter, er sei bereit, eine Botschaft an das parlameut zu richten, um die Molive auseinanderzusetzen, die ihn veranlaßten, diese Prozedur vorzuschlagen. Die Minister unterstühlen die Ansicht des Präsidenten der Republit. Diefer 30g fich aisdann zurüd, um es den Mitgliedern der Regierung zu ermöglichen, unter fich zu beraten. Sofort fette Poincaré das Demissionsfchreiben auf, das alle Minister unterzeichneten. Er überreichte es einige Minuten später dem Präsidenten der Republif. Millerand founte nur die Demiffion annehmen. Damit ist die Krise eröffnet. Der Präsident der Republit hat für heute nachmittag 4 Uhr die Präsidenten des Senais und der Kammer zu sich berufen. Als Poincaré das Elysee verließ, erklärte er den Journalisten, fein Eulschluß sei unwiderruflich. Untlar bleibt bei alledem die Haltung Poincarés. Er, der bisher stets mit dem Argument operieren ließ, daß sein Sturz eine nationale Katastrophe" für Frank reich sein würde, und daß man bei der Nachricht seines Rücktritts in Berlin Freudenfeuer anzünden" würde, er, der sich noch por furzem mit einer winzigen und politisch wenig einwandfreien Mehrheit im Senat begnügt und dadurch den Eindrud erweckt hatte, daß er natürlich nur im Interesse der Nation- am Amt flebe, sollte sich auf einmal den dringlichen Aufforderungen seiner Ministerkollegen und sogar Millerands hastnädig widersetzt haben? Tatsächlich hat er beim Berlaffen des Elysées den Journalisten erklärt, feine Demission sei unwiderruflich". Aber drei Stunden später, nach einer neuen Unterredung mit Millerand, ließ er, wie es scheint, wieder mit sich über die Neubildung des Kabinetts reden; die Vorbehalte", die er bei dieser Gelegenheit geltend gemacht haben soll, sehen nicht sehr ernst aus; denn, wenn er sich nur noch mit seinen Freunden besprechen will, dürfte das Ergebnis dieser Rücksprache faum zweifelhaft sein, da alle seine Freunde ihn geradezu bestürmen, sein, nationales Werk" fortzusetzen. Unwillkürlich erinnert man sich daran, daß auch sein belgischer Kollege Theunis nach seinem letzten Sturz über all feierlich verfündet hatte, er würde niemals" das Kabinett wieder bilden. Acht Tage später nahm er jedoch die erneute Berufung durch den König an. Poincaré dürfte jedoch seinen unwiderruflichen" Entschluß schon nach 24 Stunden wider rufen. Aber Poincaré ist bekanntlich ein Advokat, der auf dem Gebiete der Haarspaltereien und Buchstabendeutungen jeden Rekord schlägt. Und in diesem Falle wird es für ihn ein Kinderspiel sein, nachzuweisen, daß er sich feinen Mangel an Logik und Konsequenz zuschulden hat kommen lassen:„ Unwiderruflich", wird er fagen, war nur mein Entschluß, pon der Spize dieses Ministeriums zurückzutreten; aber, daß ich nicht bereit war, ein neues, etwas anders zusammengefeßtes Kabinett zu bilden, habe ich niemals behauptet". " Bei der Besprechung der Ereignisse, die sich ant gestrigen Nachmittag in Paris abgespielt haben, ist, so wie die Dinge zurzeit liegen, eine gewisse Borsicht geboien. Der parlamentarische Anlaß der französischen Kabinettskrise- wenn man diese Dinge bereits so nennen fann war zweifellos untergeordneter Art. Wichtige politische Angelegenheiten pflegt man im franzöfifchen Parlament überhaupt nie in Vormittagssigungen zu behandeln, denen nur eine geringe Anzahl besonders fleißiger Abgeordneter persönlich beiwohnt. Auch ist die Zurückverweisung eines Gesetzesparagraphen an einen Ausschuß faum eine hochpolitische Attion. Sie gewann in diesem Fall nur dadurch an Bedeutung, daß der Finanzminister de Lasteyrie die Vertrauensfrage ge- Das dürfte in der Tat des Pudels Kern sein. Seit Moftellt hatte. Dieser Lastenrie ist überhaupt ein Unglüdsmensch, naten wird nämlich Poincaré von seinen wärmsten Anhängern ber schon bei früheren Gelegenheiten das Kabinett in unan- im Nationalen Blod gedrängt, einzelne Minister da genehme Situationen gebracht hatte. In den letzten Wochen, vonzujagen. Das gilt einmal für de Laste yrie, der allzu feit dem Franksturz und der dadurch bedingten Einbringung oft eine unglückliche Rolle gespielt hat und fast zu einer eines finanziellen Ermächtigungsgeseges, stand er fortwährend fomischen Figur geworden ist; das gilt aber vor allem für den am Marterpfahl. Sedesmal, wenn er bei der Erörterung Innenminister Maunoury, der dem Nationalen Blod ein technischer Einzelheiten von der Opposition bedrängt wurde, Dorn im Auge ist, weil er im Berdacht steht, mit dem Linkszog er sich aus der Affäre, indem er die Vertrauensfruge stellte. block zu liebäugeln und die Wahlen nicht energisch genug durch Das ist ihm einige Dugend Male fowohl in der Kammer wie die Präfetten im Sinne der gegenwärtigen Kammermehrheit im Senat gelungen, gestern aber unerwarteterweise nicht.| beeinflussen zu lassen. Indessen hatte Poincaré, der bisher Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion ber Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 noch immer einen gewiffen Anhang auf der Linken besitzt, der ihm sowohl für die Gegenwart wie auch vor allem für die Zufunft besonders wertvoll ist, Maunoury gehalten. Eine Preisgabe dieses Innenministers, dessen Ausschiffung vor allem von den Royalisten gefordert wird, würde ihm als eine Rapitulation vor der äußersten Reaktion angetreidet werden. Dazu fonnte er sich bisher nicht entschließen. Indessen ist es nicht unwahrscheinlich, daß er die Gelegenheit der gestrigen Abstimmung nicht ungern ergriffen hat, um eine Regierungskrise" zu eröffnen und dabei dieje heikle Operation vorzunehmen. Charakteristisch war der Ausruf Daudets am Schluß der regierungslosen Nachmittagsfigung: Nieder mit Maunoury!" Wenn, wie es den Anfchein hat, Poincaré die Neubildung des Kabinetts übernimmt, dann wird man mit besonderem Intereffe auf die Besetzung des Innenministeriums blicken müssen. Wird Maunoury erfetzt, dann bedeutet dies inner politisch den legten Rud Poincarés nach rechts vor den Neuwahlen. Dann wäre aber auch die ganze Regierungsfrise" als eine Komödie entlarvt. Die entscheidende Abstimmung. Paris, 26. März.( BTB.) Ueber den Berlauf der heutigen Sigung der Kammer ist folgendes zu berichten: Die Rammer beriet das Gesetz über die Zivil- und Militärpensionen. Der Senat hatte eine Abänderung an dem von der Rammer genehmigten Entwurf vorgenommen, wodurch die Ausgaben wesentlich erhöht wurden. Ueber dieses vom Senat zurüdgekommene Gejej ist gestern nachmittag die Generaldebatte eröffnet worden. Heute vormittag wurde die gestern begonnene Debatte fortgesetzt. wohnte, verzichtete eine Anzahl Redner auf das Wort, um die Generaidebatte abzukürzen und um zur Einzelberatung der Artikel des Gesetzes zu gelangen. Nun fiellten die Abgeordneten Bauyssou und Ossola wegen der Frage der Staatsarbeiter, die nicht in gleicher Weise durch das Gefeß behandelt würden wie die pensionierten Militärs, ben Antrag, das Gefeß nochmals an den Finanzausschuß zur Beratung zurüd zu verweisen. Gegen diesen Antrag sprach Finanzminister de afteŋrie, indem er erklärte, dieses Verfahren würde eine neue Berzögerung und unnötige Diskussionen hervorrufen. Er verlangte, daß die Klammer auf eine Zurücverweisung an den Ausschuß verzichte und stellte deshalb die Ber. trauensfrage. Zu Beginn der Sizung, der Finanzminister de Lafteyrie beiTroz dieses Eingreifens des Ministers blieb Abgeordneter Offola dabei, daß die Zurückverweisung an den Ausschuß notwendig sei. Es entstand eine Diskussion, in deren Berlauf auch der stellvertretende Borsitzende des Finanzausschusses, Abgeordneter Brousse, feine Stollegen beschwörte, im allgemeinen Interesse auf die Zurückweisung an die Kommission zu verzichten. Um 11 Uhr 20 Minuten wurde die Debatte geschlossen, und es wurde zur Abftimmung geschritten. Es stellte sich heraus, daß eine Auszählung notwendig fei. Die Sihung wurde deshalb vertagt. Um 11 Uhr 55 Minuten verkündete der Vorsitzende das bereits mitgeteilte Ergebnis. Der Antrag auf Zurückverweisung des Pensionsgesetzes an den Ausschuß wurde mit 271 gegen 264 Stimmen angenommen. Die anwesenden Minister de Laftenrie und Strauß und der UnterStaatssekretär Bidal verließen sofort nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses den Sigungssaal Katzenjammerstimmung in der Kammer. Paris, 26. März.( WTB.) In den Wandelgängen der Rammer ging es den ganzen Nachmittag sehr lebhaft zu. Havas berichtet, daß sofort nach Aufhebung der Kammerfizung gegen Mittag von den anwesenden Abgeordneten, Senatoren und Journalisten über die etwas anormalen Abstimmungsverhältnisse in der Sigung diskutiert worden sei. Die vorherrschende Meinung fei dahin gegangen, daß die allgemeine Bolitit der Regietung burch die Abstimmung nicht in Mitleidenschaft gegegen werde und daß die Kammer durch ihre Haltung in der kurzen Nachmittagssitzung diesen Eindruck bestätigt habe. Unter diesen Umstanden habe man allgemein die vernunftgemäße Lösung der Strife in der Wiederberufung Poincarés erblickt, und die Mehrheit der Kammer habe der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es Mitterand gelingen werde, den Widerstand des zurückgetretenen Ministerpräsidenten zu überwinden. Paris, 26. März.( WTB.) Die Kammer trat heute nach mittag 3,10 Uhr zu einer Sigung zusammen. Etwa 300 Abgeordnete find anwesend. Die Regierungsbant ist leer. Eine Anzahl Abgeordneter verlangt fofort das Wort, an ihre Abffimmung von heute vormittag zu berichtigen. Die Abendblätter stellen ncmentlich fest, daß in der heutigen Bormittagssigung nur etwa 100 Abgeordnete anwesen waren, so daß für die meisten Deputierten andere Abgeordnete Abstimmungszettel in die Urne gelegt haben. Der Abg Molinier, der erklären will, daß nicht die Kammer, fendern die Regierung in der Frage des Pensionsgefehes ihre Haltung geändert habe, baß aber auf alle Fälle er und feine Freunde' in der Außenpolitik noch wie vor für die Regierung 'eten, kann sich nicht Gehör verschaffen. Der L ä r m legt sich erst, als Abg. K l o tz für ein« Tages- ordnung zu sprechen beginnt, in der festgestellt wird, daß am Vor- mittag eine Anzahl Abgeordneter durch die Verhandlungen in den Kommissionen verhindert gewesen sei, an der Abstimmung teilzunehmen. Die Abgeordneten seien nicht von der Bedeutung in Kenntnis gesetzt worden. Hierauf beantragt der Abg. Dariac, der Vorsitzende des Finanzausschusses, die Sitzung der Kammer auf Freitagnochmittvg drei Uhr zu vertagen in der Hoffnung, daß ein« Regierung vorhanden fei(der lothringische Abg. Fran- qois ruft:„Saasohll Herr Poincare!"). damit die Budgetzwöiftel und der W!eraufbau zur richtigem Zeit durchberaten werden könnten. Der Vorschlag Daria« wird angenommen und die Sitzung um lUZ Uhr geschlossen. 5n diesem Augenblick ruft der royaltstische Abg. Daudet: Rleder mit Manouryi, die Abgeordneten der Mittelpartei rufen: Es leb«?oincaräi, auf der äußersten Linken schreit man: Es lebe die Republik! Vertranensknndgebungen für Poinears. Paris, 26. März.(WTV.) Unter Führung des Abgeordneten L e y g u e s haben die Kammergrupp« der republikanischen und de- mokratischcn Linken, der u. a. der Kammerpräsident und der Abg. L o u ch e u r angehören, und die Kammergruppe A r a g o heute nachmittag in einer gemeinsamen Sitzung Vertrauens- resolutionen zugunsten Poineares angenommen und den Wunsch ausgesprochen, daß er sobald wie möglich die Leitung der focmzö fischen Innen- und Außenpolitik wieder übernehm«. Kommentare der Pariser Abendblätter. Paris, 26. März.(WTB.) In Besprechung der Demission Poin- cares stellt der„Temps' die Frage, ob die Kammer über ihre Ab« stimmung genügend nachgedacht habe. Zwischen der Re- gierimg, die nicht einen einzigen Tag aufgehört hatte, die h ö ch st e n nationalen Interessen sich vor Augen zu halten, und der Kammer, die in einer dunklen Vonnittagssitzung sich zu einer Kundgebung von Wahlmanövern hergebe, ohne zu berechnen, welch« politische Tragweite ihre Taten hoben könnten, werde das Land ein schweres Urteil fällen über die. die in der letzten Stunde der Legislaturperiode krampfhaft das Ministerium Poin- care stürzten. .Liberte" schreibt: Die Abstimmung der Kammer ist vor allen Dingen eine Ahstimnmng der Wahlsurcht, eine demagogische Abstimmung. Di« Abgeordneten sollten eben morgen vor ihren Wählern erklären können: Wir haben für die höchsten Pensions- gesetze gestimmt. Was wird aus dieser Krisis hervorgehen? Höchst- wahrscheinlich ein Zusammenflicken des Ministeriums. Wenn Poincare das ausnutzen wollte, um fein Kabinett von u n- populären Elementen zu säubern, dann würde er sein« Kräfte vermehren, dann würden hie Gegner der Regierung sowohl Poincare als auch dem gesamten Lande einen ungeheuren D l e n st erwiesen haben. „Journal des Debats" sagt: In allen Punkten, bei allen Ab- stimmungen habe die Regierung in beiden Porlamerien die M e h r- h e i t gehabt. Sie habe sich ihr« Zustimmung zu ihrer Politik ver» schafft, sie habe zuweilen die Verantwortung übernommen und das Parlament daran teilnehmen lassen. Heute würde jeder Wechsel die öffentliche Meinung oerwirren. Da» Kabinett sei zurückge- iveten im Anschluß an«ine Abstimmung des heutigen Vormittags, «s werde sich morgen neu bilden und Poincarö werde Mi- nisterpräsident bleiben. Zttfitöhaltmtg in London.— Ein Reuter- Kommentar. London, 26. März.(WTV.) DI« Nachricht von der Niederlage Poincareg in der Kammer und von feiner Demission wird in o f f i- z i e l l e n Kreisen mit völligerZurückhaltung aufgenommen mit Rücksicht darauf, daß«? sich um eine rein innerpolltische Sache handele. Aus anderen verantwortlichen Kreisen erfährt Reuter: Die Demission des französischen Ministerpräsidenten hat in England erhebliche Ueberraschung hervorgerufen und wird durchaus nicht als ein Grund zum Frohlecken betrachket. Man glaubt, daß Poincare einwilligen wird, sich feinen Entschluß noch einmal zu überlegen. Der allgemeine Eindruck geht hier dahin, daß ez für England entschieden besser ist, den der Linken ange- hörenden(?) Poincare an der Spitze der Staatsgeschäst« zu haben. als eine Regierung, die aus Mitgliedern der äußersten Linken Der§all Erich Kleiber. Konzertumschau von Kurt Singer. Gibt es einen Fall Kleiber? Nein: ober es gibt einen Fall Meiber-Publikum. Und das will betrachtet sein. Bis zum Jahr« Z923 nannte den Namen Erich Kleiber kein Hcldenbuch, kein« Fama, kein Riemann. Das Schicksal seiner Berufung nach Berlin ist in guter Erinnerung, ist in schlechter Erinnerung. Als zweiter Kapell- meister der Staatsoper, als koordiniert dem aufrückenden Sliedry, als übergeordnet allen anderen Dirigenten, als Generalmusikdirektor mit einigen Befugnissen des Operndirektor« und Intendanten dazu. Kaum sitzt er im Sattel, da reitet er das Pferd unter feinen Schen» kein nach neuem Schritt, im Galopp zu. So dachte man. Aber es geschah zunächst nicht viel, dann wenig, zuletzt nichts Aufregendes. Ein paar überflüsiige Entlassungen, ein paar Engagements, drei Opern des Repertcirs auf neu gestrichen(glanzvoll gestrichen), eine Erstaufführung. Dies das Resümee einer halbjährigen Arbeit in der Staatsoper. Dennoch hatte Kleiber nach vier Wochen schon eine Po- sition in Berlin, wie sie kein Strauß und Weingartner nach vier Iahren besaßen. Das spricht für die Energie, für das suggestive Fluidum einer Persönlichkeit von unbeugsamem Willensfchnilt. Auch für das künstlerische Höchstformat? Ueber einen bisher Unbekannten. der auf erhobenen Posten in jungen Iahren gelangt, stürmen die Wogen der Begeisterung. Kein Zweifel: Dieser Mann mit den ver- kniffenen, strengen Zügen, mit dem strafenden Blick, ist beliebt, ist Sensation, ist Licht, In das die Motten fliegen. Noch vor dem Be- weis seiner hohen Berufung fliegt ihm der golden« Lorbeer zu. Kleiber ist Trumpf im Spiel. Attribut jeder Publikumsbegeisterung ist die Undankbarkeit. Aber wer jetzt olympisch hoch steht, kann er nicht ig einem Jahre zu den anderen entgötterten Göttern hinab- stürzen? Bor solchem Sturz aber sollte der Hochbegabt« geschützt worden. Gerade das schönste an ihm scheint die latente, noch nicht völlig durchgebrochene künstlerische Kraft, scheint die Entwicklungs- linie seines Wesens zu sein. Er ist prachtvoll ungleich. Gerät er an den rechten Meister, so ist er der rechte Mann dazu, den Meister alz Vachdichwr zu meistern. So bei Scriabine. so bei Dvorck, Swotana. Run entdeckt aber ein spürsamer und mistender Mann, daß Kleiber die begabteste linke Hand hat, die seit Mahler Zeichen gab. Wie wirkt das auf den jugendlichen Dirigenten? Er posiert mit der Linken, er eskamotiert den Stock von rechts nach links, er legt ihn beiseite, er ballt die linke Faust auf dem Rücken. Was als plötzliche Eingebung schön und gut war, wird, methodisch, zur Farce. Auch das Dirigieren mit dem Blick, mit schlaff hängenden Armen, dos Hypnotisieren der Musiker, wirkt nicht inspiratorisch, sondern gewollt. Es fehlt überall cm Grandezza, an Wcltmönnischkeit, an Liebens- Würdigkeit: die philologische Bärbeißigkeit überwuchert noch die nachschöpferlsche Intuition. Das Gemüt ist still. Alles an Kleiber ist im Werden. Aber zum universellen Gestalter, zum konstruktiven Baumeister fehlt« ihm bisher noch die große Beweismöglichkeit. Man nenne ihn daher nicht das größte Dirigiergenie seit Mahler. Laßt ihm Zeit, sich hinauszuentwickeln! Wir bewundern an Klei» der aufs höchste die herbe, präzise, resolut zupackende Zeichen- c-etnmg. die eine organische Folge seines rhythmischen Srbarfblicks ist. Wir schätzen sein« temperamentvollen Entladungen, sei» Hinaus» zusammengesetzt ist, mit Powcart in der Opposition. Ein« solche Kombination könnte natürlich nur sehr kurze Zeit dauern. Schließlich wird darauf hingewiesen, daß die persönlichen Beziehungen zwischen Poincare und INacdonald ausgezeichnet sind, und daß, obwohl die beiden Staatsmänner niemals persönlich zu- sammenkamen, doch als Ergebnis ihres Roienwechfel» eine ganz neue Atmosphäre zwischen den beiden Ländern geschaffen worden ist. Der Fall Poincares bedenket kein Ende dieser günstigen Atmo- sphäre. Der Notenaustausch ist nicht vergebens gewesen, da die guten Beziehungen zwischen der britischen Regierung und Poincarö und dem großen Teil der öffentlichen Meinung, die In Frankreich hinter ihm steht, ob er im Amte ist oder nicht, auf- rcchterhalten bleiben. Sensation in Brüssel. Brüssel, 26. März.(EP.) Die Meldung von der Demission des Kabinetts Poincare ist um 2 Uhr in Brüssel bekanntgeworden. Sie hat in politischen Kreisen ungeheure Sensation hervor- gerufen. In Regierungstneiscn äußert man die Ansicht, daß der Rücktritt des Kabinetts Poincarö kurz vor dem Erscheinen der Sach- verständigenberichte verhängnisvolle Folgen haben könne. Man hofft, daß Millerand Poincare von neuem mit der Regierung?