Abendausgabe Str. 15241. Jahrgang Ausgabe B Nr. 76 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in ber Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Udreffe: Sozialdemokrat Berlia Horwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfermig 50 Milliarden Sonnabend 29. März 1924 Berlag and Angetgenabtetiss Geschäftszeit 9-5 Ur Berleger: Borwärts- Berlag Omb Berlin Sm. 68, Cindenficate& Feralprecher: Dongo 2506-250 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Schwierige Stellung Poincarés. Die Aufnahme des neuen Kabinetts in Frankreich. Paris, 29. März.( Eca.) Zu dem neuen Rabinett Poincaré| Ermächtigungsgefeßes zu regieren gebenfen. Aus dem" Matin" er. fchreibt das Blatt der franzöfifchen Industrie, die„ Journée Indu fährt man, daß zwei weitere neue Mitglieder des Rabinetts strielle", die Rückkehr François Marsals in das Finanzministe im Sen at gleichfalls ihre Zustimmung zu dem Ermächtigungs. rium eröffne die Aussichten auf eine großzügige Finanz gefeh verweigert haben, und zwar der bisherige Chefredakteur diefes politik und eine menschlichere Steuerpolitik. Capus fomme ins Blattes, Henry de Jouvenel, der ausdrücklich gegen die VerAderbauministerium, umgeben von viel Bertrauen und zahlreichen trauensfrage stimmte, fowie Marsal, der sich der Stimme entSympathien. Warum fomme Loucheur ins Handelsministerium? Es erscheine nicht zweifelhaft, daß dies geschieht, um die wirtschaft. hielt. Da dieses Ermächtigungsgefch infolge geringfügiger Menderungen lichen Verhandlungen vorzubereiten und zu führen, Sie die neue durch den Senat noch immer nicht endgültig verabschiedet ist, wer den nun diese vier überzeugungstreuen" Staatsmänner in der Regelung der Reparationsfrage begleiten werde. Die Sorgen um die auswärtigen Probleme haben überhaupt die Bildung des neuen neuen Regierung die Vertrauensfrage für die Bewilligung von Rabinetts beherrscht. Die Beibehaltung Le Trocquers als Maßnahmen stellen müffen, die sie selber bisher bekämpft haben! „ Sachverständigen der Ruhr" sei ein Bemeis dafür. Ein anderer Beweis finde sich in der Berufung Henri de Jouvenels und des Oberstleutnants Fabry, die beide Delegierte Frankreichs im Bölkerbund sind. Poincaré wollte zweifellos fein Rabinett so birden, daß es die Wahlen überdauern fann. Bom allgemeinen Gesichtspunft aus fönne diese Voraussicht sich leicht rechtfertigen; fie fchaffe jedoch eine 3 meideutige Stellung zwischen dem Minister präsidenten und seiner bisherigen Mehrheit. Diese werde es ihm nicht verzeihen, daß er scheinbar die Anstrengungen und die Opfer, die sie mit der Bewilligung der Ermächtigungsgefeße und der zwanzigprozentigen Steuererhöhung gebracht hat, desavoulerte. Wenn die Radikalen in ihrer Opposition genen die auswärtige Bolitik Poincarés verbleiben, dann werde diefe Opposition einen Bundes. genossen in der Getränktheit der Gemäßigten finden, und dies fönne bie Existenz des Kabinetts recht schwierig machen. Sein Schick fai werde bereits in der erster Kammerfizung zu erkennen fein. Das europäische Dilemma. London, 29. März.( WTB) Times" schreibt in einem Beit. artitel über das europäische Dilemma, Boincarés Stellung fei jest stärker als je. Am Borabend der Wahlen selbst habe er eine unerwartete Gelegenheit erhalten, fein Kabinett umzubilden und zu stärken. Die Berwirrung der letzten Lage in Paris sei beherrscht worden durch den klaren und nachdrücklichen Hinweis des Präsidenten der Republit, daß, welche Regierung auch zur Jwel polifliche Jorderungen Macht gelange, unberührt blieben, nämlich feine Räumung des Ruhrge. biets, bevor Deutschland zahle, und feste Durchführung ber Finanzreform. Dies fei das Programm, zu dem Poincaré verpflichtet sei, und mit dieser starken Unterstützung habe er sich in der Lage gesehen, die Regierung Frankreichs fortzuführen. Die Minister beibehalten worden. Der Riß in der Volkspartei. Klebeverfuche in Hannover. Bor dem offiziellen Reichsparteitag der Deutschen Bolkspartei, der in einem mit fchwarzweißroten Fah nen geschmüdten Saale ftattfindet, hat am Freitagabend eine außerordentliche Sigung des sogenannten 8entralvor. standes der Partei stattgefunden, an der nicht weniger als 261 Bertreter teilnahmen. Die Sigung felbft war vertraulich. Ueber die Verhandlungen wurde ein offiziöfer Bericht herausgegeben, in dem es heißt: Als Vorsitzender des Zentralvorstandes erstattete Reichsaußenminister Dr. Stresemann ein furzes Referat über die poli. tische Lage und die Politit der Partei. Stürmischer, immer wieder erneut einsehender Beifall folgte feinen Ausführungen. Daran schloß sich die Ansprache, die bis in die bendstunden dauerte. Die Aussprache wurde in einem Geifte geführt, der bewies, daß bie Mitglieder der Deutschen Boltspartei sich nicht nur Partei. freunde nennen, sondern es auch sind. Zur Gründung ber Nationafliberalen Bereinigung wurde gegen verein gelte Stimmen folgender Beschluß gefaßt: Der Zentralvorstand stellt fest, daß politische Organisationen und ähnliche Berbindungen von Mitgliedern innerhalb der Partei nur möglich find, femeit die Sahungen diefes geffatten oder die zuständigen Pattelinstanzen fie ausdrücklich genehmigen. Andere politische Organisationen innerhalb der Partei find nicht möglich. Zu diesem Beschluß des Zentralvorstandes erklärten die an wesenden Mitglieder der Nationalliberalen Vereinigung folgendes: Die anwesenden Mitglieder der Nationalliberalen Ber. einigung erflären, daß sie nach ber von bem. Zentralvorstand festgestellten Einmaligfelt in den politischen Auffaffungen bei ihren Freunden für die Ausführung des heutigen Beschlusses des Zentralvorstandes eintreten werden. Diese Einmütigkeit zeigte sich auch bei der einstimmigen An vor allen Dingen durchaus verächtlich. Die Ere Neuvelle" schreibt. Ruhrminifer Maginot und Le Trocquer feien als einnahme des von Herrn Profeffor Dr. Leidig verfaßten Wahlaufrufes. Die Blätter des Blocs der Linken, wie der„ Quotidien und die„ Ere Nouvelle" äußern sich mit allergrößter Schärfe gegen das neue Rabinett Poincarés. Das neue Kabinett, schreibt der„ Quotidien", ist nicht nur mittelmäßig und lächerlich, es ist auch das neue Kabinett Poincaré habe den Eindruck nicht nur von Er: ften und Ueberraschung, sondern von Demora'isation erwedt. Der Mnisterpräsident, der bereits das Vertrauen aller ehrlichen Republikaner verloren hat habe nunmehr auch das Bertrauen der ehrlichen Menschen in allen Parteien verloren. Niema's im Beríauf ber Gefchichte des Barfomentarismus habe man es je erlebt, daß ein Belitifer alle feine Mitarbeiter mit derartiger Rüdfichtstofiafeit ohne irgendwelche Freundschaftsstrupel ober Dankbarkeit habe fallen Laffen. Diese Wahl fel bezeichnend, die Ruhrpolitik in allen müitärischen und wirtschaftlichen Bunt. ten werde aufrechterhalten. Der Grundsaß der Ruhropera fion werde demonstrativ hochgehalten. Das neue franzöfifche Rabinelt sei im übrigen nicht mehr ein Einmannfabinett. Der geschmei. bige Unterhändler Boucheur sei mit aufgenommen worden und es fei nicht unmöglich, daß er in der Lage fein werbe, Boincaré irgendein nühliches kompromis vorzuschlagen. Jouvene!, der ebenfalls aufgenommen worden fei, habe bereits viele gesunde Gedanken über die europäische Lage zum Ausdrud gebracht. Er nehme außerdem besonderes Interesse an dem Böllerbund und werde deshalb viel leicht in der Lage sein, einen mäßigenden Einfluß Auch in fehr gemäkioten politischen Kreifen wird das neue Rabinett mit großer Zurückheftung aufgenommen. Man werde aut tun, schreibt der„ Eclair". mit Aufmerksamkeit die ministerielle Erklärung zu lesen, um das Geheimnis der neuen Rombination zu durchbringen, die mit einem gewiffen Erstaunen aufgenommen worden ist. Wenn in gewissen B'ättern vorher gesagt wird, daß in der auswärtigen Politik das neue Kabinett eine wesentliche Schwen fung bedeuten werde, so wird diese Auffassung mit der Anwesen heit Loucheurs und de 3oupenels begründet. De Jouvenel if umzweifelhaft einer der Hauptverteidiger des Bölkerbundgedankens in Frankreich, und Loucheur ist und bleibt der Mann, der mit Lloyd Georges über den Plan von Checquers verhandelt und mit Rathenau bas Wiesbadener Abkommen getroffen hat. Demgegenüber barf man aber nicht vergessen, daß Boincaré die beiden Hauptftüßen fein r Außenpolitit, nämlich den Minister für öffentliche Arbeiten Le Trocquer und den Kriegsminister Maninot in fein neues Sia. binett übernommen habe. Das Geheimnis" der neuen Kombination erfennen viele erfahrerene französische Politiker in dem Wunsch Boincarés, die majorität der republikanischen Kontiärung abgegeben. Seine Gedanken und feine Energie feien aentration für die französischen Wahlen vorzubereiten. Das Gewerkschaftsblatt Le Peuple" schreibt, man habe die„ Geschicklichkeit" Boincarés bewundert, der nach der Darstellung feiner Leute den Nationalen Blod zertrümmert und dabei dem alten Kartell einen Schlag verfett, indem er den rechten Flügel dieses Kartells in feine Mehrheit mitaufgenommen habe, so sehr diefes auch aus dem Rahmen falle. Die Wirklichkeit sehe folgendermaßen aus: 1. Boincaré habe. fofte es, was es wolle, am Ruder bleiben wollen, 2. Boincaré behalte Maginot und Le Trocquer, die Ruh politik dauere also an, 3. Poincaré habe, um Léon Daudet einen Befallen zu tun, den Innenminister Manourn nur ausbooten fönnen, impem er mit ihm zugleich die alten Minister des ersten Rabinetts opferte. Jegt fei die Aufgabe gelöst. Boincaré habe das Minifterium des Innern den Ronaliften preisoeneben. Léon Daudet werde zu frieden sein und die Poincarésche Methode werde im Palais Bour bon weiter Schlager sein. 