Nr.179 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 89 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land, Danzig, Gaat- u. Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts mit der Sonntags beilage ,, Boll und Reit" mit..Gied lung und Aleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimmelt und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Netlamegetle 4.- Goldmark. Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Bort 0,20 Gold. mart( azulässig awet fettgedruckte Morte), jebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Famillenanzeigen für Abonnenten Reile 6,30 Goldmart. Eine Goldmart- cin Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für bie nächste Nummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin G 68, Linden ftraße 8. abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nam. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Dienstag, den 15. April 1924 Das Reichskabinett vor der Entscheidung Beratung mit den Länderregierungen.- Verlängerung der Micum- Verträge. Amflich wird gemeldet: Das Reichskabinett hat heute über die Gutachten der Sachverständigen mit allen Staats- und Ministerpräsidenten der Länder eingehende Beratungen gepflogen, in denen sich in den wesentlichen Punkten weitestgehende Einmütigkeit ergab. Der Beschluß des Reichstabinetts ist morgen zu erwarten. Düsseldorf, 14. April.( Eigener Drahtbericht.) In den am Montag ftattgefundenen Verhandlungen der Zechenindustriellen mit der Micum fonnte in allen noch offenen Fragen eine Einigung erzielt werden, so daß der Vertrag über die Verlängerung der MicumAbkommen um 3 wei Monate fertiggestellt wurde. Die Verträge bedürfen nur noch der Unterschrift, die im Laufe des Dienstag zu erwarten ist. Die Verhandlungen dauerien am Montag von morgens 9 Uhr bis abends 6 Uhr. weise die Unterstützung der Anhänger von Hitler, Ludendorff und v. Graefe gründlich verscherzen werden. Die Regierung wird bei ihrer Entscheidung hoffentlich auch beachten, was wir gestern hier über die Stimmung im befesten Gebiet mitzuteilen wußten. Das befehte Ges biet sieht in einer raschen vorläufigen Erledigung der Reparationsfrage nach den Sachverständigenvorschlägen das gegebene Mittel zur Befreiung von dem auf ihm laftenden unerträglichen Druck. Jede Verzögerung der Entscheidung, jedes Scheitern des Plans würde dort als die furchtbarste Enttäuschung empfunden werden und die Erbitterung darüber würde sich gegen diejenigen wenden, die dafür die Verant wortung tragen. Bei einer Entscheidung von solcher Tragweite dürfen weder innerpolitische Angstgefühle noch fleine händlertaktische Soweit wir unterrichtet sind, werden die Kohlenlieferungsver- Aniffe eine Rolle spielen. Die Vorschläge der Sachverstänträge in der bisherigen Form, wenigstens foweit das Lieferungs- digen bilden ein einheitliches Ganzes: die Befreiung der befoll in Frage tommt, aufrechterhalten. Wenderungen treten feßten Gebiete von Zollschikane, Micum, Regie usw. und die nur für die in den Micum- Verträgen vorgesehenen Barleistungen ein. begründete Aussicht auf ihre baldige Räumung fann nicht er Dortmund, 14. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Borreicht werden, wenn man nicht an den Vorschlägen der Sachstand der SPD. für den Bezirk des westlichen Westfalens verständigen auch das mit in Kauf nimmt, was als bedenklich befaßte sich mit den Vorschlägen der Sachverständigen, die und gefährlich betrachtet wird. naturgemäß eine besondere große Bedeutung für die Arbeiterschaft Die Berlängerung der Micum- Verträge um zwei Monate, der besetzten Gebiete befizen. Nach gewissenhafter Brüfung aller in die an sich notwendig und vernünftig ist, hat nur dann einen Betracht kommenden Umstände fordert der Vorstand die Reichs. Sinn, wennn es gelingt, binnen zwei Monaten eine Verein regterung auf, trop mancher erheblicher Bedenken, zu denen die Bor- barung zu erzielen, die das ganze Reparationsproblem auf schläge Anlaß geben, sich auf den Boden der Gutachten zu stellen. In der Entschließung heißt es u. a.: eine neue Grundlage ſtellt. Diese Grundlage ist in den Vor schlägen der Sachverständigen gegeben, ihre Annahme durch die deutsche Regierung ist ein Gebot der politischen Bernunft und dem besezten Gebiet gegenüber eine nationale Pflicht. Belgiens Zustimmung. Brüssel, 14. April.( Belgische Telegraphenagentur.) Der Ministerrat prüfte heute den Bericht des Sachverständigenkomitees und erachtete ihn als brauchbare Grundlage für eine billige und praktische Lösung der Reparationsfrage. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depostentañe Lindenstraße 3 Erfreuliche Klärung. Das Ergebnis des Kommunistischen Parteitages. Seit Monaten befand sich die Kommunistische Partei im Zustande vollständiger Lähmung durch innere Parteidifferen= zen und Fraktionsfämpfe, die im Anschluß an das beinahe lautlose Verschwinden der Kommunisten vom Kampfplan im Herbst vergangenen Jahres mit ungewöhnlicher Heftigkeit in ihren Reihen ausgefochten wurden. In der vergangenen Woche tagte in Frankfurt a. M. jetzt endlich der Parteitag, der diesen Debatten vorläufig ein Ende gefeßt und damit eine Entwicklung zum Abschluß gebracht hat, die seit Jahren in der Kommunistischen Partei sich in einem immer stärkeren Drang nach links bemerkbar gemacht hatte. Unter der Einwirkung der fatastrophalen Rückschläge, die die linksradikale Bewegung nach den Mißerfolgen der Unruhen von 1919, von 1920 und 1921 zu verspüren bekam, war die kommunistische Bewegung in Deutschland in den letzten Jahren in einen ununterbrochenen Krisenzustand geraten. 3um erstenmal auf dem Moskauer Welttongreß von 1921 fam das Bestreben der Bolschewifi zum Ausdrud, der Verlangfamung der revolutionären Entwidlung, die in Rußland zur sogenannten Nep- Bolitik geführt hatte, auch in Deutschland durch eine entsprechende taftifche Bendung gerecht zu werden. Dem Stadium einer starten Schwächung der kommunistischen Bewegung entsprach die Ausgabe der Barole Heran an bie Maffen" und der sogenannten„ Taftif der Einheitsfront". Die allgemeine Konzentration der Arbeiterbewegung in Deutschtond veranlaßte auch die Kommunisten vorübergehend, wenn auch mit starken Schwankungen, hier und da sich an gemeinfamen Demonstrationen der Arbeiterschaft zu beteiligen. Die nach dem Rathenau- Mord bei den Maffen erzeugte Atmosphäre begünstigte diese Entwicklung. Der Leipziger Parteitag vom Januar 1923 zeigte die Auswirkung der veränderten Situation auf den inneren Zustand der Kommunistischen Partei. " „ Die Borschläge enthalten leider nicht die von der Bevölkerung des Ruhrgebietes herbeigefehnte volle Lösung des Reparations- und Rhein- und Ruhrproblems. Auch find manche Teile der Gutachten geeignet, gewiffe Befürchtungen auszulösen. Das gilt besonders, soweit die Eisenbahn und die Aufbringung der Barleistungen in Betracht kommen. Indes ist nicht zu verkennen, daß die Borschläge einen erheblichen Fortschritt darstellen und geeignet sind, das schwere Los der Bevölkerung der besetzten Gebiete zu mildern. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit ist dringendes Bedürfnis. Ihre Zerreißung durch die Aufrichtung der Bollinie zwischen besetztem und unbeseztem Gebiet die Pfänderpolitik mit der einseitigen starken Belastung der Wirtschaft im be. feßten Gebiet, die unfontrollierte Ein- und Ausfuhr aus und nach regelung infolge des Sachverständigenberichtes werde ein wenig Arbeitermaffen mur möglich fei, wenn die KPD. ihren fanaden westlichen Ländern, die Unterbindung von deutschen Gesezen und Verordnungen im besetzten Gebiet u. a. m. haben unerträgliche ZuBerordnungen im besetzten Gebiet u. a. m. haben unerträgliche zu stände hervorgerufen, die hauptfäch ich zu Lasten der Arbeiterschaft und des Mittelstandes gehen. Diese Zustände wirken zerstörend auf die deutsche Wirtschaft ein und fördern in erheblichem Maße die Demoralisation breiter Bolfsschichten Die deutsche Regierung hat die Pflicht, kein Mittel unversucht zu lassen, das geeignet ist. eine Besserung und Gesundung der anormalen und verderblich wirkenden Verhältnisse herbeizuführen. Da die Verschläge der Sachverſtändigen in die'er Hinsicht gewünschte Möglichkeiten bieten, glaubt der Borstand der Sozialdemokratischen Bar'ei des westlichen Weft falens, die Reichsregierung dringend ersuchen zu müssen, im Intereffe der besetzten Gebiete die Vorschläge der Sachver ständigen anzunehmen." Die Nachricht, daß es gelungen sei, zwischen der Reichsregierung und den Länderregierungen, also auch denen von Bayern, medlenburg und Thüringen, in den wesentlichsten Punkten weitestgehende Einmütigkeit" zu erzielen, wäre geeignet, Schreden zu erregen, gäbe es nicht trog allem eine Hoffnung auf die menschliche Vernunft. Bernünftigerweise fann doch die offiziöse Nachricht nur so verstanden werden, daß sich die Reichsregierung bereit erflären wird, ihre Mitarbeit an den Plänen der Sachverstän digen sicherzustellen und daß sich fämtliche Länderregierungen mit diesem vernünftigen Beschluß einverstanden erklärt haben. Ist das aber der Fall, so ist hoffentlich auch Borsorge dafür getroffen, daß es dabei bleibt. Es darf sich nicht die elende Komödie wiederholen, die der bayerische Ministerpräsident. Knilling in einer ähnlichen Situation, nämlich bei dem Beschluß über den Abbruch des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet, aufführte, als er mit der Regierung Stresemann- Hilferding für den Abbruch stimmte und nachher in München allerhand zweideutige Redensarten zum besten gab und die bayerische Koalitionspresse gegen den„ Berrat am Deutschtum" toben ließ. Es wird diesmal um so nötiger sein, Sicherungen gegen eine Wiederholmg diefes unaufrichtigen Verhaltens zu treffen, als jetzt nicht nur Herr v. Knilling mitzuentscheiden hat, sondern auch die Vertreter von Regierungen, die sich sowohl auf die Deutschnationale Bartei wie auch auf die Deutschnöllischen stüken. Die Herren aus Weimar und Weimar und aus Schwerin müffen sich darüber im flaren sein, daß sie durch ihre Zustimmung zu den Sachverständigenvorschlägen fich logischer Damals waren bereits deutlich die Bruchstellen in der tommunistischen Bewegung zu spüren, an denen sich die Kon flifte entzünden würden, die dann tatsächlich in den letzten Monaten in der KPD. getobt haben. Die rechtsgestimmten damaligen Führer der Kommunisten, vor allen Dingen Hein rich Brandler, neigten zu der Auffassung, daß die Kom munistische Partei von sich aus zu schwach fei, um aus eigener Kraft zum politifchen Faktor zu werden. Sie famen zu der Ueberzeugung, daß eine fommunistische Beeinflussung der " -„ demokratiEnglische Besorgnisse über Frankreichs Winkelzüge. Condon, 14. April( WTB.) Ein Sonderberichterstatter des Manchester Guardian" schreibt, die Aussicht auf eine Reparations. berbuntelt durch eine überraschende Entwidlung, die in der franzöfifchen öffentlichen Meinung stattgefunden tifchen Kampf gegen die Sozialdemokratie dämpfe und gehate. Es werde in London nicht verheimlicht, daß diche Entwicklung meinfam mit anderen Teilen der Arbeiterschaft den Berfuc als beunruhigend angelehen werde. Die französische Preise mache, mache, Aktionen" oder" Bewegungen" zu forcieren und zu offenkundig inspiriert vom Quai d'Orsay, Andeutungen über Abbeeinflussen. Damals entstand in der Kommunistischen Partei änderungen der Sachverständigenpläne. Es heiße, daß die die höchst fetzerische und jetzt wohl endgültig als teuflischKlaufei, in der der Bericht als unteilbares Ganzes be- menfchemistisch verbrannte These, daß auch im Rahmen der zeichnet werde, in der französischen Fassung fortgelassen worden war Demokratie" Arbeiterpolitif gemacht werden könne und müsse und erst wieder eingefügt wurde, als die britischen und amerika und daß die Kommunisten niemals Einfluß gewinnen würden, nischen Sachverständigen ihrer Ueberraschung in beträcht wenn sie nicht auf die gewik bedauerlichen licher Stärke" Ausdrud gegeben hatten. Der Berichterstatter tetont, fchen Illusionen" der Arbeitermaffen Rücksicht nähmen. Eine die brifische Regierung werde unter teinen Umständen einer Albände. Folge diefer Rechtsentwicklung der Kommunistischen Partei Wahrscheinlichkeit, daß die amerikanische Regierung sich auf ringen fich vollziehende Unterstützung der sozialdemokratischen war die unter ständigem Hin und Her in Sachsen und Thurung des Sachverständigenplanes zuffimmen, und es bestehe alle denselben Standpunkt stellen werde. Die Franzosen beabsich- Landesregierungen. tigten, angenommen eine militärische Räumung des Ruhrgebietes findet statt, das wirtschaftliche Pfand belzubehalten und eine wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebietes nur im Verhältnis zum Eingang deutscher Bahlungen durchzuführen. Wenn die französiche Auffaffung nicht fallen gelaffen werde, so werde dies unvermeidlich zu einem ernsten Meinungsstreit zwischen Frant. reich auf der einen, Großbritannien und Amerika auf der anderen Seite führen. Zustimmung des Welthandels. Paris, 14. April.( Eigener Drabtbericht.) Der Vorstand der internationalen Arbeiterlammern erklärt zu dem Plan bes Each verständigenkomitees, daß dieser vollkommen mit den Ansichten der internationalen Handelstammern übereinstimmt, wie sie auf dem legten Stongres in Rom in einer Entschließung ausgedrückt wurden. Die Landeskomitees der 19 angeschlossenen Länder sollen sofort aufgefordert werden, ihren Regierungen diese Erklärung zu über mitteln. Rücktritt Emmingers? In später Stunde verlautet, daß der Reichsjusfizminister Dr. Emminger infolge des Konflikts zwischen der Bayerischen Bolkspartei, der er angehört, und dem Zentrum feinen Rücktritt beabfichtige. In diefem Fall würde, so heißt es weiter, Reichskanzler Dr. Marg die Leitung des Reichsjustizminifteriums übernehmen. Ein Bombenanschlag in Curemburg wurde auf den früheren Bürgermeister Diederich, der jetzt in den Gemeinderat gewählt wurde, verübt Gr blieb unverlegt, jedoch wurde bedeutender Sachschaden angerichtet. Die Täter find bereits verhaftet. Bet normaler Entwicklung der Dinge wäre eine Verfchärfung der in Leipzig vor einem Jahre schon sehr weit gediebenen Krise in der KPD. unausbleiblich gewefen. Denn von der Anwendung der verschwommen zentristisch formulierten Thefen des Leipziger Parteitages bis zur offenen Unterstüßung der Sozialdemokratie in Sachsen und Thüringen hätte schon deswegen fein langer Schritt sein können, weil die Verhältnisse mächtiger find als die schönsten Formulierungen und Thefen und weil das ständige Betonen des Willens zur Einheitsfront" dort auf die Dauer dem politisch und organisatorisch Starteren zugute gekommen wäre. Ein wirklich prinzipieller Unterschied zur Sozialdemo= fratie hätte sich bei dieser Taktik auf die Dauer nicht behaupten lassen, die Arbeitermassen selber hätten gerade da, wo der Parlamentarismus ihnen Einfluß und Schaffens möglichkeiten bot, auf die Dauer Seitensprünge der Kommunisten unmöglich gemacht. Die Ruhrbesetzung und ihre katastrophalen Folgen auf die deutsche Währung, auf die Wirtschaft und damit auch auf Lebensniveau und ökonomische Widerstandskraft der Arbeiterschaft haben diefe Entwicklung jäh unterbrochen und in der PKD. den radikalen Links furs zu einem entscheidenden und, wie uns scheinen will, endgültigen Siege verholfen. Dieser Umschwung hängt aufs engite mit der Geschichte der Oktober- und Novemberkämpfe, der Borgänge bei der Auflösung der sächsischen Zeigner- Regierung usw. zufammen. Aus den Publikationen des„ Borwärts" ist befanntgewor den, in welch starkem Maße die Moskauer Exekutive auf diese Dinge eingewirkt hat und wie damit unter ihrem Einfluß der Linksturs in der KPD. sich durchfeßen fonnte. Der Parteitag brachte nicht mir den vvVständtgen personellen Sieg burch »Absägung der rechten Führergarmtur", genau so gut wie der ewig hin- und herschwankenden Mittelgruppe um Koenen und Stoecker. Er brachte auch den restlosen ideologischen Sieg der Maslow-Fischer-Gruppe. Die Sozialdemokratie ist jetzt endgültig zum gesährlichsten Feind des Kommunismus gestempelt worden. Die Taktik der Einheitsfront wird aufge» geben, der Kampf gegen und in den Gewerkschaften wird ver» schärst. Der Putschismu« zum Leitmotiv der Bewegung ge» macht. Die„Organisation der Revolution"' wird bombastisch als die Aufgabe der KPD. dezeichnet, die im übrigen an- kündigt, daß sie nach wie vor au» jedem Dreck eine revo« lutionäre Aktion zu machen bestrebt ist. Vom Standpunkte ihrer Parteiinteressen au» kann die Sozialdemokratie die Entwicklung der KPD. nur begrüßen. Eine reinliche Scheidung wird Zwitterstellung unmöglich machen und der ganzen Oeffentlichkeit den Unterschied zwischen sozialdemokratischer und kommunistischer Weltanschauung klar» machen. Von„sächsischen Experimenten" bleibt nicht nur die Kommunistische Partei, sondern auch die Sozialdemokratie in Zukunft verschont. Gewiß dleibt der Kommunismus noch ein« Gefahr. Di« Kommunisten verfügen über ein« Organisation von 300 000 MitgliÄ>ern. und das GerSusch, mit dem sie überall, namentlich In den wirtschaftlichen Organisationen der . Arbeiterschaft, auftreten, lähmt manche Energie, die besser positiven Aufgaben zugewandt werden könnte. Aber Radek hat nicht unrecht, wenn er in seinem Januarbericht vor der Exekutive erklärt«: „Mit einer rein agitatorischen Ante de» Konnmmismn» werden wir herrliche, kleine konmunristische Parteien haben. E» wird wieder vor uns die Frage stehen: Sekt« oder Partei? Die größte Quell« der Krise besteht darin: Wir find die Partei der Diktatur, aber wenn kein« revolutionüren Wellen schlagen, so kann man für die Diktatur nur Propaganda treiben und die Mass« lebt nicht nur von der Propaganda und Agitation.... Wenn wir da, nicht sehen...dann werden wir zerfallen." Noch stellt die Kommunistische Partei nach der schwer«« Zerrüttung des vergangenen Jahres ein« gewiss« Macht dar, weil mancher Proletarier von ihr Leistungen erwartet. Indem die KPD. solche Leistungen ausdrücklich ablehnt, er» fchüttert sie ihre Position selbst schiverer al» das durch Irgend- einen Angriff von außen geschehen könnt«. Ihre polittsche Hoffnung setzt sie nur auf neuen Zerfall. E» ist bezeichnend, daß in dem Aufruf des Parteitage» zugegeben wich, daß die Sozialdemokratie sich innerlich gefestigt hat. Die Kommu- nisten wissen, daß diese Festigung mit der Festigung der Wirtschaft und der Anbahnung einer internationalen Per- ständigung zusammenhängt. Auf diesem Boden allein kann die Arbeiterschaft wieder hochkommen. Da» Ideal der Kom- munisten ist neuer Zerfall und neu« Zerrüttung: „Schwere Erschütterungen der bürgerlichen Gesellschaft find im- vcrmeldlich Sie können' plötzlich hereintreff«,... Rüsten wir im», daß wir von nicht» überrascht werden könnenl Wir müsse» bereit fem!" Reue Erschütterungen würden zwar nicht die Kommunisten, sondern nur die Faschisten hochbringen, aber dies« Perspektive allein zeigt den Weg. den die KPD. zu gehen«nt- schlössen ist: Zur Sekte mit herrlichen Thesen. Der Sozialdemokrat i« und der Arbeiterschaft wird sie damit nicht gefährlich werden. Jetzt kommt e» nur darauf an. mit allen Kräften an der inneren und äußeren Konsosidierung zu arbeiten, dann ist der Anfftteg der Arbeiterschaft ebenso sicher, wie der hoffnungslos« Niedergang der kommunistischen Be> wegimg. Mit der Waffe in der t>önd'. Die„Rote Fahne" Verbote«. Di«.Rote Fahne" ist für de« Abdruck einer Resolution, die der illegale Parteitag der KPD. angenommen hatte, für vierzehn Tage verboten worden. Die Redoklion selbst dürft« diese» Ergebni» vor- ausgesehen haben, denn fie war fett dem Wiedererscheinen de« Blatte» offensichtlich bemüht gewesen. Konflikt« mtt der Staat». gemalt zu vermeiden. Die.Rote Fahne" war dadurch allerdbrgs ein etwas langwellige» Blatt geworden, immerhin ließ fich die Ab« ficht erkennen, den alten Fehler zu oermeiden, der darin bestand. daß man erst den Mund zn den unglaublichsten Kraftphrasen weit ausriß, wenn dies aber der Polizei schließlich zu bunt wurde, wider- spruchs. und widerstandslos m der Versenkung verschwand. Diese» Schauspiel ober wiederholt sich jetzt. Di« von der.Roten Fahne" veröffentlichte Resolution erklärt unter großmäuligen Sieges- Phrasen, daß der Kamps der KPD.