- bildung beauftragen wird. In diesem Fall« würde das Kabinett mit geringen Veränderungen bis zur endgültigen Re- gelung aller schwebenden internationalen Fragen im Amte bleiben. In den Kreisen der Ruhrgegner legt man unverhohlene Freude an den Tag und hofft, daß ein radikales Ministerium dem Kabinett Poincare folgen wird. Die„Stahlhelm'-diktfltur. Keine Antworten, aber allerhand Ausrede«. Im Anschluß an die Veröffentlichung der Stahlhelm- Dokumente am Montag haben wir an den früheren Reichs- kanzler Dr. Strefemann und an den General v. S e e ck t einige Fragen gerichtet, die bisher bezeichnenderweise nicht beantwortet worden sind. Dieses Schweigen ist außer- ordentlich vielsagend. Man kann nach ihm also annehmen, daß der Bundesvorsitzende des„Stahlhelm", der v o l k s p a r» t e i l i ch e Kaufmann S e l d t e, mit seinen Diktaturplänen mehrfach bei Strefemann und auch bei General Seeckt gewesen ist. ohne daß er sofort wegen Versuchs der Amtsnötigung verhastet wurde. Die Herren haben also, wie sie durch ihr Schweigen bestätigen, sich von der„Stahlhelm"- Macht„ultimative" Forderungen stellen lassen, ohne sofort daraus die allein möglichen Konsequenzen zu ziehen. Während die A m t s st e l l e n so beredt zu schweigen wissen, arbeitet der Dementierapparat des„Stahlhelm"-Bun» des um so eifriger. Die volksparteiliche„Zeit" wußte zu melden, daß der„Stahlhelm"„treu zur Weimarer Verfassung" stände. Wer ihr diesen Bären aufgebunden, möchten wir gern wissen, werden? aber wohl nicht erfahren. Es ist jedoch gegenüber den dreisten Ableugnungen notwendig, an den Beschluß zu erinnern, den die telegraphisch nach Magdeburg zusammengerufenen Stahlhelmbund- Führer am 4. November 1923— allo vor dem Hitler- Putsch— saßten, telegraphisch an Strefemann weitergaben und dann durch Wolffs Bureau verbreiten ließen: Wie einst un August 1914, so treten auch heute in schwerster vaterländischer Not die deutschen Frontkämpfer auf den Plan. Im Namen von Millionen ehemaliger Soldaten werdet sich der am 4. November in Magdeburg zusammengetretene Bundesvorstand des Stahlhelms der Frontsoldaten an Sie, Herr Reichskanzler, mit der Forderung, nunmehr umgehend eine nationale Diktatur zu schaffen, die nicht durch Parlamente, Parteien uud Znterrssenverbäude behindert ist. So geht's nicht weiter! Man verhandelt, aber handelt nicht. Millionen hungern. Taufende schlemmen. Inzwischen reißen Lumpen Teile des deutschen Baterlandes ab. Rur die sosorklge Errichtung einer naklonakeu Dikkalur kann veulschland relken. Wir verlangen nunmehr von Ihnen. Herr Reichskauzler, daß Sie diese kreszenbieren des Orchesters, seinen Mangel an Süße und Sentimen- talität, selbst da, wo eine Partitur sie melodisch zu malen scheint. Wir freuen uns der suggestiblm Gesamtleistung, die, ohne gerade groß in der Konstruktion zu sein, doch ein Mosaik von seinen, wir- kenden Einzelheiten darstellt: und wir beglückwünschen jedes Or- chester, das von ihm diszkpüniert wird, das von ihn Antrieb erhält. Dies unser Urteil über das Talent Kleiber nach seinem Strauß- Abend(Don Juan, Alpensinfonie resp. Phantasie) und der Smetona-Morgenfeier bei Kroll. Bei letzterer allerdings war der Eindruck stärker, weil ja hier— in der„Vaterlands"««�!! — der elementare Rhythmus des Böbmerlandes einem rhythmisch elementar fühlenden, männlichen Musiker entgegenkam. Die Mit- glieder der„Volksbühne" fcierlen den prachtvoll in die Stretta und die Polka hineinstoßenden Interpreten wirbelnden Tempera- menis besonders hell. Sehr schön war es, daß Kleiber in den sanft von Mendelssohn gestreichelten Sangesmelodien durch straffe Alzen- tuiorunq und vorbildliches Phrasi-ren dem Allzugefällia-'n einen Stich Ins Bedeutende zu geben versuchte. Im übrigen spielt sich das mit einer Staatskapelle fast von selbst. Alles in allem: Kleiber ist wohl ein kommender Mann. Man lasse ihm Zeit. Furtwängler verabschiedete sich indessen. Mit der IX. Ein- fonie, die er für die Pensionskasse der Philbarmoniker spielte. Nun reist er mit seiner ihm treu ergebenen Künstlerschar durch Nord- deulschlanb und die S'bwelz. Fruber war mit oem letzten philharmo- Nischen Konzert die Saison beschlossen. Jetzt ist das anders. Und es stehen noch große Dinae bevor. Den Philharmonikern aber, dieser Kerntruppe des künstlerischen Berlin, rufen wir, wie ihrem herrlichen Führer, ein„Glückauf" zu. Sie mögen zu neuen Taten froh zurück- kehren! Hans Mackenroth wollt« eigene Kompositionen vorführen. Um die vielen, die nicht alle werden, anzulocken, verkündeten Plakate und Billetts, daß zu dieser Veranstaltung(zu Ehren der Gefallenen) „S. K. H. der deutsche Kronvrinz" persönlich geladen sei. Macken- roth ist der Name eines berühmten Frauenarztes. Heists also„zu Ehren der Gefallenen" etwa„zu Ehren der gefallenen Mädchen"? Kauin. Denn was sollte der cbemalig« Kronprinz dort? Friedrich Wilhelm aber war auf alle Fälle klüger als der 5?err Kompositeur. Er erschien nicht. Ganz klug aber war das Blüthncr-Orchester: es erschien ebenfalls nicht. Und so war die lächerliche Anpreisung und Reklame eines Gefallsüchtigen ins Wasser gefallen. 1924, im sechsten Jahre der Republik, an den Iden des März. veotschnatkonale Hetze gegen öle Volksbühne. Dem Angriff der„DAZ." sst eine deut'chnational« Anfrage in der Berliner Stadtverordnetenversammlung gefolgt, die in dl« gleiche Kerbe schlägt., Di« Herren Koch und Detleffsen haben den Radetzkymarsch als national« Einrichtung gefordert. ,Lett«mgsnachrichten zufolge— so lautet Ihre Anfrage— wird dem Besucher der Volksbühne zu jeder Vorstellung«ine kleine Zeitung in die Hand gedrückt. In«m«r der letzten Nummern dieser Zeitung soll folgende Nachricht gestanden haben:„Es ist der Volks- bühne gelungen, die Direktion des Großen Schauspielhauses zu zwingen, den«Zigeunerbarm»" vom Spielplan abzusetzen, well im vikkakur umgehend schassen. Warum machen Sie von den in Ihrer Hand befindlichen Macht in itteln nicht restlos Gebrauch? Handeln Sie, damit nichl andere handeln! Der Dundesvorstand des Stahlhelms(Bund der Fronssoldaten). Das also war am 4. November die„Verfassungstreue� de?„Stahlbolnis", von der Stre'emanns Organ jetzt zu reden weiß.„Handeln Sie, damit nicht andere handeln!" Am 8. November handelten andere, nämlich Hitler und Luden- dorff, und sie warteten nur auf die„Herren aus dem Norden!" Wir wiederholen also unsere Fragen: Haben Strefemann und Seeckt die ultimativen Forderungen Seldtes von ihm entgegengenommen, ohne ihn verhasten zu lassen? Und warum haben sie diesen Versuch der Amtsnötigung und der Verleitung zum Hochverrat nicht erkannt und nicht danach ge- handelt? Der jetzige Leiter der Stahlhelm-Pressestelle benutzt auch die„Voss. Ztg." zu allerhand Ausreden über den Diktatur- entwurf. Der sei von dem früheren Redakteur der„Bundes- zeitung" als„Privatarbeiter" aufgestellt und nur deshalb in die Akten des Bundes gekommen, weil der Rodakteur im Bureau feine Privatarbcitcn verrichtete! Das sind erbauliche Sachen, und man sucht Gläubige, die das glauben! Inzwischen legt der„Stahlhelm" Wert auf die Fest- stellung, daß er„verfassungstreu" sei. Einer seiner Haupt- führer aber, der ehemalige Oberstleutnant Düsterbcrg. be- schwert sich in der Presse bitter darüber, daß der domo- kratische Regierungspräsident Pohlmann bei einem„Stahl- helm"tag„die politische Geschmacklosigkeit gehabt habe, ein Hoch auf die deutsche Republik auszu- bringen". Das sind die Republikaner des Stahlhelms! Wenn die Volkspartei daran Gefallen findet, wollen wir ihr das Vergnügen lassen. Wir hoffen aber, daß der Republikanische Kriegsteilnehmerbund„Reichsbanner Schwarzrot- g ol d" bald einen wirklichen Schutz der Verfassung bietet und damit die reaktionären Stahlhelme? endlich dahin befördert, wohin sie gehören, in die Reihen der Feinde der Republik. Im Preußischen Staatsrat hat die Sozialdemokratische Fraktion solgende förmlich« Anfrage eingebracht:- Nach Bekundungen im Hochverratsprozeß gegen Hitler. Luden- dorff und Genossen ist im vorigen Jahre u. a. ein Freiherr v. Gay! bestimmt gcweion. an der Bildung eines Direktoriums teilzunehmen. das an die Stelle der verfassungsmäßigen Re!chsreg!«run<« treten wollte. Sind der Staatsregierung dieRamenderMitglieder des geplanten Direktoriums bekannt und befinden sich unter ihnen p r e u ß i fche Staatsbeamte, Mitglieder des Landtags und des Staatsrats? Wir fragen die Regierung. n>as sie rvegcn einer«tuxiigen Beteiligung an einem hochverräterischen Unternehmen veranlaßt hat»der noch zu veranlassen gedenkt. Neichswehrfragen im Unterhaus. London. 26. März.(WIB.) Zm llnkerhanfe fragte da« kon- servalive Mitglied Sir Frederick Hall den Slaatssekrelär des Aeußern, ob er mitteilen könne, welche Schritte augenblicklich von den Alliierten unternommen würden, nm die Beobachtung der Bestimmungen des Berfalller Vertrags, belressend die Stärke militärischer Skreilkräfle. durch Denlschland zu erzn-iu- gen, serner, ob der Staalosekretär eine llnsormalion erhallen habe über das Verfahren, da» gegen Prof. Ooidde eingeleitet worden fei. weil er auf dl« ausgedehnten militSrifchen Uebnngen hingewiesen habe, die fehl in allen Teilen Denlschland» unter Aufstch« der Reichswehr abgehalken würden. Der linker- staatssckretär des Aeußeren Ponsouby erwiderte, infolge der Cr- eiznlsse zn Beginn des Zahres 1923 fei die volle militärische konkrolle suspendiert worden. Die Allllcrien beabsichkigen seht, die Kontrolle, zu der sie durch den Bertrag berechttgi seien, wieder auszu- nehmen. Verhandlungen seien gegenwärtig mit der dentschen Re« gierung über das künftige Verfahren lm Gange. Die Antivort auf den lehken Teil der Frag« laute bejahend. Es feien eben Do- knmente bei der Regkrniig eingcirosseu. nnd die Frage werde weller erwogen. letzten Akt von einer ans die Dühn« kommenden Militärkapelle der Radetzkymarsch gespielt wird. Dieser Marsch lös« stets eine nationale Dewegung bei der Zuhörerschaft aus."— Ferner soll die Zeitung geschrieben haben, man müsse viel mehr französischen Autoren das Recht geben, in Dcusschlond Ihre Stücke aufzuführen. Ist dem Ma- gistrat bekannt, daß die von der Stad-t finanziell unterstützt« Bolls- bühne in so bedenklicher Art und Weise politische und antmotlonale Propaganda treibt, und wie stellt er sich dazu?" Bums! Sa, wie stellt sich der Magistrat zu diesen Verdrehungen einer planmäßigen Hetze? Den Tatbestand haben wir gestern be- reits festgestellt, wir brauchen- ihn nickst zu wiederholen. Die Volks- bühne hat ihr« Pflicht gegen Kunst und Mitgliedschaft erfüllt, indem sie beide vor nationalistischen Uebersällen schützte und ordnungs- mäßig verlaufende Aufführungen sichert«. Kann das der Pfarrer Koch verstehen? Gewiß nicht, aber er hätte sich immerhin besser orieniieren können. Die Besucher der Lolksbühne bekommen nicht ein« Zeitung in die Hand gedrückt, fondern die Mitglieder erhalten ihr Nachrichtenblau. Darin stand auch nicht der wörtlich zitiert« Abschnitt. Und der Passus über die französische Literatur ist sehr ungenau wiedergegeben. Wir setzen ihn deshalb wörtlich her: „Die Leitung der Dolksbuhne glaubt nicht, daß dief« Fern» Haltung einer bedeussamen Literatur der densschen Kultur s�nt. zumal in der jungen französischen Dichtung Tendenzm lel««»l sind, die machtvoll nach einer Verständigung der Nationen rufen. Des- halb will es die Berliner Bolksbühne übernehmen, zunächst wenig» stens In einer Literarischen Morgenseier junge französisch« Dichtung im Theater am Bülowplatz zu Gehör zu bringen. Di« vertraut daraus, daß ihre Mitglieder dabei auf der Hut sind, um nationa- listische Gegendemonstrationen, wie sie nach den letzten Theater- skaichalen in Dresden usw. befürchtet werden könnten, im Keime zu ersticken." � Bravo, Volksbühne! Du warst auf dem rechten Weg«, ms du beschlössest, der Stimm« der Menschheit, die auch in Frankreich er» klingt, in Deusschland ein Echo zu geben. Da die Religion des Herrn Koch offenbar aufgehört hat. der Versöhnung der Volker zu dienen. ist dies« um so mehr Aufgab« der Kunst, wenigstens einer Kirnst, wi« sie die Volksbühne immer verstanden und gepsleg: hat. Es hieße den Agitationsbedürfnissen dieser burlesken Anfrage Rechnung tragen, wollte man den Stadtvätern zumuten, sie ernst- hast zu behandeln. Die Stadt Berlin hat einmal groß- zügige und volkstümlich« Kun st Politik getrieben, als sie der Volksbühne durch«ine Hypothek half, ihr stolzes Haus zu Ende zu bauen. Di« frühere Manchester- liche Mehrheit der Versammlung verdient heut« noch Tadel, daß sie nicht mehr aus diesen: Gebiet getan hat. Es ist ein ergötzliche» NackGIel zu dem einen erfreulichen Akt, daß die Deu�chnationalen ihn nachträglich kassieren möchten. Kündigen Sie die Hypothek, die einzig«, die die Stadt Berlin bei der Kunst hat, meine Herren Deutschnationalen, Sie werden für die Unsterblichkeit das Ihre getan haben!___ Da» preohlfch« Geheime Staatsarchiv wurde Mittwoch vor»l>ttag durch einen feierltchen Einweihungialt m feinem neuen Heim in Berlin» Dahlem wieder eröffnet. Zu der Beranftaltung halten fich dt» preugi« schen MmtsUr und Vertreter»ohlreicher Behörden«mgejundea. Lobenswerte Sozialdemokraten. Aber nur im Ausland. Für die nationale" Bresse gilt im allgemeinen der Grundsah, nur den deutschen Mann und für Kirche, Küche und Kinderstube auch die deutsche Frau gelten zu lassen, alles aus. ländische aber als perfide, tüdisch, negermäßig, furz in jeder Beziehung minderwertig herunterzureißen. Diesem Grundsatz entsprechend müßte sie eigentlich auch die deutschen Sozialdemokraten loben und auf die ausländischen schimpfen. Da aber stedt sie den Kopf zwischen die Beine und sieht alles verlehrt. Die ausländischen Sozialdemokraten werden gefeiert und gelobhudelt und bie deutschen werden heruntergeriffen. Bom verstorbenen Genoffen Tufar lieft man jetzt fogar in ber Kreuzzeitung", daß er ein einfichtiger, tlar urteilender und sehr ernsthafter Polititer gewefen ift. Daneben steht eine blöde Schimpfnotiz, in der behauptet wird, der Borwärts" habe durch seine Borbereitung" den Zusammenbruch Deutschlands im Kriege herbeigeführt und Scheidemann habe an dem Abbau der Volksschule in Preußen schuld. Daß der Borwärts" im Oftober 1918 bei Ludendorffs„ Nervenzusammenbruch" die oft zitier ten warnenden Wort schrieb:„ Behe dem Bolf, das seine Waffen fünf Minuten zu früh an die Wand stellt stört die Kreuzzeitung" im Berleumdergeschäft nicht, deswegen hat doch die Borbereitung" burch den Vorwärts" und nicht die Vorbereitungslosigkeit des Herrn Ludendorff den Zusammenbruch verschuldet. Was Scheide mann mit dem Schulabbau in Preußen zu tun haben soll, bleibt unerfindlich, ebensogut fann man fagen, daß er die Grippe oder den langen Frostwinter auf dem Gewissen hat.( Das tommt aber wahrscheinlich erst acht Tage vor der Wahl.)*** Vaterlandsliebe des Schloßherrn. Menschenfreundlichkeit eines Großgrundbesitzers. Nach einer Verordnung der Reidsregie. rung vom 17. Dezember 1923 müssen bie Flüchtlings. lager in türzester Frist geräumt werden. Um das zu er möglichen, wurden die noch in den Lagern vorhandenen etwa über 20 000 Flüchtlinge auf die einzelnen Länder verteilt und die Länder müssen nun dafür sorgen, daß die Flüchtlinge den Gemeinden zugewiesen werden. Zu diesem Zwed sieht die Berordnung vor, daß Wohnräume beschlagnahmt werden fönnen. Während im allge meinen die Gemeinden sich bemühen, die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge so gut es eben geht unterzubringen, leisten die Rittergutsbesiker vicifach Widerstand. Sie wollen feine landfremden" Leute auf ihrem Befik bulben, auch dann nicht, wenn es Flüchtlinge sind, die unter den schwersten Schäden ihre alte Heimat verlassen mußten, weil diefe infolge des Friedensvertrages an einen anderen Staat abgetreten wurde. Ein geradezu standalöses Beispiel solcher Vaterlandsliebe wird uns aus Medienburg berichtet. Die dortige Reglerung hatte dem wird Herr von Haase mit seinen Angestellten das Schloß verlassen, so daß die Flüchtlinge gezwungen wären, wenn sie überhaupt einheizen wollen, das ganze Schloß zu heizen. Hierzu wäre ein Aufwand von täglich 12 Zentner Kots erforderlich. Ganz abgefehen hiervon stellt Herr von Haafe eine mafct. nelle Einrichtung zu heizungszweden nicht zur Ber fügung. Ich wüßte auch nicht, auf welche Beise er hierzu ge zwungen werden fönnte. Eine Arbeitsgelegenheit für die Flüchtlingsfamilie findet sich in Wiebendorf überhaupt nicht. Die Familien würden also hier der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen. Jedenfalls wird Herr von Haase sie nicht beschäf tigen und fann hierzu auch nicht gezwungen werden. Herr von Haafe wird weder Milch noch Kartoffeln noch andere Nahrungsmittel zur Verfügung stellen. Die Flüchtlinge wären alfo gezwungen, sich diese Nahrungsmittel aus Boizenburg zu Fuß herbeizuschaffen. affigen Tapeten( Seide) versehen. Die in Anspruch genommenen Räume sind mit ganz erft. Sie befizen ge musterte Bartettfußböden. Die Wiederherstellung in dem Fideikommißbefizer Kurt von Haafe auf Wiebendorf alten Zustande würde bei Benutzung durch die Flüchtlingsfamilie mitgeteilt, daß in feinem Schloß einige Räume, die gegenwärmerben und enorme Roftenaufwände erfordern. Herrn von Haase nach Aufhebung der Beschlagnahme gefordert In Deutschen" vereinigt Herr Stegerwald das Hinaufnahmt werden, um dort eine Flüchtlingsfamilie zahl Kunstschähe untergebracht. In der Mitte des Schlosses befindet tig als Fremdenzimmer Berwendung finden, beschlag. In dem alten Schlosse des Herrn von Haase sind eine große Anunterzubringen; außerdem wurde ihm aufgegeben, einen unterzubringen; außerdem wurde ihm aufgegeben, einen Raum zur Verfügung zu stellen, ber als u dhe venugt loben der ausländischen und das Herunterreißen der deutschen So zialdemokratie gleich in einem Artikel. Nebenbei, hat Herr Steger mald feine Freunde, die ihn hindern, durch diese bemitleidens werten Schreibfunststücke feinen Ruf als„ Staatsmann" zu ruinieren? Herr Stegerwald leistet fich da u. a. folgenden Gallimathias: Es ist höchste Zeit, daß die Sozialdemokratie umlernt; Beifpiel möge ihr da ein Mann sein, den sie nicht mit unge. mischter Freude() zu ihren Repräsentanten zählt: der englische Bremierminister Macdonald. Diefer, heute verantwortlicher Leiter des größten Erdreichs, denti viei 3u realpolitisch, als daß er auch nur irgendwie der marristischen Utopie nachjagte. Im Gegenteil: Macdonalds Han dein wird vom weltbürgerlichen Instinkt des Eng. länders geleitet, nicht von der Schwarmgeisterei des Rosmopoliten; so ist er im legten Grunde national, beherrscht von realen Interessen, wie sie fich aus der jeweiligen Lage ergeben und ausgenügt werden fönnen. Diese Energiequelle fehlt der deutschen Sozialdemokratie, und darum hat sie die ehe. mals von meiten Kreisen in fie gefeßten Erwartungen nicht erfüllen fönnen. Herr Stegerwald tönnte fich gratulieren, wenn ihn das Zentrum ntit derfelben„ ungemischten Freude" zu feinen Repräsentanten zählen würde, mit der wir Macdonald als unseren Gesinnungs- und Barteigenossen anerkennen. Aber da ist es weithin! Wir nehmen an, daß man auch in weiten Kreifen des Zentrums Gefühl dafür hat, wie lächerlich sich Stegerwald macht, wenn er nach deutschnatio nalem Muster ausländische Sozialdemokraten gegen deutsche Sozial bemofraten auszuspielen versucht. Mit folchen Mätzchen fellte man doch endlich aufhören. Bäre es richtig, daß die ausländischen Sozialdemokraten so herrliche Beute find und die inländischen so erbärmliche Gesellen, dann müßte ja das deutsche Bolt das miserabelfte der Welt sein. Und auch dann bliebe noch das Rätsel aufzuflären, warum diefe ausgezeichneten Sozialisten hes Auslandes solidarisch zur deutschen Sozialdemo fratie stehen und warum sie leidenschaftlich ihren Sieg bei den tommenden Wahlen wünschen. Oder meint Herr Stegerwald etwa, Ranjay Macdonald intereffiere sich für ihn? Rundfunk im befesten Geblet verboten. Die britische MilitärFebörbe hat die Anträge des städtischen Berlehrsamies und der Oberpostdirektion auf Bulaffung des Rundfunts im befesten Gebiet abgelehnt. Die deutfchen Behörden werden ihre Bemühungen um Sulaffung des Rundfunkes fortseßen. English Season. Der Mode, biefer geheimnisvollen Macht, die unwiderstehlich, in den zugeknöpfteften Bertemonnaies Umwälzungen anrichtet, find nicht etwa allein die Frauen mit Rieid und Haar verfallen. Auch bie Theaterbirettoren fönnen fich ihrem Einfluß, dem Himmel fei es getlagt, nicht entziehen. Nachdem die Parole Ruffis" gewefen ift, fcheint jetzt der literarische dernier cri Inglish" au fein. Bon englischen Stüden haben wir diesen Winter eine ganze Reihe zu sehen bekommen, und furz vor Schluß der Saison bringen die ammerspiele unsere fleine Frau", ein Lustspiel von Avery Hopwood heraus. " Es ist sehr fomisch, mit entzüdend leichter Hand hingehauen, schafft behagliche Laune und ist Ueberreizten und Ueberarbeiteten angelegentlicht zur Besichtigung zu empfehlen. Denn es stellt an Das Gehirn feine Anforderungen. Mit den hierzulande fabrizierten Edyvänten hat es den Trid gemein, durch Mißverständnisse und Verwechslungen zwerchfellreizende Situationen mit Kuddelmubbel und plazender Bembe zu fchaffen, und unterscheidet sich wohltuend ron ihnen darin, daß der Schluß eine Ueberraschung bringt. Unsere fleine Frau" ist ein forettes Cheweibchen, das seinen Mann badurch zur Berzweiflung bringt, daß es mit einer Unzahl anderer Männer anbandelt. Sie verspricht dem gequälten Gatten hoch und heilig einmal über das andere, nie mleber zu flirten, um im nächsten Hugenblic in ihre alte Gewohnheit zurückzufallen. Nachdem sich der Gatte nach einer aufregenden Nacht, in der er seine Frau auf einem gewagten Abenteuer ertappt hat, endlich entschloffen hat, fich fcheiden zu lassen, verdreht ihm das Frauchen den Kopf von neuem, ber Catte ift glüdlich und der Borhang fällt in dem Augenblick, als fie eben wieder eine neue Eroberung macht. Ein Damenbildnis nach Strindberg in anderer, und zwar hetterfter Manier. Das flirtende Frauchen spielt mit Schelmerei die unübertreff fiche Else Edersberg. Sie ist mit ihren zur Schau getragenen Untugenben fo reizend, daß sie die Herzen ebenso schnell erobert, wie sie das gequälte Herz ihres armen Ehemannes, Ferdinand p. Alten, immer wieder butterweich macht. Sie sprüht von Charme und Uebermut. Anton Pointner, Hans Brause wetter und Walter Brandt paßten sich in ber von Erich Bap ft flottgeleiteten Borstellung dem wirbelnden Tempo in por trefflicher Weife an e. d. Reinhardts Rüdtehr, wie das Deutsche Theater mittellt, wird Mag Reinhardt, der anfäßlich feines legten hiesigen Aufenthaltes entscheidende Dispofitioren für feine Berliner Bühnen getroffen hat, in der nächsten Spielzeit die fünstlerische Oberleitung des Deutschen Theaters und der Kammerspiele übernehmen und mehrere Werte an diefen Bühnen inszenieren. Da Reinhardt feit feinem Fortgang von Berlin von einem Brojekt zum anderen geschritten ist, ohne daß etwas Großes dabei herausfam, und er auch jest in Wien und Amerika( und wer weiß, wo noch) tätig fein will, wird leider für Berlin nicht allzuviel babei herausschauen. Jm Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater wird Der Rabbi von Nazareth, eine dramatische Dichtung von Frido Grelle, während des Monats April unter der Gastspielbirektion Gustan Meinede zur Aufführung gelangen. werden tann. Gegen diese Berordnung hat Kurt von Haase durch ben Rechtsanwalt Dr. Nieste in Schwerin Beschwerde einlegen lassen. Daran war nichts Besonderes; aber der Inhalt der unferer Seiten Schande, daß es verdient, der Deffentlichkeit übergeben zu werden. Herr Rurt von Haafe läßt nämlich durch seinen Rechtsvertreter zur Begründung seiner