Nr.163 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 81 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpjennig ootans zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmari pro Monat Der.., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied Lung und Kleingarten. fowie ber Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenmelt erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- bree: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. seile 0,70 Goldmart. Retlamezeile 4- Goldmart. Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0.20 Goldmart( zuläffig amet fettaedruckte Worte), tebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Bort 0,10 Goldmar! iebes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Galbmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für bie nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68. Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Berlag: Tonyoff 2306-2507 Redaktion: Tonhoff 292–295 Sonnabend, den 5. April 1924 Gebremste Emmingerkrise. Münchener Drohungen. Berliner Aengste. Die Zentrumspartei hat, wie wir bereits mitteilten, beschlossen, in Bayern eigene Reichstagskandidaten aufzustellen Infolgedessen drohte die Bayerische Volkspartei durch ihre parteiamtliche Korrespondenz mit einer Rabinettstrise und dem Austritt des Reichsjustizministers Emminger. Die Germania" behandelte diese Drohung zunächst mit Ironie, indem sie schrieb: fie zurzeit nicht auf parlamentarischer Grundlage beruhe und ihre Busammensetzung überdies nicht nach rein parteipolitischen Gesichtspunkten erfolgt sei. Die Drohung der Bayerischen Boltsvartei, ihren von allen Seiten gleich geschätzten Herrn Dr. Emminger aus der Regierung zurückzuziehen, hat auf die Reichsregierung offenbar Eindruck gemacht und sie veranlaßt, diefe Notiz durch die " Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckfonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Distonto- Gesellschaft. Devontentafe Lindenstraße 3 Das italienische Beispiel. ( Bon unserem römischen Rorrespondenten) Rom, Anfang April 1924. Bisher war es uns neu, daß Emminger im Auftrage der Baye Bentrumsminister in die Germania" zu lancieren. Dieselbe willens ist. Der Drud organisierter Interessen, der Miß rischen Bolkspartei Mitglied des Reichskabinetts geworden sei, und noch überraschter sind wir, aus jener Drohung herauslesen zu müssen, daß die Bayerische Bolkspartei ihren Herrn Emminger ausgerech net dem Zentrum zuliebe ins Reichskabinett hineingeschickt habe. Jebenfalls würde mit einem Verbot an Emminger, weiter im Rabinett zu bleiben, die Absicht des Zentrums, in Bayern eigene Rabinett zu bleiben, die Absicht des Zentrums, in Bayern eigene Kandidaten aufzustellen, nicht im geringsten durchkreuzt werden Lönnen." Haltung, die die„ Germania" gestern abend eingenom ein. Die Regierung scheint aber Angit um das bischen Koalimen hatte, nahm übrigens auch die Kölnische Volkszeitung" tion zu haben, daß fie in dem allgemeinen, von ihr glücklich angerichteten Durcheinander noch darstellt. Man stelle sich vor, daß auch der Justizminister noch ausscheidet, dann wird die Stellung der Mittelparteien, die das Baterland auf ihre Weise zu retten, bis zu den Wahlen nicht gerade leichter werden. Im übrigen wird ja die Entscheidung über Herrn Durch das Wolfffche Telegraphenbureau wird jedoch in Emminger doch wohl bei seiner Bartel. und nicht bei der später Abendstunde folgende Meldung verbreitet: Reichsregierung liegen und auf der anderen Seite fann man faum annehmen, daß das Zentrum jeßt, nach allem was vor.. gefallen ist, in Bayern wieder zurückhuft. länder, bie in beständiger Selbsterneuerung beständig wechAm 6. April wird sich zu den Barlamenten der Kultur sein, ein neues Barlament in Italien gesellen. Aber die hervorgehen wird, tritt nicht als gleiche unter junge italienische Rammer, die aus den Urnen gleichen neben die Bolksvertretungen der anderen Länder. wir wissen sehr wohl, daß heute feine Kammer der ganzen Kulturwelt der reine und unverfälschte Ausdrud des Boltsbrauch des Staatsmechanismus treiben den Willen der Borstellung über das, was nottut, falsche Einschätzung der Massen aus seiner natürlichen Bahn; Unwissenheit und irrige Menschen, die sie zu ihren Wortführern beruft, bringen es mit sich, daß jeder Volksvertretung Mängel anhaften. Um eine wirkliche Bertretung seines Strebens und seiner geschichtlichen Interessen zu berufen, müßte das Bolf aller Volk Länder bereits eine höhere Warte des Bollens und Erkennens erflommen haben, müßte höher stehen und weiter bliden, weiter zurüd in die Bergangenheit und vorwärts in die Zukunft. Aber zwischen dieser Unvollkommenheit, die allem anhängt, was menschlich in ewigem Ringen sich über Fehler und Mängel hinausarbeitet, und dem Makel, mit dem eigene Kandidaten aufzustellen, mit der Frage in Zusammenhang die neue italienische Kammer geboren wird, liegt ein grundbringt, ob Reichsjuftizminister Emminger weiterhin im Stabinett legender, ein wesentlicher Unterschied. Was des nächste Sonnbleiben tönne. Die Germania" weist demgegenüber darauf hin, In einer gestern abenb abgehaltenen Bezirksverfammlung ber tag in Italien zeitigen wird, ist überhaupt teine Bolfsver Saß e tjer um zwei völlig getrennte Dinge handele, Bayerischen Bolksparici fam es nach einer Rebe des Reichsjuftig tretung. 3ft nicht als solche gewollt, ist nicht unter den Beba die Reichsregierung auf die Entschließung des Zentrums felbft minifters Emminger bei der Rebe bes Abg. Biehrl au leb- dingungen entstanden, unter denen allein der Wille aller merständlich teinerlei Einfluß ausgeübt habe und der Reichs- haften Störungsversuchen von feiten der anwesenden Nationalsozia. Wahlberechtigten seinen Ausdruck finden kann. Deshalb tritt Reichshaften die italienische Rammer als Unebenbürtige neben die Bartangler sowohl wie das gesamte Kabinett der Begründung, die liften. Giehrl hatte erklärt, daß sich Baycen auf legalem Wege die die italienische Kammer als Unebenbürtige neben die Bardieser Beschluß des Zentrums in der„ Germania" erfahren hat, Monarchie verschaffen werde. Saalschuß und Polizei mußten ein. lamente der Kulturstaaten, sie ist nicht das rechtliche Kind pöllig fernstehe. Das Blatt schreibt weiter, es handele fich greifen, um die Durchführung der Bersammlung zu sichern. Einige von Freiheit und Gesek, sondern entspringt dem Kontubinat hier lediglich um Randidatenfragen zwischen zwei Par- Personen wurden nach Feststellung ihrer Bersonalien verhaftet, dann von Parteiwillen und Gewalt. teien, die bie Reichsregierung um so weniger berühren könnten, als aber wieder freigelassen. Die„ Germania" beschäftigt sich in ihrer Morgennummer vom 5. April mit der Notiz der Bayerischen Volkspartei- Korrespondenz", die den Entschluß des Zentrums, in allen vier bayerischen Kreisen Die Regierung hat Zeit! Will sie einen allgemeinen Eisenbahnerstreik? Die Rot der Eisenbahnarbeiter hat die Eisenbahnergewerkschaften veranlaßt, troß der ablehnenden Haltung der Reichsregierung immer wieder auf eine Verbesserung der Löhne der hungernden Arbeiter zu dringen. Endlich, am Donnerstag, tam zwischen den Gewerkschaften und dem Reichsverkehrsminister eine Vereinbarung zustande, die auf eine 15proz. Erhöhung der Löhne hinaus läuft, deren Vermirtlichung aber von der Zustimmung des Gesamtfabinetts abhing. Der Reichsverkehrsminister versprach für die Annahme der Vereinbarungen im Kabinett einzulegen am Schluß der Verhandlung, sich mit seiner ganzen Autorität und hat, soweit wir unterrichtet sind, tatsächlich schriftlich wie mündlich am Freitag auf eine Kabinettssitung gedrängt Bas aber fümmert die Reichsregierung die Not der Eisenbahnarbeiter? Was fümmert sie die stündlich wachsende Er. bitterung der Eisenbahner? Sie hat kein Berständnis für das Elend und weiß offenbar nicht die drohende Streitgefahr zu schätzen. Denn trotz der wiederholten Forderungen des Reichs rerfehrsministers dachte sie nicht daran, noch am Freitag den Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und dem zuständigen Reffortminister in einer Kabinettssigung ihre Zustimmung zu geben und damit der innerhalb der Eisenbahnarbeiter'chaft wachsenden Beunruhigung einen Damm zu sehen. Erneut be torien wir deshalb, daß es die Regierung felbft ift, die das Sanierungswert gefährdet. Sie trifft die Schuld für jeden Ausstand, der am Freitag erfolgte. Diefes Spiel mit dem Feuer, diefes Spiel mit dem himmelschreienden Elend ist gefährlich und muß sich rächen. Noch ein Zeiener- Prozeß. Landesverrat! Auf Anordnung des Oberreichsanwalts Dr. Ebermaner ist gegen den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Seigner ein Berfahren wegen Landesverrats eröffnet worden. Der Beschluß gründet sich auf die von Zeigner am 7. August in einer Funktionärver ammlung und am 18. Of. tober im sächsischen Landtag gehaltenen Reden, in denen behauptet wurde, daß zwischen der Reichswehr und gewissen rechtsradikalen Geheimorganisationen enge Beziehungen bestünden. Diefe Meldung wird erneut dem Ansehen der deutschen Justiz einen schweren Schlag verfehen. Deutschland scheint sich förmlich darum zu reißen, mit allen Mitteln den Nachweis zu führen, daß das Recht in die fem Lande teine Stätte mehrbat. Zeigner hat ge fehlt, dafür hat er drei Jahre Gefägnis erhalten, eine Strafe, Die in weitesten Kreifen als ungerecht, meil viel zu hart, emp. funden wurde. Jetzt stürzt sich die Justiz zum zweitenmal auf Zu den Gegenfäßen zwischen Zentrum und der Bayerischen Volkspariet past sehr schön folgende Meldung der Boff. 3tg.": " zu ihn, um ihn pyhsisch vollends zu vernichten, diesmal wegen einer Beschuldigung, die fein rechtlich Denfender für haltbar ansehen fann Solche Justiz ist moralischer Selbstmord der Nation! Englische Mahnung an das deutsche Volk. T Wir sprechen dem italienischen Wahlgesek als solchem nicht die Legalität ab. Es hat alle Formalitäten von der Kommissionsberatung zu den drei Lesungen, von der Bestäti gung des Senats bis zum föniglichen Defret durchlaufen und ist rechtsträftig wie jedes andere Gefeß, so fremd es auch dem Willen der Wählerschaft sein mag. Seine Legalität ist im Grunde eine Antlage gegen die vorige Kammer, ein Dofument ihrer Untüchtigteit, ihrer Undur hläffigfeit für die Bedürfnisse und das Rechtsgefühl des Landes. Sie zeigt an, daß man an der vorigen Rammer wahrlich nichts verloren hat. Aber die bloke Unwürdigkeit des Vorgängers ist noch kein Piedestal für den Nachfolger. London, 4 April.( Eigener Drahtbericht.) Im heutigen Leitartikel, betitelt„ Deutschlands Gefahr, der in einem auffallend freundlichen Ton gehalten ist, schreibt der„ Manchester Guardian": Die öffentliche Meinung Engiands ist mit verDaß aber die faschistische Regierung den leitenden Geschwindenden Ausnahmen Deutschland günstig. Der Ruhreinfall banken ihres eigenen Gesetzes verleugnet hat, das macht dieses Gefeß null und nichtig in feinem Geifte. Das Gesetz foll Dinge haben gegenüber Frankreich ein Gefühl der Entfremdamit sie ihre Aufgabe der Kritik und Kontrolle erfülle. Aber wird scharf verurteilt, benso die separatistischen Versuche. Diese les Gefeß null und nichtig in seinem Geifte. Das Gefen foll der Minderheit ein Drittel aller Sige überlassen, dung hervorgerufen, die nur durch die Hoffnung auf beffere, einfichtsvollere Elemente in Frankreich gemildert wird. Gerade wo eine der Faschismus hat dreift die Hand nach den Mandaten der Augenblidshoffnung aufleuchtet und nur etwas politische Urteilstraft und Gefchidlichkeit Deutschlands größte Schwierigkeiten in Ordnung bringen könnten, Minderheit ausgestreckt, indem er in vier von vierzehn Wahlfreifen auch eine fa'chistische Minderheitsliste aufstellte. Wenn er das damit begründen will, daß sich in der faschistischen Mehrheitsliste ohnehin gegen hundert Kandidaten befinden, die außerhalb der faschistischen BarDenn diese Hundert sind nicht Männer der Opposition, fontei stehen, so ist diese Begründung eine Spiegelfechterei. dern Ueberläufer anderer Parteien, die fich rüdgratios ieder Forderung der Mehrheit schmiegen werden. Es war nicht eine Konzeffion, die der Fachismus Männern von per fönlicher Bedeutung machte, daß er sie in seine Liste aufnahm: Anhang. Der Faschismus hat nicht auf Mandate verzichtet: es war eine schlaue und jämmerliche Spekulation auf ihren er hat sie doppelt ausgenügt, indem er Männer wie Orlando und. De Nicola aus dem politischen Boden ihrer Bergangenheit entwurzelte, um sie als Köder für die unentschlossenen Elemente zu benüßen. droht Deutschland feinen Vorteil wegzuwerfen und seinen Feinden in die Hand zu spielen. Der Artikel schildert dann die Stimmung des deutschen Bolkes, dem immer wieder versichert worden sei, die 2lliierten tämpften nicht gegen es, sondern gegen seine autokratische, militaristische Regierung. Diese Regierung fei verschwunden, aber das Bolt werde für ihre Sünden verantwortlich gemacht. Nach einer weiteren Schilderung deffen, was die englische Regierung bereits getan habe, fährt das Blaff fort: Deutschland hat an England einen guten Freund, den zurüdzustoßen Tollheit wäre nicht nur die gegenwärtige englijche Regierung ist Deutschland freundlich gefinnt, jede jolgende wird dieselbe polifik machen müssen. Nichts wäre unheilvoller, als wenn Deutschland gerade im jetzigen Augenblid, wo die Sachverftänt igenergebnisse vorliegen und Macdonald Gelegenheit gegeben Null und nichtig, nicht nur dem Geiste, sondern auch dem wird, seine im Interesse des europäischen Friedens und daher Deutsch- Buchstaben nach, werden aber die heutigen Wahlen durch die lands gelegene Politit zu entwidein, sich der Reattion in die Unterbindung jeder Möglichkeit der freien Arme würfe." Die französische Spionage. Interpellation im Schweizer Nationalrat. hat folgende Interpellation eingebracht: Ist dem Bundesrat bekannt, Bern, 4. April.( WTB.) Nationalrat Canova( Graubünden) daß ein Beamter des tranzösischen Konsulats in Basel eine Epionagezentrale organisiert hat, die er schon feit me breren Jahren leitet? Welche Schritte gedenkt der Bundesrat zu unternehmen. um diesen Zustand zu beseitigen und bie Abberufung des betreffenden Beamten zu erwirten? Todesurteile für Mordoffiziere. Warschau, 4. April( WTB.) Das Militärfreisgericht hat wegen einer Reihe von Bombenattentaten den Beunant Bieczortie wicz und den Oberleutnant Baginitt zum Tode verurteilt. Wahlpropaganda, jeder freien Meinungsäußerung des Gegners. Wohl hat es Mussolini wißig gefunden, zu bemerken, daß ein Land, in dem man eine Agitation zugunsten der Freiheit durchführen kann, dadurch beweist, daß es die Revolver und knüppel drohen, deren Maschinen periodisch Freiheit besitzt. Wenn in Blättern, deren Redakteure täglich der Verwüstung anheimfallen, deren Verbreitung im Lande von der Willkür des einzelnen Faschisten abhängt, der Schrei nach Freiheit und Recht laut wird, so darf d'e Regierung das nicht als Beweis ihres freiheitlichen Regimes anführen, fondern nur als Beweis dafür, daß man Menschen töten und Maschinen zertrümmern tann, aber dem Freiheitsgedanken dadurch mur neue Altäre errichtet. Wenn sich ein römisches Faschistenblatt, das im Solde ber Schwerindustrie steht, erfrecht, die ganzen Wohl gewalttaten als Folgen des überschäumenden Schelmen sinns der StmgfQfdtfücn*, die„hie und da ein gegnerisches Manifest abreißen" hinzustellen, so ist das eine bewußte, widerwärtige Lüge. Wir haben wiederholt von den Berge- waltigungen berichtet, die jede regierungsfeindliche Wahl- agttarion unmöglich gemacht haben. Immer wieder dieselbe zynische organisierte Roheit gegen Wehr» lose, das feige Protzentum der Straflosen. Wir wissen es wohl: jede Wahl hierzulande hat noch bis- her zu Verbrechen Anlaß gegeben. Wir verkennen auch nicht, daß zu jeder siegenden Partei eine Unmasse moralischer Nichts- Würdigkeit stößt; wir haben in Italien in diesem Punkt eine eigene traurige Erfahrung, die sich zum Teil deckt mit der Geschichte der sozialistischen Ueberläuser zum Faschismus. Wenn aber dieses Verbrechertum, das dem Sieger folgt wie die Geier dem Aase, materiell zum Werkzeug und Hebel und sittlich zum Vorbild der Politik des Siegers gemacht wird, dann handelt es sich nicht mehr um Zuläufertum, für das der Faschismus die Verantwortung abschütteln kann. Wenn das Regierungsoberhaupt den Präfekten Befehle erteilen kann, politischen Gegnern das Leben unmög. lich zu machen, wie das nach offiziellen Akten in dem Falle des dissidenten Faschisten Forni geschehen ist. dann ist die Gewalt nicht ein krankhafter Auswuchs des, Wahl- kampfes, sondern sein normales Gewebe. Wenn wir das neue Parlament seinem gewallsamen Ur- sprung noch für null und nichtig erachten, so geschieht es nicht. um der einzelnen Toten willen, die faschistisches Verbrechertum niedergestreckt hat. Auch die herrschende Partei selbst hat ihre Toten gehabt, die nicht alle dem inneren Parteihader zum Opfer gefallen sind. Was das Parlament null und nichtig macht, das ist die Tatsache, daß die Regierung einen Teil der Bürger gegen den anderen bewaffnet hat. daß sie das Strafrecht gegen die Waffenlosen an- wendet, aber den bewaffneten Vollbürger, den Faschisten, außerhalb des Strafvechts stellt, daß sie die Organe der staat- lichen Exekutivgewalt zu Werkzeugen der Parteibedrückung prostituiert hat. Man sage uns nicht, daß die Regierung des prächtigen Ueberschäumens der Jugend nicht Meister werden kann. Das dekorative Spiel ist ebenso leicht abzustellen wie ein Spring- brunnen in einem Schmuckgarten. Ein halbes Dutzend Ver- urteilungen wegen der Darreichung von Rhlzinusöl hat ge- nügt, um die liebe Gewohnheit mit einem Schlage auszu- rotten. Der Faschist hatkeinTalentzumMärtyrer- tum. so sehr man es in ihm auch groß zu ziehen sucht. Wenn es für die Wahlgewalt Richter gäbe, wäre sie sicher aus einem faschistischen Vorrecht zur sporadischen Aeußerung des eigentlichen Verbrechertums zusammengefchrumpft. Die Wahrheit ist, daß die Regierung die Wahlverbrechen nicht mir geduldet, sondem sie gebraucht, verwertet, als Mittel zum Zweck benutzt und als Ausdruck faschistischer Ära't verherrlicht bat. Es hat für die faschistische Ge- malt in Italien keinen Richter gegeben und jetzt stehen ihre ungerächten Opfer auf und zeugen gegen die Regierung. Wir verstehen die Diktatur, die die Kammer abschüttest und sich trotzig anmaßt, mit Einzelkraft ein Riesengewicht der Verantwortung zu tragen. Aber eine Kammer zu schaffen durch Werkzeuge der Diktatur und zu ihrem Werkzeug, das ist«in« Herabwürdigung der Nation. Die Mittel, durch die sU'fzefchieht, gründen sich nicht auf nationale Kräfte, sondern auf �nationale Schwächen. Was Italien heute erfährt, ist And" geistige Fremdherrschast. An der Leiche des in Paris einem kommunisttfchen An- schlag zum Opfer gefallenen faschistischen Journa- listen Von'ermzi hat Musiolini die Verantwortnug für das Verbrechen auf alle ausgedehnt, die mit den»belanglosen Episoden" des heutigen Wahlkampfes die öffentliche Mei- nung aufgehetzt und den Arm der Verbrecher bewaffnet haben, und hat hinzugefügt:„Ich sage euch, in meinem Geiste reifen vielleicht schwere und unwiderrufliche Entscheidungen." Wir wissen es wohl, was in dem Geiste zu„reifen" droht: Das laute Herz. Don Emil Rath. Bon der weit gewölbten Decke stürzende Lichttastaden über- strömten diamantgeschmückte gligernde Prachtfrisuren dekolletierter Damen, steif geblähte Hemdbrüst« bestockter Herren. Diener be- wegcen sich fast lautlos aus dem glatten Parkett mit Geschicklichkeit, die jahrelange Uebung verrät. Nichts schien zu fehlen, wa» den Inhalt eines genußgewöhnten genießerischen Lebens ausmacht. Und doch schaut« hin und wieder der ein« oder die ander« mehr oder minder verstohlen aus die prunkvoll«, riesige Standuhr, deren Zeiger mit kleinen Sprüngen aus die 12. Stunde mitteleuropäischer Zeit rückt«, als würde noch jemand erwartet. Der Gastgeber harte eine iensattonelle Ueberraschung angekündigt, ohne daß sich aus seinen geheimnisvollen Andeutungen irgendwelche aufklärenden Schlüsse ziehen ließen. Plötzlich begannen sich an der Eingangsfö? au» Dekolletes und hohen Kragen mit bewunderndem Staunen die Hälse zu recken— auf einem kleinen fahrbaren Tisch rollten zwei Diener einen vier- teiligen Lautsprecher in die Mitte des Saales, und mit stolzem Lächeln und weit ausladender Handbewegung erklärte der Haus- Herr den entzückten Gästen, die sich neugierig um ihn drängten: „Meine verehrten Gäste werden als erste Europäer drahtlos die Multimillionörkapelle hören, keiner ihrer Musiker verdient unter 10 ÜM Dollar an einem Abendel" Ein bewunderndes Ahl seiner Gäste antwortete ihm. »Fünf Minuten vor 12 wird der Operateur kommen. Also noch «irren Augenblick Geduld!" Die Uhr zeigte auf S Minuten vor 12— der Operateur kam nicht. Der Gastgeber wurde ein wenig nervös. Er liebt« die Pünktlichkeit an anderen Ein Diener ttctt auf ihn zu, machte ihm mit leiser Stimme eine MUeilung und ging wieder. Bon der Stirn des Hausherrn schwanden die Falten; lieben«» würdig wandte er sich zu den Gästen: „Soeben wird mir telephonisch mitgeteilt, daß der von mir bestellte Operateur mit seinem Wagen verunglückt Ist. Ein Ersatzmann ist sofort zur Stelle!" Kaum war da» letzte Wort verklungen, als dl« Standuhr mit leisem Schnarren zu einem Schlage ausholte, der dumpf grollend Bände und Nerven zittern ließ. Plötzlich stand an dem drohend aufgereckten vierfachen Lautsprecher mtt verbindlichem, blossem Lächeln ein junger Mann. Erfreut reicht« ihm der Hausherr die Hand:„Sie sind pünktlich, da» mutz ich sagen!" Mit demselben Lächeln entgegnete jener:„Und doch kam Ich von jeher zur unrechten Zeit!" und machte sich am Lautsprecher zu schassen. Die Gäste ließen ihr Gespräch verstummen und sahen interesfiert dm geschickten Griffen des jungm Manne» zu. Plötzlich scholl au» dem vierfachen Trichter«in dumpfe»' Schlag. ein Gesetz, daß die Kritik an der Regierung im Inland beschneiden und im Ausland« als Landes- verrat ahnden soll. Der Faschismus traut der Freiheit nicht, weil er sich selbst nicht traut. Er konnte' heut«, neben die Parlamente Europas, eine ebenbürttge Kammer stellen, aus der steien Aeußerung aller Klaffen geboren, damit sie ihn richte und sein Werk. Er hat das nicht gewogt, nicht einmal in dem beschränkten Rahmen seines Wahlgesetzes. Und in der Summe der Gewall, die er der freien Meinungsäußerung entgegenzu- stellen für nötig hiett, gibt er uns das Maß des Derstauens auf feine Herrschast über di« Geister und sein geschichtliches Urteil über sich selbst. Der yauptfeinö Ües Zasckismus. Nicht die Kommunisten, sonder« die Sozialdemokratie. London. 