Abendausgabe Nr. 148 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 74 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 27. März 1924 Berlag und zeigenabteilung) Geschäftszett 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Aufmarsch der Induſtriekapitäne. Vorbereitung der Wahlen. was die Epoche des Währungszerfalles gekostet hat, der Deckung des notwendigen inländischen Bedarfes gilt es, qui dem Weltmarkt im friedlichen Wettbewerb zu ringen, um des, dessen wir bedürfen. Daß es ohne ein Höchstmaß reichen ist, ist Blar. 17 Nur mit dem innersten Widerstreben und nur in der Erkenntnis der Unabwendbarkeit hat die Regierung der Bevölkerung diese wie andere schwere Lasten auferlegt. Glaubt nun einer von ihnen, Was sich heute im Hause der Oper am Königsplatz abspielt, ist schleier der Inflation zerrissen ist, die Lage unserer Wirtschaft und auf eine blühende und leistungsfähige Industrie angewiesen. Neben fymptomatisch für die weitere Entwicklung der Berhältnisse des Staates prüft, der weiß, im deutschen Unternehmertum. Die Großorganisation der Industrie hat sich mit der Vereinigung der Arbeitgeberverbände, die sozusagen kaufmännische Abteilung mit der scharfmacherischen zu einem Kongreß zusammengetan. Der Reichskanzler, der Arbeitsminister und der Wirtschaftsminister sind zu Gast geladen. Neben ihnen sah man Dr. Stresemann, Dr. Jarres, Luther, Deser, Graf Kaniz, die preußischen Mihifter v. Richter, Siering und Hirtfiefer, den Chef der Heeresleitung General v. Seedt, Oberbürgermeister Böß und die bekanntesten Führer der bürgerlichen Parteien beider Parlamente. Außerordentlich zahlreich war auch das Militär mit einer Reihe von Befehlshabern vertreten. Der frühere Krupp- Direktor und volksparteiliche Rechtsmann Dr. Sorge hielt die Begrüßungsansprache. Wir sehen die deutsche Zukunft dunkel und unsicher vor uns liegen. Nur ernsteste Arbeit, festester Wille, äußerste Sparfamkeit und nationale Geschloffenheit fönnen uns vor weiterem Niedergang bewahren. Durch Stabilisierung unserer Währung und Schaffung der Goldnotenbank ist die Hoffnung auf Gesundung gekräftigt. Der angedeutete kaum wirklich begonnene Aufstieg kann aber nur fortgeführt werden, wenn der fann nicht im Zweifel darüber sein, daß kein vernünftigere i stungen an Kopf- und Handarbeit nicht zu er Mensch in Deutschland daran gedacht haben kann, uns zu solchen wahnwitzigen Methoden der Selbstenileibung zu treiben. Seit Kriegsende war unser aller Sinnen und Trachten die Aufrechterhaltung unseres nationalen Daseins, die Schaffung eines neuen lebensfähigen Reiches auf den Trümmern des alten. Wenn wir heute etwas aufzuatmen vermögen, wenn nach den langen Jahren fehlgeschlagener Hoffnungen darf, dann ist es und ich glaube da feinen Widerspruch zu er= wieder etwas Zuversicht in die Zukunft in unsere Bruft einziehen fahren doch nur deshalb, weil es uns gelungen ist, wieder etwas festen Boden unter die Füße zu bekommen, weil wir wieder mit Pfennigen rechnen können und nicht mehr unterzugehen drohen im Strome der Billionen ziffern. Wir haben noch einen langen schweren Weg zu gehen, ehe wir wieder aufatmen. tönnen. Kaum einige Wochen trennen uns noch von jenem entscheidenden Tage, von dem schon der verehrte Borfizende sprach, an dem der Bestand des Reiches vor neue Ungewißheit und Unruhe gestellt sein wird. Mit wehem Herzen, aber voll Stolz, gedenken wir unserer Brüder an Rhein und Ruhr. Deutsch ist das Land und deutsch, nur deutsch und echt deutsch sind feine Bewohner.( Lebhafter Beifall.) Dort schlägt das Herz der deutschen Wirtschaft, ohne daß Deutschland nicht leben und nicht damit verbundenen Fragen der Reparation, müssen endlich in Einklang mit den Forderungen der Bernunft und Gerechtigkeit entschieden werden, damit die Menschheit Das frei aufatmen und friedlicher Arbeit sich zuwenden kann. deutsche Belt aber ist wie immer seither gewillt, die aus dem verlorenen Kriege fich ergebenden Folgen bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit auf sich zu nehmen. Bon dieser Last aber haben wir alle unser schweres Teil zu tragen. Ich fann es verstehen, wenn das innere Gefühl manches guten deutschen Mannes sich aufbäumen möchte in dem Gedanken, daß diese Lasten ihren Ursprung nehmen aus der Lüge von der alleini gen Schuld Deutschlands am Weltkriege.( Lebhafter Beifall.) Wir müssen uns die Frage vorlegen, wie wir so sicher und schnell als möglich aus dieser wirtschaftlichen und politischen Erdrojjelung herauskommen, in die wir so tief verstrickt sind. Das Urteil jedes Einsichtigen wird dahin gehen müssen, daß außenpolitisch der auf uns lastende Drud gemildert wird und wenn das deutsche Volk seine innere Zerrissenheit überarbeiten kann. Die Fragen, die dort der Lösung harren, und die windet. Unsere Aufgabe ist es nicht, Schwierigkeit und Unklarheit der politischen Lage zu behandeln. Aber es muß auch hier ausgesprechen werden, daß ohne rasche und klare Lösung der Repa rationsfrage Deutschlands Wirtschaft in wenigen Wochen vor der schwersten Krise stehen wird. Im Vordergrund der Gefahren stehen die Micum Berträge, die untragbar sind. Es ist erflärlich), wenn von den erwarteten Vorschlägen der ausländischen Sachverständigen nicht allzu viel erwartet wird, obwohl zum ersten Male sich hier ein Gremium von als hervorragend bekannten Wirtschaftlern und getragen von dem festen Willen eine Lösung zu finden, mit der Frage beschäftigte. Bor optimistischen Erwartungen muß gewarnt werden. Die Industrie muß sich der drohenden neuen Belastung bewußt sein. Voraussetzung für die Aufnahme Dieser Lasten muß sein, daß Umfang und Form nicht zu einer vollen Preisgabe der wirtschaftlichen Selbständigkeit Deutschlands führe. Die von uns geforderte Sicherheit kann also nur in einer ablösbaren Berpfändung, nicht in einer dauernden Enteignung gewährt werden. Bur Durchführung der mit den zu erwartenden Leistungen verbunde nen Maßnahmen ist die Geschlossenheit des deutschen Voltes Voraussetzung. Wenn gesagt wird, daß die Industrie nicht opferwillig genug für intellektuelle Aufgaben sei, so ist das zu be= dauern und zurückzuweisen. Die gemeinsame Tagung der beiden großen Spizenorganisationen soll für eine enge und verständnisvolle Zusammenarbeit eintreten. Staatsautorität, verständige Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die großen kulturellen Aufgaben des gesamten Volkes find die drei Themen, deren richtige Behandlung für die Zukunft Deutsch'ands nach Lösung der außenpolitischen Fragen lebenswichtig ist. Die Gebiete der Sozialpolitik und der Wirtschaftspolitik überschneiden sich und greifen gleich zeitig auf das von allen Lebensfragen untrennbare politische Gebiet über. Sowohl die Sicherung der Staatsautorität wie die 3u= sammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeit= nehmern bedürfen bei uns in vielem der Besse rung. Bei Zweifeln über den Weg sollte doch darüber eine einheit Liche Auffassung sein, daß Meinungsverschiedenheiten nicht iden'isch find mit Berschiedenartigkeit der Gesinnung und der erstrebten Ziele. Wir müssen uns daran gewöhnen, in abweichenden Meinungen nicht ohne weiteres abweichende Gesinnung zu erblicken und uns bemühen, fachlich und vorurteilslos die Gedankengänge anderer zu prüfen. So werden wir viele Schärfen vermeiden und die Möglichkeit der Berständigung vergrößern, Hierauf ergriff der . Reichskanzler Mary mit lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort und führte etwa folgendes aus: Ich benutze gerne den Anlaß dieser bedeutsamsten Kundgebung der gesamten deutschen Industrie, um einige Probleme zu erörtern, die mir als im Augenblick brennend und entscheidend für die Zukunft unseres Volkes besonders am Herzen liegen. Das Hauptproblem der gegenwärtigen Wirtschaftslage darüber dürfte wohl nur eine Stimme sein ist die Aufrechterhaltung unserer Währung: sie bildet den Ausgangspunkt eines jeden Wirtschaftsauf baues. Mit ihr steht und fällt unsere Zukunft. Sie alle wissen, welche harte Maßnahmen erforderlich waren, um den Notdeich gegen die Vernichtung unferer nationalen Existenz, gegen die furchtbare, von uns freilich nicht verschuldete Währungszerrüttung aufzurichten. Niemand ist sich mehr bewußt, als das gegenwärtige Kabinett, daß es sich hier um einen unter dem Drud einander überstürzender Ereignisse errichteten Notbau handelt, der nicht allen Anforderungen entspricht, der ohne Zweifel noch Mängel aufweist und der Ausbesserungen bedarf, sobald der Druck der Verhältnisse es zuläßt. Heute aber, wie von mancher Seite gefordert worden ist, jetzt wesentliche Aenderungen an dem zu errichtenden Bollwert vornehmen zu mollen, das wäre nationaler Selbstmord. Keine der schweren Verantwortung für das Geschick des Volkes bewußte Staatsleitung könnte ein solches Unternehmen zu lassen. Man hat auch im Auslande böswillig oder mit Kenntnis der Sachlage die Meinung verbreitet, die deutsche Regierung, die deutsche Industrie, habe den Zusammenbruch der Währung absichtlich herbeigeführt. Durch diese diabolischen Mittel scharrien andere ingeahnte Reichtümer zulammen. Wer heute, nachdem der Nebeluns jede Gewalfanwendung nur noch tiefer in das Unglüc hineintreibt; denn mit Spazierstöden fönnen wir nicht gegen Tanks und schwere Geschütze ankämpfen. Nur durch einen Appell an die wirtschaftlichen Vernunft der Welt, der sich auswirkt in schwierigen Verhandlungen über dasjenige, was Deutschland an Reparationen zu leisten vermag, können wir etwas erreichen. Bon diesem Gedanken getragen, hat die Reichsregierung die Sachverständigenausschüsse in Paris durch Bereitstellung von Material und durch Entiendung von Auskunftspersonen zu fördern gesucht. Die Gerüchte, das ist ohne weiteres flar, wonach die Reichsregierung sich schon gebunden habe, find unrichtig. Ich lege Wert darauf, hier festzustellen, und zwar nach allen Richtungen hin, daß wir ben fommenden Sachverständigengutachten in voller Freiheit der Entschließung gegenüberstehen.