Nr.183 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 91 Bezugspreis: chentlich 70 Goldpfennig voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land, Danzig, Gaar- u. Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und geit" mit..Gied. lung und Kleingarten". fomie det Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Frauenbeilage ,, Frauenwelt erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Oplomart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20 Gold mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Gtellengesuche das erite Wort 0,10 Goldmark, jebes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart. ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 17. April 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Ueberreichung der Annahme- Note. Bereitschaft zur Mitarbeit an den Plänen der Sachverständigen. Paris, 16. April.( WTB.) Der Vertreter der Deutschen Kriegslastenkommission in Paris übergab heute der Reparationstommission folgende Note: Die deutsche Regierung beehrt sich, den Empfang der Note der Reparationstommiffion vom 11. April über die von den Sachverſtändigen erstatteten Gutachten zu bestätigen. Auch die deutsche Regierung sieht in diesen Gutachten eine prattische Grundlage für die schnelle Lösung des Reparationsproblems. Sie ist deshalb bereit, ihre Mitarbeit an den Plänen der Sachverständigen zuzusichern. Die Note der Reparationstommssion vom 11. April lautete: Die Reparationsfommission, die von den Sachverständigengut. achten Kenntnis genommen hat, sieht in ihnen eine praktische Grundlage für die schnelle Lösung des Reparationsproblems. Sie ist da her schon jetzt geneigt, innerhalb ihrer Zuständigkeit die Schlußfolgerungen der Gutachten zu billigen und deren Methoden anzu nehmen, um die Durchführung des Programms der Sachverständigen zu erleichtern und zu beschleunigen. Die Reparationsfommiffion beabsichtigt, den beteiligten Regierungen die Schlußfolgerungen der Gutachten, soweit sie in ihre Zuständigkeit fallen, zur Annahme zu empfehlen. Die Reparationsfommission sieht sich jedoch verpflichtet, ihre Zustimmung und ihre Initiative zurückzustellen, bis sich die deutsche Regierung bereiterklärt, an den Plänen der Sachverständigen milzuarbeiten. Zu diesem Zweck wird sie deutsche Delegierte Donners. tag, den 17. April, anhören, wenn die deutsche Regierung es nicht vorzieht, eine schriftliche Antwort zu geben. * Der Worlaut der deutschen Note schließt sich, wie hier bereits angekündigt wurde, eng an den der Note der Reparationsfommission an. Die Reparationsfommission hatte erklärt, ihre Initiative zurückstellen zu müssen, bis sich die deutsche Regierung bereit erklärt, an den Plänen der Sachverständigen mitzuarbeiten. Die deutsche Regierung antwortet, sie sei bereit, ihre Mitarbeit an den Plänen der Sachverständigen sicherzustellen". Offenbar um diese llebereinstimmung des Wortlauts flar in Erscheinung treten zu lassen, hat die deutsche Regierung WTB. veranlaßt, im Anhang an ihre Antwort die schon beStreikbeschluß der Hochbahner. Wie die Funktionäre der Hochbahn mitteilen. hat die geftrige Urabstimmung des Hochbahnperfonals eine Dreiviertelmehrhelt für den Streit ergeben. Die Frage, über die abzuffimmen war, lautete Streit oder Arbeit. Auf Grund dieses Ergebnisses hat dann die noch in später Abendstunde zusammen. getretene Funktionärfonferenz den Streit bei der Hochbahn beschlossen. Der Streit soll am Sonnabend früh beginnen. Das„ unteilbare Ganze". Britische Regierungserklärung. Condon, 16. April.( WTB.) Unterhaus. In Verbindung mit der von den Sachverständigen für Deutschland vorgeschlagenen Auslandsanleihe von 40 Millionen Pfund fragte Lord Henry Cavendish Bentid den Premierminister, ob sich die Regierung nicht dafür verbürgen wollte, daß die Unterstützung Großbritanniens nur unter der Bedingung einer militärischen und wirtschaftlichen Räumung feitens der Franzosen gegeben würde. Macdonald erwiderte: Die Empfehlung der Sachverständigen beruht auf der Annahme, daß die steuerliche und wirtschaftliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt wird, und daß die wirtschaftliche Tätigkeit nicht durch eine andere ausländische Organisation behindert oder berührt wird, als die in dem Berichte vorgesehene kontrolle. Macdonald fügte hinzu, die Sachverständigen hätten ausdrücklich festgestellt, daß ihre Empfehlung als ein unfeilbares Ganzes betrachtet werden follie und fagte sodann: Ich habe bereits erklärt, daß die Regierung bereit ist, den Plan in seiner Gesamtheit zu unterstützen, vorausgefeht, daß alle anderen Parteien willens find, dasselbe Berfahren einzufchlagen Macdonald bemerkte weiter, er glaube nicht, daß er in dem gegenwärtigen Stadium seinen bisherigen Ausführungen etwas Nühliches hinzufügen oder in eine Einzelbesprechung eintreten fönnte. London, 16. April.( EE.) In der heutigen Nachmittagsfizung des Unterhauses gab der ständige Sekretär im Foreign Office, Pon sonby, die fart brachtete Erklärung ab, die englische Regierung werde auch in Zukunft ihren Einfluß so oft wie nötig geltend machen, um die Wiederherstellung normaler Berhältnisse im besetzten Gebiet sicherzustellen kannte Note der Reparationskommission nochmals wiederzugeben. Es ist gewiß diplomatisch richtig, fich in der Antwort auf das zu beschränken, wonach man gefragt worden ist, und hoffentlich wird über die Bedeutung dieses Frage- und Antwortspiels nirgends auch nur der geringste Zweifel entstehen. Der Sinn der Frage war, ob die deutsche Regierung bereit fei, die Vorschläge der Sachverständigen anzunehmen und an ihrer Durchführung mitzuarbeiten; der Sinn der Antwort kann nur sein, daß die deutsche Regierung tatsächlich dazu bereit iſt. Wenn nun die deutsche Regierung erklärt, daß sie die Vorschläge annimmt, so können damit nur die Vorschläge gemeint sein, wie sie wirklich sind, und nicht etwa, wie sie Herr Poincaré interpretiert. Da die Vorschläge ein unteilbares Ganzes bilden und als solches von der englischen Regierung und der gesamten englischen Deffentlichkeit. anerkannt werden, wäre es der schlimmste Fehler, der von deutscher Seite gemacht werden fönnte, wollte man etwa noch irgendwie versuchen, an ihnen herumzudoktern. Jeder derartige Versuch würde sofort von der franzöfischen Regierungspropaganda als ein neuer Beweis deutscher Hinterhältigkeit" ausgenutzt werden, und statt mit EnglandAmerita auf der gleichen diplomatischen Linie zu bleiben, würde sich Deutschland aufs neue isolieren, ohne dadurch prat tisch auch nur das allerminbeste zu erreichen. Beigt sich später, daß die Vorschläge der Sachverständigen abände rungsbedürftig sind, so wird sich die tatsächliche Abänderung auf dem Wege der Vereinbarung desto leichter ermöglichen laffen, je mehr sich die diplomatische Stellung Deutschlands bis dahin gebessert haben wird. Heute schon Abänderungen verlangen, hieße die diplomatische Stellung Deutschlands bis zur Hoffnungslosigkeit verschlechtern und den französischen Wunsch nach Vereitelung des ganzen Planes unterstützen. Die deutsche Antwort fann also feinen anderen Sinn haben, als den, daß die deutsche Regierung bereit ist, mit Eng land- Amerika auf den Boden jener Vorschläge zu treten, daß fie bereit ist, fie als Ganzes glatt anzunehmen und mit ehrlichem Willen an ihre Durchführung heranzugehen. nähertomme. Wenn die Außenpolitik der Labour Party fehl schlüge, so würde das die Rückkehr zum Wettrüsten und schließlich zu einem neuen Weltkrieg bedeuten. Macdonald erklärt weiter, daß er nie der zügellofe Optimist gewesen sei, als den man ihn oft hinstelle. Er glaube aber, daß die Arbeiterregierung viel zu einer Beruhigung Europas beigetragen habe, indem es ihr gelungen sei, das Ver. trauen zwischen England und Frankreich wieder. herzustellen. Was Deutschland anlange, habe er nie feine fefte Ueberzeugung verhehlt, daß dieses Land bei der allgemeinen Regelung die Rolle eines freiwilligen Mitarbeiters spielen müffe. Es sei Wahnwih, zu glauben, daß man anderen Bölkern Bedingungen aufzwingen fönne. Auf beiden Seiten müsse im Gegenteil der feste Wille geschaffen werden, die übernommenen Berpflichtungen zu erfüllen. Die von den Alliierien bis jetzt verfolgte Polifit habe die demokratische und die pazififfifche Strömung in Deutschland zerstört. Er möchte seine ausländischen Regierungskollegen davon überzeugen, daß diesem Zustand ein Ende bereitet werden müsse. Was die Rüstungen anlange, sei seine Position sehr einfach. Ehe eine internationale Verständigung zustande getommen fet, müßten die Armeen aufrechterhalten werden. Bis dahin werde es unmöglich sein, den Militarismus zu über winden. Wenn aber die Außenpolitit der Arbeiterregierung Schiffbruch erleiden sollte, so würde man mit einem neuen Rüstungswettlauf zu rechnen haben. Die Mächte würden sich neu gruppieren und Deutschland und Rußland dabei eine Rolle spielen, was nicht übersehen werden fönne. Zum Schluß sprach sich Macdonald gegen das in England herrschende Streiffieber aus, das der Arbeiterklasse mehr Schaden als Nußen bringe. Schließlich erklärte er, daß der Sozialismus für ihn mehr sei als eine abstrafte Idee, nämlich ein fefter Willen, mit dem man dem Uebel der Gegenwart abhelfen müsse, indem man sich den bestehenden Verhältnissen und Gebräuchen anpasse. Der Sozialismus sei eine harte Alltags. arbeit. Poincaré hat gestern nachmittag den ja panischen Bot. fchafter empfangen. Die Unterhaltung bezog sich, wie man er= fährt, auf die amerikanisch- japanischen diplomatischen 3wischenfälle. London, 16. April.( Eigener Drahtbericht.)" New Leader" veröffentlicht die Fortseßung seiner Unterredung mit Macdonald, 3ur Rede Poincarés berichtigt die„ Eca" ihren von uns verin der dieser zur auswärtigen Politit erklärt, daß er eine foforöffentlichten Bericht dahin, daß die Summe der, nach Boincarés Antige völlige Löfung der europäischen Probleme nicht versprechen gaben von Deutschland ins Ausland verschobenen Rapitalien nicht tönne, doch hege er große Hoffnungen, daß man dieser Lösung 16 750 Millionen, sondern 6750 Millionen heißen mußte. Deutsche Steuerpatrioten. Im Spiegel der Sachverständigenberichte. In dem zweiten Teil des Gutachtens des Dames- Ausschusses sprechen die Sachverständigen von den Erwägungen, insbesondere gewisse Gesichtspunkte der finanziellen und wirtdie zu ihren Schlußfolgerungen geführt haben und beschreiben Abschnitt:„ Besondere Seiten des Steuersystems", in dem sie schaftlichen Lage Deutschlands". Dabei stößt man auf einen ihre Meinung über das Wesen der deutscher Eintommensteuer fundgeben. Es geschieht in dem Tonfall des ganzen Berichts, präzis, fnapp, fachlich, ja beinahe gleichgültig, aber es ist inhaltlich von außerordentlicher Schlagkraft. hier wird der deutschen Regierung über ihre steuerpolitischen Methoden eine Lektion erteilt, die sie sich hinter den Spiegel stecken kann. Herr Dr. Luther fann von Glück sagen, daß die Details des Berichtes in Deutschland noch nicht von 12 vom Tausend der Bevölkerung gelesen wurden, weil es an Zeit fehlt, diesen umfänglichen Bericht von mehreren hundert Seiten zu studieren. Draußen in der Welt hat man natürlich ständigen zu fümmern. Es erübrigt sich aber auch, da zwischen noch weniger Veranlassung, sich um jedes Wort der Sachverder Meinung der Sachverständigen und der Meinung der Welt fein Unterschied besteht. Jedenfalls wird das, was der„ letzte mann am Missisippi" bisher von der Finanzpolitik der deutschen Regierung gehalten hat, durch das Gutachten der Sachverständigen bestätigt und mit Tatsachen belegt. Spezialisten reserviert zu halten. Schon Dr. Luther zuliebe nicht. Und auch nicht der deutschen Großbourgeoisie zuliebe, die ja stets vor But vergeht, wenn die Sozialdemokraten von Steuerbrüdebergerei zu sprechen anfangen. Hören wir, was die Sachverständigen über die Opferfreudigkeit des deutschen Kapitals zu sagen wissen. Hören wir, was fapitalistisch eingestellte Männer über ihresgleichen äußern. Es ist angebracht, den Genuß dieser Lektüre nicht den Zunächst einmal zeigen sie, daß fie sich sehr wohl für die besonderen Umstände der Geldentwertung im flaren sind und über die Schwierigkeiten bei einer sinkenden Währung direkte Steuern einzuziehen. Aber schon indem sie das feststellen, daßz 3. B. selbst im Jahre 1920 die tatsächliche Steuerlast( in Gold berechnet) bei dem größeren Einkommen statt 50 bis 60 Proz. nur die Hälfte von den Säßen für das Einkommen des Jahres ( in Gold berechnet) betrug", erteilen sie zugleich den herrschenden Parteien in Deutschland einen starken Rüffel:„ Erst als die Inflationsbewegung in Deutschland weit vorgeschritten war, bemühte man sich ernstlich, dieses Uebel zu bekämpfen." Erinnert man sich vielleicht noch, daß die Sozialdemokraten es waren, die jahrelang die Er fassung der Sachwerte verlangten, um dem Reichshaushalt wertbeständige Einnahmen zu sichern? Daß die Sozialdemokraten auf die Berücksichtigung der Geldentwertung bei den Steuern immer und immer wieder hindrängten und noch im März 1923 ihr dahingehender Antrag von der geschlossenen Majorität der bürgerlichen Par teien verstümmelt und praktisch unwirksam gemacht wurde? Wie haben die Industriellen geschrien, als wir auf das frasse Mißverhältnis zwischen ihrem patriotischen Maulheldentum und ihrer tatsächlichen Baterlandslosigkeit, wenn es ans Zahlen ging, hinwiesen! Nun, die Sachverständigen stellen feft: Man kann zuversichtlich sagen, daß die wohlhabenden Klassen weit weniger als den ihnen zukommenden Anteil an der nationalen Caft zu tragen hatten, und wir haben es der deutschen Regierung zum Gegenstand ernster Erwägung empfohlen, ob sie nicht, selbst angesichts der Verwaltungsschwierigkeiten, die Veranlagungen der letzten Jahre bei diesen besonderen Klassen von Beranlagten revidieren und ihre Schuld auf Goldbafis neu aufbauen sollte. Trockener fann man es nicht sagen. Und was sagen die Sachverständigen zu den Steuernotverordnungen? Sie erkennen an, daß es sich um„ vorüber= gehende Hilfsmittel mit starkem Notbehelfcharakter" handele, zu denen die deutsche Regierung veranlaßt worden sei, aber froßdem stehen sie nicht an, ihnen eine sehr schlechte Zenjur zu erteilen: Diefe Notbehelfe geben uns feine Beruhigung über die allgemeine Frage der Besteuerung der wohlhabenden Klaffen, und nach unferem Urteil follte die deutsche Regierung, wenn sie wünscht, daß die Alliierten ebenso wie ihre eigenen arbeitenden Klaffen sich von ihrem guten Willen in dieser Sache überzeugen, zu einem nahen Zeitpunkt ihre endgültigen Absichten betreffs der Säße für die Einkommensteuer veröffentlichen, die von den Gewinnen des Jahres 1924 usw. erhoben werden sollen. Insbesondere zur Frage der Aufwertung der Schulden perhehlen die Sachverständigen nicht ihr Erstaunen über die lächerlichen Steuersäge, mit denen der von der Inflation wie der Aufwertungsverordnung gleichermaßen beglückte Schuldner bedacht wird:" Unserer Ansicht nach ist eine solche Sonderbesteuerung, wenn sie, wie wir glauben, im Prinzip berechtigt ist, zu viel höheren Säßen gerechtfertigt." Ueberhaupt haben sie die Tatsache der enormen Inflations= gewinne scharf ins Auge gefaßt, den, wie sie sagen, vom immel gefallenen Reichtum", und sie finden, daß er ein geeigneter Gegenstand für eine Bes steuerung tn Zeiten außerorSentlikhe? Bedürfnisse" ist. Die Sachverständigen haben darauf verzichtet, auf die Details der gegenwärtigen Steuern einzugehen. Sie hielten es nur für nötig,„gewisse große Linien mitzuteilen. die im deutschen Steuersystem vorhanden sind und die B e- achtung beanspruche n". Man sieht, welche„Linien" ihnen vor allen Dingen aufgefallen sind. Ein Blinder hätte ja auch mit dem Stock darauf stoßen müssen. Was sagt die deutsche Regierung dazu? Was sagen die Klassen dazu, die sie repräsentieren? Was sagt das deutsche Volk dazu, daß ein Gremium hochangesehener Männer, an deren Lauterkeit, Sachverständigkeit und Objektivität kein Zweifel besteht, höflich aber bestimmt eine Tatsache feststellen kann, die ebenso vernichtend ist für die deutschen Kapitalisten und die deutsche Regierung, wie blamabel für ein Volk, das sich das gefallen ließ. Was sagt man dazu, daß jetzt vor aller Welt von Sachverständigen erklärt werden kann und muß: wir haben der Schlußsolgerung nicht entgehen können, daß die reichen Klassen in Deutschland in den letzten Satiren nicht in ange- messener weise von dem in Kraft getretenen Steuersystem erfaßt worden sind, weder in einem Maße, das die Besteuerung der ar- bettenden Klassen rechtsertigen würde, noch in einem Maße, das mit der Belastung der reicheren Klassen in anderen Ländern oer- gleichbar wäre. Das ist eine Niederlage mehr zu den vielen, die wir uns vor aller Welt geholt haben dank der politischen Weisheit der bürgerlichen Parteien. Man macht sich hierzulande kaum eine Vorstellung davon, wie solche Tatsachen auf das Ausland wirken, in welchem Maße sie geeignet sind, das deutsche Volk im Urteil der Welt herabzusetzen und welchen Gewinn die Gegner Deutschlands aus ihnen ziehen. Jetzt füllen die besitzenden Schichten Deutschlands mit N»n auf Kosten des Reiches ersparten Steuergeldern die Kasten der Parteien, von denen sie eine Fortsetzung der bisherigen reichs- verderblichen Steuermißwirtschaft erwarten. Die Sozialdemokratie will, daß die Reichen Steuern zahlen sollen? Nieder mit der Sozialdemokratie! Eigenartige fibbaumethoöen. Berliner Krähwinkeleie«. Als die Abbauverordnung für das Reich und Preußen geschaffen wurde, wurde von allen Parteien versichert, daß der Abbau überall nach rein sachlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden solle und daß„selbstverständlich" Maß. regelungen mißliebiger Beamter oder auch politische Nebenabsichten ausgeschlossen sein müßten. Der Abbau des Berliner Magistrats ist ein Schulbeispiel dafür, wie eine bürgerliche Fünfstimmenmehrheit in der größten deutschen Stadt nach Gesichtspunkten kleinster Provinz- gemeinden die Abbauverordnung zu einer ebenso lächerlichen wie kurzsichtigen politischen Haupt- und Staatsaktion aus- nutzt. Für die Leitung der Viermillionenstadt behaupten die bürgerlichen Parteien mit acht(!) besoldeten Kräften aZs- kommen W können. Zu dem Zweck beseitigen sie sämtliche F a ch stad tr ä t e, so'den Baürat für das Verkehrs- wefen, den Stadtschulrat und restlos bis auf zwei Ausnahmen alle sozialdemokratischen Stadträte. Der Sprecher der Volkspartei hat die Unverschämtheit— anders kann man es nicht nennen-- der sozialdemokratischen Fraktion anzubieten, sie solle selber die zwei Stadträt« bezeichnen, auf die sie Gewicht lege. Es ist klar, daß bei einem solchen Versahren die Sozialdemokratie es sich überlegen muß, ob sie noch ein Interesse daran hat� sich verantwortlich an der Verwaltung der deutschen Hauptstadt zu beteiligen. Der Berliner Fall ist deswegen von Bedeutung, weil er für die politische Kurzsichtigkeit des deutschen Bürger- kums und namentlich seiner Mittelparteien charakteristisch ist. Trotzdem die Mittelparteien genau wissen und die Erfahrung gerade in Berlin es auch erwiesen hat, daß die Leitung einer solchen Verwaltung ohne Beteiligung der Arbeiterschaft nicht möglich ist— der Bürgerblock hat auch hier st e t s v e r- sagt—, trotzdem verfallen die bürgerlichen Parteien immer wieder der Versuchung, zu den alten Methoden wilhelmini- schen Regimes zurückzukehren und die Arbeiterschaft auszu- schalten. Ein solches Vorgehen kann natürlich nicht ohne Gegenwirkung bleiben. Es muß zur vollkommenen Desorgani- sation in der Verwaltung, zur Verschärfung der inneren Kämpfe führen und sich früher oder später auch an d e n bürgerlichen Parteien rächen, die sich an diesem traurigen Vorgehen beteiligen. In Deutschland ist nun aber einmal das Bürgertum unpolitisch und kurzsichtig, und es wird noch lange dauern, bis die Herren, die heute noch glauben, nach alten Methoden mit der Arbeiterschaft umspringen zu tonnen, be- greifen werden, daß diese Zeiten vorbei sind. Es kriselt in Mecklenburg. Dentschnationale Erfüllungspolitik— völkisches Entsetzen. Unter der Ueberschrist„Ist das wahr? Der deutschnatio- nale Ministerpräsident Brandenstein für Erfüllung?" schreibt die völkische„Mecklenburger Warte": Wie wir aus Berlin ersahren, soll Exzellenz Branden- stein sich ebenso wie das Thüringer Ministerium und die thürmgische(soll wohl heißen:„bayerische". Red. d.