4 April.(Eca.)„Daily Herald" veröffentlicht dm letzten Bericht seines von Italien ausgewiesenen Korrespondenten. Darin heißt«», daß die schärfsten Gewaltmaßnahmm Mussolinis sich nicht gegen di« Kommunisten, sondern gegen die Sozialdemokraten und Liberalen richten. Die Einsperrung öer Mnöerbemittelten- Zur Verordnung über die Grenzsperrung. Die von uns gestern wiedergegebene Verordnung über die Ausreisegebühr, die praktisch auf eine Grenzsperre für die Minderbemittelten hinausläuft, ist ein außerordentlich u n- zulänglicher Versuch zur Bekämpfung der Rentenmarkausfuhr. Man hat sich in der Reichsregie. ning wohl nicht vor Augen gehalten, daß durch eine derarttge Verordnung gerade diejenigen Kreise privilegiert werden, denen es nicht nur nicht darauf ankommt, 500 M. Ausreile- gebühr zu zahlen, sondern die auch über ausreichende Geld- mittel oerfügen, um jenseits der Grenzen gerade denjeni- q e n unerhörten Luxus sich zu gestatten dessen Bekämpfung Aufgabe der Verordnung fein soll. Eine einzige Familie dieser Art gibt bei einer Vergnügungsreise nach Italien sicherlich so viel an Rentenmark und Devisen aus als Dutzende anderer Volksgenossen, die der Drang nach der Fremd«, nach Kenm- nisien und Erfahrungen oder nach einer lang vermißten Er- holung ins Ausland treibt. Bezeichnenderweise mußte fa auch die Verordnung eine so große Reihe von Ausnahmefällen vorsehen, in denen die Gebühren nicht erhoben werden, daß von einer wirklichen Ausfuhrsperr« kaum noch die Rede sein kann. Aber man muß sich den grotesken Unfug vor- stellen, der darin liegt, daß ein Großspekulant und Schieber jederzeit aus geschäftlichen Gründen ausreifen kann, während dem strengen Wortlaut der Verordnung nach der Besuch von internationalen Friedens kangreiten, Gewert- fchaftskonferenzen, wissenschaftlichen Zusammenkünften und dergleichen mit einer Straf« von 500 M. pro Kopf des deutschen Besuchers belegt wird! Wir möchten annehmen, daß zur Wahrnehmung derarti- ger Interessen früher oder später Ausnahm«» zugelassen werden, zu denen der Reichsfinanzminister ausdrücklich er- mächtigt ist. So sehr wir diese Ausnahmen in den erwähnten Fällen für notwendig halten, so ist auf der anderen Seite doch nicht zu verkennen, daß die Möglichkeit der Umgehung der Verordnung in demselben Maße größer wird, als man die Zahl der Äusnabmefässe vermehrt. Di« Bervrdnung ist aber derart widersinnig, daß die Vermehrung der Befreiungen un- umgänglich wird. Viel gefährlicher als di« Verordnung selbst, die ja leicht abgeändert werden kann, sind die damit gleichzeitig notwendig werdenden Schikanen bei der Kontrolle in den Grenz- stationen. Sie werden Ausländer und Inländer in gleicher Weife behelligen und somit den deutschen Reiseverkehr beeinträchtigen, Da? wird auch für die Reichseisen- bahn von unangenehmen Folgen begleitet sein. Besorgt fragte der Gastgeber:„Haben Sit auch die recht« Wellen- länge?" Der Operateur nickte leichthin:.1350!" Wieder drang au« dem Lautsprecher«in dumpf«? Schlag, der verwirrte. Da— noch ein Schlag— noch einer— und durch den totenstillen Raum klang da» Pochen und Hämmern eine» Menschen- herzen«. Anklagend, gebieterisch laut, bald im hastigen Rhythmus ängstigenden Fiebertraums, bald zögernder, immer zögernder, dann wieder wie das Aufspringen eine» todwunden Tieres, jeder Schlag getränkt mit stummem Jammer. Ein Herz, ein arm seliges Menschen- herz pocht« durch die Still«. Mit schattendem Fittich senkte sich mark- zerfressendes Grauen auf den Saal. Einer starrt« den anderen an, farblose Lippen wollten scherzen— und fanden keine Worte, steche Blicke hafteten angstvoll beschämt am blanken Parkett und verloren mit ihm feinen Glanz. Und dos Herz pochte in wechselndem Rhythmus weiter. Frauen bargen entsetzt ihr Gesicht in den Händen, beherzte Männer ließen die Zigarette im Munde erkalten und stierten stumpf vor sich hin. Irgendeine Stimm« flüsterte:„Do» Herz der Armen!" und das Wort ltcf wie Quecksilber von Mund zu Ohr, von Mund zu Ohr. Und da« laute Herz pochte. Pocht«. Dann immer zögernder, immer langsamer— dann war e» wie«in heftiges Aufbäumen— das Herz schlug nicht mehr! Wie au» lähmender Betäubung schienen all« zu erwachen, schauten sich an wie Mitwisser einer bösen Tat. Einer fragt« noch dem Operateur— er war verschwunden. Ein Diener meldete dem Hausherrn den Operateur. Der Haus- Herr schaute verwundert. Da trat der bestellte Operateur herein: „Bitte vielmal» um Berzeihung— aber vor 10 Minuten ist mir unvorstchtsgerweise ein junger Mensch direkt in den Wagen gelaufen — ich habe ihn sofort in das Florianstift gebracht— er hat nur noch wenige Minuten gelebt!" „Und Ihr Kollege?" fragte der Hmisherr bestürzt. Der Operateur sah ihn erstaunt an.„Kollege? Ich Hab« niemand geschickt!" „Und das Herz, da, so schrecklich laut pochte?" „Welche» Herz?" Der Oproteur sah ihn zweifelnd an und wandt» sich dem Lautsprecher zu. Ihm entfuhr ein Ausruf des heftigsten Erstaunens:„Wer hat mtt Welle 1360 gearbeitet?" „Ihr Kollege!" „Auf diese Well« rst der Empfänger de» Florianstifte, gestimmt!" Entsetzt blickte der Gastgeber auf die Uhr: e» war 12 Uhr 10 Minuten. Und doch schien ihm, als wäre«in« Ewigkctt oerflogen..._ SU vottsbdtzn« bereitet als nächst«»rstaiissBbnmg da» altindssche Spiel.Lasantasena' vor, DU Titelrolle spielt Gertrud Könitz. Ar«,«ov vayr—. de» Maler und Luchtllustrator, ist im»7. Leben»- jähr» in B i e 8 geftortau Wenn man den unerhörten Aufwand, der jetzt im Aus- land getrieben wird, wirksam bekämpfen will, so muk man sich schon die Mühe machen, die Großverdiener rücksichtslos zur Steuer heranzuziehen, ganz gleich, ob sie im Inland oder im Austand ihren Luxusaufwand entfalten. Es gibt genug Leute, bei denen ein Gang durch die Wohnung oder eine Fest- stellung ihres Besitzes an anderen Sachgütern vollkommen ge- nügen würde, um sie derartig zu Steuern heranzuziehen, daß ihnen die Lust zu Auslandsreisen vergeht. Und wenn das mit den geltenden Steuern nicht möglich ist, müssen diese er- höht und ausgebaut werden. Statt dessen attestiert der Steuerpolitiker Dr. Luther diesen Elementen in seiner bekannten Broschüre, daß sie von der Substanz leben, während gleichzeitig der Währungspolitiker Dr. Luther die G r e n z p o l i z i st e n auf sie hetzt. Es ist geradezu beschä- mend, daß man zu derarfigen Mitteln greift und damit die Unzulänglichkett der Steuererfassung gegenüber dem Besitz in einer Weise bekundet, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Offenbar haben aber bei dem Erlaß dieser Verord- nung nicht nur währungspolitische Momente mitgespielt. Es scheint vielmehr, daß auch die Proteste der deutschen Kurorte gegen die Abwanderung deutscher Erholungsrei- sende? dafür bestimmend gewesen sind, da man sich an eine zeitgemäße Herabsetzung ihrer Verpflegungssätze. Kurtaxen usw. nicht gewöhnen wollte. Ganz gleichgültig, ob diese Rücksicht dabei mitgespielt hat. p r a k t i s ch wirkt die Verord- nung dahin, daß den Arbeitern und Angestellten auch im In- land die Ferien in gehöriger Weite verteuert werden. nachdem die Konkurren, der auslssnd'scden Kurorte dur-b die Ausreisegebühr so gut wie ausgeschaltet ist. Ob das die Absicht des Gesetzgebers ist, muß dahingestellt bleiben.� Jedenfalls ist auch aus diesem Grunde gegen die a-'u, unmögliche Verord- nung schärf st er Einspruch am Platze. �lllsreifesperre und �otelierprofit. Ein Schweizer Urteil. Basel. 4 April.(EP.) Zu der deutschen Verordnung über die Be- schränkung der Auslandsreisen deutscher Staatsbürger schreiben die „Baseler Nachrichten" redaktionell: Die Bervrdnung ist speziell gegen den Sommerverkehr der Schweiz gerichtet, da der Frühjahrsverkehr nach der Rtviera noch verschont geblieben ist. 99 Proz. des deutschen Sommerverkehrs nach der Schweiz sollen er- drosselt werden. Das erklärt sich nur aus dem Bestreben der Reichsregierung, der heimischen Hotelerie zu gefallen und die ausländische Konkurrenz, die gegenwärtig billiger arbeitet, völlig auszuschalten._ Sechsunözwanzig Osten. Die völkische Zersplitterung. Die Samlung de? deutschen Volkes mit der Absicht, da» schwarz- wcißrote Banner über den Rhein, zu tragen, ist u o. auch ein auf dem Papier stehende» Ziel der Deutschvöltischen. Borläufig aber ist dies« Gesellschaft selbst nicht einmal in der Lage, in ihren eigenen Reihen Ordnung zu halten und für Sammlung zu sorgen, dem, stöhnend muß die„Deutsch« Zeitung" jetzt eingestehen, daß nicht weniger als.2SoöIkischeGrupp«nmit eigenen Listen' in diesem Wahlkampfe auftreten. Die Herren der Samm- lung können sich also rühmen, allem so viel Listen zu besitzen wie sämtliche übrigen Parteien im Deutschen Reich, die bis heute ins- gesamt die Zahl von 26 nicht überschritten haben. Sämtliche völ- kischen Gruppen und Grüppchen sind angeblich Gegner des Paria- mentarismus, aber ihr« Führer wollen dennoch den Reiz der Frei- fahrtkart« 1. Klasse und der Diäten genießen. Deshalb die fortgesetzte Gruppenbildung, di« sich bis zum 4 Mai wahrscheinlich noch ver- größert, und deshalb die Sehnsucht der völkischen Gernegroße nach einem Reichstogsmandat. Der Drang nach der Futterkrippe im völkischen Lager dürft« schließlich auf Kosten von Wulle, Graes« und Henning gehen. Den Anfang dazu hat der völkische Agitator Dinier In Thüringen bereits gemacht. Er rühmt sich öffentlich, die Fahne der Rebellion gegen di« Reichsleitung der deutschoölkischen Partei «.Lachen links" als Wahlhelfer für unsere Segner. Die zweite Wahlsondernummer von„Lackjen link»" ist er- schienen. Ei« bringt sieben schlagkräftig« W a h l p l o k a t e für die Deutschvöltischen. die Deutsche Volksvartei. die Kommunisten usw., deren Benutzung den betreffenden Parteien von der Redaktion in entgegenkommend«, Weis« gestattet wird. Da wir vermuten, daß unter den deutschen Kommunisten sich noch immer einig« befinden. die der russischen Sprache nicht vollkommen mächtig sind, so geben wir das KPD-Platat. dessen Text teilweise russisch abgefaßt ist, hier in der Uebersetzung wieder:„Arbeiter, wir wollen einmal deutsch reden! Di« Einheitsfront wird geschaffen durch Zersetzung des ein» zclnen. Dies wird jeder deutsche Ardeiter begreifen. Jeder echt oeutsche Arbeiter(und daß wir tief national sind, haben wir u. a. angesichts der Schlageter-Affäre bewiesen) ist oerpflichtet, ausschließ. lich Parolen Moskauer Herkunft zu befolgen. Auch dies ist jeder deutschen Proletarierin geläufig. Der Putsch ist das einzig wirk- same Mittel. Rur Putschisten können auf ausländische Kredit« rechnen. Haben wir nicht recht, wenn wir dies ausführen? Und darum wählt KPD.I" Auch ein reichhaltige, Material für deutschnational-völkisch- antirepublikanische Wahlreden bietet die Nummer. Wir heben daraus folgend« Kcrnworte hervor: Wenn neugierige Leute nach dem Derantworttichen für die In- flationsperiod« fragen, so wcise du stolz darauf hin, daß di« Mark- ftabilisierung nie möglich gewesen wäre ohne eine vorhergehend« Entwertung der Mark. Wenn Gegner sagen, daß das Ausland von einem deutschnatio- nal-völkischen Sieg einen Einfall in Frankreich befürchte, so weis« darauf hin, daß vom deutschnational-oölftschen Lager em ernst zu nehmender Einsall überhaupt nicht zu befürchten ist. Sage schließlich den Leuten, daß die wichngste volttische Aufgabe die Wchrhaftmachung de» deutschen Volkes sei. Unbesieglich, auch gegenüber einer Weltkoalicion. sei es aber nur, wenn es sich mit Dummheit waffne. Denn gegen die Dummheit, sage das, kämpfen Götter selbst vergebens!_ Die Leo-Vlech Srife am Deutschen Opernhaus, die feit Anfang März die Berliner Musikfreunde und Musitsachoerständigen be- schästigt, ist jetzt in«in neues, wie es scheint, letztes Stadium ge- treten. Nachdem Generalmusikdirektor Blech in der Zeit vom 8. vi» 20. März drei Entlassungsgesuche an die Beteiebs-Aktien, Gesellschast Deutjazes Opernhaus gerichtet hatte, di« all« drei un- berücksichtigt geblieben waren, hat er jetzt seinen Vertrag mit dem Deutschen Opernhouse„aus wichtigen Gründen"(gemäß ß 626 BGB.) mitsofortiger Wirksamkeitgekündigt. Die„wichtigen Gründe" sieht Leo Blech in der Entlassung des Generaldirektor» Bruder- Guntram, der aus der Generaloerwaltung de, Deut- jchen Opernhause« hinausbugsiert wurde, weil er dos Institut dem geschäftlichen Ruin entgegengesührt haben soll, und ohne dessen Mit- Wirkung der Generolmusitdirekwr sein« tünsttersschen Zukunftspläne nicht glaubt durchführen zu können. Zur Erklärung seine» Schritte» und zur Berteidiaung seine» Mitarbeiter» versendet Blech folgend» „Randbemerkung an die Presse:„.. also muß die Oefsentlichteit kurz und Nor erfahren, warum mein» Angelegenheit«in« logiiche Konsequenz de» Falle» Gruder-Guntram ist, Als wir da» zu tragen und nicht eher ruhen zu wollen, als bis bie Reichsleitung verschwunden und er als unumschränkter Herrscher an ihre Stelle gelegt ist. Die völlischen Zöglinge wachsen also ihren Herren und Meistern bereits über den Kopf. Auch sie wollen wie Graefe, Bulle usw. an die Futterkrippe und die Ueberzeugungstreue gegen den Parlamentarismus mit der Freifahrtkarte 1. Klasse und den Diäten belohnt wiffen. Unter dem Decmantel nationaler Phrasen dienen die bedauerlichen Mitläufer hierzu als Werkzeug. Solange fie unter dem schwarzweißroten Banner mit Hafenfreuz marschieren, werden fie nie zur nationalen Freiheit gelangen, sondern nur die Stützen undantbarer Gernegroße bilden, die sich aus Selbstfucht und Ehrgeiz untereinander zerfleischen. Kampf gegen alle. München, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Nunmehr hat auch der Völkische Blod in Bayern seinen Wahlaufruf erlassen. Es wird darin erklärt, daß die völkische Freiheitsbewegung mit Hitler und Ludendorff an der Spize allen Parteien den Kampf ansagt und mit feiner eine Roalition eingehen wird. Der Block nehme an den Wahlen teil, um dem Volt die Abgabe eines Urteils zu ermög lichen, was durch ein unerhörtes Terrorregiment der Bayerischen Bolkspartei bisher verhindert worden sei. Er gehe ins Barlament, um die November- Republit nicht aufzubauen, sondern abzu bauen. Der Aufruf tritt dann für folgende Forderungen ein: Behrhaftmachung des deutschen Volkes. Einfeßung eines Gerichts hofes zur Wahrung der deutschen Ehre und des Christentums beider Ronfeffionen vor Beschimpfung. Sicherung bayerischer Lebensnot wendigkeiten, Schuß aller schaffenden Stände in Stadt und Land, Sicherung des ehrlich erworbenen Eigentums, Berstaatlichung der Privatbanken, Zuchthaus, Todesstrafe und Vermögenseinziehung für Bucherer und Schieber und Ausschließung der Juden von allen Staatsbürgerrechten. Löbe in München. Takt und Geschmack bei Herrn Jarres. Herr Jarres hat sich einen Redakteur der Zeit" teftellt, um feine Haltung in der Angelegenheit der Dreyer- Trauerfeier zu recht fertigen. Er läßt diese langatmige Darstellung auch durch WTB. verbreiten. Soweit sich seine Erwiderung auf die vom Vorwärts" zur Sprache gebrachte Schleifenfrage bezieht, geben wir sie hier wieder: Ueber die Farbenfrage habe ich mit den Berbänden üterhaupt nicht gesprochen. Diese Frage hat der Reichsregierung auch feinerlei Kopfschmerzen" verursacht. Von Anfang an war es unsere Absicht, die Bahre des Toten mit einem Blumenstud in Form des Eisernen Kreuzes zu schmücken, weil dieses Kreuz das Symbol war, unter dem der Ber storbene getämpft und gelitten hatte und das ihm, wie uns betannt war, auch besonders teuer war. Das Reichsinnenministerium hat weiter mit der Angelegenheit nichts zu tun gehabt. Es ist nicht richtig, daß ein ganzer Stab von Geheimräten und Ministerialräten" tagelang mit der wichtigen Aufgabe befaßt worden sei. Solche Dinge bedürfen nicht langer Beratungen der Resserts. Ich pflege mir in diesen Taft- und Geschmadsfragen auch nicht den Rat und die Mitbestim Reichsfohlenrat und Reichstohlenverband gaben der Erwartung Ausdruck, daß für die Regelung der Verhältnisse im Ruhrbergbau nach dem 15. April eine Lösung gefunden werde, welche aus diesen unerträglichen Zuständen herausführt, bevor ein völliger Zusammenbruch erfolgt. Hoesch bei Poincaré. Paris, 4. April.( WTB.) Botschafter Hoesch hatte heute nachmittag eine längere Unterredung mit Ministerpräsident Poincaré über die Frage, was zur Herbeiführung eines Zwischenzuffandes für die Zeit zwischen dem Ablauf der Micum- Berträge am 15, April und der endgültigen Regelung zu geschehen habe. Noch keine Pariser Reise Macdonalds. London. 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Mitteilungen der Preffe, daß Macdonald wahrscheinlich bald Poincaré in Paris besuchen werde, um sich mit ihm über die schwebenden Probleme zu unterhalten, geben der Umgebung Macdonalds Anlaß mitzuteilen, daß eine solche Reise nicht geplant ist, bevor die Sachver ständigenberichte sorgfällig geprüft fcien und der allgemeine Einbrud ihrer Vorschläge bei den allierten Regierungen bekannt sei. mung dritter, namentlich unzuständiger außenstehender Bersonen Nach dem Vertrauensvotum für Poincaré. zu erbitten. " Demgegenüber halten wir unsere Darstellung entschieden aufrecht. Insbesondere ist es unzutreffend, daß es die Absicht der Reichsbehörden von Anfang an" war, ein Blumenstück in Form des Eifernen Kreuzes niederzulegen. Vielmehr war die Frage der schwarzrotgoldenen Schleife Gegenstand wiederholter Besprechungen zwischen den beteiligten Ressorts und erst nach langem hin- und her. dywanten hat man sich jene Patentlösung" ausgedacht, die es ermöglichte, die offiziellen Farben des Reichs zu umgehen. Herr Jarres brüstet sich zwar jetzt damit, daß es von Anfang an feine Absicht war, als Reichsminister die Reichsfarten zu ignorieren. Damit offenbart er nur felbst, welch Geistes Kind er ist. Und wenn er sein Berhalten mit dem Argument von Taft und Ge schmad" zu rechtfertigen versucht, so müssen wir es als höchst tattund geschmad los bezeichnen, daß ein Minister der Republik, der den Eid auf die Reichsverfassung geleistet hat, sich davor brudt, die verfassungsmäßigen Farben des Reichs bei offiziellen Anlässen zu zeigen. Und wenn das schon die Gesinnung diefes In nenministers ist, wie verträgt es sich mit seinem Taft und Gefchmad", daß er bei der offiziellen Berfassungsfeier am 11. August 1923 im Reichstag als Redner auftrat und ein dreifaches hoch auf die deutsche Republit ausbrachte? Oder war dieses Auftreten etwa nur als ein Sprungbrett in die Politik gedacht? Thormann Dr. Grandel. 100 Stimmenthaltungen. das Vertrauensvotum für das neue Rabinett Poincaré hat sich durch Paris, 4. April.( Eca.) Das Bild der Abstimmung über die im Verlauf des heutigen Vormittags vorgenommenen Berichti gungen einigermaßen verändert. Für das Kabinett wurden abgegeben 383 Stimmen und nicht, wie ursprünglich gemeldet 408. Gegen find also zahlreiche Enthaltungen( etwa 100. Red. d.„ B.".) das Kabinett wurden 131 Stimmen abgegeben, und nicht 151. Es zu verzeichnen. Es ist bezeichnend, daß sich eine große Anzahl von Politikern, wie Briand, Forgoet, der frühere Kriegsminister halten haben. Alle früheren Mitglieder des vorherigen Rabinetts Lefèvre, Tardieu, Ignace und Mandel, der Abstimmung entPoincaré mit Ausnahme von Sarraut, der abwesend war, haben für das Kabinett gestimmt. Die Mehrheit wird schon fleiner. Beratungen über die Pensionsvorlage fortgesetzt. Die Re Paris, 4. April.