Abendausgabe Str. 172 41. Jahrgang alb& Ausgabe B Nr. 86 Bezugsbebingungen und Anzeigenprelje Find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Dönhoff 292-295 Sel- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 10. April 1924 Berlag und Angetgenabteilung Gefchäftszett 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Cindenstraße 3 Ferniprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Ausland und Sachverständigenberichte Annehmen oder ablehnen? Die Beurteilung, die die Sachverständigenberichte in Frant schildert die Stimmung in den politischen und wirtschaftlichen Kreifen reich gefunden hat, trägt ein überwiegend optimistisches Gepräge. als recht hoffnungsvoll. Die Auffassung in maßgebenden englischen Starf unterstrichen wird die von den Sachverständigen gemachte Festftellung, daß Deutschland zur Leistung von Reparationszahlungen befähigt fei. Die nationalistische Presse bringt den Berichten natur gemäß noch große Borbehalte entgegen und tommentiert fie als einen S'eg der angelfächsischen Politif. Die Regierungspresse übt gum großen Teil scharfe Kritik an den Vorschlägen und appelliert an die Alliierten, fich für die Sanktionspolitik zu verpflichten, falls Deutsch land sich neue Verpfehlungen zuschulden kommen laffe. Dagegen unterstreicht die Linkspreffe, daß die Sachverständigenberichte eine Berurteilung der bisherigen Politit Poincarés und des nationalen Blodes bedeuten. Von den Preffeftimmen seien hier die wichtigsten wiedergegeben: Der offiziöfe Temps schreibt, franzöfifcherfeits tonne man den Bericht der Sachverständigen in Ruhe lefen und in Geduld seine Wir. fung abwarten. Im Falle eines deutschen Protestes würde Franfraid nicht mit leeren Händen dastehen, und bei einem Versagen Deutsch Lands würde der Frant seinen inneren Wert behalten, nachdem Frankreich im vergangenen Monat das nötige getan habe, um sein Budget burch Steuern auszugleichen. Vor allem sei eine grundlegende Wahrheit hervorzuheben, die der Bericht in Erscheinung treten laffe, und die sich in den wenigen Worten zusammentalien laffe: Deutschland tann zahlen. Im übrigen hegt der„ Temps" Zweifel, ob nicht die Bedingungen, an die die Sachverständigen die Konvertierung der deutschen Reparationszahlungen in Devisen der Gläubigerftaaten geknüpft haben, die deutschen Jahreszah'ungen all aufehr beinträchtigen werden. Auch die Kontrolle der Rentenbank erfcheint ihm nicht unbedingt zuverlässig, während er anderseits die Drganisation der Goldnotenbank zu fompliziert findet. Der Temps" fchließt mit folgendem Ausblick auf die unmittelbare Zukunft: Jeht werde die Reparationsfommission die Bedingungen und Durchführungsmodalitäten dieses Kontraktes feftfehen, dann werde die deutsche Regierung durch Gesetze die erforderlichen Maßnahmen treffen. Es werde alfo in diesem Augenblid die Frage aufgeworfen: Was merde Deutschland tun? Frantreich marte ab. Betit Journal" schreibt, ber Blan der Sachverständigen enthalte mehr als eine Unstimmigkeit. Er feße voraus, daß der deu fche Woh stand fich steigere, und bag die Einnahmen des Reiches fich fortgefeßt entrideln, er liefere aber feine Schäßung der Auf nahmefähigkeit des Finanzmarties für die porgesehene Anleihe. Gr fete weiter voraus, daß die Alliierten mit ihren Sachverständigen einig feien, baß diese Einigung von Dauer fein werde, und bag Deutschland die neuen Berpflichtungen loyal übernehmen werde, bie zu übernehmen man von ihm verlangen werde. Entgegen zuinigam Optimismus. Die ganze Drganisation des mancher Annahme habe man aber gerade in diesem Punkt Grund planes beruhe auf der kommerzialisierung und der Internationalisierung einer Schulb, an der Frans reich den größten Anteil habe. Wenn das System zu funktionieren beginne, so werte Deutschland nicht versagen fönnen, ohne gleichzeitig die Interessen fämilicher Länder, in denen es Geldgeber, Gläu biger habe, zu verlegen. Matin" erklärt, die Sachverständigen hätten eine Zahlungs. maschine montiert, die ein bemerkenswertes Stüd der Uhrmacher. funft darstelle, und an der auch nicht ein Rädchen zu fehlen scheine. Schon morgen tonne man, wenn man wolle, die Maschine in Gang feßen, und wie jede gute Maschine müsse sie nach und nach in be fchleunigtem Tempo faufen, allerdings nur, wenn Deutschland wolle. Bas werbe Deutschland sagen, was werde Deutschland tun? Figaro" fchreibt, nach der Beendigung der Arbeit der Sach verständigen beginne die der Staatsmänner, die die Entschließungen jener nicht nur in die allgemeine wirtschafts age, sondern auch in bie politischen Verhältnisse einzufügen hätten. Die entscheidende Frage sei, wie der Uebergang von dem System der lokalen Pfänder zum System der allgemeinen Garantien, die von den Sachverständi gen vorgeschlagen würden, bewerkstelligt werden folle. Der fintsdemokratliche Quotidien" erklärt, daß der Bericht bie dirette Ausbeutung der Ruhr, den Zollfordon, die franzöfifch belgische Eisenbahnregie und die Micumverträge beftimmt verurteile. Das Blatt folgert, daß die Ingenieure und Zollbeamten die Ruhr zu räumen haben werden. Poincaré habe allerdings diese Bedin. gungen bereits angenommen. Nach 15monatigen Fehlern ertenne man einige wirtschaftliche Wahrheiten an. Boincaré, Maginot und Le Tecqeur hätten eine vo.tswirtschaftliche Leftien auf Stoften Frankreichs erhalten. Der Tag werbe nicht mehr fern sein, wo das Land fie darüber zur Rechenschaft ziehen werde Im Deuvre"( rabital) wird der Sachverständigenbericht im Zusammenhang mit der Frage der Mumverträge erörtert; es heißt in dem Kommentar u. a., wenn die deutschen Industriellen, bie am Freitag nach Düsseldorf zu neuen Beratungen zurüdkommen follen, bis dahin nicht die Krebite, die fie brauchen, gefunden hätten, und wenn fie fich außerftande ertlärten, weiter zu arbeiten für den Fall, daß die Franzosen und Belgier ihnen feine Erleichterungen ihrer Basten verschafften, so werde man den Bruch haben. Das Cewertschaftsblatt Le Beuple" fhreibt, Boincaré fel ficer, unbedingt auf dem richtigen Wege zu fein, und feine Mehrheit habe mcht verfäumt, ihn beffen bei jeber Gelegenheit zu versichern. Die Arbeit der Sachverständigen fei vielleicht nicht fehr anziehend, aber fie bi'be ein Ge amifeftem von pofitiven befcheidenen Borfchlägen und, wenn sie nach außen hin nicht übermäßig glänzend feien, so befäßen sie bech bas befcheibene Berdienst, daß sie den tatsächlichen Möglichkeiten nabe formen. 4 Der fozialistische Populaire hebt ben Angelpunft der po. littschen Situation hervor: Das Wort hätten jest gleichzeitin bas Rabinett Marg Stresemann und bas Kabinett Boincaré In Paris wie in Berlin tönne der nationalist fche Drud den B'an der Sachverständigen zum Scheitern bringen. Die eing- fleifd en Reaffionäre auf franzöfl'cher Seite jelen genau so gefährlich wie die deutschen Nationalisten, und wenn die Jaduftrie und Landwirtschaft Deufchlands durch Unnachgiebigtelt das Zustandekommen einer Eini. gung verhindern und die vorgeschlagene praffiche Lösung unmöglich machen follten, fo würden sie den moralischen und den materiellen Kredit ihres Landes zugrunde richten. Die Aufnahme der Sachverständigenberichte in England ist fehr günftig. Ein Londoner Bericht der Frankfurter Zeitung" und amerikanischen Kreien läßt sich wie folgt zusammenfaffen: Die vorgesch agene Lösung ist vom Standpunkte feiner der beteiligten Mächte ideal, aber sie enthält das Beste, was unter den gegenwärtigen Umständen erreichbar ist. Es ist zu hoffen, daß rantreich wie Deutschland nach forgfältiger Prüfung bie Borschläge annehmen und damit ermöglichen werden, daß wenigstens für eine Reihe von Jahren ein modus vivendi geschaffen wird. Besonders in a meritanischen Kreisen zeigt sich einiger Optimismus, daß die Vorschläne all its angenommen werden, und es wird betont, daß soweit sich die Vorschläge als undurchführbar oder abänderungsbedürftig erscheinen, fie später ohne große Schwierigkeiten verbessert werden könnten. Bon englischen Breffeäußerungen liegen zurzeit folgende vor: Times" faßt die Berichte als eine Mahnung an Europa auf, noch malige Anstrengungen zur Herbeiführung einer wirklichen Lösung zu unternehmen. Für alle Staaten sei eine allgemeine Löfung abfolut lebensnotwendig. Sie böte allerdings noch Schwierigkeiten in der unmittelbaren Zukunft und es gate vornehmlich Unflarheiten be züglich der Methoden. Ferner würden die bevorstehenden Wahlen in Deutschland und Frankreich einen Anlaß zur Berzöge rung und zeitweifen Mißverständnissen geben. Aber Berzögerungen fönnten gleichzeitig auch eine Gelegenheit bedeuten, um die Tragweite der Eachverständigenberichte im vollen Umfange zu begreifen. Die oringende Notwe feit für Westeuropa bestünde barin, eme ficht bare und vereinte Anstrengung guten Willens und guten Glaubens au zeigen, damit Siefe fünfhge Gelegenheit, eine Lösung zu erzielen, nicht verloren gehe, denn sie werde vielleicht die letzte sein, um den Frieden zu gewinnen. Die Westminster Gazette" betont besonders ben Faktor der ökonomischen, fiskalen und wirtschaftlichen Freiheit Deutschlands: Es dürfe feinerlei Versuchungen mehr geben eine leberwachung auf Deutschland auszuüben, abgesehen von den in den Sachverständigen. berichten niedergelegten Vorschriften. Es gebe feine Hoffnung auf die Wiederherstellung des budgetären Gleichgewichts Deutschlands, so lange in den fistalen und ökonomischen Rechten Beschränkungen bestünden. Die Ausbeutung der Ruhr und der Versuch, eine befendere ökonomische Einheit des Rheinlandes zu schaffen, müsse auf hören, wenn Reparationen überhaupt erzielt werhen follten. allgemeine 25 ung ber brei Brobleme, nämlich ber Reparationen; der Sicherungen und