Nr.149 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 74 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für DeutschLand, Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Beit" mit., Sieb. Iung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt" erscheint modjentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die etnipaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgebruďte Wort 0,20 Goldmark( auläffig awei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jebes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen Für zwei Worte. Familienanzeigen flir Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein. Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen file bie nächste Summer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 28. März 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Boitschecktento: Berlin 375 36 Bankkonto: Dircktion der Diskonto- Gesellschaft, Bevofitenkane Lindenstraße 3 Poincaré ist wieder da! Grundlegende Personalveränderungen? Paris, 27. März, abends 9½ Uhr.( Eigener Drahtbericht.)| Rechten wetteifert, Poincaré au versichern, daß er das Vertrauen Poincaré, der am Donnerstagnachmittag zweieinhalb Stunden mit des Boltes in seiner Gesamtheit befize und gerade jezt am Borabend den Ministern Ce Trocquer und Maginot, seinen beiden in- wichtiger internationaler Entscheidungen das Land von ihm erwarte, fimften Mitarbeitern( auch die reaffionärffen. Red. d. B.) in dem daß er seinen Boften nicht verlasse, macht die Breffe der Linken zurüdgetretenen Kabinett, tonferierte, hat gegen 6 Uhr den Quai lein Hehl daraus, daß sie Poincaré ohne Bedauern scheiben d'Orsey verlassen, um sich zur Berichterstattung ins Elysee zu begeben. fehen würde. Selbst die Blätter der bürgerlichen Demokratie stehen Den dort versammelten Journalisten erklärte er, daß die Lösung der nicht an, zu erklären, daß der Rücktritt Poincarés die Lösung sowohl Krise voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. der Reparations- wie auch der Sicherheitsfrage wesentlich erleichtern Die Unterredung mit Millerand hat eine halbe Stunde gedauert. würde. Im Bopulaire" gibt Léon Blum der Bermutung AusEin darüber ausgegebenes Kommuniqué teilt lediglich mit, daß drud, daß Poincaré vielleicht im Grund ganz fern die ihm am MittPoincaré den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts ange- woch gegebene Gelegenheit benugt habe, sich mit Anstand zurückzunommen habe. In den politischen Kreisen werden in den Abend- ziehen, um feinem Nachfolger die schwierigen außenpolitischen Ent. fiunden zahlreiche Namen als Unwärter für die einzelnen Ministerien fcheidungen der nächsten Wochen zu übertragen. Der radikale genennt, doch ist bisher über die Zusammensehung des neuen Kabi- Quotidien" bezeichnet die Ereignisse des Mittwochs als eine un netts, dem, wie neuerdings behauptet wird, nur sehr wenige mögliche Komödie. Das Parlament, das durch Ablehnung Mitglieder des zurückgetretenen ministeriums angehören fellen, der Bertrauensfrage des Ministerium zu Fall gebracht habe, um noch nichts Pofitives bekannt geworden. hinterher deffen Bräsidenten zu beschwören, sein Botum nicht ernst zu nehmen, habe sich um den letzten Rest von Ansehen gebracht. Der Nationale Block werde seinen Ministerpräsidenten behalten, aber es fei nur eine Frist von zwei Monaten, die Herr Poincaré erhalte. Paris, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Während die Pariser Boulevard- Breffe, mit den politischen Parteien der Mitte und der England und die Micum- Methode. Eine Rede Macdonalds. sei auf Grund der gegenwärtigen Finanzlage des Saargebiets unmöglich gewesen, mehr als 200 Gendarme in das Gebiet zu bringen. Nach dem BTB- Bericht fagte Macdonald auch: Die RegieLondon, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Im Unterhaus fragte Asquith die Regierung, wann die mit dem französischen rung wäre auf gewisse Versuche gestoßen, die darauf hinzuweisen Gelbbuch forrespondierenden Schriftstücke veröffentlicht würden und schienen, daß diese Micumwerträge den Anlaß zu einer Neuvermelche Fortschritte hinsichtlich der Fertigstellung der Berichte der zweiteilung ber Separationen und einer erneuten Aufrollung des Sachverständigentomite es für die deutschen Reparationen Reparationsproblems bilden follten. Wenn dies der Fall wäre, so würde die englische Regierung gegen die Ausführung solcher Abzu verzeichnen wären. Er lenkte die Aufmertfamfeit auf einen Arlife! Der„ Times", der darauf hinweist, daß während die Sachvermachungen unverzüglich Protest erheben. Die deutsche Regierung ständigenfomitees nach einem erträglichen Reparationsplan suchen, die französische Organisationsarbeit im Rhein- und Ruhrgebiet energisch fortgesetzt werde, um das befeßte Gebiet endgültig in eine # Reparationsproving zu verwandeln. Der Artikel weist ferner darauf hin, daß die Finanzierung der Lieferungen auf Grund der Micum Berträge den Ruin der Industrien der befegten Gebiete herbeiführen und diese Gebiete unfähig machen, mit ihrer für das Reich unentbehrlichen Wirtschaftskraft die Stabilität der Mart sichern zu helfen. Asquith fragte Macdonald, welche Maßnahmen er ergriffen habe, um die britischen Interessen gegen die Gefahren der französischen Politik zu schützen. Schließlich wünschte Asquith zu wissen, was der englische Delegierte Lord Parmoor in der letzten Sigung des Bölterbundrates in der Frage der SaarDerwaltung getan habe. Macdonald ermiderte, die dem franzöfifchen Gelbbuche entsprechenden englischen Dokumente feien so weit fertiggestellt, daß sie nach wenigen lleber prüfungen in die Hände der Parlamentsmitglieder gelangen tönnten. ann die Sachverständigenausschüsse ihre Berichte herausgeben werden, wisse er nicht, wolle aber doch bei dieser Gelegenheit die Stellung der Ausschüsse noch einmal flar umreißen, da sich in der öffentlichen Meinung hierüber verschiedene Mißverständnisse herausgebildet hätten. Die Sachverständigen feien nicht Bertreter der englischen Regierung, sondern Beauftragte der Reparationstommission. Die englische Regierung habe sich deshalb auch niemals in die Arbeit der Sachverständigen eingemischt oder auch nur den Bersuch dazu unternommen. Die Sachverständigen hätten der Reparationsfommission Bericht zu erstatten, und diese werbe dann alle beteiligten Regierungen informieren. Die englische Regierung werde diesen Bericht eingehend prüfen und werde erst dann in der Lage fein, sich mit den anderen beteiligten Regierungen über eine gemein fame Politik auseinanderzusehen. Mit Bezug auf die zwischen den französischen Behörden und den deutschen Industriegesellschaften getroffenen Abkommen erklärte Macdonald, bis jetzt sei die Regierung noch nicht zu der Auffaffung gekommen, daß diese Abkommen ihrem Inhalt wie ihrer Wirkung nach dem Friedensvertrage von Bersailles und den verschiedenen Reparationsverträgen widersprächen. Mit Bezug auf eine Behauptung Asquiths, die im Friedensvertrage vorgesehenen Kommissionen und Komitees befäßen vorwiegend militärischen Charakter, erwiderte Macdonalb, diese Kommissionen hätten Berjuche unternommen, sich Rechte und Kompetenzen anzumaßen, die ihnen nicht zustünden. Die Politik der englischen Regierung ftrebe danach, daß im Interesse einer baldigen endgültigen Befriedi gung alle diese Konmmissionen gezwungen werden müßten, fich streng an die ihnen zugewiesenen Aufgaben zu halten. Mac bonald wandte sich dann der Sicherheitsfrage zu und erklärte, es habe feinen Sinn, wenn jetzt Franzosen und Engländer die Frage der Sicherheit diskutierten, bevor nicht die heute auf Europa lajtenden Riesenprobleme gelöst seien, deren Ungelöstheit doch die Sicherheit am meisten gefährde. Erst wenn alle diese Schwie rigkeiten beseitigt wären, fei die Zeit gekommen, das ganze politische Gewicht des Staates dafür einzusehen, daß der Bölkerbund ein pollzähliger Bund der Bölker werde. Er sei baher überzeugt, daß Frankreich niemals volle Sicherheit erlangen werde, wenn es fich auf eine Reihe von Sonderverträgen zu stützen gebenfe. Deutschland müffe früher oder später in die Reihe jener Staaten wieder einrücken, die man die„ verhandlungsfähigen Staaten Europas" nennen fönne. Zum Schluß ging Macdonald auf die Gaar anfrage ein, insbe. fondere auf die Frage, warum das franzöfifche Militär noch nicht aus dem Saargebiet zurüdgezogen worden sei. Er stellte fest, es habe 3. B. gewisse Steuergesetze erlassen, die sich normaler. weise auch auf das Rheinland erstreckten. Diese Gefeße seien der Rheinlandfommission vorgelegt worden. Die Kommission habe lediglich darüber zu entfcheiden, ob diese Gesetze in irgendeiner Weise die Sicherheit der Befagungstruppen gefährdeten. Obwohl ein Einwand in dieser Hinficht nicht erhoben werden konnte, wurde doch das Anfinnen ge= stellt, daß man die Anwendung dieser Gesetze auf das dieser Gesetze auf das Rheinland verhindern und fie nach Gefichtspunkten prüfen müsse, welche die Rheinlandkommission in Erwägung zu ziehen teinen Anlaß habe. Wir haben gegen über derartigen Anregungen fiber unfere Stellungnahme teinen 3weifel gelassen. Macdonald sprach schließlich die Hoffnung aus, daß die in Frage stehenden Steuergesetze von der Rheinlandkommission auf normalem Wege registriert werden möchten und doß man über die ganze Angelegenheit nichts mehr zu hören fomme. In Beantwortung eines Zwischenrufs betreffend die pfalz erwiderte Macdonald, daß diefer Fall den Bunkt darstelle, wo die Schwierigkeiten sehr groß seien. Wir fahen uns, fuhr er fort, einer jeparatifiischen Bewegung gegenüber, die nicht nur von innen unterstüht wurde mehr möchte ich darüber nicht sagen, - und hatten einer Regelung dieser Angelegenheit näherzutreten. Was die Gendarmerie und die französischen Truppen im Saar gebiet angeht, fo erklärte Macdonald, es fei flar, daß die franzöfte ichen Truppen zu dem fr ühest möglichen Termin aus dem Saar gebiet zurückgezogen werden sollten, daß sie aber nicht eher zu rückgezogen werden fönnten, bevor nicht die Saargendarmerie an ihre Stelle trete. Bisher habe es sich indes als unmög ich erwiesen, mehr als zweihundert Gendarme einzustellen. Infolgedessen sei in der Ersehung der französischen Militärkräfte durch eine örtliche Gendarmerie tein praktischer Fortschritt erzielt worden. Die Micum- Verträge unerträglich. Ein Schritt der Bergarbeiter im Ruhrrevier. Amtlich wird gemeldet: In der Reichskanzlei fand am Donnerstag nachmittag auf Wunsch der Arbeitnehmervertretungen eine Aussprache zwischen den örtlichen Verbänden und Spizenorganisationen der Bergarbeiter und Angestellten des Ruhrkohlenbergbaus und der Reichsregierung ftatt über die durch die Micum Ber. träge geschaffenen Verhältnisse im Bergbau. = Die Bertreter der Arbeitnehmer legten unter Anführung reichen statistischen Materials über Lebenshaltung und ohne in tommen die unerträglich gewordene Lage der Bergarbeiterschaft dar. Gegenüber einer erheblich gewachsenen Zeuerung und einer Berlängerung der Arbeitszeit lägen die Einkommen beträchtlich unter dem Friedensstanje. Das Einfommen werde noch wesentlich herabgedrückt durch Feierschichten und Kurzarbeit; hinzu kämen die zahlreichen durch die Störung der westdeutschen Wirtschaftslebens bedingten Entlassungen, welche das Heer der arbeitslosen Bergarbeiter allein im besetzten Gebiet auf annähernd 150 000 gebracht haben. Zahlreiche Betriebe lägen still, während immer weitere drohten unter der Laft der Micum- Berträge zusammenzubrechen. Durch diese Verhältnisse sei bei den besonders schwer und unter großen Gefahren arbeitenden Bergleuten eine äußerste Notlage entstanden. Durch die Unterernährung seien die Rrantheitsziffern in erschreckendem Maße geftiegen; insbesondere die unzureichende Bersorgung der Rinder ftelle eine schwere Gefahr dar. Der Tag der Herren. Die Unternehmer bei Kroll. Die große Heerschau der Industriellen in der Krolloper wedt mancherlei Erinnerungen. Es war einige Jahre vor dem Kriege, als die sozialdemokratische Presse aus einer Sigung des Zentralverbands der deutschen Industrie Mitteilungen machte, die größtes Aufsehen und stärkste Entrüstung hervorriefen. Da wurde in allen Lonarten gegen die schlappe Regierung und gegen die bürgerlichen Parteien gewettert, die den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter viel zu viel Bugeständnisse machten. Den Vogel schoß der Syndikus Rode aus Hannover ab, der sich aufs schärffte gegen die nationalliberale Partei wandte und sich zu der Bemerkung verstieg, die Nationalliberalen würden schon von der Industrie gefügig gemacht werden, denn sie würden ja von ihr bezahlt. Die linksstehende Breffe erhob Protest gegen diese unverhüllte Proflamierung des Herrenstandpunktes. Rocke wurde aus der nationalliberalen Partei, der er angehörte, ausgeschlossen. Die Scharfmacherpresse tobte tagelang über Bertrauensbruch und Diebstahl und schrie nach dem Staatsanwalt, bis der Vorstand des Zentralverbandes mit der Erflärung hervortrat, die Berhandlungen, über die die sozialdemokratische Presse berichtet habe, feien ja öffentlich gewesen und das Protokoll sei überall im Buchhandel erhältlich. Bedauerlich fei mur, daß erst die sozialdemokratische Presse Lärm schlagen müsse, um die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf die Tagungen des Zentralverbands zu lenken. Die Zeiten sind vorbei. Der jezige Reichsverband der Deutschen Industrie und die Arbeitgeberverbände haben etwas zugelernt. Mit einer ungeheuren Regie unter Aufgebot der höchsten Regierungsstellen wurde die gestrige Lagung ins Wert gesetzt und für eine ausgiebige Berichterstattung durch die Presse wurde gesorgt. Dementsprechend war auch die ganze Tonart der Berhandlungen abgestimmt, allzu temperamentvolle Aufrichtigkeiten wurden vermieden. Man sprach nicht mehr davon, daß man der Regierung den Herrenstandpunkt ins Auge brüden me", mied die oufreizende Rebensart von dem Herrn im Hause", höhnte nicht mehr über die meiße Salbe", die man den Arbeitern statt eines wirksamen gefeßlichen Schußes aufschmieren müsse und sprach nicht mehr mie einst, progig und herausfordernd, von den Industriegeldern, von denen die bürgerlichen Parteien lebten. PI tär Delbrüd Die Industrie hat ihre politischen Flegeljahre überwunden und spricht heute die diplomatische Sprache einer gefestigten macht. Als solche wird sie auch von der Regierung anerkannt. Wir erinnern uns daran, daß einst auf einer Tagung des Zentralverbands der kaiserliche Staatssetreder faum weniger angefeindet war als Berlepsch oder Posadowsky- gegen die übertrie benen Machtansprüche des Unternehmertums ironisch leise, aber doch verständliche Worte der Zurückweisung fand. Davon jetzt nichts mehr. Die Vertreter der Regierung wetteiferten darin, der ungeheuren Kapitalsmacht, die in den vertretenen Berbänden vereinigt war, ihre Huldigung darzubringen. Diese Ministerreden werden noch Stoff zu mancherlei Betrachtungen geben. Heute und hier nur einige Worte über die Bemerkungen des Herrn Reichskanzlers Marr zum Achtstundentag. Herr Marr hat an die versammelten Industriellen die rhetorische Frage gerichtet: Glaubt etwa auch nur einer von Ihnen, daß man draußen für ims in die Schranken treten würde, wenn wir durch Beibehal tung des achtstündigen Arbeitstages unsere Berpflichtungen nicht zu erfüllen vermöchten? Gerade Der Ausspruch des Reichskanzlers gewinnt nur dann einen richtigen Sinn, wenn man den Ton auf das Wort Ihnen" legt. Von den Industriellen mag in der Tat fein einziger glauben, daß sich Deutschland durch die Berufung auf seine fozialpolitischen Pflichten eine Erleichterung seiner Reparationsleistungen verschaffen könne. Denn die Herren sind ja samt und fonders auf den Grundsatz eingeschworen, daß die Reparationslasten von den Arbeitern durch unbezahlte Leberarbeit aufzubringen find. dieser Grundsatz ist aber direkt vertragswidrig und die deutsche Regierung würde, wenn sie sich entschlösse, ihn zu be= fämpfen, im Wortlaut des Dokuments Don Versailles die stärkste Stüße finden. Dieses Dokument fordert nicht nur nicht die Bezahlung der Reparationen aus der Heberarbeit, sondern es verbietet sie geradezu, indem es den Achistunbentag als erstrebenswertes Ziel aufstellt und internationale Abfommen zu seiner allgemeinen Einführung ankündigt. Ein solches Abkommen ist denn auch in Washington getroffen, aber bisher von Deutschland nicht ratifiziert worden. Die Industriellen berufen sich stets auf einen anderen Grundsatz des Vertrags, wonach das Privateigentum dem direkten Zugriff zu Reparatonszweden nicht unterliegt. Aber ebenso wie das Privateigentum vor der Konfistation, so ist auch die Arbeiterschaft vor Ueberlastung grundsäglich geschüßt. Das aber wollen die Industriellen nicht bemerken, und die Regierung will es, wie aus den Worten des Reichs fanglers hervorgeht, auch nicht. Die Regierung ist in diefer Beziehung eine gelehrige Schülerin der Industriellen. Die große Antisozialistenrede des Tages zu halten, war dem Führer der Balastrevolutionäre der DeutTchen Volkspartei, Herrn Dr. Bogler, vorbehalten. Wenn es th früheren Zeiten hieß der König absolut, wenn er imjeren Willen tut", so gilt dasselbe heute für die Republic. Dem Staat, wie er ist", foll feine Opposition gemacht werden, wenn er sich von sozialistischen Tendenzen fernhält, wenn er den Kampf gegen den Klaffenhaß aufnimmt und das Belt Dom sozialistischen Bahn freimacht". Dazu ist zu bemerken, daß der Klassenhaß der Besitzlofen gegen die Befizenden vielleicht in feinem Lande der Welt so menig aggressive Formen angenommen hat wie gerade in Deutschland, obwohl es hier an Herausforderungen zu ihm am allerwenigsten fehlt. Das Lurustreiben in einer Zeit grausamster Hungersnot, die Bereicherung der Sachwertbesitzer am Inflationselend, die Unternehmeroffensive gegen die sozialpolitischen Errungenschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamten, das alles find doch Tatsachen, die nicht aus der Welt zu schaffen sind und die auch in einem lammfrommen. Bolt Erbitterung schaffen mußten. Was Herr Dr. Bögier den fozialistischen Bahn" nennt, ift nichts anderes als die natürliche Reaktion auf die tapi tatistische Wirtlichteit. Diefe fapitalistide 2Birt lichkeit erscheint Herrn Dr. Bögler und seiner begeisterten Zu hörerschaft als der Idealzustand, zu dessen Erhaltung und Schutz der Staat berufen ist. Es lebt bei. diefen Herren fein Berständnis dafür, daß die Begeisterung für diesen Ideal zustand nicht so groß sein fann bei denen, denen es unter ihm weniger gut geht als ihnen, und daß Millionen, die unter ihm zu den schwersten Entbehrungen gezwungen find, ihn verfluchen und sich aus ihm herausfehnen. Und dennoch auch dies entgeht Herrn Dr. Bögler hat dieser natürliche gefühlsmäßige Drang bei der ungeheuren Mehrheit der sozialistischen Arbeiterschaft die