„nur mit der Waffe in der Hand" geführt werden könne. Di« Organisierung.6 e w a f f. neter T e t l k ä m p s e" und die„Schaffung von Organen zur Führung dieser Kämpfe" wird für die Aufgab« der Partei erklärt. Wenn die„Rote Fahne" daraufhin verboten worden ist, so hoben die Kommunisten kein Recht, fich darüber beklagen, denn wer selber an dt« Gewalt appelliert, dem steht e» schlecht an, den Wehleidigen zu spielen, wenn Gewalt gegen ihn angewendet wird. Di« neu« Parteileitung der KPD., die die Aufnahme jener blödsinnigen Re- soiution in die„Rote Fahne' oeranlaßt und dadurch das Verbot verschuldet hat, müßte nun logischerweis«.mit den Waffen in der Hand" das Wiedererscheinen der.Roten Fahne" erzwingen, sonst Ist nur abermals bewiesen, daß man nicht sich und andere mit Redensarten besoffen machen darf, wenn man nicht» weiß und nicht» hat und nichts kann. Jedoch— um diesen Bewei, zu führen, ist es nicht notwendig, die»Rot« Fahne" in de» letzten Wochen vor der Wahl gleich für U Tag« unter verbot zu halten. Zeitungsverbvt« sind an sich schon «in Uebel, denn ein gesunder Staat müßte sich stark genug fühlen jeden gedruckten Unsinn auszuhalten, ohne gleich gegen ihn mit Polizeimitteln einschreiten zu müssen. Darum wäre e, richtig, wenn man der.Roten Fahne"— und ebenso auch der.Deutschen Zei» tung"— das Erscheinen alsbald wieder gestatten würde. Man hüte sich, den Gefundungs prozeß der Arbeiterbewegung. den die KPD. durch ihr sinnlose» Verhalten wider Willen«mge» leliet hat, durch Gewaltkuren zu unterbrechen. Vit heutigen Führer dieser grandiosen Partei der Weltrevolutton werden binnen kurzem für die ganze Arbetterschaft nur noch komisch« Figuren sein, wenn man fie nicht zu Märtyrern macht. Sdperistbe Gerechtigkeit. ElSnerS Mörder beurlaubt— und Niederschöneufeld? . Mönche«, l«. April.(DA.) ver.Oberbayerlfche General. anzeiget* in Landsbcrg dementiert«lue Nachricht, wonach der dort i» Festung»hast befindliche Graf Arco au» der Haft eutlafst» worden sei. Da» Blatt fieltt fest, daß Are» lediglich für läu- gere Zeit beurlaubt worden sei. Da» Dementi ist nichts weiter al»«ine freche Verhöhnung. Der bayerisch« Staat scheint es darauf anzulegen, die Rechts- grundlagen immer mehr zu erschüttern und die Politisierung de» Rechte» im Interesse der Umstürzler zum obersten Grund- satz seiner Polttik zu machen. Die gleich« Regierung, die den Mörder Eisners auf längere Zeit beurlaubt, trotzdem über seinen Gesundheitszustand noch niemal, irgend etwas Nach- teilige» bekannt geworden lft. denkt gar nicht daran, in Nieder- fchöneiHld, wo fie Festungsgefangene entgegen allen gesetz- lichen Vorschriften schlimmer al» Strafgefangene behandelt, ihr Regime auch nur um«in Jota zu mildern. So wird dem schwerkranken Erich Mühsam immer noch ein Urlaub ver- weigert, trotzdem die Aerzte ihn längst al» notwendig be- zeichnet haben. * München. 14.«pell.(BS.) Z» der Nachricht, daß«ras«reo. der am 23. Februar 1919 den bayerischen Ministerpräsidenten Eisner «rfchosien hat. au» der Hast entlassen worden sei, erfährt die BS.» Korrespondenz, daß Arco nach Derbüßung«ine» Drittel» seiner Festungshast von insgesamt IL Jahren nunmehr mit sofortiger Wirkung Strafaufschub erhalten hat. Man nimmt an, daß dieser Strafaufschub später in eine endgültig« Begnadigung umgewandelt werden wird. Wie verlautrt, est zu Ostern mit weiteren Gnadenakten de, bayerischen Gesamtministerium, zu rechnen. Es soll fich jedoch, wie an maßgebender Stell« betont wird, nicht um Hitler und Genossen, ebensowenig um die seinerzeit wegen Teilnahm« an der Räterepublik verurteilten Kommunisten handeln. Eitler und die französikbea Gelder. München, 14. April.(Eigener Drahtbencht.) Der Redakteur des in Berlin erscheinenden Organs de, Deutschen Bekleldungs- arbeiterverbcmdes, Otto Bennecke, brachte in seinem Blatt« im vorigen Jahr« einen längeren Artikel über die nationalsozialistische Bewegung. Darin lautete eine Stelle:„Roch anderen Münchener Meldungen sind der nattonalsozialistischen Bewegung auch sogar au» französischer Quelle Gelder zugeflossen." Al» Führer der Nationalsozialisten stellt« deswegen Hitler gegen Benneck« Klage wegen verleumderischer Beleidigung. Da» Schöffengericht hotte die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt. Auf Grund einer Beschwerde Hillers hob aber das Landgericht München diesen Beschluß auf. In der daraufhin durchgeführten Verhandlung kam da» Schöffengericht(im August 192S) zur Freisprechung des Beklagten und der Ueberbürdung der Kosten auf Hiller. Das Schöffengericht vertrat dabei die Auffassung, daß der Borwurf der nationaisozialistischen Bewegung als solcher gemacht wurde und der Privatkläger als solcher in dem inkriminierten Satz« gar nicht erwähnt sei. Gegen diese« Urteil legte der Rechtsbeistand Hitters, Rechtsanwalt Roder, Berufung beim Landgericht ein. Dieses verwarf nun ebenfalls die Berufung Hillers und überbürdete ihm sämtliche Kosten. Dl« Berufungsinstanz schloß sich den Gründen der ersten Instanz vollinhalttich vielleicht... Eisenberger und die separatio« Bayer«?. München, 14. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Mitteilungen de,„völkischen Kurier»' über die französischen Separa- tiopsversuch« in Bayern oeranlaßten den Führer des Bayeri- schen Bauernbund«», Eisenberger» jetzt, ein Schreiben an da» genannt» Blatt zu richten. Er erklärt, nicht Führer der Bayerischen Bolkspartei hätten ihn seinerzeit eingeladen, sondern Anfang Mai 1920 sei«in Professor Martini, der sich als argentinischer Konsul ausgab, im Beisein des Neffen von Millerand mit dem Auto- mobil an feinem Haufe vorgefahven. Der Reffe Millerands konnte nicht geläufig Deutsch, und Martini macht« deshalb den Dolmetscher. Er sogt«: Eisenberger, Li« sind der Borsitzend« de» Bauernbundes und sind bekannt al» ein Feind der Preußen. Was hätte Bayern für Nachteil«, wenn es sich vom Neich lostrennen und ein« Separierung mit Unterstützung Frankreich» machen wurde?" Eisen- berger erwiderte:„Ich bin allerdings kein Freund der Vormacht- polittk Preußen», aber ich bin ein Freund Deutschlands, viel» leicht würbe es ans Bayern unter Frankreich schlechter gehe», wie unter der vormachtpollltk Preußen», wenn wir uns vom Reich lostrennen würden. Wir haben zu wenig Kohl«. Getreide, Hucker ufw." Professor Martini sagt« dann unter Zustimmung des Reffen Mlverands:„Dieser Ausfall würde von Frankreich gedeckt werden. Bayern würde bei den Reparationszahlungen berücksichtigt «erde», und Eisenberger würbe auch«in persönlicher Portell zu- gebilligt erhalte«. Wenn der Bauernbund auch mitmachen würde, dann könnte die Separation tatsächlich durchgeführt werden." Eisen. berger erwidert« darauf noch, daß er sich persönlich and auch seine Partei niemals hergeben würben, ein derarttge» Geschäft mit den Franzosen zu machen. Er habe den Herren bedeutet, daß man am Ende der Unterredung angelangt sei. Die Herren hätten dann sein Haus verlassen und seien wieder nach München zurückgekehrt. Reichswirtschastseat-Serichte. Unter der Ueberfchrift tendenziöse Berichterstattung" haben wir in unserer Eonntag�Norgenausgob« uns dagegen gewandt, daß in dem un» zugegangenen Bericht über die Tagung des Wirtschaft». politischen Lasschusse» de» Vorläufigen Reichswirtschastsrats vom S, 10. und 11. April die Red« de» Vertreters der Landwirtschaft. Oetvnomierat öioßdeutscher, wiedergegeben worden sei, während die mtt großer Lufmerksamkett entgegengenommene Rebe de» Genossen Dr. Hilferding und die Darlegungen de» Sewerffchastsoertreter» Genossen Tornow der Oeffenllichkett vorenthalten worden feien. Bon unterrichteter Seit« wird uns dazu mttgeteilt. daß«in« parteiische Berichterstattung nicht beabsichtigt war, daß vielmehr jene Reden lediglich ans technischen Gründen am Sonnabend vormittag nicht oer- isfentticht«erden konnten.. Hinkemann. M Ott«:»Dan da» Schrtfllkarr«ntft Zaltt——— Skafnntadrainlns j» dcwIZigm, tann tflne Folge gegeben Berten, seil die«eswwnno einer Siratnnlerdeechuna)n diesem zweck» mit dem Ernst« de» etrafooLzug« nicht»»reinbar ist. (<(.«»rtner, Znfttzmtnifter.- ll nter Menschen, dt» diese bastwartsche Abart der deutschen Sprache— in ihrer Form gleich schauderhaft wie in ihrem Inhalt— reden, sitzt Ernst Toller gefangen. Daß«» ihm möglich ist,„mit dem Ernste" eine« solchen.Strafvollzug»" die Tätigkett de» Dichten» überhaupt„oereinbar sein" zu lassen, ist allein schon ein technische» Berbienst und ein Bewei» stir moralische Ausdauer. Einem Sehnst- steller, der sie nicht besäße, müßte die Hand verdorren, ehe fie nach der Feder greift— in dieser Umgebung, deren Befehlen und Bor- schriften„seiten, der Opfer" leider„Folge gegeben werben" muß. Unter solchen Umständen ringen nur eine nein« Glut und ein heiliger Wille mit der Gestaltung eine» Stoffe«. Den reinen Willen besitzt Ernst Toller. Aber er ist nicht stark genu� den dichterisch konzipierten, dramatisch bewegten und stellenweise sogar visionär bearbetteten Stoff zu.bewältigen"; das heißt: bis zur einzigen Gültigkeit durch» zuformen. Das dramatische Gerüst ist schief. Di« Rollen schtottern vm die Personen Der treulich erlaufcht» Klang, die richtig beobachtete Erscheinung sind nicht die in die Region de» Ueberwirttich- Dichterischen gehoben. Die„starke" Wirkung ist oft ein« gewaltsam«. Die tragische Ironie hat ein« begrenzte, nicht überdimensional« Grau- samkett. Die Symbolik ist naiv, nicht metaphysisch. Da, Schicksal des„Helden"(Hmkemarm)— und mag er auch kein Individuum, sondern ein Collectivum sein— blüht nicht vorbedingt und unab- änderlich aus feinem Wesen. Denn«r wuch, nicht in der Phantasie und im Herzen seines Autor», sondern er wurde nachträglich, um «inen„Einsall" lebendig werden zu lassen, um die Idee gebaut, wie ein« Glocke um dl« bereit» oochanden« Form. Sein Schicksal— und somit die ganze Handlung— ist möglich, aber nicht unbedingt, nicht neturnotwendig. Eingebungen einer spielerischen Phantasie stören di« Andacht der Stimmung und lockeckrn da. Gefüge der Handlung die Andacht der Stimmung und lockern da» Gefüge der Handlung Ornament» auf der anderen Lette«ntschädtgt nicht für jene Heber- flüssigkett. Und dennoch bogt mtt diese« Drama(neben anderen) einen hlstv- rischen Abschnitt In der dramatischen Literatur. Denn e» führt, wie einmal da,„bürgerliche Trauerspiel" den Bürger, statt der Könige, den Proletarier, statt de, Bürger» auf der Bühne«in. E» bricht Bahn für di« dramattsche Behandlung der neuen Klasse, de» kommenden Menschen. Da» ist der Ansang einer neuen Literatur. Er muß mehr literarhistorisch als kritisch gewertet werden. Roch sind d!« meisten Schicksale, die wir auf unseren Bühnen sich erfüllen sehen. Schicksale bürgerlicher Menschen. Der Bürger mag den .Hiukoniann" nur krittsch werten. Ihm fft er»in« literarisch« Er- schdiuuifc»n, aber ist jede» Dlsma, dessen««galt« Ltttt BOD unserem Blut sind, dessen Handlung proletarische« Erlebnis«in- schließt, ein« historische und ei« persönlich« Angelegenheit. Auch der künstlerisch unvoll komme« Hinkemann berührt un, üef: well er ein Proletarier ist, ein Opfer der herrschenden Klasse und je«» Kriege», den sie auf ihrem mangelhaften Gewissen hat. Im Welt- krieg hat Hink« mann durch einen Schuß sein Geschlecht verloren Gr wurde auf dem Fell» dieser zweifelhaften Ehr«, der„männlichen" Ehre,— entmannt. Und dies« Ironie ist es eigentlich, die den nationalistischen Sturm entfacht. Weil fit allein da«„Heldentum". von dem jene Dardaren leben, endgültig desavouiert. Kanu man ein „Held" fein, wenn man ein Eunuch ist? Schicksal de» Proleten! Unter dem vorwand, ihn zum Helden machen zu wollen, macht man ihn zum Eunuchen. Indem man seinen männlichen Ehrgeiz weckt, nimmt man ihm die Männlichkeit. Die Ironie dieses Gedanken» fft groß. Die Ironie steigert fich: der entmannt« Hinke- mann wird von«>«m Schoubudenbefitzer al» Rattenfresser aus- gestellt und als der Repräsentant.deutscher' Männlichkeit" gepriesen. Außer diesem Proletenschicksol nach Ausschnitte au» der Denkart de» Proletarier»: de» bornierten Rur-Partei-Menschen: de, rohen egoistischen Proletarier»: der proletarischen Frau. Toller vermocht« allerdings mehr„Milieu", al» dessen dichterische Gestaltung zu geben. Aber, daß er protetorische» Milien gab und de, Arbeiter» Leid und Loben zu erfasse» oersucht hat, fft, von unfern Augen gesehen,«in Verdienst. Also ist auch die Aufführung«in doppett«, verdienst:«in positive», weil sie«in Arbeiterschicksal vermittein will und ein«ga- tioes, well sie«i« tapfer« Entgegnung auf die Provokation des nationalen Bestiarnnn» bedeutet. Darüber hinaus kann die Auf- führung im Residsnztheater als gelungen bezeichnet werden. In der Regie«reinigten sich der diplomattsch-klug« Emil Lind und die inttiottv-schöpserisch« Erwin Berget. Professor Cef« Klein lieferte die sehr stillen und in ihrer tragischen Sanftheit sehr wirksamen D«korvtto«n. Den Hintemann gab Heinrich Georg«. Er verlebendigte selbst jene Stellen, die an matorischer Monotonie seiden. Er durchpulste die Rhethorli, füllt« gleichsam mtt Blut ieeve Redegefähe. Reben ihm gestaltet« Renä« Stobrawo die Frau Hinkemann mit kargen komprimierenden Gesten und spar- sorner Stimmkraft zu einer erschütternden Proletariergestalt. Außer diesen beideu sind nur noch Hugo Döblin al» Buden- bescher zu erwähnen und Eiaire Sei» und Frigge Braut in«in. brucksvollen Episodenrollen. Der starke Seifall galt der Regie und dem Hauptdarsteller. Er wird durch dl« Festungsmauern zu Ernst Toller dringen: der Beifall und der Dank der arbeitenden Menschen. K-td. » E» log so etwa, in der Lust wie ein Theaterskandal. Man hatte unkontrollierbar« Gerücht« von beabsichtigten Störungen durch nationalistisch« Elemente ausgestreut. Aber Berlin ist um dies« Sensation gekommen. Bielleicht hatte der gut organisierte Saalschutz. dst besonder» perstärtt» Tjeasq�osizsi von vornHeoech alle» Radau- Versuchen vorgebeugt. So faß denn ein bunt gemischte» Publikum mt» allen Kreisen der Bevölkerung einträchtig und erwartungsvoll beisammen. In einem Schweigen, das eindrucksvoller als aller Beifall für da» Werk de» Dichter, sprach. Zum Schluß war dann der Beifall allgemein stark. Neben mir faß ein Herr mit einem E. A.-Bändch«n: er war sicher nicht al»«in Freund des Dichters gekommen. Aber zum Schlüsse klatscht« er genau so ehrlich Beifall wie alle anderen. Und da» war vielleicht der stärkste Erfolg des Dicht«, an diese« Abend. ,vk rote Kobe�. Et gM Stücke, die man nm ihrer Gesinnung willen aufführen muß. auch wenn sie Ntercnffch nicht von allzu großer Bedeutung find. E» ist leicht, von hoher Warte au», Brieux' Drama»Di« rvte Rebe", diese mutige Anklage gegen«i« feile und lieb«- die«rische Justiz al»„Tendenz" abzulehnen, aber niemand wird sich im heutigen Deutschland, da» einen Fechenb«*� wie einen Luden» dorf-Prozeß erleben nwtzc«, der starten und unmittelbaren Wirkung dieser Richeertragödie entzieden tvrmen. Bielleicht auch deshalb sind in dlesem Stücke voll starker dramatischer Akzent« die Szenen vvn stärkster, weiJ ungewollter Wirkung, wo da» System al» solches, da, fühlende Menlchen zu Paragraphemnaschttwn modelt, aus dem Munde seiner Diener spricht. „Was wallen Sie, sagt in ehrlicher Entrüstung ein Gericht»- mäfident auf die leidenschaftlichen Anklagen ei«, Staatsanwaltes hin..ich Hab« doch nur wein« Pflicht getan!" Und das vielleicht tiefst« Dort, da» den ganzen Widersinn unfever modernen Recht- sprechung aufdeckt, klingt am Ende de» Stückes, wenn ein junge, Weib, dem ei« herzensrohe mtt» allzu ellferttg« Justiz fein Leven zerbrochen hat, auischmt:„Wer hilft mir zu meinem Rocht» gegen c!«n Richter, der da» alles getan hat?"