Abendausgabe Nr. 178 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 89 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe Find in ber Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 292-295 Tel.- Moreffe: Sezialbemofrat Beclin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag 14. April 1924 Bertag and Engelgenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berliu sm. 68, Cindenstraße 3 Jernsprecher: Dönho 2508-2507 Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Wahlkampf im Ruhrgebiet. Die Faschistenwahl. Nach der italienischen Kammererneuerung. Bon unferem römischen Sorrefpondenten.) Rom, den 9. April 1924. reich die Annahme der von den Experten unterbreiteten Vorschläge Dem 6. April ein Nachwort zu schreiben, aus dem einfachen Es ist nicht eben intereffant, dem italienischen Wahlkampi abhängig machen will. Sowohl in England als auch in Frankreich Grunde, daß es dem Vorwort troftlos ähnlich sein muß. ist verschiedentlich der Wunsch laut geworden, daß auch die Ber- Es war ein Wahlkampf, der die Möglichkeit der Ueberraschung Grunde, daß es dem Vorwort, troftlos ähnlich sein muß. einigten Staaten an dieser alliierten Aussprache teilnehmen. Es war ein Wahlkampf, der die Möglichkeit der Ueberraschung Nach den aus Washington hier vorliegenden Nachrichten scheint dieser ausschloß, denn zur Ausgleichung jedes etwaigen Mangels an Zustimmung war ein Ueberfchuß von Gewalt" Wunsch in Washington auf teine Gegenliebe zu stoßen. Schon mit in Bereitschaft, der jeden der herrschenden Partei unerwünschRüdsicht auf die bevorstehende Eröffnung des Wahlkampfes ist es wenig wahrscheinlich, daß die Regierung der Vereinigten Staaten fich ten Ausgang von vornherein daran hinderte, praktisch, d. h. zur Teilnahme an einer interalliierten oder internationalen Konferenz in dem Resultat der Abstimmung in die Erscheinung zu treten. Unter diesen Umständen haben sich viele gefragt, wie sich denn bereiffinden wird, wo ihre Gegenwart unfehlbar zur Erörterung der die große Nervosität in Faschistentreifen erklärt, die sich am Frage der interalliierten Schulden führen müßte. Berabend der Wahl jogar zu einem öffentlichen Dokument hinreißen ließ, das eine Widerrufung des Wahl= gefeßes enthielt: ein Communiqué des Breffebureaus der faschistischen Partei machte nämlich am Sonnabend bekannt, daß die für die faschistischen Minderheitslisten abgegebenen Stimmen bei der Berechnung des Prozentsatzes der Wähler zu den Stimmen der faschistischen Mehrheitsliste gezählt werden würden. Für Annahme der Sachverständigen- Vorschläge. Dortmund, 14. April.( Eigener Drahibericht.) Angesichts des auf dem Landes lastenden Besaßungsdruces und der wirtschaftlichen Unsicherheit, die durch das Problem der Weiterführung der Micum verträge vermehrt wird, konnte der Wahlkampf hier nur schleppend in Gang kommen. Jetzt beginnt sich das Bild zu ändern, und der Rampf belebt sich. Die sozialdemokratischen Wahlversammlungen der letzten Tage, in denen u. a. auch der frühere Reichswirtschafts: minister Genoffe Robert Schmidt an verschiedenen Orten sprach, wiefen einen überaus starten Besuch auf. Es ist zweifellos, daß diese Belebung des politischen Interesses auf die Berichte der Sach verständigen zurückzuführen ist, von deren Annahme die hie fige Bevölkerung ihre Befreiung von den gegenwärtigen unerträg. Tichen Zuständen erhofft. Die sozialdemokratischen Redner treten überall für die Annahme ein und ernten damit lebhafte Zustimmung Es ist zu erwarten, daß diese frische Initiative der Partei günstig auf den Ausgang des Wahlkampfes wirken wird. Bürgerliche Redner treten in den sozialdemokratischen Wahlversammlungen fo gut wie nirgends auf, höchstens versucht es ba und dort ein Bölfisher. Die Kommunisten dagegen unterlassen es nicht, die sozialdemokratischen Bersammlungen mit Sprengfolonnen heimzusuchen, die aber dem festen Widerstand des sozialdemokra tischen Saalfchuzes begegnen. Selbst in ihrer Hochburg Geifenfirchen mißlang ihr Anschlag auf eine sozialdemokratische Wahlver. fammlung vollständig. Nach so günstigen Vorzeichen fehen unsere Genossen dem 4. Mai zuversichtlich entgegen. Konferenz der Alliierten. Voraussichtlich am 25. April. Paris, 14. April.( Eigener Drahtbericht.) In diplomatischen Kreisen rechnet man damit, daß die interalliierte Aussprache bereits in der nächsten Woche beginnen fönne, wenn Deutschland sich im Laufe der Woche zur prinzipiellen Annahme der von den Sachverständigen empfohlenen Lösung bereit erklären sollte. Man glaubt, daß die englische Regierung zu diesem Zwed einen perfönlichen Meinungsaustausch antegen wird und die Ministerpräsidenten der alliierten Regierungen bereits um den 25. April herum zu einer Konferenz zufammenkommen werden. Von franzöfifcher Seite dürfte dann vermutlich außer der Reparatoionsfrage auch das Sicherheitsproblem aufgerollt werden, deffen wenigstens provisorische Regelung zu den Bedingungen gehört, von denen FrantKammerauflösung in Frankreich. Baris, 14. April.( WTB.) kammer und Senat haben in JachtFihungen ihre Tagesordnung erledigt. Der Senat hat jedoch das Gefeh fiber die Berlängerung der Legislaturperiode auf jedys Jahre nicht mehr beraten. Die kammer ift um Mitternacht aufgelöst worden. Bor Verlesung des Auflösungsdekrets hielt der Präsident Béret die übliche Lobrede auf die Arbeiten dieses Parlaments und erklärte zum Schluß: Bom ersten bis zum letzten Tage hat diefe Kammer mit einem unerschütterlichen Willen, der, wenn es notwendig gewesen wäre, noch hätte verstärkt werden können, die unveräußer lichen Rechte Frankreichs betont. Frankreichs Ideal ist Gerechtigkeit und Einigkeit, Anhänglichkeit an die Republik und der Wunsch, daß das Land in das Barlament eine fofibe Mehrheit zurüdichidi, die nicht zerstören will, sondern entschloffen ist, dem Lande nükliche Dienste zu leiften. Damit hat nach viereinhalbjähriger Tätigkeit die Kammer bes nationalen Blods ihr Ende erreicht. Mit Recht ist von ihr gesagt worden, fie sei das reaktionärste Barlament Frankreichs seit 1830 gewefen. Aber schlimmer noch: Nie hat in Frankreich eine so unintelligente, fo wirklichkeitsfremde, so forrupte und so zynische Mehrheit regiert. Din nationalistische Belle von 1919 brachte eine Unmenge von Neulingen in das Barlament, die von Politik wenig und von Wirtschaft gar nichts verstanden und die sich zu blinden oder auch bezahlten Werkzeugen der reaktionärsten großfapitalistischen Kräfte machten: man ftelle fich einen Deutschen Reichstag vor, der zu vier Fünftein aus Lesern des„ Lokal- Anzeigers" bestehen würde. So ungefähr war das geistige Niveau dieser französischen Kammer. Kein Wunder, daß sie fast aus. fchließlich in der Hand einiger routinierter Geschäftspolitiker war, die die Intereffen des Großkapitalismus, im besonderen ber Schwerinduſtrie auf allen Gebieten der Politik und der Wirtschaft mühelos durchsetzten. Gewählt unter der schlagwortartigen Parole:„ Der Boche wird alles bezahlen", versuchten die Abgeordneten der Mehrheit dieses Versprechen dadurch zu erfüllen, daß sie den Ge waltpolitikern freie Hand gaben. Sie richteten damit nicht nur nur Deutschland zugrunde, sondern schädigten ihr eigenes Land auf das schwerste. Erst in den letzten Monaten fing bie Mehrheit an, abzubrödeln, als die verheerenden Folgen der Ruhrpolitik, von den Sozialisten mutig gebrandmarkt, immer deutlicher in Erscheinung traten. Ein großer Zug nach Tin's ging dur h das Lerd und mancher Ermäter des natio nalen Blods versuchte daher rechtzeitig den Anuß nach links nicht zu verpassen. Daher die immer geringer gewordene Mehrheit der Regierung Poincaré und schließlich die Regie: rungstrife von Ende März. Belgische Zuftimmung zum Sachverständigenbericht. Condon, 14. April.( WTB.) Dem Brüsseler Berichterstatter der Times" zufolge wird das belgische kabinett den Beschlüssen der Reparationsjachverständigen vorbehaltlos zu stimmen. Die belgische Regierung werde die baldige Jujammenfunft der Häupter der allierten Regierungen vorschlagen, um die Fragen der Felijehung des Betrages der deutschen Schuld, der Berteilung der Zahlungen und der Sanffionen zu erwägen, die angewandt werden follen, wenn Deutschland nach Zustimmung zu den Beschläffen der Sachverständigen versuchen sollte, fich seinen VerPflichtungen zu entziehen. erklärt man, wie Havas feststellt, daß im Augenblick weder von einer Baris, 13. April.