realpolitische Einsicht in gegebenen Rotwendigkeiten nie überwältigt. Auch ihr hat nie das Verständnis dafür gefehlt, daß die fapitalistische Industrie, jolange die fapitalistische Organisationsform nicht überwunden ift, einer pileglichen Behandlung auch durch den Staat bedarf. Wenn sich z. B. die rein sozialistischen Regierungen Sachfens und Thüringens bemühten, der tapitalistischen Industrie ihrer Länder Abfahmöglichkeiten und Arbeitsgelegenheit zu er schließen, so haben sie das sicher nicht den Unternhemern, fondern den Arbeitern zuliebe getan, aber sie haben doch die Einficht befundet, daß man die Wirtschaft, weil und soweit sie noch fapitalistisch ist, nicht mit allen an ihr hängenden Arbeiterintereffen einfach zugrunde gehen lassen darf. S Was Herr Bögler den sozialistischen Bahn" nennt, ist breferlei: Es ist das Streben, über der Kapitalsmacht eine von dieser unabhängige demokratische Staatsmacht zu errichten, dem Arbeiter im Broduktionsprozeß eine gleichberechtigte Stellung zu nerschaffen und organisch, nicht zerstörend den Aufstieg zu höheren, menschlich freieren, die Wohlfahrt Bes einzelnen gewährleistenden Wirtschaftsformen vorzubereiten. Dieses breifache Streben zu bekämpfen, ist aber nicht das Amt des Staates. Der Staat ist das in verfassungsmäßigen Rechtsformen organisierte Bolt, dieses aber hat fein Intereffe daran, daß fein Staat, feine Republit eine Geldjackrepublit bleibt, und es wird sich, wenn es politifd) reif ist, nicht von benen regieren laffen wollen, bie durch ihre ungeheure a pitálsmacht die öffentliche Meinung beherrschen. Die Heetschau in der Krolloper hat ein eindringlich lehr ethes Bild geboten. Da ist ein Gegner im Bollgefühl feiner Macht, ein Gegner, der nicht leicht zu überrennen ist, über ben nur in schweren, müherollen mit dem Aufgebot stärkster Geistesträfte geführten Rämpfen der Sieg zu gewinnen ist, Ein Gegner, von dem man auch etwas lernen fann. Denn, merit es, deutsche Arbeiter, die deutschen Kapitalisten Find einig wo sie Gegenfäße ben und sie haben sie im Berhältnis der Rohstoffindustrie zu den verarbeitenden Gewerbenda ftellen fie fie vor der Deffentlichkeit zurück und bieten sich dem Gegner in geschlossener Front. Es hat Schneeschmelze in den Bergen. Bon Mar Ed.Troll. Seit einer Reihe von Tagen bin ich in den Bergen. Dort, wo bie Quellen( pringen.. Da ich anlam, wehte ein elfiger Norboft. Fußhoher Schnee lag, als ich von der nächstgelegenen Bahnstation zwei Stunden Wegs zu dem Drte meiner Bestimmung stapfte. Und neue Schneemassen fielen hernleder. Die Wiefe des Talgrundes war eine weite, weiße Fläche, die das Auge blendete. Die Tannenbäume der meinem Zimmer gegenüberliegenden steilen Bergabhänge waren mit biden, wolligen Schneehauben wie in den Weihnachts- Märchenbüchern bebettt.. Der Bach im Wiesengrund lief zahm und ruhig in seinem Bett. Heute nacht derhte sich der Gockelhahn auf dem Kirchturm im Dorfe. Ein Bauer sagte mir:„ Es gibt Taubetter. Der Godel da oben ist unser Welterprophet!" Und Westwind tam, von Frankreich her. Warme Lüfte wehten von den Bergen in bas Tal hinein, mie graue Papierfehen blies der Wind die Wolfen vor sich her. Sie jagten so niedrig, als wenn sie an den Bergspigen zerstäuben müßten. In der Nacht fiel warmer Regen. Als ich bes Morgens nach fejtem Echlaf, wie wir ihn nur nach Wanderung in den Bergen geschenkt erhalten, zum Fenster hinausfah, war die große, weiße Schneefläche verschwunden bis auf einzelne weiße Inseln, die aus dem Grün der Wiese hervorleuchteten. Auch zwischen den Stämmen' des Waldes schimmerte die rotbraune Erde. Der Bach im Tale aber hatte sich zu einem reißenden Ungetüm ausgewachsen. Von den Dachrinnen der Bauernhäuser troff und gludste es unaufhörlich. Die Dorfstraßen waren ein einziger Gee, deffen Wasser in fleinen, vielhunderfachen Kanälen talwärts bem Bach zuflossen. An den Felswänden hatten sich neue tieine Bäche gebildet. Bei meinem Haus war eine fleine Duelle neu erwacht, die Winterstälte bette erfrieren lassen. Gie riefelte in breitem. Strom über die Wiefenfläche dem Bache zu. Von meinem Fenster aus fann ich den Bach wachsen Tehen. " in der Krolloper teine fnifflichen Diskussionen über taktische Fragen, fein Berrätergeschrei und fein Absagen von Führergarnituren gegeben, wie das bei den Kommunisten üblich ist. Es gab in der Krolloper auch feine Sorge vor der angeblich bevorstehenden fommunistischen Weltrevolution", sehr richtig hat man dort erkannt, daß die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften die wirklich gefährlichen und einzigen ernstlich zu bekämpfenden Gegner find. Ueber den Juliusturm der Industrie" hat man nicht mehr wie 1909 öffentlich debattiert, aber mán hat in aller Stille die schweren Geldfäcke für den Wahlkampf aus ihm herausgetragen. Den bürgerlichen Parteien wird die Tagung in der Krolloper viel Geld bringen. Aber auch der Masse des arbeitenden Boltes fann fie etwas bringen, nämlich dann, wenn diese Maffe den Begweiser erkennt, der für fie aufgerichtet worden ist, und begreift, wohin sie zu marschieren hat. " Abschluß des Hitler- Prozesses. Urteil verkündung am Dienstag. Der Prozeß gegen Hitler und Genossen hat gestern nach längeren Schlußbemerkungen der Angeklagten fein Ende er reicht. Das Urteil soll am Dienstag, den 1. April, verkündet werden. Bier Wochen lang dauerte die Parade, die im Kafino der Infanterieschule in der Blutenburger Straße von großen Geistern abgenommen wurde, die sich für die letzte Rettung Deutschlands hielten. Das Resultat ist nicht nur blama bet für die Angeklagten, sondern auch für die Republit. Der Reichspräsident, die verantwortlichen Minister der Republik, ihre Verfassung und ihre Institutionen durften öffentlich geschmäht werden, ohne daß es der Gerichtshof für nötig befand, die Angeklagten und ihre Berteidiger mit der nötigen Schärfe in ihre Schranken zurückzuweisen. Die Szene gestaltete fich oft zu einer offenen Berhöhnung der Republit. Es wäre ein zweckloses Beginnen, sich hilfesuchend an die Reichsregierung zu wenden. Sie ist nicht schuldols an dem Jammerspiel, das in München vorüberzog. Sie hatte nicht den Mut, der Rebellion in Bayern von vornherein mit der nötigen Energie entgegenzutreten. Sie hat auf diese Weise die bayerischen Gegenspieler zu einer Ueberschätzung der eigenen Kräfte herausgefordert. Durch die Tatenlosigkeit und die Baudertaftit der Reichsregierung erst fonnte das Gespenst des Direktoriums mit dittatorifchen Bollmachten in gewissen Köpfen als ein Gebilde von Fleisch und Blut erscheinen. Erst dadurch konnte sich bei den Hitler und Genoffen die fanatische Ueberzeugung festlegen, ein Marsch nach Berlin" sei ein Sonntagnachmittagsausflug. Ueber die Pläne der Herren vom Direktorium sieht man heute in mancher Hinsicht flarer. In den kritischen Tagen hatte fich ein weitverzweigtes Neg von Berschwörern gebildet, die die Dittatur anstrebten. Sie verfügten über die Organisationen aus dem voltischen und deutsch nationalen Laget. Der Augenblick zu handeln war denkbar günstig. Daß der Absprung" trohdem unterblieb, beweist, daß die Schwierigkeiten bei den Feinden der Republik groß genug find, um ihre Tatfraft zu lähmen. " Das ist zunächst ein Plus für die Republit. Aber damit darf es nicht fein Bewenden haben. Der Hitler- Putsch ist im Rahmen der antirepublikanischen Bühlarbeit eine minder wichtige Episode: Die Kahr, Loisom, Claß und Gayl, die durch die Maschen des Gefeßes zu fchlüpfen versuchen, sind die gefährlicheren. Sie werden zweifellos unter der Oberfläche weiterarbeiten, Bie, fie Bayern zu einem Ausland" innerhalb der deutschen Republik gemacht haben, werden sie bersuchen, auch noch andere Teile aus dem Rahmen loszulösen. mit dem och verratsparagraphen allein läßt sich die Bewegung nicht betämpfen. Die Autorität bes Staates wird gestärft werden müssen, wenn man ben Rampf auf die Dauer erfolgreich führen will. Es ist ein unmöglicher Zustand, wenn sich einzelne Länder über Reichs verfaffung und Reichsgefeße hinwegfeßen und monarchistische Manieren bei ihren Beamten dulden. Soll aber das Reich Rieberstoßen schnappen. Heute ist das Wasser schymußig gelb und undurchsichtig. die Macht haben, den Ländern energisch gegenüberzutreten, dann muß an der Spize des Reiches eine Regierung stehen, Die über eine starte und zielbewußte Mehrheit im Parlament verfügt und die sich auf die Reichsa wehr verlassen tann. Im Hitler- Prozeß wurden die Borgänge in der In. fanterieschule in München unter Ausschluß der Deffentlichkeit behandelt. Dem Temperamentsausbruch eines der Verteidiger verdankt man es, daß man heute wenigstens soviel weiß, daß große Teile der Infanterieschüler in den Novembertagen zu Hitler übergelaufen waren und den Marsch auf Berlin", also den vollendeten Hochverrat mitmachen wollten. Die Infanterieschule in München war jene Anstalt, in der der Offiziersnachwuchs für die Reichswehr herangebildet wurde. Sie war die einzige Anstalt dieser Art. Wenn dieser Geist der Republikfeindlichkeit bei den Anwärtern auf die Führerstellen in der Reichswehr großgezogen wird, fann sie die Anforderungen, die die Republit zu stellen hat, nicht erfüllen. Aufgabe der Reichsregierung ist es, sich über diese Frage mit der Reichswehr auseinanderzusetzen. Sie fann es nur, wenn sie sich auf eine Parlaments mehrheit ftützt, die weiß, was sie will. In München wird man am Dienstag einigen Hochverrätern das Urteil sprechen, die vorgestellt sind, und man wird sehen, inwieweit sich das bayerische Volksgericht, das übrigens bereits am 31. März in der Verfenfung verschwinden soll, noch zur Achtung des Gesetzes verpflichtet fühlt. Das eigentliche Urteil über die gesamte hochverräterische Bewegung wird aber erst gesprochen werden, wenn die neue Reichstag zusammentritt. Der Stahlhelm und Stresemann. Bon zuständiger Stelle" wird mitgeteilt: " Der„ Borwärts" befchäftigt sich in der heutigen Morgenaus gabe noch einmal eingehend mit ben„ Stahlhelm Dofumenten und ftellt hierbei folgende Fragen: haben Stresemann und Seedt die ultimativen Forderungen des Stahlhelm- Führers Geldte entgegengenommen, ohne ihn berhaften zu lassen? Und warum yaben sie diesen Versuch der Amtsnötigung und der Ver. leitung zum Hochverrat nicht erkannt und nicht danach gehandelt?" Die Beantwortung dieser Fragen ist sehr einfach: Der damalige Reichskanzler, Dr. Stresemann, und General v. Seedt tonnten und brauchten die ultimativen Forderungen Selbtes nicht entgegenzunehmen, da Seldte ihnen feine Forderungen gestellt hat. Damit eriebigen sich die weiteren Fragen von felbft." Demgegenüber weisen wir nochmals auf den von uns verDom 4. November bin, ber telegraphisch an Stresemann öffentlichten Befchluß des Bundesvorstandes des„ Stahlhelms" weitergegeben wurde. In dem Beschluß heißt es aus weitergegeben wurde. In dem Beschluß heißt es aus brücklich: Im Namen von Millionen ehemaliger Soldaten mendet sich der am 4. November in Magdeburg zusammengetretene Bundes norstand des Stahlhelms und der Frontsoldaten an Sie, Herr Reichstanaler, mit der Forderung, nunmehr umgehend eine natio nale Dillatur zu schaffen, die nicht durch Pariamente, Partelen und Interessenverbände behindert ist. Nur die sofortige Er. richtung einer nationalen Diktatur fann Deutschland retten. Wir verlangen nunmehr von Ihnen, Herr Reichstanzler, daß Sie diese Dittatur umgehend schaffen. Warunt machen Sie von den in Ihrer hand befindlichen Machtmitteln nicht restlos Gebrauch? Handeln Sie, damit nicht andere handeln!" Wenn Herr Dr. Stresemann in dieser Aufforderung teinen Verfuch der Amtsnötigung und der Berleitung zum 5od perrat erblidt, bann möchten wir ihn bitten, zu sagen was er denn unter dem Begriff Amtsnötigung und hochperrat versteht Der babijhe Landtag hat mit Mehrheit den Antrag auf 5) aftentlassung der tommunistischen Abgg. Bod und Unger, die im Zusammenhang mit den kommunistischen Unruhen 1923 wegen Berdachts des Hochperrats verhaftet worden waren, auf die Dauer des Landtags angenommen. Die pielen fleinen Bäche gurgeln und gludsen in hellen und tiefen Tönen, von den Dachrinnen der Bauernhäuser und Scheunen fidyert es in die Wafferiachen hinein, von den Felfen zirpt es, unbebe, der Handlung, wie gewaltig wiederum fünden fich die die ungeftümen Wasser des Bathes rauschen wie Donner bei an ziehendem Gewitter. Es quellt und riefeft und fließt und strömt allerorten. Jebe cerfurche ist zum Bach geworden. Hier in den Bergen hat bas Hochwasser der großen Täler feinen Anfang. Wie hier in unserem Gebirgstal quellt und fließt alles in den vielen Seitentälern des Gebirges. Ungestümer Bach vereinigt fich mit seinen Brüdern ber anderen Täler zum noch wilderen Fluß. Und Flüsse Glüffe eilen zum großen mächtigen Strom. Tauerndes, fojial aufgewühltes Dämmerlicht gehüllt. Er ist tein Wert von monumentaler Größe, auch wird das große Publitum lange, fehr fange brauchen, bis ihm die letzten Feinheiten aufgehen. Bie zart und ficher zugleich begleitet Buccini die kleinste Phase der drohenden Wolfen an! Troy voller Wagnerscher Bedeutung des Orchesters sind die Sänger die Hauptsache, brauchen nicht unnatürlich zu forcieren und haben mit ihren 3wiereben manches Schöne. Das Orchester hat sich hier zu höchster Blüte entwickelt. Die Aufführung fand unter der Leitung von Wilhelm Freund aus Dresden statt. Eine neue, sehr erfreuliche Erscheinung. Er weiß genau, mas er will, wird den verschiedenen Stilarten aufs trefflichste gerecht. Die Inszenierung von Dr. Pauly war ebenfalls vor bildlich, Desider 3abor( Warcel) mar für seine Aufgabe ganz der geeignete Mann, wo das folistische Hervortreten nicht Glanz, fondern Resignation und Beffimismus verlangt. Der Henry Jaro Dworsens war ausgezeichnet, temperamentvoll und doch höchst einfach, gefanglich famos. Clare Born( als Gaft) als Georgette ist gesanglich umnantastbar, darstellerisch etwas zu wenig differenziert. Die Aufführung war abfolut erstklassig. Orchester und Chöre waren auch in der„ Cavalleria", bie als zweiter Einafter folgte, auf höchster Höhe. Meta Seine. mener ist eine tabellose Santuzza, temperamentvoll ohne Uebertreibungen, dabei eine höchst sympathische Sängerin. Die Intonation bei der Führung des Chors vor der Kirche litt leiber unter einer Gentung. Lußmann fingt den Turido ganz als Helbentenor. Nicht viel Weichheit, aber ftrahlende Sieghaftigkeit. Die Dar bestellung ganz aus einem Buß, wenn vielleicht auch fie etwas zu spröd, zu eisern für den nachher fo meichlich Umfallenden. Heinrich Maurer. Und bald wird der Strom über feine Ufer treten! Unter den Bogen, die das Land im Tale fiberfluten, bie die Häuser der Ebene bebrohen, ist auch der fleine Quell, der bei meinem Hause eben aus dem Winterschlaf erwacht, ist das Wasser unserer Dorfstraße, sind die Millionen Rinnfale der Ackerfurchen. Aus Kleinem und Kleinsten wird Mächtiges, Großes. રામદ Es raunt und riesets und rinnt und rauscht ben Bergen. Die Schneemassen auf den Bergen haben ihre Banderung gonnen, die Quellen ihren Winterschlaf beendet. Ihr Brüder in den Zälern habet acht! Der Mantel" von Puccini. Deutsches Opernhaus, in Bon den brei neuesten Einattern Buccinis, Der Mantel Schwester Angelita", und Giani Schicchi" hat uns das vorige Jahr den letteren beschert. An den zweiten hat sich noch tein Theater herangemacht, den ersteren bekamen wir Mittwoch zum ersten Male zu hören. Der Mantel" ist eine tragische Sonlle, mit einer Handlung, die aufs natürlichste aus dem tiefen fozialen Elend der Löscher" eines Schleppfalmes auf der Seine vor Paris hervorquillt. Das Tertbuch des Guiseppe Adami( nach La Houppe lande" von Dibier Gold) schürft tiefer als die früheren veriftischen Tertbücher, ist einfacher in feinem Naturion und hält fich frei von Phrafen. Die Oper ist ein Beweis dafür, daß Buccini restlos an fich arbeitet, daß er das legte an äußerem mohlfeilen Brunt und italienischem Singfang zu opfern versteht, wo es hinpaßt. Der Mantel" ift von einer Losca" etwa fo weit entfernt, wie Barsival" vom Fliegenden Holländer". Wenn die leeren Quinten des Bor. Bei der baufälligen Mühle des Orts steht das Wasser schon im Seller, Geften war der Bach noch fo, flar, baß man die Steine spiels baberſtürzen, padt einen die Angst, es tönnte zu futuristisch werben. Aber auch hier zeigt sich der Meister, der in der Be und die alten Kotyöpfe auf dem Grund zählen, fornte. Gin Fischschränkung noch größer ist als in Hellem Auffindern. Der ganze relher, der im Tale als feltener Gaft fich eingefunden, fonnte gestern Ginatter ist von der erften Note an bis zur legten in ein einnoch aus großer Höhe die Forellen im Bache fiehen sehen und sie im heitliches, halb mildes, mitleidiges, verstehendes, halb blutdürftiges, Beim Aufstehen fab ich noch eine große Schneeinfel am Bach rand. Bon Biertelstunde zu Biertelstunde wurde. Sie fleiner, um schließlich ganz im Baffer zu verschwinden. Der Bach ist über die fer getreten. Die Weidenbäume ftreden nur noch wie hilferufend ihre schlanken Gerten über die Wafferfläche, bie nun das ganze breite Tal fiberfluten. 11 Was ist Stahl? Auf diese Frage wird man in der Regel bie Antwort erhalten:„ Stahl ist schmiedbares Eisen mit mehr als 50 kg/ mm 3ugfestigteit" oder" Stahl ist härtbares schmiedbares Eisen mit mindestens 035 Broz.( auch 0,50 Broz.) Kohlenstoffgehalt". Die erste wie die zweite Definition ist nicht haltbar. Schmiedbares Eisen hat bekanntlich die Eigenschaft, daß seine Bugfeftigfeit burch Wärmebehandlung, namentlich bei höheren Rohlenstoffgehalten, sowie durch Warm- und Raftredung nicht unerheblich geändert werden tann. Infolgedeffen tann ein und dasselbe Material einmal unter, das anderemal über der 50- kg- Grenze liegen. Auch die Bildung ber Grenze zwischen schmiedbarem Eisen und Stahl mit Hilfe des Rohlenstoffachelts ist unsicher, denn außer dem Rohlenstoffgehalt hat auch der Mangangehalt auf die Härte einen wesentlichen Einfluß. Ferner werden im heutigen Sprachgebrauch verschiedene Marten als Stahl" bezeichnet, die biefe Benennung nicht führen türften. Ueberhaupt bezeichnet man vielfach schmied bares Eisen höherer Qualität als„ Stahl"( Elektro ft a hl. Liegelft a h), ohne Rücksicht auf die Zugfestigkeit und den Kohlenstoffgehalt. Ferner spricht man von Stahl guß, auch wenn er weniger als 50 kg Bugfeftigkeit hat. Die Bestimmung einer fcharfen Grenze zwischen Eisen und Stahl ist also nicht möglich und schließlich auch gar nicht notwendig, wie uns das Borgehen der Amerikaner, Engländer und Franzosen zeigt, die schon lange alles auf flüssigem Wege hergestellte schmiedbare Eifen Sonntag vormittag den Lokalen Suhe in Geo- Bets Flugblattverbreitung Jeder sei pünktlich zur Stelle. 9 Uhr Groß- Berlin Vor dem O.C.