( Bravo.) So stehen wir 9 wieder vor neuen schweren Entscheidungen, die vielleicht unser Volf in harte innere Kämpfe führen. Leicht ist es in den Tagen des Glücks, seinem Lande zu dienen, lobenswerter aber, in den Tagen der Drangfal es nicht zu verlassen. Mehr als je ist das deutsche Volk in seinen Eristenzmöglichkeiten daß man draußen für uns in die Schranken tret n würde, wenn wir durch Innehaltung des achtstündigen Arbeitstages nicht zu erfüllen vermöchten? Man soll die Schuld suchen, wo sie ist, nicht aber bei uns. Das deutsche Volk ist und bleibt eine Schicksalsgemeinschaft, in der alle Schichten auf gemeinsames Gedeihen und Verderb unlöslich miteinander verbunden sind. Wer diese Verbundenheit zu jamkeit, auch nicht im Sinne feines eigenen wohlverstandenen Interfprengen versucht, der handelt nicht im Sinne wahrer Boltsgemeinesses; um eines furzen Augenblidserfolges trägt er 3wiespali in die Reihen feines Volkes, das im Daseinstampfe steht. Es geht um Höheres, als um den Streit, wer Herr und wer knecht sein soll. Nach dem Kanzler sprachen noch Reichswirtschaftsminister Hamm und Reichsarbeitsminister Dr. Brauns. Für die Republik, aber gegen den Sozialismus. Ueber Staat und Wirtschaft sprach der Stinnesmann Generaldirektor Vögler: Die Industrie habe das größte Interesse an einem gefestigten Staatswesen.(?) Wenn die Industrie eine politische Richtung verfolgt hat, so sei es die, die alten Grundsäge bewährter Wirtschaftsführung wieder herzustellen und in Einklang zu bringen mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen. Die fulturellen Einrichtungen und Aufwendungen, die Lage des Mittelstandes seien direkt abhängig von der Höhe der Produktion. Als die Produktion um 30 Proz nach der Revolution sank, wurde ein Drittel unseres Mittelstandes arbeitslos, soweit er nicht im Leerlauf der Wirtschaft und des Staates verwandt wurde. Es fönne also auch in Zukunft eine Befferung der Lage der Arbeiterschaft und des Mittelstandes nur davon erhofft werden, daß die Industrie ebenso wie die Landwirtfchaft wieder voll in Gang fäme und mit Ertrag arbeite. Es wäre verhängnisvoll, wenn es einer gewiffen parteipolitischen Berhekung gelingen würde, einen Sozialismus des Mittelstandes wach zu rufen. Diese Demagogie würde dem Mittelstande selbst und dem Vaterlande schwersten Schaden zufügen, so wie die fozialpolitische Hehe der letzten dreißig Jahre endgültig zum schweren Schaden der Arbeiterfchaft und unseres ganzen Volkes, die Wirtschaft eingeschlossen, ausgeschlagen sei. Das politische Interesse der deutschen Industrie sei in der Borkriegszeit, wo der Staat die privatwirtschaftliche Ordnung anerkannte und den Schuß der nationalen Arbeit aufKonflikts eingestellt gewesen. Die Parole des Klaffenrecht erhielt, vor allem auf die Beilegung des sozialen fampfes und des Klassen basses habe letzten Endes den Zusammenbruch des Staates herbeigeführt. Die Judustrie mußte zu den nachrevolutionären von der sozialistischen Tendenz beherrschten Staat in Opposition treten. Man wirft der Industrie vor, keine politischen Ideen gehabt zu haben. Aber die Grundvorstellung, die sie von Staat und Wirtschaft gehabt habe, habe sich als richtig erwiesen. Die Industrie werde den heutigen Staat freudig unterstützen, wenn der Staat den Kampf gegen den Klaffenhaß aufnimmt, das Volk von dem sozialistischen Wahn freimacht, auf ein gegenseitiges Verstehen der verschiedenen Berufe und Volksschichten hinwirkt und das Gefühl der nationalen Gesinnungsgemeinschaft fördert. Die Industrie lege den größten Wert gerade auf diese geistige Erneuerung unseres Volkes..." Kasperle- Theater in München. Ludendorff will nach Walhalla. BS. München, 27. März. Die Angeklagten haben ihren ursprünglichen Entschluß, auf das letzte Wort zu verzichten, wieder umgestoßen, nachdem Hitler eine große Rede angekündigt hatte. Beim Erscheinen im Gerichtssaal wurde Hitler lebhaft begrüßt; feine jüngeren Anhänger standen stramm, während die Damen mit den Taschen= tüchern winften. Oberstleutnant Kriebel nahm als erster das Wort: Er sei in der schwersten Lage, da er seine Verteidigung am stärksten habe teschränken müssen. Die Staatsanwaltschaft hat auf meine Lage feine Rücksicht genommen. Wenn die Staatsanwaltschaft nach jeder geheimen Sizung behauptet, der Marsch nach Berlin sei nicht ge plant gewesen, so ist das nur eine Geste. Ich erkläre am Prozeßende feierlichst: der Marsch nach Berlin war vorbereitet. Der Staatsanwalt hat behauptet, ich hätte mehr gewußt als ich gesagt habe. Ich bin als Angeklagter mehrlos und kann auch von den Mitteln nicht Gebrauch machen, die mir als Offizier gegen einen Beleidiger meiner Ehre sonst zur Verfügung stehen. Ich bin als Offizier in Ostafrika schon im Feld gestanden, als die Altersgenossen des Herrn Staatsanwalts noch auf der Schulbank faßen. Für das, was ich am 8. und 9. November angeordnet, über. nehme ich jede Berantwortung und bitte den Herrn Staatsanwalt, daß die Haftbefehle gegen meine Freunde aufgehoben werden. Was ich getan, halte ich für richtig Ich würde es heute nochmals tun. nur durch die Tat fann Deutschland geholfen werden. Unjere Tat ift gescheitert an der Lüge und dem Workbruch dreier ehrgeiziger Gesellen, Borf.: Diesen Ausdrud rüge ich. Darauf nahm Oberlandesgerichtsrat Pöhner dus Wort: Ich habe ein gutes Gewissen und schäme mich meiner Lat nicht. Was war denn das für ein Staat, der im November 1918 geschaffen wurde? Ein Volksbetrug von Juden, Deserteuren und bezahlten Landesverrätern ist verübt worden. Diese Regierung ist feine von Gott gewollte Obrigkeit im christlichen Sinne, sondern es find Gewalthaber, wie die Franzofen am Rhein. Erotische Machthaber sind diese raffenfremden Gesellen. Der sogenannte Reichspräsident ist nicht vom Volk gewählt, sondern von einem Klüngel auf den Thron gesezt. Er hat Hochverrat getrieben, wie ein Verfahren bewiesen hat! Vors. Es besteht noch ein Verfahren gegen Dr. Gansfer. Pöhner: Man will das Verfahren vor willfährigen Gerichten in Berlin aufziehen. Das ist ein Beweis mehr, daß es sich um Pseudo- Obrigkeiten handelt. Diese Obrigkeiten waren nicht die Träger einer sittlichen Staatsidee. Ich weiß, wie hohe Staatsbeamte darauf bedacht waren, aus dem Staatsbetrug Borteile für fich herauszuschlagen. Wer von den Beamten ist denn bereit, für die nene Obrigkeit zu fämpfen und zu sterben? Ich habe diese Frage einem Ministerialdirektor in Berlin vorgelegt, ob er bereit fei, für den Ebert. Frigen zu sterben. Das verneinte er und so ist diese Obrigkeit für mich erledigt. Ich bekämpfe sie und habe diese Anschauung meinen Borgesetzten fogar schriftlich gegeben, als man mich über den Slaatsgerichtshof und das Republik-Schutzgesetz befragte. Ich sollte vor dem Staatsgcrichtshof erscheinen, vor dem Revolutionstribunal, dem ich keinen Geborsam schulde. Ich habe das ab- gelehnt. Das Repuhlik-Schutzgcsetz ist nur unter der Falschheit der Volksvertreter durch den Druck der Straße entstanden. Das Justiz- Ministerium, dem ich meine Auffassung unterbreitete, hat mein Fehlen vor dem Staatsgerichtshof entschuldigt. Was ich getan habe, tue ich jederzeit noch einmal. Vors.: Die Bezeichnung„Ebert-Fritze"' ist beleidigend. Haben Sie das beabsichtigt?