( WTB.) In offiziellen franzöfifchen Kreifen Zusammenkunft von Poincaré mit Theunis noch mit Ramsay Macdonald noch von einer interalliierten Konferenz die Rede ist. Man fei der Ansicht, daß ein Meinungsaustausch verfrüht sei, bevor die Reparationsfommiffion über die Durchführung des Planes der Sachverständigen nicht eine endgültige Entscheidung getroffen habe. Vor Erneuerung der Micumverträge. Man denke: das Gefeh fett fest, daß die Mehrheitslifte 25 Broz aller abgegebenen Stimmen erlangen muß, um durchzukommen. Die berridende Bartei stellt in vier von rierzehn Wahlkreisen Minderheitslisten auf, die doch der liste halten kann, die nebenbei auch natürlich ein anderes stärkste Mann nicht für ein und dasselbe mie die MehrheitsMahlabzeichen tragen: und die für diese zweite Faschistenlifte abgegebenen Stimmen, von der auch ein Kind der ersten Bolksschulklasse versteht, daß sie der Gesamtheit der Minder heitsstimmen zuzuzählen find, folien auf einmal der Mehrheit helfen, ihre 25 Broz zu erreichen! Man muß schon eine wahre Heidenangst haben, um diesen Grad des Abfurden ohne Brechreiz zu erfliminen. Der Wahlausgang bat natürlich die Sache so gefügt, daß der Faschismus die tiefsten Möglichkeiten feiner Gefesesverdrehung nicht ausAugenmert darauf richten, wie weitherzig der Faschismus in vorzuschöpfen brauchte; immerhin foff man fdon fegt fein der Auslegung des Geistes und des Buchstabens feiner eignen Gelege vorzugehen bereit ist. Dalfeldorf, 14. April.( WTB) Die gefirigen Berhandlun. gen der Sechserkommiffion mit der Micum, die um 10 Uhr vor mittags begannen und bis 5% Uhr nachmittags dauerten, wurden mittags begannen und bis 5% Uhr nachmittags dauerten, wurden durch die bekannte Entscheidung der Reparationsfommiffion vom 11. d. M. erleichtert. Es wurde in wesentlichen puntten eine Einigung erzielt, und es besteht die Hoffnung, daß die Verhandlungen, die heute vormittag um 10 Uhr fortgeführt werden, vor Ablauf des Bertrages zu einem Abschluß führen. Was diese Kammer an unheil angestiftet hat, fäßt sich noch gar nicht übersehen. Außenpolitisch war sie der Toten gräber der jungen deutschen Demotratie. Es war das Berhängnis der deutschen Republik, daß in den schweren vier Jahren, in denen die deutsche Republik eines Mindestmaßes von Unterstügung oder wenigstens von Scho nung bedurft hätte, um sich zu fräftigen und zu fammeln, fie drüben nicht dem geringsten Verständnis begegnet, sondern nur blödem Mißtrauen und Haß. Für ein Wigblatt freilich fießen sich allerliebste Wahlartikel schreiben. In der Tat hat das politische Bigblatt in Italien wohl noch nie so hoch gestanden, hat noch nie so artikel schreiben. In der Tat hat das politische Bigblatt in zwerchfellerschütternd gewirkt, wie in diesen Wochen. Bie in gewissen Zeiten die Scham zu den Hunden flieht", so flieht heute die politische Aufrichtigkeit in die fatorische Breffe. Ihr Material liefern ihr freilich die„ todernsten" Blätter. Schreibt ba z 8. die noch gar nicht lange zum Faschismus befehrte " Tribuna": Die Man kann sagen, daß diefe Wahlen ohne Wiberfireit stattgefunden haben. Die Oppositionsparteien hatten anscheinend auf alle Aeußerungen verzichtet, die früher den Wahlkampf kennzeichneten, wie Bersammlungen, Zeitungen, Reben, geistige Polemik. faschistische Partei war in greifbarer ungeheurer Uebermacht. Bai Jezt allerdings sieht das französische Bolk allmählich ein, allen Wahlen gab es immer eine ministerielle Bariei, die aus allen was feine Erwählten angerichtet haben, und ein Schrei der Kräften des Ministeriums Borteil zog, aber die Unterstützung murde Empörung und des Efels ertönt in Nord und Süd, in Oft und nicht offen gewährt, sondern heimlich, unterberhand, auf jefultische West gegen diefe unſelige nationalistische Mehrheit. Diese Weise. Diesmal war dagegen die ganze Drganisation der allerdings weist, um fid) zu retten, auf die wachsende Regierung ganz offen dem Faschismus zur Ber sich reattionäre Gefahr in Deutschland hin und befügung gestellt, ohne Hinterhalt, ohne Berstedspielen." zeichnet diese als eine Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Bolitik; in Wirklichkeit verdankt aber die deutsche Reaktion ihre Auferstehung fast ausschließlich der französischen. Jedenfalls ist ein Sieg der Rechtsparteien in Deutschland die lehte Hoffnung, die letzte Trumpfkarte des französi fchen Nationalen Blocks. Aus diesem Grunde haben Millerand und Poincaré die französischen Wahlen auf den 11. Mai, also acht Tage nach den Reichstagswahlen, festgelegt. Erfüllt sich ihre Hoffnung, zieht ein" Nationaler Blod" von Deutschnationalen, Deutschvölkischen, Deutschen Voritsparteilern -mit der indiretten Unterstügung einer auf Kosten der Sozialdemokratie erstarkten, lediglich Radau machenden tommu nistischen Fraktion in den neuen Reichstag ein, dann wird das alte Spiel mit vertauschten Rollen fortgesetzt werden. In Frankreich wird zwar die künftige Mehrheit jebenfalls vernünftiger und demokratischer sein als die vorige, sie würde aber nichts ausrichten können, mangels eines ver: nünftigen, gleichgesinnten Partners diesseits der Reichsgrenze. In Deutschland würde der„ Lokal- Anzeiger"-Reichs tag zwar ebenso ideenlos, ebenso torrupt und ebenso zynisch ſein als die gestern aufgelöfte französische Kammer; aber sie würde sich nicht einmal auf die militärische Macht stüzen fönnen, sondern ihre einzige Waffe wäre das große Mauf der „ Baterländischen". Gegen diesen Reichstag würde sich die ganze Welt erneut zusammenschließen. Und wehe dann dem deutschen Bolt! ist eindringlich genug gewarnt und belehrt worden über die Dieses würde aber seine Brügel verdient haben, denn es Bedeutung des 4. Mail Die Maifeier in Oesterreich. Wien, 13. April.( WTB.) Die fozial stische Partel'eifung veröffentlicht in der Arbeiterzeitung einen Aufruf zur Feier des 1. mai unter, der Parole der Aufrechterhaltung des Achtffunden. tages, der Durchsehung der Alters- und Invalidenversicherung sowie des Kampjes gegen den internationalen Falchismus, Dann kommt das Blatt auf die Wahlegzesse zu sprechen: „ Bereinzelte Episoden der Unduldsamteit... aber weniger als bei anderen Wahlen. Viel Angst bei den Gegnern, zu viel, um den Wahltagen eine farbige Deforation zu verleihen. Alle verschwunden! Ber reden wolite, hat geredet, und feiner hat ihm ein Haar gekrümmt... Ein Idyll!" Die„ Tribuna" führt dann weiter aus, daß dieser idyllische Zustand im Berein mit dem Grundsatz des Wahlgefezes, nach bem die Mehrheit schon im voraus gewählt war, die Gefahr geringer Wahlbeteiligung in sich geschlossen hätte, aber auch diese Gefahr hätte die Energie der Regierung beschworen: die Bahlbeteiligung sei sehr hoch gewesen. Schließlich wird der Bahlausgang als ein Sieg des gefunden Menschenverstandes des italienischen Boltes" gepriesen! Derartige Artikel find unbedingt als Schmugtonkurrenz der politischen Bresse gegenüber den Wizblättern zu betrachten. Wie soll so ein armes Wisblatt die Sache noch ironischer darstellen? Es liegt uns fern, uns weiter in Einzelheiten des Wahlidylls" zu vertiefen. Die Leser wissen aus früheren Korrespondenzen bis zum ueberdruß, in welchem Geiste sich das Schäferspiel entroute. Der Wahlkampf hat im Zeichen potentieller Gewalt stattgefunden. In den großen Städten ist wenig davon in Praxis umgefegt worden; was auf fannt. Charakteristisch für die Form des fändlichen Wahldem Lande geschehen ist, ist zur Stunde noch nicht genau bechen„ Giornale d'Italia" vom 7./8. April( Mittagsausgabe) entnehmen. Unter dem Titel„ Ein Fascist getötet" wird dem fanipjes ist der nachstehende Bericht, den wir dem faschistiBlatte aus Avelline berichtet: In Montevarbo wurde der Faschist Leonardo Brescia durch einen Revolverschuß von einem gewiffen Capebianco getötet, dem Bruber des Profeffors Leonida Capebianco; es heißt, daß die Tra gödie durch Repreffalien veranlaßt wurde, die der Professor Capobianco von den lokalen Faschisten zu erbulben gehabt hat. In Baronia ist weiter der Bruder des Advokaten Concorbi verhaftet worden, des Randidaten der tonftitutionellen Opps damals 1594.000 Stimmen, während sie heute nur 796 000 erlangten, von denen 448 000 auf die Einheitssozialisten, 351 000 auf die Marimalisten entfallen; unsere Zahl ist ungefähr auf die der letzten Vorfriegswahlen zusammengeschrumpft, bei denen die Kommunisten noch nicht gespalten waren. fition. In der ganzen Provinz herrscht große Erbitterung, well in| bei den Wahlen von 1921 noch ungespalten waren, erzielten zahlreichen Gemeinden sogar den Vertretern der Minderheitslisten die Ueberwachung der Wahlhandlung unmöglich gemacht worden ist In anderen Orten haben die 2 a hitabinen feine Anwen dung gefunden, so daß die Abstimmung bei hellem Sonnenlicht stattfand, das noch nie die Gefilde Srpiniens mit hellerem Glanz vergoldet hat." Als Kostprobe dürfte das genügen; man hat noch 3eit, auf die gerichtlichen Anfechtungen des Wahlergebnisses, die nicht fehlen werden, zurückzukommen. Heute wollen wir bei der Tatsache des„ Sieges" stehen bleiben, deffen Mittel wir als bekannt voraussetzen. Bei allen Zahlen der Regierungsliste, über deren Zustandekommen die Tribuna" so freuherzig aus der Schule plaubert, halte man vor Augen, daß sich die Begriffe des gezählten Stimmzettels nicht deden mit dem des abgegebenen, ebensowenig wie der Begriff des wahlberechtigten und fein Recht ausübenden Bürgers seinen Ausdruck in einer identischen Zahl von Wahlzetteln findet. Gar mancher hat gestimmt, dessen Wahlzettel sich bei der Abſtimmung verflüchtigt hatte, während andere eine kaninchen hafte Fruchtbarkeit betätigten. In Neapel verlief der Tag bis gegen 7 Uhr abends fast ohne Wahl beteiligung; um 7 Uhr erschienen Rotten von Wählern mit Wahlscheinduplikaten; in Torre Annunziata haben mehrere Personen bis 50 mal gestimmt; in Formello( Latium) haben sich die Faschisten einfach der Urnen bemächtigt und ihnen den Volkswillen souffliert.