( EP.) Die Kammer hat heute nachmittag die gierung lehnte die Senatsvorlage vor allem deshalb ab, weil die Erhöhung der Pensionen auch auf die staatlichen Arbeiter ausgedehnt wurde. Die Regierung stellte ein besonderes Statut für die staatlichen Arbeiter in Ausficht, wodurch 15 millionen Frank gespart würden.( Zuruf: Wegen 15 Millionen Frank hat man also die Regierung gestürzt! Leon Daudet: Es war wirklich nicht der Mühe wert, die Regierung einer solchen Bagatelle wegen zu stürzen!) Einige Abgeordnete schlagen einen Zusazantrag zum ersten Artikel ver, wonach die Erhöhung der Pensionsfäße der Regierungsvorlage auch auf die staatlichen Arbeiter ausgedehnt werden soll. Der Finanzminister Marsal erklärte, daß die Regierung diesen Zusaß nicht annehmen könne und die Vertrauensfrage stelle.( 3uruf von links: Die Lage ist wieder dieselbe wie vorige Woche, stürzt doch die Regierung, um tonsequent zu bleiben.) Der Abgeordnete Brousse ersucht die Regierung, nach 3 u geben und schlägt eine Ausländersteuer vor, um die laufenden Gelder aufzubringen. Der Zufazantrag der Opposition wird mit 324 gegen 201 Stimmen abgelehnt. München, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag abend sprach Reichstagspräsident Genosse Löbe in einer Wähler versammlung über die Bedeutung der bayerischen Wahlen für die Arbeiten des Reichstags. Der große Saal des Haderbräu fellers war dicht besetzt; der sozialdemokratische Ordnungsdienst zeigte, daß er Autorität hat. Genosse Löbe wies u. a. darauf hin, baß den bayerischen Landtagswahlen auch eine außenpolitische Bedeutung zufomme. Gerade Poincaré lauere auf den Ausfall dieser Wahlen. Denn er erhofft, dabei die für ihn günstige Wahlparole zu erhalten. Durch die Wahl muß flar entschieden werden, ob Deutschland den mit Dornen besäten Weg der Verständigung In dem Verfahren Thormann- Dr. Grandel wegen des Attenund der versuchten Erfüllung weitergehe, oder sich aufs neue denen tatsplans gegen General v. Seedt ist nunmehr der von der Veranvertrauen solle, die Gewalt predigen, mit anderen Worten: es teidigung gestellte aftentlassungsantrag, der bereits in muß sich die Frage entscheiden, ob Besiz oder Menschenkraft geopfert erster Instanz abgelehnt worden war, auch vom Kammergericht als werden sollen. Wir Sozialdemokraten fehen mit Genugtuung dem zweiter Instanz zurückgewiesen worden. Grandel bleib: also Augenblic entgegen, in dem Ludendorff in den Reichstag ebenso wie Thormann weiter in Haft. Nach Abschluß der Vorunter tommt. Wenn er da vom Dolchstoß fpricht, werden wir ihm fagen, fuchung wird nunmehr gegen beide die Anklage fertiggestellt. Die daß das eine Schändung der Massengräber ist, in denen Anklage dürfte aus dem durch das Republitschutzgesetz neugeschaffenen Hunderttausende von Söhnen der Sozialdemokraten neben den§ 49b des Strafgesetzbuches( Verabredung zum Morde) eranderen Volksgenossen ruhen; wir werden ihn an die Frauen erhoben werden. Wann der Termin der Hauptverhandlung( anInnern, die ihre Kinder vernachlässigen mußten, weil sie in den beraumt wird, läßt sich mit Bestimmtheit noch nicht voraussagen, Munitionsfabriten arbeiteten; wir werden ihn fragen, ob er dann namentlich mit Rücksicht auf die noch in der Durchführung begriffene noch die Stirn hat, die Schulb auf das deutsche Bolt zu schieben. Reuordnung der Gerichte in Moabit. Dabei ist die Frage, ob diese Dann wird der Irrwahn zerstieben, der heute noch viele junge Straffache den Staatsgerichtshof oder die ordentlichen Ge- nationalistischen Parteien in Deutschland haben den Franzosen den Männer betört, und dann werden wieder Kräfte frei werben, um richte beschäftigen wird, noch immer nicht endgültig geklärt. das Baterland aufzubauen, in dem auch ein paar Sonnenstrahlen auf die fallen, die bisher im Schatten gingen. Dazu beginnt bas Borgefecht am 6. April. Zur Aussprache meldete fich nur ein Redner, nämlich der Reichs. tagsabgeordnete Hoffmann- Schmargendorf, der aus unserer Partei aus- und zu den Kommunisten übergetreten ist. Er entwickelte in der Hauptsache bodenreformerische Theorien und erklärte zum Schluß, mit Mitteln der Demokratie könne die Arbeiterschaft niemals ihr Ziel erreichen. Theater übernahmen, war der Kassenbestand die Unmöglichkeit, die Sommergagen auszahlen zu tönnen. Als wir nach sechs Monaten ehrlicher, fünstlerischer Arbeit das Theater verließen, war ein er arbeitetes Blus vorhanden, beffen Höhe alle vorgefaßten Meinungen über die Unrentabilität eines nichtsubventionierten Theaters über den Haufen warf und das ausgereicht hätte, die Rheingold- Freia mehrere Male bei der Firma Gebrüder Fafolt u. Fafner" auszulösen. Dieses Plus führe ich auf die Zusammenarbeit Blech- Gruder- Guntram zurüd. Das Wohl des Ganzen basierte nach meiner Erfahrung auf biefer Zusammenarbeit. Ihre Fortführung ist( troß meiner intenfivsten Barnung) durch die Entlassung Gruder- Guntrams vereitelt morden; meine Arbeit und ihre Ausnußung fehe ich ohne Gruder Guntrams Mitarbeit gefährdet; Konsequenz ich gehe. Leo Blech." Eugen d'Albert. Am 10. Apri feiert Eugen d'Albert, der weltberühmte Bianist und Komponist, feinen 60. Geburts tag. Aus der Lift- Schule hervorgegangen, breitete sich der Klang feines Namens im Sturm über die ganze Welt aus. Bu feinem pianistischen Ruhm erwarb er sich nicht geringeren Lorbeer durch fein reiches Musifschaffen, bas befonders glücklich auf dem Gebiet der Operntompofition emporblühte und die Operſpielpläne der Gegenwart so start beherrscht, baß man fie fich ohne d'Alberts Tiefland" nicht mehr denken tann. Bevor d'Albert sich nach der Schweiz zurückzieht, um in aller Stille feinen 60. Geburtstag zu begehen, wird er sich noch einmal in Berlin hören lassen und zwar wird er diesmal feine Kunſt in den Dienst der Wohltätigkeit stellen und in einem Konzert spielen, welches unter dem Protektorat der Frau Reichspräsidentin Ebert am Sonntag, den 6. April mittags 12 Uhr, im Reichstag zugunsten der Deutschen Reichshilfe ftattfindet. Allen feinen Freunden und den Ber ehrern seiner Kunst wird es bei dieser Gelegenheit gegeben sein, bem 60jährigen Meister die ersten Glückwünsche darzubringen und ihm fein legtes Auftreten vor seinem 60. Geburtstage in Berlin zu einer Sympethielundgebung zu gestalten. Dollaritas Reichtum. Von der zunehmenden Anhäufung der Reichtümer in den Bereinigten Staaten geben die Zahlen einen Be griff, die das Handelsministerium in Washington über das ameritanische Bolfsvermögen veröffentlicht. Nach diesen Angaben ist ber Wert der Befiztümer des amerikanischen Bolles seit 1912 von etwa 215 milliarden Dollar auf gegen 370 milliarden Ende 1922 gewachsen. Auf den Kopf der Bevölkerung der Ber. einigten Staaten verteilt, ergibt dies, daß jeder Mann, Frau und Kind in Nordamerika durchschnittlich 8350 Dollar besitzt gegen 2250 Dor 10 Jahren. Alle Arten des Bermögens sind im Geldwert ge ftiegen, mit alleiniger Ausnahme des Biehs. Eine der bezeichnenbften Geigerungen ist die im Wert der Fabritmaschinen und Werkzeuge, der sich auf 18 350 000 000 Dollar gegenüber 11 130 000 000 Dollar Dor 10 Jahren beläuft. Der Gelbwert der Eisenbahnen ist von 18 775 000 000 Dollar auf 23 220 000 000 Dollar gestiegen. Der Wert der Kraftwagen, von denen jeder adyte Amerikaner einen befigt, ist nicht besonders geschäßt Die Gesellschaft der Mufiffreunde zn Berlin wird ihre Tätigkelf toleber aufnehmen. Bum Boifigenden wurde Ministerialrat Dr. Schmidt gewählt als Dirigent verpflichtete die Gesellschaft Herrn Dr. Heinz Unger. Die Mit glieber werden gebeten, sich bei der Geschäftsstelle, Schellingstr. 4, zu melden Deutschland und die Expertenvorschläge. Arbeit für Degoutte. Paris, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Treibereien der erwünschten Anlaß zu neuen Bedrückungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung des befeßten Gebietes gegeben. Unter dem Vorwand, daß die ungewöhnliche Aktivität der militärischen Geheimorga Aeußerungszwang noch vor dem Wahltag. nisationen einen Zustand außerordentlicher Gefahr für die Betommission der Sachverständigen, die in der Nacht zum Freitag bis auf Veranlassung Frankreichs eine Reihe neuer Repressalien Paris, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Redaktions. fagungsarmee schaffen, hat die Interalliierte Rheinlandtommission 2 Uhr morgens an der definitiven Fassung und der Korrektur des beschlossen, darunter die stetige Ueberwachung aller ehemaligen nicht Berichts gearbeitet hat, ist am Freitagnachmittag wieder zusammen- attiven und Reserveoffiziere in den besetzten Gebieten, die getreten. Gemiffe Schwierigkeiten, den englischen und den franzölleberwachung der Schuljugend, das Berbot der Rekrutierung fifchen Tegt miteinander vollkommen in Einklang zu bringen, laffen für die Reichswehr in den besetzten Gebieten. Darüber hinaus eine neue hinausschiebung der Ueberreichung der hat General Degoutte zusammen mit dem französischen RheinlandBorschläge an die Reparationsfommission voraussehen. Im Hotel fommissar am Freitag die Einleitung einer über das ganze Rheinstoria wird am Freitag als wahrscheinlicher Termin dafür der land und die Ruhr sich erstreckenden militärischen Polizei. Montag oder Dienstag angegeben. operation angeordnet. Nach den Informationen der hiesigen Blätter soll Deutschland im ersten Jahre. b. h. 1924, an Sachlieferungen und Besagungs. Essen, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) In Essen sind in den tosten etwa eine milliarde zu leisten haben. Zunächst follen letzten Tagen zirka 20 Personen von den Franzosen verhaftet wor 800 Millionen dem Ergebnis der in Aussicht genommenen inter- den unter der Beschuldigung, Mitglieder verbotener Organi nationalen Anleihe, der Rest von 200 Millionen den Ueberfationen zu sein. Wie die Rheir isch- Westfälische Zeitung" melschüssen der Eisenbahnen entnommen werden. bet, find im Norden von Elberfeld französische Truppen auf Elber. felber Gebiet oorgedrungen und haben eine Reihe von Häusern in bas besetzte Gebiet einbezogen. Die Reparationskommission soll nach den neuesten Dispofitionen beabsichtigen, den Bericht der Sachverständigen zunächst zur Kennt nis der deutschen Regierung zu bringen und sie aufzufordern, fich dazu zu äußern. Man will offenbar auf diese Weise Taktik Deutschland zwingen, sich noch vor den Wahlen über Annahme oder Ablehnung der Sachverständigenvorschläge zu entscheiden. Ueber die Absichten, die zum mindesben von französischer Seite mit biefer Lafht verfolgt werden, lassen die Kommentare der Blätter teinen Zweifel. So erklärt der„ Temps", daß der Meinungsaus tausch zwischen den Allierten zwedios féi, solange die deutsche Stellungnahme nicht befannt sei. Auf jeden Fall müsse vermieden werden, daß die Affiterien unter dem Drud eines in völliger Bassivität verharrer.den Deutschlands über eine Lösung dis. futieren, die die deutsche Regierung hinterher zu tritifieren oder gar abzulehnen in der Lage fei. Die Tattit der deutschen Regierung gehe offenbar dahin, jede Entscheidung bis nach den Reichstagswahlen hinauszuschieben. wahlen hinauszuschieben. Das müsse unter allen Umständen ver hindert werden, und dazu fei die Reparationsfommission in der Lage. Benn die deutsche Regierung der Aufforderung, sich, gemäß dem Bersailler Artikel 234 3u äußern, nicht nachkomme, so werde die Reparationsfommission ohne weiteren Vorzug felbständig über die Borschläge der Sachverständigen entscheiden und die alliierten Regierungen mit der Durchführung ihrer Beschlüsse befaffen. Borauf man in Frankreich hinaus will, ist ganz offenbar folgendes: Die Doreilige Kritif der Sachverständigenvorschläge in Deutsch land sowohl durch einen Teil der Presse wie vor allem durch namhafte Bolititer veranlaßte hier die Hoffnung, daß das Wert der beiden Expertenfomitees an dem deutschen Widerstande scheitern werde. Frankreich würde dadurch den doppelten Borteil haben, nicht nur selbst einer Entscheidung enthoben zu sein, sondern auch noch die Verantwortung für das Fiasto des neuen Bezfuchs zur Lösung der Reparationsfrage auf Deutschland fallen zu sehen. Kohlenwirtschaft und Micum. Der Reichstohlenrat und der Reichstohlen. verband befaßten sich angesichts der Notlage, unter welcher der Bergbau und besonders auch die Bergarbeiterschaft des Ruhrbezirks aufs schwerste leiden, mit dem von der Micum einerseits und dem Bergbauverein andererseits zur Beurteilung der finanziellen Lage des Ruhrbergbaues zufammengestellten Zahlenmaterial. tamen einstimmig zu dem Ergebnis, daß die jeßigen Micum. Basten untragbar sind, da sie die Bermögenssubstanz der Bergwerke in erschreckender Weise aufzehren und die Lebensbedingungen des Bergbaus und der Bergarbeiterschaft zerstören. Sie England und die Militärkontrolle. Die„ Times" gegen Abbau. Condon, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Die„ Times" schreiben in ihrer Betrachtung über die deutsche Note wegen der inferallierten Militärkontrolle, Deutschland habe nicht das geringste Recht, die Einstellung der Militärkontrolle zu fordern. Wenn es auch richtig sei, daß Deutschland nicht imftande sei, heute einen Krieg zu führen, so sei doch die französische Behauptung glaubhaft, daß Deutschland während der durch die Ruhrbefehung ver. utjachten Unterbrechung der Militärtontrolle feine Kräfte für die militärische Reorganisation verdoppelt habe. müßten erst Gewißheit über diesen Punkt haben, bevor das Die Alliierlen gegenwärtige Kontrollsystem geändert werden könne. Uebrigens dürfe in Deutschland fein Zweifel darüber herrschen, daß der Zeitpunkt der Beendigung der Militärkontrolle nicht von Deutschland, sondern von den Alliierten festgesetzt werde. Polnische Inflationsgewinnerei. Der Finanzminister wird angeklagt. Warschau, 4. April.( Eigener Drahtbericht.) Im Sejm wurde ein durch hundert Abgeordnete unterzeichneter Antrag eingebracht, welcher die Regierung auffordert, den früheren Finanzminister Kucharski zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen, weil er der Textilfabrit in 3yrardow bei Warschau einen be deutenden nicht valorisierten Staatsfredit erteilt hat. Neue Krise in Belgrad. Nach Anerkennung der Raditschmandate in Sicht. Belgrad, 4. April.( WTB.) Der Prüfungsausschuß der Stuptschina erkannte die restlichen 26 Mandate der froatischen Bauernpartei, und zwar 19 einstimmig und 7 Mandate mit 11 Stimmen der Oppofition gegen 10 Stimmen der Regierungs. parteien an. In parlamentarischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß nach Berifizierung der kroatischen Abgeordnetenmandate durch das Plenum( d. h. in dem Augenblid, wo die Oppfitionsparteten zur Mehrheit werden. D. Reb.) der Stuptschina das Rabinett Bafitsch Bribit chevich seine Demission geben micd, um dem König die Entscheidung zu überlassen, ob ein Arbeitskabinett unter Jovanovitsch gebildet, oder Neuwahlen ausgeschrieben werden sollen. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf der Eisenbahner.. Köln, 4. April( Eigener Drahtbericht.) Die Bezirksleitung Elberfeld des Deutschen Eisenbahnerverbandes wendet sich in einer Erklärung Zum Kampf der Eisenbahner" an die Deffentlichkeit, um über den tatsächlichen Stand des Eisenbahnerstreits und seine Urfachen zu informieren: „ Der Streit ist nicht von den Eisenbahnern verschuldet, fondern von der Reichstahnverwaltung. Trotzdem auch die Direktion in Elberfeld öffentlich zugibt daß die Löhne der Eisenbahnarbeiter pöllig unzureichend find, hat man die Lohnverhandlungen in Berlin wochenlang verschleppt und feinerlei nennenswerte Zugeständnisse gemacht. Es wird gesagt, daß die finanzielle Notlage der Reichsbahn die Zurückhaltung der Berwaltung bedinge. Diefe Behauptung stellt man auf, trotzdem die Eisenbahnfahrpreise wiederholt erhöht sind und die Arbeitszeit der Bebienfteten enorm verlängert wurde. Andererseits werden aber toftspielige Experimente mit der technischen Not hilfe gemacht und Summen vergeudet, die besser zur Aufbesserung der Löhne Verwendung gefunden hätten. Ferner hat die Erfahrung gelehrt, daß der Einfaz der Technischen Nothilfe die Betriebssicherheit maßlos gefähr det und kostbares Staatsmaterial der Vernichtung preisgegeben wird. Ungeheure Werte werden so aufs Spiel gesetzt. Zum anderen geht die Bahnverwaltung dazu über und fucht Etreifbrecher คน 5 den Feihen arbeitsscheuer Elemente zu werben. Weil anständige, ehrliche Arbeiter sich nicht dazu hergeben, ihren fämpfenden Kameraden in den Rüden zu fallen, greift man zu den moralisch verkommenen Subjekten und stellt diese ausgerechnet in den Gepäckabfertigungen und Güterböden ein. Kein Bunder also, wenn die Geschäftswelt an ihren Bahngütern Berluste erleidet durch Diebstähle aller Art. Wert volles Bahngut darf daher während der Dauer des Streits nicht zur Beförderung aufgegeben werden. Die Eisenbahndirektion berichtet in den Tageszeitungen, daß ein Umfichgreifen des Streits nicht zu befürchten sei. In Wahrheit trifft das Gegenteil zu! Es geht um das nadte Leben der Eisenbahner! Die Kaufkraft der Bediensteten ist völlig erlahmt! Das allgemeine Erwerbsleben kann nicht wieder zur Blüte kommen, wenn Hunderttausende von Staatsarbeitern nichts faufen fönnen; darum helft uns und bringt unserem Kampf fluges Verständnis entgegen!" Nürnberg, 4. April.( WTB.) Heute nachmittag hat der größte Teil der Arbeiter in den Betriebswerkstäten des Nürnberger Haupt bahnhofs und des Rangierbahnofs die Arbeit nieder gelegt. Die Bewegung in der Metallindustrie. Bei der Firma Dr. Mar Levy, Abteilung Müllerstraße, ist die Belegschaft wegen Nichtbewilligung der Lohnforde rungen in den Streit getreten. Bei Dittmann, Wittenau, befindet sich die Belegschaft aus den gleichen Ursachen in einem sanktionierten Streif. In der NUG. traten die Einrichter und die Schmiede in den Streit. Die Schmiedewerkstatt ist damit stillgelegt. Die Streifenden bitten, darauf Rücksicht zu nehmen. Nene Löhne der Metallschleifer. Zwischen dem Verband der Metallschleifereien und Galvanifferanstalten und dem Deutschen Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin, ist mit Wirkung der Lohnwoche vom 1. April folgende Lohnbereinbarung geschlossen: Metallschleifer und Galvaniseure 65 Pf. Stundenlohn, Alfordbasis für Schleifer 65 Pf., Krager 48% Bf. Hngelernte Arbeiter über 21 Jahre erhalten einen Stundenlohn von 46 Pf., Don 20 bis 21 Jahren 40 Bf., Don 19 bis 20 Jahren 37 Pf., von 18 bis 19 Jahren 34 Pf. Der Stundenlohn der Galvaniseurinnen hat eine Höhe von 36 Pf., der Kragerinnen, Lackiererinnen von 33 Pf. Für Jugendliche( männliche und weibliche) beträgt der Lohn je nach der AltersBlaffe 11 bis 27 Pf. Arbeiter mit durchschnittlicher Leistung sollen auf Affordarbeit 25 Broz über die Akkordbafis verdienen. Arbeiter der Klaffe I, die nur im Lohn arbeiten, erhalten 10 bis 15 Pf. Ausgleichszulage. Die bestehenden Akkorde werden um 15 Proz. erhöht. Die gestrige Versammlung der Metallschleifer und Galvaniseure nahm dieses Lohnabkommen mit großer Mehrheit an. Die Lohnbewegung der Treher. Die Bersammlung der Bertrauensleute der Eisen- und Revolver. breher, soweit sie im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert find, nahm am Donnerstagabend Stellung zum weiteren Vorgehen in der Branche. Der Vorsitzende Hildenbrand schilderte in ausführlichen Darlegungen die Situation innerhalb der Dreherbranche. Auf die verschiedenartige Bezahlung in den einzelnen Betrieben wurde besonders hingewiesen. Ueber diese Borkommniffe muß der Branchenleitung rechtzeitig Kenntnis gegeben werden, damit ein Bertreter der Verwaltung in die verschiedenen Betriebe entsandt wird, um für eine ordnungsgemäße Regelung Sorge zu tragen. Branchenvertreter Forster erklärte auf Grund der bekanntgegebe nen Lohn- und Arbeitsbedingungen, daß nur mit dem alten Kampfgeist der Borkriegszeit für die Kollegenschaft etwas getan werden fann. In der Aussprache tam der eiserne Wille zum Ausdruck, trok des Drehervereins alle Maßnahmen im Interesse der Lebenshaltung der Kollegen zum Durchbruch zu bringen. Chor- und Ballettstreit in der Staatsoper. Der Deutsche Chorfänger- und Ballettverband schreibt uns: Im Jahre 1919 wurde zwischen dem Deutschen Bühnenverein als Arbeitgeberverband und dem Deutschen Chorfänger- und Ballett verband als Arbeitnehmerorganisation ein Tarifwerk geschlossen, das die Dienst- und Arbeitsverhältnisse für Chor- und Ballettmitglieder regelt; die Besoldungsfrage dagegen blieb unberührt. Die Ber liner Staatsoper, obwohl auch Mitglied des Deutschen Bühnen vereins, setzte sich über verschiedene der getroffenen Bereinbarungen gleich zu Anbeginn systematisch hinweg. Der Chorfängerverband fah sich infolgedessen wiederholt genötigt, entsprechend Klage bei dem dafür zuständigen paritätischen Tarijausschuß zu führen; dabei haben die Vertreter des Bühnenvereins die Klagen, stets als berechtigt anerkannt und versprochen, Abhilfe zu schaffen. Ein positiver Erfolg war jedoch nicht zu erzielen. Das Tarifwert fieht u. a. zwei Schlichtungsstellen für Lohn. streitigkeiten vor, eine in Berlin, am Giß des Bühnenvereins, und die andere in Mannheim, am Eig des Chorverbandes. 