— P ö hn e r: 21 ch nein, das ist so eine Redensart. Ich kann ja auch Fritz Ebert sagen. Der Angeklagte Obcramtmann Dr. Frick erklärte nochmals ausfuhrlich, daß er nur leine Pflicht erfüllte. Dem Urteil meines Volkes sehe ich getrost entgegen. Dr. Weber behauptete: Das Unternehmen vom 8. November sollte im Sinne Kohrs, Lossows und Seißers durchgeführt werden. Nachdem die drei Herren das heut« bestreiten, zeihe ich sie de? schweren Sünde, daß sie uns nicht aufgeklärt haben. Das Blut vom S. November klebt nicht an unseren Händen. Unser ganzes Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, die ketten zu sprengen, die uns erwürgten. Aber nicht durch papierne Proteste. Erst wenn wir unser Haus gesäubert, können wir uns ein« neue Hausordnung schaffen. Dr. Weber betonte dann nochmals, daß die Mitglieder des„Ober- land" nichts gewußt, sondern nur ihm blindlings gehorcht hätten. Das Tragische am g. November ist, daß deutsche Männer- worte keine Geltung mehr, haben, selbst wenn sie einem General Ludendorfs gegeben sind. Deutschlands Jugend fragt, ob das noch«in Staat ist, an dessen Spitze Männer stehen, die ihr Vaterland Feinden in Ost und West in die Hände spiele« wollen. Deutschlands Jugend hat fünf Jahre gewartet. Sie wird nicht rasten und ruhen, bis Deutschlands Ehre wiederher- gestellt ist. Nicht durch Erfüllung, sondern durch das Schwert. Zwei Männer sind uns geblieben: Ludendorfs und Hitler. Ich rechne es„Oberland" als Ehre an, daß wir unsere Treue zu ihnen mit Blut besiegeln dursten. Hierauf erhob sich General LuSenüorff und gab folgende Erklärung ab: Mein SZerhalten in jenen tragischen Ta�en liegt g ra dl i« n i g und offen vor Ihnen. Das, was meine Freunde getan haben, kann kein Hochoerrat sein. Wie es auch immer sein mag, ich bin stolz, das Schicksal dieser Männer hier teilen zu können. Kraft meines Rechtes als Angeklagter, traft des histo- tischen Rechtes möchte ich einige Worte aus dem Herzen zu Ihnen sprechen, aus dem Herzen eines Mannes, der mehr erlebt hat, als Sie all« hier im Saal. Man sieht in mir Tannenberg, man sieht in mir ander« große Schlachten; man erblickt in mir den Zier- treter des alten Heeres, an das sich ewiger Ruhm bindet. Was Sie aber nicht sahen, ist meine Lebensarbeit, ist mein Ringen und Kämpfen um die Zukunft des deutschen Lölkes. Vor 20 Iahren kam ick) in den Großen Generalstab in Berlin und hatte Aufmarschpläne zu bearbeiten. Schon damals erkannte Ich. daß wir nicht stark genug waren, für«inen großen Krieg an mehreren Fronten. Am 21. März 1904 begann mein Ringen für mein deutsches Volk. 1912 kam die große Wehrvorlag«, die für unser Schicksal entscheidend geworden ist. Uns fehlten drei Armeekorps. Meine Warnungen damals, daß wir den Kampf an mehreren Fronten ohne diese Truppen nicht aufnehmen konnten, drang nicht durch. Man war an maßgebenden Stellen in wirtschaftlichen Er- wägungen zu sehr befangen. Zch wurde aus dem Generalstab v e r- setzt. Mein kommandierender General erhielt einen Kurierbrief, er sollte mir Disziplin beibringen, deshalb, weil ich nur für mein Vaterland kämpft«. Die verantwortlichen Stellen sind sich damals ihrer Pslicht gegenüber Deutschland nicht bewußt gewesen. Sie erzogen unser Volk nicht und ein nichterzogenes Volk muß untergehen. Dann kam der Weltkrieg. Nachdem viel Gut und Blut vertan war. wurde Ich berufen, an die Seite des Herrn Generalfeldmarschalls den Krieg zu führen mit einer Macht, die ich schon im Frieden für un- nügend gehalten hatte. Ich verlangte, daß jeder Deutsche seine Pflicht tu«, in der Heimat sowohl wie im Felde, und so kam das Hilfsdienstgesetz. Das Volk aber wurde wiederum n i ch t a u f- geklärt. Es wandt« sich) gegen mich, der iäz für feinen Ruhm kämpfte, weil ich mehr von ihm verlangte, als jemals von ihm ver- langt worden war, weil ich vom Volk« forderte, daß für sein« Zu- kunst und seine Ehre kein Opfer zu groß sein dürfte. wieder waren die verantwortlichen Stellen ihrer Ausgabe nicht gewachsen. Das Unglück kam. Jeder Deutsche hätte jetzt die doppelte Pflicht gehabt, seinem Vaterland zu dienen. Aber nur in der völkischen Bewegung gab es Männer, die dazu bereit und geeignet waren. Di« Angeklagten sitzen hier. meine Herren, vor Ihrem Richterstuhl. Aber sie sitzen auch vor dem Richterstuhl der ZVeltgeschichte. Die Weltgeschichte schickt Männer, die für ihr lvalerland gekämpft haben, nicht auf Festung, sondern sie schickt sie nach Walhall. Ich erhebe vor oller Welt nochmals meine Stimme und rufe Ihnen in ernstester Stund« zu: wenn die völkische Bewegung sich in Deutschland nicht durchseht. sind wir verloren für ewige Zeiten, denn vor uns steht ein Versailles und droht eine Versklavung an Frankreich, wir werden ausge- strichen aus der Reihe der Nationen. Hören Sie diesen Schrei der deutschen Seele nach Freiheit! Denken Sie, daß der Tag der Urteilsverkündung der 31. März auch der Geburtstag des Altreichskanzlers ist, der sich auf Volt und Armee stützen konnte. Geben Sie diese Männer, die vor Ihnen sitzen, dem Volke wieder. Denn die Aufgabe dieser Männer ist es, das Volk zu erziehen. Nicht das Wort, nur die Tat kann Meltge- schichte machen. fGrohe Bewegung im Zuhörerraum.) Hierauf erhielt Adolf Hitler das Wort: Der Staatsanwalt sagt:„Freilich war das. was im November 1918 geschehen, die Verdrängung der Bundessllrsten durch den Rat der Volksbeauftragten, ein Verbreckzen des Hoäzverrats. Wein da- mals ist die neue Regierung in kürzester Zeit im ganzen Reich durch. gedrungen, die oberste Regierungsgewalt lag tatsächlich in der Hand der Volksbeauftraqten und damit war der tatsächliche Zustand in einen rechtlichen Zustand umgewandelt." Wenn diese Theorie zur Wirklichkeit und zum Recht würde, dann würden die Fesseln Deutschlands nimmermehr gelöst werden. Macht ist niemals identisch mit Recht. Im April 1919 stürzte ein kleiner Haufen von verbrecherischen Seelen die Revolutionsregierung und richtet« eine neue auf. Die Sowjetsahnen wurden heroorge- zogen und die Männer setzen sich ohne Zweifel in den Besitz der tatsächlichen Macht. Trotzdem bestand diese Gewalt nickst zu Recht, und wenn die Sowjetgewalten ganz Deutschland und ganz Europa ersaßen würden, einmal käme doch der Tag, an dem sie stürzen würden Das gleiche finden wir in Ungarn. Was hat nun z. B. Bismarck im Verfassungskonflikt begangen? Er setzte sich hinweg über Verfassung, Parlament und die erdrückende Majorität und re- gierte gestützt nur aus die Machtmittel des Staates allein, auf das Heer, den Beamtenkörper und die Krone. Das wurde von der oppositionellen Presse als Verfassungsbruch und Hoch- verrat bezeichnet. Was hat diese Tal Bismarcks legalisiert? Seine Tat wäre vielleicht auch Hochverrat gewesen, wenn nicht aus dieser Zeit heraus der Segen gekommen wäre, der das deutsche Volk zu seiner Einhell führte, zu seiner höchsten Vollendung und zur Freiheit. An dem Tag«, an dem vor Paris dem deutschen Kaiser die Krone aufgesetzt wurde, war der Hochverrat legalisiert. Vor dem deutschen Volke ebenso wie vor der ganzen Welt. Wir haben zwei neu« Staatsstreiche in jüngster Zeit. Der türkische Ge- neral Kemal Pascha widersetzt sich der Konstantinopeler Zentral- regierung und ging soweit, daß er sogar die heilige Gewalt des Oberhauptes der muhammcdanischen Religion ablehnte. Diese Tat ist legalisiert durch die Erreichung der Freiheit für das türkische Volk.— Mussolinis Tat wurde durch die unge- heurc Reinigungearbeit in seinem Lande legalisiert. Di« Legali- sierung des Marsches nach Rom war an dem Tage vollendet, an dem Rom von den Erscheinungen des Marasmus seines politischen Lebens gesäubert war. Wie war es nun ui Deutschland im Jahr« 1918? Deutschland war damals nicht so elend und korrupt, daß die Revolution als Naturnotwendigkeit empfunden werden mußte. Der spätere sozialdemokratisch« Innenminister Heine hat erklärt, daß das alte Preußen und das ehemalige Reich unzweifelhaft die am saubersten regierten Länder der ganzen Welt gewesen sind. Kein Staat verfügte über eine fa ehrenhaste Beamtenschaft, kein Volt besaß ein« Armee in so hoher Ehrenhaftigkeit, wie das alte Reich. 26 Staaten haben sich bemüht, Deutschland zu Boden zu bringen und in vierjährigem Ringen ist dos nicht gelungen, ein Be- weis, wie stark und kraftvoll diese? Reich war. Es war keine Veranlassung vorhanden zu einer Revolution. Wenn wir fragen, ist die Revolution gelungen, so inüssen wir prüfen, was die Revolution gewollt hat. Die Revolution hat dem deutschen Volk ein Leben in Schönheit und Würde, sie hat ihm weniger Arbeit versprochen. Man predigt den Kampf gegen die überstaat'ich« Macht des internationalen KapUals. Davon aber ist nichts in Erfüllung gegangen. In diesem Saal stand ein General des neuen Reiches. Er mußt« bekenn«r, daß das Versagen der neuen Gewalt auf w i r t s ch oft- lichem Gebiet so entsetzlich gewesen sei, daß die Massen auz die Straße getrieben wurden, und er mußte weiter bekennen, datz die Soldaten nicht mehr auf ihr Volk schießen wollten. Ein ver- mchtenderes Urteil kann man wohl nicht fällen. wirtschafisich ist die Revolution zu einem ungeheuren Unglück geworden. Die größten E rn ä h r un g s ge b i e t e unseres Volkes gingen verloren und in hochverräterischer weise hat man Gebiete, die für die Er- nährung der Nation notwendig sind, veräußert. Es kam ein Weltfriede auf unser« Kosten. Es kam die Abrüstung— aber nur für Deutschland, das Selbstbestimmungs- recht wurde jedem Negerstamm zugebilliqt, aber Deutschland mlt nich' einmal als Negerstamm Es kam«in Völkerbund, der levack, nur der Garant für die Erfüllung des Friedensvertrages, mcht fur� eine kommende bessere Weltordnung war. Die französische Kabinettskrise. Eine Erklärung Millerands. Paris, 27. März.(VJIB.) Der„Matlu" Ist ermächtigt, fol- gends Erklärung des Präsidenten Miller and über die krisis wiederzugeben- Die großen Linien der französischen Politik können auf keinen Fall aus einem anderen Grunde, als dem klar ausge» drückten Wunsch des Landes geändert werden. Der Präsident der Republik hat das feste vertrauen, daß Poiacare ein neues Kabinett bilde« wird, das eine Politik der Festigkeit nach außen und eine Politik der Ordnung und der Sparsamkeit nach innen fort» sehen wird. Was die auswärtige Politik betrifft, sa kann Frankreich das Ruhrgebiet nicht räume», bevor es vollkommene Re- paralionszahlungen(payement total) erlangt hat. Was die innere Politik betrisst, so müsie Frankreich da- Gleichgewicht im Budget herstellen, eine Anleihe ausnehmen, keine Ausgaben machen, die nicht durch Einnahmen gedeckt sind. Wenn es— was freilich eine Eventualität wäre, die der Präsident der Republik nicht ins Auge saht— Poincare vielleicht nicht möglich wäre, ein Ministerium zu bilden, dann könnte der Slaatsches nur ein Kabiuelt bilden, das fest entschlossen ist. die allgemeine Politik des Landes nach den an- geführten Linien weiter zu leiten. Für den Fall jedoch, daß dos Land sich einer Fortsetzung dieser Politik gegenüber feindlich ver- hallen würde, würde der Präsident der Republik, was ihn selber betrifft, unverzüglichdiekoasequenzenziehen. die er für angebracht hält. poincar6s Nieöerlage. L o n d o n. 27. März.