„B.".) Regierung bei der Beratung der Ministerpiäs&cnten der Länder mit dem Reichskabinett über die Antwort an die Repko da- hingehend ausgesprochen haben, daß die Eochverständigenvorschläge als B er han d lun g sgru ndlag« angenommen wer- den müssen. Wir stellen dazu nur eine Frage: Di« oerhält sich dies« Ari deukschnotionaler Kobinetlspolltik im Sinne der Erfüllung zu den Ivahlmanöoeru der Deulschnationolen Dokspartei. die den Wählern tagtäglich in der Prefle und in den Versammlungen versprich«, diese Art von Ersüllungspolitik abzulehnen? Soll di«„posittve Mitarbeit", die die Deutschnotion alen feit jeher oertreten haben, auch jetzt noch fröhlich weitergeführt werden? Im übrigen ist es für die Politik des Landbundes Mecklenburg- Schwerin, besten Vorsitzender Exz. Brandenstein ist, außerordentlich bezeichnend, daß di« wirtschafllichen Belang« der Landwirtschast, für die der Londbund doch zu kämpfen vorgibt, zugunsten einer faulen Regierungskompromisselei wieder einmal über Bord geworfen weckten! Es ist doch gut, daß den deutschnationalen Schaum- schlägern und Taschenspielern aus der Nähe so auf die Finger gesehen wird! Jeder dieser Demagogen wird von anderen überdemagogelt. In Thüringen, in Mecklenburg kommen die deutschnationalen Regierungsstühlchen aus dem Wackeln gar nicht mehr heraus. Und so, wie es dort ist, sollte es im g a n» zen Reich werden? Wie lange könnte ein solches Postenspiel überhaupt dauern? Aber was würde es dem deutschen Volk kosten? Der unentbehrliche Sparkommissar. Wir brachten itürzlich.eme Zuschrift,. in der dargelegt wurde, daß der Reichsspartommissar rund 800000 M. lp dem neuen Etat für sich angefordert hat und damit Ausgaben macht, deren Höhe in einem drastischen Widerspruch zu der Aufgabe des„Spar"-Kom- miffar» steht» Bon zuständiger Seite werden nun zu der am oer- gangenen Sonnabend veröstentlichten Zuschrift Ausführungen oer- breitet, die lediglich in einem Punkte ein« wesentliche Berichtigung enthalten. Der Etat des Sparkommistars beträgt„nur" 648000 Goldmark. Immerhin sind 648 000 M. ebenfalls ein an- ständiger Posten, und zwar bedeutend mehr als der Aufwand für selbst stark besetzte Ministecken. Es ist ein geringer Trost, daß vielleicht im Laufe der nächsten Zelt eine Einschränkung der Aus- gaben vorgenommen werden kann und daß auch aus anderen Gründen der einmal angesetzte Etat wahrscheinlich nicht voll in An« spruch genommen werden wird. Jedenfalls gibt diese für die Spar- samkeit der Behörden und Ministerien entscheidend« Stelle den ihnen untergebenen Instanzen kein gutes Beispiel, wenn sie Mittel soweit über ihren Bedarf hinaus in Anspruch nimmt, daß sie schon vierzehn Tage nach dem Beginn des Rechnungsjahres erNären kann, es würden wesentliche Beträge davon nicht benötigt werden. Im Zusammenhang mit dieser Rechtfertigung werden der Oeffenllichteit Zahlen über den Erfolg der Sparkommistion mitgeteilt; so verweist man insbesondere darauf, daß seit Beginn der Ersparnisaktion insgesamt 330 000 Arbeiter, Angestellte und Beamte abgebaut worden sind. Die Zahl ist richtig, ihre Verwendung in« Zusammenhang mit der Tätigkeit des Sparkom- missar» jedoch eine Irreführung der Oessenllichkeit. Der größte Teil dieser Abgebauten entfällt bekanntlich aus Post und Eisenbahn. Innerhalb der Post sind die Ersparnismaßnahmen aber bisher ohne jede wesentliche Mitwirkung des Sparkommistars durch-' geführt worden, und was die Reichsbahn anlangt, so liegen hier die Ding« nicht viel anders. Die Eisenbahn ist nämlich, solange sie als ein Bestandteil des Reichsetats geführt wurde, außerstande gewesen. ihr Reformprogramm durchzuführen. Die B e st r e b u n g e n zu der Aussonderung der Eisenbahn aus dem Reichshaushalt, die die Vorbedingung für ein Sparprogramm war, gehen aber auf eine Zeit zurück, in der der Sparkommissar noch nicht amtierte. Man wird also den Erfolg der Tätigkeit des Sparkommistars erst beurteilen können. wenn einmal eine einwandfreie Statistik darüber vorliegt, welche Ersparniste denn in Wirklichkeit durch Sparkommistar und Personal- abbaukommlstion herbeigeführt sind, und welche Ersparniste auf die Bemühungen anderer Stellen entfallen Mag man auch anerkennen, daß der Rechnungshof in seiner bisherigen Form der Ausgabe, di« dem Sparkommissar zugedacht ist, nicht gewachsen sein mag. so bleibt dennoch unerfindlich, warum man eine so kostspielige Behörde eigens aufzieht, anstatt den Rechnungshof durch eine entsprechend« U m o r g a n i s a t i o n für die Aufgaben des Sparkommistars geeignet zu machen. Die Frage, wie man den- öffentlichen Haushalt möglichst sparsam gestalten kann, ist ja schließ- lich nicht ein« Angelegenheit von heute, wo sich gewisse Stellen so sehr um den Abbau der Republik bemühen, sondern sie wird auch in Zukunft von Wichtigkeit sein. Dann aber wird sich die Einrichtung einer so teuren Behörkö als unzweckmäßig erweisen, und der Rech- nungshof wird weiter nach veralteten Methoden„sparen". Der Personalabbau bei der Reichsbahn. Der Reichstagsausschuß zur U e b er w'a ch u n g' d e s Personalabbaus beschäftigte sich am Mittwoch mit der Per- sonaloerminderung bei der Reichsbahn. Dabei wurde festgestellt. daß das Tesamtpersonal des Eisenbahnzentralamtes vom 1. Oktober 1923 bis 1. April 1924 um 16,6 Proz., die administrativen Dezernate um 12 Proz., die moschinentechnischen Dezernate um 15 Proz. und die betriebe- und bautechnischen Dezernate um 18 Proz. vermindert wurden. Der Abbau an Beamten, Arbeitern und Angestellten der Reichsbahn beträgt insgesamt 23 Proz. Damit betrachtet das Der- kehrsministerium den Abbau der Reichsbahn als beendigt. Gegen die Saperistbe Voltspartei. Krach in der Pfalz. . Mannheim. 16. April.(WTB.) Die Spaltung zwischen dem 3 e utrurn.und der Bayerischen Bviksparlei in der Pfalz tzat zu einem Konflikt w der„Neuen Pfäkzischen Landeezeitung" geführt. Mt dem Ausscheiden sämtlicher, Mitglieder der Stadträtsfraktlon der Bayerischen Bolkspartel aus dieser und mit ihrer Konstituierung als Zentrums- f r a k t i o n wurde gleichzeitig dem Bürgermeister B utch er. der die frühere Fraktion vertrat und die„Neue Pfälzische Landes. zeiiung" leitete, das Vertrauen entzogen. Als heute morgen Bürgermeister Butcher die Dienströum« betreten wollt«, wurde ihm von einer größeren Anzahl Personen unter Führung des Abgeord- neten Hofsmann der Zutritt oerwehrt. Seit heute zeichnet der ehe- malige Chefredakteur dek Zeitung, Dr. Fink, wieder als oerantwort- licher Chefredakteur. vergeßt es nicht! Von KarlHenckell.�) Die Winde wehen. Die Wolken gehen. Die Sonne schenkt ihr ewige, Licht— O Brüder, was hier auf Erden geschehea, Vergebt es nicht! vund war gegründet. Licht war gezündet. Freude durchsonnte der Arbeit Gesicht— 0 Brüder, was unser Dasein dur«hsüadet.~ vergeht es nicht! Die Welt ward Ben� Der wilden Meute.-! Der Wahnsinn hielt über uns Glicht— Das Wort, das Mord und Verderben streute." vergeht es nicht: Krieg! Run schlagt, ihr Flammen Des Lichts, zusammen. Davor das Bollwerk der Nacht zerbricht— 0 Brüder, wir wollen den Block einrammen. vergeht es nicht: Frieden! Karl ßenckell uns Sie Jugenö. Zum sechzigsten Geburtstage des Dichter». Von Paul Kampsfmeyer. Am 17. April 1924 feiert die Kulturgememd« des demokratischen Sozialismus den sechzigsten Geburtstag des Dichter» Karl Henckell. Wenn wir hier von der sozialistischen Kullurgemeinde sprechen, so schöpfen wir diesen Begriff aus den unmittelbaren An- schauungen Henckells über die sozialistisch« Bewegung. Für diesen tiesinnerlichen Niederdeutschen ist der Sozialismus nie ein« bloß« Messer- und Gabelfrag«, sondern stets ein« den Bvllmenschen packende Weltanschauungsfrag« gewesen. Die hartkantige Welt der Klassengegensätze, von Karl Henckell mit der ganzen Stärke eines leidenschaftlich empfindenden•Tempera- ments erlebt, riß dessen Seele schon in jenen Tagen wund, da kein überzeugter, von den sozialen Dissonanzen der Zeit getroffener Sozialist vor den derben Zugriffen des preußischen Schutzmanns sicher war. Aber drohend« Polizeifäust« schreckten»inen Henckell ') Der große Lyriker, der heut« seinen 60. Gebuckstag feieck, sendot uns diese Verse als Originalbeitrag zum erstmalige» Abdruck. nicht, und schon früh bewährte sich sein starker Bekennermut. der durch„Roß und Reisige" n.cht zu erschüttern war. Mit dem Beginn der achtziger Jahre des verflossenen Jahr- hundecks donnert« in das Gründeutschland, insofern es nicht geistes- taub war. das moderne sozial« Leben so stark hinein, daß es die temperamentlosen und ärmlichen Lobreden der Oberlehrer auf die verblaßten Ideale der deutschen Schulstube laut übertönt«. Das neu« sozial« Deutschland regt« sich, und schließlich wirkte der lebende Bebel, der aus zahllosen Zeitungsblöttern heraussprach, doch krast- voller auf die offenen Sinn« der jüngeren Generation ein als der tot« Cicero. Da und dock schlössen sich Schüler der höheren Lehr« «mstalten zu freien Truppen zusammen und nahmen eng« Fühlung mit den titerarsschen, kulturellen, politischen und sozialen Fragen der Tegenwack. In Hannover bildeten Karl Henckell und Otto Erich Hartleben mit anderen kommenden Männern ein« moderne Tafelrunde, an der die versteinerten Götzen der alten Zeit— wohl unter Otto Erichs Führung mit nicht geringen Mengen boyerifchen und böhmischen Bieres— weggespült wurden. Run das Fortschwemmen dieser schweren Steingötter bedarf eben erheblicher Feuchtigkeitsmassen. In Rostock gründet sich di« Schülerverbindung „Deritas", die sich in die moderne Literatur, in das Studium der Schöpfungsgeschichte von Ernst Höckel und in die Feuerreden von Ferdinand Lassalle vertiest«. Di«„Beritas" knüpft« direkt mit K a r l Henckell an, und aus dem Kreise dieser jungen Stürmer gingen der sozialistische Politiker Professor Hans Müller und der Drama- tiker Otto Hinr'chsen(Otto Hinnerk) hervor. In Berlin machten Schüler des Andreos-Reolgymnasiums erste politische Gehversuche in starker Anlehnung an Berliner führend« Sozialdemokraten. Durch eine Zürich-Hottinger Deckadresse versorgten sie sich reichlich mit den populären Flugschristen des auskommenden Marxismus. Dies« Schülervereinigung stellte mehrere Mitarbeiter für die später erscheinende..Berliner Volkstribüne". Ein sozia'-lyrischer Beitrag aus diesem Kreise findet sich in der„Bunten Mappe"(1885), in der das soziale Sittenbild:„Die Engelmock)erin" von Karl Henckell in den kräftigsten Strichen eine» lebenswahren Natu- ralismus gezeichnet ist. Es ist nicht rem zufällig, daß die junge Generation de, neuen literarischen sozialistischen Deutschlands, mochte sie sich nun in Berlin, Rostock, Hannover, Magdeburg regen, immer auf Karl H« n ck e l l hinsteuerte. Henckell hott« als junger Dichter schon das feinste Ohr für di« Sefühlstön« des demokratischen Sozia- lismus. Als seine„Amselruf«" 1888 in die Welt hinausgingen, wurden sie von der preußifch-deutschen Polizei als Sturmsignale der großen sozialdemokratischen Kulturbewegung gedeutet. Grob« polizeiliche Henkersknechte packten das Kind der Henckellschen Muse und schnallten es auf die Guillotine des Ausnahmegesetzes. ' Der Schwerterklang der großen Kampseszeit von 1884—1924 durchdringt hell und scharf sein« Dichtungen. In allen großen Wendepunkten hat sich das tragische Drama unserer revolutionären Geschichtsepoche in die Schöpfungen Karl Henckells hineingezeichnet. In diesen sammelten sich gleichsam die roten Gluten der bewegtesten Geschichtsepoche, und ihnen hat Henckell einen urlebendigen, feuer. atmenden Ausdruck verliehen. Biel« von tiefen Naturgefühlen und innigen Liebesempfindungen beseelten lyrischen Gedichte Henckell» gehören zu dem unver- gänglichen Bestand« der delitschen Literatur. Von ihrem Werte hat schon manch seinerer Kenner dieser Literatur als ich gezeugt. Ich wollte des jungen politischen Dichters Henckell hier nur gedenten, der jung bis auf unsere Tag« geblieben ist. Bor vierzig Iahren setzte er uns Alt« in Brand, und heute wirft er Feuer- brände in die Herzen der Arbeiterjugend imd Iungsozialistyn. 1883 singt Henckell sein Eteinklopferlied und vierziq Jahre später das deutsche Freiheiislied des roten Vogels, der di« Tennen. Schlösser und Residenzen von Lug und Trug reinfegte. In die Orkane des Alls mischt er heute noch sein Kampflied: „Tragt es, grimme Wetterscharen, Mitten in di« Geisterschlacht." Zum fünfzigsten Geburtstag Henckells schrieb der jung« Ar- beiterdichter Max Barthel an diesen:„Die Jugend ist mit Ihnen— dos dünkt mich das Schönste!" Und daß sie noch heute mit ihm ist, das erlebt« Karl Henckell 1923 auf dem Iugendtage in Nürnberg. Vortrag über Oberammergan. Wenn heut« allenthalben das Interesse für religiöse Ding« zu wecken oersucht und so häufig Pro- paganda für Mystisches und Uebersinnliches gemacht wird, so hängt das gewiß nicht nur damit zusammen, daß wir jetzt in der sogenannten stillen Woche leben, sondern ist überhaupt der Zug einer überhitzten und nicht allein politisch durch di« Wahllügen der Rechtsradikalen vollständig verwirrten und auf den Kopf gestellten Zeit. Christus wird im Film gezeigt, in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm spielt man eine Passion, in der Urania läuft ein Film„Der Gali- läer". und in diese Reihe gehört auch der Bortrag über die Ober- ammergauer Paisionsspiele, den am Montag abend Dr. Leder er hielt. Der Vortragende mißbrauchte zwar seine Ausführungen über ein Thema, das alle interessiert, nicht zu einer einseitigen religiösen Propaganda, aber was er brachte, wandte sich an ein unglaublich naives Publikum, dem zugemutet wurde, zu glauben. 1632 habe die Pest in Oberammergau zu wüten aufgehört, weil die Bewohner gelobten, all« zehn Jahre ein Passionsspiel zu veranstalten. Der »Redner verriet ferner wenig kulturhistorische und theatergeschichtliche Kenntnisse. Nicht nur die Passion, soydern unsere ganze dramatische Gestaltung von Ereignissen ist aus der Kirch« gekommen, begünstig: zuerst von der Geistlichkeit, um die Gläubigen bei guter Laune zu erhalten, hart bekämpft später, als das Volk das Spiel in die Hand nahm und sich vom Gänqelband der Kirch« befreite. Es zeugt« auch nicht von Kenntnis der Bolksseele. wenn Dr. Lederer sich darüber wunderte, daß das Volt den Teufel und andere Personen aus der biblischen Geschichte in lustiger Maske darstellte. Schließlich durfte der Redner di« Oberammergauer Passionsspiel« nicht nur in idealer Verklärung zeigen und oerschämt verschweigen, daß si« auch � geschäftliche Seite wohl zu würdigen wissen, im übrigen ein durch das Zusammenströmen eines reichen internationalen Publikums sehr erklärlicher Vorgang. R. F Die Aravssührung einer neuen Messe von A. Telchmüller noch einer Dichtung b«r Pfitznerfreundin Ilse von Stach bracht« Arnold Ebel in der Alten, Garn isonkirch«. Die un- einheitliche und wenig wohlgefällig« Dichtung wird durch die Kam- ponistin zerpflückt. Ein« aufwärts steiaende Linie wird nicht nur nicht erreicht, das Gebäude zerfällt der Komponistin unter der Hand. Bewährungsfrist für Fechenbach? München, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Osterbegnabigungen der bayerischen Regierung erstrecken sich, wie man hört, nur auf rein friminelle Straftaten, indeffen werden auch Begnadigungen politischer Strafgefangener in wohlwollende Erwägung gezogen, wenn von diesen entsprechende Gesuche eingereicht werden. Die Zuchthausstrafe für Fechenbach soll demnächst in Festungshaft mit Aussicht auf Bewährungsfrist umge wandelt werden. Wie die Nachtausgabe des Tag" wissen will, beabsichtigt die bayerische Regierung auch, einzelnen Gefangenen von Niederfchönenfeld Bewährungsfrist zu geben. Die kleinen Hitler- Prozesse. 