3m vergangenen Sommer erklärte plötzlich der Bühnenverein, daß er während der Theaterferien nich. in der Lage sei, Beisiger für die Mann heimer Schlichtungsstelle zu entfenden. Diese Schlichtungsstelle war dadurch mindestens zwei Monate lahmgelegt, was für Mitglieder des Chorfängerverbandes, die an Sommerbühnen verpflichtet waren, beträchtlichen Schaden verursachte. Der gemeinnügige Theaterverband, der die sämtlichen staatlichen, städtischen und anderen gemeinnüßigen Bühnen Deutschlands umfaßt und den wesentlichsten Bestandteil des Deutschen Bühnenvereins bildet, erklärte vor einigen Wochen, daß er zur Mannheimer Schlichtungsstelle Beifizer überhaupt nicht mehr entfendet. Dadurch ist die Bereinbarung bezüglich der Schlichtungsstellen durch den Bühnenverein zertrümmert. Eine InanspruchStaatsoper mar daher für den Chorfängerverband nicht mehr annahme der Berliner Schlichtungsstelle in Sachen der gängig, foweit die Lohnstreitigkeit in Frage fommt; für die anderen strittigen Fragen( Anerkennung der Organisation und Regelung der Alters- und Hinterbliebenenversorgung) wären die tariflichen Schlich tungsstellen ebenso unzuständig wie die amtlichen. Der Vorwurf der Tarifverlegung seitens des Chorsängerverbandes wird dadurch hinfällig. Für die Erneuerung des Tarifvertrages übermittelte der Zechena verband den Bergarbeiterverbänden Abänderungsvorschläge zum Rahmentarif. Diese sehen u. a. vor: Berlängerung der Arbeitszeit, alfo Beseitigung der vertraglich festgelegten Siebenstundenschicht unter bzw. der Achtstundenschicht über Tage Gewünscht wird eine Verlängerung der Arbeitszeit u mz eine Stunde in heißen Gruben, wo mehr als 50 Proz. der Untertagebelegschaft bei über 28 Grad Celsius arbeitet, ferner Her. absehung des Mindestlohnes, Abschaffung des Hausstandsgeldes, Reduzierung der Deputat. fohlenmenge und herauffezung des Deputato tohlenpreifes, Fortfall bes Soziallohnes für Kranfenfeiertage u. dgl. m. Die Bergarbeiter werden dazu Abände rungsvorschläge einreichen. Die systematische Spaltung. Unter der Ueberschrift Eine Spaltungstonferenz des ADGB fchaft zur aktiven Oppofition gegen den Bundesvorstand aufzurufen. Borstandes in Köthen bemüht sich die Rote Fahne", die Arbeiter vorstand antsprechend der vom Leipziger Gewerkschaftstongreß fest Die Veranlassung dazu findet sie in dem Umstand, daß der Bundes gelegten Bundesfazung für die Provinz Sachsen und den Freistaat Daß die Moskauer auf der entscheidenden Konferenz am 30. März Anhalt ein besonderes Bezirtsfetretariat eingerichtet hat. in Röthen in eine hoffnungslose Minderheit gedrängt waren, ist Bech, macht aber die Sache nicht besser. oppositio bandes durch die Staatsoper betrifft, so mutet es merkwürdig an, Was die Nichtanerkennung des Chorsänger- und Ballettverfation die andere Tariforganisation überhaupt nicht anerkennen will. wenn eines der prominentesten Mitglieder der einen TariforganiDie schriftliche Ankündigung, daß sie mit der Organisation nicht durch in die Tat umgesetzt, daß sie auf die befristete Eingabe der Ormehr verhandelt, hat die Generalverwaltung der Staatstheater daganisation vom 22. März d. I. überhaupt nicht geantwortet hat. Auch die Mitteilung des Streifbeschlusses durch die Organisation blieb triebsrat zu Verhandlungen einberufen. Letzterer teilte der Or- neller" Ortsausschüsse seien nicht zur Konferenz geladen worden unbeantwortet. Die Generalverwaltung hat lediglich den Bes Zunächst behauptet die Rote Fahne", eine Reihe ganisation mit, daß Verhandlungen nur zwischen Generalverwaltung Schon auf der Konferenz wurde das Gegenteil festgestellt, und Betriebsrat unter Zuziehung eines Organisationsvertreters statt und überdies hatten die Moskauer ihre Glaubensgenossen schon au finden könnten, die inzwischen erfolgte Arbeitsniederlegung müßte einer Vorfonferenz am vorhergehenden Tage geladen. doch vorher bedingungslos rückgängig gemacht werden. ist anzunehmen, daß diese Gesellschaft dort schon eingesehen hatte, Diesen Bedingungen konnte die Organisation unmöglich zustimmen, daß sie auf der Konferenz feine Lorbeeren ernten würde, und des zumal die Verhandlungen unter der Leitung des Betriebsratspor halb hat diese kommunistische Vorkonferenz gleich für den Re fitzenden, der Mitglied des Chorfänger- und Ballettverbandes ist, und gierungsbezirk Halle- Merseburg einen eigenen gegen den wegen kommunistischer Umtriebe und anderer organi- aden aufgemacht. Borfizender und gleichzeitig angestellter fatorischer Berstöße ein Ausschlußverfahren aus dem Ber- Sekretär wurde ein Herr Grabow, der schon vordem aus dem band schwebt, stattfinden sollte. Dieser Grund der Ablehnung des Baugewerkschaftsbund ausgeschlossen war. Un'er Führung dieses Betriebsratsvorsitzenden, der nebenbei bemerkt, vor einigen Monaten Strategen nahmen die Moskauer sehr ausgiebig Gelegenheit, auf der schon ein einstimmiges Mißtrauensvotum von den von ihm vertre- Konferenz für ihre Gewerkschaftsidee" Propaganda zu machen. tenen Mitgliedern erhielt, wurde der Generalverwaltung rechtzeitig Resultat: Von 71 Delegierten stimmten nur 12 gegen den Beschluß mitgeteilt. Ebenso, daß die Organisation jederzeit zu des Borstandes, schon jekt das Bezirkssekretariat zu errichten. direkten Verhandlungen bereit ist. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß einer der Punkte, die zum Kampf führten, die gänzlich unzulängliche Alters- und Hinterbliebenen verforgung der Mitglieder und mehr noch der Altpensionäre ist. So z. B. bezog ein noch vor wenigen Jahren an erster Stelle im Ballett tätig gewesenes Mitglied im Januar d. J. eine Bension von 12 M.; Chorfänger mit 40 bis 45 Dienstjahren an der Staatsoper beziehen eine Gnadenpension von monatlich 30 bis 40 M.; diese allerdinas erst seit ganz kurzer Zeit. einen Rechtsanspruch, diefe Gnadenpension ist jederzeit widerruflich. Und darauf haben die betreffenden Mitglieder noch nicht einmal Die Deffentlichkeit mag sich selbst ein Urtell bilden, ob solche Zu stände dem Ansehen des prominentesten preußischen Operninstituts würdig find. Lohnabkommen der Steinarbeiter. Wie uns vom Zentralverband der Steinarbeiter, Bahlstelle Berlin, mitgeteilt wird, ist folgendes Lohnabkommen getroffen worden: Bau- und Wertsteinbranche ab 26. März: Steinmetze 75 Bf., Hilfsarbeiter bis 6 Monate im Beruf 60 Pf., über 6 Monate im Beruf 63 Pf. Grabmalbranche ab 29. März: Steinmeze 72 Pf., Hilfsarbeiter bis 6 Monate im Beruf 50 Pf., über 6 Monate im Beruf 58 Pf. Marmorbranche ab 29. März: Steinmege 75 Pf., Schleifer, Fräser, Dreher usw. 69 Pf., Anfänger bis 6 Monate im Beruf 46 Bf., bis 9 Monate im Beruf 52 Bf bis 12 Monate im Beruf 60 Pf., über 12 Monate im Beruf 69 Pf. Frauen bis 6 Monate im Beruf 29. Pf., bis 9 Monate im Beruf 35 Pf., über 9 Monate im Beruf 40 Pf. Hilfsarbeiter bis 6 Monate im Beruf 58 Bf., über 6 Monate im Beruf 63 Bf. In der Marmorbranche fonnte gleichzeitig die Regelung der Arbeitszeit durch folgende Vereinbarung mit vorgenommen werden: Die normale Arbeitszeit beträgt pro Tag acht Stunden, also pro Woche 48 Stunden. Im Einverständnis mit der Betriebsvertretung tann vorübergehend, d. h. nur in Ausnahmefällen, die Arbeitszeit auf neun Stunden verlängert werden, vorausgesetzt, daß geeignete arbeitslose Marmorarbeiter und-arbeiterinnen nicht vorhanden sind. Diese neunte Stunde wird mit 20 Pro3. Ueberstundenuchlag bezahlt. Die Berteilung der 48 Stunden auf die sechs Arbeitstage bleibt den einzelnen Betrieben überlassen. Die im alten Tarif vom 4. Oftober 1921 festgesetzte halbstündige Vergütung am Stunden vor den hohen Festen( Ostern, Pfingsten und Weihnachten) Schlusse der Arbeitswoche fällt meg. Die Vergütung der zwei bleibt wie bisher bestehen. Die über die normale Arbeitszeit hinaus geleistete Ueberarbeitszeit soll nicht mehr durch Fortfall regulärer Arbeitsstunden ausgeglichen werden. Lohnvereinbarung im Friseurgewerbe. leber das Ergebnis der Lohnderhandlungen berichtete der Obmann der Tariftommission D. Bumblat in einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Arbeitnehmerverbandes des Friseurund Haargewerbes. Mit Wirkung vom 31. März beträgt der Mit Wirkung vom 31. März beträgt der Mindestwochenlohn für Herrenfriseure 20 M., für Damenfriseure 21 M. und für Damen- und Herrenfriseure 23 m. Gehilfen unter 20 Jahren erhalten 18 M., Haararbeiter und arbeite rinnen 21 bis 26 M. Dementsprechend sind auch die Aushilfsfäße geregelt worden. Der Urlaub beträgt bei ein bis zweijähriger Tätigkeit fünf, darüber sieben aufeinanderfolgende Arbeitstage. Beffere Abkommen über die Löhne dürfen nicht verschlechtert werden. Die Parteien sind sich auch darüber einig, daß ein Tarifpertrag abgeschlossen werden foll. Nach lebhafter Diskussion, in der das Bestreben der einzelnen Arbeitgeber, die Arbeitszeit ohne Grund auf 10 Stunden auszudehnen, gebührend beleuchtet und deren Bestrafung verlangt wurde, fand das Abkommen die Zustimmung der Versammelten. Nach Bornahme einer Ergänzungswahl zum Verbandsvorstand wurde auf die Reichstagswahl am 4. Mai aufmerksam gemacht. Der Wunschzettel der Zechenbefizer. Die für Sonnabend in Aussicht genommenen Lohnverhandlungen für den. Ruhrbergbau haben bereits am Freitag nachmittag im Anschluß an eine Besprechung der Arbeitervertreter mit dem Reichswirtschaftsminister in Berlin begonnen. Die Unternehmer haben offenbar ihren völlig ablehnenden Standpunkt in der Lohnfrage aufgegeben. Es Die Rote Fahne" fälscht in ihrer Unschuld das Resultat dahin um, daß die Moskauer vor der Abstimmung die Konferenz verlassen hätten. In Wirklichkeit brachte nach dieser Abstimmung Grabow noch eine Entschließung der Sonderkonferenz vom Bortage zur Kennt nis. Er selbst wollte teine Abstimmung darüber, weil das Resultat nach der vorhergehenden Abstimmung nicht mehr zweifelhaft war. Die Konferenz verlangte dann aber Abstimmung. Auch diese wurde noch in Gegenwart der Moskauer vorgenommen, und nur amei Stimmen erhoben fich mutig dafür. Erst nach diesem Reinfall anschließenden Wahl des Bezirksvorstandes gewählt zu werden. In zogen sich die kommunistischen Strategen zurüd, weil sie wußten, daß von ihnen doch feiner das Bertrauen gewonnen hatte, um in der der Deffentlichkeit wäre demnach nur noch festzustellen, daß für den Allgemeinen Dentichen Gewerkschaftsbund ein Bezirtstartelf für Halle- Merseburg nicht egiftiert, daß die dahinter stehenden Moskauer mit dem Namen ADGB. nur Mißbrauch treiben. Damit gestehen sie die von ihnen vollzogene Spaltung unter Mißbrauch des Namens des ADGB. und zugleich, daß diefer Name doch nicht so schlecht ist, als es von ihnen in der Deffentlichkeit immer hingestellt wird. Der Achtstundentag. In jüngster Zeit wurde da und dort gestrebt, die Geltung des Achtstundentages einzuschränken, doch konnten diese Absichten nicht verwirklicht werden. So hat das Schweizerbolt in Uratftime mung eine Abänderung des auf die Arbeitszeit bezüglichen Ar. tikels des Fabrißgesetzes verworfen, die auf eine Berlängerung der Arbeitszeit abzielte; für die Abänderung wurden 314 009 Stimmen aufgebracht, dagegen 431 341 Stimmen. In Belgien wurde der Antrag Devèze, der eine Revision des Achtstundentags bezweďte, Don der Kammer der Abgeordneten mit 136 gegen 20 Stimmen abe gelehnt. Eine Regierungsvorlage zur Aenderung des Achtstundengefeßes wurde mit 97 gegen 66 Stimmen verworfen. In Defter reich empfahl der Nationalratsausschuß für soziale Berwaltung einstimmig, daß dem Washingtoner Uebereinkommen über den Acht stundentag die verfassungsmäßige Genehmigung unter dem Borbe halt erteilt werden soll, daß das Uebereinkommen dann in Kraft fritt, wenn es von den europäischen Mitgliedstaaten der internatio nalen Arbeitsorganisation, denen die größte industrielle Bedeutung zukommt( Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) und von sämtlichen mit Desterreich in wirtschaftlichem Berkehr stehenden Nachbarstaaten( Jugoslawien, Polen, Schweiz Tschechoslowakei und Ungarn) ratifiziert ift. Achtung, Mitglieder des Berbandes der Buchbinder und Papierdes ausgebrochenen Konflikts der Buchdrucker nehmen unsere Mit verarbeiter in den Buchbindereien und Buchdruckereien! Während glieder eine abwartende haltung ein. Ueberstunden find jedoch auch von unseren Mitgliedern auf jeden Fall zu ver meiden. Die Branchenleitung. J. A.: Herzog Achtung, Maler! Der Stundenlohn für Maler beträgt 70 Bf. Einmütig hat die Ortsverwaltung beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Es wird erwartet, daß die Betriebe refilos dem Beschluß Folge leisten. Die Ortsverwaltung: gez. Schiemann. AfA- Funktionärversammlung am Montag abend 7 Uhr in Haverlands Festfälen, Berlin C., Neue Friedrichstr. 35( Großer Saal). Tagesordnung: Stellungnahme zu der durch die Berbindlichkeitserklärung bes Schiedsspruchs der Berliner Metallindustrie gefchaffenen Situation. Das Erscheinen eines jeden Funktionärs ist unbedingt erforderlich. Das AF- Metallkartell verfammelt fich bereits um 5 Uhr in Saverlands Festfälen. AFA- Metallbartell. Bangewerksbund. Dienstag abend 7 Uhr allgemeine Versammlung der Fliesenleger und Selfer bei Nowotnit, Lange Str. 30. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlungen. Gemertschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Chilowski: Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68.. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Berantwortlich für Politif: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; teuren Süßstoff Zucker! Sophien- Sale Sophienstraße 18 Säle frei Nrd: 9296 Drücken Sie sich bestimmt aus! Sagen Sie nicht Sie möchten, eine gute Zigarette" haben, fordern Sie ausdrücklich die gute MASSARY- Zigarette. Kleine Massary 28 Nr. 163» 41. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Sonnabend, 5. �lpril 1924 Nun geht öas wanöern wieöer an... Vorfrühling-tage durchfluten das Land mit ihrem Sonnenschein. Die Sonne löst alles aus der winterlichen Erstarrung, um neuem Leben Raum zu geben. Doch der Winter ist ein hartnäckiger Ge- sclle, der nicht ohne Kampf dem jungen ins Land schlendernden Lümmel, der keine Achtung vor dem eisgrauen Bart des Herrschers empfindet, dem Frühling, das Feld überlassen möchte. Und dennoch ist in den Menschen jetzt der Bann gebrochen. Soweit soziale Wer- Hältnisse es irgend gestatten, ziehen sie in ihrer sreien Zeit hinaus, einem neuen Naturerlcbnis entgegen. ?n der Jugendherberge. In den Gruppenabenden der Jugend- und Wandergruppen wird der Plan festgelegt. Alles ist bereit und am Sonnabend nach Feier- obend wird schnell das Nötige gepackt. Die Eisenbahn bringt die nicht früh genug das Ziel Erreichenden hinaus. Im Abendschatten wandert sich'? wunderbar dahin durch den schweigenden Wald. Hier und dort noch der Ruf eines Käuzchens, in der Ferne Hundegebell, die Menschen gehen zur Ruhe, zur Erholung von des Tages Last und Mühen. Nur die Wanderer ziehen noch singend ihres Weges, dem Ziel, der Jugendherberge entgegen.— Herbergen gibt es heute überall. Zum Teil haben es sich die Wanderverbände zum Ziel gesetzt, für ihre Wanderungen Stützpunkte in Form von Hütten und Heimen zu schaffen— in den Kreisen der Arbeiterschaft ist es vor allem der bekannt« Touristenoerein.Die Naturfreunde". der auf diesem Gebiete Vorbildliches leistet—, zum Teil sind es Freunde der Jugend, Staat und Kommune, die weite Gebiete Deutschlands mit einem au giebigen Netz von Jugendher- bergen überzogen und so einem urwüchsig-frohen Leben Heimstätte boten. Vieles ist hier noch unvollkommen, vieles gilt es noch zu schaffen. Der Wanderbewegung aber bietet auch das bis jetzt Er- reichte schon Erleichterung und Antrieb zu neuem Tun genug.— Der Führer jeder Wandergruppe hat sich frühzeitig darum bemüht, eine Unterkunst für seine Gruppe festzulegen. Wenn dann die Schar singend einzieht, gilt es nur noch einige Formalttäten zu erledigen und die Aufnahm« ist vollzogen. Ein frohes, buntbewegtes Leben und Treiben entwickelt sich jetzt. Die Mzd«ls S«hen an die B e° reitung des Abendessens— Gemeinschaftsgeist durchwebt ja den Kreis der gesamten Wanderbewegung—, die Burschen er- ledigen einige andete nützliche Arbeiten: hier wird schnell für den Bedarf der Herberg« noch ein wenig Holz gespalten, dort ist einer mit der Wiederherstellung einer reparationsbedürftigen Tür beschäftigt usf. Nach Feierabend aber macht sich alles in dem großen Ausenthaltsraum bequem. In der Eck« am dickbauchigen Ofen hat sich die musikalisch„erleuchtete" Gruppe zusammengefun- den: Lautenspiel und- Liedersang erfüllen den Raum; in einer anderen Ecke haben sich ein paar Diskussionswütige niedergelassen deren Redestrom kein Ende finden kann. Anlaß dazu findet sich leicht, denn in diesen Herbergen ist oft di«»ugend vom rechten bis zum linken Flügel des poetischen Lebens anzufinden. Da gilt es neue Gedanken aufzunehmen, zu verarbeiten und im Widerstreit der Weltanschauungen gute und sachliche Gegengründe darzulegen. In den Nebenraum hat sich eine stille Gruppe zurückge. zogen die der Vorlesung eines ihrer Freund« aus einer Dichtung lauscht. Gegen 10 Uhr wird aber diesem Zufnmmensein vom Heim- wart oder Herbergsvater ein grausames Ende bereiter. Die Lager warten i h r« r G ä st e. Durch IelS und Walö... Am Morgen ist alles früh bereit. Di« Kühl« des Dorstüh- lingstagcs schreckt nicht mehr; ein fröhlicher Abschied, ein tüchtiger Marsch bald erfüllt Jugendlust wieder die wandernde Gruppe. Biel gibt es jetzt zu schauen. Ernsthaft wandernd« Jugend ist nicht kilometerwütig, ist nicht radoulustig und oberfläch- lich- ernst wandernde Jugend will schauen und lernen, will die Ge- setze der Naturgestaltung erkennen, um dereinst im Lebenskampfe feinen Posten im Interesse der gesamten Menschheit voll und ganz ausfüllen zu können. Und dennoch entbehrt dieses Wandern nicht des hetteren Zwischenspiels, denn Jugend hat das Recht, heiter und lebenslustia zu fein. Jugend, dve nicht einmal immer nach Jahren gerechnet— mehr zu den ganz Jungen geHort In Sang und Spiel begrüßt alles den nahenden Frühling.— Manch stille Mittags st unde, vom Spiel der Sonnenstrahlen durchleuchtet. gestattet schon ein beschauliches Lagern im Freien. Schnell sind di« Kochtöpfe bereit. Der nahe See spendet ausreichend Wasier und der selbstbereitete„Rumpfutsch" mundet schließlich— voraus- gesetzt, daß er nicht allzu sehr verbrannt und versalzen ist, immer noch am besten. Nach dem Essen folgt das Spiel. Stun- denlang kann man sich evenwell am Volkstanz ergötzen, man dürfte nur nicht so oft vergessen, daß es noch ernstere Lebensfragen gibt. Das haben ander«, die ernsten„Profesioren", wohl erkannt, und so sieh! man sie in einer stillen Ecke zusammengekauert liegen, eifrig im neuesten Werk dieses oder jenes Geistes Helden schmökern. Auswüchse des Manderns. Aber auch noch andere Themata gibt es hier in den Diskufsions- stunden während der Rast zu behandeln. Alte und neue Erfah- rungen gibt es auszutauschen, die man bei der Fahrt gesammelt hat. Die Gegenwart mit ihrer gesellschaftlichen Zerriitning brachte auch eine ansteigende Tendenz im Wandern selbst mit sich. Immer größer wurde die Schar der Alten und Jungen, die des Sonntags der Großstadt zu entrinnen suchte. Die nahe Umgebung der Stadt mit ihren weiten Ausflugsanlagen gibt Kunde davon, daß«in Sonn- tagswanderer auch nicht immer«in Naturfreund i st. Davon zeugen nicht nur Papier und Eierschalen auf den Lager- Plätzen, davon zeugen auch die Riesenzweige und Büsch«, die des Abends mit heimwärts wandern müssen, um das kahle Heim ixs Großstadtbewbhners mit Lebendigkeit zu erfüllen und zu durch- wirken.