(MTB.)„westminster Gazette" schreibt. Poincare habe eine ernste Niederlage erlitte». Sollte er sich aus der politischen Arena zurückziehen, so werde Aussicht sein, laß die französische Politik im Ruhrgebiet und in der Frage der Rh-.n- landbesehung sowie hinsichtlich der separatistischen Komödie sich mehr dem gesunden Menschcnoerstand annähern werde. Auch„Daily herald" glaubt, daß in sechs Woche« der Block National, defl'-t Politik Europa solchen Schaden zufügte, einer vernünftigeren Som- blnalion Platz machen werde-, im übrig.« werde aber, schreibt das Blatt, die künftige Politik Frankreichs von der Haltung der deutschen Wählerschaft abhängen. Sein polnisch-tschechischer Geheimvertrag. Das polnische Ministerium des Acußern dementiert die von der ausländischen Presse verbreiteten Meldungen von einem angeblich am 31. AuZ�'t 1922 abgeschlossenen Geheimabkommen zwischen Polen und der Tschechoslowakei. Ein Geheimabkommen zwischen diesen Ländern bestehe nicht. Noröwestöeutsther Spuk. Von I. K l i ch e. Bremen, der alt« Hansestadtstaat an der Weser, hat sein« Affären. Obwohl mehr als sechshundert Kilometer von Kahr-Bayern entfernt, gibt man sich hierzulande doch allerlei erdenkliche Mühe, um ja mit der in Ludendorff-Athen vorherrschenden Gesinnung kon- form zu gehen. Nachdem erst unlängst die aufgeputschten tatho- tischen Gesellenvereinler bei der Ausführung des„Narr von N o l o" ihre» Protestrummel bei offener Szene arrangierten, haut nun auch der bremische Staatsanwalt in die gleiche Kerbe. Er ließ die Aufführung von Dietzenfchmiedts„Kleiner Sklavin" dem Bremer Schauspielhaus verbieten und beschlagnahmte sogar die bereits ausgegebenen Rollenbücher. Und das. obwohl das Werk be- reits auf anderen großen Bühnen aufgeführt und es zudem noch mit dem Kleistpreis ausgezeichnet ist. Das war doch gar zu toll: die linksstehende Presse schlug Lärm, und der Erfolg war, daß der Staatsanwalt auf die Durchführung des Verfahrens verzichtet«, die erst angekündigt« Anklage„wegen lVerbreitung unsittlicher Schriften und Förderung der Unzüchtigkeit" niederschlug und das Stück freigab. Hoffen wir, daß also demnächst die„Kleine Sklavin" unter gnädiger Erlaubnis der staatsanwall- lichen Obrigkeit den Bremern vorgeführt wird. Und wünschen wir dabei, daß nicht, wie bei dem Ketzerdrama Karl Neuraths, irgendein wohlorgonifierter Spuk im Zuschauerraum losgeht und diverse, eigentlich gar nicht ins Theater gehörende Leute dos vorschrifts- mäßige deutsche Aergernis nehmen. Ueber der westdeutschen Theaterkultur schwebt übrigens ein eigenartiges Schicksal. So wurde beispielsweise im benachbarten Oldenburg diesen Winter ein halbes Jahr lang ein er- bitterter Streit darum geführt, ob Wedekinds„Frühlings- erwachen" auf der dortigen staatlichen Bühne aufgeführt werden dürfe oder nicht. Der Direktor Mordo setzte sich lebhaft dafür ein, die katholischen und völkischen Kreise agitierten lebhaft dagegen, und der Erfolg? Nun. der Theaterausschuß, den es dort leider gibt, untersagt« die Aufführung! Aus Gründen der Sitllichkeit, versteht sich. Es kam sogar zu einem großen Krach deswegen, und der von allen Kunstfreunden geschätzte reformerische Theaterdirektor Mordo verließ die undankbare Statte und ging nach Wien. Zlvei Strö- mungen hatten sich während feines Wirkens unangenehm und ge- räuschvoll bemerkbar gemacht: die konfesiionell-muckerifche und die dumm-völkisch«. Bor solchem Hexensabbat!) mußte der Wackere schließlich kapitulieren. Der Wechsel der Zeiten zeigt sich eben auch hier. Bremen wie Oldenburg waren einstmals frei« Geistesstätten. Zufluchtsorte für anderswo verfemte Geister. Doch diese Zeiten scheinen vorderhand vorüber zu sein. Und es paßte ganz in den duckmäuserischen Kram hinein, als im vorigen Jahr schiedsrichterlich sachverständige Lehrer- kollcgien in den Landstädten sich gegen die Aufführung von Schillers „Kabale und Liebe" vor Schülern aussprachen.— Mittendrin in dieser geisttgen und politischen Atmosphäre aber steht— gleichfalls von Bremen bis Wllhelmshaven— ein schwerer Wirtschaftskampf Tausender von Arbeitern auf den Wersten. Weil diese das errungene Gut der Novemberumwälzung, den Achtstundcn. tag, nicht ohne weiteres preisgeben wollen, warfen die Unternehmer sie aufs Pflaster. Zu dem großen Heer der Arbeitslosen noch das Heer der Ausgesperrten! Und das in einer Zeit, in der jeder Renten- mark-Groschen seinen Wert hat. In Wilhelmshaven sind die Deut- schen Werke, bei denen es doch so etwas wie ein staatliches Interesse geben soll, führend und rigoros vorangegangen. Bierzehnhundert Mann, Ernährer von Weib und Kind, flogen heraus, und ein jeder einzelne von diesen Vierzehnhundert erhielt durch Einschreibebrief die Kündigung bzw. fristlose Entlasiung ins ärmliche Heim geschickt. Unter solchen Zeichen geht's in die kommenden Wahlen! �menophis, der vierte. Amenophis der Vierte 11373 vor Christi Geburt) verlegte seine Residenz von Theben nach Cl-Amarna. Er stürzte die alten ägyp- tische» Götter und führte den Sonnenkult ein. Gleichzeitig ent- wickelte sich eine neue ägyptische Kunst. Die Bildhauer und Maler lockerten di« starre Linie der Tradition und begannen, dos Detail möglichst naturgetreu nachzuschaffcn. Dies« Kunstrichtung kann, ob- wohl sie an den späteren Stil der Grieche» erinnert und obwohl sie die Grundsätze des europäisch.'» Realismus zu befolgen scheint, den- noch nicht als„naturalistische" bezeichnet werden. Denn sie wurde geboren— aus Religion, nicht aus Rationalismus. Ihre Natur- treue ist nicht aufrichtig, sondern sanattsch. Das Staatliche Museum ha:«inen neuen Saal errichtet. In dem die Kunstwerke der El-Amarna-Zeit ausgestellt sind. Di« meisten dieser Werke, die man der Deutschen Orientg'Zellschaft, den For- scher» Ludwig B o r ch a r d t und James Simon zu verdanken Hot. lagern leider noch in Schuppen in Charlottenburg. Immerhin enthält der neue Saal die kennzeichnendsten Stücke jener Zeit: das Köpfchen der bekannten Königinmutter Teje: das Figürchea Echnatoes, des Königs: einen Deckstein, auf dem König und Königin beim Mahle zu sehen sind: den Denkstein eines syrischen Söldners: ein bemaltes Gipsstück, das Schilf mit Enten darstellt, wohl die Dielenmalerei eines ägyptischen Palastes: die Ecke eines Prin- zessinnenfarges und viele ander« im Grabungswinter 1912 und 13 und spater aufgefundene Zeugen einer ungemein zarten Kunst und einer vollendeten Technik, die uns beweisen, daß die Stilisierung?- kunst der Aegypter nicht aus dem Mangel handwerklicher Voll- kommenheit zu erklären ist, sondern aus bewußter künstlerischer Weltanschauung. Es ist lehrreich, den El-Amarna-Saal. der am 1. Zlpril dieses Jahres eröffnet wird, zu besuchen, seine Werte zu genießen und jene große Zeit-eines großen Absolutismus mit den»großen Zeiten" unserer europäischen Tyrannen zu vergleichen. Man denke nur beim Anblick eines kleinen Gipsmodells des Bildhauers Thutmosis an die Berliner Siegesallec und vergleiche den Kunftmäzen Amenophis mit dem Kitschttäumcr Wilhelm II.: und man wird feststellen, we'ch erschütternden Niedergang die Monarchen feit 1373 vor Christi Ge» bürg genommen haben._»h. Gegen den Boykott französischer Bühnenwerke. Der Borstand der V o l t s b ü h n e E. V. hat beschlosien, durch seinen Bertreter im ZZerwaltungsrat des deu'schen Vühncnvereins den Antrag stellen zu lasten, daß die vom deutschen Bühnenoerein seinerzeit durch- geführte Sperre gegen französtsche Bühnenwerk« baldigst wieder auf- gehoben wird. „Vom anderen Ufer". Die drei Einakter von Felix Saiten. die unter dem gemeinsamen Titel„B o m anderen Ufer" im Deutschen Theater neu in Szene gesetzt wurden, sind lite- rarisch belanglos. Sie erhielten jedoch Schmiß und Kraft durch das prächttge Spiel Albert B a s s e r m o n n s. der die Hauptrollen in den drei Stücken verkörpert«. Ob als entlarvter Pseudo-Gras,»er seinen adeligen Verwandten die Leviten liest, oder als zarter weich- wütiger Freiherr, der mit feinem korrekten Schwager Abrechnung halt, oder als wieder zum Leben auferstandener alter Iunggestllc. der kurz vor dem befürchteten Tode seine frühere Geliebte heira-et und sich nun aus den entstandenen Verwickelungen nicht retten kann— überall rührt« Bastermann durch sein« reif« Kunst an die Herten des Publikums und verhalf der Ausführung zu einem starken Erfolg. A. S. Die Flucht des Taschi-Lamas. Neben dem Dalai-Lama ist de? Tofchi-Lama der höchste religiöse Würdenträger in Tibet. D« Lew noch sind sie beide die Verkörverungen Buddhas, aber in Wirklichkeit besitzt der Dalai-Lama eine größere weltliche Macht, und er sucht sein Ansehen zu vergrößern, indem er den Taschi-Loma immer mehr in den Hintergrund drängt. Diese Nebenbuhlerschaft der beiden Pricstcrherrscher hat nun für den Taschi-Loma zu einer so schwierigen Loge geführt, daß er sich dieser durch die Flucht entzogen hat. Nach Meldungen englischer Blätter floh er aus feinem Kloster zu Tafchi Lhunpo, 300 Kilometer von Lhasta, in aller Heimlichkeit und schlich sich verkleidet durch das Land, von wenigen Setreuen begleitet. Er war dabei verschiedenen gefährlichen Abenteuern ausgesetzt. Als die Kunde von seiner Flucht in Lhassa bekannt wurde, erhielten sämtlich: Beamten den Befehl, ihn an der Weiterreise zu verhindern, doch glückte es ihm, den Verfolgungen zu entgehen: er überschritt glücklich die Grenze von Tibet und befand sich nun aus englischem Gebiet in Sicherheit. Seine Reise ging nach Kalkutta und von dort ist er zu Schiff nach China abgefahren:«k hat die Absicht ausgesprochen, Unterkunft in einem buddhistischen Kloste? in Peking zu suchen. Tusar» Tolevmask«. Pros., Nrou« bat von dem verfto, benen Gesandten der Tschecho.Swwomchen Republik, Genossen Tusar. die Toten« maZke und die rechte Hand abgeformt. Paul slellung neuer uanonnaii»-"«?