der Schulden, von denen allein bie Bieber herstellung Europas zu erwarten fei, wir hören, mit welcher Gorge Ramsay Macdonald diese qute Gelegenheit erwartet hat und wie mir annehmen, wird der Premierminister rasch die Initiative zum Handeln ergreifon. Eine Erörterung der diplomatijchen age müssen wir uns für heute verjagen; fie muß aber un'er allen Umständen durch die Beseitigung der vielen dornenvollen Hinder. niffe bereinigt werden. Ueber der Haltung Ameritas liegt eine Washingtoner MTB.. Meldung vor in der es heißt: Der Daily Telegraph meint, unter Hinweis auf eine Die hiesigen amtlichen Kreise sind nicht geneigt, ein Urteil über ben Bericht des Romitees Dames abzugeben, bis sie Zeit ge funden haben, ihn im einzeinen zu prüfen. Man macht aber feinen Versuch, die hoffnung der amerikanischen Regierung zu berhehlen, daß der Blan pon den alliierten Mächten annehm bar gefunden und darin eine Lösung des europäischen Problems entdeckt werden wird. Man ist hier der Ansicht, daß in der Regelung der Reparationsfrage die Hauptschwierigkeit der gesamten Regelung liegt. In amtlichen Kreifen wird in diesem Zusammenhange an die Newhavener Rebe des Staatsfefretärs Hughes im Jahre 1922 erinnert, in der er erflärte, baß. wenn de Mächte zu einer Berstän digung über den Sachverständigenplan gelangten, die Wege ameri. lanischer Hilfsbereitschaft nicht verfehlen könnten, sich hoffnungsvoll zu öffnen. amerikanischen Sachverständigen Owen Young an einen Ber In diesem Zusammenhang muß auch folgende Erklärung des trcter des Borifer Gaulois" wiedergegeben werden: Die Amerikaner hätten in voller Unabhängigkeit und nach bestem Gewiffen der Aufforderung der Reparationsfommission entsprochen und an dem nun veröffentlichten Plan der Sachverständigen mitge. arbeitet. Er glaube zu der Hoffnung berechtigt zu sein, daß dieser Blan, der in voller Einmütigkeit der Auffassung und des Empfindens von erprobten Sachverständigen aufgestellt worden sei, auch die ungeheure Mehrheit seiner Landsleute in Amerila nicht gleichgültig laffen werde. Amerita fönne nur auf eine Art bei der Berwirt lichung desselben mitwirken, indem es sich an der vorgesehenen Anleihe beteilige; wie schnell ober wie langsam es Stapita ten aufbringen werbe, das werde zunächst davon abhängen, wie der Plan der Sachs verständigen in amerikanischen Finanzkreisen beurteilt werde. Er nehme an, daß wenn der Sachverständigenplan in demselben Geist, in dem er zustande gekommen fei, auch aufsenommen werde, und in der Reparationsfommission zwischen den wenn während des Krieces verbündeten Mächten Einigkeit bestehe, Amerifa fich nicht länger dem Rufe Europas verschließen und gern an der Herstelluna bes Friedens und der wirtschaftlichen und finan. ziellen Wiebererholung Europas mitwirken merbe. Zum Schluß sei auf die Haltung Italiens hingewiesen, bas fich im allgemeinen skeptisch verhält. gegen Ablehnung! Die Berliner bürgerliche Preffe mit Ausnahme der Rechtspresse hat sich gegenüber den Vorschlägen der Sachver ständigen auf das Stichwort Distusfionsgrundlage geeinigt. Aus ihren Betrachtungen geht deutlich hervor, daß fie fachlich mehr oder weniger auf dem Standpunkt steht, der gestern abend und heute früh hier rertreten worden ist, daß fie es aber für undiplomatisch hält, die Bereitschaft zur Annahme jetzt schon in flaren Morten auszudrücken. Bir erlauben uns, in dieser taktischen Frage anderer Meinung zu sein, denn mit Diskussionen und Verhandlungen, während die französischen Pressionen weitergehen, ist Deutschland nicht gebient. Die Aussicht, daß bei solchen Verhandlungen Verbesse rungen herausspringen, ist gering, denn daß die französische Regierung als Verhandlungspartner Deutschland mehr zugeständrisse machen wird, als sie im Sachverständigenbericht Dagegen besteht enthalten sind, ist äußerst gering. die Gefahr, daß die französische Regierung, der die glatte ZuStimmung zu dem Bericht äußerst unbequem wäre, sich gleichfalls auf die Formel der Diskussionsgrundlage" zurückzieht. Ihr könnte es nur passen, wenn die Borschläge der Sachver ständigen im Sumpf einer endlosen Diskussion ertränkt würden und alles beim alten bliebe. würden und alles beim alten bliebe. Darum sind wir der Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung den Vorschlägen der Sachverständigen, die ein unteilbares Canzes bilden, ihre 3ustimmung erteilen muß. Diese Zustimmung bedeutet nicht eine Erklärung, daß man alles, was die Sachverständigen sagen, für richtig finde, und fie schließt für den Bertrag, der geschlossen werden soll, die felbstverständliche Klausel der höheren Gewalt nicht aus. Die Bustimmung ist ein politischer Akt, durch den Deutschland wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen und der gewalttätigen Fremdherrschaft im besetzten Gebiet ein Ende bereitet werden soll. Die Logit der Taisachen ist zwingend, sie hat beinahe ein Wunder vollbracht. Auch ein Teil der deutsch natio nalen Bresse nüanciert seine Betrachtungen über die Borschläge der Sachverständigen zwischen diplomatischer Vorficht und taum verhülltem Wohlwollen. Im ,, Tag" des Herrn Hugenberg zieht Dr. Mühling einen Vergleich zwischen den Forderungen des Londoner Ultimatums und denen der Sachverständigen, der felt stverständlich zum Vorteil der Sachverständigen ausschlägt. Er fommt zu dem Schluß: Aber schon die Tatsache, daß die Vorschläge der Sachverständigen eine Herabsehung, und zwar eine sehr beträchtliche Herabsehung der Forderung des Londoner Ultimatums zur notwendigen Fo'ge haben, macht es unmöglich, daß wir diese Borschläge als völlig unannehmbar ablehnen. Nicht ganz soweit geht die Kreuzeitung". Sie schreibt: Eine fchroffe Ablehnung des Gutachtens von vornherein auszusprechen, ist angesichts der Lage vielleicht nicht unbedingt erforderlich und ein mehr abwarten des Berhalten mag infofern feine Berechtigung haben. a's Deutschland nicht von vornherein sich dem Borwurf der Intransigen aussehen will. Bei jeder Diskussion über die Vorschläge werden aber stets gewisse Vorbedingungen vorauszusch den sein; nämlich die Räumung des Ruhrgebiets im Fole der Annahme der Berschläge der Sachverständigen, gleichzeitig eft let ung einer der Leistungsfähigkeit Deutschlands entsprechenden Gesamtsumme der Reparationsver Pflichtungen und Gewähr für die Finanzhoheit Also selbst die Kreuzzeitung" begreift, daß fich Deutsch land nicht durch eine fchroffe Ablehnung" dem Vorwurf der der Tag" vertreten die Richtung in der Deutschnationalen. Intransigenz", der Unversöhnlichkeit, aussehen darf. Sie und Partei, die nach den Reichstagswahlen den Bürgerblod schaffen und die Partei regierungsfähig machen will. ma's wiederholt sich wie bei den Berhandlungen über die Regierungsbildung nach Siresemanns Kanzlersturz die Erscheinung, daß sich die Deutschnationale Partei in dem gleichen Maße der Erfüllungspolitit" nähert, in dem sie an die Möglichkeit, Regierungspartei zu werden, näher herankommt. AberEin anderer Teil der deutschnationalen Preffe gibt sich dagegen noch immer hemmungslos der nationalistischen Wahlpropaganda hin. Die„ Deutsche Zeitung" bemüht sich eine Weile mit volkswirtschaftlichen Auseinandersetzungen, um zum Schluß in den Ruf auszubrechen: Was geht uns aber die ganze Sache schließlich an, denn der Plan ist ja doch un annehmbar. Und in der Deutschen Tageszeitung", dem Organ des in der Deutschnationalen Partei übermächtigen Reichs and bundes, deflamiert der Chefredakteur Paul Baeder folgendermaßen: Im ganzen aber fann und muß schon heute mit allem Nachrud Der faschistische Corriere de Italia" meint, infolge ber gefagt merben, daß die Borschläge der Sachverständigen wirtschaftIntranfigenz Boincarés werde der Bericht ein diplomatisches Dofus fiche Zumutungen an Deutschland stellen, die zum größeren Teile ment ohne praktische Anwendung bleiben. Die Tribuna" beller Wahnsinn find. Daß sie nicht einmal in einer Gesamtbegren schreibt: Die Annahme der Berschläge werde in Deutschland auf Schwierigkeiten stoßen, da die Politiker wegen der Bahlbewegung zung der Reparationen legtes Ziel und legte Grenze zeigen, macht der wachsenden Strömung nach rechts nachgäben. Der onbo der wachsenden Strömung nach rechts nachgäben. Der onbo" fie unter diesen Ilmständen noch unerträglicher. Wenn es weist auf die Stärkung hin, welche Poincarés Intransigenz durch die deutschnationale Bewegung erfahre. Nicht umsonst habe es Boincaré fo eingerichtet, daß das Gutachten gerade während des deutschen Wahlfeldzuges heraustam. Das deutsch- englische Abkommen über die er abseßung der Reparationsabgabe von 5 Proz. auf die deutsche Einfuhr nach England ist um zwei Monate verlängert worden. Das Ablommen war in Erwartung des Sachverständigenberichts nur bis zum 15. April gefchloffen, gilt aber jest weiter bis zum 15. Juni beshalt in dem Schreiben des Generals Dawes heißt, die Zurüdweisung dieser Vorschläge durch Deutschland würde im Endergebnis das deutsche Bolt in hoffnungsloses Elend verstriden, so können wir nur sagen: Ein grauenvolleres Elend, als Deutschland durch die 3uftimmung zu derart wahnwigigen Borschlägen auf fich laden würde, ist nicht denkbar. Ihnen gegenüber fann es nur beißen: Cleber ein Ende mit Schreden als ein Shreden ohne Ende! Herr Paul Baeder ist also Baterlandsfreund und Held genug, unbewegt zusehen zu wollen, wie die unglüdliche Be völkerung des besetzten Gebietes ein Ende mit Schreden nimmt", ohne sich dadurch in seiner Behaglichkeit stören zu laffen. Gleichviel! In der Deutschnationalen Partei flafft ein Riß. In einer Frage, die für das deutsche Bolt heute die Schicksalsschwerste von allen ist, besteht keine Einigkeit, vielmehr stehen