Beschwerde folgendes erklären: vorhanden, von denen zwei an dem einen und ein Schoenstein an In dem ganzen Schloffe find überhaupt nur drei Scharnsteine dem anderen Flügel des Schloffes liegen. Herr von Haase ist nicht gefonnen und wird fich auch nicht zwingen laffen, die beschlagnahmten Räume mit der eigenen vorhandenen Zentralheizung zu beheizen. Die Räume sind deshalb also gar nicht beizbar zu machen. Herr von Haase wüßte nicht, welchen Raum er als Küchen raum bergeben sollte, und zwar hat das Schloß eine eigene Bas leitung. Here von Haase ist aber nicht gezwungen und wird fich and nicht zwingen laffen, für die in Anspruch genommenen Räume Gasleitungen herzustellen und Gas abzugeben. Reben ber un möglichkeit, die Räume zu heizen, besteht also für die Flücht linge die Unmöglichkeit zu fochen. . Das Wasser für die Flüchtlingsfamilie müßte aus dem Dorfbrunnen geholt werden. Herr von Haafe ift nicht gezwungen und wird sich auch nicht freiwillig dazu bereiterklären, das zu Kochzweden erforderliche Wasser aus der eigenen vorhandenen Wasserleitung zur Verfügung zu stellen. Mit dem Augenblic, in welchem die Flüchtlingsfamille bas Schloß Biebendorf bezieht, Der Strafantrag im Zeigner- Prozeß. Drei Jahre Zuchthaus! Wir hatten uns vorgenommen, mit unserem Urteil über ben Fall Zeigner zurückzuhalten, bis er feine Erledigung durch das Gericht gefunden hat. Der ungeheuerliche Straf antrag des Staatsanwals nötigt uns jedoch, diesen Borsaz aufzugeben und eine öffentliche Warnung auszu sprechen vor der Fällung eines Urteils, das, wenn es dem Anantrag des Staatsanwalts nur einigermaßen entspräche, in weiten Kreisen des Voltes den Glauben weden würde, hier fei nicht unparteilsch Recht gesprochen, sondern politische Rache justiz geübt worden. Ueber die Eignung 3eigners zum politischen Führer ver traten wir schon lange vor dem Prozeß eine eigene Meinung, die von jener unserer damaligen sächsischen Landtagsfraktion start abwich. Wir verkennen feinen Augenblic, daß sich die Persönlichkeit Zeigners als haltlos und moralisch brüchig er wiesen hat, und wir sind vollkommen der Meinung, daß die Untabelhaftigkeit und Korrektheit des Beamtenförpers, wo es fein muß, auch mit den härtesten Mitteln geschüßt zu merden verdient. Im Licht des Leipziger Berfahrens erscheint jedoch Zeigner durchaus nicht als ein Mann, der frivolerweise seinen amtlichen Einfluß gegen bar verkauft hat und der ftrupellos auf Bereicherung ausging, fondern vielmehr als ein unglüd licher Mensch von bemitleidenswerter Schwäche, der sich vor der frechen Zubringlichkeit feines bösen Geistes, des Möbius, und dessen zweifelhafter Klientel einfach nicht zu wehren wußte. Typisch ist der Fall der ihm in den Arm gelegten Weihnachtsgans", für die ihm der Staatsanwalt nicht weniger als ein Jahr Zuchthaus zugedacht hat. " sich eine Säulenhalle in der Größe von etwa 15 zu 3 Meiern. Um biese Säulenhalle geht ein Gang herum, der der Flüchtlings. familie und deren Besuch erlauben mürbe, in alle äume be Schlofjes zu gelangen. Für allen Schaden, ber dem Herrn von Haase hieraus erwachsen könnte, müßte Herr von Saafe pollen Schadenersatz verlangen. Wird auf dem Parkettfußboden Waffer ausgegoffen, jo gibt dies Flede, die eine neulegung bie ganze Beschlagnahme als eine völlig unangebrachte Maßnahme des. Fußbodens erforderlich machen würde. Nach alledem stellt sich Wasser und Bicht niemals eine angemessene Unterkunft zu bieten often aufzuerlegen und die den Flüchtlingen mangels Heizung, bar, die das einzige Ergebnis haben kann, dem Staate große vermag. Man wird nun natürlich abwarten müssen, welche Stel lung die inzwischen deutsch national agrarisch ge wordene medlenburgische Regierung zu dieser Beschwerde ein. nimmt. Dem gefunden Menschenverstand würde es am meisten entsprechen, wenn man das ganze Schloß mit Flüchtlingen belegen würde, denn offenbar braucht der Gutsherr von Haase das Schloß überhaupt nicht. Anders fann man sich jedenfalls feine Drohung nicht erklären, daß er das Schloß verlassen werde, sobald dort eine Flücht lingsfamilie eingewiesen wird. gehört, wissen in der Deffentlichkeit nicht laut genug zu ver Gerade die Kreise, denen diefer Fideikommißbefizer anfichern, welch warmes Herz sie für Auslandsdeutsche und Ber triebene haben. Sobald fie aber diefes warme Herz baburch betätigen sollen, daß sie aus ihrem Ueberfluß einige Räume zur Verfügung stellen sollen, dann schlagen Tier die Türzu! Schon die Anfündigungsartikel der Industrievertreter und die erften Mitteilungen aus dem Bericht der Arbeitgeberverbände weisen auf den Zwed und Inhalt der heutigen Tagung hin. Die Industria will der Deffentlichkeit beweisen", daß ihre Auffaffung in den heftigen geistigen, politischen und gewerkschaftlichen Rämpfen ber leßten Monate die richtige gewesen ist. Der Berlängerung der Ar beitszeit, Senfung des Reallohnes, Abwälzung der Steuern auf den Endverbraucher diese einfachen Rezepte altgewohnter fapita nistischer Wirtschaftsführung sollen als letzte Weisheit gepriesen werden und die Industrie wird sicherlich nicht verfehlen, von der Deffentlichkeit den Dank dafür zu verlangen, daß sie in der Infla tionszeit ihre Substanz erhalten und vermehrt, den Mittelstand aber enteignet hat. Derartige Kundgebungen wären uns auch dann nichts Neues, wenn nicht der Geschäftsführer des Arbeitgeberver. bandes, Herr Tänzler, bereits gestern Töne derartiger Selbstbeweihraucherung seiner so gern dankbaren Zuhörerschaft gespendet. hätte. Aber mit allgemeinen Redewendungen und mit Zusammen. faffungen überholter Schlagworte wird der Deffentlichkeit nicht ge dient fein. Das Bolt erwartet Klarheit darüber, was die Industrie getan hat, um der Inflation Einhalt zu gebieten, warum sie in ihrer Eigenfucht so lange jeden Bersuch einer Währungs.. ftabilisierung befämpfte, bis die Inflation sich selbst auf gefressen hat. Die Deffentlichkeit, und in erster Linie die Arbeiterschaft, verlangt klarheit über die Machtansprüche eines Unter. nehmertums, das in Parlament und Bahlagitation die Bernichtung jeglichen Einflusses der Arbeitnehmer auf Politit und Lohnfragen sich zu der Achtung vor der politischen Herberzeu verkündet und sie wird Auskunft darüber erwarten, ob man wirtlich gung des anderen, die die Boraussetzung für die Erfüllung der Bolfsgemeinschaft" und der neuerdings wieder von einzelnen Unternehmern herbeigewünschten Arbeitsgemeinschaft ift. Ob eine solche Klärung herbeigeführt werden foll, wird die heuEntscheidend ist für uns die Frage der moralischen, tige Verhandlung ergeben. Wahrscheinlich ist, daß die Industrienicht der friminellen Berantwortlichkeit Beigners. Ueber die tagung dazu dienen soll, unter dem Deckmantel politischer Neutrali moralische Seite des Falls kann es feine Meinungsverschieden tät die Werbetrommel für den Rechtsblod zu rühren, politischen Gründen ist aber der Fall in einer Weise dar einmal versäumt, die vornehmsten Träger der militärischen Aus heiten aus parteipolitischen Gründen geben. Aus parteipolitischen Gründen ist aber der Fall in einer Weise dar auf den die industrielle Reaktion hinarbeitet. Hat man doch nicht gestellt worden, die mit den Tatsachen nicht vereinbar ist; der ehemalige Richter und Staatsanwalt Zeigner wurde der Weltnahmezustandes als Gäste zu einer Tagung zu laden, die äußerlich als schlimmster Verbrecher dargestellt, nicht wegen feiner nur zur Wahrnehmung fachlicher Interessen bestimmt sein soll! Bergehen, sondern weil er Sozialdemokrat geworden war. W Es gab einen Fall Zeigner", der für die Sozialdemokratie durch den Prozeß erledigt ist, es gab aber auch eine 3eigner Heke". Daß diefe das Urteil des Gerichts nicht beeinflussen möge, ist unser Wunsch, den nach der Rede und dem Strafantrag des Staatsanwalts auszusprechen uns Bflicht scheint. Der Aufmarsch der Industriellen. Der Reichsverband der Deutschen Industrie unb die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberber bände sind gestern zu Tagungen zusammengetreten, die heute in einer gemeinsamen Mitgliederversammlung ihren Höhepunkt finden follen. Die Reichsregierung will sowohl den Reichskanzler, wie den Reichswirtschaftsminister und den Reichsarbeitsminister zu biefer Rundgebung entfenden, auf der neben ihnen einige der befanntesten Führer der beiden zentralen Berbände fprechyen werden. Schon daraus geht die politische Bedeutung hervor, die dieser Tagung beizumeffen ift Gestern abend fand ein Empfangsabend der beiden Berbände im Hotel Esplanade statt, der start besucht war. Der Vorfizende des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Dr. Sorge, hielt ein Begrüßungsansprache, Jn Abwesenheit zum Tod verurteilt hat bas franzöfifche Offiziersgericht in Ranch folgende deutschen Weltkriegeoffiziere: General b. Oben, Kommandeur an der Dstiront, Major bon 8. bayer. Inf- Reg. Die angeblichen Straftaten follen foon im Raifer( 65. bayer. Juf.- Reg.) und einen Bigefeldwebel bes Auguft und September 1914 in Romeny, Charny, Baudières und Baguh a. d. Moiel begangen worden sein. Die belgische Rachejuftiz. Die Geschtvorenen Brabants ver urteilten den Tierarzt Tanghe zu drei Jahren Gefäng i andern war und Propaganda zugunsten der flämiiden nis, weil er während des Krieges Mitglied des States bom Autonomie getrieben hatte. Nach dem Waffenstilstand flob er nach Bolland, tebrte jedoch vor einigen Wochen nach Belgien zurüd, wo er fich freiwillig ben Behörden ftellte. Gewerkschaftsbewegung Die reformistischen" Gewerkschaften. Die Kommunisten glauben das Vertrauen der Mitglieder der freien Gewerkschaften zu ihren Organisationen am stärksten zu er schüttern, wenn sie als Trumpf den Vorwurf gegen die Gewerkschaften ausspielen, fie feien reformistisch". Die fommunistischen Drahtzieher spekulieren offenbar darauf, daß die überwiegende Mehrzahl der Mitläufer sich feinen rechten Begriff davon madhen fann, was das Eigenschaftswort reformistisch im gewertschaftlichen Sinne denn eigentlich bedeutet. Denn die Tat fa che, daß die Gewerkschaften existieren, in jahrzehntelanger mühevoller und opfervoller Tätigkeit aufgerichtet und ausgebaut wurden, bevor an eine Kommunistische Partei, an außenpolitische russische Bellen in Deutschland zu denken war, diese Tatsache selbst ist doch derart unanfechtbar, daß nur ausgesprochene Feinde der deutschen Arbeiterbewegung daraus Borwürfe konstruieren fönnen. Der reformistische Charakter liegt in der Natur der Gewerfschaften, ist mit ihrer Existenz so untrennbar verbunden, daß gefagt merden fann, die Gewerkschaften find reformistisch oder fie find es nicht. Irgendwelche organisatorische Gebilde anderen Charafters unter dem Namen Gewerkschaften sind teine Gewert. schaften und können es nicht sein. Die Arbeitnehmer haben sich in ihren Gewerkschaften vereinigt, um fich günftigere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen und zu erhalten. In dieser Formel ist die gesamte Tätigkeit der Gewerkschaften zusammengefaßt, die in erster Linie in der Agitation zur Heranziehung der unorganisierten Arbeitnehmer besteht, der Aufklärung der Mitglieder über die wirtschaftlichen und fozialen Zusammenhänge, ihrer Erziehung zu zuverlässigen Mit fämpfern. Um einen Widerspruch zwischen den Gewerkschaften und dem Begriff reformistisch zu konstruieren, stellen die Kommunisten den reformistischen Gewerkschaften ihre revolutionäre Ge= wertschaftsoppofition" gegenüber. Solange diese„ revolutionären" Gruppen innerhalb der Gewerkschaften sich auf das Wiederfäuen„ revolutionärer" kommunistischer Phrasen beschränken fönnen, auf das Apportieren fommunistischer Parolen und Refolutionen, abgesehen von den„ revolutionären" Beschimpfungen der schen Zellen recht kommunistisch- revolutionär“ aus. Stärkerer Zusammenschluß in den Gewerkschaften! In der gestrigen Mitgliederversammlung der Bereinigung der deutschen Arbeitgeber verbände erstattete Dr. Tänzler den Geschäftsbericht. Bon der Ruhrbesehung aus gehend, bei der die Bereinigung ihre Politik in den Dienst der Staatsintereffen gestellt habe, führte der Redner aus, die Arbeit geberverbände feien damit hinsichtlich ihrer Aufgaben in die große Staatspolitik hineingewachsen und hätten ihre Politit auch auf das allgemeine Interesse hinsichtlich der Politik auch auf das allgemeine Interesse hinsichtlich der sozialen Geseze eingestellt ,, dahingehend, daß durch die Probuftionsverstärkung die Grundlagen für unsere Arbeit und Gefundung geschaffen werden. Zu den sozialen politischen Gesezzente würfen haben sie unter den gleichen Gesichtspunkten Stellung gewürfen haben fie unter den gleichen Gesichtspunkten Stellung genommen. Nicht das Augenblidsinteresse, sondern das Interesse der Zukunft ist entscheidend". Die innere Geschlossenheit der Arbeitgeberver Metallarbeiter, erinnert euch: Eure Industrie birgt die ärgsten Scharfmacher. Eure Schwerindustriellen bettelten in Düsseldorf um die Hilfe französischer Bajonette gegen euch. Ener Unternehmertum begann den Sturm gegen den Achtffundentag. Eure Ausbeuter find die schlimmsten Feinde der Republit. Den Gelüften dieser Reaktionäre fann durch eine fraftvolle Organisation der Metallarbeiter begegnet werden. Deffen erinnert euch besonders eht in eurer Werbewoche. bände durch die Bindung der Mitglieder an gefaßte Beschlüsse ist in noch stärferem Maße als bisher zu sichern. Für die Gewerkschaften, die die Früchte der Arbeitgeberverbandspolitik deutlich genug vor sich haben, ergibt sich daraus erneut die Erkenntnis, daß eine stärkere Ausbreitung und größere innere Geschlossenheit unerläßlich ist. Lohnkonflikt in der Fleischwarenindustrie. Die Lohnverhandlungen in der Fleischwarenindustrie mit dem Arbeitgeberbund sind ergebnisios verlaufen. Troß guter kon junttur und guter Gewinne, was sich in An-, Um- und Neubauten, sowie in Neueröffnungen von Geschäften bemerkbar macht, will man denjenigen, welche das durch emfiges Schaffen ermöglicht haben, ihrer Lebenslage zugeftehen. Einzelne berment gegenüber ber Behauptung, unfere Ronkurrenzfühlgfelt auf bem Weltmarkt sei durch die außerordentlich hohen Preise für deutsche Brodukte beeinträchtigt, auf die Tatsache, daß der zentuale Anteil der Gehälter und Löhne an den proHerstellungstosten der Produkte außerordentlich gering ist und durchschnittlich nur etwa die Hälfte der Borkriegseine Hauptursache der Unwirtschaftlichkeit der Betriebe mit zu fein. zeit erreicht. Gerade die niedrigen Gehälter und Löhne scheinen dem beeinträchtigt durch Bernachlässigung der technischen und organi Die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt ist außer fatorischen Berbesserungen und Instandhaltung der Betriebe, durch millkürliche Preiskaifulation und die Preismonopole, der Synditate und Kartelle. Jedenfalls tann die preisver teuernde Bolitik folcher Syndikate, welche die Herstellungskosten des unter ungünstigsten Umständen, d. h. in den technisch und wirtschaftfür den Preis aller im gleichen Industriezweig hergestellten Waren lich rückständigsten Betrieben, hergestellten Produkts zugrunde legt, nicht scharf genug verurteilt werden." Bezüglich der Regelung der Reparationsfrage befagt der Bericht, daß die Heranziehung derjenigen Kreise, welche in den letzten Jahren außerordentliche Gewinne erzielt haben, zu den Steuerlasten, bisher in unverantwortlicher Weise vernachläffigt ist. Verschleierungsversuchen zur Berdedung vorhandener Bermögen wurde nicht genügend begegnet. Der Bericht predigt tauben Ohren, man er fordert, daß den Unternehmern endlich die ganze Schwere der heutigen Zeit ins Bemußtsein gerufen und ihnen geraten werden muß, von dem eingeschlagenen Wege abzulassen, wenn bei der arbeitenden Bevölkerung allgemein der Glaube an die wahre Boltsgemeinschaft erhalten oder neu belebt werden soll. Das Unternehmertum tehrt rücksichts los feinen Machtstandpunkt hervor und zwinnt die Arbeitnehmerschaft, sich derart fest zusammenzuschließen, daß sie den Kampf mit ber Unternehmermacht aufnehmen fann. Zur Lage der bremischen Angestellten bringt der Bericht die wichtigsten Angaben und schildert daran anschließend die umfangreiche Tätigkeit der Kammer auf sozialem Gebiet durch Stellungnahme zu den einzelnen Fragen, die in Eingaben und Gutachten zur Geltung fam. Der bisherige Staatszuschuß foll den Rammern entzogen werden; allerdings auch den Arbeitgeberfammern. Die Kammer hat sich dagegen gewandt, da die Finanzlage der Angestellten hohe Beiträge, außer den Beiträgen, die die Angestellten ohnehin zu leiſten haben, nicht zuläßt. Die leit vielen Jahren durch Zuschüsse unterstüßten Unternehmerfammern, deren Aufbau längst vollendet ist, fönnen wohl ohne Zuschüsse aus. tommen, die Arbeitnehmerfammer fann es vorläufig wenigstens noch verschaften und Einrichtungen Bertreter ernannt, fo zum Finanzgericht, Fortbildungs- und Fachschulwesen, in den lleberwachungsausschus des Schlachtviehhofs, zur Preisprüfungsstelle, zur Prüfungsfom miffion und zum Verwaltungsrat der Handelsschule der Union usw. An Arbeit fehlt es der Angestelltenfammer jedenfalls nicht. Zwischen der Arbeiter und der Angestelltenkammer besteht hoffent lich eine stärkere gegenseitige Fühlungnahme als der Bericht sie er fennen läßt, zumal eine ganze Reihe allgemeiner Arbeitnehmerfragen eine gemeinsame Behandlung angezeigt erscheinen lassen. „ Amsterdamer Berräter", solange sieht das Treiben der tommunis Burstfabrikanten verstehen einfach den offiziellen Standpunkt ihrer nicht. Auf Ersuchen des Genats hat die Kammer zu verschiedenen Kör fobald die„ revolutionäre Gewerkschaftsopposition" dazu übergeht, sich in besonderen Organisationsgruppen zusammenzuschließen und fich irgendwie gewerkschaftlich zu betätigen, wird sie reformistisch. Oder ist es etwa nicht reformistisch, wenn die revolutionäre Kommunistengewerkschaft der Bekleidungsarbeiter in einen Streit eintritt, um als Gewerkschaft und Tariffontrahent von den Arbeit gebern anerkannt zu werden? Freilich, die„ revolutionäre Oppofition" wird sich aus ihrem reformistischen Sündenfall herauszureden fuchen; ihre reformistische Betätigung sei ja lediglich zum Zweck, die reformistische Bewertschaft aus dem Felde zu schlagen. Damit müßte fie aber zugeben, daß es ihre Absicht ist, die Gewert. fchaften zu zerstören. " 7 Man kann nun der Kommunistischen Partei nicht nachfagen, daß sie von vornherein darauf ausging, die Gewerkschaften zu retten". Sie hatte vielmehr die Absicht, die Gewerkschaftsführer zu beseitigen, um sich dann der Gewerkschaften zu be. mächtigen, sie ihren partei politischen Zweden unter auordnen. Rommunistisches Ziel ist die Weltrevolution". Als Mittel zu diesem 3wed wird alles benutzt, um den Boden vorzubereiten. Die alltäglichen Differenzen im Arbeitsverhältnis sollen nicht beigelegt, sondern verschärft werden durch Forderungen, die darauf berechnet sind, daß fie nicht ohne weiteres erfüllt merden fönnen, damit ein Generalstreit den anderen ablöst, bis wir den Generalstreit in Permanenz haben und zur Weltrevolution tommen. Die Arbeitnehmerschaft fann sich mit ihren Nahrungsund Alltagsnöten, die für die Kommunistische Partei nur insoweit brauchen lassen, nicht auf die Weltrevolution" vertrösten lassen. Arbeitgeber- Organisation nicht. Sie fehen ein, daß die jetzigen Löhne einer Aufbefferung bedürfen und haben freiwillig höhere Löhne einer Aufbefferung bedürfen und haben freiwillig höhere Löhne bewilligt. Während deren Bertreter in der Verhandlungskommission fich andauernd sträubt, irgendwie welche Zugeständnisse zu machen, zahlen seine Rollegen feit langem schon bei weitem über den bestehenden Mindestlohn hinaus. Sie erklären, daß der Lohn. anteil den niedrigsten Prozentsag der laufenden Untoften ausmacht. Auch bei der Firma„ Efha- Werte scheint man jetzt geneigt, mit dem Arbeitgeberbund gehen zu wollen. Während dort früher der Lohn immer etwas höher als in ben übrigen Wurstfabriken Groß- Berlins gehalten war, foll diefes heute nicht mehr tragbar" fein. Die Preispolitit" foll hier hindernd im Wege stehen. Man erflärt jetzt, feine höheren Löhne wie in den andern Wurstfabriten zahlen zu fönnen, obwohl es gerade den„ Esha- Werken" auf Grund des bei ihnen eingeführten Taylor- Systems sehr gut möglich ist, mehr als alle anderen zu zahlen. Man wendet auch dort jegt ins Scharfmacherlager ab, denn jeder Arbeitnehmer, der an den Betriebsverhältnissen in den Versammlungen Kritik übt, wird enilaffen. Der Schlichtungsausschuß wird sich mit beiden Bertragsparteien zu befaffen haben.. Daß die allgemeine Geschäftstage in Berbindung mit der Preis. politit es ermöglicht, höhere Löhne zu bewilligen, beweist der Lohn abschluß mit der Firma Bruno Kofwih u. Co., Oranienburgerstr. mit diefer Firma besteht ein Haustarifvertrag. Die berechtigten Forderungen der Gesellen wurden dort ohne weiteres anerkannt. Die Löhne betragen jetzt dort 70, 75, 80 und 85 Pf. pro. Stunde. Lohnvereinbarung im Zimmerergewerbe. von Interesse sind, als sie sich für ihre parteipolitischen Zwecke mi Berbindlichkeitserklärung behaupteten die Wertreter der Arbeitgeber In der Verhandlung beim Schlichter am 25. März über die gewerbe die Voraussetzung für eine Lohnerhöhung noch nicht gewiederum, daß mit Rüdsicht auf die gegenwärtige Lage im Baugeben sei. Von den Arbeitnehmerbertretern wurde dagegen an and der Kosten der Lebenshaltung nachgewiesen, daß der Schiedsspruch mit den an sich so niedrigen Löhnen für verbindlich erflärt werden müsse. Nach mehrstündiger Berhandlung gelang es dem Schlichter, folgende Vereinbarung zustande zu bringen: Warnte uns nicht die Bragis in Rußland, wäre schließlich die Frage aufzuwerfen, ob es nicht richtiger fei, mit einem Schlage die kapitalistische Wirtschaftsordnung über den Haufen zu werfen, als fortgefegt um Lohnerhöhungen oder gegen Lohntürzungen und Arbeitszeitverlängerung zu kämpfen. Früher war einmal die Auffaffung verbreitet, in einem sozialistischen Staatswefen seien die Gewerkschaften überflüssig. Durch die Borgänge in Rußland ist diese Auffassung start zurüdgedrängt, obwohl Rußland fein fozia liftischer Staat ist, sondern ein in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurüdgebliebenes und vorübergehend gehemmtes Staatswesen. Die reformistischen Gewerkschaften, die hier erst recht notwendig wären, bestehen zwar, allein sie stehen unter der Diktatur, die deshalb nicht besser ist, weil sie als Diktatur des Proletariats ausgegeben wird. Kurzum, die deutschen Gewertschaften tun gut daran, ihre reformistische Tätigkeit fortzusehen und sich der tommunistischen Quertreibereien gegen ihre Geschlossenheit und Aktionsfähigkeit energisch zu erwehren. Die Gewertschaftsmitglieder aber haben feinen Augenblid vergessen, daß der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Aus beutung notwendigerweise ein politischer Kampf ist, der nur in Berbindung mit der gewerkschaftlichen Tätigkeit erfolgreich geführt werden fann, aber nicht nach russischen Methoden. 