1 Jahr Festung, aber sofort Bewährungsfrist. In dem Prozeß gegen die Adjutanten Roßbachs und Röhms, die Leutnants a. D. Heines und Oswald fowie gegen ben Leutnant v. Prosch vom Landespolizeiamt München vor dem Bolks. gericht wurde nach 7stündiger Berhandlung folgendes Urteil gefällt: B der Angriffe bezeichnet. Hartmann wurde seines Amtes enthoben das Berfprechen anfügt, nach den Wahlen die Bezüge der und flagte dann wegen des„ Echo"-Artikels gegen den verantwort| Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst( und die Arbeiter, lichen Redakteur des„ Echo". Genoffe Bugbahn wurde damals in die hat man wohl nur zufällig vergessen?) aufzubeffern, sobald es der zweiten Instanz zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Mitange die Finanzlage des Reiches und die allgemeinen wirtschaftlichen flagt wurde der Polizeioberstleutnant Danner als angeblicher Ver- Verhältnisse gestatten, dann sieht diese Mitteilung einem Wahlfasser des Artikels. Die Berhandlung gegen diesen Angeklagten manöver verzweifelt ähnlich. Ob die Bezüge der Beamten, ungewurde aber abgetrennt und erst am Mittwoch( 16. April) vorgestellten und Arbeiter des Reiches nach den Wahlen aufgebessert wernommen. In der Verhandlung am 16. April wurde auf Antrag den, wird in erster Linie davon abhängen, wie die Mehrheit Hartmanns der Genosse Bugdahn als Zeuge vernommen. Er be des Reichstages und damit wie die Reichsregierung selbst zufundete, daß Danner nicht der Ueberbringer des Materials fei. Der fammengefeßt sein wird. Die Beamten, Angestellten und weigerte aber unter Berufung auf das Redaktionsgeheim Arbeiter des Reiches, der Länder und Gemeinden werden daher nis Angaben über die Persönlichkeit des Ueberbringers oder Ver- gut tun, bei der Wahl einen sozialdemokratischen faffers. Auf Antrag des Bertreters des Klägers, des deutschnatio- Stimmzettel abzugeben. Das ist die beste Gewähr nalen Bürgerschaftsmitgliedes Jacobsen, wurde Bugbahn darauf im nicht nur gegen eine eventuelle Berschlechterung, sondern auch für 3eugniszwangsverfahren in eine Geldstrafe von eine Berbesserung ihrer Bezüge. Denn die Finanziage des Reiches 100 m. oder 10 Tage haft genommen. Die Berhandlung hängt wesentlich ab von der Finanzpolitik der Reichsregierung wurde vertagt, um den Erfolg dieser Maßnahme abzuwarten. Bug- und der Reichstagsmehrheit. Wenn die Finanzpolitik und die Wirtbahn erklärte, fofort Beschwerde gegen diesen Beschluß einzulegen fchaftspolitik der Luther und Hamm weiter geführt wird, dann wird und unter allen Umständen das Redaktionsgeheimnis zu wahren. Die Finanzlage des Reiches eine Aufbesserung der Bezüge sicher Es bleibt nun abzuwarten, ob die weiter angebrohten Maßnahmen nicht gestatten. bis zu 6 Monaten Haft vom Gericht in Anwendung gebracht werden. Es steht wohl einzig in der bisherigen Rechtsprechung da, daß ein Rebatteur, der in der gleichen Sache bereits rechtsträftig verurteilt ist, nachträglich noch wegen Zeugnisverweigerung in der eigenen Sache in Strafe genommen wird. Die Angeklagten werden wegen Beihilfe zum och perrat zu je einem Jahr drei Monaten Festungshaft und je 100 Goldmark Geldstrafe, Oswald ferner wegen Verftoßes gegen die Notverordnung des Generalstaatskommissariats betreffend die Auflösung des Kampfbundes zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Gefängnisstrafe gilt als durch die Untersuchungshaft verbüßt, im übrigen erhalten sämtliche Angeklagte BewähProteft rungsfrist bis zum 1. April 1928 und werden mit sofortiger Wirkung auf freien Fuß gesetzt. Nur ein Kommunist. Der Niedergang der Justiz. des Republikanischen Richterbundes gegen den Münchener Justizskandal. Der Reichsausschuß des Republitanischen Richter bundes hat die nachstehende Erklärung beschlossen: Weitere Micum- Verträge. Köln, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Zegtil. industrie des befeßten Gebietes hat am 15. April ihre Berhandlungen mit der Rheinlandkommission über die Verlängerung des Tegtilabtommens abgeschlossen und das neue Abkom men unterzeichnet, obwohl die Lasten im Vergleich zu den bisherigen Bestimmungen erhöht sind. Düffeldorf, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Zweckverband der Metallindustrie, der Ende Februar für 17 Untergruppen der metallverarbeitenden Industrien ein vorläufiges Zollweigert dem Reiche den Rechtsschutz, auf den es nach Verfassung und ermäßigungsabkommen mit der Micum und der Rheinlandkommission abschloß, hat dieses Abkommen am Mittwoch bis zum Strafgesetz Anspruch hat. 15. Juni unter den gleichen Bedingungen erneuert Das Urteil im Münchener Hochverratsprozeß der General Ludendorff ist freigesprochen morden. Demgegen. festgelegte Tat des Generals, daß er das Amt als Führer der Nationalarmee aus der Hand eines ufurpators entgegennahm. Dies allein schon war ein Unternehmen der gewaltsamen, auf Bewaffnete geftüßten Aenderung der Reichsorganfiation, im Wege der Ausschaltung des Reichspräsidenten als verfassungsmäßigen In haber der Kommandogewalt( Artikel 47 der Reichsverfassung). Das ist flare Teilnahme am Hochverrat. Ein Jahr Feftung für eine ilegale Versammlung. Leipzig, 16. April.( WTB.) Der Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik verurteilte heute den Bergarbeiter Marüber genügt der Hinweis auf die eine auch in der Urteilsbegründung Birte aus Senftenberg wegen Beihilfe zum Hochverrat in Tateinheit mit einem Bergehen gegen die Verordnung des Reichs. präsidenten vom 26. November 1923( Verbot der Kommunistischen Bartei) zu einem Jahre Festungshaft und 50 m. Geld. strafe. Die erlittene Untersuchungshaft in Höhe von vier Monaten wurde angerechnet. Birke hatte als Funktionär der Ortsgruppe Senftenberg der Kommunistischen Partei am 30. November eine Berfammlung nach Klein- Rächen bei Senftenberg einberufen, in der er Maßnahmen empfahl, um das illegale Weiter. bestehen der Kommunistischen Partei zu ermöglichen. Dabei legte er auch Flugblätter aus, die auf einen gewaltsamen Sturz der Regierung und eine Aenderung der Berfassung hinzielten. Während der Verhandlung fam es zu einem heftigen Zwischenfall. Der Verteidiger Dr. Samter Berlin wandte sich in scharfem Ton gegen die Prozeßführung des Borsitzenden, Reichsgerichtsrat Niedner, bei der Zeugenvernehmung und warf ihm mehrmals geschwidriges Verhalten vor. In einem Gerichtsbeschluß wurde fest gestellt, daß die Prozeßführung durchaus den Bestimmungen gemäß erfolgt fet, weiter die Art und Weise der Kritik des Verteidigers als grober Berstoß gegen die Gerichtsordnung gekennzeichnet und als ungehörig zurückgewiesen. Gegen die verurteilten Mittäter ist die gefeßliche Mindest ftra fe verhängt, also ein Strafmaß von einer Milde angewandt worden, die außer allem Berhältnis zur Schwere der I at steht. Die Bewilligung der Bewährungsfrist an Täter, die ein geftandenermaßen sich im Sinne der geltenden Staatsordnung niemals bewähren wollen, ist eine handgreifliche Fehlanwen dung dieser Einrichtung. Daß gegen Beamte in hohem Range, noch dazu in richterlicher und polizeibehördlicher Stellung( Böhner und Frid) neben der Berurteilung wegen Hochverrats nicht auf Amtsverlust er fannt wurde(§ 81 Abf. 3 StGB.), ift eine Unterlassung, die dem Vertrauen zur Staatstreue der Beamten schwersten Abbruch tut. Redaktionsgeheimnis und Zeugniszwang. Reichsgebiet erfannt wurde, ist Berlegung einer zwingen. Eine neue Leiftung der Justiz. Hamburg, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Wegen angeb. ficher Waffenschiebung bei der Hamburger Ordnungspolizei waren im Dezember 1921 in der tommunistischen und der reaktionären Breffe, u. a. in der Zeitung des Herrn Holz, des Herausgebers der Warte" und des Fridericus", scharfe Angriffe auf die unter sozialdemokratischer Beitung ftehende Bolizei erhoben worden. Die der Schiebung oder des Diebstahls bezichtigten Beamten wurden später vom Gericht freigesprochen. Im Ham burger Echo" wurden die Angriffe als völlig haltlos zurüdgewiesen und der reattionäre Regierungsdirektor Hart. mann, der damals den Polizeipräsidenten vertrat, als Urheber Es mag sein, daß fie im Bersunkensein unter leiser Ahnung heiliger Schauer an ihren Eintritt in das Heiligtum ewiger Wahrheiten glaubt, die übrigens Ilse von Stach im Marlitt- Stile zu bannen hofft, der Abgrund zwischen diesen Wahrheiten und ihr tut sich aber verschlingend auf, es bleibt bei unzulänglicher Botschaft, die durch nicht gefonnte Mittel bis ins Beinliche gesteigert wird. Arnold Ebel fämpfte mit feinen Soliften: Minna Ebel Wilde, Paula Wer. ner Jensen, Martin Wilhelm und Heinrich Blasel, der Organiftin Spes Stahlberg, dem Scheinpflugschen Chor, bem Stahlbergschen Frauenchor, der Schöneberger Liebertafel, dem Bergerschen Knabenchor und dem Berliner Zontünstler- Vereins Orchester einen er. folglosen Kampf auf verlorenem Poften. <-rs. Die verweigerte Konzeffion. Das Polizeipräfidium hat dem Berleger Erwin Berger die Rongeffion für die Sommer direktion des Refidenztheaters verweigert, weil er weber fünstlerisch noch geschäftlich mit dem Theaterbetrieb in Bu fammenhang stehe. Im Residenztheaer wird gegenwärtig bekannt. lich Tollers intemann" aufgeführt. Herr Berger wird gegen das Polizeipräsidium Klage beim Bezirksausschuß erheben. Ein verwandlungsfähiger Schauspieler. Italienische Blätter wenden sich gegen ein Gastspiel Alexander Moiffis, mit dem ein italienisches Theater Unterhandlungen für einige Borstellungen in Italien pflegen soll. So wirft die Tribuna" Moiffi vor, er habe fich, obwohl aus Trieft gebürtig, während des Krieges italienfeindlich gezeigt und für den Raiser gefämpft. Dann sei er Bolschewift ge worden, habe aber später wieder Borliebe für seine ursprüngliche Nationalität gezeigt, und als er in Italien nicht habe auftreten fönnen, habe er fich sehr geringfchäßig über Italien und die Italiener geäußert. Finanzielle Umstellung der Thüringer Landestheater. Wie verlautet, follen die Thüringer Landestheater in Weimar, Gotha, Altenburg und Meiningen, die bisher als reine Staatsbetriebe geführt murden, vom neuen Haushaltsjahr ab als selbständige wirtschaftliche Betriebe, zu denen der Staat nur festgelegte Beiträge zahlt, aufge. zogen werden. In welcher Weise dabei die fozialen und fünstlerischen Berpflichtungen der Theater gesichert werden sollen, ist nicht bekannt. Die Beiträge des Staates zu den einzelnen Theatern bewegen fich zwischen 240 000 Mart( für Weimar) und 75 000 Mart( für Meiningen). Normierung der Hörerzahl an den ruffischen Universitäten. Nach einer neuen Berordnung der Sowjetregierung werden die russischen Universitäten fünftig in der Hauptfache nur den Abfolventen der Arbeiterturie offen stehen. Bon der zugelassenen Hörer zahl dürfen 25 Broz. durch die Kommunistische Partei, 15 Proz. durch die Berbände der Kommunistischen Jugend, weitere 15 Proz. durch die 3nvalidenverbände empfohlen werden. Auf die Absolventen der Mittelschulen entfallen nur 5 Broz. Für das laufende Jahr dürfen an den russischen Universitäten ins. gefamt nur 13 600 Hörer zugelassen werden. Adolf Lleban, der ehemalige Opernsänger und spätere Stabarettist, ein Bruder Julius Liebans, ist im Alter von 56 Jahren geftorben. Die Ausstellung der Berliner Sezeffion, Kurfürstendamm 232, ist sowohl am Starfreitag wie an den beiden Dfterfeiertagen von 11-2 Uhr zu besichtigen. Daß gegen, Hitler nicht auf Bermeifung aus dem den Vorschrift des Geleges zum Schuße der Republit (§ 9 Abs. 2). Die republikanischen Richter Deutschlands bellagen aufs Tieffte die Niedergangserscheinungen auf dem Gebiete der politischen Strafrechtspflege, darunter die Tatsache, daß diefer Hochperratsfall überhaupt dem Staatsgerichtshof zum Schuße ber Republik ent. angen werden konnte. Wir fordern eine innere Erneuerung des Richtertums im Geifte der Berfassung von Weimar. Bezirkstagswahlen in Plauen. Plauen, 16. April.( MTB.) Die Wahlen zu dem Be girtstag der Amtshauptmannschaft Plauen hatten folgendes Ergebnis: Einschließlich der in städtischen Wahlkreisen Mylau und Nezichtau gewählten Abgeordneten( je 2 Abgeordnete der Rechtsparteien, 2 Abgeordnete der Linksparteien) feßt sich der fünftige Bezirtstag aus 24 Abgeordneten der Rechtsparteien, 16 Abgeordneten der Linksparteien zusammen. Bisher gehörten dem Begirtstag 24 fozialdemokratische und 16 bürgerliche Abgeordnete an. Die Erwerbslosenfrage. Der Reichsrat gab am Mittwoch seine Zustimmung, daß der Kreis der Bezugsberechtigten von Erwerbslofen unter stügung für das befegte Gebiet erweitert wird. Hier sollen auch diejenigen unterſtügungsberechtigt sein, die in ben legten zwei Jahren vor Eintritt der Unterſtüßungsbedürftigkeit mindestens 6 Monate lang eine Frankenversicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt haben. Die Ausreisesperre. Schweizer Vorstellungen in Berlin. Bajel, 16. April.( TU.) Der schweizerische Gesandte in Berlin hat im Auftrag feiner Regierung die deutsche Regierung auf die schwere Schädigung aufmerksam gemacht, welche das neue deutsche Ausreise- Berbot der schweizerischen Fremben industrie zufügt. Im Hinblick auf die zwischen den beiden Ländern bestehenden freundschaftlichen Beziehungen wird die deutsche Regie. rung um eine baldige Milderung der Berordnung gebeten. Ein Wahlmanöver? Das Wolffbureau verbreitet folgende Meldung: Bon gewiffer Seite werden Gerüchte ausgestreut, die legte Ge. baltsaufbefferung der Beamten und Angestellten solle aur für die Wahlzeit beftehen bleiben, und das Robinett beabsichtige, nad) ber Reichstagswahl die Gehälter wieder herabzusehen. Hierbei handelt es fich nur um ein tenderziöses Wahlmanöver, das um so unver antwortlicher erscheint, als es geeignet ist, ohne jede Spur von Berechtigung unnötige Unruhe in die Kreise der Beamten und Angestellten zu tragen. Amtlich wird festgestellt, daß die erwähnten Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen find, ber Reichsregierung liegt jeber Gedante an eine Herablegung der jezigen Gehälter durchaus fern. Sie ist im Gegenteil nach wie vor entschloffen, ber Notlage der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst durch eine weitere Berbefferung ihrer Bezüge abzuhelfen. Sobald es die Finanglage des Reichs und die allgemeinen wirtschaftlichen Verhält nifie, insbesondere bie Rücklichten auf bie Aufrechterhaltung der Währung, woran gerade die Beamtenschaft das allergrößte Intereffe hat, gestatten. Soweit die Meldung. Die Regierung dermeidet merkwürdigerweise zu sagen, wer die gewisse Seite ist, die dieses Gerücht aus. streut. Wenn die Regierung aber diesem Dementi eines Gerüchts" Kabinett Stauning. Die sozialdemokratische Arbeiterregierung. Kopenhagen, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Die sozialdemokratische Fraktion trat heute Mittwoch im Reichstag zur Er. örterung der parlamentarischen Lage zusammen. Anschließend befaßte sich der Hauptausschuß der Partei mit der gleichen Frage und der Reubildung des Kabinetts. Die offizielle Bildung des Kabinetts Stauning dürfte erst Mitte der nächsten Woche erfolgen. Der König, der die Ernennung vorzunehmen hat, hat sich inzwischen nach Stagen begeben und wird nicht vor nächsten Mittwoch nach Kopenhagen zurüdfehren. Am 29. April tritt der neue Reichstag zum erstenmal zusammen. Stauning will bis dahin. die Regierungsbildung abgeschlossen haben. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: lische stellen soll, ist ein Ergebnis von Wahlen, die für die SozialDie zweite Arbeiterregierung Europas, die sich neben die engbemokratie einen Sieg nicht nur nach rechts, sondern auchy na ch Die dänischen Kommunisten wollten( und hatten wohl Befehl von Moskau dazu) diesmal unbedingt in den Reichstag hinein, eine mit großen Geldmitteln gespeiste Propaganda, rege Iints bedeuten. Bersammlungstätigkeit sollte ihnen dazu verhelfen. Und sie können fich nicht beklagen, daß die dänischen Arbeiter sie nicht gehört hätten ihre Versammlungen waren überfüllt, aber den Beifall heimften die fozialdemokratischen Disfuffionsredner ein und über das ganze Land flederten mit Mühe 6000 kommunistische Stimmen bei der Auszählung zusammen. Ist diese Abfuhr das Plus der Regierung Stauning, so ist die Notwendigkeit der Unterstüßung durch die bürgerlichen Radikalen ihr Stein am Bein, denn schon jegt, nervös gemacht durch die geringe Mehrheit um nur zwei Stimmen der kommenden Regierung und das Anwachsen der Konservativen um ein Mandat, lauten die Unterftügungszusagen ihrer Führer für eine Regierung nur sehr bedingt. Unter diesen Umständen hätte der Abgeordnete der füdjütländischen Deutschen, Paftor Schmidt, gute Gelegenheit, das Bünglein an der Wage zugunsten der deutschen Minderheit zu fein wenn er Bolitifer und Barlamentarier wäre. Das Wahlergebnis in dänisch- Nordschleswig verdient überhaupt besondere Beachtung, es fann als gute Richtlinie der dortigen nationalen Berhältnisse genommen werden. In dem durch die Abstimmung an Dänemark gekommenen Land sind abgegeben worden rund 32 000 Stimmen für die dänischen bürgerlichen Parteien, 13 500 für die dänische Sozialdemokratie, 8000 für Pastor Schmidt. Die Stim men der deutschen Schleswiger Partei verteilen sich auf die Städte des ganzen Landes und nur der Tatsache, daß das abgetretene Gebiet einen Wahlkreis für sich bildet, verdankt Bastor Schmidt seine Wahl. Die deutsche Minderheit sitzt also nicht in einem geschlossenen Sprachgebiet, z. B. an der Grenze, eine Grenzziehung, die deutsch und dänisch rein scheiden könnte, ist ausgeschloffen, das zeigt bie Stimmenverteilung, felbst wenn man annimmt, daß sich unter den Wählern der dänischen Sozialdemokratie 2-3000 deutschfprechende Arbeiter befinden. Mehr sind es teinesfalls, denn die Verdoppe Iung ihrer Stimmenzahl in diesem Gebiet verdankt die dänische Bruderpartei weniger deutschsprechenden Arbeitern als dem Umstand, daß es ihr gelungen ist, in den drei Jahren dänischer Herrschaft die dänischen nordschleswigschen Arbeiter, die sich unter der deutschen Herrschaft abseits von der Sozialdemokratie in dänischbürgerlichen nationalen Vereinen gesammelt hatten, in ihr Lager hinüberzuziehen. Aber gerade dieser Umschwung im dänischen Lager zeigt eine Abkehr vom Eiderdänentum im dänischen Nordschleswig, eine Abkehr, die zu einer endgültigen deutsch- dänischen Befriedung führen könnte wenn das deutsche Volt am 4. Mai auch seinen Chauvinisten eine Abfuhr gibt. Das ist uns nötiger, als im übrigen Dänemark die Konserva tiven, die den Wahlkampf mit der Parole Für Goldzoll und gegen den Deutschenturs Stauning und Genoffen" führten, ihre Stellungen gehalten, fogar noch ein Mandat dazu erobert haben. Diefe Leute werden natürlich jede nationalistisch- deutsche Provokation gegenüber einem Ministerium Stauning mit Frohloden ausnutzen. Das dänische Bolt hat sich für Frieden und Freundschaft mit Deutschland entschieden, Sache des deutschen Volkes ist es, die Tür für diesen Frieden, für diese Freundschaft zu öffnen. Der 4. Mai bleibt Wahlfermin, wie Innenminister Jarres gegenüber einer Stopenhagener Habasmeldung erklärt, die der Reidsregierung Wahltagverschiebung auf den 11. Mai wegen der franzöfifchen Wahlen zuschrieb. " Der bisherige Deutschnationale v. Oldenburg- Januschau erklärt in der Weichsel- Beitung in Marienwerder, daß die Mitteilung über feinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei ohne sein Butun in die Presse geleitet worden sei. Er habe diesen Schrift unternommen, um sich bei der jetzigen politischen Lage freie Hand Volkspartei und andererseits auch zu der Völkischen Frei. beitspartei Gewerkschaftsbewegung und die Stabilisierung der Währung nur gesichert werden könnten, Plenarversammlung der Gewerkschaften. Die Gewerkschaftskommission und das AFA- Ortsfartell hatten gestern die Plenarversammlung das erstemal einberufen, nachdem von den Delegierten die schriftliche Anerkennung der Statuten der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale, des ADGB. und der Berliner Gewerkschaftskommission und die Einstellung der Mitarbeit in den Institutionen der Moskauer Gewerkschaftsinternationale verlangt worden ist. Wie Siegle mitteilte, haben nur die fom. munistischen Delegierten einiger fleinen Organisationen die. Unter fchrift verweigert, so daß diese in der Plenarversammlung unver treten sind. Die fommunistischen Delegierten der Filmgewertschaft haben dagegen die Unterschrift geleistet. Die Bersammlung trat darauf ohne Aussprache den Beschlüssen des Ausschusses und der Vorständefonferenz einstimmig bei, daß der 1. Mai von den Organisationsmitgliedern durch Arbeitsruhe zu begehen fei. Die organisatorische Durchführung dieses Beschluffes ist den Berbänden überlassen. Im weiteren Verlauf der Tagung protestierte die Bersammlung durch einstimmige Annahme einer Resolution gegen die geplanten Bestrebungen der Reichs- und Staatsbehörden, die Erwerbs. lofenfürsorge aus dem Aufgabengebiet der öffentlichen Arbeitsnachweise und der Landesarbeitsämter zu nehmen und den politischen Behörden zu übertragen. Diese Maßnahme würde die Aufhebung der Selbstverwaltungstörper, die in den Landesarbeitsämtern an der Durchführung der Erwerbslosenunterstützung und des Arbeitsnachweiswesens mitwirken, bedeuten. Die Plenarversammlung forderte weiter, daß der