— und die ochselzuckend« Antwort kommt:»Die Justiz fft niemals vervinwortlich�. Spiel und Regie des Neuen Theaters am Zoo waren nnafeichinößig. Neben den etwas farblosen Figuren der einzelnen Richter war von starker Mrkung Heinz Etieda al, schneidiger Nntersuchunysrichter, mit bewußt preoßischer Betonung. Gut auch. w ein paar Änzeffzenen, Walter Neomann al» geschöfts- tüchtiger und omnipotenter Abgeordneter. Georg John al« Etchepav« gab ei« trefflich« Studie des dumpfen gequälten Menschen. der im Eisennetze der Justtz gefangen hängt und langsam seeliVl» zu Tode gervürgt wird. Ganz stark aber, da, Spiel beherr'chend. Mari« Lorchardt al, Frau Etchepme. Dies« kurzen hellen Kehllaute der Wut und de» Erschrecken», dann da» plötzlich« N»« derbreche, und fich demütigen vor der überlegenen Kraft ei«r geföhr- lichen und boshaft sicheren Intelligenz, bis zum erschütternden Ga, winsel um ihre Kinder— alle, da» war ganz auf den Ton diese» Natvrgeschöpfe, gestimmt, da, verzweifelt und hetdenmüttg ggjen ein System kämpft, dessen Sinn e, nicht begreift, aber dessen Der« nichtungswlllen gegen sein kleine» arme» Ledensglück es instinkthast auflodern läßt in Raserei und Wut— bis zur letzten rächenden Ber- zweiflungstat. Der Beifall war ehrlich und stark. Man muß dem Bildungsausschuß al» Dercmstalter Dank wisse», daß er„die Schaubühne zur moralisch« Anstatt" werdeu läßt. fr W, Der Jaö' muß fort! Die thSrwgische Regierung unter deutschvölkische« Druck. Der thüringische Landtag steht heute vor einer Entschei» düng, die keineswegs eine innerthüringische Angelegenheit ist. Er hat heute die Wahl eines neuen FinanMinisters vorM- nehmen. Nach den bisherigen Nachrichten scheint man sich auf den früheren Regierungsrat Kültzfchner geeinigt flu haben. Nach den Vorgängen, die zum Rücktritt des bisherigen Ministers geführt haben, kann diese Wahl nur erfolgen, wenn der neue Finanzminister die versasiungswidrigen Forderun- gen der Deutschvölkischen bedingungslos akzeptiert. Wir sind neugierig, ob die Reichsregierung diesmal auch gegen Thüringen das schwere Geschütz einer Reichsexekution auf- fahren wird. Die Deutschvölkischen verlangen die Beseitigung des chüringischen Staatsbankpräsidenten Loeb nur deshalb, well er Jude ist. Eine Zeitlang hat man in Thüringen ver- sucht, diese widerliche Konsessionshetze mit einem sozialen Mäntelchen zu umkleiden, indem man über das Gehalt des Staatsbankpräsidenten in allen Blättern spaltenlang reden ließ. Man versuchte damit die Sympathien der Arbeitnehmer für die eigenen dunklen Ziele zu gewimren. Man hat noch nicht gehört, daß diese Kreise gegen Gehälter der Stinnesschen Generaldirektoren und anderer Bankleiter opponiert hätten! Ausschlaggebend wäre doch gerade für die Kreise, die immer die fachliche Eignung so sehr in den Vordergrund schieben, die Frage, ob der thüringische Staatsbankpräsident seinem Amt gewachsen ist. Das hat man bisher noch nicht mit einer Zelle zu bezweifeln gewagt Die thüringische Staatsbank wurde mit einem Kapital von 20000 Goldmark gegründet und brachte dem Lande im ersten Jahre außer der Abschreibung aller Inventarien usw. einen Reingewinn von über 21/? Millionen Eoldmark. Alle Versuche, mit Hilfe der Reicbswehruntersuchung die Leitung zu diskredllieren, schei- terten ohne Ausnahme. Es bleibt also nur übrig, daß man einen fachlich hochqualifizierten Mann nicht an seinem Posten belasten will, weil er ein Jude ist. Daß solche Forde- rungen dem Buchstaben und dem Sinn der Derfastung zu- widerlaufen und daß eine Regierung, die sitb solchen Forde- rungen fügt, verfassungswidrig handelt, ist außer Zweifel. Wird die Reichsregierung die Derfastung in Thü- ringen schützen? Man verhandelt noch. Weimar, 14. April.((Starter Drahtbericht.) Die«erhandlungen des thüringischen Ordnvngsblockes mit den Deutschvölkischen wegen der Neubesetzung de» verwaisten Finanzministeriums haben bis Montag abend zu keiner verstSndigung geführt. Es ist fedoch zu erwarten, daß zwischen dem Ordnungsblock und den Deutsch- völkischen ein« Vereinbarung zustand« kommt, die in der Leitung der Thüringischen Staatsbank varläufig keine Aenderung vorsieht. Loeb dürft« als» bis aus weiter«» im Amte bleiben. Jagew will amnestiert»erden! Seine Freunde bemuhe» sich um seine Freilassung. Wenn man von den Arbeitern absieht, die im An- Muß an den K a p p- P u t s ch in verschiedenen Teilen des Reiches zu schweren Strafen verurteilt worden sind. ist als einziger von den wirklichen Hochoer- rätern. die am Kapp-Putsch unmittelbar betei- l i g t waren, der frühere Polizeipräsident T r a u go t t v. Y a g o w verurtellt worden. Ahm diktierte das Reichs- gericht fünf Jahre Festung zu, die er in Gollnow zu verbüßen hat. All« feine Mittäter: Ludendorff, Trank. Wan- Senheim, Schiele und die Reichswehrgenerale, die in der Provinz mit fliegenden Fahnen zu Kapp übergingen, sind straflos geblieben. Kapp selbst starb kurz vor Festsetzung des Verhandlungstermins. Jetzt hat Jagow, wie au» einem langen Aussatz des pommerschen Reichsratsbevollmächtigten v. Flemming in Die.Sandel-(Bellevuestraße), immer noch eine Stätte bester Unterhaltungskultur, bringt in ihrem 4. Programm wieder ein paar feine, für Aug« und Ohr gut abgestimmte Bilder. Die unend- liche Reihe von zwölf SSchelchen dieser Art. die sedes für sich größer« szenische Vorkehrungen erfordern, ermüdet allerdings, und man ist mcht ganz geneigt, bis zum Schluß die notwendige Munter- keit wachzuhalten. Ernst, schwer und von starker dynamischer Wir- kung, deshalb au» dem Rahmen des Ganzen fallend, ist.Di« Galeere-. Im Schemenhaften der vier rudernden Galeeren- sftoen, in ihren Gesängen au» zerquälten, hoffnungslosen Herzen siegt soviel Bannende», daß man die Umgebung vergißt(was man, bei erleuchtetem Raum, sich später selbst nicht übelnimmt). Als g«. schlofien« künstlerische Leistungen sich ferner nennen:.1 0 0 1 N a ch t", .W u m b o- W u m b a-,»Prinz Eugen'(unter Benutzung de» alten Belgradliedes)..Schmück« dein Heim'(«In kurios leben- diger Defregger-Teller). Die Bühnenbilder stammen meist von Paul L« n i. der sich einer eigenartigen— man möchte sagen— glühen. den Bescheidenheit bc'lcißigt. die zu der immer feinen Musik Hans Maos in einem inneren DerhAtni, steht. Daß man bei aller Freud« am Gelungenen so oft an die Rüsten im.Blauen Dogel' erinnert wird— sollt« nicht bedenklich stimmen. K. Diplomprüfung für fUrasleul« und haudelslehrer. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem gemeinsamen Erlaß des Handelsministers entmmmt, erklären sich die zuständigen Minister auf Grund der Verhandlungen, die mit den beteiligten Hochschulen und Berufsverbänden geführt sind, damit einverstanden, daß die Dauer des Studiums für Dtplomkaufleute und Diplom- Handelslehrer auf sechs Semester verlängert wird. Zu den Diplom- Prüfungen werden nach einem Studium von sechs Semestern u. a. auch Lehrer zugelassen, die die Anstellungssähigkeit für den öffentlichen Schuldienst erlangt hoben und«in Jahr kaufmännisch lötig gewesen sind, sowie Lehrer, die«« erst« Lehrerprüfung be. stmiden und danach ein Jahr kaufmännisch, ein weitere» Jahr tauf» mmmisch oder pädagogisch mtig gewesen sind. Weiter werden Per- tonen zugelasten, die die Reif« für Or-ersetunda einer staatlich anerkannten höheren Lehranstalt erlangt haben, mindestens vier Jahr« kaufmännisch tätig gewesen sind, sich nach cher Semestern einer taufmäimischen Fachprüfung an der Handflshochschule mit mindestens dem Prädikat.gut' unterzogen und danach not Er- satzveifeprüfung bestand«« hoben. V-lk.bSH-e. lheaterbeutel bekömmlich ist. Sie sind e» nur nicht im völkerversohnenden Sinn», weil sie große Problems nicht erfassen können und wollen. Schamlos aber war es. daß guten,»inheimifchen Erzeugnissen ein fremde« Mäntel- che» umgehängt wurde. Eine jede Hausfrau kann zu diesem Kapitel au« eigenen Ersahrungen beitragen. So waven womöglich angeblich die Seife aus London, die Zahnbürste aus Paris und die Strümpfe aus Brüssel. Das allerfchönfte aber erlaubte man sich mst den Zwiebeln, die der Berliner Bollen nennt. Sie wurden in einen Sack gepackt, auf den besagten Sack wurden ein paar Halbmond« gemalt, wodurch ohne weiteres die Zwiebeln„Aegyptische Bollen' wurden. Heute, wo bestimmte Kreise au»„volksgesundheitlichen' Gründen gegen das Gefrierfleisch hetzen, weil es billiger als, das deutsche Fleisch ist, hat auch die Zwiebel ihre fremde Staatszugehörig. teit wieder abgelegt. Sie verleugnet ihr Heimatland nicht mehr, sondern wird wiederum als die gute, einheimische Bolle angepriesen. Und mit gemischten Gefühlen, halb Zorn, halb Schadenfreude, sehen sich die Käuferinnen die Zwiebeln an und denken, mögest du dich nimmer valeugnen. Der Fraueamörder Verth geisteskrank 7 Mit der Untersuchung de» GeisteszustanoeS deS Polizeiwachtmeister« Gerth, der den doppelten Frauenmord in der strafte verübt bat, sind die GerichtSärzte, Med.-Rat Dr. Störmer und Proiesior Dr. Strahmann, gegenwärtig beschäftigt. ES die nächsten Moröprozeste. Zum Deginn der neuen Schwurgerichksperiode. Di« Schwurgerichte bei den Landgerichten I und III werde» am 28. April ihre erst« Sitzungsperiode in der neuen Form des mit drei Richtern und sechs Geschworenen besetzten Gerichtshofes beginnen. Zum Borsitzenden des Schwurgerichts I ist für das laufende Geschäftsjahr� Landgerichtsdirektor Dr. T o l k eniannt worden. Der erste Berhandlungsgegenstand betrifft einen Mordfall. An- geklagt ist die Landarbeiterin Lina Hildebrandt, die be- schuldigt ist, ihr neun Tage altes uneheliches Kind mit einem Bindfaden erdrolselt zu haben. Di« Angeklagte war im September 1922 im Birchow-Krankenhaus niedergekommen und nach neun Tagen enttossen worden. Als sie mit dem Kinde zur Wohnung ihrer Mutter kam. war dies« abwesend. S!« nahm einen Bindfaden und erwürgte ihr Kind Die kleine Leiche, die sie ent- kleidete, steckte sie in eine Papiertüte und verbarg sie hinter einer Holzkiste im Flur. Am nächsten Tage fuhr sie mit der Bahn nach Velten i. d. Mark, und warf die Leiche in«inen mit Wasiei ge- füllten Wielengraben. Die Leiche ist bisher nicht gefunden worden. Die Sache kam aber dadurch zur Aufdeckung, daß vom Krankenhaus dem Amtsgericht Mitteilung von der Geburt des Kindes gemacht worden war. Auf die vom Gsmeindewaisenrat erhobene Nachflöge gab die Angeklagte an, daß sie das Kind in Pflege gegeben habe, und daß das Kind gestorben sei. Da die Angeklagte den Totenschein nicht beibringen konnte und sich alle ihr« Angaben als unwahr er- wiesen, wurde sie unter dem Verdacht des Mordes am Neujahrstag« diese? Jahres in der Wohnung ihrer Mutter, die von der Geburt de« Kindes überhaupt kein« Ahnung gehabt hatte, verhaftet. R.-A. Dr. Mendel hat die Ladung von San.-Rat Dr. Leppmann beantragt und unter Beweis gestellt, daß die Angeklagt« in einem Anfalle von Sinnes st örung, noch unter der Einw'rkung der überstanden«» Krankheit stehend gehandelt habe, so daß die Ueberlegung ausscheide.— Beim Schwurgericht des Landgerichts III, dessen Vorsitz Landgerichtsdirektor Dransfeld führt, wird gleich am ersten Tage ein politischer Sensationsprozeß zur Der- Handlung gegangen. Unter der Anklage des versuchten Morde» an Maximilian Horden wird sich der Oberleutnant a. D. Ankermann zu verantworten haben. Während die Mittäter, W e i ch e r d t und Grenz, bald nach der Tat ergriffen worden waren und bereit» feit mehr als Iahrcsflist abgeurteilt worden sind, war es Ankermann gelungen, nach Oesterreich zu entfliehen. Er ist vor längerer Zeit in Wien oerhaftet und nach Deutschland gusgeliefert worden. Di« beiden Mitschu'digen waren von den Geschworenen nur der Körperverletzung schuldig befunden worden. Di« Aus- liefsrung Antermanns ist jedoch von Oesterreich aus wegen Mord- versuche erfolgt. Die Anberaumung des Termins zur fraupwer- Handlung gegen Ank-rmann Hot sich dadurch so lange verzögert, daß die Oberstaatsanwaltschaft bemüht war, nachträglich auch die Geneh- migung zur Strafverjolgung wegen eines anderen Deliktes als Mordversuch zu erziefln, was aber dem Vernehmen nach nicht ge- glückt«st Maximilian Horden hat sich dem Verfahren als Neben- klag« angeschlossen._ Tie Voruntersuchung gegen Frau Bischur. In dem Ermittlungsverfahren gegen die des v i e r f a ch e n Giftmordes beschuldigte Frau Bischur ist am Sonnabend unter Leitung des Untersuchungsrichters, Landgerichtsrot K r u s p i, die Leiche von Georg Körner, des Bruders des ersten Mannes der Frau Bsschur, auf dem Iohannisfriedhof in Plötzensee aus- gegraben worden. Der Sarg war, obwohl er sich viereinhalb Jahre im Erdreich befand, vollständig unversehrt und wurde sofort nach dem Leichenschauhaus übergeführt. Dort wird er geöffnet werden, und der Gerichtsarzt, Professor Dr. F r a e n k e l, ist mit der Obduktion der Leiche beauftragt worden. Die Leichenteile werden von mebreren Gerichtschemikern auf Spuren von Morphium und Gasvergiftung untersucht werden. Bekanntlich ist das die einzige Leiche der vier mutmaßlich ermordeten Nersonen, die nicht verbrannt worden ist. Landgerichtsrat Kruspi vernimmt in dieser Mordsach« noch täglich sowohl die Angeklagte, die sich im Moabiter Untersuchungsgefängnis l?!-» druck durch Hialli-Uerla», AerN».) TD Der Dürger. von öeonharö Krank. Die Zellentür ftit sich auf. Vor ihm steht Katharina tm grauen Gefängniskleid, das verschönt ist durch den ordrnings- widrigen Einschlag beim Hals«. Der kleine, feste Mund lächelt froh.. Stürmische Liebe, wie damals, brach in Jürgen los. Da blickt Katharina gleichgültig und kalt ihn an.(„Auch kann ich «in Mädchen sein, das im Kampfe gegen di« Umwelt steht und durch ihr verächtliches Abweisen...') Mit beiden Händen griff Jürgen in die Luft und taumelte gegen die Gefängnismauer, blickte flehend Katharinas Blick an. der lautlos sprach:»Nimm erst von neuem auf dich alle Qualen I' Zwei paar Arme, an denen Spazierstöcke baumelten, breiteten sich aus. fielen schenkelwärts. Schultern zuckten. Jürgen betrachtete die eingeschrumpften Gebilde..Auch ganz und gar entselbstet!" Und folgte, berührt von dem Interesse des Leidensgenossen für die Leidensgenossen, den zwei Männern._ m „Da bin ich ganz deiner Meinung. Vorstand wiederholte der zweite Vorstand und ließ den ersten Borstand vorangehen, hinein in das Gesangvereinslokal, m. dem die Tenor- und Baßftsche schon voll besetzt waren. Unbemerkt stand Jörgen hinter dem großen Kachelofen. Aus dem Gastzimmer klangen, durch die geschlossene Tür d".rch, die Klüpfelschläge des Wirtes, der den Hahn m das Vierfaß schlug.....' Er habe die außerordentliche Singpro be emberusen. weil das hochverehrliche Gründungsmitalied, Herr �imon O:t, im Sterin liege.„Er liegt in den letzten Zügen. In diesem Moment wu�de Jörgen van einer Möwe be- mcftt. Lautlos. Sie stand vor ihm, glich e'ner nordischen Frau— groß, hellblond— und hatte ein gefühlsentferntes. oollkammen seelenloses Gesicht. Jenseits aller Verwunderung sagte Jürgen zu ihr:„Nur wußte ich bis jetzt nicht, daß Möwen scböne, küble Frauen sind." Die Möwe antwortete nicht, blickte auf das weite, taste Meer h'naus. Auch Jürgen blickte auf das Meer hinaus. .Deshalb müssen wir rechtzestig das Trauerlied einstudie- ren, das am Grabe gesungen werden soll, damit wir uns nicht wieder blamieren." „Er ist ja noch gar nicht tot!" Ein kleiner, dürrer, bebrillter Schuhmachermeister schoß vom Stuhle empor und forderte etwas mehr Pietät. Er war der Schriftführer. .Wenn er doch noch lebt!" .Aber es kann nicht mehr lange dauern. Ich bitte asso den Herrn Dirigenten, das Trauerlied vorzunehmen." Der Vorstand breitete die Arme aus:.Oder sollen wir uns wieder blamieren?" Der zweite Borstand erhob stch, klopfte ans Bierglas: „Ich bin ganz der Meinung unseres ersten Herrn Vorstan- des... Wenn ein altes Mitglied, ein Veteran des Männer» gesanges, stirbt, kann er verlangen, daß das Lied, das wir an seinem Grabe singen, vorher ordentlich geprobt wird. Und die Ehre unseres Vereins steht auch nicht so bombenfest, daß wir uns wieder blamieren dürsten, wie das letztemal." Die Möwenfrau trug in den reglosen Augen einen Blick, als schaue sie das unabänderliche Schicksal. Der Brillenschuster verteilte schon die Gesangbücher. Die zehn Bässe gruppierten sich um das Klavier herum..Dort ,'nten ist Friede", intonierte der Dirigent. Und die Bässe setzten ein:„Im kühlen Haus." „Nur die Bässe singen, b�tte ich mir aus. Warten Sie. bis Sie daran kommen." Der Brillenschuster hatte mst» gesummt. Er sang den ersten Tenor. „Es ruhet der Schläfer vom Leben aus." Gabelförmige Schwingen kamen fühlergleich und steif vorne aus der Körpermitte der Möwenfrau heraus, ver�chwan- den wieder. Sie bewegte sich wie ein Vogel, der zum Fluge anhebt, sah mit inhaltslosen, blauen Augen Jürgen an, der dachte: Will sie fort? „Und über dem Hügel: fum, sum, sum, sum." „Mehr piano! Nickst: sum. sum. sum. sum: sondern: sum, sum, sum, sum... Sie, meine Herren, sind doch keine Schmeißfliegen: B'enen summen viel rarier." Plötzlich sab Jürgen vierzig*"r Decke gerichtete Augen- paare, vierzig eirund geöffnete Münder und an den Rücken der Sänger, die fetzt im Halbkreise alle um das Klavier her- umstanden, die vierzig eingetrockneten Gebilde. Die Schwingen kamen gabelförmig vorne aus der Leibes- mitte der Möwenflau heraus: Jürgen fetzte sich darauf und schwebte, den Kops an die nebelumflorte, schön« Brust der Frau gelehnt, über das kalte, weite Meer, ruhend in der Ueberzeugung, daß er zu dem unbekannten Orte gelangen werde, wo fein Bewußtsein auf ihn warte. Die Möwenflau selbst darf, da sie ersttckte Seelen fort» trögt, natürlich keine Seele haben, dachte Jürgen während des lautlosen Fluges. Und sagte zu ihr:„Wenn ich nun dem Ar.zte erklären würde, daß auch diese Sänger ganz und gar entselbstet sind, und daß ihre Seelen, von dir und deinen Schwestern hingebracht, irgendwo im Weltenraume schmerz- lich warten, in ungeheurer Einsamkeit, würde er mir nicht glauben, sondern behaupten, mein Zustand habe sich verschlim- wert... Die Psychiater sind doch zu dumm. Glauben Sie das nicht auch?" Die Möwenfrau antwortete nicht, flog weiter, leicht vor- gebeugt. Ihre Augen hatten sich während der ganzen Zeit nicht bewegt. Ihr Gesickstsausdruck hatte sich nicht verändert. Weil sie eben keinen Gesichtsausdruck hat. dachte Jürgen und drehte das Gesicht nach oben, blickte ihr in die Augen. Ringsum war nur noch Wasser und Nebel Jürgen wußte nicht und dachte auch nicht darüber nach. wie er hierhergelangt war. Er saß auf der Bant in der Anlage, gegenüber dem grünen Bretterzaune, In den er vor vierzehn Jahren als erstrebenswertes Ziel den Frackherrn- jürgen hineingesehen hatte. Ein Lächeln tiefinnerster Sicherheit erhellte sein Antlitz, als er. jeden Willen ausschaltend, alle Muskeln entspannte, in dem Bestreben, wie damals wieder nur die Begierden, nur den Menschen in sich sprechen zu lassen, um zu erfahren, was der Mensch in ihm ersehne. Der Bretterzaun blieb Bretterzaun und leer.