00 Die Löhne werden ab 26. März um 5 Pf. erhöht. Diese Lohn bereinbarung gilt bis zum 8. April und läuft jeweils um eine Woche weiter, sofern sie nicht mit einwöchiger Frist gekündigt wird. Angestelltenkammer Bremen. 11. Auguft 1919 erhalten die Arbeiter und Angestellten Nach Artifel 165 der Berfaffung des Deutschen Reiches vom zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Interessen gesegliche Bertretungen in nach Wirtschaftgebieten geglie. derten Bezirksarbeiterräte. Die Unternehmer haben ihre gefehlichen Bertretungen in den verschiedenen Kammern schon längst Dordem; die Arbeitnehmer waren aber noch immer auf ihre gesetzlichen Vertretungen. Eine einzige Ausnahme davon macht Bremen, das feit zwei Jahren eine Arbeiterfammer und eine Angestelltentammer hat. Für das Jahr 1923 hat die Angestelltenkammer einen gedruckten Bericht im Umfang von 32, Geiten herausgegeben. Die Einleitung rekapituliert die wirtschafts- und Sozialpolitischen Verfallserscheinungen des Vorjahres und Aussperrung auf den englischen Werften. Die Arbeitgeber in der Schiffbauindustrie haben auf einer Sigung in London gestern nachmittag beschlossen, auf allen erften eine allgemeine Aussperrung vorzunehmen, nachdem die Bemühungen, die Streifenden in Southampton zur der Aussperrung werden annähernd 100 000 Mann betroffen. Baugewerksband, Fachgruppe Glaser. Die Verhandlung über den Manteltarif ist vertagt. Der Lohn beträgt vom 21. März ab für Glaser 68 f. pro Stunde. Von der 14. Woche ab ist der Beitrag auf 1 M. festgefest. in einer Lohnbewegung. Sufolge der ablehnenden Haltung der Das Konditoreiperfonal in Hamburg- Wandsbet befindet fini onbitoreninnung ist mit dem Ausbruch des Streits zu rechnen. Buzug ist deshalb fern3ubalten. Die Badische Unilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen am Rhein hat zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert. Eine Bersammlung der rechtsrheinischen Belegschaft hat daraufhin in einer Entschließung erklärt, die Arbeiter würden nicht zur Arfei. Dagegen fordern die chriftlichen Gewerkschaften in einer beitsstätte zurückkehren, bevor der Achtstundentag wiederhergestellt Suschrift an die Tagespreffe ihre Mitglieder zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: F. Ekkorn: Feuilleton: R. S. Döfhez; Lokales und Sonstiges: Fris Rarftäbt; Anzeigen: Sh. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68. Lindenstraße 3. Sierzu zwei Beilagen unb Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Koch& Leeland an der Spitze der Leistungsfähigkeit! Sportanzugstoffe Homespun, reine Wolle... Mtr. 6.50 Damen- Kostümstoffe Donegal, 450 reine Wolle" 1.40 breit. Mir. Startraudtenstr 20/21 Sogn 1893 Hautjucken, Flechten, offene Füße( Krampfadern) auch veraltete Wunden hellt die milde und wohltuende, seit Jahrzehnten bewährte San.- Rat Dr. Strahl's Hanssalbe. 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Ein Einblick in den vervollkommneten neuzeitlichen Strafvollzug. In der Strafanstalt. Unser Strafrecht ist ein Kompromißsystem, in dem sich der Ge-| anstalten wieder zu finden sind. Schließlich wird noch in den Frage bante der Rechtssicherheit und der Gedante der Sicherung der bogen gefragt, mer dem Gefangenen nach seiner Entlassung zur menschlichen Gesellschaft die Wage halten. Der Staat ist nicht nur Seite steht. verpflichtet, die Gemeinschaft gegen das Verbrechen, sondern auch den„ Berbrecher" gegen den Staat zu schützen. In dem Augenblid, als im 17. Jahrhundert Zuchthäuser" gefchaffen wurden, erzwang sich der Gedanke, den Menschen, der etwas Gefeßwidriges getan hatte, zu beffern, Anerkennung. Jahrhunderte hat es gedauert, ehe sich in der Praxis des Strafvollzuges eine sinnvoll angewandte Humanität durchsetzte. In der deutschen Republit follen Thüringen und Hamburg im modernen Strafvollzug allen übrigen Ländern vorangegangen sein. Der Bund der Gefängnis, Straf. und Erziehungsanfialtsaufsichtsbeamten und Beamtinnen Deutsch lands veranstaltete eine Versammlung, in der Inspektor Ebeling der Leiter des sozialen Gefängnis. und Fürsorgewesens in Hamburg, über den Strafvollzug in Hamburg fprach. Großstadt und Verbrechen. Die Großstadt, insonderheit die Hafenstadt, zieht die Verbrecher an. Die elenden Wintel, die auch besonders in Hamburg zu finden find, züchten geradezu die Kriminalität. Biele abenteuerlich veranlagte Menschen, die von Hamburg aus in die Welt wollen, gehen hier zugrunde, wenn ihnen nicht rechtzeitig geholfen wird. In Hamburg wurden im Jahre 1913 21 841 Menschen verurteilt, darunter 2220 Frauen. Im Jahre 1916 machte fich der Einfluß des Krieges bemerkbar, die Kriminalität der Frauen ffelgerte fich auf 3830, während die Gesamtsumme der Berurteilten auf 10 851 gefunden war, ba ja der größte Teil der menschlichen Einwohner im Felde stand. Im Jahre 1920 weift die Statistit die verderblichen Nachwirtungen des Krieges nach: 37 243 Berurteilte, darunter etwa 7000 Frauen, zeigen das Elend der sozialen Verhältnisse an. Bäh rend vor dem Kriege der hamburgische Staat mit 2000 Blähen für Gefangene in den Gefängnissen austam, hat er jetzt für 4600 Gefangene Plah fchaffen müffen, die in elf Gefängnissen untergebracht find. Die Geldnot hat verhindert, einige dieser Gefängnisse modernen Anforderungen entsprechend zu gestalten. Es wird angestrebt, jeden Anstaltsleiter für feine Verwaltung direkt verantwortlich zu machen. Die Aufnahmeanstalt. In der Aufnahmeanstalt strömen alle zufammen, die eingeliefert werden oder sich selbst stellen. Hier herrscht ein außerordentlich reges Leben, denn es müffen fäglich insgesamt etwa hundert Menschen abgefertigt werden, die ihren Strafvollzug vollendet haben oder erst eingeliefert wurden. Hier beginnt die Berwirklichung des Gedankens, daß sich der Strafvollzug auf den lehten Tag einstellen muß. Der Gefangene und feine Sachen müssen so vorbereitet werden, daß er nach Beendigung der Strafe einigermaßen anständig enifassen werden kann. Die Kleidung wird den eingelieferten Ge fangenen abgenommen und in einer großen Barade aufbewahrt. Dort hängen 5000 Anzüge auf Bügeln, während sie früher in Kleider fäden untergebracht wurden und häufig den Motten zum Opfer fielen. Am ersten Tage erhalten die Gefangenen ein Bad, am zweiten findet die genaue ärztliche Untersuchung statt und am dritten merden sie in die Anstalt gebracht, in der sie ihre Strafzeit verbringen sollen. Die eingelieferten Gefangenen müffen Fragebogen ausfüllen, bie ein wichtiges Material für den Kriminal pinchologen liefern. Es ist auch möglich, im Gebiet des fleinen Hanburger Staates einen großen Teil diefer Angaben einwandsfrei nachzuprüfen. Die Fragen beziehen sich auf die sozialen, pädagogischen, gefundheitlichen und auf die Arbeitsangelegenheiten des betreffenden Gefangenen. Es zeigt sich hier, wie zerriffen die Familienbande sind, wie oft Krankheiten aller Art das Familienleben vergifteten, wie ein großer Teil der Gefangenen ohne jede Liebe in ihrer Jugend herangewachsen find. Sehr zu denfen gibt der Umstand, daß rund 90 Proz. der Fürsorgezöglinge später in den Straf61] ( Nachdruck durch Malit- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Jürgen griff fofort mit beiden Händen rückwärts nach bem Rauchtischchen; dennoch fiel er, beinschwach geworden vor eruptivem Lachen, in den Seffel. Er hielt die Hand hoch, Beigefinger und Daumen zusammengepreßt, als ob er ein Ungeziefer gefangen hätte. Ein Krantenhaus für... für die Heimatstadt!" Hände an die Seitenlehnen angeflammert, Oberkörper zurüdgeworfen, starrte er, durchschüttert von Lachen, atem benommen Leo Seidel an, dessen Gesicht so weiß geworden war, daß die alten Sommersproffen stärker hervortraten, wie damals, da er Jürgen das Nähtischchen seiner Mutter zum Aufbewahren übergeben und gefagt hatte:" Sweifellos wird die ganze Bande auf den Jahrmarkt kommen, um mich als Schiffschaufeladjunkt zu sehen. " Und obendrein ist das auch die Antwort. Das ganze Systemchen ist steril geworden. Wie die Arbeiterinnen, die nicht mehr gebären fönnen... Für die Heimatstadt!" Des Lachenden zuckende Schulter stieß an die Standuhr, die metallisch tönte. An der Tafel erflang vielstimmiges, speciges Gemeder. Sechzehn rote Gesichter drehten sich den beiden zu. Sechzehn Baar Augen fragten. Und Herr Hommes rief: Wir wollen ihn auch hören." „ But, du stiftest ein Säuglingsheim für die Kinder, die von den Arbeiterinnen nicht geboren werden fönnen, ich ein Krankenhaus für diejenigen, die gestorben sind, weil sie die teueren Arzneimittel nicht bezahlen fonnten, und zufammen stiften wir ein Rimstmuseum, von wegen der Kultur." Seine linte Gefichtshälfte lachte noch. Er hatte ein, zog ihn zur Tafel Dort legte er die Hand auf Seidels Schulter. „ Soeben fagte mir Herr Leo Seidel, der bekanntlich ein Kind unferer Stadt ist, daß er feiner Heimatgemeinde ein mit allen hygieni'chen Errungenschaften eingerichtetes Säuglingsheim In beliebiger Größe stiften wird... Aus... aus AnhängBichteit." Er leerte fein Glas. Füffte und leerte. Begann wieder gu lachen. Trant." Diefer harte, mächtige Mann fleines Schuftchen, ein winziges Ungeziefer, das in feiner Heimatstadt noch ganz besonders geachtet werden will als Wohltäter!" ein Herr Hommes bedeckte Mund und Nafe mit der Hand, Die Berwaltung in den Strafanstalten wird erledigt durch das Sekretariat, das Hauptbureau und die Kaffe. Bei der letzten Abteilung ist in Hamburg besonders die Gefangenenbant hervorzuheben, ein Institut, das völlig bantmäßig eingerichtet ist, in dem jeder Gefangene fein eigenes Konto hat. Es ist verkehrt, die Menschen in den Strafanstalten vor dem Umgang mit Geld zu bewahren. In Hamburg erhalten die Strafgefangenen 40 Broz. thres Arbeitsver dienstes ausbezahlt, 50 Proz. werden für den Entlassungstag gespart und 10 Proz. gehen an einen sogenannten Unterstützungsfonds, der dieser Regelung, die den Gefangenen die Verwaltung über einen zur Ergänzung der Kleidung und ähnlichem dient. Man hat mit Teil feines Geldes läßt, die besten Erfahrungen gemacht. Die Gefangenen werden möglichst nach eigenem Wunsch beschäftigt, soweit es die vorhandenen Einrichtungen gestatten. Auch hier hat sich gezeigt, daß die Arbeitsfreude wächst, wenn die Menschen ihren Neigungen entsprechend beschäftigt werden. Welcher Ehrgeiz in den Gefangenen lebendig ist, hat das sogenannte" Progreffiofystem" ge zeigt, das die Gefangenen in Gruppen teilt, die höher bezahlt werden. In der dritten Gruppe erhalten bie Gefangenen 100 Broz. mehr, in der zweiten Gruppe 300 Broz. mehr Lohn außer der Unterkunft und der Verpflegung, die ihnen ohnehin auf Staatstoften gewährt wird. Die Geldbeträge sind allerdings sehr gering. Jugendliche unter 18 Jahren erhalten 4 bis 6 Goldpfennige pro Tag. Facharbeiter 10 bis 12 Goldpfennige. Das Arbeitswesen in den Anstalten ist zentralisiert. Besonders hervorgehoben werden mag die Transportabteilung, der ein Dampfer, eine Bartasse und 15 Laftautos mit Anhängern zur Verfügung stehen, die die Erzeugnisse der Strafanstalt an die Hamburger Behörden liefern. Für Jugendliche find moderne Lehrwertstätten eingerichtet, in denen sie eine Ausbildung empfangen, die es ihnen später ermöglicht, Qualitätsarbeit zu leisten. Erwähnt mag noch werden, daß die technische Abteilung der Strafanstalten sämtliche Bauten von Reparatur bis zum Neubau selbst ausführt. In sechs Lazaretten und vier Revierstuben sind ein Oberarzt und sechs Aerzte beschäftigt. Bei Disziplinarbestrafungen in der Anstalt entscheidet ein Anstaltsausschuß, der aus dem Leiter und zwei Aufsichtsbeamten besteht. Ferner find Anstaltskonferenzen eingerichtet worden, in denen Berbesserungsvorschläge für den Strafvollzug erörtert werden. Durch diese Maßnahmen ist ein sehr follegiales und einheitliches Zusammenarbeiten aller Strafanstaltsbeamten er reicht worden. Die Sozialabteilung. In der Sozialabteilung bearbeiten 37 Beamte sämtliche sozialen Angelegenheiten, die die Gefangenen betreffen. Hier werden die Fragebogen nachgeprüft und dauernd auf dem laufenden gehalten, hier wird das Bildungswesen, die Arbeitsbeschaffung und die Für forge nach der Entlassung bearbeitet. In der Anstaltsschule wird Unterricht in den Elementarfächern mur den Jugendlichen erteilt, die das Ziel der Boltsschule nicht erreicht haben. Die fibrigen er halten gewerblichen Unterricht, der ihnen später von großem Nuzen fein kann. Hohe edle kunft darf vor den Gefängnismanern nicht Halt machen, und so finden an gewiffen Sonntagen Vorträge von Künstlern und Gelehrten statt, bie fich für diefe 3wede zur Verfügung geftellt haben. Auch die Selbsttätigkeit der Gefangenen wurde in Hamburg angeregt. Sie veranstalteten u. a. einen Nachmittag in der Lüneburger Heibe, bei dem die Anstaltsbühne mit Heidekraut und Bildern aus der Lüneburger Heide geschmückt war, der Gesangchor der Gefangenen erschien in Wandervogeltracht und improvifierte das Treiben in der Heide und trug Lieder des Heidedichters& öns in vollendeter Weise vor. Gute Erfolge wurden mit der Gefan. genenfapelle erzielt, die nur befte musi? bringt. Die Noten wurden von Hamburger Theatern zur Verfügung gestellt, die sich die Am Gefangenen dann zu ihrem eigenen Gebrauch abschrieben. warf den Kopf in den Nacken und dann tief zur Tischplatte, als müsse er niefen, nieste nicht; er sagte zu Herrn Wagner: " Da mußt er aber groß verdient haben." " No, was sag ich!" ,, Entzündete Augen, entzündete Schleimhäute, Eierstöde, Knochen, Lungen, entzündete Maschinengewehre und Schwer. geschüße, entzündete Seelen, eiternde Seelen und ein Krankenhaus für alle, finanziert mit Kapital, das entstanden ist durch das Syftemchen, welches diefe planetare Entzündung verursachte. Das ist die Antwort. Hoppla, das ist sie... und die Fusion wird zustandekommen. Und die Kontrolle über die wichtigsten Arzneimittel. Und ich werde noch mächtiger werden. Und das ist nicht zu ändern. Es gibt feinen Ausweg. Mir tann nichts passieren denn ich bin schwer. lich zu entlaufen, denkt mit Recht die Laus." | Donnerstag, 27. März 1924 1. April soll für die Gefangenen und ihre Angehörigen eine unentgelfliche Rechtsberatung eingeführt werden. Es ist geplant, die sogenannte Polizeiaufsicht, die oft großes Unheil angerichtet hat, durch eine feinfinnig durchgeführte Schußaufsicht der Gefangenen zu er setzen. Es soll verhütet werden, daß ehemalige Gefangene rückfällig werden, und dadurch den Staat aufs neue mit erheblichen Ausgaben belasten. Schließlich möge noch erwähnt werden, daß zwei freundliche Heime für entlaffene Gefangene gefchaffen wurden, die sonst keine Unterkunft finden können. In diesen Heimen sollen sie in normalen Zeiten acht Tage bleiben, jezt aber muß ihnen oft monatelang Aufenthalt gewährt werden. Eine weitere Aufgabe der Sozialabteilung ist, zerrissene Familienbande der Gefangenen wieder anzuknüpfen und zu festigen. So fehr eine finnvoll durchgeführte Humanität in den Strafanstalten zu begrüßen ist, fo bleibt dennoch das Schuldkonto der Ge sellschaft, die die Menschen in dem Umfange zu Verbrechern werden läßt, wie es heute geschieht, sehr groß. Verbrechen werden nie ganz verschwinden, aber die weitaus größte Zahl der heutigen Berbrechen hat seine letzte Ursachen in den sozialen Verhältnissen. Gerade die Fragebogen der Hamburger Sozialabteilung beweisen das. Es ist daher auch vollkommen verfehlt, wenn die große Deffentlichkeit jedem Menschen, der mit dem Strafrichter Bekanntschaft gemacht hat, mit Mißtrauen gegenübersteht, und ihn dadurch von neuem dem Berderben, das gerade ihn mehr als jeden anderen umfreift, in die Arme treibt. Der Blinde und sein Hund. Auf dem Bornstedter Feld, in einer der vielen überflüssigen Ka fernen, ist das Depot der Blindenhunde eingerichtet. Dies Depot ist mit 25 Hunden, 8 bis 10 Kriegsblinden, zwei Dresseuren und einem Futtermeister belegt. Unter der Parole: Strenge im Wort, Güte in der Hand" vollzieht sich die Dressur, die darin besteht, den Blinden jedes Hindernis anzumelden. 10 bis 12 Wochen dauert es, bevor der Hund ausgelernt hat. Der Dresseur arbeitet teilweise mit verbundenen Augen. Dann wird der Kontakt mit dem Blinden hergestellt, und das ist das Schwerste, denn es ist reine Gefühlssache. Nicht jeder Blinde paßt zu jedem Hund. Der schwerfällige Blinde bekommt einen temperamentvollen Führer, der nervöse Blinde einen ruhigen Begleiter. Bier Wochen bleibt das Paar zusammen, Tag und Nacht. In der Nacht schläft der Hund unter der Bettstelle seines Herrn. Frühmorgens ist Butstunde, Gehorsamsübung, Auslauf u. a. m. Um 10 1hr vormittag s geht das Paar aus. Der Hund steht links von seinem Herrn, Bordschwellen, das Herannahen von Fuhrwerken fürchtet woht der Blinde, aber nicht so sehr wie die Briefkästen und das Publikum mit feiner gutgemeinten Rüdsichtnahme. Diese beiden find große Gefahren für ihn und seinen Hund. Der Briefkasten ist für den Hundeverstand eine zu hohe Aufgabe, und das Publikum pfuscht mit seiner Rücksichtnahme dem Hund ins Handwert. Nicht das Publikum foll ausweichen, sondern der Hund. Auch auf dem Bahnhof verlangt das Paar feine Rücksicht. Ist dem Hund das Gewühl vor der Sperre, dem Coupé- Eingang zu groß, dann gibt er Baut", d. h., er bellt. und unwillkürlich geht das Publikum auseinander. Gewöhnlich füttern mitleidige Frauen den Blindenhund aus der Markttasche. Der Hund wird dadurch Allerweitsfreund, läuft auf Frauen mit Markttaschen zu und bringt seinen Herrn in die größte Lebensgefahr. Das Tier wird dadurch verdorben, und ein umforrigieren in der Bildungsanstalt ist zwecklos. Nach dem Ausgang kommt die Freistunde. Der Hund bekommt Auslauf". Und mührend ist es anzusehen, wie das Tier troß der Tummelstunde seinen Herrn nicht aus den Augen läßt und ihn wie ein Kindermädchen bewacht. Die Mahlzeiten müssen zu gleicher Zeit eingenommen werden. Der Blindenhund läßt, wenn er satt ist, einen fleinen Speiferest in der Schüffel, damit der Blinde taften fann, daß der Hund satt ist. Nach mittags ift Unterrichtsstunde im geschlossenen Raum. Da lernt der Hund Gegenstände bringen, Zeitungen, Geschirr, Pantoffeln usw. nicht mitfahren dürfe, fomme er zu spät und erhalte die Aushilfsstelle nicht. Alle Qualen seines Lebens sammelten und verwandelten sich in Widerstand und 3orn gegen den Schaffner. Auch der war wütend geworden, gab das Haltesignal. Wie kann einer einsteigen. wenn er das Fahrgeld nicht hat! So etwas gibts nicht." Der Wagen hielt. Wenn ich Sie ohne Schein mitfahren lasse, verliere ja ich meine Stelle." ,, Wenn einer arbeiten will!" schrie verzweifelt der Mann und schimpfte los auf die reichen Nichtstuer, die nicht nötig hätten, zu arbeiten. Auf! Sie müssen aussteigen. Er mußte den fich Wehrenden am Arme paden und aus dem Wagen hinausdrücken. Aber Jesus sprach..." lernte das Mädchen in so großer Angst, die Hausaufgabe in der Schule nicht hersagen zu tönnen, daß es von der ganzen Szene nichts bemerfte. Auch Jürgen, der die Kursberichte gelesen und dabei, tief. beunruhigt, an den Traum der letzten Nacht gedacht hatte, wußte nicht, weshalb des Schaffners Lippen und die Hand, die die 3ange hielt, bebten. Automatisch zog er die Abonnementstarte, in die seine Jugendphotographie eingeklebt mar. Welch ein fürchterlicher, fürchterlicher Traum!" Er saß abseits rittlings auf dem Stuhle und glogte vergnügt. Stellte das geleerte Glas auf den Fußboden.