eingeführten Bei fragspflicht für die El. ein Unterstügungsrecht gegenübergestellt wird. In der Entschließung wurde endlich die Aufhebung der Pflichtarbeitsbestimmungen verlangt, da nach Einführung der Beitragspflicht der Unterstützungen durch die Arbeit nehmer aufgebracht werden. Zum zweiten Bunft der Tagesordnung hielt Genoffe Heile ein gut durchdachtes Referat über die" Arbeitsdienstpflicht der Jugendlichen". Er kenzeichnete die in neuerer Zeit wieder be: sonders starken Bestrebungen, die Jugendlichen etwa vom 16. bis 22. Lebensjahre zur Leistung von Arbeiten gemeinwirtschaftlicher Art heranzuziehen. Diese Arbeiten, die sich auf die Fruchtbarmachung von Dedländereien und Mocren, sogar auf die Eindeichung von Flüssen und Mooren und Eisenbauten erstrecken sollen, fönnten, fo wie sie geplant sind, niemals den erhofften volkswirtschaftlichen und erzieherischen Erfolg bringen. Auch vom gewerkschaftspolitischen Gesichtspunkt aus muß diese Arbeitspflicht ab. gelehnt werden, da eine solche Zwangsarmee sehr bald bei wirt schaftlichen Kämpfen der Arbeiterschaft zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Betriebe" eingesetzt werden würde. Bei der minimalen Bezahlung der Arbeitspflichtigen würde sehr bald ein Lohn druck auf meite Arbeiterschichten ausgeübt werden können, der zu schwersten Konflikten führen würde. Das ganze Vorhaben liefe auf ein Experiment hinaus, für das Unterlagen selbst aus den Ländern nicht vorhanden sind, die bereits eine gleiche Einrichtung haben. Zusammenfassend könne gefagt werden, daß die Einführung einer Arbeitsdienstpflicht die Feftigung der bestehenden morschen bürgerlichen Gesellschaft bedeuten würde. Für die Arbeiterschaft könne die Arbeitsdienstpflicht erst diskutabel sein, wenn es gelungen fet, eine Produktionswirtschaft zu treiben, die den Profit der einzelnen ausschließt. Die Blenarversammlung stimmte durch Anahme einer Entfchließung den Ausführungen des Referenten zu. Die Bergarbeiter zu den Wirtschaftsproblemen. Der Berharbeiterberba to hielt pam 14. bis 16. April im Lands tagsgebäude zu Berlin eine Reichskonferenz ab, deren Ergebnis in folgender Entschließung zusammengefaßt ist: bas Riebrighaften der Löhne die Gefunbung des Birtschaftslebens| tonne dem Schiedspruch nicht zustimmen, weil er den Bau arbeitern den Neunstundentag aufdrängt. Angesichts der gegenwärtigen Berhältnisse im Bauwesen müsse damit gerechnet werden, daß wohl in jedem Falle ein öffentliches Interesse für Ueberstunden als vorliegend erachtet werde, so daß der Neunstundentag tatsächlich eingeführt werden würde. Das müsse entschieden abgelehnt werden auch deshalb, weil der Schiedsspruch gelten soll bis zum Infrafttreten eines neuen Reichstarifs, von dem noch niemand wisse, ob und wann er zustandekommen werde. bezeichnet die Konferenz als irrig. Wirtschaft und Währung wer den nur dann stabil bleiben, wenn die Rauftraft der breiten Boltsmassen durch Anpassung der Löhne an den Preisstand ge. hoben und auf diese Weise Arbeitsfreudigkeit und leistung gesteigert werden. Die Regierung war behilflich, die Einkommen der Arbeiter und Angestellten bei gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit niedrig zu halten, hingegen hat sie es nicht vermocht, der Preispolitik der Kartelle, Syndikote und Truste mit der notwendigen Entschiedenheit entgegenzutreten. Die Verordnung über das Kartellwesen hat nicht dazu beigetragen, den Preisabbau zu fördern und so die Kaufkraft der Lohnempfänger zu steigern. Dieses Ergebnis, wofür die Regierung verantwortlich ist, erfordert schärfsten Protest. Das Rundschreiben der Arbeitgeberverbände vom 28. März d. 3. veranlaßt die Konferenz, zu erklären, daß Mehrarbeit über die Acht- bzw. Siebenstundenschicht hinaus nur durch beson dere Vereinbarungen auf tariflicher Grundlage den jeweiligen Bedürfnissen der Wirtschaft entsprechend zulässig ist. Der Versuch. eine längere Arbeitszeit im Manteltarif festzulegen, muß als unzuläffig mit allen gewerkschaftlichen Mitteln be. tämpft werden. Wenn das jedoch geschehen soll, dann ist es notwendig, daß die Bergarbeiter trotz aller Schwierigkeiten in allen Revieren den Berband stärken, um in entschloffener Einheit den Bestrebunger der Unternehmer, Berschlechterungen durchzuführen, wirksam entgegentreten zu können. 2 Zum Kampf der Buchdrucker. München, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) In fünfstündigen Berhandlungen versuchte am Dienstag der amtliche Schlichter, den Streit der Buchdrucker beizulegen. Die Arbeitgeber gestanden in ihrem legten Angebot lediglich eine Erhöhung des Wochenlohnes um 1,50 M. auf 31,50 m. mit fofortiger Wirkung zu und be handelten im übrigen die Abgeordneten, der streifenden Buchdruder späten Nachtstunden abgehaltene Versammlung der 2400 streifenden in derart zynischer und scharfmacherischer Weise, daß die in den Buchdrucker mit Entrüstung und Empörung das Angebot der Ver: leger einstimmig ablehnte. In einmütiger Solidarität fprach sich die Versammlung für die Fortsetzung des Streifs aus. Streit im Dachdeckergewerbe. Die Diskussionsredner stimmten fast ausnahmslos dem Stand. punkt des Referenten zu. Es wurde die Frage aufgeworfen, was nach der Ablehnung des Schiedsspruchs geschehen solle. Sie wurde unter anderem vom ersten Vorsitzenden Thöns dahin beantwortet: Es würde taktisch nicht flug sein, sofort den allge. meinen Streit zu proflamieren. Die Kampfmaßnahmen, die notwendig und zweckmäßig find, werden nach der jeweiligen Situation bestimmt. Schließlich wurde einstimmig eine vom Vorstande eingebrachte Resolution angenommen, welche den Schiedsspruch ablehnt, besonders wegen der die leberstunden und die Gültig. feit bis zum Infrafttreten eines Reichstarifs betreffenden Bestim mungen. Der Vorstand wird beauftragt, sich unverzüglich mit den Borständen der übrigen am Tarifvertrage beteiligten Arbeiterver. bände zweds Besprechung der nunmehr erforderlichen Maßnahmen in Berbindung zu sehen und dann über das Ergebnis der Besprechung Bericht zu erstatten. * Eine Baudelegiertenversammlung findet heute( Donnerstag) nachmittag 5 Uhr in den Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31, statt, Zum Streit in der Stuck- und Gipsbaubranche. Der Streit der Stud- und Gipsbaufachgruppe dauert unber mindert an. Eine Streitveriammlung am Mittwoch bezeugte er neut, daß die Stimmung noch genau dieselbe ist, wie am ersten Tage. Bon Unternehmerieite wurde bekannt, daß man sich dort nach Ditern zu Kreuze friechen würden. Der Saal dröhnte vor Hoffnungen mache, von Abflauen spricht, daß die Arbeiter ficher Lachen über diese naive Auffassung. Das Bewußtsein, daß ein stampf um das Schicksal auf Jahre hinaus geführt wird, läßt feine Wankelmütigkeit auffommen. Dagegen wird von Unternehmerieite durch ungezählte Annoncen in allen möglichen Zeitungen veriucht, Leute zu bekommen. Die Firma Felig Weber, Leipzig, schreibt sogar an Arbeiter und will nach Feierabend für StreitDer brecher bei dreistündiger Arbeit vier Stunden bezahlen. Alle Bauarbeiter Herr hätte in der Versammlung sein sollen. machen wir noch einmal besonders darauf aufmerksam, daß das Berseben von Gipsplatten bei der Stuck- und Gipsbaufachgruppe tarifiert war und während des Streits zu ruhen hat. Es ist Pflicht aller Bauarbeiter, Solidarität zu üben. Zum Streit an der Staatsoper. Jm, Dachdeckergewerbe ist es zu Differenzen mit den Arbeit gebern gefommen. Am 31. März war der Tarifvertrag für das Dachdeckergewerbe abgelaufen. Die zentralen Berhandlungen in Leipzig über einen neuen Tarifvertrag blieben ergebnislos, weil die Arbeitgeber die 10 stündige Arbeitszeit und sonstige Berschlechterungen verlangten. Für die Zeit vom 1. April ab setzten die Arbeitgeber den Lohn eigenmächtig fest: für Gefellen auf 69 Pf. pro Stunde, für die Hilfsarbeiter auf 55 Pf. Unter dem Tarif verhältnis betrug der Lohn für den Dachdecker 69,4 Pf. und für den Hilfsarbeiter 61 Pf. Die Gesellenschaft in Berlin wollte den tariflosen Zustand vermeiden und ersuchte deshalb um Verhandlun gen. Die Arbeitgeber verwiesen zunächst auf die zentralen Berhandlungen. Nachdem diese gescheitert waren, wurde unterm 28. März erneut um Verhandlungen ersucht. Darauf gaben die Arbeitgeber überhaupt keine Antwort, was große Empörung bei den Arbeitern hervorrief. Die Versammlung am 13. April beichioß, von den Arbeitgebern eine Lohnerhöhung auf 1,20 M. für die Stunde für den Gesellen zu fordern, für die Hilfsarbeiter 5 Proz. weniger. Sollte diese Forderung nicht bewilligt werden, dann ist die Arbeit einzustellen. Hoffentlich kehrt die Einsicht bei den Arbeitgebern bald ein, daß die Arbeiter feine Heloten sind, daß sie vielmehr beilegung des Streifs hinwirken sollen. Es besteht somit die Gefahr, der Festsetzung der Löhne mitzubestimmen haben. Ein großer Teil der Dachdecker steht bereits in der Bewegung, alle übrigen haben sich unverzüglich der Bewegung anzufchließen. Alle Bauarbeiter haben darauf zu achten, daß keine Streitarbeiten ausgeführt werden. Die vom 14. bis 16. April 1924 in Berlin tagerbe Reichsfonierenz des Berbandes der Bergarbeiter Deutschlands erkennt die Einstellung der Reichsregierung zu den Sachverständigengutachten in der Reparationsfrage an. Die Konferenz erwartet, daß es die Gutachten ermöglichen, zu einer Verständigung zwischen den alliierten Ländern und Deutschland zu tommen und endlich ein wirklicherlichste Bestimmungen folgende sind: Friebe herbeigeführt, die unrechtmäßige Befeßung des Ruhrreviers aufgehoben und auch die wirtschaftliche und politische Oberhoheit Deutschlands in den auf Grund des Versailler Bertrages besetzt gehaltenen Gebieten in Deutschland zurüdgegeben wird. Der Schiedsspruch für das Baugewerbe abgelehnt. Eine Schlichtungskommission hat am Montag mit den Vertretern der Parteien des Baugewerbes verhandelt und, da eine Einigung nicht zustande tam, einen Schiedsspruch gefällt, dessen wesentDie nunmehr erfolgte Verständigung über die Micum- Berträge bietet die Möglichkeit, das Wirtschaftsleben vor neuen Störungen zu bewahren. Die Konferenz spricht aber aus, daß die Lasten nicht allein von der Wirtschaft des besezten Gebiefes getragen werden können, weil sie Löhne und Lebenshaltung der Arbeiter über jctes erträgliche Maß erniedrigen, was zu Störungen des notwendigen Wiederaufbaues führen muß. Die Konferenz erhebt gegen die von den Unternehmern und der Regierung betriebene Lohnpolitit entschieden Einspruch. Trotzdem die gegenwärtigen Lebenshaltungskosten noch wesentlich über denen der Borkriegszeit stehen, hat die von den Unternehmern und der Reichsregierung betriebene Lohnpolitik dahin geführt. daß die Bergarbeiterlöhne in den einzelnen Revieren einschließlich der Löhne für die tarifliche Ueberarbeit noch längst nicht die Höhe der Borkriegszeit erreicht haben. Durch Vereinbarungen und Schiedssprüche des Reichsarbeitsministeriums ist die Dauer der Arbeitszeit an die der Borfriegszeit herangebracht und trot Brotest der Gervertschaften in einzelnen Fällen fogar über. fchritten worden. Die Erklärungen der Reichsregierung und der Unternehmer, daß durch die Berlängerung der Abeitszeit und Die Rechte des Arbeitgebers aus der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 werden anerkannt. Wo zwingende öffentliche Interessen die schnelle Fertigstellung einer Bauarbeit erfordern, fönnen Ueberstunden ohne Zuschlag bis zur Gesamtdauer der Arbeitszeit von 9 Stunden täglich gemacht werden. Die in Betracht kommenden Organisationen haben die Voraussetzungen solcher Nebenarbeit zu prüfen. Können sie sich nicht einigen, so entscheidet unter einem unparteiischen Vorsitzenden endgültig ein Schiedsgericht aus je zwei Vertretern der vertragschließenden Organisationen. Bei Nichteinigung über den unparteiischen Vor fizenden wird dieser von dem Schlichter für den Bezirk Groß- Berlin benannt. Ueberstunden, Nachtarbeiten und Spezialarbeiten werden nach dem abgelaufenen Bezirfstarifvertrag vergütet. Dasselbe gilt für die Auslösung. Es bleibt bei der bisherigen Betriebsvertretung. Die Löhne betragen für Facharbeiter 78 Pf., für Bau hilfsarbeiter 68 Pf. für Tiefbauarbeiter 57 Pf. Das Abkommen läuft vom 8. April bis zum Infrafttreten des neuen Reichstarifvertrages. Die Lohnsätze gelten vom 16. April bis 20. Mai 1924 und laufen jeweils eine Woche weiter, wenn das Lohn abfommen nicht mit einwöchiger Frist gefündigt wird. Einer am Mittwochabend abgehaltenen Generalversammlung der Baugewerkschaft Berlin legte der zweite Borfißende Krause den Schiedsspruch vor und bemerkte, der Borstand der Organisation Jasmatzi- Dubec beste 1 2 gingetr. M. Z. NO 15758 DUBECZIGARETTEN Nº6 GEORG A.JASMATZI AKTIENGESELLSCHAFT DRESDEN Zigarette Der Chorsänger und Ballettverband schreibt uns: Der Streit des Chor- und Ballettpersonals der Staatsoper geht nach wie vor in vollem Umfange weiter. Anderslautende Melbungen der Intendantur sind unrichtig. Vielmehr hat sich die Situation infofern verschärft, als auch das Chorpersonal an verschiedenen anderen hiesigen Bühnen zugunsten ihrer streikenden Kollegen bei der Staatsoper Stellung genommen hat. So haben z. B. die Chor- und Ballettmitglieder vom Deutschen Opernhaus fowie von der Großen Volksoper bei ihren Bühnenleitungen die Erklärung abgegeben, daß diese bei der Generalverwaltung der Staatsoper auf Berhandlungen mit der Organisation und Beidaß die Chor- und Ballettpersonale der beiden vorgenannten Bühnen auf Oftern in einen Sympathieftreit eintreten. 626 Anmerkung der Redaktion: Wenn man die durchaus bescheidenent Forderungen der Streifenden kennt und wenn man andererfeits sich daran erinnert, daß der Streit wahrscheinlich längst beigelegt wäre, wenn die Generalverwaltung fich nicht auf zuziehung des kommunistischen Betriebsratsvorsitzenden( dem das Personal wiederholt sein Mißtrauen ausgesprochen hat) versteift hätte, dann muß man über die Haltung der Generalverwaltung staunen. Aber vielleicht hilft das Kultusministerium etwas nach? Achtung, BSPD.- Eisenbahner! Heute( Donnerstag) abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, bringende Ronferens aller im DEB. organisierten BSPD.- Bertrauensleute und der Werbeausschußmitglieder. Die Obleute haben die betreffenden Genossen darauf auf merksam zu machen. Erscheinen aller ist dringende Pflicht. Der Werbeausschuß. Achtung, Baudelegierte! Seute nachmittag 5 Uhr in den Resibenz- Festsälen, Landsberger Str. 31, wichtige Bersammlung aller Baubelegierten bes Baugewerksbundes. Mitglieds. buch und Delegiertentarte find als Ausweis vorzuzeigen. Berband der Dachbeder. Freitag vormittag 10 Uhr in den Sophien- Sälen, Gophienftr. 17-18, Mitgliederversammlung. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Conftiges: Fris Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin GB. 68. Lindenstraße 3. Sierzu zwei Beilagen und Frauenstimme". Sophien- Sale Sophienstraße 18 Säle frei Nrd. 9296 Spokpes Die einzig Echte in der ges.gefch. Packung mit dem Tabakblatt Aus reinen, echten Orienttabaken von ausgesuchter Qualität Unübertrefflich! Nr. 183+ 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts. Zu Ostern in den Frühling. Alle Beffimiften, die uns immer wieder beweisen wollten, daß| wir in diesem Jahr auch noch nicht zu Pfingsten warmes Wetter haben werden, das gestatte, in Feld und Flur den Staub der Stadt und die Sorgen des Alltags in der jubelnden Sonne abzustreifen, find zuschanden geworden. Das warme Wetter der letzten Tage und der wohltuende Regen haben in der Natur alles wie mit einem Schlage verändert. In grünem Feiertagskleid, frühlingsblant, stehen die Sträucher, und es ist, als warte die nun verjüngte Natur auf die Gäste und die Wanderer aus der Stadt. Auf und hinaus ins Freie muß die Parole für die Ostertage lauten. Die Eisenbahnverwaltung hat auch ein Herz für die großstadtmüden Menschen. Sie hat Karten für Ausflügler zu ermäßigten Breifen und mit zweitägiger Geltungsbauer aufgelegt, von denen gewiß viel Gebrauch gemacht werden wird. Wir bringen heute einen Blan für eine Wanderung durch die Udermart mit ihren mannigfaltigen, landschaftlichen Reizen, unk geben außerdem Fingerzeige für einige längere Touren in der Um. gegend von Berlin. Uckermark. Bom Stettiner Fernbahnhof fahren wir über Ebers. walde oder Löwenberg nach Templin. Durch das Berliner Tor betreten wir die Stadt. An das Tor schließt sich die gut erhaltene Stadtmauer an. Die Berliner Straße führt an der St Georgskirche, dem ältesten Bauwerk der Stadt, vorüber zum Marktplatz. Beim Brenzlauer Tor( vergl. Abbildung) verlassen wir die Stadt. Wir bleiben furze Zeit auf der Prenzlauer Chaussee und wenden uns dann nach links zum Templiner See. Eine schöne Prome nade zieht sich um den See hin; rechts auf der Anhöhe das vor einigen Jahren nach hier verlegte Joachimsthalsche Gymnasium. Bei dem Wirtshaus Fährtrug haben wir das Ende des Templiner Gees erreicht, der sich östlich in dem Fährsee fortsegt. Auf der Prenz lauer Chauffee wandern wir über die Bahn, wenden uns bald lints ab in einer Viertelstunde zum Gleuensee. Durch eine ehemalige Ziegelei führt der Weg steil hinab zum Ufer. Ein schmaler Fußpfad bringt uns um den von alten Buchen umfränzten See zur Chaussee zurüd. Wir wandern auf dieser nach links weiter, bis sich zur Rechten ein breites Wiesental auftut, in das wir auf dem ersten Wege einbiegen. An der engsten Stelle des Tales liegt die Kloster. walder Mühle. Von hier wandern wir nach Norden, links von dem schön gelegenen Kleinen Dolgensee vorüber, nach Klosterwalde. Nicht in das Dorf hinein, sondern am Dorfbeginn sogleich rechts ab nach Herzfeld und weiter um den Trebowsee nach Wich. mannsborf. Bahlreich find in diesem Gebiet die Gölle, fleine freisrunde, mit Waffer gefüllte Senten, von benen man früher glaubte, fie feien Krater, die die zahlreichen Geschiebeblöde in dieser Gegend ausgeworfen hätten. Jegt weiß man, daß diese Blöde durch das Inlandeis hierher gelangt sind und daß die Gölle ebenfalls zu ben Spuren der Eiszeit gehören. Von Wichmannsdorf führt die Chauffee nach dem Fleden Boizenburg Dicht dabei liegt das Schloß, der Stammst der Grafen Arnim. Es wird von einem fchönen Barf umgeben. In der Nähe der Tiergarten mit der Ruine bes Riofters Mariapforte, das 1269 geftiftet wurde; davor bie Albrechtstiene, eine gewaltige Kiefer, die entrindet ist und Drehwuchs zeigt. Im Boizenburger Tiergarten werden wifente ge halten; der Garten gehört zu den wenigen Gebieten Europas, in denen dieses Bild der heimischen Urwälder aus längst pergangenen Tagen noch gehegt wird.