( Boce Republicana" vom 9. April.) Bon den 179 Mandaten der Minderheit werden 19 burch die faschistischen Doppellisten einfach wegestamotiert. Bon den übrigen 160 tommen 65( gegen 135 in der vorigen Stammer) auf die drei sozialistischen Parteien( 26 Einheitssozialisten, 22 Magimalisten, 17 Kommunistenn), 39( gegen 106) auf die Klerikalen, 17 auf die Giolittianer, 12 auf die tonftitutionelle Opposition, 11 auf die sozialen Demokraten" ( gegen 41), 7 auf die Republikaner( gegen 6). Muffolini ver fügt über 260 Faschisten und 114 Mitläufer aller Färbungen. Der Allgemeineindruck ist bis heute der, daß die Faschisten mehr Angst hatten, als ihren Mitteln der Wahlmache entSprach; ihr Zahlenresultat übertrifft offenbar ihre Erwartungen. Eine nationalliberale Reichswahlliste. Die Mitglieder der Nationalliberalen Vereini= gung in Berlin und Brandenburg haben gestern, wie die Montagsausgabe des„ Lokalanzeiger" meldet, Reichs wallisten für die vier Wahlkreise Botsdam I, Botsdam II, Berlin und Frankfurt a. D. aufgestellt, an deren Spitze die bisherigen Reichstagsabgeordneten Dr. Marety und Freiherr von Lersner getreten sind. Damit sind die Nationalliberalen in Berlin und Brandenburg selbständig in den Wahlkampf eingetreten. hivat aspid Bayerische Krisenluft. Nun zum Wahlergebnis, dessen Zahlen schon bekannt find. Da sind einige allgemeine Feststellungen vorauszu schiden. Zunächst: daß die Kraft des Faschismus, wie bisher fast jeder Regierungspartei, auf dem Lande und in Die„ Germania" veröffentlicht eine Reihe von Zuschriften, die den kleinen Städten liegt, eben da, wo der Knüppel beweisen, wie sehr es unter den Katholiken Bayerns trifeit. Man vor zwei Jahren am schärften gehauft hat. In der Stadt ist der Politik der Bayerischen Bolkspartei feit Mailand sind z. B. die Faschisten an Stimmenzahl be- langem überbrüssig und wußte bisher nur nicht, wohin man sich wenträchtlich hinter der Gesamtsumme der sozialistischen, mari- den solle. Eine der Zuschriften begrüßt den En'schluß des Zentrums, malistischen und kommunistischen Stimmen zurückgeblieben. in Bayern eigene Kandidaten gegen die Bayerische Beltspartei auf Bei rund 165 000 abgegebenen Stimmen erzielten die Re- zustellen, mit den Worten:„ Endlich, endlich das be: gierungsliste 61 800, die sozialistische Einheitspartei 46 600, freiende Wort für uns Zentrumsanhänger in Bayern." Der bie Maximaliften 21 800 und die Kommunisten 7000, also im dyreiber dieser Zeilen ist der Ansicht, daß die große Masse der ganzen 75 400 fozialistisch kommunistische Stimmen gegen bayerischen Katholiken zum alten Zentrum zurückkehren werde, 61 800 faschistische; im Bewußtsein, die Minderheit in der wenn die Bearbeitung danach wäre. Stadt darzustellen, sollten die Faschisten, die die Stadtverwal" tung in Händen haben, zurücktreten, was fie natürlich nicht fun werden. Auch in Turin schließt die Regierung nicht gut ab, obwohl ihre Liste die der gesamten sozialistischen Parteien etwas überflügelt; bier ist die hochburg Giolittis: Regierungsliste 29 000, Giolittis Lifte 14 000, sozialistische Einheitsparter 13 500, Marimalisten 4300 und Kommunisten 9700. 21fo 29 000 Regierungsstimmen gegen 27 000 Stimmen der Umstura" porteien; im ganzen, die andern Oppofitionslisten und Ciolittis verdünnte Opposition eingerechnet, erhielt die Opposition in der Stadt Turin 65,12 Broz. aller Stimmen. Rom hat seinen alten Grimbsaẞ, sich den Lebensbedingungen des Augenblicks anzupaffen, befolgt und hat eine starte faschistische Mehrheit ergeben. Die riesigen phantastischen Mehrheiten stammen aber immer vom flachen Londe, was wohl die Vermutung nahelegt, daß diese Mehrheiten in dem Maße gewachsen sind, als die Wahlkontrolle abnahm. Am beachtenswertesten ist eine Buschrift des katholischen Dichters Leo Beißmantei, der in der jetzt mit dem Zentrum vereinigten Christlichsozialen Partei Bayerns eine führende Rolle spielt. Weißmantel ist ein außerordentlich gemäßigter Bolitiker, der die Parteigersplitterung im christlichen Lager bekämpft. Er schildert die Stimmung in Bayern folgendermaßen: reicher als mande glauben möchten. Wenn bisher in ber DeffentIchkeit weniger davon zu merten nar, so eben deshalb, weil roir feine Gelegenheit hatten, unserer Stimmung Ausdruck zu geben. Solange es fein 3 nrum in Bayern gab, blieb für uns natürlich gar nichts anderes übrig als die Bayerische Bollspartel. Das wird ja nun anders werden. Die Bayerische Boltspartei hat demnach mit ihrer Politik auch bei einem großen Teil der eigenen Wähler fräftig bankrott gemacht. ** Mannheim, 14. April.( WB.) In einer aus allen Kreisen # und Berufsständen der ganzen Pfalz außerordentlich stark besuchten Versammlung wurde die Gründung einer 3entrums partei der Pfalz einfimmig beschlossen. Zum ersten Borfibenden wurde Bürgermeister Dr. Gieben Deidesheim gewählt.. In der Versammlung wurde als Spigentandidat für die Reichstagswahl Abgeordneter Hofmann Ludwigshafen aufgeftellt. An den Reich fanger Marg und den früheren Reichskanzler Fehrenbach wurden Begrüßungstelegramme gesandt. Fehrenbach wurden Begrüßungstelegramme gesandt. # Der antisemitische Stahlhelm. Wie uns aus Schlesien geschrieben wird, läßt der angeblich unpolitische„ Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten", Gau Schlesien, die aufzunehmenden Mitglieder folgende Erklärung unterschreibenn: Ich versichere nach besten Wissen und Ges wissen, daß ich lei jüdisches Blut in den Abern habe und mit Juden nicht verschwägert bin." Damit entpuppt sich der Stahlhelm wieder einmal als ein Ge wächs aus dem deutschvöllischen Gemüsegarten. Im übrigen möchten wir nicht untersuchen, wie viele Stahlhelmleute durch die Erklärung in die Klemme geraten. Bulle, Wulle, dent an deine Großmama! * Staatsbürger jübischen Glaubens, die am Sonntag Die Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher im Herrenhause tagte, nahm folgende Entschließung an:„ Die aus allen Leilen Deutschlands anläßlich der Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Kundgebung im Herrenhaus versammelten deutschen Juden fordern alle vaterländisch Gesinnten auf, den Wahlampf im Sinne des gleichen Rechtes für alle Staatsbürger und nicht mit den vergifteten Waffen des Hasses, der linduldsamkeit und der Lüge zu führen. Vertrete jeder frei und offen feine Meinung, aber in den Bewußtsein, daß es für jeden Deutschen ein höchstes Gebot gibt: Einheit des Reiches und Wiederaufbaudes Baterlandes." Der dritte Scheidemann- Attentäter gestellt? Verhaftet und wieder auf freien Fuß gefcht. Bor furzem ging die Nachricht durch die bayerische Presse, daß ein Ab tommen zwischen Reichszentrum und Bayerischer Volkspartei getroffen fei oder getroffen werden solle, den beim Zentrum verbliebenen Abgeordnete Hofmann in der Pfalz mitaufzustellen, wogegen das Reichszentrum fich verpflichtete, von der Aufstellung eigener Randidaten in Bayern abzusehen. Ich glaube, dem Reichszentrum einen Dienst zu tun, wenn ich offen gestehe, daß jane chriflichen Kreise Bayerns, welche die Politik der Bayerischen Boltspartei nicht mit machen fönnen, ja durch die Wahlvorlage der Bayerischen Boltspartei bei den derzeitigen Landtagswahlen sich fittlich pergewaltigt und entrechtet fühlen, so daß sie sich in die Reihen der Christlichsozialen Partei siellten, einen solchen RuhAls weiteres Kennzeichen des Wahlergebnisses muß man handel" als Verrat empfunden hätten, ganz zu schweigen davon, das Bolarisieren nach rechts und lints unter daß wir alles Vertrauen zum Reichszentrum hätten verlieren Zerreibung der vermittelnden Parteien hervorheben. An abmüssen, wenn seine Parteileitung die Tiefe der tatsächlichen bayerischen Fragestellung so wenig ertannt hätte. foluter Stimmenzahl haben- außer den Faschisten, deren Daraus ist klar ersichtlich, wie fart die Empörung über die Mehrheitsliften 4 265 000, deren