群 auszuüben. Das neue Kabinett habe aber nur vorläufigen Charakter. Es müsse in einigen Wochen dem Lande gegenüber. treten, und in diefem fritischen Augenblick fönne ber Einfluß der aus Boincarés Regierung entfernten Männer die Wählerschaft be einflussen. Zur vorgestrigen Rebe des britischen Premierministers im Unterhaus übergehend, führt Times" aus, leider habe Macdo nalb nur eine verfrühte und schlecht erwogene er von den ernsten Schwierigkeiten, die durch den Streit in Bon bon geschaffen wurden, voll in Anspruch genommen. Er habe ungebuldig und unvorsichtig vom Standpunkt der Berhandlungen im einzelnen den gesamten Gedanken an irgendeinen Batt zur Verteidigung der französischen Sicherheit verworfen. Er habe ein weiteres und unbestimmtes Programm der Reparationsregelung auseinandergefeßt, monach Deutschland in den Bölferbund hinein genommen und hierauf eine internationale Abrüstungstonferenz ein berufen werden soll. Es fönne sein, daß einige der Gedanken, die diefer flüchtigen Stizze zugrunde liegen, vollkommen vernünftig feien. Es sei jedoch zu bedauern, daß der Bremierminister fich ge 8wungen gesehen habe, fein Programm der Welt in dieser Gestalt zu unterbreiten. Es fche weit mehr vor, als wozu die augenblick. fiche Lage berechtige und scheine aus diesem Grunde unwirklich zu fein. Die Haltung vorsichtiger Reserve und ruhiger und freundschaftlicher Annäherung, die Macbonalb bisher in internationalen Angelegenheiten gezeigt habe, fei be. wun bernswert gewesen, so daß es um so mehr zu bedauern lei, daß er feine Stellung durch eine unvorsichtige Rede geschwächt habe. Auch Lloyd Georges Rebe set nicht dazu angetan gewesen, die tritische Regierung in einer sehr schwierigen Zeit zu unterstützen. Stille Börse. Im sozialistischen Bopulaire" schreibt Léon Blum, fnapp einine Wochen vor den Wahen und einige Tage vor der Auflösung der Kammer trenne Poincaré fich in auffehenerregender Weise von ben Ministern, die fich für ihn fompromittiert hötten, ja fogar von ber Kammermehrheit, die er felbft in einer nie wieder gutzumachen hen Beise kompromittiert habe. In das Kabinett trete ein Henri de Souvenel, ber mit solcher Entschiedenheit das Ermächtigungsgefeß befämpft, ein Loucheur und Daniel Bincent, die gegen das Er mächtigungsgesetz und die zwanzigprozentige Steuererhöhung ge ( prochen hätten, und ein François Marsal, der Führer der Oppo fifton in den Wandelgängen des Senats. Die Mitglieder der Gruppe Arago, die im Kabinett Briand eine fo breite Stellung eingenommen hätten, feien im neuen Rabinett nur noch der Form halber vertreten. Am Wochenschluß stand der Berkehr an der Berliner Börse Mozu wäre dieses Ministerium der Koketterie nach links, wenn nicht wieder im Zeichen vorsichtiger Zurückhaltung. Soweit heute deshalb, weil man am Quai d'Orsay und im Elysee das Ergebnis ber Wahlen bereits im voraus fenne, und weil man die Notwendig. Effettenturse genannt wurden, lagen sie größtenteils auf der feit einiger Vorsichtsmaßregeln feststelle? Und was bedeutet die Höhe der geftrigen Rotierungen oder gar etwas darunter. Im BerHeranziehung de Jouvenels des Mannes des Bölferbundeslaufe gestaltete sich allerdings die Tendenz für Effekten etwas freund. und Loucheurs, des Mannes von Chequers und Cannes, wenn man licher, da bekannt wurde, daß größere ausländische Kauforders für nicht die Notwendigkeit verspürte, den unmittelbar bevorstehenden deutsche Bankaftie nach Berlin gelegt worden sind. Im ZusammenBeschlüssen der Sachverständigen eine günstige Aufnahme zu be- hang hiermit befundet die Spefulation ein reges Intereffe für Banks reiten? aftien, für die bereits recht erhebliche Kursbestrebungen gesichert er. scheinen. 3m Devisenverkehr lag der franzöfifche Frant wieder etwas fefter. Man handelte London gegen Baris mit 78%. Im übrigen ist die Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln unverändert groß. Die Repartierungen waren im allgemeinen die gleichen wie gestern. ,, Ueberzeugungstrene" Politiker. Bie wiesen bereits heute morgen auf die merkwürdige Tatsache hin, daß zwei von den neun Mitgliedern des Rabinetts, nämlich Boucheur und Daniel Bincent, in der Rammer gegen das Ermächtigungsgefeß gestimmt haben und dennoch mit Hilfe dieses Das sieht fast wie eine Einigung der streitenden Brüder aus, ist es jedoch feineswegs. Die der Nationalliberalen Bereinigung nahestehenden ugenberg und Stinnes. Blätter wissen näheres darüber mitzuteilen. Es wird zunächst darauf verwiefen, daß gerabe die führenden Persönlich feiten biefer Bereinigung nicht an der Sigung des Zentral. vorstandes teilgenommen haben, z. B. die Herren Duaa t und Bögler. Die Stinnes- DA3. versichert auch, daß die Erklärung des Zentralvorstandes feineswegs eine RIärung bedeutet. Sie fei nur nach langwierigen, hin und herschwankenden Berhandlungen außerhalb des Sigungsfaales" zustande gekommen. Die wirklich entscheidenden Verhandlungen würden erst in den nächsten Tagen in Ber fin geführt werden. Es sei feine einheitliche Auf fassung darüber vorhanden, ob die Beschlüsse als„ Sieg" oder Niederlage" der Nationalliberalen Vereinigung anzu fehen feien. Im Lokal- Anzeiger" wird hinzugefügt, daß sich die tit glieder der Nationalliberalen Bereinigung erst am Mona gbarüberschlüssig machen wollen, ob sie die Bereinigung auflösen oder in eine andere Form bringen wollen, die den Anschauungen der Partei entspräche. Als eine solche Form wird z. B. eine wirtschaftliche Gruppe" angefehen. Sollte aber die Bereinigung ihre Existenz in der bisherigen Form aufrechterhalten wollen, fo würden die in Hannover anwesenden Mitglieder der Vereinigung gemäß ihrer Zustimmung aus der Bereinigung ausfchei. ben, während möglicherweise einige wenige andere statt deffen den Austritt aus der Partei vorziehen könnten." Die Entscheidung wird also nicht auf dem Parteitag felber, sondern in weiteren Verhandlungen hinter den Kulissen gefällt werden. Nachdem den Zentralvorstand, einschließlich der nationalliberalen Mitglieder, zwischen beiden Gruppen Ein mütigkeit in den politischen Grundauffaffungen" feftgestellt hat, wird es den Nationalliberalen ja auch nicht schwer fallen, bei den Stresemännern zu bleiben und dort die weiterentwidlung nach rechts inten fiver als bisher zu betreiben. Daß fie bazu einer befonderen Bereinigung nicht bedürfen, ist bei der engen Berbindung der Generaldirektoren untereinander ja ohnehin selbst. verständlich. Schlagt die Juden tot! Als erste Helfferich und Hergt! Die Münchener Großdeutsche Zeitung", die für eine Boche verboten ist, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer vor dem Berbot einen Artikel aus Ostpreußen, in dem der Berfuch der Deutschnationalen, fich gleichfalls als„ völkisch" aus zugeben, als ein frecher Betrug hingestellt wird. 11. a. wirb behauptet, der„ völtische Ausschuß" der Deutschnationalen fei unter den Borfiz des Abg. Graef gestellt lediglich zu dem 3wed, die Wähler zu täuschen und Berwechslungen mit dem Abg. v. Graefe herbeizuführen. Darüber wird dann gesagt: Glauben die Deutschvölkischen wirklich, daß sich eine enge Arbeitsgemeinschaft mit diesen Deutschnationalen wird herstellen laffen, die ihren obersten Grundsatz: Juden raus!" oder noch beffer: Schlagt bie Juden fof!" in der von uns geschilderten Weise mit Süßen treten? und glauben bie Deutschnationalen, mit ihren schönen Thrafen Gimpelfang treiben und auch nur einen Deutschvölkischen für fich, wenn auch nur auf dem Wege der Täuschung, gewinnen zu tönnen? Die Deutschnationalen sollten sich einer fo unwürdigen, auf Täuschung berechneten Rampfesweise schämen, fowelt fie, was wir allerdings bezweifeln, überhaupt noch imftande find, Sham zu empfindex. Also die Juden sollen totgeschlagen werden. Und me I che Juden! Auch darüber spricht sich der Aufsatz mit treudeutscher Ehrlichkeit und Offenheit aus: Sehen wir uns doch einmal die Deutschnationale Boltspartei etwas genauer an. Gegründet ist sie von dem Juden Stahl; einer ihrer Führer ist Dr. Helfferich, dessen Bater oder Großvater ein Bollblufjude war, ein weiterer Führer ist Herr Hergt, in dessen Adern gleichfalls jüdisches Blut kreist. Fast alle Grafen und Barone, die sich jetzt zur Deutschnationalen Bolkspartei bekennen, haben eine Jüdin als Frau, Mutter, und Großmutter. Solche Verbindungen maren notwendig geworden, um den infolge leichtsinnigen Lebens wandels einzelner Familienangehöriger start reduzierten Hausbesig mieder einmal etwas aufzufrischen, Der schwarzlodige, braunäugige, mit Händen und Füßen mauschelnde Professor Dr. Breyer, feines Zeichens deutschnationaler Abgeordneter, stammt aus der Utraine und verrät schon von weitem den galizischen Juden. Alfo, wenn die Befreiung des deutschen Volkes durch den großen Judentotschlag beginnt, dann mögen sie sich vor fehen, die" He rgt, die helfferich, die Brener und alle die deutschnationalen Grafen und Barone! Aber was wird mit Bulle, der ja auch schon von den deutschsozialen Antisemiten beschuldigt wird, nicht ganz reinraffig zu sein? zwar Bulle, Wulle, denk an deine Großmama! Die völkischen Totengräber des Reichs. Die Angeklagten im Münchener Hochverratsprozeß hatten natürlich