- Prozeß. Wie BS. meldet, ist damit zu rechnen, daß der große D. C. Brozeß vor dem Staatsgerichtshof im nächsten Monat aur Berbandlung fommen wird. Es handelt sich dabei um das Geheim bündeleiverfahren gegen 38-40 Mitglieder der bekannten Organisation Conful( D. C.). Die Boruntersuchung wurde bereits feinerzeit während der Ermittlungen nach ben Teilnehmern am Rarhenau Mord und im Anschluß an den Killinger Brozeß in Offenburg eingeleitet. Unter den Angeklagten wird sich in erster Linie der auch in Rathengu- Prozeß vielgenannte Kapitänleutnant Hoffmann aus München befinden, ferner Ehrhardts rechte Hand", der im Hitler- Prozeß als Zeuge aufgetretene Rapitänleutnant Rautter, aller Wahrscheinlichkeit nach auch zwet Angeklagte aus dem Rathenau- Prozeß, nämlich Ernst Berner Techow unb Rap tänkutnant Tillessen, die zurzeit ihre Zuchthaus- bzw. Gefängnisstrafe verbüßen. Bei der ungewöhnlich großen Anzahl von Beschuldigten wird es sich voraussichtlich um den größten Prozes handeln, der bisher vor dem Staatsgerichtshof zur Berhandlung gekommen ist. Als Verteidiger werben u. a. tätig fein die Rechts anwälte Dr. Luetgebrune- Göttingen, Juftizrat Willi Hahn, Dr. Gad und P. Bloch- Berlin. Die Anflage dürfte Oberreichsanwalt Ebermener selbst vertreten. Hochverrat an Hochverrätern? fönne man Umstände sei er bazu gebracht worden, mit ber Wahrheit zu jongfieren. Zu den einzelnen Anflagepunkten übergehend erflärte der Berteibiger, von einer Anftiftungstätigkeit des Möblus fönne in feinem Falle die Rede sein. Er habe recht wohl gewußt, daß Dr. Seigner feine Bestechungsgelder von ihm annehmen werde. Eher eine fortgelegte betrügerische Hand= lungsweise annehmen. Der Berteidiger bitet das Gericht, ben Angeklagten bald wieder seiner Familie zurüdzugeben. In seiner Replit stellt Obe staatsanwalt Schlegel einige Mißverständnisse richtig und hält im übrigen feinen Standpunkt im Falle Möbius aufrecht. Er beschäftigt sich mit dem Bestreben, die Glaubwürdigkeit des Zeugen Weiner anzuzweifeln und welft diesen Verfuch zurüd. Zu allen anderen Bunften ber Anklage er flärt der Oberstaatsanwalt, daß die vorgebrachten Argumente ber Berteidigung nicht beweisträftig genug jelen, um ihn zu einer Mende. rung feines Standpunktes zu bewegen, Staatsanwalt augt erflärt zum Fall Schmarle, es fel von ausschlaggebender Bedeutung, baß fich ber- Damenpela noch heute im Besitz der Frau Dr. Zeigner befände. Er hält die Annahme des Belzes durch Dr. Beigner fomit für erwiesen. Weiter feit erwiefen, baß das Gefchent Dr Beigner in einer bestimmten Richtung ber einflussen sollte. Dr Zeigner habe die bei der Hingabe des Belzes erwartete pflichtmibrige Handlung getan, womit der Tatbestand bes $ 331 gegeben fei. Staatsanwalt Haugt erflärt, es fel gar nicht nötig, daß Möbius tatsächlich als Crpreffer auftrete; die Tatsache feiner Gegenwart genüge, um bei Dr. Zeigner bas Gefühl ber un ficherheit hervorzurufen. Was Dr. Melzer anlange, so tönne fein Einfluß auf verschiedene Zeugen nicht beftritten werden. Die Verhandlung wird hierauf auf Freitag vormittag Vorstoß gegen Preußen. Delegiertentag der Nationalliberalen Bereinigung. Die neugegründete Rationalliberale Bereinigung der Deutschen Bolfspartei hielt gestern im Reichstag eine Konferenz ab, an der Bertreter aus allen Teilen Deutschlands teilnahmen. Es Sprachen Dr. Klönne- Dortmund, Abg. Dr. Gildemeister, General und Dr Maregty. birettor Bögler, Frhr. v. Lersner, Döberich( vom Reichslandbund) Schärfe gegen den Borsigenden der Bolkspartei, Außenminister Sämtliche Rebner wandten sich mit außerordentlicher Dr. Stresemann. Troy aller Schwierigkeiten, fo fagte Dr. Riönne, müsse ein Frieden mit der Partei noch möglich sein, wenn aber Dr. Stresemann den Frieden nicht wolle, so werde die Nationallibe rafe Bereinigung zeigen, daß fie aud tämpfen tönne. Man wird sich demnach bei dem Barteitag der Deutschen Boltspartei auf allerhand gefaßt machen müſſen. vornherein auf eine Rechtstoalition festzulegen. Die große Koa. Sachlich ging die Debatte wieder dahin, die Bolfsparlei von ition, so hieß es, fei ein für allemal erledigt. Im Reiche und in Breußen müsse für eine Bürgerblodregierung gesorgt werden. Dieser Standpunkt wurde in einer Entschließung fefigelegt, in der zu gleicher Zeit beschlossen wurde, auf dem beschrittenen Wege fortzufahren. Alfo Kampf gegen die Koalition in Breußen und gegen Stresemann! brei ihrer Bertreter den Borsitzenden der Deutschen Boltspartei, Nach der Tagung der Nationalliberalen Bereinigung suchten Saijerslautern, 27. März.( Mtb.) Eine Bersammiting der Ber. Dertagt. Dr. Beigner wird in der morgigen Sigung das Schluß Dr. Strefemann, auf und überbrachten ihm im Auftrag der einigten Sozialdemokratischen Partei von Kaiserslautern hat fich der von der Sozialdemokratie in Spener angenommenen Ent schließung zur Frage der Strafverfolgung der brei Parteimitglieder Hoffmann, Kloefoot und Wagner einstimmig angeschlos feri. Die Entschließung lautet: Die fozialdemokratische Bartel von Raiserslautern ftellt mit Genugtuung fest, daß der Rechtsausschuß des Reichstags die Straf verfolgung des Reichstagsabgeordneten Genossen Johannes off mann Kaiserslautern ausgefekt hat. Die Bartel hat bas brin gende Bedürfnis, wiederholt und in aller Deffentlichkeit zu ers flären, daß alle sozialistischen Arbeiter, Angestellten und Beamten von Raiserslautern in der Oktoberattion gefchloffen hinter der sozialdemokratischen Partei und besonders hinter dem Genossen Hoffmann stehen. Nachdem die Geschichte der letzten Monate flar und unzweideutig erwiesen hat, daß der pfälzischen Bevölkerung nur durch die Oktoberattion un fägtithes Leid und Elend erspart geblieben wäre und nachdem der Hiller- und Ludendorff- Prozeß feßt schon auf das Bestimmteste zeigt, daß die deutsche Republit von Bayern aus zerstört werden follte. verjet ble Frage der Strafverfolgung Der Beauftragten der BSPD. diefer einen Schlag ins Geficht, des gleichen pielen Republikanern der Rheinpfalz. Wir fordern bes. halb mit aller Entschiedenheit, daß das gegen die Beauftragten Der BSBD eingeleitete Berfahren sofort eingestellt wird. Die Bersammlung nahm zum Schluß noch eine Refolution an, die der Reichstegsfratilonsmehrheit und dem Barteivorstand wegen threr Haltung zum Ermächtigungsgesetz das Vertrauen ausspricht. Der Zeigner Prozeß. Das Plädoyer für Möbius. Replit des Staatsanwalts 3m 3eigner Prozeß erhielt geffern nach ber Mittagspaufe der Berteidiger des Möbius, Rechtsanwalt Tschopit das Wort.. Er führte u. a. aus: Möbius stehe vor dem Gericht als Kronzenge bes sonderer Art in dem weit größeren Berfahren gegen Dr. Beigner. Möbius habe das mit seinem Instinkt herausgefühlt, und darin liege auch der Grund für die Widersprüche in seinen Aussagen. Er habe fich früher festrenommiert und fe ft gelogen, unb erst als er in Der Hauptverhandlung erkannte, um was es ginge, habe er der Bahrheit die Chre gegeben. Sein böser Geist sei Dr. Mel. zer gewesen, der mit allen Mitteln trachtete, ihn bei seinen für Dr. Beigner belastenden Aussagen zu halten. Durch die besonderen " als„ Stahl" bezeichnen. Daher beschloß der Berkstoffausschuß des Normenausschusses der Deutschen Industrie, baß fortan mit Stahl" alles auf füffigem und auf teigigem Wege her. gestellte, schon ohne Nachbehandlung fch mie bbare Gifen zu bezeichnen fei, und zwar je nach der Herstellung als Iust a hl" oder als„ Schweiß oder Bubbelstahl". Hierbei ist zu bes merken, daß in Deutschland, im Gegensah zu dem Sprachgebrauch in Amerika, Eagland und Frankreich auch das Schweiß, ober Bubbel. material ohne Rücksicht auf seine Zugfestigteit oder den Kohlenstoff, gehalt als„ Stahl bezeichnet werden foll. Die völkische Mörderpartei. Deutschvölkische Helfer der Parchimer Verbrecher. Im Deutschen Tageblatt", dem Berliner Organ der Deutschvolfischen, das noch immer in Rost od hergestellt wird, beschäftigt man fich neuerdings auch schon mit dem Barchimer Fememord. Es kommt dabei auf den feltsamen Einfall, den„ Borwärts" am Pranger!" zu fehen, weil mir die volfifden Wordbuben als das behandelt haben, was sie sind: Produkte ber voltischen Dr. ganisation und Propaganda! Um die Aufmerksamkeit von sich abzulenten, behauptet das Mulle- Blatt, der Angeflagte Jurisch habe vom Borwärts" für seine Erzählungen Geld bekommen und fei auch m Gefängnis noch mehrfach vom„ Borwärts" unterstützt worden. Das ist eine Berdrehung einfacher Tatsachen. Bie unfer Rollege Sayiff vor dem Staatsgerichtshof als Seuge befundet hat, wollte der in Todesangst umherirrende Jurisch zunächst burch feine Vermittlung zum Minister Eevering geführt werden, um bort feine Angaben zu machen. Dieses Angebot war selbstrebend bebin. gungslos. Erst als sich dieser Wunsch an jenem Abend nicht ver wirklichen ließ, veranlaßte Schiff den Jurisch, feine Angaben zunächst ihm selbst zu machen, sodann mit der Abteilung la für den nächsten Tag eine Verabredung zu treffen. Damit sich dann der voll. tommen mittellofe Mann ber von seinem eigenen völkisch gefinnten Bater verstoßen ist und bem feine einene Mutter den schriftlichen Rat gab, sich das Leben zu nehmen- bis zum nächsten Lage über Waffer halten fönne, wurden ihm 5000 m. damals eine Lappalie von wenigen Groschen- förmlich aufgedrängt. Daß unfer Rebatteur, als Jurisch nach seinem britten freiwilligen Gr Ideinen auf bem Polizeipräsidium verhaftet werden mußte, für Rechtsschuh und dergleichen forgte, war eine Selbstverständlichteit, die auch vom Staatsgerichtshof als folche anerkannt wurde. 21s auf Grund der Aussagen des Jurisch die wirtligen Mörber gefaßt waren, denen deutschvolfische Vertrauensleute durch Zuwendung reicher Gelomittel zur Flucht verhofen hatten, hat die Deutschoöllische Freiheitspartel" aften diesen Angeklagten nicht nur Liebesgaben in Fülle ins Gefängnis übermittelt, sondern ihnen auch deutschvölkische Berteidiger bestellt und glänzend honoriert. er anders hat etwa ein Intereffe baran, bie Morbbuben, die nach einer Erflärung des Bardhimer Kreisletters nicht in feinen Listen gestanden haben sollen, die aber vor Gericht alle angaben, deutschvolfisch zu fein, durch Gestellung eines Heeres von Verteidigern nebst weiblichem Anhang und Brivatauto zu unterstügen? Die Deutschvölkische Freiheitspartei möchte ihre blufigen Spuren vor den Wahlen gern verwischen. Das soll ihr nicht ge fingen! Sie hat die verbotene Roßbach- Organisation als Ganzes in ihre Reihen aufgenommen; die Mörder oder Totschläger waren ihre Anhänger. Deren Beschüßer und Helfer maren Ber Als der Werkstoffausschuß diesen Beschluß faßte, war er fich trauensleute der Graefe- Partei. Und diese Bartel selbst hat flar barüber, daß man die alt eingeführten Handelsbezeich= alles gelan, um die Mordbuben zu decken und unsichtbar zu machen. nungen nicht mit einem Schlage durch einen Ausschußbeschluß Am Branger steht fie, bie Partei der Erzberger und umwerfen fann. Daher legte der Werkstoffausschuh des NDI feft, Rathenau- Mörder, der Hiller- Butschiften und der ehrenwerten Ge daß die üblichen Handelsbezeichnungen wie z. B. U- Cifen, Winkel- sellschaft, die jenen viehischen Totschlag im Balbe bei Bardhim eifen, Schraubeneifen, Rieteisen ufm., vorerst noch beibehalten merben sollen. Wir befinden uns übrigens auch in diesem Bunfte in Uebereinstimmung mit den Amerikanern und Engländern. Kaifers neue Komödie im Ceffing- Theater. Es fommen vor: ein verschuldeter Graf mit Gelbheirat, Kindesraub wegen Millionenteftements, eine Erbgräfin, Baron und Baroneffe, ein stolzer, junger Graf, der in Wahrheit das Kind einer Dirne ist. Also ein dramati ferter Rolportageroman. Daher der Name Kolportage". Ein Stoff, der oft, schon von Hermann Bahr, behandelt ist und doch ein g'üdlicher Griff des Dichters. Denn Georg Raiser behandelt die hochwohlgeborene Adetsweltanschauung, fo wie es heute allein an gebracht ist: von oben herab; er gibt sie in ihrer Berbohrtheit der Bächerlichkeit preis. Nach den ersten beiden Atten war das Bubli fum mit Recht bereiftert; mit dem Schluß hat Georg Kaifer, wie so eft, den mit Berve angepacten famosen Stoff nicht in einheitlicher Linie zu Ende geführt. Dgr. Die Erhaltung eines Brandenburgildhen Naturdenkmals. Einer Der schönsten Baumgänge in der Umgegend von Berlin, die Allee Bornim- Bornstedt, die Bäume von ganz ungewöhnlicher Stärke befigt, follte auf das Betreiben verständnisloser Anlieger nieder. gelegt werden. Das Berschwinden ber Allee wäre für das Band. fchafts- und Dorfbild con ungünstigster Wirkung gewefen. Auf Beireiben der ftaatlichen Stellen für Naturdenkmalpflege verbot ber Regierungspräsident die Bernichtung. Die Zeitschrift Naturschuß zicht daraus die beherzigenswerte Schlußfolgerung: Die Arbeit von Heimatschuß und Naturdenkmalpflege würde weit sicherer und erfolg reicher sein, wenn jede beabsichtinte Berunstaltung oder Zerstörung rechtzeitig gemelbet würde. Meist erfahren die zuständigen Stellen erst durch die Zeitung davon, wenn es zu spät ist. In der Humboldt- Hochschule bält Dr. Rabner Sonnabend 8 11hr Georgenftr. 30/31 einen Bortrag über.Qumorin den deutschen Mundarten". Bühnenchronit. Der Aufsichtsrat der fädtischen Bühnen- Aktiengesellschaft bat den Kapellmeister der Wiener Staatsoper, Prof. Clemens Straus, aum Direktor der Oper in Frankfurt a. M. ernannt. bas Das neue Drama B. Shaws. Bei seiner Londoner Uraufführung wurde Bernard Shaws neuestes Drama Die heilige Jobanna fich mit der Jungfrau von Drleans beschäftigt, vom Publikum mit rauschendem Beifall aufgenommen. vollzog! Deutschnationale Beamtenfürforge. Als in den Novembertagen des vorigen Jahres Martentwertung und Ueberteuerung einander jagten, traten die Schußpolizei. beamten von Königsberg, die zum größten Teil nach den Besoldungsgruppen 2 und 3 befoldet werden, an den Polizeipräst denten mit der Bitte heran, ihnen bereits am 3. November einen Teil der am 5. November fälligen Beauge als Borschuß auszuzahlen, da fie ihr Gehalt infolge der Entwertung vorzeitig verbraucht hätten und den in jenen unruhigen Tagen über aus schwierigen Dienst nicht ohne hinreichende Nahrungsaufnahme bewältigen fönnten. Der Bolizeipräsident Genosse üt bring fam diesen berechtigten Wünschen entgegen. Bereinigung mehrere Forderungen, die die politische Richtung der Boltspartei und das Führerproblem in der Bartei betreffen. Herr Stresemann hat die ihm gebotene feidene Schnur nicht angenommen. Sein Organ, die Zeit", po temisiert heftig gegen die Frondeure, und läßt herbe Worte über die Finanzierung der Nationalliberalen Vereinigung" fallen: " Aus dem lehrhaften Bortrag des Herrn Dr. Gildemeister hebt sich eine Stelle heraus, in der er sich zu der Frage berechtigt glaubt, ob die absolute Unabhängigtett ber Beit gewährleistet sei, oder ob sich in diesem Zeitungsunternehmen Einflüsse geltend machen", die nicht die unseren find". Die Beit möge entweder den pirteioffigiösen Mantel ablegen oder bie Bücher öffnen. Hierzu nur ein paar furze Bemerkungen. Die Beit" ist ein Organ der Deutschen Boltspartei und ist als solches mit ber finanziellen Unterstügung von Parteifreunden ins Leben gerufen worden. Sie unterscheidet sich dadurch wesentlich und sehr zu ihren Gunsten von einer ganzen Reihe von Organen, die von industriellem oder sonstigem Rapital beherrscht werden. Die Zeit" vertritt in poller Freiheit die Politit der Deutschen Bolkspartel, ohne irgendwelche finanzielle Abhängigteit. Ihr eine solche Abhängigkeit vorzuwerfen, ist gerade Herr Dr. Gildemeister zu allerlegt berufen. Im übrigen fann die Belt" ihre Bücher ohne jedes Bedenken öffnen, und sie ist dazu gerne bereit, wenn die vielen Organe dasselbe tun, die von Herrn hugenberg und den thm nahestehenden Herren kontrolliert werden. Diese Beilchen läßt man aber im Berborgenen. blühen. Die Unabhängigkeit der Preise ist offenbar nach Ansicht dieser Herren nur dann in Gefahr, wenn fie felbft fie nicht unter ihre Proteftion nehmen fönnen. Die Entscheidung, ob bie nationalliberale Bereinigung als organisierte, nach rechts brängende Opposition in der Boltspartei bleibt, oder ob fie eine Gezeffion pornimmt, wird auf dem Partei. tag ber Boltspartei fallen. Rußlanddebatte im Oberhaus. London, 27. März.( WTB.) Im Oberhaus fprach Bord aufnahme der gutgemeinten Anerkennung der Sowjetregierung Emmot von der verächtlichen und fast beleibigenben durch die britische Regierung, 3. B. durch Sinowiem, und er flärte, die Gefte der britischen Regierung fet ein Fehlslag ge blieben, weil die Ertremisten in Rußland wieder im Aufstieg felen. Wolle bie britische Regierung gestatien, baß totstein, beffen Feindseligkeit gegenüber Großbritannien befannt sei, mit ber Sowjetdelegation zur Londoner Konferenz fomme, die sich als ein Biasto erweisen dürfte? Die Kommunistische Internationale be fiehe darauf, Bolschewismus und Revolution zu verbreiten. Lord Barmo or erklärte, die Regierung habe Sowjetrußland anerkannt in der Meinung, das fei das beste, einen neuen Geist in den Beziehungen zwischen Rußland und England zu schaffen. Dies fet notwendigerweise ein Experiment. Ein britischer Botschafter für Mostau jei bisher nicht ernannt worden, zumal auch die Sowjetregierung noch nicht die Persönlichkeit benannt habe, die fie als Botschafter in London in Aussicht nehme. Lord Curzon erklärte, die britische Regierung habe in der übereilte sten Weise Rußland anerkannt, ohne vorher eine Untersuchung der Lage anzustellen. Sie habe der despotischsten und in mancher Hinsicht barbarischsten Regierung, die jetzt in der Welt bestehe, einen riesigen Zuwachs an Prestige gegeben, fie habe ohne irgend etwas dafür zu erhalten, ein mächtiges Drudmittel aus der Hand gegeben. Jede britische Regierung müßte aber zum mindesten bestehen auf Anerkennung der ruffischen Borkriegs- und Kriegsschulben, benn wenn England in diesem Punkte nachgäbe, so würden für die übrigen Gläu bigerländer Rußlands die größten Schwierigkeiten entstehen. Jede britische Regierung müßte ferner bestehen auf Wiedererstattung bzw. Entschädigung für die Ländereien, Häufer oder Fabriken, die die Sowjetregierung britischen Untertanen geraubt habe. Rußlands Borfriegsschulden betrugen 167 Millionen Pfund, seine Kriegswiebererstattung 180 Millionen. Auch er fürchte, baß die britische Schulben 630 und die britischen Ansprüche auf Schadenersaz bzw. Regierung ernsten Enträuschungen auf der bevorstehenden Londoner Konferenz entgegengehe. Die Deutsch nationalen haben es fertig gebracht, biefen Der Lordfanaler erklärte, die von Curzon befolgte Bolitik Att elementarster Menschlichkeit zum Gegenstand einer Behabe zu nichts geführt. Es sei Sache des russischen Boltes, schwerde im Landtag zu machen. Daß ein Teil des Gehalts fein Haus in Ordnung zu bringen. am Sonnabend. den 3. November, statt am Montag, den 5. November ausgezahlt wurde, so fagen fie in einer fleinen Anfrage, müßte erhebliche Beunruhigung hervorrufen. Darauf wäre zu erwidern, baß in der fritischen Zeit der schlimm. pen Geldentwertung ein gewiffer Graf Bestarp im Reichstag das klassische Wort geprägt hat: Das Bolt verhungert bei vollen Scheunen." Derfelbe Geist der Menschenliebe, der aus diefen Worten spricht, weht einem auch aus der Beschwerde der ehrenwerten Genoffen Bestarps entgegen. Die Deutschnctionalen entpuppen fich immer wieder als echte Bolts" partei. Der Reichsrat gab am Donnerstag feine Suftimmung, das die Verordnung über Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlimen Arbeiteru in Glashütten, Glasschleifereien und-Glasbergereien fowie Sandbläsereien auf weitere zwei Sabre perlängert wird. Polen- Citauen. Die litauischen Behörden haben 390 polnische Familien ausgewiefen und an die Grenze befördern lassen. Opposition der polnischen Sozialisten. Warschau, 26. März.