„ Elternde Seelen", begann er wieder, diesmal von rückwärts, und zählte an den Fingern her, wie der Metallarbeiter mit der verstüm melten Hand. Sah plöhlich eine Riefenebene, auf der Milmelten Hand. Sah plöhlich eine. Riefenebene, auf der Mil lionen Menschen reglos blickten. Die Gesichter derer, die am allerweitesten, bie filometerweit zurückstanden, waren größer Der Schaffner war noch zornig. Sie sollten auch einals die der Nächststehenden Alle Gesichter waren gelb. „ Gelb! Gelb! Gelb!... Bin ich denn in China? mal ein neues Bild einkleben. Das sind ja gar nicht mehr Bollte ja Dolmetscher in China werden." Sie." Er hielt die Photographie prüfend vor sich weg.„ Das Er stürzte vom Stuble. In seinem Hintertopfe flopfte ist ja ein ganz anderer, fönnte man glauben." dunkel ein Hammer aus Gummi. 7. Phinchen mußte fich ftreden, um mit der Bürste den Rod. fragen erreichen zu können. Wie jeden Morgen trat Jürgen, als probiere er eine neue Hofe an, einigemal am Blake, fich richtig in den Anzug hineinzudrücken, nahm den Spazierstock aus Phinchens Hand und verließ pünktlich die Billa. Der Schaffner, im Laufe der vierzehn Jahre auf dieser Strecke ergraut, half dem schwer gewordenen täglichen Fahrgast in den Wagen. Unwillkürlich rückte Jürgen etwas ab von einem dürftig gekleideten Manne, dem die Nase fehlte. Außer diesem Ar beiter faß im Wagen ein kleines Mädchen, das, die Augen angstvoll vergrößert, feine Hausaufgabe im Ratechismus repetierte und immer wieder begann:„ Aber Jesus sprach: Laffet die Kindlein zu mir tommen..." Der Schaffner faffierte. Der Nasentose hatte tein Geld. Aber Jesus sprach ,, Dann müssen Sie aussteigen." Der Nasenlose, entschlossen, sigen zu bleiben, geriet in Erregung. Er sei monatelang arbeitslos gewesen. Wenn er Jürgen blickte auf die Augen des Jünglingsbildes, die aus ungeheurer Ferne groß und ernst zurückblickten. Das Geficht des Najenlosen tauchte neben dem Fenster mit Sprungregelmäßigkeit auf und nieder. „ Träume seien mun einmal nichts als Schäume, sagt der Hausarzt Ist aber auch dieser entsetzliche Traum nur flaumleichter Abfall des Lebens und ohne tiefere Bedeutung?" Selbst jetzt noch, während der Fahrt durch den sonnigen Tag, stockte Jürgens Herz: Er steht, befract, weiß behandschuht und im Halbkreise umgeben von den zwölf schwarzgekleideten Zeugen, in der Mitte des festlich erleuchteten Gesellschaftsfaales vor dem Hin richtungsblod, tritt zurück, hebt das Beil- und läßt es hineinsausen in den Naden. Der Kopf geht nicht herunter. Und jezt erst sieht er, daß er felbst, als Student, am Blode fniet und von sich selbst hingerichtet werden muß, im Namen des Lebens, wie es ist. Gezwungen von den Blicken der zwölf stummen zeugen, muß Jürgen noch einige Male in die furchtbare Nackenwunde hineinschlagen, bis der Kopf Jürgens, bes Studenten, herunterfällt. Die Streichmusik endet. ( Fortsetzung folgt.) Aber abends geht ein Heufen umb Webflagen los, wenn die Bfnben zu Konzerten und Vorträgen abgeholt werden. Diese Trennung ift für den Hund beinahe eine Strafe. Kommt dann der Ausgewesene zurüd, so fällt ihm das Tier mit beiden Borderfüßen um den Hals. Alle vier Wochen erscheint die Abnahmekommission. Ist das Examen Alle vier Wochen erscheint die Abnahmekommission. Ist das Examen bestanden, so erhält das Paar die Reifeprüfung" für die Großstadt. 5 bis 6 Jahre halten die Nerven eines Blindenführerhundes in der Großstadt stand. Dann ist er verbraucht, wird dem Blinden abgenommen, und ein schnelles, schmerzloses Ende ist der große Dank für seine treuen Dienste. Zum neuen Gattenmordprozeß. Bernehmung der drei Angeklagten. In der Vernehmung der Hauptangeklagten, Händlerin Frieda Schroff, wurde zunächst fortgefahren. Auf Befragen des R.-A. Dr. Fren erklärt die Angeklagte, daß Schroff allerhand Diebesgesindel und Betrunkene nachts in die Wohnung gebracht habe. In finns lofer Wut habe er ihren Wurstfejjel mit dem Beil zerschlagen, Schroff mollte nicht, daß sie handele, sondern sie sollte auf die Straße gehen. Eines Tages fei ihr Mann mit einem Revolver nach Hause gekommen, den er in den Schramt legte. Sie habe den Revolver herausgenommen und in einer Ofenröhre versteckt, um sich, wie sie behauptet, gegen ihren Mann schüßen zu können. Ueber die Tat selbst gibt die Angeklagte dann an, am Sonntag morgen habe Schroff ihr Zumutungen gestellt, die sie ablehnte, er habe sie gepackt und mißhandelt und sei dann zu feinem Bett gegangen, so daß jie geglaubt habe, er hole einen Revolver vor. In ihrer Angst sei sie zur Ofenröhre gegangen und habe den anderen Revolver herausgenommen. Da ich dachte, er will auf mich schießen, habe ich zuerst geschossen. Borf: Weshalb find Sie nicht einfach weggelaufen? Angell.: Das habe ich niemals wieder getan; nachdem ich es einmal versucht hatte, da hat er alle Sachen zerschlagen. Ich habe nicht die Mittel ge-. habt, um mir neue Sachen anzuschaffen. Der zweite Angeklagte Neumann schildert Schroff ebenfalls als einen sehr gewalttätigen Menschen, der auf ihn mehrmals schon mit dem Revolver geschossen habe. Auf der Treppe habe er den Schuß gehört und dann Frau Schroff auf dem Körper ihres Mannes im Handgemenge gesehen. Er habe versucht, beide auseinanderzubringen. Schroff habe ihm einen Stoß gegeben, daß er zu Boden fiel. Als er sich aufrichtete, sah er, daß Frau Schroff auf ihrem Manne fag und mit ihm rang. Er habe Blut gesehen und davon sei ihm schlecht geworden, so daß er fortgegangen sei. Auch die Angeklagte Elise Schmidt will erit, nachdem sie die Schüsse gehört hat, hinzugefommen sein und gesehen haben, daß Schroff auf ihre Schwester einschlug. Sie bestreitet ebenfalls, auf Schroff eingeschlagen zu haben. Mehrere Hausbewohner schildern den Ermordeten als einen sehr gemalt. tätigen Mann, der seine Frau ständig mißhandelt und auch oft mit dem Revolver bedroht habe. Im Hause habe man immer erwartet, daß er die Frau umbringen würde. Die Ber handlung wird schließlich auf Donnerstag früh bertogt. Die Erschließung des westlichen Havelufers. Verkehrsverbesserung für Klador und Gatow. Die auf dem westlichen Havelufer gelegenen Gemeinden R1a. dom und Gator, die durch das Gesetz Groß- Berlin zum Be zirf Spandau, also zu Berlin gefommen find, haben gegen diese Eingemeindung seit langem einen heftigen Kampf geführt, wo bei fie insbesondere darauf hingewiefen haben, daß sie durch das fast völlige Fehlen einer ausreichenden Verkehrs verbindung von Berlin förmlich abgeschnitten seien. Der Berliner Magistrat hat sich mit diesen Klagen wieder. holt beschäftigt und in einer Sigung nunmehr befchloffen, den berechtigten Wünschen der beiden Gemeinden durch Schaffung einer Autobusverbindung Kladow- G a to m- Span. dau und zurüd Rechnung zu tragen. Der Betrieb der Strece, die spätestens zum 1. Mai eröffnet werden soll, wird voraussichtlich von den Autobussen der Reichspoft übernommen werden. Während aber vor dem Kriege der auf dem weftlichen Havelufer ein gerichtete Boftautoverfehr einen Fahrpreis von 1,20 m. für die Strede Klabom- Spandau vorfah, wird nunmehr die ganze Strede Kladow- Spandan nur 30 Pf. loften, da die Stadt Berlin im Intereffe der Bewohner der beiden Ortschaften selbst einen Teil der der Reichspoft durch die Einrichtung der neuen Linte erwachsenden Un foften trägt. Im Einverständnis mit den beiden Gemeinden ist ein viermaliger Autobusverfehr am Tage in beiden Richtungen vorgesehen. Außerdem soll eine ständige Dampferverbindung zwischen Kladow und Wannsee geschaffen werden. Denn auch hier tut eine billige Verbindung mit Anschlüssen von und zur Wannseebahn dringend not. Schließlich fann es auch nicht schaden, wenn der Ausflügler, Wanderer- und Sommerfrischlerverkehr von diesen längst fälligen billigen und schnellen Verbindungen mit dem westlichen Havelufer seine Vorteile hat. Deutschvölkische Gummiknüppel. Die Deutschvölkische Freiheitspartet hatte vorgestern abend nach den Florasälen in Halensee eine öffentliche Wählerversammlung einberufen. Nachdem in der Diskussion ein Sozialdemokrat und ein Deutschnationaler bei verhältnismäßiger Ruhe hatten sprechen tönnen, stürmten 20 mit Gummifnüppeln bewaffnete sogenannte Bismard bündler, zum Teil in Hitler- Uniform, mit Heil- Rufen in den Saal. Es waren nämlich zahlreiche Zuhörer anwesend, die durch das dürftige, von Sachkenntnis ungetrübte Phrasengewäsch des Redners nicht überzeugt waren. Referent und Bersammlungsleiter wurden durch maßvolle zwifchenrufe nervös. Das steigerte sich, als in der Aussprache einige Redner durch scharfe, aber fachliche Ausführungen die deutschwölkischen Phrasen einer vernichtenden Kritik unterzogen. Sie gewannen jedoch augenscheinlich ihre Sicherheit wieder, als der erwähnte Trupp in den Gaal drang, im Gänsemarsch auf die Bühne fletterte und sich um den Vorstandstisch gruppierte. Plötzlich ob auf ein Stichwort hin, ließ sich vom Saale aus nicht feststellen sprangen fie in den Versammlungsraum hinab auf einige Zwischen rufer zu und prügelten drauflos. Sie tamen gerade an die Rechten, es waren Arbeiter, die augenscheinlich für diese Art Beglückungs praris das richtige Verständnis hatten, denn die„ mutigen" Angreifer befamen Arbeiterfäufte zu spüren. Dann aber fam das Ueberfall tommando, das die völtischen helden" abführte und die Berfammlung auflöjte. Außerordentlich bezeichnend war es für diese Helden, daß fie, sobald sie der Schußpolizeibeamten ansichtig wurden, fchleunigst ihre Hatentreuzer herunterriffen und in den Taschen verbargen. Die Gummifnüppel aber wurden den völlischen Mädchen und Frauen zugesteckt, die sie in ihren Taschen versteckten. Wenn die Völkischen sich weiter so mie die schlimmsten Rowdys benehmen, dann werden sie sich nicht wundern dürfen, wenn man sich ihrer in Zukunft entsprechend erwehrt. Wenn schon, denn schon. Man schreibt uns: Buchmacher und Totalisator bestehen nebeneinander, Das ist eine Tatsache, mit der sich Freund und Feind abgefunden haben. Im Interesse der Allgemeinheit liegt es nun, daß der vercrmte Staat die aus beiden Einrichtungen fließenden Steuern möglichst restlos zugeführt bekommt. Das erscheint aber unmöglich, wenn, mie bisher, auch für die 150 Renntage des tommenden Jahres die Buchmacher auf den billigen Blägen verboten bleiben. Der Buchmacher soll befanntlich dem Totalisator, der eine bestimmte Summe für die Pferdezucht abführt, feine Konkurrenz machen. Daher ist der Buchmacher nur für die„ Großen" gedacht, und auf den beueren Bläzen nimmt der tonzessionierte Buchmacher offiziell erft ab 30 Mart an. Das ist alles ganz schön und gut, aber die Wirklichkeit sieht anders aus, als sie es sein sollte. Der hohe Wetter wird Hets zum Buchmacher gehen, schon aus eigenem Interesse, weil er Burch letne große Einlage Me Zolaffatorquote nicht brüden will. Der fleine Wetter geht jedoch auch zum Buchmacher und zwar zum fchwarzen. Man macht geltend, der fleine Wetter würde durch Errichtung von Buchmacherständen auf den billigen Plähen vom Totalisator weggelockt. Dieser Einwurf ist insofern nicht stichhaltig, weil der fleine Wetter bereits lange vom Totalijator weggelodt worden ist. Es gilt jezt, die Schwarzwetterei nach Mög lichkeit zu unterbinden und alle Steuern restlos zu erfassen, wobei die Errichtung von Buchmacherſtänden auf den billigen Bläßen das Ihre zusteuern würde. Man rechnet damit, daß die zehn Buchmacherstände 4 Millionen Mart Steuern im fommenden Rennjahr einbringen werden und eine Vermehrung der Stände würde in diesem Falle wohl unbedingt einer Vermehrung der Steuern gleichkommen. Allgemeine Funktionärinnen- Konferenz am Freitag, den 28. März, abends 7 Uhr, in den„ Sophiensälen", Sophienstraße 17/18 ( Nicht Schule Weinmeisterstraße) Tagesordnung: 1. Bericht über die lehte Parteiausschußfizung und„ Die Wahlarbeit in Berlin*. Referentin: Gen. Todenhagen.- 2. Aussprache. Mitgliedsbuch legitimiert. Alle Genoffinnen, die bei der Wahlarbeif helfen wollen, werden gebeten, zu erscheinen. Frau Bischur auch Erbschleicherin? Ein wichtiges Obergutachten Dr. Schneiderts. In dem Verfahren gegen die ehemalige Krankenschwester Frau Bischur spielen auch die Schriftfachverständigen eine Rolle. In dem Zivilprozeß hatte die Witwe Heinrich Körners, jezige Frau Bischur, allen Grund, als testamentarische Univerfalerbin gegen die Tochter Heinrich Rörners, die ihr die Erbschaft streitig machte, fühn und sicher aufzutreten. Zwei vom Gericht zugezogene hiesige Sachverständige erklärten das Testament Georg Körners für echt. Daraufhin wurde die Klage der Tochter Heinrich Körners in der ersten Instanz abgewiesen. Man muß sich nun wundern, daß der Vertreter der Klägerin in der Berufungsinstanz nicht mit allen Mitteln gegen die beiden Gutachten der Schriftfachverständi gen ankämpfte und nicht ein Obergutachten einforderte. Erst in dem sich allmählich entwickelnden Strafverfahren gegen Frau Bischur wurde ein solches eingeholt. Im Sommer vorigen Jahres wurde das strittige Testament dem Leiter des Erkennungsdienstes des Polizeipräsidiums und Schriftfachverständigen Dr. Schneidert vorgelegt. Diefer ertlärte es auf den ersten Blid bestimmt als gefälscht. Doch erst in den legten Wochen erhielt dieser Sachverständige den Auftrag, ein aus führliches Gutachten zu erstatten. Er mies die Fälschung des Testaments nach und ebenso, daß als Urheberin der Fälschung nur die Witwe Körner, die jetzige Frau Bischur, in Betracht tommen fönne. Erst mit diesem Gutachten trat eine Wendung in dem ganzen Verfahren ein Kurz darauf wurde Frau Bischur verhaftet, und sie hat inzwischen auch die Fälschung einSachverständigen die Fälschung richtig erkannt, dann wäre manches gestanden. Hätten die vor einigen Jahren schon zugezogenen Unheil verhütet worden. Erneuter Miete- Zahlstreik? In östlichen und nördlichen Borstadtbezirten mit start Antsraditaler Einstellung ist erneut der Miete- zahl. streit beschlossen worden, falls zum 1. April Mieten dekretiert werden, ble von weiten Bevölkerungsfreifen nicht getragen werben tönnen. Der Berliner Mieterbund steht diesem Beschluß von ört lichen Mietervereinen, bie ihm nicht angeschloffen sind und follert vorgehen, villig fern. Er ist nach wie vor der lleberzeugung, daß auf solche gewaltsame Art einzelner versprengter Teile der Mieterbewegung die Mietbildungsfrage nicht gelöst werden kann, vielmehr bie bei leberspannung der Forderungen sicher eintretende wirkliche Zahlungsunfähigkeit weiter Streife mit allen sonstigen schweren Folgen, die sich aus einer hohen Mietssteuer ergeben müssen, weit flarer die verfehrie gegenwärtige Mietrechtpolitit zur Anschauung bringen wird als ein Streitbeschluß, hinter dem feine Maffen stehen. Bekanntlich ist auch im vorigen Frühjahr der Teilstreit im Norden und Often Berlins ins Wasser gefallen. Die streifenden Mieter haben durch Gerichtsfosten erhebliche Geldopfer bringen müssen. Es würde diesmal wohl kaum etwas anderes herausLommen. Es mehren sich die Fälle, in denen der Berliner Magiftrat auf Monate hinaus durch gerichtlichen Uebermeifungsbeschluß die Mieten ganger Häuser pfänden läßt, weil von dem Hausbesitzer, der dann in der Regel ein Ausländer ist, die fehr erhebliche Grundermerbssteuer nicht gezahlt wurde. Wer bezahlt nun die übrigen öffentlich- rechtlichen Hausabgaben, insbesondere die Wasser, Beleuchtungs-, Müllabfuhr- und Straßenreinigungsge. bühren? Und wo bleibt der wichtige Bestandteil der Miete, der für laufende Instandsetzungen bestimmt ist? Solche fistalischen Maßnahmen begünstigen doch nur den weiteren Verfall der betroffenen Häufer. Was für die Erhaltung der Bewohnbarkeit des Hauses unbedingt notwendig ist, sollte von der Pfändung ausgeschlossen fein, ohne daß erst die Mieter Einspruch erheben und gerichtliche Verhandlung beantragen müssen. Kunst und Polizei. Zur Wahrung der Interessen wirklicher Kunst bei Maßnahmen der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaften zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, insbesondere auch der öffentlichen Sittlichkeit, sollen nach einem dem Staatsrat foeben zugegangenen Regierungsentwurf bei den Polizeipräsidien in Berlin, Breslau, Dortmund, Frankfurt a. M. Gleiwik. Halle, Hannover, Niel, Köln, Königsberg und Stettin unit ausschüsse gebildet werden. Sie sollen von den Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften als Sachverständigenausschüsse gutachtlich bei allen das Gebiet der Kunst berührenden Maßnahmen gehört werden, bei denen es zweifelhaft erscheint, ob eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung vorliegt. Dies gilt insbesondere in solchen Fällen, in denen namhafte Künstler, fünstlerische oder Verlagsunternehmungen betroffen werden. Die 11. deutsche Gastwirtsmeffe wurde gestern vormittag an der gewohnten Stätte, in der Neuen Welt" in der Hafenheide durch ihren Leiter Dumistren eröffnet. Wie bei den Messen in Leipzig und Breslau ist ein überaus großer Zuspruch von ausstellenden Firmen zu verzeichnen.( Es sind in der Gastwirtsmeffe nicht weniger als 700 Firmen mit ihren Erzeugnissen vertreten.) Unter den vielgestaltigen Maschinen und Apparaten find Erfindungen zu sehen, die man bisher noch nicht tannte, und die dem einschlägigen Fachmann die Möglichkeiten bieten, feinen Betrieb rationeller zu bewirtschaften. Beachtenswert ist die Sonderabteilung Rüchenmesse", die auf der großen Bühne eine umfangreiche Tafel mit über 50 Schaugerichten aufweist. Eine wertvolle Ergänzung bietet eine mit einem begleitenden Vortrag versehene Filmvorstellung über die Ge winnung von Gefrierfleisch, die in dem großen 1500 Perfonen fassenden Messetino neben anderen Filmen abgerollt wird. Die Messe, die bereits am ersten Tage einen außerordentlichen Befuch aufzuweisen hatte, bleibt bis zum 28. März geöffnet. Bezirtsbildungsausschuß Groß- Berlin. Jm Monat. April gelangt im Neuen Theater am 800 in erstklassiger Besetzung zur Aufführung Die rote Robe", ein Schauspiel in vier Aften von Eugène Brieur. Bir ere fuchen die Kreise, sofort die auf sie entfallenden Karten vom Bureau abs zuholen. Ueber Kinderfrankheiten( besonders in der Entwidlungsperiode) und ibre Behandlung im Elternhaus und Schule spricht Benoffe Dr. med. Graaz heute Donnerstag, abends 7%, Uhr, im Haedeljaal, Beethovenstraße( Eingang: In den Belten), in einer Vortrags reihe der Junglehrer- Jugendgruppe des Bundes enischiedener Schulreformer. Unkostenbeitrag, Erwerbslose frei! Arbeiter Elternbund Weißensee. Die Märkische Wanderbühne, Dir. Blaeser, bringt beute, Donnerstag abend, in der Weißenseer GemeindeFesthalle, Biftoriusstr. 23, das bekannte Schönberrsche Bühnenwer! Der Beibsteufel" mit Leonie Duval( vom Deutschen Theater) in der Titeholle zur Aufführung. Aus der Partei. Reichstagskandidaten in Württemberg. Die württembergischen Parteigen offen haben den feitherigen Abgeordneten Genojien Keil wieder an die Spitze der Reichslifte gestellt. Nach ihm folgt bildenbrand und Dr. Noßmann. Der Genoffe Feuerstein scheidet aus und an vierter Stelle folgt die bisherige Abgeordnete Frau Biegler. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Sonnabend, den 29. März, abends 6 Uhr: Sigung im Jugendheim, Lindenstr. 3. Achtung, Funktionärinnen! Allgemeine Funktionärinnenkonferenz Freitag, ben 28. d. M., 7 Uhr, in den Sophienfälen, Sophienste. 17/18( nicht Schule Beinmeisterstraße). 2. Reels Tiergarten. Alle Beamtenfunktionäre nehmen an ber bente t Gewerkschaftshaus, Engelufer 24, ftattfindenden Beamtenfunktionärver fammlung teil. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Donnerstag( heute) abend 7 Uhr in bet Schul aula Senefelderftr. 6, Gigung aller Orbner des Kreifes. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, ben 28. März, 7% Uhr, wichtige Ronferens bes Borstandes der freien Schulgemeinde, der Elternbeiratsobleute fomie ber in der Rinderfreundebewegung tätigen Genoffinnen und Genoffen bei Wolf, Gräfeftr. 26. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten sein. 20. Kreis Reinidendorf- West, Borsigwalde, Tegel, Tegelort. Kreisfunktionäre! Freitag, den 28. März, 7% Uhr, im Jugendheim, Tegel, Bahnhofstr. 14, wichtige Sigung. Reinidendorf- Ost, Rosenthal, Wittenau, WaidmannsLuft, Sermsborf und Frohnau. Wichtige Gigung der Kreisfunktionäre am Freitag, den 28. März, 7% Uhr, im 2Lokal Arlt, Waidmannsluft, ant Bahnhof 9. Kreis Wilmersdorf. Donnerstag, ben 27. März, pünktlich 7 Uhr, aure Bersammlung erscheinen. Heute, Donnerstag, den 27. März: 83. Abt. Lichterfelbe. 7 Uhr Mitgliederversammlung in den Lichterfelber Feftfälen, Rehlendorfer Str. 5. Tagesordnung: Die kommenden Wahlen." 99. Abt. Brig. 8 Uhr Funktionärfonferena bei Regel( 1. Gemeindeschule). sunsfostaliften, Gruppe Friedrichshain. 7% Uhr in der Sostalen ArbeitsAlle Funktionäre müssen ganz bestimmt erscheinen. gemeinschaft, am Ostbahnhof 17, Bortrag des Gen. Friedländer: Meine Beobachtungen in Frankreich." 14. Morgen, Freitag, den 28. März: Tages t. 7 Uhr Funktionärskung bei Dietrich, Swinemünder Str. 36. 19. Abt. 7 Uhr Versammlung in der Schule Gotenburger Str. orbnung: Schulnot Schulreaktion und die Parteien." Ref.: Genosse Dr. Löwenstein. Sympathifierende und Borwärts" Tefer find einzuladen. 28. Abt. 8 Uhr im Musikalischen Fuchs", Softystr. 7, turze Besprechung fämb licher Funktionäre, Betriebsvertrauensleute und Wahlhelfer. 89. Abt. 7 Uhr Funktionärsikung in der Juristischen Sprechfinde, Lindenstr. 