mit Ausnahme des psychopathischen Schwägers Adolf Hitler zunächst rerkündet, daß fie auf ein eigenes Schlußwort verzichten würden; in legter Stunde haben es sich jedoch die Hauptakteure dieser politischen Farce nochmals überlegt und Abschlußreden doch vom Stapel gelaffen. Warum sollten sie nicht? Dank der beispiellosen Lar heit der Richter und Staatsanwälte, benen man es anmerft, daß sie innerlich in vielen Bunkten mit den Hochverrätern übereinstimmen und die deshalb fajt jede Beschimpfung der Republik und der Verfassung, ihrer höchsten Repräsentanten und ihrer Hoheitszeichen zuließen, ist dieser Prozeß zu einer unverhofften Propaganda gelegenheit für die deutschvölkische Bewegung geworden. Nachdem nun sämtliche Verteidiger der Reihe nach fich widerspruchslos jede erdenkliche Frechheit hatten leisten fönnen in Leipzig vor dem Staatsgerichts hof hätte ihnen der aus Bayern stammende Oberreichsanwalt Ebermayer schon bei den ersten Anfäßen dermaßen auf den Schnabel gellopft, daß ihnen die Lust zu meiteren Bersuchen gründlich vergangen wäre, würde es geradezu eine fträf liche Bescheidenheit der Angeklagten gewesen sein, wenn sie auf eine so kostbare Gelegenheit verzichtet hätten, zum Fenster hinauszureden. Es lohnt sich eigentlich nicht, sich mit diesen Herrschaften fachlich auseinanderzusehen, nachdem sie nur zu deutlich bemiefen haben, daß Sachlichkeit ihre legte Sorge ist. Nur eins jei ihnen gesagt: Sie geben an, daß sie im Gegensatz zu Kahr, Dr. Heim und den sonstigen Führern der bayerischen Wittels bachbewegung für ein einiges Großdeutschland eintreten. Es mag schon sein, daß bei den meisten von ihnen diefes Ziel aufrichtig erstrebt wird. Aber sollten sie wirklich nicht einsehen, daß bei ihrer Art, über den allergrößten Teil des deutschen Boltes au lästern, ihre Bewegung, menn fie jemals Erfolg haben würde, unweigerlich zum Ende der deutschen Reichseinheit führen müßte? Erkennen diese Leute nicht, daß um nur ein Beispiel zu nennen die Bevölkerung gerade der meist gefährdeten Teile Deutschlands, des Rhein Landes und des Ruhrgebietes fich die Herrschaft falcher Lästermäuler feine zwei Minuten gefallen lassen mürde? Gerade die besetzten Gebiete bestehen in ihrer er brückenden Mehrheit entweder aus Anhängern des von Ludendorff beschimpften ultramontanen" Zentrums oder aus Marristen". Die Bahlen zum saarländischen Landesrat haben erst jüngst gezeigt, daß die Nationalisten in wirklich national gefährdeten Gegenden nichts zu sagen haben. Der pfälzische Separatismus fonnte erst gefährlich werden im 3uSchrekers Jrrelohe". ( Uraufführung in Röln.) Bir stehen zweifellos an einem Wendepunkt der Operngeschichte. er Opern schreibt, muß fich bekennen. Der eine wird zu der märchenhaft- illusionären, bewegungsarmen, nur vom Willen zu schöner, ausdrudsstarker Mufit diftierten Oper der Arien und Chōre gelangen. Hier ist Mufit, reine Musit, das Lezte und Große, das Theater ein Notbehelf, ein Mittel zur stärkeren Resonanz, der materielle Bühnenvorgang ein bewußtes Spiel mit dem Schein. Die neue Richtung, die der Zukunft, wird daher vom Ballaft des Musifdramas soviel wie möglich abwerfen. Die Gegenwart indessen ist einer zweiten Richtung verschrieben, deren Stammvaier Bagner heißt. Er hat sowohl für die aus dem Schauspiel gewachsene Oper wie für die pfnchologisierende, nach innen versentte Tragödie den entscheidenden Wurf getan. Ebenso star? ist die Musifkraft Berdi, der sogar am Drama vorbeikomponieren durfte und allein durch die Bitalität seiner Musifſprache, seiner melodischen Gebärde den Hörer bezwingt. Franz Schrefer ist in der Oper Jrrelche der letzte große Ausläufer diefer zweiten Gruppe. Oder vielmehr: er hat sich durch feine besondere Mischung von echtestem, instinktiv treibenden Theatertemperament und Hang zur symbolisierenden Darstellung tatsäch licher Geschehnisse aus fonvergierenden Richtungen berous feinen Stil gefchaffen. Der aber heißt: großes Theater, finnliches Spiel, farbiges, schillerndes Miteinander von Wort, Ton, Licht, Szene, Boll und Individuum.. Seine Dichtungen haben in sich selber schon im Urzustand all jene Schwebungen der Stimmung, Atzente der Leidenschaft, Kraftgebärden der Grotit, die feine Musit dann erfüllt, ergänzt, ohne neue zu schaffen. Er ist ein Meister der orchestralen Bariation jener tönenden Urfeime, die seinem Wert als Untergrund dienen. Dank einer beispiellos großartigen Technik schleift, putt, verfeinert und vergröbert er fein Material so, daß es in jeder Situation dem szenischen Moment angepaßt ist. Ein Bild, ein heldisches Hörnermotiv, eine Liebesromanze wachsen sich von einfachen Themen zum Stoff für ganze finfonische Zwischen- und Vorspiele cus. So fönnte sich einmal das Gefühl einer Erfindungsstille ein. stellen, wenn das Kolorit der Instrumente nicht immer wieder Wechsel und Rüancen für das Ohr schüfe. Nun ist dieser Orchester flang allerdings völlig in uns eingegangen. Was in den„ e. zeichneten", im Schabgräber" noch unerhört neu und fühn erschien, ist heute als Schrefersches Wielos unfer Befiz. Der Klang verlor nichts an Reiz, nichts an Bedeutung, und dennoch wünscht bas Ohr wieder neues Reimmaterial, große austadende Melodie. Im Affett, sei es dem der Luft oder dem der höchsten Seelentämpfe, gelingt Sdrefer das. Im stilleren, in sich versentten Liebesibyll, im feufchen Flüstern der Seelen wird feine Mufifpalette blaffer an Farben. Sein Melos in der„ Irrelohe" fammelt Strahlen des Magnerschen Melos in sich und wirft fie im bunten Reflex eigen. artig zurüd. Selbst das Wagnersche Ethos rührt sich in ihm. Der Mustlang des Wertes ist eine Wagnersche Erlösungsidee. Bo das Orchester allein spricht und dentt, da ift das Bedeutendste mit in brünftigem Befennermut gestaltet, Bo die Stimmen felbständig " sammenhang mit der von der Münchener Regierung geförderten| Boltsgerichts München I vom 1. April ab aufgehoben nationalistischen und republiffeindlichen Umtriebe im rechts rheinischen Bayern. Und es ist jetzt so weit gekommen, daß der höchste Justizbeamte des Reichs, der Oberreichsanwalt, angesichts der Untergrabung aller Rechtsgrundsätze zugunsten der äußersten Reaktion über Bayern das furchtbare Bort prägte, es sei das sogenannte Ausland". werden; doch eine Ausnahme mußte gemacht werden, weil es nicht möglich war, in dem Strafverfahren gegen Hitler und die Mitbes fchuldigten megen Hochverrats vor dem 1. April das Urteil zu ver fünden und schriftlich zu begründen. Außerdem schweben auch wegen der Bortommnisse vom 8. und 9. November noch verschiedene weitere Berfahren, die bis zur Erledigung des Hauptverfahrens ruhten, da Aber den Bölkischen scheint jedes Gefühl für die Wirkun- mit in ihnen die Ergebnisse des Hauptverfahrens verwertet werden gen ihrer Politit abzugehen. Sie, die in brutalster und verfönnen. Das Boltsgericht München I wird solange legender Art als gewalttätige Minderheit alle übrigen Teile fortbestehen, als es zur Erledigung fener Strafe des deutschen Volkes tagtäglich herausfordern, fie magen es, perfahren äußerstenfalls nötig ist, nämlich bis von Einigkeit“ und„ Eintracht zu reden! In der Nummer zum 15. Mai 1924. des Münchener„ Bölkischen Kuriers" vom 27. März wird ein Deutschlandlied" von Kurt Schrader( Schliersee), Exzellenz Ludendorff, dem Führer der nölfischen Freiheitsbewegung in Ehrfurcht und Treue gewidmet", veröffentlicht, das mit den Worten schließt: ST „ Das Reich, das mich geboren, Ist nimmermehr verloren, Wenn wir in Eintracht uns nicht selbst entzmei'n: Ich bin ein Deutscher, mill ein Deutscher sein!" Niemand hat in Deutschland mehr 3wietracht in den legten Jahren gefät, mehr wirtschaftlichen und politischen Chaos hervorgerufen als gerade die deutschvölkische Bewegung, die die Ermordung Erzbergers, Gareis und Rathenaus, den Münchener Nopemberputsch und die Ludendorff- Rede vor dem Volksgericht auf dem Gewissen hat. Ist es den Bölkischen mit der Rettung der Reichseinheit ernst, dann sollten fie ihre eigene Mahnung beherzigen und von der politischen Bühne schleunigst verschwinden! Kahrs Studienreise. Gegen die Verfolgung Quiddes. Bon den drei österreichischen Friedensvereinen erhalten wir folgende Zuschrift: Bor furzem erreichte uns die verblüffende Kunde, Professor Quibde fei in München unter der Beschuldigung des Landes Derrates. verhaftet morden. Dieses Berbrechen soll dadurch begangen worden sein, daß der berühmte Pazifist in einem Zeitungsartikel auf die großen außenpolitischen Gefahren hingemiesen hätte, welche aus den nicht verstummenden Gerüchten über die geheime militärische Ausbildung junger Leute in Deutschland entständen. Prof Quidde hatte die Aufmerksamkeit der Reichsregierung und des Reichstages auf diese Gefahren gelenkt in der Hoffnung, daß durch eine parlamentarische Untersuchung die Gerüchte non geheimen, vertragsmidrigen Rüftungen widerlegt und dadurch ein ernster Konfliktstoff mit Frankreich aus dem Wege geräumt würde. Dieser Schritt war von der reinften Vaterlandsliebe, von der lebhaften Gorge vor der Anwendung neuer erbrüdender Reg preffalien seitens Frankreich eingegeben. Wenn auch inzwischen die Enthaftung Quiddes wegen Mangels der Fluchtgefahr erfolgte, so halten es die österreichischen Friedens. organisationen doch für ihre Pflicht, schärfsten Einspruch zu erheben gegen das jeder Rechtsgrundlage entbehrende Borgehen der bayerischen Behörden, insbesondere aber gegen den Geist des blinden Chauvinismus, der in felbstmörderischer Weise die Revanches lust im deutschen Bolt nährt, jebe ehrliche Erfüllungspolitik unmög lich macht und die heute der Regelung der Reparationsfrage relatin günstige Lage auf das schwerste schädigt. Wir protestieren mit allem Nachdrud gegen das System der Berfolgung deutscher Patrioten, die durch loyale Erfüllung der Ber pflichtungen von Bersailles und Bekämpfung des auf einen Res vandhetrieg hinarbeitenden Nationalismus den wahren Frieden her, beiführen und Deutschland vor dem Untergange bewahren wollen, In dem Borgehen Quiddes Landesverrat zu sehen und Protest der Verteidiger im Hitlerprozek. durch die schärfften Mittel, selbst die Verhängung der Untersuchungs München, 29. März.