( WIB.) Robotnik" veröffentlicht eine Runbgebung der sozialistischen Fraktion, in der erflärt wird, daß das Kabinett Grabfti trog feiner gegenteiligen Zu fagen die auf eine Schmälerung der erworbenen Arbeiterrechte( Arbeitszeit, Urlaub, Krankenkassen) gerichteten Bestrebungen der Re aftion unterstüße. Ferner behauptet die Rundgebung, die letzten Ernennungen für Verwaltungspoften trügen rechtsparteilichen Cha rafter; gegen die Minderheiten werde eine Unterdrückungspolitit geführt, die innen- und außenpolitisch schädlich sei. Die Sozialisten wollten zwar mit Rücksicht auf die Finanzsanierung Grabski nicht stürzen, machten aber ihr weiteres Berhalten von der Be rüdsichtigung ihrer Forderungen abhängig, nämlich Schutz der Arbeiterinteressen, Beachtung. der Berfassungsgarantien in Verwaltung, Gerichtswesen, Reform der Minderheitenpolitik und bessere Leitung der Außenpolitik. Gewerkschaftsbewegung Manchester- Sozialpolitik. Auf der gestrigen Tagung des industriellen Unternehmertums entwidelte Geheimrat Borjig die Grundzüge einer Sozialpolitif, wie sie das Unternehmertum auffaßt. Zunächst wandte er sich gegen den Borwurf, daß die Unternehmer die jetzige wirtschaftliche Notlage in selbstfüchtiger Weise ausnußen, um den Arbeitern alle sozialen Berbesserungen zu nehmen, daß fie aus sozialreaktionärer Einstellung heraus jede Sozialpolitik befämpfen. Herr v. Borsig hielt es für überflüssig, diesen Vorwürfen, die doch nicht von ungefähr kommen, auf den Grund zu gehen. Er erflätte sie einfach aus der„ dogmatischen Einstellung" der freien Gewerkschaften und ihrer Bresse und aus der grundfäßlich feindlichen Einstellung der sozialdemokratischen Bartei gegen das Unternehmertum, Wir machen freilich fein Hehl daraus, daß wir die privattapitalistische Wirt schaftsordnung nicht als der Weisheit letzten Schluß gelten laffen. Eine Wirtschaftsordnung, die es zu ihrem Gedeihen für not. wendig erachtet, daß von der zur Fristung ihres nackten Daseins auf die Verwertung ihrer Arbeitskraft angewiesenen Arbeitnehmerschaft, 3 mei Drittel in übermäßig langer Arbeitszeit fronden müssen, ohne Rücksicht auf ihr Familien- und Kulturleben, damit das letzte Drittel abgebaut, der schlimmsten Rot und dem Elend ausgeliefert wird, kann unsere Anerkennung niemals finden. Daß für unseren Standpunkt im Unternehmerlager so wenig Berständnis zu finden ist, rührt hauptsächlich daher, daß feiner der Herren auch nur eine blaffe Ahnung davon hat, und so von jeglichem Gewissenstrupel darüber befreit ist, wie es mit der Lebenshaltung der erwerbslosen Familienväter bestellt ist. Der Generaldirektor Bögler setzte sich mit dem Wiz über das Schicksal, neraldirektor Bögler setzte sich mit dem Wiz über das Schicksal, das„ die Wirtschaft" den Abgebauten bereitet, hinweg, daß die Erde fich nicht vergrößere, die Menschen aber sich vermehrten. Das führt zu der Konsequenz: die Zuvielen müssen umfommen. müsse. Infolgedessen verlangte die Prinzipalttät, bas gegenwärtige| trafer Grimblage abzuschließen, in bam bie 48- Stundenwoche Lohnverhälinis bis zum 31. Mai bestehen zu lassen. Die Arbeitervertretung lehnte diesen Standpunkt entschieden ab, weil sowohl die Höhe der Druckpreife wie die jetzige Geschäftslage die beantragte Lohnerhöhung voll rechtfertigen. Da irgend welches Entgegenkommen nicht mehr bekundet murde, war damit der Abbruch der Verhandlungen gegeben. Die' Organisationsleitungen werden die erforderlichen Schritte unternehmen, um der Arbeiterschaft des Gewerbes zu der bringend notwendigen Berbesserung der Löhne zu verhelfen. Werden weitere Maßnahmen erforderlich, so ergehen sofort nähere Weifungen. Bon der Arbeiterschaft wird erwartet, daß sie in gewerkschaft. licher Disziplin und Geschlossenheit hinter den Organisationsleitungen ficht." U Nach dieser Sachlage scheint eine Arise im Buchdrud gewerbe afut zu werden, deren Ausbruch schon seit längerer Zeit zu befürchten war. Tiefgehende Erbitterung geht durch die Reihen der graphischen Arbeiterschaft, die, niedergehalen durch eine langwährende Krife und große Arbeitslosigteit, fich bisher zähneknirschend dem Drud der Berhältnisse beugen und die Auswühle einer überspamten Syndizipolitit ertragen mußte. Nun scheint der Bogen überspannt zu sein und das in einem Augen lid, wo die" notteidenden". Buchdruckerei und Zeitungsbefizer infolge der Dom Deutschen Buchdruckerverein geübten Preispoliti! geradezu glänzende Gewinne einheimsen tönnen. Bei den fommenden Wahlaufträgen hofft man dazu wohl noch mit fürstlich niedrig gehaltenen Löhnen bei doppelten und dreifachen Friedenspreifen ein besonderes Bomben geschäft machen zu können. Die Notleidenden" der Inflationszeit, die fich so oft und so reichlich aus öffentlichen Mitteln stüßen ließen, werben nicht länger mehr ohne Erröten den Grundsay Nehmen ist feliger denn Geben" prattizieren können, ohne daß sich einmal die breitere Deffentlichkeit mit den Dingen auf dem Buchbruckpreisgebiet beschäftigt und Fragen aufrollt, die kürzlich das Buchhändler- Börsen blait ausführlich behandelt hat. Und die Arbeiterschaft des Buch drudgewerbes ift schließlich auch heute noch in der Lage, fich den gerechten Anteil am Ertrage ihrer Arbeit auch gegen den Willen übermütig gewordener Unternehmer zu erzwingen. " Aussperrung bei Osram. Der Lohntarif der Metallindustrie ist am Sonnabend abgelaufen. Die Belegschaft der Mechanischen Werkstatt von Deram, Rothestraße. forderte deshalb von der Direktion darüber Auskunft. welche Löhne sie in Zukunft zahlen wolle. Da die Firma es foroff a 5 le bute, eine bestimmte Antwort zu geben, liek die Belegschaft die Arbeit ruben. Die Firma entries die gesamte Beleaidaft und ist nur bereit, etwa gweidrittel der bisher Beschäftigten wieber einzustellen. Die ausgefverrten 420 Arbeiter find nicht gewillt, fich diefer Willkür des Unters nehmers zu beugen und fördern, daß alle wieder eingestellt und geht entlohnt werden. ohne jede Klausel gesichert ist und das Vertragsmuffer feine weiteren Berschlechterungen in fich birgt. Desgleichen verpflichten sich die Baudelegierten, den Vorstand der Baugewerkschaft Berlin in diesem Bestreben zu unterstützen und nur seinen Barolen zu folgen. Ferner erwarten die Baubelegierten, daß die Spizen bes ADCB. die diesjährige Maifeier als Auftakt für einen ernsten Kampf um die Erhaltung des Achtstundentages gestalten!" Genug des verbrecherischen Spiels! Einigkeit und Verbandstreue! 1 Halle, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Der vom Bundesvor ftand des ADGB. aufgelöste„ mitteldeutsche Bezirksfartellvorstand" führte bisher in Aufrufen des tommunistischen lassentamps" und anderer mitteldeutjayer Blätter sein Scheindasein weiter. Jest treten Brauns und Hugo Hübner, beide Angehörige der KPD., mit einem Aufruf an die Mitglieder des Deutschen Baugewertschaftsbundes hervor. Sie warnen in ihm vor den Anhängern des berüchtigten Weimarer Programms, mahnen zu loyaler Verbandstreue und weigern sich, fommunistischen Gewerkschaftsorganisationen anzugehören. Sie lagen weiter, dieses verbrecherische Spiel mit der Einigkeit der Bauarbeiterschaft machen wir nicht mit. Nuhen davon haben nur die Unternehmer, die immer dann am stärksten, wenn die klaffentampf" mit der Unterschrift von Brauns Arbeite: scharach, d. h. uneinig sind. Schließlich stellen sie fest, daß im gegen deffen Willen Mißbrauch getrieben worden ist. In der Kommunistischen Partei dürften die beiden zur Einsicht gekommenen Gewerkschafter faum noch lange verweilen dürfen. Die erfolglosen Versuche, die Gewerkschaften für die Kome munistische Partei zu erobern, um sie ihren Zwecken dienſtvar zu machen, haben die Scholem- Kommunisten gezwungen, die Maste fallen zu lassen. Die Gewerkschaften, die sich nicht erobern" lassen, sollen gespalten, zersplittert. ruiniert, die Arbeiterschaft dem Unternehmertum wehrlos aus. geliefert werden, um sie zur Verzweiflung zu treiben. Dann erst glaubt man die Arbeitermaffen gehörig präpariert, um fie in Siraßenfämpfe zu heben. Die mit der Berheißung auf die Weltrevolution genarrten Arbeiter fommen allesamt, soweit sie noch vernünftig denken fönnen, zu der Einsicht, daß ein geradezu verbrecherisches Spiel mit ihnen getrieben wurde. Hoffentlich reift diese Erfenntnis jetzt bald, sonst fönnte sie zu spät fommen. Denn es ist allerhöchste Beit, bie albe gewerkschaftliche Einheitsfront wieder herzustellen, überall dort, wo es den Mostauer Söidlingen gelungen war, sie zu zerreißen. Zum Berkehrsstreik in London. Bemerkenswert ist die Klage des Herrn v. Borsig, daß eine mehr als fünfjährige Zusammenarbeit mit den Führern der Ge. werschaften( in der Zentralarbeitsgemeinschaft) deren Auffaffung und Kampfesweise nicht gewandelt hat." Es fann also die kommunistische Behauptung nicht stimmen, die Gewerf. fchaftsführer feien in der Arbeitsgemeinschaft zu„ Stinnesfnechten" geworden. Betentlicher erscheint es v. Borsig, wenn selbst Teile einer bürgerlichen Partei die Praftifen der Arbeitgeberverbände miß billigten und eine Anzahl badischer Hochschulprofefforen" die Arbeitgeberschaft ernstlich vor sozialpolitischer Reaktion warnt. Die Unternehmer- Sozialpolitit hat sich zunächst ben jeweiligen tatsächlichen Bedürfnissen anzupassen. Die Bedürfnisfrage entscheiden die Unternehmer, oder sie lassen die Wirtschaft" darüber entscheiden. Soweit jedoch ein Bedürfnis anerkannt ist, muß es sich nach den realen wirtschaftlichen Berhält. niffen, wie sie nach Meinung der Unternehmer bestehen, sowie nach ben finanziellen Mitteln des Volkes richten. Welche Mittel das eigentlich find, fagte v. Borsig nidyt. Es find offenbar die Mittel, die das Bolf der Arbeitnehmer infolge der niedrigen Löhne folange im unflaren zu lassen, war bei allen telephonisden Rüde Pläne der Regierung, die Londoner Berkehrstalamität zu erleichtern, und Gehälter nicht hat, und die Mittel, die der Industrie und Landwirtschaft fehlen, weil sie in ihren Unternehmungen festgelegt sind, deren Werte mit einer Goldmart in der Bilanz flehen. Der Staat darf sich in diefe Sozialpolitit nicht einmischen. Höchstens soweit der Staatszwed es nach den Gutachten der Wirtschaft" verlangt. Stur venn die Selbstverwaltung versagt, sollen staatliche Behörben und Institutionen zulässig fein. Gefeßliche Regelungen und ftaatliche Inftitutionen müssen fortfallen und an ihre Stelle eine neue Zentralarbeitsgemeinschaft treten, mit freier Berständigung, Selbstverantwortlichkeit und Selbstverwaltung. Die Roalitionsfreiheit mit schwarzen Listen- wollen die Interneýnier anerkennen, verwerfen aber den Koalitionszwang und wollen das Koalitionsrecht auch für„ Gelbe" und" Bater fändische". Ein Streitrecht„ fann nicht anerkannt" verden, benn der Streit ist ein Machtmittel. Die Unternehmer wenden natürlich ihre Machtmittel niemals an. Die Arbeitswilligen müssen gefchüßt werben vor Bergewaltigungen ihres Willens und ihres Handelns. " Die Verantwortlichkeit der Organisationen er. fordert auch deren zivilrechtliche Haftung für daraus ent. stehende Schäden! Die Aufrechterhaltung der Sozialverficherung in ihrer bisherigen Dreigliederung wird anerkannt. Da jedoch die Wirtschaft" die alleinige finanzielle Trägerin der Sozialversicherung ist, erwartet sie, daß ihren Wünschen bezüglich äußerfier Sparsamteit Rechnung getragen wird. Die Arbeits fofigfeit wird durch Förderung der Produktion in längerer Arbeitszeit mit Abbau bekämpft. Die produktive Erwerbslofen fürsorge, der Arbeitszwang, ist weiter auszubauen. Die Arbeitgeber find bereit, Edywerbeschädigte einzustellen, wollen jedoch keinerlei gejegliche Verpflichtung dazu. So soll der Wirtschaft" das Aufblühen und der Manchester. Sozialpolitik die Grundlage gesichert werden. Die Krise im Buchdruckgewerbe. In der gestrigen Abendausgabe haben wir bereits mitgeteilt, daß die Lohnverhandlungen am Mittwoch gescheitert sind. Zwar hatten sich die Unternehmer diesmal nicht wieder zu der auch in ihren Reihen offenbar als unfinnig erfannien Forderung eines Lohn. abbaues verstiegen, doch glaubten fie betonen zu müssen, daß weder in den allgemeinen Teuerungsverhältnissen noch in der ausgesprochen guten Ronjunkturlage des Gewerbes Gründe für eine Lohnerhöhung zu finden feien. Mit dieser wiederholten brüs fen Ablehnung aller Forderungen der Arbeiter führten die Unterrehmer bewußt den Abbruch der Verhandlungen herbei. Die Ge hilfen und Hilfsarbeiter- Organisationen erlassen nun heute in ihren Fachblättern folgende Kundgebung an ihre Mitglieder: " Biederum sind die Lohnverhandlungen ergebnisios verlaufen. Der Forderung der Arbeitervertretung auf eine zeitgemäße Erhöhung der Löhne setzte die Prinzipalität die Erklärung entgegen, daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen die Notwendig feit einer Lohnerhöhung nicht vorliege. Sie fei im Gegenteil der Auffassung, daß sich das Gewerbe erst noch weiter erholen Angestelltentarif für die Berliner Metallindustric. Ueber die von uns vor eiwa vier Wochen beantragte Berbindlich feitserklärung des am 3. März gefällten Schiedsspruchs hat das Entscheidung getroffen. Was das Reichsarbeitsministerium veranlaßt, Reichsarbeitsministerium trotz aller unserer Bemühungen noch feine zirka 70 000 2ngestellte über ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen fragen nicht zu erfahren. Inzwischen hat der Gebag wiederum allein mit dem BBMJ vor einigen Tagen verhandelt. Es sell dabei ein Abschluß erfolaf sein, der für die technischen und kaufmänischen Angestellten generell eine fünfprozentige Erhöhung der Gehaltsbezüge für März gegenüber Februar und eine Erhöhung der sozialen Zulage von 8.50 auf 10 M vorsicht. Die Werfmeisterbezüge erfahren nach diesem Gedag. Abkommen feine Erhöhung. Es ist immerhin interessant, feftzustellen, daß der Gedag nummehr Gebaitsbezüge vereinbart hat, die nicht unwefentlich unter den durch Schiedsspruch festaelegten Bezügen liegen, nachdem er vor furzer Zeit die Gehaltsläge des Schiedsspruchs in einem besonderen Rundschreiben als völlig unzureichend bezeichnet hat. Das Bedag- Abkommen hat natürlich auch diesmal das von diefer Organi. fation getroffene und zur Genüge bekannte Arbeitszeitabkommen zur Grundlage. Das neue Gehaltsabkommen hat für die im Af AB und organi fierten Angestellten ebensowenig Rechtswirkung wie die früheren Abkommen des Gedag. Nach wie vor gelben für bie Mitglie der unserer Organisationen die in unserem Flugblatt wiedergegebenen Richtlinien. Die Berbindlichfeitserklärung über den Schiedsspruch vom 3. März muß zunächst abgewartet werden. AfA- Metallfartell Die Situation im Baugewerbe Baugewerksbundes befaßten sich am Mittwoch im Gewerkschaftshaus Die Baudelegierten der Baugewerkschaft Berlin des Deutschen mit der tarifiofen Zeit, die durch den Ablauf des Reichstarif pertrages und des Bezirkslohntarifs am 31. März eintritt. Der Referent Geride berichtete zunächst über den Berlauf der letzten zentralen Berhandlungen, der in Nr. 41 des„ Borwärts" bereits geschildert wurde. Die Verhandlungen find betanntlich an der Ent fchloffenheit des Baugewerksbundes gescheitert, den Aatstundentag auf feinen Fail preiszugeben. Geride berichtete weiter über die letzten Bezirkslohnverhandlungen, die eine Erhöhung des Etundenlohnes von 5 Pf. für die Zeit vom 26. März bis 8. April ergaben. London, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Das Rabinett hat am Donnerstag eine dreistündige Sigung abgehalten, in der die Lage im Londoner Berkehrsstreit, der drohende Streit der Bergarbeiter imb die von den Unternehmern angefündigte Aussperrung der Werftarbeiter besprochen wurde. Die Regierung hat den Einsah von Mi fitärfraftwagen für die Bewältigung des durch den Verkehrsstreit stillgelegten Londoner Verkehrs vorbereitet. Diese Automobile follen eventuell durch militarisiertes Personal geführt werden. Der General Entschließung ausgesprochen, daß er feinen Widerstand gegen die rat des Trade- Union- Kongreffes hat bereits am Donnerstag in einer leisten wird. Achtung, Maler! Heute abend 7% Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 5. Engelufer, Bersammlung aller Berbandsmitglieder, die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung stehen. Tages ordnung: 1. Bortrag des Genossen Lübide: Wohnungsnot und warum unterbleibt die Bautätigkeit? 2. Die Berstörungsarbeit der Kommu nisten in den Gemertfchaften und ihre Folgen. Rollegen, forgt für zahlreiches und pünktliches Gefcheinen. Berbandsbuch legitimiert. Der Werbeausschuß. 3. A.: Franz Raiser. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Galantericbranche. Sente abend 7 Ur in den Sentral- Geftfälen, Alte Jakobfte, 32, ge meinfome Berfammlung mit den Sattlern aller unter dem Lederwaren tarif arbeitenden Kolleginnen und Stollegen. Aus der Partei. Kandidatenaufstellung in Hamburg. versammlung der Hamburgischen Landesorganisation ſtellte nach Hamburg, 27. März.( Eigener Drahtbericht.) Die Delegierten einem Referat des Genossen Grgmann und nach einer längeren Aussprache, die von jedem Richtungsstreit frei blieb, am Donnerstage abend einstimmig Beter Graßmann Berlin, Borsitzenden des ADBB., und die bisherige hamburgische Abgeordnete, Johanna Reiße, als Spißenfandidaten für den Reichstag auf. Dann folgen: Borsigender des Deutschen Baugewerksbundes, Adolf Bieder. der bisherige Abgeordnete Franz Lauffötter, Friz Paeplom, Grete 3abel, Loihar Popp, Emil Krause und Dr. Adams. mann, Paul Bergmann, Heinrich Stubbe, Karl Offers, Dem bisherigen Abgeordneten und Listenführer, Genossen Otto Stolten, der mit Rücksicht auf sein hohes Alter und sein Amt als Bürgermeister von Hamburg auf eine Kandidatur verzichtet hat, wurde eine sehr herzliche Ovation bereitet. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: R. Ektorn: Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b.$., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Sierau 2 Beilagen. Bei spröder Haut Die Berhältnisse im Baugewerbe erfordern mehr denn je die und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GW. 68.. Lindenstraße 3. größte Kampfgemeinschaft. Leider gehen die helfer der tommu nistischen Partei darauf aus, die Bauarbeiter gegen ihre eigene Organisation aufzuputschen; sie suchen jetzt insbesondere die Betriebsräteposten an sich zu reißen, um die Betriebsräte ihren Sonder. 3weden dienstbar zu machen. Den kommunistischen Einflüssen ist mit aller Entschiedenheit zu begegnen. Zusammenfassend mahnte der Redner, sich auf die tariflose Zeit vorzubereiten und sich auf den Rampf um die Erhaltung des Achtstundentages einzustellen. Nach furzer Diskussion im Sinne der Ausführungen des Referenten wurde der folgenden Refolution einstimmig zu geftimmt: rauhen, roten, aufgesprungenen Händen verblüfft KOMBELLA- CREME durch die schnelle, wohltuende, heilende, verjüngende Wirkung. Es gibt nichts Wirksameres als KOMBELLA KOMBELLA CREME KOMBELLA- SEIFE Rauchs Kaffee Die Berliner Baubelegierten verpflichten sich einmütig, für die am 18. und 19. Februar gefaßten Beschlüsse des Bundesbeirates einzutreten und für dessen Durchführung Sorge zu tragen. Insbeson dere wird die Einstellung der Verbandsfunktionäre zur Erhaltung des Achtstundentages in vollem Umfange anerkannt, und der Bundes vorstand ersucht mit aller Energie in diesem Sinne weiterzuwirken. Echt arabischer Engrospreise Mocca wieder da! Die Bersammlung erwartet in der Hauptsache vom Bundesvorstand, daß er grundsätzlich daran festhält, nur einen Tarifvertrag auf gen- Gewürze, ganz und gemahlen. Rauch, Invalide astr. 164, Eckhaus Brunnenstr..Be Ich habe mancherlei v bin aber immer wieder zu meiner alten Marke zurückgekehrt: der guten Massary- Zigarette Kleine Massary 28 Str. 14941. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts In der Schule des Proletariats. Aus der Praxis der neuen Unterrichtsmethode in der weltlichen Schule. Man wandelt die Pflanzen durch Zucht, die Menschen abez durch die Erziehung. ( Rousseau.) In der Zeit der Weltwirtschaftstrije, in der die Arbeiterklaffe alle Kräfte zusammenfassen muß, um den Ansturm der vereinigten Untermehmer abzuwehren, treben die kulturellen Fragen ein wenig zu sehr in den Hintergrund aller Erörterungen. Man vergißt immer wieder, daß zu einer neuen Gesellschaft neue Menschen gehören. Jeder Mensch ist ein Probuft seiner Erziehung und der ihn umgebenden Verhältnisse. Gerade daraus ergibt sich für das arbeitende Bolt die Notwendigkeit, die Augen offenzuhalten. Man fann die Verhältnisse nicht ändern, bevor die Menschen nicht andere sind. Ein Kreislauf in beständiger Wechselwirkung. Nun hängt es davon ab, diese Fattoren richtig einzuschätzen. Der Beginn jeder neuen Erziehung liegt in der Schule. In einzelnen Berliner Bezirken haben wir die neue Schule: die weltliche Schule. Wie und in welcher Art unterscheidet sie sich von der alten? Die alte Die alte Volksschule ist eine mechanische Lernschule. Ohne Rüdficht auf Begabung und Fähigkeit der Kinder nahm man den buchmäßig festgelegten Stoff durch. Der Lehrer erzählte den Kindern, was sie lernen follien. Mit vieler Mühe versuchte er es verständlich zu machen. Dann fam der von allen gefürchtete Augenblid: der Lehrer ließ seine Ausführungen zusammenfassen und erzählen". Es währte nicht lange, da flingelte es. Die Schulstunde war zu Ende. Für heute hatte der Lehrer seine Pflicht getan. Zu Hause mußten die Kinder nun, paufen", um den durchgenommenen Stoff auswendig zu lernen. Hatte am nächsten Tage der Lehrer gute Laune und hatten die Kinder gut gelernt", so war alles in Ordnung. War eins von beiden Dingen nicht der Fail, so tanzte der gefürchtete Rohrstod. Was vom Schulmeister gesagt wurde, mußten die Kinder als unantastbare Weisheit und fritillos hinnehmen. Die selbständige kritische Denkfraft des werdenden Men schen blieb ungemedt und ungepflegt. Nun gibt es unter den Kindern Levorzugte des Geistes und geistig Schwache. Aber der Lehrer mußte fich an den Stundenplan halten. Der vorgeschriebene Plan bestimmte die Marschroute und so konnte der Lehrer auf die schwächeren Kinder feine Rücksicht nehmen. Kam nun einmal unverhofft der Herr Echulrat, so ließ er sich zunächst das Klassenbuch porleren und nahm den Lehrplan zur Hand. Stellte der Schulrat eine Frage und griff zum Unglück des Lehrers einen der schwächsten Schüler heraus, dann war es vorbei. Die Schulbänke wurden zu Marterinstrumenten. Es wurde befohlen, gedrillt,„ erzogen". und die neue Schule. In der neuen Schule ist die ganze Erziehung, die Methode der Biffenserwerbung auf einer anderen Grundlage aufgebaut. Nicht totes Wissen und Schulbücherweisheit wird den Kindern vermittelt, fondern die Gabe lebendiger Auffaffung der Lebensvorgänge, die Ehrfurcht vor den Wundern der Natur, die Wedung und Schulung des Dentvermögens. Es herrscht größere Bewegungsfrei heit. Aber Schüler wie Lehrer unterscheiden streng Freiheit und Zügellosigkeit. Die Jüngsten beginnen mit Knetmajse und Stäbchen zu spielen. Der Lehrer hat nun die schwierige Aufgabe, dieses Spielen in die gewünschten Bahnen zu lenfen. Das Ziel der modernen Schule ist, jeden nach seinen Fähigkeiten zu bilden und jedem nach seiner Veranlagung den Weg zu ebnen zum Handwert oder geiffigen Beruf. Wir betreten eins der Klassenzimmer. Keine Kaiser, Schlachten oder Kriegsbilder schmücken" die Wände. An der einen Wond hängen die Porträts von Schiller und Goethe. Ferner sieht man schöne Landschaftsbilder und Sprüche. Alles ist von den Schülern felbft angefertigt. Man bewundert so manche forg. fältig geschnigte Holzarbeit. Auf dem Fensterbrett stehen Blumen, natürliche und fünstliche in selbstbemalten Bajen. Jungens und Mädels werden zusammen in einer Klaffe unterrichtet. Die Tren mungsprinzipien der alten Schule sind beseitigt. Die ängstlichen Befürchtungen der Moralphilifier wagen fittlichen Gefahren" find nollkommen unbegründet. Durch den gemeinsamen Unterricht wird teine Scheidewand zwischen Jungens und Mädels aufgerichtet, wie es bisher tatsächlich zum Unglück der Gesellschaft der Fall war. Die lebermütigkeit und Unbändigkeit der Burschen wird durch die Gegen 62] ( Nadbrud durch Malik- Verlag, Berlin.) Der Bürger. Von Leonhard Frank. Tirolerinnen, die schiefe Münder haben, reichen lebendes Fruchteis. Um nicht essen zu müssen von diesem schauerlichen, lebenden Eife, wühlt Jürgen sich durch die empört nachblidenden Damen und Herren durch, flüchtet die Treppe hinunter und stürzt in fliegender Eile durch die menschenleeren Mondstraßen heimwärts, durch den schimmernden Garten. Da tniet, an Stelle der Brunnenjigur, der Rumpf in der Mitte des Bassins, Hände im Rücken gefesselt, fommetrisch umstanden von den zwölf auf Stangen steckenden, farbigen, topfgroßen Glaskugeln, die jetzt die zwölf Hinrichtungszeugen sind, und aus dem Halsstumpfe steigt das Blut als Springbrünnchen empor. Die Symmetrie wird gestört durch Jürgens Jünglingskopf, der an Stelle der gelben Glasfugel auf der Stange steckt und die grauenvolle Drohung ausspricht. " In Vollmondnächten sollten Sie nicht bei unverhängten Fenstern schlafen. Auch abends keine schweren Speisen essen. Die verursachen gleichfalls Albträume," hatte der Hausarzt gefagt. Das Schulmädchen stieg aus, schlug auf der Straße den Katechismus wieder auf und lernte weiter. Jürgen faß allein im Wagen. Er überlegte, welche Weisungen er heute dem Profuristen zu geben habe für die Börse. Plönlich fletschte er, Mundwinkel in die Wangen zurückgezogen, die zusammen gebissenen Zähne, drehte den Kopf feitwärts und bewegte die Lippen, als verhandle er mit einem hinter ihm Stehenden, der Befehle erieile, die Jürgen nicht befolgen fönne. Erit als er hinaus auf die rückwärtige Blattform trat und mit dem Schaffner eine Unterhaltung begann, entspannte sich fein Gesicht wieder. Angefangen hatten diese Zustände vor einem Jahre. Er geht spazieren und muß plöglich stehenbleiben, hat Atembeschwerden, ist nicht imstande, an einem Edsteine oder an einem Baume oder an einem Laternenpfahle, der sich durch nichts von anderen Laternenpfählen unterscheidet, vorüber zugehen. Kopf feitwärts gedreht, Zähne gefletscht, fämpft er gegen das Unsichtbare, das unausführbare Befehle erteilt. Schnell tritt er in den nächsten Laden, setzt sich, studiert " wart der Mädchen eingebämnt. Es verschwindet die Zimperlichkeit der Mädels, die Gefalsucht und übertriebene Eitelteit. Der Wille zur Freundschaft und Kameradschaft ist auf beiden Seiten. Zwanglos ist der Unterricht. Ein Mädchen verliest ein selbstnerfertigtes Gedicht. Wie leicht und ungefünftelt. Nicht der Lehrer, sondern ihre Mitschülerinnen und Mitschuler geben ihr Urteil ab. So wird das kritische Denken und Empfinden des Kindes geweckt.„ Na, was Es regnet wollen wir heute durchnehmen?" fragt der Lehrer. Borichage. Da sagt ein Mädchen:„ Gestern hab ich in der Zeitung gelejen, daß in Berlin die Meistersinger von Nürnberg" gegeben werden. Ja hätte den Wunsch. daß wir darüber uns mal unterhalten!" Dieser Vorschlag findet den meisten Beifall und er wird afzeptiert. Es beginnt nun ein Zwiegespräch zwischen Lehrer und Saüler: Was ist das für ein Ding, bie Meistersinger von Nürn berg"?" Wenn ich nicht irre, eine Oper!" Warum heißt es Ein Jimge erhebt sich und sagt:„ Ich muß dem widersprechen, denn ,, Beil fie Meister im Gesang maren!" die Meistersinger bildeten eine Bereinigung von Handwerksmeistern, die zugleich auch Meister im Dichten waren!"„ Ist das richtig?" Welcher unter den Handwerksmeistern mar nun der bedeutendste?"" Der größte und bekannteste war Hans Sachs!" a, mun fagt mir aber, von wem ist denn die Musik zu dieser Oper?" Von Richard Wagner!" Es meldet sich ein Sunge: Herr Lehrer, wollen Sie uns beute einen ganz großen Gefallen tun? Möchten Sie uns doch etwas aus den„ Meistersingern" vorspielen?" Die ganze Klasse begrüßt jubelnd den Gedanken und der Lehrer führt ihn aus, denn ein Klavier steht spielbereit an der Wand. Leider ist nicht jede weltliche Schule im Besitz eines Klaviers. Eine vom Schicksal begünstigte Schule ist die weltliche Schule in Weißenfee, Wörthstr. 23 Eine bekannte Firma stellte das Klavier fostenlos zur Verfügung. Auch in den Bausen haben die Kinder größere Bewegungsfreiheit. Während in der alten Schule die Kinder 15 Minuten lang Hand in hand im Kreise umhergehen mußten. Jungen und Mädel hatten je ihren besonderen Hof, sehen mir hier in der neuen Schule, wie der ungebrochene Frohsinn der Jugend sich austobt im Spielen und Tanzen. Das alles fördert das Berirauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Haus, also zwischen Lehrer und Eltern ist ja eine der stärtsten Stüßen der neuen Schule und ein Symbol des gemeinsamen Berks. Die Kinder gehen gern in ihre" Schule, mag der Weg auch noch so weit sein. Der Werk- Unterricht. In der Bezirksverfammlung des 18. Bezirks, Weißenfee, vom 7. November 1923 forderte in einem Dringlichkeitsantrag die sozialdemokratische Fraktion, daß auch die Schulen an den Nachmittagen offen zu halten find, damit die Kinder warme Räume haben. Der Antrag wurde sofort in die Bragis umgefeßt. In der Weißenseer weltlichen Schule wurde sofort das Angenehme mit dem Nüßlichen verbunden. Man sammelte Geld zusammen. Eines Tages fuhr ein Wagen vor und vier Singer- Nähmaschinen wurden abgeladen. An jedem Nachmittag haben nun die größeren Mädchen Gelegenheit, das Nähen und Flden zu erlernen. Einige Mütter und ehemalige Schülerinnen haben sich in den Dienst der Sache gestellt, helfen tüchtig mit, geben den Mädchen Anleitung und manchen Fingerzeig. Alle Kinder, deren Mütter feine Nähmaschine haben oder die teine Zeit zum Nähen und Fliden haben, können ihre Sachen beim Schulleiter abgeben und sie werden von den Mädchen sauber ausgebessert. Während die Mädels trennen, nähen, fliden, sticken, sind die Jungen auch äußerst rege. Da wird geleimt, gezimmert, gemalt, gesdymigt, da werden Bücher gebunden, Zeitschriften eingeheftet. Alles mird mit den einfachsten Werkzeugen und Hilfsmitteln hergestellt. Ein Junge zimmert einen Fragefaiten zusammen. In einer bestimmten Stunde jeder Woche wird dann der Fragefasten geleert und jede Frage besprochen und erläutert. Ein anderer Bursche malt einen lebersichtsplan zum Wetterbericht. Jeden Tag werden dann Wind, Bewölkung. Niederschläge und meteorologische Erscheinungen einge, seichnet. Das weiterfundige Denken wird angeregt. Alles in Alles in allem: Es ist eine Luft, diese Schaffensfreude der Kinder mit anzusehen und mit zu erhoben. Kein böses Wort fällt. Roch vieles läßt sich erzählen, aber der Raum gestattet es nicht. An Stelle der Glaubensformeln, Bibelsprüche, Schöpfungsgeschichten die Gesichter der Kunden, unterhält sich mit der Verkäuferin und bittet sie, ihm sechs besonders hartborstige Zahnbürsten in die Villa zu schicken. In dem unbewohnten Rauni der Villa, wo auch die Antiquitäten und Gemälde für das Palais aufbewahrt waren, hatte sich im Laufe des letzten Jahres auf diese Weise ein großes Lager verschiedenster Artifel ange sammeft. Gleich vielen Menschen, tann auch Jürgen es nicht er tragen, daß auf der Straße jemand hinter ihm geht. Auch am hellen Lage muß er stehenbleiben, interessiert eine Fassade betrachten oder schnell in einen Laden eintreten. Außerhalb der Stadt, wo feine Leute sind, spazieren zu gehen, wagte Jürgen schon lange nicht mehr. Jemand geht hinter ihm her. Jürgen dreht sich um und wieder um und gonz um sich selbst. Immer steht in seinem Rücken der andere. Und da Jürgen nicht in einen Laden flüchten kann, wirft er sich zu Boden. Einmal hatte er sich durch Adolf Sinsheimer retten fönnen vor dem Berfolger. Er steht, Zähne gefletscht, in menschenleerer Landschaft unter den unausführbaren Befehlen des Unsichtbaren. Da erblickt er den Jugendfreund, der, in der Hand ein Notizbuch voll Rechnungen, an einem Baume lehnt und gedankenversunken die ferne Hügelkette betrachtet, als dichte oder zeichne er. Damals war das unternehmen des Knopffabrikanten dem Konkurse nahe gewesen. Jürgen macht einige Fluchtsprünge auf den Jugendfreund zu und bittet flehend den Erschreckenden:„ Verkaufe mir deinen Bleistift." Weshalb verlaufen?... Hier, nimm ihn!" Und er will ihm den goldenen Patentbleistift in die Hand drücken. Unmöglich! Das ist ganz unmöglich!" Jürgen zwingt den Schulfreund, die Bantnote zu nehmen, und ſteft, befreit aufatmend, den Bleistift ein. → Die Straßenbahn hielt. Der Wagenführer drehte die Kurbel heraus.„ Endstation", sagte der Schaffner zweimal zu Jürgen, der verzerrten Gesichtes über die Schulter zurücksprach und nicht aussteigen fonnte. 77 Junge Beamte eilten durch die Gänge, grüßten den Chef. Er ahmte die Stimme des Hausarztes nach: Abends nur ein paar weichgekochte Eier effen. Wachsweich! Auch schadet es nicht, wenn Sie täglich dreimal etwas Brom nehmen." Das Bromsalzglas stand auf dem Schreibtisch. So oft Jürgen die Feder in die Tinte ftach, fah er das Salzglas, das herauszuwachsen schien aus dem Naden des verheirateten Freitag, 28. März 1924 fleht in der neuen Shule Religions geschichte, Buddhismus, Brahmanentum usw. Eine wahrhaft demokratische Republit tast bas veraltete Schulwesen des Obrigkeitsstaats nicht gebrauchen. Denn es gilt heute in erster Linie die Jugend frei zu machen von alten Banden und Vorurteilen. Die Adressen der neuen Schulen haben wir in inferer Ausgabe Nr. 141 Dom Sonntag, den 23. März veröffentlicht. Radio für alle! Gründung eines Arbeiter- Radioklubs. Auf Veranlassung des Staatssekretärs Dr. Bredow haben im Reichspoftministerium in diesen Tagen die angekündigten Besprechungen über die Neuregelung des Funkliebhabermejens und über die neuen Borschriften über den Rundfunkdienst stattgefunden. Anwesend waren Bertreter des Zentralverbandes der deutschen elektrotechnischen Industrie, der Fachgruppe Drahtlose Telegraphie". des Verbandes der Radio- Industrie, des deutschen Funkfartells, des Berbandes der Rundfunkteilnehmer, der Elektro- Großhändler- und Exportvereinigung Gruppe Radio, des Verbandes der Elettro Installationsfirmen, des Reichsfunkverbandes, des Verbandes deut. fcher Radiohändler, der Elektro- Installateur- Zwangsinnung GroßBerlin, des Berbandes deutscher Elektrotechniker. Einleitend gab der Staatssekretär eine Reihe Erläuterungen zu ber am 19. d. M. in Kraft getretenen Verordnung des Reichspräft denten zum Schutze des Funkverkehrs. Er betonte, daß die Wer: ordnung keine Erschwerung für die Weiterentwidlung des Rundfunks bedeuten, sondern nur einen Rückhalt für die Telegraphenverwaltung bilden solle, der merläßlich ist, uni gerade eine Regelung im freiheitlichen Geiste durchführen zu können. Die Borschläge des Reichspostministeriums wurden im wesentlichen angenommen. Es wird infolgedessen binnen kurzem ein verein fachtes Anmeldeverfahren durch die Briefträger eingerichtet werden und auch die Einziehung der Gebührenbeträge foll hinfort durch den Briefträger, und zwar in Zukunft monatlich. stattfinden. Ferner ist die Verwendung selbstgebauter Empfangsanordnungen ohne Röhren( Detektorempfang) unter der Voraussetzung freigegeben, daß die Anfertiger fich als Rundfunkteilnehmer eintragen lassen. Die Verwendung selbstgebauter Empfangseinrichtungen mit Röhren tannten Funkliebhabervereinen erlaubt sein. Die für wird aus Sicherheitsgründen nur Angehörigen von aner die Herstellung von Rundfunkgerät zugelassenen Fabrikationsfirmen dürfen außer den amtlich gestempelten Rundfunkempfängern fünftig auch Einzelteile vertreiben. Die Jahresgebühr für die Teilnahme am Unterhaltungsrundfunk soll in Zukunft 24 Mart betragen, die in monatlichen Teilbeträgen von 2 Mart erhoben wird. Ferner wurde die Einrichtung einer beim Verband Deutscher Elettrotechniker zu bildenden Prüfstelle für Rundfunk empfänger besprochen. Wie der Vorsitzende besonders hervor empfänger besprochen. Wie der Vorsitzende besonders hervor hob, handelt es sich bei dieser neuen Güteprüfung nur um eine freiwillige Regelung. Es wird dadurch indes jedem Her steller, der es wünscht, die Möglichkeit geboten, feine Erzeugnisse von einer unparteiischen sachverständigen Stelle prüfen und für die Allgemeinheit der Käufer deutlich erkennbar abstempeln zu lassen ( BDE.