Minderheitsliftenn 351 000 separatistische und partitularistische Bolitik der Stimmen zählen- nur die Bayerischen Bolfspartei auch unter den einen Zuwachs zu verzeichnen, von 285 000 auf 304 000 die Bayerns ist. Es ist bezeichnend, wenn es in einer weiteren berbarg sich bei einer Freundin. Dort hielt er sich während des ersten, von 124 000 auf 129 000 die zweiten. Freilich spielt für beide der Zuwachs der neuen Provinzen eine Rolle( haben doch Benetien und Trient den Republikanern 30 000 Stimmen gegeben), aber er fann nicht annähernd die Folgen des Wahlterrors aufheben, der namentlich den Republikanern gegenüber sehr scharf war. Die beiden sozialistischen Parteien, die Mer weint um Stinnes? Bon Hans Bauer. Vor diesem toten Menschen stehen wir in besonderer Erschütte rung. Nicht des Menschen, sondern des Todes wegen. Denn wir sind ja alle so erdgebunden, daß ein geheimer Glaube in uns webt, es fei dem Tode schwerer, einen Mächtigen dieser Welt, als ein armfeliges Hascherl zu fällen. Ein klein wenig schwerer hat es der Tod bei Hugo Stinnes wohl gehabt als bei den armen Luders. Er ist auf allen Widerstand gestoßen, den die beste und teuerste Arznei und ein berühmter und fost spieliger Profeffor entgegenseßen können. Aber er hat nach kurzem Besinnen die Berteidigungslinien gestürmt und auf der Festung des zerfallenden Leibes die schwarze Fahne gehißt. Da sind die Papiere der Siemens- Rhein- Elbe- Schuckert- Union und die von Riebeck Montan und Gelsenkirchen und Deutsch Lurem burg gefallen, und die Herren an der Börse haben schiefe Gesichter gezogen. In den Reigen der tendenzbestimmenden Faktoren wie Geldknappheit, Dividendenaussichten, Ultimoschwierigkeiten ist der Stillstand eines Herzens getreten. Auf die Wirtschaft, für die dieses Herz zeitlebens geschlagen hatte, hat es noch im Augenblick feiner Auflösung einen Einfluß ausgeübt. Auf andere Herzen nicht. Wir können um diesen Stinnes nicht trauern. Er hat nie das Leben der anderen gelebt, da erleben die anderen seine Todesstunde nicht. Niemals ist in die winkel des Elends und der Dürftigkeit ein Schimmer feines Glanzes geflogen, da trifft auch seine Bahre fein Schimmer eines naß gewordenen Auges. Diefer Mann hat die Nation benugt, und ist ihr nicht von Rußen gemefen, er war an ihr intereffiert und hat tein Interesse an ihr gehabt. Mit dem Namen des Henry Ford ist in alle Zeit die Automobilifferung Amerifas verbunden. Henry Ford ist ein Schöpfer. Stinnes ist ein Kaufmann. Er hat vertikal und horizontal fonzentriert. Er hat verknüpft, verfädelt und versponnen. Er ist in viele Duhend Gesellschaften, aber er ist nicht in unseren Alltag eingedrungen. In der Familienchronit möge fein Name als der des Urhebers unendlichen Wohlstandes weiterleben. Bir teilen nicht sein Leid, denn er hat nie fein Glück mit uns geteilt. Sein raftloses Geschäftsmannsgenie hat nach seinem Worte dem Bohle jeiner Kinder gegolten Wir wußten nur immer, daß es nicht dem deutschen Bolke galt. Da stehen wir heute beiseite und können an diesem Toten nur Jetrauern, daß er die Binnen des letzten Erdenglüces nie leuchten fah: er wäre fonft als etwas anderes als ein reicher Privatmann gestorben. Buschrift heißt: Sieht die Bayerische Boltspartei, daß es noch sehr weite Rreise innerhalb des fatho ischen Banerits gibt, die mit dem Kurs ihrer Politif nicht einverstanden sind, dann dürfte dürfte sie sich vielleicht doch bald eines Besseren besinnen. Und diese Kreise find find viel zahlBerliner Opernwirrwarr. Die Rösliner Polizei hat am Sonnabend abend einen Stubenmaler namens Wilhelm Bauer aus Berlin- Treptow ver haftet, der sich selbst bezichtigt hat, an dem Attentat gegen, den Kaffeler Oberbürgermeister Gen. Scheidemann beteiligt gewefen zu sein. Bekanntlich ist das Attentat gegen Scheidemann bereits vor längerer Zeit Gegenstand einer Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof gewefen und die beiden Haupttäter Oelschläger und Hustort sind dama's zu längeren Freiheitsfirafen verurteilt worden. Seit einigen Wochen hielt sich nun, wie Korr. B. S. meldet, in Köslin der Maler Bauer auf, der wegen verschiedener Straftaten aus Berlin geflohen war. Bauer machte eines Abends in angetrunkenem Zupande seinen Arbeitskollegen Mitteilung davon, daß er an dem Attentat gegen Scheidemann beteiligt gewesen sei. Er habe die Blausäure aus Münchenbe jorgt, mit der Delschläger Scheidemann zu töten versucht habe. Bon einem Arbeiter wurde der Rösliner Polizei Mitteilung davon gemacht. Als die Polizei Bauer am folgenden Tag auf feiner 2rbeitsstelle verhaften wollte, ergriff der Stubenmaler die Flucht und wurde einer Bolizeistreife entdeckt und festgenommen. Bei seinem Berhör behauptete Bauer, er habe lediglich renommiert und fenne meder Delschläger noch Hustert. Da die Kösiner Behörde ihm eine direkte Schuld nicht nachweisen Bonnie, murde der Berhaftete vorläufig auf freien Fuß gefeßi(!) und das Raffeler Gericht von dem Borfall verständigt. 11 " „ Die Reisenden" von Hermann Keffer. Im Basler Stadttheater fand die Uraufführung von Ressers Komödie Die Reisenben" als Abschluß eines modernen Dramenzyklus Gesellschaft" statt. Es ist das erste Lustspiel des Berfassers, deffen Dramen Summa Summarum" und" Die Brüder" schon über viele Bühnen geschritten sind. Der Gegenstand ist feltsam genug In einem einsamen Berghotel, deffen Gäste durch Erdbebennachrichten beunruhigt sind, gelingt es einem fühnen Hochstapler im Berein mit einem anderen pfiffigen Halunken, dem. Te'egraphisten, eine Nacht lang den allgemeinenBahn zu erwecken, die Erde fei in Erdbeben und Sturzflu'en untergegangen und das Hotel am Fuß der Zinnoberspige als In el stehengeblieben. In diesem Zusammenbruch und dieser Vereinſamung fallen alle Masten. Die Hote bediensteten tennen Gehorsam und Unterordnung nicht mehr; ihr toller Sabbath flingt von hinten in die Szene und läßt die ehemais ftolzen Bertre'er der Großmächte, Breffe, Börse, Abel und Wissenschaft bisweilen mittun. Sie sind die eigentlichen Beidtragenden, über sie ergießt der Verfasser die scharfe Lauge feines Bikes, die den Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern zu andauernder Nachdenklichkeit zwingt. Otto Klemperer hat in Berlin vor einigen Tagen ein Konzert dirigiert und ist dabei hymnisch gefeiert worden. Das sei gern und freudig festgestellt. Bei dieser Gelegenheit fündigte er den Kontraft mit Direttor Lange von der Bolfsoper. Dieser sehr rührige Mann hatte einen zweiten Rapelimeister, Dobrowen, enga giert, ohne den prädentierten Operndirektor Klemperer zu fragen; er hatte auch verschwiegen, daß ihm sein Haus, das Thealer des Westens, im Prozeßmeg streitig gemacht wird. Klemperer, der in Köln eine ausgezeichnete, selbstherrliche Position hat, wehrte sich gegen diese Berliner Unsicherheit durch Lösung von seinen Vertragsverhältnis. Allerdings wird er, mit allen Machtbefugnissen ausgerüstet, gelegentlich in der Kantstraße eine Oper einstudieren. Das bedeutet aber soviel wie absolute Freiheit auch außerhalb des Institutes. Soll solch ein Theater aber wirtlich in fünstlerische Höhe geleitet werden, soll hier mit der Staatsoper tonfurtiert werden, fo muß ein Operndirektor an Haupt und Gliedern Wandlung schaffen. auf Organisation, Orchester, Soiiften, Chor und Programme loderen Berbindung Klemperers mit der Boltsoper nicht zu ermus, der feinen Augenblick ins Triviale fällt. Die drei Atte beentscheidend und dauernd einwirken. Das ist aber bei der vorsichtig warten. Den begabten Szentar hat man inzwischen zum Teufel gejagt, und es ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen, daß wie gemunfelt wird Kleiber eine schon früher geplante B2rufung Klemperers an die Staatsoper wittert und mit Recht von sich abwehrt. Gerade an Kleiber sieht man, welch langer und intensiver Arbeit es bedarf, um an einem Opernhaus Neues durchzusehen. Er stedt nach fieben Monaten noch immer in den Borarbeiten. Da will Klemperer in vier Wochen, so rebenbei, ein Staatstheater aus der Boltsoper maten? Kann er fünstlerische Armeen aus dem Hermel zu schütteln? Seine Sehnsucht scheint mehr nach dem Bobium hinzuneigen. Er schloß Vertrag über 10 philharmonische Konzerte ab; diese Arbeit, dieses Kineten am Material des Phil harmonischen Orchesters, reizt ihn. Und Kleiber scheint bei der Staatsoperntapelle als Spizentantibat der nächsjährigen Konzerte zu gelten. Wir hätten dann also zwei neue Konzertdirigenten, die fich dem Opernbetrieb zu gleicher Zeit eventue!! in zweiter Linie widmen. Mit tödlicher Sicherheit führt dieses ganze Strifentum 34 weiterem Verfall der Oper. Es sell in diesem Zusammenhang auch nicht verschwiegen wer den, daß der Streit des Chor: und Ballettpersonals der Staatsoper