die Meinungen hüben und drüben einander diametral gegenüber. Annehmen oder ablehnen,„ Erfüllungspolitit" oder nicht, Borbereitung zur Uebernahme der Berantwortung oder billige auf den Dummenfang gerichtete Heldenpose das ist jetzt das große Problem. Das„ böllische" Zentralorgan für Berlin hat, ebenso wie Das kommunistische, fich über den Sachrerständigenbericht noch nicht äußern fönnen, die Leute haben ihre eigenen Sorgen. Aber es ist ganz selbstverständlich, daß sich die Bölkischen" die Gelegenheit, die ihnen die Meinungsverschiedenheit bei den Deutschynationalen bietet, nicht entgehen laffen werden. Ihr Wahnsinn hat wenigstens Methode, und so werden fie die Halhing des„ Lag" und der„ Kreuzzeitung" als neuen Beweis dafür buchen können, daß die Deutschnationale Partei völkisch unzuverlässig und start verjudet ist. Als erste innerpolitische Wirkung des Sachverständigen berichts ist also die Tatsache zu verzeichnen, daß die Deutschnationale Partei in eine fläglich- fomische Situation geraten ift. Im Sechzigtage- Rennen der nationalistischen Demagogie beginnt ihr schon jetzt, drei Wochen vor der Entscheidung, der Atem auszugehen. Sie enthüllt sich vor den Wahlen als eine Partei, die in entscheidenden Augenblicken felber nicht weiß, was sie will. Es ergibt sich noch ein meiteres: Minister, die etwa im Kabinett für Ablehnung stimmen sollten, würden sich der Gefahr aussetzen, felbst von Deutschnationalen für Esel erklärt zu werden. Sie fönnten sich dann allenfalls noch mit der Gunst Bulles trösten, aber zum Regieren ist das. viel leicht doch zu wenig. Bruch in der Volkspartei. Die Nationalliberale Vereinigung scheidet aus. Die Nationalliberale Vereinigung hat sich endgültig von der Deutschen Wolfspartei ge trennt. Sie hat in einer aus allen Teilen des Reiches beschickten Bertreterversammlung im Reichstagsgebäude den Entfchluß gefaßt, ihre Bindung an die Mutterpartei als gelöst zu betrachten und ihren Anhängern zu empfehlen, in den Wahlfreifen, in denen die von der Volkspartei oder ähnlicher Seite aufgestellten Kandidaten nicht den Anschauungen der Vereinigung entsprechen, die deutsch nationale Liste zu wählen. Als Ziel der Vereinigung wird in der entscheidenden Entschließung der Kampf gegen den Margismus angegeben. Die Verwaltung im Reich und in den Ländern soll von diejen„ Elementen" gesäubert werden, die große Koalition in Breußen soll gefprengt, ähnliche Regierungskonstellationen im Reich und in den Ländern verhindert werden. Die Berfassung foll in Anknüpfung an Bismarcksche Ueberliefe: rungen auf deutsch- rechtlicher Grundlage" neu aufgebaut werden. Ueber das außenpolitische Programm der Bereini gung schweigt sich die Entschließung, von inhaltslosen Phrasen abgesehen, aus. Im Interesse einer jauberen Klärung ist das endgültige Ausscheiden der Nationalliberalen Bereinigung aus der Bolts parlet nur zu begrüßen. Diele Schwerindustriellenclique hat das politische Leben durch ihre Intrigen feit langem verseucht und mehr als einmal eine vernünftige und fruchtbringende Arbeit durchkreuzt. Indem sie ihren Wählern empfiehlt, deutschnationale Liſten zu wählen, zeigt sie ihr wahres Geficht. Es ist fennzeichnend, daß der Führer der Volkspartei, Dr. Stresemann, nicht die Kraft gefunden hat, seinerseits rechtzeitig einen flaren Trennungsstrich zwischen feiner Partei und den deutschnationalen Quertreibern in feiner Bartei zu ziehen. Er hätte dadurch der Bolkspartei und dem Reich manch fritische Stunde erspart. Der Eichkater. Bon Alexander K. Hoppe. Gestern machte ich meine erste Frühlingsfahrt. Ueber den stillen Waldweg huschte etwas hin, ganz nahe vor mir. Ein Eichlater, im graubraunen Winterpelz. Am jenseitigen Wegrande, dicht bei einem Baume, machte er halt, äugte, witterte, bereit baumauf zu gehen, menn irgendeine Gefahr drohte. Er hatte mein Herannahen wohl bemerkt, ich aber hielt mich ganz still. Er huschte weiter zum nächsten Baum, witterte wieder; ich blieb unbeweglich. Da faßte er Mut und verschwand im gemütlichen Galopp zwischen den Bäumen. Eine Strede weiter lud ein sonniger Blak zur Wegrast ein. Nach dem Frühstück legte ich mich lang ins Gras und blickte hinauf in den seltsam dunkelblauen Himmel zwischen den grünen Wipfeln. Wie lange ich so gelegen, weiß ich nicht. Plöglich wurde ich gewahr, daß der Eichlater neben mir jaß, dicht vor meinem Gesicht. Er faß aufrecht und machte mit den Borderpfoten Gesten wie ein Redner. Und richtig- er redete wirklich. Es war ein leises Pfeifen, aber ich verstand jedes Wort. Es wird abzuwarten sein, ob die gereinigte Boltspartei rechtsungültigen Anstellungsvertrag, soweit er die gelblichen Bezüge jetzt den Mut aufbringen wird, der völkischen Gefahr mit der Entschiedenheit entgegenzutreten, die das Reichsinter effe verlangt. In Bayern ist man glücklich beim großen Ruddelmuddel angelangt. Im Reich ist man auf dem besten Wege dazu, wenn man der unsinnigen Parole der Marristentöter folgt. Die Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Voltspartei teilt mit: Die Mitglieder der Nationalliberalen Bereinigung veröffentfchen einen Aufruf, in dem sie ihre Freunde auffordern, bei der bevorstehenden Reichstagswahl be usch nationale Wahllisten zu wählen. Damit befundet die Nationalliberale Vereinigung vor aller Deffentlichkeit, daß sie ihrerseits den Trennungsstrich zwischen sich und der Deutschen Boltspartei gezogen hat. Die Parteileitung ber Deutschen Bolts partei hat daraufhin der National liberalen Vereinigung folgenden Beschluß des Parteivorstandes zu gehen lassen: „ Nachdem der Parteivorstand und der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei politische Organisationen innerhalb der Partei nur für möglich erklärt haben, soweit die Sagungen dies gestatten oder die zuständigen Parteiinstanzen fie ausdrücklich genehmigen, und nachdem die Vertreter der Nationalliberalen Bereinigung in deren Auftrag Verhandlungen zur Herstellung dieser Vorauslegungen abgelehnt haben, stellt der Parteivorstand auf Grund der ihm vom Zentralvorstand ausdrücklich erteilten Ermächtigung fest, daß die in der Nationalliberalen Bereinigung verblei. benden Mitglieder aus der Deutschen Boltspartei ausscheiden." Das Zentrum in Bayern. Wie die„ Germania" meldet, haben Besprechungen in München zu Beginn dieser Woche dazu geführt, daß die Christlichsoziale Bartei in Bayern, die es bei den Wahlen am letzten Sonntag auf rund 23 000 Stimmen gebracht hat, in der Zentrumspartei aufgeht und als eigene Partei zu existieren aufhört. Die bayes rische Zentrumspartei soll fünftig dem Titel tragen: Sentrumspartei( Christlichsoziale Partei)". Das Programm der bayerischen Zentrumspartei ist das des Reichszentrums. D Der„ besonnene" Dinter. Raus aus der Freiheitspartei, rin in die Hitler- Garde. Dinter hat, wie erinnerlich, vor einigen Tagen der Berliner Leitung der Deutschvölkischen Freiheitspartei den Fehdehandschuh hingeworfen, weil sie nach seiner Ansicht zu„ unFehdehandschuh hingeworfen, weil sie nach seiner Ansicht zu un besonnen" ist. Seine eigene Besonnenheit" dokumentiert er mit folgender Erklärung: Eine zweistündige persönliche Unterredung, die ich mit Adolf Hitler und Alfred Rosenberg( ausgerechnet Rosenberg!) in Landsberg hatte, hat die völlige Uebereinstimmung meiner politischen Anschauungen und meiner Auffassung von den gemeinsamen realpolitischen Aufgaben unserer zufünftigen Reichstagsfraktion mit den Führern unserer Bewegung Ludendorff. Hitler, Graefe(?) ergeben. Ohne aus der Deutschvölkischen Freiheitspartei auszutreten, habe ich daraufhin meinen Eintritt in die Nationalsozialistisme Deutje Arbeiterpartei erklärt und mich als Nationalsozialist Adolf Hitler und seinem Bevollmächtigten A. Rosenberg unterstellt. Man ist wirklich im Zweifel, mem man mehr gratulieren foll, Hitler zur Inquifition Dinters ober Dinter zu feiner Roalition mit dem unbesonnenen Hifler! Die Völkischen diktieren. Weimar, 9. April.( Tul.) Der Führer der Deutschvölkischen Blods in Thüringen und Vorsitzende der völkischen Fraktion im thüringischen Landtag, Dr. Artur Dinter, erklärte, seine Fraktion werde der Regierung das Bertrauen entziehen und erforderlichenfalls dem Bandtage die weitere parlamentarische mit arbeit versagen, falls der Jude Loeb nicht unverzügl ch von feinem Posten als Staatsbanfpräsident verschwindet, und ebenso die Regierung die haft barmachung der ehemaligen Regie. rungsmitglieder Hartmann, Greil und Bieligt für den mangels Gegenzeichnung des damaligen. Ministerpräsidenten Frölich " Neue Erinnerungen an Wilhelm Busch. Wilhelm Busch, der Meister des Humors, tritt uns in seiner ganzen prächtigen Lebensfülle aus den neuen Erinnerungen ent gegen, die fein Neffe und Biograph Otto Röldefe im neuesten Heft der Bergstadt" veröffentlicht. Der Onfel, ber viele Jahre zu Wiedenfahl im Familienkreise des Neffen lebte, ließ auch eine allernächsten Hausgenossen nichts von den Werken wiffen, an denen er gerade arbeitete. Wie der Onfel vorher nichts von seinen Werfen sagte," erzählt Nöldeke, so ließ er auch nachher sich nicht gerne darauf an Hamburger Buchhandlung, in denen sein neues Buch„ Maler Klecksel" reden. Es steht mir noch vor Augen, wie er von den Fenstern der auslag, den Blid abwandte und lieber die Kohlföpre im gegenüber. liegenden Grünframlaten betrachtete. Was veröffentlicht war, war für ihn abgetan, wie die Echiange, die sich gehäutet hat, ihre alte Haut abtut so verglia; er es felber wohl. An feinen Sachen waren dem Meister die Bilder das erste und wichtigste. Seine eigenen Grübeleien waren bei den großen Werken feiner Hauptschaffenszeit Bilderfolgen; die sah er, der Maler und Zeichner, zunächst