— Noch schlimmer aber steht es um die Wanderbewegung, deren Glieder erfüllt sind von der Doppelmoral der gegen- wärtigen Kultur, deren Mitglieder den Einflüssen nietüiger, im Krieg gezüchteter Instinkt« ausgefetzt waren. Abenteuerlust und Betätigungsdrang treiben oft schlimme Früchte. Das Gebaren der sogenannten„Man der krähen" gibt hier«in lebendiges Bei- spiel. Es nützt nichts, wenn der„anständige" Wanderer sich diesen Elementen fernhätt. Auch sie sind schließlich Opfer der Zeit und können nur im Kampf mit allen ungesunden Mächten zu nützlichen Menschen erzogen werden. Heute aber gilt es durch ernste Auf- klärungsarbeit unter wohlwollender Unterstützung aller Volkskreise dem Wanderflegeltum die Spitzen abzubrechen. » Schneller und schneller vergehen bei Spiel und Tanz, bei ernster Diskussion die Stunden. Die Sonne neigt sich und bald rüstet alles zur Heimfahrt. Noch einmal schallt ein kräftiges Lied -in den Wald hinein, noch einmal gellt ein heller Jauchzer durch die Lüfte.... Der Zug harrt schon der Wanderlustigen, di« bald im Stadium verpackter Heringe der großstädtischen Heimat zueilen.... Ein neuer Tag wird neue Arbeit, neue Mühsal bringen, doch ein wanderfrohes Herz wird immer und ewig dem Herben die an- n«hmbetze. Unter den sozialdemokrattschen Mitgliedern des Berliner Ma- gistratskollegiums ist der Stadtschulrat Paulsen derjenige, den die Bürgerlichen mit ihrem giftigsten Haß verfolgen. In der Stadtvcrordnetenverfammlung g«bt keine Schuldebatte vorüber, ohne daß die Redner der bürgerlichen Mehrheit von den Deutschnotionale» bis zu den Demokraten sich in hämischen Ausfällen gegen Paulsen gütlich tun. Und der bürgerlichen Presse ist kein Märchen zu albern, es zu Verunglimpfungen des sozialdemokratischen Stadtschnlrats auszuschlachten. D«r Scherlsch«„Tag" hat ihm sogar das aufs Konto gesetzt, daß für die höheren Schulen ein stärkerer Abbau der Lehrkräfte als für die Volksschulen vorgesehen sei. Das wird von dem Blatt daraus erklärt, daß Stadtschulrat Paulsen„als ehemaliger Volksschullehrer fast nur Ver- ständnis und Interesse für die Gemeindeschulen besitzt". Mif. diesem Vorwurf soll den Lesern und Leserinnen des deutschnationalen„Aach' noch mehr als Paulsen die.Sozialdemokratie denunziert werden„W — schrecklich!— einen„ehemaligen Volksschullchrer" zum des gesamten Schulwesens der Stadt gemacht hat. Von Paulsens Verständnis und Interesse für die Volksschulen oder für die höheren Schulen wird der Verfasser jener Notiz wohl nicht mehr verstehen als die Kuh vom Orgelspiel. Im übrigen ist nicht der Berliner Stadt- schulrat Paulsen, sondern der» p r c u ß i s ch e Unterrichts- minister Boelitz verantwortlich für die Abbaumaßnahmen, über die der,„Tag" in seiner Sorge um die höheren Schulen sich so enegt. Daß an den höheren Schulen eine größere Zahl Lehrkräfte „überflüssig" wird, ist unter anderem aus die Erhöhung der Pflicht- stund«nzahl für die Lehrer der höheren Schulen zurückzuführen. Diese Maßregel ist aber durch den Unterrichtsminister angeordnet worden. Trotzdem wird auch sie zum Anlaß eines Ausfalles gegen Stadt- schulrat Paulsen genommen. Gegen Paulsen muß eben gehetzt werden um jeden Preis. „ lNachdruck durcki Molik-Derlaa. Berlin.) 69] Der Durger. von Leonhard Krank. Vor dem Schlafengehen nahm Jürgen Brom, wusch sich kalt ab. schlief fest, träumte schwer, wußte am Morgen nicht mehr, was er geträumt hatte, erschien pünktlich im Bureau. Die Beamten beobachteten ihn unausgesetzt. Aus dem Rückwege zur Haltestelle blieb Jürgen stehen, berührte mit seinem Spazierstockgriff die Brust des Partners. der nicht da war, und erklärte:„Die Sache oerhält sich anders. Hören Sie gut zu," ging weiter, nach der Seite hin sprechend. Seine Hände gestikulierten. Er blieb stehen. Lachte.„Das war ein Witz."«Aber ein recht guter Witz." sagte der Partner.„Nun. es geht," gab Jürgen zu. schritt aus.„Sehen Sie, da sprach ich letzthin mit Katharina.. „Was sagte ich eben?" fragte er entsetzt sich selbst und zog den Kopf ein. schwieg. Und schon nach zehn Schritten begann er ein neues Ge- spräch. Der Partner konnte ein fremder Mensch sein, den Jürgen kurz vorher in der Bant gesprochen, ein Kind, das ihm nachgesehen hatte, die schon längst verweste Tante. Jürgen, der Student, war anfangs nur sekundenlang der Partner des zweiundvierzigjährigen Jürgen. Denn Jürgen versah den Studenten sofort mit einem Vollbart, setzte ihm eine Brille auf, zog ihm einen Pelzmantel an, so daß er an einen fremden Herrn seine Worte richten konnte. Aber späterhin wehrte sich der Jüngling erfolgreich gegen die Ver- kleidung, ließ Mantel, Brille und Bart fallen, wurde ge- dankenschnell zum Studenten und erklärte mit ruhiger Stimme dem Zweiundvierzigjährigen:„Sie sind ein ganz niederträch- tiges, verräterisches Nichts.". „Warum bin ich ein Nichts? Erlauben Sie mir. Der Student, der die abgeschnittene Hose trug, auf die das Hinterteil aufgenäht war in Breechesschwung, wies genau nach, weshalb Jürgen ein Nichts sei, hielt eine feurige Rede, geriet in Begeisterung. Jürgen hörte verzückt zu und ver- suchte, selbst in dieser Tonart weiterzusprechen: von Hingabe, Kampf und Zielen. „Halt, das sage ich. Ich sage das. Sie haben nicht das «Recht, so zu sprechen. Sie haben dieses Recht verwirkt," Da ließ Jürgen dem Studenten sofort wieder einen Voll- bart wachsen. Aber als er ins Wohnzimmer trat, erblickte er den Studenten, der lebensgroß an der Wand lehnte. Etwas verschwommen, fern, oergangen. Und ungeheuer gegen- wärtig. „Das ist ja großartig," rief Jürgen frisch, stellte den Spazierstock in die Ecke und sich selbst cor das Bild.„Du gefällst mir... Je, je, weshalb denn gar so ernst! Schlechte Geschäfte?" Die Photographie antwortete nicht. „Nein. nein, entschuldige. Ein Scherz! Soll nicht mehr vorkommen." Er schritt zur Tür, wollte Phinchen rufen und ihr das Bild zeigen. „Sind nicht vorhanden." „Wer ist nicht vorhanden?" Jürgen war herumgeschnellt j ganz deutlich hatte er die drei Worte gehört, die laut und tonlos gesprochen worden waren. Er starrte hinaus in den Garten, Da war niemand. Auf den Zehenspitzen schlich er zum Bilde zurück, wiederholte gedankenverloren:„Wer? Wer ist nicht vorhanden?" Ging zur Tür, Phinchen zu rufen. „Sie sind nicht vorhanden." Er ließ die Türklinke los und trat, beide Hände in den Hüften, wieder knapp vor das Bild hin.„Nein, Sie, mein Lieber, Sie sind nicht vorhanden. Sie sind ganz gewöhn- liches Bromsilberpapier. Verstanden!" „Ich bin da. Ich bin." Die Photographie deutete mit dem Zeigefinger auf Jürgens Brust:„Sie dagegen nicht. Was von Ihnen da ist, bin ich. Aber ich habe mit Ihnen nichts mehr gemein. Also sind Sie gar nicht mehr vor- handen." Da packte Jürgen die schmal gerahmte Photographie und stellte sie mit der Bildseite gegen die Wand.„Und was sind Sie jetzt, he? Nichts als Pappe! Ganz gemeine graue Pappe!" Er trat zurück. Und sah, von unermeßlichem Entsetzen geschüttelt, zu, wie das Bild auf der Papprückwand erschien, und hörte die bekannten Worte:„Ich versichere Ihnen, so wahr es ist, daß sehr viel mehr als neunundneunzig Prozent aller Zeit- genossen, die so viel von Seele schmusen, in gar keiner Weise mehr von ihrer Seele gestört werden, so wahr ist es, daß bei gewissen Jndiriduen in gewissen Momenten die Seele spie- lend leicht durch den Schutzwall durchschlüpfen und ihr vor- bestimmtes Recht verlangen kann." Die Photographielippen hatten sichtbar die Worte geformt. „Du Lump bist nichts als Pappe," brüllte Jürgen, stürzte hinaus, zerrte Phinchen vor das Bild,„Dreh es um!... Wer ist das?" „Das ist der gnädige Herr, wie er jung war." Phinchen bekam vor Rührung nasse Augen. „Also ich bin das, nicht wahr, ich?" „Wie Sie jung waren." „Das heißt doch aber: ich bin es. Ich!" „Ja, wie Sie früher waren." „Jetzt sage mir: wen hast du lieber, den da oder mich?" „Sie natürlich, gnädiger Herr! Das ist ja nur eine Photographie." „Das ist ein Irrtum. Ich bin er. Und er ist ein Nicht»." Jürgen führte Phinchen schnell in die Küche.„Sag mir, Phinchen. hast du ihn sprechen hören, den da drinnen?... Nein, schweige! Ich will nichts wissen." Schnelle Schritte stellten ihn wieder vor das Bild l>i?z. „Hör mal. du bist nichts als eine Photographie und kostest mich soundso viel. Mit Rahmen.., Hier ist die Rechnung." „Sie irren sich. Ich bin alles, was Sie verraten haben, und koste Ihnen den Verstand," „Das wollen wir sehen." Er stieg sofort ins Bad, duschte sich niinutenlang kalt ab, schluckte Brom und legte sich ins Bett. Die Photographie stand im dunklen Wohnzimmer. Lebensgroß. Jürgen saß aufrecht im Bett und glotzte durch sechs Wände durch auf die Photographie. „Sie hat Augen. Sie blickt.., Kann man einen Blick photographieren? Ob wohl mein Blick von damals auch mitphotographiert, ganz genau, wie er war, mitphotoaraphiert worden ist?... Und das, was hinter dem Blicke ist? Was hinter einem Jünglingsblicke ist?: Sehnsucht, Bereitschaft zur Hingabe, die großen Gefühle— die Seele? Wurde damals auch meine Seele mitphotographiert?" Jürgen sah deutlich den Jünglingsblick, der als große Frage an das Leben in den Augen stand. Ohne die photographierte Frage an das Leben aus den Augen zu lassen, legte er den Kopi langsam und sanft aus das Kissen, schlief ein. Und im Schlafe war nichts auf der Welt, als feine Augen und die zwei photographierten Augen. Die Blicke der zwei Augenpaare trafen sich stundenlang, bis dieses lautlose Sichtreffen der Blicke Jürgen aus dem Schlafe hob. Die brennende Kerze in der Hand, schlich er ins Wohn- zimmer, vor das Bild hin.„Und wenn ich nun," sagte er und nahm das Bild aus dem Rahmen,„mich in den Rahmen stelle?"(Fortsetzung folgt.) Das wertbeständige Osterei. Noch sind zwar ein paar Wochen hin bis Ostern, aber der Ge: schäftsmann, der etwas auf sich hält und auf der Höhe sein will, hat natürlich heute schon seine Schaufenster entsprechend deforiert. Ostereier hat es ja immer in Berlin gegeben, felbst in den schwersten Zeiten des Krieges und in der schlimmsten Inflation. Aber sie waren auch danach, diese Ostereier! Weiter nichts als Schaum und ein wenig goldener Flitterfram ringsherum, und alle großen und fleinen Kinder mußten mit diesen primitiven Ostereiern vorlieb nehmen. Heute aber und zu diesem Ostern hat das Osterei einen wesent lich anderen Charakter und ein durchaus stattliches Aussehen. Bir haben doch jetzt die Rentenmart, und die Goldnotenbank wird kommen, und alles ist wertbeständig, und alle Welt schwimmt in Bonne ob der guten und glücklichen Zeiten. Kein Wunder, daß unter diesen Umständen in den Schaufenstern der großen Geschäfte wieder die kostbarsten Ostereier aus Marzipan, Zucker und Schokolabe prunten und progen, wie man sie vor dem Kriege allenthalben in Berliner Geschäften bewundern konnte. Aber das richtige wert. beständige Osterei von heute sieht doch noch ganz anders aus. Das findet man in den Gold- und Juwelierläden und es zeigt in einer föstlichen, fein ziselierten und fünstlerisch geschmückten Hülle einen Brillantring oder ein Armband oder sonst ein Schmuckstück. Manche der Juweliere haben noch ein Platat in das Schaufenster gehängt, auf dem steht zu lesen: Jetzt ist die beste und günstigste Zeit, Gold und Edelsteine zu kaufen. Man steht sinnend davor und denkt: Ja, ja, diese Geschäftsleute, die verstehen ihre Zeit, die wissen ganz genau, daß heute alle Welt die Taschen voll Geld hat, nicht weiß, wohin mit dem Segen und es nun, um den überflüssigen Ballast loszuwerden, beim Goldschmied und Juwelier ausschütten. Aber nun gibt es noch ein wertbeständiges Osterei: doch das ist nur für den armen Teufel, und man muß sich eigentlich schämen, im Zusammenhang mit dem goldenen und brillantbeseßten Osterei von diesem ach fo fimplen Osterei zu sprechen. Das ist nämlich das ganz kommune Hühnerei. Leider liegt die Sache aber so: Der arme Teufel wird froh sein, wenn er fich zu Dftern dieses fimple Osterei leisten kann, und die Geschäftsleute, die, wie gesagt, ihre Zeit verstehen, die Preise für Eier nicht dermaßen erhöht haben, daß sie für den Minderbemittelten unerschwinglich find. Gesundheitswesen Nebensache? Den Stadtmedizinalrat Dr. Rabnow hat man abgebaut Er gehört zu den Magistratsmitgliedern, die am 1. April ausge fchieden sind. Wer soll in der Leitung des Gefundheitswesens der Stadt fein Nachfolger werden? Einstweilen behilft man sich in der Weise, daß der Stadtmedizinalratsposten unbesetzt bleibt und das verweiste Dezernat von einem Nightfachmann mit besorgt wird. Die Unmöglichkeit, diesen Zustand auf die Dauer bestehen zu lassen, wird in einem Gutachten dargetan, mit Sem Die Bereinigung der ärztlichen Dezernenten und der Stadtärzte in den Berwaltungsbezirken" fich im März über die Notwendigkeit der Stadtmedi. 3inalratsstelle geäußert hat. Gerode die Gesundheitsfürforge ist jetzt wichtiger als je, und weniger als je läßt jezt die Rückentwicklung fich rechtfertigen, die sich in Berlin mit dem Abbau der Stadtmedizinalratsstelle vollzogen hat. Das Gutachten meist hin auf die Abnahme der Geburten und die Zunahme der Sterblichkeit, auf die Mehrung besonders der durch Lungenschwindfucht herbeigeführten Sterbefälle, auf die notgedrungene AbStumpfung weiter Kreise der Bevölkerung gegen Schmutz, auf die baraus fich ergebende Gefahr der Verbreitung von Seuchen, z. B. von Typhus. In dieser Zeit allgemeiner Not fann nur eine Organisation des öffentlichen Gesundheitswesens unter Leitung eines Sozialhygieniters die Bevölkerung vor dem Schlimmsten bewahren, aber dieser Leiter muß nicht nur technischer Gutachter, fondern felber Mitglied des Magistrats sein und an allen Sigungen teilnehmen fönnen, damit die dem Laien nicht sogleich sichtbaren Zusammenhänge erfaint werden, die das Gesundheitswesen mit allen 3weigen der Stadtverwaltung perknüpfen. Die Bereinigung der ärztlichen Dezernenten und der Stadtärzte in den Verwaltungsbezirken" schließt sich einer vom Borstand der Berliner Aerztekammer schon vor zwei Jahren beschlossenen Erklärung an, die auf die Mangelhaftigkeit der Entwidlung des öffentlichen Gesundheitswesens hinwies, vor weiterer Einschränkung durch Abbau gesundheitlicher Einrichtungen warnte und zur Berhütung von Schaden forderte, daß die leitenden Etellen in Reidy, Staat und Gemeinden mit fachverstän Digen Aerzten besett bleiben. Amt ,, Bismard". Am 13. April wird auf dem Grundstücke Berfin 15, Liegenburger Straße 35, eine neue FBSt. mit der BeBismard" eröffnet, an die gleichzeitig eine größere Bah! zeichnung von Teilnehmeranschlüssen herangeführt wird, die bisher zur BSL Steinplay gehören. Es wird dringend empfohlen, vor Anforderung von Berbindungen mit Teilnehmern des Amtes Stein platz aus dem Fernsprechbuche festzustellen, ob die Nummer des verlangten Teilnehmers unverändert geblieben, oder ob der Anschluß nach dem neuen Amte Bismard, unter Umständen mit geänderter Nummer, umgeschaltet worden ist. Nur dann können Verbindungen ohne Zeitverlust hergestellt und verzögernde Nachfragen bei den anfangs start belasteten Auskunftsstellen vermieden werden. In den ersten Tagen dürfte bei Inanspruchnahme der neuen Bermittlungsstelle einige Geduld und Zurüdhaltung am Blaze fein, damit die Beseitigung der in der neun Einrichtung etwa noch vorhandenen Fehler nicht leidet. Der Betrieb der neuen Bermittlungsstelle Bismard ist dem FA. Berlin- Wil- schaft ein, nach welchem Eich wegen des Todes feiner mersdorf 2, Liehenburger Straße 35, unterstellt. Die neue Fern Sprechvermittlungsstelle Oliva" wird später eröffnet. Die neue felbfttätige Fernsprechvermittlungsstelle in Potsdam wird am 6. April in Betrieb genommen werden. Alsdann wird der Fernsprechverkehr von Groß- Berlin nach Potsdam( nebst Nowawes) und umgekehrt durch das Zwischenamt Nitolas in Berlin- Stegliz vermittelt. Bei Verbindungen nach Potsdam und Nowawes meldet der Groß- Berliner Teilnehmer dem eigenen Amte an: Potsdam" Nummer X und wiederholt diese Angaben dem sich hierauf meldenden Amte Nikolas. Große öffentl. Kundgebung! Morgen, Sonntag, 6. April, vormittags 9%, Uhr, in der Brauerei Friedrichshain( Großer Saal). Tagesordnung: „ Das Münchener Urteil gegen LudendorffHitler ein Freibrief für Hochverräter!" Redner sind die Reichstagsabgeordneten Wilh. Dittmann und Rechtsanwalt Dr. Paul Levi. Genossen! Gestaltet diese Versammlung zu einer eindrucksvollen Rundgebung gegen die Münchener Justizfch mach. Agifiert nach Kräften unter allen rechtlich Denkenden für einen guten Besuch. Abenteuernde Verbrecher. Opfer wirtschaftlicher Not und unglüdlicher Ehen. Einen Rattenkönig von Strafverfolgungen haben sich der Buch halter Adam Eich und der Schlosser Karl Zimmermann, beide Landsleute aus Offenbach a. M., zugezogen, denn sie werden wegen Mordverdachts, Sittlichkeitsverbrechens, Doppelehe, Diebstahl, Betrug, Unterschlagung, schwerer und einfacher Urkundenfälschung und Begünstigung von den verschiedensten Behörden des Reichs in Anspruch genommen. Ein fleiner Ausschnitt ihrer Straftaten tam und es entrollte sich dabei eine abenteuerliche Verbrecherlaufbahn. jezt pot der Straftammer des Landgerichts III zur Aburteilung Die Angeklagten hatten schon in frühen Jahren Bekanntschaft mit dem Gefängnis gemacht. Eich vertüßte in Darmstadt eine dreis jährige Gefängnisstrafe und meldete sich im Jahre 1918 freiwillig zum Kriegsdienst, weil er hoffte, auf diese Weise von der weiteren Strafhaft befreit zu werden. Er hatte aber dabei Bech, denn faum war er Soldat geworden, als der Krieg zu Ende nar. Der Staatsanwalt wollte ihn wieder in Haft nehmen, aber Eich nahm den Namen Munch an, fälschte sich die dazu nötigen Papiere auf den Namen eines Kaufmanns aus Thann im Elsaß und erlangte bei der Flüchtlingsstelle Unteritüßungsgelder und freie Bahnfahrt nach Bromberg, wo er bei der Reichswehr eintrat. In Bromberg lernte er ein Mäd: chen kennen und heiratete fie, obwohl er bereits in Offen. bach verheiratet war. Hier traf er auch wieder mit seinem Landsmann Zimmermann zusammen, der ebenfalls flüchtig war und fich Köhler nannte. Beide gerieben unter Mordverdacht und flüch beten aufs neue. Bor seiner Flucht hatte Zimmermann unter dem Namen Röhler ebenfalls eine Doppelehe abgeschloffen, denn auch er hatte Frau und Kind in Offenbach zurückgelassen. Bald darauf verging fich Zimmermann in Schneidemühl, wo die beiden Angeklagten im Jahre 1920 mit anderen falschen Päffen wieder bei der Reichswehr eingetreten waren, an einem 12jährigen Mädchen. Darauf flohen fie nach Charlottenburg. Eich arbeitete hier bei einer Filmgesellschaft und später war er zusammen mit Simmermann bei einer Zigarettenfabrit in Berlin und Muskau tätig. Auf allen Stellen begingen fie Diebstähle und Unterschlagun gen. Als Gich im Bellengefängnis in der Lehrter Straße in Unterfuchungshaft faß, versuchte er seine Erfahrungen als erprobter UrDas Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 5. April. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Unterhaltungsmusik. 7-7.30 Uhr: Schuhe und Handschuhe". 8.30 Uhr: Bunter Abend. 1. a) Zarenlied aus der Oper Zar und Zimmermann" von Lortzing; b) Arie aus der Oper Der Wildschütz von Lortzing( Heinrich Blasel, von der Großen VolksKlarinettist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 3. Arie 2. Concertino von Weber( Ernst Fischer, Solooper, Berlin). der Undine aus der Oper, Undine" von Lortzing( Charlotte Lindemann, von der Staatsoper). 4. Heitere Rezitationen( Karl Schneg, von der Wilden Bühne, Berlin). 5. a) Lied des Bombardon aus der Oper„ Das goldene Kreuz von Brüll; b) Wenn man beim Wein sitzt, von Abt( Heinrich Blasel von der Großen Volksoper, Berlin. von 6. a) Venetianisches Gondellied, MendelssohnBartholdy( Charlotte Lindemann von der Staatsoper). 