die fünstlerische Würde des Instituts nicht erhöht. Da die Streitenden zu Verhandlungen bereit sind, da ihre Forerun gen nicht exorbitant sind, da sie zudem um die kläglichen Bensionen ihrer Beteranen tämpfen, so wird das Ministerium ein übriges tun ürfen, um sich mit der Organisation zu einigen. Denn wojentang fann man nicht alle Choropern sperren. Jeder gute Bille findet einen guten, feliçmechenden Weg. Ein Chor ter Staatsoper iäßt Kurt Singer. fich mat erfchen, nicht lahmiegen. Die Volfsbühne bereitet zurzeit das altindische Märchenspiel Baian Der Dialog ist flassisch streng geführt, in einem schönen Rhrthginnen meisterlich; besonders der zweite, wo die gebrochenen Größen schön angeordnet in ihre Klubfeffel gepflanzt sind, werkt das Lachen im Zuschauerraum, bevor nur ein Wort gesprochen wird; bie Spannung verliert sich nie und steigert sich zu glänzenden Attschlüffen. Die Aufführung war für das Basler Theater höchst ehrenvoll. A. B. Bom Straßenbahnfahrer zum Premierminister. Die Wahlen in Südaustralien haben, wie aus Adelaide berichtet wird, mit einer Niederlage ber liberalen Bartei geendigt, und damit ist auch die bisherige liberale Regierung gestürzt. Es besteht kein Zweifel, daß die Mitglieder der Arbeiterpartei ein neues Ministerium bilden merden, da sie die Majorität in dem neuen Parlament haben, und so wird der Nachfolger des bisherigen Premierministers Sir Henry Barwell der Führer der füdaustralischen Arbeiterpartei John Gunn werden. Der 39jährige Mann ist der Sohn eines Bewohners der Orkney- Inseln, der von dort nach den Goldfeldern von Bictoria auswanderte. Hier wurde ihm 1885 John geboren. Da ter Bater früh starb, blieb die Witwe mit 9 kleinen Kindern; urück; John mußte schnell auf eigene Füße fommen und begann seine Lauf bahn als Laufjunge eines Dorffaufmanns. Dann wurde er Backer in einem Leegeschäft und fam 1908 nach Adelaide, wo er als Straßenbahnfahrer sein Brot verdiente. Auf diesem Posten schwang ganisierte ben groen Streit der Straßenbahnfahrer im Jahre 1910. er sich rasch zum politischen Führer feiner Kameraden ouf und or= Sein Ansehen wuchs immer mehr, und jent wird er durch das Vertrauen feiner Rameraden dazu berufen, die Geschicke des Landes zu leiten. Leo Erichsen, der bekannte Psychologe. Behandelt am 17. April im talena" in der Bearbeitung von 2. Feuchtwanger vor." Die bild Blüthnersaal Grenzfragen bes Heberiinnlichen" und nimmt tüaftlerische Ausgestaltung wurde Edward Suhr übertragen. hier zu den gesamten occulten Problemen der Gegenwart Stellung. Ministerpräsidenten- Konferenz. Heute vormittag um 11 lihr traten die Minister präsidenten der Länder mit der Reichsregie. rung zu einer Besprechung über den Sachverständigenbericht zusammen. Die Konferenz dauerte bis 1 Uhr und wird heute nachmitag fortgefekt werden. Auch der bayerische Minister präsident v. Knilling nahm an der Beratung teil. Die Tote im Neuen See. Unglüdsfall oder Bertreden? Ein noch unaufgeklärter Beichenfund beschäftigt die Kriminalpoliaci. Mehrere Pajjanten machten in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag furz vor 1 Uhr eine Streife der Schuppe jei auf einen unten Gegenstand aufmetsam, der in dem jamalen Arm des Neuen Sees im Tiergarten, geenüber dem Stadtbahnhof Tiergarien auf dem Wasser trieb. Mit langen Stangen Stresemann über das Gutachten. fischte man danach und zor eine weibliche Wasser eiche ans Ufer, die erst ganz furze Beit im Waffer gelegen hat. Andere Paffanten Schneidemühl, 12. April.( WIB.) In einer hier abgehaltenen meldeten sich und gaben an, daß fie ebenfalls nur kurze Zeit vorher Berfammlung führte der Reichsminister Dr. Stresemann in einen Streit zwifchen fünf Straßendirnen beob einer Rede über die politische Lage folgendes aus: achtet hätten. Bier oon diesen schlugen auf eine Fünfte ein. Die Die Regierung werde auf Grund des Ersuchens der Reparations. Kriminalpolizei wurde alarmiert und die Leiche ins Schauhaus über tommission ihre Auffassung zu dem Gutachten der Sachverstän- geführt. Hier wurde fie als eine 57 Jahre alte, aus Danzig ge bigenfommission in den nächsten Tagen darlegen. Das Gutachten bürtige Frau Anna Schmidt, die in der Liezmannstr. 32 mohut, fest der Sachverständigen zeige unzweifelhaft das Bestreben, die deutschen mittelt, die an der beobachteten Schlägerei beteiligt waren. Sie wur gestellt. In der Zwischenzeit wurden die vier anderen Frauen er Berhältnisse vom wirtschaftlichen Standpunkte aus zu erfaffen, und den festgenommen und geben nun auch zu, daß die fünfte Berion, sei von nüchternen geschäftsmäßigen Erwägungen bestimmt. Es auf die sie eingeschlagen hätten, die Ertruntene gewesen sei, fie be stelle an die deutsche Bevölkerung die Anforderung, hohe Bürden Streiten aber, Feau Schmidt ins Wasser gestoßen zu haben. Es ist cuf sich zu nehmen und bei dem wichtigsten Stüd des Reichsver- auch möglich, daß Frau Schmidt selber ins Wasser gefallen ist, da sie mögens, der Reichseisenbahn, ausländische Mitwirkung zu gestatten. und die anderen Frauen angetrunken waren. Die vorläufige geBenn die Frage erörtert werden soll, ob Deutschland die Berant richtsärztliche Besichtigung der Leiche liefert keine Spuren wortung für die Erfüllung dieser Bedingungen übernehmen soll, fo gehende Berlegung am Kopf, die aber wahrscheinlich von den Stanäußerer Gewalt. Es zeigte sich nur eine geringe, nicht durch sei dies nur möglich, wenn die wirtschaftliche, fistalische und en herrührt, mit denen die Tote aus dem Wasser gefischt wurde. verwaltungsrechtliche Hoheit des Reiches innerhalb des Reichs- Das Fehlen äußerer Berehungen beweist allerdings immer noch gebiets voll wiederhergestellt werde. Nur unter dem Ge- nicht, daß Frau Schmidt nicht ins Wasser gestoßen ist. Die vier sichtspunkt, daß die von dem deutschen Bolte aufzubringenden Opfer Frauen befinden sich noch im Gewahrsam der Kriminalpolizei. Sie in erster Linie der Bevölkerung des befegten Gebietes zugute müssen erneut vernommen werden, weil sie gestern noch nicht nich tämen und daß dem Deutschen Reiche tatsächlich eine Periode ruhiger, einem Botal in der Bachstraße dauernd gezecht, so daß sie tern waren. Alle fünf hatten von Sonnabend nachmittag an in friedlicher Entwicklung in gesicherten Grenzen deutscher Souveränitäten bli feft finnics betrunten waren. Sie waren schon gewährleistet werde, könne das Sachverständigengutachten als sach im Tiergarten aufgefallen. bevor die Leiche der einen gefunden liche Grundlage für eine Erörterung über die beantragte Mit- wurde. Zur weiteren Aufklärung nimmt Kriminalkommissar Quos wirkung an der Lösung der Reparationsfrage angesehen werden. im Polizeipräsidium, Zimmer 96, Mitteilungen entgegen. Die Börse hoffnungsfreudig. Die freundliche Stimmung", die bereits am Sonnabend an der Börse hervortrat, hielt heute an. Die Wendung in den Micum Berhandlungen wurde viel besprochen. Man bringt sie in einen gewissen Zusammenhang mit dem Bericht der Sachverständigen- Kommission und seiner Aufnahme in deutschen Kreisen. Die Börse ist der Meinung, daß es sich nur darum handle, für kurze Zeit einen modus vivendi zu finden, bis durch die endgültige Regelung der Reparationsfrage auch die Angelegenheit der Sachlieferungen geflärt ist. Die Banten verfügten heute zum erstenmale seit längerer Zeit wieder über größere Posten von Aufträgen für den Effektenmarkt, unter denen sich bemerkenswertermeise zahlreiche Ordres für aus ländische Rechnung besonders auf Montanwerte befanden. Am Geldmarkt ist eine gewie Erleichterung zu spüren. Tägliches Geld war mit s roz. pro Tag zu haben. Rentenmarkkredite, für die immer noch ein Sah von 3 bis 3½ Proz. monatlich genannt wird, find allerdings faum zu bekommen. Eine gewisse Beruhigung macht sich an der Börse geltend, da die vielfach erwarteten meiteren 3ahlungsschwierigkeiten und Erefutionen aus geblieben find. Martow- Gedenkfeier. Umweht von den stimmungsvollen Melodien der russischen Revonitionslieder, die vom Gemischten Chor Groß- Berlin vorgetragen wurden, flangen gestern durch das Stadthaus Silfer dings, Crispiens und Abramamitichs Gedenkworte, die dem verstorbenen Führer der cuffischen sozialdemokratischen Partei, Martow, gewidmet waren. Demokraten unter sich. Zu recht merfmürdigen Zwischenfällen tam es in einer be mo kratischen Wahlverfammiung am legten Sonnabend in der Stadthalle. Alis Redner des Abends fungierte Professor Gerland, Jena, bekannt durch seine eifrige Mitarbeit an der Schaffung des thüringischen Ordnungsblods. Als dann in der Debatle ein Vertreter des republikanischen Jugendbundes Schwarz- Rot- Gold um das Wert bat, murde ihm das vom Bersammlungsleiter, Herrn Stadtverordneten Mertens, verweigert. Auf diesen Brotest gegen diese