( BS.) Wie wir hören, wird von der Berhaft, ahnden zu wollen, charakterisiert in trauriger Weise die Ber Ber- mirrung aller Rechtsbegriffe im Deutschen Reiche, ins teidigung der Angeklagten im Hitler- Prozeß gegen die Auslands besondere in Bayern, wo der Ausnahmezustand überdies die Gren reife der drei Kronzeugen Rahr, Lofsom und Seißer zen der Rompetenzen der obersten Gewalten in bedenklichem Maße Brotest erhoben. Man bezeichnet es als unverständlich, daß in vermischt hat. dem gegenwärtigen Stadium der Boruntersuchung die Angeschuldigten die Ausreiseerlaubnis erhalten haben, und verlangt von der Staats. anwaltschaft eine Aufklärung darüber, weshalb Kahr, Lofsom und Seißer die Bässe nicht abgenommen worden sind, nad dem bereits vor einigen Tagen im Laufe des Prozesses der Erste Staatsanwalt Stenglein, der die Untersuchung führt, davon verständigt morden sei, daß die genannten Herren eine Auslandsreise zu machen beabsichtigten. Bekanntlich gab die Staatsanwaltschaft die Erflärung ab, daß ihr der Aufenthalt der Angeschuldigten bekannt sei, und man fann aus dieser Erklärung wohl den Schluß ziehen, daß die Erholungs. reise im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft erfolgt ist, und daß Kahr, Lossom und Seißer sich verpflichtet haben, ihren jeweiligen Aufenthalt dem Ersten Staatsanwalt anzuzeigen, um auf Berlangen die Rückreise anzutreten und sich zur Verfügung zu stellen. Durch die am 1. April eintretende. Auflösung der Boltsgerichte in Bayern wird die Untersuchung an fich weder aufgehoben noch be einträchtigt. Nach den im Reich geltenden Gesezen hätte die Durch führung des Ermittlungsverfahrens bis zur Boruntersuchung durch einen fommissarisch vom Staatsgerichtshof zu ernennenden Richter erfolgen müffen. Bei der bekannten Einstellung zum Staatsgerichts. hof und zum Republitschutzgesetz war es nicht möglich, diefes Berfundentag beizubehalten, solange erhöhte Arbeits fahren vor das Leipziger Gericht zu bringen und so fief die Boruntersuchung die bayerischen Boltsgerichte fannten das Ermitt lungsverfahren nicht beim Boltsgericht 1 in München. Nachdem I mit dem 31. März die Zuständigkeit auch dieses Gerichtes erlischt, geht die Boruntersuchung nunmehr an die ordentlichen bane rischen Gerichte, und zwar an das Landgericht München über. Die Untersuchung wird voraussichtlich auch beim Landgericht vor dem Ersten Staatsanwalt Stenglein weitergeführt werden. Das Volksgericht München I bleibt bis zum 15. Mai. Der Achtstundentag in Mecklenburg. Ein demagogischer Antrag der Deutschvölkischen. Schwerin, 29. März.( Mib.) Der medlenburgische Landtag nahm 1. a. einen Antrag der Deutschvölkischen an, den Acht. leiftung nur zu einem verfchärften Frondienst gegenüber dem internationalen jüdischen Leihfapital führt. Bei Mehrarbeit soll den Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht und eine besondere Ver. günftigung gewährt werden. Ein weiterer völkischer Antrag auf Abbau des Landtages in dem Sinne, daß auf je 8000 Stim. men( bisher 5000) ein Abgeordneter entfällt, wurde abgelehnt. Jn Württemberg hat sich ein Bölfish vaterländischer und natale Biod für die Reichstags- und für die gleichzeitig stattfindende Bandtagswahl gebildet, dem neben den völfischen und nationalen München, 29. März.( Tul.) Gemäß der am 1. April 1924 in Bereinigungen auch die Bürgerpartei( Deutschnationale Partei) angeschlossen ist. Der Blod ftellt eine völfisch- vaterKraft tretenden tiefgreifenden Aenderung des Ausbaues der Straffändische Einheitsliste auf, die als Spigenfandidaten den bisherigen gerichte hat das bayerische Gesamtstaatsministerium eine Berord Reichstagsabgeordneten Bazille( deutschnational) und Alfred nung erlassen, monach alle Gerichte mit Ausnahme des Roth aufmeist oft werden, da ist wie im ersten Att und am Ende des Werfes vollendeter Zusammentlang von Gesang und Orchester. Zuweilen aber, wie im zweiten Att, schleppt sich dieser Einigungsversuch lang. fam dahin und flärt sich erst in Momenten auf, die auf diefe effettrolle Steigerung zu warten schienen. Es ist dann ein Leuchten oder ein dämmeriges Geistern zu spüren, das dem theatralischen Bormurf bie äußerste Bewußtheit und legte Spanntraft verleiht. 3rrelobe ist eine alte Grafenburg. Ein wildes Geschlecht hauft hier in lockerer Sitte. Heißes Blut treibt die jungen Ritter zu den Frauen. Vor dreißig Jahren raubte einer die Braut des Chriftobald, Lola, und vergewaltigte sie vor dem Bolt. Die Frucht diefer fündigen Lat ift Peter. Der liebt des Försters Tochter Eva. Ihr stellt Heinrich, der junge Graf von Jrrelohe, nach. Gie weiß, daß dieser Heinrich ein Weltabgewandter ist. Ihn von der Erbfünde der Bäter zu befreien, ist sie zu dem größten Opfer des Beibes be reit, fidh ganz hinzugeben. Doch Heinrich tötet die Gier, das Dämonisch- Triebhafte in sich selber ab, um den Fluch des Hauses zu fühnen. Er macht Eva zu feinem ehelichen Beib. Christobald, der dreißig Jahre unter dem Borwurf seiner eigenen Feigheit fitt, fehrt zurüd, verrät die Schande Lolas, brütet Rache für jene unfelige Handlung. Peter verlangt, ungebändigt, pom Grafen Eva, die Braut. Wenn nicht für immer, so für eine Nacht. Noch einmal fchmebt über den Menschen das Gespenst der tierischen Brunst. Da erschlägt Heinrich seinen eigenen Bruder. Christobald hot indes Frrelohe in Brand gestedt. Während die Burg, das Symbol einer rein förperlichen, irren Lohe, zusammenbricht, schreiten Eva und Heinrich dem Morgenrot entgegen, verbunden in wahrer Liebe, die eine Liebe der Geister, Seelen und Körper zugleich ist. Diese Dichtung ist von ungewöhnlicher Straffheit. Durch die Kraßheiten der Handlung weht dennoch der Atem des Keinen, des Ausgleichenden, des Schuldfreien. Man fühlt, daß hier Schleusen Bererbung Menschen zu Zieren gemorden sind. Der Gott und die des menschlichen Triebdaseins geöffnet sind, daß durch Schicksal und Bestie in unserer Brust fämpfen den Kampf diefer Unglücklichen mit. Den Kontrast zu der tragischen Tonart bilden sehr gefchidt ein paar Buffomusikanten( die Sündler") und die rhythmisch wie flanglich derben Tänze des Schlußaftes. Im Schaffen Schreters bedeutet diese reiche, schwierige, tunstvolle Partitur eine Steigerung. Klarer, transparenter, finfonischer und gedrungener hat er faum je geschrieben. Theatralisch ein Höhepunkt. In dieser„ Irrelohe“ hat Schrefer sich freigeschrieben. Möglich, daß dies das Ende der großen Schauspieloper ist. Die Uraufführung war ein großer Erfolg. Da sowohl szenisch wie darstellerisch ein mittleres Niveau nicht überschritten wurde( mit Ausnahme des eigenartigen Menzinffy und des herben Hammes), fo ift neben Schrefer nur der überragende, feingeistige, höchst ein brudsvolle Orchesterleiter Otto Rlemperer für diesen Erfolg verantwortlich. In Berlin werden wir ihn nach einigen Jahren tontrollieren. Kurt Singet. Aber Das heimgesuchte Amalfi. Der furchtbare Erdrutsch, der in Amalfi jo große Zerstörungen angerichtet hat, ist nicht die erste Heimsuchung, die dieser idyllische Ort, die Berle des Golfes von Salerno, über sich ergehen lassen muß. Amalfi foll von römischen Familien, die auf der Fahrt nach Konstantinopel Schiffbruch erlitten haben, gegründet worden fein. Unter der Herrschaft der Longobarben nur unbedeutendes Fischerdörfchen, entwickelte es fich später zu einer blühenden Handels- und Hafenstadt. Der Reichtum Amalfis erweckte bald die Habgier der Pisaner, die die Stadt im Anfang des 12. Jahrhunderts mehrfach geplündert und fast völlig in Asche gelegt haben. Die Bewohner ließen sich jedoch nicht entmutigen und bauten ihre Stadt wieder auf. Die Errichtung eines mächitzen 3ifterziensertiosters, auf einem Abhang hoch über der Stadt, trug bazu bei, Amalfi zu einer neuen Blüteperiode zu verhelfen. das Schidfal erklärte fich gegen die unglückliche Stadt. Im Mittel. alter wurde fie von demselben Gießbach, dessen Fluten auch jetzt die Zerstörungen angerichtet haben, mehrfach in Trümmer gelegt. So wurde aus der blühenden Seestadt, die noch dazu im 16. Jahrhundert dauernd von Seeräubern heimgesucht war, der idyllische Kleine Ort, der es heute ist. Das Zisterzienserkloster wurde im Anfang des 16. Jahrhunderts von den Kapuzinern übernommen, vor einigen Jahrzehnten, nachdem es im Jahre 1899 durch einen Bergrutsch befchädigt worden war, renoviert und in einen Gasthof umgewanbelt. Bon Amalfi führt auf hohen Wiadukten, bis zu 150 Meter über dem Meer, tie in die Klippen eingebauene Straße nach Salerno, an der sich, inmitten von Zitronen- und Drangengärten, reiche Italiener und Frembe ihre auf das blau gleißende Meer hinausschauenden Billen erbaut haben. Auch hier mag der Erdrutſch manche Lücke geriffen haben. Amalfi hat übrigens auch eine literarische Erinnerung. Denn in einem ffeinen Gasthof om anderen Ende der Bucht, zur Luna" genannt, hat Ibsen seine„ Nora" geschrieben. Uraniavorträge. Theater. Täglich außer Freitag 5, 7. 