7. Variationen Bartholdy; b) Auf Flügeln des Gesanges, von Mendelssohnüber den Sehnsuchtswalzer von Schubert, von David( Ernst Fischer, Soloklarinettist des Berliner Philharmonischen Orchesters). Am Flügel: Otto Urack. Die fundenfälscher auch zu verwerten, um seine Flucht aus dem Ges fängnis zu bewerkstelligen. Eines Tages lief tei der Gefängnis. verwaltung ein Schreiben der Oberstaatsanwalt. Mutter Strafurlaub zu gewähren sei und er fofort entlassen werden sollte. Aber das angebliche Schreiben des Oberstaatsanwalts stellte sich als eine raffinierte Fälschung heraus. Eich war in der Schreibstube des Gefängnisses beschäftigt und hatte Zugang zur Schreibmaschine und zu den Bapieren, auf denen fich der Stempel der Staatsanwaltschaft befand. Rechtsanwalt Angeklagten waren im allgemeinen geständig. Müller- Stromener schilderte dem Gericht in eindringlicher Weise, daß Eich ein Opfer der Verhältnisse geworden sei. Wirtschaftliche Not und eheliches Unglüd hätten ihn zu den strafbaren Handlungen geführt. Das Gericht verurteilte ihm in Be rücksichtigung dieser Gründe wegen Urkundenfälschung, Unterschlagung und Doppelehe zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis. Bei Zimmermann jah das Gericht das Sittlichkeitsverbrechen an einem 12jährigen Kinde ernster an, erkannte hierfür auf ein Jahr Gefängnis und schließlich auf eine Gesamtstrafe von einem Jahr drei Monaten. Beide Angeklagte erkannten den milden Urteilsspruch an und verzichteten auf jedes Rechtsmittel. Sie haben sich nun aber noch wegen einer ganzen Reihe weiterer Straftaten bei verschiedenen Gerichten zu verantworten und auch ihre alten Strafen noch abzufigen. Gegen das patriotische" Singen in Potsdam. Ein Trupp Bismat dbündler fam vor etwa drei Wochen pon einem Ausflug in geschlossenem Zuge, das Lied D Deutschland hoch in Ehren" fingend, 20 Minuten nach 10 Uhr in Botsdam an. auseinanderzugehen und mit Singen aufzuhören. Später erfolgte Sie wurden von einem Schupomann aufgefordert, Anzeige, und der Bocsitzende des Bundes, Frizz Bornemann, erhielt einen Strafbefehl wegen ruheftörenden Lärms und Bergehens gegen die Berordnung des Reichswehrkommandos IlI. B. legte gegen seine Bestrafung vor dem Betsdamer Schöffengericht Einspruch ein und begründete diesen damit, daß die Bündler sich nicht denken fonnten, daß ein deutsches Lied in Potsdam als rubeftörender Lärm aufgefaßt werden würde. Auf die Frage des Borsigenden, ob der Bund politisch sei, meinte der Angeklagte:„ Nein, Herr Borsitzender, nur deutschnational, aber bis zum äußersten". Das Urteil erging dahin, baß der Angeklagte 311 30 Goldmart verurteilt wurde. Bei der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß die Kundgebung ja nicht gerade einen speziell politischen Zwed verfolgt habe, andererseits werde aber durch Umzüge und Gesänge nur Aufregung in das Publikum getragen. Hochwassergefahren im Warthebruch. Küftriner Pioniere zur Hilfe. Das Seit Donnerstag führt, wie aus Viez an der Ostbahn gemeldet wird, die Warthe Hochwaffer. Das Dorf 3oom wurde vormittags von der Hochwasserwelle überrascht. Die Häuser auf dem 3ochower Anger stehen teilmeise vollständig unter Baffer. Das Bieh mußte auf Booten in das Dorf geschafft werden. Hasen und Rehe find auf den Wiesen ertrunken. Borsichtsmaßregeln in den übrigen Ortschaften des oberen Warthebruches tamen zu spät. Barthetal gleicht einem See. Bei Bepriz drängt das Waffer bis an den Bahndamm. An der Fähre bei Fichtwerder, bei der Bieber Ablage, droht das Wasser den Wall zu überfluten. Ober halb Schwerin stehen viele Gebäude im Waffer. Es sind bereits wei Dammbrüche zu verzeichnen. Rüstriner Pioniere find zur Hilfeleistung abgegangen. Flutwelle an der Küste von Benebig. Aus Benebig wird gemetbet, daß in der letzten Nacht eine schwere Flutwelle die Rüfte dort heimgefucht hat. 30 große Billen find wegge. schwemmt, viele andere schwer beschädigt. Eine Anzahl Schiffe ist gefentert. Viele tausend Schritte machst du täglich. Jeder Schritt bedeutet Kraftverlust, erschüttert auf harten Lederabsätzen das Nervensystems and bringt vorzeitige Ermüdung. Die Continental Absätze aus bester Gummimischung legen ein federndes Kissen zwischen Absatz u. Straße, schonen die Nerven w. lassen keine Müdigkeit aufkommen. Sie sind billiger und haltbarer als Leder. Millionen im Gebrauch. Ontinental Absätze und Sohlen Zu haben bei jedem Schuhmacher. So gut wie Continental- Relfenl Durch Besitz eigenen orientalischen Bodens, der sich durch seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit ganz besonders für hochqualifizierten Tabak eignet, ist mir eine intensive Beehung zu den Rohstoffquellen für die Zigarette eröffnet worden, wodurch elbst bei den niedrigsten Preislagen eine hochwertige Mischung dem verwöhntesten Raucher gewährleistet wird. Telepath 2 28 ASORY ASO Tele Ohne Mundstück dick, rund Mit Goldmundstück Mit Korkimundstück Groß- Berliner Parteinachrichten. BSPD. Feuerwehr. Mitgliederversammlungen am Mittwoch, ben 9. April, und Donnerstag, den 10. April, abends 7 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sof. Tagesordnung: 1. Die tommenden Reichstagswahlen. Referent Genosse Teste. 2. Die Stellungnahme der Feuerlöschdeputation zur Berringerung des Feuerschutes. Referentin Genoffin Fraut Bern. 3. Bericht: Stand der Abbauderhandlungen bei der Feuerwehr. Referent Genosse Meister. Sympathisierende Kollegen find eingeladen. Der Werbeausschuß. 1. Kreis Mitte. Gonntag, den 6. April, vormittags 9 Uhr, erweiterte Vorftandssitung bei Spiegel, Aderstr. 1. Kurze, wichtige Besprechung, Aus gabe des Materials. Die Ordner treffen sich Sonntag vormittag 9 Uhr im Friedrichshain. 3. Kreis Webbing. Sonntag, den 6. April, Schulentlassungsfeier der Arbeiterjugend Gesundbrunnen im Schiller- Anzeum, Bant, Ede Böttger ftraße. Beginn 7½ Uhr Eintritt 30 Bf. Gäfte willkommen. 8. Kreis Wilmersdorf. Sonntag, den 6. April, vormittags 10% Uhr, Sigung des Wahlkomitees bei Rollath, Heidelberger Blog 1. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. 17. Kreis Lichtenberg und Außenbezirke. Gonntag, den 6. April, nachmittags 4 Uhr, in der Aula der Mittelschule Marktstr. 10/11, öffentliche FrauenLundgebung. Referentin Genoffin Riedger. Gefang, Rezitationen, Bolts fänge. 19. Kreis Bantow. Sonntag, den 6. April, von 2-4 Uhr Agibationsver. fammlung für die Frauen bei Lindner, Breite Straße. Ansprache ber Genossin Gener. Heute, Sonnabend, den 5. April: 24. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung mit den Ordnern bei Schütt, Belterftr. 2. Neukölln. 91. Abt. 7½ Uhr Funktionärsigung bei Lübbede, Fontane, Ede Karlsgartenstraße. 93. Abt. 7 Ühe Funktionärsigung bei Güngel, Maresch str. 1. Stellungnahme zu den Borstandswahlen. 85. Abt. 7½ Uhr bei Rösler, Steinmeßftc. 46, Funktionärsigung. Morgen, Sonntag, den 6. April: 16. Abt. Bormittags 9 Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 79, Gigung aller Funktionäre und Wahlhelfer. 40. Abt. Ab 5 Uhr nachmittags Familienabenb im feinen Saal der Bod. brauerei, Fidicinstr. 2-3. Eintritt 50 Pf. Genoffinnen und Genoffen der Nachbarabteilungen find eingeladen. 74. Abt. Rehlendorf. Die Genossen und Genoffinnen werben gebeten, fich mit ihren Kindern sowie mit Freunden und Bekannten recht zahlreich an der ersten Jugendfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend 8ehlendorf abends 7 Uhr in der Gildschule, Wilhelmstraße, zu beteiligen. Es werden Rezitationen von Freiheitsgedichten, Chorgefang. Boltstänge und ein luftiges Sans- Sachs- Spiel geboten. Eintritt frei. 103. Abt. Oberschöneweide. 7 Uhr im Luisenhof, Buifenhofftraße, Mitglieder. versammlung mit Unterhaltungsabend. Erscheinen der Frauen befonders erwünscht. Referentin Genoffin Todenhagen. Sozialdemokratische Stubentenvereinigung. Abends 7% Uhr bei Beidler, Rald reuthstr. 4, Bortrag des Genossen Dr. Sans Wefemann:„ Das foziale Broblem im Spiegel deutscher Dichtung". Gäste willkommen. Jungsozialisten. Gruppe Süben: Gruppenfahrt ins Nuthe- Tal. Treffpunkt 7 Uhr früh Potsdamer Bahnhof. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Bereinigung der Freunde von Religion und Bölkerfrieden. Am Sonntag, ben 6. April, vormittags 10 Uhr, hält Genoffe Pfarrer Bleier einen Bortrag über bas Thema„ Idealismus und Realpolitit"( Sant- Feier) in der Trinitatiskirche, Charlottenburg, Karl- Auguft- Blah. Verband Cherechtsreform, Sig Berlin. Monatsversammlung am Montag, den 7. April, 8 Uhr, im Restaurant Greiffenberger, Jerufalemer Str. 8( oberer Gaal). Borinag von Herrn Prof. D. Stari Duntmann: Unser Gemein fchaftsideal". Jugendveranstaltungen. Achtung, 1. und 2. Abteilungsvorsitzende! Borsigendenkonferenz heute, Sonnabend, ben 5., pünktlich abends 7 Uhr, im Jugendheim, SW., Lindenstr. 3, 2. Sof, 3 Tr. Tagesorbunng: 1. Bortrag des Genossen E. R. Müller- Magdeburg: Der Sinn unserer Jugendarbeit 2. Stellungnahme zur Reichskonferenz. 3." Berschiedenes. Alle Abteilungsvor figenben müssen vertreten sein. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis tein Zutritt. Morgen, Sonntag, den 6. April: Dr. Magnus Sirfchfeld. Treffpunkt 14 Uhr am Rönigsplay. Borstadt, Senefelder- Biertel, Norbring: 49 Uhr Treffpunkt vor dem Jugendarbeitenden Bevölkerung wohl verdient hätte. Brenzlaner den Abend, der einen stärkeren Zuspruch aus den Kreisen der heim Oberberger Str. 57 sur öffentlichen Versammlung im Friedrichshain. Alle Genossen müssen erscheinen. Abteilung Adlershof: Abends 7% Uhr im Jugendheim Bismardftraße 12, Schulentlajjungfeier. Abteilung Gesundbrunnen and II: Abends 7% Uhr in der Aula des Schiller- Lyzeums, Bank, Ede Böttgerstraße, Schulentlassungsfeier. Programm: Gesang, Rezitationen, Festrede, Sänge. Einlaß 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Abteilung Rieberschöneweibe: Abends 7 Uhr im Jugendheim Berliner Straße 31, Einführungsabend. Ein unerhörter Skandal hat sich nunmehr auch schon unter den Augen der bürgerlichen Reichsregierung in Berlin abgespielt. Der Republik feindliche reaffionäre Cliquen haben sich unbehindert in den Straßen austoben tönnen. Durch die Hakenkreuzler ist eine Unverschämtheit begangen worden, durch die, wenn fie fich wiederholen sollte, täglich die Gefahr schwerer Zusammenstoße heraufbeschworen wird. Diese Hehe muß energisch bekämpft werden! Freiwillige Beiträge zur erfolgreichen Führung dieses Kampfes auch in Berlin, fowle des Wahlkampfes, fende deshalb jeder, der es tann, schnell und reichlich auf Postschedfonto Berlin, Nr. 48 743, an Alex Pagels, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Arbeitersport. Ein Sport- Werbeabend. Das Kartell für Sport- und Körperpflege, 4. Bezirk( Prenzlauer Berg), veranstaltete am Donnerstag im großen Saal der Königstadt- Brauerei einen Sport, Turn- und Werbeabend, der gut besucht war. Die Großen und Kleinen des Arbeitersports zeigten ihr Können in gelungenen Vorführungen. Den Beginn machten Knaben- Stabübungen, ausgeführt von Fichte". Daß die Gymnastit eine warme Pflegeftätte in Arbeitersportkreisen gefunden hat, bewiesen die weiteren Vorführungen, besonders der Mädchen. Großes Interesse beanspruchte die Darstellung des bekannten japa nischen Selbstverteidigungsmittels Jiu Jitsu, wobei die wichtig ften Griffe gezeigt wurden. Die Sportliche Vereinigung Nord- Ost" stellte die Demonstranten. Auch die Frauen bzw. die Mädchen trugen, wie fchon erwähnt, zum guben Gelingen des Abends bei. Erwähnt seien besonders die rhythmischen Stabübungen( Freie Turnerschaft Groß- Berlin"), die, begleitet von Klavier und Geige, ein rhythmisch- dynamisches Bild ergeben, wie man es felten zu sehen bekommt. Am Barren wetteiferten dann miteinander weibliche Mitglieder von Fichte". Hübsche plastische Darstellungen ( Sportflub Sandow") beendeten den ersten Teil des Programms. Genosse Schulze als Rartellvorfigender wies in einer Ansprache darauf hin, daß noch viele Arbeitsbrüder in den bürgerlichen Sportverbänden organisiert sind. Hier gilt es zu arbeiten, um auch diese zu überzeugen, daß sie zur Arbeitersport Buchholz: Wanderung nach Birkenwerber- Oranienburg. Treffpunkt& Uhr Bhf. Blankenburg. Charlottenburg: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr im Seim. Marienborf: Fahrt nach Roffen. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Mariendorf. Schön haufer Borstadt: Fahrt nach Strausberg- Blumenthal. Treffpunt bewegung gehören. Die Freunde der Ringkämpfe wurden be Schönhauser Allee. Weißenfee: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt 6 Uhr Anton ulag. Westen: Fahrt Friedrichshagen- Rüdersdorfer Raltberge. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Billowstraße. Briz: Führung durch das Segualinstitut von Dr. Magnus Sirschfeld. Treffpunkt 9 Uhr Jdeal- Baukantine. Karlshorst: Besuch des Raiser- Friedrich- Museums. Treffpunkt 9½ Uhr Bhf. Karlshorst. Südost( Reichenberger Biertel): Führung durch das Segualinstitut Don o ft" und des Sportklubs Sandow". Männerturnen, u. a. Freiübungen, Barrenturnen und Keulenschwingen der Freien Lunerschaft Groß- Berlin" und" Fichte" sowie Radfahrerpyramiden des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität", beschlossen HALPAUS RARITÄT Theater, Lichtspiele usw. 00000000000 98 Volksbühne 7 Uhr: Don Carlos Lessing- Th. im Theater Casino- Theater Residenz- Th. Große Volksoper des Westens Lothringer Str. 37. Tägi, 8 Uhr: Sonni. z. 25. Male 71/2 Uhr Die junge Welt zum 1 Male: Der Wildschütz Allabendl 8: So nt. nachm 3% U Staats- Theater Th. im Admiralspalast Kolportage 7% U Mona Lisa Opernhaus Allabendlich 73% U. Drunter u drüber Deut. Künstler- Th. Die Weltsensation Lützow str. 112 Devisen Täglich Kammer- 6per L Uhr: Tägi. 8 Uhr Reichshallen- Theater Täglich 8 Uhr, Trotz d. gr. Erfolges Sonnt. nachm. 3 Uhr noch b. 17. April nur Die Mali vom Steinhof Für Vorzeiger dies. Regie: Dr. Georg Droescher- Mus. Leit.: Dr. Ladwig Mis. Oster- Sonnabend zum 1.Male: Pummels Martha Stettiner Sänger d.Kassenpreis. Täglich wechselnder Spielplan! Bert. Volksstück in 4 Aufzligen Komponisten im Blymp D. Wund. d. Schatten Heute u morgen72 am Königsplatz Stg 3% U. b. kl. Pr Letzt.Aufführungen Friedr.- Wilhelmst. Th. 7 Uhi: Barbier Ein Walzertraum Wie es euch gefällt Untergr. Stettin.Bhi von Sevilia Schauspielhaus Deutsch. Opernhaus Theater Tägl. 8 Uhr Der Erfolg Werker/ Gud and 7% U. Bohème Folies Caprice große Bro D. Fest d. Der Rabbi Dir. Ludw Strobel von Nazareth gen, Herr Fischer! Tine Pattiera, Wald, Täglich 8 Uhr van Endert, Scheidt, Onkel Cohn in erster Besetzun Central- Theater Direktion: Karl Heinz Wolff Alte Jakobstr. 30-32( nahe Spittelmarkt) Täglich 8 Uhr 7%: Nathan d. Welse Heyer, Kandi, Nitschke Goeber 50 Mitwirkende Der dumme August Deutsch. Theater Intimes Theater 7 Uhr: Der Graf von Charolais 8: Crêpe Georgette usw. Lustspielhaus Kammerspiele Lütz 700. Eröfin d Lustspiel Saison 8 Uhr. Schwank von Reiflingen mit Max Samst Rose- Theater WINTBRIEN 32 U. Der gestief. Rater Varieté- Spielplan 734 Unr. Robert u.Bertram Vom andern Ufer Dienstag, 6. April U. Uraufführung SCALA Gr. Schauspielhaus Der scharfe Löwe Boccaccio Burlesker Schwank in 3 Ak.en von Heinz U Istein 712 Uhr: Theater i. d. Metropol- Theater KöniggrätzerStr. 72 Uhr Karneval 8 Uhr Wenn der der Liebe neue Wein blüht von Walt. Bromme Komödienhaus SU Zwei um eine Berliner Theater Lori Leux, Hella Kürty, Fritz Schulz, E. Schönfelder Otto Storm, Franz Glawatsch, 7.30 U. Das Weib Neues Theat a. Zoo im Purpur Theater am Nollendorfplatz 7.30: Die 71 Uhr: LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Thalia- Theater Frasquita Perlen d. Cleopatra Martha Serak Kleines Theater Taguc 8 Uhr SchattenWunder und AuslandSensationen Internation. Varieté Sonntag 3.30 zu halb Preisen das volle Programm vauchen gestattet! Walhalla Theater Weinbergsweg 15 Weltattraktionen csonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im Vorwärts" und trotzdem !! billig!! Rennen zu Karlshorst Albin v. Rittersheim Sonnabend, den 5. April, nachm. 3 Uhr: Musik von Rud. Gfaller • Apollo- Theater. Täglich 7, Uhr Die Abenteuerin Stolzenberg Hesterberg, Grete Sellin, Sabo, Hirsch( vom Staatstheater), Kistenmacher Sonnt nachm. 3 U: Johannisfeuer Theater am Kottbuser Tor Kottbuserstraße 6 Täglich 8 und Sonnt. nachm.3U. ELITE- SANGER in neuer Besetzung mit C ALEX STAMER dazu d. fabelhafte April Programm Säde Nabgarn tauft Lothringer Str.48 Norden 4661 WIEN BERLIN Tägl.< Uhr Theater.d. Kommandantenstr Residenz- Hürdenrennen. Jägerstr.63: Die Gegenkandidaten Das Radiomädel 3/4 U. Fahrplan der Sonderzüge: Komöd ev L Fulda Kurt Vespermann Charlottenburg ab 111 119 18 17 167 206 Trianon- Theater Tägl. 8 Unr Die nackte Tänzerin Edith Karin " 183 142 159 209 219 28 99 Zoolog Garten. 117 136 143 158 208 212 Friedrichstraße 127 135 153 203 213 222 Wallner- Theater Alexan erplatz Schles. Bahnhof. 188 SU.: Mad. Pharao Lustsp. v. R. Lothar Ermäßigte Preise! Karlshorst 205 215 225 234 an 150 200 218 238 238 245 AMFANG 8 Uhr Das größte Programm! 10 Schlager Sonnabendu Sonntag 44: Nachmittags Vorstellung Die bekannte warme und kalte Küche. Dönhoff- Brettl Anfang 8 Uhr Jeden 1. u. 16. neues Programm! Ringen und Heben. Am Sonntag, den 6. April, vormittags 11 Uhr, findet im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24, ein Wettstreit im Ringen und Heben statt. Im Seben starten von Sportklub Siegfried 09: Altmeister Mar Baul, Frik Buffe, Kurt Frindt, Fritz Bomte, Leo Kepczinsti, Arnold Steindor; von der Sportvereinigung Nordwest: Altmeister Otto Jörig, Paul Held. Otto Kohn, Karl Belling, Julius Scheurig; Don der Kraftiportvereinigung Spandau: Paul Wultom, Karl Blume, Friz Schulz; vom Sportklub Sandow: Berlins bester Mittelgewichtsmeister Willy Lagenpusch und andere gute Kräfte. Im Ringen starten im Bantamgewicht Reinhold Schulz( Siegfried 09) gegen Erwin Engelhardt( Nordwest); im Federgewicht Willy Buffe( Siegfried 09) gegen Richard Schinkowski( Nordmeft), international; im Leidytgewicht Mag Kulczak( Siegfried 09) gegen Hans Nowak( Nordwest); im Leicht- Mittelgewicht Paul Winkel( Siegfried 09) gegen Seelenbinder( Berolina); im Schwer- Mittelgewicht Willy Baul( Siegfried 09), international, gegen Wegener( Libertas); im Schwergewicht C. Pohlfuß( Nordwest) gegen W. Reyn( Berolina), Friz Busse( Siegfried 09) gegen Fr. Bander( Nordwest). Heraus= forderungstampf im Leichtgewicht: Paul Busse( Siegfried 09) gegen W. Meier( Lurich 02). Das Programm verspricht guten Sport. Der Eintrittspreis ist sehr gering gehalten. Um zahlreichen Befuch wird gebeten. Der Kraftsportklub Canbow" veranstaltet am Sonntag, den 6. April, oormittags 10 Uhr, in der Turnhalle Lnchener Str. 97, elnen öffentlichen Uebungstag. Namhafte Seber des Arbeiter- Athleten- Bundes und erstklassige Ringer der Sportlichen Bereinigung Norden 93" und Nordoft 06" find vertveten. Außerdem werden interessante Demonstrationen des Jiu- Jitsu, der bekannten japanischen Gelbstverteidigung, vorgeführt. Als Einleitung gibt die Sportliche Vereinigung Roland" eine turnerische Borführung. Die Arbeiter- Athletit- Sportvereinigung Neukölln veranstaltet am Sonntag, den 6. April, 5 Uhr, eine Sportvorstellung und ben Retourbampf mit ber Kreismeistermannschaft 1923/24. Sportflub, Siberias" Charlottenburg im Ringen ( 6 Klassen). Da für einen erstklassigen Sport garantiert wird, laden wir alle Sportfreunde hierzu herzlichst ein. Die Berliner Fußballmeisterschaft findet am Sonntag, 6. April, nachmittags 3½ Uhr, im Lichtenberger Stadion, Herzbergstraße( Endstation der Sinie 8), ihre Erlebigung. Es treten zum Endspiel B: F. C. Alemannia 22 und Fr. 2. Neukölln- Brig gegenüber. Für einen jeden, der Intereffe am Fußballsport hat, lohnt sich der Besuch dieser Veranstaltung. Bahnstation Lichtenberg- Friedrichsfelde oder Frankfurter Allee mit Linie 68 bis Endstation. Die Freien Schwimmer Charlottenburg 04, E. B., halten am Sonntag, den 8. April, 3 Uhr, in der Städtischen Badeanstalt Strumme Str. 10, ihre BereinsSchau- und Wettfchwimmen ab. 8ur Borführung gelangen Einzel- und Mann schaftstämpfe fomie Reigen, Schauspringen, Baddeln, Tauchen, Wasserballspiel und Rettungsvorführungen. Weibliche und männliche Mitglieder aller Alterslaffen werden den Schwimmsport mit allen feinen Eigenarten vorführen. Sportliebende Genossen werden freundlichst eingeladen. Der Eintritts. preis beträgt 50 Pf. file alle Pläge. Eröffnung der Salle 2% Uhr. Am Dienstag, den 8. April, 7½ Uhr, Quartalsversammlung im Lokal Bum Birnbaum" Galvaniftraße. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Geschäftliche Mitteilungen. Ranthans Gebr. 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Sente, Sonnabend, den 8. April, nachm. 4 Uhr, im legandriner", Alegandrinenstraße 37a: Versammlung aller Kolleginnen und Kollegen, die in den Betrieben des Verbandes der Fabrikanten funffgewerbl.Beleuchtungsförper beschäftigt find. Tagesordnung: 1. Bericht von den Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß. 2. Distuffion 3. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt. Achtung! Gravente und 3ijelente Montag, den 2. April, nachmittags 4 2hr, im Lotal pon Redling, Waffertorstraße 71: Versammlung aller Kollegen, die in den Betrieben des Bundes der Graveure u. 3iseleure beschäftigt find. Bollzähliches Erscheinen ist Bflicht. Die Ortsverwaltung. 164/18 Die Einäscherung des Kollegen Oskar Mahle findet am Dienstag, den 8 April, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung der Kollegen wird ersucht. Die Ortsverwaltung. 