Art von demokratischer Redefreiheit wurden die Vertreter des republikanischen Jugendbundes vom Saal fdhuge blutig geschlagen und aus dem Saal gedrängt. Benn wir recht unterrichtet sind, ist der streitbare Herr Mertens derfelbe, der am 18. März eine Kranzniederlegung am Grabe der Märzgefallenen im Namen der demokratischen Rathausfrattion ablehnte. Stinnes' Einäscherung. In den heutigen Bormittagsstunden machte sich in der Berliner Straße zu Wilmersdorf ein lebhafter Verkehr anläßlich der Einäsche rung Hugo Stinnes' bemerkbar. Bor dem Wilmersdorfer zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Schups zu Fuß und zu Krematorium hatte sich in den frühen Morgenstunden eine Pferde ordnete den Verkehr. Im Borgarten des Krematoriums find zwischen Lorbeerbäumen Frühlingsblumen eingeordnet auf einem Grund von Kränzen und Balmen. Darunter befindet sich der Kranz ber Reidsregierung mit der schwarzrogoldenen Schleife. Um% 1 Uhr fuhren zwei Wagen vor einem Seiteneingang des Krematoriums um in ihrer historischen Tracht am Seite angang Aufstellung zu vor, und heraus stiegen Bertreter der Knappen der Stinneszedhen, nehmen. Pünktlich 1 Uhr nahte der Wagen mit dem Garg, der die fterblichen Ueberreste barg. Ueber den Garg felbst war die schwarzweiße Fahne der Stinnesreederei gebreitt. Nachdem sich die nächften Angehörigen in das Krematorium begeben hatten, nahm die Feier ihren Anjang. Unsere Wählerversammlungen. Grubennnglie bei Mährif- Offrau. 14 belter gaffel. Auf dem Gabriela Schacht in Starwin ereignete 1 bei Bern aucrung eines Fiözes eine farle Explosion so Rohlengas im Innern bis eingeschlossenen Sögteiles. Bei de Erpofion find 13 Arbeiter und ein Aufseher ums Leben getommen. 8 Erbeiter murden schwer vericht. Alle NachbarEine weit re Meldung be agt: Nach der Crylosion auf der Sprengmassen an, die heute rachmittag erricder'en. Eine Gabriela- Sdadt in Sarwin( amme ten sich in der 29. Sidt neu furchtbare Erolofirn erfolgte im Förderscast Nr. 1. vernichtete die ganze Eisenkonstruktion des Förderturms und verursachte gebäude, Kenzleien, Masdinenhäuser und Wohngebäude wurden einen Brand der umliegenden Kanzleigebude. befchädigt, die Maschinen im Maschinenhaus blieben aber underlehrt. Auf aroße Entfernungen wurden durch den Luftdruck Fenstergefordert. Durch Classplitter wurden sechs Bersonen leidt ver fcheiben zertümmert.. Menschenopfer hat die neue Explosion nicht legt. Die Möglichkeit einer neuen Explosion ist nicht ausgefchloffen. überschwemmt. Die Cabriela Grube, die der Berg- und HüttenDer östliche Teil des Grubenfeldes ist vom Brande erfast und wird gejeli haft gehört, hette die größte Förderung von allen Gruben und lieferte über 200 cngons Kohle täglich. Die Förderung auf der betroffenen Bede der Gabriela- Grube ist auf lange Zeit fchaft der Grube wird den übrigen der gleichen Gesellschaft gehörenvollständig ausgefchloffen. Die Beamten- und Arbeterden Gruben zugeteilt werden. getreten. Die englische Zeit stimmt also nunmehr mit der fran Die Sommerz if in England ist heute früh 2 Uhr in Kraft zösischen wieder überein. hat gestern das Gewölbe der im Bau befindlichen Untergrundbahn aus unaufgeflärter Urfache plöglich nachgegeben. Sieben Tote bei einem Gewälbeeinftur. In Barcelona bahn aus unaufgeflärter Ursache plöhlich nachgegeben. Durch die entstandene Definung stürzten die Arbeiter ab. Insgesamt find 7 Arbeiter getötet und 36 verlegt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 42. st. Gofort Blafatftreifen im Bureau. Bindenftr. 3( 8immer 7), abholen. 107. Abt. Alt- Glienice. Dienstag, 15. April, abends 8 Uhr. Funktionärsigung beim Genoffen Often, Gartenstadtstr. Sport. Rennen zu Karlshorst am Sonntag, den 13. April. 1. Rennen. 1. Altmärfer( Nuß). 2. Rotbart( Schimma), 3. Blauschwarz ( Bol). Toto: 14:10. Blat 11, 13:10. Ferner lief: Hella. 2. Nennen. 1. Diflucht( hr. Freese), 2. Hartenstein( Lt. v. Rhoden). Zoto: 11:10. Mubel( B. Streit). Toto: 19: 10. Plat: 13, 19: 10. Ferner liefen: Flaggen3. Rennen. 1. Fuchsmajor( Dertel), 2. Baldung( K. Schuller), 8. see, Epiritiit, Ravinia. 4. Renne it. 1. Herzog( Dertel). 2. Memling( Saager), 3. Drius ( Dybr) angehalten. Toto: 17:10. 3 liefen. 5. Rennen. 1. Eitmete( Ebler), 2. Terz( M. Thiel). Toto: 12: 10. 2 liefen. 6. Rennen. 1. Duelinymphe( Edler), 2. Adolphus( Rate). Toto: 25: 10. Blag: 12, 11: 10. Ferner liefen Lalla gef., Salzgraf gef Rennen. 1. Civilift( Hr. Schlutius), 2 Gjelberg( H. v. Belzer), 3. Gajar II( Hr. Walter). Toto: 18:10. 3 liefen. Die geflrigen Rennen auf der Olympiabahn mußten infolge der schlechten Btterung abgesagt werden. Der nächste Renntag findet am 1. Osterfeiertag, nachmittags 3% Uhr statt. Gewerkschaftsbewegung Was die Kommunisten schreiben. Und was die Sandarbeifer fagen. Bom Berbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Berbandes mird uns geschrieben: Die fommunistische Presse behauptet, die 2andarbeiter Bandarbeiterparole angefch cffen und der Bureaufratie" des DeutMedienburgs hätten fich fast einmütig der kommunistischen schen Landarbeiter- Berbandes den Stuhl por die Tür gesetzt. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Meldung seien die acht LandRommunisten in allen Teilen Medienburgs stattfanden. Hier sei von arbeiter Konferenzen, die kürzlich auf Veranlassung der mehr als 600 Landarbeiter- Delegierten aus 300 medlenburgischen Landorten der unerschütterliche Wille zum Ausbrud gebracht worden, wie ein Mann hinter dem zu stehen, was die Kommunistes wollen. Dieses Geschrei verfolgt nur den 3wed, den fürzlich ins Leben gerufenen fommunistischen Land- und Waldarbeiter- Berband" bei nainen Gemütern in empfehlende Erinnerung zu bringen. In Wirtdaran, die Kommunisten zu Treuhändern ihrer Interessen zu machen. lichkeit denken die med enburgischen Landarbeiter nicht im geringsten In Karom referierte vor zahlreichen Zuhörern die Landtagsabgeordnete Geroffin Luise Kähler. Sie zeichnete in großen Umriffen die Politik der Sozialdemokratie feit dem Zusammentritt der Nationalversammlung. Die Bfchung der Parlamente anang zur Roalition mit bürgerlichen Parteien, follte überhaupt Befitives für die Arbeiterschaft erreicht werden. Die Eildemofrate braucht sich ihrer Arbeit nicht zu schämen. Alle Angr non rechts ebenso wie von links fönnen die Tat'ache nicht aus Welt schaffen, daß Hilferding der Vater der Währungsreform i, und von der amtierens den Regierung legten Endes eine Außenpoliit getrieben wird, die auch die Sozialdemokratie in ihren Grundzügen stets treten hat. Cine andere Bolitik ist unmöglich. Deshalb ist es notwendig, am 4. Mai durch Abgabe eines fozialde motratifden Stimmgeftels für eine farbe Rüdendeckung unserer Partei zu sorgen. In Eichwalde referierte Genoffin Ryned. Sie schilderte die Tätigkeit der Sozialdemokratie im verflossenen Reichstage, thre jahrelangen Bemühungen um die Stabilifierrng der Währung und wie fie so oft das allgemeine Bolkswohl dem Parteiintcreffe überordnete. Ganz besonders appellierte sie an den gefunden Sinn der Frauen. Durch Zwischenrufe offenbarten einige Anwesende ihre Frauen durch Verleihung des Wahlrechts vollwertige Staatsbürge Geiftesverfassung. Als die Referentin darauf verwies, daß die rinnen geworden feien, rief eine bessere" Frau:„ Leider!" Kommunist rief, daß man fieber mit ganz rechts als mit der Sozial- sten Lohntämpfen und dabei auch mit dem Vorgehen der Kommudemofrate gehen werde. So viel Offenherzigkeit schien fogar seinen nisten. Die Entrüstung herüber murde in einer auf beiden Konfeeigenen Parteigenoffen etwas Urbetagen zu bereiten. In der Dis= renzen fast einmütig angenommenen Resolution zum Ausdruck gefusion versuchten ein Deutschnationaler und ein Kommunist der bracht, die in den entscheidenden Zeilen folgendes fagt: Sozialdemokratie alles Mögliche an die Rodschöße zu hängen, ohne jedoch bei den Versammelten irgendeinen nenenswerten Widerhall zu erweden. Dicjer Führer, fagte Hilferding, ist dem Weltproletariat auf der Höhe seiner Leistungsfähigteit allzu früh entriffen worden. Er, der Sproß des Bürge ums, fam zur Sozialbemcfratie zu einer Zeit, a's das einfache Befenntnis zum Geziclismus Jahre Gefängnis und Berbannung fostete. Für ihn, wie für seine Generation von Intelleftuellen bedeutete der Sozialismus geistige Befreiung von allen Feffeln und die Waffe in diesem Befreiunastampfe fonnte nur der wissenschaftliche Marrismus fein. Sein Leben war voll Tragit und Heroismus. Als Schriftsteller war ihm, so geistreich und geiftvoll er fein fonnte, jebe Driginalitätshascherei fremd. Aller Kompromiß lerei fern, besaß er die Fähigkeit einer bewunderungswürdigen fogial pfrchologischen Analyse. So erkannte er, daß der, Bolschewismus nicht nur bie Folge der