im Geifte; die warf er in flüchtigen Stizzen auf Zu Dir habe ich Bertrauen," sagie er. Im allgemeinen mögen einzelnen Blättern hin, bis sie in einem ersten Entwurf feftere Gewir von den Menschen nicht viel wissen; fie stellen uns nach, und ftalt gewannen, in einem zweiten Entwurf überarbeitet, mit Bewenn wir uns auch mit starken Zähnen wehren, es gibt doch gemerkungen in Prosa, wohl auch schon mit den ersten Versen versehen Gegen schickte Burschen genug, die uns zu fangen wissen. Dann steden sie und dann endgültig für den Drud fertiggestellt wurden. uns in einen engen Käfig, und schwer ist es, die Freiheit wiederzu eine Anzeige der Frommen Helene" mit 180 Illuftrationen" wandte erlangen und die verlorene Heimat zu finden. Du bist nicht so, Du sich Busch in einem Briefe an seinen Verleger Baffermann:„ Das hattest Freude an mir und wolltest mich nicht erfchreden." tommt mir vor, wie wenn man ins Blättchen einrückte:„ Ein Haus Sinnend blickte ich den Eichkater an. Wie kommt es aber, daß schlüffel ist zu verkaufen mit einem Hause daran. Es ist doch wahr haftig ein Unterschied zwischen einem Buche von sieben Bogen, das ich Deine Sprache verstehe?" geschrieben ist." Im Gespräch äußerte er sich wohl über diesen ihm in Bildern geschrieben, und einem ebenso starten, das in Worten überaus wichtigen Gesichtspunkt, er hätte die Verse zu den Bilder as nicht richtig lefen fönnien, weil sich Bilder auch nicht zitieren Er fah mich von der Seite an, wie mir schien, etwas ironisch. Ihr Menschen seid doch sonst so flug! Weißt Du nicht, daß jedes Besen feine eigene Sprache redet, und eines rebet am anderen vorgeschichten denn hinzugefügt, well die meisten Menschen sie ohne bei, bis die Liebe die Brücke des Berständnisses schlägt! Du hast Liebe zu aller Kreatur, mir haft Du sie erwiesen, meine Rede verstehst Du, wie die eines Bruders." Dabei reichte er mir die Hand. Ich erhob mich halb, und auf einmal tam es mir vor, als jei der Eichkater seltsam groß geworden. Verwundert rieb ich mir die Augen: das große Braune neben mir war meine Manchesterjacke, die ich auf meinen Wanderstab gehängt hatte. Aber wo war der Eichfater? Nun, wahrscheinlich in seinem Loch, wo er nach dem Frühstück ein Schläfchen hielt wie ich. Aber wer will sagen, ob er nicht auch von mir träume? fießen. Daß dabei die Berse dem Onfel aber nicht etwas Nebenächliches und Beiläufiges gewesen sind, daß er daran mit großem leiß gearbeitet und gefeilt hat, braucht faum betont zu werden. Einem Bewunderer feiner zahlreiche geflügelten Worte", der die Ansicht aussprach, die wären ihm wohl so zugeflogen, erwiderte er: " Die find mit großem Feiß erdacht und jorgjam gefeit. Hinter Die sind mit großem Feiß erdacht und sorgsam gefeit. Hinter dem Worte:: Das Gute, diefer Satz steht fest, ist stets das Böse, das man läßt, ftedt viel Ueberlegung und Arbeit"; und ähnlich heißt Im Traumland gibt es Begegnungen, die unser waches Bees in einem Briefe:" Diese Dinge müssen in ihrer Weise Shliff und wußtsein für unmöglich hält. Und doch, wo ist die Grenze zwischen Form haben, damit fie geläufig ins Gedächtnis und über die Lippen Traum und Wachsein? Wir fühlen uns, als Krone der Schöpfung, sehen, eine Eigenschaft, die Fleiß erfordert und auf die ich nicht wenig stola bin." fo fehr aller Streatur überlegen. Im Banne ererbter Anschauungen, voreingenommener Meinungen spielen wir die Gottes- Ebenbild Rolle mit großem Gelbstbewußtsein; bis wir dann irgend einmal auffahren wie aus einem schweren Traum und inne werden, daß wir eins find mit allen Geschöpfen des Weltalls, aus demselben Stoff gebildet, von denselben Kräften bewegt, warum nicht auch von demselben Bewußtsein erfüllt? Und wir erfahren wachend, daß wir alle Brüder find Waren die Werte einmal fertig, fo waren fie für Busch erledigt; er tümmerte sich nicht mehr um fie und verbesserte auch nichts an ihnen." War folch ein fleines Kunstwert aus der Werkstatt des Meifters im einsamen Wiedenjahler Pfarrivitwenhaus, wo er mit meiner Mutter wohnte, in die Welt hinausgegangen," erzählt Nöldefe, dann tam für ihn eine Zeit des Aufatmens, der Erholung; aber nicht der Untätigkeit. Erholung war für ihn in jenen Jahren des Herrn Loeb regelt, prozeßgerichtlich geltend macht. Damit ist die Regierung vor die Alternative geftellt, entweder das Verlangen der Deutschvölkischen zu erfüllen oder die Konsequenzen zu ziehen. England und die deutschen Wahlen. Der große Unbekannte ist wieder da! Die Deutsche Tageszeitung", die mit ihrem englischen Freund so fürchterlich hereingefallen ist, veröffentlicht jetzt einen zweiten Brief des großen Unbekannten. Es stellt sich heraus, daß sein erster Brief gar nicht an die Deutsche Tageszeitung", fon dern an einen beutschen Freund gerichtet war, der ihn an das reaktionäre Blatt weitergegeben hat. Der Briefschreiber er. flärt, feine Zeile geschrieben zu haben, die zur Annahme führen fönnte, daß er im Namen oder mit Zuftimmung der Arbeiterpartei geschrieben habe. Das hat aber die Redaktion der Tageszeitung" in ihrer Vorbemerkung besorgt, so daß der Vorwurf eines ziemlich umehrlichen politiſchen Manövers", Den er erhebt, restlos auf die Tageszeitung" zurüdfällt. An einer anderen Stelle führt er aus: " " Daß fie( die englischen Arbeiterparteiler) Sympathien für die fozialistische Bewegung in Deutschland haben, ist sicher; aber ebenso gewiß ist es( obgleich fie es nicht zeigen fönnen), daß manche von ihnen mit beträchtlicher Besorgnis einen Triumph der internationalen Kräfte am 4. Mai betrachten würden. Dem dürfen wir nochmals die offizielle Erklärung der englischen Arbeiterpartei entgegenhalten: Die brififche Arbeiterpartei jeht bei den tommenden Reichstagswahlen ihre Hoffnung auf einen Sieg der sozialistischen, republitaniichen und internationalen Kräfte. Derjenige, der fich in der„ Deutschen Tageszeitung" als eine der britischen Regierungspartei nahestehende Persönlichkeit bezeichnet, hat, wer immer er jei, fein Recht, im Namen der britischen Arbeiterpartei zu sprechen. Wenn wir nochmals feststellen, daß fich der große Unbekannte nicht selber als englischen Regierungsfreifen nahestehend bezeichnet hat, sondern daß dieses unehrliche Manöver einzig und allein der Deutschen Tageszeitung" zur Baft fällt, so dürfte die ganze Ange legenheit damit endgültig erledigt sein. " Die bayerischen Wahlen. Wann tritt der Landtag zusammen? München, 9. April.( Eigener Drahtbericht.) Das Ergebnis der Landtagswahl im rechtsrheinischen Bayern steht nun an nähernd fest. Nach den amtlich nachgeprüften Ziffern entfallen auf 18 Parteien, denen überhaupt Mandate zukommen, folgende Progentfäße der abgegebenen Stimmen: Bayerische Bolkspartei 34,8, Völkischer Block 18,6, Sozialdemokratie 16,5, Bauernbund 7,8, Kommunisten 7,7, Deutschnationale 7,5, Demofraten 2,8 und Natio nalliberale 1,1. Der rein zahlenmäßige Mandatsverlust der Sozial demokratie ist also nur von geringer Bedeutung. Zu den Wahlen in der Pfalz am 4. Mai hat die bayerische Regierung dem ständigen Ausschuß des Landtages, der am Donners tag zusammentritt, drei Borschläge unterbreitet: 1. Den Landtag zusammentreten zu lassen ohne Be rücksichtigung der Wahlen in der Pfalz und die Pfälzer Abgeordneten des letzten Landtags zunächst ihre Mandate ausüben zu laffen. Am 4. Mai müßten dann diese Abgeordneten, ebenso die 15 Landesabgeordneten, wieder zurücktreten, und zwar entsprechend einem Landtagsbeschluß, der seinerzeit allerdings gefaßt wurde m der Erwägung, daß es in diesem Jahre überhaupt nicht mehr mäg. lich sein werde, die Wahlen in der Pfalz abzuhalten 2. Den Landtag erst in der zweiten Hälfte des Mat zusammentreten zu lassen, wenn endgültig die Wahlen in der Pfalz vorüber und das Gesamtergebnis errechnet werden fann. 3. Die Wahlen in der Pfalz zwar zu berüdfichtigen, aber nur insofern, als bort die Kandidaten ohne Berüdsichtigung der Rest stimmen zum Zuge tommen, im übrigen die Ergebnisse der Wahlen von 1920 der Errechnung der Landeskandidaten zugrunde zu legen. Wie verlautet, will fich die Regierung auf den zweiten Vorschlag festlegen und infolgedeffen als fogenanntes Geschäfts. ministerium bis Ende Mai im Amte bleiben. die Malerei. Der ẞinfel trat seine Herr. des eifrigen Schaffens schaft an; der Gänsefiel, mit dem der Onkel bis an sein Lebensende zu schreiben pflegte, mit dem er auch alle Federzeichnungen zeichnete, wurde beiseite gelegt. In unserer Stube hing früher schon eine oanze Reihe die er Bilder und Sfizzen, nicht ganz nach des Onfels Wunsch und Willen. Biele hat er uns auch außerdem hinterlassen; fehr viele hat er früher gleich, wenn sie in feiner Stube in zu großer Bahl fich ansammelten, wieder verbrannt. Wie ist das zu verstehen? Ich sagte schon, daß der Onfel nur zu seiner Erholung, hier wirklich So hatte dies Schaffen seinen nur zum Selbstpläfier" malte. schäftigt hatte." 