( Weglänge Templin- Boizenburg etwa 24 Rilometer.) Bon Boizenburg nördlich über 3erwelin nach Arendsee. Wir wandern jetzt im Gebiet der großen udermärkischen Endmoräne; die Gegend ist hügelig und reich an Steinen. Deftlich von Arendfee. liegt im Gebüsch verstedt eine wüste Kirche, wahrscheinlich die frühere Dorfkirche, die in den Kriegswirren ber vergangenen Jahrhunderte 79] ( Nachdrud burch Malik- Berlag, Berlin.) Der Bürger. Don Leonhard Frank. Täglich, vom frühen Morgen, bis in die späte Nacht hinein, beobachtete und erlitt Jürgen das Leben, fuchte erbe gleitet von Bahnsinn und Revolver und immer bereit zum Schuffe in das Herz- Bewußtsein und Weg. Wurde in feinem Kampfe, der in zweifachem Sinn ein Kampf um Sein oder Nichtsein war, noch wochenlang beständig hin und her geschleudert zwischen Hoffnung und Berzweiflung. Wo ist das Herz?" hatte er einen Arzt gefragt. " 3wischen der vierten und fünften Rippe, von oben gezählt." Und hatte, zu Hause angelangt, an seinem abgezehrten Brustkorb die Einschußstelle abgetaftet, entschlossen, nicht eine Sefunde länger zu leben, wenn feine Hoffnung mehr sei. Beobachtend lauschte er dem Leben und dabei immer in sich selbst hinein, folgte, ein zum Tode und zum Leben Entschlossener, jedem Fingerzeig, den die Umwelt gab, sprach mit Kindern und Greisen, mit Soldaten und mit Pferden. Das Erbliden eines Hundes, der, von einer Frau fortgezerrt, auf Jürgen zugestrebt war, veranlaßte ihn, fofort zum Hundehändler zu gehen. " Haben Sie einen Schnauz, der alles erträgt, nur nicht die Trennung von dem, dem seine Sympathie gehört?" Im sonnigen Hofe ftand reglos ein iunger, schwarzer Dadel, der, mit allen leren gleichzeitig, plötzlich hochflog, in der Luft herum, und wieder reglos stand, die verdrehten Augen auf Jürgen gerichtet. „ Einen Schnauz nicht. Aber das Mistvieh können Sie billig haben, mitsamt der Leine." Er hat gute Augen. Wird er mit mir gehen?" Der reglofe Dackel starrte auf eine Fliege, hüpfte auf sie zu, starrte in den Himmel.. " Der geht mit jedem." Freudig bellend zerrte der Dackel, die Schnauze am Boden, Jürgen hinter sich her, aus dem Hofe hinaus. Bon dieser Stunde an unternahm Jürgen täglich weite Fußtouren. Er beachtete nicht Sonnenbrand, nicht Regen und hatte teine örtlichen Ziele. Für ihn gab es Tag und Nacht, ob er wanderte und fann oder schlief und träumte, nur Das eine Ziel. Alles und nichts war ihm Wegweiser. Er eristierte zwischen dem Ziele, das, ein farbloses, winziges Pünktchen in immer gleicher Entfernung am Horizont: feine große Hoffnung, und dem Schuß ins Herz, der die Erlösung von dem Wahnsinn: seine lehte Freiheit war. Der alte Landarbeiter, frummgebogen von der Lebenszerstört wurde. Am Haussee und dem Graf Schlippenbachschen Sloß und Bart vorüber bis zum Westende von Arendsee. Hinter dem legten Hause auf dem rechts abgehenden Fußsteig( zuerst schwer erkennbar) durch Aecker und Gehölz, den Kieckerbusch, zur Barmener Mühle und weiter an die Straße nach Fürstenwerder. Auch diese Straße führt durch das Endmoränegebiet. Bon den Höhen schöne Fernblide bis zu dem 179 Meter hohen helpter Berg im Norden, unweit Woldegt in Medienburg. Bei Fürstenwerder befand sich früher ein Schotterwerf, das den Geschiebereichtum der Endmoräne Donnerstag, 17. April 1924 wanderung durch die Udermart einen würdigen Abschluß.( Weglänge Fürstenwerder- Prenzlau etwa 25 Kilometer.) Havelland. Unsere Wanderung beginnen wir in Potsdam. Ein Rundgang durch die Stadt bringt uns zum Neuen Garten und zur Meierei an dessen Nordende. Wir haben hier den Jungfernfee erreicht, eine sich weithin erstreckende Ausbuchtung der Havel. Am Ufer des Sees wandern wir weiter nach Norden, am Wasserwert vorüber, bis nach Nedlih. Wir überschreiten den SafrowPareger Kanal und find nun in Neu- Fahrland. Rechts dehnt sich der Lehnißsee und der Krampnißsee aus, die nördliche Fortsehung des Jungfernfees. Von Neu- Fahrland wenden wir uns halblinks, am Aasberg vorüber, nach Fahrland. Der Weg führt stellenweise in der Nähe des großen fast viereckigen Fahrländer Gees hin. Fahrland ist der Geburtsort des märkischen Dichters Schmidt Don Werneuchen, der 1764 hier das Licht der Welt erblickte. Seine einfachen, manchmal findlich anmutenden Verse wurden von Goethe weidlich verspottet. Von Fahrland führt der Weg teils durch Wiesen, teils an Aeckern und kleinen Gehölzen vorüber nach Mar= quardt an der Wublik, einem Nebenflüßchen der Havel, das in der Gegend von Nauen seinen Ursprung hat. Auf der Wanderung durch das freie Gelände spüren wir die herbe Schönheit des norddeutschen Frühlings. Frischer Wind und flarer Sonnenschein, ein Wanderwetter, wie es uns die Ostertage hoffentlich bescheren werden, dann erleben wir den Frühling, der uns nach dem vergangenen langen Winter doppelt willkommen ist! Bei Marquardt erweitert sich die Wublik zum Schlänigsee, der vom Kanal gefreuzt wird. Wir verlaffen das Dorf in füdöstlicher Richtung. Bald überschreiten wir den Kanal wieder; die Straße führt anfangs durch ausgedehntes Wiefengelände, dann zwischen dem Kleinen Heineberg( links) und dem Großen Heineberg( rechts) hindurch, zuletzt über den Tiroler Graben nach Bornim. Von hier wandern wir südöftlich, am Schloß Lindstedt vorüber, nach dem Neuen Palais und weiter zum Bahnhof Wild part.( Beglänge etwa 25 Silometer.) Hangelsberg- Rüdersdorf. Bon der Stadtbahn fahren wir mit dem Zug nach Fürstenwalde ( in Ertner umsteigen) bis 5 angelsberg. Vom Bahnhof wenden wir uns nördlich bis zur Kreuzung mit dem Gestellweg B. Wir folgen diesem Gestellweg nach links; er bringt uns durch schönen Riefernwald nach Klein Wall. Hier haben wir die Lödniz erreicht, diese Perle der märkischen Fließe, die ihren Ursprung im Roten Luch westlich von Müncheberg hat. In einem schönen Wald tal fließt sie bis Erfner, wo sie in den Flatensee mündet. Ihr Tal ist in die Ebene des Berliner Urstromtals eingeschnitten. Von Klein- Wall wandern wir in nordwestlicher Richtung durch den schönen Wald nach Alt Buchhorst, das auf einer Bandzunge zwischen dem Möllensee( rechts) und dem Beessee( links) liegt. Diese Geen bilden eine Rinne, die sich in gleicher Richtung wie das Löcknitztal erstrect. Sie setzt sich fort im Werffee und vereinigt sich dann mit der Lödniz- Rinne. Diese Seentette mit ihrem Kranz lieblicher Ortschaften an den Ufern ist ein beliebtes Berliner Ausflugsziel Im Sommer vermitteln Motorboote den Verkehr zwischen Alt- Buchhorst zu Wertsteinen und Schotter verarbeitete. Fürstenwerder, ehedem und Ertner. Von Al- Buchhorft führt uns der Weg nordwestlich eine Grenzstadt der Udermart, ist jetzt ein Fleden. Die Mauer mit weiter. Das ebene Gelände zeigt uns an, daß wir noch im Urstromden Tortürmen und vielen Beichhäusern ist noch erhalten. Der Ort tal wandern. Der sandige, also nährstoffarme Boden dieses Tales fiegt zwischen zwei fiſchreichen Seen, dem Dammsee und dem Großen eignet sich nicht zur Aderwirtschaft; deshalb erstrecken sich hier See. Entfernung von Boizenburg etwa 18 Rilometer. Bir meilenweite Riefernwälder. Die Kiefer ist ein Baum, der auf einent wandern zum Berliner Tor hinaus, am Bahnhof der Prenzlauer derart geringen Boden noch gut gedeiht. Wir fommen zum ForstKreisbahn vorüber. Bald zweigt unser Beg von der Chaussee rechtshaus Rüdersdorf. Hier wird das Gelände hügelig. Wir ab nach Ferdinandshorft. Das Gelände ist auch hier äußerst hüglig haben den Nordrand des Tals, die Barnimer Hochfläche, erreicht. und reich an Geschieben und Söllen. Ueber Christianenhof Unsere Wanderung bringt uns zu dem alten Dorf Rüdersdorf fommen wir nach Scha pow, das am Quillow- Bach liegt, einem und zu dem westlich liegenden Ortsteil Kaltberge. Von dem Ays Nebenflüßchen der leder. Unser Weg führt an der Dochower fichtsturm auf dem 79 Meter hohen Schulzenberg bietet sich eine Mühle, ebenfalls am Quillow, vorbei nach Wilhelmshof und prächtige Fernficht bis nach Strausberg, den Rauenschen Bergen, weiter nach Gift o w. Vor uns im ledertal liegt Prenzlau, den Gosener Bergen und den Müggelbergen. Zu unseren Füßen die alte udermärkische Hauptstadt, überragt von dem gewaltigen liegen die Kalksteinbrüche von Rüdersdorf. Wir steigen hinab Doppelturm der Marienkirche,„ Stiefeltnecht" genannt. Der Weg und machen noch einen Rundgang durch die Brüche. ehe wir vom zieht sich in das Tal hinab. Der Rundgang durch die an mittel- Bahnhof Rüdersdorf die Heimfahrt antreten.( Weglänge eima alterlichen Baulichkeiten überaus reiche Stadt verleiht unserer Ofter 20 Kilometer.) arbeit, rückte die Müze und deutete: Ihr Hund jagt. Wenn ihn der Forstaufseher vor den Lauf befommt, schießt er ihn." Aus dem hochstehenden Kleefeld tauchten, wie bei einem flüchtenden Känguruh, abwechselnd Kopf und Hinterteil des Dadels empor, der die Kleespißen übersprang und bei jedem Saße mit den Borderpfoten tief einfiel. Jürgen horchte auf das scharfe, verzweifelte Bellen. Und da geschah es, daß Jürgen, dem jede Sefunde Zeit unschäzbar teuer war, der um feinen Preis, den dieses Leben zu bieten hatte, eine Gefunde lang das Suchen nach sich selbst unterbrochen hätte, dieses große Suchen auf Leben und Tod unterbrach, um erst den gefährdeten Hund zu suchen. Was ist der Mensch und was der Sinn, der ihn bewegt? Wer vermöchte zu sagen, weshalb im Opfer der tiefste Sinn des Menschendaseins ruht?" flüsterte Jürgen, als er wieder auf dem Wege war, und begann zu weinen, laut und schrantenlos, in plöglicher, wunderbarer Befreiung. Der Hund dackelte neben dem Schluchzenden her, hügelan, zum Waldrand. Vor Jürgen lag die Tiefebene, unübersehbar weit und breit. Bahllose junge Menschen, Mädchen, gebunden fragen den Blides, Gymnasiasten, Studenten aller Nationen, standen dichtgedrängt, wartend auf das Wort. Immer neue Züge, endlos, traten aus den Wäldern heraus, tauchten hinter den fernen und fernsten Hügelfetten auf. Millionen füllten die Tiefebene. Auf der Schulter eines jeden Einzelnen fauerte ein unheimlich und böse blickendes Tier. Aller Augen waren auf Jürgen gerichtet. Folgt euten Vätern nicht, den alten Verdienern!" Da bäumten fich die Tiere, bleckten die Zähne, sträubten die Rüdenhaare, schlugen ihre Krallen in die Schultern der stöhnenden Jugend, stießen grauenvolle Töne aus, die Schred und Machtlosigkeit verursachten im Blid und im Gesichte der Jugend. Stoßt sie herunter von euren Schultern! Reißt sie heraus aus eurem Gefühle!.. Macht euren guten Müttern Sorge! Erfennt eure Aufgabe, und dann erfüllet sie! Tut ihr das nicht, dann geht ihr zugrunde, so oder so," begann Jürgen die große Rede an die Jugend, die zu einer Dar ftellung feines Lebens wurde und immer wieder von neuem in der Warnung gipfelte, nicht fo zu tun, wie er getan habe. Stunden später blidte Jürgen, sigend am Fensterplatz des fleinen Cafés und vor fich schon das Glas noll dampfen den Glühweins, dunkel fragend hinüber auf das Knopferporthaus und mußte nicht, wie und wann und weshalb er hierher gekommen war. Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt war das immer wieder geschehen, daß Jürgen bei den Wanderungen in und außerhalb der Stadt unversehens sich an Stellen befunden hatte, die durch Erlebnisse in der Vergangenheit für ihn bedeutsam geworden waren. Da steht ein Mensch plöglich vor einem schwarzen Tumelloch, ganz erfüllt von dem Gefühle, vor diesem Tunnelloch schon einmal gestanden zu haben in einem früheren Da fein. Er fißt auf einem Kilometerstein, finnend und tief im Leben, und Strauch und Baum, der stille Waldfaum und die schnurgerade Landstraße, die wie ein weißer Pfeil sich in den fernen Horizont verliert, sind rätselhaft vertraut dem unruhvollen Herzen. Die Wand, die Jürgens Blick in das Gemejene verstellte, rückt lautlos weg, und auf ihn brechen die Erinnerungen ein, fo plötzlich und mit so lebendiger Gewalt, daß Jürgen in Abwehr schreit und bebt, gepackt von Angst, erdrückt zu werden von dieser Fülle, von des Bewußtseins blihesschneller Wiederkehr. Um nicht Schaden zu nehmen an der Seele, bemüht sich der von Glück und Sein Durchblizte und Durchstürmte, das wiederkehrende Bewußtsein bewußt nur stückweise in sich einzulassen, lenkt sich ab, zählt, entlang dem Waldsaum, genau dreihundert Tannenstämme. Zählt und zählt, bebt und schluchzt und zählt, bedrängt von dem anstürmenden, von Stamm zu Stamm nachdrängenden Bewußtsein, das eine Sturmflut schmerzhaft lebendiger Erinnerungen mitführt, die ihm zum großen Rückblick werden, tief zurück in das Gewesene. Biele Tage und in Maß und Abwehr durchwachte Nächte waren vergangen, ehe Jürgen sich bereitet und start genug gefühlt hatte, bewußt Erinnerungsorte aufzusuchen. Wieder sitzt er eine ganze Nacht in der Verbrecherkneipe und liest von den verwüsteten Gesichtern das schon Gewußte und das Bewußtsein des Berrates, den er begangen hat; sich von neuem in die Seele und weiß, schweren Herzens, wieder:„ Wer in diefem Leben nicht tief im Leide und im Kampfe steht, steht tief in Schild." Die Straßenfreuzung, wo er Abschied genommen hatic Don Katharina, glüht und brennt. Lange steht er, zögert er. lnb plößlich überquert er sie doch, in fliegender Gile, Schauer im Rüdenmark. In dem Maße, wie er das Bewußtsein wiedergewinnt, bricht auch das Leben in seiner Milliardenfältigkeit, die zu empfangen und zu begreifen der Mensch ein Menschenalter zur Verfügung hat, wieder in ihn ein, stoßweise und mit folcher Wucht, daß er, bebend wie der Auferstandene, vor Sonne, Blau und Lärm steht, vor dem ffeinen Leben der Straße, den schweren Pferden, die arbeitstreu das Backsteinfuhrwert bau märts ziehen, vor dem Sperling, der auf dem Pflaster hüpft und in die Rizen pidi. Den Dadel an der Leine, schritt Jürgen aus der Stadt hinaus, auf der Kaimauer flußentlang, vorüber an einer Reihe Proletarierfrauen, die, fniend am Ufer, farbige Wäsche wuschen, an durchnäßten Kindern vorbei, die Hafenanlagen bauten aus Sand und Dreck. ( Schluß folgt.) Fernficht. Ser Räufer fic num in Görlig erfundigte, erfuhr er, baß bas ganze ein groß angelegter Schwindel mar. Sczaffier war unterdessen Die„ Hauptsache" beim Magistratsabbau. Der Eifer, mit dem in der Berliner Gemeindeverwaltung die Wer jetzt in sonnigen Vormittagsstunden auf Landwegen wan- nach Hamburg abgefahren und hatte seine Familie in Berlin zurüd bürgerlichen Parteien und besonders die von der äußersten Rechten delt, die der Starre so weites Panorama vor sich sehen, wie es selten anzutreffen ist. Blau der Himmel, nur ein paar weiße Wölschen schwimmen im Aether ammher, langsam an einer Stelle rastend, als ob auch sie die Sonne so recht genießen wollten. Der Blick schweift über Felder und Wiesen und bleibt an einem Dörfchen haften wie greifbar stehen die weißen Gebäude mit den roten Dächern vor unseren Augen. Bas sonst an weniger vom Licht begünstigten Tagen uns nur als eine Masse erschien, ist jetzt in seiner Gliederung zu sehen; wir erTennen die einzelnen Gehöfte, ihre Umzäunung fogar, und selbst die Baumpartien lassen individuelle Züge in Erscheinung treten, allerdings begünstigt durch den gänzlichen Mangel jeglicher Belaubung gelaffen. war er Lage vorher mit dem Dampfer Rap Polonio" nach Rio de Janeiro ausgereift. Enttäuscht fehrte er nach Berlin zurück und flagte der Kriminalpolizei sein Leid. Auf sein dringendes Erfuchen gab die Staatsanwaltschaft einen Funtfpruch an den Rapitän des Dampfers, und so wurde der Schwindler festgenommen, bevor er in Rio an Land geben fonnte. Der nächste fällige Dampfer brachte ihn nach Bremerhaven zurüd, wo er vorläufig bis zur lleberführung nach Berlin in Gewahrsam genommen wurde. Wahr. scheinlich ist dieses Lumpengeschäft nicht bas einzige gewesen, bas ihn zur Amerifareise veranlaßte, Sczaffier steht in dringendem Verdacht, unter anderem Dollarnoten gefälscht oder gefälschte in den Berkehr gebracht zu haben. Alle, die mit ihm zu tun Polizeipräsidium, Zimmer 110, zu melden auf den Abbau des Magistrats dringen, hat seinen wohlerwogenen Grund. Worauf es ihnen ankommt, das ist die Erreichung des lange erftrebten Zieles, möglichst viele von den verhaßten Sozialdemokraten aus dem Magistrat hinauszubrängen. Einer der verhaßtesten ist ihnen der Stadtschulrat, unser Genosse Paulsen. Um ihn loszuwerden, hat der zur Vorbereitung des Magistratsabbaues eingefeßte Stadtverordnetenausfchuß jeht nach einer ersten Beratung den sozialdemokratischen Antrag, den often des Stadtschulrats beizubehalten, abgelehnt. Der Einfall, in einer Biermillionenstadt sich ohne einheitliche Leitung des Schulwesens behelfen zu wollen, ist eine Tollheit. Aber nichts ist den Feinden der Sozialdemokratie zu toll, wenn es dazu dienen kann, den Einfluß des Sozialismus zu schwächen. sein, das ist noch der mildeste der Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, um den wahren Beweggrund, den Haß gegen den Sozialdemokraten, zu bemänteln. Ja, das tönnen wir uns denken, daß die Bürgerlichen der Berliner Gemeindeverwaltung wieder, wie früher, in dem Stadtschulrat weiter nichts als einen Berwaltungsbeamten haben möchten, der nach ihrer Pfeife tanzt. Das ist Paulsens Berbrechen, daß er, ohne viele Worte zu machen, fich bemüht hat, der fortgeschrittenen Pädagogit auch im Berliner Schulwesen die Wege zu ebnen. Als schlechter Verwaltungsbeamter" wird er den Bürgerlichen schon deshalb gelten, weil er„ nicht begriffen" hat, daß der Abbau aller öffentlichen Einrichtungen sich auch auf das Schulmesen erstrecken foll. Seinen Anregungen und Mahnungen ist es zu danken, daß der Magistrat beschlossen hat, das Schulwesen nicht weiter einzuschränken, sondern es in dem jezigen Umfang zu belaffen. Die Bevölkerung wird das dem Stadtschulrat Paulsen banten, aber den Feinden der Schule ist es ein Grund mehr, ihn zu haffen. Selbstverständlich ist der Ausschußbeschluß, den Poften des Stadtschulrats zu beseitigen, tein endgültiger. in diesen kalten Frühjahr. Wo ein Hügel noch weitere Ausblicke gehabt haben, werden ersucht, sich bei Kriminalfekretär Neumann. Baulsen foll fein richtiger Berwaltungsbeamter" gewährt, ist die Ausbeute noch größer: was eine gute Stunde Marsch entfernt ist, zeigt sich so nahe, daß man versucht ist, auf einen Sprung hinüber zu eilen. Wer in den Bergen gewesen ist, weiß, wie oft die verheißene Fernsicht enttäuscht. Bon der Waldburg überm Bodensee jahen wir einst die Rette der bayerischen und Schweizer Alpen handgreiflich" vor uns, und der ergraute Raftellan sprach von der großen Seltenheit diefes Anblides. Schon der nächste Tag, vielleicht die nächste Stunde, konnte die verhüllende atmosphärische Aenderung bringen. Fernficht! Wer wünschte sie sich nicht auch im Leben?„ Wenn ich gewußt hätte" wie oft fagt man es später, im Rückblick auf den eingeschlagenen Weg, der sich als falsch erwiesen hat. Das deutsche Volk steht jeht vor einem solchen Augenblick, wo die richtige Fernficht not tut. Es soll wählen, soll den Weg angeben, den es gehen will. Da heißt es das richtige Ziel haben, den Blid für die Fernsicht haben. Wer sich von Augenblickszuständen leiben läßt, wird es meist zu bedauern haben. Wer ausharret, wird gekrönt," heißt es auch auf politischem Gebiet, und nicht müde werden auf dem bisher gegangenen Wege ist das Gebot der Stunde. Fern ficht darauf kommt es an. 55 Schuleinbrüche. Aus Feindschaft gegen die menschliche Gesellschaft. Ein gefährlicher Einbrecher, der die Deffentlichkeit lange Zeit hindurch in außergewöhnlichem Maße beunruhigt hat, ist dant den umfangreichen Fahndungsmaßnahmen der Stuttgarter Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen worden. Deffentliche Wählerversammlungen heute Donnerstag, den 17. April, abends 7% Uhr: Zehlendorf: Lofal Geride( Gesellschaftshaus), Karlstraße. Referent: Redakteur Ernst Reuter. Lichtenrade: Gasthof Stieler, am Dorfteich. Referent: Bürgermeister Paul Mielik. Karlshorst: Fürstenhaus, Treskow- Allee 93( Rennbahn). Referent: Redakteur Bittor Schiff. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Die Bedeutung der Reichstagswahlen für die deutsche Arbeiterschaft" ,, Sozialdemokratisch oder völlisch?" Der Geldschrankschlüffel unter dem Kleiderschrank. Leichte Arbeit für Einbrecher. Durch die geradezu unbegreifliche Sorglofigkeit eines Raffierers wurde Einbrechern die mühselige Arbeit des Geldsdyranttnadens erspart. Vor dem großen Schöffengericht Charlottenburg fand die Berhandlung gegen eine berüchtigte Diebesbande statt. Wegen zahlreicher Einbrüche hatten sich ber Stallmeister Wilhelm Senft leben, der Arbeiter Ernst Krumnow und der Former Karl Es handelt sich um einen 44jährigen perheirateten Raufmann Bendt zu verantworten. Die Angelfagten, die sämtlich bereits aus Stuttgart, der, mit Zuchthaus vorbestraft, jich zunächst jahrelang vielfach vorbestraft find, gehören einer Diebestolonne an, deren Dormurfsfret geführt, schließlich aber aus angeblichem as gegen Mitglieder in den legten Jahren wiederholt vor Gericht gestanden die menschliche Gesellschaft wieder angefangen hat, feine haben. Wendt hatte durch einen Angestellten der Mitropa in Erund feiner Famille Existenz ausschließlich auf die Begehung von fahrung gebracht, daß ber in den Bureauräumen der Gesellschaft Einbruchsdiebstählen abzustellen. Durch eingehendes Stu- im Anhalter Bahnhof beschäftigte Raffierer die Gepflogenheit hatte, dium friminalistischer Literatur hat sich der Täter zu abends beim Weggehen die Schlüffet zum Gelbigrant feinem„ Beruf" geradezu wissenschaftlich vorbereitet unter ein Kleiberfpind zu legen. Diese günstige Gelegenund fodann im Sommer 1921 damit begonnen, aus Boltsschulen, heit ließen sich die gemiegten Einbrecher nicht entgehen. In der höheren Lehranstalten und Universitäten teure In Nacht zum 17. Dezember vorigen Jahres drangen Genfileben und strumente( Mikroftope usw.), Blatin und physikalische Apparate und Wendt in die Bureauräume der Mitropa ein. Tatsächlich fanden schließlich auch wissenschaftliche Werte aller Art, insbesondere fremd- fie auch den Schlüssel zum Geldschrank an der angegebenen Stelle fprachliche Wörterbücher, somie Klassiker und Konversationslegifa zu unter dem Kleiderschrant. In wenigen Gefunden war der diebes teblen. Nebenbei zeigte er noch ganz besondere Borliebe sichere Geldfchrant geöffnet und den Herren Einbrechern fielen für Schreibmaschinen, die er in den meisten Fällen gleich für 17 000 Goldmart ausländische Noten mühelos in falls aus öffentlichen Gebäuden entwendete. Bei seinen Diebstählen die Hände. Berabredet war, daß Senftleben und Wendt die Beute fowohl, bie er grundsätzlich ohne Helfershelfer ausführte, wie auch mit dem Gewährsmann des letteren teilen sollte. Genfileben ver beim Abfaz seiner Beule, ging er mit raffinierter Vorsicht zu Bert. ftand es aber, feine Genoffen um ihren Anteil zu be. Sein anfänglicher Bersuch, unter Vorschiebung des großen Unbetrügen. Nachdem er Wendt vorerst einmal 2000 m. abgegeben tannten zu leugnen, mißlang gründlich. Das sorgfältig zusammen hatte, verschwand er mit dem Rest. Er verband fich damm mit dem getragene, erbrüdenbe Beweismaterial veranlaßte den Täter schließ geiftestranten Zigarrenmacher Baumgarten und verübte eine fich auch zu einem umfassenden Geständnis, wonach bis jetzt 55 Ein Reihe weiterer Einbrüche, bis sie verhaftet wurden. Baumgarten brüche in Stuttgart, Cannstatt, Feuerbach, Gift jekt als gemeingefährlich in eine Irrenanstalt gebracht. Der lingen, Tübingen, Reutlingen, heilbronn, Bop Angestellte der Mitropa, der der Typ gegeben hatte, fonnte nicht pingen, Böblingen, hohenheim, Kirchheim u. T. ermittelt werden. Der Borsigende geißelte fehr scharf das fahrund Nürtingen verübte Cinbrüche in Schulen, öffentlichen Ge- läffige Verhalten des Raffierers. Das Urteil lautete gegen Senft bäuden und faufmännischen Bureaus als von ihm derübt aufgeflärt leben auf vier Jahre Zuchthaus, gegen rumnom werden konnten. Bon besonderem öffentlichen Interesse sind dabei auf drei Jahre Suchthaus und gegen Benbt auf 3 mei mehrere Einbrüdye in die zur Universität Tübingen zählenden In Jahre Gefängnis. fiitute und der im Frühjahr 1923 verübte Diebstahl aus dem Maurischen Schloß in der Wilhelma in Cannstatt. 31 Schreib. maschinen und eine große Menge wertvoller wiffenfchaftlicher Apparate und Bücher fino dem Täter in die Hände gefallen. meisten Sachen, namentlich alle Schreibmaschinen, find fiber bas befeßte Gebiet nach Frankreich gelangt. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Eine Verhaftung auf hoher See. Auf hoher See wurde ein Kaufmann Chiel Scz affier, der in Berlin in der Alten Schönhauser Straße wohnte, verhaftet. Sezaffier, der mit Lumpen handelte, spiegelte vor einiger Zeit einem Bandmann, ber ebenfalls nach Berlin übergesiedelt ist, ein größeres Geschäft vor, auf das dieser gern einging. Er erzählte ihm, daß er einen ganzen Waggon Lumpen in Görlig gekauft habe. Er hätte die Ladung gern selbst in Berlin weiter vertauft, müffe aber in bringenden Geschäften nach Amerita abreißen und möchte sie deshalb gleich ab Görlig weiter geben. Der Preis follte 4500 Goldmark betragen und dafür verlangte er eine Anzahlung von 1500 Gold mart Der Kaufliebhaber verband sich mit einem anderen, um die Anzahlung zu beschaffen Sczaffier gab, nachdem er das Geib ein gestedt hatte, die Anweisung, daß der Waggon von Görlig nac) Berlin abgefandt werden sollte. Hier traf er jedoch nicht ein. Als Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 17. April. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-6 Uhr: Berliner Funk- Kapelle( Unterhaltungsmusik). 7 Uhr: Vortrag des Herrn Bruno Bürgel: Menschen untereinander". 7.30 Uhr: Vortragszyklus: Das besetzte Gebiet". 5. Vortrag: Reichsminister a. D. Sollmann:„ Die Zukunft im besetzen Gebiet. 8.30 Uhr: Klassischer Abend. 1. Adagio aus der Sonate D- dur für Violoncello, von Locatelli( Otto Urack, Violoncello). 2. Frolocke mein gläubiges Herze, von J. S. Bach( Charlotte Lindemann, von der Staatsoper, Berlin). 3. a) Gavotte, von Rameau, b) Echo, von J. J. Fischer, c) Menuett, von Mich. Haydn( Dr. Felix Günther, Klavier). Zwei Sätze aus der C- dur- Suite, für Violoncello allein, b) Abendempfindung, von Mozart, c) Komm, lieber Mai, von von J. S. Bach( Otto Urack). 5. a) Wiegenlied, von Mozart, Mozart( Charlotte Lindemann, von der Staatsoper, Berlin). 6. Andantino, von Padre Martini( Otto Urack, Vieloncello). Am Flügel: Dr. Felix Günther. Zur Giftmordaffäre Bischur. Die am vorigen Sonnabend ausgegrabene Leiche von Georg Körner, des Schwagers der Frau Bischur aus ihrer ersten Ehe, wurde gestern im Leichenschauhaufe in Anwesenheit des Unterfuchungsrichters, Landgerichtsrat Kruspi, von dem Gerichtsarzt Prof. Dr. Fräntel obduziert. Frau Bischur hatte darauf verzichtet, diefer Amtshandlung beizuwohnen. Zu der Ausgrabung am Sonnabend auf dem Johannisfriedhof in Blößensee war sie jedoch in Begleitung von Gefängnisbeamten vorgeführt worden. Frau Bischur mußte dem Untersuchungsrichter bestätigen, daß es sich um das richtige Grab handele. Sie blieb bei der Ausgrabung vollständig ruhig. Die Leiche ist außerordentlich gut erhalten, obwohl fie bereits 4% Jahre unter der Erde lag. Es werden nunmehr die Gerichtschemiter die sorgfältige Untersuchung der Leichenteile vornehmen, um festzustellen, ob sich die Vermutung der Anklagebehörde, dah eine Vergiftung durch Morphium oder Gas erfolgt ist, bestätigt. Uebrigens wurde mit dem Sarge auch die oberste Sand. Ichicht aus dem Grabe zur Untersuchung herausgenommen. Gegenüber dahingehenden Gerüchten erklärt der Verteidiger, Juftizrat Bronter, daß er feineswegs beabsichtige, Frau Bischur auf ihren Geifteszustand untersuchen zu laffen, da Frau Bifchur fich nicht auf den Schuß des§ 51 berufen will, fondern nach wie vor ihre völlige Unschuld an den vier Todesfällen beteuert. Böswillige Alarmierung der Feuerwehr. In der Nacht zum Mittwoch wurde die Berliner Feuerwehr abermals mehrfach böswilliger Weise nach verschiedenen Straßen und Blägen alarmiert. U. a. auch in der dritten Morgenstunde nach dem Friedrich- Karl- Platz am Bahnhof Westend. Zwei Fußgänger hielten den Täter bis zur Ankunft der Löschzüge fest. Er entpuppte sich als ein Jockei Johann Schuldt aus der Gardebu- Korpsstraße 5 in Charlottenburg. Ferner wurde die Wehr noch böswilliger Beise nach der Dandelmannstraße 43 in Charlottenburg, Tiemannstraße( Feuermelder) und um 5 Uhr morgens nach der Neuenburger Straße 7 alarmiert, ohne daß es gelang, die Täter zu ermitteln. Gegen solche Strolche, die den ohnehin schweren Dienst der Feuerwehrleute durch ihre verbrecherische Handlungsmeile noch mehr erschweren, fann gar nicht hart genug eingeschritten werden. Es ist nur zu wünschen, daß es gelingen möge, jeden, der mit der Feuerwehr sein Spiel treibt, zur Verantwortung zu ziehen. Jubiläum der Arbeit. Vier Schriftfeher der Vorwärts- Buchdruckerei, die Genoffen Mag Blantenburg, Karl Ruste, Karl Behmöller und Albert Wachs begingen in leter Zeit das 50jährige Buchdruckerjubiläum. Sie befinden sich alle vier noch in törperlicher Rüftigkeit und geistiger Frische und wünschen wir, daß fie uns noch lange als treue Mitarbeiter erhalten bleiben. Zu ihren Ehren findet am 2. Osterfeiertag, 10 Uhr vormittags, in der Schultheiß- Brauerei, Schönhauser Allee 36/39, ein Herrenfommers statt. Beim Spielen erfrunten. Aus dem Urbanhafen wurde die Leiche bes 6jährigen Schülers Helmut Müller, der bei seinen Eltern Dieffenbachstr. 3 wohnte, gelandet und vorläufig nach dem Krankenhause gebracht. Der Knabe, der seit zwei Tagen vermißt wurde, ist wahrscheinlich beim Spielen am Ufer unbemerkt von anderen ins Waffer gefallen und ertrunken. Die Bureaus und Kaffen der Berliner Städtischen Wasserwerke Att.- Gef. find am Sonnabend, den 19. April, geschlossen. Karfreitagskonzert im Sport- Palast. Die neue Oratorienbühne, die bis zu 1000 Mitwirkende faffen tann, ist fertiggestellt. Sie wird am Karfreitag zum erstenmal benutzt werden. EINE ZIGARETTE VON RANG from o MASSARY ROAL R 5g KON LINON Die neuen Erdbeben. Der Herb des Erdbebens, das am 15. April mittags 1,49 Uhr in Mailand und Bavia verspürt worden ist, wird von der Erdbebenwarte von Badua in Dalmatien vermutet. Am Montag nachmittags 5 Uhr ist von den anderen italienischen Erdbebenwarten eine Erderschütterung verzeichnet worden, deren Herd in einer Entfernung von 9000 Rilometer in östlicher Richtung liegen soll. Die Erdruffchgefahr in der Krim, über die schon wiederholt be. richtet wurde, ift Gegenstand mehrerer Beratungen der Sowjet behörden gewefen. Eine größere Summe für Befestigungsarbeiten an der Küste der Halbinsel ist bewilligt worden. Neuerdings hat ein Erdrutsch in Livadia der Marstall beim ehemals faiserlichen Luftschluß in die Gefahr des Einsturzes gebracht. Ein weiterer Erdrutsch bei Simets hat die Straße nach Jalta teilweise verschüttet. Bei Tschuturlar ist die Chauffee durch einen breiten Erdriß gespalten und unbefahrbar gemacht. Ein neues Eisenbahnunglück bei Paris. Auf der Pariser Borortstation St. Savion stieß der Biarrig Expreß mit einem Güterzuge zufammen. Der Zugführer des Expreßzuges wurde getötet, amei Baffagiere und eine Anzahl Eisenbahnbeamte mehr oder minder schwer verletzt. Feuer in einem Kohlenschacht. Aus Mährisch- Ostrau wird be richtet, daß in dem sogenannten Gabrielenschacht Feuer ausgebrochen ist, das sich weiter ausbreitet. Der Feuerherd wurde durch starte 3ementmauern begrenzt. Die Zeitdauer des unterirdischen Brandes wird, da sich ungeheure Kohlenmengen in dem Schachte befinden, auf mindestens zehn Jahre geschäßt. Der Schaden ist außerordentlich groß und wird sowohl über der Erde als auch in der Grube auf je 20 Millionen tschechische Kronen geschäßt. Bergmannstod. Durch einen zu früh losgehenden Sprengschuß wurde einem Bergmann aus Lüderode im Schacht zu Bischofs rode bei Leinefelde der Kopf buchstäblich Dom Rumpfe geriffen. Einen geradezu tollen Vorgang meldet die Eca- Rorrespondenz aus Amsterdam. Danach hat die Polizei in der Gemeinde Baaren einen 55jährigen Landstreicher, der dort am 25. März um Unterkunft für die Nacht bat, aufgenommen aber ver. gessen und so verhungern laffen! Die Nachricht flingt so unglaublich, daß fie nur mit Borbehalt wiedergegeben werden kann. Die Pest in Kaufafien. Die Sowjet Gesundheits. tommiffion hat 250 000 Goldrubel und die Mobilisierung aller Aerzte in Rußland verlangt zur Bekämpfung der Beft, die ganz Rautaften bedroht und in den Wolgagegenden start um sich greift. Groß- Berliner Parteinachrichten. 17. Kreis. Sämtliche Debner and Funktionäre bente abenb 64 Uhr Stralan- Rummelsburg. Fahrkartenfchalter. Ereffpunkt nach Rarlshorit. Heute, Donnerstag, den 17. April: 8. 6. 7 Uhr bei Rüdert, Steinmegftr. 86a, Borstandsizing mit bez Wahltommiffion. 74. Abt. Zehlendorf. Deffentliche Wählerversammlung abenbs 7 Uhr im Gesellschaftshaus Geride, Rarlstraße. Referent Genoffe Ernst Reuter, Morgen, Freitag, den 18. April: Werbeausschuh ber Boft- und Telegraphenbeamten. Bormittags 10 Uhr Bersammlung in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Tagesordnung: Wichtige Informationen und Ausgabe von Material zur Reichstagswahl. 31. Abt. Rurge Besprechung der Selferinnen der Arbeiterwohlfahrts. und Rinderschußtommiffion vorm. 10 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. 46. Abt. Bormittags 9 Uhr wichtige Zusammenkunft Cuvenstr. 45. 101. bt. Treptow. Im Restaurant Reu- Tivoli( früher Müze gemütliches Beifammensein mit Raffeetochen, Borträgen usw. Alle Genoffen mit ihren Familien find eingeladen. 128. bis 130. bt. Bantow. Da ber Rest der Wählerlisten noch abzuschreiben ist, treffen fich bie schreibgewandten Genoffen frith 8 Uhr im Rathaus Rieber fchönhausen( Bahlami), Raifer- Wilhelm-, Ede Blücherstraße. Federhalter mitbringen. 131. Abt. Rieberschönhausen. Die Genoffen und Genoffinnen treffen fich frith 8 Uhr zum Wählerlistenabschreiben im Rathaus Rieberschönhaufen, 8. 25, Ablösung nachmittags u Uhr. Sungsozialisten. Gruppe Norben: Die Beranstaltung fällt aus. * 13. Rreis. Dienstag, den 22. April, 6½ Uhr, Seiterer Frauenabend" im Wilhelogarten, Tempelhof, Berliner Straße. Aufführungen der Jugend. Eintritt 20 Pf. Jugendveranstaltungen. Achtung, Mitglieder! Zur Broletarischen Feierstunde am Sonntag, den 27. b. M., Find Rarten zum ermäßigten Preise im Jugendsekretariat zu haben. Der Warenvertrieb ist heute bis 7 Uhr geöffnet und am Ostersonnabend gefchloffen. Heute, Donnerstag, den 17. April, abends 71% Uhr: Gesundbrunnen I: Schule Gothenburger Str. 2, Vortrag: Sport und Rörperpflege". Reutöllu 1: Jugendheim Münchener Str. 52, Bortrag: Barum find in unserer Jugend Burschen und Mädchen?" Reutöllu II, V: Sugenbheim Schierkeftr. 44, Bortvag: Einführung in die verschiebenen Religionen". Norden: Schule Butbufer Str. 3, Bortrag: Sozialistische Erziehung". * Werbebezirk Teltowlanal: Die Teilnehmer am Jugendtag in Granfee treffen fich am Donnerstag um 5% Uhr, am Freitag um 2 Uhr, am Sonnabend um 6 Uhr und am Sonntag um 5 Uhr am Haupteingang des Stettiner Bahnhofs. Wir bitten pünktlich zu erscheinen. Beiträge für den Wahlfonds werden noch immer notwendig gebraucht und mit herzlichem Dant entgegengenommen. Die politischen Meuchelmörder laffen ihre Kaffen aus großtapitalistischen und agrarischen Quellen reichlich speisen. Und die Kommunisten werden von der Mostauer Zentrale aus ebenso reichlich mit Geldmitteln versehen. Unsere Kaffe muß daher auch gestärkt werden Jahle deshalb jeder, der es tann, schnell und reichlich auf Bostichedfonto 48 743, an Alex Pagels, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Arbeitersport. Arbeiter Radfahrer- Buns Solidarität, Drisgruppe Berlin. Souten für Abteilungsfizung. 20. April: 6 Uhr früh Wandligfee; 2 Uhr Schönwalde. Rarfreitag und Offern. 1. Abt.: 18. April: 8 Uhr frith Serrentour; abends 21. April: 6 Uhr früh Rilbersdorf; 1 Uhr Sirschgarten. Starts Bülowite. 55. 2. Abt.: Bierbagetour nach Dresden. Start Rarfreitag frith 4½ Uhr Anhalter Bahnhof. 20. und 21, April: Früh 6 Uhr Zweitagetour nach Ludenwalde, Soher Golm. Start Friesenstr. 13. 3. bt.: Rarfreitag Streifzüge über Müggelheim. Endaier Ablershof. Start 8 Uhr früh. Stachmittags Adlershof( siege). Start 1 Uhr. 20. und 21. April: 6 Uhr frith 8meitagetour nach Budow, Märkische Schweiz. Radymittagstour( 1 Uhr) Fintenkrug. 21. April: 1 Uhr Rabebrile. Starts Laufiger Blas. 4. bt.: 18. April: 10 Uhr Herrentour; 11 Uhr Damentour. 21. April: Abends 7 Uhr Bannerweihe, Boghagener Str. 111. Start Weberwiese. 5. Abt.: 18. April: 7 Uhr frith Herrentour Friedrichsthal- Ovanienburg. 20. April: 12 Uhr Radebrid. 21. April: 8 Uhr früh Rüdersdorfer Berge; 1 Uhr nachmittags Sirichgarten- Wilhelmshof. Starts Braunsberger Blag. 6. St.: 18. April: Serventour nach Ablershof. 20. April: 7 Uhr früh Spiz mühle; 1 Uhr nachmittags Alt- Bandsberg, Schützenhaus. 20. April: 8 und 1 Uhr Bergfelde. Starts Ropenhagener Str. 26. 7. bt.: 18. April: 8 Uhr frith Herrentour: 9 Uhr felth Damentour. 19. April: Abends 6 und 9 Uhr our nach Dolgow. Start Brunnenplag. 8. bt.: 18. April: 1 Uhr nach mittags Streifzüge durch den Grunewald Start Waldftr. 8. 18. April: Bormittags 10 und nachmittags 5 Uhr; 20. April: 4 Uhr feilh Tour nach Templin. 20. April: 1 Uhr Krampnisfee. Starts Balbite. 8. 9. Abt.: 18. April: 1 Uhr nadymittags burch den Grunewald. 20. April: 7 Uhr früh Rüdersdorfer Ralf berge: 1 Uhr nachmittags Hirschgarten. 21. April: 1 Uhr nachmittags Birken werber. 11. Abt.: 19. April: 2 Uhr nachmittags Eberswalde. 20. April: Frith 8 Uhr ebenfalls Eberswalbe. 21, April: 2 Uhr nachmittags Berlin- Grabow. Starts Ungarn, Ede Edinburger Straße. 12. Abt.: 18. April: Abends 7 Uhr wichtige Gigung, Andreasstr. 37. Jugendabteilung: 18. April: 12 Uhr Tour nadh Sumt. Start Bahnhof Schönhauser Allee. 20. April: Fretenmalbe. Start 6 Uhr frith Landsberger Allee, Ede Betersburger Straße. Abt. Reutöln: 18. April: Segermühle- Strausberg. Start 9 Uhr früh Serkbergpick. 20. April: 8 Uhr frith Brenden. 21. April: 12 Uhr Wannsee- Behlendorf. Starts Serk bergplay. Abt. Lichtenberg: 18. April: 7 Uhr felih Serventoure. 20. April: 7 Uhr früh Tiefensee. 21. April: 12 ufe Ridersdorf. Abt. Charlottenburg: 18. April: 1 Uhr nachmittags am Start. 20. April: 1 Uhr nachmittags Rund tour Tegel- Spanbau. 21. April: 1 Uhr nachmittags Rehlendorf, Karlstr. 12. Starts Uhr nachmittags Galvaniste. 13. Abt. Bantow: 18. April: 1 hr rachmittags Bichelswerber( Freund). 20. April: 8 Uhr früh Botsdam. 21. April: 1 Uhr nachmittags Gozinfec. bt. Reinidendorf: 18. April: 8 Uhr früh Sercentour: 1 Uhr nachmittags Damentour. 20. April: 7 Uhr früh Woltersbort: 1 Uhr nachmittags Raulsdorf. 