ökonomischen Rückständigkeit des agrarischen Ruklands war, sondern daß seine Wurzeln tiefer liegen und im Weltkriege zu suchen find. In Halle war er es, der Sinomjem, der Verfüpperung der Gewalt und des Terrors, als Denter entgegentrat und die ganze Leidenschaft feiner Ueberzeugung und seine schon gebrochenen physischen Kräfte dafür einfegte, um dem internationalen Proletariat die fozialpsychologischen Tiefen des Bolschewismus zu offenbaren und es vor Jrrwegen zu bewahren. Bu gleicher Beit irat er gegen die auswärtige Intervention als einen Verfuch, mit bewaffneter Macht die russische Revolution niederzuwerfen, ein. Er fah im Bolschewismus eine Krife im Bewußtsein des Proletariats hörte er nicht zu denen, denen aleich Lenin Auger blidserfolge zu und wurde zum Führer dieses Bewußtseins. Und als Politiker gefallen: dessen Element war die Macht, die Gewalt, Martow gehörte die Einsicht sein war die geistige Tat. Er begriff, daß der Bolsche mismus zu einem Rücksch ag in den fleinbürgerlichen Kapitalismus führen würde. Er baute feine Zuversicht auf die Zukunft, denn er wußte, daß sie dem russischen und dem Weltproletariat gehört. Des halb fonnte er auch, als er in Rußland sein Heim verloren hatte, es wieberfinden in der sozialistischen Internationale. Crispien hilderte Martows Bedeutung für die Internationale. Es war nicht um geringen Teie sein Verdienst, daß das internationole Broletariat sich dem Diktat Mostaus nicht unterwarf. Der Bolschewismus wuste nur zu gut, daß ollein der Anschluß des westeuropäischen Proletariats an die Dritte Internationale fie erft zur wahren Inter nationale machen fonnte. Er befürchtete aber andere feits, daß dieser Anschluß Mostaus Diftetur brechen würde. Deshalb ftellte es feine 21 Bedingungen auf, die zurückgewiesen wurden. Abra mowitsch umriß darauf scharf und turz die Stellung Martoms zur russischen Revolution. Als vor dreißig Jahren Martom gemein fam mit Lenin die Ruffische Sozia hemofrotische Bortei ins Leben rief, stand ein völlig unentwickeltes Industrieproletariat dem großen Scer des Beinbürgerlichen Bauerntums gegenüber. Darin lag die Gefahr für die Entwicklung des marristischen Sozialismus in Ruk- nahme fanden. land. Als es bonn schon im Jahre 1903 zur Epaltung fam, stonden fich Lenin und Martow schroff gegenüber. Lenin glaubte, daß die Arbeiterklasse, sich selbst überleffen, auf Abmene geraten müte, und molte die Sozialdemokratische Partei deshalb zum Diftator über die Messen erheben und letztere wieder der Difletur des Rentratomiters unterstellen. Martow dagegen verstand die Messe als Trägerin der Bewegung, der gegenüber der Partei nur die Führerrolle zukomme. Das mar das Prinzip der Demokratie. Wenn jezt Martom so schloß der Redner rur von Laufen den beweint aus dem Leben gegangen ist, an Lenins Grab aber, durch einen Machtapparat in Bewegung gefeht, Milio en verbeidefilierten, fo wird trotzdem bas Weltproletariat und des Profeteriat Rußlands feine zufünftigen Siege unter der geistiren Führun Martows erringen. Unter den siegesbewußten Rängen der Inter nationale schloß die Rundgebung, die viele deutsche und und russische Genoffen vereinigt hatte. 1 Ein Ueberfall auf Versammlungsteilnehmer. Dieser Tage fand eine Perfommlung der Deutschvöltischen in dem Lokal Königsbant, Große Frankfurter Str. 117, ftatt. Die Versammlungsteilnehmer gingen nach Schluß der Bersammlung gegen 12% Uhr in fleineren Trupps nach allen Richtungen auseinander. 8 Personen wurden, als sie die Kreuzung der Fieden- und Zorndorfer Straße überschritten, von unerkannt entkommenen Tätern überfallen und beschossen. Dabei trugen der 23 Tabte a'te Willi Roftra u aus der Koningbear Sirehe 26 eine Schmunde im Rücken und der 19jährige Franz Kliek aus der Balifadenitraße 39 eine Oberschenkelwunde davon. Die beiden Berlegten wurden nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain geschafft, wo sie AufDie Eröffnung der neuen Nord- Süd- Strede verschoben. Wie die Direttion der Hochbahn- Gesellschaft uns mitteilt, fann die Eröffnung der neuen Strecke der Nord- Süd- Bahn vom Halleschen Tor bis Gneisenaustraße nicht, wie vorgesehen, schon morgen, fondern aus betriebstechnischen Gründen er st in einigen Lagen erfolgen. Die Strakenbahnlinie 93 wird nach Herstellung der Gleisver bindung im Zuge der Wiener Straße am Görliger Bahnhof ab 15. April bis zum Rathaus Treptow rer öncert und die Linie 16, Grir Bahnbef- Trentow Rathaus, die bebe' fsweise. bis zur Her ftellung der erwähnten Gleisverbindung eingerichtet war, eingezogen. Cüffigteil der Son tarofahrtarten fiber Offern. Die zu Rar freitag und den beiden Dfterfeiertagen d. Js. celöften Sonntagsfarten haben vom Grnbonnerstag, 17. April, 12 Uhr mittags. bis Offermontag, 21. April Gültigkeit. Die Rüdfahrt muß vor Mitternacht Dom 21. zum 22. April angetreten werden. aus Der gemeldete Bersammlungsbefuch feste fich in der Hauptfache tommunistisch gesinnten Industrie Arbeitern 84fammen; das Landarbeiterelement war nur sehr schwach und in den meisten Fällen aus Grünten der Neugerde vertreten. Dafür konnte aber der Deutsche Landarbeiter Verband cm 6. April fteten waren. Die Versammlungen beschäftigten sich mit den neuezwei große Gaufonierenzen veranstalten, in denen 700 bis 800 Delegierte aus faft sämtlichen mecklenburgischen Ortsgruppen na " Die Bersammelten sprechen ihrer Organisationsleitung und der Lohnfommission ihr velles Bertrauen aus und erklären ausdrücklich, daß sie mit dem unverantwortlichen Treiben der Kommunisten nichts gemein haben wollen, weil nachweislich bisher überall, wo die Rommuniften gewirft haben, vieles für die Land durch unverantwortliches Vorgehen verschlechtert hat." arbeiter verloren gegangen ist und fich die Lebenslage vieler Kollegen tonferenz in ihre Gewalt zu bringen, ist völlig vorbeigelungen. Kaum Der Bersuch der Kommunisten, die in Rostock versammelte Gaumehr als 70 Bersonen leisteten ihrer Aufforderung Folge, fich an einer Borbesprechung zu beteiligen, die die Taktik für die Baukonferenzen festlegen follte. damit obfinden müssen, der Lüge überführt worden zu sein. Die tommunistische Presse wird sich nach diesen Borgängen Die Lüge als Kampfmittel. " Bergeblich bemühte sich die Rote Fahne", die flägliche Rolle der fommunistischen Sonderorganisation der Eisenbahner zu verschleiern und zu befchönigen. Das Blatt tommt heute mit Zitatem aus der Bolemit, die der Vorwärts" mit ihm führen mußte riffener Stellen auf fünstlichem Wege Widersprüche zu konstrueren, und versucht durch Gegenüberstellung aus dem Zusammenhang geauf ein anderes Gleis zu schieben. Die Art, wie das Kommunisten um die ihm peinliche Angelegenheit, in der es Streifbruch beckte, in die Diskussion über die Oppositionsgruppe der kommunistischen blatt zitiert dokumentiert es an einem besonderen Beispiel. Es zieht Elfenbehner den Streit im Lübecker Hochpfenwert hinein. Unser Lübecker Bartelorgan, der Lübecker Boltsbote". hat in dem Kampfe gegen das Hochpfenwert eine Bekanntmachung der Werke zitiert, die die Arbeiter auffordert. bis Sonntag, den 6. April, die Arbeit wieder aufzunehmen. Selbstver fändlich nur deshalb, um die Arbeiter aufzufordern, fich nicht darauf einzulaffen. 1 Die Rote Fame aber unterftefft bem übeder| terifieren. Im Intereffe der Kollegenschaft ist es nicht möglich, all Boltsboten" er habe die Aufforderung der Werfsleitung die Dummheiten und Unfähigkeiten der Komminiften im Belriebsrgi unterstügt. Damit soll nach der Logik der fommunistischen hier zu fchifern. Die Bersammlung nahm den Bericht mit ficht Roten Fahne erwesen sein, daß die BSBD. die Partet des lichem Interesse entgegen. Das war Rubit unangenehm, unb nun Streitbruches ift". rebete erna, mie eben ein Rapebifte reben muß, um eine fchiedhte Höher tann die Berleumdung und Niedertracht faum noch Bofition zu verteidigen wie mir es ja überall hören fönnen. getrieben werden. Am 8 April bringt der übe der Bolts. Den Gipfel erflomm Stubit, als er bas sablie Treiben ber bote" erneut die Meldung, daß infolge des Streifes auf dem Hoderate gegen die Bersicherten und ihre Organi. ofenwert über dessen Betrieb die Sperre perbang: fation, die Aranfenfassen, verteidigte. Die Empörung hierüber ist und ersucht, den Zuzug fireng fernzuhalten. Gleich war groß Die Koilecen Boh, Flesch und Lüde decien dann zeitig fann unser Bruderorgan mitteilen, daß die bekannte einst diesen Schädlingen, die Angestellte einer Sozialfürsorge sein wollen, in weilige Berfügung, die das Hochofenwert gegen den Be- gehöriger Weise zu. Es hat auch nichts, als Ialde mit der Waize vollmächtigten des Deutschen Metallarbeiterverbandes erwirkt hatte, bes guten Gewerkschafters die Situation retten wollte. Er brachte aufgehoben