--- r«"iui»en aus Pol?dam. NeubabelSderg»"» Wannlee) von U l r t ch Hü b n ex. Außerdem wird eine Reihe plastische« Arbeiten von Christa W i n slo e-H ato a n Y gezeigt. Cafstrer. Biktoriastr. 85. eröffnet am 31. Mär, eine Gonber-AuS- leuer LandichastSbilder(Ansrchlen aus Potsdam. NeuSabelSbery und Der„ Derrat" in Nordschleswig. Bei den dänischen Reichstagswahlen. Auch in Dänemark stehen bekanntlich Reichstagswahlen besor, an denen die Bewohner der abgetretenen Teile Nordschleswigs teilnehmen. Dorf fandidiert neben dänisch sprechen den Kandidaten, darunter dem Sozialdemokraten J. P. Niel sen, auch ein deutscher Kandidat, der bisherige Abgeordnete im Ropenhagener Reichstag, Pastor Schmidt- Bodder. Die sozialdemokratische Flensburger Volkszeitung" hat die Barole für Nielsen herausgegeben. Darüber große echte oder gespielte Wut der deutschnationalen Preffe. Geſchrei über Baterlandslosigkeit und Berrat. Die deutschnationale Presse verschweigt, daß Genoffe J. P. Nielsen ein Mann ist, der sich durch die großzügig organi fierte deutsche Kinderhilfe den Dank des ganzen deutschen Voltes verdient hat, ein Menschenfreund großen Stils und der Vorfämpfer der internationalen Gerechtigkeit. Wir sind überzeugt, daß das Gebiet, für das Genosse J. P. Nielſen kandidiert, sich nur beglückwünschen fann, wenn es wirklich diesen ausgezeichneten Mann zum Vertreter im dänischen Reichstag erhält, und wir sind weiter überzeugt, daß die berechtigten Interessen der dänischen Staatsbürger deutscher Zunge in ihm den wirksamsten Vertreter finden werden. Wir möchten die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne darauf hinzuweisen, wie sehr die deutschnationale Presse durch ihre ezze gegen alles, was dänisch ist, auch gegen die dänischen Sozialdemokraten, die Intereffen des deutschen Volkes schädigt. Ginge es nach ihr, so müßten wir mit dem stammverwandten Dänenvolt in Totfeindschaft leben, und würden wir dieses fleine, aber politisch wichtige Land in die Bundesgenossenschaft aller auswärtigen Gegner Deutschlands zwingen. Die als„ Baterlandslosigkeit" und „ Berrat" verschriene sozialdemokratische Politik in Nordfchleswig ist hundertmal einsichtiger und den Interessen Deutschlands zuträglicher als die deutschnationale Heße gegen die Dänen. Die Deutschnationalen find freilich Batrinten eigener Art. Für einen schönen Wahlschwindel gegen die Sozialdemokratie geben sie gern und frudig alle wirklichen„ völkischen Belange" hin. Zeigner- Prozeß. Die Fortsetzung der Plädoyers. Nachdem Dr. Frant gestern am Schluß feiner Verteidigungsrebe noch an die Gefühle des Gerichts appelliert hatte, ergriff Dr. Marschner heute morgen das Wort zur trodenen juristischen Analyse der einzelnen Dr. 3eigner zur Laft gelegten Fälle. Er be. handelte sie mit Gründlichkeit und peinlicher Genauigkeit. Er be: tonte, daß von den elf zur Untersuchung gelangten Fällen nur vier übrig geblieben seien. Für diese vier Fälle aber ist Borsicht gegenüber den Beugen gegeben, die unvereidigt geblieben sind und nur durch einen Zufall vorläufig nicht auf der Anklagebank fizen. Hinsichtlich des Falles der Aktenvernichtung beschäftigte sich der Berteidiger einachend mit der Frage der Verjährung. Neben dem von Dr. Frant gestern angeführten Moment, daß es nicht die Absicht des Gesetzgebers gewefen fein fönnte, einen Abgeordneten in dieser Beziehung schlechter zu stellen als die sonstigen Bürger, tommt auch der Umstand hinzu, daß der Fall 3eigner fich von allen ähnlichen Fällen badurch unterscheidet, daß hier ber Anflagebehörde von diefem Berbrechens nichts tekannt gewesen ist und sie daher nicht die Genehmigung für die Aussekung der Strafverfolgung des Abgeord neten nachfuchen konnte. Der Lauf der Berjährung ist überhaupt nicht unterbrochen worden. Außerdem lient die Reichsgerichtsent. fdy idung, die die Unterbrechung der Berjährung behandelt, einige Sahrzehnte zurüd. Der Berteidiger zweifelt nicht baran, daß, wenn das Reichsgericht vor einer neuen Entscheidung stehen würde, es in der Sache anders entscheiden würde. Im Falle Trommer liegi nichts anderes als eine unverschämte Bettelei burch An Hand der einzelnen Indizien, die vom Staatsanwait gegen Dr. Zeigner ins Felb geführt worden sind, weist der Werteidiger nach, daß Dr. Zeigner mit der ganzen Sache nichts zu schaffen habe. Wens auch der Standpunkt des Gerichts in der Be urteilung Dr. Beigners ein anderer sei als der der Verteidigung, so muß das Gericht trotzdem sagen, daß Dr. Reigner, wo er im Laufe der Verhandlung als Persönlichkeit in Erschetung getreten iſt, unmöglich als feine erste Amtshandlung in der Eigenschaft eines Justizministers einen Erpressungsversuch vorzunehmen imftande geMöbius vor. wesen wäre. Im Falle Friedrichsen und Brandt ist Dr. 3eigner der Annahme eines Geschentes für eine pflichtwidrige Handlung ange flegt. Im Falle Brandt hat Dr. Zeigner aber innerlich nicht ein Geschenk annehmen wollen und nicht angenommen. Für Brandt fonnte es allerdings den Anschein einer Annahme gehabt haben. Selbst die Uebergabe der 7000 Mart nach Befundung Dr. Beigners als Schweigegeld an Möbius nach dem Empfang des Geldes im Café war nicht eine Verfügung über das Geld feitens eines Eigentümers, sondern eine Verlegenheitshandlung, bedingt durch eine momentane Berwirrung und Entschlußlosigkeit. Das zweite belastende Moment auf den Brandtschen Gnadenatten fonnte ihm in der Haft der Arbeit unterlaufen sein. Die Begnadigung selbst lag vollkommen in der Linie der vom Dezernenten und der Gnadenabteilung geübten Braris. Im Falle Friedrichsen liegen die Dinge noch flarer. Dr. Zeigner hat feinen Augenblid fich als Eigentümer der Brillanten biratet. Er gegeben. Wenn Frau Zeigner das Collier angelegt oder Dr. Beigner Den Ring aufgefeßt hätten, dann wäre es etwas anderes gewefen. Dak bie Begnadigung durch den Dezernenten und Referenten abschlägig befchieden worden ist, spricht nicht gegen Dr. Zeigner. In diefem Falle hat der Leiter der Abteilung. Geheimrat Kunhe, die Begründung für die Begnadigung geschrieben, Cine Beeinflussung durch das Gefchent hat also nicht stattgefunden. Gießlich zur Frage Schmörl: Dr. Beigners Behauptung, daß er das Futter bezahlt habe, ist nicht widerlegt worden. Die Handlungen Dr. Beigners in diesem Falle sind überhaupt nicht die Amts. handlungen eines Ministers gewesen. Es ist das Interesse einer Privatperson für die Sachen. Kommunistische Beklemmungen. Die Mietzinsbildung in Preußen. Die Kontrolle der Mietervertretung. Ueber die Mietzinsbildung in Preußen ist vom Wohlfahrts| hältnis der Friedensmiete umzulegen, sofern nicht alle Mieter, die ministerium der bereits angefündigte Entwurf, der heute den an den Fahrstuhl angeschlossen sind, auf die Benuhung verzichten. Staatsrat beschäftigen wird, fertiggestellt. Aus den Bestimmungen Die Bewohner des Erdgeschosses tönnen zu diesen Kosten nicht heranist als wesentlich hervorzuheben: Bei der Berechnung der Miete ist gezogen werben, wenn sie den Berzicht auf die Benutzung des Fahrvom 1. Juli 1914 auszugehen( Friedensmiete). Wenn auf den stuhls dem Bermieter gegenüber erklärt haben. Mietzins vertraglich oder ortsüblich übernommene Nebenleistungen und Verpflichtungen von Einfluß waren, so find diese in Geld zu veranschlagen und bei der Bemessung der Friedensmiete zu berüd fichtigen. Im Streitfalle entscheidet das Mieteinigungsamt. Die Ge. für allgemein bestimmen. Von der Friedensmiete find abzu meindebehörde fann auch einen Hundertsatz der Friedensmiete hier rechnen. 