„Dieses nicht? Dieses wenigstens begehrt er nicht mehr," flüsterte Jürgen.„Das aber ersehnt es. mein Herz?" Er schloß die Augen und lauschte und wartete und fühlte nichts. Die Lider der inneren Augen blieben geschlossen. Da saß er, reglos, leid- und freudlos, leblos. Leiser Wind bewegte die Baumkronen. Schläiriges Zwitschern eines Bogels im Sonnenbrand. In der Ferne brauste die Stadt. „Das ist die weiße Sekunde", flüsterte Jürgen in Plötz- sicher Erregung. Denn er sah sich schreiten. Und die Straßen wurden enger, dunkler, die Häuser kleiner. Unbebaute Stellen. Der verfaulende Bretterzaun. Das klein« Fenster hing nah der Erde rotleuchtend in der Finfternis. (Fortsetzung folgt.) befindet, als auch Zeugen. Bisher find bereits 41 8engen ver| Sonntag einen Ausflug gemacht hatte. Aus feinen amgufammen nommen worden, und die Ermittlungsaften haben sich schon zu dicken Bänden angehäuft. Neben dem Schriftgutachten von Polizei Tommissar Schneitert beabsichtigt der Untersuchungsrichter noch ein Obergutachten einzuholen. Die Boruntersuchung dürfte frühestens in einem Monat zum Abschluß gelangen. Der große Umzug. hängenden Bemerkungen geht hervor, daß er den Schuß erhalten hat, als er die Treppe zur Wohnung hinaufging. Er will gemerft haben, daß ihm jemand nachgekommen sei. In dem Augenblid, als er den Schuß erhielt, muß er sich umgedreht haben, wenn seine Darstellungen richtig sind. Denn die Kugel, ein Geschoß aus einer Browning oder Parabellumpistole von großer Durchschlagskraft brang ihm vorn in die rechte Brust. Drohung mit Kündigung zu Agitationszweden. seite ein, durchschlug den Körper und auch noch die Klosettür auf Dem Treppenabsag und blieb in der hinteren Wand des Klosetts Bann tommt der nächste große Umzug Taufender von Haushalteden. Stolzfuß fagt nun, daß er den Schuß in der Dunkelheit er tungen? Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Zahlreiche halten habe. Im Widerspruch dazu stehen die Aussagen der Pförtner Hausbesitzer haben, wie in Berliner Mieterpersammlungen berichtet frau und anderer Hausbewohner, die die beiden jungen Bur wird, einzelnen Mietparteien schon jetzt formell gekündigt, und zwar schen aus dem Hause hinauseilen fahen. Hiernach muß sich der für den Tag des Aufhörens ber 3wangswirt. Borgang schon um 7 Uhr abgespielt haben. Zu der Zeit ist es aber schaft". Es scheint sich hierbei um eine zu agitatorischen Zwecken auf dem Treppenflur noch hell. Weitere Feststellungen ergaben, daß ausgegebene Parole zu handeln, die aber auch dann, wenn nur eine Strizfuß als Funktionär der Jugendgruppe viel Besuch von jungen Warnung oder Drohung für läftig gewordene Mieter beabsichtigt Burschen erhalten hat. ist, nicht gebilligt werden kann. Um porzugehen gegen Mieter, die durch eigene Schuld fich läftig machen, gibt es andere, vom Gesetz genau vorgezeichnete Wege. In Taufenden von Fällen wird gedroht mit der Redensart: Laßt nur erst die Zwangswirtschaft aufgehoben sein, dann fliegt ihr fofort heraust" Mit dieser Ankündigung werden besonders gern Mietervertreter bedacht. Es wird ja aber nichts so heiß gegessen, als es gefocht wird. In England, wo die Bohnungsverhältnisse durch Die Kriegsfolgen und große Arbeitslosigkeit ebenfalls fehr im argen liegen, finden zurzeit heftige parlamentarische Rämpfe um die Be schneidung des Kundigungsrechtes statt. Bei uns bedeutet der geplante Abbau der Zwangswirtschaft, die ja nicht mehr jahrzehnte lang währen wird, noch lange nicht ihre gänzliche Aufhebung mit einem Schlage. Insbesondere würde ble grundsäßliche Wiederein. führung des Kündigungsrechtes wohl noch auf mehrere Jahre hin aus mit allerlei Beschränkungen umgeben werden, um nicht eine Sintflut von Ründigungen ins Uferlofe treiben zu lassen. Ohne weiteres ist zuzugeben, daß Hunderttausende von Mietparteien nach Friedensbrauch die Wohnung wechseln wollen, fobalb fie Aussicht haben, eine mindestens gleichwertige Wohnung zu erlangen. Das erzwungene langjährige Beisammenwohnen hat im nachbar. Sichen Berbehr, ja, im Berkehr der Bewohner ganzer Straßenviertel, weit mehr entfrembend als annähernd gewirkt. Heraus aus diesem Haufe und aus dieser Gegenb! So wird, genau wie im Frieben, un endlich oft gefagt. Maffentündigungen bebeuten alfo Maffenumzug. Das würde aber ohne die nötigen Sicherungen sine ungeheure Berschiebung der Wohnungsnot zur Folge haben. Wohnungslose würden sich auf die freigewordenen Mohmmgen stürzen, gefündigte Mietparteien würden ohne Boh nung bleiben und an die Stelle der bisherigen Wohnungslosen treten. Eine folche Mietrechtpolitit hieße, das Kind mit dem Babe ausschütten. In behördlichen Kreifen denkt man daher schon jetzt an die entsprechenden Sicherungen. Der vorgeschobene Riegel wird und muß für eine längere Sperrfrist so start sein, daß die vorzeltigen Kündigungsandrohungen nicht zu schrecken brauchen. Deffentliche Wählerversammlungen heute Dienstag, den 15. April, abends 7% Uhr: Berlin- Mitte: Lehrervereinshaus Alleganderplay( gr. Saal) Tiergarten( Moabit): Arminiushallen, Bremer Str. 73. Tiergarten( Westen): Schulaula Pallasstr. 16. Wedding: Pharusfäle, Müllerstr. 142. Wedding: Aula Grünthaler Str. 5. Der beraubte Güterzug. Die verräterischen Kleidungsstüde. Zweimal wurde anfangs vorigen Monats der Gigüterzug 6205, der regelmäßig von Berlin nach Breslau fährt, beraubt. Am 3. März wurden von dem Güterpoftwagen furz vor Frankfurt a. b. D. die Türverschlüsse mit Gewalt entfernt. Die Untersuchung ergab, daß 25 Bafete aufgerissen und thres Inhaltes ganz oder zum Teil beraubt waren. Schon zwei Tage später wiederholte fich des Borgang. Dem Diebe fielen ganze Sendungen mit Damena tostümen, Damenkleidern und Stiefeln in die Hände. Das erste mal ließ der Dieb ein paar abgetragene, zerrissene Schnür schuhe und eine schlechte blaue Schirmmüße in dem Wagen zurüd, Auf der Strede fand ber tahnamtliche Güterschutz von Frankfurt a. d. D. einen Bojtsad mit einzelnen geraubten Sachen, Diese Dinge führten zur Berhaftung eines 20 Jahre alten Arbeitsburschen Leo Nowak, der im April vorigen Jahres aus einer Fürsorgeanstalt entwidhen war und seitdem vergeblich gesucht wurde. Er hat schon ein erhebliches Etrafregister. Deshalb beschaffte er sich neue Papiere auf den Namen Edmund Noat, um bei einer etwaigen Festnahme beffer wegzukommen. Er wurde jetzt bei seinem Schwager in der Forster Straße entdeckt. Der Berhaftete leugnete zunächst, legte aber unter dem Druck des Belastungsmaterials jchließlich ein Geständnis ab. Er hatte sich mit einer Bahnsteigtarte Zutritt zum Görlizer Bahnhof verschafft, heimlich den Steig auf verbotenem Wege verlassen und war auf den Eilgüterzug gesprungen. Unterwegs brach er dann die Schlösser von den Wagen ab. Seine Beute warf er auf die Strede hinaus. Schließlich sprang er in einer Rurve, in der der Zug etwas langsamer fuhr, ab, fammelte bie Sachen, brachte sie nach Berlin und verkaufte fie an unbekannte Leute, Am Prenzlauer Berg: Brauerei Königstadt, Schönhauser Alee 10/11. 8. März traute er sich nicht mit den alten zerriffenen Stiefeln, die Friedrichshain: Andreas- Festfäle, Andreasstr. 21. Kreuzberg: Deutscher Hof, Luckauer Str. 15. Charlottenburg: Sophie- Charlotte- Schule, Scharrenstr. 20. Charlottenburg: Leibniz- Oberrealschule, Schillerstr. 125. Wilmersdorf: Hindenburg- Oberrealschule am Seepart. Wannsee: Reichsadler, Königstr. 26. Steglitz: Aula des Gymnasiums Heeseftraße. Mariendorf: Aula des Gymnasiums Kaiferstraße. Neukölln: Zum Schultheis, Hafenheide 22( Wintergarten). Treptow: Lokal Nitschke, Am Treptower Part 26. Copenid: Aula der Körner- Schule, Lindenstr. 11, Lichtenberg: Aula der Mittelschule Marktstraße. Mahlsdorf: Lokal Anders, Bahnhofstraße. Biesdorf: Lotal Bartsch, Dorfstr. 63. Weißenfee: Albrechtshof, Barfstr. 16. Faltenberg bei Weißensee: Lokal Meyer, Dorfstr. 10. Reinidendorf- Off: Kastanienwäldchen, Schönholzer Str. 14. Tegel: im Strandschloß. Referenten find: S. Aufhäuser, Dr. Breitscheid, Clara Bohm- Schuch, Eduard Bernstein, Arthur Crifpien, Dr. Freund, Der Kampf gegen den Judenhaß ein Kampf gegen die Rich. Fischer, Hugo Heimann, Marie Juchacz, Franz Künstler, Georg Klaußner, Karl Ceid, Hermann Lempert, Dr. LöwenVolksvergiftung. ffein, Offo Meier, Ernst Nietisch, Wilh. Reimann, Elfriede thm nicht paßten, abzuspringen. Deshalb ließ er fie liegen und holte aus einem aufgeriffenen Batet ein Paar neue Turnschuhe heraus, Die ihm den Absprung erleichterben. Aus einem anderen Paket nahm er eine neue Kopfbedeckung. In seiner Behausung in der Forster Straße fand man noch mehrere Sachen aus den Diebstählen. Der Festgenommene hat wahrscheinlich auch noch andere Zugberaubungen biefer Art auf dem Sterbholz. Mitteilung nach diefer Richtung nimmt Kriminalfommiffar Lippit, Dienststelle B I 9 im Bolizeipräsidium entgegen. Tragikomischer Abschluß einer Filmaufnahme. Auf dem Grundstüd Manteuffelstr. 79 veranstaltete nachmittags bie Fall- Reflame- A- G. eine Filmaufnahme, bei der etwa 800 Bere fonen meist Erwerbslose mitwirften. Als nach Schluß der Aufnahme die Auszahlung ber bereinbarten Bergütungen erfolgen follte, stellte es fich heraus, daß der damit beauftragte n geftellte mit den Geldern verschwunden war. Da die Filmspieler eine drohende Saltung gegen ben Leiter des Unter nehmens einnahmen, wurde die Bolizei gerufen. Schließlich be gaben sich alle Beteiligten zur Wache bes 108. Polizeireviers, wo der Seiter der Gesellschaft fich durch Verpfänden seiner goldener Uhr und Kette Geldmittel beschaffte, mit denen er die Statisten befriedigte. Der Zentralverein beutscher Staatsbürger jeifen Glaubens hatte am 12. bis 14. April in Berlin Ryned, Friedr. Stampfer, Heinrich Schulz, Dr. Wenl, Rudolf gehrmädchen Charlotte Sch. verfute fich in ber elterlichen feine diesjährige Hauptversammlung, die von Bertretern Wiffell, Dr. Zechlin, Fritz Zubeil aus allen Teilen Deutschlands besucht war. In Berbindung mit ihr fand eine unbgebung gegen den Antisemitismus statt, der in feiner Agitation für die bevorstehenden Reichstagswahlen fich hem. mungslos austobi. Mittwoch, den 16. April, abends 7% Uhr: Kreuzberg( 42. Abt.): Schulaula Bergmannftr. 66. Ernst Nietisch. Lichterfelde: Aula Oberrealschule, Ringstr. 2/8. Landtagsabgeordneter Lüdemann. Baumschulenweg: Im Kino, Baumschulenstraße. Franz Künstler. Referent: Referent: Referent: Selbstmordverfuch einer Fünfzehnjährigen. Das 15jährige Wohnung in der Boddinstraße in Neukölln das Leben au nehmen, indem fie fich mit Gas vergiftete. Das Kind wurde Der Beweggrund ist den Angehörigen noch ein Rätsel. noch rechtzeitig aufgefunden und ins Leben zurüdgerufest. Der falsche Gandhl". Su den Feststellungen der Abteilung In bes Berliner Bolizeipräsidiums fchreibt uns der angegriffene Ed. Gantert: Die Angaben find im wesentlichen unrichtig. Ich bin wohl in Baben geboren, bin aber indifcher Abstammung. Ich war riefe Jahre in Indien in der Freiheitsbewegung tätig. 1901 war ich ebenfalls in Indien. Im Jahre 1913 und 1915 wurde ich wohl be straft, doch stehen diese Berurteilungen mit meiner politischen Tätig teit im Zusammenhang. Die Bureau- und Kaffenräume des Finanzamts Meberbarnim Tagesordnung in allen Bersammlungen: Die Bedeutung der Reichstagswahlen für die deutsche Arbeiterschaft Sozialdemokratisch oder völfisch?" Kreuzberg( 47. Abt.): Deffentliche Beamtenversammlung, Lokalbefinden sich vom 25. d. M. ab in Berlin NW. 6. Luisenstr. 31a. Behrendt, Manteuffelstr. 5. Legationsrat Dr. Walter Bechlin spricht über: Beamte, Republik und Reichstagswahl." Die Waldverwüstungen bei Hennigsdorf. Ein Protest des Berliner Magifirats. Nabbiner Dr. Bogelstein aus Breslau führte in feinem Referat aus, daß es in dem Kampf gegen die Judenheze um fitt. liche Güter von hohem Wert geht. Das fet das Gefähr liche, daß durch die Lügen und Berleumbungen, mit denen die Judenheize arbeitet, die Geete des Bolles pergiftet wird. Darum fei der Kampf gegen den Antisemitismus ein Kampf nicht mur für die Juben, jonbern für das deutsche Bolt und für die ganze Menschheit. Der Redner Schloß mit der Erklärung, daß Die Juden diejen Kampf führen in Biebe und Treue zum Deutschen Baterland, dem sie in feiner Not zu dienen bereit sind. Justizrat Dr. Sonnenfeld, der zweite Redner, betonte die Pflicht der Juden, sich zu verteidigen und die lüg Ein Großwafferkraftwerk schwer beschädigt. nerische Hege zu betämpfen. Zu dem beliebten Bor Die im Winter 1922 in Betrieb genommene Großmajfer. wurf, daß die Juden an ihren persönlichen Vorteil denken, führte traftanlage der Alzwerte ist am Sonnabend in folge er aus: Ja, wir sagen den Mühseligen und Beladenen nicht, daß eines Durchbruches von 1 Millionen Rubitmeter fie sich mit der Hoffnung auf ein besseres Jenseits trösten sollen. Bir Wasser schwer beschädigt worden. Das Gerinne ist auf nehmen feinem den Glauben an das Jenseits, aber wir denken 200 Meter unterspült und zum Einsturz gebracht worden. Berluste allerdings auch an die Aufgaben, die das Diesseits stellt. an Menschenleben find nicht zu verzeichnen, Der Betrieb der Ab Judentum darf stolz darauf sein, daß es schon vor Jahrtausenden nehmer der Alzwerte fann in beschräntiem Umfang aufrechterhalter In dem fistalischen Waldgebiet zwischen Hennigsdorf und Belten werden. Die Instandsetzungsarbeiten werden sofort mit aller Kraft der Träger des sozialen Gedantens war. Bom Juden tum ist z. B. der Sabbathgebante ausgegangen, die For follen zugunsten der Herstellung eines großen Jn in Angriff genommen. Es wird aber ein monatelanger Stillstand berung eines regelmäßig nach sechs Arbeitstagen zu gewährenden dustrie gebietes und Anlegung eines Ranals weite alb- bes Alzwerfes nicht zu umgehen sein, was im Interesse der deutschen Ruhetages, der auch dem Geringsten und sogar dem Bieh nicht verflächen von ungefähr 1000 ettar Größe abge Boltswirtschaft und insbesondere der Stickstoffbelieferung der Landfogt werden darf. holzt werden. Der Magistrat hat bei dem Herrn Oberpräsidenten gegen dieje Waldverwüftung Einspruch erhoben, da die Anlage dieses wirtschaft zu bedauern iſt. Industriegebietes noch feineswegs gesichert ist, und da auf die Er haltung diefes Waldgeländes, welches unmittelbar an der Groß- Berliner Weichbildgrenze liegt, im Interesse der Berliner Ausflügler unbedingt Wert gelegt werden müsse. Nach dem Die Trauerfeier für Stinnes, die der Einäfcherung im Baumschußgefes vom 29. Juli 1922 follen auch die für Krematorium zu Bilmersdorf poranging, war schlicht. Aber die die Erholung der Bevölkerung notwendigen Waldungen in einer Ausschmidung ber Halle unterschied sich von dem, was sonst bei etwa 8- Rilometer- Sone außerhalb der Großstadt geschützt werden. Trauerfeiern üblich ist. Man hatte dazu eine verschwenderische Fülle Dieser Schutz ist für Berlin von dem Provinzialausschuß der Provinz feuchtender Blumen verwendet, die den düsteren Ernst des Raumes Brandenburg auszusprechen. Der Magistrat hat nach einem Beschluß milderten. An der Feier beteiligten sich mit der Witwe und den vom 11. April 1923 auch u. a. den Schuß für das in Frage stehende Angehörigen die leitenden Angestellten der Stinnes- Unternehmungen, Gelände beantragt. Beider ist bisher der Befchluß des Bro. fithrende Persönlichkeiten aus Handel und Industrie, Mitglieder des Dinzialausschusses noch nicht erfolgt, fo daß das in Reichstages, Bertreter der Reichsregierung und der Staatsregierung. Frage stehende Gelände zurzeit noch nicht den Schutz des BaumschutzReden der Regierungsvertreter waren in einem Mittagsblatt gejeges genießt. angekündigt worden, fanden aber nicht statt. Nach einleitenbem Orgelspiel sprach mir der Geistliche, Geheimer Oberkonsistorialrat Dr. Conrad. Er schilderte den Berstorbenen als den Unternehmer der Gewaltiges geschaffen und Ungeheures geleistet habe. Ein Männerchor von Bergknappen sang das Niederländische Dankgebet, begleitet von einem Blasorchester, das gleichfalls von Bergknappen aufammengefegt mar, Nach Gebet des Geistlichen und abschließen bem Orgelspiel, bei dem der Sarg hinabfant, endete die Feier mit einem Bergmannslied des Männerchors. Die Rundgebung endete mit einstimmiger Annahme der bereits i der geftrigen Abenbausgabe wiedergegebenen Entschließung. Stinnes' Bestattung. Am Bormittag hatte, bevor der Sarg nach dem Krematorium gebracht wurde, im engsten Familientreife eine Trauerfeier stattgefunden. Ein geheimnisvolles Nevolverattentat. Eine unaufgeflärte Schießerei, bei der ein junger Mann lebens. gefährlich verlegt wurde, rief am Sonntag im Norden der Stabt has Gerücht von einem versuchten Morde hervor und befchäftigt noch die Kriminalpolizei. Ein 17 Jahre alter Arbeiter Emil Stolzfuß in der Hagenauer Str. 14 murde abends 9 Uhr non feiner Mutter, als sie von einem Ausgang zurückkehrte, in der Kilche der Wohnung bewußtlos aufgefunden. Er hatte eine Schuß perlegung in der rechten Brustseite und viel Blut verloren. Eine Blutspur führte von der Küche über den Korridor nach dem Klosett auf dem Treppenabfag. Es wurde festgestellt, daß eine Kugel die Klosettür durchschlagen hat. Das Geschoß steckte in der Wand. Im Haufe tonnte bisher über den Vorfall niemand nähere Auskunft geben. Die Pförtnerfrau hat nur wahrgenommen, daß bald nach bem Schuß zwei Burschen eiligst aus dem Hause hinausgelaufen sind. Stolzfuß ist in das Virchow- Kranten baus übergeführt worden. Er fonnte dort nur notdürftig verhört werben. Er ist so schwer verlegt, daß an eine zusammenhängende Aussage noch nicht au denken ist. Festgestellt ist, daß er Führer ainer angendgruppe war und in dieser Eigenschaft am Der Regierungspräsident hat zwar durch eine Polizeiverordnung gefährdete Baumbestände in der 8- Kilometer- Bone gesichert, jedoch sind die fiskalischen Waldungen von diesem Schuß ausgenommen Diese Maßregel steht im Gegensatz zu einer Bolizeiverordnung des Herrn Oberpräsidenten für die Gemarkung der Stadt gemeinde Berlin, nach welcher auch die fiskafifchen Waldungen unter Schutz gestellt sind. Aus den beabsichtigten und bereits vorgenomme nen Abholzungen zwischen Hennigsdorf und Belten ergibt sich, daß auch der Schuß der fiskalischen Baldungen in der 8- Kilometer- Bone unbedingt erforderlich gewesen wäre. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 15. April. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funkkapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Sanitätsrats A. Bernstein: Heilkunst im Hause". 7.30 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Sonnenschein, Leiter des Sekretariats für soziale Studentenarbeit in Berlin:„ Die Not der geistigen Ar beiter". 8.30 Uhr: 1. a) Walzer Cis- moll, von Chopin, b) Mazurka, von Chopin( Ocleste Chop- Groenevelt. Klavier). 2. a) An die Musik, von Schubert, b) Liebesbotschaft. von Schubert. 3. Phantasie. von Iwan Müller( Alfred Richter, Soloklarinettist des Deutschen Opernhauses, Charlottenburg). 4. a) Märchen aus der Klaviersuite G- moll, von Raff, b) Pasquinade( Mexikanischer KarnevalM. Gottschalk( Celeste Chop- Groenevelt, scherz), von Louis Klavier). 5. a) O, lass dich halten. goldne Stunde, von Jensen, b) Margret am Tore, von Jensen( Konzertsänger Hermann Schey). 6. Walzer, von Durand( Alfred Richter, Soloklarinettist des Deutschen Opernhauses, Charlottenburg), am Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Frühling mit Schnee. Ueber Breslau ging vorgestern ein In schweres Gewitter mit startem Schneegestöber nieder. i en herrscht feit Mitternacht ftarles Schnee gestöber-In den letzten Tagen ist auf dem Hochschwarzwald als Folge des starben Temperaturwechfels Schneefall eingetreten. Am Sonntag abend trat Schneesturm ein. Es fielen 55 Zentimeter Neufchnee, Größere Berkehrsstörungen sind aber nicht eingetreten. so daß die Schneebecke jetzt wieder ungefähr 2½ Meter beträgt. Berliner Varietés. Im April- Programm der Stala ist die Politik ad aota gelegt und man begnügt sich mit einer gangen Reihe wirklich sehr hübscher und origineller artistischer Alte. Die zwei Albrechts Bater und Sohn Beigert Gymnasti! in einer Bollendung, die nicht gewöhnlich ist. Die Frig KleinFamilie( brei Damen, ein Herr) voltigiert am Trapez mit absoluter Sicherheit, ohne des Sprungneßes zu bedürfen. Die japanische Truppe le bon os bringt Barterre- Equilibriftit in der nur bei den Savanern gebräuchlichen Form, mit mehr Gemandtheit, aber weniger Afurateffe, als es bei unseren Artisten üblich ist. Das Stimmphänomen 2ord Ain, ein italienischer Sänger, läßt sich durch alle vier Stimmlagen Barriton, Sopran und Alt hören, wobet er auch mufitali ch stets in den Tenor, Brenzen des fultivierten Geschmads bleibt. Eine Driginalität ist das National orchester von Guatemala Marimba, das auf Instrumenten, die uns weniger geläufig find, wie Xylophon und eine Art Trommel- Qarie, starle Wirkungen zu erzielen weiß. Sehr fein durchdacht im grotest tomischen Aufbau war die Originalizene der Sphras Dienstmann Nr. 17 die es leider zu feiner rechten Wirkung bringen lonnte, weil der größte Teil des heutigen Publikums grotesten Sierulf dem wirklichen Humor vorzuziehen scheint. Die neueste Attraktion auf illufionistischent Gebiet Schatten wunber( an anderer Stelle bereits besprochen) Löfte auch hier große Seiterfeit aus. Der Wintergarten bietet biedmal in jeber feiner 10 Programm nummern etwas Außerordentliches. 3 Tavo 3 find anderlesene Hoch turner und prachtvoll gebaute Menschen. Die Yamato familie, Barterrealtobaten, verfügen über einen ungemein sicher arbeitenben ju gendlichen Springer. Der Humor ist reichlich und in mannigfacher Ab wechielung vertreten. Einen herrlichen Ut vollführen die italienischen Mufilclowns Antonet und Beby. Nicht minder amüsant sind die Erzentrits Benno 3. Die Robbins- Gompagnie vollführt auf den unglaublichsten und verrücktesten Ein- und Zweirädern tolle Kapriolen. Der optische Scherz der Zauberbrille" der Hermes und Gorted verblüfft das ganze Bublifum. Entzückend und voll hinreißender Charme tanzt Gertrud Ehrich( nebst vier hübschen Tänzerinnen) beschlitt schuht Eistänze. Der männliche Partner der Amerikaner Raft u 3ants entwickelt ala Steptänger eine ungeheure Gelentigkeit. Das rumänische Baranu- Trio tanzt drei heimische Nationaltänze wild und rasend, prestissimo und fortissimo( des Lauten und Wilden ein bißchen biel) und der Zahnkraftatt ber ruhig arbeitenben schönen Geschwister Balzer entwet Bewunderung und Freude zugleich. " Im Dönhoff- Breffl trift neben guten Rabarettfräften der Affe Coco auf und nimmt geschickt die Rolle eines Bechers ein, der seine Rechnung nicht bezahlen kann. Er muß seine Sole als Pfand hinterlassen und im Hemdchen nach Hause ziehen. Auch auf artistischem Gebiet wurde hier recht gutes geboten. Die Steffiner Sänger haben ihre alte Zugkraft noch immer nicht ver loren. Alfred Fuchs singt Barodien auf betamte Lieder, während Baul Britton furiofe Nationaltänze" aufführt und typische Theaterbesucher zur Darstellung bringt. Drei Genrebilder Die beiden Alten", wobei am Schluffe die preußische allerwege Militärmufil" nicht fehlen darf. Die Komponisten im Olymp und Ein Mufitantentraum füllen das Programm weiter aus. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6 Arbeiter- Sport Die Entwicklung des Frauensports. In den Anfängen des deutschen Turnens lag der Frauenfport noch in weiter Ferne. Die Anfang des vorigen Jahrhunderts von Jahn und seinen begeisterten Anhängern betriebenen Turnübungen wurden nur von Jünglingen und Männern betrieben. Jahn selbst stond den Leibesübungen der Frauen und Mädchen durchaus verständnislos gegenüber. Erst in späteren Jahren sezte sich die Er. tenntnis von der Notwendigkeit weiblicher Gymnastik durch. Der Leiter des gesamten Schulturnens in Hessen, Adolf Spieß, brachte Troß vielen Mahnens find bis heute erst aus dem 1., 5., 9. Mitte des vorigen Jahrunderts das weibliche Schulturnen zur Einund 10. Kreise alle Abteilungsabrechnungen hier eingelaufen, wähführung, bestehend aus systematisch aufgebauten Frei- und Ordnungs. rend aus 16 Kreisen noch immer 25 Abteilungstaffierer mit ihren Abrechnungen fehlen. Der Parteivorstand drängt nachdrücklichst auf Abrechnung, deshalb ist es unbedingt erforderlich, daß die Kreis. vorsitzenden jeßt für sofortige Abrechnung Sorge tragen. Andernfalls müssen wir ohne die betreffenden Abrechnungen abschließen. J. A.: Alex Pagels. übungen sowie besonders aus Reigen, deren Förderung fich Spieß fehr angelegen fein ließ. 1872 wurde das Schulturnen für Mädchen in Preußen in den höheren Schulen eingeführt und die Ausbildung von Mädchenturnlehrern und lehrerinnen in die Wege geleitet. In den Bolksschulen tam aber das Mädchenturnen erst viel später als obligatorischer Unterrichtsgegenstand zur Einführung. In den neun 4. Kreis Prenzlauer Berg. Achtung. Abteilungstaffierer! Sofort bie Met. siger Jahren des vorigen Jahrhunderts nahmen auch die Vereine das Frauenturnen in ihr Tätigkeitsgebiet auf. Die deutsche Turner fchaft führte im Jahre 1897 ab die Turnerinnen in der Statistit, es waren damals bereits 454 Abteilungen mit ziemlich 16 000 Mit gliedern. Der 1892 gegründete Arbeiter- Turnerbund zeigt folgende Entwicklung des Frauenturnens: 241 Mitglieder 1910. 10 365 Mitglieber 1 194 1912 Larten vom Genossen Seelbinder, Rhinower Str. 4, abholen. 5. Kreis Friedrichshain( 82.- 38. Abt.). Achtung, Funktionäre und Biftenschreiber! Alle Genoffen, die zum Listenschreiben für Mittwoch, den 16. b. M., bestellt waren, werden gebeten, fich sofort beim Abteilungs. Teiter zu melden und dort neue Mitteilungen zu holen. 19. Kreis Pautow. Sämtliche Beamten des Areises: Mittwoch, ben 16. Apell, 7 Uhr, bei Bater, Mühlenftr. 12, Berfammlung. Heute, Dienstag, den 15. April: 74. bt. Rehlendorf. Die Funktionäre werben erfucht, fich heute abenb 8 Uhr bei Midlen zur Entgegennahme wichtigen Materials fir bie erste Bffent liche Berfammlung einzufinden. Jungjozialisten. Gruppe Tempelhof: 7½ Uhr Beteiligung an der öffentlichen Bersammlung in Mariendorf. Frauenveranstaltung am Dienstag, den 15. April: 79. Abt. Schöneberg. 7% Uhr bei Grob, Sebanfte. 17. Referentin Genoffin Rozowred. Gäste willkommen. Morgen, Mittwoch, den 16. April: 33. t. 7 Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre mit den Bezirksführern bei Lojad, Beymeftr. 8. Die Bezirksführer müssen hierzu einladen. 35, t. Alle sur Schreibarbeit zum Mittwoch bestellten Genoffen holen fich biele nicht aus der Schule, sondern aus der Wohnung des Abteilungsleiters, Frankfurter Allee 287, ab. 49. Abt.( Schwerhörigengruppe). 7 Uhr im Jugendheim Zindenftr. 8. 2. Sol, 8 Tr., Berfammlung. Bortrag. Wichtige Tagesordnung. Charlottenburg. 53. Abt. 7 Uhr Sablabenb: 1. Bezirk bei Schweifert, 2. und 3. Besir bei Sur. Einteilung der Wahlarbeiten. Gammelliften abrechnen. 57. bt. 7 Uhr bei Rapichinsky, Arumme Str. 47, Funktionärtonferenz. 62. Abt. Siemensstabt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Marfandt, Seide Frug, Sonnenbamm. Referent Genoffe Lempert. 80. Wht. Schöneberg. 7 Uhr Abteilungsverfammlung im belannten Zobal. Tagesordnung: Bericht und Aussprache fiber ble Wahlarbeit. 82. Abt. Steglis. Die Mitgliederversammlung am 16. April fällt aus. 95. Abt. Rentolla. 7 Uhr im Lokal Grieger, Leffingste. 9, Besprechung der Bezirksführer. Abrechnung. 1895 1898 1900 1905 1908 ° O B 1787 4061 8710 • • 18 870 1920 25 898 • 1921. B 35 898 1922.. 63 418 109. b. Friedrichshagen. 7½ Uhr Mitgliederperfanuntung bei Schols, Fried- den Ausnahmen gehören. Da die Gesundheit und Widerstandsfähig richfte. 8. Bortrag des Genoffen Rurt Rickmann. 120. st. Friebrichsfelbe. 7 Uhr Mitgliederversammlung in ber Mädchenfoule Bilhelmftr. 29. 1. Bortrag bes Genossen Rebatteur Stein: Die Bebeutung bes 4. Mai". 2. Diskussion. 8. Parteiangelegenheiten. Bov her, um 6½ Uhr, ebenba Funktionärsihung. 136. b, Reinidendorf- Dft. Achtung, Ronfumgenoffenfchaftsmitglieder! 7 Uhr in ber Fichte Alaufe, Fichte- Turnplag, Thunerstraße, Bersammlung aller brei Verkaufsstellen. Alle Ronsumgenoffenfchaftsmitglieder müssen er feinen. Jungfozialisten. Gruppe Brenzlauer Berg: 7 Uhr in der Schule Dansiger Straße 23. 8immer 17, Gruppengründung. Frauenveranstaltung am Mittwoch, den 16. April: 81. bt, griebenen. 8 Uhr in der Zulfen- Schule, Goßlerstraße, Ausforothe über Gefchlechtsmoral". Referentin Genoffin Maria Habann, * 54. Abt. Charlottenburg. Donnerstag, ben 17. april, 7 Uhr, Funktionär. sung im 2obal Birnbaum, Galvaniste. 18. Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgenoffen und-genoffinnen! Wir machen barauf aufmerksam, baß unser Warenvertrieb am Donnerstag, ben 17. b. R., bis abends 7 Uhr geöffnet ist und am Sonnabend, den 19. b. M., geschloffen bleibt. Heute, Dienstag, den 15. April, abends 7% Uhr: Reutilin III: Jugendheim Stogatfte. 58, Bortvog: Die feruelle Frage Rorboft 1: Schule Georgenkirchstr. 2, Vortrag: Unsere Stellung aur Kirche. Norbolt II: Schule Danziger Str. 23, Distuffion: Ble ist es auf meiner Ar beitsstätte?" Prenzlauer Borstadt: Die Abteilung beteiligt fto an ber öffent lichen Bersammlung in der Brauerei Rönigstadt. Der Abteilungsabend fant Südost( Görliger Biertel): Fortbildungsschule Wrangelstr. 85, Vortrag: Jugendnot und Jugendfchuz". Westen: Baugewertschule Rurfürstenstr. 141, Bortrag: Stendal- Tangermünde". Steglig I: Albrechtftr. 46, Bortrag: Warum bin ich in der SAJ.?" aus.->> Abteilung Schönhauser Borstadt: Jm Jugendheim 3bfenstr. 17 Cin. führungsabend für Schulentlassene, bestehend aus Mufit, Tanz, An fprache, Regitationen, Sans- Sachs- Spiel. 1. Rennen: Sport. Rennen zu Mariendorf am Montag, den 14. April. 1. Cobra( H. Grube), 2. Barometer( A. Rogowski), 3. Hauptmann( E. Treubers). Toto: 20:10. Blay: 10, 10: 10. Ferner liefen: Tello, Ypsilanti. 2. Rennen. 1. Cleo Watts( Lichtenfeld), 2. Invafion( 2. Weiß), 3. Importation( M. Ringius). Foto: 30: 10. Plak: 11, 11, 11: 10. Ferner liefen: Angora, Brinceſſin Etawah, Altgold, Leuchtturm, Beinftod, 3. Rennen. 1. Bedra( F. Schmidt), 2. Manette I( C. Treubers), 3. Berthold( B. Freundt). Toto: 63: 10. Blag: 26, 49, 116: 10. Ferner Hefen: Simpler, Fürst, Willy I, Angriff, Gilaug, Nettl, Erich I, Lumpi, True For, Falter. Barmaid. 4. Rennett. 1. Francisko(. Schulz), 2. Baron Arworthy( Lichtenfeld),& Fafner I( Hs. Schleusner). Toto: 130: 10. lat: 36, 18: 10. Ferner liefen: Audmill I, Baron 300( ungebalten). 5. Rennen. 1. Florian( Hm. Schleusner), 2. Homer( Großmann), 3. Erbse( Absmaier). Toto: 83: 10. Blat: 17, 14, 13: 10. Ferner liesen: Importation, Interpellant, Barones Lybia, Frankenstein, Klud, Prinzeß Bertha. 6. Rennen. 1. Berbun( H. Baade), 2. Monarchist( Senäpnadel jr.), 3. Teufelsbart( Hm. Schleusner). Toto: 34: 10. Play: 13, 29, 29: 10. Ferner liefen: Paul B, Wiedebopf, Kittischer, Kusertrud, Jung Bergfried, Matador I. 7. Rennen. 1. Schlips( A. Nüdert), 2. Helberose( 2. Neumann), Blaz: 47, 27, 14: 10. 3. Nebel( P. Bebns). Toto: 173: 10. Ferner Tiefen: Heidepring I, Mattönigin I, Flora Bingen, Erft. Bolferfonrer, Jallus, Jason jr., Zufall, Sybill( als 1. bisqualifiziert, 80 Broz. der Sieg und Plazmetten zurüd). 8. Rennent. 1. Dr. Bingen( 3. Mina), 2. Germania( Steger), 3. Lady Betaurist(. Krauß). Toto: 19: 10. Blat: 14, 22, 23:10. Ferner Hefen: Jeffries jr., Pontresina, Simbel, Allene, Blattir Ende 1923 dürfte die Sahl von 100 000 Turnerinnen erreicht fein. Die Angaben zeigen, daß die Entwicklung des Frauensports ziemlich langsam vor sich geht. Die Hauptursache liegt wohl darin, daß die jungen Mädchen nach Beendigung ihrer Arbeitszeit noch zu häuslichen Beschäftigungen in hohem Maße herangezogen werden. Biele Mütter fehen aber auch die Notwendigkeit, ihre Töchter an Sportlichen Uebungen teilnehmen zu laffen, durchaus nicht ein, da sie felbft in ihrer Jugendzeit keine Freizeit für Sport hatten und daher die Wohltaten einer planmäßigen Gymnastit nicht begreifen fönnten. Noch ungünstiger wie bei den jungen Mädchen liegen die Berhält niffe aber bei ben verheirateten Frauen. Die Hausfrauen tätigkeit und die Pflichten als Mutter nehmen den ganzen Tag bis zum Abend in Anspruch, während die Männer doch wenigstens abends ihre Freizeit haben. Viele Frauen find aber auch der Meinung, daß fie schon den ganzen Tag über sich genügend ausarbeiten, so daß fie nicht noch Sport treiben brauchen. Wie irrig diese Ansicht ist, ersieht man daraus, daß die Frauen zu förperlichen Anstrengungen fast durchweg unfähig sind und törperlich gut entwidelte Frauen zu feit der Mütter von großem Einfluß auf die Entwidlung bes Kindes ist, so follte auch vom Standpunkt der Boltsgesundheit und die Männer fönnen dabei wesentlich helfen! diefer Frage mehr Beachtung als bisher geichenkt werden. Neben dem Turnen und der Leichtathletit haben Wandern, Radfahren, Schwimmen und vor allem die vielen Bewegungsspiele zahlreiche Anhänger unter Zahl der diesen Sparten dem weiblichen Geschlecht, und würde es intereffant fem, über bie Zahl der diesen Sparten angeschloffenen Sportlerinnen etwas angefchloffenen Sportlerinnen etwas Näheres zu erfahren. Alles in allem dürften in Groß- Berfin etwa 3000 Mädchen über 14 Jahre und Frauen in Arbeitersport vereinen organisiert sein, während die Zahl ber männlichen Sport treibenden etwa zehnmal fo hoch ist. Ziehen wir hierbei in Betracht, daß die Frauen und Mädchen fast in demselben Maße wie die Männer durch Fabrik und Bureauarbeit gesundheitlich fchwer geschädigt werden, fo ertennen wir bie große Gefahr für die Bolksgesundhelt. Eine Besserung fann nur fommen, wenn bie weib. lichen Genoffen, ftatt im Ballfaat und Rino Körper und Geist zu ertöten, zu Rämpferinnen werden. Selbst ist die Frau! Nur dem Mutigen gehört die Welt, und wenn der Bunft Bolts. gesundheit und Arbeitersport zur Debatte fteht, dann sollten die Frauen fämpfend den Männern vorangehen, denn: Dem Bolte gilt's, wenn wir zu spielen scheinen!" Jubiläumsfest Often- Frischauf 1894. Die Zentralturnhalle war am Sonntag der Schauplatz eines internen Sportfestes. das der Feier des 30jährigen Bestehens des Bezirtes galt und daher im Rahmen eines Schauturnens gehalten war. Bei den Gerätewettkämpfen zeigten besonders die Männer Don Norden II gute Leistungen, bei den Turnerinnen und Jugend lichen fonnte Süden die ersten Pläge belegen. Die Kinder maren zu den Freiübungen wohl infolge des Regenwetters zu schwad) angetreten, eine Maffenwirtung hätte hier einen vollen Erfolg ge bracht. Bon den Sondernorführungen barf an erster Stelle bas Reulenschwingen der Jugendflaffe der Bundesschule genannt werden, die Turnerinnen zeigten eine vorzügliche Gruppe, bei der aber die Gleichmäßigkeit noch zu fördern ist, bie Hantelübungen der Männer somie Turnen der Mädchen an vier Barren fanden verdiente Anerfennung. Nach dem intereffanten Tauziehen und Tauhangeln brachten bie Wettläufer alle Anwesenden zu begeisterter Aufmertfamfeit, ein Zeichen für das große Intereffe an diefer schönen Leibes. übung. Bei ben Männern, Mädchen und Knaben belegte Often die ersten Bläge, bei ben Turnerinnen Wedding und Norden II, Jugend fichen Webbing. Bermißt wurden Turnspiele aller Teilnehmer, bie die große Halle bis zum letzten Plaz gefüllt und eine hübsche Maffen. wirtung voll fröhlichen Treibens gezeigt hätten. Resultate: Gerätewetttämpfe: Männer: 1. Storden II Bleed 273; 2. Norben II Ringe 249; 3. Often Ringe 236; 4. Norden I Ringe 280; 5. Often Pferd 225 Punkte. Turnerinnen: 1. Silben Barren 290; 2. Often ferb 284; 8. Often Barren 279; 4. Norden I Barren 262; 5. Storden II Barten S51 Punkte. Jugendliche: 1. Güden Red 268; 2. Often Barren 242; 3. Eüden Barren 238 Buntte. TauhangeIn: Männer: 1. Lorenz- Morben II 14% Set.; 2. Kluge- Rorben II 16% Get.; 3. Brandt- Often 16% Set.