- Stempel). Der Käufer eines solchen Geräts erhält so eine Gewähr dafür, daß der Apparat gewissen Mindestanforderungen entspricht. Das Funkwesen hat nach Eröffnung der Rundfunkiendestationen in allen Kreisen der Bevölkerung zahlreiche und begeisterte Anhänger gefunden. Berhinderten bisher die rigorosen Bestimmungen der Telegraphenverwaltung, die selbstgebaute, einfache Detektorempfänger, die sich jeder einigermaßen technisch Veranlagte zu sehr billigen Preisen herstellen fonnte, nicht zulassen wollten, sowie die hohen, mit einem Schlage zu bezahlenden Gebühren für den Rundfunkempfang. daß sich die große Zahl der Rundfunkfreunde öffentlich als Anhänger dieser Berpegung befannie, jo ermöglichen es jetzt die angekündigten neuen Bestimmungen, auf die wir schon im gestrigen Abendblatt hinwiesen, weiten Kreisen der Arbeiterschaft, die Darbietungen des Rundfunts nicht mehr als Zaungaft anzuhören. Wir möchten hierbei nicht uerfehlen, darauf hinzuweisen, daß die angekündigten Bestimmungen der Reichstelegraphenverwaltung durchaus den Vorschlägen ent | Beamten, der, reglos wie ein Eingeschlajener auf das Pult gebeugt, vor seinem Chef jazz, schon Bater dreier Kinder mar, Sorgenfalten im grauen Gesicht hatte und feine Beilchen meh: im Knopflod) trug. Auf das Bankgebäude wurde ohne Betriebsunterbrechung ein Stockwerf aufgefeßt. Während des Bergrößerungsumbaues mußte Jürgen mit drei Angestellten zusammen in einem Raume arbeiten. Ringsum, fern und nah, auf dem Dache und in allen Stockwerken wurde gehämmert, geschrien, gefragt, gesägt, gehobelt. In dem Bureau selbst stand katastrophenferne Ruhe. Sürgen tauchte die Feder ein. Und wie er schreiben will, steht auf dem Buite an Stelle des Tintenfaffes ein winziges, lebendiges Herrchen, das sich höflich verbeugt und lächelnd auf das Bromfalzglas deutet, mit einem feingegliederten Zeigefingerden. Jürgen fann nicht atmen, fietscht die Zähne, taucht die Feder noch einmal ein. Sticht sie auf den Kopf des Herrchens. das zum Tintenfaß zusammenschrumpft. Und wie Jürgen fchreiben will, steht es wieder lebendig da, höflich vorgebeugt. Das Zeigefingerchen deutet, das Mündchen lächelt und sagt: „ Mit Bromfalz kann eine Menschenseele nicht zum Schweigen gebracht werden. Ich versichere Ihnen, so wahr es ist, daß sehr viel mehr als neumundneunzig Brozent aller Zeitgenossen, die so viel von Seele reden, durch ihre Seele in gar keiner Weise mehr gestört werden, weil sie sie schon längst eingetauscht haben gegen Dinge, die ihren Marfimeri haben Das ist wahr, dachte Jürgen. Das ist wahr. so wahr ist es, daß bei gewissen Individuen die Seele spielend leicht durch den allerftärksten Schuhwall durchschlüpfen und ihr vorbestimmtes Recht verlangen fann." Das Herrchen legte das Händchen an den Mund, als habe es ein tiefes Geheimnis zu offenbaren:„ Die Seele will fließen. Und fließt unter Umständen bei gewissen Individer: selbst auf die Gefahr hin, überzufließen und alles in Ber wirrung zu bringen. Denken Sie nur an die vielen, vielen Irrenhäufer, die es gibt auf dieser Erde. Boil! Ueberfüllt! Wer bezahlen fam, tommt in die erste Staffe und fann feine Secie preisentfprechend behandeln lassen... Nun, das ist ja Liebensache, der Preis nämlich, wenn er auch in unserem Beitalter bet allem die Hauptsache ist Aber verzeihen Sie die Abschweifung." ( Fortfehung folgt.) " 1 sprechen, die wir, um der Sache zu dienen, in Nr. 63 des Borwäris" vom 7. Februar gemacht haben, und daß die Reichstelegraphenverwal fung mit großer Bereitwilligkeit diesen Anregungen alsbald gefolgt iff. Wir haben es daher auch unterlassen, die vielen Zuschriften, die uns von begeisterten Rundfuntfreunden unferes Lesertreises zu gegangen sind und die immer wieder gegen die bisherigen Bestimmungen des Liebhaberfuntwesens Stellung nahmen, zu veröffent lichen. Es ift mum weiter zu begrüßen, daß die Arbeiterschaft sich nunmehr auch zu einem Arbeiter-Radio- Klub zusammen fchließen wird. Am Sonnabend, den 29. März, abends 8 Uhr findet im Königstädtischen Realgymnasium, Elisabethstraße 57-58( nahe Alexanderplatz) die Gründungsversammlung statt, in der der Pionier der Funktechnik Graf Arco einen Bortrag über„ Die fulturelle Bedeutung der Radiotech n it" halten wird. Wir empfehlen allen Genoffen, die fid) tatkräftig für das Funkwesen interessieren, sich an dieser Versammlung zu beteiligen und dem Arbeiter- Radio- Klub geschlossen beizutreten. • Ein Gaunertrid. Freispruch froh schwerster Berdachtsmomente. Ein raffinierter Juvelendiebstahl, bei bent den Tätern Brillanten im Werte von 10 000 Dollar in die Hände fielen, beschäftigte das Amtsgericht Mitte. In der Mittagsstunde des 7. Februar d. 3. betraten kurz hintereinander dret elegant gefleibété Ausländer das Jus welengefchaft von Marfgraf u. Co. Während zwei der als Käufer auftretenden Fremden sich in der Nähe der Schaufensterauslage ein mertvolles Rollier ansahen, beschäftigte der drifte in auffallender Weise allein drei Berkäuferinnen. Er verlangte nach schweren filbernen Leuchtern und alten Goldfetten. Schließlich faufte der eine ein fleines goldenes Armband zum Preise von 100 m. und verließ den Laden, während die beiden anderen überhaupt nichts erstanden. Zunächst fiel dem Bersonal weiter nichts auf, aber am Abend beim Ausräumen des Schaufensters wurde jebody festgestellt, daß an jener Stelle, an der fich die zwei Fremden aufgehalten hatten, die Schaus fensterscheibe von innen ausgehoben und aus, der Auslage ein Ständer mit achtBrillantringen entwendet worden war. Die Firma feizte durch Anschlag an den Plakatsäulen eine Belohnung von 5000 Goldmart aus. Etwa zwei Bodyen später wurden jämtliche bei der Polizei in haft befindliche Ausländer den Angestellten und Wächtern der Firma vorgeführt, unter denen ein gewisser Sally Fleischer aus Warschau und ein Kaufmann Rev enjohn aus Lodz als zwei der in Frage kommenden verdächtigen Käufer mit Sicherheit wiedererkannt wurden. Der als Zeuge vernommene Wächter, der den ganzen Tag über vor dem Schaufenster den Batrouillendienst zu verfehert hat, befundete, daß in dem Augenblid, als die beiden Käufer in unmittelbarer Nähe des Schaufensters fich Juwelen anjahen, ein verfrüppelter Bettier herantam und den Laden betreten wollte. Um das zu verhindern, habe er sich einen Moment vor dem Schaufenster abwenden müssen. Die Vers telbiger hielten einen Beweis der Täterschaft nicht für erbracht. Die Engeflagten feien mittags in Gehäft gewefent; erit am Abend fei der Berlust bemerkt worden. Es sei doch nicht aus geidhlossen, daß ohne ihr Zutun ein anderer Besucher den Diebstahl begangen habe; auch sei bei ihnen von der Diebesbeute nichts vorgefunden worden. Trot schwerster Verdachtsmomente mußte das Gericht diesen rechtlichen Einwänden der Berteidigung sich anschließen und auf Freisprechung erkennen. Serabfekung des Gaspreises. Der Aufsichtsrat der Berliner Städtische Gaswerte.- G. bat fi in feiner legten Sigung mit der Frage der Gaspreise erneut Beschäftigt und Beschlossen, den Gaspreis bon der Stanb. #ahme im April ab auf 19 f. je ubitmetet festauiegen. Diesen Beschluß hat der Aufsichtsrat nach ein gehender Prüfung der rechnerischen Vorlagen lediglich in der Er wartung zit faffen bermocht, daß der Monat April eine Ermäßigung der Koblen- und Frachtenpreise bringt. Geländeübung der Arbeiter- Samariter. Die Abteilungen enfötin und Treptowo der Arbeiter Samariter Rolonne, E. V., veranstalteten anläßlich des Schlusses ihrer Binterfurje in den Müggelbergen eine größere leburg. Bei einer imitierten Explosion in einem Steinbruch, wozu sich eine Schlucht ant Teufelsfee außerordentlich eignete, follten Die geprüften Mitglieder ihr Können bei der ersten Hilfe zeigen. Nach Etattfinden der Explosion wurden die Samariterabteilungen, bie sich im gofal Sirandschloß am Milggeljee auf vietten, but asfahrer alarmiert. Die Kolonne feste fich fofort in Bewegung. Sierbei geigte es sich, daß die Prüflinge trob des schwierigen Geländes ihrer Aufgabe gewachsen waren. Die markierten Serlegten wurden im Beisein einer großen zu schauerschar geborgen und erhielten die erste Hilfe. Bald feste fich der erste Transport zu der ingtvischen angelegten Unfallmache in Marsch Jeber Berlegte batte eine Starte bei sich, worauf die Met seines Unfalles zu Tefen stand Schott bei dem Transport erbrachten die Prüflinge ein volles Verständnis für ihre fünftigen Aufgaben. Schnell wurden Tragen aus Zweigen und Buschwert angefertigt und darauf die Berlegten gebettet. Nachdem die Ver legten in der Unfallwache ihre Berbände erhalten und die an efenden Elerate diese Arbeit begutachtet hatten, begann der eigent liche Transport na bem Krankenhaus, das durch das Lokal, Strand Taloschen" bargestellt wurde. Sier fand eine allgemeine Kritik in Belfeln der Merite Dr. 2ble und Dr. Samuel, Neukölln Briß, statt. Imbau der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Bellevne. und Wäsche, die L. T. W. gezeichnet ist, einen eifernen Gelb fasten, den sie von dem Boden eines Sarantes, ber ihn barg, abiaraubten. Dieser Raften enthielt ein mit Diamanten befestes Platinuhrarmband, eine goldene adtkaratige Herrenuhr, Elgin fabrifat, eine goldene doppelfapfelige Damenubr, mehrere Sded. bücher Garfields- Saving- Bank, Cleveland, Ohio, und Amerikan Security und Trust Company Washington D. C., einen Liberty, von über 50 Dollar, einen Sched auf die American Erbreß Co. und Urkunden und Ausweispapiere auf den Namen G. W. II port. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalfommissar Binger, gimmer 89 des Polizeipräsidiums. Geffentliche Versammlungen Dienstag, 1. April, abends 7 Uhr, in folgenden Räumen: Schulaula Plantagenffr. 15-17, für den Norden, Schulaula Petersburger Straße 4, für den Often, Schulaula Dieffenbachstr. 60, Süden und Südosten. Tagesordnung: Die Not des proletarischen Kindes! Referenten: Frau Bohm- Schuch, Dr. Lohmann, Dr. Cowenstein. Genoffinnen und Genossen! Diefe öffentlichen Bersammlungen müssen im Hinblic auf die Reichstagswahl zu einem starten Befenntnis für den Schutz des proletarischen Kindes werden. Deshalb wirkt vor allem unter den Frauen für einen guten Besuch der Bersammlungen. Der Bezirksvorstand. Die Reihe der Mordprozesse. Ein Todesurfeil und zwei Jahre Gefängnis, Unter großem Andrang des Publifums begann vor der 5. Straf fammer des Landgerichts III die Verhandlung gegen den Händler Erich Weiß aus Reinickendorf, der Beschuldigt ist, am 5. September v. J. in seiner Wohnung in Reinidenborf Hedwig Biettig er mordet zu haben. . gibt ebenfalls zu, daß er häufig Erregungszustände haite, bei denen er hinterher nicht mußte, was er getan habe. Dr. Wauschtun von der Irrenanstalt Buch bezeichnete den Angeklagten in bezug auf Charakter und Gemütsleben als minderwertig. Er habe auch gewiffe Zeichen von Psychopathie; irgendeine Geistesfrankheit kommt nicht in Frage, so daß§ 51 nicht Anwendung finden könne. Sanitätsrat Dr. Leppmann femmt zu dem Schluß, daß irgendeine Geistestranfheit auszuschließen fei; er hat aber auf Grund der Tat und der Persönlichkeit gewisse Bedenken hinsichtlich der Ueberlegung. Nach mehr als einstündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Friedmann das Urfeil der 5. Straftammer, das dahin lautet: Der Angeklagte Weiß wird wegen Mordes zum Tode und zu dauerndem Ver= lust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Das Gericht hat es bejaht, daß der Angeklagte für seine Tat völlig ver antwortlich zu machen sei, und hat es verneint, daß die Tat im Zustand der Bewußtlosigkeit begangen ist. Der Angeklagte hatte bie Absicht, die Bleftig zu töten, um in den Befik ihrer Sachen zu gelangen. Dieses Ziel hat er in fonfequentester Weise verfolgt und feine verbrecherische Tat in vollem Bewußtsein ausgeführt. Der Angeklagte hörte das Urteil mit voller Ruhe an, während er im Laufe der Verhandlung mehrfach heftige Gemütsbemegungen gezeigt hatte, so daß die Verhandlung einige Male unterbrochen werden mußte. * In dem Gattenmorbprozeß gegen Frau Schroff und ihre Mithelfer wurde gestern das Urteil gefällt. Das Gericht ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Tatbestand sich nur in fehr wenigen Buntien auffären läßt. Ob der erste Schuß gefallen ist, als die Angeflagte Schroff mit ihrem Mann allein in dem Zimmer war, kann der Angeklagten nicht widerlegt werden und es iſt audy nicht zu widerlegen, daß sie dabei in Notwehr gehandelt hat. Wieweit die beiden anderen Angeklagten bei den beiden weiteren Schüffen beteiligt waren, ist auch nicht zu erweisen. Es ist nur erwiesen, daß die Angeflagte Schroff in der Kaminstischen Wohnung auf ihren Mann mit dem Revolver eingeschlagen hat. Die Aussage des Kaminski war so fchwanfend, daß sie für das Gericht ausscheiben mußte. Nach dem ersten Schuh, der für das Urteil ausfällt, ist sie in einen 3 ust and der Raserei geraten, in dem zwar die freie Willensbestimmung nicht ganz ausgefchloffen war, in dem aber die leberlegung gefehlt hat. Die Notwehr hat sie jcboň überschriften. Das Gericht hat ihr jedoch mildernde Umstände zugebilligt, da sie in namentofer Weise von ihrem Mann mikhandelt und getränkt worden ist. Das Gericht hat die Angeklagte Schroff des Totschlags schuldig befunden und 3wei Jahre Gefängnis für ausreichend erachtet. Die beiden anderen Angeklagten wurden, da ihnen eine Schuld nicht nachgewiesen werden fofinte, freigesprochen und aus der Haft entlaffen. Die Untersuchungshaft von fünf Monaten wird der Angeklagten voll angerechnet. R.- 2. Dr. Der Borsigende stellte ihm anheim, den Antrag bei Gericht zu stellen. ren regte eine Bewährungsfrist für die Angeklagte Schroff an. Der Vorsitzende stellte ihm anheim, den Antrag bei Gericht zu stellen. Selbstmord zweier Brüder. Die 27. bzw. 19jährigen Brüder illi und Walter Müller wurden in ihrer gemeinsamen wohnung in einem Haufe der Gormannstraße, durch Gas ver giftet, tot aufgefunden Die Leiden übergab man dem Schauhause. Der Beweggrund für diesen doppelten Selbstmord ist noch unaufgeklärt. Der Angeklagte ist ein mittelgroßer Mann im Alter von 26 Jahren. Er sieht ängstlich und schüchtern aus und vergießt reich lich Tränen während seiner Vernehmung. Nachdem er fein Borleben gefchildert hatte, gab er zu, daß er feit November 1923 ar beitslos gewesen ist und durch Sammeln von Altmetall auf den auf die Frage, ob er mit feiner Frau gut gelebt habe, brach der AnSchießplähen gelebt habe. Er habe sich im Januar 1922 verheiratet. geflagte in heftiges Beinen aus und fonnte nicht antworten. Godann wird er noch befragt, ob er früher eine Krankheit gehabt habe. Er habe als Kind eine Gehirnerschütterung erlitten. Er habe auch Anfälle auf der Straße gehabt und sei nach Hause gebracht worden. Im Felde habe er schwere Malariaanfälle gehabt. Die ermordete Blettig habe er schon im Juli in der Ulap fennen gelernt und fei mit ihr mehrmals zufammengewefen. Am 6. September hatten sie sich wieder getroffen, feien im Wintergarten gewefen und dann in den Geroldstuben. Gegen feinen Willen fel sie mit ihm in die Wohnung gefommen, als sie hörte, daß seine Frau verreift fei. Beim Frühstück erklärte sie mir:" Du mußt mich heiraten und Dich scheiden lassen; wenn Du es nicht tust, fage ich es Deiner Frau." Sie hat dann immer wieder im Laufe des Bormittags dazu gedrängt. Da sei er in Aufregung ges raten und wie die Tat geschehen ist, wiffe er nicht. Als er erwachté, lag er in einer Blutlache. Das Blut war schon froden. Früher habe er mit Rücksicht auf seine Frau und fein Kind ein ganz falfdjes Geftändnis gemacht. Nach dem Erwachen habe er feine Kleider gereinigt, alles aufgewischt und die Leiche in eine Decke gehüllt und weggeschafft. Einen Teil der Sachen hatte er verkauft. 3und beschenkt worden. feiner Beruhigung sei er abends im Klub gewesen, dann habe er nachts die Leiche zum Sandberg beim Friedhof ges bracht und mit den Händen eingefcharrt. In den nächsten Tagen sei er ganz kopflos gewesen. Borf: Angeklagter, Gie haben vor der Polizei und dem Untersuchungsrichter ein umfangreiches Ges ständnis abgelegt und zugegeben, den Bien der Ermordung gehabt zu haben, um sich in den Besitz der Sachen zu feher. nget.( weihend, mit der Fauft auf den Anklagetisch schlagend): Das weiß ich nicht, dazu bin ich auf der Polizei gezwungen worden. Borf: Ich halte Ihnen weiter vor, daß Sie von dem Erlös der geraubten Gegenstände Ihre Einrichtung freigemacht und fofort Schulden bezahlt haben. Der Angeklagte bricht unter Tränen schweigend vollkommen zufammen. Prof. Dr. Strauch hat im Auftrage der Mordkommission die Leiche obduziert. Der Tod ist durch Erwütgen erfolgt; am Kopf waren Berlegungen von einem fhimpfen Gegenstand; Geficht, Hais, Brust und Oberarme waren durch Stiche vollständig zerfetzt. Es wurde weiter die Mutter des Angefragten, eine afte, vergramt aussehende Frau, vernommen, die unter bitterlichem Weinen über verschiedene Jugendfrankheiten und Fällen von Geiftestrantheit ihrer Familie berichtet. Auch die Ehefrau des Angeflagten, bie mit ihm in Scheidung liegt, meint bei ihrer Bernehmung fehr heftig und Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 28. März. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm, 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Nachm. 4.30 bis 6 Uhr: Unterhaltungsmusik. F Wie erhalte ich meinen Berloren. Am Mittwoch abend ist auf dem Wege vom Verfommlungslokal Schultheiß- Brauerei, Hasenheide, nach dem Reuterplak ein Schlüsselbund verloren gegangen. Es wird gebeten, die Schlüffel im Restaurant Krüger, Reuter Ede Lenauftraße, gegen Belohnung abzugeben. Der Notdienst der Reichswehr gist ein Konzert. Im Dezember 1923 tourben auf Veranlassung des Chefs der Heeresleitung Exzellenz von Geedi innerhalb der Reichswehr Gelder gesammelt und mit den so gewonnenen Mitrein bent Nirmen eine Weihnachtspende unter dem Namen Reichswehriveihnachten für die Armen bereitet. In Berlin alfeiu finb etwa 5000 Arme von der Reichswehr gefbeist Um dieses Bestreben der Reichswehr, ber zur Linderung der Not tallräftig beizutragen, fortsetzen zu können, ist auf Veranlassung des Chefs der Heeresleitung der Notdienst Reichswehr" gegründet worden, der bereits im neuen Jahre mehrere Beranstaltungen mit bestem Erfolge ins Beben gerufen hat. Das Teute Konzert, daß am 14. März im„ Glou" stattfand, und bei dem zwei Militärfapellen sowie der Berliner Männernefangverein minivirkten, foit auf vielseitigen Wunsch am 28. Märs ebenfalls im Elou" wieberholt werben. Für die Jugendweihe im Großen Schauspielhaus am Sonntag, 30. 5.., bormittags 11 Uhr, find Gaftfarten im Sugeftosefretariat, SW, Rindenffr. 8. Die II. Hof, 2 r. und zum Zeil auch in den Verkaufsstellen zit haben. Dronet der Proletarischen Feierstunden treffen sich zur Jugendweihe an Sonntag im Großen Schauspielhaus, morgens um 8 Uhr an der bekannten Stelle. Der Männerchor Heidenröslein- Siemensstadt( Mitglied des deutschen Arbeiter Sängerbundes), Chormeister: Wujifdirettor P. A. Jofeph, gibt auz Sonntag, 30. b.., nachmittags 3%, Uer, in der Hochschule für Mufit, Charlottenburg, fein Frühjahrskonzert. Einlagfarten an der Nachmittags. taffe. Die Unwetterkatastrophe in Neapel. Bergung der Opfer. Nach den letzten Nachrichten tehren die längs der Küste aus, geschichten Schiffe wieder zurüd und landen zahlreiche Opfer der Ratastrophe, die im Seminar von Amalfi untergebracht werden, wo ihnen die erste Hilfeleistung zuteil wird. Beim EinSturz eines Hauses in Bettica Maggiore wurden sechs Perfonen getötet. In Marina Brajano wurden dreizehn Berjonen getötet. In Bettica wurden 20 5äufer 3erstört imd 65 Menschen getötet. Amalfi zählt fünf Lote. d Die gweds Umbau der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Bellevue Ueberall Hochwasser. Das Hochwasser der Weichsel steigt, vor etwa einem Jahre begonnenen umfangreichen Bauten sind jest wie aus Stratau gemeldet wird, ständig. Aus der Wojewodschaft in ihrem ersten Gjonitt beenbet. Es handelt sich um den Er Kielce wird mitgeteilt, daß bort eine Bride von 200 Meter jag ber alten eijernen Ueberbauten, die, im Jahre 4.30-6 Uhr: Unterhaltungsmusik. 