3wed für ihn erfüllt, wenn es ihn solch eine Zeit hindurch be Augufte Hauschner, die bekannte Romanschriftstellerin, ist vorige Nacht in ihrer Berliner Wohnung gestorben. Sie war in Brag geboren und hat ein Alter von 72 Jahren erreicht. Ohne sich direkt zum Sozialismus zu bekennen, hat sie in ihren Werfen stets die Sache der Armen und Unterdrüdten verfochten. Ihre bekanntesten Romane sind der Arbeiterroman 3 mischen den 3eiten", und -ihr Hauptwert Die Familie Lowofth". Ihre legte noch ungedruckte Arbeit" Die goldene Stadt" gibt eine fonturenreiche und farbenprächtige Schilderung ihrer Geburtsstadt und eine feine und tiefe Charakteristik der verschiedenen Prager Bevölfe. rungsschichten, namentlich des jüdischen Milieus. Gorilla- Empfang. Aus New Yort tommt die Meldung, daß John Daniel II.". der einzige in der Gefangenschaft lebende Gorilla, mit dem Luxusdampfer Deutschland" in New York eingetroffen ist. John Daniel II. ist der Nachfolger jenes berühmten Gorillas John Daniel I., der vor einigen Wochen in den Vereinig ten Staaten starb. Er erlag dem Klima, dem bisher alle Gorillas in den Bereinigten Saaten zum Opfer gefallen sind, und selbst die Reise feiner Pflegerin und Freundin Miz Cunningham, die an sein Strantenlager eilte, Bonnie ben tödlichen Ausgang der Lungenentzündung nicht aufhalten. Nun ist Miß Cunningham mit einem neuen Vertreter dieses Geschlechts eingetroffen. Der Gorilla wird außerdem noch begleitet von der schönen Mrs. Hathleen Bains und einigen männlichen Pflegern. Er reiste in einer Iuguriösen Staatsfabine, und eine ganze Flucht von Zimmern ist in einem Broadway- Hotel für ihn gemietet, bevor er sich auf feine Tournee" begibt. John Daniel erregte großes Aufschen, als er bei der Ankunft sich zunächst auf eigene Faust dem Heer der wartenden Photographen Dorftellte. Der dreijährige Sohn des Rongo, deffen Liebenswürdigkeit die Reporter rühmen, wurde dann noch einmal aufgenommen, während er feinen Arm von Hinzufügen for zärtlich um die Taille von Mrs. Bains schlang. Wie wir diefer Meldung hinzufügen fönnen, steht die Ver. lobung John Daniels II. mit der Tochter eines bekannten New Dorfer Milliardärs unmittelbar bevor. Dem Vertreter einer ameri fanischen Zeitung gegenüber hat er sich auch über seine politischen Ansichten geäußert und dabei betont, daß er, wie alle besseren Gorillas, Antimargift ist. Die Galerie Ferdinand Möller, Botsdamer Str. 134c, beranſtaltet an läßlich des 5 jabrigen Todestages von Theo von Brochusen eine Ausstellung seiner Berle ans Stasien. Morgen Freitag in allen Abteilungen Groß- Berlins Borwärtsagitation Jedes Parteimitglied sei zur Stelle! Der Bericht der Kapitalfluchtkommiffion. Paris, 9. April.( Tul.) Der Bericht des Mac- Kenna- Ausschusses fag: Der Ausschuß sei zu den Ergebnis gefon.men, daß die Haupt methode, durch die Deutschland seit dem Waffenstillstand feine Kapi talsanlagen im Ausland erworben habe, die des Verkaufs don Mart Bantbilanzen gewesen sei. Die auf diesem Wege erworbenen Kapitalien betrügen 7 ober 8 Milliarden Goldmart, eine Summe, dio infolge der schließlichen Marfentwertung einen Ber Iuft für über eine Million Ausländer bedeute, die zu die er oder jener Beit Käufer von Markkrediten gewesen seien. Andere hervorragende Quellen für die deutsche Kapitalabwanderung ins Ausland seien der Verkauf von Gütern, Sicherheiten, Staats: papieren, Edelmetallen und Martbanknoten, Anlagen in den abgetretenen Gebieten wie Polen und Danzig, das von den alliierten Befagungsarmeen ausgegebene fremde Geld usw. gewesen. Andererseits sei aber auch das im Ausland untergebrachte deutsche Kapital teilweise zum Ankauf von Einfuhrgütern Der= wandt worden. Nach eingehender Prüfung aller dieser Faktoren habe der Ausschuß den Eindrud gewonnen, daß das ins Ausland abgewanderte deutsche Kapital einschließlich des in fremden Gesell schaften und Firmen inveftierten Kapitals gegen Ende des Jahres 1923 die mittlere Summe von 6% Milliarden Goldmart betrage. Der Ausschuß habe ferner feine besondere Aufmerksamkeit dem Vorhandensein ausländischer Währungen in Deutschland gewidmet. Dieses fremde Geld, dessen Höhe der Ausschuß auf 1200 Millionen Goldmart beziffere, stelle die flüssigste Form dess jenigen Kapitals dar, das Deutschland im Auslande anzulegen in der Lage sei. Andererseits dürfe bei der Berechnung der deutschen Bahlungsfähigkeit nicht der Wert ausländischen Besigtums in Deutschland selbst außer acht gelaffen werden. Der Ausschuß schäße diesen Wert auf eine bis anderthalb milliarden Gold Im zweiten Teil feines Berichts stellt der Ausschuß feft, daß die fogenannte mart. Ein Stadion an der Schönhauser Allee. Berlin ist immer noch an Spiel- und Sportpläßen arın. Für die Pflege der Volksgesundheit sind sie unentbehrlich, aber gerade in den dichtbevöfferten Stadtteilen von Berlin- Nord fehlt es an ihnen am niciſten. Im Verwaltungsbezirt Prenzlauer Berg trägt man sich seit längerer Zeit mit dem Wunsch, auf dem ehemaligen Egerzierplatz an der Schönhauser Allee ein Stadion zu schaffen. Nach zweijährigen Bemühungen ist der Plan jetzt so weit gediehen, daß an seine Ausführung gedacht werden kann. Die dort schon seit einer Reihe von Jahren vorhandene Spielplatz anlage bedarf einer durchgreifenden Befferung, aber von der Stadt läßt sich bei ihrem Geldmangel einstweilen wenig Hilfe erwarten. Für das Stadion, das als werbende Anlage in Form einer Aktiengesellschaft unter Beteiligung des Bezirksamtes Brenz lauer Berg geplant wird, find Mittel von privater Seite zugesagt, zu denen noch ein Zuschuß aus der Stiftung Spiel und Sport tommen dürfte. Ueber die Einzelheiten des Projektes wurden nähere Angaben auf einem Vortragsabend gemacht, den das Bezirksamt für die intereffierten Kreise des Spiel und Sportwesens und der Jugendpflege veranstaltete. Architeft Seifert, Privatdozent an der deutschen Hochschule für Leibesübungen, zeigte in einem Lichtbildervortrag die Stadionanlagen deutscher Städte und der Hauptstädte des Auslandes. Dabei fonnte man bemerken, wie sehr die Viermillionen stadt Berlin auf diesem Gebiet von mancher minder großen Stadt Deutschlands beschämt wird. Bezirksbürgermeister Genosse John erläuterte dann den Entwurf des Stadions an der Schönhaufer lee, der nach eingehen den Beratungen mit fachkundigen Personen aus dem Spiel und Sportwefen aufgestellt worden ist. Die gesamte Sport, Spiel und Bartanlage wird etwa 17 Heftar Fläche einnehmen und hauptsächlich bestehen aus einem Fußballplak von 105 Meter Länge und 70 meter Breite, einer um ihn gelegten Läuferbahn von 400 Meter Länge und 6 Meter Breite( auf der geraden Strede 7,2 Meter Breite), rennbahn für Steher, Flieger, Matorräder und auch Kleinautos, einer um sie gelegten 500 Meter langen und 9 meter breiten Radferner aus 6 Weitsprungbahnen, 2 Hochsprungplägen, einem Blag für Turnen und Wurfübungen. Für Zuschauer fönnen entweder 60000 Stehpläge oder 20000 Sigpläge geschaffen werden, und eine Ueberdachung wird sämtliche Bläße und auch noch die Radrennbahn vor Regen schüßen. Aus der Roheinnahme werden dem Bezirksamt vorweg 7 Proz. überwiesen, außerdem muß ihm, da ihm ein Fünftel des Kapitals gutgeschrieben wird, ein Fünftel des verbleibenden Gewinnes zufließen. Bei der Lage inmitten des dichtbevölkerten Nordens und der Nähe reichlicher Verkehrsmittel( Straßenbahn, Hochbahn, Eisenbahn) ist an einem Erfolg des Unternehmens faum zu zweifeln. deutsche Kapitalflucht ihre Ursache in dem Unvermögen der deutschen Regierung habe, ihr Budget in Ordnung zu bringen. Weiter feien daran die Spetulanten und furchtsamen Anlagebesiger schuld, die ihre deutsche Mart gegen fremde Währungen verkauften, währen der deutsche Export alles im Ausland beließe, was er von seinen Verkäufen erübrigen könnte. Die Haltung des deut fchen Boltes gegenüber seinen Kriegsgläubigern habe diese Totfachen nca akzentuiert, besonders durch die Versuche, einer fest zu fassenden Gesetzgebung zu entgehen. Nach Auffassung des Ausschusses sei der einzige Weg, die Flucht deutschen Kapitals in das Ausland zu verbinden und seine Rückkehr nach Deutschland zu ermutigen, die Ursachen dieser Bewegung nach außen auszu Die Spielpflege wird durch die Stadionanlage nicht ge rotten. Die Inflation müsse ständig gestoppt werden. Wenn die schädigt. An Lagen, wo das Stadion nicht zu den großen Veranstaldeutsche Währung standhaft und stabil bleibe, werde der Deutsche, der Kapital in Ausland besitze, sich sicherer fühlen und die Gewiß- tungen benutzt wird( die Aktiengesellschaft will es nur für 18 Tage im Jahre haben), können die Schulen des Bezirks sich nach Herzensluft tummeln. Unberechtigt ist die Sorge, daß die Stadionanlage zu einer Berminderung der Spielplätze führt. Um die Anlage herum bleiben noch Spielpläge, und im übrigen find in aller nächster Nachbarschaft auf einem anderen Teil des ehemaligen Ererzierplates und auch än anderen Stellen des Bezirks zum Erfaz neue Spielplätze vorgesehen. Bürgermeister John betonte, daß mit der Ausführung des Stadionprojektes nicht begonnen wer ben soll, bevor der Erfaz benuzungsfertig ist. Kommt das Stadion nicht zustande, fo fönnen auch die neuen Spielpläge nicht beschafft werden, und selbst für die auf dem Gelände vorhandenen alten Spielplätze ist dann auf teine nennenswerte Befferung zu rechnen. heit erhalten, daß er feinen Verlust erleide, wenn er es wieder heimbringe, während der Spefulant nicht länger mit Gewinn aus dem Verkauf der Mark rechnen dürfe. Man habe an dem Beispiel Desterreichs schon erlebt, wie im Falle einer Wäh rungsstabilisierung der auswärtige Handel von selbst das im AusLand befindliche Kapital zurüdbringe. Der Ausschuß ist der Mei nung, daß, wenn den Empfehlungen des ersten Sachverständigen ausschusses für die Stabilisierung der deutschen Währung stattgegeben wird, der größte Teil des im Ausland untergebrachten deutschen Rapitals mieter ins Land zurückkehren werde. Der Ausschuß hält on und für sich eine befondere Gefehgebung gegen Kapitalsausfuhr nicht für notwendig, wenn die Reichsfinanzen auf eine stabile Grundlage gestellt werden. Aber die Uebergangsperiode in Deutschland müsse endlich beendigt werben, bevor man von einer wirklichen Stabilisierung sprechen und zu Deutschland wieder Vertrauen faffen fönne. Der Ausschuß hält es daher für richtig, wenn die Regierung eine Amnestie für alle die Straftaten erläßt, die in diesen Bereich fallen, und daß fie besondere Bergünstigungen für die