- Rundftafetten: Männer: 1. Often 6: 46,3; 2. Wedding 6: 47,1; 3. Rorben II 6:59. Zurnerinnen: 1. Sauf: 1. Wedding 2: 28,2; 2. Güden; 2. Sauf: 1. Rorben II 2: 87,2 Knaben, 10X40 meter: 1. Often 1: 7; 2. Norben 11: 9; 8. Often. Mädchen, Jugenbliche: 1. Wedding 4: 30,1; 2. Often 4: 88,4; 3. Silben; 4. Rorden 11, 10X40 meter: 1. Often 1: 8,6; 2. Norden I: 10,1; 3. Often; 4. Güden. Ausschreibung für ein Schwimmfest in Potsdam. Ein Totales Schwimmfest der Schwimmabteilung der Freien Turnwimmet 1912 Botsbam findet am Sonntag, den 15. Junt, in und Sportvereinigung 1894 Romames und der Freien ber Türkschen Badeanstalt au Botsdam statt. Bormittags 9 Uhr: 1. Dauer fchwimmen, 800 Meter( Strede Badeanstalt Rieviet) für Männer, Schwimme rinnen, weibliche und männliche Jugend. 2. Internes Reigenfchwimmen. 3. Rettungsvorführungen( beides am Lustgarten). Rachmittags 3 Uhr: 1. Cr flight 1.45. 3. Rüdenfamimmen für Schwimmerinnen, 100 Meter. 4. AnabenBffnungsstafette, 4X60 Meter. 2. Männerfeitefchwimmen, A. B, 100 Meter, bruftichwimmen, 80 Meter. 5. Jugendschwinruten, männlich( beliebig), 100 meter. 6. Ropfweitsprung. 7. Anabenstafette( beliebig), 4X40 meter. 8. Männer lagenftafette, 4X40 Meter. 9. Jugend- Wafferballfpiel, 2X7 Mann 2 × 5 Minu ten. 10. Schwimmerinnenbruststafette, 4X40 Meter. 11. Mädchenbrustschwimmen, 60 Meter. 12. Jugendlagenftafette, männlich, 4X40 meter. 13. Springen, RL. B: bret Springe aus A, ein Rürsprung.( Sprünge aus A find: Nr. 158- Meter- Brett, Nr. 84 8- Meter Beett. 14. Männer1- Meter- Brett, Nr. 50 M bruftschwimmen, R. A, 200 Meter, Pflicht 3,40. 5. Jugend, weiblich)( beliebig), 80 Meter. 16. Hindernisschwimmen, 40 Meter( imal Tonne überklettern. Imal untertauchen, 17. Badbein, 20 Meter fuß, 20 Meter topfwärts. 18. Männerschwimmen( beliebig). Al. B, Pflicht 1,85. 19. Jugendbruststafette, männlich, 100 Meter. 20. Schwimmerinnenbruftschwimmen, 100 Meter. 21. Wasserballspiel 3. Gruppe gegen 4. Gruppe. 22. Wasserballspiel, 2X7 Mann 2X7 Minuten. Die Ronkurrenzen find offen für alle Bundeswassersportvereine nach AMO. Ronkurrena 6, 8, 13 gelten auch als Mehrkampf( ertva melden). Bahnlänge 20 Meter. Start aus Schwimmlage. Bretter normal, 1 Meter und 3 Meter. Kampfrichter melben, Stoppuhren mitbringen. Rampfrichterfizung eine halbe Stunde vor dem Fest( Badeanstalt). Welbungen an Wilh. Edert, Nowawes, Wilhelmftr. 86. Welbefchluß 18. Wiat. Eröffnung u9. Mai, abends 8 Uhr, Nest. Turnhalle Nowawes, Auguftstraße. Die Wiederholung des 1. Werbeabends der Bundesschulfiliale Berlin ist für heute, abends 8 Uhr, in der Turnhalle, Brinzenftr. 70, vorgesehen. Einlaß 7 Uhr, Beginn pünktlich 8 Uhr. Die zweite Ber anstaltung muß einen Massenaufmarsch der Groß- Berliner Vereine aufweisen, um eine wirkungsvolle Propaganda für die Arbeiter- Turnund Sportbewegung zu werden. Einiaßfarten zu haben im Sporthaus Fichte, Berlin SD., Köpenider Str. 108, Filiale Often, WilhelmStolze- Straße 38, Filiale Neukölln, Kaiser- Friedrich- Str. 65, sowie an der Abendkasse. Nochmals wird darauf hingewiesen, daß während der Vorführungen die Türen geschlossen bleiben. Die Maifeier der Waffersportler der Oberfpree( Ruderer, Ranufahrer und Segler) findet gemeinsam in Grünau am Birtenflag( gegenüber der Rohrwallinsel bei Krampenburg) statt. Alle Wassersportler müssen sich an dieser Veranstaltung beteiligen. Die Mairede hält Sportgenoffe Sommerfeld, Rezitationen Sportgenoffe Bawlik und Gesang der Sängervereinigung des F. R. u. K. B. Stäbtemannschaftskampf im Ringen. Am 21. April( 2. Ofterfeiertag) ver. anftaltet bie Sportvereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelde 1904 in B. Tempels Festfäle, Friedrichsfelbe, Prinzenallee 30, einen Mannschaftskampf im Ringen mit dem Sportverein Felfen 1893. Rathenow. Es gehen folgende Paare auf die Matte: Harriga gegen Schula, Rörmin gegen Brüggemann, Spreng gegen Bepinsti, Neumann gegen Grothe, Gottschalt gegen Steinfurth, Richter gegen Budwig. Ferner wartet der Berein mit einem großen artistischen Brogramm auf, befonders find hervorzuheben: Die 4 Richards mit ihrem gymnastischen Rraftatt. Rubernerein Collegia, Charlottenburg( Bootshaus an der Sanel). Die Sigung findet in diefer Woche am Donnerstag, 8% Uhr, im Lotal Shunad, Charlottenburg, Wieland fit. 4, ftatt. Aufnahme neuer Mitglieber. Freie Kannfahrer Berlin, e. B.( Mitgl. b. Fr. Ruber u. Ramubunbes.) Aut Dienstag, den 15. b. M., 8 Uhr, im Bereinslokal Sdeal- Rlause, Neukölln, Marefchstr. 14, außerordentliche Mitgliederversammlung. Der wichtigen Tagespronung wegen, Erscheinen aller Mitglieder Bilicht. Die auf Karfreitag, ben Nächste Mitglieder. 18. b. M., angelegte Mitgliederversammlung fällt aus. verfammlung am 2. Mai. Athletil- Sport- Club e. B. Belchtathletik, Soden, Handball, Rudern. Männer und Frauenabteilung: Training jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag auf dem Fichte- Blah, Baumschulenweg, Eichbufchallee; Jugendabteilung: Training fhube für Rugelitoßen; Donnerstag, abends 7 Uhr: Behrstunde file Sochsprung: nad bem Training Bortrag über Atmungsgymnaftit. Freitag: Fortfegung des Massagekursus. Geschäftsstelle: Mfred Behrends, Berlin N. 87, 8insen dorfstraße 7. feben Dienstag, Freitag und Sonntag ebenda. Dienstag, abends 7 Uhr: Behr 6. C. Sparta 1911, Berliner Sportfreunde. Eine gemeinsame Mitglieberverfammlung beiber Bereine befchloß einstimmig eine Bereinigung unter bem Namen, Sportvereinigung Sparta 11. 1. Borfizender Billi Wendt, Friedrichs felbe, Balderfeeftr. 24. Unforiften für Leichtathletik: Walter Wächter, Berlin, Brunnenftr. 82. Anschriften für Soden: Karl Springer, Berlin, Colmarer Straße 4. Sportwart Karl Murrar. Uebungsabende Dienstags und Donnerstags im Stadion Lichtenberg. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bez. Süboft. Die Cinäscherung unseres verstorbenen Turngenossen Julius Borbaß findet am Dienstag, ben 5. April, abends 6 Uhr, im Krematorium Baumfdjulenweg ftatt. Rege Beteiligung er. wünscht. Das Turnen fällt am Dienstag aus. Arbeiter Turn- u. Sportbund, 1. Rreis, 6. Bezirk. Sämtliche Anfragen über Agitation für die Proving Brandenburg( Gründung von Arbeiter- Wafferfportvereinen, Schwimmbereinen) find au richten an den Obmann ber Agitations tommiffion Ernst Miller, Berlin 60. 88, Pudlerfitt. 89, v. 1 r. Sportliche Vereinigung Roland. Geschäftsstelle: Berlin N. 118, Scherenbergtraße 24. Baut Beschluß der Mitgliebersihung vom 5. April wird für bes Monat Apel! 1 M. Ertrabeitrag erhoben. Für die Sodenabteilung beträgt ber Monatsbeitrag ab 1. Mai 1,50 m. einschließlich möchentliche Lieferung der Beitschrift Arbeiterfport. Nächste Mitgliederfihung Sonnabend, ben 19. April, abends 8 Uhr, Berliner Rind!, Schönhauser Allee 65. Dienstag und Donners tag Turnen von 8-10 Uhr Carmen- Sylva- Str. 25, Mittwoch Sodentraining ab 6 Uhr Sportplat Schönhauser Allee. Kartell für Sport. und Körperpflege, 4. Bestet, Brenzlauer Berg. Geschäftsftelle: Berlin R. 113, Scherenbergstr. 24 IV. Mittwoch, den 80. April, abends 8 Uhr, Restaurant Berner, Genefelberfte. 32, Rartellversammlung. Tagesorbmung: 1. Brotokoll, 2. Bericht vom Werbeabend, 8. Rartellfportwoche, 4. Sportplakfragen, 5. Berfchiebenes. Arbeiter- Mufit- und Gefangvereine, bie int 4. Berwaltungsbezirk ihren Gig haben, werben gleichfalls gebeten, zu dieser Sigung au erscheinen. Freie Schwimmer Neukölln. Durch die Wiedereröffnung ber Frauenfchwimmhalle fällt bas gemeinsame Baden weg. Die Uebungsstunden werben wie folgt abgehalten: Rinder fleine Salle jeden Montag ab 7 Uhr; Männer und männliche Jugend jeden Dienstag ab 7 Uhr Männerhalle; Frauen und weibliche Jugend jeben Dienstag ab 7% Uhr Frauenhalle. Für Rinder bleibt außerdem das Baben an fedem Donnerstagnachmittag befteben. Arbeiter- Athleten- Bund, 4. Kreis. Der Jugendmannschaftstampf Berolina Neukölln gegen Adler 05 findet am 1. Ofterfeiertag in Behrends Fentrale, Mtan teuffelste. 95, ftatt. Außerdem 6 Kämpfe in der Männerklasse zwischen Arbeiter Sportvereinigung Neukölln, Berolina- Neukölln und Adler 05. Die Jugend mannfchaft des Vereins Abler 05, bie 1923 bie Jugendfreismeisterschaft et vungen hat, ftößt an biefem Tage auf die besten Jugendkräfte des Bereins Berolina, fo bak äußerst( pannenbe Rämpfe zu erwarten finb. Touristenverein Die Raturfreunde", Ortsgruppe Berlin, G. B. Am Mitt woch, ben 16. April, abends 8 Uhr, in der Aula Gipsstraße 23, Brobe des Sprechchors. Es ist Bflicht eines jeben, fidh gu beteiligen. Am Dienstag, ben 15, April, abenbs 8 Uhr, in der Aula Gonnenburger Str. 20, Lichtbilbervortrag Dr. Koppelmann über Gefchlechtsleben der Pflanzen". bt. Rorben: Vorträge, Vereine und Versammlungen. Berliner Gefellschaft für Bffentliche Gesundheitspflege,. B. Sigung am ftitut Robert Roch): Die Zunahme der Tollwut in Deutschland und ihre Be tämpfung". Gäste willkommen. Dienstag, den 5. April, abends 7 Uhr, Dorotheen fir. 288. Derr Böter( In Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Besprechung are Gründung einer Ortsgruppe Mittwoch, ben 16. April, abenbs 6 Uhr, in den Musiker- Feftfalen, Raifer- Wilhelm- Str. 31. Alle Selbständigen, die auf sozialistischem Boden stehen, find zu dieser Besprechung eingeladen. Höchsten Rauchgenuß für 6 Pl. haben Qualitäteraucher durch unsere ganz hervorragend feine u. pitante Sandblatt Spezialmarte Habana- Ci arenos", helle Fehlfarben mit famtartigem Deder und Schneeweißem Brand. Probe- Stifte mit 100 Stüd Mt. 630 franto Nachn. 400 Stüd 20. 24- franto. Garantie: Zurüdnahme auf unsere Soften selbst nach Entnahme von 10 Gratisproben. Preisliste mit vielen Dankschreiben Itegt jeder Sendung bei. Ernst Bente& Co. 8ig. Fabr., gegr. 1893, Bremen 215. 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Täglich 8 Uhr Onkel Nastopschil Musikalisches Vo ksstück in 3 Akten von C. H. Wolff u. Theo Haltonmit Musik von R. Jonas Anton Herrnfeld als Gast Jagerstr.63 ANFANG 8 Uhr IEN BERLIN Residenz- Th. Sommerspielzeit Inhs Th. David Täglich 8 Uhr: M 1650 1650 1350 Braune Kinder- Stiefel echt Chevrean, hübsche Paßform. · 31/35 M. 7.50, 27/30 M 6.50, 25/26.... M Braune Kinder- Halbschuhe echt Chevreau, vorzügliches Fabrikat.. 36/39 M. 13.50, 31/35 M. 11.50, 27/30... M. KinderSpangenschuhe in braun Chevreau und Lack, gute englische Fabrikate, Größe 20,23 M. 550 950 39° 0 Berlin W9 Charlottenburg Spandau Linkstraße 11 Wilmersdorfer Str.112 Breite Str.22 Kammer- 6per Lützow str. 112 Regie: Dr. Georg Droescher Mas. Leit.: Dr. Ludwig Mis. Täglich wechselnder Spielplan! im Theater Deutscher Metallarbeiter- Berband Donnerstag, den 17. April: BranchenKlempner: Nachm. 5 Uhr im Lokal von Braffer, Michaelfirch, Ede Buster hausener Straße. Maschinenschlosser: Abends 7 Uhr Bertrauensmännerfonferenzen im Rofenthaler Sof". Rosenthaler Große Volksoper des Westens Bertrauensmännertonferenzen 71, Uhr: Boris Godunow Autogenschweißer: Straße 11/12 Abends 7 Uhr Mechaniker, Uhrmacher, Optiker, LI Verbandshause( Bimmer 7), Eicher und Eicherinnen: Nachm Linienstraße 83 85. 5 Uhr im Gewerkschaftshaufe ( Saal 1), Engelufer 24/25. Luisen- Theater Chirurgische Branche: Rachmittags Reichenberger Straße 34. Vom Dienstag, 15, bis Sonnabend, 19. cr. Beginn 6 Uhr u. 19 Uh: 2 Vorstellungen Das große Programm der Karwoche INRI der FILM der( mit groß. Menschlichkeit( Sol.- Chor Bühne: Das gr. Programm d OriginalElite- Sänger 5 Uhr im Botal von Hummel, Metall, Revolverdreher und-Dre Sophienftr. 5. Drahtarbeiter: Abends 7 Uhr im Einrichter und Revisoren: Verbandshause, Linienfte. 83/85. in biefem Monat aus. Fällt herinnen: Rachm. 5%, Uhr bei Reinte, Grünauer Str. 17. Metallformer und Berufsgenossen? Nachm 4 Uhr im Lotal son maller, Schönleinste 46. Biser Revolverdreher und Dres Metallschleifer und Galvaniseure: herinnen sowie Rundschleifer: and Möbelschloßbetriebe: Abds. 7 Uhr bei Bowelelt, Joftnftr. 7. Schmiede: Abbs. 7 Uhr im Berbands hause( Zimmer 14), ginienftr. 83/85. Schnittarbeiter. Stanzer, Presser, Zuschneider und Arbeiterinnent Abends 6 Uhr in der Schulaula, Wein meisterstr. 16 17. Fällt in diesem Monat aus Raiser Wilhelm- Straße 31 Abends 7 Uhr in den Mufiterfälen Schwarzblech, Bisenmöbel Eisenformer und Berufsgenossen: Abends 6 Uhr bei Naß, Marstr. 12. Kino- Preise 0.80-1,50 2 Vorstellungen Elsenkonstruktions. Fahrstuhl Jugendliche haben Zutritt Y und Signalbaubetriebe: Abends Voranzeige! Ostersonntag Voran eige 7 Uhr bei Dams, Schlegelstr. 9. Das vollständ. nene Festprogramm Elektromonteure und Helfer: Abbs. 7 Uhr bei Hummel, Sophienstr. 5. Weberstr. 6. Künstl.Leitg.: Erwin der Original- Elite- Sänger! Emalierer Abends 6 Uge bei Bob, Schraubendreher: Abends 6 Uhr im Berger u Emil Lind Tägl.& Uhr: Hinkemann Tragödie in 3 Akten von Ernst Toller. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tägi. 8 Uhr Trotz d. gr. Erfolges nur noch b. 17. April Die Mall vom Stelnhof Oster- Sonnabend zum 1.Male: Pummels Martha Berl. Volksstück in 4 Aufzügen Reichshallen- Theater Täglich 8 Uhr, Sonnt. nachm 3 Uhr Das größte Programm! Stettiner 10 Schlager Sänger Sonnabend. Komponisten im Olymp Dönhoff- Brett! Anfang 8 Uhr Programm! Sonntag 40: Nachmittags Vorstellung Jeden 1. u. 16. neues Die bekannte warme und kalte Küche. Garderobe kleinster Anzahlung ant Teilzahlung Herren-| DamenAnzüge Paletots Mäntel Cutaways e gestrelite Hosen Knaben- u. 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Ter nr Kottbuser Str.6 Heute 8 Uhr u Sonntags nachmittags 3 U.: EllicJänger In never Besetzung 1 Dazu Gastspiel Alex Stamer der urkom Sachse Trianon- Theater Tägl. 8 Uhr Die nackte Tänzerin Lustsp. v. R. Lothar Gold und Silberarbeiter: Nachm. 5Uhr bei Ottmann, Dresdener Str.105. Graveure und Ziseleure: Rachm. 5 Uhr bei Rediing, Waffertorstr. 71. Gürtler, Kronenschlosser und Kronenklempner: Nadm. 5 Uhr im Reichenberger Hof". Reichenberger Straße 147. Hilfsarbeiter: Abends 7 Uhr im Berbandshause, Linienftr. 83/85 Hobler, Bohrer, Stoßer, Fräser und welbliche Berufsangehörige: Abends 6% Uhr, im Verbandshause Jugendheim), Linienftr. 8/85. Kesselschmiede: Abends 71% Uhr im Lokal von Sachse, Lindower Straße 26. 165/5 Lokal von Röschlein, Wrangelftr. 38. Walzwerk, Blele und Drahtkabel, sowie Papierrohrarbeiter und arbeiterinnen: Abends 6 Uhr in der Schulaula, Weinmeisterftr 16/17. Werkzeugmacher, schleifer and -härter: Abbs. 7 Uhr, im Berbandshause( Gigungsfaal), Linienstraße 83.85. Wickler, Isolierer, Imprägnierer, Kollektorbauer, Batterie und Elementenarbeiter: Abends 7 Uhr bet Döhling. Brunnenftr. 79. Zigaretten Maschinenführer und Betriebshandwerker: Fällt in bietet Monat aus. Ohne Mitgliedsbuch und Bertrauens männerlegitimationstarte tein Butritt. Die Ortsverwaltung. AUTOH MAMAJW DM 24 Aus Herrn und Frau Butter's Flitterwochen. Weißt Du, Schatz, das war doch gestern abend sehr nett, wie Onkel Theodor von Deiner Junggesellenzeit sprach. Ach, erzähle mir doch auch mal etwas von Deinen Streichen. Wir jungen Frauen wissen ja so garnichts von Euch. Aber liebe Fifi, was war denn da schon dabei! Ich habe gebummelt wie alle jungen Leute, und einmal wird der Mensch doch vernünftig, und wir liebten uns doch schop als Kinder. Weißt Du, Schatz, wenn ich noch daran denke, wie wir als Kinder Vater und Mutter gespielt haben, und Du hattest nie Zeit, die Kinder trocken zu legen, weil Du kochen mußtest und dann habe ich geschimpft, daß das Essen schlecht ist Das wäre nie vorgekommen, wenn in der Küche nur der Große Stern, Original Haselhorster Sie ist in Margarine", verwandt worden wäre. allen einschlägigen Geschäften zu haben. Mit Frischmilch aus eigener Meiererei verbuttert. In Butter geschmack und Nährwert unübertrefflich. Die Deutschen Margarine- u. Spelsefetifabriken, Berline Haselhorst, können jeden Mittwoch swischen 3 and 4 Uhr besichtigt werden. Straßenbahnverbindung: 93 Nr. 179 41. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 15. April 1924 Reichstagswahl und Beamte. Von Willy Steinkopf. Für jeden Deutschen bedeutet der Wahltag einen kritischen Tag erster Ordnung. An diesem Tag wird ihm Gelegenheit gegeben, sein Teil zur Forderung des Geschics des ganzen Bolkes und damit feines eigenen Geschids als Staatsbürger unmittelbar beizutragen. Für den Beamten liegen die Dinge insofern noch ernster, als er mit seinem Wahlzettel auch gleichzeitig die Entscheidung über sein eigenes Geschid als Arbeitnehmer des Reiches fällt. Er muß sich darüber flar fein, daß sein Schicksal mit dem des Reichs aufs engste verknüpft ift. Geht es dem Reich gut, wird es auch ihm gut gehen. Geht das Reich zugrunde, so mit ihm ein grozer Teil feiner Beamten. Die Lage des Reichs fann sich aber nur bessern, wenn die Reparationsfrage, die die innerpolitische Lage vollständig beherrscht, gelöst wird. Die Lösung Dieser Frage wiederum geschieht nicht mit Butschen, Revanche friegsgeschrei, Phrasendrescherei oder Bürgerkrieg, sondern durch Leistung möglicher Reparationen, die allerdings eine Politik ruhiger wirtschaftlicher Entwicklung und eine gerechte Steuerpolitik, die auch den Befiz energisch anpadt, zur Voraussetzung hat. Das Schicksal des Beamten auch als Arbeit. nehmer ist also mit der Lösung der Reparationsfrage unzertrennbar verbunden. Etwas anderes gibt es nicht. Als Staatsbürger steht der Beamte vor der Frage, für Republik, Verständigung mit Frankreich, politische Freiheit und gerechte Lastenverteilung oder für Monarchie, Zertrümme rung Deutschlands, Krieg und politisches und wirtschaftliches Helotentum. As Arbeitnehmer wird er sich seiner Forderungen und der sein Dienstverhältnis berührenden Vorgänge der legten Jahre erinnern müssen, um erkennen zu können, worum es geht. Die Nationalversammlung mit ihrer starten und einflußreichen Sozialdemokratie brachte dem Beamten die ihn betreffenden Berfassungsbestimmungen und das fortschrittliche Besoldungsgeseh. Beides Werke der Sozialdemokratie. Ihr verminderter Einfluß im Reichstage von 1920 hat ähnliches nicht mehr schaffen tönnen. Nur das allzu große Uebergewicht der bürgerlichen Barteien in diesem Reichstag und die von diesen Parteien be triebene Politik hat dann die Beamten in allem zurüdgedrängt. Die bürgerlichen Kabinette und ihre Parteien waren es, die die Besoldung auf ihren heutigen Stand zurüc ichraubten. 