7 Uhr: Chemie im Hause. Länge zerstört worden ist. Neuesten Meldungen zufolge hat 1882 bei der Eröffnung der Stadtbahn in Betrieb 7.30 Uhr: Vertrag des Herrn Dr. Rothe: genommen, den Beutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Da Säugling gesund. 8.30 Uhr: Da es wieder Frühling ist... 1. Oster- ie Weichsel die unteren Straßen in Krakau erreicht. Die Bahn der Werkehr auf den Gleisen während der Auswechselung der Ueber- paziergang, aus Faust", von Goethe( Karl Zander vom Deutschen verbindung Warschau- Bemberg ist vollständig unterTheater, Rezitation). 2. a) Gruß, von F. v. Mendelssohn- Bartholdy; brochen. Aus Warschau wird gemeldet: Eisrücken auf der ganzen bauten nathrlich nicht geftört verben darf, war bor der Ausb) Frühlingslied in schwäbischer Mundart, von F. v. Mendolssohn- Strombreite tei einem Wasserstand von 4,38 Mter, weiter unterhalb techfelung der Bau einer gilfebrüde erforderlich, sie nunmehr Bartholdy; e) Frühlingslied, von F. v. Mendelssohn- Bartholdy Cistreiben auf der ganzen Strombreite. Infolge starker Regenfertiggestellt ist. Links und rechts ber Spree besteht diese Hilfe( Marie Flocke- Hagemann). 8. a) Frühlingstraum. von Schubert; güe find in gang Spanien Ueberschwemmungen vorgekommen. bride aus hölzernen Jomen, über die Eisenkonstruktionen gestreckt b) Frühlingsglaube, von Schubert( Ugo Branner vom Stadttheater sind, die das Gleis tragen. Hamburg). 4. Erster Satz aus der Frühlingssonate( F- dur) von Beethoven( Fritz Korbanek, Violine; Otto Urack, Klavier). 5. a) Es blinkt der Tau, von Rubinstein; b) Frühlingslied, von Gounod ( Ugo Branner vom Stadttheater Hamburg). 6. Liebe im Schnee, von Rob. Hamerling( Karl Zander vom Deutschen Theater, Rezitation). 7. a) Er ist's, von Hugo Wolf; b) Frühling übers Jahr, von Hugo Wolf; c) Zitronenfalter im April, von Hugo Wolf( Marie Flocke- Hagemann). Am Flügel: Kapellmeister Ctto Urack. Einbruch bei der amerikanischen Botschaft. In die Handelsabteilung ber amerikanischen Botichaft, Budapester Str. 21, wurde in ber Nacht zum letzten Mittwoch eingebrochen. Die unbes fannten Verbrecher brangen mit Nachschlüsseln und Dietrichen ein, durchwählten die Behältnisse und stablen außer einem Sealfragen Großfeuer auf einem Guf bei Wilhelmshaven. In der ver. gangenen Nacht ist das Anwesen des Landwirts Cordes in hatterjam bei Wittmund einem Großfeuer zum Opfer gefallen. In den Flammen sind auch des Besizers fünf Kinder umgekommen. Außerdem sind drei Kühe und ein Pferd verbrannt. Die Eltern waren während des Brandes vom Hause abwefend. Nur 4 Pfennig kostet MAGGI Fleischbrüh- Würfel Achtung auf den Namen MAGGI und die rotgelbe Packung. Einfach mit kochendem Wasser übergossen, erhält man kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art, MAGGIS Fleischbruh Wurfet o Wirtschaft Industrie und Inflation. musgearbeiteten Richtlinien zur Begründung der WirtschaftsDie gestrige Industrietagung brachte die in interner Sigung politit der Unternehmer der breiten Deffentlichkeit zur Kenntnis. Daß es in den Reihen des Reichsverbandes der Deutschen Industrie friselt, nachdem die verarbeitende Industrie von dem Diftat der Rohstofferzeuger sich benachteiligt fühlt, ist zu befannt, als daß es durch ein Dementi noch befräftigt zu werden brauchte. Richtig wird aber an dem Dementi soviel fein, daß mit der Beise rung der industriellen Konjunktur der Gegensas fich wieder mildert. Solange man sich am Berbraucher fahadlos halten fann, bedeutet die Ueberfeuerung der Rohstoffe für die Verarbeiter in der Tat feine große Gefahr. Jedenfalls ist das solange nicht der Fall, als die ausländische Konkurrenz durch Einfuhrverbote vom inländischen Marft ferngehalten wird und das Breisgebäude künstlich aufrechterhalten werden fam. Für die 3u funft aber hofft man auf ein Auheilmittel, von dem bezeichnender melse gestern mit feinem Wort die Rede gewesen ist, obwohl es im Reichsverband der Deutschen Industrie schon sehr intensiv behandelt wird, nämlich auf die Schuhölle. Ueber biefe brennende Frage der nächsten Zukunft derfor man kein Wort. Um so deutlicher bes tonte man die Einmütigteit in allen anderen Fragen vor der Deffentlichkeit. Bon Streit, von Misstimmung war in der Kundgebung nichts zu merken. Wann wird die Arbeiterschaft als Ganzes in einer öffentlichen Heerschau ähnlich auftreten können, ohne daß eine Gruppe die andere im Angesicht des Gegners und zu feiner Freude beschimpft? Jebenfalls kann man, muß man aus der Kundgebung der Unternehmer fernen. Das Fünfminutenauto. Tatsache ist, daß die Industrie die Inflation lange Zeit gewollt und gefördert und in entscheidenden Momenten ihrer Be= tämpfung fidh widersetzt hat. Erst als die Arbeiterschaft fonbern um ein Automobil, das nicht länger als fünf Minuten Es handelt sich hier nicht um die berühmten Fünfminutenbrenner, burch die mit dem Höhepunkt der Gelbentwertung herannahende Wirtschaftskrise so vollständig zermürbt war, daß sie den Diktat pro Tag fährt. Ihre Entstehung verdankt diese eigenartige Gr. Widerstand entgegensehen konnte, fand man sich damit ab, daß der fürchterlich gegen die Automobilsteuer zu Feide. Natürlich gelüften der Unternehmer nicht mehr den notwendigen tatkräftigen findung der Steuerscheut gewiffer Automobilbefizer. In Nr. 12 der Allgemeinen Automobilzeitung" zieht ein Freiherr v. Löw ganz Auszehrung der Arbeiterschaft und des Mittelstandes ein Ende geist auch diese Steuer nur eine Folge der dreimal verfluchten Judenmacht werden mußte. Wenn es überhaupt Patriotismus ift, Pro republik, ihre Entstehung malt sich das freiherrliche Gehirn folgenderbuftionsmittel und damit das eigene Bermögen zu steigern, so ist diefer Patriotismus jedenfalls recht billig. Von den Maffen, Die mehr arbeiten und weniger Derdienen sollen, vom mittelstand, der von der reichgewordenen Industrie seine gegen Obligationen hergegebenen Goldbarlehen in lächerlich entwerteter Bapiermart zurüderhielt, verlangten und verlangen die Industrie. tapitäne jedenfalls eine andere Art von Patriotismus. Nicht nur dem Kaptialisten, sondern auch dem Sozialisten, der die Wirtschaftsvorgänge unvoreingenommen verfolgt und daher an ertennt, daß der einzelne Kapitalist innerhalb des gegenwärtigen Systems nicht aus der Reihe tanzen fann, ohne Schaden zu erleiden, würde die Konzernbewegung der letzten Zeit manche ehrliche Bes wunderung abfordern unter der einzigen Borausfegung, daß fie eben nicht in der gröbften Form auf Kosten der Allgemeinheit erfolgt wäre. Man stellte sich einmal vor, baß ein Stinnes, DitoWolff, AEG.- Konzern und wie die großen Gruppen alle heißen, sich in einer Zeit festen Gelbwertes so umgestellt und erweitert hätten, wie es in den letzten Jahren geschehen ist. Das wäre ein Stud fapitalistischer Entwicklung gewefen, in der der eingeine Birte schaftsführer geigen mußte, was er fonnte. Es wäre nicht in dem maße, wie es mit Hilfe der billigen und fast ohne Geld zurück gezahlten Reichsbantkredite geschehen ist, zu einem berartigen Raubzug auf die Verbraucher gekommen. So aber das Ber, wie der überwiegende Teil der Arbeiterschaft, von der händlerische Erraffen von Sachwerten mit Geld, das Inflation aus einer Glendswelle in die andere hineingestoßen wurde die anderen aufbringen, zu feiern, wie es gestern geschehen ist, und dabei die Bereicherung nicht nur der Schieber, sondern auch dazu gehört ein hohes Maß von Unwahrhaftigkeit, oder dazu gehört ein hohes Maß von Unwahrhaftigkeit, oder und wir der Konzerne gründenben Industrie erleben mußte, hätte erwarten können, baß bie Industrie für ihre Haftung etwas zur möchten annehmen, daß das letztere vorgelegen hat ein großer Mangel an Selbsterfenntnis. Die Bereinigten UnterEntschuldigung anführen würde. Der Stinnes Direktor Bögler hat nehmerverbände, bie fiber gewaltige wiffenschaftliche und finanzielle in seinem Referat die beutschen Interessengemeinschaften und Kon Hilfsmittel verfügen, sollten einmal diese Frage unbeeinflußt unter Stonehmerverbände, zerne als eint naturgefeßliches Produkt der deutschent Wirtschaftssuchen lassen. Das Ergebnis einer berartigen unparteiischen Unterentwidlung hingestellt und sogar die Behauptung gewagt, baß burch suchung wäre ihnen jebenfalls Anlaß zu graufamer Ernüchterung. diese Konzerngründungen die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen nicht eingeschränkt, sondern vermehrt würde. Go grumbfalsch diese Auffassung ist benn je mehr Menschen durch den Gang der kapitalistischen Entwicklung zum Dienen verpflichtet werden, desto weniger fönnen als freie Herren übrig bleiben das eine Richtige ist an dieser Beweisführung, daß die Führer folcher Ronzerne in der Tat die freiesten Herrscher in Wirt schaft und Politit sind. Und man braucht sich dann nicht zu wun Dern, wenn in ihnen mit einer gewissen Selbstverständlichkeit das Streben nach Industrieherzogtümern erwacht Dieses Freis heitsgefühl der Expropriateure gibt ihnen aber nicht das Recht, wirtschaftliche Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Herr Vögler legte nämlich dar, daß die Industrie sogar eine nationale Tat begangen habe, wenn sie in der Zeit der größten Berarmung des übrigen Bolkes ihre Produktionsmittel in Stand hielt und verbesserte.( Darüber, ob der Erwerb eines Attienpatetes in jedem Falle gleich eine Verbesserung der Produktionsmittel bedeutet, ließ fich der Mitarbeiter bes größten deutschen Kongerngründers nicht aus.) Oft ist das Gegenteil der Fall. Aber Bögler gab zut, daß nicht alle Voltsteile gleichmäßig von der Inflation betroffen wurden; und daß infolgedessen die Industrie in einer Zeit, wo die Arbeitskraft fünfzig und mehr Prozent ihres Einkommens durch die Inflationssteuer einbüßte, ihre Substanz erhalten und ver mehren fonnte. Diese Industrie liebt es, Geschäftsprattiten, bie sie im Interesse der Rentabilität des Betriebes oder zur Erhöhung Der Projitrate ohnehin verfolgen, mit dem Nimbus patriotischer Ge. finnung und vollkommener Nächstenliebe zu umgeben. Der Verfuch Des Rechtsanwalts Dr. Lammers, den egoistischen Wirtschaftstrieb Der Unternehmer als Ausfluß hohen kulturempfindens hinzustellen, ist außerordentlich bezeichnend für die Selbstgefälligkeit, mit der man 2ttienpatete zusammenhäuft und Aufsichtsratsposten hamstert. Der Auffassung, daß die Industrie für ihre Politik mährend der Inflation besondere Lorbeeren verdiene, muß jebod) ganz entschieden entgegengetreten werben. Zentner frei Haus Berlin. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. 16.00 17.25| Malzkaffee, gepackt... 23,00- 25,00 Gerstengrütze, lose 16,00-17,00 Röstgetreide, lose.... 16,00-18,00 Haferflocken, lose 15,75-16,00 Kakao. fettarm 100,00-125,00 16.00-16,50 Kakao, leicht entölt Hafergrüfze, lose ... 130,00-153,00 Roggenmehl 0/1 12,73 14.00 Tee, Souchon, gepackt 350,00-420,00 Weizengrieß.. 18,00 18,80 Tee, indischer, gepackt 425,00-500,00 Hartgries 22,00-25,50 Inlandszücker basis mel. 40,042,00 14.30-16.00 Zucker Würfel..... 45,00-48.00 17,00 21,00 Kunsthonig 36,00 40,00 19,00 22,75 Zuckersirup hell in Eim. 49,00 14,00 17,00 Speisesirup dunk. in Eim. 33,00- 35,00 20,25 24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 109,00-120,00 40,00 48,00 30,00-32,50 Marmelade Vierfrucht 26,00 35,00 Pflaumenmus in Eimern 45,00 48,00 Maisgries. 70% Weizenment Weizen- Auszugment Spelseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kitine Bohnen, weiße, erl Linsen, kleine Langbohnen, handverles. Linsen, mittel Kartoffelmehl Makkaroni Schnitthuden, lose.... Bruchreis Linsen, große Makkaronimeh! Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringapfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu Korinthen, choice Zimt( Cassia) 81 Inlandszucker Raffinade 42,50-44.50 36,50 42,00 Steinsalz, lose. 43.00 49.50 Siedesalz. lose 3,20 3,80 4.00 4,60 16,0 18,00 Bratenschmalz in Tierces 68,00 40,00 45,00 Bratenschmalz in Kübeln 69,00 69,50 37,00-38,50 Purelard in Tierces. 67,00 21,00 25,00 Purelard in Kisten 68,00 68,50 15,25 17,50 Speisetalg in Packung 46,00 50,00 17,00-19,50 Speisetalg in Kübeln 46,00-48,00 27,00-31,00 Margarine, Handelsm. I 56,00 31,00-36,00 desgl. II. 48,0052,00 100,00-105,00 Margarine, Spezialm. I. 43,00 48,00 desgl. 11. 60,00-65,00 55,00 60,00 Molkereibutter i. Fässern 180,00-185,00 80,00-85,00 Molkereibutter in Pack. 185,00-190,00 75,00-95,00 Landbutter in Fässern. 155,00 85,00 95,00 Landbutter in Packungen 160,09 76,00 . 80,00-85,00 Auslandbutter in Fässern, 130,00-185,00 maßen aus: Seit der Revolution herrscht in Deutschland die Politik der Straße. Radaulustige Raufbolde ziehen zusammen mit Faulenzern vor die Rathäuser, Regierungen und zwingen durch Drohungen die Beamten dazu, Berordmungen und Gesetze zu erlassen, die nichts anderes find, als ein Bernichten(!) der legten Güter usw. usw. Außer dem edlen Freiherrn ist wohl niemandem in ganz Deutschland bekannt, daß bei Schaffung- Freiherr v. Löw wirbe fagen bei Gdjaffen" der Automobilsteuer solche Dinge vorgefallen find, mit denen Herr v. Löw feinen Lefern das Grufein beibringen möchte. Aber die Sachlichkeit des Freiherrn v. Löw wird noch viel phänomenaler, wenn er im weiteren Berlauf seines Artikels nach zuweisen sucht, daß die Automobilfteuer zwanzigmal soviel betrage als bie Roften des normalen Brennstoffverbrauchs. um dies verblüffende Resultat zu errechnen, setzt der schlaue Freiherr die durchschnittliche Wochenleistung eines Autos mit 20( 3wanzig) Kilometern an. Das ergibt pro Tag die ungeheure Leistung von sage und schreibe- nod) nicht drei Kilpmetern, eine Strecke, die ein normaler Fußgänger in einer halben Stunde, ein Auto in brei bis fünf Minuten zurücklegt. Für ben Freiherrn v. Löw ist ein Automobilbefizer also ein Mann, der sich ein Auto anschafft, um ganze drei bis fünf Minuten am Tage darin zu fahren, den Chauffeur dafür den ganzen Tag zu bezahlen, während er ihn und das Auto 23 Stunden und 55 Minuten am Tage unbenugt stehen läßt. Bei so rationeller" Ausnutzung einer Mafchine muß allerdings der Brennstoffverbrauch weit hinter ber Steuer zurückbleiben. Aber warum legt Herr v. Löw seinem Bergleich nicht noch viel wirksamer ein Auto zugrunde, bas überhaupt nicht fährt! gebrechliche Beute und Krüppel zu Fuß leiften. Rechnet Herr llebrigens: brei Kilometer täglich, das ist eine Strecke, die selbst D. Löw, der so dröhnend über die Faulenzer" schimpft, womit er wahrscheinlich die Arbeitslosen meint, etwa die von ihm vertretenen gange bret Kilometer am Tag nicht zu Fuß gehen zu müssen? Leute zu den Fleißigen, die sich speziell ein Auto zulegen, mur um E.-T.. Die fünfte nordische Messe, die vom 23. bis 26. März in Riel abgehalten wurde, war außerordentlich stark beschickt. Die Zahl der Aussteller stieg von annähernd 600 im Herbst des vorigen Jahres auf rund 1600. Während die ersten Kieler Messen als vorwiegend schleswig- Holsteinisch bezeichnet werden konnten, waren diesmal nur 12 Broz. der ausstellenden Firmen in Groß- kiel und 15 Proz. in Hamburg anfäffig. Alle übrigen verteilten sich auf Groß- Berlin, das sehr stark vertreten war, Mittel-, Süd- und WestDeutschland, einschließlich bes befeßten Gebiets. Die Einfäufer famen vorwiegend aus Norddeutschland, aber auch das übrige Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen waren start vertreten, und Bertreter aus einer ganzen Reihe überseeischer Länder waren erfchienen. Während in den ersten Meffetagen wenig Geschäfte zum 21bschluß tamen, wurde in den letzten Tagen, mit Ausnahme der Tertilmesse, durchweg gut getauft, da die Aussteller sich in der Regel entschlossen hatten die Zahlungen für sechs Wochen zu ft 1nden. Borwiegend fanden, was wieder mit der Geldknappheit zusammenhängt, in allen Branchen Artikel des täglichen Bebarfs 2bfaz, die für einen raschen Umfag in Frage fommen. Rüdgang in der Weltwollproduktion. Rach den vom ameritanischen Handelsdepartement veröffentlichten Ziffern Mandeln, süße Bari 145.00-160,00 Auslandbutter in Packg 185,00-190.00 ist die Weltwolfprobuftion in 1923 um 66 min. fund Mandeln, bittere Bari..135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00 36,00 3 urückgegangen, und zwar deswegen, weil die australische 110,00-120,00 Speck, gesälzen, fett... 62,00-67,00 Schur 130 mill. Pfund geringer war als in 1922. Die GesamtproKümmel, holländischer. 155,00-165,00 Quadratkäse 30,00 40,00 buttion betrug 2 604 911 000 Pfund, von denen auf die einzelnen 35,00-50,00 Schwarzer Pfeffer singap. 103,00-111,00 Quarkkäse 135,00-146,00 Tilsiter Käse, vollfett. 120,00-125,00 Gebiete folgende Mengen entfallen: Nordamerita 282 429 000, Rohkaffee Brasil 180,00-215,00 Aus!. ungezuck. CondensSüdamerika 434 823 000, mittelamerita und Westindien Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 milch 48/16. 22,50-25,00 Röstkaffee Brasil... 240,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 18,00 19,00 750 000, Faltlandsinseln 8 200 000, 2 ustralien und Neuseeland Röstkaffee Zentralan... 320,00-400,00 Inl. gez. Condensm. 18/14 28,08-29,00 670 000 000, 21frita 247 265 000, Europa außer Rußland 546 124 000, Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Rußland 150 000 000, Asien 250 320 000. Weißer Pfeffer SUNLICHT bäff die Wäsche frisch und unversehrt und macht sie blendend rein HERREN- KLEIDER- FABRIK = Verkauf an Private zu Engros- Preisen. Wir bieten Ihnen ganz kolossale Vorteile. Unsere Verarbeitung ist vollwertiger = in Ersatz für Mass!* Die Auswahl ist riesengross Herren Anzügen, Burschen- Anzügen, Gabardine Mänteln Covercoat- Paletots, Gummi- Mänteln, Hosen, Sport- Anzügen Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Zahlungserleichterung gewähren wir. Verkauf: Wochentags von 3 bis 7 Uhr. 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Programm Neues Operetten- Sh. Täglich 7% Uhr: Stolzenberg Hesterberg. Grete Sellin, Sabo, Hirsch( vom Staatstheater), Kistenmacher Sonnt. nachm.3U.: Johannisfeuer Handelsverbot Auf Grund der Bekanntmachung zur Fernhaltung zuverläffiger Berfonen Bom Handel vom 18. Juli 1923( R- G- BL Boccaccio Die Guido Thielscher Belt, Berlin- Brik. Jahnstraße 85, burch Theater i. d. KöniggrätzerStr. 