9 Uhr: Soonose und Suggestion. Montag 7 Uhr: Dr. Nawrott.„ Erlebnisse reitag 8%, br: Dr. Lederer. Friedrich II". aus dem Kaufalus, itt. 9 Uhr:„ Das Wandern der deutschen Jugend". 7, Ubr: Für und wider den Dffultismus Mont. 8 Ubr: Die Schlösser Hörsaal. Somnt. Votsdams. Dienst. 8 Uhr: p. Kranich, Das Shitem der Grapholo nie". iitp. und Sonna b. 8 Uhr:„ Das Königsgrab". Freit. 8 Uhr: Baumeister Lehreß, Malerische Badsteinbauten Nordwestdeutschlands". Die Euphorion- Kunstausstellung, Charlottenburg, Fasanenftr. 85, er öffnet am 1. April eine Gesamtausstellung von Georg Walter Rogner, die außer einer größeren Anzahl von Gemälden auch Hand. zeichnungen, Graphik und illustrierte Bücher dieses Künstlers zeigen wird. Dr. Kurt Hiller trägt in einem 8yllus von drei Vorlesungen( Dienstag, 8., Freitag 11., Sonnabend, 12. April) feine neue Schrift Boliti? ber Syntbele im Friedrich- Wilhelm- Gymnasium, Kochstr. 13, abends 8 Uhr, . 2.-( 8hllus) unter Einsendung des Betrages an Hellmuth Drechsler, bor. Schriftliche Vorbestellungen der Karten zu M. 1.( Einzelportrag) und Berlin- Friedenaut, Bederftr. 24/ I. Deutsche Arfiffen in England. In London fatte die Generalber fammlung des Berbandes der Barietéartisten den Beschluß, den Erffaufführungen der Woche. Dienst. Renaissancetheater: Sommer. Ausflug aller den ehemaligen eindtaaten angebo Miliw. Schloßparttheater:" Die fünf Frantjurter. Freit. renben ürtien nunmehr aufzubeben. Der Ausschluß soll jedoch Tribüne: Eine glüdline Che. Sounab. Boltsoper: tibieber in Kraft treten, falls den englischen Varietéartiften in irgendeinent iüt. Romische Oper: Die fpanijge Waste ber in Frage stehenden Ränder eine Beschränkung der Einreise auferlegt wird. Justiz gegen Kommunisten. ,, Landesverrat". Ein unverständliches Urteil. Am 10. Februar 1923 erschien in der Roten Fahne" ein Bericht aus Stuttgart. In ihm wurde mitgeteilt, daß das bertige fommunistische Blatt megen einer Notiz„ Sabotage im bejezten Gebiet beschlagnahmt worden sei. Die Inhaltsangabe der Notiz, die zur Beschlagnahme führte, hat nun dem verantwortlichen Redakteur der„ Roten Fahne". Dito Steinide, einen der landesüblich gewordenen Landesnetratsprozesse eingetragen. Am Freitag stand er deshalb vor dem fünften Straffenat des Reichsgerichts. Dort beantragte der Bertreter der Reichsanwaltschaft gegen ihn nicht weniger als zwei Jahre 3uchthaus. Der Straffenat erkannte auf zehn Monate 3uchthaus, die in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr drei Monaten umgewandelt wurden. Der Reichsanwalt ließ daraufhin den Berurteilten sofort verhaften. Die Findigkeit der Post. Das Lied von der Findigkeit unserer Boft ist außerordentlich lang, und immer wieder sind neue Berse hinzugekommen, immer wieder hat man mit neuen Beweisen von der Findigkeit der Post aufwarten fönnen. Aber alles bas, was man bisher von der Fin. bigfelt der Bost wußte und hörte, wird weit in den Schatten gestellt durch das neue Telephonbuch, das eine mahre Fundgrube der Fin digkeit der Post darstellt, das heißt in diesem Fall der Findigkeit leitender Stellen im Reichspoftamt. Da heißt es nämlich ungefähr felgendermaßen: Um auch ben Bewohnern Berlins, die fein eigenes Telephon besitzen, die Möglichkeit zu bieten, bei nächtlichen leberfällen die Polizei durch das Telephon zu benachrichtigen, fann in Zukunft die telephonische Meldung: Ueberfall! auch von einem Telephonautomaten in öffentlichen Fernsprechstellen und Kiosken arstattet werden. Diese telephonische Meldung ist natürlich gebührenpflichtig. In Ausnahmefällen fann aber, wenn der Telephonierende feine Telephonmarke besitzt, von der sofortigen Bezah Das Urteil erscheint uns, von seiner politischen Wirkung lung Abstand genommen werden. Es genügt, daß Name und zunächst abgesehen, juristisch vollkommen unhaltbar. Wohnung angegeben merden, worauf dann später die Einziehung Landesverrat" nach§ 92 StrGB. und nur dieser tommi des Betrages für das Telephonat erfolgt. Diese Bestimmung macht hier in Betracht fann doch nur begangen werden durch der Findigkeit des Herrn Geheimrats im Reichspostamt alle Ehre. öffentliche Bekanntmachung von Nachrichten", von denen Man stelle sich das mal vor. Jemand wird nachts in der Wohnung der Täter meiß, daß ihre Geheimhaltung einer anderen Re- Den Einbrechern heimgesucht. Ein Telephon hat er nicht, aber er gierung gegenüber für das Wohl des Deutschen Reiches oder fagt fi fofort, halt, jest fann ich ja auch von einer öffentlichen cines Bundesstaates erforderlich ist". Selbst wenn man der Fernsprechstelle aus die Polizei telephonisch davon unterrichten, daß Meinung ist, daß Mitteilungen über das Sabotagewesen im ich nächtlicherweile sehr unerwünschten Besuch erhalten habe. Wäh Ruhrgebiet ins Bereich solcher Nachrichten" fallen, dann rend nun die Ehefrau und die Kinder und wer sich sonst noch immer handelte es sich bei der„ Roten Fahne" doch mir um Nachhin der Wohnung außer dem Hausherrn befindet, angenehm und drud non schon veröffentlichten und der anderen Regie- liebenswürdig mit den Herren Einbrechern plaubert, zieht sich der rung zweifellos längst bekanntgewordenen Mitteilungen. Hausherr den Schlafrod an und schlürft auf Schlaffchuhen zum Bird aber ein„ Geheimnis" nicht preisgegeben, so fann doch nächsten öffentlichen Telephon, um die Alarmmeldung: Ueberfall! ein ,, Landesverrat" nicht vorliegen. Das ist juristisch allgemein an die Polizei zu geben. Die Einbrecher aber sehen schumunzelnd anerkannt. Um so unverständlicher erscheint das Reichsgerichts- su, mie der Hausherr zum nächsten Telephon auf der Straße eilt, trteil gegen den kommunistischen Redakteur, das bekanntlich mahnen ihn noch zur Eile und marten, bis das Automobil mit der endgültig und teinerlei Nachprüfung mehr unterworfen ist. Sipo vor das Haus gebonnert tommt. " Die politische Wirkung eines solchen Urteils ist angesichts des Münchener Hitler- Prozesses mit seinen das Land außerordentlich schädigenden Einzelheiten geradezu fatastro phol. Dort werden die Erzellenzen" wegen Hochver rats in zartester Form behandelt und gegen fie milde Festungsstrafen beantragt. Der Kommunist aber mird mit 3uchthaus bedacht megen einer Zeitungsnotiz, die zwar im Stile der Roten Fahne" gehalten, aber doch un glaublich milder ist als vieles andere, was in dem Blatte fonft zu lesen steht. " Eine solche Ungleichheit in der Bewertung politischer Vergehen muß zu Vergleichen herausfordern, die für die Beutsche Justiz feineswegs angenehm find. Das Wort Klaffenurteil" formt sich ganz unwillkürlich. Und es ist für deutsche Richter ein sehr schwaches Entgelt, menn in der selben Nummer der„ Roten Fahne", in der sie über das Leipziger Urteil als von einem Schandurteil der Klaffen justiz" berichtet, gleichzeitig aus Sowjetrußland gemeldet wird, daß der„ Kongreß der Arbeiter der Somjet justiz" beschlossen habe, im Strafrecht das Prinzip der Klaffenjuftiz streng durchzuführen". Wir wissen zwar, daß auch deutsche Richter den Einflüssen ihrer Erziehung und ihrer Umgebung, furz ihrer Klassenlage, untermorfen find, cber wir wünschen nicht, daß bei uns das Prinzip der Slaffenjuftig streng durchgeführt" werde. Das mag in Somjete rubland, dem Paradies der Kommunisten, als Meffiasbotschaft begrüßt werden bei uns wollen wir Beseitigung aller flaffenmäßigen Rechtsprechung. Und deshalb halten wir das Leipziger Urteil für doppelt verfehlt. Eine Rede Severings. In einer außerordentlich stark besuchten Wählerversammlung in Stegli sprach gestern der preußische Minister des Innern, Genoffe Severing. In diesem Wahlkampf, führte er aus, entfalten die Anhänger der Rechten eine intensive Tätigkeit, die man bei den früheren Wahlen nicht bemerkte. Damals brauchten diese Leute sich weniger um den Ausgang der Wahlen zu bemühen, denn die amtlichen Stellen waren ja von ihren Gesinnungsfreunden besetzt. Heute ist eine gewisse Presse bemüht, alles Unglüd, das feit Friedensschluß über uns hereingebrochen ist, den verschiedenen Roalitionen in die Schuhe zu schieben. Aber schon die Kriegszeit hat uns Entbehrungen gebracht, die jetzt leider noch anhalten. Niemand wird ben Rüben und Marmeladenwinter von 1916/17 vergeffen. Die Wohnungsnot setzte schon während der Kriegszeit ein, und auch der Echulabbau machte fich unangenehm bemerkbar. Und damals regierten noch feine Novemberverbrecher", sondern es waren Ronfervative, die das Staatsschiff lenkten. Was wir im November 1918 erlebten, war weiter nichts als der Zusammenbruch der militärischen Macht. Hätte Deutschland den Sieg heimtragen fönnen, so wäre es nicht zu einer Aenderung der Staatsform gekommen. Wenn die Sozialdemokratie immer als antinational" hingestellt wird; fo ist es verwunderlich, daß 1918 die sogenannt nationalen Streise den Weg zur„ antinationalen" Sozialdemokratie fanden und diese beschworen, sich doch der zurückflutenden Heeresmaffen anzunehmen und für Ordnung zu sorgen. Die Sozialdemokratie fann für sich in Anspru nehmen, alles getan zu haben, was im Interesse des deutschen Baterlandes not mendig erschien. Jetzt ist es sehr leicht zu sagen:„ Wir