Subffription auf eine Staatsanleihe in fremder Währung anbietet. Wohl durchdachte Maßnahmen dieser Art seien geeignet, die Rückkehr des Kapitals aus dem Ausland und die Wiederkehr gefunder finanzieller Verhältnisse zu beschleunigen, die doch so wesentItch seien für Deutschlands Reparationszahlungen.. Sowjetrussische Blutjustiz. Der neueste Frauenmord vor der Aufklärung. Ein Student als Täter verdächtig. Die Ermittlungen zur Aufflärung des Kapitalverbrechens, dem die junge Händlerin Rosa Schatys zum Opfer gefallen ist, wurden von den Beamten der Mordkommission Tag und Nacht fortgefeßt und führten jegt einen erheblichen Schritt wetter. Wie festgestellt wurde, traf die Ermordete am Donnerstag voriger Woche alle Vorbereitungen, um am Freitag den Geburtstag zu feiern. Das follte bei einer Freundin, einer Schneiderin in der Kolonnenstraße, gefchehen. Diese schenkte der Händlerin schon am Borabend zum Geburtstag ein neues Kleid. Die Beschentle freute fich darüber sehr, lud nun andere Freundinnen und Freunde ein und Laufte eine Menge Lebensmittel und Spirituofen, die sie nach der Wohnung der Schneiderin brachte. Als sie im Café Dlala ererschien, war die Händlerin sehr vergnügt und schon etwas ange beitert. Ein Herr, den die Kriminalpolizei ermittelte, ich entte ihr hier einen Reifenstrauß. Diesen nahm fie zu einem Schneeglöckchenstrauß, den sie bereits von der Schneiderin erhalten hatte, die ebenfalls nach dem Café Dlala gekommen war. Mit beiden Sträußen in der Hand verließ sie das Café zusammen mit dem Herrn, der sie beg'etten wollte, fich in der Mitte der Bülowstraße jedoch von ihr trennte. Jegt ging fie nach dem Bülombogen zu, wo sie zu handeln pflegt. Hier fand sie einen angeblichen Studen. ten, einen jungen Mann von etwa 22 bis 23 Jahren, den fie fannte, weil sie schon früher mit ihm intim verfehrt hat, mit ihm aing fie vom Bülowbogen weg in der Richtung nach der Alvensleben straße zu, wo sie bei einer Freundin wohnte. Dieser junge Mann, der eine schwarze Hornbrille trägt, traf später Das Riewer Urteil reiht sich der langen Reihe der Schand- andere, die ihn von Anfehen fennen, und erzählte ihnen, er fei mit ister taten der sowjet- russischen Justiz würdig an. Wie zu befürchten dem Mädchen nicht nach Hause gegangen. Seitdem ist er verschwunden und nicht mehr zu finden. Wahrscheinlich war, sind eine Anzahl Angeklagte, drei Männer und einer der Täter. Der junge Mann ist in den Cafés der Gegenb Frau, dem Henker überliefert worden. Der Prozeß selbst war als Gast bekannt. Weitere Mitteilungen über ihn und sein Berbleib genau so eine Komödie, wie der bekannte Moskauer Prozeß erbittet unverzüglich die Mordkommission Trettin- Quoß. Wichtig im Sommer 1922. Wenn die Sowjetregierung nicht den letzten ist ferner die Frage, wo der Schneeglödchenstrauß geblieben ist. Der Rest ihres morali chen Kredits im Auslande verlieren will, Nellenstrauß wurde, wie wir mitteilten, bei der Leiche gefunden. muß sie schleunigst dafür sorgen, daß durch Begnadigung der Der Schneeglöckchenftrauß dagegen ist wahrscheinlich am Tatort zum Tode Verurteilten mindestens verhütet wird, daß ein zurückgeblieben. neuer politischer Justizmord verübt wird. Vier Todesurteile in Kiew. Mostau, 9. April.( DE.) Nach achtzehntägiger Berhandlung schloß am Dienstag der Kiewer Prozeß gegen eine große Anzahl von Universitätsprofefforen und Schriftstellern, die wegen ,, antirevolutionärer Umtriebe" angetlagt waren, mit folgendem Urteil:: Tschebalow, Jafowlem, Edinomski, Winogradoma wurden zum Tode verurteilt, Onitschenko, Nikolaus und Konstantin Wasi ento, Tschelganffi, Smirnom, Tolpyga zu zehn Jahren Freiheitsstrafe, Anna Kapuczinskaia zu sieben, Leonid und Sinaida Rupewalam zu fünf Jahren bedingt, Maria Rapuczinifaia zu einem Jahre bedingt verurteilt, Jaslowski wurde freigesprochen. Den Berurteilten wurde gestattet, binnen 48 Stunden bei der ukrainischen Sowjetegetutive um Begnadigung nachzusuchen. Spaltung der deutschnationalen Rathausfraktion. Nach einer Mitteilung der Deutschen Zeitung steht eine AbSplitterung des deutsch- völkischen Teiles der Deutschnationalen Rat hausfraktion unmittelbar bevor. Zu den Bölkischen rechnen sich der Studienrot Dr. Danide, der Schlosser Karl Jordan, der Ar. beiter Eduard Lüdtke und Frau Anna Frante. Darüber hinaus frmpathiffert aber ein großer Teil der Deutschnationalen Rathaus fraktion mit den Hitlerleuten. Es ist bekannt, daß die Gegenfäße bei den Deutschnationalen äußerst scharfe find. Männer wie der Ober demagoge Pfarrer Koch und der frühere 3wedverbandsdirektor Dr. Steininer fönnen tatsächlich nur aus Bersehen Mitglieder ein und derfelben Partei geworden sein. Je nach der Besetzung der Fraktionssihung schwankt infolgedeffen auch die Haltung der Deutsch nationalen zu den wichtigsten Fragen. Sollte es in Berlin zu Neu Die neuen 10 franzöfifchen Kriegsschiffbauten hat der Senat wahlen kommen, dann erscheint eine Zerlegung der Deutschnationalen unvermeidlich. Faschistische Schandtaten. Mailand, 10. April.( EP.) Die Ausschreitungen gegen die fozialistischen Blätter in Mailand haben sich wiederholt, so das heute morgen feine dieser Zeitungen erhält ich war. Das Privatbureau des fommunistischen Atgeordneten Buffoni Chefredakteur der„ Unita", ist von Faschisten verwüste. worden. In den Vororten von Mailand wurden neuerdings zahlreiche Räume von Arbeitervereinen ver. wüstet. Der Lombardische Presfeverein erklärte in einer Tagung fein Bedauern über die Gewaltaten gegen die Zeitungen, die auch von der römischen Bresse einmütig verurteilt wurden. Bewilligt. Teure Auslandsreisen. Die Durchführungsbestimmungen über. Ausreisegebühren. Bereits in Nummer 161 und 162 des Vorwärts" war mit geteilt worden, daß das Reichskabinett sich entschlossen hätte, den Reisevertehr deutscher Staatsangehöriger in das Aus. land, soweit es nicht um der Gesamtheit des Volkes willen notwendig ist, nach Möglichkeit einzuschränken. Die Ausreifegebühr wurde auf 500 Mart festgesetzt. Bon der Entrichtung dieser Gebühr sollten befreit fein: Kranke mit ortsärztlicher Bescheinigung, erholungsbedürftige Kinder unter 14 Jahren, Auswanderer, selbständige Gewerbetreibende und ihre Angestellen, Beamte, Geiftliche und Vertreter inländischer Zeitungen, sämtlich mit dem Vorbehalt, daß sie die Notwendigkeit der Auslandsreise aus amtlichen, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen nachweisen fönnen. Nunmehr veröffentlicht das Reichsfinanzministerium die Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über Ausreisegebühren, bie die oben erwähnten Ausnahmen noch erweitern. Der erau bezügliche§ 1 der Durchführungsbestimmungen hat folgenden Wortlaut: Von der Ausreisegebühr werden weiter befreit: Wohnsiz oder dauernden Aufenthalt, im Inland dagegen feinen 1. Angehörige des Deutschen Reichs, die im Ausland ihren Wohniig haben. 2. Personen, die nachweislich zum Besuch von Familienangehörigen nach dem Ausland reisen, sofern es sich um Ehegatten, Verwandte oder Berschwägerte in grader Linie handelt und die zu besuchenden Bersonen im Ausland ihren Wohnfig oder dauernden Aufenthalt, im Innland dagegen keinen Wohnfiz haben. 3. Personen, die nachweislich aus besonderen Familienanlässen( Geburt, Eheschließung, schwere Er. frantung, Todesfall), zu nahen Angehörigen in das Ausland reifen; als nahe Angehörige gelten: Ehegatten, Berwandte und Ber schwägerte in grader Linie sowie Personen, die in der Seitenlinie im meiten Grabe verwandt find. 4. Personen, die nachweislich zum Besuch von nahen Angehörigen( Nr. 3) oder zur Regetretene Gebiet reifen. 5. Rechtsanwälte, die in der Aus. lung von Familien- oder Bermögensangelegenheiten in das abge. übung ihres Berufs in das Ausland reisen, sofern der Borstand der Anwalttammer die Notwendigkeit der Reise bescheinigt; einer solchen Bescheinigung bedarf es nicht, wenn es sich nachweislich um Berhandlungen vor einem internationalen Gericht handelt. 6. Aerzte, die nachweislich zu Konsultations oder Operations zweden oder zur Teilnahme an Kongressen in das Ausland reisen. 7. Angehörige anderer freier Berufe( Künstler, Gelehrte usw.), die nachweislich zur Ausübung ihres Berufes in das Ausland reisen. 8. Studierende, die im Rahmen ihres Studienplanes auf eine ausländische Hochschule gehen. Weiterhin besagen die Bestimmungen, daß die Finanzämter in einzelnen Fällen, in denen die Erhebung von Ausreisege. bühren eine besondere Härte bedeuten würde, oder in denen überwiegende Interessen des Gemeinwohls der Erhetung der jedoch nur für Auslandsreifen von furzer Dauer. Der gebührenGebühr entgegenstehen, Gebührenfreiheit bewilligen fönnen, freie Unbedenklichkeitsvermert( unbedenklichkeitsbescheinigung) wird nur für die zur Erreichung des Zwecks der Reise unbedingt notwen dige Aufenthaltsdauer im Ausland und nur für ein bestimmtes Land oder für mehrere bestimmte Länder erteilt. Der Aufenthalt im Aus. land wird vom Beginn des Tages ab gerechnet, an dem bei der Aus. reise die Grenze überschritten worden ist. Diefe Berordnung ist mit bem heutigen Tage( 10. April) in Straft getreten. Das Reichs finanzminifterium macht darauf aufmerksam, daß für die Be nicht das Finanzministerium zuständig ist, sondern ausschließ willigung von Gebührenfreiheit in einzelnen Fällen lich die Finanzamter, da derartige Fälle zumeist eine schnelle Entscheidung erfordert, die nur in der örtlichen Instanz gewährleistet ift. Die Einreichung von derartigen Gefuchen an das Reichsfinanzminifterium ist daher zwecklos. Unsere Wählerversammlungen. T Genoffe Lüdemann sprach gestern Abend in Charloten.. burg über den neuen Reichstag. Der Redner führte ungefähr folgendes aus: Durch die Steuerfabotage der befizenden Klassen wurde Die Finanzreform verhindert und die Inflation verschuldet. Eine immer frecher sich gebärdende Reaktion droht den Bürgerkrieg im Innern und schwere außenpolitische Gefahren zu entfeifeln. Die Justiz hat heute nicht mehr das Bertrauen des Bolkes. Der 4. Mai muß einen Reichstag bringen, der endlich den berechtigten Anforde rungen des arbeitenden Boltes entspricht. Ein Diskussionsredner lieferte eine treffende Illustration unserer heutigen Rechtsprechung. Nicht weniger als 6 Monate Gefängnis erhielt ein Arbeitervertreter der Siemenswerte megen Streifvergehens". Sein Verbrechen" bestand darin, daß er sich eines ihn brutal angreifenden Vorgesetzten zu ermehren gesucht habe! In der Schulaula in der Naolerstraßeß referterte Genosse Landtagsabgeordneter Bartels. Er behandelte eingehend das Wirken der Sozialdemokratie feit den letzten Reichs tagswahlen. Die Wähler hätten die Entscheidung, durch den Stimme zettel zu neuer Gewaltanwendung im Reiche selbst und auch außer. halb der Grenzpfähle beitragen zu helfen, oder durch Unterstützung der Sozialdemokratie für eine ruhige Entwicklung zu forgen. Die Wahl fann nich schwer sein: Wer Friede, Brot und Freiheit will, Bor den Dahlemer muß am 4. Mai sozialdemokratisch wählen. Barteigenoffen sprach Genoffe Robert Breuer. Der Redner ver. breitete fich über die Dolchstoßegende, schilderte fachlich die Ursachen des Zusammenbruchs und rechnete mit den Schuldigen der Politik des alten Obrigkeitsstaates ab. Der Sozialdemokratie mach man den Vorwurf, daß sie tein Berständnis für nationale Gesinnung und Begeisterung habe. Was ist der Nationalismus weiter als ein Deckschild höchst tlaffenegoistischer Interessen. Deutsch kann nur der fein. der Deutschlands Wohl mit ganzem Herzen, aber auch mit voffer Bernunft erreichen will. In der Disfuffion empfahl der dortige Borsitzende der deutschnationalen Partei der Sozialdemokratie, den Klassenkampf zu begraben und wahrhaft nationale Würde anzulegen. Unfere Genoffen gaben ihm die gebührende Antwort. In ichterfelbe fprach vor gutbefektem Saat Gen. Künstler. Burüdblidend auf die verffoffene Reichstagsperiode berichtete er über die positive Arbeit der Sozialdemokratie und hielt eine gründliche Abrechnung mit den Parteien der Reaktion als die einzig Schuldigen an der Berelendung der Kopf- und Handarbeiterschaft. Er geißelte die Steuerscheu der Besitzenden, das ganze vaterlandslose Berhalten von Industrie Handel und Landwirtschaft, denen in der Inflations periode bas Volkswohl nichts, der Spekulationsgewinn aber alles war, und die auch heute den Arbeiter, Angestellten und Beamten in immer unerträdlichere Lebensbedingungen hinabzudrücken bemüht feien. In der Diskussion versuchen die Kommunisten vergeblich unsern Gen. Künstler zu widerlegen, während ein fich felbft afs parteilos bezeichnender Anhänger der alten wilhelminischen Herrlich. teit für den heiteren Teil des Abends forgte. Jugendveranstaltungen. Rathenauſchule, Bobbinftr. 34/35, Filmabend: 3 fahre in die welt. Werbebezirk Reutolla. Morgen, Freitag, 11. April, abends 8 Uhr, fn bet Saaleinlag 7 Uhr. Unloftenbeitrag 40 Pf. Instilos am Gewerkschaftsbewegung Der neue Opernchor. Die„ ftreitluftigen" Chorsänger. Kommunistische Verärgerung. langt, fofort den Streit zu beginnen. Die Organisationsleitung empfahl jedoch, den Beginn des Kampfes noch um einige Tage zu ver, chieben, was einen stürmischen Proteft zur Folge hatte. Schließlich wurde jedoch dem Verlangen der Organisationsleitung Rechnung getragen und den Vertretern aufgegeben, nochmals mit den Direktionen in Berhandlung zu treten. Gleichzeitig fchleppung zu bulden. wurde aber der feste Wille zum Ausdruck gebracht, feine Ber für die Folgen nicht die Wachangestellten verantwortlich, sondern Berun in den nächsten Tagen der Kampf entbrennen sollte, find das ablehnende Verhalten der Direktionen. ..Unsoziales von den Stadtgütern G. m. b.$." Zu dem Artikel in Nr. 156 des„ Borwärts" vom 1. April teit die Berliner Stadtgüter G. m. b. H. mit: Die zum Beweife hierfür angegebenen Falle find sämtlich un zutreffend wiedergegeben. Der Borsigende des Betriebsrats der Gutsverwaltung Groß. beeren wurde nicht beseitigt", er mußte vielmehr fristlos ent laffen werden, weil er einen Borgelegten im Dienste niedergeschlagen hatte. Die Entlassung wurde durch den Schlichtungsausschuß GroßBerlin bestätigt. und den Gewertschaften und erflärt: Die Erhöhung ber Söhne| Ablehnung des Schiedsspruches befchloffen und vera ift völlig unzureichend. Die ohne Ueberstundenzuschlag zu leiftende neunte Stunde bedeutet in der Bragis die Be feitigung des Achtstundentages. Die zehnstündige Arbeitszeit in der Bahmunterhaltung wird unter allen Umständen abgelehnt. Die Konferenz vertennt nicht die schwere Stellung der Die Generalverwaltung der Staatstheater übermittelte der Ber. Berhändler, jedoch entspricht das Ergebnis night im ent. ner Breffe die Mitteilung, daß die Staatsoper einen 64 Stöpfe Funftionärfonferenz ruft dem Vorstand zu: Der Acht stunden. ferntesten den Erwartungen der Mitglieder. Die ftarten Opernchor eingestellt habe und daß dadurch der Ausstand des tag wird nicht durch Berhandlungen, sondern durch Kampf Chor- und Ballettperfonals zuungunsten des Personals verlaufen erorbert. Die Berliner Eisenbahner waren und sind be fei. Bei dieser Notiz fann lediglich der Wunsch der Vater des Gereit, Schulter an Schulter mit ihren Kollegen im Reich für den bantens gewesen sein. Nicht nur, daß es in Deutsch and ein Achtstundentag und eine menschenwürdige Eristenz ftellenloses Chorpersonal gibt, sondern es ist auch ein zu fämpfen und Opfer zu bringen. Die Konferenz fordert die geradezu ungeheurer Mangel an Chormitgliedern, Mitglieder auf, für die Startung ber Organisation uner. fo daß an einer Anzahl von ersten deutschen Bühnen schon felt müdlich zu mirfen, damit die kommenden Kämpfe geschlossene Reihen langem bestehende Bolanzen bis heute unbesetzt bleiben mußten und volle Kaffen finden. Der neue Singor der Staatsoper besteht aus in Kostüme geftedten Statisten, einigen Schauspiel. elesen und einigen pöllig unfertigen Schülern einer hiesigen Chorschule. Es ist unerfindlich, wie sich die Generalvermal tung gestalten kann, dem geradezu ausgezeichneten Kreis der Ber. liner Rezensenten und Mufiffritifer eine solche Garde a's tunst lerifchen Singhor zu präsentieren, Anfangs bes Streifs per breitete die Generalverwaltung die Mär, daß bereits 70 Prozent der Streifenden den Dienst wieder aufhenommen haben. Heute muß fie in ihrer Mitteilung über den neuen Operndhar zuneben, des insgesamt nur zehn Chor- bzw. Ballettmitglieder die Front ihrer fämpfenden Kollegen( insgesamt über 160 Mitglieder) verlassen haben. Die Berläßlichkeit der von der Generalverwaltuno heraus gegebenen Juformationen erscheint hier in merkwürdigem Lichte. Die Behauptung der Generalverwaltung, daß es sich bei dem Chorverband um eine besonders streitluftige Körperschaft handelt, ist ziemlich start. Der Chorfängerverband verlangt von der Generalverwaltung der Staatstheater nicht, daß diese feine Ber. gangenheit genau fennt; er dürfte aber mohl erwarten, daß der Aronjurist der Generalverwaltung, der Theaterbezernent im preußifchen Kultusminifterium, Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Seelig, der über 15 Jahre Syndifus des Chorfängerverbandes war, weiß, haß der Berband, der am 1. Ottober fein 40jähriges Jubiläum feiert, jetzt zum drittenmal während diefer 40 Jahre in einen Streit eingetreten ist. Die Leichtfertig feit dieser Behauptung dürfte somit offenfundig sein. Diefer ehemalige Berbandssyndifus Herr Dr. Ludwig Seelig war es auch, der die für legten Somniaa auf Veranlassung des Seren Ministerialdirefiors Schla im Einvernehmen mit Herrn Ministerialbirettor Nentwig in Aussicht genommenen Berhand. fungen hintertrieben hat. Trotz der fommunistischen Freien Eisenbahner"-Sonderorgani fation, frog aller fommunisti chen Anstrengungen, trog ber ungünstigen wirtschaftlichen Lage der Eisenbahner und troh der Einzelftreits, in denen ihre Erregung zum Ausdrud tam, ist es nicht zu einem Generalstreit der Eisenbahner unter Führung der tommu nififchen Opposition gefommen. Die Enttäuschung über die Lohn zulage non lumpigen 6 Pfennig", über den unzulänglichen Erfolg ber Bewegung mag bei den Eisenbahnern noch so groß fein bei der Kommunistischen Bartei ist sie piel, viel größer. Das ist bei den Ansprüchen aus Mostau und bei der rücksichtslosen Kritik der Moskauer Zentrale an den Resultaten der Anstrengungen ihrer deutschen Filiale in Berlin wohl begreiflich. Die Berliner Filial leiter haben effenbar nicht den Mut, den Moskauer Oberbouzen zu sagen, daß fie die Berhältnisse in Deutschland zu wenig fennen und deshalb ihre Ansprüche eimas tiefer schrauben müssen. Statt dessen fuchen fie nech Sündenböden, denen sie die Schuld an den Miß fingen ihrer Pläne zuzufchreiben. Nun, mir freuen uns, der Kommu nistischen Partei das üble Spiel, das sie mit den Gewerf'chaften treibt, au verderben. Es ist dennoch recht töricht von der KPD., baß fie ihren Merger über den Berlauf ihrer Rabenaktionen so wenig zu meistern weiß, um ihn jeweils in der Roten Fahne" auszutoben und so die Schwäche ihrer Bofition bioßzulegen. " Dem jeßigen Borfigenden wurde gefündigt, weil fein Boften als Zimmermann auf dem Borwert Neubeeren entbehrlich wurde. Dem Borfizenden des Betriebsrats der Gutsverwaltung Sputendorf mußte im Jahre 1922 ebenso wie allen Arbeitern der verpachteten Güter wegen der erforderlichen Umstellung der Betriebe gefündigt werden. Gemäß den Bachtverträgen waren jedoch sämtliche Arbeiter von den Bächtern zu übernehmen; bereits ruhe geldberechtigte Arbeiter behielten ihre Ansprüche aus den Ruhegell beschüssen der Stadt Berlin. Das Rammergericht bestätigte die Rechtmäßigkeit der Kündigung des Vorsitzenden. Nicht die Berliner Stadtgüter G. m. b. 5., sondern der Betriebsvorsitzende hat die Sache bis zum Reichsgericht verfolgt. Da der Borsigende fich außerdem weigerte, fein früheres Dienst rib zurückzugeben, so mußte gegen ihn deswegen geflagt werden. Die unrichtigkeit der gesamten Darstellung geht schon daraus hervor, daß die Berliner Stadtgüter G. m. b. 5. felbft bas größte Intereſſe baran hat, das quie Einvernehmen mit den Arbeitern und mit den von ihnen gewählten Betriebsräten zu wahren." Skandinavische Zusammenarbeit. 