8 Uhr Wenn der neue Wein blüht Komödienhaus 8U.: Zwei um eine Berliner Theater 7.30 U.: Das Weib im Purpur Theater am Nollendorfplatz 7.30: Die Perlen d. Cleopatra Th. im Admiralspalast Allabendlich 7%, U.: Drenter and drüber Die Weltsensation: D. Wund. d. Schatten Stg. 32 U. b. kl. Pr. Ein Walzertraum Deutsch. Opernhaus 7 U. Der Mantel Hierauf: Cavalleria rusticana Intimes Theater 8: Crêpe Georgette Hotelabenteuer Metropol Theater 72 Uhr: Karneval der Liebe von Walt. Bromme Lari Leux, Halla Kürly, Otto Storm, Franz Glawatsch, Fritz Schaiz, E. Schönfelder Neues Theat. a. Zoo 7½ Uhr: LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Thalia- Theater U.: Frasquita Martha Serak Albin v. Rittersheim Theateri.d.Kommandantenstr. Das Radiomädel Operette v.P.Weiner Sig. 3% U.: Die Logenbrüde Wallner- Theater Uhr: Mad.Pharao Lustspielhaus 8: Traumtheater Traumstück Kleines Theater Tägl. Uhr: Die Gegenkandidaten Komödie v L Fulda Trianon- Theater Tägl. 8 Uhr: Die nackte Tänzerin Lustsp. v. R. Lothar Residenz Theat. Tägi. 8 Uhr: Die junge Welt Komöd. v Wedekind Rose- Theater 73 Unr: Robert and Bertram Komische Oper Allabendlich 7: Nur noch 4 Tage Die größte Revue des Kontinents: Die Welt ohne Schleier Folies Caprice 8 Uhr: Die Seine einer schönen Frau Zwischen 12 u.1 Casino- Theater Lothringer Str. 37. Billigstas Theater Berlins Volkstüml. Preise von 50 Pf. bis 150 M Tagl. 8 Uhr: Der Sensationsschlager: Die Mali v. Steinhof Walhalla Theater Weinbergsweg 15 Weltattraktionen SCALA Täglich 8 Uhr: ein ausgezeidetes VARIETE Programm! 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Dis Rechtsparteien frischen die alten Parolen von den „vaterlandslofen Gesellen", vom„inneren Feind" wieder auf, nnd suchen sie wie einst mit Wahllügen zu stützen. Sie be° nutzen dazu eine„Entdeckung" des Senatspräsidenten a. D. Robert Schmälder in Kassel. Cr hat nämlich entdeckt, datz der«M i l w a u t e e- L e a d e r" und der„M i l w a u l e e» ch e r o l d" vom 22. September und 13. Oktober 1923 über den Weltkongreß der Sozialdemokratie incham- bürg berichtet haben. Angeblich gestützt auf diese amerika» nischen Berichte, weiß Herr Schmälder ein„bedeutungsvolles Vorkommnis" zu erzählen. Nach dieser Erzählung soll der amerikanische Arbeiterführer und Kongreßrepräsentant V i k» tor L. Berger den Standpunkt vertreten haben, der Schutdanteil der alten deutschen Regierung am Ausbruch des Weltkrieges erscheine, verglichen mit der Schuld der anderen Mächte, als eine guantit� voxlixendls(von untergeordneter Bedeutung.) Nach den Deröffentlichungen der Sowjetvegie. rung sei es ein« Nichtswürdigkeit, wenn man an der Behauptung von der Alleinschuld Deutschlands festhalte. Ja, Berger habe sogar das deutsche Volk von der ihm von seinen Gegnern zudiktierten Straf« von Reparationsverpflichtungen ohne Grenzen und ohne Ende, d. h. von einer dauernden Sklavenarbeit und dem dauernden Verzicht auf Lebensfreuden und die Befriedigung höherer Kulturbedürfnisse befreien wollen und beantragt: „Die ReparaticmsoerMchtungen sind unter die am Kriege betet» klgt gewesenen Nationen zu verteilen im Verhältnis ihrer Ein» wohnerzahl und ökonomischen Stärke oder tm Verhältnis der von ihnen verwandten Soldaten und Kanonen." Dieser Antrag habe bei keinem unserer Gogner einen ernsten Widerstand erfahren. Dagegen habe aber die Er- klärung der Deutschen gelautet: „Ein solcher Antrag wüiÄe auch der deutschen Soziakdemokrati. ifchen Partei schädlich sein. Die Partei hat die Schuld am Krieg und Sie Pflicht, Reparationen zu leisten, im Prinzip angenommen." Nach dieser Erklärung der Bertretung der deutschen So- zialdemokratie Hab« der amerikanisch« Delegierte seinen An- trag fallen gelassen und auch kein anderer habe sich veranlaßt gesehen, ihn wieder aufzunehmen. Dies« Darstellung ist von A bis Z falsch. Um diese Wahllüge zu zerstören, geben wir folgend« Fest- Stellungen wieder: Der internationale Sozialistenkongreß hat im Mai 1923 (Pfingstwoche), in Hamburg in aller Oeffentlich, k e i t getagt. Di« gang« sozialdemokratischePresse hat über den Verlauf dieser Tagung sehr ausführlich berichtet. yn keinem dieser Berichte ist des Zwischenfalles mit dem amerikanischen Delegierten D. L. Berger auch nur mit einem Worte gedacht. Wie sich deutsche Sozialdemokraten zur Kriegsschuldfrage aus diesem Kongreß tatsächlich geäußert haben, dafür sei auf die Tatfache hingewiesen, daß Bürgermeister Stalten. Mit. alied der Sozialdemokratischen Partei, der den Kongreß im ptamen der Hamburgischen Regierung begrüßte, in seiner Be- grüßungsansprache wörtlich ausgeführt hat: „Auf diesem Internationalen Kongreß muß ausgesprochen wer- den, daß das deutsch« Volt nicht mehr Schuld am Krieg» hat als die anderen Völker auch Es ist nicht nur Wahnsinn, sondern auch ungerecht, wenn man dos deutsche Volt zwingen will, neben seinen eigenen Lasten auch noch die Losten der anderen zu tragen. Soweit wir zur Wiedergutmachung imstande sind. find wir bereit dazu, aber zu Leistungen über unser eigenes Können hinaus sind wir nicht verpslichdet. In Deutschland muß man zurzeit den Eindruck hoben, als ob das Weltgewissen vollständig »ingeschlafen sei. Während sich die ganz« Welt über die Greuel am Kongo und in Peru nicht genug hat aufregen können, entrüstet sich heut« draußen über die Greuel, die gegen Deutschland verübt worden sind und heute noch werden, kaum ein Mensch." Im gleichen Sinne haben sich, und zwar sehr deutlich, der deutsche Sozialdemokrat Otto Wels und der Deutschöster- reicher Genosse Dr. Otto Bauer ausgesprochcn. Welche Stellung der Hamburger Kongreß zur Deut- schen Republik eingenommen hat, geht aus der ersten einstimmig angenommenen Entschließung hervor, in der es wörtlich heißt: „Der Kongreß verpflichtet die Arbeiterparteien der anderen Länder, insbesondere Frankreichs, Großbritannien», Italien«, Polen« und der Tschecho-Slowakei, der deutschen Arbeiterklasse in diesem schweren Kampfe(gegen die international« Reaktion) bei« zustehen, indem sie gegen den französischen ZNililarlsmus die Souveränität der deulschen Republik und die Integrität ihre. Lest he», die würde des deutschen Volke» und die Lebensinicressen der deulschen Wirtschaft einmütig verteidigen sollen." �Patentlösung l Marx totschießen, Saun ist See Marxismus erleüigt l" In einer ziveiten, ebenfalls einstimmig«mgenom- menen Entschließung fordert der Hamburger Kongreß: 1. Die endgültige Festsetzung der von Deutschland noch g« schul- deten Summ« auf«inen Betrag, der in seinem Gegemvartswert den wirklichen Betrag der maderiellen Reparationen darstellt. t. Die Festsetzung eines Zahlungsplanes, der mit Hilfe inter» nationaler Kredltoperationen so bald wie möglich Deutsch- landvonseinerSchuldbefreit und alsbald den Gläubiger- mächten die zur Reparation notwendigen Summen zur Verfügung stellt. 8. Den Abschluß von UebeveintomTnen zwischen den alliierten Regierungen, die es ermöglichen, für die eigentlichen Reparalionen die Gesamtsumme der erwähnten Zahlungen zu verwenden.£«» fetzt seitens der alliierten Mächte und der Vereinigten Staaten von Amerika voraus: ») Verzicht auf ihre Forderungen an Deutschland, soweit sie Militärpensionen betreffen: d) allgemeine Annullierung ihrer gegenseitigen Forderungen und Schulden. Die jüngsten Vorschläge der deutschen Regierung und die Ant- warten Frankreichs und Belgiens einerseits, England» und Italiens andererseits, müssen Anlaß zur Eröffnung von VerHand- l u n g e n bleten, die zu einem Ueberein kommen führen. Der Kon- greß brandmarkt vor der Arbeiterklasse von vornherein sede Regierung, deren Halsstarrigkeit die Einleitung von Verhandlungen vereiteln würde. Und wester heißt es in dieser Entschließung, die sich u.«. scharf gegen die militärische Besetzung des Ruhrgebiets wendet deutlich: „Der Kongreß erklärt, daß die Lesetznng des Ruhrgebiets das höchst« Recht der Böller verletzt, das Recht im Frieden zu leben und zuarbeiten, geschützt vonjeder fremden Ver- gewaltigung. Kein Vertrag kann diesen unbegrenzten Mßbrauch der Gewalt zugunsten des Siegers rechtfertigen. Der Kongreß wendet sich gegen jede Maßregel, die in offener oder versteckter Form auf ein« Annexion deutschen Gebiete» oder ach ein« Zer- störung der deutschen Einheit hinauslaufen würde. Er protestiert gegen den Rückfall in die Barbarei, die den Gläubiger- stvaten erlauben könnte, an Stelle als lebendige» Pfand einige Millionen Arbeiter zu ergreifen. Der Kongreß versichert die Arbeiter, die sich zu gleicher Zeit dem Druck eine» fnanden Misttarismus und der Aufreizung ihres eigenen Nationalismus zu widersetzen verstehen, seiner brüderlichen Solidarität. Er begrüßt ihren passiven Widerstand als einen Beweis für die Unentbehrlich keit der Arbeit, als Zeichen der Mach! der organisierten Arbeiterklasse und gerade dadurch als«in Vorzeichen der künftigen Siege des Proletariats" Der Standpunkt ober, den der amerikanische Delegierte und Abgeordnete des Repräsentantenhauses V i k t o r L. B e r- ger auf dem Kongreß in Hamburg in der Frage der Kriegsschuld und des Versailler Friedens«ingenommen hat, ist von ihm selbst in Nr. 13? des Hamburger Echo<2ß. Mai 1923) in folgenden Sätzen niedergelegt. „Kein Volk kann besonder» für den Weltbieg veraiUworstich gemacht werden. Keinem Volk dürfen We Kosten diese» Krieges auf- gebürdet werden, auch wenn da» Volt in dem Kriege unteriegen ist. Es war ein Welttriog— ein Weltunheil. Alle zivilisierten Völker müssen darum gemeinsam und in Eintracht versuchen, dem Weltunhett entgegenzutreten. Wir müssen die Zivilisation retten oder vielmehr auf einer gesünderen und gerechteren Grundlage ckieder aufbauen. Der sogenannte Frieden von Versailles— der keinen Frieden, sondern eine fortgesetzte Ausraubung und Unterdrückung de» deutschen Volke» bedeutet— ist darum ein noch größere« Verbrechen als der Krieg selbst. Deutschland ist heutzutage nicht nur wehrkos, sondern e« ist absolut ein Land ohne Grenzen, tn da» jede wvhlbewasfnete Räuberbande nach Belieben eindringen kann. Das sind unhaltbar» Zustände, nicht nur für Deutschiand, sondern für die Zivilisation der ganzen Welt. Die Erkenntnis dieser Zustände ist von ungeheurer Wichtigkeit für da» internotionak« Proletariat, das«in Kind der mv- kernen Zivilisaston ist. Dieser internationale Kongreß— der setzt in Hamburg, also auf deutschem Boden, strittfindet— wird also ol» ein Fehlschlag angesehen werden müssen, falls der Kongreß nicht Mütel und Wege zu finden trachtet, demfranzöfifchen Militarismus und Chauvinismus durch da» inter- nationale Proletariat einen Wall entgegenzusetzen. Der Militarismus— eine große Gefahr für uns in allen Ländern— ist in Frankreich zu einer Weltgefahr ausgewachsen." Wer wird es nach diesen Feststellungen noch wagen, das mnerikantschc Märchen von dem„bedeutungsvollen Vorlomm- nls" auf dem Weltkongreß der Sozialdemokratie in Hamburg zur Verdächtigung der Vaterlandsliebe der deutschen Sozial- demokratie weiterzuerzählen! Der deutsche Alesflas. Eine pfycho-pathologische Betrachiung. von Dr. med. Julius Moses. De? Hitker-Prozeß bietet nicht nur dem Posttiter einen überaus reichen Stöfs für die Beurteilung der Politik unserer Tag«: auch der Arzt, insbesondere der Psychiater, findet hier ein weites und ergiebiges Feld für feine Studien über Psychopathie. Hysterie, Masienplychos« u. a. m. Mönkemöller hat einmal das psychologische Verhalten der Psychopathen in folgenden Worten geschildert: „Nebm einer unbegründeten Selbstüberschätzung haben sie da» Bewußtsein der Wirklichkeit verloren, so daß bei ihnen eine allge- meine Lügenhaftigkeit kas Feld beherrscht. Sie neigen PH an- tastcrrien zu, miß ihr Hang zu triebartigen Sjoriblungen, die übertriebene Wertschätzung des eigenen Ichs drängen sich m alle Ihre Willensäußerungen hinein. Unstet und fahrig, Nnd diese kon- sstmtionell Erregten stet» im Gange, lassen sich leicht zu Seilen- fpriinqen verleiten, wechseln Beruf und Stellung, haben große P'äne. erreichen aber nicht«." Man messe mit diesem Maßstab den Hitler, und man hat den Psychopathen in Reinkultur. Der Typus eines hin und her lavierenden, an maßlose Selbstüberschätzung leidenden Menschen. an dem man das ganze Wesen des Psychopathen wie in einem Lehr- buch, wie in einem medizinischen Kolleg geradezu studieren kann. Ein Mann der mit der ganzen hartnäckigen, verbissenen Eigenart des Psychopathen nach wie vor an seine Sendung glaubt. Hier nur ein« klein« Probe: Im Verlauf des Prozesses erklärt« Hitler:„Noch dem Bericht der„Münchener Neuesten Nachrichten' habe i ch damals gesagt:»Bis zum End« der Abrechnung mit d&r Verbrechern, die Deutschland zugrunde gerichtet haben, übernehme i ch die Politik." Der Bericht der.Münchener Neuesten Nachrichten' ist bis auf ganz klein« Einzelheiten vollkommen richtig. Hätte ich den Reichskanzlerposten beansprucht, dann hätte ich es auch gesagt. In einer Zeih in der ein Bremens«? Hotelier Reichskanzler wird und hier in Bayern zwi'chen Bierpreisherabfetzung und Butterkonfiskation geschwankt wird, lebne ich«ine solche B«lchcidenh«it ab. Lossow de- hauptet, ich sollte Propagandaminister in der provisorischen Regie. rung werden. I ch habe keinen Anlaß, bescheidener zu sein als Herr von Lossow. Was i ch wollte, das war die Abrechnung mit den Ro- vemberverbrechern. Und dos wich auch mein Reservat sein, wenn nicht jetzt, dann w einer anderen kommenden Zeit." Diese» schön« Bekenntnis einer schönen Seele zeigt mit aller Deutlichkeit, aus welcher psychopathischml Quelle«e ganze Hitterei haMSgchoß«» P.___.••äiifc Den Hitlerfchen Größenwahn haben denn auch schließlich einige der Beteiligten erkannt. Man muh Leute wie Lossow und E ei her hören, die doch längere Zeit mit Hitler im Verkehr standen und infolgedessen sich ein Urteil bilden konnten, und wird begreifen, daß dies« Leute bi» ins innerste Herz erschreckt In zwölfter Stund« sich doch noch von Hitler abgewandt haben. Ganz richtig urteilt Sei ß er:„Der Größenwahn der Leute um Hitler wuchs ins Ungemessene. Hitler, der Mann mit der glänzenden Rednergabe, ist meiner Ansicht nach dem Beifall der Menge erlegen. Aus dem einfachen„Trommler" wurde der Mann, der sich anmaßte, die Geschicke des Volke« leiten zu wollen." Und ebenso zutreffend urteilt Lossow:„Die suggestiv« Ve- redtsamkeit Hitlers macht« aus mich anfangs Eindruck. In vielem hatte er zweifellos recht. Je öfter ich ihn aber hört«, desto mehr schwächte sich der Eindruck seiner Persönlichkeit ab. Wie für die atttoistischen Verbände, so galt auch für Hitler das bekannt« Wort: „Und der König absolu»." Tat man 5iitler seinen Willen, so war alle» gut. Könnt« man da» nicht, so war man eben unten durch. Erst dem„Deutschen Tag" in Nürnberg schien in den milstärischen Kamps- verbänden der Sinn für da» Möglich« ganz verlorengegangen zu sein. Hitler, der vorher bei seinen Unterredungen nichts für sich selbst verlangt hatte, war jetzt nicht mehr der selbstlos« Mann, für den er sich ansang» ausgegeben hatte. Hitler hielt sich für den deutschen Gambetta, und sein« Umgebung, di« das Erb« von Süd-Byzanz ange.reten, hielt ihn für den d e u t s ch« n M e s s i a s." Und dieser krankhast« psychopathisch veranlagte Mann fühlt sich berufen, das Wort Hamlets auf sich anzuwenden:„Die Zeit ist aus den Gelenken, w«h mir. daß ich berufen ward, sie wieder«iuzu- renken." Dieser Psychopath konnte seit Jahr und Tag in Bayern eine Rolle spielen, komtt« mit Manschen wie mit Schachfiguren operieren, konnte die ganz« bayerisch« Politik wie an einem Schnürchen dirigieren, durste mit Ministern und den höchsten Staatsbeamten verhandeln wie ein« gleichberechtigt« Macht mit der anderen. Und keiner von den Taufenden, die den deutschen Messias täglich um- jubelten, die ihn agieren und operieren sahen mit der geizen wirren, wilden, ungezügelten Art seines Austretens und seiner Pläne, kam auf den Gedanken: Hier decouviert sich«in Psychopath in seiner ganzen unglückselig belasteten geistigen Blöße?' Ein Don Quichot« will die Welt umformen nach den Ausgeburten seines Hirn». Die urteilslose blöd« Meng« aber umjubelte den„Deutschen Messias", während die eigentlichen Drahtzieher still im Hintergrund« blieben und die von Hitler misgehenden Massenpsychosen auszunutzen suchten für ihr« dunklen reaktionären monarchistischen Pläne. Me �Schbepsche Aeitung' verkündet ihr« Lesern, daß dort« München„die deutsche Seele, di« ourw.-hmlich arnh an, den Hillerleuten auch zu uns spricht", vor Gericht steht: „Der Hitlerprozeß wird gerade deswegen, weit bei den Führern da» Herz stärker gesprochen hat«, als politisch« Abwägung, auch aus die Herzen de» Volke» stärker wirken als di« parte,- politisch abgestempelte Kritik. Die politischen Fehler Luderchorffs imd Hitlers werden zurücktreten, der tatbereite Geist wird fortleben und die Krast des nationaien Gedankens steigern." Hitler, der deutsche Messiasl di e deutsche E e e l« l In der.Warte", dein völkischen Organ mxt dem gelobten Land« d«s Ochsenkopf«», konnten wir lesen: „Er ist...«in Besessener. Dieser Hitler ist em t-e- gnadet Besessener. Wenn«r spricht, steht er an seiner Seite... der g r v ß« G e i st. So müssen.-. die großen Redner in der Antik« gewesen sein, aber.. wo finden wir solche Redner in der Antike? S prichr er, türmt sich Ewig- teil. Will er. bricht eine Welt zusammen." Und on diesem deutschen Wesen und diesem deutschen Messias und an dieser deutschen See!« soll Deutschland grnesenl! Nach d«n Zusammenbruch der Räterepublik m München versuchten namentlich bayerische Psychialer mit«inem großen Aufwand von sogenannter Wissenschaslllchkeit den Beweis zu erbringen, daß die Führer in dieser Bewegung— die Landauer, Eisner, Toller — mehr oder minder„geistig defette, krankhaft veranlagte Person- lichkeiten" gewesen feien und so den„revolutionären Unruhen und Umwälzungen gewissermaßen als Infektionsquelle der Masse, rbewe- gmrgen einen psychopathischen Charakter verliehen". Gehejmr« Kraepelin-München führte das Zustandekommen der Revolution aus eine„hysterische Massenpsychose" zurück, und ein anderer Arzt meinte. „Der Strasjustiz muß das Recht gegeben werden, gegen psycho- pathisch«, antisoziale Verbrecher sofort das Entmündigungsoersahren einleiten zu lassen imd sie außerdem unter ständige, strenge Polizei aufsicht zu stellen!" Wie wäre es, wenn das Volksgertcht in Münch«, die bayert- schon Psychiater zunächst einmal als Sachverständig« hören würde? Der H«rr Staatsanwalt hat Zwar in feiner„Verteidigungsrode" Hitlers Verdienst« um die national« Sache in Deutschland, insbesondere die Bekämpfung des internationalen Marxismus und de, Judentums in allen Tonarten laut gepriesen, aber auch«r mußte schließlich die„5)eamnmvslosigkeit" Hiller» zugestehen, jene„Hein- imingslosigkeit". die ein Charakteristikum des Psychopathen ist! Nicht nur Hiller: die ganze Hitlerei trügt den Stempel d« Psychopathischen! Hysterische Massenpsychoje"! _ vazerssch« Mchwt«-