zahlen einfach nicht, tomme, was ba tommen mag!" mit den im Lande verborgenen Waffen kann man wohl im Innern ein Blut bab anrichten, aber zu mehr langen. sie nicht. In dem Augenblick, wo wir gegen Frankreich ziehen würden, würde das angegriffene Land von anderen Staaten unterstützt werden. Kämen die Deutsch mationalen wirklich zur Macht, so würden sie sehr bald ihre großen Borte vergeffen und eine Außenpolitik treiben, die fich den gegebenen Notwendigkeiten besser anpaßt. Wer ehrlich die Befreiung Deutschlands will, der forge dafür, daß. dem Staate Steuerquellen erschlossen werden. Für Abrüstung sind wir sehr entschieden. Wir verlange 1 aber, daß fie über all in gleichem Maße vorgenommen wird. Der neue Reichstag wird schwerwiegende Fragen der Sozial politit zu regeln haben. Die Kundgebungen in der letzten Zeit, veranstaltet von industriellen Verbänden und vom Reichslandbund, haben klar und deutlich gezeigt, daß diese Kreise nicht im geringsten daran denken, die bestehenden Arbeiterrechte zu verbessern, sondern brauf und bran sind, noch eine Verschlechterung herbeizuführen. Der Achtstundentag wird einen neuen Siegeszug antreten, wenn die deutsche Arbeiterklaffe die Notwendigkeit der Geschlossenheit erkennen mird. Ein Sieg der Reaktion bei den Reichstagswahlen würde aber nicht nur foziale Reaktion im Reich bedeuten, sondern auch auf die Einzelstaaten zurüdwirten und Preußen in ein 3 meites agern verwandeln. Severing schloß unter stürmischem Beifall: Fort mit jedem Fatalismus! Der Feind muß angegriffen werden, wo er steht!" In der Diskussion inachten sich vor allem Deutschnationale und Baltilbe bemerkbar. Genosse Severing fertigte sie in feinem Schluß wort ab. Die Bersammlung endete mit einein stürmischen Hoch auf bie Sozialbemotratie._ So geschehen im März 1924! Und da behauptet man noch, daß feine Bunder mehr geschehen! Nur eine fleine Frage: Ist es denn wirklich gor nicht möglich, daß diese- Findigkeit abgebaut wird?! Die Aprilmiete. Das städtische Zentralamt für Wohnungswesen teilt mit: Der Minifter für Bolfswohlfahrt hat in feinem Erlaß vom 8. März bereits die 3 ufchläge für Berwaltungsfoften, für die Betriebsfosten und laufenden Instand= fegungsarbeiten für April mit zusammen 31 Bro 3. in Berlin festgesetzt. Der Magistrat hat sich hierauf in außerordentlicher Sigung heute mit weiteren Abänderungen der Magistratsbefanntmachung zum Reichsmietengesetz beschäftigt. Die beschlossenen Abänderungen beziehen sich auf die in Häusern mit Sammel. heizung und Warmwasserversorgung für den Eintauf der Heizstoffe zu erhebenden Vorschüsse und auf die Regelung der zuschläge bei untervermieteten Räumen. Nach der Neuregelung, die am 1. April d. J. in Kraft tritt, ist der Vermieter berechtigt, nicht wie bisher an jedem Bierteljahrsersten, sondern an jedem Monats ersten die außerordentlichen Borschüsse für den Einkauf der Heiz ftoffe zu erheben. Beiter ist beschlossen, bei untervermieteten Räumen den Zuschlag für die Ueberlaffung und Abnuzung von Einrichtungsgegenständen, Wäsche, Gardinen, Geschirr ufm. sowie die Säuberung der Mietsräume und Reinigung der Bettwäsche und Gardinen herab zufeßen. Der 3 uschlag darf nunmehr folgende in Goldmart zu berechnende Hundertfäße der auf den leeren Raum entfallenden Friedensmiete nicht übersteigen: bei einfach möblierten 3immern und Wohnungen 40 vom Hundert, bei bürgerlich möblierten Zimmern und Wohnungen 60 vom Hundert, bei elegant möblierten Zimmern und Wohnungen 100 vom Hundert. Die Befanntmachung wird am 31. März im Gemeindeblatt veröffentlicht. Mieter, Mieten und Reichstagswahl. Schulturnen in Schöneberg. In der Schöneberger Rüdert- Schule wurde gestern ein öffent liches Schulturnen veranstaltet. An ihm beteiligten fich Schüler und Schülerinnen von höheren Schulen, von Mittelschulen und von Bolfsschulen. Eltern, Bertreter der Behrerschaft, Mitglieder des Bezirksamts und der Schulverwaltung sahen zu. Auch Bezirksbürgermeister Berndt und Stadtichurat Bauffen maren unter den Gästen. Es sollte gezeigt werden, welche Erfolge der Turn- Unterricht im abgelaufenen Schuljahr gehabt hat. Man wollte nicht Einzelleistungen tüchtigster Turner und Turnerinnen bewundern laffen, sondern ganze Klaffen urnend, norführen. Die Klaffen wurden von ihren Turnlehrern und Turnlehrerinnen geleitet, die Gesamtleitung hatte Oberturnlehrer 3obel Begreiflicherweise gab es bei dem Klaffenturnen auch minder Gutes zu sehen, aber das Gesamtbild war recht erfreu ich. An den Geräten, in den Freiübungen, in den gymnastischen lebungen und bei den Vollstänzen überall war zu bemerßen, das Knaben und Mädchen mit gutem Gelingen zur Beherrschung bes Körpers erzogen maren. Schwer ist es, zu entscheiden, ob die Knaben oder die Mädchen das höhere Lob verdienten. Die Mädchen maren den Rnaben in den Freiübungen überlegen, und ein anmutiges Bild boien ihre Boltstänze. Auch im Geräteturnen leifbeten die Mädchen fehr Anerkennenswertes, aber Meister auf diesem Ge biet blieben doch die Knaben. Zu den Kürturnen, das den Schluß der Beranstaltungen bildete, traten die besten Turner der höheren Schulen an. Da gab es dann prächtige Leistungen zu sehen. Mit Küchenmesser und Staubwedel. Ein Mädchen als Schlafbursche und Räuber. Zu einer überraschenden Entdedung führte ein Raub, ber nachts in dem Hause Linienstraße 245 neriibt wurde. Sier wohnte feit einiger Zeit ein Schlafbursche". Der fich Klaus von Baronisti abvermieteten Zimmer eine nonnte, und in einem anderen tranfe Frau. Die Frau erwachte in der Nacht durch ein Geräusch und sah zu ihrem Schreden hen Schlafburschen, ein Rüchen. messer in der einen Hand und einen Staubmebel in der anderen, vor ihrem Bette stehen. Er drohte, daß er sie erstechen werde, menn fie fich rühre, unb so ließ sie es in der Angst geschehen, daß er ihre Brieftasche mit ihrer Barschaft unter bem Stopftijen megzog und domit verschmond. Jezt ergab sich, baß der unheimliche Mann auch in ein Zimmer der Wirtin eingedrungen mar, ein Spind erbrochen und Wäsche und andere Sachen baraus gestohlen hatte. Der Kriminopolizei gelang es nunmehr, den Räu ber zu faffen. In dem zuständigen Dezernat entpuppte er fich als ein Mädchen, das sich jest Arbeiterin Klara von Marinomsta nannte, aber bald als eine 28 Jahre alte Klara Billig entlarnt murde, die der Kriminalpolizei fchon befannt war. Die Berhaftete ift homosexuell neranlagt und liebt es schon seit Jahren, Männer. fleibung zu tragen. Sie hat auch wiederholt als Mann gearbeitet. Um ihre Namensänderung zu erflären, erzählt fie jest, daß fie fich nach dem Bolfchemistenumsturz in Rußland mit einem Hauptmann con Maronisti verheiratet habe. Das rätselhafte Mädchen wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Außerordentlicher Mietertag. Der Deutsche Mieterbund ( Sih Berlin) hält heute Sonnabend und Sonntag in den Sophienfälen eine außerordentliche Tagung ab, die fich mit den schwebenden Fragen auf dem Gebiete bes Mietsmejens beschäftigen wird. Die Spigengewerkschaften sind auf der Tagung vertreten. Die Frauen und die Wahlarbeit. In einer start besuchten Funktionärtonferenz die gestern in den Sophien falen abgehalten wurde, sprach Gen. Todenhagen über die Wahlarbeit in Berlin. In der Aussprache wurden die zahlreichen Fragen der Kleinarbeit erörtert. Steglig Jugendweihe der Freidenter. Sonntag, den 30. März, bors mittags 10 Ubr, Schloßpart Theater( großes Haus), Schloßstraße. Mite wirkende: Arbeiter Männerchor Steglis( 100 Bersonen), Stünstler- Drchefter berein Zutti II( 20 Berfonen). Rezitator Tyndall. Weiherede Genoffe Studienrat Ruge. Eintritt 50 Bf. Wiederholung des Süd- Amerita- Bortrages. Die Gewerkschaft Deutscher Gelftesarbeiter, e. V. veranstaltet, swet legte Bieberholungen ihres S. A.- Abends" az vollstümlichen Breisen mit dem aufschlußreichen, zweie ftündigen Lichtbildvortrag ihres Dir. 5. v. Ceellen über Land und Leute in Süd- Amerika und die Aussichten für deutsche Einwanderer". Die Bor Berner Siemens- Realschule, N. 20, Babitr. 22, und am Montag, ben 31. b. M., 8 Uhr, im Nordischen Hof", N.4, gegenüber bem Stettiner Bahnhof. Die grüne Sammer( im Haule bes Meistersaals). Am Sonntag, den 30. Mara, fingt die Sopranistin Herta Jonas als Gaft Lieber von Schu mann, Bolff, Brahms und Gounde. Mitwirkend: Agnes Fubrmann- Ruth, Lore Wagner, Hans Fuhrmann, Rolf Burthart. Am Stems- Flügel: Kuri Stiebel. fråge finden ftatt am beutigen Sonnabend, 8 Uhr, in ber Aula ber Ueberschwemmungskatastrophe in Polen. Wafferhöhe der Weichsel 51/2 Meter über normal. Die Ueberschwemmung an den Weichfelufern hat einen tatastrophalen Umfang angenommen. Die Wafferhöhe ist 5% m über normal, mehrere Borstädte von Warschau sind überschwemmt, ebenso zahlreiche Dörfer an den Ufern der Weichsel. Jn Cublin hat die Bystrzyca in einigen Teilen der Stadt die Straßen über. schwemmt, besonders im jüdischen Viertel Auf der Cinie CublinRozwadow ist der Bahndamm auf einer 10 km langen Strede überschwemmt. Der Berkehr mit Lemberg ist unterbrochen. Jufolge Hochwasser der Wieprza ruht der Zugverkehr auf der Linie Warschau- Cemberg über Cublin. In der Woiwodschaft Ricice ift eine 200 m lange Brüde durch Hochwasser zerstört worden. In Galizien hat der San das Dorf Wilcze überschwemmt, und in Przemysl viel Schaden angerichtet. 