24 Solidarität im norwegischen Arbeitskonflikt. In zweispaltiger Balfenüberschrift bringt dieses Blatt heute Erbärmliche Borwärts 2ügen über den Eisen. bahnerstreit". Mit dem Organ einer Partei, die die Lüge ais eines ihrer wichtigsten Kampfesmittel benutzt und nie lügt", sondern nur, tämpft", tann man sich nicht darüber unterhalten, was Lüge und was Wahrheit ist. Die Rote Fahne" zetert über den ongeblichen Berrat der reformistischen Bureau. Die Berliner Esenbahner zum Verhandlungsergebnis. der so schamios sei, daß der Vorwärts" ihn nicht zu verteidigen tratie ber brei Eisenbahnerverbände, DEB., AEB. und GDE.", Die Funktionäre des DEB. nahmen gestern Sellung zu dem vermag und dafür zu erbärmlichen Lügen über die Eisenbahner Ergebnis der legten Verhandlungen im Berkehrsministerium. Be Opposition und den Freien Eisenbahnerverband" feine Zuflucht girlsleiter Dreffet nannte die Bewilligung der Lohnforderungen nehme. Nun, der„ Borwärts" hat bisher jeden Berrat der refor. der Verbände einen vollen Erfolg. der un jo höher anzufch agen fei, mistischen Bureaufratic" an den Moskauer Putsch- und General als die Regierung ihren ablehnenden Standpunkt vom Sonnabend, streifplänen verteidigt und er billigt auch diesen Berral", weil er gezwungen durch den Druck der Organisationen, aufgeben mußte. Die Eisenbahner nicht verraten will. Die„ reformistische BureauIn bezug auf die Arbeitszeit ist die Regierung allerdings fratie" veröffentlicht regemäßig die Mitgliederzahlen ihrer Gewert. aus Rücksicht auf die Industrie hartnädig geblieben, obgleich der fchaften. Die Kommunistische Moskaupartei hat sicherlich ihre zugefagte Saifonzuschlag von 5 Pf. für Bahnunterhaltungs. Gründe, die Mitgliederzahlen ihrer oppofitionellen" Sonderorgani. arbeiter und die Festlegung des neunstündigen fationen für sich zu behalten. Dann darf sie uns aber feinen Borfeit 1921, die den Arbeitern günstig waren, zu brechen. Die wilden Arbeitstages als Ausgangspunkt für die Verhandlungen überwurf daraus machen, wenn wir nicht genau wissen, an welchen die Dienstbauervorschriften als Fort chritt zu bezeichnen ist. Mit Orten die Kommunistische Partei gewerkschaftliche Sonderorgani der Anerkennung der Forderung, daß teine Maßregelungen stattfinden dürfen, hat die Regierung ein wertvolles Bugeständnis Direktionsvorsteher den Streifenden zu wiederholten Malen die Ent. laffungen zugeftellt haben. Dreffet meine, daß bei der Beurteilung des Verhandlungs ergebniffes nid außer Betracht gefaffen werden darf, daß es für bie Streifenden pieter Bezirke die Erfüllung der jeweils örtlich als notwendia erfamen Forderungen bringe. Someit folche Forde tungen für ten Barliner Bezirk in Frage tommen, tönnte es sich vielleicht um die Durchbrückung der neunstündigen Arbeitszeit für die Betriebswerfta'ten handeln und um die generelle Ab lehnung der zehnten Stunde für die Bahnunterhaltungsarbeiter. Ob bei einem enti. Kampfe um diese Forderungen die unbedingt notwendige öffentliche Meinung auf unserer Seite stehen mürte, ist deshalb fehr fraglich, weil das Bestreben des Ministeriums bei den letzten Verhandlungen offenbar dahin ging, das Streitobjekt recht gering zu machen, um die Eisenbahner bei einer Ausdehnung des Kampfes von vornherein ins Unrecht zu sehen. Redner fegte das Bertrauen in die Funktionäre, daß fie bei ihrer Stellungnahme zum Ergebnis all diefe Gründe voll in Rechnung ftellen würden. In der Diskussien tam ein starter Unmille über die Mangelhaftigkeit des Verhandlungsresultats zum Ausdrud. Die Berjammlung nahm schließlich folgende Entschließung an: Die im Bei ein des Bezirksvorstandes und der Dr'sverwaltung Berin tagende Funktionärtonferenz nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem Verhandlungsergebnis zwischen Reichsverkehrsministerium Alles Bisherige in den Schatten stellend biete an zum Engros- Preise meine Groẞmarke 聊 Benefiz" Eine feine, milde und würzige Qualitätszigarre Mein Angebot ist eine beispiellose Großleistung ersten Ranges!! Zigarren- u. Zigaretten- Großhandlung Max Torge Berlin W., Potsdamer Straße 97 ( an der Bülowstraße) Berlin W., Potsdamer Straße 116 ( an der Lützowstraße) Berlin- Schöneberg, Kolonnenstr. 66 Benefiz"( am Kaiser- Wilhelm- Platz) Originalgröße Resonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und 95 billig! Hecht abwar großhandlung Zigarren Zigaretten. Tabak billig Lindenstr.81 fationen der Eisenbahner und anderer Berufs- und Industriegruppen unterhält und wie start diese an Mitgliederzahlen sind. Daß es den ber jüngsten Bewegung der Eisenbahner eine fommunistische Hauptund Staatsaftion, zu machen, haben wir nicht bestritten. Wenn es aber der Opposition" diesmal trog aller Anstrengungen nicht ge lungen ist, die gefchloffene Kampffront zustandezubringen, fo mag dies für die Kommunisten gewiß unangenehm sein. Sie müşten sich bei einiger Ueberlegung fagen, daß es findisch oder verbrecherisch ist, eine gefchloffene Front erst auseinander zu reißen, oppofitionelle Sonderorganisationen zu bieten, um gelegentlich alle Anstrengungen zu machen", die zerrissene Front wieder zufammenzuffiden, doch nur, um sie erst recht zu zerreißen. Wer ben Arbeitern Sand in die Augen streut, sind die Kommunisten. Lohnbewegung der Wachangestellten. In einer Bersammlung der Bachangestellten des Konzerns der Berliner Bachgesellschaften und der Bachgesellschaft für Berlin und Nachbarorte am Dienstag berichtete ieloch über den gefällten Schiebsspruch und die Berhandlungen mit der Direktion. Der Redner erflärte, daß der Schiedsspruch unannehm bar jei. Trogdem feine Schnerhöhung in dem Spruch erfolgte, hat auch die Direttion ben Spruch abgelehnt, meil er nicht bie von ihr verlangte Arbeitszeitverlängerung brachte. Nachdem ber Referent unter stürmischem Beifall die Ablehnung empfahl, er. folgte eine erregte Distusfion. Einstimmig wurde dann die Sonderangebot! Hosen für Ostern billis und gut Gestreifte Hosen schöne Muster M. 8.90 6.90 Engl. Leder- Hosen 850 6.30 Feldgraue Hosen 8.90 6.75 10 99> Großes Lager in Jünglings- und Knabenhosen Bauchhosen in allen Weiten Berufskleidung- Breeches- Hosen München- Gladbacher Hosen- Zentrale Wrangelstraße 27 zwischen Zeughof- u. Eisenbahnstraße. v120 Goldmarkan Ständiges Lager von über 150 Standuhren in allen Holz- und Stilarten Schriftl. Garantie Büro- u.Ladenuhren Wand- u.Küchenuhr. Stopp- u. Autouhren Glash. Lange- Uhren 14 Karat Gold- Armband- Uhren sow.e Herren- Uhren Gold. Trauringe Juwelen. 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Bian an, daß die Arbeitgeber die Streits provozier ten und die Aussperrung verhängten, um die noch laufenden Tarife Streifs ber unorganisierten waren den Unternehmern nur ein will fommener Anlaß zur Berhängung der Generaloussperrung. Shr Garantieverlangen geht dahin, daß die Gemert. aften für jedes Mitglied 100 Kronen zur Ber fügung der Arbeitgeber deponieren sollten, die im Falle einer Ausschreitung oder wilden Arbeitsniederlegung des Mitglieds dem Arbeitgeberverband zufallen sollen! Ueber die Ause fichten des Konflifts gibt Dle D. Lian mur an, daß die Situs. tion fehr fchwierig fei, Rann es für bie deutschen Ara beiter, auf die ja auch die Zersplitterungsredner und Streitheßer Mostaus losgelaffen werden, ein warnenberes Beiſpiel geben? wärtige norwegische Konflitt der größte in gang Glandinavient Seit dem schwedischen Großstreit im Jahre 1909 ist der gegens wärtige norwegische Konflikt der größte in ganz Glandinavient Es ist bezeichnend, daß die nach Mostau abgeschwentten Ges werkschaften Norwegens in der Not feine anderen Freunde fanden als bie verräterischen, gelben" Amfterbamer. Die Kammgarufpinnerei Kaiserslautern hat ihren Betrieb ge fchloffen, da die Arbeiterschaft feit Freitag wegen Lohndifferenzen passive Resistenz übte. Achtung BSPD.- Buchdruder und Schriftgießer. Freitag, ben 11 April 1924, abends 6 Uhr, bet Hennig. Allegandrinenftr. 44, findet eine äußerit wichtige Frattions figung ftatt. Bertreter jämtlicher Betriebe fowie die Bezirks- und Frattionsvorstände find verpflichtet zu erscheinen. Wichtige Mitteilung und Materia ausgabe zur Reichs 1agswahl Berireter der anderen graphischen Fraktionen werden ebenfalls bringend Der Fraktionsvorstand 3 A: Sermann eingelaben Berantwortlich für Bolitik: Eraft Reuter; Wirtschaft: Artur Sateruus; Gemertidaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarfiäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68. Linbenstraße B. Nicht irren, auf Firma achten! Aufsehen erregend! Wie immer fabelhaft billig! Anzüge Mäntel Hosen Melton, Homespun, in guten Qualitäten. prima Zutaten 2150 Homespun, große Auswahl, nur Buckskin, gediegene Stoffe, beste Qualitäten. gute Verarbeitung 1750 größte Auswahl 390 29.50 38.- 65.- 78.- 95.- 27.50 38.- 65.- 78.- 95.- 6.50 8.- 11.- 17.Kauferleichterung darch Anzahlung. 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