1. für die Heizstoffe für Sammeiheizung 9 v. H., 2. für die Heizstoffe für Warmwasserverfor gung 3 v. 5. " Der Bermieter hat in der Zeit vom 1. bis 10. Februar und vom 1. bis 10. Auguft der Mietervertretung oder, wenn eine solche nicht nachzuweisen. Erfüllt der Bermieter diese Berpflichtung nicht besteht, den Mietern auf Verlangen die Bermendung der Gelder für laufende Instandsezungsarbeiten oder befindet er sich mit der Ausführung notwendiger laufender Instandsegungsarbeiten in Berzug, so hat auf Antrag der Mietervertretung oder eines Mieters die Gemeindebehörde festzustellen, ob laufende Instandsegungsarbeiten notwendig find, und bejahenden falls das zur Sicherung der Ausführung solcher Arbeiten Erforder. liche zu veranlaffen. Die Berechnung der Kosten der Heizstoffe für Sammelheizung und Warmwasserversorgung soll nach Quadrat. metern der beheizten Fläche erfolgen: die Wahl eines anderen Maßftabes durch die Gemeindebehörde ist zuläffig. Ferner find abzurechnen: Vergütungen für Nebenleistungen des Bermieters, wie Bereitstellung von Wasserkraft, Elektrizität, Dampf, Breßluft u. bgl. fowie für Spiegelglasversicherung usw., ferner Ver: gütungen für sonstige von der Gemeindebehörde zu bestimmenden Nebenleistungen( z. B. Fahrstuhlbenuzung). Wird auf Grund des § 2 Abs. 4 des RMG. der ortsübliche Mietzins festgesetzt, so ist er Die Untermiete ist in der Weise zu berechnen, daß zunächst der Burch Vergleich mit dem Mietzins zu ermitteln, Gesamtbetrag der gefeßlichen Miete festzustellen ist, die der Unter der für die mit dem 1. Juli 1914 beginnenden Zeit in der Gemeinde vermieter selbst für ben beeren Raum zahlt. Dazu kommen dann die für Räume gleicher Art und Lage regelmäßig vereinbart war. Die 3uschläge für die leberlaffung von Einrichtungss Festlegung lediglich auf Grund des abgeschäßten Bauwertes vom gegenstänben, Beleuchtung, Heizung, Bedienung, Hergabe der 1. Juli 1914" oder auf Grund einer Abschäzung ohne Rücksicht auf Wäsche usw. nach näherer Anordnung der Gemeindebehörde. Die die für die Räume gleicher Art und Lage vereinbarten Mieten oder Festsetzung von Zuschlägen zur Hauptmiete wegen Untervermietung für die Aufstellung von Durchschnittspreisen für das Quadratmeter ist unzulässig. Jeder Mieter ist berechtigt, die Wahl einer benutzter Fläche ist unzulässig. Die gesetzliche Miete besteht grund- Mietervertretung zu betreiben. Jede Mietpartei hat fählich aus Hundertfähen der Friedensmiete; das Nähere wird durch eine Stimme. Die Mieter von Mieträumen mit Sammelheizungen besondere Erlasse bestimmt. Hat ein Mieter die fogenannten Schön- bzw. Warmwasserversorgung haben eine Mietervertretung von 1 bis heitsreparaturen in feinen Mieträumen übernommen, so ist er be 3 Personen zu wählen. Bei Beschaffung, Lagerung und Verwendung rechtigt, den für laufende Instandsetzungsarbeiten bestimmten Teil der Heizstoffe hat die Mietervertretung ein Mitwirkungs- und Aufder Miete um einen vom Wohlfahrtsminister zu bestimmenden fichtsrecht. Im Streitfalle entscheidet das Mieteinigungsamt. BeHundertsaß der Friedensmiete zu fürzen. In diesem Falle ist er verschafft ein Vermieter die notwendigen Heizstoffe nicht rechtzeitig, so pflichtet, die Schönheitsreparaturen auf seine Kosten ausführen zu ist die Mietervertretung nach Ablauf einer Frift befugt, die Heizstoffe laffen. Die vorgenannten benleistungen, wozu auch die Anfuhr einzukaufen und an dazu bestimmten Stellen des Hausgrundstüdes tosten der Heizstoffe gehören, sind getrennt von der gesetzlichen Miete zu lagern. Der Vermieter kann einen nach Anhörung der Gemeindezu berechnen. Soweit Nebenleistungen nur bei einzelnen Mietern behörde zu zahlenden Vorschuß für die Heizstoffe nur entstehen, haben nur diese sie zu tragen. Die Kosten des Fahrstuhl dann erheben, wenn die Mietervertretung das für die Heizstoffe erbetriebes sind mangels anderweitiger Bereinbarung nach dem Ver- forderliche Einkaufsgeld nicht selbst aufbringt. Auftakt zur Wahlbewegung. Die gestern in Groß- Berlin stattgefundenen Kreismit gliederversammlungen unserer Partei bildeten durchweg einen ausgezeichneten Auftakt zur beginnenden Wahlbewegung. Die Bersammlungen waren überall gutbesucht und von dem einheitlichen Willen erfüllt, alle Kräfte der Partei für den bevorstehenden Wahlkampf zusammenzufaffen. Eine Auffassung beherrschte die Ver. sammelten, und zwar die, daß die Zeit der inneren Auseinandersetzungen jezt vorüber ist und daß es, unbeschadet dieser oder jener Meinungsverschiedenheiten, jetzt darum geht, in einheitlicher Front den Gegnern von rechts und links entgegenzutreten und dem von der Partei in allen Fragen der inneren und äußeren Politik vertretenen Standpunkt, der allein den Interessen der deutschen Arbeitertlaffe entspricht, Geltung zu verschaffen. Die Ausführungen der Referenten in den gestrigen Bersamm lungen waren im großen und ganzen auf diesen Ton gestimmt. Einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte der Partei, Aufrüttelung der abseits Stehenden, geschlossene Abwehr der Demagogie von rechts und links, Aufbeckung der Sünden der bürgerlich- kapitalistischen Bar teien, intensivste Berbearbeit für die Idee der Demokratie und des Sozialismus- das sind die großen Aufgaben, die allen Mitgliedern der Partei, Männern und Frauen, in den nächsten Wochen bevorstehen. Die begeisterte Zustimmung, die die Ausführungen der Referenten bei den Bersammelten fanden, zeigte, daß die Kerntruppen der Partei in Groß- Berlin zum Bahlkampf aufmarschieri sind und den festen Willen haben, für das, was sie als richtig und notwendig anerkennen, mit aller Kraft und Entschiedenheit zu fämpfen. Herabsetzung der Radio- Gebühren. Monatlich zwei Mart. Die Reichstelegraphenverwaltung ist jetzt im Begriff, die lang erwarteten grundlegenden Wenderungen auf dem Gebiete des Funt wesens in eine feste Form zu fassen. Es ist beabsichtigt, die Teilnehmergebühr ganz erheblich herabzusetzen, und zwar foll sie im Jahr 24 m. betragen, aahlbar in monatlichen Raten á 2 m. Röhrenempfänger follen nur von behördlich zuge. laffenen Firmen bezogen werben, tönnen aber auch von Amateuren gebaut werden, wenn der Betreffende einem der zugelassenen Amateurvereine angehört. Außerordentlich begrüßenswert für die große Masse ist die Bestimmung, daß Bau und Aufstellung Ber fogenannten Detektorapparate ganz freige geben werden. Es ist zu hoffen, daß die endgültigen Bestimmungen bald her auskommen, wobei sich in Kürze ein ungeheurer Aufschwung des gesamten deutschen Funfwesens ergeben dürfte. Für die Alten. Die Not des proletarischen Kindes. Am Dienstag, 1. April abends, finden in folgenden Lofalen öffentliche Versamm Iungen ftatt: Soulaula, Plantagenftr. 15/17( für Wedding), Schulaula, Petersburger Str. 4( für Prenzlauer Berg und Friedrichs Fain), Schulaula, Dieffenbachstr. 60( für Streuzberg). Tagesordnung in allen Berfammlungen: Die Not des proletarischen Kindes! Rebner sind bekannte parteigenöffifche Pädagogen. Bortragsreihe spiechen am Donnerstag, den 27. März( heute), 8 Uhr, In der vom Zentralinftitut für Erziehung und Unterricht veranstalteten Herr Beicheulehrer Freese über die tünstlerische Arbeit in ber Gemeinschaft" und Herr Busse über die Gemeinschaft außer halb der Schule". Ein öffentlicher Vortrag des Profeffors Dr. Wilhelm Ostwald findet am 27. März( heute), abends 7 Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexandrinenftr. 41, statt über das Thema: Die Farbe im Unterricht und der unterricht in der Farbe mit anschließender Aussprache. Eintritt fret. Naturkatastrophe in Süditalien. Bisher etwa 150 Opfer. Der nördlichste Teil des füdöfflich an die Bucht von Neapel fiá anschließenden Golfes von Salerno iff plöhlich von einer Naturkatastrophe, und zwar von einem Wolfenbruch von solcher Größe und solchem Ausmaße heimgesucht worden, daß faft mit jeder neuen Nachricht auch eine neue Schredenstunde übermittelt wird, ohne daß man zur Stunde fich ein vollständiges Bild von der ganzen ohne daß man zur Stunde fich ein vollständiges Bild von der ganzen Katastrophe und ihren Folgen machen kann. Bisher follen nicht weniger als 150 Opfer, Tote und Verwundete, gezählt worden sein. Am härtesten betroffen ist die schmale Halbinsel, an deren nördlicher Seite, am Meerbusen pon Neapel, Sorrent und an deren südlicher Seite Amalfi liegen. Diese beiden Orte haben nach allen Dorliegenden Nachrichten am schwersten gelitten, besonders aber Amalfi. Dieser Ort liegt in einer geradezu paradiesisch schönen Gegend. Auf der einen Seite das unbeschreiblich schöne Meer, auf der anderen Seite die hohen, bis an die Meeresufer herantretenden Felfen. Infolge eines Wolfenbruches verwandelte sich der Gebirgsbach der Felsenschlucht, an deren Deffnung Amalfi über die Klippen und Felsterraffen zum Mer ansteigt, in eine Sturzflut, die vor allem das alte Rapuzinerflofter, das jezige große Hotel hoch über der Stadt, mit voller Wucht traf. Das Hotel war stundenlang volltommen abgeschnitten und unzugänglich, so daß man zuerst um meist Deutsche und Ameri. die dort wohnenden Fremden taner die schlimmsten Befürchtungen hegte. In Amalfi find mehrere Häufer eingestürzt. Die Vorstadt Bottivo ist vollkommen zerstört. Die Verbindungen find unterbrochen. Fischerboote nahmen die Opfer auf. Die Zahl der Toten in Praiano und Furore wird auf über hundert geschäßt. Zu dem Unglüd wird auch aus Neapel gemeldet, daß der Fluß Caneto über seine Ufer getreten ist und be. deutenden Wafferfchaben angerichtet hat. Infolge der Wassermassen lösten sich Erdmassen und zerstörten die etwa 30 Kilo. meter lange Küstenstraße und die an ihr liegenden Ge. bäude, in der Hauptsache Hotels. Der noch immer herrschende Die Altershilfe