3. Treptow- Baumschulenweg. Bildungsausschuß! 25. Borführung wiffenfchaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. ,, Mit Auto und Kamera zwischen afrikanischem Großwild." Erläuternber Vortrag des Genossen Hilhnel. Karten zu 0.50 Mart an der Raffe. 106. Abt. Johannisthal. 7½ Uhr wichtige Gigung bes Borstandes und fämt. licher Funktionäre bei Gobin, Roonftr. 2. 107. Abt. Alt- Glienide. 7% Uhr Borstandssitzung beim Genoffen Neumann, Gartenstadtstraße. 114. Abt. Sichtenberg. 7% Uhr Funktionärsigung bei Schwarzer, Gabriel- MarStr. 17. Bortrag des Genossen Mennide: Der historische Materialismus." Gruppe Schöneberg. 8 Uhr im Jugendheim Rubensstraße, Vortragsabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation afcherung hat bereits stattgefunden. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 33. Abt. Der Genoffe Tamm, Ropernikusstr. 19, ist verstorben. Die in Das Urteil im Zoffener Mentereiprozeß. Auf Grund der Beweisaufnahme fam die 1. Straffammer des Landgerichte II in dem Rossener Meutereiprozeß zu der Weber- Jungiozialisten, Gruppe Rorben. 7½ Uhr in der Kakaoshibe, Schönstedtstr. 1, zeugung, daß der Haupttäter bei dem Ueberfall auf den Oberwachtmeister Oppermann in dem Amtegefängnis in Roffen der Angeflagte Stedenboff war, während der Mitangelagte Knoce unter dem Einfluß des ersten Angeklagten gestanden babe. Recen hoff wurde wegen Meuterei und Körperverlegung mit Todeserfolg au acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehr. berluft verurteilt. Snode befam unter Bubilligung weitgebendster mildernder Umstände ein Jahr fechs Monate Gefängnis. Die Ordner der Proletarischen Feierstunde treffen fich für die Jugendtoeihe am 30. d. m. im Großen Schauspielhaus morgens 8 Uhr an der bekannten Stelle. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 27. März. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 4.30 bis 6 Uhr Unterhaltungsmusik. 4.30-6 Uhr: Unterhaltungsmusik. 7 Uhr: Sprachunterricht( eng lisch). 7.30 Uhr: Vortragszyklus. 1. Das besetzte Gebiet". 2. Vortrag: Das Rheinland". Reichstagsabgeordneter a. D. Joos. 8.30 Uhr: Operettenabend( Aus„ Mikado" und" Geisha"). Mitwirkende: Else Bötel vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg; Eduard Kandl Jülich de Vogt, ehemal. königl. preuß. Hofopernsängerin; Bernhard vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg; Masurak( Violine), Hermann Hopf( Cello). Am Flügel: Kapellmeister Ctto Urack. 9.50-11.30 Uhr: Tanzmusik. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 27. März, 7% Uhr: Gesundbrunnen: Gotenburger Str. 2, Bortrag: Religion und Sozialis mus." Abt. Köpenick Beteiligung an der Schulentlassungsfeier der Freireligiösen Gemeinde am Freitag, den 28. März, abends 7 Uhr, im Erholungshaus Spindlersfeld. Neukölln I: Münchener Str. 52, Vortrag: Religion und Natur." Reukölln IV: Lotal Bärwinkel", Steinbockstraße, Jahresmit gliederversammlung. Reutöllu V: Schierkestr. 44, Bortrag: Geschichte des Altertums." " Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Deutscher Mieterbund. Donnerstag, den 27. März, abends 7 Uhr, Db. männerversammlung. Wichtige Tagesordnung. Ausweis: grüne Ausweistarte. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen Berlin- Treptow. Reichen faal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53. Beginn 8 Uhr abends. Freitag, den 28. März: Willensbildung als Grundlage der Sexual pädagogit." Kreisschulrat E. Sylla. Boltsbund ,, Naturschutz". Sonnabend, den 29. März, abends 8 Uhr, in der Staatl. Stelle, Berlin- Schöneberg, Grunewaldstr. 6/7, Lichtbildervortrag von Augenarzt Dr. C. Hamburger: Die hygienische Berwertung der Grün- und Freiflächen Groß- Berlins." Anschließend Dr. Klose: Beeinträchtigung und Gicherung der Berliner Grünflächen." Gäste willkommen.( 0.50 m.) Mieterverband, Gan Berlin", 4. Berwaltungsbezirt. Deffentliche Mieterversammlung am Donnerstag, den 27. März, abends 7½ Uhr, in Büttners Festsälen, Berlin, Schwedter Str. 23. Tagesordnung: Goldmiete und Miets fteuer." Referent: 3. Grünbaum, Mieterverband Gau Berlin", 4. Berwaltungsbezirt, Sentoale Berlin. Tresdowser. 58 BATSCHARIS 00 GROSSE KONKURRENZ Ein interessantes Ausschreiben für jeden Deutschen! Im Laufe von Generationen hat der Name Batschari Weltruf erlangt. Die Batschari- Cigarette wird von anspruchsvollen Rauchern aller Kulturländer bevorzugt. Daher muß jede Batschari- Cigarette einen Namen erhalten, der nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland verstanden wird und Anklang findet. Die Wahl des Namens ist keine leichte Aufgabe! Es soll nun wieder eine Cigaretten- Taufe im HAUSE BATSCHARI gefelert werden. Darum sucht alle, ihr deutschen treuen Batschari- Raucher nach einem geeigneten neuen Namen! Auch ihr Anti- Nikotinier mögt euch am Nachdenken beteiligen, denn: Es gilt deutscher Qualitätsarbeit auch im Ausland einen Ehrenposten zu sichern! Batschari prämiert auf Grund der Entscheidung der Preisrichter, den unten angegebenen Bedingungen gemäß, die drei besten Namen, welche Aussicht geben, deutscher Qualitätsarbeit nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland Geltung zu verschaffen mit drei Preisen von insgesamt 10000 Goldmark Die Vertellung ist folgende: L. Preis 5000 Goldmark II. III. 99 3000 2000 Außerdem erhält der erste Preisträger, wenn sein prämierter Vorschlag als Bezeichnung einer neuen Cigarettenmarke von uns verwandt wird, eine lebenslängliche Rauchrente in Form von monatlich 100 Cigaretten dieser Sorte 1. Nur Deutsche sind als Bewerber zugelassen. BEDINGUNGEN: 2. Prämiert werden die drei besten, bisher nicht verwendeten Cigaretten- Namen für welche Warenzeichenschutz seitens der Firma Batscharf zu erlangen ist. Diese drei prämierten Namen gehen als Eigentum mit Urheberrecht an unsere Firma über. Die Entscheidung der Preisrichter wird nach den Gesichtspunkten unserer persönlichen Propaganda and im Hinblick auf die internationale Brauchbarkeit der Namen getroffen werden. 3. Die drel Preise gelangen unter allen Umständen zur Verleilung. 4. Die Frist für die Bewerbungen läuft am 1. Mal 1924( Poststempel 30. April 1924) ab. 5. Jeder Bewerber darf nur einen Cigaretten- Namen einsenden. Dieser Name ist auf einem Zettel von Postkartengrösse in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift„ Preisausschreiben einzureichen und kann mit einer kurzen Erklärung oder Begründung des Namens versehen sein. Dagegen sind andere Mittellungen oder Adressenangabe des Bewerbers auf diesem Zettel unzulässig. Vielmehr ist die genaue Adresse des Einsenders in einem zweiten verschlossenen Umschlag, der in den ersteren einzustecken ist und als Aufschrift lediglich den gefundenen Cigaretten- Namen tragen darf, einzusenden und muß spätestens am 1. Mai 1924 im Besitz der Firma A. Batscharl, Cigarettenfabrik A.-G., Baden- Baden, sein. 6. Eine Rücksendung von Einsendungen erfolgt nicht. Die nicht prämierten Bewerbungen werden vernichtet. 7. Preisrichter sind: ROBERT BATSCHARI, Baden- Baden; Kommerzienrat RICHARD GSELL, Präsident der Handelskammer Karlsruhe; Rechtsanwalt WALTER HERMANN, Baden- Baden; Professor ALBERT HAUEISEN, Akademie der bildenden Künste, Karlsruhe; Justizrat und Notar FRANZ KETTERER, Baden- Baden; Professor CARL LANGHEIN, Otterndorf bel Hamburg; IVO PUHONNY, künstlerischer Beirat der Firma Batschari, Baden- Baden; FRANZ HEINRICH STAERK, Propagandachef der Firma Batschari, Baden- Baden. 8. Die Bekanntmachung der Preisrichter- Entscheidung erfolgt in allen Blättern, in denen dieses Preisausschreiben veröffentlicht wird. Baden- Baden, den 6. März 1924. 13TTIM 2113893 BC A. BATSCHARI CIGARETTENFABRIK A.-G. RecBadschari $ 29 Frisches Fleisch a.Wertheim Kalbskamma.Brust.60. Kalbsnierenbraten. 70P. Kalbskeule enz and geteilt Pland 80 Pl. and 85P Liesen..... Schweinebauch. Blatt 90P. m. Bellage Schweinerücken Pfand 90Pj. Donnerstag und Freitag, soweit Vorrat: Billige Lebensmittel Fische Kabeljau ohne Kopf, ganze Fische 20 Pt. Pfund Rotbarse ohne Kopf... Pfand 24 PL Seelachserachert.... Pfand 55P Echte Sprotten ..Pfand 70 Pf. Große Fettheringes. 12P. Hering in Gelee Liter Dose 280 4 Schweineschinken 90P. Zwiebelwurst 56. Victoria- Erbsen19p. P. Schellfisch i. Gelee 280 Gehacktes Fleisch and 10 P. Landleberwurst...... Plane 104 Bohnen 19p. Rels 19PL. Fettes Ochsenfleisch Kamm Brust Prd. gefreren Konserven Karotten schnitten Junge Erbsen sit Dose 45PL 95P- 180 Stangenspargel 3M 11 Dose. 1 Dose Pfund. Pfund. ( Welle) Pfund Dose ...... Pfund 18p. Schnittbohnen holländische Fleischwurst( Thüringer Arf) Pfund 116 Haferflocken....... Pfund 18pt. 55 P. Schinkenspeck....... Pfund 100 Welzengrieß Mausschinken( ca. 11-2P1d180 Schnitt- Nudeln Pfund • Pfand 20PL and 40 Pt. ..... Ptand 25p. Getrocknet. Karotten Pr Tafel- Butter 190 Apfelsinen 68 Weißkohl. 10P. danische .... Pfand Romatour Stantot smack 40P Brlekäse....... Pfund 68PL Edamer... Pfund 90pt. Riesen- Stg.- Sparg.340 Schweizerkäse danischer 125 Ananas se Precht/ Dose 285 Portugles. Sardinen / Plund Harzerkäse Originalkiste 98PL Dutzend Dtz. 75Pl. Blut- Apfelsinen.. Zitronen...... Dutzend 45PL Smyrna- Felgen. Phund 48PL Plund 110 Pland 275 Datteln Marokkaner.. Ananas • dose 42PL Doss 125 Doss 240 Corned Beef and 66PL Eß- n.Kochäpfel 25Pt. Rindfleisch ohne Knochen .. 2 Pfund- Does 1M Dose( 6 Pid. engl. Gew.) 3,25 195 Oxford Sausage Würstchen In Kalbefett, 2 Pid.- Dose gehalt Dose Kond. Milch 8-9 Fett- 48PL Sülze( Haus macher) Obst- Konfitüren PfundElmer Pflaumen 3M Kirschen 375 5 Prund 1,20 Pfund Kaliforn. Apfel 58. 5 Pfund 2,75 Pfund 2 Pland- Dose 78pt Deutscher Kakao stark 1M Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Volksbühne Opernhaus im Theater Große Volksoper des Westens 7%, Uhr: Die lustig. Weiber Täglich str. 112 Regie: Dr. Georg Dreescher- Mes. Latt.: Dr. Ludwig His. 7%, Uhr: OSTERN 8 Uhr: Kammer- 6per Lützow 7/2 Uhr: TOSCA Lessing- Th. Täglich wechselnder Spielplan! Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr zum 1. Male: Kolportage 8: Der fliegende Freitag bis Montag Holländer Schauspielhaus 7: Kolportage The Nathan d.Weise Dent. Künstler- Th. Schiller Theater The Central- Theater Direktion: Karl Heinz Wolff Alte Jakobstr. 30-32( make Splitelmarkt) Täglich 8 Uhr 1 U.: Columbus Señora Der dumme August Deutsch. Theater 8 Uhr: Vom andora Uler Th. im Admiralspalast Allabendlich 7 U Musik von Rud. Gfaller Kammerspiele Oranter and drüber neues Operetten- Th. Uhr: Unsere kleine D. Wund. d. Schatten Prau Deutsch.Opernhaus 7 Uhr: AIDA Täglich 7% Uhr: Gr. Schauspielhaus elemeyer, Schulz- Dernburg, Die Guido Thielscher 71, Uhr: Boccaccio Theater i. d. KöniggrätzerStr. Lassmann, Fussperg. Schifrendorf, Spering verlagle Intimes Theater 8 Uhr: Rache Hotelabenteuer acht Schwank L... Franz Arnold u.Ernstback. Else Bück- Claire Rommer- Sibyl Smolowa Tony Tetzlaff Heinrich Marlow Lee Penkert Barthold Relig 8 Uhr: Wenn der Metropol- Theater Camilla Spira neue Wein blüht 7, Uhr: Karneval Komödienhaus der Liebe Leri Leax, Hella Kürty, 8U.: Zwei um eine Otto Storm, Franz Glawalsch, Fritz Schulz, E. Schönfelder Berliner Theater 7.30 U.: Das Weib Neues Theat. a. Zoo im Purpur Theater am Nollendorfplatz 7.30; Die 7 Uhr: LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Thalia- Theater 7 U.: Frasquita Albin v. 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Im verflossenen Reichstag hat dank seiner ZusammenJegung eine fapitalistisch- bürgerliche Mehrheit eine Tätigkeit entfalten fönnen, bei der die wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen der Arbeiterschaft nicht zu ihrem Recht getommen sind. B Wenn man frei von jeder Boreingenommenheit die Ur fache dieser Tätigkeit betrachtet, wird man sich der lleberzeugung nicht verschließen können, daß die innere Zerrissenheit der Arbeiterschaft in erheblichem Umfang der bürgerlichen Mehrheit die Möglichkeit gab, ihre das Interesse der Arbeiter schaft schädigende Tätigkeit durchzuführen. Der aus partei politischem Interesse aufgebauschte Streit, ob die Demokratie oder die proletarische Diktatur die richtige Regierungsform fei, hat es mit sich gebracht, daß die Aufmerksamkeit gerade der Metallarbeiter von der wirtschaftlichen und politischen Reaktion des Unternehmertums abgelenkt wurde. So ist es den Berten von ihr bisher selbst geschaffenen Verwaltungsapparat zu tretern der bürgerlichen Mehrheit im Parlament möglich gegewesen, viele ihrer reaktionären Pläne zu verwirklichen, die fie nicht hätten durchführen können, wenn die Arbeiterschaft, aus innerer Ueberzeugung zur republikanisch- demokratischen Staatsform stehend, sich zu einheitlichem Handeln zufammengefunden hätte. Für uns als Gewerkschaftler ist bei der Beurteilung der Tätigkeit einer Arbeiterpartei des Parlaments maßgebend, welche Versuche unternommen wurden, wirtschaftlich und fozialpolitisch günstige Gesetze für die Arbeiterschaft zu schaffen. Bei der Beurteilung der fachlichen Tätigkeit der Arbeiter parteien des Barlaments fann wohl kein Zweifel bestehen, daß die VSPD. alle Kräfte angespannt hat, den wirt schaftlichen und sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter fchaft gerecht zu werden. Gerade für die Metallarbeiter ist eine gute Arbeiter Ichuhgefehgebung von höchster Bedeutung. Nicht nur daß die Metallarbeiter zahlenmäßig am stärksten in der Industrie vertreten sind; ihre Tätigkeit ist auch in sehr vielen Berufszweigen mit so erheblichen geistigen und förperlichen Gefahren verbunden, daß eine wirkliche Arbeiterschukgesekgebung auch die größten persönlichen Vorteile für die Metallarbeiter bringt. Zu diesem Arbeiterschutz rechne ich in allererster Linie die gesetzliche Festlegung des achtstündigen Maximal- Arbeitstages, die trot aller Anstrengungen der BSPD.- Abgeordneten im letzten Bara fament infolge der bürgerlichen Mehrheit nicht zu erreichen mar. Für die riesigen Zahlen der in der Metallindustrie beArbeiter!! Euer Feind ist die Schwerindustrie! Die Arbeiter sind infolge der Geldentwerfung ver elenbel- die Schwerindustrie hat im Inland und Ausland gewaltige Bermögen erworben.. Der deutsche Arbeiter ist der schlechtbezahltefte und armste Arbeiter Europas- Stinnes ist der reichste Mann der Welt. Die Geldentwertung hat die Arbeiterorganisationen und ihre Presse schwer geschädigt die Schwerindustrie hat Zeitungen aufgekauft und bezahlt gelbe Vereine. Der deutsche Arbeiter trägt die Casten des Friedens. vertrages die Schwerindustrie will daran verdienen. 3n Eurer Hand liegt die Entscheidung, ob es so bleiben foll! Stimmzettel gegen Konzernmacht. Kampf gegen die schwerindustrielle Schlüffelstellung. Ganz abgefehen von den gewerkschaftlichen Kampfhandlungen, fann der wirtschaftspolitische Einfluß der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft durch entsprechende Gesetze wesentlich gefördert werden. Die Schaffung von Arbeiterfammern soll dem wirtschaftlichen Einfluß der Arbeiterschaft in gleichem Sinne dienen, wie Handels-, Handwerks- und Landwirtschaftskammern den Intereffen der Bourgeoisie dienen. Der gewaltige staatliche Verwaltungsapparat steht heute fast ausschließlich den Intereffen der privatkapitalistischen Besitzer der Produktionsmittel zur Verfügung, wäh rend die Arbeiterschaft und ihre Organisationen gezwungen sind, bei der Durchdringung der Wirtschaftsprobleme sich auf ftüßen. Ein nicht zu unterschäßender Anteil der wirtschaftspolitischen Vormachtstellung der Bourgeoisie beruht auf dieser restlosen Dienstbarmachung des staatlichen Verwaltungsappa rates. Ohne eine entsprechende Durchfehung des Berwaltungsapparates mit Personen, die aus ideellen und fachlichen Motiven die privatfapitalistische Wirtschaft in eine gemein wirtschaftliche umstellen wollen, wird unfer Streben nach wirtschaftlicher und politischer Beherrschung des Staatsorganis. mus ien Problem bleiben. brachten Gründen ist es für die organisierte Metallarbeiter Schon aus diesen wenigen, ganz furz zur Anführung geschaft eine unbedingte Frage der Selbsterhaltung, die die Ber: befferung ihrer wirtschaftlichen Eristenz zur Voraussekung hat, daß jeder in der Metallindustrie beschäftigte Arbeitnehmer an geben, die durch ihre planmäßige und fachliche, vom Geist der die Wahlurne gebracht wird, um der Partei ihre Stimme zu Demokratie erfüllte parlamentarische Tätigkeit bewiesen hat, daß es ihr ernst ist mit einer gesetzgeberischen Tätigkeit zur Erweiterung des wirtschaftlichen und politischen Einflusses der Arbeiterschaft. Donnerstag, 27. März 1924 Rstoch Einer, der am Achtstundentag verhungert ist. führt hat, hat auch eine der mächtigsten Organisationen der deutschen Arbeiter entstehen lassen. Den Metallindustriellen arbeiterverbandes gegenüber. steht die mächtige Organisation des Deutschen MetallDie große soziale Auseinandersetzung um den Astundentag, um das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter, um den sozialen Schutz der Arbeiterschaft, die das Unternehmertum unter schwerindustrieller Auseinandersetzung zwischen der wirtschaftlichen Großmacht Führung provoziert hat, wurde darum in erster Linie eine der Metallindustriellen und der gewerkschaftlichen Großmacht des Metallarbeiterverbandes. Die Metallarbeiter stehen im Bordertreffen des Rampfes gegen Unternehmerwillfür und Unternehmerübermut. Mit Diefe politische Partei der Arbeiterschaft ist die Berbandes in seinem Aufruf zur Werbewoche für den Deutschen berechtigtem Stolz fagt der Vorstand des Metallarbeitervertann jeder in der Metallindustrie beschäftigte Arbeiter, wenn einigte Sozialdemokratische Partei". Darum er es mit feinem eigenen Intereffe und dem der Gesamtheit ernst meint, am 4. Mai seine Stimme mur der Bereinig ten Sozialdemokratischen Partei" geben. Dtto Bista. Dazu gehört, daß die Betriebsrätegefeßgebung der Konzernentwidlung in Deutschland angepakt wird. Die durch das Gefeß gegebene Gliederung und der Aufbau der Betriebsräte nach eben muß dem Aufbau der Konzerne nachfolgen. Das erfordert nicht nur das Interesse der Allgemeinheit, das demokratische Durch bringung der Wirtschaft erheischt, sondern auch das Intereffe der Arbeiterschaft. Die Dachgesellschaften der großen Konzerne sind die Generalstäbe des Unternehmertums in dem großen Kampf zwischen Unternehmermacht und Arbeitermacht. In diese Generalftäbe muß der Einfluß der Arbeiterschaft eindringen, um ihre gewaltige wirt schaftliche und politische Uebermacht einzuschränken. Metallarbeiterverband: arbeiter, daß fie in diesen Monaten mit ihrer Organisation die „ Es bleibt ein unauslöschliches Ruhmesblatt der deutschen Metallschwersten kämpfe auf sich nahmen, um die oftmals ungeheuerlichen Zumutungen der Unternehmer abzuwehren, und es ablehnen, sich willen- und fampflos dem Unternehmerdiktat zu beugen. Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes fühlt sich eins mit der einmütigen Willenskundgebung des Kaffeler Verbandstages, den kämpfenden Kollegen jede nur mögliche Unterstützung zu gewähren. Dazu aber ist die Stärkung unseres Verbandes zwingendes Gebot. Relches waren und find unsere Kollegen im Bordertreffender Kollegen, erkennt die Flammenzeichen! In allen Gebieten des ihnen aufgezwungenen Abwehrbewegung. Bon den größeren Kämpfen der letzten Monate nennen wir nur die Streiks chen Industriegebiet, in Hagen- Schwelm, Köln, und Aussperrungen im rheinisch- westfälischen und bergimannheim, Magdeburg. Halle, Leipzig, Oberchlesien, Berlin, in allen Werfforten und vielen anderen Gebieten des Landes. Der Deutsche Metallarbeiterverband ist eine Kampfesorganisation!" Die Durchführung diefer Aufgaben erfordert das Eingreifen der Gefeßgebung gegenüber der Konzernmacht. Sozialdemokratischer Stimmzettel gegen Konzernmacht! Das muß gewerkschaftlichen Kampfes. Aber die Macht des So fämpfen die Metallarbeiter im Bordertreffen des deshalb am 4. Mai die Parole sein. Es gibt feinen Betrieb, in dem Unternehmertums wird nicht im gewerkschaftlichen Kampf Metallarbeiter arbeiten, der nicht in der einen oder der an allein gebrochen! Die Unternehmer verknüpfen sinnvoll ihren deren Form zu einem der großen Konzerne gehörte. In jedem Bewirtschaftlichen Kampf mit dem politischen Kampf. trieb der Metallindustrie muß deshalb für diese Parole geworben werden, die den Gegner an der Grundpofition anfaßt. Im Sie schwächen den Staat, um jede Einwirkung des Staates für die bedrohten Intereffen der Arbeiterschaft unmöglich zu machen. Sie wollen die Demokratie zerschlagen, um die Entstehung einer starten, vom Geiste sozialer Gerechtigkeit getragenen Staatsgegen den Ansturm der Schwerindustrie gewerkschaftlich zur Wehr gesezt haben, müssen sie sich auch politisch zur Wehr segen. Während der Inflationsperiode it in Defender dem Vordertreffen des Kampfes. gewalt unmöglich zu machen Sie die Metallarbeiter fich Deutschland Prozeß der vertikalen Konzentration Industrie in bisher ungeahnten Maße vorwärtsgetrieben worden. Bom Rohstoff, der Rohle und dem Eisen, bis zur feinsten Fertigfabrikation sind Be triebe aller Produktionsstufen zu wenigen großen Konzernen zu fammengeschloffen worden. Das Ausmaß dieser Konzentrations bewegung findet viel zu wenig Beachtung. Der größere Teil der deutschen Produktion ist in der Gewalt von Konzernleitern. Die deutsche Metallindustrie wird fast restlos von großen Konzernen beeinflußt. An der Spize der großen Konzerne stehen Dachgesell fchaften, meist in der Form von Aktiengesellschaften. Diese ano nymen Gesellschaften sind die Besitzer eines großen Teiles des deut fchen Nationalreichtums, ihre Direktoren find Diftatoren eines großen Teiles der deutschen Produktion. Ein Blick in die Literatur über diese Konzerne läßt die Größe der in ihnen zusammengeballten Wirtschaftsmacht erkennen, aber auch die Größe der Gefahr, die diese Konzerne für die deutsche Ent widlung und für die Zukunft der Arbeiterbewegung bedeuten. Sie diftieren die Preife. Sie werden nicht geleitet unter großen volts wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern unter dem Gesichtspunkt des Profits. Sie tönnen auf die Entwicklung der inneren Struttur der deutschen Volkswirtschaft so ungünstig einwirken, daß fie feine ausreichende Lebensgrundlage für die deutsche Bevölkerung mehr darstellt. Sie können einem schwachen Staat gegenüber auf alle gesetzgeberische Regelung in wirtschaftlichen Dingen pfeifen, sei es auf dem Gebiete der Breisbildung, sei es auf dem Gebiete der Sozialpolitik. Es ist nicht nur die geballte wirtschaftliche Macht, die diese Konzerne dem Staat gegenüber start macht, sondern auch die Undurchsichtigkeit der Verfassung und der inneren Beziehungen diefer Ronzerne. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die bisherige Steuer gesetzgebung, die Gesetzgebung über die Kapitalflucht, über den Berfehr mit Devisen diesen Gebilden gegenüber ohnmächtig war. Es muß das Ziel eines jeden um das Gemeinwohl besorgten Staatsbürgers sein, die ungeheure wirtschaftliche Macht diefer Ronzerne staatlicher Kontrolle und staatlichem Einfluß zu gänglich zu machen, damit nicht das wohl und Wehe des deutschen Bolles von der Willfür weniger Wirtschaftsdiftatoren abhängt. Die erste Borauslegung dazu aber ist, daß die großen Konzerne durch. jigtig gemacht werden. Der Kampf der deutschen Metallarbeiter. den Stoße gegen die deutsche Arbeiterbewegung aus. Es hält Das deutsche Unternehmertum holt zu einem entscheiden die Stunde für gekommen, um die verhaßten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter niederzu fämpfen. fchüttelt, ift die Folge der Politik der Schwerindustrie, die im Die schwere Wirtschaftskrise, die Deutschland Kampfe gegen die deutsche Arbeiterschaft voransteht. Diese Wirtschaftskrise erleichtert dem Unternehmertum den Kampf gegen die Arbeiterschaft. Krise und Geldentwertung haben nicht nur die Massen verelendet, sie haben auch die Kampftraft der Dr wirtschaftlichem Gebiete. Die Ereignisse der vergangenen Jahre ganisationen der Arbeiter geschwächt auf politischem und auf lehren der deutschen Arbeiterschaft, daß Hungerlohn, unzureichende Ernährung, Berelendung dem Kampf der Arbeiter um ihren fulturellen Aufstieg nicht neue Kraft geben, sondern ihm Kräfte entziehen. Die Führer des Unternehmertums wissen das beffer, als mancher Katastrophenpolitiker in der Arbeiterbewegung. Als die Massen der Arbeiter durch Krise und Geldentwerung ausgeblutet und ermattet am Boden lagen, haben sie zum entscheidenden Stoß angesetzt. Sie hatten die Zeit gut gewählt! Diefen Stoß müssen die freien Gewerkschaften, aber auch die Bereinigte Sozialdemokratische Partei parieren. Er be droht die soziale und politische. Stellung der deutschen Arbeiterschaft. Der gefährlichste Gegner der Arbeiterschaft in diesem Kampfe ist die deutsche Schwerindustrie. Die Struktur der deutschen Wirtschaft, ihre Veränderung durch den Krieg und die Inflationsperiode haben dazu geführt, daß in der Metallindustrie die stärksten Wirtschaftskräfte sich zufammengeballt haben. Hier fißen die Stinnes und Thyssen, Die Kirdorf und Bögler, die Klöckner und Wolff, die Industriediktatoren, die vom Rohstoff bis zur Fertigwarenherstellung Metallgewinnung und Metallverarbeitung beherrschen. Bei ihnen ist der Geist des Unternehmerhochmuts zu Hause, der in den Arbeitern nur willenlose Maschinen und hörige fieht. Aber dieselbe Entwicklung, die zur Zusammenballung wirtschaftlicher Macht im Lager der Metallindustriellen geRaji Reichstag gefämpft. Die Zusammenfegung des kommenUm den Achtstundentag wird im kommenden den Reichstags entscheidet über die staatliche Einwirkung auf tung der Autorität des Staates gegenüber 2ohn- und Arbeitsbedingungen. Die Behaup der Willtür der großen Industriefürsten hängt davon ab, ob im fommenden Reichstag eine starte fozialdemo fratische Fraktion vorhanden ist. Auf politischem Gebiete fallen die Entscheidungen um die Kampfbedingungen, mit haupt zu rechnen hat. denen die Gewerkschaften, mit denen die Arbeiterschaft übergewerffchaftlicher Kampf und politischer Zwei Aufgaben stehen deshalb vor jedem Metallarbeiter: Kampf. Die Macht, die den gewerkschaftlichen Kampf führt, ist der Deutsche Metallarbeiterverband. Die Macht, die den politischen Kampf führt, ist die Bereinigte Sozialdemokratische Partei. Beide Organisationen gilt es zu stärken die eine in der Werbemo che des Metallarbeiterverbandes, die andere im Wahlkampf! Der Wahlkampf um die Stärke und Macht der Sozialdemokratie im Reichstage ist die notwendige Ergänzung des gewerkschaftlichen Kampfes der Metallarbeiter. Der Wahlkampf geht um die Entscheidung zwischen Arbeiterdemokratie und Schwerindustrie. Nur eine Parteinahme gibt es für jeden Metallarbeiter in diesem Kampfe: Für die Bereinigte Sozialdemokratie, gegen die Diktatur der Schwerindustrie! nalen ein Wahlabkommen mit den Bereinigten Baterländischen Im Wahlkreis Botsbam II haben die Deutschnatio. Berbänden Deutschlands geschlossen. Auf der Kandidatenliste steht an erster Stelle Graf Bestarp, an zweiter Stelle der aus der Volks. partei herausgeworfene Führer der Gelben und der Baterländischen Berbände Geisler, au vierber Stelle Frau Paula Müller- Otfried. Der Dank vom Hause Thyssen. Zum Nachdenken für alle Arbeiter. erflären Schiedssprüche mit zehnftündiger Arbeitszelt für verbind lich. Die Justiz aber hätte fich lediglich im Sinne des§ 11 ber Verordnung über die Arbeitszeit zu betätigen. Statt beffen feiner Absicht zu unterstüßen, eine zwölfftündige Arbeitseit zu erpreffen, ihm bei der Erlangung eines wesentlichen Vermögensvorteils behilflich zu fein, auf Kosten der Arbeitskraft, des Familien- und Kulturlebens der Arbeitnehmer. Dem Band. gericht Lubed stand zu diesem Zmed nur der Beg feiner„ Einst weiligen Verfügung" offen, den es beschritten hat. Mit dem Schlagwort von der„ Boltsgemeinschaft" wollen die Unterperfucht ein Gericht auf Verlangen eines Unternehmers, diefen in nehmer und die politische Reaktion die Arbeiterschaft von der Sozial demokratie atziehen. Bölkische Organisationen, mit Unternehmergeld bezahlt, gehen mit diesem Schlagwort hausieren. Die folgende Bu fammenstellung zeigt, was die Unternehmer unter Boltsgemeinschaft verstchen: I. Mainz, 22. Januar 1923,( Wolff- Telegramm.) Die Abordnung ber Arbeiter und Angestellten von den hyffenschen Berten war heute in Mainz anwesend, um beim General Degoutte gegen die Berhaftung der Leiter ihrer Werte und der Wertsdirettoren zu protestieren und deren fofortige Freilaffung zu verlangen..... Düsseldorf. 26. Januar 1923.( Telegramm.) Die polnisch pretyenden Arbeiter und Beamten der Thyffenschen Berte in Hamborn erklären, nur den Anordnungen der Reichs. regierung und ihrer Werfsleitung folgen zu wollen und machen aus. drücklich auf die Not umb das Elend aufmerksam, die für ihre Fa milien durch die Berhaftung ihres obersten Chefs, Herrn Frig Thyssen, erwachsen tönnen. Fris Thyssen bittet um Mittellung, daß... er nicht alle Briefe Hamborn, 26. Januar 1923.( Frankfurter Beitung".) Herr beantworten tönne, und daher öffentlich seinen Dant aussprechen müffe. Er schließt: Meine Kameraden Arbeiter, Angestellte und Werksleiter und ich stehen alle für unsere gemeinsame deutsche Sache und deutsche Art; wir wollen keine großen Worte machen, aber wir werden jest blei ben und treu." II. Duisburg, 30. November 1923.( Telegramm.) In den ersten Oftobertagen dieses Jahres unternahmen die Unternehmer einen Borstoß, die verlängerte Schichtzeit einzuführen. Die gesamte Ruhrarbeiterschaft wendet sich gegen diese Maßnahme. Rachdem nunmehr seit mehreren Wochen die größte Zahl der Berg arbeiter des Ruhrgebietes der Erwerbslofenfürsorge überwiefen und badurch mit ihren Familien start ins Hintertreffen gekommen find, verfucht es die Gewertschaft Friedrich Thyijen, einen erneuten Borstoß gegen die bisherige Schichtzeit, Arbeitsordnung und sonstigen Bereinbarungen vorzunehmen. Sämtliche Arbeiter wurden ausge fperrt. Rachtem einige Tage verflossen, gestattet sich Herr Diret tor Mommerts und andere Bertreter des Thyssen- Konzerns, ihren Betriebsräten und den Vertretern ber Gewerkschaften folgenden Utas zu unterbreiten: 1.... 2. 8. Die Shihtzeit beträgt: Unter Lage 8 Shunden... leber Tage 12 Stunden einschl. 2 Stunden Bauje. 4. Der Lohn wird auf Grundlage eines Durchschnittslohnes der Ccfamtbelegschaft von 4 Mart je Schicht festgelegt, zuzüglich ein Glebtel unter Lage für die achtstündige Schicht und zuzüglich ein Wiertel über Tage für die zwölfftündige Schicht. 5. 6. Tie Borfriegsleistung muß erreicht werden, um das Abkom men mit der Micum zu erfüllen. Aussperrung, Raub des Achtstunbentags, Lohndrud das war die Antwort des Herrn Frig Thoffen an .feine Kameraden". Das ist die„ Bolfsgemeinschaft", wie die Unter nehmer sie verstehen. Nur eine Antwort ist darauf zu geben: am 4. Mai den fozialdemokratischen Stimmzettel! Ein lehrreiches Beispiel. Die Justiz im Bunde mit den Unternehmern. Das Bübeder Hochofenwert fucht der Arbeiterschaft eine Arbeitszeit von 12 Stunden aufzuzwingen, bei der fich für einen Teil der Arbeiter mit längeren Arbeitswegen eine Arbeitsbereitschaft bis zu 16 Stun ben ergeben würde. Die Di reftion des Hodhofenwerts hat babel natürlich mit dem Widerstand Der Arbeiter zu rechnen, den es in jeder Weise zu brechen fuct. Auch mit Hilfe der Justiz, des Landgerichts Lübed. Als Ergebnis ihrer Bemühungen in dieser Richtung fonnte die Direktion im Inferatenteil des General- Anzeigers" folgende Einstweilige Verfügung des Landgerichts Cübed nom 22. März 1924 befannbgeben: Dem Vorsitzenden des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Berwaltungsstelle Lübec; dem Gewerkschaftssekretär Adolf Löwigt, wird bei einer Haftstrafe von einer Woche für jeben Fall der Zuwiderhandlung verboten, burd) öffentliche Be. anntmachung die Arbeiter, die beim Hodyofenwerk angestellt find, zum Bruche ihres Arbeitsvertrages aufau. fordern. Der Antragsgegner hat die Kosten diefer einstweiligen Berfügung zu tragen." An fich ift diefe Einstweilige Berfügung" für den Arbeitszeit. fampf auf dem Lübecker Hochofenwert belanglos. Bezeichnend ist nur, daß der Antrags gegner", der Genoffe Löwigt, noch oben drein bie Roften tragen foll für die von dem Unternehmer vom Landgericht gegen ihn erlangte Verfügung. Um fo beachtenswerter ist die Tenbenz, den Ar. beitnehmern in ihren wirtschaftlichen Kämpfen durch gericht. liches Eingreifen in den Rüden zu fallen. Selbst wenn man nicht behaupten will, daß das Lübecker Beispiel Schule macht. So ist doch nicht die geringste Garantie bafür geboten, baß das, was hier in Lüd probiert wird, nicht anderswo ebenfalls versucht wird. Die Einftweilige Berfügung fommt daher gerade aur rechten Beit, um nicht nur die Metallarbeiter, fondern die stärkste Gewerkschaft die Intereffen ihrer Mitglieder nicht mit alle Gemertfchaftsgenossen daran zu erinnern, daß selbst dem nötigen Nachdruck verfechten fann, wenn die politifde Macht, die Regierungsgewalt und die Rechtsprechung vom Standpunkt der Unternehmer ausgeübt wird. Die Ant wort auf die Lübecker Berfügung, auf die sich jetzt wieder stärker bemerkbar machenden Tendenzen gegen die Arbeiterschaft, muß da her recht deutlich gegeben werden: Wählt am 4. Mai sozialdemokratisch! Was die Unternehmer wollen. Gegen Tarifverträge und Gewerkschaften. Der Leiter der Breffeftelle der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberperbände veröffentlicht zur Industrie tagung einen Artikel, in dem er darlegt, wie er bie Sozial. politik verstanden wissen will. Er schreibt: Gie muß namentlich innerhalb eines Staates, bem burch zwischenstaatliche Bindungen die allerschwersten Hemmnisse in den Beg gelegt find, die Betriebe und die an diesen beteiligten Ar beitskräfte in den Stand setzen, sich frei zu regen und die Beziehungen der zum Betriebe gehörenden Persönlichkeiten untereinander frei zu be. ftimmen. Das ist eine Forderung, die in guten Betten und bei verständig geleiteten Betrieben immer beachtet ist und blese letteren in bie Lage verfeßt hat, Höchstleistungen hervorzubringen und gleichzeitig eine befriedigenbe Lebenshaltung aller am Werte fchaffenben Kräfte zu gewährleisten. Erst die weitgehende Schema tifierung des deutschen Wirtschaftslebens nach der Revolution hat hierin bedenkliche Aenderungen eintreten faffen. Wenn sich nun verschieden nach Art und Form, verschieden auch nach der Kraft der Entfaltung in der deutschen Wirtschaft eine Abfehr von 3wang und Bindung geltend macht, wenn namentlich bie Regelung des Arbeitsverhältniffes unter Beseitigung ber bislang einzelnen Organifationengewährten Monopolstellung wieder mehr als bis. her durch freie Bereinbarung gesucht wird, dann entspricht das durchaus den Grundsätzen gesunder Wirtschaftspolitit. Aus dem vorsichtigen Stil diefes Artikels ins Deutsche überfeßt, heißt das: die Unternehmer wollen in ihren Betrieben mit ihren Arbeltern ohne Gewertschaften verhandeln und verfahren. Sie wollen nicht verhandeln mit Verbänden, sondern mit zersplitterten Arbeitergruppen. Sie wollen feine Tarifverträge, sondern wollen im Einzelkampf die Arbeitsbedingungen bis zum äußersten verschlechtern. Sie werden die völlige Beseitigung aller Arbeiterrechte im nächsten Reidstag erftreben. Jeder Arbeiter muß beshalb dafür sorgen, daß im nächsten Reichstag eine starte fozialbemotratife Frattion ihnen erfolgreich entgegentreten fann. Um die Lebenshaltung. Die Sozialdemokratie für niedrige Preise und hohe Löhne. Ununterbrochen hat die Sozialdemokratie für eine aus. reichende Lebenshaltung der minderbemittelten Bevöl terung gefämpft. Sie wollte niedrige Preise und hohe Löhne. Sie ist deshalb eingetreten 1. gegen die Bucherpolitit der Kartelle und Syn bitate, die zur Preissteigerung aller Bedarfsartikel geführt hat; 2. für niedrige Lebensmittelpreise durch behörde liche Bewirtschaftung; mietersub, gegen die Goldmieten und die Obdachlosigkeit. 3. für die Wohnungsbewirtschaftung und den Alle bürgerlichen Barteien aber fämpfen für hohe Den Arbeitsvertrag mit achtstündiger Arbeitszeit hat das hoch afen mert gebrochen. Es kann sich dabei allerdings darauf be Preise, niedrige Löhne, Goldmieten und freie Wohnungswirtschaft. Um den Lohn und die Renten vor der Geldentwertung zu rufen, daß die Arbeitszeitverordnung und deren Auslegung durch bie Schlichtungsausschüsse und Schlichter es bei diesem Vorgehen erschüben, hat die Sozialdemokratie wiederholt, zuleht Mitte 1923, An muntert hat. Anstatt in drei Schichten zu je acht Stunden foll träge gestellt, daß Löhne, Gehälter, Sozialrenten und in zwei Sichten zu je 12 Stunden gearbeitet werden. mit awel Unterstübungen wertbeständig zu machen sind. Dritteln der bisherigen Belegschaft. Das lehte Dritte! foll ar Die Regierung hat aber ihre Zusagen nicht gehalten. Sie beitslos bleiben, hungern. Der grundfäßliche Acht hat vielmehr ben Lohndruck durch die Unternehmer gefördert. In ftundentag müßte einen zwölfstündigen Arbeitstag als unben ittlich ausschließen. Die ausführenden Organe der Gefek dem Briefe des Reichsfinanzministeriums an den Reichsarbeitsgebung müßten sich entschieden dagegen wenden, daß bie minister vom 24. Januar 1924, in dem unter Hinweis auf die Ein Notlage der Arbeitnehmer infolge der Krise dazu ausgenußt gaben von Arbeitgeberverbänden gegen die Lohnfestlegung durch die wird, einen Arbeitsvertrag mit 12 stündiger Ar. Schlichtungsausschüsse Einspruch erhoben wird, wird angeregt, beitszeit von ihnen zu er preffen. Rein Arbeiter, der mirt durch eine auf Grund des Ermächtigungsgesetzes zu erlassende fchaftlich frei ist, wird auf dem Wege gegenseitiner llebereinfunft Verordnung die Spruchfähigkeit der Schlichtungsausschüsse bahin einen derartigen Arbeitsvertrag eingehen, feine Gewerkschaft wird einzuschränken, daß über die Lohn- und Gehaltsfäße des Reichs ihn anerkennen. nicht ober nur unter besonderen Borausfegungen hinausgegangen werden darf." Den Streit, den Bruch ihres Arbeitsvertrages, beschließen Die Arbeiter selber, nicht etwa die Gewerfidhaftsfefretäre, die lediglich für die Ausführung der Befchlüffe ihrer Mitglieder au forgen haben. Der Kampf um die Arbeitszeit auf der gefeßlichen Bafis ist Sache der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Mischt der Staat fich dazwischen, müßte er, zumal in der gegenwärtigen Zeit, für die Arbeitnehmer eintreten. Besonders in folchen Fällen, wo die regelmäßige werftägliche Arbeitszeit aus schließlich der Baufen, die Dauer von acht Stunden" um vier Stuns ben überschreitet. Das Reichsarbeitsministerium bzw. feine Schlichter Die Sozialbemotratie hat biefe Absicht der hindert. Dennoch hat die bloße Anregung genügt, um den Biber ftand der Arbeitgeber gegen ausreichende Löhne zu stärken und jene Bohnpolitik zu fördern, die der Automobilfabrikant Henry Ford die leichteste und lieberlichste Art, um einer schwie rigen Situation herr zu werden", nennt, das Bestreben, die Unfähigkeit der Geschäftsführung auf die Arbeiter abzuwälzen". Strafantrag im Zeigner- Prozeß. 3 Jahre Zuchthaus für Zeigner, 4 für Möbius. Leipzig.( Eigener Drahtbericht.) Anschließend an das Gutachten der medizinischen Sachverstän bigen vernahm das Gericht den Untersuchungsrichter Für ihn habe im Falle Friedrichsen tein Zweifel bestanden, daß die Schmucksachen für Minister Zeigner bestimmt gewesen seien. Was die Befürchtung eines Selbstmordes betreffe, fo habe Frau Dr. Zeigner bei einer Unterredung mit ihrem Mann gefagt, daß feine eigenen Parteigenoffen feinen Tod wünschten. Auch Dr. Grat habe Dr. Seigner gefagt, er müsse, wenn er wirklich schuld feir follte, soviel Ehrgefühl besigen und aus dem Leben scheiben. Nach einer Rücksprache mit Dr Alsberg habe Dr. Seigner bem Unter fuchungsrichter von sich aus Mitteilungen von der Bernichtung der Militäraften gemacht, wovon der Untersuchungsrichter feine Ahnung hatte. Frau Dr. Reigner habe bem Untersuchungsrichter gefagt, daß sie den Pelz ohne Wilien des Mannes tabe holen laffen. Um 12 Uhr ergreift der Staatsanwalt bas Wort zur Begründung der Antlage. Bei den Verfehlungen Dr. Zeigners, bie fo gewaltiges Aufsehen erregt hätten, handle es fich nicht um poll. Boften des Ministerpräsidenten jäh unterbrochen; burch seine Ver tische Straftaten, sondern um gewöhnliche Bestechungen. Dr. Zeigners Laufbahn wurde am 28. Oktober durch seine Enthebung vom baftung ftürzte er auch moralisch von seiner hohen Stellung herab. Der Parteimann Zeigner müsse vollfommen ausschalten, es handle fich nur um den Menschen. Der Staatsanwalt feht sich dann mit den einzelnen Bunkten der Antlage auseinander. Die Atten vernichtung stehe für Dr. Beigner infofern günstig, als es fid) um eine impulfive Tat gehandelt habe, bie nur auf Selbstbegünsti gung, nicht auf Begünstigung anderer hinzielte. Eine Berjährung liege jedoch nicht vor. Im Fall Trommer vertritt der Staats anwalt die Ansicht, daß Dr. Beigner Trommer wirklich aufgesucht habe, um ihn zu einer Bestechung zu bewegen. Wenn Geheimrat Kunze von der Angelegerheit auch erfahren habe, fo fei bas mur Mache gewefen. Gegen 3eigner spreche ber Umstand, baß er den Brief Trommers vernichtet und die Sache nicht angezeigt hat. Diel schwerer liege der Fall Brandt. Hier hat Beigner felbft zu gegeben, daß er beim Batetempfang das Gefühl hatte, baß Geld barin fei. Gleichgültig fel, daß Reigner das Gelb weiter ober zurüdoegeben hat. Tatsächlich habe er das Geld angenommen, mie fräter auch die Cans. Damit ist die Bestechung gegeben. Am umstrittensten ist der Fall Friedrich fen, weil hier Möbius und Priborsti ihre Auslagen geändert haben, mas jedoch auf un lautere Beeinfluffung zurückzuführen sei. Auch in diesem Fall liege Bestechung vor. Darauf tommt der Staatsanwalt zur Stellung der Strafanfrage. Da die Bernichtung der Militäratten aus dem Minien heranis zu verstehen lei, fei nicht auf die Hödtftrafe zu erkennen, 6 Monate Gefängnis dürften genügen. Im Fall Trommer beantrant der Staatsanwalt je 5 Monate Gefängnis für 3eigner und Möbius. 3m Falle Brandt und Feledrichfen fönnten auch bei weitgehender Berücksichtigung der Persönlichkeit 3eigners und feiner felbstverfchuldeten Abhängigkeit von Möbius feine mildernden Umstände zuerfannt werden. Der Schaden, den die Bestechlichteil Dr. Zeigners der fächfifchen Regierung und der fächsischen Juffis sugefügt habe Jei ungeheuer. Daher mühte froh, des Bewukffeins, daß eine Zucht. hansstrafe Dr. Zeigner bei feiner Empfindsamkeit äußerst schmer treffen würde, das Gerechtigkeitsgefühl Dr. Zeignets doch selbst eine 3uchthansstrafe als gerechte Sühne für feine Berlehrungen gegeben erscheinen laffen. Möbius aber, der wie eine leile an 3eigner hing und den Berführer spielte, ein Schieber schlimmster Sorte, müsse härter beurteilt werden. Der Staatsanwalt beantragte im Falle Brandt gegen Dr. Zelaner 2 Jahre Zuchthaus für die Annahme des Geldes und ein Jahr Zuchthaus für die Annahme der Gans, für Möbius ent predend 3 Jahre und 1½ Jahr Zuchihaus. 