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Schimpfen auf die anderen wird niemand sattmachen imd keinem Denkenden als Richtschnur im Wahlkamps dienen können. Den kommunistischen Wahlaufruf liest man vergeblich, wenn man einen politischen Gedanken sucht. Ein Sag vielleicht ist in dem ganzen spaltcnlangen Geschimpfe ehrlich gemeint: ..Die Sozialdemokratie muß geschlagen werden, daß sie nicht mehr wagen darf, sich eine Arbeiterpartei zu nennen." Das ist die wichtigste, beinahe einzige Sorge. Denn sonst liegt den Kommunisten an dem neuen Reichstag nichts. Ihnen ist die Wahl kein entscheidender Akt in unserem politischen Leben. Für sie ist sie nur eine Demonstration. Sie vermögen nur mit glühenden Farben Rot und Elend zu schildern und festzustellen, daß alle änderen, nur nicht sie, an unserem Elend Schuld haben. Vergessen sind ihre verbrecherischen P u t s ch e, die sie jahraus, jahrein angezettelt haben, vergessen ist ihr fanatischer Kamps gegen die Gewerk- sch asten, gegen die Organisationen der Ar» bciterschaft, ohne die es einen Wiederausstieg der Ar- beiterbewegung überhaupt nicht geben kann. Sie kennen nur die eine Lösung: Entfesselung de» Bürgerkrieges. Revolrttion und Räterepu- b l i k! Der Aufruf zum Kampf für die kommunistische Rätediktatur enthebt sie jeder Sorge, auch nur mit einer Zeile zu sagen, was sie eigemlich wollen. Sie sagen nicht, was sie in der Vergangenheit getan haben. Es käme ihnen auch schlecht an. Mit ihren Putschen ist kein Staat zu machen. Ihre Poll. nk war ein unaufhörliches Schwanken von einem Extrem zum anderen. Bald war..Sachwerterfassung" schändlich st er Arbeiterverrat, bald höchstes Gebot der Stunde. Bald war Putschismus die Parole, bald Einheitsfront. Niemond wußte recht, ob Einheitsfront mit den Bonzen»der Einheitsfront mit»den Massen. Die Richtungskämpfe in ihren Reihen nahmen kein Ende. Sie sagen nicht, welche Außenpolitik sie betreiben wollen, sie sagen nicht, was im Innern als nächste Aufgabe zu lösen ist. Sie kennen nur das eine: Zerstörung und Radau, den sie höchst unmarxistisch mit Revolution verwechseln. Aus alle Ansäße zu besserer Einsicht ist die Rückkehr in den primitiv st en Aberglauben gekehrt. Sie be- kennen sich offen als Feinde der Republik und der Demo- kratie, sie arbeiten mit ihren Tiraden, dem Bürgertum nie- mals gefährlich werdend, bewußt oder unbewußt, nur für die Reaktion. Der Belagerungszustand, über den sie sich ent- rüsten, war nicht zun: wenigsten die Folge ihrer Putschereien. Thüringen und Sachsen konnte die Arbeiterschaft nicht halten, weil die Kommunisten zugestandenermaßen kein« ehrliche gemeinsame Arbeit wollen. Der Acht- stundentag wird sicher nicht zu halten sein, wenn die Front der Gewerkschaften von ihnen dauernd durch Sonderaktionen zugunsten des Unternehmertums ge- schädigt wird. Es ist schon so, wie sie in ihrem Aufruf lägen: „Ttene Demagogen treten ans." Sie sind selbst die gefährlichsten Demagogen, die m Not und Elend den Volksmassen entstehen können. Mit den Deutschvolkischen im Bunde bekämpfen sie offen die Republik, die einzige Staatsform, in der die Arbeiterschaft sich zu poli- ti'cker und wirtschastlicher Gleichberechtigung aufwärts ent- wickeln kann. Der Sieg ihrer Phrasen wäre der Untergang der Arbeiterbewegung. Die Zreimöe öer Reaktion. Kommunisten und Kapp-Putsch. Zu dem wahiaustof der Sommimlslen steht die Dehauplung. die Sozialdemokraten seien im Sapp-Pulsch dem kämpfen. den Proletariat in den Rücken gefallen. Die Lüge ist stech, hat aber kurze Deine. Sofort nach dem Kapp-putfch trat die Arbeilerschasl in den Streik und in den offenen Kamps gegen die Putschisten— unter der Jühruogder Sozialdemokraten. Die kommunistische Zentrale aber erklärte ihre Neutralität in diesem stompfi Sie Heß die kämpfenden Massen im Stich. Zhr Geschick, das Schicksal der Republik war ihr gleichgültig. Za. man liebäugelte m i l S a p p. Zn ihrem ersten ossiziellen Artikel nach dem Kapp. Putsch schrieb.Zswestlsa". da» amtliche Organ der Sowjet- regierung von Rußland:, .wir haben nicht über Eberls und Rostes Schicksal zu weinen. mit der neuen Regierung(der Kapp.Regiernngt) wollen wir gern auf gutem Fuße leben." Erst als die kommunistisch« Zentrale die gewallige und ent- schlossene Abwehrbewcgung der deutschen Arbeiter sah und die Po- sillon Kapp» schwankte, entschloß sie sich zur Wendung, um sich nun mit schwülstigen Phrasen.an die Spihe der vewegung" za setzen, da» heißt, sie zu zerspl'llern und zu zerstören. wenn heute ein großer notionatisti'cher Putsch hereinbräche, so würden die Kommunisten wieder dem Erfolg nachlaufen sei es auch der Reaktion! Und sie werden mit Lobendorss. hllter-Graefe»gern ans gutem Auße leben". 5ort mit üiesen flrbeiterbetrügera! verzwe'flunq unü Verantwortung. Ein« Welle der Unzufriedenheit, der Enttäuschung, der Der- xtreifiung geht durch die deulsch« Arbeiterschaft und durch weit« Kreise des deutschen Mittelstandes. Es handelt sich nicht nur um ein« flüchtige, vorübergehende Eintogscrscheinung, sondern um«inen Zu- stand, der ernsthaft gewürdigt sein will. Unzufriedenheit und Der- Zweislung sind nicht nur zu erklären als Denkoerirrung, als Wirkung einer hemmungslosen politischen Agitation. 6'« haben tiefere Ur. fachen. Di« svzia'en Derhältnisse. unter denen die Massen der De. völkerung in Deutschland leben müssen, zwingen große Te.l« mit ©cwoit in solch« Stimmungen. Sie werden wankend in ihren bis- �rjatn festen politischen Beg rissen. Ihr politisches Denken macht gefühlsmäßiger Stimmung Play, die auf den Ton gest.mmt ist: Es hilft ja doch nichts mehr, lieber soll olles koputt gehen. die er Richtung wnkt da» dumpf« Gefühl, das die Massen von der außenpo'itischcn Zwangslage Deutschlands haben: mehr aber noch das Unbestiedigende der innerpolitischen Berhältn.ss«>n Deutsch'and Ein großer und entscheidender Teil des Bürgertums beharrt ohne Weitblick, ohne politischen Sinn in seiner Engstirnig- keit aus der Zeit vor dem Kriege. Sie wollen«in starres System der absoluten Macht gegen die Arbetterschast, das den emporstreben- Kommunistische Spitzenkandidaten. kföi!' iillilt Sabp Werner Scholen, bezieht feine geistige Nahrung an öer Srust von Mütterchen Moskau. den Massen nur den einen Ausweg läßt, die Herbeiführung einer politischen Katastrophe. Vor ollem wirkt aber der ungeheure Druck, der aus der Lebenshaltung der breiten Massen ruht, das Gefühl, daß alle Methoden des politifch-parlamentarischen und des gewerkschaft- lichen Kampfes versagen gegenüber der fortgesetzten Derschlechterung der Lebenshaltung. Dies Gefühl ist die psychologische Nachwirkung der Inftationsperiode, auf deren Höhepunkt in der Tat alle gewerk- schaftlichen Kampfersolge durch das Fortschreiten der Geldentwertung wieder zunichte gemacht wurden. Nun ist diese Periode des rasenden Tempos der Geldentwertung zunächst vorüber; aber die Stimmung der Nutzlosigkeit und der Derzwciflung, �i« sie geboren hat. wirkt noch nach. Diese allgemeine Stimmung der Enttäuschung, der Unzufrieden- heit und der Verzweiflung verstehen aber heißt noch nicht, ihr noch- geben und sie gutheißen. Aus dieser Stimmung wachsen wohl Akte des politischen Protestes und der Demonstration hervor, niemals aber praktische polnische Erfolge. Aus dieser Stimmung heraus erklärt sich der Zustrom zur kommunistischen und zur völkischen Bewegung. Es ist nicht Einsicht in die Theorien der Kommunisten, nicht lieber- einstimmung mit ihrem politischen Wollen ober dem Wollen der Völkischen, was die Massen in ihr Lager führt. Vre Stimmabgabe für die extnemen Parteien erscheint den Massen nicht als ein Mittel, die Verhältnisse zu ändern, sie ist lediglich«in Ausdruck allgemeiner Rebellion, ein Schrei de« Leidens, der Empörung, des Protestes. Ein geordnetes und gefestigte» Staatswesen kann solche Demon- strationen ohne Gefahr woh! ertragen. In der gegenwärtigen Lage Deutschlands ober bedeuten sie ein« groß« Gefahr. Sie können die Grundlagen des Staates und des geordneten Zusammenlebens seiner Bürger auf das schwerste erschüttern und so, statt zu einer Besserung der Verhältnisse zu führen, sie in eine entscheidende Katastrophe h.n- einführen, an deren Ende das absolut« Chaos steht. Es.handelt sich in der gegenwärtigen Lage Deutschlands nicht darum, zu protestieren, es handelt sich vielmehr darum, den Ursachen jener Berzweislungs- stimmung nachzugehen und sie zu beseitigen. Hier ist aber der Punkt, an dem die extremen Parteien versagen. Das einzig Positive, was sie den verzweifelnden Massen zu sagen wissen, ist der Hinweis auf offenen blutigen Machtkampf. Die«in» dieser Richtungen will den Krieg nach außen, die ander« den Krieg im Innern. Beide mit der illusionären Hoffnung, daß aus dem Chaos heraus von selbst, wie mit Naturnotwendigkeit eine besser« Zeit erstehen werde. Im Grunde genommen ist da» Abtehr von jeder Politik. Es ist unter dem Deckmantel höchster Aktivität«in« Form der politischen Indiiferenz Krieg und Revolution werden von den extremen Parteien gewollt, nicht als Mittel zum Aufstieg, sondern aus Hosfnung»!oögteit, aus Ideenlosigkeit, aus Mutlosigkeit, au» einem G«fiihl des Richtmehr- weiterkönnens Heraue. Solche Stimmung ist das gerade Gegenteil jenes entschlossenen Kampfwillens, der die deutsche Arbeiterschaft in der Zeit ihres Auf- stiege», in der Zeit ihrer Zusammenfassung in großen Organisationen beseelt. Dieser entschlossene Kampfgeist läßt sich nicht im Stadium de» Rückganges und der Niederlage in i«ne Aerzweiflung hinein. treiben, die nach Selbstaufgobe und Selbstoernichtung schreit. Wer den extreme» Parteien, den Kömmunisten und den Bölkischen in dieser schweren Zeit folgt, der weicht den ernsten und verantwortungsvollen Entscheidungen aus, der oerlSßt sich auf das Wirken eines über- natürlichen Schicksals, der zeigt nicht ein Höchstmaß von po'itischem Mut, sondern im Grunde genommen nur politische Feigheit. Revolutionärer Parlamentarismus. Kommunisten und Ermächtigungsgesetz. Die Kommunisten schreien in der.Roten Fahne", die Genossen Wels und I u ch o c z seien Lügner, weil sie in Wahloersammlun- gen die Tatsache festgestellt haben, daß dt« Kommunisten zum Zu- standekommen des zweiten Ermächtigungsgesetzes beigetragen haben. Die„Rote Fahne" sucht«ine Ausrede für die Reichstagskvmmunisten in dem statistischen Nachweis, daß auch ohne ihr« Stimniabgab« das Gesetz angenominen worden wäre. Der entscheidende Punkt ist aber der: die kommunistische Reichstagssraktton konnte vor der Abstimmung nicht wissen, ob auch im Falle ihrer Obstruktion die Anwesenheit von zwei Dritteln der Mitglieder festzustellen war denn genau wußte das niemand. Sie mußte mit der Möglichkeit rechnen, daß ihre Stimmen den Ausschlag gaben. Wegbleiben aber war in diesem Falle mehr als Netn-Stimmen. Denn die Mehrheit für das Gesetz war sicher, nicht sicher war dagegen die Anwesenheit der zwei Drittel der Abgeordneten. Diese Sicherheit wurde durch ihr Verbleiben mit hergestellt. Ist also die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz ein „Verbrechen", so sind die Kommunisten ebenso schuldig wie die Sozialdemokraten. Denn auch si« haben zum Zustande. kommen des Gesetzes beigetragen. Noch unmittelbar vor der Abstimmung steckten die Kommunisten im Reichstag die Köpfe zusammen und berieten— hangend und bangend in schwebender Pein—, wie sie handeln sollten. Sie wollten zwei Fliegen mit«nur Klappe schlagen: nämlich stimmen, zu- gleich aber de» Schein de» befohlenen revolutionären Parlamen- tammuz wahren. Auf ihren Gesichtern stand doppelte Furcht: dt« Angst vor den Folgen des Nichtstimmens einerseits. die Angst vor dem Moskaver Racheschwert andererseits. Die unwürdig« Szene war der rein« Ausdruck der Würdelostgkeit. der Geiftessklaverei und Heuchelei, zu der Moskau seine deutsch«» Parlamentarier zwingt. Die künftigen Parlamentarier der Kommu- nisten werden sich in mancher Situation so zeigen müssen. Vielleicht ist nun noch eine Ausred? in petto, nämlich die: die Reichstagsfraktion der KPD. habe in der Hoffnung, daß es langt, gestimmt, um die Diäten für den Abstimmungstag zu erhalten. Wir gebe» i�nen zu, daß dies ihr Motiv war, wenn si« sich herausreden wollen, und daß sie nicht stimmten, um das Gesetz zu sichern. Aber wäre dieser Fall nicht noch erbärmlicher, der Fall näm- lich, daß sie wegen 9 M. pro Kopf lieber die Gefahr auf fich nahmen, durch ihre Stimmen das verruchte gegenrevolutionäre Gefeß unter Dach und Fach zu bringen, als daß fie ihre Diäten dem repo lutionären Parlamentarismus opferten? Auf jeden Fall mögen uns die Kommunisten mit ihren Tiraden über die Stellung unserer Fraktion zum Ermächtigungsgesetz in Frieden lassen; denn gerade dabei hat sich die ganze Heuchelet ihres revolutionären Barlamentarismus ent hüllt. Was zur Kritik der Anwendung des Ermächtigungsgefeßes zu sagen ist, besorgen wit selber. Kommunisten und Völkische. In ihrem Wahlaufruf rufen die Kommunisten zum Kampfe gegen die völkische Konkurrenz. Sie fürchten, daß den Bölkischen der Boltsbetrug beffer gelingt als ihnen. Im übrigen mühen sie sich, sich bei den Bölkischen anzubiedern. Wie verträgt sich mit ihrem Geschrei über die Faschistenmörder" das Politische Rundschreiben“ Nr 2 an alle Bezirksleitungen, das anfnüpft an die glänzende Rede des Genossen Radet über Schlageter, deren Eindruck in den Reihen der Rationalisten ein gewaltiger war" und das davon spricht, daß, wenn wir es gut verstehen werden, diese ehrlichen nationalen Kreife richtig anzupaden, es uns nicht schwer sein wird, ihnen zu beweisen, daß die einzige Rettung für sie und das von ihnen so heiß geliebte Deutschland nur in dem mit uns gemeinfam geführten Kampf e besteht": Das ist doch in aller Form die Anweisung zur Berbindung mit den Faschisten. Die Führer sind praktisch mit gutem Beispiel vorangegangen. Remmele hat in einer Bersammlung der Faschisten in Stuttgart so geredet, daß diese begeistert erklärten, er habe fo geredet, wie einer der Unsrigen". In einer Bersammlung zu den Bürgerschaftswahlen in 2übed hat Remmele die Versammlungsteilnehmer aufgefordert, lieber nationalsozialistisch als sozialdemokratisch zu wählen. Die ganz linksstehende Kommunistin Ruth Fischer erließ am 25. Juli in einer Berliner Versammlung deutschvölkischer Studenten an diefe die Aufforderung:„ Tretet die Judentapitalisten nieder, hängt fie an die Laterne, zertrampelt fie." In einer sozialdemokratischen Wählerversammlung in Osnabrüd erklärte der Kommunist Richard Müller:„ Jawohl, wir werden mit den Deutschvölkischen ein gut Teil eges gemeinsam gehen. Als dieser Saz wie eine Bombe einschlug, meinte Müller:„ Aber das ist doch nichts Neues, das hat doch fchon vor langem Karl Radet in der Roten Fahne" ge fchrieben." Das ftimmt. KPDist und Rechtsputschist Eines und dasselbe ist. Hat der erste ausregiert, Kommt der andre anmarschiert. Beide gehen Arm in Arm 17 Ist das nicht zum Gotterbarm'? Radau statt Hilfe. Kommunisten und Erwerbslase. Die Barolenausgabe der Kommunistischen Partei funttioniert nach wie vor ausgezeichnet. An die Erwerbstofenräte und Funktionäre erging am 30. März z. B. ein Befehl, daß in der Woche vom 13. bis 20. April in allen Gemeindepartamenten Forderungen der Erwerbslosen in Form von Anträgert zu vertreten Wirtschaft Kartellpolitik und Inflation. Gewisse Vorgänge am deutschen Warenmarkt deuten darauf hin, daß die Wirischaft sich von den Gepflogenheiten der Inflationszeit noch immer nicht trennen will und daß der von den Behörden und von der Reichsbant mit Berordnungen und Krediteinschränfungen auf die Wirtschaft ausgeübte Drud feineswegs ausreicht, um die notwendige Sentung der Preise herbeizuführen. Im Gegenteil gibt es bereits jetzt wieder Kreise, die sich auf einen neuen Martsturz einrichten und Borsorge treffen, um auch bei einer etwaigen neuen Inflation Nuznießer der Geldent wertung zu sein. sind. In dem fonmmunistischen Rundschreiben heißt es ausbrüdlich, daß Abänderungen vorgenommen werden dürfen, wenn es die örtlichen Verhälmisse unbedingt erfordern". Die Anträge find felbstverständlich von der üblichen bandwurmartigen Länge und verfolgen rein agitatorische Zwecke. Betriebsstillegungen sollen ver hindert werden, Rotstandsarbeiten in Angriff genommen und die Erwerbslofenunterstübung soll auf 65 bis 95 Proz. der Löhne der Wirtschaftsbeilagen, Heiz- und Brennmaterial, Niederschlagung geGemeinde und Staatsarbeiter gebracht werden. Außerdem werden stundeter Gasrechnungen und Mieten, Anerkennung der Erwerbslofenräte usw. usw. gefordert. Damit für den nötigen Radau gesorgt ist, heißt es im Rundschreiben ausdrücklich: Diese Forderungen find so rechtzeitig einzureichen, daß fein Widerspruch dagegen erhoben werden kann. Die Erwerbslosen haben diesen Forderungen am Tage der Behandlung derselben in den Gemeinderatsfizungen durch große Massendemonstration im Berein mit den Arbeitenden größten Nachdruck zu verleihen." Osterwoche auf den nötigen Kradh in ihren Sitzungen mit dazu Das bedeutet also, daß alle Gemeindevertretungen sich für die muniften, Entlarvung von Sozialverrätern, namentlich von sozial gehörigen Demonstrationen, Tribünenradau, Hinauswurf von Komdemokratischen Vorstehern, einzurichten haben. Solche Befehle werden bekanntlich bei den Kommunisten programmäßig durch geführt, und es fann deshalb nicht schaden, wenn die Gemeinde vertretungen über diese menschenfreundlichen Absichten rechtzeitig unterrichtet sind und den Radaubrüdern deutlich entgegentreten. Seht die Wählerlisten ein! Warum kann die amtliche Wählerliste nicht fehlerfrei sein? Daß eine amtliche Wählerliste schon infolge ihres Umfanges und infolge der Schwierigkeiten, die sich bei ihrer Aufstellung ergeben, Fehler in sich bergen muß, wird von niemand ernstlich bestritten ständig nach den standesamtlichen Meldungen über Geburts- und werden fönnen. Selbst wenn die Karthotel des Wahlamts, die Sterbefälle, Eheschließungen usw. und nach den polizeilichen Met bungen über Zu- und Fortzüge berichtigt wird, peinlich genau in die Wählerlisten übertagen worden ist Fällen gelingt, ftellen sich doch bei jeder Auslegung der Wählerwas nur in den feltensten stellen sich doch bei jeder Auslegung der Wählerliste die verschiedenartigsten Fehler heraus. Das Fehlen einzelner oder mehrerer Namen braucht durchaus nicht auf einer Unforrektheit zu beruhen. Häufig find ganz harmlose Anlässe der Grund: eine vor Jahren erfolgte Abmeldung im Lebensmittelamt( feligen Angedenkens) hatte zwar zur Folge, daß ein Wähler aus der Wahlfarthotek ausschied, aber seine nach Rückkehr von der Sommerreise unterlassene Wiederanmeldung fann jetzt die Ursache seiner Nichteintragung in die Wählerliste sein, wie in vielen Fällen bereits festgestellt werden konnte. Dasselbe ist möglich durch längere Unterbrechung des Wohnsizes infolge Aufent halts in Strantenanstalten, Pflege- und Erholungsheimen und Heilftätten usw. Auch die falsche Schreibweise der Bor- und Familiennamen der Wähler follte man nicht zu Basten der Beamten des Wahlamts buchen. Die polizeilichen An- und Abmeldungen find nicht immer als falligraphische Meisterleistungen anzusprechen, und mancher hat durch seine eigene undeutliche Hand schrift, die mehr zu raten als zu lesen ist, es verschuldet, wenn sein Name in der Wählerlifte falsch geschrieben ist. Weitere Fehler fönnen in der falschen Berufsangabe bestehen, was namentlich bei Sammelnamen die Feststellung der Identität des Wählers erschwert; dann in falscher Angabe des Geburts datums, was in den nicht seltenen Föllen wichtig ist, in denen beispielsweise Bater und Sohn dieselben Bornamen haben./ Endlich ist die falsche Wohnungsangabe eine Fehlerquelle, bie beachtet werden muß. Mit diefer kleinen Blütenlese find feineswegs alle Möglichkeiten erschöpft, die eine unliebfame Enttäuschung am Wahltage zur Folge dustrie führt aber Waren zu Preisen ins Ausland aus, die unter den deutschen Preisen liegen. Bisher hat man dagegen gar nichts getan. Jetzt verlautet, daß man durch den Reichswirtschaftsrat eine Enquete über die Preisgestaltung und Zahlungsbedin gungen in der Lertilindustrie veranstalten laffen will. Eine ähnlche Enquete sol über die Verhältnisse in der Lederindustrie gemacht werden. Man hat es also mit Maßnahmen gegenüber den Zer störern der Rentenmart, die im Unternehmericger fizen, absplut nicht eilig. Bergleicht man damit den Eifer und die Rücksichtslosigkeit, mit der die Regierung beim Lohnabbau und der Arbeitszeit verlängerung gegen Arbeitnehmer aufgetreten ist, so ist der Wider spruch einfach unverständlich. gungen in der Textilindustrie veranstalten laffen will. Man hat es also mit Maßnahmen gegenüber den Zerstörern der Rentenmart, die im Unternehmerlager fizen, absolut nicht eilig. Bergleicht man damit den Eifer und die Rücksichtslosigkeit, mit der die Regie rung beim Lohnabbau und der Arbeitszeitverlängerung gegen Arbeitnehmer aufgetreten ist, so ist der Widerspruch einfach under. ständlich. So berichtete fürzlich die Industrie- und Handelszeitung", daß eine der größten Lederfabriken folgende Zahlungsbedingungen stellt: Rechnungslegung in Dollar, zahlbar zur Hälfte in fremden Zahlungsmitteln, zur anderen Hälfte in wertbeständigem deutschen Geld, umgerechnet 3um New Yorter Kurse, der Inzwischen aber rüften die Rapitalisten bereits zum Gegen in der letzten Zeit wieder nicht unbeträchtlich über dem Berliner schlage. Müchtige Kräfte find am Wert, um die RechtsgrundDollarfurs liegt. Die Fabrik wurde von ihrem Abnehmer darauflage jeder Bekämpfung der Kartelldiktatur, nämlich die Kartellaufmerksam gemacht, daß in diefer Forderung eine Sabofage verordnung, zu erschüttern. Juristen, die als Sachwalter von in der Rentenmart zu erbliden sei. Das machte auf fie aber dustriellen Verbänden und Bankinteressenten bekannt sind, suchen mit feinen Einbrud. Selbstverständlich muß eine derartige willkürliche juristischen Spißfindigkeiten den Nachweis zu erbringen, daß die Berfeuerung des Leders zur Verfeuerung der Schuhe führen, und Kartellverordnung rechts ungültig sei. Wir hätten feine Sorge so droht die Inflation von der Warenpreisfeite