der Jugend lädt zum Sonntag, Sturm erschwerte die Rettungsarbeit für die Bevölkerung Amalfis 30. März, vormittags 11 Uhr, in den Plenarsaal des Berliner Rai und Umgegend sehr. Ein Dampfer ist mit Lebensmitteln nach Amalfi hauses zu einer Feierstunde. Es wirken mit: Gertrud Ensoldt, abgegangen. In dem vom Unglück betroffenen Ortschaften befanden Staatstheater, Erna Fiebig, am Flügel Edmund Meisel vom Phil. fich zahlreiche Touristen, in der Hauptfache Deutsche und Amerikaner. harmonischen Orchester und Walter Lange. Der Einlaß erfolgt gegen dem Erdrutsch, ber Amalfi und Umgegend heimgesucht hat, in Aus Rom wird weiter gemeldet: Nach Blättermeldungen find freiwilligen Beitrag am Saaleingang. Karten für refervierte Bläge Bettica fiebzig, in Bofitano fünfzehn und in Frai. Die Altershilfe der Juano zehn Personen zum Opfer gefallen. Nach den find bei 2. Wertheim vorher erhältlich. Die Altershilfe der Jugend will einmal 100 von ihr Betreuten und 50 Greisen aus dem Obbach einen guten Runstgenuß vermitteln, zum anderen soll ber bisher vorliegenden Nachrichten scheinen teine Fremden unter durch Raffenverkauf und Sammlung erzielte Gewinn Ausbau und den Opfern zu fein. Weiterführung des Werkes der Jugend für das Alter ermöglichen. um die ganze Einnahme der Altershilfe zufließen u lassen, sind die Unkosten von allen Stellen niedergeschlagen worden. Keiner der Mitwirkenden hat ein Honorar verlangt. Die Borwärts"-Druckerei hat sämtliche Platate, die in den Straßen bahnwagen und an den Litfaßfäulen umsonst angebracht wurden, fostenlos hergestellt. Rudolf Mosse stiftet Eintrittskarten und Pro gramme, die Firma Bechstein stellt den Flügel zur Verfügung und bas Bor- Haus gibt die Ankündigung der Feierstunde draht und tostenlos weiter. www Der Fall Fedler. Schweres Dampferunglück im Kanal. 23 Mann vermißt. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem deutschen und einem japanischen Dampfer hat fich gestern infolge des Nebels in der Nähe von Dungeneß ereignet. Wie aus London gemeldet wird, stieß dort der deutsche Dampfer Heimdal" mit dem japanifchen Dampfer Totuftu- Mari" zusammen. Das japaniche Schiff ging fofort unter. 23 Mann feiner Befahung werden vermißt, 15 fonnten von dem Heimdal" an Bord genommen werden. Der Heimdal" ist in ziemlich beschädigtem Zustande in Dover eingelaufen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Arels, 128.- 130. bt. Bantam. Montag, 81. März, 71, Uhr, Bolal Berliner Str., Ede Lindenpromenade, Frauen abend. Bestimmtes Erscheinen unbedingt erforderlich. Die gestern von uns wiedergegebenen Aeußerungen Trogfis über die Politik der englischen Arbeiterpartei haben die„ Rote Fahne" Die Charlottenburger Bezirksversammlung in die ärgste Berlegenheit verfeßt. Sie erklärt, daß sie momentan beschäftigte sich gestern in der Hauptfache in einer Anfrage mit dem nicht in der Lage sei, festzustellen, ob das Interview gefälscht sei. Fall des Stadtverordneten Febler, Bürgerliche Frattion, dem Wir können das Berliner Rubelblättchen über diesen Punkt be- zur Last gelegt wurde, daß er sein Ehrenamt als Mitglied der Wohruhigen. Das von uns wiedergegebene Telegramm der" Prager nungskommission zu geschäftlichen Zweden mißbraucht hat. Obgleich Preffe" stimmt faft wörtlich mit den entsprechenden Abfäßen des einwandfrei die Debatte ergeben hat, daß Herr Fedler einen InterInterviews Trottis überein. das in Nr. 67 der Mostauer fchied zwischen seinem Ehrenamt und seinem Beruf " Prawda" vom 23. März abgebrudt ist. Das Mostauer 3entral. als Architekt nicht zu machen imftande ist, waren feine Parteiorgan veröffentlicht das Interview ohne ein Bort der freunde nicht in der Lage, die notwendige Konsequenz zu ziehen. Die nächste Bezirksversammlung wird sich daher nochmals mit der AngeKritik, die„ Rote Fahne" jedoch beeilt sich, um ihren Eifer darlegenheit zu beschäftigen haben, wenn nicht inzwischen die Frattion, zutun, ihrem bisherigen Abgott Trotti Efelsfußtritte zu versehen. der Herr Fedler angehört, das thrige zur Erledigung des Falles Jungjozialisten, Gr. Lichtenberg. Heute abend 7% Uhr, Jugendheim, Parlaue 10: ie wird sie sich jetzt aus der Situation herauslügen? unternimmt. rejs Reiuidendorf. Achtung, Areisfunktionäre! Seute( Donnerstag), abends 7 Unr. im Bürgergarten, Reinidenbori- Dit, Hauptstr. 56: Bichtige Besprechung. 1 Abt. Beblenborf. Die Besirtsführer werden erfucht, Freitag, den 28 März ( morgen), abends pünktlich 8 Uhr, im Barteilofal flugblätter zur Berteilung abzuholen Eine wichtige Fun! tionärperfammlung findet Gonn abend, ben 29 März. abends 8 Uhr. bei Mietlich ftatt. Frauengruppe Morgen( Freitag), 28. März. abends 8 Uhr, bet Schnorre, Potsdamer Str., Lefe uub Distutierabenb. Bichtige Besprechung Gewerkschaftsbewegung Die ertappten Verbrecher. Die Rote Fahne" bemüht fich vergebens, die Tatsachen weg guleugnen. Wir haben in unserer gestrigen Abendausgabe feftgeftellt, daß die kommunistischen Funktionäre des Zentralverbandes der Angestellten, die sich jetzt geweigert haben, den bekannten Revers( Einhaltung der Statuten und Verbandsbeschlüsse, Anerkennung der Amsterdamer und Ablehnung der Moskauer Internationale) zu unterschreiben, einen gleidh lautenden Revers bereits früher unterschrieben haben. Sie find dann auch in ihren Aemtern bestätigt worden. Kein Mensch dachte daran, fie wegen ihrer politischen Gesinnung zu maßregeln oder minderen Rechts zu erklären. Kein Mensch denkt auch heute daran, kommunistische Mitglieder zu maßregeln, nur weil sie Kommunisten sind. Was heute verlangt wird und bisher immer verlangt wurde, ist die stritte Anerkennung der Statuten, die Einhaltung der Be schlüsse, die Bekämpfung aller Einrichtungen, die sich gegen die Gewerkschaften richten. Wer diese Forderungen, die doch nur eine Selbstverständlichkeit sind, anerkennt, ist im 3d2. heute wie gestern vollberechtigtes Mitglied und Verbandsfunktionär. Rein einziger Verbandsfunktionär, der heute noch zu feinem bereits gegebenen Wort steht, ist gemaßregelt worden. Kein einziges fommunistisches Mitglied ist wegen seiner Parteizugehörig. feit ausgeschlossen worden. Von den etwa 200 Angestellten des 302. in Berlin haben im ganzen drei Angestellte die Unterschrift inter den Revers verweigert. Diesen galt der Befehl von Mostau, die Gewerkschaften zu spalten, mehr als die gewerkschaftliche Einheit. Warum haben die drei Angestellten, die jetzt den Revers zu unterschreiben sich weigerten ihn früher unterschrieben? Die Rote Fahne" fucht sich herauszureden, indem fie behauptet, daß der da malige Revers eine Erpressung schlimmsten Grades darstellt". Also wenn man von einem Funktionär einer Gewerkschaft verfangt, er müffe sich verpflichten, die Statuten, Beschlüsse und die Einheit der Organisation nach innen und außen zu vertreten, so ist bas„ Erpressung". Schön. Was ist es aber, wenn jemand diese Berpflichtung eingeht, aber sie einzuhalten verweigert? Und warum haben die drei kommunistischen Angestellten früher biese Verpflichtung übernommen und weigern fich heute, die Statuen und Berbandsbeschlüsse, in allen ihren Konsequenzen einzuhalten? Beil man ihnen bisher von der KPD. freie Hand ließ, mährend sie heute Anweisung haben, die deutschen Gemertschaften zu fpalten. Die Kursänderung fam von Mostau. Lenin ist tot, Trogli faltgestellt, Sinowiem herrscht. Dementsprechend hat sich auch die KPD. umgestellt. Die Brandler, Sedert, Thalheimer, Koenen uf. a b gesägt; Scholem und Ruth Fischer triumphieren. Früher war die Barole: „ Einheitsfront". Jeßt lautet fie: Gründung von In dustrieorganisationen", das heißt praktisch nichts anderes als Spaltung der deutschen Gewerkschaften. Im 3d2. glaubte man so weit zu sein, um es darauf ankom men zu laffen. Alle Borbereitungen zur Spaltung waren getrof fen. Am Dienstag erfolgte die Mitteilung vom Hauptvorstand und bereits am selben Dienstag fand laut Bericht der„ Roten Fahne" eine Versammlung der oppofitionellen General versammlungsdelegierten statt. Die„ Rote Fahne" sagt zwar nicht, wieviel Delegierte anwesend maren, fie teilt aber den dort gefaßten Beschluß mit. Es wurde eine Som mission gewählt, die mit der organisatorischen wie agitatorischen Führung des Kampfes bis zu den äußersten Konsequenzen" beauftragt wurde. Das ist die offene, wohlvorbereitete Spaltung. Diese Kommission maßt sich an, für morgen, Freitag, eine allgemeine 30. Mitgliederversammlung" einzuberufen. Wer spaltet also? Wer geht parteiagitatorisch) vor? Wer be treibt Erpressung schlimmsten Grades"? Die Mitglieder des 302. werden auf diesen aufgelegter fom munistischen Schwindel nich i hereinfallen. Dem Hauptvorstand des 3d2. fommt das Verdienst zu, die Verbrecher bei der Spaltung gestört und ertappt zu haben. 