1: 3,4 war die Spannung zwischen den Gehältern unten und oben im Jahre 1920. Heute ist fie faft 1: 6! Und trotzdem wird beim Ortszuschlag vom Kabinett Marg unten das Zweifache, oben aber das Fünffache zugelegt Ueberbies fagen Stimmen, die es wissen müssen, daß die Letzte vom Kabinett Marr zugebilligte Aufbesserung der Ge hälter um 13 Broz. nur für die Wahlzeit bestehen bleiben soll. Nach der Wahl will das Kabinett bie ihm wegen Auflösung des Reichstags erteilte Ermächtigung zur selb ständigen Regelung der Beamtenbezüge dazu mißbrauchen, um die Gehälter wieder herabzusetzen. 00 用 田 Πίπα BE Serry Wilke Die Nuznießer der Geldentwertung. Industrieherr: Ich habe mir am 8. 8. 1923 von der Reichsbant 1 Billion Mart geborgt. Das waren 8,4 millionen Gold. mart. Dafür habe ich mir dies Judustriewert getauft. Am 8. 12. habe ich Schulb und Zinsen zurüdgezahlt, nämlich: 1 Billion 40 milliarden. Das waren 1,04 Gold mart als Staatsbürger und Arbeitnehmer fo unendlich schwer wiegende Dinge auf dem Spiel, soviel Fragen harren einer befriedigenden Lösung, daß es für jeden einzelnen einer eingehendsten Selbstprüfung bedarf, ehe er feine Entscheidung fällt. Doch wie immer der Beamte auch an die Sache herantritt. Der denkende, erfahrene und weitausschauende Beamte, auch wenn ihm manches, was geschehen ist, gegen den Strich gegangen sein mag, wird sich seiner Verantwortung voll bewußt fein. Er wird wissen, was er zu tun hat. Seine Pflicht ist es aber auch, auf Jüngere und unerfahrene entsprechend ein zuwirken. Die bürgerlichen Kabinette und ihre Parteien waren es, welche das Beamtenrätegefeß zum Scheitern brachten. Nie ist es diefen Parteien um das Zustandekommen diefes Gefeßzes, das der Demokratisierung der Berwaltung den Weg bahnen und die Autorität des Borgefeßten in bestimmten Fällen einschränken sollte, ernst gewesen. Während die BSPD. jederzeit zur Weiterberatung des Gesetzes bereit war, Die Alternative liegt flar. Monarchie und Krieg find haben die meisten bürgerlichen Barteien, vor allem aber die Zerstörung, Republik und Berständigung aber Aufbau. 3erDeutschnationalen erst am 24. Februar 1924, als die Aufstörung fann nie die Lage der arbeitenden Boltsschichten ver lösung des Reichstags bereits so gut wie sicher war, ihre an beffern, deshalb tann auch für den Beamten nur die Bartei gebliche Bereitwilligkeit zur Weiterberatung fundgetan. Als in Frage kommen, die durch Eintreten für eine Berständigung dann das Kabinett Mary erklären ließ, daß es nun seinerseits den Aufbau fördert und so den Boden für die Berbesserung zu der Frage der Beiterberatung erst Stellung nehmen müffe, feiner Lage und Erfüllung seiner Forderungen bereitet. Das ist und bleibt aber nur wußte man, daß die Bürgerlichen ihr Ziel erreicht hatten. Das Gefetz war gescheitert. Der bürgerliche Reichskanzler Stresemann war es, der als Willensmeinung feines rein bürgerlichen Kabinetts im November v. J. im Reichstag hinsichtlich der Anwendung der Abtauvorordnung erklärte: die Bereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Beamte! Gutsherr: 3 Das ist noch gar nichts. Auf meinem Sih, der im Frieden 1 Million Mart mert war, habe ich 750 000 Mart Hypothet. Durch die Auswertung ist die Hypothek auf 112 500 m. 3ujammengeschmolzen. Früher hatte ich jedes Jahr 30 000 M. 3injen zu zahlen. Jeht von 1923 bis 1928 nur 15 750 2. Allein mit den eriparten 3inien in diefen Jahren zahle ich die restliche Hypothet zurüd und faufe mir noch 2£ urusantos. Wenn die Dinge aber fo, liegen, sollte die Deutsche Volkspartei mit ihren Bezichtigungen der VSPD. vorsichtiger sein. fie haben an der Berfassung kein Teil. Ihr Berhalten war no Bei den Deutschnationalen liegt es noch fchlimmer. Auch ablehnender als das der Deutschen Volkspartei. Doch darüber hinaus find sie diejenigen, welche die wohlerworbenen Rechte der Beamten, auf die sie immer wieder hinweisen, mit Füßen treten, wenn und wo fie Gelegenheit dazu haben. Der Abg. Degler! erklärte in öffentlichen Bersammlungen, daß die Deutschnationalen, wenn sie zur Macht gelangen, alle sozialdemokratischen Beamten entfernen würden, auch wenn sie schon Jahrzehnte im Dienst sind! Daß man tatsächlich bie Absicht hat, so zu verfahren, bezeugt das Vorgehen der von den Deutschnationalen ausschlaggebend beeinflußten Regierungen in Medlenburg und Thüringen, wo man alte Beamte nur deshalb aus den Aemtern entfernt, weil fie. Sozialdemokraten, jogar weil sie Demokraten find. So ficht also in Wirklichkeit der Schuh der wohlerworbenen Rechte durch die Deutschnatio. naten aus..en Red Beamte! Seht ihr, mohin die Reise geht? Man will die Republikaner aus der Verwaltung entfernen, um so den Boden für die Wiedererrichtung der Monarchie, des Régiments des Kürassierstiefels, vorzubereiten. Wehri euch dagegen! Wehrt euch gegen die brutale Verlegung fame Antwort und. wählt am 4. Mai Wir werden in dieser Beziehung ganz entschieden, vielleicht Den Abbau der Republikaner beantwortet mit dem Aufbau eurer Rechte durch die Reaktion. Gebt ble einzig richtige und wirt mit Brutalität gegenüber dem einzelnen vorgehen." Und in diesem Sinn hat auch das sozialistenreine Kabinett Marr die Verordnung gehandhabt. Man wende nicht ein, daß die VSPD. durch ihre Zu stimmung zum Ermächtigungsgesetz erst die Möglichkeit zum Erlaß der Abbauverordnung geschaffen habe. Bohl hat die BSPD. dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt, weil sie als staatserhaltende Partei nicht Reich und Bolf vor die Hunde gehen lassen wollte. Doch die Abbauverordnung wäre dudh ohne Ermächtigungsgefeß, und zwar in wesentlich schärferer Form auf Grund des Artikels 48 gekommen. Wer ist dann in der Berbesserung der Berordnung führedu gewesen und hat wiederholt ihre Ersegung durch ein Gesetz perlangt? Nicht die bürgerlichen Parteien waren es, fondern die BSBD. Und wer hat die beschloffenen Berbesse rungen- Anträge der BSPD.- nur zum fleinsten Teil be rücksichtigt? Das bürgerliche Kabinett Marg, das im Gegen faz zur BSPD. noch heute der Meinung ist, es sei noch nicht genug abgebaut. Die bürgerliche Regierung Marg ist es ferner gewesen, melche für die Reichsbeamten den Reunstunden Mindestqrbeitstag verordnete. Dies fonnte fie mur tun, weil die bürgerlichen Parteien bei Schaffung des Befoldungsgefeges eine gefeßliche Festlegung des Achtſtunden tages für die Beamten gegen den Willen der VSPD. verhindert haben. Ebenso ist es auch die bürgerliche Regierung Marg, die jezt den Beamten bis zum Alter von 30 Jahren den Er holungsurlaub um je 7, ben Beamten bis zum Alter pon 40 Jahren um je 5 Tage beschneidet. Keine Partei außer der VSPD. hat dagegen Einspruch erhoben, als die Absicht befannt wurde. Und schließlich ist es dieselbe bürgerliche Regierung, welche im Entwurf zum neuen Dienst strafrecht vorschlägt, den Beamten das Streifen generell zu verbieten, was den Wün schen der bürgerlichen Parteien durchaus entspricht. Nach diesen Kostproben ist es nicht schwer, sich auszu malen, worum es geht und was den Beamten blühen wird, wenn die bürgerlichen Parteien oder gar die Deutschnationalen und Völkischen als Sieger aus der Wahl zurückkehren. Die Sache ist so bitter ernst. Es stehen für die Beamten der Republik! Wählt sozialdemokratisch! Die Rechte der Beamten. Die Rechtsparteien überbieten sich gegenseitig in der Be hauptung, die Sozialdemokratie wolle die wohlerworbenen Rechte ber Beamten befeitigen. Wie ist es in Wirttiteit? Wenn die Rechte der Beamten in der Weimarer Berfaffung verantert find, so gebührt das Berbienft daflir in allererster Linie der Sozialbemofratie. Darüber hinaus ist es ausschließliches Berdienst der Sozialbemo fratie, toenn die Verfassung enthält. die Vermenbung ber Beamten im Heimatgeblet, die Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen gegen die roeib. lichen Beamten, die Möglichkeit einer Wiederaufnahme von Disziplinarver. fahren, bie Offenlegung der Berfonalatten, die Liste der VSPD. Die Diktatur der Mittel. Es wird augenscheinlich ein bißchen viel geprügelt und gerauft in dieser Reichstagswahlbewegung. Gewiß, es ist nichts Neues und nichts Erschütterndes, daß in der Hige politischen Meinungsstreits schließlich einmal die Partner auch mit den Fäusten aufeinander losgehen. Das ist für Leute einfacheren Sinns, aber gutentwickelter Körperfräfte ja auch bei nichtpolitischen Auseinandersetzungen als vorläufiges legtes Mittel üblich und beliebt, bevor man dann die Sache ,, advokatisch" macht. Wenn franzöfifche und englische Abgeordnete gelegentlich sogar im Hohen Haus aufeinander losgehen von erotischeren Barlamenten gar nicht dann wird man eine kleine Rempelei zwischen begeisterten Barleigängern nicht tragisch nehmen. Schlimmer ist schon die absichtliche, fchon gav die wohlvorbereitete Bersammlungsfprengerei. Hätten wir einen Rechtszustand, der be. zu reben Die Gewährleistung der Freiheit ber politischen Gefin mung unb ftimmten Parteien die Abhaltung öffentlicher Bersammlungen ver Betätigung. Die Gewährleistung der Bereinigungsfreiheit, bie Zufage eines Beamtenrätegefeßes Wenn jetzt in der Personalabbauverordnung des deutschpolts parteilichen Reichsfinanzministers Dr. Luther von der Berfaffung abgewichen wurde, fo ift bie BEPD. der Anficht, daß die verfaffungs mäßigen Rechte der Beamten schnellstens wiederhergestellt werden müffen. Sie hat den Kampf hierum schon aufgenommen und wird ihn im neuen Reichstag durchführen. Doch was fagen jene Parteien zu den wohlerworbenen Rechten ber Beamten, die jeßt fo faut fidh als einzige Freunde der Beamten gebärden? Die Deutsche Boltspartei hat an den Berfaffungsbe. Stimmungen für die Beamten feinen Teil! Nicht nur daß ihre Abgeordneten Sie ganze Berfassung abgelehnt haben, stimmten fie auch gegen alle von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen und auch ange nommenen Berbesserungen für die Beamten! 3hr Führer Strefe. mann sagte im Reichstag, daß er beim Abbau dem einzelnen gegen über, wenn es jein muß, auch mit Brutalität porgehen werde. böte, dann wäre es nur natürlich, daß diese Parteien die Verfammi Iungen; tirer Ronkurrenten zur Berbreitung ihrer eigenen, eben der berbotenen Lehren benüßten. Und wenn ihnen dort die Bertretung ihrer Anschauungen verwehrt würbe, dann märe es begreiflich, wenn ihre hißigeren Anhänger schließlich auch die wortverweigernde Einberuferpartei nicht reben ließen. Was aber in der jetzigen Wahlbewegung hier und da hervortritt, das muß doch anders als mit fold verstehender Milde des Gemüts gewertet werden: nämlich die Bildung, Aussendung und Einsetzung" befonderer Sprengfolonnen, moderner als Rollfommandos und Stoßtrupps bezeichnet. Es find naturgemäß die militaristischen Parteien der rohen Gewaltanwendung, also die Bölkischnationalen und die Kommunisten, die dieses Mittel anwenden, obgleich sie für sich die gleiche Versammlungs- und Breßfreiheit haben wie alle anderen Bartelen. Diese Extremen werden sich nicht einbilden, daß sie mit Gebrfill, Gummifnüppeln, Stuhlbeinen, Biergläsern, Stinkbomben und sonstigen ungeistgen Waffen die Anhänger der terrorisierten Barteien zu begeisterten Adepten des Hakenkreuzes oder des Sowjetsterns machen. Die Bersammlungssprengerei dieser äußersten Flügelflegel fann nicht der Stimmenwerbung dienen; fie ift lediglich eine der Wahlbewegung angepaßte Ausbrudsform bes allgemeinen Terrorprinzips dieser gleichmäßig antidemokratischen Putschparteien. Die Maffe der anderen, auf geistige Propaganda und Anerken nung der Demokratie beruhenden Parteien ist weder gerüstet noch vorbereitet und gewillt, derartiger Gewaltanwendungen mit Gewalt entgegenzutreten. Wären fie es, so würde den Sprengfolonnen bald die Lust zum Wiederkommen und der Zulauf fehlen, trotz der 3 M. pro Bersammlungssprengung, die z. B. die völfischen Sturm trupps im Berliner Besten laut ,, Berl. Tagebl." erhalten und nachher prompt verfaufen wenn ihnen nicht etwa der Alkohol von der Partei, stilgemäß ausgedrückt, auf Regiments foften, ge stiftet wird. Da nun die Sprengerei nicht direkt dem Stimmengewinn dienen fann, so soll sie es doch indirekt. Sie soll die Masse der Indifferenten, soweit sie nicht 3. B. Bogamateure oder Ringkämpfer sind, die sich von bewegten Bersammlungen eine lebungsgelegenheit, vom Meeting ein Training erwarten mögen, vom Bersammlungsbefuch überhaupt abschrecken, fie dergestalt der Beeinflussung durch die sozialdemotratische Agitation, dieser Schußimpfung gegen Hakenkreuzlügen und Sowjetphrasen, entziehen und sie auf diese Weise für den Schwindel der Extremen empfänglicher und widerstandunfähig machen. metbe- immb Staatsarbeiterverbandes, aber auch dort fristlos ent lassen. Ganz der geeignete Mann zur Berbrüderung mit den Bölkischen! Ein weiteres Beispiel über fommunistisch- völtische Sinnesgemeinschaft: In einer Faschistenversammlung, die am 14. März 1924 in Schebewit( Sachfen) abgehalten wurde, predigte der Kommunistenführer Grube die fachliche Auseinandersetzung mit den Kopffechtern der Böllischen, er mahnte feine Genossen zur Ruhe gegenüber den hanebüchenen Provokationen der völkischen Redner, die die Kommuniffen ehrliche kämpfer" nennen, während die Sozial demokraten feige Berle" wären. Er redete die volti ichen Kampftruppen, die zu Hunderten, alle mit einheit. licher Uniform, graue Windjade, graue Hitlermühe, Ceibriemen umgürtet, im Saale anwesend waren und sich großfuerisch als Herren der Lage fühlten, mit meine lieben Freunde von der völkischen Bewegung an. Er vermied es ganz und gar, diese Burschen als das zu charakterisieren, was fie eigentlich find. Er machte eine Verbeugung nach der anderen über den Kampjesmut der Bölkischen und freute sich, ein gut Stüd wegs, namentlich in der Anwendung der. Mittel zur Führung des Kampfes, mit den Völfischen gehen zu können. Die Ziele, die man erreichen will, find natürlich verschiedener Art, aber einig ist er mit ihnen darin, daß der Kampf zur Herbeiführung anderer gesellschaftlicher Berhältnisse und anderer Staatsformen nicht nur durch die Macht wirtschaftlicher und politischer Tatsachen, fondern durch die militärische Macht etfolgen muß. In diesem Sinne zeigt die gegenwärtige Wahlbewegung eine gewisse Steigerung. Waren es 1920 die Deutschnationalen und die Deutsche Boltspartei mit ihren schwerkapitalistischen Hintermännern, die damals eine D ftatur der Mittel, nämlich der Geldmittel versuchten, indem sie ganz Deutschland mit ihren Plakaten, Flugblättern, Wahlzeitungen und sonstigen Reklamen überschwemmten, so streben die Extremen jetzt die Diftatur der Nahkampfmittel an, die sie gegen Wehrlose in Gebrauch sehen. Der Ertrag soll ein Reichs tag sein, der auf diese faschistisch- bolfchemistische Kleinkunst die wirklich große Diktatur folgen läßt, sei es die nach dem Batent Horthy- weifellos vorhanden ist, erzielen. Mussolini oder nach dem weniger aussichtsreichen Gebrauchsmufter Sinomjew, wobei die russische Schule ja auf ein Zusammengehen Mostau- München- Mecklenburg rechnen mag. Es gibt nicht nur diese Pläne der Ludendorff- Gräfeschen Portei von a. D. Offizieren und Junkern wie der neuen KPD.- Zentrale schon in der ersten Blüte so zu Iniden, daß sie nicht mehr aufkommen; es muß auch den Terroristen eine solche Antwort der anständigen Menschen, der gefitteten Deutschen erteilt werden, daß ihnen nicht nur die Lächerlichkeit ihrer Lausbubenpraktiken unwider leglich eingetrichtert wird, sondern daß der neue Reichstag auch tut, was der alte versäumt hat: mit all dem widerlichen Terror samt der Deutschland aufs schwerste schädigenden Soldatenspielerei Schluß zu machen und überdies gewissen Protektoren der völkischen Landesver derberet die Waffe des Landesverratsparagraphen ftumpf zu machen! Kommunisten und Völkische. 75 Prozent Bundesgenossen! Wir stellten feft, daß in einer Wählerversammlung in Osna rüd ein Rommunist Richard Müller die Einheitsfront Don Bölkischen und Kommunisten proflamiert hatte. Diese unbeftreitbare Tatsache wird uns von Zeugen ausdrüdlich bestätigt. Dieser Richard Müller war früher in Halle Angestellter des Holzarbeiterverbandes. Er verschwand aus halle und wurde in Remscheid als Arbeiterscfretär dom fommunistischen Ortsausschuß angestellt, aber nach einiger Zeit fristlos entfassen. Darauf wurde er in Osnabrud Angestellter des GeZen Kakas verbindet mit leichter Löslichkeit fräftigen Geschmack u. vorzügliche Betömmlichkeit HARTWIG& VOGEL A G DRESDEN Gen- Vertr: Besser& Maller, Berlin S 61, Bärwaldstr. 