21. April: 1 Uhr nachmittags Bittenwerder. Achtung, Bundesgenossen! Infolge der schlechten Bitterung fallen die Touren am 27. April aus und werben am 11. Mai gefahren. Der Sportklub ,, Siegfried 09"( M. d. AABD., 4. Kreis) veranstaltet am 2. Ofterfeiertag im großen Gaal bes Moabiter Gesellschaftshaufes eine Sport Dorftellung, bestehend aus Bogen, Seben, Artiftit usw. Nachdem Ball. Beginn 5 Uhr. Sportabteilung ber Freien Turnerschaft Schöneberg. Ab 15. April Training Mittwochs, Freitags von 47 Uhr und Sonntags von 10 Uhr ab auf bem Dominicus- Sportplat, Gadyenbamm, für Männer und Jugendliche. Sport. Terinnen Mittwochs und Sonntags vormittag. Gäfte fowie Bundesvereine herzlich willkommen. R. B. Collegia". Fahrtenanfeßung file Offern am Donnerstag, ben 17. April. bei Thunad, Charlottenburg, Bielandfte. 4. Der Artistenverein Einigkeit" Reukölln, gegr. 1888( 2. b. AAB.), veran ftaltet am 30. April( 1. Diterfeiertag) im großen Feitiaal ber Reuen Welt, Safenbeibe 108-114, eine Sport- und Varietévorstellung mit anschließendem Ball. Karten au Borzugspreisen bei allen Mitgliedern und im Bereinslokal von R. Hein, Neukölln, Richardstr. 85, au baben. Sport. selatobn Rennen zu Strausberg am Mittwoch, den 16. April: 1. Rennen 1. Dro( Hartmannsbenn), 2. Landrichter( Regal), 8. Turfball( Schimma). Toto: 63:10. Blat$ 9, 27:10. Ferner lief: Tor bu Duinto. 2. Nennett. 1. Schnudi II( b. Fallenbahn), 2. Wetterscheide ( v. Herder), 3. Ravenna( v. Bachmahr). Toto: 80:10. Plat 16, 12:10. Ferner lief: Halili. 3. Rennen. 1. Glashäger( D. Müller), 2. Höhenrauch( Kaiser), 3. Rosenfeld( Ebert). Toto: 39:10. Plat: 21, 51, 19:10. Ferner liefen: Brimavora, Niederwald, Sheitan, Treue Bacht, Christinos. 4. Rennen. 1. Brise( N. Edler), 2. Parja( Stys). Toto: 11:10. 2 liefent. 6. Bet( be), bobo( 8. 10:55, 47: Porter 3. Herbststurm( Duade). Toto: 110: liefen: Rojebant, Hüteger, Balfire. 10. Ferner 6. Rennen. 1. Elfchen( Bismart), 2. Saftig( Dertel), 8. Burgritter ( Rutulies). Toto: 22: 10. Plag: 11, 10: 10. Ferner lief: Binia. 7. Rennen. 1. Fata Morgana II( D. Schmidt), 2. Diamant ( B. Ludwig), 3. Sham Dich( Quade). Toto: 13:10. Blat 10, 10: 10. Ferner lief: Erbschleicher. Max Stummel Bist du Raucher? Rauch Asory! spricht: ABEIER A Verbandstag der Textilarbeiter. Kaffel, den 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwochvormittag wurde in der hiesigen Stadthalle dic 15. Generalversammlung des Deutschen Textilarbeiterverbandes durch den Verbandsvorsitzenden Hübsch eröffnet. Der Kongreß tst von zahlreichen in. und ausländischen Gästen besucht. Oberbürgermeister Genoffe Scheidemann begrüßte die Bertreter der Tertilarbeiterschaft und sprach die Hoffnung aus, daß der Verbandstag mit dazu beitragen werde, die unbedingt notwendige Einheit der Arbeiterbewegung herbeizuführen. Bon ausländischen Gästen sprachen Rascher Tschechoslowakei, Gefell. Mülhausen im Elsaß und Fischer- Wien. Für den ADGB. begrüßte Genosse Müller den Kongreß. D Bei der Feststellung der Geschäftsordnung versuchten die wenigen fommunistischen Delegierten eine erregte Debatte zu entfesseln. Der Bersuch wurde jedoch von der großen Mehrheit des Berbandstages vereitelt. Mit der gleichen Mehrheit wurde die Geschäftsordnung angenommen, das Bureau und die Mandatsprüfungskommission gewählt. Den Geschäftsbericht des Verbandsvorstandes erstattete Ja e de 1. Er brandmarkte zunächst, daß die kommunistischen Delegierten von Mostau angewiesen sind, den Verhandlungen alle nur möglichen Schwierigteiten zu bereiten. Eine zu diesem Zweck erlassene fommunistische Instruktionsvorschrift sei im Bebesonderen Zwed, die kommunistischen Verbandssprenger zur Bersiz des Verbandsvorstandes. Die Generalversammlung habe den nunft zu bringen; es müffe von ihnen verlangt werden, daß sie sich den Beschlüssen der Mehrheit fügen und nicht auf Befehl Mostaus gegen den Berband intrigieren. Es handle sich um die Herftellung der Geschlossenheit des Verbandes, um auf gewerkschaftlicher Grundlage für die Arbeiterschaft kämpfen zu können. Jaedel ging dann auf die fommunistischen Vorwürfe gegen die Gewerkschaften ein und zeigte, daß die gewaltige Konzentration des Rapitals in Berbindung mit der Wirtschaftskrise es den Gewertfchaften unmöglich gemacht habe, mehr zu leisten, als es geschah. Es fehle die intellektuelle Borbereitung der Arbeiterschaft, um die Umstellung der Wirtschaft mit Erfolg betreiben zu können. Diefer geistigen Borbereitung müsse die Arbeit des Verbandes gelten. mit dem Generalftreit allein fei nichts erreicht. Alle kommunistischen Aufstände hätten nur von Niederlage zu Niederlage geführt und die Arbeiterbewegung außerordentlich geschwächt. Der Redner ftreifte dann in Verbindung mit dem Reparationsproblem das Ruhrabenteuer und verteidigte die in diesen Fragen betriebene Politik der Gewerkschaften. Weiter wandte er sich gegen den Versuch der Kommunisten, den Textilarbeiterverband der Internationalen Arbeiterhilfe dienstbar zu machen; diese sei eine rein tommunistische Agitationszen. trale. Den fommunistischen Zersplitterern müsse der Verbandstag zurufen: Bis hierher und nicht weiter!" Es sei falsch, wenn man die Aufhebung des Achtstundentages allein dem Ermächtigungsgesetz zuschreibe. Wenn die Arbeiterschaft sich zu ihrer Kraft zurüdgefunden habe, werde sie sich auch den Achtstundentag wiederholen. Dazu sei aber die Bildung einer mirtlichen Einheitsfront der fämpfenden Arbeiterschaft die unerläßliche Borbedingung. ( Lebh. Beif.) In der Nachmittagssigung erstattete 8ehms den Raffenbericht. Darauf berichtete Feinhals über Tarif- und Lohnbewegungen. Der Textilarbeiterverband habe das Kämpfen feineswegs verlernt. Zwar sei man nicht auf die ,, revolutionäre" Praris der Kommunisten verfallen, sondern habe die Kämpfe auf gemertschaftlicher Grundlage erfolgreich durch. geführt. Wenn es auch in der Inflationszeit nicht möglich gewesen fei, die Löhne restlos der Geldentwertung anzupassen, so seien doch immerhin beachtliche Fortschritte erzielt worden. Mitte 1923 habe die kommunistische Wühlarbeit im Verband eingefeßt, und von diesem Zeitpunkt an fei die Durchführung der Rämpfe ganz erheblich er. Schwert worden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Berbaub Bollsgesundheit, Ortsverein Berlin. Vortrag: Goethes Faust und unsere Rultur. Referent Genoffe S. Sauptmann. Vorträge finden Donnerstags in der Schule Niederwallstr. 7 statt. Anfang 7% Uhr. Diskussion. Der gesunde Bohnenkaffee- ErsatzFur Magen und Nierenkranke Motasan Koch& Leeland an der Spitze der Leistungsfähigkeit: Sportanzugstoe Homespun, reine Wolle"..... Mir. 6.50 Damen- Kostümstoffe Donegal. 450. ,, reine Wolle" 1.40 breit...... Mir. Sertraudtenstr. 20/21 Segn 1893 Meine Herren! Gestatten Sie auch mir einige Worte. Trotzdem wir allen Grund haben, unserem verehrten Vorsitzenden Herrn Paffke blind zu vertrauen, so möchte ich doch bei der Wichtigkeit der Sache weitere Unterlagen haben. Ich stelle daher den Antrag, vor der Diskussion die Kommission zu hören, die wir zur Prüfung der Güte der TELEPATH eingesetzt haben... ( Fortsetzung folgo Donnerstag und Sonnabend verkaufen wir zu Aufsehen erregenden billigen Preisen Gelegenheits- Kaufhaus 58a Moritzplatz 58 a 200 Merren- Anzüge Mark 25.200 Herren- Anzüge Mark 35.100 Herren- Anzüge Mark 45.Herren- und Damen- Ulster Pelzwaren:: Gummimäntel Wäsche Teppiche Gardinen HERMANN Tietz BILLIGE Lebensmittel Rotwurst nach Thur. Art grob Pfand and 70P. Auszugmehl alle 18PL Landleberwurst Pid.75P. Flammerigriess Prd. 22PL Bauernmettw. and 110 Eiernudeln...... and 42P. Pfund 130 Sultaninen..... Pfund 85Pt. Jagdworst ff. Leberwurst.. Pfand 130 Bosn. Pilaumen Pt. 32Pt. Mettwurst Brand 130 Kalif. Backobst Prd. 68Pt. n. Braunschw. Art ..Ptund Knoblauchwurst Pf. 140 Teewurst Pfand 150 Kalif. Birnen..Pland 140 59 Verkauf sowelt Vorrat Frisches Fleisch TOPI. Schweineliesen Schweinebauch ohne Beilage, Pfund 85Pt. Schweineblatt,-rücken Pd. 95Pf. Hammelvorderfleisch and 65Pt. Kalif. Ringäpfel Pid. 120 Hammelrücken Hammelkeulen Kalbshachsen Kalbskamm laSuppenhühner Gefr. Kaninchen Pfund 80 Pland 36 P lette Kieler Sprotten Schlei- Bücklinge Pfand 45 Pt. 2- Pid.- und Pfund 45 Pt. Kalbsrücken. Gehacktes .......... Pfund 75Pf. 100 Pfund Ptund 60Pt. Pfund 75Pt. Pfand 80PL Pfand 60Pts gefroren, Ochsensuppenf.eisch Porn, Prd. 50Pt. Ochsenschmorfleischman: 60Pf. extra st. 1- Pfd.- D. 145 stark.. Frucht, 57 PL Camembert Schachtel 16Pt. Brechspargel 1- P- D. Quadratkäse..Pfand 36Pt. Brechspargel 1- PL- D. 135 Romatourkäse Stack 45Pt. Pilaument Briekäse Pfund 58P. Pilaumen Fund- Dose 65PL Edamer Käse. Pfund 70Pt. Birnen- Pund- Dose 80PL Steinbuscher Käse Pd. 140 Apfelmus..2- Pfund- Dose 15 Rinderfett Plund 55Pt. Mirabellen 2- Pfand- Dose 16 Kokosfett 1- Pfand- Paket 65P. Sauerkirschen. Stein 140 * 0* 600 fett mager Port.Oelsardinen Dänischer Speck Dose 42,52,73 PL. Pfund 88 Pt. Rindsquiasch Frisch gebr. Kaffee Pflaumen/ Apfel Kirsch/ Apfel Johannisb. 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Sie ver wandeln Deutschland in ein politisches Narrenhaus in einem Augenblic, in dem nur fühle, von wahrer Staatsgefinnung getragene politische Ueberlegung und ein geschlossener, einheitlicher, auf politischer Einsicht beruhender Bille der Nation Wege zur Erhaltung der Einheit und der staatlichen Zukunft Deutschlands bahnen kann. Aber was wären Ludendorff und Hitler, wenn nicht andere mächtige Kräfte hinter ihnen stünden! Was wäre die sogenannte völkische Bewegung in Deutschland, wenn sie nicht getragen und gestützt würde von der deutschen Schwerindustrie? Mit schwerindustriellem Gelde find in Bayern die linksstehenden Presseorgane aufgekauft und in Organe verwandelt worden, die gegen die Republik und die Demokratie, gegen eine vernünftige deutsche Außenpolitik hezen. Mit schwerindustriellem Gelde sind die völkischen Organisationen großgezogen und ausgerüstet worden. Die Schwerindustrie hat den Wahlkampf der Bölkischen in Bayern bezahlt, sie bezahlt den Wahlkampf gegen die Republik im Reiche. Sie arbeitet auf den Erfolg der Rechtsparteien hin, um die politische Sicherung Deutschlands in antidemokratischem Geifte abzuändern. Die Schwerindustrie ist der große und ge fährliche Feind der deutschen Demokratie. Sie hat die ungeschriebene Verfassung Deutschlands verändert. Sie hat im sozialen Leben Deutschlands den Geist der brutalen Obrigkeitsherrschaft den Massen gegenüber wieder lebendig gemacht. Sie hat sich dem Einfluß des Staates auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik entzogen. Sie hat erreicht, daß der sozialpolitische Schutz der Arbeiter gegen den brutalen Unterdrückungsgeist an entscheidenden Punkten durchbrochen worden ist. Sie hat es verstanden, der bürgerlichen Mehrheit des Reichstags ihren Willen aufzuzwingen, indem sie auf ihre wirtschaftliche Machtstellung podhte. Sie hat burch ihre gegen den Willen und den Sinn der Gesetzgebung verstoßende Haltung allen Steuerverpflichtungen gegenüber die außenpolitische Stellung Deutschlands beeinflußt. Eine Demokratie, die es nicht versteht, vom Staate her das Wirten dieser Mächte zu begrenzen und einzugliedern in eine wahrhaft demokratische Verfassung, vergißt ihre Berpflichtungen gegenüber ihren politischen Grundsägen. Die Betonung der Idee des demokratischen Staates erfordert dar um den Kampf gegen das politische Wirken der deutschen Schwerindustrie. Der Kampf gegen die Ludendorff und Genossen ist die Abmehr unmittelbarer putschistischer Bedrohung der Verfassung. Der Kampf gegen die Schwerindustrie aber gilt die Sicherung ihrer Grundlagen, gilt der Abwehr der dauernden Bedrohung der demokratischen Berfaffung und des demokratischen Geistes. # Die demokratische Verfassung ist in Gefahr! Die Macht der Schwerindustrie bedroht ihre Grund Tagen. Ein Bolfsurteil für die demokratische Republit, für die Bereinigte Sozialdemokratie muß fie schützen! Völkische Größen. Aus dem Wahlkampf in der Ordnungszelle". Ort der Handlung: eine überfüllte fosialdemokratische Wählerverfammlung in einem oberbayerischen Gebirgsort. Handelnde Berfonen: der sozialdemokratische Randidat, der völkische Ranbibat, ein preußischer Hauptmann a. D. Der sozialdemokratische Kandidat tommt zum Schlusse seiner Ausführungen; es crideint von einem preußischen Hauptmann a. D. estortiert der voltische Kandidat. Sein Name ist Aßner; in der bayerischen Revolutionsära war er treuer Begleitsmann und Chauffeur von Kurt Eisner. Er nimmt als Diskussionsredner das Wort. Als wir noch einen Kaiser hatten! Bier kleine harmlose Geschichten für jung und alt. „ Er" reifte wieder mal durch Sein Land und gnädig, mie immer, beehrte er auch einen biederen Landjunter mit seinem Besuche. Der Hof marschall setzte den also Geehrten rechtzeitig vorher von der Allerhöchsten Heimsuchung in Kenntnis und bat, einen würdigen Empfang zu bereiten. Was auch mit Hilfe von zwei neuen Hypotheken und wochen langem Schweißvergießen sämtlicher Kofsäten des Gutes geschah. Der große Tag fam heran und alles war herrlich zugerichtet. Das liebe Borstenvieh war mit Rosenöl beträufelt worden und der Ruhstall schimmerte in einer Bracht, wie der große Spiegelsaal in allerhöchstseinem Schlosse in Berlin. " Er" fam, bezauberte alles mit feiner Liebenswürdigkeit und nahm nach einer Biertelstunde gnädigen Abschied mit den huld. reichen Worten:„ Und was mich am meisten gefreut hat, mein lieber N., ist, daß Sie so gar teine Umstände gemacht haben!" Göttliche Rangordnung. In einer Instruktionsstunde belehrte ein Feldwaibel seine Re fruten über die Geheimnisse der Ehrenbezeugung gegen ihre Bor gesetzten. Erst kommt die Garde, dann die Linie und schließlich ist auch noch die Marine da, die haben zwar Kragen wie's 3ivil und Hosen wie's Zivil, aber ich kann Euch nicht helfen, grüßen müßt Thr sie doch"! Der deutsche Idealismus. In Ostelbien war der Dorfschulmeister meistens darauf ange. wiesen, bei den reichen Bauern und dem Gutsherrn feines Dorfes reihum zu essen, was einen integrierenden Teil feines fürstlichen Gehaltes ausmachte. Die Kost war in guter Absicht nicht zu üppig gehalten, um den angehenden Volksbildhauer vor Böllerei und dar aus resultierendem llebermute zu behüten. Und so tam es denn vor, daß einmal von dem leckeren Mahle etwas übrig blieb. Das Mädchen meldete das der Frau Gutsbesizer: " Gnä' Fru, de Schoolmeefter het noch wat Ceten übrig laten pat fall it dormit daun?" „ Sie, Herr Saenger, des müssen' s felber zugeb'n, daß der Noste sich in Hannover a Hotel' fauft hat". „ Herr Aßner, sind Sie, bitte, so freundlich und sagen Sie mir, woher Sie das wissen." ,, Dös fann i Eana glei' beweisen."( Der preußische Hauptmann nicht zustimmend und siegesgewiß. Herr Aßner zieht ein großes Notizbuch heraus.) frat? „ Aljo jest gebt's Obacht; dös hat mir der Huber in der Seidlstraße erzählt; frag'ns Eam nur, der weiß es gewiß und meine Leut dohoam wissen' s auch. Und der Auer hat dem König Ludwig vor seiner Flucht noch Zigarr'n g'schenft; is der a no a SozialdemoUnd jetzt will i Eana sagen, worum i nimmer Sozialdemokrat bin, sondern deutschvöllisch: weil der Eisner lang net radikal g'nug g'wefen is. Alleweit hab' ich' s eam g'jagt, menn net radifal g'nug g'wefen is. Alleweis hab' ich' s eam g'sagt, wenn i ihn zum Landtag hingefahren hab: Eisner, bu mußt ganz anders zupaden und aufräumen, du bist viel zu schwach und lang net radikal g'nug.... 5 Das völkische Maul. Wie die Kandidatenausleje der Bölkischen erfolgt. Sobann folgten noch einige theoretische voltswirtschaftliche Ausführungen des Herrn deutschvolfischen Kandidaten sowie fein Brogrammfaß, daß er einem jeben, der über Ludendorff etwas sage, in die„ Letschn"(= Maul) eine reinhaun werde. Am nächsten Morgen brachte der preußische Herr Hauptmann a. D. den Eisner- Chauffeur a. D. wieder höchstpersönlich zur Bahn. Völkischer Haßgesang. Und wer hat ihn gezüchtet? Donnerstag, 17. April 1924 „ Das völtische Gewissen Deutschlands verlangt als Antwort eine systematische Erziehung aller Schichten des Belkes zum a B. Fort mit dem Irrsinn der Völkerversöhnung. Wir wollen eine Bolksverföhnung, um uns hort zu machen ing einmütigen 5a 5. Wir wollen nicht den Bölkerbund, wir brauchen einen Boltsbund des Hasses. Haß an der Mutterbrust, aß in der Schule, haß in der Kirche, Haß in der Kaserne, a B im Herzen, Haß in der Faust ein einziger großer tiefer Haß von 75 Millionen Deutschen Für dies deutschvölkische Revanchegeschwäß mußte die Bevölkerung des besetzten Gebietes büßen! Es gibt den Vorwand ab für die brutale Unterdrückungspolitik der französischen Chauvinisten. Den Boden für die deutschvölkischen Haßgefänge aber hat die deutschnationale Reichstagsfraktion geschaffen. 21s am 23. Juni Als 1922 der Minister des Aeußern Dr. Rathenau einen fachlichen, von nationaler Würde getragenen, überaus eindrucksvollen Protest gegen das französische Regime im Eaargebiet richtete, antwortete Helffèrich mit jener Hehrebe, der am anderen Tage die Ermordung Rathenaus folgte. Nicht Wahrung nationaler Würde war der Inhalt seiner Rede, er wollte„ Erbitterung und Empörung, haß und Wut" meden. Er war es mit seinen nationalen Freunden, die den Bölkischen ihren Haßgefängen den Boden bereitet haben. Für Deutschlands außenpolitische Stelfung find die helfferich und Genossen nicht minder verderblich als die Bölkischen. Ludendorff und die Juden. Aus:„ Meine Kriegserinnerungen". Von Erich Ludendorff,( E. S. Mittler u. Sohn 1919.) „ Die jüdischen Komitees, die über die meisten Mittel verfügten und sie auch aus Amerika bezogen, haben großzügig und nuhbringend gewirkt. Ihre Tätigkeit erwarb sich Anerkennung und bewies den starken Zusammenhang dieses Boltes. Die erste jüdische Volksküche, die in kowno enfstand, frug meinen Namen. Der Feldrabbiner Rosenad hatte mich darum gebeten."( Seite 154.) „ Die Befenniniffe wurden in ihrer Ausführung durch nichts bejchränkt. Wir gingen in dem Entgegenkommen so weit, daß wir die Ausgabe von Weizenmehl an die Juden zur Mahenerbadung ermöglichten!"( Seife 159.) Ja, wenn man die Juden braucht, findet man den Weg zu ihnen. Nachher tann man desto besser gegen sie hehen. Treudeutschen Gruß und Heil! Höhepunkte der Diskussion. Ein Genoffe, der fürzlich eine Redekampagne durch das Ruhrgebiet unternahm, sendet uns folgende Redeblüten aus tommunistischen Diskussionsreden: Ich freue mich, daß Stinnes tot ist. Ich bedauere nur, baß er eines natürlichen Todes gestorben ist." Wer ins Parlament geht, wird ein schlechter Mensch." ( Zuruf: Na, und die Kommunisten?) Ja, die gehen doch nicht ins Barlament, um dort zu arbeiten!" Der sozialdemokratische Redner ist gemiß ein gebildeter Mann. Aber ich stelle fest, daß er seine ganze Bildung auf Kosten des Proletariats erworben hat." So reden die Kommunisten im Ruhrgebiet. Hier bei uns reden fie natürlich viel gescheiter. Oder etwa nicht? Kandidaturen. Dinter hat das ersehnte Mandat. Frankfurt a. Main, 16. April.( TU.) Die Cinigung aller Dölkischen Gruppen und Parteien in Hessen für die bevorstehenden Reichstagswahlen ist erfolgt. Die Böltischen werden unter der Bezeichnung Böltisch- Sozialer Block" in den Wahlkampf eintreten und haben folgende Liste aufgestellt: 1. 