7 leber dieses Thema sprach in der gestrigen Wahlversammlung ohnungswesen ist eine Frage in Neukölln Landgerichtsrat Genoffe Ruben. Das Miets- und so führte er aus die am 4. Mai auch auf dem Spiele steht. Den Mietern wird die nüch terne Stellungnahme erschwert, meil die Mieterschaft, die doch die Maffe des Boltes darstellt, der fleinen, aber sehr rührigen und einflußreichen Schicht der Hausbefizer gegenübersteht, die bewundernsmert organisiert find Sie haben es verstanden, politische Parteien und Wirtschaftsschichten für sich zu gewinnen; während die große Masse der Mieterschaft zersplittert und uneinig ist. Die Hausbesiger gehören nach ihren Aeußerungen zu den bedauernswertesten Teilen der Bevölterung, aber trotzdem sammeln sie jetzt tüchtig für einen Wahlfonds, den sie den Barteien zur Verfügung stellen, die gegen das Mieterschuß- Gesek gestimmt haben, den Deutschrationalen und den Kommunisten. In der letzten Nummer des Grundeigen tums" wird betont, daß durch die dritte Steuernotverordnung ein Diebstahl am Brivateigentum des deutschen Hausbefizes begangen wurde. Die Deutschnationalen madyten sich diesen Standpunkt zu Die Mietssteuer zahlten wir eigen. Sie wußten, mas fie tun. Mieter, fie wird vom Hausbefizer nicht bezahlt, obwohl dem Haus befizer das freie Eigentum verbleibt. Die Miets fteuer mird nur durch die Arbeitskraft der Arbeiterschaft bestritten. Zu einer produktiven Wohnungspolitik reicht sie aber nicht aus. Es ist ein Standal unglaublichster Art, daß man diese zusammenhänge in ber breiten Deffentlichkeit verschweigt. Die Hausbefizer gehen darauf hinaus, das Lumpenproletariat aufzurufen. Zu Taufenden sollen dann die Wohnungslosen demonstrieren, weil die Zwangswirtschaft feine Wohnungen ge bracht hat. Mit diesen gehälligen und entstellten Argumenten sucht man nun Gläubige und Dumme zu fangen. Die Behauptung, daß die Zwangswirtschaft Schuld daran hat, daß teine Wohnungen gebaut worden sind, ist eine Lüge. Kein Gefet verbot und verbietet das Bauen. Aber statt Arbeiterwohnungen zu bauen, spekuliert man mit den Baugelbern. Der Kapitalismus ift unfähig, eine produttive Wohnumgspolitik zu treiben. Das ist die Meinung aller Einsichtigen, auch vieler Bürgerlichen. Erzberger sagte zum Beispiel, daß die Verschlechterung der Wohnungsfrage in den letzten Jahrzehnten himmelschreiende Günden des fapitalistischen Brinzips und Systems find. Schon am 1. April wird die Miete so hoch fein das bem, Hausbesiker eine angemessene Berzinsung ver bleibt. Der Mieter wird für die Hausinftandhaltung und für die Zinsen des Grundbesikes zu forgen haben. Wir haben ein Reichs- 102. st. Baumschulenwes: Früh 9 Uhr Flugblattverbreitung von bez mietengeseh, das die Mitbestimmung der Mieterräte festlegt. Aber die Gefchloffenheit der Mieter fehlt. Alle perfönliche Unzufriedenheit, gleich welcher Art, muß zurüdgestellt werden. Scharf muß widersprochen werden, wenn es heißt, daß Republik imd Sozialdemokratie hier nichts getan haben. Die sozialdemokratische Frattion im neuen Reichstag wird die wirtschaftlichen Interessen der Mieter durchsetzen fönnen, wenn sie start und traftvoll aus der Wahl hervorgeht. In größter Sachlichkeit verlief die Diskussion, an ber fich vorwiegend unfere Genoffen beteiligten. Der einzige tommunistische Redner war ein trauriges Symptom für die politische Rückständig. feit jenes fich in tommunistischem Fahrwaffer bewegenden Teiles der Arbeiterschait, Schiffszufammenstoß im Nordofffee- Kanal. Der franzöfifche Dampfer Leneriffa und der deutsche Dampfer" Ozeane find im Nord- Offeetanal zufammengestoßen. Beide Dampfer wurden schwer beschädigt, blieben aber schwimmfähig. Groß- Berliner Parteinachrichten. Sonntag, den 30. März, Treffpunkte zur Flugblattverbreitung! 1. Abt. Spiegel, desite..1. Die Jugendgenofen müffen ebenfalls erscheinen. 21. Abt. Früh 91, Uhr bei Miller Abolfftr. 18 und Kroll. Utrechter Gır 21. 26. Abt.: Früh 8½ Uhr im Musikalischen Fuchs", Joftnftr. 7. 44. bt.: 88. Stabbesfrt: Bei Bagner, Rottbufer Straße 16. 91. Stebfbeg.: Nabel, Manteuffelstr. 47, frith 9 Uhr. 73. Abt. Schmargendorf. Sonntag, 9%, Uhr: Bersammlung zur Flugblattverteilung hei Bahr, Breite Ste 26 82. Abt. Steglig: Die Bezirksführer werden ersucht, beim Gen. Samburg. Schloßitr. 108 bie Flugblätter in Empfang zu nehmen. Abt. Marienborf. 8 1hr hei Niendort. 91. Mt. Renkänn: 8% Uhr, Materialausgabe für die Bezirksführer beim Gen. Köfter, Rarisgartenftr. 4. Spedition Röple, Riefholaftraße. 106. Abt. Johannisthal. 9 Uhr bei Schreiner, Friedrichstr. 6. Sport. Eröffnungsrennen auf der Olympiabahn. Am fommenden Sonntag, 30. März, wird nun auch die Olympiabahn in Blößensee ihre Pforten wieder öffnen. Die Be fegung der Dauerrennen ist eine gute und vereinigt in sich die Fahrer Bauer, Thomas, Samall, Rustom und ben Dänen Rößberg, der für sich den Schrittmacher Gustav Wittig har. Thomas fährt hinter Hüttenrauch, Bauer hinter Gep pert, Samall hinter Meinhold und Kuschtow hinter Wengel. Die Danerfahrer bestreiten drei Rennen über 10, 20 und 30 m. Den Fliegern find zwei Hauptfahren und ein Brä mienfahren über 15 Kunden vorbehalten, zu denen etwa 35. chrer fie gemeldet. Die Rennen beginnen 8 Uhr _admittags. Die Schiffahrt auf der Oder, Havel, Spree und Elbe ist jetzt wieder in vollem Gange. Aus Stettin famen schon Semer in Berliner Westhafen ein, die Heringe gelaben hatten. Surgelt kern is 23esthafen rund 40 000 Tonnen Getreide, Gewerkschaftsbewegung Die kommunistische Gewerkschaftsfrage. Die RPD. Groß- Berlins befaßte sich in zwei Funktionärver. jammlungen mit ihrer Aftion gegen die freien Gewerkschaften. Die Bezirksleitung der Kommunistischen Partet, der Zentralvorstand und der Bezirksparteitag der KPD. hatten eine Resolution zur Gemertschaftsfrage eingebracht, die wie de Rote Fahne" berichtet gegen eine starke Minderheit" angenommen wurde. Nach unseren Informationen stimmten 462 RBD. Funttio. näre für und 343 gegen die Resolution. $ Die Resolution befagt einleitend, die veränderte Bage in den deu'schen Gewerkschaften zwinge die KPD. zur Aenderung ihrer bisherigen Gewerkschaftstattif. ,, Die bisherige Gewerkschaftstaftit war faft immer schwächIidh, tompromißlerisch und bestand in tampf ofem Zurüdweichen vor jeber Provokation der Reformisten. Mit dieser Bragis wird jezt restlos gebrochen." Ende Mai soll ein Kongreß der revolutionären Delegierten der gewerkschaftlich organisierten und auch der gewerkschaftlich night organisierten flaffenbewußten Arbeiter( 1) der Betriebe, der Delegierten der Erwerbslosen und der revolutionären Betriebsräte einberufen werden. In einem Zusatz wurde dieser Beschluß bahin ergänzt, daß dieser Kongreß in ber organisatorisch zuläffig fürzester Frist erfolgen und sich zusamensetzen foll: 1. aus Bertret.rn aller Betriebe, 2. Wortretern der Arbeitslosen, 3. Bertretern der selbständigen" Organisationen, 4 aus Bertre'ern der Opposition in den Gewerkschaften. " Der Kongreß muß nach Aufstellung der politischen Richtlinien fofort den organisatorischen Aufbau der Industrieorganisa'ionen mit einheitlicher Leitung für alle Fragen in Angriff nehmen." Die recht längliche Resolution schicht mit folgenden Sätzen: „ Das vereinzelte Herauslaufen von Parteimitgliedern aus den Gemert chaften desorganisiert die Bewegung, macht die Opposition und die Partei al ionsunfähig und erleichtert zum Schaden der gesamten Arbeiterf asse den R formisten ihre Berräterarbeit. Kein Parteimitglied hat das Recht, die freien Gewerkschaften zu verlaffen, bevor die Partei es nicht im Interesse der im Entstehen begriffenen Industrieverbände gestattet." Die Spaltungsarbeit innerhalb der Gewert fchaften soll also fortgesetzt werden solange noch die Gewertschaften fie fich gefallen laffen, zugleich aber soll die Grün. bung fommunistischer Industrieverbände mit Hochbrud betrieben werden. Wie unfar im übrigen die Auffassungen in der KPD. darüber find, wie man den Gewerkschaften am besten beifommen fanm, zeigt das sehr geteilte Abstimmungsergebnis. Well man die Gewerk schaf en nicht vollständig in die Hände bekommen fann, sollen fle zerschlagen werden, zugleich aber die gegen die Gewerkschaften ver. hezten Arbeiter in neue fommunistische Gewerkschaftsgebilde zufammengefaßt werden, in Organisationen der Kommunistischen Partei. Nach Lage der Dinge ist eine reinliche Scheidung dem jezigen Zustand entschieden vorzuziehen. Die KBD. sieht sich ge zwungen, die Einheitsfrontmaste fallen zu lassen. Die KPD. zwingt die Gewerkschaften. Die Krebszellen aus ihrem Organifationsförper auszuscheiden. Die KPD. wird gezwungen, in ihren felbständigen" fommunistischen Gewerffchaften reformistische" Gewerkschaftspolitik zu treiben oder aber auf jede eigen fiche Gewertschaftsarbeit zu verzichten. So oder so wird die Kommu nistische Partei an ihrer Gewerkschaftsfrage" scheitern. Auch den Mitläufern der KPD. liegt die Höhe des Stundenlohns näher als die Weltrevolution. innere Gefchlossenheit wieder herzustellen. Arbeiten wir und lassen die Kommunisten schreien aber unter sich. Protest der Beamtenschaft. Der Wahltag ist Zahltag. Der Borstand des Allgemeinen Deutschen Beamten. bundes hat in feiner Sigung vom 26. März zu der neuen Befoldungsregelung in folgender Entschließung Stellung genommen: Der Borstand des DB. erhebt gegen die neue Besoldungs. regelung den allerschärfften Einspruch. Er verurteilt die Ueberrumpelungsmethode des Reichsfinanzministeriums bei der Um wandlung des Ortszuschlags in einen Wohnungsgeld