69. Faaruf: Moritspl 9651 19.5% Der Lehrer Schürer, ein völkischer Diskussionsrebner, erklärte, daß er bis zu 75 Pro3. mit den Ausführungen Grubes einverstanden sei und auch über die anderen 25 Broz. ließe sich eine Einigung bei dem guten Willen, der bei der KPD. Der neue Reichstagswahlstimmzettel. Der amtliche Preußische Pressedienst schreibt Im Gegensatz zu dem bei den früheren Wahlen verwendeten Stimmzettel ist für die tommende Reichstagswahl e'n sogenannter Einheitsstimm. ettel eingeführt worden. Dieser unterscheidet sich von dem früheren dadurch, daß auf ein und demselben Better Jämtliche für den Wahlkreis zugelassenen Kreiswahlvorschläge abgedruckt find. Jeder einzelne dieser Vorschläge enthält die Parteibezeichnung und darunter die Namen der ersten v'er Bewerber. Links neben diesen Namen jedes Wahlvorschlags befindet sich ein durch einen Kreis aefennzeichneter freier Raum Die Kreiswahlvorschläge sind in der Reihen folge, wie fie zeitlich be'm Kreiswahlleiter eingehen, fortlaufend numeriert und in der Reihenfolge diefer Nummern hintereinander auf dem Stimmzettel aufgeführt. Die Stimmzettelumschläge follen 12 x 15 Zentimeter groß, undurchsichtig und amtlich abgestempelt fein. Die Größe des Stimmzettels richtet sich nach der Zahl der zugelassenen Kreiswahl. vorschläge; doch muß er sich, ein und zweimal aefaltet, leicht in den Umschlag einlegen laffen. Während früher die Beschaffung und Berteilung der Stimmzettel Sache der Parteien war, die auch zunächst die Roften hierfür aufzubringen hatten, merden nunmehr die Stimm. zettel für die Reichstagswahlen ausschließlich durch die Landesregierungen amtlich hergestellt und den Gemeinden zur Weitergabe an die Abstimmungsvorsteher überwiesen. Sie merden nebst Umschlägen in ausreichender Bahl nur noch in den ahllotalen bereitgehalten. Dort erhält jeber Stimm. berechtigte einen Umschlag nebst einem Etimmzettel. Damit begibt er fich in den Nebenraum oder an den mit einer Borrichtung gegen Sicht geschüßten Nebentisch. Dort termzeichnet er auf dem Stimmzettel durch Antreuzen innerhalb des hierzu bestimmten Kreises, oder durch Unterstreichen oder in fonft ertennbarer Weise denjenigen Kreiswahlvorschlag, dem er seine Stimme geben will. Es ist BorJorge getroffen, daß Schreibgerät in den Abstimmungsräumen bereitgehalten wird. Doch wirdjedem Wähler empfohlen, fich mit eigenem Bleistift versehen zur Wahl zu begeben. Sozialzulagen und Sozialdemokratie. Die Deutschnationalen behaupten, die Sozialdemokratie hätte bei Beratung der Beamtenbesoldung die Erhöhung der Sozialzulagen( Frauen und Kinderzuschläge) abgelehnt. Diese Behauptung ist eine Lüge. Bohl steht bie Sozialdemokratie auf dem Standpunkt, daß der Hauptwert auf die angemessene Erhöhung des Grundgehalts als dem fundamentalen und bleibenden Bestandteil der Besoldung zu legen ist. Sie hat aber nie vertannt, daß bie Durchführung einer reinen Leistungsent. lohnung bei der heutigen wirtschaftlichen Lage nicht möglich ist, und daß den am meisten notleidenden finderreichen Familien in erster Linie nachbrückliche Hilfe durch zulagen geleistet werden muß. Diese Zulagen find neben dem Gehalt zu gewäh ren. In diesem Sinne hat die Sozialdemokratie gewirkt. Sie befindet sich dabei in guter Gesellschaft, denn nicht mur sämtliche Beamtengewerkschaften teilen den Standpunkt, fondern er wird auch von der Deutschynationalen Boltspartei gebeilt. Denn in ihrem Beamtenprogramm heißt es: Die notwendigen Zuschüsse für finderreiche Familien find neben der eigentlichen Beamtenbesoldung zu gewähren." Wozu also der Schwindel, Allerdings ist die Sozialdemokratie stets dafür eingetreten, daß sowohl Frauen- als auch Kinderzuschläge fämtliche in Betracht kommenden Beamten einheitlich und in gleich hohen Sägen für alle gewährt wird. Dies nach schwe ren Rämpfen erreicht zu haben, ist das ausschließliche Verdienst der Sozialdemokratie. Sie ging dabei von der Ansicht aus, daß das Kind und die Frau des Beamten der unteren Gruppen genau soviel Lebensrecht haben wie das Kind und die Frau der Beamten der höheren Gruppen. Aber was sagen die Deutschnationalen dazu? Dr. Oberfohren schreibt hierüber in der Deutschen Tageszeitung": " Die Kinderzulagen für sämtliche Beamtentlaffen gleich zu be. messen, bedeutet eine ungerechtfertigte Bevorzugung der anteren lassen. Es ist ein Unrecht, das in befferen Verhältnissen aufwachsende Beamten find mit den Kindern einfacher Arbeiter auf eine Stufe 3u stellen." Das genügt! Welcher Beamte wird nach dieser deutschnationalen Offenbarung noch deutschnational wählen? Wahlausschußßigungen. 3m Zimmer 339 des Stadthaufes Berlin C. 2, Eingang Kloster. ftraße, 3. Stodwert, tritt zu einer öffentlichen Sizung zusammen a) am Sonnabend, den 19. d. M., vormittags 10 Uhr, der Wahlausschuß für den Reichstagswahlkreis 2 Berlin zur Prüfung und Festsetzung der für die Wahlen zum Reichstage am 4. Mai 1924 eingegangenen Wahlvorschläge für genannten Wahlkreis, Potsdam II b) am Mittwoch, den 23. d. M., Dormittags 10 Uhr. der Verbandswahlausschuß für den Reichstagswahlkreisverband II- Brandenburg I umfassend die Wahlkreise 2 Berlin und 3 zweds Entscheidung der Berbindung vorgedachter Kreiswahlvor. fchläge innerhalb des Wahlkreisverbandes. Der Zutritt zur Sigung steht den Stimmberechtigten offen. Die Reichsliste der Zentrumspartei. Auf der Reichsliste der Zentrumspartei stehen folgende Be merber: 1. Reichskanzler W. Marg, Berlin. 2. Staatsminister a. D. Peter Spahn, Berlin. 3. Hedwig Dransfeld, Worle i. W. 4. Hauptschriftleiter Adam Roeder, Karlsruhe. 5. Ministerialrat Helene Weber, Berlin. 6. Ministerialrat August Weg. mann, Oldenburg. 7. Oberlehrer Hermann Hofmann, Ludwigshafen. 8. Rechtsanwalt Dr. Lammers, Berlin. 9. Oberpoftfchaffner Roch, Effen 10. Studienassessor Krone, Berlin. 11. Generalsekretär des deutschen Handwerks Herrmann, Hannover. 12. Borstandsmitglied des Reichsverbandes der Kolonial waren- und Lebensmittelhändler Müser, Köln. Koleu ENTAL Tragt Ontinental dann lernt ihr verstehen, wie herrlich es ist, auf Gummi zu geheni Continental- Absätze sind durch Continental Sparkeil D. R. P. doppelt haltbar, Bel jedem Schuhmacher zu haben. So gut wie Continental- Relfen! EINE ZIGARETTE Massary VON RANG 5 EINE ZIGARETTE Roal wwwww VON RANG abnätaus epŎve Wirtschaft Außenhandelsforgen. Statistik ist eine mit Vorbehalt und Vorsicht zu genießende Wissenschaft. Wirtschaftsstatistik ohne sehr weitgehende Fehler quellen erscheint bei der bestehenden Wirtschaftsordnung als undenkbar. Außenhandelsstatistiken sind überall nur als Anhalt zur Beurteilung wirtschaftlicher Borgänge verwendbar, insbesondere aber in Deutschland, wo einer auch nur annähernd richtigen Ueber. fichtsmöglichkeit die Verhältnisse im besetzten Gebiet, dessen Einfuhr und Ausfuhr unserer Kontrolle entzogen ist, entgegenstehen. Unter diesen Umständen hat der Kritiker die Pflicht, auch an die über den deutschen Außenhandel im Februar veröffentlichten Zahlen mit sehr ernsten Vorbehalten heranzugehen und sich von vornherein darüber nicht im unflaren zu fein, wie wenig An, fpruch auf Richtigteit diese statistischen Ergebnisse erheben fönnen. Nach den amtlichen Ziffern belief sich die Einfuhr im Fe bruar 1924 auf insgesamt 27,5 Millionen( und 1067 Pferde) im Werte von 718,50 Millionen Mark gegenüber einer Warenausfuhr von 7,9 Millionen Doppelzentner im Werte von 466,34 Millionen Mart. Der Ueberschuß der Einfuhr würde demnach in Wert rund 252 Millionen Goldmark betragen; eine Summe, die erschreckend hoch ist, wenn man berücksichtigt, daß die zur Abdeckung von Ueberschüssen der Einfuhr erforderlichen unsichtbaren Exporte durch die Berluste an im Ausland arbeitendem deutschen Kapital, den Mangel an anderen Einnahmen, wie Transportvergütungen, Bankgewinne ufw.) nur in sehr geringem Umfange zur Verfügung ftehen, während die fich baren Importe", die in Ausgaben für Auslandsreifen, Kreditzinsen usw. bestehen, bei uns bereits einen fehr erheblichen Betrag beanspruchen dürften. " Do die Zahlen im einzelnen richtig sind, steht dahin, aber auch ohne diese fatistischen Unterlagen gibt eine jorgfältige Beobachtung des deutschen Wirtschaftslebens der legten Monate Anlaß genug zu der Annahme, daß sich auf dem Gebiete unserer Außenhandelswirt schaft eine Entwicklung vollzieht, die nur mit größter Sorge ver folgt werden kann. Die Warnungssignale, die in der ftändigen Berringerung der Zuteilungsquoten der Reichsbant, in der ganz geringfügigen Ablieferung von Devisen, in der unter bewertung der Mart im Auslande und im befehten Gebiet liegen und die ihr Gegenstück in dem im übrigen Deutschland etwa 10 bis 15 Broz. betragenden Zinsenaufschlag finden, den heute Devilen fäufer direkt oder indirekt zahlen müssen, zwingen zu der höchsten Aufmerksamkeit und zu den einschneidendsten Maßnahmen, wenn nicht die mühsam errungene Währungsstabilität eines Tages wieder von Grund aus erschüttert werden soll. Die Statistik zeigt bei der Einfuhr eine Abnahme der Lebensmittelimporte im Februar gegenüber dem Januar um etwa 12 Broz. ( 21 Millionen Mart), aber immer noch etwa 50 Broz. mehr als im Jahresdurchschnitt 1923. Unter den eingeführten Baren dürften überflüssige Lurusgüter noch eine nicht geringe Rolle spielen; der beschämende Ueberfluß an den edelsten Früchten der verschiedensten Art, der heute eine der bezeichnendsten Erscheinungen in den deutschen Städten ist, zwingt immer wieder zu der ernſten Frage, wie lange man eine derartige Masseneinfuhr, die sich, trotzdem Südfrüchte gewiß sehr gesund sind, mit der Gesund heit der deutschen Währung" abfolut nicht verträgt, dulden will! Sehr erheblich ist die Zunahme der Einfuhr an Rohstoffen, fie ist relativ um etwa 50 Bruz.( von 237 auf 359 Millionen) ge stegen. Diefe Steigerung fönnte an sich ein gutes Beichen für un fere Wirtschaft sein, aber in Wirklichkeit handelt es sich dabei zu einem fehr beträchtlichen Teile um Einfuhr von für den Inlandsfonfum verwandten Tertilrohstoffen und Rohtabat d. h. diese Einfuhr ist nicht in erster Linie Rohstoff für in Deutschland zu veredeinde hoch wertige Waren, die wieder in das Ausland gehen, sondern leider in einem wirtschaftlich untragbaren Umfange für inländische Berbrauchsgüter bestimmt.( Er dürfte aber auch zu einem wesentlichen Teil zur Ergänzung der Rohstoff vorräte bienen, Red b.„ Borw.") Erschreckend ist die Zunahme der Einfuhr von ferti. m 11. April verschied nach langem, schwerem Liben mein lteber Mann und Vater, der Gastwirt Sally Schülzkowsky im Alter von 47 Jahren. Dies zeigt an im Ramen ber Hinterbliebenen 73/ 9a Witwe Schülzkowsky nebst Sohn. Die Cinäfcherung findet am Mittwoch, den 16. d. m, nachm. 2 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Für die uns bewiesene Teilnahme beim Sinicheiden metnes lieben Mannes, un eres unvergeßlichen Baters Theodor Huth 87285 fagen wir allen Freunden und Kollegen. ganz befonders aber Serrn und Frau Beinbaum und ber Typographia, hermit unferen herzlichsten Dant Famille Kuth. Für die Teilnahme beim Seingange meines lieben Mannes und Baters Karl Frey fagen wir allen unseren herzlichsten Dant Berta Frey und Tochter. 73 10a Allgemeine Ortsfrankenkasse für Berlin- Steglit Der in der außerordentlichen Ausschußgen waren, bie über 40 Prog. beträgt( von 92 auf 182 min. Goldmark) und unter denen ausgesprochene Lugusgüter einen steigenden Teil darzustellen scheinen, denn gerade in der Textilindustrie zeigt ein Gang durch die Hauptgeschäftsstraßen, wie erheblich die Einfuhr derartiger Waren bereits wieder ist. Man tommt eben doch nicht, wie man in den Kreisen der Regierung allzu gern zu glauben scheint, damit aus, daß man die Tore nach Deutsch land weit aufmacht, um auch die Beseitigung der Schranken in Sinn der Wirtschaft" vertraut. Es bleibt uns nichts anderes übrig fremden Ländern herbeizuführen, und im übrigen auf den gefunden als dem überflüssigen Import mit Einfuhrverboten oder Prohibitivzöllen einen Riegel vorzuschieben, denn der einzelne ift immer nur auf seinen Vorteil bedacht und die deutsche Steuergesetz gebung wird es auch in den nächsten Jahren nicht dahin bringen, daß den Großbefizern und Großverdienern soviel abgenommen wird, daß schon durch den Mangel an Käufern die Einfuhr unnötiger Roft barkeiten verhindert wird. Vom Arbeitsmarkt. Landesarbeitsamt Berlin. In der abgelaufenen Woche sette fich die Befferung der Arbeitsmarktlage fort. Demgemäß erfuhr die Arbeitslosige teit eine weitere Abnahme, die bei den jugendlichen und weiblichen weit mehr als bei den männlichen Kräften in Erscheinung tritt. Seit der zu Anfang dieses Jahres zunächst langsam einsetzenden abgenommen. Während sich noch gegen Ende des vorigen Jahres Besserung hat die Arbeitslosigkeit insgesamt um rund 60 Proz kleine Handwerksmeister in größerer Zahl bei den Arbeitsnachweisen eintragen ließen, haben viele von diesen wieder durch die Festigung der Wirtschaft ihr Gewerbe aufnehmen fönnen. In wie hohem Grade sich dieser Umstand auf dem Arbeitsmarkt auswirkt, zeigt allein das Maler gewerbe. So ist etwa der siebente Teil der ehemals selbständig Gewerbetreibenden in diesem Beruf gezwungen gewesen, den Betrieb stillzulegen und sich anderweitig um Erwerbsarbeit zu bemühen. In ähnlichen Berufen hat sich dieser Umstand in gleicher Weise bemerkbar gemacht. Die nunmehr wieder in erheblichem Umfange zur Selbständigkeit gelangten Handwerksmeister befchäftigen vielfach auch wieder Arbeitskräfte, so daß auch hierdurch der Arbeitsmarkt eine wesentliche Besserung erfuhr. Die Zahl der bei den Arbeitsnachweifen eingetragenen Ber onen betrug 115 924 gegen 139 461 der Borwoche. Darunter be fanden sich 90 275( 110 771) männliche und 25 649( 28.690) weibliche Personen. Unterſtügung bezogen 48 919( 60 362) männliche, und 8589( 10 361) weibliche, insgesamt 57 508( 70 723) Berfonen Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 3098 gegen 3208 der Vorwoche. Landwirtschaft und Gärtnereien meldeten regen Bedarf an Arbeitskräften. Den landwirtschaftlichen Bedarfsgebieten konnten eine große Anzahl Kräfte durch zwischenörtlichen Ausgleich zugeführt werden. In der Metallindustrie und im Spinnstoffgewerbe hat die gute Geschäftslage angehalten. In der 3ellftoff- und Papierherstellung und verarbeitung bietet jetzt auch die Kartonbranche gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Lage in der Leberindustrie und Industrie leder artiger Stoffe, befonders jedoch im Holz- und Schnit stoffgewerbe, hat sich weiter gut entwickelt. Bei der Ausfuhr ist die Senkung gegenüber dem Durchschnitt des Jahres 1923, die mehr als 10 Broz. beträgt, so groß, daß sich Zweifel an der Verläßlichkeit dieser Zahl in noch stärkerem als dem oben im Allgemeinvorbehalt gemachten Umfange ergeben würden, wenn nicht die Tatsache der geschwundenen Konkurrenz fähigkeit bereits von den verschiedensten Industrien zugegeben und wie auf der Leipziger so auch jetzt wieder auf der Frankfurter Meffe deutlich geworden wäre. Die Bedeutung dieser Erscheinung für unser Wirtschaftsleben kann nicht genug betont werden. Die nur mit sehr großer Vorsicht und Sorge zu betrachtende Konjunkturwelle, die augenblicklich durch die deutsche Wirtschaft auf Grund der inneren Nachfrage geht, darf nicht darüber hinwegtäuschen, welche Gefahren der mangelnde Auslandsabfah in sich birgt und wie groß die Gefährdung der Währung dadurch wird, daß die kurz friftigen Darlehen, die in größerem Umfange von fremden Gelb gebern nach Deutschland in der legten Zeit gegeben worden sind, un verständigerweise in vielen Fällen nicht zur Herstellung von Export gütern verwandt, fondern z. T. in den inländischen Berbrauch übergeführt werden, so daß die Zurückzahlung dieser Beträge, die bei ber nur zu wahrscheinlich tommenden Absatz- und Kreditturfe zum großen Teil nicht prolongiert werden dürften, zu einer gefährlichen Belaftung des Devisenmarktes führen kann. Schon jetzt ist die Lage so ernst, daß sich selbst die Reichsbank zu der bekannten Kreditbeschränkung veranlaßt gesehen hat, von der man nur hoffen muß, daß sie mit Energie und Verständnis durchgeführt und mit einer vernünftigen Feft fegung des Distontsages verbunden wird, damit die Sondergewinne, die den bei der Reichsbant dis fontierenden Banken durch den jezigen Sah zufließen, beschränkt und die Schwierigkeiten der Lage durch ein derartiges weitreichendes Signal der gesamten Wirtschaft zum Bewußtsein gebracht werden. Die Aufnahme der Tätigkeit der Golddiskontbant wird die Ueberwindung der gefährlichen Lage hoffentlich erleichtern, indem die von ihr für den exporttreibenden Teil unserer Wirtschaft verfügbar zu machenden Summen einen Teil des Devisenbedarfes ablenten und dadurch die Befriedigung der übrigen vorhandenen Nachfrage etwas erleichtern werden. Allerdings dürfte die Liquidation der noch vorläufer gesucht. uns liegenden Termine aus der Frantspetulation aud noch manche Anforderung mit sich bringen. Es kann und darf nichts unterlassen werben, was geeignet ist, der Aufrechterhaltung der Währungsstabilität zu dienen. Die jetzigen Vorgänge am Devisenmarkt find durchaus nicht leicht zu nehmen, denn bei der Sorge, mit der man in Deutsch die Erfahrungen der Vergangenheit, zu beobachten pflegt, fann das land jede stärkere Schwankung des Martwertes, geschredt durch langsam wiedergewonnene Bertrauen durch länger anhaltende und anwachsende Kursveränderungen allzuleicht erschüttert werden. Eine Währung aber ist auf die Dauer nicht mit technischen Mitteln, so wichtig biefe als ein Faktor der Stabilität sind, zu sichern, sondern nur durch eine wirtschaftliche Entwicklung, die das fefte Fundament einer geordneten 3 ahlungs bilanz gegenüber dem Auslande auf weift. Diesem Ziele auf den verschiedenen dahin führenden Wegen zuzuftreben, ist die Aufgabe der deutschen Wirtschafts- und Finanz politit. HALPAUS RARITÄT B. A. Das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe ver zeichnet bei einem verhältnismäßig guten Beschäftigungsgrad einen Mangel an Widelmacherinnen und Rollerinnen der Tabatbranche, Laboranten, Bonbontochern und Pralinenüberzieherinnen. Die gute Konjunktur in allen Zweigen des Betleidungsgewerbes und der Mangel an eingearbeiteten Kräften aller Branchen hat angehalten. Für das Baugewerbe feßt eine beffere Anforderung von Facharbeitern ein. Die Arbeitslosigkeit in allen Gruppen, mit Ausnahme der Maler, ist jedoch noch verhältnismäßig groß. merbe, neuerdings auch für Photographen. Aezer und Lichtbruder. Gut aufnahmefähig war das VervielfältigungsgeIm Handelsgewerbe find u. a. Deforateure und jüngere Bermig u. Geneft Telephon- und Telegraphenwerte, Mig u. Geneft. In der Aufsichtsratssitzung der Aktiengesellschaft Berlin- Schöneberg, Geneststraße 5, wurde der vom Vorstand vor gelegte Jahresabschluß nebst Gewinn- und Verlustrechnung für das werden, den nachgewiesenen Gewinnsaldo von 2 000 123 024 673 962 792 Jahre 1923 genehmigt. Der Generalversammlung wird vorgeschlagen Mart auf neue Rechnung vorzutragen. Die Höhe dieses 2 Millionen Goldmart betragenden Reingeminns rückt in das rechte Licht, wenn man berücksichtigt, daß vor dem Kriege- alfo ohne Berwässerungen Reingewinn von 2 Millonen würde bann ausreichen, um eine das Aktienkapital 4,2 Millionen Goldmart betrug. Ein Dividende von 45 Broz, auf das Friedenstapital zu ermäg lichen! Die höchste Dividende der Mir u. Geneft A.-G. betrug in Sen Jahren, wo das Kapital noch nicht verwässert war, 18 Broz. So fieht der Substanzschwund mancher Industrieunternehmungen bei unvoreingenommener Beurteilung aus! 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