gefördert zu werden. vor derartigen Angriffen, nachdem die Regierung bereits fich ein Auch auf anderen Gebieten machen sich deutliche Anzeichen dafür mal fogar über eine Reichsgerichtsentscheidung hinweggesetzt hat, bemerkbar, daß vom Warenmarkt her ein scharfer Druck auf die als fie die Hypothekenaufwertung regelte. Hier aber liegt der Fall Mart entfaltet wird. In den Rohstoffindustrien, insbes etwas anderes, da das Reichswirtschaftsminifterium bisher jede Aftifondere in der Eisenindustrie, find Breissteigerungen fortgesetzt zu vität zur Bekämpfung von Auswüchsen am Warenmarkt hat vermissen verzeichnen und die geringste Steigerung der Nachfrage genügt, um lassen und demgemäß der Verdacht nicht von der Hand zu weisen die besten Traditionen der Inflationszeit wieder wach werden zu ist, daß die Bekämpfung der Kartelle durch Michtigkeitserklärungen lassen. Die auf diesem Gebiete besonders tüchtige Bereinigung gar nicht ernsthaft beabsichtigt ist. Unter diesen Umständen ist Deutscher Kaltwalzwerte berechnet bei Lieferungsab- dringend zu fordern, daß man gegen die Zerstörung der Renten schlüssen teine endgültigen Preise, sondern setzt in den Vertrag nur mart mit allem Nachdrud und ohne Rücksicht auf privatwirtschaft mart mit allem Nachdrud und ohne Rücksicht auf privatwirtschaft die heutigen als Grundpreise ein und behält sich die Be- liche Intereffen einzelner Gruppen vorgeht. rechnung der am Liefertáge gültigen Preise vor. Mit anderen Worten: man arbeitet wieder auf die Einführung von Gleit. preifen hin, die bei dem Ruin der Papiermark cine so hervorragende Rolle gespielt haben.. Entwicklungsfragen der Reichsbahn. Reichsminister Defer hielt am Freitag vor den Mit gliedern der Handelstammer und ihrer Fachausschüsse einen Bortrag über Entwicklungsfragen der Reichsbahn. Er führte u. a. folgendes aus: haben tömmen Wem alsu sein Wahlved lige von e Möglichkeit der Einsichtnahme in die wählerlifte Gebrauch. Stadtrat Hiege, Dezernent des Bezirkswahlamts Pantow. Polizei und Wahlkampf. für die preußische innere Verwaltung"( Nr. 16/1924) eine Reihe vor Der preußische Minister des Innern erläßt im„ Ministerialblatt Bestimmungen, die die Polizeiverwaltungen anweisen, den ungestörten Verlauf der Wahlverfamanlungen zu überwachen, eventuell notwendig werdenden polizeilichen Schuß gegen Störungsund Sprengungsversuche zu gewähren und die Veranftalter der Bersammlungen beim Gebrauch ihres Hausrechts zu unterftüßen Weiter wird hervorgehoben, daß gegen die Verwendung unbewaffneter Ordnet teine Bedenken bestehen, dagegen das Vorhandensein eines bewaffneten Saalschußes ohne weiteres das Verbot bzw die Auflösung der Veranstalnicht des Schutzes der Berfaffung teilhaftig find". Der Bolizei steht tung herbeiführen kann, da derartig unfriedliche Veranstaltungen fungen zu, wenn in ihnen 3 u widerhandlungen gegen die weiter das Recht zur Auflösung auch von WahlversammSS 1 bis 8 des Republitschußgefeßes vortommen und geduldet werden. Endlich find Anordnungen für die Sicherung der Wahlhandlung getroffen. Marke Spießbürger. Weltkrieg und Revolutionen haben wohl vermocht, Dynastien zu stürzen und staatliche und soziale Formen zu ändern, eine Erscheinung unferes menschlichen und deutschen Daseins haben sie weder vernichten, noch überhaupt berühren können: der Spießer, unser Freund und Zeitgenosse, er lebt und verbreitet nach wie vor seine physischen und geistigen Auswüchse. Der Spießer ist eine Pflanze, die ihre Heimat in irgendeir.em Posemudel oder Krähwinkel hat, die daneben aber auch in Ünmengen in den Großstädten, so auch in unserem Berlin, gedeiht. Ich sehe ihn vor mir, vornehm, aber schlicht gekleidet, gewöhnlich von unterfetzter Gestalt, wie er nachdenklich dahinwandelt mit einem felbft zufriedenen Lächeln auf dem dicen, wohlgenährten Antlig. Er ist immer wohlgenährt und selbstzufrieden, und wenn du ihn wandeln fiehst, so störe ihn nicht, denn er ist immer im Nachdenken: der Spießer rechnet! Er rechnet ewig und flagt. Hast du jemals einen Spießer gesehen, der nicht immer geflagt, der dabei nicht immer wohlgenährt und selbstzufrieden ausgeschaut hätte?!. 7 Der Spießer ist ein typisches Kind seiner Mutter, des Kapitalismus. Er wurzelt in ihrem Boden und sonnt sich in ihrem Glanze. Ein Spießer schimpft nur hinter dem Rücken seines Gegners, wenn es zum offenen Kampfe geht, friecht er. Der Spießer läßt sich gern für 10 bis 12 Stunden tagsüber in ein Arbeitshaus einsperren, wenn ihm nur die Brocken von dem Tische seines Brotherrn zugeworfen werden. Probleme tennt er nicht, nur Tatsachen, so hat er auch teinen Sinn für die Ethifierung und Heiligkeit der Arbeit. wurstelt nur und frißt. 330 Der Spießer ist vielleicht der größte Feind der Arbeitnehmer. Politisch ungeschult. geistig beschränkt, füllt er die Massen der Indifferenten, der Nicht- und Falschwähler. Er ist die Masse, die gewöhnlich als dumm, von Instintien abhängig und tierisch hingestellt wird. Die Politisierung des Spießers wäre zunächst einmal eine Stärtung feines Eigenwillens, Menschheitsbewußteins. Die Arbeitnehmer, die in dem Spießer ihren Arbeitskollegen sehen, verfennen oft zum eigenen Schaden seinen wahren Charakter. Suum cuique! Wo Milde und Menschenfreundlichkeit om Blaze find, da mögen file praftiziert werden, dem Spießer dagegen gebührt Gegnerschaft und Berachtung. Eine völlige Musto ng higglich jeten, und gesellschaftschädigenden Krautes wird natürlich nur wenn es gelingt, den ihn nährenden Boden von Grund auf umzu. gestalten! Bilheim Berger. der Grundlage einer Wirtschaftshandhabung erzielt worden, die auf die Dauer nicht möglich ist. Diese Maßnahmen hätten in dem Personalabbau und in der Herabsehung der Bezüge bestanden. Die pofitiven Maßnahmen der Reichsbahn, eine wirtschaftliche Gestaltung des Betriebes zu erzielen, bestehe darin, daß man mit aller Energie bestrebt ist, die Wärmewirtschaft in die Höhe zu bringen. Zu diesem Zweck find 11 Wärmewirtschaftsbezirke eingerichtet worden, in denen für die wirtschaftlichere Aus. nugung der Kohle gearbeitet wird. Die finanziellen Nöte des Reiches laffen es leider nicht zu, die geplante Elektrisierung weiter durchzuführen. Als nächster Schritt soll aber die Einführung von Dieselmotoren stattfinden, von denen die ersten bereits im laufenden Jahre in Betrieb genommen werden sollen. Jeder Erfolg, den man bezüglich der Ersparnis von Kohlen bei der Reichsbahn erzielt, tommt der deutschen Wirtschaft zugute. In der Tarifwirtschaft sei die Rüdficht auf die Güterbeförderung höher zu stellen als die Rüdfich auf die Personenbeförderung. Aus diesem Grunde habe er die Erhöhung der Personentarife troh der Bedenken, die sich dagegen geltend gemacht haben, durchgeführt. Eine Rundfrage bei verschiede. nen Eisenbahndirektionen habe ergeben, daß durch die Personentariferhöhungen teine Berminderung des Berkehrs ein. getreten fei. Die fünftige Organisation der Reichsbahn fehe eine Zentralisation und Dezentralisation vor. Den einzelnen Direktionen werde die Berantwortlichkeit über ihren Bezirk überlassen, um so einen Wettbewerb innerhalb der einzelnen Direktionen zu erzielen. Zum Schluß ging Reichsminister Deser auf die fehr interessante Frage der Beteiligung der Reichsbahn an den Reparationen ein. Er führte aus, daß man sich vorerst nur ein vorläufiges Urteil bilden fönne, da die endgültigen Vorschläge der Sachverständigen noch nicht in autentischer Form bekannt seien. Die Reichsbahn sei durchaus gewillt, nach ihren Kräften für die Leistung der Reparationen beizutragen. Der Minister wies jedoch darauf hin, daß diese Verpflichtungen nur freiwillig erfolgen fönnten und daz Die Reichsbahn tönne nur unter ein neues Diftat untragbar sei. zwei Bedingungen zur Erfüllung der Reparationsleistungen beitragen, und zwar unter der Bedingung, daß sie von jedem äuße ren 3wang befreit werde und zweitens, daß die Berwaltung von Rhein und Ruhr wieder in deutsche Hände tomme und daß die Reichsbahn dort ihre volle Bewegungsfreiheit erhalte. Ohne Rhein und Ruhr sei die deutsche Wirtschaft nicht reparationsfähig und ohne Rhein und Ruhr sei auch die Reichsbahn nicht reparationsfähig. Er habe mit Freuden feststellen können, daß auch die Sachverständigen die gleiche Meinung vertreten hätten. Zur Erfüllung der Reparationen brauche aber auch die Reichsbahn ein Moratorium," Ein deutscher Petroleumskandal. Die Kreditpolitik der Reichsbant und der Rentenbant ist also immer noch nicht scharf genug, um die Produzenten und Lieferanten zu zwingen, ihre Borräte und Effetten abzustoßen. ,, Das Jahr 1924 ist für die Reichsbahn ein Jahr ungelöfter Große Erdölfunde, die durch Bohrungen der Deutschen ErdölNun haben die Behörden sich ein sehr startes Mittel zu Eingriffen Brobleme. In dies Jahr ist die Umstellung der Reichsbahn in einen A.-G. in der Nähe von Hannover erzielt worden find, erregten in die Preisbildung durch die Kartellverordnung ver wirtschaftlichen Betrieb. der aus dem Rahmen der Reichsfinanzver- fürzlich die öffentliche Aufmerksamkeit. Die beteiligten Interessenschafft. Sie haben das Recht, Kartelle, die gegen die volkswirtschaft. waltung ausgelöst worden ist, zur Tatsache geworden. Ferner haben ten fündigter geradezu eine Umwälzung in der deutschen Erdfichen Interessen der Bejamtheit verftoßen, auf Grund der Verord die Auseinanderlegungen mit den Ländern, die durch die Belegung von Rhein und Ruhr fowie die Lösung der Reparationsfrage eine ölgewinnung an, so groß follte die Produktionssteigerung sein. mung gegen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellung auf zu wichtige Rolle geivielt und ferner ist der Versonalabbau und die Inzwischen hat die Quelle zu fließen nachgelassen. Nach einem föfen Bisher ist das noch in feinem einzigen Falle geschehen. Bereinfachung der Betriebe infolge der notaedrungenen Snarfamkeit Bericht der Handelskammer Hannover steht noc Die Regierung hat die Berordnung auf Grund des Ermächtigungs- erfolgt. Ohne die Rentenmark wäre die Sanierung der Reichsbahn nicht feft, welchen Einfluß die bei Nienhagen neu gebohrte Grbgesetzes ge'chaffen. Man felte daber annehmen, daß sie sich die nicht gelungen. Bereits im Dezember vorigen Jahres ist die Reichs ölquelle auf die Gesamtproduktion ausüben wird. Dem ersten AusErmächtigung nur zu dem 3med hat geben laffen, um von ihr auch hahn feine 3uichukvermoltuna mehr. Sie hat den bruch ist eine längere Ruhezeit gefolgt. Nach gründlicher ReiniGebrauch zu machen. Das ist bisher. foweit die Nichtigteits: Renterbankkredit nur noch au 50 Bro in Anspruch nehmen müssen. gung des Bohrloches fand gegen Ende März ein neuer, etma fünfertiärung von Kartellen in Frage kommt, noch nicht und ferner von dem 160 Friffioren Papiermark umlaufendem richtstündiger Ausbruch statt, der die eingedeichten Becken völlig mit inertbeständigem Notoeid ist ein fehr archer Teil eingelöft, so daß erfolgt. Wie man sich das Einschreiten gegen Kartelle vorsteli, dafür fich nur noch 20 Trillionen Baviermark gegenwärtig im Umlauf beErdöl gefüllt hat. bietet das Vorgehen gegen die Uebersteigerung der Textilpreise durch finden. Aud) von dem wertbeständigen Notaeld ist eine große die Kartellwillfür ein Beispiel. Hier find nämlich seit Monaten Summe vollwertig abeebeckt worden. Die Reichsbahn fann jetzt als die Inlandspreise über den Weftmarktpreifen. Die deutsche Intern gefund bezeichnet werden. Der Erfolg ist allerdings auf Bezeichrend für die kapitalistische Spefulation mit den Bodenschätzen des deutschen Volkes ist jedoch der wilde Eifer, mit dem sich- trog Kreditnot. und Kapitalmangel! gewisse Kreise die neuen Erdölfunde zu Gemüte führen. Nicht nur, daß die DeaAftien sofort im Kurse in die Höhe schnellten, auch die Boden fpetulation fette in einem großen Umfange ein. Das Spetu Tantentum hat sich auf die noch freien Grundstücke gestürzt und den Grundbefizern Angebote gemacht, die außer jedem Berhältnis zur Rentabilität eines Bohrbe triebes stehen. Die Ernüchterung des geldgebenden Publikums dürfte in furzer Zeit eintreten, aber der Schaden, der den großen Erdölgewinnungsbetrieben durch das Spekulantenunwesen zugefügt nird, ist schwer wieder gutzumachen. Der Schaden, der der Volksgemeinschaft jedoch entsteht, indem die geringen, für Produttien und Warenabsah benötigten Kapitalien noch zu unsinniger Spekulation verwendet werden, ist noch erheblich größer. " Eine innere Anleihe in Rußland. Die Sowjetregierung ist bei ihrer jezigen Währungsreform naturgemäß bestrebt, mit den von ihr herausgegebenen Schahscheinen" möglichst lange ihre Ausgaben zu decken. Sie hat deshalb beschlossen, eine Reihe innerer Anleihen aufzunehmen. In einem so fapitalarmen Lande wie Rußland ist dies jedoch mit großen Schwierigkeiten verfnüpft. So mußte man, wie jetzt in der amtlichen Presse beftätigt wird, die im vorigen Jahre realisierte inmere Anleihe 3mangsweise unterbringen. Bei der jekt geplanten Bauernanleihe" wird auf freiwillige Zeichnungen gerechnet. Höchst intereffant ist nun, welcher Art die Bedingungen dieser frei willigen Anleihe sind. Die Anleihe wird mit fünf Prozent pro Jahr verzinst; ferner enthält sie bei einem Gesamtbetrage von 50 Millionen Rubeln 2 Millionen Prämien; drittens zahlt der Zeichner statt 100 Rubel nur 85 ein, wobei, was besonders wefentlich ist, den Bauern gestattet wird, ihre Steuern im Herbst mit den Obligationen dieser Anleihe, die zum Nennwert angenommen wer den, zu bezahlen. Auf diese Weise hat der Zeichner einen Ge. winn von 15 Pros. für sechs Monate, d. h. die Anleihe wird mit 30 Broz. pro Jahr verzinst. Dies ist ohne Zweifel die teuerste Anleihe, die je aufgelegt worden ist. Neue Eisenbörsen. In einer zahlreich besuchten Bersammlung des Neueisenhandels, der Wertshändler und der freien Händler, des Schrotthandels, der Metallwaren- und der Feldbahnindustrie wurde in der Handelstammer zu Dortmund eine Dormunder Eisenund Metallbörse gegründet. Der Börsenvorstand hat sich bereits fonftituiert. Die Börsenzusammenfünfte werden erstmalig am 11. April, nachmittags 3% Uhr, und in Zukunft vorläufig alle vierzehn Tage im Lindenhof in Dortmund stattfinden. Die Geschäftsleitung liegt in den Händen der Handelskammer Dortmund. Im Essener Saalbau wurde gestern nachmittag die erste Versammlung der Essen Düsseldorfer Schrottwerte abgehalten, zu der etwa 70 Teilnehmer aus interessierten Kreisen der umliegenden Bezirke erschienen waren. Die Konzentration im Baugewerbe. Im deutschen Baugewerbe schreitet die Konzentration in beschleunigtem Tempo fort. Die in Deutschland weit verzweigten Heilmann u LittmannBauunternehmungen und Baustoffabriken find jetzt zu einem Heil: mann u. Littmann- Baukonzern A.-G. zusammengefaßt worden, deffen Macht um so größer ist, als fich jetzt auch der Lehrergroße Interessengemeinschaft zustande gekommen, an der auch die -Siemens Konzern an ihm beteiligt hat. Es ist eine Bayerische Girozentrale beteiligt ist. Eine weitere Ausgestaltung dieses Baukonzerns ist beabsichtigt. Angesichts der gewaltigen Bestrebungen der privaten an der Bauwirtschaft intereffierten Kreise, den Baumarkt in ihre Hand zu bekommen, ist es ein dringendes Gebot für die gesamte Arbeiterschaft, fich hinter die von ihren 131 Gerstengrütze, lose Gerstengraupen, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose.... Roggenmehl 0/1. Weizengrieß Hartgrieẞ 70% Weizenmehl Speiseerbsen, Viktoria Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, 1 erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große 23,00-25,00. 16.50-18,00 100,00-125,00 Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 16,00 17,25| Malzkaffee. gepackt 16,00 17,00 Röstgetreide, lose 15,75-16,00 Kakao. fettarm... 16,00 16,50 Kakao, leicht entŏlt 130,00-153,00 12,75-14,00 Tee, Souchon, gepackt 350,00-420,00 18,00-18,80 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 22,00-25,50 Inlandszucker basis mel. 40,- 42,50 14,50-16,- Inlandszucker Raffinade 42,50- 44.50 17,00 21,00 Zucker Würfel 46,00-48,00 19,00 22,75 Kunsthonig: 36,00-40,00 14,00-17,00 Zuckersirup hell in Eim, 49,00 20,25 24,50 Speisesirup dunk. in Eim. 33,00-35,00 30,00-32,50 Marmelade Einfr. Erdb. 108,00-120,00 26,00 35,00 Marmelade Vierfrucht 36,50 42,00 Pflaumenmus in Eimern 43.00-49.50 Steinsalz, lose. 16,0-18,00 Siedesalz. lose... 40,00 45,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00-37,50 Bratenschmalz in Kübeln 20,00 25,00 Purelard in Tierces. 15,25 17,50 Purelard in Kisten. 17,00 19,50 Speisetalg in Packung 27,00-31,00 Speisetalg in Kübeln 46,00 50,00 46,00-48,00 31,00-36,00 Margarine, Handelsm. I 56,00 .100,00-105,00 desgl. Il 48,00-52,00 43,00-48,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 55,00 60,00 desgi. II. 60,00-65,00 30,00 85,00 Molkereibutter i. Fässern 163,00-165,00 75,00 95,00 Molkereibutter in Pack. 168,00-170,0 80,00-100,00 Landbutter 140,00-149,00 80,00-85,00 Auslandbutter in Fässern 170,00 145,00-160,00 Auslandbutter in Packg 175,00 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00-36,00 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett. 62,00-67,00 155,00-165,00 Quadratkäse. Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl. Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Rels Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer singap. 103,00-111,00 Quarkkäse Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 .. 40,00-48,00 45,00- 48,00 3,20 3,80 4,00-4,60 66,50 67,50-68,00 66,00 67,00-67,50 30,00-40,00 35,00-50,00 120,00-125,00 138,00--148,00 Tilsiter Käse, vollfett 180,00-215,00 Ausl. ungezuck.Condensmilch 48/16 22,50-25,00 240,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 18,00-19,00 Röstkaffee Zentralam... 320,00-400,00 Inl. gez, Condensm. 48/14 28,00 29,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden. Röstkaffee Brásil. Organisationen gefchaffenen gemeinnügigen Bau und Bohnungsgesellschaften zu stellen. Insbesondere ist die Beteiligung der Arbeiterschaft an der Reichswohnungs- Fürsorgegesellschaft für Beamte, Angestellte und Arbeiter( Rewog) im eigenen Intereffe aller arbeitenden Kreise. Erwerbslosenunterstützung und Aussperrung Arbeitern, die nach einem wirtschaftlichen Kampf nicht wieder einDas Landesarbeitsamt Berlin befolgt die Praris, gestellt werden, die ersten vier Wochen keine Erwerbslofenunterstüßung zu gewähren, weil in solchen Fällen die Erwerbstofigteit nicht eine Folge von Arbeitsmangel ist. feit nici eine Folge von Metal Als der Januarkampf in der Metallindustrie einsetzte, befand sich ein Teil der Arbeiter überhaupt nicht in den Betrieben, weil fie zu jener Zeit wegen Arbeitsmangel aussehen mußten. Manche von diesen Arbeitern wurden nach Abschluß des Kampfes nicht wieder eingestellt. Obgleich fie an dem Rampf eigentlich nicht beteiligt waren, da sie ja zur fraglichen Zeit aussegten, wird auch ihnen die Erwerbs Iofenunterstügung auf vier Wochen gesperrt. Die betreffenden Arbeiter empfinden das natürlich als ein Unrecht und machen den Unternehmer, der im Entlassungsschein auf den Wirtfchaftskampf hinweist, anstatt Arbeitsmangel anzugeben, für den Schaden verantwortlich. Eine grundsägliche Entscheidung biefer Streitfrage hat nun die Kammer 7 des Gewerbegerichts gefällt. Der Kläger, der bei der AEG. beschäftigt war, vor Beginn des Kampfes aussetzen mußte und nachher nicht wieder eingestellt wurde, erhielt einen Entlassungsschein, der besagt, das Arbeitsverhältnis jei aufgelöst worden wegen der durch passive Resistenz erfolgten Schließung des Betriebes, er wäre wieder eingestellt worden, wenn nicht Arbeitsmangel vorgelegen hätte. Der Kläger fordert von der Firma Ersatz der ihm entgangenen Erwerbslosenunterstügung für vier Wochen. Er begründet seinen Anspruch damit, daß die Firma wissen mußte, ihm würde auf Dieses Zeugnis hin die Erwerbslosen unterstügung ge sperrt, fie hätte Arbeitsmangel als Entlaffungsgrund angeben müssen. Das Gericht wies die Klage ab mit der Begründung: Nach einer Auskunft vom Landesarbeitsamt würde der Kläger die Erwerbslofenunterstügung auch dann nicht bekommen haben, wenn aus den Entlassungsschein hervorginge, daß er por Beginn Des Kampfes gar nicht in Arbeit stand. Dieses scharfe schematische Borgehen des Landesarbeitsamts sei bedauerlich, ober es fei nichts dagegen zu machen. Das Entlassungszeugnis fei to ahrheitsgemäß. Es stehe nicht darin, daß sich der Kläger an der passiven Resistenz beteiligt habe. Wenn er troßdem teine Erwerbslosenunterstützung erhielt, so treffe die beklagte Firma fein Verschulden. 4 Pfg ERICH LOKE Neu eröffnet! Sonnabend kein Verkauf Neu eröffnet! Unser neuartiges Teilzahlungs- System ermöglicht es Ihnen, sich ohne Sorge chick und elegant zu kleiden. - Wir führen nur erprobt gute Waren und bedienen Sie reell. Spezialhaus für elegante Damen- und Herrenmoden. G. m. 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