3m Falle Friedrichsen für Dr. Zeigner 1 Jahr und für Möbius 2 Jahre Zuchthaus. Alle diese Strafen zieht der Staatsanwalt in 3 Jahre 3uchthaus für Dr. 3eigner and 4 Jahre 3udihans für Möbius zusammen. 3m Falle Schmal beantragte der zweife Staatsanwalt für Dr. 3eigner 6 Monate Gefängnis, für Möbius 5 Monate wegen Beihilfe. Nach der Mittagsraufe ergreift der erste Berteidiger Dr. Frant das Wort. Er hebt die Menschlichkeit der Rede des Staatsanwalts hervor, ber dem Menschen Dr. Seigner Gerechtigtelt widerfahren laffen und anerkannt habe, daß er nicht aus Hablucht oder anderent egoistischen Motiven fich babe treiben laffen. Aber aus dieser Auf faffung habe der Staatsanwalt nicht bie tonfequenzen exoment. Denn den Motiven, die der Staatsanwalt zugibt, widerspredje feine Forderung nach drei Jahren Zuchthausstrafe; bel niedrigen Motiven hätte die Strafe nicht höher fein tönnen. Auch die Berteidigung fieht in Beigner nicht den Menschen ohne Schuld, ohne Fehler, aber er war mit hohen Idealen befeelt und ist nur burch das Zusammen. treffen von Ereignisfen fchuldig geworden, bie ihn als wehrlofes Opfer in die hand des Möbius gegeben haben. Strafrechtlich treffe Dr. Zeigner mit der Bernichtung der Militärakten fein Berschulden. Außerdem liege Berjährung vor. Im Falle Friedrichsen wurden die Schmud fachen in Abwesenheit Dr. Seigners in feine Wohnung gebracht, ber sie dann wieber zurüdgegeben hat. Die geräuldiole Erledigung auch diefer Angelegenheit war für Beigner gegeben. Eine Bestechung zu fonftruieren, fet ein Ding ber Unmöglichkeit. Im Falle Friedrichfen hat Beigner fo torreft gehandelt, wie bas ein Mann mit gefeffelten Händen tun fonnte. Das gleiche trifft im alle Brandt zu. Im Falle Edmörl liege nichts Strafbares für Dr. Reigner vor: lediglich die Eitelkeit und Buzlucht der Frau habe Er die Hände im Spiele gehabt. Das Bedenklichste ist, wie die be lastenden Aussagen des Möbius zustandegekommen finb. Gr fetbit behauptet, daß der Unterfnungsrichter Dr. Fiebler und Rechtsanwalt Dr Melker ihn dazu veranlaßt haben, die mindestens fart fungeftio auf ihn eingewirkt haben, schon allein durch ihre politische Einstellung. Es mar mindestens ein feltener Rufall, daß Dr. Melker breimal den Möbius auf dem Rorridor bes Untersuchungsgefängnisses trof und ihm zuflüstern fonnte, er möge Beigner belaften. um felbst befreit zu werden, und ihm eine An stellung in Aussicht zu freifen. Aus den Beziehungen des Möbius ju Reigner und aus den Beeinffuffungen durch Dr. Melker erflärten fich bie ersten Auslagen bes Möbius. Im Falle einer liege nichts Strafbares vor; biefer Fall sei nicht erwiesen. Im Wahlkreis Dresden- Baugen ftellte bie Deutsche Dr. Heinze auf. Boltsparte i als Spitentandidat den ehemaligen Justizminister Man fordere sie! Sie wissen genau: die Massary- Zigaretten sind wahrhaff fut. Verlangen Sie sie mit Nachdruck! Heute, morgen, über morgen.Tag für Tag. Überall. Jhr Wunsch ist maßgebend! KLEINE MASSARY 248 Die Plädoyers im Hitler- Prozeß. Das Urteil wahrscheinlich am Montag. Im Hitler Prozeß sprachen gestern zunächst die Berteldi ger Ludendorffs. Dann forderte Juftigrat Kohl für feinen Man banten Brüdner die Freisprechung. Er führte u. a. aus: Am 23. September war eine Sigung Baterländischer Verbände in Berlin, an der Justiziat Claß teilnahm. Claß wies darauf hin, daß die Aufstellung eines Direftoriums notwendig sei. Am 24. Sep. tember war Claß bei Seedt. Seedt lehnte ab. Damit war die Sache für Norddeutschland unmöglich. Am 25. September wat Baron Auffeß bei Claß. Claß bandelte mit Rahr an, weil man dachte, gehts nicht mit Norddeutschland, dann gehts vielleicht mit Nord- und Süddeutschland zusammen. In Berlin wurde ver einbart, daß das 3eichen für einen Butsch im ganzen Reich, der das Direktorium errichten follte, in München gegeben wurde, und dieses Zeichen follte Kahr am 8. November im Bürgerbräufeller geben. Den Kampfbund freilich hat man über diese Dinge nicht informiert, und zwar aus Mangel an Zivilcourage, weil sie sich nicht trauten, offen zu sagen, daß Ludendorff und Hitler ausgeschaltet werden sollen. An der Hand der Rede Kahrs im Bürgerbräufeller sucht Kohl nun nachzuweisen, daß diese Rede tatsächlich das Flammenzeichen für ganz Deutschland fein follte. Rohl beschäftigt sich dann mit dem Einwurf der Zeugen, daß fie im Neben. zimmer des Bürgerbräufellers nur Komödie gespielt hätten. Damit sind die Plädoners abgeschloffen. Es folgt am Donners tag eine furze geheime Sigung, in der Rechtsanwalt Hemeter für feinen Mandanten Wagner bie besonderen Berhältnisse in der Rriegsschule bespricht. Dann soll eine furze Replit der Staatsanwalt fchaft erfolgen, woran fich wahrscheinlich noch einige turze Bemer fungen einzelner Berteidiger schließen. Mit einer Rebe 1tters wird dann der Prozeß geschloffen. Das Urteil dürfte am Mon. tag gefällt werden. Der Berteidiger Ludendorffs, Rechtsanwalt Dr. LuetgebruneGöttingen hat dem Boltsgericht Gutachten ber Universi tätsprofefforen Bornhad Berlin, Geb. Rat v. Hippel- Göt tingen, Geh. Rat Träger- Marburg, Prof. Kohlrausch- Berlin und Gebh. Rat Beling- München überreicht, die sich sämtlich zugunsten einer strafrechtlichen Unschulb Lubendorffs aussprechen. Claf leugnet. Claß der BS- Korr.: Rede. Zu den Ausführungen des Justizrats Kohl schreibt Justizrat Mein Besuch bei Herrn v. Seedt am 24. September 1923, deffen Berlauf übrigens gerichtlich festgelegt ist, galt nicht der Frage des Direttoriums. Hiervon war mit feinem Wort die mit Erzellenz v. Kahr habe ich nicht erst nach diesem Befuch angebandelt", sondern seit dem Frühjahr 1922 Beziehungen unterhalten. Ich wiederhole, daß Bindungen oder ähnliche Abmachungen nicht eingegangen find, also auch nicht wegen etwaigen Losschlagens im Norben für einen bestimmten Zeitpunft. Für mich war jedenfalls die Rede des Herrn v. Kahr am 8. NoDember fein Signal und mir ist auch im Norden niemand be Bannt, für den sie es gewefen fein tönnte. Ich überlasse es Herrn Justizrat Rohl, aus dieser Feststellung die bedingt angekündigten Schlußfolgerungen zu ziehen." Wirtschaft Reichsindex für die Lebenshaltung. 24. März: 1,07 Billionen( unverändert). Der Reichsverband der Automobilindustrie hat nun aur Frage der Einfuhrpolitik folgende Darlegungen veröffentlicht: Die Automobilindustrie hat vor dem Kriege etwa 45 Broz. ihrer gefamten Broduktion nach dem Auslande geschickt. In Fleisch und Blut ist ihr daher die Notwendigkeit übergegangen, alles zu ver. fudjen, um wieder als gleichberechtigter Konturrent auf bem Auslandmarkt mit in vorderster Reihe zu stehen. Böllig un natürlich muß ihr daher der Gebante erscheinen, fich auf die Dauer hinter Einfuhrverbote zu vertriechen und die Stonturrenz mit dem Auslande zu fcheuen. Denn wir tönnen nicht zugleich Auslandsgeschäfte machen und das Ausland selbst vom deutschen Markte abhalten. Aber eins muß gewährt werden, nämlich eine Uebergangsfrist, sich nach den langen Kriegs, Revo lutions- und Inflationsjahren umzustellen, um sich vor allem auch in der Preisgestaltung dem Weltmarkt anpassen zu fönnen. Trotzdem im Reichsverband der Automobilindustrie seit Jahren durch Berhandlungen mit den Material- und Zubehörlieferanten auf das eifrigste an der Senfung der Preise gearbeitet wird(?), waren Oeffentl. Wählerversammlungen Freitag, den 28. März, abends 7%, Uhr: Steglih: Aula der Realschule, Florastraße. Tagesordnung: Sozialdemokratie und Reichstagswahl." Referent: Preußischer Minister des Innern Severing. Neutolla: Ania der Oberrealschule, Emfer Straße 134. Tagesordnung:„ Die Mieter, die Mieten und die Reichstagswahl". Referent: Landgerichtsrat Ruben. alle diese Bemühungen erfolglos, folange die furchtbare Periode ber Inflation alle diese Bemühungen zur Ergebnislosigkeit ver dammte. Erst von Beginn dieses Jahres an, als die neugeschaffene Währung sich als stich und hiebfest erwies, war die Möglichkeit für eine vernünftige Raltuiation und damit die Grundlage für die erforderliche Umstellung der deutschen Automobilindustrie gegeben. Diese Umstellung, verbunden mit der Hergabe der letzten finanziellen Referven, darf aber nicht unterbrochen werden( 1) durch eine zu plögliche Deffnung der Grenzen und die im gleichen Women! erfolgende Leberschwemmung des deutschen Marites mit vielen Taus enden ausländischer Wagen. Selbst das Ausland, mit dem vielfach über diese Frage verhandelt wurde, muß vernünftigerweise aners tennen, daß der deutschen Industrie diese erforderliche Atempause gerechterweise gewährt werden muß. Man darf nicht von heute auf morgen Unmögliches erwarten. Der Umstellungsprozeß wird, wenn er nicht von heute auf morgen unterbrochen wird, in absehbarer Zei dazu führen, daß unter Zugrundelegung eines Sollschutzes, wie ihn durchschnittlich auch das Ausland hat, die Preisspanne zwijdjen ausländischen und deutschen Kraftwagen ganz wesentlich ver. ringert wird. Die Automobilindustrie ist überzeugt, daß sie dann den Kon furrenztampf mit dem Ausland nicht zu fcheuen braucht und daß badurch rech: bald die dem Deutschen nun einmal besonders eigentüm liche Borliebe für das ausländische Fabrikat auf das übliche normale Borkriegsmaß zurüdgebämmt wird. Erfreulicherweise sieht auch unfere Regierung ein, daß der deutschen Automobilindustrie eine gewiffe Uebergangszeit für ihre Umstellung nicht versagt werden barf und daß sie die Berantwortung dafür nicht tragen fönnte, daß durch eine überhaftete Deffnung der Grenzen alle die gebrachten enormen Opfer vergeblich sein würden." den Summen find als Werterhaltungsfonds zuzuschreiben, aus dem die Wiederinstandsegung ber baulichen Anlagen, der maschinellen Einrichtungen, die Auffüllung der Materialläger usw. zu bestreiten ist. Außerdem müssen noch ordentliche Abschreibungen vorgenommen und ebenfalls dem Werterhaltungsfonds zugeschrieben werden. Neben den besonderen Bedürfnissen der Werte selbst muß aber bei der Herabfehung der Tarife auch auf die allgemeine finanzielle Lage der Kommunen Rücksicht genommen werden. Die Rommunen find, folange die finanziellen Verhältniffe ungeklärt find, noch stärker, als es vor dem Kriege der Fall mar, auf die Er. trägniffe ihrer werbenden Anlagen angewiesen. Die Rücksicht darauf fchränkt ebenfalls die Möglichkeit ein, die Tarife in startem Maße abzubauen. Ueberhaupt empfiehlt es sich, bei der Herabsehung der Tarife mit Borsicht zu arbeiten und die Berkleinerung der Breise Schritt für Schritt durchzuführen. Es darf nicht vergessen werden, daß bie Stabilisierung der Mart, wenn auch seit Ende November vorigen Jahres eine Tatsache, doch noch nicht auf allzu festem Grunde ruht. Wir sind, wie in Dingen der Währungsreform, so auch in wirtschaft. licher und auch in allgemein politischer Hinsicht durchaus noch nicht über den Berg. Es können noch mancherlei inner wie außenpolitische bewährte Stabilisierung der Mart wieder ins Wanten tommt. Es ist für die Kommunalverwaltungen deshalb ratsam ,, auf der Hut zu fein und die Einnahmen, die ihnen aus ihren werbenden Anlagen gegenwärtig zufließen, durch Tarifherabsetzungen nicht vorzeitig und übermäßig zu verringern. Ereignilfe eintreten, die zur Folge haben, daß die bisher mühsam Dom Arbeitsmarkt. Die Arbeitsmarttlage Groß Berlins steht weiter im Zeichen andauernder Berbesserung. Hieran sind mehr oder minder fast sämtliche Berufsgruppen beteiligt. Unberührt von der günstigen Gestaltung des Arbeitsmarktes ist die Lage für Handels und Bureau angestellte, soweit es sich nicht um qualifizierte Kräfte, namentlich in leitender Stellung, handelt. Dieses bürfte in der Hauptfache mit darauf zurückzuführen sein, daß die durch die Inflation eingestellten und durch die Einführung der Gold marfwährung entbehrlich gewordenen Kräfte mit Rücksicht auf die allgemeine Belebung zum Teil noch von den einzelnen Arbeitgebern gehalten wurden. Anzeichen einer Besserung zeigt erstmalig auch das Bervielfältigungsgewerbe, in dem vereinzelt der Bedarf an Spezialkräften ungebedt blieb. Insgesamt hat die 3 a hr der Arbeitsuchenden und Unterstützungsempfänger in der Berichtswoche eine weitere erhebliche Abnahme erfahren. Es maren 163 286 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 172 394 ber Bormoche. Darunter befinden fid) 127 365( 133 819) männliche und 35 921( 42 575) weibliche Berfonen. Unterstützungen bezogen 81 905( 95 009) männliche und 15 774( 21 292) weibliche, insgesamt 97 679( 116 301) Perfonen. Die Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 3737 gegen 2421 der Borwoche. beitsmarktlage in der Broving Brandenburg vom 17. bis 22. März: Das Brandenburgische Landesarbeitsamt berichtet über die Ar. Die leichte Befferung in der Arbeitsmarktlage nahm in der Berichtswoche ihren Fortgang. Durchweg ist eine Belebung des Geschäftsganges zu beobachten, die deshalb nicht zur vollen Entfaltung fam, ba allgemein mit Ausnahme der Textilindustrie über Kapitalnot geflagt wird. Die größte 3ahl der Arbeitslosen rekrutiert sich in der Hauptfache aus Schiffern, Bauhandwerkern und ungelernten Arbeitern. Die Landwirtschaft hatte noch immer erheblichen Bedarf an jüngeren männlichen und weiblichen Arbeitskräften, der nicht immer restlos gedeckt werden konnte. Die Bermittlung von verheirateten Landarbeitern scheiterte sehr oft wegen Mangels an Wohnungen. Im Im Bergbau hielt der flaue Geschäftsgang an. 3iegelei gewerbe blieb es bei schwachen Anfäßen der Beffe rung, da bas Frostwetter eine größere Entfaltung nicht zufieß. Im Holz- und Schnittstoffgewerbe hat sich der Ar. beitsmarkt weiter günstig entwidelt. In der Sägewerts. industrie hat sich besonders in der Berichtswoche der Geschäfts. gang gebeffert. In diesen Ausführungen fommt ganz far und deutlich der Wunsch zum Ausdrud, mit Hilfe von Schutzöllen die Mittel zu gewinnen, die eine Umstellung ihrer Produktion ermöglichen. Was es heißt, wenn jetzt scheinbar ganz harmlos ein„ llebergangszoll" verlangt wird, tann man daran ermessen, wie hoch gegenwärtig ausländische Automobile belastet werden. Die erwähnten Ford- Autos, the 1000 Mart foften follen, würden bei dem gegenwärtigen Boll von 80 Goldmart je Rilo na ch ihrer Einfuhr mindestens 10000 mart often! Daß ein berartiger Zollschutz durch und durch ungesund ift, liegt auf der Hand. Die Industrie muß, wenn ihr ernsthaft die Produttion am Herzen liegt, selbst gegen derartige Brohibitiv 3ölle auftreten, nachdem die bisherige Ausschaltung der Konkurrenz bewiesen hat, daß die deutsche Industrie aus ihr keinen Rußen zieht. Fabriken, die zu teuer produzieren, kann das verarmte Deutschland fich nicht mehr leisten, fie bedeuten eine Bergeubung von Argeblieben. beitstraft und Material, also der wertvollsten Vermögens. fubftanz, über die wir noch verfügen. Deshalb muß ble Umstellung beschleunigt werden, und man muß von den Leuten, die früher für die freie Wirtschaft so sehr geschwärmt haben und noch heute von ihr begeistert sind, schon verlangen, baß sie sich soweit treu bleiben, um die guten Wirkungen der Auslandskonkurrenz anzuerkennen, auch wenn badurch für einzelne ungesunde Glieder der Produktion Ber lufte entstehen. Die Tarifpolifit der Gemeindebetriebe. Das Baugewerbe dürfte die Frostperiode wohl überwunden haben, denn die Vermittlungstätigkeit von Facharbeitern hat sich erheblich gesteigert. Auch die Ofenindustrie ist aufnahmefähig Die Tertilindustrie ist mit genügenden Aufträgen für die nächsten Monate versehen, so daß der Geschäftsgang als sehr gut bezeichnet werden kann. Auch zeigt die Sutindustrie eine gute Entwicklung. Das Tabatgewerbe ist weiter gut beschäftigt. Im Ber pielfältigungsgewerbe ist ein weiterer Rückgang von Ar beitslosen zu beobachten. Der gesunde Bohnenkaffee ErsatzZu jeder Tageszeit Motasan Die Angst vor der freien Konkurrenz. Es ist noch gar nicht so lange her, feit unter der Devise: eran an die Weltmarttpreise" bie Unternehmer in Industrie, Handel und Landwirtschaft jeden Eingriff des Staates in die Preis. bildung von sich wiefen. Heute hört man andere Töne. Die Regie rung beabsichtigt nämlich, von dem System der Einfuhrverbote ab zugehen und die 3ölle wieder zu einem Mittel der Handels- und Wirtschaftspolitik zu machen. Das wird vom Anfang des nädyften Jahres ab möglich sein, ba bann die im Friedensvertrag Deutschland auferlegte meist begünstigung gegenüber allen Ententestaaten erlischt und wir dann wieder eine felbständige Handelspolitit treiben rönnen. Schon jetzt, während die Vorarbeiten zur Neugestaltung bes Bolltarifes im Gange find, rüsten alle Interessentengruppen, um mög. ichst viel für sich herauszuholen, und insbesondere ist es die In dustrie, bie nun faft volle 10 Jahre, während des Krieges und während der Balutablockade, eine Konkurrenz des Auslandes faum gefannt bat und troß der niedrigen Löhne bereits über den Welt marktpreisen steht, die jetzt einen umfassenden Zollschuh verlangt. Jest auf einmal find die Weltmarktpreise nicht hoch genug, und die liebe freie Ronkurrenz ist, wo sie den Berbrauchern billige Breife bringen tann, ein gefährlicher Schaben für die deutsche Wirtschaft. Water Staat, bem man das Recht zur Kontrolle und Beaufsichtigung ber Wirtschaft bedingungslos abgesprochen hat, barf, ohne des Margismus" verdächtigt zu werden, den Bolizisten für die industriellen Intereffen abgeben und die Profitrate steigern helfen, wenn die Industriellen erklären, daß die Preise nicht ausreichen. Mis Mittel der Handels- und Produktionspolitit werben 38lle nie gang zu entbehren fein; befonders nicht heute, wo eine große Zahl Auch die öffentlichen Unternehmungen, insbesondere von Staaten die Einfuhr deutscher Probufte mit hohen Zöllen belegt die Gas, Waffer und Eieltrizitätswerte der Kommunen, thre hat, wird Deutschland fich nicht den Lugus leiften fönnen, von jedem Straßenbahnen usw. mußten bas oben gekennzeichnete Spiel mit anderen Staat Waren unverzollt hereinzulassen. Man fann nun machen. Sie steigerten während der Inflationszeit dauernd ihre Bölle als Mittel einer gemeinwirtschaftlichen Wirtschaftspolitik und als Tarife. Als die Stabilisierung der Mark einfegte, waren sie ebenMittel zu einer Annäherung der Bölter benutzen, man tann sie aber falls zum Teil überhöht und müssen jest bieber abgebaut wer auch zu einer einseitigen Belastung ber breiten Berben. In Berlin z. B. werden am 1. April die Gas-, Wasser. und Elettrizitätspreise erstmalig ber abgefest( Gas auf 19 Pf., Elet brauchermaffen und zur Austragung internatiotrizität auf 18 Bf. mit Grundgebühr). Andere Städte haben mit nater tapitaliftifer 3ntereffentonflitte anwenden, ber herabfegung schon früher begonnen. ohne daß für die Boltswirtschaft bes betreffenden Bandes irgend Bei dem Abbau der Tarife sind zwel Bunkte vorzugsweise zu des Vorwärts" sind welder Rugen entspringt. Gegen die letztere Art der Zollpolitit bat berüdfichtigen. Der erste ist die Lage der Unternehmungen bie Sozialdemokratie felt jeher auf das schärfste Einspruch erhoben. felbft. Die tommunalen Werte haben während des Krieges und ber und sie wird es auch in Zukunft tun. Eine Zollpolitit, die nur be. nachfolgenden Inflationszeit große Einbuße an Substanz erlitten. stimmt ist, ber Brivatwirtschaft zu dienen und die Kosten der Die meisten von ihnen sind seit 1914 niemals orbentlich erneuert und Währungsfanierung ebenso auf die breiten Maffen abzuwälzen, wie ergänzt worden. Diefer Verlust an Substanz muß erst wieder gutman ihnen die Inflation auferlegt hat, in jebem Falle zu bekämpfen. gemacht werden. Die Unternehmungen haben zum Teil nur papier. Intereffant sind die Borgänge, bie fich jetzt innerhalb der Auto. martichulden, d. h. fie find praktisch schuldenfrei. Dennoch muß bei ber Selbstkostenberechnung ein Bosten für Berzinsung und Tilgung mobilindustrie abspielen. Es heißt nämlich, daß der Ameribes Friedensgoldwertes mitaufgeführt werden. Nur ist der Betrag faner Henry Ford beabsichtige, seine billigen Automobile in Deutsch für Berzinsung und Tilgung nicht an irgendwelche Gläubiger abzu Sanb zu einem Preise von etwa 250 Dollar pro Stüd einzuführen. führen ble ja tatsächlich nicht existieren, sondern die betreffen Während der Inflationszeit fletterten die Warenpreise immer rafcher nach oben. Sie eilten jogar bem Dollarturs voraus. Als die Papiermart plöglich Ende November vorigen Jahres stabilisiert wurde, waren alle Warenpreise start überhöht, weil die Wirtschaft mit einer noch weiteren bedeutenden Berminderung des Markturfes wir uns noch heute befinden. gerechnet hatte. Es begann jene Periode des Preisabbaues, in der Weiche mit Henko die Wäfche ein! LEINE ANZEIGEN In der Gesamtauflage besonders wirksam und trotzdem sehr billig! Neu eröffnet! Damen, Herren, fern und nah, Eilt zu FERG G. m. b. H. 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