ist und das Gericht festgestellt hat, daß die von dem eine Resolution ein, in welcher er um„ Schuh" dafür bat, daß die Hochofenwert verlangte Arbeitszeit ungefeßlich ist. Am 11. April Funktionäre des 302. ten geforderten Revers nicht unterschreiben brachte der„ Lübeder Boltsbote" den Bericht der Streifleitung, wo brauchen, um ungestörter die Organisation zersplittern zu fönnen. nah 50 Metallarbeiter der einen Schicht für die Fortsetzung des Bei der Abstimmung waren es acht Rapedisten, die dafür ein Etreifs stimmten und nur vier für Weiterarbeit. Zum Schlusse wird traten. Bei den bevorstehenden Betriebsratswahlen aufgefordert, daß auch der lezte Mann an die Seite der kämpfenden muß die Kollegenschaft refilos die freigewerkschaftliche Liste der Amsterdamer Richtung wählen, um den sogenannten Kommunisten jeden nennenswerten Einfluß zu nehmen. Kollegen tritt. Die Streitbrederet war stets das Privileg der Ultra radikalen und der Gelben. Es galt hier nur zu zeigen, mit welcher Strupellosigkeit die Rote Fahne die Wahr. heit auf Sen Ropf stellt, um den begründeten Borwurf der Streifórecherei von feinen oppofitionellen" Eisenbahner- Partei. genossen abzuschütteln. Die Lüge als Rampfmittel. Dabei vergißt die Roe Fahne" immer wieder das russische Sprichwort, mit Maß zu fügen und nicht gar so dummfrech. Die Deutschen Werke wieder in Betrieb. Die Aussperrung in den Deutschen Werken in Spandau und Haselhorst ist erledigt. Im großen und ganzen find die For derungen der einzelnen Gruppen bewilligt. Die Arbeit wurde ge fchloffen am Sonnabend wieder aufgenommen; Maßregelungen fanden nicht statt. Erfreulicherweise ist dieser Er folg der Arbeiterschaft zum größten Teile der gewertschaft lichen Einstellung der Werkzeugmacher zu verdanten. Trogdem die Forderungen der Werkzeugmacher schon seit dem 24. März bewilligt sind und die Betriebsleitung erklärte, die Werf zeugmacher wären nur versehentlich ausgesperrt worden und könnten sofort wieder die Arbeit aufnehmen, lehnten fie dies mit Zustimmung der Bezirksleitung ab. Sie stellten als Hauptbedingung restlose Zurücknahme der Aussperrung und restlose Weiterbeschäftigung aller Arbeiter. Nach stundenlanger Berhandlung fam dann auch die Einigung auf diefer Basis zustande. Die übrige Belegidaft aber muß aus dieser Bewegung den einzig rich tigen Schluß ziehen: Erfolge dem Unternehmer gegenüber find nur durch solidarisches Zusammenhalten und solida risches Zusammenhalten nur durch gewerkschaftliche Organisation zu erreichen. Wieder ein kommunistischer Reinfall! Uns wird berichtet: Wie in allen Betrieben, mußten auf Geheiß ihres Direktoriums die Kapedisten des Betriebes der Allge meinen Ortstrantentaffe der Stadt Berlin( etwa 630 Angestellte) eine Betriebsversammlung verlangen, um mit den Berrätern, den Amsterdamern", abzurechnen. Die Be triebsratswahl steht vor der Tür, und da müssen eben alle Mittel her hatten zur höheren Ehre Mostaus. Bei den Angestellten der Krantentaffe haben aber diese Schädlinge der Arbeiterbewegung ausgespielt. Der Genoffe Gries als Borsitzender des Angestelltenrates gab den Geschäftsbericht in objektiver Weise. Er mußie u. a. das Berhalten der tommunistischen Aerzte während des Aerzteftreifs erwähnen und das ungeschickte und schädliche Gebaren bes zweiten Borfigenden, des KPD.- Männchens Rubit, dharaf Echt Rindbox Herrenstiefel moderne spitze und runde Form 890 Für Herren Braune Halbschuhe mod. spitze Form, echt R.- Chevreau. Auf Rand genälit, schwarz, echt Rindbox 109 spitze Form Stiefel, echt braun Spalfleder.. Stiefel, echt Rindbox, echt br. Fehlleder u. Reaktionäre Anschläge der Kreisverwaltung Teltow. Der Rahmentarif für die Betriebe des Kreises Teltow ist von dem Kreisausschuß gefündigt, um eine bedeutende Verschlechterung des Arbeitsverhältnisses durchzusehen. Gefordert wird eine Redu gierung des Rranteniohnzuschusses von 100 Proz. Don 4 Wochen auf 12 Tage. An den in die Woche fallenden gesetz: von 4 Wochen auf 12 Tage. An den in die Wochen fallenden gefeßlichen Feiertagen soll der Lohn nicht mehr gezahlt werden. Die Bezahlung der Ueberstunden fell erst ab der 11. Arbeitsstunde erfolgen. Die Forderung der Schmälerung des Mi bestimmungsrechtes der Betriebsräte wird als selbstverständlich betrachtet. Damit der jetzt allgemein erhobenen Forderung nach Mehrarbeit entsprochen wird, fordert der Kreis Teltow an Stelle des bisher bestehenden Rahmentarifvertrages für jeden Betrieb ( mindestens fünf) einen besonderen Tarif. Es ist verständlich daß durch den Abschluß von fünf Einzeltarifen anftatt eines Tarifes Mehrarbeit herbeigeführt wird, aber auch mehr Ausgaben. Dadurch lassen sich die maßgebenden Herren nicht beeinflussen, wenn es ihren persönlichen Intereffen dient. Ihnen tommt es darauf an, daß jeder Betriebsleiter in den einzelnen Betrieben, je nach seiner geistigen Verfaffung als fleiner König herrschen fann. Das zeigt folgender Fall: Der Borsigende eines Betriebsrats wurde gefündigt. Auf Ein. fpruch entschied die Schlichtungsstelle, daß die Ründigung zu Unrecht erfolgte. Der Betriebsrat follte nunmehr verlegt werden. Er war jedoch damit nicht einverstanden und erklärte sich daher bereit, gegen eine Abfindung auf weitere Zurüdsehungen zu verzichten. Sofort waren die Herren bereit, um den gefährlichen Betriebsrat loszu werden und zahlten über die Forderung für sieben Monate Gehalt ohne Gegenleistung So verschwenden die Herren, wenn es ihre persönlichen Interessen gilt. Die Forderungen des Kreisausschusses Teltow werden von den Arbeitern nicht als berechtigt anerkannt. Infolge des Verhaltens des Kreisausschusses herricht unter den Arbei'ern fiarte Erregung, die unbedingt zum Konflikt führt, wenn der Kreisausschuß nicht einentt. Die Handelshilfsarbeiter des Terfilgroßhandels nahmen am Donnerstag zunächst ein Referat von Dr. Mierendorf ertgegen. Ninnig berichtete dann über die letzten Lohrverhandlungen und bes tonte, daß die Form und die Art tier Verhandlung darauf schließen läßt, daß die Arbeitgeber in allernächster Zeit neue Borstöße unterUnsere Oster3 | nehmen wollen. Laut Schiebsspruch wurde der Spigen Lohn von 2,25 M. pro Woche erhöht. Die übrigen Bestimmungen. des Manteitarifs, wie Ferien, Kündigung und Arbeitszeit, bleiben bestehen. Die Bersammlung beschloß. alles daranzusehen, um die noch inorganisierten dem Deutschen Verkehrsbunde zuzuführen. Die Buchdruder in Hamburg haben heute die Arbeit wieder aufgenommen. Der deutsche Buchdruderverein, Bezirk Ham burg, teilt mit: Auf Veranlassung und unter Vorsitz des Hamburger Schlichters Dr. Stenzel wurden zur Beilegung des Konflities im Buchdruckergewerbe zwischen Vertretern der beiderseitigen Organifationen folgende Bereinbarungen getroffen: Der Spihenlohn John im Hamburger Buchdruckgewerbe beträgt für die Zeit vom 29. März bis zum 11. April 30 M., für die Zeit vom 12. 2 pril bis zum 31. Mai 35 Mart. Schiedsspruch gefällt werden. Im Einverständnis mit der Streif Jm Münchener Buchdruckerstreit wird morgen nachmittag ein leitung wird ein Notblatt herausgegeben, das die wichtigsten Ereignisse meldet. -O Die Ausfperrung der englischen Werftarbeiter ift feit Sonnabenb in vollem Gange. Es sind davon 15 Gewerkschaften mit 100 000 Arbeitern betroffen. Die Aussperrung foll aufgehoben werden, sobald die streitenden Werftarbeiter von Southampton die Arbeit wieder aufnehmen. Die Bauarbeiter in Blad pool haben mit 7000 gegen 2000 Stimmen beschlossen, sich einer von den Arbeitgebern beschlossenen Verlängerung der wöchentlichen Aro beitszeit von 44 auf 46% Stunden zu widersehen. Die Arbeiter in Birmingham haben mit großer Mehrheit denselben Beschluß gefaßt. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gemertfchaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger. Co., Berlin G. 68.. Lindenstraße 8. Soph enstraße 18 Sophien- Sale Sale frei Nrd. 9296 Bergmanns Zahnpafta „ Rosodont" 4356 Nur Rosodont Waldheimso echt aus Waldheim Sa Merolidecker N8 in michglas dosemit Markenverands Art P N8 come Machiop im Gebrauch die billigste NERVÖSE-, Angebote Hier nur einige Beispiele Sehen Sie sich unsere 17 Schaufenster an 10% 90 Kinderstiefel, echt Chromleder. 90 5.90 90 30 bequeme breite Form, m. guter Ledersohle, Größe 20-22 2.60, 25-24 2.90, 18-20 Derselbe, getäksie Sohlen... Größe 18-21 125 7.90 Chromled., m. Lederbrands., mod. br. Form Bessere Sorten, moderne spitze u. rundeFormen.. 12.50, 10.50 1090 Echt braun Fahlleder, sehr hübscher 490 Strapazierstiefel, Gr. 31-35 5.00, 27-30 90 Braune Kinderstiefel, Haferlschuhe, Halb- und Spangenschuhe in großer Auswahl billig. Braun echt Rindbox- Stiefel, sehr gutes 1250 Pantoffeln, 1. Herren 65 Pf., f. 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