3 Kommunistische Bienenstichtaktik. Halle, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommunistische Partei fucht nun auch im Bezirk der Anilin- und Farbwerke von Leuna eine Streitwelle hervorzurufen. Offenbar in Anlehnung an die Ludwigshafener Vorgänge wurden in den letzten Tagen in Halle, Ammendorf, Merseburg, Weißenfels und anderen Orten, wo die Leuna- Belegschaft verhältnismäßig stark vertreten ist, sogenannte Massenversammlungen" veranstaltet, in denen man Entschließungen annahm, die zur sofortigen Arbeitsniederlegung und Produktionsfabotage aufforderten. Die Arbeiterschaft steht den verzweifelten Bemühungen der Kommunisten aber auf fallend fühl gegenüber. Immerhin ist es auf diese Treibereien zurückzuführen, daß in der Sulphatlaugenfabrik fünf Betriebsmotoren in den letzten zwei Nächten mit Sand und Kieselsteinen ganz oder teilweise unbrauchbar gemacht wurden. Die Folgen dieses wahnwißigen Vorgehens haben natürlich die Arbeiter zu tragen. Zu der ganzen Angelegenheit ist noch zu bemerken, daß das Leunawert das einzige chemische Werf im mitteldeutschen Bezirt ist, das auf Grund einer Abstimmung unter der Belegschaft noch den Neunst undenarbeitstag behalten hat. Diese Abstimmung ist dem energischen Verhalten des Betriebsrats zu verdanken. Im Gegensatz dazu hat man in den Bitter fel der Werfen längst eine längere Arbeitszeit, weil die dortigen rein fommunistischen Betriebsräte nichts gegen Diese Arbeitszeitverlängerung getan haben. Wenn die Kommunisten jetzt in den Leunawerfen dazu über: gehen, Sabotage zu treiben, dann beweist das zunächst, wie sehr sie mit ihrer idiotischen Kampftattit" auf dem Hund find. Einst waren die Leunawerfe eine fommunistische hochburg und das Kampfzentrum des mitteldeutschen Aufstandes traurigen Angedenkens. Die KPD. hat dort die Arbeiter solange aufgeputscht, bis ihnen die Buste ausging. Jezt haben sie wenigstens, dank der Festigkeit unserer Genoffen, die dort sich nur mit Mühe als Minderheit behaupten fonnten, den Neunstundentag, während die braven Kommunisten in Bitterfeld zehn Stunden schuften. Nur dort, wo die Kommunisten nichts zu sagen haben und nie eine Bedeutung erlangt hatten, ist der Achtstundentag uneingeschränkt aufrechterhalten. Was nun die Sabotage betrifft, diese charakteristische Tattit gemerfschaftlicher Ohnmacht, die aus Zeiten stammt, als die unorganisierte und unwissende Arbeiterschaft die Maschinen zerstörte, die sie als ihren Feind betrachtete, so fann man sie mit jener Tattif der Bienen vergleichen, die, indem sie stechen, auch an den Folgen sterben. Ganz abgesehen von den schweren strafrecht lichen Folgen einer solchen Handlung, haben die wirtschaftlichen Folgen dieser Zerstörungen immer die Arbeiter zu tragen. Moralisch hat aber in den Augen der Masse immer der verspielt, der einfach zerstört, weil er zu ohnmächtig oder zu feige iſt, am hellen Tage feine Sache zu verfechten. Und wer nicht vermag, die Masse zum Kampf zu scharen, fich hinterhältig aber aufs Sabotieren verlegt, der ist von vornherein verloren. Die Lohnverhandlungen im Buchdruckgewerbe gescheitert. Sestern trat in Berlin die zentrale Lohnkommission für das Buchdruckgewerbe zusammen, um zu dem bis zum 28. März geltenden Lohnabkommen Stellung zu nehmen. Von den Vertretern der Arbeiter wurde eine Erhöhung des tariflichen Spizenlohnes von 27 auf 35 m. pro Woche beantragt. Diese gerechte Lohn forderung zu begründen, hielt bei den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen und der im allgemeinen günftigen Lage im Buchdruckgewerbe nicht schwer. Die Unternehmervertreter lehnten jedes Entgegenfommen kurzerhand ab und verlangten die Zustimmung der Arbeitervertreter zur Verlängerung des Lohnabtommens bis zum Ablauf des Manteltarifs, dem 31. Mai 1924. Darauf tommte sich die Arbeitervertretung nicht einlassen. Nach kurzen gegenseitigen Ertlärungen folgte der Abbruch der Verhandlungen. Die Organisationsleitungen werden sich noch darüber schlüffig werden, welche Bege sie einschlagen, um den Arbeitern eine gerechte Entlohnung zu fichern. Für die jetzt beginnende Wanderzeit verkaufe ich Bären- Stiefel 1000 Paar Wandersport- Stiefel andere Zwecke starke Strapazierstiefel, auch für geeignet, für 11,50 u. 13,50 Mk. Mein Riesenlager vom einfachsten zum elegantesten Sportstiefel für alle Sportarten zu sehr günstigen Preisen bringe ich in Erinnerung. Hans Bähr, Spittelmarkt 7 order.. 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Zur Ergänzung des gedruckt vorliegenden Geschäftsberichtes führte Raspar aus, daß die Festigung der Währung dem Verbandsleben in jeder Beziehung wieder feste Formen gebe. Beinahe die Hälfte der Mitglieder sind noch arbeitslos, was eine starke Belastung bedeute. Die Zusammenarbeit im Graphischen Kartell war nicht immer befriedigend, doch zeigt sich auch hier eine Besserung. Die von den ausgeschlossenen Mitgliedern ins Leben gerufene Sonderorganisation hat bisher vergeblid versucht, in ein Bertragsverhältnis mit den Arbeitgebern zu kommen. Die dabei angewandte Taktik ist durchaus„ reformistisch". Täglich melden sich enttäuschte Nachläufer zur Wiederaufnahme in den alten Verband. Die Kommunisten haben nicht vermocht, den Verband aus seiner Position heraus zu drängen. Alles Geschrei darüber ist Bauernfängerei. Redner schließt mit einem Appell an die Delegierten zur intensiven Mitarbeit an der bewährten Organisation. Die Verwaltungsstelle Berlin. des Verbandes der Buchbinder Der Kassierer Bytomski fündigte die Wiedereinführung der Arbeitslosenunterstützung ab 1. Juli an. Eine Beitragserhöhung zum 1. April wird dem Gesamtverband die notwendige finanzielle Rückendeckung für seine Aufgaben geben. Die Diskussion bewegte sich feit langer Zeit wieder in den Formen, die für eine sachliche Arbeit im Interesse der Mitgliedschaft Boraussetzung sind. Neben dem Unmut über das Treiben der Gäbel und Konforten tam der Wille zum Ausdruck, in zäher Aufbauarbeit die Zahlstelle auf ihrer Höhe zu erhalten und ihr neue Mitglieder zuzuführen. Im Verlauf der Versammlung wurde ein Protest gegen die Härten des§ 5 der Verordnung über die Gewährung von Erwerbslosenunterstügung an Jugendliche beschlossen. Die Ortsverwaltung wurde mit der Weiterleitung des Protestes an den ADGB. beauftragt. Zur Unterstützung der Arbeitslosen für das Osterfest wird eine Sammlung veranstaltet. Ein Antrag, 2000 Verbandszeitungen aus Mitteln der Zahlstelle unentgeltlich in den Wertstuben zu verteilen, wird einstimmig angenommen. Die Generalversammlung beschloß ferner Statutenänderungen, die in Zukunft ein reibungslojes Arbeiten des Organisationsförpers gewährleisten sollen. Als zweiter Borsigender wurde zum ersten Male eine Frau gewählt. Von der Mitarbeit der Genoffin Schreihardt verspricht sich gerade die weibliche Mitgliedschaft viel Eriorießliches. Der Verlauf dieser Generalversammlung zeigte auch hier, daß positive Gewerkschaftsarbeit geleistet werden kann, wenn der Wille dazu nicht fortgesetzt durch berufsmäßige Bühler fabotiert wird. Aussperrung in der englischen Schiffbauindustrie. gestern nachmittag ausgesperrt, weil die 6000 Streifenden der Werften Die Arbeitnehmer der englischen Schiffbauindustrie wurden. Southampton seit vier Wochen die Arbeit verweigert haben. Bon der Aussperrung werden 100 000 Arbeiter betroffen. Die Aussperrung soll jedoch nach einer späteren Meldung erst am Dienstag in Kraft treten. Der Streit auf den Seeschiffswerften bzw. die Aussperrung, die vor vier Wochen erfolgte, dauert unverändert an. Der Reichsarbeiisminister, dem die Beilegung des Hafenarbeiterstreits gelang. will sich am Sonnabend nochmals nach Hamburg begeben, um nach informatorischen Besprechungen mit den Parteien, auch in dem Streit auf den Seeschiffswerften eine Einigung herbeizuführen. Dentscher Werkmeister- Berband. Die Geschäftsstelle des Bezirks X, Stralauer Straße 56, ist am Freitag von mittags 2 Uhr ab geschlossen. Berantwortlich für Politik: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung:. Ektorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68., Lindenstraße 3. Achtung beim Einkauf! Fs ist erreicht! 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Hauptgeschäftsstelle W15, Uhlandstr.42 Fernsprecher Uhland 2173 Postscheckkonto Berlin 117970/ Kassenstunden 9-2 Uhr, Freitags 9-5 Uhr. Monatsbeitrag von 20-75 jahre einheitlich 50 Pfennig. Nach 20 Jahren beitragsfrei Personen von 4 bis 19 Jahre halbe Beiträge. Aufnahmegebür: bis 45 Jahre: 1.- Mk., bis 50 Jahre 3.- Mk.. bis 53 Jahre 6. Mk., bis 60 Jahre 13. Mk, bis 65 Jahre 25.- Mk., bis 70 Jahre 40- Mk, bis 75 Jahre 50.-Mk. Personen über 60 Jahre werden nur in der Hauptgeschäftsstelle aufgenommen. Wir sind in der Lage, Mitgliedern anderer Feuerbestattungs vereine beim Uebertritt in unsern Verein schon nach 6 Wochen Karenzzeit kostenlose Bestattung zu gewähren, sobald dieselben dort 1 Jahr Mitglied waren, und werden in solchen Fällen bis zum 45, Jahre keine und bis zum 54. Jahr halbe Neuaufnahmegebühren erhoben. Personen bis 54 Jahre nach 9monatl. Mitgliedschaft kostenfreie Bestattung, bei Unfällen sofort. Darunter versteht unser Verein: Vorschriftsmäßiger dekorierter Sarg mit Innenausstattung, Einzelüberführung nach dem Krematorium mit eigenem Spezialglasleichenwagen nebst Begleitern, die amtsärztlichen Atteste, Orgelspiel in der Halle und Blumendekoration,-für Mitwirkung eines beamteten Geistlichen werden die Kosten bis 5- Mark vergütet, desgl. für Redner, die Einäscherung, Aschenkapsel, Beisetzung derselben und die Stelle. Für Mitglieder, welche beim Ableben dem Verein noch kein Jahr angehören, übernimmt der Verein die Vermittelung; dle anderes Selbstkosten tragen die Hinterbliebenen. Der Vorstand, C. Breitenfeldt