zuschus, besonders aber das Borgehen des Reichskabinetts, das gemeinsam mit, dem Reichsrat ohne erneute Verhandlungen mit den Spizenorganisationen die Beamtenschaft vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Die Einfommenserhöhung durch die neue Besoldungsregelung ist durchaus unzureichend. Angesichts der in ben legten Wochen eingetretenen weiteren Teuerung und der ungeheuren Steigerung der Mieten bringt fie feine Berbefferung, fon Die Beemtenschaft, deren ungenügende Besoldung selbst der Reichsdern eher eine Berringerung der Stauffraft des Beamteneinkommens. fangler Dr. Mary anerkannt hat, wird dadurch noch tiefer ins Elend hinabgestoßen. Die Ansicht des Reichsfinanzministeriums von den Bechfe! wirkungen zwischen Geldverfnappung, Gehältern und Breifen beruht auf einer vom fapitalistischen Standpunkt aufgestellten Theorie, die Denn die Ge sich volkswirtschaftlich nicht aufrechterhalten läßt. fundung der deutschen Wirtschaft ift ur durch Hebung der Rauftraft der Beamten, Angestellten und Arbeiter möglich. Die Dom Reichsfinanzministerium hartnädig aufgestellte Behauptung, daß dem Reich keine Gelder zu einer ausreichenden Besoldung der Beamten zur Berfügung stehen, ist irreführend wären vorhanden, wenn das Reich eine gerechte auch den Befih genügend belastende Steuerpolitit treiben würde, wie sie der ADB. gemeinsam mit den freigemerfschaftlichen Arbeiter. und Angestelltenverbänden feit langem nachdrücklich gefordert hat. Golange an der jetzigen, rein privatfapitalistisch orientierten Steuer. politit festgehalten wird, werden die Beamten vergeblich auf eine ausreichende Besoldung warten können. Die Mittel Die Besoldungsfrage fann nur in einem den Beamten günstigen Sinne gelöst werden, wenn die Macht der den Staat beherrschenden fapitalistischen Wirtschaftstreife durch die geschloffene Macht der gesamten Arbeitnehmerschaft der Beamten, Angestellten und Arbeiter gebrochen wird. Auch das Besoldungsproblem ift eine Frage der politischen macht. auswirtung. Der Vorstand des ADB. erwartet beshalb von den Mitgliedern der angeschlossenen Verbände, daß sie bei ben tommenden Reichstagswahlen in Erkenntnis diefer Tat. fachen alles aufbieten, um eine Busammensetzung des neuen Reichstages und damit auch der von ihm eingefegten Regierung zu erreichen, die die Erfüllung der Forderungen der Beamten sowie der gesamten Arbeitnehmerschaft im wohlverstandenen Staats- und Boltsintereffe gewährleistet. Tarifftand der Töpfer. Der am 1. Oftober 1923 abgelaufene Tarif der Ofenseher für Groß- Berlin wurde bisher stets um einen Monat verlängert und nur die Stundenlöhne tzw. Prozentläge bei Affordarbeiten feftgefeßt. Die Verhandlungen über den neuen Manteltarif und über die Affordiäte gehen nur langsam vonstatten, da der neue Tarif auch für die Provinz Brandenburg gelten foll. Als Vertragsfentrahent fommt nur der Baugewerksbund, Fachgruppe der Löpfer in Frage, da die Arbeitgeber mit anderen Organisationen( Syndi falisten usw.) nicht verhandeln. Die achtstündige Arbeitszeit im Sommer und bie fiebnstündige im Winter auf Bauten ist unangefochten. Die Unternehmer versuchten jedoch, bei Reparatur. arbeiten in bewohnten Gebäuden die neunstündige Arbeitszeit einzuführen Der Obmann der Arbeitnehmer er ärte jedoch, daß ein Tarifvertrag mit dieser Bestimmung für die Arbeitnehmer unannehmbar set. Die Berhandlungen wurden schließ lich wieder vertagt, nachdem der alte Bertrag bis zum 30. April perlängert und für die Zeit vom 30. März bis Das Beste- das Billigste! Berliner Elektriker- Herrenanzüge 48,- 38,- 32,- 19, 19,- 16,- 12,- 9, Aufgabe der Gewerkschaften ist es, die nicht heillos kommunistisch verbohrten Gewerkschaftsgenoffen gehörig aufzuffären und die Mö bel üller Berlin C., Alexanderstr. 31 Tel. Rgst. 1737 Berli Genossenschaft Knabenanzüge • Speisezimmer, Herrenzimmer angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Hosen 18,-15,- 12,- 9,- 3, Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Alle Waren spottbillig! Wohn- und Schlafzimmer, sowie Binzelmöbel ab Fabrik zu billigst, Preis. Tuchfabrik- Niederlage H. Lamprecht Berl n- Treptow, souchéstr. 17 liefert Stoffe für Damen und Herren zu Fabritpreisen. Große Auswahl in ben mobernit Farben f. Anzüge u Baletots Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit • • -Riesenauswabl! Fahrtvergütung. Vormittags jeder Kunde ein Geschenk G. Prager, 3 Min. v. Bht. 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März, der einen minimalen Stundenlohn von 44 Pf. vorschrieb, nicht annehmen. Nun ift die Berbindlichkeitserklärung turchgesetzt. Für Berlin werden 25 Prog. mehr gezahlt, also 55 Bf. Neue Forderungen werben eingereicht. Fir die Scheibentöpfer find die zentralen Ber handlungen vorläufig gescheitert; bezirkliche Berhandlun. gen sind eingeleitet. Die öfferreichischen Gewerkschaften haben durch ihre Arbeiter bant das Be Warenbaus Stafa" mit der angeschlossenen Kreditge fichaft erworben. Das Warenhaus steht an der Martaustier Straße, die an geichäftlicher Bedeutung und an Belebtheit mit der Berliner Friedrichstraße zu vergleichen ist. Theater der Woche. Bom 30. März bis 7. April 1921. 1 Boltsbühne: 30., 1., 2. unb 3. Don Carlos. 31. und 7. Ostern. 8. und 6. Und bas Licht scheinet in der Finsternis. Opernhaus: 80. Tannhäuser 31. Cavelleria, Bajazzi. 1. 4. Salome. 2. Troubadour. 3. Genofa. 4. Rigoletto. 5. Mona Liso. 6. Tiefland. 7. Der fliegende Holländer. Schanfpielhaus: 30.,. 4., 3. und 7. Alt- Berlin. 31. Biel Lärm um Nichts. 2. Candida. 3. Minna von Barmhelm. 4. Die Journalisten. 6. Beer Gynt. Oper am Rönigsplag: 30. unb 31. Madame Butterfly. 1. 4. Fledermaus. 2. Die verlaufte Braut. 3. Bajazzi, alte und neue Tänze: Die tote Blume. 4. aum 300. Male: Die lustigen Weiber von Windfor. 5. Waffenschmied. 6. Boheme. 7. Schicchi, Roftimball. Deutsches Theater: 31. Bom andern Ufer. 1., 3., unb 6. Der lebende Leichnam, 2., 5. und 7. Der Graf von Charlois. 4. Hamlet. Rammerspiele: 31., 1., 3., 4. und 6. Unfere fleine Frau. 2., 3. unb 7. Bom andern Ufer.-Leffing- Theater: Rolportage. Theater i. b. Röniggräger Straße: Wenn der neue Bein blüht. Dentfches Opernhans: 20. Tannhäufer. 81. Die Meisterfinger Don Nitrnberg. 1. Die Bauberflöte. 2. unb 7. Der Mantel, Cavalleria rufticana. 3. Die Walküre. 4. Mignon. 5. Die Boheme. 6. Zosca. Schiller- Theater: 30. 1., 3. und 6. Fauft( 1. Teil). 31. Stiftungsfest. 2. Wilhelm Tell. 4. Rora. 5. Nathan der Weife. 7. Die Räuber. Gr. Schauspielhans: Boccaccio. Große Boltsoper im Theater bes tens: 30. Ein Maskenball. 81. Der Barbier Don Gevilla. 1. Die Fledermaus. 2. Rodelinde. 3. Gamfon und Dalila. 4. Boris Godunom. 5. und 7. Der Wildschith. 6. Siegfried. Renaissance Theater: 30. Revolutionshochzeit. 31. gefchloffen. Ab 1. 4. Sommer. Die Tribüne: Magie. Deutsches Künstlertheater: Sennora. Ab 1. Wie es euch gefällt. Romsdienhaus: 8mei um eine. Berliner Theater: Das Weib im Burpur. Intimes Theater: Crêpe Georgette. Hotelabenteuer. Der Herr mit der grünen Rramatte. Botans Abschied. Trianon- Theater: Die nadte Tänzerin, Residenz- Theater: Die junge Belt. Rentral Theater: Der bumme Auguft. Theater in ber Rammanbantenstraße: Das Radiomädel. Romische Oper: Die Welt ohne Schleier, Luftspielhans: Die Eruppe: Traumiheater, Traumstid. Metropol- Theater: Rarneval der Liebe. Reues Operettentheater: Die vertagte Nacht. Thalia- Theater: Frasquita. Theater am Rodendorfplag: Die Perlen ber Rleopatra. Theater am Kurfürstendamm: Labn Frederik. Kleines Theater: Die Gegenkandidaten. Wallner- Theater: Madame Bhavao. Balhalla- Theater: Bariete.Vor stellung. Rose- Theater: Robert und Bertram. Rafino- Theater: Dec Mali vom Steinhof. Renes Theater am Roo: Meine Tochter Otto. Salespark- Theater Steglis: 30. und 1. die Perfide. 3. Rinder des Königs. 2. bis 7. Die fünf Frankfurter. Folies Caprice: Die Beine einer schönen Frau. Zwischen Zwölf und Eins. Ubmiralspalast: Drunter und drüber. poate interra 1 Rahmittagssortellungen: Bollsbühne: 30. Figaros Sochzeit. 6. Abrechnung. Beiratsantrag, Schanfpielhaus: 30. unb 381. 2½ Maria Deutsches Theater: 6. Matine der jungen Stuart. 6. 2% Rathan bet Beife Bühne: Anarchie in Gillian. 6. Alt- Seibelberg. 8cffing- Theater: Bürger Schippel. Deutsches Renfiler- Theater: Der Biberpels. Berliner Theater: Figaros Bochzeit. Theater in ber Rommanbantenstraße: 30. Die Logen Rose- Theater: 5. Der geftiefelte Rater. 6. Armut. Reues Theater: brüber. am 200: 29. Flachomann als Erzieher. 80. Jungfrau von Orleans. 2. Medea. 5. Die Tote Robe. Apss- Theater: 80. Johannisfeuer. Berantwortlich für Politik: Craft Renter: Birthaft: Artur Saternus; Gewerffchaftsbewegung:. Chlora: Feuilleton: 8.$. Döscher: Lotales und Gonftiges: Frig Rarfäbi; Anzeigen: Th. Glade; famtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin GB. 68.. Lindenstraße&. Rheumatismus Gicht, ischias, Nerven- und Haarfärbe- Haus Erkältungsschmerzen finb, fof. Neuestes Verfahren im Electricum in probutt der Haarfärbekunst Hilfe burch und Haarentfärbun Don iräftig burchgreifender Bichung die sowie Sauerstoffbleichung, ihnell schmerznillende Einreibung. Man ohne das Haar poros zu nehme nur Electricam". In Droger Hasret haltgs.- Apparate Otto Relchel, Berlin 43, SO, Eisenbahnstr, 4. Jedes verfärbte oder ver blelehte Haar erhält wieder sein natürl. 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