01. Arthur Dinter, 2. Alfred Langula, Regierungsjefretär in Frankfurt am Main, 3. Heinrich Lind, Metzger in Grebenhain in Oberbeffen, 4. Dr. Werner, Gerichtsaffeffor in Darmstadt. Die Biume in Meiningen und an die Liste Ludendorff und Liste ist an die des Völlisch- Sozialen Blott, beginnend mit Reftor Graefe angeschlossen. Die Mitteilung, daß die Deutschnationale Boltspartei mit einem Böltisch- Nationalen Block eine Liste eingereicht habe, ist irreführend, da feine irgendwie geartete völlische Gruppe mit dieser Partei ein derartiges Bündnis abgeschlossen hat. Die völkische Propaganda appelliert nicht an wahres National gefühl, sondern sie spekuliert auf unedle Instinkte und Leidenschaften. Sie ist erfüllt von dem Geiste der sittlichen Verrohung, sie rechnet darauf, daß die Leiden des Krieges und der Inflationszeit die niederen Leidenschaften gestärkt haben. Die ganze geistige Ber: Inflationszeitgifte wahrlosung, die in folder Haltung zum Ausdrud fommt, spricht aus einem Artikel, den die Deutsche Zeitung" am Himmel fahrtstage 1923 veröffentlichte. Dort heißt es gegenüber der Entente: „ Tu etwas Fett baran und gib es der Rage," sagte die gnädige treter des Finanzministeriums ist es gelungen, diesen Entschluß, der Frau Baronin. Das angeftammte herrscherhaus. Der fleine Ernst tommt freudebibbernd nach Hause geftürzt: Mutter, Mutter, dent' mal, unser Fürst hat heute mit uns gesprochen-" „ Go, was hat er denn gesagt?" Als er durch den Barf ging, habe ich mich vor ihn hingestellt und Hurra gerufen und da sagte er:„ Scher dich aus dem Wege, du dummer Junge." Deutsche Chronik.s 1. Wie auf dem letzten Kongresse der Botaniter mitgeteilt wurde, ist es Herrn Profeffor Knadwurst, dem Erfinder des Dörrgemüses und des blauen Heinrich", gelungen, nach jahrelangen Versuchen den Schimmelpilz, wie er ganz besonders in Berliner Kellerwohnun gen vorkommt, zu einem wohlschmeckenden und leichtverdaulichen Nahrungsmittel zu verarbeiten. Es hat sich bereits eine G. m. b. 5. zur gefchäftlichen Ausbeutung dieser epochemachenden Erfindung gebildet. 2. Adolf Hitler hat mit dem weltbekannten Zirkus Barnum einen Vertrag abgefchloffen, der ihn zu einer Bortragstournee durch Nordamerita verpflichtet. Er wird allabendlich den völkischen Gedanken in der Welt seinen Zuhörern vorschießen. Ein besonderes Interesse gewinnt diese Reise durch die Herausforderung des be fanuten amerikanischen Meisterschaftsdirigenten Cloodynofe", der bislang als unerreichbarer Operndirigent mit dem Revolver als Takistod galt Er hat nun hiiler zu einem Beltdirigieren für den neuensten Schlager Wo hast Du denn die weidje Birne her?" aufgefordert. SP Man sieht in Amerika diesem sensationellen Match mit begreiflicher Spannung entgegen und hat schon große Summen als Wetten eingezahlt. Hoffen wir, daß unser Nationalheld auch hier siegreich bleiben wird. Heil! ein nationales Unglück bedeutet hätte, rückgängig zu machen. Die Auszahlung wird in Zukunft in Devisen erfolgen. 4. Ein Familienrat des hochfürstlichen Hauses von und zu Greifenklau auf Nimmersatt sprach seinen feierlichen Fluch und emige Berstoßung aus gegen das jüngste Mitglied feines eriauchten Stammes, den 22jährigen Prinzen Ottofar, der sich nicht geschämt hatte, einen einfachen bürgerlichen Beruf zu ergreifen und seinen arabligen Namen duri, Arbeit zu schänden. 5. Die Serta des Kaiser- Wilhelm- Gymnasiums in Pyriz a. d. Knatter hat Ludendorff einstimmig ihr volles Bertrauen als erwählten Führer des deutschen Bolles ausgesprochen und ihn zum Chrenpennäler ernannt. Wahrheit. An den Litjayjäulen Hebt ein Plakat, auf dem steht: haltet die Währung! Wählt deutsche Boltsparteit" Oten lints in der Ecke des Plakats ist ein Rentenmartschein abgemalt. Dieses schöne Platat wird von vielen als ein Rätsel angesehen, um deffen Lösung sie sich ringend bemühen. Da bleiben zum Beispiel zwei stehen an der Litfoßsäule, und der eine fagt zu feinem Begleiter: „ Kiek mal dat Platail Weeßte, wat dat heeßt?" Nee!" gibt der andere mit erfrischender Ehrlichkeit zurück. „ Na, Mensch, dat is doch klar! Gene Mart friegt der, der den Blödfinn jloobt, der uff'n Plakat steht!" Ein anderer wieder, der im Borübergehen die Worte auf der Säule lieft, erklärt: " Für eene Mart is die janze Bolfspartei zu haben!" Dann kommt einer, der anscheinend klassisch gebildet ist, der lieft und ruft lachend aus: „ Erkläret mir, Graf Derindur..." Aber alle diese Deutungen sind entschieden weit abwegig. Diefes Plakat ist doch natürlich weiter nichts anderes, als die 3. Der Nationalverband deutscher Offiziere hat einmütig bewirtungsvolle Illustration dec Worte, die die Rechtsparteien alle schlossen, in Zukunft auf das Judengold der Republif als auf ihr Panier im Wahlkampf geschrieben haben: Es lebe die Lüge! Benfionszahlung seraichien. Den ehentlichen Bitten der Ber Reri gez Wirtschaft Steuerpreis Verkaufspreis Pachtpreis. Das Land ist leider in unverantwortlich hohem Grade im Besize solcher, die es nicht bearbeiten, sondern es bloß besitzen und an folche verpachten, die es bearbeiten wollen. Wären der Staat oder die Gemeinde die Befizer, dann ginge die Pacht wenigstens in die Kaffe der Gesamtheit und würde auch wieder zum Nutzen der Bächter mitverwendet. Das wäre besonders dann bedeutungs voll, wenn das ganze Land im Staats- oder Gemeindebesig wäre. Diefer Staats- und Gemeindebejiz am Boden fann ohne Revo lution im Gewaltfinne hergestellt werden, wenn die Besteuerung des Bodens nach dem gemeinen Werte erfolgt, nach dem allgemeinen Werte, nach dem Verkaufswerte, nach dem Durchschnittswerte. Denn dann ist der Staat mit einem Schlage zum Ober eigentümer gemacht, an den dem Werte des Bodens gemäß eine Bacht, gleichsam eine Erbpacht, gezahlt werden muß. Es kommt dann nur darauf an, die Höhe der Steuer allmählich so zu steigern, daß der Staat immer mehr Obereigentümer wird. Bor allem aber muß diese Steuer auch eine progressive sein. Wer mehr Land hat oder haben will, muß höhere Steuern zahlen, als mer menig Land unter sich hat. Der sittliche Anspruch auf mehr Land fann nur damit erworben werden, daß der Besizer an die Gesamthelt eine höhere Steuer zu zahlen vermag als der Besitzer eines fleineren Stüdes Land. Bisher ist es bekanntlich zumeist umgefehrt gewesen, der Großgrundbefizer zahlte von derfelben Werteinheit Bodenfläche eine weit geringere Steuer als der fleine Besizer. In Anhalt ist dies Unrecht beseitigt, in Preußen besteht es noch. Die Grundwertsteuer hat auch für den Ba chtpreis eine große Bedeutung, oder fann sie doch für ihn gewinnen. Der übelste Bacht preis ist der, der durch das Meistbietungsverfahren zustande kommt. Das gilt besonders für die kleinen Bächter. Für große Domänen gibt es nicht so viele tonfurriende Bewerber, weil zur Uebernahme einer Domäne ein großes Rapital erforderlich ist, das nur wenige haben. Anders ist es mit dem Pachten kleinerer Aderflächen. Da gibt es zumeist viele landhungrige Bewerber, die sich zu ganz ungewöhnlich hohen Pachten hinaufschrauben. Da follte ein ganz anderes Verpachtungssystem Plaz greifen. Es sollte schließ lich vorgeschrieben werden, daß Band im Maximum von 4 Broz vom Steuermert eines Grundstücks verpachtet werden dürfe. Denn es ist nicht zu rechtfertigen, den, der auf dem Lande als arbeitender Mensch tätig ist, mit mehr als 4 Proz. vom Bodenwert zu belasten. Wohlgemerkt, diese 4 Proz. sollen ein Marimum barstellen. Wenn der arbeitende Landwirt wegen der allgemeinen Produktionsverhältnisse auch diese nicht herauswirtschaften fann, dann ist das betreffende Band nicht so viel wert, dann muß es auch in der Steuer herabgelegt werden. Es wäre aber eine sehr heilsame gefeßliche Ordnung, wenn es hieße, ein Band habe an Pacht im Höchstmaß 4 Proz. von dem Wert zu bringen, der bei der Grund meristeuer angenommen werde. Auch müßte es zu dem Preise an die Gemeinde oder den Staat pertauft werden, falls es über. haupt verkauft werden solle, der bei der Besteuerung angefeht worden ist, denn falls ein höherer Wert angesetzt würde, wäre ja der Beweis erbracht, daß es bei der Besteuerung zu niedrig bewertet worden wäre. Bringt man so Steuerpreis, Bertaufspreis und Berpachtungspreis in organische Verbindung und bestimmt man endlid) nach dem so festgelegten Grundwert eine gesetzlich zu firierende Beleihungsgrenze, bann find geordnete Berhältnisse in der Landwirtschaft zu erwarten. Bertauf, Verpachtung und Beleihung erzeugen alsdann eine Tendenz zu möglichst hoher Bewertung bes Bodens. wohingegen die Besteuerung einer zu hohen Bewertung entgegenwirtt. Der so herausgefundene Bodenwert wird der WahrServus Allabendlich 73 U.: 73 Uhr heit und Tatsächlichkeit am nächsten fommen. Wird dann die Ge| Genossenschaftstreffe ridichistos gegen diese Tretbereien en meinde oder ein in ihr nach gefehlichen Normen zu bildender Aus- schreiten würden. schuß mit der Verpachtung nach dem Grundsatz des Bedürfnisses betraut, dann kommt in die ganze landwirtschaftliche Produktion Ordnung und Gerechtigteit. lichung in der staatlichen Gesetzgebung wirken, dann wird Friede und Möge jeder, der diefe Grundsäge anerkennt, für ihre Berwirt Freiheit in die landwirtschaftliche Produktion einziehen. 5. Peus Deffau. 6 Zentralverband deutscher Konjumvereine. Borstand und Ausschuß des Zentralverbandes deut. icher Konsumvereine hielten am 7. und 8. April in Ham burg eine gemeinschaftliche Sigung ab. Bei dem Bericht über die wirtschaftliche Lage der deutschen Konsumgenossenschaften wurden die Maßnahmen des Vorstandes umeingeschränkt gebilligt. Weiter wurde die Tätigkeit des Reichswirtschaftsrats, die Lohnzahlung in Waren, das Steuerrecht der Genossenschaften, das Nachtbadverbol, Tariffragen, die Tätigkeit des Freien Ausschusses, das Kartellwesen, internationale Angelegenheiten, die Zugehörigkeit zu den Berufs genossenschaften, das konsumgenossenschaftliche Bortragswesen und eine ganze Anzahl regelmäßig wiederkehrender organisatorischer Fragen gründlich behandelt, wobei auch lebereinstimmung der Auffassungen über die bereits getroffenen und zu treffenden Maßregeln festgestellt werden konnte. Der Aufschwung der genossenfchaftlichen Presse wurde mit Genugtuung begrüßt In jeder Hinsicht gebilligt wurde das energische Vorgehen des Vorstandes gegen die fommunistischen Berbrechen an der deutschen Ronfumgenossenschaftsbewegung. Es wurde die Erwartung ausgesprochen, daß auch fünftig nicht nur der Borstand, sondern alle Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Eine gemeinsame Sigung des Borstandes, des Aus.. schusses und des Generalrats des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine wird am 6. und 7. Mai in Hannover abgehalten werden. Zur Beratung werden die zurzeit wichtigsten genossen schaftlichen und geschäftlichen Angelegenheiten stehen. Weitere Steigerung der Großhandelspreije. Die auf den Stichtag des 15. April berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamtes ergibt gegenüber dem Stande vom 8. April( 122,3) eine Steigerung um 1,5 roz. auf 124,1. Bon den Hauptgruppen stiegen in der gleichen Zeit die Lebensmittel von 107,7 auf 109,4 oder um 1,6 Proz., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 89,7 auf 91,1 oder um 1,6 Proz., die Industrie stoffe von 149,7 auf 151,4 oder um 1,1 Proz., davon die Gruppe Kohle und Eisen von 139,1 auf 141,8 oder um 1,9 Proz., ferner die Inlandswaren Don 109,9 auf 112,0 oder um 1,9 Broz., während die Einfuhrwaren bei steigenden Preisen der Textilien und sinkenden Metallpreifen mit 184,4( in der Vorwoche 184,6) nahezu unverändert blieben. Das Micum- Abkommen für die Textilindustrie wurde nach lär geren Berhandlungen und unter erschwerten Bedingungen von den Industrielſen unterzeichnet. Der Stinnes- Konzern fanft Straßenbahnen. Das RheinischWestfälische Elettrizitätswert, das zur Hälfte Kom munal und zur anderen Privatbesig ist, legt immer mehr seine Hand auf alle Straßenbahnen des rheinisch- westfälischen Industriegebietes, um alle Stromgroßabnehmer als Kunden zu erhalten. Der Stin nes Konzern, dem das Wert sehr nahesteht, trägt sich mit dem festen Plan, alle Straßenbahnlinien des Industriebezirks einschließ= Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je lich Dortmund aufzukaufen. Verhandlungen, die darauf hinGerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehi 0/1..... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine.. Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose... Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Barl Zentner frei Haus Berlin. .. 16,00 17,25| Malzkaffee, gepackt 16,00-17,00 Röstgetreide, lose 15,75-16,00 Kakao. fettarm 16,00-16,50 Kakao, leicht entŏlt 12,75 14,00 Tee, Souchon, gepackt 18,00-19,00 Tee, indischer, gepackt 22,00 25,50 Inlandszucker basis met. 14,50-16,-Inlandszucker Raffinade 17,00-21,00 Zucker Würfel 19,00-22,75 Kunsthonig 23,00-25,00 16,50-18,00 34,040,00 auslaufen, zunächst alle Straßenbahnen von Krefeld bis Dortmund unter einen Hut zu bringen, sollen bereits im Gange fein. Innerhalb 100,00-125,00 dieser Zentralisationsbestrebungen befehden sich jedoch der Reckling130,00-153,00 hauser Bezirt, Dortmund und Dortmund- Hörde. Dortmund will 350,00-420,00 alles versuchen, um seine Straßenbahn in eigener Hand zu be425,00-500,00 40,042,50 halten. Das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk hat auch bereits 42,50-44.50 seine Hand nach Hemer und Menden ausgestreckt, doch ist es der 46,00-48.00 Stadtverwaltung Dortmund gelungen, Hemer zu einer Konzeffions 14,00 17,00 Zuckersirup hell in Eim 43,00-49,00 verlängerung zu bewegen. 22,25-24,50 Speisesirup dunk, in Eim. 30,00-35,00 30,00 32,50 Marmelade Einfr. Erdb. 26,00 35,00 Marmelade Vierfrucht 36,50-42,00 Pflaumenmus in Elmern 43.00-49,50 Steinsalz, lose.. 16,0-19,00 Siedesalz. lose 40,00-46,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00-37,50 Bratenschmaiz in Kübeln 20,00-24,00 Purelard in Tierces 15,25-17,59 Purelard in Kisten 17,00-19,50 Speisetalg in Packung 25,00-31,00 Speisetaig in Kübeln 31,00-36,00 Margarine, Handelsm. 1 95,00-100,00 desgi II 108,00-120,00 40,00-48,00 45,00- 48,00 68,00 3,20- 3,80 4.00- 4,60 69,00- 69,50 67,50 68,50-69,00 46,00-50,00 46,00-48,00 56,00 48,00-52,00 60,00-65,00 43,00-48,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00 53,00-60,00 desgl. II. 75,00 80,00 Molkereibutter 1. Fässern 202,00-205,00 70,00-90,00 Molkereibutter in Pack. 208,00-210,00 75,00-100,00 Landbutter 165,00-170,00 77,00-83,00 Auslandbutter in Fässern 2 2,00-205,00 115,00-135,00 Auslandbutter in Packg 208,00-210,00 Mandein, bittere Bari 135,00-150,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 35,00-36.00 Zimt( Cassia) 110,00-120,00 Speck, gesalzen, fett.. Kümmel, holländischer. 140,00-150,00 Quadratkäse Schwarzer Pfeffer Singape103,00-111,00 Quarkкäse Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 62,00-67,00 25,00-40,00 35,00-50,00 120,00-127,50 138,00-148,00 Tilsiter Käse, vollfett 180,00-220,00 Aus!. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika240,00-300,00 milch 48/16. 22,50-25,00 Röstkaffee Brasil. 240,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 18,00-19,00 Röstkaffee Zentralam. 320,00-400,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 28,00-29,00 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milllarden str. 112 Th. Im Admiralspalast Rose- Theater Große Volksoper des Westensy broeders Lait.: Dr. Ladwig Mis im Theater Taulic Kammer- 6per L Dranter and drüber Mörder Maun 7, Uhr: Rigoletto Täglich wechselnder Spielplan! Die Weltsensation: D. Wund. d. Schatten Theater Deutsch.Opernhaus Folies Caprice 72 Uhr: 8 U. Liebes 8 U Die toten Augen Reigen Dwersky, Spering. Derp, Scheidt, Minchow, Jenssen, Heyer, Manchner, Werder Intimes Theater 8: Crêpe Georgette usw. Lustspielhaus L. 7006 Täglich 8 Uhr .. Verzelger dieses zahlen: Orch- Faut. 1, Parkett.... 0,75 2. Parkett.... 0.50 Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Uhr Der scharfe Löwe Trotz d. gr. Erfolges Burlesker Schwank in 3 Akten nur noch b. 17. April von Heinz Ullstein Die Mali mitWilhelm Bendow vom Steinhof Pummels Martha Gin grauer Kopf macht 10 Jahre älter! Graue Saare erhalten die frühere Farbe wieber burch Alcolor". 99 Sn allen Farben n Drog., fonft bei Fl. M. 3,75 u. 5,50 Otto Reichel, Berlin 48 GD, Eisenbahnstraße 4 Hedda Neuhoff Oster- Sonnabend zum 1.Male: PATENTE Berl. Volksstück in 4 Aufzügen Dr. Bogdahn, Geschäfts d. Treuh.- Verein berat. Leo Peukert Terpentin- Schuhputz Metropol- Theater macht wasserdicht Cham. Werke Lebery& Ca A. Bartenberg Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne 73/4 Uhr: Karneval Reichshallen- Theatering. SW 61. Gitschia. Str. 3. der Liebe Täglich 8 Uhr, von Walt. Bromme Sonnt. nachm. 3 Uhr Neues Theat. a. Zoo Stettiner 7 Uhr: LILLY FLOHR in Meine Tochter Otto Sänger Karfreitag: Passionsspiel 1/4: Die heilige Veronika Komponisten im Olymp Theateri.d.Kommandantenstr U. Dönhoff- Brettl Anfang 8 Uhr Das Radiomadel Jeden 1. u. 16. neues Staats- Theater, Uhr: OSTERN Kurt Vespermann Opernhaus Edith Karin 6% Uhr: Figaros Lessing-Th.su. Kleines Th. Hochzeit Opernhaus Allabendl. 8: Programm! Carola Toelle, Erich Kaiser- Titz in Varieté- Spielplan am Königsplatz Kolportage Eine galante Nacht Pauchen gestattet 72 Uhr: Bohème Schauspielhaus Karfreitag geschlos. 7 U.: Nibelungen Deut. Künstler- Th. Trianon- Th. Schiller Theater 7 Uhr: Faust. I. Deutsch. Theater 7½ Uhr: Die Jüdin von Toledo Karfreitag: Konzert Rud. Laubenthal Kammerspiele 7. Uhr: Neueinstudierung Wetterleuchfen Allabendl. 8: KrauseHeute 7 U: Premiere Pianos Eine flor. Tragödie Zapfenstreich Varieté zur Miete Karfreitag geschlos. Residenz- Th. Ansbacher Str. 1, SCALA Täglich 8 Uhr SchaffenGr. Schauspielhaus Wander 7 Uhr: Gasparone Theater i. d. KöniggrätzerStr. 8 U.: So ist es Ist es so? Komödienhaus 8: Zwei um Eine Berliner Theater 7.30 U.: Das Weib im Purpur Theater am Nollendorfplatz AuslandSensationen Karfreitan geschlessan Sommerspielzeit Künstlerisch. Leitg. Emil Lind Tägl. 8 Uhr: Ecke Kurfürstenstraße Quittongs- Marken Hinkemann Salt 40 Jahren Spezialität Tragödie in 3 Akten Conrad Müller, von Ernst Toller. Schkeuditz- Leipzig. Central- Theater-Helcz Wolff Alte Jakobstr. 30/32 Dinhoff 2047 8 Uhr: Diraktion: Carl- Heinz Nähe Spittelmarkt Donhoff 2048 Oukel Nastepsehil Theater a. Kottbus. Tor Musik. Volksstück in 3 Akten von nur Kottbuser Str.6 Heute& Uhr u. Sonntags nachmittags 3 U.: EllicSänger In never Besetzung) Dazu: Gastspiel C. H. Wolff u. Theo Halton Musik von Rudolf Jonass- mit Anton Herrnfeld als Gast Trabrennen Mariendorf 7.30: Die Perlen Alex Stamer Donnerstag, den 17. April der Cleopatra Fritzi Massary der arkom, Sachse 3 Ubr Mas. WIEN BERLIN Jagerstr.63: ANFANG 8 Uhr Das größte Programm! 10 Schlager Scanabend Sonntag Nachmittags Vorstellung Die bekannte warme und kalte Küche. Frauenmodt eine Balbmonatsschrift Setzt mit fämtlichen Schnitten auf einem Bogen im Seft 10 Pfennig mehr. Ohne Schnitte 30 Pfg. 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